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Full text of "Anleitung zu der musikalischen Gelahrtheit : theils vor alle Gelehrte, so das Band aller Wissenschaften einsehen : theils vor die Liebhaber der edlen Tonkunst uberhapt : theils und sonderlich vor die, so das Clavier vorzuglich lieben : theils vor die Orgel- und Instrumentmacher. Mit Kupfern und einere Vorrede des -- Herrn Johann Ernst Bachs"

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M. Jacob Adlungs, 
| uͤrſtl. maynziſ. Akademie näglicher Wiffenfchaften allhi 
FE EIH Deitgliede, des evangel. —— Behr * 
wie auch Organiſiens an der evaug. Raths⸗ und Predigerfirche, 
Anleitung 
zu der 


mufifalifhen 


Gtlahrtheit 


| Arheile 
vor alle Gelehrte, 
ſo das Band alter Wiffenfihaften einfehen; 


theils 
vor die Liebhaber der edlen Tonkunſt 
| überhaupt; 
theils und fonderlich 
vor die, ſo das C mie vorzuͤglich lieben: 
theils 


vor die Orgel-und Inſtrumentmacher. 
Mit Bupfern und einer Vorrede 


| des 
Hochedlen und Hohgelahrten Herrn, 


Herrn Johann Ernſt Bachs, 
Sr. hochfuͤrſtl. Durchlaucht zu Sachſen⸗Weimar 
und Eiſenach wuͤrklichen Kapellmeiſters. 
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a rfurt 
druckts und verlegts J. D, Jungnicol, Sen. 1778. 


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Dem 
re und orhoeruhe 
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HERAN 


Erias Sri 


B Dh Kechten berühmten NER St; 
ehurfürftl. Snaden zu Maynz hochbetrauten Cams 
merrath und Zahlmeifter,, ‘der churfürftt. maynzıf. 

a nüßlicher Wiſſenſchaften allhier⸗ 
= ordentlichen: Aſſeſſori; 
Wie auch dem 


Hochedlen, Hochweiſen und Hoch⸗ 


gelahrten Herrn, 


HERAN 


Khrition: 


Eines Hochedlen und Sochweifen Rath 
allhier hochverordneten andern Rathemeitet, des 
hochehrwuͤrdigen Miniſterii Aſſeſſori, Der Regierkir⸗ 
che und Schule Oberinſpeetori, des evangel. Raths⸗ 
nnajti,groffen Hoſpitals, und evang. Waifenhati: 
Inſpeetori, der koͤnigl deutfchen Gefellfhaft in 
Görtingen, und der churfü uplil, maynz. Akademie der 
„nüßlichen. Wiſſenſchafte altster — — —J— 
Mitgliede, wie auch Oberfeuercommiſſario 


2 Und Ri 











Und dem 


Hochedlen, Hochweiſen und Hoch⸗ 
gelahrten Heren, 


HERAN 


Chriſtoph Reichard, 
Eines Hochedlen und Hochweiſen Raths 
allhier hochverordneten dritten Rathsmeiſter, des 
hochehrwuͤrdigen Miniſterii Aſſeſſori, der Regler— 
und Thomaskirchen und Schulen Oberinſpectori, 
des evangeliſchen Rathsgymnaſii Inſpectori, 
wie auch Oberfeuercommiſſario. 


CIISCCICOHIIHIHHI 


Hochgeneigte Gönner ! 
($ dreyfaheSchnurreiffet nicht 


_ leicht entzwey; und wenn ge- 
genwaͤrtiges Buch fo glücklich 
iſt, fih der Gunſt des vorgefeßten 
Trium⸗ 





au A 
Triumvirats verfichern zu ı Fönnen, ‚po 
iſt es wider alle Bemühungen der fa- 
delfüchtigen hiefigen Orts ſicher. Wer 
kennet wohl nicht Derd Einſicht in 
die Lehren der angenehmen Tonkunſt? 
Wem iſt nicht Dero Staͤrke in deren 
Ausuͤbung bewußt, ſonderlich wenn 
ein Clavier die Ohren der zuhoͤrenden 
bezaubern ſoll? Doch iſt dieſes nicht 
die alleinige Urſache meiner an Die⸗ 


ſelben gerichteten Zuſchrift; ſondern 
ich ergreife dieſe laͤngſt gewuͤnſchte 
Gelegenheit, oͤffentlich an den Tag zu 
legen, wie ſehr ich durch unzehliche 
Wohlthaten Denenſelben zur 
Dankbarkeit. verpflichtet ſey. Wo⸗ 
her hat mein muſikaliſches Wiſſen fei- 
nen erſten Urſprung? Wodurch bin 
mi * Erkenntnis muſikaliſcher Buͤ⸗ 

3 cher 


her gelanget? Auf weſſen Ausſpruch 
beruhete vor zo. Fahren die me zu 
ſpielen ihergebene Orgel ‚der hiefigen 
derer Öunfibezeigungen. ieho nicht zu 
gedenken, Ole ſund es Hochge⸗ 
neigte Herrn, Deren Vor⸗ 
ſorge ich Lebenslang werde zu ruh⸗ 
men wiſſen, Deren Wohlthaten 
noch ietzo ſo häufig auf nid) flieſſen 
daß ich billig auf etwas. Be 
denken ſollte, wodurch ih meinrege: 
und, dankbares Gemuͤth entdecken 
Fonnfe. Doch bin ich verſichert, daß 
elben- mehr auf mein ‚ergebe, 
nes, Herz, als Auf meine unpollkom. 

mene Gabe ſehen Wenn, Diefe]- 
bigen nicht alles billigen, was in 
dieſem Buche vieler Urſachen wegen 


ex nicht 


44 





—— Eu I 7 
ice bat vollkommen erſcheinen Fon 
nen; ſo werden € Sie doch erlauben, 
daß mein Bil 4 den Fluſſen gleiche, 
ſo wieder nach dem Meere eilen, aus 
welchen fie ihren Urſprung herleiten. 
Sie werden vergönnen, daß ich um 
die Fortfeßung der bisherigen Gewo— 
genheit inftändigft bitte, da mein be—⸗ 
ſtaͤndiges Bemühen dahin gerichtet ft; 
Ihnen durch nichts misfältig zu wer⸗ 
den. Es laſſe unterdeflen die Bor. 
forge des alles regierenden GOttes 
Diefelben insgefamt, nebſt Dero 
vornehmen Haufern, zum Ziel und 
Augenmerk des Segens geſetzet feyn; 
GoOtt erhalte und vermehre die Kraͤf⸗ 
te der Gemuͤther und Koͤrper, daß 
Dieſelben nicht nur den Liebhabern 
der Gelahrtheit, ſondern auch dem 
u 4 ganzen 


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— ——— 
ganzen gemeinen Weſen noch viele 
Jahre nutzlich zu ſeyn fortfahren koͤn— 
nen. Dieſes wünſchet feinen vorſte⸗ 
henden Hochgeneigten Patronen aus 
aufrichtiger Hochachtung 


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Sie Haben, Bas dl” in einem 
Er Jahrhunderte zu leben, wo die 
— wmehreſten Wiſſenſchaften und 
Kinfie zu einem, ‚hoben, — der 
eonimenigit geitiegen ſind. 


WVon der Tonkunſt en wan * 
ſalls daß ſolche jetzo beynahe den hoͤchſten 
Gipfel der Schönheit erreicht habe. And 
in der That iſt dieſes Urtheil allzugegruͤn⸗ 
det, als daß es von mir getadelt werden 
koͤnnte. Vielmehr getraue ich mir zu be; 
haupten, daß wir auch ſelbſt in Teutſch⸗ 
land ein Recht haben, uns hierinn eines 
Vorzugs vor andern Ländern zu ruͤhmen; 
w wit bie aaa theoretiſchen und 


practi⸗ 






praetifchen Abhan en eines Matthe⸗ 
ſons — —— Quan⸗ 
zens und Bachs und zugleich eine 
ge nach Kunſt und Geſchmack age 
beiteter Sachen von unfern teutſchen 
Componiften au weiſen fönnen. Sch 
glaubte auch niche hr’ fagen, wenn 
ich zum Ruhme unferer teutſchen Coms 
poniften beh unten wollte, ans ou 
Site ber I IE * Austin; 
Bern zuDot- He VE Schreibar⸗ 
ht Be Kr „hätten, ‚Den 
—* daurfte mich nen | Ian € a Hu 
deswegen forderte, tik "alif St ie acheı en 
eins Telaimanne zB hoSEtoͤlzels, 
Pfeiffers⸗ werdenden Graͤuen eines 
Haſſens Bendaes/ Quanzens und 
ſtingern Bach je —5 
ins in allen Aten Mi MI 
hier, Den e geliefer 













die. vortre 
a — ah San J 2 
ss llein⸗ —* J —D— 


— * en ae ie Ar 


an weni: 


Vorrede. 11 


weniger ſollte man wohl billig vermuthen 
können, daß, da die Tonkunſt bey uns 
Teutſchen zu einer ſolchen Vollkommen⸗ 
heit geftiegen, cin Verfall derſelben nahe 
ſeyn würde. Und gleichwohl iſt er, in 
—— der nn ’ yon’ da. 


Daß die RUN, Wenn fi fi e zum ße 
802 erklinget/ die erhabenſte ſey und 
daher der ſpgenannte Kirchenſtil den Vor⸗ 
ug vor allen andern Arten der Muſ ha. 
be, iſt ohne Vider pruch. Bioſard ſa⸗ 
get hiervon on: 


— 5 Er es mis 


—— un J ie; de ‚majelte, ‚Br 


SZ 









- — et "Re Porter ar "aine a a,Dieu, ‚Dar, on- 
” fequent, propre pour P. Eglife”. | * 

= ichs if erhobenen fagt Bolllond » von 
Wermet in ſeiner Abhandlung von dem Ver⸗ 
derben des Geſchmacks in der franzöfif ſchen Mu: 
fi, Fichte iſt erhabener, als der Ruhm eines 
Muſttus der ſich in dieſer Art der Compoſt⸗ 
"tion hervorthut, von deſſen Vereinigung ſei⸗ 
»ner — die — * des Heilig⸗ 


J— thums 


12 Vorrede. | 
„ums wiederſchallen So bald man des @im 
"ders Flehen um Gnade hoͤret, fo bald wird 
man durch deffen Seufzer, die er den Himmel 
ſcchickt, dergeftalt gerübrer, daß der Mufifus 
auch dem allerberedteften und beweglichften Pre; 
diger den Eifer und den Nachdruck ſtreitig zu 
"machen ſcheinet. Schuͤttet aber eine fromme 
12 Geele; die ſich ihren gnaͤdigen GOtt Horftel: 
1, Jet ihre Freude, die, fie über die Exfenntniß 
ud, den, Dienſt ihtes Schopfers empfinder, in 





— 


Vſſen Schooß aus, ſo erſchoͤpfet fie auch alle 
Töne, der Harmonie zum Lobe und zur Aus⸗ 
breitung der Wohlthaten ihres Schoͤpfers. *) 

"Eine hewegliche einſache Stimme durchdringe 
"das Herz mit Andacht; ein Chor, das der 


wre nm 


de" Inhalt und die Funftreiche Ausführung 
.Beich fchön macht, erreget bie erhabenften und 
 >teßhafteten. Gedanfen von den Wunderwer— 

"Ten des Allerhöchften, der Herrlichkeit der 
a „„oaglligen „ben las ebmlichfeiten und Vergnuͤ⸗ 
gungen des Himmels. „Hier kuͤndiget uns eine 
zekae und wohl segearkeee Harman 
Gsttes Zorn an, und läßt uns dag Schreck: 
syn ON. ß ge Ä PR liche 





none 3 fr. 

y Wie oft muß mit den: Lobgeſangen 
Ein banger Seufier ſich vermengen, 
Daß ich mich, HErr, von dir verirrt! 


Vorrede. 13 


——— 
iche feiner Drohungen und die Wirfungen ſei⸗ 
»ner Mache in ihrer vollfommenen Groͤſſe em; 
»pfinden. Furcht und Schreden bemeifternfich 
»unferer Herzen, und feßen uns in die beftigfte 
Bewegung; dabingegen dort alles angewendet 
- »wird, die unausſprechliche Groͤſſe ſeiner Barm⸗ 
»herzigkeit mit den lebhafteſten Bildern abzu⸗ 
ſchildern; man wird erweicht, geruͤhret, ge⸗ 
troͤſtet. Nur von einer geſchickten Hand Fan 
"man dergleichen mahleriſche Züge erwarten ; 
"nur Züge von diefer Art machen einen unaus⸗ 
°  Göfchlichen Eindruck; nur darinn zeiget ſich die 
"gewöhnliche Wirfung einer guten Muſik, de: 
»ren Gefänge ſich dem Gedaͤchtniß einprägen, 
"und das Andenken des Componiftens verewi⸗ 
"en, 


Ich habe dieſe ſchoͤne Stelle, weil ſie 
zugleich die beſte Vorſchrift iſt, nach wel, 
cher ſich ein Componiſt in Ausarbeitung 
ſeiner Kirchenſtuͤcke richten koͤnnte, mit 
Fleiß ganz hergeſetzet. Mit allem Rechte 
koͤnnte ich auch das, was eben dieſer Ver⸗ 
faſſer von dem Herrn Lalande in einer 
andern Stelle ſaget, auf unſere groſſe * 


14 Vorrede er 
ſter, auf einen Telemann, 
Stoͤlzel anwenden. And 


"Sie empfanden nemlich. bie Vortreflichfeit 
‚.biefer Verrichtung, und ſi ie ſelbſt laſſen uns 
Glche in ihren Werfen, ‚empfinden, Alles iſt 
‚„ darinn groß, nachdrücklich, majeftätifch und 

‚Fentaben ‚der. Fönigliche Prophet zeiget ſich 
darinnen in unnachamlichen Zügen.” J 





Unßer groſſer Bach hat in dieſer Be⸗ 
Khäftigung die Kunft, Fleiß und Mühe 
bis zur Bewunder ung angebracht. Ich 
verehre noch die Aſche dieſes ſeligen Dan: 
nes, achte mich aber zu wenig, etwas 
weiteres zu onen; Ruhme —* zu ſa⸗ 
gen. 2 A 


unſer groſſer Telemann hat unse eine 
Menge von folchen Kirchenſtuͤcken darge⸗ 
leget, in welchen allezeit eine-vortrefliche 
und abwechfelnde Ordnung der Geſaͤnge, 
eine edle Stärke des Ausdruckes, und zu; 
gleich das Leichte, und Natürliche, in den 
Melodien herrſchet. Seine —* 
en 


Border Ei | 


chen haben dahero einen ſo a allgemeinen 
Beyfall gefunden, . daß in Teutfihland 
wenig proteitantifihe Kiechen zu finden 
feyn werden, wo man nicht die Telez 
mannifchen Jahrgänge aufgeführet. Mit 
einem Worte, es hat und zu befonderm 


Vortheile gereichet/ daß wir einen Bach 





ders giuckuchen Kräfte zum Eobe 69 
tes angewendet, und mehrentheils fuͤr 
den Tempel des HErrn gearbeitet; wo⸗ 
durch wir einen vortreflichen Vorrath 
von Kirchenſachen bekommen haben. 


* In Betracht nun aber, daß die Kir— 
chenmuſik der gruͤndlichſte und vorzuͤg⸗ 
lichſte Theil der Tonkunſt iſt, wir auch 
derſelben von zween der groͤſten Compo⸗ 
niſten, deren Arbeit in dieſer Art ſo gar 
von Auslaͤndern bewundert wird, genug: 
ſame Anfuͤhrung gehabt haben: gerei⸗ 
chet es ung, zu feiner Ehre, wenn der 


Here Marpurg, im Vorbericht zumans 
dern Theile feiner umvergleichlichen. Ab- 


hans 





bandelung von der Fug * dieſe leider 
*— als au febe gegründete Klage fuh⸗ 


Die * ——— 
| iR eben nicht zu baͤufig, m wo man annoch Fun 
gen höre“ a ——— 
ſcheinen ni & von dem nico⸗ | 


— Then et ju ‚haben! 


‚Die Urſachen dieſes Verfalls der Kir⸗ 
benmuft £ zu unterſuchen, würde hier 
zu weirläuftig werden. Ich wünfche alſo 
nur dieſes, daß ſich Doch einmal wieder⸗ 
um Nachfolger eines Bachs, Tele— 
manns, und Stoͤlzels finden mögen, 
weil aufferdem, und wenn vollends um: 
fere nad) übrige wenige ächte Kirchenmu⸗ 
fie aus der Mode kommen ſollte, der Ber: 
fall alsdann auch in den andern Arten 
der Mufif allgemein werden dürfte. Das 
einzige, was diefe Furcht einigermaffen 
lindert, ift: daß man noch hier und da 
vechtfchaffene Verehrer der Tonkunſt ans 
trift, die fich ruͤhmlichſt bemuͤhen, den 






Ber: 


Vorrede. 17 





Verfall derſelben/ cheils durch Schriften, 
theils durch kuͤnſtliche und regelmaͤßige 
——— zu verhindern. 


Unter denſelben verdienet der — 
Profeſſor Adelung, als der Verfaſſer 
gegenwaͤrtiger Anleitung zur muſikali⸗ 
ſchen Gelahrtheit, billig einen beſondern 
Vorzug; daher mir es ein Vergnuͤgen 
geweſen, ihm auf ſein Verlangen mit 
einer furgen Vorrede zu dienen. | 


Sch finde es Überflüßig, etwas zur 
Anpreifung feines Buches zu fagen, glau⸗ 
be aber gewiß, daß, da in ſolchem die 
ſite Beleſenheit des Herrn Verfaſſers 
ſo wohl, als ſein gruͤndlicher Verſtand, 
ſich auf allen Blaͤttern zeiget, er auch 
ſelbſt hin und wieder alles dasjenige fiei— 
fig entdecket/ was er, als ein groſſer Theo⸗ 
reticus und Practicus, aus eigenem Flei⸗ 
fe und Erfahrung ausfuͤndig gemacht, 
Kin Bemuͤhung ungemein nuͤtzlich feyn 
wird, 


II. Die 


18 Vorrede. 

Diejenigen, welche nicht im Stande 
ſind, ſich viele muſikaliſche Buͤcher anzu⸗ 
ſchaffen, koͤnnen ſich dieſes Bud) befon 
ders empfohlen ſeyn laſſen, weil ſie aus 
ſelbigem eine ziemliche Kenntniß, ſo wohl 
von unſern muſikaliſchen Schriftſtellern, 
als auch von den vornehmſten Sachen, 
die es abgehandelt, auf die leichteſte und 
beguemfte Arc bekommen koͤnnen. Wei: 
mar, den 28: März, 1758 prägt 





ie Ernſt Bad, 


— ſaͤchſiſcher weimariſcher 
— | 


Ei. 





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Besssos® SR Dora 


— 


Ehnletung 


Son m Entzwed und rechten Gebrauch 
99 — | 


J. 


o wenig ein Schuch allen Fuͤſſen, 
oder ein Hut allen Koͤpfen kann 
gerecht ſeyn; ſo wenig wird auch 
eine 1e Schrift zu verfaſſen möglich werden, 
welche nach dem Geſchmack aller Men: 
ſchen iſt. Der eine wird wuͤnſchen mehr 
ſarinnen zu finden; der andere wird ſchon 
N | 1,10 000 BRNO IRRE 





20 Einleitung. 

das allda befindliche zum Theil vor über 
flüßig halten, Es wird alfo billig an ſtatt 
einer Vorrede, welche den Leſer zur Ber 
urtbeilung eines Buchs fähig machen muß, 
hier Fürzlich unterfucht, welche Urtheile 
von eines Werfs Vollfommenheit die: 
richtigſten, und den andern vorzuziehen 
find. Ich Fann nicht befier antworten, 
als daß folche Bücher Lob verdienen, de 
ven Titel die Abhandlung einer nügli; 
chen Materie verſpricht, und da im Wer: 
ke felbft das verfprochene geleifiee wird. 


u. 


Wie will alſo jemand einſehen, ob ge⸗ 
genwaͤrtiger Tractat durch den Titel eine, 
den Liebhabern der edlen nd nuͤtzli⸗ 
che und folglich angenehme Ausfuͤhrun 
verſpreche, wenn der Name des Bun 
nicht recht verſtanden wird? oder wenn 
die Reidenfchaften die misguͤnſtigen Augen 
blenden, daß ein Lefer das Angenehme 
vom DBerdrüßlichen , das Nothwendige 
yom Weberflüfigen zu unterfcheiden unfaͤ 
big wird? Was heiße denn nach den Bes 
griffen 


Einleitung. - = 


griffen der Gelehrten die Gelaherbeit? | 
——— ſie nicht nebſt den Grundſatzen 
zugleich die Kenntnis der Bücher ,. welche 
in jedee Wiffenfchaft zum weiten Nady 
leſen, bisweilen auch zur Hiſtorie der DIE 
ciplin dienen können? Kann wohl einer, 
fo fi von der Kanzel hören laͤßt, blosder 
Predigten wegen ein hochgelahrter Theo: 
ogus heiſſen? wird er deswegen um eine 
Profeſſur in diefer göttlichen Wiſſenſchaft 
anſuchen koͤnnen? Die Hiſtorie der Disci⸗ 
plin, die Streitigkeiten, die Kenntnis 
der alten und neuen Gottesgelehrten, ge⸗ 
hoͤren mit zu einer theologiſchen — 
heit. Und fo iſts mic der Muſik. 
irre wohl nicht, wenn ich zur muſi eafifihen 
Gelahrtheit nicht vor hinlänglich achte, 
daß jemand nur fingen und fpielen, oder 
— koͤnne; ſondern wenn von vie, 
erley muſitaliſchen Sachen geredet oder 
geſchrieben wird, daß man ſolche Reden 
—3 Schriften auch verſtehe. Gluͤcklich 
nd bisher andere Disciplinen gewefen, 
daß auf hohen Schufen folche den Liebha— 
bern befanne werden. Nur allein unfere 
KB ART. ‘‘ Ce 





22 0 Einleitung, 


Tonkunft bat bis. ietzo muͤſſen 
hen, wenigſtens in den hieſigen Land 

und wer ſolche nicht nur praktiſch, ſondern 
auch theoretiſch erlernen will, findet theils 
feinen Anführer, theils find dieſe nicht an 
allen Orten, daß die Umſtaͤnde der Per⸗ 
ſonen, ſonderlich auch des Beutels, oft 
nicht erlauben, auf ſolche Art muſikaliſch 


u, 


da, fpricht mandıer, dazu kann die 
gtofk Menge Bücher dienen, welche von 
alten Theilen dev Tonkunſt gute Nachricht 
geben. Iſt wohl gefagt. Alfo muß man 
fich niche wundern, wenn eine betraͤchtli—⸗ 
che Anzahl dergleichen Schriften in dieſer 
Ausfuͤhrung bekannt gemacht wird, und 
zwar mehrentheils im Anfange jeden Ca⸗ 
pitels. Denn eben dadurch gebe ich An 
leitung muſikaliſch gelehrt zu werden. 
- Denn weil diefer Tractat die wenigften 
Lehren ausführlich. enthalten fann ,. fo 
wird man angewiefen, dag Übrige an: 


derswo au ſuchen. Bey welchem Lehrer 
kann 


Einleitung. 23 
£annn man wohl in irgend einer Disciplin 
altes merkwuͤrdige erfahren? wo find der: 
gleichen? gewiß an den wenigften Orten. 
Und wer weis, ob geoffe Tonkuͤnſtler 
zum Vortrage folcher Dinge einem jeden 
fich bereit finden laſſen? Man bat alſo 
nicht Urſache folchen Vorrath von Bü 
chern zu tadeln, wodurch bey Ermange: 
lung muͤndlichen Unterrichts man fich ſelbſt | 
weiterilehren kann. 
> Aber wozu dient denn die Nachricht 

von den. Verfaffern folder Schriften? 

Ich verfege hierauf, daß in allen Wiflen: 

haften mie der Kenntniß dev Bücher das 
Andenken der verfiorbenen und noch Te 

benden Gelehrten verbunden werde: Wol⸗ 

len wir denn unſere Tonkuͤnſtler ſo gering 

achten, daß ihr Gedaͤchtnis mit ihrem 

letzten Odem verſchwinden ſolle? Zudem 

mußten fie ja ben Gelegenheit der Bücher 

‚genennet ‚werden. Iſt denn dns fo weit 

entfernt von der mufifalifchen Gelahrt—⸗ 
heit? ich glaube vielmehr, dab es weſent⸗ 
er IX 4 (ich 


24 Einleitung. 


lic) darzu gehöre, Doch ich höre, Daß 
Momus zweyerley hierbey einwender, 
Er hält 2) folche Nachricht nicht wor alle 
Lofer dienlich, und ein Dorfichulmeifter 
werde fich ſo viel daraus nicht machen, 
wenn er lieſet, wer dieſer oder jener ge⸗ 
weſen, wo und wenn er gelebt habe; b) 
man babe ſchon muſikaliſche Lexika, fo 
davon nachzuſchlagen. Das erfie betref⸗ 
fend, fo möchte wohl nicht leicht ein Bud) 
ſeyn, auch wohl die Bibel felbft nicht, da 
manchem Lefer nicht einige Materien uns 
noͤthig fheinen ſollten; was iſt dabeh zu 
thun? nemlich er laſſe es vorbey, und ber 
diene ſich der übrigen Materien; ich ver: 
fichere, daß ein jeder vor. fein Geld far le— 
fenswüidige Dinge antreffen werde, Es 
geht allen Gelehrten nicht beffer, Hier 
hält man fich doch in den. Gränzen der 
Mufif, und huͤtet fih vor. allen Ausg: 
fehweifungen. Das zweyte anlangend, 
ſo iſt es richtig, daß es mufikalifche Lexi⸗ 
fa gebe; fie find in dieſem Buche Cap.J. 
$.36, mit Fleis befannt gemacht worden. 
Aber iſt denn ein Buch zu finden , mn 

| | | nicht 


Einleitung. 25 
neuern Nachrichten? Iſt denn nicht. noͤ⸗ 
thig das fehlende anzumerken? Wenn kei⸗ 
ner. folches.thäte, wie wollte man eine 
Verbeſſerung folher Werke zu hoffen has 
ben? Ob nun folche Nachrichten eigenes 
lich in eine Anleitung gehören, iſt eine an⸗ 
dere Frage, worauf ich alfo antworte: 
fieigehören eigentlich nicht in eine Anlei⸗ 
tung zur, Muſik, dergleichen zu fchreiben 
mir nie in den Sinn gefommen; : wohl 
aber gehören fie in eine Anleitung zur 
muſikaliſchen Gelahrtheit. Und doch 
kann ich nicht beſchuldiget werden, daß 
ich der Sache zu viel gethan. Habe ich 
denn etwa Lebensumſtaͤnde weitlaͤuftig 
aus Walthers Lexiko, aus der Ehrenpfor⸗ 
te, und andern Werken, ausgeſchrie⸗ 
ben? habe ich nicht vielmehr den Leſer al⸗ 
lezeit in ſolche Bücher gewiefen, wenn - 
etwas von Mufikern darinnen berichtet 
worden? | “ — 
—— wu a. RE i 

Wer demnach in diefer ſchoͤnen Wiß 
XX5 fenfihaft 


26 Einleitung. 


fenſchaft fich Teioit helfen will, findet die 
Buͤcher bey alten -Materien angeführt $ 
er weis alſo, von wen folche verfaßt 
worden, und 0b die Muſik darinne in ab 
ter oder neuer Tracht erfiheine Aber 
mir deucht, als klage bald dieſer bald je 
ner, dab er ſolche Bücher u verſtehen 
nicht im Stande fen, weil die Redens— 
arten fich oft beziehen auf die Hiftorie der 
Muſik, auf eine gewiſſe vorgefalfene Strei⸗ 
tigkeit, fonderlich auf die muſikaliſche Tem: 
peratur, umd- andere mufißalifche Mech 
nungen, Es ift wahr ‚daß mancher nicht 
alles mit Berfiande Tiefer, wenn die ge: 
dachten Umftände nicht zuvor befannt 
find, ob er gleich fonft nicht ungelehet 
heiffen kann. Was war alfo vor ein 
Mittel übrig, den Weg auf den muſika 
liſchen Parnaß zu bahnen, als daß in den 
erften Capiteln theils von der Muſik über, 
haupt, theils von ihrer alten und iegigen 
Befchaffenheit gehandele würde, mit An 
führung der wichtigften Streitigkeiten, 
und der zu folchen gehörigen Bücher? 
| | Ve 


Einleitung. 






VI, 
An So it es auch mit den See, 
welche defto weniger bekannt find, 'weil 
die wenigften Muſici die Mathematik in- 
ne haben; oder auch, weil die gemeinen 
Rechenbuͤcher davon gar nichts melden. 
Und noch ietzo entſtehen viel arithmetiſche 
Zaͤnkereyen; wie denn faſt kein Buch zu 
finden, wo nicht beynahe auf allen Blaͤt⸗ 
tern der Zahlen gedacht wird, welches 
den Lefer hindert, den Sinn des Buchs 
zu faffen, zumal da das muſikaliſche Rech⸗ 
nen ganz anders lautet, als das Rechnen 
der gemeinen Arithmerifer. Sch halte des⸗ 
wegen mein stes Capitel den gelehrten 
und ungelehrten vor ſehr nuͤtzlich. | 


vu. 


Doch iſt nicht zu Täugnen, daß, ob 
ich aleich vor alle Muſikliebhaber ge⸗ 
ſchrieben, ich gleichwohl mein Augenmerk 
vorzuͤglich auf die Liebhaber des Claviers, 
und ſonderlich auf die Organiſten, Canto⸗ 
res und Schulmeiſter gerichtet habe. Alſo 
| heiffen die legtern 8 Capitel vorzüglich der 

| prakti⸗ 


28 Einleitung. 
praktiſche Theil, weil darinne von der 
Singekunſt, von der Art den General: 
baß und Choral zu.fpielen, ‚von der it, 
liänifchen Tabulatut, -Santafiren und 
Compofition viel zur Ausübung gehörk 
ge Lehren gefunden werdens: und was 
‚nicht zu beruͤhren war, erſetzen die ange 
fuͤhrten Bucher. Wir konnte doch ein ge⸗ 
wiſſer Cenſor mein. Were deswegen (vor 
der Ausgabe) tadeln, weilman die Eom- 
poſition daraus-nicht lernen Fünne? wo 
‚base ich. es verſprochen? Iſt ſonſt nichts 
‚praftifches zu finden, auffer diefer 2. war» 
‚um follte ich dev. Welt ein Buch vorlegen, 
‚dergleichen wegen der Menge uns ſchon 
vorher faft zur. Laſt gereichen? Man be 
diene fich folcher angeführten Bücher, fo 
lerne man auch componiren. Sch wollte 
etwas führeiben, ſo noch nicht vorhanden, 
nicht aber andere Buͤcher dadurch um: 
‚brauchbar machen, fondern jevermanam 
Kir, folche leſen — koͤnnen. wn 


Und da meine Pe OR Anmerfun; 
gen, ſo auch durch Kupfernoten erlaͤutert 
werden, 


Einleitung. ' 29 


erden‘, alte Theile der Elavierkunſt be⸗ 
Kant ſo wird damit hoffenzlich jeder: 
man zufrieden feyn können, Ich habe 
meinem Nechften dienen, und zugleich ein 
Buch liefern wollen, welches auch koͤnnte 
jun Grunde eines Collegii gelegt werden, 

ergleichen ich Uber diefen Entwurf oft ger 
halten. Der Mangel eines folchen Werts, 
wie auch der Zeitverluft durch das Dicti⸗ 
ren bey den Vorleſungen, haben mich zum 
ei verführt, aber Fein Gewinnſucht. 


IX. 


wi: "Noch um: ee muß ich den Before 
bitten , a) einige. eingelchlichene Fehler 
theils meinen uͤberhaͤuften Verrichtungen 
zuaufchreiben , welche meinen Landsleuten 
allzu wohl befannt, und ſcheint nicht nd; 
thig, durch) viel Worte den Raum anzu 
füllen; theils andern betrübten Begeben: 
heiten, ſonderlich da ich Durch den Brand 
gar viel verlohren, wodurch ich der Wele 
mehrmals, und auf eine vollkommenere 
Art, hätte dienen können. b) Un einis 
gen unrichtigen Redensarten und Nach: 

vrichten 





39 Einleitung. 


richten habe ich ‚gar keine Schuß, fondern 
der Verzug des Abdruckes der letztern Bor 
gen. Da das Werk zum Drucke fertig 
wurde 1754, nachher aber gegen Oſtern 
1755 der groͤſſeſte Theil deſſelben aus der 
Preffe kam; fo wurde dag übrige C aus 
einigen, bier nicht zu meldenden Urſachen) 
zuruͤcke gelegt, bis in die letztern Sommer: 
monate 1757. Was kann ich alſo dafuͤr, 
wenn in drey Jahren einige Umſtaͤnde der 
Buͤcher, oder deren Verfaſſer, ſich geaͤn⸗ 
dert, welches in den ſchon gedruckten Bo: 
gen zu ändern nicht möglich? Einiges ha: 
be ich bey Gelegenheit geſuchet beyzubrin: 
gen; das übrige wird in einem durchſchoſt 
fenen Eremplar bon einem jeden — ge 
neben fönnen. | 





RER 


SITSHESTRIHHEREERT 


& Gö SEES SEE 


BERRSSSEERRRELEGES 


snleitung 


zu der muſikaliſchen Selahrtheit 
„sbeotetifiher Theil 


handele 
in 12 Capiteln. 


1) Bon der Mufif überhaupt. ara 
2) Don der Befchaffenheit der alten Mu⸗ 


3) Bon ihrer Beſchaffenheit in den mitt⸗ 
lern Zeiten. 
4) Von ihrer neuern Einrichtung. 
S Bon den mufikalifchen — 
8* Don der Orgel überhaupt, 
7) Zon den Orgelvegiftern. 
8) ne ———— Gebrauch der Re⸗ 


9) Dom Orgelbau, Dispoſi itionen, Con⸗ 
tracten und Koſten. 
10) Von 





Io) Bon der Probe der Orgeln. | 
” Fick ran a eeinfBrumenten, 
2) Son muſikaliſchen Inſtrumente 
"CORE Shapier, m 9 re | , 


Der 


praktiſche Theil 


zaehlt 8 Capitel. 


13) Von der Singekunſt. 
14) Dom Generalbaß. 
15) Von dem Choral, 
. 16) Don der italiänifchen Tabulanır. 
17) Dom Fantafiren. | 
— der Compoſition oder Sek: 
unſt. 


19) Von der Ordnung die Muſik, fon: 
derlich das Clavier zu lehren und zu 
lernen. | | 
20) Bon der Benennung eines Virtuo⸗ 
ſen, und wie die Prüfung eines Ton: 
kuͤnſtlers anzuftellen, welcher fich um 

ein mufikalifches Amt bewirbt, 


— 8 (6(2) 50 


Des 





Dei erften Theils, 


Von der theoretiſchen (betrachtenden) 
Muſik. 


Erſtes Capitel. 
Von der Muſik uͤberhaupt. 


$ 1. Vom waltherifehen Lexikon; 6.2. Mitzlers Schriften; 
6. 3. Mattheſons; 9,4. Das Syntagma des Praͤtorius; 
. 5. Scheibens Bemühungen ; $.6. Bon dem Namen 
der Muſik; 6.7. Streit wenen des Mufifanten Titels ; 
9,8. Die Erklärungder Muſik; 9: 9. 10. Ob ſie eine Wiſ—⸗ 
fenfchaft zu nenren? $. 1. Die Materie folcher Willen: 
ſchaft; $.12. Die Form ; 9. 13, Eintheilung; 6 14. Das 
- Subject der Tonkunft; 9. ix. Vom muſikaliſchen Naturel; 
16. Vom Urheber; $. 17. Endzweck; $. 18. Wem fie hd: 
thig ſey? 9.19. bis 25. Bon den 1 Feinden der Muſik; $:26. 
WVon den — —— $. 27. Streit zwiſchen un 
und Baͤhr. $.28. Lobſchriften aufdie Muſik; 9.29 
Wie ſie auf Schulen zu treiben? 9.32.33. Sonderlich anf 
Akademien; 6. 34: 37. Von mehrern Huͤlfsmitteln zur 
— Em der Muſik. 


9.1 


3 ‚eileinige Schriften in den meiften | 
Caopiteln anzuführen find; fo 
F — wird esnicht ohne Mugen ſeym 
ZEN folche zum voraus zu Eennen, 
— — einem Paar andern, deren Kenntniß in 
A 2 | dies 





4 Das 1. Capitel, | 
* erſte Capitel einen vorzuͤglichen Einfluß 
a 


Den Anfang macht billig das muſikaliſche 
Lexikon, weiches anfaͤnglich ftücweife (a) in 4to 
ans Licht kommen ſollte, aber hernach 1732 zu Leip⸗ 
zig auf einmal in groß 3 gedruckt wurde(b), und 
haͤlt beynahe 2 Alphabeth mit 22 Kupfertafeln. 
Der Werfaſſer war Johann GottfriedWalther, 
Hofmuſikus und Stadtorganift in Weimar, zu 
St. Perriund Pauli, welcher gebohren 1684 zu 
Erfurt, allwo er 1702 Drganift wurde an der St. 
Thomaskirche; und nachdem er den Ruf zu der 
Organiſtenſtelle nach Muͤhlhauſen an die Kirche zu 
St. Blafii1707 ausgeſchlagen, wurde ihm in eben 
diefem Fahre die gemeldete Bedienung in Weimar 
aufgetragen. 1721 erhielter den Titel als Zoſmu⸗ 
ſikus (c). 1748 den 23ften Merz entzog ihn fein 
Schöpfer der Eitelkeit. Er lebt aber noch in feis 
nen Kindern, unter welchen der Ältefte Herr Sohn 
in Augspurg lebt, als ein gefchickter Advocat: der 
jüngere aber in Ulm als Organift in dem dafigen 
Münfter, undunter die ftarfen Spieler zu rechnen 
Ai. Daß er den meiften Theil ſeiner Tage er | 
. RR racht 


a) ” Erfurt Fam aufdiefe Art 1728 der Buchſtab A heraus 
aAuf 8s Bogen. | | 

b) Der Verleger dafeldft ift Wolfgang Deer, welcher es vor 
4 Rehlr.lieferte denen, fo voraus zahlten, nad) der Zeit 
Altes vor 1Rthlr. und 12 Gr, verkauft wurden, auch vor 


43 SEN. EN 

©) Er war zugleich ein fleißiger Setzer vor die. Kirche, and 
fonderlich vor die Drgel, wie unten $.348 und 367 wird 
gefagt werden. Hierinne liebte er fo wohl die Kunft als . 
Die Richtigkeit, und wußte die Fehler derer Tonmeifterger _ 
nau anzumerken. 


Von der Muſik uͤberhaupt. 
a PEEREPOREN 


—,—— nn g 
bracht mit Leſen faſt unzehlicher Schriften, aus 
welchen fein Auffeblagebuch ermachfen, kann ein je: 
der aus deſſen Einrichtung abnehmen; daß er aber 
daben zugleich durch den Briefwechfel anderer Göns 
ner Hülfe fich zu Nutze gemacht habe, iſt nicht zu 
fäugnen (d) ; ja es konnte auch nicht anders ſeyn. 
Denn wie viel Nachrichten findet man nicht dar⸗ 
innen, fo in Eeinen Büchern anzutreffen? Ja eben 
daher find nicht nur verfchiedene Sehler eingefchli- 
chen , wo er unrecht berichtet worden; fonderndas 
ganze Werk Fönnte mit mehrern Nachrichten vori⸗ 
ger Zeiten angefuͤllt ſeyn, wenn jeder Tonkuͤnſtler 
mwillfährig geweſen, dieſes Werk zu befoͤrdern (e). 
Er hat unterdeffen nach folher Ausgabe nicht abs 
gelaffen noch mehr zu ſammlen, wie mic) denn ſei⸗ 
ne Freunde verfichern, daß er einen ſtarken Vor⸗ 
rath hinterlaſſen, welches vieleicht denen Herrn 
Söhnen eine Reizung feyn kann zu einem zweyten 
Bande. meiner Abhandlung führe ich es kurz 
an: f. Walther, oder f. das Lerikon, und werde 
mich mehr auffolches berufen, als daß Ich es aus⸗ 
fehreiben ſollte. Ein jeder Mufifus follte es billig 
befigen, um daraus von alten und neuen Tonkuͤnſt⸗ 
lern, mufikalifhen Woͤrtern, Manieren, uff. 
Nachricht zu erhalten. Man Eehre ſich nicht. an 
den hohen Preiß; mufikalifche Bücher Eönnen nie: 
| = Br mals 


d) Wie ich mich zum Exempel bemuͤhete, die alten gedrucks 
. ten Mufifalien unierer Kirchen durch zu ſuchen, und aus 
deren Borreden ihm viel Nachrichten zufchickte, 
e) Wie Herr von Mattheſon das Reben des Herrn Wal 
ar ee a iſt ne aufder ©: 
7 zu fehen ; eben diefer hat auch viel Fehler angezeigt, 
fo bey Gelegenheit anzumerken. 


6 Das ı. Capitel, 


mals fo wohlfeil ſeyn, als andere; man denke auch 
nicht zum beſondern Vortheile ein kleineres und 
wohlfeileres Lexikon dafuͤr ſich zu ſchaffen, welches je⸗ 
mand aus jenem zuſammen gezogen, wovon unten 
§. 36 zu leſen ‚ unter: Stoͤſſel. Denn eg heift 
gemis: leicht Geld, leichte Maare. Es ift ſehr 
wohlgethan, wenn man mit weiſſem Papier ſolches 
Lexikon durchſchieſſen laͤſſet, daß man deſto beque⸗ 
mer vorfallende Neuigkeiten, oder mas man ſonſt 
findet, an gehörigen Orte einfchalten Einne ‚. denn 
folche Werke find eben fo wohl der Veränderung 
ſtets unterworfen, als alle gelehrte Aufſchlagebuͤ⸗ 
cher, weil die Bücher fich verändern ‚ wie die lim: 
fände ıhrer Verfaſſer (£), —— 


| | le Yale un 
Auf eine andere Art fuchte nachdem die Aufnah⸗ 
me der Tonkunſt zu befoͤrdern Lorenz Mitzler, 
welcher 1711 gebohren, 17 34 zu Leipzig Magifter, 
1747 aber zu Erfurt Doctor der Arznepmiffen: 
fhaft wurde. Wenn er vor ſolcher Zeit Doctor 
genennet wird, wie z. Eprunten 6. ır. von Der: 
nern, ſo gefchtehet es wegen der Philoſophie, worinne 
an einigen Orten man nicht zum Magiſter, ſondern 
zum Doctor gemacht wird. Mattheſons Ehren: 
pforte hat etwas von defjen Lebensumftänden ©. 
228, fo weit diefelbigen 1740 Eonnten befannt 
ſeyn. Deffen muſikaliſche Bibliothek gibt mir 
Gelegenheit gleich anfangs von Ihm zu veden, wel⸗ 
che er 1735 zu fchreiben anfieng in 8. Sein Vor: 
ſatz war alte und neue mufikalifche Schriften bes 
kannt zu machen, von welchen er als geht, 
| —— — un 


£) Andere Lexika find $. 36 zu ſuchen. 


Don der Muſik überhaupt. n 


und ſolche mit feinen Anmerkungen begleitet, wor⸗ 
innen er ihre Gedanken theils zu erläutern, theils 
u vertheidigen, theils zu verbefjern bemuͤhet iſt. 
Der erſte Band beſtehet in 6 Sheilen, undmwurde | 
fertig 1739 5 nachdem ſetzte er ſich vor jedem Ban⸗ 
denur 4 Theile zu widmen, welche aber defto länger 
gerathen. Alſo wurde der zweyte Band 1743 mit 
deffen ztem Theile vollendet, der zte aber 1752. 
Nach der Zeit ift uns davon weiter nichts bekannt 
worden. Bey einigen Theilen finden fich viel Ku⸗ 
pfertafeln. Vor einigen Jahren wurde er nad) 
Polen berufen, als Hofmathematikus des Grafen 
NHalachowski, Kron-groß-profanzlers von Polen 
in Konskie, als der gräflichen Nefidenz, un die 
jungen Staroſſen in der Mathematik und Philoſo⸗ 
phie zu untermeifen (8). Er ließ in Leipzig eine 
Worſchrift zurück, wie die mufikalifchen Anftalten | 

doch vor fich gehen follten (h). | 
Was die bamburgifchen Berichte von ges 
lehrten Sachen ı 737 wider deffen Bibliothek ein- 
gewendet, Eann man mit Mitzlers Vertheidigung 
in dem Werke ſelbſt nachſchlagen im zten Thei⸗ 
le des erſten Bandes, S. 71 (). Der Kurze 
N a Bauen) 5 Banane wegen 








g) Aufderin Erfurt gehaltenen Streitfchrift ftehet deswe⸗ 
gen fein völliger Titel, weil er fhon damals in Polen war. 
Sie befchreibt einen allgemeinen Balſam, , und gehöret 
alſo nicht hierher. | | 

'h) Wovon die Nachrichten zu finden im ten Theile des aten 
Bandes der Bibliothek, inder Vorrede. | | 

i) Nur einer Einwendung zu gedenken, (0 ſchien er nicht 
deutlich feine Gedauken zu unterfeheiden von den Gedan—⸗ 
Een der angeführten Schriftiteller. Man wird aber fin 
den, daß er nach der Zeit der Deutlichkeit ſich mehr mr 

| | eu. 


8 Das r. Capitel, 
an ar IT m 2 
wegen führe ich diefe Bibliothek alfo an: Bibt, x, 
>. 3 2). oder Voll, Pu, u. .f.. Diefer fleis 
Bige Mann hat mehr Schriften verfertiget, fozu der 
Tonkunſt gehören. Deffen Anfangsgruͤnde deg 
Generalbaffes, nach mathematifcher Lehrart, mit 
‚einer darzu erfundenen Maſchine, gehören eigentlich 
zu dem 8. 304; allein ich werde mich bisweilen dars 
auf berufen in den erfiern Eapiteln. Ferner hat er 
des Faiferlichen Oberfapellmeifter Supens "Merk 
von der Lompofition, gradus ad Parnaffum ge⸗ 
nannt, indas Deutſche überfest aus dem Pateinis 
ſchen, welches 1742 in 4 zu Leipzig mit deg Hebers 
feßers Anmerkungen herausift (k), Eine Monat: 
ſchrift: Der mufitelifcheStastftecher, wurde 
‚gu Leipzig angefangen 1739 im October ing, ein 
Bogen monatlich: wovon 6 Theile heraus. Daß 
dieſes gleichfalls Mitzlers Arbeit fey, ift bekannt N). 
| | * eo Nike 
| jen., Ferner iſt zu merken, daß dieſe Bibliothek ins Fran⸗ 
| — ern te =. Mai — IV. 
Ss83. Es machen drey Regiſter dieſes Werk noch brauch: 
- barer, ı) der Materien, 2) der Namen, 3) der Sachen. 
k) Dieſes zu dem 1gten Capitel eigentlich gehörige Werk. 
wird einiger Materien wegen billig zum Voraus bekannt. 
gemacht, Es beträgt zwey Alphabet,drey Bogen, und ko— 
ſtet ein und einen halben Rthlr. Wer den Innhalt wiß 
ſen will, kann die Bibliothek nachſchlagen V. U, P. IV. 
Das lateiniſche Original wurde auf des Kaiſers Unkoſten 
gedruckt 1725. fol, Wien, | 
V Miglers Name ficher zwar nicht norgedruckt, aber erbe: . 
kennet fich ſelbſt darzu, wenn er feine Schriften erschlet 
3.35.0068 aren Bandes, ©, 157. Es iſt eine fatyrifche 
Schrift, weil er vechrfchaffener Muſiker ihre Fehler bes 
ſccheiden angemerfet ‚ vingebildeter und ſelbſtgewachſener 
ve — Thorheiten aber laͤcherlich zu machen geſu⸗ 
het bat, 





Don der Muſik überhaupt. 9 


Mitzler nennt fich den Sekretair der Societät 
der mufitslifchen Wiſſenſchaften. Es iſt die⸗ 
ſelbige 1738 nach Mitzlers Vorſchlage angefangen 
worden, ſonderlich durch Beyhuͤlfe des Herrn 
Grafen Giacomo de Luccheſini, und Herrn Ka⸗ 
pellmeiſter Buͤmlers in Anſpach, welche Herrn die 
völliee Einrichtung Mitzlern uͤberlaſſen. Eine 
Rachricht von ihren Geſetzen findet man eingeſchal⸗ 
ter im aten Ih. des 1. B.welche aber nachdem 
berbeſſert worden, mie nicht nur davon, fondern 
auch von allen. Unftänden ſolcher Societaͤt weit⸗ 
jauftiger zu leſen derzte Th. des 1. B. (m), 


Mag der Sirius iftunterden übrigen Fixſter⸗ 
nen; das ift unter denen Verfaffern mufifalifcher 


Schriften der. Herr Legationsrath von Matthes 


’ 


fon in Hamburg. Seine Lebensjahre erftreden 
ſich faft auf 74; und feiner . Schriften find noch 
| m. mehs 


| m) Die Theorie der Muſik iſt das vornehmſte Augenmerk 
diefer Geſellſchaft, deswegen auch bloſſe Praktici keine Mit⸗ 
glieder derſelben ſeyn doͤrfen; aber fie componiren auch, 
verfertigen Jahrgaͤnge, und mas gegen eine billige Erkennt—⸗ 
lichkeit von ihnen verlanget wird. Der Geſetze find 32. 
Von den dantaligen zwölf Gliedern find der Brafde Zus 
chefini, wie auch Buͤmier und Mitzler ſchon erwaͤhnet 
worden; das ate Glied war Chriſtopb Gottlieb Schroͤ⸗ 
ter, Componiſt und Organiſt an der Hauptkirche in Rorde 
haufen; das ste Heinrich Bokemeyer, Kantor zu Wol⸗ 
fenbuͤttel; das 6te Georg Philip Telemann; das 7te 
Gottfried Heinrich Stoͤlzel; das ste Georg Fried⸗ 
rich Lingke; das gte P. Meinhard Spieß; Das 1ofe 
Georg Venzky; das ute Georg Fr. Haͤndel; das ıate 
p.ndalric. Weiß, Profeſſor im Benedictinerkloſter zu 
nk NE unten werden die mehrefien beſſer bekannt 
ema 


10 Das 1. Capitel. 


| RER 
mehrere. Alser 71 Jahr alt war, nennete er den 
erſten Theil der reudenakademie ſeine zıfte 
Schrift (n), welcher 175.1 gegen Michaelis heraug 
kam; und ſint der Zeit hat er nochan das Licht ge: 
ftellt derfelben zten Th. 1753 auf Oſtern; wie auch 
das Plus vlera oder Stuͤckwerk 1754 auf Oſtern. 
Doch gehoͤren in ſolch Regiſter noch deſſen Odeon 
morale, iucundum et vitale, d. i. ſittliche Geſaͤn⸗ 
9%, angenehme Blaͤnge, gut zur Lebens 
Zange; Tert und Ton von Matthefon , weil eg 
imn fol. auf Rupfer heraus. 1751 nad) dem erften 
Sheile der Akademie; tie auch das Trefefpiel, 
welches auf Dftern 1752 erfchien. ch Fannaber 
deſto Eürzer feyn bey der Erzehlung aller Schriften 
und Lebensumftänden , meil 1) dag waltherifche 
Lexikon hinlaͤngliche Nachricht ertheilet von dem 
Jahre feiner Gebuhrt 1081 big auf die Zeit der 
Ausgabe ſolches Buchs 1732, allwo aud) 40, theilg ° 
muſikaliſche, theils andere Werke erzehfet werden, 
welche fehon damals heraus (0). 2) Wir haben 
von ihm eine Schrift, die mufikalifche Ehren⸗ 
pforte, ing, Hamburg 1740 über 2 und ein halb 
Alph. ftarf, in welcher deffen Leben big ing Jahr 
1740 beſchrieben iſt von ©. 197 big 217, woraus 
abzunehmen, wie vollſtaͤndig ſolcher Bericht ſey, 
welchen er nicht ſelbſt, ſondern ein anderer von ihm 
| RE geges 


.n) Diejenigen arhören aber auch unter folche Zahl, welche 
nicht von der Muſik Handeln, 9 
0) Unter ſolchen Erzehlungen iſt die, von deſſen Sekreta⸗ 
xiat bey dem großbrittannifchen Minifter im wiederfächfi: 
ſchen Kreife eine der wichtiajten, welches er viel Fahre vers 
waltet; Was folches auf ſich habe, iſt nachzulefen in Mat⸗ 
ebefons Diganifienprobe, $, 293 der Vorbereitung, nach 
der vermehrten Ausgabe, | | 





Von der Muſik überbaupt. I 
gegeben (p).  Darinnen wird ©. 194 zu deſſen 
Ruhm erzehlt, wie ihm nicht vur der freyherrliche 
Fitel, ſondern auch der gäfliche angeboten wor⸗ 


den. Wieman denn in den Vorſchlaͤgen zu ſolcher 


Ehre ihn nennete: Don Giovanni, Conte di Caſta- 
mano. Weilaber keine graͤfliche Einkuͤnfte zu⸗ 

gleich angeboten wurden; fo achtete er die Eitelkeit 
der Titulatur nicht groß, zumal daet ſich in Finders 
(ofen Stande befindet. 3) Findet man von ihm gus 
te Nachricht in dem sten Zehend des Bilderſaals, 
fo 1746 heraus in fol. (9) Hierinnen find noch 


mehr Schriften erzehlt, welche damals fchon ge: 


druckt, oder druckfertig gemefen (r). 4) Findet 
man in Mislers Bibl. 3,36. 3.8. S. 535 ein 


Werzeichniß der matthefonifchen. Schriften. 5) 


Ja am Ende des erften Theils der vorgedachten 
u 7 | Freu⸗ 
p) Man kann dieſen Umſtand vergleichen mit der iꝛten Epiſtel 


des sten Buchs der ciceronianifchen Briefe. Wer aber 


Diefer Luccejus fey, fo unfers muficalifchen Eicero Leben 
beſchrieben, wird nicht gemelvet, | | 
a) Marbelons Bildniß findet man allda im faubern Kupfer: 
ſtiche, nebſt verſchiedenen Nachrichten, welche von Wal 
thern nicht beruͤhrt worden. Als wie er eine Geſellſchaft 
der ſieben freyen Kuͤnſte geſtiftet, ſo aber nur zwey Jah⸗ 
re gewaͤhret; nachdem eine andere zur Verbeſſerung des 
Geſchmacks, ſo nach einem Jahre auch wieder in ihr 
Nichts verkehret worden; wie er 1743 die holſteiniſchen 
Bedienungen abgelegt, und 1744 vom kaiſerlichen rußi⸗ 
ſchen Hofe zum Tegationsraih ernennet worden, uf. f. 
+) Schade iftes, daß dieſes koſthare Werk von Druckfehlern 
nicht frey ſeyn ſoll. Hier gedenke ich nur, daß weder das 
Jahr noch der Tag, an welchem Meartbefon geboren, 
vichtig angegeben worden, weil allda ficht 1687 den ısden 
Septembr.an hatt 1681 den 28, September, wis Walther 
und die Ehrenpforte fegen, | 


12 Das r. Capitel. 


a A LTE RAR, 
Freudenakademie hat er ſeine Schriften ſelbſt erzehlt 
bis aufs Jahr 1754 zu welcher Zeit ſchon heraus 
war der Mithridai 17495 der Panacea erfte 
Dofis 1750 auf Dftern: ‚Die zwote 1750 auf 
Michael; die dritte 1751 auf Oſtern; der noch 
nicht gedruckten, doch aber fchon verfertigten nicht 
zu gedenken. Daß er fchon 1719 vom regirenden 
Herzogzu Holſtein mit dem Charakter eines Bas 
pellmeifters begnadiget worden, ftehtinallen vor⸗ 
ſtehenden Nachrichten. 1753 den gten Februar, 
verlohr er feine Ehegattinn, eine gebohrne Yen: 
ningen aus England. Don etlichen Schriften 
muß ich allhier dem Leſer noch einigen Bericht ers 
theilen; andere werden Fünftig bey Gelegenheit bes 
Fannt gemacht. Deffen erſtes theoretiſches Werk 
heiſt: Das neueroͤffnete Orcheſtre, 1713 , 8. zu 
Hamburg (s). Wer von den vornehmſten Stüs 
cken der Tonkunſt richtige ‚Begriffe verlanger, 
und vernünftig mill urtheifen lernen, der hat bis ietzo 
noch kein beſſer Handbuch, als dieſes Guchn. denn 
auf dieſe Art foll der Kürze wegen daffelbige ange: 
fuͤhret werden. | —— 

Als er deswegen an gefochten wurde, wie §. 48 
folgen wird, ſchrieb er eine Vertheidigung feiner 
Perſon und des ietztgedachten Buchs, unter dem 
Namen: Das beſchuͤtʒte Orcheſtre, — 
A) Hamb. 


o) Der Cuſtos des Druckers verleitet mich das Bud) in 8 
anzugeben, welches Walther und die Ehrenpforte felbft in 
12 befchreiben. / Was das Wort Oschefkre heiſſe, und 
warum er fein Buch alfo! genennt, hat er felbft in demſel⸗ 
bigen angezeigt ©. 34. Ein gleiches hat er gethan in ſei⸗ 
nem muſikaliſchen Patrioten, ©, 125 in der igten Be⸗ 
trachtung. | | 


von der Mufit überhaupt. 13 


Hamb. ı Alph. mit Kupf. Diefes wird gemepnet, 
wenn ich fehreibe: Orch. II. 
Nachdem folgete 1721 das forſchende Orche⸗ 
fire Orch. III) zu. Hamb. In 12, ı und ein halb 
Alph. | | | 
Bon deffen mufica critica kam der erfte Tomus 
heraus 1722 in 4, in 4 Theilen, deren jeder wieder 
befondere Abſchnitte hat. Der zweyte Tomus oder 
Band folgete 1725, welcher den sten bis gten Theil 
enthält. Jeder Band beträgt über 2 Alph. (t) 
on den dorgetragenen Materien diefer Schriften 
wird fich bey Gelegenheit mehr bepbringen laffen. 
Faſt in allen Capiteln meines Buchs wird anzu⸗ 
führen ſeyn Mattheſons vollkommener Kapell⸗ 
meifter, zu Hamb. 1739 in fol. 5 Alph. 1 Bo: 
gen, ohnedie 8 Bogen lange Vorrede (u). Der 
Werfaſſer hatnachdem auf die Vermehrung diefes 
Werks gedacht; daher ſchon 175 1 unter denen her: 
auskommen follenden Werfen am Ende des erften 
SH. der Akademie zu finden: Der vermebrte Ra: 
pellmeifter. Diefes wichtige Werk iſt in Mitz⸗ 
iers Bibliothek weitlaͤuftig ausgezogen und * 
a | thei⸗ 


th Im Bilderſaal war unter Mattheſons Manuſeripten ein 
Deister Theil der Kritik befindlich; man hat aber noch 

nichts danon geſehen. 

u) Der völlige Titel iſt: Dee vollkommene Rapellmei⸗ 
fter ; das fit; Gruͤndliche Anzeige aller derjenigen 
Sachen, die einer wiffen, Fönnen und volllommen 
inne baben muß, dereiner Kapelle mic Ebren und 
Natzen vorſteben will. Die Zuſchrift ift an den Land- 
grafzu Heſſen, Ernſi Ludwig. Die letzte Seite ent⸗ 
hält auch ein Verzeichniß bisheriger mattheſoniſcher Wer⸗ 
fe, an der Zahl 53. 


14 | Das ı. Copitel. 


theilet worden (w). Der geneigte Lefer wird bey 
folcher Beurtheilung die Anmerkung machen Fön: 
nen: Daß Bein Menſch ohne Sehler fey; daß 
aber ſolcher bey uns gefpürte Mangel der Volk 
ommenbeit uns zur Beſcheidenheit leiten fölle, 
wenn. wir an andein einige Pergehungen 
 Wwebtnebmen. Unſere Ginficht ift ja nicht eng» 
liſch; warum will man mit feinem Bruder fo hart 
verfahren? welcher zwar nicht allezeit unferer Mey: 
nung zugethan, ung aber oftmals weiter durch 

nichts beleidiget, als daßer auch von folhen Din: - 
gen nach feinem Maß zu ſchreiben fich unterfteht, 
wodurch wir uns ein Denfmaal unferer Geſchick⸗ 
lichkeit haben ftiften tollen, ung aber meder verach— 
tet noch miderleget. Man wird herbe Ausſpruͤche 
in der Bibliothef finden wider den vollkommenen 
Kapellmeifter; man wird aber an vielen Drten ſe⸗ 
hen, daß Mitzler glaube durch des Verfaſſers lieb: 
| loſe Redensarten zu folcher bitrern Beurtheilung 
gereizet zu ſeyn (x). rip 





Einen 


w) Mitzler beurtheilet die Vorrede ſolches Werks im Th, 
‚des aten Bandesvon ©. 38 4 71. Im zten Th, hater von 
"©. 204 : 246 unterſucht den erften Theil, und die 9 erfien 
Eapiteldeszten. Im 3ten Th findet man von ©, 72: 119 
die uͤbrigen Gapitel des aten Th nebft den erften 4 Gapiteln 
des zten Theile. Im ten Th. ſolches Bandes geht Mitz⸗ 
ler von 9.96 an durch, dasstebis gte Kapitel, Im ers 
ften Th. des zten Bandes finder manvon ©. 46:60 die 
Pruͤfung des roten bis i4ten Gap. Im ꝛten Th. von S. 
276 : 304 folgen das ıste big 2ofte Cap. Im zten Th. von 
©. 477 big 538 finder mannoc die 6 legtern Eapitel, 

x) Unterden matthefonifchen noch ungedruckten Sachen war 
1746 im Bilverfanl eine Frotbwebre wider die muſika⸗ 
liſche Blbliothek; ich habe aber nicht vernommen, Daß 

ſie gedruckt worden, er 





von der Muſik überhaupt, 15 
Einen Schiedsmann zwifchen diefen Männern 


abzugeben ‚ erfordert mein Beruf nicht; ich habe 
nur zum beſſern Verftändnis der Bibliothek ans 
merken müffen‘, wider welchen Gegner Mitzler zu 


Felde ziehet, wenner auch bisweilen niemand nens 


BR (Yu: | | 
Im ten $. diefes Eapitels wird von einem an: 
dern vollfommenen Rapellmeifter etwas zu le⸗ 
fen feyn, welcher mit den matthefonifchen nicht zu 
vermechfeln, aber wohl ı Jahr zuvor erfchien, und 
baldwieder unfichtbar wurde: Kari; 


y) Will jemand nur einige Nachricht haben, was Miglern 
‚in Harnifch:gebracht, der beliebe zu merken, daß er bey eis 
‚nem Componiften die Matbematik fr eine unentberliche 
Eigenfthaft halt, woraus aber Matthefon nicht nur nicht 
vielWeſens macht,fondern er feheinet auch mit den mathe⸗ 
matifchen Maſikanten feinen Spott zu treiben, welches 
Mitzler nicht wohl leiden Fann,. wovon $. 33 etwas folgen 
- wird, - Sonderlich lefe man die Sugabe zu der Ehren: 
- Pforte ©, 420, welche der mitzleriſchen Öden auf eine 
ſolche Art Meldung thut, daß ein jeder auf folchen Nebel 
gar leicht in folgender Zeit ein ſchweres Gewitter vermu⸗ 
then Fonnte,melches auch nicht nur wider die Ehrenpforte, 
ſondern zugleich wider den Verfaſſer derfelben fich zufams 
men gezogen , und im aten Th. des ten B.S. 274 nd 
folgenden alfo getobet , daß es nicht ärger gerathen Föns 
nen, Alpbonfo, welcher einen fpöttifchen Brief Herrn 
Mattheſon zugefchickt wider Miglers Oden, bekoͤmmt alt 
da zugleich feinen Theil. Migler willihn Fennen, und hält 
den Namen fur erdichtet. In der Vorrede zu dem aten 
Bande der Bibliothek halt Mitzler ſolch Verfahren für 
eine Eitelfeit,und fir ein Zeichen, daß man in der Verlaͤug⸗ 
nung fein ſelhſt noch nicht weit gekommen ſey; er verſpricht 
zugleich hinführo hierinnen fich nach einer gröffern Voll⸗ 
kommenheit zu beftveben, | % 





16 | Das 1. Capitel. 
Ein ander Werk dieſes unermuͤdeten Mannes 
gehoͤrt zwar, wie das vorhergehende, zudem ı gten 
Caopitel von der Setzkunſt; doch da es des vorigen 
Werks Vorlaͤufer ſehn ſoll, mag es hier auch feine 
Stelle finden. Es heift: Rern melodifcher 
Wiſſenſchaft; 1737,4, 1 Alph. 1Bog. ohne die 
Vorrede. Wer es nicht haben kann, findet einen 
Auszug nebſt einer Beurtheilung diefes Buchs in 
der Bibl. B. 6 Th. S.ic und folgenden (2). 
Von der Ehrenpforte iſt ſchon etwas ange⸗ 
fuͤhrt worden, wodurch er der beruͤhmteſten Ton⸗ 
kuͤnſtler Andenken verewigen wollen, durch Anfuͤh⸗ 
rung der Lebensumſtaͤnde, wie auch ihrer loͤblichen 
Bemuͤhungen in der betrachtenden und ausuͤbenden 
Muſik, welche ein jeder ſelbſt aufſetzen und ihm zu⸗ 
ſchicken ſollte. ber viele der anſehnlichſten haben 
ſolches zu thun Bedenken getragen. Daher er das 
Werk vergroͤſſert hat durch Hinzufuͤgung ſolcher 
Umftände, welche ihm ſonſt bekannt, oder welche 
dem waltheriſchen Buche entweder mangeln, oder 
nicht recht eingetragen find (a). Noch eins, alle 
Menſchen find Fügner. Jedoch die höfliche Melt 
leidet ietzo dieſen Ausdruck nicht; daher ich mich 
——— auch 
æ) Von den guͤltigen Zeugniſſen uͤber dieſe Kernſchrift ſ. ©, 
217. der Ehrenpf. In der Anführung des Buchs werde 
ich der Kürze wegen nur den Kern nentien, k 
a) Es gefihahen die Borfchläge hierzu ſchon in der Vorberei⸗ 
tung der erſten Ausgabe der groffen Gen, 8. Schule; und 
nachdem wurden die Aufmunterungen oft wiederholet, 
welche aber wenig fruchteten, woruͤber er feine Ungedult 
„dann und wann mercken läßt. Auf der zzfien S. der Vorr, 
“führt er einige Umſtaͤnde an von den Hinderniffen ſoiches 
VWorhabens. | ——— | 


Von der Mufit uͤberhaͤupt. — 


auch deſſen enthalte, und lieber ſage: Der Herr 
von Mattheſon iſt auch ein Menſch, und folg⸗ 
lich ſind deſſen Ausfprüche nicht untrieglich. 
Ey das waͤre nicht gut! wird mancher denken. 
Sch fage aber das Gegentheil: Erhat ſehr wohl ges 
than, Daß er etwas geſagt, und nicht. gehalten. 
Diefes Verfehlen der Wahrheit iſt der ſammtlichen 
jubalifchen. Geſellſchaft erſprießlich. Nem ich int 
erſten Bande der Kritik ſagt er S. 240, fein voll 


— 


kommener Kapellmeiſter werde wohl feine letzte Ar⸗ 
beit ſeyn. Aber owie viel muſikaliſche Tractate 

find im Anfange dieſes Kerzehlt worden, welche von 
der Muſik handeln, und nach dem Kapellmeifter _ 
erfchienen. find (b) ? Wie denn ein jederben feinen 
höhern Zahren ihm eine: lange Sortdauetung der 

Gemuͤths⸗ und Leibesfräfte von Herzen anwuͤn⸗ 


fi et. DER EHE ER Ur Hy TTS 33 
en hat bey. den mattheſoniſchen Schriften noch 
zu merken, daß die letztern mehr eingerichtet find 
nad) der ietzo beliebten Reinigkeit der deutſchen 
Sprache, von welcher er nicht nur ein beſonderer 
Tebhabet iſt, ſondern er bemuͤhet ſich zugleich ſolche 
fortpflanzen zu helfen. Und da die leipziger Geſell⸗ 
ſchaft hierinnen eifrigſt bemuͤhet iſt, welche die kriti⸗ 
ſchen Beytraͤge verſchiedener Gelehrten uns mit⸗ 
theilet, fo hat Mattheſon auch daran Theil genom⸗ 
men, und etwas eingeſchickt. Man hat ſolches 
in Leipzig zwar gelobet , abet. doch 13 Anmerkungen 
darzu gefegt, fo Herrn Mattheſon allerdings nicht 
angeſtanden. Er hat ſich alſo vertheidiget wider 
den Anmerker (ſo nennt er ſeinen Gegner) in dem 
B a ER 


b) Einige find auch weiter unten zu nennen, 


\ 


18 Das 1. Capitel. 


Treſeſpiel, deſſen oben gedacht, und von welch 
$. 42 ein mehrereg folgen wirdie). | 





— 4. | Ä 

| —* iſt zum voraus etwas zu gedenken von 

ichael (d) Praͤtorius, und deſſen groſſem Wer⸗ 

fe, Syntagma muftchum genannt, in ı. Daß er 

zu Creuzberg in Thüringen gebohren 1571, unter 

andern braunſchweig⸗ lüneburgifcher | 
A er 


©) Der Befer mache ſolchen Umſtand ſich zu Nuke, under 
Die deutſche Sprache als die Mutterfprache vorziiglichlie: 
. bet, wie ein jeder fol, derfelbe lerne fich bey dem Bortra 
ge muſikaliſcher Lehren eben fo wohl, als bey andern, hiten 
vor der haͤßlichen Sprachmiſchereh, er gebe Feinen Wor⸗ 
ten im Aufange lateiniſche, am Ende aber Deutfche Buch⸗ 
ſtaben, und was dergleichen Lnfug mehr. Es wird zwar 
nicht von einem jeden Schulmeifter verlange die Recht⸗ 
ſchreibung in allen Kleinigkeiten nach der Vorſchrift der 
deutſchen Geſellſchaften einzurichten, welches ihm anfaͤng— 
lich möchte allzu fremd vorkommen; sumal,da folche Ge⸗ 
ſellſchaften weder übereinftimmen in einer allgemeinen deut: 
ſchen Spracplehre ( Grammatik) nod) in einem Wörter, 
Buche(terifon, woruͤber das — auch heftig klaget; 
unterdeſſen ſollte es doch vielmals eſſer ſeyn, was die all⸗ 
‚gemeinen Grundlehren betrifft. ku { 
d) Den Bornamen muß man nicht vergefien, weil der Zunge, 
me mehrern gemein ift. So war Zieron. Prätorius ges 
gen Diefelbe Zeit zu Hamburg Drganifi,von weichem Wal⸗ 
ther nachzuſchlagen, welcher auch von Godeſchalk und 
Sriſtoph Praͤtorius Meldung zu thun nicht vergeffen, 
Doch Fann diefes Lexikon noch vermehrt werden durd) 43, 
Joh. Prätorius,fo gegen das Ende des vorigen Jahrhun⸗ 
derts am halliſchen Symnafio ein gelehrter Rector gemer, 
en, deffen 1681 dafelbft aufgeführter David ſchoͤn geivefen; 
eyn ſoll; wie von ihm und deffen Eompofition fehr viel 
Ruͤhmens macht Bäbe im vrfüs vulpinatur, wovon f.g. 
27. Unter Mattheſons Lehrmeiſtern iſt noch cin Praͤto⸗ 
rius, ſ. unten . — Bu 


Von der Muſik überhaupt. | ‘19 


nn © 

fier zu Wolfenbüttel getvefen , zugleich aber als 
kurfuͤrſtl. ſaͤchſ. Kapellmeifter Beftallung genoffen, 
und vermuthlich 162 1 geftorben , iſt in Walthers 
Lex. zulefen. at R N 
Deſſen dafelbftin groffer Menge angeführtege 
druckte Compofition-übergehe ich gleichfalle, und 
fage nur von dem Syntagma, daß 284 Baͤnde ent⸗ 
halten follen, (4 Tomos) aber der 4te von der Setz⸗ 
Eunft iftnicht an das Licht fommen. Dererfte ift 
lateiniſch, wodurch er feine Gefchieflichkeit zeigen 
tollen, welcher heraus 1614 theils zu Wolfenbuͤt⸗ 
tel, theils zu Wittenberg; der 2te und zte find 
deutſch zu Wolfenbuͤttel gedruckt 1618. Der erfte 
Tomus gehöret vornemlich zu unferm erften Capitel, 
deſſen Capitel Innhalt bey Walthern zu leſen. 
Er handelt darinnen von der Muſik uͤberhaupt, 
ihren Wuͤrkungen und Nutzen. Beſondere 
Materien will ich in der Fortſetzung meiner Arbeit 
aus dieſem Bande zu rechter Zeit anfuͤhren, und der 
beyden übrigen auch nicht vergeſſen (e). 





Wie der vorhergehende in einigen Materien we⸗ 
gen des Alterthums bey ung den Beyfall nicht zu er⸗ 
warten hat; ſo mag ihm einer an die Seite treten, 
welcher noch im Leben, und welchen das Vorurtheil 

% RD >. 18 


e) Werkmeifter hat deffen Mannferipte und mufifalifhe 
Heimlichkeiten nit allen Briefen empfangen, welcher des: 
wegen ihn nicht genung ruͤhmen kann; nur daß die Mathe⸗ 
matik ihm ſo weit nicht bekannt gewefen , als es die Lehre 
von der Temperatur erfordert. Praͤtorius wollte weit 
mehr herausgeben, wie man denn im zten Tom. sten Cap. 
* sten Th. ©, 199 ſolche Werke zu m Theil genennet fin 


— 
20 Das 1. Capitel. 
des Alterthumsniche kann vermwerflich machen, ob 
‚er fihon ohne andern Widerſpruch nicht bleiben 
koͤnnen, nemlich, Herr Joh. Adolph Scheibe, 
Dieſer iſt 1708 zu Leipzig gebohren, allwo fein Ba: 
ter, Johann, Drgelmacher war(f). 1736 gieng 
er nah Hamburg, und in eben dem Jahre wurde er 
vom Markgrafzu ‚Brandenburg-Eulmbach, Sried- 
rich Ernſt, zum wirklichen Rapellmeiſter ernen⸗ 
nei. Er hat viel geſetzet, welches zu unſerm Vor⸗ 
hahen allhier nicht dienet. Doch faͤllt mir eben zur 
rechten Zeit bey, daß ich gar nicht noͤthig habe weit: 
laͤuftig von ihm zu reden, weil ex ſeine Lebensum— 
ſtaͤnde dem Herrn Mattheſon ſchriftlich zugeſendet; 
daher ſie auch in ihrer Ordnung in der Ehrenpfor⸗ 
‚te zu finden find S. 310 und folgenden. —*— 
wird geſagt von einem kleinen Practat:: Abhand⸗ 
Aung von den muſikaliſchen Intervallen und 
Geſchlechten. Hier aber iſt ſonderlich deſſen kri⸗ 
tiſcher Muſikus, eine Wochenſchrift, zu merken 
in 2 Sheilen(g). Der erſte iſt heraus 1737 in 26 
Stücken, und 1738 wurde derſelbe fertig, worinnen 
der Verfaſſer fich nicht meiter neunte, als daßer 
zulest eine Zuſchrift beyfügte an feinen Vater in 
Leipzig, wozu die Worrede nebft dem Regiſter ka— 
men. - | | 





Der ꝛte Theil fieng fich an 1739, Mit den 
27ſten Stück, und endigte fich mit dem 78ſten, 
— — 7 — 1J wozu 


) Welcher das Werf in der Univerſitaͤtskirche allda gehauet, 
ſoo eins der groͤſſeſten und anſehnlichſten iſt in Deutſchland. 
| €) Daß Dratthefon davor halte, es habe Scheibe die Erfins 
dung des Titels ſeiner Kritik zu danken, if in meiner Vor⸗ 


rede gemeldet, 


⸗ 


Don der Mufitüberhanpt. Sr WR 








— — 





worzu abermal die Vorrede und das Regiſter kamen. 
Misler fieng an dieſes Werk durchzugehen im er⸗ 
ſten Bande der Bibl. S. 54 des 4ten Theils, und 
©. 62 des sten Th. daer denn viel daran zu tadeln 
fand. Ja es Fam 1739 im April eine ſatyriſche 
- Schrift heraus mider dieſes Werk, nemlich das 
erfte Stück des vollEommenen Rapellmeifters, 
fo fortgefegt werden follte ; allein es blieb beydtefem 
Stücke (bh). Nachdem hat Schröterin Nordhaus 
fen, deffen S.2 gedacht worden, als ein Gegenkri⸗ 
tikus mider Scheiben fich aufgemacht in einem Era: 
ctate: Die Nothwendigkeit der Mathematik 
bey geündlicher Erlernung der mufikslifchen 
Compoſiction, dem bier. mit nschörücklicber des 
ſcheidenheit beurtheilten kritiſchen Muſikus 
erwieſen (i). Nebſt andern tadelswuͤrdigen Sa⸗ 
chen mißfaͤllt Schroͤtern auch, daß Scheibe noch 
von gar viel Dingen zu handeln verſprochen, abe: 
esnicht gehalten, fondern zu fehreiben aufgehörer, 


ehe ex zu Ende kommen. 
Nachdem kam der Eritifebe Muſikus nei und 
verbeſſert heraus 1745. groß: 8, über drey Alph. 
ſtark, mit einer Zuſchrift, Vorrede und Regiſter, 
da nennt er ſich Eönigl. daͤniſchen Bapellmei⸗ 
* B 3 ſter 


in) Ich habe an ſolches Blat in der Vorrede gedacht, wie auch 
karz borher $. 3 bey Gelegenheit des mattheſoniſchen Ka⸗ 
pellmeiſters. Es wurde vorher gemeldet im aten Th. des 
1. Band. ©. 88, aber dem Innhalte nach mehr bekaunt 
— 
3) Welche Abhandlung zu finden im ten Th. des sten Ban- 
He der Bibl, von ©, 201 bis 276. Siehe auch unten 


22 Das ı, Capitel, 
EEE 


— DA EDEN ARCHE: 
ſter (k). Es ſind einige Vermehrungen hinzu ge⸗ 
than worden, als Anmerkungen, einige aber hat er 
dem Texte einverleiber; 4neue Abhandlungen nebft 
7 Streitfchriften gehören auch zu diefer Vermeh⸗ 
tung (), AMennohne Zufag der Eritifche {us 
in folgenden angeführt wird, (oder abgekürzt: 
krit Muſ) fo iftdiefe ſcheibiſche Arbeit allezeie 

gemepnet. Denn es findet fich einander Werk un: 
ter gleicher Benennung, aber mit einen Zufaß, 
nemlich: Der kritiſche Muſikus an der Spree. 
Da nun die Spree (ein Fluß) bey Berlin zu ſuchen; 
ſo gehört auch ver Verfaſſer diefes Wochenblateg 
dahin, welches ich zwar nicht geſehen, aber doch be: 
richtet worden, daß etwa so Stücke davon heraus. 
Der Verfaſſer hat ſich meines Wiſſens dabey nicht 
genennet, auch nicht bey der 8. 424 vorkommenden 
KRunſt das Clavier zu ſpielen (m), wohl aber 
bey dem Werke von der Fuge, (ſ. $. 397) auf wel⸗ 
chem er Friedrich Wilhelm Marpurg heiſſet. 
Noch muß ich, um allen Verwirrungen bey der 
Anfuͤhrung ſolcher Schriften vorzubeugen, nicht 
vergeſſen, daß Meyers Kritikus wieder ein ande⸗ 
ver fen, „welcher wider Mattheſon geſchrieben wor— 
den, wovon $.22 mehr Nachricht gibt, Wo aber 
| Ci» 
k) Doch bin ich durch einen reifenden Muſikus neulich benach, 
richtiget worden, daß Scheibe iego auſſer Dienften fey, 
bekomme aber 400 Rthlr. algein Gnadengebalt, 
I), Die fehröterifche Beurtheilung der neuen Ausgabe findet 
man V.ULP.IV, Scheibens Brief an Matthefon 1738 
geſchrieben, von verſchiedenen Imftänden der Muſik kann 
ein Beſitzer des Kerns in deffen Anhange leſen. 
sn) Die Unterſchrift iſt Von dem Verfaſſer des kriti⸗ 
(eben Muſtkus an der Spree. ? 


Von der Muſik überhaupt. 23 


eririca mufica (oder Fürzer : crit. mu.) gelefen wird, 
fo verftehe ich das obgedachte matthefonifche 
Werk $. 3. | 


Wir ſchreiten nun zur Sache felbft. Weil in 
diefem Capitel ich von der Muſik überhaupt fo viel 
‚zu fagen gefonnen bin, als nöthig feyn wird, von 
entftandenen Streitigkeiten und dazu gehörigen. 
Büchern hinlängliche Begriffe zu geben; fo wär 
doch unverantwortlich, von der Benennung der 
Sache allhier nichts zu fagen, da doch folche Wort⸗ 
bettachrung nicht wenig beyträgt zur Einſicht in die 
Sache fell. | | 
Es iſt alſo das Wort Muſika, oder nach der deut⸗ 
ſchen Mundart abgekuͤrzt: Muſik, aus der grie⸗ 
iſchen Sprache entlehnet, allwo vom Haupt⸗ 
forte (Subflantiuo) Aaſuca, d. i. Muſa, das Bey⸗ 
wort (Adjediuum) wovswos, 9» 0v, hergeleitet 
wird, unter melchen Endungen die mittlere oder 
weibliche (uovorwr) zwar allein gefchrieben , doch 
aber das Hauptort rexva, die Kurt, darunter 
verftanden wird. Da nundie Lateiner das griechi⸗ 
fehe n wie e ausſprechen, fo wird in lateinifchen 
Büchern mufce und mufica gefunden. Wer aber | 
noch ferner nachfpüren will, moher das griechifche 
Wort feinen Urſprung habe, dem rathe ich unter 
andern, fo auch davon gehandelt, Maiers Mu⸗ 
ſikſaal nachzuſchlagen, $. 2. prolegom. (n); oder 
— Bee 0 Van das 


n) Allwo deffen Verwandſchaft mit nactzı, nachforfchen, 
angegeben, auch des Caßiodorus Meynung angeführet 
wird, daß wouoaus ſo viel fen, als omsuce, d.i. gleich⸗ 
weſent lich, wegen der Verbindung, welche die freyen 

| RKuͤnſte 


24 Das ı. Lapitel,”  "* 


—r —— — — — 
das Drcheftrelit, S. 297 und folgenden; oder 
das Syntagma Prator. Tom. 1,©. 38. 39. da 
des griechiſchen Worts Urſprung vom hebraͤiſchen 
NOV C(O) angegeben wird, welches eine Erfin⸗ 
dung, Verfertigung und Vollendung einer Sa⸗ 
che andeutet. = 
Wir bleiben jego bey dem Hriechifchen Worte 
ſtehen, und merken noch kuͤrzlich, daß die altenvon 
einem Berge, Parnaffus, oder Parnafüs ‚ tel: 


cher in Briechenland nicht weitvon Delpben ge⸗ 


legen, zu erzehlen pflegten, daß folher 2 Spigen 
habe, auf der einen mohne Dacchus, der Gott 


des Weins und der Wolluſt, auf der andern (Ges 


likon genannt) der Gott Apollo, mit feinen 9 


Muſen, weldyeunter des Apollo Aufficht den freyen 


Kuͤn⸗ 


Kuͤnſte unter einander haben. Dieſes Werks Verfaſſer, 
‚ Jofepb Sr. Beinb. Caſpar Maier, war Organift bey 
St. Catharinen in Schwähifchhalfe, und feines Vaters ges 
denkt Walthers Lexikon , feiner aber und feines Buches 
nicht, weil es zum erfienmal 1732 ang Licht gefieflet wor: 
den, zum andernmal aber 1741 weit verigebrter, in laͤngl. 


450 Nuͤrnberg, 15 Bogen, unter Dem Titul: Neueroͤff⸗ 


‚meter ıbeoretifch: und praktifcher Muſikſaal, uff, 


Der völlige Titul iſt zu lang vor ung, 94.265, 291, und 
‚394, gedenken wir diefes Werks wiederum. ' Ass 


©) Denn fo muͤſte es Billig gefehricben werden, nicht aber 


OID , mic Prätorius es zum erſteumal fehreibt, und 
dadurch 3 Eyllben zu machen ſcheint, deren doch weder die 
erſte noch mittlere ihre gehoͤrige Laͤnge (3 moras, nad) Dans 
zens Redensart) haͤtte. In ver folgenden Zeile fichet eg 
> etwas beffer ans DYN 5 gleichwohl wiirde das Me— 
tegh nachdem Parach nicht wohl weg zu laffen feyn, um 


das zu erſetzen, was der erſten Syllbe an der Längenod - 


Ds 


= 





Donder Hufitüberbaunt. 25 
| MURTTENREIEN I 


KRünften oblagen, und fonderlich der Muſik. (p) 
Das Wort Muſa wird aber auch genommen vor 
die Gelehrſamkeit, wie davon. viel (ateinifche Res 
densarten einen Beweis ablegen Eonnen (9); ſ- 
auch, mas zu Ende des $. 20 vorkommt. 00%. 
Zu der Worterklörung gehöret auch Die Anfuͤh⸗ 
sung gleichgelrender Woͤrter. Unter diefen ift be⸗ 
kannt das Wort Tonkunft, melches menigftens 
beſſer ift, als das Wort Singekunft. Denn die⸗ 
fe begreiftben weiten nicht alles in ſich, was durch 
das Wort Muſik verſtanden wird. Eine Klang⸗ 
Ent ſoll die Muſik vielmehr heiſſen, ſagt Matthe⸗ 
ſon in der Phthongologie. —— 
IE ee 


fehlet. - Sollte aber bey dem Praͤtorius das vorige Wort 
= ein anders feyn, etwa zu Piel gehörig; fu koͤnnte man das 
“ mittlere Patach rechtfertigen, allein das erfte fiel alsdenn 
„indie Brüche, und der mittlere Radicalbuchſtab müßte ein 
Dageſch haben, u. ff. Doch ſey dieſes genung zu einer 
Ausſchweifung, worauf ih nicht einmal gedacht hätte, 
wenn nicht der mattheſoniſche Kapellmeifter Durch einige 
(&, 4) hingugefügte grammmatifalifche Gedaufen von Die: 
fern hebraifchen Worte mir darzu Gelegenheit gegebgu, da 
er die 38ſte Seite Praͤtor. auch anführet, Doch — er 
dasjenige nicht, mag ich angemerfet habe, — 
p) Wer von dieſen Umſtaͤnden mehr nachleſen will, mag die 
mythologiſchen Buͤcher zur Hand nehmen; unſer Raum 
iſt zu enge zu ſolchen Weitlaͤuftigkeiten. REIHE: 
-g) Woraus man nicht unbiligdie behre ziehet, daß die Theile 
der Gelehrſamkeit alfo zuſammen verbunden find, daß Feis 
ner ohne den andern vollkommen begriffen wird; und daß 
folglich die Muſik nicht vollig zu faſſen, ohne die andere 
Gelehrſamkeit, wie hingegen auch diefe nicht ohne. die Mus 
fif. Ein ganz Eapitehvom Namen der Mufiffiehe auch 
in Biralos Topographia Hiberniae, worinnen es dag 
igte iſt, wie Walther anführe, | | 


v 


26 Dar 1. Capitel, 
——_ 


| a SE SE REN 
Was die mancherley Bedeutungen dieſes 
Worte endlich noch anlanget, fo befünmern wir 
und tego nicht um die Harmonie der Welt, met l 
che die alten denen in einer proportionirten Entfer⸗ 
nung ſtehenden himmliſchen Sphaͤren beylegten, 
wovon die Geſchichtkunde der Weltweisheit Nach⸗ 
richt gibt; auch nicht um die Menſchmuſik, wie 
der vollkommene Kapellmeiſter S. 6 ſolche nen⸗ 
net; auch nicht um die Harmonie der Sitten, 
mwovon$. 20 etwas folgen wird; fondern hier ift 
Die Rede von der eigentlich und gewöhnlich alfo ges 


nannten Mufif, deren mefentliche Befchaffenheit 
der te $. nun bald mit mehreren entdecken wird. - | 


Wie nun die Benennung der Sache, movon 
bier die Rede iſt, hoffentlich fatfanı wird erlaͤutert 
feyn; fo wird Die wahre Bedeutung des Woris 
Muſikus ebenfalls leichtlich beſtimmt, vor welches 
das deutſche Tonkůnſtler oder Tonmeiſter oft ge⸗ 
funden wird. Unterdeffenjift nicht zu läugnen, daß 
beyde Wörter (Muſik und Muſikus) bisweilen 
dem Misbrauch unterworfen find. Es martern 


‚die Ungefhickten unfere Ohren mit jämmmertichen 


and garnicht nach der Fonkunft eingerichteten Rläns 


‚gen, und gleichwohl foll es Miſtẽ heiffen. Und da 
‚unten‘. 256 eine Batzen⸗ und Schweinsmufik 


vorfommen wird; mas ift eg Wunder, wenn auch 
ein Bocksmaͤrten, ein Schergeiger und Leyermatz 
den Namen eines Muſikus von ſich gern hoͤret? 
Die Kluͤgern aber werden vor ſolchem Misbrauch 
ſich huͤten, und nur denjenigen alſo nennen, welcher 
nicht nur etwas den Ohren vorleyert, ſondern auch 
weis, warum es fo, und nicht anders, ſeyn — 





Don der Muſib uͤberhaupt. 27 


Aber wie ſtehetes um das Wort Muſikant? 
Ich antworte: Man muß die Zeiten unterſcheiden, 
fo wird deſſen Bedeutung beliebt oder widrig ſeyn 
Daß bey den Alten diefer Name einem rechtſchaffe⸗ 
nen Tonkuͤnſtler beygelegt worden, kann derjenige 
nicht laͤugnen, welcher in alten Büchern fich umge⸗ 
fehen ; aber daß der Misbrauch der Muſik durch die 
Bierfiedler, welche auch Mufikanten heiffen woll⸗ 
ten, diefes Wort verächtlich gemacht, ſollte doch 
einem Buͤcherſchreiber billig bekannt feyn. Ich 
führe es allhier an, wegen eines Federfrieges, wels 
chen diefes Wort in den neuern Zeiten etreget hat. 
Scheibe imEritifchen Muſikus nennet die gröfs 
feften Fonkünftler Muſikanten, fonderlich den fes 
figen Heren Bepellmeifter Bach in Leipgig. In 
dem sten Stücke jollte ein Brief eingelaufen ſeyn, 
worinnen Bachs Spielart ziemlich durch die He⸗ 
chel gezogen wurde. Diefer hatte Feine Luſt zu ant⸗ 
orten ; mwelchesaber 17. To. Abraham Birn⸗ 
baum verrichtete. (r) Scheibe verantwortetefich 
im Anhange des erften Theile; (s) hierauf folgete 
Birnbaums Dertheidigung feiner Anmerkuns 
gen.(t) Hierwider hat Scheibe nichts geſchrie⸗ 
ben, iſt aber doch im aten Theile bey feiner Meynung 
geblieben ; ei bediener fich ſolches Worts auch im 
Anhange zu dem matthefonifchen Kern. Daher 
der vollkommene Bapellmeifter (nehmlich das 
| —— ob⸗ 


) In den unpartheyiſchen Anmerkungen über eine be; 
ya rer ct He N in 8. 1B 
und 6 Blatter. Dieſe Schrift Hat Mitzler in der 8 ib Ä 
eingeruͤckt V.I,P, IV, von ©, 62 + 73. h 7 

(s) Hamb. 3738, 2 undeinen halben Bog. ing. 

(£) 1739. 6 Bogen ing, | 


28 Das 1 Capitel: 

N —— — ——— 
vbgedachte Wochenblat) Scheiben ſpoͤttiſcher Wei⸗ 
ſe einen unvergleichlich gelehrten Muſikanten 
nennet 2.000. 

Wenn ſonſt keine Urſache vorhanden, warum 
man ſolche Benennung weglaſſen ſollte, ſo iſt doch 
der Billigkeit gemäp , dasjenige zu meiden, was 

einer verdruͤßlichen Auslegung unterworfen (w). 
Vſus eſt tyrannus; verba valent ſieut aummi. Es 
wird bisweilen eine Münzforte verſchlagen von dem, 
welcher noch ſchlechtere zu praͤgen pfleget; ich kann 
aber den andern nicht zwingen, folche deswegen als 
gut zu nehmen, weil ich von deren innerlichen 
Werthe überzeuget bin; genug, daß fie abgefest 
itlx). Den Woͤrtern Spielmann, Spielleue 
te, ja der ehrlichen Siedel ifts aud) nicht beffer era 


gangen(y). — 
N k = §. 8. 

u) Bon dieſer Schrift ſiehe oben $. 5.’ oder Mitzl. Bibl. VI, 

E. IV. oder beſſerẽ. VL ©.75 +94. Ein mehreres von 
| —* Zaͤnkerey ſteht V. III, P. II, S. 203, und au mehr 
N ; — 


w) Wer wird doch bey dieſer Zeit einen "wirklich Frommen 
‚sum Pietiſten machen? einen Philoſophen zum Ppbi⸗ 
ſten? ein Oherhaupt der Republik zum Tyrannen gleich⸗ 
wohl find dieſe Namen dem Urſprunge und ehemaligen Ges - 

brauche nach gut. Fa ee \ 
) Wenn Matthefon von mathematiſchen Moſtkanten 
ſpoͤttiſche Ausdruͤcke vorbringt , biritebt er. D Durch die 
durch eine allzutiefe (und vielleicht eingebildete Einficht im 
> die ſchwere Mathematik ganz unbrauchbar gewordene 
Pedanten und verduͤſterte Koͤpfe. Siehe deſſen 
Pbtbongologie an Ende, Denn fo muß man deſſen 
Redensarten erklaͤren; ob er ſchon bistweilen gegen die un: 
ſchuldige und unentberliche Mathematit fich etwas hart 
auszudrücken ſcheinet, fonderlih $. ra. A 
y) Siehe was Baͤhr Davon ſchreibt Cap. 26, S. 81 —— 

wer ICHE, 





| Don der Muͤſik überhaupt. 29 


Daß wir nun endlich zu der. Hauptſache ſelbſt 
kommen, fo iſt die Minfik eine Kunſt oder Wiſ⸗ 
‚fenfchaft, die Tonklänge mit einander kunſt⸗ 
maͤßig zu verbinden und. hörenzulaflen, 
Durch diefe Erklärung denfe ich fo viel. gefagt zu 
‚haben, gls zu. dem Weſen der Muſik gehört, ob⸗ 
ſchon digjenigen auch nicht unrecht handeln, melche 
den Endzweck und Nutzen in die Erflärung der 
Sache einruͤcken. Wie deswegen der vollkommene 


Kapellmeiſter Mattheſons darzu ſetzt; Damit 


durch ihren Wohllaut GOttes Ehre und alle 

Tugenden befördert werden ) i 
Hieraus wird durch eine Eleine Beränderungein 

jeder die Erklärung eines Muſikus felbft entwerfen 


Rennen. ri a ei — 
Wsas in dieſer Erklaͤrung der Muſik das Wort 
Bunſt (als das genus) anlanget, fo finde ich 


j * Diſcourſe, Eas iſt wegen der Bierftedler luſtig 
—— * 


2) Ehedem liebte man mehr, als ietzo, die Cauſalerklaͤrun⸗ 
gen, d. i. man bemuͤhete ſich die Erklaͤrungen durch die 
Anfuͤhrung der mancherlep wirkenden und Endurſachen zu 
erweitern. Daher ſolche Erklaͤrungen oft ein kurzer Inn—⸗ 
halt waren der ganzen Abhandlung; wie man ſiehet in 
Butters Compend. und Tromsdorfs Theologia d; 
 eAlyov, Man hat aber Urfachen gefunden, die Sachs 
erklaͤrungen kürzer zu machen; und weil die wirkende ,wie 
die Endurfache, aufferliche Urſachen find; fo hat man 
folche weggelaffen,, und iſt zufrieden gewefen’ mit dem, 
was bey der Sache wefentlich heift, d. i. mit der Materie 
und Beftalle, (Sorm) wodurch die befehriebeng Sache von 
andern farfam unterſchieden wird, — he 


. _ 


9 2) Dası.dapktel 


Urfache die Alten zu tadeln, wenn fie gefungen: Die 
Muſikkunſt wird bringen in GOtt der Freuden 
viel. Denn die Philoſophen nennen dasjenige eine 
Kunſt, wobey ein aͤuſſerlich Werk hervorgebracht 
wird, dergleichen man hier auch antrifft, nehmlich 
ein geſetztes Stuͤck, oder hervorgebrachte Har⸗ 
monie. Aberfonderlich iſt hier die Frage, ob das 
andere Wort Wiſſenſchaft koͤnne von der Tonkunſt 
geſagt werden? Denenienigen, welchen die Grund⸗ 
lehren (Metaphyſik) unbekannt, ſage ich nur ſo viel, 
daß keine irrige und falſche, ja nicht einmal muth— 
. magliche und wahrfcheinliche Dinge mit diefem Na⸗ 
men zu prangen pflegen, fondern nur folche Lehren, 
welche gewis find, und auf richtigen Grund» 
fögenruhen. Aber kann man denn folhen Vorzug 
dieſer Kunſt ficher zufchreiben? Ich will mein Ta 
zuruͤck halten, weil mein Anfehen wenig gelten moͤch⸗ 
ze, und nur einige.anführen , fo dieſe Frage mit 
Fleiß unterfuht haben. A. Steffani, ein 
bt von Lepſing, und Protonotarius des päbftl. 
Stuhls, hat einen italiänifchen Traectat gefihrieben ; 
Quantacertezza habbia da ſuoi prineipii la Mufi- 
ca(a). Wir haben eine Heberfegung diefes Werks 


von Werkmeiſtern 1700in 8. s und einen halben 


Bogen, unter dem Fitel: Sendfchreiben, darins 
nen enthalten, wie gröffe Bewißbeit die Mu⸗ 
fit habe, aus ihren Principiis und Grundſaͤ⸗ 
gen, in welchem Werthe und Wirkungen fie 
beyden Alten gewefen, mit Anmerkungen erläus 
tert. Quedlinb. und Afchersteben (b). | 

ur, —— | | Mitzʒ⸗ 
a) Mehr davon ſ. in Walthers lee. 
* Was bey den Anmerkungen vor ein Fehler mit unterge 

kaufen, folgt unten 9. 52. | 


Don der. Muſik überhaupt. 31 


‘ Wisler hat eine Difputation gefchrieben : quod 
nu fica fit [eientia, (daß Die Muſik eine Wiſſen⸗ 
ſchaft fey) welche er 1736 zum smentenmalabdrus 
cken laffen , und dem Herrn Mattheſon zugeeige 
net. | | | —— 
Eben dieſer letztere Schriftſteller iſt dieſes Punk⸗ 
tes wegen mit hieher zu rechnen, da deſſen vollkom⸗ 
mener Bapellmeiſter im erſten Capitel des erſten 
Theils von einem allgemeinen Grundſatze der 
Muſik handelt. a er a) 
In praktiſchen Dingen wird der Endzweck 
ordentlich angenommen vor die Richtfehnur der 
Handlungen. - Nachdem ein zuerbauendes Haus 
foll gebraucht: werden. -von. einem Biereigen, oder 
Faͤrber, u. ſ.f. nachdem muß es der Baumeifter 
anlegen. Folglich muß aud) die Einrichtung der 
Muſik nach ihrem Endzwecke und Nutzen ges 
macht werden. Nun wird zwar gewiſſer Urfachen 
willen $- 27 vom Endzweck und Nutzen der Mus 
fi erft mit mehrern Umftänden- gehandelt; aber, 
weil ſchon $: 8 die mattheſoniſchen Worte davon 
ſo viel enthalten, als hierzu noͤthig iſt; ſo koͤnnte 
aus ſolchem Endzwecke (als dem principio cogno⸗ 
ſcendi incomplexo) leicht der Grundſatz (princi- 
‚Pium cognoſcendi complexum) gezogen werden: 
Was zur Erlangung ſolches Endzwecks dien⸗ 
lich, iſt inder Muſik vor que zu halten; was 
aber Denfelben hindert, iſt weg zu Taffen, und zu 
verwerfen (ce). Diefer Grundfag erfttecft fich 
auch aufden Gebrauch derer Mittel, Denn das: 
| jenige 


c) Der matthefonifche Grund al: Alles mu eboͤri in 
gen; fließt an jenem, j ; | ß gebörig ſ 


32 Das 1. Capitel, ' — 
—n — — ———— — 


— « ‘ r — RE 
jenige Mittel, welchesden Endzweck gewiſſer und 
Teichter befördert, ift einem andern vorzuziehen, wor 
bey die Erhaltungdes Endzwecks ungewiſſer iſft. 
Aber hierbey find die Gelehrten nicht einerley 
Meynung, indem der eine durch diefe, der andere 
durch jene Saͤtze und Gänge zu dem Endzwecke zu 
gelangen gedenft. Alſo entſtehet eine anderweitige 
Stage, was fich für ein entfcheidender & vundfag 
. Finde bey folchen mufifalifchen Streitigkeiten? 

Hier kommen 2 Sraubärte aufden Schauplatz, 
ſo ſich zu Richtern aufwerfen, Pythagoras und 
Ariſtoxenus. (abgekürzt Ariſtoren) "Sener wird 
bey den Proportionstehren $.44,75, und 100 noch 
mehr beFannt werden. Hier aber merken wir, daß 
er ein uralter Weltweiſe geweſen, und inden philos 
fophifchen Gefchichten feine Stelle finde zwiſchen 
den Barbarn und Griechen, etwa 530 Jahr vor 
Ehrifti Sebuhrt (d). Diefer fegte zum Grunde, daß 

ſolche Säge alsgiltigin der Muſik ahzufehen, wel⸗ 
che durch Die Sablen derer Derbäleniffe (Pros 
portionen) davor erkennt würden. Weil nun, 
wie im sten Cap. zu erſehen, das Monochord auch 
Kanon heift, (eine Regel) und auf demſelben durch 
das Nechnen und Meffen die ehe der 
Tan J | Kon 





d) Wer ihnnäher kennen will, Fann fo viel als hier noͤthig aus 
Walt bers ker. [höpien. Sonft wiffendie Gelehrten oh⸗ 
ne mein Sagen , daß Diogenes Loertius, Walch im 

Anhange der zten Ausgabe des philoſophiſchen Lexikons, 
der erſte und andere Band dir actorum philofophorum, 
und ſonderlich der feel, Prof. Lebmann in Jena in der 

Hiſtorie der Bhilofophie in 4, von S. 323 : 504. von 

. Pyıbagoras Nachricht geben, deſſen Ruhm fonderlich in 

der Mathematik ungemein groß ifte ——— 


Conklaͤnge hör: — hate gemacht werden; fo 
heißt diefelbige Lehre hie RBanonik, (canonica) und 
diejenigen, melche fich des Nechnens und Meffens 
zu folcher Entfcheidung bedienen wollten, heiſſen ca - 

B0onIct, S 
- Ariftoren hateinpaar hundert Jahr nach jenent 
folche Meynung beftritten,, und behaupten wollen, 
das Gehoͤr fey allein Richter bey vorfallenden 
Streitigfeiten. Walther gibt vonihm die nöthte 
ge Nachricht, wie auch von feinen in griechifcher 
Sprache gefchriebenen muſikaliſchen Büchern, ſon⸗ 
derlich von den 3 Büchern der elementorum harmo- 
nicorum (e). Die Ariftorenianer merden die 
barmonifchen (barmonici) genennet, weil fie far 
gen: Alles, was harmonirt, ift gut, Das Bes 


gentheil aber verwerflih, 
| OR Le RSR —— 


Mit welcher Meynung halten es aber die jetzt le⸗ 
benden Tonkuͤnſtler? Antwort: Sie ſind bis dato 
noch zwieſpaltig. Man beliebe von dieſem Streite 
Prinzens Hiſtorie der Sing⸗ und Blingkunſt 
nachzufchlagen, (f) Mattheſon unterſucht dies 
fen Streit weitläuftig imerften Fheil des forfchen: 
den Orcheſtre, welcher — fuͤhret: Der 


ver⸗ 


Von der Muſik uͤberhaupt. 33 


e) Welche Mareus Meibom 1652 in 4 lateiniſch herausge⸗ 
geben mit Anmerkungen, (von welchem $. 40 mehr folgt,) 
und welcher in der Vorrede von Ariftoreng Leben die befte 
Nachricht gibt. Diefe Vorrede hat Mitzler V. I, P. II, 
&,ı. beygebracht, da ern den folgenden Theilen Aris 
ſtoxens Bücher ſelbſt durchgehet und beurtbeilet. 
8) 8.6, 9. 41. Estfolgt von diefenmduche 6. 38 ein mehre 
res, von Prinzen felbit aber $ı st, 


34 Das 1. Capitel, 


vertheidigte Sinnentang (g); 'fintemal er den 
Harmonikern Necht gibt. Denndas Gehör habe 
erjt empfinden müffen, daß die Verhaͤltniß 2 zu ı, 
oder 3312 u. f.f. wohllaute, andere hingegen übel, 
Im Kapellmeiſter handelt er davon im gten Cap, deg 
ı $h.$.23 bis 29. Wenn Pritorins 1, ©. 
173, Zorber im Lobe der Muſik ©. 77, und 
andere fagen, daß Prolemäus die kanoniſchen und 
harmonifchen verglichen ; fo fagt Marthefon am 
lestangeführten Drte, daß e8 vielmehr Didymus 
gethan, ein paar hundert Jahr vor dem Pole: 
mäus, | | 

Ich will mich nicht aufhalten mit der Anführung 
vieler andern; mie zum Erempel Rircber in der 
Mufurgie ©. 133 des erften Theils den Ariftoren 
tadele; wie hingegen Baͤhr im ııten.E. feiner 
Difenrfe es mit dem Gehoͤr halte, doch aber im 
ı2ten berveife, daß man auf beyde zu achten habe; 
fondern ich merke nuran, daß Mattheſon ſich ei: 
ne Ehre daraus mache ein Ariftorenianer zu feyn, 
untd daßer ſich an etlihen Drten den jüngern Ariz 
foren nenne. (h) En 

| | Dhne 


8).8. 3 Iſt diefes ſchoͤnen Buchs gedacht worden. Des 
uſten Th. ıftes Cap. handelt vun den Sinnen und deren 
Wirkungen Überhaupt, E, 2 von den rarionsbus uder 
Zahlvernuͤnfteleyen; C. 3 yom Unterſchiede ver Mus 
ſik und Harmonik; C. 4 von der fatfamen Zärtlichkeit 
muſialiſcher Ohren. 
hy ImOrch. III. C. 4, 6.28 faßt er fein Glaubensbefennte 
niũs von diefen Streite alſo ab: “Meine principia eognoſ- 
”cendi & agendi in muficis find aus der Erfahrung 
»durch die Sinne gefommen; meine Richtſchnur ift 
»GOttes Ehre, und der Menfchen Luſt und —— 
1 ei 





von der Muſik überhaupt. 35 

: Dhnediefe Nachricht würde man nicht wiffen, 
daß er der Verfaſſer der Pbrbongologie ſey, von 
welchers..ıı folat) allwo kein anderer Urheber auf 

dem Pitel gelefen wird, .als : von Ariſtoxen, dem 
jüngern, Der Anhang zudem Bern iſt unter glei⸗ 

cher Benennung gedruckt. Man wuͤrde auch nicht 
verftehen, was Mitzler V. I. P.II, oder vielmehr 

der Verfaſſer E einer. gewiffen Schrift fagen wolle 

Durch die, ſatyriſcher Weiſe etlichemal wiederholte 

Benennung des wiederaufgelebten Ariſtoxens. 
Nehmlich D. Mitzler in der Bibliothek iſt ein Py⸗ 

thagoraͤer; derowegen er dem Herrn Mattheſon 
hierinnen ganz dreuſte widerſpricht. Und wenn 
Herr Conſtantin Bellermann, Rector in Min⸗ 
den, ſich denen Harmonikern beygeſellt in einem 
Programma, ſo 1743 1n 4 zu Erfurt gedruckt wor: 
den, fo tadelt ihn Migler gleichfalls, wenner deffen 

‚Schrift durchgehet ()).. 


mein Fundament iſt die Natur; und mein Anis, meine 
Ab ſicht in der Muſik die Bewegung des in der Seele ſte— 
yckenden ſenſus des Gehoͤrs, als des beſten Richters in 
»dieſer Sache.“ BA ER TÄREEN RR ARE 

3) V.IILP. II, ©. 559 und folgenden, ſonderlich Se563. 

Dieſer Bellermann it ein Erfurter ‚und hat mit mir dag 
hiefige Rathsgymnaſium beſucht, ein ſchon Damals fleifiger 
Setzer, guter Vibliniſt, Lauteniſt u. 1. f. Er wurde sun 
Eantorar nad Minden berufen, aber nach vinigen Jahren 
erhielte er wegen der befondern Geſchicklichkeit in den 
Hauptſprachen, Hiſtorie und Poeſie das Rectorat allda- 
Er thut aber in dieſem Programma einen Blick in feine vo⸗ 
rigen Umſtaͤnde, und befchreibt fo wohl mußkaliſche Sa: 
hen, als Perſonen, unter dem Titel: Parzejfas Mu/arum, 
voce, ſidibus, tibiisque refonans ; fine Mufices, artis di- 
winae , landes, diuerfae ſpecies, fingulares effeäins atque 
primarii auctores, 6 Bogen, 








36 Das ı.Gapitel, 


So vielift gewiß, daß nicht jedes Gehoͤr deg 
tihrerlichen Amtes fich anmaffen dörfe, fondern ein 
wohl eingerichtetes, durch gute Unterweiſung und 
tüchtige Muſter gebeſſertes Gehör; ſonſt würde ein 
jeder Tapinsmuß oder Leyermatz fich unter die Spre 
cher bey dem mufifalifchen Parlement rechnen wol; 
len. Ja jeder Bauer müßte darüber koͤnnen vers 
nommen werden; denn fie haben alle Ohren, und 
bisweilen noch längere, als Midas oder Asmus 
mit dem Puncte. Uber mas vor eine jaͤmmerliche 

Einrichtung der Mufif würde daraus enrftehen ? 
Wenn aber Durch allerhand Studien, deren her: 
nach zu gedenken, und unter welchen die Mathema⸗ 
tik eine der Dberftelleneinnimmt , der Menfch inals 

len feinen Umſtaͤnden, folglich auch im rechten Ges 
brauch des Gehörs wohl angeführt ift; fo iſt das 
"Richteramt der Ohren ſo gefährlich nicht. 

Es kommt bey diefem Streite auch viel an auf 
Die Auslegung des Worts rario. Im sten Capi⸗ 
tel kommt es vor bey mufifalifchen Nechnungen. 
Darauf fich allein zu berufen mit Ausfchlieffung des 
Gehörs, mürde zu wenig geſagt feyn. Es bedeutet 
aber jonft bey den Weltweiſen die denfende, fonders 
lich die fehlüffende Kraft der menfchlichen Seele, 
und davon läßt fich der Sinn des Gehörs nicht aus⸗ 
fehlieffen, zumal da nicht nur das ordentliche Ohr, 
ſo durch den Klang gerühret wird, hierin Betrach⸗ 
tung fommt , fondern fo fern durch daffelbige die 
Seele ſich die Harmonie und Melodie vorftellt. 





ei 


SENT 
Wir kommen auf die Materie, (Object, Ber 
genſtand, Vorwurfu. ſ. f.) womit — 
| | er 


Don der Muſik überhaupt. — 


fer zu thun hat, und woraus er Melodien und Har⸗ 
monien zuſammen ſchmiedet. Ich will mich ietzo 
nicht beſchaͤftigen mit der Anfuͤhrung derjenigen Na⸗ 
turfündiger, welche inder Lehre von der Luft davon. 
zu handeln pflegenz fondernich will erliche Schrif⸗ 
ten der Muſiker nennen, in welchen: vorn Gegens 
Stande der Mufik etwas nachzuſchlagen ift.. "Jos 
hann Georg Dörner „ Organiſt zu Bitterfeld, 
hat1743 auf 3 Bog in.g drucken laſſen Send» 
ſchreiben an S. Hochedlen den Herrn D. Win: 
ler, die Erzeugung des Blanges und derer ver⸗ 
nebmlichen Töne betreffend. Witzler häh,V- 
II, P,4,&. 372. deffen Vortrag nicht vor hins 
laͤnglich zur Erklärung dieſer Sache. Kircher 
hat viel davon in ſeiner Phanurgia noua und im er⸗ 
ſten Buche der Muſurgie k) Bon der£uftund 
demRlange findet man darinnen viel befondere Dins 
ge. Janowka, unterdem Worte: tonug. kann 
auch geleſen werden: Euler in ſeinem eent amine 
mouae theoriae mujicae hat auch eine phyſikaliſche 
- Abhandlung von dem Zone (1). Das Örcheftre 
111. Mattheſons hat in der WVorleſe viel leſenswuͤr⸗ 
diges hiervon beygebracht. Eben dieſer Werfaſſer 
hat im vollkommenen Kapellmeiſter €. 3 des 1. Th. 
von S. ↄ bis 20 davon Ben (m); Doch hat 
—— ir a ER 














k) Bon ihm und diefen Büchern ſiehe .t3. 

yy) $: 55 folat mehr von diefem Buche. rar An 

m) Weil er allhier noch nicht Die Tontlänge, ſondern den 
Klang anfieht ald die Sache , mit welcher fich der Muſikus 

beſchaͤftiget; fo gibt er allda ©. 9 deflen Belhreibung : Kr 
fey einegewiffe gefehwinde Bewegung und Zuſam⸗ 

menſchlagung der feinſtenLufttheilchen, ‚Die empfind⸗ 


lich ins Gehboͤr dringen. br 


a. TB wo 


er diefe Materie noch einer Unterſuchung wuͤrdig 
geſchaͤtzt, und deswegen einen beſondern Fractat 
geſchrieben unter dem Fitel. Uriſtoxeni iunioris 
——— Verſuch einer ſy⸗ 
ſtematiſchen Klanglehre, wider die: irrigen 
Begriffe von dieſem geiftigen:(n) Weſen/ von 
deſſen Befchlechten, Tonarten, Dieyklängen; 
und auch vom mathemätifchen Muſikanten 
nebſt einer Vorerinnerung wegen der behaupte⸗ 


on bimmlifchen Muſtke Hamb. 7 
Degen. Daß ſte Cap. S, zo handelt vom Klan⸗ 





ge anti Wenn eng. 4 gezeiget/ daß ein 
Intervall an ſich Fein Klaug fey, fondern det 
leere Raumsisifchen Tonklaͤngen ſo verthei⸗ 
diget er g.6 S 35 dieſes neuangefuͤhrte Wort 
Tonklang⸗ undhältforhen(g.g) als 'emas eins 
zelnes vor den wahren Unterwnef ( Objece) der 
MUNE nicht aber den Ton, als melcher fehon aus 
3 Stuͤcken muß zuſammen geſetzt werden(0). "Noch 
ERRSINUGG INS Urn Intl — seine. 


' Pr > * R 4 


8 3 


n) Beifklichiütetwsas anders.” «Beittigheift, was keine koͤr⸗ 
herliche Sache ützaber auch Fein Geift. Bon Arifforen jum, 
| ſden vorigen . — Bar nnd 

9) Einjeder Tonklang ifalfg ein Klang; aber. es in nicht 
Jever Klang ein Tonflang ; diefer it zwar Fein Geift, 

aber doch eine hörbare Subſtanz, fo feinen Körper hat. 
Wollte jemand jagen, die Luft Forperlich ; den antwor⸗ 
teter $ 12 daß vie Luft hicht kli 


1» 


üge,, ſondern fre'fey mut 
das vehiculum des Klanges,, :d. i. ‚fie thue nicht meht 
als ein Brieftraͤger bey dem Briefe ‚welcher; ihn nicht 
ſchreibt, wohl aber an den gehoͤrigen Ort hriugt. Was 
das Wort Ton betrifft, ſo iſt hier zu merken, daß es dem 
Urſprunge nach griechiſch ſey, von dem perfecto medii des 
Worts 7äKa rh ich dehne Rus; von welchem die 
ARBEIT! Sr Sr ‘he 


Von der Mufib überhaupt, NER 


IE ————— —— — —— RT 
eineneuere Schrift iſt hier zu merken, nehmlich M. 
Johann Michael Schmidts (d. 3. H.) Mufi- 
co-theologia, „der erbanliche Anwendung muſi⸗ 
kaliſcher Wahrheiten; Bayreuth und Hof, 1754 
in 8, faſt Alph. Dieſer hat im 2ten Capitel von 
den Toͤnen, und wie ſie erzeuget werden, eine leſens⸗ 
wuͤrdige Abhandlung, ſo gut man jemals ſolche bey 
einem Naturkuͤndiger antreffen wird. 


—— Re 

In der Erklärung der Muſik 8.8 befindet fich 

das Wort kunſtmaͤßig zu verbindenu. f.m. wo⸗ 
durch abermal etwas, ſo das weſentliche der Mu⸗ 
ſik betrifft, angedeutet wird, welches in der Grund⸗ 
lehre die Form zu heiſſen pflegt, das iſt, die Art 
und Weiſe, wie die wirkende Urſach mit dem 
Object umzugehen hat. Denn ein jeder wird 
leicht begreifen, daß nicht ein oder etliche Tonklaͤnge 
‚den Namen einer Muſik führen koͤnnen; fondern fie 
müffen funftmäßig zufammen gefügt werden. Weil 
aber die Erklaͤrung nicht nur auf die betrachtende 
(theovetifche) (p), — auch auf die ausuͤben⸗ 
ie de 


ſche Grammatik zu lehren pflegt, daß das Jota muͤſſe weg: 
fallen, und daß das ⸗ ſich verwandele in o. Hieraus er⸗ 
hellet, daß kein h darinnen erſcheinen doͤrfe, widrigenfalls 
wuͤrde man den Thon eines Toͤpfers von unſerer Sache 
nicht koͤnnen unterſcheiden. Zwar findet man in unſern Ge⸗ 
ſangbuͤchern das Wort Thon an ſtatt Melodie gar oft; 
als wenn es heiſſet; Im Thon: Vater unfer im-Dint 
melreih; Allein, entweder hätte man es vor ein ander 
Wort zuhalten, oder die alten haben den griechiſchen Ir: 
fprung nicht eingefehen. E8 hieß vieleicht: graeca funt, 
non poflunt legi nec intelligi, | 


p) Vom griechiſchen Yeweew , ich betrachte. 


40 Das 1. Capitel. 


de (praktiſche) (q) Muſik gerichtet ſeyn mußte; 
ſo iſt auch darzu gefeßt: und hören zu loffen, 
Wiewohl einige dag Seren: ( Lomponiren ) 
auch fchon zu der ausubenden rechnen. 


$: 13. 

Man koͤnnte zwar fagen, mie fonft die Gottes⸗ 
gelehrten von ihrer Theologie zu reden pflegen: mu- 
fica, quantaquanta efl, totaefl Practica ; das ift: 
Alle Lehren der Conkuͤnſtler leiten gewiffermafr 
fen zu der Ausübung ; gleichwohl ift eg nicht un: 

recht folche, wie im vorigen $. gedacht, in die theo⸗ 
retiſche und praktiſche einzurheilen y nachdem fie 
von der wirklichen Ausübung weiter entfernt, oder 
mit derfelbigennäher verbunden fl. Die prattie 
ſche ift wiederum (wie einige wollen) entiveder die 
melopoetiſche (r), welche fich befchäftiget mir dem 
Setzen mufifalifcher Stücke: oder die executivi⸗ 
‚be (s), das iſt, wenn ſolche Stuͤcke wirklich auf⸗ 
gefuͤhret werden. Das übrige alles Eann füglich 
zu der betrachtenden gerechnet werden, Daher 
folgende haufig vorkommende Medensarten dem 
Leſer muſikaliſcher Schriften bekannt ſeyn muͤſſen: 
Die hiſtoriſche Mufik, das iſt , Welche die Ge⸗ 
ſchichtkunde enthaͤlt, oder den Urſprung und Wachs⸗ 
thum der Tonkunſt bekannt macht; die arithmeti⸗ 
ſche, welche die in den Muſikbuͤchern vorkommende 
Rechnungen lehret; die geometriſche, ſo mit dem 
M Vom griechiſchen medrrws ich tbue, | 
r) Bon denen griechifchen Wörtern rosew, ich mache, und 
‚MEAag, ein Geſang, Melodie ce, Ri 
) Das Inteinifche Wort ex/egwi heiſſet vollzichen, ausrich⸗ 
vn, era | | 


Don der Miufit- überhaupt. , 41 


Abmeſſen der Saiten und Pfeifen zu thun hatz die 
mechaniſche, welche mit der Nerfertigung mufiz 
Ealifcher Snftrumenten befchäfftiget iſt; die bezeich- 





nende, (mufica fignatorsa) welche ung die nöthigen 


Lehren von den Zeichen, ſo bey den Fonfünftfern ges 
braͤuchlich, bekannt macht; die Wundermuſik 
(prodigiofa) hat den Namen von den wunderbaren 
Wirkungen, von welchen $:17 und gs zu reden. 
Wiewohl in Kirchers Werken durch mu/icam pro- 
Aigioſam aud) verftanden wird eine befondere Stel⸗ 
lung der Snftrumenten und Ableitung des Schalls, 
da man nicht ‚gleich begreift,, woher folcher kom⸗ 
me(t). a Daran, — Fr 
RE RER ER —0ch 


S deſſen Mufurgie, ſonderlich im gten Bade, Es ent⸗ 


hält aber auch deſſen ſchon genannte Phonurgie viel ber 


fondere Umſtaͤnde, da er unter andern zeigt, auf was Arf 


"ein fliegendee Drache (von Menfchen gemacht) in der 


Luft koͤnne muficiren, Sin Anhange des’zten Buchs, ©.167 
hat er vondes Michael Todini wundernswuͤrdigen Eins 
richtung folgendes, welches ich der Ingelehrten wegen. aus 


dem lateiniſchen uberfegen will, doch nicht von Wort zu 


Wort. Seine Kunftiftinz Kammern befindlich ; in dere 
erſten iſt eine Orgel nach allen Negeln der Sehkunſt mit 
vielen Pfeifen, vergüldet,, um welche 4 Elavicymbel zu 
ſehen, worunter das groͤſſeſte das Zaupt⸗Clavicymbel 
heiſſet, welches die Bewegung. denen uͤbrigen dreyen mit—⸗ 


iheilt. Das groſſe ſoll A heiſſen, die uͤbrigen B. C. D. 


Es geht der Kuͤnſtler zu dem, und ziehet die Regiſter, auf 
eine unbegreifliche Art, und muntert die Zuhoͤrer auf durch 
ein Concert, Hernach Klinge B auf das licblichfte mit, 
welchen D folgt, fo mit B concertiret, und endlich auch 
C. Hernach klingen fie alle zugleich, und die Taften bald 
auf dieſem, bald auf jenem, bewegen ſich wechfelsweife, 
bald bey einem allein, bald bey alten zugleich, ohne daß 
eine Hand folche beruͤhrete, oder man irgend eine DEI 

| oder 


42 \ Dası, Capitel, 
nl a 
Doch willich hier Gelegenheit nehmen von dieſem 
Manne mehr zu reden, von welchem es heißt: Lau- 
datur ab his; culpatur ab illis, Diefer Jeſuit, 
Athanaſius Kircher, iftgebohren 1602 im Ful⸗ 
diſchen, geſtorben 1685 im gften Jahre feines Le⸗ 
bens. Er lehrete zu Wuͤrzburg in Franken, her⸗ 
nach zu Avignon in Frankreich , zuletzt lebte er zu 
Rom. Im Jahr 1650 gab er zu Nom einen la⸗ 
teiniſchen Foltanten mit Rupfern von der Muſik her: 
aus, ohngefähr 6 Alphabete ftatf, unter den Fis 
tel: Mufurgia oniuerfalis, [. ars magna confoni & 
diffoni. In Rom Eoftetees 12 Rthir. Der erfte 
Tomus beſtehet aus 7, der zweyte aus 3 Buͤchern. 
Der Zueignungsſchrift zu Folge iſt die erſte Aus⸗ 
gabe geſchehen 1649. Die zte abet 1654 (u). 
Einige halten ihn vor ein Wunder feiner Zeit, wel⸗ 
chen ich alsbald beyfallen würde, menn manmich 
verfichern Eönnte von der Wahrheit deffen, was un: 
ten $,396not. r gefagt wird (w); andere * 
— D— | | * dein 


oder Faden getvahr wiirde, wodurch fie gezogen werden 
koͤnnten. Dean follte es vor Hexerey halten. Indem die⸗ 
ſes geſchiehet, veraͤndert der Meiſter das Regiſter heims 
lich, und man vernimmt die ſchoͤnſte Harmonie einer Big: 
lin mit denen Claveſſins; wo aber folche verborgen fey , be: 
greift niemand, Wenn Ddiefes vorbey, hörkman eine, mit 
den Elavelfins licblich einftimmende Leyer, fo deito mehr 
zu verwundern, teil er ftets die neh mlichen Taſten des gröfs 
fern Werks berührt. Hernach laͤſſet fih die Orgel mit 
ihren verfihiedenen Negiftern hören, u. f.f. Kircher fee 

aber nicht Hinzu, wie ſolches zugegangen ſey. | 
-u) 8. Walth. ker. Es ift bedenklich, dag er in der Borrede 
erzehlt, er fey Fein wirklicher Mufikus , Berdienftes wer 
gen fere er auch nichts ; doch koͤnne er Davon fchreiben. 
w) Jo. Baptiſt, ein Roͤmiſcher Sefretair, nennet ihn in fei: 
nen 








Von der Muſik uͤberhaupt. 43 
deln deſſen Leichtglaubigkeit (x); noch andere def? 
fen dunkele Schreibart nebft einer Menge neuer 
Woͤrter (y), welche oft ſehr fürchterlich Tauten." 
Es hat ein evangeliſcher Pfarr zu Baͤchlingen in 
der Graͤfſchaft Hohenlohe, Andreas Hirſch 1662 

| | EN? einen, 


€ 6 ur wine I j r - “ 
nurdie vorgeſetzten Inteinifchen Berfen einen . 


bunden. Ex hatte ſich einſt verlanten laffen , die alte 
snegyptifche Speacbe ſey noch vorhanden. Daher einer, 
mit Ramen Andreas Müller, eine Schrift erdichtete, und 
ihm zuſchickte, mit dem Vermelden , ſie Fame ihm als eine aͤgy⸗ 
x Nm vor. irhet (als wenn er folche verftanden hätte) 
"erklärte fie nüch wirklich vor eine aͤgyptiſche; weswegen er 
ziemlich verlacht wurde. ⏑— Eee 
y) Babr in der Fuchsjagd ©. 31 fehreibt : Kircher iſt in ſei⸗ 
ner Mufurgie nicht der befte Vetter, + : iftex profeſſo 
"Fein Mufifus gewefen, und hat kein Buch von feichterer 
Gelehrſamkeit, als eben dieſes, gefchrieben, fliegt auch hin 
- and wieder mit fremden Federn" u. ſ. w. Das Orcheftre 
„I, 1 der Einleit. ©. 5 erzehlt, daß ein vornehmer Here 
. die Mufurgie gelefen, und fich gefürchtet, durch folche er; 
ſchreckliche Kunftworter die boͤſen Beifter zu beſchwoͤren. 
Einiger maffen gehoͤren mit hierher deffen mufiea combi- 
natoria, rhetorica, 'fphigmica,’ethica, politica, monar- 
‘ chiea, arifföcratica, democratica, @conomica, meta- 
\ 'phyfiea, hierarchica, archetypa,cet, Welches bey unfes 
rer Eintheilung der Muſik ven Nachtifeh oder Eonfect vor; 
ſtellen kann. - Mehr Lobfpriiche (ſeil.) des Kirchers er: 
ehlt das Orcheſtre Il von dem Meibom, Morbof, Men: 
ken, le Clerk, Gundling, Voſſius, Owen, Hottinger, und 
ſo weiter, Siehe z. E.S. 49 und 294. 


44 | Das ı. Capitel, 


einen deutichen Auszug aus der Mufurgie zu Halle 
in Schwaben drucken laſſen, in. ı. Alph. ftark, 
unter dem Titel: Kircherus » Jefuita Germanus, 
Germanigeredonarus ; [. Artis magnae de con/ono 
ei diſſono arsminor, _ Fu 19 
IA $. DA 
Welchen Subftanzen wird die Ponkunft beys 
gelegt (2)? Antwort: In der ordentlichen Bedeu⸗ 
tung den Menſchen, welche zu deren Erlernung 
von ihrem Schöpfer mit dem Werſtande begabt 
ſind (a). Obaber die Engel im eigentlichen Ger⸗ 
ſtande muſiciren, geht uns auch dieſesmal wenig an; 
er ja fagen wollte, müßte wenigſtens einen groffe 
Unterſchied ihrer und unferer Muͤſik dabey anneh⸗ 
men. So lange die Natur der Geiſter ung nicht befs 
jer befannt wird; ſo lange werden auch folche Fra⸗ 
gen nicht wohl koͤnnen beantwortet werden. Sie 
haben geſungen, esift nicht zu laͤugnen: Ehre fey 
SOOtt in der Hoͤhe; ſie haben au mit den Men⸗ 
ſchen geredet, worzu eben ſolche Glieder gehören, 
welche das Singen erfordert; aber von einigen 


2) Die Metaphyſiker nennen e8 fabiedum, Es ift ſolches 
entweder guod, vder zotale, dergleichen hier der ganze: 
Maenſch waͤr; ver quo das iſt partiale, dergleichen der 
menſchliche Verſtand ſeyn kann, zumal bey der theoreti⸗ 
Shen, wovon ein andermal. J | | 
a) Im uneigentlichen Verſtande muficiren unten $.256 auch 
die Katzen und Schweine. Sonderlich find einige 96% - 
gel vondem weiſen Schöpfer mit folchen Kehlen begabt, 
daß fie nicht nur vor ſich angenehme Melodien hören laffen ; 
ſondern fie ſind auch einiger Rehre fähig, und lernen vorge 
pſiffene Chorale und andere Rieder, Doch iſt es eigentlich 
nichts vernünftiges, ſondern der Vernunft nur etwas aͤhn⸗ 
liches. ss Fr 


— 


Don der Muſik überhaupt. 45 


ſikinſtrumenten haben wit feine Spur. Und was 
das Singen betrifft, ſo wuͤrde man einwenden koͤn⸗ 
en, daß folche durch angenommene Förperliche 
Gliedmaſſen gefehehen. F RB 
Hier iſt aber eigentlich die Frage, obihre englis 
ſche Natur der eigentlichen Vocal⸗ und Inſtru⸗ 
Mmentalmuſik fähig ſey. Und hierbey ergreife ich 
das erregen. ER 
Ein Drganiftzu Waldenburg in Sachſen, wel 
cher fihnur duch 3.€. V. O. W. zu erkennen 
gibt, hat 1742 in Erfurtben Jungnicol in 4 aufıg 
Bogenein Geſpraͤch drucken laſſen von der Mu⸗ 
ſik zwiſchen einem Organiſten und Adjuvan⸗ 
ten, in 4Unterredungen. Dieſer haͤlt viel von der 
Ecngelsmuſik, wie in der aten Unterr. ©. 140 zu 
leſen; ſogar, daß er auch meynet, daß wenn die 
Menſchen dereinſt unter die Zahl der Engel wuͤrden 
gezehlet ſeyn, fo wuͤrden ſie die Himmelsmuſik nicht 


befördern, ob fie ſchon auf Erden die Muſik vers 


| Ya fondern fie würden nur ihren Benfall ges 
‚ben. , | | 
Einiger Schriften wegen müffen wir bey der Fra⸗ 
. ge noch etwas verweilen, indem darüber ‚heftig ges 
‚firitten worden. Marthefon fucht zubehaupten, daß 
nicht nur den Engeln zuerft die Muſik angefchaften, 
ſondern daß auch die feligen Menſchen durch Bey⸗ 
huͤlfe ihrer verflätten Glieder wirklicy und im eis | 
‚gentlicyen Derjiande die vocal und inftrumental 
Muſik treiben würden, GOtt zum Preiß, fich aber 
zum Vergnügen. Deſſen Fractat führer den Ti⸗ 
tel: Behauptung der bimmlifchen Muſik aus 
den Bründen der Vernunft, Birchenlehre und 


hei⸗ 


46 | Dis 1, Cäpitel, 17 r 
a 
En. Schrift, : Hamburg 1747. 8, 10 Br 
gen (b), —* | 
“Die hamburgifchen Berichte beurtheilten ſolche 
Schrift aufeine Art, fo dem vornehmen Werfaſſer 
nicht gefallen Eonnte(e), : Daher: er in der Vorer⸗ 
innerung ſeiner (9 Ku gedachten) Phthongolo⸗ 
gie ſich zu vertheidigen bemühet ift, bis S. 29, 
orunter auch Auszüge aus "Briefen befindlicy, 
welche ſeinen Vortrag gebilliget. Mitzler warf ſich 
auf in dieſem Streite als einen hitzigen Verfechter 
der entgegen geſetzten Meynung bey Gelegenheit der 
Beurtheilung des quitsfeldiſchen Breuiarii V.I. 
PU, der Biblioth. S. 28 (qh. | dere 

Er erzehlet aber felbft V. IH, P. In, SS, 581, 
daß in den vegenspurger Nachrichten von gelehrten 


Sachen Im ııten Stück eine Anmerkung wider 
ihn (Mislern) eingerückt worden, aus Enheim in - 
Franken. Sie heißt: geündlicher Bewels, daß 
im ewigen Leben wirklich eine vortreffliche 


b) Bey Chriſtian Zierold zu haben, Mattheſons Name 
ſteht nicht auf dem Titulblate, wohl aber nach der Didi: 
cation. 
e) Er hält ſich über ſolche Cenſur deſto mehr auf, da eben die: 
ſelbigen Blätter bey der Beurtheilung feines Sela ihn fchr 
gelobt, und aller Orten Zegationszarh tituliret ; num 
aber, da fie etwas unglanbliches zu finden vermeynen, wär 
pie beyer ganz umgeftimmt, und heiffe er nun Kapellmei⸗ 
er | | — 
a) Er will erſt bewieſen haben, daß im ewigen Leben Luft ſey; 
welches ihre Eigenſchaft? ob unſer Ohr auch noch ſo ſey 
wie ietzo ? Er verlacht den Sylverius, einen Mond, wels 
eher Dort will Pfeifen, Geigen, und Orgeln finden; Mei 
nen hl Ha welcher allda folmifiven wollte. 
uf, | | 





| Don der Muſik überhaupt. 47 


AARERE Seuksa Anlass 
Mufit fey. Von M, Jo. Cbrifioph Ammon, 
brandenburg⸗ anſpachiſchen Paſtor dafelbft (e). 

Auf dieſes iſt in eben denſelben woͤchentl. Nach⸗ 
richten im 41 und 42 Stuͤck geantwortet worden 
von Mitzlers Schüler, Schneider genannt, auf 
Mitzlers Befehl, welches mit deffen Anmerkun⸗ 
gen en in die Bibliothek eingerückt von ©. 585⸗ 
BOH IK)... ; | ; 


Mattheſon hat mehr von diefer Sache geſchrie⸗ 
ben; wie denn die Panacea, und fonderlich de: 
ten zwote Dofis, ©. 108 drey Einmwürfe beant- 
wortet, welche ihm wider die himmlifche Muſik ger 
macht worden, aus Pf. 104, 30. Apoft. Geſch. 
3,21. Dffenb. 5, 8. Die dritte Dofis handelt 
©. 1.45’ auch mit wenigen davon. In der Freu⸗ 
denakademie gedenft er an etlichen Orten diefer 
Sache, ald ©. 197, $. 109 des erften ‘Bandes 

; aus Hiob 38, 7. Wo wareft du, da == mich 
die Morgenſterne lobeten u. ff. (g). Kinen 

| | | | Sets 


e) Er fragt: Warum Feine Luft follte Eonnen im Himmel 
ſeyn? GOtt koͤnne fir einrichten, daß fie fich vor verklaͤrte 
Leiber ſchicke. | | 

£) Der Vorname iſt G. L. und er heift ein Candidatus beyder 

Rechten. _Er legt die angeführten Schriftſtellen, fonder- 

un ganzanders aus, &- 594. not; * 

ſteht Miglers Glaubensbefenntnis vom Zuftande des ewi: 
‚gen Lebens, welcher nicht glaubt, “daß Hr Korper mit 
in den Himmel eingehen werde.” Ich fege die Ausdruͤ⸗ 
cke nicht hierher, womit viel Gottesgelehrte nicht werden 
zufrieden feyn; noch weniger fehickt es fich , folche hier zu 
beurtheilen, 


, 8) Durch die Morgenſterne verficht der Derfaffer Hi 7 
1) Ns 


d 


48 Das 1. Capitel. 
Vertheidiger findet auch die Himmelsmuſik an 


dem HF. 1.2 gemeldeten Schmidt $. 97 der Mufico. 


theologiae, 


Nenn ed richtig, daf den ſeligen Menſchen 


und den guten Engeln die Muſif abzufprechen ; 


jo würde der Schluß noch mehr gelten wider die 
bofen Engel. : Sollte aber die Engelsmuſik 
beſtehen, ſo fragt es ſich, ob auch die Teufel koͤn⸗ 


nen und pflegen zu muſiciren? Mancher wird hier: 


über ein fpörtifch Gelächter hören laffen, meil die _ 


Teufel trauer Beifter genennt werden und weil 


fie 


Plancten; und in der Anmerk.“ fast er, daß ein gemiffer 
Geiftlicher deren nur 6 zehle, weil die Sonne nicht mie 
darunter gehöre, ”fo doch von allen gelehrten Sternkindi: 
gern privilegirt ſey.“ Aber mit Erlaubnis zu ſcherzen: 
Die Privilegia gelten mehrentheils nur auf eine gewiſſe 
Zeit; vielleicht iſts mit diefem auch alſo beſchaffen. Der 


Sonnen Privilegium fcheint verfloſſen, weil die Kluͤgern 


einen Planeten ſich nicht anders vorſtellen, als einen himm⸗ 
liſchen Körper, welcher ſich um feine Sonne beivegt, um 
derſelben Licht und Wärme zu genieffen, weil er Fein eiges 


nes hat. Beydes ſchickt fich vor die Sonne nicht; fie bez 


darf feines fremden Lichts; fie laufe nicht um unfere Erde, 
auch um Feine Sonne noch andern Himmelskoͤrper. Schei⸗ 
hen alſo nur 6 zu bleiben, nehmlich Saturn, Jupiter, 


Mars, Venus, Merkur, und unfere Erdkugel. Der 


Mond kann nicht zu folchen gehören; denn er iſt ein Ne— 


benplanct oder Trabante, und wirden dies Monden deg . 


Saturns wie die 4 Monden des Jupiters gleiches Privile⸗ 
gium fuchen, daß alfo die Planeten unferes Syſtems eine 
Gärtnersmandel ausınachen wurden, Und die mathemas 
tiſche Unterſuchung von dem Kauf der Erde um die Sonne 
iſt nunmehro zu folcher Gewisheit kommen, daß man dieſe 
Lehre nich mehr unter die hypothetiſchen oder muthmaßs 


lichen zu rechnen pflege , fondern unter die voͤllig berpieige- 


ten, Haec obiter, 





Donder Muſikůberhaupt. 49 











ſie durch die Muſik oft ſollen vertrieben worden 
ſeyn; welches die Begebenheit Sauls und Da⸗ 
vids nach einiger Auslegung beſtaͤtiget. Dem 
ey aber ſo, oder anders, ſo iſt mir doch erlaubt eine 
mattheſoniſche Schrift hier bekannt zu machen, wel⸗ 
che von dieſer Frage eine curiöfe Erzehlung mitthei⸗ 
(et. Sie heißt: Etwas neues unter der Son: 
nen, Oder das unterirdifche Rlippenconcert in 
Norwegen, aus glaubwürdigen Urkunden auf 
Begehren angezeist von Mattheſon, im Brady: 
monat 1740. Es wird niemand verlangen, dieſe 
Schrift weitläuftig durch einen Auszug mitzuthei⸗ 
fen; genung daß ich fage, fie enthalte einen Bericht 
des General Bertuchs (h), von einer Maſik in ei- 
nem Berge bey Ehriftianin: in Norwegen, alle 
Weihnachtsabende, welche ein Lehrjunge, fein Lehr⸗ 
herr, Heint. Meyer, als Stadrmufifant, und drits 
tensder Cantor aufden Bericht eines Bauren mie 
angehört, bie der Drganift endlich herausgefahren : 
Ey! feydihr von GOtt, ſo laßt euch feben; 
ſeyd ihr aber vom Teufel, fo hört einmalauf.” 
Worauf alles ftille worden, der Drganift aberhabe 
gelegen, als vom Schlage aerührt, und. gefchäus 
met, daß man ihn wegtragen müflen. Der eine 
davon hat eine Melodie gemerkt, welche Mitzler 
ſammt der ganzen Erzehlung mir eingerticket hat 
V.t1,P, 11, der Bibl. von ©. 1517169. Er felbft 
Wa ; D aber 
h) Er iſt Commendant in Aggerhuus, und ein braver Mufi⸗ 
kus, zugleich aber Mattheſons guter Freund, wel 
cher auch ihn, nebſt andern, das Orcheſtre II- zugeeignet, 
wovon 9. 48 cin mehrers. Bertuch hat alle Zeugen vers 


‚hört, alles beſchwoͤren laffen, und die Auflagen an Mas 
> thefon abseſchickt. — ſee | 


so Das 1. Capitel, 

aber kann fich nicht entſchlieſſen, diefer Erzehlung 
Glauben beyzumeffen 5. was er vor Urfachen ange⸗ 
be ſeines Zweifelns, kann der Leſer bey ihm fin⸗ 
den, ſonderlich S. 163 und folgenden. 4. 


So war demnach der Menſch dag Subject der 
Klangkunſt auf dieſer Erde; - infonderheit aber bar 
fie Ihren Sitz im Verſtande, wie alle Arten der 
Gedanken und der Erkenntniß (i). Wir fegen dar 
her etwas dazu vom: mufitslifchen Naͤturel. 
Wobey ein groſſer Unterſchied zu machen unter de— 
nen, jo die Muſik als ein Nebenwerk anſehen, 
und unter ſolchen, welche daraus ihr Hauptwert 
zu machen gedenken. Dieerftern mögen nur einis 
ge Fähigkeit beſitzen, ſo kann folche hinreichend 
ſeyn; aber von dergleichen iſt allhier eigentlich die 
Dede nicht. Wer aber von der Mufik mit der 
Zeit fein Glück erwarten will, von dem wird. mehr 
erfordert. Man wird aber leicht begreifen, daß, 
nachdem jemand fich entweder dag Sesen muſika⸗ 
liſcher Stücke zum Hauptgegenftanvde wehlet, oder 
derfelben Aufführung, (Exſecution) oder die obges 
meldeten theoretifchen Theile, er auch die Fähigkeit 
darzu haben müffe. - Zudem Wiſſen gehörer ein 
ſchaͤrferes Nachdenken, welches die Sittenfehrer 
in dem fo genannten cholerifdyen Temperamente 
finden mollen. Diefe Vollkommenheit iſt zwar 
den Komponiften auch unentberlich ; doch will die 
Einbildungskraft, fo zu dem fangvinifchen 
Temperamente gerechnet wird, bey dem Seger 
in hohem Grade noͤthig ſeyn, wegen der — 


h Dieſes heiſt abie dm quo oder parriale, 


Von der Muſik überhaupt. 51 


— — ⸗ 











Einfaͤlle, fo von ihm erwartet werden. Und wenn 
beyde. gemeldete Arten der Muſiker zugfeich ‚mit ei 
nem gutgh Sedachtniß begabt zu feyn ſich rühmen 
 Eönnen;.fdift es deftobefee(k. un, 
Wer nur zu der Aufführung gefegerr Stuͤcke ge⸗ 
braucht wird, kann mit einem geringern Pfunde zu 
frieden ſeyn. Doch wird Die gute Einbildungs⸗ 
kraft und. die Vollkommenheit eines unterfcheis 
denden Gehoͤrs ihn defto.brauchbater machen (1). 
; Di * — BR ti. 8 " a . 16, 


- k) Theils feiner eigenen Gedanken fih zu rechter Zeit zu erin⸗ 
nern, theils anderer Arbeit fth zu Nugezu machen.” Non 
‚ » omnes gapiunt verbum-hoc, mag es Wohl Hier heilen: 

Im erften Geſpraͤch dev, Weisheit mit der Mufik wobon 
„+. 20 mehr) heißt es ©. 4 "ein kluger, ſinnreicher Kopf, 

>eine weile Seele gehört zur Tonfunft +: gegen so Doctor 
res und Kieentiaten in allen Facntatn wird Eauan g gilt 


”siner vortreff icher Deufifas, in der Weſt Anzuftchren 
‘ „7. EI ER J * 445 4 4 1 ES IT — IH 


e wii 


h, De ® 


52 Das 1. Capitel. 


— | il $. 16. : 

Je wichtiger eine Sache iſt; defto mehr bemüht 
man fich deren Erfinder or daß Tu 
auch nad) fpäten Jahren dag gebührende Rob demfels 
ben geben Eönne. Wen wirdalfo die Ehre der ers 
fundenen Tonkunſt gebühren? Nicht dem heydni⸗ 
ſchen Goͤtzen Apollo, als welcher hierzu viel zu 
ungift(m). Ja wenn auch Voßius und Suetius 
„recht hätten, welche den Apollo und Jubal für 
einerley halten; fo Fannich doch dem maltherifchen 
Buche nicht fogleich beyfallen, daß alsdenn Apollo 
der Erfinder heiffen Eönnte. Denn auch Jubal 


J 


iſt der rechte nicht. Die Muſik war in der Welt, 
ehe derſelbe das Licht erbuelte, und ſchon demerften: 


Men⸗ 


ſeines Alters durch die Blattern verlohren. Vom blind⸗ 
gebohrnen Martino Pefenti hat man ebenfalls gedruckte 
Sachen. Buldarich Schönberger hielt als Magiſter 
Collegia über die Philoſophie und vrientalifche Sprachen ; 
mac J—— und ſpielte ſolche auch, ſchoß 
* gt lich nach der Scheibe, und farb 1649. Er wurde 
beyder Augen beraubt Durch die Pocken im 3ten Fahre feis 
nes Alters. ſ. Walth. Crelata refero.) Bon Job. Fer⸗ 
wand berichtet Prätor. T. I, &, 178, daß er zwar blind ges 
Wweſen, aber ein ſo ſtarker Muſikus, daß er 4 ſtimmig come 
“ poniren koͤnnen. Anderer zu geſchweigen. ‘Doch wolle 
EHDtt vor ſolchem Zufalle einen jeven gnädig bewahren. 
Ein Seger muß auch mit bypochondrifchen Anfälfen 
nicht geplagt feyn, vor welchen man in der Jugend ſich ber 
“ wahren muß, durch eingerades Sigen mit ausgefpannten 
WVorderleibe, und durch hinlaͤngliche Bewegung, wenn eg 
‘ "nisch gleich mit der Säge, Hobel un dergleichen gefchehen 
m). Eine Eieber mag er immerhin erfunden haben, wie eini · 

‚ge von ihm ſagen; das iſt noch lange nicht Die ganze Mu⸗ 


| 


Don der Muſik überhaupt, | er 3 | 


Menſchen angefhaffen, eben fo mohl, als die 
Sprache. Wo wird denn vom Jubal gelefen, 
daß er die Mufif erfunden? Nirgends. Wohl 
aber, daß von ihm herkommen die Geiger und 
Pfeifer (m). Sind denn diefe allein Tonkuͤnſtler? 
Bo bliebe denn die Vocalmuſik? Iſt nicht.diefe 
jederzeit vor meit wichtiger gehalten worden, als die 
Inſtrumentalmuſik? GOtt iſt und bleibe der. 
Urheber allein. Kinige ſchwatzen aud) von vers 
fhiedenen Gelegenheiten, welche zu diefer oder. 
jener Art der Muſik gegeben worden, als dafindder 
Geſang der Dögel, das Pfeifen des Rohrs und 
der Bäume, wenn fie der Wind bewegt (o). 
Wer mehr vom Urfprunge der Muſik nachle⸗ 





‚sen will, kann vor fi) nehmen Johann Georg 


Ahls unſtrutiſche Muſen, deren 9 Abtheilungen 
die Namen der g Mufen führen; wie die Klio her: 
ausift 1696, Ralliope und Erato 1677 u.ſef. 
(pP). Die Unftrutinneifteinander Werk, mel: 
ches 1687 ans Licht Eommen. Es hat aberaud 
der $. 5 gerühmte Scheibe Fürzlich eine ſchoͤne Ab⸗ 
handlung vom Urfprunge und Alter der Muſik 
herausgegeben (q). Aus Schmidts Mufico-theo- 
RR BRETTEN ET 
EB le ar aan 
0) S. Prinz, Hiftor. E, 1,85. Matthefon in der Behaup⸗ 
fung der himmliſchen Muſtk ſagt: GOtt babe fie den 
ingeln,und bernachden Menſchen angefchaffen. 
p) ©. Walt. Lex. Es wird darinnen gehandelt von der 
Mufif Urfprunge, Erfindern, Kiebhabern, Verächtern, 
Wirkungen und vergleiche, _ Der Berfäfler ftarb 1707 
* gekroͤnter Poet, Rathsherr und Organiſt u Muͤhl 


VS, auch des Venzky Rede von BOttals dem Urbeber 
| und 


RR ee”, 


logia (von weldher Six nefant. ehört hierher, 
5,9428 * men) a | ; r 3 





Bey allen Handlungen faͤllt gleich Anfangs die 
age dor: Zu was Ende gefchieber es ? was 
vor Nutzen wird davon erwartet? Bey der Mu: 
ſik hat man zum End wecke ein unfchuldiges 
Vergnügen, welches durch dag Gehör der Seele 
mitgetheilet wird, wodurch die Zeit nicht nur auf 
eine erlaubte Weiſe verkuͤrzt, fordern auch des 
Menſchen muͤhſelides Leben verſuͤſſet, und gute Re; 
gungenim Gewmuͤthe erweckt, böfe-aber unterdrückt 
werden, zum Preis des Schoͤpfers und Befoͤrde⸗ 
rung menfhliher Wohlfahrt (r). — 


and. oberſten Befoͤrderer der Muſik; Prenlaw 1746, 
>. Man findet ſie in Mist, Bibl. ©, 768: 774. im aten Th, 
bdes zten Bandes. J 2 
r) M. Tippius in der Synopfi auf dem erſten Blate des Bo⸗ 
gens Biſt hiervon nachuſchlagen noch beifer aber dag 
- ste &ap des ıflen Th. des natthefonifchen Kapekmeifterg, 
vom Gebrauch der Muſik im gemeinen Weſen, von S. 
.28: 33... Ob aber ein Muſikus, welcher folche Kunſt als 
feine ordentliche Kebensart anſiehet, zum Eudzwecke anſe⸗ 
hen doͤrfe eine ehrliche Unterhaltung ‚, wird hier nicht uns 
billig gefragt, weil einige Si tenlehrer ſolches unter-die uns 
„erlaubten, Abfichten rechnen, Der Verfaffer. des fhönen 
 Sractätgens: Ia‚verirable polisigue des per[onmes.de qua. 


