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Full text of "Byzantinischen Wasserbehälter von Konstantinopel; Beiträge zur Geschichte der byzantinischen Baukunst und zur Topographie von Konstantinopel. Von Philipp Forchheimer und Josef Strzygowski, mit Unterstützung des K.K. Ministeriums für Cultur und Unterricht"

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University of Toronto 



http://www.archive.org/details/byzantinischenwaOOforc 



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BYZANTINISCHE DENKMÄLER 



HERAUSGEGEBEN 



VüK 



JOSEF STRZYGOWSKI. 



IL 



DIE BYZANTINISCHEN WASSERBEHÄLTER 



VON 



KONSTANTINOPEL. 



DIE 



BYZANTINISCHEN WASSERBEHÄLTER 



VON 



KONSTANTINOPEL. 



BEITRAGE 

ZUR 

GESCHICHTE DER BYZANTINISCHEN BAUKUNST UND ZUR 
TOPOGRAPHIE VON KONSTANTINOPEL 

VON 

DR. PHILIPP FORCHHEIMER 

PROFESSOR AN DER TECHNISCHEN HOCHSCHULE ZU AACHEN 
UND 

DR. JOSEF STRZYGOWSKI 

PROFESSOR AN DER UNIVERSITÄT GRAZ. 



MIT 152 AUFNAHMEN IN 40 TAFELGRUPPEN UND 31 TEXTILLUSTRATIONEN. 



MIT UNTERSTÜTZUNG DES 
K. K. MINISTERIUMS FÜR CULTUS UND UNTERRICHT. 



WIEN 1893. 

DRUCK UNO VERLAG DER M E C H I T H A R I ST E N- CON G R E G A T I O N IN WIEN. 
IN COMMISSION BEI GEROLD & COMP., WIEN, STEFANSPLATZ 8. 




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2)10 
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Alle Rechte vorbehalten. 



Vorw'ort des Herausgebers. 



D er erste Band der byzantinischen Denkmäler behandelte die Grenzgebiete 
der antik-christlichen Kunst des Ostens, den armenischen, syro-äg^-ptischen und 
ravennatischen Kreis. Mit dem vorliegenden zweiten Bande beginnt die Auf- 
arbeitung der rein byzantinischen Denkmäler. Die Cistemen stehen nicht ganz 
zufällig an der Spitze. An dieser auf das leitende Centrum, Konstantinopel, 
beschränkten und den Formen nach einfachsten Denkmälergruppe Hess sich gut 
der erste Versuch wagen, einer bisher so ungegliederten, mehr als tausend- 
jährigen Kunstmasse, wie es die byzantinische ist, beizukommen. Die Gelegenheit 
dazu war um so günstiger, als mein Aufenthalt in Konstantinopel zusammenfiel 
mit dem eines Fachmannes auf dem Gebiete des Wasserbaues. Forchheimer war 
etwas länger als ein Jahr mit dem Unterrichte des Wasser- und Brückenbaues 
an der kaiserlichen Ingenieurschule betraut und interessirte sich vom technischen 
Standpunkte für die Wasserversorgung von Stambul. Der Unterzeichnete machte 
ilim den Vorschlag zu einer gemeinsamen, umfassenden Aufnahme der byzan- 
tinischen Wasserbehälter. Wir arbeiteten dann etwa ein halbes Jahr miteinander. 
Später blieb Forchheimer allein zurück; fast alle Zeichnungen, welche im 
Kataloge als »eigene Aufnahmen« angeführt sind, \\'urden von ihm nach 
eigenen Skizzen geliefert. Der Text ist mit Ausnahme des technischen Theiles 
vom Unterzeichneten allein redigirt, doch hat sich Forchheimer an Einleitung 
und Katalog wirksam betheiligt. 

Zwischen dem Erscheinen des ersten und zweiten Bandes habe ich in einer 
Reihe von Aufsätzen auf die Bedeutung der byzantinischen Kunst im Allgemeinen ' 



1 Ein kurzer Artikel über die byzantinische Kunst erschien auf eine Einladung von 
Sp. Lambros hin in dem von Barth und Hirst in Athen verlegten iAEIIKON ErKYKAOn.il- 
AlKONt unter dem Worte Bviavxtaxi] Te/rij. 



VI 

und auf einzelne Leistungen derselben im Besonderen ' aufmerksam zu machen 
gesucht. Die Gründung der byzantinischen Zeitschrift, eine energische That 
Krumbacher's, bot vor Allem dafür den gewünschten Anlass. '' Dann erscheinen 
im laufenden Jahrgange des Jahrbuches des kaiserlich deutschen archäologischen 
Institutes zwei Arbeiten über Profanbauten von Konstantinopel. ^ Ich hätte 
sie gern vereinigt zum dritten Bande der byzantinischen Denkmäler gemacht, 
doch war dies leider nicht durchführbar. Übrigens schützt ja nunmehr die byzan- 
tinische Zeitschrift durch ihre fleissigen Litteraturberichte davor, dass so zerstreut 
erscheinende Publicationen den Mitarbeitern verloren gingen. ♦ 

Die vorliegende Arbeit sucht wenigstens auf einem kleinem Gebiete der 
noch chaotisch durcheinander liegenden byzantinischen Denkmälerwelt Ordnung 
zu schaffen. Die Aufgabe war, wie man beim Durchblättern des Kataloges wird 
beurtheilen können, keine leichte. Dass dieser Katalog im vollen Umfange 
publicirt und so jedem Forschenden die Möglichkeit gegeben werden konnte, die 
Resultate selbst nachzuprüfen, danken wir der Bemühung der auch die Kosten 
des Druckes allein tragenden hochwürdigen Mechitharisten - Congregation in 
Wien, welcher es gelang, die Bewilligung der für die Herstellung der Tafeln 
nöthi^en Mittel beim hohen k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht durch- 
zusetzen. Ferner hat sich der Vorstand des Vereines deutscher Ingenieure durch 
unentgeltliche Überlassung einer Reihe von Bildstöcken um die Ausstattung des 
Buches verdient gemacht. 



1 Einer Einladung der kaiserlichen archäologischen Commission in Petersburg entsprang 
die in den MATEPIAJTbl HO APXEO.luriH PGCCIH, HSAABAEMLIE HMnEPATOPCKOIO 
APXEOJIOrHTIECKOlö KOMMHCCIEK) Nr. 8 erschienene Arbeit »Der Silberschild aus Kertsch«. 

X\s Beitrag zu der archäologischen Ehrengabe zum 70. Geburtstage de Rossi's erschienen 
(Rom 1892, S. 394 ff.) drei Miscellen (i. die Weih-Inschrift Theodosius des Grossen am goldenen 
Thore zu Konstantinopel; 2. ein Grabrelief mit der Darstellung einer Orans aus Kairo; 3. die 
Maria-Orans in der byzantinischen Kunst), neu abgedruckt in der nUnischen Quartal- 
schrift 1893. 

Als Beitrag zu den »Analecta Graeciensia«, Festschrift zur 42. Versammlung deutscher 
Philologen und Schulmänner 1893, S. 141 ft., »Die Tyche von Konstantinopel«. 

2 S. 61 ff. »Die byzantinische Kunst«; S. 575 ff. »Die altbyzantinische Plastik der Bliithe- 
zeit«. Vgl. S. 340 und 347. 

» S. I ff. »Das goldene Thor in Konstantinopel <. Im Herbste dürfte ebenda erscheinen 
ein Aufsatz über »Die Säule des Arkadius in Konstantinopel«. 

* Ich mache gleich hier aufmerksam auf die im II./III. Heft des diesjährigen Jahrbuches 
der königlich preussischen Kunstsammlungen erscheinende Arbeit über iDas Berliner Moses- 
relief und die Thüren von Sta. Sabina». 



VII 

Auch sonst haben wir vielfach Dank zu sagen, was an seinem Orte im 
Texte geschehen wird. Hier sei nur hervorgehoben, dass der Orientalist Herr Dr. 
Friedrich Probst in Wien die Güte hatte, in den Correcturbögen auf die richtige 
Schreibung der türkischen und arabischen Worte zu sehen. Er ist dabei nicht 
nach streng wissenschaftlichen Grundsätzen vorgegangen, sondern hat gesucht, 
die richtige Aussprache, soweit sie durch das deutsche Alphabet vermittelt 
werden kann, zu bieten. 

Endlich sei die Sorgfalt anerkannt, mit welcher Herr Heinrich Peill in 
Aachen bei Herstellung der Zeichnungen mitgewirkt hat. 

Graz, im Juni 1893. 

Josef Strzygowski. 






^ -'ts- J> "^ ^ 

Vom Wasser ist alles Ding lebendig. 

Koran. 



Einleitung. 



Die Wasserversorgung von Konstantinopel. 

Ein Blick auf Stambul zeigt einen von den tiefblauen Fluten des Meeres 
umsäumten Landrücken, bedeckt von kleinen Holzhäusern und Gärten, aus deren 
bunter Menoe die Kuppeln und Minarets zerstreut daliegender Moscheen aufragen, 
das Ganze zusammenlaufend in den von Ferne wie riesenhafte Pyramiden zum 
Himmel aufstarrenden Gebäudemassen jener kaiserlichen Moscheen, welche, auf 
dem Kamme des Höhenzuges erbaut, in Construction und Grössenverhältnissen mit 
der Sophienkirche wetteifern. Zwei dieser Riesendome, die Süleimänije und die 
Moschee Mohammed's des Eroberers werden durch die gerade Linie eines Aquae- 
ductes verbunden, der das zu seinen Füssen liegende Häusermeer in einer langen 
Reihe von Bogen übersetzt und so eine Strecke weit den oberen Abschluss des 
Bergrückens bildet. 

Dieser Aquaeduct ist das einzige Wahrzeichen, welches inmitten des unver- 
gleichlich schönen Bildes an das unterirdische Konstantinopel gemahnt, an jene 
Welt von Canälen und Behältern, welche der Stadt den Lebensnerv, die Vor- 
bedingung ihres Bestandes, das \\'asser zuführen. Treten sie auch in künstlerischer 
Bedeutung zurück hinter die oberirdischen Monumente, so gebührt ihnen doch 
gerade hier in Konstantinopel ein höherer Grad der Beachtung als sonst irgendwo, 
weil sie, im Gegensatz zu den meisten anderen derartigen Bauten, architektonisch 
durchgebildet sind und neben den zumeist in Moscheen verwandelten Kirchen 
die einzige grössere Reihe von Denkmälern derselben Gattung bilden, an denen 
die Baugewohnheiten der Byzantiner in ihrer Entwicklung durch fast ein Jahr- 
tausend verfolgt werden können. Denn der grössere Theil dieser Bauwerke, 
darunter alle Cisternen, rührt aus byzantinischer Zeit her und nur der kleinere 
ist von den Türken im Anschluss an die überlieferte Art errichtet worden. 

I 



Die Wasserversorgung der das goldene Hörn vom Marmarameere trennenden 
Landzunge war von Anbeginn schwierig, weil das ohnedies von drei Seiten vom 
Meere umspülte Land auch noch felsigen Untergrund hat und hügelig verläuft, 
so dass das niederfallende Wasser rasch abfliesst. ' Dazu kommt, dass die in 
Konstantinopel niederfallende Regenmenge mit den Jahren und Jahreszeiten sehr 
stark wechselt und es Monate gibt, in denen überhaupt kein Tropfen fallt. Die 
nachstehend abgedruckte, von Herrn Coumbar}-, dem Director des kaiserlichen 
meteorologischen Observatoriums in Konstantinopel, auf Grund zwanzigjähriger 
Beobachtungen zusammengestellte Tabelle gibt darüber die besten Aufschlüsse : ^ 



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20-1 


187-0 


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9-2 


144-6 


153-0 


320 


798-0 


1869 


29-8 


8-0 


590 


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6-1 


18-5 


16-6 


39-7 


44-1 


94-2 


132-9 


65-0 


532 7 


1870 


45-5 


52-6 


101-7 


95-8 


4-6 


67-6 


21-7 


22-1 


58-9 


177-8 


6-1 


101-5 


756-1 


' 1871 


100-0 


20-0 


50-4 


11-6 


89-3 


42-5 


1-9 


101-2 


72-6 


47-7 


47-9 


128-3 


713-4 


1872 


38-9 


98-5 


17-3 


28-6 


28-3 


40-7 


47-9 


00-8 


27-1 


4-2 


105-9 


108-4 


606-2 


1873 


43-5 


45.5 


27-8 


20-3 


55-5 


45-0 


47-0 


56-0 


1323 


5-7 


113-9 


127-2 


719-7 


, 1874 


375 


67-3 


378 


37-0 


39-8 


31-6 








5-1 


69-1 


90-3 


91-8 


507-3 


1875 


141.2 


07-3 


141-4 


41-8 


12-0 


4-8 


130-5 


30-2 


95-4 


1-26-4 


78-0 


155-5 


1024-5 


1876 


29-0 


44-7 


f2-4 


13-3 


370 


269 


95-0 


69-8 


34-0 366 


158-7 


101-3 


702-3 


1877 


119-3 


89-9 


69 


34-2 


64-1 


71-8 


35-0 


29-0 


106-5 


119-1 


220-O 


101-6 


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1878 


102 9 


37-3 


116-9 


97-8 


12-9 


63-8 


51-7 


04-0 


51-0 


13-5 


45-2 


217-0 


874-0 


1879 


66-9 


52-2 


103-1 


190 


'52-0 


21 





0-8 


69-2 


117-6 


173-3 


U2-0 


708-2 


: 1880 


83 


130 


59-0 


10-6 


43-4 


45-2 


45 


55-3 


49-0 


74-7 


37-4 


32-1 


507-2 


1881 


148-6 


78-4 


49-6 


15-0 


64-5 


31-6 


57-3 





8-9 


40-4 


49-7 


580 


602-0 


1882 


50-6 


47-8 


1-0 


23-1 


37-8 


20-9 





56-7 


0-8 


54-5 


118-9 


65-1 


482-2' 


1883 


66-1 


43-5 


116-1 


60-8 


25-3 


67-0 


7-4 


20-4 


50-4 


33-1 


64-4 


281-9 


842-4 ' 


1884 


1Ü8-3 


.38-2 


37-3 


24-9 


80 


60-5 


35-8 


70-6 


97-1 


53-1 


132-6 


39-5 


761-9 


1885 


80-9 


6S-0 


44G 


380 


17-5 


10-6 


20-9 





48-2 


88-5 


83-7 


116-5 


617-4* 


1886 


440 


90-3 


105-5 


36 1 


37-8 


38-7 


35-3 


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66-1 


37-0 

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31-9 


30-2 


32-3 


49-2 


53-7 


72 


990 


107-0 


718-1 



' Ein Theil des technischen Inhaltes dieser Einleitung ist bereits veröffentliclit von 
Forchheimcr in der Zeitsch. des Vereines deutscher Ingenieure, Bd. XXXV, 189t, S. 868 ff 

- Ciimiitologie de Constantinoplc dcduitc de 20 annces d'observation, 18S8. Diese .auch 
in türkischer Sprache gedruckte Schrift ist nicht im Huchluindcl crschiLiun. 



3 

Darnach schwankt die jährliche Regenmenge bei einem mittleren Stande 
von 718 nun zwischen mindestens 482 nun und h(")chstens 1066 mm. Fast jedes 
Jahr regnet es einen ganzen Monat, im Jahre 1874 und nahezu auch 1879 zwei 
Monate gar nicht oder wenig. Li solcher Zeit müssen die meisten Quellen versiegen, 
zum mindesten muss in den Monaten Juli, August und später beim Ausbleiben 
der Herbstregen jährlich Mangel an Brunnenwasser eintreten. Dazu kommt, dass 
das Wasser der Hausbrunnen innerhalb der Stadt von zweifelhafter Beschaffenheit 
ist und die pj'nwohner sich mehr oder weniger scheuen dasselbe zu trinken. 

Trotzdem bestehen türkische Hausbrunnen in Konstantinopel in grosser Zahl. 
Sie haben Bruchsteinschächte, welche sich von den unserigen nicht unterscheiden, 
aber häufig von Hausteinaufsätzen bekrönt sind, die orientalisches Gepräge haben. 
Diese Art Brunneneinfassung geht wahrscheinlich auf die Bj-zantiner zurück, 
durch die sie auch an den Küsten des adriatischen Meeres, besonders in Venedig 
Verbreitung gefunden hat. Zum Schöpfen dienen in der Regel Eimer, welche 
man an Ketten frei herablässt, und nur ausnahmsweise sind die Ketten, ähnlich 
wie die Seile bei den ägyptischen Schaduf und den ungarischen und slavischen 
Ziehbrunnen, an langen Schwengeln befestigt. In Konstantinopel selbst haben 
sich einige byzantinische Schachtbrunnen in der Strasse Filjokoschü im Viertel 
der Mollah-Zeirek-Moschee gefunden. Ihre Herkunft war am Mauerwerk erkennbar, 
welches aus abwechselnden Schichten von je einer Ouaderlage (20 cm hoch) 
und zwei Ziegellagen mit Zwischenfuge (zusammen 10 cm hoch) gebildet wird. 
Es spricht nicht nur dieser Schichtenwechsel für den alten Ursprung, sondern 
auch die nur 3 on starken Ziegel selbst, zwischen denen die Fuge 4 cm hoch 
ist. — Byzantinischen Ursprunges dürfte ferner auch eine kleine Ouellfassung 
mittels Stollen sein, die sich gegenüber der Zeirek-Moschee, im Demirchan mahallesi, 
Hausnummer 55 und 57, befindet. Sie unterscheidet sich von deutschen Stollen 
durch die Beschaffenheit und Lage der Wölbziegel. Die Byzantiner wölbten mit 
möglichster Vermeidung von Schalbrettern. Bei dem besagten Stollen, Fig. i, 
haben sie zu diesem Zwecke die breiten Lagerflächen im Gewölbe senkrecht zu 
den Stollcnstössen (Seitenwänden) und unter einer Neigung von 45" gegen die 
Wagerechte angeordnet. Jeder Wölbziegel klebte und ruhte also während der 
Ausführung mit seiner breitesten Fläche auf dem vorhergehenden und brauchte 
daher keine weitere Unterstützung durch ein Schalbrett. Die Widerlager hatte 
man übrigens in lagerhaftem Bruchsteinmauerwerk aufgeführt und am Kämpfer 
duicli eine Ziegelflachschicht abgeglichen. 

Eine sonst im Orient ziemlich häufig angewandte Art der Wassergewinnung, 
nämlich durch Auffangen von Regenwasser in Cistornen, wird im eigentlichen 

I* 



Konstantinopel nur im kleineren Massstab angewendet, indem in vielen Häusern 
Re"-ensärge vorkommen. Um so häufiger trifft man sie nach kurzer Seefahrt auf 
den Prinzeninseln. In Schlumberger's Buch über diese Inseln ' sind 4 Cistemen, 
darunter 3 grosse ausdrücklich genannt. Eine von ihnen in Prinkipo hat cylin- 
drischen Grundriss, ist in Schichtenmauervverk, bestehend aus Bruchsteinen und 
Zieo-eln (und zwar bilden je 5 Ziegellagen eine Ziegelschicht) ausgeführt, tritt an 
den tieferen Stellen des geneigten Geländes aus diesem hervor und ist an der 
tiefsten Stelle mit einem vorgebauten Schachte versehen, der wohl den Zugang 
zu dem Hahne der Abflussleitung ermöglichen sollte. Sie ist unzweifelhaft byzan- 
tinischen Ursprunges. Unter ihr, hart am Meeresufer, liegt eine zweite kleinere, 
welche wohl mit ihr in Verbindung gestanden und zur Wasserabgabe an die 





Ouclle 




Fig. I. Quellfassung mittels Stollen in Konstantinopel. 



Scliiffer gedient haben dürfte. Sechs Cisternen von geringeren räumlichen Ver- 
hältnissen erwähnt ferner G. Albert innerhalb des alten Klosterbezirkes von Anti- 
gene. Sie haben bei circa 550 qm Flächenraum eine Tiefe von 510— 6-15 m. " 
Da das I5runnen\vasser, wie gesagt, in Koustantinopcl weder regelmässig 
zufiicsst, noch anstandslos trinkbar ist, so musste man von Anfang an auf die 
Herbeischaffung geniessbaren Wassers bedacht sein. Dies geschieht auf zweierlei 
Art, durch Zutragung oder durch Zuleitung. Heute ist das Gewerbe der Wasser- 
träger (Sudsch}') einer der ausgedehntesten Erwerbszweige. Männer in einem 



" Gustave Sclilumberger, Les lies des Princcs etc. S. 21, 50, 98, 231. 

» Mitlli. des Deutschen Excursions-Ciubs in Konstanlinopel. lUft 111 I iS<)i1 .S. 32 u. 37 ff. 



malerischen grünen Ledercoslüm tragen gefüllte Schläuche dnrch die Strassen, 
aus denen sie glasweise das Wasser der im Volke als besonders wohlschmeckend 
bekannten Quellen der Umgebung von Konstantinopel ausschenken, welches sie 
in grösseren Mengen auf Tragthieren herbeigeschafft haben. Die berühmteste 
Quelle ist die am Abhänge des Bulghurlü nächst Skutari auf der asiatischen 
Seite her\'orsprudelnde Quelle von Tschamlj-dschä. Von einer zweiten Quelle am 
südwestlichen Fusse des Kayschdagh berichtet G. Albert (a. a. O. S. 49), dass 
sie gegenwärtig ein reicher türkischer Efendi mit 16 anderen in der Umgebung 
von Konstantinopel von der Regierung gepachtet habe und im Winter täglich 
50 — 80, im Sommer circa 300 Fass in die Stadt liefere. Die Türken sind, wie 
wir in Weinen, so in Wasser Feinschmecker. Sie können die einzelnen Quellen 
unterscheiden und es gibt Leute, die zwölf und mehr derselben sofort nach dem 
Geschmacke bestimmen. 

Die zweite Art der Wasserzufuhr geschieht durch Zuleitung. Mit ihr wollen 
wir uns in diesem einleitenden Capitel etwas näher beschäftigen, 
weil die diesem Zwecke dienenden, von den Römern begonnenen 
und von den Türken bis auf den heutigen Tag in halbwegs dienst- 
tauglichem Zustande erhaltenen Bauten zum grössten Theile aus 
byzantinischer Zeit stammen. 

Zur Wasserleitung nach Byzanz benutzte man mit Vorliebe ge- 
wölbte begehbare Siele von 60 — 70 cm Lichtweite mit einem von 
Steinplatten oder Verputz eingefassten 30 — 50 c»! breiten Rinnsal Fig. 2. Gerinne bei 
in der Mitte (vgl. unten die Gerinne über den Aquaeducten), " 

welches vom Wasser etwa 20 — 300« hoch ausgefüllt wird. Gemauerte Wasser- 
leitungen durchziehen auch ganz Stambul, und da das türkische Wort »Jol« sowohl 
Wassercanal als auch \'erkehrsweg bezeichnet, hört man aller Orten Andeutungen 
von unterirdischen Wegen, die bis zur Hagia Sophia geführt haben sollen. Dies 
erklärt sich daraus, dass in der Nähe dieser Moschee noch heute ein Haupt- 
vertheilungspunkt des Wassers liegt: die meisten alten Gänge werden daher that- 
sächlich — wenn auch nicht auf geradem Wege — mit diesem Punkt in jjegehbarer 
Verbindung gestanden haben. Von diesen Sielen wird besonders eines noch 
regelmässig von den Aufsehern (Sujoldschy) begangen, nämlich das, welches vom 
Nordwestende der Stadt, vom Vertheiler von Egri-Kapü, bis fast an ihre Ostspitze, 
nämlich zur Sophienmoschee führt. An seinem oberen Eingänge ist dasselbe, wie 
beistehende Skizze andeutet (Fig. 2), nur 13 iii hoch. Es ist an vielen Stellen mit 
Einsteige- und l.uftschächten versehen, und die Aufseher erzählen mit besonderem 
Vergnügen, dass Hausfrauen manchmal im Sommer in die Schächte, die sie für 




t- 50-^ 



"•ewöhnliche Brunnen hallen, zur besseren Aufbewahrung Esswaaren hängen, die 
dann verschwinden. Die Entfernung der beiden Endpunkte misst in der Luftlinie 
etwa 4 km, die wahre Länge ist aber ganz bedeutend grösser. Ein zweites noch 
längeres Siel führt vom Vertheiler von Egri-Kapü zur Südspitze der Stadt nach 
den sieben Thürmen; es wird aber nicht begangen, weil bei ihm die Luftschächte 
fehlen. Die Leitung in Sielen erfordert, dass man sich den Windungen der 
Höhenkurven des Geländes einigermassen anschliesst. Eine Hauptschwierigkeit bildet 
die Überschreitung zahlreicher Thäler; sie geschah mittels Aquaeducten, deren 
man eine grössere Zahl von recht bedeutenden Abmessungen hergestellt hat. Wir 
wollen diese Kunstbauten näher betrachten, indem wir den Lauf der drei Haupt- 
wasserleitungen der Stadt verfolgen. 

Konstantinopel liegt am Ende eines Hochplateaus, welches einen Ausläufer 
des Balkan bildet und an seiner Nordostseite gegen das schwarze Meer zu von 
einem Höhenzuge begrenzt wird. Dieses hügelige Terrain wurde l^is auf 2 bis 
3 Meilen im Umkreise der Stadt zur Wasserabgabe herangezogen, indem man 
nach allen Richtungen radial Canäle baute, die das Wasser aus Wiesengründen 
und Bergschluchten aufnehmen. Doch lassen sich im allgemeinen zwei Zonen 
scheiden, die eine, welche den Höhenzug am schwarzen Meer und die Zuflüsse 
zum goldenen Hörn umfasst und die zweite Zone jenseits der Wasserscheide, 
das hügelige Plateau nach dem Marmarameere zu. 

Die Gebirgskette nach dem schwarzen Meere zu hat da, wo sich die 
Wasserquellen befinden, eine Höhe von beiläufig 245 m ' und ist auf dem Abhänge 
nach Konstantinopel zu in der Umgebung des Dorfes Belgrad mit Laubwäldern 
bedeckt. In diesem Waldgcbiete, auf welches der über das schwarze Meer her 
wehende Nordwind seine Feuchtigkeit zuerst fallen lässt, liegen die Quellen des 
einen der beiden das goldene Hörn bildenden Flüsse, des Kjatchane-sujü, des alten 
Barbyses oder, wie er heute nach dem Dorfc, in dessen Nähe er entspringt, auch 
heisst, des Belgrad-sujü. Dessen Quellen nun wurden durch die Thalwände ab- 
sperrende Mauern abgefasst, welche zur Bildung künstlicher Seen benützt werden. 

Solche durch Abdämmung eines Thaies gebildete Sammelteiclie (oder Stau- 
wcihcr), die man Bcndc nennt, sind in Arabien und vcrmuthlich auch in Persicn, 
zweien von Natur aus sehr wasserarmen Ländern, von uralter Zeit iicr im Ge- 
brauche gewesen und der Durciibrucii des Dammes von Ma' rib bei der Haupt- 



I Andrcoss3', Voyage u remboucluiii; de la mcr noirc. Paris 181S. Wir citiruii nach einer in 
der Allf;emelnen Bauzeitung 1853, S. 36 ff. von L. V. ohne Nennung des Originals (!) erschienenen 
Übersetzung desjenigen Theiies, der »die Versorgung der .Stadt C^onslanlincipel mit Wasser 
und die örfentliehen nnmnen daselbst/ behandelt. 



Stadt Salja, wodurcli diese sammt der ganzen Gegend überschwemmt und ver- 
heert ward, ist sogar eine der Hauptepochen der alten arabischen (sabäischen) 
Geschichte. ' 

Von einem anderen Damme, den König As 'ad zwischen zwei Bergen 
aufgeführt hat, spricht, nach freundlichen Mittheilungen des Herrn Generalconsuls 
Dr. Schroeder in Beirut, die alte arabische Geographie Kitäb el-buldän als von 
einer Merkwürdigkeit der Gegend von San'ä.'^ Es muss jedoch dahingestellt 
bleiben, ob in Ma'rib und San a wirkliche Mauern errichtet oder nur Erddämme 
aufgeworfen worden waren. Auch Herodot berichtet lib. III, cap. 117 von Stau- 
werken am Elusse Akes in Asien, durch welche der Perserkönig das Wasser der 
Zuflüsse in den Thälern staute, indem er von Berg zu Berg Abschlüsse aufbaute 
(nijlaz s(STr,as). Es dürften dies Mauern gewesen sein, weil von zu öftnenden Thoren 
die Rede ist. Bei Aden ' sind wenigstens 1500 Jahre alte 2 bis 4 m dicke Mauern 
erhalten, durch welche in einer tiefen und steilen ScUucht eine Anzahl auf einander 
folgender Teiche gebildet worden sind. Einen ähnlichen Zweck wie die Dämme 
und Mauern erfüllte auch eines der wichtigsten Thore der Stadt Antiochia* m 
Syrien, das Eisenthor »Bäb el-hadid« genannt, welches, in einem Engpass zwischen 
steilen Höhen geleg-en, zugleich eine Schleusse darstellte, durch welche man das 
Wasser des darauf mündenden Thaies stauen und regeln konnte. Die Perser 
erbauten bei Schuster = eine 60 m lange und 25 m hohe Thalsperre zur Zeit der 
Sassaniden (226 - 636) und eine noch bestehende von So m Länge, 20 m Höhe und 
48 m Fussbreite bei Saweh, welche ehemals die Winterniederschläge des Kara su- 
Thales aufstaute.' Aus dem persischen stammt auch das türkische Wort Bend, 
welches älinlich wie das französische »barrage« sowohl ein niedriges Wehr in einem 
Flusse, als auch eine hohe Sperrmauer in einem Thale bezeichnen kann. 

Unter morgenländischem Einflüsse sind wahrscheinlich auch die alten 
westeuropäischen Thalsperren bei Elche, Alicante und Almanza in Spanien in 
den Jahren 1570 bis 1590 errichtet worden.' Die Römer kannten neben den 
Erddämmen, wie sie seit Urzeiten in Südasien und Ägypten aufgeworfen worden 

' Jos. von Hammer, Constantiiiopolis und der Bosporos, Pest 1822 I, S. 573. 

2 Zeitschr. der deutschen morgenländisdien Gesellschaft, 10. Bd., 1856, S. 27, Aiimcrk. 

ä Lendenfcld, Globus 1S90, 58. Bd., S. 311. 

■1 K. Baedeker, Palästina und Syrien, 3. Aufl. Leipzig 1891, S. 419. 

5 Dieulafoy in den Annales des ponts et chaussees 1883, 2. sem., p. 47. Vgl. aucli dessen 
neuestes Buch über die persische Reise, das uns leider nicht zugänglich ist. 

• Ebenda p. 43. 

' Crugnola, Serbatoi d'acqua c laghi artiliciali, Estratto dall' cncichipcdia dcllc arti cd 
Industrie 1890, p. 12. 



sind, ' auch gemauerte Thalsperren, wovon z. B. Überreste im Anio-Thale ober- 
halb Subiaco bei Rom Zeugniss ablegen. = Dort liess Nerva (96-98) den Fluss 
durch eine Mauer zu einem See anstauen und seine Nachfolger fügten flussaufwärts 
noch zwei Stauweiher hinzu, indem sie an der engsten Thalstelle eine zweite 
sehr feste 18 bis 20 Fuss dicke Mauer aufführten und endlich eine dritte zwischen 
die beiden genannten an eine etwas weitere Thalstelle legten.' Geographisch 
von den römischen Bauten nicht allzuweit entfernt, aber zeitlich durch mehr als 
ein Jahrtausend von ihnen getrennt war die älteste bekannte Thalsperre in den 
Alpen, welche, nach freundlicher Mittheilung des Herrn Ingegnere municipale 
A. Apollonio zu Trient, 1537 vom damaligen Fürstbischof, dem späteren Cardinal 
Bernardo Clesio in der Fersinaschlucht bei Pont' alto angeordnet und vom 
Magistrate von Trient und zwar in Holz ausgeführt wurde, um zum Schutze 
dieser Stadt die Wucht des Baches zu hemmen und das grosse Geschiebe 
zurückzuhalten. Sie stürzte wiederholt ein, bis man 161 1 mit dem Bau einer 
steinernen Sperre begann, die nach und nach erhöht, in unseren Tagen eine 
Höhe von ungefähr 45 m erreicht hat. ♦ 

Die Bende bei Belgrad sind nach Moltke^' 80, selbst 120 Schritt lang, 
30 bis 40 Fuss dick, aus Quadern erbaut, im Innern mit Kalk und rohen Steinen 
ausgefüllt und äusserlich oft mit Marmor bekleidet, mit Inschriften und Kiosken 
geschmückt. Sie sind auf Felsen gegründet, gerade aufsteigend und mit Strebe- 
pfeilern versehen. Der grösste (Böjük Bend) hat nach Moltke (S. 89) gefüllt mehr 
als 1000 Schritt Länge, fasst 8 bis 10 Millionen Kubikfuss und kann seinen 
Vorrath auch noch aus dem Inhalt eines zweiten höher gelegenen Sammelteiches 
ergänzen. Er hält übrigens, nach freundlicher Mittheilung eines Erbauers neuer 
Sperren in Westfalen, Professor Intze zu Aachen, der ihn im Frühling 1891 auf- 
suchte, nicht recht dicht und lässt, wenn voll, das Wasser in armdicken Strahlen 



1 F. C. Danvers, India, London und New- York 1877, p. 92, A. Jacob, Storage reservoirs, 
New- York 1873, p. 5. Zu erwähnen wäre auch eine 2400 m lange Teichmauer auf Ceylon 
unter den singhalesischen Monarchen aufgeführt. Vgl. Jacob a. a. O., p. 6. 

2 Beigrand, les eaux, introduction, les aqueducs romains. Paris 1875, p .(9, Heliogravüre V. 
' Vgl. Fabrettus, de aquis et aquaeductibus, Romae 1680, p. 81. 

♦ Erst in der Revision des Druckes wird dem Herausgeber Weber von Ehcnhof, der 
Gebirgs-Wasserbau im alpinen Etsch-Becken, Wien 1892, bekannt, l'ber die .Sperre von Pont' 
alto vgl. dort S. 148 IL 

» Briefe über Zustände und Begebenheiten in der Türkei aus den Jahren 1S35 bis 1839. 
Berlin, Posen und Broniberg 1841, S. 86. Diese erste Auflage erschien ohne Nennung des Ver- 
fassers. Eine Abbildung bei Comidas de Carbognano, Descrizione topographica duUo stato 
prcsente di Costantinopoli, Bassano 179 1, tav. XXVI. 



austreten. Die türkisclien Bendmanern halien, wie nebenstehende Vorder- und 
Rückansicht eines von Mahmud II. für die Versorgung von Pera erbauten Bends 
zeigen (Fig. 3 und 4), keine Strebepfeiler und nähern sich sowohl hierdurch, als 
auch durch den bogenfömiigen Grundriss den heutigen europäischen, von denen 
sie sich aber durch das Fehlen der Überfälle (^Fluther) und durch die Einfachheit 
des Wasserverschlusses, der durch eine Anzahl Kegelhähne erfolgt, unterscheiden. 
Aus den Hähnen fällt das Wasser in den Trog einer Messvorrichtung (s. unten), 
auf Grund deren Angabe ein Wärter die Hähne zeitweise verstellt, und von da 
läuft es weiter gegen die Stadt. Für die Erhaltung des Waldes von Belgrad und 
der Stauweiher geschieht viel. Es ist streng verbeten, in ersterem Holz zu fällen oder 




Fig. 3. Bend Mahmüd's IL bei BilgraJ-Konstaatinopel (Mauerseite). 



die Weiher zu verunreinigen. Die Bewohner Belgrads und der benachbarten Dorfer 
sollen für die Aufrechterhaltung dieser \'erbote zu sorgen und die Weiher zu 
erhalten haben, wofür sie von allen Abgaben befreit seien. Diese Bestimmungen 
gehen zum Theile zurück auf eine Verordnung vom Jahre 1725, die Hammer in 
einer Übersetzung mitgetheilt luit. ' Trotzdem soll es infolge der Verdunstung und 
Versickerung in trockenen Jahren vorkommen, dass nur 127 mm der oben ange- 
gelienen Regenhohen wirklich gewonnen werden.« 



I a. a. O. I, S. 577. 

« F. BrilTault, Constantinople Water Works, Minutes uf Fioceedings of tlic Institution of 
Civil Engineers. Vol. LWWII 1S86, S. 332. 



lO 

Die meisten dieser Bende sind, nach einer Stelle Tschelebi-zade's zu urtheilen, 
erst unter Sultan Ahmeds III. Regierung (1703— 173°) angelegt,' der letzte unter 
Mahmud II. (1808 — 1839). Heute wird für Skutari trotz ungünstiger Sohle 
eine ähnliche Anlage errichtet. Ein positiver Beweis dafür, dass auch schon 
die Byzantiner solche Anlagen ausführten, ist bisher nicht erbracht worden; 
jedenfalls ist die griechische Bezeichnung derselben unbekannt. Doch glaubt 
Josef von Hammer eine Stelle des Cinnamus auf die Erbauung eines Bend be- 



Fig. 4. ßenU Mahniüd's II. l5i;i Bclgrad-Konstantinopel (Waldseite). 

ziehen zu dürfen.' Dieser Schriftsteller berichtet: »Der Kaiser fManuel Kom- 
nenus 1143— 1180) sorgte auch für die Mauern der KonsiaiUins -Stadt, die an 
vielen Theilen mit der Zeit Schaden litten, und reinigte, da die Stadt Mangel 
an Wasser iiatte, eifrig alle Canäle. Und da er erkannte, dass, um die alten Stollen, 

' HanimcT I, S. 571 II'. ist die bctrclTmido ScIirilUiUL-lle in ciii(.-r l'lhcrsetzuns;- yiegcben- 
' a. a. O. I, S. 303. 



welche das Wasser nach Byzanz führten und längst verfallen waren, aufzuricliten 
viel iMülie und Zeit notlnvendig sei, so ersah er einen nicht weit von B\'zanz 
gelegenen Ort, der Petra genannt wird, und erbaute einen unterirdischen Be- 
hälter, welcher, der Länge nach mitten in der Mulde zwischen zwei Bergen 
angelegt das aus vielen Schlünden in ihn wie aus tausend Canälen durch gespaltene 
Erdklüfte stürzende Wasser aufnimmt und es durch die gewöhnlichen Stollen nach 
der Stadt sendet.« ' Nach Hammer ist Petra wahrscheinlich kein anderer Ort, als 
das schon genannte Belgrad,^ umsomehr als die Bauten von Manuels zweitem 
Nachfolger Andronikus (1183 — 1185) ebenfalls dem Hydralis d. i. dem Wasser von 
Belgrad galten. 

Das von den Benden zu Belgrad gesammelte Wasser nimmt eine Leitung 
auf und führt es auf Aquaeducten über die beiden dem goldenen Hörn zu- 
strömenden Flussthäler weg die Hügelränder entlang zum Thore Egri-Kapü von 
Konstantinopel, von wo aus es in die Stadt geleitet wird, die es in drei Haupt- 
armen durchströmt. Nebenstehender Stammbaum gibt dieses Leitungssystem 
graphisch dargestellt mit Benützung der Angaben Andreossy's wieder. 



Stau Weiherversorgung von Stambul: 



Zerfallener Bend 
und Ouellen 



Aiwäz-bend Bend von 

Pascha- deresi 
{1766) (byz.?j 



Aquaeduct von 
Pascha-deresi 



Kleiner Bend 
von Belgrad 



Grosser Bend 
von Belgrad 



3 Quellen Bend Sultan 
Mahniüd II. 
(I«37 ?) 



Langer Aquaeduct 



Krummer Aquaeduct 



Basch-hawüz 
Aquaeduct des Justinian 
Aquaeduct von Dschebedsehi-Kjiii 



Vertheiler von Kgri-Kapü an der Stadtmauer von Stambul 



Vertlieiler von At-bazär 
Vertlieiler der Sopliien-Moschee. 



\'ertheiler von Jeni-baghtschi; 



1 Cinnamus historiarum liber VI, cap. 8 ed. Bonn. p. 275: . . . SeSanifiir nrä v .t ü ro ii o >■ . . ., 
»/.T£g ßovrüir iy.aziijioi- h' xoi/.otijzi xatä /itoor !di>i-iitr>i LTini'/mj:: . . . 

2 a. a. O. An einer andern Stelle (I, S. 550 If.) identilicirt er diese »Cisterna Petrii« 
mit der von Buundelmonti Cisterna S. Jolianiiis in Petra genannten inneilialb der Stadt, was 
unzweifelhaft falscli ist. 



12 

Diese Leitun_o; geht in ihrer ersten Anlage wahrscheinlich in römische Zeit 
zurück. Hadrian (117— 138) erbaute nach dem Muster der römischen Leitungen, 
die das Wasser aus dem Sabiner- und Albaner-Gebirge der ewigen Stadt zuführen, 
auch für Byzanz eine gleiche Leitung, die später durch ein an Cyrus, den Prä- 
fecten des Prätoriums (439 — 441), gerichtetes Gesetz vor jeder Beschädigung 
gesichert wurde und nur für den kaiserlichen Palast, öffentliche Bäder und 
Nymphäen benützt werden sollte. ' Diese Leitung wurde im Jahre 528 durch 
Justinian erneut. '■' Wahrscheinlich entstand damals der Aquaeduct, welcher heute 
noch den Namen des Justinian trägt und die Wasser der Hydralisquelien von 
Belgrad über den Ali-Bey-sujü oder Kydaris leitet. Eine weitere Bestätigung 
für die Identificirung dieser Leitung mit dem Bau des Hadrian dürfte darin 
liegen, dass dieselbe gelegentlich einer Erneuerung durch Andronikus Kom- 
nenus (1183 — 1185), der angeblich erst den Fluss Hydralis hineingeleitet hat, als 
»die alte unterirdische Wasserleitung« bezeichnet wird, ^ zum Unterschiede wohl 
von dem auf Bogen ruhenden oberirdischen Aquaeduct des Valens, der sein 
Wasser aus der zweiten oben bezeichneten Zone nimmt und von dem später 
die Rede sein wird. 

Der sogenannte Aquaeduct des Justinian (Fig. 5 [s.Beil. S. 12a] und 6), von 
den Türken »Mu'alläk kemer« d. h. sder aufgehängte Bogen« genannt*, ist 26577/ 
l'in.^! 35 '" hoch und in seiner Art ein Bauwerk von gleicher technischer und künst- 
lerischer Bedeutung, wie die Sophia unter den Kirchen oder die Bin-bir-direk 
unter den Cisternen. Scharf durchdachte Construction des leichten und doch soliden 
Aufbaues, Eleganz der Gesammterscheinung und Harmonie der Einzelglieder unter- 
einander lassen kaum einen Zweifel darüber, dass wir es in den Haupttheilen mit 
einem Bauwerke der besten b3^zantinischen Zeit zu thun haben. Fehlen auch 
positive Beweise, so werden wir doch ohne Bedenken zugeben, dass vor allen 
anderen die Baumeister Justinians diese vollendete Construction ausführen konnten. 
Künstlerisch fein empfunden ist der rhythmische Wechsel der vier weiten Mittel- 
bogcnpaarc — die auf den ersten Blick rundi^ogig erscheinen, aber doch auf- 
fallender Weise schon einen leisen Ansatz zum Spitzbogen haben, wie dcrselljc 



' Cod. Justin. XI, 43, Ges. 6. 

2 Cliron. pasdi. Ol. 327, l ed. Bonn. I, 619. 

' Nicetas Clioniata cd. Bonn. \i. 428: .... rüv .-ra/.aiüy v.Tt'r-iior (<;'(i>;o)' .... 

* Abg. bei Comidas a. a. O., tav. .\.\I\'. \-,\uc im Gcsainnilbilde ann.iliciiul liclitiije 
An.siclit bei Croizctte-Desnoyers, Cours de Construction des ponts, lid. I. Paiis 18S5, S. Ji und 
Taf. IV, Fig. 15 und danach wiederliolt bei E. Degrand, Ponts cn Ma(,'onncric, Bd. 11. I'aris 
1888, S. 4g. 



BEILAGE. 




Fig 5. Der sog. Justinians Aqiiäduct. 




j_ite ' \J^ g HzAT 



GiuerschniU a-b 



Fig. II. Der Aquäduct von Dschebedschi-Kjöi. 



«r 



13 

ja gleichzeitig auch in der Cisterne am Un-Kapan-Sokaghy vorkommt ' — mit den 
ungemein massiven Pfeilern, an die sich auf jeder Stirnseite prismatische Strebe- 
pfeiler mit dreiseitiger Basis legen, welche ungemein wirkungsvoll nach diagonalen 
Linien getheilt sind, so dass sie oben mit einer geraden Kante abschliessen. Ihre 
von je zwei rundbogigen Öffnungen durchbrochenen Flächen schneiden sich daher 
in verschiedenen Richtungen und bieten dem Auge so den einfachen, ruhigen 
Hauptbogen gegenüber eine anregende Abwechslung. 

Die künstlerische Bedeutung des Denkmales wird von seiner technischen 




Fig. 6. Der sog. Justinians-Aquaeduct. 

vielleicht noch übertroffen. Die Beschränkung auf wagrechte und lothrechte Flächen 
ist aufgegeben, indem auf die Wirkungsart der Kräfte durch Anwendung von 
Mauermassen mit schrägen Ansichtsebenen in logischer Gedankenfolge Rücksicht 
genommen wurde.- Sowohl durch diese freie Disposition geneigter Fronten, als 



1 Ebenso an dem bekannten Ponte d^lle torri bei Spoleto (abgb. im Centralblatt der 
Bauverwaltung iSSt, S. io8). Vgl. über das Vorkommen des Spitzbogens an älteren Bauwerken 
Croizette-Desnoyers, 1. c. I, p. 24 suiv. 43 et 5,7. 

2 Eine iilinlielie Constniction lindet sieh an dem Aquacdiict von Fiejus (an der Küste 
zwischen Nizza und Toulon). Vgl. Croizette-Desnoyers, 1. c. I, p. 13. 



H 

auch durch den sinnvollen Wechsel in den Bogenspannweiten bekundet der 
Aquaeduct in statischer Hinsicht einen grossen Fortschritt den römischen Bau- 
werken gegenüber — den berühmten Pont-du-Gard bei Nimes nicht ausgeschlossen 
• — und stempelt seinen leider unbekannten Erbauer zu einem der ersten Ingenieure 
aller Zeiten, dessen geläuterte Anschauungen noch manchem Fachmann der Gegen- 
wart zur Ehre gereichen würden. Derselbe scheint auf Erdbeben die grösste Rück- 
sicht genommen zu haben. Es ist bekannt, wie schwer Konstantinopel im fünften 
Jahrhundert und zur Zeit der Regierung Justinians in den Jahren 542, 554, 555 
und insbesondere 558 durch Erdbeben heimgesucht wurde und wie sehr man daher 
gerade in dieser Zeit bei Neubauten mit einer Wiederholung solcher Natur- 
ereignisse rechnen musste. Aus dieser Bauzeit, in den letzten Regierungsjahren 
Justinians, würde sich dann auch erklaren, warum der Aquaeduct von Prokop 
nicht erwähnt wird, der sein W^erk über die Bauten des Kaisers schon im Jahre 558 
oder spätestens 559, also zur Zeit ungefähr des letzten grossen Erdbebens heraus- 
gab.' An dem Bauwerke erklärt sich mit Rücksicht auf diese Erdbeben das beider- 
seitige starke Vortreten der Pfeiler, wodurch ein seitliches Kippen des Aquaeductes 
vermieden werden soll, und die Ausdehnung der Pfeiler in der Längsrichtung 
des Bauwerkes zwischen je zwei Hauptöffnungen, wodurch vermieden wird, dass 
bei Einsturz eines Hauptbogens die anderen desgleichen einfallen müssten. Behufs 
Ersparniss hat man ferner die Pfeiler seitlich nicht in voller Breite, sondern sich 
verjüngend vortreten lassen. Dabei scheint man angenommen zu haben, dass bei 
Wolkenbrüchen grössere W^assermengen durch das Thal laufen könnten, und hat 
daher dem Oberthalc scharfe lothrechte Kanten zugekehrt, nach unten aber die 
Pfcilerllächen in einen Punkt zusammengeführt (Fig. 5). Aus Ersparungsrücksichten 
hat man die Pfeiler mittelst kleiner Öffnungen durchbrochen. Ferner hat man die 
oberen Hauptcilfnungen um 3 ui kleiner gemacht als die unteren, i6'4 m weiten, 
weil nach einem iheilweisen Einstürze der schräge Druck (oder wie wir heute 
sagen würden: die .Stützlinie) der oberen Bogen leichter aus dem einerseits freien 
Pfeiler heraustritt, als der schräge Druck der unteren. Dafür konnte man die kleinen 
]''.ntlastungsb()gen im oberen Gcscho.sse weiter spannen als im tieferen. Selbst der 
schüchterne Übergang zu Spitzbogen ül)er den grossen Spannweiten erscheint 
wohlbegründet und seine Nichtanwendung bei den Enllaslungsbogen gleichgiltig. 
Endlich kuwu auch das Vorschieben von Gesimssteinen in K;ünpl'erh(il:e diiicli 
Nützlichkeitserwägungen erklärt weiden, weil diese .Steine vielleicht bei eini.in 
sj)äteren Aufstellen vnn I.elirbogen bei l''liekaii)eilen eiwiinscht sein sullten. In 



< Vgl. Krmnli.icliLT, Cicscliiclitc der liv/nnliiiisclicn I.illLTilui, .S. .]z. 



15 

der Längsrichtunij; lauft im Obergeschoss ein Gang durch alle Pfeiler, welcher 
nicht nur eine kleine l'".rsparniss an Mauerwerk bewirkte, sondern aucli, und das 
scheint die Hauptabsicht gewesen zu sein, das Begehen und das Hinaufschaffen 
von Baustoffen bei Nacharbeiten erleichtern sollte. Er ist beiderseitig auf Treppen 
bis zum Erdboden herabgeführt, mit Rücksicht aufweiche an den Enden, Fig. 5, 
die Bogen abweichend von der Mitte angeordnet werden mussten. Die Treppen- 
eingänge hat man nicht in der Thalsohle, sondern höher am Gelände angelegt, 
möglicherweise, weil man Hochwasser nicht für ausgeschlossen hielt. Das Bau- 
werk ist in Quadern von 42 bis 45 cm Höhe mit Saumschlag und flachen Bossen 
verblendet; die Bogenstirnen sind plattbearbeitet, das zu oberst liegende Gerinne 
ist übermauert und mit Steinplatten dachartig abgedeckt. Damit das Steindach nicht 
müssig betreten werde, stehen Ouermauern an beiden Enden. Die Simse sind ein- 
fach behandelt, allerdings infolge von Verwitterung nicht mehr deutlich erkennbar ; 
Rundstab mit darüberliegender Platte kommt jedenfalls vor. Ein Eckstein mit 
stalaktitenartigem Ornament an einer der lothrechten Kanten der thalaufwärts 
gerichteten Pfeilerschnäbel zeigt, dass türkische Ausbesserungen stattgefunden 
hallen. 

Ausser dem Justinians-Aquaeduct sind noch mehrere Kunstljauten dieser 
Leitung zu nennen, die aber an Alter sowohl, wie an architektonischer Bedeutung 
hinter diesem zurückstehen. Kurz vor der Einmündung in den Aquaeduct des 
Justinian vereinigt ein Sammelteich (Basch-hawüz) die aus den Benden von 
Belgrad konmienden Canäle, die in zwei Hauptarmen über das Thal des Kjatchane- 
sujü weggeführt werden. Von den beiden dafür erbauten Aquaeducten hcisst der 
eine der krumme (Egri kemer), der andere der lange (Uzün kemer). Beide sind von 
den Türken, wahrscheinlich an der Stelle und mit theilweiser Benützung byzan- 
tinischer Vorgänger erbaut. Der krumme Aquaeduct (Fig. 7—9) läuft erst in 
schwach gebrochener Linie am Abhang in der Thalrichtung hin, biegt dann recht- 
winklig um und überschreitet das Thal. Von dieser Biegung rührt sein Name her. 
Andreossy gibt die Länge der beiden Schenkel mit 126 111 Ijezw. 216 111 an, die 
Höhe über dem Wasserstande im Thalbache mit 34-4 ;». Der kleinere Schenkel 
ist ein-, der grössere dreigeschossig, wobei zu Unterst Spitzbogen, in den beiden 
oberen Reihen Rundbogen stehen. Das wahrscheinlich bj'zantinische LIntergeschoss 
besitzt schräge Pfeilervorsprüuge gleich dem Aquaeducte Justinians, doch nehmen die 
Spannweiten im Gegensatze zu letzterem von unten nach oben zu und die Pfeiler- 
stärken entsprechend ab. — Der lange Aquaeduct (Fig. lO) hat nach Andreossv 
eine Länge von 698 in und eine Milhe \-cin 25-3 ;;;. l".r I)esti.'lit aus zwei Reihen 
spitzbogiger Arkaden, \'on denen 4<S der oberen und 50 der unteren angehtiren, 



i6 

übersetzt das Tlial in schwach oeljrochcner Linie und ist auf der thalabwärts 
«rerichteten Seite durcli schwache Pfeiler\-orla()en stellenweise verstärkt. Er verräth 





^'''4- 7 9- ^t:'' krumme Aquaeduct (nacli Aiulreossy). 



weniger UlierleiiunL! im Phin und zeijjt "eringcrc Resel- 
mässigiicit bei der Ausi'üiirunu; als (.iie vorn'cnannten 
beiden Aquaeducte. 

Auf der Strecke zwischen dem justinians-Aquac- 

duct und der Stadt ist nur eine grössere Thalüberl)riickun,<:r _ 

nennenswerth, die \(in I )schcbedschi-Kir)i, welche durch zwei Reihen 
Spitzbogen gebildet wird und thuiinartig in Stein abgedeckte ITcikrvdi 
(Fig. II [s. i>eil. S. iia|). Die Bogen sind iu briden (leschossen 5-8 — (i 



stumpfer 
lagen liat 
■| //; weit, 



17 

die Pfeiler dazwischen V4 — 5'5 "' starlv und undurchbrnchen. Die ganze Länge 
beträgt gegen 170 iiu die Hdiie 32 m, drei Pfeilern sind Eisbrecher vorgelagert. 
Am Südende mündet das Gerinne in eine türkische Sammelkammer; dort trat das 
Wasser bis vor einiger Zeit behufs Aichung durch eine mit Löchern versehene 
lothrechte Steinplatte. Das Mauerwerk ist dem des Justinians-Aquaeductes ähnlich. 
Der Eindruck des Bauwerkes ist ein festungsartiger und erinnert dadurch, wie in 
manchen Details an die Genuesenarbeiten des Orients, scheint also, obgleich in 
der \'erlängerung des Justinians-Aquaeductes unter demselben Gerinne gelegen, 
viel jünger als dieser zu sein. 

Während die Wasserleitung von Belgi-ad oder die hadrianische unterirdisch 
durch die Stadt geleitet wird, überschreitet die zweite Leitung, im \'olksmunde 




Fij^. 10. Der lange AquacJu^t. 



als die des \'alens oder Bozdoghän kemer bezeichnet, das Häusermeer auf Bogen. 
Sie hat nach .Andrei )ssy ihr Ouellengebiet in jenem Plateau nach dem Marmara- 
meere zu, auf welchem auch der einzige die Stadtmauer Konstantinopels durch- 
fliessende Bach, der Lykus, entspringt. Besonders geschätzt ist hier die Quelle 
Kalkali. Soweit die literarischen Ouellen Aufschluss geben, hat man diese zweite 
Zone zuerst in Konstantins Zeit bei Begründung der Residenz zur Wasserlieferung 
herangezogen. Nach den Patria (Band. 5, Cod. 22) nämlich hat einer der acht von 
llom nach dem Bosporus versetzten Patricicr, Eubulus, dyojyob^ erbaut, o^' wv ro 
o^wp kxipipszai ö.-ö Hou/.yapia:: fCod. rovr dyiuyo'K sifspsv d~<i Uovlyapius) 
Das dürfte, wenn nielit etwa die später zu erwähnende Leitung vom Thalc 
Galata Deresi d.uunter zu suchen ist, nicht so zu verstehen sein, als habe Eubulus 



I8 

das Wasser von fernher aus Bulgarien zugeleitet, sondern es sind damit wohl 
Leitungen gemeint, die auf dem Plateau zwischen dem goldenen Hörn und dem 
Marmarameere entsprangen, wo, wie wir gleich sehen werden, die Bulgaren 
lao-erten, wenn sie in das byzantinische Reich eingefallen waren und über das 
hinaus in gleicher Richtung ihr Land lag. 











Fig. 12. Der Valens-Aquacdiict. 



Die frösste. iicutc existirendc Leitung, welclie ihix'ii Lrsiirung auf diesem 
Plateau hat, geht jetzt bis zur Stadt uii.l weiter l)is zur Mdsciiee Sultan Mdliainiiied 
unterirdisch und üljcrschreitet dann das die drei (istliciien vim den wcstliciien Hügeln 
scheidende Thal mittelst des Valens-Aquaeductos {fig. 12). Dieser eingangs 
erwähnte, weithin siciitbaiv Mau stammt in einigen Theilen aus der Zeit der ( uiindung 



19 

der Leitung, zum Theile aber aus wiederholten Restaurationen. Es lässt sich das 
am Ijesten am Mauerwerk erkennen : das älteste ist aus Steinen gebildet, welche 
man in Österreich als Hackelsteine bezeichnen würde ; sie sind kleiner und unregel- 
mässiger als Quader, sorgfältiger bearbeitet als lagerhafte Bruchsteine. Wo Ziegel- 
oder Schichtenmauerwerk vorkommt, wie an den Kanten und Bogen des Ober- 
geschosses, rührt es von späteren Ausbesserungen her. In der einfachen Aneinander- 
reihung von halbkreisförmigen Bogen ohne Pfeilervorlagen und ohne Wechsel 
in den Spannweiten erinnert dieser Aquaeduct besonders an manche alte, die 
Ebenen überschreitenden Bogenreihen der Campagna von Rom, z. B. an die bei 
Roma vecchia, welche die Leitungen der Aqua Claudia und des Anio novus trägt. ' 

Der Aquaeduct des Valens ist zweigeschossig und nach Andreossy 612 vi 
lang, 2274 m hoch. '' Doch dürfte seine Länge ursprünglich wenigstens 1170 m 
betragen haben. Nach dem Baue der Prinzenmoschee, um die Mitte des 16. Jahr- 
hunderts, wurde ein Theil des Obergeschosses abgetragen, um die benachbarte 
Moschee besser sichtbar zu machen. Die Bogen sind halbkreisförmig; an den 
Kämpfern treten in die hinenleibung einzelne Simse vor, die an den Fronten, 
wahrscheinlich weil vielfach abgewittert, nur stellenweise vorhanden sind. Dann 
bilden Gesimse auch den obersten Abschluss. Der Aquaeduct leckt an vielen 
Stellen und Pflanzen haben in ihm Wurzel gefasst und erweitern die Fugen. Ihre 
grüne Hülle gibt den altersbraunen Bogen in der Nähe ein ungemein malerisches 
Ansehen, während aus der Entfernung bei voller Entwicklung die Längendimension 
imposant zur Geltung kommt. 

Diese Wasserleitung, durch die Patria unzweideutig als die der grossen 
Arkaden, aj-oi^of zä)v [isjdlwv dd'ioaiv bezeichnet, wozu der Anonymus des Banduri 
noch lobend rjroe ai nupdviat xanäpai (oder die himmlischen Gewölbe) hinzu- 
fügt, " ist nach übereinstimmenden Angaben von Valens im Jahre 368 erbaut 
u. zw. nach Sokrates und Späteren aus den Mauern der zerstörten Stadt Chalcedon. • 
Wahrscheinlich durch Erdbeben arg zerstört, blieb sie von Justinian unbeachtet, ^ 



i Vgl. die Ansichten in Beigrand, les eaux, introduction les aqueducs romains. Paris 1S75, 
heliogravures VII, VIII. 

» Nach Schroeder bei Meyer, Türkei und Griechenland 2. A., S. 257 ist er 625 m lang, 
23 m hoch, das untere Stockwerk io??i, das obere 85?;i hoch; die Bogen stehen in einer lintfernung 
von ungefähr 10 m. Wenn Unger bei Ersch und Giuber, S4. Band, S. 333, von Spitzbogen im 
unteren, älteren Theile spriclit, so beruht das auf einem Missverständniss Andreossy's. 

3 Anonymus des Banduri III, p. 49, Ckidinus p. ^2. 

< Sokrates IV, S, Theophanes ad ann. 5S60, Patria a. a. O., Bre\es enarrationes chron. 
p. 1S9, Cedrenus I, 5 13. 

i Piokop, llist. arc. 26, S. 146. 

3* 



20 

Ijis Justin IL 576 sie wieder herstellte. Zur Zeit des Heraklius (610 — 641) dureh 
die Avaren neuerdings zerstört, wurde sie im Jahre 766 dureh Konstantin V. 
Kopronymos wieder hergestellt. Dieser versehrieb von verschiedenen Orten Hand- 
werker, aus Asien und vom Pontus 1000 Maurer und 200 Tüncher, aus Griechen- 
land und von den hiseln 500 Lohnarbeiter (? darfjaxac)iuu;) und aus Thrakien 
selbst 5000 Arbeiter und 200 Ziegelbrenner. Es handelt sich dabei jedenfalls um 
Wiederherstellung der Leitung, soweit sie sich ausserhalb der Stadt befand. Ihr 
Endpunkt lag an der Strasse nach Bulgarien ; bis dorthin begleitete den Michael 
Rhangabe im Jahre S13 der Hof, als er gegen die Bulgaren zog, und dort lagerten 
die Bulgaren unter Martagon im Jahre 822, als sie beutegierig für Michael im Streite 
mit Thomas Partei nahmen. Im Jahre 1019 wurde die Leitung von Basilius IL 
erneut. ' Später wieder verfallen, versprach ein türkischer Kaiser es als die grösste 
Gunst des Himmels anzusehen, wenn er lange genug lebe, um diese Wasserleitung 
wieder herzustellen. Heute ist sie nothdürftig im Gange. 

Neben einigen kleineren Leitungen, die, auf demselben Plateau an der Pro- 
pontis entspringend, das Wasser zu einzelnen Gebäuden, wie der Moschee Sultan 
Bajazid's, führen, '' ist noch eine dritte grosse Wasserleitung zu nennen, diejenige 
nämlich, welche Pera und die daran stossenden Vorstädte mit Wasser versorgt. 
Sie entspringt ebenfalls im Walde von Belgrad in drei Stauteichen, die aus türkischer 
Zeit stammen. 

Stauweiherversorgung von Pera, den anliegenden Stadttheilen und Bosporusdörfern: 

Neuer Sultan Malimiid-bend WaliJc-bend Alter Sultan Malnuud-bcnd 

(i«37; ('73>) ('749) 



.Xquaeduct von Ra^htsclie-Kjöi 
(17.U) 

Vertlieiler auf dem aiuieniselien l'riedliofe 
(um l.Soo) 

\'ertheiler von Pera 
U7.5-1 1- 



In derselben Zeit entstand auch der einzige grössere Aquaeduct, den diese 
Leitung aufweist und der nach i'inem in der Nähe liegenden Dorfe der Ai.|uae- 
dact von Baghtschc-Kjoi genannt w ird (l'"ig. 13 und 14). ' 



' l'ber diese drei letzten Ue-'^tauratiomn \'l;1, Tlienphanes ad ann. 6oC)S, 62-^S und 
Cedrcnus II, 477. 

2 Nüheres bei Andreossv in der I'au/eiluni; iSj.v S. .|,S ll. 
» Ab-;, hei Comidas a. a (>., lav. X.XIll. 



21 

Dieser Aquaeduct ist nach Andreossy 409-3 m lang und 26-98 w hoch, enthalt 
20 Rundbogen von 5-8 m und 14 m grüsster Höhe, ferner an der tiefsten Thal- 
stelle unter einem der oberen Bogen noch einen tiefer liegenden von grösserer 
Spannweite, durch den eine Strasse hindurchgeht. Er ist sorgfältig ausgeführt 
und trotz seiner Einfacliheit von trefiflicher Wirkung. 

Ehemals muss Byzanz aus noch grösserer Entfernung Wasser bezogen haben. 
So wenigstens behaupten die Ingenieure der Derkoswerke, welche alte Überbleibsel 
bei ihren Arbeiten aufgefunden haben. Auch wurde einem Reisenden ' erzählt, dass 






Fig. 13 und 14. Aquaeduct von Baglitsche-Kjöi. 



im Thale Galatä Deresi zwischen Sarai und Midia alte Stollen erhalten seien, und 
dass Reste von Aquaeducten und Sielen sich von da bis Konstantinopel, d. i. auf 
eine Entfernung von id. 100 l;ni in der Luftlinie, verfolgen lassen. Fls muss späteren 
Reisen überlassen bleiben, diese Legenden auf den wahren Sachverhalt zu prüfen 
und zu unter.suchen, ob die Angabe der Patria, dass Eubulus das Wasser durch 
Leitungen aus Bulgarien herbeiführte, sich xielleicht darauf bezieht. 



' t\. Vii.|Ucsiiel, Voyrige dans la Turqiiic d'Kurnpu. Carls 1S6S, Hd. 2, S. J91 und \01. 



22 

Wir haben bis jetzt bei Vorführung der Wasserversorgung von Konstan- 
tinopel nur die Leitung durch gemauerte Canäle und über Aquaeducte lierücksichtigt. 
Ein Mittel, das sich zur Ersparnis ausgedehnter Bogenstellungen besonders bei 
Leitungen für geringere Wassermengen empfiehlt, ist die Fassung des Wassers 
in Röhren. Die Türken, soweit sie von Westeuropa unbeeinflusst sind, wenden 
Thon-, Blei- und Holzröhren an. Letztere, weil vergänglich, haben sie aber in 
Konstantinopel vermieden und Bleirühren, der Kosten wegen, nur auf geringere 
Weiten beschränkt. Nach Briffault ' schwankt deren Durchmesser von 25—60 mm 
und ihre Wandungen sind manchmal nur wenig dicker als Papier. In Ak-hissär in 
Anatolien, an der damals im Bau begriffenen Bahn, wurden Thonröhren in kleinen 
Meilern, deren mehrere neben der Töpferei lagen, gebrannt. Von unseren Röhren 
unterscheiden sie sich wesentlich dadurch, dass sie (Fig. 15) nur rd. 30 cm lang 
und nicht mit erweiterten Muffen, sondern mit eingeengten Schwanzenden ' ver- 



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160 



Fig. 13. Thonrülnen aus Ak-hissär. 

sehen sind. Hervorzuheben ist, dass die Türken eine gute \'erbindungsweise 
von Thiinnihrcn anwenden, während im Abendlande nur Verbindungen bekannt 
sind, die entweder keinen Druck aushalten, wie die mit plastischem Thon, oder 
die für neue Leitungen zu spröde sind, wie die mit Cement. Die türkische Dichtung 
geschieht, nach freundlicher Mittheilung des Herrn Chulussi-Bey, mit einem aus 
6 Gewichtstheilen Leinöl, S Gcwichtstheilen in Staub zertallenem Kalk und 
einem Gewichtstheile Baumwolle zusammengesetzten Kittwulst, den man zunächst 
um das Schwanzende des zu \crlegendcn K'olires windet und der sich dann beim 



1 a. a. O., S. 332. 

• In den von den köiiif^l. Museen zu I'.ctüm liei,iusL;ei;ebenen .MtcilliLiniern vcjn IVr^anion 
gibt Biilm, I'd, II, 1HS5, S. 66, die Abbilduuj; zweier antiUer Uleinasiatischer 'riiduröliren. Bei 
ilnien sind Müllen und Seliw.uizenden dureli .Seliwäehun^- der Wandstärke an der Innen- bezw. 
Aussenseite gebildet. 



Einschieben dieses Rohres in das schon \erlegte plattdrückt. Zur Controle der 
Verhältnisszahlen wurden an der technischen Hochschule in Aachen zwei \'ersuche 
gemacht, einer mit kurz geschnittener Putzwolle und der andere mit zerzupfter 
Watte und bei beiden blieb die Dichtung durch Wochen weich, nachgiebig und 
fähig Bewegungen zu ertragen, wie sie bei neuen Strängen vorkommen ; nach 
einigen Monaten aber wurde sie steinhart und fest. Die Mengung von Kalk 
und Öl zu einem Dichtmittel, vielleicht noch ohne Zusatz eines Faserstoffes, war 
übrigens schon den Römern bekannt, wie aus folgender Äusserimg von Plinius 
LXXXI. c. 6 hervorgeht: Caeterum a fönte duci fictilibus tubis utilissimum est 
crassitudine binum digitorum commissuris pyxidatis (mit verpichten Fugen\ ita ut 
superior intret calce viva ex oleo laevigatis (so dass das obere in mit Öl schlüpfrig 
gemachten Atzkalk eindringt). 

Thonröhren gelten nur bei Druckhöhen von weniger als lo m Wassersäule 
für sicher. Zur Vermeidung grösseren Druckes dienen die »Suterazy:: (wörtlich 



Fig. i6. Längendurchsclmitt einer Suterazv-Wasserleitung nacli Andreossy. 

übersetzt: Wasserwaagen). Die Suterazy sind Thürme, welche zu oberst einen 
kleinen offenen Stein- oder Blcchtrog tragen. Unter jedem Suterazy ist, wie 
beistehende Figur (Fig. i6) nach Andreossy andeutet, der eigentliche, annähernd 
wagerechte Strang unterbrochen ; an ihn schliesst sich dafür ein Steigrohr an, 
welches das Wasser emporführt und in den Trog frei überfallen oder ül^erströmen 
lässt. Durch ein Fallrohr fliesst das Wasser in die nächste Theilstrecke hinab, in 
welcher ein Druck herrscht, der dem Wasserspiegel im Trog entspricht. Durch 
passende Wahl der freien Fallhöhe (z. B. 19 cm) hat man es in der Hand, den 
Druck, den die Thonröhren aushalten müssen, beliebig zu verringern. Dieser Zweck 
der Suterazy ist, wie es scheint, l)isher nicht erwähnt worden; dagegen haben 
verschiedene Verfasser mit Recht zwei andere Vortheile der Suterazy hervorgehoben : 
dass sie, weil in jedem .Suterazy die üljcrfallende Wassermenge gemessen werden 
kann, die .Aulliiidung \on rndiclilJK'itL-n sehr erleichtern, und dass sie eine "Ute 



24 

Entlüftung des Stranges bewirken, den man leicht so verlegen kann, dass er 
nirgends Luftsäcke zwischen zwei auf einander folgenden Thürmchen bildet. Die 
Entfernung letzterer soll in Konstantinopel 200 m betragen ; sie ist jedoch nicht 
allenthalben gleich, z. B. befindet sich in Sojüd, angeblich der ältesten von den 
Türken gegründeten Stadt in Anatolien, eine etwa 30 Jahre alte Anlage mit vier 
Suterazy in je 63-2 m Entfernung von Mitte zu Mitte, deren höchster S m hoch 
ist. Die ursprüngliche Thonrohrleitung ist dort herausgerissen und durch einen 
stark leckenden Strang von Tannenholz ersetzt worden. Manchmal werden die 
Thonröhren, damit sie mehr Pressung aushalten, ummauert. Die Bleirohren ver- 



fWideJseji 



Ansicht Grundrifs 

'^Z > <- 60 -^ 



1 



1 30 






BleiTohr 



.._.rT. 



^ Steigeisen u. d Rackieüe 









; ■ » 

20 



Fig. 17. Suterazy bei Kadi-Kjöi. 



tragen, wenn nicht zu dünnwandig, einen weit grösseren Druck als die Thonröiiren ; 
man trifft sie daJK'r oft in \'erbindung mit reciit hohen Suterazy-Pfeiiern an; so 
gehört ein 30»; hoher, in aliwechselnden Lagen von Haustein und Ziegeln aul- 
gefülirter Suterazy-Thurm hinter Kasim-Pascha jedenfalls einer Ijleiernen Leitung 
an. Kleinere Suterazy werden von aussen bestiegen, grössere bergen im hmern 
zwei lolhreclite, aus den Mauern iiei-vorragende, gegenüberliegende Steimeilieii 
oder Wcndeitri.|ipen. I )ie meisten Snlerazy sind recht einfach gelunnt unLJliaben 
quadratisclien oder rechteckigen Crundriss; doch gii)t es auch einige mit siinlen- 
artig aljgerundeten i''.eken und Knumngsgesimsen. 



25 

Einen Suterazy der ersten Art, welcher auf der Höhe von Kadi-Kjüi nach 
Haidarpascha zu gelegen ist, hatte Herr Prof. Land die Freundlichkeit aufzumessen 
und sein Assistent Herr Kemäl ed-dhi zu photographiren (Fig. 17 und 18). Dieser 




Fig. 18. Suteiazy bei Kadi-Kjöi. 



Suterazy ist der höchste in einer Reilie von anderen \('»n verschiedener Grösse, 
die liings einer hochgelegenen, nacli dem Berge Bulgluulu tiilirenden Strasse empor- 
ragen und offenbar eine Leitung anzeigen, die von diesem Berge kommt. Fr ist 

4 



26 

etwa 13-6 VI hoch, vierkantig von quadratiscliem Querschnitt, unten 2-35 ;;;, oben 
1-3 ;;; breit, aus abwechselnden, sich alle 34 cm wiederholenden Lagen von je 
einer Steinschichte und zwei Ziegelschichten mit y~,— 4cm dicken Mörtelfugen 
gemauert und dadurch besteigbar, dass auf einer Aussenseite zwei verschränkte 
Reihen Steigeisen in das Mauerwerk eingelassen sind. Dieselben folgen einander 
in jeder Reihe in 45-500« Abstand, springen 20 c;« vor und machen den Tritt 
und Halt dadurch etwas sicherer, dass sie am Ende leiclit in die Höhe gebogen 
sind. Auf einer Seite der obersten Fläche des Pfeilers liegt ein Steingefäss von 
42 on Innenbreite und Innenlänge und 36 cm Tiefe, aus dessen Boden in 22 cm 
Abstand zwei Bleirohre von 5 cm Durchmesser um 10 cm emporragen. Die meisten 
Suterazy sind so einfach geformt wie der beschriebene ; doch gibt es auch einige 
mit säulenartig" abgerundeten Ecken und Krönungsgesimsen unweit der Marcians- 
säule. Einer derselben, auch von den Herren Land und Kemäl ed-din aufgemessen 



K60k ^ Au5lauFbrunn,\> 




Strasse Dirckicr arasy. 
Fig. 19. Suterazy in der Niihe der iMarcianssäule. 



bezw. photographirt (Fig. 19 und 20), liegt auf dem kleinen Platze Adschem-Oghlü- 
Meidany im Quartier Weznedschiler |in Stoipe's Plan 6 E] am Anfange der 
Strasse Direkler-arasy. Die auf dem Bilde nicht sichtbare Seite des Pfeilers ist abge- 
stumpft, während dem Beschauer ein an den Pfeiler angebautes Brunnenhäuschen 
zugewendet ist. Der Eingang zu dem etwa 10;« hohen Suterazy beiludet sich in 
etwa 1-2 m HöJic iiber der Strasse, ist 60 cm breit und etwa r20 m hoch und führt 
in einen ziemlich dunklen Schacht, welcher heute ein wahrer Taubenschlag ist 
und vor Schmutz so starrt, dass trotz zweier zum Besteigen dienenden Reihen vor- 
gekragter Steine ein Aufstieg unterljjcibcn musstc. Salzenl)crg' hält diesen Pfeiler 
oder die ganze Pfeilerreilic für b3'zantinisch, eine sclum aus technischen Ciründen 
unwahrscheinliche Annahme, da die diinnm, häulig vom Leckwasser durch- 



< W. Salzenberg, Altdiristliclie Haudciilviinilc von Con.stanliiuipel, Hcrliii i.S?.|, S. },<■) mit 
Abb., Taf. X.XXVI1I, Imk. 18. Andeix- ALhildunuLU linden sicli All;; Hauzt;,'. iN.S,^, 151. 5-'.l inid 528. 



