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Full text of "Von Gesetz und Moral"

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Von Gesetz und Moral 



Richtlinie zur Erkennung, Aussetzung und 
Ablösung einer funktionell entfremdeten Gesetzesgebung. 

März 2010 

Ein Verbrecher, der sein eigenes Wirken für vertretbar nimmt weil er nicht erwischt wird, ist ebenso ein Verbrecher wie Jener der sich 
zwar an das Gesetz hält, jedoch nicht an die Moral. 

Dies trifft zu, beurteilt man die Sachlage moralisch. 

Beide entgehen ihrer gerechten Strafe nur auf unterschiedliche Art und Weise. 

Da drängt sich einem die Frage auf, wann das Gesetz über der Moral stehen darf und wann es besser ist, diese Prämisse zu ändern. 

Ein Richter kann ohne das Gesetz, nur bewaffnet mit der Moral allein, nicht handeln. Er ist dem Kläger wie dem Angeklagten eine 
Rechenschaft schuldig, die er an etwas festzumachen hat: Wurde doch offenbar die Moral vom Kläger und vom Angeklagten 
unterschiedlich beurteilt (sofern es den Konflikt hervorrief), ist sie als Entscheidungskriterium von Seiten des Richters für ein Urteil ohne 
jedes Maß. Der Richter müßte schon zu einer hypothetischen Kaste der Übermenschen gehören, verlangte er, daß jeder seine Moral 
vorbehaltlos anerkennt. Dies ließe ihn ebenfalls nur zu einem Verbrecher wider die Moral werden. 

Das Gesetz soll also die Aufgabe des unantastbaren, übergeordneten einnehmen, und damit den Richter von dieser Last befreien. Es 
soll jene übergeordnete Instanz verkörpern, wie sie ein Richter und seine Moral alleine weder verkörpern darf, noch kann, da es das 
>Volk und seine Morak verkörpert. Dabei spiegelt es, gewollt oder ungewollt, die moralische Qualität seiner Gesellschaft wieder. 

Die Aufgabe des Unantastbaren nimmt es zum gegenwärtigen Zeitpunkt so gut ein, daß es von kaum einer Gruppe als antastbar 
eingestuft wird. 

Ist jedoch das Konzept des >Gesetz als moralischer Spiegel einer Gesellschaft^ in Gefahr, weil es nicht mehr von der Bevölkerung als 
moralisch vetretbar eingestuft wird, muß das Verhältniß zwischen Gesetz und Moral neu geordnet werden. 

Im Klartext: 

Entfernt sich das Gesetz zu weit von der Moral, so muß diese erneut die Oberhand gewinnen, das Gesetz 
muß abgeschafft und neu aufgaut werden. Nun enger an die Moral gehalten, als das Vorherige. In diesem 
neuen Zustand kann nun wieder das Gesetz über die Moral gestellt werden, und seine gewohnte Aufgabe 
erneut antreten. 

Unter welchen Bedingungen man von einer übergroßen Entfernung beider >Kräfte< sprechen kann, muß die Gesellschaft selber 
herausfinden und entscheiden. Dabei ist es unerheblich, ob jene Gesetze durch ein Parlament auf der Basis einer Demokratie, auf der 
Basis einer Monarchie, oder durch eine Diktatur zustande kamen. 

In letzteren Fällen würde das Volk den Diktator, oder Monarchen stürzen, in der Demokratie hingegen behebt es die >eigenen< Fehler. 
Hier einige Anhaltspunkte die eine Entscheidungshilfe diesbezüglich darstellen können: 

Welche Veränderungen träten für die großen Parteien ein, kämen diese auf den Gedanken, ihr Handeln und ihr Programm (zB. im 
Wahlkampf) mit dem Wort Moral zu schmücken, oder die Begauptung aufzustellen, moralisch zu handeln? 
Gingen jene Parteien das Risiko ein, sich lächerlich zu machen? 

Wie ist es mit der Situation zehn Jahre nach dem Jahrtausendwechsel? 

Wirschaftslobbyisten wirken auf die Gesetzgebung ein. Ein Zustand also, in dem sich besagte Verbrechergruppe ihre eigenen Gesetze 
schafft! 



Wird so getan, als ob es sich bei der Gesetzesgebung um die >Moral an sich< handelt? 

Viele Menschen hören an dieser Stelle weiter zu fragen und zu handeln auf. Tun sie es doch, ist ein Gesetz, sofern verabschiedet, 
>automatisch< moralisch vertretbar? 

Oder die Frage nach der >Moral ansich< bekommt die Antwort durch das >Gesetz als solches<? 

Was einerseits polkortiert, die falsche Frage gestellt zu haben, oder (je nach Geschmack) das Eine mit dem Anderen gleichsetzt. 

Eine, zur Zeit als Allgemeingut geltende Scharade, die den wahren Sachverhalt verschleiert? 
Gerade gut genug, die Menschen jahrelang vom Handeln (wenn auch nicht vom Grübeln) abzuhalten? 

Die Antwort darauf, wann man zuletzt darüber gegrübelt hat, daß Gesetze offen Verbrechern in die Hände spielen, kann man sich leicht 
selber geben. 



SwissBushKnife, März 2010