. ..Zre, wenn er imsten Abſchnitte auf den End weck des 


Stndirene kommt, erzehlt dregerlen, fo man pflege vor 


Augen zu haben: ”oü-pour aquerir de lareputation ; om 


pour fe procurer quelgu  etabliffement ayantageux ; 
ou pour Etgevtileaupublic” _d.i,,entiveder Ehre zu 
erlangen; oder eihe vortheithafte Stelle zn erhalten; oder 
dem gemeinen Weſen nuͤtzlich zu ſeyn, uf. m, ” ni 





* Von der Mufit aͤberhau pt. gg 


der Verbindung der Seele mit dem Leibe hat man 
- Bismeilen befondere, theils firtliche „. theils natuͤr⸗ 
- Jicbe Wirkungen angemerkt. Man findet davon 
invielen Büchern Nachricht, wovon etwas hier 
beyzubringen; das übrigefoll $.a4 folgen. Mas 
Laͤmpertus Alardus, welcher 1672 verſtorben, in 
feinem Traetat de veterum muſica, anfuͤhret, ſon⸗ 
derlich vom ı sten bis. 2aten Cap. Eann aus Wal⸗ 
thers Bucheerfehen werden. Es iſt zu Schleuſin⸗ 
gen gedruckt 1036 DIR ee... — 
Peinzʒ hat auch in ſeiner Hiſtorie die Exempel 
beſonderer Wirkungen angemerkt im 14ten Cap. 
©; 170 bis 194. Der ate Theil des gen Buchs 
der klecheriſchen Muſurgie zeiget durch die Meber- 
En rd en 


wirft die ste Abſicht eben ſo wohl, wie die erſte. Allein die⸗ 
ſe Sittenlehre ſcheint eben fo ͤbertrieben, als des. beruͤhm⸗ 
ten Fenelons Lehre von der reinen Liebe GOttes, wo⸗ 
von der fel. D. Buddeus in der theologiichen Moral 
nachʒuſchlagen, wie andere mehr. Beylaͤufig merke ich 
“= an, daft; als Die [einziger gelehrten "Zeitungen 3753 im 
> gaften: Stück die Ausgaben: diefes Buͤchelchens bey Gele⸗ 
genheit Des neuen warſchauiſchen Drucks von 1753 melde⸗ 
ae Leit fie die jenaifehe Ausgabe von 1734 mit berährten, als 
ſeh ſie der zn Bruͤſſel 711 gefolget » fie erwähnten aber Die 
nicht, welche zu Jena 1727 in 8 auf 7 Bogen heraus mit 
Steollens Vorrede, deren ich mich zeither bediene. Die 
eutſche neberſetzung iſt nicht dabey; wohl aber bey der 
hamburgiſchen Ausgabe 1712 zum viertenmal, 15 Bogen. 
0) Dis alten griechiſchen Gottesgelehrten und Geſchicht⸗ 
ſchreibers, Michael Pfellus, gricchifche Syropfis muſicae 
init Aards Ueberſetzung iſt daran gedruckt. Pfellus hat 
im ırten Jahrhundert gelebt, und man kann von ihm 
nachfchlagen Mitzlers Bibl. V. IL, P. II, ©,171:209, 
alliwo. der Sept verbeffert, auch richtiger überfegt if Sie⸗ 
he auch Mattheſons Ebrenpforte S. 279. 


56 | Das 1, Capitel, 


a Th — — 
fhrift, was hiervon alda zu finden, von S. 213— 
230 (t). Und nech vor ihm hat Prtorius im er⸗ 
ſten Tom. etliche Capitel eingeruͤckt von den Wir: 
kungen der Muſik nehmuch das gte und folgende 
des erften Abſchnitts des 2ten Theils, ©. 203% 
243. | 

Es iſt auch werth zu leſen des D. Georg Venz⸗ 
ky Auszug aus Roliins Abhandlung von der Mu⸗ 
ſik, ſonderlich $. 7, wie folchen uns mittheilet die 
Mist. Bibl. V. In, p. IV, ©. 636 und folgenden 
(u). Girölamo Bardi, foim vorigen Jahrhun⸗ 
dert einen Geiftlichen und Arzt vorftellete, gab durch 
den Fitel feines Buche: mujica medico.magica,mi- 
rabilis, curatiua cel zu verſtehen, was er der Mu⸗ 
ſik zutraue (w), Des Phil. Douch eines Eng⸗ 
laͤnders, muficaincantans U, f. m. iſt 1674 zu Lon⸗ 
den gedruckt worden (x). Johann Chriſtian 
Frommann, Doctor und Prof. der Arzeney zu 
Eoburg, hat indem Sractat.de fascinatione unter 
andern gehandelt de muficae vi in, inanimata, bruta, 
 homines, Ipiritus & morbos. Mas Sieron. Mas 
gius von der Wirkung der Muſik gehalten, wird 
man nebſt feinen wunderbaren Lebensumftänden im 
mwaltherifchen Lexiko finden, Eben dahin er 





t) Der Titel lauter alſo: Magia.mufurgico - latrica, fiue } 
medicina. euraue morborum‘ per muficam fanando« 
rum. N N TER Ka 

a) Daß er ein Mitglied fen der mufikalifchen Geſellſchaft, if 

92 gefagt. Er iſt Rector der Schule zu Prenzlau im 

brandenburgiſchen, und wir merden ihn oft nennen. | 

N a 


w) Mehr fiche bey Walther. — 
x) Walthers bexikon giebt den Titel volſſtaͤndiger. 








Don der Muſik überhaupt. 47 
ich den efer wegen des Joh. Battiſta Porta, Car 
tißimi, Ariofti, Roccus, Raupachs, Fran⸗ 





kenau und Gutmanns, welche nebſt andern hier 
Platz finden würden, wenn ich doͤrfte weitläuftig 


ſeyn. 


Wir kommen nur noch auf ein paar beſondere 


Begebenheiten. Die eine iſt vom Koͤnige Erich 


11, in Daͤnnemark, welche unter andern auch Praͤ⸗ 


torius wiederholet F. I, ©: 206, daß ein Eithers 


ſchlager ihn zu ſolcher Raſerey gebracht, Daß erg 


— 


Perſonen ermordet, weil man zwar die ae, 5 


weggethan, der König aber die Thür erbrochen 
habe. Siehe auch Prinzens Hiſtorie E. 9.9. 19. 

Wenn Rircher diefes erzehlt im sten Buche im 
Zien Cap. S. 216, fohälterdafür, derböfe Feind 
habe ſich in ſolches Spiel gemiſcht. Siehe auch 


Erasmi Franciſci luſtige Schaubühne ©. 34. 


Es kommen die Geſchichtſchreiber ſolcher Begeben⸗ 
heit Mitzlern fo wichtig vor, daß er ſich nicht unter⸗ 


ſteht dieſelbige in Zweifel zu ziehen (y). 


iſt die Tarantul, oder vielmehr die Cur ihres 
Stichs, welche durch die Muſik bewerkſtelliget 
wird. Dieſe ſehr giftige italiaͤniſche Spinne iſt 


von verſchiedenen beſchrieben worden, nebſt der Art, 
durch gewiſſe Melodien deren Stich zu heilen. Sie 

ſind von verſchiedener Art und Farbe; und daher 
ſollen nicht alle Arten der Melodien wider ſolche ein 


Gegengift ſeyn, ſondern man muß eine nach der an⸗ 
dern verſuchen, bis ſich eine findet, wodurch der ge⸗ 
ſtochene ermuntert, und ne heftigen Tanzen auf: 


) V. IUI, PIII, S. 566, 


ee 


58 Das 1. Capitel, 


gebracht wird, welches er fo lange fortſetzet, bis er 
ermüdet, und durch einen heftigen Schweiß; vom 
Gifte befreyet morden.. Siehe die Befchreibung 
des Fhiersbeym Prätorius (z) Sermann Brus 
‚ben (a), Georg Baglıvi (b), und fonderlich beym 
Bivcher, welcher meht nur das Ate.und ste Cap. 
des. gten Buchs der. Muſurgie damit angefüllet, 
fondern er handelt auch inder Phonurgie, im 2ten 
Buch, ©. 204 von diefer apulifchen Spinne, alle 
wo er von ihr einen Abriß gibt, nebft 2 Melodien, 
welche fo jämmerlic) Elingen müffen, daß manviels 
mehr Eranf als geſund davon werden follte. Die 
eine habe ich auf der erften Supfertafel Sig. ı vors | 
ſtellig gemacht, obich wohl vermuthe, daßfiebey | 
Kirchern nicht recht. abgefiochen fey.. Wer aber | 
‚die andere fehen will , und der groſſen Solianten 
nicht habhaft werden kann, beliebe Job. ich, 
Funkens, eines ehemaligen — 
ders, periodiſche Schrift, Kern der Wiſſen⸗ 

ſchaften genannt, nachzuſchlagen, in der 6ten 





Sammlung des erſten Bandes, weicher 1745 ing | 


heraus 2 Alph. 7 Bog. welcher S, * 


2) ©. 2277230 des erſten Tom da er auch Die Beſchreibungen 
‚anderer anfühtet, Ba re 
) Er iftals Doctor der Medicin geftorben 1698, und hat 
1679 gefchrieben: Coniectara⸗ phyfico - medicas, de 
4 ictu Tarantulae, et vi Mufices in eius euratione, Mehr 
von ihm ſ. bey Walth. — 
b) Dieſer hat ung von ſolcher Tarantul auch eine Differta- 
; tion gelaſſen. Er war Prof. der Anatomie zu Rom. S. 
Walthers oder Joͤchers gelehrtes Lexikon, welcher aber 
Diefer Materie wicht gedenket, wohlaber der zu ion 1703 
zuſammen gedruckten Werke, RS 


j 





WVWVon der Muſik überhaupt. —59 
Phonurgie den Abriß des Thiers nebſt der gedach⸗ 
„ten Melodiemitgetheilet. - Sengverd handelt auch 

davon. Don den Wirkungen der Mufik fiehe auch 
‚Schmidts mufico-theologiam $.126 ©. 278 umd 
folgenden... .$.133 ©: 293 beftätiget er den Eins 
Auf der Muſik in die SittenzundS. 137 deren Eins 
fluß oder Wirkung in unſern Koͤrper. 
Doch damit nicht dieſes Papier mit lauter al⸗ 
ten Dingen angefüllt erfcheine, folgt noch zum Bes 
ſchluß etwas neuers, da man nemlich alles vorher 
erzehlte läugnen, wenigſtens anders auslegen will. 
"Am erfien Stuck des gren Bandes des hamburgi⸗ 
ſchen Magszins von ©. 87 106 finder man eine 
von A. 5. Räftner beurtheilte Schrift, fo heraus 
"zu ßondon 1749 8, auf 82 Seiten (c), darinnen ſte⸗ 
hen ganzandere Gedanken von der Tarantul, als 
wäre esgar fein Biß eines Thiers, fonderneine 
gewiſſe Krankheit. Dan fhlage das Werk 
ſelbſt auf; hier iſt der Kaum ge 
Wer ſoll aber die Muſik lernen? Antwort; 
alle Menſchen follen etwas davon verftehen. Denn 
ſie wollen GOtt alle dienen bey oͤffentlichen Zuſam⸗ 
menkuͤnften in den Vorhoͤfen des HErrn, und ſie 
ſind auch verbunden GOtt durch ihre Stimme zu lo⸗ 
ben, in der Kirche und zu Hauſe. Denn auch der 
—— J Cho⸗ 


e) Sie heißt: Refledtions on antient and modern Mufick 
uf. w. das iſt: Die Setrachtung der alten und neuen 
Muſik, mitderfelben Anwendung zur Heilung der 

Brantbeiten, nebit einem Verſuche, die Frageaufzulde 
en, worinne der Unterſcheid der alten und neuen 
Muſik beftanden, ' | 


60 Dası. Capitel. 


Choralgeſang wird jaͤmmerlich lauten, wenn man 
aller Anfuͤhrung ermanglen müffen, Inſonderheit 
koͤnnen Studirende ſolche nicht wohl meglaffen, 
wegen des Zuſammenhaugs zwiſchen den Theilen 
der Gelehrſamkeit. ievier Redensarten, folgs | 
lich wie viel Bücher werden von Ihnen nicht ohne 
Verſtand gelefen , wenn fie von allen mufifalifchen | 
Begriffen leer find (d)? Wer aber fih aufdie Bor: 
tesgelahrtheit legen will, würde fürmahr diearoffe | 
Menge biblifcher Sprüche, welche yon der Mufik | 
handeln, entweder gar nichteinfehen , oder wenig⸗ 
ſtens deren Nachdruck nicht begreifen, Die mehs | 
reſten unter ihnen legen fich aufs Predigen, oder wer: 
den inder Schule gebraucht, Ein Prediger muß 
intoniten, den Segen fprechen, die Collecte und 
Evangelium fingen ; kann das ohne alle Anführung 
zur Tonkunſt wohl ‚gefchehen? Es gefchiehet big: 
meilen zwar; aber wie lautet es? Ich follte aber 
glauben, daß, wenninder Kirche @Ntteg alles fol 
ordentlich zugehen, es auchnöthig fey, fich hierin: 
nen nicht lächerlich oder verächtlich zu machen. Daß 
Gott im alten Feftamente feinen Dienft aufs 
prächtigfte vorgefchrieben ‚ beweifer mwenigftens fo 
viel, daß folche Nachlaͤßigkeit ihm nicht gefalle, 
Solche Herrn muͤſſen ja ohnedem Cantores und Dr- 
ganiſten helfen wehlen, auch vordie Kirchenmuſik 





ſorgen helfen, wie kann ſolches geſchehen twenn fie | 


nichts davon verftehen? Was die —— 
ba Br? 


P)) Diefer Umſtand follte allerdings alle Schuldiener bewe⸗ 
gen, ihre Untergebene aufzumuntern. folche zu erlernen 
und cs nicht ankommen zu laſſen, Dis fie felbft darauf 


denken. 





Von der Mifiküberhaup. 61 











erifft, ſo follte billig gar Feiner ohne ſolche Wiſſen⸗ 


ſchaft gedultet werden. 1) Muͤſſen die andern im 


Stande ſeyn, einem Cantor beyzuſpringen, wenn 


erunbaß, oder ſonſt etwas vorfaͤllt, auch wohl eine 
Vacanz; 2) wird unten Cap. 15 zu hören ſeyn, daß 
die Schulknaben anzufuͤhren find zu der richtigen Erz 


auch fingen; und zwar nach der Vorſchrift der No⸗ 


ten; ſonſt werden fie in einer Viertelſtunde wieder 


einveifien, was der Cantor in viel Tagen nicht hat 


zum Stande bringen koͤnnen; 3) die Kirchen koͤn⸗ 


hen nicht ſtets fo viel Adjuvanten fchaffen zur Muſik, 


alſo müften die Schuldiener fonderlich folche befürs 
dern Eönnen. Und das war die löbliche Mode unſe⸗ 
ver Vorfahren. Die Herrn Juriſten ſcheinen von 
folcher Nothwendigkeit ausgenommen; aber gleiche 


wohl follen fie 1) als Chriſten den Choral fingen koͤn⸗ 


nen; 2) wollen fie mufifalifche Aemter beftellen hel⸗ 
Pen ; 3) follten fie denn bey ihrenmühfanıen Verrich⸗ 


\ 


lernung der Ehoralmelodien. Es hat aber der Can⸗ 
tor die Stunden nicht allein; die andern muͤſſen 


tungen nicht nöthig haben, ihr Gemüth durch die 


Muſik dann und wann zu erquicken? Die Herrn 
Miediciner willich gar nicht nennen, weil durch die 


vorigen Erzehlungen von der Wirkung in unfern 


Koͤrper fie vor fich fehon überzeugt find. Es hat 


Herr D. Johann Wilhelm Albrecht, welcher 


1736, den7 Januar. als Profeſſor der Medicin zu 
‚Göttingen geftorben, einen fehönen Sractar ges 


— 


ſchrieben (€) 1734 zu Leipzig gedruckt ins, auf 9 
—— Pe ———— 


€) Als er noch in Erfurt aufferordentlicher Lehrer der Arze⸗ 
neywiſſenſchaft war, Er war auch ein Erfurter von Ges 
buhrt, and Eidam des ehemaligen Senigris — ge⸗ 

| uhren 


j 


| Gedanken. 


62 Das Capitel. 





Bogen, unter dem Titel: Trafarus ph cas dei 1 
Jettidus muficesin corfus animatıım ———— 
durch ſein Beyſpiel andere feines gleichen ermunterf 
diefer Sache gleichfallsnachzudenfen (£): . | 
Die Herrn Philoſophen aber und Mathema⸗ 
tiker finden hier ſonderlich ein weites Feld, Unters 
ſuchungen anzuftellen, und fich zu befchäftigen mit, 
phyſikaliſchen, arithmetiſchen, geometriſchen, me⸗ 
chaniſchen, architektoniſchen, algebraiſchen u, ſ. w. 


Sollte man ſich nun einbilden koͤnnen, daß dieſe 
fo nuͤtzliche, ſo nothwendige und fo unſchuldige Wiſ⸗ 
ſenſchaft auch Ihre Feinde Habe? Gleichwohl find 





Deren eine groffe Anzahl zu finden, weiche. 


1) Entweder alle Mufif unter diefündrtiähen und 
veraͤchtlichen rechnen; jr * vn 
2) Welche fie nur beym Gottesdienſte nicht leiden 
wollen; oder N EHE A 
3) Welchenur wider einige Gattungen der Mu⸗ 

| — Ga Opern, Cantaten) aufgebracht find: 
oder. Br BB ad 
4) NBelche wenigfteng bey Standesperfonen ſol⸗ 
"de, als etwas niedertraͤchtiges nicht billi⸗ 


gen wollen. er 


. bohren 1703, den uten Auguſt; feine Gelehrſamkeit Hatte 
r zu danken Vockerodten in Gotha, den Akademien Jena 


- u 


R 2 pas u, A Rn | 
) Er handelt von der Natur des Klauges , Befchaffenheit 
des Ohres / Verbeſſerung der Sitten durch die a * | 
\ ———— den Koͤrper, ihrer Kraft zu heilen, 


—— 


Von der Muſik uͤberhaupt. "63 


7) Was die erſte Arc von Leuten betrifft, welche, 
‚wider die Muſik überhaupt eingenonmen find, jo 
ſtehet billig oben: an Henr. Cornel. Agrippa mit. 
feinem Buche von der Ungewisheit und Eitel⸗ 
keit der Wiſſenſchaften (g). : Man fieher aus. 

dieſen Worten fhon, welches Geiſtes Kinder ſey, 
und da er von keiner Disciplin viel gutes ſpricht, ſo 
wird auch das ı7te Capitel vonder Muſik nicht viel 
werth ſeyn ch). Der befannte Sertus Empiri⸗ 
kus gehoͤrt ſchon laͤngſt unter die Skeptiker, (welche 
nichts vor gewis halten) und man kann ſehen, was 
er im stem Buche fagt von unferer Kunſt. Ju⸗ 
ſtus Lipſius hängt feinem fonft groffen Namen eis 
nen groffen Schandfleck an, wenn er im erften Bus 
che der politicoru:n fagt:; muficam [perno (i). Der. 
grofePolphifter, (oder Vielniffer)Hesmann ons 
ving, hat zwar in der: mattheſoniſchen Ehrenpforte 
eine Stelle gefunden; ‚aber fürmahr nicht deswegen, 
weiler geglaubt, daß die Mufikfaule und feigeLeus 
temache, und was vor abgeſchmackte Ausdrücke. 
mehr er andern nachgeſchrieben (k). a 4 | 





| 


8) Siche Walthers oder andere gelehrte Anfichlagbicher 
‚vor den Umſtaͤnden dieſes Mannes, unter andern auch: 
Webers Hiftorieder lateinischen Sprache, ©.394, 
h) Migler v.I,P.I, ©, 27. hardiefes Cap. aus dem lateis 
nifchen ing deutſche überfegt und beurtheilet, Er glaubt - 
nicht, daß er folche Dinge im Ernft gefehricben habe, 
i) Man kann Mattheſons Gedanken ‚hierüber finden im 
ten St. des 2ten Bandes feiner eritie, muf, im Vorbe⸗ 
richte. Weber, deffen zuvor gedacht, erschlt ©, 579, 
daß er ſo ein ſtarker Feind: von der Mufif geweſen, daß 
bey Anhoͤrung einer Muſik ihn ſogleich eine groſſe Trau⸗ 
rigkeit überfallen, — Ma RR 
k) Siehe unten $. 40, | 


64 Das 1. Capitel. 
Eccles wird als ein berühmter Tonkuͤnſtler in Bons 
don , welcher jährlich 9oo Pfund Stert. ( faft 
4500 Rthlr.) verdienet, aus des Berbard Erd: 
re iſtorie der Quaͤker 1. Buch ©, 170 ange | 
ührt vom Rector Bellermann, (deffen $. 10 ge⸗ 
dacht) Daß er diefe Lebensart vor fündlich geachtet, 
und deswegen alle feine muſikaliſchen Inſtrumente 
verkauft, undein Schufter geworden. Als eraber 
jefehen, daß feine Inſtrumente misbraucht wür: 
den, habe er vor eben das Geld fiezurück genommen, 
und öffentlich verbrannt (1). Der Pater Dida⸗ 
cus de Baͤza, ein Jeſuit, hat auch wunderbare 
' Ausdrücke wider die Muſik (m). Solche Berächs 
ter widerlegt Venzky in 2 Reden, deren die eineg. 
‘16, Anmerk. (q) ſchon genennt worden; dieandere 
ließ er halten 1745 lateinifch : Don der Vortreflich⸗ 
keit der Tonkunft zu ihrem billigen Rubm und 
zur VDertheidigung wider ihre unbedachrfame 
Veraͤchter (n). Doc) wer wollte alle Spörterepen 
erzehlen Eönnen wider die Mufif? Es dörfte noch 
befjer gethan jeyn, wenn man mit Miglern im zten 
Stuͤck des Staarftechers die Veraͤchter in vier € Pig 
| | en 





h) Recles hat den Vornamen Salomo. f. Bellerm. Par- 
aeſſus mufarum Ö 5,notac. Allwo er auch vom Zwing⸗ 
‚ lins. meldet, daß er die Mufif nicht einmal unter die indifs 
ferenten Dinge zehlen woleen. 
m). In feinen Commentariisallegorice de Chriſto figura- 
to in vet, teflaw, Tom, 1, p. 20. $ 34. fagt er, "daß 
eine Muſik, die nicht geiſtlich ſey, den Teufel vielmehr 
eerhalte als austreibe; Die geſchickten weltlichen Sänger 
\ i 


waͤren eine Pelle. 0000, RR | 
a) Beyde Reden finden ſich in des Biblioth. V. IL P. IV, 
©. 768 Dig 776 | EN 


r \ 








Von der nf kan — GR. 


fen theilere, ı) Die groͤbſten ind, die, "welche 
alle Muſik verwerfen, ſie hoͤren lieber einen Eſel 
ſchreyen, oder ein Schwein grunzen, als die ſchoͤn⸗ 
»ſte Muſi &£” 2) Subtiler find die, welche zum 
Grunde angebender Muſik Ur ſprung ſey vom gott; 
loſen Jubal. Aber davon handelt unſer folgender 
Emige hoͤren ſie mit an, machen aber meht 
viel daraus(o). 4) Die letzte Ordnung im aten 
Stuͤcke erfennerden Werth der Muſik; aber ſie ach⸗ 
ten ſolche deswegen nicht, weil fie, allzugemein 
worden (P}. Ich halte‘ x noͤthig 3. der vornehm⸗ 
ſten A achen zu —9 üchen, wodurd) ſoiche 
mu ther A: Kern de Duff —2 
er 9 ae 
N AR — Fubiargehtre sw Aan Secheot 
recgiſter der gottloſen Cainiten 


* Die 7 geh hoären BEE — 
ee 





26 * je alle 3 ‚Ste nur 3 uk 
zur Antwort herſetzen, N: V, C. wenn ich. einerley 
Leſer vermuthete; aber der unEundigen willen muß 
ich es erklaͤren: Wenn alle Einwuͤrſe wahr waͤ⸗ 
ven, ſo folgt doch daraus nicht, daß deswe⸗ 
gen die We zu — öder su verachten, 

Eo Wamute 


ia; glauben fi nicht, daß fie etwas beytrage zur 
Gluͤckſeligkeit eines Staats. 

pP): Das klingt einfaͤltig. In das Brodeſſen Wanteinten 
ſpatzieren gehen und dergleichen, —— ? Man un 
terlaͤſſet es deswegen nicht. 


66 Das zn. Capitel. 


Damit aber die Antwort deſto kraͤftiger werde, fo || 
dient a) auf den erften Einwurf folgendes: 8) Wer 
Fann denn darthun, daß der erfte Schufter, Drüller, 
Becker, und andere Erfinder vieler nöthigen Dinge, 
fromme Leute geweſen? Du wirft ſagen: ſolche 
Dinge hat fchon Adam gewuſt. Wohl ; wir nen 
nen neuere Erfindungen, alsder Buchdruckerfunft, 
der Peruquen, Papiermacher, der mancheriey Ma: 
nufaeturen u.f.f. Sind alle diefe Dinge fünd- 
ih, weilman nicht fagen Eann, ob fie ein frommer 
erdacht ? Dder find wir nicht oft gegiwungen , ung 
der Dienfte derer Gottlofen zu bedienen ? Wo blies 
be die Einrichtung des gemeinen Wefens, wenn ich 
keinen Adoocaten leiden wollte, wenn et nicht fromm 
wäre? Wenn ich den Gottlofen Fein Bier, Klei⸗ 
der Bücher und dergleichen wollte abEaufen, obgleich 
ich deren benöthiger wäre? 3) Es: ift nicht bewie⸗ 
fen, Daß Jubal der Muſik Urheber fen, ob wohl 
oben $. 16 zugegeben worden, daß er einige In⸗ 
ftrumente erfunden. 3) Es ift ferner nicht. bewies 
fen, daß Jubal gottlos gemwefen , ob er wohl vom 
gottlofen Cain herftammete Hat man in der Bi: 
bel nicht. viel fromme Kinder von böfen Eltern ? 
Wer war der fromme Hiskias? ein Sohndes gott⸗ 
Iofen Ahas. Wer war der Prophet Samuel? ein 
Nachkoͤmmling desaufrührifchen KRorah. Wenn 
gleich nicht. befchrieben wird, ob Zubal fromm oder 
böfe gemefen; fo pflege man. doch ohne Beweis 
mehr auf das erfte, als das letzte zu fallen D 1) I 
enn 


g) Nach dem Sprichworte: Quilibet praefumitur bonus, 
nifi demonſtretur contrariuım. Es hat aber Herr Rector 
Oeder, nunmehriger Dechant zu Feichtwang, in vyn⸗ 

Te ee tagınata 








Von der Muſik überhaupt. , 67 


Henn er aber auch gottlos follte geweſen feyn, wär 
esdenn wohl nicht möglich, nicht nur, daß er vor 
fih etwas gutes erfinden, ſondern auch, daß GOtt 
ihm unmittelbar etwas eingeben Eönnte? —9 

Das 9. 14 erwaͤhnete Geſpraͤch des waldburgi⸗— 
ſchen Organiſtens haͤlt in der aten Unterredung S. 
125 dafuͤr, daß dem Jubal die Erfindung der In— 
firumente von GOtt eingegeben worden. Wie eg 
mit dem Beweiſe ausfehen würde, wenn er folchen 
beyſchaffen follte, weis ich zwar nicht, aber die Sa⸗ 
che enthaͤlt doch keinen Widerſpruch. Wenn er ja 
Alters wegen ſollte der erſte ſeyn (r), Der als ein 
gottlofer Offenbarungen gehabt ; fo wärer doch ge 
mislich nicht der legte. Wer war Bileam? einer 
der gottlofeften. Und gleihmohl machen unſere 
Theologen aus feiner Weiſſagung von Ehrifto (s) fo 
groß Weſens, als von irgend einem Spruche des _ 
frommen Eſaias. Diefer einzige mag vor alle gefs 

ten der Kuͤrze wegen, ob mir wohl mehrere Exempel 
aus der heiligen Schrift bekannt. IR 
b) Was den zten Einwurf betrifft S. 19, fo iſt 
ſchon zuvor bey e) N) etwas geantwortet, daß 28 
in der Republik nicht möglich, der Dienfte derer 
liederlichen und gottlofen gi entbehren. Aber man 
ji a a jeßt 


tagmate variarum obferuationum den Lamech, Jubals 
Dater, zu einem frommen Manne gemacht. Soſel ver 
Vrowurfweg —* 
2) Wiewohl GOtt den hoͤſen Cain auch feiner Anrede gewuͤr⸗ 
diget hat, noch vor ſolcher Zeit. 72 —— 
) Es iſt der Spruch vom Stern ang Juda und Seepter aus 
Israel 4. Bd, Mof. 24, 17. Was dem Pharao, Nebufad 
near und andern offenbareg worden, ift fleißigen Bibelle⸗ 
ſernohnedem bekaunt. | | | 





68 Das 1. Capitel, 


* — — — 





ſetzt billig hinzu, daß alsdenn der Töonkuͤnſtler 
ſchlechte Auffuͤhrung der Kunſt koͤnnte nachtheilig 
ſeyn, wenn ſie an ſich die Menſchen zum liederli— 
chen Leben verleitete Hier aber iſt die Sache um— 
gekehrt; die Muſik haͤlt die Gemuͤther zuruͤck vom 
unordentlichen Leben, fie unterdrückt die ſchaͤdlichen 
Leidenſchaften, wie fchon erinnert warden $. ı 7. Ge: 
fehiehet es aber zufälliger Weiſe, und nicht nach den 
Megeln der Kunft, fo hat man in allen Ständen 
Gortloe. Ja die Gottesgelahrtheit ſelbſt kann 
nicht vermehren, daß nicht bisweilen ſolche, fo un: 
ter ihre Sahne gehören, und welche Fürbilder der 
Heerde ſeyn follten, die häßlichften Streiche bege: 
hen, unddurch einen Tag ihres fchlimmen Lebens 

mehr einveiffen ,. als fie in vielen Jahren durd) die 
Lehre kaum erbauet haben (t). ba — 


eu Man will groß Wefens machen von den Fehlern, melde 

dag ſangumiſche Temperament wirken joll, und inder 
Wolluſt beſtehet; und wenn mancher das Sprüchelgen 
erſchnappt: Canzores amant humores ; ſo denkt er, ich 
weis nicht was? gefunden zu haben, (non quod pueri in 
© faba.) Aber 9. i5 iſt ſchon gezeiget, daß ſolches Tempera⸗ 
ment nicht bey allen Muſikern die Herrſchaft haben doͤrfe. 


Ich thue hinzu, daß zwar die Fehler der Wolluſt mehr in 


Die Sinnen fallen, als der Hochmuth der choleriſchen, 
doder der Geiz der melancholifchen ; aber find deswegen 
dieſe heyden Laſter beffer als die Wolluſt? Iſt nicht der 
och muth das rechte und aͤchte, ja eigenthümliche. Kalter 


des Tenfels-? Iſt nicht derfelbe dadurch feiner Herrlichkeit 
beraubet worden? Hat nücht die liebe Era’ durch ihre 


— ſchwuͤlſtige Gedanken die ganze Welt ins Verderben geſtuͤr⸗ 
zet ? ad was iſt heut zu Tage die Haupturſache, daß durch 


Krieg und Kriegsgefchrey die Menfchen erbrben, die Laͤn⸗ 


der verwuͤſtet liegen , und das Blue wie Waller seraoflen 
| wird? 





Von der Muſib überhaupt. "69 











ec) Der zte Einwurf beweift abermal nichts. 
Sucht man den Misbrauch auf den Tanzplatze, 
oder bey den Bierfiedlern; fo find folche des Nas 
mens der Muſiker fehon oben $. 7 vor unwürdigers 
Elärt worden, und hernach wird noch erwas vorkom⸗ 
men. Aber wenn der Nisbrauch eine Sache ver⸗ 
dächtig oder fündlich macht; wie fiehet es aus mit 
andern Dingen, welche, ob fie fon misbraucht 
werden, doch nicht zu entbehren find? (u) 

So machen es die Fäfterer, daß ſie die verhaßte 
Sache nur auf der ſchlimmen Seite anſehen, d. i. 
wie dieſer oder jener Muſikus feine Kunſt mis⸗ 
braucht; aber wenn ein rechtſchaffener Schmidt in 
dem 8. Ir angeführten Tractate die Tonkunſt an⸗ 
wendet zur ſeligen Erkenntnis des Schoͤpfers, ſo 
wird davon nichts gedacht. Es iſt aber ſolche Ab⸗ 
handlung ſehr ſchoͤn und erbaulich, und die vorge⸗ 
a ana ln Bi 6666 


wird? Iſts nicht die Kronſucht und Begierde über andere 
au herrſchen ? Was ven Gelogeiz anlangt , fo it der Ela: 
re Ausſpruch des heiligen Geiftes befaunt:-Der Geiz it 
„eine Wurzelallesliebels. Mas dürfen wir weiter zeug; 
mis? Zudem Fann das fangvinische Temperament verbefs 
fert werden durch philofophifche und theologiſche Mittel. 
jo gut alsdte ubrigen, nn. Si 
a) Die Kleider werden fehr misbraucht von denen Hoffärtiz 
gen; wollen wir deswegen (wie die Hoftentotten in Africa) 
" nacendgehen ? Viel haben fich nach Sirachs Ausſoruch 
todegefreſſen; ſoll man deswegen das Effen gar abſchaf⸗ 
fen? Der Wein macht loſe Leute‘, undftark Getraͤnk macht 
wilde; ſo ſagt der Weiſeſte unter den Weiſen 6. 20, 1,der 
Spuichwörter ; hat deswegen ein Paulus dem frommen 
| —— 1. ai Cap. 5, 23. )Retwas böfes geheiſſen, 
mer ſagt: Trink nicht mehr ſer, ſondern br 

able cht mehr Waſſer, jondern branche 


70° Das r. Capitel. 


a 
tragenen Lehren von der Mufik find gleichfalls ſehr 
wohl gefchrieben. _ 

. Dutch diefen Vortrag habe ich die Leſer vorbe⸗ 
reiten muͤſſen, daß fie deſto beſſer urtheilen Eönnen 
von dem Streite, welcher in den legtern Jahren entz 
ftanden mit 47. Johann Bortlieb Biedermann, 
welcher ehedeffen Rector war an der Fhumfchule in 
Naumburg (w), nach der Zeit wurde ec Mector zu 
Freyberg in Meiſſen, allivoer 1749 ein Programs 
ma (.oder Einladungsſchrift) drucken ließ de vita 
mufica, oder von dem mufitslifchen Leben, da 
denn die Redensart: mufice vinere, oder: mufice 
agere actatem (x), das iſt: nach Art der Muſt⸗ 
fe:leben, ein ltederlich Leben, ein Schlemmen 
u. f. w. bedeuten foll. Wobey er Gelegenheit nahm 
Die Fonkünftler ſammt der Muſik haͤßlich abzumah⸗ 
len und veraͤchtlich zu machen. Die Freunde der 
Muſik ſaſſen hierbey nicht ſtille; am allerwenigſten 
Mattheſon, welcher noch in eben demſelbigen Jah⸗ 
re 1749 auf Michaelis eine Schrift heraus gab, 
Mithridat genannt, wider den Bift einer wels 
ſchen Satyre, wodurch flatt einer Arzeney der, 

a ER unſe⸗ 
wy Allwo er unter andern ſich ſehr bekannt machte durch etli⸗ 
che Bande der aHorum ſcholaſticrum. 
x) Es iſt folcher Ausdruck bey dem alten Komoͤdienſchreiber 
Plautus zu finden in Moßellaria, (das ift der Name fols 
cher Komoͤdie) im aten Auftritte der zten Handlung, in der 
a4Aoſten Zeile; nicht aber im ooſten Verſe des erften Auftrit: 
tes, wie die Ausgabe des Fabers 1717,ja auch noch Die Ges⸗ 
nerifche 1735 angiebt. Simo fagt zu dem Knechte Traniv: 
ınufice herole agitis aetatem, ita ur vosdecet! Vino et 
viälu, piscat u probö, eledlili, vitam celitis. Bor vrfes 
gen vinige va3 ; anderer Deranderungen nicht zu geden⸗ 
en. | 








vonder Wiufifüberbaupt. 71 


unferer Muſik fo fchädliche , Gift aus den Gemü- 
the Biedermanns und anderer Feinde vertrieben 
werden Fann (y). ir ee 
Doch damit der Schaden aus dem Grunde ge 
heilet würde, folgeten Matthefons + Panaceen in 
8, wovon die erjte Dofis 1750 auf Oſtern er: 
ſchien, welcher die zwote folgete in eben dem Jah⸗ 
re auf Michaelisauf 8 Bogen (z). Die dritte Do⸗ 
fis der Panacea kam ı 751 aufder Oſtermeſſe here 
aus unter dem Fitel: 7 Befpräche der Weisheit 
und Muſik, ſammt 2 Benlagen, auf 15 Bogen 
mit der Borrede (a). Auf der ı8often Seite nens 
net er die Sreudenakademie , welche nechfteus folz 
‚gen folle, eine fernere Zugabe und Sortfegung 
der Panacea, nehmlich derfelben 4te Dofin. 
| E44 .....Dben 





y) Die frankfurter gelehrte Zeitung Tieferteung eine Beur⸗ 
theilung davon. | — 
2) Wenn darinne gefunden wird: Der Herr R. int... ; 
ſpo iſt folches Der gedachte Neetor in Freyberg , Bieder⸗ 
a) Inder Borrede ersehlt er, daf ihm ein Gefpräch zuge⸗ 
ſchickt worden zwifchen Rhadamant und Pedant ; er har 
be aber Bedenken getragen folches mit einzufchalten, Des 
nen Iingelehrten zur Nachricht merke ich noch. an, daß eine 
Panacea eine allgemeine Arzeney beveute, Das erſte 
Geſpraͤch handelt. von der Tonkunſt Wuͤrde, Nutzen und 
Berfolgung ; das 2te von der Gleichaültigkeit in diefer 
Sache, welche er vor fündlich halt ; dag ste von der Schmaͤ⸗ 
hung und Hintanferung folcher Dinge ; dag Ate von Oden, 
Zufriedenheit, Selbftliebeu.f. f. Das ste feget Die Ber 
trachtung der ordentlichen Eigenliehe fort ; das 6te von 
der exemplariſchen Zueignung des vorigen insgemein ; dag 
‚zte eine kurze befundere Anwendung und etwas merkwuͤrdi⸗ 
ges won der Singefunft, | Ä 


72 | Das 1. Capitel. 


Oben $. z ſteht etwas von dem erſten Bande derſel⸗ 

ben, welcher 1751 heraus zu Hamb. in 8,21 Dog. 
in welchem er viel Sprüche der Eanpnifchen Bücher 
desalten Teſtaments, ſo bon der Freude handeln, er⸗ 


welche bey den mehreiten Begebenheiten als noth⸗ 
wendig, ja ald geboten, angefehen wird, in 10 
Abtheilungen. Der ꝛte Band, melcher das Licht 
gefehen 1753 auf Oſtern, führt ſolche Materie fort 
ausden Sprüchen der apokryphiſchen Bücher deg 


Herrn Dacenzu „mit der Erlaubnis, ſolchen den 
gelehrten Zeitungen, oder einer andern Wochen⸗ 
fhrifteinzuerfeiben. einem Briefe an Beorg 
Sr. Einike (eo) meldete Bad), daß die Widerle⸗ 

nr; | 4 BRRBAT ET rg gung 


b) Mit einer vorgefeßten weitläufigen Abhandlung. wider 
Die Sreudenfförer. und Todwünfcher. In beyden Theis 
‚den führt ſich Mattheſon auf, als einen gefchickten Gortes⸗ 
elebrten, fonderlich als einen feharffichtigen und fehr be: 
leſenen Ausleger der beiligen Schrift. 
c) Lantor und Muſikdirector in Frankenhaufen „vorher 
Schulmeiſter in einem Dorfe , Holftedt, daher verftanden 
wird, wenn man ihranfihrt: Ein.gewiffer Santor ug. 
| * vorher ein ſchlechtes Dorfichalmeifterlein zu H. ges 





von der Muſik uͤberhaupt. 73 





gung wohl gerathen, und naͤchſtens ſollte gedruckt 
werden. Es geſchahe dieſes zwar, aber. mit einer 
ſo ſtarken Veraͤnderung der ſchroͤteriſchen Ausdruͤe 
cke, daß der Verfaſſer ſehr darüber entruͤſtet wur⸗ 
de, und weder mit dem Titel: Chriſtliche Beur⸗ 
theilung des biedermanniſchen Programmayı 
noch mie der übrigen Einrichtung zufrieden war, 
Bach entſchuldigte fich,daß derjenige daran Schuld 
habe, welcher den Druck beforgt. (d). 7...” 
Ich habe auch in Händen: eines Liebhabers 
der Muſik vechtmäßige Vertheidigung wider. 
die groben Läfterungen Herrn Biedermanns, 
welche der Autor derer in St, Ballen gedruck⸗ 
-ten aufrichtigen Gedanken zu rechtfertigen fich- 
unterftanden. Deutfhland, 1750, 2 Und ein‘ 
Biertelbogn. ©... —* a 


. Um Ddiefeg zu verftehen, muß man wiſſen, wie 
Biedermann ſich felbft vertheidigen wollen, oder 
wie es andere fuͤr ihn gethan · Unter dieſen letztern 
ſollte ſich einer finden, welcher zu St. Gallen eine: 
Schutzſchrift drucken laſſen 1749 5 aber die vorge⸗ 
dachte Schrift des Liebhabers der Muſik findet 
durch die Abmeſſung der Zeit, daß Biedermann ſie 
bautsefestte).: m es. 


d) Wer den eigentlichen ſchroͤteriſchen Entwurf leſeſt will mit 
dem ganzen Verlauf, auch was Schröter von Bachen vers 
langt, (woruͤber aber diefer geftorben) Fann die zwote Bey⸗ 
lage der vorgedachten 3ten Panarea leſen S. ısı und fulg. 

allwo des Einike umſtaͤuoͤlicher Bericht an Aintibefen 
angedruckt worden. — 

e) Unter dem Titel: Aufrichtige Gedanken uͤber das 
bieder manniſche Programma de vira mufeay und die 

DEE ET ER 


74° Dis 1. Capitel, | 
EFT a a 

Ferner Fam 1750 in 4 auf 2 Bogen heraus: 

iedermaͤnns abgenoͤthigte Ehrenrettung wi⸗ 
der die unverſchaͤmten Laͤſterungen uͤber ſeine 
Einladungsſchrift: de vira mufica, {u Leipzig ; 
worinne er zwar viel Weſens macht von Matthes 
fons Schrift: Chriſtliche und philoſophiſche 
Mittel gegen die Verlaumdung; aberer ſcheint 
ſolcher Mittel ſich nicht recht bedient zu haben. 

Noch ift unter den Schriften, ſo für Bieder⸗ 

mann und wider ihn herauskommen ». folgende zur 
merken: Nachgedanken 5n.17. Johann Beorg 
Biedermanns » über fein Progr. de vira musica 
in einem Derweisfchreibenaneine hochwuͤrdi⸗ 
ge Perſon zu Freyberg entworfen (f), 

Wie die Mufikfreunde Biedermann beftritten, 
will ich nicht ausfchreiben, fondern kurz fagen, daß 
der vorgedachte Liebhaber unter andern wohl lei⸗ 
den mag, wenn mufice viuere heiffen foll: lieder: 
lic) leben ; aber man müffe liederlich nicht ver: 
wechſeln mit lůderlich; ein luͤderlicher liege im 
Zuder ; (wie mwirhier reden) ein liederlicher loom 
Liede alſo genannt) lebe aufgeraͤumt, munter, mit 
ſingen, ſpielen, loben u. ff. welches nichts boͤſes. 

Mattheſon aber unterſucht die Sache, als ein 
ſtarker Sprachkundiger, aus dem Grunde, und 
eiget ie 
’ | = Daß Simo beym Plautus eine Ironie 
De EEE vor⸗ 


daruͤber gefaͤlleten Urtheile, gedr. zu St. Gallen 1749. 
Wenn Mattheſon in der zwoten Yanacea dieſe Schriften 
‚widerlegt, fo nenne er die letztere A, das Programma felbit 


’ £) Freyberg 1750. ı Bogen in 4, 





Don der Muſik überhaupt. 75 


vorbringe in diefer Redensart (8), welches kein Aus⸗ 
leger angemerkt. 


2) Daß Plautus die Redensart aus dem grie⸗ 
chiſchen nicht recht verſtanden, und gelte daher deſ⸗ 
fen Anſehen wenig in der Erklärung des vitae. mu⸗ 


ficae. | 33a 
3) Die groſſen Wörterbücher oder lateiniſchen 
Lexika helfen Biedermann nichts, da fie fich ſelbſt 
enttoeder röiderfprechen, oder einer den andern aus⸗ 
ſchreibt. Daher er fie durchmuftert, und ſonder⸗ 
fich zeige, daß Gesners Ausgabe des Sabers 1735 


es erkläre durch froͤlich, Taure , aber er habe dem 


Schlemmen nah 14 Jahren Urlaub gege⸗ 


ben (h). 


. 


anders nehmen, tie denn wseiwas allda heift: 


j 


4) Daß die Griechen das mufice !vinere ganz, 


mufice, eleganter, wohlanſtaͤndig, zterlich, or⸗ 


dentlich, ein Leben nach Angebung der KRunſt⸗ 
asttinnen oder Muſen. Ja Plato habe bie. 


- Sittenlebre genennet: weysav Msawmnv; (die 


größte Muſik;) Ausgoc heifle: ein grober, uns 
gelebrter, u. ſ. w. mehr fiehe in der zwoten Pa⸗ 


nacea. 
2 §. 2 I, 
5) Alſo habe dieſer Ansdruck eine Aehnlichkeit mit andern 


 Spottereyen ; als wenn man zu einem Taugenichts ſpraͤ⸗ 
de: Du biſt ein fleißig Puͤrſchgen! (aber hinten weg» y 


h) Denn folche deutſche Ausdrücke hat er in der leiten Aus⸗ 


* 


"gabe weggelaſſen; oͤder beſſer zu fagen, er hat ſolche Stel: 


te zum erftenmal nachgeſchlagen, weil ſonſt die falſche Bes 
nennung des Orts 1735 nicht wiirde ſtehen blieben ſeyn, wie 
ich vorher geſagt in der Anmerkung = des vorigen 6, 


355 Cantor und Schuldiener 


* 


76 Das r. Capitel, 
— — — 





—— — 


HI 


Nah der $. 19 gemachten Eintheilung folgt die 
zwote Art der Mufikfeinde, welche diefelbe zwar 
leiden wollen, aber nicht bey dem GBöttesdienfte, 
Diefetheiten fich aberina! N in foldye,melchefie gang 
aus der Kirche verbanner wuljen wollen: umd Jin 
folche „welche wider den eingefchlichenen Misbrauch 
der Kirchenmufifeifern.  Mas.yt) die.cuite Gate 
funganlangt, ſo hatte Johann. Andreas Keſſel⸗ 
ring (i) ineiner Vorrede, welche er den neume ſte⸗ 
riſchen Kirchenandachten vorgeſetzt, geſagt, daß die 
Muſik eine der beften Künfte ſey, und GOtt habe, 
‚im. alten Seftament-folche durch die Propheten anz 
geprieſen und bey dem Gottesdienſte befoblen. 
Wider ihn regte ſich einer, der ſich weiter nicht zu 
erkennen gab, als durch die Buchſtaben: Z. R. 
Daher nahm Beffelting Gelegenheit feine Schutz⸗ 


| ſchrift zu nennen! Zivinglius Rediuiuns, (Det wie: 


der sufiebende Zwinglius) (k). Erfurt 1744. 
ing,zund einen halben Bogen... Er eifert wider 
alle die, welche bey dem & horalaefangein der Kir⸗ 
che beharren, und die eigentliche MufiE daraus vers 
-treiben, wenigſtens oͤttiſch und veraͤchtlich davon 
reden. | J 
)Andere wollen nur auf die Verbeſſerung der 
1 Kit: 
zu Ringlehen in Thuͤringen, an 
Der Gerg, ohnweit Gebefee, Die mißlerifche Bibl. VI, 
P.VL© 97 gedenkt einiger Verſe, welche er aufa DM: 


: (Matthefon und Miglera) gemacht, 


x) Weil der beruͤchtigte Zwinglius ſolche nicht litte, und 
"durch eine vor dem Rath abgeſungene Bittſchrift fothe Id: 
cherlich machte. a. | | | 


“ 


don der Muſik überhaupt. , 77 





— — — — — 








J 
— 


Kirchenmuſik dringen; fie tadeln den firlum flori-. 
- dum, ( oder prächtige Schreibart, ) die arofje Ge 
fhmindigkeit , Laufwerke, Necitative, Cantaten 
und dergleichen, fonderlich mo man die Worte zer⸗ 
reiffet, jerhackt, und ausdehnet, daß man am En 
de der Ausfprache ihren Anfang nicht mehr weis. 
Sie dringen auf bibliſche Texte; Menſchenwort, 
oder die poetiſchenEinfaͤlle wollen fie nichruntermen“ 
gen laffen. So viel iſt wahr, daß mancher Mis⸗ 
Beau vorgehe, welcher durch die Kirchenvorſteher 
abzuftellen, wofern der Eigenfinn der Muſikdirecto⸗ 
ven nicht verftatten wollte , daß ſie es vor ſich thaͤten; 
allein, gleichwie von der Beſchaßenheit des Kirchen⸗ 
ſtils nicht fo wohl hier zu reden, als im ıgren Capi⸗ 
kel; ſo iſt es doch nicht vernuͤnftig, alle Poeſie zu 
verwerfen, und blos bey den bibliſchen Redensar⸗ 
ten zu bleiben. Iſt denn das reimweiſe ausgeſpro⸗ 
chene Wort nicht goͤttlich? Oder wollen wir un ſere 
Ehoralgeſaͤnge zugleich verwerflich machen? ‚fie find 
ja auch von. Menſchen verfertigel: m. 
Allein es find über die Lehre vom Misbrauch 
der Birchenmuſik viel Schriften gewechſelt wors 
den. Da nun mein Borfas ift, bey den mehrejien 
Marerien die vornehmften Schriften bekannt su 
machen; ſo wird der gütigeLefer meine Weitlaͤuf⸗ 
tigkeit beſtens entſchuldigen. AI. Chriftian Ger⸗ 
ber, Pfarr in Lockwitz bey Dresden, hat in ſeinen 
unerkannten Suͤnden der Welt nicht wider die 
Birchenmuſik, ſondern derſelben Misbrauch ge⸗ 
eifert, wie deſſen gıfles Cap. des erſten Sh. aus⸗ 
weiſet. Es fanden ſich einige, fo es uͤbel nahnmen; 
andere 


2 


. 78 Das 1. Capitef, 
‚andere aber vertheidigten ihn. Unter die erftern ger 
hört Beorg Motz (1), mit feiner vertheidigten 
Birchenmuſik 1703 in 8, ı7 Bogen; ingleichen 
mit der abgenäthigten Sortfegung 1708 auf ı3 
Dogen, ber das obgedachte Bejprich des 1.C, 
V. era Gerbern wider diefen Motz (m), 
ut It, mit wem es Berber eigentlich zu thun 
habe (n). | 

Ferner ift zu merken Johann Muſcovius mit 
feinem geftraften Misbrauch der Rirchenmus 
r und Rircchhöfe, aus GOttes Wort zur 
Warnung und Beſſerung vorgefteller 1694, 
8, 7 Bogen (0). Ihn hat Chriſtian Schiff in 
eben dem Jahre widerlegt im Fr. vom rechten Bez 
brauch und Misbrauch der Birchenmu⸗ 
fit (p). | ——— 





Ein 


1) Walther handele von ihm; f. aber auch Matth. Ehren: 
pforte .234. allwo von Deffen zum Druck fertig liegenden 
Schrift, welche Matthefon bey fich Hat, etwas ſteht: don 
der geöffen unbegeeiflicben Weisbeit&Ökttes in dem 

‚ Onadengefhente der geifilichen Sing:und Kling: 
tanz. Er wuͤnſcht, daß es gedruckt würde, und giebt all⸗ 
da den Junhalt der Eapitel. S. auch: Matth. aten Band 
der Freudenafademie, ©. 313. TERRY? * 
m) a nenntihn nicht mie Namen, ſondern nur den. Canton 


zu 4 | | ig 
n) Nehmlich mit M. Jenifch, Superiut, in Euleuburg, fo 
anch vom Misbrauch der Mufik gefhrieben. Siehe dag 
Scheich S.29, allwo etliche gerberifche Stellen zu finden, 
welche ganz ehrlich lauten. ER 
0) S. Walthern, Er war Oberpfarr und Inſpector der 
"Kirchen und Schulen zu Lauben, und ftarb 1697: Er 
p) Er war zu gleicher Zeit Director der‘ ufif zu landen. S. 
| ‚mal aber den Titel ſeines Tractats giebt die Ehren 
pforte. | | 


Don der Muſik aͤberhaupt. 79 





Ein hitziger Schriftwechfet ıft auch entftanden 


zwiſchen Mattheſon und Joachim Weyer. Dies 
fer war Doctor der Nechten und Profeffor am 
Gymnaſio zu Goͤttingen; ehe er aber den Fitel eis 
nes Profeffors der Mufikerhalten , hieß er Cantor 
figuralis und Muſieus. Er ſchrieb 1726 in g eine 


Schrift non a und drey Achtelbogen: Unvorgreif⸗ 
liche Gedanken über die neulid) eingeriffene 
theatraliſche Rirchenmufit, unddenendarinn 


bishero üblich gewordenen Lantaten, mit Der: 
Gleichung dei Muſik voriger Zeiten, zur Defs 
ferung der unfrigen vorgefteller. Wider ihn 
fchärfte die Feder Mattheſon im Fr. der neue götz 
tingifche, aber viel fchlechter, als Die alten lace⸗ 
dämonifchen, urtheilende Ephorus (q), wegen 


‚der Birchenmuſik eines andern belehrt. Nebſt 


deflen angehängten merkwürdigen Lautenme⸗ 


morial (r). Wider diefes fehrieb Wieyer 1728 
in Saufı2 Bogen den Fr. Der anmaßliche haͤm⸗ 


burgifche Criticus fine criſi (5), entgegen gefert 
| Er LTR De 


g) Damit wird gesielet auf Meyers. Umſtaͤnde, da er das 
Gymnaſium nach der Zeit dirigirer, und endlich als Eme⸗ 
xitus dienſtlos ‚gelebt mit Beybehaltung der Befoldung‘; 


‘ zugleich aber auf die Einrichtung der Republik der alten 
Spartaner, da die Öberanffeber (Epbars ) mehr Gewalt 


hatten, als der König, und über die hergebrachten Ge— 


wohnheiten bey der Muſik ſteif und feft hielten, 

e) Diefer Ephorus (fo führeman das Buch an) iſt nicht 
mehr zu haben; und fehon 1740 meldet die Ehrenpforte, 
daß nurnoch ı Eremplar vorräthig; |. Seite zır. Er iſt 

aber nicht gedruckt 1717 wie der Bilderfaal meldet; fons 


dern1727 104, 16 Bogen. Den Innhalt der 4 Gapitelhers 


zuſetzen, iſt zu weitlaͤuftig. | 
s) Er zielt auf Mattheſons Criticam muficam ; ſ. oben $, 


L 


— 


89 Das :.Capitel. 
dem ſogenannten goͤttingiſchen Epboro Johann 
Mattheſons, zu Lemgo gedruckt, wie "dir erſte 
Schrift . | 
An dieſem Streite nahm hernach Sheil Martin 
Senr. Fuhrmann, Caͤntor am friedrichwerder⸗ 
ſchen Gymnaſio zu Berlin. Von deſſen übrigen 
chriften wird weiter uͤnten gehandelt; hier will 
— — deſſen muſikaliſche Striegel, eine 
kurzweilige Schrift; und eine andere · Dgerech 
te Wagſchaale von dem, Streit iſchen 
Meyein und Mattheſon 1728 At), Hierwider 
folgte Meyers abgewürdigter. Wagemeifter 
BE en 
Einen Bertheidiger nicht nur der. Muſik über- 
baups, fontern and det. Kirhenmuft ins befa 
un — 





* Zr > ö > 


NETTER? ——— 
—— Tea Tod erſolgete 1732 den aten April, Mebrer: 
“zehlt Walthers Lerifon. an u | 
Au der Hiſtorie der Iateinifchen Sprache weffen Leben & 
937, wiewohl er der mufitalifchen Schriften nicht gedenkt. 
vd 9, die Zeitungen von gelehrten Sachen aufs Jahr a7ag, 
PINS, 101,9,983. 7° . EUREN. x FERNE TI 
3), Diefe Schrift hat Walther nicht, aber des. 1 V. C. Ge, 
ſoraͤch nennt fie, worin ©. 137 der ganze Streit fürslich 
„erzeblewird, Dieſe Umftände dienen zum Verſtande vier 
ler. Stellen, welche auf eine verblümte.oder font dunkle 
Art ſich auf den Streit beziehen. , Als wein Datthefon 
von göttingifeben Pfundnoren ſchreibt, ſo ſtichelt er auf, 
. Meyer, welsher dir altenerhoben mit ihren groffen Ro 
‚utenwon bis 8 Schlägin, Inder obern Claſſe der Draan, 
Pr. beymasten Probſtuͤck bedeuten die Buchltaben. D. M. 
eben dieſen Meyer; G. E. S. aber bedeuten Goufried 
Ephbetaim Scheibel, von welchem gleich mehr folgen wird. 
‚Eigentlich waren es die. Cantaten, welche Meyer nicht lei⸗ 


3 * 


„den wollte; man ſollte bey der Bibel bleiben, 


rk 


Von der Muſik überhaupt, 8ı 
dere ‚finden wir auch an Chriſtoph Raupach, Or⸗ 

ganiften zu St. Nifolatin Stralfund; diefer ſchrieb 
unter dem Namen Veritopbilus 1717 deutliche 
 Beweisgründe, worsufder rechte Bebrauch 
der Muſik, beydes in der Birche, als anffer 
derſelben beruhe, Hamburg in länglicht 4,7 Bo⸗ 
gen (t). re — 

Ihm mag an die Seite treten Gottfr. Ephraim 
Scheibel, ein Candidat des Miniſterii von Bres⸗ 
lau, mit feinen zufälligen Gedanken von der 
 Rirhenmufik (u). Frankf. und Leipz. in 8, auf 
5 und einen halben Bogen. Der Eapitelfindg, 





J 


wovon Walther den Innhalt anfuͤhrt. 
ob. Nikol. Wil. Schulzens Diſputation 
de vſu muſicae in eccleſia chriſtiana, zu Roſtock 1728 
‚gehalten, fuͤhrt Walther an; nicht aber des Ca⸗ 
ſpar Ruez widerlegte Vorurtheile vom Ur⸗ 
ſprunge der Rirchenmuſik, und klaren Bei 
weis, daß die gottesdienſtliche Muſik ſich auf 
GOttes Wort gründe, und alſo goͤttlichen Ur⸗ 
ſprungs ſey, der Gleichguͤltigkeit in Anfebung 
VRR F dieſer 


c) Den Innhalt der 7 Capitel findet man bey Walthern; 
das Werkgen felbft Hat Kaupach Herrn Mattheſon zuge⸗ 
chickt, welcher es mit andrucken laſſen am zten Theil der 
muſikaliſchen Handleitung Nieds, init einer Norrede, 
Bon deffen Leben hat Walther wenig ; aber die Ehrens 
pforte ©. 282 bringe mehr bey, als, daß er 1686 gebohren; 
noch vor dem ı7ten Jahr Organiſt worden; babe auch 
1740 noch gelebt. Was er zur Bertheidigung des Vers. 
tophili gefchrieben, ſ bey Walthern. | 
u) Mattbeſon hält viel von der Schrift, dat ihm auch den 
Ephorum zugeſchrieben. Erift ein Schlefier, und hatte 
Jenem vorher feine poetifchen Andachten dedicirt. S. 
die Ehrenpforte 5, 209, 





82 Das 1. Capitel. 


diefer Art des Gottesdienſtes entgegen gefegt, 
Luͤbek 1750,85, 8 Dogen. Er ifi Cantor und Mu: 
fifdirector daſelbſt. On der Borrede nennt er die 
Gleichguͤltigkeit: Gallionismum muficum (w). 
Er unterſucht die Dorurtheile, welche er unter 4 
Claſſen bringt : | | 
1) ra man an ihren göttlichentirfprunge zwei⸗ 
v e 
2) Weil man ſich aͤrgert an der Beſchaffenheit 
* Muſik, und ander Lebensart der Mu⸗ 
iker. 

3) Weil man an ihren Wirkungen zweifelt; 

4) Weil einigen die Koſten dauren. 

Auf dieſesmal fuͤhrt er das erſte aus(x). - | 

Auf die zwote Elafje Eommt er in der Fortfegung 
752,8, 11 Bogen ohne die Dedication, Borrede 
und Negifter. Sie heißt: Widerlegte Vorur⸗ 
theile vonder Beſchaffenheit der heutigen Rir: 
chenmuſik, und von der Lebensart einiger 
Muſiker. Zu Lübek gedruckt, oder vielmehr zu 
Eutin, wiehinten zu fehen Dbdie übrigen Elaf: 
fen auch heraus, ift mir nicht beFannt. 

Ferner gehört unter die Vertheidigungsfihriften 
der Muſik Mattheſons muſikaliſcher Parrior, 
welcher, in 41728, heraus in ————— 

| an 








— — 


* 


w) Bon der Aufführung des Landvogts Gallion, Apoft. 
Geh. 18,14 undas welcher fi) der Religion nicht annch: 
men wollte. | | 
2) Er beweifet, daß die Mufik fo viel Recht zum Gottesdien⸗ 
ſte habe, als andere Handlungen, und wo Mittel vorrä- 
thig, wär man verbunden folchezu befördern, 
Russ ©, ao des aten Theile erzehlt, daß die — 
a Bl: 





Ä 


Don der Muſik überhaupt. 83 
Man muß dieſe Schrift nicht verwechfein mit ei: 
nem andern mufikalifchen Patrioten, einer Wo⸗ 
chenſchrift, jo 1741 angefangen worden, mitden 
2oſten Stück ſich geendiget (z). Die S.20 angeführs 
te Freudenakademie hat auch den Rorfag, den 
görtlichen Wohlgefallen an der gottesdienftlichen 
Mufik zu beweifen. | | 
Gleichwie Meyer ein Feind war der Rirchen: 
cantsten; fo wollen andern die Kecitarive nicht 
gefallen. Wider deren Gebrauch in ver Kirche ei: 
fett P. C. Humanus (a), von welchem heraus ift: 
Muſicus theoretico-pradticus (b), mit viel Kupfern, 
Nürnberg 1749in4. Man lefe hiervon dag 3 3fte 
Eapiteloom$. 529 bis 543. fonderlich $. 540 (c). 
ARTS. “ 2 Ja⸗ 


Vorſtellungen Mattheſons ſo viel gefruchtet, daß viel 

En nachdem in der Kirche mit muficivet, fo es zuvor nicht 
Hgetban. | | | 

2) Im erſten Stück erklärt er das Wort Patriot; duch Fann 

man Mitzlers Gedanken darzu nehmen, als welcher diefes - 

Werk anfaͤhrt und beurtheilet V. III, P. I, von ©. 156 
‚160 und P. II, S. 362 und folgenden. Uber V. IL,P. 
IV, ©, 122 wurde gefhrichen, daß 30 Stuͤcke heraus 
wären, | / 

a) Aus * Vorberichte ſcheint zu erhellen, daß dieſer Name 

erdichtet. | ie 

b) Im erſten Theile , welcher 24 Capitel enthaͤlt, wird die 
demonftrativifche Theoria mufıca auf ibre wabre 
Principia gebauet, von vielen griebmetifchen Subti: 
litaͤten befreyer u. ſ. |. in aten folgen 6 Capitel von der 
mesbodifhen Elavieranweifung mis Kegeln und 

| Exempeln. Alles dieſes betraͤgt etwa 14 Bogen, 

c) Alda ſagt er : "Auffer dem Theatro hat das Recitativ ſo 
wenig Kraft, als die Schlitteürollen Kraft haben, wenn 
man fir nicht an den ſchoͤnen Pferden vor den ſchoͤnen 
Schlitten, fondern nur in der Sattelkammer hört, 








84 Das 1. Capitel, 


Janowka ©. 324 (melches die letzte ift feines ela- 

vis) will auch nicht rathen, folche zum Lobe GOt— 

te zu brauchen (d). Weit beffer ureheilt von der 

Muſik Johann Rofenmüller (e) in einer gewiffen 
Vorrede, da er ſchreibt: "Es müfiteder ein leben: 
diger Teufel ſeyn, welcher, wenn er ein Miferere, 
"oder göttlichen Kraftfpruch hört in einer durchdrin: 
"genden Harmonie, nicht wollte in etwas zur @r- 
"Fenntnig feiner Sünden beweget werden.” (F) 


Zum Beſchluß wird gefragt, ob bey einer lan⸗ 
desherrfchaftlichen Frauerdie Kirchenmufif zu ver⸗ 
bieten fey? Daß es anvielen Drten gewöhnlich, iſt 
befannt ; aber daßes nicht fo feyn follte, fucht Mat: 
thefon zu behaupten in der Vorrede zu des vorge: 
dachten Veritophili (Raupachs) Fractate, und 
im sten Cap. des ıften Th. des vollfomm. Kapell⸗ 
gi führt er 13 Gründe an wider folh Ders 

dt (8). 





$.22. 


d) Es folgt mehr vonihm$. 36. ä 
e) Welcher 1636 als Kapellmeifter su Wolfenbüttel geſtor⸗ 
benz mehr ſ. bey Walth. 
f) ©. deſſen Kernſpruͤche, welche zu Leipz. 1648 in fol. ge⸗ 
druckt. Fuhrmann ©. 41 des muſikal. Trichtersnennt ihn; 
das und © muficorum, | | 


s) In Jena wird zur Faftenzeit die Orgel der Stadtkirche 
nur Sonntags Vormittags mitgefpielt. Wenn man aber 
eriwagt, wie das ungrdentliche Choralfingen wegen des lin: 
terziehens niemanden gefallen Fonne; fo kann man auch nicht 
einfehen, was dag Mitfpielen die Trauer hindere, wenn 
folches wohl eingerichtet. Spielt man nicht auch mit bey 
Trauermuſiken⸗ Alſo Fann es auch gedultet werden in der 
Faſten, ja an denen Bußtaͤgen ſelbſt. 


Von der Muſik überhaupt. 85 





— | | 

Die zte Art der Muſikfeinde war $. 19, da 
einige nur eine gewiſſe Art der Muſik vor verwerf⸗ 
lich ausſchreyen, auſſer der Kirche, welches ſonder⸗ 
lich die Opern betrifft. Dieſe werden heftig ange⸗ 
feindet von D. Ludwig in einem Verſuche eines 
Beweifes, daß ein Singfpiel, Oder eine Opera 
nicht gut feyn Eönne (h). Herr Muratort hat 
gleihen Sinn (i). Der fo berühmte Herr ‘Prof. 
Bottfched in Leipzig hält gleichfalls die Opern vor 
eine Beförderung der Wolluft, und Verderben 
guter Sitten: Dan Eann feine Gedanken finden 

inder Eritifchen Dichtkunft (k). 

So ſehr Fuhrmann im vorigen $. Die Kirchen⸗ 
muſik vertheidigte; fo aufgebracht iſt er wider die 
Gpern und Komödien in einem Befpräch zwis 
ſchen Liebbold und Zeuthold, unter dem Titel: 
Das in unfern Operntheatris und Komödien: 
bübnen befiegte Chriſtenthum, und fiegende 
Heydenthum (). Ferner gab er heraus die an 
| | 53 a 








h) Seine Gründe fannich fo wenig anführen , als der fol⸗ 
genden ; mir genuͤgt zu fagen, daß diefe Schrift zu finden 
im sten Stuͤck der Beyträge zur Eritifchen Hiſtorie der 
deutſchen Sprache, welche die deutſche Geſellſchaft in 

Leipzig heraus gibt, woraus fir Mitzler feiner Bibliothek 

einverleibet, undanf die Einwuͤrſe geantwortet, V. II, P. 

A 1, von ©, ls 27« 3 j 

i) Die Ueberſetzung des sten Hauptſt. ans dem zten Buch von 

deſſen vollfonm. italianifchen Poeſie hat ans vorgedachten 

Beyhytraͤgen Cap. 23 Migler abdrucken laffen mit feinen Als 
merfungen Vol, II, P. IL, von ©. ı161:198, 

k) Allwo fiedasıate Cap, ausmachen vun Seite 710 + 736. 
Mitzler beantwortet fie V. I, P. III. von ©. 1:49. 

) Bey Walthern iſt der Titel ferner alfo: Auf a 

Land 


86 Das 1. Capitel. 


der Kirche GOttes gebauete Satanskapelle 
(m). Walthers Lexikon nennet dieſe Schrift nicht, 
vaberich in Der Ammerkung (n) fie defto umfländ,. 
licher befanne machen muß, 


m 





Hin 


laſſung zweyer wider den muſikal. Patrioten ſich empoͤ 
„renden hamburgiſchen Theatralmaleontenten, Mufandri 
„und Harmonii, betrachtet, und zur Schau und Scheu, 
„Die fo ſchwer bey Menſchen, noch fchwerer bey GOtt , ſich 
legitimirende Profeßion der Operiſten und Komoͤdianten 
su entdecken, und alle chriſtl. Herzen von dergleichen Le: 
bensart und Beſuch dieſer Schauplaͤtze der Eitelkeit abzus 
ſchrecken.“ Walther Hateinen Druckfehler, da zweymal 
ſteht flegende. Er nennt das Jahr nicht; aber es muß 
doch nach dem Patrioten heraus feyn, weil er ihn anführt ; 
und zugleich vor der folgenden Schrift, | 
I Welche fich auf die vorhergehende beziehet, und doch fchon 
—7— in den gelehrten Zeitungen recenſirt wurde S.759, 
No. 83. 


n) Es heißt der Titel ferner : "Darinn dem Jehova Zebaoth 


"sum Leid und Verdruß, und Baalzebub zur Freude und 
"Genuß 1) die Operiften und Komddianten mancher Drs 
"ten ihren Zufchauern eine Theologiam gentilium (heyds 
"nifche Gottesgelahrtheit) aus den griechifchen und lateis 
"nifchen Fabelmägen, und eine Moralaus des verlohrnen 
"Suhus Ratechifmo borbringen, und 2) die menfchliche 


welſche Walfachen und Amadis Sirenen aus dem Hohens 


Aiede Ovidii de arte amandj liebliche Benuslieder dabey 
"fingen, und 3) die Jubaliften mit Geigen und Pfeifen nach 
"des alten Adams Luft und Wuſt dazu Flingen, und 4) Syl⸗ 
veſter mit feiner Herodiag Schweſter und Arlequin mit 
"einem franzöfiichen Kaͤlbertanz herum ſpringen sin einem 
Walddiscurs über des Autors > letzte Traetätgen wider 
die hamburgiſchen Operiſten und Herrn D. Meyern 
betrachtet, von Caſpar, Balzer, Melcher und allen 
Hriftlichen Seelen zur Anfchau und Abfcheu vorgeftellt von 
”Marco Hilario Frifchmuth; * gedruckt zu Köln am 
Rhein, und verlegt von den.H, 3 Koͤnigen. 


Von der Muſik überhaupt. 87 








Hingegen vertheidiget die Opern Migler in 
den Anmerkungen zu etlichen vorgedachten Schrif—⸗ 
ten, ingleichen Mattheſon an vielen Drten. Ja 
er hat eine Unterfüchung der Singipiele oder 
Opern drucken laflen, wie von dem Geſchmak 
1744 in 8. Ein Doctor der Nechten, Ludw. 
Sr. Hudemann, hat einen Bericht feinen Ge: 
dichten und poetifchen Ueberſetzungen beygefügt von 
den Vorzügen der Oper vor den Tragsdien 
und Komoͤdien, da er die vorgedachten Gründe 
Gottſcheds beantwortet (0). Doch hat diefer hier, 
auf geantwortet im ıoten St. der gedachten Bey: 
träge (p). | | — 

Wie nun alles darauf ankommt, daß man die 
Opern, wie fie bisweilen geweſen, auch wohl noch 
ſind, unterſcheide von den gereinigten; ſo hat ſol⸗ 
chen Unterſchied Mitzler an angefuͤhrten Orten hin⸗ 
laͤnglich erlaͤutert, und auf deren Verbeſſerung 
gedrungen. Daher er nichts einzuwenden weis 
wider des Porce Rede von den Schaufpielen, 
ob fie eine Schule guter Sitten feyn koͤn— 


nen(g | En, 
| 54.324. 


0) Deſſen Werk iſt heraus zu Hamburg 1732. Mister hat 
folchen Bericht eingerückt V. IE, P, III, von ©, ızos ız1. 


p) ©. einmehrers hiervon in. der Bibl. V. III, P. 1, von S. 
1⸗46, und thue hinzu von Gottſcheds Gegner, Herrn von 
‚Uffenbach, einem Poeten in Frankf. am Mayn, in den 
Bammhangen ferner Gedichte, die Bibl. V. II, P. HI, 
a, ! m | 
4) Diefer Franzoͤſ. Pater hat ſolche Nedelateinifeh gehalten, 
fie ift aber ng Franzoͤſ. und Deutſche uͤberſetzt PL ı — 
adel 


u 


88 Dası.Capitel, 
SEE AB 





| | $. 24. | 

Die gte und legte Gattung dev Mufikfeinde 
nach 8. 19 iſt, da einigedie Tonkunſt nicht verwer⸗ 
fen, iedoch nicht glauben, daß vor jeden Stand 
ſich fchiche folche zu erlernen und auszuüben ; 
ſonderlich ſoll fie ſich nicht wohl vertragen mit dem 
Anfeben der Broflen diefer Welt, Bey diefer 
Materie will ich ne 

«&) In alphabetifcher Ordnung einiger Potentas 
ten gedenken, fo das Gegentheil geglaubt zu has 
ben durch ihr Beyſpiel gezeiger ; “a 

| PB) Will ich einiger Fonkünftler erwähnen, fo 
mit Geſchenken und Ehrenbezeigungen vonden 
Göttern diefer Erde begnadiget worden: | 

y) Will ich einige Streitfehriften namhafte 
machen diefes Puncts halben, ob nehmlich die Mus 
ſik groffen Herrn anftehe ;: | 

NSollen den Schluß einige Schriften machen, 
in welchen die Muſik mit Dorfaz gelobt wor; 
den, | | 


9. 25. 2 

Was a) groſſe Seren betrifft, welche Mus 

fiE verftanden und ausgeüber, fo melde ic) nichts 

von den uralten, umdem Einwurf keinen Raum 

zu machen, als ſey hieran Urſache geweſen die 

Dummheit voriger Zeiten; die ietzige galante 

Welt aber habe eine ganz andere Lebensart. Wal⸗ 

thers Lexikon kann die alten bekannt machen , auf 

— | wel: 

fadelt zwar die Opern, wie fie gemeiniglich gemacht werden, 

nicht aber, wie fir an fih feyn follten tınd Fünnten, S. vie 
Bibl. V. I, >, 1, von ©. 28 137. 


Von der Mufit überhaupt. 89 


welches ich mich fo wohl berufe bey dieſen, als auch 
bey den neuern, damit ich den Raum erſparen 
Aquivivus (Andr. Matthaͤus) Herzog von Atri 
und Fuͤrſt von Teramo (r)- {a 
Carolus und Churfürft folgenin K- BR: 
Tonſtantinus Porphyrogenita, ein morgenlaͤn⸗ 
difcher Kaifer, mar em trefflicher Muſi⸗ 
kus (s). Dt 
——— die Kaiſerinn, des groſſen Leopolds 
Gemahlinn, war in der Muſik nicht unerfahs 
ven tt). | a 
Ernſt — der legt verſtorbene Herzog von 
Weimar, ſpielte eine gute Violin. 
Einf Ludwig, Landgraf zu Heſſendarmſtadt, 
wird von Telemann diefer Sache wegen ge 
ruͤhmt (u). * — 
Serdinand roͤmiſcher Kaiſer, gehört auch hier: 


her (w). — 
ee RE RONEN zu 


r) Das Lex. ersehle die muſtkaliſchen Capitel, ſo in deſſen 





Buͤchern zu finden. 
) S. das Lerxy. | 35 
t) Magdalena Thereſta, waren ihre uͤbrigen Namen. Nach 


ihres Gemahls Tode enthielt fie ſich der Muſik und Sin⸗ 


gekunſt, weil ſie einen ſolchen Trieb bey ſich empfand, durch 
geiftl, and leibl. Uebungen das Fleiſch zu ereusigen , daß 
man ihres gleichen nicht leicht findet, Es iſt faſt unglanb— 
lich, was Joͤchers Lexikon von ihr erzehlt, wohin ich den 
Lefer verweife. Da nun folhes Bud die Muſik mitbes 
ruͤhrt; warum follte es hier nicht gefchehen ? 
u) ©. Melante (d. i. Telemann) in den Derfen, welche 
er der groſſen Organiftien Probe vordrucken laffen, 
w) ©, Korbers Lob der edlen Muſik. 


90 | Das 1. Capitel, . 


erdinand AL, röm. Rai | 
$ ara, &) Kaiſer, hat auch compo: 
Sriedrich I. ietzt regierender König in Preuſſe 
iſt ganz vorzuͤglich hier zu nennen —— 
ein Befoͤrderer und Beſchuͤtzer dieſer edlen 
Wiſſenſchaft, ſondern auch als ein Renner, 
welcher, wie bekannt, in Tractirung der Quer: 
floͤte und im Setzen ausnehmend geübt ift (Y). 
Friedrich 11. Herzog zu Gotha, iſt auch hier zu 
merken. : j 
Sriedrich Ludwig, Erbprinz von Mürtenberg- 
Stuttgard (z). | 
Jacobus I. Königin Schottland, fpielte ſehr nett 
auf vielen Inſtrumenten (a). 
| Im: 


x) Don welchem auch eine Arie mit 36 Bariationen zu Praa 
zum Druck befördert worden, durch feinen Hoforganis 
fien Ebner. | | 

y). Ich wuͤnſchte, daß dieſen Blättern nicht allzu enge Schran: 

ken geſetzt wären, ſo würde ich mich nicht enthaltenzuers 
zehlen, wie diefer Held nach dem Fiirchterlichen Treffen bey 
Keſſeldorf des folgenden Abends eine Opera in Dresden 
veranftaltet habe, Diefer Umſtand iſt werth, daß man das 
von nachſchlage Mist. Bibl. V. III, . II, S. 367, allwo 
mehr von dieſem muſikaliſchen Apollo erzehlt wird, wels 
ches zur Mufif gehöre. Noch mehr; auch kurz vordem 
Zreffen konnte deffen Flöte nicht ruhen, wovon ein leſens⸗ 
wuͤrdiger Brief zu finden in Mattheſons zwoten Dana: 
cea No, 55, © 72 und folgenden. Die Beſchreibung 

‚ der Fönigl. Kapelle aus so Perfonen, ohne die verftär: 
kenden, zeiget gleichfalls von der WortreflichFeit der Fönigl. 
Muſik in Berlin. Dan finder fie in Fr. Wilh. Mar purgs 
iſten St. des iſten Bandes der hiſtoriſchen kruiſchen 
Beytraͤge zur Muſik S. 75, welche periodiſche Schrift 
ſich anfieng 1754 auf Oſtern in 8, 6 Bogen, | 

3, Bon beyden ſ. Melantens gedachte Verſe. 

2) ©. Per, 





— 


Don der Muſik überhaupt. 91 


STE SERIE > > 

Immannelgebrecht, Zürfi zu Anhalt⸗Koͤthen (b). 

Johann Ernſt, ehmaliger Prinz von Weimar, 
hat ein Conssrtentoerb in Kupfer ftechen laſ⸗ 
fen (e) 

Johann Georg IM. Churfirſ von Sachſen, com⸗ 
ponirte auch (d). 

Tofepb, römifcher Kaiſer, ein Sohn des groffen 
Leopolds, gehört auch in diefe muſikaliſche Rei⸗ 
he (e 

u groſſe, roͤmiſcher Kaiſer, hat beym 
Gottesdienſt mit geſungen wie ein Cantor. 

Karl, der Vte, roͤmiſcher Kayſer (F). 

Berlder Vite, der 1740 verftorbene eömifche Rais 

ſer (5). 

Rarlder ixte, Koͤnig in Frankreich —— 

3 Burfuͤrſten ſpielten zuſammen ein Trio zu Min, 
chen in Bayern 17525 der koͤlniſche ſpielte die 
erſte Violdigamb, der baͤyriſche die — 
der pfaͤlzer das Baſſetgen (). 

Leopold, der groſſe, roͤmiſcher Kaiſer, war in 
der Compoſition hoch erfahren (k), welche Kir⸗ 
cher ihm in 2 Stunden beygebracht; (fi fabula 


vers / 


b) ©. Melantens Verſe. 


eo) S. Lex. Er war Walthers Scholar in ie Compoſition; 


Der Concerten ſind 6. 

d) S. Walth. 

e) Ihn lobt Mattheſon $. 1; Sa. 17 des erſten sh, feine 
Hrcheſtre I, 

f) Bon beydenlektern ſ. Walth. 

e) S. Walth. aus Datheins Patrioten. 

h) ©. Walth. 

i) S. die Frankfurt Zeitung, 

k) S. Walth, 


.. a Be fe me tn beein es 


92 Das 1. Capitel. 


—* ſiehe von dieſem Wunder unten $. 396, 

ot. r. 

Ludwig XIIII. Koͤnig in Frankreich, hat! ſeine 
Achtung gegen die Muſik durch die Erhebung des 

ulli zur Gnͤge entdeckt (1). 

Merimilien I. roͤm. Kaifet (m); 

Theophilus, ein griechiſcher Kaifer, hat auch com: 
ponirt (n), 





* §. 26. 


Nach ders. 24 gemachten Ordnung folgt nun, 
tote die Hohen in der Melt verfchiedene Mufikvir: 
tuofen mit gnädigen Geſchenken aufgemuntert, 
oder durch Ehrenbezeigungen deren Eifer zu fol: 
chen Bemühungen mehr anzuflammen gefucht. 
Amoͤbeus ein alter Eitherfchläger zu Athen hatte 

täglich ein artifches Talent, oder 600 Cronen, 

wenn er indie Cither fang (0). 

Bercelli bekommt 2000 Guineen inden Opern zu 
London (pP. — 
| | | Bl: 


Bon welchem Euflihernach mehr. | 
m) ©. Lorbers Rob der Muſik — 
S. Walth. und Prinzens Hiſtorie. Von dieſer Materie, 
ob dieſe Kunſt von Fuͤrſten zu erlernen, koͤnnen auch ge: 
leſen werden Hieron. Oſorius de Regis inflitutione & 
diſsciplina, und des Job. Se, von Seelen Princeps muſi- 
ess, Bon beydenf. Walth. | Ä 
0) S.Walth. Nach unferer Münze betragen fie 666 Rthlr. 
— Gr. oder nach andern 790 Rthlr. Doc iſt dieſes ein 
uralter. | | 
)iefe thun 12000 Rthlr. wenn eine Guinee 6 Rthlr. gelten 
& Ari oa doch etwas mehr hält. ©, von ihm Mattheſ. 
 Borrede vor der Heinen Gen. B. Schule 


vonder Muſik überhaupt. 93 


— — 














Blamont, (dev Herr von) Oberaufſeher der Mu⸗ | 


fiE zu Paris, hatin Betrachtung der ihm bey⸗ 


wohnendengroffen Geſchicklichkeit in dieſer Wiſ⸗ 


ſenſchaft den Adelsbrief erhalten (q). 
Bulyowski konnte vor feine Temperatur 3000 Fl. 
einſtreichen, denn ſo viel wurden ihm geboten; 
aber er ſchlug ſolche aus, und verlangte 5000 
RER 
arteſius genoß eine Einnahme von 3000 Pfund 
vom KRönigein Frankreich. ABaser vor Ehre ges 
noſſen bey der ſchwediſ. Königinn Chriſtina, ift 
in allen gelehrten Auffchlagbüchern zu finden (s). 
Caftris ( Sranc. de) ein Mufifus, fo zu Rom 
1724 verftorben, hat einem feiner nahen Anver⸗ 
wandten 100000 Rthlr. hinterlaſſen (t). 
Corelli (Arcangelo) hat ſolchen Ruhm nach ſich 
gelaſſen, daß man in der Peterskirche zu Rom 


ihm eine Ehrenſaͤule aufgerichtet, mit der Um 


ſchrift: Corelli , princeps muficorum (u), 
Crofft (William) ein Doctor und Oberorganift 
an der Eöniglichen Hoffapelle zu St. a 
SEE eſt⸗ 


g) Diefes wurde berichtet aus Paris vom 25. Jan, 1757, wie 


Matthefon erzehltim $.17 der Vorrede vor deffen 7 Ger. 


fprächen der Weisheit und Muſik. 

r) Im sten Cap. folgt mehr von ihm. 

s) Doch war er zugleich ein berüh 
bey ihm mehr geſehen wurde,als auf die Muſik; ſ. Walth. 
ker, Bon deffen Compendio der Mufif f. das 13. Capit. 
Man verirre fi) nicht in den Pfunden, Ein franzofifches 
(Livre) gilt nur 8 Gr. einenglifches wohl 5 Rthlr. 

t) S. Walth. | 

u) ©, Walth, und des, Satyr. Compon. zten Th. ©, 227. 
Man kann von ihm nachleien unten $, 347 Not. r, 


meer Bhilofoph, worauf * 


94 Das 1. Capitel. 


ne nn tie 

| eſtmuͤnſter hat jährlich 240 Pfund Sterl. Ber 

oldung, und noch 73 Pfund vor die Informa⸗ 
tion der Knaben (w). ER 

Ezechielli, ein Virtuoſe in Portugal, bekam im 
vorigen Sommer vor eine neue Dpera ( Arta: 
xerxes) von Könige einen goldenen Papagey, 

deſſen Augen und Halsband rorhe Diamanten 
geweſen, und der ganze Vogel hat aufeinem 
Klumpen Gold gefianden, wie man es in den 
Berkwerken gräbt. 

Sarinelli , ein Sänger, hat bey den Iondenfchen 
Opern in einem Winter 2500 Pfund Sterl. dag 
iſt 12500 Rthlr. empfangen (x). 

Fauſtina, eine Saͤngerin in Dresden, hatte in 

Wien eine Haltung von 1z1000 Fl. Um Oſtern 
desjenigen Jahres, in welchen Mattheſons mu. 
ſiea eritica T. II, S. 350 von ihr ſchrieb, (wel⸗ 

cher Tomus 1725 heraus) wollte fie nach Eng⸗ 

fand gehen, allwo 2500 Pfund oder 12500 

Rthlr.auf fie warteten. | 

Forcroix oder Foreroy, einparifer Bioldigambift, 

wurde 1723 vom Herzog? von Chartres mit 

100000 Livres beſchenkt, um davon Lebenslang 
die Renten zu genieſſen. 1725 ſchenkte ihm der 
in Kur⸗ 

M So bey 1565 Rthlr. thun. 

23 Match. im Kapellmeiſter ©: 27 ſagt, er habe nebſt ſei— 

ner ordentlichen Befoldung an Geſchenken und Einfinften 
wenigftens 000 Pfund in London zu heben Hoffaung, wie 

man aus London gefchrieben 1737 im Sul, Aus Madrit 
aber 1757 vom 7 Sept. wollte verlauten, Daß der daſige 
Hof ihm zugeftanden ein jährlich Gehalt von 14000 Stuͤck 
von achten, das find fo viel Rthlr. und wolle deſſen “hr 


vonder Wufit überhaupt. 25 





Kurfuͤrſt zu Köln 100 Louis d'or (soo Rthlr.) 
und eine jährliche Einnahme von 600 Livres (y). 
Gallus (Dincentius) Fonnte fein Kloſter erwei⸗ 
tern von dem, was Ihm die Mufik eingebracht 
(2). | 
Zebeſtreit, (Pantaleon) ein glücklicher Erfinder 
des von ihm fo genannten Pantaleons, oder 
Pantalons, hat als Eonigl. poln. und Eurfürft- 
licher Kammermuſikus 1200 Rthlr. Haltung 
gehabt (a). | 
Hendel oder Handel, (Georg Sr.) aus Halle 
- im Magdeburgifchen, fo tego in fein 7 ıftes Fahr 
gehet, ſoll zwar Eeine gewiſſe Beſtallung oder 


Bedienung bey Hofe haben in London; aber doch 


ſehr viel gewinnen durch die Opern, Concerten 
und auſſerordentliche Muſiken. 1753 den ıften 
Maji führte er in der Kapelle des Hospitals ein 
- Dratoriumauf, der Meßias, 2 Stunden lang. 


Man zehlte mehr als 800 Karofien; die Billets 


brach⸗ 


che bezahlen. Jim September 1754 wurde von dieſem ſinn⸗ 
reichen Sstalianer,als dem Director der Opern und Schau: 
fpiele, gemeldet, daß er durch aufferordentliche Borftellun: 
gen die Spanier ganz bezaubert, als worauf er fo viel ver: 
wenden fonnen, als er gewolt, und habe Feine Rechnun— 
gen thun doͤrfen. Man habe aber die Opernkoften, wel: 
che die Koſten der Armee und Hofhaltung uͤbertroffen, ver: 


vingern, und ihm einen gewiſſen Schalt geben wollen, daher 


er feinen Abſchied begehrt. 


y) S.Walth. und die muf.crit. T, ILS. 30. 

z) S. Walth, | 

a) Diefes find Kuhnauens Worte in einem Briefe an Mat⸗ 
theſon, da er das Inſtrument nebſt dem kuͤnſtlichen Spie⸗ 
len befchreibt. ſ. muf, erit, T. II, S. 236, 


nen KEN NEE ü 


Ss Das r, Capitel, 
DT | 
brachten ein 995 Guineen, die thun beynahe 
9000 Fl. (b), 

Krieger, (Joh. Phil.) welcher 1725 geſtorben 
als Kapellmeiſter in Weiſſenfels, ließ ſich bey 
dem Kaiſer in Wien hoͤren; derowegen wurde er 
in den Adelſtand erhoben, und. mit dem kaiſer⸗ 
lichen Bildnis von Golde, auch an einer derglei: 

chen Schnur mit 25 Ducaten befchenft (0). 
Laſſus, (Orlandus) welcher zu München geftor- 
ben als Kapellmeifter 1594, wurde vom Kapfer 
Marimil, U. gesdelt (d), 


Lulli, (Giovan Battifta) fo 1687 geftorben, hat 
am parififchen Hofe ganz befondere Ehre —* 
| | fen. 








/ 


b) Er iſt einer der aröffefien Meiſter im Segen und Elaviers 
ſpielen. Sein Leben hat Walther, wie auch die Ehrenpfors 
te obler fchon es nicht felbft eingefchickt ; in diefer wird vor 
ungewis gehalten vd er Doctor fey inder Muſik. Die hals 

liſche Zeitung 1755 auf dem s65ſten Blate, berichtete aus 
London, daß dieſer großbrittanniſche Lulli nach Verlie— 
rung des Geſichts feine Muſe doc) nicht laſſe ungeſchaͤftig 
bleiben, Es werde vielleicht dag Stück, fo er ietzo ſchmie— 
de, feine legte Dpera feyn , welches nach feinem Tode in 
dem Haufe der Findelfinder als fein Echo abgeſungen 
‚werden folle, welchem Haufe der Gewinn davon zugedacht 
a Daß er ein Mitglied der Sorietät ſey, iſt $.2 
gefagt. | 

) Walther hat deſſen Umſtaͤnde befchrieben, wie auch die Eh— 
renpforte. Bey jenem findet man mehrere, fo gleichen 
Pramen führen. | | 

d) Sein Leben ſ. bey Walthern. Er wargeburen 1520, ges 

ſtorben 1594, folglid) 74 Jahralt, nicht 47, wieder Cor⸗ 
vector des waltherifchen Buchs es verfehen, weswegen; es 
billig angemerkt worden ©, 167 der Ehrenpforte. 


Don der Muſik aͤberhaupt. ER 











fen. Er war Surintendant der koͤnigl. Muſik, 


koͤnigl. Secretarius und Rath. Nach feinem 
Tode fand man 600000 Mark iuͤbiſch an purem 


Goolde in feiner Chatoulle, fo 200000 Rthlr. 
ausmachen (e). REN 
Manſoli, Eöniglicher Rammerfänger zu Madrit, 
bekoͤmmt jährlich 16000 Erufaden, oder Duca: 
IR 1 DABEI BR EEE 


Matenzo, (Luca) ein vortrefflicher ital, Componift, 


bekam am koͤnigl. poln. Hofejährlich 1000 Scu: 
di, und wurde allda zum Ritter gefchlagen (g). 
Mingotti, eine beruͤhmte Sängerin in den fpani: 
- Shen Opern zu Buenretito , eine Deutſche von 
Gebuhet, wurde 1723 im Februar. vonder Rd: 
niginn mit einem reichen türkifchen Srauenzim: 
merEleive, nebft einer unſchaͤtzbaren Schnur von 
Edelgefteinembefchenkt(h, 
Momletti, ein Caftratund Sopranift in Heſſen⸗ 
Caſſel, hat jaͤhrlich 1400 bekommen. 
Perfetti, ein beruͤhmter Saͤnger und Cavallier, 
wurde zu Rom auf demCapitofio mit einem Lor⸗ 
beerkranz Öffentlich gektoͤnet ) 
— G Sal⸗ 


e) ©, Walth. wie auch ©. 178 des erſten Bandes der mat 
theſoniſchen muf. crit, wie fich defien Tob zugetragen. In—⸗ 
gleichen in der Ehrenpforte, S.ı7. . 
£) Die frankfurter Zeitung 1753 im söften Stuͤck berichtete cin 
mehrers. N 
8) S. Walth, | 
h) ©. die franff. Zeit, 1923 im 47ſten Stuͤck. 


i) Nemlich 1725 von. dem Rathsherrn und Conferustore 
der Stadt Rom, wegen feiner ungemeinen Berdienfie in 


der Mufif, welches in 300 Jahren nicht gefchehen, 


Da a a Br Ba Mn ea Dt = ee 


38 Das ı, Capitel. 








Salvei bekam in den Iondifchen Opern 700 Gui— 
neen(k) | 

Scaletta (Horatio) hinterließ verfchiedene Me: 
daillen, Edelgefteine und güldene Ketten, 100, 

mit er hie und da befchenEt worden (I). 

Schild, (Melchior) Eomponift und Organift 
in Hannover, hattenur 100 Rthlr. Befoldung, 
wurdeaber vom Herzog Chriftian Ludwig fo 
befchenft, daßer 12000 Rthlr. hinterlaffen (m), 

Schmelzer (job. Yeint,) foll vom Kaifer ba: 
vonifirt worden feyn (n). _ | | 

Senezini hattein den londifchen Opern 3000 Gui⸗ 
neen Einkommens (0). er 

Weiß, ( Syloius Leopold ) und fein Bruder 
Siegismund, haben das Inſtrument der Paute 
zur höchften Volkommenheit gebracht. Der 
ältere wurde bey einer gewiſſen Gelegenheit mit 
100 Speciesducatennebfteiner Schnupftobaks⸗ 
dofe mit Diamanten befegt beſchenkt (p). 


Ich fege als einen Anhangnoch hierher, daß 
Baͤhr in feinenmufikalifchen Discurfen die Fra⸗ 
ge aufivirft, ob man wegen der Mufif ſich Eönne 
adelnlaffen? Er antwortet hieraufim soften Eapi- 
tel mit Ja. Was Wattheſon vor Ehre hätte ha- 

ER, | | ben 
k) D. 1.4200 Rthlr. f. Marth. Vorr. ander Fleinen 9.2. 

Schule, Die Engländer zahlen überhaupt ſtark. So be: 

richtete das Orcheftre IIL. daß damals 2 Sänger allda 

jährlich 10 bis 1z000 Rthlr. Banco einzunehmen hätten, 
1) ©. Walth. ——6 
m) ©. Walth. Re 
n) S. Walth. altvo noch, 2 diefes Namens ſtehen. | 
0) Thai 15000 Rthlr. | Meatthefong ietztgedachte Borrede: 
ep) Walther hat die Umſtaͤnde weitlaͤuftig. 


von der Muſik überhaupt. 99 





ben können, wenn er gewollt, ſteht obenS. 3, on 
den Doctoren und Profefforen der Muſik wird et: 
was folgen $. 32. | | 


”.y) Nah Maßgebung des 6.24 komme ich auf 


einige Zänfereyen, welche Diefes Puncts wegen, 


ob nehmlich die Muſik geoffen Seren anftche, 
entfianden zwiſchen dem ehemaligen berühmten go⸗ 
thaiſchen Rector, Gottfried Vockerodt, als einem 
vermeynten Muſikfeinde, und zwiſchen dem ches 
maligen weiſſenfelſiſchen Concertmeiſter und Kam⸗ 
mermuſikus Baͤhr (q). Dieſer war von S. Georg 
in Oberoͤſterreich gebuͤrtig, und mußte als ein Lu— 
theraner fluͤchtig werden, bekam aber von den 
Nürnbergern ein Stipendiumvon 120 Rthir. zum 
Studieren. Ermurdeimg4ften Jahr feines AL 
ters erſchoſſen, im Jahr 1700, nicht aus Vorſatz, 
fondern aufder Jagd. (r). TR PETE RG 
ir | G 2 Veocke⸗ 
2 Mau ſchreibt auch Bär, ingleichen Beer. Diefen hitigen 
Streit muß man verfichen, um den Verftandnieler Buͤ⸗ 
her beſſer einzuſehen. Walth. und die Ehrenpforte haben 
etwas von ihm. —— 
s) Einem Hauptmann gieng bey dem Vogel ſchieſſen dieBuͤch⸗ 


X 


fe los, daß die Kugel durch Baͤhrs Halsgieng ‚nebendem 


Herzoge, daß er jo gleich todeniederfank, Ein Fagottilt, 
Garthhof, verlohr zugleich die untere Kippe ; welchen ich 
in folcher Geſtallt 1726 noch auf dem Schloffe zu Weiffen: 
fels gejehen habe, ob man fehon alfbereits einen andern 
zum Schloßorganiften gemacht, welches er zuvor geweſen. 
Mir wurden allda folgende Umſtaͤnde erzehlt, es habe 


Barthhof auf des Merſeburger Hofs Unkoſten die Muſik 


erlernet, Folglich auch hernach allda Dienfte nehmen muͤſ⸗ 
fen; der Herzog von Weiſſenfels babe ihn — 
| au 


— — , 


— —— — 


100 Das ı. Copitel, 
Pe EEE 
Vockerodt ließ in einer Einladungsſchrift eb 

nige Redensarten mit einflieffen, welche die Muſik 

ſchienen verdächtig zu machen, als groſſen Seren 
unanftändig (s). Wider ihn fehrieb Baͤhr den 

Zractat: vrfusmurmurat ,„ (Der Baͤr brummt) 

in a zu Weiffenfels 1697 auf 4 Bogen , und in 8 

noch in eben dem Jahre, bey welcher Ausgabe die: 

deutſche Heberfegung des Programma angedruckt 
iſt. Vockerodts Verantwortung ift zu lefen in || 
deflen Wisbrauch der freyen Rünjte,infonderz 
beit der Winfik (1). Es tft zugleich gerichtet wi⸗ 
der D. Wenzeln (u) und Johann Chriſtian 
Lorbern (w),welche ſich auch an Vockerodten ge: 
vieben. a a — 
| | Ehe 


anf Garthhofs eifriges Anhalten Habe der Herzog von 
Merfeburg ihn endlich von fich gelaffen, mit der Bedin- 
gung, den Fagott au Feinem andern Orte iemals hören: 
zu laſſen; Bäbe habe ihn aber zur Ueberſchreitung ſolches 
Verſprechens verleitet, daher beyde auf gedachte Art die 

. göttliche Rache fühlen muͤſſen. 

) Das Programma kam heraus 1696 den gen Auguſt, 
und jielltenur vor 3 Erempel pedantifcher, oder in Die freyen 
Kuͤnſte unvernünftig verliebter Kaiſer, des Ealigula, 
Elaudius und Nero, als welche, wie nicht zu laͤugnen, 
ſolche ſehr misbrauchten, | 

t) Zu Frankfurt 1697. 4 faft x Alph. Er erklärt fih bins 
länglich, daß er wider den Misbrauch gefchrieben, 
an fich aber die Muſik hoch ſchätze, aud) Amtswegen 
folche felbft befördern müffe. Man findet dabey das Be 
denken der giefifchen Univerfität über Diefen Streit. 

u) Job. Ebriftopb Wenzel, D. ver Arzeney ‚und Schul⸗ 
rẽelor in Altenburg, ſchrieb ein lateiniſch Programma auf 
a Bogen wider Vockerodt, deſſen Innhalt zu finden im 
Misbrauch der freyen Rünfte, S. 71. Doch iſt Vockerodt 
nicht genennet, und es war eine Uebereiling. 

wy) Deſſen Veribeidigung der edlen Muſik wider — 
















_ 


Ehe Vockerodts Schrift gedruckt wurde, und 

als nur der Titel im Meßcatalogo ftund, war Baͤhr 
ſchon mit einer Widerlegung fertig, unter dem Ti⸗ 
tel? Nus vulpinatur; Liſt wider Lift, oder Mus 
ſikaliſche Fuchsſagd, in einem Traume vor: 
geſtellt (x). Hierauf gab Vockerodt heraus (y): 
Wiederholtes Zeugnis der Wahrheit gegen die 
verderbte Muſik und Schauſpiele, Opern, 
Komoͤdien und dergleichen (2). 


Sonſt ſind ſchon mehrmals angeführt Baͤhrs 
muſikaliſchen Discurſe, durch die Principia 
der Philoſophie dedueirt in 60 Capiteln (a). Ein 
muſikaliſcher Krieg iſt daran zu finden, von wel⸗ 
chemf. S.68. Deſſen Schola phonologica gehoͤrt in 











unſer ıgtes Capitel $. 392. Jen Bebhu, der as 


bentheurliche Simplicißimus und artlicher Po⸗ 
kazi ſind auf Romanenart von ihm geſchrieben in 
| G 3 feiner 


angemaßten Muſikveraͤchter nennt zwar Vockerodten 
nicht; aber er ficht ordentlich wider ihn. | 

3) Zu Weiffenfels 1697 in 4, ein halb Alph. 

y) Zu Sranff.und Leipzig 1698 in 4, auf ıg Bogen. 

2) Bon Babes vrfus ſaltat, (der Bär tanze) wie auch vr- 
fus triumphat, (der Baͤr ſiegt) fiche deſſen Suchsjaad 
©. 89. woraus zu erhellen fcheint, daß beyde gedruckt wor: 
den, aber nicht wider Vockerodt, fondern einen andern 


Pre ‚ welcher noch groͤber wider die Muſik gefchrier 
en. 


a) m Prfus murmurar ſagt Baͤr, daß fie dermalen in 
Ruͤrnberg gedruckt wurden, und Doch erfchienen fir erſt nach 
deſſen Tode 1719 in 8, 14 Bogen. Wiasebefon ferte ſich 
vor, ſolche durchzugehen im aten T. der critic. muf. wel: 
ches aber nicht geſchehen. Was Mitzler davon hält, ſ. V. 
LP,IIL ©. 59:65. Er findegviehtadelnswirdiges, 


Von der Muſik uͤberhaupt. ror 


Gen * — F 
ZH —— 


102 Das 1. Capitel, 


nn nenn ne —— 
feiner Jugend, welche, Schriften er nach der Zeit 
ſelbſt fol verabfcheuer haben (b). 





§. 28. | 
2) Das gteumd lehrte, fo nad) 8. 24 zu berühren, 
iſt die Erzehlung einiger Schriften, welche vorfegs: 
lich vom Lobe der Muſik handeln, und. bisher 
noch nichtangeführt worden (c). - 
Caſe, ( Job.) einengländifcher Doctor der Ars 
zeney, hateine Apologiammujces,tam vocalis,quam 
inſtrumentalis drucken laffen (d). | 
Crouſaz, (J. P. de) zu Saufanne Prof. der 
Weltweisheit und Mathematik, hat franzöfifch ger 
fhrieben: du bean, (von dem ſchoͤnen) worinnen 
das eine Capitel von der Muſik faſt die Helfte des 
‚Buhsansmadt(e), Ban 
1a | | | Froͤ⸗ 


b) Vom Yan Rebhu kann man auch etwas leſen Am fatyr. 
Eompon, ©. 35 und folgenden, weil jener dieſen etwas grob 
angegriffen, und daher wird Nebbu (Behr) in einem 
Geſpraͤch fehr durch die Hechel gezogen. Im Urſus, (nicht 
in 4, ſondern ing ©, 43) ſtehen noch folgende, fo Baͤhr 
zum Verlag ausgeboten. Die deutſche Moralpbilofor. 
pbie; deutfche Epigrammata; lateinifche meditariones, 
de vitae huius vanitatibus s der nafeweife Secrera: 
rius; Die bochgeebrte Frau Klaiſchſchweſter; der 
" woblebrenvefte Bierfiedler; Athentenfium moroſo- 
pbia; der muſikal. Diſcurſe anderer Theil; Oratoriæ 
reformata; Logica Scori examinatas DW poetiſche 
| a A Einige glauben, es fen viel Davon ge« 
druckt. 
ce) Ich führe weder Luthers, noch anderer Gottesgelehrten 
einzelne und kurze Robfprüche an, ſondern nur ganze 
Schriften. Und hierher gehört verſchiedenes von dem, was 
oben vorgefummen bey Gelegenheit der Kirchenmuſik.. 
d) S.Walth. fer. | N —— | 
e) Diefer berühmte Mann iftein einem alter von gs a a 


Von der Muſik überhaupt. 108 
groͤlich (Georg) Stadtfhreiber zu Augs⸗ 








purg, hatvom Preiß, Lob und Nutzbarkeit 


der lieblichen Kunſt Muſika gefchrieben (k). 

Friſchlin (Nikodemus) hateine Rede gefihries 
ben de’ encomio muſicae. Er iſt 1590 geſtor⸗ 
ben (g). — 

Laͤtius, oder Laetius (Jac.) hat auch eine Re⸗ 
de herausgegeben, encomium muficas genannt (h). 

Borber ( Job. Chriftopb, ſo $. 29 vorfam,,) 
hat in deutſchen Verfendas Lob der edlen Muſik 
befchrieben, nebfteiner Erklärung feiner Redens⸗ 
arten (1); wie auch eine Dercheidigung der edlen 
Muftelk, Re rer 


⁊ 


geſtorben 1750 im Februar. Mit dieſer Nachricht verglei⸗ 
che man, was 1753 die Leipziger gelehrten Zeitungen im 
Heſten Stuͤck berichteten, daß zu Königsberg gedruckt wor: 
den: Verfuch von dem ſchoͤnen⸗ in der ZTatur, Sit 
ten, Werken des Wirges und in der Muſik, oder 
 Tonkunit, aus dem franzöf. überfegt von einigen Mit 
gliedern der Fönigl. deutſchen Geſellſchaft zu Koͤnigsberg 
in Preuſſen, 8,9 Bog. Von den Grundſaͤtzen der Muſik 
hieß es, ſie waͤren am ſchwerſten zu entwickeln. 
£) Dieſe Schrift, weil ſie nur etliche Blätter ausmacht, iſt 
im dritten Fascicul des erſten Toms von Herrn Bey⸗ 
ſchlags zu Hallein Schwaben Hoge varsorum opusculo- 
—* ganz eingeruͤckt, wie 1728 die gelehrten Zeitungen mel⸗ 
deten. Vor on; $ 
3) Er war ein Poet und Profeffor zu Tübingen , hernach zu 
Pe Schuldirector, ferner Nector zu Braunſchweig, 
Walth. — —— 


h) Zu Maſtricht; ſ. Walth. — 

i) Er war gekroͤnter Poet und Hofadvocat zu Weimar, ſtarb 

"3722, Der Zr. ift 1696 heraus in 8, 4 Bogen, Div Erklaͤ⸗ 
rung hält 2 und einen halben Bogen, | 

k) In g,aundeinen halben Bogen zu Weimar. 


4 | Lu⸗ 


’ 


in u uhr rue —— 


104 Das r. Lapitel, 


a ne ARE | 
Luther (D, Martin) hatnicht nur an vielen 
Orten durch Eräftige Ausdrücke die Muſik fehr er: 
hoben, fonderner hat auch zu Wittenberg eine ber 
ſondere Lobrede auf dieſelbige geſchrieben (1). 
Schlick (Rudolph) hat zu Speyer eine Exer⸗ 
citatton drucken laſſen: de muficae origine, cultu, 
dignitate, cet, (m) | v | | 
Schröder, (Baur) Organiſt in Kopenhagen, 
gab 1635 in 8 heraus: Zaudem mujicae (m). ! 
Telin (Guillaume oder Wilhelm) hat gleich⸗ 
falls geſchrieben: lalowange de mufique (das Lob 
der Muſik (0). Ä * | 9 
Venʒky 2 Reden hierher gehörig ſtehen ſchon 
2 


Werkmeiſter (Andreas) hatısyı heraus ge⸗ 


geben: Der edlen Muſikkuunſt Wuͤrbe, Ge: 
besuch und Misbrauch, auf7 Bogen in q (p). 
| 9.29. ER 

Nun haben wir in diefem Capitel ung nurnoch 
um die Mittel zu befünmern, melche ung zu der 
muſikaliſchen Gelehrfamkeit führen Eönnen, und 
zwar zueinergeringern, oder böhern, nach. dem 
die Umſtaͤnde, oder die Abficht des a 


ı) Mißzler hat fi ganz eingeruͤckt V.LR. 1, ©. 5o und folgen⸗ 
Aden J va 23 


‚n) ©. Walch, wie auch Matthef. Ehrenpforte S. 320: 

0) 1533 50 Parisin 4; ſ. Waltherin: © | 

p). $- 52 folgt fein Leben mie mehrern Schriften; f. unterdefr 

ſen Walthers Lex. Das iezt genannte Buch geht Migler 
durch im erſten Theile des erfien Bandes der Bibl. ©; 45 
and folgenden. PR 





Don der Muſik überhaupt. 105 
ae 





’ 


mit 3 ſolchen Mitteln. | 


bes erfordern. Ich bin auf dieſesmal vergnügt 


1) Die lebenden Bebrer machen den Anfang, 


fie müffen pflanzen, oder den Saamen aus: 


4 TEHENS- x ;.; ; 
2) Si eodten durch ihre nachgelaffene Schriften 
mögen begieflen. ae 
3) Durch das eigene Nachſinnen mag dieſes 
Worhaben fein rechtes Bedeyen erlangen, 
Ichſſchlieſſe aber Gott nicht aus, wie jener 
N. gerhan ; ſondern dieſer muß bey allen dreyen 

alles feyn. — 


BER RN Le | 
7) Diejenigen, fo uns dieſe Wiſſenſchaft 
muͤndlich beybringen, find entweder «) Privat 
oder P) Sffentliche Lehrer. Diefe legtern gehoͤ⸗ 
ren de) theiis in die medrigen, 2) theilsin die mitt⸗ 


fern, 3) theils in die hoͤhern Schulen. Die 


öffentlichen Lehrer find die wohlfeilſten. Die 
Privstlebrer kommen am theuerften zu ſtehen; fie 
find aber die beften, zumal was die ausübende Mus 
ſik betrifft, fonderfich die Erfernung des Elaviers, 
wobey es fich nicht wohl thun läßt, daß in einer 
Stunde mehrere zugleich unterrichter werden. Wie 
ſolche Unterweifung anzuftellen, gehört eigentlich 
nicht hierher, fondern in das ıyte Eapitel, allwo 
der Rehrende fo wohl als der Lernende feine Pflichten 
wird lefen koͤnnen. Hier fage ich nur fo viel: am 
beften ift der beſte Kauf; lieber an andern Dins 
gen etwas erfpart, und hier ver die rechte Schmie⸗ 
de gegangen, damit man recht befchlagen werde. 

Ba N a 


|; 





106 Das 1. Capitel, 

a —— 

Aber was die Lehren ſelbſt bertifft, welche Eönnen 
ohne wirkliches Spielen von vielen zugleich angehoͤ⸗ 
ret werden, die ſollte man billig in Schulen vortra⸗ 
gen, und zwar N) in den niedrigſten, oder trivial 
Schulen, was die erſten Dinge zur Singekunſt 
gehoͤrig anlangt, als die Kenntniß der Noten, Pau⸗ 
ſen, Schluͤſſel/ Claves, Linien, (oder Peiter, 
Treppe) Intervalle, Tacte und andere Wörter 
oder Zeichen (q). Die Anſtalten find auch an den 
mehreſten Orten gemacht, und gewiſſe Zeiten zu 
der ſogenannten Singeſtunde ausgefegt. Aber! 
Aber! (r) — 





EN 
-..3) Yuden mittleren Schulen, oder Gymna⸗ 
fien , gehet man weiter, und thut fo viel dazu 
aus der Erkenneniß der Harmonik und Harmonie, 
als die öffentlichen Anftalten leiden wollen. Diefe 
find Teider! an wenigen Drfen, und das mehrefte 


q) Dom Urſprunge, Amte and Rechte der Cantoren in Kir⸗ 
- hen und Schulenift etwas zu lefen im 2ten Stick der zu⸗ 
faͤligen Anmerkungen vom Schulwefen, 1716 zu Bers 
lin; wovon Migler den Auszug giebt V. III, P.IV, ©. 
776773. Mattheſons gelebrter Cantor ift zu Ham⸗ 
burg heraus 1730 in 4 aus dem Ratein überfegt. 

8) Wie viel, (ich ſage nicht Dorkfchulmeifter, fondern auch 
wohl) &antores in ven Städten find felbit in folhen Bes 
griffen nicht allzeit richtig ? wie Fonnen fie andere richtig 
führen? Soll man aber ihnen ſolche unvichtige Ideen lafı 
fen, oder bey der Elavierinformation beffere beybringen ? 
Das legtere muß freylich gefchehen, wenn die Bewahrung 
eines reinen Gewiſſens ung am Herzen lieget; aber wie 

ſiehet es, ‚bey Entdeckung der Schwache ihrer Eehrer , aus 
um die Hochachtung, welche die Schuler ihren oͤffentli⸗ 
chen Lehrern ſchuldig find ? gewiß ſehr fehlecht ! 


Don der Muſik überhaupt. 107 





SB en 
muß in Privatuntermeifungen gefchehen (s)., Alſo 
ift allhier in Erfurt Eeine einzige Stunde Indem 
Gymnaſio der theoretifchen Muſik gewidmet; daher 
ich zu deren Ausbreitung einigemal fo viel Gymna⸗ 
ſiaſten zufammen genommen, als fi) gefunden has 
ben, welche zur arithmetiſchen geometriſchen, 
mechaniſchen, hiſtoriſchen u. ff. Muſik Luft bezei⸗ 
get. Sonderlich habe ich meinen Clavierſchuͤlern 
die Koſten um ein merkliches dadurch erleichtert, 
da esihnen romal fo viel gekoftet hätte, wenn jes 
der fich den Vortrag hätte füllen allein thun laffen. 
Ich habe zugleich die muſikaliſchen Buͤcher zur befr 
fern Einficht vor Augen geleget, welche ich feibft 
befige , oder von andern hierzu entlehner 


) Es heiſt ſonſt, daß die Thuͤringer zur Muſik gebohren; 
aber man hat ſolches mehrentheils nur von der ausüben: 
den zu glauben; die betrachtende wird fuͤrwahr ſehr ſchlecht 
£ractiret, Auch die Organiſten find groͤſtentheils zufrieden, 
wenn ihre Erkenntniß fich nur aufdie noͤthigſten Elavier; 
umſtaͤnde erſtreckt, um darinnen praktifche Stunden hal⸗ 
ten zu koͤnnen; mehr Zeit anzuwenden laßt ihr geſchworner 
Feind ihnen nichtzu, deſſen Name heißt: de pane lucran- 
do, Doch hoffe ich, daß mein Beyſpiel andere ermuntern 
werde, zumalfolche, welche meine Borlefungen mit ans 
gehöret, und wiffen, was vor einen Umfang das muſika⸗ 
ſiſche Studium hat. Daß aber die Mathematik und Litte⸗ 
nn davon die Hauptſtuͤcke find, verſteht ſich von felbs 
ien, Kia 
t) An etlichen andern Orten find beffere Anftalten, Wie oben 
$.22 D. Meyer erwehnet worden, als Profeſſor der 
Mufikin Göttingen, Zu Stettin foll Ebeling Profeflor 
der MWufitam Gymnaſio gemefen feyn ; f. davon Mats 
tbefons Borrede vor dem vollfomm, Kapellmeiſter. Es 
hatte Prinz ſolches gefchrieben in ſeiner Hiſtorie; * 
al⸗ 





108 Das r. Capiteh 








a a; er 

a MWie ftehtsaberum die edle Muſik auf des 
nen Akademien? Es wollen die hohen Schulen ſich 
ein groͤſſeres Recht zuſchreiben zu dem Parnaß, auf 
welchem ſonſt Apollo mit ſeiner Cither den Worſitz 
und Aufſicht hatte; allein die Harmonieift auf dem⸗ 
felben heut zu Tage ganz zerftöret, fie ift, ich weiß 
nicht wie? noch weniger warum? von demfelben 
verdraͤnget worden. Meines Wiſſens ift auf kei: 
ner deutſchen Univerſitaͤt ein Profeffor der Muſik; 
auch werden vielleicht wenige privat Lectiones den 
Heren Studenten hierüber gehalten. Aber beydes 
ſollte billig gefchehen. Daß Mitzler, als Masgifter 
in Leipzig, folches gethan , ift aus deſſen Bibliothek 
befannt (u). Medliche Gemüther, fo den Schas 
den Jubals einfehen,, führen hierüber die gerechte— 
ften Klagen. Mattheſon fagt in der Vorrede des 
Kapellmeifters: ”ych mollte meines Fheils gern 
etwas zur Stiftung eines mufifslifchen Profef: 
ſorats in Leipzig teftamentlich vermachen , wenn 
"nur noch einige Gehülfen da wären” (w) Es 
Fann aber diefe Sache, wo nicht in Leipzig, doch 
zu Hamburg, endlich zur Wirklichkeit Be. 
| Denn 


Walther in Ebelings Leben wollte es vor irrig halten. 
Prof Mattheſius bat ſonſt in der Schulpforte bey Naum⸗ 
burg auch ſolche Collegia geleſen, welches 1745 mir Herr 
Walther ſchrieb, als ich von ihm muſikaliſche Buͤcher ver⸗ 
langte, fo. jener aber ihm ſchon abgekauft hatte; - 

») Deffen Einladung zu folchen Rertionen ſ. V. I, P. IL ©, 


704 78. B i 
w) Miglerin den Anmerf- V. II, P. I, S. 69 ſetzt hinzu, daß 
Mattheſon auch im Stande ſey ſolches zu bewerkſtelli⸗ 

gen. — | 


Don der Mufitüberhaupt. 109 





Denn Mattheſon im zten Bande der Sreuden: 
akademie, inder vorhergefesten Abhandlung wi— 


der die Sreudenftörer und Todwuͤnſcher, ſagt aus⸗ 


druͤcklich, er habe in feinem 2ten Teſtamente, ein 
erkleckliches zu. einem mufikalifchen Profeſſorat in 
Hamburg vermacht. Mitzler an einem andern 
Orte läßtfeine Hoffnung merken, daß ein gekroͤn⸗ 
tes Haupt dergleichen vielleicht noch veranſtalten 
werde. Don ein paar mufikalifchen Profeſſoren 
auffer Deutfchland ſiehe die gedachte. Vorrede zu 
dem vollkommenen Kapellmeifter (X). 

| | Feng: 


8 Franciscus de Salinas iſt zu Salamanea in Spanien 


Profeſſor der Muſik geweſen; in Italien hat Franchinus 
Baforus zu Brescia im Venetianiſchen ſolche als Pros 
feſſor gelehret. Won letztern beyden wird Walther mehr 
Rachricht ertheilen. Salinas iſt ſchon 1590 verſtorben; 
GSaforus aber, oder Gafurius, ſchrieb am Ende des 
izten und Anfange des 16ten Jahrhunderts. Wenn aber 
dieſer von Laon in Frankreich buͤrtig waͤr, wie Walther 
ſchreibt, fo müßte er Taudinenſis heiſſen, nicht Zaudenfis, 
wie im Ler-ftehet. Denn Ason heilt Zaudunum, Er ift 
alfo mehr aus Kodiin Welfehland , im Karcinifchen: Taus 
Pompeii nous. S. Mattheſ. Phthongologia oder Klang: 
lehre, Hauptſtuͤck 26$, 32 Anmerk. auch Seite 93 9. 123 
des Trefefpiels. Man findet zwar muſikaliſche Gefell: 
febaften, (fonderlich die obgedachte $.2) worunter einige 
unter dem Namen eines colegii muſici in vielen Städten 
anzutreffen; aber fie treiben nur die ausaͤbende Muſik, 
die Vermehrung der Erkenntniß ift eigentlich ihr Wert 
nicht. Auch führt man mufikalifche Akademien an,ders 
gleichen ung das waltherifche Buch befannt macht ©. 3 ; 
und auf der 4ten S. ficht von einer zu Bruͤſſel; zu Mer 
cheln ; zu Bologna; zu Verona; zu Grenoble; nicht zu 
‚gedenken , was er ©. sı von Alberti, und S. 66 vom 
aif gedenkt. Aber man hält alle dieſe vor 

| olle⸗ 


110 Das r. Capitel, 
England hat in diefem Stuͤcke einen Sprung 
voraus, allmo man Dortores und Profeffores der 
Muſik aufiiniverfitäten macht, ſolche aber auch dez 
nen andern Gelehrten gleich fchäßer, Zu einiger 
Nachricht füge ich folgende hierher: — | 
Slow war Doctor der Mufik (y). i 
Bull, (Joh.) ein Doctor der Mufifvon Cat: 








bridge, fo 1596 nach London berufen wurde, als 
der erfie Profeffor der Muſik, an das Collegium 


Greshamenfe (2). | 
Charde (Joh.) erhieltedie muſikaliſche Profeſ⸗ 
ſur zu Oxfort 1518 (a), | Ä 
Crofft, William) ein Doctor und Oberorgas 
nift, iſt d. 26 genennt worden. Mix 
Goodeſon (Richard) Profeffor der Mufik zu 


SIDE; 1... | 
Samboys (Joh.) war 1470 in England be⸗ 
ruͤhmt als Doctor der Muſik; ſaunten 9.299. 
Herther (Guilielm.) war 1626 in der Muſik 
Doctor und Lector zu Dyfort (b). 
SZendel ift $.26 nachzufchlagen. 


Heytcher oder Heather (Wilhelm) wurde zu 
Drfore Doctor im Anfange diefes Jahrhunderts, 
t Lowe 

Collegia. Was ſie Akademien nennen, das nennen wir 

⸗llegia muſica. Doc) noch einen muſikaliſchen Profeſſor 
bey den Deutſchen nachzuholen, fo wird Samuel Magi: 
rus auf der Univerfität Tübingen alſo genennet im wal« 
therifchen Lexiko. | 

y) S. Waltd. und Mattheſ. muf. erit. T;2. ©, 149. 

2) 9. Walth. RER 

2) Die vorgefchriebenen Bedingungen, fo im Ley, zu leſen, 
betraffen die Theorie und Praxin. | 

b) Bon diefen dreyen ſ. Walch. 


Von der Muſik überhaupt, * TIL 





Lowe, (Edoard) Drganift zu Orfort, wurde 
der gte Profeſſor praxeos mulicae 1061 (c). 

Nicholſon, (Richard) Drganift und Bacca⸗ 
laureus der Muſik, wurde 1627 der Ei Profeffor 
praxcos muficae (d), 

Pebuſch war auıd) Doctor. 

Petty ( Wilb.) zu London Prof. Muſ. in dem 
eollegio Greshamenfi» ſtarb 1687. 

Philipps (Arthurus) wurde 1639. Prof. der 
Muſik, und dankte wieder ab 1656 zu Dr 
fort. 

Shipen (William) iſt Prof. der Muſik gewe⸗ 
fen zu London im collegio Greshamenſi. 

Cudway, (Thomas) fo 1726 geftorben, mar 
Doctor und Profeffor der Muſik zu Cambridge. 

wilfon (John) wurde 1644 Doctor in der 
Mufif, und 1656 Profefjor zu Orfott; a ah J 
1673 (6) 

Wie Mattheſon T. IH. der muf, orit ©. 131 

aus fichern Urkunden berichtet, fo. gehen die Docto⸗ 
res der Muſik allda den Edelleuten vor, und haben 
ihre Stelle gleich nach den Rittern 63 — 


e) Bon den letztern beyden ſ. Walth. 

d) S. Walth. aber die Ziefern der erſten Jahrzahl find bey 
ihm verfegt, weil allda ſteht, er fey 1726 Profeffor worden 
durch den. Stifter diefer Brofeffur , welcher aber folche 
Stiftung gemacht 1627, wie Walther ſelbſt ergeht 9.313, 
und fo Fann er auch mit mehrerm Rechte fierben 1639, 
©, 477 wie Walther das Todesjahrfenr. | 

e)Von allen dieſen legtern giebt Walther Nachricht, 

f) Die Doctormwirde Foftet 100 Pfund, fagt die Vorrede 
des vollkomm. Kapellmeiſters ©, 28. 





112 Dis tr. Capitel: - 








Daß aber jemand bey der mufikatifchen Gelahrt⸗ 
heit auch Eünne eine gründliche Erfennentf befigen 
in andern Theilen der noͤthigen Wiſſenſchaften, be⸗ 
ſtaͤtigen nicht nur viel Beyſpiele derer, ſo theils 
ſchon in dieſer Abhandlung genennt worden, theils 
noch werden vorkommen (g) ; ſondern auch die Bes: 
mübhungen folgender. Gelehrten, welche in ihren: 

Disputationen und andern Schriften dadurd fich 
eine Veraͤnderung zu machen gefücht , ob fie fchon 
eigentlich nicht berufen worden die Muſik zu tracti⸗ 
J—— | Eh 





Albrechts Fractatvonden Wirkungen der 
Muſik is. 18 beruͤhret. Wie auch der Herr 
Rector | —— 
Bellermann in Minden, von welchem K. 10 ge: 
redet worden. — —— — 
Buͤrttner, (David Sigismund) ein lutheriſcher 
Theblogus, 1660 gebohren, 1719 aber geftorben, 
als Diaconuszu Querfurt, hat durch fein Exem⸗ 
pel gezeiget, wienüßlich jungen Leuten Vie Muſik 
zur Beförderung der Studien fey. Denn er hatte 
mehr nicht von feinem Haufe erhalten, als ı 2 Rthl. 
in feinen Studentenjahren, welche erin Leipzig, Je⸗ 
naund Erfurt zugebracht, mufte alfo durch die 
Poeſie, Oratorie und Muſik fich ernehren (Br 


2 


8) Was haben die muſikaliſchen Bemuͤhungen den Selnecker, 
Mattheſon, Calviſius, Kuhnau und andere gehindert ? 
Freylich ift eine weitlaͤuftige Ausſchweifung in viel Wiſ— 
ſenſchaften nicht vor alle Köpfe; es wird auch nicht von 
alfen verlangt, die Muſik wie cin ander Studium zu ereis 
ben in ihrem ganzen Umfange. — J 

4) S. von feinen Umſtaͤnden und Schriften Joͤchers Lexi⸗ 
fon | 








Don der Muſik überhaupt. 113 


Caldenbach, (Chriſtoph) öffentlicher Lehrer 
der Beredfamfeit zu Tübingen, hat 1664 eine 
Streitfchrift gefehrieben von muſikaliſchen Sa— 
Ben (dir. RER. | 
— Carteſius ift$. 26 ſchon genennet worden: hier 
ſetze ich dazu, daß von deſſen Leben und Schriften 
alle gelehrte Lexika voll find, als Joͤcher, Walch 
im Anhange zu dem philoſophiſchen Lexiko, und ſo 
Fruſius (Andreas) wird von Walthern an⸗ 
geführt. Joͤcher ſagt ‚von ihm, er habe eine 
gruͤndliche Wiſſenſchaft beſeſſen in der lateini⸗ 
ſchen, griechiſchen und hebraͤiſchen Litteratur, wie 
auch in der Mediein, Jurisprudenz, Theologie, 
Mathematik, Oratorie und Poeſie, und ſey doch 
in der Muſik ſehr erfahren geweſen. 
Gaßitius (Georg) behauptet feine Stelle un⸗ 
ter den Gelehrten; und doch wird von Joͤchern an⸗ 
geführt feine groſſe Wiſſenſchaft in der Muſik, 
mit dem Zufaß, daß feine gefesten Sachen an ver; 
fehiedeneh Orten aufgeführet worden (Di 
Heumann, (Chriſtoph Auguft) derfo hochbe⸗ 
ruͤhmte Doctor der Gottesgelahttheit u Göttin: 
gen, ließ 1726 ein Programma drucken: deminer= 
ua muſica, ſiue de eruditiscantoribus (m), | 
Lehmann, (ob. Jach) ein fleißiger Profeſ⸗ 
for zu Jena , und emſiger Berfaffer vieler geünd: 
lich geſchriebenen phitofophifchen Bücher, mein gue: 
| H thaͤti⸗ 
Walh — 
k) Mehr von ihm ſteht unten $. 286. fe ee 
1) Er ward Mag. Philofoph. und Hector des bremiſchen 
Gymnafii, gebohren in Ungarn 1652 ;. geſtorben 1694, 
m) In 4, und einen halben Bogen, 


| 


114 Das 1.Capitel. 


thätiger Hauswirth in Jena, fpielte das Clavier 
fo wohl, daßerfich auch um die Drganiftenftelle hier 
zum Reglern bemühete, ehe er Magifter wurde, 
welche er aber zu feinem Glück nicht erhielte, 
Lutherus (D. Martin) hat nach damaliger 
Art vor vielen Tonkuͤnſtlern den Ruhm behauptet; 
und doch hat er fo viel gearbeitet und gefchrieben, 
daß man darüber billig erftaunet. BIT 
Polzius (Joh.) hat unter dem Worſitz Herrn 
Walthers, der höhern Mathematik öffentlichen 
Lehrers, zu Wittenberg 1679 eine Disputation 
gehalten de harmonia mufica (n). KEN 
Rentfh (Tob. Wolfgang) fihrieb als Ma; 
gifter 1661 zu Wittenberg eine Streitfchrift de 
mufica(o); der Refpondent war “Johann Georg 
Sauer, ein Schwabe (). 
Riemer, (M. Job.) hat: 1671 disputivet de 
_ proportione mufica veterum etnoflra, zu Jena 4 
Bogen. Der Refpondentwar Dav. Sunke(g). 
. Schellwig, (Sam.) hielt 1671 zu Thoren eine 
Disputation de mmufica, fo in 4 gedruckt wor 
1 2 1 FE — 
on (M. Nikolaus) Fann fonderlich uns 
fern Erfurtern das Vorurtheil benehmen, als 
wenn bey einem Mufikverftändigen Feine gründlis 
che Gelehrfamkeit zu vermuthen. Schlagen mir 
defien Leben nach in Motſchmanns an 
| | rfurt 





n) ©, Walth; \ 
0) Bon vielen Berändernngen diefes Gelehrten ſ. Walth. 
p) ©. Walthers Muthmaffung vonihm. _— 

g) S. Walth. vielleicht ifis der, welcher S. 342 der Ehrem 
pforte vorfommt, 
£) S. Walth. 


von der Muſikuͤberhaupt. rs 
Erfurt (s), fo heißt er dafelbft: "öffentlicher Leh⸗ 








rer der Gottesgelahrtheit und morgenländifchen 


”&Spracen, der Philofophifchen Faͤcultaͤt, wie 


>auch des hochwuͤrdigen Minifterit Senior, Pfarr: 


*herr der evangelifchen Kaufmannsgemeind , um 
Oberinſpector des evangelifchen Raths Gymna⸗ 
>fii”, Ja er iſt zweymal Rector Magnificus der 


Unwerſitaͤt geweſen, nehmlich 1657 und 1664. 
Kurz, er ſtund in überaus groſſem Anſehen, bis 


er 1680 indie Ewigkeit uͤbergieng im 7iften Jahre 
feines Alters. : Wer war er denn vorher? Antw. 


ein Organiſt zu St. Thomaͤ allhier, “und zugleich 


im neuen Werke (t), bis er 1632 Cantor und 
Schulcollega wurde zum Predigein 3 Yahr lang, 
ehe er zum geiftlichen Anıte gelangte. Er hat noch 
als Cantor die Manuduction zur theoretiſchen 
Muſik herausgegeben, als Senior aber das be 


kannte Geſangbuch (u). 


Creiber. D. Joh Philipp) Eonimt$. 48 mit 
vor, die muſikaliſchen Tractate aber $. 306 und 399. 


Er iſt 1075 gebohren, 1727 aber geftorben. Et— 
was von ihm hat Walther; weit mehr aber das 
TER N 2 vor: 


0) Und zwar in der Atın Sammlung des erften Bandes von 

.©.568: 586. Diefer Band wurde 1729 angefangen, ver 

iweyte aber 1733. in 8, x | 

t) In voriger Zeiten pflegten die evangelifchen Organiſten 

Alhier die Orgeln der Catholiken ordentlich mit zu vers 
en, | 


u) Etwas von ihm hat auch Walthers Buch. Wenn ietzo ein 
Cantor, oder überhaupt ein im Amte ſtehender Munfus, 


‚eine gleiche BefchicklichFeit befäß, ſollte er wohl dergleichen 
Ehre ſich doͤrfen träumen laſſen? Ach! es heiſt leider von 
unſerer Zeit, wie dort fiebt: quantum mutatus ab illo ! 





116 Das ı. Lapitel, 


WEN RER rn HE Re ER 
porgedachte gelehrte Erfurt, (w) allwo er heißt: || 
Der Weltweisheit und bepder Mechten Doctor, 
kaiſerlicher Pfalzgraf, Öffentlicher Lehrer der hies 
"figen Akademie , Rath des Herzogs zu Weimar, 
"und dritter Rathsmeiſter alhier”. Ich milldiefe 

motſchmanniſche Nachricht nicht meitläuftig aus: | 
fehreiben, fondern nur noch fagen, daß feine Ges 
lehrſamkeit fo weitläuftig gemwefen, daß er fogar den 
Vorſatz gehabt in allen Sacultäten Doctor zu 
werden; welches aber unterblieben, nachdem man 
gemerkt, daßer Feine Achtung vor irgend eine Re⸗ 
ligion habe(x). - Die Menge feiner Schriften und 
Disputationen find hinlängliche Zeugen von feiner 
befondern Geſchicklichkeit, melche durch die Muſik 
garnicht gehindert worden. Ich beſinne mich noch 
gar wohl, eine von Ihm gefegte Abendmufikigehört 
zuhaben, melche im Namen der hiefigen Studen- 
ten dem Grafen von Boineburg, welcher das aka- 
demiſche Mectorat von 1705 bis 1717 vermaltete, 
mit groffem Pracht aufgeführt, auch von ihm felbft 
dirigire worden (y). | | 
Denszty, 


w) An der zwoten Fortfeßung oder im zten Bande von ©, 
359 +277, allwo gr vonder guten und ſchlimmen Seite be; 
trachtet wird. / | 
x) Wie er denn 1706 zur Fatholifchen übergieng, da er vorher 
als ein Religionsfpötter ind Tabulat zu Jena gefegt wors 
den, allwo er Adjunceus war, und als ein Naturaliſt 
(mo nicht gar Atheiſt) ein halb Jahr zu Gotha nach der 
Zeit Arreft ausſtehen muͤſſen. — 
Dieſer Umſtand ſteht nicht in der motſchmanniſchen Ers 
Be ih aber damals als ein Schüler davon 
verſtund, war zwar die Mufik fehr weitlaͤuftig, aber es 
ſchien an der Schoͤnheit und hinlaͤnglichen Veraͤnderung 
der Melodien zu fehlen, 





Von der Mufie überhaupt. ‚117 | 


Venzky, ein Mitglied der muſikal. Gefellfhaft, 
ift dabey ein gelehrter Mann. Seiner ift fehon 
mehrmal gedacht worden; hier fällt mir noch eine, 
unter feiner Anordnung zu Prenzlau 1745 gehalter 
ne, Rede ein: Die Vorurtheile wider die Tone 
kunſt (z). — Ra 
Zum Beſchluß nenne ich noch eine Eleine, aber 
lefenswürdige Schrift Herrn Mattheſons de eru- 
ditione mufica (a) | 

En a 

Wenn wahr ift, mas der ießtgedachte ham⸗ 
burgifche Polyhiftor in der Zueignungsfchrift der 





&) Mitzler hat fe ganz eingerinft V. III, P, II, ©, 369:372. 
Die Einwuͤrfe find, ”1) als finde Standesperfonen nicht 
>an folche zu lernen ; 2)auch nichterbaren Frauenzimmer; 

3). auch nicht einem Prediger und Gottesgelehrten; 4) 
"auch nicht frommen Gotteskindern ; 5) einige verweiſen 
Die Kirchenmuſik; 6) andere achten fie hinderlich im 
Fleiß der Wiflenfchaften und gründlichen Gelehrfam— 
keit.“ Ich habe hier nur einige Beyfpieleder Gelehrten, 
fo Mufif veritanden, erzehlt ; einige kommen an anderır 
Drten vor bey Gelegenheit, als Weurfius, Keinbard, 

Kollin, Semler, Weidling uf. f. 

ı) Hamburg 1732,2 Bog. in 4, und 1752, in welcher zwoten 
Ausgabe man nichtſo deutlich, als in der erſten, fiehet, daß 

der erſte Brief geftellet fey an Chriſtoph Sc, Kruͤſike, 
der andere an Ebeiffopb Sr. Leißner. Dieſer Schrift 
zwote Ausgabe findet fih an Mattheſons philologi 
ſchem Trefefpiel , deſſen $. zgedacht; unddiefe Schrift 
gehört auch felbft mit hierher, weildie Wirde der Muſik 
am beften ausgeführt ift, fonderlich von N, zan, ©, 53, 
9.76,0.|.}. Was die Verfaffer der jenaifchen gelehrten 
Zeitung davon urtheilen, iftims7ften Stück 1752 zu lefen, 
weiche glauben, daß der Autor im Stande gewefen, folche 
Materie weiter auszuführen, als er hier gethan. 


— 





118 Das ı. Capitel, 
Sebauptung der himmliſchen Muſik feget : 
Was waͤre Mufif ohne andere Fitterarur ? Anw. 
"eben dag, Mas die übrige Gelehrſamkeit ohne Mu: 
ſik ſeyn würde”; und wenn man wollte öffentliche 
Lehrer der Tonkunft auf Akademien fesen; fo 
fragt fichs, mas für eine Stelle die Mufik haben 
folle unter den Facuttiften ? Lucher giebt ihr die 
nächte Stelienach der Theologie, Aber mas wuͤr⸗ 
den die Herrn Juriſten und andere darzu fagen (b)? 
Andere werden fie zu der Philofophie rechnen, fons 
derlich diejenigen, welche die Muſik vor eine Toch⸗ 
ter der Mathematik halten, und meynen derfel- 
ben dadurch nicht wenig Ehre erwieſen zu haben (c). 
Aber was das erfteanlangt , wird ein gelehrter und 
befcheidener Muſikus mit der philofophifchen Stelle 
leicht zufrieden ſeyn, wenn nur das gefchiehet, as 
ich zuvor gewuͤnſchet, daß fie nehmlich aus den 
freyen Künften nicht gar verwieſen werde. Allein, 
daß ſie alles der Mathematik zu danfen habe, heißt 
zu viel gefagt, ob ich gleich ſolche hoch halte, und 
felbft denen. Herrn Studenten den Fr 


b) Bahr inder Vorr feiner Discurfe hält vor unrecht, daß 
‚ man die Muſik unter die Kuͤnſte geſetzet, da ihr Doch über 
dieſelben zu herrſchen gebühre.  ; .. =. a 1 
e) Wertmeifter hat fich ſehr verliebt in fulche Gedanken; 
‚zum Er, inder Dedication.der Harmonologie ©. 3; im 
muſikaliſchen Siebe Cap. ıo, Sr24; da es pflegt zu heiſ⸗ 
ſen: muſica ef ſcientia mathematica. Neidhard im 
Vorbericht der Seckioniſs canon, harmon, ſagt: “man kann 
wohl ſetzen ohne die Mathematik und Phyſik, aber Feine 
*Raiſon geben von feinen Sägen”. Siehe noch mehr in 
Werkmeiſters Hypommemaribus Cap. 6, S. 14 und 
folg. | { N A 








Don der Muſik uͤberhaupt. 119 








Wolfs Auszug einigemal vorgeleſen habe. Man | 


leſe Mattheſons Schriften, wie fehr er wider 
Werkmeiſtern und andere deswegen eifert. Im 
Orcheſtre III (d) zeiget er, daß in der Compoſi—⸗ 


tiones nicht anfomme auf die Mathefin, fondern 


aufgutenarürliche Umftände; und wenn er eben 
dafelbft (e) gewieſen, daß die Mathematiker fich 


fo wenig um die Muſik bekuͤmmern, fagt er: (£) 


> Man werde fich nicht betruͤben, wenn die Mufif 
"sonder Mathefi einen Scheidebrief bekomme”. 
Er zeigetferner, (g) die Muſik fen Eeiner Wiſſen⸗ 
fchaft fubaltern , fondern die Mathematik fey viel: 
mehr der Muſik fubaltern; jene jey die Magd, 
diefedie Srau(h), Die Trage ift alfo bey ihm, 
in welchen Stücken man der Mathematik benöthi- 
get fey? die Antwortift: in der arithmetifchen, 


geometrifchen und mechanifchen Muſik, welche 


aber eigentlich Feine Muſik heiffen Eönnen, fon- 
dern mehrentheils nur zur richtigen Werfertigung 
der Inſtrumenten dienen (i). Solche Lehren be- 
| ul ar. H8teift 


d) 6. 28 des 2ten Say. des erſten Theils. 

e) 9.54 und folgenden. 
£) 9.92. ee 
8) $. 97,113 ‚und folgenden, | * 
h) Bon der muſikaliſchen Mathematik Handelt auch das 6te 

| re Vorrede zum vollkommenen Kapellmeifter, ©. 
i 10 5 22, 

id Wer wird aber einen Drechfeler unter die Flöttraverfiften 
rechnen,meil er diefes Juſtrument dreben kann? Wenn das 


en follte, fo müßte auch der Tifcher ein l' hombreur 


ſeyn, oder ein Schloffer ein Strumpfwirker; denn jener 
macht die Tifchgen, worauf andere fpielen ; diefer aber Die 
Stühle, worauf andere wirken, Man wolle gi feine 

| Wider⸗ 


129 Dos 1. Lapitel. 


Bo SOURRRRRNERBNRE — 
greift man unter der Harmonik; derowegen auch 
Mattheſon Orcheſtre ILL, erft. Dh. über dag zie 
Eapitel ©, 267 fegt: vom Unterſchiede zii: 
fhender Muſik und der Harmonie; und $.44 
thut er folgenden Ausfprud), daß die Mathema⸗ 
tik der Haͤrmonik gute Dienſte thue, nicht aber 
der Muſik (k). 