27 

tränkten Pfeiler durch Frost sehr leiden und zu den wenigst haltbaren Bauwerken 
gehören. Unter den zahlreichen Suterazy Konstantinopels — in der Karte von Stolpe ' 




FiiT. 20. Suterazv in der Niihe der Marcians.saule. 



I Plan der Stadt Constanlinopel u. s. \v. von G. Stolpe, im Massstabe l : lo.ooo nur in 
wenigen Kxemplaren vorhanden, in i : 15 ooo im Huchliandel vurräthig. 

4* 



28 

sind allein in Stambul etwa 30 und damit nur ein kleiner Bruchtheil der tliat- 
sächlich vorhandenen eingetragen — dürften sich überhaupt keine vortürkischen 
befinden. Übrigens können auch beliebige hohe Gebäude an Stelle eigens hierfür 
hero-esteUter Thürme die erwähnten Gefässe aufnehmen. 

Hammer ' ist der Ansicht, dass schon die Römer die Suterazy kannten und 
sie mit libramenta aquae bezeichneten, wofür er eine Stelle des Plinius LXXXI, c. 6 
anführt. Die übliche Übersetzung von libramentum aquae aber lautet »Gefälle«, 
und der Name, sowie das Vorkommen der Suterazy weisen eher auf morgen- 
als auf abendländische Abstammung hin. Den Byzantinern die Ehre der Erfindung 
zuzuerkennen hindert der noch zu erwähnende Aquaeduct von Aspendos, den 
Niemann als Druckleitung reconstruirt hat. 

Rohrleitungen mit Wasserpfeilern, welche den in den Röhren herrschenden 
Druck massigen und regeln, müssen übrigens nicht unbedingt in die Erde ver- 
senkt sein, sondern können auch auf Bogenstellungen Platz finden; sie bewirken so, 
dass die Aquaeducte viel niedriger und kürzer ausfallen als bei offenen Gerinnen. 
Es unterliegt heute keinem Zweifel mehr, dass die Römer, wie aus erhaltenen 
Leitungen zu Lyon, Alatri, Pergamon und anderen Orten, sowie aus den Angaben 
Vitruv's (VII, 6) hervorgeht, wussten, dass das Wasser in Röhren bergan laufen 
kann, und dass sie häufig geschlossene Leitungen, wenn auch ohne Suterazy- 
pfeiler über Aquaeducte führten, wie ja auch auf dem Valensaquaeducte das 
Wasser, nach einzelnen Suterazybehältern zu schliessen, unter massigem Drucke 
steht. Am billigsten ist es bei solcher Verbindung von Unterbau und Rohr dieses 
überall so tief zu legen, wie es die Festigkeit seiner Wandungen gestattet; 
doch kostet es nicht viel mehr, die Krone des Aquaeductes nur im Thale 
niedriger als der freie Wasserspiegel wäre anzuordnen und beiderseitig auf 
den Berglehnen ansteigende Rampen zu bilden, nicht unähnlich wie es im 
hohen Altcrthume zu Patara in Lykien geschah,'* wo ein auf einer kaum 
durchbrochenen Cyclopenmauer aufruhender Steinrohrstrang einen umgekehrten 
Heber bildet. Während bei diesem Bauwerke noch keine offenen, hoch- 
gelegenen Behälter vorkommen, ist der aus Bögen bestehende Aquaeduct 
von Aspendos' bereits mit solchen versehen; doch sind die Gefässe nicht 
wie bei den Suterazy in Konstantinopcl auf lothrechte Pfeiler gestellt, wt)hl 
weil das Wasser in Aspendos durch Steinröhren und nicht durch Thon- oder 



1 a. a. O., BJ. I, S. 580. 

2 Texier, Voyage en Asic miiiourc, 1. IM, p. U)2, 11^3 pf 171), die 'V.ii\:\ :i\w\\ in lkli;r;iiKl a. a. O. 
> Lanckoroiiski, Städte Pamplivlifiis und l'isidicns, 1890, I, .S. i.:o. 



Bleiröhren fliegst. Man hat hier den Strang auf jeder Thalseite erst in die 
Höhe bis zu einem kleinen otTenen Behälter geführt, dann wieder herab bis 
zur langen wagrecliten Tlialmittelstrecke. Die Entfernung der beiden Behälter 
beträgt 924 ;«, die Höhe der Hauptstrecke über der Thalsohle 14 m, die der 
offenen Behälter etwa 30 m, so dass der Druck dem einer etwa 16 m hohen 
Wassersäule entsprach. Bei lothrechten Pfeilern wäre weniger Mauerwerk aber 
immerhin eine grössere Zahl kostspieliger Steinrohre für den Steig- und den 
Fallstrang erforderlich gewesen. Zur Beleuchtung der Ersparnisse, welche sich 
durch Anwendung von Suterazyleitungen bei Aquaeducten erzielen lassen, sei 
angeführt, wie Andreossy berechnet, dass wenn man den auf der Strecke nach 
Pera gelegenen Aquaeduct von Baghtsche-Kjöi, der 500.000 Piaster gekostet hat, 
durch ein Suterazy ersetzt hätte, derselbe nur auf 25.000 Piaster zu stehen 
gekommen wäre. 

Über die Art, wie das Wasser in byzantinischer Zeit aus den Leitungen 
vertheilt wurde, haben wir keine Nachrichten. Nur für das vierte Jahrhundert erhellt 
aus einem Gesetz vom Jahre 389, welches sich gegen eingerissene Missbräuche 
wendet, dass das Wasser an öffentlichen Stellen geholt werden musste. »Wir 
befehlen«, heisst es im Cod. Just. XI, 43, 3, »dass die, welche ehemals oder jetzt 
Wasser durch unsere Bewilligung zugetheilt erhalten haben, den Gebrauch des- 
selben entweder aus den Brunnenhäusern (ex castellis) oder aus den Canälen 
selbst schöpfen sollen und nicht den Lauf und die Festigkeit jener Röhren, welche 
man Mutterröhren (matrices) nennt, antasten oder (das Wasser) aus dem Aquae- 
duct selbst ableiten.« In nachjustinianischer Zeit scheint jedes grössere Gebäude, 
wie wir sehen werden, seine eigene Privatcisteme gehabt zu haben, aus der man 
den Bedarf deckte. Heute wird das Wasser der Leitungen nach bestimmter Vor- 
schrift vertheilt. Zu diesem Zwecke lässt man die betreffende Leitung in einen 
»Taksim« oder Teiler (das Wort ist arabisch) münden. Das Wasser läuft hierbei 
in einen Trog, dessen Wandung mit einer wagerechten Reihe Löcher versehen 
ist. Sobald der Wasserstand im Trog eine bestimmte Höhe hat, gibt jedes Loch 
je nach seinem Durchmesser eine gewisse Wassermenge ab, und man kann auf 
diese Weise, indem man die Löcher zu Gruppen vereinigt und jede Gruppe in 
ein besonderes Gerinne giessen lässt, die ankommende Wassermenge beliebig 
theilen. Das entspricht unserer ehemaligen Abgabe nach \\'asscrzollen (pouces 
d'eau) oder nach bairischen Steffen. Am Verthciler des Hadrians-Aquaeductes 
bei Egri-Kapi'i kommen täglich nach Andreoss}' 134 LuiO, d. i., wenn das Lule 
zu 2 cbin in der Stunde gerechnet wird, 6400 cbm nacli Stambul, bei Wasserüber- 
fluss sogar 150 i.ulc oder ~200clvn. NacIi iinindliclicr Mittheilung an Ort und 



30 

Stelle wäre die Wassermenge nicht 134, sondern heute nur 131 Lule. Dem Aquae- 
ducte von Baghtsche-Kjöi entströmen täglich 52 Luie oder 2500 cbm, welche in die 
Stadttheile nördlich vom Goldenen Hörn und in die Bosporusdörfer gelangen. 
Weitere 67 Lule oder 3200 cbm liefern die vielen Quellleitungen, welche an den 
verschiedensten Punkten in Stanibul eintreten, darunter der Aquaeduct des Valens 
mit 15 Lule = 720 cbm im Tag. Wenn die Aufseher überall regeln, muss die 
Auftheilung ohne Eest vor sich gehen. Manchmal kommt jedoch zu viel oder zu 
wenig Wasser an; dann stellt sich der Wasserstand im Trog hoher oder tiefer, 
und alle Löcher geben eine grössere bezw. kleinere Wassermenge ab. Wenn 
jedoch die Trogwandung an einer Stelle einen wagerechten Ausschnitt hat, welcher 
so hoch liegt, wie der Wasserstand im Trog beständig sein sollte, so stürzt über 
diese ausgeschnittene Stelle das Mehrwasser über. Diese Einrichtung wird getroffen, 
wenn das Mehrwasser nur einem der verschiedenen Gerinne zu gute kommen 
soll. Beispielsweise gehen von den gewöhnlich in den Vertheiler von Egri-Kapü 
eintliessenden lycbm in der Richtung nach dem At-Bazär lio und in der nach 
dem Jeni-Baghtsche 21 weiter, etwaiges Mehrwasser aber strömt nur gegen 
den At-Bazär hin. Zum Verschluss von Theilkastenlöchem werden Hähne nicht 
benutzt, und zwar mit Recht, da sie, auch wenn ganz geöffnet, den Durchfluss 
stören können. Um ein Loch abzusperren, wirft der Aufseher eine Hand voll 
Kräuter (wilde Sellerie '), die schon durchtränkt sind, in den Kasten vor das Loch. 
Der Wirbel zieht sie von selbst mit und verlegt die Öffnung. Im Vertheilhäuschen 
von Egri-Kapü konnte dieses urwüchsige Verfahren beobachtet werden; in dem 
auf dem At-Bazär lag statt dessen ein grosser Haufen Hobelspähne zu ähnlicher 
Verwendung bereit. 

Der Vertheiler von Egri-Kapü (Fig. 21) befindet sich in einem viereckigen 
Häuschen, das mit einer von aussen als steinernes Zeltdach erscheinenden Hänge- 
kuppel überwölbt ist, deren Hängezwickel aus Schichten von abwechselnd 10 Ziegel- 
und einer Steinlage bestehen. Der übrige Mauerverband ist heute durch den 
Verputz verdeckt und auch ein Kreuz, welches Andreossy auf einer hinenwand 
abbildet, ist nicht mehr zu bemerken, so dass die Erscheinung sowohl von aussen 
(vgl. beistehende nach einer Photographie verfertigte Zeichnung) als auch von 
innen durchaus türkisch ist und mit einigen hischriften übereinstimmt, nach welchen 
der Vertheiler ottonianischen Ursprunges und auf Befehl verschiedener Sultane 
ausgebessert wurden ist. 



' Allgemeine I^auzeitiiiif; 1853, S. .18. 



31 

Häufig wild zur Theilung ein Suterazy-Kasten benutzt, von dem dann 
mehrere Bleirohre ausgehen, wie z. B. bei den sclion erwähnten Kästen auf dem in 
Fig. 12 abgebildeten Valensaquaeducte, ja viele Suterazy sind nur der Theilung wegen 
errichtet worden und dieser Zweck, jedem Abnehmer seine Wassermenge abzu- 
wägen, dürfte sogar zu dem türkischen Namen Su-Terazv Anlass gegeben haben, 
in welchem übrigens Terazy, die Waage, einer der vielen aus dem Persischen 
stammenden Kunstausdrücke des Türkischen ist. Wann und wo diese Vereinigung 
von Taksim und Suterazy zuerst aufkam, ist unbekannt. Im alten Rom mündeten 
die von den Quellen kommenden Gerinne am Stadteingange nachVitruv (VIII, c. 7) 
in Wasserschlösser mit drei Becken, je eines für die Bäder und für Privatleute 




Fig. 21. Taksim von Egri-Kapü. 



mit bestimmter Entnahme und eines für die öfientlichen Brunnen, welch letzteres 
bei starkem Zufiuss auch alles überschüssige Wasser aufnahm. Ferner gab es 
viele (z. B. zu den Zeiten des Frontinus, des Leiters der Wasser\'ersorgung von 
Rom unter Nerva und Trajan 247 und zu den Zeiten Justinians sogar 1352) über 
die Stadt zerstreute castella aquae oder besser gesagt, weil castella aquae auch 
andere Bauwerke genannt werden, dividicula, in welchen das für die Privatleute 
bestimmte Wasser weiter zerlegt wurde. ' Da aber die Gefässe der dividicula ein- 
theilig waren und nicht mehrkammerig wie in Konstantinopel, war diese Zerlegung 
unsicher und hing die Ergiebigkeit jeder vom Gefäss abzweigenden Leitung niciit 



1 Beigrand, a. a. O., S. 74 tV. 



nur von ihrem Dnrclimesser, sondern auch von ihrem Gesammtgefälle, von iiirer 
Länge, ja sogar ein wenig auch von der Glätte der Innenwandungen und dem 
Vorhandensein von Luftsäcken in ihr ab. Ähnlich war ehemals die Vertheilung 
in vielen Städten inner- und ausserhalb Italiens eingerichtet, so z. B. in Paris, 
wo das letzte chäteau d'eau erst vor ungefähr 20 Jahren verschwand. In England 
wird heute meistens in jedem Hause ein geaichter Behälter täglich einmal gefüllt, 
und der Strassenstrang, nach Füllung der Hausbehälter einer Strasse, um Wasser- 
entwendung unmöglich zu machen, abgesperrt. In Deutschland dagegen steht das 
Strassennetz beständig unter Druck und mit den Hausleitungen in Verbindung; 
letztere werden, wo sie in die Häuser eintreten, also im Keller, durch einen 
Wassermesser geführt, so dass man im Hause immer frisches Wasser entnehmen 
und auch am Wassermesser ablesen kann, wie viel seit der letzten Ablesung 
durch ihn geflossen ist. Das deutsche Verfahren hat den Vorzug, dass jedes Haus 
in jedem Augenblicke so viel Wasser entnehmen kann, als es bedarf, aber auch 
nie gezwungen ist mehr zu nehmen und daher zu vergeuden. Das türkische Ver- 
fahren geniesst den Vortheil, dass es eine genaue Theilung ständig fliessender 
Strahlen für Brunnen, Moscheen u. dergl. ermöglicht, während das englische das 
wenigst gute, aber einfachste ist, so dass man es neben dem türkischen System 
auch in Konstantinopel antrifft. 

Da in Konstantinopel der grösste Theil des Wassers aus Weihern stammt, 
ist eine zweite Aufspeicherung innerhalb der Stadt in Friedenszeiten nicht noth- 
wendig. Die Türken haben denn auch die grosse Zahl offener und geschlossener 
Behälter aus christlicher Zeit, mit denen wir uns im Haupttheile dieses Buches 
beschäftigen werden, fast ganz ihrem Zwecke entfremdet. Kleinere neuere Behälter 
sind, wie schon oben angedeutet, in Konstantinopel nicht selten. Sie ermöglichen 
den Hausbesitzern, wenn die Stadtviertel das Wasser nur stundenweise zugemessen 
bekommen, sich mit dem nöthigen Vorrath für diese Stunden, im Sommer auch für 
Tage zu versehen. ' 

Das Wasser der Weiher und Quellen wird sowohl dem der Brunnenschächte 
innerhalb der Stadt als auch dem der neuen Derkos- Wasserwerke vorgezogen. 
Es speist in Stambul fast ausschliesslich das Serai und Entnahmestellen zu öffent- 
lichem Gebrauche, nämlich die Auslaul'brunnen, »Tscheschme«, und die Trink- 
häuser, »Sebil« genannt. Die Anzahl Iieider ist sehr gross. Der Auslauf der 
Tscheschme besteht zumeist aus einer jothrcchten Marmortafel luil Inschriften 

I (Araber, Die Wasserleitungen von Pergamon, S. ^o, in lIcm .\IiliaiKlhmu,i.ii der köni';!. 
Akaduiiiic der Wissonscliaftcn zu nolin 1S.S7. 



33 

und Ornamenten, ans der ein oder mehrere Kegelhähne hervorragen. Das über- 
schüssige Wasser fällt in einen Trog, bisweilen wohl auch in ein versenktes Gerinne, 
wie bei den in Reihen längs der Moscheen angebrachten Auslaufhähnen, welche 
zu den rituellen Abwaschungen vor dem Gebete dienen. Bei den meisten Aus- 
laufbrunnen sind ferner Trinkschalen an Ketten ansrehäncrt. 




1 il;. 22. Bi luinciiliaus in der AlimeJijO. 

Die Sebil erfordern eine Stiftung mit eigenen Leuten, welche die Vorüber- 
gehenden tränken, d. h. Krüge mit Wasser aufstellen oder darreichen. Sebil heisst 
auch eigentlich nicht Brunnen, sondern arabisch Weg, und ist eine Abkürzung von 
»Fi sebili'llähi«, d. h. auf dem Wege Gottes«. Architektonisch stellen sie frei- 
stehende Häuschen dar mit Hahnen, Hecken und vergitterten Kammern für die 



34 

Leute, welche die Krüge füllen. Ihre Ausschmückung ist stets vorzüglicli und 
sie gehören zu den ausgezeichnetsten Erzeugnissen des mohamedanischen Stiles. 
Fig. 22 stellt ein solches Brunnenhaus im Hofe der 1609 — 1614 erbauten 
Moschee des Sultans Ahmed I. mit sechs Säulen und Spitzbogen dar. In Fig. 23 
sehen wir eines der schönsten von den geschlossenen Brunnenhäusern Kon- 
stantinopels. Es steht neben der Geschützwerkstatt (Topchane) und wurde unter 
Ahmed III. (1703 — 1730) errichtet. Sein reicher Skulpturenschniuck zeigt, besonders 




Fig. 23. Brunnciiliaus in Topcliane. 



in den Ecknischen, schon den i)eginnendcn Einfluss der abendländischen Kunst. 
Noch spätere Bauwerke gehören schlechterdings einer orientalischen Abart der- 
selben an; für sie ist das weichlich l)ehandclte, wie aus Teig nachgeformte 
Renaissance- und Kococo-Ornament bczeichiKiid. 



Katalog 

der byzantinischen Wasserbehälter Konstantinopels. 



Die in der Einleitung geschilderten Bauten zur Wasserversorgung Kon- 
stantinopels würden genügen — und genügen heute in der That — so lange die 
Stadt unter dem Schutze des Friedens lebt und der Wasserzufluss von den ausser- 
halb der Mauern liegenden Quellen nicht gestört wird. Anders im Kriegsfalle. 
Der Belagerer hat die Stadt, falls er die Leitungen in seine Macht bekommt, 
vollständig in der Hand: er schneidet den Zufluss ab und Konstantinopel kann 
sich höchstens eine Zeit lang mit destillirtem Seewasser behelfen. Das Brunnen- 
wasser ist, wie bereits oben hervorgehoben wurde, schlecht und durchaus unzu- 
reichend. Und Behälter innerhalb der Stadt, in denen das Wasser für den Noth- 
fall aufgespeichert werden könnte, sind heute nur fünf in Benützung (5,19, 26, 29, 32), 
von denen vier so klein sind, dass sie nicht weiter in Betracht kommen. Wir 
werden sie unten kennen lernen. Die Türken haben es aber immer noch in der 
Hand, sich mit einem Schlage von dieser drohenden Gefahr zu befreien. Völlig 
unbeachtet oder ihrem ursprünglichen Zweck entfremdet liegen zum Theil unter 
freiem Himmel, zum Theil unter dem Erdboden von Stambul versteckt, eine grosse 
Zahl V. in Behältern bereit, welche die Jahrhunderte überdauert haben und heute 
Zeugniss ablegen von der vorsorglichen Thätigkeit der Byzantiner. Ihrer Unter- 
suchung sind die nachfolgenden Blätter gewidmet und auf sie bezieht sich Mokkc, 
wenn er schreibt: :> Mehmet dem Eroberer und Suleiman dem Prachtvollen kam 
es freilich nicht in den Sinn, dass ihre Hauptstadt je belagert werden könne; 
heute liegen die Sachen anders und es ist ein c;iück, dass die Reservoire trotz 
ihrer anderweitigen Verwendung doch wenigstens noch da sind. ^ ' 

Der nachfolgende Katalog vereinigt alle den Verfassern, sei es durch die 
IJtteratur, sei es durch eigene Nachforschungen bekannt gewordenen Behälter. 
Diejenigen, welche fortlaufende Nummern haben, wurden, so weit dies möglich 

1 Miihke, Blick- über Zustünde in tkr Tihkei, l. A., S. 90. 

5* 



3^ 

war, unteisuclit und sind beschrieben und abgebildet. Die durch Buchstaben 
bezeichneten waren zerstört oder nach den knappen Berichten neuerer Schriftsteller, 
durch die sie bekannt geworden sind, unauffindbar. Ältere Nachrichten werden 
erst im historischen Theile zur Identificirung und Datirung der einzelnen Behälter 
herangezogen werden. Da unter den von ihnen genannten einige vorkommen, 
die heute sicher nicht mehr existiren, so steigert sich die Menge der Behälter, wenn 
wir ihre Zahl in byzantinischer Zeit schätzen wollten, noch um ein Beträchtliches, 
ganz abgesehen davon, dass die Verfasser durchaus nicht der Meinung sind, dass 
ihnen kein existirender Behäker entgangen sei. Vielmehr müssen gerade sie, die 
erfahren haben, wie sehr die Auffindung dieser Objecte einerseits vom Zufall 
abhängig und wie schwierig auf der anderen Seite jede systematische Nachforschung 
in Konstantinopel gemacht ist, ein für alle Mal erklären, dass nach ihrer Überzeugung 
noch eine ganze Reihe von Behältern, grössere nicht ausgeschlossen, unter der 
Erde versteckt liegen können. Diese Arbeit macht daher nur den Anspruch auf 
Vollständigkeit, soweit dabei das augenblicklich bekannte Material in Betracht 
kommt; sie kann also in gewissem Sinne nur als Basis für weitere Nach- 
forschungen dieser Art angesehen werden. 

Die unter freiem Himmel liegenden Behälter, für welche wir durchgehends 
die Bezeichnung offene Behälter oder Teiche anwenden wollen, werden von den 
Türken Tschukür bostän, d. h. Gruben-Garten, genannt, weil sie, in den Erd- 
boden vertieft, Gruben bilden, in denen heute wegen des feuchten Bodens Ge- 
müse gebaut wird. Nur noch in geringer Zahl vorhanden, sind sie wegen ihrer 
Grösse leicht aufzufinden und bis auf einen (4) allgemein bekannt. 

Anders die geschlossenen Behälter, welche von Gewölben bedeckt, zumeist 
unter dem Häusermeer verschwunden und zum Theil selbst den über ihnen 
Wohnenden unbekannt sind. In der Litteratur, wie bei den in Konstantinopel 
ansässigen Europäern hat sich für sie die Bezeichnung Cisterne (citerne) einge- 
bürgert. Der Ausdruck ist nach unseren Begriffen nicht ganz zutreffend, da diese 
Behälter im Allgemeinen wahrscheinlich nicht zur Ansamnilung \on Kegenwasser 
dienten, scmdern häufig wohl auch durch die Leitungen gespeist wurden, wie 
heute noch Jere batän Serai. Man würde sie einfach Behälter, Wasserbehälter, 
Hallenbehältcr, Reservoire, oder nach der Lage auch Hochl)eiiälter nennen. Wir 
wollen trotzdem neben der im modernen Sinne richtigen Bezeichnung auch die 
Benennung Cisterne festhalten, weil sie die von den byzantinischen Schriftstellern 
gebrauchte ist (xr^ariii-^r^), und die Art ihrer .Spc'isung sich nicht mit \cilliger 
Klarheit feststellen lässt. Die Türken nennen die allen neli,ilti.r Kellei': sie sind 
demgcmäss als Bodi-i'im oder Machzen y\\ erfiauen. .Man wiid aber ii\\{ tlum, 



37 

in den meisten Fallen (5 — 32) »direkli«, d. h. mit Säulen und bei einigen Be- 
hältern, die heute von Seidenspinnern benützt werden (6, 9, 10, 17, 23), auch 
eine Frage nach diesen zuzusetzen. Cisterne heisst im Türkischen sarnydsch und 
bedeutet kleinere Regenwasserbehälter, sogenannte Regensärge. Es gibt ihrer in 
Stambul natürlich eine grosse Zahl, darunter gewiss auch byzantinische. 

Einige Hallenbehälter sind ohne Schwierigkeiten zu besuchen. Jeder Fremde 
wird von seinem Hotel-Dragoman in die Bin bir direk (6) geführt. Man wird 
ihm auf Wunsch auch Jere batän Serai {5), die Behälter bei Sultan Selim (9), in 
Kara gümruk (10), vielleicht auch in Psamatia (11) und unter dem Hippodrom (33) 
und von aussen wenigstens noch den Bodrüm (7) zeigen. Bezüglich der übrigen 
dagegen, dürfte — vor dem Erscheinen dieses Buches wenigstens — bei den 
Fremdenführern vergeblich Nachfrage gehalten werden. 

Wendet man sich dann an die topographischen Schriftsteller um Auskunft, 
so findet man eine solche auch nur für die eben genannten Cisternen. Die An- 
gaben über die Lage aller anderen bisher bekannten Behälter sind so allgemeiner 
Art, dass kaum der Eingeweihte sich darin zurecht zu finden weiss. Das Brauch- 
barste geben immer noch Gyllius' und Andreossy.^ Hammer' geht auf beide 
zurück, doch ändert er ihre kernige Art durch die Beifügung von byzantinischen 
Schriftquellen in eine halb historische Betrachtung. Dürftiger ist der Aufschluss, 
den die Stadtpläne liefern. Kaufter (1786) zeichnet ausser den Teichen nur Bin 
bir direk (6) und den Bodrüm (7) ein. Moltke (1836 — 37) hat in seinem Plane die 
grossen Züge der Strassen und mehr ein Gesammtbild geben wollen; er hat daher 
von den Hallenbehältern überhaupt nur Bin bir direk (6) aufgenommen. Der arme 
Stolpe' hat seinen Plan auf Grundlage des Mokke'schen angefertigt und die 
Cisternen nach Hammer eingezeichnet. Da er keine Messungen vornehmen durfte 
und nur nach seinen Schritten rechnen konnte, liegen manche Objecte unrichtig. 
Jere batän Serai (5) sollte grösser gezeichnet und mehr nach Süden gerückt sein, 
der Bodrüm (7) neben der Laleli dscliami mehr nach Westen, die Cisterne Panto- 
krator mehr nach Osten oder Westen (13 oder 16 ?), die neben dem Tschukür bostän 
in Kara gümruk (lO) mehr nach Westen l)is hart an den Teich. Was dann gar die 



I P. Gyllii de Constantinopoleos Topograpliia lib. IV citiit nach der ed. Klzeviriana 1632. 

» Vgl. oben S. 6, Anm. i. 

3 Oonstantinopolis und der Bosporos 1822, I, S. 552, § LVII. 

* Wir halten uns durchweij an die zweite im verkleinerten Mas-'sstabe mit der Umgebung 
crseliiencne Karte, weil diese die Ouartiernunimern enthält und von Stolpe zwischen 1863—66 
noelmials revidirt ist. l''hriu:ens ist die erste, dem .Sultan gewidmete Aullage im Buelihandel 
auch sehr selten. 



38 

im ^'iel■tel Aiwan Serai als Cisterne bezeichnete Localität, ferner die Stellen, 
wo »Muthmassliche Lage der Petri-Cisterne«, »Wahrscheinliche Lage der Cisterne 
Boni«, »? eist. Arcadiana«; gedruckt ist, anbelangt, so war dort überhaupt nichts 
zu finden. 

Alle anderen Schriftsteller gehen, soweit ihnen nicht der Zufall neues Material 
zuführte, auf die eine oder andere der angeführten Quellen zurück. Die Levantiner 
haben sich mehr um die alten Namen, als um die Cisternen selbst gekümmert. 
Einiofermassen that dies noch der Patriarch Konstantios ; ' doch hat er sich nicht 
controlirt und seine Angaben enthalten daher die unglaublichsten Widersprüche. 
Skarlatos Byzantios' hat auf Autopsie ganz verzichtet. Auch die Mittheilungen 
von Dr. A. Mordtmann ^ in Konstantinopel , der in der Namengebung am 
weitesten eesfaneen ist, scheinen uns nicht den Vorzug zu besitzen, dass sie 
auf eigener Anschauung beruhen. Die Reisehandbücher endlich bringen über die 
Cisternen mehr vor, als sich erwarten Hesse. Der Verfasser des Guide- Joanne,* 
die Vorgänger benützend, führt als ohne Schwierigkeit zugänglich sechs der 
grössten Hallenbehälter {5 — 9 und li) an und als solche, zu denen der Zutritt 
viel weniger leicht sei, nennt er zuerst vier, die er oftenbar nicht selbst besucht 
hat, darunter eine mit 70 Säulen nördlich von der Laleli dschami, von der trotz 
hartnäckigen Suchens absolut keine Spur zu finden war. Woher er gerade tür sie 
den Namen Cisterne des Phokas genommen hat, ist ebenso unergründlich. Die 
von ihm am Schlüsse genannten Behälter, für die er den Namen der kalten 
Cisternen einführt, sind an der Hand seiner Beschreibung leicht zu finden. Jeden- 
falls ist der Verfasser des Guide -Joanne der Zeit nach der letzte, welcher diesen 
Bauwerken angemessene Beachtung geschenkt hat. Ihre Bedeutung erkennend, 
schickt er seiner Bes]-)rechung voraus: »il }• aurait, sans doute, quelque interet 
ä posseder un travail d'ensemble sur ces citerncs, importants monuments de fart 
byzantin« etc. Ähnlich hatte sich schon Salzenberg (S. 38), der den Cj'sternen 
kein genaueres Studium angedeihen Hess, ausgesijrochen: : lüne näiicre Unter- 
suchung sämmtlicher in Konstantinopel vorhandener Cisternen l^iiuntc in areiii- 
tektonischer Beziehung eine interessante Ausbeute gewähren, da, wie gesagt, 
diese Anlagen durchgängig der älteren Zeit angehören und venuuthlicii wenig Um- 
ilndcrungen erlitten haljen ; ein derartiges Unternehmen liat jedocii seine besonderen 



' KeoroiavTiriüi .-ra^atü ze xal recott:ga tS^4- 
' 'II Ku>roTaritvov:io).i^ l852, I o. llG xjl. 

> Mitth. d. deutschfii R.\cursions-Clubs in KoiLstaiilinuixl iScii illli uiul KVviic de l'urt 
clirtiticn 1892. 

* Cdllcclion des üiiides-Joannc, de Paris a Constaiiliiiople 1S86. 



39 

Schwierii^keiten.« Scliroeder ' liat seine Angaben, mit Ausnahme derjenigen über 
Jere batän Serai (5) und Bin bir direk (6) meist dem Guide-Joanne entnommen, 
da er durch die Verlagshandlung gedrängt, nicht Zeit behielt, eingehendere 
Forschungen anzustellen. Neuerdings haben dann zwei Ingenieure, der Franzose 
Choisy - und der Grieche Kuppas ' sich für die technischen Details der byzantinischen 
Cisternen interessirt und ein armenisches in Konstantinopel erscheinendes Blatt 
»Awetaber« meldet am 17. (5.) December 1892, der Vezier Dschewäd Pascha 
habe einer Commission tüchtiger Ingenieure Befehl gegeben, die reparatur- 
bedürftigen Wasserbehälter gründlich zu untersuchen. 

Wir nun gehen in der vorliegenden Arbeit durchaus selbstständig vor. Alles 
was wir vorliringen, beruht, soweit nicht ausdrücklich das Gegentheil bemerkt 
ist, auf Autopsie. Durch eine streng systematische Anordnung haben wir danach 
getrachtet, jede Vermengung des thatsächlich Vorliegenden mit der Menge von 
eingebürgerten Meinungen auszuschliessen. Der Katalog bringt daher in erster 
Linie die an Ort und Stelle vorgenommenen Untersuchungen der einzelnen Bau- 
werke. Unser Augenmerk musste darauf gerichtet sein, die Lage jeder Cisterne zu 
fixiren. Dementsprechend gehen wir in der Beschreibung der einzelnen Hallen- 
l)ehälter stets von einem monumentalen Gebäude, welches nicht so leicht vom Erd- 
boden verschwinden kann, d. h. zumeist von einer grösseren Mosciiee aus. Davon 
unabhängig geben wir am Kopfe der Beschreibung links immer an, wo ungefähr 
nach dem Stolpe'schen Plane {2. Auflage) die Cisterne zu suchen ist, indem wir 
diejenige Bezirksnummer citiren, die ungefähr an der Stelle der Cisterne steht, 
oder diejenigen beiden Nummern, zwischen denen diese zu suchen ist. Hat man 
sich an der Hand dieser beiden Angaljen in die Gegend des unterirdischen Baues 
begeben, so beginnt das eigentliche Suchen. Denn auch nach unseren Finger- 
zeigen wird man die Mehrzahl der Behälter nicht so ohne Weiteres finden. Wir 
beschreiben zwar den Weg, den man von dem an die Spitze gestellten Monu- 
mentalbau aus zu nehmen hat, führen, wo das zu erfragen war, den Namen 
des Viertels (Mahalle), die Hausnummer und den Namen des Besitzers an ; ja 
bei einer Ijesonders schwer zu beschreil^enden Ortslage (14) stellen wir sogar die 
Wege zu der Cisterne graphisch dar. Doch vcrhclilen wir uns lici alldem nicht, 
dass diese Angaben nur einen ephemeren Werth hal)en; denn, wie l)ekannt, 
brennen jeden Augenbiiclv einmal ein j)aar hundert der elenden Holzhäuser 



' In Meyer's Reisebücherii »Türkei uiij GriccliiiiilanJ iSSS; in Jcv Aull. iSi)j unvLTäiiJcrt. 

' L'art du bätir clicz Ics ByzaiUins hS.Sv 

■' 'Ell. <I>d. —vU.oyos, IlaodijTij/ia lor x' — nß' id/ior o. 47 xif.. 



40 

Stambuls nieder. Beim Wiederaufbau ändern sich die Strassenziige, die Namen 
derselben, die Hausnummern und die Besitzer, die nach türkischer Sitte ohnedies 
keine festen Familiennamen führen. Wir sind daher heute schon überzeugt, dass 
eine ganze Reihe der von uns aufgenommenen Behälter nach Jahr und Tag 
überhaupt nicht mehr aufzufinden sein wird, sei es, weil sie unter einer neuen 
Häusermasse verschwunden sein werden, sei es, weil man sie inzwischen auf 
Abbruch verkauft haben wird. Dafür könnten leicht bei in Zukunft eintretenden 
Umbauten neue, uns unbekannt gebliebene Behälter zu Tage treten. 

Wer der türkischen Sprache mächtig ist, thut am besten, sich an den 
Wächter des Viertels (Mahalle Bekdschisi) oder an den Vorsteher des Viertels 
(Imäm) zu wenden, die man leicht in einem Kaffeehaus erfragt und die auch 
immer in einem bestimmten Kaffeehaus ihres Viertels verkehren. Man bringe 
ihnen dann alle von uns gemachten Angaben vor und es wird zumeist wohl 
gelingen, dass man an Ort und Stelle geführt wird. Für alle Fälle wird man in 
den nächsten Jahren in Stambul einen Mann finden, der die Verfasser oft auf 
ihren Studiengängen begleitet hat: es ist ein Kaffeesieder Abdullah, welcher in 
der von der alten Brücke in das Innere \on Stambul führenden Hauptstrasse 
Un-kapän, der Zeirek-Moschee gegenüber wohnt und bei den Türken unter 
dieser Adresse zu erfragen ist: Un-kapandä, ZeVrek dschaddesinde, Zeirek 
dschami karsch3's\-ndä, Kahvvedschi Abdullah Efendi; das heisst: fin Un-kapän, in 
der Zeirek-Hauptstrasse, der Zeirek-Moschee gegenüber, Herr Kaifeesieder Ab- 
dullah.« Er wird sich gegen nicht zu karge Bezahlung stets zur Begleitung bereit 
finden. Leider spricht er keine europäische Sprache. 

Hat man einen Budrüm erfragt und für den Fall, dass er nicht öffentlich 
benützt wird und ohne Weiteres zugänglich ist, auch das Misstrauen gegen den 
Fremden und noch mehr gegen einheimische Spione, welche aus dem Verkehr 
mit einem Fremden eine Verschwörungsanzeige schmieden könnten, besiegt, so 
ist der Keller nicht immer sofort betretbar. Ist er nur durch ein Haus zugänglich 
und wird beim Öffnen der Thür gerufen: »Efendi ewde dcjil , d. h. der Herr ist 
nicht zu Hause, so ist der Eintritt unzulässig und man muss zu anderer Stunde 
wiederkommen. Dazu gesellen sich von Fall zu Fall unvorhergesehene Hindernisse, 
die der Unwissenheit, dem Aberglauben, dem Hasse gegen die Europäer und 
anderen dem Fremden unerfindbaren Ursachen entspringen. Der Türke antwortet 
dann auf alle Fragen mit dem stereotypen Zurücklegen des Kopfes, dem er 
höchstens ein j01mäz<' beifügt. Es kommt vor, dass die so verschlossenen Tiuircn 
auch nicht mit dem im Allgemeinen ühLrall passenden goldenen Schlüssel zu 
öffnen sind. Am einfaclisten zugänglicli sind die jetzt von ein istlicheii Seiden- 



41 

Spinnern benutzten Cisternen (6, 9, 10, 17, 23). Sie sind an Werktagen offen und 
ohne Weiteres betretbar. Nur am Eingange der allgemein besuchten Bin bir 
direk (6) hat ein unverschämter Mensch seinen Zollschranken errichtet. Wo Löcher 
auf öffentlichen Plätzen den Eingang bilden (i5\ kann man mit Kerzen und Muth 
ausgerüstet in die schmutzigen Räume herabgleiten ohne zu fragen. 

Die Behälter sind im Kataloge nach den beiden Hauptgruppen d. h. in 
offene und überwölbte gegliedert. Die offenen Behälter folgen einander, so- 
weit erhalten, der Grösse nach, am Schlüsse steht der heutige Sattlermarkt. Die 
Hallenbehälter sind ebenfalls nach der Grösse, d. h. nach der Zahl der Säulen 
oder besser Stützen geordnet, die für das Tragen des Gewölbes verwendet sind. 
Die Säulenzahl ist das, was an jedem Behälter zuerst auffällt und passt daher 
ganz gut als leitendes Schlagwort. Auch kennen wir kein unterscheidendes Merk- 
mal, das allen Behältern so allgemein positiv oder negativ eigen wäre. Es dürfte 
daher als Eintheilungsgrund wohl Zustimmung finden, umsomehr als dadurch 
ungefähr auch der schon bei den Teichen geltend gemachte Eintheilungsgrund, 
die Grösse, leitend bleibt. Historische Rücksichten mussten, damit der Leser 
durch sie für die später erzielten Resultate nicht unwillkürlich voreingenommen 
werde, ausgeschlossen bleiben. Erst der historische Theil des Buches soll den 
Versuch bringen, die aufgefundenen Cisternen zu datiren und mit ihren alten 
Namen zu belegen, d. h. sie für die Kunstgeschichte verwerthbar zu machen. 
Wir haben den Cisternen Eigennamen beigelegt, weil ja ihre historischen Namen 
nur mit Wahrscheinlichkeit nachgewiesen werden können und das auch nur für 
die offenen Teiche und einige wenige Hallenbehälter. Ferner deshalb, weil der 
Eintheilungsgrund zur Benennung nicht ausreichte, da einige Cisternen die gleiche 
Anzahl von Säulen haben, bei einigen diese Zahl überhaupt nicht mit Sicherheit 
ermittelt werden konnte und einige endlich ganz ohne Säulen sind. Die Namen sind 
entweder die hergebrachten, wie Jere batän Sei-ai (5), Bin bir direk {6), Bodrüni (7), 
Sulü Serai (40), wobei darauf gesehen ist. dass alle hergebracht historischen 
Bezeichnungen ausgemerzt wurden, z. B. bei der sog. Theodosius-Cisterne (8). 
Oder die Namen sind nach nahegelegenen Moscheen (9, 11, 14, 15, 16, 18, 20, 23, 
31, 34 — 36) oder nach den Strassen, in denen sie liegen (8, 12, 13, 17, 21, 22, 25, 
28, 32, 37, 39), nach dem Stadtviertel (10, 19, 26, 27, 29), einmal nach der persischen 
Gesandtschaft (24), nach dem Gebäude der Bibelgesellschaft (30), dem At-meidan (33) 
und dem Anemas-Thurme (38) gegeben. Die fortlaufenden Nummern, welche wir 
den einzelnen Behältern gegeben haben, werden für Citate geeignet erscheinen. 

Die Tafeln sind nach an Ort und Stelle vorgenommenen Messungen her- 
gestellt, auch in den Fällen, wo, wie bei 5, 6 und 8 ältere gute Aufnahmen 



42 

Andreossy's bezw. Salzenberg's vorlagen. Falls Zeichaungen von Vorgängern, 
wie öfter Clioisy's Gewölbeconstructionen, ohne Änderung herübergenommen 
sind, ist dies ausdrücklich im Texte bemerkt. Für die Richtigkeit der technischen 
Details ist Forchheimer allein, für die der archäologischen Strzygowski mit ver- 
antwortlich. Die Zeichnungen hat fast alle Forchheimer unter Zuhilfenahme von 
H. Peill in Aachen und G. Zafaurek in Wien nach eigenen Skizzen geliefert. 
Im Allgemeinen gilt, dass die Cisternen in der Zeichnung mit der Nordseite 
nach oben gelegt sind. In vielen Fällen ist überdies die Stellung der Magnet- 
nadel, also der magnetische Meridian eingetragen. Die Grundrisse sind, soweit 
dies der Raum zuliess, im Massstabe von i : 300 wiedergegeben. Es soll durch 
diese einheitiiche Reduction der graphische Vergleich der Grössenverhältnisse ohne 
Weiteres ermöglicht werden. Bei Zeichnung der lothrechten Schnitte musste 
manchmal mit einer gewissen Freiheit verfahren, d. h. statt mit einer einzigen 
Ebene mit einer gebrochenen Fläche geschnitten werden, wie man im Einzelfalle 
leicht erkennen wird. In den Grundrissen sind die Gewölbebildungen in der heute 
allgemein giltigen Art angedeutet, nur wurde bei den Kuppeln nicht eine Ellipse 
oder ein Kreis eingezeichnet, da bei der Unregelmässigkeit der Säulenabstände 
die Ellipsen viel Mühe verursacht hätten und hässlich aussehen würden. Für die 
specifisch byzantinische Form der Kappe, über welche der technische Theil Auf- 
schluss geben wird, sind punktirte Diagonalansätze verwendet. 

Der Text soll in wenigen Worten alles an den einzelnen Objecten Bemerkens- 
wcrthe vorführen. Er ist von den Verfassern gemeinsam redigirt. Am Kopfe steht 
in der Mitte die laufende Nummer der aufgemessenen mid graphisch dargestellten 
Behälter und ihr Name, rechts oben die Säulenzahl, links die nächstliegende 
Quartiernummer des Stolpe'schen Planes. Die Beschreibung beginnt mit der 
Schilderung der Lage und des vom nächsten Monumentalbaue zum Eingange der 
Cisterne führenden Weges. Sie gibt dann an, ob die Cisterne ganz unter dem 
Erdboden liegt oder aus demselben herausragt und ob über ihr Bauten stehen 
oder nicht. Darauf folgt die technische Beschreibung: Sohle, Umfassungsmauern, 
Grösse, Eckenbildung, Säulen, Gewölbe, heutiger Zustand, schliesslich die Angabe 
der bis heute über die einzelnen Objecte vorliegenden Litteratur. Die Säulen 
erhalten im Texte fortlaufende Nummern. Diese beginnen wie beim Schreiben 
links oben, gehen die oberste Reihe (in der Zeichnungl entlang, l)eginnen 
dann links in der zweiten Reilie u. s. f., so dass die letzte Säule rechts unten die 
höchste Nummer hat. Über die verwendeten technisciien Ausdrücke wird man 
im technischen und historischen Tlieile des Ruches Auflvlärunii linden. 



T. OFFENE TEICHE. 



6« 



1. Tschiikur l)osf^TL ini A^iertel Exi Marinara . 




-10,6 



ftiulolilhoijijphis V. M.Jalte.Wien. 



45 

STOLPE, ZWISCHEN 191 UND 200, BEZ. 7b, 

1. Tschukür bostän im Viertel Exi Marmara. 



Dieser Teich liegt auf der Höhe des jenseits des Lykusthales nach der Landmauer zu 
aufsteigenden Hügels in dem nach ihm benannten Bezirke Maadschundsch\'' Tschukür bostän 
(Kuchenbäcker-Grubengarten) und hat einst den umhegenden Vierteln Ak Serai, Exi Marmara, 
Aghätsch Serai und dem ehemaligen Viertel der Janitscharen Wasser geliefert. 

Die ihn umschliessenden Mauern hegen bis auf die von Erde und Häusern verdeckte 
Südostecke frei, an der Ost- und Nordseite laufen in der Hohe des Behälterrandes Strassen 
hin, an der Nordwestecke steigt das Terrain über die Mauerkrone an, fällt dagegen an der 
Westseite bis auf 4 m, an der Südseite bis auf 2 m unter den heutigen Rand. Die Mauern sind 
an der Krone 6 m stark und, soweit sichtbar, lothrecht. Ihr Kern besteht aus lagerhaftem Bruch- 
steinmauerwerk und ist, soweit sich feststellen liess, zweimal von je fünf Ziegelschichten durch- 
quert. Die Mauern sind sowohl an den Innen-, wie Aussenfronten mit Quadern verkleidet, die 
vor dem Bruchsteinmauerwerk 15 — 20 cm hoch sind, mit 2 — 4 cm starken Fugen, während vor 
dem Ziegelmauerwerk ein einziger Quader in der Höhe von 40—60 cm, d. h. bisweilen stärker 
als die Ziegelschichte, angebracht ist. An vielen Stellen ist die Mauer ihres Quaderschmuckes 
beraubt. An der Nordseite ist sie 5"5 m tief und circa 2 in hoch vom heutigen Erdboden aus 
unmittelbar unter einer unteren Ziegellage ausgebrochen. Die so blossgelegten Ziegel zeigten 
den Stempel IN H BA BAC. Von den sichtbaren Ecken ist nur die Nordostecke abgerundet. 

Der Fassungsraum derCisterne ist 170»; lang, 147»; breit und, soweit bestimmbar, mindestens 
10 >ii tief. Der Boden ist mit Erde bedeckt und wird an zwei Stellen von Brunnen durchbrochen. 
Die Untersuchung des einen Brunnens ergab in einer Tiefe von 1-4 jh Trockenmauerwerk, hierauf 
3-4 t7i Miirtelmauerwerk, unter diesem starke Versinterungen mit Holzspuren und ein Hohlraum 
von 07 m Höhe und unregelmässiger Breite. Es wäre möglich, dass der Brunnen an dieser 
Stelle aus dem Boden der Cisterne tritt. Darauf folgt 49 m Mörtelmauerwerk und ir6 m Trocken- 
mauerwerk. Wasserstand im August 16 m 

Heute von Gemüsegärten bedeckt. 

In allen Plänen eingetragen. Gyllius p. 82 und 318, Lechevalier, Vo}'age p. 106, 
Andreossy S, 60, Hammer I, S. 557 Nr. 5, Choisy p. 9, Guide-Joanne p. 230, Meyer S. 251. 

Zeichnungen nach eigenen Aufnahmen. Für Fig. 3 hatte Capitän Baldo Salacha die 
Freundlichkeit eine Photographie herzustellen. 



2. TschukuF bosldiib. d. Mosclipe Sultan Selim 




2. Schnitt . 

äuKch die UmfassicrufjitaTt^ 

5,Z ' 



1. Grundriss . 




y^zmm^y^mm^ 




%. Querschnitt. 



■.T^>'- 



\^tT^ 



1:3000 



1 150 

, i_ 



■Wiüloliilirjijiaphi« V. Midffc.Y/ien 



47 

STOLPE, 29, BEZ. 7a. 

2. Tschukür bostän bei der Moschee Sultan Selim. 



An die Moschee Sultan Selim schliesst sich südwestlich ein Grubengarten, der auf den 
übrig;en drei Seiten von Strassen, Häusern und unbebauten Grundstücken umschlossen ist. Der 
Zugang; wird durch eine in die Ostecke der türkischen Brüstungsniauer gebrochene Thür und 
eine Rampe in der Nordecke vermittelt. 

Das natürliche Gelände steigt gegen Westen. Durch den Bau der Moschee Sultan Selim ist 
es jedoch auch im Nordosten erhöht worden, so dass jetzt das Terrain ringsumher so hoch liegt 
wie die Mauerkrone oder höher. Die Seitenlänge des cjuadratischen Teiches wird von Andreossy 
zu 152 ui angegeben, welches Maass mit Stolpe's Plan übereinstimmt. Derselbe Verfasser gibt 
ferner für die Stärke der Sohlenmauerung 2'0/;i, für die volle Mauerhöhe io8 m, für die Mauer- 
dicke S'- '" '1"- Letzteres Maass stimmt genau mit der eigenen Messung am Teiche neben dem 
Adrianopeler Thor. Die Sohle ist mit Erde bedeckt, so dass nur mehr 8'2 vi Tiefe an der tiefsten 
Stelle erhalten sind. Von den Ecken ist die im Norden durch eine Rampe zugedeckt, die im Westen 
überbaut, die im Osten auf etwa 0'5 m und die im Süden sehr stark — vielleicht auf 3 m — ab- 
geschrägt; doch ist hier viel weggebrochen und der alte Zustand sclileclit erkennbar. An den 
Fassaden im Teichinnern wechseln je sechs Quaderschichten von zusammen 12 i)i mit fünf 
Ziegelschichten \'on zusammen 0'5 ni Höhe. Ein Quader ist etwa 018 an, eine Ouaderfuge etwa 
0'02 cm, ein Fassadenziegel etwa 4 c?n, eine Ziegellagerfuge etwa 6 an hoch. Die Länge der 
Quader wechselt ; Andreossj- gibt ihre mittlere Länge mit circa 0'46 in an. Die Ziegel sind 
nach demselben Verfasser im Innern der Mauer stärker als aussen und messen dort 038 auf 
0-38 auf 0'054 m. Die Mauerung im Innern ist weniger regelmässig als an den Fronten, man 
findet da häufig nur vier Ziegellagen statt fünf. Den bisherigen Beobachtern ist es entgangen, 
dass man an der ihrer Quadern beraubten Südwestmauer (s. Fig. 4) Reste von Nischen oder der- 
gleichen gewahrt, nämlich im Bogen gestellte Ziegel. Hier Hegt das Gelände am höchsten, 
daher mag der grössere Erddruck zu der Abweichung Anlass gegeben haben. In Figur l sind 
die Bögen zu Nischen oder Arkaden ergänzt worden. Die Bögen sind zwei Ziegel, also etwa 
0"8 m stark; ihr Abstand vom Scheitel zu Scheitel beträgt 55"!. Ihre Zahl konnte nicht genau 
festgestellt werden, da theihveise Häuser vorliegen. LTngefähr vor der Mitte der Südwestwand des 
Teiches soll ein Weg in der Richtung gegen die Hagia Sophia geführt haben, der vor 50 oder 
60 Jahren vermauert wurde. Mit der benachbarten Cisterne (9) besteht keine \'erbindung und 
soll nie eine bestanden haben. 

Heute liegen im Teiche Gärten und Häuser, selbst eine kleine Moschee. 

In allen Plänen eingetragen. Gyllius p. 290, Andreossy S. 58, Hammer I, S. 559 Nr. i r, 
Guide-Joanne p. 230, Meyer S. 251. 

Fig. 2 und 4 nach eigenen .Xul'nalinien, Fig. I zum Theil nach Andreoss\-, Fig. 3 nach 
Andrcossy's Zahlen. 



s. TscliukviF boslan v. Kara gümrt'ik 



-:^^, 








-1 Grundriss. 



85 



a Schnitt 

eUcrch tUe MiTxlmazcer 








1:3000 

— 1 L_ 



1:150 



Pliotolilhographi« v. M.JaffefWien. 



49 

STOLPE, 41, BEZ. 7. 

3. Tschukür bostän von Kara gümrük. 



Dieser Grubengarten liegt rechts an der nach dem Adrlanopeler Tliore zu führenden 
Hauptstrasse, von der er durch eine Planke getrennt ist. Er wird von den Türken Tschukür 
bostän kurzweg genannt. 

Dieser Teich ist nach Andreossy 244m lang, 85«! breit, welche Angaben mit Stolpe's 
Plan und eigenen Messungen stimmen. Das Mauerwerk zeigt in den Fassaden abwechselnd je 
zehn Hauptlagen von zusammen ungefähr rSo;)j und je vier Ziegellagen von zusammen unge- 
fähr 35 cm Hohe. Heute sind vier solche Steinschichten und drei Ziegelschichten erkennbar, 
was einer Mauerhöhe von 4XrSo-|-3X35=8-25m entspricht. Vermuthhch ist die Mauer aber 
beträchtlich höher und liegt nur Erde vor; auch dürften von der Mauerkrone schwere Deck- 
platten entfernt worden sein. Die Fugen zwischen den einzelnen Steinlagen einer Schichte sind 
T,cm, die der Ziegellage 4— 6cm stark, während die Ziegel selbst nur 4— 5-5 cm Dicke haben, 
bei einem quadratischen Grundriss von 40 cm. Nach dem nagdQTijfta 16 des 'EXX. i>i}.. Sv).).oyo; 
a. 20 lag auf der Mauerkrone ein kreuzförmiger (?) Ziegel von 015 X 0-5 Grösse mit dem 
Stempel -p INASIA -{-. Das Mauerwerk besteht hinter der Hausteinverblendung aus kleinen 
Steinbrocken von 6- 7cm Stärke, welche mit Mörtel abgeglichen wurden, so dass jede Lage 
etwa 7 -8cm erhielt. In der kurzen nordwestlichen Mauer, nahe an der Westecke, ist ein Loch 
in derselben sichtbar (vgl. Fig. 2): dasselbe bildet die äussere Öffnung einer Dohle, die recht- 
winklig quer durch die ganze Mauer gebrochen ist, V2 m in der Höhe und 67 cm in der Breite 
misst und das Wasser einer Quelle aufnimmt, die sich auf der Rückseite der Mauer befindet. Im 
August versiegt die Quelle gänzlich oder fast ganz; dann kann die Dohle leicht ausgeschöpft 
und betreten werden. Der Besuch lehrte, dass die Mauerdicke (vgl. Fig. 3) S'2m beträgt und 
hinter ihr Lehmboden liegt. Weitere Zugänge oder Zuleitungen zum Teich sind nicht sichtbar, 
und auch diese Dohle ist wohl nachträglich ausgebrochen. Die Teichfläche enthält heute 
Häuser und Gärten. Die Ecken sind theils mit Rampen überschüttet, theils überbaut. Der 
natürliche Boden lag an der Südwest- imd Südostmauer etwa so hoch, wie heute die Mauer- 
krone, an den anderen beiden aber streckenweise einige Meter tiefer und es scheint, dass man 
da Erddämme gegen die Maueraussenseiten geschüttet hat. Mit der benachbarten Cisterne (^lo) 
besteht keine Verbindung. 

Heute zum Theil verbaut, zum Theil von Gemüsegärten bedeckt. 

In allen Plänen eingetragen Andreossy S. 60, Hammer I, S. 55S Xr. 6, Salzenberg S. 38, 
Guide-Joanne p. 230, Meyer S. 251. 

Zeichnunsjen nach eigenen Aufnahmen. 



4. Filchane. 




1^ 3,8 — \-tA-i 3,8 — j.-£,"f^ 




-^ 



Querschnitt 



1 .-c nT lLlnM- 




51 



4. Filchane. 



Zwischen Jedikule und Makri-Kjöi, also ausserhalb der Mauern, liegt landeinwärts ein 
Tschukür bostän, der von den Türken Filchane (Elephantenzwinger) genannt wird. Man erreicht 
ihn von Jedikule aus, indem man der nach dem Belustigungsort Tschobän-Tscheschme führenden 
Strasse folgt. Hat man dieses Kaffeehaus passirt, so liegt gleich dahinter links am Rande einer 
hier beginnenden Anhöhe das Mauerwerk. Das dahinter liegende Terrain wurde einst als Stein- 
bruch benützt, worauf die trichterförmigen Vertiefungen und die Abraumhügel hinweisen. 
Nördlich, östlich und südlich steigt der Boden anscheinend in Folge künstlicher Umschüttung 
bis ungefähr zur Krone der Umfassungsmauern an, während er im Westen höher liegt als 
letztere. 

Die Mauern sind, soweit sichtbar, ii tu hoch und bestehen aus Schichtenmauerwerk. 
Zu Unterst folgen in den Facaden je 5 Ziegellagen aufeinander, welche sammt den an- 
stossenden Mörtelschichten 50 - 65^7« hoch sind, und 2 Ouaderlagen, welche sammt der 
Zwischenfuge 40 — 50 ctti Höhe besitzen. Über diesen, sich siebenmal wiederholenden Schichten- 
folgen von je im Höhe liegen 4 — 5 Ouaderlagen (= rom Höhe), 4 Ziegellagen (=; 40cm Höhe), 
3 Quaderlagen (= -ocm Höhe), 3 Ziegellagen (= 30 cm Höhe) und endlich 4 zum Theil noch 
erhaltene Quaderlagen. Dass diese letzteren noch von stärkeren Deckplatten überdeckt gewesen 
sind, ist wahrscheinlich. Die Ziegel sind 3— 4cm stark und 32— 400« lang. Die Süd- und die 
Nordmauern sind an der Krone 4'im stark und innen lothrecht. Dass dies auch aussen der 
Fall ist, erkennt man an einer Stelle der Nordmauer, wo dieselbe behufs Herstellung eines Ein- 
ganges in das Innere des Zwingers in ziemlicher Höhe freigelegt und durchbrochen wurde. 
Pfeilervorlagen von 2-4m Breite, welche Gewölbe von 35 — 40cm Dicke tragen, lassen ehe- 
malige Treppenanlagen vermuthen, die im Querschnitt angedeutet sind. Die West- und die 
Ostmauer sind an den Ostfronten 19- bezw. 20-mal eingebuchtet, wodurch Strebepfeiler entstanden, 
welche dem Erddrucke bezw. dem Wasserdrucke entgegengerichtet sind. Ecktrommeln in Gestalt 
von Viertelkreiscylindern verstärken die Ecken. Nahe der Südostecke führt aus dem Innern ein 
90c;« breiter, 54 w langer Gang in der Höhe des heutigen Erdbodens (weiss gestrichelt im 
Querschnitt) zu einer Wendeltreppe mit steinernen Stufen und vollem Mönch. Der Durchmesser 
der Innenleitung des Stiegengehäuses beträgt 3 m. In ihren oberen Theilen ist die Treppe ver- 
schüttet. Der Zweck einiger anderer Öffnungen in der Mauer (s Fig. l und 3) ist nicht klar. 

Heute wird die Fläche des Teiches als Feld benutzt, aucli sollen Hirten zuweilen ihre 
Heerden dort einschliessen. 

Bisher unbekannt. 

Zeichnungen nach eigenen Aufnahmen. 



7* 



52 

STOLPE, 149, BEZ. 25a. 

A, Sarrädschchane. 

Der heute Sarrädschchane (Sattlermarkt) genannte Ort nimmt die Stelle eines alten 
Teiches ein. Er liegt südöstlich neben der Moschee Sultan Mohammed's und ist sowohl von 
der Strasse Schähzade, wie von der Seite des Valens-Aquaeductes aus betretbar. Zwar die 
Umfassungsmauern sind nur noch stellenweise in spärlichen Resten erhalten, aber die vier- 
eckige Form und der vertiefte Boden lassen keinen Zweifel darüber, dass wir einen alten Teich 
vor uns haben. Schon Gyllius hat ihn als solchen erkannt. Nachdem er (IV, 2, p. 272) gesagt 
hat, dass von der Apostelkirche, die auf der Stelle der Mohammedje stand, keine Spur übrig 
geblieben sei, fährt er daran anschliessend fort: »nisi fundamenta quaedam Cisternae, quae 
aquam suppeditabant aedi Apostolicae: in cujus quidem Cisternae solo sunt officinae, & ta- 
bemae Ephippiorum circiter ducentae, ubi fiunt, & venduntur non modo Ephippia, caeteraque 
equorum ornamenta Turcica : sed etiam vasa ex corio ad hauriendam aquam scite facta, tum 
pharetrae, arcae corio tectae«. Nach der Reichsgeschichte Wassif's (II, S. 275 bei Hammer I, 
S. 43 IT.) wurde nach dem Erdbeben vom Jahre 1179 (176;) Atifzade Omar Efendi mit der 
Wiederherstellung des Sattlermarktes betraut. Wahrscheinlich verschwand damals auch ein Theil 
der alten Mauern des Behälters. 

Der Teich dürfte, wie durch Abschreiten ermittelt wurde, ungefähr 154»? lang 
(Richtung Südnord) und 90 m breit (Richtung Ostwest) gewesen sein. 

Bei Stolpe eingetragen, Gyllius p. 272, Hammer I, S. 558 Nr. 7, Meyer S. 231. 



STOLPE, 77, BEZ. 25. 

B. Tschukür hammämy. 

Gyllius a. a. O. p. 274 führt unter den Gebäuden, welche die Mohammedje umgeben, 
auch ein Bad an: »Sub horum aedificiorum claustro idem Mamethes Thermas construxit totius 
Urbis maximas in solo Cisternae antiquae, quam arbitror aut Arcadiacam aut Modestiacam, 
quas Regionum Urbis descriptio ponit in Undecima regione«. Hammer I, p. 534 ff. nennt 
dieses Bad »Tschukür Hamam«, d. i. »das Bad des vertieften Grundes, weil es in der Vertiefung 
der alten Cisterne des Arkadius von Mohammed II. gebaut worden. Man sieht um dasselbe 
noch Reste von altem Mauerwerk und Ruinen, und vor dem Thore zwei Capitäler». Heute 
war, trotz der (wie es scheint fehlerhaften) Angabe Meyer's, keine Spur mehr davon zu finden. 
Nach den Angaben von Hammer und Texier bleibt es überdies, wie unten gezeigt werden 
wird, zweifelhaft, ob wir es überhaupt mit einer Cisterne zu thun haben. 

Eingetragen im Kauffer'schen Plane und bei Stolpe. Das Bad wurde 1S33 von Texier 
aufgenommen: Architecture byzantine p. 165, pl. LVII. Gyllius p. 274, Hammer I, S. 558 Nr. 8, 
Meyer S. 260. 



Nach der Aussage des Dragomans Bony soll noch ein offener Teich von runder Form 
unweit der Kaserne Da'Cid Pascha existiren. Doch blieben wicderliolte Ritte und Umfragen in 
der angegebenen Gegend erfolglos. 



IL GEDECKTE BEHÄLTER. 



5. Jere bat an Serai 



1 Gnmdriss 



t Querschratt 




5 Kapitell 



4 Wölbung 




r.1500 



V300 



■ ' 




55 

STOLPE, 204, BEZ. 35. SÄULENZAHL 420 (»). 

5. Jere batän Serai. 



Jeri batän Serai (der in die Erde sinkende Palast) liegt von der Sophienkirche westlich 
im Jere batän Mahalle und ist von der vom Sophienplatze nach der persischen Gesandtschaft 
(Adschem nazaretchane) führenden Karanlyk sebzewadschy sokaghv, gewöhnlich ]ere batän 
sokaghy genannt, zugänglich. Im Hause Nr. 7, Ecke der Scheftaly sokaghV', dem Hadschi 
Scherif Bey, einem Kaufmanne aus Adrianopel gehörig, befindet sich zwischen den das Haus 
tragenden Holzsäulen im Boden eine viereckige (95x650«), durch eine hölzerne Fallthür ge- 
schlossene Öffnung, unter der die Cisternentreppe beginnt. Sonstige Zugänge, abgesehen von 
den in die Decke geschlagenen Brunnenöffnungen der über der Cisterne liegenden Wohnhäuser 
(vgl. Gvllius), sind nicht vorhanden. Die Cisterne liegt ganz unter der Erde und verräth sich 
daher in den über ihr liegenden Strassen nicht. 

Da die Cisterne heute noch mit Wasser gefüllt ist und in Konstantinopel kein Kahn 
auffindbar war, der durch den engen Zugang durchzubringen gewesen wäre, so konnte nur eine 
Aufnahme der Südecke vom Treppenabsatz aus erfolgen, während im Übrigen die Angaben 
des Gvllius, der die Cisterne mit einem Kahne befuhr, herangezogen werden müssen. Schon der 
Längsabstand der Säulen mit 49 in ist daher nur ungefähr nach den Gewölbefugen berechnet. 
Der Boden der Cisterne ist mit Schlamm bedeckt, welcher in der Nähe der Treppe besonders 
hoch liegen soll. Die Umfassungsmauern bestehen, soweit sichtbar, aus Ziegeln von 33— ^7c??i 
im Quadrat, 4 — 5 cm Stärke und 4 — 6 cm Fugenhöhe. Nach Andreossv haben sie ein IVlonogramm, 
dem ein Kreuz vorhergeht. Die untersuchte Ecke ist behufs Verstärkung stark abgeschrägt. Der 
Verputz ist 3 — 5 cm stark und reicht bis zum Gewölbansatz. Gvllius gibt die Länge der Cisterne 
mit 336', die Breite mit 1S2', den Umfang mit 224 römischen Schritten an. Sicher falsch ist 
seine Angabe, dass bei einem Abstand von 12' der Länge nach nur 12, der Breite nach aber 28 Säulen 
ständen. Bei Magnesiumlicht waren in der Längsrichtung mindestens 20, in der Breite 15 Säulen 
erkennbar. Konstantios gibt die Zahl mit 28x16 = 336 (siel), Texier mit 26x10 an, Cla\'ijo gibt, 
wenn seine Cisterna Mahometi die Jere batän Serai ist, die Breite richtig mit 16 Schiffen, 
d. i. 15 Säulen, die Gesammtzahl dagegen mit 490 Säulen an. Zu Gyllius' Gesammtmaassen 
würde 28x15 = 420 stimmen. Danach und mit Zugrundelegung unserer Messung der Säulen- 
abstände sind die Maasse in den Zeichnungen angenommen. Zu bemerken ist jedoch, dass vom 
Hausverweser oberirdisch ein Punkt als Ende der Cisterne bezeichnet wurde, der nur 120 ni vom 
Treppenabsatze entfernt war. Zvgomalas schätzte die Cisterne auf mehr als 500 Säulen. Die 
Schäfte sind stärker als in den übrigen Cisternen, sollen angeblich zur Hälfte im Schlamme 
stecken und sind nach Gvllius 40'// hoch. Die Capitelle sind korinthisch, von der Treppe aus 
Hess sich unter ihnen nur ein unbearbeitetes Kämpfercapitell unterscheiden. An einem Capitell 
ist das Monogramm -)- Y 9 angebracht. Sie tragen Kämpfersteine, sitzen ungleich hoch und 
sind durch breite Gurten verbunden, die durch hölzerne Anker gesichert waren. Über den 
Gurten steigen byzantinische Kappen mit einspringenden Kanten auf Nach Choisv sind sie einen 
Stein, nach der Aussage des Viertel-Iniäm zwei Stein stark mit zwischenliegender Mörtellage. 
Die Zwickel seien vollständig wagrecht ausgemauert und mit einer circa 20 cm starken Stein- 
plattenlage bedeckt. Für die wagrechte Abmauerung spricht das Fehlen von Thonröhren in den 
Zwickeln. 

Die Cisterne wird noch benutzt. Das Wasser stammt nach Andreossy von dem Aquaeduct 
von Dschebedschi-Kjöi, das wäre aus der Hadriansleitung. Nach an Ort und Stelle gemachten 
Angaben wird es auf dem Platze vor der Sophia abgeleitet. Dort befindet sich ein Einsteigeschacht 
mit Taksim, in dem das Wasser durch ein Loch von 30 cm in einen Thonrölu-enstrang fällt. 
An letzteren soll sich bis zur Cisterne ein gemauertes Siel schlies.sen. Steigt das Wasser bis 
an die Capitelle, so sperren die Sujoldschy die Leitung ab. Das Wasser wird im Jere batän 
Mahalle und im Serai, jedoch angeblich nicht zum Trinken benützt. Es sollen grosse Fische 
in der Cisterne leben (so auch Gvllius). 

Im Stolpe'schen Plane eingetragen. Gyllius p. 179 ff., Dousa, de itinere suo Const. 
epistola 1590, p. 40, Comidas de Carbognano, Dcscrizione top. dello stato pres. di Cost. 1794, 
tav. IX (malerische Ansicht), Dallaway, Constantinople ancient and modern 1797, p. lio, Andreossy 
S. 57, Konstantios S. 53 ff., Hammer I, S. 553 Nr. i, Texter in der Revue gen. de l'architecture 
(Dal}-) I, 1840, p. 130, Salzcnberg S. 38, Guide-Joanne p. 229, Meyer S. 249. 

Zeichnungen bis auf Fig. 4, die nach Choisv copirt ist, nach eigenen Aufnahmen. Die 
Säulenzahl der Länge nach 28 nach Gyllius. 



6. Bin biF direk . 

1 Grandriss 



4 Säule 




2 Querschnitt 




Phololilhographi« v.'M. Iaffc;Wien. 



57 

STOLPE, 208, BEZ. 41. . SÄULENZAHL 224. 

6. Bin bir direk. 



Wenn man vom At-mcidän in nordwestlicher Richtunp aufsteigt oder vom Divän Jol, 
durch den die Pferdebahn fährt, kurz vor der Turbe Mahmud des Reformers die Gasse nach 
Süden einschläsjt, so gelangt man auf einen freien Platz, aus dessen Boden in regelmässigen 
Abständen viereckige Mauermassen hervorragen. Das sind die Lichtschächte der von den Türken 
Bin bir direk, d. h. Tausend und eine Säule, genannten Cisterne. Ein hölzernes Häuschen auf 
der Südwestecke des Platzes bezeichnet das obere Ende der Treppe, welche den einzigen 
Zugang zur Cisterne bildet. 

Die Sohle des Behälters ist mit Schlamm und Schutt bedeckt. Andreossy und seine 
Nachfolger nehmen an, dass ein 4-87 m tief in die Erde gegrabener Brunnen bis zur gemauerten 
Sohle herabreiche. Die Umfassungsmauern sind nach Andreossv 2'92 711 dick und bis 31 cm 
unter der Capitelloberkante mit 3-5 — 4 cvi starkem Verputz bedeckt. Sie bestehen, wie es scheint, 
aus reinem Ziegelmauerwerk. Die Ziegel sind 4—6 c/H, gewöhnlich 4-5 c;;i stark und 35 — 40 cm, 
gewöhnlich 360;; lang und breit, durch Mörtellagen von 4- 6 c»! getrennt. Andreossy sah auf 
ihnen eine 13 cm lange und 39 cm liohe Inschrift, die er nicht deuten konnte. Oberhalb des 
Verputzes sind durch Steinplatten abgedeckte, schiessschartenartige Fenster in den Umfassungs- 
mauern ausgespart, welche heute unter der Erdoberfläche liegen und kein Licht mehr einlassen. 
Die gegenwärtig im Gebrauch stehenden Lichtschächte sind türkischen Ursprunges. An der 
Ostmauer sind statt der Fenster theilweise Nischen vorhanden. Die Ecken der Umfassungs- 
mauern sind mit l 50 711 Radius abgerundet. 

Der Innenraum ist 64 /n lang. 564 711 breit (nach Andreossy 6923 x 5197 m) und in 
türkischer Zeit durch Vermauerung der Südwestecke eingeengt. Sieht man davon ab, so ergibt 
sich eine Säulenzahl von 16 x 14 = 224, welche in Abständen von 3-60— 380 m der Länge und 
370— 3'90!;i der Breite nach stehen. Gyllius rechnete die vermauerten Säulen nicht mit und erhielt 
so nur 212 Säulen; ebenso Comidas. Schon Fischer von Erlach gibt die Zahl richtig an. Soweit 
der Schlamm sie hervortreten lässt, bestehen sie aus zwei übereinander gestellten Schäften, 
von denen der untere 27 m aus der Füllmasse hervorragt. Die Behauptung, dass noch ein 
dritter Schaft vorhanden sei, ist nicht zu belegen und vom technischen Standpunkte höchst 
unwahrscheinlich. Gvllius weiss nur von zwei Schäften übereinander zu berichten, erst Andreoss}' 
veröffentlicht »die Meinung«, dass die Cisterne drei Säulenetagen habe. Dem widerspricht 
schon, dass der Brunnen, welchen er als Bestätigung dafür anführt, nur 4 87 m tief, die oberste 
Säule allein aber schon 4-39 ui hoch ist. Die beiden sichtbaren Schäfte bestehen aus Marmor 
und haben etwa o 60— oö; ;« Durchmesser (nach Gyllius 6'/,' Umfang). Sic sind in ungleicher 
Höhe durch Trommeln verbunden, in welche der untere Schaft etwas eingelassen ist. Die 
Trommeln sind in der natürlichen Bruchlage, die Schäfte senkrecht dazu versetzt. Die Fugen 
sind mit Blei vergossen. Die Capitelle zeigen die einfachste Form des byzantinischen Kämpfer- 
capitells. An ihnen, wie an dem unteren Ringe des Schaftes und an der die Schäfte kuppelnden 
Trommel, sind Buchstaben in verschiedenen Combinatiouen angebracht, über die am Schlüsse 
des historischen Theiles die Rede sein wird. Choisy macht auf die eigenthümliche Verankerung 
aufmerksam, wonach je drei kreisrunde Holzspreizen auf jeder Seite eingelegt waren. Die 
Ziegelgurten haben etwa 90 ci7i Breite. Das Gewölbe besteht aus byzantinis-chcu Kappen, die 
nach aussen wahrscheinlich wagreclit abgemauert sind. Zu- und Ableitung waren nicht zu 
entdecken. Der Raum, zu Fischer von Erlach's Zeiten noch mit Wasser gelullt, so dass man 
zwischen den Säulen mit Kähnen durchfahren konnte, wird heute von armenischen Seiden- 
spinnern benutzt. 

In allen Plänen eingetragen. Abbildungen bei Fischer von Erlach, Entwurf!' einer historischen 
Architektur in Abbildungen unterschiedener berühmten Gebäude des Alterthums und fremder 
\'ölker. Leipzig 1725, 111, Taf. V (nur im Grundriss richtig, Ansicht erfunden), Comidas de 
Carbügnano Descrizione 1794, p. 33, Constantinople in a series of drawings from nature by 
Thomas Allon, with an historical account and dcscription of the Rev. Robert Waish, circa 
l840/'50. p. 15, Andreossy Blatt 526, Salzenberg Taf. 38, Fig. 17, Hübsch, die altchristl. Kirchen 
Taf. XXXI, Fig. 4— 6 (theilweise falsch) u. a. O. Beschreibungen bei Gyllius p. 197, Andreossy 
S. 57, Konstantios S. 54, Hammer I, S. 555 Nr. 2, Salzenberg S. 130 der 4» Ausgabe, Guide- 
Joanne p. 227, Meyer S. 249 u. a. O. 

Grundriss nach eigener Aufnahme bis auf die nach Andreossy eingetragene türkische 
Einmauerung und Treppe, Ouerschnitt nach eigener Aufnahme, Säule (mit Ausnahme der 
Monogramme) und Wölbung nach Choisy. 



7- Bodrüni . 



LocK 



Thüre 




Säule B 



2 Querschnill 




1:30 



1 300 



■Phi)lolilho|;xajhi« v. M. Jaffe.V/ieii 



59 

STOLPE, 230, BEZ. 39. SÄULENZAHL 71 (?). 

7. Der Bodrüm. 



Diese von den Türken kurzweg Bodrüm genannte Cisterne liegt im Mesih-Pascha 
mahallesi zwischen der nach ihr benannten Bodrüm dschami (Kellermcschee) und der I.aleH 
dschami (Tulpenmoschee). Hat man letztere, die an der Pferdebahn liegt, passirt, so biegt man in 
eine der Seitengassen ünks, Hammäm sokaghy, ein, in der rechts ein grosses Bad, Kvzlar Aghassi 
Hammäm liegt. In einem Hause gegenüber befindet sich eine unscheinbare Kellerthür, welche 
den einen Eingang der Cisterne schliesst. Ein zweiter Zugang, unfern einer Öffnung im Pflaster 
liegt in der dem Bade gegenüber mündenden Strasse und wird heute durch einen viereckigen 
Rost geschlossen. Die Strasse geht ungefähr über die Mitte des Behälters weg, dessen übrige 
Theile unter den angrenzenden türkischen Häusern liegen. 

Der Boden der Cisterne ist hoch mit Schutt bedeckt, der zum Theil durch Öffnungen 
in der Decke heremgelangt sein niuss, weil die Schuttmassen Kegel bUden. Noch heute wird 
aus den Häusern Unrath hereingeworfen. Die Cisterne ist unregelmässig begrenzt, zumeist durch 
Mauerwerk und nur an der Südostecke durch den anstehenden Fels. An zwei Stellen (C, D) 
konnte der Raum wegen vorgelagerter Schuttmassen nicht untersucht werden. Die Mauern 
sind bis 0-50 m über der Capitell-Oberkante verputzt. Fenster waren nicht vorhanden. Der 
unregelmässige Innenraum wird durch eine Ouermauer in eine östliche Halle von 21-2 m Länge 
und wechselnder Breite und einen westlicheii Hauptraum von 28 m Länge und 22-2 m Breite 
getheilt. An diese beiden Hallen schliessen sich Seitenräume, von denen zwei iE, C) zur Axe 
der Osthalle symmetrisch liegen. An drei Steilen (F, G. II) sind bis zur Kämpferhöhe Mauer- 
vorlagen aufgeführt, welche dreieckig vorspringen und horizontal abschliessen. 

In der" Osthalle stehen die Säulen in regelmässigen Abständen von 2-85, bezw. 2-45 m. 
Die Schäfte haben 40 c»! Durchmesser; einige sind, wie es scheint durch Erdbeben, aus ihrer 
Lage gebracht. Die Säule B (Fig. s) steht am schrägsten, ist abgespalten und gestattet so die 
Feststellung der \'erdühelung: das Dübelloch im Capitell ist rund, hat 10 c;;i Durchmesser und 
6 cm Tiefe." Die Capitelle sind alle gleich und haben die Form eines gedrückten Kämpfercapitells. 
Die Gurten sind 85 cm stark und tragen Schneckenkuppeln. Der zierliche Nebenraum E hat 
eine Mittelsäule mit Kämpfercapitell, von dem vier Gurten ausgehen, die ebenfalls durch Schnecken- 
kuppeln abgedeckt sind. In dem anschliessenden Eckraume bei A ragt aus dem Felsen eine 
Console (Ffg. 4), welche vorn rechtwinkelig abschliesst und allmälig die Schräge des Felsens 
annimmt, so dass der Grundriss ein Trapez bildet. Auch das das Profil ornamentirende Akanthus- 
blatt ist oben und vom svmmetrisch und verschiebt sich nach imten zu. 

Die.ser ganze östliche Theil, d. h. die Vorhalle und die Kammern C und E, ist von der 
westlichen Halle durch Mauern getrennt, die im Mitteltracte durch zwei breite Pfeiler und 
zwei Säulen, vor den Nebenräumen C und E durch zwei Säulen getragen werden (Fig. 2). Diese 
Säulen haben die gleichen Capitelle, welche die östliche Vorhalle zeigte. 

Im westlichen Hauptraume wechseln die Säulenabstände in der Längsrichtung zwischen 
2-5 und 3 m, in der Querrichtung zwischen 33 und 3-4 m. Ebenso verschieden ist das ver- 
wendete Material. Der Durchmesser einer Säule wurde zu 43 cm bestimmt. Die Capitelle sind 
sämmtlich sehr roh, häufig lediglich Kämpfer, bisweilen die typische byzantinische Form des 
jonischen Kämpfercapitells (Fig. 5), in einzelnen sogar nur einfache Platten. Einige haben Kreuze, 
eines eine Blattverzierung, andere Reste eines durchbrochenen Blattornamentes. Gurten und 
Wölbungen konnten nicht bestimmt werden, da ein zweiter Besuch der Cisterne nicht gestattet 
wurde. Der Querschnitt Fig. 2 ist daher den Wölbungen nach nur annähernd richtig. Andreoss)- 
gibt an, die Wölbungen seien theils sphärische Calotten, theiis Kreuzgewölbe. 

Die Cisterne ist unbenutzt. 

Im Kauffer'schen Plane mit 80 Säulen, bei Stolpe unter Nr. 39 eingetragen. Gyllius 
p. 254 (columnis marmoreis circiter sexaginta). Lechevalier Voyage p. 107 zählt So Mannor- 
säulen in Abständen von 6-6' Intercolumnium und 9' Axialabstand. Andreossy S. 60 führt 
64 Säulen auf: er hat deren einige halbvermauerte und andere in den Seitenräumen nicht mit- 
gezählt. Konstantios S. 55, Hammer I. S. 557 Nr. 4, danach Unger Quellen S. 201. Hobhouse, 
journey through Albaniato Constantinople 3<i ed. Vol. II. 1833, p. 957 (80 Säulen). Guide- 
joanne p. 22S gibt nur 60 Säulen an, Meyer S. 250 dagegen 64. 

Zeichnungen nach eigenen Aufnahmen. Eine axonometrische Ansicht des Gewölbes bei 
Choisy ist unrichtig. 



8* 



8. Bodriini am EschFefije soka^hy 



1. Gmndnss 




2. Querschnitt 




3. Kapitell 




l'hülolilhoui-ip'i'« ''• M J«[f»,Wis;i 



6l 

STOLPE, ZWISCHEN 208 UND 214. SÄULENZAHL 32. 



8. Bodrüni am Eschrefije sokaghy. 



Diese Cisterne liegt unweit der Bin bir direk westlich im Sinän Aghä mahallesi an der 
Ecke der Strassen Kollük sokaghy und Eschretije sokaghy und ist von einem am Ende der 
letzteren Strasse liegenden Garten aus zugänglich. Man gelangt dahin, indem man vom Divän 
Jol in die der Turbe Mahmud des Reformers gegenüber bei der Pharmacie centiale Emir- 
zeyan mündende Strasse einbiegt. Der Besitzer Arif Pascha, Commandant von Konstantinopel, 
wohnt in derselben Gasse Nr. 2. Die Cisterne ragt im Süden theilweise aus dem Boden mid 
ist im Übrigen mit Erde überschüttet und am Nordende von einem türkischen Hause überbaut. 
In der Südwestecke führt eine Thür zur Treppe. 

Die Sohle ist mit Schutt bedeckt, welcher jetzt weggeräumt wird. Die Umfassungs- 
mauern bestehen aus Ziegeln, die 35— 36 cni lang, 5— 6c«i dick und durch 6 — 7 c/n starke 
Lagerfugen getrennt sind. Oberhalb der Kämpferlinie sind Fenster ausgespart. Die Cisterne ist 
42-5 ?7! lang, 25 m breit (Andreossy 4rg m X 22g m). Die 32 Säulen stehen in regelmässigen 
Abständen von 47 m bezw. 5 m zu acht in der Längs- und vier in der Breitenrichtung. 
Die Marmorschäfte haben einen Durchmesser von 80 cm. Die Capitelle sind entweder sehr 
flüchtig in korintliischer Ordmmg oder kaum aus dem Rohen, immer aber sehr wirkungsvoll 
gearbeitet und tragen hohe Kämpferaufsätze. Die Gurten sind schmäler als die Oberkante 
der Kämpfer und ihre Seitenflächen schneiden sich in scharfen Kanten, bilden aber noch 
beim Aufstossen auf den Kämpfer einspringende Ecken. Die Gewölbe sind Kuppeln, die in der 
Mitte nach einem kleineren Halbmesser gekrümrat sind als am Rande. 

Die Cisterne ist heute unbenutzt. 

Bei Stolpe eingetragen. Abgebildet bei Andreossy Blatt 525. Beschrieben von Gylhus 
p. 197, Andreossy S. 58, Konstantios S. 54, Hammer I, S. 556 Nr. 3, Unger bei Ersch und 
Gruber, Bd. 84, S. 349, Guide-Joanne p. 228 imit 33 Säulen), Meyer S. 249. 

Zeichnungen mit Benützung Andreossy's nach eigenen Aufnahmen. 



9. BodpüiTL am Tatliukiir boslan^: Sultan Selim 



1 Grundnss 




4 Säule . 




0" Sockel 




2 Querschnitt 



5 Säule e. 




1 300 



1;15 



Piiulolilhographie v, M. Jofte.Wieii. 



63 

STOLPE, ZWISCHEN 29 UND 31, BEZ. 11. SÄULENZAHL 28. 

9. Bodrüin am Tschukür bostän von Sultan SelTm. 



Geht man die Südostseite des Tschukür bostäns bei der Sultan Selim-Moschee entlang 
und biegt in die einzige Seitenstrasse ein, so hat man nach wenigen Schritten rechter Hand 
die in Fig. 3 abgebildete Fa^ade vor sich. Die Cisterne ragt also zum Theil aus der Erde 
hervor. Die von ihr gebildete Terasse gehört zum kaiserl. Militar-Waisenhaus, von dem aus 
sie zugänglich ist. Auch der Obertheil der Rückseite ist von einem kleinen Platze aus sichtbar. 
In die restaurirte Strassenfaijade ist m neuerer Zeit eine Thür gebrochen, die zu einer primi- 
tiven Holztreppe führt. 

Die Sohle liegt frei und ist gemauert und verputzt. Die Umfassungsmauer ist in Fenster- 
höhe 28 m stark und in Schichtenmauerwerk ausgeführt. Der Verputz reicht bis 50 cm über 
die Kämpferaufsatz-Oberkante. Unter einem Fenster der Südecke ist er abgefallen und es tritt 
die Structur der Mauer in je zehn Ziegelschichten und drei Quaderschichten hervor. Eine 
Steinschichte sammt Fuge hat 24 — 25c;7!, eine Ziegelschichte sammt Fuge l\ — J2cm Hohe. 
Die Lagerfugen sind zwischen den Steinen 3 cm, zwischen den Ziegeln 7 011 hoch. In der 
Südecke sieht man an der Südostwand Reste eines Viertelbogens in Ziegeln, dessen Scheitel 
an der Südwestmauer liegt und vielleicht die alte Eingangstreppe getragen hat. In der Ober- 
mauer befinden sich rjj — 145 ;;; breite Fenster, welche mit Ziegeln eingewölbt sind Die Ecken 
der Cisterne sind durch Abschrägung verstärkt. Der Innenraum ist 187 m auf 29 1 m gross, 
die Säulenabstände sind regelmässig mit 4 m, bezw. 38 m Abstand versetzt. Die Basen stehen 
auf Ziegeluntersätzen und sind zumeist von roher attischer Form. Die Schäfte bestehen, mit 
wenig Ausnahmen in Granit, aus Marmor von 50— 55 cjji Durchmesser. Der Schaft der Säule 7 
hat in ~,o cm Höhe ein Kreuz, Die Capitelle sind von korintischer Ordnung mit gut gearbeitetem 
dreilappigen Akanthus und tragen Kämpferaufsätze, von denen einige mit Reliefkreuzen, 
wenige mit Akanthus geschmückt sind. Eine Ausnahme macht nur das Capitell 6 (Fig. 5), 
welches compositer Ordnung und mit vom Winde bewegten Blättern des Acanthus spinosus ge- 
schmückt ist. Über den Kämpfern sind noch Ziegel aufgemauert, die dann durch 70 cm starke 
Gurten verbunden sind. Sie tragen b\zantinische Kappen, deren Fugen parallel zu den Gurten 
laufen. Nur im innersten Fünftel sind die Steine diagonal gestellt. In jedes Gewölbe sind in 
die Diagonalen Thonriilirchen von circa 50« Lichtweite eingemauert, die zum Theil vorstehen. 
Die über dem Gewölbe liegende Terasse ist sammt ihrer Brüstungsmauer neu hergestellt. Es war 
weder eine Zu- noch eine Ableitung auffindbar. 

Die Cisterne wird von armenischen Spinnern benützt. 

Guide-Joanne p. 227, Meyer S. 250. 

Zeichnungen nach eigenen Aufnahmen. 



10. Bodrüm am Tscliukup liosian v. ICara ^ümpulc 



1. Gwindriss 




2. Querschiult. 




3, länqenschnitt 




1:300 



ik. Säule 25. 



rS«?-'j 



i ^lt^)lilhogIaphfc v. M. J.iffc.WiBii 



65 

STOLPE, ZWISCHEN 22 UND 41, BEZ. 9. SÄULENZAHL 28. 

10. Bodrüni am Tschukür bostän von Kara gümrük. 



Der auf das Adrianopler Thor Zuschreitende hält sich, nachdem er das Nordvvestende des 
Tschukür bostän von Kara güniruk erreicht hat, möghchst rechts in den dem Tschukür bostän 
zunachsthegcnden Gassen und erreicht so die Käsim-Aghä dschamisi, eine kleine Moschee, 
neben welcher der Zugang zur Cisterne liegt. Von der Kefeli dschami aus steigt man in südlicher 
Richtung soweit als möglich aufwärts und hat dann in der Gasse rechts, gleich auf der linken 
Seite, den Zugang. Andreossy nennt diese Cisterne Dschinn Ali Kjöschkü (Palast des Dämon's 
Ali), ein Name, der heute nicht mehr gekannt wird. Eigentluimer ist der Chodscha Jusuf 
Hafiz. Sie ragt nur wenig aus der Erde heraus, an geeigneten Stellen kann man das sie 
bedeckende Ziegeldach sehen. Die heutige Eingangstreppe ist modern ausgebrochen und durch 
Holz ergänzt. Der daneben erkennbare Rest eines Podestes und eines nach abwärts leitenden 
Bogens (vgl. Fig. 3) dürften von der alten Treppe herrühren. 

Der Boden der Cisterne scheint herausgenommen und wird heute von einer Schmutz- 
schicht gebildet. Die Umfassungsmauern bestehen aus unregelmässigem Schichtenmauerwerk, 
zumeist ein Stein und ein Ziegel abwechselnd, welches bis ungefähr einen Meter über die 
Capitelloberkante 8 cm stark verputzt ist. Fenster sind nicht vorhanden, die Ecken sind abge- 
rundet. Der Innenraum ist 29'0 m lang und iy2 ni breit. Die Säulen stehen ziemlich regel- 
mässig in Abständen von yj in bezw. _V53 "! zu 4x7 = 28. Sie sind nach dem Material sowohl 
wie nach der Structur alle verschieden. Die Säulen 1—4 der Eingangsreihe haben Granitschäfte 
von 62 cm Durchmesser, ohne Basen, die beiden ersten mit Basen statt der Capitelle, die dritte 
mit jonischem , die vierte mit einem flach zugearbeiteten Kämpfercapitell. Die übrigen 
Säulen, auf deren Zusammensetzung ausführlich im historischen Theile einzugehen sein wird, 
haben geringere Dimensionen, d. i.38— 50 cm Durchmesser, häufiger in Marmor, seltiner in Granit. 
Die Schäfte sind verschieden hoch. Zur Ergänzung wurde beliebiges verfügbares Material : 
Plinthen, Kämpfer, Capitelle und Basen bunt übereinander gestülpt verwendet und, wenn das 
nicht ausreichte, eine Unterniauerung vorgenommen. So z. B. ruht der Schaft der Säule 6 auf 
Untermauerung, Kämpfer und auf einer Art umgestülpter Basis (Fig. 51, 8 auf Untermauerung-, 
Kämpfer und drei umgestülpten, verschieden geschnittenen Basen, 25 und 26 auf einem um- 
gestülpten Capitell (vgl. Fig. 4). Ebenso verschieden sind die Capitelle. Es überwiegen bei 
Weitem die korinthischen mit dreilappigem Akanthus, doch sind auch sie nicht gleich gross. 
Daneben finden sich jonische Kämpfercapitelle, einfache Kämpferaufsätze, dann drei Kämpfcr- 
capitelle, von denen zwei ornamentirt sind (eines Fig. 4) imd Basen. Auch über diesen Capitellen 
sind noch niedrige Pfeiler aufgemauert. Die Gurten sind 70 cm breit und tragen Schnecken- 
kuppeln. Die Ziegel liegen in den Hängezwickeln vi'agrecht, in den Kuppeln sind sie schwach 
geneigt. Die Fugen sind ebenso stark wie die Ziegel, in den Gurten jedoch l'/j— 2 Mal so 
stark. Gegenwärtig sind mehrere Löcher in die Decke gebrochen, durch welche Licht eindringt. 
Eine Zuleitung, welche bei der Nähe des Tschukür bostän von besonderem Interesse wäre, war 
durchaus niciit auffindbar. 

Die Cisterne wird heute von armenischen Spinnern benützt. 

Bei Stolpe unter Nr. 9 eingetragen. Erwähnt von Andreossy S. 60 11, Kunslantios S. 54, 
Meyer S. 250. 

Zeichnungen nacli citrenen Aufnalimen. 



11. Bodrum neten der Mir ach dr dschami 



d. Gnmdriss. 



MOSCHEE 




3. Säule. 



2. Querschniü 




1:300 



1;15 




67 

STOLPE 248, BEZ. 51. SÄULENZAHL 24. 



11. Bodrüm neben der Mirachör dschami. 



Diese Cisterne liegt im Garten des Tekke, welches mit der Mirachör dschami, be- 
kannthch einer bj-zantinischen Kirche, verbunden ist, die Studios im Jahre 463 erbaut hat. 
Der Zugang befindet sich in einem Holzschuppen, der südlich neben der Kirche in einem 
Garten steht. Die Cisterne ragt aus dem Boden hervor imd bildet eine Gartenterasse. Eine 
Treppe ist nicht vorhanden. Man gelangt zunächst in einen abwärts führenden Gang, der zum 
eigentiichen Zugang führt. 

Der Boden der Cisterne ist mit dicht festgetretenem Schlamm bedeckt. Die Umfassungs- 
mauern bestehen aus Ziegeln und sind am Eingange 165 m dick. Die nördliche Längsseite 
steht nicht senkrecht auf den Querseiten. Der Grund dafür ist darin zu suchen, dass diese 
Längsmauer sich nach dem Fundament der südlichen Kirchenmauer richtet. Die Fenster sitzen 
unter den Schildbogen und sind mit flachen Ziegelbogen überwölbt. Nach der Kirche zu fehlen 
sie bis auf zwei. Drei Ecken sind durch dreieckige Vorlagen verstärkt. In der vierten, der 
Nordwestecke befindet sich eine rechteckige Pfeilervorlage, welche sich an eine moderne, die 
nächste Säule umfassende oder ersetzende Mauerzunge anlehnt. Der Verputz ist bis zur Höhe 
der Kämpferstück - Oberkanten in einer dicken , darüber in emer um 6 cm dünneren Schicht 
angebracht. Der Innenraum ist 26-4»« lang und l8'6 — 1665m breit, hat 6x4 = 24 Säulen in 
regelmässigen Abständen von 39 m. Die sehr regelmässig gearbeiteten Granitsäulen haben 
57 cm Durchmesser und sollen angeblich zur Hälfte im Boden stecken. Die Capitelle sind 
korinthischer Ordnung mit dreilappigem, scharf geschnittenem aber nicht gleichmässig voll aus- 
gearbeitetem .\kanthus. Über ihnen ruhen hohe Kämpferaufsätze. Die circa 80 cm breiten 
Gurten zeigen die Löcher eines Ankers. Die Gewölbe sind verputzt. Eine Zuleitung war nicht 
zu entdecken. 

Die Cisterne ist unbenutzt. Auf der Ostseite stösst an sie ein Ajasma. 

Bei Stolpe unter Nr. 51 eingetragen. Erwähnt von Gjllius p. 319, Lechevalier p. 108, 
Andreossy S. 60, Hammer I, S. 559 (vgl. 437) No. 9, Hobhouse, Joumey tlirough Albania and 
Const. 2. ed., 1833, Vol. II, S. 957, Konstantios a. 53, Guide-Joanne p. 228. 

Zeichnungen nach eigenen Aufnahmen, Fig. l unter Mitwirkung der Herren Chulussi Bey 
und von Boichetta. 



0* 



12. Bodrum am Böjvik Olluktschy jokuschu 




69 

STOLPE, ZWISCHEN 33 UND 59. SÄULENZAHL 24. 



12. Bodrüm am Böjük Otluktschy jokuschü. 



Verlässt man die Moschee Mohammeds 11. in der Richtung der Selimije auf der SultAn 
Mehmed Tscharschemb^ Bazär sokaghy und biegt gleich in die zweite Querstrasse rechts, d. i. die 
Büjük Otluktschy jokuschü ein, so liegt bergab rechts die Moschee Scheich Resmi mesdschidi 
und im Garten des vorhergehenden Hauses Nr. 6 des Naves Abdullah Bey die in Rede stehende 
Cisteme. Sie bildet eine Erdterasse des Gartens und tritt stellenweise aus dem Boden hervor. 
Der jetzige Zugang ist später ausgebrochen, eine Treppe existirt nicht, wir mussten Leitern 
herbeischaffen lassen, um in sie herabzusteigen. 

Die Sohle ist circa 4 m hoch mit Schutt bedeckt, nur die Säule 22 war bis auf den Grund 
ausgegraben. Die Umfassungsmauern sind ungleicli hoch, stellenweise bis zum Gewölbeansatz 
verputzt. Auf drei Seiten sind sie glatt, in die vierte, die Bergseite, sind fünf Nischen von 2-6 hi 
Breite und r2 m Tiefe eingelegt. In der Nordostecke ist oben, noch innerhalb des Verputzes eine 
Öft'nung ausgebrochen. Gleicherweise später ausgebrochen ist die Öffnung der Nordseite, durch 
die tnan heute in die Cisterne dringt. Alt ist nur ein Fenster der Westseite. Heute füllt das 
Licht durch in die Gewölbe gebrochene Löcher. Die Ecken sind sehr stark abgerundet. Der 
Innenraum ist 26-8 tn lang und 21 m breit. Die Säulenabstände wechseln von 3'9— 4 ?« in der 
einen, von 4-2 — 4-5 in der anderen Richtung, im Ganzen sind 6 X 4 = 24 Säulen vorhanden. 
Achtzehn Säulen stimmen unter einander nahezu überein, 10, 1 1, 13, 15, 19 und 21 weichen ab. 
Die eine freigelegte Basis (Fig. 4) ist zur Ergänzung des zu kurzen Schaftes noch in Glocken- 
form unterstellt. Die Schäfte bestehen aus Granit, variiren im Durchmesser von 34-60^»! und 
müssen auch ungleich hoch sein, weil die 18 gleichen Capitelle verschieden hoch aufgesetzt, ja in 
einigen Fällen sogar unten abgesägt sind. Diese gleichen Capitelle bestehen aus Marmor und 
sind korinthischer Ordnung mit dreilappigem Akanthus, welcher bald mehr, bald weniger schart 
ausgearbeitet ist. Die erste Reihe an der Eingangsseite ist uniform, die Capitelle 10, 11 der 
zweiten und 15 der folgenden Reihe sind durch Basen von gutem Schnitt (Fig. 5) ersetzt; 
21 trägt Capitell und Basis übereinander. Die Säulen 13 und 19 haben Kämpfercapitelle, deren 
Akantiiusschmuck abgeschlagen ist. Einige der Capitelle zeigen eingeritzte Buchstabenzeichen: 
so steht an Säule 7 und 8 A 0, an Säule 23 Biß, an Säule 4, 5 und 17 C P. Die 95 fwi 
starken Gurten sind ausnahmsweise verputzt und zeigen die Spuren von vier Ankerlöchern 
oder Steifen. Die Eindeckung ist mittelst Schneckenfugen durchgefülivt mul ebenfalls noch am 
Rande verputzt. Oben ist der Bau mit Erde übcrscliüttet. 

Die Cisterne ist heute unbenutzt. 

Bisher unbekannt. 

Zeichnungen nacli eigenen Aufnalinicn. 



13 



. BodFMiTL am Un-kapan soka^h}r . 



1. Grundnss 




4. Säule. 









71 

STOLPE. ZWISCHEN 50 UND 53. ZAHL DER SÄULEN UND PFEILER 24 (?). 

13. Bodrüm am Un-kapän sokaghy. 

Diese Cisteme liegt im MoUah Zeirek mahallesi und ist in den Steilabhang gegenüber 
der Zeirek dschami gebaut. Sie ist von zwei Seiten zugänglich. Von Un-kapän sokaghy aus 
durch eine Seitengasse kurz vor der Zeirek dschami, von der eine Sackgasse nach links hin 
abzweigt. Das Holzthor am Ende derselben verschliesst den Garten, in den der untere Zugang 
(im Grundriss bei E, ) mündet. Der obere Eingang (E,) ist von der Kilise dschami i Pantokrator) 
aufzusuchen. Er befindet sich im Hause des Ösmän Fa'ik aus Larissa (Jenischehir) in der 
Fil jokuschü (Elephantensteig), gegenüber der Einmündung der Demirchane-tscheschmesi sokaghy. 
Über der Cisterne befinden sich Gartenterassen und die Medresse des Piri Mahmud Pascha. 
Sichtbar ist der Obertheil der Nordmauer und die ganze unverputzte Ostmauer gegen Un-kapän 
sokaghy zu. 

Der Boden der Cisterne ist vom ersten nördlichsten Pfeilerpaar an nach Süden mit 
übelriechendem Schlamm bedeckt, der bei Regengüssen über die Schwelle der Eingangsthür £■, 
abfliesst und noch in Un-kapän sokaghy bemerkbar ist. Die Umfassungsmauern bestehen aus 
Ziegeln, die 34-350« lang und 3-8 — 4 c"! dick sind, mit 3-5 — 6 c;)i Fugen. Die östliche Stütz- 
mauer ist 5-20 "I an der Sohle breit. Von besonderem Interesse ist die Art, wie die zur Ersparung 
von Material angelegten Nischen vertheilt sind : man hat zunächst die Ostmaner durch Nischen 
erleichtert, die Sohle aber in voller Breite durchgemauert, so dass bei leerem und nicht über- 
wölbtem Behälter die Erde unter dem Mauerfundament an der Aussenseite eine geringere 
Pressung durch das Mauergewicht erfuhr, als an der Innenseite. Hierdurcli wurde die Wirkung 
des Wasserdruckes und Gewölbeschubes, welche eine grosse Pressung auf die Erde unter der 
Aussenseite ausüben, theilweise ausgeglichen. Bei der Westmauer sind die Nischen nach dem 
Innern der Cisterne zu verlegt, wohl in der Annahme, dass der Erddruck grösser sei, als der 
Wasserdruck. Die Nischenziegel sind bis 50 cm über Kämpfer wagrecht gelegt, in der Wölbung 
stehen sie senkrecht auf der Innenleibung. In der Nordmauer, in welcher die Nischen fehlen, 
befindet sich ein Gang, der zu einer steilen und gut erhaltenen Steintreppe (E,) mit 22 Stufen führt. 
Die Südmauer ist nicht zugänglich. Fenster sind in allen der Untersuchung zugänglichen Mauern 
vorhanden. Die an der Nordmauer münden in den Gang, die an der Westmauer lassen heute 
kein Licht herein. Die Nordostecke ist durch die Treppe und eine dreieckige Vorlage verstärkt. 
In der Nordwestecke ist eine runde Trommel eingesetzt. Der Verputz reicht circa 60 cm über die 
Capitelloberkante. Der Fassungsraum ist 16 m breit und wahrscheinlich circa 50 m lang. Soweit 
erkennbar gliedert sich die Cisteme nach der Säulenstellung in zwei symmetrischen Hälften, 
indem sich auf jeder Seite zweimal je zwei Säulen und ein Pfeiler in zwei Reihen folgen, so dass 
die Mitte durch vier Pfeiler bezeichnet wird. Die Abstände sind in der Längsrichtung auffallend 
kleiner als in der Breite, was sich daraus erklärt, dass die Längsmauem den drei weiten Bogen- 
spannungen der Breitenrichtung treffliche Widerlager bieten, während in der Längsrichtung eine 
ganze Reihe von Bogen auf gegenseitige Stützung angewiesen waren. Die 14 m breiten vier- 
eckigen Pilaster sind ohne Profilirung und bis an die Gurten verputzt. Die Säulen stehen auf 
Quaderblöcken und haben achteckige Sockel von 84 cm Höhe, die zwei in Rillen eingearbeitete 
Rahmen als Ornament zeigen. Die Schäfte haben 56 cm Durchmesser, bestehen wie die Capitelle 
aus Marmor und sind in Blei versetzt. Die Capitelle zeigen die einfachste Form des byzan- 
tinischen Kämpfcrcapitells. Die Gurten sind i m breit und über dem Capitell eingezogen. Man 
bemerkt je ein Ankerloch und hat in der stehengebliebenen Öffnung der Treppenbrüstung einen 
Beleg für die Wahrscheinlichkeit, dass die Anker für die Dauer bestimmt waren. Da die Spann- 
weiten in der Längsrichtung bedeutend kleiner als in der Breitenrichtung sind, so entstand das 
Problem, wie die kleinere Distanz auf ungefähr die gleiche Höhe der grossen zu überspannen 
sei. Es ist charakteristisch, dass man eine gleiche Lösung fand, wie im gleichen Falle in der 
nordischen Kunst: man erfand den Spitzbogen, folgte aljer doch noch der alten Gewohnheit, 
indem man die Spitze abrundete. Die Gewölbe bestehen aus byzantinischen Kappen und zeigen 
sehr gut die von Choisy, S. 56, bei anderer Gelegenheit beschriebenen Schlangenlinien im Axial- 
schnitt. In der Mitte haben sie viereckige Löcher, die heute geschlossen sind und in den Ecken 
Thonn'ihren von 91/, cm Weite. Die Gewölbzicgel sind 32 auf 32 auf 4 cm gross. Der Wasser- 
einlauf in der Westwand konnte nicht untersucht werden und ist in Fig. l nur nach Angaben 
der Türken eingezeichnet. 

Die Cisteme wird als Cloake benützt. 

Bisher unbekannt. 

Zeichnungen nach eigenen Aufnahmen. 



14. Bodrum zwischen Gül- uEski Imaret dschami 



fiüldscha-mi 



2. Gnmdriss 



1. Lageplan . 



■ ■ 1 W} »U m m , m w i ■ ■■■r- 




Ll*ü •■i' JVi'Ji'" " 



5. Säule 10- 



4. Säule 3 . 




TT ' .^ -V 



1:300 




1;150 
. i_ 

1:15 



/:> 



STOLPE, VON 35 SÜDLICH. 



SÄULENZAHL 14 (?). 



14. Bodrüm zwischen Gül- und Eski-Imaret dschami. 



Für die Auffindung der Cisteme benütze man den in Fig. i gegebenen Wegeplan. Sie 
liegt nicht weit von dem Kloster der heulenden Derwische Jeni Tekke, vor dem einige byzan- 
tinische Architekturreste liegen. Über ihr stehen an der Gasse türkische Holzhäuser und ein 
kleines Cafe. Eines dieser Häuser trägt angeblich die Bezeichnung Aschyk Pascha mahallesi 22. 
Man betritt die Cisteme durch einen der Hauskeller bei E, oder durch eines der in Gärten 
mündenden Fenster. Diese Gartenseite ist durch Bogenstellungen gegliedert (Fig. 3"). 

Der Boden der Cisteme ist hoch mit Erde bedeckt. Die Umfassungsmauem bestehen 
aus sehr unregelmässigem Schichtenmauerwerk und sind in Fensterhöhe im stark. Sie sind an 
den Stellen, wo die Gurten aufsetzen, durch Pfeilervorlagen verstärkt. In der einen Ecke befindet 
sich in Kämpferhöhe eine Nische. Fenster sind nur nach der Gartenseite zu angebracht. Ein 
Theil der Cisteme ist durch eine türkische Mauer abgetrennt ; er soll nach Angabe der Umwohner 
ein Säulenpaar enthalten. Von den zugänglichen alten Ecken ist eine dreieckig verstärkt. Der 
heutige Innenraum ist 19 w lang, 8-1 m breit mit 7x2=14 Säulen in Abständen von 2qm 
bezw. 265 («. Die Säulen haben meist 29 -30 cm Schaftdurchmesser und verschiedene Höhe. 
Auf dem Schaft der Säule 14 sind die Schriftzeichen f A angebracht. Die Capitelle sind offenbar 
von verschiedenen Bauten hergenommen; einfache oder jonische Kämpferaufsätze wechseln 
mit korinthischen Capitellen, bisweilen sind zwei aufeinander gestülpt. Säule 3 hat einen 
Kämpfer mit Akanthusschmuck, in den roh ein Gesicht gemeisselt ist, Säule 10 ein composites 
Capitell mit Acanthus spinosus, darüber einen jonischen Kämpferaufsatz, Säule 14 endlich ein 
Kämpfercapitell mit glattem geometrischen Schmuck. Die Gurten sind 70 an stark und durch 
Kuppeln geschlossen. Eine Zuleitung war nicht zu entdecken. 

Die Cisteme ist unbenutzt. 

Wahrscheinlich identisch mit der von Paspali Bv^. fu/Jiat a. 3S2 beschriebenen Cisteme, 
bei der heute nicht mehr auffindbaren Scheich Murüd mesdschidi, deren Lage dann bei Paspati 
unrichtig angegeben wäre. Paspati gibt seiner Cisteme 2150 m Länge, 6-30 m Breite, mit 
14 Säulen in zwei Reihen, auf der einen Seite verbaut. Die Säulen seien alle ungleich und 
hätten zum Theil zwei Capitelle mit Kreuzen übereinander. Guide -Joanne, p. 229. 

Zeichnuniien nach eiürenen Aufnahmen. 



10 



15. Bodriim. bei der Fethije. 



Grundriss. 



3 Säule 2. 




75 

STOLPE, ZWISCHEN 17 UND IS. SÄULENZAHL 14. 



15. Bodrüm bei der Fethije. 



Hinter der Apsis der Fethije, der alten Kirche der Pammakaristos, dehnt sich eine hohe 
Terasse aus, unter der die in Rede stehende Cisterne Hegt. Sie ist einzig durch ein Loch 
im Terassenboden zugänglich, welches zumeist mit grossen Steinen verlegt ist. Durch dieses 
Loch wurden Schuttmassen in die Cisterne geworfen, die heute einen bis an die Öffnung 
reichenden Kegel bilden. 

Der Boden ist mit Erde und Steinen bedeckt, welche an einzelnen .Stellen bis an die 
Capitelle reichen. Die Umfassungsmauern sind nach der Thalseite durch Pfeilervorlagen verstärkt, 
Fenster fehlen. Die Ecken sind schwach abgerundet. Der Verputz geht bis über die Gurtscheitel 
hinauf. Der Fassungsraum ist 2r6 m lang und 6-8 vi breit mit 7 x 2 = 14 Säulen in Abständen von 
2-8 m bezw. 2-5 m. Schäfte und Capitelle sind stark versintert. Die Schäfte haben 28—37 '^'" 
Durchmesser, sind verschieden hoch und bestehen bald aus Marmor, bald aus Sandstein. An 
Säule 3 und 10 sind Kreuze in Relief angebracht (Fig. 4 und 7). Die Capitelle sind sehr 
verschieden. Die ersten vier und das sechste Säulenpaar haben je zwei gleiche Capitelle. Sechs 
Säulen haben Kämpfercapitelle, von denen i, 2 und 8 oben abgeschnitten sind und Rand- 
verzierungen und Monogramme (Fig. 3) haben, die anderen glatt und gedrückt sind (Fig. 7). 
Vier Säulen tragen korinthische Capitelle mit dreilappigem Akanthus (Fig. 4 und 8). Capitell 12 
ist unten abgeschnitten (Fig. 8), zwischen zwei unteren Akanthusblättern erkennt man das 
Zeichen V. Ferner finden sich drei jonische Kämpfer (Fig. 5 und 9) und ein einfacher Kämpfer 
(Fig. 6). Die Längsgurten sind 87 cm, die Quergiu-ten 60 cm stark und haben 20 cm über 
Capitelloberkante Ankerlöcher von g -16 cm Breite. Um letztere hat sich Sinter so angesetzt, 
dass man das Vorhandensein der Anker über die Bauzeit hinaus bestätigt sieht. Die Decke ist 
in Schneckenkuppeln gewölbt. Der alte Einlauf ist nicht zu entdecken. Ein neues Thonrohr 
von 17 cm Weite mündet durch ein, dafür in eines der Gewölbe gebrochenes Loch. 
Die Cisterne ist unbenutzt. 
Bisher unbekannt. 
Zeichnungen nach eigenen Aufnahmen. 



lO' 



16. Bodrvim z^vischen KillsG dschaiTii M. Mohammedije 



d. Grundnss 




77 

STOLPE, ZWISCHEN 67 UND 69. ZAHL DER SÄULEN UND PFEILER 12. 



16. Bodrüm zwischen der Kilise dschami (Panto- 
krator) und der Mohammedije. 



Geht man vom Minaret der Kilise dschami (Pantokrator) in der Richtung des Keller- 
bruiinens So Schritte in die hier einmündende Gasse, so liat man zur Linken eine kurze 
Sackgasse, Tschykmäz bodrüm sokaghy, an deren Ende eine Thür, Nr. i, den Zugang zur 
Cisterne bezeichnet. Dieselbe Hegt in einem Garten, ragt ein wenig aus der Erde hervor und 
ist zum grösseren Theil überbaut. 

Der Boden ist hoch mit Schutt bedeckt und an zwei Stellen für moderne Schachtbrunnen 
von lo resp. 4 m Tiefe durchbohrt. Die Umfassungsmauer besteht aus Ziegeln und ist an der 
Eingangsthür 2-os m stark. Sie hat auf allen Seiten Pfeilervorlagen für die Gurtbögen, unter 
denen je em Fenster von 50 cm Breite und Höhe ausgespart ist. Der Verputz erstreckt sich 
auch auf die Gurten. Die Ecken sind dreieckig verstärkt, in einer Ecke ist überdies ein weiterer 
Vorsprung angemauert. Der Innenraum ist 28'! m lang, 11-4 m breit mit 6 x 2 = 12 Stützen, d. h. 
10 Pfeilern und am Eingange zwei Säulen in regelmässigen Abständen von 4 m. Die Pfeiler 
sind quadratisch, 67 cm breit, in Kalkstein aufgeführt und tragen Kämpferaufsätze, die mit 
Kreuzen geschmückt sind. Die beiden Säulen haben ungleiche Schäfte und Capitelle, die mit 
Blei versetzt sind. Die Capitelle sind compositer Ordnung mit grosslappigeni Akanthus. Eigen- 
thümlich ist an ihnen, dass die Versatzleisten stehen geblieben sind. Sie tragen verschieden 
protilirte Kämpferaufsätze. Die Decke besteht aus byzantinischen Kappen mit Thonröhren in 
den Diagonalen. Drei Gewölbe am Eingange sind durchgeschlagen. Zuleitung unauffindbar. 

Die Cisterne wird heute nicht benützt. 

Bisher nicht beschrieben. 

Zeichnungen nach eigenen Aufnahmen. 



17. Bodruin am Saly Efendi sokaöhy 



1. 

Grundriss . 




2 

Querschnitt . 




Gewolbezwickel . 




1:300 



-U 1- .1.. -1. 



1:1S0 
1 1 1— 



1V5 



79 

STOLPE 138. SÄULENZAHL 10. 



17. Bodrüni am Saly Efendi sokaghy. 



Westlich vom Kj-ztasch, der Säule des Marcian, da wo in Stolpe's Plan Orta dschami 
steht, befindet sich in der Gasse Salv Efendi, für den Herabsteigenden links die rohe Fagade 
einer Cisterne, in die man durch eine kleine Thür direct von der Strasse aus eintritt. Über ihr 
liegt das Kambi'u- Mustafa Pascha hemtekkesi (Moschee und Kloster). 

Die Sohle ist mit Erde bedeckt. Die Umfassungsmauern bestehen aus Ziegeln und sind nach 
der Gartenseite 150 m, nach der Strassenseite in Thürhöhe r30 m stark. Die Ziegel sind 
38-40 c?n lang und breit, 35 — ^cm stark, und haben 4-5— 5-5 c;)i starke Lager- und \—i-^cm 
starke Stossfugen. Drei Seiten stehen rechtwinkelig, die vierte, nach der Strasse zu, ist schräg auf- 
geführt und nach aussen zu so unregelmässig, dass sie den Eindruck einer Grundmauer macht, 
die man durch nachträgliche Wegräumung der Erde freigelegt hat. Ferner treten im Äusseren 
die Ansätze der Gewölbe hervor, so dass man von der Strasse aus die Stellung der Gewölb- 
ziegel sehen kann (Fig. 3). Der Innenraum ist 23-6 m lang, 12-2 m breit, hat 5 x 2 = 10 Säulen 
in Abständen von 39 m bezw. 4^4 m. In den südlichsten Gang ist in der Mitte ein türkischer 
Pfeiler eingezogen. Das der Eingangsthür gegenüberliegende Fenster befindet sich in einem 
Theile der Mauer, der von den Türken restaurirt wurde. In den Ecken sind die Mauern durch 
vier Trommeln verstärkt, welche bis Kämpferhöhe reichen, jedoch merkwürdigerweise erst 
ungefähr 130 m über dem heutigen Boden anfangen. Der Verputz reicht etwa bis zur Höhe 
der Capitelloberkante. Die Siiulenschäfte bestehen aus rothem Granit und haben 50 — 55 cm 
Durchmesser. Die Capitclle sind rohe Kämpfercapitelle, Säule 4 und 5 haben an ihrer Stelle zwei 
viereckige Blöcke aus Marmor. Gurten sind nur in der nordöstlichen Ecke vorhanden. Im Übrigen 
besteht die Decke ausnahmsweise aus Tonnengewölben mit Stichen (d. h. sich durchkreuzenden 
schmäleren Tonnen). Sowohl in den Hauptgewölben, als auch in den Stichen erscheinen die 
Lagerfugen an der Innenleibung wagerecht. 

Die Cisterne wird von armenischen Spinnern benützt. 

Bisher unbekannt. 

Zeichnungen nach eigenen Aufnahmen. 



is.Bodrum neten 8er Moschee Sultan Mohammeds . 



4. Grandriss 




Fugenrichtung der Gewölbe. 

. m 




2. 

Längenschnilt . 




5. Säule s 



3. Querschnitt 




6. Säule 8. 




1:300 



1_._1 I I r I L. 



IMilllJlll L- 



1:150 

_1 1 L_ 



8i 

STOLPE 59. SÄULENZAHL 10. 

18. Bodrüm neben der Moschee Sultan Mohammed. 



In nächster Nähe der Moschee Sultan Mohämmed's, an der nach der Sultan Selim 
führenden Strasse Sultan Mehmed Tscharschembti Bazär, liegt auf der dem goldenen Hern 
zugekehrten Strassenseite eine Feuervvehrkaserne. Unter dieser und dem benachbarten Mys\Tly 
Chanymyn konaghy genannten Hause Nr. 12 ungefähr, befindet sich die in Rede stehende 
Cisterne. Man gelangt in sie entweder durch eine Öffnung im Boden des Hofes der Feuerwehr- 
kaserne (£",), oder von den Kellern des Mvsvrly Chanj-myn konaghy {Ei). 

Die Cisterne besteht aus drei ungleich breiten, durch Bogenstellungen getrennten Gängen, 
denen auf der einen Seite ein rechteckiger, auf der andern ein halbrunder Raum vorgelegt ist. 
Von diesem Hauptraume durch eine starke Mauer getrennt und nur durch eine schmale Oflnung, 
die überdies durch eine Säule verengt wird — der gleiche durch eine Säule verengte Durch- 
gang findet sich, doch hier in eine Nische endigend, auch auf der gegenüber liegenden Seite — 
verbunden, schliesst sich an der einen Längsseite ein durch Pfeilervorlagen in zwei ungleiche 
Kammern gegliederter Gang von 23 tu Breite an, dessen Boden mit Erde in ungleicher Höhe 
und bei E, derart mit Wasser bedeckt ist, dass der Zugang von hier aus zur Zeit nicht 
möglich war. Auch im Hauptraum ist der Boden hoch mit Erde bedeckt. Derselbe ist lyöj 7V. 
lang und 7-9 m breit und wird von 4x2 = 8 Säulen getragen, die sjmmetrisch in ungleichen 
Abständen angeordnet sind. Fenster und Eckverstärkungen fehlen. Ebenso fehlt im Hauptraume 
Verputz. Er findet sich nur an der Mauer, die dem Nebenraume zugekehrt ist, der selbst bis 
Kämpferhöhe verputzt ist. Die Säulenschäfte sind ungleich hoch, 35-46CVH stark und bestehen 
abwechselnd aus Marmor oder Granit. Die Capitelle sind sehr einfach : es wechseln einfache 
und jonische Kämpfer ab, die bald glatt, bald mit Kreuzen geschmückt sind. Die Verbindungs- 
bögen sind alle gleich hoch, daher die schmäleren stark überhöht. Die Gewölbe sind in den 
Gängen des Hauptraumes und in dem zugehörigen rechteckigen Räume Tonnen, deren Lager- 
fugen liorizontal sind — bis auf den Mittelgang, dessen Tonnengewölbe gegen den Scheitel 
ansteigende Fugen hat. Die Apsis wird durch eine Halbkuppel mit wagerechten Lagerfugen 
eingewölbt, während die Fugen in dem kurzen, vor die letzten Säulen gelegten und den ganzen 
Hauptraum überspannenden Tonnengewölbe lothrechte Halbkreise bilden. Der Nebengang ist 
durch ein Tonnengewölbe überdeckt, die Kammer durch ein byzantinisches Kappengewülbe. 

Die Cisterne ist jetzt unbenutzt. 

Bisher unbekannt. 

Zeichnungen nach eigenen Aufn.ihmen. 



i». Bodrüm gegenüber Orlafsdieschme 



1. 

Grundriss . 



E ^ 




Längenschniü. 



«^ 


\ T t^_t 








+ — 1 — 


— 1 — t 

— h i 

- -1- 1 


- j-| 1 


-1^ 



Wölbung. 




1 300 



STOLPE 136. SÄULENZAHL 9. 



19. Bodrüm gegenüber Ortatscheschme. 



Unweit von dem Bodrüm am Sal}- Efendi sokaglij- liegt, ebenfalls im Viertel der früheren 
Janitscharenkaseme, gegenüber Ortatscheschme eine Cisteme, welche die Türken Ortatscheschme- 
Machzen nennen und von der sie behaupten, dass einst über ilir die von Mahmud II. zerstörte 
Orta dschami gestanden habe. Heute wird der Ort durch eine kleine öffentliche Gartenanlage 
bezeichnet, die an der Ecke zweier sich rechtwinkelig kreuzenden Strassen auf einer niedrigen 
Terasse liegt, die eben durch die aus dem Niveau ragende Cisteme gebildet wird. Der Zugang 
zu derselben befindet sich in dem Garten, wo ein Weg abwärts zu E, einer Öffnung, führt, 
die über Kämpferhöhe der Cisterne liegt. 

Da die Cisterne heute wieder mit Wasser gefüllt ist, kann man sie nur von einer der 
Eckverstärkungen aus, die zur Zeit des Besuches nur 4 cm über dem Spiegel des angeblich 
7 Arschin (das wäre 5-31 m) tiefen Wassers lag, betrachten. Der Boden soll mit Ziegeln gepflastert 
sein. Die fensterlosen Umfassungsmauern sind an den vier Ecken durch dreieckige Vorlagen ver- 
stärkt und umschliessen einen Raum von 14-05 m auf 11-45 "'■ Bis beiläufig 35 cm über dem Wasser- 
spiegel sind sie verputzt. Im Innern stehen drei Reihen zu drei Marmorsäulen in 3-7 bezw. 
3-05 m Abstand mit Kämpfercapitellen. Sie sind durch etwa 75 cm breite Gurten verbunden. 
Letztere stossen scharfkantig zusammen und sind am Scheitel in voller Höhe eines Ziegels 
sichtbar. Sie tragen Hängezwickel und ein Stück Kuppel mit im Kreise umlaufenden Lagerfugen. 
Auf diesem Gewölbe ruht ein zweites mit viel kleinerem Halbmesser und Schneckenfugen derart, 
dass da, wo beide Kuppeln sich berühren, eine scharfe Kante entsteht (vgl. Fig. 3). Am 
Eingange liegt ein tiefer Schacht, in dem sich wahrscheinlich der Hahn der Wasserableitung 
befindet; im Innern ist eine Steinstufe vorhanden [A, Fig. l). 

Vor fünfzehn Jahren, so sagen die Umwohner, habe man die Cisteme gefunden, vor zehn 
Jahren Wasser eingelassen; sie dient heute als Behälter für die öffentliche Wasserversorgung. 

Choisj-, p. 94 bezeichnet die Cisterne als nahe beim Et-meidän gelegen. 

Fig. I und 2 nach eigenen Aufnahmen; Fig. 3 nach Chois}-, pl. XVIII unten (doch mit 
Weglassung des aus der Phantasie dazu componirten Capitells). 



20. BodFÜm nördlich von der Nischandschy dschami 



1. 

Grimdriss . 



Querschnitt 




I 3 Kapitell 1.2,5,7,8,9. 
Schaft 2. 



A: Säule 4u6. 




1 300 



1:150^ 
"^1.15 



85 

STOLPE, ZWISCHEN 57 UND 28. SÄULENZAHL 9. 



20. Bodrüm nördlich von der Nischandschy dschami. 



Zwischen der Moschee Sultan Selim und der Nischandsch\' dschami hegt etwas westhcli 
ein Stadtviertel, welches, zumeist aus von hohen Mauern umschlossenen Gärten bestehend, 
von vielen unregelmässigen Gassen durchzogen wird. In einem dieser Gärten, welchen zur Zeit 
ein Grieche, Georgi, bebaut, befindet sich die in Rede stehende Cisterne, die durch eine Treppe 
zugänglich ist. 

Man gelangt in einen 21 m hoch mit Erde angefüllten viereckigen Raum, in dem zwei 
Becken bis zum alten Fussboden ausgehoben sind. Beide sind von neuen Mauern eingefasst 
und enthalten Wasser. Die fensterlosen Umfassungsmauern der Cisternen stossen in stark 
abgerundeten Ecken zusammen und umschliessen ein Rechteck von irS auf 116 111. Im Inneren 
stehen in regelmässigen Abständen von circa 3-2 7)i neun Säulen in drei Reihen geordnet. Von 
den Schäften ist der von Säule 2 cannelirt, die anderen sind rund. Die Mehrzahl trägt mit 
Kreuzen geschmückte, jonische Kämpfercapitelle (Fig. 3); doch sind auch zwei einfache Kämpfer- 
capitelle vorhanden, welche auf je zwei entgegengesetzten Seiten mit Kreuzen zwischen 
Blattwerk (Fig. 4) verziert, auf den beiden anderen glatt sind. Ein Schaft wird von einer 
Anzahl runder Platten (Fig. 5) gekrönt. Die Säulen sind durch im Mittel 70 cm breite Gurt- 
bögen verbunden, welche Kuppeln mit Schneckenfugen tragen. Die Mauern, die Gurtbögen 
und die Kuppeln, bis auf einige Kuppelnlitten, sind stark verputzt. An den Wänden beträgt 
die Verputzstärke 7 cm. Die Gurten haben durch die wechselnde Verputzstärke eine bauchige 
Form erhalten. In den Gurten sind i-2 m über den Ankerlöchern Vertiefungen im Verputz vor- 
handen, die von Riegeln herrühren müssen, die etwa so gross waren, wie die Anker. Eine 
Kuppel ist durchbrochen und trägt einen kleinen Schacht, der als Brunnen dient und das 
Schöpfen aus dem Becken gestattet. An einigen Stellen ist noch eine ehemals vom Wasser 
abgesetzte Linie zu sehen, die in Fig. 4 durch Strichpunkte angedeutet ist. 

Die Cisterne dient zur Wasseraufspeicherung für den Gärtner, auf dessen Grundstück 
sie liegt. 

Bisher unbekannt. 

Zeichnungen nach eigenen .\ufnahmen. 



zi.Bodrum am Men^ene soka^hy 



1. Gnmdriss . 



o 
o 
m 



8. Fugenrichlung der Gewölbe . 





Längenschnilt . 



Wasserspeier 
nach Paluka) 




6. Pegel 



87 

STOLPE 169. SÄULENZAHL 9. 



21. Bodrüm am Mengene sokaghy Nr. 41. 



Nördlich von der Moschee Nür-i Osmanije hegt die Mahmud Pascha Moschee. Verlässt 
man diese auf der nach Norden führenden Treppe, so gelangt man abwärts in Mengene 
sokaghy. Hält man sich dann in dieser Gasse rechts aufwärts, so hat man zur Linken unter Nr. 41 
einen Bauplatz, auf dessen rechter Seite eine Cisterne liegt, die zur Zeit mit Trümmerschutt 
bedeckt und durch eine Thür und Treppe zugänglich ist. Das Material wurde uns zum Kauf 
angeboten. 

Die Umfassungsmauer, längs welcher die Treppe hinabführt, besitzt eine Vorlage, hinter 
der sie selbst auf einer Strecke vorspringt, zwei andere Mauern haben Pfeilervorlagen zur 
Aufnahme der Gurtbögen und nur die vierte Mauer ist glatt. Diese Wände stossen in scharfer 
Ecke zusammen und umschliessen einen Raum von 11-3 i« Länge und 685 bezw. 65 m Breite. 
Neun Säulen in 27 bezw. 29 m Abstand in der einen und 2 m in der anderen Richtung stehen 
in drei Reihen in demselben. Sie sind aus Resten anderer Bauwerke zusammengestoppelt. Die 
Mehrzahl der Capitelle ist korinthisch mit dreilappigem, spätem Akanthus (vgl. Fig. 4), andere 
sind einfache oder jonische Kämpfer, eines aber ein Adlercapitell mit scharfzackigem Acaiithus 
spinosus; dasselbe ist leider stark bestossen (Fig. 5). Auf den Capitellen ruhen Kämpfer- 
stücke. Der Kämpfer der Säule 7 ist mit einem Kragarme versehen, stammt also von einem 
Balkon oder war für einen solchen bestimmt (Fig. 4). Die Gurtbögen über den Kämpfern 
sind 0-8 t7i stark und tragen Deckengewölbe, welche von den, bei den alten Wasserbehältern 
üblichen, abweichen. Es sind preussische Kappen mit schwacher Wölbung der Kämpfer- und 
Sclieitellinie — also eigentlich Kuppeln — ohne Schalung gemauert. Die Steine liegen schräg 
und die Schichten sind auch im Grundriss bogenförmig. Drei Gewölbe der ersten Felder- 
reihe (vgl. Fig. 2) hat man von zwei Seiten zu mauern begonnen, drei der dritten nur von 
einer Seite. Die Umfassungsmauern, Gurten und die zweite und vierte Gewölbereihe sind 
verputzt. Die Fugenlage in letzteren war daher nicht erkennbar. Im Boden ist ein Brunnen 
abgeteuft. Ausser der Eingangstreppe sind noch andere Stufen vorhanden. Am Schafte der 
Säule 4 befindet sich ein Pegel mit höchst ungleichen Theilstrichabständen (Fig. 6). Eine vom 
Wasser abgesetzte Linie ist 13 cm über dem untersten Strich erkemibar. 

Die Cisterne wird heute nicht benützt. 

Möglicherweise eine der drei Cisternen, die Gyllius im Bazar gesehen hat. 

Zeichnimgen nach eigenen Aufnahmen. 



22. Bodrum am Kjöpodhlü sokaöliy 



Grandriss 




J.S-^f 3,5-4 3,9- 



3. Säule i.ä 3. 




%-'^^g^'f4?j»a!i > 





Querschnitt 




4. Säule 4.5.8 




5. Pavimeni 



I- 

."V. 
o 



•/f/:f7y7^:^/,'7 '/.'/>vj//aj/'/.v/; 



"Vo^/jufz 




6. Basis der Säule 2 




1.300 



l_._i ■ 1 1 1 1— i- 

1 


150 

1 1 1 ' 1 1 



89 

STOLPE 17. SÄULENZAHL 8. 



22. Bodrüm am Kjöroghlü sokaghy. 



Verlässt man die Terasse hinter der Apsis der Fethije, also den Ort, an dem die Fethije- 
Cisterne liegt, nach Norden zu über einen wüsten Platz weg, so gelangt man in eine schmale 
Gasse, in welche rechts Kjöroghlü sokaghy mündet. Auf einem Grundstücke der Südseite, 
Nr. I gerade gegenüber, liegt die zum Theil aus der Erde ragende und mit Erde überdeckte 
Cisteme. Der Eigenthümer wohnt in Nr. l und lässt Fremde bereitwilligst ein. 

Eine von wahrscheinlich türkischen Mauern eingefasste kurze Treppe führt auf den 
Boden des alten Behälters. Derselbe war an einer Säule (2) ausgebrochen, so dass man seine 
Zusammensetzung erkennen konnte (Fig. 5 und 6). Zu unterst lag in nicht messbarer Dicke Bruch- 
stein, dann folgte Beton in 10 cm Stärke, über welchem zwei Ziegelflachlagen ausgebreitet waren. 
Diese wieder hatten einen 4 cm starken Verputzüberzug erhalten. Der Verputz zog sich hoch 
aa den Umfassungsmauern hinauf, stellenweise bis zur Decke. Von aussen erkennt man, dass 
die Mauern — wenigstens so weit sie sichtbar sind — aus Quadermauerwerk (Hackelsteinen) 
bestehen. Sie sind innen nicht auf volle Höhe lothrecht, sondern oberhalb der Gurtkämpfer 
unreffelmässig einsrezoaren. Der Raum ist ^'8 m breit und heute auf etwa is m Länge betretbar : 
der Rest ist verschüttet. Man erkennt gegenwärtig acht Säulen, von denen drei nachträghch 
bis zum Capitell — d. h. so, dass dieses frei Wieb — wohl zur Verstärkung eingemauert 
wurden. Die nicht eingemauerten Schäfte sind theils (l, 3, 5) Marmor mit 38 cm Durchmesser, 
theils (2, 6) Granit mit 45 c;;; Durchmesser; sie sind in Mörtel versetzt und stehen in der Höhe 
des Fussbodens auf, so dass die Basen nicht sichtbar sind. Eine — wie erwähnt (Säule 2, 
Fig. 6) ist durch Aufbruch des Fussbodens freigelegt: auf achteckiger Platte folgt ein runder 
Wulst, eine Hohlkehle und eine flache Trommel mit Einschnitt. Als Capitelle dienen theils einfache, 
theils jonische Kämpfer, letztere mit besonders hässlichen Schnecken, die fast wie concentrische 
Wulste erscheinen. Die Säulen dienen als Unterstützung von r2 m breiten Quergurten und diese 
wieder tragen preussische Kappen (niedrige Tonnengewölbe), die über einer Schalung gemauert 
worden sind. Noch erkennt man die Ränder der einzelnen Schalbretter au den Mörtelstreifen der 
Innenleibung der Gewölbe. 

Der Raum wird gegenwärtig nicht benützt. 

Auf dies bisher unbekannte Bauwerk machte uns Herr A. Leval mündlich aufmerksam. 

Zeichnungen nach eigenen Aufnahmen. 



12 



23. Bodpum bei der NCip-i Osmaniie 



1. Gnindriss . 




3. Querschnitt. 



3. Längenschnilt . 




24:. Bodrum am Adschy MiKslülc sokaöhy 







91 

STOLPE 174. SÄULENZAHL 7. 

23. Bodrüm bei der Nür-i Osmanije. 

Verlässt man den Vorhof der Moschee Nfir-i Osmanije durch das Ostthor, so gelangt 
man geradeaus in eine breite Strasse, welche den Namen Scherif Efendi sokaghy führt. Nicht 
weit vom Thore bemerkt man zur Linken am Strassenrande die zerstörten Gewölbe eines 
türkischen Unterbaues. Gegenüber wird die Strassenflucht durch eine Mauer gebildet, an welcher 
man bei genauerem Zusehen die Aussenleibungen einer Cisterne erkennt, die bis unter Kämpfer- 
höhe aus dem Boden ragt und mit Erde überschüttet ist. Zwischen dem letzten Hause von der 
Nür-i Osmanije aus und der Cistenie führt ein an Sonntagen durch eine Thür verschlossener 
Weg zu der an der Schmalseite der Cisterne liegenden Treppe E. 

Der Boden der Cisterne ist ungleich hoch mit Erde bedeckt. Die Umfassungsmauern 
sind in Ziegelmauerwerk aufgeführt und an zwei Ecken durch dreieckige Vorlagen bis ungefähr 
zur Kämpferhühe verbunden. Die Dicke der Wand beträgt am Eingange 20 m; überdies liegt 
daselbst nach Aussen eine 07 m starke Steinwand vor, welche türkischen Ursprunges ist und 
von einem nunmehr abgebrannten Konak herrührt. Über letzterer ist ein Fenster vorhanden. 
Die übrigen Mauern sind fensterlos. In der von der Strasse aus sichtbaren Mauer sind durch die 
ganze Mauerdicke hindurchreichende Gurtbögen eingelegt. Der Innenraum ist 2715 m lang und, 
infolge einer einspringenden Ecke, von ungleicher Breite (H'S"' bezw. 105 ;;;■). Er hat sechs in einer 
Reihe, in 3-93 tn Abstand stehende Säulen und eine siebente einzelstehende, welche 475 m von 
der Reihe entfernt ist. Die Schäfte von 56c«! Durchmesser bestehen aus Marmor, desgleichen die 
Capitelle, welche nach Aussage der dort arbeitenden Leute in Blei versetzt sein sollen. Die 
Fuge lag jedoch so tief offen, dass, falls Blei wirklich vorhanden gewesen ist, dasselbe später 
ausgekratzt worden sein muss. Die Capitelle sind einfache Kämpfercapitelle, welche bei einem 
oberen Quadrate von i m Seitenlänge 40 cm hoch sind. Sie tragen Gurten von i m Breite, 
welche durch byzantinische Kappen verbunden sind. In der dem Eingange gegenüberliegenden 
Wand ist 75 cm unter Capitelloberkante und o 8 m von der Ecke noch der alte Einlauf, nämlich 
ein Thonrohr von 14 cm Weite sichtbar. Kuppas gibt an, dass am Capitell der ersten Säule ein 

Monogramm 6 Y, an dem der vierten ß^ fi und an den Schäften dieser Säulen Kreuze S 
eingegraben seien. 

Der Raum wird von armenischen Spinnern benutzt. 

Bisher unbekannt. Während des Druckes erschien eine Aufnahme von Kuppas im 'E/.!.. 
0il. Si/./.oyo;, Ilandgiijfta zov y.-y.ß' rnfiov, a. 52. Auch hat inzwischen Herr Benjamin Paluka 
aus Stambul dem Herausgeber eine Aufnahme übersandt. 

Zeichnungen nach eigenen Aufnahmen. 



STOLPE, ZWISCHEN 169 UND 170. SÄULENZAHL 7 MIN. 



24. Bodrüm am Adschy Muslük sokaghy. 



Westlich, doch in gleicher Hohe mit der hohen Pforte, am Abhang unterhalb der per- 
sischen Gesandtschaft zieht sich eine schmale Gasse Adschj- Muslük hin, deren Flucht nach 
der Bergscite zu eine byzantinische Facjade bildet, die hier in perspectivischer Ansicht abgebildet 
ist. Durch die vergitterten türkischen Kellerfonster blickt man in eine Cisterne, deren Gewölbe 
von mindestens sieben Säulen mit, wie es scheint, flachen Trichtercapitellen, getragen wird. 
Der Besitzer wollte den Eintritt leider nicht gestatten. Auch der sonst alle Tliüren öfi'ncnde 
Bakschisch half hier nicht zum Ziele. Doch schreibt Herr Benjamin Faluka aus Stambul dem 
Herausgeber, dass es ihm gelegentlich der S. 39 erwähnten Restauration der Wasserleitungen 
gelungen sei, in das Innere zu dringen und eine Aufnahme zu machen. Herr Paluka versprach 
die Übersendung derselben, hat aber, trotz wiederholter Mahnung, bisher seine freundliche 
Zusage leider nicht gehalten. 

Zeichnung nach eigener Aufnahme. 

12* 



25. Bodrum am Daje ka.dyn soka^hy 



1. 

Gnindnss . 



TTW 1 I 




H'^S^J^-S^^o^XT] 



i;300 




Kapitell. 4. 



I"«. Kapitell 3 





1:30 



93 

STOLPE 169. SAULENZAHL 6. 



25. Bodrüm am Daje kadyn sokaghy Nr. 24. 



Steigt man bei der nördlich von der Moschee Nür-i Osmanije liegenden Moschee Mahmud 
Pascha die nach Norden führende Treppe herab, so gelangt man in Mengene sokaghv, in welcher 
Gasse links die Cisteme 21 liegt. An der Ecke vor diesem Grundstücke führt Daje kadyn 
(Hebammen-) sokaghy nach Norden und in dieser Strasse rechts unter Nr. 24 bemerkt man unten 
in der Hausmauer die Aussenleibungen der Gewölbe einer Cisteme. Verlangt man dieselbe zu 
sehen, so wird man vom Besitzer in den Keller geführt und betritt die Cisteme durch eine 
über Kämpferhöhe liegende Öffnung, die von Aussen durch eine Thür verschlossen ist. 

Man gelangt in einen hoch mit Erde angefüllten Raum von 128 >n Länge und 1085 '" 
Breite. In 4-3 m Entfernung von einander ragen zwei Reihen dicker Säulen aus dem Boden 
zu je dreien in jeder Reihe in 37 — 3 8 m Entfemung. Auf den Trommeln liegen in nicht ganz 
gleicher Höhe \äel zu kleine jonische Kämpfer aus Marmor, mit Kreuzen geschmückt, einmal 
auch mit KY bezeichnet. Ungleiche Gurten von o-S— 1-25 m Breite verbinden die Kämpfer und 
tragen byzantinische Kappen. Die Kappeninnenleibungen setzen bündig an die Innenleibungen 
der Gurtbögen an. Auf eine der Umfassungsmauern stossen die Gewölbe derart an, als ^^■ürden 
sie dieselbe durchdringen. Ein Stein von ogm Seitenlänge mit einem Loch von 04 m Durch- 
messer liegt im Räume und ein 57 m tiefer Brunnen ist in ihm abgeteuft worden. Eines der 
Gewölbe ist durchbrochen und steht mit einem höher gelegenen Raum, vielleicht späteren 
Ursprunges, in Verbindung. 

Die Cisteme dient .heute als Hauskeller. 

Bisher unbekannt. 

Zeichnungen nach eigenen Aufnahmen. 



26. BodrMm I im Serai . 



1 

Grandriss. 




Querschnitt . 




1 ISO 



3. 

Delaü . 




I r I I I I I . I I 



1:73 



95 

STOLPE, IM SERAIBEZIRKE. SÄULENZAHL 6. 



26. Bodrüm I im Serai beim Thor Bäb-i humajün. 



Durchschreitet man, von der Apsis der Sophienkirche kommend, das Seraithor Bäb-i humajün 
und hält sich dann statt nach der Irenenkirche nach rechts hin in die Gärten, so hat man bei 
loo bezw. 8o Schritten zwei kleine Cistemen vor sich, von denen die weiter entfernte aus 
mehreren Kammern besteht und sechs Säulen hat. 

Diese Cistenie bildet heute eine Terasse, welche den stark geneigten Bergabhang unter- 
bricht. Eine ihrer Umfassungsmauern ist daher von aussen sichtbar, aber nicht in voller Hohe, 
weil andere byzantinische Mauerreste ihr vorgelagert sind. Der Einstieg erfolgt durch ein Loch 
im Gewölbe und über eine von den Türken angelegte steinerne Treppe. Der mit Verputz 
überzogene Boden war zur Zeit des Besuches (September 1890) mit 40 au Wasser bedeckt. 
Man gelangt zunächst in einen grossen dreischifdgen Raum von 10-5 ;« Länge und 7-^ m Breite. 
Die beiden Seitenschiffe sind verlängert und führen in 3 tu Entfernung vom Hauptrauni um 
einen grossen viereckigen Pfeiler, der, wo die Längsgurten des Hauptraumes an ihn anstossen, 
durch zwei Vorlagen verstärkt ist, herum, in einen Ouerraum von 93 in Länge auf 3-2 m Breite. 
Auf der entgegengesetzten Seite des Hauptraumes gelangt man durch eine mit einem Bogen 
überwölbte Öft'nung in eine Kammer von 7-3 m Länge und 4'2 tu Breite. Alle Wände sind bis 
Kämpferhöhe verputzt, alle einspringenden Ecken abgerundet. Im Hauptraume stehen sechs 
Säulen, deren Schäfte 30 — 40 cm Durchmesser haben. Eine Säule trägt einen niedrigen jonischen 
Kämpferaufsatz, eine zweite ein einfaches Kämpfercapitell. Die übrigen vier sind mit umgestülpten 
Basen gekrönt. Gurtbögen von 06 m Breite vereinigen die Säulen und nehmen den Druck der 
bj'zantinischen Kappengewölbe auf Auf einer Seite (der Nordwand) stossen die Kappen gegen 
die Umfassungsmauer so an, als würden sie dieselbe durchdringen. Die Ziegel hat man über den 
Säulen einige Schichten hoch wagerecht gelegt und sie dann erst den Bögen entsprechend 
geneigt. Die Verlängerung der Seitenschiffe wird durch Tonnengewölbe überdeckt, welche 
niedriger liegen als die übrigen Gewölbe. Der Nebenraum weist zwei Tonnengewölbe und eine 
byzantinische Kappe auf, die Kammer ein einziges Tonnengewölbe von 4-2 ttt Spannweite. Alle 
Tonncngcwcilbc liaben halbkreisfr>rmigen Querschnitt. In einer Nische der Kammerlängswand 
befindet sich ein rechteckiges Loch von etwa 40 auf So cui Durchmesser, durch welches nach 
Regen Wasser einströmt. 

Die Cisterne dient heute noch zur Wasseraufspcichcrung für die umliegenden Gärten. 

Bisher unbekannt. 

Zeichnungen nach eigenen Aufnahmen. 



27. Bodrüm im Yierlel Exi Marmara . 



Grundriss . 



EVI 




Querschnitt. 




s. 

Säule 

2.3 4- 5 




■4. 

Säule 1. 





Iilllrlll I I I 



1.300 



1:30 
1:15 



97 

STOLPE 236. SÄULENZAHL 5. 



27. Bodrüm (?) im Viertel Exi Marmara. 



Zwischen dem Tschukür bostän von Exi Marmara (i) und der Moschee Hekim Oghh'i 
Ali Pascha befindet sich an einer Strassenecke ein Keller, der gewöhnlich verschlossen gehalten 
wird. Der Eingang erfolgt von einem kleinen Hof aus und durch eine ausgebrochene Thür- 
öffnung E. 

Die Sohle ist mit Schutt bedeckt. Die Umfassungsmauern bestehen aus Ziegeln. Der 
Innenraum bildet ein unregelmässiges Oblongum von 207 m Länge und 6-5 m Breite, hat in 
der einen Längsmauer vier ungleich breite, halbrunde, und beim Eingang E, wie in der anderen 
Längsmauer, viereckige Nischen. Fünf Säulen mit Granitschäften, einem korinthischen (Fig. 1} und 
vier niedrigen Kämpfercapitellen, tragen zwei Tonnengewölbe, deren Ziegel 24—34 cm breit, 
34 CM! lang, 3 — 4c?)i dick und mit ],cm starkem, rothen Mörtel verputzt sind. Ein Einlauf w'ar 
nicht zu entdecken. 

Die Cisterne wird heute bisweilen von Spimiern benützt. 

Andreossy S. 60 (fälschlich mit 6 Säulen). Wahrscheinlich identisch mit der Cisterne, 
die Stolpe in der ersten Auflage seines Planes unter Nr. 55 eingetragen hat und die Paspati, 
Bv!^. fitUiai a. 380 dem Innern nach beschreibt und in einer perspectivischen Ansicht, die im 
Detail unrichtig ist, abbildet. Er glaubt nicht, dass der Bau eine Cisterne sei, sondern hält ihn 
für den Unterbau der Kirche der Theotokos iv rü ^ly/iart. 

Zeichnungen nach eigenen Aufnahmen. 



n 



28. UodrüiTi am Adha Jokuschü 



Grundriss . 



Querschnitt. 




r^'s, 


' 


r 


0* ^\^ 1 






1 ■^ 



29. Bodpüin II im Serai 




Querschnitt. 




1300 


1:150 

.... — 1 . 1 ■ 1 ' 



99 

STOLPE 161. ZAHL DER SÄULEN UND PFEILER 5. 

28. Bodrüm am Agha jokuschü Nr. 9. 



Zwischen den Moscheen SchähzaJe und der Laleh dschami heg;t am Kreuzungspunkte 
mehrerer Strassen ein tiefer Brunnen, Tschukürtscheschmc sjenannt. Dicht dabei in der Strasse 
Agha jokuschü im Hause Nr. 9 findet man die in Rede stehende Cisterne, die mittelst einer 
modernen Treppe zugänglich ist. 

Der Fussboden besteht aus Ziegehi und ist vielleicht neueren Ursprunges. Die Cisterne 
besitzt zwei Kammern: Der Hauptraum misst 12-2111 auf 6-3»2, die Nebenkammer 3'5/;! auf ,V4'". 
In letzterer liegt der Fussboden etwa l m höher. Im Hauptraume stehen in einer schrägen Reihe 
drei Säulen von y] cm Schaftdurchmesser und zwei vierkantige Pfeiler. Die Schäfte tragen statt 
der Capitelle niedrige Kämpferaufsätze. Eine schräge Reihe von Langsgurtbügen und acht Quer- 
gurtbögen theilcn die Decke in Felder, welche durch Schneckenkuppeln überwölbt sind. Im 
Hauptraum ist ein Brunnen abgeteuft, in welchen zugleich von aussen durch einen Trog Tage- 
wasser zuläuft. 

Die Cisterne wird heute als Keller benutzt. 

Bisher unbekannt. 

Zeichnung nach eigenen Aufnahmen. 



STOLPE, IM SERAIBEZIRKE. SÄULENZAHL 4. 



29. Bodrüm II im Serai beim Thor Bäb-i humajün. 



Durchschreitet man, von der Apsis der Sophienkirche kommend, das prächtige Seraithor 
und hält sich dann statt nach der Irenenkirche zu, nach rechts in die Gärten hinein, so stösst 
man bei 80 resp. 100 Schritten auf zwei kleine Cisternen, von denen die eine unter Nr. 26 
beschrieben worden ist. Die näherliegende bildet ebenfalls eine Terasse, hat genau rechteckigen 
Grundriss und vier mittlere Säulen. Der Einstieg erfolgt auf einer Leiter durch ein Loch, 
welches durch das Gewölbe der Ostseite geschlagen ist. 

Der Boden war zur Zeit des Besuches zum Theil mit Wasser bedeckt, durch welches man 
durchwaten musste. Er steigt etwas nach Nordwesten an, war dort wasserfrei und mit einem 
neuen Ziegelplattenpflaster versehen. Die Umfassungsmauern sind in Ziegeln aufgetührt und 
stossen an den Ecken scharf zusammen, Sie umgeben einen Kaum von I9'2 m auf 74 111, in dem 
ursprünglich vier Säulen mit niedrigen Kämpfercapitellen in einer Reihein 41 bezw. 4-2)« Abstand 
gestanden haben. Die eine .Säule ist jedoch heute nicht mehr vorhanden und man liat begonnen 
zum Ersatz einen viereckigen Pfeiler aufzumauern, der jedoch nur I m hoch über den Fussboden 
gekommen ist. Zwischen den .Säulen und Wänden sind Gurlbögen von 65 cm geschlagen, welche 
byzantinische Kappen tragen. Wo die Säule fehlt, ist ein Theil der Gurten und des Gewölbes 
eingestürzt, und die Decke wird dort durch Bruchsteinmauerwerk gebildet, welches zeigt, dass 
über dem vt cm starken Ziegelgew(")lbe noch Bruchsteinmauerwerk liegt. Wände, Gurten und 
Gewiilbe sind verputzt, stellenweise auch der Fussboden, so da, wo er sich an die Wände 
anlegt; der \'erputz ist aber wahrscheinlich zum Theil neueren Ursprunges. 