Einen hitzigen Gegner hat er hierinnen gehabt 
an Mitzlern, wie 9.3. gedacht , welcher in feinem 
Staarftecher, und inder Bibliothek an fehr vielen 
Orten behaupten will, die Mathematik diene nicht 
nur zur Aufklärung des Verſtandes, fondern trage 
auch zur Vollkommenheit des Componiften alseine 
unentbehrliche Eigenfchaft unmittelbar viel bey, 

Vielleicht find hier einige, welche ſich umma- 
theinatifche Werke wenig bekuͤmmern, begierig zu 
wiſſen, ob auch die Mufik in folchen alsein Theil 
wirklich anzutreffen ſey; und wenn demalfo, mit 

a mas 


Widerſyrechung anfbürden, wenn ichs. 13 folche Stücke 
bey der Eintheilung der Muſik mit genennet habe, weil ich 
durch das Wort: eigentlich, anzeige, daß hier geredet 
werde von der Muſik im engern Verſtande, $. 15 aber | 
im weitläuftigeen, welches auch in andern Disciplinen 
gewoͤhnlich. Wer tadelt wohl die Weltweifen, wenu fi | 
‚a einer Zeit die Vernunftlehre zu der Weltweisheit rech 
nen, zu einerandern aber ſolche als eine vorbereitende Er; 
kenntniß befchreiben ? 
k) Doch iſt nicht zu laͤugnen, daß viele durch das Wort 
Bar monit dasjenige verfichen, was wir eigentlich Muſik 
nennen, Ericius Puteanus nennt muficam harmoni« 
cam, quæ Ipfos fonos aſſa voce exprimit; f, deflen ztes 
Cap. modularz Palladis. So auch M. Kippius in der 
Synopfi, fonderlich Euler in feinem Buche, welches $, 11 
fihon genannt worden, I | * 








Yon der WI uſik uͤberhaupt. 121 








was vor Rechte es geſchehe. Das erſte anlan⸗ 


gend, ſo iſt nicht zu laͤugnen, daß ſonderlich die Als 


tern Lehrer der Mathematik die Muſik angeſehen als 


einen Theil derfelben, als Gaſpar Schott, ineur- - 


fa mathematico &. 5152525 im 2sften Buche, 
Weigel(l), und fonderlich de Chales (m); und 
zwar haben fie nicht nur die Harmonik berührt, 


fondern auch die Regeln der Setzkunſt. Nur: 


fragt fih, mas diefe legtern darbey zu thun haben, 
welche doch Feine Groͤſſe vorftellen, ſo durch Zahlen 
oderein Maß zu beftimmen ? Ich antworte, daß 


es mit eben dem Mechte gefchehe, nach welchem ſie 


die Baukuͤnſte mit vortragen, morinnen zwar vie 
fes durch Zahl und Maß beftimmt wird, aber, da⸗ 
mir man die Materien beyſammen finde, fo wird zu⸗ 
gleich alles dabey zu wiffen nöthige mit befchrieben, 


welches fonft zu der Naturlehre, Haushaltungss - 


kunſt u. ſ. f. gehoͤret, undEeiner Ziefern, auch kei⸗ 
nes Cirkels bedarf(a). Die neuern vermengen ſich 
nicht leicht mit muſikaliſchen Dingen, ſondern, 
wenn es hoch koͤmmt, beruͤhren ſie die Proportio⸗ 
nalgroͤſſen, ſuchen zu zwoen die dritte, zu dreyen 

85 vie 


H Dieſes berühmten Brofeffors Abhandlung von der Muſik 
hat aus der Idee der ganzen MarhematifMigler völlig ver⸗ 

deutſcht eingerückt V-T,P.IV, und fagt,daß bis. auf Weigels 
Zeitmandie Muſik angefehen, als einen Theil der Mar - 


thematik ; nachdem ſey es abkommen. 

m) Wir werden ihn gar oft anführen, 

n) Als die Zubereitung des Kalchs, Sandes, Speiſe, Bren⸗ 
nen der Backſteine, Verfertigung des Salpeters, Schwe— 


DZ 


fels, Kohlen, Pulvers, nam, 


— — — 


— —— — — 


— 





122 Das r, Capitel, 
—— 06 


die vierte, zwiſchen zwoen eine mittlere , wie im 
gten Cap. wird zu erfehen feyn (0). | 
Aus welchen Umftänden defto gemiffer zu fchlief I 
fen, daß man billig befondere Eollegia darüber zu 
haltenhabe (p). Hier befünmere ich mich eigent: 
lich nicht um die Eigenfchaft eineg Eomponiften, ob 
er Mathefin verfiehen muͤſſe (9); fondern weil hier 
ur | die 





0) Welches Gum Erempel) Gemeling thut in der ſelbſtleh⸗ 
- genden Kechenfchule, bey mir von, 479 488. Wolf 
in den Anfangsgeünden ©. 100, 101, des 4ten Theile, 
oder im Auszüge ©, 722, 723, und 724 Wenn der 
Staariiecher ©. 4. wuͤnſcht, daß doch ein finnveicher 
Zeibnig feinen Wig möchte aufdie Harmonie der Tone 
gewendet, haben; fo fchickt der Cantor Bofemeyer an 
Miglern folgende Nachricht 1740: ” Der Wunſch fey 
längft erfüllet ; er Habe 2 Mfpte, darinnen Lerbnitz ge: 
handelt de rhychmo, muficalifcben Hiſtorie, das meiſte 
„aber von der Harmonie nach matbematifchen Grün, 
Den, ſey aber drüber geftorben,” ſ. Biblioth. V. II, P. IL, 
8.148. Viel andere Mathematiker erwähnen folche mit 
feinem Worte, Das macht, weil folche groffe Maͤnner 
die Wiffenfhaft der Muſik entweder mit ihrer übrinen Ges 
lahrtheit gar nicht verbunden, oder fie halten eg vor etwag 
niedertraͤchtiges, Studenten folche Kleinigkeiten (quali 
vero!) vorzufagen, oder weil die noch immer jteigende 
Mutzanwendung der Lehre von den Gröffen ihnen Feine 
Zeit verſtattet ſich damit einzulaffen, | 
P) Mitzlers Klage, daf die Poeſie gelehrt werde, die Muſik 
aber nicht, finder man im Seen Stuͤcke des Staarftechers, 
da man doc) in der Republik wohl so Muſiker braucht,che . 
ein Poet nöthig if. Ein Muſikus hat auch mehr zu lernen, 
als ein Poet u.ſ.w. Joh. Mich. Schmidts Gedanken 
in der Mufico - eheologia $, 114 find auch werth zu leſen; 
(1.vonihmobeng.nn.) 
g) zum Rachlefen wegen der Notbwendigkeit Dauriben 


Don der Muſik überhaupt. 123 
f — — — 


EB 5 PERF EE EN nn I 
die Rede ift von der muſikaliſchen Gelehrſam⸗ 
£eit, und von dem Nutzen der Bůcher, ſo muß 
ich ſolche Mathematik vor unumgaͤnglich halten, 
leſen wird. 
RR LEI To Ra a iR 

So viel von lebenden Lehrern, welches nach 
$.29 das erfte Mittel hieß zur mufikalifchen Ges 
lehrſamkeit zugelangen. Aber darf man denn hier⸗ 
bey auch a 

2) Die Todten Sragen? Im alten SFeftamen: 
te finder nian harte Verbote hiervon; hier aber find 
wir nicht gefonnen, jemand zum. Aberglauben 
oder zur Kekromantie zu verleiten; fondern mir 
haben es nur mit Büchern zu thun, welche durch 
ihren Elugen Innhalt das erfegen Eonnen, wozu 
wir nicht gelangen durch einen mündlichen Vortrag 
der Lehrex. Groſſe Werke doͤrſen nicht die erſten 
ſeyn, ſondern es muͤſſen, wie in allen Wiſſenſchaf⸗ 
ten, kurze Begriffe (Compendia) voran gehen, 
welche einen Vorſchmack und Zuſammenhang ges 
ben von den vornehmſten Dingen; hernach koͤnnen 
ausfuͤhrlichere Werte folgen (). — 


will ich noch anführen Mitzlers Bibliothek VI P.V.®. 


wegen mit Mattheſon fehr unzufrieden if. 
r) Man hat heut zu Tage in der Mathematik und Philoſo⸗ 
phie die Curſus; in folchen werden die wichtigften Lehren 
 zufammen geogen; man bekuͤmmert fich nicht viel um 
- Streitigkeiten ; man läßt viel Subtilitäten weg. Wenn 
dadurch der Verſtand etwas gebt worden, fo wird ber die 


gleichen 





weil ohne dieſelbe kein Buch mit Verſtande ge⸗ 


49, und folgende, und V. ILP.T, S. 53, allwo ex des⸗ 


hoͤhern Umſtaͤnde, wie auch von den Streitigkeiten, in⸗ 


124 Das 1. Capitel. 











— t — e —ñ— 

Das erſte Handbuch mag Mattheſons neuer: 
oͤffnetes Orcheſtre feyn, wovon $. 3 einige Nach: 
richt vorkam (s). Nachdem follte man fich um ein 
weitlaͤuftiger Werk, umein Syſtema bekuͤmmern, 
daß die Erkentniß weitlaͤuftiger und gruͤndlicher 
wuͤrde. Endlich ſollte man die beſonders ausge⸗ 
fuͤhrten Materien in andern Buͤchern ſich bekannt 
machen, damit auch die fo genannte Litteratur voll 
ſtaͤndiger würde, j 


Aber mas foll ich vor ein vollftändig Werk vor- 
fehlagen ? mo findet man ein folch mufikslifches 
Syftem? zu Nirgendshaufen. Praͤtorius (von 
welchem $. 4 zu leſen) hat zwar ein Syntagma, 
das iſt, ein zuſammen getragenes Merk geliefert, 
ſo aller Ehren werth; aber ein Syſtem ift gan; 
ein ander Ding, nehmlich ein Bud, weldyes 
nach einer guten Methode alles richtig be: 
ſchreibt, eintheilt, Grundſaͤtze macht, aus fol: 
chen alles ordentlidy folgert und beweiſet. Oder 
iſts etwa Birchers Muſurgie, wovon $. * | 

| IDEE agt? 


ri von den dazu gehörigen Buͤchern, mehr Nachri cht 
ertheilet. 
s) Nach der Einleitung vom Verfall der Muſik traͤgt er die 
beſten Materienin 3 Theilen vor, Der erſte (Bars de- 
 Pguatoria) handelt C. ı von den Tonen ; C. 2 von Signa⸗ 
turen, ſonderlich von den Clavibus; E vom Tacte; C. 4 
von Roten, Pauſen u. ſ. f. Der ate Theil campofirosia 
8. 1,2,3, von den Regeln der Eon: und Diffonantien ; €, 
4 von den Arten der Compofition, Der 3te Theil ( judi- 
earoria) C.i vom Unterſchiede der italian. franzöf. engl. 
und deurfchen Muſik; €. 2 von den Eigenichaften und 
Wirkungen der Tone; €, 3 von mufibalifhen Inſtru⸗ 
menten. | 


Von der Muſik überhaupt. 125 
ee — ER" 
fagt? Hier möchte auch wohl gelten, mas dort zu 
dem Samuel gefagt wurde (t): Siebe nicht an 
feine groſſe Geftalt } Ein anders ift ein groß 
Buch; einanders ein fuftematifches, ——— 
Werſenne, ein Franzos, welcher 1648 geſtor⸗ 
ben, hat 12 Buͤcher Harmoxicorum geſchrieben (u), 
feiner andern Werke nicht zu gedenken (w). Wol⸗ 
fen wir ihm Gerechtigkeit widerfahren laſſen, ſo iſt 
er ein groffer Mann zu nennen. Aber eine ſyſtema⸗ 
tifche Strenge wird bey ihm vergeblich gefucht. 
Flud, oder Robert de Sluctibus zu Orfort, fo 











1637 geſtorben, hat in feinem, Templo mufices. in. 


7 Büchern vielerley vorgetragen, wovon Wels 
ther die Veberfchriften der Capitel vorfiellig ger 
macht. 


erone, (Domenico Pietro) ein neapolitani⸗ 


ſcher Kapeilmeiſter, hat ſich auch viel Mühe gege⸗ 
ben in feiner muſica theorica er practica — — 


Doch breche ich hier ab , und da die Vorfahren 
unsdasjenige nicht hinterlaffen, wornach hier ger 
fragt wird ; fo wollen wir weiter unten $. 70 fehen, 
welche unter den neuern uns mit einem fyftematis 
ſchen Werte zu beglücken ſich vorgefegt ha⸗ 
REINER * | 

EP ROTE 


t) ı Sam, 16,7, TE N | 
u) 1634 und vermehrter 1648 zu Paris lateinifch, auch fran⸗ 
zoͤfiſch unter dem Titel: Z’harmonievninerfele de, 

w) Don welchen Walther einen feinen Auszug giebt. 

x) So zu Antwerpen 1619 in fol, gedruckt. 

y) Beſſer iſts, die Einrichtung der neuern Muſik in den fols 
genden Capiteln erſt zu wiflen ; alsdenn begreift man befler, 
was zu ſolchem Syſtem gehoͤre, und ob der oder jener dag 
geleiftct, was er gewollt oder gefollt, | 


— 


126 Das ı. Capitel. 


Dieübrigen Bücher, welche gewiſſe Theile der 
Muſik befchreiben, find auch nicht zu vergeſſen; 
und wenn man erſt einen guten Grund gelegt, daß 
man das rechte von dem linken zu unterſcheiden 
weis, ſo kann man nach und nach alles leſen. Wel— 
che es ſind, ſo von einer oder andern Materie geſchrie⸗ 
ben, kann dieſe meine Abhandlung zur Gnuͤge ent⸗ 
Decken (z). * 





A 35. 34 
Wie ſoll man aber lefen ? Antwort: fo, daß 
das gelefene ung zurechter Zeit nüßlich fenn Eann. 
Dieleserhält man r) durcheingutes Bedächt- 
niß; 2) durch das Prcerpiven Oder Auszeich⸗ 
nen, se —— 
‚N Was das Gedaͤchtniß betrifft, fo findet man 
einige, fofich deffen, was fie geleſen, fo oft wie— 
der erinnern, alsoftfie esnöthig haben ;' es fällt ih⸗ 
nenauch wohl das Buch bey , und aus demfelben 
der Ort, mo jedes geftanden (a). Uber folches ift 
zu feiner ordentlichen Begebenheit zumachen. Und 
wer ift auch) verfichert, daß er das Gedaͤchtniß 
durch einen Zufall nicht verlieren koͤnne? Alſo iſt 
2) Das Auszeichnen unumgaͤnglich noͤthig. 
Dieſes geſchiehet entweder auf eine gemiſchte Art, 
(das nennt man Miscellanea) da man Feine Ord— 
‚nung der Sachen beobachtet, fondern folche nad) 
einander auffchreibet, wie man fie höret oder An . 
x | oder 


8) Mehr Buͤcher, als ich Habe, findet man , wenn man die: 
jenigen liefet, ſo ich nenne. | 
3) Non euiuis homini contingit adire Corinthum, wie 


Horaʒ geſchrieben. 


Don der Muſik überhaupt. 127 














oder man fammlet gleiche Materien auf ein Blat 
zufammen. (Das find Colectanea) Wenn man 
beyderley hat, welches auch am beften, fo find die 
letztern gleichfam die Negifter über die Miscellanea; 
wenn man aber mit den Eollectaneen fich allein bes 
helfen will, fo teilt man entweder das ganze Buch 
‚(weiches leichtein paar Duartanten , Jeder von ets 


phabet ein unter allgemeine und befondere Titul (b); 
oder, welches leichter, man überfchlägt fo viel Seis 
ten, als man vermuthetnöthig zu haben bey einer 
angefangenen Marerie, und menn.eine andere vor⸗ 
Eommt, fo. unter einemandern Titel ftehen ſoll, ſo 
fährt man mit Eintragen fort, ohne ſich um die al⸗ 
phabetifche Ordnung zu befümmern. Doc muß 
hierzu ein befonder Negifter gehalten werden. Man 
muß aber die Bücher unterfcheiden. Einige find.ges 
| mein, und leicht zu haben ; aber andere find rar,oder 
I wohl garnicht zuhaben (ce). Wie nun nicht nur 

Ks, eisen) | das 


b) Wer dieſes thun ſoll, muß in der muſikaliſchen Erkennt⸗ 


wiſſen, ſo die Titel werden muͤſſen. — 
e) Bey den gemeinern iſts genung + in den Excerpten den 
Ort zu bemerken , wo davon gehandelt wird, Ben den 


fprüche von Wort zu Wort auszeichnen, wenn fie mit bes 


Verfaſſer in befonderm Anfehen ſteht. Die dritte Art fols 
en wovon man niemals hoffen kann ein Beſi⸗ 


che gi nur Wahrheiten, fondern auch unrich: 
tige Saße, damit bey Streitigkeiten man fagen Fünne, 
mer mit oder wider ung ſey. Ja cs Fann auch gefchehen,daß 
manauf Reifen, oder in entlegenen Biblivthefen in 

ehr 





wa 8 Buch Papier, merden dörften) nach dem Al⸗ 


niß fchon fehr weit gekommen ſeyn, and alle Benennungen 


ſelten vorkommenden kann man bisweilen ganze Aus⸗ 


ſonderm Nachdruck von etwas handeln, zumal wenn der 


tzer zu ſeyn, muß noch fleißiger ausgezogen werden. Aber 


— Zn = 


— — 


— 


% 
\ 
ES u u ZU 12 1 il ee eine ee 


138 Dis 1. Capıtel, 


— — — — 








das gute aus den Buͤchern anzumerken, ſondern 
auch die klugen Gedanken derer, welche mit uns 
umgehen ; alſo iſts auch bisweilen noͤthig, daß man 
feine eigene Kinfälle und Heberlegungen fiber 
gewiſſe Materien eintrage, meil ſolche der Der: 

geffenheic fo leicht unterworfen, als fremde Ge 
danken. Zur Erkenutniß mufikalifcher Nach: 
richten dienen unter andern auch die in vielen 
Kirchen vorräthig” Megenden aften gedruckten 
Noten, fonderlich die Vorreden darzu. Auch 
in andern Werken, foeigentlic) von der Mufik 
nicht handeln, findet fich bisweilen etwas, melches 
hierher zu rechnen. In der Anmweifung jur Bered- 
famfeit, mo man feine Einfälle durch Gleichniſſe, 
Zeugniffe anderer, und durch Beyſpiele zu ermei: 
tern, zu ermeifen, oder zuerläutern pflegt, wird 
fonft mehr Nachricht gefunden von der Kunſt zu 
ercerpiven. S. Kübners (Rectors in Merfeburg, 
hernach in Hamburg ) Oratorie. Welche es im 
Nachdenken ſchon fehr weit gebracht, fegen zu ihren 
Ereerptenihre Beurtheilung, zumal wenn fie Eins 
wendungen zumachen gedenken, In den gelehrten 
Leipz. Zeitungen 1753 No. 84 war beuttheile aus 
Paris: traite fur Ta maniere de lire les auteursavec 
‚veiliee, (von der Mr Buͤcher mit Nutzen zu le: 
fen) in ı2, in 3 Theilen, 2 Alph. 15 Bogen; wor: 

inne verlangt wird 1) dag gelefenezu begreifen; 2) 
es ins kurze zu ziehen; 3) folches zu entwickeln; 4) 


darüber zuurthölen. Es mird jungen Leuten ves 
| — 


commendirt. 
fehr ſeltenes findet (ſonderlich theoretiſche Mſpte) fo wuͤr⸗ 
dig ganz abgeſchrieben zu werden. 





Von der Muſik überhaupt. 129 


ds 36, 

Gleich wie es aber ungereimt, fich dag nicht zu 
Nutze zu machen, was andere vor, und für ung 
gearbeitet, fondern alles allein vollbringen zu mols 
fen; alfo bedient man fich billig zur Erleichterung 
folcher Arbeit der muſikaliſchen Aufſchlagbů⸗ 
cher, und ſammlet nur das, was man darinnen 
nicht findet. Denn die Lexika, von welchen wie 
veden, find eben ſolche Eollectanea, welche man 
nicht ausfchreiben , fondern fortführen und aus: 
beffern muß. Ich gebe daher denen, melche gar 
nichts davon wiffen, folgende Eurze Nachricht. 

Boivin (Jean) hat uns geliefert: Cazalogue 
general ge livres de muſique, auf das Zahe 
A ' | 

* roſſard, (Sebaſtian de) Kapellmeiſter zu 

Straßburg, hernach zu Meaux, hat in franzoͤſ. 

Sprache ein muſikaliſch Lexikon geſchrieben, 

darinnen die griechiſchen, lateiniſchen, italiaͤniſchen 

und franzöfifchen muſikaliſchen Woͤrter erklaͤrt find, 

im Anfang des ietzigen Jahrhunderts (e). 

—— | Craſ⸗ 

d) Es iſt eigentlich Fein Lexikon, doch thut es in etwas ders 
gleichen Dienſte. Wir reden von dieſem franzöfifchen 
Drganiften au der Kathedralkirche zu Rouen mehr $. 303 
bey den Generalbaßfehriften; man Fann aber auch von ihm 
mehr lefen im waltherifchen Buche, Dich wwundere ich 
mich , daß ich allda nichts finde von dieſem Catalogo bey 
defjen Leben, ©. 102, da Herrn Walthern doch folder 
nicht verbörgen geweſen, Als welcher ©. sus ſolchen an: 
führt in Beoffards Umſtaͤnden. ; 

e) Mehr ſ. bey Walthern, welcher Broffardg Artikel, ſo 
viel möglich, in den feinigen mit angebracht, Mattheſon 
tadelt, daß deſſen Nachrichten allzutrocken, da er Rn 

ueto⸗ 



















130 Das 1. Capitel, " 





Erafineau gab zu London 1741 heraus: a 
mufical biötionary n. Na arm 

Suretiere, (Antoine) ein Mitglied der Aca- 
demie Frangoife in Paris, hat ein dictionaire 
vniverfel (allgemein Auffchlegbucdy) in feiner 
Sprache gefchrieben (g). 

Janowka, (Thomss Belthafar) ein Boͤh— 
me, Magifter der QBeltweisheit, und inalt Prag 
Drganift, hat 1701 ein mufitalifch Lexikon 
drucken laffen ins auf 14 Bogen, fateinifch, unter 
dem Titel: clauis adıhefaurummagnae artis mu- 
ſicae (h). 

Meibom (Mareus) führt auch ein muſika⸗ 
liſch Lexikon an von feiner eigenen Arbeit; aber 
ich weis nicht, daß es wirklich gedruckt worden (i). 

Stöffel (Joh. Dev. ) ift Eein Verfertiger, 
wohl aberder Verleger eines zu Chemnitz kurz a 

alle? 


Auctsres nenne, und fonft nichts darzu ſetze; f-deffen eri- 
tie, T. IL ©, 108. 

E) Mehr weiß ich nicht davon , als was 1741 die frankfurt. 
gelehrt. Zeit, ©, 76 meldete. 

g) Der Titel entdeckt, daß dieſes Werk nicht der Muſik me: 
gen gefehricben ; allein es enchalt doch fehr viel muſikaliſche 
Worker. 

h) Alſo ſollte es eine Vorbereitung feyn zu einem grofferm 
Werke, welches er inder Vorrede verfpricht, wovon mir 
aber weiter nichts befannt worden. Sein Latein ift unver: 
gleichlich ; ein Grif,gryphus ; eine einmal geftrichene No— 

te, notafemel ftrichlata, cet. Er hat die Dedication 
gerichtet an den heil, Joh, von Nepomuk. 

i) S. deffen Anmerkungen über des Gaudentius Inrrod. 
harmonic, ©, 30, follte es aber heraus feyn, wuͤrde er cs 
gewis lateinſch geliefert haben, Mehr voribm folge im 
aten Cap. 


* 


Von der Muſik uͤberhaupt. 131 


faſſeten muſikaliſchen Lexikons, 1738 in 8. 1 
Alph. 4 Bog. (R). 

Das Univerfal Lextkon, welches allbereit 
aus fo viel Folianten beftehet, daß ein Pferd faft 
volle Ladung dadurch erhält, gehört mir eben dem 
rechte hierher, als des Furetiere —E 

Walthers Buch iſt und bleibt doch gegenwaͤr⸗ 
tig das beſte; doch iſt d. ı davon zur Gnuͤge gere- 
det worden. ! 


| §. 37. | 

Nach $. 29 follte das Nachſinnen 3) das 
Bedeyen geben bey den vorigen Bemühungen. 
Ein Papagen muß Fein Studivender ſeyn, ſonſt 
waͤr ihm die Vernunft wenig nuͤtze; fondern ein je: 
der muß auch hierinnen ſich geſagt ſeyn laſſen: pruͤ⸗ 
fet alles, und das gute behaltet. Daher bey 
dem Hoͤren und Leſen alles fleißig zu uͤberdenken, 
ob es feine Richtigkeit habe, oder ob man Urſache 
finde daran zu zweifeln, ben daraus entſtehen 
dergleichen Eenjuren über die Auszüge der Bücher, 
wie zeither Mattheſon fonderlich in der critica mu⸗ 
fica, Witzler inder Bibliothek, und nunneuer- 
ib Marpurg in einer periodifhen Schrift uns 
geliefert, Wollte iemand als ein Mittel unfern 
mufikatifchen Witz zu verbeffern , und die Samm⸗ 
fung folcher Nachrichten zu vergröffern , noch das 
52 Reifen 


k) Eine herbe Kritik wider dieſes Buch fiehe in Darth. Eh⸗ 
venpforte, S. 125, weil er Keifern ausgelaflen, 

I) Wenn es nur dieſem Werke nicht geht, wie dem Thefau- 
rogr.lingu, des Stephani, worüber er verarmte; oder 
was man jonft yon Kom jagte; ſua mole ruit, 





132 Das 2. Capitel. 


Keiſen vorfchlagen, mit! demfelben werde ich mich 
in aller Güte vergleichen, weil ich dabey nichts aus: 
dinge, als daß jemand hierzu hinlänglich geuͤbte 
Sinnehabe, und der Grund im Wiſſen und Aus: 
üben vorher gut gelegt worden (m), Unterdeſſen ift 
es doch Feinvonden vorigen abgefondertes Mittel, 
weil man doch auf Reifen ebenfalls entweder ı) ſich 
der Zebendenbedienet, oder 2) Bücher auffus 
chet, und dabey 3) alles wohl prüfer, 








Das zweyte Eapitel, 


Von der Hiftorie der Muſik über 
haupt; und infonderheit von der 
alten Muſik. 


9. 33 Bon den Berfaffern folcher Schriften, welche die Hi: 
ſtorie in einiges Licht ſetzen; h. 39 von der Tonfunft derer 
Hebraͤer; $.4o derer Griechen und anderer Völker; $.4ı 
von den Geſchlechten; (generibusmuflieis;) 6, 42 die 
Namen der Anternalfen und andere Alterthimer; 6. 43 
von den alten Tonarten; ( modismuficis;) $.44 von 
den Wirkungen der alten Muſik, ſammt ihrer Vergleichung 
mit der unferigen, 


& 


nı) Ein Liebhaber kann zur Vorſchrift feiner Reiſe fich vor: 
Legen laſſen das zte Cap. des aten Theils des ſatyr. Compo⸗ 
niſten, von welchen g. r mehr folgen wird, fo — eve 
| | ghren, 


$. 38. 
te Redensarten derer Schriftfteller beziehen 
jich oft aufhiftorifche Umftände, und mür, 
den alfo dunkel fheinen, wenn man von 
| den 





Don der alten Muſik. 173 


Iden Begebenheiten der Tonkuͤnſtler, wie auch von 
den wichtigften Neränderungen der Muſik gar kei⸗ 
ne Erkenntniß hätte, Alſo wird billig nicht nur 

hier davon gehandelt; fondern es werden auch die 

mir bekannten muſikaliſchen Hiftorienfchreiber, wie 
auch die, welche von Alterthümern etivas gefamm: 
fe, oder durch andere Nachrichten der mufikalt- 
fchen Geſchichtkunde einiges Licht verfchaffer haben, 
inaller Kuͤrze anzuführen feyn (a), F 
Bonnet, ein franzoͤſiſcher Zahlmeiſter zu Pa⸗ 
ris, hat 1715 eine aus 14 Capiteln beſtehende 
hiſtoire de la mufigue in 12 drucken laſſen, ſo ı721 
zu Amſterdam in 8 nachgedruckt, da aber. noch 3 
Tomi darzu gethan worden. 
Bontempi, (Joh. Andreas) fonft Angelint 
genannt, ein kurſaͤchſiſcher Kapellmeiſter, hat 16095 
in italiaͤn. Sprache eine muſikaliſche Sıftorie in 
fol. drucken laſſen zu Perugia, als woher er buͤrtig 

war, auf 73 Bog. (b)y. 

Ebeling, (Job. Georg) deſſen $. 31 gedacht, 
hat 1657 Archae ologias orpbicas, oder Antiquitates 
Imuficas in 4 zu Stettin herausgegeben (e). 

J 3 Fok⸗ 


I fahren, was er vor, bey, und nach der Reiſe zu beobach⸗ 
ten habe. Siehe auch Mattheſons Borbereit, zur groſſen 
Organ Probe, a 
la) Man kann vorläufig lefen , was das Ate Cap. des iſten 
Theils des mattheſoniſchen Rapelimeifters von ©, 20⸗ 
27 gutes beybringt, von dereigentlichen mufital, Ge⸗ 
| lebrfamteie, Litteratur und BefchichtEunde, 
Ib) Erhatin 2 Theilen die Hiſtorie der alten theoretifchen, 
I und ineben N vielen die Hiftorie der alten praftifchen ; in 
den beyden Abrigen die Hiſtorie der neuen praktiſchen; f, 


| alth. 
le) Sie reichen bis ins Jahr der Welt 3920; ſ. Walth. 








134 Das 2, Capitel, 











Fokkerodt, (Joh. Arnold) Eantor in Herz 
forden, gab 1598 den erften Theil feines mufikalis 
ſchen Unterrichts heraus, zu Mühlhaufen in 4: 
Der ze folgete 1716. Der zte 1718, Was mir 
tego ſuchen, trägrerim aten Cap. deserften Theils 
vor, von der Erfindung, Fortpflanzung und 
andern Umjtändender Muſik (d), 


Harenberg (Joh. Chriſtoph) hateine gelehr: 
te Abhandlung heraus gegeben zur Erläuterung der 
muſikaliſchen Alterthümer, wovon der Titel ift: 
Commentatio dere mufica vetuftifima, ad illuftran- 
dum feriptores facros et exteros accommodata, 
Weil diefe neue Schriftnoch weniger bekannt, als 
die übrigen; (denn 1753 Fam der Auszug vor im 
Aen Stücke der leipz. gelehrt. Zeitung ;) fo fege ich 
deren Innhalt in die Anmerkung Ce), 

Sirſch 


d) Einen weitlaͤuftigern Auszug "giebt Walther; wiewohl 
das meiſte davon theils zu unſerm sten Cap. von mufifal, 
Rechnungen, theils zum ıgten, von der Setzkunſt gehört, 
Im zten Theile fchreibt er ſich Vokkerod. 


e) Wo ich nicht irre, fo iſt HRarenberg Profeſſor an dem 
Carolino zu Braunſchweig, und der Auszug findet ſich im 
eten Stuͤck des oten Bandes der -Miscellan. Lipſienſ. 
nov, woraus die Zeitung folchen anführere, Er unferfucht 
pornemlich die bey den Ehräern und andern alteften Bol 

Fern gebräuchlichen muſikaliſchen Infteumente; es 
wird das Alterebum der Muſik erſtlich überhaupt, herz 
nach der Urſprung der muſikaliſchen Inſtrumente, der Ge 
dichte und Melodien bey den Griechen gewieſen, und be: 
haurtet, daß man die Hexameter und Pentameter nach 

"dem Klange der Paufen gebildet. Hernach handelt er von 
Melodien der Ebräer und den aͤlteſten Noten der Euro: 
paͤer. Er zeigt, daß die alten einen — re 


Von der alten Muſib. 135 


— — — —— 


Hirſch (f.$. 13 ) findet hier eine Stelle, weil 











Zuerga, (Cyprianus de la) ein fpanifcher 
Mönch, jo 1560 zu Alcala geflorben, hat dera- 
ione mujicae et inſtrumentorum vfwapud veteres 
bebracos gefchrieben (f). 

ebov wird hernach beym Denzty genennet. 

Baufmann, ( Georg Sriedr.) ehedeſſen in 
Merfeburg Schloßorganift und Director der fuͤrſtl. 
Mufit, hatauch etwas hierher gehöriges ſchreiben 
wollen (8). 

Kirchers Muſurgie (|. $. 13) gehört auch 
hierher, fonderlich wegen des ten Buchs, da er 
von der Nuſik und von den Inſtrumenten der Ebräer 
und Griechen handelt. Im 7ten hat er abermal 
von der altenund neuen Muſif. 

| 3.4 Les 


durch eine Detave verbopvelten Gefang geliebet, und ſich 
‘auch der Aolifchen, lydiſchen, ioniſchen, m. ſ. f. Weiſen 
bedient hatten. Er theilt die Inſtrumente ein in geſchla⸗ 
gene, geblaſene und geruͤhrte. Er geht ſie durch, und 
fängt mit den Cymbeln und Pauken an. Sittith und 
Magadis haͤlt er voreinerley. Zuletzt handelt er von den 
alten Directoren der Muſik, deren er etliche nennet. 

f} S. Walth. et F 
ge) Der Titel ſollte ſeyn: Introduzzione alla mufica antiea 
etmoderna, Der 2te Bandder matthefon, eritic. muß, 
machte uns darzu Hoffnung. In Becatelli (von welchent 
6, 44 mehr folgt) letera eritico- mufica wird per Titel eis 
nes Tractats gefunden: Notizie ißoriche de contra- 
puntiſti e compofitori di mufica, teorici, e pratticl, 
tanto antichi, quanto moderni; raccolte dalle loro 
opere imprefle, e manufcritte, e da molti autori; aber 
der Verfaſſer wird nicht genennet, Soll es alſo cin an 
der Werk ſeyn, fo gehört es billig auch hierher. 


136 Das2, Capitel, 
EI 





ng, 

‚Les progres de la mufique fous le regne de 

Louis le grand; (d. i.das Zunehmen der Mu⸗ 

ſik unter der Begierung des groſſen Ludewigs) 

Dieſe Schrift hat 1735 den akademiſchen Preis 

gewonnen in Paris, wie Mattheſons Kapell 
meiſter anfuͤhrt (h). 


WMWalcolm Alexander) kann vielleicht auch ei⸗ 
nige Dienſte auͤhier thun mit feinem 1721 zu Eden: 
burg in 8 herausgegebenen theoretiſch⸗praktiſch⸗ 
und hiſtoriſchen Tractat von der Muſik (ij. 

Mattheſons muſikaliſche Ehrenpforte wur⸗ 
de $. 3 bey Gelegenheit berühret ; fie gehört aber ei: 
gentlich hierher, Denn ob fie ſchon nicht die Ord⸗ 
nung der Zeit, fonderndes Alphabets beobachtet; 
fo Fann man doch fehr viel daraus nehmen, welches 
zur Fortſetzung, fonderfich der neuern Hiſtorie, wie 
auch zur Verbeſſerung und Ergänzung des walthes 
riſchen Werks dienet (k), 

Weurſius, der jüngere, ( ob.) hat 1641 in 
8 ju Sora drucken laffen coledfamea !de ribiis) vere- 
zum, 


Mirus (117. Adam Erdmann) hat unter fei- 
nen vielen Eleinen Schriften auch zu Götliß 1707 
in ı2 herausgegeben muficam [acram, aufg Bogen, 
in welcher die in der Bibel gemeldeten Inftrumente, 

’ pie 


h) Gay. 4068 1,%, S.ry, | — 
N) — Alphab. 15 Bog. ſ. Walth, und T. II. der mıuf, erit. 
147, 


k) Hierzu gefchahen die Vorſchlaͤge ſchon in der Borbereit, 
der Organ. Probe 1719. Von den Hinderniffen handelt er 

ſelbſt in der Borrede , wie oben ſchon gedacht worden $. 3, 
Anmerk. a | | 





wie auch einige muſikaliſche Anftallten befehrieben 
werden. | 

Ouvards Manuſcript foll ſchoͤn handeln von der 
Ziftorie der Muſik bis an das Ende des ızten 
Jahrhunderts (h). 

Praͤtorius, (Mich.) von welchem $. 4 geſagt, 
hat im erſten Tomo etliche Capitel von den ebraͤt⸗ 
ſchen Alterthuͤmern (m); und aus dem 2ten gehört 
auch verfchiedenes von indianiſchen und andern ab 
ten Inſtrumenten hierher. 

Drinzens giftorie der Muſik iſt vor allen 
andern zu gebrauchen {n). 
| u: Aeins 


1) ©. Watebefons Kapellmeiſter C.4 des 1. Th. ©. 22. Er 
it ein Thumherr von Tour gewefen, und doͤrfte wohl nicht 
mehr am Reben feyn. 

m) Als von der Muſik der Leiten, von ihren Orgeln, Eys 

er, Cymbeln, Pſalter, Pauke, Trompet, Poſaune 

4 #0 





m) $. sı werden wir ihn beffer Fennen kernen. Diefe hiſto⸗ 
rifche Beſchreibung der edlen Sing: und Klin gkunſt 
ift zu Dresden heraus 1690 in 4, ı AUlph. 7 Bogen, deutfch. 
Er handelt E. a von ven Mufifern vor der Suͤndflut; €. 2 
nach der Suͤndflut bis auf Salomon; C. 3 von den mufis 
kaliſchen Inſtrumenten zur Zeit Davids und Salomons, 
welche er in Kupfern vorficht; &. 4 vb fie eine figural oder 
Ehoralmufif gehabt; €. 5 von Ealomon big anf den Py— 
thagoras; C. 6 von den Muſikern von diefer Zeit bis auf 
Chriſtum; €. 7 vonetlichen , deven Zeit unbekannt; €: & 
von Ehrifte bis auf den Pabft Gregor. den groffen; €. 9 
| vonder Zeit bis auf Dunftan; E: 10 vom ııten bis ısten 
Sahrhundert; €, zı von ı6tenz ©, 12 vom ı7zten, u ſ. w. 
— ——— And X Ä Daß = auch eine Inteinifche Hiſto⸗ 
ie wirklich dem Verleger Mieth in Dyesdin uber 
—— g9 eth in Deesden uͤberlaſſen, 





138 Das 2. Capitel, 


— u: © EEE 
. Reinhard (Michael Heinrich) hat 1699 
eine Differtation zu Wittenberg gefchrieben dein- 


firumentis muficis Ebreorum (0), 


Aollin (Earl) hat im sten Hauptſtuͤck des aten 
Buchs feiner alten Hiftorie viel, welches zu der 
Siſtorie der alten Muſik gehört. D. Georg 
Venzky hat uns davon einen Auszug gegeben (p). 


Scaliger (Julius Caͤſar) hat in feiner com- 
mentatione de comoedia et tragoedia eiusque appa- 


rar verſchiedenes, ſo hierher zu rechnen ift. Er ftarb 
1558 (q). 


Semler (Chriſtoph) iſt auch zu nennen, wegen 
zweyer Capitel aus deſſen Alterthuͤmern der heil. 
Schrift von der Voeal⸗ und Joſtrumentalmu⸗ 
fit der Leviten (kr). | 

Sem: 


0) Fabrieius in Bibliograph. antiquar, 

pP) ©, Misl. Bibl. V. IN,P, IV, S. 636, Des Rolling 

Bud) heiſſet eigentlich: Hifoire antienne des Egyptiens, 
des Carthaginois, des Alyriens, dc, zu Paris 1730 it 
12 Duodez Bänden, Er ſtarb 1741 zu Paris, aliwo er 
Rector umd Profeſſor der Beredfamkeit war, Er war 
a 1787 emeritus, ©, mehr von ihm im Hniverfal 
Lexiko. 

q) Sonderlich im 15 und-ısten Gap, de ribiis, Walther 

gibt den Innhalt der Gapitel, 

a) Sonderlich ing und ısten. Der Tr. iſt heraus 1708 zu 
Halle in 12, und zum stenmal 1730 in 8. ſ. dieſe Capitel bey 
Mitzlern V,IL,P.I, ©. 71:30, Semler handelt auch) 
von Norte Sela, davon einige meynen, es ſey ein Der: 
mabnungswort zur Erhebung der Stimme des Saͤn— 
gers, und zur Dermehrung der Andacht des Zuhoͤrers. 
Andere halten es vor cin Zeichen, Daß die Melodie ſich ver: 
wmechfele, unddie Trompeter antworten ſollen. Er ftarb 
1722. Mehr vonSela folgt am Ende des $.44,Anmerf.(h) 


Don der alten Muſik. 139 

Sennert, (Ande.) ein wittenbergiſcher Pro⸗ 
effor, ſo 1689 verſtorben, hat geſchrieben de mufi 
ca quondam hebrarorum USED ‚ei 
Siecle litteraire de Louis XV, ou lettres fur.les 
hommes celebres. Premiere partie, Paris 1753. 
gt, 12, 9 und einen halben "Bogen, Cs handelt 
ganzvon der Mufif, und ich werde einigemal mich 
darauf berufen ; ja ich fehriebe mehr hierher, wenn 
nichteheils die leipz. gelehrt, Zeit. 1754 No. 27. ©. 
241 den Auszug geliefert, theils Marpurg ım 
ıften Th. des ıften Bandes der obgedachten Bey⸗ 
träge, S. 73. 

Venzky gehoͤrt abermal in dieſe Reihe, nicht 
nur wegen des vorgedachten Rollins, fondern auch 
wegen feiner Gedanfen von den Noten oder Ton⸗ 
zeichen der alten Ebraͤer, und wegen des Aus⸗ 
zugs aus Wilhelm Irhofs coniedlaneis in pfal- 
morumtitulis, fo zu Leyden 1728 in 4heraus von 
der Muſik und den muſikaliſchen Inſtrumen⸗ 
ten der alten, ſonderlich der Hebraͤer (t). 

Dokkerod: Fofteroht 

Weidlings Chriſtian) Disputation de in- 
ſtrumentis muſici ebraeorum, iſt zu Leipzig 1685 
gehalten worden (m), | 

Mehr 





— — 












5) &, Walth und die yon ihm genannte Schriften, 

6) Des Denzky Gedancken find eingexuͤckt im aten Th.des zten 
Bandes der Bibliothek von ©. 666 etliche 70. Er tritg 
denen bey, welche die hebr. Accente vor ihre Toren aus⸗ 
geben, wovon auch Die Vorrede des Venzky zu leſen, fo vor 
deffen ebräifcben Acrenenation ſtehet, welche wir in g 
haben 1734. Vom iebovifchen Auszuge ſ. die Biblioth, 
eben daſelbſt ©, 674 684, ei 

u) ©, Walther. 


140 Das 2. Capitel, 

Mehrere wird der geneigte Leſer ſelbſt darzu ſe⸗ 
tzen; einige kommen auch hernach noch vor bey der 
Zwiſtigkeit der Gelehrten wegen der dabidiſchen und 
falomonifchen Mufif (w). 


$. 39. 
Die ebraͤiſche Muſik felbft anlangend, fo 

werden auffer dem obgedachten Yubalnicht wenige 
namhaft gemacht, fodie Mufif verftanden und aug- 
geübt; als die Familie Labans, Moſes, Mirjam, 
Debora, Barak, Hanna, die Leviten, und uns 
ter diefen fonderlich Aſſaph, Heman, Etham, 
oder Jedithun, David, Salome, Judith u. 
ſ.w. Was die Wiffenfchaft felbft betrifft, davon 
ſchweiget die Bibel, und wir mit ihr. Don den 
alten juͤdiſchen muſikaliſchen Inſtrumenten 
hat man verſchiedene Abzeichnungen. Alſo ftellt 
Prinz C. 3 in Kupfer hor: Aſor, Nebhel, Kin⸗ 
nor, Minnim, Michol, Schaliſim, Toph, 
Maͤchol, Etſeberoſchim, Mnaanim, Tſeltſe⸗ 
lim, Metſiloth, Abhubh, Beren, (ein Horn) 
Chalil, Schophar, Takoa, Chazozrah, Yes 
kabhim, Maſchrokita, Sumphoneſa, und 
Ugabh. Praͤtorius T. I, P. I, membr. IV, nach⸗ 
dem er vom iſten Cap. bis 6 von den hebraͤiſchen 
Sonkünftlern geredet, kommt C. 7 auf die Inſtru⸗ 
mente, Neghinoth, Nechiloth, Machalath, 
Gittith u. ſ. w. Rircher hat imaten C. % — 
uchs 








w) Mattheſon im aten C. des iſten TH, des Kapellmeiſters 
erzehlt etliche Hiſtorienſchreiber, klagt aber uͤber ihre Feh— 
ler, und wuͤnſcht, daß jemand aus allen ein vollſtaͤndiges 
Werk verfertigte. | 


Von der alten Muſik. 141 





Buchs die hebräifchen in Holzfchnitten vorgeftellt, 
(8 Minnim, Machul, Nevel, Einnor,Thopb, 
Gnetſeberuſim, (iſt mit vorigem Etſeberoſchim 
eineriey) Minagnghinim, Masrakitha, Was 
craphe⸗ (oder Magrepha⸗) daruchin, Abub, 
Keren, und Halil (x). 

Den Vorzug jener Zeiten giebt man billig dem 
David und Salomo , wie theils aus denen das 
mals gebräuchlichen Spnftrumenten abzunehmen, 
theils aus der Erzehlung des 1. B. der Chronik im 
sften Cap. allmo 288 Profefjores der Muſik, 
wie fie Prinz nennet, aezehlamwerden. Der Miıs 
ſikanten follen inallenı 4000 geweſen ſeyn. Oder 
man nennt mit Mirus den Aſſaph, Heman und 
Ethan, Oberkapellmeiſter, deren 24 Soͤhne 
Meiſter, welche woͤchentlich umwechſelten, daß 
allzeit 12 Meiſter gegenwärtig waren, und über 
150 andere Tonkuͤnſtler (y). David fpielte felbft 
ſehr gut, ſonderlich die Harfe, ſo noch ietzo von 
ihm den Namen fuͤhret; welcher auch, wie ”Jofes 
phus ſchreibet, verfchiedene mufikalifche Inſtru⸗ 
mente ſoll erfunden haben. Mehr folgt $.44(2). 










$. 40: 
Die slten Griechen haben viel von der Muſik 
gehal⸗ 


2) Die Namen der Inſirumenten treffen nicht alle überein, 
weil der cine die hebräifche Sprache nicht ſo gut verftane 
den als der andere, oder wohl garnicht, $.269 werde ich 
der Ausſprache wegen noch mehr erinnern, 

y) S. den Mirus ©. 14 re 5 

2) S. Joh. Friedr. Treibers programima de mufiea dauidi. 

| cain 4,1701. Er war Rector in Arnfiadt, ein Vater def 
fen, von, welchen 9, 32 zu leſen. 


142 Das 2, Capitel, 
gehalten und gefehrieben , als Plursrchus, Zus I 
Elides, Plato, Ariftides, Prolemäns, Bryen⸗ 
nius, Nikomachus u. f. f. fonderlich Ariſtoxe— 
nus (a), Der berühmte Marcus Meibom hat7 
griechischer Sonkünftler Schriften von der Muſi 
griechtich heraus gegeben, mit der lateinifchenlleber: 
fesungund Anmerkungen (b), 1652 ing, zu Am⸗ 
ſterdam. 
Meiboms Worrede ſtellt Mitzler dem Innhal⸗ 
te 

















— 


3) Deſſen $.9 gedacht. Siehe Praͤtor. T.L ©, 174 und? 
folgenden, 
b) Weibom,aus Toͤnningen im Hollſteiniſchen, war bey der 7 
ſchwediſchen Königinn Chriſtina in groſſem Anfehen, und. 
wollte ihr eine Vorſtellung machen von der alten Muſik. 
Wir er dabey zum Gelächter worden, ſteht im zwanzigſten 
Bande 5,283 des univerfäl Lexikons, der (welches bes I 
quemer) in MWalthers Buche, Eben dafelbit ſteht auch 
etwas von feiner Zollbedienung in Kopenhagen , Profeſſur 
am Gymnafio zu Amfierdam, Armut), u. ſw. Er 
farb ızıi. Hier if noch zu merken, daß Meibom nicht” 
der erfie geweſen, welcher der Ueberſetzung dieſer alten Gries 
hen ſich unterzogen, Denn ſchon 1562 hat Antonius 
Gogavinus in 4 zu Venedig auf Zarlins Anrathen Ders 
gleichen mit etlichen vorgenommen. Deſſen Werk heißt: 7 
‚Arifoxeni, muficiantiguiflini, harmonicorum elemen- 7 
torum libriz3, Cl. Prolemaei harmonicorum ;f,ide mu- 
,Rea libri 3. Ariferelis de obje&tu auditus fragmentumy 
ex Eorphyrii coimmentariis,omnium nune primum la- © 
tine conferipta et edita. Wir ſchwer ihm die Arbeit worden, 
wasden Ariſtoxenus anlangt, wegen eines ſehr falſchen 
Exemplars, erzehlt er in der Worrede. Von Meibom 
i. auch) Sentheims neue Zeitung von gelehrten Sachen. 
Daß der aͤltere Jo. Meurſius auch den Yeiftorenus, 7 
ikomachus und Alypius herausgegeben, ſteht ſchon in 
Walthers Suche, u 


Von der alten Muſik. 143 





te nach vor in feiner Bibliothek (e), wie auch die 
Beſchteibung jedes Fractats der gedachten Gries 
den (d). Auch har Tob, Wallis des Ptole⸗ 
möus 3 Bücher von der Muſik, den Commen⸗ 
tarium des Porpbyrins, und des Bryennius 
Harmonik griechifh und lateinifch herausgege: 
ben (e). Ja Mister felbft verfprach, nach und 
nach die Art der alten Muſik vorzutragen (f). 


Unter den Lateinern (2) hat Mertienus da: 
pella von der Mufif gefehrieben um das Jahr 480 
nach Ehrifti Geburt, melches Meibom nebft de: 
nen Sriechen herausgegeben (h). 

| N Der⸗ 


ec) up I, P. Er ©. A 

d) Eben daſelbſt ©. 3°. Ferne S RE 

e) 1699 in fol. ſ. Miglern am angeführten Orte , und Wal: 
thern, Es war Wallis ein Englander aus Kent, Profef: 
for der Geometrie zu Oxfort, 1649, nachher Doctor der 
Theologie u.f. w. farb 1703, ſ. Walth, Seine Werke 
find zu Oxfort zufammen gedruckt, da die muſikaliſchen fich 
im aten Tomo befinden, | 

DL RLEn | 

g) Der berühmte Polyhiftor, Zermann Conring, fo 1681 
geſtorben, hat in feinen Werfen, fo Goͤbel in 6 Banden 
heraus gegeben, harte Redensarten von der Mufik, worun: 
fer auch dieſe: apud Romanos nom decuit principes, Mar: 
theſon räumt ihm eine Stelle ein in der Ehrenpforte, und 
zieht folche Ausdrücke aus deffen Werfen, ander Zahl 144 
©: 39 u. 40, beurtheilet aber ſolche auch, und zeigt, daß 
es ſalſch, daß die Muſik faule und verzagte Leute mache, 
auch beweiſet er meitlänftig wider den Conring, daß die 
Mufif allerdings zu Rom bey ven alten in hohen Ehren ge: 
halten worden. Siehe von ihm Webers Einleit, indie His 
forieder lat. Sprache, ©, 726, 

h) Sein ganzer Name ift; Martianus Mineus gel 

1, 


— 4 
144 Das 2. Capitel. 


















Dergleichen hat auch Anieius Manlius Tor⸗ 
quatus Severinus Boethius, ein Chriſt und 
roͤmiſcher Buͤrgemeiſter gethan, welcher gebohren 
455 nach Chriſti Geburt, geſtorben gegen 524 (i), 

Vitruvius Pollio hat in feinen Schriften 
auch von der Musik gehandelt; f. Fabrie. Biblioth, 
lat. C. 17 des ıftlen Buche.) Meibom hat über 
denfelben Anmerkungen drucken laffen zu Amſter⸗ 
dam 1549 in fol. und die falfch verftandenen muſika⸗ 
liſchen Stellen erklaͤren wollen, 9 ' 

Anz 


Capella, von Madanra in Africa buͤrtig. Er ſchrieb 
eine Sathre: denupsis philolegiae er Mercurii, in Be 
chern. Das lerte handelt von der Muſik, fo wohl von des 
ven Lobe and Hiftorie , als auch Lehrſätzen; ſ. Walth, und 
weil es ein Lateiner iſt aus der eifernen Zeit , fo hat der bes’ 
ruͤhmte Job. Alb. Sabricius von ihm gehandelt in ro 
Bibliotheca lat. ©. 636 des Bandes, welcher in 8 zw. 
Hamb. heraus 1708, und ©, 267 des Bandes, welcher 
1712 gedruckt , auch ©. 177 088 Bandes vom Jahr 1722, " 
i) Warum er ins Gefängniß gerathen und endlich ent⸗ 
hauptet worden, fuchemanin den gelehrten Lexik. Es kann 
auch von ihm und feinen Schtiften der ietzt genennte Fa⸗ 
bricius in dem ısten Capitel des zten Buchs nachgeſchla⸗ 
gen werden, in welchem er ihn mit dem Capella zuſammen 
genommen hat, Seiner Buͤcher von der Muſik finds, 
deren Innhalt im waltheriſchen Buche weitlaͤuftig zule⸗ 
fen, nebſt einigen Lebensumſtaͤnden. Er mar cin treffli⸗ 
der Philoſophus, Port, Mathematikus und Mufikus; 
und foll im Gefängnig das Cithringen erfunden haben. 
Nach des Ornithoparchus Ausſpruch ſeines gleichens 
nicht geweſen. Daß er mit feiner Schrift: de confolarior 
ne philofophica viel Gelehrte befvogen , twelche fie vor 
des Cicero Arbeit ausgegeben, und noch ietzo zugleich mit 
dieſes Werken drucken Iaflen , gehet eigentlich ung nichts 
an. 


J 





Don der alten Muſik. 145 








Andere Völker haben die Muſik auch getries 

ben; wie denn Prätorius auf der aten Tafel un 
erden Niffen auch etliche fremde muſikaliſche In⸗ 

jirumente hat, als eine amerikaniſche Schall: 
mey, Seiten und Trummeln; ferner einige 
turkiſche/ moskowitiſche, indianiſche u. f. w. 
Prinz in jeiner Hiftorie har nebft den hebraͤiſchen 
| griechiſche und andere aus: 
aͤndiſche/ alsdas Siſtrum der Egyptier, fo er 
aus der Mufurgie abgezeichnet, allwo S. 185 mehr 
in Kupfer zu ſehen Taf. 2 (k). 2 


Se Er 
Damit das Buͤcherleſen ungehindert von ſtat⸗ 
ten gehe, erklaͤre ich hier einige alte, doc) ietzo auch 
noch gebräuchliche Kunftwörter und Nedensarten. 
Die Genera mögen den Anfang machen, welche 
Sache ſich niemals aus der Lehre von der Tonkunſt 
wird verdrängen laffen, ob fehon das latetnifche 
Wort, genus, dem deutſchen Worte, Geſchlecht, 
zu meichen fchon laͤngſt angefangen hat, um die 
deutſche Sprache (mo möglich) reiner zu reden und 
zu ſchreiben; daher man tego fo viel liefert von den 
Blanggeſchlechtern (1). Man zehlt deren drey ; 
Be te ar | | das 
(k) Kon allerhand alten und neuen Inſtrumenten folgt ein 
klein Regiſter Cap. 12. Die Reifebefchreibungen koͤnnen 
auch einige Nachricht ertheilen. 6; 
Unterdeſſen laͤſſet in ſolchen behrbuͤchern, mie diefes ſeyn 
ol,, ſich die Menge fremder Worte nicht vertreiben, weil 
‚ Ohne deren Anführung man fhlecht vorbereitet wuͤrde zum 
Verſtaͤndniß der Bücher, morinnen diefelben haufig vor; 
fommen, Wenn ich alfo bisweilen fehreibe gerus, biswei- 
len Geſchlecht, fo. gefchicher es der Lehre wegen. | 


Di 


146 Das 2. Capitel. 


ee in 
das diatoniſche, chromatiſche ——— 
ſche; (‚genus diatonum, chromaticum und. emb, 
monium); Oder, wenn man aud) die Beymorteams 
der griechifchen nicht leiden will, fo behält man dag 
weite, enge, und mittlere Rlanggefchleche (mi. 
Das diatoniſche geht durch ganze Tone, fonden 
lich (m) durch die natuͤrlichen Stufen «, u, 
9, 9, h, menn fie ohne Erhöhungs oder Erniedre 
gungszeichen gefest werden. Walther nenntdie 
fe Sing⸗ oder Spielart die volltoniche, teil fie 
zwar nicht durch lauter Tone gehet, (melche, tie 
unten folgt, die geöffe Haben 9 +8 oder 1029), dog 
mehrentheils. Denn e, f wie auch h, c findnue 
halbe Tone; meilder Natur ganz zumiderift, obs 
ne diefe in lauter ganzen Zonen durd) viel Stufen 
fortzufchreiten.. Das chromatifche Geſchlech 
ift, wenn die ganzen Zone in halbe gerheilet mars 
den, wie mir durch Hülfe des gegitterten Creuſes 
oder b pflegen zu thun, daher befannt c, cis, d, di 
u ſ.w. Aber e, f; ingleichen h, c laffen fich auf 
diefe Art nicht teilen, weiles nur halbe Tone finde). 


IY 
x 
— 
Ai 


w) So nennet fie Mattheſon in der Yhthungologie $ 
n) Wiewohl bey der alten Mufif dieſes Wort fondeelichnicht 
ftatt hatte, weil fie unfere Zeichen, nemlich dag Creuzgen 
und b, nicht [0 gebrauchen Fonnten wie wir, aus Mangelums 
ſerer erhabenen Taften, oder descis, dis, fisu.f.f, Wenn 
aber Marpurg von der Zuge im roten Abfehnitte des zten K. 
auch die verfeßten Durch das Creztzgen und b diatoniſch 
nennet, ſo gehört es zur neuern Muſik,wovon unten. An ftaft 
genus diatonum ſagen einige diaronicum. Bon der Abs 
ſtammung des Worts zonus ſteht obens. 4. Hier kommt 
das Vorwort (praepofitio) dia, Durch, darzu. 
©) zewrw heiſſet die Farbe, und der Name ift 



















Von der. alten Muſik. 147 


Das enharmoniſche {p), oder enarmoniſche ift 
dasenge Befchlecht, welches noch Eleinere Theis, 
fe annimmt, oder die halben Tone noch ferner eins 
theilt, und ſich dabey des Zeichens x bedienet, 
diefis genannt, welches ben uns nunmehr eine an⸗ 
dere Bedeutung erhalten, wie weiter unten zu fes 
hen (q). In ihren. Melodien Eonnten fie alle Ges 
ſchlechter leiden (x), jetzo aber thut man es nicht 
ee" 82 leicht 


ee ar BIER At 
‚ ‚weildie Alten dieſes Benus mit. einer andern Farbe 
vorgeſtellt, als das diatoniſche, (wie Kircher Tom, I, 
©. 119 glaubt) fondern weil es das Mittel beobachtet 
in der Theilung, oder Gröffe der Stufen , zwifchen dem 
diatoniſchen und enbarmonifchen; deſſen Schritte 
ſind nicht fo groß, wie bey dem erſtern, aber auch nichtfo 
klein, wie bey dem letzteren. Denn in der Sehkunſt neunt 
man dasjenige eine Garbe, was zwifchen Licht und 
Schatten fällt ; |, Mattheſons groffe Organ. Brobe 
$.153 der Vorbereit. Er nennt es daher inder Phthon⸗ 
gologie das mittlere Rlanggeſchlecht; Walther 
aber die gebrochene toniſche Singart; Salomon 
van Til die zierliche. Mitzler nenut es das bunte Ge⸗ 
ſchlecht; warum? ſ. V. III. BI, S. i. 
p) Dieſes iſt vom griechiſchen dg@, d. i. etwas geſchickt zu 
ſammen fügen, wovon auch das Wort Harmonie her: 
zuleiten, ob ſich ſchon der uͤbergeſetzte Spiritus veraͤndert; 
mit dem vorgeſetzten ev heißt es ſchoͤn, geſchickt, zier⸗ 
lich, u. ſ. f. ſ. Skapuls griech. Ler. nach welchem auch 
kann geſchrieben werden Yevos Evagmorınov. (genus 
. enarmonicum,) — Ra 
2 AORANRANN ir 
5) Sorge im Vorgemach, 3. Ch. Cap. 6, Kr S. 156 
glaubt nicht mit Neidhardten, daß die alten enbarı 
moniſch modulirt. Wie dem mehrere find , welche die 
Zonarten, fo das Creuz führen, cbromatifch , aber die 
mit b, enbarmonifch nennen, und folglich vun Be 
ds 








TE 
143 Das 2. Capiteh 








— —— 


leicht mehr. Daher wir ung entweder des in 
1% 

diatoniſchen Geſchlechts bedienen, —2 
gen ſich die chromatiſchen Claves mit ein, daher 
man fagt genus chromariso-diatonum, oder diatom 
chromaticum, das Distonifchyschromstifcheg 
ſchlecht. Mehr Nachricht giebt das Lexiko 
und viel andere Schriftfteller; fonderlich die fchgt 

gedachte groſſe Driganiftenprobe im Artikel vom 
Generalbaß, und zwar $. 153 der langen, dod 
fehr fehönen Vorbereitung, melche in der alten 
Muſik fehr viel Richt geben Fann. Das Werk kam 
zum erftenmalherausing. zu Hamb. 1719. Aber 
es wurde 173 1 durch und durch verbeffert, und di 
Bermehrung betraf fonderlich die Vorbereitung, 
Im Jahr 1751 Fam abermal ein neuer Druck zum 


AN 


Rorichein; fo aber übel gerathen (*). Das Haupt 





















Erklärung ganz abgehen. Man fchreibt daher einer, auf 
folche Art getheilten, Detava7, 30 bis 32 Intervalle äh 
denn die Ausdrucke finden ſich verſchiedentlich. Dochß 
he ſonderlich Mattheſons Phthongologie, fonderlig 
9.140, wo er deren 30 vor richtig erklärt, Til verdeutſch 
88 durch: die bauptübereinftimmige, Spielart, 
er einen Trieb bey fich findet, ſich die 3 Geſchlechter a 
einem breiten Proportionalzirfel vorzuſtellen, Kam 
Kirchers Muſurgie nahfchlagen im aten Buche ©, 
204; zumal da heut zu Tage dieſes Inſtrument faſt alte 
ausrichten ſoll. Det ee 
Ich wunderte mich , daß 1) auf dem Titelblate nicht 
rothes erſchien, wie bey der vorigen Ausgabe ; 2) NOW 
mehr, als ich fahe, daß da die Jahrzahl 175* daranffiund, 
es die zwote heilfen folle , welche doch ſchon 1751 heraus; 

3) amalfermeiften, als id) Feine Derbefferung, ſondern 
vielmehr eine Verfhlimmerung im Werke antegp 
Schlecht Papier, viel Druckfehler, Die a 












Von der alten Muſik. 149 


— — — 











werk, oder die Exempel, gehoͤren zu unferm-ı4ten 
Gapitek.ıs uder Lehre von den alten Gefchlechtern 
gehören auch die Tetrachorden (t), oder die Art, 
eine Quarte fortzugehen, nad) Erforderung folcher 
Gefchlechter. Der Kürze wegen verweiſe ich den 
Lefer aufdasate Buch der Muſurgie ©. 1r7; oder 
mer es lieber deutſch lefen will f. die ießtgenannte 
mattheſoniſche ee nn ‚anderer zu ge 


ſſhweigen er 


—* —— ** 42. 


Aus der feige Sprache muͤſſen auch ver⸗ 
bahn mer MC ER; Pe (w), I Pe 
K3tteelton; 


"ein ganz —53 — wegen der Verruckung derer 
Seiten, daß man mehrentheils im Spielen ‚umwenden " 
| muß, welches der DBerfafler im vorigen mit. Fieiß zu ver⸗ 
meiden gefucht. Das Wort Scala bedeutet oft jo viel, als 
‚\jenus , ſMeidhardts Temperatur ©. 14. Von den 
— Sefchlechtern handeln auch die Muſurgie 3. B. s und. 
n Cap. Drinz im 4ten €. des zten Th. des fat. Comp. 
dı Chales T. II, des mundi marhematici ©, HH, pro- 
u“ 6 und folgenden; Fokkerod im mufifal, Unter: 
ou t1 2. € 2 ©. Ay Dom japan eig folgt 
u In, JS 


0) Vo — ——— rirragæ viere und zehn, die 
Saie. 


u), dapnberht €, 2, S. 15. des gedachten Suche fett fie 

in Noen vor. 

w) Bonwelher borber gedacht. Die mittlere Splbe if 
kurz, telches aus dem griechifchen erhellet, allwo man 
das Wrt nicht bey drzivm zu ſuchen hat, welches ein 
Namen bedeutet, fondern bey Eos» davon an, 
und ferrr disaıs, das Zertheilen. 


2) Bon dis zweymal . 


150 Das 2. Capitel. 





. — —— 
telton; Tonus (x), ein ganzer; Hemitonimn 
(y) ein halber Ton; Ditonuskz), 2 ganze Pony 
oder einegroffe Terz; Hemiditonus (a), "ander 
halb Fone, oder die kleine Terz; Diateſſaron fh) 
d. i. durch 4 Stufen, welches eine Quarte haft: 
daher Terrachordum bistweileneben das anzeigt; 
Diapente (c), dur) 5 Stufen, welches dien 
dentliche Quinte ift, wofür man auch findet Pen 
tachordum, d. 1. ein Innbegrif von 5 Saiten 
Zemidispente (d), fnftehalb, und diefen N 
men führe die kleine Ouinte; Hexachordum (6) 
der Innbegrif von 6 Gatten, daher man fügt: 
hexachordum minus, vor die kleine Serte, un 
hkexachordum maius vor die groffe. Für dasier 
ve ſteht auch diazeffaron cum diteno, d. i. die 
dentliche Quarte mit der groſſen Terz; fuͤr dase 
ſtere aber disseffaron cum hemiditono,,. Dil. 
Duarte mit der Eleinen. Terz. HeptschYrdu 
iſt der Innbegrif von 7 Saiten, daher für A 
chordum maius auch geſagt wird, döapente aumd! 



















4 w 4 1 
Slvon dieſem Worte . I.. — 
y) Man ſagt nicht gern femizonium weil ſemi It N 

Das Wort zonus aber aus dem griechiſchen J 
Sborachmſcherey man zu vermeiden ſucht. Beydn 


Garn Ü.: „7. * 
chen heißt nuaus, zweu, halb, A 
LEN ‘ V — 7 — 9 
a) Semiditonus und Semidiapente find eben f# A 
ſich, als ferironium. Beh hemi iſt die Bedeſung 
einerley, |. Walthern, ee 
b) Ag, durch; TEeTaeds viere. hr Ye J 
'e) nes, fünfe ka 
Fr Iſt * 3 Worten zuſammen geſetzet J— 
e) Das griechiſche Wort EE heikt fee, 


Von der alten Muſik. 151 


20no, d. i. die groſſe Quinte mit der groſſen Terz, 
(oder die groſſe Septime,) und für beprachordum 
minus ſteht oft diapente cum hemiditono s_ beydes 
bedeuteralfodie Eleine Septime (f). Diapafon 
(8) heißt durch oder über alle Stufen Ch), und ift 
die Derave(i). Won Miefe, Nete, Proslams 
banomenos, und dergleihen, mehr hierher zu fes 
gen, leidet der Raum nicht; Mattheſons Vor⸗ 
bereitung, das waltheriſche Lexikon u. ſ. f. ge 
ben davon den noͤthigen Unterricht CR). 
Was vor ein Intervall zu ſingen, oder welche 
Saite anzufchlagen, wurde damals nicht durch 


f) em] heißt fichen, N u 

g) Bon die, duch, und mas, vaca, may, alles 
alles. - u | 

h) Die Griechen hatten Anfangs nur 1. Detave, daher fid) 

der Name deſto beſſer ſchickte; f. Mislers V. I, P LIT, 

S. 33. Allwo er Prinzens zwote Exercitation von 
der Octave durchgeht, und eben dieſes erinnert. 


i) Dieſe Wörter find auch anderer Urſachen wegen zu wiſſen 
noͤthig. Wer wollte ſonſt Pachelbeln verfichen, wenn 
er ein Hexachordum Apolinis in Kupfer herausgab ? 
nehmlich weil es 6 Arien waren, aus fo viel Tonarten. Ya 
unten werden wir foihe Namen finden bey den Orgelre⸗ 
giſtern; nicht zu gedenken, daß in den Eleinen Muſikbuͤ⸗ 
chern vor die Schulen die Sugenerempel zur Uebung oft 
die Ueberſchrift filhren:, #2 Aypodiapense, hypodiatejfa- 
yon, hyperdiapente uff Siehe ,. Er, Drinzens Coms 
pendium; Uro, heißt unter, vUee, über. | 
k) Don mefe, nete und dergleichen, auch) welchen Planes 
ten jede der 7 Saiten beygeltgt wurden, ſ. 508, einen 
Prof. der griech. Sprache zu Franecker, in antiquitatibus 


graecis B, IV, C.VII, p. un, 148 (qq. der zwoten Ausga⸗ 
bevon 1716 in i2. ET | 


2 Das 2. Capitel. 
ſolche Noten, wie wir haben, angedeutet, fondern 
Die Hebraͤer follen nach ihren Accenten gefungen 
haben‘, welchem aber von vielen widerſprochen 
wird (I) Man fann hiervon nachſchlagen Den 
Praͤtorius (in), Buchers Wufürgie (n), die 
muficam [acram des Mrus (o), und des Venz⸗ 
Ey lange Worreve vor feiner profaifchen Accen⸗ 
tuatton (p). Was die alten Briecyen betrifft, 
fiebe Walthers Lexikon (q); non den neuern 

um: GSriechen, 





) Doch ſiehe jedes Accents Melodie in Schickhards 
hebr. GLammatik, und deſſen Tabuli. 
m) T. l, S. 150, wie auch ©. 13. 
n) T.l, S. 64, allwo die Accente auch durch Noten vorge⸗ 
ftellt find, | 
0) S,asımd folgenden. ee = 
p) Er gab ſolche heraus zu Magdeburg 1734in 8. 17 Byogen, 
deutſch, als er noch in Halberfiadt am Thum Subcon⸗ 
rector war, Die Vorrede it fat s Bogenlang ‚und man 
findet darinnen viel Schriftſteller, ſo es bejahen, aber aud) 
andere, welche das Gegeutheil glauben. Denn einige 
halten die Accente fir Zeichen der Ausſprache, und dahin 
geht Bemky, in den Gedanken, welche $. 38 ſchon 
angeführt worden. Als das tpnliheriche Bud) mir zus 
geſchickt wurde im. Mſerpt, vor dem Drucke, fand ich die 
Sache völlig bejahet; aber. auf meine Gegenvorftellung 
vichtete.evs alſo ein, wie es ietzt lautet. Praͤtorius hält 
die Sache vor dunkel und unbekannt, — — 
ihn berichtet, daß die ietzigen Juden von den Melodien der 
Yale nichts wuͤßten; auch fangen Die polnifchen Juden 
anders, als Die deutfchen, und haͤtten einerley Accente. D. 
a und viel andere halten die Aseute nicht einmal vor 
Bi; u Sa RP SH | 
g) Unterdem Worte mors. Daer fagt, fie hätten an ſtatt 
ver KIosen ihre Buchſtaben gebraucht, wie anch die La— 
feiner von dem Boethius an. | 





Don der alten Muſik. 153. 





ET —— 
Griechen, was die Zeichen des Steigens Fallens 
und der Waͤhrung anlanget ſ. Birchern (). 


re ‚ —y $, 43. —* 

Die Tonarten (modi mufei) muͤſſen allen 
Bücherlefern einigermaffen bekannt ſeyn. Sie hiefr 
fen auch melodiae und zropi. Deren Erfinder ift 
ungewiß (s). Da bey den älteften nur befannt ges 
riefen de doriſche, phrygiſche und lydiſche 
Tonstt ; fo ſoll Sappho die mixolydiſche, der 

Polymnaſtus aber die hypolydiſche erfunden ha⸗ 
ben c). Won ſolchen modis find faſt alle Bücher 
voll, doch iſt Walthers Nachricht im Lex. hin⸗ 
laͤnglich zu unſerm Vorhaben. Siehe auch des 

Conrad Matthaͤi, eines Doctors der Rechten in 

Braunſchweig, 1652 in 4 gedruckten Bericht von 

den modis muficis, auf ıg Bogen. Daß bey) den 

Griechen nachhero der Tonarten 12 gemwefen, iſt 

Jauch, bekannt. 6 davon hieſſen modi authensici, 
die übrigen 6 hieſſen plagales. Die autbentı: 

ſchen nenne Matthefon die felbfiftändigen; die 

I RS 4 an Pläges 

Ir) LI C,VIT, der Mufurgie, S. 72 und folgenden, und 

noch mehr L. VII.S. 540. ©. 79 beruft er fich auf den 
Oedippum Acgyptiacum wegen der Muſik anderer 
Voͤlker. Ein Kupfer von dem Alphabet der alten Gries 
chen an ſtatt der Noten findet fih ©. 540 der Muſurgie. 
5) ©. Prator. T. I. S. 183 und folgend. | 
t) Die Namen find von den Laͤndern, Bhrygien, Dorien, 
Lydien, Jonien und Aeolien. Ya Streitigkeiten laſſe ich 

I mich nicht ein, da der eine Schriſtſteller mehr, der andere 

I weniger angegeben, was diel erſten betrifft. So ſagt 

Bos am angeführen Oxte: ”toni, modi, voLLass mu- 

Kei 4 fünt prineipales, phrygius, Iydius, dorius ei 
"donicns saliiadduntacolieum”, 


154 Das 2. Capitel. 
mm U 
plagslifchen aber nennt er die geborgten Son: : 
arten, zum Exempel im vollfommenen Kapelimei— 
fer €. 20068 zten Theils, S. 298. Dieplagali: 
fihen fegen das Woͤrtgen bypo (unter) vor den Ras 
men des anthentifchen, daher diefes die 12 Yramen 
find 1) modus dorius; 2) hypodorius; 3) pury. 
gius,; 4) hypophrygius ; 5) Iydius; 6) hypoly- 
dius; 7) mixolydius; 89) hypomixolydius; 9) 
aeolius; 10) hypoaeolius; ı1)ionius oder ionicus; 
ı2)hypoionius. Daraus die deutfche Ausſprache 
leichtabzunehmen (u). Man nennt noch 3 unaͤch⸗ 
te (fpurios) (w); der iaſtius aber und bypoiafius 
find mit dem ioniſchen und bypotonifchen einer; 
ley (x). Der Umfang (ambirus) bey diefen Fon: 
artenzetgt die Schranfen an, zmifchen welchen die 
Melodie ſich aufzuhalten pflegt ; der 1) zwiſchen D 
und D ; der 2) zwiſchen A und a; (doch muß 
vor h fein b ftehen, mie d moll ietzo gebraucht 
wird ;) der 3) zwifchen & und e; der 4) zwiſchen 
H und h; (beydeaber ohne ſis, welches ben dem 
iegigen e mol feyn muß;) der 5) zroifchen Fundf; 
‚Der 6) zwiſchen E und cz; (Diefer war nicht ans 
ders zu brauchen, als daß man die a 
| > 117 h um 


a) Wenn man in der Ausuͤbung redet von avthentiſchen 
und plagalifhen Schluͤſſen, fo wird folches hierans 
verſtanden. Jene haben vor der Endnote im Baffe die 
Quinte, diefe die Quarte. ER 

w) Din hyperphrygium und hyperaeolium ; diefer ik beym 
Glarean fo visiald hypophrygius, bey welchen der. 
hypoaeolius auch heiff hyperdorius Bu. in 

3) Wie Mattheſon anders gefehrieben, Buttſtedt aber 
ihm es verwieſen, ſ. Orcheſtre IL, ©. 68 und folgen: 
den. 


Von der alten Muſib. 155 





— — — — — 

h um einen halben Ton erniedrigte;) der 7) ʒwi⸗ 
chen Gund g; der 8) zwiſchen D und dʒ (doch 
mußf bleiben, da bey dem neuern g dur fis ſeyn 
muß;) der 9) zwiſchen A und a; der 10) zwiſchen 
Eunde; der iV zwiſchen C und c; der 12) zwi⸗ 
ſchen Fund f(y). —V | | 
Ihr Weſen kann wohl nicht allein beſtehen in 
dem Sig oder Lage der halben Tone (2); ſon⸗ 
dern vielmehr inder Art der Melodte felbft, nad: 
der ein Land diefe oder jene Art vorzüglich geliebet, 
oder fie zuerftin die Mode gebracht ; wobey wohl 
feyn kann, daß fie alsein Nebenwerk auch den 
Grundflang fo, und on tin Sg 
J Aa a DE: > 


) Walther ftellt auf;der zzten und aten Rupfertafel den 

Umfang der Tonarten durch Noten vor. 

2) Dan pflegt die Lage der halben Tone e, | und b, c 
(wenn man bey der alten diatonifchen Scala bleiben will) 
alfo zu zehlen: von enac d ift eine Stufe oder Grad; 

von d nach e iftsdie andere Stufe; von e nach f der 

Zte Grad; von .f nach g der ate; von g nad) a der 

ste; vona nach h der ste; von h nad) c ‚der 7te Grad. 

Alſo hat der ioniſche Modus feine Hemitynia im zten und 

7ten Grad; der dorifche im 2ten und sten; Der phrygi⸗ 
ſche im iſten und sten und ſo fort. J 

2) Hieruͤber iſt viel geſtritten worden, und es wiirde gu viel 

Raum wegnehmen, wenn ich wollte die Zeugniſſe der Gr 
lehrten hiervon herſetzen. S. Walcthers Lexikon ©. 

409, und Mattheſon an vielen Orten, ſonderlich d. 
szo und folgenden, in der Vorbereit. der groffen Gener. 

B. Schule. Wer fonft mehr von den modis leſen will, 
ſchlage nach des Herzogs Aquuivivi Wurf de medis an- 
rigeis, wovon oben $. 25, undin walth. Lex. Inglei— 

chen hat Glareanus ein dodecachordum gefchrieben, d. 1. 
von der 12 mods; |, von ihm Walthern; er war 

cin 


| 
| 


156 Das 2. Capitel, 








Ber iu v7 en 
Alſo hat bey ung die Polonoife ihr Vaterland in 
* zu ſuchen, undob ſchon der Tact ſammt der 
onart bey der Menuet eben ſo; ſo hat jene doch 
etwas an ſich, daß jeder Bauer: den Unterfchied 
merken kann. So gehts auch mit der: Angloife, 
Allemande, und andern, 12 70 7177 
Man pflegt auch zu reden von der Verwand⸗ 
ſchaft der Tonarten, melchesaber bey den neuern 
nüglicher wird, daher tinten mehr davon folgt. 
‚Hier merft man nur, daß, wenn man aus einer 
Art indie andere fällt, fo einander nicht verwandt, 
es fehrübel laute; und weil der doriſche Modus 
mit dem phrygiſchen fich nicht mohl zu vertragen 
ſcheint; foiftein Sprichwort entftanden: 2 Dorio 
ad Pbrygiums welches man von ungefchichten 
Rednern. braucht, ſo oft ſie von einer Materie auf 
eine andere verfallen, welche gar Feinen Zuſammen⸗ 
bang mit einander haben (b). | 


‚Mer vonder Büte der alten Muſik will ur⸗ 
theilen, laͤſſet fich wieder einfallen, wasoben €, r, im 
ızten $. von der Wirkung überhaupt gefagt wor: 
den. Jedoch folgen hier noch etliche Exempel, wor⸗ 
innen fonderlich der alten Muſik eine befondere 
Braft beygeleget worden, ft: 
J Am⸗ 

ein groſſer Gelehrter, und ſtarb 1563. Mattheſons 
———— Ede iſten Theils, sh 
und ganz neuerlich Marpurg in dem Tractat von der 


Suge €. 3. | | 
>) Wir aus dem Glarean das Lexikon anfübrt. 


Von der alten Muſik. 157 
Ampbions Either zog durch ihren Klang die 
| Selfenund Steinklippen ihm nach , wie die Poeten 

dichten (c). Pa | | 

Antigenidas, oder wie andere wollen Timo: 
theus, hat durch eine gewiſſe Melodie den groſſen 
Alexander dergeftalt aufgebracht, daß er die Waf—⸗ 
fen ergriffen, und ſchier die Hände an die Anwe⸗ 
ſenden gelegt. Bi. RN, | 
Berendel, (Adam) Doctor und Profeſſ. der 
Arzeneywiſſenſchaft zu Wittenberg, hat 1706 eine 
| Differtation gehalten de curatione morborum per 
carminaet cantus mujicos 5 dA er aus dem Alter⸗ 
thume ſolche Erempelder Eurenerzehlt, und zeigt, 

mie fie die Tonarten darzu gebraucht (d), 


Brodaͤus (Joh ) ein franzöfifcher Kritikug, 
ſo 1563 geſtorben, hat im ziſten Cap. der miscel- 
laneorum die Frage abgehandelt: an muſſcis canti- 
bus fanentur ifchiadici? (Ob durch die Mufit 
das Hüftwweh zu heilen fey (e)? 
Empedokles, ein berühmter Weltweife 444 
Jahr vor Ehrifto, folleinen unfinnigen Juͤngling 
durch einen wohlgeſetzten Geſang wieder zurechte ge 
bradhthaben(f),. EN 

Bm Jo⸗ 


e Wenn fie auch gleich die wilde Arc der Menſchen da; 
durch verfiehen ; fo ift doch genung , daß diefe durch Die 
Mufik zahm worden. ©, von ihm, und dem folgenden, 
Walthers Werf, * | 

d) ©, Walthern. be 

e) Dom Süftweh folgen mehr Abhandlungen in folgen: 

| fe muͤſſen fie davon fonderlich viel gehalten haben 

Walth. — 








f) S. Waith. Prinzens Hiftyrie, und Praͤtor. T, I. S. 
204, 








158. Das 2. Tapitel, 








Ismenias, , ein Fhebaner, hat, wie Boe 


thius berichtet, vielen feiner Landsleute vom Huͤft⸗ 


weh geholfen. m 
Orpheus konnte die Berge, Felfen, Bäume 
und wilden Thiere an ſich locken, ihn zu hören (g). 
Pauline, (Sabius) ein Profeff. der griech. 
Sprache zu Venedig, hat 7 Bücher gefihrieben 
de numero feptenario 1589 zu Venedig in 4. von 
dem zten bis ten Eapitel des zten Buchs fteht ver⸗ 
ſchiedenes, welches hierher gehört (h). | 
Prätorius im zten Theile des erſten Toms feiz 
ns Syntagm. im gten Gap. ©. 203 und folgenden 
hat unter verfhiedenen Exempeln der wirkenden 
Muſik auch einige von der alten. 1° | 
Thales oder Thaletas aus Kreta, hat durch 
die Lieblichkeit feiner Eicher die Branfheiten und 
Pejt vertrieben (i). Er 
Tiraquellus (Andr.) mag der legte ſeyn mit 
feinem lateinifchen commentario de wobilitate et 


jure primigeniorum (k); da im zıften Cap. fteht: 


Die Muſik heile Krankheiten; ſonderlich des 
Süftweb und verrenkte Glieder ; die Beſeſſe⸗ 

nen, u. ſ. w. (I). u 
Alles diefes führe ich an, wie es gefchrieben ſte⸗ 
het, ohne eine Unterfuchung anzuftellen, ob en 
RN richtig 


ge) ©. was zuvor beym Amphion gefagt Anmerk. e. Don 
ihm und dem vorigen handelt Walther. · 1 

h) Als vom Orpheus, und wie er die Steine bewegen föne 
nen; nebſt andern Dingen aus dem Alterthume. 

3) Esift feiner aus den 7 Weifen Griechenlandes ſ. Walth. 

K) Deſſen zte Ausgabe zu Livn geſchehen in groß fol. 1579. 

1) Er war ein parifer Parlamentsrath, ftarb 1558, ſ. Wal⸗ 
shern, un che 


| 


Von der alten Muſik. 159 


richtig. Bas aber davon im verbluͤmten Ver⸗ 
ſtande anzunehmen, haben die mythologiſchen 
Schriftſteller weitläuftig erklärt. Aber was nun 
folgt, muß im eigentlichen Rerftande angenom⸗ 
men werden. Der Prophet SElifa imwollte ein 
Wunder thun, 2. Bud) der Kön. 3, 15; und 
hierzu; mußte ein Spielmann gefchafft erden, 
Sooft David feine Harfe fpielete, wich der böfe 
Geiſt von Saul ‚ı.&oam.ı 6,23. Was ha: 
ben die Gelehrten hierbey vor Gedanfen? Siehe 
vonder erfien Begebenheit Birchers Muſurgie 
im sten Cap. des gten Buche, ©. 224; wieaud) 
Joh. Andress Schmidts Disputation : de Eli- 
faco ad mufices ſonum propheta (m). Von der 
Harfe Davids handelt Rircher eben dafelbft im 
2ten Cap. S. 214, nachdem er im erſten von den 
natürlichen Urſachen ſolcher Wirkungen geredet. 
In feiner Phonurgie hat er C. ı des 2ten Ab⸗ 
ſchnittes desaten Buchs von den natürlichen Ur⸗ 
ſachen folcher Wundercuren gehandelt; und im 
ten Cap. von Sauls Eur, Bondiefer Fannı auch 
weitläuftig gelefen werden Heinrich ‚Pippings 
Disputation de Saule per muficam curato (n). Im 
erſten Capitel zeigt er, worinne die Krankheit 
Sauls beftanden; imzten, wie die Cur theils na⸗ 
tuͤrlich, theils ůbernatuͤrlich geweſen. Dieſes 
iſt ſonderlich leſenswuͤrdig. Von Sauls und an⸗ 
| 


dern 











mp Er war Dock, und Profeff, der Theologie su Helmftäp 
amd fehrieb die Dispufarion 2 sie zu Helmſiaͤdty 


'|n) Witteb. 688. man findet ſie in deſſen Yaragm, diſſerta- 

opäm von S. 99 bis 223. Er war Oberhofprediger und 

' Eonfiltorialrath des Könige in Polen, und Kurfuͤrſtens zu 
achſen, und ſtarb 1733 


, 


160 Das 2. Capitel. 


dern Euren handelt auch Chriſtian Sr. Paullini 
im erften Bande der pbilofophifchen Luftjtuns 
den (0); ingleichen aufeine ganz befondere Art M. 
Dartolus in der mufica matbematica (p); mie’ 
auch M. Joh. Michael Schmidts, in ſeiner erſt 
neulich herausgegebenen mu/co-theologia (q). 


Weil num Diefe und dergleichen Exempel mehr 
in den Älteften Zeiten gefchehen; fo finden fich einige, 
welche die uralte hebräifche und griechiſche Muſik 
der neuern weit vorziehen, als ver Galilaͤt und 
Donius, welche glauben, daß unfereheutige Mus 
fit kaum eine Baurenmuſik gegen Die alte heiffen 
koͤnne. S. des erſtern dialogo della mufiea antica 
e moderna , 1581 (r), imd des andern dialogum 
0) ©. 193 und folgenden. Diefer Theiliftzu Frankf. und 
Reipg. 1706 gedruckt in 8; Der zteaber 1707, 
p) Er faͤllt auf die Uebereinſtimmung des Menfchen mit den 
Planeten, daher er S. 171 fagt, Saul fey faturnifch 
geweſen, melches David verfianden, und durch einen lieb: 
lichen ſaturniſchen Ton des Königes Melancholie 
aufgeloͤſt, aus dem A ihn freudig gemacht, aus dem 
& aber muthig. Bey SEliſa fey es geſchehen durch ots 
was jovislifches, “ | 
9) ©. 297 leſe man, mas er durch den heil. Geiſt verficht, 
fo äber den Saul fommen , da er König worden, und 
durch den böfen bey der ungluͤcklichen Beranderung; da 
nun Saul foldye wohlempfunden, und zum Regiment fi) 
ferner untüchtig fand, ſey er, dadurch ſchwermůthig 
morden , und habe ſtockend Beblüte befommen ; ieıbz 
lich befeffen ſey er aber nicht geweſen. 
incenzo Galilaͤi war ein Edelmann aus Florenz; ſei⸗ 
2) ur Tonnen Zufälle wegen der Behauptung des envernie 
canifehen Syſtems erzehlt man in der Aſtronomie. Diefer 
Sr. ift auch 1602 zu Floren; in fol, Heraus 40 Bog en. 
























Von der alten Muſik. 161 
eſpraͤch) de mufica (s), Gvido Dancirollus 
nden finnveichen Tractat de rebus ınemorabilibus 
entis et deperditis (t) iſt eben der Mepnung, 
ffen Ausſpruch Mirus &. 22 anführt. i 
Hingegen fann manvon der Einfalt der alten 
Muſik, fonderlich der griechifchen leſen eine Dife 
ſertation fur la mufique des grecs et des latin. parle 
Per.- - - de la compagnie-de Jelus, 1726 (u). 

iovan Stancesco Becatelli aus Sierenz hat 
eraus gegeben letera critico-mufica, worinnen er 
fein Misfallen bezeigt über des Galiläf und Do: 
ius Mepnung (w). Bon der Bergleichung der 
alten Mufif mit der neuern fiehe auch des ob. 
Wallis Anhangzudem $. 4oangeführten Werke, 
u) zZ welche 





5) S. Walthern, | » „Sdslen-p5 
t) Er F RN Reggio, gebohren 1516. Walther 
erzehlt mehr. FR 
5) Diefes Jeſuitens Disputation wurde 1726 in den gelehr— 
ten Zeitungen angeführt, aus dem Majo und Junio der 
‚ Bibliotheque frangoife ; er ſchreibt wider. den Abt 
Fregvier, fo aus dem Plato erweiſen wollen , die A: 
ten hätten esfo weit gebracht wie wir. Er beruft Ach dar⸗ 
auf, daß ja die Alten Feine Terz’ gehabt, wider Burnet, 
welcher ausdem Horaz ſolches erweiſen wollen ; daß fie 
auch die Fufervalle der Quart und Quint gar nicht fo ver: 
fanden vom Mitklingen, wie wir thun, fondern dag 
Wort Conſonanz habe bey ihnen nur bedeufctdie Be; 
ſtimmung des Tons oder Modi, woraus man fpielen 


wollen. 
”) Becatelli heiftindem Briefe: Maeftro ditapel!a della 
eittadi Pratoin Toscano, Der Brief iftgefchrieben ad 
un ſuo amico, fopra due difficolta nella facolta mufica 
da un moderno autore praticate, Einen Nusjng gaben 
‚ans Die gelehrt, Zeit. 1726.n0,78.©,. 765 uud folgenden. 
Die gemeynten Worte ſtehen ©. 6or, wider melde er zu 
einer andern Zeit mehr fagen will 


% 












162 Das 2. Capitel. 





N — — 
welche durch einen Auszug Mitzler ung deutfch vor⸗ 
gelegt (x), welcher, (Wallis) wie viel andere mehr 
thun, ‚vorftellt , die alten hätten Feine Harmonie 
gehabt, fondern nur einflimmig, d. i. im Bin, 
klang oder Octaven muſieirer; daher ſey unfe 
re Muſik vollkommener und beſſer. Die 
mache die Hiſtorien von der damaligen Wirku 
zum Theil unglaublich, ‚oder fie wären herzufeite 
1) ausder Seltenheit der Muſik, 2) aus der Ber: 
nehmlichkeit des Textes, 3) aus der Bemuͤhung 
der Componiſten, die Leidenſchaften rege zu machen, 
Siehe fonderlih ©. 21, 22. | 

Es hätteaber Wallis, mie Mitzler erinnert, 
auch vonder neuern Muſik und ihrer Vollkom 
menhett mehr follen darzu fegen; daher laffe fich die 
Vergleichung übel anftellen ; aber es habe ihmam 
beften gefehlt, nehmlich an der Erkenntniß unfer 
praktifchen Muſik (y). Mitzler glaubt, daß die 
Griechen in etlichen Stuͤcken uns, in etlichen 
aber wir die Griechen übertroffen (z). 

Daß aber einige sweifeln an der Wahrheit obi⸗ 
ger Erzehlungen von den Wirkungen der alten Mu: 
ſik, bezeigt durch fein Beyfpiel Tob. Alb. Ban⸗ 
nus inder Differtation de mu/icae natura, origine, 
progreſſu, cet. Wie auch Chriſtian Fr. Reinec⸗ 
eins, ein Rector zu Eisleben, in einer ——— 


2) V.I P II. ©1436, | % 

y) Mitzler veripricht daſelbſt S. a7, folche Vergleichung 

mit der Zeit zu zeigen, und einen Folianten heraus zu ges 
ben voller Anmerkungen über die alte und neue Muſik. 

2) zw mehr hiervon im gten Theil des erſten Bandes 
⸗ 29, *. 


“ 





Don der alten Muſik. 163 


Einladungsfhrift 1729 de efeizibusmuficae meri- 
so fufpedis (a). Tharſander (ein erdichteter Na- 
me) hat S. 66 des Schauplages vieler unges 
veimter Meynungen fich auch heraus: gelaffen 
über diefe Materie, ob die Muſik zur Weiſſa⸗ 
gungskraft etwas beytrage. Und S. 346 führt 
er aus, wie ſie froͤlich mache; S. 348 fie fie den 
Zorn ſtille. Er iſt mit denjenigen nicht zufrieden, 
welche ihre Kraft allzuſehr erheben. 
Einige, wie vorher von Wallis gefagt, meynen 
auch deswegen viel Urſache zu haben, an ſolchen 
alten Begebenheiten zu zweifeln, weil die Alten Eei, 
IneHarmoniegehabt, fondern eine bloffe Melodie. 
Diefen Sog ſucht wider die Juͤden zu behaupten 
Aleſſandro Bagnoli (b). Don demjefiitifchen 
Pater ift ſchon zuvor aefagt. Gvido (e) wird daher 
von einigen vor den Erfinder der vollſtimmigen Mus 
fi gehalten (d). Von andern wird Dunftan ober 
Dunſtaph, , ein Engländer , vor den erſten Com; 
poniften mit unterfchiedlichen Stimmen gehalten. 
Siehe Prinzens Hiſtorie. Walther aber hält 
davor, er moͤchte wohl bey ſeinen Landsleuten der 
erſte geweſen ſeyn; ſonſt aber waͤr die vollſtimmige 
L2 | Mufif 
2) ©. walthers Lexikon. 
b) Welcher 177351 Rom anfı2o Blättern in 4 heraus ge 
eben Ragionamento in difefa delle obfervationin.f. w. 
f Walthers Werf, 
I S.die Mufurgie s. Buch 2, Cap. S. 212 und folgenden. 
Und ©. 537 zeigt er mit mehrern,, man könne den Grie- 


chen “eigentlich nicht mehr. beylegen „als eine einfache 
elodie (monotonsam,), 


d) Erftarboss, Alſo kann Gvido he oweniger der Erfins 
der feyn, fo nachher gefiorben ** r 


164 Das 2. Capitel. 











Muſik vielälter, Luther zog die neuere der alten 
vor; Perrault that ein gleiches (e), Kur 
Nuniftdie Frage, wie Davids und Salo⸗ 
mons Muſik gewefen? Vollſtimmg nennt fie 
Prinz. in der Hiftorie, und mit ihm viel andere, 
Der Kürze wegen nenne ich nur den obgedachten 
Ruez, welcher in der Fortſetzung der widerleg⸗ 
ten Vorurcheile (Sas, 9) des Truls Arwied⸗ 
ſons, Kupferſtechers des koͤnigl. Archivs zu Stu, 
holm, : Proben von der alten ebrärfihen Mu; | 
ji tadelt, welche 1706 geftochen worden, dadie 
Melodienalle eines Schlags, und fo gaffenmäßig 
als jämmerlich (f). Schmidt in der mufin: | 
theologia Fann es nicht vertragen, wenn diealte | 
Muſik vor einfältig und einfach gehalten wird 
(8). | J 
Daß aber, wenn ja bey den alten F 


















eine ſchoͤne Muſik geweſen, ſolche Runft verloh en 
gegangen, iſt bekannt; und was ietzo bald da,bal 
dort, ausden Accenten der Hebraͤer, fonderlid | 
aus den metrifchen, vor Melodien zum Sur 

kommen, iſt fo lächerlich alsungemwis (h). 4 





ihrer ũneinigkeit über das Wort Sela ſattſam abzuneh—⸗ 
men, Was Semler davon geſchrieben, iſt ſchon 


* 


Von der alten Muſik. 165 


—— 





Man koͤnnte noch erinnern, daß zwar den Al⸗ 
ten die Proportion der Terz in Zahlen nicht be⸗ 
kannt geweſen wie 5⸗4; (wovon E. 5 ein mehrere 
folgt) aber ſollte daraus richtig flieſſen, daß 


ET) ie LEE 





bracht $. 38 Anmerk. r). Ich fee aber hiervon noch et⸗ 
was hierher. Rimchi erklärt es durch eine Erhoͤhung 
‚der Stimme bey dem Singen, und will es von Hd, 
herleiten, Buxtorf hat v8 zu dem Stammmorte NND 
geſetzt, Arawiru, ff. Siehe deffen Lexikon. Der groffe 
gelehrte D.· Heumann / hält es vor unerforſchlich, 
und rathet vom fernern Nachgruͤbeln ab. (Solamen miſe- 
rum!) Herr M. Daniel Peucer, (welcher anfaͤnglich 
Rector war in Buttſtaͤdt, hernach in Naumburg, hier— 
auf Conrector in der Schulpforte, ietzo aber Director iſt 
der Schule zu Eiſenach) als er noch in Naumburg war, 
fand die Wurzel (radicem) dieſes Worts Hiob 28, 16,9. 
nnd Arauit, (nie bey Buxtorfen ſteht) der Imperativ. 
in. Kal ſollte A7D Heiffen, Aber weil die Berba, de; 
ven drifter Wurzelbuchſtab 1 vder X iſt, ihre Form 


oft verwechfeln ; fo wird 390 geſetzt. Am Eude des 
Verſes hat es den Silluk mit dem Sophpaſuk, zmal aber 
den Alhnach; folglich wird noch Dan. $. 27.1 
geſchrieben, dag iſt: expende, pordera, nosa bene, 
merks wohl! fo. trifft, wie Peucer fagt, mit dem 
Endzweck der Affect und Eontert zu. Die hHamburgi- 
schen Berichte von gelehrten Sachen 1740 ©. 432 
ind je: machten dargegen Einwenduugen; Peucer aber 
ertheidigte feine Meynung In den frankfurt. ge⸗ 
hrt. Zeit. 1740 von ©. 453 bis 456 wurde Peu⸗ 
wauchwiderlegt, deren Verfaſſer es vor ein Zeichen hiel⸗ 
. ter abwechſelnden Chöre ; wie denn die 7 Doll⸗ 
"Meier ſchon 200 Jahr vor Ehrifto es uͤberſetzt durch 
Oinbarıa, das iſt: vicifiendo et immutatio ae 
ren AR ce. 


3* 
ur 


166 ‚ Das 3. Capitel, 


| 
auch ihre Kehlen und Inſtrumente fich der 2er 
vollig enthalten? Sie ift unfern Haͤlſen fo natür: 
lich, daß auch viel unmuſikaliſche ſolche etlichemal 
hintereinander zu ſingen pflegen. Und weiter unge 
wird auch dem Pythagoras eine Temperatur bey 
gelegt, wodurch) (menn es anders damit feine Kid 
tigkeit hat) der Punet megen der Per; gleichfaik 
ausgemacht wäre, Eu 
Das dritte Eapitel. 
Von der Beſchaffenheit der Muſik in 
den mittlern Zeiten. 

9. 45 was vor dem Aretin zu merken? 9. 46von Aretin 
Solmiſation; 6. 47 einige Freunde und Feinde der Sol 
miſation; $. 48 Streit zwiſchen Matthefon und Butt 


‚fedt; 6. 49 einige aus der Solmifation zu erklaten 
Redensarten; $.5o von der deutſchen Tabulatur. 













KR ſchreiben dem Ambroſius, ch 









mäpländifchen Bifchoffe,, die Einführum 

< der Hymnen und Pſalmen in die abendl 
er melodiae.. Siehe nod mehr dafelbft S. gr7, und fie 
allwo die Bedentung: nora bene, oder mediremur wirt | 
‚bertheidiget wird. In der mehrgedachten Yrufibme | 

‚tbeologie M. Schmidts wird 5.93, ©. 207, *.008 
Wort Sela erflärt durch unfer Rittornello., odr da 
eapo ; "wenigfiens (ſagt er). war es cine Paufe ve die 
"Sänger, und die Inſtrumente lieſſen fich indejjeralein 
hören, Weil der Prieſter auf dem Altar in die Tomper 
te ftich bey folcher Pauſe, und das Volk daey ve 


* 


Von der Muſik der mitlern Seit. 167 








diſche Kirche zu, um das Jahr 374; andere dem 
Damaſus, einem roͤmiſchen Biſchoͤſe. Siehe 
ben mehrentheils zu einer Zeit gelebt, da jener (a) 
397 geſtorben ſeyn ſoll, dieſer 334 (b). Aber 
Gregorius M. welcher vom Jahr 591 bis 604 
roͤmiſcher Pabſt geweſen, iſt der Buͤcher wegen 
doch merkwuͤrdiger. Denn weil er den damals 
ſehr einfaͤltigen Kirchengeſang merklich verbeſſern 
laffen; fo wird noch ietzo von ihm die Benennung 
des gregorianiſchen Geſangs gehoͤrt und gele⸗ 
fen (c). Er fuͤhrete 4 Tonarten (modo⸗e) ein, die 
doriſche, phrygiſche, lydiſche und mirolydi: 
ſche, wozu der roͤmiſche Kaiſer, Carl der groſſe, 
nach der Zeit die 4 plagaliſchen gethan, welche 
er den Griechen ——— (d); alſo a 8 

ER, Rh: 


..Bezeugung der Andacht auf das Angeſicht fiel; ſo iſt 
das Wort von HD proßernere, niederwerfen. 
Dabey erklärt er auch die Stufenpfalmen ©. zog in 
eben dem q. Noch eins: Sela fehreibt man wohl beifer, 
als Selap, weil das J am Ende Fein Mappik hat, ſolg— 
bich weder mit ausgeſprochen, noch in andern Sprachen 
Died, 
a Diefer groſſe Mann ift von Walthern einigermaffen be; 
ſchrieben worden, Kircher T. I, &. 236 ſetzt ihn dom Gre⸗ 
gorius an die Seite, was die Verbefferung der Muſik be: 
rifft. Folglich müßte diefer fortachihre haben , wasje; 
er angefangen. Das Lied: ZErr GOtt dich loben 
vir, heiſt noch der ambrofianifche Lobaefang.. 
b)S, Wald... —— | 
°) Er war ein groffer Kenner, Liebhaber und Beförderer 
der Muſik, wie auch der Schulen ; daher noch) ietzo, auch 
at einigen evangeliſchen Orten, ihm zu Ehren das Ste: 
„ging: oder Schulfeft gefeyrer wird. A 
I) Ron ihm. oben 9.25. Erfiarb sig, und da die an en 
| | | nad 


nah Aachen abgefchickte Griechen allda nach ihrer Weife | 


Die ordentliche Duarte zu f durch ein ernievrigtes b noch 


168 Das 3. Lapitel, 


. ãAA ne ni | 
Kirchentone, und alle Gefänge muften in DE | 
0 Oder & enden. Doch ift F bald in.den don, 
Iben verändert worden, was die Lage des-halken 
Long betrifft (e), mweilmandas h anfänglich 
dem Gehör erniedriget, endlich aber ſo lche | 
drigung durch das b.angezeigt hat (£). Ferner, 
da die Lateiner vom Boethius an 15.2 
ben des Alphabets an ſtatt der Noten eingefuͤh⸗ 
tet, ſo blieb Gregorius ben den erften 7 
taben, 9,,b,i6, du. eu, 93 damit bekamen. ie) 
Detaven einerley Namen. oa N 


2; i 
2 0 ⸗ ’ * bu (Ans 

4 1 f u . 
‚43 ME n u PEN 


Mi. Beer ec 




























W 
i3 r 
— 


! 


‚den Goftesdienft hielten ;.fo lerute er. ihnen foldhe Si | 
arten ab. S. Walth, und Prinz, €, RD EM 
CI. DO 9,43, VI RER 
f) S. auch Joh. Bong in Pfalmodia, diuina, 1663. 
Walther hat verfchiedenes von ihm angeführt. Punk 
muoͤchte man fich wundern, wie der achte Buchftabdeg Al; 
phabets, h, in die diatonifche Neihe ver Buchfiaben gef 
kommen, , daß ınan noch icko fagt und ſchreibt: a, h, c 
d und fo weiter, fuͤr: a, b, c, Nehmlich, als ma | 


hatte, malete man das lateinifche b auf sweyerlen Ar 
das b nennete man das runde; das alte aber. mach 
man viereckigt, daher es b quadrasum hief , fran} 
ſiſch fage man b guarr&, Aber man hatte etiva dieſes 
heu des aeckigten b nicht in allen Druckereyen, dal 
bedienete man ſich des h, fo ihm am nechften Fa. 1b 
fo hat es der eine dem andern nachgefchricben, es auch, 
genennt. Siehe davon Mattheſ erir. TU, ©, a 
9.53. die Örganift.Probes. 162 uot. e. die kleine ga z 
xalb. Schule, ©.76,$.7. Sorgens Dorgenad 
8.4, ©.9 des erfien Theils. Einige aber haben sag I 
oder h nicht angenommen, als Beyer in Der Yan 1 
zur Singkunſt S.2. Janowka im Llave frudeb 
ich S. 18, und andere mehr. 3 


| 


af 
z 







J 


Von der Muſik der mittlern Zeit. 169 


Ob nun fehon zwiſchen folcher Zeit die Muſik 
mehr Veränderungen gehabt; ſo ſind doch die vor⸗ 
gefegten engen Schranken hinderfich, theils von 
70, Damascen g), theils von der Verbeſſerung 
unter. dem Pabſt Adrian etwas her zu ſetzen. Zur 
Hauptſache gehoͤret aber; daß im r.rten Jahrhun⸗ 
dert man ſolche Buchſtaben auf eben ſo viel Linien 

eſetzt, die Zwiſchenraume (Spatia) blieben 
ar Nach der Zeit wurden an ſtatt der Buch⸗ 
ftabendie Punkte aufidie Linien geſetzet, die Zwi⸗ 
fehenraume blieben abermal frey, bis endtich auch 
dieſe damit angefüllet wurden, ſ. die Mufurg. L.V, 
©.213: Das Wort Contrapunkt (contya pun- 
Aumpder contrapundus) ift daher entftanden,wenn 
man: nach der Zeit. mehrftimmig gefeßt, und ein 
Punkt gegen das, andere gefihrieben hat; für 


SArtntr — RE — 
5) Dieſer hat den Namen von der Stadt Damaskus in Sy: 
‚ten, daher im Lex. er in. Jauf zuſuchen iſt. Wenn er da— 
ſelhſt vor einen Fajjerlicheit Schreiber, angegeben wird, 

welcher zu Damaskus ein Muͤnch gerworden ; To ifr efwa 
Otto Gibelius daran Schuld, welcher in dem Beri 

de vocibus muſicalibus, ſo zu Bremen heraus 1659 ing 

ae daß nicht nur dem alfo fey, fordern &. 15 und 

18 ſteht auch viel von deffen Erfahrung in der Mufif, wels 
4 cher wegen er nicht nur Vollmacht erhalten, die Kirchen: 
‚ gefänge su perbeffern, auch andere.au lebten; fon: 

dern er trug auch den Ehrentitel MeAuooc, ein Sänger. 

Aber wenn Mattheſon zu reden kommt auf die Berfafs 

er der hiſtoriſchen Muſik ſo tadelt er nicht aur im voll⸗ 
kommenen Rapellmeiſter E. Ides erſten Theils, ihre 

Unrichtigkeit uͤberhaupt, ſondern führe $, Ar r 42, 43 von 

diefem Syreran, daß er vielmehr ein Geheimderrath bey 

dem Fuͤrſten zu Damaskus gewoſen, wegen befchuldigter 
„Berrätherey ſey ihm die Hand abgehauen worden, worauf 
er fih nach Früſlem mein Kloſter begeben, n. ſ. f. 


4 
> 














179 Das 3. Capitel, 


a 
welches man, da nun für die Punfte die Noten 
üblich find, ietzo lieber fügen follte Note gegen 
Note. (nota contra notam), Zu 

Den denLiebhabernder alten Tonarten finder 
ſich einige Wörter, melche den Buͤcherleſern nic 
gang unbekannt feyn dörfen. Dahin gehören 
erdichteten Tonarten, (modi fi), di ſe 
BUNG, (transpofitio), der Umfang, (ambirup 
undder Widerfchlag, Crepercufio).: Die m 
FB; ftehen bey Watchefon in ſchlechtem Eredic hj 
und find mit den transponirten einerfey; oder deut 
licher zureden, ‚wenn man die Melodie und Hab | 
monie entweder höher oder niedriger hören Tüte 








halbe zu theilen i). Die Lehre vonder Repercufe 
fion oder Widerfchlage gehört in die Sugenle | 


ve, Wenn gefagt wird, wo und wie der Befährt 









Umfang (ambirus) iſt $, 43 allbereit befapriee | 
benk). Ä — > 


h) Bon der mufca ſada, feala Kay, ſ. w. handeln die mehr 
veften Schriftendafiger Zeiten, Mag Mattheſon d 
von halte, ifi$. 149 und folgg, der Worbereit, ur ©r 
niften Probe zu fehen; er jagt, es werde wohl die m 
lodie, nicht aber der Modus verfekt, — 
i) Ohne die Temperatur war die Transpoſition nicht voͤllig | 
richtig, Folglich felten brauchbar ; die Tonarten waren wer 
ſentlich von einander unterfhieden ‚ welches ietzo bey der 
gleichſchwebenden fih anders verhält, wovon unten, 


k) EinemOrganiften ift ben dem Gebrauch der alten — 





Don der Muſik der mittleren Zeit, 171 


— — — — 


— In 21, 2005, $. 46. ra 
Srvido Aretinl), oderd’ Arezzo, ein Bene⸗ 
dietiner und Mufikdirector feines Klofters zu Poms 
poſa im Serrarifchen, um das Fahr 1028 hat die 
Muſik fehr verändert, da er ein Buch gefchrieben, 
micrologus genanntm), und an ftatt der Buchfta« 
ben 6 Syliben eingeführt: v2, re, mi, fa, fol, la. 
Er foll nach einiger Meynung die Harmonie zuerft 
erfundenhuben n). Zu den 15 Elavibus thät er 
nochandere 5; nad) der Zeit find ſowohl unten als 
obenimmer mehrere angenommen worden. Dieſes 
| Bud) wird bisweilen introductorium genannt, und 
Gyido unterftund fich einen Knaben im Singen fo 
meitzu bringen in ı Monat, als nach deralten Art 
kaum ein witziger Menfch in viel Jahren lernen 
Eönnteo). Dieſe Are die Mufif zu lehren heiße, die 
Solmifation. In einigen Schriften fteht Sols 
fisstion, als in des Ornithoparchus arte can. 
tandi, foheraus 1535 und 1540 in Jänglicht 8 zu 
—————— — | Diefe 


unmmgänglich noͤthig, su wiſſen, zu welcher Tonart jeder 
Choral gehöre. Hier kaun ich nichts mehr thun, als den 
Leſer zu nerweifen auf Buttſtedts barmoniam aeternam, 
ſonderlich auch auf Walthers Lerifon. 

Ih) Man ſagt auch Gvido allein, oder Aretin. Aretium 
— ſein Gebuhrtsort hat ihm dieſen Beynamen 

> Der erſte Theil ſoll in ungebundener, der zweyte in ge⸗ 
hundener Rede geſchrieben ſeyn. S. Walth. 

n) Diefer Sache iſt ſchon $. 44 widerſprochen worden, 

0) Siehe anch eine befondere Lobserhebung des Gvido und 
feiner Erfindungen bey Prinzen, in der Siftor. des Mu—⸗ 
fiFE, ro, 9.2727, Don deſſen Monochord folgt un: 
tenetwas. dr 

pP) Andreas iſt deſſen Vorname, Das Buch if — 

| $ | un 





172 Das 3, Capitel, 





I AA he oa mh 
Dieſe 6 arerinifche Syllben find genommen aus 
einem Gefangeder Alten, da fie Joh. den Täufer 
wider die Heiſerkeit anriefen, und welchen einige 
alſo ausdruͤcken: | x — 
VT queant laxis REfonare fibris 
Mlra geſtorum FAmuli tuorum, 
SOLue polluti LAbii reatum, 
4 fandte ‚Johannes! 9)... 
Penn für c hier vr gefagt wird, und man ſteigt 
nicht-höher als 6 Stufen, fo fpricht man re für d, 
mi füre, fa für f, Jolfürg, undlafür az dieſe 
Benennungen mwerden abwarts aud behalten. 
Aber weil in der octave 7 Stufen find, fo muß, 
wenn man höher fteigen will, die muration (Wer: 
änderung) befannt feyn, da die Stufen mehrer: 
ley Namen befommen. Da nun durch die chro: 
matifchen Zeichen, Ereuz und b, der halbe Fon feine 
Lage oft verändert, und dabey allezeit mi, fa muß 
gefagt werden, foift folche Deränderung: defto oͤf⸗ 
ters noͤthig, ie mehr man in den neuern Zeiten aus 
BUNTEN UL EEE N 43, E 


J 


J 


und Walther nennt die Ausgabe von-ıs4o nicht; doch hat 
er einen Auszug eingerückt. Er hat mehr Woͤrter wun⸗ 
derlich gefehrieben , als fchala, für frala uf. f, im zten 
 ZuchE.s de cantu eccleſia ſico hat er ein eurids Lied, Darts 
aus zu fehen, daß erein Iuftiger Purſch geweſen. Er vers 
fpriche ein gröffer Werd. Er glaubt, die Jolfzario hätte 
ohne göttliches Kingeben nicht Fonnen erfunden tver: 
- den. Der lateinifchen Sprache ift er ſo mächtig, daß er 
ſich unterftcht döapenze zu decliniven, im Genitiv diapen- 
205, welches Cicero ſich wohl nicht unterſtanden. 
g) S.Walth. in Ve.an ſtatt: fande Johannes, haben eini⸗ 
ge: opazer alme! als Kircher T. 1, ©. 1145 für wira ge- 
Rorum, ſetzt Praͤtorius: mira baptiſtac, UND ſo weiter. 





Von der Muſik der mittlern Zeit, 173 
einer Tonart in die andere geht, folglich die chro— 
matifchen Zeichen bald vermehret, bald vermin- 
dert, und dadurch den Sitz des halben Fong ver: 
ruͤcket r). EM | 
Diefe Erfindung wurde nicht nur damals, fon: 
dern aud) lange nachher, fehr hochgehalten s); Als 
von Lorbern t), Bononeiniu), Fux w), Murfche 
häuferx), Henfling y), Burtius z) und andern, 
welche im folgenden $. als Lehrer diefer Kunſt zu 
nennen ſiidd. W | 








Etwas von ſolchen Sächelgen müfjen diejenigen 
wiſſen, melche allerhand mufifalifhe Schriften 
mit Derftande lefen wollen, weilder Solmiſation 
darinnen fo oft gedacht wird; Zumaldaauch groffe 
Zonfünftler unter den neuern dieſelbige beybehal⸗ 
tenhaben, Solche zu lehren ift hier mein Vorha⸗ 
a 8 | | ben 


2) Bon der völligen Einrichtung Aretins f. Mitzlers 
Bibl. V. 1, P. III, wenn er von S. 16 +33 deg Gibelius 
Tractat durchgeht de vocibus muſicalibus, deſſen $. 45 not, 
z gedacht. Die Ehrenpforte handelt auch) von ihm. 
Ay Solmifation nennet er auch die Syllabica⸗ 

| ion. 

Is) Noch zu meiner Zeit iſt hieruͤber geſtritten worden, 

It) S. von ihn oben 9. 28. 

Fu) Wie zu ſehen im auufeo prattico; |, unten h. 394. 

+ gradu ad Parnaffums |,oben$. 2, wie auch in def; 

ſen Briefen an Mattheſon; ſ. hernach $. 48, 

x) In ſeiner Akademie, wovon unten $. 397. 

y) In einem Briefe, von welchem mehr folgt $. 67 und 85. 

2) Bon Nikol Burtius und deſſen Tr, de muſita, cum de- 
fenfione Guidonis Aresini, ſ. Walth. 












174 Das 3, Capitel.' 





bennicht, ſondern ich nenne einige Schriften derer, 
welche ſich nicht nur, wie die vorgedachten, Mer | 
die Liebhaber diefer Sache rechnen, fondern melde 
—3 den Vorſatz haben, hierzu die Jugend anzu 
weifen. | 
Agricola, (Mmartin) Eantor zu Magdeburg, 
inder deutfchen Muſik, fo durch Rhav zu Witz 
tenberg zum Druck befördert worden 1528, 9, 
a halb Alphab. Er ſtarb 1556 a). b 
_ Deringer, (Maternus) Cantor zu Weiſſen 
burg, ſchrieb die freye liebliche Singekunſt, 
Nuͤrnberg 1610, worinnen er das vt, re, mi, fa, ſol, 
la auch vorſtellt b). | | 1 
Cariſſimi, (Giovan Giacomo oder To. Tas 
cob) ein Kapellmeiſter am deutſchen Collegio zu 
Rom im vorigen Jahrhundert, hat etwas hierher. 
gehöriges in italiänifcher Sprache gefchrieben, wel⸗ 
ches in dasdeutfche überfegt, und gedruckt worden, 
unter dem Titel: Singekunft, und leichte 
Grundregeln, die “Jugend in der Muſik zu 
perfectiöniven, welches zum drittenmal zu Augs⸗ 
purgheraus 1700, inlängl.q, mit dem Wegwei⸗ 
fer eines ungenannten zur Runft, die Orgel 
recht zufchlagen , fowohl was den —— 
baß, als auch den gregorianiſchen Geſang be⸗ 
trifft e). Ki 
Ebio, 


a) Deſſen mußeam inſtrumentalem habe ich dabey, fo hier ⸗ 
her nicht gehoͤret. Mehr ſ. bey Walthern. 

6) S. Walth. aus Matthefons eritica T. II, ©, 225. ° 

4) Die Erempel vor das Elaviergebören bierher nicht. Er. 

lehrt zwar die Solmifation; doch zieht er, 9 





Vonder Muſik der mittlern Zeit, 175 





bio, (Matthias) Cantor der Schule zu Hu: 
ſum, in Fagogemufica, Sie ift deuiſch geſchrie⸗ 
ben, Hamburgıss.1,8,8 Bogen d). 
Saber, (Heinrich) in compendiolo mufico, 2 
Dog.i08, 1548 zu Franckfurt an der Dder: und 
an andern Orten mehre). Er war Mector der 
Schule zu Quedlinburg fe 0 
Horologium muficum, treu wöhlgemeynter 
Rath, vermittelft welches ein Knabe von g bis 
9 und ein halben Fahren mit Luſt und geringer 
Mühe in Eurzer Zeit den Grund deredlen Mufik und 
Singekunſt fernen und fafen Eann. Regenspurg 
16768). 


Kircher lehrt die Solmiſation auch in der Mus 

furgieh), N FERIEN 
Zijtenius Nikol.) thut desgleihen in feiner 
mufiai), Wie auch | —* 
N Re TER | Of: 


Schwierigkeit der Mutation, die Buchſtaben vor. 
Im Fahr 1731 kam die Ste Ausgabe zum Borfhein, Die 
witzleriſche Eenfur ſ. V. I,P, V,S, 73 ver Bibliothek. 
Er hält wenig davon. — 
d) Walther Hat diefes Buͤchlein nicht geſehen. Er iſt 176 
geftorben, und die Ehrenpforte Fann auch von ihm einige 
Nachricht geben, Ich habe diefes Werckgen. 
©) Als zu Leipzig 15 52 zu Magdeburg 1593, zu Straßburg 
1596, zu Erfurt 1609. Mehr ſ. bey Walthern, Kid 
hat es überfeßt, und vor feine Arbeit ausgegeben, ſ. unten 
2 


$, 293. 

£) Mehr Fabrz fichen im Lexik. 

3) ns, 4 und ein halber Bogen, Diefen Solmifator 
beurtheilee Mitzler, V. I, P. I, ©, 61, | » 

h) TI, S,n4uM214, Gr macht viel Ruͤhmens danony 
und hreibe ven Syllben mehr zu,alserfoll. " 


i) Zu Nuͤrnberg 1540 und 1548; wie auch zur Leipzig 1553 in 
3, 6 Bogen. 


176 Das 3. Capitel, 


— —— — ——— —— 








Loſſius, (Lukas) Rector in Lüneburg, in era. 
tematibus muficac k). | 
Ornithoparchus ift vorher bekannt gemacht | 
worden | 
Prinz in compendio mu/icae fignatoriae et modu. 
latoriae l). Er lobt die Syllben; doch verwirft 
er die Buchſtaben nicht. 
Quirsfeld, (M. —* )Archidiakonus zu Pirng 
inbreuiario muſico. Er ſtarb 1686. m), | 
Ahav (Georg) in enchiridio muficae n). & 
mar ein Buchdrucker. J 
Aibovins, (Laur.) Cantor i in Königsberg, 4 
enchiridio muficae, oder kurzem Begrif der Sin⸗ 
gekunſt 0). 
Schnegaſſ oder Snegaff (Cyriacus), — 
ERROR EHEN Friedrichsroda, in ifagege mufi- 
pP). | 
"Sperling ( (Jo. Peter) in principiir —A eis 
i. geündlicher —— tzur Muſik 


u. 2. * 


k) au J—— EN und 1570 in 8, 11 a. nich 
Er ſtarb 15824 
1) Dresden und Leipz. 1714 ing, mehr folgt h gu. 
m) Zu Dresden iſts heraus 9 Bogen in 8, 1a 1683 und 
1717, Mitzler geht es durch V. J. P. II, S.⸗ | 
n) Wittenberg iss, und 1553 ing, ır Bogen, ek habe beyde 
Ausgaben. Er fchreibt bald folmifatio, bald folfizatio, | 
Denzweyten Theil, maſicam menfuralem, habe ic) “. 
Jahr 1520 und 1531, 
0) 1638,09, 17 Bogen, Diefes war die zwote ta. | 
p) — 1591 und 1556 in 3 lateiniſch, ein halb Al⸗ 
habet 


p 
q) Er war ein Magifter und ehorrehente am 3 Thum zu hr 
* Di 









Von der Muſik der mittlern Zeit. 177 





Stengers Leben iſt ſchon eingeruͤckt 6.32, allwo 
auch deſſen Manuduction (Handleitung) zur 
theoretiſchen Muſik genennet worden, welches 
Schulbuͤchlein in g zu Erfurt zum erſtenmal heraug 
1635, zum zweytenmal 1653, zum ztenmal 1656, 
deutſch auf-6 Bogen (c u. Sehe 

Eine weit gröffere, Anzahl koͤnnte hier ſtehen, 
wenn ich Diejenigen. muſtern wollte, welche unten 
E. 13 vorkommen; ietzo will ich nut noch einige 
herfegen,, welche der. Solmifation ſich wider ſehn, 
oder wenigſtens auf beyden Achfeln getragen. Un⸗ 
ter. den letztern iſt Baͤhr, welcher C. 31 der Dis⸗ 
curfein einigen Stücken die Solmiſation vorzie⸗ 
het, in einigen aber die Buchſtaben ). 

Wolfgang Safe gab 1644 heraus eine groͤnd⸗ 
liche Einführung indie edle Muſik; 8, 5 und 


— Pr 


eınenhalben Bogen; 1657 Fam fie vermehrter here 
aus (e). In der Zueignungsſchrift führter aus, 
daß die C laviſation (d. 1. der Gebrauch des a/b,c,) 
aͤſter, vollkommener, leichter und nuͤtzlicher ſeh. 
Laurentius Stiphelius, ‚ein Cantor in Naum⸗ 
burg, getrauete ſich nicht die 6 Syllben zu verwer⸗ 
EV ei nen 
diffin, allwo fie auch gedruckt 1705 in laͤngl. 4. Sieben 
 Spibenzu brauchennenng er leichter, doch ſey jenes einge: 
fuͤhrt, ſagt er ©. 37, | | u 
) Motſchmanns gelehrtes Erfurt muß hierinn geaͤn⸗ 
dert werden, welches ſetzt, daß die erſte Ausgabe geſche— 
: hen 1660, Die zwote 1653, welches ganz widerfprechend laur 
| tete Die zte Ausgabe iſt gar nicht angemerckt. 
s) ns, 35, da er fie fonderlich lobt in der Compo— 


Daß er Cantot, nachher Pfart geweſen nebſt andern Um⸗ 
ſtaͤnden, iſt bey Malthern su 30 ſen, neb 


178 Das 3. Capitel. 


fen, aus Furcht vor den Juͤden; daher ſuchte er 
eine Erleichterung, und bediente fich der Silben, 
re, re Sa zum Auffteigen, 32, fol, fa zum Abftete 
gen (u), J 








Wenn Otto Gibelius, im Tr. de vocibu mu 
ficalibus, ©. 44 erzehlt, daß viele derer Gelehrten 
die 6 Syllben vertheidigee (w); fo Eommt er fo 
derlich aufden Rector in Göttingen, M. Hippo! 
tus Hubmeier, melcher gegen das Fahr ı Gr reinen 
hisigen Nerfechter der guidonifchen Runft abe 
gab (x); aber der berühmte Sethus Calviſius 
(y)fchrieb eine eigene Eyercitation wider ihn 161 
und bewies, daß man mit 7 Spliben, (bo, ce, di.ga, 
lo, ma, »:,) beffer fortkomme, als mit denen s vi s 


doniſchen. J 
* Bu 


u) ©. deffen compend,muf, welches 1609 heraus, herna 
aud) zu Jenau614, ſ. Walth. 

“) Worunter auch Alfted zu zehlen, in feinem merhede 
admirandorum mathematicorum, L. g, e. 1, welcher di 
zte Syllbe verwirft, ohne eine Urſache darzu zu ſetzen. 

3) In feinen Decadibus difpusasiouum, quaeflionum illu- 

rium philofophicarsım, ſchimpflich, unbedächtig, und 
aufeine, den Gelehrten unanftändige Art. Gibel bat 
deffen Saͤtze ©. 44 : 47 und $2 + 55 mitgetheilt, lateiniſch, 
und die Beantwortung des Calviſius darzu geſetzt. 

y) Dieſer berühmte Tonkuͤnſtler, und groſſer Gelehrter iſ 
nicht nur von Walthern, ſondern aud) von andern Ob 
lehrten beſchrieben. Die Ehrenpforte S. 32 kann auch 
nachgeſchlagen werden, welche erzehlt, daß er mehr als 
einmal zu einer Profeſſur berufen worden, er habe aber 

— nicht verlaſſen wollen, C.is folgt mehr von ihm, 

‚Der Epercitationen find 3, deren die zte hierher gehoͤret. 

15 Briten bat Gibelius angefüllt mit dieſer Zanker 

ven. 


EEE EEE — 


——— 







Donder Muſtk der mittlern Zeit. #49 


— — — 
Woas dieſe ietzo genennten Syllben bo, ce, di, 
ga, lo, ma, mi, betrifft, ſo werden fie voces beit. 
⸗ (niederlaͤndiſche Worte) genennt, weil die Nie⸗ 
derlaͤnder im Anfange des vorigen Jahrhunderts 
dadurch ſich von der beſchwerlichen Mutation be 
freyen wollten. Dieſer Gebrauch heiſt Die Bobi⸗ 
ſation, oder Bocediſation 2); di und gza enthal⸗ 
ten den halben Ton e, f; ma.und.ni aber den hal⸗ 
ben Ton h, c. Das bo wird vome geſagt; aber 
wenn man f annimmt zum Grundklange, und vor 
h ein b kommt, fomußdasfbohafen 
Noch andere Widerſacher des Solmiſirens has 
ben es mit der Bebiſation gehalten, deren Erfins 
der mar M. Daniel Hizler, zuletzt 1632 Probſt 
und Nathzu Stutgard, fo 1635 geſtorben. In 
feiner. mu/ica nowa bedient er ſich der Syllben, Ta, be, 
ce. de, mes fer ge (2). Wenn aber durch das Creuß 
oder viereckigte b ein Elavis erhoͤhet wird, fo wird 
—D—— N 2 das 


s Gibelius S. 37 ſagt, daß etwa vor. o Jahren ſolche 
aufgekommen; er ſchrieb ſolcheß 16. Eben allda zeigt 
er auch die Einrichtung dieſer Lehrart. Sie hat viel —9* 
haber gefunden, Bon dem Calviſius iſt ſchon gefagt. 
D. Jo. Lippius in ſeiner Dnopfi mufscae nouae lehrt fie 
auch, weldje heraus 1592 oder 1602 und 1612, lateinifch, 
Diefer fert bisweilen nur die erften Buchftaben diefer 
1% yllben, b, ,d8J1 m, n. Drinz im compendid 
" muf.fign, © modular. voralis führtfieauch an, In feie 
ner Ziſtorie weis er nichts vom Erfinder, Walther aber 
erjehlt, ae Waelvant, welcher 159 geftorben, 
8 en LER Wenn abe C. 31,©, ta der 
Diſcourſe vom de, 09 2a, zi0ns.YDefers redet, fo folle# 
wohl eben dieſes bedeuten. — 
9 8, Walthern, wie auch den Ribov &,ır. Er hat 
mehr Aemter vorher verwaltet. | 








190 Das 3. Capitel.· 
das e am Ende ini verwandelt, daß alſo die Wo 
ter und die Claves fo gegeneinander ſtehen; J— 
Ja. b, hc, eis, d, dis, es, e, Erg, Ki 
Va, be, bi, ce, ci, de, di, me, mi, fe, fi, ge, gi," 
Gibelius nahm eine Zeitlang diefe Lehrart an, tr 
er ſelbſt erzehlt S. 60; aber er gieng wieder davor 
ab, undblieb bey den aretinifchen Syllben, dod 
Pb, daßer die fiebente ns hinzu chat (b). Ein 
(eeren für vedas 40; für fol fagten fie fo, und je 
den chromatifchen Tonen fegten fie die neuen Sylk 
ben: di, xi, ma, f, fi, loma, v0 
Die voces hammerianae haben ihren Name— | 
von Kilian Santinev(e), melcher zu denen aretin 
ſchen 6 Syllben diezte ffegte 5 da ſchon vor ihr 
Erycius Puteanus zur ten Syllbe dag bi ou 
nommen hatte, in feinem Werke: Prllzrmodulara, 














face ff 
N — | 









Er war gebohren.in Geldern 15747 und wurde ein groſ⸗ 


5 the fand, als cr zu Löwen 1645 farb, „Den Innhait er 






von der Putten, S. von deſſen BIER IP 
ar 1} — Fit * J * vr. * RR . Ken ö 


Don der Muſik der mittlern Zeit. 181 





ingleichen des ba (e). Mairus liebt va, vel ta, ra, 
ma, fa, [a Ja, za, 2a (f). Doni ift auch des 
Aretins Widerſacher, als welcher vr und Ze wegge⸗ 
laſſen, und die Oetav voll macht durch die. Mies 
derholung ders Syllben re, mi, ja fol; . Mat⸗ 
theſ. eritic, 1,10; BARO BF 80 


EBEN BERN 
| cha 6.437 > * $. 48. ‚cf Pehi, 4, 


Sonderlich hat zu unferer Zeit fich ein hisiger : 
"Streit erhoben zwifhen "Joh. Hein. Buttſtedt 
und Mattheſon. Der erſtere war eines Pfarr⸗ 
herrn Sohn aus Bindersleben, bey Erfurt, 1666 
gebohren, 1727 im December geftorben, zu mel 
‚Ser Zeit mein Vater allda Schuldiener war, und 
welchem ich im Amte gefolger ats Drganift zudenen 
Predigern (2). Er unterfiund fich eine theoreti⸗ 
ſche muſikaliſche Schrift unter die Preffe zu geben 
zu Erfurt in 4, auf 23 Bogen, mit etlichen Ku⸗ 
pfern, welche vr dem Kurfürften von Maynz zueig⸗ 

a N... RR maete, 


— 
SE a & 
er A 


je Venedig soo in z, und von detimnfarhena das Orcheſtre 
AIII, im ꝛten Theil, C.4, $- 2. Sie ſind ein kurzer Aus: 
uug Dir mufarhenne, Mehr von ihm erzehlt Webers 


 Einleit. in die Hiſtor. der lat, Sprache, S. 
ee — 
ee an malkhetifipen Beris , Rebe aber 
‚05, oder vielmehr ven Merſenne dafelbit. Aber 
7) ©. 66 gefällt der Einfal Gie Tarır. ſenne daſelbſt. Aber 
3) a8 er vor Aemter zuvor bediennliebe mar bey 
Waltpern zu lefen ‚med, feinen. gefegten Sachen. Aus 
Seöffels obgedachtem Lexiko ift er mit in dem 2affen 
Dande des Univerfalleritongbefindlid ©. 1404; unter 
‚der Rule Der größten Tonkünfiler, eben fo moht, als 
Telemann. Siehe eine ſcharfe Cenſur wegen dieſes Um⸗ 
ſandes ©. 354 der Ehrenpforte, not, f, 


Hr Lob! daß die atte Muſik unter die verlohrmen 


132 Das 3. Capitel. 


ET 
nete, unterdem Titel: Ve, Re, Mi, Fa, Sol, La, 
totamufica, et barmonia acterna, entgegen ges 
feet Dem neu eröffneten Orcheſtre des Seren 
Mattheſons. Es hatte dieſer nicht viel ehrerbie⸗ 
tiges vorgebracht von der Solmiſation und alten 
modis in dem $. 3 fchon erwähnten Orcheftte 1, 
(h), und diefes war genung, meinen Landsmann 
darzu juvermögen, nach der Ehre eines Buͤcher⸗ 
ſchreibers zu trachten, wie die Vorrede bezeiget, 
‚welche ſeinem 77 vorgeſetzt iſt; denn alſo pflegt 
Mattheſon das Buch zu nennen. Er führe fd 
hierinnen auf, als einen Schreiber, über melche 
die Leidenſchaften, ſonderlich die Liebe zu Anzuͤglich⸗ 
keiten ſich viel Herrſchaft angemaſſet. Er be 
ſchwert ſich, daß Mattheſon 1) das Alterthum 
dumm geſcholten; 2) die Solmiſation ohne 
ſache verworfen; 3)in der Beſchreibung der 
modorum ſelbſt gefehlec; 4) Die Wiufiter für 
0 * des Verfalls der Muſik angeg 
ben fi), 3 ar: # 
Mattheſon ſchrieb dannenhero das befchünte 
Orcheſtre, wovon oben 8. 3 gleichfalls gedacht 
worden. Es ift fehr luſtig, doch gelehrt gefchries | 
ben; a recht fatt lachen will, muß die | 
bäufig mit unterlaufenden (ateinifchen , Franzöfle | 
ſchen u. fe f. Ausdruͤcke verftehen. Der Titel 


y 


Rh) Im sten Theil € 2, 6.16, &, 245 fchreibt er af: 








eurioͤs (k) | 








"Dinge surechnen find” | 
Er mirfeniel Katein mitunter, nach damaliger Mo. I 
x Diealte Muſik wird vor sone mwfiea genennt die en 


Von der. Muſik der mittleren Zeit. 183 


— 





— — — — _— 
Erhat x) ein Vorſpiel, worinnen die Gele: 
genheit und einige Umſtaͤnde diefes Streits beruͤh⸗ 
ret werden (); hierauf folge 2) der erſte Theil, 
pars dimicateria) da er feinem Gegner ſcharf ant⸗ 
wortet; 3) der zweyte Theil, (pars profiigatoria) 
da er feinen Widerpart felbft angreift; 4) befchließt 
er mit einem Nachſpiel. 


Die Dedicarion ift gerichtet an alle beruͤhm⸗ 
te Muficos, unter welchener fonderlich 14 mit Na⸗ 
mengenennet, und fie zu Richtern in diefer Strei⸗ 
tigkeit aufgerufen. DBieleunter denfelben haben 

— M 4 ihm 


Muſik; auf dem Kupfer wird fie zu Grabe getragen 

in Begleitung der 12 modorum ; und in einigen vorge: 
- druchten Berfen findet man niedlihe Einfälle. Daß Mat⸗ 
theſon fih Anfangs bemuͤhet durch Briefe die Zänfercy 
zu bintertreiben , welches aber nichts gefruchtet , erschle 
er felbft im Nachſpiele. | 
Zum Verſtande des Buchs muß ich etwas davon berühren. &6 
heiſſet bieweilen : der Kfel will einen Treiber haben; 
ber der Treiber ift nicht beym Eſel; das geht auf den 






oben 6. 32 befchriebenen D. Treiber, welcher Buttſted⸗ 
ten follgeholfen haben. Socke, der noch lebende Orga⸗ 
miſi zum Barfiiffern allhier, follte durd) den Tambour 


gemeynet feyn ; doch iſt dieſes ungewis,und S. 165 [heine 
das Gegentheil gefchrieben zu ſeyn. Es iſt vielmehr ein 
Hamburger gemeynet. Ererzehlt allda feine Lehrer ander 
Zahl 4, worunter er die beyden letztern nicht nennen mag. 
Den sten nennt erden Raͤdelsfuͤhrer. Reinike, Orga 
niſt an der Johanniskirche, war auch fein Feind , meil ex 
ihm follen fübftituire werden. Da nun ein Buch befannt : 
Reinike Fuchs; fonennter ihn bisweilen Fuchs; 10° 
durch man verfiehen kann, was h. 4 des Vorſpiels zu le⸗ 
ſfen iſt. ſiehe unten $. 347 mehr von ihm. Die Lehre von 
ben aiten modis iſt ſchoͤn ausgefuͤhrt P. IE, C. U, ©. 319° 
408, mit Kupfern. 


184 ‚Das 3, Capitel, 











ihm geantworter ‚und das Recht ihm zugeſprochen; 
doch nicht alle. Ihre Briefe harerung zum Durchs 
leſen drucken laſſen, und fiemachen im zweyten Ban⸗ 
de feiner. erizicae muf. denizten Theil aus, unter 
dem it: Die &icbeftie Canzeley; welche al 
lerdings leſenswuͤrdig (m) 00 mm 9 
Aus der Solmifarion wird die Redensart 
verſtanden: mi er fa, ſunt tata muſica; das iſt: 
auf das Hemitonium kommt in der Muſik al⸗ 
les an (n). Ingleichen: mi conitra fa eſt diabo- 

PN | * 


m) Seite 191 iſt Bertuchs Brief zu finden; es iſt feiner 
K. 4 gedacht. S. 185 It Fuxens Schrift, mit welcher 
er nicht wohl zufrieden war, und deswegen ihm zum zwey— 
tenmal mit einem wohlgeſetzten Schreiben zuſetzte, Fonnte 
aber Feine heſſere Erkaͤrnng erhalten, S. 210 folat Haͤn⸗ 

dels Brief S. 12% s 





te Rtegef bey den Alen ein gottlich Geheimniß gewe⸗ 


Don der Muſik der mittlern Zeit, 185 











Iusinmufica; das iſt: das Zufammenklingen der 
groſſen und kleinen Terzen ift etwas unerträglis 
ches (0). Ferner: eswird aufein Lami hinaus 
laufen; das iſt: es wird keinen erwünfchten 
Ausgang haben (p). | 
Noch gehöre zu. der Lehre der alten Tonarten 
das Evovae, welches inder Choralmuſik fo viel bez 
Ka als: feculorum amen ; aus welhen Wor⸗ 
M 5 | ten 





0) Siehe Werkmeiſters Harmonologie SG. 12. welcher 
jagt, daß etliche durch mi contra fa auch verfiehen wollen 
Die zrizonos und relariones non harmonicas 5 |, auch deffen 
muſikaliſch Sieb €. 13 S. 33; und E14 S. 34. Auch 
Janowka S. 733 Rıbovs exchiridion ©. 39, Es 
gilt aber nicht nur bey den Terzen, ſondern auch bey an⸗ 
dern Intervallen. M pof fa iſt beym Janowka ein verbo⸗ 
tener Gang durch die vergroͤſſerte Secunde, als von 
 enach dis, fa poR mi iſt dergleichen abwärts von dig nach 
er Adnteftedes ve ©. 177 deutet das miund fr auf Chris 
ſti gottliche und menfchliche Natur; aber f. Matthe, 
ſons Orche re 


ve 1, S. 460. 


p) Die Urſache ſolches Ausdrucks |, bey Walthern, im Lbey 
Lami und Salem Aber Baͤhr in den Discurfen 
Es widerſpricht, und will davor Jalemi fagen; und 
wenn nach andern) das Lexikon von der Baß⸗-Cadenz aus 
Ains E, da jenes la, diefes mi heißt, ſagt, es werde 
dadurch eintrauriger Bang gemacht ; fü ſagt Baͤhr, 
es ſey ganz ungereimt, weil der-Schluß vom Za ing mi 
eine hanptfächliche Harmonie mache; es folfe vielleicht heife 
fen ; jalermi , von welchen ein andermal zu reden: , was 
vor eine abſcheuliche Figur fie fey ‚und wirein greulich Ka⸗ 
tzengeſchrey feanrichte, Sonft gehört etwa auch hierher 
Jalemus, ein&ohn der Ralliope, ein elender Muſi— 
kus, daß daher Falemi cantilena heißt, eine traurige 
Muſik; ſ. Fabers Woͤrterbuch; daher beym Athendug 
saAewog beventet cin Trayerlied. 

















186 Das 3. Capitel, 

ten jenes. die Selbſtlauter (Vocales) find. Je— 
der Modus hat dabey feine eigene he 
wenn folche Melodie ſammt dem Worte Evovae ges 
fehen wird, fo fiehet man daraus des Antiphomi | 
modum(g). Und weil diefesam Ende gefchieher; | 
fo iſt daher das Sprichwort entſtanden: in fine | 
videbitur, cuius zoni (r), Woraus das Stud 
gehe, muß man am Ende ſehen.) 





$. 50. 
Endlich gehört unter die abgefhafften Dinge 
bey der Mufik die fo genannte deutſche — 
welche ſich der Buchſtaben bedienet an ſtatt der 
Noten, ohne eine muſikaliſche Treppe; da das 
Notenwerk, wenn dieſe auf Linien und Spatien 






Das 


4) ©. die Anweiſung hierzu im Wegweiſer die m 

recht zu — 5* (deſſen $. 47 bey Cariſſimi gedacht) 
C.6«,S. 34. Ribov S. i22;3; die Muſurgie TI, © 
236, allwo Rdavoae ſteht, welches nicht die richtigen Vo⸗ 
cales find obgedachter Worte /eculerum amen. 

2) Heut u Tage trifft es oft nicht ein, da man fo viel Frey: 
heit nimmt in dem Ausweichen, wie im Anfange und in 
der Mitte, jo auch am Ende. Man braudt auch das 
Sprichwort auffer der Muſik/ da es fo viel heißt als: wir 
wollen erſt das Ende abwarten 

3) Walther hat ung der Muͤhe Nberhoben eine Worfellung 





Von der Muſtik der meuern deit. 187 
Das vierte Capitel. 


Bon der Beſchaffenheit der neuern 
Muſik. 


Kr Was Prinz hierzu beygetragen; 9.52 was Wexrkmei⸗ 
ſter gethan; du 53 Nied; $. 54 Kuhnau; 6. 55 Euler; 
undg,s6s Fricker; 9. 57 die ietzige mufica fignatoria; $. 
$8 der Umfang; 9.59 die Nuten; $. 60 Die Tactesar⸗ 
ten; 5.61 die mufifalifche Leiter ; 9-62 die Erniedrigung 
und Erhöhung der diatoniſchen Klänge; $. 63 Die iegigen 
 modi ; $. 64 die VBorzeichtungen bey denfelbigen ; $.65 
die Lehre von den Intervallen vor die Tertianer; 9.66 
Secundaner; $.67 Primaner; $. 68 verbluͤmter Bor, 
trag diefer Lehren; $. 69 Verbeſſerung der Inſtrumen⸗ 
ten; 9.70 von einem Syſtem überdis neuere Mußk. 


ER 
aß aber die Tonkunſt fich fo fehr verändert, 
j und Die vorgedachten Sächelgen denen we⸗ 
= nigften der Benennung nach befannt, ger 
ſchweige, daß man fich ihrer bedienen folire; hat fie 
vielen zu danken, welche in den vorigen Capiteln 
theils genennt worden, theils in folgenden noch vor⸗ 
kommen follen. Jetzo gefällt mir etwas herzufegen 
von Wolfgang Caspar Prinz, fo wohl was Pi 
| i | n 










davon zu geben, weiler aufderzuten Kupfertafel diefe Sa⸗ 
che durch Figuren erklärt hat, Sie iftichwer; doch konn⸗ 
te nebſt der italianifcben mein Water fie fo Fertig, als ein 
anderer die Noten. Martinus Agricola fing an fie 
abzufhaffen , fe Mattheſons Ephorum; ©; 124 
Bey iekigen wielgefhmanzten Noten iſt fienicht brauch 
bar, Werkmeiſter sieht fie dem NotenSpftem vor; 
* 8. 13, der paradox. Diecurſe will er fie leichter mg: 


188. 5 nn Das. Capitel. 





x a ED» + 
fen Leben als deſſen Schriften berrifft. Bey dem 
eritern ‚merken wir, daß er gebohren 1642 zu 
Waldthurn in der Oberpfalz; daß er Mufifvtrector 
und Hofmuſikus geweſen bey dem Reichsgrafen von 
Promnitz; v0n1664 bis 1665 Cantor zu Triebel; 
von 1665 an Cantor zu Sorau in der Niederlaus⸗ 
nis; und habe 1682 die Direction der Kapellmuſik 
dafelbft erhalten, biser 1717 geftorben. (a). Es 
iſt ihm ergangen wie mir. ; „denn ein groſſer Brand 
in Sorau 1684 hat ihm von feinem mufikalifchen 
Vorrathe viel entrifjen, worüber er oft bittere Klar 


‚gen führt (b). | Rs Sephia 
Woas deſſen Schriften anlangt , fo ift:$- 38 
von der Hiſtorie der Muſik fehon gefagt- worden. 
Kerner ift von ihm heraus 2) deffen Anweiſung 
sur Singekunft, 1665, 1671, 1685. 3) Com- 
pendium muficaz fignatoriae 1668, welches wer 





a) Erbefcheeibt fein Reben felbii im ten (Ci feiner Hiſto⸗ 
rie, fo weites damals geſchehen konnen; das uͤbrige findet 
man bey Walthern; auch in Prof. Stollens Siftor 
rie der Belahreheit &.1,$.22, &69, aus den leip⸗ 
iger. gelehrt. Zeit. 1717 ©. 750; ferner in Mattheſons 
Ehrenpforte, ©. 276, allwo gefagt wird , er ſeh nicht 
an feinem Gebuhrtstage geftorben, wie Walther aus den 

Zeitungen berichtet. In Joͤchers gelehrcen Lex. fin⸗ 

lddri / 






@®, 


” 


det man an ſtatt Wa Waldhorn; für Triebel 
ſetzt er Wirbel. ur er 
b) Herr Director Peucer (von welchem $. 44 gelagt) iſt 
= Helfen Landsmann, und weis zufügen, Daß Prinz feinen 
Beichtvater auf ſeinem Todbette erzehlt, daß, mie ex eins 
mals componiret, ihm das Kicht ausgegangen, welches ex 
in der Hitze nicht wahr genommen, ſondern habe noch 
cine ganze Seite fortgeſetzt, bis er endlich geſehen, daß er 
kein Licht habe. F BT 











Von der neuern Muſik. 189 

hr dunkel nenut (e) 4) Mujica modulatoria vo- 
calis 1678 in 4, 11 Bogen zu Schweidnitz, und 
1689 zum zweytenmal (d)y. 5) 8 Exercitationes 
mujicae theoretico „prastieae, vder mufikalifche 
Willenfhaft- und. Aunfiübungen von jeder 
Concordanz, mit einem.Prodromo, 1687,.1689, 
deutſch in 4,31 Dresden (e). 6) Deſſen Pbrynis 
oder ſatyriſcher Componiſte gehoͤrt eigentlich ing 
ı8te Capitel unter, die Bücher von. der Setzkunſt; 
aber des oͤftern Anfuͤhrens wegen berichte ich mit 
wenig Worten, daß der erſte Theil heraus 1076 in 
4, 30. Quedlinburg, 14 Bogen; der ꝛte 1677, 
Sagan, 20 Bogen; aber 1696 kamen dieſe 
— ſehr verändert und vermehrt heraus 
zu Dresden und Leipzig in 4, nebſt dem zten Theile, 


welcher 1 Alph. und 2 Bogen beträgt (Bis. Die ia⸗ 
—J = MR | 


cher: 

©), S,Eap..1z feiner Hiftorie,y. 24.40.0140 
” Deren Innhalt gudet ich unten 6, 292... 
e) De Auszüge ans ln en; nebſt einer. ſcharfen Kritif 
— fert uns Migl, Bibliothek; der Prodromus findet 
„NO V.L, PL ©.10; die erſte Erereitation auf 4 Bogen, 
‚vom Einklange (vnifono) V-1,-P. Hsr die zwote von 
„der Octav 7 Bogen, V.L, P. In ©. 3335 .die zie von 
F— der. binte, 5und einen halben BogenV. I,P,IV,©,4; 
„Die. 4te von der golien Tanz, 480g. V.LP, V,©. 32; 
Die ste von ver Quarte 5. und dreyviertel Bogen, V, I, 
PVL ©, 44; Die 6te von der Eleinen Terz 4 Bag, Vv. 
ALP, ©. 13235 dierte von der groſſen Serte, 3 und 
„nen hatben Bog, VI, P, IL, ©, 247; die Ste vonder 

——— 4309. V.ILP. I, 8,50, 
f, Diefer Phrynis ift luſtig zu leſen. Phrynis war chedefe 
ſen von Mytilene birtig,cin En — Githariften Aria 
foklides, beyden uralten Griechen, von deſſen Art der 
Mufl giebt Walther drachricht Es iſt dieſer hier als ein 
DIRB IK xei⸗ 










— 































190 — Das 4. Capitel. 


— — — —— —— 
cherliche Widerlegung des erſten und 2ten Theils iſt 
voran gedruckt. | | 


Ich thue als ein wirklich von Prinzen heraus⸗ 
gegebenes Buch hinzu 7) deſſen compendium mufi- 
u ’T; fignatoriae et modulatoriae vocalis, oder kur | 
zen aller derjenigen Dinge, fo einem | 
der die Vocalmuſik lernen will, zu wiſſen von⸗ 
nöschen find, auf Begehren aufgefest, und! 
nunmehro zum andernmal vermebrr nnd vers 
befjert ans Licht gegeben von Wolfg. Cafp..l 
Prinzen; Dresden und Leipz. 1714, 8, 10 Boall 
gen (g). In der Vorrede fagter, er habe ſolches 
3689 durch den Druck gemein gemacht; meil es 
aber gänzlich abgegangen, habe er es uͤberſehen, 
vermehrt und verbeffert. Ich bediene mich der zwo⸗ 
ten Ausgabe, und kann aus der Materie, m | 
l 


reiſender Muſikus vorgeſtellt, folglich iſt es eine Erdich⸗ 
tung, und Prinz will durch die Vorſtellung feiner, wenig⸗ 
ſtens ſich zugeeigneten Fehler andere beſſern. Man muß 
aber nicht die luſtigen Hiſtorien heraus leſen, und die mu⸗ 
ſikaliſchen Lehren übergehen. Das Orcheſtre LIT. ſagt S. 
242, daß der zte und 4te Theil verbrannt waͤren; es triff 
aber nur ein vom vierten, welcher auch ſchon fertig gewe⸗ 
fen, aber vom Feuer verzehrt worden ; fiche dieſes Werks 
erften Theil S. 35 des neuen Drucks. Die Zueignungs 
ſchrift des erſten Theils iſt an den Niemand gerichtet 5] 
der andere Th, iſt dedicirt jederman, mit einer Anrede 
an den Momus und Zoilus; Die neue Ausgabe iſt 
Buͤrgemeiſtern in Sorau zugeeignet. Die Refutatio 
ſteht bey der alten als ein beſonderer Traetat hinten an, im 
der neuern aber vorne , mit einem Zufaß, wiees damit er⸗ 
gangen, Cotala, Pancalus und Batalus ſollen auch 
von ihm hexruͤhren, mie einige meynen; ſ. aber, mwasy. 
54 von Kuhnau folget. We 
g) Iintens. 292 folget mehr davon. 


| 
| 
| 


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j 
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7 








' — 
Von der neuern Muſik. 191 


lich aber aus denen von ihm ſelbſtgeſetzten Jahrzah⸗ 
fen, nicht anders muthmaſſen, als daß es von 
Walthern im Ley. wie auch von Mattheſon im 
Orcheſtre II (h), javon Prinzens Sohne felbft 
in der Ehrenpforte S. 275 nicht mit berührt wor⸗ 
den (i). Jetzo genannte Schriftfteller gedenken 
nocheiniger Werke, welche follten herauskommen 
; aber er jelbft gedenkt im fatyr. Componiften 
noch anderer (1). Sp thunauch die gelehrten * 
rich⸗ 


Allwo Prinzens Schriften erzehlt werden. 

| Bon der mufica modulatoria vocali ſteht zwar in der Eh; 

renpforte, ©. 275, daß fie 1689 wicder gedruckt fey ; aber 
das ift diefe Arbeitnicht, wie der Augenfhein und die Des 
dication lehren. ! — 

) Als da find eine lateiniſche mufca bißorica, deren 9. 38 

gedacht worden ; m — 

mujficae arcanae etliche Theile; 
erotemata muſicae [cheliannes 
erotemata muſicae pexoldianae; Pre ER > 
mufica theoretica Jignatoria ; i BR 

Des fatyr. Componifiens Spasierreife nach So⸗ 

liaröug ; | , | 
'melopoeia integra 5 Kuss) Bi 
sdea boni compofitoris; | | | 
dein irumentis in toro orbe muſicis, welches Buch er 
noch in der letzten Krankheit verfertiget. 

) So ſteht die au/ica promnitiana im 2tenTh, C. 13, S. 
73,9. 21; ein Tr. de vocibus muſicalibus, im zten Th.E. 
7,S.75, allwo es ſcheinet, als wär er heraus. Denn 
bey einer gewiſſen Materie verweifet er den Leſer auffeine 
mujicam modularoriam, (ſo damals ſchon längft heraus,) 
und ſetzt darzu: oder den Tr, de vor, mufical, ohne zu 
fagen , ob er ſchon da, oder bald Fommen werde, Ders 
brannt iſt er wohl nicht, weil diefe Anfiührung nach dem 
Brande gefhehen. Eine mufiea theoresich didadica 

wird genennet im 2ten Th, und ſchon vorherim erſten, €, 

| 9, ©. 34) $, 4 


— 


192 . Das 4. Capitel, 


rn 








richten noch mehrerer Meldung; zum Ex. che 
im mehrgedachten Werke (m). Prinz harte wo 
ſtudiret / obwohl feine deutſche Schreibart der 9 
maligen Gewohnheit nach eh — vor⸗ 
kommt (n). | 

















9. 2. 


"Andreas Werkmeifter ift gebohren — | 
wurd⸗ 1664 Organiſt zu Haſſelfelde im Blanken 
burgiſchen, 1674 Organiſt und Stadtſchreiber zu 
Elbingeroda, 1675 Hoforganiſt zu Quedlinburg 
1696 Organiſt zu St. Martini in Halberftadr, 
und ftarb1706 (0). _ Er hatte die Aufficht ne 
Orgeln des: ganzen Fürftentbums. 7. 