Der Raum dient, wie es scheint, noch zum Aufspeichern des Wassers für die Garten- 
bewässerung. 

Bisher unbekannt. 

Zeichnungen nach eigener Aufnahme. 



13* 



30. Bodrüm im Bible house 



1 

Grundriss 



Längenschnitt. 




Kapitell a- 



5. Kapitell 4. 





6. Kapitell 2,3u4, 




3. Kapitell 1. 



\: 




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STOLPE 127. SÄUUENZAHL 4. 



30. Bodrüm im Bible House. 



Im Hause der amerikanischen Missionsgesellschaft an Merdschän jolü, der grossen 
Strasse, welche von der neuen Brücke zum Bazär und zum Ostthor des Seraskierats führt, 
liegt im Hofe eine kleine, sehr gut erhaltene Cisterne, die zum Theil aus dem Boden hervorragt 
und durch einen 575 vi langen, rS vi breiten Gang, der zu einer Rampe führt, zugänglich ist. 

Der Boden liegt frei und ist verputzt. Die Umfassungsmauern sind bis 80 an über 
Capitelloberkante verputzt und fensterlos. Die Südost- und Südwestecke sind im Viertelkreise 
mit im Halbmesser ausgerundet. Die Nordwestecke dagegen ist weggebrochen bezw. verschüttet 
und die Nordostecke nur im Verputz abgerundet. Der Innenraum ist 7-8 ni lang, 7-2 vi breit und 
hat vier Säulen, deren Abstand in der einen Richtung 3-0 vi, in der anderen 2-4 ni beträgt. 
Die marmornen Schäfte haben sehr regelmässige Verjüngung; Schaft 3 z. B. hat unten V2J vi, 
in 1-25 m Höhe 1-23?« und oben noi» Durchmesser. Die anderen Schäfte sind ähnlich geformt. 
Die Schäfte 2 und 4 tragen 2-0 vi, der Schaft 3 aber rS vi über Boden ein erhabenes Kreuz mit 
längerem Verticalarm von 40 a« Höhe. Säule l hat statt eines Capitells einen glatten Kämpfer- 
aufsatz aus IVlarmor (Fig. 3\ die übrigen drei Säulen haben prächtige, jonische Kämpfercapitelle 
mit sehr reichem Reliefschmuck. Die Schmalseiten zeigen bei 2 und 3 durclibrochenes Blattwerk 
von Weinranken, die aus zwei Füllhörnern entspringen, unter denen Vögel an Trauben picken 
(Fig. 4), bei 4 Akanthusblätter zu Seiten eines mittleren Kreuzes (Fig. 5). Die Breitseiten 
zeigen alle drei den gleichen Schmuck von sechs Cannelüren mit Akanthus in den Ecken (Fig. 6). 
Alle drei bestehen aus Marmor. Die Längsgurten sind 87 au, die Ouergurten 70 an breit, 
überspannen einen Innenraum von 7-8 m Länge, 7-2 vi Breite und unterstützen Kuppeln mit 
kreisförmig angeordneten Lagerfugen. Nur das an den Eingang anstossende Feld ist statt mit 
einer Kuppel mit einem geneigten Tonnengewölbe überdeckt, welches vermuthlich türkischen 
Ursprunges ist. An den Wänden und Säulen erkennt man noch wagerechte Linien, welche das 
Wasser abgesetzt hat. 

Der Raum wird hellte als Keller benützt, ein Gewölbe ist durchgeschlagen. 

Bisher unbekannt. 

Zeichnung nach eigenen Aufnahmen. 



31. Bodrüm bei der Kefeli dscKami 



i.Grundnss. 



-^»5-flf-£,35-^ 



2. LänqenschnitI . 




8. Kapitell 




32. BodpüiTi am Lötündscliy soka^hy 

1. Gnmdriss . 3. Kapitell . 




|t-- 3,3 — M— 3,T f— 3,3-h( 

2 QuerschniU . 





1:300 



1 150 
1:15 



I03 

STOLPE 22. SÄULENZAHL 3. 

31. Bodrüm bei der Kefeli dschami. 



An der von der Fethije nach dem Adrianopler Thore führenden Strasse Hegt unterhalb des 
Tschukür bostän (3) die Kefeh dschami, eine alte bvzantinische Kirche. 4 m vor der Ostfagade 
derselben, auf einem freien Platze, findet man eine Öffnung, die in die Decke eines unter- 
irdischen Raumes gebrochen ist. 

Derselbe ist so hoch mit Erde angefüllt, dass man nicht aufrecht in ihm gehen kann. 
Rings umschliessen ihn verputzte Mauern mit zwei Pfeilervorlagen an den kurzen Seiten des 
Rechteckes. Die Mauern stossen scharf zusammen und sind 7-2 m lang, 47 m breit. Die oberen 
Enden von drei Säulenschäften, von 31 und 4; cm Durchmesser, ragen in ungleichen Abständen 
von 2T bezw. I 65 m aus der Erde empor. Sie tragen jonische Kämpfer mit Kreuzen geschmückt, 
darüber l 7n breite Längsgurtbögen und 0'5 — 07 m breite Ouergurtbiigen und bvzantinische 
Kappen. Die Gurten sind bis auf die obersten Theile verputzt, die Kappen aber unverputzt. 
Die Fugen der Kappen laufen parallel mit den Wänden, nur im Scheitel ist ein diagonales 
Kreuz durch einen ganzen und zwei halbe Steine gebildet. 

Die Cisterne wird heute nicht benützt. 

Bisher unbekannt. 

Zeichnung nach eigenen Aufnahmen. 



STOLPE 41. SAULENZAHL 2. 



32. Bodrüm am Lökündschy sokaghy. 



Südwestlich von dem Tschukür bostän in Kara gümruk (3) zieht sich parallel zu der 
nach dem Adrianopler Thor führenden Hauptstrasse Lokündschv sokaghv hin. Durchschreitet 
man in dieser Gasse das Haus 62 neben dem Suterazy, so gelangt man in einen dem Chodscha 
.Salim Efendi gehörenden Garten, aus dessen Boden eine Biunnenmündung und eine zweite 
Öffnung ragen. Durch dieselben gelangt man mittelst Stricken oder Leitern in die Cisterne, 
welche durch eine moderne Mauer in zwei Theile getheilt ist, von denen der in der Zeichnung 
rechts unter Wasser steht. 

Der Boden ist mit Verputz bedeckt. Die in den Ecken abgerundeten Umfassungsmauern 
sind da, wo die Gurtb<>gen ansetzen, mit Pfeilervorlagen versehen. Ihre Länge beträgt (im 
Ganzen) g-6 vi, die Breite 5'S 711. Zwei Säulen dienen in 3'l ;» Abstand als Mittelstützen. Die 
zugängliche .Säule links hat einen (Sandstein?) Schaft von },\cm Durchmesser; die Basis ist über- 
niauert und verputzt und jetzt etwa halbkugelig, das Capitell ist korinthisch mit dreilappigem 
Akanthus. Die unzugängliche Säule rechts hat eine freiliegende Basis mit Platten und Wulst 
und als Capitell eine umgestülpte Basis. Mittels 09 m breiten Gurtbögen tragen die 
Säulen Kuppeln mit Schneckenfiigcn. Von diesen Kuppeln sind die beiden mittleren durch 
Quadersclilusssteine, welche mit Kreuzen verziert sind, ausgezeichnet. In beiden Theilen der 
Cisterne ist je eine Kuppel in der Mitte durchgeschlagen, so dass man von oben mit Eimern 
Wasser herauspunipen kann. Eine dieser Öffnungen wurde zum Einstieg benützt; unter ihr ist ein 
Brunnen, 21 tn tief, in dem gewachsenen Boden ausgegraben. In dem anderen Theile wird 
heute noch Wasser aufgespeichert. 

Bisher \nibekannt. 

Zeichnungen nach eigenen Aufnahmen. 



ä3. >So ük Ischesclime i. a. At-meidau- SubstFuclionerL . 




I05 

STOLPE 220. OHNE SÄULEN. 

33. So'ük tscheschme in den At-meidän- 
Substructionen. 



Der heutige At-meidan, durch drei Monumente als die Stelle des alten Hippodroms 
bezeichnet, ist nach dem Marmara-Meere zu durch Substructionen erweitert, auf denen heute 
das Janitscharen-Museum steht. Unter demselben, innerhalb der Substructionen, befindet sich 
eine Cisteme, die heute So'ük tscheschme (der kalte Brunnen) genannt wird. Man gelangt zu 
ihr, indem man vom At-meidän aus rechts um das Janitscharen-Museum herumgeht, bis man 
auf ein Bad stosst, dem gegenüber in den vortretenden alten Mauermassen eine Thür sichtbar 
wird. Die Badediener haben den .Schlüssel. 

Die äussere Umfassungsmauer der Cisterne wird durch jene von Süden her sichtbare Stütz- 
mauer gebildet, welche die Sphendone des Hippodroms halbkreisförmig abschloss. Sie besteht, 
so weit freiliegend, in den unteren Theilen aus reinem Ziegel, in den oberen aus Schichten- 
mauerwerk und ist von zwei Reihen Entlastungsbögen durchsetzt, in denen oben Fenster, 
darüber halbkreisfürmige Nischen ausgespart sind. In der Hübe der Thür und des oberen 
Treppenabsatzes ist diese Mauer 2'75 m stark. Nach aussen schliesst sie polygonal, nach innen 
halbkreisförmig. Parallel mit ihr lauft im Inneren in v'S iii .-Vbstand eine zweite Mauer 
von 270 m Dicke, die mit der ersten durch ein Tonnengewölbe und in Abständen von 2'lo in 
durch 1 15 m breite Strebebögen verbunden ist. Diese zweite Mauer ist in zwei Stockwerken von 
halbrund eingewölbten, oben 120 m, unten 195 m breiten Gängen durchbrochen, die zu trapez- 
förmigen, mit Tonnen überwölbten Behältern von 775 m Länge und 350 m vorderer Lichtweite 
führen. Die trennenden Mauern laufen radial nach der Mitte des Halbkreises der Sphendone. 
Wie die Substructionen nach innen zu weiter beschaffen sind oder ob dann schon die füllende 
Erdmasse kommt, konnte diesmal nicht untersucht werden. Der halbkreisförmige Gang sowohl, 
wie die trapezförmigen Radialkammern wurden als Cisternen benützt. Nur vor der nicht zu 
fern vom westlichen Ende der Substructionen liegenden Thür und wahrscheinlich in gleicher 
Weise auch beim östlichen Abschluss ist der die Peripherie entlang führende Gang heute bis 
in Thürhöhe ausgefüllt. Von dieser Terasse führt eine an die Innenwandung gelehnte Stein- 
treppe herab zum Wasserspiegel. 

In der Cisterne steht heute noch etwas Wasser. 

Eine flüchtige Beschreibung bei Ungcr, Quellen, S. 317, Guide-Joanne p. ZZ},, Meyer S. 244. 

Risse nach eigenen, durch Messungen des kaiserlich deutschen Postsecretärs Karl BischofF 
in liebenswürdigster Bereitwilligkeit vervollständigten .Vufnahmen; Ansicht nach einer Photo- 
graphie mit der Feder gezeichnet. 



14 



.34. Bodrum imier der Eski Imaref dschami 



1. Grundriss. 




5^.;liJ-'^-^.J-- ' ^-J " J^ 







2. Längenschniü . 



Querschnitt 




am 





35. Bodrüin Mnter der Kahrije 



Querschnitt . 




I07 

STOLPE, ZWISCHEN 60 UND 61. OHNE SÄULEN. 

34. Bodrüm unter der Eski Imaret dschami. 



Die Moschee Eski Imaret, eine gewöhnlich Pantepopte genannte byzantinische Kirche, 
liegt nordöstlich unterhalb der Moschee Sultan Mohämmed's. Ein neuerdings in das Paviment 
des südlichen Theiles des Esonarthex geschlagenes Loch führte zur Entdeckung unterirdischer 
Räume, die sich nach ihrer Bauart sowohl, we nach dem Verputz der Wände als Cistemen 
darstellen. 

Die Cisterne zerfällt dem Kirchengrundriss entsprechend in vier, durch schmale Öffnungen 
verbundene Räume : ein Haupt- und zwei Seitenschiffe, alle drei in Apsiden auslaufend und einen 
quer gelegten Vorraum. Die trennenden Mauern sind l6o bezw. rSo tu stark. Die Längsräume 
sind 13-9 bezw. 12 ;;; lang und 38 bezw. V2 m breit, der Querraum 94 m lang, 27 m breit. 
Der Boden ist mit Schutt bedeckt. Fenster fehlen. Die Mauern sind verputzt, im Vorraum sieht 
man noch den vom Wasserspiegel angesetzten Streifen. Die Gewölbe sind Tonnen bezw. Halb- 
kuppeln. In dem Vorräume sieht man I'50 m unter dem Gewölbscheitel aus der Westwand eine 
Steinröhre von 16 cm Weite und 35 cm Aussendurchmesser ragen, die zur Zuleitung des Wassers 
gedient haben dürfte. 

Heute unbenutzt. 

Bisher unbekannt. 

Zeichnungen nach eigenen Aufnahmen. Kirchengrundriss nach Pulgher. 



STOLPE, ZWISCHEN 19 UND 2\. OHNE SÄULEN. 



35. Bodrüm unter der Kahrije dschami. 



Unter der sich an den JVaös der Kahrije dschami, der alten Kirche des Klosters Chora, 
im Süden anschliessenden Kapelle, liegt eine Cisterne, welche heute durch unter die Apsis 
gebrochene Öffnungen zugänglich ist. 

Sie besteht aus zwei langen Gewölben, die auf einer o 70 m starken, genau in der Axe 
der Kapelle liegenden Längsmauer ruhen und untereinander nicht verbunden sind. Die Gewölbe 
.sind 15-3 HI lang und 18 m weit. Der Boden liegt frei. Sowohl er, wie die Wände und Gewölbe 
sind mit rothem, feinem Mörtel verputzt. Der nördliche Raum ist ausserdem (wohl von den 
Türken) mit weissem Kalkmörtel übertüncht und nochmals unmessbar dünn gelb übermalt worden. 
Ein Riss von 35—4 mm zieht sich quer durcli beide Kammern und ist im Grundriss angedeutet. 
In die Tonnengewölbe sind symmetrisch viereckige Löcher gemauert, die wohl zum Wasser- 
schöpfen bestimmt waren. 

Heute unbenutzt. 

Bislier unbekannt. 

Zeichnungen nach eigenen Aufnahmen. Kirchengrundriss nach Pulgher. 



•4* 



36. Bodrüm unter der Kemankes 
Muslafa Pascha dsdiami . 



r^Arv 



J_1J5^175^ 3,63-— l,r5-i-2,'5j .l,ii". 




Grundriss 



88. BodrMiTi 
im so 6. Aiiemas Tiirm 

i.Gpundnss . 




2. Querschnitt 



A-B. 




37. Bodriini des Hause.s 5 
Merdschän jokuschü. 



1. Grundriss. 




2. Schnitt 



A-B. 




38. EodruiTi. 
ad Aiwaz Efendi soka6lT\r, 



1. Grundriss 




|i-1,S5-flfo-j|n.Mjf It.o i.1,5-i-1»J 

2. Querschnitt. 




3,7.< - -•►l,«. 



1 300 



I09 

STOLPE, ZWISCHEN 22 UND 41, OHNE SÄULEN. 

36. Bodrüm unter der Kemankes Mustafa Pascha dschami. 

Nahe beim Tschukür bostän von Kara gümrük (3) in derselben Gasse, in der der Zugans; 
zum Bodrüm an diesem Tschukür bostan (10 sich befindet, Hegt etwas westhch auf der anderen 
Strassenseite in einem Garten die verfallene kleine Moschee Kemankes Mustafci Pascha. Durch 
eine Öfl'nung im Boden gelangt man in einen fast bis an die Decke mit Schutt angefüllten 
Raum, aus dem man bei Ei in die ebenfalls stark angefüllten Absiden kriechen kann. Bequemer 
ist der Zugang bei £",, einer auf eine Parallelstrasse mündenden Thür. 

Es scheint, dass wir auch hier den Unterbau einer Kirche mit ungleich grossen Seiten- 
absiden vor ims haben. Wie bei der Kahrije dschami lehnt sich auch hier an die eine Längswand 
eine 3-06;» breite und 924« lange Cisterne an, in der sich bei A ein Loch befindet. Sie ist 
mit einer Tonne überwölbt und sowohl an den Seitenwänden wie am Boden verputzt. 

Heute unbenutzt. 

Die Moschee identisch mit der von Paspati, BiC. /le/Jrai a. 36^ beschriebenen Odalar 
Mesdschidi. 

Zeichnungen nach eigenen Aufnahmen. 



STOLPE 160. OHNE SÄULEN. 

37. Keller des Hauses Merdschän jokuschü Nr. 5. 

Verlässt man den grossen Hof des Seraskierats durch das Ostthor (Diwan Kapusü) vmd 
schreitet die dort mündende Strasse Merdschän jolü 70 Schritte weit entlang, so hat man zur 
Rechten die Gasse Merdschän iokuschü, in der sich im Hause Nr. 5, in einem kleinen Lichthofe, 
die Treppe zu einem Kellerraume byzantinischen L'rsprungs befindet. 

Man gelangt zunächst in ein oblonges Gewölbe von iröo tu Länge und 4 ni Breite. Daran 
schliesst sich unter einem Winkel ein viereckiger, durch ein Fenster beleuchteter Raum. Durch 
drei in den i-6o m starken Mauern befindliche Öftnungen sind mit dem Hauptraume Nebenräume 
verbunden, von denen der eine zugängliche 615«! lang und 340 ?« breit ist. Nach der Aussage 
des Besitzers, Exe. Achmed Alv Pascha, Divisions-General und Adjutant S. AL des Sultans, liegt 
die Erde im Hauptraume 13 Pick (97 m) hoch und ist dessen Boden halbkreisförmig abgerundet. 
Die Wände sollen unten glatt verputzt sein. Die Tonnengewölbe haben horizontale Lagerfugen. 
Die Treppe ist modern. 

Diese heute als Keller benützten Räume sollen sich bis unter den Dscha'fer Chan ziehen. 

Bisher unbekannt. 

Zeichnungen nach eigenen Aufnahmen. 



38- Bodrüm im sogenannten Anemas-Thurm. 



OHNE SÄULEN. 



Dieser in einem Thurme der Landmauer des Blaclierner Viertels gelegene Behälter hat 
zwei Zugänge. Der eine durch eine Öffnung in der Decke E, ist über eine vom Grundstück 
des Chodscha's der Aiwäz Serai dschami ausgehenden Wendeltreppe zu erreichen, der zweite 
Ef besteht in einem 50 cm breiten und 32 cm hohen Loche, welches nach einem dunklen Gange führt, 
der sich auf der Aussenseite der Mauern gleich über dem Sockel des Thurmes an der Nordseite öflnet. 

Der Behälter besteht aus einem oblongen Räume von 9-5 m Länge und 3~5 m Breite, 
an dessen eine Längsseite sich zwei ungleich grosse und 155 m tiefe Nischen anschliesscn. 
Die Ecken sind abgerundet. Die Mauer ist bei E. 1 70 m stark luid auf 3'2 m Höhe 85 cm 
dick verputzt. Der Boden ist mit zähem Schlamm bedeckt. In Känipferhöhe bei S ragt ein Säulen- 
schaft in das Innere des Raumes. Durch das Wegfallen des Verputzes treten die Mauern in den 
oberen Theilen zurück. Sie sind mit einem Tonnengewölbe mit wagerechten Lagerfugen über- 
deckt. In einem der Schildbögen befindet sich ein Fenster, das auf einen geschlossenen Raum 
mündet. Zwischen den Nischen und gegenüber sieht man in den Längsseiten, 37 cm über dem 
heutigen Boden, kreisrunde Öffnungen von 20 cm Durchmesser, die vielleicht mit Leitungen 
in Verbindung standen. Die 52 cm starke Öffnung in der Decke (£",) ist alt und dürfte zum 
Ausschöpfen mit dem Eimer gedient haben. 

Erwäimt von Paspati, Bv^. /u/Jiai a. 31. 

Zeichnungen nach eigenen Aufnahmen. 



39. Bodrüm an dem Aiwaz Efendi sokaghy. 



OHNE SÄULEN. 



Da wo die Aiwäz Efendi-Hauptstrasse sich mit einer Treppe nach dem goldenen Hörn 
zu senkt, liegt links in einem Garten gleich hinter dem Hause Nr. 8 ein unterirdisches Gew()lbe. 
In der Karte des 'AV./.. '/'//.. ^V/Ao;'«;, /fdo. 14 ungefähr an der Stelle von Nr. 142. Der Zugang 
gescliieht von einem Gange aus, zu dem sich der Gartenboden lierabsenkt Man gelangt dann 
zu einem Fenster, durch das man sich mit Stricken herablassen kann. 



HO 

Der Grundriss ist rechteckig, 8-3 in lang und 4 m breit, mit seitlichen Nischen von 
I m Breite und 4 m Länge und zwei Pfeilervorlagen, die nur bis Kämpferhöhe reichen. Die 
eine Mauer ist in Fensterhöhe rg m stark. Auf der gegenüberliegenden Seite liegt in gleicher 
Hiilie eine zweite Öffnung, die nicht zugänglicli war. In derselben liegt ein Thonrohr, durch 
das wahrscheinlich der Einlauf erfolgte. Der leicht gewölbte Boden und die Mauern sind 
verputzt. Der Raum ist von einem Tonnengewölbe eingedeckt, in welchem ein viereckiges Loch 
von 40 cm im Quadrat ausgespart ist und zwei runde Brunnenöffnungen gebrochen sind. 

Heute unbenutzt. 

Bislier unerwähnt. 

Zeichnungen nach eigenen Aufnahmen. 



40. Sulii serai. 



Querschnitt 



Grundriss 




-■*■.« 




\ 



Zutlu.sv 



STOLPE 107. 



40. Sulü serai. 



OHNE SÄULEN. 



Diese Cisterne liegt unmittelbar am Fusse des dritten Hügels nach dem goldenen Hörne 
zu, unterhalb des Palastes des Scheich ul-lsläm in der Sabunchane sokaghv. Die eine Seite 
wird durch den Hügelrücken verdeckt, die übrigen Seiten liegen frei. Vor Jahren zum Betriebe 
einer Seifensiederei dienend, wird die Cisterne heute als Magazin für Sand, Kreide, alte Fässer 
und dergleichen benützt und ist durch eine Thür in der Mitte der Nordostseite zugänglich. 

Der Boden ist durch das aufgespeicherte Material vollständig bedeckt. Die Mauern 
umschliessen einen 22-34 "' langen Gang, der im Nordwesten aus vier 4-80 ni breiten und 
ungleich langen, durch Pfeileransätze gegliederten Kammern besteht und im Südosten in 
einer grösseren, 5-80 ni breiten Kammer endet. Die Decke bilden Tonnengewölbe, die an einer 
Stelle von einem I X 075 in grossen Loche durchbrochen werden. Verputz ist nicht mehr zu 
erkennen. Nahe der Südecke beiludet sich in der Südmauer eine \\o in breite, 1-22 in tiefe und 
circa v<^o m liolie Nische, in die etwa eine Spanne über dem heutigen Hrdboden eine Öffnung 
mit einem Bleirohre mündet. Hinter dieser Nische liegt ein kleines Reservoir, welches von 
einem am oberen Theile des Abhanges gelegenen ähnlichen Behälter gespeist wird. Da aber 
die Leitung gegenwärtig nicht mehr functionirt, so llicsst das Wasser anstatt in die Cisterne 
nach aussen ab und bildet kleine Bäche, welche den Abliang herablliessen und sich in den 
benachbarten Strassen verlaufen. 

Erwähnt von Mordtmann, Revue de l'art ehret. IcSijl, p. 373. 

Zeichnungen und Beschreibung nach Aufnahmen, die Herr Benjamin Paluka in Stambul 
auf Ersuchen des Herausgebers freundlichst vi>rgen(>nmieu hat. 



III 



Unauffindbare oder nicht betretbare Hallenbehälter. 



a. 

Gyllius p. 237: sSupra id Balneum (Paiaziti), versus boream, est via lata, habens tabemas 
librarias et cisternam antiquam;« p. 247 führt er dieselbe Cisterne als in Foro Tauri gelegen 
an und sagt von ihr, dass sie von Marmorsäulen getragen werde. Es könnte dies eine Cisterne 
sein, die zwischen der Bajazid Moschee und dem Seraskierat liegen und bei Anlage der 
Fahrstrasse unzugänglich gemacht worden sein soll. Stolpe, Plan 164. 



Gyllius p. 244: »Anastasiae (aedes) dicunt alii fuisse eo loco, ubi Bezestannum novum, 
hoc est, Basilica nova: alii ubi visitur hodie cisterna multis columnis marmoreis sustentata, sita 
inter Fori Basilicas et sepulcrum, et Xenodochium Pajaziti Regis.« Davon war keine Spur mehr 
zu finden. 



Gj'Uius p. 247: »tertia (cistema in regione septima) in tertii colhs clivo vergente ad 
Septentrionem, ad quam adhuc extant sex columnae Corinthiae marmoris Arabici affabrefactae, 
bene procerae et crassae. Sub columnarum stylobatis est tubus aquae testaceus, ex quo aqua 
defluebat in cisternam lateritiam, cujus concamerationem simUiter lateritiam sustinent viginti 
pilae lateritiae. Supra cisternam olim erat area aedis religioiüs Christianae, quam reges Turcorum 
demoliti sunt, ejusque redivivis lapidibus aedificia sua adornarunt«. Nach der wahrscheinlich 
übertriebenen Aussage des Wächters des Viertels der Wefä Moschee soll zwischen dieser Moschee 
und der Suleimanije ein Bodrüm von der Grösse der Bin bir direk (6) hegen, welcher geschlossen 
worden sei und von dem heute Niemand die genaue Stelle anzugeben wisse. Es könnte dies die von 
Gyllius beschriebene Cisterne sein, an der interessant ist, dass sie aus zwei Räumen, einem mit 
6 Säulen aus arabischem Marmor und korinthischen Capitellen und einem zweiten mit 20 Pfeilern 
bestand. Stolpe zwischen 79 und in etwa. 

d. 

Lechevalier: »Voyage de la Propontide et du Pont-Euxin, Paris iSoo, p. loS: Enfm pres 
de la mosquie de Seirek, Seirek Djiami, on en voit une tres vaste (citerne), qui fut autrefois 
soutenue par quatre rangs de colonnes corinthiennes dont il ne reste plus que dcux.« Wieder- 
holt von .\ndreossy S. 58 mit dem Zusatz »diese Cisterne ist fest verschlossen, und man erinnert 



112 

sich nicht, sie je offen gesehen zu haben.« Es muss eine Verwechslung vorliegen, da man nicht 
begreift, wie eine in Ruinen liegende Gisterne verschlossen gehalten werden konnte. Konstantios 
S. 55 fijo-t bei: ly.azaoxsvaadüaa .-lagä zov TvqÜvvov 'ßcoxa, .-zsol xö xaiQiov y.a'i fiioor rijg lTö?.scog.<i 
Hammer I S. 560, Nr. 12. Von dieser Gisterne war keine Spur mehr zu entdecken, was sehr natürlich 
ist da die zur Zeit Lechevaher's noch übrigen Theile derselben gewiss mit der Zeit verschleppt 
und zu Neubauten verwendet worden sind. 

e. 

Andreossy, S. 58, führt neben der letztgenannten Gisterne noch eine zweite bei Kelisseh 
oder Scheikh-Dschamisi auf der nördlichen Seite des vierten Hügels an: »sie ist klein und wird 
von Säulen von schlechtem Geschmack getragen; sie verdient in Beziehung auf die Kunst keine 
Aufmerksamkeit.« Hammer I, S. 560, Nr. 12. Damit kann weder die grosse Gisterne an der Strasse 
Un-kapän (13), noch die kleinere zwischen der Pantokrator Kilise und der Mohammedije (16) 
wemeint sein, weil beide von Pfeilern und Säulen getragen werden, welch letztere ausserdem 
zu den besten Beispielen dieser Art gehören. 



Andreossy S. 60: :.Geht man durch das Thal von Jeni-baghtschc und wendet sich nach 
dem Thore von Adrianopel, so findet man bei der Moschee Kara-Gymrygy auf der nördlichen 
Seite eine kleine Gisterne mit zwei Reihen Wölbungen, welche in der Mitte auf Pfeilern ruhen ; 
ihre Länge beträgt 2924 m und ihre Breite 390 ;«.« Wir haben davon keine Spur mehr gefunden. 
Stolpe links neben 42. 

g- 

Konstantios S. 54: rUn^iii »; zov flaigiy.iov Biörov, lov Lii 'Hgax/.Eiov ilx/iüoaiios, xara 
xö "KßSo/iOV xcifiivij duhavxt xov jxoxk Movaaojni'ov xijg x^'^S"^? (""XS''^) xaxaaxevaa/tevtj öia oxo<ov 
iiorwv ärfv xaiicor, xai fr yjj>)nfi ovaa xai arii) iji^ij rwr rijOiirzüiv zä //f'raio. Es wäre bei der 
Ungenauigkcit des ,\utors nicht unmöglich, dass er dieielbc Cjsterne wie Andreossy S. 60 (f) meint. 



Paspati BvC. fieXhai, a. 156: Die im Palaste xoii Kaka/iäroi' ervi'ähnte Gisterne, wurde die 
Gisterne zov JScoxiJQo; ij/iwp 'Iijoov Xgtazov znP 'Arztri^wrijzoii genannt und gehörte den Genuesen. 
Paspati schliesst, dass, da die Gisternen von Konstantinopel auf ansteigendem Terrain lagen, 
der Ort südlich von der Vormauer und nahe bei der Sophienkirche zu suchen sei. 



Guide -Joanne p 229: »La Giterne de Phokas, soutenue par 70 colonnes, situee au Nord 
de Laleli - Djami pres de la fontaine nommee TchouUour-Tchesme.« Meyer S. 250. Nicht 
aufy.utinden. 



113 

k. 

Guide-Joanne p. 229: :>celle (la citetne) du Pantokrator, dont la voüte est portce par 
•^6 colonnes et qui est utilisee encore aujourd'hui, pres de Zerek-Djami.« Meyer S. 250. Nicht 
auffindbar. Die Cistenie 15 kann nicht gemeint sein, weil sie höchstens 24 Stützen und ab- 
wechsehid Säulen und Pfeiler hat, ausserdem auch gar nicht mehr als Cisterne, sondern als 
Cloake benützt wird. 

1. 

Kuppas im'EX).. $</.. ZvXf.oyoi, Tlagägitj/ia rov x — xß' röfiov a- 53. KtroriQva Kaol/ic :iaoaä. 
Avrij, u>s -Toos' Tijv ddUaiiv i\v niioi'a Tjj Tov ^do'ierov (nach seiner Meinung Bin bir direk 6), 
/iixQozeQcov oficog diaaxäoeon' xaxa Tiokv' arixaXvfdr] .igo SfoSexaszias (1878) ^^O' xaxioxacpj oXoTeköii' 
IxuTO iv rrp .Toöf rljv xaicocfioiiav tov xaatjfi :zaaaä ol^coftavixo^ rexQOTaq>eico. 

m. 

Etwa 20 m östlich vom Timarchane, einem kleinen Gebäude mit bemoostem Dache süd- 
östlich von der Moschee Mohammed des Eroberers, soll sich nach Aussage des Eigenthümers 
eine Cisterne mit 18 Säulen befinden, von denen angeblich einige Capitelle mit Vögeln haben. 
Über ihr ist ein kleiner Garten angelegt. Der einzige Zugang wäre durch ein Brunnenloch 
nach Entfernung der durch dasselbe reichenden Pumpe. Die übertriebenen Geldforderungen des 
Eigenthümers vereitelten den Besuch. Sie soll nach seiner Angabe schon von einem Europäer 
aufgemessen worden sein. 



Vor der Militärschule von Gülchanc im Seraigarten (Gülchane mekteb-i askerijesi) liegt 
ein anderer Behälter, der noch als solcher benützt wird und in Folge dessen nicht betreten 
werden konnte. Er soll acht Säulen in zwei Reihen enthalten. 

o. 

Ein Behälter zwischen der Moschee Sultan Selim's und der Gül dschami im Hause Tabak 
Junus mahalle 38, Tabak Junus sokaghy. Die Gartenthür desselben Hauses trägt die Nummer 15. 

P- 

Auf einem unbebauten Grundstücke, das beim Austritt aus dem Vorhofe der Fethije 
links gleic!) hinter dem Cafe liegt, soll ein verschütteter Behälter verborgen sein. 

q- 

Unter der Abu-1-wefä dscliami (der sogenannten Theotokoskirche) soll ein circa zehn 
Schritte langer und breiter Keller gewesen und vor circa 20 J.iiircn zugemauert worden sein. 
Von ihm soll ein Weg nacli der Suleimanije führen. Von einigen alten Resten konnte die 
ursprüngliche Bestimmung nicht festgestellt werden. 

15 



114 



In dem Behidsche mahalle , Dellällär sokaghy Nr. 18 in 40 m Entfernung von der 
Mesdschid, einer ehemaligen Kirche südwestlich der Fethije, sind im Strassenboden die Aussen- 
leibangen zweier alter Gewölbe sichtbar. Der Keller unter ihnen war leider mit Kohlen ange- 
füllt und unbetretbar. 

s, 

Unweit hievon sollen alte Reste, über deren Natur nichts Näheres angegeben werden 
konnte, unter dem Hause Derwisch Ali mahallesi 12, Kurd Aghd tscheschmesi sokaghy liegen; 
sie sind heute zugeschüttet oder übermauert. 



Nicht allzuweit vom Thore von Adrianopel, 75 m vom westlichen Eck des Tschukür 
bostäns im Chadidsche Sultan mahallesi Nr. 58 liegt ein verschüttetes Bauwerk, wahrscheinlich 
ein Ajasma, d. h. eine über einer Quelle errichtete Capelle. 

u. 

Endlich befand sich, wie der Name andeutet, unter dem Bodrümhan im grossen Bazär 
ein alter Keller, der jedoch nie zur Wasseransammlung gedient haben soll. Kleinere Cisternen 
mögen noch unter mehreren anderen alten Kirchen — den Kilise dschami — liegen. 



So ist im Jeni43agtsche das Schiff links vom Eingange der Charidschilar (nach Stolpe's 
Plan Hadschylar) Kjöschkünun dschamisi (Panachrante) zum Zwecke der Wasseraufnahme 
unterkellert und liegt auch vor und hinter der Kirche ein kleiner Behälter. 



Neben der alten Stadtmauer im Viertel Kum4iapu in der Arabzade sokaghy befinden 
sich mehrere Cisternen, so Nr. 21 (4-3 m lang, yS m breit) und Nr. 23 (von ähnlichen Ab- 
messungen). 

y. 

In der Müla-Hüssürew (Chosrew) sokaghy 13 ist der Unterbau eines byzantinisclicn Hauses 
erhalten, sowie ein gemauerter Wasserkasten von quadratischem Grundriss von 2 aut 2 m. 

z. 

Auf dem Platze des vor 40 Jahren abgetragenen Bades Tschukür hamämy, wohin Hammer 
einen grossen Behälter verlegt, wurde vor kurzem ein mit einem Tonnengewölbe überdeckter 
Raum von angeblich etwa 14 m Länge, 3 m Breite mid gegen 5 m Höhe vermauert. Derartige 
unbedeutende Reste Hessen sich wohl noch viele auflinden; sie sind aber kaum von Interesse. 



Untersuchungen. 



Technischer Theil. 

(Von Ph. Forchheimer.) 

Im vorhergehenden Abschnitte sind gegen 40 bj-zantinische Wasserbehälter 
mehr oder weniger vollständig abgebildet und beschrieben worden. Auf Grund 
dieser Einzeldarstellungen soll nun eine zusammenfassende Besprechung aller 
technischen Eigenthümlichkeiten dieser alten Behälter folgen: also ihrer Lage, 
ihrer Grundform, der Beschaffenheit ihres Mauerwerkes, der Verbindungsweise 
ihrer Säulen, der Gewölbe und der Bedeckung mit Erde. Immer wird hierbei 
auf den vorausgeschickten Stoff zurückgegriffen und durch Anführung der Ziffern 
der abgebildeten Bauwerke der Beleg für die technischen Behauptungen geliefert 
werden. 

Lage. Bekanntlich sind die Mauern, die das ake Konstantinopel zur Zeit 
der Eroberung durch die Türken umgrenzten, noch recht vollständig erhaken; 
sie umschliessen das heutige Stambul, welches durch den Bach Lykus in zwei 
ungleiche Stücke zerlegt wird, deren Flächenmaasse etwa im Verhältnisse von 
7:4 zu einander stehen. Schon aus dem Grössenunterschiede ist es erklärlich, 
wenn die Hauptmasse der Behälter auf dem linken Ufer des L3-kus zwischen 
diesem, dem goldenen Hörne und dem Marmarameere liegt. Thatsächlich gelang 
es auch nicht, auf dem rechten Ufer mehr aufzufinden als einen Teich (i), 
einen Hallenbehälter (11) und einen Raum (27), dessen ehemalige Bestimmung 
nicht feststeht. Das linksuferige Gebiet hat iur die Anlage von Behältern auch 
den Vorzug, dass es sich höher erhebt, worauf, wie es scheint, die Byzantiner 
Werth legten, und mehr Felsboden enthält. Ganz abseits vor der Stadt, also 
ausserhalb der Mauern von Stambul, in der Richtung von Makri-Kjüi nach dem 
Marmarameere zu, liegt endlich noch ein vereinzelter alter Weiher, heute Fil- 
chan6 (4) genannt. 

Die Behälter — wenigstens die ül:)er\völbten — sind höchst wahrscheinlich 
auf Fels gegründet. In einem Falle (Bodri'im 7) liegt er im Innern theilweise 

>5* 



n6 

frei, in anderen (i, 8, 12, 13, 22) lässt er sich bestimmt an Brunnen und anderen 
benachbarten Aufschlüssen erkennen, zu verniuthen ist er (höchstens mit Aus- 
nahme des Anemas-Thurmes 37 und des Sulü Serai 40) überall sonst. Felsaushub 
war in Ermangelung von Sprengmitteln zur Zeit ihrer Herstellung eine theuere 
Arbeit. Da lag es denn nahe, das Wasser durch künstliche Wände einzuschliessen, 
statt das Becken in den Fels zu versenken und, um die Kosten bei einer der vier 
Seiten wände zu verringern, an Felsabhäiige anzubauen. Um einen möglichst grossen 
Theil der Stadt von den Behältern aus versorgen zu können, pflegt man heute solche 
Bauwerke thunlichst hoch zu legen. Aber von den alten Behältern ging, wie 
es scheint, kein Rohrnetz aus. Dennoch liegt fast keiner derselben tief (am tiefsten 
vielleicht das Sulü Serai 40 und der in Un-kapän 13). Ihre hohe Lage erklärt sich 
also wohl hauptsächlich dadurch, dass die Hauptleitungen über die höchsten Punkte 
der Stadt geführt wurden und man die Behälter, namentlich die grossen öffent- 
lichen (2, 3, 5, 6, 8, 9, 10), nahe an die Hauptleitungen legte. An den Rändern der 
Hügelrücken und an Abhänaen sind demgemäss die meisten dieser Cistemen zu 
finden (vgl. 2, 3, 4, 5, 6, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 15, 17, 22, 24, 26, 27, 29, 30, 33, 
36, 38), und wenn man an einer solchen Stelle byzantinisches Mauerwerk erblickt, 
so wird man berechtigt sein, einen Bau, wie die hier genannten, zu vermuthen. 
Hierbei ist jedoch vorausgesetzt, dass die Mauern nicht von tiefliegenden schlitz- 
artigen Öfthungen, sogenannten Wasserlöchern durchbrochen sind, welche be- 
kanntlich bei Stützmauern häufig gemacht werden und also anzeigen, dass es 
sich bei der Erbauung um die Zurückhaltung von Erde und nicht um die von 
Wasser gehandek hat. 

Bauweise. Die Behälter bestehen aus den oft'enen Teichen und den gedeckten 
Hallenbehältern oder als Behälter eingerichteten Kellern. Das Wasser musste sich 
in den oftencn Weihern mehr erwärmt haben als in den gedeckten Räumen, 
auch war es der Verunreinigung stärker ausgesetzt. Dagegen konnten diesen 
offenen Teichen Abmessungen gegeben werden, welche bei Überwölbung zu 
unerhörtem Kostenaufwand geführt hätten. Dementsprechend stehen der Zahl 
nach die offenen Behälter hinter den Ijedeckten zurück ; es sind ihrer nämlich 
nur \ier innerhalb des Stadtgebietes erkennbar, al)cr ein einziger derselben 
(im Viertel Exi Marmara 1) ist so gross, wie alle aufgefundenen überwölbten 
zusammen. 

Maiienverk. Die byzantinischen Mauern sind von drn türkischen sjjäterer 
Zeit leicht unterscheid! lar ; nur in der ersten Zeit der Türkenherrschaft scheint der 
byzantinisciie Ziegel und Ouader und die byzantinische Fugenl)ildung beibehalten 
worden zu sein. Die natürliclien Steine wurden in der l'Kintc stets vierecki"', 



117 

aber manchmal nicht allzu regelmässig, sondern etwa so wie ein österreichischer 
Hackelstein bearbeitet. Meistens begnügte man sich mit geringen Höhen von 
etwa 15 — 25 cm, doch kommen (vgl. Tschukür bostcän i) auch grössere Quader 
vor. Im Innern der Mauern sind die Steine aber noch kleiner und unregelmässiger, 
selbst derart — wie im Tschukür bostän 3 unweit des Adrianopeler Thores — 
dass das Gefüge der Mauer sich dem von Beton nähert. Für unser Auge eigen- 
thümlicher als die Form der Bruch- und Hausteine ist die der Ziegel, welche, 
stets tadellos gebrannt, rothe oder bläuliche, quadratische, dünne Platten bilden. 
Sie erscheinen an den Lagerflächen durch Mörtelschichten getrennt, welche eine 
weit grössere Höhe als unsere Lagerfugen, ja gewöhnlich eine grössere als die 
Zieg-el selbst besitzen, während die Stossfugen etwa so breit sind, wie die heute 
gebräuchlichen. 

Das Verzeichniss einiger gemessenen Ziegel und Fugen kann dies erläutern : 




Ziegelbreite 
an 



Tschukür bostän im Viertel Exi Marmara l. 
Tschukür bostän bei der Moschee Selims, 2. Front 

Ebenda Inneres 

Tschukür bostän von Kara gümrCik 3 

Filchane 4 

Jere batdn Serai 5 

Bin bir direk 6 

Im Eschrefije sokaghy 8 



35-38 

38 

38 

40 
32-40 

33-37 
35-40 
35-36 



3-4 
4 

5-4 

4— 5'5 

3-4 

bfg. 5 

4-6 

5-6 



3-6 
6 

4-6 

6-7 
4-6 
4-6 

6-7 



Der Mörtel, mit welchem die Ziegel verbunden wurden, war grobkörniger 
als der bei uns gebräuchliche, eignete sich daher besser für die grossen Fugen, 
und wurde aus Kalk und zerstossenen Ziegeln von Mehl- bis Kiesfeinheit zusammen- 
gesetzt. Nach Choisy ' sollen die Byzantiner manchmal auch Kies oder den bei 
der Steinbearbeitung abfallenden Grus beigefügt haben. Ferner behauptet Kuppas», 
dass die Byzantiner dreierlei Mörtelsorten gekannt hätten: erstens solchen aus 
Kalk und Sand, zweitens solchen aus Kalk, Sand und Ziegelmchl und drittens 
Keramoton. Um letzteren zu bereiten, hätten sie 19 Theilc Grobsand, 38 Theile 



1 T.'art de bätir clicz les Byzantins, Paris 18S2, S. 10. 
» a. a. O. o. 51. 



n8 



t 



gebrannten und zerriebenen Töpferthon, 38 Theile ungelöschten Kalk und 
5 Theile Rinderhaare oder Flachs gemengt, mit Wasser Übergossen und um- 
gerührt, ferner mehrmals nach einigen Tagen Pause neue solche Mischungen 
mit Wasser zugesetzt und verrührt. Da heute noch die Orientalen häufig Ziegel- 
mehl dem Mörtel beimengen, kann man der Farbe nach oft neuesten Mörtel 
nicht von altem unterscheiden. Einen Anhalt für die Beurtheilung des Alters 
bieten aber die Lagerfugen, welche im Laufe der Zeit enger gemacht wurden ; 
auch Hessen die Türken häufig den Mörtel hervortreten, so dass er in Form 
erhöhter Bänder die Fugen bedeckt. Wo solche Bänder vorkommen, ist nach 
mündlicher Mittheilung von Prof. Strzygowski der türkische Ursprung unzweifelhaft. 
Besondere Vorliebe hatten die Byzantiner für Schichtenmauerwerk, bestehend 
aus einer Anzahl Ziegellagen, die mit einer Anzahl von Hackel- oder Haustein- 
lagen abwechseln. Die Anzahl der Lagen einer Ziegelschichte schwankt. Sie 
beträgt z. B. : 



Im Tschuki'ir bostün im Viertel Exi Marmara l, 
» » » bei der Moschee Selims 2 

» » » von Kara gCimriili 3. . . . 

» Filchaiic 4 

» BoJrüm bei der Moschee Selims 9 



Lagenzahl 

5 
4-5 

4 
3-5 

10 



I 



Für jede Ziegellage (sammt Fuge) darf man 10 cm Höhe rechnen. Die 
Höhen der Steinschichten und die Lagenzahl in einer Schichte wechselt eben- 
falls; sie beträft z. B. : 



Schichthohe 
cm 



Lagcnzahl 



Im Tschuliür bostfm bei der Moschee Selims 2 bfg. 

5 » » von Kara gilmrilk 3 » 

!> Filchane .| » 

» IJodrum hei der Moschee Selims 9 >■ 



120 

180 

50 bez. 100 

So 



6 

10 

2 bez. 4 

3 



Ausser dem regelmässigen Schichtenmauerwerk w urdc auch unregelmässiges 
vorgefunden, nämlich in der 28säuligen Halle in Kara gümrL'ik (10), solches, welches 
zumeist aus abwechselnden einfachen Lagen \nn Ziegeln und Stein aufgefüiirt 
ist, ferner anderes in dem Beiiälter (14) zwischen der CJül dschaiui und der l'"ski- 



119 

Imaret. Durchaus aus Quadern bestehende Mauern sind, vielleicht mit Ausnahme 
einer in dem Kjöroghlü sokaghy (22), nicht zu entdecken gewesen ; wohl aber 
sind im Tschukür bostän l, unweit des Thores von SOiwria, die Ziegelschichten 
durch grosse Quader verblendet, so dass ehemals nur Hausteintiächen sichtbar 
gewesen sind. 

Teiche. Mauern von den angedeuteten Arten umgrenzen die oftenen, nun- 
mehr trockengelegten Teiche. Im Grundriss bilden letztere Rechtecke. Doch sind 
die Ecken, an welchen benachbarte Mauern aneinander stossen, häufig nach dem 
Teichinnern durch Abschrägung des einspringenden rechten Winkels oder auch 
(wie im Filchane 4) durch Trommeln von viertelkreisförmigem Grundriss verstärkt. 
Eine Anzahl Eckbildungen sind übrigens, weil man in den Ecken Rampen 
angeschüttet hat, nicht mehr sichtbar. Die Mauern sind innen und, soweit erkennbar 
(vgl- I, 3, 4), auch aussen lothrecht; je nach der Höhe des Geländes mussten 
sie auf beiden Seiten frei aus dem Boden emporgemauert oder als Stützmauern 
des gewachsenen Erdreiches ausgeführt werden. Einige Mauern der ersten Sorte 
konnten gemessen werden und zeigten eine Breite von 5-2 m in den Tschukür 
bostänen (2 und 3) bei der Moschee Selims und in Kara gümrtik, und von 6 m 
unweit des Thores von Siliwria (i). Diese Breiten sind wahrscheinlich halb so 
gross wie die ursprünglichen Höhen. Es scheint demnach eine alte, mit heutigen 
Anschauungen durchaus übereinstimmende Regel gelautet zu haben : man mache 
Teichmauern, welche dem Wasserdruck widerstehen sollen, wenn man dieselbe 
Dicke von oben bis unten beibehält, etwa halb so breit wie hoch. Allerdings 
würde man heute die Teichwände von unten nach oben verjüngen. Die Mauern 
von 5-2 m sind übrigens durch von Aussen gegengeschüttete Erde verstärkt ; die 
von 6 m Dicke ist es nicht. Eine der Mauern bei der Moschee Selims (2) 
zeigt an der Innenfront Spuren von vorgelegten Pfeilern, die durch Bögen 
verbunden waren. Besser erhalten und recht bemerkenswerth sind die Mauern 
des Filchane (4). Sie zeigen, dass die Byzantiner über Erd- und Wasserdruck 
vorgeschrittene Ansichten gehabt haben. Die beiden Längswände haben nicht 
zwei glatte Fluchten, sondern sind vortheilhafterweise je auf einer Seite durch 
halbcylindrische, lothrechte Aussparungen erleichtert. Die eine Längswand legte 
man gegen den gewachsenen Boden schon deswegen mit glatter Fläche, weil 
eine gezackte Ausschachtung der anstehenden Erde zu mühsam gewesen wäre. 
Die andere musste von einer Seite den Druck des Wassers, von der anderen 
den künstlicher Anschüttung aufnehmen. Der erstere ist der grössere ; deswegen 
sind bei ihr die Ausspamngen mit Recht auf die Aussenseite gelegt, so dass ihre 
Schwerebene näher an der Innen- als an der Aussenseite liegt. Die Dicke dieser 



I20 

Längswand beträgt 7 m und wird durch die Aussparungen bis auf 5-2 m vermindert. 
In der Sohle sind die Wände jedenfalls (wie die des gedeckten Behälters in 
Un-kapän 13) ohne Aussparungen durchgemauert. An den kurzen Seitenmauern 
beträgt die Dicke nur 4-1 w ; dafür fehlen die Aussparungen und sind Treppen- 
anlagen zur Verstärkung benutzt. In einer der Längswände des Filchane (4) ist 
auch eine Wendeltreppe eingelegt, während die übrigen Tschukür bostäne entweder 
nie Treppen besassen oder sie im Laufe der Zeit spurlos verloren haben. Die 
Sohlen der Teiche sollen nach Andreossy ' ausgemauert sein, wenigstens gibt er 
die Sohlenstärke vor der Moschee Selims zu 2 m an ; das ist eine reichliche 
Stärke, selbst wo die Sohle auf Erde liegt, und es ist anzunehmen, dass sich 
die Erbauer, wo sie den natürlichen Felsen biossiegten, mit einer viel schwächeren 
künstlichen Decke begnügten. Auch ist es unsicher, ob die Sohlenoberflächen 
eben und nahezu wagrecht oder uneben und mit Gefälle versehen waren. 

Die gedeckten Behälter haben gleich den offenen im Allgemeinen recht- 
eckigen Grundriss erhalten. Wo das nicht der Fall ist (wie in 11, 17, 23), 
muss Rücksicht auf anstossende Gebäude obgewaltet haben, wenn nicht die 
Behälter überhaupt Untergeschosse bildeten oder noch bilden (so 21, 26). In 
solchen Fällen kann auch keine Regel für die Behälterform aufgestellt werden; 
es ist klar, dass sie unter den Kirchen (18, 34, 35) anders ausfallen musste, als 
im Festungsthurme des Anemas (38), oder unter einem Palaste, wie an der 
Aiwäz Efendi dschaddesi (39). Am eigenthümlichsten ist der Bodrüm (7) bei der 
Bodrüm-Moschee, welcher aus einem älteren Kellergeschoss und einer späteren 
Überbauung des Platzes vor dem Keller entstanden zu sein scheint und stellen- 
weise vom nackten Fels begrenzt wird. Die Mauern zeigen im Innern bei 
den gedeckten Behältern im Allgemeinen glatte Flächen, doch sind auch zur 
Aufnahme der Gewölbegurten schwach vorspringende Vorlagen nicht selten. 
Diese kommen entweder auf allen Seiten der Hallen vor (zwischen Eski-Imaret 
und Gül dschami 14, Lökündschy sokaghy 32, zwischen Kilise dschami und 
Mehmedje 16), oder auf zwei entgegengesetzten (neben der Kefeli dschami 31) 
oder, um zu verstärken, nur auf den Seiten, wo der Untergrund tief lag (Un-ka])än 13, 
neben der Fethije 15), und deuten dann auch darauf hin, dass hier Mauerabsätze 
in Bodenhöhe vorhanden sind. Bei der schönen Halle in Un-kapän (13) sind die 
Mauern durch Nischen mit halbkugelförmigem Abschluss erleichtert, und zw.u- in 
ähnlicher Weise wie die Langwände des Filchane (4). In lln-kapän (13) kann man 
sich überzeugen, dass diese Schwächung nur bis zum Geliuide herabreicht, die 

' AllKcnicini.- Baii/cilim)^ a. a. O. S. 59. 



121 

Sohle aber richtigerweise voll ausgemauert ist. Lii Behälter 14, unweit der Eski- 
Imaret, sind an der freiliegenden Seite nicht nur innen, wie erwähnt, sondern 
auch aussen Pfeilervorlagen vorhanden und erfüllen neben einem decorativen 
Zweck — sie tragen vorspringende Bogen — auch einen statischen. Eigentliche 
Mauerverjüngungen sind nicht ausgeführt, doch sind zur Ersparniss in der 
Bin bir direk (6) und dem Bodrüm (12) am Boji'ik Otluktschy sokaghy Nischen von 
viereckigem Grundriss in die oberen Partien eingelegt. 

Die Ecken sind sehr verschieden behandelt, scharf, mehr oder weniger 
stark (häufig wohl nur im Verputz) abgerundet oder abgeschrägt (am stärksten 
im Jere batän Serai 5). Im Ortatscheschme- und im Nür-i Osmanije-Behälter 
(19 und 23) geht die Abschrägung nur bis Kämpferhöhe, so dass dreieckige 
Bänke in dieser Hohe in den betreffenden Ecken entstehen; in Un-kapän (13) 
sind die Bänke der Verstärkung entsprechend viertelkreisförmig und in dem 
Saly Efendi sokaghy (17) gehen die Verstärkungstrommeln von ebenfalls viertel- 
kreisförmigem Querschnitte merkwürdigerweise nicht bis zur Sohle herab, schweben 
also in der Luft. 

Fenster sind bei einigen meist grösseren Behältern oberhalb des alten 
Wasserstandes vorhanden; sie waren selten, weil zu hoch gelegen, genau messbar. 
Neben der Moschee Selims (9) sind sie gross und durch halbkreisförmige Bogen 
überdeckt; oft aber sehen sie Schiessscharten ähnlich. In der Bin bir direk (6) 
und in Un-kapän (13) münden sie zum Theil unter der Erde; es ist aber wahr- 
scheinlich, dass dies nur von nachträglichen Erdaufwürfen herrührt. Die Schlitz- 
fenster sollten wohl den Vorzug haben, unbefugten Zutritt zu hindern oder 
wenigstens, wenn durchschlüpf bar, zu erschweren, und doch Licht lür die 
Aufsicht und vielleicht für den Gebrauch einzulassen, und kommen daher an 
Mauern vor, die sich nur wenig über dem äusseren Erdboden erheben, wie 
zwischen Gül- und Eski-Imaret dschami (14). Auch hat man grosse Öffnungen, 
wahrscheinlich der Erwärmung des Wassers wegen, gescheut, so dass alle 
Hallen, deren Decken nicht nachträglich durchbrochen wurden, recht dunkel 
sind. Da unter der Einwirkung des Lichtes organisches Leben im Allgemeinen 
gedeiht, läs.st man auch liei heutigen Anlagen nur wenig oder gar kein 
Licht ein. 

Verput-^. Die hmenflächen sind bis über den höchsten beabsichtigten 
Wasserspiegel, d. i. ungefähr Kämpferhöhe, stets sorgfältig verputzt, so dass die 
Beschaffenheit des Mauerwerks — meistens Ziegelmauerwerk — gewöhnlich nur 
auf einer geringen Höhe erkennbar geblieben ist. Der Verputz hat fast iilicrall 
gut gehalten, zeigt sich frei von Rissen und nlmc Mechtcn- oder Moosansatz. 

10 



122 



Heute wendet man in Konstantinopel, nach freundlicher Mittheilung des Herrn 
Chulussi Bey, als hydraulischen Verputz (Chorasän) ein Gemenge von 8 Theilen 
Zieo-elmehl, 4 Theilen ungelöschten Kalk und l Theil gehackten Rohflachs an. 
Nachdem man die Masse 5—6 Tage unter Wasser gehalten hat, lässt man sie 
zu einem dicken Teige eintrocknen, den man vor der Benutzung partienweise 
wieder mit Wasser anmacht. Die Byzantiner sollen hingegen ihren Verputz nach 
Kuppas ' hergestellt haben, indem sie zunächst ein Gemenge von Staubkalk und 
zerzupfter Baumwolle lagern Hessen, dann so viel Olivenöl, wie die Masse auf- 
nehmen konnte, bisweilen auch Bleiglätte als Färbemittel zusetzten, und den Teig 
durch einige Tage kneteten, bis kein Öl mehr heraustrat, wenn man zu kneten 
aufhörte. Dann habe der Tüncher in die zu bestreichende Fläche nahe an einander 
liegende Furchen kreuzweise mit der Kellenspitze eingeritzt, den Kitt in drei Lagen 
aufgetragen und mit einer engen, spitzen, also spachtelartigen Kelle verrieben, 
deren Griff er mit einer Hand führte, während er das Blatt mit drei Fingern 
der anderen Hand drückte. Da nach einigen Tagen feine Risse auf solchem 
frischen Verputz entstehen, musste noch durch 3 oder 4 Tage jeder Haarriss 
wieder überstrichen und überrieben werden, bis man durch Schleifen mit Bims- 
stein die Verputzarbeit zum Abschluss bringen konnte. Nach Andreossy » pflegte 
man zu seiner Zeit erst einen hydraulischen Putz und dann noch einen Ölkitt 
von etwas anderer als der beschriebenen Zusammensetzung aufzutragen. 

Sohle. Die Zusammensetzung der Sohle war nur im Behälter (22) in dem 
Kjöroghlü sokaghy theilweise zu ermitteln, weil in ihm der Boden an einer 
Stelle aufgehackt war. Dort folgten von oben nach unten 4 cm Verputz, eine 
Ziegellage von 3 cm, eine Mörtelfuge von i cm, eine Ziegellage von 3 cm, dann 
10 cm Beton und hierauf Bruchsteinmauerwerk in nicht erkennbarer Stärke auf 
einander. In anderen Fällen {9, 10, 22, 3g) lag wenigstens der Fussboden frei 
und zeigte sich eben und durch Verjoutz gebildet, meistens aber hinderten akc 
Schlammniederschläge und spätere Schuttmassen jede Untersuchung der Sohle der 
verlassenen Räume, deren Ausgrabung ohne besondere Erlaubniss der Regierung, 
also ohne unabsehbare Schwierigkeiten und Gefährdung jeder weiteren Arbeit, 
nicht stattfinden konnte. Um so überraschender ist es, dass Kuppas ■' genaue 
Angaben über die Gründung der alten Cisternen macht. Er sagt, dass man 
sowohl bei (^ründung auf l.chni, wie aucli auf Fels, nacli .Aushub und h'.bnung 



I a. a. O. o. 49. 
' a. a. O. S. .16. 
' a. a. O. 0. 47. 



123 

der Baugrube Kalksteine in 75 cm Höhe trocken aufschichtete, die Zwischenräume 
der Steine auszwickte, diesen Steinsatz mit einer Handramme sehr fest rammte 
und auf ihn vierkantige Eichenbalken von sieben Fingern Dicke legte, deren 
Zwischenräume man mit Kalkstein in Mörtel aus Sand und Kalk ausmauerte. 
Quer über diese ersten Balken legte man wieder sieben Finger dicke Balken in 
75 an Abstand von einander und mauerte ebenfalls die Zwischenräume in 
Sandmörtel aus. Dieser Unterbau reichte auch unter die Umfassungswände, nur 
dass unter diesen doppelt so viel Balken eingelegt und besonders fest durch 
Eichenhölzer verbunden worden seien. Auf diesen Unterbau setzte man nun das 
Solilengemäuer von 75 cm Höhe aus Kalksteinen und Sandmörtel und darauf 
eine drei Finger starke, aus einfachem Mörtel oder einem Mörtel mit Ziegelmehl- 
zusatz gebildete Deckschichte. Die Mörteldecke habe man mit dem oben erwähnten 
Keramoton abgerieben und dann nach je 3 — 4 Tagen Ruhe sich zeigende Risse 
so oft wieder überstrichen und verrieben, bis sich keine Risse mehr bildeten 
und der Mörtel keine Feuchtigkeit mehr ausschwitzte. Schliesslich sei der Boden 
noch in gleicher Weise verputzt worden, wie die sonstigen Innenwände unterhalb 
des künftigen Wasserspiegels. Kuppas behauptet ferner, dass man den Cisternen- 
böden Gefälle nach einem vertieften Schlammfang gegeben habe, in welchen 
beim Reinigen der Schlamm eingefegt werden konnte. Die von Kuppas geschilderte 
Gründungsweise mit dem Steinsatz und dem Eichenrost, dem wohl eine besondere 
Rolle bei Erdbeben zugedacht war, passt offenbar besser für Lehmgrund und 
kleinere Cisternen als für grosse, die man wohl lieber mit Fortlassung der 
Trockenlage auf den Fels gemauert haben dürfte. Auch zeigen alle sichtbaren 
Theile der einzelnen Behälter so viele Verschiedenheiten in der Ausführung, dass 
man annehmen muss, dass auch die verborgenen nicht nach einem einzigen 
Muster ausgeführt worden sind. Da nun Kuppas nur das eingehend auseinander- 
setzt, was nicht mehr zu sehen ist, während er das heute noch sichtbare ^ wie 
Mauern, Säulen und Gewölbe — nur flüchtig und nicht ganz zutreffend berührt, 
und da seine Angaben weder durch Hinweise auf bestimmte byzantinische Bau- 
werke von ihm belegt sind, noch mit den im Kataloge aufgezählten Beobachtungen 
übereinstimmen, so sind sie wohl nur als dankenswerthe Schilderungen überlieferter 
bemerkenswerther Handwerksbräuche aufzufassen, welche zwar aus vortürkischer 
Zeit stammen mögen, aber gewiss nicht bei allen alten Behältern befolgt 
worden sind. 

Pfeiler und Säulen. In"s Innere der Behälter stellte man — Keller- 
geschosse ausgenommen — keine Mauern, sondern nur Säulen, in zwei Fällen 
auch Pfeiler. Die beiden llaume, in welchen das geschah, liegen nicht weit von 

16* 



124 

einander und zeigen überhaupt gewisse Ähnliclikeiten, als ob der eine in mancher 
Beziehung als Vorbild für den anderen gedient hätte. Gemeint sind die grosse 
Halle in Un-kapän (13), in welcher mehrmals Säulen und ein (ringshenmi verputzter) 
Pfeiler in schönem Rythmus aufeinander folgen, und der kleine Bau (16) zwischen 
der Pantokratorkirche und der Mehmedje, in welchem hinter einem einzigen 
Säulenpaare am Eingange fünf Paar Hausteinpfeiler stehen. Die Verwendung 
von Säulen statt Pfeilern würde heute nicht mehr in Frage kommen : zum Theil 
durch das Bestreben erklärlich, der Bedeutung der Behälter durch monumentale 
Ausschmückung gerecht zu werden, scheint sie doch auch darauf hinzuweisen, 
dass in Byzanz Säulenschäfte keinen hohen Marktwerth besassen und nicht wie 
gegenwärtig etwa dreimal so viel kosteten wie verputzte Ziegelpfeiler von gleicher 
Tragfähigkeit. Auch lässt sich der technische Grund für die Pfeilerscheu anführen, 
dass Ijei den übertriebenen Fugendicken die Setzungen der Pfeiler gross und 
ungleich ausgefallen sein müssen, wenn eine stärkere Pressung vor völligem 
Erhärten des Mörtels eintrat. 

Säulenbasen sind nicht immer sichtbar; sie wurden nämlich häufig im 
Fussboden eingelassen. Es geschah in späterer Zeit sogar, dass man (Bodrüm 10 in 
Kara gümrük) mehrere Basen oder als solche dienende umgestülpte Capitelle 
oder Kämpfer auf einander thürmte, um mit kürzeren Schäften sein Auskommen 
zu finden. Die Schäfte sind am häufigsten Kalkstein oder Marmor und senkrecht 
zur Lage im Bruch aufgerichtet. ' Aber auch Sandsteine und granitartige Gesteine 
kommen vor, und die Heimaten benachbarter Säulenschäfte mögen manchmal in drei 
verschiedenen Welttheilen zu suchen sein. Die Durchmesser wechseln : 28 cm (neben 
der Fethije 15) und 80 c;« (Eschrefije sokaghy 8) sind wohl die äussersten Grenzen. 
Alle Schäfte schliessen oben mit einein Wulst ab, der von einem kleinen 
cylindrischen Untergliede getragen wird. Die in Kirchen und vor Moscheen 
häufig sichtbare Umreifung der Schaftenden mit Metall gegen das Spalten wurde 
in den Wasserbehältern nicht wiederholt, wahrscheinlich aus Furcht vor der 
Oxydation der Bronze. Wohl aber hat man in einer Halle eine ähnliche Umfassung 
der Enden beim Aufeinandersetzen mehrerer Trume in Stein ausgeführt, nämlich 
in der Bin bir direk (6). Von den Säulen des Jere batän Serai (5) behaujjten die 
Leute übrigens auch, dass sie gestückelt seien, in welchem l*"alle es nicht unmöglich 
wäre, dass, ähnlich wie in den Cisternen Alexandrias, eine gegenseitige Absteifung 
der Säulen duich Hache Zwischenbögen vorgenommen wurde. Die Schäfte aller 
anderen Cisternen Konstantinopels sind alier monitlitl,. In der Bin I>ir direk ((^) ' 



' Choisy, am angegeb. O. S. 15. 
- Derselbe, am angegeb. O. S. 16. 



125 

sind nun zwisclien die KalUsteiii -Trume, welche senkrecht zur Bruchlage gestellt 
sind, breitere Trommeln in der Bruchlage eingeschaltet, in deren untere Flachen 
die Schaftenden eingelassen sind ; hier sind die stark gedrückten Fugen zwischen 
den Schäften und den Trommeln, sowie den Capitellen, in Blei ausgeführt. Auch 
in anderen Behältern kann man bemerken, dass das Capitell an den Schaft oder 
dieses an die Basis mit einer Bleifuge anschliesst (z. B. in 13, 16, 23), ebenso 
häufig sind jedoch Mörtelfugen (wie im Bodrüm 10 in Kara gümriik). Eine dritte 
Verbindungsweise war endlich die ohne Mörtel mit eisernem Dollen (vgl. Bodrüm 7). 
Die Säulen tragen entweder nur ein Capitell, oder ein Capitell und darüber den 
der byzantinischen Baukunst eigenthümlichen Kämpferstein, d. h. einen Kämpfer- 
aufsatz in Form eines vierkantigen PjTamidenstumpfes mit anschliessendem 
niedrigen vierkantigen Prisma, oder nur einen Kämpferaufsatz ohne Capitell. 
Auch kommt es vor, dass ein niedriges jonisches Capitell mit einem Kämpfer- 
aufsatz zusammen aus einem Stein ausgehauen ist. Diese Werkstücke sind in 
den Einzelbeschreibungen unter dem Ausdrucke jonische Kämpferaufsätze gemeint. 
Viele Capitelle sind aus anderer Zeit und von anderem Steine als die Schäfte; 
nie bestehen sie aber aus hartem Stein, z. B. Granit. Einige sind unten abgeschnitten 
(BöJLik Otluktschy sokaghy 12), andere von verschiedenartigstem Aussehen mit 
wenig Geschmack zu einem Bauwerke benutzt. Viele sind schlecht erhalten ; die 
überhängenden Blätterlappen sind bei den meisten abgewittert, manche sind 
(neben der Fethije 15) übersintert. Im Behälter 14, unweit der Eski-Imaret, ist eine 
Fratze, wohl von den bildnissfeindlichen Türken, weggekratzt; einem Adlercapitell 
in dem Mengene sokaghy (21) wurden die Köpfe abgeschlagen oder sie sind 
abgefallen. Eine Reihe Capitelle sehen unfertig aus und es kommt vor (neben 
der Pantokrator Kilise dschami 16, neben der Moschee Selims 9), dass man die 
Leisten, welche zum Versetzen, nämlich zum Anlegen der Hölzer oder Seile 
gedient haben, später nicht mehr weggemeisselt hat. Die nähere Erörterung der 
Säulenformen bleibt übrigens dem archäologischen Abschnitte \orbehalten. Die 
Kämpferaufsätze erfüllen, wenn mit den Gurt- und Capitellabmessungen im Ein- 
klänge, in guter Weise den Zweck, ein breites Auflager für die Ziegel der 
Gurtbögen zu bilden imd den Druck der Decke auf den inneren Theil der 
Capitelle zu übertragen oder, in der Sprache der heutigen Technik ausgedrückt, 
zu bewirken, dass die Stützlinie im Kern der Stütze bleibe. Im Bodrüm (16), 
neben der Kilise dschami und im Räume 28 haben die Erbauer nicht nur 
über die Säulen, sondern auch zwischen die dortigen vierkantigen Pfeiler und 
die Gurten Kämpfersteine eingeschoben. In Un-kapän (13) endlich haben sie 
durch Verengung der Gurtfüsse selbst die centrische Drucklagc bewirkt. Wenn 



126 

hier weitgetriebene Vorsicht gewaltet hat, so geschah liingegen die Stülijung 
eines kleinen Kämpfersteinchens auf ein grosses Capitell bei der abgebildeten 
Säule lO des Bodrüms (14) zwischen Gül- und Eski-Imaret dschami und ähnliches 
wohl nur aus gedankenloser Routine. 

Raumaiiftheiliing. Die Säulenabstände sind wenig gleichförmig: eine genaue 
Aufstellung muss den Byzantinern recht viel Schwierigkeit gemacht haben oder 
ihnen unwichtig erschienen sein. Auch waren sie durchaus nicht bestrebt, die 
Längsabstände den Ouerabständen gleich zu machen: bald sind die einen, bald 
die anderen grösser. Pfeilervorlagen an den Umfassungsmauern zur Aufnahme 
der Gurten haben die Byzantiner, wie gesagt, selten gemacht ; wenn also nicht 
die äussersten Gurtbögen mehr Spannweite haben sollten als die inneren, was 
für die Standfestigkeit der Umfassungsmauern ungünstig gewesen wäre, mussten 
die Abstände der Säulenmitten von den Wänden kleiner gemacht werden, als 
die der Säulenachsen unter einander; das ist denn auch — und zwar um einen 
oder einige Decimeter geschehen. Nur bei der Cisterne am Eschrefije sokaghy (8) 
kann man einen Längenunterschied von 10 cm im entgegengesetzten Sinne 
beobachten. Statisch ist es von Vortheil, wenn die äusseren Gewölbe erheblich 
weniger Spannweite als die inneren erhaken : in Un-kapän (13) ist eine solche 
Anordnung getroffen. Da stehen die Säulen und Pfeiler in zwei Reihen derart, 
dass die mittleren Gurten 5*2 ;h, die seitlichen 4-2;« überspannen. Zur Übersicht 
sind die Säulenentfernungen (von Mitte zu Mitte) nachstehend zusammengestellt; 
bemerkt werde noch, dass es sich in dem Mengene sokaghy {21) und wahrscheinlich 
auch in dem Kjöroghlü sokaghy (22) um zur Wasseraufnahme eingerichtete Gebäude- 
keller handelt. Die ZaMen, welche bei der ungenauen Ausführung meist auf l dm 
abgerundet werden mussten, beziehen sich auf die beiden Richtungen, nach welchen 
die Entfernungen gemessen sind. Bei den Räumen mit nur einer Säulenzeile 
sind keine Zahlen eingetragen. Die Abmessungen einiger abendländischer Behälter 
sind zum Vergleiche beigefügt und zeigen, dass man gegenwärtig, weil mehr 
zu .sj)aren bestrebt, grössere Öffnungen trotz, wie hinzugesetzt werde, wesentlich 
geringerer Wolbstärken übersjiannt. Die Anordnung der Stützen in sich recht- 
winkelig kreuzenden geraden Reihen ist hingegen auch heute die übliche und 
nur ausnahmsweise findet man bei Anwendung von Eisenträgern die Pfeiler 
in ccjncentrische Kreise gestellt. Auch die Theilung des Innenraumes durch 
massive Zwischenböden in getrennte Stockweri<e ist auf einige Pariser Reservoire 
beschränkt geblieben, so dass fast alle heutigen überwi Übten Behälter eingeschossige 
rechteckige Hallen liildcn wie die vim liyzanz. 



127 



U 3 
^' -^ I 

^^1 



O r t s b e z e i c h n Uli ST 



Kleinere Grössere 
Abstände Abstände 



der Mitten 
der Säulen oder Pfeiler 



Überwölbuno- 



9 

lO 

II 

12 

'3 
14 
15 
i6 

17 
19 

20 
21 
22 
23 

25 

26 

28 
29 

30 
31 



Jere batän Serai . . . , 

Bin bir direk 

Bodrüm, grosse Halle , 
» kleine Halle . 



In dem Eschretiie sokaghv 

Bei der Moschee Selims 

In Kara güinrük 

Neben der Miraclior dschanii 

In dem Büjuk Otluktscliy sokagliy . . , 

In Un-kapän 

Unweit Eski-Imaret 

Neben der Fethije 

Neben der (Pantokrator) Kilise dschami 



In dem Salv Efendi sokagliy . 

In Ortatscheschme 

Bei der Nischandschj' dschami 
In dem Mengene sokaghy . . . 
In dem Kjöroghk'i sokaghy . . 
Neben der Nür-i Osmanije . . . 
In dem Daje kadyn sokaghy 



Im Serai-Garten, obere 



In dem Agha jokuschü . . 
Im Serai-Garten, untere . 

Bible-house 

Neben der Kefeli dschanii 



Kilburn bei London ' 



Charlottenburg bei Berlin ' (Filter) . . . 

Auf der Schmelz in Wien s 

Montrouge bei Paris ' (Obergeschoss) . 



4-6-5-05 

3-6-3-8 

2-5 3 

245 

47 

3-8 
3-5— 36 

39 
39-4-0 
38-4-1 

265 

25 
40 

39 

2-3 
32 



375 
2-8-2-95 

27- 2-8 



2-4 



6-55 



49 
37—3-9 
33 34 

285 



40 
37 
39 
4-2-4-5 
6-2 
29 
2-8 

41 

4-4 

2-95 
3-2-3-3 
27 - 29 

39 
393 
305 

2-8 



30 



6-5? 



3-5 


3-5 


67 


67 


40 


40 



busige byz. Kappen 
b3'zantinische Kappen 

? 

Schneckenkuppeln 
Kuppeln 111. Kreisfugen 
tragen Schneckenk. 
bvzantinische Kappen 
Sclineckenkuppeln 
verputzt 

Schneckenkuppeln 
byzantinische Kappen 
} 

Schneckenkuppeln 
byzantinische Kappen 
röm. Tonnengewölbe 

mit Stichen 
Schneckenkuppeln 
Schneckenkuppeln 
böhmische Kappen 
preussische Kappen 
bv'zantinische Kappen 
bj'zantinische Kappen 
byz. Kappen (römische 

Tonnengewölbe über 

Nebenräume) 
Schneckenkuppeln 
byzantinische Kappen 
Kuppeln m. Kreisfugen 
bvzantinische Kappen 

Tonnengew. m. Rippen 
über den Pfeilern 
Pfeil = '/e Spannweite 

böhmische Kappen 

Kreuzgewölbe 

Kreuzgewölbe 



' Morris, On covered service-reservoirs, Minutes of proceedings of ihe Institution of 
Civil-Enjiineers, Vol. LXXIII, London 1883, p. iS. 

2 Ebenda, p. 23. 

3 Ebenda, p. 24. 

* Bechmann, Salubritc urlxiiiic, distributimi dVau, a.ssainissement, Paris 1888. 



128 

Die Giirtbögeii beginnen unmittelbar auf den oberen Flächen der Kämjjfer- 
aufsätze, oder erst etwas höher, so dass auf den Kämpferaufsätzen erst kleine 
viereckige Pfeiler stehen, in welche die Gurten übergehen. Letztere sind immer 
halbkreisförmig ; nur in einem Falle (in Un-kapän 13) kommen Spitzbögen über 
Spannweiten vor, welche kleiner sind als die benachbarten, halbkreisförmig über- 
wölbten. Den Grund der Wahl von Spitzbögen bildete wahrscheinlich das Be- 
streben, Scheitel und Kämpfer ungefähr in gleiche Höhe zu legen, wie bei 
den benachbarten Halbkreisgurten. Übrigens sind die Spitzen abgerundet, man 
wollte sie also nicht als solche zeigen. Um eine unliebsame starke Durchdringung 
der Gurtbögen zu vermeiden, pflegt man im Occident den Tragepfeilern kreuz- 
förmigen Querschnitt zu geben. Die Byzantiner thaten dies nicht; die benachbarten 
Kanten der Innenleibungen zweier rechtwinkelig aufeinander stossenden Gurtbögen 
laufen bei ihnen mit einer einzigen Ausnahme — in 8 — in einen Punkt zusammen. 
Von den Gurtbogenstirnen bleiben dann unter den Gewölben meistens sichelartige 
Flächen sichtbar. An die Umfassungswände schliessen sich die Innenleibungen 
der Gurtbögen meistens tangential an; selten sind, wie erwähnt, Pfeilervorlagen 
vorgesehen. Endlich sind in Kara gümrük (10) die Bögen aus den Wänden um 
ein Stück vorgekragt. Die Gurtbögen sind grösstentheils zwei Steine, also ein- 
schliesslich der Zwischenfugen 70— 80 cm breit; doch kommen auch solche von 
nur 60 cm (z. B. neben der Fethije 15) vor oder von grösserer Breite, bis zu 
1-3 ])i im Jere batän Serai (5). Gurtbögen sind auch manchmal in die Umfassungs- 
mauern eingelegt: so kann man sie von Aussen am Behälter neben der Nür-i 
Osmanije (23) wahrnehmen, desgleichen in schöner Ausführung in dem unweit 
der Eski-Imaret (14), wo sie zur Ausschmückung der Front herangezogen wurden. 

Au leer. Die Byzantiner haben die Gurtbögen der hier in Rede stehenden 
Räume durch Holzanker versichert. Dieselben waren bei grösseren Räumen um 
so nothwendiger, als die Gewölbe gewöhnlich ohne Schalung gemauert wurden 
und daher vor vollständigem Schluss der Decke allerlei einseitige Schübe auf- 
traten. Die Anker selbst sind heute in den Behältern verschwunden, was bei der 
Vero-äno-lichkeit des Holzes nicht Wunder nehmen kann. In ehemaligen Kirchen 
trifft man aber noch, wie in der Sophia und der Kachrije dschami, solche aus 
Holz, neben anderen aus Metall. Die Ankerlöcher (etwa 150« im Geviert) 
sind natürlich durchweg geblieben. An solche Ankerlöchcr schliessen sich im 
Räume neben der l-"etliije (15) kurze viereckige Sinternihrcn an, welche be- 
wci.sen, dass die AnkerlK'ilzer längere Zeit da gewesen sein müssen; sonst 
hätte sich der Sinter nicht an sie an.setzen kiinncn. l^ic Ankerltlcher liegen in 
Kiimi)feriir.iie, gehen meistens üher den Säulen ganz diiicli und deuten an, d.i.'iS 



129 

jeden Bo^en nur ein einziger Anker zusammenhielt. Doch kommen auch Ab- 
weichungen vor: in der Bin bir direk 6 waren statt eigentlicher Anker drei 
Stempel ' vorhanden, in Böjük Otluktschy 12 sind die Spuren von vier Ankern 
oder Steifen vorhanden, neben der Nischandschy -Moschee 20 ist i-2 m über 
jedem Anker eine wagerechte Steife gewesen. Unter dem höchsten Wasserspiegel 
durfte, um rasche Fäulniss zu vermeiden, natürlich keines dieser Holzstücke liegen. 
Tonnengeivölbc. Die Gurtbögen tragen im Vereine mit den Mauern die 
Decke. Sie besteht durchweg aus Gewölben, in deren Herstellung die Byzantiner 
es zu grosser Geschicklichkeit gebracht haben. Zunächst kannten sie natürlich 
die Tonnengewölbe (Kufengewölbe), führten sie aber meistens freihändig und nur 
ausnahmsweise so aus wie wir, d. h. auf Schalung. Solche Gewölbe sind in dem 
Kjöroghlü sokaghy 22 zu sehen : hier war es vermuthlich der geringe Pfeil, der 
zur Anwendung von Schalbrettern bewog, deren Ränder an Mörtelstreifen noch 
erkennbar sind. Ferner muss in dem Saly Efendi sokaghy i/ das dortige halbkreis- 
förmige Tonnengewölbe mit Stichkappen (d. h. sie durchkreuzenden schmäleren 
Tonnen) theilweise eingeschalt gewesen sein. Doch ist da bereits die Rundung 
so weit als möglich durch vorkragende, wagerechte Ziegel gebildet und sind, um 
den Gebrauch der Schalung einzuschränken, die auf ihnen folgenden Ziegel nicht 
senkrecht zur Leibung, sondern flacher gelegt w'orden. Die Lagerfugen erscheinen 
dort sowohl in den Leibungen der Hauptgewölbe, als auch in denen der Stiche 
wagerecht. Tonnengewölbe mit wagerechten Lagerfugen finden sich auch im 
Unterbau neben der Moschee Mohammeds 18 und an anderen Stellen. Beliebterwaren 
jedoch Anordnungen, bei welchen man freihändig wölben konnte. Das geschah 
am einfachsten, indem man die Lagerfugen nicht mehr wagerecht anordnete, 
sondern gegen den Scheitel des Gewölbes hin ansteigen liess (vgl. den Mittelgang 
im Grundriss und Längenschnitt des Kirchenunterbaues 18). Mit der Bildung 
einer solchen Tonne begann man an einer der Stirnwände und setzte den Bau 
fort, indem man stets neue geneigte Bogen hinzufügte. Jeder Stein eines Bogens 
ruhte, ehe der Bogen fertig war, mit seiner Ineiten Fläche auf dem geschlossenen 
vorhergehenden Bogen. Die dünnen bj'zantinischen Ziegel eigneten sich für diese 
Wölbweise mehr als unsere heutigen ; ^ auch wird man bei solchen Arbeiten 
h3-draulischen Mörtel angewendet oder doch bevorzugt haben. Vollständig auf 
rasch bindenden Mörtel war man angewiesen, wenn man die Tonnen, wie bei 



' Choisy a. a. O., S. \zo. 

■' Im Aiwaz Rfündi sokaghy Nr. <S, neben der Ilcutscisterne 39, ist in einem alten (J.inge 
die .Ausfülnung ohne Rüstung, ausser durch die schräge I.agerfugcnanordnung, noch dadurcli 
erleichtert worden, dass man statt des römischen, einen gothisclien Querschnitt wählte. 

17 



I30 

den MüUer'schen Gewölben, aus lothrechten Bogenscheiben zusammensetzte. Da 
musste jeder Bogen vor seinem Schluss nur mittelst des Mörtels an dem vorher- 
o-ehenden förmlich kleben. ' Im schon genannten Kirchenunterbau scheint der 
o-rosse Bogen vor der Apsis auf diese Weise hergestellt worden zu sein. Dieselben 
Kunstgriffe, wie bei vollkommen halbkreisförmigen Tonnen, können liei solchen 
mit kleinem Pfeile, den sogenannten preussischen Kappen, benutzt werden. 

Flache böhmische Kappen (Platzelgewölbe) können als Tonnengewölbe mit 
kleinem Stich und geschweiften Kämpfer- und Scheitellinien aufgefasst werden. - 
Sie wurden ähnlich wie die Tonnen aus geneigten Bögen zusammengesetzt 
(vgl. 21). Hierbei begann man an einer Schmalseite oder an den beiden gegen- 
überliegenden. Geschah letzteres, so konnte man Einhalt thun, sobald die beiden 
Deckentheile einander nahe gerückt waren und konnte nunmehr der Länge nach 
schwach gekrümmte Bogen schlagen. Wenn man endlich jedem Bogen nach 
der einen Richtung einen solchen nach der hierzu senkrechten folgen Hess, so 
erhielt man schwach geschweifte Fugenvierecke bis zur Vollendung der Kappe 
(drei Gewölbe mit solchen Schlüssen sind unter 21 abgebildet). 

Byzantinische Kappen. Der Aufbau in Lagen von geneigten Steinen ist 
in eigenthümlicher Weise zur Bildung von im Grundriss rechteckigen Gewölben 
benützt worden, welche mit Hilfe von vier Gurtbogen sich nur auf Eckpfeiler 
stützen. Diese Gewölbe mögen der Kürze wegen byzantinische Kappen genannt 
werden. Man verfuhr bei ihrer Herstellung ähnlich wie bei den zuletzt erwähnten 
Platzelgewölben, man fing nämlich am Umfange mit je einer Lage auf jeder 
Seite an, setzte an jede dieser Lagen eine neue an und so fort. Im Grundrisse 
der inneren Leibung Hess man die Lagerfugen ineinander gelegte Rechtecke mit 
parallelen Seiten bilden; thatsächlich sind diese Fugen aber nicht gerade, 
sondern Theile von Kreisen. Die äussersten (vgl. Fig. 24) sind Halbkreise, w eiche 
in lothrechten Ebenen liegen, nach innen fortschreitend stellen sie immer kleinere 
Stücke lothrechter Kreise dar. Sämmtliche Kreismittelpunkte legte man in gleiche 
Höhe, und zwar bilden die Mittelpunkte der Kreisschaaren zwei wagerechte 
Gerade in Kämpferhöhe, welche parallel zu den erwähnten Rechteckseiten sind 
und sich in der lothrechten Mittelachse des zu überwölbenden Raumes recht- 
winkelisr schneiden. \m Grundrisse legte man die Ecken sämmtlicher Rechtecke 
auf die Diagonalen des Hauptviereckes ; dabei hätte man nocli immer ziemlichen 



« Nach Clioisy, Aiin:ilcs iles ponts et cliaussees, 1876, II. suiii., p. .j 10 uiu\ Ait Je b^itir 
cliez les Byzantins, p. 32. 

t Mothes, Baulexiknii I., S. 170 und 396: Aiilaca, Aiik-.i lat., griech. «i'/nm, Yorlianj;, 
es ist die Gestalt eines ;in den I'k-ken aiifi;eli;int;ten Tuelies in unifjekelirter StellimK. 



131 

Spielraum in der Wahl, der diese Diagonalen zum Grundrisse habenden Grat- 
oder Durchdringungslinien der aneinander stossenden Gewölbswangen gehabt. 
Wählte man Halbkreise als Durchdringungslinien, so schmolzen die verschiedenen 
Wangen zu Theilen einer einzigen Kugelschale zusammen und das Gewölbe 
wurde zu einem sogenannten böhmischen Gewölbe oder, mit anderen Worten, zu 
einer Kuppel. Thatsächlich haben die Byzantiner auch böhmische Gewölbe mit 
der erläuterten Fugen- und Ziegelanordnung gebaut. Häufig" haben sie aber, um 
zu sparen, den Gewölbescheitel tiefer angeordnet, nämlich statt halbkreisförmiger 




I 
Fig. 2^. Unvollendete byzantinische Kappe. 



Durchdringungslinien ' Bogenstücke von etwas geringerem Pfeil als Gratlinicn 
gewählt. Bei den so entstehenden Gewölben befindet sicli der gemeinschaftliche 
Mittelpunkt der Gratkreise tiefer als der Kämpfer, und mithin auch tiefer als die 
in Kämpferhöhe befindlichen Mittelpunkte der Lagerfugenkreise. Diese Annahmen 
führten zu sonderbaren Formen. Ahnlich wie bei den Kreuzüe wölben bilden die 



'■ Bei den gewöhnlichen Kreuzgewölben, mit oder ohne Stich, sind dies KUipsenstücke, 
vgl. z. B, Gnttgelreii, Lehrbuch der Hochbau-Constnictionen 1880, I, Seite 157-158. 

17* 



132 

Gratlinien vorspringende Kanten, welche gegen den Scheitel hin immer flauer 
und flauer werden. Wagerechte Schnitte liefern eigenthümliche Curven, welche 
im Grundrisse natürlich in wahrer Gestalt erscheinen (vgl. Fig. 25, in welcher 
acht Curven die Wölbflächen zwischen Kämpfer und Hauptscheitel in neun 
gleich hohe Schichten zerlegen). Endlich gibt ein lothrechter Schnitt durch die 
Scheitel der Lagerfugenkreise parallel zu einer Umfassungswand eine Curve, 
die nur in der Mitte nach oben ausgebaucht ist, an den Enden aber nach 
unten, und die an den Schildflächen nicht abwärts gerichtet ist, wie bei einer 
Kuppel, sondern aufwärts. Am Umfange ist also die Leibung wie umgestülpt. 
Wie die Rechnung ergibt, geht sie hier in eine Kegelfläche über, die ihre 
Spitze in der Mittelachse des zu überwölbenden Raumes in Kämpferhöhe hat. 
Je höher der Gratmittelpunkt liegt, mit anderen Worten, je mehr sich die 




Fig'. 25. Höhenplan der byzantinischen Kappe. 

Gratbögen dem Halbkreise nähern, desto mehr rücken die tiefsten Punkte der 
beiden Scheitellinien gegen den Umfang und desto schmäler werden die umge- 
stülpten Theilc der Leibung. Gelangt endlich der Gratmittelijunkt in Kämjjferhöhe, 
so wird, wie gesagt, die Leibung zur Kugelschale und ist dann überall nach 
oben ausgebaucht. Die Sackung der Scheitellinie sieht nicht gut aus, aber 
Ciioisy, ' welcher das Verdienst hat, sie zuerst erklärt zu haben, hat Recht, 
wenn er sagt, dass sie von sorgfältiger Ausführung zeuge ; sie lindet sich 
beispielsweise besonders ausgeprägt in der Halle in Un-kapän {13), einein der 
schönsten Denkmäler Inzantinischer Ingenieuibaukunst. In der Mehrzahl der 
Fälle hat man, wahrscheinlich vom blossen Fonuengefnlil ohne künstliche Behelfe 



' Art de bätir chcz Ics Hyzantins, p. 50—57 uml .Xnnalcs des ponts et eliaiissees 1S76, 
II. sein., p. 4,13-/146. 



133 

i!;eleitet, die Umstülpung" der Wölbefläche nicht vorgenommen und sich damit 
der Kuppel genähert, ' so dass es oft schwer hält anzugeben, ob man es mit 
genauen Kuppeln zu thun hat oder nicht. Wo daher die Lagerfugen im Grund- 
risse Vierecke bilden und nicht Kreise, sind die Gewölbe in den vorangegangenen 
Beschreibungen als byzantinische Kappen bezeichnet worden. Desgleichen ist 
die Bezeichnung byzantinische Kappe mit dem Zusätze busig für Gewölbe, wie 
jene des Jere batän Serai (5) beibehalten worden, bei welchen die Scheitellinien 
in der Mitte etwas eingesenkt sind, die Bauweise im Übrigen aber mit der eben 
auseinander gesetzten übereinstimmt. Eine andere geringfügige Abw-eichung ist 
die, dass man manchmal aus Schönheitsrücksichten mit den Ziegeln in der 
Scheitelnähe einfache Muster gebildet hat (vgl. Selim- und Kefeli-Behälter 9 und 31). 
In den Abbildungen sind die byzantinischen Kappen durch gestrichelte diagonale 
Linienstücke angedeutet, welche von den Ecken ausgehen, aber nicht bis zur 
Mitte durchgezeichnet worden sind. Bekanntlich ist es üblich, Kreuzgewölbe 
durch Zeichnung der Diagonalen im Grundrisse anzugeben. Da min die Grate 
der byzantinischen Kappen früher verlaufen als die der Kreuzgewölbe, schien 
es passend, bei ihnen die Diagonallinien in der Mitte zu unterbrechen. 

Zum Zwecke einer algebiaischen Erläuterung der bj-zantinischen Kappe sollen (vgl. 
Fig. 26) drei sich rechtwinkelig schneidende Achsen zu Grunde gelegt werden. Die x- und 
die j'-Achse sollen in Kämpferhöhe parallel zu den Seiten des zu überwölbenden Rechteckes 
liegen; ~ bedeutet dann die Höhe eines Punktes über Kämpfer. Mit a, b und c= \ a- + b^ 
sollen die halben Seiten, bezw. die halbe Diagonale des zu überwölbenden Viereckes bezeichnet 
werden, und h bedeute den .\bstand des Diagonal-Krcismittelpunktes vom Kämpfer. 

Dann gelten für den Diagonal-Stichbogen AC die beiden Gleichungen: 

.v2 J^jri ^ (. + ifi) = c' + /(= I 

.V :^ = a:b \ (i) 

Hieraus folgt: 



j- = \^/c2 -|- h-i — .r2 -^ .v: — /; = Y ''^ + ''' — -\ -^^ — ''■ 

Kine Kbenc parallel zur j'f-Ebcne im .Abstände .v, von letzterer sclnieidet den Diagonal- 
kreis in einem Punkte mit den Coordinaten 



^1 , r = J -Vi , r =\/c= -f 10 - ^' -v.« - /( 



und die .v-.Xchsc in einem Punkte 

■V = -Vi ,y = o, 7 = 0. 

1 Bezw. den Kreuzgewölbsn mit Bogenstich vgl. Gottgetreii, a. a. O. S. 162. In der 
sp.itromanischen Zeit hat man den Graten dieses Gewölbes sogar statt der elliptisclien Form 
die des Halbkreises gegeben und wählte man l'ür die Wandhrigen dann ziemlich gedrückte 
Spitzb'igen (siehe ebenda S. 16S); auch im Behälter 15 sind einige Gurten spitzbogig. 



134 



Der FugenUreis, welcher durchwegs die Abscissc .v, besitzt, liat nun seinen Mittelpunkt im 
zweiten der genannten beiden Punkte und muss durch den erstgenannten gehen. Seine 
Gleichung lautet daher : 



r=+7= = ^-^r- 



V^- 



ht .v,5 — h 



(2) 



Lässt man nun x wieder veränderlich sein, so geht (2) in die Gleichung der Wülbflachc über. 
Letztere lautet daher: 



oder 



y + '^ = S •'"' + ( V"" + ''"■ - % ■'" 



Ci 



X2 -|- J'2 -|- -2 = c' -|- 2 /;' — 2 /i V/ C' + h^ j X^ 



(3) 



(4) 




Fig. 26. Gerippe der bj-zantinischen Kappe. 



Setzt man hierin _j' — o, so folgt für die Scheitellinie der Wülbfläche in der .\-^-F,bene 

(5) 



X'-Jf-Jl ^ C2 -\-2/r- — 2/1 \/ C« -|- /l' — -^ .V2 



Die Neigung dieser Scheitellinie zeigt sich bei Differentiation von (5). Es gilt 



-+^jl = ''^ 



as 



Y^"- \- '"-^-' 



(6) 



^T 



Nacli (6) wird ,' imd liiemit die Neigung Null für .v ~ o , d. h. filr den Schnittpunkt der 
d.v 

WOlbflüche mit der y-Achse. Dieser Punkt ist der hiichste der Scheitellinie. Ks wird ferner 



dx 



— o für zwei andere Punkte, welche die tiefsten der Scheilellinie sind, nämlich liir 



135 



]fr. 



J- k'i - - Xi 



oder für 

-±\A'^[2-S]*^ 

In der Schildfiäche AD ist x — a und ," = ^, und wird dL-niiiacli (6) durt zu 



« + 


'Ä 


a 


d.v 


_ 6 


_ 7 



oder zu 

(8) 



Diese Gleicliung bedeutet, dass die Tangente der Sclieitellinie an dtr Scliildfläelie die f-Aclisc, 
d. i die lothrechte Mittelachse des zu ttberwölbäiiden Raumes in der Hohe 1 = 0, d. h. in 
Kämpferhöhe schneidet. 

In (4) ist A-2 -\-y* -\- ^ nichts anderes als r', wenn mit r die Länge des Fahrstrahles 
bezeichnet wird, der vom Coordinatenursprung nach einem Wölbflächenpunkte gezogen wird. 
Schneidet man die Wülbfläche durch eine Ebene, welclie durch die A--Achse geht, so entsteht 
eine Kurve mit der Gleiclumg (vgl. 4) 



r". = cß-^ili^ — lh \ / c« 4- Ä2 '- .v2 



(9) 



Die Differentiation von (9) liefert 

c2 

— -v 
dr _ cfi_ 

An der Schildiläche AD ist x ^ a und nach (9) wird daher dort r = c, so dass (10) übergeht in 

^=:^ = - (II) 

dx a X 

woraus hervorgeht, dass längs des ganzen Schildbogens eine Kegelfläche mit der Spitze im 
Cüordinatenursprunge die Wölbflächo tangential berührt. 

Bei manchen byzantinischen Kappen, welclie an einer Umfassungswand 
Hecken (vgl. Nür-i Osmanije 23, Daje kadyn sokagiiy 25 und insbesondere das 
linke Gewölbe der Fig. 2 von Serai 26), hat man den Eindruck, dass diese 
Wand nachträglich eingefügt worden sei und dass das Gewölbe über diese Mauer 
hinausreicht oder doch früiier hinausreichte. Es ist nicht ganz ausgeschlossen, 
dass dieser Eindruck zuweilen auf Tauschung beruht und der Wölbung will- 
kürlich ein breiteres Rechteck als das thatsächlich zu überdeckende zu Grunde 
gelegt wurde, oliwolil man auch bei der üblieiien Anordnung Rechtecke von 



I3Ö 

beliebiger Schlankiieit mit byzantinischen Kappen überspannen konnte. Bei lang- 
gestreckten Decken kam es ferner vor, dass man nur die Enden als byzantinische 
Kappen, die Mitten aber als Tonnengewölbe ausgeführt hat, wie in dem Daje 
kadyn sokaghy (25) über Felder von 36 ;/; Länge und 17— 2-55 m Breite. 

Von Kuppeln über rechteckigen Räumen gibt es bekanntlich zwei Grund- 
arten ; die eigentlichen, mit hochliegendem Kämpfer und einem Halbmesser gleich 
der halijen \'iereckseite, und die mit tiefliegendem Kämpfer und einem Halbmesser 
gleich der halben Viereckdiagonale. Die erste Kuppelart ist für Gebäude, von 
welchen mächtige Wirkung auf das Auge verlangt wird, sehr geeignet, weil sie 
hohe Räume schafft. Bei den Behältern hatte die Erreichung grosser Höhe 
keinen Zweck und kommen daher die eigentlichen Kuppeln nicht vor. Die Kuppeln 
zweiter Art (auch böhmische Gewölbe, Kugelgewölbe, ' Hängekuppeln genannt) 
sind daeeo-en sehr häufle:. Der Verband der Zwickel, mit welchen sie an den 
Gurten ansetzen, ist des Verputzes wegen heute nur in dem Bodrüm in Kara 
gümru'k (10) erkennbar, wo man die Zwickel einfach durch vorkragen lassen 
wagerechter Ziegel gebildet hat. Der von den Zwickeln eingeschlossene Kreis 
bildet den Kämpfer der Kuppelhaube Die Ziegel der letzteren stellte man nicht 
senkrecht zur hinenleibung, sondern schwächer geneigt; auch wählte man sie 
häufig dünner als die Mauerziegel. Durch beide Massnahmen wollte man das 
Wölben ohne Lehrgerüste erleichtern ; mit Lehrgerüsten gebaute Kuppeln kommen 
nicht \-or. Die Lagerfugen laufen im Allgemeinen nicht (wie im Bible house 30) 
kreisförmig in sich selbst zurück, sondern es ist gewöhnlich eine einzige spiral- 
förmige Lagerfuge vorhanden, die am Kämpfer beginnt und erst am Scheitel 
endigt. Kuppeln mit solcher Windung der Ziegellage, ähnlich der eines Schnecken- 
gehäuses, wurden der Kürze halber im Vorhergehenden Schneckenkuppeln genannt. 
Falls bei dieser .Anordnung der Ziegel stets die letztgelegten, wenn nöthig, 
unterstützt werden, so kann bekanntlicli die Kui)|)cl nicht einstürzen. Bei Kreis- 
fugen sind hingegen vor Schluss jeden Ringes zwei Ringenden vorhanden, 
welche festgehalten w-erden müssen. Eine Unterstützung der Ziegel ist erst bei 
einer gewissen Neigung erforderlich ; ehe dieselbe erreicht ist, hat die gewundene 
Führung der Ziegellage keinen Vorthcil. Man hat daher manchmal auf die Zwickel 
noch eine Reihe geschlossener Kreisringe gelegt und so die zu üljerdeckende 
Grundiläche verkleinert, ehe man mit der eigentlichen Schneckenkuppel begann, 
wie ■/.. B. in Ortatscheschme (19). 

Die l''ii peil sind in den ( lurten und ( lew^iliien aller .Art stets dick, \iclleicht 
im Mittel so diciv wie die Steine selbst. 

I Gottgetreu, L'jIiiImkIi der nochbiii-Cnnstnictiüiitii i.SSo, 1, .S. 19(1, 



137 

Die Innenleibungen der Gewölbe sind meistens ohne Putz, während die 
Gurten oft bis zu einer gewissen Höhe noch verputzt sind. 

Die Gewölbe sind in den wenigsten Fällen von oben stückweise sichtbar; 
ob eine Ubermaiicrung stattgefunden hat oder nicht, ist daher nicht zu sagen. 
Doch lässt sich mit grosser \^'ahrscheinlichkeit von den byzantinischen Kappen 
behaupten, dass man alle jene, in welche keine Thonröhren eingemauert sind, 
wagerecht übermauert hat. Wenn nämlich mehrere Reihen byzantinischer Kappen 
vorhanden sind, so bleiben zwischen den Aussenleibungen über den Säulen tiefe 
Senkungen der Aussenfiäche übrig. In ihnen sammelte sich, ehe man Häuser 
über den alten Überresten baute, oder sammelt sich noch das Regen- und Schnee- 
wasser. In einigen Behältern mit byzantinischen Kappen (bei der Moschee Selims 9, 
in Un-kapän 13, bei der Pantokrator 16 und nach Kuppas auch bei der Nür-i 
Osmanije 23) sind daher in jedem Felde vier Thonröhren von etwa 5 — 8 cm 
Weite eingemauert, deren Zweck offenbar die Entwässerung der erwähnten 
Senkungen gewesen sein muss ; mit ihrer Hilfe vermied man die für den Bestand 
des Gewölbemauerwerkes nachtheüige Auslaugung der Fugen und Durchtränkung 
der Ziegel einerseits und führte man andererseits etwas Wasser dem Behälter- 
inhake zu. Wo die Thonröhren fehlen, wurde wohl die Decke wagerecht durch 
Füllmauerwerk abgeglichen. In einem Falle (Serai-Garten 29) war eine Bruchstein- 
übermauerung in Folge Einsturzes einer Säule und eines Gewölbestückes von 
unten zu sehen, in einem zweiten (Jere batän Serai 5) wird eine Abdeckung 
mit Marmorplatten wenigstens von den Umwohnern behauptet. Über der Abdeckung 
endlich ist, wie es scheint, in vielen Fällen Erde gelegen, aber nicht immer. Einige 
Hallen mit freier Fronte, wie die bei der Moschee Selims (9), die in Un-kapän (13) 
und die unweit der Eski Imaret (14), sind schwerlich mit Erde bedeckt gewesen. 
In (13) sind sogar in allen Feldern in den Gewölben viereckige Luken vorhanden, 
welche allerdings auch späteren Ursprunges sein könnten. A'iele runde oder unregel- 
mässige Üftnungen in den Decken anderer Säulenhallen sind ja sicher nach- 
träglich ausgebrochen, meistens um das Innere besser zu erleuchten. 

Zugang, Zu- und Ableitung, Brunnen. Durchbrechungen der Mauern 
unter dem alten Wasserstande waren, als die Hallenbehälter ihre ursprüngliche 
Bestimmung noch erfüllten, natürlich ausgeschlossen. Dagegen machte man über 
Wasser Tliüren in den Wänden, falls man sich nicht begnügte, nur durch irgend 
ein Fenster den Eintritt zu ermöglichen. 

Die Tre])pen erhielten Haustein- oder Ziegelstufen und steilere Neigimg 
(bis zu 45") als man heute für zulässig erachtet. Sie wurden massiv empor- 
gemauert (z. B. im Jere batän Serai 5) oder durch Bögen unterstützt (z. B. neben 



der Moschee Selims 9, in Kara gümrl'ik 10). Die Annahme, dass die Trejipen 
zur Wasserentnahme benützt wurden, liegt nahe. Nimmt man an, dass ein Arbeiter 
nichts anderes zu thun hatte, als das Wasser in Gefässe zu füllen und 6 m hoch 
über den Wasserspiegel emporzuschaffen, so vermochte er im Tag etwa 20 cbm 
und daher in 150 Arbeitstagen, d. i. in einem halben Jahre etwa 3000 cbm zu 
heben. War also ein Behälter zu einer bestimmten Zeit gefüllt, wurde dann der 
Zufluss abgesperrt und sollte der Inhalt für ein Halbjahr ausreichen, so musste 
man für je 3000 cbm einen Arbeiter zur Bedienung anstellen. Ein einziger 
Arbeiter genügte daher nur für die kleinen, fast sämmtlich ursprünglich treppen- 
losen Räume 14—39, ferner zur Noth für die Halle bei Selims Moschee (9), in 
Kara gümn'ik (10) und in Psamatia (11), keinesfalls aber für 5, 6, 7, 8, 12 und 13 
oder gar für die offenen Teiche l — 4 und A. Von den letztgenannten Hallen hat 
blos das Jere batän Serai {5), bei welchem die Abflussleitung noch erhalten ist, 
eine breitere Treppe, während in 6, 7, 8, 12 und 13 keine Zugänge, welche 
mehreren Arbeitern Platz bieten, erhalten sind, auch zeigt die schmale und 
steile Treppe in Un-kapän (13) nicht Spuren häufiger Benützung. Treppen haben 
daher nur selten, wie vielleicht in 21, zum Wasserholen gedient. 

In einigen Unterbauten (Sophienkirche, Kachrije35, Anemas-Thurm 38, Aiwäz- 
Efendi sokaghy 39, auch wohl Daje kadyn sokaghy 25 und Sulü Serai 40) sind 
in der Decke alte Öffnungen vorhanden, durch welche man aus den über- 
liegenden Räumen Kübel herablassen konnte. In ähnlicher Weise hat man wahr- 
scheinlich in den Kirchen 18, 34, 36 und aus den ehemals nicht überbauten Be- 
hältern 6, 7, 10, 13, 15, 16, 29, 32, deren Gewölbe durchlocht sind, geschöpft. 

In der Nähe der Sohle eingemauerte Wasserablaufröhren konnten (und zwar 
zwei) im Anemas-Thurm (38) entdeckt werden. Auch geht, wie gesagt, vom Jere 
batän Serai (5) eine Leitung aus, die noch in Benützung steht und muss auch 
von Ortatscheschme (19) eine Leitung ausgehen, deren Alter mir aber unbekannt 
ist. Endlich hat Andreossy den Ablauf des Raumes 11 unter dem Fussboden der 
benachbarten Ajasma bemerkt. Andere Überbleibsel alter Abläufe waren nicht 
zu finden ; allerdings liegen in Folge des Schuttes nur wenige Mauern (z. B. neben 
der Moschee Selims 9, in Kara gümrük 10) bis unten frei. 

Übrigens kannten die Alten bereits dcnHeljer; wenn die Byzantiner daher 
auch die Möglichkeit hatten, das Wasser, falls es nicht tiefer lag als die umliegenden 
Bodenfiächen, durch Heberschläuchc zu entnehmen, so wird die \'er\\endung des 
Hebers doch nur ausnahmsweise stattgefunden haben. 

Die Zulaufröhren wurden wahrscheinlich ungefähr in die Htihe des hiichsten 
zulässigen Wasserspiegels oder höher gelegt und man könnte daher erwarten, 



dass sie in der grossen Mehrzahl aufzufinden seien. Sie sind jedoch seltsamer 
Weise nur nachgewiesen in 5 (angeblich ein gemauertes Siel), 13 (desgleichen), 
23 (Thonrohr), 26 (viereckiges Loch in einer Nische), 34 (Steinrohr), 39 (Thon- 
rohr) und vielleicht 19, sowie nach Andreossy in II, wo heute nichts mehr zu 
bemerken ist und nach Paluka in 21 (steinerner Wasserspeier) und 40. Dass 
auch die in einigen Gewölben eingemauerten Thonröhren zur W^asserzuführung 
herangezogen wurden, ist schon oben angedeutet. Heute würde man über diese 
Thonröhren, d. h. über den Behältergewölben unter Umständen Sandfilter anlegen, 
wie sie die Venezianer schon viele Jahrhunderte benützen. Obwohl man nun in 
den Cisternen durch die engen Thonröhren das Tageslicht nicht erblickt, dieselben 
also heute irgendwie bedeckt sein müssen, ist es doch nicht wahrscheinlich, dass 
die B3-zantiner solche Filter zur Reinigung des Wassers errichteten , da die einge- 
mauerten Thonröhren nur bei einigen älteren (9, 13, 16, 23) und nicht mehr bei 
späteren Cisternen vorkommen. Auch die Spuren alter Benützung, nämlich vom 
Wasserspiegel abgesetzte Linien, sind nur selten (in 20, 21, 30 und 34) bemerk- 
bar. In 21 sind am Schafte einer Säule in ungleichen Abständen Striche ein- 
gemeisselt, welche wohl einen Pegel zur Ablesung des Wasserstandes bildeten. 
Jeder dritte Strich ist mit einem Buchstaben bezeichnet. Kuppas ' sagt vermuthlich 
mit Recht, dass ähnliche Zeichen angeben sollten, bis zu welcher Höhe ein 
Eigenthümer seinen Behälter aus einer öffentlichen Leitung speisen durfte. 

Das Jere batän Serai (5) und die Halle in Ortatscheschme (19) sind noch 
oder wieder in Benützung; auch im Serai-Garten (26 und 29), im Lökündschi 
sokaghy (32) und neben der Nischandschy (20) werden geringe Wassermengen 
aufgespeichert. Andere Räume haben ihre alte Bestimmung insoferne nicht ganz 
verloren, als in ihnen das Regenwasser, auch wohl etwas Ouellwasser umliegender 
Grundstücke gesammelt und Brunnen zugeführt wird, welche im Inneren der 
Cisternen im eingedrungenen Schlamm und Schutt niedergebracht wurden. Zeigten 
sich ähnliche Brunnen unergiebig, so hat man sie oft, die alten Fussböden durch- 
stossend, bis in den gewachsenen Felsen abgeteuft und zieht nun das Wasser 
durch die trockenen Cisternen hindurch in die über ihnen errichteten Häuser. 
Hier ist auch die Äusserung von Kuppas '■' anzuführen, dass die Byzantiner, 
»weil langes Verweilen des Regenwassers in den Privatcisternen Fäulniss hervor- 
rief, gewöhnlich an einer der Grundmauerseiten einen Brunnen gruben, bis sie 
auf eine Lage Wasser kamen, so dass das Durchsickern des Brunnenwassers 
durch die Dicke der Mauer die Zersetzung des Regenwassers hinderte«. Ob 



1 a. a. O. o. 50. 
J a. a. O. o. 50. 

i8* 



140 

hiermit gemeint ist, dass Brunnen im Inneren der Cisternen im Verein mit den 
Schlammmassen eine Art Filterung des Regenwassers bewirken sollten, oder nur, 
dass Brunnenwasser aus ausserhalb o-elegenen Brunnen dem Regenwasser vor- 
gezogen wurde, ist zweifelhaft. 

Inhalt. Die Gesammtzahl der gemessenen offenen Behälter beträgt fünf; sie 
bedecken 92.000 qin, von welchen 83.000 qm innerhalb der Mauern der Stadt 
benutzbar waren und etwa 860.000 c^;« Wasser aufnehmen konnten. Da Stambul 
etwa 10.000 cbm im Tage bezog, konnten diese Weiher allein den Bedarf von 
fast drei Monaten aufnehmen. Geringer, aber doch noch sehr bedeutend, zeigte 
sich der Inhalt der 34 gemessenen gedeckten Behälter, welche ungefähr 2\.~oo qm 
Fläche umschliessen. 



Nr. der 
Abbildung 



Benennuns: des Behälters 



Länge 
in Meter 



Breite 
in Meter 



Flächeninhalt 
I in nMeter 



I 
2 
3 
4 
A 



9 

IG 

II 
12 
13 
14 
15 
16 

'7 
18 

19 
20 
21 



I. Offene Behältei. 

Tschukür bostän Exi Marmara 

» ;> Selim 

» » Kara gümri'ik 

Filchanc 

Sarrädschchanii 

II. Überwölbte Behälter. 

Jerc batän Serai ■ 

Bin bir direk 

Bodri'im ' 

Eschrefije sokaghy 

am Tschukür bostan bei Sultan Sclim . . . 

Kara gümiük 

Mirachör dschami 

Bijjük Otluktschv jokusclu'i 

Un-kapän 

Unweit der Eski-Imarct 

Fethijii 

Kilisc dschami 

.Saly Efcndi sokagliy 

Mchmedje 

Ortat.scheschmü 

Niscliandschy dschami 

Mcngcnü sokaghy 



170 

152 
244 
127 

154 

141 

64 

28 

21-2 

29-1 
29 

26-4 
26-8 
50 
19 

2r6 
28-1 
23' 6 
17-65 

14-05 
II-6 

1I-3 



147 
152 

85 

76 

90 

73 
56-4 

22-2 
57 
25 
187 
17-2 
186 
21 

16 
8-1 
6-8 

11-4 

12-2 

7-9 

11-45 

11-8 

(■'•5 



24.990 
2.VT04 
20.740 
9.652 
13,860 

10.293 
3.610 

742 
1.063 
544 
499 
491 

563 
800 

154 
147 
320 

288 

1.^9 
161 

137 
73 



141 



Nr. der | 
Abbildung! 



Benennuno; des Behälters 



23 
24 
25 
26 
28 
29 
30 
31 
32 
33 
34 
35 
36 

37 
3S 
39 
40 



Kjöroghlü sokaghy 

Nür-i Osmanije 

Adscliv Muslük sokaghy 

Daje kadyn sokagh<- 

Serai I 

Agha jokuschü 

Serai II 

Bible house 

Kefeh dschami 

Lökündschi sokaghy 

So'ük tscheschme 

Unter der Eski-Imaret dschami 

Kalirije 

Chodscha Mustafei Pascha dschami 

Merdschän jokuschü , 

Anemas-Thurm 

Aiwäz Eföndi sokaghy 

Suh'i Serai 



Länge 
in Meter 



27-15 

I2-S 

205 
12-2 
19' 2 

7-8 
7-2 
97 

14-9 
15-3 

9-2 
14-6 

6-1 

9-5 

8-3 

22-3 



Breite 
in Meter 



5-8 
8-5 

10-85 

7-3 
6-3 

7-4 

72 

47 
58 

8 
3-6 

31 

4 

3-4 

4 

5 

5 



Flächeninhalt 
in □ Meter 



87 
231 

? 

139 
150 

77 
142 

56 

34 

56 
200 ? 
119 

55 
29 

79 

38 

42 

1 12 



Die Höhen der Wasserstände sind zwar nicht genau bekannt, doch darf 
man beim Jere batän Serai vielleicht 8 m, bei der Bin bir direk 12 m und sonst 
durchschnittlich 4;« rechnen; man erhält so als Inhalt für 

das Jere batän Serai = 10.300 X 8 = 82.400 
die Bin bir direk = 3.600 X 12 ^ 43-200 
die kleinen Behälter = 7.800 X 4 = 3I-200 



oder zusammen 156.800 cbm, entsprechend 
etwa 153.000 cbm nach Abzu^^ des von den Säulen eingenommenen Raumes. Mit 
diesem überwölbten Wasserraum übertrifft das alte Byzanz die meisten Städte 
der Neuzeit und auch das alte Rom blieb, trotz der Million ' Kubikmeter Wasser, 
welche täglich in die Hauptstadt der Welt flössen, mit seinen Behältern weit 
hinter seiner Nachfolgerin am Bosphorus zurück. Alexandria freilich, welches 
von einem Seitenarme des Nils zur Überschwemmungszeit seinen Vorrath für's 
ganze Jahr geliefert erhielt, hatte viele hundert Behälter, deren zwar keiner so 



' So Beigrand: a. a. O. .S. 98, welcher mit trittigen Gründen der häutigen Annahme 
von 1,500.000 cbm widerspricht. 



142 

gross wie das Jere batän Serai oder die Bin bir dirck war, die aber zusammen 
mehr Inhalt hatten als die gedeckten Cisternen von Byzanz. Im Jahre 1883 
wurde eine Statistik ' der Wasserversorgung im Deutschen Reiche verüüt'entlicht ; 
wenn auch seitdem viele neue Behälter entstanden sind, so können die Zahlen 
von 1883 doch recht wohl zum Vergleiche herangezogen werden. 



Name 


Einwohnerzahl ' ^"^^^'^ '^^^ S^' 

!'■ mauerten Behälter 
im Jahre 1883. , 


Mittlere tägliche 

Wasserabgabe 

cbm 


Berlin 


1,122.000 

230.000 

220.000 

737.000 

7 23.000 

98.000 

95.000 

116.000 


45-.SOO 
37-500 
20 000 
24500 
70.900 
73.000 
3.700 
3.500 


60.300 

75.200 
? 

7.300 
1 1.000 

8.700 
.S.70O 

1 


München 

Dresden 

Frankfurt a. M 

Hannover 

Mairdeburo" 


Düsseldorf 

Altona mit Vororten .... 



Ein Blick auf vorstehende Zahlenreihe lehrt, dass in deutschen Städten 
auch bei vielfach grösserem Zuflüsse durchaus nicht so bedeutende Wasser7nengen 
aufgespeichert werden, wie ehemals in Byzanz, und dass besondere Gründe 
vorgelegen haben tnüssen, so viele Säulenhallen zur Wasseraufnah7ne herzustellen. 
Nur die Wiener Hochquellenleitung '' hatte itu Jahre 1889 bereits einen Fassungs- 
raum von 170.000 cbm aufzuweisen, welcher nach einetn Gemeinderaths-Beschlusse 
vom Jahre 1886 sogar bis auf 240.000 cbm vergrössert werdeti soll, zum Behufe 
der Sammlung eines W^asservorrathes für die Zeit geringeren Zuflusses und für 
die Dauer von Ausbesserungen an den Aquäducten. 

U7n de7i Zweck der verschiedenen Anlagen in Konstantinopcl richtig zu 
beurtheilen, ist nun zunächst die Kenntniss ihrer Entstehungszeiten nöthig. Wie 
Strzygowski im historischen Tlieil nachweist, entstanden von den noch ei^- 
haltenen Bauwerken innerhalb der Stadt77iauern die oftencn Teiche (A, 2, 3, i) etwa 
zwischen 368 ui7d 518 imd die grossen Hallenbehälter im Eschrciije sokaghy (8), 
bei Sultan Selim (9), Bi7i liir dirck (6), Jere batdn Serai {5) zwischen 421 und 565. 
Zu I''nde der Regierunijszeit Ju.stiiiian's (^(1$) war der Fassungsfau7ii, wenn auch 



' Grahn: Die .^rt der Wassetversorgunp; der Städte des Deulselien Keielies, Münclien 
und Leipzig 1883. 

= Wiiclicnschrift des üsterreichiseiieii In;;enieur- und Areliiteliten -Vereines, Wien 7S9O, S. 58. 



143 

nicht die Zahl der heute sichtbaren Behalter fast erreicht, während von den 
Aquäducten nur der des Valens, der des Justinian und die Grundmauern des 
krummen Aquäductes auf oder vor die Zeit Justinian's zurückgeführt werden 
können und keine Reste heute unbenutzter Aquäducte in der Stadtnahe liegen. 
Man kann hieraus schliessen, dass die Wassermenge, welche nach Konstanti- 
nopel floss, im \'l. Jahrhundert wahrscheinlich kleiner war als zu Anfang des 
jetzigen. Mit ihr mag etwas Wasser vereinigt worden sein, welches innerhalb 
der Stadtmauern niederfiel. Nun wird das Wasser oft schlammig gewesen sein, 
gibt es doch wenige Quellen, die sich nicht einige Male im Jahre nach Regen- 
güssen trüben, so dass z. B. Rom ' nur eine einzige von fortwährender 
Lauterkeit, die der Mrgo, besitzt, und bezog doch Byzanz nicht nur Ouellwasser, 
sondern das noch viel häufiger getrübte Wasser von Bächen, ja vielleicht selbst 
von Gossen. Ferner setzen sich in stehendem Wasser nur die groben Bestandtheile 
rasch ab, während die fein vertheilten Lehmtheilchen, welche das Auge noch an der 
Färbung erkennt, wenn sie sich der chemischen Analyse ihrer geringen Menge 
wegen bereits entziehen. Tage, Wochen, ja Monate lang schweben bleiben; aber den- 
noch wird man in einer südlichen Stadt wie Byzanz das Waser nicht durch monate- 
lange Lagerung geklärt haben, weil deren Nachtheile — die Erwärmung, die 
Entwickelung einer niedrigen Flora und Fauna, die Verdunstung — die Vortheile * 
überwogen hätten. Waren die römischen Piscinen für ihren Reinigungszvveck 
zu klein — das Wasser blieb in ihnen höchstens stundenweise ' — so wären 
die byzantinischen Behäker für den gleichen Zweck zu gross gewesen. Die 
ältesten Behälter in Konstantinopel, die otfenen Teiche , hatten demnach die 
Aufgabe der heutigen ausserhalb der Stadt gelegenen Stauweiher zu erfüllen, 
nämlich die Winterniederschläge und die Fluthmassen plötzlicher Güsse für die 
trockene Jahreszeit aufzuspeichern. Aus der Anlage der Teiche innerhalb der 
Stadt könnte man folgern, dass sich auch das Regen- und Ouellgebiet der Teiche 
in deren Weichbild befand. Bedenkt man aber, dass von den in Konstantinopel 
im Mittel jährlich fallenden 72 cm Regen überhaupt nur etwa ein Drittel abgeleitet 
werden kann, weil das Übrige sofort wieder verdunstet oder versickert, dass 
demnach die 10 — 12 m tiefen Teiche Regengebiete von mindestens 40 — fotachem 



' Beigrand, a. a. O. S. 23. 

= Der Äusserung von Kuppas (a. a. O. S. 50), dass das Wasser der gedeckten Behälter 
aus den zum Zwecke der Kiäning hergestellten höher liegenden Teichen stammte, kann 
entgegengehalten werden, dass nach ihr erstere überflüssig gewesen wären und sie also mit 
der Reihenfolge der Erbauung nicht im Einklänge steht. 

• Beigrand, a. a. O. S. Z2. 



144 

Flächeninhalt benöthigten, so erkennt man, dass die Hochflächen, welche die auf 
Hügelrücken gelegenen Teiche umgeben, zu deren Speisung nicht genügen 
konnten, deren Wasser also ganz oder theilweise vom Lande zugeführt werden 
musste. Die schon erwähnten Nachtheile einer langen Aufbewahrung unter freiem 
Himmel, zu denen noch die Leichtigkeit einer Verunreinigung in den bewohnten 
Vierteln kam, führte zum Bau der geschlossenen Behälter, und Prokop berichtet 
ausdrücklich, dass Justinian (527 — 565) behufs Aufspeicherung für den trockenen 
Sommer die Cisterna basilica (siehe unten die historische Besprechung des 
Jere batän Serai 5) herstellen liess. Bei dieser Versorgungsweise ohne Stauweiher 
am L^rsprunge der Leitungen müssten die Aquäducte, wenn man nicht viel 
Wasser unbenutzt lassen wollte, im Stande gewesen sein , nicht die durch- 
schnittliche Verbrauchsmenge, sondern auch die bei starken Güssen niederfaOende 
Menge fortzuführen. Das waren sie nun offenbar nicht, wie man sich leicht ver- 
gegenwärtigen kann, wenn man sich das schmale Gerinne am Vertheiler von 
Egri-Kapü vorstellt, welches heute bis zu 7200 cbm im Tage, das ist nur 83 Liter 
in einer Secunde nach Stambul bringt, und daneben einen W^aldbach nach einem 
kräftigen Gewitter. LTm alles Wasser zu fassen, hätte man ein kleines Flussbett 
und nicht ein Rinnsal von 60 cm Weite über die Bögen des Justinian -Aquäductes 
legen müssen. Man hat daher später, wie in der Einleitung erwähnt, vermuthlich 
unter Manuel Komnenus (1143 — 1180), die Sammelstellen aus der Stadt in die 
Wälder zu verlegen begonnen, dort, wie es scheint, auch zunächst an einer 
Überwölbung festgehalten und erst noch später, der Kosten wegen, bei grösserer 
Ausdehnung der Sammelbecken des Waldgebietes auf deren Eindeckung verzichtet, 
das beisst Thalsperren gebaut. Damals waren zu gewöhnlichen Zeiten alle offenen 
Stadtteiche schon überflüssig und nur falls Erdbeben die Aquäducte zerstörten 
oder wenn Feindeshand den Wasserzulauf absperrte, konnten sie wichtige Dienste 
leisten, während die geschlossenen Hallen immer noch den Vortheil boten, dass 
man sie im Winter füllen konnte und ihr \\'asscr dann kühler blieb als das der 
Stauweiher bei Pyrgos. Dieser Wunsch, sich kleine Mengen kalten Trinkwassers 
zu sichern, mag neben der Rücksicht auf Belagerungen und Fcuersgetahr zu der 
Sitte geführt haben, viele öftentliche Gebäude, Paläste und dergleichen mit Wasser- 
kellern auszustatten. Endlich darf nicht vergessen werden, dass niclit alle in die 
Stadt geleiteten Qi-iellen Stauweiher ausserhalb der Stadl erhielten, für einige 
daher Sammelbehälter innerhalb der Mauern vonWertli Miilicn, und dass manche 
der kleinsten Behälter nur oder haujitsächlich mit Walser aus den lienachbartcn 
Grundstücken versorgt wurden. 



Untersuchungen. 



Historischer Theil. 

(Von Josef Strzj'gowski.) 

Wir haben die Wasserbehälter von Konstantinopel im Katalog einzeln 
aufgezälilt und dann nach ihrer technischen Ausführung betrachtet. Dabei wurde, 
um Verwirrungen auszuschliessen, jeder historische Bezug bei Seite gelassen. 
Nunmehr treten wir vor die Masse der litterarischen Überlieferung, prüfen, was 
sich daraus etwa für die Topographie der Stadt und die Entstehungszeit der 
Cistemen ergibt und benützen dann die Resultate in einem zweiten Abschnitte, 
um die erhaltenen Denkmäler nach der Entwicklung ihrer Kunstformen zu unter- 
suchen. 

Es ist bekannt, dass die einst der ganzen Levante, ja während der dunkelsten 
Jahrhunderte des Mittelalters auch dem Occident voranleuchtende Stadt des 
grossen Konstantin der \'erwüstung in furchtbarster Weise anheimgefallen ist. 
Ausser den Mauern, einigen Kirchen, Säulenresten und Theilen des Hippodroms 
ist von der alten byzantinischen Stadt Alles dem Erdboden gleichgemacht worden. 
Wie eine Tünche über altersgrauen, halb zerstörten Malereien, so breitet sich 
heute über den Spuren der alten Polis das türkische Stambul aus. Es ist daher 
begreiflich, wenn die Meinung verbreitet ist, »dass man die Spuren dereinstigen 
byzantinischen Hauptstadt und namentlich die Denkmäler byzantinischer Kunst 
hier vielleicht am wenigsten suchen darf« . ' 

Dass diese Behauptung übertrieben ist und so nur Jemand schreiben konnte, 
der Stambul nicht aus eigener Anschauung kannte, soll diese und werden 
andere Arbeiten über byzantinische Denkmäler beweisen. ' Noch ist eine grosse 
Anzahl byzantinischer Kunstreste erhalten, man muss nur die Mühe nicht scheuen, 



' Unger hei Ersch und Gruber Bd. 85, S. 23 ff. 

' Vgl. meine Aufsätze in der 2 Byzantinischen Zeitschrift«, Bd. I, im Jahrbuch des kais. 
deutschen archäologischen Instituts 1893, im Jahrbuch der kgl. preussischen Kunstsammlungen 1893 
und a. O. (Byzantinische Denkmäler, Bd. I, Vorwort). 

19 



146 

sie in ihren Verstecken aufzusuchen. Und grossartige Schätze, antike sowohl, wie 
vor Allem byzantinische, lassen sich erwarten, wenn der Boden einst seinen Schooss 
aufthut und man durch Ausgrabungen auf die älteren Culturschichten dringen 
wird. Inzwischen müssen wir den Türken noch dankbar sein, dass sie die Tünche 
auf dem alten Byzanz ungestört ruhen lassen und nicht durch willkürliche 
Restaurationen den authentischen Charakter des Überlieferten zerstören. 

Während die oberirdischen Bauwerke zum grössten Theile verschwunden 
sind, waren die Cisternen der Zerstörung weniger ausgesetzt. So lange sie Wasser 
lieferten, hat man sie sogar gewiss vor Beschädigungen bewahrt. Aber man that 
nichts dafür, den Zufluss desselben und den Fassungsraum des Behälters durch 
regelmässige Reinigung frei zu erhalten. Die Cisternen verschlammten, das Wasser 
blieb aus und man gewöhnte sich daran, dasselbe auf andere Art zu beschaffen. 
Die offenen Behälter wurden so zu fruchtbaren Gemüsegärten, die geschlossenen 
geriethen in Vergessenheit. Fand man nachträglich zufällig einen, so benützte man 
ihn als Arbeitsraum für Spinner, als Keller oder Cloake. Zerstört konnte er in 
den meisten Fällen nicht werden, weil über ihm Bauten oder Gärten lagen. So 
kommt es, dass sich im Allgemeinen a priori annehmen lässt, dass ein grosser Theil 
der byzantinischen gedeckten Wasserbehälter bis auf den heutigen Tag erhalten 
sein dürfte. Eine andere Frage ist es, wie schon oben erwähnt, ob den Verfassern 
auch alle noch erhaltenen Behälter bekannt geworden sind. Eine Stichprobe dafür 
mag die nachfolgende Untersuchung der litterarischen Quellen geben, mit welcher 
der Versuch verbunden werden soll, die historischen Namen, soweit sich dies 
ohne Zwang thun lässt, mit den uns bekannten Cisternen zu verbinden. Es wird 
sich dabei bald zeigen, ob die Zahl der litterarisch bekannten oder umgekehrt 
die der erhaltenen Cisternen grösser ist, ferner ob sich beide Reihen decken 
oder wir nur zufällig einzelne Glieder derselben kennen. 



A. Die litterarische Überlieferune. 

TOPOGRAPHISCHE STREIFZÜGE. 

Die byzantinischen Schriftsteller nennen die Behälter cisterna, xivazsp\^r^, 
ds^afisviTj oder doyscov udazo^, iluzpov und ähnlich. Oder sie lassen die Bezeichnung 
der Gattung ganz weg und setzen den Artikel mit dem Namen der Cisterne 
z. B. !j yriAöcsvoc, /f Buvivj, tj Toü 'Aairio'j d. h. ij ipcXv^svo; xv^azspv^, ij X'.voTipvrj 
Bövou, i] xtvaTspvTj zuv 'Aatzioit. Diese Namen sind nicht allezeit die gleichen 
geblieben: im Laufe der mehr als looo Jahre des Bestandes der byzantinischen 
Stadt haben sich die älteren, nach den Gründern gegebenen Namen zum Theil 
verloren und es sind in einigen nachweisbaren Fällen Ortsnamen getreten. So 
bezeichnet man im 15. Jahrhundert die Cisterne des Aetios nach der dabei 
liegenden Kirche S. Johannes in Petra. Der Knäuel der Überlieferung wird noch 
verworrener dadurch, dass wir aus keiner Zeit zwischen 330 und 1453 eine ver- 
lässliche und vollständige Aufzählung der Cistemennamen besitzen. 

Das Regionenverzeichniss aus der Zeit Theodosius II. führt drei Cisternen 
beim Namen an und zwar unter »continet in se« die cisterna Theodosiaca 
in der 5. und die cisterna Arcadiaca und Modestiaca in der 11. Region. Dass 
damit nicht alle damals bestehenden Behälter genannt sein können, beweist 
die am Schlüsse des Verzeichnisses stehende Collectio civitatis, welche cistemas 
quattuor aufführt. Es bleibt also zweifelliaft, wie die vierte Cisterne geheissen 
und in welcher Region sie gelegen habe. 

Die Patria von Konstantinopel wieder, von denen wir eine Redaction des 
II. und eine andere des 15. Jahrhunderts besitzen, nennen im Ganzen sieben 
Cisternen, geben aber über deren Lage so gut wie gar keine directe Auskunft. 
Die von dem Regionenverzeichniss genannten Namen kommen darunter nicht vor. 
Der Anonymus des Banduri, d. i. die Redaction des 11. Jahrhunderts führt in 
seiner topographischen Beschreibung nur einen Behälter an und stellt die anderen 
erst am Schluss ausser aller örtlichen Verbindung zusammen. Es ist a priori 
wahrscheinlich, dass er dabei nur die grössten Objecte berücksichtigte und von 
einer Vollständigkeit der Aufzählung nicht die Rede sein könne. Codinus, die 

IQ* 



148 

Redaction des 15. Jahrhunderts, hat bekanntlich die topographische Ordnung 
ganz aufgelöst und gibt im Detail bald mehr, bald weniger als der Anonyinus, 
mit dem er im Grossen und Ganzen übereinstimmt. Da die Patria sich in ihren 
historischen Theilen als auf guten alten Quellen fussend darstellen, so wird es 
nicht Wunder nehmen, wenn wir ihre Angaben öfter durch ältere Schriftsteller, 
wie durch die Osterchronik und Theophanes bestätigt finden. 

Der dritte Gewährsmann über die Topographie Konstantinopels vor der 
türkischen Eroberung, der Italiener Buondelmonti, welcher sein liber insularum 
Archipelagi im Jahre 1422 veröffentlichte, führt im Ganzen acht, ihm wahrscheinlich 
auf einem Rundgange durch die Stadt gezeigte oder genannte Cisternen auf, 
die er nach den nächstgelegenen Monumentalbauten benennt und die daher dem 
Namen nach weder vom Regionenverzeichnisse, noch von den Patria erwähnt 
sind, weil diese ihre Namen zumeist noch von den Erbauern hergenommen haben. 

Soviel hier zur Orientirung über die Quellen. Ihre Kritik wird oft genug 
gelegentlich der Einzeluntersuchungen erfolgen. Man findet dieselben nach den 
Cisternennamen geordnet übersichtlich zusammengestellt bei Ducange in der 
Constantinopolis christiana I, cap. XXVIII (I, p. 95 ff). Ducange verzichtete, da 
er Konstantinopel nie gesehen hatte, auf jede praktische Verwerthung seiner 
CoUectaneen, obwohl schon Gyllius den Versuch gemacht hatte, den ihm bekannt 
gewordenen Behältern, wenigstens den grösseren, die historischen Namen zu 
geben. Die Bezeichnungen des Gyllius sind von den Neueren festgehalten worden ; 
was dazu kam, ist zumeist falsch. In die moderne Litteratur sind direct die Angaben 
Hammer's im LVII. Capitel (I, S. 552 ff.) seines Buches -Constantinopolis und 
der Bosporos< übergegangen. Eine Zusammenstellung in der Art des Ducange 
bei Unger in den Quellen der byzantinischen Kunstgeschichte, S. 198 ff., ist ohne 
Werth, weil Unger sich weder im Material zurechtfand, noch selbst in Konstan- 
tinopel gewesen war und von seinem Gewährsmann Hammer auch nicht viel 
zu entnehmen fand. Ausserdem hat er alle bei Kirchen, Palästen und anderen 
öffentlichen Gebäuden gelegenen Behälter weggelassen und deren Vorführung 
für spätere Abschnitte seines leider nur bis zu dem einen Bande gediehenen 
Werkes verschoben. 

So stand ich denn tjeim Herantreten an diese Arbeit vor einer recht unge- 
.sichteten Masse von Material. Zunächst mussten auch hier im historischen Theile 
die beiden Gruppen der offenen und gedeckten Teiche festgehalten werden, 
wenn auch in den litterarischen Quellen nur in zwei Fällen ausdrücklich von 
gedeckten Cisternen die Rede ist und die Art sonst, wenn nicht indircctc Nach- 
richten Aufschluss geben, stets zweifelliaft bleiljt. Die Anordnung innerhalb dieser 



149 

beiden Gruppen ist so viel als möglich chronologisch, doch wird man gleich am 
Beginne der Besprechung der offenen Weiher eine Abweichung von diesem 
Princip beobachten, weil ich um der Klarheit willen vom Regionenverzeichnisse 
ausgehen musste. 

Die byzantinischen Autoren sind nach dem Bonner Corpus citirt, Theophanes 
auch nach de Boor. Für den Anon3mus der Patria-Redaction des ii. Jahr- 
hunderts ist die Pariser Ausgabe des Banduri vom Jahre 171 1 benützt, für Buondel- 
monti die Ausgabe von Sinner 1821, für Gyllius die Elzevier-Ausgabe in 12» von 
1632. Das Regionenverzeichniss ist vollständig bei Ducange Const. christ. p. 63 ff. 
und in den Ausgaben der Notitia dignitatum (ed. Böcking, Bonnae 1839— 53 und 
O. Seeck, Berlin 1876) veröffentlicht. 

I. Die offenen Teiche. 

Es ist bekannt, dass die neue Roma am Bosporus die alte so viel als 
möglicli nachzuahmen suchte. So wurde sie u. A. auch in vierzehn Regionen 
getheilt, über die uns ein zur Zeit Theodosius II. (408 — 50) und nach 424 
entstandenes A'erzeichniss Aufschluss gibt. Dasselbe ist nicht direct nach dem 
Muster des römischen Regionenverzeichnisses verfasst, welches nach amtlichen 
Quellen und ohne erläuternden Text bei jeder Region zunächst die Grenz-, dann 
die statistische Beschreibung und schliesslich die Vermessung gibt, sondern das 
Regionenverzeichniss von Konstantinopel schildert zuerst die orographische 
Lage der Region, geht dann mit icontinet in se.^ zur Aufführung der bedeutendsten 
Monumentalbauten über und gibt endlich am Schlüsse die Zahl der Nutzbauten 
und der städtischen Beamten der Region an. Die Cisternen werden unter den Monu- 
mentall)auten aufgeführt und gleichgestellt mit den kaiserlichen Palästen, den 
bedeutendsten Kirchen, den Thermen, Basiliken, Foren, den Senatsgebäuden, 
Speichern, Theatern, Lusorien, Häfen, dem Circus und den Nymphäen. Es ist 
also bei einem Versuche, die vom Regionenverzeichnisse genannten Behälter 
aufzusuchen, vom vorneherein im Auge zu behalten, dass auch sie den genannten 
Denkmälern an Bedeutung und Grösse gleichwerthig gewesen sein müssen. 

Von diesem Gesichtsi)unkt aus fällt unser Blick sofort auf die Riesen- 
bauten unter den Behältern, die offenen Teiche. Das Regionenverzeichniss nennt 
drei Gisternen mit Namen : die cisterna Theodosiaca, Arcadiaca und Modestiaca. 
Es wird zunächst unsere Aufgaiie sein, diese drei in den Regionen, in denen 
sie lagen, aufzusuchen und unter den sich darbietenden Teichen und Hallen- 
behältcrn die Waiil zu treffen. Dabei wird sich spielend herausstellen, ob der 
aprioristische Scliluss auf offene Teiche Bestätigung findet. Grö.ssere Schwierig- 



I50 

keiten wkd es machen, eine vierte vom Verzeichniss in den Einzelbeschreibungen 
der Regionen übergangene, aber in der Collectio civitatis, der statistischen Zu- 
sammenfassung am Schlüsse, vorausgesetzte Cisterne zu identificiren. Die Collectio 
nämlich führt nicht drei, sondern cisternas quatuor an. Unser Weg zur Ermittlung 
dieser vierten Cisterne wird dann der sein, dass wir unabhängig vom Regionen- 
verzeichniss in der Litteratur nach Cisternen suchen, die älter als die Abfassungs- 
zeit der descriptio regionum sind. Unter diesen wird dann, anschliessend an die 
bei den drei dem Namen nach genannten Behältern gemachten Erfahrungen, 
die Wahl zu treffen sein. 

I. Die Cisterna Theodosiaca. 
Diese vom Regionenverzeichniss unter dem Namen Theodosiana oder Theo- 
dosiaca aufgeführte Cisterne lag in der 5. Region. In derselben Region wird auch 
der prosforianische Hafen, die Scala Chalcedonensis und das Strategium aufge- 
führt, welches beim Anonymus des Banduri (p. 28) auf der dem goldenen Hörn 
zu gelegenen Stadtseite gleich neben Hagios Demetrios und den Manganen, also 
neben der Seraispitze genannt wird. Wir kommen somit in die Gegend des 
Sultan Valide- und heutigen Bahnhofsviertels. Die 5. Region muss hier und auf 
den südlich anstossenden Abhängen darüber gelegen haben, wozu durchaus auch 
die orographische Beschreibung des Regionenverzeichnisses stimmt. Die Cisterna 
Theodosiaca ist daher an den Abhängen ungefähr in der Höhe der hohen Pforte, 
welche selbst in einem vertieften Erdviereck liegt, zu suchen, hi dieser Gegend 
ist bis heute kein grösserer Behälter zu Tage getreten. An Jere batän Serai {5) 
kann nicht gedacht werden, weil dieser Behälter schon in der vierten Region 
liegt und überdies erst von Justinian erbaut wurde. Der Bodrüm unterhalb der 
persischen Botschaft (24) ist jedenfalls zu klein. Konstantios S. 54, der Guide- 
Joanne p. 228 und Meyer S. 24g haben die Cisterne am Eschrefije sokaghy (8) als 
die des Theodosius bezeichnet. Dieselbe liegt an der Grenze der 3. und 7. Region 
und ist daher sicher nicht die vom Regionenverzeichniss in der 5. Region 
genannte. Von J. Mordtmann ist die Cisterna Theodosiaca in seinem topographischen 
Stadtplane (Revue de l'art chretien 1891) ungefähr richtig eingezeichnet worden. 

2. Die Cisterna Arcadiaca. 
(Der Tschuki'ir bostän bei Sultan Selim 2.) 
Das Regionenverzeichniss erwähnt in der 11. Region zwei Cisternen, die 
Cisterna Arcadiaca ' und die Ci.sterna Modestiaca. Schon Gyllius (p. 2(15) hat 



• Unger, Qiielk-n .S. 107, liat tliLSt: aus Ver.^chen ühciKangcii. 



151 

diese Region richtig auf den \ierten und fünften Hügel verlegt. Ihr Centrum 
bildete eine Apostelkirche, an deren Stelle heute die Moschee des Eroberers steht. 
Hier nun bieten sich mehrere Behälter zur Identificirung dar. Gyllius zunächst 
führt in dieser Region drei oftene Teiche auf: p. 272 Sarrädschchane (A), p. 274 
da, wo zu seiner Zeit das Bad Mohämmed's stand (B) und p. 290 den Tschukür 
bostän bei Sultan Selim (2). Nur bei der zweiten macht er eine historische Con- 
jectur: es könnte dies wohl die Aradiaca oder Modestiaca sein, welche das 
Regionenverzeichniss in der 11. Region nenne. Ebenso Hammer I, S. 558. Irgend 
einen bestimmten Grund dafür gibt weder Gyllius noch Hammer an. Es fragt 
sich nun, ob sich denn für die Localisirung der Cisterna Arcadiaca innerhalb 
der II. Region gar keine Handhabe bietet. 

In derselben Region werden auch zwei Paläste, das Palatium Faccilianum 
und die Domus Augustae Piücheriae genannt. Der erstere wurde von der ersten 
Frau Theodosius des Grossen erbaut und später für die Aufbewahrung der 
kaiserlichen Insignien benützt. ' Der zweite entstand als Privathaus der Pul- 
cheria, der Tochter des Arcadius und Schwester der Arcadia. Wir sehen, dass 
sich die Familie des Theodosius irgendwo in der 11. Region ein Plätzchen für 
ihren Aufenthalt ausgesucht haben muss. Nun schätzen die Türken und lobt 
A. Mordtmann mit Recht die TeiTasse, auf der heute die Moschee Sultan Sebm's 
steht, als den kühlsten Ort von Konstantinopel, die für Palastanlagen besonders 
geeignet erscheint und auf der in b5-zantinischer Zeit keine Kirche gestanden 
haben kann, weil die Acten Evkafs nichts davon berichten. ■' Es ist daher sehr 
wohl möglich, dass hier schon in Theodosianischer Zeit sich ein Palastviertel 
erhob, zu dem auch die Cisterna Arcadiaca gehörte. 

Hier nun bieten sich zwei Behälter zur Identificirung dar: Der Tschukür 
bostän von Sultan Selim (2) und der Bodrüm daneben (9), welcher nach den 
Architekturformen dem 5. Jahrhunderte angehört. Ich glaube, es ist von vorn- 
herein ausgeschlossen, dass dieser letztere gemeint sein könnte, weil es undenkbar 
ist, dass man den Riesenteich zu Gunsten des kleinen Behälters überging. Gegen 
die Annahme aber, dass der Teich die Cisterna Arcadiaca sei, ist von Seiten 
der Bauart desselben nichts einzuwenden; vielmehr ist er genau in demselben 
Schichtenwechsel erbaut, den auch die Mauern Theodosius II. zeigen. 

Hammer I, S. 559 nennt den Behälter Cisterna Petrii und lässt ihn von 
Manuel Komnenus erbaut sein. Er verwechselt dabei den unweit von Konstan- 



' Ducaiige I., p. 12g. 

2 Mittlieilungen des deutschen Excursions-Clubs in Konstantinopel 1891 (III), S. 8. 



152 

tinopel gelegenen Ort Petra mit dem Petrion. Der von Cinnamus erwähnte Be- 
hälter von Petra ist vielmehr, wie Hammer selbst an einer anderen Stelle (I, 563) 
annimmt, eine Bendanlage bei Belgrad (vgl. oben S 10). A. Mordtmann' nennt 
den Tschukür bostän bei der Selimje die Cisterne des Bonus, was schon desshalb 
nicht möglich ist, weil dieser Behälter nach der ausdrücklichen Angabe der Patria 
(Band. 49, Cod. 52) gewölbt war. Dass auch der Lage nach hier nicht die Cisterna 
Boni gesucht werden kann, wird unten besprochen werden. Der Guide-Joanne 
(p. 230) führt an, dass einige Archäologen den Teich für die alte Cisterne Petri 
gehalten hätten und identificirt (p. 227) die Cisterna Arcadiana ohne Grund mit 
dem daneben liegenden gedeckten Behälter Nr. 9. Ebenso Meyer S. 250. 

3. Cisterna Modestiaca. 
(Sarrädschchane A.) 

Für diese zweite in der II. Region angeführte Cisterne haben wir eine 
Nachricht bei Idatius in den Fasten:^ »Valentiniano II. et Valente II. Coss. 
(a. 369) opus magnificum cistemae Constantinopolitanae completum est a Domitio 
Modesto V. C. iterum praefecto urbi, quod in prima inchoaverat praefectura.« 

Es muss auffallen, dass das von Idatius angegebene Datum zusammenfällt 
mit dem Bau des Aquäductes, welchen Valens im Jahre 368 errichtete. Kein 
Zweifel, dass beide Bauunternehmungen — und zu ihnen gesellt sich, wie wir 
sehen werden, noch eine dritte, die Cisterne des Aetius — in Folge des Wasser- 
mangels, der in den vorhergehenden Jahren geherrscht hatte, und auf die Initiative 
des Kaisers hin ausgeführt wurden. Der Valensaquäduct durchzieht die 1 1. Region 
und zwar liegen ihm von den von Gyllius genannten offenen Cisternen, im Gegen- 
satz zu der entfernten Cisterne bei Sultan Selim sehr nahe Sarrädschchane (A) und 
Tschukür hamämy (B). Eine von beiden dürfte um so eher die Cisterne des Modestus 
sein, als keiner der gedeckten Behälter dieser Gegend seinem Alter und seiner 
Grösse nach dafür in Betracht kommen kann. Ich neige zu der Annahme, 
dass wir die Cisterna Modestiaca im Sarrädschchane zu suchen haben, und zwar aus 
einem negativen Grunde. Tschukür hamam\' halie ich trotz der Wegbeschreibung 
bei Meyer S. 260 nicht finden können. Ich konnte also nicht controliren, (^b 
Gyllius, p. 274 und ihm folgend Hammer J, S. 558 richtig urtheilten, wenn sie 
das Mauerwerk in der Umgebung des Bades für die Reste einer olfenen Cisterne 
ansahen. Die Art wie Hammer I, S. 535 die umliegenden Mauern beschreibt: 



I a. a. O. und Revue de Tail cluxt. 1891, p. 47H. 
'■' I5ci Mignc Putrol. cuisus coiupl. lat. 1,1, .S|i. 910. 



153 

Jinan sieht um dasselbe noch Reste von altem Mauerwerk und Ruinen«, spricht 
sogar direct dagegen, weil von einer offenen Cisterne überhaupt nur eine im 
Viereck fortlaufende Mauer übrig geblieben sein könnte. Überdies hat Texier, 
angeregt durch eine Conjectur des Konstantios S. 42 das Bad Mohammeds II. 
genau aufgenommen und die grosse Übereinstimmung desselben mit den Angaben 
des Vitruv nachgewiesen, ' woraus zu schliessen naheliegt, dass Mohammed das 
Bad nach dem \'orbilde eines byzantinischen erbaute, vielleicht auf den Funda- 
menten eines solchen. Ob Konstantios Recht hat, wenn er dorthin die Bäder 
Konstantin's verlegt, ist die Frage. Er konnte sich damals dabei nur auf die Oster- 
chronik (ed. Bonn. I, p. 534) stützen, welche zum Jahre 345 meldet, es sei der 
Bau der Kwvazavnaval nXr^aiov rätv 'ÄTznaröktüv begonnen worden. Das Regionen- 
verzeichniss dagegen führt die Thermae Constantinianae in der 10. Region, also 
ungefähr am Fusse des vierten Hügels an. 

Schon Hammer neigte dazu, Sarrädschchane fih- die Cisterne des Modestus 
anzusehen und nahm mit Gyllius an, dass sie die Apostelkirche mit dem nöthigen 
Wasser versah. Konstantios S. 55 und nach ihm der Guide -Joanne (p. 228) und 
Mej'er S. 250 identificirten die Cisterne des Modestus unglaublicher Weise mit 
dem Bodrüm (7). Buondelmonti meint mit dem Namen Cisterna Apostolorum 
wahrscheinlich diesen Behälter. J. Mordtmann bezeichnet Sarrädschchane in 
seinem Plane als Cisterna XL martyrum. Danach ebenso Dr. Mordtmann in der 
Revue de Tart ehret. 1891, p. 477. Vgl. über diesen Behälter unten. 