‚Seiner Schriften findviel; a8 7 

1) Die Brgelpröbe 2 von welcher unten zueb 

E.6undıo;. j 
2) Der Hodegus gehöre ine‘ te Cap" Di 
2 er —* die ewutan Temperatut, | 

* Da 


m) Allda ſtehen J folgende: pathologia nie dan 
— forido [, fra&o anziquo ; dieſe ſollen herauf 
ſeyn, weil nun folgt: im Mſcerpt liegen noch arcans 
mulica; UND arotemata mujscae refoldıanae,: 


») V. I, bB. IL, Eben daſelbſt klagt er uͤber Pringeng Unde f 
ichkeit. Deffen Ehrlichkeit koͤnnte man in Zweifel ie | 
"weil er einiges nicht entdecken wollen; ſintemal ein jedet 
Gechter (fo lauten feine Worte) gern einen Streich 
vor ſich behält; ſ. den zten Th. des fat. Comp. €. 
&, 145 und zten Th. €, ai © Ein vielleicht war es mu 
fein Scherz: H 

0) Man findet deſſen Geben an * Gotʒens Par area 
fo in 4 gedturkt 1707, 2 » Bogen; wer fig nicht hat, begn 
ſich mie Vohdtpers Raspripeem | 


w 


Don der nenern Muſik. 193 


— 





4 De: cridrum muficum oder muntkauſche 
Sieb corrigirt die Fehler det ungeſchickten Com⸗ 
poniſten, 1700 in 4, 8 und einen halben Bo⸗ 


a | eg 
5) Meberfegung des ſteffaniſchen Schreibens, 
Ueber das, mas davon oben fteht$.9, ift der 
Fehler zumerfen, welcher im Drucke Kegangen 
worden. ‚Denn in der Vorrede wid gefagt, 
daß des Steffani Worte follten mit gröffen 
Littern zu leſen ſeyn, Werkmeiſters Anmer⸗ 
kungen mit kleinen; ſolches findet man aber 
IHRER en 44,03 a 
6) Die Anmerkungen zum Generalbaß gehoͤ⸗ 
Veilig sagte Kapiteler.. W...,..5, vum en 
7) Die bypomnemata mufica 1697 in auf 5 Bo⸗ 
gen betreffen die Compoſition und Temperatur 
mujica 1702 in 4, 1 Alpha: 
bet, iſt eine meitläuftigere Ausführung, des 





Tr. vom Generalbaß. 

5) Die gruͤningiſche Orgel folgt C. 6. 

10) In den Parsdorsldiscurfen 1707, 4 
Quiedlinburg, 15 Bogen, handelt er von aller⸗ 
hand, melches zum theil'gelober, zum theil ge⸗ 


aadelt wird (). | 
9) Ja im Werke felbit ift es bisweilen wergeffen. Alſo it 
von S. 13: 15 MWerfmeifters Text auch Elein gedruckt. 
Dieſes hat Burtftedten bey deflen Anfihrung betrogen, 
weswegen das Orcheſtre II: ihn corrigirt S. 40, 96 und. 
306, Mattheſon willdie Vorrede geandert willen,  _ 
9) Mipler geht fie durch V I, P. III, S,r2. Dasmufi: 
/ El e Sieb aber V.I, P.I, ©, 19, = R 
x) Er liebt myſtiſche Auslegungen; als wenn er ©. 2 ir 
Zahl. 


194 Das 4. Capitel. 
| — 
11) Der edlen Muſik Wuͤrde ue ſ. f.ift .28 bey 
gebracht. N N j ns or 
12) Der aucleus wird bismeilen genennt, iſt aber 
meines Willens nicht gedruckt worden (s). i 


$. 53 h 
Bon Friedrich Ehrhard Niedt, melde 
aus Thuͤringen ſoll buͤrtig ſeyn, haben wir ein mn 
ſtkaliſch A, B, €, wovon Cap. 13 zu reden 
Seiner muſikaliſchen Handleitung erſter Thal 
1710 in laͤnglicht zu Hamburg auf 8 und einen 
halben Bogen, gehört zu unferm ızten Capitel 
Derſelben ter Fheil ifteine Sandleitung zur Das 
ristion des Generalbaffes, Hamburg 17061 
Alphabet (1). Mattheſon hat diefen Theil mie 
der herausgegeben Hamburg 1721 in länglicht 4, 
25 und einen halben Bogen, mit vielen Zufäger 
und Ausbefjerungen, nebft einem Anhange vo 
mehr als So Drgeldispofitionen, Der He & il 
J ande 

















Zahl s erſt mit Chriſto, dann wieder wit dem Viehe vis 
gleicht ; weswegen das Orcheſtre IL S. 335ihn tadelt; 
und S. sz nennt er die Paradora ſehr troͤſtlich, auf ſath⸗ 
yifche Weiſe. Sonſt lobt er Werkmeiftern fehr, als Da 


nd nach feinem Tode gedruckt. a 
€) Gehört alfo theils zur Setzkunſt €. 19, theils zur Fat 
fie &.17. Was er im erſten vergeſſen, bringe er hier mi 



















Don der neuern Muſik. 195 








handelt vom Eontrapuntt, Kanon, Motetten, 
Choral, Recitativ u.f. f. zu Hamburg in laͤngl. 
4,1717, welche Ausgabe Mattheſon auch beforgt 
hat (u), mit Hinzufegung des Tractats des Veri- 
topbils, von welchem S, 22 gefagt. Bf 


lohnen iv yaee Et 
Joh. Buhnau, von Beifingen, 4 Meilen von 
Dresten, gebohren 1650, wurde Drganift zu St. 
Thom. in Leipzig, 1700 Eantor und Mufikdirector 
bepderniverfität, farb 1722 im 63ſten Jahre 
feines Alters. Ich weis nicht, ober dem Orden 
der Sonkünftfer, oder den andern Gelehrten mehr 
Ehre gebracht. Er mar gelehrt in der Gottesge⸗ 
fahrtheit, inden Nechten, Beredfamkeit, Dicht: 
kunſt, Mathematik, fremden Sprachen, und Mus 
fit. Man finder fein Leben in der. Ehrenpforte. 
Walther führteine lateinifche Schrift an; welche 
nicht fo wohl deſſen Lebensumſtaͤnde berrifft, alg 
vielmehr eine Lobrede ſeyn foll, unter dem Titel: 
memorda beate defundi directoris chori mujices lip- 
Aenſis, domini Joh, Kuhnau , Polyhifloris muſici, 
reliqua, exbibita ab Erneſto Wilhelmo Herzog, Co- 
mite Palatin. cacfar, et Practore mer[eburgenfi, 
Lipfiae 1722, in 4,auf 2 Bogen (wi. 
a N2. 2. Keine 
cn) In der Borrede meldet Mattheſon, daß diefer Theil 
nicht vollfiandig, weil einige vom Derfaffer bemerkte 
Kapitel fehlen, als von Eden, Cantaten , Arien, 
Quodlibeten und Serenaten. Der Theil gehört 


En umas. Cap, Ein anderer Niedt ifi im Ler 
110% Id 


w) Jh ſetze hieraus noch einige Ausdruͤcke hierher. Er nen 
ıyR 


196 Das 4. Capitel. 
BE — — —* 
Rei Schriften, welche die Mufik betreffen, 


in | ni 4 
ı) Eine Differtation de iuribus circa muficos 4 
clefſiaſticos, 1688, 5—Bogen. | 1 

2) Der muſikaliſche Quakſalber (x), 1700 in 

12, 1 Alph. zu Dresden. 7 
3) Der Tr. vom Monochord iſt wohl nicht ge⸗ 

druckt worden, wie ach | 

4) Die Disputation von der zriade harmonica, 

Den Eapitelinnhalt von beyden giebt W 
ther (y). — | — 
5) Ihm werden auch 3 luſtige Bücher zugeſchri 
ben, zu Dresden gedruckt in 8, als. Cotale, 
1690, in welchem Tr. er einen —— 
——n 















ihn virum excellentiffimumer incomparabilem, und fei 
- Fomme ihm gleich ang der vorigen Zeit, nad werde auch 
Zukunft nicht leicht jemand ihm gleich fommen; er habe 
Hebräifch, Griegiſch und die Theologie tractirt/ und 
jure hätte er könnnen Doctor werden; Die Algebra, M 
thematif u. f. f. waͤren ihm geläufig gemefen ;_und ter ei 
muffaliih Triumvirat Fennen wolle, dürfe nur dieſen 
Ruhnau kennen, den Adam Strunfin Dresden um 
ob. Friedr. Albertı in Merfeburg. mu 
2) Eine niedliche, luſtige, ob hun fehr falſch abgedruckte 
"Schrift. Im zoften Eap. wird davon mehr erzehlt, auch 
das letzte Stück vom wahren Virtuoſen vorkommen. 
3) Mitzler hat diefe Disputation in Händen, wie Ruhnau 
(olche ſelbſi durchgeſehen und verbeſſert; er hat fie mit An 
merfungen-verfeben und zum Druck fertig liegen ; abe 
vor feiner Zuruͤckkunft nach Deutſchland Fantı fie nicht ger 
druckt werden, S. deffen Bibl, V. III, P.II, ©, 669. 
wie auch deffen Anmerkungen zu Fuxens Werk, ©.87. 
Ein ander Werk von ihm: zerrachordum vetu⸗ hodier- 
mas muſicae atcommodarum , NENNE DAS Orcheſtre Ul, 


Sa527. Im erſten Bande der eritiennmute im 


— u — 





— — 





Aus fehildert einen großmuͤthigen Geſellen abs 

ZDattalus aber einen vormwigigen Tonkünftler, 
1691. Seine Elavierftücke gehören in das 16te 

ren rend Ad 


Br ar ern r ww DB TERER 3 
Das Recht über die Abhandlung der Ton 
kunſt deſſen ſich, wie $. 33 erinnert worden, vor⸗ 
zeiten die Meßkuͤnſtler anjumaffenpflegten , hat in 
den neuern Zeiten wieder rege machen wollen Leon⸗ 
hard Euler Dieſer ber ͤhmte Geometra / deſſen 
—— und Streitigkeiten uns hier 

nichts angehen, hat geſchrieben: entamen nouag 
sheoriae mufltae, ex certifiminbarmoniae principiis. 
| dilucide.expoficäe, Petersburg 1739, 1 Alphabet, 
10 Bogen, in median 4 (2). In der Vorrede ſe⸗ 
tzet er 2 Gründe der Muſik feſte, 1) Die genaue 
Erkenntniß der Tone, fo zu der natuͤrlichen Wiſ⸗ 
fenfchaft gehört ; 2) die Urſache des Befallens 
| und Misfallens; fozuder Metaphyſik zu rechnen. 





Fir 


olgenden kritiſirt ex über. Eulers ates Capitel, von 


er N ‚Lebensart! vorſtellt; Panca⸗ 


eine Unfehlbarkeit anne nee da doch die: 
alt 3 mitz⸗ 


Arne und Gehoͤr; V. Ul, B- IL. S. 305 


Amen: ; V.UL, P. III, von &.539.folgt das 3te Ca⸗ 
R te 


Von der neuern Muſik. 157 


— 


198 Das 4. Capitel. 





J 
J 


mitzleriſthen Anmerfungen wiel-one —2* 
a ve vu 


* 
2 Mn J 
“7 ıtiyr, 4) 
i = = ! 


da 2 Ns 


2.0 I 





Ob Herr Frickers neue Theorie 


Wir laſſen es bey diefer Anzahl der hei J 
Tonkuͤnſtler bis wir vor gut befinden bon meh 


s) Auch ſo gar in den Rechnungen trifft ir 
4 


BIT tzoſten Stuͤck. en REDE 
e) Geringer hat wunderbare Einfälle; ich hoffe, Fricker 





2), Doch bar Die theoreriſche folche auch nöthig, zumal, wein 


"eivige Die Segkunft can Theorie rechnen... 


Vonderneuern Muſik. 19% 
man dadurch verftehe, iftaus $. 13 Elar, nehmlich 
die geoffe Anzahl der eichenund Woͤrter, welche 
theils die Manieren, theils die Tacte, theils die 
Geſchwindigkeit, theils andere Umftände und Ges 
danken des Segers uns zu Gemüthe führen follen 
(e).: Der Grund von folder nöthigen Sache 
iſi der Endzweck diefer Zeichen und Wörter: 
Was uns die Ausübung erleichtert , und des 
Componiften. Meynung ohne Irrthum und 
Zweydeutigkeit entdeckt, das iſt einzufuͤhren; 
was hingegen die Sache ſchwerer, verwirrter 
und zweydeutig macht, ſoll wegbleiben. Die⸗ 
fer allgemeine Satz (Axioma) wird von Prinzen 
durch 15 Grundfägeerläutert, welche zu lefen find 
indeffencompendio muficac fignatoriae et modula- 
zoriae vocalis, von welchem $. 51. mehr zu lefen(E). 
Aus ſolchem Sage folgt auch, daß der Gebrauch 
der deutfchen Woͤrter bey ung vorzuziehen denen 
et — 

———— N4 8. 18. 


e) Was Markus Dietericus Brandiß von ſolchen 
Dingen beybringe in feiner deutſchen mufica fignateria, 
„welche 1631 zu Leipzig ing gedruckt reyrden, wird derjenis 
„ge beffer wiflen, fo fie gelefen. Mir ift dag Alter etwas 
‚verbachtig. | | ! 
EMS, daß einerley Zeichen nicht zweyerley Sachen andeu⸗ 
‚gen muͤſſen; daß zu einer Sache nur a Zeichen ſeyn folle ; 
daß die Zeichen fo deutlic) von einander follen unterfcies 
‚den ſeyn, daß man eins nicht vor das andere anfehen koͤn⸗ 
ne, und fomweiter, | gr 
8) Telemanır geht hierinnen mit einem rühmlichen Bey⸗ 
iel vor, welcher in den neuern Sachen deutfch redet. Er 
ſagt: allein, für folos ſtark, für forse ; leife, für pie- 
won. ff. Nur daß die wenigſten es nachthun. 
hat doch die deutſche Sprache geſuͤndiget, daß di Er 
| olher 


400 Das 4. Tapiteli- 








Die neuere Mufik: har einen ſehr erweiterten 
Umfang, Cambitum) wenn man auf der Klänge 

vöfferte Tiefe und Hoͤhe ſiehet, welche bey den 
Inſtrumenten angetroffen wird, ‚fonderlich auf eis 
nigen Drgeln.(h > Diegröffeiten Pfeifen find 32 
Fuͤß lang; die Eleineften ein ſechzehntel Fuß (Gi). 
Nachdem Manuale der Orgeln aber zu reden, ſo ha⸗ 
ben fieordenclich 1) die grofje Octave, welche von 
vielen. auch die Contraoctave genennet wird (K), 
welche man durch groͤſſere Buchftaben kenntlich 
mat, deutſch oder lateiniſch: C, D, E, F, ©, 
4,5, 2) Die bloſſe oder ungeſtrichene wird 
gemeinet, wenn kleine deutſche oder lateiniſche 
Buchſtaben erſcheinen, ohne einen uͤbergezogenen 


ſplcher Verachtung geſtraft wird? Was haben andere 
prachen an ſich welches geſchickter fey die Gedanken des 
eigenen Sprache — thut wohl der Italiaͤner uns die Ehre 
An, nicht adagro zu ſprechen, ſondern langfam ? nicht 
220. fondern vom Anfange? Rimmmermehr. Der 
Framzos iſt mit ibm gleiches Sinnes. Und was hatman 
“Davon? daß man deu Untergebenen fie duch erft deutfch ers 
„ garen muß, da deun die Ohren wehe thun, wenn oft we⸗ 
der der behrer, noch der Schuͤler ſie wiſſen recht auszuſpre⸗ 
ee nrander wiltdadurch für gelehrt gehalten werden, 
und Fann es nicht leſen. Vanitas! i | 
h) 9, 43 war der ambitus modorum etwas anderd. 
1) Vieler, oder allen Sufirumenten ambirum zu. 
i F * m, ee 
en, teigd in Devenfien Aufgabe der ee 
anterfien Claſſe 9. 4 finden, daß er Die tieffte auf Orgeln die 
. groffe nennt, die noch fiefere, Contraoctav. | 


Von der neuern Muſik. 201 





— — — 








her ſteht die eingeſtrichene; fie heißt alſo, weil 
über die: vorigen kleinen Buchftaben ein quer 
Strichlein gezogen wird. 4) Die noch höhere 
Elaffe oder zweygeſtrichene Detave macht der 
Strichleinzwey. 5) Weber diefe4 volle Dctaven 
finder fich der Anfang der. fünften oder dreygeſtri⸗ 
chenen, welcher geineiniglich aufder Orgel nur aus 
dem, oderc, eis, dr befteher. . Andere Clavier⸗ 
arten habenderen oft mehrere ; und. in der Tiefe 
fonderlich, welche letztern anzudeuten man die grofs 
fen Buchſtaben verdoppelt ::F5; AA,u-fofort (I). 
Ein guter Violiniſt und Elarinift ſteigt noch höher. 
Wenn wir auf der Orgel die. größte Pfeife des Pe: 
dals 32 Fuß lang nehmen, fo gibt foldye den tiefiten 
Fon, welchen mir vor begreiflich. halten; geſetzt 
aber, ‚daß im Manualeine ı füßige Stimme vom 
groſſen E bising 3 geftrichene c durchgeführet wird, 
fo wird diefeg pbereic den fechzehenten Theil eines 
Fuſſes halten, Dieſes waͤren ; volle Dctaven, und 
das Eleineftec machte den Anfang zu der Toten (m). 
Euler im erften-Cap. ‚$. 13.d0e8.$. 57 genanns 
sen Buchsreder nur von Octaven, welche deut⸗ 
* In 6 
1) Weildie geſtrichenen Buchſtaben, mie fie zum Ueberfluß 
Sur, 2 der Kupfertafeln zu ſehen, nicht in glen Drucke⸗ 
reyen find; fo hat Sorge inder rational Nechnung die 
Striche weggelaſſen, und den Interfchied angedeutet durch 
die verſchiedene Ylrten der Schriften, Licero, Antiqua, 
Korpus n. ff es ſcheint aber nicht alljeit deutlich in die 
Augen zu fallen. 0 un. 
m) ufolgenden wird ſich folches beffer verfichen laſſen, 
menwichzeige, daß eine höhere Detave von der nächften 
niedrigern allezeit Die halbe Laͤnge halte, alſo fangen ſolche 
Oetaven ſich in der Ordnung an von 32, 16, 8, 47%, r, 


: aan AR - i 
u dr Dr je Sub 


202 Das 4. Capitel. 








J 


lich vernommen werden koͤnnen. Mitzler wider⸗ 
* und ſagt: ꝰwir haben. aufs hoͤchſte 6 
POLE. 
1: Ye gt $ 20 3 7107 — | 
An ſtatt der alten Puncte ohne: Schwänze 
aufmenigoder mehren Linien und Spatten bedient 
man fich tego folgender, von a. de Murs (0) 
erfundenen YToten, deren Steigen und Sallen 
man ſiehet aus dem Orte, welchen fie einnehmen 
auf dem Linien Syjtem, (fpfematelinesrum)) oder 
wie man ietzo redet, aufder mujißalifchen Treps 
pe; (wovor einige ſprechen Muſikleiter, ſcala); 
ihre Zeitwaͤhrung aber nimmt man ab aus ihrer 
Geſtallt, welche die zte Figur der Kupfertafeln 
vorſtellig macht, Pe IT TEN ER J 
J —— * ne 1. Iſt 


a): Wäager mehr darzu ſetzt, iſt zu ſehen V.IILT. I, der Bi: 
bliothek. Was wirder fügen zu den 12 Detaven, welche 
Caſtell alg moͤglich annimme in feiner Augen = Cdrgel 2 
Von diefer f, unten$. 265, Es kommt darauf an, wie 
"man die Moͤglichkeit erklärt Die Inſtrumentmacher 
machen wohl einegröffere und kleinere Meife oder Saite 
möglich ; aber ob unfere Ohren die allzutiefen oder allzu: 
"Hohen Klange deutlich begreifen, undvon andern unter; 
fheiden, iſt eine andere Frage, - Nachdem Gehör zu ur⸗ 
theilen find 12 Detaven zu viel; aber 6 zumenig. Denn 
wenn ich aud) 32 Fuß wegthaͤte, und zur Eleinefien Stim⸗ 
me im Manual ⸗Fuß durchführte; jo wären doc) wenig: 
ſtens 7 volle Detaven begreiflih. | 
0) Er hat aber nur. die aröffern erfunden, von den vielge: 
ſchwaͤntzten wußte man damals nichts. Er heiffet auch 
Muria, de Meurs, de Muris, und war ein Engläns 
der, ein fuͤrtrefflicher Mathematiker und Philofoph; als 
Magiſter hat er einen Tr. gefchrieben: demufea. Wenn 
‚er gelebt, iſt ungewis, etwa im izten oder 14ten Jahrhun⸗ 
dert; ſ. Walthern und Prinzen, En 


Von dernenern Muſik. 203 


1. Iſt die groͤſſeſte, und wird in Büchern auch 
maxima, felten larga (p) genennt ; fie wird. 8 
Dacte lang gehalten, «wenn von dem: fogenanns 
‚ten fhlechten Pacte die Rede iſt; + 
2. ift de8 fangen Strichs — lange, Tonga, 
„genennt worden, und gilt halb fo viel, als die 
‚ vorhergehende, nemlich 4 Schläge;: wie denn 
dieſes bey allen zu merken, daß die folgende Fi⸗ 
| * halbe Seitwährung hat von der vori⸗ 
ara: ra Be 
3. Wenn jeneden Schwanz verlieret, fo wird es 
dieſe; Daher: heift ſie breuit, d. i. kurz (r); fie 
gilt 2 Schlaͤge. ehem inte 
Dh femibreuis. (di. die halbe:dreuis) gilt 1 
MAIN IH 





a 
5. Wenn jene einen Schwanz bekommt aufs oder 
abwarts, fo gilt fie 3 Schlag, und heift mini- 
oma. d. i. die kleineſte ſ )JJ. 
6: Wenn man den Kopf der vorigen ausfuͤllt, (mel: 
des bey allen noch folgenden fo gehalten. wird) 
sıheiffet (fie ferniminima, (eine balbeminima) ine; 
‚gemein ein Diertel, von ihrer Geltung. 


Bd Alfonemerfe tu u. 
9) Maxima und lonza finden ſich ieko gar nicht mehr, iauffer 
was · der Lehre wegen bey dem Chorale gefchieher, auf | 


2) Im Ehorale, — im} Tacte wird fie, aber doch fels 
fen, gefunden ; die Medensart ala breue rührt won ihr 
ber, folglich muß eine 2 fehlägige Rote auf jeden Tact ge: 

fd werden, welches ietzo von den wenigften beobachtet 


*) O wie haben ſich die Zeiten geaͤndert! dieſe — Arten heiß 
ſen weiſſe Noten; die folgendenalle aber ſchwartze. 


2304 h Das 4. Eapitel. 





— — — 

7. Wenn die vorige eine Kruͤmme oder Hacken be 
kommt, heißt ſie auf deutſch ein Achtel, und 
das iſt auch ihre Geltung; die vateiner ſagen 
fufa, () vnca,d.i. die krumme Wr die Ja⸗ 
liaͤner ſagen croma (v. 

3: Dieſes Sechzehntel heiffet PR Unca, "femifüfa, 
—* roepgefehtwängte ꝛc. deren gehoten 16 in { 

ante; 

9: Diefes * ter — wohl fübfimifufe, 
die dreygeſchwaͤnzte, muß 32 dergleichen: ** 
geben zuꝛ Taete. —XR—— 

ro, Quater\onca, die viergeſchwaͤnzte/ daen 64 
einen Taet ausmachen. SINTRCZR NIE 

11. Quinquiersunca, die fünfgefehnoängte, deren 
128 in einen ſchlechten Fact gehören (x) 

Daß ein Punct bey der Mote deren Helfte 
gii,techen die Rinder in der Schule. Wenn aber 
die minima gekruͤmmt wird, (f. no. 12) ſo gilt ſie ei⸗ 
nerley mit der femiminima ( yyWenn die /emi· 
brenes ausgefůllt werden/ heiffen ſie bemiolae, f. 
no. i 32 — ze et der, Se die 
t) Bon — gieſſen, weil ſie wie ein Strom vorber 

laufen foll. 

u) una heißt ein Haken. Zanowta ſchrett ud) 
.a unca * 

w) © Cariffi mi Singekunft, welcher die dir‘ —* vor 
‚rar angibt, das iſt die 3 ‚gelbnänite tinfere fo genden 
Namen find iüfemnen gejegEgTDN Heißt mal, je mal; 
an A che aaa die 4 und F 9— aͤn 

fe c 

ei — Rach Nieds a, B,C I dead 
die — * 

y) Hieran hat guhrmann keinen Gefallen; ; man findet fie 
basweilen im 2 Ente, BEN 


Vonder neuern Muſik. 205 





Yroticungs-Runft den Urſprung (2). Wed den 
Pauſen kan ich mich nicht aufpalten. 0. 


Beny den Tacten find die alten Zeichen groſſen⸗ 
theils abgefchaft, f. Sig. 4. Die beyden Fig. 5 
wollen fich immer mehr unfichtbar. machen. : Aber 
des grofien C bedienet man fichnoch, den fogenann- 
tenfchlechten Tact dadurch anzuzeigen, ‘welcher 
aus einer femibreui, oder andern Noten Ben 


3) ©. Mattheſons vollfomm. Rapellmeifter, in wel: 
chem das ste Capitel des erfien Buchs handelt von der 
Runft die Melodien aufzufchreiben. Sie heiße 
allda auch) Semesographia, Ariftorenus nenntfie Para- 
femanzicen ; beydes find griechiſche Wörter. In Franfı 
reich. ſoll Jacob von Sanleque fie zuerft aufgebracht 
. haben; 9.20 und folgenden erzehlt er von Franz de la 
Fond, daß er ein ander Syſtem einführen wollen 1725, 
aber er werde billig verlacht, u. f.f. Wie bisweilen die 
“ Brenes zuſammen gesogenmwerden, fiehe no, 124; fie wer: 
den alsdenn geſchwinder gefungen. Wonder geſchwaͤrz⸗ 
ten Breui |, die Rudimenta muf. des Mylius, und Praͤ⸗ 
tor. Syntagm. T.III. P.II, C. II, Wenn man 6 gez 
fchwänste no, ı5 einführen wollte, wie ich ſchon etwas 
davon verkommen; fo weisichnicht, ob es nicht wider den 
Grundſatz laufe, von welchem $. 57 geredet worden, Es 
ſcheinen ſchon diejenigen, welche wir haben, wegen der. vie: 
len Striche den Augen befihwerlich, zumal im geſchwin— 
den Spielen; es Fann durch Benmorte: geſchwind, 
ſehr geſchwind u. dergleichen eben das ausgerichtet wer: 
den. Sollte es wohl anders lauten, wenn der eine den 
3 ahtel Tart etwas lanafam, dev andere aber den 3 viertel 
Tact eben fo gefchtwind fpielete ? Bon den Noten fagt die 
Mufurgie L.V, C, III, S. 217: ”maximadormit, longa 
recubat, breuis fedet, femibreuisdeambular, minima 
"ambulat, femiminima currit, chroma volat, femi- 
”chroma euanefeit, Be 


206 Das 4. Capitel. 








welche eben fo viel zufammen ausmachen.  Auffer 
diefen find folgende Facts: Borftellungen in der Ges 
ſtalt der Bruchzahlen die gemöhntichften: 2, % (a), 
$, 8, 8 8, 10, 24 (b); ferner 3, 3, 3,2, 3,9, %. 
“Die untere diefer bemerkt die Bat: ung der Noten, 
melde zufammen einen gewiffen Pace ausmachen 
follen; Daher fie der Nenner heiſſet; die obere 
Zahl oder Hehler zeigetan, wieviel folcher Noten 
in einen Taet gehoͤren. Diefe Tacte werden nicht 
bequem in den fchlechten, und tripel Tact ges 
theilet, wie manehedeflen zu thun pflegte, fondern 
es ift der Fact entweder der gerade oder ungerade. 
Bey dem geraden muß der vorgedachte Zehler oder 
die obere Zahl geradefeyn, damit fie fich Laffe in 2 
gleichgroffe Sheilerheilen, und das Niederſchla⸗ 
gen (tbefis, Yecıs) foviel halte, als dag Aufhe⸗ 
ben der Hand, (arfis, «eis (c); und fo verhäft 
es fic) mir denen erften 8 ————— auch mit 
dem ſchlechten Taete, ja mit allen, welche üblich 
gewe⸗ 


2) Iſt der ſchlechte Tact. van 

b) Diefes verfiche ich nicht, weil wir Feine Noten haben, des 
ven 24 auf ı fehlechten Tact gehen. Mattheſon hat aber 
diefe Borftelung in der Klein. Generalb. Schule von 
©. 92:102; oder es mußten Triolen angedeutet werden, 
mern durch eine übergefchriebene oder darnuter verfiandene 

3, 3 Noten nicht mehr gelten, als fonjt deren zw. 

e) das erſte Wortift von Fi9nw, ich ſetze, lege nieder; 
das legte von FATZOR ich hebe auf, Heut zu Tage redet 
man viel von accentuirten Noten, wodurch die laͤn⸗ 
gern oder in Theſi ſtehenden verſtanden werden, Dieſe 
Lehre heißt de quantitate not arum intrin/eca, und hat ſehr 

viel auffih; ſ. davon den ſatyr. Componiſten P. I, 
C.vI Janowka, Birchern, de Chales und an 
dere. 


Von der neuern Muſik. 207 








geweſen, oder noch werden koͤnnen, wenn die Ober: 
zahl eine 2,4, 6, 8,12, 16, 24 u. ſ. fiſt, oder eine 
gerade Zahl, nu —— 
Der ungerade giebt dem Niederſchlagen der 
Haud 2mal oo viel, als dem Aufheben; folglich 
muͤſſen ſich alle Oberzahlen in 3 gleiche Theile ab⸗ 
theilen laſſen, wie die uͤbrigen alle ſind, welche oben 
die zoder ⸗ fuͤhren ()· Man muß mir dem Et 
a Zn 


d) Wieaber, wenn oben « oder 12 ftchen, welche fich fo wohl 
in 2, als 3 Theile theilen laffen ? In ſolchem Falle hat 
die gerade Theilung den Vorzug; Folglich wehh_ manche 
den 5 Tart brauchen, oder % wie Couperin, müffen 3 
zum Riederfchlagen gehören, und 3 zum Aufheben, Wag 
bedeutet aber die 3,melche bisweilen anftartdes Tactzeichens 
gefunden wird? Antwort, ſie bedeutet einen ungeraden 
Taet; und ſonderlich vor Zeiten den groſſen Tripelz; 
aber fie kann auch kleinere Tripel anzeigen, wie etlichemal 
u ſehen in der groſſen Organijten Probe. Zwar moͤchte 
es ſcheinen zu ſtreiten mie. den Grundſaͤtzen 9. 57, weil hier 
ein Zeichen mehrerley anzeigen ſoll, und man blog aus der 
nen Noten abnehmen muß, was eg heiſſe; allein Mat⸗ 
theſons Abſicht iſt nicht unrecht, daerden Spieler will 
auf die Probe ftellen, ob er ſich in alles ſchicken Fönne. Aber , 
der fat. Compon. p. II.C. VI iſt gar nicht damit zu frie⸗ 
den. Was er ſonſt allda hat von den Proportionen, 
ſteht Bier in unferm folgenden Eapitel, aus welchem der 
9,73 und 74. ach hierher gehören. | 
Was Werckmeiſter ſagt vom ondaͤiſchen und 
wochsifchen Tacte, deren — —6 dieſer 
den tripel Taet bedeuten ſoll, ſ das 14 Cap. ©. 7 ver pa: 
vador. Disc, Bey Yfaiern im Muſikſaale ſcheint es 
wunderlich zu klingen p. C. I, wenn er ſchreibt, es fen 
der Tact zweyerley, ı) Emplex, der gemeine, ſchlechte, 
langſame, gerade, egale u. fi f. eben als wenn 2, $ 
u, dergleichen allezeit müßten langſam gehen ; 3) Fi 
| ehr 


208 Das 4. Capitel. 


die Menſur (mauvemene) nicht verwechſeln, wo⸗ 
durch keine Tactesart, ſondern derſelben Geſchwin⸗ 
digkeit angezeigt wird, welche entweder aus der 
Taͤctesart, oder aus. der Natur des geſetzten 
Stücks, oder aus beygefugten Worten abgenoms 
men wird. Das italiaͤniſche Wort zempo bedeus 
tet bisweilen eben daffelbige (e). Sonſt bedeutet 
gempus muficum die Jet von 2 ſchlechten Tacten 


(E), Ron der Artden Tact zu führen, will ich 
| des 








ſteht entgegen ‚der ungleiche, proportionacus ale } 2 
w.i.h. ch fehe gar Feine ürſache folcher Benennung ; 
‚bey dengeraden Tacten ſtehen ja Die Zehler gegen die Nen⸗ 
ner auch in gewiſſer Proportion. Zur Kurzmeil fichen 

- bisweilen ſolche Zehler, ſo ſich weder durd) 2 noch 3 thei⸗ 
ten laffen, ald &, 2; f. fatyr.Compon. p. II.C. III. 
Sie werden am beften erlernt durch die Drefi flegel, 
ſchicken fich auch am beften in die Scheure. Das ste 
Gap. vafelbftift auch von den Tacten leſenswuͤrdig Sonft 
theilte man die Tacte ab durch Punkte; davor will Dres 
torius Kleine Striche gemacht wiſſen, über oder unter 
der Reiter, ſ. T. III, p. 11,C. V. Jetzo haben wirlange 

" Striche durch die ganze Treppe. DS nen 

e) Maier im Muſikſaal nimmt den Tact und die Men⸗ 

fur vor einerley an. Wenn man aber fagt: zeapo di ga- 

sosza, und dergleichen, fo heißts fo viel: es fol Feine rech⸗ 

: —— ſeyn, aber doch derſelben Geſchwindigkeit 
aben. a 

$) Die Lehre vom Terapore muſico wird icho aar nicht mehr 

"auf die Bahn gebracht, wovon dir Alten fo viel Welens 

machten... Was Hier im Tepte ſteht, heißt zempus per- 
dum mains; Wenn aber die fermibreuts einen Tact ang: 
macht, fo iſt es zempws perfedum minus. Mylius han⸗ 
delt ſolche Sachen auch ab, und ſetzt das fesguirempus date 
zu, das iſt, 3 Schläge. Mehr vom zerapore muſico giebt 
Kircher und Bayer, in prim. lin, muf, voc, im zten 
Theil, Warum die Alten daffelbige aus 2 Tacten beſte⸗ 
Hen laffen, unterſucht Baͤhr €. 37 ber Diſcurſe. 


Von der neuern Muſik. 209 





u 








des Naums wegen etiwas in die Anmerkung ſetzen 
(8). Wenn bey Recitativen oder Fantaſien eis 
| 2 > SER 


8) Die Art den Tace zu führen iſt zwar Fein weſentlich 
> Stick der Tonkunft gleichwohl wirds nicht unangenehm 
feyn, etwas davon hier zu leſen. Wenn alle Handlungen aus 
dem Endzwecke ihre Richtſchnur haben follen, wie oben 
oefagt; fo folge , daß es aud) hierbey geſchehen muͤſſe. 
Alſo wuͤrde es lächerlich ſeyn vor ſich felbft den Tack zu ſuh⸗ 

ven durd) das Tappen mit den Fuͤſſen, oder Plicken 
mit dem Ropfe. Denu die, Glieder empfangen ihre 
Kichtigkeitder Bewegung von den Gedanken, wenn dieſe 
richtig, iſt mir das Aufferliche nicht noͤthig; ſondern dieſes 
dient den andern, welche mit muſicireu, damit ſie alle bey⸗ 
ſammen bleiben, und vor Irrthum bewahret werden. 
Wenn nun in dergleichen Zuſammenkunft Virtuoſen ſind, 
boder wenigſtens ſolche, welche nach der herrſchenden Mer 
lodie ſich zu richten wiſſen; ſo iſt auch weiter. nichts noͤthig, 
als nur die Menſur beym Anfange zu geben. Nachdem 
hat man billig ſich nicht ferner darum zu bekuͤmmern, oder 
man rege die Hand nur ein wenig) 
Herr Bach in Berlin, in ſeinem Derfuch das Cla⸗ 
vier zu ſpielen, (wovon C. 16 mehr folgt) ſagt deswegen, 
yman fuͤhre heut zu Tage den Tact nur bey groſſen 
Muſiken, S.7. Wenn es der Raum litte etwas her⸗ 
zuſetzen von der Pedanterie mancher Muſikdirectoren, fo 
ſollte auch ein muͤrriſcher Cato nicht wohl ohne Lachen blei⸗ 
ben. Zumal wo an manchen Orten ſolches nicht mit der 
Hand, oder einem zuſammen gerollten Papiere, ſondern 
durch einen gravitaͤtiſchen Regimentsſtab geſchiehet. Das 
von iſt die lateiniſche Redensart: perensere menfurum ; 

. Caſp. Calvors Tr. von der Rirchen⸗Muſik, welr 
ches zu Leipz. 1702 in ı2 lateinisch heraus auf 3 und einen 
halben Bogen, Er handelt ausch daſelbſt de baculo can- 
⸗oreo. Bisweilen bekommen die Fuͤſſe dabey etwas zu 
ſtrampfen, welche Bewegungen dienlich wider das by: 

u ee, vor welchem Studirende und Schrei: 
bende ſich ohnedem nicht Bag hüten koͤnnen. Jedoch 
mag 


210 Das 4. Capitel. 


N na 





ner allein ſingt oder fpielt, fo kann man ihm nicht 
nur feine Srepbeit laſſen, fondern man findet auch 
ſolche gefegte Stücke, In welchen gar Feine Tacte 
abgezeichnet find (h). 
Ebriftopb Semler hat ein Inſtrument ger: 
macht, welchesbey der Muſik den Cact ſchlaͤgt, 
und die Stelle eines Praͤfects vertritt (Gi). 


$. 61. 


Was man ſonſt das Linienfyjtem (Syfema' 
linearum) zunennenpflegte, auf welchem die No⸗ 

ten zu erſcheinen pflegen, das nennt man ietzo ſehr 
oft die Muſikleiter, oder die muſikaliſche Trep⸗ 
* | H | pe; 


maag ein anderer Luſtigmacher an meiner Stelle reden; ich 
mæueyne den Baͤhr, welcher C. 47 der muſik . Disc. die 
Nothwendigkeit des Taetirens zeiget, aber im folgenden 
durch Lächerliche Ausdrücke diefe Schulfüchferey ſucht vers 
haßt zu machen. Es eifert wider folche auch die groffe 
Organ. Probe im zten $. des aıffen Erempels vor die 
+ mittlere Caſſe, undim ısten vor die obere Claſſe. Noch 
-närrifcher ift eg, wenn auffer dem Director derer andern 
mit muficirenden Köpfe, Hände oder Fuͤſſe fich bewegen, 
© nd bisweilen fo laut, daß einer den andern irre macht, 
und die Muſik verhudelt wird. Man kann einem Tom 
kuͤnſtler, fo fich ſelbſt vor Irrthum zu bewahren weis, kei⸗ 
nen ärgern Schimpf in Gegenwart anderer anthun, als 
wenn die Zufehauer durch ſolch unzeitiges Commandiren 
Etultiſiren) zum Zweifel gebracht werben an deffen Ger 
ſchicklichkeit. Es verträgt fein Dienfibote ſolch Verfah⸗ 
ren, in ſolchen Sachen, welche fie mehrmals verrichtet, vhne 
etwas dabey verſehen zu haben. F 
h) Ein ſolch Cavierſtuͤck hat der berliner Bach mit ange⸗ 
bracht in deſſen kurz vorher genannten Werde. 
) $. 38 wurde feiner gedacht. Es iſt zur Information gut, 
wie al redet, wenn es von Semlern 
handelt. 


Don der neuern Muſik. 2 





pezund das unterſcheidet die fo genannte italiaͤniſche 
Tabulatur von der deutjchen. (obeny.5o) Und da 
ietzo mehrentheild,s Linien durch Huͤlfe des Raſtrals 
‚gezogen werden, wozu unten und oben durchdie.&e- 
‚der bisweilen noch mehrere kommen müfjen ;fo find 
ehedem bey. Choralgeſaͤngen nur 4 Linien nöthig 
geweſen (k), da hingegen die Theorbe, Laute u, f. 
f. mehr als zuhabenpflegen.. Die Namen jedes 
Orts folher Treppe find die befannten Buchſta⸗ 
‚benia,, b, c, d, ©, f, g; oder nach der verderb⸗ 
ten Mode a, h, c und f. f. Es find. aber. diefe 
Namen nicht bey allen Stimnien und Inſtrumen⸗ 
ten. an einem Orte; alfo find die Setzer gewohnt 
durch vorgefegte Schlüffel ( clauesfignatas) Ihren 
Willen, wie die Linien heiſſen follen, zu entdecken. 
Die ate Figur dev Kupfertafeln ftelle ſie alle drey 
vor, 1. heiße das Seichen, unter zweyerley Ges 
ftalt; mo fich folches. findet „.diefelbe Linie heiße-e 
eingeftrichen. 2) iſt das f oder Baßzeichen auf 
zweyerley Art, wo dieſes fteht, folche Linie heiße f 
ungeftrichen oder bloß. Das dritte ſtellt bey 3 ein 
gvor, der Zug aufwärts ift nicht weſentlich; eine 
damit bezeichnete Linie heißt geingeftrichen. Der 
cSchluͤſſel kann auf allen Linien fiehen ; deſen 
—12 2 Be ie 


k), Weil eine Cheralmelodie fih nach der menſchlichen Keh— 
le zu richten hat, und folglich deren höchfte Note von der 
| tiefſten nicht allzuweit abfiehen foll ; fo achtete man niche 
wehr als 4 Linien nöthig. Unſere Chorale überfteigen ſolche 
| Graͤnzen oft, daher wir dabey dies Pinien ebenfalls brau⸗ 
, 





chen fonnen, Haben doch die Kirchenagenden bey dem Abs 
fingen der Evangelien gar nut z Einien, auf deren unterften 
Lhriſtus redend vorgeftellt wird; eine andere redende Pers 
fon auf der obern; die Hiftorifche Erzehlung des Evange⸗ 
liſtens nimmt die mittlere ein. | 


212 Das 4. Capitel, 


— ⸗ 


Sitz auf der untern bey 4 macht das Discantzei⸗ 
chen; auf der mittlern bey 5 dag Altzeichen; auf 
der vierten bey 6 das Cenorzeichen; auf der zwo⸗— 
ten bey 7 den tiefen Discant, oder hohen Alt; 
auf der obern (1) bey 8 den tiefen Tenor. Der f 
Schluͤſſel macht auf der vierten Linie den ordent— 
lichen Baß bey 9; aufder mittleren bey 10 den ho⸗ 
ben Baß; auf der obern bey ıı den niedrigen 
Baß. Der g Schluͤſſel auf der zwoten Linie bey 
12 heißt das Violinzeichen; auf der unterſten bey 

13 das franzoͤſiſche Zeichen (m). | 
Einigefind nicht zu frieden mit fo viel Schlüf 
fein; 3. Er. Fuhrmann im mufifal. Trichter 
(n); Lambert hältderen 3 vor hinreichend vor alle 
Stimmen und Synftrumente (0). Uber wegen der 
x BR 4: — 6 





— 





1) Dieſes Zeichen wird ietzo nicht mehr geſehen, und kann 
auch vhne Schaden wegbleiben, weil dag hohe Baßzei⸗ 
enden Linien eben diefelbigen Namen giebt, auch in eben 
der Detave. me 96 Di | | 

m) Bey diefem haben die Linien gleiche Namen mit dem ge⸗ 
meinen Baſſe, aber 2 Detaven höher, Durch den g 

Schluͤſſel hat etwa Gvido feinen, als des Erfinders, 
Namen, verewigen wollen, und in den alten Schriften. 
iftdaffelbige Zeichen nicht nur ein griehifh ©, fondern 
die andern Schlüffel haben alle eine ganz andere Geſtalt, 
ald ich, I. 18 

n) 8.2, ©. 38, 
noch deu hoben und tiefen Baß. ran 3 

0) In les prineipes du Claveſſis, ©. 126 [chlägt erin der An⸗ 
merkung zur igten Seite sin Mittel vor, wie die vielen 
Schluͤſſel abzufchaffen ; denn man koͤnne mit dreyen zu 
fricden feyn, Es wurden nehmlich. alle Linien einerley Na⸗ 
men haben , wenn das gemeine Baßzeichen bliebe, vor 
die obere Stimme aber. das franzoͤſiſche Zeichen geſetzt 


allwo er weder den hoben Alt leiden will, 


c 


wurde 


Von der neuen Muſik. 213 
ieho fehr gebräuchlichen Transpofition achten ans 
dere jie vor höchft nöthig, fonderlich Matthe⸗ 
fon. | | 


5.62. | 


‚Die erhöhenden und erniedrigenden Zei⸗ 
chen jind auch fehr verändertiworden. Denn nad): 
dem alle ganze Zone in halbe getheilt worden, ſo 
hat jede Linie und Spatium mehr als einen Ton⸗ 
Elang erhalten, welche durch gemiffe Zeichen unter: 
ſchieden werden muͤſſen. Mit folgender Einrich⸗ 
tung ſind jetzo die mehreſten zufrieden: 1) das be⸗ 
kannte runde b erniedriget um einen halben Ton. 
2) Aennman eine, durch das b fehonerniedrige 
te, Note noch um einen halben Ton tiefer bringen 
will, ſetzt mannoch ein: b darzu, wenn man nicht 
des griechifchen 8 fich bedienen will, welches 
Mattheſon vorgefchlagen (9). 3) Desbefann- 
ten und aus 4 Strichenbeftehenden Creuzgens be- 
Amel as Mia vor 83.0.0 dient 


würde, und vor die Miktelftimmen das c Zeichen auf 
das zweyte Spatium, Man ift ihm aber nicht gefolger, 
Wer etwa feine Augen weiden will durch Lamberts Auss 
drücke der Schlüffel, nach Art der Solmifirenden, der 
wird allda ©. 12 und andern finden , was fein Herz be; 
-gehrt, vom la Clef de e fol vet, laClef de gre fol, la 
Clet d’ Eve fa, welches unfere vorgedachte dreyerley 
Schluͤſſel ſeyn ſollen. SE 


p) In der groſſen Organ. Probe, in der Vorberei⸗ 

„tung wie auch in den Exempeln hin und wieder; welche 
auch ſo eingerichtet, daß man aͤller Schluffel gewohnt wer⸗ 
den kann und muß. 


— ig groſſen Organ. Probe, f. Fig. 13 der Ruyf, 
afel. 


214 Das 4. Capitel. 


dient man ſich, wenn man um einen halben Fon ers‘ 
hoben willtr). 4) Wenn eine, durch iegt ges‘ 
fagtes Zeichen, erhöhete Note noch um einen: hal⸗ 
ben Ton zu erhöben ift, fo geſchahe es fonft durch 
jenes Rerdoppelung ; aber um mehrerer Bequems 
lichkeit willen bat man das einfache Creuzgen zeit: 
her. mode gemacht x, (8). Wor dieſes wollen eini⸗ 
ge das vorſchlagen (t); im Schreiben aber iſt 
das vorige bequemer. 5). Das obgedachte b qua⸗ 
dratum wird richtig gebraucht, wenn man eine, 
durch das runde b erniedriare, More von: folcher: 
Erniedrigung wieder. befreyen: willz- Ingleichen, 
wenn man die, durch das gegitterte Creuz gefches’ 
bene, Erhöhung wieder aufiyeben foll (u); ferner: 
SER ETEE — | denn 











* 


7) Dieſes gegittert e Creuz ſoll Josquinus in Italien 
‚erfunden haben im sten Jahrhundert, wie Becatelli 
meynet in letera, wovon $. 44 geſagt. Einige nennen es 

beancellatum, ein gegittert b; ich finde aber nichts dar⸗ 
an, ſo dem b ähnlich war; vielleicht wollen fie z b haben,’ 
"rotundum, quadratam und cancelarum , weil es fonft 
heißt! omne trinum perfectum. (5c.) 

s) Dieſes x in dieſem Gebrauch will dieſer Becatelli nicht 
leiden“, weiles ſonſt eineandere Bedeutung hat, uud die- 
‚fs genennt wird, in welchem Verſtande unten d. 83 Davon 
zu reden if. Nun iſt es wahr, dag ein Zeichen nicht zwey⸗ 
erley anzeigen ſoll; allein hier macht es Feine Verwirrung, 
weildie.cine Bedeutung zu den Rechnungen, die ‚ander 
re aber allein zur Ausübung gie zu der Setzkuuſt gebö: 

vet, und nie zuſa mmen kommen. Di, 

c) Man findet es in der zwoten Ausgabe, der groffen Gr: 
gan. Probe bey dem letztern Probftücke , alıwo zugleich 
zu Iefeu vom Marcelli, welchem das x auch nicht anſtehet, 

“inafeichen von dem muͤhſamen, aus 3 Strichen abwarts, 
und ; Strichen in die Dueere beftchenden Crenz. 

u) Pas erniedrigendeb , erhoͤhende Grenz, —— 
Der 





Von der neuern Muſik. 215 








wenn man eine doppelt erniedrigte oder erhoͤhete 
Note zu einer einfacherhoͤheten oder erniedrig⸗ 
ten machen will, welches andere auch durch beſon⸗ 
dere Zeichen auszudrücken pflegen (w). | 


Nun fragt ſichs, mie dieſe ein oder zweymal 
erhoͤheten und erniedrigten Noten zu nennen ſind? 
Ich antworte, daß die vernuͤnftigſten Tonkuͤnſtler 
wohl einſehen, daß zweyerley Dinge auch mit zwey⸗ 
erleh Benennungen zu belegen, damit eine gehoͤrete 
oder geleſene Redensart nicht koͤnne 2 verſchiedene 
Sachen in die Gedanken fuͤhren. Nun ſieht ein, 
durch dag Ereuzerhöhetes, c ganz anders aus auf 
der muſikaliſchen Treppe, als ein d, ſo durch das b 
N D4" ernie⸗ 


der herſtellende Quadratum nennt Gasparini C. 3 
pes Tr. Parmonico prattico,ascident: muſicalis Walther 
ſagt aber: das x gehoͤret auch dazu”, Ehedeſſen litte 
iuan das b guadrarum nur, wenn die Erniedrigung von 

db, inaleichen von e follte wieder aufgehoben werden ; ſ. 

- Werkmeift. €. 14 der paradox. Discurſe, und Bährs 

Discurſe E35, allwo es auch beya gelitten wird. Sol: 
che Herrneifern wider den Gebrauch diefes Zeichens an als 
len Orten der feiter , welcher doch Feine Verwirrung mar 
hen kann; aber man hätte das erniedrigende b follen mie 
einem andern Zeichen vertauſchen, weil es ſchon einen ge⸗ 
wiſſen Klang bedeutet zwiſchen a und h. 

w) Sorge im Vorgemach P.L C.is, 6.8, Es6s, 
fchlägt hierzu vor dasjenige, welches Fig. 7 vorgeſtellt su 
ſehen. Haltmeier (ſ. unten $, 102 ein mehrers) in der Anz 
leitung zur Transpofition ©. 259 erzehlt zwar, daß 
das bauadrat. nach x oder bb die folgende Note nicht 
völlig natürlich (diatoniſch) mache, fondern nur zur Helfe 
te ; aber®.260 weis er es dem Er finder des Duadrats we⸗ 

ia Dank, daß er folches aufgebracht , weil das gegitterte 
—24 auch verrichten kͤnnen. Doch iſt dieſer Eifer 
unnoͤthig. — 


216 Das 4. Lapitel, 











ernteoriget worden; die Harmonie oder der Grif 
auf dem Clavier ift jo wenig einerley, als die Ton: 
art, zu welcher jedes gehöret. Wenn nun die 
Note überem genennt werden follte , ſo verſtuͤnde 
der anderenicht, ob fie auf der-Stelledes.d, oder 
desc befindlich. Auf dem Elavier iftes zwar einers 
ley Taſte zwiſchen e und d, aber auf der Leiter nicht 
einerley Note. Sollte es nun nicht am vernuͤaftig⸗ 
ſten fo bleiben koͤnnen, wie nach der Vorſchrift eini⸗ 
‚ger, welche bey mir viel gelten, ietzo gleich folgen 
wird? nehmlich die erſten Buchſtaͤben aller Be: 
nennungen muͤſſen den Ortauf Ver Treppe anzei⸗ 
gen; ſagt man es, ſo ſteht die Note auf e; ſagt 
— ſo bat dieſelbe ihren Sitz auf d und fo 
ort. 


1) Dieeinfache Erhoͤhung wird angezeigt durch 
is, wenn ſolche 2 Buchſtaben an die 7 diatoni⸗ 
ſchen Buchſtaben e, d, e, f, g, a, hgeſetzt wer⸗ 
den; daher muͤſſen ihre Erhoͤhungen dieſe Na: 
— 5 cis, dis, eis, fis, gis, ais und 
a: | j Ä ala 
2) Diedoppelte Erhoͤhung kann durch doppel- 
tes Ausfprechen der ietztgedachten Namen ent: 
deckt werden, und ſo müßte man fagen: ciscis, 
disdis, fisfis, undfomeiter. Wem folches im 
Schreiben allzu weitfäuftig ſcheinet, beliebe fich 
unm zuſehen nad) Fig. 8, allwo die einfachen, und 
ig. 9, allwo die doppelten anders vorgeftellt 
ſind; Fig. 10 gefchieheteingleiches mit Iateinis 
ſchen Buchftaben. | | 
3) Die einfache Erniedrigung fest Ju denen 
Buchſtaben: c, d, e, fy„g, a, h, N ne 
Buch⸗ 





Von der neuern Muſik. 217: 





Buchftaben es, oder nach andern , as ; daher 
entſtehen diefe Namen: ces, des, es, (zuſam⸗ 


men gezogen fuͤr ees) fes, ges, aes, hes (x), 


oder cas, dag, eas, fas, gas, as (zuſammen 
gezogen fuͤr aas) und has (y). | 
4) Die doppelte Erniedrigung Bann abermat 
durch das Merdoppein diefer Syllben angezeigt 


- werden; daher müßte man fagen: cesces, desdes, 


eses, undfo weiter; oder cascas, dasdas, uff. 


Sm Schreiben Eann man den Raum erfparen 
durch Fokkerods Figuren, welcher die Flam⸗ 
men aufwärts zeichnet, wie fie vorhin unter: 
waͤrts gezogen wurden; f. Sig. 11 bey denen 


deutſchen Buchftaben, und Fig. ı2 bey den latei⸗ 


niſchen, und fo kann es bey der Verdoppelung 
auch gehalten. werden (z).. } 
* nis 6. 63- 


2) Doch iſt der Name b mehr gewoͤhnlich, als hes und has; 


— = 


er thut ung auch hier Feinen Eintrag, wenn man nur nicht 
b fuͤr ais ſpricht. 


y) Man wundert fih billig über einige Lehrer der Muſik, 


welche etwas vom Unterfchiede der Erhöhunas:und Ernie: 
driguugsnamen wiffen wollen ; aber meil fie Feine Bücher 


geleſen, fo fuchen fie as auf dem Elavier nicht. bey gis, 
> fondern bey b; ft wohlgezielt, aber bel getroffen. Es 
kounte ja’ das waltherifche Lexikon davon richtige Nach— 
- richt geben , welches die mehreften von mir genennten Das 
- men vertheidiget, wer nurvonas, aid, es, ges und fo 


ferner auffuchen will - C.A.T, in Koppenhagen, Wal 


thers Schuͤler, in den Grundregeln deren $. 416 mehr 
gedacht wird) hat die Sache: vurgeftellt,, wie ich hier ges 


h) 


than, und vor mehr als 30 Jahren alfo informiret habe, 
gokkerod hatim i. Th. des muſikal. Unterrichts die‘ 
fe zeichen, Man fichet allda , daß er div erhöheten Klaͤn⸗ 
ge 


— 


218: Das4. Capitel. 


—X J. 63. 


Die neuere Lehre von den Tonarten iſt dieſe 

(a): Man ſiehet vorzuͤglich auf die Terz des Cons, 
oder Grundklanges, woraus ein Stück geſetzt 
ſeyn ſoll ;. wenn dieſe Terz groß iſt, ſo werden auch 
die übrigen Intervalle groß, ausgenommen die 
Duarte,nnddasb, oder das ordentliche Ereusgen, 
merden deswegen forn auf die Treppe gezeichnet, um 
die gedachte Groͤſſe allen Intervallen zu verſchaffen. 
Diefes heiſſet die harte Lonart, oder, wie andere 
reden, di maͤnnliche, vollkommene, groß, auch 
wohl natuͤrliche. (Modus, maior, perfeäius, du- 
sus, masculinus auch wohl naiuralis (b), Wenn 
m: J— or. 1.0 "der 








ge / uperſemitonia nenne , weil ſie rhälben Ton über den 
diatonifchen liegen ; die erniedrigten fabjemitonia , weil 
fie unter den diatonifihen liegen. 
3) Siehe den Vortrag dieſer Lehren S. 416, 417. des wal⸗ 
theriſchen Werks. KR | 
b) Groß heiſſet diefe Tonart, meil die mehreſten Interval⸗ 
len groß ſind; vollkommen, weil Die Verhaͤltniß der 
Intervallen aus Eleinern Ziefern beftebt, auch dem Gehör 
Hölliger vorkommt; Hart, weil die Saiten harter anzu: 
greifen ; wenn fie ı halben Ton höher geſpannt werden, 
als wenn man fieherunter laͤſſet; maͤnnlich, vonder 
gröffern Vollkommenheit des männlichen Geſchlechts; 
parirlich fällt etwas weiter weg, und dürfte fich vielleicht 
nur auf c dur ſchicken, als bey welchem alle Stuffen der 
Treppe natuͤrlich, das iſt, ohne chromatiſche Zeichen, ge⸗ 
laffen werden. Wie die Beynamen der kleinen Tonart zu 
erklären, iſt hieraus klar. Vorzeiten richtete man ſeine 
Gedanken nicht auf die Groͤſſe der Intervallen; ſondern 
nenn ein oder mehrere bvorgezeichnet waren hieß es mol; 
dieTerg mochte groß oder klein ſeyn. So hieß unſer F * 
mals 


Von der neuern Muſtk. 219 
BEN. 3 J 
der Grundklang die kleine Terz bey ſich hat, ſo wird 
die Vorzeichnung alſo eingerichtet, daß alle Inter⸗ 
valle klein werden, die Secunde ind Quinte aus⸗ 
genommen; und ſolches wird genennet die kleine, 
nvollkommene, weiche, weibiſche Tonart. 
(modus minor, imperfectus, mollis, foemininus.) 
Wie mir zuvor das Beywort natuͤrlich nicht,ger 
fiel ; fo laſſe ich hier das Wort unnatuͤrlich (mi- 
nus naturalis) gar weg. Nun kann man, zumal 
auf dem Clavier, 12! Grundklaͤnge haben, zu je⸗ 
dem aber ſowohl die groſſe, als kleine Terz nehmen, 
folglich finden ſich beyde Tonarten 12 mal in ver⸗ 
ſchiedener Hoͤhe auf dem Clavier. Umden Raum 
zu ſparen, bedient man ſich ſehr wohl folgender Zei⸗ 
chen, Die groſſen Tonarten anzudeuten: C* D*, 
A*, dit. e dur, d dur, a dur, undfomitdewübri- 
gen allen. Hingegen durch Nachſetzung des b ber 
merkt man die kleinen Tonarten alſo: Eb, Db, 
Ab, d.i. € moll, dmoll, amoll, und fo bey den 
uͤhrigen kenn Sins 


mals cantusmolis, Wenn aber ein oder mehr Greuigen 
voran ſtunden, war es ein dur Ton, wenngleich die Terz 
Heine war. ‚So hieß damals unſer Hb eauens durus, Mar 
gar nichts vorgezeichnet, ſo mar es modus naruralis, wie 
‚dergleichen nur iſt €* und Alb. 


e) Sumanus hat Diefer Zeichnungsart ſich bedient ’- dem 
Werke, welches s, 2genennt worden, Ich muß oiswei⸗ 
‚Ten wenigere Stellen aus Büchern anführen, weil ich ſe— 
bel, daß der Raum zu enge werden will; fonft haͤtte ich den 
Vortrag des Lariffimtangeführt, ©, 4; des Tanom. 
Fa, ©. 75 Beyers, Ei, 22 und 28; Werkmeiſt. 
rmonol. ©.6/%.105 deſſen Zodeg · S. 124 ; fon. 
derlich Sorgens Vorgemach € 2 deg erfien Theile 
von dem Nanındesmannlihenmdweibifchen 





220 Das 4. Capitel. 





Aber man findet doch bey den neuern Schrift: 
ſtellern noch bis ietzo die alten Namen der Tonar—⸗ 
ten, wie das Drcheftre 1 ſelbſt thut, in welchem 
bey Cſſteht modus ionius; bey Db dorius ; bei) 
Eb phrygius, u.ſ.f. Was ift davon zu halten? 
Mattheſon hat es gethan, daß ein gelehrrer Ton: 
Eünftler dergleichen Namen nicht gar vergeffen folle ; 
fonftaber find fie nicht alle mit den unfrigen überein; 
ja. es kann eigentlich nur der ionifche und aͤoliſche 
Name behalten werden, in welchen der Siß des 
halben Sons eben fo, wie bey unferm E* und Ab. 
Unterdeffen merkt man doch dadurd) den Det, wo 

die alten Modi geſeſſen haben (d). BAELRER 
Noch fernee möchte iemand fragen, ob man 
nicht koͤnne 24° Tonarten (miodos) zehlen, 12 har⸗ 
te,/ mit der groſſen Terz, und. 12 weiche, mit der 
kleinen? Die Antwort kann ſeyn: man wird des⸗ 
wegen niemand verkaͤtzern, ober von 12 oder 24 Ar⸗ 
ten redet; aber bey jeder Eintheilung pflegt man 
auch den weſentlichen Unterſchied mehr zu betrach⸗ 
ten,als Nebenumſtaͤnde. Folglich wer eine gleich⸗ 
ſchwebende Temperatur annimmt, nach dem fol⸗ 
genden Capitel, der wird keinen Unterſchied unter 
den 12 harten Arten angeben koͤnnen, alsdie ver 
ſchiedene Hoͤhe, welches aber ihr Weſen Amp 
| aus: 


d). S. Orcheſtre 1. P. IM, C. IL, Fuhrmann $.2 der Bors 
rede zudem Trichter will alle dur Arten ioniſch nennen, 
alle moll Arten doriſch. Allein, wenn man billig vor: 
aus feht, dab ale Tonarten gleicher Art auch gleiche In— 

— tervalte haben muͤſſen; fo müßte man dem zu Folge in Ab 

das fig vorzeichnen, und in Gb fein es, u. ſ. w. weil der 
doriſche eine groſſe 6 hatte; beſſer wär es Die weichen Ton: 
arten aͤoliſche zu nennen. 


Don der. neuern Muſik. 221 
ausmacht. So verhält es fich auch mit den 12 
weichen. Wer aber eine ungleiche Femperatür 
annimmt, der finder zugleich einen Unterfchied in 
der Gröffeder Sntervallen, und hat mehr Urfache 
von fo viel Arten zu reden, als jene (e). Oder 
wenn man nicht nur darauf achtet, was vor Wer: 
aͤnderungen bey dem Clavier vorfallen, ſondern auch 
auf dasjenige, was auf der. muſikaliſchen Treppe 
ſich unſern Augen vorſtellt, ſo kann man 42 Ton⸗ 
arten mit Mattheſon annehmen, als welcher (f) 
einen jedenderer 7 Fonklänge auf dreyerley Art vor: 
ſtellt, deren jede die grofje oder Eleine Pertie haben 
kann, woraus2ı harte, und eben fo viel weiche 
Sonarten entftehen. Denn zum Epempelauf einer 
Stelle der Treppe ſteht jac, eis und ees; ſo verhaͤlt 
es ſich auch mit den uͤbrigen allen, und will er da⸗ 
bey auf alle 3 Geſchlechter ſehen, von welchen 
oben $. 41 zu leſen, da in der Lehre von 24 Arten 
nur auf deren zwey geſehen worden. Er hält das 
vor, (melchesan vielen Orten feiner andern Werke 
bemerket worden) daßein, durch das b vertiefter, 
Grundklang natuͤrlich die groſſe Terz habe, 
‚oder eine harte Conart ſey; aber einer, fo 
durch das Creuz erhoͤhet worden, habe naͤtur⸗ 
lich die kleine Terz (g), Mitzler hat ihn deswe⸗ 
| | | | gen 








e) So lehrt Mattheſon in der Vorbereit. der GOrga⸗ 
niſt. Probe $.193 und ſolgenden; da er $, 187 anges 
nommen viererley halbe Tone, dreyerley ganze , viererlen 
Heine Zertien, finferley kleine Sten, viererley groſſe, 

f) ©. deffen Phrhongolngie $.140, — 

8) Es ſinnd dieſes ſchon in dur Organ. Probe; unter an⸗ 

dern 


222 Das 4. Capitel. 





— 


gen angegriffen (h); aber Mattheſon vertheidi⸗ 
get ſich in der Phthongologie $. gr, nennt aber 
feinen Gegner nicht. Er verfieht alfa durch. ven 
natuͤrlichen Rlang denjenigen, welcher ohne ein 
chromatiſches Seichen auf der Treppe gefehen 
wird, und mern die Worte natürlich, oder un: 
‚natürlich nicht anftändig,, dem laͤſſet er $. 122 
gi Freyheit zu fagen, ordentlich und unordent⸗ 
Denn es fonft heiſſet: Ende gut, allesgut; 
oder, wenn man bey allen Berrichtungen fonderlich 
am Endedie Vollkommenheit ſuchet, und vorhin 
‚die weiche Tonart unvollkommen hieß; fofragt 
man billig, ob man in folcher fehlieften: Eönne? 
‚Biete wollen nicht leiden am Endedie-Eleine Terz zu 
nehmen; aber die. vernünftigften ſchlieſſen dur, 
wenn Das vorige Dur gewefen, moll aber, wenn 
das vorige moll gefegt worden (i). Doch) wir es 


dern auch auf der iaten und folgenden Seite der Vorrede 
des Rapellmeifters. u 
'h) In der Bibl. V. II. P.L,von Seite Ag: 52,; allwo er ſagt: 
Wer ſiehet nicht, daß ein Ton fo naruͤrlich fen, als ver 
"andere? das eis dur fo natürlich , als eis molf-, und dis 
»moll ſo natürlich, als dis, dur. ? die Zeichen. bringen 
nichts hervor , fondern was fie andeuten, muß [hun in 
“per Natur ſeyn.“ - Man ſiehet daraus, daß er das 
Wort natuͤrlich anders erklärt , als Mattheſon. 
i) gu will feinen Schluß leiden mit der Heinen Tertie, ſ. 
eite 94 der deutſchen Ausgabe des gradus ad Parnaſſum; 
Mittzlers Einwendungen findet man aber dabey. Stoͤrl 
in feinem Choralbuche, deffen C. 15 mird gedacht wer: 
den, ſchließt nicht nur alle Verſe der weichen Chorale mit 
der groſſen Tertie, ſondern auch alle Zeilen jedes 
| Dir 


Don der neuern Muſik. 223 








geſchrieben, fo muß man es hören laffen, wenn 
„gleich der Componift anderer Meynung füllte gewe⸗ 
fen ſeyn. Aber fo mohlim Setzen, als im Clavier⸗ 
ſpielen machen die plagelifhen Schlüffe eine 

Ausnahme, melchelieber ins. durgehen (k), 
Wenn wegen der Wirkung. der harten und 
weichen Tonart eine Frage aufgeworfen würde, ob 
foiche bey beyden verjchieden ſey; fo gäbe ich mein 
‚Sa darzu, ohne mich lange zu bedenken, weil fie 
‚doch wefentlich voneinander unterjchieden find (I), 
Henn aber von der verfchiedenen Höhe Pe 
Zae + ht tien 


Dieſes lautet eben fo jämmerlich, als wern jemand mitten 
unter dem Klagen anfienge zu lachen, wodurd) ein Zus 
ſchauer, welchem Feine Urſache folcher Beränderung bes 
kannt, einen Wahnmig muthmaffen koͤnnte. Nied im 
erſten Theile feiner Zandleitung Gap. 8 fagtin der sten 
Regel, “daß man im Aushalten die groffe Terz nehme ; 
Die Franzofen machten es anders , aber es fey deswegen 
nicht gut.” Mattheſon eifert hiermider in der zwoten 
u des zweyten Theils S. 805 ſ. auch Orcheſtre III, 
658. | Ä 


k). Vielleicht meynet diefes Zumanus, wenn er 6. 107 

ſchreibt, "es fen nieht fchön E* und, Eb (das ift dur und 
"mol ),in.der Gefchwindigfeit abzumechfeln, am Ende 

aber der Mufif thue folche Beränderung gut zum ein 

ſtehlen;“ (denn das. Wort plagalis wird. hergeleitet 
vom Intlehnen, vom Stehlen. u. (.f, 


1, Daher fagt Mitzler in der Bibliothek V. I, P.T, ©. 
64, daß ein moll Ton Traurigkeit mit Liebe beffer wirke, 
als eindur Ton. Doc) koͤmmt eg zugleich darauf an, daß 
beyde Tonarten verfchiedene Bewegungen in dem Bemüthe 
des Setzers erregen, daß er entweder zur Froͤligkeit oder 
deren Gegentheil geneigter iſt, ſo wird bey der Exſecution 

es gleichfalls glſo ſehn | 


224 Das 4. Capitel. 














— — — — 


Arten die Rede iſt, und eine ungleiche Tempera⸗ 

tur angenommen wird; ſo kann einiger Unterſchied 

geglaubt werden unter den 24 Arten in der Wir—⸗ 

kung (m); aber bey der gleichen Stimmung 

wird kein fonderlicher Unterſchied feyn. “ 
ie ftehtsum die Geſchlechter bey der ietzi⸗ 

gen Muſik, deren ehedem 3 waren, wie $. gr ge 
Tage? Nur ein Wort anhangsweiſe davon zu res 
"den, forbedienen fic) einige folcher Namen auch 
ietzo; wie denn Mattheſon alle. 3 annimmt in der 
Phthongologie. Mitzler aber (n) fagt, daß 

wir tego ung nur des diatoniſchen Gefchlechts 
bedienen. - Meine Gedanken find folgende. En 


m) Bon eines jeden Wirkung kann man das ——— Inach)s 
ſchlagen C.ꝛ des dritten Theil, ©. 231 und folgenden, 
Mattheſon erzehlt allda die verfchiedenen Urtheile ver 
Mufiker von der Wirkung diefes oder jenes Tons; her: 
nach nenne erden doriſchen, d.i. Dbrubig, Depot ; 
den aͤoliſchen, d. i. Ab Elagend, u.f.f. Wie er dieſe 
Namen verſtehe, iſt vorher geſagt. Bey den Exempeln 
der Orgauiſtenprobe ſtehen gleichfalls einige Wirfüngen 
angemerkt. Meier im Muſikſaal P. IL C. II, S. 74: 
77 handelt auch davon, Wer uͤber die Vorſtellung der 
Tonarten, fo uns M. Abrabam Barrolus gemacht 
in der mufıca mathematica, Ö.106 und folgenden, feine 
Neigung zum Rachen bey fich empfindet, bey dimfelbigen 
muß eine catonifche Seeke das Regiment führen, Ein an 
dermal folge mehr von ihm. Obes Georg Preuß befjer 
gemacht inden muſikaliſchen Anmerkungen von der 
Eintheilung der Tone, ihren Eigenſchaften und 
Wirkungen, uͤberlaſſe ich dem Lefer ſolches Tractars, ſo 
zu Greifswald 1706 in 4 auf z Bog. heraus. Mitzler halt 
nicht viel davon V.L,P.IV, ©, 81. DARIN 
n) ©. deſſen Anmerk. zu der Vorr. des vollkomm. Ra⸗ 
pellm.V. II, P. I. 


Don dev neuern Muſik. 225 








fehon laͤngſt gewöhnlich gemwefen, die Klänge, Ela 
vesund Elaviertaften ©; d, &,.fr. 9, a, bh; wenn 
fie. ohne Erhöhungs - und Erniedrigungszeichen 
ſtehen, diatoniſche zu nennen; wenn davon der 
Name des diatoniſchen Geſchlechts herzuleiten, 
fo wär E* allein darzu zu rechnen (a). Siehet man 
aber auf die Art des Steigens mehrentheils durch 
ganze Tone(pertonos) ; jo koͤnnen alle harte und 
weiche Arten folchen Namen vertragen. Es ift 
aber. auch gewoͤhnlich die erhabenen Taſten des 
Grifbrets, oder die erhoͤheten und erniedrigten 
Klaͤnge chromatiſch zu nennen (p); in der Ab⸗ 
ſicht waͤr es: nicht unrecht, alle diejenigen Sep: 
und Spielarten chromatifch zu nennen, woman 
fich der ErhöhungenundErniedrigungen bedient bey 
allen Klängen (q). Wie aber diefes felten ges 
ſchiehet; ſo kann man bey der Dermifchung ver 
diatonifchen und chromatifchen Klänge auch vom 
diatoniſch⸗ cbromatifdyen Geſchlecht reden. 
(vom genere diatono- chromatico,) Wenn aber 


0) Vielleicht auh Ab, wenn man auf den Mangel der Nor 
zeichnung ſehen wollte, welche man nach dem Abſteigen 
einrichtet. Aber im Auffteigen kann man nicht ohue die 
Erhöhung fortfommen: — | id 
p) Diele nennen fie halbe Tone, welches aber nicht richtig, 
weil halbe Tone Intervallen find ; aber ein Klang an 
ſich iſt kein Intervall. Wenn aber ietzo groffe Meifter alfo 
reden, ſo richten fie fi mehr nach der Mode, als daß fie 
es vor recht halten follten, wie derberliner Bach ſchreibt in 
feinem Verſuch ꝛc. & L G. 21. | 


g) Es müßten folhe Stücke ſeyn, wobey der Seßer alle 7 


Stellen mit einem oder mehrern Creuzgen oder b beſchwert 
hätte, welches nicht oft 4 


126 Das 4. Capitel. 

das alte enharmoniſche noch ferner die halben For 
ne theilt; fo iſt es ietzo nicht wohl zu gebrauchen, 
wohl aber im andern Verſtande, wenn man nehm 
lich die Erhöhungen und Erniedrigungen mit zwey⸗ 
erley Namen belegen will). 2 


Wie nun vor der Einführung’ der chromati⸗ 
ſchen Tajten auf dem Clavier keine Verfegung 
(Transpofision) der Melodieaneinen.andern Ort 
angieng; fo wurde folche smart brauchbar , als 
man die Detave inra halben Tonen vorftellete, aber 
doch nicht vollkommen, weilaus Mangel der Tem— 
peratur nicht alle Fonarten brauchbar waren (s). 
Nach Einführung der gleihen Schwebung gilt 
es gleich viel, ob man aus coder cis, Foderfis u. f. 
f. muficiee. Hierbey aber muß die Gröffe der In— 
tervallen benbehalten werden, durch: Hülfe der 
r) Sonderlih wenn jemand Feine gleiche Temperatur an— 
nimmt. Daher Mattheſon, wie vorgedacht, in der 
Phthongologie ſolches annimmt; wie auch Mar⸗ 
purg von der Fuge im zten Capitel nachzuleſen ift. Was 
Telemann neues vorgebracht, koͤmmt unten vor d. 67. 
s) Wo die Temperatur es nicht vertraͤgt, laſſe man das 
Transponiren unterwegens. Als ich: Organiſt wurde 
3728, konnte ich ohne Verdruß weder aus DH’, noch Es“ 
ſpielen, mehrerer nicht zu gedenken. S. den ſatyr. 
Comp.P. ILC. VII, ©. 74 und andere. Buttſtedt 
im Vt S. 49 verwirft.es deswegen auch, ob er ſchon faͤlſch⸗ 
lic) alaubt, es ſey den Juſtrumentiſten befchwerlich. Denn 
mebrentheils transponirt der Draanifte , und die beſaite— 
ten Inſtrumente werden nur anders geſtimmt; biswei—⸗ 
fen nimmt man auch für eine fehmerere Tonart eine Teich, 
tere, FI. RER, 


Von der neuern Muſibk. 227 
chromatiſchen Zeichen. Dieſe Vorzeichnungen 
aller 24 Tonarten ſtelle ich allhier kuͤrzlich vorlugen 
Cxt hat feine Vorzeichnung; alle dur Tone haben die 
Intervalle in gleicher Gröffe, welche man richtig er⸗ 
haͤltz wenn man allegeit ein Creuz mehr oder. ein b we⸗ 
niger vorzeichnet, ſo oft man dieharte Tonart eine 
aroffe Quinte höher ſucht; oder. ein b mehr/ und ein 
Creuʒ weniger, ſo oft die harte Tonart eine Guinte 
tiefer genommen wird. Das neu angenommene 
Creuz gibt allezeit der Septime ihre gebuͤhrende 
Groͤſſe; das b thut ein gleiches bey der Quarte. 
Daher mußdaserfte Creuz das fis einführen, die 
folgenden finder man, wenn inan von fis durch groſſe 
Quinten sufwärts fpringt; folglich Fommercis 
mit ing. Spiel, wenn 2 Creuze noͤthig, gis bey 
dreyen, dis bey vieren, ais bey fuͤnfen, eis bey 
ſechſen, bis bey ſieben, fisfis bey achtenzu. ſ. f. 

So viel Quinten aufwaͤrts gezehlt werden von 
Can, bis zu der Tonart, melde ich begeichnen will; 
fo viel Creuʒ werden es. Folglich hat & 1, Dt, 
Az, 4 H5, Fis* 6, Cis , Gis mnd 
ſo fort. —8* hin. BUBEHIR 1.279 ; Al Fun 

Bey den Tonarten, fo das b führen; berhaͤlt es 


ſich eben fo, aber abwärts. , Man FöhtritvonE* 


nah”, das hat alſo ı b. Dh 2, ‚Est 3, 25” 4, 
Destis, Ges! 6, Ces“ 7, Festg, uff... Das 





\ „he. dr en 
4 FH f Pr 


e 


erfieb erniedriger Dash, als denn: finder mandie 
I dern durch groſſe Quinten abwärts, folglich 
der Ordnung, b, es, as, des, ges, ces, fes, 
bebe, eses u. ſef. Bey denen weichen Toͤnarten 
gibt das neue Creuz der Secunde die rechte Groͤſſe, 
das neue b aber der Sexte; das übrige bleibt alles, 
wie bey denen harten Arten, nur daß man von A 

2 an: 


228 Das 4. Capitel. 
— ——— | 
anfangen muß zu zehlen, weil diefe weiche Tonart 
Feine Borzeichnung hat, und den übrigen zur Vor— 
ſchrift dienen kann (t). | 
Wer dieſes alles nicht vorausſetzt, kann auch 
die Frage nicht mit Verſtande beantworten, wel⸗ 
cher Modus leichter oder ſchwerer ſey, als ein 
anderer? Es wird dieſes billig entſchieden aus der 
Anzahl der Vorzeichnungen, welche jedem weſent⸗ 
lich zukommen, nicht aber wie ſie mancher Freygeiſt 
einzurichten pflegt (u) . Wiewohl in harten Ton⸗ 
© en arten 





2) Wenn man durch die Quinten ſtets fortfchreiten will, kann 
man alle Modos treffen aufs und abteärts ; ordentlich aber 
hat man nicht nöthig über 6 zu gehen, weil bey denen noch 

_ entferntern die andere Art der Vorzeichnung narhrlicher 
it. Als wenn ic) wiſſen wollte, ob ich den Grundflang 
swifchen Cund D ſolle durch Die Erhöhung oder Erniedri 

gung vorfiellen, Das iſt, obic€is* oder De&* vorziehen 
fotfe, Cmelche auf dem Elavier.cinerley, nicht aber auf der 
Sreppe,) foschleich die Quinten aufwärts, ©, D, 
A, C,H, Fis, Eis; dieſes iſt die 7te Quinte, folglich 
müßte ich bey der Art 7 Creuzgen vorzeichnen. — Hieraus 
ſchlieſſe ih, es ſey beſſer, den Grundklang auf d zu ſetzen, 
mit der Vorzeichnung des b, welche nur 5 bringt. Die: 
fes erfahre ih Durch das Abfteigen, weil ich Das Des trefs 
fe ſchon bey der stem Quinte; oder beffer : man darf mt 
jederzeit die zum erſtenmal gefundene Zahl (wie Hier 7 war) 
von ı2 abziehen, fo erfahrt man alsbald, wie viel dag 
Gegenzeichen bringen maß: 7 von 12.bleibt su, Diefer 
Proceß it allgemein, Etwas davon hat D. Treiber im 
euraten Grganiſten, deſſen $. 3% gedacht; mie auch 
9. gr, Haltmeier, Hoforgan. im Hannover, in der 
Zfnleit. zur Transpofition, Hanburgaeze in ‚4, au 
Quart⸗Blaͤttern, welches Mitzler ganz eingeruͤckt V. 
II, P. II, S. 256. —V RN —* 

u) Hierbey fehlen auch die Groffen, deswegen mag ich Feine 
Exempel anführen. Als wenn ſie ben Mr Fein gis, Ri 


Donder neuern Muſik. 229 








arten mehr Leichtigkeit zu finden als in den weichen, 
wenn gleich beyde gleichviel Creuzgen fuͤhren (W). 
Ferner, wenn in weichen und harten fo viel Creuz⸗ 
genfind, als b (x), fo hat Die legtere Zeichnung 
aud) etwas voraus. Es Fann aber Fein Modus 
dem andern in der Anzahl der Zeichnungen gleich 
feyn, als welche 6 führen; denn 6 von ı2 bleibt 
vor die andere Art auch 5. Diefes gefihiehet bey 
Fis*, ſo dem Ges* gleich, und bey Dis b, fo dem 
Es bgleich, ſonſt bey keinen. Dasübrige fteht in 
der Anmerkung (y). 

P 3 §. 65. 


Gbkein es, bey b Fein des vorzeichnen. Beſſer iſts, 
daß die Kegel allgemein bleibe, er 


w) So iſt A“ mitz Ereusgen leichter, als Fis b mit 3 Creuz⸗ 


gen. | 

x) So iſt z. Er. Fis* fehwerer, als Ges; Dis b iftfchwerer, 
als Es b; fiezehlen alle 6 Zeichnungen; der erſte und zte 
a Creuzgen, der. afe umd 4te Modus haben gleich, 
ielb. | 


y) Daß die weiche Tonart ſchwerer, als die harte, wenn fie 
ſchon in der Vorzeichnung überein, beweife ich alfo: Die 
harte bleibt bey ihrer Vorzeichnung auf: und abwärts, fü 
lange man nicht ausweicht in eine andere Tonart; bey der 
weichen aber muß man im Aufſteigen von der Vorzeich⸗ 
nung abgehen, wodurch die Creuzgen ſich vermehren. So 
haben C* und Ab beyde Feine Vorzeichnungen, aber die 
legte Are bekomme im Aufſteigen fig und 918 ; ja die Schluß: 
Harmonie Fann ohne gis nicht vollbracht werden. Fig * 
hat 6 Ereusgen, wie Dis b auch; aber diefes bekommt im 
Auſſteigen Das ote und 7te noch darzu, folglich muß es 
ſchwerer ſeyn. Daß aber zweyerley Zeichen in gleicher 
Au ahl nicht überein ſchwer, und zum Erempel Fis* mit 
6 Creuzgen ſchwerer iſt, als Ges* mit 6 b, das gruͤnde ich 
darauf, weil bey dur Tonen die Ausweihung öfters ges 
ſchiehet in die Duinte aufs als abwärts, in welchen Fall 

| die 


21370 Das 4. Capitel. 


— 








ie §. 65. Kann 

Die Lehrevon den Intervallen , welche man 
neuerlich die Stimmweiten zunennenangefangen, 
ytvon dem Dortrage derer Vorfahren Himmel: 
wert unterſchieden. Sie wuſten von nichts zu re 
den, als von groffenund kleinen; und ſolche Nas 
men fanden fich bey der Secunde, Pertie, Duarte, 
Quinte, Serteund Septime. Die Dctav war 
nur einerley. Ja wenn temand eine dritte Gatz 
tung brauchbar machen wollte, wurde folches von 
zartlichen Ohren verworfen. Daher entftund eine 
groſſe Menge unbarmonifcher Beziehungen, 
(fie hiefien relationes non harmenicae) und verbo⸗ 
tener Saͤtze, welche Regeln aber tego groffen Theils 
abgeſchafft worden; wiewohl man nicht ſagen kann, 
daß bis ietzo auf der klugen Welt ſich ein Kuͤnſtler 
gefunden, welcher ſich getraue einen Hut zu verfer⸗ 
tigen, fo allen Köpfen der Tonkuͤnſtler gerecht fen. 
Esch unterftehe mich nicht alle Meynungen bier anzu: 
führen, daman bald dtefen, bald jenen in die Molle 
der muftealifchen Ketzer ſetzet; und wer bisweilen 
fi | | | dem 


die Creuzgen zu dieb aber abnehmen. Man follte aber 
die Singerfenung (Application) bierbey billig zu Nas 
the ziehen, fonderiich.beym Elavier. Unter allen Tonar: 
fen wird ‚auf demſelbigen E* ohnfehlbar die leichtefte ſeyn, 
weil darinnen keine andere, als Diatonifche Taſten, die Fin: 
ger befchäfftigen. Unter den weichen iſt a die leichteſte. 
Der ſchwereſte Modus unter den harten ſollte wohl Fis* 
ſehyn wegen der 6 Ereusgens aber die Fingerordnung iſt 
daͤbey leichter, als bey Des‘, obſchon diefer Modus nur 
sb hat. Unter den weichen, folglich unter alten 24 Arten, 
wollte ich wohl. Dis* vor. die ſchwereſte halten; ich 
mieyne, wenn der Grundklang ein, durchs Creuz erhoͤhetes 
it. y 


Von derineuern Muſik. 231 





SE —⸗ 
dem andern die Splitter auszuziehen fich am heftig⸗ 
ſten bemuͤhet, hat doch wohl das Ungluͤck, wegen 
moraliſcher Blindheit ſeine eigene groſſe Balken 
nicht zu merken (z). : Doch zur Sache. . 

Gleichwiezum Anfange vor die muſikaliſchen 
Quartaner dasjenige, was $. 61 und 62 gejagt 
ift, hinlaͤnglich fepn kann; fo muß ein Tonkuͤnſt⸗ 
fer, welcher zu der zten Llafje gerechnet werden 
will, wenigftens folgende Vermehrung der Inter⸗ 
vallen merken, da jedes dreyerley Gröffe zu haben 
pflegt. 1) DieSecunde iſt klein, groß und. ver⸗ 
gröffert ; 2) die Tertie iftElein, groß, und verkleis 
nert; 3) die Quarte ift Elein, (oder ordentlich) groß 
undverkleinert; 4) die Guinte iſt Elein, (bey vielen 
ift folchesfalla, die falfche) groß und vergröffertz 
5) die Sexte iftElein, groß, und vergröffertz 6) die 
Septime ift Elein, groß, und verkleinert; 7). die 
Octav iſt ordentlich, vergröffert, und verklei⸗ 


nert (a). | 4 | ‚Hier 


2) Ich beruͤhre in diefem Capitel nur die Namen und Ga 
fungen der Stimmweiten, ohne mic) zu_befimmern, 
um deren Bebraud) oder Misbrauh; Denn folches 
ſammt der Lehre von vollfommenen und unvolffommenen 
Gonfonanzen, und denen Accorden, gehört zu der Sch: 
kunſt im ıgten Kapitel, allwo man auch den Streit wird 
zu füchen Haben, von Wohl: und Uebelklange viniger In— 
tervallen, als von welchen Dingen auch das Sprichwort 
gelten Fan : So viel Köpfe, fo viel Sinne. 

a) Groß und klein iſt hier eben das, was jederzeit maior 
und minor geheiflen hat. Weberflüßig übermäßig 
und vergroͤſſert pflegt einerley zu ſeyn; Die lateiniſchen 
Wörter hierzu find : fuperflua und abundans; dieſe 
zehlen einen halben Ton mehr, als die groſſen. Das 
Wort mangelhaft oder verkleinert iſt mit de. 
ficiens, diminuta und manca, einerley. Das Wort 


falſch, 


232 Das 4. Capitel, 


Hier fragt ſichs, mo die Prime bleibe? ich antz 
worte, daß ſie kein Sntervall ſey, fondern der Anz 
fang, von welchem die andern abgezehlt werden. 
In der Abſicht aufdas zufammen Elingen heißt die- 
fe Prima auch der Einflang; (vnifanas); wienun 
jeder Klang vor fich alſo heiſſen kann, wenn er Eeiz 
nenandern zu gleicher Zeit mit ſich hören läßt, oder 
bey ſich hat; (Das heißt: vnifonus defolarus) alfo 
kann er auch bismeilen eine andere Stimme aufeben 
der Stufe ben ſich haben, (dieſer heißt: auctus) 
und bey demſelben laſſen einige, wo nicht die Wer: 
Eleinerung, doch die Vergröfferung zu (b). Zur 
Deutlichkeit des Wortrags doͤrfte wohl dienlich 
ſeyn, den Lehrbegierigen anzuweiſen, wie der Un— 
terſchied der Stimmweiten nach denen Stufen der 
Treppe zu beitimmen. Denn zum Epempel eine 
Secunde muß nothwendig eine Stufehöher ftehen, 
als die andere, gegen melche fie gerechnet wird. Denn 
wenn ic) nichtfagen kann: das iſt die erſte Stelle ; 
fo kann ich auch nicht von einerzwoten fagen. Und 
fo tft von allen übrigen zu urtheilen (e). 
Y Wenn 


felfch (als Quinta falſa) koͤmmt faft aus der Mode; und 

wir haben auch fo viel Ausdrückungen nicht vonnoͤthen. 
Wie nun bey dem ietzigen Gebrauche der Intervallen die 
Exempel der vergröfferten und verfleinerten nicht var find; 

- fo durfte bey der Detan nicht ein jeder diefes Vergroͤſſern 
und Verkleinern wircklich angebracht gefehen haben. Hier 

| Bun tadele ich Feine Sage, fondern ic) befehreibe fol: 
che nur. 

by Sollte iemanden gefallen, die Veraͤnderungen der Octave 

und Prime lieber Durch die Wörter : groß und Elein ans: 
zudruͤcken; mit demjelben werde ich Deswegen Feinen Krieg 

anfangen, | ERSREAT TEN: - 

e) Hierinnegiebt es Uneinigkeiten. Mir gefaͤllt Ba 





Don der. neuern Muſik. 233. 








gbvenn man 2aſten aufdem Elaviere dem Scho⸗ 
laren zeige (zum Exempel die chromatiſche zwiſchen 
fundg, ingleichenzwiſchen a und h) und fragt, mas 
es vor ein Intervall ſey; ſo muß er zweyerleh fagen, 
weil es eine groſſe Terz und eine verkleinerte Quarte 
ſeyn kann. Wenn ich aber (welches auch viel bef- 
fer) die verſchiedenen Namen nach $. 62 darzu ſetze, 
ſo kann er mich berichten. Sage ich: was iſt fis 
undb? fo wird er ſagen muͤſſen: eine Quarte, weil 
b auf der Linie des h ſteht, welches die 4te iſt von 
f; ſage ich aber: mas iſt fis und ais vor ein Inter⸗ 
vall? ſo mußer es eine Terz nennen, weil ais aufa 

ſteht; und ſo iſts mit allen andern (d). 
Ich pflege auf dem Clavier die groͤſſen der Sn: 
tervallen nach der Anzahl 3 Taſten den Schuͤlern 
P5 | ein⸗ 


etliche ſagen, eis ſey gegen e eine Secunde, da fie doch eis 
aus druͤcken durch e mit dem Creuz, daß es mite auf einer: 
ley Stufe ſteht. Ich halte e3 vielmehr vor eine ver- 
groͤſſerte Prime. Die kleine Secunde zu e iſt f. Mitz⸗ 
ler nennt cis gegen c auf einer Linie [eeundam diminutam, 
ſ. deſſen Lehre von den Spntervallen in den Anmerkungen zu 
Mattheſons kleinen Generalb. Schule VI der 
Bibl. b. Iv, S. a8, allwo er die Vorſtellung Matthe⸗ 
ſons hat verbeſſern wollen; oder ſ. deſſen Anmerkungen 
zu Fuxens Werke C. 23. des erſten Buchs. Warum wol⸗ 
len wir aber in dem Abzehlen der Stimmweiten auf der 
Treppe nicht einerley Regel behalten? Wir nennen a ges 
gen c eine Quinte; warum? Antw. weil von c bis q s 
Stufen gesehlt werden , und weil wir den terminum a 
quo und ad quem bey den übrigen allen mit zehlen. War: 
vun ſoll es denn bey der Secunde anders achalten werden ? 
Sie heißt auf deutſch: Die andere; wie kann denn die an— 
dere Stufe auf der erften gefucht werden? C 


d) Hieraus erhellet der Nutzen des Vortrags $. 625 und im 
Generalbaß aͤuſſert derfelbe fich noch mehr. 


234 Das 4. Capitel, 





einzupragen. Wenn ich nun des Grundtons 
Taſte, (als terminum a quo) mit zehle, wie auch) 
diggenige, welche ein Intervall von oben beſtimmen 
ſoll; ſo wird die Vorſtellung folgende ſeyn. 


Die Prime, der Anfang der Intervallen, hält nur ihre 

Dieerpöhereabet2; — 

Die erhoͤhete aber 2; (nehmlich Taſten). 

MDiekleineSecunde2;5 9 San) 

Die groſſe Secunde 35 

Die vergröfferte Secunde 4; 

Die Eleine Ber 4a; 

Die groffe Pers 5; 

Die verkleinerte Terz 3; 

Die Eleine Duarte 6; 

Die aroffe Duarte 7; 

Die verkleinerte Duartes; 

Die Eleine oder falfche (e) Duinte 7; 

Die groffe Duinte 8; | 

Die vergröfferte Duinte 9; 

Die Eleine Sexte9; 

Die groffe Serte 10; 

Die vergröfferte Serfe ır; 

Die Eleine Septime 115. 

Die groſſe Septime 125 

Die 

e) Man folfte billig alle Zweydentigkeiten vermeiden, derglei— 
hen ich auch) bemerke an dem Worte falfa. welches die In— 
tervalfen bald groß bald Hein angibt. Wir die Fleine 
Duinte falfa beißt; fo nennen auch einige die vergrofferte 
alfo; f. das waltheriſche Buch. Eben diefer Schriftfiel: 
fer nenntfo wohl die groffe Quarte, als die verkleinerte 
Quartamfalfam, Maier im Muſikſaal nennt die ver: 
aröfferte Secunde aud) falſam. Lieber folch zweydeutig 
Hort gar weggelaſſen. | 


Von der neuen Muſik. 235 











Die verkleinerte Septime 10; 
Die Detave 13 5 | 
Die verkleinerte 12; m m. — 
Die vergröfferterg. Es werden die chromatiſchen 
Saften mit gezehlt. | | 
| GE an) Saite 
Doch werden nun die Secumdaner auch zu wiſ⸗ 
fen verlangen, mas tn ihrer. höhern Claſſe fie noch 
hinzu zu fegen haben möchten. Hier mußman wiſ⸗ 
fen, daß viel voneiner vierten Gattung gefchrie: 
ben und gefprochen wird. Und zwar in zweyerley 
WVerſtande; einmal von denen, welche Feine gleich: 
ſchwebende Semperatur aller Zonarten annehmen ; 
zweytens, von denen, welche fie anzunehmen pflegen. 
Der Vortrag der erftern ift aber hier nicht verftänd: 
lich, weil wir die Femperaturen noch als unbekannt 
anſehen (k). Aber. ohne ſolche Lehren wird hier ver- 
fianden, wenn noch die 4te Gattung, fo um einen 
balben Ton von den andern unterfchieden, von eis 
nigenangenommen wird. Maier (g) nimmt an 
viererley Ferzen , weil er die Bbermäßige darzu 
ſetzt; zum Ex. es gegen gis; dieſe zehle 6 Taſten. 
Er hat viererley Serten, weil er eine verkleinerte 
annimmt, welche 8 Taſten zehlt; als cis as (n). 
rer Sorte 


f) Wenn zum Er. Mattheſon 6. 187 der Vorbereit. der 
Organ. Probe 38 Jutervalle annimmt ; als viererley halbe 
Zune, dreyerley ganze, viererley Eleine Terzen, zweyerley 
groſſe, fuͤnferley kleine Sexten, viererley groffe, viererley 
groſſe Septimen, und viererley kleine; das ſind Saͤtze aus 
derungleichen Temperatur, und gehören nicht hierher, 

8 Im Mufiffaal, ©. 80. | 

fi) Zambert Fann hiervon auch nachgefchlagen werden in 

rail: 


236 Das 4. Capitel, 





Sorge hat auch die verkleinerte 6 und über: 
fluͤſſige 4 darzu gethan(i). Mitzlers Lehre, da er 
zu den Gattungen der Secundenoch die verkleiner: 
ee fest, ik im vorigen. in der Anmerf. (ec) berührt 
morden, melcher am angeführten Orte auch noch 
dienberflüßige Ferz hat, (3. E. c gegen eis) eine 
verkleinerte 6 (als cis, as) eine übermäßige 
Seprime (alsc,bis). So " Kellner im Ge: 
neralbaß ©. 3 vier Arten der Secunde, der Terz, 
der Serte, und der Septime ; bey den übrigen 
nur 3. 


Ob fhon Mattheſon in der Eleinen General⸗ 
baß Schule nur zerley Gattungen der Antervallen 
ſetzt (kJ; fohat er doch im vollkommenen Äspell- 

meifter 


eraite de Atcompagnement 5 allwo er fagt, daß die 
meiſten Intervallen in 4 Gattungen gerheilt würden, eint 
ge aber nur in 3, | 


1) Siehe deflen Dorgemach von der 6 im erften Cap, des 
erften Stuck} des 2ten Theils, von der Duarte das erfte 
Cap. des aten Stücks des zten Theils, allwo er fie eben 
nicht lobt, aber doch befannt macht, als c zu fisfis. 


K) In der zten Aufgabe der untern Elaffe, wobey der migle: 
hen Verbeſſerung fehon vorhin gedacht worden. Dan 
leſe aber auch, was Mattheſon su feiner Vertheidigung 
ſchreibt im Poſtſeript des vollkomm. Rapellmeifters, 
da er mehr nicht leiden will als einen Einklang, 5 Secun, 
den, 4 Tertien, 4 Duarten, 4 Duinten, 4 Sexten, z 
Septimen, 3 Detaven, (unnuͤtze Kerls, wir er darzu 
fegt) und 3 Nonen. Die vielen Secunden Fommen daher, 
weil er;. Er. c gegen cis aufeiner Linie feinen Einklang, 
fondern eine Fleine Secunde nennt; ſ. davon 5. 65 nota 
fe) ; auch weil erden gröffern Ton g + 8 und den kleinern 
10 sg ungerfheidet, welches aber nach eingeführter Ten: 
peratur, ſonderlich der gleichſchwebenden, wegfaͤllt. 


Vonder neuern Muſik. 237 








meijter mehrere hinzugethan, im sten und. folgen: 
den Capiteln; denn da finden ich Exempel der vers 
gröfjerten Terz, verkleinerten Serte, u. ff. 
Eine Abhandlung von den muſikaliſchen "In; 
tervallen und Geſchlechten haben wir auch von 
Scheiben (I), welche Mattheſon (m) das voll, 
ſtaͤndigſte Syſtem, und eine leſenswuͤrdige 

Schrift nennet. * — 
Endlich mag den Reihen ſchlieſſen der mehr ange⸗ 
führte Schröter in Nordhaͤuſen, welcher, wie 
Mitzlers Bibliothek anführet (n), die Anzahl der Sn: 
tervallen alfo beftimmt, daß nicht mehr und nicht 
weniger follen oder Eönnen ſeyn, als zweyerley Pri⸗ 
men; viererley Tertien und Sexten; dreyerley 
Secunden, (oder Nonen), Quarten, Quinten, 
Septimen und Octaven. Ja er hat eine eigene 
Abhandlung aufgeſetzt mit der Ueberſchrift: Der 
muſikaliſchen Intervallen Anzahl und Sitz, 
von 4 Capiteln. Das erſte handelt von der Ver⸗ 
anlaſſung ſolcher Schrift; das zweyte von der An: 
zahl und Sitz der Intervallen in der dur Leiter; 
das dritte in der moll Leiter; das vierte, ob zwiſchen 
einem, Grundklange und deſſen einfachen Detave 
mehr als ıı Zone nöthig und nuͤtzlich (6). 
| Denen 


’ 

1) Eben der, welcher $. 5 bekannt gemacht worden; fie iſt 
heraus 1739 in 8 auf 9 bis 10 Bogen. | 

m) mP,$, des Kapellmeilterg, 

n) V,III,P,IV, von S. 6854713, 

0) Gleichwohl Flagt Marpurg in der Vorrede zum erſten 
Stuͤck der Beytraͤge S. 6, daß die Intervallen Lehre 
noch nicht feſte geſetzt; doch habe Herr Riedt unlaͤngſt 
ſolches mit demonſtrativiſcher Gewißheit zn thun 

| — Die Beytraͤge ſind im vorigen Jahr ge⸗ 


23% Das 4. Topitel, 





— — nn nn, 
— — — — — — — 


Denen Augen, wie er hinzuſetzt, moͤchte man 
mehrerley koͤnnen vormahlen, aber nicht denen 
ren. 
Wie endlich bald dieſer bald jener Satz anzu— 
bringen, oder wie bald dieſer, bald jener Tonmeiſter 
einige bey andern hoch geachtete Saͤtze verwirft, und 
fie ekelhaft, Ohrenverderber u. ff. nennt, dag 
wird der Lefer finden in den zu folchem Ende ange: 
führten Stellen. 9 wollen wir ja die Compoſi⸗ 
tion eigentlich nicht lehren; doch folgt noch etwas 
C. 18, 9403 und folgenden. Weiter in Text. 


| re 3 Aut FIR CR T 
} 

Mas werden wir endlicd, den Herrn Prima: 
nern zur. Heberlegung vorlegen? Herr Hofrath 
C. Henfling, und Telemann follen Gelegenheit ge 
ben mehr Worfchläge von der Merbefferung der 
Tonkunſt fich bekannt zumachen, was die Inter: 
valle betrifft: Der erſte hat 1708 einen "rief 
drucken laffen (p), welchen zu verfiehen nicht nur 
das Latein, fondern auch die Algebra muß bekannt 
feyn. In folchem fagt er, Das rechte Sundament 
der Muſik feynoch nicht gelegt. Die Abther 
Jung des. Monochords führt er algebraifch durdy: 
Sonderlich, welches eigentlich hierher gehoͤret, will 
er die Namen der Intervallen aͤndern. Ein 
jeder weis, daß zu der Quinte eine Quarte gethan 
ine 


p) Er war in Onolzbach oder Anſpach, und von daher iſt die 
Epiſtel geſchrieben den 17 April an den Praͤſes der berlini— 
ſchen Societaͤt der Wiſſenſchaften weicher ſolche eiüruͤ⸗ 
cken laſſen in die miſcellanea berolinenſia 1719, in 4, von 
©.265:294, Oben 6. 46 fund er mit unter den Advs⸗ 


caten der Solmiſatiohn. 


Von der neuern Muſik 239 








eine Detave herausbringe. Denn C,G; und G,e 
zuſammen thut ja eine Oetave. Das kommt ih 
nun wunderlich vor, daß wir ſagen: 5 und 4thun 
8; da nach den Regeln der Zahlkunſt 9 zu ſagen 
wär. So iſt es mit allen Zuſammenſetzungen; die 
Summe iſt jederzeit um 1 Eleiner, Als die Theile 
bringemfollten. Mit dem Abziehen des einen In⸗ 
tervalls vom andern iſts umgekehrt, da jederzeit ı 
mehr uͤbrig bleibt, als nach der Rechnung gefchehen 
ſollte q). Solche Unrichtigkeiten zu ändern, 
nennt er die Prime Null; die Secunde wird bey 
ihm zur Prime; die Terz zur Secunde, und fo fort, 
bis endlich die Octave eine Septime heißt; alsdenn 
trifft das Addiren und Subtrahiven beffer ein (r). 
Dagübrige, was er anführt von der Temperatür 
gehört in das folgende Eapitel. Ich ſetze nichts 
hinzu, als daß feine Vorſchlaͤge nicht eingeführt 
worden ; aber eine hiftorifche Erkenntniß davon ift 
wohl dem Tonkuͤnſtler nicht undienlich. - 
—VV — a 


g Als von der Quinte (c, 8) eine Tertiexe; g) abgezogen 
bleibt eine Tertie (c, ©; das lautet faſt, als wenn man 
ſagte: zvons bleibt 3. So iſt e, g bey ihm eine Qur— 
te; c, ez und e, g find Sccunden; folglich kann ich fagen, 
2 von 4 bleibt 2; oder eine Secunde von der Quarte abs 
"gezogen bleibt eine Secunde; und fo mit allen übrigen. 
r) Erveriprach, daß im zweyten Bande der Miscellanen 
ein miehrers folgen follte, ſonderlich von feiner Clavia- 
eur; (don welcher unten C. ıı) aber ich habe nichts allda 
finden koͤnnen. Er beruft ſich auf das Reime general des 
antervalles des ons des Sauveur, aus memoir. de I? 
acad, royale de feience 1701, weldyer die Detav in 40 
gleiche Theile getheilet ‚ welches ich aber nicht geleſen. 
Das waltherifche Bach führe an aug den actis eradır, 
ipſ. 1706, Sauveur ſtarb 17a, Er 


249 Das 4. Capitel. 





Was aber Herrn Celemann anlanget, fo iſt 
derſelbige auf ein beſonder Syſtem der Intervai—⸗ 
len gerathen. An ſtatt, daß wir die Detav in ı2 
halbe Zone theilen, zerſchneidet er ſie in s Theile, 
welche er Commata nennet, Er nenne fie nicht 
brauchbar aufdem Elavier, auf welchem es fo lange 
unmöglichift, bisman fid) von neuen (etwa ad ca⸗ 
lendas graecas) in die fb genannten enharmoni⸗ 
chen Elaves verlieben wird ($). Aber die Saͤn⸗ 
ger, Geiger und einiger maſſen die Pfeifer Eönnten 
fich deffen bedienen. Er legte feine Gedanfen den 
Gliedern der mufifalifchen Geſellſchaft vor: 1743, 
und die Eintheilungen fanden ſich auf 3 Kupferta: 
fein. Von jedem Intervall zehlte er vier Arten; 
als bey der Terz fanden fich Die Eleinefte, Eleine, groß 
fe und größte,. fo auch bey den übrigen: Die mufis 
kaliſche Geſellſchaft begrifnicht fo gleich den Nusen 
und die Abfiche diefer Erfindung le); Daher auf ihr 
Bitten 1744 eine weitere Erklärung folgere (u): 
Als aber doch Schwierigkeiten zurücke blieben; fo 
hat Schröter fih der Unterfuchung ſolches Sys 
items unterzogen, und der Belt’ eine kurze, doch 
deutliche, Abhandlung vorgelegt (w), worinnen er 

Kar | —* 


s) Mannennt dieſe barbariſche Taften oder gebrochene Ela: 
ves mit einem barbarifchen Yamen Subfemitonia, und 

wir find froh, daß die Temperatur von ſolchen uns erloͤ⸗ 

fer hat. 

4) Dieerfte Nachricht gab Miglers Bibl. V. III, PII. 

u) Die ganze Erlaͤuterung des Erfinders iſt allda eingeruͤckt 

F.iũ, 6. 1V, ©, 713 und. folgenden. Die vorgeſetzte 
Kuͤrze erlaubt mir nicht mehr, als die, Stellen anzujzei— 

gen, wo man ſeine Neugierigkeit befriedigen kann. 


w) Seite 720 des gedachten Theils. 


u 


Von der neuern Muſik. 241 





zeiget, daß verſchiedene Bedenklichkeiten darinnen 
vorkaͤmen, welche theils nicht wollten zuſammen 
hangen, theils den Ohren nicht gefallen; kurz, er 
glaubt nicht, daß die mit unterlaufenden grönlinz 
diſchen Säge dürften. angenommen merden, wo 
der Urheber nicht die ganze Einrichtung änderte. 
Nach der Zeit hat Sorge in der bald bekannt zu 
machenden vationgl Rechnung ausführliche: 
Nacdrichtgegeben vom neuen Intervallenſyſtemn 
Telemanns, und folches in der Nechnung vorge: 
ftellt, welches aber nach der Lehre von der arithme—⸗ 
Br DEE im folgenden Eapitel beffer zu verfie- 
Ein a Se 


ae | 


Einige tragen die Lehrevon den Noten, Pau⸗ 
ſen, muſikaliſchen Treppe, Schlüffern, ' Taeten, 
Intervallen u. ſ. w. allegoriſch vor, das iſt, ver: 
bluͤmt und unter Bildern, ſonderlich wenn fie ber. 
la muſica, oder muſikaliſche Kriege, ſchreiben (y). 
Wir haben dergleichen 2 von Baͤhren, deſſen $. 27 
gedacht worden; der eine ift gedruckt. orin 4 auf 
4undeinen halben Bogen ohne die Worrede, zu 
Weimar, nach deffen Fode; der andere bey Gele⸗ 
genheit einer Hochzeiting, faft ı Bogen, welcher. 

mit angedruckt an deffen ERBACH Discur- 


x) In der gten Leetion von S200—238. Na Sorge ums 
terſteht ſich allda, ſolches Syſtem zu verbeſſern, wie S. 
221 und folgenden zu fehen iſt. | 
y) Solche Bücher dienen eigentlich nicht zur information ; 
denn wer die Muſik nicht gruͤndlich verteht,Tiefet fig nicht 
mis Verſtande. | | rn. 


242 | Das 4. Capitel, 





fen (2). Er hat hierinnen zu Vorgängern r) den 
Klaudius Sebaftisnus von Meß, welcher zu 
Straßburg ing im Jahr 1563 und 1568 drucken 
ließ: bellum muſicale inter plani et menſuralis can- 
sus Reges; 2) den Erasmus Sartorius, mels 
cher 60 Jahr vor Bähren den Belligerasmum ver: 
fertiget(a); 3) den Peter Lauremberg, Doctor 
der Arzneykunſt und Profeffor der Poeſie zu Roſtock, 
welcher 1639 geſtorben, und eine Muſomachie, 
oder mufitslifchen Krieg geſchrieben hat, melcher 
eben dafelbft 1642 in 8 gedruckt worden (b). 
Georg Andreas Sorge, geboren zu Mellen: 
bach im Königfeeifchen, Hof und Stadtorganift 
zu Lobenftein im Voigtlande, auch Mitglied der 
Sorierät der muſikaliſchen Wiffenfchaften,, hat 
eine genealogiam allegoricam interuallorum odla- 
wae diatono- chromaticae herausgeneben,, d. i. 
SefchlechtsKegifter der Intervallen nad) Ans 
leitung dev länge des groſſen Waldhorns; 
| zu 


8) Mattheſon im brauchbaren Virtuoſen ©. » hält 
Baͤhrs bellum mufieum vor zerftümmelt, weil er ſonſt 
etwas davon gelefen, fo hier nicht fiche ; allein der Aus 
‚genfchein gibts, daß fie vor zweyerley zu halten, 

a) Gedruckt 1622, 1626, und wieder heransgegeben 1839 von 
Lauremberg, als dem erften und wahren Verſaſſer, 
wie Mattheſons Worte lauten ©. 307 der Ehren⸗ 

forte. Dieſes müßte dem zu Folge mit folgendem 
Seh einerley feyn , oder er müßte deren  verferrigef 
haben, 

B) An folchen Borftellungen hat Mitzler Feinen Gefallen, 
wenn er den zweyten Krieg von Baͤhren in z durchgeht V. J, 
P. III, ober gleich) felbft dergleichen gemacht 1735, im Fer 
bruario, foim Auguſtmonat zu Wittenberg wieder aufs 
gelegt worden anf 2 dog. in 4. 


N 


Yon der neuern Muſik. 43 


zu Hof in 8, 1741, welches auch hierher kann ge: 
rechnet werden (c). 








§. 69. 

Die mufikalifchen Inſtrumente find auch fehr 
verändert, da unterfchledliche aus der Mode ge 
Fommen, viel neue aber erfunden worden, welche 
theils mit, theils ohne Elavier tractire werden, von 
welchen im sıten und ızten Cap. mehr zu ſagen. 
Einige von denen, fo man beybehalten hat, find 
doch ineinigen Umſtaͤnden verändert, wie man ſon⸗ 
derlich anden Orgeln und andern Clavierinſtru⸗ 
menten fiehet, melche von den alten fehr unter: 
fehieden nicht nur in der Geftalle und Gröffe der 
Baͤlge, fammt deren Gegengemichten , inder An; 
zahlder Taſten, GRuͤhrhoͤlzer) der Regifteru, ſ. f. 
fondern auch in andern Theilen, fo kuͤnftig zu er⸗ 
zehlen. Die gebrochenen , oder enbarmonis 
ſchen Taften (Subfemitonia) fallen bey dergleis 
chen Temperatur gar weg, ſ. unten $. 95, | 


A ‚du 
Ede ich dieſes Eapitel ſchlieſſe, fällt mir wieder 
ein, daß oben $, 34 verſprochen worden, nach ein⸗ 
Se mal 
e) Dieſes kleine Buch von 3 Bogen hat viel Druckfehler, 
Don Sorgen Fann auch die Ehrenpforte nachgefchlägen 
werden, ©,337. Sein Anführer Joh. Gottfried Zolz⸗ 
bey, heißt allda Pfarr zu Mellendach; ietzo iſt er Pfarr in 
Ehrlleben, + und eine halbe Stunde von Erfurt über dent 
Steiger, ein guter Componiſt ſtarker Organiſt, Pſalte— 
riſt, Floͤteniſt, u. ſ.f. 2 Flöten blaͤſet er zugleich, eine 
Stimme macht er unter dem Blafen mit der Gurgei; 
doch vor mich ift dag angenehmſte, daß ern — 2 — 
Freund zu nennen, | | | 


24 Das 4. Capitel, 





mn ts — — — 
mal an ein muſikaliſches Syſtem zu gedenken, 
deſſen Eigenſchaften allda ſchon befgnnt gemacht 
worden. Ein ſolches vollſtaͤndiges, aber zugleich 
ordentliches, und nach der ſtrengſten Lehrart ver: 
fertigtes Werk muß zwar nicht nur von dem han: 
deln, was in diefem Gapitel vorgekommen, fon 
dernauch vondem, wovon zu reden wir ung noch 
vorgefegt haben; aber man kann aus dem bisher 
gefagten fehon das Urtheil einigermaffen fällen, ob 
dergleichen Buchvorhanden, und ob der Fiteleineg 
Syſtems, mit welchem einige Bücher prangen, zu 
der Ausführung paffe oder nicht, davon ich etwas 
weniges hinzu füge, um die Erkenntniß der Bü: 
cher defto mehr zu befördern. Wie nundie Ver: 
mifchung des Linien= und Tjntervallenfyftems 
mit der Abhandlung, wovon wir hier reden, forg- 
fältig u vermeiden; fo fiehet man leicht, daß des 
Sauvent, Arbeit $.67 hierher gar nicht gehöre. 
Ob der S. 56 erwähnte Sticker mit feiner neuen 
Theorie hierher zu rechnen, Fann ich.nicht ſagen, 
weilich fie nicht gefehen. Kulers Werk ift oben 
auch bekannt worden (d). Ich will ohne langes 
Herumſchweifen von denjenigen noch viere nennen, 
welche diefer Materie wegen verdienen angemerkt 
zu werden; tworunter mir zwar der erfie nur in fo 
weit bekannt, als die letpziger gelehrten Zeitungen 
1729 im z 8ſten Stuͤck aus Paris davon gemeldet, 
die übrigen drey aber Eenne ich defto genauer. Es 
gehöret alfo zu dieſem vierfachen Kleeblat ı) Mon⸗ 
fine de Mos, ein Priefter im Gebiete der rt 
en 


ſeſe Abſiht; aber wieviel Mitler daran aus 
efunden, ſ. d. 55. 





Von der neuern Muſik. 245 


Genf, mit feiner Methode der Muſik nach eis 
nem neuen, febr Eurzen, febr leichten und 
richtigen Syfiem des Geſangs, fo von den Glie⸗ 
dern der £önigl. Akademie der Wiſſenſchaften und 
den gefchickteften Fonfünftlern zu Paris gut geheif? 
fen, und der Königinn zugeeignet worden (e). 

Eben diefe Zeitungen harten ſchon ı Fahr vor⸗ 
her (k) Deffen gedacht (g), und dabey angemerkt, 
daß ſchon viel Kritiken wider ſolch Syften heraus, 
welche der Verfaſſer auch beantwortet. Sie fegen 
darzu, daß er hoffe nächftens fein Syftem von der 
Muſik heraus zugeben, 


2) Der ſchon oft gemeldete Scheibe hat in fei- 
nem Eritifchen Muſikus verfprochen , dergleichen 
Syſtem der Welt vorzulegen. Man fehe nach 
deffen erftes Stück, welches 1737 heraus; und 
1739 legte er darzu den Grund inder obgedachten 
Abhandlung von mufitslifchen Intervallen 
und GBefchlechten, Aber es ift diefes Gebäude 
nicht in die Höhe geführet worden. Ja Mitzler 
fegt viel dabey aus in feiner Cenſur,  V.I, P. IV, 
©.55 der Bibliothek zu finden(h). Kurz davon 
zufommen, fohatder Urheber nach der Zeit nicht 

23 vor 











‚e) Der franzoͤſiſche Titel heißt: Methode de Mufique fe 
lon vn nouveau ſyftem de chant, tr&s- court, tres fa- 
cile, et tres-fur, approuve und fo fort, 

f) Im 53ſten Stüf, ©. sos. 

3) Dazu Paris heraus Fam: breviaire not& felon vnnou-. 
veau ſyſtem de chant tr&s-court, tres-facile, et très- 
fur; (uff wie zuvor.) ing. 

h) Siehe aber auch Schröters Benrtheilung im zten Bans 
deder Biblioth. und deren smentem Theile, © 217. 


246 Das 4.Capitel, 

EERTN ERÄREN Ri d 
borgutbefunden den Vorſchlag ins Werk zu rich 
ten. | 

3) Dieſem ſetzen wir an die Seite den über fol: 
chen Kritifus Eritifivrenden Mitzler. Denn die: 
fer Heißige Mann verfpricht im angezogenen 4ten 
Theile des erſten Bandes fich dergleichen Arbeit zu 
unterziehen, und zwar nicht aus allen Büchern, 
wie Scheibe thun wollen, fondern durch eigenes 
Nachdenken. Aber er hat bis ietzo meines Wiſ⸗ 
ſens ſein Verſprechen noch nicht erfuͤllet; wie er 
denn gleich damals 10 Jahr Zeit ſich zu ſolcher 
Sache ausgedungen, auch wohl noch mehr, wenn 
er etwa nur in den Nebenſtunden daran arbeiten 
‚müßte. Zweifels ohne wegen der Wichtigkeit fol 
ches Vorhabens. — 

4) Die Zahl der Blaͤtter der vorgenannten 
Blume mag voll machen P. C. Humanus; denn 
fo nennt ſich der Verfaſſer des $. 22 angeführten 
Buchs: muſicus theoretico - pralticus; und hierz 
her gehört infonderheit dererfte Theil, in welchem 
anzutreffen die demonftrativifche Theorie der 
Muſik, aufibre wahre Drincipia gebauet (i). 
Er fest Erklärungen, Grundfäge, Lehrſaͤtze, Zu: 
fügen. ff. nach der Gewohnheit der Meßkuͤnſtler, 
führt aber dabey verfchiedene neue Kunſtwoͤrter ein, 
und wer das ‘Buch nichtvon vorne an im Zufam: 

| en lieſet, wird eshinten nicht wohl verftes 


ben (K).. 

| | Das 

i De ae Theil gehoͤret unten Hin in unfere praktiſchen Ca⸗ 
pitel. 

K) Diefe Schriſt iſt werth, daß man fie mit Verſtande leſe, 


das iſt, wahlüberlege. Vom Verfaſſer habe ic) Feine 
Nachlicht erhalten koͤnnen. 


Dr 2 


Vondenmufikslifchen Rechnungen. 247 
Das fünfte Capitel. 


Bon den muſikaliſchen Rech— 
nungen. 


§. 71 Was hier eigentlich zu berechnen ſey? 6.72 Vom 
Einfaiter; 8.73:74 von den Verhaͤltniſſen überhaupt; 
F. 75 von den Verhaͤltniſſen ver Intervallen; g. 76 wie 
man harmoniſche Proportionalzahlen mache? $. 77 wie 
die Mittelzahl zu finden ? 9.78 zu zwoen Die dritte, 9.79 
zu drepen die vierte; 9. go von der Addition; $. gr 
Subtraction; $. 52 Multiplication und Divifion ; 6. 83 
Aequiparation; $. 84 Copulation ; 6(. 85 die hierherges 
hörigen Schriften ; $. 86 von der Berechnung der Diatd: 
nifchen Scale; 9.87 derfontonifhen; $. 28 was vor 
Fehler durch die Temperatur einzutheilen? H. 89 die 
Scale alter 12 halben Tone; $. go von enharmunifchen 
Taſten des Claviers; $. 91 von der ungleichen und glei: 
den Temperatur; 9.92 Neidhardts Scale zur gleichen 
Temperatur; $.93 wie die Intervallen ſchweben ? 9.94 
vom Stimmen; $. 95 von Neidhardts zweytem Tractat; 
5.96 vom dritten; $. 97 Telemanns Einrichtung ; $. 
98 Sildermanns Temperatur; $.99 Schröters; $. 
100 des Pythagoras; $. 101 Breitfelds Bemühungen; 
&, 102, 103 ein doppelter Nutzen der Temperatur. 











GR 
I" Lehre wird auch die Kanonik (canonica) 


genennet, wovon im h. 72 die Urſache folgt ; 

fie iſt ſehr nöthig, weil ohne diefelbige Fein 
muſikaliſch Bud, aud nicht einmal das bisher 
gefagte, verftanden wird, 


Man hat angemerkt, daß eine Pfeife oder Sai⸗ 
te einen höhern oder tieferen Klang hören laffe, nad): 
dem ſolche kuͤrzer oder länger ift. Wenn nun fon 

Q4 derlich 


248 Das 5. Capitel, 
derlich bey gleich fcharf gefpanneten Saiten das 
Maß mit. dem Zirkel genommen, und der Unter: 
ſchied der Länge, mie auch deren Berhältniß in 
Zahlen ausgedruckt worden ; fo ift daraus die mu- 
ſikaliſche Rechnungentſtanden (a). Wenn in man- 
chen Abhandlungen gedacht wird des Schnurrens, 
der Bebungen, Vibrationen u. ſ. f. (b), ſo iſt es 
in der Hauptſache gleich viel. Nehmlich eine ge: 
ſpannete Saite, wenn fie angefchlagen wird, 
ſchlaͤgt zu beyden Seiten, fo lange der Klang wäh: 
vet, die laͤngere langſamer, die Fürzere geſchwin— 
der, nur daß die Zahlen ſich hier verkehren. Denn 
wenn zum Exempel C zu nach der Laͤnge ſich ver⸗ 
haͤlt wie Fuß zu ı Ruß, oder überhaupt wie 2 zu 
1, fo mird bey dem Schnurren die gröffere Zahl 
2 der Eleinern Saite zufommen ‚ die Eleinere Zahl ı 
der gröffern, weil die Eleinere doppelt fo viel Be: 
bungen hat in gleicher Zeit, als die längere —8 

ie 








a) Man findet in den alten Rechenbuͤchern mehr davon, als 
in den neuen, meil die alten Mathematiker der Muſik 
mehr kundig waren, Diefe Rechnungen betreffen entweder 
die Berhältniffe der Intervallen felbft, oder deren Anwen 
dung auf Die Berechnung der Temperaturen, Ich zeige ı) 
die Art mit den Verhältniffen recht umzugehen; 2) her: 
nach nenne ich einige, foden Proceß befchrerben; 3) fulgt 
die Berechnung der Temperatur ſelbſt, wie auchder Rus 
gen derjelbigen. 

b) Daslateinifche , oder vielmehr griechiſche Wort diadro- 
miifiebendas, vondı@ per und TeEX@ curro, 

e) Wer inder Bewegungskunſt (Mechaniea) die Lehre vom 
Perpendikel (pendulo) wohl inne hat, wird aus diefen, 
Dingen keine boͤhmiſche Doͤrfer machen, Die gefpannete 
Saite ſtellt ein doppelt Prndulum vor, wis ein Balken, fo 

am 


Von den mufitslifchen Rechnungen. 249 





Ehe TITEL ETTE NT LEWT  EEREEE 
Die Höhe des Klanges rührt nicht her von der groͤſ⸗ 
fern oder Eleinern Entfernung der Saite vom Ruhe⸗ 
punctein dem Schnurten, als welche Anfangs groͤſ⸗ 
ferift, nachher Eleiner ; fondern von der Geſchwin⸗ 
digkeit der Vibrationen, melde vom Anfang bis 
zu Ende gleich find (ad). Was aber hierbey die 
Stärke des Anfchlags verändern koͤnne, ift mir 
nicht unbekannt; aber um bey der vorgefegten Kür: 
se zu bleiben, überlaffe ich das. übrige den Derfu: 
chen des Lefers. 


de | 

Was fonft ein Monochord, monochordum, 
monochordium, canon harmonicus „ helicon und 
Sibel, (Sibelbret) hieß, wollen die Liebhaber der 
gereinigten deutfchen Sprache Kinfsiter nennen, 
weil das griechiſche Wort eine Saite anzeigt. 
Esift diefe Mafchine mit einer, oder ummehrerer 
Bequemlichkeit willen mit mehrern Satten bejoge- 
nes Inſtrument 2 oder mehr Fuß lang (e), (von ei: 
DS nem 


anbeyden Enden auf Wanden liegt. " So wird es auch be: 
griffen, wenn an das cine Ende der Saite ein hinläng- 
lich Gewichte angehängt würde, an ſtatt des Spannens, 

d) Es iſt klar ausder Bewegung des Perpendikels. 

e) Vier Schuhe lang find es die beiten. Sorge machtſie 2 
Sch. lang mit einem Futteral zum Berkauf, Dag Wort 
Fibelbret findet man im Orcheſtre IL, ©.303, Dom 
Helikon mit 9 Saiten ſ. Walther: ker. aus dem Coͤlius 
Rhodiginus; ebendiefer hat aus Kircherg Mufurgie die 
Structur des Monochords mit eingeruͤckt; das Wort ift 
DON wnövog , 7, ov Kins, und Yogdn eine Saite zu— 
ſammen geſetzt. Caroz iftauch griechiſch, und heißt eine 
Regel, nach welcher die Berrichtungen in der Harmonik 
ſich richten muͤſſen. | 


250 Das 5. Capitel, 
nem Stege zum andern gerechnet ) mit &iufern 
oder beiweglichen Stegen verfehen, um darauf die 
verſchiedene Saitenlänge nach der verfchiedenen 
Höhe und Fiefe derer Klänge abzumefjen (£). 


ne 

Die Vergleichung zwoer Zahlen gegen einans 

der heißt die Ration, (ratio) oder Verhaͤltniß (8), 
welche entiweder arithmetiſch ift, wenn man durch 
die Abziehung (Subtraction) der einen von deran: 
dern den Unterfchied (die Differenz) findet; als: 
3 tum Eleiner, als 5; oder geometrifch, wenn 
man den Duotienten betrachtet, d. i. wenn man 
durch) die Fheilung (Divifion) finder, mie vielmal 
die eine Gröffe in der andern enthalten ſey; als: 3 
ſteckt in 12 mal. Der Quotient heißt der Na⸗— 
meder erhaͤltniß ‚ (nomen rationis, exponens 
rationis) oder der Exponente. Betrachter man 
zwo Verhaͤltniſſe gegen einander, fo 5 es 
ro⸗ 


f) Wenn von einem Stege bis zum andern ſollen 4 Schuhe 
ſeyn, muß freylich das Käfigen etwas länger werden; 
oben wird es mit Deckenholz belegt, daß es beffer Elinge ; 
die Höhe kann ein paar Zoll halten, die Breite vichter ſich 

- nach der Anzahl der Saiten. 4 Saiten fcheinen mir am 
bequemſten. Die Läufer find bewegliche Stege, unten 
breit, oben fcharf, 

ge) Was wir bier Derhäleniß nennen , hatte Prinz im 

“ Prodromo Proportiongenennet, deswegen ihn Dig; 
ler tadelt V.L,P.I, Siehe auch Sorgens Anweifung zur 
Stimmung, S.s, wo er den Gebrauch doch mit paßiren 
läßt, wenn man das Wort Proportionalitaͤt mit bey— 
behält vor die Gleichförmigkeit der Berhaltniffe. Fur 

wird eben deswegen corrigire in Mitzlers Anmerkungen 
C. je } 


Von den mufikelifchen Rechnungen. 251 











Proportio, odereine Aehnlichkeit; welche ent- 
weder arithmetiſch iſt, als: wie 2 zus, fo 6 zu9; 
oder ohne orte: 2563 (h); oder geome⸗ 
triſch; als: wie 2 zu 6, ſo 3 zu 9; oder durch 
Zeichen alſo: 2 :6=3:9. das iſt: fo vielmal die 
2 in der 6 enthalten; fo vielmal ift auch die 3 in 
der 9 enthalten, oder harmoniſch, wenn bey drey 
Groͤſſen, (al83,4,6) oder vieren (al83,4,6,9) 
die erſte Gröffe ſich zu der legten Groͤſſe verhält, wie 
derUnterſchied der erſten beyden, zumUnterſchiede der 
letztern beyden (i). Was ferner eine arithmeti⸗ 
ſche, geometriſche und harmoniſche Drogref: 
ſion (Fortſchreitung) ſey, und was man dabey 
vor Kunſtwoͤrter oder Rechnungen im Gebrauch 
habe, muß man in mathematiſchen Büchern nach: 
fehlagen (K). 


§. 74. 


h) Das iſt: um wie viel die 2 Eleinerift, als 5; um fo viel 
iſt die 6 kleiner, als 9; und umgekehrt: um wie viel Die 
mehr halt als die 2; um fo viel halt die 9 mehr als 

—2 


i) Bey 3 Zahlen iftesalfo : 3 von 4 bleibt 1; 4 von 6 bleibt 
2. Wie nun jene win dieſer amalenthalten ; fo ift die erfte 
Groͤſſe 3 in derdritten 6 auch zweymal enthalten. Bey vier 
Groͤſſen iſts alſo: 3 von 4 bleibt 1; 6von 9 bleibt; mie 
nun Die erſte Differenz x in der andern 3 dreymal enthal: 
ten ; alfo ift auch der erfie Terminus (die erfie Groͤſſe) 
A ig vierten, (in der aten Gröffe) 9 dreymal eut—⸗ 

alten. 

k, Die harmoniſche Proportion tractirt Wolf mit in der 
Algebra, Wenn einige, ald Hemeling, in der ſelbſtleh— 
renden Rechenſchule ©. 428 alles deutſch geben ; fo beißt 
die arithmetifche die vechnende, die geometriſche, Die 
meffende Fortſchreitung. Und S. 475 (meiner Ausgabe 

von 


252 Das 5. Capitel, 
EEE nun nn 


$. 74. 

Die Verhaͤltniß (ratio) iſt entweder gleich, 
(aequalitatis) als 1 gegenı, 2 gegen 2, weiche 
dem Einklange eigen ift; oder ungleich (inzequali- 
zatis) als mzu z. Bey der Verbältnif ver gröſ— 
ſern Ungleichheit (ratione maioris inaequalitatis) 
betrachtet man diegröffere Gröffe gegen die Eleinere; 
bey der Verhaͤltniß der Eleinern Ungleichheit 
(ratione minoris inaequalitatis,) ifts umgekehrt. 
Dep jener faffer die aröffere die Kleinere genau zwey, 
drey oder mehrmal in fich ohne Reſt, alfo heißt fie 
eine doppelte, drey-und mehrfache Nation; (ratio 
maiorisinaequalitatis dupla, tripla u.f.f.) bey dies 
fer ſteckt die kleinere zwey, drey, oder mehrmal in 
der groͤſſern ohne Reſt, und man ſetzet ud darzu, 
fubdupla, fubtripla, u.f.w. Diefeheiffer auch die 
vielfsche oder reine Werhaͤltniß. (multiplex.) 
Wenn ı übrig bleibt, fo ifts die übertbeilige Ver: 
haͤltniß, (proportio [uperparticularis 7 wobey dag 
Wort fesgui gebraucht wird; als 6 zu s heißt 
proportio fesquiquinta, d.i. 5 ftecft in 6 einmal, 
und 3 bleibe übrig; fo auch 3 ift zu 2 proportio 
fuperparticularis fesquialtera, und wenn die Eleine- 
re voran jteht, fest man fub; als 2: 3 ift pro- 
portio fubfuperparticularis fublesquialtera, Wenn 
nach der Fheilung mehr übrig bleibt , als ı, fo heiſ⸗ 
fet es die übertheilende Verhaͤltniß, ( proportio 
fuperpartiens) als g zu 5 heiffet proportio fuper- 
partiens tresquintas, (fc. partes) oder fupertripar- 
‚tiens quintas, Dieſe Lehre ift auch ug 
* rauch⸗ 


von 1692) hat er auch die harmoniſche Progreßion. 
Siehe auch Scheßlers arithmetiſchen Haupiſchluͤſſel. 


Von den mufitälfchen Rechnungen. 253 





brauchbar bey den Bruchzahlen der Tactesarten 
§. 60 (0). eg | 


ER —— 

Man ſchreibt dem Pythagoras die Erfindung 

der Verhaͤltniſſe einiger Intervallen (Stimmwei— 
ten) zu, bey Gelegenheit der Schmiedehaͤmmer, 
als er von ohngefähr deren Wohlklang vernom⸗ 
men, und die Sache nach dem ferner unterfucht 
(m); nach der Zeit hat man der Sache weiter nach- 
gedacht, und gefunden, dab die Dita gegen din 
Grundton deffen Helfte halte in der Langeder Satz 
ten; oder es durch Zahlen vorzuftellen : fie verhalte 
ſich gegen ihn wie 1 — 2; die groffe Quinte wie 
2 3 die ordentliche Quarte wie 3 — 43 die 
groffe Zerz wie 4 — 5; Die Eleine Terz ig; 
Kick — 


Br 


1) Sauremberg hat fidh viel Mühe gegeben in ſolchen Leh⸗ 
ven,in infiitutionib, arithmet. und erſt in vorigem Jahre 
‚ob. Paul Röder, in der erläuterten Arithmetif, zu 
Ruͤrnberg in 8, 1 undein halb Alph. Sonderlich der 
ſatyr. Compon. Th. 2, C. 3. Doch was habe ich noͤ⸗ 
thig diejenigen hier zun ennen, welche $, 85 vorkommen 
ſollen⸗ 
m) Siehe von der Hiſtorie der Schmiedeknechte unter viel 
andern Prinz. Hifor. der Muſik €. s, $. 30, nebft denen. 
dabey bemerkten Schwierigkeiten. YIeidbardet macht 
auch Einwuͤrfe im erfien Tractate; und nody mehr Me— 
ckenheuſer in dem Tr. welcher $. 85 anzuführen ©. 10. 
Mattheſon meynet in ver Vorbereitung zur Organ. 
Probe , es koͤnne die Sacheauf Jubal gedeutet werden, 
pder gar eine Fabel feyn, nach Hrcheſtr. I, P. I, C. I, 
Le&, III; und Ordefiv. TIL DI, C, 1, fagter K. 5r, es 
habe Thubal die Proportionen erfunden, nicht der Am— 
bos. Doch kann man mit dieſen Nachrichten vergleichen, 
was vom Pythagoras $. 100 geſagt wird. 


84 Das * Capitel. 
— —— nn 


g — 6; die groſſe Sexte wie 3 — ec: die Eleine 
Serte mies —8; die Feine Seprimensie 4 
die groffe Septime wie 8 — 135 die eine Gattung 
Der groffen Secunde, der groffe Ton genannt (to- 
aus malor) wieg — 9; die zwote Gattung der 
grofien Secunde, der Eleine Son genannt (tonus 
minor) wie9— 105 der groffe halbe Son ( hemi- 
tonium maius) pie 15 — 16; der kleine halbe Son 
(hemiton, min.) wie 24— 25; (in melchen bey: 
den Gattungen die Eleine Secunde zu fchen:) die 
Eleine Duinte wie 45 —64 5 die groffe Quarte wie 
32—45 (n), 


Die erſte Zahleiner jeden Verhaͤltniß heiſſet die 
vorgehende, (das anteredens) die andere die fol: 
gende. (das confeguens) Die gröffere Zahl jeis 
get , in wie viel Theile die ganze Saite deg Einfai- 
ters getheilet worden; die Eleinere bemerkt, mie 
viel man folcher Theile nehmen müffe, wenn der ver: 
langte höhere Klang erfolgen folle. Als: bey der 
Quinte foll dieganze Saite in 3 gleiche Theile ge» 
theilt werden; wenn diefängevon 2 Stücken ge: 
hört wird, gegen die Länge von allen 3 Stücken, fo 
laͤßt jene die reine Duinte hörenzu dieſer. So iſts 
auch mit der Abtheilung der Pfeifen. An ſtatt des 
groſſen Tons (8 — 9) hat ein Heyde, Didymus, 
den Eleinern (9 —ı0) aneiniaen Orten angenom: 
men, aus hernach folgenden Urfachen, welches die 
erſte Temperatur heiffen kann (o). 





. $. 76: 
2) In folgenden $$ findet man noch mehr Verhaͤltniſſe, als 

vom imma, Comma, Schigma n. If. | 
Die Erfindung war wichtig; denn in den vorigen 2* 
a 


Von den mufitslifchen Rechnungen. 255 














| $. 76 

Etwas von folhen Rechnungen zu miffen, ſo 
fernet man barmeonifche Proportionalzahlen 
machen, auf folgende Art: Man nimmt 3 Zahlen 
(terminos) der arithmetiſchen Fortfchreitung, mul⸗ 
tipliciret die erfte mitder andern, die erſte auch noch 
mit der dritten, und die andere mit der dritten. 
So wird aus 1, 2, 3 diefeharmonifihe Folge: 2, 
3, 6 (p); aus 3, 7, ıı entſtehen 21,33, 77 (q). 


$. 77. z 

Smifchen zwoen Zahlen wird die arichmetifche 
Mittelzahl, oder dassrichmetifche Mittel (me- 
dium arithmeticum) gefunden, wenn man fie bey⸗ 
de zufammenthut, und alsdenn die Summe durch 
2 theilet. Als zu 4 und s iſt das arichmetifche 

Mittels. | a 
Das, 


hat man deswegen die groffe Terz vor eine Diffonanz ge: 
halten und nicht brauchen koͤnnen, meil fie zu groß war, ſ. 
Praͤtor. Synt. T. IL, ©. 101. Didymys von Alerans 
dria hieß XaArev]eeos, d. i. mit dem eifernen Einges 
weide, weil er fiets ſtudiret, und foll3500 bis 4000 Buͤ⸗ 
her gefchrieben Haben, 38 Jahr vor Ehrifti Gebuhrt. 
Prinz will diefe Erfindung dem Zarlin beylegen , wors 
über Neidhardt ungedultig ift in feiner erfien Sempe⸗ 
ratur, 

p) 2 und 3 haben ı zur Differenz; 3 und 6 haben 3 zur Differ 
renz; jene 1 fteckt indiefer 3 z zmal; und die erfte Zahl a 
iſt in der dritten 6 auch zmal enthalten, Das ift die riche 
tige Probe nach $. 73. 

4) Die erſte Differenz zwifchen ar. und 33 ift 125 die andere 
zwiſchen 33 und 77 iſt 44; gleichwie nun ı2 in 44 enthäls 
ten iſt 3 und a drittelmal: fo ift auchauin 72 eben fü a 

| ma 


256 Das 5. Capitel. 











Das geometrifche Mittel ( medium geometri- 
cum ) findet man, wenn man beyde Zahlen zufam- 
men multipliciret, und aus dem Product die Dua: 
dratwurzel ziehet. So waͤr zwiſchen und 9 dag 
geometrifihe Mittel 6 (r). Wer endlich zwifchen 
» Zahlen die barmonifche Mittelzahl (medium 
harmonicum) finden will, beliebe die zwo gegebene 
Zahlen mit einander zu multipficiven, das Product: 
zu verdoppeln, und dasjenige, was Fommt, zu 
dividiren durch die Summe der beyden gegebenen 
Groͤſſen. Alfo wär zu 10 und 40 dag barmonifche 
Mittel 16 (5). Man nennt es auch die Media— 
tion ; und mitderZeitmuß man auch viele, ja —— 

| | end» 


mal enthalten. Wer nur ein wenig rechnen kann, wird ſich 
leicht finden; wem die Zahlen aber ganz unbekannt, muß 
fie vorher lernen; anders ift ihm nicht zu helfen. 
x). 4mal gift 365 deſſen Wurzel iſt 6; undin der Gift 4 an⸗ 
derthalbmal enthalten, mie die 6 in der g, welches die 
Probe iſt nach $. 73. * 
s Die Probe macht man, wie 9. 73 zu ſehen; denn'ro von 
16 bleibt 6 zur Differenz, 16 von 40 aber 24; in 24 iſt die 
Senthalten 4mal , wiediero in 40. Rircher macht es 
‚anders, Die Differenz der beyden gegebenen Zahlen (wie 
‚hier 30.) multiplieirt er mit der Eleinern ; C hier mit 1o ) 
was kommt (z00) dividirt er durch die Summe der gegebes 
nen Zahlen ; (so in zoo habe ich 6) zum Quotienten (6) 
addirt er die Eleinfle Zahl, (10 zu 6 thut 16) Diefer Art 
„gebt in. der Nichtigkeit nichts abz aber die obere Negel 
ſchreibt die Algebra vor. Als: es werde die erfte Groͤſſe 
(10) agenennet, Die andere gegebene b, die mittlere als 
unbefannt x, foiftnahs.73 x—a zu b—x wir a jub, 
Es ii hier x —a die Differenz der erſtern und der Mittels 
zahl; br die Differenz der mittlern und dritten, ſieht 
demnach alſo: Sa, 


“ 


Von den mufitalifchen Rechnungen. 257 





endliche arithmetiſche und geometriſche Mittelzah—⸗ 
len ſuchen lernen, wie aus Neidhardts anderm 
LTr. erhellet. Dieſes Suchen der Mittelzahl nen⸗ 

| * nen 


z—ıa,b—xmza:b 





Ba Las nei 
a > ge ab oder 








| bta an 


„Damit es Fein Raͤzel fcheitte , ſo Jade ich kurz, was Alles 
geſchehen muͤſſen, um die. Gleichheit zu. schalten, Wenn 
die bepden aͤuſſerſten Säge der erſten inie mit einander 
multiplicive find, geſchichet ein ‚gleiches mit den beyden 
mittlern, ſo erſcheinet die zwote Vorſtellung. Wenn ab 
„auf beyden Seiten zugeth an wird, hat man die dritte Vor— 
ſtellung; kommt ax auf beyden Seiten darzu, ſo haben 
wir Die vierte Stellung; die Fünfte iſt noch die vorige, nur 
etwas verſetzt; Wenn man endlich auf beyden Seiten divis 
dirt durch b-F a, fo zeige fich ver Werth von x oder der Mit 
telzahl auf der rechten Seite, Zur Uebnng fuche man das. 
„harmonische Meittel zwifchen € 4 Fuß, ud e 2 Fuß. 
Wenn 2 und 2 Drittelfuß herans Formen vor dieTeine 
Quinte, ſo iſt vecht gerechnet worden. Welches wird 
ferner die harm. Mittelzahl ſeyn zwiſchen EA Fuß und der 
gedachten Quinte 23 Fuß Die Rechnung witd erleche 
tert, wenn man die Bruͤche wegbringt; alſo multipli⸗ 
Irt beyde Groͤſſen durchden Nen-rz, ſo hat manı2g. 

Naun verfahre man, wie —J— und es wird 
14 LK 


258 Das 5. Lapitel. 








nen andere die Theilung, mie Sorge in der ra⸗ 
tional Rechnung ©. 118 (v). * 


8.78. 

Man lernet zu zwoen Groͤſſen die dritte har⸗ 
monifche Groͤſſe finden, aufs oder abfteigend. 
Nach der Algebra kommt die Regel alfo (u): muls 
tiplicirt die beyden gegebenen Zahlen mit einander, 
das Product dividirt durch die erſte Zahl doppelt 
genommen, wenn man von dem doppelten erft die 

| an⸗ 


ſich das harmon. Mittel 92 zeigen. Oder ſchafft den 
Bruch auf gleiche Art weg, wenn ihr durch 5 alle dre 
Sroͤſſen multiplicirt, ſo habt ihr 60, 48, 40. Wer it 
fen will, was diefe Zahlen in ſich aflen, der radicire oder 
Fleinere fie, «in den Rechenbuͤchern bey den Bruͤchen 
heißt es das Abbreviiren, und iſt eben diefes; ſo kommen 
an ſtatt 60 — 48 die kleinſten Zahlen 5 — 4, und an ſtatt 
48 — 40 hat man 6 -5. gilſo bringt dieſe Mediation 
eine groſſe und kleine Terz hervor, aus welchen die Duinte 
beſteht. Noch ein Exempel. Welches it das harın. 
RMitlei zwiſchen s ⸗ 4 Antwort 40; oder welches gleich: 
viel: Die groffe Terz läffer ſich barmonifch theilen 
in den groffen und kleinen Ton, 9 — 8 und 10 — 9 
Manverfuche es. Ya 
©) Unter andern theilet er S. 120 den groſſen Ton 8—9 in 
2 <heile, 16 — 17 und 17 — 18, ſo muß es fommen, wenn 
es harmonifch fenn foll ; und aus 9 — 10 entfiehenzg — 19 
und 19 — 20, oder fo gezeichnet 18:19 und 19:20. Er 
- hält folche Theile vor unbrauchbar ; aber Schröter V. 
Jr, P.IH der migler. Bibl, nennt eben. diefelbigen uns 
perwerflich, ob es ſchon mas neues; fie gaben die Mittels 
firaffe zwiſchen dem groffen und Heinen halben Ton. (zwi⸗ 
ſchen 15 16 umd War. | 
u). Er fey die erfie Gröffe — 2. Die zwote — b, folalich 
nah. 73 wie die Differenz Dit erſten und andern (7b 





Von den mufikelifchen Rechnungen. 2590 








andere abgezogen. So iſt zu 10 und ı6 die dritte 
harmoniſche proportional Zahl 40 im Aufſteigen; 
und zu 40 und 10 kommt die dritte ro im Abfteigen 
(w). Durch diefe Rechnung kann man die vori⸗ 
ge probiren, und durch die vorige die gegenmärtis - 
ae. Bisweilen laͤſſet fich Eeine dritte barmonifche 
Zahlfinden (x), re. na yge: 
— 679 
— 2) zur Differenz der andern und dritten (x ——b); 
allſo die erfte Gröffe a zur drittenz, 


b—-ı: xs— bza:x 





ph bx—ax = ar— ab; add. ax 


br 2ax—ab; add. ab h — * 











EEE nn EEE 
/ bx } ab = 2 ax; ſubtr. bx 
/ ab— 2 ax — bx; ver 


ab=(22—b)x; div, durch 2 a —b 


re 





ab | 


linfer Hand findet fi) die gedachte Regel. 

w) Bey dem Abfteigen darf nur a die gröffere bedeuten (40), 
bie Fleinere (16), fo gibt eben Diefe Regel 10 zur dritten 
kleinern. | 

3) Ausdem vorigen fichet man, daß, wenn die andere zwey⸗ 
oder mehrmal fo groß, als die erfie, die Abzichung des b 
von a nicht gefchehen Fonne, alfo auch unmöglich ſey zu die 
pidiren, folglich kommt Feine drifte heraus. Als zu z und 
8 findet man nichts; dennder Theiler foH die erfte doppelt, 
d.i. 6fepn, wenn g erftlih Davon genommen, welches 
nicht moglich ift, a 


2,60 Das s. Capitel. 


— —— —— nn ann — 








J 9798. 