Das sind die drei vom Regionenverzeichnisse beim Namen und in den 
einzelnen Regionen angeführten Cisternen. Wir haben gesehen, dass wenigstens 
bei zweien der aprioristische Schluss auf offene Teiche Bestätigung gefunden 
hat. Es handelt sich nun um die vierte anonyme Cisterne, welche von der Collectio 
civitatis unter dem Titel »Cisternas quatuor« vorausgesetzt wird. 

Wir müssen hier der weiteren Untersuchung etwas vorgreifen, indem wir 
in Kürze diejenigen Behälter aufzählen, die, soweit wir unterrichtet sind, vor der 
Abfassung des Regionenverzeichnisses entstanden. In der Litteratur werden erwähnt 
eine Cisterna Philoxeni aus der Zeit Konstantins des Grossen, eine Cisterne des 
Aetius aus der Zeit des Valens, eine Cisterna maxima unter einem Theile des 
Forums aus dem Jahre 407 und eine Cisterne der Pulcheria aus dem Jahre 421. 
Die Cisterna maxima war sicher, diejenige des Philoxenos und der Pulcheria 
wahrscheinlich Haiienbehältcr. Sie kämen für die Identificirung der vierten vom 



Texier & Popplewcll Pullaii .Xrcliitectiiic byzantiiie p. 177. 

20 



154 

Regionenverzeichnisse vorausgesetzten Cisterne in Betracht, wenn sich die Cisterne 
des Aetius nicht als offener Teich nachweisen liesse. Diesem gebührt seiner 
Grösse und offenen Lage wegen unstreitig der Vorzug. 

4. Die Cisterne des Aetius. 

Die Patria (Band. 49, Cod. 52) berichten, dass die sogenannte Cisterne des 
Aetius von Aetius, dem Patricier, wie Codinus beifügt, erbaut wurde und dass 
dort seine Statue gestanden habe. Die Breves ennarrationes chronographicae 
(Cod. S. 193) sagen, dass die sog. Cisterne des Aetius von dem Patricier in den 
Tagen des Valens gegründet sei. Es habe sich in der Cisterne auch die Statue 
des Valens schützend neben derjenigen des Aetius erhalten. Danach müsste die 
Cisterne zur Zeit des Valens (364 — 78) entstanden sein. Marcellinus comes da- 
gegen, ein Chronograph zur Zeit Justinians, merkt die Erbauung der Cistema 
Aetii zum Jahre 421 an. ' 

ZurLocalisirung dieser Cisterne helfen uns die gleichlautenden Einzeichnungen 
in einigen aus Konstantinopel stammenden Handschriften, wie Cod. Vind. Theol. 
gr. CXXIX: ,, W ßißhK auzrj zfj; //ov^c toli UpoSpö/iou, r^c xc-cuevr^i; iyjtaza roü 
'Aairlnu- upyaixrj 8k zg [lovrj xlrjai<; Uizpu. 'Icuuvvrj^ ysypatfs vüv MayxXaßizrj^.^'^ 
In einer Tübinger Handschrift steht dasselbe ohne Angabe des Schreibers und 
statt sYYtaza roü 'Aacrioj — kyycaza zf/(; 'Asziou. Die Commentatoren haben dazu 
mit Recht xivazspvr^i; ergänzt. An die kleine Kirche des Aetius, die neben 
H. Johannes in Petra ^ lag, zu denken, wie es Crusius thut, ist unstatthaft, weil 
das etwa gleichbedeutend wäre mit der Localisirung einer Grossstadt durch 
Angabe eines daneben liegenden Dorfes. Daraus folgt aber auch für die Cisterne 
des Aetius, dass sie unter den Wasserbehältern eine ähnliche Rolle gespielt 
haben müsse, wie das Petrakloster, der Verbannungsort für einige weibliche 
Mitglieder der kaiserlichen Familie, unter seinesgleichen. 

Wo nun lag d.is Kloster und die Kirche des hl. Johannes Prodromos, 
genannt Petra? Die Stadtansicht des Buondelmonti in den Handschriften seines 
liber insularum Archipelagi in der Vaticana, Barberina, Marciana und Vindo- 
bonensis ' bilden zwischen einer Säule ) hie est Constantinus genuflexus«, die 



• Bei Migne Patr. lat. LI, Sp. 924. 

2 Vgl. Ducange II, p. 152, Lanibeciiis Conini. I\', p. iSS, Crusius Turcograecia p. 190. 
5 Crusius p. 190, Ducange p. 152. 

* Die Ansicht der Marciana publicirt von Satlias MfaaiMyiy.i/ ß(ll?M>l)i'jx}j III (l882), die 
vaticanische nach meiner photograpliischen Aufnahme bei Mordtmann, Revue de l'art ehret. 1891. 
Die andern sind noch uncdiit. In der Pariser Il.mdschrift (liei Ducange Const. christ. und 
Banduri Inip. orieiit. II.) ist zwar der Hau eingetragen, docli Iclilt die Beiscluift. 



155 

nach dem Texte bei der Apostelkirche am vierten Hügel gestanden hat und dem 
Palatium Constantini am sechsten Hügel einen mauerumzogenen Kuppelbau mit 
der Beischrift: Sancti Johannis de Petra. Danach lag also das Kloster zwischen 
der Moschee des Eroberers und Tekfur Serai. Nähere Auskunft bekommen wir 
durch Crusius, wo er nach dem mündlichen Berichte Gerlach's den Blick vom 
Dache des bei der Fethije dschami gelegenen Hauses des Johannes Zygomolas 
beschreibt: »nach Westen und gegen Norden liegt das Kloster des Vorläufers, 
einst Petra; weiter dann das Kloster des Aetius, dann der Palast des Konstantin, 
von wo aus man den Busen und das Serai überblickt.« Danach lag das Kloster 
zwischen der Fethije und Tekfur Serai und zwar der Fethije nordwestlich gegen- 
über auf einem Hügel in der Nähe des Palastes. Wir kommen somit in die Gegend, 
wo im Stolpeschen Plane die Bezirksnummern l r, 13 und 20 stehen. Hierher, auf 
den sechsten Hügel führt uns auch Gyllius (p. 293) und zwar ganz richtig 
auf dessen Ostseite: Dort befinde sich die in Ruinen liegende Kirche Johannes 
des Vorläufers. 

In der Nähe dieses Klosters müsste, wenn die Ergänzung iffiara r^^ 
{xivazepvTj?) toU 'AbtIou in den Handschriften richtig ist, eine grosse Cisterne 
gelegen haben. Ob heute noch Spuren von ihr vorhanden sind, kann ich, da 
ich bisher leider noch nicht darauf geachtet habe, nicht mit Bestimmtheit sagen, 
keinesfalls sind dieselben auffallend. Jedenfalls sah Gyllius (p. 293) diese Cisterne 
noch. »Wie prächtig aber jenes (das Kloster Johannes des Täufers) war, zeigt 
ausser anderen Spuren auch die sogenannte Cisterna Boni (so benannt, weil sie 
ein Patricier Namens Bonus gegründet hat), ein wenig über ihr selbst (der Kirche) 
gelegen, 300 Schritte lang, der Säulen und Gewölbe beraubt, in der jetzt Gärten 
grünen.« Diese Cisterne leitet ihn über auf den Palast des Konstantin (lieute 
Tekfur Serai), doch kommt er nach einem längeren Excurse (p. 298) vielleicht wieder 
auf sie zurück: »Von den Gebäuden dieses Palastes ' blieb unreines mit einigen 
Säulen übrig und eine Cisterne, in welcher Elephanten gehalten werden.« Ähnliches 
berichtet Dousa ein halbes Jahrhundert später: »Von so vielen alten Palästen 
ferner besteht der Name keines einzigen, mit Ausnahme eines des Konstantin, 
aus dessen Ruinen bis jetzt einige Marmorsäulen stehen geblieben sind und eine 
trockene Cisterne, in welcher zu meiner Zeit ein Elephant mit einem Kameel 



' An dieser Stelle verlegt er den Palast, auf den siebenten Hilgcl aus Versehen jedenfalls, 

denn er führt ihn später bei Beschreibunrr der Bauwerke dieses Hügels nicht an und die alten 

Stadtansichten, sowohl die älteren des Buondelnionti, wie die jüngeren (vgl. Gaedicius Ancicn 

plan de Constantinopel No. 6) lassen keinen Zweifel, dass mit dem Palaste Konstantin's Tekfur 

Serai gemeint sei. 

20* 



156 

o-ehalten wurde.' Wir haben es also offenbar mit einem offenen Teiche zu thun ; 
denn wenn Gyllius auch sagt, die Cisterne sei )»der Säulen und Gewölbe beraubt,« 
so bezeichnet er damit nicht, dass sich noch Spuren derselben sehen Hessen, 
sondern, dass er keine solchen habe finden können. Beweis dafür die (p. 82 
und 290) gleichlautende Bemerkung »spoliata columnis et cameris« bei den heute 
noch bestehenden Teichen in Exi Marmara und bei Sultan Selim. Gyllius scheint 
eben im Aligemeinen angenommen zu haben, dass die offenen Teiche zerstörte 
Hallenbehälter seien. Seine Bezeichnung »columnis et concameratione spoliata« 
ist daher sogar eine directe Bestätigung dafür, dass wir es mit einem Teiche zu 
thun haben. 

Nach den Berichten des Gyllius und Dousa war dieser Teich bei Tekfur 
Serai schon im 16. Jahrhunderte wie alle andern nicht mehr im Gebrauch, sondern 
zum Theil in Gärten, zum Theil in einen Thierzwinger umgewandelt. Er war 
nach Gyllius 300 Schritt, d. h. 189 m lang, » also der einen Seite nach grösser 
als de'r Teich bei Sultan Selim (2) und Exi Marmara (i) und kleiner als der 
benachbarte in Kara gümrük (3), der 244X85?« gross ist, daher unmöglich mit 
der Cisterna Boni des Gyllius verwechselt werden kann. Die Cisterne des Aetius 
war wohl gleichzeitig mit dem Aquäduct des Valens und der Cisterna Modestiaca 
entstanden, bezog ihr Wasser aus dem Hadriansaquäducte, der von Egri-Kapü 
kommend, dicht an ihr vorüberging und war bestimmt das Blachernerviertel 
und vor Allem den in demselben liegenden Kaiserpalast mit Wasser zu versorgen. 
Vielleicht wurde auch sie, wie einige Palastteiche, schon von Heraklius in ein 
Paradies verwandelt, jedenfalls ist sie ein solches bereits im 10. Jahrhunderte. Denn 
schon das Ceremonialbuch des Konstantin Porphyrogenitus (I, p. 532) nennt sie 
Trockengarten. Am Tage des hl. Konstantin und der Kreuzaufrichtung nämlich 
nimmt der Kaiser seinen Weg zur Apostelkirche ^^ä r;yf a.TTayotiar^i; ödnu etV tov 
dyiov 'Jcuävvrjv to ^rjpoxTjniov, worunter nur die Kirche des hl. Johannes Prodromus 
und die Cisterne des Aetius gemeint sein kann, an denen und der Apostelkirche 
vorbei die obere Strasse nach dem Blachernerpalaste führte. Die Nachricht des 
Marcellinus Comes zum Jahre 421 bezieht sich wohl auf eine Restauration, die 
nach den grossen Erdbeben in den vorhergehenden Jahrzehnten nothwendig 



' Dousii, Je itiiK-re suo Const. 1590, p. 40. V.v scliciiit hier tlicilwcise j^edaiilvenlos den 
Gvllius auszusclireiben, nur so lüsst sich verstellen, wie er vom Pakiste nur einige .Säulen übrig 
lassen kann, während Gyllius ganz riehtig sagt, dass das Gebäude mit einigen Säulen übrig 
sei. Ähnlieh Leunclavius. 

2 Die geringe Schrittlänge von circa 6^ cm ergibt sieh beim Tschukür bostän in Itxi 
Marmara (l), dessen Maasse Gyllius p. 82 angibt. 



157 

geworden war. Unger (Quellen S. 200) meint, es könnte vielleicht auch eine 
Verwechslung mit der Cisterne der Pulcheria vorliegen, in die nach der Oster- 
chronik ebenfalls im Jahre 421 das Wasser eingelassen wurde. 

Wie Gyllius dazu kam, diesen Behälter Cisterna Boni zu nennen, ist mir 
nicht erklärlich. A. Mordtmann' verlegt die Cisterne des Aetius in die Nähe der 
Kefeli dschami und identiticirt sie mit einem gedeckten Behälter von 36 Säulen. 
Die Cisterne des Aetius, bezw. S. Johannes de Petra, kann nicht so weit süd- 
westlich von der Fethije dschami gelegen haben, wie Mordtmann annimmt. Der 
Bericht Gerlachs bei Crusius bezeichnet die Kirche vielmehr als in nordwestlicher 
Richtung gelegen und Gyllius bestätigt das dadurch, dass er sie bei Tekfur 
Serai auf dem 6. Hügel erwähnt. Ausserdem existirt die »prächtige Cisterne mit 
36 Säulen bei der Kefeli Djami, deren elegante korinthische Kapitale sich nur 
noch in der Jerebatan-Cisteme und der Cisterne der Pulcheria bei S. Selim 
wiederfinden«, nur in A. Mordtmann's Phantasie. Er hat das zwar nicht auf ein 
an ihn gerichtetes recommandirtes Schreiben, wohl aber einem unserer Bekannten 
gegenüber persönlich eingestanden. Es wäre sehr zu wünschen, dass wenigstens 
die in Konstantinopel ansässigen Forscher stets gewissenhaft nur nach Autopsie 
berichteten. In dem Separatabdrucke seiner Aufsätze in der Revue de l'art ehret. 
S. 76 ist übrigens von Dr. Mordtmann eine neue Idee lancirt : Kefeli dschami sei 
das Kloster des Aetius und die Cisterne, »situee dans la cour<, die Cisterne des 
Aetius. Dagegen habe ich einzuwenden, dass ich erstens im Hof dieser Moschee 
keine Cisterne gefunden habe, zweitens dass, wenn Dr. Mordtmann vielleicht einen 
Keller unter der Moschee selbst meint, d. i. einen langen Gang, etwa wie unter 
der Kahrije dschami, der heute von Spinnern benützt wird, er sich über die 
Bedeutung und Grösse der Cisterne des Aetius keine rechte Vorstellung gemacht 
zu haben scheint. 



Hier haben wir also den vierten vom Regionenverzeichnisse genannten 
Teich und damit ein weiteres Glied der Beweiskette dafür, dass die Descriptio nur 
offene Teiche aufführt, wie dies schon der Vergleich mit den Denkmälern, neben 
denen die Cisternen genannt werden, a priori nahelegte. Daraus folgt nun zweierlei : 
erstens, dass auch die Cisterna Theodosiaca in der 5. Region ein oftener 
Teich war und zweitens, dass die beiden aus der Litteratur bekannten Cisternen 
Phiio.xcni aus der Zeit Kcjnstantin's und Pulcheriae vom Jahre 421 gedeckte 
Behälter gewesen sein müssen, weil sie sonst von der Descriptio genannt worden 
wären. Es werden sich dafür noch andere Argumente ergeben. 

' Mittli. d(.s lieutsclien üxcursionsclubs in Konstantinopel 1891 (III), S. 6. 



158 

Wir gehen nun über zu denjenigen offenen Behältern, welche nach Abfassung 
des Regionenverzeichnisses entstanden sind. Es ist natürlich, dass man Neuanlagen 
von offenen Teichen innerhalb der eng gewordenen, alten Stadt Konstantin's 
nicht mehr vornehmen konnte und in diesen alten Stadttheilen vielmehr zu 
einem neuen System greifen musste, welches nicht so grosse Räume und die 
völlio^e Unbenützbarkeit der von ihnen eingenommenen Fläche für andere Zwecke 
verlangte. Seit dem Beginne des V. Jahrhunderts baute man daher in der alten 
Stadt nur noch gewölbte Behälter. Offene Teiche entstanden in den neu hinzu- 
gekommenen Stadttheilen und überhaupt nur in solchen Gegenden, wo man 
noch über grössere Flächen unbebauten Bodens verfügte. So erklärt es sich, 
dass wir nach der Zeit der Abfassung des Regionenverzeichnisses nur noch die 
Entstehung zweier offenen Behälter innerhalb der Stadt und zwar in dem Streifen 
zwischen der aken Konstantinsmauer und der neuen Mauer Theodosius II. und 
zwei andere in den suburbanen Kaiserpalästen nachweisen können. Ein Teich, 
der allerdings noch innerhalb der Stadtmauern im kaiserlichen Palast am zweiten 
Hügel lag, ist seiner Entstehungszeit nach unbekannt. 

5. Die Cisterne des Aspar. 
(Der Tschukür bostän von Kara gümrük 3.) 

Die Osterchronik (p. 593) berichtet zum Jahre 459: „Toözcj) 3k zqj evcauzip 
YJp^azo "Aanap 6 aTpaTTjXäzyj^ xzi^ei^) zvjv ji£yiazrjv xtazipvav nlTjaiov zoü nalawu 
zeiyo'jq". Dazu die Patria (Band. 49, Cod. 52): ,,7/ ds ItyonivTj (C. xa^upLivr^ 
'AaTrdpo'j xtvazipvrj ünh 'Aanüpou xai 'Apoaßoupioo exziaürj im roü fxej-öJou 
Aiovzu^, xaiP -^v ä[J.(pözEpot Tzkrjpcuifeiarj!; a'jzfj^ dvrjpidrjaav ' (B. Vgl. Cod., p. 67). 
ö ok oixo; zo'j ^Aa7TÖ.pou Yjv ("ivTiep £~i^£ liaaiXew^ ö zopaxoipcüptivo^''. 

Über die Lage dieser Cisterne gibt ausser der Notiz der Osterchronik 
»nahe der alten Mauer« noch der Fortsetzer des Theophanes (p. 168) eine 
Andeutung, indem er von Manuel, dem Mitvormund Michael's III. (842 — 67) 
berichtet: xal öjj xäzsiaiv sk zov oixov auznü, xaza z^v xtvazipvav roü "AaTiapo^ 
övza, ov ek aBpsinu zÜttov vazspnv svyjyäYezo xal zov ^oüv kxetas xazidezo". 

In gleicher Weise berichtet Simeon Logotheta (p. 803), dass die Leiclie 
des Manuel in dem von ihm begründeten Kloster l)ei der Cisterne des Aspar 
beigesetzt worden sei. Dieses Kloster des Manuel lag, wie Paspati ' nachweist, an 
der Stelle der heutigen Kefeli Mesdschid, die ihren Namen bekam, als Armenier 
aus Caffa im Jahre 1475, das Kloster des Manuel von Mohammed erhielten. Die 



' Bis liieher wicdirlinlt von Jen lircvcs Liuiaratioiics chion. lici Cod., p. 193. 
" livC /lekirni o. 30.|. 



159 

sehr grosse Cisterne, bei welcher das KJoster lag, wäre dann der Tschukür bostän 
in Kara gümrük und die alte Stadtmauer, in deren Nähe die Cisterne nach 
der Osterchronik gelegen hat, passend die von Konstantin erbaute Landmauer, 
welche etwas weiter östlich an der Cisterne vorüberlief. Sie erhielt ihr Wasser 
aus dem an ihr vorübergehenden, vom Adrianopler Thor kommenden Aquaeducte. 
Lechevalier (p. 107) hat die Cisterne des Aspar mit dem sogenannten 
Bodrüm (7) identificirt und lässt in Folge dessen die Konstantinsmauer dort 
vorübergehen. Hammer I, S. 557 folgt ihm darin und führt den »Verfall der 
Baukunst«, den er in Folge dessen für das Jahr 459 amiehmen muss, bis auf 
die Zeit Konstantin's zurück. Ihm folgt Unger, Quellen, S. 201. Konstantios (<t. 54) 
scheint nicht zu wissen was er sagt, wenn er die Cisterne in die Nähe des 
Xerolophus (Awret bazar) nach Salma Tomruk (d. i. ein Quartier neben Kara 
gümriik) verlegt und sie einen Tschukür bostän mit 28 Säulen nennt. Hammer 
(I, S. 558) identificirt den Tschukür bostän von vSalma Tomruk mit der Cisterne 
vor der Magnaura, von der wir gleich zu sprechen haben werden. Der Guide- 
Joanne (p. 230) und A. Mordtmann (Mittheilungen des Excursions-CIub III, S. 6) 
haben jedoch richtig vermuthet, dass es die Cisterne des Aspar sein könnte. 
Es verdient wohl erwähnt zu werden, wie die Verfasser des 16. Parartima's 
des 'E/.l. 0i).. l'uXkoyo', den p. 49 erwähnten auf der Mauerkrone der Cisterne 
gefundenen, daher für diese nicht weiter verwerthbaren Ziegelstempel +INASIA-1-, 
den sie richtig -\-'IvS(txTemvo0i(i-\- lasen, erklärten: am 24. September 562, 
d. i. in der II. Indiction, sei die Sophienkirche zum zweiten Male geweiht 
und zur Erinnerung an dieses Ereigniss wahrscheinlich auch die Ziegelinschrift 
angefertigt worden. 

6. Cisterna Mocisia. 
(Der Tschukür bostän in Exi Marmara i.) 

Suidas (s. v. Anastasios et Kinsterne) und die Patria (Band. 49, Cod. 99) 
berichten die Mocisia habe Anastasius Dikoros erbaut. Die Patria allein w-eiter: 
,"(It£ OS wnrj'j 'dnziasv^ /.elipt^ fj^j kv rj zö'/.et unazo; xal airou, öic -iTzpdaxsadat 
rot) aan'j iiödtov iv s;? to ^^ö/iiafia. £7,a;?£ ok r/;v zoia'jTr^v krrmvuftiav ij xtvariova 
citk ~ii TiXTi^iov sl'vat Toö (i.yiou Mmxiou''''. 

Die Lage der Kirche des hl. Mokios, durch eine Stelle des Nicetas (Du- 
cange II, 130) in der Nähe des goldenen Thores fixirt, wird sehr deutlich von 
Konstantin Porphyrogenitus (I, p. 100) gelegentlich der Beschreibung der Pro- 
ccssion nach dieser Kirche angegeben. Der Zug kam die Mittelstrasse entlang 
über den Xerolophus (dessen Lage durcii den Awret Tasch bestimmt ist) nach 



i6o 

dem Exokionion, welches in der Richtung nach dem goldenen Thore zu lag. 
Da dasselbe die Stelle vor einem Stadtthore der Konstantinsmauer einnahm, so 
ist erklärlich, wenn von dort aus Strassen nach den angrenzenden Vorstadt- 
vierteln, resp. den drei benachbarten Thoren der Mauer des Theodosius liefen. 
Dieser Strassenstern hiess deshalb die Triodos. Der Processionszug wandte sich, 
auf ihm angelangt, nach rechts (exveuBi de^cü) und kam so an der Kirche des 
hl. Jakobus, des Persers, voi'über zu Hagios Mokios. Folgen wir dieser Führung, 
so gelangen wir in die Gegend des Grubengartens von Exi Marmara. In die 
gleiche Gegend führt auch die Reihenfolge der Empfänge am Himmelfahrtstage 
(de caer. I, p. 55), die unten noch zu besprechen sein wird. 

GyUius (p. 82) beschreibt diese Cisterne, welche schon er Mocisia nennt: 
sie liege auf der Höhe des siebenten Hügels und sei der Säulen und Gewölbe 
beraubt ; doch beständen noch ihre aus Quadern erbauten Mauern, deren Umfang 
970 Schritte betrage. Ihr Boden sei von Gärten bedeckt. Die Angabe, dass die 
Mauern aus Quadern (d. h. nicht aus Schichtenmauerwerk) beständen, trifft aber 
nur bei dem Tschukür bostän in Exi Marmara zu. Auch der Umfang von 
970 Schritten würde zu unseren Messungen von 634 in stimmen, wenn man den 
Schritt des Gyllius zu circa 63 cm Weite annimmt. Gyllius sagt nun (p. 318) 
weiter, er habe die Reste der Mociuskirche noch neben dieser Cisterne gesehen. 
Vereinigen wir das mit der Angabe der Patria, wonach die Cisterne neben 
dieser Kirche lag, so ist es unzweifelhaft, dass wir in dem Tschukür bostän von 
Exi Marmara die von Anastasius I. (491 — 518) erbaute Cisterne Mocisia erhalten 
haben. Sie unterscheidet sich von den übrigen erhaltenen Teichen durch die 
Einführung des reinen Quadermauerwerkes statt der Schichten an den Facaden. 
Der im Innern der Mauer gefundene Stempel IN H BA BAC, könnte 
tv(8ixzi(bvo^) Yj ßa.ails.uovTn:; BaaO.eiou zu lesen sein und würde dann für eine 
durchgreifende Restauration der Cisterne im Jahre 875 durch Basilius Macedo 
sprechen, von dem bekannt ist, wie wir noch hören werden, dass er auch den 
von HeraUlius im Palast Hiereia verschütteten Teich wiederherstellen liess. 

Diese Cisterne wurde durch eine Wasserleitung gespeist, die ganz in der 
Nähe in die Stadt eintrat, wie wir aus der Beschreibung der Himmclfahrts- 
procession bei Konstantin Pnrpliyrogenitus (1, ji. 55I cntnclimcn können: der 
erste Empfang fand an diesem Tage k'^cuiisv r;^c xa/id/ia^ -oü kußukou, der zweite 
£«V r(yv dywyov, £1/ </j zo udwp ixf)ec, der dritte in II. Mokios, der \ierte am 
Flxokionion n, s. f. statt. Ol) dies dieselbe Wasscileitung ist, durcli die 
Justinian 11. im Jahre 705 in die .Stadt drang, wie Hammer 1, S. 109 gkiubt, 
l)]eibe dahingestellt, da man doch annehmen sollte, dass, da Justinian sich zwischen 



i6i 

dem Charsischen und dem Blacherner Thor gelagert hatte und nach Durch- 
kriechung des Wassercanals sofort im Blachernerpalaste erschien, dieser Aquaeduct 
auch auf jener Stadtseite gelegen haben müsste. 

Die Identificirung des Tschukür bostän in Exi Marmara mit der Cisterna 
Mocisia ist seit Gyllius allgemein angenommen. 

Wir gehen nun nach Erledigung der öffentlichen Teiche über zur Betrachtung 
der Palastteiche, denen vielleicht schon die Aetius Cisterne als zum Blacherner- 
palaste gehörig beizuzählen ist. 

7. Die Cisterne im Palast Hiereia. 

Konstantin Porphyrogenitus (de Basilio Mac. ed Bonn, p. 337) berichtet, 
Basilius Macedo (S67— 86) habe im Palast Hiereia einen grossen und geräumigen 
Wasserbehälter (os^a/ievijv uoavo::) vorgefunden, welcher von dem Kaiser, der 
zuerst jenes Proastion geschmückt habe, erbaut worden sei. Prokop (de aed 
ed Bonn, p. 207) führt den Palast unter den Bauanlagen Justinian's (527—565) 
an, ja in der Anthologie ist noch die diesen Kaiser nennende Gründungsinschrift 
erhalten, welche im Vestibüle des Palastes angebracht war. Dass wir es mit einem 
offenen Teiche zu thun haben, geht aus der Nachricht des Konstantin und 
der Ausschreiber des Skylitzes (Cedren 11, p. 241 und Glykas, p. 550) hervor, 
Kaiser Heraklius (610 — 41) habe diesen Wasserbehälter verschüttet, mit Erde 
bedeckt und mit Bäumen und Gemüse bepflanzt, weil ihm der Mathematiker 
Stephanos den Tod durch Wasser prophezeit hatte. »Da nun«, fährt Konstantin 
fort, »aus demselben Grunde die Cisterne in Hiereia in ein Paradies verwandelt 
war und der berühmte Kaiser Basilius sah, dass die Gegend zur Anpflanzung 
von Paradiesen genügenden und passenden Raum darbiete, dagegen an trink- 
barem und reinem Wasser Mangel habe, so gab er, indem er sofort durch viele 
Arbeiter eilig den Schutt herausschaften Hess, dem vor kurzem noch wie eine 
Wiese von Pflanzen grünenden Paradiese seine ursprüngliche Gestalt wieder 
und machte es zu einem ergiebigen und dauernd hinreichenden Wasserbehälter 
(oo^stov uSaTo^Ji.. 

Der Palast Hiereia lag Konstantinopel gegenüber auf der asiatischen Seite 
(Ducange II, p. 176). Gyllius, und ihm folgend Lechevalier, suchten ihn auf dem 
Vorgebirge Fener baghtschc, Hammer (II, S. 349) zwischen Skutari und Kadi-Kjöi, 
ungefähr da, wo heute der englische Friedhof und das Militär-Hospital von 
Haidar Pascha liegen. Ob sich Spuren der Cisterne erhalten haben, kann ich niciit 
sagen, weil ich zur Zeit meines letzten Aufenthaltes noch niclu darauf achtete. 
Doch erinnere ich mich an einer anderen Stelle, am Vorgebirge Fener baghtsche, 

21 



l62 

Reste einer, lür einen Teich allerdings zu kleinen Cisterne gesehen zu haben 
und im Kauffer'schen Plane ist ebenda eine Stelle als -»Alte Cisterne« bezeichnet. 
Für die Localisirung des Palastes wird auch Konstantin's Vorschrift für die 
Abhaltung des Winzerfestes, welches vom Palast Hiereia aus stattfand, berück- 
sichtigt werden müssen (de caer. I, p. 373). 

Bei dieser Gelegenheit möchte ich erinnern an eine Stelle in den Viaggi 
fatti da Vinetia aUa Tana, in Persia, in hidia et in Constantinopoli, Vinegia 1543, 
p. 129 b : Der Reisende sah bei Erdarbeiten in Chalcedon uno pozzo di marmi 
finissimi con uno aguedotto che al mezo di esso pozzo reft'eriva, con volto di 
marmi fini sostenuti da quatro bellissime colonne. 

8. Die Cisterne beim Justinianos. 

Konstantin Porphyrogenitus und die Ausschreiber des Skylitzes führen 
zugleich mit dem Teich im Palast Hiereia noch zwei andere in den kaiserlichen 
Palästen befindliche (ai Tmv ßaadtxwv Tialarimv ohaat iwröcj Wasserbehälter, den 
vor der Magnaura und den zwischen dem Triklinium des Justinian und dem 
der Ekthesis, als solche an, welche Heraklius habe zuschütten lassen. Auch sie 
hatten, fügt Konstantin hinzu, reichlich Wasser und Fische, welche den Kaisern 
zur Freude und Jagd dienten. Unzweifelhaft waren daher auch sie offene Teiche. 

Die Lage des einen dieser beiden Behälter gibt Konstantin (Theoph. cont, 
p. 338) fiBza^h Toü TS ^lo'jart'Jtavn'j zpixlivou xai zoii zfj<: 'Exßiaeco; an, Cedren 
(II, p. 241) iisra^h 'lo'javiV'.avüu toü zfitxXtviou xai zo\J Aauaiaxoü, Glykas (p. 550) 
psza^h 'louaztvtavoü xai zoö Aauaaxoü. In allen drei Fällen haben wir es also 
mit einem Justinianos genannten Gebäude zu thun, von dem wir wissen, dass 
es östlich vom Hippodrom lag ' und mit dem Lausiakos und dem Chrysotriclinium 
eine Palastgruppe bildete, die Justinian II. erbaut hatte. Wenn nun der Behälter 
zwischen dem Justinianos und dem Lausiakos lag, so dürften sich diese Gebäude 
um ihn gruppirt haben. Da erscheint es denn wahrscheinlich, dass er identisch 
ist mit einem /Jteaoxr/Titov genannten Garten, der östlich vor dem Justinianos lag. '-' 
Die beste Vorstellung dieser Verhältnisse gibt der Reconstructionsversuch, den 
Unger von diesem Tlieile des Kaiserpalastes gemacht hat. ' Es spricht für die 
ungefähre Richtigkeit seiner Localisirung, dass, wenn man sich das Rechteck, 



• Konst, Porph. de caer., p. 524. 

2 Ebenda, p. 585. 

3 Bei Ersch und Gruber, Bd. 84, S. 414. Es ist zu bedauern, dass Reber, »der karolinp;isclic 
Palastbau I. (Abb. d. k. bayer. AUad,, III. C'.l., XIX. Bd., III. Abth., S. 728 11.) von der Arbeit 
Unijer's nicht Notiz nimmt, er hätte sich mit ihr leicht auseinandersetzen können. Auch seine 
Reconstruction dieses Palasftheiles (S. 751; 11, und l'lanskizze) v<.rdiciit Ikaclituny;. 



i63 

welches er unten mit »XL HEIL« bezeichnete, als Mesokepion denkt, man von 
diesem Garten aus bis zu der Zeit, wo Theophilus die Anaktoi-a vorbaute, einen herr- 
lichen Blick auf die Propontis gehabt haben muss. Theophilus selbst nämlich hatte am 
Anfange seiner Regierung (829 — 42) die dicht neben dem Palastbau Justinian's II. 
vorübergehenden Mauern des Palastviertels niederreissen und die Terrasse (tu. 
Yj).iaxd) in ein Paradies umwandeln lassen, von dem aus er die in den Hafen ein- 
fahrenden Schiffe beobachten konnte. ' Diese Terrasse nun wird ausdrücklich als 
eine alte Cisterne bezeichnet mit dem Zusätze, dass in ihr ein kaiserlicher Sohn 
ertnmken sei. Schlosser'' nimmt an, dass dies ein Sohn des Heraklius war, wahr- 
scheinlich der erstgeborene Konstantin, dessen Schicksale in Dunkel gehüllt sind. ' 

Wir hätten dann hier eine zweite \'ersion zu registriren über den Grund, 
der Heraklius veranlasst haben konnte, die offenen, in den Palästen gelegenen 
Teiche, zuschütten zu lassen. Wie trefflich L^nger's Versuch eines Grundplanes 
dieses Theiles des kaiserlichen Palastes ist, beweist auch die Art, wie die von 
ihm angenommene Lage des Kamilas zu einer Nachricht passt, die Theophanes 
(continuatus, p. 144) gibt, wo er die Neubauten des Theophilus aus dessen späterer 
Regierungszeit beschreibt: der Kamilas genannte Palast habe südlich von dem 
Garten, bezw. der alten Cisterne gelegen, die Theophilus früher schon um- 
geändert hatte. Genau so stellt sich die Situation auch nach Unger 's Planskizze 
dar. Man vergleiche damit nur die unbrauchbare Arbeit Labarte's. * 

Dieser offene Behälter war also von Heraklius zugeschüttet, von Justinian II. 
mit Gebäuden, deren Mauern wahrscheinlich zum Theil auf den Umfassungsmauern 
der Cisterne ruhten, umbaut und von Theophilus in einen prächtigen Garten um- 
gewandelt worden, der später durch den Vorbau der Anaktora eine Art Innenhof 
des Palastes wurde. An eine Identificirung desselben mit der Bin bir direk oder 
der Philoxenos-Cisterne, wie GyUius sie annahm, kann nicht gedacht werden, noch 
weniger an die von Anastasius Dikoros eröffneten kalten Cisternen des Palastes, wie 
Ducange (p. 97) annimmt, denn diese bestanden aus gedeckten Gängen. 

9. Die Cisterne vor der Magnaura. 
(Filchane 4.) 
Die zweite von den innerhalb der kaiserlichen Paläste gelegenen offenen 
Cisternen, welche Heraklius zuschütten Hess, lag nach Konstantin Porphyrogemtus 



> Theophanes continuatus, p. 88. 

■ Geschichte der bilderstürmenJen Kaiser, S. 474 und 498. 

• V>;1. Ducange Familiae byz-, P- "8. 

* Le palais imperial de Constantinoplc, pl. .:. Vi;!. Reber, S. 7^9 und Plan. 

21* 



i64 

(Theoph. cont., p. 338) und Cedren (II, p. 241) ~fih -iyr Mayvaüpa;, nach Glykas 
(p. 550) Tipii^ T^c Mavvaöpa;. Es gab zwei Magnaura genannte Paläste. Der eine 
lag innerhalb des Palastviertels am zweiten Hügel, der zweite im Hebdomon. 
Der Teich kann nun keinesfalls vor der Magnaura im Stadtpalaste gelegen 
haben, weil er sonst auf dem Augusteum, dem grossen Festplatze zwischen der 
Sophienkirche und dem Hippodrom, gesucht werden müsste. Ausserdem würde 
er dann auch dicht neben dem Teich beim Justinianos gelegen haben, wogegen 
einzuwenden ist, dass Konstantin Porphyrogenitus doch nicht beide Cisternen 
in einem, sondern in zwei verschiedenen Palästen anführt. Wir müssen diesen 
Teich also in dem zweiten Magnaura genannten Palaste suchen , der einen 
Theil des Hebdomon bildete. Nun hat schon Unger gegen die herrschende 
Ansicht, dass man das Hebdomon bei Tekfur Serai zu suchen habe, " nach- 
gewiesen, dass dasselbe vielmehr auf dem Wege vom goldenen Thore nach 
Rhegium zu, beim siebenten Meilensteine zu suchen sei. * Wir kommen damit 
ganz natürlich in die Gegend von Makri-Kjöi an der Propontis, wohin denn auch 
A. van Millingen das Hebdomon verlegte. ' Ob er damit vollkommen Recht hat, 
möchte ich bezweifeln. Ich habe Makri-Kjöi nach Architekturtrümmern abgesucht 
und nur ein paar elende Reste gefunden, von denen keiner nothwendig an der 
Stelle seiner früheren Verwendung liegen geblieben sein muss. Anders in der 
Gegend etwas östlich vor Makri-Kjöi, vor der Mündung eines von Da'üd Pascha 
kommenden Baches, wo man, die Strasse am Meeresufer entlang nach dem 
goldenen Thore zuschreitend, rechter Hand riesige Reste monolither Säulen liegen 
sieht, die schon Moltke in seinen Plan eingetragen hat. Hier an den westlichen 
Geländen des bei Moltke Tschirpydschi Tschaire genannten Bachthaies und dicht 
am heute völlig versandeten Hafen, wird das Hebdomon gelegen haben. Und 
ich glaube wir sind imstande dafür einen positiven, bisher unbekannten Beweis 
zu erbringen. 

Das Filchanö liegt auf der Höhe dieses Bachgeländes etwa da, wo im 
Moltke'schen Plane Veli Effendi Bag steht. Man verbinde damit die Nachricht 
von einem Behälter, der vor dem Palaste Magnaura, welcher seinerseits wieder 
einen Theil des Hcbdomon's bildete, lag und man wird, glaube ich, zugeben 



1 Gyllius, p. 293, Ducange in den Additamenta und alle Nachfolger. 

ä Unger bei Ersch und Gniber, Bd. 84, S. 297 IT. und Quellen, S. 113 ff. Vgl. dagegen 
die Remerkungen von J. P. Richter in der Lützow'schen Zeitschrift XV (1880), S. 125 ff., für 
die aliein bezeichnend ist, dass Konstantios und .Skarlatos Bj-zantios gegen Unger als »Werke 
von wahrhaft wissenschaftlichem Werth« citirt werden. 

« Im iLevant herald« vom 12. Mai 1891. 



i65 

müssen, dass die Umstände hier derart ineinandergreifen, dass ein Zweifel an 
der Localisirung des Hebdomon und daran, dass das Filchane die Cisterne vor 
der Magnaura ist, fast ausgeschlossen erscheint. In diesem Zusammenhange 
gewinnt die Wendeltreppe in der Südostecke des Behälters an hiteresse, weil 
sie gerade nach dem Zugange vom Palaste aus liegt. Das Filchane muss, da der 
Teich vor der Magnaura von Heraklius zugeschüttet wurde, vor der Regierungs- 
zeit dieses Kaisers entstanden sein. 



Zusammenfassung. 
Nach den vorhergehenden Einzeluntersuchungen lässt sich folgende chrono- 



logisch geordnete Tabelle der offenen Cisternen aufstellen : 



Historischer Name 


Hügel 


Region 


Zeit der Gründung 


Heutiger Name 


I. Aetius 


6 


XIV 


ca. 368 




2. Modestiaca .... 


4 


XI 


369 


Sarrädschchane (A) 


3. Theodosiaca . . . 


2 


V 


Theodosius I. oder II. 




4. Arcadiaca .... 


5 


XI 


Arcadius (395—408) 


Sultan Selim (3) 


5. Aspar 


6 


XI erweitert 


459 


Kara Gümrük (3) 


6. Mocisia 


7 


XII erweitert 


Anastasius (491—518) 


Exi Marmara (i) 


7. Hiereia 




Asien 


Justinian (527—65) 




8. beim Justinianos . 

9. vor der Magnaura 


2 


III 

bei Makri-Kjöi 


1 vor Heraklius (610— 41) 


Filchane (4) 



Der Bau von offenen Teichen beginnt demnach um die Mitte des 4. Jahr- 
hunderts (i und 2), hört innerhalb der alten Konstantinsstadt wahrscheinlich schon 
zur Zeit der Theodosius auf (3 und 4), wird in den neu hinzugekommenen Stadt- 
vierteln fortgesetzt (5 und 6) und endet, soweit augenblicklich nachweisbar, zur 
Zeit Justinian's bei Anlage eines neuen Palastes (7). ' 

Auffallend ist die ungleichmässige Vertheilung der Teiche über die einzelnen 
Hügel. Am ersten und dritten Hügel findet sich keiner, am vierten, fünften und 
siebenten Hügel je einer, am zweiten und sechsten je zwei offene Teiche. Wir 
werden es möglich finden, dass am ersten Hügel, auf dem die alte Burg von 



' Daraus geht hervor, dass wir es bei der von Manuel Komnenus beim Dorfe Petra 
angelegten Cisteme schon der Zeit nach schwerlich mit einem olTcnen Teich zu thun haben 
künnen. (Vgl. oben S. 10 (f.) 



i66 

Byzanz lag und der bei der Neugestaltung der Stadt nur an der Meeresküste 
eine neue Gestalt erhielt, die alte römische Art der Wasserversorgung aufrecht 
erhalten, daher von der Anlage eines Teiches abgesehen wurde. Wir werden es 
ferner begreiflich finden, wenn auf dem zweiten Hügel zwei Teiche angelegt 
worden sind. War er doch von Septimius Severus bis auf Konstantin die eigentliche 
Stadt und der Grundstock für die spätere kaiserliche Residenz. Dieser Stadttheil 
wurde von Konstantin, in seinen oberen Theilen wenigstens, zum kaiserlichen 
Palastviertel gemacht, während der nördliche, nach den Ufern des goldenen 
Horns zu gelegene Theil, wie die Beschreibung der 5. Region sagt, die 
(wirthschaftlich) nothwendigen Gebäude der Stadt enthielt. Daher ist es ohne 
Weiteres verständlich, wenn wir den Behälter beim Justinianos im Palast-, die 
Theodosius-Cisterne im Handelsviertel finden. Aber gerade diese Betrachtungen 
müssen uns die Thatsache um so sonderbarer erscheinen lassen, dass weder in 
der Litteratur, noch in an Ort und Stelle vorhandenen Resten sich ein Teich 
auf dem dritten Hügel hat nachweisen lassen. Die Höhe dieses Hügels nahm 
das Forum Tauri mit zahlreichen Denkmälern ein. Der grosse Theodosius hatte 
dahin einen Theil der Municipalgebäude vom konstantinischen Forum aus heraus- 
geschoben. Heute liegt da das Seraskierat. Zwischen diesem und dem Forum 
Konstantin's, nach der Seite der Propontis zu, dehnte sich die 7. Region aus, 
die volksreichste, welche allein 711 Häuser zählte, während auf dem zweiten 
Hügel zusammengenommen nur circa 1000 Häuser gelegen haben. Auf dem 
Boden der 8. Region ungefähr, die ebenfalls am dritten Hügel lag und 108 Häuser 
zählte, dehnt sich heute der Bazär aus, der alles, was aus äkerer Zeit dort zu 
finden war, spurlos begraben hat. Gyllius hat mit Mühe drei kleine bedeckte 
Teiche gefunden, nach denen wir vergebens suchten. Am dritten Hügel lagen ferner 
theilweise noch die 9. und die 10. Region,- welche die Speicher der Propontis, 
die Anastasianischcn und Konstantinianischen Thermen, 752 Häuser und 37 Privat- 
bäder enthielten. Das waren die Verhältnisse zur Zeit der Abfassung des Regionen- 
verzeichnisses in der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts, also zu einer Zeit, wo 
man noch in erster Linie offene Teiche zur Wasserversorgung benützte. Da ist 
es doch geradezu unglauljlich, dass auf diesem Hügel kein Teich erbaut worden 
sein sollte. Die littcrarische Überlieferung ist nicht ausschlaggebend. Die Annahme, 
dass ein solcher von der Dcscriptio regionum übergangen sei, wäre allerdings 
nur dann zulässig, wenn sich solche Lücken auch bei anderen Monumenten- 
gruppen nachweisen Hessen. Ich werde die iMage in Zukunlt im i\ugc behalten. 
Bei den l'atria hat das keine Schwierigkeiten. Sie keiiiiLU von den acht bekannten 
nur vier Teiche. Unsere Keiintniss ist also sicher lückenh.ifl, soweit die nach- 



i67 

theodosianische Zeit in Betracht kommt. Die Behälter in Hiereia, beim Justinianos 
und vor der Magnaura sind uns überhaupt nur zufällig bekannt geworden. Anderer- 
seits ergibt ein Blick in die Tabelle, dass von den durch die Litteratur bekannten 
Behältern nur die Hälfte auf uns gekommen ist, wir somit von Seiten der Local- 
forschung nicht viel Aufklänmg erhalten haben. 

Schon Buondelmonti kennt nur drei bis vier Teiche, indem er ausdrücklich 
sagt: »Es sind mit einem Worte über die ganze Stadt unzähUge Kirchen und 
Cisternen von bewundemswerther Grösse und Kunst gebaut und in Ruinen gelegt. 
In einigen von ihnen (den Cisternen), in dreien oder vieren wächst Wein«. Unter 
letzteren, deren Zahl ungefähr auch zu derjenigen der noch heute erhaltenen 
stimmen würde, können doch nur oflfene Teiche verstanden werden. Ob diese 
aber unter den von Buondelmonti selbst mit Namen aufgeführten Behältern: 
Cisterna Sti Johannis de Petra, Cisterna Pandepopti, Cistema Pandocratora, 
Cistema Apostolorum ... et aliae multae genannt sind, lässt sich nicht sicher 
sagen. Die Cisterna Sti Johannis de Petra könnte die Cisteme des Aetius, die 
Cistema Apostolorum die des Modestus (Sarrädschchane) sein. Die Cisterna 
Pandepopti und Pandocratora liegen beide am vierten Hügel, doch haben sich 
an Ort und Stelle nur bedeckte Behälter nachweisen lassen. Wir erhalten also 
auch durch ihn keinen Aufschluss über die fehlenden Teiche, insbesondere am 
dritten Hügel. 

Am vierten Hügel fanden wir die Cistema Modestiaca, welche die Stadt- 
viertel südöstlich von der Mohammedije bis zur Schähzade mit Wasser versah. 
Es dürfte aber wahrscheinlich auch nach dem andern Hügelabhang und dem 
goldenen Hom zu ein grosser Behälter aus alter Zeit gelegen haben ; die Gegend 
der Kyzlär Kilise dschami, die Buondelmonti Pandepopte nennt und in deren 
Nähe er eine Cisteme erwähnt, würde sich dazu sehr gut eignen. 

Am fünften Hügel fanden wir die arcadianische Cisterne bei Sultan Selim, 
die durch gedeckte Behälter unterstützt, für die umliegenden Viertel wohl hin- 
gereicht haben könnte. Am sechsten Hügel lagen die Cisterne des Aetius, be- 
stimmt für das Blacherner- und die des Aspar für das \'iertel Kara gümrük bis 
ans Lykos Thal. Auf der andern Seite desselben am siebenten Hügel die Cisterna 
Mocisia fast genau in der Mitte des Plateaus, also wohl für die Versorgimg dieses 
ganzen Stadttheils der erweiterten 12. Region bestimmt. 

Fassen wir die Resultate dieser Betrachtung zusammen, so ergibt sich, dass 
wir durcii die Litteratur aller Wahrscheinlichkeit nach nicht die volle Zahl der 
einst vorhandenen Teiche kennen lernen. Am ersten Hügel mag keiner gelegen 
haben, für den zweiten und sechsten dürften zwei, für den fünften und siebenten 



l68 

einer hingereicht haben ; für den dritten Hügel aber werden wir mindestens drei, 
für den vierten ausser der Modestiaca mindestens noch einen Teich annehmen 
müssen. Wir können also mit Wahrscheinlichkeit elf offene Cisternen voraus- 
setzen, wovon sieben in der Litteratur erwähnt und nur vier heute noch mehr 
oder weniger gut erhalten sind. Dazu kommen die beiden Teiche in den sub- 
urbanen Palästen. Soweit hier, wir kommen auf diese Frage später nochmals 
zurück, wenn wir auch die in der Litteratur erwähnten gedeckten Behälter kennen 
gelernt haben werden. 

Die offenen Cisternen wurden durch die Wasserleitungen gespeist ; wenig- 
stens spricht sehr dafür, dass die uns bekannten Cisternen in den neuen theodo- 
sianischen Stadtvierteln genau da angelegt wurden, wo die Wasserleitungen in 
die Stadt eintraten : die Cisterne des Aetius an der Leitung des Hadrian, die des 
Aspar an der des Valens, an der auch die mit der Leitung gleichzeitig erbaute 
Modestus Cisterne lag, und die Mocisia an einer von dem Propontisplateau 
kommenden Leitung, die Konstantin Porphyrogenitus erwähnt. Die Einleitung 
des Wassers in den Behälter könnte oberirdisch stattgefunden haben, wie es der 
Anonymus vom Jahre 1543 für eine Cisterne in Chalcedon beschreibt (vgl. 
oben S. 162), weil sich bei keinem der erhaltenen Teiche die Zuleitung hat 
nachweisen lassen. Daneben werden jedenfalls auch Vorrichtungen zum Auf- 
fangen des in der Umgebung des Behälters niederfallenden Regenwasser ange- 
bracht gewesen sein. 

II. Die gedeckten Behälter. 

Hat uns die am Schlüsse der Einzelnbetrachtung der offenen Teiche auf- 
gestellte Tabelle belehrt, dass die litterarische Überlieferung bezüglich dieser Bau- 
werke lückenhaft sein dürfte, so können \^ir diese Beobachtung in unvergleich- 
lich höhcrem Masse den gedeckten Behältern gegenüber machen. Hier genügt 
ein Blick auf die Topographen um zu zeigen, dass wir aus der Litteratur wenig 
Aufschluss zu erwarten haben. Das Regionen verzeichniss erwähnt die gedeckten 
Behälter überhaupt nicht, die Patria führen ausser den als offene Teiche nacli- 
gewiesenen noch drei Cisternen, die sk tu toü xpiou, die Cisterna Boni und die 
Cisterna Basilica an, von denen nur die beiden letzten ausdrücklich als gewölbt 
bezeichnet werden. Auch Buondclmonti bringt uns nicht weiter. Unter den acht 
von ihm genannten Behältern bezeugt er nur diejenigen unter der Sophien- 
kirclie, unter dem Ilipixidrom und die Cisterna Mahumcti als gedeckt. Nicht 
viel mehr liefern die übrigen byzantinischen (Juellen, durch dit- wir nocii zwei 
oder drei Halienln.li;ilkT keimen Icnan. Diu nachfolgende, ciironnlogiscli geord- 



169 

nete Vorführung der Behälter nach den litterarischen Quellen wird daher ein 
sehr spärliches Resultat liefern ; überdies werden die topographischen Fragen 
hier schon deshalb schwerer zu erledigen sein, weil wir es ja mit unterirdischen 
Bauten zu thun haben. 

I. Die Hippodrom Cisterne ("33). 

Codinus (p. 14) erzählt die Entstehung des Hippodroms nach Hesychios von 
Milet folgendermassen : „To dh fJ-i'/pt znü möv aw^ö/isvov crrTToopö/jicov exriadrj nap' 
a'j-oü ToD Isßr^poö, xrjnojv uvrwv £X£?as 860 zivwv ddsX^wv xal youatKiK -(i^pa?. ps-(pc 
pkv ohv Toü yalxoi) xiovo^ roU Ttrpa7:).tüpou Tzedtvoi; tjv 6 tötio^, äith dk zoüzou xa\ 
piypt. r'^c ^<f£v8övr^(; xpr^pvoö ovzo^ xiovsi eu/xsYifiac; xal xzlapaza dvr^Yip&rjaav. 
£vöa 0^ xa: ij >l<uypa xaloup-ivr^ xivaripva kazi, dti'izc irävu z/))juvw(5)jc fjV 6 züno;.'^ 

Diese Cisterne bestand noch zur Zeit Buondelmonti's, der (p. 122) berichtet, 
das Hippodrom sei über Säulen erbaut, in denen eine sehr geräumige Cisterne 
mit vorzüglichem Wasser den ganzen Raum ausfülle. Gyllius (p. 138) erwähnt 
nur den Unterbau : die Säulen auf der Stirnseite nach der Propontis zu ständen 
auf gewölbten Substructionen, die nach der Innenseite der Ebene des Hippodroms 
gleich gemacht, nach aussen zu aber ungefähr 50 Fuss hoch seien. 

Der Unterbau des Hippodroms ist somit nach dem ausdrücklichen Zeug- 
nisse des Hesychios von Septimius Severus (193 — 211) aufgeführt, die darin befind- 
liche Cisterne stammt noch aus römischer Zeit und ist daher heute wohl das 
älteste bekannte der erhaltenen Bauwerke von Konstantinopel. Obwohl eigent- 
lich nicht unter den Titel dieses Buches fallend, stelle ich diese Cisterne doch 
an die Spitze der byzantinischen Hallenbehälter, weil wir daran theilweise die 
Bauart römischer Cisternen gegenüber den byzantinischen kennen lernen können. 
Zwar ist die Gesammtanlage bedingt durch die constructive Function der Mauern 
als Träger der halbkreisförmigen Sphendone des Hippodroms. Beispiele für ähn- 
liche Erweiterungen eines Platzes durch Substructionen finden wir in römischer 
Zeit öfter z. B. an der Poikile der Hadrians -Villa bei Rom und am Haram 
in Jerusalem. Septimius Severus schuf also damit nichts Neues. Aber gerade 
jenen Beispielen gegenüber ist die klare Raumauftheilung und vortreflfliche tech- 
nische Disposition dieser Substructionen hervorzuheben. Es wäre nicht unmöglich, 
dass man gleich von vorneherein die Benützung des Raumes für eine Cisterne 
im Auge hatte. Mit anderen römischen Cisternenanlagen hat sie das Fehlen der 
Säule als deckenstützenden Gliedes und die durchgehende Verwendung von Ziegel- 
mauerwerk gemein. — Wir wollen im Nachfolgenden festzustellen versuchen, wann 
zuerst in Byzanz Säulen als Träger angewendet wurden. 

22 



I70 

2. Die Cisterna Philoxeni. 

Die Patria (Band., p. 5, Cod., p. 2i) theilen nach Hesychios von Milet mit, 
dass einer von den vier von Konstantin dem Grossen aus Rom nach dem goldenen 
Hörne versetzten Magistri, Philoxenos, eine Cisterne erbaut habe. Codinus (p. 21) 
fü^t bei, es sei dies jener Behälter gewesen, welcher 0c?.o^svoü genannt werde 
und der Anonymus des Banduri (p. 49) sagt in der Zusammenfassung der 
Cisternen am Schlüsse seines topographischen Rundganges: „Ek tuv (föpov n^- 
aiov iari xcvaripva, fjV ixriffev 6 0dd^evni; 6 I'a)/iato<:, 6 cov kx Tü)f i/9'". Cedren 
(I, 564) führt den Namen darauf zurück, dass diese Cisterne (■/] (fdd^svo:) gewissen 
Xenodochien Wasser geliefert habe, welche im Lausos lagen. Nach dieser 
Cisterne dürfte ein Stadttheil seinen Namen gehabt haben, wenigstens bestimmen 
die Synaxarien die Lage der Kirche der hl. Aquilina einmal als ev zq) 0doHvw, 
Tzkrjaiov toU fopou, ein zweites Mal als ev rok 0dn^£vo'j (Ducange II, 144) gelegen. 

Aus allen diesen Nachrichten geht nun so viel hervor, dass die Cisterne 
des Philoxenos beim Forum gelegen haben muss. Auf welcher Seite desselben 
sie zu suchen sei, erfahren wir an der Hand der Kirche der hl. Aquilina. Die 
Osterchronik (I, 623) berichtet, dass Soldaten beim Nikaaufstande Feuer in das 
Oktogen geworfen hätten, wodurch die Umgebung von Hagios Theodoros twv 
Itfcopaxio'j, die Arkade der Wechsler, das Haus des Symmachus und die Kirche 
der hl. Aquilina bis zu dem Bogen der anderen Arkade des Forums Constantini 
abgebrannt sei. Nun brauchen wir nur die topographische Beschreibung des 
Anonymus bei Banduri (p. Ii ff.) herzunehmen, um zu finden, dass die an erster 
Stelle genannten Bauten, d. i. die Kirche des hl. Theodoros tmv E<fwpaxli>u und 
das Oktogen, dazu der Palast des Lausus (somit auch die Philoxenos-Cisterne) 
zwischen dem Milium und dem Forum, d. h. auf der nördlichen Seite des die 
Sophienkirchc mit dem Tschemberli Tasch verbindenden Diwan jok'i gelegen 
haben müssen. ' 

Man würde, in dieser Gegend nach einer Cisterne suchend, zunächst auf 
Jere batän Serai (5) verfallen. Dieser Behälter gehört aber unzweifelhaft erst der 
Zeit Justinian's an. Zudem muss die Philoxenos-Cisterne näher nach dem I'orum 
zu gelegen haben, sonst könnte sie nicht, wie das zweimal geschieht, als nalic l)ei 
demselben gelegen bezeichnet werden. Da sich nun dort keine grössere Cisterne 
erhalten hat, so müssen wir annrliinen, dass die Philoxenos-Cisterne, ebenso 



' V^l. über die Lajje dos Oktoj^uns den Plan \\n\ j. Mordtniann nnd da/u die wunder- 
liche Annalinic Rchcr's, wonacli 01<to;:;on, Tiikonelios und Daphnc Pal. ist um den Abhang dus 
Hippodrom Unterbaues (33) giuppirt sind. 



171 

wie die mehr nördlich am Abhänge gelegene des Theodosius, zerstört worden ist 
und auf ihrem Boden heute moderne Bauten stehen. Sie muss in der 4. und 
vielleicht an der Grenze der 6. Region, d. h. wahrscheinlich nahe an der alten 
Mauer des Septimius Severus gelegen haben. 

Seit Gyllius (p. 127) hat man die Cisterne des Philoxenos allgemein mit 
der Bin bir direk identiticirt, ja Dr. Mordtmann hat sogar (Revue, p. 475) ^^"s 
einem einfachen Steinmetzzeichen durch willkürliche Hinzufügung eines A ( j^ N 
statt k N) den Namen AKVAINA gemacht und damit jedenfalls den für die 
Identificirung erwünschten Beleg der Nähe der Kirche der hl. Aquilina liefern 
wollen. Wie er sich den so künstlich fertig gebrachten Zusammenhang denkt, ist 
allerdings nicht ausgeführt. Schon Gyllius hat Unrecht, weil die Philoxenos, wie 
gesagt, nicht auf der Südseite des Diwan jolü, wo die Bin bir direk liegt, gesucht 
werden kann und andererseits auch die Formen der Bin bir direk selbst unzweifelhaft 
auf die Zeit Justinian's weisen. Deshalb hat auch schon Unger' diese Identificirung 
abgelehnt. Gyllius (p. 196) hat die Philoxenos-Cisterne auch für ein und dieselbe mit 
derjenigen gehaken, die zwischen dem Triklinium des Justinian und den Lausiakon 
erwähnt wird und von der oben S. 162 die Rede war. Auch daran ist nicht zu 
denken, weil diese beiden Gebäude ganz ausser der nothwendigen Richtung an 
der Ostseite des Hippodroms gelegen haben. Gyllius und Ducange (I., p. 16) 
können hier nur das Lausiakon im kaiserlichen Palaste mit dem Palast des Lausus 

verwechselt haben. 

Bei allen diesen Erörterungen ist die zweite Hauptfrage unberührt geblieben: 
warum die Philoxenos-Cisterne ein gedeckter Behälter sein müsse. Aus der 
Litteratur ergibt sich dafür kein directer Beleg. Wie sehr ich selbst schwankend 
war, bezeugt die Thatsache, dass ich diesen Behälter erst, nachdem die Arbeit 
abgeschlossen war, der Gruppe der offenen Teiche wegnahm und den gedeckten 
Behäkorn zufügte. Grund dafür ist, dass das Regionenverzeichniss nur vier Teiche 
aufführt und diese sich nachweisen lassen, alle anderen Behälter also, die älter 
als die Abfassung der Descriptio sind, unterirdisch gewesen sein müssten. Diese 
Annahme gilt, so lange nicht positiv nachgewiesen ist, dass die Descriptio lücken- 
haft ist und dass die Aetius-Cisterne nicht zur Theodosianischcn Stadt gehörte. 
Für eine gewölbte Pfeilcrcisterne spricht, dass der Stifter ein Römer war, also 
wahrscheinlich in der Art seiner Heimat bauen Hess. Die römische Bauart aber 
ist, wie unter dem Hippodrom, die mit Pfeilern oder Mauern und Gewölben. 
Teiche sind den Römern unbekannt. - Für einen offenen Teich würde dagegen 



I Bei iMscli uiKl CnihL-r, BJ. S4, S. 334 und 395. 

22* 



172 

sprechen, dass im Jalire 407 die Cisterna maxima am Forum, durch die Litteratur 
als Hallenbehälter bezeugt, dann in unmittelbarer Nähe der Philoxenos-Cisterne 
erbaut worden wäre. Nun kommt es allerdings vor, dass ein Teich und ein 
Hallenbehälter nebeneinander liegen (2 und 9, 3 und 10), nicht aber, dass zwei 
grosse Hallenbehälter fast aneinander stossen. Es ist daher wahrscheinlicher, dass 
die Cisterne vom Jahre 407, die wir gleich besprechen wollen, als Kühl- und 
Reinigungsraum neben einen Teich, der dann die Philoxenos sein würde, gelegt 
wurde. Doch diese Annahme hat jedenfalls weniger Gewicht, als die für einen 
Pfeilerbau sprechenden Gründe. 

3. Die Cisterna maxima bei der Porphyrsäule. 

Die älteste mit voller Sicherheit als gedeckt bezeugte Cisterne aus bvzan- 
tinischer Zeit ist die von Marcellinus Comes (Migne lat. LI, Sp. 922) unter dem 
Jahre 407 (hid. V, Honorio VII et Theodosio juniore II coss.) angeführte: 
»Cisterna maxima juxta porphj'reticam Constantini imperatoris columnam in foro 
eins sub plateae transitum constructa est«. 

Die Porphyrsäule auf dem Forum bezw. dem Forum des grossen Kon- 
stantin ist bekanntlich in dem sogenannten Dikili- oder Tschemberli Tasch, 
einer aus sechs riesigen Porphyrtrommeln bestehenden Säule mit einem in 
Quadern ausgeführten Unterbau und ebensolchem Aufsatz erhalten. • Sie steht, 
wenn man vom At-meidän kommt, auf der rechten Seite des nach dem Seras- 
kierat führenden Diwan jolü. Das Forum des grossen Konstantin, dessen Mitte 
sie einnahm, war von sichelförmigen Arkaden, die durch nach der Alt- und 
Neustadt gehende Portale verbunden waren, umrahmt und mit Monumentalbauten, 
wie dem Senat, einem Nymphäum, einer Kirche der Muttergottes und zahlreichen 
antiken und byzantinischen Bildwerken in Erz und Marmor geschmückt. Konstantin 
der Grosse hatte dasselbe vor dem Landthore der AUstadt angelegt. Dieses Thor 
dürfte bei der heutigen Türbe Mahmüd's des Reformers gelegen haben, von der 
aus sich ein Strassenzug nördlich nach dem goldenen Hörn zu zieht, die Richtung 
bezeichnend, in der einst die Mauer des Septimius Severus nach dem Neorium 
herabgegangen sein könnte. Die Hauptstrassc, welche vom Forum nach Osten 
zum Hijjpodrom und dem Augusteum mit den kaiserlichen Palästen führte, lag 
wdhl in der IvicliUing des Diwan jolü; auf der entgegengesetzten Seite ging 
diese Mese, die Mittel- und Feststrasse, westlich weiter nach dem I'\irum des 



' AbgebiUlct l)ci Ikitzbcrjf, (kscliiclitc iIlt Byzantiner mul dos (isnianisclicn Kciclits, 
.S. 8 u. a. O. 



173 

Taurus. Ferner mündeten jedenfalls Strassen von Norden und Süden, nur waren 
sie nicht so wie die Feststrasse beim Eintritt in das Forum mit Prachtthoren 
geschmückt. 

Nun sagt Marcellinus, dass die grosse Cisterne bei der Porphyrsäule 
Konstantin's auf seinem Forum sub plateae transitum, d. h. unter dem Strassen- 
übergang erbaut worden sei. Das ist nur so zu verstehen, dass diese Cisterne 
unter dem Forum selbst ' neben der Säule lag und sich bis unter eine, der auf 
das Forum mündenden Strassen erstreckt habe. Nach welcher Richtung- ist nicht 
gesagt. Man könnte im ersten Augenblicke versucht sein, an die Cisterne Bin bir 
direk (6) zu denken, welche die Bezeichnung als Cistema maxima jedenfalls 
vollauf verdienen würde und auch ihrer Lage nach von vornherein nicht völlig 
ausser Betracht bliebe. Wir haben aber gesagt, dass das Forum Konstantin's 
sich bis ungefähr zur Türbe Mahmüd's ausdehnte. Die Bin bir direk jedoch 
liegt von der Porphyrsäule noch ungefähr einmal so weit nach Südost entfernt' 
als die Türbe ; zwischen ihr und dem Forum stand zur Zeit des Marcellinus 
überdies wahrscheinlich noch die Mauer der Altstadt. Man wird also nur bei An- 
nahme eines übergrossen Annäherungswerthes zugeben dürfen, dass Marcellinus 
hätte sagen können, die Bin bir direk liege bei der Porphyrsäule am Forum. 
Heute allerdings, wo alles Übrige aus byzantinischer Zeit in weitem Umkreise 
rasirt ist, liegen die beiden Monumente nicht fem von einander. Auch kann, 
was immerhin nicht ganz zu übersehen ist, in der Richtung der Bin bir direk 
keine Hauptstrasse angelegt gewesen sein, weil sie sich an der Nordostseite des 
Hippodroms todt gelaufen hätte. Da sich aber wohl nur die Hauptstrassen nach 
dem Forum zu öffneten, so kann in der Richtung der Bin bir direk nie ein 
Strassenübergang nahe bei der Porphyrsäule gewesen sein. — Dazu kommen 
noch Gründe im Aufbau der Cisterne selbst. Erstens liegen die Gewölbe heute 
noch höher als das Niveau des Diwan jolü und des Tschemberli Tasch, bei welch' 
letzterem sich der Boden überdies um 2 — 3 ni erhöht hat. Die Cisterne kann 
daher schwerlich unter dem alten Strassenniveau gelegen haben. Ebenso müssten 
wir uns darüijer wundem, dass diese in ihrer Art so leicht und frei wie die 
Sophienkirche erbaute Cisterne mit zwei, nach einigen sogar drei Säulen über- 
einander, sich trotz der fortwährenden Erschütterung, der sie unter einem Strassen- 



' Bezöge sich das »in foro eins« auf die Säule und nicht auf die Cisterne, dann miisste 
erectam folgen. So auch Ungcr, Quellen, S. 200. 

2 Nach freundlichen Mitthcilungen des Herrn Postsekretärs Nowak. Von der Porphyrsäule 
bis zur Türbe sind es 120 .Schritte, von dieser bis zur Bin bir direk I17 Schritte auf dem 
Diwfin johl und (13 Schritte in der Oucrstrasse nacli rcclits. 



174 

Übergang ausgesetzt gewesen wäre, sich so gut erhalten liat, wie dies, abgesehen 
von einer untermauerten Ecke, in der That der Fall ist. Kommt nun, wie wir 
später sehen werden, dazu, dass auch die Architekturformen und die Steinmetz- 
zeichen gegen die Entstehung im Jahre 407 sprechen, so werden wir, glaube 
ich, den Gedanken an eine Identificirung endgiltig aufgeben müssen. 

Näher läge räumlich der Behälter in der, der Türbe Mahmüd's gegenüber- 
mündenden Eschrefije sokaghy (8). Aber hier müssen wir uns von vornherein 
daran stossen, dass die Cisterne nur 32 Säulen hat, daher an und für sich schon 
schwerlich als Cistema maxima bezeichnet werden könnte. Und Marcellinus 
comes führt ausser ihr nur noch die Cisterna Aetii, also einen der Riesenteiche 
von circa 20.000^;« Flächenraum an, neben dem der Behälter in Eschrefije 
sokaghy mit circa 1063^«? Flächenraum fast verschwindet. Trotzdem gehört er 
immer noch zu den grössten Cistemen; der Säulenzahl nach der vierte, ist er 
dem Flächeninhalte nach der dritte unter den Hallenbehältem (vgl. oben S. 140) 
und es ist daher von dieser Seite nicht absolut ausgeschlossen, dass er unter 
der Cisterna maxima gemeint sein könnte. Doch da ergibt sich gleich die zweite 
Schwierigkeit: zwar näher gelegen als Bin bir direk, kann auch er nur schwer 
als bei der Porphyrsäule und auf dem Forum gelegen bezeichnet werden, wenn 
wir dem Forum nicht eine nach heutigen Begriffen immense Ausdehnung geben 
wollten. Die Entfernung von der Säule ist jedenfalls grösser als der Abstand 
der Türbe Mahmüd's. ' Ferner ragt die Cisterne heute noch theilweise aus dem 
Boden heraus und ist auf allen Seiten mit Fenstern beziehungsweise Luftschächten 
versehen ; es kann also nicht gut angenommen werden, dass sie unter einem 
Strassenübero-anse eelesen habe. Nur eines wenigstens lässt sich für die Zeit 

0000 «^ 

der Entstehung der Cisterna maxima geltend machen, das ist die Architektur: sie 
gehört, wie wir später sehen werden, jedenfalls dem 5. Jahrhundert an, ob aller- 
dings schon dem Jahre 407 ist zum mindesten zweifelhaft. Eher könnte der 
Behälter, wie wir sehen werden, die im Jahre 421 entstandene Cisterne der 
Pulcheria sein. 

So sind wir mit unserem heutigen Material nicht im Stande diesen ältesten 
der dem Namen nach bekannten Hallcnl)ehältcr mit Bestimmtheit nachzuweisen. 
Es ist wahrscheinlich, dass er unter der klafterhohen Erdanschüttung der Jahr- 
hundertc irgendwo um die Porphyrsäule herum noch verborgen liegt. Hier können 
nur Nachgrabungen Gewissheit bringen, die an dieser hochwichtigen Stätte gewiss 



I Von dieser iKziLlningsweise der Strassenecke ReKcnüber bis zur Cislonic ni;iLlit man 
115 Schritt, daniatli, als Katlictu, wäre die walirc Distanz als 1 Ivpi>tlieiuisc zu bLicuhiKii. 



175 

einst unternommen werden dürften. Bis dahin müssen wir vorsichtig zuwarten. 
Ob die Cisterna maxima von durchbrochenen Mauern, von Pfeilern oder Säulen 
gebildet wurde, lässt sich nicht sagen ; doch spricht der Umstand, dass sie unter 
einem Strassenübergange lag, vielleicht mit gegen die Anwendung so leichter 
Stützen, wie Säulen es sein würden. 

4. Die Cisterne der Pulcheria. 
(Bodrüm 8 oder 9.) 
Die Osterchronik (p. 578) berichtet zum Jahre 421: » '£-: toutcuv tüiv bnö.- 
Tiov (Eöazahiou xai ^Aypsxölu) iveßlrjHrj zo üowp zr^;; xtvazepvr^^: rifc SsffTtnivrjZ 
IJoul/epia? Auyoüaza^ prjvt Tispizup, nph d iowv <fsßpriuapi(ü)/, zapovzo^ Toö 
dea-özoa ßsnooainu Adyauffzoo.«. Wie bei der Cisterna Philoxeni sind wir auch 
hier auf Grund des Fehlens der Pulcheria-Cisterne im Regionenverzeichnisse zu 
schliessen berechtigt, dass dieselbe ein Hallenbehälter war. Für die Localisirung 
desselben bieten sich keine sicheren Anhaltspunkte. Es lässt sich nur ausgehen 
von der Annahme, dass dieser Behälter wahrscheinlich in der Nähe eines jener 
Gebäude gelegen habe, die vom Regionenverzeichniss als Domus Pulcheriae 
Augustae angeführt werden. Es gab deren zwei, der eine Palast lag in der 3., 
der andere in der II. Region. Der in der 3. Region musste in der Gegend 
zwischen dem Hippodrom und dem Forum Konstantin's, das ist der verbrannten 
Säule, nach der Propontis zu zu suchen sein. Hier würden sich wieder die Bin 
bir direk (6) und der Behälter in der Eschrefije sokaghy (8) darbieten. Von 
der Bin bir direk ist auch hier abzusehen, da sie, wie oben gesagt, um mehr 
als 100 Jahre jünger sein muss, dagegen könnte die Cisterne in der Eschrefije 
sokaghy wohl im Jahre 421 entstanden sein. Das Haus der Pulcheria müsste 
dann dicht neben dem Forum des Konstantin und hart an der Grenze der 
3. und 7. Region gestanden haben. Da dagegen nichts vorzubringen ist, so 
hindert uns an der endgiltigen Identificirung der Cisterne der Pulcheria mit der 
erhaltenen von 32 Säulen (8) nur, dass sich auch in der li. Region eine für eine 
solche Verknüj)fung des Namens sehr geeignete Cisterne vorfindet. Es ist dies 
der Hallenbehälter Nr. 9 neben dem Tschukür bostän von Sultan Selim. Wir 
haben schon zur Localisirung der Cisterne des Arcadius angenommen, dass auf 
dem fünften Hügel ein Palastviertcl sich entwickelte, beginnend mit der Anlage 
des Palatium Faccilianum neben dem Arkadius einen olfenen Teich und nun 
auch Pulcheria ihren Palast mit einem dazu gehörigen Hallenbehälter angelegt 
haben kcinntc Völlige Sicherheit lässt sich aber weder für die vorgeschlagene 
Identificirung in der 3., noch für die 11. Region gewinnen, man müsste denn 



176 

für die 3. Region geltend machen, dass, wie die Zusammenstellung am Schluss 
dieses Capitels zeigen wird, von Hallencisternen in vorjustinianischer Zeit auch 
sonst nur noch solche auf dem zweiten Hügel genannt würden. Wir können 
nur im allgemeinen die Thatsache festhalten, dass Pulcheria im Jahre 421 eine 
Cisteme erbaut hat und diese möglicherweise einer der gedeckten Behälter 
8 oder 9 sein könnte. ' 

J. Mordtmann ■-' nennt den Behäker Nr. 9 bei Sultan Selim die Cisteme 
der Pulcheria. Warum, sagt er nicht. Es scheint jedoch, dass er dafür die Nähe 
des Viertels Pulcheriana geltend machen möchte. ' Ducange (I, p. 96) identificirt 
die Cisteme der Pulcheria mit derjenigen des Aetius, weil für beide dasselbe 
Jahr 421 als Datum einmal der Erbauung, das andere Mal des Wassereinlasses 
überliefert wird. Ein zwingender Grund ist das sicher nicht, man könnte dann 
im andern Falle ebensogut die Cisteme des Modestus mit der des Aetius iden- 
tificiren, weil beide zur Zeit des Valens um 368 erbaut wurden. 