Zu drey gegebenen Groͤſſen die vierte har⸗ 
moniſche zu finden (y), geſchiehet nad) der Vor⸗ 
fehrift der Algebra alſo: es wird die erfte mit der 
dritten multipliciet; das Product wird getheilet 
durch die erfte doppelt genommen , wenn man zii: 
vor von dem doppelten erſten die andere Groͤſſe ab- 
gezogen. Wenn alfo dieerfte Groͤſſe ift 6, die an⸗ 
dere, die dritte 12; fo wird 18 die vierte wer— 

den (2). | | 
6. 80 


5) Diefe Aufgabe Hat Rircher nicht. ; 
e) Die drey bekannten heiſſen a,b, e; dievinte—x ; folg⸗⸗ 
li nach $. 73 it die Differenz der erfien und andern 
== da, die Differ. der Dritten und vierten — x 6 
ſteht alſo Er 
| b=a:2— c=as:x multipl. 
— — — — — — 
be — ar ax — ac; addir ax 


— — — 
br 2 ax — ac; addir ac 





ee — 
bx yac= 2a; ſubtrah. bx 


ac — za br; oder 


ae ⸗ (na —b)z; div, dur 2a—b 








ac 





aa—b — 35 Diefe Gleichung ı 
gibt die vorige Regel. | 
Zu c, eyg 574,3 3 oder. ohne Bruch 157 12, 10 
wiirde anfgleiche Weife 8 z vor b bie vierte feyn, oder 
ohne Bruch finde 45, 36, 30, 25 Hr tr b, 


Dondenmufitslifchen Rechnungen. 261 


| $. 80. * 
Die Zuſammenſetzung harmoniſcher Pro⸗ 

portionen geht ganz ab von der ſonſt gewoͤhnlichen 
Zuſammenſetzung (Addition) der Bruͤche; hier 
iſt fie viel leichter, weil fie gleich iſt der Multipli— 
cation gemeiner Brüche, und man darf nur die 
geöfere Zahl. der einen Verhaͤltniß multipliciven 
mit der gröffern der andern, und ferner die Eleinere 
mit der Eleinern. Als: was kommt heraus, wenn 
zu der Quinte C, & die Duarte G, c gethan wird? 
Antwort: eine Octav E, c. Es fteht alſo: 

— ’! | 

34 


thut 6-12 =172. | 


Die groffen Produete verwechſelt man mit Eleinern, 
wegen der DeutlichEeit, nach den obgedachten Re 
geln der Kleinerung; alfo 6 gegen ı2 aufgehoben 
durch 6 bringt die Oetav ı — 2. (a) | 





+ $. 8 Is : 1 
Das harmoniſche Abziehen (Subtractio) 
iſt gleich der Theilung der gemeinen Bruͤche. Denn 
R 3 | man 


a) Die Zufammennehmung (Addition) iſt mehr eine Thei⸗ 
ung) fagt Mitzler zu Fuxens ı2ten Cap. des erften 
Bude. Denn dad Brüche mit Brüchen vervielfältiget 
weniger bringen mäffen, als fie felbft Halten, ift aus den 
gemeinen Rechnungsarten bekannt, Man kann aus 6.75 
allerhand Verhaͤltniſſe zur Uebung zuſammen fegen. Ja 
es hat Mitzler V. III,P. II, S. 335 nicht nur durch die 
Addition gefunden, daß Kulers Stufentabelle falſch, 
welche ev eingeruͤckt in ſeinem zenzumine, (wovon oben) 
C.2,8.30; In er hat ©. 340 ung eine andere geliefert 
alter möglichen Intervallen nad) ihrer natürlichen Ord— 
nung Hier hat fie nicht ‘Mas, 


262 Das g. Capitel. 





nm EEE - m 
man pflegt den Theiler umzukehren , damit deffen 
Nenner multipliciet werde mit des andern Bruchs 
Zehler, und defien Zehler mit des andern Bruchs 
Nenner. Man darf alfo hier nurdie gröffere Zahl 
der einen Berhältniß unter die Eleinere der andern 
fegen, undverfahren wiezuvor. Als: von der 
Octav foll eine Quinte abgezogen werden, mas 
bleibt übrig? 

I—_2 


es bleibt 3 — 4 eine Quarte. 
So erfcheinet des Didymus obgedachter Eleiner 
Ton, $. 75. wenn vonder groffen Terz (S 5 : 4) 
der gröffere Ton (9:8) abgezogen wird: 
ii | NNESENZ | 

40: 36=10:4. 

Und menn der Eleine Ton vom gröffern abgezogen 
wird, bleibt gr go, melches wir hinführo ein 
Komma, auch wohl ein fyntonifches Romma 
nennen werden: 





9:10 


se 81:80 comma fyntonum, 

Ein anderes Komma, nemlich dasditonifche, 
folgt weiter unten. 88. Telemanns Komma iſt 
wieder anders .97 (b). * 


») Einige pflegen su ſagen: der groſſe Ton bat 9 Rem 


. u 
Vonden muſikaliſchen Rechnungen. 263 





| 

4 ; ; 4 §. 82 

+ Die Multiplication (Vervielfältigung) ei⸗ 
ner Derbältniß durch gemeine Sahlen mird vers 
richtet wie die Yddition $. 80. Denn ſo viel Eins 
heiten in dergemeinen Zahlenthalten, mit welcher 

man multipliciren foll ;_fo vielmal wird die gegebene 
Verhaͤltniß zu ſich felbft gethan. Als: multiplicir 

die Quinte 3:2 mit 3; ſteht alſo: 





312 94 

212 ferner. a aba 
— tur’: 27 a8. 02, 
% R4— Eine 


der kleine s, welches aber unmöglich ein rechtes ſyn⸗ 
. "tonifches feyn Fann. Man verfuche es, und fee 
nach K. 80 zwey Komma zuſammen, zu deren Sum— 
me dag dritte, zu deren Summe das vierte, u. ſ. f. 
big deren. neune in einer Summe beylammen, folglich 
Auch achte; und wenn man die groffen Zahlen durch) 
das Aufheben (kleinern, radiciren, abbreviiren) mit kleinen 
vertauſcht, fo werden 938 und 10:9 nicht erſcheinen, 
welches doch ſeyn muͤßte, wenn das richtig waͤr, was 
Maier im Muſikſaal ©. 2, Sect. 1, 9. 14 ſchreibt: 
Komma iſt der gte Theil eines Tons; 9 Komma find cin 
"ganzer Ton; denn (9. i5) ein femiton, mai, hat 5, ein 
min, 4Romma, beyde macheneine volle Secunde; und 
9, 16. ”Tonus min, hats” u.f.f. Die Nechnung wird 
altes anders lehren. Werkmeiſters Hodegus tadelt 
ſolchen Vortrag, welchen aber Janowfa ©. 24 gelten 
laͤßt. Mattheſon im Orcheſtre III, C.4 des erſten Th. 
ſchreibt ausdruͤcklich wider Werkmeiſtern, daß man nicht 
unrecht thue, wenn man ſagt, ein groß Hemitonium halte 
5, ein kleines 4Komma,. Allein fo muß man dieſes Wort 
im allgemeinen Verſtande annehmen, vor einen jez 
‚denabgefchnittenen Theil, dadas Wort griehifch ift 
vom Perfect, pafl. des Worts xor]wo, ich fehneide ab; 


—— man mit mehrerm Rechte ſchreibt Komma, Als 
mma. | “39 





264 Das gr Capitel, 
— — — | 

Cine Zahl mit fich ſelbſt multiplicirt bringt ein 
Quadrat, diefes geſchiehet allhier, ſo oft man mit 
2 mültiplicren fol "Folglich, wenn das Foms 
mende Quadrat mit der erſten Berhältniß tie: 
derum zu multipliciren ift, fo muß der Cubus er—⸗ 
feinen, mit 4 folgt das Biquadrat, u. ſ.f. Eine 
andere Multiplication folgt $. 84. DieTheilung 
durch 2 muß demnach gefchehen durch Ausziehung 
der Quadratwurzel aus der obern und untern 
Zahl, durch 3 foll die Tubicwurzel ausgezogen 
werden, und fo ferner (ec)... In unfern folgenden 
Rechnungen kommt fie niemals vor (d). 

Die Dergleichung (zeguiparatio, aud) wohl 
comparasio) hält 2 Verhaͤltniſſe gegen ‚einander, 
und unterfucht durch das Abziehen der einen von der 
andern, ob fie beyde gleichviel halten, oder. um wie 
viel die eine von der andern übertroffen’ werde. Als 
wenn gefragt wird, ob 3 groffe Tertien 5: 4 (C; E, 
E: Gis, und Gis oder As: e) der Octav 2: 1 
e) Rircher gibt mehr Anweiſung L, III, S. 91,9%. 

d) Prinz infeinen Runſtuͤbun gen hat befoudere Aufga⸗ 
ben von der Theilung gewiffer Zahlen, daß die Theile ei: 
ne gewiſſe Verhaͤltniß vorftelfen, Als in der vierten von der 
groſſen Terz ſetzt er alſo: Kinevorgegebene Zabl (als 
336) in 2 Theile alfo zu theilen, daß die Theile eine 
einfache Terz 5 Hausmachen. Mit der Summe der 
Zahlen diefer Zer; Cs F y theile die gegebene Zahl, 
yder Quotient iſt 43 dieſe 14 multiplicire durch die s 
beſonders, und durch Die 4 beſonders; jenes bringt 70, die⸗ 
ſes 56 70 56 ſind = 126, und vermoͤge der Radica⸗ 
ion iſt 70 8 5:4 S. auch Mitzl. Bibl. V. I. P. 
WB, 463 und V. IIP.III, S. 57, allwo er ein glei⸗ 
ches thut mnit der Eleinen 6, wie er zuvor P. II, S. 200 mit 
der groſſen auch gethan. Siehe auch die Muſurgie L. IV; 
©, 181 und folgenden, | 





Von den muſikaliſchen Rechnungen. 265 
(Ex e) gleich; ſo dient zur Antwort: auf dem Cla⸗ 
vier find fie derſelben gleich, aber nicht nach der 
Rechnung. Mamthurfolhe 3 Tertien zufammen 
(nach $.80) und vergleicherdie Summe 125 — 
mie der Octav 2 — 1, das iſt, man ziehet eine von 
der andern ab, ($.87) ſo ſiehet man, ob einerley 
kommt, oder ob ein Unterſchied ſe;; 
125 : 64 

ıı 8 





bleibt 125 : 128. Hier if wohl zu 
merken, daß die vorgehende Zahl der 3 Fertien, 
125, gröffee war, als die folgende 645 wenn nun 
die Oetav 2:1 follte Eleiner feyn, daß fie Eönnte ab: 
gezogen werden, fo müßte im Nefte es auch alfo 
fepn, daßdie vorgebende Zahl gröffer wär, ale 
die folgende. Weil es aber hier andersiift, und 
125 Fleiner ald 128; ſo ift diefes das Merkmaal, 
daß die Octav groͤſſer fey, als 3 Quinten, um 
1252128, welche Verhaͤltniß hinführo | Diefis 
heiffen wird. t TOR 
Ferner, wenn gefragt wird, ob das Komma 
mehr fen als Diefis, oder dieſe mehr als jenes? fo 
fteht es alfo: | 
| | 88 81 
128426 


ug 06 510240 4201252 CB verkehrt 
fo abermal die Groͤſſe; ‚denn dievordere Zahl des 
Reſts iſt gröffer, als deſſen Hinterzahl, welches 
bey dem Komma, von weichem Dieſis abzuziehen 
war, ſich ganz anders befindet. Wenn der Reſt 
durch 5 gekleinert wird, fo hat man 2048: 2025; 

* R 5 mel: 





266 Das 5. Capitel, 
welches hinfuͤhro Diaſchisma zu nennen iſt, wo⸗ 
von Schisma zu unterſcheiden, wenn man dag 
Diaſchisma von dem Bommaabzieher, wodurch 
inan 32805 32768 erhält, | 
Wenn d:e iſt, wiero:y, und wennd: dis foll 
ſeyn, wie6: 15, ſo fragt ſich, ob die zwote Heff— 
teſolches Tons (dis: e) auch wird ſehn, "wie 
16:15? zn 

von 10 2 9 

jieheab ı5 : 16 — 


bleibt 150: 144 = 25:245 Wenn diefe 

Verhaͤltniß, fo nun das kleine Hemitonium heifs 
fen fol, verglichen wird mit 16: 15, ſo wird diefeg 
um eine Diefis 1287: 125 groͤſſer gefunden, als 
jenes hm RE INS 
Wenn e: diſt —9:8; hiervon vor c:cis abge 
zogen 25: 24, ſo fragt fi), ob der zweyte Theil 
eis: dwerde mehr, oder weniger, oder eben fo viel 
haltın, aldic:dis =25.:24? 8 
abgez. 24 225°. 

bleibt 216 : 200 oder: 


gekleinert 27:25; dieſes heißtin folgenden 
das groſſe Limma, welches nun mit 25: 24 zu ver» 
gleichen, damit die Groͤſſe des Unterſchieds bekannt 
werde. Aufgleiche Weiſe wird dag kleine Lim⸗ 
ma 135: 128 gefunden, wenn von 9 : 8 abgezogen 


| 8.84. 
e) Das Wort Limma iſt griechiſchen Urſprungs, vom er 


# 


mirdıe; 15, der groffe halbe Ton (e). 


Von den muſikaliſchen Rechnungen. 267 


$. 84. 

Die Copulation (Sufammenbindung) der 
WVerhaͤltniſſe heiſſet in Werkmeiſters Hodego und 
Sorgens Temperatur auch eine Multiplication. 
Bey jeder WVerhaͤltniß wird die Saite in andere 
Theile getheilet; hier aber foll ein allgemeiner 
Nenner folche Theile beftimmen, durch welche fich 
auch andere, ja alle Verhaͤltniſſe laſſen ausdru, 


cken. 
Als 


paſſ. des Worts Auro ich laſſe; auf deutſch heißt es 
ein Reſt, ein Ueberbleibſei. Noch iſt zu merken, daß in 
den Namen der kleinern Verhaͤltniſſen die Bücher nicht 
uͤberein reden. Wie denn Rircher dasjenige Diaſchis— 
ma nennt, was oben unſer ſyntoniſches Romma iſt, 
L.IV, S.178. Ernenntesdie Helfte des kleinen hal⸗ 
ben Tons, welches ſehr erbaulich klingt. Davon un— 
terſcheidet er auf der folgenden Seite das Komma, wel: 
ches wie das unſrige 81580. Jenem gibt er 162: 160. 
kiſumtenete! als wenn 162: 160 nicht mit z8o einer; 
ley waͤre; man kleinere jens durch 2, fo erſcheinet dieſes. 
Das klingt gar nicht mathematiſch. So hat Kircher auch 
ein ander Limma, eine andere Dieſin, eine Apotomen, 
und was des Krams mehr iſt. Mitzler ſcheint die an- 
geführte Stelle ver Mufurgie nicht geisten zu haben, wenn 
erden P. Spieß corrigirt inder Bibl. V, IIL,P, Iv, ©. 
759, weiler auch geſchrieben, dag Diaſchisma fey 162:150. 
Migler ſagt, es fey ein Druckfehler ;. aber Spieh hat 
nicht nur diefeß, fondern auch mehrere Sachen, aus Kir: 
chern genommen, wie der Augenschein lehret, und es 
nicht zuvor unterfücht, weil bey einem fo groffen Manne 
dergleichen Fehler nicht zu verimuthen. Aus der Abhand⸗ 
lung der Aequiparation fiehet mar, daß fie Feine neue 
Rechnungsart fey, weil bey jeder Subtraction folche Der: 
gleichung angeftellet wird, - Einige unterfcheiden die Com⸗ 
parstion von der Aequiparation; dielestere foll bey 
wirklich gleichen Gröffen ſeyn, jene aber bey ungleichen, 








268 . Das 5. Capitel, 


Als man copulire die Du inte mit der Duarte ; hier 


werden die beyden gröffernZahlen mit einander mul⸗ 
tipliciret, wie auch die beyden kleinern, als wenn 
man nach $. 80 addiren wollte, uͤberdieſes aber 
voird auch der einen Verhaͤltniß vordere Zahl mit 
ner Hinterzahlder andern Verhaͤltniß multipficire, 
und mas kommt, wird zwiſchen jene geſetzt als eine 
Mittelzahl. Esiftaberdiefes bisweilen das arith⸗ 
metiſche Mittel, bisweilen dag harmoniſche; 
Das erftereift es, wenn beyde Differenzen folcher 
3 Gröffen gleich find; das leßrere aber, wenn die 
erſte Differenz fo vielmal enthalten in der andern, 
als vielmal die erite Gröffe In der dritten enthalten; 
nach 9.73. : Demnad ftündeunfer Erempel alfo: 
I An 
und 3 


1277.86 '12:9:6 


Bey jener. Stellung wurde. multipficirt 3 mit 4, 
2 mitz,und 4mit 2; ſo Fam das harmoniſche Mit: 
tel 8, daß alſo die Octav beftund aus der Quinte 
E:$=12:8 = 3:2, und ausder Quarte G :c 
=8:6=4:2 Benyh der legten Stellung Fam 
das. arithmetifche Mittel 9, welche um 3 gröffer als 
6 und um eben fo viel Fleiner als 12; und dadurd) 
wurde die Octave E:c fo getheiler, daß die Quar⸗ 
teunten zufinden€®:S=ı12:9=4:3, die Quin⸗ 
teaber oben S:1=9:6=3:2,- Wo aber die cla- 
mes oder proportiones copulatae herrühren, wenn 
man mit mehrern zugleich zu thun hat, ja wenn eine 
ganze Scale ſoll copuliret werden, davon ſoll $. 86, 
87 und 89 einige Nachricht folgen. 











§. 85. 


Von den mufikelifchen Rechnungen. 269 
DER ni. 30" E 1 
| 85. 
Doch müffen wir auch einige derjenigen ordent: 
fich befannt machen, welche in ihren Schriften den 
Innhalt diefes fünften Eapitels berührt haben ; und 
mie vom Monochordauch diealten richtig fchreiben 
Eonnten; fo wird hingegen die Temperatur felbft 
nur in das ietzige und vorige Jahrhundert vorzüglich 
gehören. Nach dem Alphabet find es folgende: 
Aucilbert, oder Angilbert, oder Engelbert, 
ein Abt zu Trier, hat im Jahr 961 etwas vom Mo⸗ 
nochord gefchrieben (F). | 
Bartolus (Abrah.) hat 1614 zu Altenburg eine 
deutfche mathematiſche Muſik in länglicht 4. dru⸗ 





cken laſſen (g). — 
Berno 
f) Be zeiget an, wo man mehr Nachricht von ibm finden 
DANE, 


8) Etwas von ihm hat Walther, ein Bud) heißt fonft 
auch: Die Sefchreibung des Inftruments Mage: 
dis, oder Monochords, und hält 174 Seiten. Das. 
von mir gelefene Eremplar hatte Feinen Anfang; doch 
habe ich fo viel daraus gemerkt, daß er 3 Theile gemacht. 
Im erſten vertieft er fich in die Aehnlichkeit der Klänge mie 
den Planeten, Wer an folchen Aftronomifchen Einfällen 
Fein Vergnügen findet, der Ichlage es vorbey, und merfe 
nur von Seiter26, daß die alten das Monochord auch 
Magas, das iſt, eine halbe Rugel, genennet haben, 
u. ſ. f. Im andern Theil von S. 128 big 160 hat er die 

Ausmeſſungen and Rechnungen. Man findet allda vers 
ſchiedene ietzo nicht viel gewöhnliche Ramen. Alſo ift be- 
miolitis eine Quinte; epizrizus eine Duarte; die hals 
ben Tone nennt er apozromias (Abſchnitte) u. ſ. w. Der 
dritte Theil handelt vom Gebrauche ſoicher Proportio⸗ 


nen. Seiner Einfalle haben mir rg 
— h ir oben gedacht $, 44 


2709 Dass, [opitel, 








Berno oder Bernhard, ein Mönch, fo 10. 
geftorben, hat nicht nur einige De ee 
demufica fine tonis ;_ fondern auch ein anders de 
menfuramonochordi. Er war ein Abt zu Meiches 
nau(h). 

Brucäus, (Heinr.) gebohren ı53 1 inSlandern, 
geftorben 1593 zu Roſtock als Prof. der Medicin 
und Mathematik, fehriebin 4 muficam mathemati- 
cam (i). 

Sümler, Georg. Heinr.) Rapellmeifter zu An⸗ 
ſpach, fund d. 2 unter den Gliedern der Societaͤt 
der muſikaliſchen Wiſſenſchaft. Erverfprad) Mat: 
ehefon eine Temperatur 1722, welche er ſchon 19 
Jahr vorher berechnethabe, ſ. die criticam muficam 
T,LP,LS.ıı. Erſchickte ſie auch an ihn, und 
Mattheſon ruͤckte ſie ein am angefuͤhrten Orte S. 
52. Buͤmler nennet ſie weit vollkommener, als die 
neidhardtiſche, worüber Neidhardt unwillig wur⸗ 
deck). Sie heiſſet auch die Henflingiſche Tem⸗ 

| | | pero: 


h) Walther bat viel von ihm; und da Geöner nur von⸗ 
Sractaten weis, fo hut Walther den zten darzu: de in- 
‚Arumentis mufseis ; wo wicht dag erſte und zte einerley, wie 
Dez vermuthet, | ! 

i) S. Walth. 

S. ꝛs der Sedtionis canon, harmoniei; Die Antwort 

"Matthefonsfuche im zten Bande der crit. muf. ©. 234. 
Es —9* nehmlich Buͤmler von der neidhardtiſchen Tem— 
peratur, daß er ſie noch nie unter den Haͤnden gehabt. 
Der Königsberger haͤlt ſich hierüber auf, daß er fie ver 
achte, und doch nie gefehen, Mattheſon erflart Buͤm— 
jers Rede nicht vom Sehen, fondern vom Finden aufden 
Inſtrumenten, als wirklich angebracht. Es iſt alſo 
fein bümlerifches Buch von folcher Temperatur * 

n⸗ 


Von den mufitalifchen Rechnungen, 27r 








peratur, weil Hofrath Henfling foiche vor Buͤm⸗ 
fern berechnet in einem Briefe, von welchen $. 67 
geſagt ()). | | 
Bulyovſzki de Dulics, (WNich.) ein ungarifcher 
Edelmann, ein frommer Theologus, vortrefflicher 
Surift, fubtiler Philoſoph, finnreicher Poet, und 
braver inftrumental Mufikus, war erſt Rector im 
Hohenlohiſchen, hernach zu Stuttgard, und zu: 
legt am durlachifcehen Gymnaſio; doch hat erauch 
nachdem Baden-Durlachifcher Kirchenrath , mie 
auch Prof. der Philofophie und Prorector geheifz 
fen. 1680 gab erheraug eine kurze Vorſtellung 
vonder Derbefjerung des Örgelwerts, deutfch 
und lateinifch, zu Straßburg, Ing, auf 9 Bog. 

szuıhaternoch gelebt (m) | 
Cha⸗ 


ſondern nur fo viel, als hernach folgt bey Meckenheuſern. 
Derowegen nennt Walther ihn nur, als einen beruͤhmten 
Acteur, ſagt aber nichts von der Temperatur. 

) Er * algebraiſch; ſ. auch T. I, ©. in der critic, 
mu 4 

m) De Dulicz heißt er von einem Lehen in der oberungari⸗ 
ſchen Grafſchaft Turoez oder Owar. Walther hat et⸗ 
was von ihm aus Kzvittingers ſpecimine Hungariae 
literatae, welcher ©, gı und folgenden vun ihm handelt. 
Weil ich es ſelbſt befige, will ic) noch etwas daraus herſe⸗ 
gen. Dieſes Werk iſt in 4 heraus zu Frankf. und keipg, 
lat. ızı1, und der Verfaſſer erzehlt, daß Bulyovfzfi und 
fein Bruder Johann noch) leben, Er ruͤhmt ihn wegen der 
vielen Sprachen, megen des Calendariographi , wegen 
der Erfindung eines befondern mufikalifchen Inſtruments, 
welches er dem Kaiſer Leopold uͤberliefert und reichlich bes 
Dr worden. re Al cin in den Tractat de 
emendat,org, on jeiner Forderung vor die bierber ae: 
börige Erfindung ſ. oben $. 26, ie — 


272 Das 5. Capitel, 








Chales (Klaudius Franciscus Milliet de) ein 
ice melcher 1678 zu Turin geftorben im soften 
ahre feines Alters, ſchrieb in 3 Folianten feinen cur- 
lum,/iue mundum mathematicum,1674,und vermeh⸗ 
ret 1690(0). Von ©. ı big 49 im dritten Bande 
handelt er die Muſik ab, und zugleich vom Mono⸗ 

chord, wie auch von den Proportiönen (o). 
Eontractus, (Hermannus) eingelehrter Graf 
und Mönch zu Reichenau, hat de mufica gefchries 
| , wie auch einen andern Tractat de wunochor- 

o(p). u; 
Faulhaber, Ingenieur in Ulm, hatauf Ange: 
ben Herrn Melders, Doct der Medicin u. ſ. f. auch 
etwas in dieſer Sache gethan ). | 
Serners Unterricht ein Monochord zu thei- 

len (rc). er... 

| Sof: 


m) Die Ausgabe von 1690 heißt die ste. In der hiefigen 

Blibliothek iſt die von 1674. Das Werfhat viel Drud: 

fehler. Was Stolledaran tadelt, geht ung hier nichts 
7 


an. 
0) Er lehrte die Mathematik zu Paris, von dar ging er nad) 
Surin. Mehr fchöne Werke von ihn f. in Joͤchers Lex. 
orinnen auch ficht, daß er gebohren zu Chambery, in 
Savayen, ſch Weihionarius geweſen in der Tuͤrkey u. 1. 
e) Das fein Beyſpiel unter die gehöre, aus welchen abzu: 
nehmen, die Muſik ſchade der übrigen Gelehrſamkeit 
nicht, erhellet aus Walthers Erzehlung von ihm. Man 
muß ihn aber im H fuchen, 
g) Siehe deſſen Ingenieur⸗Schule im erfien zh. unter 
"den quaeflionibus miraculoſis, und hicraus in Mecken⸗ 
heuſers Tr. (von welchem hernach) ©, 91 9-55 wie auch 
inYJeiobardrs zweytem Tractate, O.23. 
) Zaugmann, mitdem Vornamen Dalentin Bartho⸗ 
omansı, ſo 1678 gebohren, und als Sürgemeifte — 


QT: 


=» 


Sokrkerods mehrgednchter mmfitalifcher Un‘ 
terricht handelt ©. 4 und folgenden des erften 
CLheils von der Mediation, Reduction, Addition 
und übrigen Nechnungsatren, Im zten Theil 
folgt von det Temperarue, 7 

Sogliani (Ludovico) hat in lateinifcher Spra⸗ 
che eine muficam theoreticam geſchrieben, zu Bene: 
dig 1529, in fol. morinnen fehr viel vom Mono⸗ 
hord und. von unfern Rechnungen ‚gehandelt 
„Sur hat im gradu ad-Parnaffum weirläuftig von 


den Propottionen, gehandelt, in den mehreſten Ca⸗ 
piteln des erſten Buchs () las Dupneint 

Glibelius, eben der, von welchem $.46 geredet 
worden, hat über, das, gemeldete nicht nur heraus 
gegeben partem generalem introdullionis muficae 
Leoreticae didadlicae, zu Bremen, latein.auf 16 
*Bog. in 4; fondern auch propofitiones mathemati. 
eo-muficas, ‚1666, ing, deutſch, zu Minden’ auf 


6 Bogen, mit Kupf . ut 


Schaftädt bey Hatte feinen Lebenslauf Herr Mattheſon 
" zugefchicht hat, welcher auch in — "finden, 
hat zugleich ein Negifier eingeruͤckt feines Vorralhs an 
wmuſtkaliſchen Schriften-, inter welchen dieſes nicht nur 
befindlich, fondern es wird auch angemerkt, er ſey ein 
Orgelmacher geweſen. Lab Drag ieft von Foͤrnern, 
gem Erfinder der Windwage. ch Halte fie vor einers 
Met z5ı2 Sun a | enden gut 


D) Teer hat den Jnnhalt der Capitel mit Fleiß einge, 
ruückt! u | — 
Bon ihn iſt ſchon oft geredet, als g. 2246, 43. 
J 4 * ae Zr Ser ee" ö \ m —* “ | | ? n 5 N i 


2 2.2... DaB 5.Capitel,.. 


Een kin un © 
Gvido folk auch vom Monochord gefeprieben 
haben (u). a Ve. 
Haußmann, deffen die vorige Anmerkung r) Mel: 
dung gethan, hat an eben dem Drte gedacht feiner 
Orgelprobe, Befchreibung der 3 generum, 
Eintheilung der Temperaturen, der mufikali- 
fchen Proportionen , der Badicalzahlen, der 
Conzund Diffonantien. Ich halte aber nicht da⸗ 
dor , daß etwas davon gedruckt worden. 
Senfling ift mit angeführt bey Buͤmlers Um- 


ft nden. N, | er A a © 
RKirchers Muſurgie hat von unfern bisherigen 
Rechnungen weitläuftige Nachricht gegeben (w).. 
Rubnau($.54)hatauch ettvas verfprochen vom 
Monochord. ei: 
Lippius (70.), ein ftrafiburgifcher Gottesge⸗ 
fahrter, welcher 1612 geftorben, hatin der Symop- 
fi müfe, die Proportions Lehre auch Furz vorgetra⸗ 





gen). 
Mattheſon ift hier abermalzu nennen, welcher 
nicht nur viel hierher gehöriges hat in der Dorbe: 
— rei⸗ 


u) S. oben von ihm $. 46. Walther hat in deſſen Leben 
nichts vom Monochord, aber er ſagt doch S. 518, daß 
Andreas Reinhard Organ. zu Schneeberg habe 1604 

zu Leipzig drucken laſſen einen Tr, welcher genennet werde‘ 

nuſica, ſ. Gvidonis Aretins de monochordo dinlogus re- 
 cogmiens ; welches. Walther. entlehnet aus dem erſten 
Bande der critie. muß. un 

w) Hierher gehört ſonderlich deſſen ztes nnd ates Buch; 
ienes heißt deswe gen arichmeticus,- weil es von den Zah⸗ 
fe handelt ; dieſes aber geomerriens , als welches vor⸗ 
frelte die Theilung des Monochords. R 

2) S. von feinen Disputationen vom breuniculo errorum, 

u. ſ. A Walth. Lex 


> 


Don den mufitslifchen Rechnungen. 275 





veitung zur Organiſten Probe, fondern auch 
bey Gelegenheit in vielen andern Schriften ; mit 
Vorſatz aber im vollkommenen Bapellmeiſter, 
ſonderlich im 7ten Capitel des erſten Theils, von 
©. 41:56. y). va Bien) 

Meckenheuſer (J. G.) Stifts- Hof: und der 
Kirchen St. Wipert in Quedlinburg Drganift, 
gab 1727 in4 aufs dog. heraus : Die ſo genann⸗ 
te allerneuejte mufitelifche Temperatur, ‚oder 
die von den Herrn Rappellmeiftern, Buͤmlern 
und Mattheſon :communicirte 12 rational⸗ 
gleiche Toniminores oder ſemitonia u. f.f.(z). 

Mitzler iſt zeither viel zu bekannt worden, "als 
daß wir ihn hier nennen folten, welcher der.eifriafte 
Vertheidiger ift diefer Lehren. Die Proportions⸗ 
- Lehren hat er fonderlich in den Anfangsgründen 
des Generalbaſſes vorgetragen, welches Buch 
„eigentlich zum 14ten Cap. gehoͤet. 


y) Soviel Weſens macht er nicht aus dem Monochord, 
mie andere, wie zu ſehen Orchefir. I, S. 286, fonderlich 
©. 258: and Orcheſtr. III, S. 58 nennt ereg: amcile ig- 
norantiae, und ein Bret. 
a) Er ſchreibt alſo wider Buͤmlern, tractirt auch Herrn 
Mattheſon ziemlich fpöttifch, daß er Buͤmlers Sachen 
der Temperatur des Sinn vorgezogen ; ſ. zum Er. ©. 
16, 9. 18, fonderlich $. 21, 23,33, u, f. f. längft vorher, 
ſagt er, hätten andere ſolche Lehren gehabt. Er erzehlt, 
©.39 9.44, daß feine erſte Organiften Bedienung gemer 
fen im Klofier Hammersleben 1638, allwo er die Mathe⸗ 
matik erlernet, und angefangen ſolchen Sachen nachzudene 
fen. ©. 53 erwähnt er, daß fein Vorfahrer, Werkmeis 
fier, durch ein Gefpräch mit ihm im Jahr 1696 auf feine 
Temperatur gebracht worden, welchen Neuß und YIeids 
Hardt gefolgt ; Sinn habe auch davon profitiret, Won 
Jacob Me ckenheuſern f. unten $. 54, 


? 


276 Das 5. Capitel. 


Woretus (Theodorus) ein Jeſuit, Profeſſor 
der Ethik, Philoſophie, Theologie und Matheſis 
zu Prag und Breßlau, endlich Rector ſeines Col⸗ 
legii zu Klatow oder Clatow in Boͤhmen, hat ge⸗ 
ſchrieben: de magnitudine ſoni (a). > 

Neidhardt (0. Georg) hat faft unter allen 
das gröffefte Aufiehen gemacht, in den Lehren, wel⸗ 
che mir in diefem Capitel noch zu erwarten haben. 
Er iftein Schlefier,von Bernftadt im Sürftenthum 
Dels, und gab, da er noch ein Studiofus der Theo⸗ 
logie war, zu Jena auf 13 Bogen in 4 heraus: 
Die beſte und leichtefteTemperatur des Mono⸗ 
chordi, mit einem Kupfer. Nach der Zeit wurde 
er Kapellmeifter zu Königsberg in Preuffen, und 
gab 1724in4 heraus: Sectionem canonis harmo- 
nici, zur völligen Richtigkeit Der generummodu- 
landi,63 Bogn(b. Ä 

Serner kamen von ihm heraus : gaͤnzlich ers 
ſchoͤpfte mathematiſche Abtheilungen des Ca- 
nonis monochordi, davon die zwote Ausgabe gefcha: 
he 1734 zu Königsberg und Leipz. auch in 4, auf 6 
und rihalben Bogente).... Me... 


a) Erftarb 1667. f. von ihm Walthers Bud), von.deffen 

übrigen Schriften Joͤchers Lerifon. © 
b) Diefer Tr. ft denen nichts nuͤtze, ſo Die Algebra nicht 
verſtehen. Die Zueignungs Schrift an den König zeuget 
von einemPoeten,welcher niedliche Einfaͤlle beſitzt. Matthe⸗ 
ſon in der erit. muf. imaten Bande tadelt diefen zweyten 

Tractat, weil er fo rägelhaft geredet, 

©) Einige beſchuldigten Neidhardten, als wenn er feine 
Zemperatur aus Bulyopszfigenommen ; daher vertheis 
digte ihn Mattheſon eben daſelbſt ©. 246. Man leſe 
auch was Neidharde vom Bulyovsli (fo ſchreibt er u 
er (ds 


Von den muſikaliſchen Rechnungen. 277 


Neuß koͤmmt hernach bey dem Sinn mit auf 
dieſen Schauplak.: Mr 
Nierop (Dyrck Rembransven) gab 1669 
heraus: Wifkonflinge Mufykati.f.f. Das ift: 
Die mathematifche Muſik in 4 Theilen, in 8, 
1559 aufsumdı halben Bogen (d)J. 
Praͤtorius hatdie Temperatur im aten Tom. S. 
150 und folgenden (e). —* 
Prinz (ſ. 51) hat viel gethan, ober ſchon noch 
zu viel gehalten auf die Reinigkeit der gemeinſten 
Tonarten. Hierher gehoͤrt nicht nur aus deſſen 
ſatyr. Componiſten das 12te Capitel ſammt den 
folgenden des erſten Th. das zte des andern Th. 
das 7te und die folgenden des zten Theils; fondern 
auch das ste Cap. der muſicae modulator, vor. von 
©. 23:32, allwo er die Auftragung der Theile auf 
das Monochord durch ein Kupfer erläutert (f). 
— ae —8 Ass 


Namen) fagt im erfien Tr. S. 38, da er mit feinen Sachen 
"gar nicht zufrieden ift, geſchweige, daß er das feinige aus 
ihm folte entlehnethaben. In Mattheſons Patrio: 
ten wird erzehlet, daß bey YIeidbardts Einführung ei⸗ 
ne befondere Predigt gehalten worden, =... 
d) Walther hat den Titel in beyden Sprachen, woraus zu 
ſehen, daß er'handele von der Verfertigung und Stine: 
nung der Inſtrumente, wie auch von der alten Muſik. 
Se von ihm auch Meckenheuſers Temperatur S. 19. 
e) Erift defto mehr zumerfen, weil big ietzo der prätoria; 
nischen Temperatur bey etlichen Orgeln Meldung gefchie: 
het. Wenn er im zten Th. des zten Tom. &, 8, ©.199 
feine Werke erzehlt, fo theils heraus , theils noch Fome 
nen follen ; fo gedenkter S. 224 auch einer gründlichen 
Temperatur, welche aber nicht fichtbar worden, .. 
F) Im zten Cap. des aten Theils des f Comp. erwähnt er 
auch feiner mufieae sheorisne, allwo er weitläuftig ar 
| | | | re 





278° Das 5. 'Capitel. 


. Rameau, ein berühmter Drganiftan der Thum⸗ 
Firche zu Elermontin Auvergne, hat 1722 zu Par 
ris drucken laſſen: Traite del’ barmoniereduite a 


fes principes naturels, in 4. auf 432 Blätter. Uns 
ter den 4 Büchern gehört das erſte hierher, o die 
Natur der Zone, Intervallen und Accorde aufmas 
thematifche Art vorträgt.. Es iftdiefes Merk nicht 
nur der Proportionen wegen lefensmürdig, ſondern 
auch wegen der übrigen Einrichtung (g). Ein eigen 
Copitel menden zu deſſen Lobsbefihreibung an, die ı 
Lettres, deren d. 38 gedacht worden. (p). 
— Aa naher 


dele don den Proportionen der ausfbenden Mufil ; beyde 


18 er 


verſpricht er bald zu Tiefer. | 
8). Etwas von ihm hat Walther. Wer aber von dieſem 
Buche einen völligern Begrif erlangen will, der befehe;die 
leipz gelehrt. Zeit, 1733, iim gaften Stuͤck, ©. 813, allwo 
aus dem Detober der emoires de Trevoux eine weit⸗ 
Länftige Befchreibung nebft einigen kritiſchen Anmerkun⸗ 
gen zu finden, mit welchen fie fortfahren im goften Stud 
©, 878, aus dem November der Memoires. Man fie 
het daraus, daß zwar der Verfaſſer ſolmiſire, und wegen 
einiger Dinge getadelt werde; aber daß er doch feine Sa⸗ 
hen fait a ara gewiſſe Grundſaͤtze 
angenommen, undfich fo aufgefuͤhret, daß er oben 9.70: 
"unter den Syſtem Schreibern cine Stelle zu verdienen 
a Der Buchdrucker wird auch gelobt J. B. Ce 
Ballard, welcher der Schönheit des Buchs nichts entzo⸗ 
‚gen, welcher als privilegirter Drucker aller in Frankreich 
Berangfommenden ‚theoretifchen und practifchen Mufifas 
lien auch neulich gedruckt habe : mufique theorigue & 
praötique , ſo als eine Einleitung anzufehen zu dem Buche 
des Rameau, Ya die Verfaſſer halten davor , daß wer: 
debſt Diefen beyden Büchern des Dictionairs des Herru 
Broflard fic) bedienen wolle, koͤnne eine Wiſſenſchaft 
von der Mußt erlangen, darauf ſich bisher niemand babe 
Hoffnung machen doͤrrſeeen. 6 
us; Aber Mattheſons Trefefpiel®. 94, % 124 Mr 
ihn 


Voaeaan den mufitslifchen Rechnungen. 279 
Rafelins (Andr.) war Magifter und Cantor 
zu Regenspurg. Walther fuͤhrt nur ı Practat 
an, vor welchem unten $. 293; aber in Hauß⸗ 
mannsBücherverzeichniß (deffen oben bey Fernern, 
not. r. gedachte) wurden mehrere genennet, unter 
welchen hierher gehört der zte Tractat: de mono. 
shordi diuifione proportienahi 5 undder 6te: arich- 
imetica muſica (). 9* 
Keinhard (Andr.)ift kurz zuvor beym Gvido 
genennet worden. Walthers Buch weis wenig 
von ihm; ich thue hinzu, daß man nicht nur von 
ihm habe einen Tractat: monochordum, ſo 1604 
in 8 geſchrieben, und einen Tr. de barmoniae limbo, 
1610, fondern auch: methadum de arte mufica 
Perconcinn: ſuis numeris & notis elaboratam,16 10 
Sauveur, (Walther fehreibt Sauver) ein 
franzöfifcher Mathematikus, ſo gegen 1721 geſtor⸗ 
ben,. hatein ganz neu muſikaliſch Syſtem ange: 
geben in Anfehung der Temperatur, "Intervallen 
und Noten. Siehe von feinen Meriden, Hep⸗ 





ihn einen eingebildeten Nachahmer des Lulli, einen 

Affectivten, Pedantiſchen, u ſ. ſ. Er hat allda mehr 
hin ihm, undfagt, daß die Frauzoſen ihn felbft nicht groß 
achten. 4 | 

i) ©, fein Leben in der Ehrenpforte, Srasr. 

k) Diefestiegt hier in Erfurt im Mſerpt, wie es hat ſollen 
gedruckt werden, wie ich ſolches zum Durchleſen erhalten 
vom ſeel. Herrn 44. Zoffen, Pfarrherrn zum Barfuͤſſern. 
Daß es eben dieſer ſey, bezeugt die Zuſammenſtimmung 

der Jahre; ja er heißt auch allda Niuimontanus, d. i ein 
Schneeberger; und Walther nennt ihn einen Organi⸗ 

fienin Schneeber cc. 


289 „......Dasgilapitel. 
— und Dekameriden etwas in Walth 
Schnegaß, oder Sneegaß (Cyriacus) deſſen 
$. 47 gedacht, hat auch geſchrieben: nowam£S cx- 
quijitam monochordi dimenfionem ; Erfurt 1590, 
8, auf2 ‘Bogen in 7 Capiteln. S. Walth. 
Schröter in Nordhauſen, von welchem fo viels 
mal geredet worden, hat in den Temperaturrech⸗ 
nungen ſich viel Mühe.gegeben, um.verfchiedenes 
anf beſſern Fuß zu ſeten. Seine gefegten Sachen 
kommen unten vor, welche zum Theil deffen Pa: 
men verſetzt aufmeifen: Aefchtore, Seine gründ- 
liche Wiſſenſchaft in der Tonkunſt wurde mir be: 
Fannt, als er mich mireiner Zuſchrift (etwa gegen 
das Fahr 1738) beehrete, und zugleich fein Send» 
ſchreiben an Mitzlern gerichtet überfchickte, fo 
1738 in 8 auf ı Bogen gedruckt, in welchem er ı) 
einer bevorftchenden Meformation der Muſik ge: 
denft, 2) einer. Aufgabe wegen der Tempera⸗ 
tut, 3) einiger nuͤtzlichen Erfindungen, u. f.f, Bon 


der Teinperaturhandelter ©. 8:13. 
Er hat nachdem feine Gedanken weiter entdeckt 
in der Beurtheilung des kritiſchen Muſikus, f. 
Mitzl. Bibl. V. 111, P. Il (m). Und was im * 


I) Mehr ſ.in bißoire de D Acad, Roy des ſciences 1700 und 
1701, woraus es die leipgiger adda eruditorum genommen 
im Jun, 1706, ©, 270 und 21. De een 

m) Die ganze Abhandlung, wie ſchoug. s gedacht, bat allda 

©. 301 Die Meberfchrift : Die Nothwendigkeit der 

Math ematik bey gründlicher Erlernung der mus 

| — Compoſition, dem hier mit nachdruͤck⸗ 

icher Beſcheidenheit beurtheilten kritiſchen Mu⸗ 
ſikus erwieſen, von ©. ⸗ot /276. Die Foriſetzung iſt 
zu finden von ©. 409. 463 des zten öh. 9 


Von den mufikalifchen Rechnungen. 381 
Theile diefes Bandes ferner gefunden wird, gehört 
eigentlich zuunferm Vorhaben, da er vom Mono⸗ 
chord, und den Temperaturen vieles vorgebracht, 
wovon 9:99: etwas folgen wird, fo viel die vorges 
ſchriebene Kürze erlaubt. Seine mit eingerückten 
Streitigkeiten -hier zu. berühren, achteich vor uns 
Sinn, (Chriſtoph Albert) braunfchtveig:lünes 
burgifcher Feldmeffer, ‚hat zu Wernigerode 1718 
ein Buch druufen laſſen von 15 Bogen, in welchem 
er. 2 Bogen auf die praktifche Temperatur ges 
we ke). sannamchl enges 

Sorge (f,oben$. 68) hatin den Temperatur: 
vechnungen fich viel Mühe gemacht, und dörfte 
mohlmeines Wiſſens derneuefte Schriftfteller ſeyn 
in dergleichen Lehren. Wie er wegen Schrötern 
etwas gefchrieben, iſt Eurz vorher gefagt ; die obge⸗ 
dachte Beneslogie gehört eigentlich Ma 

NR ir diltnand ge wohh 


n) Erbat.es meiftens zu. thun mit Scheibeng kriticus 
Muſikus, dadie Stellen, fo die erfte Ausgabe beurtheie 
len, aus der Bibliotheck fchon oben angezeigt morden. Die 

Beurtheilung der zwoten Auflage ſ. V. III, P-IV,©. 
726. Daß eraber auch mit Mattheſon nicht zufrieden 
ſey, ifteben daſelbſt S 733 und folgenden zu lefen, In 
vorigen Jahre hat Sorge eine Unterſuchung der ſchro⸗ 
teriſchen Temperatur aufgeſetzt, welche Telemann 

Hamburg zum Druck befördert, aufa und ı halben 

Yu A ** | 
0) Sinn gehet einenandern Weg , ale Neidhardt, fast 
| Mattheſons Org. Pr. $. 236 der —5 — Deſſen 
ropeſitines vom enden zu Wernigerode, 
Meuß, herruͤhren follen, torinne nur Werkmei⸗ 
„pers gedacht wird, nicht aber Neidhardts, welcher dor) 
a8 Eis gebrochen. . Meckenheufer von der Tempera⸗ 

tur ©, 8, und io urtheilt gan; anders, Inu Du 





282.0 Dasis.Capitel, 





wohl aber 1) deffen Anweifung zur Stimmung 
und Temperatur in einem Gefpräche, Hamburg 
1744, 8, 3 und ı halben Bogen (p). 2) Bes 
fprad) von der prätorianifchen, prinzifden, 
werkmeifterifchen, neidhardtifchen und fils 
bermannifcyen Temperatur , wie auch vom 
neuen Syftem Telemanns’; zu Lobenftein in 8, 
1748, aufs und ı halben Bogen. 3) Ausführs 
licdye und deutliche Anweifung zur rational 
Rechnung und Abtheilung des Monochords, 
nebft ausführlicher Kachrichtvomnenen In⸗ 
tervallenfyftem Telemanns ; Lobenſtein 8,1749, 
20 Bogen. Aus diefem Buche kann man die bis⸗ 
berigen und folgenden Nechnungsarten lernen (q). 
Spieß, (P. Meinrad) ein Prior, und nach 6. 
3 ein Mitglied, hat gefchrieben: tractatum mufi- 
eum compofitorio-pradlicum u. f. f, zu Augspurg 
1746, fol. 2 Alph. 18 Bogen. Es ift deffenad) 
tes Merk, und gehört eigentlich zu unfern ı gten 
Kapitel. Aber er hat auch in etlichen Capiteln die 
Verhaͤltniſſe mit vorgetragen. Wenn ihn Kir⸗ 
cher bisweilen verführt, fo nimmt Mitzler V.IIL, 
P.1V, ©. 757 fi) die Mühe, ihn auf beſſere Wege 
zulenken (). 4 
ini | Tele⸗ 


Stellen feiner Schriften herbe Spuren aufweiſen. ded 
sen, | 9 —7— 
) Bom Syftem Telemanng handelt er ©. 200230. 
u veripricht er nechftens herauszugeben : Das. Ge 
ſetz der Natur in Abficht aufdie Folge der harmo⸗ 
nijchen Saͤtze; und will beweiſen, daß die. Bechen⸗ 
Funft nicht nur bey der Temperatur, ſondern auch in 
der Compofition vortreffliche Dienfte thun koͤnne. 
r) Eine Probe davon Fam oben vor 9.835, Not, €, * 
k 


p) Erifigar fein guter Freund Mecchefong, mononui 
io 


Don den muſikaliſchen Rechnungen. 283 


Telemann, auch ein Mitglied (nach $. 2) fehrieb 
an Mattheſon (9. 48), erfand ein Intervallen⸗ 
ſyſtem ($.67), als eine Art einer Temperatur. 
Wie ſolches aufgenommen worden, ift allda ſchon 
erzehlt. Er iſt einer der größten Tonmeiſter, und 
1581 gebohren. Wie er aber in Dienften geftans 
den) zu Hildesheim, als Director der Mufik, 2) 
zu Reipzig, als Director der Mufif, und Organiſt 
an der neuen Kirche, 3) zu Sorau, als Kapell- 
meifter beym Graf von Promnitz, 4) als Concerts 
und bald hernach Kapellmeifter auch Secretar in 
Eiſenach, ‚s)als.Kapellmeifter zu Frankfurt am 
Mayn, mir Beybehaltung der Stelle in Eiſenach, 
6) als Director der Mufikin Hamburg, wo er viel- 
leichenoch lebt ; folhesift zum Theil in. Walthers 
Bucezufefen. Er hataber feinen Lebenslauf zur 
Beförderung der&hrenpforte felbft eingefchickt,mels 
cher allda von S. 354369 alle verlangte Nachricht 
mittheilet bis auf 1740. WEHEN SCH 

Treu, (Abdias) oder Trew, ift 1597 geboh⸗ 
ven, 1669 geftorben als Prof. Mathef. und Phyſ. 
zu Altorf. Esift von ihm vorhanden x) dire&torium 
mathematicum, 1657 jN Nuͤrnb. in 4, in deffen 
ztem Buche foll ein.compendium  barmonicae [, 
eanonicae zu finden ſeyn; ſ. Walth. 2) unter feis 
nen Disputationen ift auch eine de diuiffone mono- 
cherdi ; 3) imgeometrifchen Zandbüchlein, fo 
zu Nürnb.1636, in 8, auf 6 Bog. mit Rupf. her 
aus handelt das Ste Cap. des aten Fheils vom 
Orgelmachen. 4) und eben dafelbft (5,76) bes 


Bildriß bt Mitzler vorcelett dei 4ten Theile des sten. 
Bandes der Si see 


234 . Dass.Capitel, 


sieht. er fich der Kürze wegen auf fein deurfch und 
lat. herausgegebenes Fractätgen: Iycei muſici in« 
timati 0 Cepitome, cet. Kurzes muſikal. Kunſt⸗ 
büchlein, mit Kupf. (O. Von feinen andern 

Schriften handele Joͤchers Lerikon. 
Treu (Daniel Gottlieb) ift 1695 gebohren, 
mar zuleßt in Dienften des. Grafens Earl von 
Schaffgotſch, und hat auch.einige hierher gehörige 
Sachen gefihrieben, fo aber noch nicht gedruckt wa⸗ 
ren, als 1740 die Ehrenpforte ©. 380 davon Nach⸗ 
Werkmeiſter ([.$. 52) verdient allhier vor vie⸗ 
len gemerkt zu werden. Er hat in feinen Schrif- 
ren die gleichſchwebende Temperstur vorge: 
ſchlagen, wie Neidhardt ſelbſt geftehet (1). Hier: 
her gehört 1) hodegus muficae mathematicae rurio- 
fus, oder Wegweiſer zu der Erkenntniß der 
mufital. Proportionen, und des Monochords, 
in 4, Frankf. und Leipz. 1687 faft 11tph.Cu);2)deffen 
muſikaliſche Temperatur, in 4, eben daſelbſt, 
N ie ars Main BEN LESE ZZ X 1619, 


©) Das Orcheſtre ITS. 606 nennt ihn einen nie genug zu 


lobenden muhcum zheorericum. 5 
€) Weil ich eben deffen paradox. Disc. in der Hand. habe, 
ſo mag daraus zum. Beweis-meiner ‚Worte nachgelefen 
werden, mas ©, 110, 1ur ſtehet, Cap. 24, wo er erichlt, 
wie er auf die Gedanken kommen, den Irrthum zu vers 
werfen , welchen einige hegen, wenn fie den Duinten a 
Viertel eines Romma nehmen wollen , er habe den 
Proceß, diefelben nur 1 zwölftel Rommg ſchweben 
u laffen, zu erſt entdeckt, nach welchem Neidhardt 
das ganze Werf deutlich vorgeftelft. — 
u) Man findet hierinnen die ganze Logiſtik, das iſt, die 
oben vorgetragene Rechnungsarten. — 


Von den mufitalifeben Rechnungen. 285 
1691,12 809. 3) dernuclens (Kern) ſollte es noch 
beſſer machen; aber er iſt nicht gedruckt worden. 


Zarlin (Gioſeppe, d.i. Joſeph) ſollte des er⸗ 
langten Ruhms wegen mit oben anſtehen; aber der 
erſte Buchſtab feines Namens iſt Urſache, daß er 
por dieſesmal den Schluß macht. Dieſer Kapell⸗ 
meiſter zu Venedig ſtarb 1559 im zoſten Fahre des 
Alters ; er hat gefchrieben : inſtitutioni barmoniche, 
fo zu Benedig ing Tomis heraus in fol..15.89. mit 
noch andern Materien. Vorher Famen diefe Sa⸗ 
hen einzeln heraus... Er mar ein gelehrter Muſi⸗ 





a TR u 
Nun will ich verfuchen, ob ich Eönne Neid⸗ 
hardts Rechnungen feines erften Tractats den Anz 
fängern begreiflicher machen, als ſie an ſich zu ſeyn 
ſcheinen, zumal da ſich wichtige Druckfehler mit 
eingeſchlichen. Wenn ſie dadurch geübtere Sin: 


J 


* Wi 
N 


w) Der ste Band iſt nicht muſikaliſch. Das Werk ift au 
italiänifch gefchrieben, uud er hat in der see! 
gethan, als ſeine Vorfahren. Prinz im fat Comp. ,P. 
III, e. IV und VILnennt ihn: den in ganz Kuropabe: 
ruͤhmten Muſikum, und ſchreibt ihm zu, daßer die 

Tempet aturzu erft ordentlich. gelehre habe, ob er wohl 
dem Zarlin die Erfindung der Proportion 19:9 fälfchlic) 
beylegt, f. oben 9.75. Troſt hat eine Lcherfegung vers 
fprochen, aber nicht geliefert. _ Das Zarling Schiiler, 

0.Deter Schmeling, deſſen Werk aus dem Welfchen 
ns Niederdeutſche uͤberſetzt wie es auch nachdem ins Hoch⸗ 
deutſche gebracht worden, iſt in der Ehrenpforte zu lefen. 
S. 331. Schweling war Organiſt zu Amſterdam, und 
ſoll 1621 geftorben feyn, wiewohl er diel älter ſcheimt. 


286 Das 5. Capitel. 





nee  —— 


nen bekommen, werden fie fich auch befier in andere 
Rechnungen fchicken Eönnen, > e n wol 
„ Wenn nad) $.75.die groffe Quinte war mie 3: 2, 
die Quarte 4:3, und nach der aͤlteſten Einrich— 
tung alle groſſe Secunden oder Tone y : 8 hielten ; 
fo bekam die groffe Tertie (0:0) 81:64, und war 
um ı Komma (81:80) gröffer, als 5: 4, wie 
fie nad) $: 75 feyn follte, und die Summe zwener 
Zonen (c:dTd:e= 81: 64 nach $. go) abaejogen 
von der Quarte 4:3 (9.81) gab das groffe Hemi- 
tonium(e:f) 256:243, welches um 81: 80 klei⸗ 
nerift, als 16:15, ($.75) welches die Yequipa- 
ration (9. 83) Elar machen kann: — —— 
BEI 26 
En: ar 


giebt - ‚81.5 80 zur Differenz (x), um fo viel 
ift der groffe halbe Fon 256:243 13. E. e:f) Pline; 


3) Alle Multiplications Proceffe kann ich nicht herſetzen; je: 
doc) gewoͤhne man fih das kleinern der Zahlen an lieber 
vor, als nach der Miultiplication unterlaſſe ich es 
bey dieſem Exempel, fo kommt 3888: 3340, welche nach» 
‚her muͤſſen gekleinert oder radicirt werden, bis gı 80 
erfcheinet. Wenn ich aber vorher aufhebe, (welches aber 

allezeit eine untere Zahl der einen Seite , und eine obere 
der andern Seite betreffen muß‘) fo wird 1) 256 und 16 
durch 4 aufgehoben, aber 243 und 15 durch 3, fo werden 
die Gröffen folgende feyn : | ar mei 
| 31 —— 64 





’ 4— 5 —3 
oder die 64 und ee. 4 aufgehoben, 
1 — 5 


bringt | 80, 


Von den muſikaliſchen Rechnungen, 297 


als 16: 15 (6. 75). Weil nun die alte Terzum ı 
Komma zu hoch und alſo dem Gehoͤr zuwider; ſo 
darf man ſich nicht wundern, daß die Alten ihr ein 
Plaͤtzgen einraͤumten unter den Diſſonantien. 
Es ſtund alſo die Octave damals mit ihrem cal- 
eulo(y) folgendermaflen:: mn nn. 

Tonus Ton,  hemiton, mai. Ton, 











. me: D . | 3 
Ton. Ton. 'hemiton.mai, 
9898 256. 243. a2 


y) Der Lehre wegen will ich Neidhardts Ausdruͤcke behalten ; 
wie es denn aud) gleich viel ift , ob ich (auſſer dem Fall 
der Multiplication) die Groſſe oder Heine voran ſetze, in⸗ 
gleichen ob ich ſchreibe gI—64 oder durch Punete 81:64. 
2) Den Anfaͤngern muß ich einmal vor allemal ſagen, was 
dieſe Zahlen bedeuten. Nehmlich unter den Saiten des 
Monochords wird ein Papier aufgefleibet , worauf die 
Albtheilungen mit dem Zirkel zu tragen ſind. Wenn nun 
die ganze Saite ohne einen untergefegten Läufer oder bes 
teglichen Steg angefchlagen wird, und man folchen Klang 
vor © gelten läffetz ſo theilt man die ganze Länge diefer 
» Saite in 9 gleiche Theile, nad) Anweiſung der 9, welche 
über & zu fichen ; und zu Folgeder neben der 9 ftehenden 
8 ſetzt man den Läufer auf das ste Theilungs Punct,fo wird 
dieſe künge von z Theilen um groffe Secunde höher klin⸗ 
gen, als die ganze Lange von 9 Theilen. Hierzu ift diene 
lich mehr ald eine Saite auf dem Monochord zu haben, 
und zwar-genau überein geſtimmt, fo Fann man eine mit 
9 Theilen gegen die andere mitig Theilen beffer vernehmen. 
Berner theilet man die Lange dieſer Theile, welche D 
hatte, nun wieder in9 Theile, (welche nun etwas kleiner 
merden muͤſſen als zuvor) wegen der 9, fo über E fiche 
liuker Hand,und ſetzt den Käufer auf das ictzige AR: 
| N) 


288 Das 5 Capitel. 





Oder wenn man nicht bey jedem Intervall das ab⸗ 
geſchnittene Stuͤck theilen, ſondern die ganze Sai⸗ 
te in ſo viel kleinen Theilchen vorſtellen will, daß die 
Verhaͤltniſſe der Intervallen durch einerley Art 
Theile beſtimmt, oder durch einerley Nenner ausge: 
ſprochen werden, ſo muß man die Verhaͤltniſſe alle 
miteinander copuliren, nach der Anweiſung h. 84. 
Wiewohl ich im folgenden $. folches begreiflicher zu 
machen mich bemühen will. Man nehme alſo mit 
Neidhardten an, als wenn die ganze Saite in C 
in 972 gleiche Sheile getheiler wär, fo bekommen die 
übrigen Claves eben dergleichen Theile in folgender 
Anzahl: | 

972, 864, 768,729, 648,576, 512,486. 


Nun 


ſo iſt ber Klang diefer 87 Theile abermal um eine groſſe 

Seennde höher, als Dwar. Wenn man diefen Klang 
zugleich hoͤren laßt mit der andern Saite, welche E giebt; 

fo kann man zwar eine Terz vernehmen, welche aber viel zu 
hoch, und welche niemand vertragen wird, es müßte dann 

Midas felbit ſeyn. Drittens wird wegen der Zahl’ 256 

bey F die Länge des Ein 256 Theile getheilet, und wenn ver 

Käufer unter das 243fte Punet geſtellt wird, ſo läßt ſich F 

“hören, als eine reine Quarte zu der andern Saite. Die 
Länge des F wiederum ing Theile, fo geben achte derſel⸗ 
ben das Gz und fo faͤhrt man fort, bis man e gefunden, 
welches juft die Helfte der ganzen Saite betragen muß. 

a) Hier it bey Neidhardten ein Druckfehler, weil vor 
A faͤlſchlich 567 ſtehen. Wenn ein Anfaͤnger nicht weis, 
woher dieſe Zahlen entſtehen, daß nehmlich D muß 864 
halten, (gefert. daß man Gin 972 Theile getheilet) und. 
ferner die uͤbrigen; ſo laſſe er fich berichten, daß alles Fon, 
ne nach der Hegel de tri gefunden werden. Nehmlich 
die oben ſteheuden Verhaͤltniſſe (958, u. fe f) geben > 

er 





Von den muſikaliſchen Rechnungen. 289 


— — — 





— —— Mb. = TE 





— — 





— —— — 


Nun folgt bey Neidhardten der Calculus ©. 19, 
das iſt, die Berechnung der Groͤſſe jeden In⸗ 
ervalls durch alle diatoniſche Conarten, um 
"iu ſehen, ob ſich viel unreine mit eingeſchlichen ha⸗ 
ben. Diefes geſchiehet durch Die Radication oder 
‚das Eleinern der vorfiehenden copulirten Verhaͤlt⸗ 
niſſe, welche ich alle gegen E halte. Alfo radicite 
man 572:864 vor die Semi Ed: D,; 972:768 
vor die Terz (: E;972:72900r de Quarte €: F; 
972 :648 vor die Quinte EG 5 972:576 vor 
‚die groſſe Serte C: A757 972': 572 vor die groffe 
Septime C: H; 972 : 485 vor die Dekan Er. 
Welche kommende Berhältniffe mit denen überein 
kommen, fo $. 75 zu finden, ſolche heiffen reine ; 
welche abgehen, find unrichtig; und wie viel der 
Fehler ausmache, wird die Aequiparanon zei: 
gen, 9.83. Hernach nimmt man D zum ®: 
Flange, und gegen 854 erden alle die übrigen auf: 
‚gehoben, bis in d, und fo wirdes fortgeführt, durch 
alle Tonarten (b). Durch die Menge der untet: 

a EINES RER ERRANG, 





erſten und andern Satz; den zten nimmt man aus ber 
Copulation; man füge demnach⸗ Wenn C9 Theile har, 
ſo bekommt D 3; wie viel muß D erhalten, wenn 695 
halt? fo kommen #64 vor O. Ferner: wenn Dig 
haͤlt, ſo haͤlt Es; wie viel haͤlt E, wenn hier das D 844 
bekoͤmmt? Antw. 768, u. ff... Das Aufheben des 
zwehten over Dritten Satzes gegen den erfien,vor der Mul— 
tiplication thut hier Die beften Dienfie, Hier it Fein 
Raum zu folcher Ansführung, 
b) Man wird höhere Claves noͤthig haben; als die Copula— 
tion angibt; aber man halbire die tiefen, fo kommen die 
hohen; Halb 864 giebt dz halb 76ggiebte, wif.fe 





350 Das 5. Capitel. 


























nen Tntervallen wird man leicht überführt, daß 
diefe Scale vor ung nicht diene, da wir nicht eins 
mal &* brauchen Eönnen, wegen der allzuhohen 
Terz, geſchweige dieübrigen Fonarten. 

Wenn man an ftatt 972 vor E hätte die Helfte 
genommen 486, fohätten die übrigen alle nur halb 
ſo viel bekommen, alsjie vorhin hatten, und zwar 
alle ohne Bruchzahlen, ausgenommen F, meildef 
fen Zahl (729) ungerade war ; aber in folchen Rech 
nungen vermeider man die Brüche, fo viel nut 
möglich. | 


$. 87. 

Dieerfte Temperatur oder Verbefferung vori⸗ 
ger Fehler rührte von dem Didymus her, wie$. 75 
gefagt, welcher an ſtatt 9:8 bey d gegene, und bey 
g gegen 410: 9 annahm, das hieß der kleine 
Ton, (tonus minor) dadurch wurde die Tertie ver⸗ 
beſſert, und der groſſe halbe Ton befam 16: 15 
wie $. 75 gefagt worden. Diefes hieß das ſynto⸗ 
nifche Geſchlecht, die ſyntoniſche Scale. (genus 
Ivnonum, fcala ſyntona). Wiewohl Ptolemaͤus 
vor e gegen d wollte 10: 9 ſetzen, 9:8 aber vor d ge⸗ 
gene (c), Bey Neidhardten ſiehet es ©. 22 al⸗ 


ſo aus: | 

Interualla. Ton. mai. Ton.min, Hemiton, mai, 
Proportioness. 9:8. 10:9 16:15 
Proport.copul, 180 :160. 144. 135. 
Claues. GC. D; E, F. 


Ton. 


e) Einige Solmifations: Krämer, wie Rameau und andere, 
drucken ſich alfo aus, daß ve re folle ronus minor, re mi aber 
maior ſeyn; welche Verkehrung viel Irrthuͤmer nach ſich 
gezogen, wie die Beurtheiler des Werks des Rameau dar 
zu ſetzen, von welchen h. 85 geſagt. 


Don den mufikalifchen Rechnungen, 291 








DE EEE VE 
Ton, mai, Ton, min. Ton, mai, Hemiton, mai. 
. 2, Mae —8. 16 : 15. 





120, 108, 96, 90. 
A 7 H. 107 


Durch die Radication, welche eben ſo anzu⸗ 
ſtellen, wie. 9% vorgefchrieben, wird ſich die Guͤte 
‚einer jeden Tonart entdecken, doch bleiben wir noch 
immer bey den diatoniſchen, weil vor die chromati⸗ 
Den —* die Berhältniffeerft $. 89: folgen wer: 
‚den (d). | 


Ob nun gleich der Calculus zeigt, daß diefe ſyn⸗ 
toniſche Scale weit beffer, als die vorige; ja ob 
‚gleich die Trompet damitambeften überein Eömmt : 
IL kann doch bey der iegigen Muſik folches nicht ge⸗ 
dultet werden, weil ſonderlich die Tonart D eine 
Quinte hat, welcher ı ganz Romma fehlt, dahin« 
gegen die Quarte A zu d um ein Romma zu gro 

anderer Fehler nicht zu gedenken, welche Neidhardt 
angemerkt. Und noch viel weniger wird eine Preis 
nigkeit zu erhalten ſeyn, wenn die hromstifchen 
2 Claves 





d) Bey dieſer Arbeit fand ich bey Neidhardten S. 24, lin.3 
einen Fehler, welcher bey der Tonart 3“ stz angiebt vor 
die Sexte Fd, da ſie doch vermoͤge der Radication 27:16 
haben muß, welches ı Komma (1: 80) mehr, als die rei: 
ne Sexte 5:3. Und ©. 25 follin der erſten Linie nicht fies 
hen feptima maior, fondern feptima minor; und weiter 
bin, wenn er ſetzt vor i5:8 ſeptima minor, ſo muß es ma- 
 sorheiflen. Lind auf der zten Kinie don unten muß man 
für: fealamı diatonico.chromaticam, lefen : fcalam dia- 
zonicam, er ohne Anführer ſolche Rechnungs Buͤcher 
lieſet, wie ich habe thun muͤſſen, weis ſich oft nicht zu bel, 
fen ; ich will aber dem defer alle Sleine de Anſtoſſens weg⸗ 
raͤumen, ſo viel mir möglich iſt. Te 





292 Des 5. Capitel, 

Claves darzu kommen; fiehe von: ſolchem genere 
diatonico- chromatico Neidhardten, S. 26 und 
folgenden. 4 

Doch ich habe $. 86 etwas verfprochen, melches 
ich halten will. Es fällt mit N Com 
‚tion wiederein, und ich vermuthe, Daß mancher | 
Rechner eben fo, wie ich viele Jahre her, zu wiſſen 
verlangen möchte, woher Neidhardt hier bey E 
auf 180 Theile gerathen, oder im vorigen $. auf | 
972, oderingoften auf 900, und zwar jedesmal | 
ohne Brüche; warum er aber im gten Cap. des er | 

ſten Fractats ©. 42, 97200 dor E angenomnien, 
aber in der Copulation Brüche bekommen (e) ? 
Ich will den Raum bey andern Materien wieder | 
bepbringen, und folgende Erläuterung herſetzen. 
‚Man übe fih Anfangs mit der Derbindung > h 
| pula⸗ 

















e) O wenn die Jugend ſich mehr auf das edle Rechnen legte! | 
Sag hätte ih wollen ausrichten, wenn ich nicht von denen | 
fien Schuljahren an mich alfo darein verliebt, daß ſchon uu 
derſelben Zeit diefe Bemuͤhung mir angenehmer geivefeh, | 
algder Schlaf? In der Mathematikhatte ich Feine Huͤlfe, 
weil in einem uva daran nicht konnte gedacht werden. | 
In der arithmetiſchen und geometriſchen Muſik habe ch ı 
nicht die neringfie mindliche Anmeifung irgend eines Men | 
ſchen genofien. Denn vor mir, ja auffer mir, hat meincs 
Wiſſens daran in Erfurt niemand gedacht. _ Ich habe | 
auifien die Todten fragen, und wenn ich fagen foll, welchen | 

ich den vorzůglichſten Dank deswegen fhuldig bin, fo muß | 
ich befennen, daß auſſer dem Vorſchmack, welchen Werk⸗ 
meiſter im Hodego gegeben, mit Fein Buch zu Geſichte 
foͤmmen, mo es ausgeführt zu finden, ob ich wohl glaube, | 
daß dergleichen irgendwo anzutreffen. Sach vielen Ber: | 
ſuchen ſand ich endlich das, was hier ſteht; doch, ment | 
and eine deutlichere Anweiſung finden füllte, ſo bitte ich 
mir davon Nachricht ans. 


Vonden muſtikaliſchen Rechnungen. 293 


pulstion) der fyntonifchen, in diefem $. als welche 
die leichteſte ift, weil nur 180 Theile hat; hernach 
berechnet man die distönifche des vorigen $. weil ſie 
zwar 972 annimmt, aber doch fo kurz ift, wie Die 
fontonifche, indem beyde fich der’ chromatifchen 
Klänge enthalten. Alsdenn wage man ſich an das 
diatoniſch⸗ chromatiſche Geſchlecht $.89, allmo 
zwar Cnur 900 LDheile hat, aber es find ſchon mehr 
WVerhaͤltniſſe zu verbinden. Zuletzt kann man ſich 
weiter uͤben nach $: 92 in der Berechnung der dia⸗ 
toniſch⸗ chromatiſch⸗ enharmoniſchen Scale, 
bey welcher E 97200 Theilchen bekommt, und doch 
einige Brüche mit unterlaufen; da, nenn dieſe 
folten vermieden werden, man dem E eine weit gröf 
ſere Zahl geben müßte. Zum lernen Eönnen (zumal 
wegen des engen Naums) die beyden erften Copula⸗ 
tiones, nehmlich des $. 86 und 87 hinlänglic) ſeyn. 
Man verfaͤhrt aber alfo: 
Man fegt die beyden erften Verhältniffe des C 
und D gegen einander, fo, daß von beyden die groͤſ⸗ 
fern Zahlen entweder oben, oder unten ftehen. Hier 
habe ich fie unten gefegt; wie man aber es im Ans 
fange haͤlt, ſo muß man fortfahren, daß Fein Irr⸗ 
thum einſchleiche, bis fo viel Producte über einan⸗ 
der ſtehen, als viel Claves die Scale enthält, wie 
denn 8 Elaves find von Ebisc. 
Wenn die Stellung gemacht 8_— 9 
TE a 10 
ſo multiplicirt die beyden oberfien (8 mit 9) mit eins 
ander, thut 72, welche rechter Hand darneben zu 
ſchreiben; ferner die oberevon der erften Verhält- 
niß mit der untern von der andern Werhaͤltniß, 
— 23 (8 mit 


294 Das 5. Capıtel, 





(8 mit 10) die kommenden go ſchreibt unter jene 72; 
endlich die beyden untern nıit einander, (gmit 10) 
das Product 90 fehreibt unter die vorige go. Nun 
find ſchon 3 Elabes beftimmt obſchon die Fheile 
nicht alfo bleiben Eönnen. Setzt demnach diefe drey 

toducte über einander; und weil man wahrnimmt, 
daß ſie ſich alle durch eine dritte Zahl nach Art der 
Bruͤche kleinern laſſen, ſo verrichtet ſolches nicht 
nur hier durch 2, ſondern man trachte fters ſolches 
zu thun, wenn die Multivfication ſolche Groͤſſen 
giebt, bey welchen es anzubringen Es kommt auch 
wohl das rechte Facit ohne dieſes Kleinern; aber 
die Arbeit wird weit verdrieslicher ſeyn durch die 
Groͤſſe der Multiplicationen, wie es denn gar leicht 
in einer einzigen Ziefer zu verſehen ift, daß man ſich 
aus den Verwirrungen ſchwerlich helfen Eann. Nun 
ſteht unfer Exempel alfo : 








2 | 4 
— — 
&- 9172| 36 - 15 1540 | 135 - 8 
TE ER 576 | 144 
9 - 10 [90 | 45 - 16 | 640 | 160 
720 | 180-9 
- ® 
1050| 120 - 9| 1080 | 108» 8 
#275 | 135 I200 | 120 
1296 | 144 1350 | 135 
1440 1 160 1440 | 144 


1620 | 180 » 10 | 1600 | 160 | 
1800| 180-9 








Don den muſikaliſchen Rechnungen. 295 


— nun 








— — — — — 


9 B 

8654| 96 -ı5 | 1440 | 180 | 90 % 
972 | 108 1536 | 192 | 96H. 
1080 | 120 1728 | 216 | 108 A. 
3215 | 135 1920 | 240 I 1200. 
1295 | 144 2160 | 270 | 135 F. 
1440 | 160 12304 | 288 | 144 E. 
1620 | 180 - 16 | as560 | 320 | 160D. 
Ä 2880 | 360 180C, 


Am Ende zeigtfich die verlangte Lopulation. 
Man ſiehet aber hier, daß wenn durch die erfte Eopus 
lation des Cmit D drey Groͤſſen entftanden, folche 
auch durch 2 gekleinert worden, man aus der Sca⸗ 
ledie folgende Verhaͤltniß 15 : 16 darneben ſetzt; 
mit 15 multipficire man die obere, (36) mit 16 Die 
vorigen alle, (36, 40 und 45) daher find hinter 
dem Striche nunvier Gröffen zu fehen, vor welche 
(durch das Kleinern durch 4) andere gefegt worden. 
Nachdem folgt aus der Scale 8:9, u.f. f. (E). 

2 za Was 


f) Icdes mal wird eine Groͤſſe mehr, big die Scale durch iſt. 
Hätte man gleich Anfangs die groffen Zahlen oben gefekt, 
fo wär dig Stellung diefe geweſen | 


9 - 10 |90 
8-9] 80 
72 | 


und nenn folches bis and Ende forfgefeht worden, fo war 
endlich das Coben, das e aber unten erſchienen, welches 
gleich viel ſeyn kann. 180, 160, 144 und 135 vor C, D, E, 
Fzeigen ſich ſchon bey der zwoten Multiplication nach der 
Kleinerung; und dieſe muͤſſen auch jedesmal kommen bey 
den folgenden Proceſſen, nur daß jedesmal eines hoͤhern 

Klangs 


26 — Das F Capitel, 


Was die Scale betrifft $. 86, ſo hat allda das 
E viel Theile, weil der oroffe-halbe Fon durch fo - 
groſſe Zahlen vorgeftellt wird. Die Art zu rech— 
nen befchreibe ich nicht abermal, -fondern es ſteht 
die Ausarbeitung allhier deswegen; damit, wenn 
jemand indie Wuͤſte der Verwirrung gerathen foll- 
2 er fich dieſes ariadnaͤiſchen Fadens bedienen 
une: 82% 





re k 


64-243. | 15552 | 1944 
72 46384 1,2048] 

617.256 | 18432 11123041 1, 
ı 29736 | 2592] 4%: 
243.08 119441 216 - 81728 

220 2187 1243 1944 

28. 1 2042560 ET 

"0324 - 91 2592,288 12304 

. "2916| 324 - H1 2592 

| Dr. 2916 
192 -8 }1536 | 512 «243 J"124416 
216 1728| 576 ""P 131072 
243 1944 1648 :' © | 1474506 
256 2187 17290 =» 8 165888 


81..9 


— — en 
9, 

















288 2304 | 768 186624 
324 * 912592 | 864 1: | 196608 
a EN IAHIET 972" 256 | 221184 
15552 


Klangs Gröfle noch darzu kommt. &o bald eine nicht 
wieder erſcheinen will, fo muß mangefehlt haben, welches 
alsbald zu unterſuchen iſt. 


Don den mufitalifchen Rechnungen. 297 


— — — 





a I; 


15552. | 1944 | 486 c. 

--76384 | 2048 | 512 H. 

"78432 | 2304 | 576 A. 

2073671 2592 | 648 ©. 

23328 | 2916, 729 P. 

‚24576 | 3072 | 768 E 
o7648 | 3456 | 864 D. 

31104 |,3888 | 972 Gulg) 
Wenn man auf dem Clavier von Canfaͤngt 
durch groſſe Quinten aufwärts, oder durch or⸗ 
dentliche Quarten abwaͤrts zu ſteigen, oder um⸗ 
gekehrt durch groſſe Quinten abwaͤrts, und or⸗ 
dentliche Quarten aufwaͤrts; ſo koͤmmt man 
mit der idten Quinte wieder zum erſten Klange 
und Taſte, dit. zum e, welches das ſechsgeſtri⸗ 
chene iſt. Folglich muͤßten 7 Detaven zuſammen 
addirt gleich ſeyn ſolchen 12 zuſammen addirten 
Quinten, wenn jede ſeyn ſollte wie 3:2, wie jede 
Odctav iſt wie 2.1. Wie ſolche Additionen zu vers 
richten, muß man aus h. vo wiſſen, oder aus Neid⸗ 
hardts Buche, S. 28, da die Summe der 12 
Quinten traͤgt z331441. 4096; die Summe der 7 
Oectaven 128 1. Die letztere mit dererftern Sum⸗ 
me verglichen, (9. 83) d. i. dieſe von jener abgezo⸗ 


gen 
8) Zum Aufheben hatte ich gröffere Zahlen nehmen Fönnen; 


* der Anfänger wegen bin ich bey den einfachen ger 
isben, 


298 Das 5, Capitel, 


We AREA <<. chic 
gen ($. 82) bringt eine Differenz, als den Exceß oder 
Veberfehuß der Quinten 531441 -- 524288. 
das Komma. fubtr. 80 - 81 


bleibt der Neft 42515280 -- 42467328 
gefleinert Dur) 9) 4723920.-- 4718592 





durch 9) 524880 -- 524288 
durch 8) 65610 . 65536 


durch 2) 32850 -- 32768 

Daß die Iegte Verhaͤltniß Schisma heiffe, und 
menn folches vom Komma abgezogen wird, dag 
Diaſchisma 2048 - 2025 erfiheine, ift $. 33 ſchon 
gefägt worden. Hier hat man nun den Fehler, um 
‚welches willen man fich die Mühe giebt zu temperi⸗ 
ren, dasift, ihn unter alle Fonarten alfo einjuthei- 
len, daß fieslle biauchbar werden; es ift nehm⸗ 
lich der Lleberfchuß der Quinten, welcher biswei: 
fen comma ditonicum genennt wird; und weil das 
fyntonifche Romma, nebſt dem Schisma deſſel⸗ 
bigen Theile ſind; ſo nennet man jens, als die ſtaͤrk⸗ 
ſte Urſache des Uebelklangs, den groſſen Wolf, die⸗ 
ſes den kleinen. — 

Nach g. 86 Not. x konnte man vor dem Abziehen 
des Komma vom Exceß das Kleinern anbringen, 
und das Schisma erſchien, ohne daß eine Multipli⸗ 
cation noͤthig war, auſſer zuletzt mit 5 —. Man 
verſuche es. 

Es laͤßt ſich der Exceß auch auf andere Art ſu⸗ 
chen, welches anderer Bücher wegen noch herzufes 
gen. Nehmlich, gleichtwie man auf den —— 

e 





Von den muſikaliſchen Rechnungen. 299 

des Claviers nicht noͤthig hat ſtets aufwaͤrts, oder 
ſtets abwaͤrts zu gehen, wenn man durch 12 Quin⸗ 
tens oder Quarten⸗Spruͤnge vom E nach e gehen 
will, wozu auch das Grifbret nicht groß genung, 
fondern man kann beyderlen mifchen, d. i. vor eine 
Quinte aufwärts die Quarte abwaͤrts nehmen, oder 
poreine Duinte abwärts eine Duarte aufwärts; 
alfo gehtesauch an bey diefen Rechnungen, daß, 
an ftatt zu vorigen Quinten ftetsdie folgende Duin- 
te zuaddiren, maneine Quarte 4:3 davon abziehen 
Eann, das heißt ruͤckwaͤrts gehen (h). 

Wenn man nun die Quinten ftets an einem Dre 
behält, fohatman auch nicht nöthig mit den Octa⸗ 
ven bis ins fechsgeftrichene c zu Elettern, fondern 
man Fann nur 2-1 gegen den Erceß der Quinten 
halten, ſo kommen die Woͤlfe anmarſchirt. Die 
erſte Art, da man ſtets Quinten zuſammen ſetzt, 
ſiehet bey Neidhardten S. 29 alſo aus: 


PER — — —— 
—88 4 
276 8 
81-.3+2- 16 
243-3". 32 
729-3°2- 64 

2187 "3-2. 128 

6561 -.3-2- 256 

19683 - 3-2=- 512 











59049 


h) Diele bequeme Art zu feinem Zwecke zu gelangen hat Neid⸗ 
hardt nachdem felbft gebraucht, wie zu fehen in deſſen atem 
Tr. ©, 5, und noch beffer im zten, ©.4 Siehe auch 
Por Sorgens Anmweifung zu dem Stimmen 

13, 


300 » IDas 5. Capitel. 

MR Bu re ER 
59049 - 3 * 2:- 1024 * 
177147 3 2 2048 
en 


—— — — — — 


——— 4096 Sunmme 
der Quinten (i) u 











ferner: 


® 
u Bu „Bu „u _ Eu Zu 





Tat 28 — 1 Summe 
der Octaven. m mn⸗ | 

Die andere Art, da Duinten und Duarten bald 
zugefest, bald abgezogen werden , fieher in Neid» 
hardts stem Tr. S. 4alſo aus: 


i) Diefer Proceß gibt auf beyden Seiten eine geometrifche 
Sortfchreitung, da rechter Hand der Name der Verhalt 
niß zift, linker Hand 3; oder (welches gleich viel ift) man 
gehtvon den Wurzeln indie Dignitsten oder Poten: 
tien, bis indie zwölfte, da Fommen nach der alten Alge—⸗ 
bra zu reden) Quadrate, Wuͤrfel Biquadrate, Jens: 
dezenſen, u. |. f. bis endlich die zwoͤlfte heißt Cubizens⸗ 
dezens. Dieſen Proeeß findet man (doch nicht eben der 
Muſik wegen) in völliger Ordnung in Hemelings ſelbſt 
lehrenden Rechenſchule S. 971, allwo er, nebit, an— 
dern Wurzeln, auch unfere Exponenten 2 und 3 durchführt, 
big indie iꝛte Dignitaͤt, juft fo weit, als es bier nothig 
ift. Die Namen der Dignitäten ftehen dabey, welche bey 
unwiſſenden gar leicht fo gut, als ein Brechpulver, eine 
Appellation an Ulrichen auswirken Tonnen, 





Don denmufitalifchen Rechnungen, 














I, 3 . 2 

an © 3 5 4 

Differ. ——8 
3. 3 2. 

die Summe 27: 16 

4 3: 4 

| 81 64 

5. fi: 2 

243: 128 

6 ‚3: 4 

779.,  S12 

7 3: 4 

ia 

2187 : 2043 

8 3: 2 

: 6561 : 4096 

9 3° 4 
19683 :16384 


59049 : 32768 
11. 5% 4 
177147 :131072 

12, 3% 3 


Renner. 


O 
O 


In mo sn vn 9 


u... + 


7 
—2 


zn Em mp >00 U 


301 





302% Das r, Capitel, 


— — 








531441: 262144 Summe der Quinten 
die Dita 1: 2 abgezogen 
BEER TR 


531441 : 524288 dieſes ift die Summe 
des Exceſſes, mie fie im Anfangunfers 6. 88 ge: 
fanden (k). | 

$. 89, 


Wenn nundie chromatifchen Klänge mit ein 
zubringen waren, fo mußte man zur Fheilung der 
ganzen Tone in zweene halbe ſich bedienen des Elei« 
nern halben Tons= 25:24, des groffen Lim: 
ma = 27:25, und des kleinen Limma = 138: 
128, () und daraus entfteht S. 30 des erften Tr, 
Neidhardts folgende Scale: 


Interualla. Hemit. min. 
Proportiones. —* 25 — 24. 
Proportiones copulatae. 900 — 864. 
Glaus. | C. C 
Limma mai, Hemit. mai, Hemit. min. 
272 25. 16- 15. 52 
800. 750, 720. 
D. Ds, E. 


Hemit,mai, Lim, min, Hcm, mai. Hem, min, 
re BET UBHT, vier. 


675. 640. 600. 576. 
* Fs. ud. Gs. 
Hem, 


k) Bey diefer Art erſcheinet num auf einer Seite, wo ſtets 
mit der 3 multiplieire wird , eine geometr. Progreſ⸗ 

ſion. 

1 Von ihrer Berechnung ſ. oben 9, 83 


Von den muſikaliſchen Rechnungen. 303 
Heim, ınai. Lim. mai. Hem. min. Hem. mai, 
I6--TS,. 27 25 27° 24.. 7 — 
540. 500. 480. 450 
A. | B. 4 H. c. 


Die goo vor Centſtehen auf die Art, wie $. 87 
von 180 und 972 gezeiget worden, wobey ein Lieb⸗ 
haber ſich ſelbſt im Rechnen uͤben mag (m). Mat⸗ 
theſons Vorſtellung hiervon iſt befindlich $. 190 
der Vorbereitung der Organ. Probe, allwo einige 
Groͤſſen anders geordnet find, wie er z. Ex. D ge: 
gen Ds angiebt = 25:24, Ds gegen & aber = 
15 215, daher auch deſſen Calculus anders werden 
müflen, und dem giebt er 3600 Fheile (n). 

Durch die Radication entfteht der Calculus, wel⸗ 
hen man zur Uebung ſelbſt ziehen, oder bey Neid: 
hardtenauffuchen kann; aus welchem erhellet, wie 
viel unreine Intervallen fich eingefchlichen haben. 





a Eu * 
Man hat ſich helfen wollen durch enharmoni⸗ 
ſche Claves, ſo von einigen fublemitonia genannt 
werden, daher die gebrochenen Claviere entftan: 
den find, dergleichen man noch viele findet, das iſt, 
daran zum Exempel zwey Taſten find vor 2, dieeine 
fol 


m) Neidhardts Caleulus it an ein paar Orten verdruckt, 
nehmlich S. 31 wird C : Cs fälfchlich hemironium maius 
genannt, da doch daſſelbige — 2524; eben daſelbſt auf 
der legten Linie muß an flatt: Sepzima geſeht werden : 
Sexta, 

n) Diefe Zahl und Neidhardts 900 find mit Prinzens 7200 
eineriey, ſ. deffen Kupfer in muſ. modulat, von diefer ift 
3600 die Helfte, 900 aber der achte Theil ; 1800 wär auch 
* aber ie Feines Die Zahl, defto Trichter iſt die Rech 


30 ri Das 5. Kapitel, 


—— — — — 


— — — — — — 
— 





ſoll die reine Sexte zu oder die reine Texz zu‘ an 
geben; die andere aber einereine ste zu D, und ſo 
mit andern mehr (o). Ja in der Organiſten Probe 
S.45 8 iſt gar ein Entwurf eines kommatiſchen 
Elaviers; das Urtheil davon enthaͤlt ſo viel, daß 
ein ſolch Elavier ſchwer zu machen, und noch 
ſchwerer zu ſpielen ſeyn wuͤrde. Eben daſelbſt 
8.27 des letzten Probſtuͤcks ſteht etwas von einer 
Orgel in Hamburg mit enharmoniſchen Taſten. 
Aber man kann mit ſolcher Flickerey nicht fortkom⸗ 
men, wenn man die Saͤtze binden, oder durch 
den Cirkel fpielen will; daher bleibt man billig bey 
der Temperatur (p'. Wenn man der Lehre we⸗ 

| taugen 


0) Bartolus nennt dieſe Taſten balbhalbe Semitonia, 
verwirft fie aber. S. auch davon Neinhardts erften Tr, 
5,36, und vor ihm Werkmeiſtern hin und wieder, als 

Harmonol..$e 54, 223; Hodeg. ©. 119 ; paradox. Diſe. 
E. u; Hypomn. C. 8, S. 25; welche Maͤnner zeigen, was 
daraus vor Verwirrungen entfiehen. Andere lobten fie 
hingegen. So nahm D. Albert Ban in feinem 
Ʒangh Blömzel eine groſſe Menge folcher Subiemito: 
nien an, |. Werkm. Harmonol. $. 73, ©. 44. Praͤto⸗ 
rius in der Organdaͤr. C. 40 des zweyten Th. ©.63 16: 
"  commendirt bey dem Clavicymbel das Einflicken folcher 

Taſten mie Macht, "man ſoll billig, ſagt er, dis und gis 
»ppppelt machen”. Er beſchreibt auch ein Clavicymbel 
zu Prag, daran alle Semitonia (er meinet die chroma— 
liſchen Taſten) doppelt geweſen, auch zwiſchen e und f noch 
etwas geſtanden. S. 190 gedenkt er einer Orgel mit dem 

doppelten dis, und noch einer andern S.197; ſ. auch T. 
II, e. c. IX, ©. sı. Von des Peſgro und Sup⸗ 

ichs Clavieren ſ. Walthers Buch. Murſchhaͤuſer 

lobt fie auch in der Akademie, ſ. Matth. erit, muſ. T.k- 

P. I, erſte Schneuzunug. Fuhrmann IM Trichter haͤl⸗ 
die Semiditen auch vor gut; alſo nennt er, * 
ik 


pP) Was Schröter von ſolchen Zigeuners Geſellen u 
F ucht 


Von den muſikaliſchen Rechnungen, 305 








gen die enharmoniſchen Claves nennen muß, ſo 

fest man rechter Hand ein kleines m oder d dazu, 
etwas erhoͤhet, ſ. Neidhardten S. 42 und folgen⸗ 
den, allwo zum Exempel zu finden Am, Ein, Ed, 
Cisdd U. ſ. f. | N armım tal 3 


+ 


I, gr} 
Wuas die Temperatur nun ferner betrifft,fohats 
te man ehedeffen die praͤtorianiſche, da man die 
Detaven, alle groffe Tertien und Eleine Sexten rein 
machen wollte, die andern Intervallen aber unrein 
(g). Nachher entftund die Gewohnheit mehren: 
theils.bey den Dietonifchen Tonerten zu. bleiben, 
und aus C* D*, Db, Eb, F*, &* wf.f.3u.fpies 
len, weil zumaldas Circuliren damals noch unbe: 
kannt; daher wurde auch die Eintheilung des Rom⸗ 
ma als des erſten und größten Exceſſes (P. 88) ſo ein⸗ 
gerichtet, Daß die gebraͤuchlichſten Tonarten am 
reinſten blieben, ſonderlich auch wegen der Trom⸗ 
pete, die uͤbrigen Tonarten wurden wenig oder gar 
nicht gebraucht. Zarlin nahm jeder Quinte 2 fie- 
benteleines Komma, undgab fieder Dwarte, wel: 
fiehe V. III, P, IV der Bibl, aus deffen Tr. DoiP der mu⸗ 
ſikal. Intervallen Anzablund Sig & 4. Bon Ge: 
* Claviere mit viertels Tonen ſ. S. 409 der Ehren⸗ 
pforte. | 
g) Werkmeiſter in der gruͤninger Orgel 6. 54 fagt, daß 
zwar noch oft der praͤtorianiſchen Temperatur acbacht 
werde; aber Praͤtorius habe fie nicht erdacht, habe es auch 
nicht vor feine Erfindung ausgegeben; f. was 9. 85 vom 
Praͤtorius geſagt worden. Prinz im ſat. Compon. C.7 
des zten Theils ſagt auf gleichen Schlag: "wenn einer 
NQuinte nicht mehr genommen wird, als Viertel Kom— 
"ma, kann es das Gehör — 


306 Dass, Capitel. 


ches noch etwas mehr ift als ı Viertel. Aber 
Werkmeiſter an vielen Orten, Neidhardt und 
einige mehr, theilten den groffen Ueberſchuß (das 
Komma) in 2 Theile, und liefen jede Duinte ı 
zwölftel Komma abwärts ſchweben. Da num 
deren ı2 find; fo traf die legte Quinte richtig ein 
mitder Detave, undein Modus wurde inder Mei: 
nigfeit dem andern gleich; das Eleine Woͤlfgen 
oder das Schisma, Fam nicht in die Nechnung, 
weil man deſſen ſubtiles Geheul nicht ſonderlich ver⸗ 
nimmt. | —* 

Wie man bey ſolcher Stimmung verfaͤhrt, folgt 
hernach; bey der ietzigen Ausrechnung bedient man 
fich einiger enharmoniſchen Verhaͤltniſſe, deren $. 
90 gedacht (t), woraus ein genus diatomico-chro- 
matico-enharmonicum entftanden , deſſen Berech⸗ 





nung Neidhardt im erften Tractate bepbringe 


S.42 | 
| $. ‚92. Er 20 2 

Er theilt nehmlich den Grundklang E, oder die 
ganze Saite von einem unbeweglichen Stege des 
Einfaiters zum andern im 97200 Theilchen, und 
bringt an etlichen Orten folgende enharmonifche 
Verhaͤltniſſe mit hinein, als das Diaſchisma, 
(2048 — 2025) das Komma, (81 80) das 
| groſſe 


#) Prinz in der zten Runſtuͤbung von der Quinte nennt es 
eine Weisheit GOttes, der die Natur ſo eiugerichtet, 
daß die Quinten ſchweben muffen. Mitzler V. J.P. IV, 
©, 18 ift damit nicht zufrieden, weil GOtt alles vollfom: 
men erſchaffen. Wenn gefragt wird, warum wir” tem⸗ 
periren müffen 2 fo antwortet er: um unferer Bequem: 
lichFeit willen, weil wir mollen viel Deranderungen 
haben durch die Ausſchweiffung in andere Tonarten. 


Van den mufitslifchen Rechnungen. 307 


groſſe KHeimitonum weniger ı. Roma, 
(256-243) eben daflelbige, weniger 2: Rom: 
me, (20480— 19683) und denen zu gefallen, fo 
das Buch nicht haben Eönnen, (zumal da es rar 
wird) ftehet die ganze Drdnung, wie er ſie S. 42 
und 43 hat, alſo: 








Interuall, Hem. min, | _ Diafehisma, 

_Proport, 2.025246... 20482025. 
Proport. cop. 97200—933 12, 922641. 
Claues " ih Cs,® 


Comma,'ı Hem, min, Comma)! Hem,min. 

81- 80. 2524. SIR  2p2-.o 

21125. 87480. 85400. 82944. 
— J 


Diaſchisma, Comma. Hem.min. Comma, 
2048— 2025, 81-80. 25224. 81-80, 
1820123... 81000. 9 77760, 1 ‚76800, 
IEDE TER VE NER, — 


'Hem.mal, Comma. Hein! min, Comma. 
comm. defic. ER BN: BE GR. 7. 2 u 8130. 
256-243. 72000. 69120. (8). 68258%. 

. 72900, 
o F, AR Fr‘ a Fs.d 


's) Hier ſteht in Reidhardts Buche unrecht 619120 ; dent ſo 


“mar diefes Stück Saite langer, ald das Cſelbſt. ‚Die 
Regel de tri entdeckte ven Fehler: 25 124==72000:69120, 


808 Das 5. Capitel:n - 
























Hei, nai. Comma, Hem, min. : Diafchisma, 

2 conm.def, 81-80. 25—24. 2048-2025, 

20480-—19683.64800, 62208, 61509}. 
65610, a 


G.m ——— 


Comma. Hem. min. Comma. Hemit. mai, 


81-80. 25-24. 81-80. comm.defic, 
60750.) 58320 (t). 357600. 256—243. 
| 54675. 

A.m — Bm. 


‚Comma.: Hem.min, Comma.  Hemit, mai, 
81-80: 2-24, 81-80, comm.defic. 
54000. 51840. 51200.: 256-242. 

‚7 | J 48600. 
B. H. 4? 3 & 

Wbenn er haͤtte die Brüche vermeiden wollen, fo 
hätte C in weit mehr Theilchen müffen getheilet wer⸗ 
den(u). Hernach folgt Neidhardts Calculus von 
S. 44:69; wer diefen vom Anfange bis zum: 
Ende nachrechnen kann, muß von dent Schöpfe 
mit einer gedultigen Gemüthsart begabt morde 
feyn. —E — — 

| $.93. 


e) Hier fteht eben dafelbft 58323, welches nnrecht ift, fo: 
abermal durch die. Proportions Negel bekannt wird + 
25:24 = 60750158320, 

a) Aus a licheln pflegt man auch im Rechnen das Fleinere zu 

wehlen; ja man Fonnge mit dem Zten Theile vor 
&= 32405 auskommen, und die Brüche murden chend 

nicht unverftandlicher. ai 








_ Von denmufitalifchen Rechnungen. 369 


- $. 93. | 
Wie dieſes Genus auf das Monochord zu tra⸗ 
gen, zeigeter E. 9, wozu ein Kupfer gehöre. Sol: 
ches aufzupappen, und danach zu flimmen , iſt 
nicht zu rathen, fondern es dienet zu einer Nor: 
ſchrift, wie man fich verhalten müffe, wenn ein an- 
der Papier. zuvor aufgepappet worden (w). Deſ⸗ 
fen 1otes Eapitel zeiget, mie diefe Temperatur bes 
ſchaffen, und daß in der zten Quinte der Eleine 
wolf (oder das Schisma nach $. 38) ſitzen blie⸗ 
ben(x). Am zıten Capitelift enthalten, wie die 
Intervallen auf: oder abwärts ſchweben müffen, 
wenn manjede Duinte ı zwoͤlftel Komma ernies 
driget, ohne daß man fich umdie andern Intervalle 
bekuͤmmert. Denn aus gedachter Einrichtung 
der Quinten folgt von ſich ſelbſt, ohne unſer ferneres 
Bemuͤhen, daß alle ru apart 
) groſſe halbe Tone (S 16: 5) A Kom 
warte ſchweben; en 
2 die groffen Fone (9 :8)E Komm. abwh. 
3) die Eleinen Tertien (6: 5) 3 abm. en. 
4) Die groſſen Tertien (5:4) 3 aufw. 
5) die Eleinen Duarren (4:3) Laufm. 
6) die groffen Duarten (45:32) 2 auf. 
7) dieEleinen Duinten (64:45) ab. 
8) die groffen Quinten (3:2) j abm. 
BR Ar U 3 9) die 


w) Border Unrichtigkeit der aufgepappten Kupfer f. Sor⸗ 
gens ration. Nechnung Sir. 

x) Aber bey der wirklichen Stimmung önnen wir nicht den 
Ortt des Wolfs heſtimmen; wenn es geräch, ift gar kei—⸗ 
ner da; wo wir fehlen, kaun er auch wo anders ſitzen, als 
beſh der achten Quinte, wo ihn Neidhardt ſitzen läht- 


310 ; "Dass Capitel. 


9) die kleinen Sexten (8:5) 2 abw. 

10) die groffen Sexten (5 :3) 2 auftv. 

»z#) DieEleinen Septimen(g v5) abw. 

22) Diegroffen Septiment 15:8) Zr aufm. 

13) Me Detaven (2171) bleiben ein. 

na mu . 1 94, HIST « | 

Im Anhange des erften Tractats S. 102. zeigt 
Neidhardt das wirkliche Stimmen, welches Anz 
fangen beſſer aufdem Clavieymbel lernen koͤnnen, als 
auf dem Clavichord, weil hier mehr als eine Saite 
zugleich klingen, ſie ſelbſt auch nicht allezeit bund⸗ 
frey ſind; bey jenem zieht man die Regiſter ab, bis 
auf eins. Wenn nun die Saite des abgetheilten 
Monochords nach der Orgel, oder einem andern 
Inſtrumente rein geſtimmt iſt vor E; fo ſimmt man 
das bloſſe e des Clavicymbels rein; alsdenn ſchiebt 
man den Laͤufer des Monochords von einem Inter⸗ 
vall zum andern, bis endlich h rein wird. Hierauf 
kann man nach dieſen Klaͤngen die obern und untern 
octavenweiſe ſtimmen ohne Monochord. Nach ei⸗ 
nem Regiſter des Claveßins ſtimmt man das ande⸗ 
ser Dritte uſſ. 

Ein geübter läffer.das Monochord. weg, und 
koͤmmt viel leichter und richtiger davon. Denn 
wenn er zucdie Duinte g fo richtig geftimmt, daß 
das Ohr garfeine Schmebung vernimmt, fo zieht 
er folches g um etwas faft unmerfliches abwärts ; 
zu ſolchem g ſtimmt er auf gleiche Weiſe d einge: 
ftrichen, und damit man der DeutlichEeit wegen in 
diefer Gegend des Grifbrets bleibe, ſtimmt man 
zu d eingefirichen das bloffe d völlig rein, hierzu a; 
hierzue eingeftrichen; mitdiefem muß e blos Fon 

— | uͤber⸗ 











Von den muſikaliſchen Rechnungen. 311 





—ñ — 


uͤberein lauten, wie alle Octaven. Nun iſt den 
Accord c; ggeftimmt, und man kann, bevor man 
weiter geht, durch deffen Zufammenfihlagung beob⸗ 
achten, vb: man etwa Die Quinten allzutief ges 
macht, welches man merkt an der Terz c, e, wenn 
fie gar nichts über ſich ſchwebt; oder ob man die 
Quinten allzuhoch gelaffen, welches wird gefchehen 
feyn, wenn die Terz unleidlich hoch ſteht. In bep- 
den Fällen kehrt man zurück, und hört, 10 der 
Sehler fteckt, und ändert ihn bey Zeit... Alsdenn 
geht man weiter, bisnicht nur das c eingeftrichen 
nie dem bloſſen c völlig überein ift, ſondern auch ge: 
gen f eine Quinte häft, welche juft ſo viel ſchwebt, 
als die porigen eilfe alle. Pfeifen laſſen das Zit- 
tern (Tremuliren) noch beffer hören, als Saiten; 
aber ich willniemandenrathen folchenach dem Mor 
nochord zu ſtimmen (y) Wenn der Anfang mit 
TI PR 44 Unutart Rt 


) Werkmeiſter in Hypomm, C. 10, ©, 30, hält es vor 
thörichtp Pfeiffin nach dem Monochord zu ffimmen, Als 
die neüe Drgel zu Jena fertig war, wollte Neidhardt ſol⸗ 
che ſtimmen, und dekam endlich die Erlaubniß, mit einem 
Gedaet die Probe zu machen / da er ſich denn die Muͤhe 
nahm; ſolches zu temperiren nach dem Monochord; Herr 
Bach aber, als Organiſt, thaͤt dergleichen mit einer ger 
deckten Stimme ohne Monochord , und am Ende wurde 
dieſes letztern Temperatur jener vorgezogen ‚wiedenn der 
Organiſt nachdem fein Werk ſelbſt geftimme ;- melches ich 
"aus feinen Munde habe Eine dergleichen Begebenheit 
Eerzehlt ein hildeshe imer Organiſt, Biermaun, ©. 13 
feines Tractats von welchen $.104 mehr Nachricht fol 
gen wird. Es wurde nehmlich die fchöne Orgel des Ma: 
rienſtifts zu Riechenberg vor Goslar gebauet im Anfange 
dieſes Jahrhunderts, da denn Jacob Meckenheuſer 
aus Goslar (welchen ich vor den halte, deſſen Tr. * der 
MIMZNNI al ea Pd RP „mmien Tem⸗ 


von 


>» 





312 0.9, Das 5. Capitel, 


Cgemacht worden, nach einem richtigen Blasin: 
firumehte, ſo gehtsiam beften nach dem Gehör ; 
manmuftedenn ganz befondere abgetheilee Stimm: 
pfeifen machen mit einem beſtaͤndigen Winde (z). 

TERN PR all) Sor⸗ 


Temperatur $. 85 angeführt worden, ob er ſchon allda 
noch einen Vornamen hat) dem Orgelmacher viel gute 
Wore gah, daß er die Temperatur nicht nach der Art des 
Haie ſondern nad) der, neuern, und nach feinen 
Mondv hord einrichten möchte. Endlich beliebte es derſel⸗ 
bige, doch ſollten mehr nicht als 3 Tage dazu angewendet 
werden. Sie bearbeiteten fir, 2, und 3. Tage mie 

aͤugſtlicher Sorgfalt, und ig. länger es wurde, deſto ſchlim—⸗ 
mer. gerierh 88, und Founten nicht zum. Zwecke gelangen, 
Endlich wurde der Orgelmacher verdrießlich⸗ Alb Hier 43 
damit bleiben ; und ob er den Meckenheuſer gleich vor die 
nen guten Rechner und Mathematiker hielte, zeigte er ihm 
doch dadurch, daß Saiten und Pfeifen inder Schwebung ı 
ſich nicht zuſammen fchickten. 5* 
3) Die Uebung dabey iſt das beſte; das Wetter ſoll billig 
lieblich und ſtille ſeyn; auch iſt der Menſch nicht ſtets 
uͤberein darzn aufgelegt, daß es zu einer Zeit immer beſſer 
geraͤth, als zu einer andern. Die Terkien neunt Werk⸗ 
meiſter und Neidhardt Richter, wegen ihres Dienftes, 
wovon vorher gefagt. Eine ſolche Stimmpfeife be⸗— 
kommt einen Stoͤpſel, welcher die iemperixten Tone nach 
der Berechnung des Monochords an ſich trägt’, die Pfeife 
felbft muß aber ſehr ſtark ſeyn, etwa von Meßing gegoſ⸗ 
ſen, und ausgebohrt. Billig aber ſollte man deren 2 ha⸗ 
ben, die eine etwa von e bis g, auf der audern hätte man 
die zwote Helfte der Octab, weil der Klang wunderlich 
wird, wenn der Stoͤpſel ſo weit hinein getrieben werden 
muß. Es wiirde ſodann die andere auch enger, Mit dem 
Nude ſie anzublaſen, giebt eine ungewiſſe Hoͤhe; alſo 

Fan man fie entweder auf den Windeanal feiner Orgel 
ſetzen, wern man dieſelbige darnach ſtimmen will, oder 
er das Inſtrument beweglich ſeyn fol, macht man bes 
fondere Bälge und ein Hein Windlängen ,: und fett folche 

Stücke zuſammen. Ich bleibe aber bey dem Stimmen 

auch dem Gehoͤr. 








wi 


von den mufitalifchen Rechnungen. 313. 


— 


Sorte in der Anweiſung zum Stimmen ©. 30 


wirft Die Srage auf: kann man nicht aud) mit 


den Tertien anfangen zu temperiren? Er ant⸗ 


mortet + "a, und zwar mit mehrerer Gewiß⸗ 


"beit, als mit denen Buinten, denn man kann 


"eher gewahr werden, ob man zu wenig oder 
"su viel gethan habe.“ Erftimmet alſo c, mit e 
eingeſtrichen vollkommen rein; hernach die Ter⸗ 
tiene, es e, as; as, cerft jede rein, und zieht fie. 
afsdenn etwas weniges aufwärts, daß ſie alle drey 
gleichviel aufwärts ſchweben. Nachdem aber nimmt 


3 Duintenzu Hülfe, und alsdenn kommt er wie: 
der auf die Tertien. Jedoch, was ſoll ich viel aus⸗ 
ſchreiben, da ein jeder das Tractaͤtgen vor 2 Gyr. 


kaufen Eann ? Es kommt auf die Gewohnheit an, 
deswegen geraͤth mir das Stimmen dur) Quinten 
bisweilen alfo, daß ich keine einzige Terz als Rich⸗ 
terin dabey darf zu ratheziehen. —J 0 — 


Beh den Orgeln kann man das Stimmen ohne 

Gefahr lernen, wenn man ein gut 8 oder afuͤßig 
Schnarrwerk darzu nimmt, weil man dabey nicht 
nöthig hat von der Pfeife etwas abzufchneiden ; 
nachdem mache man fich an die Gedackte , da nıan 
den Deckel nur höher oder niedriger treibt, wenn, 
man den Klang will niedriger oder höher haben. 
Aber. bey offenen Flötftiimmen muß man die Pfeife 
abſchneiden, wenn fie foll höher werden, aber etwas 
anflicken, ‚oder einbiegen, oder einhängen, oder auf 
yıY 25 ieh ng decken, wenn 
ie zu erniedrigen iſt. Dieſes ſchickt fich nicht vor 
2 a 


BR: 


ade. Das 5. Capitel, 


Liz 


r 





Euler (a), und mit ihm Mitʒler (b),.halten da: 
vor, daß bey Blasinſtrumenten durch die Wärme 
und Kaͤlte die Hoͤhe des Klanges ſehr veraͤndert wer⸗ 
de, ſo daß eine Orgelpfeife 4 und halben Schuh 
lang bey dem kaͤlteſten Wetter werde in Eecun: 
de ce) ſo viel Vibrationen weniger haben, .als bey 
dern waͤrmſten, daß fiemüffe einen ganzen Fon hör 
her ſtehen im waͤrmſten Wetter, alsim Fälteften, 
Ich will hierwider nicht ſtreiten, weil ich noch keine 
Verſuche anſtellen koͤnnen; aber doch fo viel fagen, 
daß daraus zu flieſſen ſcheint, daß die Orgeln zu 
mancher Zeit. unbrauchbar ſeyn müßten. ‚Denn 
wenn einer Pfeife von der genannten Länge: fovief, 
abgeht, fo fcheinet daraus zu folgen, daß andere, 
welche 3 bis 16 Schuh lang finds oder vielkleiner, 
nehmlich 2 bis ı Schuh, muͤſſen zum Theil noch 
mehr, als wganzen Ton, ‚höher klingen, zum Theil 
aber viel weniger; was wuͤrde daraus vor eine Har⸗ 
monie entſtehen (d)? Praͤtorius ©. 74, 75 der 

aa Nein Boot une hy Orga⸗ 


a) Im tentamine, von welchem ſ oben ſ ffcf. 
b) V.UIL,P.I, ©.124 und folgenden. 
ey) ESecunde iſt hier Fein Ihtervall, fondern eine gewiſſe Län 
ge der Zeit, der Softe Theil einer Minute, I. > 
3) Eine gröffere Fluͤchtigkeit der Luft kann folchen Unterſchied 
wohl nicht wirken, teil ſelbſt die Bibliothek V. J. F. VI, 
S22 anfuͤhrt, daß Derham gefunden, daß in einer, hal 
ben Secunde der Ton 571 Schuhe fortlaufe, wie bey 
truͤben, ſo bey hellem Wetter. Schnarrwerke 
werden in der Wärme niedriger, weil das Blat unter der 
Kruͤcke ſich weiter abbieget; aber hier iſt von ven Pfeifen 
ſelbſt die Rede. Sollte die Sache richtiger ſeyn, als ſie 
mir vorkoͤmmt; fo wären vie Stimmgeiſter deſto mehr zu 
warnen, nicht ſo fir zu feyn in Abfchneidung der Pfeifen, 
meil e8 fie gerenen mußte bey einer andern Art der = 
\ ı r « 





Inden mufißslifchen Rechnungen. 315 
Or graphie verdient, zugleich gelefen zu wer⸗ 
den, mit welchem ich, einige Aenderung nicht ver⸗ 
werfe, nur daß dieſe ungleiche Verſtimmung mir, 
noch nicht begreiflich iſt. Hierzu kommt, daß der. 
nen Orgelglocken ſolche ſtarke Veraͤnderung nicht 
ſol zukommen, folglich koͤnnten die. Glockenſpiele 
bisweilen nicht brauchbar ſeyn. ch bediene mich. 
des meinigen im Sommer uͤnd Winter, und ſpuͤ⸗ 
re keinen merklichen Unterſchied. Nur noch eins. 
Woher nehmen wir den Anfang des Stimmens, 
oder wie beſtimmen wir die Tiefe des E? Es ift bes 
kannt, daß die Orgeln nicht überein find, fo, daß 
der Mufikantnebft ſeiner Trompete ftets etliche Auf: 
füge muß in der Ficke tragen „ wenn er in mehrern 


Kirchen darauf blafen-foll;; ſo auch mit dem Wald⸗ 
horn; ‚aber wiefömmtman zu. vechte mit den Floͤ⸗ 
ten, Hautbois, Klarinetten, und dergleichen? 
Man wuͤnſchet Deswegen; nicht unbillig, daß die. 
Orgelmacher hierinnen einig wären, und daß fie: 
einegewiffe Regel; haben möchten. ; nach: welcher: 
fie einerlen Tiefe und Höhe zu finden ini Stande: 
wären. Aber hieran. fehlt e8 bis ietzz. Denn 
was Sauveur vorgeſchlagen, ift noch nicht zum. 
Stande kommen (e). Doch müffenwir nun weis‘ 
ter. gehen. ————— —9 ie en en ie 





$. 95. 


rung. ı Aber wenn dem auch nicht fo: wär ‚find fie duch 
zu warnen 3 denn bisweilen ſetzt ſich Unrath auf den Kern, 
oder an das Labium der Pfeife, daher ſie tiefer klingt; da: 
her ſollte man ſie lieber ausfegen, als abſchneiden. Denu 
wenn mit der Zeit das Werk reparirt wird, find derglei⸗ 

chen Pſeifen verdorben. 
e) Vor der Einigkeit wegen des erſtern, oder Grundtons ſ. 
| Dr 





1 N Das gidapieel\u nn 
— — 

Im zweyten Tractat, oder in der Feckion⸗ can. 

barmon. hat Neidhardt das zuvor nicht mit be: 
rechnete Schisma oder den Eleinen Wolf auch 
mit eintheilen wollen, und wie er Niemanden zur. 
gleichen Schwebung nöthigen will; alfo hat er 5, 
20 von feinen viererley Temperaturen die Ge 
danken, daß die erfte fich am beften ſchicke vor ein 
Dorf, dieandere vor eine Eleine Stadt, die dritte 


ze 


vor eine groſſe, und die vierte vor den Hof. 


re © INPEH HE 
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* y DEE TTE ET €? 
# »:4 wer 2448 


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om dritten Tractar gedenkt er S. 40, daR die 
Trompeten und Waldhoͤrner nicht zufrieden waͤren 
mit der gleichſchwebenden Stimmumg; es waͤren 
auch nach einiger Meinung die Abwechfeliingen der 
Zonarten bey Derfelbigen nicht hinreichend die Ger 
müther zu bewegen. Alſo ſchlaͤgt er wieder mehrere 
ungleiche Temperaturen vor; vor eine groſſe Stadt, 
vor eine Fleine, und vorein Dorf. Die Vorftel- 
Inng aller dreyen nebft der gleichſchwebenden hat er 
©. 44. Einenartigen Einfall hat er S. 47, daß 
der kleine Wolf, oder das Schisma, juft ĩ woͤlf⸗ 
telfeyoom ditoniſchen Bomma; woraus er 

r iche 


Orcheſtre 111, P. RC. IV, ero, allwo ang der Hiftoire 
del’ Acad, Roy.ide I’ annee 1708 angefuͤhrt wird, daß 
Sauveur einen gewiffen Rlang (num fram) Be 
fiimmen wollen, dadurch man ın des ganzen Welt biz 
nerley Stimmung erhalten fönnte, wenn man die Zahl 
der Bebungen davor annähın , zum Er. roo in der Zeit 
einer Secunde; (ſ, oben $.71) Es iftaber nicht augegan⸗ 
gen. 8. 119 denke ich abermal hieran, Not. d, 


Don den muſikaliſchen Rechnungen. 3m 


liche Folgerungen hergeleitet werden, welche man 
allda lefen mag... 17 2 ‚lansp 





6 TIEWESHT Yılın >20 | 
Telemann, wies: 67 gemeldet worden,  theilet 
die Octav in 55 Kommack); Der Fleinfte Fon ent: 
hältı Komma; die Detantheilterin s groffe Tone 
undr Komma, welhefind E, D, E, Sis, Gig, 
His, His, His und eſind um Komma unter: 
ſchieden. Siehemehrdavon in Sorgens ratio: 
nal Rechnung ©. 200 und folgenden; und von 
S. 222 an har: er dur) Breitfelds Beyhuͤlfe die 
Verbeſſerung des telemanniſchen Syſtems in loga⸗ 
rithmiſchen Rechnungen; S.238 hat er die lo: 
garithmiſchen Tabellen bis auf die abſolut Zahl 
1000, ſammt deren Gebrauch; und weil in den 
muſikaliſchen Rechnungen dann und wann die 
Busadrat: und Cubikzahlen mit ihren Wurzeln 
genennet werden ; folehrter S. 273: das Auszie⸗ 
benbeyder Wönrzeln(g), | 


10. Wi 58: “ 
Silbermann, ein berühmter und im vorigen 
Jahre (mo mir recht) verftorbener Drgelmacher in 


E) Aber es iftein ander Ding, alsunfer bisheriges, und hat 
mit gr : go garnichts zu thun. 

8) Sorge hatte auch ſchn vorher von Telemanns Sy⸗ 
ſtem gehandelt, im Vorgemach, welches hierdurch auch 
verfiändlicher wird. Als im aten Theile €, 7 des erften 
Stuͤcks; im sten Cap. des ten Stücks; im sten und 

‚aaften €, des zten Theile. Esift eine Einrichtung, fo eie 
niger maſſen der alten enharmoniſches Befchlecht vor: 
ſtellt, und Feine eigentliche Temperatur. Es kann. frey: 
lich die menfchliche Kehle mehr ausdruͤcken, als eine Orgel 
oder Klavier, wovon bey Walthern merkwuͤrdig das Epems 
pel des Ballius. 


318 Das g. Capitel. 0% 
Meiffen, hat durch feine Einrichtung Gelegenheit 
gegeben, auch) von einer filbermannijchen Tem⸗ 
perstur zu reden. Denn aus dem Fitel des zwep⸗ 
ten Geſpraͤchs, welches wir von Sorgen haben von 
1748, kann ſchon bekannt ſeyn, daß er zugleich von 
dieſer Lemperatur handele. Was hatte denn die—⸗ 
ſer Orgelbauer vor beſondere Einfaͤlle? Antwort: 
Er hat nichts davon geſchrieben, ſondern er wollte 
durchaus die gleichſchwebende bey ſeinen Werken 
nicht dulten. Er war nicht der Art, wie die erfur⸗ 
tiſchen, welche die Vorſchrift von denen, ſo den 
Contract zu beſorgen haben, annehmen muͤſſen, da 
allezeit die gleichſchwebende ausdruͤcklich anbefoh⸗ 
len, und bey der Probe unterſucht wird, ob eine 
Tonart ſo rein, wie die andere. Dieſe Maͤnner 
ſind auch dieſer Stimmung allbereit ſo gewohnt, daß 
ſie keines Organiſtens dabey ſonderlich benoͤthiget 
ſind, und wuͤrden es auch alſo machen ohne Vor⸗ 
ſchrift. Silbermann aber blieb bey ſeiner Stim⸗ 
mung; und entweder waren die Contracts— 
Schmiede dabey nachlaͤßig, und uͤberlieſſen es ihm, 
als einem groſſen Kuͤnſtler; oder man muß allda die 
chromatiſchen Tonarten nicht ſo ſehr lieben, wie an 


andern Orten (h), Ber 


V Ihh gebe den dafigen Organiften nicht ſowohl die Schuld, 
‚als vielmehr andern, welche bisweilen wiffen, daß fie fol 
he Borfhriften nicht verftehen, gleichwohl aber Das Des 
fehlen sicht gern an andere haffen. Nos poma natamus ! 
Mancher Gerngroß weis etwas vom Spielen, und da: 
durch verfuͤhrt er fich ſelbſt, und andere mit, daß die Mey— 
nung entſtehet, vs koͤnne ein ſolcher Kluger (quafivero!) 
hierbey einen Baudirector abgeben, "Eben als, wenn der 
Unterſcheid des bisgen Spielen gegen ſolche — 
| | a. 








| 5% & habe von Silbermanns Werken noch keins 


Don den muſikaliſchen Rechnungen. 319 


— 





zu fpielen Gelegenheit gehabt; Sorge aber hat des 
ven 2 beſpielet, zu Graiz und zur Burgk, alfo mag 
dieſer an meiner ftatt im angeführten Geſpraͤche da: 


von vedenin der Note (). 


! Se 
TION | | | EIERN 
nicht mehr zu bedeuten harte, Bisweilen erwirbt, die er- 


kenntliche Demuͤthigung des Arbeiters, die. Berfprerdung 


eines Klavier oder eines andern. Andenkens einen ſolchen 


Beyſtand umd Bruͤckentreter; bisweilenthutein Borwort 
eines angefehenen Anverwandtens oder eine andere Abfiche 


gleiche Wirkung ; bisweilen menget ſich auch eine Begier⸗ 
de fich zu vachen, Cohne zu wiffen, warum 2) ein privat 
Haß, oder der blaſſe Reid mitunter , da man nicht gern 


ſiehet, daß ein anderer mehr wiſſen ſoll. 


i) 


Er ſagt ©. 10, "die Triades:, as c,es s des, 5 as: ges, 
”b,des; h,dis; fisz und unter ſolchen ſonder lich sy c, es 


(ind ſehr unrichtig, will ich darzu ſetzen, weil etwas zu feh⸗ 


len ſcheint) — "es iſt wegen der ganz unleidlichen Quint 


”a5, es, die mehr eine Diſſonauz als Conſonanz iſt, uns 
leidlich zu hören, — will_G dur in feineTey H moll 
"ausweichen, ſo muß es durch die barbariſche Terz, fis, ais, 


geſchehen; will D dur in feine Sext, 9 inoll, ‚over in 


7 — Fis woll, ausweichen, fo weiſen ihm die fuͤrchterli⸗ 
"chen Terzen fis, ais, und cis, ais die Zaͤhne; will Adur 
"auch nur in feine Quint, die ja immer zur Hand ſeyn 
»muß, geben; fo fletſchet H, dis ſchon das Maul. Es 


find alſo von den 12 groſſen Tonarten nicht mehr als 2, 


5 und B deren natürlicher Bezirk (ambitus) nicht 


von den 4 Kettenhundenas, c; cis, eis ſis/ ais; und 
"5, dis angebellet wird. Wiewohl auch dieſe nicht gar leer 
"ausgehen. — Unter den 12 Fleinen Tonarten find ihrer 
"3, um der allzukleinen, und zur tieften Melancholey reir 


enden Terzen willen — den Dhren recht ſehr zuwider. 


— Wer fih auf einer ſolchen Orgel will hören Taffen, 


der nehme die 4 modos in acht, 5 Fr Dbrund Sb, 
in denubrigen 20 — werden ihn die GOrgelwoͤlfe — 


"bald 


320 Das 5. Capitel. 


Er erzehlt zugleich, Daß einige wackere Tonkuͤnſt⸗ 
ler Silbermannen zugereder, feine Stimmung an- 
ders einzurichten; allein es habe Niemand das 
Ba ihn von feinem Eigenfinn abzubrin- 
gen + 





$. 99 

Die bieherigen Temperatur: Schriften verdie- 
‚nen allerdings ihr Lob: aber es it dadurch Nie 
manden ein Verbot gefchehen meiter nachzudenken, 
fonft wär die Muſik Eeine freye Aunft. Wenig⸗ 
ftens hat Schröter in Nordhaufen durch das Anfe- 
hen jener groffen Männer fich nicht bienden laſſen. 
Manbeliebenachzufehen, was ich $. 35 von ihm 
und feinen Bemühungen gefchrieben habe. Def: 
fen Brief an Mitzlern wird Im gedachten Gefprä- 
che Sorgens auch angeführt ©. 65, allmo man 
auch Iefen Fann , was Sorge erinnert - der 

Stelle 


bald ihre Zähne weifen. — Wie Flingt die Triasas ,c, 
"es, mit fih, und andern Inſtrumenten? Nicht anders, 
»alg warn der Teufel mit feiner Großmutter ein 
Duett macht — u. ſ. f. bis ©. 30. 


Hier wuͤrden wir den Proceß ganz kurz machen nach den 
Sprichworte; zon defieir alter, , Bey einigen DOrgelma: 
chern iſts fein Eigenſinn, fondern eine Einfalt; ſolche muß 
man mit Liebe zu uͤberzeugen ſuchen. Bor zwey Jahren 
bey einer hieſigen Orgelprobe hatte der Orgelmacher ſich 
in die reinen Terzen verliebt; der Organiſt hatte aus mei— 
nem muſikal. Collegio begriffen, daB bey der ‚gleichen 
Schwebung folhes nicht möglich, welche Doc) der 
Drgelmacher follte und wollte beybehalten. Mein bis: 
gen Wir, war nicht vermoͤgend ihn feines. Widerfpruchs 
zu uͤber zeugen, fundern ein av] os mußte ihn.nöthie 
n anders zuftimmen, worauf ich fonftnicht gern verfalle. 

So nöthig iſt dieſe Rechnung den Orgelmachern. 





Von den muſikaliſchen Rechnungen. 323 


Stelle, da Schröter Neidhardten getadelt. Le⸗ 
ſenswuͤrdig aber ſind Schroͤters Gedanken in der 
Beurtheilung des kritiſchen Muſikus. Auf 
der 450ſten Seite der Bibl. V. III, P. II, will er 
mehr als 10 unverwerfliche Arten zu temperi— 
ren vorlegen koͤnnen (). Seite455 hater die Auf— 
gabe: einem Monochord fd viel Theile zu zu— 
eignen, als nöchig find zu beweifen, daß die 
12 einfache Klangſtufen gleich ſchweben. Er 
findet eine Zahl, fo nicht Fleiner moglich ift, ohne 
Brüche, melche die Nationes des mol Accords 
enthält, und 12 gleich abfallende Zahlen: ohne 
Brüche aufmeifen kann. 54 fehieft fich darzu, da: 
mit verfährt eralfo: 4. aa Kom ann 





E DE 65 KK 


Die Differenʒ ift zwiſchen allen 4. Wenn or 
ſolche Differenz unter die 3 halben Tone zwiſchen 
Cund Dis; unter die vier halben Tone wiſchen 
Dis und G; und endlich auch unter die x halben 
Tone ʒwiſchen G unde fo gleich vertheilet, als eg 
moͤglich iſt; ſo erſcheinen die Klaͤnge unter folgen⸗ 
den Differenzen: 54, 51, 48, 
sk: C, Eis, DO, . 
x | #5 


1) Bon feiner Theilung des groffen und Eleinen Am 
geredet $. 77 Not. t. inen Tons iſt obm 


322 Das 5, Capitel, 





45, 42, 40, 38, 36, 34, 32, 39% 2%, 27: 
Die, E, F, Fis, G, Gis, A, B, H, c. 

Dieſe Groͤſſen zuſammen gethan, thun 45r, 
welche er vor e annimmt, dem Caber doppelt ſo viel 
gibt, und alſo folgende gleichſchwebende Tempera⸗ 
tur zuwege bringt: | 
902, 851, 803, 758, 716, 676, 638, 
C, Cis, D, Dis, E, F, Fis, 

602, 568, 536, 506, 478, 451. 

G, Gis, A, 5 B, I), 5 
Bey der Unterſuchung (fagter ferner) wird man als 
ler Drtendie Schwebung abwärts antreffen, bey 
den groffen Quinten, Eleinen Zerzen, und £leinen 
Serten; aufwaͤrts aber bey der Eleinen Quarte, 
groffen Terz und groffen Serte (m). Er ziehet dies 
fe Arbeit vor der Meckenheuſeriſe chen, melde eine 
allzugroffe Zahl vor E annimmt, ‘160000000, 
auch der Besugrandifchen mit ı5 bis 16 Nul 
len. 
$. 100, 
Pythagoras mag auch zum Veberfiuß noch 
ein Woͤrtgen zu diefer Sache reden, E8 ſcheint 
zwar, als wollte ſich ein Widerſpruch dabey zei⸗ 
gen, indem die mehreſten bisher geglaubt, er habe 
nur einige, und zwar die bekannteſten Verhaͤltniſ⸗ 
fe. verftanden (9.75); allein Schröter hat andere 
Gedanken, welcher in der muſikaliſchen Inter⸗ 
vallen Anzahl und Sitz ſich vernehmen laͤßt, daß, 
in went 


m) Bon Sorgen Unterſuchung der ſchroͤteriſchen Temperar 
tur iſt d 85 etwas geſagt worden bey Schroͤtern ſeloſt, Not 
n. Ih habe ſie noch nicht geleſen. 


Von den mufitalifchen Rechnungen. 323 


wenn er dem kritiſchen Muſikus Eünftig jeigen wer⸗ 
de, die Verhaͤltniſſe der Intervallen fey längft be: 
ſtimmt, dabey vielleicht die pytbagorifche gleich⸗ 
ſchwebende Temperatur erſcheinen werde, wel⸗ 
‚he bey dieſem Altvater bisher Niemand ges 
ſucht (n). Mer den volftändigen Man folcher 
Temperatur fich mehr will bekannt machen, welchen 
er noch entdeckt, als ein Ereur Schüler in Dres: 
den, ſehe nach Bibl. Vol II, P. LI, S. 579. 


NT las Nie 

Herr Jo. Chriſtoph Breitfeld, fuͤrſtl. ſaͤchſ. 
zum kahlaiſchen Rathsweſen beſtallter beſtaͤndiger 
Kaͤmmerer, wie auch Feldmeſſer des Fuͤrſtenthums 
Atenburgu. ff. deſſen $. 97 gedacht, wird von 
Sorgen S. 305 der rational Rechnung vor wuͤr⸗ 
‚dig geachtet ein Mitglied der muſikaliſchen Geſell⸗ 
ſchaft zu ſeyn. Warum? Er iſt ihm behuͤlflich ges 
weſen in Berechnung der Octab nach: Felemanus 
55 rattonafgleichen Abfchnitten durch die logarith⸗ 
miſche Rechnung, welchen Calculum man daſelbſt 
©. 223 und folgenden leſen kann. Und wan die 
ganze Lehre von der Ausziehung der Wurzeln vor⸗ 
getragen worden; fo folgt ©. 290 Bleitfelds ra: 
tiönalgleiche Temperatur durch Auszlehung 
beyder Wurzeln. ©. 294 folgt eben dergleichen 
durch logarithmiſche Zahlen. S. 296 herech- 
net Breitfeld auch eine beynahe faſt rationalgleiche 
Temperatur durch Verbindung der Quinten und 
Quarten⸗Cirkel, und was mehr von ihm allda ſte⸗ 
het. Daß man aber noch nicht aufhoͤre, ſich wegen 
der Temperatur Rechnungen zu bemuͤhen; davon 
IE gebe 


A) Bihl, v; 111, P, IV, S, 713; 


324 Das 5. Capitel. 





gebe ich einen Zeugen ab. Denn mir iſt vor kurzer 
Zeit dergleichen Temperatur zur Nachrechnung 
und Beurtheilung zugeſchickt worden, ohne daß das 
geringſte Wort, oder Erklaͤrung bey ſolcher Menge 
der Zahlen zu finden geweſen. Den entfernten 
Ort, woher ſie kam, wie auch den vorzüglich zu eh⸗ 
renden vornehmen Goͤnner, unterſtehe ich mich nicht 
zu melden, ohne gegebene Erlaubnis, welcher mir 
ſolche zugeſchickt, nicht als feine Erfindung, ſon⸗ 
dern weil er auch Diefelbige von temanden zur Beur⸗ 
theilung empfangen (0). Aller: 
‚193 
Es wird mancher noch vor dem Schluffe diefes 
Eapitelswiffen wollen, was wir theils von — 
Wor⸗ 


o) Ich erklaͤrte mich hieruͤber alſo: ſollte ſie der Erfinder 
vor gleichſchwebend ausgeben; fo widerſpraͤchen ſolcher 
Gleichheit die fo gar ungleichen Differenzen bey dem Stei⸗ 
gen und Fallen, Sollte fie aber mit Vorſatz ungleich jeyn ; 
fo wär doch wider alle Gewohnheit c dur unreiner, (um 
nur aus vielen ı Erempel anzuführen) als andere Tonars 
ten, Denn das C hatte 3600 Komma, wie deſſen Theile 
su nennen dem Urheber beliebte; Eis hatte 10 weniger als 
€; Diso weniger alsCis,u.f.f. Wenn nun die Diffe: 
renz zwiſchen E und Fauch ıgo war; fo folgte hernach ein 
ungeheurer Sprung, da zwiſchen F und Fis nur 135 Dif 
ferenz; war. Ich weis nicht, ob bey der Antwort ich meine 
- Berwunderung merken laffen darüber, daß E und F fol 
ten gleich groffe Differenzen haben mit C: Kis, das iſt, 
gleich viel, und gleich groffe Theile, da jeder Anfänger auf 
einem Slavichord, fo nicht bundfrey, fehen Tann, wie ein 
langes Stuͤck Saite zu einem halben Tone in der Tiefe ges 
höre, gegen ı halben Tonin ver Hohe. Doc) ich fchliefle 
nnfere Rechnungen alſo: Der befte Troft bey allen 
Zwiſtigkeiten iſt der, daß man nach dem Gehoͤr 
gleich ſtimmen kann, ohne zu wiſſen, wer die Bech⸗ 
nung am beſten getroffen. 





Von den mufikslifchen Rechnungen, 325 | 





Wortrage, theilsvon dergleichen Stimmung vor 
Nutzen haben? Hierauf dient, daß man nicht nur 
geuͤbte Sinnen befomme durch folche mathemathi⸗ 
fchellebungen, fonderndaß man fi) dadurch wird 
inden Standgefest finden, die mehreften Bücher 
vonder Mufik mit mehrerer Einjicht zu lefen, da 
manche Stelle fonft ohne folche Erkenntniß möchte 
vorkommen feyn, wieder Kuh ein neues Thor (p). 


Sonderlich äuffern fih 2 Hauptnugen ſolcher 
gleichen Einrichtung der Tonarten, deren der eine 
beftehet inder Derfezung der Melodie, (Trans⸗ 
poſition) der andere in der Verbindung der Ton⸗ 
arten durch die Cirkelgaͤnge. Von jenem etwas 
zu ſagen, ſo will — LER! leiden, daß man 
J 5 von 


p) Will man auch) noch diefen Sa daraus ziehen, daß gar 
viel gehöre zu einem theoretiſchen Tonfünftler, und 
daß dergleichen billig vorzugiehen und in Ehren zu halten, 
fo wird man nichts umrechtes begehen. Sie find freylich 
ſo dicke nicht gefüet, als die praftifchen; und wenn auch 
ein Saͤemann vom Himmel Fam, feinen Saamen auszu⸗ 
fireuen, fo gedeyer nicht allerley Frucht auf allen Aeckern; 
und wenn fie aufeinigen wegen des Bodens Güte gedeyen 

koͤnnte, fo iſt das Unkraut oft dem Wachsthum hinderlich. 

Da reißt die Gedult, und man will geſchwinde aus der 

Lehre kommen, um ſich als ein Kandidat nach einem Diens 

ſte zu bemuͤhen, weil Drarthen die Zeit zu ‚lange werden 

will; bisweilen ift der Geiz daran Urſach, und man mil 

fein wohlfeil davon kommen, daher man beym Aecord 

weegen der Informatien fo wenig überhaupt williget, daß 

der Kehrer daran zu gebenken nicht Urſach hat, oder bey der 

monatlichen Zahlung bricht man die Lehre ab, che es da— 
zu koͤmmt. Man bildet ſich ein, es bringe Fein Brod; 
man koͤnne, wie andere, ohne folches zum Dienſte gelans 
gen, Deswegen habe ich noch wenige hierinne Fonnen 
recht weit anführen, 


m 


326 Das 5. Capitel, 


von transponirten Tonarten rede, meil nur die 
Melodie, nicht aber die Tonart verfegt würde. Das 
macht, meil er, mie oben gedacht, nicht nur die 
Höhe annimmt zum Unterfchiede der Fonarten, 
fondern wegen der ungleichen Temperatur find fie 
bey ihm dem Weſen nach, unddurc) die verfchie- 
dene Groͤſſe der Intervallen unterſchieden. Auf 
dieſe Weiſe kann freylich die Intervallen⸗Groͤſſe des 
Sons E* nicht bey D* gefunden werden. Ber 
aber gleich temperirt, folglich nur 2 dem Weſen 
nach. unterfchiedene Fonarten annimmt, Dur 
und Moll, der Fanngar wohl reden von der Der: 
fegung der Tonart an eine höhere und niedrigere 
. Stelle. Es iſt diefeg Transponiren 1) vergnuͤg⸗ 

lich, 2) nuͤtzlich, 3) nötbig. 
Vergnuͤglich iftes, wenn zum Ey. Allein 
GOtt inder Hoͤh ſey Ehr, bey ung alle Sonn: 
tage zu fingen ift, und dem Spieler fteht frey die 
Hoͤhe zu verändern, daß er folches aus dem E, 
(dann tiefer möchte es der Gemeinde nicht bequem 
feyn) F, Fis, G, Gis, A, auch wohl B ſpielen 
kann. So auch den groſſen Glauben aus C, Cis, 
D, Es, E und F, weil es tiefer und höher nicht 
wohlangehendörfte. Ich zum wenigſten liebe ſol⸗ 
che Veränderung fehr; auch redet allhier Niemand 
widerfolhe. So iſt esauch nic der Veränderung 
beym Spielen zum Ausgange aus freyen Gedanken. 
2) Nuͤtzlich ift e8, ment etwa nach dem Be⸗ 
ſchlüß einer Muſik oder eines Chorals gleich ein 
ander Lied anzufangen ; weil dem Spieler nicht alle 
zeit frey fteht, durch ein langes Vorfpielin den ges 
wöhnlichen Son zu gehen und Me Gemeinde aufzus 
halten, zumal wenn man die. zeit an der —— 
eo⸗ 








Du : > R 
Von den mufitslifhen Rechnungen. 327 


beobachten muß (q). Nuͤtz lich iſt es ferner zur Ue⸗ 
bung der Finger, welche auch muͤſſen lernen hurtig 
fortzukommen auf den ſchmalen Schrittſteinen, 
ich meyne auf den gefaͤhrlichen und Truͤbſals vollen 
chromatiſchen a ng ohne beftändiges Ue⸗ 
ben gar oft Steine des Anftoffens heiffen moͤ⸗ 
en (r). | 
' 3) ethig iſt ferner die (wo nicht allzeit voͤl⸗ 
lig gleiche, doch leidliche) Temperatur, wenn zum 
Exempel eine Muſik aufzufuͤhren waͤr mit Wald⸗ 
hoͤrnern aus dem D, und man ſolche nicht beyſchaf⸗ 
fen koͤnnte, wohl aber die Trompeten aus dem C;ʒ 
denn ſo kann entweder der Organiſt eine Secunde 
tiefer ſpielen, oder der Director der Muſik ſchreibt 
deſſen Stimme einen Ton tiefer; die beſaiteten In⸗ 
ſtrumente ſtimmt er alsdenn um ı Ton tiefer, um 
; nicht alles umfehreiben zu müffen (). Noͤchigiſt 
das Sransponiren, wenn bey feuchter Witterung 
bisweilen Eeine Saite halten will, oder die Melo- 
Die ift vor die Sänger zu hoch oder zu tief. er 
E4 Eine 











q) Sp auch wenn bey Collecten oder dem Segen der Ton des 

Prieſters mußgenommen, und nachdem fo gleich ein Cho⸗ 
val angefangen werden, da es denn fehr widrig lautet, zum 
Erempel im Fis auszuhalten, und im Ffortzufahren, 

r) Hierbey beſtehe ich nicht auf einer voͤllig gleichſchweben⸗ 
den; wenn die Temperatur nur alle Tonarten brauch: 
bar macht. 

s) Denn daß alle Inſtrumentiſten die Fertigkeit haben follten, 

” wie ein Organiſt zu transponiren, kann Niemand verlanz 

„gen. Es fiehen bisweilen Krethi und Plethi beyfanımen ; 
deren mancher muß dabey feyn, manche thun es blos 
zur Zuft, von welchen Feine folche Fertigkeit zu vermu— 
then. Sondern deren Stimmen werden entweder umge 
fehrieben, oder man verftimme die Inſtrumente, wenn 
die Orgel transponiren fo. 


328 Das 5. Capitel. | 


Eine feltfame Frage mwerfeich auf, ob man aus 
dur ins moll, oder aus moll insdur transponia 
ren koͤnne? Werkmeiſter fagt ja; und ſetzt hinzu, 
die Alten haͤtten ſonſt keine Transpoſition gehabt, 
als dieſe Ct). Wenn ich hier abbrechen follte, fo 
waͤr ich begierig die Gedanken einiger Lefer zu wifs 
fen, welche diejen fonft vernünftigen Werkmeiſter 
auf diefesmal vor verrückt halten würden. Aber 
um deſſen Ehre zu retten, befinne man fih, was 
oben 9,63 gefchrieben worden von einer andern Er: 
Elärung ver Tonarten dur und mol ‚ mwobey die 
Terz nicht mirin die Rechnung gebracht wird. Und 
fo wird jeder glauben, daß man zu dem vorgefegten 
Ja auch wohl noch ein allerdings fehreiben koͤn— 
ne (u). Was wegen der Vorzeichnung bey diefer 
Zranspofition zu merken, ift$. 64 beygebracht wor: 
den, Hier thue ich noch ein paar Schriften hinzu, 
welche mit Worſatz die Stanspofition abhandeln. 
Ron Haltmeiers Tractatiftoben gefagt $.64 Not. 
t. Alexandre Srere, ein Sranzos und Mitglied 
‚der acad. roy. de mufique zu Paris hat in feiner 
Sprache einen Fractat gefchrieben von der Trans: 
pofition (w). Eine Schrift von Metthefon, 





welche 1720 zu Hamburg heraus in 4 von 4 Bo⸗ 
gen, ift hier nicht zu vergeffen; fie heißt: Reflexions 
fur! eclaircifement d’unprobleme de muſique u. ſ.f. 

| Der 


1) ©, Seite 59 $. 1ogdeffen Harmonologie. 

uw) Daß aber einige Stücke in dur und mol! Fönnen aufgefuͤh⸗ 
ret werden , wenn fie nicht ausfchweifen, das hat wohl 
feine Richtigkeit; allein es iſt folches feine Transpufition, 
weil der Grundflang behalten wird, fondern eg iſt eigent. 
lich zu reden eine ganz andere Melodie. 

w) S. MWalth, Fer, 


Von den muſtkaliſchen Rechnungen. 329 


Der Urheber iſt nicht bekannt. Es iſt aber die Fra⸗ 
ge darinn abgehandelt: warum bisweilen die 
transponirten Tonarten denen natürlichen 
vorzuziehen? Es find i7 6, über welche Matches 
fon ſeine Anmerkungen gemacht hat (M. 


En $. 103. 


Der zweyte Hauptnutzen follte bey der Tempe⸗ 
ratur dieſer ſeyn, daß man die Tonarten durch 
Cirkelgaͤnge beſſer verbinden koͤnnte; oder uͤber⸗ 
haupt, daß man mehr Freyheit haͤtte bey dem Se⸗ 
gen und Spielen in andere Tone auszuweichen (y). 

Ber jemanden auf dem Clavier alſo eirculiren 
ſehet, wird denken, daß es dem Seßer eben fo 
lerht fen folche Gänge in die Noten zu bringen, als 
leicht dem Spieler ift, aus freyen Gedanken durd) 
alle Tone nach und nach zu gehen ; aber weit gefehlt. 
Aufden Linien und Zwiſchenraumen koͤmmt man 

7 nicht 


x) Wenn darinnen andere Gedanken find, als meine bishes 
rigen; fo ift die Urſache, wie mehrmals gemeldet wor; 
den, weil er die gleiche Temperatur nicht hatangenoms 
men, folglich einen ſtaͤrkern Unterſchied der Tonarten zum 
Grunde geſetzt hat, als die verfchiedene Hohe, 

y) Ich berufe mich abermal aufs. 63, allwo zu lefen ift, daß 
man bey der Ausweichung ineine Duinte auf + oder eine 
Quarte abwaͤrts jederzeit entweder 1 b weniger oder ein 
Creuz mehr befomme zur Vorzeichnung, aber bey der 
Ausweihung in eine Duarte anfs oder Quinte abwärts 
merde ein b mehr oder ein Creuz weniger , folglich find Die 
Sonarten miteinander fehr leicht zu verbinden , und — 
kann in jedem Tone den Anfang machen, und durch aten 
oder sten immer weiter gehen, bis bey der 1aten Auswei— 
chung man wieder in den Ton koͤmnt, in welchem man ans 
gelangen 


330 Das 5. Capitel. 


nicht wieder an den Ort, wo man hat angefangen : 
wohl aber auf dem Claviere. tn eng 
Borftellung gegeben Fig, 13 der Kupfertafeln, wo⸗ 
bey man fiehet , daß abwärts Duinten, oder mel- 
ches gleichviel (damit man nicht fo weit über oder 
unter das Linienſyſtem gerathe) aufwärts Duarten 
vorkommen; folglich iftesein Eirkelgang, welcher 
im Eanfängt, und nach 12 Sägen wieder in fol- 
ches Ckommen follte. Aber hier findet man für, 
ein Desdes, fo zwar auf den Clavier einerley Ta— 
ſte iſt mit C, aber nicht einerley Ort mit @ einnimmt 
auf dem Syſtem. Wenn die Intervallen der Ans 
zahl der Stufen nad) ſollen den Augen fo groß vor; 
Fommen, alsihr Name angiebt, fo ift Fein Notens 
Schmid im Stande, diefes Erempel anders vors 

zuftellen. | 
- Ein ander Erempel durch auffteigende Quinten 
oder abfteigende Duartenf. Fig. 14. Diefes macht 
nicht fo viel Unluſt in der Zeichnung; doch ift man 
zulegt im his, fo aufdem Elavier mit ceinerley Ta⸗ 
fte hat, und in welches c man wieder hat Eommen 
follen. Exempel von meichen Fonarten herzufegen 
iſt wohl nicht noͤthig; fie Fönnen eben Eeinen andern 
Ausgang haben. Nur fragt fih, was zu thun, 
wenn ein Seßer folhe Gänge auf das Papier zu 
malen vor hat? Denn folche Zeichen, zumahl wenn 
fie mehrfach zu ftehen kommen, find den meiften fehr 
fürchterlich. Iſt denn Fein Mittel vorhanden, wies 
der aufdie erſte Stufe am Ende zu gelangen? Ich 
ſage hierzu zwar ja, aber man muß fich gefallen laſ⸗ 
fen, einmal wider die Gewohnheit der Augen 
die Groͤſſe des Intervalls zu mehren, Oder zu 
mindern, daB Gum Eyempel) eine Quinte 4 a 
* 


IR 


Von den muſikaliſchen Rechnungen. 331 





6 Stufen zehle. Wenn man weit in die chroma⸗ 
eifchen Zeichen kommen iſt, fo wird man durch dies 
ſes Mittel in das widrige Zeichen fallen, und den 
Gang glücklich zu Ende bringen Eönnen. An ſtatt 
des Exempels Fig. 13 befeheman Sig. 15 (2). 
Aus 2 Uebeln wehlt manalfo hier das Eleinere, fo 
koͤmmt man wieder auf die erfte Stelle. Das 
ErempelFig. 14 würde num alfo werden, wie Fig. 
26 zu fehen (a), fo kaͤme man wieder an den ver⸗ 
langten Drt. | - 
Bey moll Tonen ift diehöchfte Anzahl der Creuz⸗ 
gen und b(nehmlich fechfe) bey dis undes zu finden, | 
nach 9.645 alfo find nachdem die Aenderungen am 
beften vorzunehmen. Doch findet man Epempel, da 
man es etwas fpäter gethan(b), Zu mehrerer Si, 
| I, 


2) Hier Fam man bey der fechften Quinte in ges dur, wel⸗ 
ches nach $. 64 Fan 6b oder 6 Crenzgen haben. Wenn ic) 
wollte weiter abwärts gehen durch Quinten, muͤſte ich in der 
Tonart ces ſieben bhaben; aber da anf dem Clavier das 
ces mit dent b einerley, fo ſetze ich diefes h für ces; folge 
lich wird die 7te und gte Note wie eine Terz ausjehen, da 
fie doc) eine Quarte halten. Oder wenn ic) hätte Die ste 
Note 1Octav tiefer geſchrieben, hatte die Quinte wie eis 
ne Serte ausgefchen, 

2) Bey der sten Quinte kam ich in fis. Solches fis due 
hat nach $. 64 ſo wohl 6 Creutz, als ges dur 6 b hat zur 
Vorzeichnung. Wollte tch weiter ſteigen durch Quinten, 
fo kaͤm ich in cis dur, welches 7 Creuz hat. Weil es aber 
auf dem Cavier einerley if mit des dur, welches nur g b 
führt ; fo habe ich allhier das Antervall der Onintenm 
ı Stufe gröffer gemacht. Denn fis gegen des iſt fonft 
eine te; hier aber muß man es vor eine Duinte gelten 


laſſen. | 
B) Wenn man nicht geſonnen iſt den Gang völig durchzufuͤh⸗ 
ren, 


33% . Des 5. Capitel, 





——— >... 
lichkeit fegeich noch ein Exempel Fig. 17 ineiner weis 
chen Tonart, welches fchon 3 Creuzgen führt zur 
Vorzeichnung, aus fismoll, Die 4te und ste 
Note fcheineneine Terz zu ſeyn, da doch das Gehör 
fie vor eine Duarte erkennen muß. Noch ein Exem⸗ 
pel, welches zur Vorzeichnung 2 bhat, aus g moll, 
findet ſich Fig. 18. 

Der Ausuͤbung zu Gefallen ſage ich noch folgen⸗ 
des von ſolchen Gaͤngen. Wie man im Eirculiven 
die harten Tonarten kann allein behalten, ohne die 
weichen, oder die weichen ohne die harten; ſo ſteht 
uns auch frey bey jeder harten Tonart fo gleich defz 
fen liebe Schwefter mit einzuführen, das iſt, Diejes 
nige weiche Zonart, fo mit jener einerley Vorzeich: 
nung hat, undumeine Eleine Terz unter jener zu fin⸗ 
den iſt (e). Dasverfteht fich aber von felbft, daß 
man im Ernfte nicht wird bey jeder Note einen 
Schritt weiter thun; fondern bey dem wirklichen 
Gebrauch mußman, wo nicht bey allen, doch dann 
und warn bey einer Tonart ftille ftehen, daß die 
ſchnellen Veraͤnderungen das Gehör nicht beteidi: 
gen. | 

Die Mufifmeifter haben verfchiedene Arten fol: 

her Cirkel im Heinen vorgeſchlagen; nach welchen 
=; man 


ren, fondern nach 8, 9 u. f.f. Quinten wieder juruͤcke zu 
kehren, iſt ſolche Verwechſelung der Zeichen auch nicht 
noͤthig. 

e) Sp viel giebt das Gehör, daß es ſchoͤner laufe, wenn der 
sten Gang abwärts geführt wird, als wenn man fih fol; 
cher sten aufwärts bedienet; abwaͤrts lautet es wie ein 
ordentlicher Schluß, zumal, wenn man eine Fleine yme 
nachſchlaͤgt, wie es bey Schlüffen gewöhnlich. 


Von den muſikaliſchen Rechnungen. 333 


— — — — — — — — — — — 








man auch groͤſſere Stuͤcke ausgearbeitet hat. Zu 
beyden bitte ich noch um eine kleine Gedult. 

Heinichen im Generalbaß hat einen ſolchen 
Cirkelgang im Riſſe, und deſſen Text giebt Nach 
richt von deſſen Gebrauch (d). Er hat die Geſchwi⸗ 
ſter jedesmal zuſammen geſetzt, daher dur und moll 
alſo abwechſeln: E*, A, ©, Et, D*, He), 
Ar, Fis!, E, Ei, Hr, Si, Fis*, Dis’, Eis”, 
6, $, Die, 8,0, 8, 


Bellner in ſeinem Generalbaß hat einen andern 

©. sgund 6o in Kupfer vorgeſtellt, ben jeder Ton⸗ 

are fteht deren Borzeichnung. An Heinichens 

Cirkel feßt er S. 63 etwas aus (k). Wie diefer 

Cirkel durch sten gieng, fohater S. 72 auch einen 

andern durch gten. | 
Mattheſons Cirkel ift zu finden in der kleinen 

Generalbaß- Schule, welcher 2 harte Tonarten 

nach einander nimmt, hernach auch 2 reiche, alfo: 

E,G,E,H,D, A, Fir, Cr, E, H,O, 

| DIE, 

d) Auch ſchon in der erften Ausgabe, allwo es S. 263 das 
ate Kap. des 2ten Theils ausmacht. Er zchlte dafjelbe _ 
damals unter die Geheimniſſe. Doc war das Eirkus 
liren fchon vorher bekannt, wovon wir ein Beyſpiel finden 
an Werfmeiftern in der Harmonologie, d. 52, 53,54 

e) Hier war ein Druckfehler, weil dur ftund für moll, 

f) Weun ein Modus durch 6 Creuz, oder 6b kann vorgeftel: 
let werden, wie $. 64 ſolches bemerkt worden an Fis* oder 
Ge3*, ingleichen an Dis® over Esb; fo hält er mehr von 
6Creuz, als 6b. 6. 64 ſage ich das Gegentheil. Ob 
1 in nu ug —— gemacht, als er 

ge, moͤgen unya hei 
ſie des Spielens an a 


334 Dass, Capitel. 


Dis’, Fis“, Eis‘, B, Fe, Gis* (oder Yen), | 
DIE, EC, G, BF, D, A le | 
- Sorge hatim Vorgemach auch dergleichen, auf 
Der 26ften Kupfer Tafel. Hier finder man dievos 
rigen beyfammen ; unter allen ift inwendig die Vors 
zeichnung jeder Fonatt. * 
Witzler hat ſolche Materie, nehmlich die Ver— 
wandtſchaft der Tonarten, berührt S. 123. des 
zweyten Bandes im erſten Theiili. 
Humanus hat in ſeinem mehrmals genannten 
Werke ſich auch darum hekuͤmmert, welcher die 
Meynung hat, daß eine naͤhere Verwandtſchaft ſey 
zwiſchen einer Tonart, und zwiſchen der Tonart der 
Quinte auf⸗ und abwärts, als zwiſchen dur und 
moll, ſo gleiche Borzeichnunghaben (hy. 
Was aber die wirklich zum Gebrauch ausgeats 
beiteten Cirkelgaͤnge betrifft, fo dörfte wohl 
Mattheſon inder Organ. Pr. ung den erften vor: 
gelegt haben, ſo viel mir bekannt G). Man findet 
ihn im soten Probſtuͤcke des erſten Theils vom 23ſten 
bis zum 35 ften Tacte (k). "3 5 
Naͤchdem hat Sr. Suppig, Drganift zu Dres⸗ 
den, fein Labyrinth herausgegeben, ſ. Walthern, 
| | wie⸗ 


8) Sorge tadelt, daß Mattheſon die verwandte moll 
Tonart der dur Art vorſeizt, da es doch auch hier heiſ—⸗ 
ſen ſollte * er ſoll dei DRS ſeyn. 

h) Sichedeffen stes und 6tes Caꝰꝰ. | 

1) Wieohl Scoberget fat vor 100 Jahren eine Canzone 
durch das ganze Elavier geführt, durch den Quarten : Und 
Duinten Eixkel, wie Werkmeiſter anführt im muſikal. 
Memorial ©. 37. Be 3 

&) Die Abwechfelung der Zeichen bringe er zur Uebung et⸗ 
song ſpaͤt au. | | 


Don den mufikalifchen Rechnungen. 335 


— ir retten ea 
wiewohl er nicht anjeiget, obs der Cirkel der aten 
und ztengeweſen, oder ein anderer. | 

Denn daß man auch andere Eönne angeben, hat 
Schröter duch) fein Beyfpielzeigen wollen, welcher 
der Benrtheilung des Fritifchen Mufikus auch ſol⸗ 
che Gänge einverleiber, und zwar einen vierfachen 
durch groſſe Terzen,und einen dreyfachen durch 
kleine Terzen, beyderley fo wohl ab⸗ als aufwärts, 
Sa er hat fo. gar einen afachen der groffen Ses 
eunde (D. Er: 2:08: 
Soo rcge hat Eirkelgänge laffen in Kupfer ftechen, 
wie denn bey dem Lauteniften Haffnern in Nuͤrn⸗ 
berg nicht nur zu haben find deſſen Ausweichungs⸗ 
Tabellen, in welchen auf gfache Art gezeiger wird, 
wie einejede Fonart inihreneben Tonarten auswei⸗ 
chen Eönne, in fol.vor 10 Ggr; fondern auch deffen 
verbefjerter muſikaliſcher Cirkel, welcher die 
24 Tonarten in der allernatuͤrlichſten Ordnung in 
einer auf dem Clavier zu ſpielenden Fantaſie durch⸗ 
geht, in fol. Ggr. | 

Noch curiöfer war es, als Telemann im Jahr 
1744 feinen Jahrgang vonKicchenftücken zu Ruͤrn⸗ 
berg in Kupfer ftechen ließ, und in demfelbenam sten 
Sonntagenad Frinit. die falſchen Propbeten in 
Schaafskleidern durch einen völligen Quinten— 
Cirkel vorftellete, aus B* durch alle 12 harte Fon- 
arten. Die Vertauſchung des b mit dem Ereuz 
bringt er ganz vechtan bey Ges, welches er in Sis 

ver⸗ 








1) ”Welcher zwar fremde ſcheinen moͤchte, (wie er hinzuſetzt) 
"aber in traurigen Ausdruͤckungen laͤßt er ſich wohl braus 
— iedoch Fi ab; als — ————— —8 

rattat Davon heraus zu geben ſich vorgeſetzt; ſ. Mitzl. 
Bibl. V. Il, p. IV, ©,744,745,746, 


336 Das s.Capitel, 


verkehrt, wovon die igte Figur ein Stück vorzei- 
get (m). | 5“ 

Die einzige Trompete ift noch im Wege, daß 
durch die erzehlten Nutzbarkeiten der Temperatur 
noch) nichtalle folche anzunehmen bervogen werden : 
allein: 1) iſt deren Gebrauch nicht fo gemein, als an— 
dere Arten der Muſik, und man orgelt, man fingt, 
man ſpielt mit Violinen u. ſ. f. wohl 10omal, ehe 
einmal die Trompet gehoͤrt wird; 2) darf man mit 
deren vorgegebenen Einrichtung ſich nicht ſo ſehr 
mauſig machen, (wie wir hier zu reden pflegen,) 
weil fonft daraus folgen würde, daß wir ung kei⸗ 
nes f müßten bedienen. Denn mer diefes f auf 
diefem Inſtrument gegen © vor einereine Quarte 
hält, muß fürwahr ein ganz befonder Gehörhaben, 
daes dem fis weit naͤher iſt. Eskann aber eingus 
ter Blaͤſer bisweilen 3) auch ſolches Inſtrument, 
wie das Waldhorn, etwas zwingen‘, daß es bey 
unferer Muſik doch nichtgar.vermerflich wird. Sie: 
he was 9, 278,Not. f vonder Trompete vorkommt, 

% Das 


m) Wie. die Aufführung bey und sum Predigern damals 
abgelaufen, ift nicht noͤthig zu ſagen; ein jeder kann fich 
ſolches vorſtelien, welcher berichtet iſt, 1) daß man bey uns 
nichts vorher probirt, was zu muſiciren iſt; 2) daß unfer 
den Helfers:Helfern die mehreften nicht weit Eommen 
find, was die Theorie der Muſik beerifft ; 3) dab beydem 
ganzen Ehor Feiner war, auſſer mir, welcher von Cirkel⸗ 
aͤngen iemals etwas gehoͤrt oder geſehen. Daher, als es 
dorbey, kam bald dieſer, bald jener, und fragte: was 
zwar denn das? Aber die Frage War zu fpat. Das 
waren recht falſche Propheten; umd vielleicht, wo nicht 
400, doch eine ziemlich beträchtliche Anzahl wirklicher 
Baalspfaffen, (1. Buch der Kön. E18) deren Anar—⸗ 
monie vorftellete ihre Angſt und Verzweifelung, da des 
Eliag Wilrgemeffer ihnen ſchon an der Kehle ſaß. 








u. 


Don dem Örgelwerke überhaupt. 337 


— — 








— — — 


Das ſechſte apitel. 


Bon dem Orgelwerke über: 
haupt. 


8. 104 von etlichen hierhergehörigen Schriften; 6. 10% tr: 

ſpprung der Orgeln ; $. 106 Einfalt der.alten ; €. 107,108 
die Namen der Theile einer Orgel; 109 fonderlich von den 
Windladen; K. 110 vom Windkaften; $.ırı noch andere 
Theile ; $. 112 vom Grifbret; 9.113 vom Pedal ; $. 114 von. 
den Bälgen; $. us von den Canaͤlen; $. 116, 117 von 
der Materie und Geftalle dev Pfeifen; Sg, 119 ihre 
Stimmung ; $. 120 gemifchte Stimmen; $, 11 big 126 
verfchiedene Beynamen'der Regiſter; $. 127 Kammer: 
Regiſter; $.128 repetirende; $. 129 fihmellende ; $. 130 
nahahmende; (. 131 Unterſchied der Regiſter in der Groͤſ⸗ 
ſe; 9.132 Beweis, daß keine Quiute koͤnne a2, 6, 3 Oder 
13 fuͤßig ſeyn. 





§. 104. | 

m beftenift es, gleich Anfangs diejenigen 
Schriften bekannt zumachen, worauf ich 
bisweilen mich berufen werde, und durch 
deren Gebrauch ich meine Erkenntniß der muſi⸗ 

kaliſchen Mechanik nicht wenig befoͤrdert habe. 
Bendeler, (Jo. Phil.) Cantor und Schulcol⸗ 
lege in Quedlinburg, hat eine Organograpbie 
heraus gegeben, 1690 in 4, gedrucktauf 6 Bogen 
zu Merfeburg, aber zu haben in Stanffurt und 
Leipzig. Diefes ift fonderlich den Drgelmachern 


dienlich (a), - 
Bier: 
a) Er war buͤrtig von Riethnordhauſen, einem Dorfe, zwi— 


ſchen Erfurt und Bebefee, Deffen übrigen Tractate find 
unten, is zu fuchen, 


338 Das 6, Capitel. 


Biermann, (Jo. Hermann) Drganift zu Dil 
desheim, hat dafelbft drucken laſſen: organogra- 
Phiam [pecialem hildefienfem, 1738, 4, 4 Bogen, 
welche 20 Drgeldispofitionen enthält, nebft einer 
Vorrede von 2 Bogen (b). 

Borberg Chriſtian Ludwig) Organiſt zu 
St. pen und PauliinGörlis, hat eine ausführ: 
liche Befchreibung der groſſen neuen Orgel da- 
felbft heraus gegeben, 704, zu Goͤrlitz, in 4, auf 
3 Bogen, mit der Vorſtellung des Werks in 
Kupfer (ec). 2 

Carutius, (Caſpar Zunft) hat ung geliefert : 
examen organi pneumatici, oder Drgelprobe, zu 
Küftrin, 1683 (d). 

Ehalesift$. 85 gerühmt worden; aber deffen 
allda genanntes Werk wird in den folgenden Capi⸗ 
teln oft anzuführen feyn (e). 

Saber (Matthäus) hat eine Nachricht gefchries 

benvon der mwittenbergifehen Schloß: und te 
en 





b) Die Borrede ift eigentlich eine Dedication an 2 Aebte und 
2 Probfie. Daßer vorher 17 Jahr lang Drganiftzu Nies 
cheuberg genefen, ſteht im Tr. S. 14. Seine Schreibart 
hat etwas beſonders, vielleicht nach daſiger Landesart; 
oder er hat die Namen der Stimmen abgeſchrieben, wie 
die unverftändigen folche angezeichnet. Alſo Schreibt er 
Gedacht, für Gedackt; Hollfloie für Hohlfloit; 
Trechtregal fuͤr Trichterregal, u. |. w. 

c) Man findet von etlichen Stimmen befondere Nachrichten, 
welche man anderswo vergeblich fucdht. 

d) Er war Organiftin Küftvin und Kelfermeifter des Kurs 
fürftenszu Brandenburg. Noch etwas von ihm folgt her— 
nach bey Werkmeiſtern. 

e) Denn die ietzt anzuführenden Buͤcher gelten bey etlichen 
folgenden Gapiteln, 





Von dem Orgelwerke überhaupt. 339 





ſchen Stiftskirche zu den Allerheiligen, ſo der Or— 
gel wegen auch zu merken. 

Fricke, (Elias Prediger in dem Muͤnſter zu 
Ulm, und oͤffentlicher Lehrer der katechetiſchen Theo⸗ 
logie, ge: eine Beſchreibung des dafigen Muͤn⸗ 
ſters mie Kupfern herausgegeben In 4, 1731, über 
1 halb Alphabet haltend, morinne die Orgel, wie 
fie damals war, zugleich befindlich (F). 

Se - (97. Jo. Yeinv.) hat eine Ehronif 
und Befhreibung der Städte Lalbe, Aken, und 
Wansleben gemacht, welche 1721 heraus Fam 
von Chriftian Genſch in fafciculo opufeulorum 
hiftoricorum feledo, in fol. zu Halberftadt, in 
welcher die Drgel zu Calbe S. 43, diezu Wansle⸗ 
ben ©. 143. befchrieben ſtehen. | 

Hertel,(Matthaͤus) Drganift zu Zülichau, hat 
| auch eine Örgelprobe gefchrieben; wie es ihm da> 
mit ergangen, fteht bernach bey Berfmeiftern. 

Hogſtroͤmns (17. Pet.) Belchreibung des 
ſchwediſchen Lapplandes wird im folgenden Ca⸗ 
pitel auch angeführt, welche 1748 zu Kopenhagen 
und Leipz. heraus iftin 8, ausdem Schwedifhen 
ins Deutfihe überfegt. 

Rirchers Muſürgie im sten Buche von ©. 
506 deö erften Toms bis 516, wie auch an andern 
Orten handelt von den heilen der Drgel, Propor- 
tion der Pfeifen der Pänge und Breite nach u. f. w. 

BKirſt (Mich.) war Organift zu Breßlau, als 
die groſſe Orgel zu St. Maria Magdalena 

92 durch 


f) Daß der jüngere Herr Walther allda Organiſt fen, MS-r 
gejagt, und, wie ich höre, it das Werk fing der Zeit veran: 
dert worden, | 


340 Das 6. Capitel. 








durch Nödern gebauet wurde, welche auf zwiefa— 
che Art in Kupfer auf zufammen gepappten Bogen 
voraeftellt, und von ihm, nach feinem Fode aber 
von den Nachfolgern den dahin veifenden Liebha: 
bern überlaffen wird (g). 

Kretſchmar (M. Gottfried) hatals Paftor | 
primarius zu Görliß 1703, die Einweihungs⸗ 

Predigt allda gehalten über dieneue Orgel, welche 
1704 mit Borbergs gedachter Befchreibung ges 
druckt worden (h). 

Mattheſons volltommener Rapellmeifter 
hat ſehr vielvon diefen Materien. Das 2aſte Ca⸗ 
pitel des zten Theils gehört hierher (i). 

Witzler gehört hierher wegen der ietzt gedachten 
Anmerkungen; mie er denn auch Werkmeiſters 
Orgelprobe auf gleihe Art durchgeht V. I, 
P 





IV. 

Nieds (ſ. oben $. 53.) zweyter Theil feiner 
Anleitung gehört vorzüglich hierher , fonderlich 
nachdem Mattheſons Anhang von fo vielen Or⸗ 
gelwerken darzu gekommen (k), 

Praͤtorius iftunter allen der wichtigfte, megen 
der Organographie, oder zweyten Toms, welche 
zu 


’ 8) Die eine Vorftellung enthaltden Proſpeet der Orgel und 
des Chors, ohne einige Befchreibung ; die zwote iſt et⸗— 
mag Fleiner, und ftelft nach dem verjünaten Maßſtabe 
Die * vor, wie auch die Dispoſition des ganzen 
Werks. 

h) Er handelt von einigen hierher gehoͤrigen Materien. 

i) Er handelt vom Orgelbau, Winde, Windwage, Gegen: 
gewichten, u.f. m. Miglers Erinnerungen hierzu ſ. Vs 
III, P, III. ©. 502 ’ 521. 

K) Bey diefen Dispofitionen find viel Anmerkungen, fo die 
Stimmen Eenntlich machen koͤnnen. 





Von dem Orgelwerke überhaupt. 341 





suallen Zeiten von den Drgelbauern fehr genügt 
worden (I). Sch beftge auch von ihm ein Mſerpt 
von der Lieferung und Beſchlagung oder Pro- 
birung einer Orgel (m). Die | 

Pulznitziſche Orgelbeſchreibung ift in fol. 
enthält aber nebft der Predigt nur die Dispofis 
tion. 

Reinholdt, (Theodor Chriftlieb) Director der 
Mufif in Dresden, hat 1736 in 4 auf 4 Bogen 
drucken laffen: einige zur Muſik gehörige poeti⸗ 
ſche Gedanken, bey Gelegenheit der ſchoͤnen neuen 
in der Frauenkirche daſelbſt verfertigten Orgel. 

Samber, (M. Jo. Baptiſt) ein Kammerdie⸗ 
ner zu Salzburg, auch Thum⸗ und Stifts⸗Orga⸗ 
nift, hatı704 drucken laffen: manududionem ad 
organum; oder: fichere Handleitung zur edlen 
Schlagkunſt, durch die hoͤchſtnothwendige 
Solmifation, zu Salzburging ; wozu 1707 die 
Eontinnstion (Fortſetzung) Fam, in längl. 4. ı 
Alph.7 Bogen, mit Kupfern. Yus diefer gehöre 
die zwote Unterweiſung hierher. | 

chmids (David) preufifche Orgelkoͤni⸗ 
gin befist Mattheſon im Mſerpt (n). 
93 Troſt, 


I) Sonderlich da er die Pfeifen nach dem Maßſtabe beſchrie⸗ 
ben hat. Die Menge der Drgelbefehreibungen ift auch 
wohl zu nugen , ob gleich noch wenige davon fichen 
werden, 

m) Er verfprichtdergleichen herauszugeben im swenten Tom 
aufder legten Seite; wie auch im dritten, S. 224. | 

n) ©, Mattheſ. volllomm. Aapellmeifter ©. 469, 
Der Berfafler handelt von den Mängeln und Gebrechen 


der Orgeln, wie auch von deren Werbefferung mit ungen 
meinem Nachdruck, | 


342 Das 6. Capitel, 








Troft, (To. Lafpar) Negierungs-Advocat und 
Drganift an der Martins Kirche zu Halberftadt, 
verfprach nebft vielandern Werken nicht nur eine 
neue Ausgabe der praͤtorianiſchen Organogra— 
phie, fondernauch eine Orgelprobe, ein Mono⸗ 
cbord, u. ſ. f. foaber nicht gedruckt worden, Aber 
deſſen Sohn gleiches Namens gab 1677 in ı2 herz 
aus: Befihreibung des neuen. Örgelwerfs auf 
der Auguftusburg zu Weiſſenfels, aufz Bo» 
genCo), Das 

‚ Univerfal-Zeriton hat folche Artikel auch bes 
rührt. Doch ift das waltherifche bequemer zu ge: 
brauchen. 

Merkmeifters Amterforderte, daßer fich vor 
andern um folche Dinge befümmerte, wie $. 52 
gemeldetworden. Er gab 1681 in ı2 eine Or⸗ 
gelprobe heraus, welche er. 1698 verbeffert in 4 
zu Quedlinburg drucken ließ, unter dem Titel: er: 
weiterte und verbefjerte Orgelprobe, auf 11 
Bogen, Abermalsmurde fie 1716 gedruckt, umd 
diefer Ausgabe hat fich Mister bedient, als er das 
Buch durchgieng V. 1, P.IV (p). Ferner sehbrt 

hier⸗ 


0) Was beyde Troſte mehr herausgeben wollen, fe Walthern; 
ſonderlich war zu wuͤuſchen, daß nro 6 und 7 gedruckt wor⸗ 
den wären. 
p) Einige haben Werfmeiftern beſchuldigen wollen, ev habe 
des vorgedachten Herteis Tractat fich zugeeignet, ohne 
Herteln zu nennen, aber mit Unrecht. Don Herteln ſ. 
Drinz Hiſtor. der Muſik €. 12,9.93. Daß aber Prinz allda 
nicht wollen den Werkmeiſter anftechen, iftzu fehen aus der 
Vorr. zuder neuen Ausgabe des fatyr, Componiften, wel: 
che an den Leſer gerichtet, allwo er Werkmeiſters Ehre ret⸗ 
tet, Ermillmit Fleiß den rechten Maufefopf — 


Von dem Orgelwerke überhaupt, 343 
| 


hierher deffen Organum gruningenfe rediuiuums 
oder Beſchreibung der Örgel im Schloffe zu 
Gröningen. Quedlinburg und Afchersieben, in 
4. 1705, 4 Bogen. Das Schloß und das groſ⸗ 
ſe Faß find zugleich mit beſchrieben. 
10 


5. 

Der Urſprung der Orgeln iſt ungewis (q); 
wie man auch nicht fagen kann, daß Davids und 
Salomons Orgeln den iegigen gleich geweſen (r). 
Man unterfeheideinden Büchern des Worts orga- 
num gemeine und befondere Bedeutung ; denn 
nach jener heißt es überhaupt ein nftrument, 
deswegen Prätortus in feiner Organographie 
von allen Arten der muſikaliſchen Inſtrumenten 
handelt, nicht aber allein von det Orgel. Aber 
vorzüglicher Weifeund infonderheit wird die Or⸗ 
gel dadurch verftanden , das iſt, dasjenige In⸗ 
ſtrument, in deren Pfeifen der Wind dur 
Baͤlge getrieben, und weldyes durch Hülfe ei⸗ 
nes Brifbrets (Taſtatur) zum Klange gebracht 


wird (8), | 
94 Waſ⸗ 


nen, daß die Leſer brav ihre Koͤpfe daruͤber zerbrechen 
ſollen. Ich halte dafuͤr, daß der vorgedachte Carutius 
der rechte ſey, welcher ſolches gethan, wie der Titel ſeines 
Buchs zeiget. 
4) — Polydor. Vergil. de rerum inuentoribus L. III, 
‚18, 


*) S. Kretſchmars vorgedachte Predigt , ingleichen den 
Cafp. Calvör de mufica eccleſiaſtica, ©, 53: (f. oben von 
ihm $.60) 

») Don den Orgeln |. Praͤtor. T. I, S. 108, welchen glaub⸗ 
lich vorkoͤmmt, daß unſere Art auch im alten Teſtamente 
geweſen. ©, 139 hat er viel Lobſpruͤche von unſern ee 

‚145 


344 Das 6. Capitel, 





— — 





Waſſerorgeln (organa hydraulica von we das 
Waſſer, und var eine Röhre) find wieder et- 
Wwasanders(t), Don den Waſſerorgeln f. aud 
Praͤtor. T. LS. 144; und ©. 430 handelt er jone 
derlich von defien Erfinder und Anlage, Beefi 
bins follfieerfundenhaben, wie ditruv erzehlt im 
sten C. des gten Buche. _ Wonder Struccur fagt 
Praͤtorius S. 432, es waͤr diefeg Inſtrument ei⸗ 
nem runden Altar ähnlich geweſen, und die Pfeifen 
| hätten im Waſſer geftanden; wenn nun folches 
durch einen Knaben bewegt worden, wären die Pfei⸗ 
fen durch Huͤlfe eingeſchloſſener Zungen zum Klange 
kommen (u). 


8,106, 


©. 143 bedauret er, daß wir den Erfinder nicht wiſſen. 
Eben daſelbſt unterfuchter, wenn fie in die Kirchen einge: 
‚Führe worden? Siehe auch feine deutſche Borftellung ſol⸗ 
cher Dinge T. II, ©. 82 + 95. 
%) S Calvoͤr S. 55u. folg. 
u) S. 433 hat Praͤtorius die Beſchreibung aus Vitruvs 
Werke de architectura, welcher aber ſehr dunkel ſchreibt; 
und endlich ſchließt Praͤtorius, daß Sydraulus unfern 
Drgeln ſehr aͤhnlich geweſen, nur daß wir ung Feines Waſ—⸗ 
fers bedienen. Er verweiſet auch den Leſer auf des Cal— 
viſius Epereitat. 2, Ss, n6, a7. Vitruv als ein 
Iateinifcher Elafficus Fan dem Leben und den Schriften 
nad beffer befannt werden aus Fabric. Bibliorh, lar, 
Barbaro hat in feinem Commentario iiber den Vitruv 
fonderlich auch fich über die Waſſerorgel erklärt, wie 
. Waltheranführt, Die Befchreibung und den Riß gibt 
auch Kirchers Muſurgie La9 S. 330 und folgg. des tem 
Toms. Gilbereus hat auch dergleichen erdacht, dadurch 
die Gehalt des erhigten Waffers die Orgel den Klang ges 
geben. Er ſtarb im Jahr 1003 als Pabſt. Walthers 
Buch zeiget nichtan, wie diefe Art von den altern unters 
—3 — weil es doch heißt, er habe ſolche er⸗ 
dacht. 


Wie 


Von dem Orgelwerke überhaupt 345 








§. 106. 

Die ietzige Vollkommenheit unſerer Orgeln hat 
ſich bey den erſtern zur Zeit des nuuen Bundes we⸗ 
der den Augen noch den Ohren vorgeſtellt, daher 
man von der alten einfaͤltigen Art leſen kann, 
Werkmeiſters paradox. Discurſe C. 16, . 833 
noch) beſſer aber handelt hiervon Praͤtorius T. II, 
S. 93, da die Orgeln nur ıı Claves gehabt, da 
ſie doch lange nach Chriſti Geburt erbauet geweſen; 
nach ©. gs find fie um 1 Detav groͤſſer worden; 
&,96 folgt die Erfindung des Pedals; ©. 97 
folgen groͤſſere Werke, welche noch ı Octav mehr 
bekommen, auch mehrere Grifbrete, und bey mels 
chen die chromatiſchen Claves üblich worden. 
Kegiſter hatte man damals nicht, fondern alles er- 
toͤnete zugleich, bis nach der Zeit der Praͤſtant (w) 
von dem Hinterfas (x) abgeſondert worden, wel⸗ 
cher durch einen einzigen Zug alles, den Praͤſtant 
ausgenommen, hören ließ, bis nachher durch meh: 
rere Megifterzüge folcher getheilet worden. 


| a | 
Einige Runftwörter muß man ſich hierben be 
Eannt machen, unter welchen folgende den aͤuſſer⸗ 
d5 lichen 


w) Das Wort iſt lateiniſch von Rare ſtehen, und prae vor⸗ 
an; hinfuͤhro hat es bisweilen die Bedeutung, vortreff⸗ 
lich, weil dieſe Stimme, welche wir des Vorzugs wegen 
Principal nennen, oft Praͤſtant heiſſet, ob ſie ſchon 
nicht im Geſichte ſtehet, wovon unten $. 173 ; bisweilen 
iſt der Name von dem Orte gebräuchlich, da dasjeniae 
Hraͤſtant genennet wird, was vorne ſteht, im Geficht, e8 
mag ein Flöt: oder. Schnarrwerk fenns, 
x) Weil ſoſches Pfeiſwerk Hinter dem Praͤſtanten zu 
ſtehen kam, als eine general Mixtur. 


346 


— — 





lichen Bau, oder das Orgelgehaͤus betreffen. 
Wegen mehrerer Claviere nennet man dag Ober— 
werk, Unterwerk, Hauptwerk, Bruſtwerk, 
Ruͤckpoſitiv (y), u. ſ. w. Man fagt auch das 
Oberclavier, Unterclavier, Ober: oder Unter: 
manual, die ruft, und was dergleichen mehr. 
Die Nückpofitive werden felten mehr gemacht. 
Das Gehäus wird von vorne in Felder oder 
Thuͤrme gerheilet. Ein Seld befteht aus Pfeifen 
in gerader Linie; ein Thurm ift entweder rund, 
oder eckigt. Die Felder und Fhürme find mehren: 
theilszum Gebrauch angebracht, bisweilen aber 
nur zum Staat, daher um des fehönern Anſehens 
willen oft blinde Pfeifen, wenig oder viel, ing Ges 
ficht geftellet werden, melches defto nöthiger, wenn 
eine Lade hinter der andern fteht, (mie hier zu St. 
Shomä) und doch nicht allzumenig dem Geſichte 

vor: 


y) Manche Somponiften finden bey Clavierſtuͤcken den Na— 
men: Ruͤckpoſitiv, weilder Setzer dergleichen gehabt, 
und. zu feiner Erinnerung es dazu gefehrieben ; fie ſetzen 
auch, und fchreiben auf gleiche Are, ob fie ſchon dergleichen 
nicht zu fpielen haben, welches lächerlich lautet. In 
Biermanns Tr. (als 5. 15, 2ı) fteht vom Hintercla⸗ 

vier, Hintermanual, Hinterwerk, wenn etwa eine 
Lade hinter der andern fteht, wo der Raum fehlt. Das 
Hauptmannal iſt bisweilen oben, bisweilen unten. Wo 
300er 4 Mannale tibereinander Liegen, muß man auch) 
‚mehr Namen einführen, wie zu Merfeburg im Schloffe 

4 Elaviere übereinander angetroffen werden, Die Ruͤck— 
pofitive haben mehrentheils die Unbequemlichkeit, daß man 
* Regiſter hinter dem Ruͤcken ziehen muß; wiewohl 
in der naumburger Kirche zu St. Wenceslai die Züge alle 
beyſammen find. Es haben auch die Abſtracten keinen 
andern Weg, als unter dem Boden, daher es oft muͤhſam 
iſt einem Fehler za Hülfe zu kommen. 


Von dem Orgelwerke uͤberhaupt.· 347 
—— ee 





vorgeſtellt werden foll(z). Ferner iſt an der Orgel 
zu ſehen dag Schrigwert , die Verkleidung, 
Thuͤren (a), Simswerk, und dergleichen, welche 
Stücke insgefammt, wie auch die Eintheilung der 
Pfeifen nach den Negeln der Symmetrie und Zur 
vbytbmie eingerichter werden (b). Jene beforgt 
die Groͤſſe der Theile, daß fie gegen einander pro⸗ 
portionirt ſcheinen; diefe aber befteht in der vech- 
ten Stellung derer Ähnlichen und unähnlichen 
Theile. 


RE I de 
Was das Herz it bey lebendigen Ereatuven, 
und in demfelben das Blut, das iſt bey der Orgel 
die Windlade, und in derfelbigen der Be 
50 g⸗ 


2) Blinde Pfeifen find Feines Kerns benoͤthiget, weil 
fie nur dem Aufferlichen nach den übrigen Dorfen ahnlich 


ſeyn. 
a2) Die Thuͤren find an allen Orten nöthig, mit Bandern 
md Schlöffern. i 
b) Diefe griechifchen Wörter hier meitlänftig zu erläutert, 
verſtattet der Raum nicht ; man beliebe die Abhandlungen 
der Baukunft nachjulefen; obſchon nicht zu laͤngnen, daß 
die Bucher nicht einerley Sprache führen Wolf nimmt 
beyde Worte an vor gleichgeltend , andere fegen den Ans 
terſchied, wie ich hier gethan. Wenn alfo ein Eleines 
Werk auch Eleinere Theile hat, alseingroffes, 5. Er. klei⸗ 
nere Geſimſe, Hleinere Flügel, und fo ferner, fo, ift die 
Symmetrie beobachtet worden ; wenn aber Der aͤuſerſte 
Thurn zur rechten gleich viel, und ſo viel möglich gleich 
groſſe Pfeifen Hat, als der äuferfte zur linken Seite, der 
mittlere Thurm aber (oder Feld) feines gleichen nirgends 
findet; oder wenn die Negifters Züge auf einer Seite eben 
jo geordnet find, als auf der andern Seite, fu iſt es nach 
der Eurhythmie eingerichtet, Diefes ift die beſte Schoͤn⸗ 
heit bey einer jeden Bauerey, wie unten im HEN, Kap, ge⸗ 
meldet wird, 


348 Das 6. Capitel, 
Folglich iſt ſolche der vornehmſte Theil eineg Orgel⸗ 


werks. Wir merken ihre Abtheilung in Cancel⸗ 
len, welche von unten gemeiniglich durch Spuͤnde 
(e) verwahrtierden, bis auf einen Theil, welcher 
offen bleiben und den Wind einlaffen muß, doc) 
iſt ſolche Deffnung biszur Zeitdes Gebrauchs durch 
ein fo genanntes Dentil zu decken. Oben laufen 
die Spünde ganz durch, wo nicht an deren Stelle 
ein Sundamentbret angebracht wird (d); doch 
find bey ung die eingeleimeten Spünde üblicher, 
und man verbieter einfolch Brer, weil es fich ver: 
werfen, und Gelegenheit zu Deffnungen geben kann, 
wodurch der Wind auseiner Cancellein die andere 
ſchleicht. Aber einige grofje Meifter bedienen fich 
deſſelbigen doch (e). Es werde nun das eine > 
| a8 


©) Bey einer gewiffen Orgelprobe fand icheine Lade von uns 
ten mit Zeder zugedeckt an ſtatt der Spuͤnde. Als ich fols 
es glücklich entdeckt, ſchuͤtzte der Orgelbauer die Be: 
quemlichfeit vor, daß bey fich ereignender Unrichtigkeit 
mandie Lade am untern Theil beffer öfnen koͤnnte. Es fen 
nun die Abſicht vedlich, oder ein bloffer Vorwand; fo fiel 
‚mir doch dieſes dabey ein, ob es nicht gut, wenn man die 
untern Spuͤnde nicht einleimete, fondern diefelben wohl 
beledert einferte, wie man thut bey den Spinden des 
Windfaftens, oder bey den Stücken einer Springlade. 

‚Aber man mußte wenigfteng 2 Riegel nicht weit von beyden 
Enden unter der ganzen Lade laſſen durchlaufen, in der Ge: 
fallt zwener Träger, damit nicht etwa ein Spund fich her— 
aus treiben lafje durch die Gewalt des Windes. Denn 

gemeine Borreiber fhicken fich Hier nicht fo wohl. 

d) Es wird eriörum, ein Sieb genennt; Rircher nennt es 
polyſtomaticum, vonder Bielheitder Defnungen, fo dar: 
an zu finden. | 

e) Bon Silbermann ift es mir erzehlt worden, weil es 

leichter und richtiger zu hobeln, als die Spuͤnde. © zu 

KR, ruͤ⸗ 





— 

Von dem Orgelwerke uͤberhaupt. 349 
das andere angebracht, ſo muß doch der obere Theil 
der Lade nach der Schreinerkunſt ſehr wohl abge— 
richtet werden, damit die Parallelen genau decken, 
und eine Lade auch unbeledert die Probe ausſte⸗ 
hen koͤnne. Aber es ift doch beffer folche zu befes 
dern ; man müßte denn lieber die Parallelen mit 
Leder überziehen wollen (£), wodurch die Regifters 
züge verftanden werden, welcheeben fo wohl durchs 
bohret find, wie die Lade, und welche den ABind aug 
der Ladelaffen, durch fich hin, wenn die Löcher zu⸗ 
fammen treffen, oder denfelben zurück halten, wenn 
mandurch das Werziehen die Defnungen-von eins 
ander bringt. Zwiſchen den Parallelen find die 
Damme zufehen, melcheverhüten, daß die Paral⸗ 
lelen nicht auf die Seite weichen Fünnen; inglei⸗ 
chen ſtarke Stifte, daßdie Parallelen nicht weiter 
Fönnen gezogen werden, als das Decken und Oeff⸗ 
nenerfordert. Auf den Parallelen und Dämmen 
liegen die Stöcke, melche auf die Lade gefchraubt 
erden, doc) befier mit bölzern als eifernen 
Schrauben, weiche einen Einfchnitt im Kopfe has 
ben müffen, daß durch den Schraubenzieher man 
diefelbigen fo fefte, als es nöthig, anziehen koͤnne. 
Die Loͤcher der Stöcke am untern Theile müffen ges 
rade über den Löchern der ade ftehen, am obern 
heile ift es wegen der Windführungen bisweilen 
anders. Bey unrichtigen Arbeitern finden fich Kin 

ier 





Gruͤningen dadurch vor Unheil entſtanden, erzehlt Werk⸗ 
meiſter $.21 der Orgel Veſchreibung; 6.37 folgt die Ber; 
beſſerung ſolches Fehlers. 

f) Silbermann hat ſolches gethan, weil die Fehler leich— 
a da wenn durch Die Länge der Zeit ſich das Leder 


350 = Das6. Copitel, 


ö—ñ—— — — 





Vaͤnke erſonnen werden. Jedoch iſt hier mein 
Vorſatz eigentlich nicht die Fehler oder Rollkom: 
menheiten der Drgeln zu befchreiben, fondern nur 
deren Theile, daß man die Bücher und Discurfe 
verftehen Fönne, daher ich noch ferner berichte, daß 
auf die Stöcfe (h) ordentlicher Weiſe die Pfeifen 
zu ftehen kommen, wenn es Slötwerke find; aber 
bey Schnarrwerken folgterft ein Stiefel,und auf 
diefen wird Die Pfeife gefegt vermittelft eines Stoͤck⸗ 
gens, aus hernach folgenden Urfachen. Auſſeror⸗ 
dentlich werden bisweilen Windfuͤhrungen ange: 
bracht, tvenn die Wfeifen ihre Stelle andersmo,fon: 
derlich in den Aufferlichen Feldern und Thuͤrmen 

groffer Orgeln, finden follen. WE 
Die Parallelen find am Ende mit jo genannten 
Schlüffeln verfehen, wodurch das Ziehen verrich- 
tet wird, an diefe faffen die obern Arme der Re 
giſtraturwellen; an den untern Armen (i) han: 
gen 


g) Welcher bisweilen aus einer Cancelle in die andere 

ſchleicht, ne unter den Paraltelen einen andern Adeg 
ndet, 1. f. 

I Alten machten fehr lange Stöce. Bey mir deckt 
jeder Stock die Helfte der Lade; aber icko macht man fie 
fehr kurz und ſchmal, daß fie ſich nicht fo leicht verwerfen, 
und man folche leichter Fonne ausheben. 

i) Wenn die Arme lang find, ziehen fich die Züge weit her; 
aug, und zwar fehr leicht ;_beydes aber iſt ganz anders 
bey Furzen Armen, wie die Mechanik lehret bey der bs 
‚handlung theils vom Hebebaume, theils von derWelle. 


Don dem Orgelwerke überhaupt. 301 


— — 





gen die Schiebſtangen, an deren aͤuſſern Theilen 
die Regiſterknoͤpfe (manubria) ſichthar ſind, von 
braunen oder andern gutem Holze ſauber in einerley 
Groͤſſe und Geftalt gedrehet (k). Mein Einfall 
hierbey iſt dieſer: Man bediene ſich mehrere) Far⸗ 
ben, daß man beſſer die Claviere unterſcheiden kon— 
ne, zu welchem jeder Zug gehoͤren ſoll; zumahl da 
es ſich nicht allezeit thun laͤſſet, jedem Claviere eine 
volle Reihe der Züge zu widmen (l). Hier zu Zans 
de, und vielleicht an den mehreften Orten find diefe 
Knöpfe herauszuziehen, wenn die Stimme Fiins 
gen foll, zum fehmweigen bringt man fie durch das 
Hineinſtoſſen (m). Weber die Elingenden Stim— 
men trift man auch Nebenzuͤge an, welche zum 
Theil Einfchnitte an fich haben, und einzuhängen 
find, fo wohl bey dem Herausziehenals Hineinftof 
fen, wie dag Pedalkoppel, Manualkoppel, die 
Sperwventile (n), Glocenzug, Sternzug, 
Tremulant, Calsantenwecer, Paute, Vo: 
gelsgefang u. dergleichen mehr. 

| Die 


x) Etliche ſchwarz, etliche braun, etliche gelbe. Zur Bes 
qaemlichkeit fehneidet man die YIamen dee Stimmen 
in Metall, oder Bein, und ſchmuͤcket den Knopf damit, 
oder man ſchreibt es fauber und deutlich auf Papier, und 
verwahrt es mit einem Glaſe. Meßingene oder eiferne 
Knöpfe find im Winter zu kalt. 

1) In ſolchem Falle follte über jeder NMeihe angefchrieben | 
ſeyn, zu welchem Clavier fie gehöre, 

m) Zu St, Satharinen in Hamburg muß man umgefchre 
handeln, wie das Drchefire Iberichtet S. 260. 


n) Alle Arten der Ventile dienen jur Beförderung oder 


Zuruͤckhaltung des Windes, , Denn ventus heißt der 
Wind. 


352 Das 6. Capitel, 
N — 
Die Pfeifen, wenn fie Elein, bekommen doch lan, 


ge Fuͤſſe, damit man fie in die Pfeifenbreter ftellen, 
und wider das Umfallen verwahren koͤnne ; die groß: 
fen aber bekommen Oesgen, dag iſt, hölzerne oder 
metallene Schlingen, damit man fie zu gleichen 
Endzweck irgendwo anhängen Eönne, | 


$. 109, | 
Man hat 1) Schleifladen, und diefelbigen has 
ben die ietzo erzehlete Einrichtung; 2) Springla⸗ 
den, welche ehedem mehr im Gebrauch waren, als 
ietzo (0). Die obere Flaͤche der letztern wird alfo 
zugefpündet, daß die Spünde im Fall der Noth 
koͤnnen ausgehoben werden ; daher muß man fie 
nichteinleimen, fondern wohl beledern, daß fie den 
Wind wohl verſchlieſſen. Auf diefe fegt man die 
Pfeifen unmittelbar, ausgenommen , wenn die 
vorgedachten Windfuͤhrungen eine andere Einrich— | 
tungnöthig haben. Jedes Koch des Spundeg wird 
inwendig mit einem Eleinen Ventil bedeckt, tel: 
ches Durch ein ſchwaches meßingenes Sederchen 
angedrüct wird. Ein Drückel (ein Dratftift) 
geht durch den Spund auf das Ventil, um folches 
zu Öffnen, welcher durch die Parallele niederge- 
druckt wird. 
Die ganze Reihe ſolcher Federchen hat fo viel 
Gewalt, daß der Regiſterzug nicht ſtehen bliebe, 
wenn er nicht eingeferbt wär zum einhängen (p); 
mie 


eo) Beyderley befehreibt Werkmeifters Orgelprobe ©, 17 
und folgg. 


) In Kirchheim, welches Dorf ein paar Stunden von Ers 
e furgliegt, ift die Anlage nach diefer Art. 


Von dem Orgelwerke überhaupt, 353 
wiewohl hier im der Stiftskirche Mariaͤ folches nicht 
noͤthig, weil man ein ander Mittel angebracht, daß 
man die Regiſter ziehet, wie bey den Schleifla— 
den (9). Wie nun zu allen dieſen Theilen der Lade 
das Kichenholz das beſte; ſo muß aber auch daſ⸗ 
ſelbige nicht nur in hohem Grad duͤrre gemacht wor⸗ 
den ſeyn, wozu viel Jahre kaum hinreichend, ſon⸗ 
dern es iſt auch noͤthig, daß man nach den Geſetzen 
der Naturlehre und der Baukunſt ſolches zu rech⸗ 
ter Zeit faͤlle, damit ſolche koſtbare Stuͤcke nicht 
von dem Wurm angegriffen werden (r). s 

‚110, 


q) Prätorius ©, 107 der Organogr. fagt, daß die Spring: 
laden beynahe viertehalb hundert Jahr alt ſeyn ſollen. S. 
170 und 178 bemerkt er dergleichen in Luͤneburg und 
Braunſchweig. Man finder fie auch im Schloffe zu Weiſ⸗ 

ſenfels. In Biermanns Tr. find dergleichen angemerkt 
©. 2, 4, 6, 23,24, Sie find ſchoͤn, wenn ein guter 

Meiſter dieſelbigen macht, weil an vor fein Durch- 
ſtechen zu fürchten hat; aber wenn ein fehlechter Arbeis 
ter darüber koͤmmt, ervegen fie viel Unluſt, welches Werk 
meifter fehr zu vergröffern weis ©, 39, 6, 17 und ig der 
Drgelprobe, In Goͤrlitz ſoll nach Boxbergs Bericht eine 
treppenfoͤrmige Windlade ſeyn, welche er aber nicht 
beſchreibt. | ii 

x) In meiner Orgel haben diefe Thiergen ſchon einmal ihr 
Meifterftück gemacht, und die Stiefel der Trompet fo 
wohl, als der Schall mey fo weit verſehrt daß ich mußte 
aufneue bedacht ſeyn. In Görlig hat man durch eine nr: 
vetriatur dieſem Nebel vorfommen wollen ‚ wie die Dar 
terie Boxberg nennt. Sollte es nicht gut feyn mit bittern 
Waſſern den Keim anzumiſchen, wenn man dieſe Stuͤ⸗ 
die ausgieſſen will? Wohl überhaupt dem Orgelmacher, 
welcher im Vorſchuße fit, und fo viel Worrath folches 
Holzes in der Höhe verwahren Fann, daß er nicht nöthig 
hat friſches durch den Backofen brauchbar zu machen. 


‘ 


354 Das 6. Capitel, 








§. 110. 

Unter die Ventile der Lade ($. 108) wird der 
Windkaſten geftellet ; daher wenn die Lade vorne 
und hinten Ventile hat, muß auch ein doppelter 
Windkaſten gemacht mersen. Hier nimmt man 
ordentlich Tannenholz zu demfelbigen; allein bef 
fer iftes, ihneben fo wohl als die Lade von gutem 
reinem Eichenholz zumachen, weil eunoch mehr 
auszuftehen hat, als jene, ihn auch wider alles 
Durch£friechen des Windes zu verwahren durch 
Seim, womit man ihn und die Lade pflegt auszu—⸗ 
gieffen. Es müffen die Windkaſten vorne offen 
bleiben, daß man Fünne zu den Dentilen Eommen ; 
auffer folhem Nothfall verwahrt man fie mit 
Spünden, welche man wohl beledern muß, wenn 
man das Leder nicht will im Windkaſten beveftigen. 
Damit die Spünde fich nicht laffen heraus trei: 
ben durch die Gewalt des gepreffeten Windes, mer: 
den entweder Vorfchläge (Worreiber)augebracht, 
oder hölzerne Schrauben. Jene find befier, 
wenn man inder Geſchwindigkeit den Kaften öffnen 
will. Die eifernen Schrauben in meiner Orgel 
erregen mir viel Unluſt. Noch beffer iftes, wenn 
man auch unter dem Windkaſten folche Oeffnun⸗ 
gen hat mit Spünden, weil man auf ſolche Art bef 
fer kann die Federn ausnehmen und einſetzen, auch 
wohl die Ventile ſelbſt (), “Die Ventile macht 
manam untern Theile ſpitzig, von reinem Tannen⸗ 
holz, daß ſie deſto leichter werden. Die Adern ge⸗ 
hen beſſer ab⸗ als ſeitwaͤrts, weil die letztern Ei 
| er⸗ 


) In der neuen Drgel u St. Michaelis allhier findet man 
ſolche Oeffnungen, ob man ſchon die Ventile nicht heraus⸗ 
nehmen kann. 


Von dem Örgelwerteüberhaupt. 355 
Verwerfen geneigter ſind. Ihr hinterer Theil wird 
entweder durch Leder an den Boden der Lade ges 
leimt oder angefchraubt (t), wenn man die Wentife 
will nach Belieben ausnehmen Fonnen, Meine 
alten Pedalladen hatten Wentile, weiche ſich ſeit— 
‚mwärteöfneten. Das Ventil hatiunter ſich , bis wei⸗ 
fen 2 Federn von hartgezogenem Meßingdrat (u), 
und deren Stärfedarfnicht gröffer ſeyn, als nöthig 
ift, das Angehänge ſammt der Taſte in der Höhe 
zu erhalten, und das Ventil genau anzudrücken ; 
wie denn auch das Spielen würde beſchwerlich fals 
len, wenn ein Dentil mehrere oder fiärkere Federn 
hätte, alsdasandere. Zum Ausheben und Ein: 
fegen bedient man fich einer befondern Seder: 
Zange. | 
Es würden die Ventile feitwärts rücken, und 
ihre Definungen nicht genau decken, wenn nichtauf 
beyden Seiten Stifte eingefehlagen wären, zwi— 
ſchen welchen fie fich frey bewegen EönntenCw), an 
Deren Stelle heut zu Tage nur einer, aber vorne 
angebracht wird, an welchem das Ventil durch 
Huͤlfe einer Schlinge von Drat ſich bewegt, und 
damit durch ſtarkes Schnellen Eein Ventil Fönne 
vom Stifte wegfahren, verwahrt man daffelbige 
| 32 durch 


#) Der hiefige Orgelmacher Bolkland bat die Ventile des 
Werks in Zimmern ſupra ohnweit Erfurt mit ſolchen 
Schwanzſchrauben gemacht, daß man fie bequem kann 
heraus nehmen. Bi: 

u) Eifendrat roſtet leicht, daher bey wichtigen Merken fol: 
ches verboten wird. | ’ 

w) Wenn fie nicht lang genng gemacht werden, pflege beym 
Hi Schnellen das Ventil darauf au fahren umd ſitzen zu 

eiben. | 





356 Das 6. Capitel, 
durch eine Schraubenmutter von Leder, Noch find! 
im Windkaſten die Beutel zu fehen, u 4 wi 
durchlaufende Drat alfo in fich faffen, daß kein 
Wind durchgehen kann. Wenn in einigen Or⸗ 
geln die Laden vorne und hinten Ventile haben, ſo 
geſchiehet es entweder deswegen, damit aller Orten 

ſatt Wind ſey, und die groſſen Stimmen den Eleis 
nen ſolchen nicht rauben, wie bey meiner Hauptla- 

de, welche in die Breite und Laͤnge getheilerift ; 

oder man hat eine befondere Art eines Pedalkop⸗ 

pels anbringen wollen, wie hier zum Reglern. 





TUE Ex gi 


In diefen Windkaſten wird der Wind ausges 
ſchuͤttet durch eine oder mehrere Defnungen. An 
dem Drate, fpan dem PVentilehanget, und durch 
das Saͤckgen oder Beutelgen geht, hanget eine Ab⸗ 
jtracte , deren unterer Theil an dem Arme einer 
Delle durch ein Drat befeftiger ift, welche Welle 
über der Fafte, fo zu folcher Eancelle gehört noch 
einen Arm hat, woran eine andere Abſtracte zu fe> 
hen, welche mit der Taſte verbunden ift durch Drat, 
ohne Schraube, meitbefjer aber durch eine meßins 
gene Schraube und eine lederne Mutter (x) Man 
laſſe ſich hier zeigen den bequemen Gebrauch der 
Schube und Fuͤßgen, wodurch das Raſſeln ge: 
mindert wird. Kine Gattung von Leder ift hier 
zum Meglern angebracht; man machtfieaber auch 


von Hol. 
Bon 


2) Bisweilen find die Pfeifen weit abgelegen, und alsdenn 
end mehr Wellenbreter nöthin. Wo der Kaum fehlt, 
macht man auch Wellen von Eifen. 





Von dem Orgelwerke überhaupt. 357 
ee 


Bon der Fänge der Arme an den Wellen rührt 
zum Theil her, daß manche Drgeln ſchwerer zu fpies 
len, manche leichter; wie auch, daß bey einigen die 
Taſten tiefer fallen, als bey andern. 

Die Vorfahren befeftigten die Bellen an dem 
‚Wellenbrete, an deffen Stelle bedient man ſich 
iego eines Rahmens. Mit den Mechanikern zu 
reden, fo ftellen die Zaften vor Hebel der erftern 
Art, (vetes primi generis, beterodromos) wenn 
der Ruhepunct zwiſchen des Spielers Händen, und 
zwifchen dem andern Ende zu finden, welches die 
Abftracte ziehen foll, wie bey mir wegen des Nück- 
pofitios ; oder Hebel der andern Art, (vedtes fe- 
eundi generis, homodromos) wenn die Taſten den 
Ruhepunct hinten am Endehaben, diezu ziehenden 
Abftraeten aber zwifchen folchen, und zwifchen den 
Händen des Spielers zu finden, fo daß fie abwärts 
gezogen werden, Wenn aber bey diefer Art der 
Hebel, ein Triangel unter der Taſte angebracht 
wird, vorne unter dem Orte des Spielers, fo nennt 
man es ein Druckwerk (y). Wo ein Ruͤckpoſi⸗ 
tiv iſt, müfjen die Abftracten zum Theil, wie auch 
die Wellen unter dem Spieler weggehen (2). 


$. 112. 


Der Innbegriff aller Taften oder Tangenten 
(oontangere, rühren, daher Matthefon fie Ruͤhr⸗ 
hölzer nenne) heißt die Claviatur, Taftatur, 
Grifbret, abaeus, clauiarium, und infonderheit 

3 3 Mar 


y) Sie find mehrentheils ſchwerer, als die Zugwerke. 
2) — vorfallenden Flickereyen ift dieſe Lage ſehr beſchwer⸗ 


358 Dass. Capitel, 





ge (a), Breite (b), Schwere Ce), Tiefe des Falls (d) 
und Materie. Was die letztere betrifft, fo ift das: 
reine Tannenholz mit der abwärts ftehenden Ader 
das beite, als welches fich nicht fo leicht verwirft. 
Wiewohl diefes Verwerfen zugleid) mit herruͤhrt 
vonder Materie der Abftracten, und von dem Wel⸗ 
tenbrete,daher es Fömmt, daß wenn eine Taſte hoch, 
die andere niedrig ſteht, man ftets nachfchrauben 
muͤſſe 


a) Die alten Orgeln haben kurze Taſten, worauf das Spie— 
ben befchwerlich iſt, zumal das chromatifche, weil man 
leicht anſtoſſen kann, 

b) Die Uralten hatten fo breite Taſten, daß man fie konnte 
mit Sauften ſchlagen, welches wohl angieng, da fie 

“ nicht vielſtimmig ſpielten. Pratoring giebt aufder 24 und 
asiten Tafel den Riß folcher Taften von einer halberftädtis 
fchen Orgel, aber Taf. 27 und 28 ift einefoiche aus Braun 

ſchweig. Er ſchreibt ©. 97, daß das Manual nur 9 
Claves gehalten, und ſey doc) faſt 5 bis 6 Viertel Elfen 

- breit gewefen. 

e) Das Spruͤchwort: die Orgel ſchlagen, rührt von 
fihweren Werfen der Alten her , welches mit der Kauft 
wohl angieug ; jeßo kann man wegen des geſchwinden 
Spielens fie nie zu leicht machen, 

d) Das allzutiefe Falten ift dem Epieler fehr binderlich, 
Das Bentil im Windfaften muß freylich nicht allzumenig 
aufgehen, fonft empfangen bey dem vollen. Werk die Stims 

men nicht alfe hinlänglichen Wind ; aber allzuviel ift auch 
unnoͤthig. Oder man muß die Länge der Arme an den 
Wellen alfo einvichten, daß ein mittelmäßig Fallen der 
Taſten, and ein hinlänglich Aufziehen der Ventile zugleich 
erhalten werde, Wer eine richtige Erkenntniß hat ber 
mechauiſchen Lehren vom Hebel und von der Welle, wird 


ſich Hier ſhon zu finden wiſſen. 


Von dem Orgelwerke sberhaupt. 359 


muͤſſe. Der vorder Theil, wo man ſpielt, muß 

mit einer dauerhaftern und glaͤttern Materie belegt 

werden, wozu ſich Elfenbein, Schlangen: und 

ſchwarz Ebenholz am beften ſchicken. Wenn 

die Taſten jede aus 2 Theilen beſtehen, deren jeder 

ſeine beſondere Bewegung hat, entſtehen die gebro⸗ 

chenen Claviere, vor welchen man ſich zu huͤten 
hat, weil ſie viel Unluſt erregen (e). 


$. 113 

Die vorigen Umftände find auch groffentheile 
bey der Taſtatur des Pedals zu merken. Die 
Claves müffen nicht fo kurz fepn, weil die Füffe ſonſt 
nicht bequem hinter einander neben Eönnen. Die 
Meitläuftigkeit der Faftenmußfenn, wie bey ans 
dern Werken, weil es verdrießlich ſeyn würde, auf 
| jeder Orgel die Füffe anders zu gewöhnen. Man 
muß (wenn man in der Mitte fie) die Aufferften 
Taſten ohne Mühe erreichen Eönnen, auch fonft mit 
denen Füffen hinlänglichen Naum haben. Daß 
man die Löcher fürtern müffe, (oder nach der Kunſt 
zu veden die Scheiden) ift leicht zu erachten, weil 
es allzeit beffer, daR die Orgel Elinge, als klappe⸗ 
ve, Einige machen die Federn des Windkaſtens 
ander Pedallade nicht fo ftarE, daß fie die fehmeren 
Taſten von anderthalbzölligen Bohlen in der Höhe 
halten Eönnen, daher findet man unter den Faften 
befondere Federn, wie es vorzeiten an meiner Or⸗ 
gel war. Diechromatifchen Elaves müffen tiefer 
gelegt werden hinten umd * als die diatoniſchen, 
4 en 


e) 5* wird die vorige Anmerkung nicht wohl beſtehen 
onnen. 


360 Das 6. Capitel. 


— ———— 
den Aufſatz ausgenommen. Die Leichtigkeit des 
Pedals iſt auch zu loben (f). | 

Was den Umfang der Faftaturen überhaupt 
anlangt, fo bekümmere ich mich hier nicht mehr um 
die alte Einrichtung (2); fondern ich erjehle die ie- 
gige Art der Orgeln. Das Manual hat auf den 
mehreften Orgeln C, D, Dis und fo fort bis c 
dreygeſtrichen; aber man fängt zeither an das Cis 
(und zwar von Rechts wegen) auch auf den Dör- 
fern in die Mode zu bringen. Und weil die groffe 
Menge der gefesten Stücfe der gröffeften Tonmei— 
fter unbrauchbar wär ohne cis und d Oreygeftri: 
chen; fo thueman wohlam beften, wenn man fol- 
che Elaves zum wenigften mit einbringen laͤſſet (h). 
Die Pedal Taſtatur hat das Cis noch nöthiger, als 
das Manual; die Hoͤhe aber muß billig der geſetz⸗ 
ten Sachen wegen wenigftens bis d eingeftrichen 
fenn ; doch habe ich auch höhere — 

Da 


E) Die Zeiten ändern ſich; ietzo will man mit den Fuͤſſen 2 
Dis 3 gefchwänzte Noten tractiren, auch gut fchleifen koͤn⸗ 
nen. | 2 | 


en. 

2) Man findet noch jeßo die kurze Octav unten und oben. 
Meine Drgel hat bis ießo im Manuale ein Dis, uff. 
Sie ift Schon uber 100 Jahr alt. st 

h) Biel Köpfe, viel Sinne. Mancher hat ein Clavichord, 
welches bis e und Forepgeftrichen geht; dem zu Gefallen 
feßt er alle Sachen fo bo, daß damit garmenigen gedient 
wird, fonderlich auf der Orgel. Das Eleine Pfeifwerk 
Laßt fich Doch nicht höher arbeiten, und müffen alfo nur die 
Detaven wiederholt werden, welche Betrachtung billig diefe 
Herrn in Schranken halten ſollte. Ich habe in der Drs 
gel zu Wansleben das Mannal bis e dreygeſtrichen ange« 
troffen; fonftaber nirgends. 

i) Das Pedal zu Weiffenfels reicht bis ing |, wie auch * 


Don dem Orgelwerke uͤberhaupt. 361 


——— — — — — —— — 

Daß endlich die Pedalbank ſo wohl feſte ſtehen, als 
auch die gebuͤhrende Hoͤhe haben muͤſſe, iſt ohne 
mein Erinnern bekannt (k). 


$. 114. 

Bey den Bälgen merkt man den Unterſchied 

zwiſchen Salten: und Spanbälgen (1) 5” die iegige 

Groͤſſe gegen die Eleinere Art der Alten (m); die 

Stärfealler Sheile, fonderlich deren Verbindung 

durch die Roßadern und eıfi eg (n),Bnh: 
| 5 








len 


zu Calbe; das zu Wansleben bis in e. Noch ſetze ich 
hinzu, daß das e des Pedals gerade unter dem e eingeſtri— 
chen des Manuals liegen müffe. 

k) Meine Bank habe ich mit einem gefütterten Aufſatze 
machen laffen, damit die duodez Schüler durch deffen 
Hinwegnehmung dag Pedal auch erreichen koͤnnen. Ihre 
Feſtigkeit beitehtin den weit anslaufenden Fuͤſſen vor⸗ und 
hinterwaͤrts. 

Dieſe haben nur ı Falte; jene aber mehrere, und fo oft 
eine Kalte fich zur Ruhe begiebt, willman eine Spur im 
Klange finden; daher ıman fie nicht mehr leidet, 
m) 12 Schuhe lang, & breit find ietzo die gewoͤhnlichſten, 
wo es der Raum verſtattet, und Die Werke groß find. Die 
Heinen Baͤlge der alten Orgeln kann man bey Brätor, 
nachfehen. Unſere Schmiede haben jego groͤſſere. 

n) Die Mattender Baͤlge doͤrfen ſich nicht biegen. Ferner 
iſt es nicht genug die Platten zu verwahren, ſondern die Falte 
muß ſonderlich fo wohl an beyden Platten, als auch an ſich 
mit gutem Leder wohl verbunden ſeyn. Doc) wiirde die⸗ 
ſes nicht lange dauren, wenn nicht alles wohl verbunden 
und verbohrt wuͤrde durch getrocknete Pferdadern, wenn 
man deren Enden mit dem Hammer geſchickt gemacht, den 
Leim anzunehmen. Und weil auch dieſe zerſpringen koͤnnen, 
wenn man den Balg ohngeſehr fallen laͤſſet; fo pflegt Hr. 
m eiſerne Gelenke anzubringen, um folches zu 
verhuͤten. 


362 Das 6. Capitel. 


—— 
len 2 Zoll dick dazu zunehmen, iſt nicht genung, fon: 
dern durch ſtarke Karnhoͤlzer, welche der Laͤnge 
und Breite nach aufgelegt, und durch hoͤlzerne 
Schrauben mit der obern Platte zu verbinden ſind, 
erhaͤlt man einen dauerhaften Balg. Die Faͤng— 
ventile find unter dem Balge an der untern Platte, 
da durd) Doppelte Klappen (bey groſſen Bälgen) 
der Wind in den aufgesogenen Balg fährt (0); 
durch das Eanalventil(p), welches in der untern 
Blatte vorne, nicht weit vom Galcanten zu ſuchen, 
wird der Wind in die Canaͤle getrieben. Das auf⸗ 
gelegte Gewicht erſetzt dasjenige, was dem Balge 
noch fehlt an der Schwere, um den verlangten 
Grad des Windes zu erhalten. 
Da die alten 20 und mehr kleine Baͤlge hatten 
(q), war an keine Gleichheit des Windes zu geden- 
ken. 











0) Aus der Lehre von der Luft werden ſolche Umſtände 
A beten begriffen, als welche ſtets das Gleichgewichte 
ucht. 

p) Im vollk. Kapellmeiſter C. 24 des dritten Theils $. 29 fols 
fen die Bentile YOindfangblächer heiſſen. 


q) ©. Praͤtor. Organogr. ©. 105, und deren Abrif auf der 
2G6ſten Taf. Die Ulmer Orgel hatte ehedem 16 Bälge, 
und jeder hatte 125 Pfund Bleygewichte, dafuͤr machte 
man nach der Zeit z Baͤlge, doppelt ſo groß. Dabey har 
ben es die muſikaliſchen Poſtſcripte oder Aeolwind⸗ 
macher ſchlimm gehabt, wir Bahr die Calcanten nen⸗ 
net C. 54 der Discurſe. Die Redensarten von einer ganz 
zen, halben und viertels Orgel, haben einige wollen 
erklaͤren and der Anzahl der Baͤlge, welches Praͤtorius 
S. 105 widerlegt. Beſſer wird ſolches d. 173 vom Prin⸗ 
cipal hergeleitet. Noch eins! man findet auch Baͤlge, 
deren Falte auswaͤrts liegt, um dem Winde in dem Balge 
mehr Raum zu laſſen, wie hier zu St. Severi. —9— 





Von dem Orgelwerke überhaupt. 363 


Mn nr ne Ve — 
ken. Was aber den gedachten Brad deſſelbigen 
betrifft, fofind die Orgeln nicht überein. Doc) 
muß ich zuvor die Methode bekannt machen, nach 
welcher die Stärke des Windes ausfündig ger 
macht wird. Wir habeneine Windwsge, tel 
che $. 240 ihrer Einrichtung nach beſſer bekannt 
merden foll; diefelbige wird mit Waſſer gefuͤllet, 
und anden Canalgehänget, mo eben hierzu eine ges 
bohrete Deffnung zu finden if, Eine glaferne 
Röhre, welche auf der Windwage befeftiget ft, 
wird das Steigen und Fallen des Windes, deffen 
Gleichheit oder Ungleichheit, kurz, alle Nerändes 
rungen uns fehen laſſen. Wenn man ein Stäb- 
gen etwa 6 Zolllang abtheilt, erft in feine 6 rhein⸗ 
fändifche Zolle, hernach jeden Zoll in zo gleiche 
Theile; fo nennen die Drgelmacher folche Theile 
Grade, dadenn beyeinigen Drgeln kaum 25 Gra⸗ 
de des Windes zu finden, wenn mandas Stäbchen 
neben die Röhrehält, und acht hat, mie hoch das 
Waſſer fteige; manche haben aber 30, zo und 
mehr Stade (r). Wer aber nurmillmiffen, ob die 
Baͤlge einander gleich, oder ob der Balg im hoͤch⸗ 
ften Stande den Wind fo ftark prefie, als im mitt⸗ 
fern oder niedrigften Stande, darfnur einen Faden 
y um 





auch die Baͤlge innwendig mit Leim auszugieffen, und die 
verdächtigen Derter mit Leder oder Pergament zu belegen 
De verficht ein jeder von fich ſelbſt, welchem nicht unbe— 
ar daß der gepreßte Wind einen fehr fpitigen Kopf 
habe. 

e) ©, Werk. Orgelpr. 8,65, Biermann S.rs nennt 
32 Grad ſcharfen Wind. Dig nene Naumburgiſche hat 
36 im Manual und 40 im Pedal, Darzu gehoͤren gute 
Laden und ftark Pfeifwerk. | 


364 Das 6. Capitel, 


um das Roͤhrgen binden, und folches nach: dem 

Winde hinaufoder abwaͤrts hier 9 
Wenn man dabey gemahr wird, daß der Balg 
bey dem hoͤchſten Stande weniger Wind giebt,als 
bey demmittlern ; fo ſiehet man folches an als die 
Urſache der angebrachten Gegengewichte, und 
der ſchiefen Lage der Bälge (s), Bey etlichen 
ietzo genenneten Stücken find die Gelehrten nicht 
einerley Meynung. Der volltommene Ra— 
pellmeijter gedenketder Ungleichheit des Windes 
bey einem hoch, und beyeinem nicht fo hoc) aufges 
zogenen Balge. Jeuer foll eine ftärfere und ges 
fehwindere Bewegung haben; ein niederfallender 
aber, fo vom Mittelpuncte mehr entfernt, foll fich 
ſchwaͤcher und träger bewegen. Mitzlet trägt in 
einer langen Anmerkung das Gegentheil vor, und 
die Grundfäße der Bewegungsfunft (der Wie: 
chanik) nöthigen mich es mit dem legtern zu hal: 
ten(t). Wenn nach eben diefen Negeln der Nas 
tur ben einer völlig horizontalen Lage des Balges 
bey deffen Zufammenfallen der Druck follte ftärker 
feyn; fo fpürt man. das Gegentheil. Misler be: 
muͤhet fich die Urfache anzugeben; aber zu deffen 
Gedanken Eönnte vielleicht noch dieſe gefeßt werden, 
daß bey dem aufgezogenen Balge die untere Helfte 
der alte den Zug befördern hilft, wozu das mehr 
| ge⸗ 


3) Beyderley habe ich oft angetroffen, ER 

Ki 5 is, Bibl. V. III, P. Hi Werkmeiſter in der 
Orgelprobe C.20, S. 45 fagt: "Ein Balg, wenn er 
"aufgeht, macht ein Stuck vom Eirfelbogen, und der pers 
»yendiculair oder Drückepunct fommt dem Lentro 
"näher; ie naͤher nun die Bewegung beym Centro iſt, 
deſto ſchwaͤcher ift Diefelbige , ie weiter, deſto ſtaͤre 
2 





Von dem Örgelwerkeuberbaupt. 365 


gefpannete Keder, und die mehr gefpanneten Noß- 
aderndasihrige allerdings beytragen. Wenn aber 
die Platten fich fehlieffen, Üttheils der Zug vorbey, 
theils widerfteht die Falte felbft folcher Geſchwin⸗ 
digfeit. Die Arbeit pflegt aber nicht überein zu 
gerathen; Wenn diefes richtig, fo iſt es ein Kunſt⸗ 
ſtuͤck zu nennen, einen Balg gemacht zu haben durch 
Huͤlfe der Roßadern und andere Mittel, daß er im 
hoͤchſten Stande den Wind nicht merklich ſchwaͤche 
(u). Alſo mag der vollkommene Bapellmeiſter 
die Gegengewichte immer fuͤr Flickerey halten; 
er hat nicht unrecht; aber es iſt die Frage: was zu 
thun, wenn der Balg nicht alſo gerathen? In ſol⸗ 
chem Falle muß ich doch die Gegengewichte dulten 
und loben, wie Werkmeiſter auch thut w). Die 
ſchiefe Lage gefaͤllt dieſem gleichfalls; Mattheſon 
aber hältnichtvieldavon. Hier iſt dieſelbige ge: 
woͤhnlich, weil dadurch verhindert wird, daß das 
Gewichte der obern Platte dem Nuhepuncte nicht 
allzunahe komme. Und dabey kann man der Ges 
gengewichte meiſtentheils entbehren (x). 

115, 


») Daß dergleichen gefunden werden , bezeuget der fleißine 
Werkmeiſter Cap, 20, S. 46; und ich habe folche mehr: 
mals angetroffen. 

w) Eine Kruͤcke oder Stelze iſt an fich nichts gutes, dem aber 
doch nothig, melcher ohne ſolches Mittel nicht fortfoms 
men kann; beſſer ift es doch, einen geflieften Rock anzusies 
hen, als gar keinen, und dabey zuerfrieren, Ex duobus 

malis cet, 


3) Die Gegengewichte beftehen bisweilen in einer Stanz 
ge, deren Endenach dem Nubepuncte zu angenagelt ift, 
das andere Ende wird mit dem Balge aufgezogen, und hat 
ihre ſtaͤrkſte Elaſticitaͤt, (wie eine hochaufgezogene Feder) 

| wenn 


366 Das 6, Capitel. 
RE — | 
rg, 

Aus dem Balge wird der Wind in dieCanäle 
getrieben. Jeder Balg hat feinen eigenen; her: 
nad) aber laufen fie alle zufammen in einen gröffern ; 
diefer theilt fich hernach aus in verfchiedene Eleinere, 
welche nach dem MWindEaften gehen , deren einige 
nur einen Einfall, andereaber, zumaldie gröffern, 
mehrere haben muͤſſen. Wenn der Wind nicht 
in gebührender Menge in die KRaften, und von dan: 
nen in die Ladefäller, fo muß das Werk ſchwan⸗ 
Een oder Schluchfen, zumahl wo mehr, fonder: 
fich groffe, Stimmen zufammen gezogen werden. 
Es feheint ſehr nöthig, bey 8 füßigen Laden ftarker 
Werke im Windkaften eine Abfonderung des 
Windes, fammt einem befondern Einfall zu mus 
chen vor ven Thurm oder Feld, worinnen die > 

In? 


wenn fie, wieder Balg, am hoͤchſten ficht; ie mehr der 
Balg ſinket, und folglich zum Druͤcken mehr Stärfe ber 
kommt, deito mehr vermindert ſich der Zug der Stange, 
und verliere fich endlich gar. Die Einrichtung Fommt 
auf das Berfuhen an, und man probirt es mit einer 
fiärkern und ſchwächern, bis der Wind gleich wird, 
Zu St, Beorgen in Eifmach hatder Organiſte Jo. Ernft 
Bach an ftattder Gegengewichte Schiebeftungen machen 
laſſen, twelche ihm beffere Dienfte thun, tie er fchreibt. 
Han kann au) eine wirkliche Uhrfeder von Stahl unter 
dem Balge befejtigen, welches auch wohl gut feyn follte, 
Die Gegengemwichte an der ſchoͤnen Orgel zu Jena beitehen 
aus ftarken Armen, deren Ende, fo vermittelſt eines Stri— 
ckes an der obern Platte hangen, Fleine Kaſten mit Schie: 
bern enthalten, tworein etwa ı paar Maß Sand geben, 
Man kaun in folche Käftgen fo viel Sand thun, Auch wies 
der wegnehmen, bis man fichet, daß der Wind gleich iſt, 
welches bequemer, als wenn man die Arme mit Backſtei⸗ 
nen beſchwert, wie hier zum Reglern. 





Von dem Orgelwerkeäberbaupt. 367 








— — — — — 


Claves beyſammen ſtehen, daß durch den Baß die 
obern Claves nicht fofehr zitternd werden. Oft 
werden dem Pedale 2 oder mehr Baͤlge allein gewid⸗ 
met, dieübrigen dem Manuale, wiehier zum Reg⸗ 
fern , und Kaufmannen, ingleichen zu Syena, wor 
durch verhindert wird, daß bey dem geſchwinden 
Spielen des Pedals das Manual nicht fo fehr zittere; 
nur koͤmmt es daraufan, daßder Ealcant feine Ges 
danken ftets darauf richte. In der vorgedachten 
Drgel zu Eifenach hatder Unterfas 32 Fus 2 eige⸗ 
ne Bälge, und ehren ne befondern Lade, um 
den übrigen Stimmenden Wind nicht zu rauben. 
Die Verwahrung der Canaͤle durch das Ausgief 
jenund Bekleiden ift wie bey den Bälgen. Wenn 
Speriventile in diefelbigen follen gelegt werden, 
mußmanfie viel weiter anlegen, als es fonft noͤ⸗ 
thig wäre (y). 


a 116. 


Die Materie der Pfeifen ift fehr felten Gold (z), 
| oder 


y) Noch fällt mir ein, daBde Chales in der 1zten Propo— 
fition will gefunden haben , daß bey Tretung zwener 
Hälge der Wind ftarker worden, als bey einern, daher 
iene auch den Rlang erhöhet. Er will ein Mittel vors 
fchlagen dem Uebel abzunelfen. Aber alte Unterfuchungen, 
welche ich und andere hiefiges Dres angeftellet, bezeugen 
Das Gegentheil, und wenn es Der Raum litte, wollte ich 
wider ihn den Beweis hinzu fügen, twelchen die Hydroſta⸗ 
tif und Nerometrie miv nicht verfagen wuͤrden. 

2) Eine guͤldene Orgel fol der Kayfer Mich. Luropalaa 
tes zu Conftantinopel haben aufrichten laſſen. S. 
Goͤtzens Parentar. auf Werkmeiftern, und Kretſch— 
mars Predigt. Verguͤldete Pfeiten giebt 65 geuung, 
ſonderlich um Die Labia, 3 


368 Das 6, Capitel, 


oder Silber (a). Kupfer, noch mehr aber Meſ— 
jing (b) ift hierzu dienlicher. Das Glas und 
Alsbajter (e) findet man zwar auch, aber fehr fel- 
ten, Dom Papier (d), Elfenbein (e) und Thon 
(£) iftein gleiches zu fagen. Engliſch Zinn ift et: 
was gemeiner (g). Dasgemöhnlichfte ift gemei- 

nes 








a) Goͤtze erinnerteben dafelbft, daR su Mayland im Thum 
einefilberne Orgel ſtehe; und von Friedrichsburg fagt 
Reinboldtein gleiches, S. 23, Nota ddd, 

b) Eine Fupferne vergüldete Pofaune 8 Fuß ift zu lm im 
Pedale, Aber Meßing giebt ſchoͤne pfeifen. In der 
Gruͤningiſchen Orgel maren fo viel dergleichen, daß fie 
wohl 6 Centner ausmachten. Pe 

ec) Su Praͤtor. Organogr. S. 92 wird einer Orgel ge: 
dacht von Glaſe; und eben dafelbftiteine Orgel, darin, 
nen die Laden, Pfeifen, Elavier und Blasbälge von Als: 
bafter geweſen; und noch eine, da das ganze Gehäus 
und Slavier, wie auch die Pfeifen von Glas und Alaba- 
ſter. Wie Beinholdt eben dafelbft fchreibet , fo ift zu 
Manta auch eine Orgel von Alabaſter. 

d) Der Verfertiger der Orgel zu Goͤrlitz, Caſparini, hat 
einpapiernes Werk indie Hoffapelle des vom. Kaifers 
zu Wien gemacht, vor welches erzooo Ducaten und eine 
güldene Kette mit des Kaifers Bildnis befommen, ©. 
den fatyr. Compon. Ss 224 bes ten Th, 

e) Bon Eifenbein iſt eine Offenflöt 4 Fuß su Buckeburg 

— gewefen; und auf einem Schlofle in Heffen ein Princi- 
yal4 Fuß von Elfenbein und Ebenholz. ©. Praͤtor. 
S. 185 und 189, —* 

£) Zn Dresden fol eine Stimme von meißniſchen Porcellain 
ineiner Orgel ftehen. Zu Mayenburg in der Priegnitz 
hatein Töpfer, Namens Weidner, eiue ſehr fünftliche 
Drgel von 3 Regiſtern gebauet , deren Pfeifen alle von 
Thon, auf welcher fo rein Fann gefpielt werden, als 
wenn 3 Zinn wäre, ©, die Frankf. Zeit. 17591 nro 


Di Hrgel zu Goͤrlitz hat dergleichen im Geſicht; wie auch 


&) | 
etliche bey Biermann ©, 15717, 21725» 


Don dem Orgelwerke überhaupt, 369 





nesoder Bergzinn; Bley und Eiſenblech (h), 
Man bedienet fich zugleich des Holzes, welches 
wohlfeiler, und bisweilen doch gute Pfeifen giebt. 
Groſſe Stimmen verfertigetman aus tannen Bre⸗ 
tern; bey Fleinern läßt ſich auch das Kichenholz, 
Elſebeer⸗Birnbaum⸗ Ahorn: Eypreffen: Bux⸗ 
baumsund Ebenholz anbringen (ii). Wie ınan 
die Schönheit der Orgeln ſucht zu vermehren durch 
‚Zinn, beyden Stimmen, welche vorne ftehen; fo 
tollen auch folche Principafe des Klangs wegen von 
beſſerer Materie ſeyn, als andere Negifter, weil 
nach jenen die Stimmung der übrigen fich zu rich: 
‚ten hat. Aber inwendig nimmt man oft Appel 
m dur 


h) Die Schnarrwerke werden oft von Blech gemacht. 

i) Tannenbolz iſt leicht zu arbeiten; es laſtet auch niche 
fo ſehr, wie andere Arten; daher man groffe Stimmen, 
zumal im Pedal, mehrentheils davan macht, Im Mar 
nual, fonderlich bey Fleinern Stimmen , da ıman auf die 

Schaͤrfe und Annehmlichkeit ſiehet, ift ſolch Holz nicht zu 
rathen, wo e8 nicht die Natur der Stimme erforderte 
Eichenholz dient zu den Dorfchlägen an den kabien; 
Doch Hüte man fih vor den Splint und weiffen Adern, 
welches ein Zeichen der Vermwelung. Don Birnbaum 
iſt zu Gera ein Gedackt Fuß; doch find die Kern und Kas 
bia mit Zinn belegt ; die Helfte der Flötedouce daſelbſt ift 
von Birnbaum. s£lfebeerholz nimmt man gern zu 
den Hellen grofjer Schnarrwerfe. Aborn bat. man zu 
Merſehurg im Schloſſe genommen zur Floͤtedouce 4 Fuß 
und Flachſloͤt Fuß; Doch iſt dieſe wieder weggethan 
worden. Cypreſſen hat Cafparini zu Goͤrlitz geuom— 
men zu der Quintatoͤn 16 F. und zur Onda Maris, ſonder⸗ 
lich in den obern Clavibus. Ebenholz iſt koſtbar, und 
übel zu arbeiten. Horn ſollte auch wohl gute Pfeifen ges 
ben, Bon Birnbaum iſt legelich eine Querff. in Die 
Orgel zu Dachwich ur = worden, 

A 


370 - Das 6, Capitel. 
durch man eine Vermiſchung des Zinns und Bleyes 
zu verſtehen pflegt, deſſen Güte jederzeit muß aus⸗ 
gedungen und vorgefchrieben werden, weil biswei⸗ 
len Halbricht beliebt wird, bisweilen 2 Drittel 
Zinn und ı Drittel Bley, bisweilen ı Drittel 
Zinn, und Drittel Bley. Diefer Ausdruck iſt 
verftändficher, als wenn manfich des Kunftwortg 
loͤthig bedient um den Gehalt oder die Legirung 
des Metalls anzuzeigen (k). Je haͤrter die Materie 
iſt, deſto ſchoͤner klingen die Pfeifen, und dauren 
auch laͤnger; Aber wenn vor wenig Geld viel ſoll 
gebauet werden, muß man freylich ſchlechter Me⸗ 
tall nehmen. Wiewohl es oft geſchiehet, daß an 
ſalpetrichten Orten der Salpeter ſich an das Bley 
haͤnget, wodurch wegen des füffen Geſchmacks die 
Mäufe angereist werden die Fuͤſſe der Pfeifen gar 
zu verzehren (I). 


—— 

Das Zinn, Bley, wie auch das durch die Ver⸗ 
miſchung entſtehende Metall gieſſet man zu ſtaͤrkern 
oder ſchwaͤchern Platten auf der Gießlade; Die 
Gruͤblein, welche ſich zeigen, und von der Aſche, 
Sande oder Leinwad herruͤhren, werden durch 
Dahn; und Schlichthobel weggebracht (m). * 
* enn 





— — 





——— — — — — — 









&) Zumal da die Zinngieſſer ſelbſt im Streit liegen wegen der 
Bedeutung ſolches Worts. 

I Zu Raumburg in der Stadtkirche ſind alle ſcharfe Stims 
men von Zinn. Iſt doch bey mir die Dctav 4 Fainwen⸗ 
dig auch gut Zinn. Wenigftens follte man die Fuͤſſe nicht 
fo ſchlecht machen, da fie die Pfeifen tragen muͤſſen 

m) Die Gießlade muß viel länger ſeyn, als Die längfte Pfei⸗ 
fe werden foll, und nach der Weite der dickſten Pfeife Ir 


Von dem Örgelwerfeüberhaupt. 371 











— — — — 





denn ſchneidet man die Pfeifen zu nach dem Men⸗ 
ſurbrete (n), manlötherfie(o) mit Rolben, wenn 
die Platten zuvor über hölzerne Eylinder (oder was 
ſonſt für eine Figur noͤthig) gebogen morden (p), 
on der angefchmierten rothen Menge (q), Bar: 
te.(r), Hern, Suß, Zabien, Aufſchnitt, Into⸗ 
nation (8), Hut oder Stülpe(t), Kropf (u) und 

* An m apart; Ders 


ſich die Breite der Lade richten, weil es nicht fein iſt, wenn 

die Koͤrper aus mehr Stuͤcken zuſammen geflickt ſind. Der 
Guß auf Aſche wird dem vorgezogen, welcher auf Sande 
geſchiehet, weil die Sandloͤcher die Pfeifen, und bey 
dem Hobeln auch das Werkzeug: verderben. Wie 
Caſparini auf Leinwad gegoſſen, erschlt Boxberg. 

n) Bisweilen bemüht man ſich durch das Asmmern Die 
Platten harter zu machen, che man ſie hobelt und zuſchnei— 

det; aber folch Zinn muß nicht ſproͤde feyit. 

0) Durch Markaſit wird das Loth hart gemacht, 

p) Denn man hat auch kegelfoͤrmige Pfeifen, welche mehr 
Pb weniger fpisig zugehun, nachdem ihr Klang es gr: 
IDTWELL.- ' * 

q) Sie dient darzu, daß der heiſſe Kolben die Pfeifen nicht 
— - Doch in der Fuge ſchabt man dieſe Farbe wies 

er ab. 





e | | 
s) Mein Principal 16 Fuß hat unter dem Auſſchnitt Rie— 
gel, weildie ‘Platten zu ſchwach, und Fein befiandiger Ton 
wuͤrde zu erhalten gemefen ſeyn. J 
ey Sie muͤſſen feſt anſchlieſſen, widrigenfalls fuͤttert man ſie 
mit Leder. —— 
u) Stimmen von ſchwerer Intonation leiden keine Rroͤpfe. 


372 Das 6, Capitel. 


dergleichen, macht man durch das Geficht und Ge 
hör fich befjere Begriffe, als durd) eine lange Be 
fhreibung. Diefe Einrichtung der Pfeifen gibt 
Floͤtſtimmen im weicläuftigen Verſtande ge 
nommen. Diefetheilen ſich in offene und gedech: 
te(w), unter melchen die legtern bey metallenen 
Stimmen mit Züten verfehen find, aber die hölzer: 
nen deckt man mit belederten Stöpfeln. Bon al- 
fen diefen find die Schnarrwerke zu unterfcheiden. 
Den denfelbigen beobachtet man den Kopf oder 
Stöcgen von Holzoder Metall, welches in den 
Stiefel gefegt wird; die Kelle von Metall, bey 
groffen Stimmenauch wohl von Elſebeer⸗ oder an: 
derm Holze; das lat oder die Zunge zur Bes 
decfung der Kelle, von Mefling; den Drückel oder 
Kruͤcke mit oder ohne Schraube, um die Zunge - 
viel oder wenig andie Kelle zudrücken; den hoͤlzer⸗ 
nen Reil das Blat zubefeftigen; dag Fuͤttern der 
Relle oder des Blates wider das Knaftern, bey ei- 
nigen Megiftern; Wie denn der Stiefel von 
Rechtswegen auch mit Leder follte ausgefüttert 
werden (x). 


| $ 78, | | 

Alle Stötftimmen (tie das Wort hier weit⸗ 

läuftig genommen wird) werden zu der verlangten 

Höhe gebracht, wenn man die allzutief Flingenden 

abfchneidet, Die allzuhoch ftehenden find fo a: 
ni 





w) Hier hatdas Wort einen weitläuftigen Berftand ; was 
es aber bedeute im engern, iſt d. ass zu ſehen. f 

x) Solche Theile muß man ſelbſt in Augenfhein nehmen ; 

wobey wan fehen wird, daß die Kellen Druͤckel und amı 
dere Theile abnehmen, wenn die Pfeifen Heiner mer: 
den, Nr | Te 7 








Vondem Orgelwerke uberbaupt. 373 





— — — — — — — —— 

nicht zu ſimmmen. Die metallenen kann man ein⸗ 
biegen, oder etwas anloͤthen, welches bey hoͤlzer⸗ 
nen nicht thunlich; doch kann man einen Theil ih⸗ 
rer Oeffnung bedecken, wenn man keine neue machen 
will. Ben neuen Pfeifen leidet man weder das Eins 
biegen noch Anloͤthen, und noch vielweniger das 

Decken. | | 
Die Bedachten werden höher geſtimmt, wenn 
die Hüte und Stöpfel abwärts getrieben werden, 
woraus das Gegentheil von ſich felbft erhellet bey 
demtiefern Klange. Wie die offenen Floͤtwerke 
einmal geftimmt find, nachdem dieneue Orgel voͤl⸗ 
fig ausgedorret, und alles fich zufammen gefeßet; 
foEönnen fie nachdem bleiben, und dörfen nicht 
leicht nachgeſtimmt werden; aber Schnarrwerke 
bleiben nicht beftändig. Denn bey zunehmender 
Kälte biegt fi die Zunge nach der Kelle, alsdenn 
wird der Klang höher; bey zunehmender Waͤrme 
gefchiehet das Gegentheil. Die Rrüce muß des⸗ 
wegen im letztern Salleabwärts, und das Blat da⸗ 
durch) angetrieben werden; im erftern Falle treibt 
man die Krücke aufwärts, fo bieget-fih das Blat 
wieder ab. Jekleiner ſolche Stimmen find, deſto 
leichter verſtimmen fie ſich (y). 7 A 
| Aa 3 N 


9 Eindinnes Blat wird von der Sonne leichter gekruͤm⸗ 
met, als ein dickes Breit; alſo muß eine diinnere Zunge 
mehr angegriffen werben vonder Wärme und Kalte, als 
eine ſtaͤrkere. Unter fich kann ein Regiſter wohl reine feyn, 
wenn der Meifter folches getroffen, aber nicht gegen die 
Floͤtſtimmen. Schnarrwerke nennt Werkmeifter 
Narxrwerke, und wo deren vielzu finden , muß cin Or⸗ 
en Gedult befigen , wenn ſie ſtets inder Ordnung 
eyn follen. 


aus. 24 Das 6. Capitel, 








babe a SEE FRE FRE 
Bey dem Intoniren (fo nennt man es, mern 
man fie zum Klange bringet) wird bisweilen ein 
Ueberblaſen in die Detave und Quinte vernoms 
men, welches bey manchen Stimmen eine Schön: 
heit, bey einigen aber ein Fehler ift(z). 
In dem Hute der gedaften Stimmen wird big- 
teilen ein metallen Röbrgen, paranlum genannt, 
wahrgenommen, durch welche fubtife Defnung der 
Klangerwasheller wird, | 
6 ER, 
Zu dem Namen einer Stimtne fest man gemei⸗ 
niglich deren Groͤſſe, da man die Tiefe des groſſen 
E durch eine gewiſſe Anzahl Fuͤſſe (d. i, Scube) 
bemerkt, welche einer halben Rheinlaͤndiſchen Elle 
gleich find, oder r2 Werkzollen. In der Mathe: 
matik bedient man fich der Wörter Suß und Zölle 
nicht, fondern durch Eleine Strichlein über den 
Zahlen, welche dem griechifchen Accente ähnlich, 
acutus genannt, erfparet man viel Raum; weil 
aber die Druckerey damit nicht verfehen, fo muß 
ich das Wort Fuß Binführo dazu fegen, oder dag 
$; da hingegen das Eleine f fol fach bedeuten, 
wenn mit nicht gefallen wird, bey vielfachen 
Stimmen folches auszufchreiben (a). een 
| — chlin⸗ 


—A 


r 


3) Bey der Quintatoͤn muß die Quinte zugleich gehört wer⸗ 
den mit dem Grundtone; Wenn die Violone es eine Weile 
nach dem Anſchlage thun, gehts noch mit; Wenu aber 
Principalſtimmen, Gedackte u. ſ. f. es hoͤren laſſen, fo iſts 
‚ein Fehler. Die Urſache des lieberblaſens iſt noch nicht 
unterſucht; Mitzler nennt esein Gebeimniß der Na⸗ 
tur V.I, . IV. S. »22. Man finder es auch auffer dev 

Orgel. Ex 
a) uder Mathematik unterſucht man das Maß —— 








Von dem Orgelwerke uͤberhaupt 375 





chlindriſchen Floͤtſtimmen, ſonderlich wenn fie zu 
den Principal⸗Stimmen gehören, werden auch 
ſolch Maß haben muͤſſen, welches man der Tiefe des 
Klanges beylegt; aber die gedeckten Stimmen find 
nur halb folang, als dieoffenen, und haben doch 
deren Tiefe. So iſt das Gedackt sF. nur 4F. 
lang. Hier beliebe man zu merken, daß der Fuß 
der Pfeifen niemals mit gerechnet wird, ſondern 
man nimmt das Maß von dem Kern an. Hier⸗ 
aus muß man die Redensart erklaͤren, wenn es 
heißt: 4,8 oder mehr Fuß Ton; das iſt, die 
Pfeife E foll fo tief Flingen, als wenn fie 4, 8 
oder mehr Sußlang wär. Ob nunfchon die Bü: 
cher vielfältig alfo reden, fonderlich Bey gedeckten 
Floͤtſtimmen, wie auch bey Schnarrwerken; fb 
werde ich mich doch felten diefer Formul bedienen, 
weil die Renneniß der Megifter allen Misverftand 
verhindert. Denn wenn im folgenden Capitel 
der Fuß einer offenen cylindriſchen Stimme ges 
nennt wird, foift derfelben Groͤſſe der Tiefe gleich ; 
wenn eine völlig gedechte Stimme vorfömmt, fü 
zeigt der angemerfte Fuß nur die Tiefe des Klan⸗ 
gesan, dader Körper obngefähr die halbe Länge 

— Aa 4 haͤlt 


ner Voͤlker und Städte ſehr ſorgfaͤltig, weil ihre Schrifs 
‚ ten ung nicht verfiandlich wären ohne die Berhältniffe des 

dafigen Gemaͤſſes gegen das unſrige. Sonderlich wird 

der rheinlaͤndiſche, oder der Werkfchuch gegen den 
„Fransofifchen gemerkt, welche fich zuſammen verhalten, 

wie 29:30. Prof. Ziebinechts Disput, de menfuris 
„geographicis & geodaeticis, Giefjen 1721. iſt von ſolchen 

wohl zu leſen, oder Stahls Ingenieur 2 Th. Cap. I, 
S. 264 und folgenden, | 


376 Das 6. Capitel. 





hält (b); Wenn eine zugefpigte Stimme ges 
nennt wird, fo wird auch nur die Tiefe des Tons 
durch den Fuß angedeutet, da der Körper war 
nicht fo lang ift, als die Principal⸗Art, doch auch 
nicht fo kurz, als ein ordentliches Gedackt. Sons 
derlich muß das angegebene Maß bey Rohr: oder 
Schnarrwerken nur die Tiefe des Rlanges anzeis 
gen, weil durch die Einrichtung der Kelle und der 
Zunge eine Pfeife eine 8, bis ısfüßige Tiefe has 
ben kann, deren Körper nur wenige Zolle lang 
iſt (e). Nun koͤnnte vielleicht wider die angeges 
bene Länge der offenen Stimmen iemand einwens | 
den, daß bey feiner Orgel folches Maf nicht einz | 
treffen wolle; aber ich antworte Eürzlich alfo : 
vielleicht ift der Schuch an einem Orte länger, alg 
an dem andern; oder vielleicht fteht überhaupt 
ein Merk etwas niedriger, alsein anderes. Daß 
fie nicht allegeit überein find in einer Stadt, ge 
ſchweige in mehrern Städten, ift oben erinnert 
morden $. 94, allmo des Sauveurs Borfchläge 
zu finden wegen der Einigkeit des Tons in der gan⸗ 
zen Welt (d). 





$. 120, 


b) Warum die gedackten Stimmen fo tief gehen, läßt ſich 
hier billig fragen ? YrTatehefon C. 24 des zten Th. des 
Bapellmeifters antwortet : weil die Ruft einen Doppel: 
ten Weg zu laufen hat. Mitzler will damit durchaus 
nicht zufrieden feyn, und verweiſet den Leſer auf V. IILP, 
11, S. 517, allwo beffere Gründe ftehen follen. 

e) Hieraus ifi aber nicht zu folgern, daß groffe Körper Feinen 
Nutzen hätten 5; denn ein anders ift die Tiefe, ein 
anders aber die Stärke, welche ein ſchwaches Blat und 
Eleiner Körper nicht geben Fünnen, 

d) Noch eins, wegen folder Einigkeit. Weil *— 

eifen 








—  — 





Von dem Orgelwerke überhaupt. 377 





$. 120. 

Bey den mehreften Stimmen hat jede Taſte 
nur eine Pfeife; aber es giebt auch sufammenges 
ſetzte oder gemifchte Stimmen, no durch die Be⸗ 
rührung einer Taſte mehr Pfeifen zugleich klin⸗ 
gend gemacht werden. ep einigen hat man Frey: 
beit, was, und wie viel, man zufammen fegen will, 
welche Stimmen alsdenn Mixturen zu heiffen pfle⸗ 
gen, d.1. Miſchungen; bisweilen aber bindet man 
fich an gemiffe Gattungen, welchen man aud) ber 
fondere Namen beplegt. Als: wenneine Terz und. 
Quinte alfo zuſammen geſetzt werden, daß jene tiefer 
fteht, alsdiefe, foifts ein Tertian; wenn umge⸗ 
Eehrt die ste gröffer ift, als die Tertie, fo iſts die 
Sesquialter u.f.f. Ben gemifchten Stimmen 
findet man die Menge der Pfeifen angemerft durch 
das Wort fach ; als Mirtur 6, 7, 8, fach (e). 

Ya s ‚121, 


Pfeifen, welche der Laͤnge und innern Weite nacheinander 
vollig gleich, aber auch von einerley Winde klingend 
gemacht werden, nothwendig einerley Tiefe oder Hohe ha; 
ben müffen, follte e8 nicht am ficherften ſeyn, (weil die 
Schuhe der Deutfchen allzuſehr unterfchieden) fich des un: 
veränderlichen und folglih untrüglichen Parifer: 
fuſſes zu bedienen, zur Beftinnmung der Ränge und innern 
Weite des sfüßigen Principals? MWennjeder Orgelbauer 

ſich ſolches Maß anfchaffte ; fo würden alle Orgeln über:  - 
ein. Wenn andere ihre Werke mit Fleiß anders einrichs 
ten, als wiedie neue Orgel, fo in Dresden gebauet wird, 
und im Kammertone fiehen foll, fo kann auch das € das 
wirkliche Maß 8 F: nicht haben, ob ich ſchon glaube, 
daß die Namen dafelbft eben fo lauten werden, wie bey ung. 
Weil nun alles nach folcher Einrichtung tiefer wird, fo 
muß man im Bauen ſich einen , gröffern Schuch. vor: 


ftellen, 
e) Wenn eine Zahl dabey ſteht, als Mixtur fach, fo fi 


378. Das 6. Capitel. 
—— ———— 
——— §. 121. 

‚ Eine Elle hält 2 Schuhe; man wird daher 
leicht einſehen, daß Mixtur ellich merde eine ſol⸗ 
che ſeyn, deren groͤſſeſte Pſeife 2 Schuhe oder 2 
Fuß halt, Halbellich wird dergleichen feyn ı Fuß 
groß E). Und aus vielen andern Beynamen ma: 
chen einige mit Unrecht befondere Stimmen, da fie 
doch einerley bedeuten. So iſt infra mit fub einers 
ley beydieler Sache ; beydeheiffen unter; folglich 
iſt ein Infrabaß, Subbaß, Unterbaß und Unter: 
ſatz von Rechts wegen einerley g). Hingegen wird 
das Wort Elein oftzum Ueberfluß gefunden, weil 
man durch die hinzugeſetzte Gröffe eben fo klug wer⸗ 
den Eonnte. Denn wenn man Gedaet 48, antrifft, 

| | | weis 


fie durch die ganze Taſtatur fo vielfach fenn; wenn es aber 
Heißt: (wie beymir) 5,6,7 ſach, fo nimmt Die Zahl der 
Pfeifen oben zu umder Schärfe willen. Praͤtorius S. 
382 ſchreibt in einer Dispoſition es noch deutlicher: Mir 
tur 6 fach unten, 7f im c eingeftrichen, 8 Tim c 2gefiri- 
chen, 9 f. im oberſten e. Bor zweyfach fhreibt man 
auch doppelt; Chor und choͤricht findet man an ſtatt 
fach gar oft; als: Zimbel 2 choͤricht, Praͤt. ©. 1835 
Mixtur 8, 10,12,14 Chur, ©, 185, Chormaß $.125 
iſt etwas andere. | | 
£) Mixtur ellich finder man allhier zu St. Andreh, inglei— 
chen zu Langenfalza ; balbellicht habe ich eben daſelbſt 
angemerkt. Aber was foll velliche bedeuten, eben da- 
felbft in der Bergfircher ich erkläre es durch vollellicht. 
In folchen Namen der Orgelſtimmen finde ic) wunderbar 
Zeug, deffen Urſache mehrentheild in der Einfalt der 
Arbeiter (auch wohl einiger Spieler) zu * 
JBey Samber ©. 154 ift Infrabaß ſo viel, als groß Line 
ar Nn gedect von Holz. Hier iſt Subbaß die tiefſte Stim⸗ 
me; doch ſagt Samber daſelbſt auch Suboetab. 


ur u 


Bon dem Orgelwerke uͤberhaupt. 379 








meis man ſchon, daß es Kleiner ift, als das ges 
wöhnlichevong S. (h). 
Eben fo Eönnte das Wort groß megbleiben, 
wo die Füffe die Gröffe fehon beftimmen, doc) wird 
es oft gefunden (i). Wenn eine befondere Tiefe 
einet Stimme follangemerft werden, fteht auch oft 
Contra dabey; als: Contrabaß 32%. für Sub: 
baß 328. (k). Zmifchen Blein und groß läffer fich 
auch leicht das Mittel finden ). Super oben dar⸗ 
über, bedeutet oftauch der Stimmen Kleinigkeit; 
als: faperoctav (m). N 6 | 
Wenn der Klang foll ſchwaͤcher werden, als 
nach Art der Stimme er fonft zu. ſeyn pflegt, fehreibt 
Pd ; man 


h) So findet man Rleinflöt, Garkleinfloͤt, bey Praͤ⸗ 

. 101, ©. 168, 169, 172 u. |. w. Zimbel klein ©. ı71; 

klein Solpipe eben daſelbſt; Elein Octave, klein ge⸗ 
dact, klein Poſaunbaß ©. 173. Sb behalte oft mit 
Fleiß die alte Schreibart). A 

i) Groß Principal fagt Prätorius S. 171, und dürfte 
allda 16 F. ſeyn. Großbaß ©. 172; groß Solflöt 
3%. ©. 132. An andern Orten redet wovon groß Quin⸗ 
tenbaß / groß Ranket, groß Gedact, groß Gems⸗ 
born, groß Poſaun, groß Unterbaß u. ſef. Wel— 
che Stimmen ſich mit groß anfangen, ſuche man im ſol⸗ 
genden Cap. bey dem Hauptnamen. | 

k) Contrabaß zu Jena ift ein zafißiger Subbaß miteinem 
6füßigen offenen Baß auf einem Stocke. Contrapo⸗ 
faun iftzu Bremen; Contrabaß von Holz offen, bey 
Samber S. 154. wird alfo nur 16 F. ſeyn. | 

I) Mittelflot war zu Langendorf bey Weiffenfels; Mit⸗ 
telgedact bey Prat. ©. 175 4 Fuß. Ber eben demſelbi— 
gen iſt Sızı mittel auch ſo viel als ehormaͤßig oder 
8F. S. unten . 125. 

m) S. unten q. 168 nun ſperodaua, ſuperſuperoctaua, $, 
175 fuperquinta, wie nad) dem griechiſchen] geſagt wird 
disdiapafon, disdisaiapafon, 


380 Das6. Capitel. 








man darzu fanft, ftill, human , gelinde u, ſ. f. 
alſo iſts einerley Sanftgedackt, Stillgedackt, 
Sumangedackt, Gelindegedackt, und Muſic⸗ 
(oder Muſicir⸗) gedacht. Dieſen Benennungen 
ſteht entgegen grob, ſtark, fortis, als: Grob: 
gedackt (1). 

— Wenn 


n) Sanftgedackt 8 F. ſagt Biermann ©. 25; gedämpft 
iſt gleichviel, ſ. unten d. 179 beym Regal; Stillprinci⸗ 
pal 4F. und Stillptleara g F. find beyde zu Walders⸗ 

hauſen. Das letztere lautet laͤcherlich; ſo machen es die, 
welche kein Latein koͤnnen, und ſich doch damit groß machen 
wollen, Human heißt leutſelig. Fi Hamburg ſteht 
Humangedackt von Holz fehr lieblih. Belinde Ge 
dackt zu Merſeburg s F. Subtilift gleichvicl, wie Sam 
ber S. 153 ein fubtiles Regal nennt. Ein muſikaliſch 
Gedackt ſteht allhier in der Perersorgel; und 100 2 Elas 
viere find, wird das Gedackt des Poſitivs billig allezeit 
ſchwaͤcher gemacht, ob es ſchon nicht vorgefihrieben, 66 
su/a (vox) eine ſtumpfe Stimme; obeufor oder 
prefior noch ſtumpfer, bedeutet mehrentheils die ger 
dackten Stimmensund 6 F. Grobgedackt 35. und 
Grobgemshorn ſ. Prätor. ©. 175 ; grober Poſau—⸗ 
nenunterfa ©. 1775 GBrobgedackt 16 F. grob 
Sorduen 9.1790. ſ. f. Starfregal ©. 177 ; Stark: 
en ſtarker Subbaß Bierinann ©. 8. Star: 
er offener Subbaß , und ftarfer Pofaunenbaß, 
Praͤt. S. 200. Zu Sendonir iſt vigefima fecunda for⸗ 
tis. Das Wort laut ſteht bey einer Gedacktfl: f. Prätor, 
©.ı72. Hierzu gehört das Beywort ſcharf, wovon 
hernach $.146 das Cymbelſcharf; Scharfregal hat 
HPraͤt. S. 165, md Scharfocten 2 Fuß ©. 137. 
Scharffl. 2 Fuß iftim Pedale des Schlofks zu Merfe: 
burg. Grapbicalis und. minoralis ift Jjammerlich Latein; 
jeng wird non einer gröffern Stimme gebraucht, dieſes von 
einer kleinern, ſonderlich von den Mixturen. Mixtura 
graphicalis iſt S. 174 des Praͤtor. iofach, Die minoralis 
aber stahl. Be... N 


Von dem Orgelwerke uͤberhaupt. 381 





c— — — 
Wenn ein Kuͤnſtler etwas rares machen zu wol⸗ 

fen vorgegeben, hat erfich des Wortr heblich uns 
ter andern bedienet, oder hat ein Regiſter genennet 


ſingend, auf Jungfernart, belle, offen. Ya 





das Wort Gedackt giebt felbft ein ſolch Beywort 


ab, als Gedacktfloͤt, gedachte Rohrfl. gedack⸗ 
er Subbaß unſ. fi Das Beywort italiinifch 


ſteht bey Quinte 3F. gedackt zu Gera. Las 
Wort bölzern wird unzehlichmal alſo gebraucht, 
wie andere Materialwoͤrter auch, als meſſingern, 


zinnern, blechern u. ſ. f. (o). 


RN . ya! — XR 
Einerley Stimme wird bisweilen in eben dem 
Werke 


8 Lieblich Gedackt s F. iſt zu Koͤnigsberg; liebl. Haut⸗ 
boiss F. liebl. Principal hat Biermann S.9, 20,21; 
liebl Floit 8F. Praͤtor. S. 137; bey mir ſteht liebl. 

feife4 F. liebl. Gemsquint zu Alach. Die Lateiner 
prechen Mauis, daher ſteht zu Sendomir vigeſima ſecunda 
ſuauis. Meſſingregal ſingend 4%. ſingend Cornet 
von Mefling 2 F. hat Prator. ©. 1735 ſingend Regal 
S. 178 5 klingend Zimbel S.azt und Biermann ©. 15, 

. Fungferregal 4F. wird ©. 139 des Prätor.und zu Goͤr⸗ 
Ti wohl auch vonder lieblichen Intonativn den Namen 
haben ‚ ſ. mehr unten 9.156. Was das Wort helle bes 
trifft, fo hat Praͤtorius ©. 233 Hellpfeif 8 F. zu St. 

Lambrecht in Lüneburg, Offen find alle Principale,Detas 

ven und dergleichen ; gleichwohl kann bey zweifelbaften 

Stimmen folhes Beywort gebraucht werden. Offen⸗ 
baß 16 F. ſagt Bierm. S. 13; Offenfl. ift su Goͤrlitz, 
f. unten $.169; groſſer Subbaß offen 16 5. Praͤtor. 
S. 187; ein ſtarker offener unterſatzter Subbaß 
von Holz 16 F. S. 2005 Nachthorn offen 4 9: ©, 
‚ao, Exempel vom Beyworte gedackt ſ. bey Bierm. ©, 
25; Praͤtor. ©, 199, 190,191, 2000, ſ.f. | 


382 Das 6, Capitel, 





—— — — 


Werke des verſchiedenen Klanges wegen enger und 
weiter angegeben, welche Woͤrter als Behnamen 
gleichfalls darzu geſchrieben werden (p). Daher 
gehört angufla (tibia). | * 
EN, — 

Einige Stimmen klingen nicht natuͤrlich, wenn 
ſie in den untern Octaven gehoͤrt werden, andere 
aber ſchicken ſich nicht in die Hoͤhe; daher halbirt 
man ſie, d. i. man führt fie nur durchs halbe Cla— 
vier (9). Uber der Ausdruck Halbprincipal ift 

J anders 





p) Hoͤlzern Principal enge und lieblich 8 F-hat Prätor. 
Sa1973 bhoͤlzern Principal enger Menſur 
te Blockfloͤten Art S.200; enge Gedackt 8F. zu Gera. 
Weit PrincipalisF. Praͤtor. ©. 164; weite Pfeife 
2 Fuß. zu Sanct Nicolai in Hamburg, ſiehe Mat— 
theſon zur Nieds aten Theil weite Pfeife 2 Fuß. 
von Zinn iſt St Wencesl. in Naumburg. Vielleicht 
oll die Weidenpfeife bisweilen gleichviel ſeyn; doch ſ. 
unten 6. ıgı ein mehrers hiervon. Eswird oft ein Clavier 
der Gravitaͤt wegen von weiterer Menſur gemacht, das 
andere von engerer, ob es ſchon nicht allezeit vorgejchrie: 
ben worden. Noch finde ich bey Bierm. ©. 25 Principal 
weiter Menſur 8F. im Pedal, und zu Gera Bordun 
8F. weiter Menſur. lang 
9. Halbirt Rrumborn 8%. hat Biermann ©, 19; hal⸗ 
ber Cornet 8 Fit zu Danzig, ſ. Mattheſ. zu Niedten ; 
“eben dafelbit ift halber Zink 8 F. angemerkt su Danzig; 
Praͤtorius hat folchen S.233. Bey Bierm. ©. 23 iſt 
Zink durchs halbe ClaviergF, Es iſt alſo die groͤſſeſte 
Meifeinicht 8 F. weder der Groͤſſe noch Tiefe nach, fon: 
dern wenn man das Cwollte darzu machen, ſo wurde daſ— 
ſelbige SF. halten. Bey Bierm. Ss iſt Sesquialter 
und Trompet halbirt; und ©. 26 iſt vox humana 
halbirt. Solches halbiren trifft ordentlich, 2 Dctaven ; 
wie nach Mattheſons Bericht) vox humana in der neuen 
Orgel zu, St Nicol. in Hamburggieng von e aticzt 


* 
— 


Don dem Orgelwerke uͤberhaupt. 383 


— — — 








anders zu verſtehen, und bedeutet ein Principal 4 
‚weil es. nur die halbe Länge hat gegen Principal 
85. bey Prätor. ©, 177... .. — 


5 124. —* 

Es wird bisweilen eine Stimme mit doppel⸗ 
ten Zuͤgen gemacht, deren der eine ſolche in dag 
Manual, der andere in das Pedal führe. Das 
nennt man abgeſonderte Stimmen, und ſolches 
Wort abgeſondert ſteht bisweilen dabey, bis⸗ 
weilen merkt man es an den hinzugefuͤgten Worten: 
manual und pedal. Das Wort doppelt wird oft 
auch an jenes Stelle gefunden. Vielleicht gehoͤrt 
der Ausdruck Duplicat auch hierher (p). 


« #8: 
DE 


§. 125. 


bis e dreygeſtrichen; aber in Dresden geht ſie vom bloſſen 
a bis durch. Die Glockenſpiele ſind mehrentheils halbirt, 
ob ſchon es nicht allezeit dazu geſchrieben wird. Eben Ho 
‚viel hat zu bedeuten bey PBrätor. Tab: 38 Zink⸗ oder Cor⸗ 
netdiscant, weil er &. 146 gefchrieben, daß er nur durch 
das halbe Klavier im Discante gebraucht wiirde; eben 
deswegen beifts allbier zum Barfüflern Schwiegeldis- 
cant. Zu Ulm iſt quarta decima mit3 Pfeiſen durch das 
halbe Clavier. 311 le 
r) Solche Abfonderung gefchiehet zur Erſparung des 
Raums und der Unkoſten, auch um mehrerer Bexindes 
rungen willen. So find bey mir im Ruͤckpoſitiv Trompet 8 
3. und Schalliney 4 F. mit doppelten Zügen "im Haupt: 
manual ift es mit der Duintatön eben alfo befchaffen. Zu 
Gera find aus dem Hauptmanual abgefondert Quinta: 
ton 16%. Bordun 16%. Octavs F. Violdigamb 8 F. 
Zu Laugenſalze in der Bergkirche das Principal s F. Bor 
dun 8%. Trompets Fu. f.w. Bey Bierm. ©.3 fin⸗ 
det man Principal 16 5, gedoppelt; Principals F. et 


384 Das 6. Capitel, 








$. 125. 


Einige Beynamen beziehen fich auf die menſch⸗ 
liche Behle; und da eines Mannes Stimme die 
ordentliche Tiefe angiebt , wie eine Brincipatpfeife 
8%. ſo wird ein folch Regifter von & Fuß Fon auch 
aequal (d. i. der Mannesſtimme gleich) genen- 
net, vor welches auch nicht felten Chormaͤß gefun⸗ 
den wird (s). Di | 

| $.126. 


pelt; Duinte 3 F. gedoppelt, Was aber an einigen Or: 
ren folches Wort mehr bedeuten koͤnne, ift aus der Lehre 
von gemifchten Stimmen nach $. 120 leicht abzunehmen. 
Das Wort Duplicae iſt mir noch etwas dunkel; ich ges 
denke deſſen noch einmal im folgenden $. 


s) Die Erklärung des Worts zequal ſ. bey Prator. ©. 17. 
Chormaͤßig vor 8 $ hat er S. 121, allwo mittel gleich» 
viel ſeyn ſoll, nemlich vom Principal 16%. an gerechnet; 
ſ. auch S. 122. Folglich wenn man lieſet Unterchor⸗ 
maß, ſo iſt es 16 F. und Principal Unterchormaß iſt 
mir Großprincipal i16 F. einerley. Bey Praͤtor. ©. 71 
und folg. ſteht viel von Chormaß und Unterchormaß, 
und S. 172 erklaͤrt er ſolches ſelbſt. Was aber das Wort 
doppelt allda bedeute, und ob es eben fo viel ſey, als Du⸗ 
plicat, wie es den Sprachen nach ſcheint, (von duplex, 
doppelt) iſt mir nicht vecht befannt. Die Octav kann 
es nicht wohl ſeyn, welche der. Groͤſſe nach mehr ein halb 
Principal, als ein doppeltes heiſſen müßte; auch ſteht 
fie hernach beſonders nro 3, 4 und 5. Doppelt iſt ſonſt 
nach ($. 120), wenn 2Pfeifen zu,einer Taſte geboren, wie 
vox humana Doppelt heißt, wenn auf eben dem Stocke 
eine Flötftimme gefunden wird; fo ift auch S.ı70 Onda 
Wiaris doppelt; und andere mehr. Sollte dieſes hier 
gelten, fo. müßten 2 Pfeifen auf einem Loche fichen , wie 
bey andern gemifchten Stimmen , fonft kaͤmen mehr als 
33 Stimmen heraus, fo viel doch hier ſeyn ſollen. Noch 
eins von den doppelten Zuͤgen einer Stimme. Es En 


187 





Von dem Orgelwerke ůberhaupt. 385 





— — — — — 








$. 126, | 
Einige Mörter deuten den Ort an, wohin die 
Stimme auf der ade geftellt worden,als das IBort 
SHinterfag, Präftsnte, von binten oder vorne 
fteben. Das Wort Principal bedeutet gleichz 
falls bisweilen Fein ergentliches Principal, wieeg 


9.173 erklärt wird, fonderneinejede vorne ftchens 


de Stimme (t). Mit dem Beynamen Baß hartes 
eben diefe Bewandniß (u). 


$.127 


bisweilen jedem Negifter eine doppelte Parallele gegeben, 
(f.$. 108) durch die eine werden die 2 untern Dctaven 
brauchbar, durch dieandere die übrigen, Es ift bequem 
derBeränderungen wegen, funderlich wo nur ı Elavier vor: 
Ben So hatte die vorige Bindersleber ohnweit Er: 
urt 4 Stimmenund doch z Zaͤge. Das Wort Chor Fan 
9 120 vor bey gemifchten Stimmen es fiheint aber mi 
Chormaß einerley zu feyn , wenn Prätor. ©. 172 redet 
vom Unterchorbaß, Chorbaß u. ſ. f. Bey Schalls 
meychor leidet es auch eine andere Erklaͤrung. | 
e) Daß ein Principal und Präftante des Dorzugs wegen 
alfo heiſſe, iſt daher Elar, weilder Dame vorkommt, ob 
ſchou die Stimme inwendig ſteht, wie zu Jena das Brite 
ciyal4F. Wegen Mangel der Höhe geſchiehet folches 
oft. Daßaber nicht felten der Name den Stimmen jur 
fomme des Ortes wegen, erbellet aus folgenden, 
Praͤtorius S. 187 hat eine übergiildete Trommete 8 F. und 
eine ſchoͤne zinnerne Dctave eben ſowohl Brincipale genens 
net, als das ſchoͤne zinnerne Principal; ja eben daſelbſt 
führen diefen Damen eben fo wohl das vergüldete Krumz 
horn g F. und die ſchoͤn zinnerne Superoctav 2 F. als dag 
zinnerne Princip. 45.1. auch ©, 190, 200, 201, 


u) Die Erempel find nicht zu zehlen, in welchen das Wort 
Baß Feine befondere Art der Stimmen anzeigt , fondern 
nur, daß. fie zu dem Dedal gehöre. So fteht bey mir 
En und find eben die a 

en 


386 Das 6. Lapitel. 








§. 127. 

Boammerregifter werden bisweilen angetrof: 
fen. Siehaben nichts befonders, als daß fie(meh» 
rentheils um ı groffe Secunde) tiefer geſtimmt find, 

als dieübrigen, welche Im Chortone ftehen. Es 
gefchiehet deswegen, daß man einen Generalbaß 
Fönne tiefer fpiefen, als er gefchrieben iſt, ohne der 
Transpofition benöthigtzufeyn. Es müffen alfo 
der Rammerregifter ſo viel ſeyn, als diefer Endzweck 
erfordert. Im Pedale wenigftens der Subbaß und in 
groffen Kirchen noch eine Stim̃e 8 oder 16 F. darzu; 
impPoſitiv das Muſikgedackt; im Hauptmanuale fo 
viel, als ein obligater Baß noͤthig hat. In ſolchen 
Werken werden alfo dergleichen Stim̃en doppelt ge⸗ 
macht, als 2Subbaͤſſe, Muſicirgedackte u. ſ. f. (w) 
An 


fen, welche durch ven andern Zug zudem Manual gehören. 
S. auch Prätor. ©. 186,188, 189, u. ſ.f. Vielleicht ift 
dag Wort Discant dafelbft S. 189 eben der Art, und fol 
sum Manual gehören. Doch) ſcheint auf ſolche Art ver; 
geblich zu ſtehen: Principaldiscant 4 F. Blockpfeif⸗ 
fen Discant, 4%. weil daſelbſt alle Stimmen zu dem 
' Manual gehören, fie muͤßten denn nach 6. 123 nur halb 
durchgeführt feyn. Ein anders iſts S. 23 bey Biermann, 
da TrompetDiscant 4%. entgegen firht dem Trom⸗ 
petbaß 3 3. 
w) In der Schloßorgel su Merſeburg ſtehen im Rammer⸗ 
eön das Gedackt 4%. Principal 4F. und Grobgedackt 
g 5. des Ruͤckpoſitivs; der Subbaß 16 5. und Octav 
8%, des Pedals; womit man bey den ietzigen Mufifen 
nicht weit kommen wuͤrde. Zu St. Marimi eben dafelbft 
iftim Oberwerke Gedackt 8 5. im Unterwerke Gedarft 
aunds F. Zu St. Jacob in Hamburg iſt nur ein ſolch 
Gedackt fo auch im Thum zu Hildesheim, ſ. Bierm. ©. 


, 3088. Mar, Masdal. in Breßlau iſt das Unterela⸗ 
vier 


2 —— 


Von dem Orgelwerke uberhaupt. 387 





An deren ſtatt macht man auch wohlein Kammer⸗ 
koppel, dadurd) einen Zug dieganze Taſtatur ver⸗ 
aͤndert und zu ſolchem Kammertone brauchbar wird 
(x). Man faͤngt auch ietzo an ganze Orgeln in 
Bammertone zu erbauen, wie 86. 119 Notad 
von der Dresnener erinnert worden; wiewohl in 
Hannover dergleichen ſchon längfigebauet worden, 
im Schloffe und in der Stadt, wie ich berichtet 
worden. In der hiefigen Gegend ift es gewoͤhnlich 
denjenigen Son zu nennen hohen Kammerton, 
welcher 1 groffe Secunde tiefer ift, als der Chors 
ton; der tiefe Kammerton ift um ı und einen 
halben Ton tiefer, als der Chorton (y). 


4. 128. | 
Das Beywort vepetivend (d. i wiederho⸗ 
lend) deutet an, daß eine Stimme wegen der Klei⸗ 
nigkeit der Pfeifen nicht bequem in der Hoͤhe koͤnne 
durchgeführt werden, fondern daß man die Groͤſſe 
ber untern Octaven oben auch beybehalte. Einige 
Db 2 Stim: 
vier Chorzund Rammerton, womit auch 2 Stims 
men des Pedals uͤbereinkommen. | | 
2) Einfolches foll feyn im Thum zu Naumburg. Aber dad 
Kammerkoppelin der Stadtkirche zu Merfeburg iſt weg⸗ 
gethan worden, wie der Herr Kapellmeiſter Roͤmhild 
mich zu verſichern die Geneigtheit gehabt hat. 
y) Daß es nicht an allen Orten, wenigſtens nicht zuallen 
zeiten alfo erklärt worden , lehrt un⸗ Praͤtorius imafen 
Kapitel ©. 14 und folgenden ausdruͤcklich. Er billige, 
wenn der Dee Ton zur Froͤlichkeit bey der Tafel ger 
braucht, folglih Rammerton genennet werde; der 
Chorton aber, welcher um ı Ton tiefer, werde allein 
| u Kirche gebraucht. Was duͤrfen wir weiter Zeug⸗ 
niß ? 


388 Das 6. Capitel. 
isn 
Stimmen werden nieauf andere Art verfertiget, ob 
gleich dieſes Wort nicht dabey gefchrieben fteht (2). 


F. 129. 

Schwellende Regiſter ſind ſolche, welche bey 
dem laͤngern Aushalten ihren Klang immer mehr 
verſtaͤrken, "dergleichen ſollen ſeyn in der St. 
Magnusorgel zu London, wie uns Herrn Mat: 
thefons mufica crit. berichtet T. II. S. 150. Wie 
folches zugehe, weis ich nicht. Ob dasjenige,mas 
S. 212 zu ſagen ſeyn wird, damit einige Aehnlichkeit 
habe, ſteht zu überlegen, 


$. 130. 


Die mehreften Stimmen zeigen durch ihre Ber 
nennungan, daß fie einem gewiffen Klange auffer 
der Orgel ähnlich lauten ſollen; daher heiffen fie vox 
humana, (Menſchenſtimme) Sautbois,Schalls 
mey, Särpfeife, Waldhoͤrner, Trompet, Po⸗ 
ſaune, Floͤtedouce u. ſ. f. Allein man bemuͤhet 
ſich oft vergeblich dieſe Aehnlichkeit voͤllig herzuſtel⸗ 
len; daher derjenige der groͤſſeſte Meiſter iſt, * 

er 


u) In den Cymbeln, Scharpen, kleinen Pfeifgen der Mix⸗ 

turen u. ſ. f. geht es ohne ſolch Repetiren nicht an, ſ. Praͤ⸗ 

tor. S. 131; und S. 189 hat er klein repetirend zim⸗ 
bel ifach; ©, 233 repetirend Zimb. zu Lüneburg, 
Bierm. ©. ı7 hat repetivend dironum (oder Tertie ) 
3%. welches ich nicht verfiche. Daß Feine Tertie Fönne 
3 F. ſeyn, wird der folgende $. deutlicher machen, Nepes 
tiven kann eine Tertie, wenn fie Flein angefangen wird, da⸗ 
von ift aber die Rede nicht. Im Frickens ulmifchen Muͤn⸗ 
ſter ift auch eine vepetivende Cymbel im Geſichte beruͤhrt 
worden. Ein Schweitzerbaͤßlein in der Öttap ver 
petirend ſ. bey Prätor, S.198. 








Don dem Orgelwerke überhaupt, 389 


cher esambeften gemacht. Doc) ift bey der Po⸗ 
ſune heut zu Tage die Mode, mehraufdie Stärke 
als Aehnlichkeit zufehen, daher nicht fchädlich wär, 
ſolche zweymal zu machen. | 





Diefesmag genung ſeyn zu einer Vorbereitung 
auf dasfolgende Eapitel, dadie Namen der Regi⸗ 
fter in der Ordnung folgen werden. Viele find uns 
ter denfelbigen ziemlich barbarifch oder fonft lächer: 
lich; aber fie müffen doch alle berührt werden, daß 
jeder Spieler, wenn er fich auf einem Werke will 
hören laffen , aller Namen kundig fey, und jedes 
recht gebrauchen Eönne, 


§. 131. 
Doch würde dieſes nicht zu bewerkſtelligen 
ſeyn, wenn man die verſchiedenen Verhaͤltniſſe der 
Stimmen gegen das E des Principals nicht genau 
inne haͤtte. Man muß alſo aus der obigen Abhand⸗ 
lung, ſonderlich aus $. 75 wiſſen, daß feine Stim⸗ 
men in einer Orgel ſtatt finden, als diejenigen, wel⸗ 
che den harmoniſchen Dreyklang ausmachen, we⸗ 
nigſtens demſelben nicht zuwider ſind, d. i. alle 
Stimmen muͤſſen mit dem Principal entweder im 
Einklange ſtehen, oder in der Oetave, oder Duins 
te, oder groſſen Tertie (a). Weil nun der Ein⸗ 
klang und die Octave fuͤglich zuſammen genom⸗ 
men werden koͤnnen, da ſie einerley Namen fuͤh⸗ 
ren nach denen Buchſtaben zu rechnen; ſo bleiben 
Ai br, Bb 3 dreyer⸗ 


a) Die kleine hat nicht ſtatt, weil fie mit der groſſen zus 
gleich gezogen ein mi conera fa ervegte , welches nicht er⸗ 
Wubtnahg.a — 


390 Das 6, Capitel, 


ET nn 
dreyerley Stimmen übrig, aus welchen alle Werke 
beftehen Eönnen, als: | 


1) Octavſtimmen, das find die, welche gegen 
das Principal die Octave tiefer oder höher an⸗ 
geben, oder mit ihm im EinElange jtehen. Diefe 
Eönnen32, 16, 8, 4,2 oder ı Fuß wirklich groß 
fen, ‚oder doch dem Klange nad) das groffe € 
fotiefangeben (b), | 
2) Qumiſtimmen, d. i. welche zu jedem Klange 
des Principals eine reine groſſe Quinte ange: 
ben, welche alſo ihre — 5— herleiten (nach 
$.75) aus 3: 2. Man hat bisher die Gewohn⸗ 
heit gehabt vor brauchbar anzuſehen die Quinte 
12,6, 3 und J Fuß (ec), | 
3) Tertienſtimmen, d. i. welche zu jedem lan: 
ge des Principalg eine reine groffe Tertie ange: 
ben, undihre Verhaͤltniß (nach $. 75). berlei- 
ten aus 5:4. Man hat fie bisher nur auf zweyer⸗ 
ley Art gemacht, 3 und ı fünftel, oder 1 und 3 
fünftel Fuß (qy. Temperirte Duinten und 
Terrtien gelten hier nicht, die Reinigkeit muß aufs 
genaueſte beobachtet werden, wodurch es gefhies 
bet, daß fie, zumal in. der Höhe, mit den 
Oetavſtimmen einerley Ton ſcheinen anzuge⸗ 


je: Age | 


b) Eine Detas tiefer wiirde 64 Fuß halten; aber wer wollte 

lolche Pfeifen Beben ? wer wollte den Ton deutlich unters 
ſcheiden, oder fie ſtimmen ? da 32 allbereit mehr ein Wind 
it, als ein Klang; Feiner alg 1F. Fönnte man nicht durch— 
fuͤhren, ob ſchon das Scharp fie Eleiner haben kann. 

e) 3 Viertelfuß laßt ſich nicht durchführen. 

d) Die Tertic lautet ſchon in diefer Groͤſſe bisweilen ſo wil- 
de , daß man nad) Feiner gröffern verlange, 


Von dem Orgelwerke uͤberhaupt. 391 


— — — — — 





war, 

Hier folgt etwas, fo bey einigen vielleicht mehr 
Verwunderung erwecken wird, als alle paradoren 
Saͤtze der ernfthaften Stoiker. Ich werfe die 

Stageauf: Do Die Cuintſtimmen inder zuvor 
beſtimmten Bröffe, 12,6, 3 und 14 Fuß in den 
Orgeln anzutreffen find, oder gemacht wers 
den können? Es werden die mehreften über mein 

Zweifeln fi verwundern, und ohne Bedenkzeit zu 
verlangen Ta fagen. Sie bemeifen ihre Bejahung 
durch das Zeugniß 1) aller Bücher, in welchen 
die Drgeldispofitiones Feine andere Gröffeangeben; 
2) durch alle wirklich erbauete Werke, an deren 
NRegiſterzuͤgen ordentlich aelefen wird Duint 6,3 1. 

ff. Fuß. 3) Ja die Orgelbauer laffen fich folche 
in die Eontracte fegen, oder fie thun dergleichen 
‚felbft. Aber alles diefes ift vor mich Fein hinveis 
chender Grund folches zu glauben, da ich vielmehr 
davor halte, es feynicht nur dergleichen noch nie 
gemacht, fondern auch, es ſey nicht möglich, ders 
gleichen zu machen (e). Sie kann nicht ız Sußhals 
ten, ſondern 128. nicht 3 F. ſondern 23 F. nicht 
65. fonderns} F. nicht 12 F. fondern 102. (f). 
Sch will diefe Sache bemweifen. Alle diejenigen 
Rechner, melchen die mufikalifchen Nechnungen 
des vorhergehenden Capitels von $.73 bis 84 be 
kannt find, werden die Berhältniß oder Groͤſſe der 

| Bb a Quinte 


e) Wie ſchon Werkmeiſters Orgelprobe C. zo, ©, 74 mit 
wenigen zu verſtehen gegeben hat. 

£) Die beyden groͤſſeſten Quinten werden zwar niemals cy⸗ 
lindriſch, oder nach der Principalmenſur gemacht; aber 
auch der Fuß muß dem Tone nach ſo richtig angegeben wer⸗ 
den, als wenn ſie die ordentliche Groͤſſe haͤtten. 





392 Das 6. Capitel, 


. ng 
Quinte fuchen alfo, daß fie durch die harmonifche 
Mirtelproportionglzahl die Oetav in 2 Pheile 
eheilen, nach $. 77, welches alda die Mediation 
hieß. Nun nehme man das groſſe C8 F. und deſ⸗ 
fen Oetav4 F. und ſuche das harmoniſche Mit⸗ 
tel nach der $. 77 vorgefchriebenen Art. Wird et: 
. wa dadurd) eine Kfüßige eylindriſche offene Quinte 
entſtehen? nimmermehr; fondern eg kommt 51 zur 
Mittelzahl. Wer den Bruch wegbringt, (nach 
9.77 Not.s) erhältvorE,®,c dieſe Zahlen: 24, 
16, 12, und nach deren Kleinerung 6, 4,3. D.i. 
Henn zuvor das C 8 Fuß groß war, fo mußte G 
groß werden st; wenn aber hier E foll 6 Fheile 
halten; fomuß & 4 folcher Sheile haben, mweil 6: 
4=3:2. Oder umgekehrt kann man alfo verfah- 
ven: Wenn Cz3 Theile hat, fo muß & (nad $. 75) 
foicher Theile 2 bekommen; wieviel wird & haben 
muͤſſen, wenn man dem € 16, oder 8, oder 4, oder 
2 Fuß giebt? Ich will nur alle vier Facite herſetzen, 
weil ich doch hier nicht werde noͤthig haben die guͤl⸗ 
dene Regel von vorne vorzutragen; 


322 16 8.: 102 F. 
332 — 28. 

| 2*2 
Der aber die Quinte nach dem Schlendrian 3F. 
groß macht, der bekommt Feine Quinte G, fontern 
die reine Duarte F, welche gegen E 4. Fuß fich fie 
3 verhält, nah$.75. Die Einmendungdarf mir 
keiner machen,daß man im Schreiben Eeinen a 
— | lelden 


Von dem Örgelwerke überhaupt, 393 


leiden wollen; denn 1) iſt es ihnen nicht zumider, 
alle Fertienftimmen durch Bruchzahlen vorzuftellen; 
2) iſt der Verluſt zu groß, wenn ı Deittelfuß an 
der 3füßigen, und 2 Drittelfuß an der sfüßigen 

muß abgefehnitten werden. 
Ob die Orgelmacher, melde Werkmeiſters 
Werk nicht beſitzen, mir es danken werden oder 
nicht, daß ſie ihre Pfeifen koͤnnen um ſo viel Zolle 
kuͤrzer machen, wird die Zeit lehren. Unterdeſſen 
kann ich doch das nicht aͤndern, was nun einmal in 
den Buͤchern ſteht, wie auch in den Orgelbeſchrei⸗ 
bungen; daher im folgenden Capitel ich zwar mit 
den Wölfen werde heulen muͤſſen (g), aber ich wer⸗ 

de Doch den Leſer oft erinnern nach diefem $. zuruͤck 
zu fehen, | —— 


Das ſiebente Capitel. 
Die Namen der Orgelregiſter nach 


dem Alphabet. 
Vom §. 133 bis 202. 
> el 8 TBB RL SA 
S3 ift $. 117 allbereits gemeldet, daß alles 
Pfeifenwerk entweder ein SIöt + oder 
Schnarrwerk fen; hier theilen wir die 
——— u Sol 


ge) Wie auch Werkmeifter am angeführten Orte der einge: 
riſſenen Gewohnheit wegen Fein Mievertäufer werden 
will, Daß aber die Orgelmacher dag: loquimur cum 
vulgo , cet,. nicht alle von ſich fagen koͤnnen, ſchlieſſe 
ich aus ihren Klagen wegen des vielen Abſchneidens, 
welches nicht noͤthig geweſen, wenn ſie die eigentliche 
Groͤſſe gewußt. — u ka 





394 Dis 7. Capitel, 
Floͤtſtimmen ein in offene und zugedeckte. Die: 
offenen find entweder cylindrifch), (don unten big 
oben gleich weit) oder coniſch (Eegelförmig). Die 
eplindrifchen find zum Theil lang und enge, oder 
Fürz und weit, Die conifchen find mehrentheilg 
unten weiter, als oben,bisweilen aber oben weis 
fer alsunten. Die zugedeckten find entweder Ganz 
zu, oder nur zum Theil. Die Schnerrwerke 
heiffen auch Rohr⸗oder Sungenwerke, und find 
Hleichfälls entiveder offen , oder gedeckt. Ich 
kann nicht leugnen, daß bey mir einige Zweifel un⸗ 
aufgelöfer haben bleiben müffen; wer etwas befferg 
ausfündig macht, bejeige mir fo viel Freundſchaft 
durch Mittheilung feiner Wiffenfhaft, als ich thue, 
der ih nichts mit — zuruͤck halte. Alles kann 
nach der Ordnung des Alphabets allhier nachge⸗ 
ſchlagen werden, und die lateiniſchen Namen wer⸗ 
de ich mehrentheils auch mit lateiniſchen Buchſta⸗ 
ben herſetzen; auch find. die Nebenzůge fleißigmit 
angemerft, RL 


$, 13 4. 
Aeuta ſ. Mixtur. 
Adler (ein) hat zu Giebichenſtein bey Halle ei⸗ 
nen Zug unter dieſem Namen (a). | 
Aequal,als äqual Principal, ift$. 125 erElärt; 
was darzu geſetzt wird fucht man an feinem Orte. 
Agges f. Contrabaß. 
Allerley Vogelgeſang ſ. Vogelgeſang. J 


te⸗ 


as aber ſolcher Vogel allda vor ein Aemtgen zu ver⸗ 
N m e,iſt mir weiter nicht berichtet worden, als 
daß er * die allda befindliche Sonne fliegen ſolle. 


Vonden Drgelregiftern. 39$ 
— — — — —— —ñr — — 
Alteration iſt ein Nebenzug, fo mir weiter 
nicht befannt (b). ER 
© Angelica,' (nehmlich vox) die Engelsſtimme, 
ift vermuthlich ein lieblich intonirtes Schnarr⸗ 
werk (e). J 
Angufta (nehmlich tibia), d. i. enge, f. oben $. 
122, und unten Dulzfloͤt. | | 
Anthropoglofla, f. vox humana. | 
Anzug, gehört vielleicht unter die Nebenzüge; 
Samber nennt folden ©. 153. Man 
Aperta, offen, f.$.121 undunten offenfloͤt. 
Apfelregal iſt ein Schnarrwarf 8F. Der 
größte Körper iſt etwa 4 Zoll hoch, und hat eine 
kleine Roͤhre, an der Groͤſſe, wie ſein Mundſtuͤck, und 
auf ſolcher Roͤhre einen runden hohlen Knopf voller 
Loͤcher, da der Schall herausgehen muß. Es iſt 
ſtiller, als ein ander Regal, und wird au) Bnopf⸗ 
regal genennt(d). — 
Aſſat ſ. Naſſat. 








irn 


b) Auf deutſch Heißt es eine Aenderung, und fieht bey 
Praͤtor. ©. 174 unter den Nebenzuͤgen zu St. Ulrich in 
Magdeburg ; ererklärt es aber nirgends. NEE 

ce) Maier im Mufiffaal gedenket ſolcher Stimme, Son 

"aber ift mir gefagt worden, daß Stumm ein Orgelmachet 

in Sulzbach fie in eglihen Orgeln gemacht , aber einer zu 

Muͤhlhauſen in Elfas,mit Namen Ran (erläßt fih auch 
glis nennen) ſoll fie zuerft gemacht haben mit einem krum⸗ 
men Körper, worauf wieder ein anderer fteht. Wenn 507 
Femeyer in Wolfenbüttel von dem mufifalifchen Aus— 

druck einer englifchen Rede handelt, fagt er, daß mau ins⸗ 

gemein den Discant darzu nehme; doch falle ſich ein Alt 
nicht übel fehieken. Aber was Mattheſon dabey erim 
next, f. in der eritica muß, T. II, ©, 319, | 

4) Siehe die Befchreidung S: 148 des Prätor, Zu Gotha 

In RO RR A 


pr’; 


396 Das 7. Capitel, 
nn 


$. 135. 

Balg⸗Glocke f,Calcanı, 

Salgregifter. So heißt der Zug, welcher die 
Baͤlge verfchlieffet, und wieder öffnet, daß man fie 
treten oder nicht treten Eann (e). | 

Barduen finde ich, als ein Gedackt g Fuß (F), 

Baͤrpfeife, Baͤrpipe (g) ein Schnatrwerk 16 
und 8F. MWieesElingenfoll, zeigt der Name an. 
Baapfeife und Baarpfeife werden eben das ans 
zeigen follenCh). | 

Barem ſ. Gedackt. 

Baß ſ. h. 226, und den Zuſatz ſuche amgehoͤri⸗ 
gen Orte. Alle Pedalſtimmen koͤnnen ſolchen Bey⸗ 
namen haben. 

| | Baſſa⸗ 


| In dr Schloßorgel kann man das Rnopfregals F. 


e) S. Prätor. S. i185. Zu Buckeburg war dergleichen, 
) Man verwechſele es nicht mit Bordun. Werkmeiffer 
von der gruining, Orgel, $. 46 zehlt es unter die fait unbes 
Fannt gewordenen Schnarrwerke; aber Prätorius auf der 
200 DER hat Flein Barduen abgeseichnets F. als ein 
eda | 


t | 
8) Pipe fagen die Niederſachſen, und uns foll es hinfuͤhro 
gleich viel gelten. —24 
h) Praͤtorius hat; fuͤnferley Riſſe davon Taf. 38, und ſagt, 
Daß fie ſich nicht Eleiner lieffen arbeiten, wie fie denn auch 
den rechten Klang, folglich auch den Pannen verlieren wuͤr⸗ 
den, wenn man fie wollte Fleinee machen. Sie ift zu fehen 
in der groſſen Orgel su St. Nicol. in Hamburg ; zu St. 
acob, St. Catharinen, St. Petri und St. Thoma da 
elbſt; (Mattheſ. über Yriedes Tr, Bagpf. und 
Baarpf. jieht ©. 169, 170,233 Prätor. Eben dieſer 
Ft 5, 197 zu Sondershaufen Ranket oder Baͤrpf.s F. 
welche doch ſonſt unterſchieden find, Werkmeiſter am vor⸗ 
gedachten Orte ſchreibt, daß zu Praͤtor. Zeit dieſe Stimme 
die niederlaͤndiſche vox humana geweſen. 





von den Örgelregiftern, 397 


Baffanelli find Schnarrftimmen Gi). 
Baſſaune und Baſſune (k) f. Poſaune. 
Bafle.contre ſ. Contrabaß. | 
Baffe de eromorne f, Rrumhorn. 
Baflon ſ. Fagott. 


. 136. 

Bauerlein, Bauerfl. Bauerfloͤtbaß, Bauer⸗ 
pfeife, Paͤurlin, fitula rureflris; Feldfl. ſind 
mehrentheils einerley, nehmlich ein ganz klein Ge⸗ 
dackt 2,22undı$. Wenn man lieſet: Bauer⸗ 
Rohrfloͤtenbaß, ſo hat der Deckel ein paraulnm, wie 
F.i8o folgen wird. S. auch $. 153.0). | 

Blockfloͤt, Blockpfeife, Plockpfeife auffer 
der Drgelf. Prätor. rote Taf. Die Beſchreibung 
fteht ©. 33 ; allwo Floͤte, filtula. ffauto und 
recordor ihm einerley (m). Werkmeifter ©. 55 
der Org. Pr, und Samber ©, 153 — “x 

afür 


i) Werkmeifter eben dafelbft zehlt fie unter die faſt unbekannt 
gewordenen, Ihre Art nimmt man ab aus ihrer Einrie)s 
tung auffer der Orgel, wovon Prator. ©. 41. 

k) So fohreibt Prätorius ©. 166, 169,170, 174 u. ſ. f. 

1) Däurlin hat Prätor. ©. 1405 und ©, 141 nennt er die 
Kleine Rohrfl. ı F. auch Bauerfloͤtbaß. ©. aud) 9.176. 
Wie auch Bierm. S. 5, 17,19. Praͤt. ©. 177 hatin eis 
nem Manual Bauerpf. oder Blockfi. und Sauerpfeir 

fenbaß. Blockfl. aber ift fonft etwas anders. ©. 200 hat 
er Nachthorn oder Bauerbaͤßlein 2 oder 1 F. zu Kids 
Daggeshaufen, 11 F. ift fie im Kneiphof su Koͤnigsberg, 
2%. aber inder altftadter Orgel, Wonrureftris (tibia) 
di, Feldpf. f. $. 180. Zu Goͤrlitz ſteht fie afach, der 
Stärke wegen. Buerfloͤtbaß fagt Prator, ©. 179, 
Choralbaffet ı F. ift zu Kindelbruͤck eben das, 1. $, 


139, 
m) Das legtereift Engliſch, das mittlere Italiaͤniſch, Afula 
aber Lateiniſch. | 








398 Das 7. Capitel. 


dafür tibia vulgaris, (gemeine Pfeife), ini 
nennen: das Bemshorn eine — —* 
gel findet man mancherley Figuren. Praͤtorius 
zeichnet eine 2fuͤßige wie eine Spitzfl. Taf. 37. Bor: 
zeiten war ſie bey mir in der Geſtallt einer Rohrfl. 
Man findet auch gedackte Blockfloͤten. Einige 
machen fie alfo, daB die Pfeife noch eins ſo lang 
wird, als der Klang erfordert; daher fie fich muß 
— Ich habe ſie gefunden 16, 8, 4,3, 2 
FUb {n). 

Bock ſ. Tremulant. 

ALT, | 

Sombart, Bombardo, Bombardöne, 
Sombardon, Sombordon, Bommer, aud) 
wohl Pombart, ein Zungenwerf, ift 16 oder g 
5. und gleichfan der Baß zu der Schallmey (o « 

‚ Zu 


n) Siehe auch unten von der Flöte. Daß etliche die Gems— 
hoͤrner alfo nennen, ſ. bey Prätor. S. 137; undzu Dans 
sig hater ©. 165 Spillfl. oder Blockpf. 8 F. melde 
Spilffl. unten mit Gemshorn einerley. 2F.ift fie in Bres⸗ 
lau zu St. Mar. Magd. Mehr Erempel ſ. Praͤtor. S. 
185,165; Bierm. S. 1, 5,25; Und als eine Duinte 3 Fo 

Sun 

0) Bon bombodas Summen. Marpurg von der Fuge 

C.7, 8.3 jagt Bombardo der Baßbrummer. Ob 

ſchon prätor. ©. 147 fagt, Pombarde ſchicke ſich beffer 

zum Pedal; ja, ober ſchon ©. 186 ſchreibt Poſaun oder 

Bombardbag 16%. fu hat er doch felbft in der Tabelle 

30 S. 126 folche 16 und 8 F. ind Man. und Pedal, Zu St. 

Wencesl. in Naumburg ift fie 16 F. im Manual, wie auch 

zuGoͤrlitz. Boxberg feheint allda aus Pommer und 

Bombart zerley zu machen, da fie in einem Claviere ſte⸗ 

ben, und da er dieſes ein ſtarkes Schuarrwerk nennt, jeng 

eine Quintatoͤn. Bombordon fhreibt Samber S. 

154, 155. ©. auch Prator. ©, 36, 36 und 3, Etwas 

folgt noch unten 9. 160. | 


Von den Orgelregiſtern. 399 


Zu Goͤrlitz iſt gedackt Pommer 4 F. Auſſer der 
Orgel beſchreibt dieſes Inſtrument Praͤtor.S. 36, 
und Tab. 11. | | 
Bordun iftein Gedackt 8,16 Und 32 Ruß, meh⸗ 
rentheils von Hol, im Manual und Pedal (p). 
Daher man auch findet Bordun⸗Subbaß (q). 
Perduna ift mohl eben fo viel (r). Portunen 
aber foll ein Schnarrwerk oder Dulcian feyn (8). 
Bourdon wird von Walthern fo befchrieben, daß 
mannicht erfährt, obes ein Schnarrwerk fey, oder 
eine Floͤtſtimme; folglich auch nicht, ob es mit 
Bordun einerley (Od. Solche Stimme wird et 
was enger und angenehmer, als ein gemein Ge: 
dackt. Nied hält Bordun und Sordun vor :t- 
nerley, welches bey uns nicht üblich. ' 


$. 198: 
Boͤtze ift zu leſen S. 168 Prätor, im Ruͤckpoſi⸗ 





Firche zu Jena. 

g) 16 F. zu Goͤrlitz. 

x) Bey Bierm. S. iſt Derdung 16F. und ©, 11 groß 
Perduna 32%. Praͤt. S. 165 giebt zu Luͤbek an Bor: 
dung 24 F. im Manual aber was folldas ? Es müßte 
imFangehn ; allein eine Stimme 32 F. ſchickt fich nicht 
wohl ins Manual. — | 

s) So nennt cd Samber ©. 154 von gutem Zinn; ſ. auch 
S. 151; und S. 150 ſteht es abermal 16 $. offen. 

t) Samber hat Bourdon von Zinn im Ped. S. 154;3 und 
S. 155 ſteht es zu Salzburg im Geſicht von Zinn 16%, 
ſcheint alfo mehr ein Principal zu ſeyn. In Halle in der 
Marktkirche ift im Mittelelavier Bonrdon 16 F. ein Floͤt⸗ 
werk, wie Herr Bachmich ſchriftlich verfichere.. Burdo 
ſtunde nach dem de Chaleszu Cambery, und ſcheint cin 
en zu feyn, weil fonft Feine tiefe Gedacktſtimme allda 

Hr 


tiv 
p) 16 5. ſteht esim Mannal zu Haßleben, auch inder Stadt—⸗ 


L 
J 


400 Das 7. Capitel. 


—— EI NO >. 
tiv zu Stralſund. Das inte Regifter wird nehm: 
lich alfo bejehrieben : ein mit 2 
Körperngleihaus: L. BBoͤße (u), 

Bourdon ſ. Bordun. 

Brummhorn ſ. Brumhorn. 

Buceina ſ. Poſaune. 

Burdo ſ. Bordun. 


DW, 

Calcant heiffer der Zug, wodurch der Balgtre: 
ter feines Amtes erinnert mird, wenn er zumal den 
Gortesdienft nicht fehen kann (w), oder vergiffet, 
dag die Pedal⸗Baͤlge abgefondert find, oder wenn 
er Eommen, und fich etwas befehlen laffen foll. 