5. Die kalte Cisterne im Palaste. 

Cedren (I, S. 636) berichtet im Leben des Anastasius Dikoros, dass der 
Kaiser, nachdem ihm der Tod durch Feuer angekündigt worden war, die im 
Palaste gelegene Cisterne (ttjv e\i rqj TiaXarUp xtvaripvav zyjv kr^Yo/iivyjv ipu)^pav), 
welche man die kalte nannte, durch viele Öffnungen erschloss und neben jede 
derselben ein Gefäss mit Wasser stellen liess, um auf diese Weise die Prophe- 
zeiung Lügen strafen zu ktinnen. 

Diese Cisterne muss, da vorausgesetzt ist, dass sie bereits im Palaste 
bestand, als die Prophezeiung erging, älter als das 27. Jahr der Regierung 
des Anastasius (491 — 518), in welchem sich nach Cedren der Vorgang abspielte, 
also älter als 518 sein. Sie war eine geschlossene Cisteme und lag vielleicht 



1 Beim Suchen nach Beweisgründen fiel mir auf, dass der Palast in der 3. Region Pul- 
cheriac Augustae, in der 11. Augustac Pulcheriac genannt wird. Das Gleiche ist bei den beiden 
Palasten der Placidia der Fall. Der Palast der Eudokia heisst .'\ugustae Eudociae. Es wäre 
daher nicht unmöglich, dass man den Titel vorstellte, wenn der Palast erbaut wurde, als die 
Gründerin bereits den Titel Augusta führte, dagegen folgen liess, wenn der Palast enistand, bevor 
seine Gründerin noch diesen Titel führte. In diesem Falle wäre der Palast der Pulcheria in der 
3 Region vor 414, der in der 11. nach dieser Zeit entstanden. Noch problematischer wäre die 
weitere Folgerung, dass dann die Cisterne der l'ulcliL-ri.i die in der 11. I^egion (9) sein niüsste, 
weil sie doch wahrscheinlich gleiclizeitii^ mit der .Xnlage des Palastes erfolgte, für die dann 
auch das Jahr 421 zu gelten hätte. 

■•' Mittheilungen des Kxcursions-Clubs III, .S. i» und Kcvue, p. 3()y. 

» Vgl. diesbezüglich aucli J. Mdidlmaiiu's rian. 



1/7 

unter dem Palaste selbst, für dessen Bedürfnisse sie jedenfalls bestimmt war. 
Man könnte daraus, dass Anastasius sie zum Schutze seines Lebens öffnen liess, 
schliessen, dass sie unter dem Koiton der Daphne, dem Theile des Palastes, in 
dem die Privatgemächer des Kaisers sich befanden, gelegen haben müsse. Dann 
würde sie aus der Zeit Konstantin's des Grossen stammen, der diesen Theil des 
Palastes erbaut hatte. Übrigens ist an dieser Stelle auch an Prokopios' Bericht 
(Plist. arc. 4 ed. Bonn, III., p. 30) zu erinnern, von einem oi'z^j/ia ev TraJazlqj 
xaTuys'.o'^, o.rTifaÄi; rs xal ÄaßupiVitibds; xa: olov -apza.poj eixdZeadat, das als 
Kerker diente. Es könnte dies eine aufgelassene Cisterne gewesen sein. 

Sicher mit Unrecht glaubt der Verfasser des Guide -Joanne (p. 230), dass 
die kellerartigen Räume in der Ruine eines Profanbaues am Meeresufer bei 
Tschadlady Kapü diese kalten Cisternen des Palastes sein könnten. Diese Gegend 
kam überhaupt erst unter Justinian zum kaiserlichen Palastviertel. 

6. Die Cisterna Basilica. 
(Jere batän Serai 5.) 
Prokop de aed. I, li (III, p. 206) schreibt: »Wie derselbe Kaiser (Justinian) 
sich l)emühte, dass dieser Ort (Konstantinopel) Reichthum an Wasser habe, will 
ich sogleich zeigen. Während des Sommers litt die kaiserliche Stadt den grössten 
Mangel an Wasser, wenn sie auch in den anderen Jahreszeiten dessen genug 
hatte. Denn um diese Zeit der Trockenheit, in der die Quellen weniger Wasser 
hervorsprudeln, speisen sie die Wasserleitungen der Stadt dürftiger. Desshalb 
ging der Kaiser so vor. In der ßaatUw; azou, wo die Rhetoren, Lehrer und 
andere, welche diesem Geschäfte nachgehen, das Recht auslegen, befindet sich 
ein sehr grosser Hof von hinreichender Länge und Breite, ein vierseitiges 
Peristyl darstellend, das nicht auf lockerer Erde, sondern auf Felsboden erbaut 
ist. \'ier Stoen umschliessen diesen Hof, auf jeder Seite eine. Eine dieser Stoen 
nun, welche nach Süden zu Hegt, grub Kaiser Justinian in beträchtlicher Tiefe 
aus und hob das in den übrigen Jahreszeiten im Uberfluss zuströmende Wasser 
für den Sommer in hinreichender Menge auf. Denn nachdem dieser Behälter 
den Zufluss der reichlich strömenden Leitung aufgenommen hat, gibt er, wenn 
das Wasser s])ärlich geworden ist, dasselbe freigebig dem Lande wieder und 
bietet den Darl)enden das Ersehnte dar. Auf diese Weise ging Justinian vor, 
damit die Byzantier nicht an trinkbarem Wasser Mangel haben sollten«. ' 



'"O-T^e ^'' vSaios evjiogiai Jicgt eriavOa dta:ie:iijf)izai zrö ßaadet tovko aviiy.a S>j).(oaco. Oigovi 
ö'inif >'/ ßaaif.ls Tiöhe vSaro? v:ieo^äviZc%' Ix rov emTcküoxov, xalncn is tov; SXXov; xaiQovg äiapxfj 
f/oi'oa. JoP yiig xaigov rijyixäih avj^ftoi'i cyorio; elaoonyw; 1} xaxä ra> ü/./.n; dJjioj ai .Tijyat rd 

33 



17« 

Über die Lage und Bedeutung; der für die Localisirung dieses Behälters 
ausschlaggebenden ßaadico:; azoh. erhalten wir Aufklärung durch den Nach- 
weis von Bauwerken, die der Überlieferung nach an ihr gelegen haben müssen. 
Zunächst berichtet Zosimus III, il (p. 140, 2), dass Julian in der ßaadiu)^ arok 
eine Bibliothek erbaut habe. Dieselbe brannte bekanntlich das erste Mal unter 
Basiliscus, dann, von Zeno erneut, unter Leo dem Isaurier zum zweiten Male 
ab. Über ihre Lage erfahren wir durch Manasses und Glykas, dass sie lyyh:; 
ToU rq^ deou Impiu.!; und durch Zonaras, dass sie ev rjj xalouiiii/Tj Daaihxrj 
iyytaza rtbv XaXxoTTpareccüv gelegen habe. ' Von diesen Bauten ist nur die 
Sophienkirche erhalten. 

Die Basilika wird vom Regionenverzeichniss in der 4. Region neben dem 
Milliarium aureum und dem Augustaeum aufgeführt. Auf sie bezieht sich jeden- 
falls ein Gesetz des Jahres 440, in dem geboten wird, Basilicam inauratam 
et marmoribus decoratam liberam in perpetuum manere neque alicuius imaginis 
pictarum cuiuslibet honoris tabularum adumbratione fuscari etc.* Diese hohe 
Werthschätzung des Gebäudes erklärt sich daraus, dass die Basilika mit den sie 
umgebenden Häusern die alte Universität von Konstantinopel bildete. Julian wurde 
nach Socrates (III, c. l) in Konstantinopel ek rv^v ßaailcxyjv fivda tuts. tu tku- 
deuzrjpia vjv) erzogen und auch der oben citirte Bericht des Prokop über die 
ßaadiojc aroa bestätigt das dadurch, dass er in ihr noch zu Justinian's Zeit sich 
die Rechtsgelehrten aufhalten lässt. Viel mehr als die juridische Facultät war hier 
wohl nach den Edicten, durch welche Justinian die Reste der antiken Philosophie 
auszurotten strebte, nicht übrig geblieben, genau so wie in Athen, wo diese Edicte 
der altberühmten Philosophenschule im Jahre 52g ein Ende machten, wo aber 
trotzdem die juridische Facultät noch bestehen geblieben sein muss, weil Justinian 



vboiQ aTioßi.vaiürovont xaradeeoreQav .Ta^iti/orjo rtjr i'iy/iaywyinv tjj tioXfi. liiö (V; n ßani'/.f.\% fjrfi'o'fi 
Toiä&e. xaxa. rljv ßaniUms oToäv, iva Sij rag öi'na? jrajjaoxfrufojTa» o't re Qt'jTogeg xal slaayaiyeTs xai 
e'i. ztre; aXloi xov tgyov tovtov ijtifief.ovvzat, avkrj zig eoztv v^tQfteyiOrjg, :TeQiftr'jX7]g fuv xat evQOvg 
iy.avwg üy^ovaa, ir zszyaJiXevfjo) de ncQiazvi.og ovoa, oiix im yeääovg f5ä(po^!g zoTg aintjv fieifiafiFVOig, 
&),K im jzezQag itenoirjßivtj. azoal (V av zijv avXijV ^tfQißäkXovoi ziooancg, nazü jrhvQm' txäartjy faziüaat. 
zovzav ze ovv zwv azoHiv filav, VjneQ aviijg zizganzai JiQ'ig ävepiov votov, ig ßaOovg /leya zi XO'!/^" ""■' 
zoQv^ag ' lovaztriarög ßaaiXerg, unoßaXXoftivotg t// Tcegtovoii/. xaxa ziig äXlag (ügag zoTg l'daaiv ig {H(>og 
iv inizt]6ei<o OijaavQÖy tOezo. üeinjitva yÜQ zä i'XvzQa zdde zov ü/jiov zip iniQQoijv vjzegßXvCovtog 
ozevoXMQOVfiiroig /ih loTg räaai zöze yaniCfzai /(onar, jioOciriör (V arnöy yiyo/it'ycof int xaiQOV zotg 
dcoftivoig :taQixezai jzoqov. oI'tw /i'h' /ili .yfiooöetv üvCariioig :Toxi'jW>y riVirior ' Jovnriyiuyiig ß(int?.rvg 
bitnoä^axo. 

' VkI- Ducange 1, )i. 15,1. 

' Cod. Inst. \lll, II, 21. 



179 

sein Corpus iuris dahin schickte. Nichts ist besser geeignet, das Vorgehen des 
Kaisers ffegen die im hellenischen Geiste weiter wirkenden Hochschulen greller 

CT» O O 

ZU beleuchten, als eben der Bericht des Prokop, wonach ein Theil der noch im 
Jahre 440 durch ein eigenes Gesetz geschützten Basilika nicht ganz hundert 
Jahre später in eine Cisterne verwandelt wurde. 

Die Lage der Basilika ist eigentlich schon durch das Regionenverzeichniss 
so hinreichend gegeben, dass sich danach allein die Cisterne bestimmen liesse. 
Doch wollen wir die Angaben des Zonaras und der Patria nicht unbenutzt 
lassen. Zonaras verlegt, wie erwähnt, die Bibliothek iv zfj xaXo'j[iiv^ Baadixfj sy- 
ytara tcü'j .\fx).xozpaT£iajv. Dafür spricht auch, dass beim Brande der Basilika im 
Jalire 476 das Feuer in den Chalkopratien entstanden war (Cedren I, S. 616). 
Das Centrum des Viertels der Erzarbeiter l:»ildete die Kirche der Theotokos 
7tüv Xa/.xu-parsiwv, deren Lage wir nach dem Ceremonialbuche des Konstantin 
Porphyrogenitus bestimmen können. Einmal nämlich (p. 30) kommt die Procession 
vom Forum des Konstantin und begibt sich aus der Kirche weiter über den 
Embolos nach dem Milium. Danach hätten wir diese Kirche zwischen Tschemberli 
Tasch und der Gegend im nördlichen Umkreise der Sophienkirche zu suchen. 
In die gleiche Localität führt uns die zweite Procession am Tage Maria Ver- 
kündigung (p. 165), indem sie, aus der Sophienkirche kommend, über Stufen 
das Antiforum betritt und, vor dem Milium nach links abschwenkend, beim 
Lausos den Embolos betritt, sich bis zur Kirche der Erzarbeiter bewegt und 
zurück über denselben Embolos nach dem Milium geht. Diese Situation bestätigen 
endlich auch die Patria (Band. 29, Suidas v. ßacdtx^, Cod. 39), indem sie die 
ßaachx'fj ypuauftoifoi; (vgl. das inaurata des Cod. Just.) uTrcaco roü /u/.inu verlegen. ' 

Danach kann es gar nicht zweifelhaft sein, dass der von Justinian in der 
kaiserlichen Stoa angelegte Behälter die heute Jere batän Serai genannte Cisterne 
ist. Wir werden im folgenden Abschnitte sehen, dass diese Bestimmung durch 
die Architekturformen bestätigt wird. Hier erübrigt uns noch auf die Nachrichten 
der Patria einen Blick zu werfen. Diese Cisterne in der Stoa hiess passend 
die Cisterna Basilica, wie Ccdren, der die Bibliothek np(K 75 xa/.oufii\'7j üaail'.xyj 
xivazipvrj verlegt, ausdrücklich sagt. ' Nun bringen die Patria über eine Cisterna 
Basilica Berichte, an denen von vornherein auffallend ist, dass sie nicht unter 
einander übereinstimmen. Dazu kommt, dass Codinus (p. 38) und ebenso die 



' Nirjjends deutlicher als an solchen Stellen, wie der vorliegenden, tritt die Unmöglichkeit 
der phantasievollen Restauration des alten Palastvicrtels von Konstanfinopel hervor, wie sie 
Labarte vorgenommen hat. 

- Vgl. Ducange a. a. O. 

23* 



i8o 

Breves enarrationes chronographicae (p. 189) berichten, die ßaaüttvj xiv<jTi[)vrj 
sei von Konstantin dem Grossen erbaut worden. Es dürfte hier eine Verwechs- 
lung mit der Cisterne des Philoxenos vorliegen, die nicht zu weit von der Jere 
batän Serai nach Tschemberli Tascii zu gelegen haben muss (vgl. oben S. 170). 
Codinus und ähnlich Glykas (p. 49S) wissen ferner zu erzählen, dass Justinian 
kv T^ xivarepwrj zrj keyo/iivTj ßaadtxfj eine Statue des Salomon, nach Codinus auf 
einem Wagen sitzend, habe aufstellen lassen: er (Salomon) hielt sich die Backe und 
blickte nach der Sophienkirche, durch die er (bezvv. sein Tempel) besiegt war. 
Glykas erzählt dies treffend im Anschluss an den bei Eröffnung der So.phienkirche 
gethanen Ausspruch Justinian's: ..ivixrjad as 2'o).n/iwv." Die Statue wurde nach 
Symeon Magister (p. 692) von Basilius Macedo entfernt. — Auf der Cisterne soll 
ferner nach Codinus (p. 39) und den Breves enarrationes chron. (p. 189) noch 
eine Bronzestatue des grossen Theodosius gestanden haben, bei deren Nennung 
Codinus die neuerliche Angabe u-taHcv r;jf ßaaduf^^, ::lrjaiov roü tiü.lo'j macht. 
Damit nun diese Statuen auf dem Behälter stehen konnten, musste derselbe 
gedeckt sein, und das bestätigt die Beschreibung, welche der Anonymus bei 
Banduri (p. 49) gibt: „ij nlaxmr'fj ßaailixrj Kivoräpva, DJa/.axzapsa yjv, Uts sxzi^eTO 
•fj ayla Sofia' waaurmz xai 'f] ävmhsv äurrj:; ariyrj, rj ßaailtaxäpa uvopa^n/isvT], 
XU?. aijT-/j Malo.xzapia kzüy/avs zoü Svjhxdzou z^t äyia^ lofiai;." In diesem in 
vieler Beziehung unverständlichen Bericht interessirt uns zunächst, dass der 
über der Basilika -Cisterne gelegene Platz mit Steinplatten gedeckt war. Bei 
Beschreibung des Jere batän Serai wurde im Kataloge hervorgehoben, dass 
dieser Behälter mit einer heute unter dem Strassenniveau verschwundenen circa 
20 cm starken Steinplattenlage bedeckt sein soll. 

Seit Gyllius (p. 179) und Dousa (p. 40) hat man die Cistcrna Basilica 
allgemein in der Jere batän Serai gesehen. 

7. Die Cisterne in der Basilika des Illus. 
(Bin bir dirök 6.) 

Die Osterchronik (p. 619) berichtet zum Jahre 528: ,,'E7ti>irjaB dh ü «OrcV 
ßaaü.ehz xai zh /laaiaitXov r:^c ßaadtx7j<; "Iklnu xiazipvav pBydlrjV, ßoukd/avo^ ßa- 
?.etv To 'Aoptdvetov "jdiop zoü aycoyoii stz a')zrj\/". Das gleiche meldet in demselben 
Zusammenhange Thcophanes (I, p. 271) zum Jahre 528: „Am: zö pEaünulov Tfj^ 
ßaftO.tx^^ "lU.oo xiazEpvav piyäl-qy sTzo'jjttsv". Cedrcn (I, p. 645), der diese Nach- 
riciit wiederholt, verlegt den Bau fälsclilicJi in das Jahr 526. 

Ui)cr die Person des illus wissen wir niclils Hcsimmtcs. \\',ilirsclicinlich 
aber ist dies derselbe IVitricier, der gegen '/.vnn aulsLnul und im |>ilire 488 



i8i 

enthauptet wurde. Die Basilika ist nicht der einzige Bau, der nach ihm seinen Namen 
führte. Die Osterchronik (p. 622) berichtet, dass am Freitage, den 16. Januar 532, 
die Parteien Feuer in das Praetorium legten, wodurch die Dächer der beiden kaiser- 
lichen Paläste und des Praetoriums verbrannten. Durch den herrschenden Nord- 
wind aber seien dem Feuer noch das Bad des Alexander, das Hospiz in der 
Gegend (der Arkaden) des Eubulos, die Kirche der hl. Irene, welche von Illus 
dem Isaurier, dem Gegner des Kaisers Zeno erbaut worden war und das Hospiz 
des Sampson zum Opfer gefallen. Die Patria ferner (Band., p. 45 ft., Cod., p. 83) 
berichten von einer Kirche Johannes des Täufers, die im zu. "DJ.no genannten 
Stadtviertel gestanden habe. Der Anonymus des Banduri führt dasselbe im dritten 
Buche des Antiquitates an, d. h. auf der Seite der Propontis, sofort nachdem 
er den Hippodrom beschrieben hat und bevor er zur Kirche der hl. Sergius und 
Bacchos übergeht. Das Illusviertel muss also neben dem Hippodrom und, nach dem 
Berichte über den Brand der von Illus erbauten Irenenkirche, dicl.t beim Praetorium, 
d. h. zwischen dem Kaiserpalast und dem Forum des Konstantin gelegen haben. 
In dieser Gegend nun ist die Bin bir direk, eine Cisterne erhalten, die der 
Architektur nach in die Zeit Justinian's gehören muss und für die des Theophanes 
und der Osterchronik Bezeichnvmg x-.aripva n^x'^'-^ trefflich passen würde. Cedren 
betont sogar ausdrücklich „^v noX iiByälr^M Izoiqai'-'-. Es ist oben, Seite 171, nach- 
gewiesen worden, dass die von Gyllius aufgebrachte und heute allgemein 
angenommene Bezeichnung der Bin bir direk als Cisterne des Philoxenos falsch 
ist. Ebenso kann nach dem, was oben über die Lage der Cisterna Basilica gesagt 
wurde und was wir eben für die Localisirung des Illusviertels geltend machten, 
kein Zweifel darüber bestehen, das Hammer (I, S. 554) Unrecht hat, wenn er 
annimmt, dass die Cisterna Basilica und diejenige der Basilica Uli ein und dieselbe 
gewesen seien. Es muss zwar auffallen, dass Prokop und die Topographen des 
letzteren Baues und die späteren Chronographen des ersteren keine Erwähnung 
thun ; man bedenke aber, dass es sich um unterirdische Bauten handelt und es 
daher sehr vom Zufall abhängig war, ob der eine oder andere derselben bekannt 
blieb. Der Raum über der Cisterna Basilica war immer ein statuengeschmückter 
Platz; was über der Bin bir direk gestanden haben mag, wissen wir nicht. Prokop 
aber erzählt vielleicht mit Absicht gerade die Geschichte der Entstehung des 
Jere batän Serai, d. h. der theihveisen Zerstörung der altchrwürdigen Stoa. 
Ausserdem führt er ja bekanntlich durchaus nicht alle Profanbauten Justinian's 
auf Von dessen Wasserbauten übergeht er z. B. die Restauration des Hadrians- 
Aquäductes und die Erbauung der Cisterne unter der Sophienkirche, von der 
im 2. Abschnitte gelegentlich der Kirchcncistcrncn die Rede sein wird. 



l82 

8. Die Cisterne ih lä inv KqioC. 

Die Patria berichten (Band., p. 37): Tjjv xivaTsnvav sh zh. zno Kpiau (Cod 93: 
To'jz de xfHohi ryjv xcvazspvav) xal zo yr^poxouscDVj xa.l zo '/.oitua (Cod. zo nv st; 
za 'Apfiaziot)) k'xziae ZzBifavo; 7raf)axoifi(ii/i£Vo; Ma'jptxiou(zoü) ßaatXiiu:; /iszu ^fjuvou(: 
iß' (Cod.: Tfj<: ßaaü,Eia(; auzo'j). xal zov oixov auzou vaov dvvjysipe. 

Wir haben der Nachricht über eine Cisterne der Pulcheria gegenüber 
gemuthmasst, dass dieselbe wohl zu einem der beiden Paläste der Kaiserin 
gehört haben möge. Es wurde dabei angenommen, dass bedeckte Behälter 
damals schon für Privatzwecke erbaut worden seien. Der vorliegende Fall gibt 
für diese Annahme und die nachjustinianische Zeit eine treffliche Bestätigung. 
Wir befinden uns im 12. Jahre der Regierung des Maurikios, d. i. im Jahre 594. 
Der Kämmerer Stephanos widmet seinen in dem Bezirke -oD Kpwü gelegenen 
Besitz öffentlichen Zwecken, indem er an Stelle seines Hauses eine Kirche und 
auf dem dazu gehörigen Grundstück ein Greisenhaus und ein Bad errichtet. 
Für diese Stiftung, nicht für die Öffentlichkeit selbst, war nun wohl auch die 
Cisterne bestimmt; sie sollte jedenfalls, wie die Pulcheria-Cisterne dem kaiser- 
lichen Palaste, so hier den drei Bauten, vor Allem dem Bade, das nöthige 
Wasser liefern. 

Über die Lage des Viertels zoü Kpioü gibt schon der Anonymus bei Banduri 
dadurch annähernd Auskunft, dass er dieser Stiftung" im dritten Buche, d. h. bei 
seiner Wanderung die Küste des goldenen Hernes entlang Erwähnung thut. 
Sie kann, da er den Mesomphalos schon vorher anführt, nur am Abhang oder 
am Fusse des vierten bis sechsten Hügels gelegen haben, und zwar in der Nähe 
der Gegenden, welche Zeugma und nach Harmatios genannt wurden, weil er 
diese dicht vorher anführt. Das bestätigt Codinus ausdrücklich durch den Zusatz, 
dass das Bad sich im Viertel Harmatios befinde. 

Die Bestimmung dieses Stadtviertels spielt eine wichtige Rolle in der Topo- 
graphie von Konstantinopel. Die Patria nämlich lassen durch dasselbe die Stadt- 
mauer Konstantin's des Grossen gehen, von der sich aber bis jetzt keine Spur 
gefunden hat. Wir müssen dieser Frage einen Augenblick Beachtung schenken. 
Zosimos (11, 30 ed. Bonn, p. 96 ff.) berichtet, Konstantin habe die Stadt, welche 
er bedeutend grösser machen wollte, von Meer zu Meer 15 Stadien über die alte 
Mauer hinaus (zoü TiäXai zsi/ouc sTiixsivu) ' mit einer Mauer umschlossen ; das 
sind, das .Stadion zu circa 185 m gerechnet, circa 2775 m. Da wir einen an der 
alten Stadtmauer des Severus gelegenen Punkt, Tschemberli Tasch, kennen, so 



" Nicht wie Unger bei Krscli iinJ Gnilur S^i, .S. 2()7 angibt, in einer Länge von 15 Stadien. 



i83 

brauchen wir nur mit dieser Entfernung in Tschemberli Tasch einzusetzen und 
bekommen dann in dem so geschlagenen Kreisbogen annähernd den Verlauf 
der Konstantinsmauer. Dieser Bogen berührt die Küste des goldenen Hornes 
ungefähr im heutigen Pharnarviertel und hier auf der vorspringenden Landspitze 
dürfte die Kirche des hl. Antonius und ein ^s6}-/xa, ' d. h. eine Fähre nach dem 
andern Ufer zu suchen sein, bei welcher die Patria (Band. 2, Cod. 25) die 
Konstantinsmauem enden lassen. Der nächste Punkt nun, durch den die Land- 
mauer von Hagios Antonius aus geht, ist das Viertel Harmatios. Es kann nicht 
auf der Höhe des angrenzenden Bergrückens zu suchen sein, weil Codinus, von 
dieser Höhe kommend, sagt, die Mauer ginge herab (xarrjpyeTo) eh tu ^ApjiaTwu. 
Die Cisterne ei<: tu to~j Kptoü wird daher ungefähr in der Gegend der neuen 
griechischen Patriarchat-Schule zu suchen sein. Eine sichere Spur derselben hat 
sich bis jetzt nicht gefunden. Doch ist immerhin zu bemerken, dass die Leute 
in dieser Gegend immer von einer Cisterne reden und in der Nähe mehrere 
Behälter zu vermuthen sind. A. Mordtmann « identificirt die Cisterne ek tu tv'j 
Kpcoü mit Sulü Serai (40). Wenn ich auch überzeugt bin, dass das falsch ist, 
so mache ich doch auf seine Ausführungen über die um die Platea herum- 
liegenden Viertel, besonders auf seine Localisirung des Zeugma- und Harmatios- 
viertels aufmerksam. Ich habe mich ausschliesslich durch die Angaben über den 
Verlauf der Konstantinsmauer leiten lassen. 

9. Die Cisterne der 40 Märtyrer. 

Es folgt nun in der chronologischen Reihenfolge der von den byzantinischen 
Autoren erwähnten Behälter eine Cisterne, von der die Osterchronik (p. 698) 
zum Jahre 609 berichtet: „Toütoj Tip izet sTrXrjpiöfirj ü aüviiero:; xUov 6 dvoixodo- 
/iTjdah <-)nh 0ü)xä zoü ßaadiw^ pszä xat r:yc- xcaTipvr^; xaza n) uvazoXcxov /tipo; 
r^c kxxl7ja'la<; Tmv üylcov p' nXtjalov zoü ^aXxoü zszpaTzükou". Auch Buondelmonti 
(ed. Sinner, p. 124) erwähnt die Kirche der 40 Märtyrer und ihre sehr geräumige 
Cisterne des besten Wassers, »in der, wie man sagt, kein Ende zu finden ist«. 

Es gab in Konstantinopel zwei Kirchen der 40 Märtyrer, von denen die 
eine nach dem Anonymus des Banduri auf der Stadtseite nach dem goldenen 
Hörne zu lag und zwar jenseits des Mesomphalos, etwa am vierten Hügel. Mordt- 
mann hat daher sowohl in seinem Plane, wie in den Esquisse de CP. ' den 

' Nicht zu verwechseln mit dem in der Nälic gelegenen Viertel Zeugma, über das 
Band. 35, Cud. 93 zu vergleichen ist. 

- Revue de l'art ehret. 1891, p. 39 et 45 suiv. 

ä Revue de l'art ehret. 1S91, p. .\yy. Vgl. Meyer, S. 251. 



i84 

verfallenen Teich, der heute als Sattlermarkt (Sarrädschchane A) dient, und 
am vierten Hügel liegt, für die Cisterne der 40 Märtyrer ausgegeben. Das ist 
schon desshalb nicht möglich, weil, wie Buondelmonti bemerkt, diese Cisterne 
kein offener Teich, sondern ein gedeckter Behälter war. 

Die zweite Kirche der 40 Märtyrer, und das dürfte wohl die am ehernen 
Tetirapylon ' gewesen sein, führt der Anonymus bei Banduri (p. 17) im ersten 
Buche seiner topographischen Beschreibung an, wo er die Mitte der Stadt vom 
kaiserlichen Palaste bis zum goldenen Thore durchschreitet. Und zwar nennt er 
sie nach dem Forum und vor dem Taurus, also zwischen Tschemberli Tasch 
und dem Seraskierat. Da wir femer durch Theophanes (p. 412) wissen, dass die 
Kirche an der Mese, d. h. der Triumphal&trasse gelegen hat, so ist die Cisterne, 
welche östlich von dieser Kirche lag, südlich vom Bazärviertel, in der Nähe des 
Diwan jolü zu suchen. In dieser Gegend hat sich aber bis heute keine Spur einer 
Cisterne gefunden, es wäre denn, dass dafür eine, der von Gyllius (p. 244, vgl. 
oben im Katalog, S. Ill unter b) erwähnten Cisternen in Betracht gezogen würde. 

Die Cisterne der 40 Märtyrer wurde im Jahre 609 wahrscheinlich für die 
Bedürfnisse der Kirche der 40 Märtyrer, welche von Mauricius vollendet wurde, 
und wahrscheinlich auch für das nahegelegene Artopoliom erbaut. Sie muss, 
wenn sie identisch mit der von Buondelmonti genannten Cisterne ist, sehr gross 
gewesen sein. In den Stadtansichten, welche den Vaticanischen und Wiener 
Handschriften des Buondelmonti beigegeben sind, ist die Kirche »Scti quaranta« 
allerdings an der Feststrasse liegend abgebildet; durch das Ungeschick des 
Zeichners aber ist der Hippodrom so gross gerathen, dass er fast den ganzen 
südlichen Theil des dritten Hügels einnimmt und die Kirche daher dicht neben 
ihn zu liegen kommt. 

Hammer (I, S. 526) irrt, wenn er behauptet, Gyllius habe die Cisterne der 
40 Märtyrer mit der Bin bir direk (0) identihcirt. Er selbst meint, es sei dies 
»ganz gewiss« die Cisterne mit 32 Säulen an Eschrefye sokaghy (8). 

10. Die Cisterne des Bonus. 

Die Patria (Band., ji. 4<), Ctid., j). 52) berichten: „Tijv de liaivou xiv<r~ifiva'^ 
dxTtas Uwvoi nuTf/ixioi;, dveXilcov iItzo 'l'o'inr^^. xul saxinatrev auri^v diu xuhvdfixwv 
fJi'i^cDv" (Band, hat dafür „oOr^v xuhvo/nxöi iVw/^y" und fährt lort: „ö Sk oIxik 
auTuh £X£t(f£ (Jv. ö a'jztn; Sk f^v hni llfiaxXsluu ßaffdiox;^). Codin wiederholt an 



' Nicht zu verwecliseln mit dem in ilcr IJ. Kegiuii, urspiiinglicli TctT.iviluni genannten 
Anonymus bei Bamluri, p. 21. 



i85 

einer anderen Stelle (p. 99): „ '/"J^v xivarepvav toü liiüvou Bmvo; 6 iiüyiazfio; 
ixziasv, ö oixsco; äviif)u)~o; 'f/paxXeiou, ov xal xaiiXtirtv ek tpuXaxrjv r;yc ttoIsw^ 
«vr' äuToü, drs i^^Xifev dzh z?ji ttoXscoc xaru ITspaMv". 

Die Bestimmung der Lage dieser Cistemen spielt eine ähnlich wichtige 
Rolle in der Topographie der Stadt, wie oben die des Viertels des Harmatios. 
Die Patria nämlich führen die Cisterna Boni als einen Pimkt der Landmauer des 
grossen Konstantin an. Sie lassen diese letztere vom Marmarameere nach dem 
Exokionion und dem alten Thore des Vorläufers und auf der anderen Seite, wie 
wir oben gesehen haben, von Hagios Antonios am goldenen Hörn über das 
Viertel Harmatios zur Kirche der hl. Manuel, Säbel und Ismael aufsteigen. Zwischen 
diesen beiden Enden werden noch zwei Punkte genannt: „rjp/sro pi;(pt .... xal 
r^C /iov^c TOÜ Jtou' xal -fj; Eixaaiai; xal Scrjp/ero pi'/pi r^c Dcövou". Man achte 
nun auf die Art, wie besonders Codinus die Zusammensetzung seiner Verben 
wählt: dvißar^av — -pnrjpyzro — oif^pyzro — xaT7jpy£~o — szXrjpo'no und wird 
finden, dass, wenn man dabei gleichzeitig der Peripherie des Kreises folgt, den 
wir nach Zosimus mit 14 Stadien Radius von Tschemberli Tasch aus schlugen, die 
Mauer nach dem siebenten Hügel aufsteigt, auf demselben fortläuft, dann vom 
siebenten Hügel durch das Thal des Lykos zur Cisterne des Bonus übergeht, auf 
der Höhe des fünften Hügels fortläuft bis zum Kloster der hl. Manuel, Säbel und 
Ismael und über das Harmatiosviertel herunter am Meere endet. Das od^pytro trifft 
also das Lykusthal. Die Cisterne des Bonus, wenn r^f liwvou dieselbe bezeichnet, 
wie man allgemein annimmt, müsste dann nach dem Stolpe'schen Plane im 
Viertel Jeni baghdsche auf der Höhe des Hügels, da etwa, wo heute die Eski 
Ali Pascha dschami liegt, zu suchen sein. Es ist uns leider nicht gelungen, ihre 
Spuren aufzufinden. Hoftentlich klärt sich die Frage gelegentlich zukünftiger 
Umbauten in dieser von Türken besetzten Gegend. 

Diese Cisterne ist schon in allen möglichen Gegenden des westlichen Stadt- 
thciles gesucht worden. Gyllius (p. 293) nennt sie am sechsten Hügel in dem 
nicht mehr existirenden Tschukür bostän, für den wir die Bezeichnung Cisterne 
des Aetius gefunden haben. " Konstantios (p. 54) führt sie als neben der Kahrije 
dschami gelegen auf, doch passt seine Beschreibung auf keinen der vorhandenen 
Behälter. Ungcr (Quellen, S. 202) lässt sich durch Codinus" Schreibfehler ^znuoiou 



< So Hand. 2. Cod. 25 dagegen setzt statt li'.m ^lovHiov, was unmtiglicli ist. Banduri 
hat umsomehr Recht, als das Kloster sich auch sonst nachweisen lässt. Die neueren Topographen 
sind sonderbarer Weise /.umeist dem Codinus gefolgt. 

- Vgl. oben S. 15). 

^4 



i86 

statt Ji'oy irre führen, meint, sie müsse am siebenten Hügel gelegen haben und 
sei vielleicht — wobei er, wie auch Gyllius, die ausdrückliche Angabe, dass die 
Cisterne gedeckt war, übersieht — der Tschukür bostän von Exi Marmara (i). Der 
Guide -Joanne (p. 229) verlegt sie nach Salma Tomruk, Meyer (S. 250) macht 
in Folge dessen die Cisterne mit 28 Säulen (10) daraus und A. Mordtmann ' 
endlich findet sie wieder im Tschukür bostän bei Sultan Selim (2). Sicher Unrecht 
haben mit ihm jedenfalls alle die, welche übersehen, dass die Bonus-Cisterne kein 
offener Teich, sondern ein gedeckter Behälter war. Über die Lage aber wird der 
Streit dauern, bis man sich über den Verlauf der Konstantinsmauer geeinigt hat. 



Zusammenfassung. 

Stellen wir auch hier auf Grund der Einzeluntersuchungcn eine Tabelle 
zusammen, so ergibt sich die chronologische Folge: 



Historischer Name 


Hügel 


Region 


Zeit der Gründung 


Heutiger Name 


I. Hippodrom .... 


2 


III 


Septimius Severus 


Tschukürtscheschme (33) 


2. Philoxeni (?) . . . 


2 


VI 


Konstantin der Grosse 




3. Maxima 


2 


Forum 


407 




4. Pulcheria ..... 


1 2 
1 5 


(III 
(XI 


421 


am Eschrefije sokaghy (8) 
bei Sultan Selim (9) 


5. Kalte im Palast . 


2 


I/IV 


vor 518 




6. Basilica Uli .... 


2 


III 


52S 


Bin bir Jirük (6) 


7. Basilica 


2 


IV 


Justinian (527—65) 


Jere batan Serai (5) 


8. fh tÖ tov Kniov . 


5 


X/XI 


594 




9. 40 Märtyrer . . . 


3 


VII/VIII 


609 




IG. Bonus 


6 


XI erweitert 


Heraklius (610—41) 





Tn der Litteratur erwähnt sind also im Ganzen neun, Ijczvv. zehn gedeckte 
Behälter, wovon aller Wahrscheinlichkeit nach heute nur \icr bekannt sind. 
Dem gegenüber steht eine Masse von 36 im Katalog als noch vorhanden auf- 
geführten geschlossenen Cisterncn. Man sieht, das Vcrhältniss ist hier also das 
umgekclirte wie bei den offenen Teichen, wo in der I.itterntur neun Ohjectc 
genannt waren, woNon nur fünf erhalten sind. l'"s erklärt sich das wie gesagt 



' Mittlicihingen des Ivxcur.sinns-Chibs, .S. S, und Revue 



'alt ilnrt. r,Si)t, p. 478. 



i87 

daraus, dass die Teiclie offen sichtbar waren und durch ihre Grosse auffielen, 
aber zum Theil schon seit Heraklius zugeschüttet wurden, während die unter- 
irdischen Cisternen der Beachtung entzogen und verhältnissmässig klein, dafür 
aber der Zerstörung weniger ausgesetzt waren. 

Nach ihrer Vertheilung über die einzelnen Hügel werden fünf bezw. sieben 
Behälter auf dem zweiten Hügel, je einer auf dem dritten und sechsten, zwei 
vielleicht auf dem fünften Hügel erwähnt. Dazu kommt, dass von den Cisternen 
auf dem zweiten Hügel fünf bezw. sechs, von den auf den anderen Hügeln zwei 
bezw. drei um ilirer selbst willen genannt werden, während die kalten Cisternen 
des Palastes zufällig gelegentlich der Prophezeiung" an Anastasius, die Cisterne ek 
To. Toü h'pioii gelegentlich der Stiftung des Stephanus Erwähnung finden. Daraus 
geht hervor, dass sieben Behälter wohl um ihrer Grösse willen genannt sind, 
wir also berechtigt sein dürften, sie als die grössten gedeckten Behälter über- 
haupt anzusehen und es daher kein Zufall ist, dass sich unter ihnen auch die 
grössten der erhaltenen Hallenbehälter befinden. Weiter aber, dass die grosse 
Masse der kleineren gedeckten Behälter bei den byzantinischen Schriftstellern 
keine Beachtung fand. Es kann dies nicht Wunder nehmen, wenn man berück- 
sichtigt, wie spärlich die Nachrichten bezüglich der Cisternen überhaupt sind 
und dass kaum sämmtliche Riesenteiche in der Litteratur Erwähnung gefunden 
haben dürften. Überdies bildeten die kleinen Behälter, wie sich noch zeigen 
wird, wahrscheinlich integrirende Theile der meisten für den Verkehr oder zum 
Bewohnen bestimmten Gebäude, insbesondere seit der Zeit, wo mit dem Verfall 
des Reiches jeder einzelne für sich selbst sorgen musste. Es wäre daher wohl 
etwas viel verlangt, wenn die Schriftsteller ausser diesen Gebäuden auch noch 
ihre kellerartigen Unterbauten hätten erwähnen sollen. 

Die oberen Theile des zweiten Hügels, d. i. Theile der 2., 3. und 4. Region, 
bildeten das kaiserliche Palastviertel von Konstantinopel, also diejenigen Theile 
der Stadt, in denen der frei verfügbare Raum am frühesten selten und kostbar 
werden musste. Daraus erklärt sich, warum man gerade hier frühzeitig mit der 
Anlage unterirdischer Behälter begann und dieselben gleich in Grössen herstellte, 
die erwarten liessen, dass dadurch Wassermangel für diese Gegenden für alle 
Zukunft ausgeschlossen sein würde. Somit findet die schon im Kataloge hervor- 
getretene Thatsache, dass die grosse Masse der kleinen Behälter in den übrigen 
Stadtvierteln zerstreut, am zweiten Hügel aber nur grosse Behälter gefunden 
wurden, ihre sehr einfache Erklärung. Auffallen muss auch hier, dass am dritten 
Hügel, einem der volkreichsten, nur ein gedeckter Behälter, die Cisterne bei der 
Kirche der 40 Märtyrer, genannt wird. Gewiss haben dort mehrere grosse 

24* 



i88 

unterirdische Cisternen gelegen, die einer Erwähnung durcli irgend einen der 
Topographen wohl werth gewesen wären. Hier tritt die Lückenhaftigkeit der 
litterarischen Quellen ebenso offenkundig hervor, wie oben (S. 167) gelegentlich 
der Betrachtung der offenen Teiche, wovon wir auch nicht einen in dieser 
Gesrend nachzuweisen im Stande waren. 

Die grossen Hallenbehälter byzantinischer Provenienz sind, wenn wir von 
der zweifelhaften Philoxenos-Cisterne absehen, in der Zeit von Arcadius bis 
Heraklius (circa 407 — 641) entstanden. Sie würden also, nach den litterarischen 
Quellen zu urtheilen, etwas später in Gebrauch gekommen sein als die offenen 
Teiche, aber bei sich immer steigernder Nothwendigkeit neuer Wasseranlagen 
auch länger als diese zur Ausführung gekommen sein. Dieses Ergebniss, so 
sehr es auch nur durch den Zufall begründet zu sein scheint, deckt sich trotzdem 
mit dem Resultat, welches die kunsthistorische Betrachtung beider Monumenten- 
gruppen, an die wir jetzt herantreten, liefern wird. 



B. Die erhaltenen Denkmäler. 

EIN CAPITEL ZUR GESCHICHTE DER BYZANTINISCHEN ARCHITEKTUR. 



a. Ursprung der constructiven Formen. 

Die Cisternen spielen unter den für die Kunstgescliichte in Betracht kommen- 
den Denkmälern im Allgemeinen eine untergeordnete Rolle. Wenn ihnen auf 
byzantinischem Gebiete eine höhere Beachtung geschenkt werden muss — vor- 
läufig wenigstens — so liegt das daran, weil von keiner anderen Monumenten- 
gruppe eine so grosse Reihe von Objecten und diese in so ursprünglicher 
Reinheit an einem und demselben Ort erhalten sind und sich ebenso selten 
auf Gnmd eines ausgiebigen Vergleichsmaterials in so sicherer Art über den 
Ursprung der Bautechnik urtheilen lässt. Was im ersten Bande der b3'zantinischen 
Denkmäler, wo sich Gelegenheit bot, dem syro-äg}'ptischen Kunstkreis auf dem 
Gebiete der in der bildenden Kunst angewendeten Bildtypen näher zu treten, 
nicht durchführbar war, weil die Analogien von konstantinopolitanischer Pro- 
venienz fehlten: eine Feststellung der Beziehungen zwischen den orientalischen 
einer- und den italo-griechischen Gebietstheilen des römischen Reiches anderer- 
seits zu dem neuen Centrum am Bosporus, das wird hier aus der Fülle des 
vorliegenden Materials spielend zu ermitteln sein. Damit aber würde eine der 
Fundamentalfragen in der Entwicklungsgeschichte der christlichen Kunst einer 
Lösung näher geführt, diejenige nämlich nach den Keimen, aus denen heraus 
sich die byzantinische Kunst entwickelt hat. 

Im'u Blick auf die geographische Ausbreitung des oströmischen Reiches 
zeigt, dass die orientalischen Elemente darin überwiegen. Kleinasien und Armenien, 
Syrien, Palästina und Äg\-pten mussten Hellas und Iliyrien gegenüber in der 
neu gegründeten Hauptstadt des Reiches bald dominirend zur Geltung kommen. 
Fr. W. Unger hat das in seinem weitausgreifenden Werk über die byzantinische 
Kunst sehr wohl emi)fundcn und sich bemüht, diese orientalischen Elemente 
nachzuweisen, in der Hauptsache gerieth er dabei auf Abwege, indem er, statt 
die Quellen in den orientalischen Gebieten des Reiches selbst zu suchen, die 



igo 

persischen Denkmäler der Sassanidenzeit zur Erklärung heranzog. Inzwischen 
hat de Vogüe sein werthvolles Werk über die Denkmäler Centrals3-riens ver- 
öffentlicht. So wesentliche Aufschlüsse dasselbe für die Kirchenbaukunst liefert, 
so wenig ergiebig ist es für unsere Untersuchung, weil de Vogüe sich um die 
Wasserbauten so gut wie gar niclit gekümmert hat, trotzdem dieselben — eine 
Vorbedingung des Bestandes aller jener Wüstenstädte — gerade dort massenhaft 
und gut erhalten sind. Hier mussten zerstreut gesammelte Nachrichten helfen. 
Ähnlich stand es den bisher von der Kunstgeschichte ganz vernachlässigten 
Denkmälern Ägyptens, vor Allem Alexandrias und Nordafrikas überhaupt gegen- 
über, wo glücklicherweise Aufnahmen von Fachtechnikem, die allerdings fast 
ausschliesslich die constructiven Formen berücksichtigten, herangezogen werden 
konnten. Selbst für die einschlägigen Denkmäler auf italischem Boden mussten die 
Notizen erst allerorten zusammengetragen werden, weil eine zusammenfassende 
Arbeit über den römischen Wasserbau nicht existirt. Wenn trotz aller dieser 
Schwierigkeiten eine klare Lösung erzielt werden konnte, so liegt das eben mehr 
an der Durchsichtigkeit der Sachlage, welche es ermöglichte, mit einer verhältniss- 
mässig geringen Zahl von Beispielen auskommen zu können. 

Es empfiehlt sich auch hier die Trennung in offene Teiche und gedeckte 
Behälter festzuhalten. 

I. Die offenen Teiche. 
Teichartige Wasserbehälter gibt es meines Wissens in den occidentalen 
Gebieten des nimischen Reiches niclit, wenigstens hat sich kein Beispiel dieser 
Art nachweisen lassen. Vielmehr wurden von den italischen Ingenieuren der 
antiken Zeit ausschliesslich gedeckte Reservoire angelegt. Wir werden dieser 
Gruppe im nächsten Capitel nähertreten. Es genüge, hier darauf aufmerksam zu 
machen, dass die Römer sogar da, wo sie durch ältere Landessitten auf die 
Anlage offener Teiche hätten geführt werden können, bei den gedeckten 
Behältern blieben. Ein selir interessantes Beispiel dafür gibt Daux ' unter den 
zahlreichen Wasserbauten von Tunis. Dort findet man auf dem (lachen Lande 
häufig zwei kreisrunde, offene Teiche nebeneinander. .Sie ragen beide gewöhn- 
licli bis zu 2 m aus der Erde, der eine grössere hat I2 — 20W Durchmesser und 
7—9?» Tiefe, der zweite kleinere 8 — 9;« Durchmesser und eine grössere Tiefe. 
Da, wo sie zusammenstossen sind sie durch eine verschliessbare Spalte verbunden. 



' Recherches sur l'orifjinc et l'ciiiplaccmtnt des cmporia phüniciens Jans Ic Zciigis et 
le Byzacium, Paris 1869, p. 68 If. 



191 

Wenn das grössere Becken sich während der Regenzeit gefüllt hat und das 
Wasser klar geworden ist, wird es in das kleinere Reservoir abgelassen. Alle 
diese Doppelteiche stammen aus punischer Zeit. An der Strasse vom alten 
Hadrumetum nach Aquae-Regiae fand Daux eine solche Anlage vermehrt durch 
einen, schon durch das angewendete Material als in römischer Zeit beigefügt 
gekennzeichneten viereckigen Behälter, der aber nicht offen, sondern mit einem 
flachen Gewölbe gedeckt ist. ' Darnach schon und nach Daux' sonstigen Beob- 
achtungen liesse sich im allgemeinen sagen, dass die offenen Teiche orientalischen 
Ursprunges sein müssten. 

Das bestätigt nun gleich ein Blick auf die äg3-ptischen und syrischen 
Denkmäler dieser Art. Offene Teiche gehörten zu jedem ägyptischen Tempel- 
bezirke ; auf ihnen wurden zu gewissen Zeiten Feste zu Ehren der Tempelgottheit 
abgrehaken. Sie hatten viereckisre Form und in Kamak lässt sich noch das 
Quaderwerk erkennen, mit welchem die Ufer einst gepflastert waren.- Viel 
zahlreicher und jünger sind die Beispiele off'ener Teichanlagen in Syrien und 
Palästina. Auch dort gab es grosse Tempelteiche. Berühmt war insbesondere 
der zu Askalon neben dem Tempel der Derketis, welchen Diodor IT, 4, 2 /i/zi-^y 
[isyairj xal ßaffaTa -/;j,o!jc r/^ütu'j nennt. ^ Von grösserem Interesse aber für 
unsere Denkmälergruppe sind Teichanlagen, welche zur Wasserversorgung der 
Städte vorgenommen wurden. In Jenasalem gab es davon eine so grosse Zahl, dass 
der Pilger von Bordeaux ihnen in seiner Beschreibung der Stadt vom Jahre 333 
eine wesenüiche Stelle einräumt. Viele von ihnen sind unter dem Schutte begraben 
oder auf sonstige Weise zerstört worden. Eine grössere Reihe aber hat sich 
bis auf den heutigen Tag erhalten. In der Stadt Jerusalem selbst werden als 
die grössten genannt:* 

Birket es-Sultän (Sultänstcich) 169 ;/; lang, 67 m breit und 13 m bezw. log m tief, 
Birket Isra'il (Teich Bethesda) HO m » 38;« » » 21 m tief. 



' a. a. O. p. 70 und pl. IV. 

2 Perrot und Chipiez Ägypten, deut.scli von Pietschmanii, S. 351 und Baedecker Ägypten, 
II, S. 162. 

3 Man erinnert sich, dass auch von den Palastteichen zu Konstantinopel berichtet wird, 
dass sie Fische den Kaisern zur Jagd beherbergten. 

* Vgl. Schick in der Zeitschrift des deutschen Palästina- Vereines I (1878), S. 138 und 
146 ff. Die Massangaben sind Bacdecker"s Palästina und Syrien, S. 187, 57, 85, 83, 89/90, 102, 
dann 133 und 182, 166, 192, 136, 138, 140 entnommen. Abbildungen bei C. Mauss la piscine de 
Betliesda a Jerusalem, Paris 1888 (mir nicht zugänglich) und skizzirt bei Sepp Jerusalem und 
das hl. Land I, S. 23S, 271, 336, 340 etc. 



192 

Birket MamiUa 89 7?2 lang, 59 m breit und 6 m tief, 

Birket Hammäm el-Batrak (Hiskia- oder 

Patriarchenteich) 73 7« » 44 '« » 

Birket Sitti Marjam oder el-Arbät . . . 29 ;« » 23 ;« » »4 '« » 

Teich der Siloahquelle 16 ;« » 5'6 m breit. 

Dazu kommen in der nächsten Umgebung der Stadt und in Judäa: die 
sogenannten Salomonsteiche, welche in drei viereckigen, theiis in den Fels 
gehauenen , theiis ausgemauerten Becken übereinander liegen und folgende 
Dimensionen haben: ' 

der obere ist 116;« lang, 6g 7 m bezw. 7v8 m breit und 7-61)1 tief, 
der mittlere ist 129 m » 488 m ^ 76 m » ■» 12 m » 
der untere ist 177 m » 45 m » 63 m » » bis 15 m s 

die sogenannte Naumachie von Dscherasch 

(Gerasa) 210 m lang, 90 m breit, 

Birket Müsä (des Moses) unweit Jericho . 171 m » 143 m » - 
Mehrere Birket in Mädeba (Medba) wo- 
von einer 120 in » 94 m » 

Birket Bint es-Sultän 74 ;« » 45 m » 

Birket el- 'Arrüb 73 7« » 49 777 » 

Birket el-Kazzärin und es-Sullan bei Hebron . 26 77/ » 17777 breit, 8-5777 tief. •' 
Soweit publicirt sind die meisten dieser Teiche Gruben von rechteckiger 
Form, welche mit Benützung von etwa sich darbietenden Felswandungen in 
Quaderwerk ummauert und durch eine Treppe zuganglich gemacht sind. 

Wie die Bewohner von Jerusalem und des heil. Landes so waren auch die- 
jenigen der Hauran-Ebene, wenn dieselbe nur annähernd ihre Beschaffenheit 
bewahrt hat, von jeher auf das Anlegen von Sammelbecken angewiesen. ' Herr 
Generalconsul Dr. Schroeder in Beirut hatte die Güte auf Grund eigener, auf 



1 Nacli Schick und Baedeckcr, a. a. O. Vgl. Sepp 1, S. 5S5. 

2 Vgl. Sepp I, S. 727, wo in der Nähe nach Murray (Handbook for travellcrs in 
Palestinc) noch ein zweiter ungeheuer grosser Wasserbehälter von 657' Länge und 490' Breite 
angeführt wird. 

3 Sepp I, S. 607 führt in Ilebrdn den Davidsteicli an als ein gleichseitiges Viereck von 
133' und einer Tiefe von nicht ganz 22'. Daneben einen Ideineren, den sogenannten üadeteieh 
der Sara von 85' Länge, 55' Breite und 18'/,' Tiefe. Beide Teiche seien aus massiven Steinen 
von sorgfältiger Arbeit in festem Kalkvcrband, dem Hiskia- oder Siloahteich vergleichbar, 
ausgeführt. 

< Zeitsclirift des deutschen Palästina-Vereines I, S. \\\, Aniiierl<ung l. 



193 

einer Reise im Haiirangebiete im Jahre 1883 gemachten Beobachtungen brieflich 
etwa Folgendes über die dort zahlreich vorkommenden Teiche zu berichten: 
»Sie liegen stets vertieft d. h. unter dem Niveau des Erdbodens, sind von 
Quadern eingefasst und es führen solide steinerne Treppen zum Wasserspiegel 
herab. Über die Zuleitung lässt sich nach oberflächlicher Besichtigung nichts 
Bestimmtes sagen; wahrscheinlich ist, dass die Teiche vom Regen gespeist 
wurden.« Die schönsten Exemplare haben sich nach Wetzstein in Bosra und 
Umm el-Kuten erhalten. Die erstere Stadt namentlich hat zwei grosse Behälter in 
Quadratform, wo die Seite des einen 233 Schritte lang ist, während das Pferd (sicj 
bei dem andern 160 Schritte machte. Die mit grosser Kunst aus mächtigen, im 
Rustikstyl bearbeiteten Quadern aufgeführten Dammmauern seien bei dem ersteren 
Quadrate 3-30 m, bei dem zweiten 270 m dick. ' 

Baedecker gibt die Masse einiger Teiche an (S. 215, 201, 257), so der- 
jenigen bei Betin mit 96 iji Länge 66 }7i Breite, bei Derat in der Einsenkung 
des Wädi Zedi mit 59 m Länge, 54 tn Breite und circa 2 in Tiefe, unweit Tiberias 
ein kreisförmiges Quellbecken von circa 30 m Umfang und circa 0'6 m Tiefe. 
Herr Dr. Schroeder gab femer Auskunft über zwei Teiche in Sueda und Kreje, 
beide östlich nahe bei Bosra. Der Teich von Sueda ist nach Schroeder's Schätzung 
circa 300' lang und 30—40' tief und hat auf jeder Seite eine kleine steinerne 
Treppe. Der von Kreje dient noch heute seinem ursprünglichen Zwecke. Er ist 
mit soliden Quadermauern eingefasst und auf der Westseite von einem niedrigen 
Säulenporticus begrenzt, zu dem Stufen heraufführen. Herr Dr. Schroeder schreibt 
ferner, dass sich auch in der westlich an den Hauran angrenzenden Ostjordan- 
landschaft Gilead (jetzt 'Adschlün genannt) alte W^asserbassins (Birket) vorfinden, 
so in Dir'ät (Adraa), Irbid (dem alten Arbela), Bet-Räs (Capitolias). In Irbid, der 
Hauptstadt des "Adschlün, in einer sehr wasserarmen Gegend gelegen, sei noch 
ein grosses Bassin von 100 — 120 ;/j im Geviert in Gebrauch, das mit einem 
kleineren und weniger tiefen und ebenfalls viereckigen Bassin in Verbindung stehe. 
Das Regenwasser sammle sich zuerst in dem kleineren Bassin, wo sich die erdigen 
Bestandtheiie absetzten, wodurch dessen Boden mit Schlamm bedeckt würde. 
Wenn das Wasser sich dann geklärt hätte, wih-de es durch einen Vcrbindungs- 

' Wetzstein Reisebericht über Hauran und die Trachonen. Berlin 1S60, S. .}9 ff. Eine 
wie es scheint, werthvolle Publication war mir niclit zugänglich; The survey of western Pala- 
stine by Wilson, Warren, Conder u. s. w. Dieselbe soll enthalten Memoir I shcet I — VI, 
Gahlee 420 pp., darin Abb. von SelTCirieh (S. 330—337) und unter anderem plan of reservoir, 
Sketches of interior of reservoir. Nach Baedecker, S. 243, hat Sepphoris (SalTürije), grosse alte 
Wasserreservoire und eine Wasserleitung. 

25 



194 

canal in das grössere Becken eingelassen und das geleerte kleinere für neue 
Wasseransammlung gereinigt. Wir haben es also hier mit einer Anlage, wie sie 
in Tunis häufig vorkommt, zu thun, nur dass die Becken charakteristischer 
Weise nicht rund sondern viereckig sind. 

Der wichtigste Teich ist der erwähnte von Kreje, weil er im Gegensatz zu 
den meisten übrigen Teichen, deren Entstehungszeit vielfach unsicher ist, durch 
eine Inschrift datirt wird. Dieselbe, bisher ungenau copirt, ' steht auf einem 107 w 
langen und 0-43 m hohen Stein und lautet nach der von Dr. Schroeder am 
21. November 1883 genommenen Abschrift: 

AFAeH TYXH 
eKTICOH HAIMNHBTOYC P4 

eKOlNONANAAOMATON 

THCKOMHC * MeKnPONOlAC 

a)A KOPNHAIANOY n n 

Dieselbe ist nach Dr. Schroeder zu lesen : 

^ M [Sfjvapicüv es' iJi(upeddwv)] ex 7rpovoia<; 01. Kopvrjltavoij n(pipt)7:(dapioo). 

Das Jahr 190 der Aera von Bosra entspricht dem Jahre 295 n. Chr. Hier also 
haben wir der Zeit nach einen unmittelbaren Vorläufer der Teiche von Konstanti- 
nopel. Dreissig Jahre später rief Konstantin den Überschuss an Menschen des 
ganzen Reiches nach dem Bosporus und lockte insbesondere die Baumeister durch 
glänzende Versprechungen dorthin. Da brachten syro - palästinische Ingenieure 
die uralten Überlieferungen der Wasserbaukunst des Orients nach Neu-Rom, 
welches durch seine Lage auf einem felsigen, vom Meere umschlossenen Terrain 
ähnlich wie Jerusalem und der Hauran in der trockenen Jahreszeit und bei 
Belagerungen ganz auf die Sammelbehälter angewiesen war. 

Die byzantinischen Teiche sind wie fast alle syro-palästinischen viereckig, 
obwohl runde zweckmässiger wären, weil dabei der Umfang im Vergleiche zur 
Fläche kleiner ist, die Umfassungsmauern also sich billiger stellten. Überdiess fällt 
die gerade Mauer leichter um, als die gebogene. Der Tschukiir bostan in Exi 
Marmara (i) ist wie die Teiche des Hauran innen aus reinen Quadern auf- 
geführt. In allen übrigen Fällen übertrug man den sonst in Konstantinopel 
üblichen Schichtenbau auch auf die Teiche. Die Grössenverhältnisse der syro- 
palästinischcn Teiche variircn sehr stark zwischen 210 — l6?H Länge und 143 — 5'6 vi 



C. S. Cr. .l6.|3 und WjKklinntun, Iiiscriptioiis ^r. ut lat. Je la .Syrii; 19(>3. 



195 

Breite. Die erhaltenen von Konstantinopel sind im Durchschnitt grösser; sie 
haben 244— 127 »z Länge und 152—76;« Breite. So sehen wir, wie die syrischen 
Traditionen in der Reichshauptstadt zum Theil rein, zum Theil modificirt fort- 
o-eführt werden. Eine eingehendere Untersuchung der syrischen Bauwerke wird 
dafür gewiss reichere Belege bringen. 

II. Die gedeckten Behälter. 

Die gedeckten Behäker von Konstantinopel sind bis auf eigentlich nur 
eine einzige Ausnahme Säulencistemen. Denn wenn hie und da (16 und 28) 
Pfeiler vorkommen, so scheint das mehr an dem Mangel billigen Säulenmaterials 
für Hausbesitzer, die sich kleine Hauscisternen erbauten, gelegen zu haben, als 
dass dies geradezu constructiver Brauch gewesen wäre. Nur bei einem der grossen 
und architektonisch bedeutendsten Hallenbehälter sind Pfeiler verwendet, die, 
weil jedes Stück für den Bau der Cisteme neu zugearbeitet wurde, direct in 
der Absicht des Baumeisters gelegen haben müssen. Es ist dies der Behälter 
an der Strasse Un-kapän, zwischen Zeirek dschami und der alten Pantokrator- 
kirche (13). Aber an keiner andern Cisteme tritt zugleich auch so sehr wie hier 
die Rücksicht auf die locale Bodenbeschaffenheit hervor. Der Baumeister hatte die 
Aufgabe, an einen steil abfallenden Abhang, der an und für sich einer Stützmauer 
bedurft hätte, eine Cisteme zu bauen. Er wählte für sie zunächst diejenige 
Form, welche ihm ermöglichte, die Cisteme mit Vermeidung des Alluviums der 
Thalsohle ganz auf dem felsigen Abhang selbst zu gründen, d. h., er machte 
sie schmal und lang, den Abhang entlang laufend. Statische Rücksichten waren 
es jedenfalls auch, die ihn bei Anordnung der Stützen leiteten; denn während 
die meisten Behälter allseitig in den Boden versenkt sind, lag sein Bau auf einer 
Seite o-anz, auf zweien halb frei. Desshalb schrak er wohl vor der Anwendung 
dünner Säulen allein zurück und führte dafür aus eigener Überlegung, unter 
Aufgabe des traditionellen Brauches, einen rhythmischen Wechsel von Säulen 
und Pfeilern ein. Der ganze Bau athmet so sehr, auch in der Art der Anwen- 
dung des Spitzbogens, freierfundene Composition, dass wir bei der Frage nach 
dem Ursprung des Systems der Hallenbehälter von ihm absehen und ganz im 
allgemeinen davon ausgehen müssen, dass die gedeckten Cisternen von Konstan- 
tinopel reine Säulenbehälter sind. 

Wo haben diese nun ilir Vorbild? Oder sind sie eine selbstständige Schöpfung 
der byzantinischen Baumeister? 

Der römische Wasserbau kennt Säulen nicht. Die Stadtrömer hatten über- 
liaupt keine Wasserreservoire in dem Sinne der byzantinischen. Ihnen genügten 

25* 



196 



für öffentliche Zwecke Piscinen, durch welche das Wasser der zahlreichen 
Leitungen behufs Klärung, nicht zur Aufspeicherung geführt wurde. Nur in 
Privatpiscinen mag auch die Ansammlung von Wasser Selbstzweck gewesen 
sein. Die Piscinen sind durchschnittlich kleiner als die Cisternen von Konstan- 
tinopel und ohne jeden architektonischen Schmuck: Pfeiler, oder durch thürartige 
Öffnungen durchbrochene Mauern theilen den viereckigen Innenraum in recht- 
eckige Felder, die mit Tonnen oder Kreuzgewölben bedeckt sind. Die Umfassungs- 
mauern sind bald massiv, bald mit vertieften Nischen (wie Un-kapän 13, schwerlich 
Rillen, wie Filchane 4) versehen. Die grösste dieser römischen Piscinen misst im 
Lichten 51-6;« in der Länge und 29-8;;/ in der Breite, bedeckt also 1538^;;;, 




l—-£ 





Schnitt A-B. Schnitt C-D. 

Fig. 27—29. Piscine in Tivoli. 

oder V» des Flächeninhaltes der Bin bir direk (6). Beistehend als Muster die 
Abbildung einer solchen Piscine in Tivoli, deren Bildstöcke leicht zu erwerben 
waren.' Dieselbe besteht aus drei, durch Pfeiler getrennten Gängen. Die Rohr- 
anschlüsse und Treppen sind wohl neu. 

Nachstehend stellen wir die von Lanciani ' abgebildeten Piscinen mit Aus- 
schluss der nicht in die Höhe gemauerten, sondern in den Felsen ausgehauenen 
Cisternen zusammen : ^ 



' Aus dem Gesundheitsingenicur XIV (1891), Sg. 45/6. 

2 Topografia di Roma antica. I comentarii di Fiontino intorno le acqiic c gli aquedotti. 
Silloge epigrafia aquaiia. Koma 1880. 

> Ich benutze im Nachstellenden llicilwcise Excerptc, die mir l'h. iMuclihciincr Irenndliclist 
zur Verfügung gestellt hat. 



197 



Name oder Ort 



Tafel 



Figur 



Text- 
seite 



Beschreibuntr 



Piscina in der Villa des 
Cassius bei Tivoli . . . 



Endwasserseliloss der 
Aqua-Claiidia und Aqua- 
Anio novus 



Piscina der Aqua Anio 
vetus 



Piscina der Aqua Marcia 



Piscina der Aqua Tepula 



Piscina der Aqua Julia 



Piscina der Villa der Cae- 
cilier 



Piscina in den Gärten des 
Sallust 



Piscina der Aqua Claudia 
und Aqua Anio noviis . 



Piscina der Aqua Ale.xan- 
drina 



Piscina einer unbekann- 
ten Leitung in der Via 
Principe Eugenio .... 



II 



IV 



VI 



VI 



VI 



VII 



VII 



VII 



VIII 



VllI 



lO 



46 



150 



51 



95 



95 



95 



112 



306 



145 



175 



Rechteckig, etwa 27m lang, gm breit; eine 

Reihe Mittelpfeiler sind durch Gurtbögen 

verbunden ; Decke : zwei Tonnengewölbe ; 

Einlauf: Öffnung in einer Schildfläche. 



Quermauern scheinen das Wasserschloss in 
Kammenr von 21 in Länge, 35 m Breite zu 
theilen. Vorderste Kammer etwas grösser. 
Eine Längsmauer glatt, die andere mit 
Nischen an der Aussenseite. 



Kammern von etwa 25 rn Länge und 2 ?n 
Breite folgen der Länge nach auf einander. 



Ein Raum von 51-6 auf 29-8 m ist durch 

Zwischenmauern in rechtwinklige Becken 

zerlegt. 



kleiner als die Piscina der Marcia, neben 
letzterer gelegen imd ähnlich gebaut. 



Rechteckig, 31 in lang, 10 m breit. Eine 
Mittelreihe Pfeiler von quadratischem Quer- 
schnitt. Mauern aussen glatt, innen mit 
Vorlagen. 



Rechteckig, etwa 25 m breit. Eine Mittel- 
reihe Pfeiler. Mauern innen glatt. 2 Tonnen- 
gewölbe mit hohen Stichkappen. 



Rechteckig, 2 Kammern ? 



Rechteckig, eine Längsmauer hat Nischen 
— oder Rillen? — an der Aussenseite; die 
anderen Umfassungsmauern sind glatt. Eine 
Zwischenlängsmauer und fünf Quermauern 
mit thürartigen Durchbrechungen thcilcn 
das Innere in zwölf Felder. 



•75 



Unregehnässig, durch Zwischenmauern mit 
Öffnungen in Kammern getheilt. 



198 

Lanciani nennt noch — ohne sie abzubilden — einige Piscinen,' darunter' 
eine von ungewöhnlicher Form, nämlich rund von 49 m Durchmesser, aus sieben 
nebeneinander liegenden gleich breiten überwölbten Gängen bestehend. Die 
Gänge sind hiernach ungleich lang und der mittelste hat offenbar den Piscinen- 
Durchmesser zur Länge. 

Ausser den eingeschossigen Piscinen gab es in Rom auch zweigeschossige, 
bei welchen das Wasser zum Zwecke besserer Klärung entweder unter Druck in 
das untere Geschoss eintrat, dann durch ein Loch in der Decke in das obere und 
von da in das stadtwärts führende Gerinne überquoll ' oder indem das Wasser 
in eine Kammer des Obergeschosses einlaufen, dann ins Untergeschoss nieder- 
sinken und hierauf erst in eine zweite Kammer des Obergeschosses empor und 
von da ins Stadtgerinne strömen musste. * Zwei grosse Piscinen veröffentlicht 
Piranesi. ^ Die eine liegt unweit des Amphitheaters und bildet eine rechteckige 
Halle von 50-2 m Länge und 3r3 m Breite im Lichten, deren Decke aus fünf 
Tonnengewölben besteht, welche von den Aussenmauern und vier Pfeilerreihen 
getragen werden. Jede Pfeilerreihe besteht aus sieben Pfeilern und zwei Pfeiler- 
vorlagen, welche durch acht Gurtbögen verbunden sind. Das andere Bauwerk * 
besteht aus drei der Länge nach aufeinander folgenden Behältern von 46 bezw. 
48-6;« Breite: in den ersten, 58-9 m langen, sehr hohen, führt etwa von halber 
Höhe aus eine Treppe hinab und ein Tonnengewölbe bedeckt ihn ; der zweite 
und dritte sind je 26-8 m lang und nur durch Öffnungen in den beiden Scheide- 
mauem zugänglich. Da diese Öffnungen an der Sohle liegen, waren der zweite 
und dritte Raum, wenn gefüllt, unbetretbar. Daher sind ihre Decken (Mulden- 
gewölbe) mit Schöpflöchern zum Herablassen von Eimern versehen. Über dem 
zweiten und dritten Räume liegen weitere überwölbte Räume, in welchen sich 
die Leute aufhielten, wenn sie schöpften. Diese beiden Geschosse sind zusammen 
so hoch wie der erste Behälter allein. 

Eine weitere italische Cisterne verdient der Beschaffenheit ihres Mauer- 
werkes wegen Erwähnung, nämlich die 1739 2" Volterra entdeckte. ' Sie ist 



' Z. B. 9 auf Seite 81 iiiul 3 auf Seite 182. 

2 Seite 182. 

> Fabrettus, de aquis et aquaeduttibus, Komae 1680, p. 120, 122. 

* Ebenda, p. 125. 

ä Piranesi, Antichitä d'Albano e di Castel-Gandolfo. Taf. ,\II, .XlII, XIV. 

• Ebenda, Taf. XV, XVI, XVII, XVIII. 

' Rondelet, Traite tlieorique et pratique de l'art de liatir. Paris 1S27 ronie I, p. 140, 
1828 Tome II, p. 308 und I'lanelie LX. 



199 

rechteckig, I5'9 772 lang und ir6 777 breit. Zwei Reihen von je drei viereckigen 
Hausteinpfeilem, welche oben durch Sturzplatten verbunden sind, tragen nebst 
den Mauern die aus drei Tonnengewölben bestehende Decke. Bemerkenswerther 
Weise bestehen Sohle, Mauern und Gewölbe aus Beton, einem Baustofte, der für 
Behälter erst in neuerer Zeit wieder in Anwendung gekommen ist. 

Allgemein bekannt ist die sogenannte Piscina mirabilis, südlich von Bacol 
bei Neapel. Sie ist das grösste und besterhaltenste Reservoir der Bajä'schen 
Küste, 71777 lang, 27777 breit, mit 4 X 12 Reihen, d. i. 48 Pfeilern von kreuz- 
förmigem Grundriss. Die Umfassungsmauern bestehen aus Netzwerk, die Decke 
ist gewölbt. In sie soll der Aquäduct des Serino gemündet haben. ' 

In Nordafrika wurden schon in punischer Zeit gedeckte Behälter mit durch- 
brochenen Mauern oder Pfeilern gebaut, die sich von den römischen dadurch 
unterscheiden, dass ähnlich wie bei den offenen Teichen derselben Gegenden 
mehrere Behälter zur Abklärung des Regenwassers neben einander gelegt wurden. 
Die Römer erst bauten Aquäducte und führten im Zusammenhang damit ihre 
Piscinenform ein. ^ 

Von den Cistemen Karthagos ' sind nicht nur viele kleinere mehr oder 
weniger gut erhalten, sondern auch zwei grosse, welche ehemals zu öffentlichen 
Zwecken gedient haben müssen. Ihre Entstehungszeit steht nicht fest. Sie sind 
entweder vollständig punisch oder von den Puniern nur als offene Becken her- 
gestellt und erst von den Römern überwölbt worden. Eine grosse ist heute von 
Arabern bewohnt und bildet das Dorf Malka, die andere liegt unweit von ihr 
näher am Meere und ist unbenutzt. De Sainte-Marie gibt ihren Grundriss. 
Sie bedeckt ein Rechteck von 139 rti Länge und 37 m Breite, das von sechzehn 
Ouermauern in siebzehn Theile zerlegt wird. Fünfzehn dieser Theile sind als 
längliche vom Boden bis zum Scheitel 10 m hohe Kammern gebildet und von 
in Halbkuppeln endigenden Tonnengewölben aus Gussmauerwerk, welches den 
römischen Urspnmg darthut, bedeckt. Zwei andere Quertheile sind weiter durch 
Mauern in viereckige und kreisförmige Kammern zerlegt. Letztere dienen theils 
zur Aufnahme einer Treppe, theils als Vertheilungsbehälter. In der Mitte der 



' Beloch Campanicn, S. 202, Paoli Anticlütä di Pozzuoli Tav. 59-62, Durm, Handbuch 
der Arcliitektur II, 2, S. 358. Vgl. auch de Fontanu, hist. du l'acadcinie royale des inscr. et 
bellcs lettres XVI (1761), p. 113. 

2 Daux, Recherches sur l'origine et l'emplacement des emporia phiSniciens dans le Zeugis 
et Ic Byzacium, p. 59 suiv. 

' Les ruines de Carthagc par E. de Sainte-Marie. E.xtrait du Journal l'Explorateur. Paris, 
au.x bureaux de l'Explorateur 1876. p. 21, 25 suiv. 



200 

Cisterne ist der Länge nach ein weiteres Tonnengewölbe eingelegt, welches an 
den Durchdringungsstellen mit den Quergewölben Kreuzgewölbe bildet. Unter 
diesen Kreuzgewölben sind nach einer Photographie von Garrigues in Tunis 
die Ouermauem nur bis Kämpferhöhe geführt, so dass die Kammern oberhalb 
der Kämpfer in Verbindung stehen. An den beiden Stirnmauern ziehen sich etwa 
2 m breite mit Tonnengewölben überdeckte Gänge hin, welche jetzt überall 
Einblick in die Kammern gewähren. 

In Utika nehmen die Cisternen einen Raum von 1980^772 mit iii5oc/'77i 
Inhalt ein. Sie sind in sechs Abtheilungen nebeneinander geordnet, von denen 
zwei noch gut erhalten sind. Jeder Behälter ist 41-20 777 lang, 595 777 breit und 
7'6o 777 hoch; sie werden von einem ir5/>w7 langen Aqiiäducte gespeist. ' 

Besondere Erwähnung verdienen unter der grossen Zahl der nord- 
afrikanischen Behälter noch diejenigen von Thapsus und Bararus, weil sie im 
Gegensatz zu allen übrigen, die reine Tonnengewölbe haben, mit gedrückten 
(surbaissees) Bogen gedeckt sind. Die Cisterne von Thapsus ist 7520 777 lang, 
108-40 777 breit und hat 8150^777 Flächenraum, ist also kleiner als Jere batän Serai (5) 
und wenigstens der Flächenausdehnung nach grösser als die Bin bir direk (6). 
Die Cisterne von Bararus, nach punischer Weise noch aus zwei Behältern neben 
einander bestehend, soll bedeutend grösser sein, führt daher nach einer arabischen 
Inschrift auch den Namen der Cisterne mit 1000 Säulen und erinnerte Daux an 
die Cisterne der looi Säule (6) in Konstantinopel, die angeblich »nach demselben 
Typus« erbaut ist. - Ich finde davon keine Spur. 