Carillon oder Campanet Glockenſpiel f.$. 159. 

Chalmonit 8%. ftund in der Befchreibung der 
merfeburgifehen Schloßorgel, und follte etwa eine 
Schallmey feyn. Jetzo iſt fie geändert (x). 

Choralift nur ein Beywort, welches den Ge 
brauch einer Stimme zeigt fonderlich bey Ausfüh: 
rung eines Chorals; daher fteht 

Choral⸗Baſſet ı F. im Pedal zu Kindelbruͤck (y). 

Choral⸗Praͤſtant 4 F. durchs halbe Clavier zu 
Lambſpring (2). 

Chor⸗ 


u) Wenn es im Anfange, oder am Ende der Beſchreibung 
folder Orgel ftünde, hielte ich es vor eines Menſchen 
Namen. 

w) Wie in Jena, da die Bälge im Thurme ſtecken. 

x) Chalemie heißt eine Schallmey. Es fund auch ganz 
hinten im Bruſtwerke, und mußte der Drdnung nach ein 
Schnarrwerk ſeyn. Jetzo ſteht an defien Stelle ein Sa⸗ 


y) Jen eine Bauerfl. wovon 9.136. Baſſet beißt 
ein jung Baͤßgen, als wenn ein Baß auf einer Violine ges 
macht würde. | 

2) Bierm, 9,10. 


Von den Drgelvegiftern, 401 


Chormas f.oben$. 125. 

Chormorne, als Baſſe de chormorne, iſt der 
Fagott, wovon hernach (a); es ſcheint einerley zu 
ſeyn mit eromorne, wovong. 164 in Krumhorn. 

Cilinder iſt nach $. 133 ein Beywort, wofür 
man beſſer Cylinder ſchreibt. | 
Cimbel ſ. Cymbel. br, 

Clairon, franzöf, iſt eine engere und heller klin⸗ 
gende Trompete, als die ordentliche, und in der 


Orcgel iſt es die Trompet 4 F. (b). - 


Clariet ſ. Trompet. | 

Clarino tft bey den Italiaͤnern eben fo viel, als 
das vorige clairon, Daher fteht elarin, odertuba oder 
Trombetten in Sambers Werk S. 153; das übri: 
ge ſ. unten bey Trompet. | var 

Communicanten⸗Glocke ſ. 9.158 beym Glos 


ckenſpiel. 





Contra f.$. 121. | | 
Contrabaß f. $. 121, und unten in Subbag, 


wenn e8 ein Gedackt 32 8. feynfoll. Doc) finde 


ich auch diefen Namen bey 16 F. offen (ce). Die 
Franzoſen fagen Bafle-contre. KR 
Contrapoſaune f$. 121 und bey Poſaun. 
Copendorf 2 und 3 im Kneiphof Coder Thum) 
zu Königsberg (d). 
| $, 140% 


3) Orcheſtre J. P. It, C, IH, 6,9, 


b) SamberS. 153. ) | 

©) As bey Sambern S. 154. Vom doppelten Contrabaß zu 
Jena ſteht oben $. 121, not. F, | 

d) Diefe2 und 3 Eönnten bedeuten 2 und zfach, dergleichen. 
gemifchte Stimmen 9. 741 auch Foppel heiſſen. Sollten 
fie aber Fuß bedeuten, fo ſchien es eine Raufchpfeif, wo⸗ 
von unfen, | 

Ce 


402 Des 7. Capitel. 











— — 


$. 140. 

Coppel, oder Koppel (e), ift ein Nebenzug, 
wodurch 2 Claviere mit einander verbunden mer: 
den, daß das andere mit gehört wird, wenn man 
auf dem einen ſpielt. Wenn das obere Manual zu: 
gleich das untere in Bewegung bringen ſoll, ſo wer— 
den Froͤſchgen auf jede Taſte des untern, und un— 
ter jede Taſte des obern geſetzt, welche hinter einan⸗ 
der ſtehen, und ordentlich einander nicht beruͤhren, 
bis durch das Verſchieben des einen Claviers (or⸗ 
dentlich des obern) dieſelben uͤbereinander treten. 
Daher darf keine Taſte des obern Manuals nieder: 
gedruckt ſeyn, wenn man es verſchieben will, weil 
die Froͤſchgen wuͤrden einander abſtoſſen; aber auf 
dem untern Claviere koͤnnen die Hände bleiben. 
Hierzu findet ſich bisweilen unter den Regiſterzuͤ⸗ 
gen einer, welcher das Elavier verfchiebt; aber 
bisweilen muß man das Elavier felbft aufbeyden 
Seiten, oder inder Mitte, angreifen, und hinz oder 
herwarts ziehen. Aber man legt es bisweilen alfo 
an, daß das obere von dem untern gezogen wird, 
und man folglich unten ſpielen muß, und hierbey 
darf die Hand unter dem Ziehen nicht auf dem uns 
tern liegen bleiben, auch bey mancher Anlage nicht 
auf demobern Manual. Ein fol) Zugwerk wird 
auch wohl durch ein blindes Elavier regirt, wobey 
Fein Regiſterknopf nöthig, auch Fein Elavier ver: 
fehoben wird (k). Wo 3 Elaviere find, a sa 

ey⸗ 


e) Und Roppel waͤr beſſer; doch werden es einige hier, eini⸗ 
ge in Kſuchen; daher es an beyden Orten zu beruͤhren. 

F) Wie hier zu St. Andr. allwo zwiſchen den Manualen 
2 Züge hervor ragen, welche man heraus zichen muß, In 
der Eolfegenkirche zu Jena war dergleichen auf beyden 
Seiten. 





Von den Örgelvegiftern. 403 
ee Re ea 


beyde Arten zugleich ſeyn, daß, wenn manaufden 
mittlern fpielt, dag obere zugleich gezogen, das unte— 
re aber gedruckt werde (8). PedslEoppel (man 
findet auch angefchrieben Koppelpedal, Coppelpe⸗ 
dal) haben mehrentheils die Eigenſchaft, daß durch 
einen Regiſterknopf das Hauptmanual zugleich im 
Pedale brauchbor wird, und zwar, daß man nicht 
noͤthig hat den Fuß vom Pedale wegzuthun unter 
dem Ziehen, wie es in allen neuen Werken ſoll und 
pflegt angebracht zu werden. Aber bey manchen 
Orgeln darf man den Fuß nicht auf dem Pedale 
laſſen, weil ſonſt entweder ein Heulen entſtehen, oder 
das Koppel zerbrechen wuͤrde, wie bey mir im obern 
und untern Claviere ſolche Anlagen zu finden (h). Es 
haben nicht alle Werke folche Pedalkoppel, fondern 
1) einige find befländig mit den Manualladen ver: 
bunden, daß alle Stimmen zugleich ins Pedal ge⸗ 
hoͤren, ohne ſolches aͤndern zu koͤnnen (i); 2) ande: 
re Werke haben ſo viel Stimmen auf der Pedalla⸗ 
de, daß fie Feines Koppelns benoͤthigt find. Es 
muͤſſen aber in ſolchem Falle —9* nur die Baͤſſe in 

‘2 | bin: 


8) Wie es zu Waldershanfen if, 


h) Zum Kaufmannen allhier iſt vor den Fuͤſſen etwas her⸗ 
vorragendes, wodurch man ohne Hände dag Poſitiv durch 
den Fuß mit dem Pedal koppeln kann. Bey mir wird 

durch einen Regiſterzug das Ruͤckpoſitiv wie dag Hauptma: 

nual in das Pedal gekoppelt, ſo ‚daß bey jenem YOinkels 
baten, bey diefem Drückel unter die Pedaltaften gefchos 
ben werden, woraus zu verſtehen, warum Keine Pedal: 
—* rg niebergefreten ſeyn unter dem Anziehen folder - 
oppel. 


i) So war es vorzeiten beſchaffen mit meinem Oberwerke 
aber ſolche Anlage leidet man ietzo auf keinem Dorfe, und 
ſollte gleich ein Werkgen noch ſo kleine ſeyn 


404. Das 7.Lapitel, 
binlänglicher Anzahl vorhanden feyn, fondern auch 
wenigſtens eine ſtarke Mixtur zum vollen Werke, fo 
kann man das Pedal nach Belieben angreifen, und 
das Manual bleibt frey vom febriliſchen Zittern, 
ſonderlich wenn das Pedal zugleich eigene Baͤlge 
hat. Vielleicht ſtehen $. 165 ſolche Exempel der 
Pedalmixturen. Unterdeſſen iſt es doch beſſer zu: 
gleich ein Koppel zu haben, der Veraͤnderungen 
wegen; muß es doch nicht ſtets gezogen werden. Zum 
Reglern hat ſolcher Zug nichts zu thun, als den 
Wind in den hinterſten Windkaſten der Hauptla⸗ 
de zu laſſen, ın welchen Die Pedalventite befindlich 
find ; fonft aber (wie bey mir) find beyderley Benz 
file in einem Windkaſten, und doch fann man dag 
Koppelfomachen, daß die Nedaltaften dörfen nie 
derliegen unter waͤhrenden Anziehen des Koppels (k). 

Was das Windkoppel in Waldershauſen vor 
eine Beſchaffenheit habe, Eonnte ich nicht erfah⸗ 
ten, alsich deswegen dahin gereifer, weildie Orgel⸗ 
fehlüffel nicht in der Stade waren. Ich nenne es 
aber allbier, wie ich mit den mehrefienraren Stim⸗ 
men zu thun pflege, damit die Liebhaber auf ihren 
Reiſen ſolche Dinge beſehen und hören Fönnen, wel⸗ 
ches Eein geringer Wortheil iſt von diefem Eapitel. 
$.201 denfeich noch einmal an daffelbige. 


| S. 14r. t 
Coppel Aoppel) ift auch eine ordentliche Dr 
gel: 


K) Was foll aber ©. 12 bey Biermannen das Koppel fo wohl 
zum Niederdruͤcken als Aufziehen vor ein Ding feyn ? 
Er redet allda vom Bruſtwerke. Es ift mir auch geſagt 
worden, daß manein Koppel gemacht habe, da man auf 
dem Manual fpielen, und zugleich die Pedalſtimmen da 
mit verbinden koͤnne; aber der Ort ift mir entfallen, 


Von den Örgelvegijtern. 405 








gelftimme, nehmlich eine groffe Hohlfiöte 8 F. wenn 
man fie ehedeffen hat in das Pedal geſetzt. S. Praͤ⸗ 
tor. S. 132. Aber ich finde fie auch im Manual 
gundg F. (). Dom latein, copula iſt copelund 
eopl entjtanden. 

$, 142. 


Coppel(Boppel) iſt auch einegemifchte Stim⸗ 
me, welche ich 2 und zfach gefunden. 2fach im 
Pedal zu St. Petri in Berlin 5 zu Prag iſt es af. 
im Ped. zu St. Dominico, als Quinte zF. Sur 
peroctav 2 F. und Tertie 2ſF. (wie das letztere moͤg⸗ 
lich ſey, ſ. oben d. 1531); im Manuale eben daſelbſt 
iſt Koppel 13⸗21. Wielleicht iſt es die kleine Quin⸗ 
te und noch ein kleiner Oetaͤnggen. Zu Koͤnigsberg 
ſteht Roppel 2 -- 3 im Pedal der Pfarrorgel, wel⸗ 
ches dem Copendorfaleicht, und mas davon gefagt 
$.1390m Ende, Eannauch von diefem gelten. 

Coppeldonef.$. 168 ben Oetav (m). 

Coppelfloͤt (Koppelfl.) nennen die Niederlän: 
der das Hemshorn g F. f.davonunten$. 157 (n); 
doch find auch afüßige zu finden Co), Zu Alach 

—* Cc3 mach⸗ 


I) Roppel bey Praͤtor. hieß alsdenn auch Subbaß, oder 
Thunbaß. Aber Sambers sgfüßige iſt genennt S. i55 
ſeiner Continuation, und zwar ſchreibt er Copl von 
Metall; da er hingegen ©, 146 und folgg. ſchreibt Copel 
oder copula von Holzʒ. 

m) Wie denn Praͤthrius ſchreibt: Roppeldone oder 
Octave zu St. Joh. in Luͤneburg, ohne eine Groͤſſe su ber 
ſtimmen, ©, 171. 

n) So ſagt Praͤtor. ©. 134. 

0) Er ſelbſt hat dergleichen S. 178, 198. duch ſteht in ver er’ 
ſten Orgel im Man. dieſer Name, im Pedal aber Gems— 
horn 4F. daß es alſo zweyerley ſcheinet. Sir wann 

23 


406 Das 7. Capitel, 
EL an u ann u SE 


TEE 
machte der Orgelmacher Schröter eine befondere 
Koppelfl. 4 5. fiemar von unten gleich weit big auf 
2 Drittel der Ränge, den obern zten Fheil machte 
er wie eine Spitzfl. und es war mehr als ein Fon zu 
hören. Ermolltefie machen ac) des Prätor. Riß 
Taf. 38, Sig. 2; aber fie Eonnte nicht alfo gelaffen 
werden, weil bald eine Pers, bald eine Duart, bald 
fonft etwas zugleich gehöret wurde, daher man 
nach der Zeit ihr die Schärfe genommen hat. 
Coppeloctav f. unten bey Octav (p), 
Cormorne f. Rrumborn, 


$. 143. 

Cornet, wenn man den Cornetbaß, nicht aber 
den Zinken, dadurch verfieht,ift eine Schnarrftim: 
me vor das Pedal 4 und noch öfters 2 F. Spig 
iſt gleich viel. Wenn aber Fein Unterfchied ſeyn 
fol, fo findet man davor auch litice geſchrieben (q), 
und wird auch 8 F. großgemacht, ı SF. findet man 
ihn bey Prätor. ©. 176. Die Körper find von 
Dlech oder Metall, und wenn die afüßigen ſchreyen, 
wie die Laͤmmer; fo Elingen die afüßigen wie die 
Schallmeyen (r). “ 

Cor⸗ 


©. 3 den Namen Roppelfl. 4F. und Bemshorn: $. 
in einem Elaviere. Praͤtor. ©.198 beſchreibt eben diefeg 
Werk auf gleiche Art. | 

p) Praͤtor. ©. 187 hat fie zu Dresden 4%. befchreibe fie 
aber nicht. Vielleicht ſoll es das Roppel feyn, von wel: 
en 6. 140 geſagt, oder die vorgedachte Roppelfl. viel: 
leicht eine gemeine GOctav. Es ſteht zwar in eben dem 
Werke fchon eine zinnerne Octav, aber ohne Gröffe, 

q) S. unten $. 202 bey Zinf, 

r) Daher Brätor. ©. 173 fekt: Schallmey oder Cornet 
4F. im Thum zu Magdeburg, 85: ifzu — * 


Vonden Örgelvegiftern, 407 


FR SIERT NE Sea. Aa an Mh a ET 

Cornu bedeutet bisweilen eben fo viel. Zu Merſe⸗ 
burg fieht Cornettin 2F. ingleichen zu Salzburg, 
f. Sambern S. ı55. Singendcornet iſt zu er⸗ 
klaͤren nach d. 121. | 


$. 144. 

Cornet ift bisweilen eine fcharfe gemifchte Stim⸗ 
me, oder eine Gattung der Mixturen. In der 
Drgel zu Görlis findet man Eornetti 8 F. und iſt 
dochiinder Befchreibung dreyfach angegeben, 68. 
AF. unddie Fertie über 4 $. Sie ift nurin den 

obern Dctaven desobern Manuals Cs). afach iftes 
in Naumburg zu St. Wenceslat. Wenn aber 
Waͤlthers Auffchlagebuch nah des Suretiere 
Vorſchrift ein sfaches anführt, undes im Peda⸗ 
fe fuchen will, fo ift es zu wenig gefagt, weil es 
mehr im Manual gefundenwird. Wie nun die 
Artzu Goͤrlitz allein nicht zu ziehen; fo geht es eher 
an mitdem Eornet oder Cornu zu Cambery, mel- 
ches als sfach de Chales befchreibt, und beftehen 
foll aus dem Grundtone, deſſen Octave, der Quin⸗ 
te über diefer Detave, aus der Superoctave, und 
der Terz über derfelbigen. Wie er fich wundere 
über die Schärfe folcher Stimme, ift in deffen mun- 
do math. zu lefen. Corner fepare und Corner d’ 
Cc 4 Echo 


heißt litiee; Cornet 3F. iſt im Loͤbenichttzu Koͤnigsberg im 
Man. wie auch in der haberbergiſchen Orgel. Spitz 
gder Cornet fihreibt Prätor, ©, 163. Die Körper be 
ſchreibt er ©. 146 kuͤrzer, als fie insgemein bey uns zu fine 
den; doch das hiefige zum Barfüffern Hat ſehr Fleine mefe 
fingene Pfeifgen, und heißt fingend Cornet. 

s) Boxberg fagt, es Klinge wie 8 &, ob fehon dergleichen 
nicht babey wär; es lieſſe fich füglich Ripieno ziehen. 
en er eben dasfagen, was andere vom Echo 

zehlen. 


408 Das 7. Capitel. 
———— — — 
Echo halte ich vor einerley, wovon die Anmerkung 
Ct) die Urſache enthaͤlt. 

Cornetto de Caccia 

Cornu par force , 

Carnu fyluefire follen dag Waldhorn in der 
Drgel anzeigen, $. 201. 

Cornettino, corsde chafle, cornetto torto oder 
muto, corno, cornon, cornu, cornet a bouquin 
werden oft gefunden fuͤr den Zinken $. 202 (u), 

Cromornef. $. 164 Brumhorn. * 


—— 

Luſpida von eufpis, eine Spitze, ſ. unten 
Spitzflah. 189. 

Cylinder, cylindriſch heißteine Pfeife, welche 
von unten bie oben einerley Weite hat; als: cy⸗ 
linder Duint, zum Unterſchied der ſpitzigen oder 
Bemsquinten, Zu Gera war die 3füßige alfo ge: 
nennt. | 

Eymbel, wofür oft Symbel gefefen wird bey 
Praͤtor iſt bisweilen der Sternsug, wodurch eini- 
gevon Glockenmetall gegoffene Eymbeln ein ange: 
nehmes, Doch ungrdentliches Geräufch zuſammen 

ma⸗ 


) Friſch im franzoͤſ. Woͤrterbuche führt beydes an. Das 

erſte beißt ein abgeſondert Corner; das andere iltein 
Cornet zum Echo dienlich. Beydes hat einerley Abſicht. 

Man ſoundert deswegen ſolche Stimme ab von den ubri- 
gen, und ſetzt fie hinter die Orgel, daß der Klang gleichfam 
wie don ferne komme. Wie denn bisweilen zu ſolhem 
Echo ein beſonder Clavier genommen wird. Man beſehe 
zugleich, was K. 156 vom Echo geſagt worden... 

u) Samber ©. 153 hat cornetinum, cornet, oder eornu 
Zinn, unter den Manualſtimmen; befchreibt es aber 
nicht. ‚u 


Don den Örgelvegiftern. 409 


machen, wenn durd) den eingelaffenen Wind dag 
Windrad diefelbigen in Bewegung ſetzt. Vor⸗ 
zeiten hatte bey mi jeder Churm des Ruͤckpoſitivs 
dergleichen, melche 3 zufammen 24 Eymbeln hiel- 
ten, aber das Glockenſpiel hat diefelben verdraͤngt 
(w). Timpani in der jenaifchen Orgel bedeutet 
eben das; tympanum aberiftetwasanders. Zim⸗ 
belglöcklein ſchreibt Prätorius ©. 190. Ron 
Blöckleinton fiehed. 159. Heut zu Tage wollen 
auch die Bauren anderen Stelle lieber den Accord 
E* oder G*von gegoffenen Glocken hören, weil die 
mehreften Ehorale koͤnnen aus diefen Fonarten ge 
fungen werden (x). An einigen Orten hat man 
beyde Accorde zugleich, Doch weil mich mehr 
vergnügte folche Accorde durch alle Stufen der Höhe 
und Tiefe haben zu Eönnen, oder mie andere reden, 
durch 12 Durarten, auch wohl durch alle 2 Moll: 
arten, fo mußteich aufeine Erfindung denken, wie 
es möglich würde, und doch weniger Eoftete, als 
die gemeine Anlage. Sich habe es glücklich ent: 
deckt, und wie es moͤglich gemefen, wird beffer ver⸗ 
ſtanden, wenn $.158, 159 vom Glockenſpiele ges 
handelt worden, | sta one 





$. — 
Cymbel iſt auch eine Art gemiſchter Stimmen 
2, 3 und mehrfach, und zwar die kleinſten unter 
Ec5 allen 


w) Die verguldeten Sterne dienen zum Zierrath, Von einer- 
prächtigen Anlage des Sterns zu S. Gertrud in Ham: 
burg giebt Matthefon Nachricht, Won der Sonne zu 
Siebichenftein 1.9.1838. Eine laufende Sunneift zu unſer 
lieben Frauen zu Halle im Oberyofitiv, | 

x) Niedt nennt die Sterne abſurd, Cungereime) im 44ſten 
Cap. des zten Th, | | | 


410 Das 7. Capitel. 


allen fehärfenden Stimmen, daher fie auch dem 
pollen Werke das rechte Leben geben. Daher ift 
Elar, daß ſie oft wiederholen müffen, ohne daß eine 
Vorſchrift deswegen noͤthig wär; ſ. oben 6. 128. 
Andere Beynamen find oben ebenfalls erflärt, da 
man gejchrieben finder kleiner Zimbel, grober 
Simbel, Elingende Zimbelu, ſ. f. Ordentlich 
werden die 3fachen beftehen aus ı,3 undZ, oder 
aus 3 Detaven, ı, 3, 2%. Und mein Scharf 
des Ruͤckpoſitivs wie die Cymbel des Hauptwerks 
haben die erſte Anlage voͤllig uͤberein; daher man 
ſich nicht zu verwundern hat, wenn man Eymbel- 
ſcharf geſchrieben findet (y). Ob vielleicht die 
zwote Art der Anlage ſtatt hat, wenn Cymbeloctav 
geleſen wird (2), oder ob fie alsdenn nur eineinfach 
Octaͤvgen fenn foll, Eann ich nicht eigentlich beftims 
men(2). Sechferley Eymbeln har Prätsrius S. 
125 auf der Tabelle. Im Pedal fagt man auch 
wohl Cymbelbaß. Daß man aber auch mehr 
als afache Cymbeln habe, bezeugen die Naumbur⸗ 
gerzu S. Weneesl. und die Ulmer, welche beyde 
sfach find, und vermuthlich fehon im Anfange Eins 
klaͤnge unter fich haben. 





9.147. 


5) Afach ift fie unter. dem Namen zu Dresden in der Creuz⸗ 
kirche; zu Königsberg in der Pfarrkirche gleichfalls. Zu 
Et. Dominic. in Prag iſt in einem Elavier eymbel 4. im 
andern Eymbel fcharp 3 f. 

2) Den Namen hat Marthefon in ber Altoresdener Orgel, 
ingleichen in dafiger Schloßorgel. Sie Fonnten auch wohl 
mehrfach feyn, nur dag es nichts als Detaven oder Ein: 
Fänge ſeyn mußten. Ar 

a) Prätorius hat die einfache genennt die Fleine Cymbel, 
&. 189.08 S. 199 ficht zu Riddageshauſen Zimbeln 
einfach gar klein. Alſo wär es Feine gemiſchte Stimme. 


Don den Örgelvegifbern, 411 








147. * 

Cymbeloetave iſt eine kleine, helle, auf Cym⸗ 
belart lautende Oetav; dochf.$- 146. 

Cympelpauke iſt mir nur dem Namen nach be⸗ 
kannt zu St. Eatharinen in Danzig (b). 

Cymbelregal Eönmt vor bey Werkmeiſtern und 
Prätor. in der Grüningerorgel; nur daß jener 
darzu ſetzt: vepetirend, und machts doch 8 groß, 
diefer giebtsnur 25. an Le). 


% 
Decem, zehen, daher 
Decima (die gehende Stufe oder Tafte) eine Ter⸗ 
tie iſt, ſ. $. 191. 
Decnpla eine rofache, ſoll auch die Tertie anzei- 
end). 


‚ Des, Dezem, Deszem, Detzembaß find eben fo 
viel (e). 5 
—X 


A führedafir an Hamburg’, welches aber unrich— 
ig. Br; 


e) In eben dem Elaviere Dafelbft fteht noch Cymbel > f, und 
noch) ein beſonders Regal oder Großregal 8 F. Das Re— 
petiren iſt ſonſt nicht bey Schnarrwerken; duch war es bey 
2 F. noͤthiger, als bey 8%. Wennesein Schnarrwerk iſt, 
bat es etwa den Namen von der Lieblichkeit, 

4) Werkmeiſter ſchlaͤgt dieſes Wort vor den Liebhabern 

fremder Wörter S. 74 der Orgelpr. 

e) Ich erdichte Feine Namen, auch Feine Arten folche zu 
ſchreiben; jederzeit Fann ich meine Abnehmer aus gedruck 
ten Büchern anfuͤhren. S. 165 hat Brätoring den Decems 
baß; ©. 166 den Detzehmbaß im Stuel; ©. 167 
Detzembaß. Zu Stodholm ift decima zund 3 Fuͤnftel⸗ 
fuß; dag folches nicht möglich „ſ. Hz. Eben wie zu 


Upſal decima 4 F. ſ. unten bey Tertie. Von Dez, Detz, 
ſ. Sambern ©, 147,148. 


AL? Des 7. Capitel. 
— ic non ge 
Decima nona, die rote, iſt eine kleine Quinte, 
us . oh. | | 
Deeima quinta iſt eine Fleine Octav 8.168 (8), 
",Detto ſ. dito, dito. | | 
Diapafon d.i. die Octav $. 168 (h). 
+ Diapente ſ. Quinte 6. 175. Ron ſolchen grie⸗ 
chiſchen Wörtern f. oben 8. 42. 
Diapente pileata, eine gedeckte Quinte (3). 
Diskantſchwiegel, ſ. Schwiegelund oben §. 
123 Not. q. 
Disdiapafon eine erhoͤhete Octave. 
Disdiapente eine erhoͤhete Quinte. 
PDisdiadiapaſon eine amal erhoͤhete Octave (). 
f.$. 168. | 
—* Dito, iſt keine Stimme, ſondern es zei⸗ 
get an das vorige Regiſter noch einmal, aber von ans 
derer Gröffe(l). = » . 
‚ Ditonusf.$, 191 bey Tertie; vom Worte ift$. 
42 geredet. 





| gina ach | 
Doeff iſt ein Principal; [.$.173 Doifloͤt ſ. 
Duifl. | | 
Dolcan fteht als eine Floͤtſtimme unter den Riſſen 
Praͤtor. 4F. Sie ifl oben weiter als unten. —— 
ul; 


f) Iſt 3 F. zu Goͤrlitz, von 16 F. angerechnet. 

3) Zu Cambery beym de Chales, d. i.2 5. 

h) Zu Sendomir if fe 4F. ſ. auch Samber ©. 153. 

i) Von pileus cin Hut. | 

k) Dis zmal, ein gricchifch More. | } 

1) Im gemeinen Leben, zumal in Auctionen, iſt es mehr als 
zu bekannt. Sp ſteht zu St, Ansgarii in Bremen dito 8 
F.das it: Trompet s F. weil vorher ftund 16 F. 


Von den Orgelregiſtern. 413 





Dulzain, Dulzaen u, f.f. gelten gleichviel. Man 

hat es auch s F. (m). — 
Dolce ſuono, ein lieblicher Blang, ſ. Dul⸗ 

cian. 
Dolzfl. f. Dulzfl. 

- Dolziana f. Dulcian. 
Doppeltf,$. 124. _ 
Doppelfl.f. Duifl. | | 
Doris ſ. S. 154 flauto oder flüte douce, 
Drommel f. Trommel, 

Duifl. Doifl. Doppelfl. iſt ein hoͤlzern Gedackt, 

deſſen jede Pfeife 2Labia hat, wodurch der Klang 

fi) etwas ändert (n). | \ \ 
Dulceon f, $, 173 Principal. 

».' 15O; 
Dulcian, dolcefuono, dulziana, do'ziana, Por⸗ 

tunen, duleinus, fagotto, baflon, ein etwas 

ſchwaches Schnarrwerk, 32, 16 und 8 F. im Pe⸗ 
dal, und wenn dieſe Stimme nicht allzugroß tft, 
laͤſſet fie fich auch in den 2 untern Dctaven des Ma— 
nualszu obligaten Baͤſſen wohl brauchen, Der 

Name Sagortiftzeicher mehr gewöhnlich, als Dul⸗ 

| cian, 


x 


m) Dolcan oder Waldfloͤt 4 F. ſteht zu Gera, da doch die 
letztere ſonſt etwas anders iſt. Dulzaen ſchreibt Praͤtor. 

. 8.126; Dulzain aber S. 136, da die Befchreibung mit 
dem Riſſe überein kommt, und fund damals zu Strals 
fund im neuen Werkes F. Ton; ja er fagt, daß wegen 
fihwerer Intonation fie ſich Fleiner nicht machen laſſe. Er 
unterſchedet esals ein Floͤtwerk ausdruͤcklich vom Dul⸗ 
cian, einem Schnarrwerke. J 

m Praͤtorins S. 140 erzehlt, daß g 
penius ſolche erfunden, Sie ſteht allhier zu St. Severi, 
sum Kaufmannen 8 F. und zu Udeſtaͤdt. Biekeichtift Flo— 
te 4upla 8 F. zu Waldershaufen eben fü viel. 


gen 1590 Eſaias Com⸗ 







414 Das 7, Capitel, 
SEE 
cian. Niedt macht unter beyden einen Unterfchied, 
und nennt fie gefürterre Schnarrwerke. (was fols 
ches ſey, 1.9.1177) Daß aber nicht alle Arbeiter 
fie füttern, feheich an meinem Dulcian 16 F. im 
Pedal, welcher Feine gefütterte Kellen bat; allein 
fie ſind von Holz; von Meßing würde es freylich 
noͤthiger ſeyn. Daß die Orgelbauer die Aehnlich⸗ 
keit mit dem Fagott auſſer der Orgel auf mehr, 
als eine Art, zu erhalten ſuchen, zeigt Praͤtorius, 
welcher S. 147 fagt, es ſey Fagott 8 F. Fon, habe 
gleichaus weite iedoch enge Koͤrper, den groͤſſeſten 
4F. lang, und gehöre ins Manual; der Duician 
fen 8%. Ton, und werde von etlichen zugedeckt, da 
denn der Klang unten an der Seite durch etliche 
Löchergen herausgehe; etliche aber machten ihn ganz 
offen, daer dennnichtfo ftille würde, und gehöre 
mehrins Pedal. Mein Dulcian hat gedeckte Kör: 
per, und die Löcher aufder Seite haben eine Kap: 
pe, der Gravität wegen, uͤberdieſes ift eine enge 
metallene Röhre in dem meiten Körper, beynahe 
bis an den obern Boden (0). 

Dulz⸗ 


o) Praͤtorius ſelbſt S. 166 macht beyde Stimmen (den Fa⸗ 
ott und Dulcian) zu einerley; nehmlich 16 F. zu Luͤ— 
ech, und noch einmal ſteht allda Dulcian oder Fagottg 

S ©, 173 ift Dulcian von Holz 16 F. Bierm. ©. 4 hat 

Dulcian 16 $. und ©. 5 ſtarken Duleian 16 F. fo auch) 

S. 7. In Halle zu unfer L.Fr. iſt auch 16F. Zu St. Mar; 

garethen in Gotha iſt 16 F. Aber im Schloß iſt 16 F. 

Duleian-Regal. Bon sfüßigen find mir auch viele be; 

Tanne, alszu Halle zu unſer . Fr. zu St. Mar. in Mer: 

feburg ; ſ. auch Bierm. ©. 24. Zu Sendomir ifi Dols 

ziana 16 und 8 F. im Man. und noch 16 F. im Ped. 

Dortunen oder Dultian von guten Zinn ſetzt Samber 

S, 154 unter die. Pedalſtimmen. Der Name — 








Don den Örgelvegiftern. 415 

Dulzfloͤt, Dolsfl. Süffl. Dulcefloit, tibia 
angufta, diefes von der engen Structur der Koͤr⸗ 
per, jenes von duleis, angenehm, ift eine Floͤt⸗ 
ſtimme 4 oder g F. wie eine Blockfl. (F. 136) intos 
niret. Dulcis und lieblich werden wohl einerfey 
anzeigen; fsoben$. 121. Daher Quinta duleis 
6 F. zu Dresden auch hierher zu rechnen (p). 

Dulssen f. Dolcan. 

Dunecenz F. fteht im Prätor. S.162 zu Dan: 
zig im Bruftwerk zu St. Marien; mehr Nach: 
richt bitte ich mir aus von denen, welche es gehört 
und gefehen. | 














IST 
Duodecima, und abgekürzt Duodez ift eine er⸗ 
höhere Buinte $. 175. 
Dupla fesquiquarta ift eine Tertie; f.$. 191. 
Duplicat ſ. gedoppelt, 9.124.125. 
Dufanbaß 165. zu Luͤbek nad) Prätor. S. 165 
ift mir weiter nicht bekannt. 


N» 152, ; 
Echo eine Stimme im Manual einen Wie 
der⸗ 


auch nicht rar. Biermann S.ı hat Fagott 16 F. und ©. 
13 iſt 32 und ı6 F. zugleich im Pedal; 16 F. fteht auch ©. 
uundı2. Zu Gorlig heiffet es fagotti 16 F. fo von Holz 
im Pedal. Herbftleben, und die Orgel zu St. Mar. 
Magdal. in Breßlau haben auch den Fagott. Fuhrmann 
im Trichter nennt den Fagotto auch) Dolciano, und unter: 
ſcheidet ihn vom Baflon, welchen er den franzöf. Fa— 
gott nennet. | 
p) Süß: oder Hohlfl. 4 F. foll zu Pulsnitz ftehen, ob ſchon 
in der Predigt von 8 F. zu leſen. Prätorius ©. 35 hans 
delt von ihr auſſer der Drgel. Den Namen tibia an- 
zufta ſchlaͤgt Werkmeiſter vor S. 55 der Org, Probe, 
Dulcefloit 4F. ſchreibt Biermann ©. 23, 


416 Das 7, Tapitel, 

derhall vorzuftellen; ſ. was oben ſteht 6. 144. 

Biermann S.5 fest es 4 F. im Pofitib. "Same 

ber ©.153 feßtes ohne Groͤſſe von Zinn. Dan 

—* —59— Stimmen darzunehmen, und ab: 

geſondert ſtellen, daß fie Elingen wie von fern (g). 
Bllich, f. $. 121. : 
Engelſtimme ſ. Angelica $, 134, 
Epiltomium ein Dentil 5.196, 


Set 
Fagott f. Dulcian $, 150. 
Seldpfeife, Feldfl. Seldpipe, find bisweilen 
eineriey mit Dauerfl. nach 9.1365 f. auch unten 
} 184 vonder Schweizerpf. Auſſer der Drgel 
‚davon Wrätor.S.35. Man hört fie neben der 
Trommel. Syn der Orgel finde ich Diefelbige ı, 2 
und AS (re). Andere unterfiheiden fie von der 
Schweizerpf. Sie follenenger Menfur feyn, wie 
eine VioleElingend, alsdenn, wie einige fagen, ift 
fie auch wohl 8 8. 
Feldtrommet ſ. Trommet $. 194. 
Fiffaro iſt die Queerpf. $. 174. 
Fiſtula, eine Pfeife oder Floͤte, kann Pr 
| edeu⸗ 


q) An Wansleben iſt Echo oder Verdecktes auf einer bes 
fondern Lade hinten beyim Oberwerk; welches das zte 
Elavier ausmachen wird, 

x) Bierm. S, 17 hat Feld. ı F. Praͤtor. S. 165 hat zu 
Kübeck Feldpipe; aber ohne Groͤſſe; ©. 156 ſteht: Feld⸗ 

feifenbaß im Stuel. Wie groß fie ©. 233 50 ©, Kante 

bracht in Luneburg fey, beſtimmt er nicht deutlich. Nach 

Marthefon aber uber Riedtens Werk iſt die Feldpf. zu 

Stralfund 4 F. zu Lubeck 2 F. nie auch zu Eolberg. Wenn 

ag Ta gleichviel ſeyn full, Folgen Die Exempel 
D 134, * 


Von den Örgelvegiftern. 417 





bedeuten, nachdem e8 einen Beynamen bekommt, 
als | 
Fiſtula largior oder aninima f. Schwiegel 6. 
184. | 
Fiſſula rureſtris ſ. Feld⸗ oder Bauerfl. | 
lachfloͤt oder Slachpfeif ift eine Art fpisiger 
Floͤtſtimmen, 8, 4, 2 F. welche auch bisweilen 
Spisfl.heiffet. Wenigſtens iſt dte Menfur faft 
alfo; fie haben einen niedrigen Aufſchnitt, find gar 
breit labirt, daher fie auch fo flach und nicht poms 
picht Elingen, oben find fie nur ein wenig zuge⸗ 
ef Daher fie oft verwechſelt werden mit Spitz⸗ 

öt (8). | 
Flageolet it mit Schwiegel 1 oder 2 F. einer; 
ley. Tlasnet wird wohl eben diefeg bedeuten fol 
len. Man mill den Vögeln darauf etwas vor 
pfeifen, daher Eönnen fie nicht 'groß ſeyn, daher 
man auch gefchrieben findet Aftula minima (die 
kleinſte Pfeife) bey Samber ©. 154; und eben 
dafelbft liefert man noch einmal: filula minima, 
oder largior, Schwegel:-Pfeif von Zinn im Ge⸗ 
brauch mit der Lopl. (das ift die Stimme, von 
welcher 9. 141 gefagt worden.) Flasnet 
28. 


s) Softcht Spitz⸗ oder Flahfl. 4 F. bey Prätor, S. 199. 
Und wenn er im Thum zu Magdedurg feßt Flachfl. 4 F. 
S. 173; feßen Die Thumkuͤſter in ihrer Beſchreibnug 
Spisfl. Bey mir ſteht fie 2%. mie auch zu Merfeburg 
u. ſ. f. welche Praͤtor. S. i85 nennet klein Flachfl. Zu 

ulsnitz und ben Bierm. iſt fies F. und beißt groß 
Flachfl. Praͤtorius nennt 2 F. auch Flein Flachfi. Diss 
Kant, Tab. zu S. 126, | 

Dd 


48 Das 7. Capıtel, 








2 3. wird aber von Schwiegel bisweilen ausdrück- 
lich unterfihieden (t). 


%. 154. 

Flauto, Flet, Floͤt, Fletna, Flüte und im Pe— 
dal Floͤtenbaß ſollen einerley ſeyn, wofür die Englan⸗ 
der Recordor ſagen. Dieſe Stimme gibt einen 
ſchwachen und angenehmen Ton, und findet man 
ſolche Benennungen bisweilen angeſchrieben, ohne 
fernern Zuſatz (u), bisweilen hat man ein Behwort, 
nach welchem es hier weiter nachzuſuchen ift(w). 

Flüte dupla, halb franzöf. und halb Iateinifch, 


f. Duifl. (x). 
Flüte 


e) In Samb. ©, i55 ficht in chen dem Claviere Schwegl 

2%. Von Flasnet 2 F.ſ. auch Bierm. S. 23, Hier 
zu St. Michaelis thut die Waldfl. 2 F. im Manual gleiche 
Dienfte, 

u) Alſo ſteht Floͤtenbaß 4F. zu Jena in der Stadtkirche; 
Bey Biermann S. 19, ebenfalls. Flet von Holz ſchreibt 
Samber S.145, und von Zinn S. 146 u. ff, Bon 
Recordor ſ. Prätor. S. 33, und ſcheint er Blockfloͤten 

und Floͤten vor einerley zu halten. Wie es nun an Erem: 

eln nicht fehlt, wo Flöt 8, 4, und 2%. gefunden wird ohne 
Ben: fo verfteht man auch leicht, | 

w) Was zum Ex. fey die Quintfi. Grobfl. Lieblichfl. 
Scharffl. Mittelfl. Rleinfl. Supergedacktfl. u. f. 
f. ohne die, welche ſchon genennt, als Bauerfl. Blockfl. 
Koppelfl. Dulzfl. Duifl. und Flachfil. Es kommen 
noch vor die Queerfl. Hohlfl. Solzfi. Flüte douce, 
oder Suͤßfl. Siffl. Waldfl. a Spitze oder 
Bohrfl. Pfeifef. Ruͤtzialfi. Ges 
dacktfi. 

Wie leicht waͤr es geweſen vor dupla ſich double hekannt 
zu machen? Jedoch ich habe gleich Anfangs den Vorſatz 
faſſen müffen, die Urtheile über ſolch barbarifch Zeug weg— 
zulaffen, uin das Buch nicht allzugroß zu machen, | 


x) 


Don den Orgelregiſtern. 419 

















Flüte abec oder Flüte douce, Floͤte douce, ift J 
auſſer der Orgel gar bekannt, woraus die Art ſie 
inder Orgel jener aͤhnlich zu machen abzunehmen 
fe. Denn da fievon Hol, und einen engen Aug: 
gang hat; ſo iſt es auch wohl befjer , ſolche 8 oder 
4F. von Holz zu machen zum Theil gedeckt, alg 
ganz, Zu Gera it fie 4 F. und durchgehende 
doppelt(y). ra 

Fond d’ Orgue iſt vielleicht das Principal im 
Manuald.ı73 (2). 

Fornitura, Fourniture, fcheint zwar zu Sendos 
mir cin Principal4 8. zu ſeyn; aber nach des Sus 
retiere Befchreibung iſts eine Mixtur, oder Cym⸗ 
belregiſter, wie Walther anfuͤhrt. Friſch im 

ET TER 


y) 8 5. fieht fie zu S. Ansgarii in Bremen; in der neuen 
Michaelis Orgel zu Hamburg, (wiewohl 1750 fie durch 
den Grand wird ruinirt worden feyn) zu Merfeburg im 
Schloſſe, (oder Thum, welchen ich allgzeit gemeinet, wenn 
ich bisweilen die Schloßorgel genennet) zu St, Wencesl. 
in Naumburg und zu Waldershaufen, Die zu Alach iſt 
45. von Metall, fpigig. Die zu Jena 4 Finder Stadt: 
orgel von Holz, ſo durch cine fehiefe Stellung eines Bret: 
leins, pp viel als nöthig, gedeckt worden. Die gedruckte 
Nachricht von der Orgel zu Wansleben hat Nauta doris 
8 3. welches vieleicht eben fo viel ſeyn ſoll; meine gefchries 
bene Nachricht hat davor flüte douce ; daher dag vorige 
ein Schler des Setzers, welcher etwa eine unfeferliche 
Hand nichtrecht eingefehen. Wiewohl die Schreiber eg 
jo genau nicht nehmen, Alſo ficht auf dem Kupfer der 
Breslauer Orgel Flaut dus; und abermal Flötdö. 
meld) eine Zigeuner Sprache ! 

2) Fondjheiftder Grund, welcher fich am beften ſchickt vor 
ein Principal; Eiche de Grignii premier livre d’or- 
gue,ida er iu der Tabulatur ſolch Megifter in einem Mar 
nur'e vorſchreibt. / 


429 Das 7, Capitel, 


— 








franzöfifchen Lepik, nimmt auch das Wort von ei⸗ 
ner Stimme, fo zur Stärkung diener, tvelche 
von der Mipkur fich beffer fagen läßt; welches aud) 
de Chales beftärken hilft (a).; 

Fortis, ein Beyname $. 121. 

Stanzöfifche Poſaune ſ. $. 172. 

Frontiſpicium ift ein Principal ($. 173) von 
frons die Stirn, oder der vorder Theil, undeinem 
alten Zeitworte, welches ein Sehen bedeutet, 
teil das Principalim Gefichte ſtehet. Samber 
‚bedient fich ſolches Worts S. 153. 

Fuchsſchwanz ift ein Nebenzug zur Kurz⸗ 
teil. Er Fann dienen zur Eurhythmie, daß 
auf beyden Seiten gleich viel Regifterfnöpfe er: 
feheinen, und zugleich zur Beſchaͤmung der Vor⸗ 
witzigen; daher allhier zu St. Andre& an einem 
folchen Zuge nichts iſt, als ein wirklicher langer 
Fuchsſchwanz, welcher mit Mühe wieder hinein zu 
bringen. $. 267 fteht nod) dergleichen. 

Fugara ifteine fo gemeine Stimme, anden Or⸗ 
ten, mo Janovka gelebet hat, daß er fie zwar 
nennt, aber ſich die Mühe nicht nimmt fie zu be: 
jchreiben. Hier zu Lande weis wohl Niemand et: 
was davon, auffer daß ich zu Waldershaufen Dos 
gar 8 F. gefunden, und vermuthe, daß die veräns 
derte Schreibart daher gerührt, weil man die 
Stimme nur nennen hören, aber nicht gefchrieben 
gejehen. Nachdem war Herr Altnicolin —— 

urg 


„Denn zu Cambery muß es Feine Octavſtimme ſeyn, fo al: 
lein zu gebrauchen, weil er bey dem Gebranch und bey 
der Combination ſolche nicht berechnet, wie die uͤbrigen 
Octavſtimmen. 





Don den Orgelregiſtern. 481 


burg fogütig, mir die neue 4 füßige zu zeigen, all 
wo Ich die rechte Schreibart antraf. Es waren 
die Pfeifen fehrenge, der Klang folgete etwas lang: 
fam, dabey war er fehneidend und doch ſchwach, 
gehörte alfo unter die offenen Flörftimmen, und war 
wenig unterfchieden von Violdigamb 4 F. 
Fundamentalisd. i. eine Grundſtimme, iftzu 
Cambery das Principal. | 


$. 155. 

Ger iftein Beywort; was darzu gefegt iſt, ſu⸗ 

che an ſeinem Orte (b). 
Gedackt. Von dieſes Worts weitlaͤuftigerm 
Verſtande ſ. 9. 1335 wie es ein Beyname iſt ſ. 
§. 121. Hier aber wird es im engern DBerftande 
entgegen gefegt vielen gedeckten Stimmen, welche 
um einer befondern Einrichtung willen eine eigene 
Benennung erhalten. Undalfo hat man das Ge 
dackt I, 2,4, 8, 16 und 32 F. das letztere ſchickt 
fichniht in das Manual, und heißt Unterſatz, 
Contrabaß, Agges, Infrabaß, groß Unterſatz, 
groß Unterbaß u. ſ. f. 16 F. im Pedale wird auch 
Unterſatz genennet, ingleichen Großbaß, ins⸗ 
gemein Subbaß (e); im Manual heißt es Grob⸗ 
Dd 3 ge⸗ 


b) Gar kleine $löt, Praͤtor. S. 1725 gar groſſer Uns 

terſatz gedackt 32 F. ©, 173.11. ſ. w. 
°) Subbaß heißt auf deutſch ein Unterbaß, und die tief⸗ 
ſte Stimme folfte billig alfo heiffen, fonderlid) 32 und 16 
F. gedeckt, welche auch bisweilen beyde zugleich da find, 
als zu Merfeburg im Thun, zu Halle, Xena u. f. f. Aber 
auch offene Stimmen haben den Namen. EOffen Subz 
baß 16 3. jagt Biermann S. 15; dergleichen un zu 
Baxr⸗ 


422 Das 7, Capitet, 
——— EN —— 


— — — 





gedacht, und wenn es engerer Menfur iſt, Bor⸗ 
dun. 8 F. iſt dag noͤthigſte und gemeineſte, und 
hat viel Beynamen. Wennes mit Fleiß völliger. 
gemacht wird, heißt es Starck: oder Grobgedackt; 
die ſtillere Gaͤttung fuͤhret viel Namen, Sanfts 
Gelinde⸗Still⸗ Human ⸗Lieblich⸗ Muſik⸗ Mu⸗ 
ſicirgedackt. Barem iſt eben das (d). 4 F. heißt 
auch Kleingedackt, ingleichen Mittelgedackt. 
2. F. wird mehr eine Floͤte aenennet. ı F. war 6. 
136 eine Bauerfloͤte. Man macht auch gedeck⸗ 
te Quinten, melde 6. 167 bey Naſat zu ſuchen. 
Wembekannt, daß pileus ein Aut heiſſe, dem wird 
nicht fremde vorkommen, wenner Pileata gefchries 
ben antrifft miteinigen Beynamen, maxima, mi. 
“may. ‘an ſtatt grob Bedackt, Klein Ge— 
dacht, Bey den Duinten heißt es alsdenn Diapen- 
26 pileata. Don prefhor, obtufior, GStillpileara 
u. ſ.f fiehe ſchon ermag $. 121 Not. n. 

Gedackte Buintfl. (Nafat 6. 167. 

Gedackte italiaͤniſche Quint 3 F. zu Gera, iſt 
vielleicht eben das. Kr | 

Gedscht Pommer f. $. 139, 

Gedackte Flütedouce ſ. 154. 

Gedacktfloͤte iſt ein lieblich intonirt Gedackt 
16,8 und 4F. (e). | 

| :$ Be 


S. Bartholom. in Danzig. S. auch Prätor. ©, 187, 
200, und S. 187 nennt er die Poſaune alfo, 

d) Eoerklaͤrt Barem Praͤtbrins ſelbſt S. 164. wenn er es 
anfuͤhrt von Roſtock; es ſteht auch zu Jena im Unterelas 
viere. 16 Fus iſt es zu St. Georgen in Eifenad), 

e) Bedadif.8 F. iſt zu Königsberg im Loͤbenicht; 4F. ſ. 
Bierm. © 25. Gedacktfl. Octav Praͤtor. S. 172. Eu 
dacktfloͤt Sedecima eben daſelbſt. 


Don den Örgelvegijtern, 423 


a nee 
Gedacktfl. Chormaß und Unterchormaß iſt 
das vorige, mit Zuziehung des d. 125. 
Gedämpft Regal iſt unter Praͤtor. Riſſen nro 
38 auf dreyerley Art; |. auch unten $. 179 vom 
Regal. 


I. 156. 

Geigenprincipal f.$.173- _ | 
Geigenregal wird wohl mit Jungfernregal 
einerley ſeyn; es fol mit der Duintatön 3:3. faft 
wie eine Geige Elingen. “Den zweyten Namen 
hat es von der lieblichen Intonation. Der Ton 
iſt 8guud 4fuͤßig k). Singendregal ſ. $.ızı. 
Gelinde ſ. §. 121. 





EN 157 
Gemshorn iſt eine zugeſpitzte Floͤtſtimme 16, 
Dd4 8, 


£) Praͤtorius fuͤhrts an S. 164, 165,168, 1835 und ©. 185 
fieht Beigendregal von Holz 4 F. zum Friedenftein in 
Butha iſt e8 4 Fund ul) Singendregal4 F. auf 
einem Elaviere, folgends muß allda ein Unterſchied zwi⸗ 

ſchen beyden ſeyn. Jungferregal 4 F. it su Heſſen auf 
dem Schloſſe im Pedal; und im Man. iſt Geigendregal 
4F · welche alſo auch ſcheinen unterſchieden zu ſeyn, ſ. Präͤt. 
Soiu89. Zu Königsberg iſt Jungferregal 4 F. Zu Goͤr⸗ 
litz iſtes im Pedal, und Boxberg ſagt, daß die Körper und 
Maundſtuͤcke an einander geloͤtet. 8 F. ſteht es zu Elbin⸗ 
gen, Danzig, Inſterburg und Prag. Im Kloſter zu 
Stralfund heißt es Geigen- oder Jungferregal 4F. 
Praͤtor. in der Tabelle zu S. 126 ſetzt: klein Geigend⸗ 
oder Jungferregal Man. und Ped. 4%. So hält er 
es auch vor einerley S. 145, da er ſagt: Jungferregal 
oder Baß, 4F. Ton, iſt ein klein offen Regal, etwa 
ı bis 2 Zoll lang, und gleicht einer Jungfrau, fo den Baß 
2 will, wenn es zu andern Flöten im Pedal gebraucht 
wird. 


424 Dis 7. Capitel, 
a Er SP LEE —— 
8,4, 2, 1 Fuß (g). Quintgemshorn, oder 
Gemsquint ift 6, 3, ı 25. und wird bisweilen 
Naſat genennet, movon f. $. 167. Spullfloͤt 
oder wie einige fchreiben Spielfl. ift gleichviel (h), 
Wenn das Gemshorn fol Diockfl. heiffen, f. oben 
9.136; oder Roppelfl. $. 142. Auch habe id) 
gefunden Zolsfl, oder Bemsborn, | 
Gingrina ſ. Schallmey. 
$. 158. 
Glöcen. In der Orgel wird oft nichts da- 
durch verftanden, als der Accord, welche an ſtatt 
des 


5 Weil ſie ſpitzig find, fo iſt auch zu Breßlau Spitzfl. oder 
Gemshorn, f. Praͤt. S. 1723 und wenn S. 173 im Thum 
zu Magdeburg ſteht Geinshorn 4 F. und Großgemshorn— 
baß F. ſo ſchreiben die Kuͤſter Spisfl. und Spitzfloͤtbaß. 
Sonſt aber iſt das Gemshorn etwas ftiller, als Spitzfl. ı6 
F. ſchickt fich beffer ins Pedal, Don den Beynamen 
groß, squal,Fleinufch.fiehe$. 121, Niedt im ııfen 
Kap. des zweyten Theils fagt, «8 fey das Bemshorn 16 
und 8 F. ein ſchnarrend Negifter, gleich einem Regal, 
doch etwas lieblicher. Wo er dergleichen gefehen, möchte 
ich gerne wiſſen. Die vorige Art ift bey uns fo gemein, 
Daß ich nicht fagen mag, wo man folche zu fehen bekomme, 
fondern nur, wo fie andere Namen führe. 
'h) Spill ifif6 viel als tenuis, fubtilis bey den Niederſach— 
fen ; |. Mattheſons Rapellmeifter ©. 469, auch 
Praͤt. S. 135. Daher fteht Spillpf. oder Blockf. 8 
3-30 Danzig bey Prätor. S. 163. allwo aber in eben 
dem Klaviere Gemshorn befonders ficht, und unter— 
fihieden feheinet ; er müßte denn den Unterfchied nur in 
der Gröffe fuchen. S. 168 hat er Spillpf. zu Stralfund; 
©, 164 fteht zmal Spittpf. und Spillpipe. S. 233 hat er 
zu Luͤnehurg Spillyf. 4 F. und Gemshorn 1F. Das 
Wort Spielfl. oder Spielpf. ſteht zu Berlin, in Rau 
burg zu St. Wencesl. wm ff. Zu St. Mar. Magal. in 
Breßlau iſt im obern Elaviere 1 2F. da doch auch ein Gems— 
horn 3 F. allda zu finden, 











Don den Drielvegifteen. 425 


des Cymbelfterns bisher fehr gebräuchlich find. 
Aber es ift ſchon 8. 145 von defien Einrichtung das 
nöthigfte bepgebracht worden. | 





| §. 17% 

Glockenſpiel, Glocenresifter, Carillon, 
auch wohl Campanetta, (von Campana eine Glocke,) 
iſt hier zu Lande ſehr gemein im Manual in den bey⸗ 
denobern Octaven, auch wohl vom bloffeng an bis 
oben durch. In der weimariſchen Schloßorgel 
ſoll dergleichen angelegt werden durch das ganze 
Manual, doc) fo, daß die bloffe Octave repetire, 
wenn es nicht anders befchloffen wird. Es iſt nicht fo 
gut, wenn der Hammer auf die Glocke fällt (i), ale 
wenn er darauf gezogen wird, weil im legtern Fall 
der Spieler dendinſchlag kann verſtaͤrken und ſchwaͤ⸗ 
chen, wie er will. In beyden Faͤllen muß eine 
Hemmfeder den Hammer wieder zuruͤck fuͤhren, 
weil die Glocke nicht klingen kann, wenn etwas har⸗ 
tes darauf liegt. Die Haͤmmer von Meßing ſind 
in einer (zumal groſſen) Kirche beſſer, als von Holy, 
Horn, oder Knochen, und wenn man einen Daͤm⸗ 
pfer anbringt von Leder oder Such, ſo kann entwe 
der derſelbige an die Glocken geſchoben, oder nur 
zwiſchen die Glocken und die Haͤmmer gezogen wer⸗ 
den(k). Wenn man den Zug ein- oder auswaͤrts 

Dvd 5 bes 


iy Meine erfte Einrichtung war alfo ; und jede Glocke hatte 
ein befonder Stativ, an welches fie geſchraubt war, wel— 
ches viel Raum einnahm. Allein der Anfchlag des Ham— 
mers kam etwas ſpaͤter, als das Niederdruͤcken der Taſte, 
und der Klang war ſtets von einerley Staͤrke, man mochte 
ſtark oder ſchwach anſchlagen. 

k) In Gotha zu St. Auguſtin hat das Glockenſpiel auch ei⸗— 
nen Daͤmpfer, deſſen Anlage ich anzuſehen vergeſſen. 


426 Das 7, Capitel. 





bewegt, muß man die Hindevon der Taſtatur weg⸗ 
thun. Jetzo habe ich das meinige auf das Ruͤck— 
poſitiv geſtellet, ob es ſchon durch das Hauptma⸗ 
nual regiert wird, und ſtecken alle Glocken an ei: 
ner eifernen Stange, und find fo juft ineinander ge: 
ſteckt, daß nach dem Zirkel ihre Enden gleiche Ent: 
fernungen von einander haben... Alsdenn war eg 
leicht die Anlage des Sterns mit den 4 Hämmern 
des Accords oben darüber fo beweglich zu machen, 
daß ic) jolchen durch alle a2 dur und 12 moll Fon: 
arten stellen Eann, mie $. 145 gemeldet ‚worden, 
ohne befondere Glocken darzu anzufchaffen. Man 
hat auch Glockenſpiele im Pedal (). Wenn die 
Glocken allzuhoch Elingen, werden fie dünner gedre; 
het; menn fie allzutief, ſchleift oder drehet man et: 
mas ab von ihrer Mündung. Es klingt zwar eine 
Feine Glocke tief, wenn fiedünne gearbeitet wird, 
hoch aber, wenn, ſie dicke gelaffen worden; allein 
wenn fie follen ſtark und rein Elingen, muͤſſen fie 
ihre Fiefe bekommen durch die Hinlängliche Wer: 
geöfferung, nicht aber durch die Schwäche des 
Körpers. id | 
Gloͤcklein⸗Ton, tonus faber, ift ein Pfeifen: 
regifier 2 F. zu Görlis, undElingt, als wenn man 


auf einen wohlklingenden Amboß fehlägt (m). 
| Grob 


I) Als zu St. Mar. Magdal, in Breßlan ift 8 2 F. im. 
Hauptmanual, und noch ein anders im Pedal, welches von 
den Engeln in der Gloria gefehlagen wird. Man ber 
fehe das Kupfer. _ Gloria heißt der mittlere Theil der 
Orgel, oder eines Altars inder Höhe, da mehrentheils 
die Herrlichkeit GOttes niet vorgefiellt zu werden. Zu 
St. Georgen in Eiſenach ift ein zfißiges im Pedal, | 
m) Warum nicht lieber zorus fabri? Wenn diefe Stimme, 
| | wi 


Von den Örgelvegiftern. 427 


Grob und groß find $. 121 zu ſuchen, das bey: 
gefügte aber an feinem Drre. | 
Guckguck iſt ein Nebenregifter, da 2 Pfeifen 
das Rufen ſolches Vogels vorfiellen ſollen; wird 
ietzo nicht mehr gemacht (n). 


ER DE 

Halb. $. 123. 

Halbellich ſ. $.ı2ı. 2 

Salber Corner, und dergleichen f.$. 123. 

Salbprincipal f. Octav $. 168. | 

Harfenprincipal gehört zu$. 173. Es wird 
einen etwas fihnarrenden Klang haben, wie eine 
Davidsharfe; denn die Spisbarfe kommt hier 
infeine Betrachtung. Wrätorius S. 172 führt 
esan ohne Groͤſſe. Daßes möglich ſey, bezeuget 
zu Gera ein Nachthorn 4 F. welches oben wieeine 
Harfe Elinget. —— | 

Harfenregal gehört zug. 179 vom Regal (0). 

Hautbois (p), &boe, Hoboyen, Bombardo, 

| Bom- 


wie Borberg fagt, gesogen wird zu Quintatoͤn 16%, laͤſſet 
fie ſich wohl brauchen zu laufenden Baͤſſen. Sie ift weit 
menfurirt. | | 

n) Praͤtorius fuͤhrt ihn etlichemal am, 

0) Praͤtorius ©. 165 führt es anzu Luͤbeck ohne Groͤſſe; 
Matthefon nenne das gfuͤßige zu Stockholm ; in der bergi- 
ſchen Orgel auf der Inſul Ruͤgen von unten, bis e einges 
fteichen; Die bepden obern Octaven haben Trompet 4$. 
zu Muͤhlhauſen in Thüringen ift es 16 F. 

p) Haut bey den Franzofen heiffet Hoch, bois ein Sol. 
Oboe ift Italiaͤniſch. Auſſer der Orgel ift fie delicat zu 
blafen, ſ. Orcheſtr. J, P. IL,C, III, $. 11. Hautbois d’ 
amour iſt etwas ſanfter, weil ſie einen engern Keſſel hat. 
Vielleicht ſoll lieblich Hautbois dieſelbige vorſtellen bey 
Biermann S.9, 11, 12, 17, 20. 


428 Das 7, Capitel, 
en ———— 


a ARE 
Bombardone, Bombyces, Bombi, Pommern, wer; 
den oft vor einerley gehalten. $. 137 ift ſchon von 
einigen Woͤrtern Meldung gefchehen. Dieſes 
Rohrwerk finde ich mehr 8, als 4 5. Auch ſteht 
bisweilen Sautbois oder Krumhorn, welches 


letztere nach $. 164 fonft etwas anders zu feyn 


” 


pflegt (9). | 
Heertrummel ſ. Tympanım $. 198. 
Heerpaucke f. eben dafelbft. 
RR 
Hellpfeife 8 F. iſt bey Prätor. eine offene Floͤt⸗ 
ſtimme; ſ. von belle . 121. 
Hinterſatz iſt $. 126 erklärt. | 
Hohlpfeif Holpf.iftein offen Floͤtwerk, weiter 
als das Principal, 16,8, 4,2umd ı 8. welche letz⸗ 
tere auch Siffloit genennet wird. 6,3 und r ER. 
giebt Hoblquinten, oder Duintflöten(r). Wenn 
fie mit Rohrfl. verwechfele wird, f. unten $. 
180(6). 
| Hol⸗ 


a) 8F. iſt ſie an vielen Orten. Bierm. S. m ſchreibt Haut- 
boe 8 F. zu Hildesheim; und S. 19 hat er zu Goslar 
Krumhorn halbirt 8%. (ſ. oben $. 123) in der Erklaͤ⸗ 
rung nennt er es Hautboe der Rrumborn, ſoſſehr deli: 
cat intonirt. 4%. fand ich es zu Halle zuunfer L. F. 

8) Holfl. 8 F. fchreibt Biermann S.5. Das fie aud) Sub: 
bag und Thunbaß genennet worden, ift 9, 155 erinnert; 
ingleihen Roppel f. q. 141. Praͤtorius bat unter den 
Hohlflöten auh Suifl. ı F. Waldfl. ız F. und Flein 
Floͤtenbaß ı %. 

) Rohr: oder Hohlfl. ſchreibt Samber ©. 153. Aber 

bey und, die wir Hohlfl. 4%. im Pedale vielfältig haben, 
ifteine Nohrfl. ganz etwas anders, obſchon Prätorius 
ſelbſt Tab. 38 die Rohrfl. auch Zoll. nennet. Die 


Hohlquint 3 F. iſt zu Eiſeuach, im Schloffe su — 


Von den Örgelregifiern. 429 


Holſchelle ſ. bey Quintatoͤn $. 177. 
Hoͤlzern iſt ein Beyname, ſ. $. 121. alſo ſuche 


man 
Holzfloͤt J 
Hoͤlzernprincipal u. ſ. w. jedes bey ſeinem 
Hauptnamen. 
Horn iſt einerley mit der Sesquialter $. 186 


t). \ 

Hornbaͤßlein 2 F. zu Buckeburg nach Prätor. 
©. 186 iſt eine Floͤtſtimme auf Hornart intoniret, 
wie weiter unten das Nachthorn folgt. 

HBuman, d.i. lieblich, ſ. $, 121. 

HSuͤmmelchen gehört auſſer der Orgel unter die 
Sacpfeifen, f. Praͤtor. S. 42; aber ©. 193 
ſchlaͤgt er es vor unter den Mebenzügen, und wird 
jenes vorftellen follen (u). 








$. 162. 


zu Gruͤningen u.ſ.f. Hohlfl. 2 F. nennen etliche klein 

Hohlfl. wie auch Nachthorn, welches doch nach $. 166 

etwas anders iſt. Praͤtorius hat S. 168 in einer Orgel 

zu Hamburg Holpipe 6 F. Hohlfl. 3 F._Sohlpipe 8 

$ Hohlfli. F. und Kleinfi. 2F. Bon Sifl. f. 
‚187, 


) Samber S. 15; fagt: "Zorn ift von gutem Bleywerk 
»aus der Mirtur genommen, hat allentbalben die Terz 
"maior mit”; welches etwas dunkel lautet. S.rss führe 
er es an ansder Orgel zu Salzburg : Horn oder fesgwi- 
”alzra afach von Metall in rund 3 Fuß” welches noch pof- 
fierlicher zu hören, 


u) S. Prätor, S. 42, welcher bey der € ackpfeife f und e an⸗ 
giebt, dergleichen Ley erey durch a Schnarrpfeifen in ver 
en leicht nath zum schen; doch dienst es nur zum Ger 

her, | 


430 Das 7. Capitel, 
hehe». cu 
—— §. 162. 
Itgliaͤniſche Quinte ſ. theils oben ſ. 121, theils 
inO. 175. 
Infrabaß .$.t2ı undıss. 
Inbal iſt zu Görligdie Octav 4 F. von Metall 
im Pedale. Sie muß von der Detaven- Menfur 
abgehen, meil Derave 4 F. auf eben derfelbigen 
Lade ſtehet. Gleichwohl fagt Boxberg, da es eine 
ordentliche Detave fey. | 
Jula iſt die Quinte 6 $. und weil diefe gefpigt 
ir jo finder manauch diefen Namen vor Spigfl. 
88. (w). | | 
Jungferregal ſ. Geigenvegal $. 156; viel- 
leicht iſt Jungferſtimme, oder vox virginea $, 
200 eben, das. ur 
$. 16. 


Rleinf.$.ı2ı, und was fich mit diefem Bey⸗ 
namen anfängt, fische bey dem Hauptnamen, 
Klingend ſ. $. 121. | 
Anopfregal f. $. 734 Apfelvegal. 
Boͤpflinregal iftein klein Rohrwerk 4 F. wel: 
ches Praͤtorius S. 148 alſo beſchreibt, daß es oben 
ein rund Knaͤuflein habe, als ein Knopf, und ſey 
derſelbige in der Mitte von einander gethan, wie ein 
offener Helm, alſo, daß es den Klang gleich wieder 
in 
w) Jula iſt zu Bernau die Quinte vom groben Principal 
8F. folglich 6 F. groß, nach der Mode zu reden; ſ. Praͤ— 
tor, S.177. So ſagt auch Samber S. 150, Quint ma- 
ãor oder Jula, eine Quinte vom Principal hergezogen. 
Sm Man. zu St. Lambrecht in Luͤneburg ſteht nach Praͤ— 
tor. ©, 233 Jula oder Spinfl.'s F. ©. 200 fuhrt er es 
ang F. im Pedal, aber die Geſtallt ſteht nbt Darben 


⸗ 


von den Orgelregiſtern. 431 


— — — 











in den untern Koͤrper einwendet; es ſey gut und 
lieblich. | 

Roppelf.$. 141 und 142 bey Coppel. ' 
BKoppeldone, Boppelfl. und Boppeloctav 
ſ. alle in C, wiewohl fie mit K beffer geſchrieben 
erden, | | 

a TAT, 

Rıummborn fchreibt man auffer der Orgel, 
weil man dadurc) den Brummen Zinken verfteht, 
welcher lituns, ftorti, Oder cornamuti torti heiffet; 
doch f. mas Prätorius ſchreibt S. 39 und 4. Aber 
wenn inder Orgel nicht dadurch der Zinken gemey: 
net wird, fo ſchreibt man beſſer Brumborn, mels 
ches entflanden aus Cromorne, da die Einfältigen 
diefes franzoͤſiſche Wort nur gehört, aber nicht ges 
fehen, anmelcher Stimme gar nichts krummes zu 
finden. Einige fagen Chormorne, f.$.139. Weit 
mein franzöf. Woͤrterbuch davon nichte anführt, 
kann ich nicht fagen, welches Wort befier fey. 
Srummborn und Phocing werden von einigen 

auch dafür gebraucht (x). | 
ns Bus 


2) Bon Cromorne ſ. Orch. L, P, III, C. II, 9.9. De 
Grignii in premier livre d’ orgue ſchreibt die Regiſter 
unter andern alſo vor, das eine Clavier mit dem Corzez, 
das andere mit Cromorze; ferner hat ev Cromorze en 
zaille; ‚wie auch Bajfe de Tromperte an de Cromorne, 
Praͤtorius befchreibt dag Krumborn ©. 40, welches fich 
nicht wohl auf den Zinken fchicke, Auf Reiſen kann man 
es aufſuchen 16,8, und 2 Fuß groß. Es ſaͤgt zwar Praͤ⸗ 
torius, es ſey nicht wohl auf ı6 Fuß zu bringen; er bat 
aber felbft in der Tabelle zu ©, 126 nebft Elein Krumhorn— 
baß 45. und Krumhoͤrner 8 F. auch groß Krumborubag 
165. Biermann ©, 19 har dergleichen halbirt, und 

neunt 


43% Des 7. Lapitel. 


Buckuck, ſ. Guckuck $.179. 

Buͤtzialfloͤte iſt eine Floͤtſtimme, welche ich 1J 
und ı F. gefunden, jene in der Creuzkirche zu Dres— 
den, dieſe zu St. Dominic. in Prag; doc) weis ich 
von ihrer Beſchaffenheit nichts zu melden. 

Largior ſ. Schwiegel $. 184. 

Lieblichfl. Lieblichpfeif ift des Beynamens 
wegen $. 121 zu ſuchen, das bepftehende aber am 
gehörigen Orte. 0 

Litice [.$.143 ben Cornet, 

Lituus , ift entweder das vorgedachte Krum⸗ 
born, oder der zinke, $.202. | 








— 


§. 165. 

Manualkoppel f. $. 140. 

Menſchenſtimme ſ. $.200 vox humana, 

Merula f, Vogelgeſang. | | 

Meßing iftalsein Beyname$.ı2r zu ſuchen. 

Mießingregel f. Regal. 

Minerici 3 8. ſtund ım Thum zu Merfeburg. 
Daß es eine gemeine Quinte fey, muthmaffete ich 
daher, weil in demfelbigen Manual fonft Feine 
Duintevorhanden (y). Jetzo fteht an deren Stel» 


fe Duint 65. | 
Miscel- 


nennt ed in der Anmerkung Hauzdoe. Es ſteht auch 8 F. 
unter dem Namen Phocinx za Sendomir; allwo esin 
der Bruft lituus 4 F. heiſſet. Dieſes afuͤßige Krums 
horn ſteht aud) amal zu Königsberg im Kneiphof. 2 Fuß 
iitesim Stift Wuͤrzen, wenn in Dem Berichte nichts vers 
fehen — Cromhorne oder Brumhorn von zinn 
chreibt Samber S. 153. 

X) —— der ſelige Kaufmann, daſiger Mußſikdirectoer, 

“mich beſtaͤrkte, da er mir Die Ehre feines Zuſpruchs goͤn⸗ 

nete. 





Von den Orgelvegiftern, | 433 _ 





te age a 
Miscella, Mirtur, Wixten find vom lateini: 
fihen misceremifchen. Ein jeder weis, daß diefe 
mehrfache Stimme Principalmenfur habe, und 
wenigſtens doppelt feyn müfje; gemeiner aber find 
Diez, 4, 5, 6, 7, 8, 9, Iofachen; felten gefchie- 
het es, daß man fie ießo mehrfach macht, weil mar 
der Peränderungen wegen dafür lieber mehrerley 
Stimmen anbringt. Die groͤſſeſten haben 4 5, 
zur geöffeften Pfeife, das uͤbrige mifchet man nach 
Gefallen, aus Detav-und Duintfiimmen. - Einige 
Pfeifen ftehen gleich im Anfange im Einflange an⸗ 
dere aber durch das Repetiren, wovon oben gere= 
det worden $. 128, Daß bismeilendie obern Dctas 
ven mehrfach, als die untern, ſ. . 120, Das 
Wort Mirtenfolleine Eleine Mixtur anzeigen (z), 
Mixtum (a),. Miscella acuta (b), ‚Regula mixta (c) 
bedeuten gleichviel. . Daß man auch Pedalmir⸗ 
turen habe, ift$. 140 angemerft (d). Bon dem 
Namen Fornitura oder Fourniture f. $, 154. 
Ron den Beynamen, grob ‚ klein, choͤricht, 
ellich, grapbicalis, minoralis, .oben$.121.(e), 
*X* Aal 5 Mittel 


e) Beym Samber S. 146, 147 und i33. Am erſten Orte 
beſtimmt er ſie doppelt, am letzten ſchreibt er mixtene) wo 
fie aber z oder mehrfach iſt, ſchreibt er Mir. 7. 

a) Zu Weiffenfels. | 

b) Samber ©. 153. Wenn ſie kleine Pfeifgen Haben, koͤnn⸗ 
sen fie alfo heiffen, wie einige Faum x und halben Fuß zur 
gröffeften Pfeife haben- | 

e) So heiſſet die sfache zu Sendomir, 

4) Als zu St. Wencest, in Naumburg iſt fie 7fach, zu unfer 
8, Fin Hallesf, zu Merfeburg in der Stadt öf, 

*) Eine 2afache führe Prätorins von Danzigan, ©. 162; 

Ee welche 


434 Das 7.Lapitel, 


Mittel fteht $ 121. Alfo fucht man 

Mittelfl. Mittelgedackt u. ſ.w. bey dem Haupt: 
worte. 

Monftre; la monfre full das Principe 
feyn (E). 

Muſette ſ. Schallmey. | 
WMuſicir ein Beyname f.$. 121. Als 

Muſicir⸗oder Muſikgedackt. ſ. Gedackt. 


—A ——V 
Nachthorn iſt hier zu Lande eine beſondere lieb⸗ 
liche Art gedeckter Floͤtſtimmen 8, 4, 2 und 1F. 
Einige machen es offen, faſt wie eine Hohlfl. Pa- 
ſtorita iſt eben das (g). 
§. 167, 


welche in allen i152 Pfeifen gehalten, im Oberwerke; im 
Kuͤckpoſitiv 220 ; im Pedal auch fo viel. ©. 167 hater die 
rafache zu Stralfimd, Im Thum zu Magdeburg war fie 

122bisıst. Doc warum foll ich allen Vorrath hierher 
fhreiben ? Was ju Görlig Scharfmixtur ı und ılfach 
jeyn ſoll, werftche ich nicht; denn fu lauter es bey Borber; 
gen im Bruftgofitise, Die Scharpe werden aud) Mirtu: 

ren geheiſſen. So ſteht in Prator. Tabellezu ©. 126 Flein 
- Wigtur oder Sharp M. und P; da die groſſe follg 5. 
fenn, zwiſchen beyde ſetzet er Mixtur a oder ıfach, mels 
he letttere (einfach) ſehr lächerlich lautet. Von grober 
Mitur Unterhormaß und Eleiner Chormas |. $. 

125. | | 
£, Das Wort monftre heiſſet eine Misgeburth, mon- 
Aſum; aber de Chales ſchreibt, es ſey einerley mit fun- 

damentalis, d.i, Principal zu Camberg. Vielleicht vom 
Iateinifehen monftrare , vorzeigen, weil es im Gefihte 
ſieht. Nach den Franzöfifchen follte es von montrer viel, 
mehr heiffen montre, ’ 
E) Dom gedesften und offenen Nachthorn f. Praͤtor. a 
I 











Don den Orgelregiſtern. 435 


—8 EEE" nn tr 
Nachtigall ſ. $. 199 Vogelgefang. = 
Naſat, Naſſat, Naſſart, Nazard, Naſar⸗ 
de, Naſatfl. und was mehr vor gleichgeliende Na: 
men ich im Druck angetroffen, welche vom nöfelns 
den Klange herrühren follen , ift eine Slötftimme, 
mehrentheils gedeckt, bisweilen auch offen, als eine 
Quint 6, 3 und 12 F; zuweilen als eine Sciab— 
fimme 4 und 2%. "Daher man leicht verftehen 
wird, was Naſatquinte oder Quintnaſat fey. 
Bohrnaſat gehört zu den Nohrflöten (hy. Affae 
ift vielleicht eben das. Prätorius fchreibt eine Dig- 
pofition vor, ©, 194; in welcher er ordnet Aſſat 
FETT N 


1385 und Tab, 37 hat er es auch auf weyerley Art abge⸗ 
riſſen. S. 132 gedenkt er, daß die Niederlaͤnder f onderlich 
Hohlfl. 2 F. Nachthorn nennen ‚ wie dena Walther fonft 
von feinem weis, Nachthorn 4 3. offen bey Prätor, ©, 

197 ſoll lieblich lauten, S. 186 hat er Hornbaͤßlein F. 
Wenn Nachthorn 4F. mit Duintatön A F. ſoll einerley 
ſeyn, ſ. . 177; wie denn Praͤtorius S. 177 es nennt die 
DOetav zur Quintaton. Bey uns aber iſt ein Unterſchied. 
Zu Gera iſt es 4 F. und oben wie eine Zarfe intoniref, 
1 5. hat Bierm. ©. 4und 2. Es beißt auch Bauerfl. So 
S. 200 Praͤtor Nachthorn oder Bauerbaͤßlein 2 oder 


h), Nach Orcheſtre I, P.IIT,C, IIT, g. is fol Naſat fo 
viel heiſſen, als Nachſatz Ober Tach x Sich je 
klaͤrung ift aus Prator, ©, 134, allıno er das Heine Gems⸗ 
born 12 alfo nennet, weil es gleichfam möfele. Bon 
NMazard fagt der vollfomm, Kayellmeifter 5, 467, daß es 
igeutlich Naſillard heiſſen folle, Yraier im Anhange 
‚des Deufiffaals ſagt, cs fey gedeckt, oben halb fo weit wie 
unten.Dafat 3 5. hat zu St, Wenzel in Naumburg ein Pa. 
raulum, und koͤnnte alſo Robenafar heilen, as eine 
car 


436 Das 7. Capitel. 


ufdie Buinten anderthalb Fuß. Gleichwohl war 
VNaſatquint ihm bekannt, welche er gleich hernach 
3 8. anglebt (i). 

Niederlaͤndiſche vox human ſ. $.200. 

Nete kam vor $. 31. mehr fiehe $. 175 bey der 
Duinte. 

Noli me tangere ift ein Name eines Zuges zu 
St. Gertrud in Hamburg; d. i. ruͤhre mich 
nicht an. Ich halte e8 vor ein Spasregifter, 
wie $. ı54 vom Fuchsſchwanze erzehlt wor⸗ 
den (k). | 

G. 168. 
- Oboe f.Hautbois$. 160. 

Obtufa f.$. 121 oder beym Bedadt $. 155. 

Octave ift eine offene Flörftimme Principal: 
menfur , von welchem es bloß in der Mm —* 








4 


ieden 


Octavſtimme ficht Naſatpf. von Holz 4 F. im Prätor. 
©. 186; S. 168. Biermann, ©. zı hat auch Na⸗ 
bag (laGpfeif s F. hat Prator. ©. 164. ©.173 
at er zu Magdeburg Nafat ı oder 3 F. welches wunder; 
bar zu hören; die Kuͤſter a es allda gedachte 
Quintfl.3F. Gregorius Dogel nennt diefe gedeckte 
Duinte 3%. Pfeiferfl. ſ Prätor. S. 140. Zu Danjig 
inder Pfarrkirche hat Mattheſon Naſat5 F. vielleicht 
foll es Naſatquint heiſſen. Naſat offen ſ. auch Praͤ⸗ 
tor. S.177. Das Wort Naſſart hat Samber ©.153 
Diapente pileata ift auch ein Naſat. | 

3) Erfchreibt faſt gleichlautend ©. 168, 169 Naſat ufdie 
Quint; F. gleihmohl finde ich Aſſat an mehr Orten, 
als wenn es mit Fleiß gefhähe. Als S. 199 hat er Aſſat 
2F zu Hildesheim. Sollte es aber S. 194 fein Druckfeh⸗ 

ler fehn, fo muß es zweyerley bedeuten. 
k) Noli me tangere iſt auch ein Kraut / welches Rn. 
enn 


Von den Örgelvegiftern, 437 


— * 
ſchieden. Nach der Groͤſſe des Principals kann die 
Detave ſeyn 16,8,4, 2 und ı Fuß. Die nechſt⸗ 
kleinere nach dem Principal heißt bisweilen Groß⸗ 
octav; iuperoctaua iſt 2 Octaven höher; fuper- 
ſuperoctaua iſt 3 Octaven höher als Principal. 
Dafür lieſet man oft Diapaſon, Disdiapa⸗ 
ſon, und Disdisdiapaſon, von welchen griechi⸗ 
ſchen Wörtern ſchon oft geredet worden). 
Halbprincipal (m), Koppeldone (n)‚Tubaloder 

Thubal (o), Yubal(p) ſind nichts, alsordentlis 

che Dctaven. Die Superoctav iſt die Tste 

Klangſtufe vom Principal gerechnet; daher findet 

‚man decima quinta, oder quinta decima, wofuͤr 

mehrentheils der Kürze wegen Quintez gefchrieben 

wird; und davon hat das Scharfquintes den Na⸗ 

—*— da man durch mehr Pfeifen den Klang 
rft. | | 

Mas foll aber fedecima (die 16te) vorftellen? 

das Fann ja nimmermehr eine Detave abgeben (q). 

Ee 3 Sede⸗ 
wenn man es mit der Hand anruͤhrt; ſ. Stedters fraͤn⸗ 
kiſche Curioſa. 

1) Sie ſtehen zu Sendomir an der Orgel, wies. 148 geſagt. 
Wenn aber allda im Ruͤckpoſitiv das Principal 4 F. iffs 
Diapafong F.Disdiapafon 2 F. ſo iſt es im Schreiben vers 
fehen, oder 8 F. iſt innwendig, 4 F. aber auswendig zu fen 
hen, um des Raums oder der Roften willen, Samber S. 

153 hatdiefe Damen auch, | 

m) Giche oben $. 123. 

n) ©, $. 142. Not, ın. i 

0) Tubal 4F. iſt zu Goͤrlitz alfo genennet worden bloß zum 
Unterſchiede, wie Boxberg ſchreibt. Praͤtorius ſchreibt auch 
Thubal. 

p) S. oben $, 162, | 

g) Bleichwohlfinde ich den Namen etlichemal bey Prätor. 
Zu Breslau in der Mar. Magdal. Orgel jift, im Unterclas 
vier Sedecime 15. 





438 Das 7. Capitel. 








Sedetʒe und Sedex taugen eben fo wenig, welche 
von jenem herkommen (r). Alſo faͤllt auch Super: 
ſedecime weg. Die Schreiber rechnen auch big: 
werten falſch. Denn wenn zum Erempel das Prin⸗ 
tipal 16 Fuß groß iſt, fo follte ledecima (oder beffer, 
das Duintez) weder ı noch 2 Fuß feyn, weil fchon 
4 Suß folhen Namen führen müßte (5). Wie 
Detave 6 F. zu verſtehen, iſt aus $. 75 Elar, wenn 
‚man gemerket hat, daß die alten Werke oft imF 
anfangen (t). Von Cymbeloctav f. $. 147. 
Ron Scharfoctev 2 F. hat Praͤtorius S. 187 ein 
Exempel. Wenn Dctav 1%. auch Schwiegel 
oder Siffloͤt heiſſet, fo iſt ihrer ſchon gedacht F. 
161 bey Hohlfl. ſ. auch . 187. 

Octavagiol iſt mir unbekannt (u), 

Octavbaß. 

Octavgemshorn und dergleichen mehr, ſuche 
bey dem Hauptnamen. DE 


$. 169. | 
Offen f.$. 121. fo auch Offenbaß. 
Offenfloͤt wird fonderlich gefunden 8 und 4 8. 
——— 8* 


r) Niedt gab Sedex vor eine Sesquialter aus, worinne 
1a —2 corrigirt in der woten Ausgabe. Doch 

ehoͤrt dieſes zu . 186. — 

) Detav 16 8. denn zu Hamburg in der groſſen Ricolaidr. 
gel, weil das Principal 32 F. halt; fo auch zu St. Ja⸗ 
cob daſelbſt. Bon equal + oder Chormassctab [.$. 121. 

t) S.Prätor. ©. 168, An dem Werke ift deswegen dag 
Prineipal nur 12 F. groß, melches von C. nicht moglich 


waͤre. 
u) S, Praͤtor. ©, 174; es iſt vielleicht allda Detave 4 3. 
weil Prineipals F. und Superoetan dabey ſtehen. E 





Von den Orgelregiſtern. 439 





ee ei — 
und iftftumpfer, als Octave (w), Die Lateiner 
ſagen aperta, oder tibia aperta (x). Man hat auch 
offene Quintfl. 3 F.(y). 

Offener Subbaß f.$: 190. 

Offenqueerfl. ſ. $. 174. 


§. 170. 
Onda maris iſt halb Italiaͤniſch und halb Latei⸗ 
nifh. Warum nicht lieber Vndamaris? d. i. das 
Meerwafler, Diefen Namen führt eine offene 
Floͤtſtimme in Goͤrlitz gF. welche ein hoͤlzern Prin⸗ 
cipal iſt, fo etwas hoͤher geſtimmt, als dassechte, 
damites zu ſolchem allein gezogen durch die Schwe⸗ 
bung des Klanges das Schweben der Meereswellen 
anzeige. In Waldershaufen hat man nicht nöthig 
etwas darzu zu ziehen, weil Troſt alle Pfeifen dop⸗ 
pelt gemacht hat, nehmlich jede mit einem Unter⸗ 
fchiede, auch mit 2 Rabien, folglich haben fie 2 Klaͤn⸗ 
ge, dereneiner höher als der andere. Die Dritte, 
welche mir bekannt , fteht zu St. Weneesl. In 
Naumburg von a bie oben durch. 


E44. iz 


wohl die leßtere in einem Claviere amal ſteht, und Sedetz 
noch darzu, diefe aber fteht etwa vor 1F. da nach der 
Rechnung fie2 F. halten follte. Oder vielleicht hat man 
zerley Menfur, wie zu Ulm deswegen Oet. 2 F. im Ruͤck⸗ 
poſ. zmal ſteht, u.f w. | | 

w) Das Wort offen ſteht bisweilen ohne Noth bey Stims 
men , welche niemals anders find, als offen; als Sede—⸗ 
cime offen, Offenoctav u. ſ. w. 

x) Als zu Sendomir. 

y) Praͤtorius S. 162 führt von Danzig an Offenfl. oder 
Viol 3F. aber sund 4 Fuß hat erfieS.iss. 4F. von El⸗ 
ſenbein ©. 135 zu Buckeburg. " 


440 Das 7.Capitel, 


§. ım1. 
Peffunen f. Pofaune. 
Pallorita war. 166 das Nachthorn. 
Pauke ſ. 8. 195 bey Tympanum. 
Paͤuerlin ſ Bauerfl. 8. 136. 
Pedalkoppel ſ. S. 140. 
Perduna ſ. Bordun 6. 137. 


Petite iſt mir durch einen guten Freund genennet 
worden, als wenn unter diefem Namen eine Orgel⸗ 
ſtimme zu Anſpach zu finden. Auf deutfch heiffet es 
klein; undes muß etwas feyn, welches vorzüglich 

alfo heiffen Fann, als das Flageolet, Schwiegel 
1F. und dergleichen. | 
Pfeiferfl. ſ. Naſat $. 167. 
Phocinx f. Rrumborn $. 164. 
Piflaro ſ. Schallmey $. 12. 
Pileata, was einen Huthat; ſ BedacktS. ı 55. 
Pletterfpiel wird genennt von Werkmeiſtern in 
der Orgel zu Grüningen 8. 46 (z). 
Plockfl. ſ. $.136 Blockpf 
Pommer, Pombart, Pomart, Poͤmmert, 
Pombarda u. f. f. ſiehe theils S. 137 bey Bom⸗ 
bart, theils $. 160 bey Sautbois, theils $. 182. 
Portunen f.$. 150 beym Dulcian. 


$. 172. 
Pofaune, Pofaunenbaß, ein Pedalſchnarr⸗ 
werk, und zwar unter allen das nachdruͤcklichſte, 
32, 
2) Das Platerfpiel auffer der Orgelgehört zu $. 264. Agri- 


eolaim Zr, von Muſikinſtrumenten hat deffen Riß auf 
demafen Blat. | 


Vonden Örgelvegiftern. 441 


32, 16 und 8 F. (a) Buccinaift lateiniſch (b); und 
unter diefem Namen zehlt es Samber ©. 153 un: 
ter die Manualftinmen, und zwar von Zinn. Die 
gröffefte von 32 5. heiffer oft Broßpofaune, wel: 
che aber zu der gefchwinden Spielart nicht wohl zu 
brauchen, daher man mehrentheils die ısfüßige 
zugleich hat (e). Contrapoſaun iſt eben fo viel (d); 
ſo auch Pofaunenunterfag (e). Wiewohl man 
es mit ſolchen Benennungen ſo genau nicht nimmt 
(k). Der Beyname ſtarke Poſaune 16 F. bey 
Biermann &.8 foll vielleicht anzeigen groͤſſere Koͤr⸗ 
per und ungefütterte Kellen mit ftärkern Blättern. 
Wie denn die 1 6füßige weniger nicht ald 12 Schuh 
haben muß zur gröffeften Pfeife. Solde Stim- 
men Enaftern fehr , zumahl wenn die Kellen von Me⸗ 
tal. Ehedem ſuchte man mehr die Aehnlichkeit mit 
der Pofaune auffer der Orgel, daher man: alles 
ſchwaͤcher undEleiner machte, auch die Kellen füt- 
terte (); heut zu Lage Bi man die —— 

e5 as 





a) Praͤtorius ſchreibt oft Paſſunen, Baſſunen. 
b) Zu Sendomir. 
e) Biermann hat beyderley S. 2i. Zu St. Marien in Luͤ⸗ 
bek nennt Mattheſon Großpoſaun 24 F. und 16 iſt noch 
dabey; es wird jene in F angehen, ſonſt waͤr 24. F wider 
§. 75 und 131. 
d) Als zu Bremen im Thum, mitı6 F. zugleich. 
e) Von 32 F. hat man viel Exempel. | 
f) So iſt Subbaßpoſaune nur 16 F. bey Prätor. ©, 197. 
und grober Poſaunenunterſatz ebenfals ©. 177. 
8) Praͤtorius S. 143 erzehlt von einer erfundenen Art der 
Pooſaunen, da auf das Mundſtuͤck ein meßingener Boden 
gelöthet, und eine langlichte Deffnung gelaflen worden ; 
hierauf hat man die Zunge gebunden mit geglüeten Sais 
ten, wider das Schnarven, Meine alte war alfo * 
| dm 


442 Das 7. Capitel. 
— ———— — 


das Fuͤttern koͤmmt faſt aus der Mode, zumal da 
die Kellen mehrentheils von Hol; ausgebohret wer⸗ 
den. Pofaune 16 F. ift in den mehreften Drgeln, 
und heißt bey Praͤtor. S. 172 Pofaunen Unter: 
chorbaß, daer die sfüßigeallda nennet Dofsunen 
Ehormaßbaß; f. von folhen Benennungen oben 
$.ı25. Die Pofaunenförper wurden fonft von 
Metallgemacht , wie die meinigen ehedeffen waren: 
allein, weil fie unten enge find, drückt die Laft fol 
che leichtüber den Haufen, und fo gienges bey mir, 
Blech, wenn es die Stärke har, iſt beffer, mie hier 
zum Reglern zufehen. Holz iſt das befte, und ietzo 
aller Orten gebraͤuchlich. Trombonen find auffer 
der Orgel auch Poſaunen, und koͤnnte dieſer Name 
hier auch gebraucht werden; doch finde ich ſie von 
einander unterſchieden (h); und daß fie koͤnne im 
— ſtehen iſt zuvor bey Buccina erinnert wor⸗ 
en (i). | % 
** ſ. F. 121 und vom Gedackt 6. 155. 


—5 
Praͤſtant, Principal, primaria, wird hier 


nicht 


den letzten Umſtand ausgenommen, welchen ich des Stim⸗ 
mens halber nicht billigen kann. S. was er deswegen mehr 
davon ſpricht. In ſolcher Abſicht, nemlich die Poſaunen zu 
daͤmpfen, findet man bey Praͤtor ©. 191 Pofaunen, 
Sordunen Art, 16 F. und Ranket oder fille Poſau⸗ 
ne 16 F. ©. 186 hat er Poſaun vder Bombardbaß, 
36%. Vielleicht iſt zu Stockholm franzoͤſiſche Pofaun 
16%. eben das. 
bh) Samber S. ıss hat zu Salzburg beyderley beyſammen 
8F. in einem Elavier, da er im Pedal feine Pofaune hat. 
3) 1eber die angeführten Erempel finde ich auch zu Ulm Pos 
faun 8 $. im Großmanual ; das Pedal hat ısund 8 F. 
welche letztere von Kupfer ift, verguldet. 





Von den Orgelregiſtern. 443 
nicht betrachtet dem Orte nach, alseine vorne ſte⸗ 
hende Stimme, mie$.126, fordern dem Vorzu⸗ 
genach, welchen fie vor andern Stimmen hat, fo 
wohlim Pedal als Manual, und die Gröffe ift 2, 
4, 8, 16 und 32 F. deren dielegtere dem Pedal eis 
genift. Die Principals und Octavenmenſur iſt 
nicht unterfchieden, die Gröffe aber macht den Uns 
terfchied (k). Bisweilen findet man 2 Principale 
in einem Claviere, alsdennhaben fie zweyerley In⸗ 
tonation (). Die Beynamen Ebormaß,Unters 
chormaß und Aequal f.S.ı25. Andere gleichgel- 
tende, als Doeff (m), Fundamentalis, Fond 
d’Orgue, Frontifpieium und Fornitura find meh⸗ 
rentheils $. 154 erklärt worden. Was durch Prins 
cipal doppelt gemepnet werde .$. 124 Not. r. 
Wegen der Koftbarkeit, wie auch wegen Mangel 
des Raums, wird im Manual felten Principal 16 
Fuß im Geſicht von Zinn gefunden (n); — 

| J elte⸗ 





k) Es ſey denn, daß des Raums wegen Die Detav herausge⸗ 
ſetzt wuͤrde, das Principal aber innwendig. Wiewohl ander 
re doch die groͤſſere Stimme Principal nennen, ob fie ſchon 
innwendig hat müflen gefeßt werden,wie im Pofitiv der 
Stadtorgel zu Jena, Ein Druckfehler aber ſcheint es in 
der Creuzkirche zu Dresden, wenn Principal 4%. im Per 
a ſtehen fol nebſt Oetave sund 4 F. Jenes foll etwa 16 
F. ſeyn. | 
U In Ulm ftehen in einem Elaviere Principalıs F. Princip. 
8%. meiter Menfur, und detto (dsi, auchg F.) enger 
Menſur. Zu Elbingen ift Princip. g F. von Metall, und 
dito von Holz ; wie auch Princip. 4%. von Holz nebſt 
Octave 4 F. alles in einem Elaviere, mehrerer zu ges 
ſchweigen. | | — 
m) Bon Doeff ſ. Praͤtor. S, 127. | 3 
a) In Bremen zu unſer L. Fr. iſt7 F. gewiß ein — 
| ‚Ir 


444 Das 7. Capitel, 


feltener 32 F. im edal, da zumal durch folche un- 

geheure Koften Fein befondere Wirkung Im Alam 

ge erhalten wird(o); und wenn dergleichen im Yes 

dale zu finden, mußim Man. zugleich Principal 16 

3. fepn. Eben daher geſchiehet es oft, daß die größ- 

2 Auen innwendig von Holz gemacht wer: 
P)- 











Es würden folche tiefe Stimmen brauchbarer, 
wenn Eulers Vorfchläge prakticabel waͤren (q), 
welcher ſich unterſteht ale Tone gleich ftark zu ma⸗ 
chen (r); es hat ihm aber ſchon Mitzler a 

| en 


ler, oder der Schreiber hat den Fuß der Pfeife mitgemef: 
fen u. ſ. f. Zu Görlig ift es von englifchen Zinn. Zu St. 

Marien in Lubeck fiehtı6 F. in beyden Mannalen, wel 

bes mir fehr verdächtig vorfommt. Das zu Roſtock nenut 

VPraͤtorius weit Principal, &. 164. 

e) Ein Contrabaß gedeckt ze F. ift mir des Klanges wegen 
ebenfo lieb, wiewohl fie beyde fehr unvernehmlich find, 
Doch) findet man an vielen Orten metallene Principale im 
Geſichte 3225. 

p) Nach Praͤtor. S. 169 iſt zu Hamburg Principal aus dem 

824 Fuß, und zugleich is F. Subprincipalbaß ©. 
186 iſt vielleicht eben das. Zu St. Peter in Luͤbek hat er 
©. 165 Großprincipalunterbaß ‚ vermuthlich in eben 
dem Verſtande. So muß man erklären den Riß der Mar. 

Magdalenenorgel in Breßlau, da auf einer Seite auf dem 
Labio der größten Pfeife vomdafigen Organiften pflege ge: 
ſchrieben zu fichen Contra ®, auf der andern Seite Con⸗ 
tra A. Zu Görlig iſt von engl. Zinndie größte Pfeife F 
24 Fuß; die fiefern Claves find innwendig von Holz. 

q) Im tentamine nouae theoriae, 

x) Wir haben (jagt er) die Kraft und Stärke der Tone fleif 
fig unterſucht, und gewieſen, alle Inſtrumente in der Mus 
fit fo zu verfertigen, daß alle Tone, fie mögen in Anfehung 
der Tiefe unterfchieden feyn, wie he wollen, dennoch gleich 
ſtark feyn ſollen. 





Von den Örgelvegiftern. 445 


chen in der Bibliothek (s). Noch fällt mir ein, daß, 
Dulceon auch ein Principal ſey (t); vielleicht auch 
Zourdon (u), Stillprincipal(w), Beigenprinz 
cipal (x), Boͤlzernprincipal (y), Bleinprinc. 
(z), Engeprinc. (a), Schönprinc. (b) Balb⸗ 
principal (ec), Harfenprincipal (d). Weitprin- 
cip. (e) Präftantchoral halbire (CE), u. ſ. w. 
find aus den oben erflärten Beynamen leicht zu ver: 
ftehen. Lamonfire ift$. 165 beurtheilet worden. 
Ron der Befchaffenheit des Principals im an 








s) V. Ul, pP. I, ©, 68 fagter : "das war vortrefflich! aber 
»Euler hat die phyſikaliſchen Körper nicht von den mathe⸗ 
»matiſchen unterſchiedenꝰ. He Br. 

*) Samber S. 150, 154 und 152 ſetzt es von Zinn algein 
Principal ins Pedal, | | “ 

u). $.137 Not, t, Ich ſetze hinzzu, daß Samber S: 1754 

die Pedalſtimmen alle zuerzehlen fcheinet, und Bourdon 
von Zinn darunter rechnet, Dulceon aber nicht nennet, 
welche Stimme er doch ©, 150 und folgg.vorfchlägt. 

wy) Iſt iu Waldershauſen 4 F. Der fatyr. Componiſte ©; 

228 des zten TH, macht es zur Menſchenſtimme. 

x) Sit au Waldershanfen im Geſichte 4 F. von Zinn, fehr 
enge, und lautet wie ein Bogenftrich auf einer Viole. 

y) ©. 9.122, Not. p. Und Prätor. ©. 187. 

3) ©, 189 hater nebft 8F, von Holz auch Hein Principal von 
Elfenbein und Ebenholz. N / 

a) ©. 190 ficht bey Praͤt. hoͤlzern Principal gar enger Mens 
fur, lieblich und rechter Floͤtenart F. 

b) ©. 197 hat er nebft dem fehönen Principal 8 F. auch ein 
hölgernes 8 F. enge und lieblich, 

e) S.Dctave 6. 168, 

d » ‚160, 

e) ©, 4. 121, 

£) So fagt Biermann ©, 105 wie groß es fen, meldet je 

ni 


1 464 Das 7. Capitel, 


nn — — 


$. 174. 
Quarta 3 5. zu Danzig in der Pfarrkirche 
ſcheint wider $. 131 zu ſeyn, weil zu E’ die Quarte 
F Eeine Stelle in einer Orgel haben Eann ; vielleicht 
folles Quinta heiffen (h), Oder es foll eine 
Rauſchpfeife fepn, von welcher $. 216 gefagt 
wird, daß, wennfiedoppeltgemacht wird, ſolche 
2 Pfeifen eine Duarte halten, zumal da ich aug- 
drücktich zu Ealbelefe: Quarte afah. 
GQuoarta decima verfteheich nicht (i). de" 
Quueerfl. Dueerpfeife heißt bey den Staliäs 
nern traverfa, auch fiffaro; bey den Franzoſen Nü- 
te traverfiere, flüte allemande , flüte d’ Alle- 
magne, d. i. deutſche Siöte, S. Orcheſtre J. P. 
| — Ill, 


nicht; es ſteht im Bruftwerfe, wo Principal 45, allbe 
reits da ſteht. | —— gr 
g) Es handeln vonder Frage Praͤtorius S. iog; Werf: 
meift. in der Orgelpr. C. 22, ©.54;5 Samber ©.156; 
Fuhrmann S. 2 der Borrede zum Trichter. _ Eine ganze 
mug alſo eben nicht alfe Stimmen in fichfaffen, welches 
ganz unmöglich it. Durch ein Großprincipalwerk ver⸗ 
ſteht man ebenfalls die ganze Orgel; durch ein Aequal⸗ 
principalwerk die halbe; durch ein Octav⸗ oder Rlein⸗ 
principalwerk die viertels Orgelee. 
k) Wo nicht etwa nach alter Art ein anderer Clavis, als C, 
der tieſſte iſt. A ee | 
i) Das ift: die iate; eine Detave kann wohl 13 halten,niche 
"aber ra; und doch ſteht in Ulm diefelbige zfach durch das 
halbe Clavier. Vielleicht ſoll es ein Quintez ſeyn, wo⸗ 
von 9. 108, 








Don den Örgelvegiftern. 447 } 


ı1,c.iit, $.ıı. Fifula militaris (die Soldaten 
Queerfl.) ift etwasanders. Bey uns iftfie fehr 
gemein als ein Sfüßiges Regifter ; ich finde fie aber 
auch 16, 4und2 Fußgroß, im Manual und Pe 
dal. Sieiftein offenes , bisweilen aber gedecktes 
fehr enges Flötregifter, und giebt einen überfegten 
Klang (k), Weildiefe Stimme die Queerfl. auf 
fer der Orgel im Klange vorftellen ſoll, fo giebt 
man den Pfeifen einen niedrigen Aufſchnitt, Feine 
Bärte, und wenig Wind (1); aber die hiefigen 
fehnarren in der Fiefe mehr, als fie follen. Daher 
man fie verbeffern will, wenn die Pfeife ihren Wind 
nicht aus der Lade unmittelbar empfängt, dureh den 
Fuß, fondern wenn man der- Pfeife auf der Seite 
einLoch macht, wodurch der Wind durch eine enge 
metallene Röhre in die Pfeife ſeitwaͤrts führe, mie 
man die ordentliche mit dem Munde ka 

im Sir | eſe 


k) ©, Praͤt. auf der Tab, zu S. 126, welcher fie nur g und 
4 F. anführt, und zwar ganz gedeckt. Aber S. 138 hans 
delt er von den offenen und gedeckten. Er beſchreibt auch 
‚das Uebergallen oder Ueberſetzen fo, daß, wenn e 4 

uß Ton im Klange fih hören läßt, der Korper fo lang 

ey, daß er 2 F. Tongeben follte. Doc) intonire es nur 

die Quinte Durch das Ueberſetzen; Die offene Art aber hals 

fe den Körper noch eins fo lang, und diefer Klang ſey noch 

natuͤrlicher, als bey den gedeckten. Tab. 37 hat er den Riß 
uu beyden. Zu Gruͤningen find 2 gedeckte, g und 4 Fuß. 

11) Man loͤthet des Fuſſes Oeffnung wieder zu, und ſticht 

ein kleines rundes Loch mit einer Ahl. 

m) Dergleichen hat der Orgelmacher Knaut aus Buttelſtedt 
vor wenig Jahren allhier in der Petersorgel angebracht, 
tie auc) im vorigen Fahr Wagner zu St. Michaelis alfs 
hier durch die beyden obern Octaven. Aber die Stärfe in 
der Hohe will doch der nicht gleichen , fo mit dem Munde 
angeblaien wird, 


448 Das 7. Capitel, 





- EL — 
Dieſe ſind von Metall. Aber von Holz hat allhier 
zum Auguſtinern Eürzlih Hartung von Schlof: 
pippach eine gemacht, melche fehr mohlfeit und doch 
ganzattig Elinat (n). In Sögftröms oben $.104 
angeführter Befchreibung des ſchwediſchenLapplan⸗ 
des wird groß Weſen gemacht vonder Traverfe, 
welche Daniel Strale zu Söderhame inder Kirche 
Ulrica Eleonora gemacht, weil fiefehr natürlich lau⸗ 
ten follin den Zonen, fo weder Über noch unter die: 


fes Inſtrument gehen. 


— 9 | 

Quinte (die) iſt unter den Floͤtſtimmen ſehr bez 
kannt. Die offenen von 3 oder 1! Fuß haben Prin- 
eipalmenſur; diegröffern als 6 und 12 Fuß müffen 
fpisigmwerden (o), welches man allezeit auch ohne 
WVorſchrift alfo zu halten pflegt. Was diefe 4fache 
Groͤſſe berrifft , foberufe ich mich auf$. 132, all 
wo 


n) Zu Gruͤningen iſt fie gund 4 F. im Manual, und noch 
Großfl. 4 F. im Pedal; aber diefe Benennung fehickt fid) 
nicht zu 4 F. Daher ich bey Matthefons Befhrzibung einen 
- Druckfehler vermuthe. Werkmeiſter hat dafelbft 8 F. 
Eine zfißige finde ich zu Gotha inder Schloßorgel. Es 
kommen auch balbirte vor, d. i. welche nicht durch das 
ganze Elavier gehen. Der Name Fiffaro wird zu Trident 
gefunden; ſ. ©. 223 des zten Th. des fatyr. Componiften ; 
auch Samber S. 153. Bayer im Anhange feines Buchs 
fegt Fiffaro, Transverfo, auch Flauto traverfo, Praͤ⸗ 
goring führt aus dem Schloffe zu Dresden ©. 137 an 
Spitzpfeifen oder Querfl. 4 Fuß. | 
o) Denn die eylindrifche offene Duinteift fehr durchdringend, 
and will fonderlich in der Tiefe wohlgedeckt (d. i. durch meh; 
rere Stimmen überfiprien) werden, wenn das Ohr folche 


vertragen ſoll. Daher das Sprichwort befannt ; quintam 
moue- 








Von den Orgelregiſtern. 449 











wo gezeiget worden, daß man beffer fege 13, 23, 
53 und 103 Fuß. Ich muß aber hier mit andern 
reden, wenn ich Exempel anfuͤhre, weil mir nicht 
erlaube fremde Redensarten zu andern. Wenn 
ſie gedeckt find, nennt manfie Naſat, von welcher 
und noch andern Benennungen $. 167 geredet. Die 
Spisguinten find $. 189 zu ſuchen bey andern 
Spisflöten; die Quintgemshoͤrner aber $; 157. 
Es fommen auch folgende fremde Namen vor! Dia- 
pente, disdiapente, d.i. die Duinte und Super⸗ 
quinte, nete, duodeeima (die ı2fe) ift auch die 
Superquinte, davor man auch duodez finder; 
wenn fienoch ı Detavehöher , kann fie decima no- 
na ( die 1gte Stufe vom Prinecipal E’an) heiffen 
(pP). Eine noch kleinere wär vigefima fexta (die 
26te) (a). Ron Eylinderquint Gras: Bon 
Minerisif,$.165. Quinta ex odana iſt eben fo viel 
als die Quintesber der Detave (c). Nach $. 
A * — — 75 
mouere alieui, einen boͤſe machen; und de Chales 
.2&, 26088 zten Toms jagt : ufici dicuntur quintam 
”aecipere, dum irafcuntur,” . Daher werden fie entwe⸗ 
der nicht gröffer gemacht, als 3 oder anderthalb. F, oder 
man benimme ihnen die Schärfe durch dag Zufpigen, Daz 
her hat Prätor. ©.175 Quintſpitʒ geſagt. 
p) Nete 3 5. ſteht zu Senöomir. Decima nona 3%, zu 
Goͤrlitz, vom Principal 16 Fran gerechnet, Samber ©. 
a53 hat den Namen decima nona auch, als eine Octave hoͤ⸗ 
her gegen Duodez, aber ohuebeygefeßte Groͤſſfe 
q) In Goͤrlitz heißt die Quint anderthalb F. vigefima no- 
ma, welches aber eine Feine Octave wär ; es ſoll wohl vi · 
gef, ſexta heiſſen. ns”, 
x) Die erſte Redensart ſteht bey Praͤtor. &, 171; die zwote 
S. 187, allwo auch Octavquint gelefen wird, vieleicht 
in eben dieſem Verſtande. Wenn er aber ©. 171 ſetzi 
Sf Quinta 


450 Das, Capitel, 


75 Eönnte eine Quinte eben fo wohl fesquialtera heif | 
fen, als$. 91 die Tertie fesquiquarta ; doc) weil 
die Gewohnheit nach $.186 aus jener etwas anders 
gemacht, habe ich den Namen nirgends gefunden, | 
Ron Jula f. $. 162 (s), allwo auch die italiäniz | 
Ihe Quinte angeführt worden. Die Robrquint | 
gehört zu$.130; Quintnafat zug, 167; Quintfl. 
und gedeckte Duintfl. zu . 1545 Broßquint, 
Quintbaß find auch leicht zu verſtehen; diefer ge: | 
hörtins Pedal, jene auch ins Manual, und find 
ordentlih 6 F. Wiewohl die 12fuͤßige den Na⸗ 
men einer Großquint noch mehr verdient, welche 
aber rar iſt (t). 
Quinta dulcis ſ. $, 121 und 150. 


§F. 176. 
Quintadecima, wovon gemacht wird Quinta⸗ 
de3, Quindeeime, und Quintez, iſt eine —F 
Octa⸗ 


Quinta ex fedecima, ſo iſt es unrecht, wie ſchon $. 168 er⸗ 
innert worden; es muß heiſſen: Quinta ex decimaquinta. 

Soo iſt eben deswegen Sedetzemquint unrecht, welche S. 
233 ſteht anderthalb Fuß groß. ee 

e) In Prätor. Tabelle zu S. 126 fieht Großquint manual. 
Ben 16 F. Aberdas ift wider $.1315 es ſoll 6F 

eiſſen. J 

t) Sorge im Vorgemach, 3Th.ı Cap. $. 5 gedenkt ihrer,da 
er ſagt, fie dörfe nicht ſeyn ohne 32 Zu Unterſatz. Wenn 
ih Sambers Quint-Major oder Jula, di. eine 
Guint vom Principal hergegogen von Metall Scayo 
betrachte, nebfi feiner Erklärung, fo ſcheint fie auch 12fuͤßig. 
©. 152 nennt cr fie abermal, und ©. 154 noch einmal,mif 
eben der Erinnerung, daß der Subbaß darzu muͤſſe gezo⸗ 
gen werden, damit eine tiefere Stimme verhinderte, DA 
fie nicht in Duarten-einhergienge, Biermann fuͤhrt ſie an 
von Goslar im Pedal, Zu Kindelhruͤck ſteht auch uns 
baß 12 F. 





Vonden Orgelregiſtern. 458 
Oetave, 1.9.1683. Wenn mehr Pfeifen zu einer 
Taſte gehören, f.$. 183 vom Scharp. 9 

Quinta ex octaua, oder J 
Quunte über der Octave ſ. 8. 175. 








GET ie. 7 
Quintadoͤn, Quintathoͤn, Quintiden Quin⸗ 
tadeen, Quintadena, quintitenens, quinta ad vna, 
fuͤr welche Worte mir gefaͤllt Ouintatoͤn, weil das 
Toͤnen der Quinte dadurch beſſer bemerkt wird, 
als, wenn es hieſſe ein Quint getoͤn (u). Es iſt 
eine gedeckte Floͤtſtimme, engerer Menſur, als ein 
gemein Gedackt, mit einem niedrigen Aufſchnitte, 
daher ſie nebſt dem Grundklange auch eine gelinde 
Quinte uͤber ſich hoͤren laͤßt, welche ſonderlich in 
den untern Oetaven ſehr deutlich iſt. Die 16 und 
gzfuͤßigen findet man in den meiſten Orgeln; 4 und 
2 Fuß macht man fie fo oft nicht (w). Aus Me« 
tall iſt fie leichter zu machen, als aus Holz; tie: 
wohl diefesinden untern Octaven bey uns ſehr ge⸗ 
braͤuchlich, zumal bey der 16fuͤßigen, welche bie: 
weilen Großquintatoͤn, im Pedale aber Quin⸗ 
tatoͤnſubbaß (x) genennet wird. Diesfüßigeift 
vom Nachthorn wenig unterfepieden (y). Von 
Blunt ind 
u) S. Matthefons Kapellmeiſter S. 463 von folchen verderb⸗ 
ten Redensarten. 1 HIT | 
4 w) Prätor. ©.137 ſagt, daß ſie ſich nicht Eleiner arbeiten laffe, 


4; doch finde id) fie 2füßig zu St, Bartholom. ig 

Danzig. read: „> 043 

2):©.197 des Prätor. ficht diefe Benennung, aber im Mas 
nuale. Der obgedahte Name Quinta ad vna findet ſich 
©. 137, und lautet am feineſten. (de), | 

y) Daher hat Brätor. S 198 Quintadehn oder Nacht⸗ 
horn 2%, febrlieblich, x 


452 Dos 7. Lapitel, 


—— — — — —— 
den Benennungen Holſchelle (z), Quint demn | 
(a), Quintiten (b), und —— 
finden ſich wenige Exempel. 32 F.groß findet 
ſich in Niedts Erzehlung, im 2ten Theil, aber ich 
—* ie D wenig irgendswo angetroffen, ald Mat; 
an/aı, ü 

Quintbaß f.$.175 ben Quinta, 

Quintez f. den vorigen 6. 

Quintfl, f. $. 154 und 175.* 

Quintfpis [.$. 189 bey Spitzfl. | 

Quinttenor (e) fol vieleicht eine Quintatoͤn 


pn. 
Quintviole 8 F. iſt zu Dresden (£). 
Quintupla ſuche $. 191 bey Tertie. 


— Er? ein; 
Hacker wird von Werkmeiſtern $, 46 von der | 
Drgel zu Grüningen unter die faftin Vergeſſenheit 
gera⸗ 


2) Praͤtorius S. 137 erzehlt, daß einige fie alſo nennen, 

und führt ein Benfpielan ©, 174 aus Magdeburg von 42 
F; aliwo aber in demfelben Clavier Quintat. 4F. befons 
ders fteht, und alfo von jenem unterfchieden fcheinte: 

2) S, 172 hat er diefen Namen amal und zwar Chormaß, 


8148 Fuß. 

b) Sofchreibt Samber ©. 153. 

«) ©. oben. 137. — 

d) Herr Hofrath Genflinginder $. 67 angeführten Epifid; 
fagt, dag die hierbey mitklingende Duinte Feine prima ſey, 
wie3:2, fondern eine fecunda, wiez:r, das iſt eine Su⸗ 

e) Prätor. ©.184. Ohne dieſes wär allda Feine Quinta⸗ 
tön, und tenor iſt fo gut von tenere, als zuvor tenen® 

6) Disk wies, 196 folgt, lautet wie ein Bogenftrich auf 
der Biole ; aber dag Beywort Quint will ſich zus F 
nicht ſchicken. ——— | 





| 453 


gerathenen Schnarrwerke gerechnet,und vom Ran⸗ 


Fer deutlich unterfchieden (8). 
Ranket iſt ein files und Tiebfich intonirt 


Von den Orgelregiſtern. 








| Schnarrwerk, deffen größtes Eorpus etwa 9 Zoll 


lang, und hat in fich noch ein verborgenes, mie 
die Sordunen (h), 16 und 8F. im Ped. ımd Man. 
umeilen verwechſelt man es mit der Baͤrpf. oder 
rumhorn, oder Dulcian , welche fonft davon 


unterſchieden find (Gi). 


$. 179. | 

Bauſchpfeif, Rauſchfloͤt, Rauſchwerk, 
Rauſchquint, Ruſchquint, Rußpipe (k) iſt 
alles einerley, und eine gemiſchte Stimme, folglich 
Principalmenſur, welche mehrentheils beſteht aus 
Quint 3 F. und Octav 2F. Bisweilen iſt die 
Oct. 2 F. die Quint aber anderthalb F. nach der ge⸗ 


| meinen Art zu reden (wider $. 132.). Ich finde 
| Sf fe 


3 
5) Prätorins S. 39 und folg, befchreibt die Rackete auffer 
der Orgel. | 


h) S. Prätor. S.147, welcher auch den Riß davon giebt. 

i) Denn bey Prator. S. 197 ſteht zu Sondershaufen Ran⸗ 

ket oder. Baͤrpf. 8F. ©, 199 flieht Ranket oder 
Krumhorn 8 % ©. 197. ſieht abermal zu Son 
dershaufen Dolcian oder Ranketi6 F. im Oberwerk. 
Diefes heißt groß Ranket, das sfüßige Flein Ranket. 
In der grüninger Orgel fichtes 8 F. wobey Werkmeiſter 
fagt, es Elinae fehr wohl, fey aber in wenig Werken, weil 
die Körper einen guten Meifter.erforderten, 

k) Praͤtorius S. 130 giebt die Befchreibung, S. 176 hat 
er das Wort Rauſchfl. aber nur 1%, ©. 165 hat er 
Rauſchquinte 4 Fuß. Vicelleicht iſt ſie zfach, und bat 
etwa die groͤſſeſte Meife von 4 F. An vielen Orten aber 
redet er anders; wie er denn eben daſelbſt ſeßzt Buſch⸗ 
uint; S. 168, 169 und ı7ı Rußpipe; ©: 233 ſteht 
Rußpfeif. 


454 Das 7, Capitel, 


— — — —— — ——— 
fie aber auch mehr als afah ()). Von Co 

2fach (il). pendor 
[.9.139. Als noch eine ſtaͤrkere Art der Mixtur u 


fehreibt es Samnber &. 153, fo es nenner ein wöllis 


ges abfonderlicheg Pfeifwerk mit vielen Stimme 
im Gebrauch. S. 154 hat er es als ein edel: 
regiſter. ©. 155 führt er es an zu Sahburg im 
Pedal rofach 8 Fuß, und darneben noch eine gfa: 
che Mirtur 3 5. Im ꝛten Claviere dafelbft ift 
Rauſchwerk von Metall und Zungenwerk 13 fach), 
zum völligen Anſchlage tauglich; welches etwas 
dunkel ſcheinet. Br 

Rechte Heerpaufenf,$. 195. 

Recordor f. Blockfl. 137 und. 154. 


Regalein fehr bekanntes Schnarrwerk mit Eleis 


nen offenen, auch wohlgedeckten Pfeifen, 16,8, 4 
und2 Fuß Fon (m). Der Name ift von regius, 
Eöniglich, weileschedeffen ein Werk war vor groſ⸗ 
€ fe 


I Mer die afache Rauſchpf. hören will, kann nur die Quinte 
3%. und Detan2 F. zufammen ziehen. Die zfache ficht 
bey Biermann ©. ı5 undar, 


m) Bräter, ſchreibt auch Regall, wenn er S. 72 und folge. 
davon redet. Das ıöfüßige hält er vor ſchwer und rar; 
das 2füßige hat er gar nicht ; gleichwohl finde ich es nebſt 
Sand Fuß zu Gruningen im Mannalı da ©. 189 Praͤ⸗ 
“or. es Zimbelregal heißt, das afuͤßige Kleinregal, das 
Zfuͤßige aber Regel, Im Pedal nennt er Kleinregal⸗ 
bafsa. Aber was foll das feyn ? Matthefon ſetzt das 
für 23. tie auch Werkmeiſter thut. Im Ruͤckpoſitiv, 
mo daß vorige afuͤßige Viewreß ſeyn foll, ſetzt Matther 
ſon Singregal àF. Es giebt ned) mehr Uneinigkeit 


bey diefen zerley Beſchreibungen, ſo hier nicht Raum fi ’ 
den, Zu Leipg. in der Kirche St. Nic. fiehen nad Pin 


tor. S.179ineinem Elan. 16, 8 und 4 · deren erſteres 
grob Sorduenregal heißt. — 





Von den Orgelregiſtern. 455 





ſe Herren (n). Die Art der Koͤrper iſt nicht aller 
Orten einerley (o), unter welchen die Trichterres 
gale faft die gemöhnlichften find (pP). Vom Gei- 
gen: oder Jungferregal f.$. 156. Cymbelregal 
f. $. 147. Bnopfz oder Apfelvegal$. 134. Röpf 
linvegsl$. 163. Von andern Beynamenf.$. ı21, 
als Scharfregal, gedämpftregal, Grobge⸗ 
dacktregal, Subtilvegel, Rleinvegal, Große 
regel. Rom Harfenvegal f. $. 160. Grob 
Sorduenregalgehörtauhzug.ıgg. Walther 
macht auch das Regal zur vox humana, Don eis 
ner Erfindung, daß ein Negal in Jahr und Sag 
fich nicht verflimme, f. Yrätor. ©. 74 (9). 


. IR * I 80, 
+ Regula bedeutet einen jeden Regifterzug, daher 


iſt 
Regula mixta zu ſuchen bey Mixtur, 
Sf4 Regula 


a) Jetzo macht man fonderlich auſſer der Orgel nicht viel 
daraus ; f. unten 6.245. | 

o) Hier zum Barfüffern ſind deren zwey. Das im Ruͤckpoſ. 

hat eylindriſche Koͤrper wohl anderthalb F. lang; oben 
gehen dieſelben zu, bis auf eine Oeffnung Fingers dicke. 

p) Dieſe ſollen von neuerer Erfindung auch beſſer ſeyn, als 
andere, welche Herrn Matehefon im Drcheftre I, S.299 
fo wenig gefallen. Dergleichen ſteht 8 F. zu St. Ansgar. 
inDBremen, wobey Mattheſons Anmerkung zu leſen. 

Auch ſteht es daſelbſt zu unfer L. Fr. u. ſ. w. 

g) Der Meiſter ſetzt noch ausdruͤcklich darzu, ob eg auch 
gleich aus der Zaͤlte indie Wärme, oder aus der 
Wärme indie Rälte gebracht wuͤrde.  Prätoriug 

ſagt, daß ſolch Werk mit feinem Gelde zu bezahlen, wenn 

es anders wahr, woran er doch ſehr zweifele. (Ich auch.) 
Ber vonder Art, wie Schnarrwerke ſich verſtimmen, ee 
was leſen mill, findet ſolches S. 143 und folg. des Prätor. 
&. auch, was 6. 113 zu lefen, 


456 Das 7. Capitel, 
1.4... ZEN 
Regula primaria, bey primaria, oder Princi- 
pal, und fomit andern, | 
Repetivend f.$,128. Was damitverbunden 
wird, füchean feinem Drte. 
Bohrfloͤt, Rohrnaſat, Rohrquint, und 
Bohrſchelle find nur in der Verhältniß unters 
fehieden, indem durch den Zufas Naſat und 
Quinenothivendig eine wirkliche Duinte angezeigt 
wird, wie aus $. 167 und 175 bekannt, mwelchealfo 
koͤnnen 2, 6, 3 und anderthalb Fuß groß feyn; aber 
andere Rohrfloͤten finds, 8,4, 2und ı F. Alle 
aber müffen gedeckt feyn, und im Hute ein Roͤhr⸗ 
gen oder paraulum haben, wodurch der Rlang ek: 
was heller wird, als bey dem gemeinen Gedackt, 
mies. 118 ſchon gefagt worden. ı Fuß heißt bey 
einigen insbefondere Robrfchelle (r). | 
Rurefiris, von rus, das Feld, f. $. 136 bey 
Bauerfloͤt, auch $. 184 bey Schweizerflöt, 
———— ſ. Bauſchpf. 
| | . I$T | 
Salcional, Saliciönal, Salycinal, Salız 
set, und Solaeinal ftammen vielleicht alle her 
| vom 


s) Weil es eine helle Quinte in fich faffet, (mie Prätorins 
©. 141 fagt) und giebt die beften Hauerflöten, wovon 
oben 8.136. Daher, wenn er im Thum zu Magdeburg 
im Pedal ſetzt Bauerfloͤtbaß ı F. fo fchreiben diedafigen 
Küfter dafür Rohrfl. 1uF. Bey etlichen ift Rohr: und 
Hohlfloͤt einerley, ſ. oben $.16r. 6 F. heißt zu Gorlig 
Rohrfloͤtquint; zu Nena aber in der Stadtkirche 
Rohrnaſat. Die afüfige Heißt auch Superrobrfl, 
Praͤtorius S. 141 merkt an, daß das paraulum oder 
Roͤhrgen auf dem Hute nicht allezeit zu ſehen ſey, weil es 
einwarts gehe, ſondern nur das Loch; andere ſetzen es halb 
hinein, und halb heraus. | 















Von den Orgelvegiftern. 457 








von iraliänifchen falce oder falcio, eine Weide, 
daher das deutfche Weidenpfeife eben dafjelbige 
andeuten wird Cs). Es iſt von Metall, offen, und 
noch engerer Menfur, als die Bioldigambe, hat 
auch Bärte wegen der ſchweren Intonation. Es 
klingt ſehr ſchwach, und die, welche ich gehoͤrt ha⸗ 
be, waren nicht weit von der Violdigambe unter⸗ 
ſchieden. Ich habe es 16, * 45. gefunden. 
a T- 2: 
Sanft f.$. 121. alfo ſuche | 
Sanftgedacht by Bedadt, u. ff. 
‚Searpa 4 Fuß führt Samber &. 155 an aus 
alzburg, als ein Zungenwerk; (d. i. ein Schnarr⸗ 
erk) aber weiter habe ich davon keine Nachricht, 
eil auch kein Lexikon dieſes Wortes gedenkt, es 
Ff5 muͤßte 


5) S. Mattheſon über Niedten, welchem zu Folge es auch 
eine Schaͤferfl. heiſſen koͤnnte. Salcional heißt eg an 
den mehreſten Orten, da man es im Manual und Pedal 
angebracht findet. Zu Meval ſteht der Name Salicio⸗ 
nal 8F. Selcional4F.feht in der altftädter Orgel 
zu Königsberg ; in Waldershaufen, uf. fr Salicinal 
hat Samber gefhrieben S. 153, 155, und nennteg ein rar 
gffenes Pfeifwerk, giebt aber Feine Gröffe an. Den 
Dramen Salytinale nennt Janovka S. 91 unter den ges 
meinen Stimmen. Solacinal im ic) zu Naumburg 
in der Ottmarskirche, welche ich beſehen, und die obige. 
Beſchreibung darnach eingerichtet habe. Salicet zu 
Goͤrlitz wird von Boxbergen alſo beſchrieben, daß ich es 
billig hierher rechne, da er ausdruͤcklich ſagt, es gleiche der. 

‚ engen Menfur nach) einer Weidenpfeife, und habe das 
her auch feinen Damen. Zu St. Mar. Magdalenen in 
Breßlau it im Oberelavier Salicer 3 F. an ſiatt 
Spielfl. anderthalb F, und im Pedal Salicet 16 Fan 
fat Quintatoͤn 1655. gefegt worden, da in jenem ſchon 
Salicet 45. und im Hauptman. 8 F.befindlich war, sa. 

Acianaliſt bey Waltheru etwa verdruckt. | 


458 Das 7. Capitel. 


— — — 








— — 


muͤßte denn eine kleine Harfe ſeyn, welche er aber 
eben daſelbſt Harpa nennt. 

Schallmey iſt ein Schnarrwerk, aus deren 
Verbeſſerung die Hautbois entſtanden. Die 
Körper find faſt wie oben vom Cornetbaß 2 Fuß ge⸗ 
ſagt worden. 16 Fuß iſt fie ſelten (t); 8 Fuß kommt 
mehr vor (u); 4füßig iſt fie mehrentheild (w). 
Die Sranzofen fagen chalumeaux, oder chalemie. 
Piffaro, gingrina, mulette, pomart, auch wohl 
lituus follen gleich viel bedeuten (x), f. Brätor. S. 
3 und 37. Von der Schallmeyin der Orgel hans 
delt er ©. 145, und führer nur die gfüßige an, giebt 
auch davon den Riß. 


$. 183. 
» Scharf ift alsein Beyname$. 121 erklärt wor⸗ 
den; daher fuche man 
Scharfeymbel, Scarffl. Scharfoctav, 
Scharfregal u. ſ. f bey dem Hauptnamen. Aber 
bisweilen itt 
Scharf, oder Scharp ſelbſt ein Hauptname, 
wofuͤr auch Scharpquintez, oder kuͤrzer Quin⸗ 
| | tez 


2) Zu Inſterburg in Preuffen, 
u) Im Praͤtor. S. 172 ſteht Schallmeybaß, Geigenart, 
w) Praͤtor. ©. 173 ſchreibt Schallmey oder Cornet; 
Ansgar. in Aa fieht Trommet oder Schalls 
my 4%. 
z) Gingrire fagt man vom Schreyen der Gaͤnſe. Bon 
gingrina ſ Praͤtor. ©. 37. von den übrigen Namen ſchreibt 
Samber S. 153. Von chalinonii ſ sben$. 139. Aber 
was ſoll bey Sambern heiſſen: Schallmey von Meſ⸗ 
fing, Zungenwerk afach? Wo nicht für fach ſoll Fuß 
fiehen. Er hat aber in eben dem Claviere Pifisto 45: 
befonders, und fage nicht, daß es ein Zungenwerk ſey. 


Vonden Örgelvegiftern. 459 
tn NE 


tes anftatt Quinta deeima ($.168) gefehrieben wird. 
Es iſt eine gemiſchte Stimme, aus den Eleineften 
Pfeifgen zufammen gefegt, deren mehrentheils 3 
find, 2 Detaven, und eine zwiſchen einfallende 
Duinte(y). Doc ift meine Cymbel eben alfo eins 
gerichtet, f.oben$. 146. Einige nehmen 3 oder 
4 Pfeifen im Einklange, und ein Detälein, aber 
Feine Duinte (2). Andern gefällt, die Detav r, 
Zund 28. zuſammen zu fegen (a) Man macht 
ſolches Scharp aber gar oft mehrfach (b), ſonder⸗ 
lich in den obern Dctaven. | 

Schlangenrohr f.Serpent‘. 186. 

Schöniftalsen Benmortanzufehen, und mas 
daben fteht, fucht man am gehörigen Orte; als 

Schönprincipalf. $. 173. 

Schreyer, Schreyerpfeife, Schryari, iftauf 
fer der Orgel befannt aus Prätor. ©. 42. Der 
Name iftvom Schreyen. An der Drgel führe. er 
an S. 174 Rleinſchreyer in2 Regiftern, das ifl, 
wenn ein Zug vor die untern, der andere vor die 
obern Detavenangebracht wird, nach $. 124 (c). 


$. 184. 


y) So ordnet es Praͤtorius S. 131 

z) S.Prätor. eben daſelbſt. 

a) So hat Schröter die Alacher gemacht. 

b) afach iſt es ſehr gemein, daher ich Feine Exempel anfuͤhre. 
Bisweilen macht man in der Hoͤhe dieſelbige Stimme 
mehrfach, wie die Mixturen; daher ſteht 4,5, 6 f. zwey⸗ 
mal im Thum zu Bremen, auch zu St. Martini. In eis 

ner DOrgelzu St. Nicol. in Hamburg, iftfie 3 7. in einem 
Elavier, 6f. imandern, 4, 5, 6 f. im dritten, und 7,'8, 
9fachimvierten. Wenn zu St, Marien in Liber in ei⸗ 
nem Glavier it Rauſchpf. 4f. Scharp 4 f. und Mix⸗ 
tur i5 f. ſo muß es ſeht ſchaͤrſen. | 

€) Werkm. 5. 46 der Grin, Org, nennt es unbekannt: 


wo Das 7. Capitel, 
20 ARE... 





H 184. | 
Schwaͤgel oder Schwiegel auffer der, Orgel 
1. ©.34 Prätor, Inder Orgel nennt er nur 38. 
Die groſſe, und 4 8. die Eleıne, f. &, ı 33; aber 
man hatfieauchzundı Fußgroß. Es ift eine of 
fene Flörftimme, von nicht fo gar weiter Menfur, 
als die Hohlfloͤ. Der Name, wie Prätoriug | 
S. 133 fagt, iftdaher, weil fie gegen anderes enz | 
ges Pfeifwerk zurechnen auch hohl, und doch fanfz | 
te, und den Queerfloͤten ähnlich Elingen. Er fest 
hinzu, daß fie bisweilen auf Gemshorn Art ges 
macht würden, doch unten und oben etwas weiter, 
gleichwohl oben wiederum zugeſchmiegt, das Labium 
ſey ſchmal, der Klang ſtiller, als der Spillfisten 
(d). 2Fuß haͤlt die hieſige zum Barfuͤſſern, mels 
che ausſiehet, wie ein Gemshorn, aber nur die 
beyden obern Octaven einnimmt, daher heiße fie 
Schwiegeldiscant. 1. Fuß finde ich fie an den 
mehreften Orten (e). Der gleichgeltende Name 
Stamentienpfeife fteht bey Prätsr. S. 34. Vom 
Beynamen Targior f.$. 153 bey Slageolet, mit mels 
chem die Eleinere Gattung oft vor einerley gehalten 
wird. Eben die ganz Eleinen heiffen daſelbſt Aula 
minima. Samber fchreibt Swegl (f}. 
Schwei⸗ 


d) Die 4 fuͤßige fuͤhrt er an ©. 173 im Thum zu Magdeburg, 
für welche die Kiffer Sesquialter angeben. Beyde 
Tonnen unmöglich einerlen fern. Vielleicht ift eine Ver⸗ 
— —3— hlies nichts feltenes if. ©. 174 
fuͤhrt er 4 Fuß abermal au, 7 

e) zu Dani in der Pfarr und Catharinenkirche, allwo 
Matthefon den Namen auch vom Schweigen berleitet, 
Praͤtorins S. 190 führt es alfe an: Giefflöclin oder 
Schwiegelpf. 1%. Bon Sifflöt 1.$.168. | 

HS, issinder Beſchreibung der Orgel zu Salzburg. 








Don den Örgelregiftern, - 461 


. Schweizerpfeif, Feldpf. Feldfl. ift einerley, 
f. Prätor. S. 35, wenn fie aufjer der Orgel vor 
kommen. Aber in der Drgelhater fie S. 128 nur 
8 und 4 Fuß; doc) findet man fie auch 2 und ı 

uß. Die Erempel von der. Feldpf. f. $. 1353, 

arumfie Schweizerpfeifvon den Holländern 
genennet wird , f. bey Prätor. S. 128. Giehas 
beneinen lieblichen, ſcharfen und Violenklang we⸗ 
gen der Engigkeit; ſie bekommen Seitenbaͤrte und 
Unterleiſten, ſonſt waͤren ſie ſchwer zu intoniren. 
Des wegen muͤſſen ſie im Discant etwas weiter mets 
den (8). ‚sr 








ü BR Be 
Sedetze ſedex, fedecima, Sedecemquint, 
und dergleichen, ſoll eine kleine Octave ſeyn. Aber 
1.$. 168, allwo die Unrichtigkeit ſolcher Beuennun⸗ 
gen gezeiget worden. — eh 
Sedetzemquint fol die Quinte über der Sedege 
ſeyn, welche folglich mic wegfälle. .. * 
ji ‘2 F. 186. Birisn ER gr 
Serpent, ein Schlangenrohr, koͤmmt 8. 20 4 
vor unter den Inſtrumenten auſſer der Orgel aber 
3 Mar: 


— 


e) Sie ſpricht langſam an, alſo muß, man nicht viel Colora⸗ 
tauren damiemachen. In der Tab, zu S. 126 führe Praͤ⸗ 
torius befonders an klein Schweizerpfeifdisfant 4 
+35. welche alfo nur in den obern Detaven ſtehen wird, eg 
Wäre denn verdruckt, und folleetiva a F. beiffen, da er 4 
5. ſchon genennet hat, und nachher noch anfuͤhrt klein 
‚Schweizerpfeifbsß 135. Er fuͤhrt diefe Fleine an S. 
268 ans Stralfund; fie befindet fh auch zu Gotha, ſo 
wohl im Schloß, als zu St. Margarethen. 2%. at 
Vraͤtor. den Schtweizerbaß ©, 176 ju Magdeburg, da 
im Manuals Fuß ſteht. 


462 Das 7. Capitel. 


Merpurg inder Anweiſung zu der Fuge feheinet 
es auch in der Drgel gefunden zu haben 16 Fu 
groß (h). in. Su 
Sesquialter, fesquialtera, (proportio), ift $. 
74 erklärt. Es müßte alfo he a 
unter den offenen Siötregiftern von Principal Mens 
fur dadurch angedeutet werden, von welcher $. 175 
gehandelt worden ; aber der Gewohnheit nach ift es 
eine gemifchte Stimme, dazu ſolcher Quinte noch 
eine Pfeife geſetzt wird, welche zu jener eine groffe 
6 abgiebt, aber gegen den Grundton ein Zertie, fü 
Eleiner ift als die Quinte. A potiori fit denomina« 
tio, Wenn mandie Duinte 3 F. und die Tertie 
13 zuſammen ziehet, fo hatman eben den Klang; 
daher man bismeilen folche Sesquialter getheilt 
hinfegt, damit man mehr Veränderungen machen 
Fönne. Es wird diefe Stimme oft zfad) gemacht, 
wenn eine Octave 4 Fuß auf eben den Stock geſetzt 
wird, da man fonft folhe Stimme pflegt darzu zu 
ziehen Gi). fach (wenn etwa noch Detav 25. dar⸗ 
zu koͤmmt) trifftman felten an (k). Nicht felten 
balbirt man fie, dasift, fie fteht nur in den obern 
Dctaven (D. Riedt nennet fie fedex, aber mit — 
Fur | recht 





hy Er ſchreibt dafelbft .CH.$. 3. des zten Cap vorn feſten Ga 
fange in der Mittelſtimme, wenn er durch ein im Tone 
fuͤßiges Inſtrument, 3, Er einen Baͤßbrummer, 
cGonbarao) cin Schlangenrohr, (ferpent) oder der 

gleichen Orgelregiſter hervorgebracht wird. A 

3) Ms zn Jena in der Stadtkirche, u. fe Te.... & 
k) Samber ©. ıss führt fir anzu Salzburg, and nennet ſie 
or oder Sesquialtia. ct > 
1) Als bey Biermann ©, 8, Weil ſie unten, faftnicht av; 











Von den Orgelregiſtern. 463 


recht, tie $. 168 erinnert worden. Wenn man 
im Eontracte diefe Stimme nicht ausörücklich alg 
vielfach vorſchreibt, misbrauchen es die Drgels 
macher biömeilen , und fegen dafür eine Eleine Fer; 
tieim), welches fich gar nicht zufammen reimen laͤf⸗ 
fet mit $. 755,1. Werkm. Orgelpr. S. 74. Cap. 
30. Bisweilen ift fie als eine Tertie angeſchrie— 
ben, und ift doch >fach (n). Zu Wansleben ift 
Sesquialter2 Fuß, nach der gedruckten Befchreis 
bung; aberesgehtnichtan; vielleicht hat der Cor⸗ 
rector das Sicht verftanden, welches fach hat heif: 
fen follen; und alfo lautet eine gefchriebene Nachricht 
von folhem Werke. In Görtig ift zynk auch dies 
fe Stimme. ——— 
Sesquiquarta und 


desquioctaua füche$. 191 bey Tertie.  _ 


Sexta2 Fuß, Oder Sexta aus 2 FT. lautet wun⸗ 
derlich. Wie kann eine Serta 2Fuß groß ſeyn? 
es wäre dem S. 75 zuwider. Oder wie kann eine 
Serte unter den Orgelſtimmen eine Stelle finden? 
der 9.131 lehrt ung das Gegentheil. Man merke 
alfo, daßeseine wirkliche Tertie ſey über der Oeta⸗ 
ve 2 Fuß; ſie macht aber zu der groffen Quinte eine 

“ Sexte 
den iſt, wenn fie nicht wohl gedeckt wird, fonderlich wegen 
Der groffen Terz in den meichen Tonarten, da man über 
die Roßquinten auch beftändig durch mi contra fa gequä: 
letwird. (5.9.49) Daher in der altdresdener Orgel 

\ eben fo viel ſeyn fol, wenn eg heiſſet: Sesquialter im 

Alt und Discant. (p 
m) Als hier zu St. Andrei. * 

a) Zu Waldershanfen ſteht zmal Sesquialter a und zfuͤnftel 
3. undift vod doppelte, 20. 45 





454 Das 7. Copitel. 











Serte aus, mit welcher fie zufammen gefeßt eine 
2fache Sesquialter abgiebt, wie $. 186 gefagt 
worden. Daher giebt manihr, wenn fie von je: 
ner abgefondert wird, Diefen ungereimten Namen, 
Wenn es hieffe, wie zu Kreyßen, Sexra aus 3 
Fuß, fo wär es doch deutlicher (0), Das übrige 
ſuche $. 191 bey der Tertie. | 


Siffloͤt, Siefflöt, ‚Siefflit, Suifloͤt, Suf: 
floͤt, Subflöt, Ziffloͤt, und dergleichen wunderfi- 
che Schreibarten mehr gehören zur Hohlfl. 6. 161 
und zur Octav 9.168. Man hatfie 28. (p) an 
derthalb F. (9) und ı Fuß (r). * | 
Siiungend ſ. $. 123. | 


§. 188 


Solaeinel f. $. 181. | 
Sonne. Diefen Namen finde ich unter den Ne: 
benzügen der Orgelbeſchreibung zu Giebichenftein 
ben Halle; mas fie aber vorein Aemtgen habe, ift 
mir nicht gefagt worden. Vielleicht iſt fie eineriey 
TEST 


0) Wenn die Sesquialter dadurch gemeynet wird, wie Niedt 

will, gehörts su ge 186. Aber was folldenn zu Dresden 
„im Schloffe 24 Fuß vorftelen ? 

p) m Thum zu Magdeburg hat Praͤtor. Suif. 2%. ©. 
193; wofuͤr die Küfter Spinfl. ſetzen. Mattheſons 

Rapellmeiſter ©. 469 zeigt aber, daß Spitz⸗und Sif⸗ 
Adenichteinerley ; er eifert auch daſelbſt wider die wun⸗ 

derliche Berennungen, da bey dem Pratorius ©, 180 und 

“1g1.e8 Sufflöte beiflet. 

q) Bey Biermann ©. 3 wird Ziffloit geleſen. 

x) Zu Gruningen nennt Praͤtorius dieſelbe Subflot, ©, 

188; doch iſt ſie nun weggethan; bey Praͤtor. ©, 190 
ſteht Sieffloͤtlin oder Schwiegelpfeif ı Fuß: 





Von den Orgelregiſtern. 465 








mit der laufenden Sonne zu Halle, von welcher 
ich berichtet bin, daß ſie wirklich klinge; oder mit 
dem blitzenden Sterne zu St. Gertrud in Ham⸗ 
burg, vonmelchem$. 145 Not. w geſagt worden, 
©. 179 des Praͤtor. iſt noch eine. 

Sordun, italiänifcd) Sordoni, vom lateini⸗ 
ſchen furdus, taub, ftille, ift ein Rohrwerk 16 
und 8 Fuß im Dan. und Per. Prätorius hat den 
Riß davon Fab. 38. Die Yfeifen find gedeckt, 
und haben in fich noch einen verborgenen Körper 
mit ziemlich langen Röhren, Der äufferliche Koͤr⸗ 
per iſt ohngefaͤhr 2F. hoch, die Weite gleicht einem 
afüßigen Nachthorn (5). Der Klang ift ſchwach. 

Sorduenregal ift ein Regal, welches am 
Klange der iegtgedachten Stimme gleichet; f. $. 
179. 

Sperrventil [.$.196. | | 

Spielfl. Spilifl. Spillpipe ſ. $. 157 vom: 
Gemshorn. — ——— 


a el EB 
Spitz iſt mit Corner einerley, f.$, 143. 


2) Auſſer der Orgel befchreibt die Sordunen Praͤtor. Tab. 
20 ; in der Orgel S. 146, und meynet, daß fie nicht wohl hoͤher 
au bringen, als 16 F. und S. 199 hater Sorduen von 
Hol Dolcianen⸗Art 160. F. Aberang Niedteng Tr.fehe 
ich, daß fie auch s fuͤßig zu finden; wiewohl er mit einigen 
es verwechſelt mit Bordun, welches aber 6.137 ganz atte 
derer Art war. In Merfeburg su St, Marin. findet 
man Sordin 8%, welches diefe Stimme vielleicht ſeyn 
wird. Zu St. Dominic, in Pragift Surdun 16 F. wel— 
ches dem lateiniſchen noch näher Fommr. Samber findet 

zu Salzburg Sordun von Zungenwerk afach 8 
5. im Pedal, welcher vn ſeltſam lautet, 
2" 9 


466 Das 7. Capitel. 


Spitzfl. und Spindelft. haben den Namen von 
den zugeſpitzten, doch aber offenen Pfeifen. Es 
find zwar die Gemshörner und noch andere Stim⸗ 
men auch fpißig; aber es werden diefe insbefondere 
Spitzfl. genennet , welche im Labio weiter, un) 
oben noch mehr zugefpigt find , als die Gemshoͤr⸗ 
ner, mit Prätor. zu reden nah ©. 153 (t). Er 
hat daſelbſt nur die 4 und zfüßige; aber inderZab, | 
zu S. 126 thuter noch das Spitzquintlein andere: | 
halb F. darzu, für welheser ©. ı75. Quintſpitz 
gefchrieben. Ich finde auch Spitzfl. ı Fuß (m). | 
Ja man hat fo gareine von 8 und 3 Fuß angetroffen | 
(w). Zu Sendomit heißt diefe Stimme flauta | 
cuspida, voncuspis, eine Spise. Coni oder Be⸗ 
gel find bey Sambern ©. 153 gleichviel. | 

Stahlſpiel ift zu Merfeburg im Thum, dasiſt, 
wenn an ſtatt der Glocken Stahlſtangen angeſchla⸗ 
gen werden. Es liegt unmittelbar über denen Me | 
nualtaſtaturen. 

Stamentienpfeif ſ. $. 184. | 
- Stark f.$. 121. daher find Startgedadt, | 
‚Startpofsun, Starkregal, Stertfubbaß u. | 
ſ. w. beydem Hauptworte zu fuchen. 
Stern [.$.145 bey Cymbel. 





Still | 


©) Prätsring eben daſelbſt führt auch folhe an , welche oben | 
wenig ofen und unten gar enge labirt find, Daher ft 
lieblich Flingen, aber fchwer zu intoniren find, 


u) 2mal ſteht fie zu unſer L. Frauen in Halle, auch zu Git⸗ 
bichenſtein Anderthalb F. it Spitzquint zu Damig 
der farrkirche; umgekehrt aber ſchreibt Praͤtorius Quint⸗ 

ſpitz ©. 174. Bon Halle führt fie Pratot. an ©. J 

ne Spißfl. Doch ficht dieſes Werk nid 

mehr. 


Von den Orgelregiſtern. 467 


Still ſ. s. 121. Bey Zuſammenſetzungen ſuche 
man das Hauptwort. 
Suauis f. 121. wie zuvor. 


| $. 190, 

Subbaß ift unter den Gedackten zu finden 6, 
155. Wenn es aber ein Beyname wird, als 
Subbaßpofaune, fo füche das Hauptwort. 

Subprincipalbaß ſ. $. 173. 

Sub ift aber auch ein Beywort, fo die Tiefe an⸗ 
zeigt, wobey man fi nur um das Hauptwort zu 
bemühen hat. | 

Subtilein Beyname, ſ. $. 121. ſuche alfo 

Subtiles Regal, bey Regal. | 

Sufflöt und Suifl.f. $. 197. 

Super, oben darüber, ift nach $.ızrein Bey⸗ 
wort. Suche demnach Mi 

Supergedackt 8. 155. 

Suvperfl. 9§. 154. 
Superſedez $. 185. Pia 
Superſuperoctav 9.168. Man trifft fie or 
* an mit lateiniſchen Buchſtaben geſchrie⸗ 
en. 


Sůßßfl. ſ. F. 180. Dulzfl. 
Swegl ſ. Schwiegel. 
Sylueſtris ſ. Waldfl. S. 201. 


$, 191. 

Tambour ſ. . 195 Tympanum. 

Tertia; dieſe Tertie iſt allezeit groß, oder wie 
5:4, wie $. 131 geſagt; und hier darf ſie nicht 
ſchweben, mie fie fonft bey der Semperatur auf 
waͤrts ſchweben muß. Es iſt diefelbige eine offene 
Floͤtſtimme Prinsipalmenfur , und darf nicht groͤſ— 

G92 ſer 








468 Das 7. Capitel, 


fer werden, alszund ıfünftel®. mie 6, ı 
fen; die Eleinere hält eben wi «+ kanker 
F. Man ſchreibt dafuͤr auch Ditonus (x). Ser. 
quiodtaua (yJiftnicht wohl zu leiden, fesquiquarta 
wär richtiger nad) $. 745 diefen Namen fdhlägt 
Werkmeiſters Drgelprobe vor C. 30,&,74. Da 
decima(z), und Dez (a), wovon Decembaß, De; 
tzembaß und dergleichen mehr herftammen, eben 
fo viel ſey, als Tertie, iſt $. 148 zufehen. Auf 
was Art fie Eönne Sexta heiffen, ift$. 187 gefagt, 


| $. 192. | 

Tertianift eine gemifchte Floͤtſtimme von Prind- 
palmenfur , mehrentheils zfach, nehmlich aus der 
Quinte 35. (nad) gemeiner Art zu reden tiber‘. 
132) und der noch gröffern Tertie 3 und 2 5. oder 
aus der Quinte 11$. undder noch geöffern Zertie 
zundaS. Denn darinne befteht der Unterſchied 
(wenigſtens hier zu Lande) diefer Stimme und dt 
Sesquialter, daß dag Tertian die Tertie groͤſſer, 
die Sesquialter aber kleiner hat, als die Quinte. 
Eben deswegen lautet das Tertian nicht ſo — 
nehm, 


x) mal ſteht ditonus zu Sendomir ; zmal in der neuen 
Drgelzu St. Nie. in Roſtock 135. Am erftern Drteif 

. fie2 F. welches nicht anders angehet, als wenn es erklart 

wieder ditonusiber Octav 2,5. Bey Biermanr 6m 

ü ſteht Repetirzdironus 3.5. Aber erſtlich hat fie von Dit 
Gröfle Feines Nepetirens von nöthen, zum andern giebt 
? 3 2 R Zi le Tertie, fo wenig, als die eben da⸗ 
elbir befindliche einfuͤßige. | 

y) Sta 5. su Sendomir, etwa nad) ietztgedachter Erf 
rung. J. 

2) Samber ©. 153. 

a) Eben derſelbe ©, 147. ei 


* 


Von den Orgelregiſtern. 469 


ne ie > ne; 
nehm, wiejene. Dan finder DR Stimme auch 
3fach, wenn die darzu nöthige Grundftimme Dcta- 
ve 4F. aufeben den Stock gefest wird. Exempel 
anzuführen ift nicht noͤthig; nur will ich noch fagen, 
daß nicht allen Arbeitern der vorgefegte Unterfchied 
bekannt , und daher bisweilen die Namen an 
ders gegeben werden (b). 
Thubal ſ. $. 168 ben der Octave. 
Thubalfl. eben dafelbft. \ 
Thunbaß f. 6. 155 und 161. | 
Tibia d. i. eine Pfeife, fchickt fich zu allen Stim⸗ 
men, daher ſuche 
Tibia angutta $. ıso bey Dulsfl. | 
: Tibia ſylueſtris $.201 bey Waldfloͤt oder Wald⸗ 
orn. 
Tibia transuerſa $. 174 bey Queerfl. 
Tibia vulgaris $, 136 bey Blockfloͤt u. ſ. w. 


$. 193, 


Timbales f, Tympannım $. 195. 
Timpenif.S. 145 bey Cymbel. 
Tonus faber ſ. Gloͤckleinton $. 159. 
Transuerfa ſ. Queerfl. $. 174. 


693 Tra- 


b) Meine Befhreibung it der Werkmeiſteriſchen gleichför? 
mig ©. 74 der Drgelyrobe, E. 30, welche Stelle Wals 
thers Lexikon anführt, nur daß die hiefigen Arbeiter fie fo 
Kleine nicht allegeit machen, daß es nur die Tertie und Quin⸗ 
fe über Dctav2 5. mär ; fondern fie nehmen beyde cine 
Detave tiefer. Der Anhang zu Riedts zweytem Theile 
giebt zu St. Peter in Berlin das Tertian an ız S-teldhes 
fich weder zuder Tertie, noch Quinte, noch zu deren Zuſam—⸗ 
menſetzung ſchickt. | 



























479 Das 7. Capitel, 


— | 
—— und Trauerſiere ſind gleichviel, nach 
474 
Tremulant, tremulus, vorm lateiniſchen trem- 
zittern, iſt ein bekannter Nebenzug —— Da 
wodurch der Klang bebend gemacht wird, zumal bey 
traurigen Gelegenheiten. Er ift bismeilen allen 
Elavieren mie auch den Pedalftimmen gemein ; big, 
teilen hat jedes Elavier einen eigenen; bisweilen 
wird auch ein eigener gemacht vor eine gewiſſe 
Stimme, ſonderlich vor die Menſchenſtimme swie, 
wohl hierzu am dienlichften, deren 2 zu machen, 
einen geſchwindern, und einen langfamern, fon 
derlich vor die Schnarrwerke (c). Daß er nicht fo 
fehr pochen folle, ftellt Werkmeiſter nebft andern 
guten Eigenfchaften vor E16 der Orgelprobe, Im 
Ruͤckpoſitiv wirder oft Bock aenennet (d). 


| $. 194. 
Trichterregal f. Regal. 
Tromba, Trommer, Trompet, Taratanta⸗ 
ra, Clarin, Clairon, eine fehr gemeine Rohrſtimme, 
deren Kellen, Zungen und Körper fo groß u - — 
re 


e) Im Thum zu Naumburg fieht deswegen einer mit det 
” Scptwankfeder , der andere ohne diefelbige._ Zu Gen 
wurde er im Contracte angegeben im sachtel Tate A 
ches lächerlich lautet. Denn die Bebungen jind Bei 
undlaffen fih nach allen Tacten abzehlen; man kann 
‚alle Tacte gefchwind und langſam führen. Tremunu 
ſteht beym Samber S. 153. J— 
d) Das heißt ſonſt eine Sackpfeife; aber Ka 
zor nennt im Ruͤckpoſitiv den Tremulanten alle ; 9 
S.192 und 193. ©. 163 hater; Tremulauten in einet 


gel. 


Von den Orgelregiſtern. 471 





doͤrfen, als bey der Poſaune, und wenn ſie gleich 
einerley Anzahl Fuͤſſe dem Tone nach zehlte. Man 
hat fie mehrentheils 8, ſelten 16,4 und 2 Fuß. 
Die Koͤrper ſind von Metall oder Blech, ſelten von 
Holz (e). Das Wort Trombon wird ſonſt von 
der Poſaune geſagt; aber Praͤtorius ©. 31 vers 
wechſelt eg mit der Trompet; ſ. auch Samber S. 
ıs5 (ft). Clarinet 43. wird auch nicht ſonderlich 
unterfchieden ſeyn vom Clarin 4 F. (g). Was 
Feldtrommet 16 F. in Luͤbeck vor Eigenſchaften 
habe, iſt mir nicht bewuſt (h). Trompetbaß 
Chormaß iſt aus 8. 125 deſto deutlicher. Trom⸗ 

pet halbirt geht durch 2 Ditaven (i). 
Trompeterzug zu Giebichenſtein zu Halle iſt un⸗ 
Gg4 ter 


e) Praͤtor. ©. 32 ſagt auch Trummet und Taratantara. 
Clarin 4.5. ſteht in Naumburg zu St. Wencesl. im Pe 
dal, allwo Stiefel und Stöde von Metall, wir es auch 
bey der sfüßigen Trompet war im Man. Das Wort Clai- 

ron hat Walther, 

f) Denn in Saljburgift Trombon 8 5. im Manual, und 
Yofaun gg. ineben dent Claviere. 

g) Zu ulm fiehtes 4.5. im Pedale, 

h) 9. Prätor. S. 165. Sie ſtund im Man, 

i) Von dem Salbiren f 9. 123. Es ſteht bey Biermann 
&.26 Tromperg F. halbirt, und vox humana auf einem 
Elaviere; alfo wird jene die untern , diefe aber die obern 
Detaven einnehmen, S. 8 wird es eben fo feyn, allwo fü 
wohl die Sesquialter , als die Trompet halbirt iſt. Zu 
Sendomir trifft man an 16, 8, 4 und 2 $. unter dem Na⸗ 
mentuba, Mehr Sr — nöthig. In groffen 
GBottern find die Körper halb von Blech, halb aber von 
Holz. Zu Gera find die Zungen mit Papiere belegt, um 
das Knaftern zuverhindern. Zu Kindelbrück iſt fie von € 
eingeftrichen an doppelt, Zu Drespen heißt fie bey Praͤtor. 
&, 137 ein Principal, weil fie verguͤldet war, und 8 Fuß 
groß im Gefichte Hund, (ſ. 9.126.) | 


472 Das 7. Capitel, 








ter den Nebenzügen , von deffen Einrichtung mir 
nichts mehr bekannt. 


ud 195 
Trommel, Trummel, f. Tympanum. 
Tuba f. Trompet $. 194: 
Lubal, Tubalfl. [.$.168 Octave. 


Tympanum, Tympane, Timbales, Tam: 
böur, Trommel, Heertrummel, Paucke, Heer—⸗ 
paucken; iſt ein Nebenzug, welcher noch in alten 
Orgeln angetroffen wird (k). Doc finder man 
auch wirkliche Paucken in den Drgeln angebracht, 
welche durch bewegliche Bilder gefchlagen werden, 
wovon die Anmerkung (I) noch etwas ‚berichten 
wird. Von Cymbelpaucke ſ. $.147. 


§. 196 


k) Niedt zehlt es unter die abfurden Regiſter. Man nimmt 
hierzu 2 Pfeifen des Subbafles 16 F. G und c; daher 
beißt es zu Görlig Tambour ı6 5. Eigentlich iſt die 
Trommel etwas anders, als die Paucke, und läßt ſich 
befjer durch den halben Ton vorfiellens daher nad) Bra; 
tor. ©. 187 zu Dresden flieht Heertrummel E und F. 

1) Wenn esnach Prätor ©. 197 zu Sondershaufen heißt: 

rechte Geerpaucken; fo Fönnte es zivar gewefen ſeyn, 
wie vor Zeiten bey mir, da G undc ausdem Subbaß dar: 
zu dienen mußten; aber es iſt auch moͤglich rechte Paucken 
binzuftelfen, welche durch Klöppel gefihlagen werden, fo 
fih in den beweglichen Händen eines Bildes befinden. 
Und man darf nur den Riß der Marien Magdalenen Ors 
gel zu Breßlau anfehen, fo ift man nicht nur von der Möge 
lichkeit, fondern auch von der Wirklichkeit uͤberzeuget. Die 
Paucken ſtehen über dem Princip. 323. und. man kann 
daraufhaben, was man verlange, Derjenige, fo N be⸗ 

L en, 








Vonden Örgelvegiftern. 473 





§. 196. 


Ventile waren $. 108 im Windkaſten; hier aber 
verfteht man gewiſſe Nebenzüge, welche den Wind 
von dem Windkaſten abhalten, oder folchen hinein 
faffen; daher ſie auch Sperrventile genennet wer: 
den. Durch den Augenfchein wird ihre Einrich» 

tung am beiten begriffen. Bey vielen Werken find 

keine; bey einigen ift ein allgemeines vor alle Cla⸗ 

viere; bey einigen hat jedes Elavier fein eigenes 

(m). Sie heiffenauch epiftomia (n). 

Vigeſima ſecunda ſ. q. 175 bey Quinte. 
Vigeſima nona ſ. Octave §. 1608. 


Viola, oder Viole, ſoll den Klang eines Bo⸗ 
genſtrichs auf einer Alt» oder Tenor⸗-Geige 
vorftellen. Sie ift alfo eine offene Floͤtſtim⸗ 
me 8 und 4 Ruß, deren die Eleinere auch 
wohl Violet genennet wird (0). - Wenn eir 
‚nige die Difenflöte alfo nennen, kann man 
$. 169 aufjchlagen,; aber wegen des Klanges 
‚fol fie billig enge feyn. Siehe, was bey Ge 
fegenheit des Beigenprincipels , oder der 
Scweizerpfeife $. 184 erinnert worden. Wenn 
| 695 fie 


fehen, berichtet mich, daß die Pauken : bene en, da 
fie wechſelsweiſe unter die Kloͤppel —9 gen, daß 


m) Zu Merſeburg im Schloſſe find deren 6. 


n) Von sowa der Mund, und Erd. Sie ſind ſehr 
nuͤtzlih, ſonderlich to jedes Cavier fein eigenes hat, 
weil durch das Eiuſtoſſen des Ventils das Heulen 

geſchwinder gehindert wird , alg auf andere Art. 

o) Als zu Kindelbrück, und zu Kreyßen. 


474 Das 7. Capitel, 


fie 3 $. hält, nennt man fie Quinviole ; mass. 
177 geſagt worden. 


§. 197. 


Violadigamba, Violdigamb iſt ein offen 
Floͤtregiſter, ſehr enge, damit es den Bogen⸗ 
ſtrich und das Noͤſeln des beſaͤiteten Inſiru— 
ments, nehmlich der Kniegeige, Eönne vor: 
fielen. Es fol die Fortfegung der vorigen 
Viole ſeyn, fonderlih wenn fie 8 oder 16 5. 
groß iſt; denn die Afüßige Fönnte wohl die 
Viole felbft heiffen (pP). Der ſchweren Into⸗ 
nation wegen hat; fie bisweilen Eleine Bär: 
te. 


6. 10 


‚_ ‚Violone , der Violon, oder Violonbaß, 
iſt eine 16 und Kfüßige offene Floͤtſtimme vor 
das Pedal, von Metall, oder Holz, melde den 
Bogenſtrich eines Contraviolons * — 
rgel 


p) Prätorius S. 134 will das Gemshorn 3 Fuß | 
Dioldigambe nennen ; aber bier zu Lande macht 
man jene fpitzig, dieſe cylindriſch. ©. 189 hat er 
eben Deswegen dag Gemshorn 4 F. auch Flein 
Dioln genennt. Biermann S. 20 hat ı6 und 8 F. 
in einem Caviere. Im Pedal beißt ſie auch der 
Dioldigembenbaß, und wird vom folgender Dior 
lon nicht fonderlich unterfchieden fen; wie denn zu 
Herbfileben dergleichen ficht von Metall, und kein 
Violon zugleich. Zu Gera iſt er auch, allwo jeder 
Elavis 3 Klänge zugleich angiebt, welches in engen 
—* leichtlich geſchiehet, auch bisweilen wider unfern 
Willen. | 





n 


Von den Örgelvegiftern. 475 











Orgel ſoll vorſtellen. Die Koͤrper ſind engerer 
Menſur, als bey den Principalen, daher die 
Intonation einen guten Meiſter erfordert, daß 
die Pfeifen recht ſchneidend anſprechen, und 
nach dem Anſpruch nicht: alsbald in die Dr 
ctave oder Duinte übergallen (q).  Violon 
follte man billig nicht ſchreiben, weil die 
WVioline von den Franzofen alfogenennet wird, 
wie der Kapellmeifter Mattheſons ©. 469 mohl 
erinnert. 

Violoncello aber hat Samber ©. 17 nicht uns 
vecht gefchrieben vor den Violon 8F. 


$. 199. 
Vadamaris, f. onda maris, 
Unter, ein Beywort $. 121. 
Vogar ift vermuthlih mit Sugara $. 154 
einerley. 
Vogelgeſang, Vogelgeſchrey, Nachtigall, 


» u. ſ. w mar fonft ein gemeiner Nebenzug, welcher 


das Zwitſchern der Vögel vorftellen follte durch 3 
| | oder 


g) Die metallenen erfordern ſtarke Labia; daher war 
der hiefige zum Reglern zu feinem beftändigen Klan— 
ge zu bringen , welcher nun gar in ein Principal 
verwandelt worden, Zu Doͤllſtett fieht er von Mies 

tall im Geſicht, ift aber ungleich beffer gerathen. Don 
Holz find fie beffer, und Da vorzeiten an dem Orte 
des Aufichnittes vin Blat von Metall eingefchoben wur« 
de; oderein hölzernes, Doch alfo, daß man nicht uͤber 
Hirn , ſondern nachdem Faden ſchneiden Fonntez fü 
macht man ietzo gute Violone ohne diefe Weitläuftigkeit, 
Das beft: iſt hierbey, die Borfchläge durch) Schrauben zu 
verwahren, fo Fann man den Wind geben, wie man will, 


476 Das 7. Capitel, 


oder mehr Eleine Pfeifgen, welche auf die Art zu: 
ſammen gemifcht, wie $. 146 von der Cymbel er: 
zehlt worden. Es muß aber das Ende ihres Koͤr— 
pers eingelöthet werden in ein metallenes mit Waſ⸗ 
ſer gefülltes Käftgen, durch welches eine Wind: 
führung in Die Lade geht, und zugleich oben durch 
in ein Behaͤltniß, in welchem die Füffe der Pfei— 
fen fich enden, und von oben herab angeblafen mer: 
den, da fie denn indem Waſſer einen zitternden 
Klang bekommen, wie die mit Waffer gefüllte 
Toͤpfers Eulen (r). Des Prätorius Vogelges 
fangdurd) das ganze Pedal S. 201 kommt mir 
wunderlich vor (s). 


§. 200; 

Vox humana, die Menſchenſtimme, ift defto 
ſchwerer nach zu machen, weil die Arbeiter fich bis 
ießo nicht vereinigen Eönnen, ob fie in ihrer Rolls 
Eommenheit folle eine mweibliche, oder männliche 
Stimme vorftellen, einen Discant, Alt, Tenor 
oder Daß. Die Einwendung will hier nicht gel 
ten, daß fie vonoben herab bis in C alle Stimmen 
- folle hören laffen; denn die DOrgelftimmen machen 

| im 





r) Nachtigall und Dogelgefang find S. 174 bey Prätor. 
gleichgültig. Dogelgefchrey findet man S. 8 bey Bier: 
mann, wie auch in der neuen Drgel zu unfer L. SFr. in 
2 Allerley Vogelgeſang fehreibt Pratoriug 

Ri 

s) Er beichreibt allda Feine fichende Orgel, fondern Ihlägt 
nur eine Dispofition vor. Es muß freylich eine ordentlic 
che Stimme ſeyn im Pedal, meil er fie unter Die andern 
Bäffe, nicht aber unter die Nebenzuͤge feht. Vielleicht if 

es eine Art des Flageolets, wie K. 153 dergleichen bes 
ſchrieben worden. 


Von den Orgelvegiftern. 477 


im Abfteigen niemals eine fo merkliche Verändes 
rung der Klänge, dergleichen doch zwifchen den 4 
Arten der menfchlichen Stimmen pflege zu feyn, 
fonderlich zwiſchen dem Alt und Tenor, und zwi⸗ 
fehen diefem, und einem vecht männlichen Baſſe. 
Doch was hilft die Menge aller ſolcher Vorftelluns 
gen? Dem Lefer wird mehr daran liegen, zu ers 
fahren, durch was vor Einfälle die Orgelbauer den 
Geſang eines Menfchen, fonderlich einer Weibes⸗ 
perfon vorzuftellen gefucht haben. Einige haben 
ſolches durch eine Slötftimme wollen möglich ma⸗ 
chen; wie Caſparini in Görliß (t); Prinz im far. 
Eompon. S. 223 des zten Th. führt dergleichen an 
von Frident. Die mehreften aber halten ein 
Rohrwerk vor dienlicher ;_ als Rircher (u), wel⸗ 
chem die übrigen gefolgt, fo mir. bekannt find, nur 
daß fie die Einrichtung der Körper anders angege⸗ 
ben, wovon die Anmerkung (w) ein nn 

rührt. 


4) Es iftallda nur ein lieblich intonirtes Principal, welches 

- zudem andern Principal 3 F. allein gezogen wird. Bor: 
berg führtmehr Erempel an, weis aber nichts von ihrer 
Einrichtung. Sie geht allda von oben nur big ing. In 
der Stephand: (oder Berg:) Orgel zu Langenfalza war 
nach meiner Befchreibung Bor hum. 8F. Als ich aber 
den Heren Ackermann neulich deswegen befragte, welcher 
nebft dem Echulamte diefes Werk fpielt, erhielte ich die 
Nachricht, daß es ein enges Flötwerf 16 F. fen, wegen 

der Fänge gefröpfte Pfeifen habe, und in der Tiefe wie die 
Flöte travers, oben aber wiedie Violdigambe laute. 

u) ©, 514 des Tom, J. der Mufurgie, wo er die Fleinfte und 
gröfiefte Pfeiffe in Kupfern vorſtellt. Unten find die 
Pfeiffen enge, oben cylindrifch, | 

w) Zum Auguftinern allbier hat Schröter ſolchen Köryern 
unten eine enge Roͤhre gegeben, auf welcher ein N 

etzt 


478 Das 7. Capitel, 


— — 








— — —— — — 


ruͤhrt. Man fuͤhrt dieſe Stimme mehrentheils nur 
durch die 2 obern Octaven. Bisweilen wird auf 
eben den Stock noch eine gfüßige Stimme geſetzt, 
da bey andern etwas darzu muß gezogen werden (Ss). 
| Manche 


ſetzt iſt, von ziemlicher Weite, oben mit einem engen Aus— 
gange; Dieſe Geſtalt hat auch die zu Halle in der L. Fr. 
Kirche. Eben derſelbige machte nach dem zu Alach, einem 
Dorfe nicht weit von hier, die Körper cylindrifch und 
enge, oben mit einer Oeffnung, über welche ein anderer 
Körper geftürzt, oben zu, aus welchem der Schall durch 
Seitenlöchergeu geht. Noch eine andere Ark wies er uns, 
da die Körper einfach, eylindriſch, oben bis etwa auf den 
zten Theil zugedeckt. ine von Silbermann berrübr 
rende war auch unter feinen Riſſen mit doppelten Körpern ; 
der innere war unten enge, hernach weit wie ein Trichter, 
a Weite war zugedeckt mit einem durchlöcherten Blate ; 
aufdiefem faß ein anderer Trichter, deſſen ſpitziger ‚Theil 
aufwartsgieng ; nachdem folgefe wieder ein Trichter, deſ⸗ 
ſen obere Weite einen durchlöcherten Boden hatte; dieſes 
alles bedeckte ein cylindriſcher, mit einem durchloͤcherten 
Boden bedeckter Koͤrper. Eben derſelbige hat nachdem 
zu Herbſtleben ohnweit Erfurt eine andere Art angebracht, 
ſo in Frankreich ſehr uͤblich ſeyn ſoll, da dieſe Vox bu: 
mana mitten auf dem Deckel ein Roc) hat, und auf einem 
langen Stocke ſteht. Knaut aus Buttelſtaͤdt hat allhier 
in der Peterskirche eine von Meſſing gemacht, welche 
durch das ganze Clavier gehet, und ſich wohl hören 
"Jäßt; die Körper find faſt nach Kirchers Ark eingerichtet. 
Hartung von Schloßvippach hat in Hasleben zwifchen 
Erfurtund Sondershanfen leglich eine verfertiget, da Die 
gröffefte Pfeife des groffen E etwa 3F. lang, oben Dick mie 
ein Arm, auf welchem obern Theileine Stürze war, vol: 
lig zu, aufder Seite waren 3 Löcher. Die zu St. Wen: 
cest. in Naumburg iſt mir auch faſt alfo beſchrieben wor— 
den. 
e) Zu Waldershanfen ift Hohlfl.8 5- aufeben dem Stockeh 
au Alach eine Floͤtdouce gder Nachthorn; in den 2 


Von den Orgelregiſtern. 479 





Manche fegen zugleich einen fanft bebenden Tre: 
mulantenaufden Dre, an ftatt, daß in andern 

dergleichen darzu muß gezogen werden. 
Vox virginea, die Jungfer⸗Stimme iſt vielleicht 
einerley mit dem oben gedachten Geigen⸗ oder 
Jungferregal. Sie muß lieblicher intonirt wer; 
den, als vox humana, vermuthlich 1 Octave hoͤ⸗ 
her, auch nur in den obern Octaven ſeyn. Daniel 
Strale hat ſolche gemacht zu Soͤderhame, wie 

Hoͤgſtroͤm erzehlt in dem $. 104 genannten Werke. 
Vulgaris (tibia) ſ. Blockfl. $. 136, | 

, . SS 

Waldypf. Welöfl. lylveftris (tibia), ifteine of: 
fene Flörftimme weiter Menſur 8, 4, 2 und ı $. 
Die Waldquinten halten 6, 3 oder anderthalb 
Fuß. Sie Flingen hölzern, grob und hohl, * 
aud 


tern Detaven ifteine andere Stimme, Zu Gera iſt ſie auch 
doppelt, und diejes wird gemeynet, wenn es heißt, fie 
habe 96 pfeiffen, vie Helfte von Meta, ein Floͤtwerk, 
Die anders Helfte von Bley, ein Schnarrwerk. Eben 
deswegen heißt fie zu Groffengottern ein halb Rohr⸗ und 
halb Pfeifwerk. Biermann macht ©, 9 viel Ruͤhmens 
von ſolcher Stimme im Benedietiner⸗Kloſter Ringelheim. 
Zu Merſeburg im Schloſſe nennt man dieſe Stimme 
Sordun, an deren Stelle ſonſt eine Hautbois geſtan⸗ 
den. Vor allen andern iſt ſehenswuͤrdig die zu Grais im 
Vogtlande von Silbermann gemacht, welcher nichts 
fehlen ſoll, als die Worte. Die Körper machen es niche 
allein aus, man muß auch die Kellen und Zungen befehen, 
In Altdresden geht fie von abis durch. Eine balbirte 
hat Biermann ©. 26 angeführt aus dem Klofter Efcherde, 
mobey die untern Detaven eine Tromper 8 F. haben, 
Werfmeifter in der Brininger Orgel &. 46 fagt, daß dle 
Niederländer vox humana genennet, was Prätorius Tab, 
38 vorſtellt als Baͤrpfeife, und Krumhoͤrner. Wal— 
thermacht ein Regal daraus 


480 Dis 7. Eapitel, 








auch Prätoriug &. 13 1 die Hohlquint andertha 
F. (wovon oben $. 161) Waldfl. nennet. 2 
Unterjchted wird überhaupt nicht groß ſeyn (t). 
Waldhoͤrner, Cornette di Caccia, Cornupar 
force, Cornufylueftre, Corsde chafle, find auſſer 
ver Orgel bekannter, als in derfelben. Es fol 
ein. Schnarrwerk feyn, 8, „oder 2 Fuß (u). 
Weit ein Beyname, wovon $. 122. 1 
Weite Pfeife iſt allda daraus erklaͤrt worden. 
Windkoppel in Waldershauſen ift$. 140 be 
rührt worden (w). A J 





$. 202. 


t) Samber beſchreibt ſie S. 133. Zu Gera heißt es Waldfl. 
oder Dolcan 4F. mit doppelten Labien. Dolcan war 
$.149 efivas anders. 3 F. ſteht zu Königsberg inder alt r 

ſtaͤdter Orgel; 2F. iſt fehr gemein“, m 

u) Gefehen habe ich diefe Stimme nicht; vielleicht ift det 
gefer hierinne gliicklicher, wenn ich ihn (berichte, daß fieß 
F.ftche im Pedale zu Colberg in der H. Seifteskirche, bey 
Biermann S. 17, zu Goslar im Manual , da fie heißt 

Cornette di Caceia, . 2 &. fieht fie su Königsberg in 
Kueiphofe und zu Muͤhlhauſen in Thüringen, 4 “ 
finde ich nicht angeführt; aber fie muß doch moglid 
Ion, weil fie ſowohl gröffer als Heiner gemacht 
wid, | 

w) Wen man mich recht berichtet hat, follte man dadurch 
eine Peaunnalſtimme Fönnen in das Pedal bringen, welch 
feinen doppelten Zug hat. Daher in per Dispoſitionun 
der Erzehlung der Stimmen des Hauptwerks noch folgen 
2 Züge zur fepararion (Abfonderung) des Windes. 
Nach dem Bruſtwerke find wieder > Zůge den Wind ab⸗ 
aufondern; Im Pedal find abermal auf beyden Seiten 
Zuige mitdem Namen YOindFoppel. Solche Zuge muͤß 
ſen mit einiger Gewalt gezogen werden, weil (wie man 

mir erzehlt) in Der Windlade ſehr viel Federn dieſelbe RB 
ruͤcke ziehen, Daß es Frachete, wenn man folche ohngeſaͤhr 
fahren ließ, ohne fie einzuhaͤngen. | 


Von den Örgelvegifiern. 481 











5 $ 202, 
Diffloͤt ſ. Siffloͤt $. 187. 
Zimbel ſ. . 146 bey Cymbel. 
3Inmk, Cornetto, Cornettino (attfitaf.) Cornet a 
bouquin (franzöf.). Litice, cornettO torto, cornetto 
muto, corno und cornon finde ic) in eben dern Ver⸗ 
ſtande. Etwas iſt ſchon berührt $. 143 und 144. 
Ron dieſem ſelten afüßigen, mehrentheils aber 
8gfuͤßigen Schnarrwerke werden zur Beſichtigung 
nurnoch einige Exempel erzehlt (x), 
zZyffloͤt ſ. Sifflör$. 197. REN 
Zymbel ſ. Eymbel | 
Zynk iſt alleweil mit dem i gefchrieben und ers, 
klaͤrt worden; ſoll es aber mit der Sesquialter ei⸗ 
nerley ſeyn, fof.$. 186. es riet 
Hiermit ſchlieſſe ich folches Capitel, und fo lieb 
‚einigen ſeyn wird, ein ordentlich Megifter der Or— 
gelftimmen allhier zu finden „ dergleichen vor mir 
noch Feiner geliefert, ja, ſo viel Mühe folche zuſam⸗ 
—— RE a ⸗men 





x) In der Orgel befihreibt fie Prätoriug &; rag alfe, fie 
wuͤrden nur gebraucht durch das halbe Tiavier „haͤte 
ten gleichaus weite Koͤrper, üuten etwag zugeſpitzt, 
‚oben‘ offen, klaͤngen daher etwas hohl , wie ein Floͤt⸗ 

werk, nicht alſo ſchnarrend, welches die ſarken Blaͤtter und 

ſtarker Wind ziemlich verhindern, Tab. 35 bat er den 
RB, wobey der Name ficht Zinks Cormetdiscant. 
A der Tabelle zu ©. 126 ſetzt er zinkdiscant gF, Dar 

her ſteht zur Dreyfaltigkeit in Danzig Halber Zins 
©, 168 hat er den Zinkes F, von f bis a zgeflrichen, und 
ſetzt dazu: Wie gebraͤuchlich. Vielleicht weil die Or— 
geln damals ſelten hoͤher glengen. S. 133 hat er Zink g 
halbirt. &.ı7gift Zinken von h eingeftrichen an, 
term. S. io hat auch Zink 8F. und ©, 23 Zink durchs 
halbe Llavier zF. Einmal finde ich Zink 4 F. bey 
Praͤtor. S. 163. Ohne Groͤſſe nennt er ihn ©.176,18311,184, 


5) 


482 Das 8. Capitel. 


men zu ſuchen mir e8 gekofter; fo wenig wirdes 
bey andern in allen Stücken als richtig und voll 
ftändig angefehen werden. Unterdeſſen, weil ich 
dabey mir felbft nicht allezeit gefalle, da ich nicht 
alles ſelbſt gefehen, fondern oft andern trauen mifs 
fen; fo untertoerfe ich mich der Strafe willig, und 
derjenige, welcher ſich unterfiehet, ohne dief 
Sanımlunggefehen zu haben, eine vollftändigere 








und von Zehlern freye zu liefern „ hat hiermit die 
Erfaubniß, den erften Stein auf mich zu werfen, | 
Dixi, J 


Das achte Capitel. 
Von dem rechten Gebrauch de 


# 


Regiſter. J 


6.203 hat man zu a Umſtände; $. 204 dl 
die Stimme felbfi; $.205 aufden Ort ; $.206 auf die Zeitz 

. 407 auf den Wind! $. 208 anf die Zuhoͤrer; b. 209 
a10,211 vonder Verbindungskunſt; 9. 222 eine Orgel mit 
forte und piano. a. 


203 


$. 203. we 
DI Capitel wird einem Organiſten nicht 





anders, als angenehm ſeyn koͤnnen indem 
bey einigen erſt nach langer Zeit die — 
ſicht in dieſe Lehren ſich einſtellet, der ümſtanda 
von der Combination den mehreſten durch Ih! 
— nicht han = pe Te 
tiefern Erfenntniß unferer Rechnungen n 
bleiben fieben ihrem unerfhöpfttchen RE 
Weraͤnderungen beftändig arm. Was nr 
erſten Theil diefer Betrachtungen anlanget, Er 





Von dem Bebrsuchder Regifter, , 483 - 





Rh 0 
den fünffschen Grund, worauf bey den Veraͤn⸗ 
derungen zu fehen, fo iſt der erſte die Natur und 
Eigenſchaft der Stimmen; der zwepteder Der, 
wo ſich ein Werk befindet; der dritte die Zeit, zu 
welcher gefpielet wird; dervierte die Beſchaffen⸗ 
beit des Windes; der fünfte das Naturel des 
Spielers und Zuböters. A 


$. 204. 

An der Erkenntniß der Regifter ift fehr viel 
gelegen; daher ich 1) rathen wollte, auf Orgeln, 
welche ung unbekannt, Feine Stimme zu ziehen, 
man habe denn zuvor Nachricht eingezogen, obes 
eine Floͤtſtimme oder Schnarrwerffey, ob es groß 
oder Elein, ſtark oder ſchwach, aus der Elaffe der 
Ditav- oder Quinten⸗ oder Pertienftimmen. 

2) Wennfih Schnerrwerkefinden, daß man 

fienicht brauche, (fonderlich zu einer Eünftlichen 
Ausführung) man habe denn zuvor unterfucht, 
daß fie fich nicht verftimme. Sa, wenn man ver: 
fichert wird , daß fie geftern reine geweſen, foll 
mandoch, zumal wenn es eine Eleinere Gattung, 
heutenicht ficher ſeyn megen ihrer Reinigkeit 

3) Vor dem Spielen weis man fehon, ob daf 
felbige flüchtig oder langfam werden fol; da nun 
I nieht alle Stimmen zu beyderley Spielart bequem; 
jo muß man zuvor unter denfelbigen eine Fluge 
Wahl treffen, fonft wirdunfern Einfällen ein groſ⸗ 

fer Theil der Anmuth entaehen. 

4) Wenn ein Regifter die Stimme eines Thiers 
oder Menfchens vorſtellen foll, oder foll dem Klange 
gewiſſer Inſtrumenten Ähnlich werden ; fo muß 
man nichts weglaffen, was foldhe Nachahmung ber 

Sh 2 för: 


‚484 Das 8. Capitel. 








— 


fördern kann, auch nichts darzu ziehen | 
3 verhindern oder undeutlich un 
e (a). | 
5) Duinten und Tertien, fie auch repetiven, 
de Stimmen find nie allein zubrauchen, fondern in 
Geſellſchaft fo vieler tieferern Octavſtimmen, als viel 
noͤthig find den Uebelkkang zu decken, und die Melo⸗ 
dien in gehöriger Nichtigkeit anzubringen. Mm 
den obern Dctaven hat man mwenigever Stimmen 
nöthigzur Decfung, als in den untern; und was 
die Tertie betrifft, läßt ſich dieſelbige in den hatten 
Tonarten auch leichter bemänteln, als in den wei⸗ 
chen (b). Hierbey erinnereich mich, daß aus Wir 
| THE 








a) Als wenn jemand wollte die Menſchenſtimme varfel 
fen inder Geſeſchaft ver Mirtur ; oder die Nachtigal, 
(welche durch die doppelte Sesquialter und Octave 4 
auch wohl durch ein Flageolet oder Waldfloͤtgen am ber 
fien auszudrucken) durch einige sfüßige Stimmen wollte 
begleiten laſſen; oder wollte gu der Baͤrpf. ein Sharp 
ziehen, Alles dieſes wär abgeſchmackt. Auſſer folder 

- Hrachahınung wär es aber unverbofen 9 

6) De Chales will, daß man Feine Quinte oder Teile 
brauchen folle , man habe dann 2 andere Oetavſtimmen 
dabey,. Er nennt dieſe ordines principales, andett 
aber, fo nicht alfein zu ziehen, minus principales,. 
fein wenn die Melodie in der Höhe bleibt, kann es au 
eine Oetavſtimme ausrichten. Wie denn die Quintaton 
oder das Gedackt 8 F. mit dem kleinern Tertienregiſter nA 

wohl zu dulten; und zu der Sesquialter it ebenfalls DI 

eingige Detav 4%. hinlänglich, wenn man in der 
fid) will aufhalten. Aber wenn man eine weiche Tonatt 
hat, lautet eine Tertie deſto übler, ie tiefer man mit " 

Relo die geht; daher man bisweilen genoͤthigt wird/ — 

unterften Detaven anszuheben, und die Löcher MI Da 

zu verftopfen, zumal wo das Pedal ſtets mit dem Manu 
vereiniget iſt. 





Von dem Gebrauch der Regiſter. 485 








derwillen gegen die wilden Tertien, und gegen die 
in der Setzkunſt ohne dem verbotene Quintenfolge 
einige ſolche Regiſter gar aus den Orgeln verban— 
nen wollen. Solcher Meynung iſt Jo. George 
Hille, Cantor und Schulcollege in Glaucha vor 
Halle, in ſeiner, an die muſikaliſche Geſellſchaft 
abgeſchickten Schrift von dem Verbot der Octa⸗ 
ven: und Quintenfolge (c), in welcher er $. 39 
fagt, e8 würden in der Drgel die Duinten nicht 
gezogen mit 8 Fuß allein, fondern in das volle 
Werk. Und $-4o will er anrathen, gar Eeine in 
die Drgel zu fegen, meil fie fehon in der Mixtur 
befindlich $. 41, 42. So auc) mit den Fertien, 
melche doch leidlicher bey harten als weichen Fon 
arten(d). Ein anderer ungenannter, welcher in 
gleicher Abficht einen Brief an vorgedachte Gefell- 
jchaftabgelaffen, führet eben folche Sprache (e); 
nicht zu gedenken, was Kellner im Generslbsf 
hiervon beybringt (£). 





Hh 3 Man 


€) Dieſe Schrift iſt verfertiget 1740, wie es heißt in Mitz⸗ 
lers Biblioth. V. II, P. IV, allwo fieganzeingerücktvon 
S. 43 bis 58. \ 

d) Pythagoras, (ein angenommener Namey welcher vo⸗ 
rige — beurtheilt, hat gleichen Sinn; ſ. die Bir 


ioth. 

e) S. die Biblioth. eben daſelbſt S. 74. Der Berfaffer ger 
ſtehet zwar, daß in der Hoͤhe die sten und ztien leidli— 
licher würden; aber vernünftige Orgelbauer ſollten doch 
davor Lieber mehr Brincipale machen, und nicht dem alten 
Schlendrian folgen, 

£) Kellners Werk folge unten 9. 304, Diefer ſchreibt ©. 
66, daß manche gedachten, es Fünne eine gute Drgel nicht 
beftehen ohne das vitiöfe wilde Gefehrey der Terg und 
Quintregiſter, Doch ſtehe es dahin, ob unfere Rachkom⸗ 

men 





486 Dass. Lapitel, 


Man begreift ohne mein Erinnern , daß es mit 
gemischten Stimmen, welche zum tiefften Klange 
feine Dctave haben, eben fo zu halten fey; und 
dergleichen Mixturen giebt es viel. Oder mer 
wollte die Rauſchpfeife von ste 3 F.und Sve 2 $. 
allein ziehen, aus guten WVertrauen auf folche klei— 
ne Dctave? Der Detavton muß den tiefften oder 
den Grundklang abgeben. Die repetirenden 
find auf gleiche Artzu beurtheilen, wei! im Sort 
gange diefelben Feine Melodie geben nach der Ord— 
nung der Taſten, fondern beftändige Springe mit 
unter werfen, als das Scharp, die Eymbel, und 
alle Mixturen (8). | 

6) Welche Stimme zu unferm Vorhaben nichts 
beyträgt, fonderlich welche im vollen Werke weder 
merklich fchärfen, noch auch die Gravitaͤt vermeh: 
ren, bleiben billia weg. Als wenn ich im vollen 
Werke mein Principal nebft denen Octaven, Mir: 
tur, Cymbel und Sesquialter der Schärfe wegen 
gezogen, die Duintarön aber nebſt der Nohrfl. 8 
F. (meilich Eein Gedacft habe) der Gravitaͤt me: 
gen; laffe ich im Hauptinanual das Gemshorn, 
WVioldigambe und Dueerfl. weg. Ste helfen nichts, 
fondern helfen den Wind verfchwenden, moran es 
meiner Orgel ohnedem fehlt. 








$. 205. 


men es approbiren märden; es habe Silbermann 
wirklich im Pedale zu Dresden in der Sophienfirche nichts 
angebracht, als Princip. 16%. Subbaß 16 F. Pofaun 16 
Fund Trompet 8 F. 

g) Meine Mirtur Kann ich alleine fpielen ; fie ift aber 4 
füßig, undehe ein falfcher Klang folgt, ift auch 2 Fuß 
ſchon ba, welche hinlänglich decken, und auch vom Repe— 
tiven frey find, 





Von dem Bebrauch der Regiſter. 487 
zu BE RE | 7 


— — — 








ar a, 

Was ʒweytens den Ort betrifft, fo hat man in 
groffen Kirchen mehr, wenigftens ftärfere Stims 
men zu ziehen, als in Eleinen. Auf einem Saal 
oder in einem Zimmer find noch wenigere, oder 
noch ſchwaͤchere zureichend; widrigenfalls wuͤrde 
man dort wenig vernehmen, hier aber durch das 
übrige Schreyen die Ohren beleidigen. Alſo kann 
ineiner kleinen Kirche ein Gedackt oder Quintaton 
8 F. bey dem Choralſingen die Gemeinde in Ord⸗ 
nung halten; was wuͤrde ich aber damit ſchaffen in 
meiner Predigerkirche? oder Herr Walther In 
dem Muͤnſter zu Um? Ferner, da in groffen Kir: 
chen auch mehrentheils die Muſik ſtaͤrker beſetzt iſt, 
ſo muß ohnfehlbar das Fundament auch ſtaͤrker 
ſeyn, d. i. man muß mehr Orgelbaͤſſe ziehen, wenn 
zumal andere Baͤſſe nicht bey der Hand find, U. 

$. 206. 

Drittens machen die Zeiten auch einige Veraͤn⸗ 
derungen im Negifterziehen. Alſo laͤſſet man 

1) bey Begraͤbniſſen alle shärfende Stimmen 
ungezogen, und zum Choral ift in Eleinen Kirchen 
ein gfüßiges Gedackt hinlänglich ; in gröffern zwo 
Stimmen von ſchwachen Klange, auch wohl das 
Principal 8 F. um die Gemeinde beffer zu zwingen. 
Das Pedal bekommt ebenfalls eine, oder zwo 
Stimmen, wie die Umſtaͤnde es erfordern. 

2) Andenen Bußtaͤgen, oder wenn man zu einer 
| andern Zeit traurige oder Bußchorale mit zu 
fpielen hat, ingleichen in der Saftenzeit, till es 
gleichfalls mie der Andacht ftreiten, wenn man auf 
der Drgel einen Lermerregt, als wenn man die Ge⸗ 

Hh 4 meinde 


438 . Das 8. Capitel, 


— — 





— 
— —ñ—— 


RT u - 

meinde zum Kirmeß⸗Tanze aufzumuntern befehfi: 
get wäre. Ein Drganift muß doc) mentgfteng in 
Gedanken mit fingen, und follte es wohl moͤglich 
feun, daß das Herz von Frauren und Bußgeran: 
Een voll wäre, wenn durch die Hände und Füffe 
lauter Srölichkeic hervor bricht? Eben alfo follte 
man in der Veſper (ſo nennt man alliyier die Beicht 
Kirche) derer Beichtkinder Bußandacht billignicht 
mit Gewalt ſtoͤren. 

3) Bey einer Muſik nimmt man in der rechten 
Hand auf dem Poſitiv eine ſtille gfuͤßige Stimme, 
um die Grifſe nach Art der Generalbaßiſten damit 
aus zudruͤcken. Im Pedal ziehet man ſo viel, als 
zum Fundamente noͤthig, wie im vorigen $. geſagt. 
Wenn die Baßnoten vonder Beſchaffenheit find, 
daß fie fuͤglicher auf dem Hauptmanual mit der 
linken Hand gefptelet werden, iſt mehrentheilg die 
Quintatoͤn 10 F. oder dergleichgroffe Bordun ge 
braͤuchlich, welche Stimme man verftärft bald 
durch Principal 8 F. bald durch eine Detave, zus 
mal wenn man ſtaceato ſpielet, wobey aber eine 
ftille sfüßige Stimme billig den weiten Raum, fon: 
derlich zwiſchen 16 und 2 F. ausfüllen ſoll. Es 
Eann aber die 16fuͤßige Stimme auch bisweilen mit 
fchwächern Megiftern begleitet werden, und hat 
man zu ſehen ſonderlich auf die Stärke oder Schwaͤ—⸗ 
che der Saͤnger, auch der Inſtrumentiſten, damit 
nicht die Orgel allein gehoͤrt, vom uͤbrigen aber 
nichts vernommen werde. Hierbey wird biswei— 
len eine Traverſe zu ſpielen vorgelegt (b), 9 

r 





h) Woher dieſe Benennung komme bey dieſem — 
—— ann 








Don dem Gebrauch der Regifter. 489. 


N; in der linken, oder in der rechten Hand; entwe⸗ 
der harder Setzer es mit Vorſatz alfo beliebt, oder 
ein Mufikdirector hat aneinem Inſtrumente Manz! 
‚gel, und ſchreibt folde Melodie In den Continuo. 
Hierben richtet man ſich ſo viel moglich nach folcher 
Stimme, welche man vorftellen ſoll, es jey num 
nor die linfe Hand ein obligat Violoncell, oder Fa⸗ 
gott, oder ſonſt etwas. Hier Fann 160 Fuß auf 
dem Manual wegbleiben daß ein Unterfihied fey 
zwiſchen dem mirklichen Bafle des Pedals , und 
zwiſchen folcher laufenden Stimme. Bisweilen 
iſt ein goder 16fuͤßig Schnarrwerk vorhanden, mo: 
durch der Fagott am beſten ſich vorſtellen laͤßt; wo 
aber nicht, muß man ziehen, wie man kann, und 
nicht wie man will. Noch oͤfterer hat die rechte 
Haͤnd eine obligate Stimme mit zu ſpielen, und 
man muß aus den Umſtaͤnden urtheilen, was ſich 
darzu ſchickt. Mehrentheils iſt eine ſcharfe Stim⸗ 
me noͤthig; aber wenn die Noten weit unter das 
e eingeſtrichen ſteigen, laſſe man die Quinten und 
Tertien, folglich auch die Sesquialter und derglei⸗ 
chen weg. Bisweilen iſt es vor die Glocken geſetzt, 
oder die Melodie läßt ſich ſonſt dadurch gut aus⸗ 
drücken. Bisweilen fchickt fich ein Principal, oder 
einige Slöten; wobey man auch das Abwechfeln 
nicht zu vergeffen hats, zumal, wenn mehr Arien 
mit dem obligaten Clavier zu fpielenfind. Wenn 
die Dircctores aus Mangel anderer Adjuvanten 
die Flöten oder Hobopen in den Eontinuo fehreis 
5 ben, 





kann ich nicht fagen. Ich weiß aber, daß die mehreften 
glauben, es Fünne Feine Drgeltraverfe anders, als in der 
rechten durch die Sesquialter vorgeftellt warden. 


490 Dis 8. Capitel. 


ben, fo iſts ihnen endlich zu vergeben; nur ift es 
ſchlimm, daß ohne 3. Elaviere folches nicht allzeit 
mohlgefchehen Eann, zumal, wenn die Baßnoten 
mit den Fuͤſſen nicht wohl zu machen ſind; aber 
wenn ſie mit den Waldhoͤrnern oder Trompeten an⸗ 
geʒogen kommen, wird die Melodie oft jaͤmmerlich 
lauten, weil ſie nicht verſtehen, wie man dieſelbige 
vom Gezwange des Inſtruments befreyen ſolle. 
Das GSlockenſpiel nehme ich ſelten zu ſolchen 
oͤbligaten Sachen, wenn gleich die Setzart ſolches 
leiden würde, weil es eben nicht unrecht, durch et⸗ 
was befondersdie Fefttage herrlicher zu machen, als 
andere gemeine Sonntage. ben alfo laffe ich den 
Slocke naccord an gemeinen Sonntägen nicht hoͤ⸗ 
ven, ich fehlage auch die Melodie unter dem Sin⸗ 
geneines Chorals nicht mit, dur das Glocken⸗ 
fpiel. Quotidiana vilescunt; mie das Sprichwort 
bekannt. | | | 

4) Wenn maneinen Choral Fünftlich ausfuͤh⸗ 
ven will, wie C. 15 zu fagen ſeyn wird, muß die 
Melodie durch eine nachdruͤcklichere Stimme ver: 
nommen werden, ald die andern find aufden zwey⸗ 
ten Clavier; und fo ift es auch zu halten, wenn 
auf dem Pedal dergleichen auszuführen. 

5) Bey einem Vorfpiel, „da man nichts aus: 
führt, bindet man ſich an Feine Zufammenziehung, 
fondern macht die Veränderungen fo gut, daß der 
Ueberdruß bey dem Spieler und bey dem Zuhörer 
germieden werde. Manche wiſſen vor der Muſik 
oder einen Chorale nichts, als das Toben des vol: 
fen Werks. Allein es mag Dip mit einem Kleide 
zufrieden ſeyn; vor einen Organiſten waͤr es “. 














Von dem Gebrauch der Regifter, 491 
fehr einfaͤltiges. Im letzten Ders zieht man ſtaͤrker, 
daß der Geiftliche erinnert werde fich zu feiner Ver⸗ 

richtung fertig zu halten, zumal in Städten nicht 
gebraͤuchlich, (auf den Dörfernaber eben nicht fein 

ftehet) durch einen Schlag mit einem Knittel hierzu 
denfeiben anzutreiben, ebenals wenn er mit Gewalt 
aus den Schlafe zu bringen wär. Doch wenn an 

manchen Orten ohne Eanzellied nach der Muſik die 

Predigt angehen foll, möchte es noch zu entfchuldis 

‚gen feyn. 

6) Zum Ausgange aus der Kirche wird meh: 
ventheils zufammen gezogen; doch leidet auch diefe 
Zeit ihre Ausnahme. ' 

7) Ehe ich vonder Zeitzu redenaufhöre, möch: 
te man fragen ,. was davon zu halten, wenn zum 
Er.in der Stadtkirche zu Jena zur Faſtenzeit des 
Nachmittags Feine Drgel gerührt wird, wie bey 
uns anden Bußtägen? Ich antivorte, daß es nicht 
wohl gethan ſey, folches eingeführt zu haben, weil 
dag Choralfingen dadurch fehr unordentlich wird, 
indem die Gemeinde, zumal bey langen Liedern, 
ſehr leicht alfo unterziehet, daß fie endlich mehr 
brummiet, als finget, und wenn ein Cantor fol: 
ches zwingen foll, ift es ihm bisweilen nicht möglich, 
den zuhörenden aber, wo nicht graͤslich, doch laͤ— 
cherlich. Man kann ja traurig ziehen, und fo an: 
daͤchtig mitſpielen, daß der Andacht nichts abgeht. 


$. 207. 


Oft muß zum vierten das Regiſterziehen fich nach 
dem Orgelwinde richten, daß durch allzu viele 
Stimmen Feine Unreinigkeit gehöret werde, wenn 


dir 








4 


492% Das’; Capitel, 


der Zufall des Windes nicht hinlänglich (i). Je⸗ 
doch ſoll die alte Regel dadurch keine Stüße erhal: 
ten, daß man keine äqusle Stimmen (d.i. von 
einerley Tiefe dem Zone nach) zugleich ziehen 
doͤrfe, wenn ſie zumal von verſchiedener Men⸗ 
fur find. Nieot (k), und ſchon vor ihm Werk: 
meiſter (1) halten über fol) Verbot, und wollen 
auch einige Gründe gefunden haben (m) zur Ber 
ſtaͤrkung ihres Satzes. Ich habe daher Organi⸗ 
ſten gekannt, welche beym Gebrauch des Nofau: 
nenbafles 16 F. den Subbaß 16 $. mweglieffen, 
nicht aus Mangel des Windes, fondern zu Folge 
Diefer Megel. Der dritte unter denen, f08. 345 
erzehlt find, liebte folche Gewohnheit; ich willihn 
aber nicht nennen. Mattheſon inden Anmerkun⸗ 
gen uͤber Niedts Fractat will wenigſtens eine Aus⸗ 
nahme gemacht wiſſen, ob er fhon ©. 467 des 
vollkommenen Aapellmeifters das Verbot 
zu beftärken ſcheint, ohne daß er ſolche Einfchrän- 
Fung zu wiederholen vor nöthig erachtet. > 

| . bin 


i) Wenn ich auf meiner Hanptlade die Sesquialter ziche, 
und nebft der Duintaton 26%. noch oder drey sfükige 
Etimmen ſo zieht die erftere unter, ja ſie fpricht faſt gar 
nicht an. In tuͤchtigen, zumal in neuen Werken muß 
aber ſolcher Windmangel ſich nicht finden. 

K) Im raten Cap. von der Variation des Gener. B. Aber 
in der Ausgabe Mattheſons iſt es dasrıte. | 

ı — der Orgelprobe C. zo, ©. 73. und im Hodeg. C. 4 

53. 


in) Einige meynen, es würden ſolche Stimmen allezeit ſtark 
ſchweben; oder wenn fie in denEinklang gebracht wuͤrden, 
ſo waͤr doch die Beſchaffenheit des Klanges nicht einerley, 
denn die weite werde ſtark und pompicht, die 39 





Von dem Gebrauch der Regifter. 493 


bin ich Eein Freund vom unvernünftiaen ziehen aller 
Stimmen dur) einander, zumal ins volle Werk, 
wie $. 204 die 6te Anmerfung fattfam entdeckt; 
meine Urſache aber ift, meil Die Orgeln Schaden 
‚leiden, mwenigftensdie Bälge. Denn viel Stim⸗ 
men erfordern viel Wind, alfo müffen die Bälge 
ſchaͤrfer angegriffen werden, und dem Calcanten 
macht man fein Amt auch ſchwer. Beydes iſt nicht 
wohl gethan, wenn man keinen Nutzen und keine 
merkliche Veraͤnderung des Klanges dadurch zuwe⸗ 
ge bringt, wenn auch ſchon das Werk dabey reine 
bliebe, und kein merklich Schwanken dadurch er⸗ 
regt wuͤrde. | Ä 





Aber dem ohnerachtet binich Fein Freund von 
folchem Verbot; 1) weildie Gründe das nicht bes 
mweifen, was fie follen; 2) meil dieſe Gefeßgeber 
felbft.nicht darüber halten Fönnen; 3) weil dadurch 
die Veränderungen, melche die Seele der Mufik 
heiffen Eönnen, allzuſehr eingefchränft werden, 
ohne einen andermeitigen Nutzen davon zu haben. 
1) Wie fol das folgen : die eine Stimme wird ſtark 
und pompicht, die andere aber lieblicher Elingen; 
folglich darf man fie nicht zufammen ziehen? das 
koͤmmt mir vor, als wenn der füfle Zucker auf einen 
fauren Gartenfallat denfelben unbrauchbar machen 
folle. Und daß 2 achtfuͤßige Stimmen inder Stim- 
mung nicht Fönnten ohne Schwebung ſeyn, fehe 
ich garnicht. Die Erfahrung, aufmelche ich mich 

fiher 
aber gelindeund Lieblicher i ir lauten di 
— blicher intoniren, ſe ten die 


494 Das 8. Capitel. 





“ ee Sera. 1 
ficher berufen kann, hat mich ſchon längft des Ges 
gentheils verfichert (n). 

Daß aber 2) ſolches Verbot nicht wohl zu 
beobachten möglich, feheint aus folgenden zu ers: 
hellen. Voxhumana 8 F. wird ohne eine andere 
gfuͤßige Stimme nimmermehr einem fingendenMens : 
ſchen gleichen; ſ. was oben $, 200 davon erzehlt 
worden. Ber wollte aber fagen,daß eine Schnarr⸗ 
und Floͤtſtimme im Klange eineriey Art hätten ? 
Dover wenn im vollen Werke man ftarker Baͤſſe be: 
noͤthiget, ſollte man wohl den 16fuͤßigen Subbaß 
nicht doͤrfen verſtaͤrken durch Principal 16 F. durch 
Violon 16%. oder Poſaune 16 Fuß? Wo ſoll die 
Staͤrke ſonſt herkommen? Inagleichen wenn in mei: 
nen Pedal der Dulcian 16 F. ſollte allein gehört 
werden, mer würde in der groffen Kirche etwas das 
vonvernehmen? und wie nüchtern würde das Knar⸗ 
ren ſolcher Stimme anzuhören feyn? Kurz, was 
würde uns die MBeitläuftigkeie der neuern Werke 
nüßen, wenn uns die Handegebunden wären durch 
das Verbot die Stärke nad) Gefallen zu mehren: 
oder zu mindern ? IBenn ich nicht frey Hätte zu einem 
Gedackt 8 Fußein Gemshorn oder Quintatoͤn glei: 
cher Groͤſſe zu ziehen? 


Daß aber bey dem Gebrauch der Regiſter die 
Veraͤnderungen das befte, wird wohl heut zu Zage 
niemand in Abrede feyn, fo den Verdruß beobach⸗ 

tet, 


en) Wenn ©. 54 der Hodegus ſich bernft auf die Bebungen 
der Saiten, fo folgt dasjenige zwar daraus, daß die Pfei— 
fen nad) ſolchen nicht bequem zu fiüinmen, tie Se 94 erin⸗ 
nert worden, nimmermehr aber giebt es einen Beweis ad 
vor ſolches Verbot. 








Don dem Gebrauch der Regifter. 495 
ger, welcher ſich bey ung Aufferr, wenn unfere Sin⸗ 
nen lange oder oft an einerley Vorwurf Eleben fol- 
den. Es ſey eine Sache noch fo ſchoͤn; bey einem 
langen oder oft wiederhoften Anſchauen wird fieung 
gleichguͤltig. Es ſey eine Muſik noch fo angenehm; 
ten oͤfterer Wiederholung wird das Ohr derſelben 
müde. Es ſey eine Speiſe fo ſchmackhaft, wie ſie 
immer wolle; endlich wird es doch heiſſen: uns ekelt 
dor dieſer (loſen) Speiſe. Und fo mit allen übrigen 
Singen. | 

Wir wollen alfo Werfmeifters Beweis ums 
kehren, und vielmehr das Gegentheil daraus fchliefe 
fen. Nehmlich: weil der Klang fich etwas vers 
ändert, wenn ich zum Er. zum Principal 8 Fußein 
gfuͤßiges Gedackt, oder Duintatön, oder Bioldi: 
gambe, oder Dueerflöte ziehe, fo bedient man fich 
billig ſolcher Veränderungen. Wollte man mir 
vorwerfen, daß ſolche Gedanken zu flreiten ſchei⸗ 
nen mit dem, was $. 204 in der gten Anmerkung 
enthalten, und die Violdigambe mit dem Princi- 
pal 8 F. Eeinen Ähnlichen Klang geben würde mit 
ſolchem Inſtrumente auffer der Orgel; fo dient 
zur Antwort : ein anders iſt, wenn ich den Vor: 
faß habe eine Vtoldigambe hören zu laſſen, einan- 
ders aber, wenn ich einen andern Klang dadurch 
verändern will. Und wenn es mit andern Inſtru⸗ 
menten auffer der Draelangeht, welche einerley Hoͤ⸗ 
he, aber zweyerley Art haben, als die Hoboyen 
mitden WViolinen, die Elarindtten mit den Trom⸗ 
peten u. f, w. warum nicht auch in der Orgel? 


§. 208. i 


Endlich hat man bey dem Abwechfeln der Regi⸗ 
ſter 





496 Das 8. Capitel. 





ſter zu ſehen theils auf die Gemuͤthsbeſchaffen⸗ 
heit des Spielers, theils auf die Beſchaffenheit 
der Zuhoͤrer. Jener iſt zu einer Zeit der Froͤlich⸗ 
keit, zu einer andern der Traurigkeit zugethan, und 
er wird beſſer ſpielen, wenn er ſich nach ſolchen Lei⸗ 
denſchaften richtet, ſo wohl bey denen Einfaͤllen, als 
bey der Wahl der Stimmen; der Zuhörer wird 
auch mehr Gefallen haben, an dem, was feiner Nei⸗ 
gunggemäß. Ein melancholifcher liebt Eein fchar« 
fes Spielen ; ein munteres und fanauinifches Ges 
muͤth hat ed lieber, wennes heißt: femper luftig, 
nunguam traurig. Noch andere lieben die Ver⸗ 
änderung, und find denjenigen gleich, melche fich 
an einem fonft quten Eſſen leicht einen Eckel erwe⸗ 
cken. Daher die Melodie des Spielers bey der 
- Dhrenfpeife gleichfam das Fleiſch vorftellen Eönnte, 
Aber. wie ein kluger Koch durch die Veränderung 
der Brühen aus einerley Sleifche kann vielerlen Ef 
ſen machen; alfo läßt einerley Melodie durch man⸗ 
cherley Stimmen fich auch auf verfchiedene Weiſe 
porftellen zum Vergnuͤgen unferer Ohren. 


6, 209. ke 


Wᷣhir wollen aber allhier etwas eintücken von 

der Derbindungszoder Verſetzungskunſt, welche 

bey den Lateinern ars combinaroria genennet wird. 

Solches Verbinden, Verfezen (Lombiniren) 

will ineinigen Nechenbüchern fo viel bedeuten, daß 
man dadurch ausfindig macht, mie viel Veraͤnde⸗ 

rungen vorgenommen werden koͤnnen mit einer ger 

wiſſen Anzahl diefer oderjener Dinge. Es handelt 

von diefer Wiſſenſchaft Birchers Muſuige ku 

a erſte 


Von dem Bebrauchder Regifter. 497 


— 
erſten Theile des achten Buchs, unter dem Titul: 
Muſurgia combinatoria (0). Allda lehrt er die No⸗ 
tenaufalle moͤgliche Art zu verſetzen, und wenn ich 
bloß die Anzahl ſolcher Verſetzungen oder Ders 
wechfelungen betrachte, fo entfiehen daraus 
Derwechfelungstabellen,. dergleichen nicht nur 
Rircher hat, fondern auch Leibniz (p), wie auch 
Euler (y). Mattheſon gedenkt folcher Kunft 
gleichfalls (r). Man hat aber dieverfchiedene Ar⸗ 
ten folcher Fabellen wohl zu merken. Einige ftellen 
die Sachen alle zugleich vor, nur werden fie bald 
indiefer, bald in jener Ordnung zu ftehen kommen. 
3. Er. wenn man fragt: mie vielmal Fönnen 12 
Ben fo aneinen Fifche fisen, ihre Stelle ver⸗ 
indern, daß fie nicht einmal fisen, wie das andes 

remal ? und erhält aus Scheßlers arichmetifchen 
KHauprfehlüffel die Antwort: 479,0901,600Mal; 
fofind diefe 12 Perſonen allezeit alle beyſammen. 
Eine ganz andere Art der Eombination aber iſt, 
wenn man frage: Wenn ein Werk 8 Stimmen 
hat, wie viel Neränderungen Fann man machen 
durch deren Verbindung oder Zufammenziehung ? 
Denn hier gift Fein Verſetzen; auch find die Regi⸗ 
fter nicht allezeit zugleich da ; folglich muß diefe Rech⸗ 
nung ganz anders werden, aldjene, unddie hier: 
bey vorkommende Tabellen Eönnen nicht fo wohl 
Derwechfelungs » ald Derbindungs » Tabellen 
| — heiſſen. 





0) Ruhnau €. 17 des Quackſalbers hat dergleichen auch 
verfprodhen. 

p) Deffen Arbeitift heraus zu Frankf. 1690, in 4 

g) Im tentamine cet. C. 3. . 20. Wir: 

r) a vollkommenen Kapellmeifter € 6 des aten Theile, 
II, 92⸗ 


493 Das 8. Capitel. 


heiffen: Doc) um den Unterſchied beſſer zu m 
er: 
Een, bleibe ich bey der erften Art noch eiwas Reben, 
bey welcher folgender Anfang einer Derwechfe 
lungs⸗Tabelle ung einiges Licht geben Eann: 





BR 
—— Ir 
63° J 
241 —4 
120—5 
720 6 
5040 —7 


40320 8 u. f. w. 


Die Zahlen zur rechten Hand zeigen an die Anzahl 
der Dinge, welche man verſetzen will, zur linken 
ſteht die Antwort. Als wenn gefragt wird, wie 
viel 4 Sachen Verſetzungen leiden? Antwort: 24. 
Dieſe Tabelle beſſer zu verſtehen, oder auch weiter 
fort zu fuͤhren, darf man nur Acht haben, wie das 
Wachsthum der Zahlen entſteht, und fo bald man 
3 oder 4 Gröffen gefunden, fo entdeeft man die geo⸗ 


metrifche Sortfchreitung, (Progreßion) mer 


che fehr leicht fort zu feßen, wenn man nur die Art 


des Wachsthum (die Ration, den Exponenten) 
eingefehen hat. Kine Sache leidet Eeine Verſe⸗ 


gung; daher iftlinfer Hand durch die ı nureinerz 


ley Stellung angegeben. Wenn der Sachen 2 
find, als A und B, fo begreiftjedes Kind, daß nut 
auf zweyerley Art folcheftehen Fönnen, entweder Ab 
oderBA. Wenn 3 Sachen find, als A,B,C, P 
koͤnnen fie auf fechferfey Art verfegt werden: ABO, 
ACB, BAC, BCA, CAB, CBA, Wenn 4 J— 


Von dem Gebraͤuch der Regifter. 499 



























hen find, odermehrere, macht man es auf gleiche 
Art, Nun betrachte man das Wachsthum der 
Zahlen linker Hand, ſo iſt die ı inder folgenden 2 
omalenthalten; die 2 ift in der folgenden 6 3mal 
enthalten; diefe Giftin der folgenden 24 amal ent 
halten; alfo nimmt der Exponente alljeit um ı 
zu, und man Fanndie Fabelleleicht felbft machen, 
wenndielegte Zahl linker Hand multiplicirt wird 
mit der folgenden zur rechten. "Als bey 3 Sachen 
waren 6 Verfegungen , wie viel bey + Sachen? 
Antwort : multipficire die vorigen 6 mit Diefer 4, 
kommen 24. oder wenn 8 Sachen 40320 Verſe⸗ 
gungen leiden, mie viel finden fich bey 9 Sachen? 
Antw. 40320 durch 9 vervielfältiget giebt 362880, 
u. ſ. f. (5). Die Anwendung auf die Seßfunft 
geht ung zwar hier eigentlich nichts anz gleichwohl 
wenn durch ein Erempel folches zu erläutern, will 
ich Sig. 20 in Kupfer vorftelligmachen 3 Noten, c, 
e, 9, mit der Gfachen Verfegung, und’ Sig. zı 
aMoten, c, e, g, a mit ihren 24fachen Derie 
gungen, woraus der unerfhöpflihe Reichthum ei⸗ 
nes Componiſten fich zu Sage legt. Noch mehr enta 
deckt fich derfelbige durch eine andere Art der Dev 
ed, 862 Sr bins. 


Is) Wie Euler und Mitzler ihre Sache vortragen, iſt zu le⸗ 
fen in der Biblioth. V, III, P. III, ©, 553. Allwo Mitz⸗ 
ler verſpricht Leibnizens Verſetzungskunſt neu auf: 
legen zu laſſen, und fie durch Beyſpiele auf die Mufit zu 
erläutern. Wenn nun diefe Tabelle fortgeführet würde 
bis auf 24, fo wuͤrden der Veränderungen eine ungeheure 
Menge werden, Der vollkommene Kapellmeifter am ame 
geführten Drte ſetzt 6204484017332394393 6030, wobey 
Mitler einen Druckfehler anmerkt, und an ſtatt ver legten 
30 ſetzt ooo. Man beliebe es ſelbſt nachzurechnen. 


eV 
soo Das g. Capitel, 


bindungen, wenn mandarzu zehle den Gebrauch 
jeder Note vor fich, und folche hernach auch mitden 
übrigen nach und nach verbindet. Als wenn die 
vorgedachten 3 Noten, e, e, g, follten berechnet 
werden, nicht nur, wenn fieeinander zugleich fol 
gen, fondern auch, wenn davon jede allein zufe 
gen, der auchin der Verbindung mit noch einer, 
Daß auf ſolche Are weit mehr Veränderungen 
zehlen, zeiget die 22fte Figur, da denn ı Sad 
nurıangiebt; 2 Sachen (oder hier 2 Noten) brin⸗ 
gen 4 Veränderungen, 3 bringen ı5 ; 4 thun 64, 
u.f.f. Aber ich habe nur 16 Neränderungen im | 
Kupfer vorgeftellt, als vielmal das c vorne ftehen 
kann ; esverfteht fich aber von fich felbft, daß jede | 
Note fo vielmal könne vorne fiehen, und nach dem | 
Modell ift es nicht ſchwer die NWeränderungen an | 
der Zahl 64 vorftellig zu machen. Eine Tabelle zu 
diefer Artift leicht zu verfertigen. Dennmenn 7 | 


ı Sache giebt 1 — | 4 
2 Sacengeben 4 Weränderungen, | 
3 A, "ua ws ⸗ r 

4 » — 64 ⸗ ⸗ 


ſo merke man rechter Hand die Art der Kortfchreis | 
tung ab; nehmlich dievorigen Veränderungszahr | 
Ienmultiplicire mit der folgenden Anzahl der Ser | 
chen, und das Product vergröffert Durch das Zur | 
thun eben derfelben Anzahl. Als_die ı rechter | 
Hand multiplicirt mit der 2 linker Hand, thutz, 
hierzu diefelbige 2 addirt, fo erfcheinet Die obgeſetz⸗ 
ie 4. Diefe 4 multiplicire durch die 3 linker Hand, 
thut 12, hierzueben diefelbige 3, ſo kommen 15, 

A. ſ. w. | 
— §. 210. 


Von dem Gebrauchder Regifter, got 


$. 210, * 

Doch iſt es Zeit auf die Verbindungsart zu 
kommen, ſo bey dem Begiſterziehen gilt, und 
ganz anders lautet. Hiervon hat etwas de Cha⸗ 
les S. 20 des zten Toms. Da nun hier keine 
Verſetzung gilt; ſo muß man den Anfang einer 
Tabelle alſo machen, daß man ſich vorſtelle, wie 
Regiſter Feine Veraͤnderung habe; wo 2 Regi⸗ 
fter find, kann ich jedes allein ziehen, aber auch 
bende zufammen, welches 3 Meränderungen wer⸗ 
den. Wo 3 Stimmen find, welche ich a, b, © 
nennen will, wird gar leicht ausfindig gemacht, 
daß jedes Eönne allein gezogen werden, melches 
ſchon 3 Neränderungen find; ich Eann aber auch 
zufammen ziehen 4) ab; 5) ac; 6) bez 7) abe, 
Alfo har diefer Anfang ftatt bey unſerer Combina⸗ 
tionstabelle. 


1Regiſter thut ı 
2 s hun 3 








3 G ⸗ 72 . 
Wobey man leicht einſiehet, daß die folgende Vers 
Anderungszahl rechter Hand entfteht , wenn man 
Idie vorhergehende doppelt nimmt, und ı darzu 
feßt. - Alfo x echter Hand doppelt, thut 2, hier⸗ 
zur, fofolgt diez. Diefe3 doppelt, thut 6, hier: 
zur, fofolgtdie 7. Durd) diefe feichte Methode 





502% Das 8. Capitel. 
Denn die Nebenzügegeiten hier nicht. Ich weis, 
daß manche erſtaunen werden uͤber den ihnen bisher 
unbekannt geweſenen Worrath an Weraͤnderun— 
gen, und ich werde das Papier nicht übel anwen— 
den, wenn ich die Sabelle bis auf 40 Stimmen 
hierher ſetze; fo Eann derjenige, fo nicht mehrere 
hat, Die Beränderungszahl vor fein Werk heraug 
ziehen, Wer mehr Stimmen hat, beltebe die Ta—⸗ 
belle fortzuführen, fo weit es ihm noͤthig. 


dahl der Stimmen, Zahl der Veraͤnderungen. 





— — —— 


1 ⸗ ⸗ —1 — I | 
2 ⸗ ⸗ A Vi 
MEN HE. ⸗ f 7 
4 * J 
—A ⸗ ⸗ 
— ⸗ ⸗ 63 
7 ⸗ 5 ⸗ 127 
8 ⸗ ⸗ ⸗ 255 
9 ⸗ ⸗2 7 514 
ee — 1023 
ur ⸗ 20 
—— a 
EA a 
as se Ey 745 16 
— Dana en: «» 32767 
WINE He ⸗ 655 
ES 1 — ⸗ ⸗ 131071 
30 13° 1.4 ⸗ 262143 
N < ⸗ ee 
Igel 4 ⸗ 104857 
— — 1 ⸗ 209715 
⸗ 41943 








Von dem Gebrauch der Regifter. 503 











4 





tg : 8388607 

24—— ⸗ 16777215 

ee ⸗ 33554431 

26 ⸗ ⸗ 67108863 

27 ⸗ ⸗ 134217727 

28 ⸗ ⸗ 268435455 

29 ⸗ ⸗ 536870911 

30 ⸗ ⸗ 117374 1823 

RR s 2347483647 

32 ⸗ = 4594967295 

33 33899345 91 

34. + 2 18779869183 

N 2. 37559738397 

m 236 ⸗ ⸗776119476735 

—7 ⸗ e 150238953471 

38 ⸗ : 300477906943 

39 ⸗ ⸗600955813887 

* « 1201911627775 
und fo meiter (t). | SE 

— Ji 4 dB 


t) Wie die Zahlen der Sachen linker Handeine arithmeti⸗ 
| che Fortſchreitung angeben, deren Differenz nift; al: 
fo entjteht durch die Subtraction jeder Veraͤnderungs-Zah⸗ 
len von der nechitfolgenden eine geometrifche Hort: 
fohreitung , deren Ration (Exponent) 2iſt. Ich will 
nur den Anfang herfeßen: » 
| ı von 3 bleibt 2 
be dp a a, 


7977-38 ⸗ 8 
Weil dieſe Fortſchreitung rechter Hand einmal angefan⸗ 
gen, fo kann man ohne Subtraction fie fortführen durch 
die Multiplication durch 2, und folche gegen Die Zahl er 
Sachen fiellen, alſo: FR. 
ä er Zahl 





504 Das 8. Capitel. 


gene 





$. 211, 


‚ Man muß aber bey dem Gebrauch folcher Com: 
binationen die Grundfäge nicht aus der Acht laſ— 
fen, welche S. 204 gegeben worden, weil diejent: 
gen Zuſammenziehungen nicht gut Elingen würden, 
mo zu den Quinten und Tertien, oder zu den repe— 
tiren den Stimmen Feine gröffere Oetavſtimmen ger 
zogen würden, fo geht zwar etmas ab von folchen 
RBerbindungszahlen, aber fie bleiben doch noch groß 
genund, und mag nur eine mittelmäßige Drgel 
ſeyn, ſo iſt ein Organiſt nicht im Stande, fo lan⸗ 
geer ſolch Amt zu führen pflegt, alle Arten der Zu: 
ſammenziehungen anzubringen (u), und wer ſich 

0 deſſen 


Los 2 davon ı, bleibt r, 
24 a davonı, bleibenz, 
34 8 davon ı, bleiben... 
a 44 16 davon ı, bleiben ı5, 
ER 232 davon ı, bleiben zi. 
6: — —— 


Von dieſer Progreßion werfe man ı weg ſo giebt jeder 
Terminus derſelbigen ebenfalls die richtige Anzahl der 
ECombinationen, wie rechter Hand der Anfang zu fer 

en. {al 
u) Spparador diefer Sat, bey einigen laufen wird; fo leicht 
iſſt er zu bemeifen. Ich zehle nad) ver hiefigen Einrich— 
tung des Gottesdienſtes ro Sonnamd Feſttage aufı Fahr, 
weil in der Woche auffer der Veſper nicht gefpielt wird, 
Ichrechne auf jeden folder Tage 10 Chorale, fo viel doch 
Niqhi leicht geſungen werden. Ich gebe jedem Chorale 10 
Werſe, da zwar einige mehr, die mehreſten aber weniger 
halten. Multiplicirt die 70 Tage mit 10 Choralen, die 
bommenden 700 Chorale mit 10 Verſen, ſo werden 
ne WE 





Von dem Gebrauch der Regifter. Sof 


deſſen ruͤhmt, verfieht folche Rechnungen gar nit. 
Esgiebt noch mehr Einfälle, Veränderungen zu 
machen, unter welchen fonderlich bey afuͤßigen 
Manualen nicht zu verachten , wenn man bey klei⸗ 
nen Stimmen ı Octav tiefer ſpielt, und dadurch 
die Gravitaͤt erhaͤlt, wie ein anderer, welcher ein 
sfüßiges Werk hat, und ſo kann man ein gfüßiges 
zum ı6füßigen machen (w). 


| $.. 212. 
Noch eine ſchoͤnere Erfindung hat Schröter in 
Nordhauſen ung zum Theil eröffnet, wie man bey 
| Ji5 einer⸗ 


ſelbigen 7000 ſeyn. Es Habe eine Orgel in beyden Dias 
nualen 20 klingende Stimmen, (welches bey weiten die 
ſtaͤrkſte Orgel nicht heiſſen kann,) dieſe geben nach der Tar 
belle 1048575 Veraͤnderungen im ziehen. Solche durch 
7000 getheilet, geben 1048 Jahre, wenn alle Verſe mit 

einer andern Zuſammenziehung geſpielt wuͤrden; ſo lan— 
ge hat Methuſalah nicht einmal gelebt. Und wenn nach 
Abrechnung der falſchen, oder derer, welche nicht merk⸗ 
lich, der ıofe oder zofte Theil bliebe, wär der Vorrath 
doch groß genung. 

w) Kurzieilig laͤſſet es, (wiewohl eine befondere Gewohn⸗ 
heit hierzu nothig) wenn man auf einem Manual eine 
Quinte allein ziehet, und aus zweyerley Tonarten zugleich 
zu ſpielen ſcheinet. Denn wenn man auf einem Slaviere 
nebft vem Pedal zum Erempel aus € fpiele , fo Fann bey 
einer gezogenen Duinteman auf dem andern Claviere aus 
dem F ſpielen, welcher Quintenklang auch E& anniebt. 
Man Fannalfo im Segen folhen Spas leicht vorftellig 
machen, da die obern Stimmen mit dem Baß gar nicht 

- fiheinen zu harmoniren; mer aber nachdenkt, findet es 

. bale- Solche Stüce habe ic) bey Herr Backhauſen 
un Gotha angetroffen, Mit den Tertien geht esauchan, 

| nr DRUM Er. aus A, das andere ans F geſpie⸗ 

ivd, 


506 Das 8, Lapitel. 








einerley Regiſtern auf einer Drgel Eönne forte und 
piano fpielen, dergleichen Abwechfelungen bey allen 
Inſtrumenten dasfchönfte find, und wird deswe⸗ 
gen §. 250 das fogenannte Sortepiano fo fehr ges 
rühmt Bey dem Negifterziehen müffen die Haͤn⸗ 
de vom Spielen ablaffen; aber bey diefem Vor⸗ 
ſchlage fpielt man forte, und doch Fann man den: 
Klang fehwächen oder verftärken, daß Niemand 
weis, mie es damit zugehe, Das Geheimniß 
ftecft in der Kinrichtung der Windlade, in welche 
der Wind durch 7 unterfchiedene Wege geleitet 
wird. Die Ladenventile werden in 7 unterſchie⸗ 
denen Graden des Windes aufwärts getrieben, fo, 
daß bey völlig angezogenem Werke, und bey dem 
ſchwaͤchſten Niederdrücken des Efaviers auch nur 
die niitangezogenen ſchwaͤchſten Stimmen; hinge 
gen bey dem mittelmäßigen Miederdrücken die ans 
gezogenen mittelmäßigen Stimmen nebft den vork- 
gen ſchwachen, und bey dem ſtaͤrkſten Niederdrüs 
‚cken des Claviers alle angezogene Stimmen lautbar 
werden (x), Es wird $. 263 hieran wieder ar : 
| | ſiehe 


x) Daß dieſer ſchon vielmals angeführte Muſſkgelehrte ner 
diene, daß man zu ihm ſpreche: Freund! vücke hin⸗ 
auf; bezeiget die ietztgedachte Erfindung, von welcher und 
etwas bekannt macht Mitzlers Viblioth. V. TIL P. III, 
©, 1771 welcher auch einen Riß darzu ſetzt, wodurch der 
dritte Theil der Lade vorgeſtellt wird, Mitzler waͤnſchet, 
daß ſolche Orgel bald fertig, und dem Erfinder die Be⸗ 
lohnung zu Theil werde. Schröter hatte es 1735 ſchon 
an Mitzlern geſchrieben; und 1738 gab Schroͤter ſolche 
Anfgabe den Gelehrten vor; ſ. Vol III. P. II, S. 461 
allwo erzehlt wird, daß ihm soo Rthr. vor Die Erfindung 
geboten worden, mit dem Beding, daß nicht der — 
| / 





Das 9. Capitel. Von dem Orgelbau. 507 
fiehe auch, was$. 129 geſtanden, welches ſich et⸗ 
wa damit vergleichen laͤſſet. | 


Das neunte Capitel. is 


Bon dem Orgelbau , Dispofition, 
Contract und Koften der 
= Orgeln. 


$. 213 von der Feſtigkeit, Bequemlichkeit und Schönheit 
einer Orgel; $. 224 big 229 von Dispofitionen derfelbi- 
gen; $. 230 bis 234 von dem Contracte; $. 235 von ven 


Koſien der Orgelwarfe, 


§. 213. ji 

a8 erfte unter den 4 zu betrachtenden Stü- 
cken ift das wirkliche Bauen eines Or⸗ 
gelwerks, und hier önnte ich einen groß 
fen Theil der bürgerlichen Baukunſt herfegen; 
allein ich muß mich auch auf dieſesmal entfchuldt- 
gen mit dem Mangel des Raums, welcher mir 
raum erlaubt aus dem Endzwecke folcher Gebäude 
einige Schlüffe zu ziehen 1) auf die Feſtigkeit; 2) 

Bequemlichkeit; und 3) aufdie Schönheit. 
1) Was die Seftigkeit.oder die Dauerhaftig: 
Feitanlangt, fo beruht diefelbige groffentheils auf 
der Güte der Materialien, nehmlic) des Holzes 
und Metalle. Ich willalfo eine Warnung hier 
her fegen, folchen Bau nicht anzufangen, bis man 
gut Holz, fo zu rechter Zeit gefället und ordentlich 
| Ahern gr: 
der, fondern der Abekaufer die Ehre der Entdeckung ha: 


ben folle, Aber Schröter trug Bedenken feine Ehrz vor 
Geld an einen andern zu uͤberlaſſen. 


S 


| 
| 








508 Das 9. Capitel. 
getrocknet worden, vorräthig habe. Vor allen 
Arten des Holzes will das eichene viel Jahre an ei- 
nem trockenen Orte liegen , ehe es zu Windladen 
und andern Dingen brauchbar wird. Daher es 
koͤmmt, daß bey Unterlaffung folcher Zubereitung 
Die Werke dorren, fich feßen, fich verwerfen, Rif- 
ſe bekommen, u. ſ. w. daß fie in kurzer Zeit un: 
brauchbar werden (a). Zur Feſtigkeit gehoͤrt auch 
die Guͤte des Metalls und die Staͤrke der Pfeifen, 
ſonderlich an den Fuͤſſen und an den Labien. Auf 
ſer dem bekommen ſie keinen guten Klang, ſind 
auch von keiner Dauer, ſondern ſetzen ſich. Die 
bleyernen frißt der Salpeter, und die Maͤuſe helfen 
getroſt, weil er füffe fehmeckt. Es muͤſſen die Pfei⸗ 
fen auch wohl verwahrt werden in Pfeifenbretern, 
oder auf andere Art, ſonderlich die groſen. Denn 
wenn eine derſelbigen ſinket, kann ſie viel kleinere 
zugleich zu Grunde richten. 
2) Ben der Bequemlichkeit iſt zu merken, daß 
man 
8) Zu allen Sheilen Eommen, und fonderlich um 
die Windladen herum gehen koͤnne. Daher an 
dem Orte, wo man der Stimmung oder Ne 
paratur wegen ftehen muß, die Eleineften Pfei⸗ 
fen —* J andern ſtets nach und nad) gröfz 
fer ftehen follen (6). 
fer ft ) 3) Do 


a) Es folldesivegen ein Drgelmacher zu ſolchem Vorſchuſſe 
Vermoͤgen haben, anſſer dem iſt es beſſer ſich mit ihm nicht 
einzulaſſen. Die Anfanger wollen freylich auch Arbeit 
haben, allein es muß doch geſchehen ohne Ruin der Kirche 
pder Gemeinde, R 

v) Nicht wie bey mir, da bie Fleinefien Stimmen nt 











Don dem Orgelbau. 569 
Pa ITEEEE. 


Daß aller Orten hinlaͤngliches Licht ſey. 


Daß Thuͤren angelegt werden mit Bändern 
und Schloͤſſern, damit man alles verwahren, 
und wenn es noͤthig, zu allen kommen koͤnne (c). 


3) Wenn neue Kirchen gebauet werden, fo ſollte 
der Auffeher erft Nachricht einziehen, was eine 
Orgel, wie ſie uͤber kurz oder lang beliebt werden 
moͤchte, vor Raum erfordere in Abſicht auf ihre 
Höhe, Breite und Tiefe oder Länge, wie auch) 
in Abficht aufdas Balghaus, damit das Sin- 
gechor hinlänglich fey, und noch Raum bleibe vor 
die Menge der Schulknaben und Adjuvan⸗ 
ten(d). i 


3) Die Schönbeit ift entweder wefentlich 
der aufjerwefentlich. Jene Eommt nebft einer 
guten Ordnung aller innerlichen und Aufferlichen 
Theile auch mit anauf das Anſehen der Seftig- 
keit; daher mandie Fhürmer und Felder mit far: 
fen Simfen prächtigmacht, ob fiefehon wenig tra⸗ 
gen. Die sufferwefentliche befteht in andern 

| Zier⸗ 








inne ſtehen, und vorne das groſſe Principal des Ma— 
nuals mir den Zugang verſetzt, hinten aber die Onintarön 
16 F. nebfinoch 3 gfuͤßigen Stimmen; überdiefes ſtehen 
die Laden auf beyden Seiten an den Wänden. 

e) Die alten haben hierinne nicht alleine gefehlt , fondern 
auch bisweilen die nenern, Man beſehe das in einem ene 
er REN *99 zu Waldershauſen. Doch 

at allda der Kirchen-Baumeiſter wohl die mehreſte 
Schuld. Ba" 

d) Ein Beyfpiel gabung vor kurzer Zeit Bindersleben nicht 
weit von hier, da der Orgel wegen das Chor der erſt 
neuerbaueten Kirche mußte anders gebauet werden. 


g10 Das 9. Capitel. 


Zierrathen, als im Schnitzwerk, Malerey u. f.f. 
Die gemeinen Regeln der Baufunft gelten hier 
auch, als: daß die aufferwefentlichen Zierra— 
then den Schein der Seftigkeit nicht verbin: 
dern ſollen. Man kann hierbey leicht des guten 
zuvielthun, daß es allzu kindiſch und abge: 
ſchmackt ausfiehet, und doch viel Unkoften ver: 
urſacht. Doc befümmert der Drgelbauer fich 
wenig umdas Schnitzwerk und Malerey. 

‚Hier befinneman fi), mas $. 107 vorgetragen 
worden von der Symmetrie und Kurhythmie, 
allwo auch der blinden Pfeifen gedacht worden, 
welche des Anfehens wegen ins Geficht aefegt wer: 
den, wozu bey mir die 2 obern runden Thuͤrmer ges 
hören (e). i | | 

Einige befondere Umftände fallen mir noch bey, 
als: Keine Schönheit kann ohne hinlängliches 
Bicht vechtin die Augen fallen. Es muß aber 
folches Licht auf die Theile der Drgel fallen, wel: 
che im &efichte ftehen, und die davon zuruͤck pral⸗ 
lende Strafen müffen in unfere Augen fallen, wenn 
wir vor der Orgel ftehen. Wenn aber hinter det 
Orgel ein Fenfter ift, durch welches eine gröflere 
Helligkeit in unfere Augen- ftralet, als. der Wie— 
derfchein der Orgel wirken Eann, fo Fann die Or— 
gel nicht recht gefehen werden (E). RER 








| RR. das Principal 8 und 4 $. 

e) In Mach Hat Schröter über das Prineipal & NWS 
J Oetave 4F. ins Geſichte geſetzt, und den Wind durch 
Roͤhren heraus geleitet. —E 
ſ) Allhier zum Auguſtinern war der mittlere ohere 5 
offen gelaffen worden , Daß die Pauken alda J 
nehmen ſollten; hinter dieſer Oeffnung war ein Febner. 


ie S ch ſchien, mar unten in bet 
Wenn nun die Sonne dadurch ſch Kirche 


Don dem Orgelbau. BER 





















‚Man giebt der Orgel fo viel möglich eine folche 
Einrihtung, daß das Gebäude nicht nur den 
darzu gewidmeten Baum ausfülle, fondern 
such in denen Bogen der Kinvichtung des 
Mufitchors aͤhnlich fey (g). | 

Die metallenen im Gefichtfiehenden Stimmen 
muͤſſen mit Marmor⸗Sand, oder durch andere 
Künfte gefeheuret, und auf Silberart polivet wer⸗ 
den; vom übrigen Pfeifwerk wäfcher man die ro— 
the Farbe auch wieder ab. Ferner 

Wo die Rückpofitive Fünnen vermieden 
Imerden, laͤſſet man fie billig weg. Denn über 
die fhon ($. 107) erjehlten Unbequemlichkei— 
ten hindern fie vielmals den freyen Gang von einer 
Seite des Chors zu der andern (h).. Noch 
mehr: | 
I Wie die Schönheit der Regifterfnöpfe, des 
|Srifbrets von Elfenbein und ſchwarz Ebenholz 
und dergleichen nicht zu vernachlaͤßigen; alſo ſind 
J hin⸗ 


Kirche die Orgel gar nicht zu ſehen; daher man ſich ent: 
ſchloß das dritte Clavier dahin zu bringen, wodurch das 
Fenſter bedeckt wurde. Denn in der Optik heißt eg: 
lumen mains offleit minori, welches der Bauvdirector 
nicht bedacht hatte. F 
18) Daher pflegt man den Orgelmachern einen Riß des vor⸗ 
feyenden Werks abzufordern, welcher bey der Orgelprobe 
gegen die Arbeit gehalten wird. | 
h) Es wäre denn, daß die Orgel erhaben über den gemeinen 
Singechor, wiebey mir, Hierzu gehören aber gewiegte 
Organiſten. Und doch iſt eg beſſer, wenn der Muſikdi— 
rector und Organiſt bisweilen miteinander unter der Mu⸗ 


IE ſprechen koͤnnen, zumal, wenn im Nothfall ein anderer 
ielen muß, | . 


/ \ 


512 Das 9. Capitel, 








Endlich möchte iemand wiffen mollen, ob 
beſſer gethan die Orgel gegen den Morgen, über den 
Altar, zu feßen, oder gegen Abend. Don jener 
Stellung hat man einige Exempel, als hier 
Alach, Wandersteben, Schmyra u.ſ.f. aberdi 
mehreften Gemeinden bauen die Drgel gegen de 
Altarüber, und diefe feheinen mehr Recht zu Bar 
ben. Denn wie bey der Auszierung eines Zih 
mers man nicht leicht alle Meublen an einen Dr 
fest, den andern aber leer laͤßt; alfo ſiehet es kahl 
aus, wenn ineiner Kirche gegen Morgen alles an 
gebracht wird , gegen Abend aber das Auge go 
nichts fehönes zum Ghegenftande hat. Man Eat 
auch durch einen Spiegel über dem Grifbrere di 
Handlungen aufden Altare beffer beobachten, tiek 





















che Bequemlichkeit fo geringenicht iſt, als fie je 
manden feheinen möchte; man kann auch alsde 


den Altar fehöner und höher anlegen, wenn ml 
zumal mit dem vielen Gelde nirgendshin weis (l 
Nicht zu gedenken, daß es auch fi) weit beit 


3) Bon deren Menge heikt die Görliger-Orgel die Son 
hen⸗Orgel. An Magdeburg waren nach der Veſch 
bung der Thumkuͤſter auch viel Sonnen; das iſt, int 
Rundung gefegte blinde, oder klingende Pfeifen 7 

x In den alten Werken findet man viel Statuen m 
Hasleben hat neuerlich) Hartung unter dem groſſen 
cipale z Statuen angebracht, in Deren Munde Dez 
Er der Pfeifen durch eine Windfuͤhrung AP 
geblafen werden. I} | 

1) In Baufahen muß man auf Reiſen viel —— 
padurch bekoͤmmt man Gedanken, ſich nad Der Beb— 


richten. 


hingegen die vielen Sonnen (i) und ander | 
der (k) nicht fehr beliebt. * | 





| 
| 


! 


Von dem Orgelbau. 6713 








ausnimmt, wenn es zuweilen heiſſen fol: ſingt ge 
gen einander u. ſ. f 
| | g 21 
Es ift fehr nüßlich von wirklich erbaueten Or⸗ 
geln, wenn fie wichtig find, die Beſchreibungen 
(Dispofitiones) zu ſammlen, denn. aus denſelbi⸗ 
gen Fann maneine Wahl der Stimmen anftellen 
bey einem vorfenenden Bau... Oder wenn iemand 
meynen wollte, er wiffe von den nöthigften Stims 
men allbereit fo viel, alszu einem Contract nöthig 
fey; fo dienen doch folche Nachrichten theils darzu, 
daß man eine Erfenntniß bekomme von dem, was 
an andern Drten üblich ,. theils was die Megifter 
ſelbſt, theils was ihre Benennungen betrift. Dies 
fe Nachrichten. find alsdenn den Neifenden diene 
lich, melche ihrer Lebensart wegen durd) das Hoͤ⸗ 
ven und Beſehen die raren Drgelftimmen ſich be 
kannt machen follen, aber ohne ſolche Befchreis 
bungen nicht wiſſen, wo dieſes oder jenes anzutref⸗ 
fen, ingleichen vb fie da oder dorthin ſolches Nuͤ— 
tzens megen reifen follen. Mein Vorrath tft nicht 
| Elein, welchen ich nicht nur durch das Seifen ers 
Tanget, fondern welchen auch gute Freunde durch 
Briefe vermehrt haben, und ichEönnte dieſes Ca⸗ 
pitel ſehr lang machen, wenn mein Buch ſo ſtark 
werden doͤrfte; zumal wenn ic) diejenigen mit eine 
rücken mollte, welche durch den Druck uns mite 
getheilt Prätorius, Mattheſon und Biermann. 
Wiewohl ich folhe ganze Werke auszufehreiben 
Bedenken tragen wuͤrde, weil man folche vor dag 
Geld leicht haben Fann. Was aber andere ge⸗ 
druckte Beſchreibungen betrifft, welche ungefähr 
einzeln in den Büchern zu finden, wirdeich ſolche 
KE wohl 





514 Das 9. Capitel. 
wohl mit einruͤcken, daß man nicht einer Orgel 


wegen ein ganz Buch kauſen muͤſſe. Dergle 
iſt die Orgel zu Um, Wansleben, Calbe, Sn | 
lau, Gorlitz, Grüningen u. ſ. w. 


Doc) ift es mir vor diefes mal unterfagt, und 
Fann hierzu vielleicht Rath werden , wenn einem | 
Verleger gefallen follte, eine Fortfegung , oder 
Nachleſe zu diefem Buche drucken zu lafen, | 
Gleichwohl will ich nach der Worfchrift des Alpha—⸗ 
bets die Dispofitiones erzehlen, melche in den 98 
druckten Werken aufzufuchen, mit der Meldung 
des Drtes, wo jede zufinden. Wo ich aber Fein 
Buch anführe, ift es ein Zeichen, daß ich folde 
felbft gefammiler habe. - H Bi 

Noch eine Abſicht habe ich bey ſolchem Regiſter. 
Nemlich es ergehet hiermit mein freundliches und 
gehorfamftes Bitten an die Beſitzer folcher Ber | 
fchreibungen, meinen Vorrath durch wichtige Wer⸗ 
Fe zu vergröffern oder zu verbeffern „ wenn fie hiets 
aus fehen, mas ich befiße; oder auch menn fie ih⸗ 
res Orts Nachrichterhalten, daß diefes oder jenes 
Werk nicht mehr in den Umftänden anzutreffen, 
inmelchen e8 geftanden zu der Zeit, da Diefe Ber | 
fhreibungen gedruckt worden, oder da ich folde | 
erhalten. Manus manum lauat. Habe id) doch, 
um meinem Nechften dienen zu koͤnnen, fo viel 
Zeit, Arbeit und Neifekoften aufmenden müflen, | 
wie diefes Buch zeigen Fann (m). 








S. 215, 


In alien ſollen die Orgeln noch in ſehr fchlechten 
— ſtehen, deren Pedal nur an das Manual 
geheftet. S. Mattheſ. Kapellmeiſter S. 466. 








Von dem Orgelbau. 515 


— 7 





ABS: Ä I 
Alach, ein Dorf hiefiges Gebietes, hat 30 
Elingende Stimmen mit 5 Nebenzügen, 
Andisleben, 4 Stunden von bier, hat 23 
Stimmen (n). 2) 
Dergen auf der Inſul Rügen; ſ. Matthef, 
Derlin zu St. Petri; f. eben daſelbſt. 
Bernau in der Mark; f.Prätor.S. 176, ‘ Er. 
Braunſchweig zu St. Blaſ. eben daſelbſt S. 
178. — * * 
—— St. Ansgarii, Stephani, unſer 
lieben Frauen; ſ. Mattheſ. Die zu St. Ste 
phan iſt 1754 den 6 Dec. im Brande verzehre 
worden. ac | | 
Breßlau; f. Praͤtor. S. 171. Doc fagt ex 
nicht, wo ſolches Werk, welches zu hören er. ſelbſt 
verlangt, angelegt worden, da doc) dafelbft mehr 
Kirchen find. Aber die grofe Orgelzu&St, Mar. 
Magdal, von deren Abrifje oben gedacht worden, 


bat fehenswürdige Dinge, 


Buckeburg; ſ. Bräter. S. 1835. 
Buͤſeleben, ein Dorf bey Erfurt (0%; 383 & 
Buttſtaͤdt in Thüringen (p). nn 


Kk 2 Zi Buͤtz⸗ 


n) Der hiefige (nun verftorbene) Schröter hat beyde in 
dieſem Jahrhundert gebauet. Kleinere Werke werde ich 
hier nicht anführen, wo fie nicht wenigftens 2 Elaviere ha; 
ben, und dergleichen kann man hier allzeit vorausfetzen. 
Denn wo 3 oder 4 Manualen übereinander zu finden, ſetze 
ich es darzu. | — 

0) Hat Schröter gebauet in dieſem Jahrhundert, 

p) Keine Stimme ift wirdig hier geneunt zu werden; aber 
die befte Zierde dieſes Werks ift der wackere Organift Herr 
0, Tobias Krebs, 


516 Das 9. Capitel. 


Buͤtzfleth bey Stade; f- Matt ef. 
Buxtehude; Matıhef. er 








| $. 216. 

Calbe hat Dulcian 16und 8 F. eine Duarte 
afach (q), das Pedal geht bie in f eingeftrichen. 

Cambery ift aus dem de Chales oft angeführt 
morden. Es find daſelbſt nicht mehr Klaviere, als 
eins, aber die Namen derer 1o Stimmen find doc) 
mehrentheils merkwuͤrdig, ı) Fornitura; 2) Fun« 
damentalis; 3) Cornu; 4) Decima quinta; 5) 
Quinta; 6) Vigefima fecunda; 7)Suauis; 7) Vi- 
_ gefima fecunda fortis; $)Duodecima; 9) Octaua 
_ Suauis; 10)Burdo. — a 

Caffel in der Freyheiter⸗Bruͤder⸗ und Schloß. 

Eirchen; f. Prätor. Bee: a 

Colberg in der H. Geiftes Kirche. 
Coͤslin; von bepdenf. Mathe 


Danzig, Don der Drgel der Marien- Kirche 
f. Prätor. ©: 162, BI: | 

In der Pfarrkirche; | 

Noch eine in derfelbigenz 

Zur Dreyfaltigkeit; 

Zu St. Fohannisz 

Zu St. Bartholomäl; un ).sh J 

Zu St. Eatharinen; f. von allen dieſen Mat⸗ 


theſ. (c). Dil: 


Wenn ich in dieſen Dispofitionen etwas nenne, welches 

ine wie dieſe Redensart; fo ſuche nt 
meine Gedanken Cap. 7. | 

3) Im vorigen Jahre wurde ich von Danzig aus verfichert, 
daß die Werke noch alle unveraͤndert allda ſtuͤnden. 





Von dem Orgelbau. 517 


Doͤllſtaͤdt, ein Dorf zu Gotha gehörig, zwi⸗ 
fchen Erfurt und Langenfalze. 

Dresden. Don der Orgel im Schloſſe f. 
Nrätor. S. 186 und Matthef. vonder in der Creuz⸗ 
firche, und in Altdresden ſ. Mattheſ. Wie die 
iegige gerathen wird, welche im Kammertone ftehen 
fol, wird fich bald zeigen. 


$. 218. 
Egſtaͤdt bey Erfurt bekam 1729 das neue 


Werk durch Wolklanden. 


Eiſenach hat in der Hof⸗ und Hauptkirche zu |? 
St. Georgen 4 Efaviere übereinander bie in e 3 


geftrichen, ein Pedal bisin e ıgeftrichen , und 60 


Stimmen. (s). — 

Elbingen. Die altſtaͤdtiſche Orgel in der lu⸗ 
theriſchen Kirche, wie auch die zu | 

Elmhorn beſchreibt Matthefon. 

Elxleben ein Dorf zu hieſiger Stadt gehoͤrig, 
bekam 1750 das neue Werk, welches ich probiren 
muͤſſen. | 
Elxleben an der Laͤngwitz, nad) Rudelſtadt 
gehörig, befam das neue Werkt751. Im Pedal 
und Manual iſt das groſſe Eis befindlich t). 

%.' 20er 
Gera,im Vogtlande hat 3 Claviere. Man befehe 
die doppelte Menfchenftimme,doppelte Flötdouce,ges 
dackte italiaͤniſche Quinte 3 F. Nachthorn,oben wie 
—— eine 





) Das ste Clavier ſoll inwendig geſtanden haben, welches 


nun weg gethan worden. Jo. Ernſt Bach iſt Organiſte 
von welchem mehr folgt $. 345. ſt Bach iſt fe, 


9 Ders. 68, Anmerf, egenannte Herr Paſtor Holzhey if 
hier anzutreffen, 


sı8 Das 9. Capitel. 


eine Harfe, Bald oder Dulcanfl. 4F. mit doppel: 
ten Labien, u. ſ. f. 4 

Giebichenſtein bey Halle hat einen Pauken⸗ 
zug, Adler, Sonne, und Trompeterzug. 

Glaucha in Halle, 

Goͤrlitz hardie Sonnenorgel; f. Boxbergens 
Defchreibung. | 

Gotha im Schloffe zum Friedenftein kann auf: 
meifen ein Geigenregal4 $. Rnopfregalg F. Dul⸗ 
cianregal HUND IF. Singendregal4 F. Den 
Drganiften, Heren Golden ifideffen Herr Sohn 
zum Nachfolger beſtimmt. Aber zu St. 

Auguftini befehe man den Dämpfer des Glo⸗ 
ckenfpiels, Zu St. | 

Margarethen ift Herr Backhaus Organift. 
Geroßgottern zwifchen Langenſalze und Mühle 
hauſen hat eine doppelte Menſchenſtimme. 
Groͤningen hat im Schloſſe ein koſtbar Werk. 
Werkmeiſters Beſchreibung iſt d. 104 bekannt ge⸗ 
macht worden; vor ihm hat Praͤtorius S. 188 
ſolches gethan, welcher aber von den Verbeſſerun⸗ 
gen nichts wiſſen koͤnnen; nach ihm ſ. Matthes 


. fon, 
$.,: 220, 

alle zu unfer 2. Sr. hat das von Prätor ©. 
177 befehriebene Werk nicht mehr; fondern Cunz 
hat 1713 das iegige Werk mit 3 Clavieren ger 
bauer, Herr Bach iſt Organiſte. (©. $. 408 eb 
was von demfelben.) | 

Zamburg hat wichtige Werke. Daszu St. 
Sacob befchreibt Prätorius ©. 168. Aber eben 
diefesnebft den Digeln | 

Zu St, Petri; 





Zu 


4 


Von dem Orgelbau. 519 


— — — — 





Zu St. Nicolai, eine groſſe und kleine; 

Zu St. Gertrud; 

Zu St. Michael, ſo verbrannt; 

Zu St. Johannis; 

Zu St. Catharinen (u); 

Zu St. Marien, nebit 

der Thumorgel beſchreibt Matthefon. 

Herbſtleben, ein Dorf zu Gotha gehörig, an 
der Unftrut, hat durch Schrötern aus Erfurt ein 
ſchoͤnes Werk bauen laſſen. 

Heſſen im Schloß ſ. Praͤtor. 189. 

Hildesheim zu St. Gothard. Eben daſelbſt 


©. 198. 

Jena hat in der Stadtkirche ein fehönes Werk 
mit Clab. Sterzing hat fie gebauet, doch nach 
des Heren Bachs Vorfhrift. ae ; 

Inſterburg in — ſ. Mattheſ. 


— 
Kerspleben bey Erfurt ließ 1720 durch unſern 
Schroͤter ein Werk bauen. | 

Kindelbruͤck Eann ung hören laſſen Trompet 8 
F. fo in der obern Octav doppelt ift, Duintbaß 
12 F. Ehoralbaffet ı $. 

Kleinbrembad) , ein erfurtifches Dorf, hat 
in dem von Schroͤtern erbaueten Werke eine 
Rauſchpf. oder Cymbel afach, wie die Befchreis 
bung lautet. Br 

Königsberg in Preuffen hat viel Orgeln, wel⸗ 
che Mattheſon beſchrieben hat, als: 

Im Kneiphof oder im Thum; 

Kk 4 die 

u) Mir war geſagt worden, daß ſolches Werk veraͤndert 

ſey; allein durch des Herrn Mattheſons Guͤtigkeit 
bin ich des Gegentheils erſt neulich verſichert morden. 


20. Das 9. Copitel, 


die altſtaͤdter; 
im Loͤbenicht; 
die koͤnigliche ESchloßorgel; 
die haberbergiſche; 

die fleindammſche; 

die ſackheimiſche; 

die Pfarrorgel. 

Kreyßen hat 3 Claviere. 


90222. 

Langendorf, ein Waiſenhaus bey Weiſſenfels, 
hat ein feines Werk. 

Langenſalze hat in der Stephang- oder Berg; 
Fische die Menfchenftinme - F. ein Slötwerf; 
Mixtur velliht ; (f.$. 121.) u. ſ. 

Leipzig zu St. Nicolai und Shomä f. Prätor. 
©. 179 und folg. Man hat mich verfichert, daß 
beyde noch ſtehen. Don einer neuen Orgel f. 
Matıhefon. 

Linderbach bey Erfurt. 

Lübeck im Thum, zu St. Petri, wie auch bey 
unſer L.Fr. f. Prätor. S. 164, aber viel beffer 
bat fie Mattheſon. 

Luͤneburg zu St. Michaelis, ſ. Mattheſ. * 
der zu St. Joh. und St. Lamberti ſ. Praͤtor. S 
170 und 233; aber Mattheſon hat es beſſer, weil 
ſich alles ſehr veraͤndert — 





62 
Magdeburg im! Sbum Ai aufzufuchen bey Ark 
x tor. ©.172, wiewohl die Befchreibung der dafigen- 
Kuͤſter ineinigen Stücken etwas anders feßet m 
' r 


w) In einer völligen Beſchreibung würde ich nicht vergefen 
ie 





Von dem Örgelbau. 521 


Er hat auch die 

zu St. Petri; 

zu St. Eatharinen; und 

zu St. Johannis. Aber fürdiefefteht ietzo ein 
ander Werk allda mit 3 Clavieren, durch Arp 
Schnittker vor 9000 Rthlr. gebauet. 
Merſeburg hat im Thum ein Werk von Täyß⸗ 
nern 1702 erbauet. Der Herr Kapellmeifter 








Roͤmhild, iegiger Muſikdirector und Organiit alle. +» 


da, hatte die Gemogenheit mir zu jeigen 4 Ela: 
wiere über einander, und am Nücfpofitto war das 7 
fünfte. Unter den 63 Stimmen merkte ih an, 
daß viel vor einigen Fahren verändert worden. 
Zu St. Maximi in der Stadt ſind 3 Claviere, 
welche Herr Gneuſt als Organiſte belebet . Das 
Kammerkoppel iſt weggethan; aber von Kammer 
Regiſtern iſt etwas allda. 

Müblberg, ein erfurtiſch Dorf, bekam 1729 
durch Wolklanden ein neues Werk, worinne das 
groſſe Cis mit angelegt worden. | 

Möblbaufen in Thüringen hat in der Ober⸗ 
marktkirche die Drgel, welche Matthefon be: 
fchreibt, mit 3 Elavieren. | | 

In der Untermarktkirche find auch 3 Glaviere. 

§. 2240 

Naumburg hat die Othmarsorgel. Im 

Thum iſt ein Singendregal 8 F. und ein Kammer⸗ 
Kk 5 kop⸗ 


die beweglichen Bilder, als Davide mit der Harfe, 
Salomons, deren Köpfe fich hin und ber drehen, einis 
ger Earl, eines Adlers, fo alles zu leben ſcheint; ans 
ee nicht zu gedenken, welche Praͤtorius nicht 
ecruͤhrt. 


522 Das 9. Capitel, 


DEE 
koppel. Nechſtens wird man eine neue bauen, die: 
fe aberim Ehore ftehen laffen, wegen der ſchoͤnen 
Intonation. In der Stadtkirche zu Sr. Wen⸗ 
ceslai iſt Organiſt Herr Alcnicol, ein Eidam des 
feel. Herrn Kapellm Bachs zu Leipzig. Die Ber 
ſchreibung des Werks, fo ich inmeinen Studenten: 
Ssahren allda mirgenommen , gilt nicht mehr, da 
Das Werk ganz geändert worden, und faftnichts 
alsdas Haus bliebenift. Das Manual geht bis 
ins e 3geſtrichen. Es iſt eins der beften Werke, 
ſo ich * | | 


$. 2 
Ollenderf, ein Det u Erfurt gehörig, bekam 
vor etwa 32 Jahren durch Volklanden eine neue 


Orgel. 
Otterndorf im Lande Hadeln beruͤhrt Matthe⸗ 


fon 
a ‚Prag hatzu St. Dominico 4 Claviere, fo alle 
Eönnen zufammen geEoppelt werden. ale Stim: 
men erzehlt Mattheſon. 

Pulßnitz befam ein neues Werk1 669 von Juſt 


Sieburg. 
$. 226. 
Riddageshauſen ſ. Bräter. ©. 199. 
. Roftoch zu St. Nicol. f. Matthefon. 
Rudelſtadt har in der Stadtorgel Rohrfl. 16 8. 
Krumhorn 8F. Do —— 


Salzburg hat nach Sambers Befärcibung 3 
Elaviere (X). Shi 


4 


x) S. mehroben 6.4179. 


Von dem Orgelbau. 523 





Schoͤningen im Schloſſe, ſ. Praͤt. S. 189. 

Schwarzburg har im Schloſſe 18 Stimmen. 
(y). Ron der Orgelzu | 

Sendomir ſ. Mattheſ. fonderlich wegen der 
fremden Benennungen, | 

Sondershauſen, f. Prätor. ©. 197. 

Stade zu St. Eosmi. ſ. Mattheſ. 

Stendsbl, f. Praͤt. S. 176. 

Stockholm, f. Matthef. 8 

Stolpe in Pommern, f. Matthef. was die 
Pfarrorgel betrifft. 
Stotternheim bey Erfurt. (z). 5 

Stralſund hatein ſtarkes Werk zu St. Nicol. 
aber ein Eleinersim Kloſter. Don beydenf. Mat 


| | $. 228 
Thoren. Mattheſon befchreibt das Werk 
In der Marienkirche; 

In der Neuſtadt; wie auch zu 

Tilfe, im brandenburgiſchen Preuſſen. Von 
dem Werke zu 

Torgau ſ. Praͤtor. S. 180. 

Udeſtaͤdt ein erfurtiſch Dorf hat zu meiner Zeit 
ein Werk durch Sterzingen bauen laſſen. 

Ulm hatte 1731 in der Orgel des Muͤnſters 
Quarta decima durchs halbe Clavier; Mixtur 6 
bis sıfach ; Clarinet 4F. Poſaun 8 F. von Ku: 
pfer, und verguldet. Von | | 

Upfal im Shum f. Matth. 

$, 229 


y) Finke hat ſolche gebauet. 
2) Weiſe von Arnſtadt hat ſie gebauet. 


524 Das 9. Lapitel, 
| $. 229. 
Waldershauſen hat ſehenswuͤrdige Umftände. 
Wandersleben zwifchen Erfurt und Ohrdruf 
hieß eine neue Orgel von Schrötern aufrichten 








1724. 
Wansleben bey Magdeburg Eann ein Echo den 
Reiſenden bekannt machen. 


Weimar hat in der Stadtkirche nichts befon- 
ders; was aber im Schloffe ein andermal wird 
merkwuͤrdiges anzuführen feyn, wird die Zeit Ich: 
ren. Dennweildas Werk anders gebauet wird, 
kann ich nichts berichten, als was ſchon jedermann 
meis, daß nehmlich der Herr Bürgemeifter Vog⸗ 
fer einer der ſtaͤrkſten Spieler ſey. 

Weiſſenfels hatein Werk im Schloffe, welches 
Ehriftian Foͤrner gemacht, und Troſt beſchrie⸗ 


ben. Ä 

Wuͤrzen, f. Matthef. 

Simmern bey Erfurt, mit dem Beynamen u- 
pra, harangefchraubte Ladenventile. 

Diefes Hegifter mar vollftändiger entworfen; 
aber es mußte abgekürzt werden, um das Bud) 
nicht zu vergröffern. 


5 230. 

Das dritte Stück unfers Eapitels betrifft den 
Contract, welcher mit dem Orgelmacher aufzurich- 
tenift, wozu fuͤrwahr mehr gehöret, als daß einer. 
ein guter Spieler fey. Wer darzu will gezogen 
werden, muß zugleich ein guter DOrgelmacher (dem 
Wiſſen nach) feyn, damit er den vorfeyenden Bau 
recht wiſſe anzugeben, unter waͤhrender u 

eißige 


Don dem Örgelbau. 525 


fleißige Aufficht zu haben, und endlich das Werk 
probiren koͤnne. 


1 $ 231. 

Wenn es möglich feyn will, foll man einen Mei⸗ 
ſter wehlen, welcher durch wichtige Werke ſeine 
Geſchicklichkeit ſchon gezeiget hat; welcher die noͤ⸗ 
thigften Arten des Holzes von vielen Jahren ber 
vorräthig hat; welcher als ein ehrliebender Mann 
gemohntift lieber wenig zu verfprechen , und mehr 
zuthun, alsdaß er follte viel zufagen , und wenig 
erfüllen. Man verfchenke denen Kirchen und Ges 
meinden nichts; aber man drücke auch die Arbeiter 
nicht über die Gebühr. Der Eontratt wird billig 
ſchriftlich gemacht ; und fonderlich wenn die Neu⸗ 
linge Orgeln bauen füllen, muß man ſich die Mühe 
nicht verdrieffen laffen , das mehrefte aufzufegen, 
was zur Vollfommenheit eines Werks gehoͤret. 
Schwarz und weiß ſind die beſten Schiedsrich⸗ 
ter (a). 8 — —* ee re 7 

\ $. 252, ’E la 3 44 

Es ift nicht möglich hierher zu ſetzen, was im Con⸗ 

traste zu berühren ; denn es müßten die in vorigen 
n | Caopi⸗ 


a) Man kehre ſich daran nicht, daß man von einigen Orgel⸗ 
machern verſichert iſt, daß ſie auch ohne Vorſchrift eine 
Kirche verwahren, und ihren ehrlichen Namen zu erhal⸗ 
ten Kachten werden. Denn erſtlich haben ſolche Herru 
nicht allezeit einerley Gehuͤlfen; zweytens find. fie Men⸗ 
fchen, und folglich der Veränderung und Sterblichkeit un⸗ 
terworfen, und mas will man mit den Hinterbliebenen ans 
fangen ohne Schwarz und Weig? Drittens ; wenn man 
einem nachſiehet, will der anders es auch ſo haben, Daber 
Verdruß entſtehen kann. 


526 Das 9. Capitel. 








Capiteln erzehlten Vollkommenheiten zum 2renmaf 
berührt werden. Wer ſich diefer Sache unterzieht, 
mag das nöthiafte herausnehmen. Sonderlich 
iftdie Güte des Meralls genau zu beftimmen, auch 
zum Voraus dem Eontracte einzuverleiben, daß 
bey der Probe unvermehrt feyn foll, eine oder einige 
reifen einzufchmeiien, um durch das Gewicht 
den Gehalt des Zinns genauer zu erforfchen. Die 
Stimmen find alle zu beftimmen der Gröffe nach, 
von welcher Materie, mie vielfach fie werden follen, 
Am weitläuftiaften muß mandie Anlage der La— 
de befchreiben, nach $. 108, u. folgg. So aud) 
die Anzahl, Groͤſſe und Beſchaffenheit der Baͤlge, 
und was mehr von innern und aͤuſſern Theilen der 
Orgel oben vorgetragen worden. Die gleichſchwe⸗ 
bende Temperatur wird bey uns vorzufchreiben nie 


vergeffen.. ’ 
BIER > 90. en 
Es wird auch im Eontracte berührt, wie viel, 
und auf welche Termine, vor die Arbeit folle bezah⸗ 
let werden; e8 wird. ausgedungen, ob der Orgel⸗ 
macher.folle vor die Materialien ftehen oder. nicht; 
zu welcher Zeit die Orgel folle gefest werden; ob 
über dem Segen ihnen die Koſt und freyes Quar⸗ 
tier müffe gegeben werden, und zwar wie lange, in⸗ 
gleichen wie vielen ‘Perfonen. Ferner, wie viel ander 
Zahlung zurücke bleiben müfe, bis die Orgelprobe 
gefchehen; ingleichen mie viel folle ftehen bleiben, 
big die beſtimmte Gemährleiftung —— (6). 
| enn 


b) Wenn dad Geld weg iſt, was hilft die Probe? Und 


Von dem Orgelban. 527 


Wenn die Kirche vordie Materialien forgen muß, 
wird auch die Arbeit vom Anfange bis zum Ende 
in einem Kirchenhaufe gefchehen müfen, daß Fein 
Argmwohngegen die Arbeiter entftehe , wegen eini⸗ 
ger Entwendung, unddaß auch die Abgänge dem 
rechten Herrn bejfer überlaffen werden koͤnnen. 








ger.) Wann Ä 

Bo nicht viel Geld vorräthig, laffe man zum we⸗ 
nigftenaufder Lade Raum zu mehrern Stimmen, 
weiche man über Eurz oder lang noch möglich zu ma: 
chen gedenfet, wenn man auch nicht allzeit vorher 
meis, wenn oder wie folches werde möglic) werden. 
Man Eann auch) die Koften fparen, wenn grobe 
Stimmen, welche man fonft von Metall macht, 
von Holz werden, menigftens in den untern Octa⸗ 
ven (c). Und wenn in ſolchem Fall der Orgelma⸗ 
cher nicht verftünde auseiner Rundung der metalle- 
nen Pfeife ein Viereck vorgine hölzerne zu machen, 
daß das cubifche Maß der Weite einerley ve 
em 


oft ſich viel Fehler entdecken, wenn nach einem oder 2 Jah—⸗ 
ven das Werk ſich gefegt, oder ausgedorret; fo follte bil: 
lig auch darauf gefehen , und fo Lange etwas inne behalten 
werden, Es muß aber alsdenn jemand auf dag neuelim« 
terfuchen, wie fich Die Lade und die Bälge befinden ; denn 
auf diefe 2 Stücke wird diefe Gemährleiftung ſich vornehm⸗ 
lich erſtrecken. Zu Halle, allwo zu unfer L. Sr, dag 
Werf faft 7000 Rthlr. zu ſtehen kam, bebielte mar 1500 
Thaler zuruͤck, bis nach der Probe, und nachdem diefe gen 
fehehen, noch 400, bis ı völlig Jahr verfloſſen. Dover 
der Orgelmacher, zumal wenn er ein Fremder, oder nicht 
angefeffen if, muß einen Buͤrgen ſchaffen. | 

€) Die unterfte Dctave meiner Duintatön 16 F. ließ ich des⸗ 
wegen von Holz machen, welches viel Gemeinden zeither 
nachgethan. 


s28 Das 9. Capitel. 








—— 





dem kann man aus der Lehre der Feldmeffer zu Huͤl⸗ 
fe kommen. Denn wenn die Pfeifenlängeeinerlen 
ſeyn muß, fofehlt nichtsmehr an der Gleichheit des 
cubifchen Innhalts, als daß man nach dem Vor: 
fehlage des Archimedes die Dusdraturdes Cir⸗ 
Fels berechne , und den Innhalt eines Cirkels ge: 
gen den Innhalt des Duadrats halte. Oder, mel: 
ches gleichviel, nach der Aufgabe des von Eeulen 
und anderer mehr (d). Beil auch das Zinn theuer 
ift, und gleichwohl aus allzu vielem Zufag des 
Bleyes auch nicht viel Gutes zu entftehen pflegt; 
fo haben manche gefucht durch den Regulum das 
Bley zu erhöhen; aberesmacht auch viel Verdruß 
den Regulun aus dem Antimonto zu ziehen, ift auch 
der Geſundheit ſchaͤdlich. Mitzler will nicht dar⸗ 
zu anrathen, weil die wenigſten den Proceß recht 
wuͤſten, und weil oft die Unkoſten groͤſſer, als der 
Gewinn. Er verſpricht ein Geheimniß zu entde— 
cken, das Bley beynahe dem Zinne gleich zu machen, 
und das Zinn wie Silber, und ſey jenes beſſer, als 
| wenn 


d) Man fchlage die Bücher felbft nach, fo wird man finden, 
daß nach der Proportionsregel alles leicht zu erforſchen. 
Man Faller mit dem Zirkel den Durchmeſſer der metalles 
wen Pfeife, und fucht, wie viel Zolle und Linien folcher 
Halte; alsdenn findet man den Umlauf, wennesheillet: 
7 giebt 22, was giebt mein Durchmeſſer? Den Umlauf 
multiplicivt mit dem gten Theil des Durchmeſſers, ſo 
Eomme der quadratifche Innhalt. Alsdenn ſucht ein Duas 
drat, To gleichen Innhalt hat mit ſolcher Cirkelflaͤche, 
wenn ihrfagt: wie 785 zu 1000, fo Die gefundene Cirkel— 
flähe zu einem Quadrat, Hieraus sicht die Quadratwur— 
gel, fo habt ihr die Breite der hölzernen Pfeiſe im Lich⸗ 
gen, | | 


Von dem Örgelbau, 529 
wenn man. halb Bley und halb Zinn nahme 


€) 

r ide das Zinn nicht allzu fpröde, fo Fann man 
die Pfeifenplarten härten durch das Haͤmmern (f). 
An feuchten Orten hüre man füch fonderlich vor vie- 
lem Bley. Was ekele Stimmen find, ingfeichen 
die, fo zur Schärfe dienen, mollen auch gut Mes 
tal haben, alsdenn kann man den Wind frärfer 
machen, folglich wird der Klang munterer (g). 
Was $. 124 gemeldet worden, ‚von der Verdop⸗ 
pelung der Züge, dient auch zur Verminderung 
der Roften,und zur Vermehrung der Weraͤnderun⸗ 
gen. Jawo nur 1Ñ Elavier, auch wohl gar ohne 
Medal, koͤnnen alle Stimmen 2 Zuge. haben. Mir 
hat es wenigftens mohl gefallen, und Eoftet nicht 
viel, an: i ET 

ge Sa da, RR 

Was endlich die Koſten betrifft eines zu erbauen: 
den Werks, fofind Zeit, Derter, und die Arbeis 
ternicht gleid. Zu mancher Zeit iſt alles thener ; 
folglich Eann man die Gefellen mit feichten Koſten 
nicht unterhalten. An einigen Drten ift überhaupt 
Eoftbarer etwas machen zu laffen ; wie 3. Ex in Leip⸗ 
zig Bein Buchbinder etwas arbeiten wird vor den in 
Erfurtgemöhnlichen Preiß, und fo mit andern Sa⸗ 

ER U chen 

€) = I, P. IV, allwo ev Werkmeiſters Orgelprobe durch⸗ 
geyt. Aue | | \ 
f) Diefes prafticirte Volkland zu Mihlberg. 
g) In der Ulmer Orgel, welche Frick befchreidt , it lauter 
Zinn Zu Naumburg in der Stadrfirche find auch die inne 
wendigen ſcharfen Stimmen ale vun Zinn. Aber bey uns 
heißt es mehrentheils: leicht Geld, leichte Waare. 


530 Das 9. Capitel, 





chen mehr; folglich würde eine Orgel, melche un: 
fere Drgelbauer vor 1000 Thaler verfertigen, we— 
nigftens allda 2 bis zooo Foften. Die Arbeiter 
find auch nicht alle gleich ehrlich und gleich genäg- 
ſam; alſo muß man nicht deshöhern Preiſſes we⸗ 
gen ein Werk vor dem andern erheben, indem man 
Exempel hat, daß ein wohlfeileres beſſer gerathen, 
als ein anderes, welches 2, 3 und mehrmal theu⸗ 
rer geweſen. Ein Beyſpiel kann die Orgel zu Jena 
inder Stadtkirche ſeyn, welche 2500 Thaler geko— 
ſtet, deren Stimmen nach der Groͤſſe, und Viel⸗ 
heit der Pfeifen ich gehalten habe gegen die vorige zu 
St. Wencest. in Naumburg, welche 8 bis 10000 
Thaler gekoſtet. Und jene war dieſer weit vorzuzie⸗ 
hen, da doch in ſolche Rechnung nicht gebracht wor⸗ 
den, daß die letztere der innern Guͤte nach nicht viel 
taugte, und nach ſo wenig Jahren anders hat muͤſ⸗ 
fen gebauet werden (bh). | * 


Wollte jemand inſonderheit das Metall berech⸗ 
nen, der muͤßte die Stimmen einzeln wiegen, wobey 
aber das ungleiche Gewicht des Zinns und Bleyes 
wohl muß mit in die Rechnung kommen. S. da⸗ 
von Werkmeiſt. Drgelpr. und aus ihm Mitzler V. 
L,P,1V, ©.34 (). Soviel iſt gewis, y,; die 

| | or⸗ 


h) Vielleicht giebt es Gelegenheit dem Leſer mit der Zeit ſol⸗ 
he Vergleichung umſtaͤndlich vorzulegen. — 


i) Es dient ſolcher Unterricht darzu, daß die Orgelbauer uns 
nichts koͤunen vorſchwatzen; auch wenn eine Kirche ſelbſt 
vor die Materialien ſtehen will, daß fie die Anzahl der 
Eentner ohngefähr berechnen koͤnne. Welche Stimmen nicht 
berühre worden , koͤnnen nach der Groͤſſe doch — 

erden. 


Von dem Örgelbau. 531 
Vorfahren mehr angewendet an den Orgelbau, als 
ietzo geſchiehet, weil der Arbeiter ietzo weit mehr 
ſind. Jede Stadt hat ihre Orgelmacher; ja bey 
uns ſind deren 4, welche als wirkliche Unterthanen 
dazu berechtiget geachtet werden, derer nicht zu ge⸗ 
denken, welche auf den Doͤrfern als Schreiner in 
dieſer Sache Fuſcherey treiben. Die Freygebig⸗ 
keit der Alten erfieher man aus dem Aufwand nad) 
dem Bauen. Zu Grüningen murde fehlechte Ars 
beit gemacht, und doch verfehenfte man nach der 
Probe 3090 Thaler an die Probiften baar, ohne 
was verzehrt worden. Den Preiß der Orgel zu 
Ulm weiß ich zwar nicht, wohl aber, daß der Or— 
gelmacher ein Gefchenke erhalten von 90 > Fl. und 
noch fo viel Wein,als die größte Pfeife faffen konn⸗ 
te, nehmlich 315 ulmer Maß. — 

Nach der Menge und Art der Stimmen richtet 
ſich der Preiß am meiſten (k); daher nur noch mit 
wenig Worten zu ſagen iſt, was eine Dispoſition 
vor Stimmen haben muͤſſe. Es muß vorher be⸗ 
kannt ſeyn, wie viel aufs hoͤchſte der Bau koſten 
ſolle; und nach ſolcher Erklaͤrung richtet man das 
Augenmerk ı) auf noͤthige, 2) auf anmuthige 

21-2 Stim⸗ 


werden. Was die Menſur veraͤndert, und was im 
Feuer abgeht, wird abgerechnet. Bey der ganzen Sa— 
he iftfehr wohlgerhan , wenn man alleıhand Contracte 
fiefet, unter welchen ich einige habe, worinne dag Gewicht 
und der Aufchlagdes Holzes, Leders, Leims u ſ. ſ. mit bes 
—* worden, woraus man nach und nach geuͤbte Sinnen 
bekommen kann. Pt 

k) Doc ift nicht wohlgethan, die Forderung lediglich auf 
die Dispofition zu gründen, fondern der völlige Innhalt 
a Umſtaͤnde muß erſt dem Drgelbamer vorgelegt wer: 

en, 





532 Das 10. Capitel. 


— — — 





Stimmen. Die noͤthigen dienen a) zur Schaͤrfe, 
b) zur Grabitaͤt. Mann kann alfo die Principale, 
Octaven, eine Mixtur, ein Gedact oder Quinta— 
toͤn 8 F. nebft einem Subtaß ı6und Detavbaß 
85. nicht entbehren, und wenn die Orgel noch fo 
gering. Aber wo es beffer werden foll, und mo 
nebft 2 oder 3 Elavieren das Hauptmanual foll 
sfüßig feyn, muß im Hauptmanual billig Quinta 
tön 16 F. feyn, oder welches zum Saufen wegen 
des geſchwindern Anfpruchs weit beffer, ein Bor: 
dun 16 8. nebftder Eymbel, Sesquialter u. f. f. 
Ron mwillführlihen Stimmen wehlt man nad) 
Belieben Floͤtwerke, als die Dueerflöte, Violdi— 
gambe, Gemshorn u.f. w. oder Schnarrwerke, 
als Sagott, Trompet, Bombard; und was in eis 
nem Elavierenicht Raum hat, fest manin diean- 
dern, Einftarf Pedalkann nebft 32 und 16füßi: 
gen Subbäffen auch haben ı oder 2 Pofaunen, den 
Principalbaß, ı oder 2 Violonbäffe, ı oder mehr 
Oectaven, Mirturen, Trompeten und dergleichen. 
Daß ich es Eurz faffe: man laffe das 7te Eapitel 
Sich recommendirt feyn,und nehme daraus mit Der: 
fiande, mas jedem gefällt. 


Das zehente Capitel. 


Von der Probe eines Orgel⸗ 
werke. | 


$.236, Ob Organiften oder Orgelmacher folche thun follen ? 
9,237 was zu — wenn ſie vor dem Claviere 
ſitzen? $. 238. wornach fie inwendig zu fehen haben? $. 
"239, von den Bälgen und dem Winde; 9.240 = * 
⸗ 


Von der Probe eines Orgelwerks. 533 


Windwage; $. 241 was nach der Probe zu thun? 9. 242 
noch einige Nebenfragen. 9. 243 Bon einigen Drgeb 
machern. 


§. 236. 

Is koͤnnen bey den Orgelmachern fo wohl die 
Fehler des Verſtandes, als des Willens 
eine Urſache ſeyn, warum die Gemeinden 

nicht allezeit mit guten Werken verſehen werden. 
Dasift, mancher Arbeiter will nicht ehrlich feyn, 
mancher verfteht die Sache nicht, und ift niche 
reich an guten Einfällen. Wenn nun zumahl die 
PBoshaftigen fich vor Eeiner Unterfuchung und einer 
darauf folgenden Ahndung zu fürchten hätten, fo 
würden fie ihre Dinge noch fhlechter machen ; wor⸗ 
aus erhellet, daß die uralte Gewohnheit die Or⸗ 
geln zu probiren billig beybehalten werde. Vor 
Zeiten war es eine koſtbare Handlung , wie $. 235 
von der Probe zu Grüningen gemeldet worden; 
heut zu Tage, da man die Probiften nicht von fer⸗ 
nen Orten mit groffer Beſchwerlichkeit beyholen 
muß, hat es micdenen Unkoſten fo viel nicht zu bes 
deuten, ob man fchon niemanden zu zumuthen hat, 
daß er an allen Orten ohn Unterfchied folche ver: 
drießliche Verrichtung umfonft unternehmen fol 


le (a). 
gl 3 Doch 


3) Hier zu Pande wirdfint einigen Jahren her durch ſolche 
Arbeit wenig verdient, kaum fo viel, als man dabey an 
MWäfche und Kleidung verdirber, und unterdeſſen zu Haufe 
verfäumer; da doch der auszufichende Berdruß durch die 
reine Wahrbeit bey einigen higigen und unhöflichen Orgel⸗ 

machern fuͤrwahr nicht geringe iſt. Und gleichwohl e 

| en 


34 Das 10. Gipitel. 


in —— 
“Doch wird hier billig gefragt: Iſt es beffer fol: 

he Unterfuchungen den Hrganiſten aufzuttagen, 
oder den Orgelmachern? Ich antworte: wenn ein 
Organifteden Drgelbau nicht inne hat, und nichte 
veriteht, als dag Spielen, fo Fann er zwar dasje- 
nige beuttheilen, mas zum Klange gehört, inglei- 
chen was das Fractament des Grifbrets betrifft; 
aber von dem Bau felbft , und denen obgedachten 
Fehlern oder Vollkommenheiten Eann er wenig wiſ—⸗ 
fen, folglich wär ihm ein Orgelmacher an die Seite 
zufegen ; aber wenn ein Drganift zugleich ein Ken⸗ 
ner iſt aller Umſtaͤnde, welche Lob oder Tadel vers 
dienen, fo wird es am beften durch ihn alleın bee 
forget, meil der Handmerksneid fehr groß, und 
(nam figulus figulum odit) mancher nur deswegen 
eines andern Arbeit niederfchlagen will, damit er 
allein als ein Künftlee andern vorgezogen werde. 
Ja mancher hat befondere Einfälle beym Drgelbau, 
welche er andern durch folche Befichtigung nicht will 
befannt machen (b). Wenn eine Gemeinde viel 
| weg⸗ 


den ſich einige, welche gerne ſaͤhen, wenn man es gar um— 
ſonſt thaͤte, ex confideratione cauſſae piae, und weil 
dieſelbigen hartnäckig halten uͤber die ſogenannten Conſum— 
tionsgeſetze, nach welchen jeder, ſonderlich der Reiche, das 
behäl:, was er hat, die Armen aber Noth leiden muͤſſen. 
Aber wie will man die Kuͤnſtler aufmuntern , fih folchen 
Handlungen zuunterzichen, bey welchen Feine Feindfchaft 
zu ſcheuen, Feine Perfon anzufehen, und zu welchen man 
fi) durch Die Reifen und Befichtigungen fo vielerley Arten 

er Arbeit, Folglich durch viel Koſten geſchickt zu machen 
haben muß? 


b) Laͤcherlich iſt es, menn einige Orgelbauer mit ihrer vor⸗ 
zuͤolichen Wiſſenſchafſt ſich aufblafen, daß fie berſten ur 
en, 


Don der Orgelprobe. 535 
EEE 





wegzuwerfen hat, kann ſie nach alter Art auch 
mehrere Kuͤnſtier zugleich herbey kommen laſſen. 


4. 237. 

Ehe man ſich in die Hoͤhe begiebt, nimmt man 

den Riß vor ſich, und unterſucht, ob die Figur 
des Gebäudes damit überein komme; ob die Anzahl 
und Geftalt der Felder und Thuͤrme eintreffe; ob 
jedes Negifter feine gewöhnliche Art habe; ob ein 
Glavis fo ftarfElinge, als fein Nachbar ; (wenig⸗ 
ftens muß der Unterſchied nicht fehr merklich ſeyn;) 
ob die Temperatur des Principals nach der Vor⸗ 
fehrift eingerichtet; ob jede Stimme mit: denfel: 
bigen vollkommen vein eingeſtimmt fey (c); wovon 
ich auch die Schnarrwerke nicht ausnehme, weil 
man auch erfahren muß , ob diefe beftändig find, 
ſo weit es ihre Art erlaube. Man erfährt ferner 
ig durch 


ten, wieder befannte Froſch beym Phaͤdrus; daß fie glaus 
ben, es gäbe feine Organıften , welche eben fo weit fehen 
koͤnnten in mechaniſchen, geometrifchen und architeftonis 
ſchen Dingen, als fie. Irret eud) nicht! ‚hinter dem Ders 
ge wohnen auch Kante. Bielleicht hat mancher Organi 
mehr Orgeln befehen, als ihr, mehr hierzu dienliche Buͤ⸗ 
eher gelefen, alsihr geſehen habt, oderin der Welt zu ſeyn 
alauben koͤnnet, auc) Daher vielleicht mehr Einficht erlans 
ger, als ihr vonihm vermuthet; nur findet er ctwa feinen 
Gefallen an Auffchneidereyen in eurer Gegenwart, Wie 
fteht aber des er fein miles gloriofus hernach ſo ber 
fhamt, wenn feine Arbeit nicht ſo gerachen ? Wenn es 
heißt: parruriunt monses,najterur ridicnins mas? Exem- 
pla funt in promtu, fed odiofa. 

e) Sch wollte nicht rathen, die Probe anzufiellen vor der letz⸗ 
ten Einſtimmung, weil man deren Unterlajfung misbrau⸗ 
chen kann zur Bedeckung der Fehler. 


536 Das 10. Capitel. 


ö—— — — —— 





durch das Fuͤhlen, ob eine Taſte ſo ſchwer zu druͤ⸗ 
cken, als die andere, nicht nur im Manual, ſon⸗ 
dern auch im Pedal; wiewohl ſolches auch durch 
ein zugerichtetes Stuͤck Bley kann unterſucht 
werden. Man beurtheilt, ob ſie etwa insgeſamt 
zu ſchwer ſind, nach eben dem Bleygewichte. 
Durch ein Viertelpfund Bley werden’ meine Ma: 
nualtaften mehrentheils zum Fallen gebracht ; und 
es follte billig Eein Manualclavier ſchwerer zu drü: 
cken ſeyn, als das meinige, wenngleich der Wind 
die Ventile andruͤckt; auch keins ſchwerer, als das 
andere, inebendem Werke. Man hat auch zu 
befehen die Taſtatur, Regiſterknoͤpfe, und was 
ſich denen Augen vor der Orgel mehr darſtellt. 


Man lege die Taſten bey dem vollen Werke ganz 
ſanfte nieder, und beobachte, ſonderlich in der Dies 
fe, ob der völlige Klang aller Stimnien in gebuͤh⸗ 
render Reinigkeit vernommen werde (d); man ers 
fahre aber auch durch ein wiederholtes Schnellen, 
ſonderlich in der Tiefe, ob der Klang in der Ge— 
ſchwindigkeit folge, denn wiedrigenfalls koͤnnte man 
kein Laufwerk auf ſolchen Werken anbringen. Man 
beobachte, ob die Taſten im Anfange des Nieder: 
druͤckens fich ſchwerlich bewegen, ob fi. ſchon nach: 
her gutwillig fallen; denn dieſes ;eiget von der Lin: 
richtigkeit, fonderlich von der Kürze der Se: 
dein. 
Man fpiele ferner das volle Werk abgeſtoſſen, 
ſtaccato) und beobachte ,; gp.Die obern Dctaven 
| — * 
3) In Nottlehen, einem hieſigen Dorfe, blieb im vollen 


Werke der Klang der groſſen Octave in ſolchem Falle ganz 
und gar zuruͤck, oder es war cin ſchwacher Hauch. 


Von der Orgelprobe. 537 
ſehr ſchwanken oder ſchluchſen, wenn die untern 
allzuviel Wind wegnehmen, zum Zeichen, daß der 
Einfall des Windesnicht ftarfigenung. Und hier⸗ 
anfind ſchuld die allzu engen Canaͤle, oder die allzu 
niedrigen Windkaſten, wie auch wenn allzu wenige 
Einfälle in den Windkaſten gemacht worden; wie 
hingegen an der Unreinigkeit und Schwaͤche des vol⸗ 
fen Werks, tiber die vorigenehler , die allzu nie⸗ 
drige Lade kann Urfache ſeyn (e). 


gg | 

Alsdenn ſteiget man indie Höhe, und befiehet 
das Pfeifwerk, ob alles ordentlich und Dem Eon: 
tracte gemäß; ob die Pfeifen rund, oder eingebo: 
gen; ob etwas eingehänget; ob diejenigen zum 
Fheil gedeckt, melche völlig offen ſeyn follten, ob 
erwa an den groffen der hintere Theil von ſchlechte⸗ 
ver Materie. Man läffet durch einen zuvor wohl 
unterrichteten Gehuͤlfen alle Negifter abziehen, und 
mit beyden Armen, oder beffer, durch ein zugerich⸗ 
tetes Holz die ganze Taſtatur zugleich niederdrüs 
cken, und beobachtet genau, ob etwa ein Ziſchen, 
oder ein Durchftechen vernommen wird, welches 
ein Zeichen, daß die Parallelen nicht wohl decken ; 
zugleich geht man nach den Baͤlgen, um zu feben, 
0b fie geſchwinder laufen, als fonft, melches auch 
nicht ſeyn darf (£). Eine andere Art des Durch» 
Ä äh ſtechens 


e) Dieſer Fehler laͤſſet ſich gar nicht ändern, und iſt der als 
lerwichtigge. Selber Drgelmacher wird billig ange 
halten neue Laden zu machen, wenn dag Schwanfen alls 
zu ſtark zu hören ; weil auf folchen Werken nichts rechtes 
zu ſpielen iſt. 

£) Aber einige Orgelmacher, welche vor ſolcher ri 

ung 


5 38 Das 10. Capitel. 


ftechens iſt, wenn bisweilen zwifchen 2 Pfeifen die 
mittlere ſich zugleich hören läßt , weil bey einem 
Fundamentbrete der Wind aus einer Cancelle 
kann in eine andere fchletchen, oder Eann unter den 
“Parallelen einen Weg finden, den er nicht gehen 
follte. Diefer Sehler wird entdeckt, wenn der Ses 
cundante nach Beſchaffenheit der Felder und 
Shürme durch verfihiedene Stimmen bisweilen 
Secunden zufammen anfchlägt, und durch das 
Grifbret fortgeht; bismeilen aber muß man die 
groffen Fertien darzu nehmen, da unterdeffen die 
Hauptperfon oben genau beobachtet, ob etiwa mehr, 
als folche 2 Klänge, vernommen werden. Ja bie; 
meilen find die Pfeifen fo aeftellt, daß durch) ver 
gröfferte Quinten muß verfahren werden (g). 


Aber, wie die Rinder diefer Welt oft in ihrer 
Sache Elüger find, als die Rinder des Lichts; jo 
haben auch die unrichtigen Arbeiter, wenn fie bey 
Zeiten Unrath vermerken, mehrals ein Mittel im 
Gebrauch, ſolches Ducchftechen zu u 

ſo 








hung ſich wegen ſchlechter Arbeit zu fuͤrchten haben, ma 
hen irgendswo ein heimlich Eperrventil, und ftellen einen 
darzu abgerichteten von ihrer Gefellfihaft an den Ort, da: 
durch den Wind von der Kade abzuhalten; fo Fann freylich 
nichts vernommen werden, Uber wider diefe Liſt muß 
unfer Gehuͤlfe Rath zufchaffen wiffen, wenn er unter dem 
Niederdruͤcken der Taftatur ungefähr ein Regiſter heraus— 
sicher, um zu hören, ob Wind in der Eade fey oder 
nicht. | 
Wer fich wundert, daß ich hier nicht zufrieden bin, wie 
ae 9 den groffen Tertien , der verrätb fih, daß 
er wenig Werke mit hinlänglicher Aufmerkſamkeit ber 


trachtet« 


Von der Orgelprobe. 539 


— 


Alſo muß man die Loͤcher der Pfeifen anſehen, 
ob ſie wie ein Stern gebrannt ſind; ob am Fuß der 
Pfeife etwas eingekniept, oder ein Loch auf der 
Seite eingebohrt ſey; man laͤßt einige Stoͤcke ab⸗ 
ſchrauben, ob fie etwa Linſchnitte haben; man 
nuͤnmt einige Parallelen weg, ob etwa Schnitte 
in der Lade zu finden; mandurchfucht die Lade feit- 
woaͤrts, und wo man Eann beyfommen , ob durch 
Stiegenfehnäpper, ſpaniſche Beiter und ders 
gleichen der Wind zum Shell meggeleitet worden, 
umihnzu ſchwaͤchen, und ſolch Zufammenftechen 
su hindern. Manche Pfeifen, als die Flöttravers, 
vertragen einen ftarfen Wind, und es Fann nad) 
gefehen werden, ob unten am Fuſſe die Oeffnung 
mit Eleinen Hoͤlzergen jugefteckt, welches auch nicht 
zu duften, weil ſie ausfallen Eönnen; fondern man 
muß es beffer zulöthen. Endlich nimmt man eine 
Pfeife der zinnernen Stimmen , ingleichen eine 
anderevon denen, ſo aus Bley und Zinn gemifcht 
heiffen follen, mit fich herab, um folche einzuſchmel⸗ 
sen, und in dem darzu mitgenommenen Kugelforme 
Rugeln zu gieffen in völliger Aehnlichkeit mit denen, 
welche man aus beyderley Materie zu Haufe hierzu 
vorräthig gehabt. Wenn die neue Kyugelaufeiner 
zarten Wage gegen die alte gehalten, und merElich 
ſchwerer erfunden wird, iſt es ein Zeichen, daß die 
Pfeifen mehr Bley enthalten, als verdungen wor⸗ 

den, welches man auch zu ahnden wiſſen mird. 
Wer das Metall aber durch den Strich zu pro: 
biren weis, kommt geſchwinder davon. Oder mo 
jemanden die Aufſicht uͤber den Bau aufgetragen 
worden, kann er die Guͤte der Platten durch die 
Abgaͤnge unterſuchen, und bey verſpuͤrter Ba 
wider: 


540 Das 10, Capitel. 


—— nn nn 
widerſteht er bey Zeit diefer Pfeifenmacheren, fo 
darf man nicht beforgen, daß das ganze Merk ver; 
pfufiht werde. Denn mer willam Ende dag ſaͤmmt⸗ 
liche Pfeifwerk umſchmelzen? | 


$. 239. 


Man befieher und unterfucht endlich die Baͤlge 
nebft dem Winde durch Beyhülfe einer Wind⸗ 
wage alſo. Man miſſet die Bälge nad) der Länge 
und Breite; (denn in deren Anzahl wird doch wohl 
kein Sehler mit unterlaufen); man beurtheilet die 
Stärke der Platten, das Leder, die Menge der 
Roßsdern, melcheman mehrentheils fühlen Eann ; 
man befichet die Guͤte des Holzes, ob es fehr Äftig, 
ob es mit Leim fleißig ausgegoffen, und ob die 
verdächtigen Orte mit Pergament oder Feder ver: 
wahret worden; ob die Kangventile groß genung, 
und mitdoppelten Slügeln; ob fie gut aufachen, 
und nachdem genau fchlieffen; ob derHebel (Calcan⸗ 
tenclavis) mitder Unterlage die rechte Stellung 
habe, daß nicht eben der ſtaͤrkſte Menſch allezeit noͤ⸗ 
thig ſey zum Treten, daß er aber auch Eeinen unge: 
heuren Raum durchlaufen muͤſſe; ob der untern 
Matte Hintercheil abwärts hange, zumal wenn 
esausbedungen worden; ob die aufgefeßten Ge⸗ 
wichte zwiſchen ihren Leiften fefte liegen, daß fie 
fich nicht verrücken Eönnen; ob endlich die Baͤlge 
fo angelegt, dab man im Nothfall zu ſolchen kom⸗ 
men koͤnne. Ä 

Nun ſucht man die Canäle auf, und betrachtet 
fo wohl die Gröffe derer , in welchen aller Wind 
beyfanmen, als auch derer, Durch welche der — 

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Von der Orgelprobe. sql 


nach diefer oder jener Lade abgeführt wird (b). 
Denn wenn die Canaͤle Feine hinlängliche Weite 
haben, wird auch das Werk Eeinen tüchtigen 
Klang haben Eönnen. Alsdenn läßt man fich die 
gebohrte Deffnung des Canals zeigen, in welcher 
die Windwage anzuhängen, nachdem man fie 
Gumal an dunfeln Orten) mit gefärbtem Waſſer 
gefüller hat. Man laͤßt einen Balg allein treten, 
und fihiebt den um die gläferne Röhre figenden 
Faden fohoch, alsdas Waſſer fleigt, und beobach⸗ 
tet diefe Höhe bey dem böchften Stande des Bal⸗ 
ges, bey dem mittlern und niedrigften; den Uns 
terfchied, zumal wenn er fehr merklich, bemerket 
man durch ein angehaltenes Mabftäbgen, und 
bringet ihn hernach zu Papiere. Auf ſolche Art 
verfährt man mitallen noch übrigen Bälgen. Aus 
dem Verzeichniß von dem Steigen des Waſſers, 
fonderlich bey dem mittlern Stande des Balges, 
Eann man ſchon urtheilen, ob das aufgelegte Ger 
wichte Eönne bleiben, oder nicht; ingleichen, ob 
man werde Begengewichte nöthighaben, wovon 
8, 114 geredet worden, “Ferner unterfücht man, 
ob das Waffer eben fo hoch fleigt, wenn mehr, 
oder auch wohl alle Bälge zugleich getreten 
find (i). | 





§. 240, 


h) In eine afuͤßige Lade ſollte billig ein doppelter Einfall 
des Windes ſeyn. Wo es aber nicht möglich, muß der 
Einfall mitten angebracht werden, Bey noch groffern 
Laden Halte ic) es vor die vornehmſte Urſache des Schwan 
wenn der Wind nicht an vielen Orten kann eins