In Syrien und Vorderasien lassen sich ebenfalls römische Pfeilercisternen, 
allerdings von kleinerem Umfange, nachweisen. Eine eigene Form haben sie 
in Syrien. Texier » beschreibt in Dana, auf dem Wege von Haleb nach Antiochia, 
eine Cisterne von 15 X I4'40 '" Grösse, in der einundzwanzig monolithe Pfeiler 
in drei Reihen die Decke tragen, die aus 3-60 777 langen und 2 77; breiten Stein- 
platten besteht. Im Allgemeinen hat man in Syrien und Palästina die offenen 
Teiche und Schachtcisternen vorgezogen. Auch im Hauran finden sich Pfeiler- 
cisternen. Wetzstein berichtet von in den Felsen gehauenen Wasserbehältern, 
Mukn genannt, deren Decke bei grösseren Dimensionen auf Pfeilern ruht. Ks 
kommen auch künstliche Mukn vor: »Man grub eine beiläufig 15777 tiefe Birke, 
stellte darein ein oder mehrere Reihen Bogen, auf diese wiederum Bogen und 
deckte ülicr die ol)crsten steinerne Platten. Dergleichen fuidcn sich häufig. Das 



' Daux a. a. O., p. 249 11'. 

J Daux a. a. O. p. 65. 

> Tüxier and roppkwi-ll l'ull.in, L'aruliitL-ctiirc byzantinc, p. 195. 



20I 

schönste Exemplar sah Wetzstein in dem Kloster Mejäs, dem vollendetsten 
Muster hauranischer Bauart. ' Solche mit Steinen gedeckte Cistemen finden sich 
auch auf Malta. ■ 

Für Kleinasien mögen zwei Beispiele als Beleg für die römische Bauweise 
dienen: In Ismid (Nikomedia) nahm Texier ^ einen Behälter auf von 50 w im 
Geviert Lichtweite mit sechsunddreissig in sechs Reihen angeordneten Pfeilern 
von kreuzförmigem Querschnitt. * Nach den Zeichnungen Texier's treten Schild- 
bögen vor die Wandflächen vor, während diese Eigenthümlichkeit in einem 
malerisch gehaltenen Bilde desselben Reisenden nicht bemerkbar ist. Hervor- 
zuheben ist die Aussage Texier's, dass man keine Wasserableitung bemerken 
könne und dass rings unter allen Gewölben Leitungen ausgingen, welche mit 
einem heute gänzlich verschütteten, um die Cisterne geführten Gürtelcanal in 
Verbindung gestanden hätten. Vielleicht hat eine Missdeutung der Fenster Anlass 
zu dieser Behauptung gegeben. Der zweite Behälter befindet sich in Sinope am 
Schwarzen Meere. Ihn empfahl ein englischer Ingenieur R. Rawlinson als Vorbild 
vor einer Versammlung von Fachgenossen. ^ Er besteht aus vier nebeneinander- 
liegenden etwa 17 m langen und 2-5 m breiten, mit Platzelgewölben überspannten 
Kammern; die drei Scheidewände sind durch je drei Öflnungen durchbrochen. 

Nach diesem Überblick könnte es scheinen, als hätten die B3'zantiner 
dadurch, dass sie Säulen statt der römischen Pfeiler verwendeten, etwas selbst- 
ständig Neues geschaffen. Dem ist aber nicht so. In einer Stadt wenigstens der 
südlichen Ländergruppe am Mittelmeere hatten Säulen schon in griechisch- 
römischer Zeit Verwendung gefunden: in Alexandria. Von ihr heisst es bei 
Hirtius-Caesar : Föns urbe tota nullus est. « Die Bewohner waren völlig auf das 
von aussen zugeleitete und das Regenwasser angewiesen. ' Wir begreifen, dass 
in Folge dessen in dieser nächst Rom volkreichsten Stadt die Wasserbautechnik 
einen höheren Grad der Entwicklung erreichte, als in allen andern Gebieten des 
römischen Reiches, ^"or 1829 zählte denn auch der Ingenieur Saint-Genis noch 



' Wetzstein Reisebericlit über Haurau und die Trachonen, Berlin 1860, S. 50. 

= Perrot et Chipiez Hist. de l'art. III, p. 372. Vgl. Burke in »Minutes of proceedings 
of tlie Institution of Civil-Ingineers«, vol. LXXIII (18S3), p. 37. 

3 Description de l'Asie mincure I, p. 28 und pl i und 2. 

■• Nach Choisy, Art de bätir chez les Byzantins, pl. XVII sind die Pfeilerquerschnitte 
einfache Quadrate. 

'^ Minutes of proceedings of tlic Institution of Civil-Inginieers, vol. LXXIII (1883'», p. .17. 

» Bellum Alexandrinuni V. 

' Vgl. Description de l'Rgypte V, p. 302 IT. und 359, Kiepert in der Zeitschrift der 
Berliner Gesellschaft für Eidkunde 1872 und die unten S. 203 zu eitirende Briefstelle Maspero's. 

26 



202 



3o8 erhaltene alte Cisternen, eine Zahl, die bestätigt, was in römischer Zeit von 
der Stadt behauptet wurde: Alexandria est fere tota suffossa. Das Gleiche sagte im 
15. Jahrhundert Manuel Chrysolaras von Konstantinopel, ' allerdings mit weniger 
Recht, weil die Hauptarbeit hier durch die offenen Teiche geleistet wird. In 
Alexandria dagegen gibt es meines Wissens nur unterirdische Behälter, über deren 
Speisung und besonderen Zweck bei Hirtius-Caesar die werthvollsten Aufschlüsse 
gegeben werden: (Alexandria) specus habet ad Nilum pertinentes, quibus aqua 
in privatas domus inducitur, quae paulatim spatio temporis liquescit ac subsidit. 
Hac uti domini aedificiorum atque eorum familiae consuerunt: nam quae flumine 
Nilo fertur, adeo est limosa ac turbida, ut mukös variosque morbos efficiat. 

Saint-Genis * hat neun von diesen Behältern in guten Aufnahmen veröffent- 
licht mit dem Zusätze, dass die grosse Masse nach genau demselben Schema 




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Fig. 30. Grundriss 



Fig. 31. Längsschnitt 



der Cisterne el-Geytän el-Keb\-r in Alexandria. 

erbaut sei. Man finde sie überall zerstreut, doch seien in gutem Stande fast nur 
die innerhalb der arabischen Mauer. Allen diesen Behältern nun, für welche 
Abbildung 30 und 31 der Cisterne el-Geytän el-Kebyr als Muster diene, ist eigen- 
thümlich, dass sie auf Säulen ruhen. Gibt es unter ihnen auch, der Säulenzahl 
nach, keine so grossen wie Jere batän Serai (5), Bin bir direk (6) oder der 
Bodrüm (7) — die von Saint-Genis veröffentlichten neun Behälter haben S, 9, 
J5, 18, 20 (resp. 24), 22, 45 und 48 (resp. 54), also durchschnittlich 27 Säulen — 
so haben sie dagegen, Bin l)ir direk ausgenommen, eine grössere Ausdehnungs- 
dimension vor den Cisternen von Konstantinopel voraus: die Tiefe. Zwei und 
drei Stockwerke übereinander sind die Regel. Die Säulen stehen dann eine über 
der andern doch nicht unvermittelt, wie in der Bin bir direk, sondern durch oben 
horizontal abgeschlossene Gurtbögen verbunden. Der Innenrauni der Cisterne 



I Vet et nov. Komae comp. p. 119. 

3 In der Description de l'Kgypte A, V, pl 36 und 37, Text V, p 35,5 IV und .(92 fT. 
vgl. Pocockc, Description of tlic East. 



203 

wird dadurch in von zwei bis vier Arkaden übereinander umschlossene Vierecke 
aufgetheilt, denen oben je ein Gewölbe entspricht, welches direct über dem 
letzten Gurtbogen in der Verlängerung der Säulenaxen aufsitzt. Die viereckigen 
Umfassungsmauern bestehen aus Ziegeln, haben immer Pfeilervorlagen, öfter 
halbrunde Nischen und sind mit einem Cement bedeckt, der sich gut erhalten 
hat. Die Ecken sind abgerundet; in einer derselben oder in mehreren sind 
Schlote angebracht, in deren Wänden Vertiefungen zum Auf- und Absteigen 
angebracht sind. Der Boden ist in einem Falle wenigstens mit Marmorplatten 
bedeckt und hat ein leichtes Gefälle. Die Säulen bestehen aus Marmor oder 
schönem rothen Granit von Syene, ebenso die Capitelle. Saint-Genis bildet 
vier Capitelle einer Cisterne in der Nähe der Moschee der looo Säulen ab. 
Bezeichnend für sie ist, dass sie oben nicht viereckig, sondern kreisrund 
abschliessen und so eine Art Kelchform haben. Die Ornamente wechseln, es 
kommen auch solche altägyptischen Stiles vor. An einigen finden sich Kreuze 
von gleichschenkliger Form mit breiter werdenden Armen. Saint-Genis schliesst 
daraus mit Recht, dass die Cisterne oder ihre Restauration älter als die arabische 
Eroberung (640/1) sein müsste. Bei einigen Cisternen sei der griechisch-römische 
Charakter deutlich, aber die meisten seien durch neuere Restaurationen entstellt, 
denn jeder Eroberer habe gleiches Interesse daran gehabt, die Behälter in gutem 
Stande zu erhalten. In einigen Fällen scheine die Restauration in der Zeit der 
ersten Kirche seit Konstantin vorgenommen. — Dass aber die Cisternen zum Theil 
aus antiker Zeit stammen, dafür spricht erstens die Stelle bei Hirtius-Caesar, dann, 
dass die sie speisenden Nilcanäle zum Theil uralt sind ' und immer Reservoire zur 
Klärung gehabt haben müssen, und drittens, dass sich die Cisternen nicht nur 
unter der arabischen und christlichen, sondern auch unter den jetzt verlassenen 



' Zum Belege für dieses Argument verweise icli auf Saint-Genis. Von besonderem 
Interesse sind die diesbezüglichen Mittheilungen, welche Herr M. Maspero mir auf meine 
Anfrage gütigst zukommen liess und die ich hier mit bestem Danke zum Abdrucke bringe : 

»Pour le Probleme particulier qui vous occupe, je n'ai de donnees que Celles d'une fouille 
que j'ai faite pendant l'ete de 1881 au Kom ed-Damas, autour de la mosquee de Nabi-Danial, 
ä la recherche du Serapeum 1?) d'Alexandrie. Les tranches menes en general ä 6 ou 8 vi, dans 
certains endroits jusqu'ä 12 m de profondeur, ni'ont mend jusque dans le sous-sol de la ville 
grecque. Entre autres restes, j'ai rencontre partout des conduits d'eau cncore bien conservees, 
et qui montrcnt que la distribution des eaux devait etre trcs bien organis^e dis le temps des 
Ptolemees. Les notes et les croquis de cette fouille ont disparu avec d'autres papiers en 1S82 
au moment de la guerre contre Arabi-Pacha. Je me souviens tres nettement d'avoir remarque 
en plusieurs endroits que l'appareil grec avait et6 restaure ii diflerents reprises, et avoir 
reconnu dans plusieurs de ccs reconstructions le traveil byzantin. Lc Systeme de conduits et 

26* 



204 

Theilen der römischen Stadt hinziehen. Leider ist die Untersuchung dieser interes- 
santen Objecte nicht soweit vorgeschritten, dass nach dem Material und den archi- 
tektonischen Formen römische, christliche und arabische Behälter geschieden 
werden könnten. Die Araber scheinen Säulencisternen mit Spitzbögen erbaut zu 
haben. Ein Beispiel dafür ist die sogenannte Helenacisterna bei Ramie. ' 

Für unsere Frage nach dem Ursprünge der Säulencisternen von Konstan- 
tinopel genügt jedenfalls der Nachweis, dass derartige Behälter schon in römischer 
Zeit in Alexandria erbaut wurden. Dem halte man gegenüber, dass im ganzen 
übrigen römischen Reiche Pfeilerbehälter im Gebrauche waren und dass, was 
schon zur Erklärung der Einführung offener Teiche aus Syrien betont wurde, 
zur Zeit der Erbauung von Konstantinopel Künstler und insbesondere Baumeister 
aus allen Theilen des Reiches, durch Begünstigungen herangelockt, in der neuen 
Residenz zusammenströmten. Es kann gar kein Zweifel darüber bestehen, dass 
die Alexandriner dabei ein starkes Contingent stellten. Die Ingenieure jener 
Provinz scheinen sich eines besonderen Rufes erfreut zu haben, da Konstantin 
durch ein Gesetz vom Jahre 334 den Statthalter der afrikanischen Provinzen 
auffordert junge Kräfte zu ermuntern, denn es sei Mangel an Baumeistern. ' 



Nach den geführten Untersuchungen würde sich die Entwicklung des 
Wasserbaues auf dem Boden der neuen Residenz am Bosporus etwa so stellen : 
Konstantinopel war in ähnlicher Lage wie Alexandria. Der eigene Boden lieferte 
kein oder nur schlechtes Wasser, man musste also bei Erweiterung der Stadt 
zur Residenz vor Allem auf die Wasserzufuhr bedacht sein. Die Günstlinge des 
Kaisers, der Patricier Eubulos und der Magister Philoxenos, sorgten dafür in 
der Weise ihrer Heimat, indem der eine die Quellen des westlichen Hochplateaus 
in Leitungen fasste, der andere eine Art Piscina mirabilis an der Grenze der 
Alt- und Neustadt erbaute; denn als einen römischen Pfeilerbehälter denke ich 
mir die Cisterne des Philoxenos. Es lässt sich nämlich im Allgemeinen beobachten, 
dass von allen zur Zeit der Erhebung der Stadt zur Residenz daselbst zusammen- 
strömenden Elementen im 4. Jahrhundert das römische die Oberhand gehabt 
haben muss und das orientalische sich erst allmälig Bahn bricht, bis es, zur 
Zeit der beiden Thcodosius mächtig erstarkt, das Übergewicht gewinnt. Daher 



de citemes de l'Alexandric du Moyen-Af;je remonterait donc jusqu'au temps des Ptolcmees: 
peut-Ctre les citcrncs ä cülonnes auraicnt-clles OtO inventCes vers ce tcmps-la«:. 

" Sepp, Jerusalem und das hl. Land, I (1873), S. 35. 

- Cod Theod. -Xlll, .1, I. 



205 

ist es wahrscheinlich, dass auch für den Cisternenbau in der älteren Zeit die 
römische Bauart angewendet wurde. Konstantin selbst war sehr energisch auf 
eine ausgiebige Versorgung der Stadt mit Wasser bedacht: er hinterliess, als 
der skythische Krieg ihn in's Feld rief, sechshundert Goldcentenarien zum Bau 
der Emboloi, der Wasserleitungen und der Mauern (Band. 5, Cod. 23). Ausserdem 
schützte er durch ein Gesetz vom Jahre 330, also im Jahre der Einweihung der 
Stadt, die Wasserleitungen vor \'erunreinigung und dem zerstörenden Einfluss 
nahestehender Bäume, indem er die anwohnenden Grundbesitzer zur Reinhaltung 
der Canäle und dazu verhielt. Bäume bis auf 15 ' von den Leitungen entfernt zu 
halten (Cod. Theod. XV, i, i). 

Mit diesen den römischen Traditionen entsprechenden Mitteln aber kam 
man nicht lange aus. In der ungeahnt emporblühenden Residenz stellte sich 
bald Wassermangel ein. Die Nothlage erreichte zur Zeit des Valens ihren Höhe- 
punkt. Da erbaute der Kaiser im Jahre 36S aus den Mauern des zerstörten 
Chalcedon den nach ihm benannten Aquäduct. Und nicht genug damit. Grosse 
Reservoire sollten das im Winter reichlich zuströmende Wasser für die trockenen 
Sommer- und Herbsttage aufbewahren. Der römische Pfeilerbau reichte dafür nicht 
aus. Damals war es denn, wo aus der Masse der Ingenieure die syrischen hervor- 
traten und zur Anlage offener Teiche riethen. Man folgte ihren Vorschlägen und 
so entstanden im Jahre 369 die beiden ersten Teiche: der des Stadtpräfecten 
Modestus, da wo sich heute Sarrädschchane befindet und der des Patriciers 
Aetius bei Tekfur Serai, beide zerstört. Die Anlagen bewährten sich und wir 
sehen in theodosianischer Zeit und bis auf Justinian andere derartige Bauten 
folgen. 

Am Anfange des 5. Jahrhunderts trat eine neue Schwierigkeit ein. Die 
Stadt war derart angewachsen, dass Theodosius IL die Mauern, als dieselben 
bei wiederholten Erdbeben einstürzten, nicht mehr an der alten Stelle wieder- 
aufbaute, sondern sie bis zum goldenen Thor herausschob. Die alten Stadt- 
viertel innerhalb der Mauer des Septimius Severus werden so überfüllt gewesen 
sein, dass man mit den liestehenden Mittehi der Wasserversorgung nicht mehr 
ausreichte und für die Anlage neuer offener Teiche keinen Platz fand. Da waren 
es nun zum zweiten Mal orientalische Ingenieure, welche Rath schafften, diesmal 
die Alexandriner. Es ist mehr als ein Zufall, dass das Jcthr der Errichtung des 
ersten sicher beglaubigten unterirdischen Behälters, der Cisterna maxima sul) 
transitum fori (407), fast zusammenfällt mit dem Jahre, im welchem die Mauern 
herausgeschoben wurden : die Stadt war eben in jeder Beziehung zu eng geworden. 
Möglich, dass das Jahr 407 die Epociic der Einführung der Säulencisternen ist, 



2o6 

wie 369 das der offenen Teiche; mit Sicherheit feststellen lässt sich das jedenfalls 
heute noch nicht. Wir wollen nun im folgenden Capital mit Heranziehung der 
Resultate, die sich aus der Betrachtung der litterarischen Quellen ergeben haben, 
die Weiterentwicklung der Säulencisternen auf dem Boden von Konstantinopel 
verfolgen. 

b. Datirung der gedeckten Behälter nach den Bauformen. 

Die Untersuchung der litterarischen Überlieferung hat gezeigt, dass sich 
die erhaltenen offenen Teiche alle mit Wahrscheinlichkeit benennen und datiren 
lassen. Eine Bestätigung ihrer Entstehung in der Zeit von Valens bis Justinian 
liefern ihre Bauformen insofern, als sie dieselbe geschichtete Mauerstructur der- 
jenigen Theile der Landmauern von Konstantinopel zeigen, welche noch aus der 
Zeit Theodosius II. herrühren. Nur ein Behälter, der grösste in Exi Marmara (l), 
welchen Anastasius Dikoros (491 — 518) erbaute, zeigt an den Innenfronten reinen 
Ouaderbau. Es liegt nahe anzunehmen, dass darin ein directer Bezug auf die 
s3Tische Bauart hervortritt. Im Allgemeinen aber wird mit der Fonn nicht auch 
die für den Hauran und Palästina feststehende Mauerstructur übernommen, 
sondern man überträgt auf den Teichbau dieselben Grundsätze, die für den 
byzantinischen Mauerbau im Allgemeinen geltend waren. Eine Datirung der 
einzelnen Behälter nach der Mauerstructur ist, wenigstens heute noch nicht 
möglich. Wir müssen uns in dieser Richtung vorläufig ganz an die Resultate 
halten, welche die Betrachtung der litterarischen Quellen geliefert hat. 

Anders bei den Hallenbehältern. Die Prüfung der litterarischen Quellen hat 
hier das entgegengesetzte Resultat geliefert: von neun bezw. zehn in der 
Litteratur genannten und circa vierzig erhaltenen Behältern Hess sich nur einer 
mit Gewissheit (33), zwei mit grösster Wahrscheinlichkeit (5 und 6) identificiren 
und für einen vierten, den von Pulcheria im Jahre 421 erbauten Behälter, boten 
sich zwei passende Denkmäler (8 und 9). Für die übrigen fünf- bezw. sechsund- 
dreissig erhaltenen Cistemen sind wir ganz auf die Bauformen angewiesen, wenn 
die Frage nach ihrer Entstehungszeit aufgeworfen wird. Die neun bezw. zehn in 
der Litteratur erwähnten Cisternen sind in der Zeit zwischen Septimius Severus 
bezw. Arkadius und Heraklius entstanden. Die älteste, der Unterbau des Hi])po- 
droms, ist ein römischer Pfeilerbau. Den römischen Traditionen wird auch noch 
die zur Zeit Konstantin's von Philoxenos erbaute Cisterne entsprochen haben. 
Der früheste durcli Säulen gestützte Behälter dürfte die Cisterna maxima sub 
transitum fori vom Jalire 407 gewesen sein. Ich glaube, wir können dieses Datum 
als äussersten tcrniiuus jiost quem festlialten, umsomehr als auch die Formen 



207 

der erhaltenen Behälter auf keine ältere Zeit hinweisen. Nicht so werthvoU ist das 
Datum der jüngsten von der Litteratur erwähnten Cisterne, derjenigen des Bonus 
aus der Zeit des Kaisers Heraklius (610 — 41), denn hier bezeugen die Denkmäler 
unzweifelhaft, dass man Hallenbehälter bis in die Palaiologenzeit ausgeführt hat. 
Doch das und ähnliche Fragen sollen eben in diesem Capitel behandelt werden. 
Die Datirung der Cisternen wird sich in erster Linie an jenes architek- 
tonische Detail halten müssen, welches am meisten dem wechselnden Mode- 
geschmack unterworfen war: an das Capitell. Unterstützend kommen dazti 
andere Merkmale, wie die Anbringung von Fenstern und Pfeilervorlagen, die 
Gewölbeconstruction, die Frage ob das Säulenmaterial für die Cisterne neu 
zubearbeitet oder einem älteren Bau entnommen sei und Ahnliches mehr. Am 
Anfange wird man das 5. und 6. Jahrhundert sondern können, später lässt sich 
mit Wahrscheinlichkeit nur noch nach den grossen Entwicklungsphasen der 
byzantinischen Kunst, welche an die wechselnden Dynastien anknüpften, unter- 
scheiden. Danach ist denn auch die nachfolgende Eintheilung getroffen. 

I. Die Cisternen der altbyzantinischen Zeit. 

Die Entwicklung der Architektur in altbyzantinischer Zeit verläuft etwa so. 
Im 4. Jahrhundert ein Zusammenströmen aller localen Elemente der Mittelmeer- 
länder in Konstantinopel, die römische Kunst dominirend. Am Ende des 4. Jahr- 
hunderts und in der theodosianischen Zeit überhaupt Verschwinden der früher 
unvermittelt neben einander bestehenden Differenzen; es entwickelt sich eine neue 
Stilgattung. Konstantinopel hat auf dem gesammten christlichen Culturgebiete 
der damaligen Zeit die Führung übernommen, wobei von nicht zu unterschätzender 
Bedeutung die vor den Thoren der Stadt liegende Marmorinsel ist, in der ein 
Steinmetzengeschlecht erwachsen war, welches schon im 5. Jahrhundert alle 
Mittelmeerländer mit Architekturmaterial versah und so den theodosianischen Stil 
weit über Konstantinopel hinaus verbreitete. Höhepunkt der b}'zantinischen Kunst 
im Zeitalter Justinian's. Vollständiger Bruch mit dem plastisch -geradlinigen 
Charakter der Antike : Flachomament und Gewölbebau. Bis auf Justinian kraft- 
volles Emporstreben, nach ihm Niedergang, endlich Stagnation. Wiederbelebung 
der alten Formen nach Beendigung des Bildersturmes und mit der Übernahme der 
Regierung durch die kräftige Dynastie der Macedonier. 

Dieser Verlauf ungefähr resultirt aus einer genaueren Beobachtung der 
sämmtlichen Kunstäusserungen der vormacedonischen Zeit. Es fragt sich nun, 
wie stellt sich dazu der Cisternenbau ? Bestätigt oder erschüttert er die auf 
anderen Gebieten gemachten Erfahrungen? 



208 

Beim Eingehen auf diese Frage wird es sich zunächst darum handeln, aus 
der rohen Masse der Cisternen von Konstantinopel diejenigen herauszufinden, 
welche wohl der altbyzantinischen Zeit angehören dürften. Dafür nun lässt sich 
vorweg wenigstens ein Kriterium geltend machen. In altbyzantinischer Zeit kommt, 
wenn wir vom 4. Jahrhundert absehen, wo gewiss auch in Konstantinopel antike 
Werkstücke verbaut worden sein mögen, eine Verwendung älterer Architektur- 
stücke für Neubauten nicht vor. Die Steinmetzen der prokonnesischen Marmor- 
brüche genügen allen Ansprüchen und später sind die Bauten der theodosianischen 
und justinianischen Periode noch keine Ruinen-Steinbrüche geworden, sie stehen, 
wenn auch altersschwach noch bis auf die Isaurier und die Zeiten des Bilder- 
sturmes aufrecht. Auf die Cisternen übertragen, werden wir daher a priori nur 
diejenigen in den Kreis der altbyzantinischen Periode ziehen dürfen, welche 
nach den Details der Architektur ihr zugewiesen, im Ganzen auch den Charakter 
des einheitlichen Materials an sich tragen, soweit nicht offenbare Unregelmässig- 
keiten beim Neubau selbst oder Restaurationen einer späteren Zeit ihn gelöst 
haben. Innerhalb der so gewonnenen Gruppe altbyzantinischer Cisternen — 
deren Zusammengehörigkeit die späteren Untersuchungen übrigens bestätigen 
werden — lassen sich der allgemeinen Entwicklung entsprechende Unterabthei- 
lungen nur nach den Capitellformen und anderen Details der Architektur bilden, 
welche die Untersuchung selbst zu Tage fördern muss. 

I. Das 5. oder theodosianische Jahrhundert. 

In dieser Zeit werden die römischen Capitellformen noch beibehalten, doch 
wird das composite Capitell bevorzugt. Auch der elegante Acanthus mollis kommt 
noch vor, doch dominirt ein neuer zackiger Schnitt, der des Acanthus spinosus. 
In den Cisternen aber kommt vor allem eine Neuerung der theodosianischen 
Zeit zur Geltung. Mit dem Überhandnehmen der Archivolte statt des geraden 
Architav's stellte sich heraus, dass die stark unterarbeiteten Capitellecken den 
Druck der Obermauern nicht aushieltcn und abbrächen. Man schob daher 
zwischen Bogen und Capitell einen Kämpferaufsatz ein, der seit dem Beginn 
des 5. Jahrhunderts allgemein auftritt und bei Einfüiirung neuer massiver Capitell- 
formen in Justinian's Zeit zumeist wieder fallen gelassen wird. Man kann ihn 
im Allgemeinen, besonders in der Hauptstadt selbst, als ein specifisches Zeichen 
des theodosianischen Zeitalters ansehen. 

Den littcrarischen (Quellen nach gehören dieser Zeit zwei Behälter an, der 
407 bei der Porphyrsäule am Forum unter dem Strassenübcrgang erbaute, von 
dem heute keine Spuren mehr zu Tage liegen und die Cislerne der Pulcheria, 



20y 

in welclie das Wasser im Jahre 421 eingelassen wurde. Diese letzteren könnten, 
wie oben S. 175 gezeigt wurde, die Behälter 8 an Eschrefije sokaghy oder 9 
bei Sultan Selim sein. 

Der Bodrüm am Tschukür Ijostän von Sultan Selim (9). — Das 
Säulenmaterial ist einheitlich für den Bau zugerichtet. Siebenundzwanzig von 
den achtundzwanzig Capitellen haben korinthische Form mit voll ausgearbeitetem 
dreilappigen Akanthus von jenem präcisen Schnitt, der sich (vgl. Porta aurea 
und Marcianssäule ') so wohl unterscheidet von der flauen Arbeit der mittelb3-zan- 
tinischen Zeit, die wir in den jüngeren Cisternen noch kennen lernen werden. 
Um die Datirung in das 5. Jahrhundert unzweifelhaft zu machen, kommt dazu, 
dass sämmtliche Capitelle den Kämpferaufsatz tragen, der bald mit einem Kreuz, 
bald mit Akanthusblättern geschmückt ist. Nur Capitell 6 fällt aus dem Schema 
heraus, sei es, dass man dasselbe bei einer Restauration eingezogen oder gleich 
beim Neubau aus irgend welchen Gründen verwendet hat. Möglich ist das letztere 
jedenfalls, denn auch dieses Capitell gehört dem 5. Jahrhundert an: mit seinen 
vom Wind umgelegten Blättern schliesst es sich an eine Capitellgruppe an, 
die ihren letzten Vertreter in den Säulen von S. ApoUinare in Classe gefunden 
hat. '' Dieses eine Capitell der Cisterne bei Sultan Selim aber unterscheidet sich 
dadurch von allen übrigen dieser Art, dass es entgegen der herrschenden com- 
positen noch korinthische Grundform hat und sein Blattschnitt noch der antike, 
nicht wie sonst ausnahmslos der des Acanthus spinosus ist. Ich glaube, wir 
werden diese Abweichungen vom geläufigen Typus als ein Zeichen höheren 
Alters betrachten dürfen und es danach nicht für ausgescUossen halten, dass 
auch dieses Capitell im Jahre 421 entstanden sein könnte. Es hat die charak- 
teristische Manier der Rippenbildung durch gebohrte Löcher und unten den 
Wulst schräg gestellter Blätter von zackigem Schnitt. Die Mittelbosse am Abakus 
ist wie an den gleichen Capitellen der Basilika zu Chalkis in parallel aufstrebende 
Blätter verarbeitet. ^ 

Ich hebe hervor, dass die Cisterne nach Ft)rchheimer byzantinische Kappen- 
gewülbe von eigenartiger Ziegelschichtung, keine Pfeilcrvorlagen für die Gurt- 



1 Abgebildet von Strzygowski im Jahrbuch des kais. deutschen archäologischen Instituts 
1893, S. 9 und Salzenberg a. a. O., Taf. i. 

- Vgl. meine Zusammenstclhnig dieser Capitellgruppe in den .Mittheilungen des kais. 
deutsclien arcliäoiogischen Instituts, Athen 1889, XIV, S. 286 ü. 

3 Vgl. die -Abbildung a a. O. S. 290. An den anderen Capitellen ist dies deutlicher. 
Bei der Abbildung des Cisternencapitells (Fig. 5) muss ich sehr um Nachsicht bitten: es gibt 
nur einen BegritT von der Composition, in Wahrheit ist die -Arbeit viel tlottcr. 



2IO 

bögen und auf allen Seiten Fenster hat. Auch ragt sie aus der Erde hervor 
und bildet nach einer Seite eine Strassenfa9ade. 

Es wird gewiss auffallen, dass man sich beim Bau dieser Cisterne die Mühe 
gegeben liat, sämmtliche Capitelle fein säuberlich, wie man es bei aller Welt 
sichtbaren Prachtbauten gewohnt war, hier für einen unterirdischen Raum auszu- 
arbeiten. Es ist dies das einzige derartige Beispiel unter denjenigen Cisternen, 
für welche das Material neu zugearbeitet wurde. Auch das spricht für ihr Alter, 
denn als man erst einmal mit dem Bau von Säulencistemen vertrauter wurde, 
und die Zwecklosigkeit der sorgfältigen Ausarbeitung des Capitellschmuckes 
erkannte, da wurden auch die Akanthusblätter nur noch flüchtig angedeutet. 
Zur Zeit Justinian's endlich verschwand dann jeder plastische Schmuck. 

Der Bodrüm am Eschrefije sokaghy (8). — Auch für diese Cisterne 
wurde das Säulenmaterial neu zugearbeitet. Die zweiunddreissig mächtigen Schäfte 
tragen korinthische Capitelle, bei deren Ausarbeitung schon berücksichtigt 
ist, dass sie in einem unzugänglichen Räume \'erwendung finden sollten. Der 
Akanthusschmuck nämlich ist nur flüchtig skizzirt : bald in derben eckigen Formen 
flach ausgemeisselt, wie die rechte Hälfte von Fig. 3, bald überhaupt nur durch 
die überfallenden Spitzen markirt, wie die linke Seite derselben Figur zeigt, hi 
diese Spitzen sind dann entweder Rippen oder zwei concentrische Kreise eingeritzt. 
Die Capitelle erfüllen auch so durchaus die Anforderungen, die der Zweck an sie 
stellt und machen einen ebenso wuchtigen, wie immer noch gefälligen Eindruck. 
An einem gut beleuchteten Exemplar fand ich unter der Mittelbosse den Buch- 
staben O eingeritzt: ein Steinmetzzeichen, von dem unten noch die Rede sein 
wird. Alle Säulen haben auch den Capitellkämpfer, der, fasst i m hoch, ebenso 
imposant, wie das Capitell selbst wirkt. 

Die Gewölbe sind hier Kuppeln. Die Cisterne hat keine Pfeilervorlagen für 
die Gurtbögen, Fenster sind wieder auf allen Seiten angebracht, auch ragt die 
Cisterne aus dem Boden, so dass sie nach Koliuk sokaghy zu eine freie Facade hat. 

Die beiden angeführten Beispiele von Cisternen des 5. Jahrhunderts halben 
achtundzwanzig bezw. zweiunddreissig Säulen. Grösser dürfte vielleicht der als 
Cisterna maxima bezeichnete Behälter am Forum vom Jahre 407 gewesen sein. 
Nach den Formen der Architektur gehört noch unzweifelhaft dem 5. Jahrhundert 
eine von den auch der Grösse nach nächststehenden Cisternen an, nämlich die 
mit vierundzwanzig Säulen beim alten Studiüsklostei". Sie steht besonders dem 
Behälter 8 nahe. 

Der Bodrüm neben der Mirachnr dschami (11). - Das SäuJeninatcrial 
i.st offenbar eigens für den Hau heri;cric!itet. Die Sciuifte bestehen aus (Iranil. 



211 

Die korinthischen Capitelle sind ahnlich flüchtig behandelt, wie bei 8, bei einigen 
geht die Ausführung etwas weiter, wie Fig. 3 zeigt, bleibt aber bei scharfem 
und eckigem Blattschnitt immer flach und wie abbozzirt. Der durchgehends 
angewendete Capitellkämpfer ist sehr massiv und hoch. 

Die Gewölbeconstruction Hess sich nicht bestimmen, Pfeilervorlagen fehlen 
auch hier, Fenster sind auf allen Seiten, bis auf den Mauertheil, an den das Ajasma 
anstüsst, ausgespart. Die Cisterne bildet ein Gartenplateau, dessen Begrenzung 
an einigen Stellen die Mauern selbst bilden. — Die Mirachör dschami ist 
bekanntlich die Kirche, von der Theophanes zum Jahre 463 berichtet: ' »in 
demselben Jahre erbaute Studios die Kirche des Vorläufers und brachte dort 
Mönche aus dem Kloster der Nichtschläfer unter.« Die Cisterne nimmt offenbar 
auf diese Kirche Rücksicht: ihre Nordseite folgt der südlichen Kirchenmauer, 
an die sie sich anlehnt. Sie muss also zu einer Zeit erbaut sein, in der die 
Kirche bereits dastand. Wahrscheinlich ist sie gleichzeitig mit dem Kloster 
angelegt, dem sie das nöthige Wasser liefern sollte. Viel später als 463 kann 
dies wegen der Architekturformen nicht geschehen sein. 

Hervorzuheben ist, dass die Säulenschäfte hier wie auch, wenn ich mich 
recht erinnere, in der Cisterne 8 aus Granit bestehen. Man verzichtete also 
aus jedenfalls triftigen Gründen auf das billige Marmormaterial. Dem gegenüber 
ist zu erinnern an Saint-Genis' Bemerkung über die alexandrinischen Cisternen: 
»ces colonnes sont ordinairement en beau granit rouge de Syene«, wonach es 
scheint, als wenn die ältesten byzantinischen Säulencisternen sich auch im 
Material an ihre Vorbilder hielten. 

Überblicken wir die Behälter des 5. Jahrhunderts, so zeigt sich die 
Anlehnung an die Prototypa von Alexandria nicht nur im Allgemeinen in der 
Anwendung der Säulen, sondern annähernd auch in den horizontalen Grössen- 
verhältnissen und in zwei Fällen auch in dem verwendeten Material. Auf die 
Anlage mehrerer Stockwerke, wie in Alexandria, wurde von vorneherein ver- 
zichtet, erbaute man doch damals noch zur eigentlichen Wasseraufspeicherung 
offene Teiche. Die gedeckten Behälter werden vielmehr im 5. Jahriiundert nach 
vorwiegend den Zweck gehabt haben, das Wasser staubfrei und kühl zu erhalten. 
Das erklärt, warum man den Behälter g dicht neben den Teich 2 legte. 
8 und 9 dürften für kaiseriiche Paläste, einer jedenfalls für einen solchen der 
Pulcheria bestimmt gewesen sein, 11 diente den Zwecken eines Klosters. Das 
Alles stimmt zu der auf Grund der litterarischen Quellen gemachten Beobachtung, 



1 cd. I'.cinii, I, p 17?, cd. do Boor, 1, p, II?. 

27* 



212 

dass für öffentliche Zwecke im 5. Jahrhundert offene Teiche gebaut wurden. Es 
war noch Raum dafür frei. Die Verhältnisse ändern sich im 6. Jahrhundert. 

2. Das Zeitalter Justinian's. 

Die Baumeister des grossen Justinian (527 — 65) brechen mit der bis dahin 
immer noch wirksamen Tradition der Antike. Sie geben z. B. beim Abakus des 
Capitells die Form des Viereckes mit concaven Seiten auf und führen dafür das 
Quadrat ein. Damit war der Widerstreit des an den Ecken stark unterarbeiteten 
antiken Capitells mit dem Bogendruck gelöst, der Capitellkämpfer überflüssig. 
Er verschwindet daher seit dieser Zeit auf dem byzantinischen Stammboden 
thatsächlich wieder, nur die entlegenen Gebiete am adriatischen Meere, so 
S. Vitale in Ravenna und der Dom zu Parenzo halten gewohnheitsmässig daran 
fest. Die neue Form, für welche sich der Name Trichtercapitell eingebürgert 
hat, führt das obere Quadrat durch sich allmälig neigende und in einander 
übergehende Flächen in den unteren Kreis über, stellt also die Vermittlung beider 
in wesentlich anderer Art her als dieselbe früher von der Antike im dorischen, 
später von der christlichen Kunst des Abendlandes im Würfelcapitell gelöst wurde. 
Wir werden diese neue byzantinische Form, da sie aus einer Verschmelzung von 
Kämpfer und Capitell entstanden ist, passend als Kämpfercapitell bezeichnen 
können; der bisher gebräuchliche Name Trichtercapitell ist nicht zutreffend. 

Nach der litterarischen Überlieferung gehören der Zeit Justinian's zwei 
Säulenbehälter an, die Cisterna Basilica und die Cisterne in der Basilika des Illus. Sie 
haben sich (S. 177 ff.) mit den am zweiten Hügel liegenden grossen und allgemein 
bekannten Behältern Jere batän Serai und Bin bir direk identificiren lassen. 

Jere batän Serai (5). — Das Säulenmaterial ist, soweit sich dies vom 
Treppenabsatz erkennen Hess, einheitlich zugearbeitet, dem Blicke bot sich von 
dort aus nur eine Ausnahme dar. Comidas de Carbognano stellt diese Thatsachc 
in seiner malerischen Ansicht richtig dar: von sechzehn Säulen, die er in drei 
Reihen ordnet, haben fünfzehn korinthische Capitelle und nur eine Säule trägt 
einen Aufsatz von der Form des Kämpfercapitells. Da diese Säule nach unserer 
Beobachtung höher ist als die anderen und über dem Kämpfercapitell, dessen Zeit 
cnt.sprechend, der sonst über allen anderen korinthischen Capitellen vorhandene 
Kämpfer fehlt, so haben wir es jedenfalls mit einer alten Restauration oder einer 
Unregelmässigkeit beim Bau selbst zu thun, wie etwa bei Säule 6 der Cisterne am 
Tschuki'ir bostän von Sultan Selim (9). Dass übrigens auch spätci' und iidcli in 
unserem Jahrluindcrt l'Lcstaur.itioin.n vorgenommen wurden sein iiciiintiii, bcwcisl 
der merkwürdige liericlil 'lYxier's, l\vv die .S;iiiKn ziliikiKl, drei eingestürzte l'\idir 



213 

anführt. Wie dem nun auch immer sei, die wenigen Kämpfercapitelle verschwinden 
neben den durchgehends verwendeten korinthischen Capitellen, wie sie Fig. 5 
zeigt. Dieses Capitell ist eines von den am weitestgehend ausgeführten, die meisten 
zeigen den Akanthusblattschmuck noch viel flüchtiger abbozzirt. Die Kämpfer, die 
darüber sitzen, sind zum Unterschiede von denen des 5. Jahrhunderts sehr niedrig, 
sie verhalten sich zu ihnen ungefähr so, wie die Kämpfer von S. Apollinare in 
Classe aus dem 6. Jahrhundert zu denen von S. Apollinare nuovo in Ravenna 
aus dem 5. Jahrhundert. Immerhin sind sie aber da und widersprechen zusammen 
mit der korinthischen Capitellform anscheinend den einleitungsweis über die 
Neuerungen des Justinian gemachten Mittheilungen. Eine Lösung verspricht nur 
die Frage nach der engeren Entstehungszeit der Cisterne : wurde sie am Beginne 
der Regierung Justinian's, d. h. noch von Baumeistern der alten Schule erbaut, 
dann ist es leicht erklärlich, warum noch der alte theodosianische Typus vor- 
herrscht. Und für diese frühe Zeit spricht in der That der Umstand, dass die 
Erbauung der Cisterna Basilica indirect einer von jenen Schlägen gegen die 
heidnischen Philosophenschulen war, der schon im Jahre 52g die Akademie von 
Athen zum Opfer fiel. 

Steht die Cisterne Jere batän Sarai ihren Architekturformen nach am Ende 
einer Entwicklungsreihe, so tritt sie dagegen in ihren Grössenverhältnissen in einen 
auffallenden Gegensatz zu den Behältern des 5. Jahrhunderts. Bei diesen scheint 
die Durchschnittszahl der Säulen vierundzwanzig bis zweiunddreissig gewesen zu 
sein, die Jere batän Serai dagegen hat deren vierhundertundzwanzig oder nicht 
viel weniger. Dieser Sprung erklärt sich daraus, dass die Jere batän Serai keine 
private Palast- oder Klostercisterne mehr war, sondern öffentlichen Zwecken 
diente und eine Schöpfung ist, durch die Justinian, wie sich Prokop ausdrückt, 
der Stadt Reichthum an Wasser verschaflen wollte, damit die B3-zantiner nicht 
mehr Mangel an trinkbarem Wasser haben sollten. In früherer Zeit, als noch 
freier Raum in der Stadt verfügbar war, hätte man dafür einen offenen Teich 
gebaut. Jetzt suchte man die Grösse eines solchen auf einen RiesenhaJlenbehälter 
zu übertragen: Jere batän Serai hat 10.293 .^;7i Flächeninhalt, ist also grösser 
als der Filchane (4) mit 9652 qiii und kleiner als alle übrigen Teiche, von denen 
ilim Sarrädschchane mit 13.860 qin am nächsten kommt. 

Die Cisterne scheint keine Fenster zu haben, wenigstens erwähnt weder 
Gyllius solche, noch konnten wir vom Treppenabsatz aus welche finden. Das 
fällt gegenüber den Behältern des 5. Jahrhunderts auf, steht aber im engsten 
Zusammenhange mit einer zweiten Neuerung, der nämlicli, dass die Jere batän 
Serai-Cisternc niclil nulir wie die drei älteren Beliälter aus dem Hoden ragt, 



214 

sondern vollständig unter demselben verschwindet. Das Fehlen der Fenster würde 
beweisen, dass diese tiefe Bettung gleich ursprünglich vorgenommen wurde und 
nicht erst durch später darüber gethürmte Schuttmassen herbeigeführt wurde. 
Diese an sich unwesentliche Neuerung gewinnt dadurch einige Bedeutung, dass 
alle Behälter der Folgezeit, mit Ausnahme der beiden gleich zu besprechenden 
Specialitäten aus Justinian's Zeit und der beiden auch sonst merkwürdigen 
Behälter 14 und 16 keine Fenster haben. Durch die Erbauung von Jere batän 
Serai scheinen also in dieser Beziehung neue Grundsätze für den Cisternenbau 
aufgekommen zu sein und wir erhalten damit ein beachtenswerthes Mittel für 
die Datirung. Wenden wir dieses Resultat auf die erwähnten Behälter 14 und 16 
an, so müssten dieselben auch dem Säulenmaterial nach der Zeit vor Justinian 
bezw. vor Erbauung der Jere batän Serai angehören können. Doch darüber 
später. Zunächst wollen wir unser Augenmerk auf zwei Cisternen richten, die 
zu den bedeutendsten monumentalen Zeugen für die Höhe der technischen 
Entwicklung der byzantinischen Architektur zur Zeit Justinian's zu zählen sind. 

Die Cisterne Jere batän Serai hat byzantinische Kappenwölbung und soll 
darüber flach abgedeckt sein, was zu den Nachrichten von einem über ihr 
gelegenen statuengeschmückten Platze passen würde. Pfeilervorlagen für die 
Gurtbögen fehlen wie bei den Behäkern des 5. Jahrhunderts. Über das an einer 
Säule beobachtete Monogramm wird im Anhange die Rede sein. Nach den 
Messungen von Gyllius erscheint es nicht wahrscheinlich, dass mehrere Säulen- 
reihen übereinander stehen. — Hier ist noch etwas nachzutragen, was im Kataloge 
wegen Raummangel nur angedeutet werden konnte : dass die Jere batän Serai 
am Beginne des 15. Jahrhundert wahrscheinlich Cisterne des Muhämed hiess. 
Wie sie zu diesem Namen schon in vortürkischer Zeit gekommen sein soll, 
weiss ich nicht zu erklären. Clavijo beschreibt sie im Jahre 1403 offenbar unter 
diesem Namen : ' Dans la dite ville il y a unc citerne bien belle ä voir. On 
l'appelle la citerne de Mohamet la quelle a des voutcs de mortier et eile est 
portee ])ar des colonnes. Et on compte cn icelie jusqu'ä 16 nefs, et son ciel 
pose sur 490 colonnes de marbre fort grosses, et en ce lieu on conserve 
beaucoup d'eau et y en avrait en suflisance pour beaucoup de gens. 

Auch Buondelmonti führt im Jahre 1422 die Cisterne Mahumeti an, in qua 
ita suptili artificio sunt ordinatae columnae, quod est incredibile ad narrandum. •' 



' Historia dcl gran Tamorlan, nach der fraiurisisclien ('bersctzuns in der Revue i^eiieialc 
de l'architcctiire (C. Daly) 2-e annce 184 1, p. 173. 
' ed. .Sinncr, p. 12,). 



215 

Der Übersetzer des Clavijo ins Französische vermuthete darunter die Bin l)ir 
direk, doch stimmt die Säulenzahl und die Angabe, dass die Cisterne 1403 noch 
Wasser enthielt, besser zur Jere batän Serai. 

Bin bir direk (6). — Sie ist nach den Schriftquellen wahrscheinlich die 
im Jahre 528 von Justinian im Mesiaulon der Basilika des Illus erbaute »grosse« 
Cisterne. Das Vorgehen bei Errichtung der Jere batän Serai blieb also nicht 
ohne Nachahmung: vielleicht schon gleichzeitig mit dem Angrifif auf die Basilika, 
die yjj-'iquyrjv diesen Namen führte, benutzte man auch einen zweiten derartigen 
Säulenhof zur Anlage einer Cisterne. Die Basilika des Illus war nun allerdings 
kleiner als die grosse kaiserliche, man konnte daher der Cisterne hier nicht die 
horizontale Ausdehnung geben, wie dort. Da aber, wie wir durch Prokop wissen, 
Justinian energisch auf Beseitigung des Wassermangels hinarbeitete, entstand das 
Problem, wie der spärliche Raum zur Aufspeicherung einer grösseren Wasser- 
masse ausgebeutet werden könnte. Da kann es uns denn bei dem Ursprung, den 
wir für die Säulencisternen nachgewiesen haben, nicht wundernehmen, w-enn sich 
die Architekten des grossen Kaisers neuerdings in der Mutterstadt der Säulen- 
cisternen Rath holten. Vielleicht waren unter ihnen auch gebürtige Alexandriner, 
beweist doch die Herkunft der Baumeister der Sophienkirche, dass noch immer 
die östlichen Provinzen den Nachschub lieferten. Wie dem auch immer sei, That- 
sache ist, dass die Bin bir direk eine geniale Nach- bezw. Weiterbildung der 
mehrstöckigen Cisternen von Alexandria ist. 

Wir haben in dem Capitel über den Ursprung der Behälter gesehen, dass 
die Säulencisternen aus der Metropole Ägyptens stammen und dass die Prototypa 
zum grössten Theil zwei bis drei Stockwerke übereinander hatten. In Konstan- 
tinopel beschränkte man sich im 5. Jahrhundert auf eingeschossige Behäker, weil 
man Säulencisternen nicht wie in Alexandria für öffentliche, sondern vorwiegend 
für Privatzwecke erbaute, daher ein Stockwerk zur Ansammlung der Wasser- 
massen hinreichte. Übrigens war die Tieflegung der Cisternen in Konstantinopel 
auch ein kostspieliges Unternehmen, weil die Stadt auf Felsboden, nicht wie 
Alexandria auf angeschwemmter Erde gegründet ist. Es bedurfte daher eines 
besonderen Anstosses und der unerschöpllichen Mittel eines Justinian, um ein 
solches Unternehmen durchzusetzen. So nahm denn sein Baumeister die alexan- 
drinische Bauweise wieder auf Inzwischen aber hatte man in Byzanz in der 
Bogen- und Gewölbarchitektur entschiedene Fortschritte gemacht. Was in 
Alexandria eine in der gleichzeitigen Bautechnik ganz vereinzelt dastehende 
Neuerung gewesen war: Bogen und Gewölbe auf Säulen zu setzen, das war 
inzwischen zu allgemeiner Geltung durchgedrungen. Hatte man in Alexandria 



21 6 

ängstlich einem Ausweichen der Säulen vor dem Gewülbedrucke dadurch vorzu- 
beugen gesucht, dass man durch alle Stockwerke von Capitell zu Capitell feste 
Gurtbogen schlug, so verzichtete der Baumeister des Justinian kühn auf diese 
vorsichtshalber eingeschobenen Zwischenglieder, errichtete so zu sagen aus 
freier Hand Säule auf Säule, die er nur durch hölzerne Steifen in wagrechter 
und durch eine einfache Kuppelung in lothrechter Richtung verband und setzte 
unmittelbar auf diese, im Verhältniss zur Höhe haardünnen Stützen das schwere 
Gewölbe. Dieses Unternehmen steht an Kühnheit nur der Construction der 
Sophienkirche gleich und wir könnten uns denken, dass wie dort auch bei der 
Cisterne nachträglich Bedenken in dem Baumeister aufstiegen und die Gewölbe 
erst auf den directen Befehl des Kaisers geschlossen wurden. Es ist bezeichnend, 
dass Hübsch in seiner Reconstruction der Cisterne sich ein unvermitteltes Auf- 
setzen der Säulen übereinander nicht denken konnte und — ich zweifle sehr, ob 
er Kenntniss von den alexandrinischen Analogien hatte — zwischen die Säulen 
nicht nur Gurtbögen, sondern überdies eine die Stockwerke trennende Decke 
eingeschoben hat. ' 

Das Säulenmaterial der Cisterne ist durchaus einheitlich und stammt dem 
Material nach aus den Marmorbrüchen der Prokonnesos. Auch die, im Anhange 
zu besprechenden, an allen Capitellen, Säulenschäften und Kuppelgliedern ange- 
brachten Schriftzeichen beweisen dies und bestätigen zugleich die Datirung der 
Cisterne in Justinian's Zeit. Von weitestgehender Bedeutung für die Geschichte der 
byzantinischen Kunst ist, dass hier durchweg das neue Kämpfercapitell in seiner 
einfachsten rein constructiven Form angewendet ist (Fig. 4). Es erscheint nicht 
unwahrscheinlich, dass der kühne Baumeister der Cisterne der Erfinder dieser, 
mit der antiken Tradition völlig brechenden und den Forderungen der Bogen- 
architektur streng Rechnung tragenden Capitellform ist. Wenigstens liegt es sehr 
nahe anzunehmen — insbesondere, wenn wir die etwa gleichzeitige Cisterna 
Basilica daneben halten — dass der geniale Techniker, da er die Unsicherheit der 
Stützen durch Einschiebung eines weiteren Gliedes, des Kämpferaufsatzes, nicht 
erhcihen wollte, auf Mittel sann, den traditionellen Kämpferstein mit dem Capitell 
zu verschmelzen und dass er auf diese Weise zur Erfindung des Kämpfcr- 
capitells kam. Das Jahr 528 würde dann die Epoche dafür sein. Thatsache ist, dass 
sich kein älteres Beispiel dieser i'"iirni nachweisen lässt und das Kämpfercapitell 
gleich darauf nach 532 in der Sophienkirchc fast durchwegs neljcn einer geringen 
Anzahl \-on Jonischun Kaiii|)fercapitellcn zur Anwendung kommt: an l''enstei-n 

I Hübsch, die ;illcliii.stlicli<.n KirclKii, Taf. X.X.XI, Kit;, ^i. 



217 

und anderen dem Auge nicht direct zugänglichen Gliedern in seiner reinen Form, 
an den Prachtsäulen des Mittelschiffes durch die traditionelle Volute, die hier 
aber nur noch rein omamental angewendet ist, verdeckt. In allen übrigen Bauten 
Justinian's tritt — bis auf eine Gattung, welche nachträglich den antiken Abakus 
mit einspringenden Seiten wieder verwendet und so eine eigenartig zusammen- 
geschnürte Form erzielt — das Kämpfercapitell stets rein, mit durch Flachornamente 
geschmückten Flächen, hervor. Wenn Hübsch a. a O. S. 77 im Anschluss an 
die Capitelle der Bin bir direk behauptet: »Ganz besonders merkwürdig sind 
die halbkugelförmigen Capitelle, weil sie das schon im 4. Jahrhundert (sie) 
vorhandene genaue Vorbild des in die romanische Architektur übergegangenen 
und bis ins 12. Jahrhundert beibehaltenen sogenannten Würfelcapitells sind,« so 
ist das ein Irrthum, dessen Urheber Salzenberg ist, der, ganz unvermittelt nach 
Konstantinopel versetzt, die byzantinischen Kämpfercapitelle durchwegs wie 
romanische Würfelcapitelle gezeichnet hat. Hoffentlich wird diese in Hand- 
büchern immer wiederkehrende Legende in Zukunft verschwinden. 

Die Cisterne Bin bir direk bezeichnet den Höhepunkt der Behälter- 
architektur. Sie gleicht darin in ihrem Kreise der Sophienkirche. Und noch 
eines hat sie mit dieser gemein: die Kühnheit ihrer Construction ist von den 
B\-zantinern nie wiederholt worden. Es würde eine Erklärung der kühnen That, 
welche die Schöpfung der Bin bir direk immer bedeuten wird, sein, wenn sich 
irgendwie nachweisen Hesse, Anthemios von Tralles habe sein Genie zuerst an 
diesem unterirdischen Bauwerk erprobt, bevor er in der Sophienkirche nach 
dem Höchsten griff. Die Technik macht es jedoch wahrscheinlicher, dass der 
Erbauer ein Alexandriner war. 

Die Bin bir direk hat zwar auf allen Seiten fensterartige Öffnungen, aber 
diese haben nicht mehr die Form des 5. Jahrhunderts, sondern sind schiess- 
schartenartig verenet, scheinen daher eher Luftlöcher als Fenster zu sein. Eine 
Neuerung bedeuten auch die in der Ostwand ausgesparten Nischen. Sie kommen 
ebenso auch in den alexandrinischen Vorbildern vor. Das Gewölbe besteht aus 
byzantinischen Kappen. 

Diese beiden Riesenbehälter bilden zusammen mit dem wahrscheinlich auch 
von Justinian erbauten Aquäduct (vgl. oben S. 12 ff.) und der Nachricht über die 
Anlage des Teiches im Palast Hiereia die Belege dafür, dass der grosse Kaiser 
die künstlerischen Kräfte nach allen Bedarfsrichtungen hin auf das Höchste 
anzuspannen wusstc. Es ist das die einzige Periode der I)yzantinischen Kunst- 
entwicklung, für die sich l)is jetzt nachweisen lässt, dass es geniale künstlerische 
Individualitäten waren, welche den Fortschritt herbeiführten Nun haben wir schon 



2l8 

in den einleitenden Worten zu dem Capitel über den Ursprung der Säulen- 
cisternen einen Behälter herausgeholfen, der mehr noch als die Bin bir direk 
wie die Leistung eines technisch hochbegabten Individuums erscheint, den Bodn'im 
an Un-kapän sokaghy. Ich schliesse ihn daher hier unbedenklich den sicheren 
Bauten Justinian's an. Es wird zu untersuchen sein, ob die Detailformen dieser 
Datirung nicht entgegen sind. 

Der Bodrüm an Un-kapän sokaghy (13) — vielleicht die Cisterna Pando- 
cratora des Buondelmonti. Hier galt es nicht, wie bei den bisher besprochenen 
Bauten, einen Behälter in den ebenen oder leicht abschüssigen Boden einzubetten, 
sondern es war die Aufgabe gegeben, an einen steil abfallenden Abhang eine 
sicher fundirte Cisterne anzulehnen, so dass sie für diesen zugleich eine Art 
Stützm lUer bilden sollte. Es ist schon oben wiederholt darauf hingewiesen worden, 
wie eingehend der Ingenieur mit dem Erd-, Wasser- und Gewölbedruck bei 
Gestaltung der Umfassungsmauern gerechnet hat. Er verwendete dabei die beim 
Bau offener Teiche gemachten Erfahrungen in Anwendung von Mauernischen. 
Auf der Westseite trug er mehr dem Erdschube, auf der Ostseite dem Wasser- 
und Gewölbeschube Rechnung. Meisterhaft ist die wohlberechnete Durchführung 
des Fundamentes unter der vollen Breite der letzteren Mauer. Nicht minder 
überlegt die Anordnung grösserer Spannweiten nach innen gegenüber den 
kleineren nach den Umfassungsmauern zu und andererseits diejenige kleinerer 
Abstände nach der Längsrichtung. Die daraus entspringende Aufgabe, Gurt- 
bögen von verschiedenem Pfeil zu überwölben, wurde auf dieselbe Weise wie beim 
Übergang vom romanischen zum gothischen Stil im Norden d. i. durch Anwen- 
dung des Spitzbogens, wenn auch mit abgerundeter Spitze, gelöst. Während 
aber diese Erfindung im Norden mit der Zeit der ganzen Architektur eine neue 
Richtung gab, kommt der Spitzbogen in Byzanz nur vereinzelt, wie z. B. an dem 
Aquäduct vor, der wahrscheinlich aus Justinian's Zeit stammt (vgl. oben S. 12), 
und auch noch darin mit der Un-kapän-Cisternc verwandt ist, dass er wie sie 
einen rhythmischen Wechsel der Bogen und Stützen zeigt. LTm nämlich dem 
unter dem dreifachen Drucke sehr zum Ausweichen gedrängten Stützensystem 
einen festeren Plalt zu geben, wurde ein Stützcnwechsel — ebenfalls das erste 
constructivc Beispiel dieser dann von der romanischen Kunst wieder auf- 
genommenen Lösung — eingeführt, indem zwei Säulcn])aare mit je einem Pfeiler- 
paar wechselnd, symmetrisch auf dieMitte /.uiaufen. Nacli aiklcin ])ietet diese Cisterne 
eine i'üHe von kunstgcschichliich iniclisl inlcrcssanten Muliwn, so dass, wenn die 
Bin bir direk die Brücke der justinianischen Technik zur antik-alexandrinisciien 
bildete, uns die Cisterne an der ('n-kap.iii sokaghy darüber belclnl, dass die 



219 

Probleme, welche die nordische Architektur des Mittelalters löste, auch schon 
auf der Höhe der byzantinischen Kunst gestellt und gelöst wurden. Leider war 
es nach Justinian mit der der altbyzantinischen Kunst innewohnenden lebendicren 
Kraft vorbei. Und zur Zeit der zweiten Blüthe in mittelb3-zantinischer Zeit spielen 
die Cistemen keine nennenswerthe Rolle mehr unter den Denkmälern der byzan- 
tinischen Baukunst. Die Kirchenarchitektur aber setzt bei dem Durchschnittskönnen 
der justinianischen Zeit ein, ordnet es geschickt den Anforderungen des Cukus 
unter, und schafft jenen Canon, der für alle Zukunft in der orthodoxen Kirche 
herrschend geblieben ist. 

Das Säulenmaterial dieser interessanten Cisterne ist sehr exact und einheitlich 
mit Benützung der beim Bau der Bin bir direk gemachten Erfindung ausgeführt. 
Um die verticale Raumausdehnung zu erhöhen, wurden die Säulen auf hohe 
Plinthen und noch höhere achtseitige Postamente gesetzt, die ähnlich wie die- 
jenigen von S. Apollinare in Classe mit einer Profilirung versehen sind, die in 
gleicher Form sehr häufig auf Balustraden und den Stützen der Kinklides wieder- 
kehrt. Die Capitelle haben die einfach construcrive Kämpferform derjenigen der 
Bin bir direk und bieten die volle Gewähr, dass die Cisterne nicht älter als 
Justinian's Zeit, bezw. 52S sein kann. Für die Zeit Justinian's selbst sprechen 
wie gesagt die genialen constructiven Formen. Dazu kommt, dass die Cisterne 
noch Fenster hat, und zwar von der Form, wie sie im 5. Jahrhundert beobachtet 
wurden. Ferner weist sie ein Detail auf, das allen bisher betrachteten Behältern 
fehlt: sie hat an der Ostseite Pfeilervorlagen für die Gurtbögen. Das Gewölbe 
besteht aus byzantinischen Kappen. 

Pfeilervorlagen kommen mit Ausnahme dreier Cisternen aus spätbyzan- 
tinischer Zeit (14, 15 und 21) nur noch bei der zweiten jener beiden Cisternen 
(14 und 16) vor, die schon deshalb im Kreise der bisher besprochenen Behälter 
P-rwähnung fanden, weil sie entgegen allen übrigbleibenden Behäkern Fenster 
liaben. Da nun bei einer von Ijeiden auch das Säulenmaterial und andere 
Details für die Entstehung vor dem Ende des justinianischen Zeitalters sprechen, 
so füge icli diesen kleineren Behälter noch dieser Gruppe an. 

Der Bodri'im zwischen der Kilise dschami (Pantokrator) und der 
Mohammedije (16). — Diese Cisterne ruht auf zehn Pfeilern und zwei Säulen. 
Die Anwendung der Pfeiler hat sie mit 13 gemein, doch luU man hier nicht aus 
constructiven Gründen, sondern, wie es scheint, deshalb zum Pfeiler gegriffen, 
weil Säulenmaterial billig nicht aufzutreil)cn war; denn das ist unzweifelhaft, dass 
die beiden vorhandenen Säulen nicht für den Bau zugearbeitet, sondern irgend 
woher fertig genommen sind. Die Schäfte sind ungleich, die Cajjitelle ki'innten 



220 

in ihrer compositen Grundform dem 5. Jalirhundert angehören. Für die Zeit vor 
528 spricht auch der Capitellkämpfer, der ebenso auf den beiden Säulen, wie auf 
allen Pfeilern sitzt. Auch das Vorhandensein von Fenstern auf allen Seiten spricht 
für die Nähe des 5. Jahrhunderts. Die Gurtvorlagen stellen wieder die Beziehung 
zu 13 her. Wir werden daher wohl das richtige treffen, wenn wir den Behälter 
der ersten Hälfte des 6. Jahrhundets zuweisen. P> dürfte für ein Privathaus oder 
ein kleineres Kloster bestimmt gewesen sein. Seine Decke besteht aus byzan- 
tinischen Kappen. 

3. Die altbyzantinischen Cisternen aus der Zeit nach Juslinian. 

Mit dem 7. Jahrhundert beginnt für Konstantinopel eine Zeit ewiger 
Beunruhigung durch äussere und innere Feinde. Die Avaren, Araber, Bulgaren 
und Russen, dazu die Führer innerer Parteistreitigkeiten wie Justinian II. im 
Jahre 705, 742 Konstantin Kopronymos, 821 Thomas, belagerten nach einander 
die Mauern der Stadt. Ihre erste Sorge wird natürlich stets gewesen sein, den 
Belagerten das Wasser abzuschneiden. Und in der That hören wir, dass die 
Avaren schon bei ihrem ersten Anstürme die Wasserleitung des Valens zerstörten. 
Justinian II. dürfte zwar schonender verfahren sein, doch muss auch er mindestens 
das Wasser abgesperrt haben ; drang er doch durch eine Wasserleitung in die 
Stadt ein. Unter diesen Umständen wurde die Anlage von Cisternen zur Auf- 
speicherung des Wassers von immer grösserer Bedeutung und es muss doppelt 
auffallen, dass die litterarischen Quellen zwar von der Anlage gedeckter Behälter 
aus den Jahren 594, 609 und zur Zeit des Heraklius (610 — 41), also aus der 
Zeit vor den Belagerungen berichten, nicht aber über derartige Bauten in den 
Zeiten der Bedrängniss selbst, mehr noch, dass sie sogar von Zerstörung älterer 
Anlagen Nachricht geben, wie der Palastteiche durch Kaiser Heraklius. Da taucht 
schon unter diesem Gesichtspunkte die Vcrmuthung auf, dass die Vorkehrungen 
zur Deckung des Wasserbedarfes in dieser Zeit in einer Weise getroffen 
worden sein müssen, die sich in irgend einer Art der Erwähnung in der 
Litteratur entzogen. 

Was für Cisternen lernten wir überhaupt durch die Litteratur kennen? Die 
offenen Teiche sind zum überwiegenden Thcil für ötfentliclie Zwecke, drei für 
die kaiserlichen Paläste angelegt worden. Von den bekannten Hallenbehältern 
dienten mindestens vier: die Maxima am Forum, die Basilika und die in der 
Basilica Uli, endlich die des Bonus aus der Zeit des Heraklius der ( Xfentlichkeit, 
zwei — die der Pulcheria und die Kalten im Palast — der kaiserliclKu l'amilie. 
Erst unter den im Jalire =;<).| uirI (iO() (.-iwalinUii linden wir (j'sternen, ilie anderen 



221 

specielleren Zwecken dienen sollten: die Cisterne im Viertel mü h'ptoö einem 
Bade, diejenige der 40 Märtyrer wahrscheinlich dieser Kirche oder einem Kloster. 
Und dann hören die Nachrichten ganz auf. 

Dagegen nun hat uns die Betrachtung einzelner der erhaltenen Behälter 
aus dem 5. und 6. Jahrhundert gezeigt, dass schon damals Cisternen für private 
Zwecke erbaut wurden : so der Behälter neben der Johannes Kirche des Studios 
für ein Kloster, so sicher der kleine Pfeilerbehälter 16 für einen ähnlichen Zweck. 
Seit Heraklius nun muss diese private Selbsthilfe im Gegensatz zu der früher 
den Kaisern überlassenen Sorge die Regel geworden sein. Daraus würde sich 
erklären, warum die Litteratur in der Folge über den Cisternenbau schweigt und 
daraus würde sich auch erklären, dass das Gros der erhakenen Cisternen, die 
nach der Formen der Architektur nachjustinianisch sein müssen, an Ausdehnung 
immer kleiner wird und in gar keinem Verhältniste mehr zu den Riesenbehältern 
aus Justinian's Zeit steht. 

Wie die nachfolgenden Beispiele zeigen werden, scheint sich die Sitte 
eingebürgert zu haben, beim Bau grösserer Anlagen gleich von vornherein für 
die Wasseraufspeicherung dadurch zu sorgen, dass man in die Fundamente 
Cisternen verlegte. Die Sitte ist nicht neu. Schon die Hippodrom-Cisterne ist ein 
Beispiel dafür, nicht minder die kalten Cisternen unter dem kaiserlichen Palaste, 
welche Anastasius öffnen Hess. Dazu kommt in Justinian's Zeit die Cisterne 
unter der Sophienkirche. Im Allgemeinen aber hatte man die Behälter bisher unter 
freie Höfe gelegt, wie die Anlage der Cisterna maxima unter einem Strassen- 
übergange des Forum's, der beiden Riesenbehälter in den Basiliken und der 
Behälter neben der Mirachör dschami, der an die Kirchenmauer stossend kein 
Gebäude getragen haben kann, bezeugen. Wir wollen nun zunächst einige 
Beispiele vorführen, die sich unzweifelliaft als Unterbauten darstellen. 

Der Bodrüm am Adschy Muslük sokaghy (24). — Unsere perspec- 
tivische Ansicht zeigt eine Fagade, die in ihren oberen Theilen aus regelmässigem 
Schichtenmauerwerk von 3 — 4 Haustein- und 3 — 4 Ziegelschichten besteht. Diese 
Mauer diente dazu, um auf dem abschüssigen Terrain des Hügels nach dem 
sroldenen Hörn zu eine ebene Fläche für ein Gebäude, wie A. Mordtmann 
anzunelimen scheint, für das von Michael Palaeologos zerstörte Castrum fori ' 
herzustellen. Wir haben also hier einen analogen Fall, wie beim Hippodrom- 
Unterbau. Und auch hier ist in die Terrassen-Fundamente eine Cisterne gelegt. 



• Revue de l'art clirüt. 1.S91, p. 375. Vj;l. P;iLliyiiicris lib. III, i.:ip. ^^ eJ. Moiin I, \i. 168, 
welcher dieses Castell td .^QÜ•: n/i xaii't Od/.aonuf /u'iin h'j; äyogüi (/(loviiiov nennt. 



222 

die allerdings von den Türken durch Anlage von Fenstern in einen Keller 
verwandelt wurde. Soviel ich von diesen Fenstern aus im Zwielicht des unter- 
irdischen Raumes erkennen konnte, tragen die Säulen flache Kämpfercapitelle 
von einer Form, die sich als charakteristisch für die altbyzantinischen Cisternen 
aus nachjustinianischer Zeit erweisen wird. 

Der Bodrüm (7). — Ein Blick auf den Grundriss dieses Behälters belehrt 
darüber, dass der Erbauer bei Anlage desselben nicht wie in allen aus dem 
5. und 6. Jahrhundert aufgeführten Beispielen unabhängig nur den tectonischen 
Autljau der Cisterne um ihrer selbst willen im Auge hatte, weshalb dort stets 
die viereckige Grundform gewählt wurde, sondern dass er sich irgend welchen 
Bedingungen fügen musste. Es kann sein, dass zum Theil der Felsboden, welcher 
den Behälter umschliesst, mitbestimmend gewirkt hat. Der Einfluss konnte sich 
von dieser Seite her aber nur auf die Umfassungsmauern erstrecken, nicht auch 
auf die Ausgestaltung des Innenraumes. Die Trennung von Vor- und Hauptraum, 
die symmetrische Anlage seitlicher Nebenräume und der oftenbar nicht zufällige 
Wechsel von Mauern, Pfeilern und Säulen als stützender Glieder lassen ganz 
unzweifelhaft hervortreten, dass auf die Unterstützung darüberstehender Mauern 
Rücksicht genommen wurde. Es scheint, dass über der Cisterne ein Saalbau mit 
Vorhalle gestanden habe. Was derselbe gewesen sein könnte, lässt sich augen- 
blicklich noch nicht sagen, vielleicht bringt darüber mit der Zeit die Klärung der 
Topographie Aufschluss. Von Wichtigkeit wird dabei stets die Nähe der Bodrüm 
dschami sein. 

Von grossem Interesse ist das Säulenmaterial. Wir haben gesehen, dass 
die Säulen bisher stets neu für den Bau zugearbeitet wurden. In dem einen 
Ausnahmsfalle (16) bei Anlage eines Privatbehälters fand der Erbauer noch so 
wenig Abbruchmaterial vor, dass nur zwei Säulen beschafft werden konnten und 
er sich im Übrigen durch Pfeiler behelfen musste. Der Bodrüm fällt in eine Zeit, 
wo Säulenstämme schon zahlreicher aus Ruinen älterer Gebäude zu haben waren, 
so dass man einen Theil des Bedarfes antiquarisch decken konnte. Der andere 
Theil wurde neu zugearbeitet. Die östliche Vorhalle und die beiden Seitenräume 
C und E zeigen das neue Material, der westliche Hau])traum ist aus älteren 
Stücken zusanmicngeflickt. 

Das neu beschaffte Säulenmateriai hat im \A'esentlichen die l-'ormcn, welche 
durch die Baumeister JustiniaiTs zuerst in der Bin bir dirck und der Cisterne 
Un-kapän zur Anwendung gekommen waren. Eine wcsentliclic -Xiidcrung trat 
nur in den Proportionen des Kihnpfercapitells ein. Es ging damit so, wie einst 
Iieiin Kämpferstein: im 5. |.iliriiiindert hoch uiiü f:i.>^l dem Kulms n.iIuUdmmend, 



223 

wurde er im 6. jalirhundert flach und gedrückt; und so wurden auch die zur Zeit 
Justinian's liohen, aufstrebenden Kämpfercapitelle später im Bodrüm, wie in dem 
eben besprochenen Behälter 24 niedrig und polsterartig. Der Kämpferstein fehlt, 
wie zu erwarten. Zu dem neu zugearbeiteten Material gehört anscheinend auch 
der ornamentirte Kragstein (Fig. 4) im Eckraum bei A. Bei seiner Ausführung ist 
unzweideutig Rücksicht auf den schrägen Ansatz am anstehenden Fels genommen : 
der Kragstein sollte parallel zu der Oueraxe der Cisterne hervorragen. Welche 
Bestimmung er gehabt haben mag, ist nicht zu belegen. Das Ornament trägt den 
Charakter der Zeit seit Justinian. Der tangartige Akanthus und die Bosse sind 
Neuerungen, die zuerst in der Sophienkirche auftreten, die Verbindung des Perl- 
stabes mit dem schön geschwungenen Kymation erscheint als ein selten gewordener 
Nachklang der Antike. Der Wechsel von Säule und Pfeiler in der die beiden 
Räume trennenden Mauer beweist, dass das Beispiel des rhythmischen Stützen- 
wechsels der Un-kapän-Cisterne nicht ohne Analogien blieb. 

Das antiquarische Säulenmaterial des westlichen Hauptraumes belegt den 
tiefen Verfall des Geschmackes, der nach den guten Erfahrungen, die wir bis 
jetzt in den Cistemen gemacht haben, sogar in diesem unterirdischen Räume auf- 
fallen muss. Theodosianische Kämpfersteine, justinianische Capitelle, zum Theil 
mit durchbrochenem Blattornament, und der seit dem 5. Jahrhundert übliche 
jonische Capitellkämpfer (Fig. 5), welcher, wie wir sehen werden, in der Folgezeit 
eine besondere Bedeutung erlangt, wechseln mit einfachen Platten, die in der 
rohesten Weise die viereckigen Gurten in den runden Säulenstamm überleiben. 
Nach dieser barbarischen Lüderlichkeit zu urtheilen, dürfte die Bauzeit fernab 
von der Zeit Justinian's zu suchen sein. 

Der Bodrüm 7 ist noch in einer dritten Hinsicht von Interesse. Überblicken 
wir die Reihe der Behälter des 5. und 6. Jahrhunderts, so sind sie alle mit 
byzantinischen Kappen gewölbt, nur der Behälter 8 in Eschrefije sokaghy macht 
vielleicht eine Ausnahme, indem er Kuppeln haben soll. Kuppeln kommen nun 
zum ersten Male wieder in der \\)rhalle des Bodrüm vor und zwar sind sie m 
Schneckenfugen hergestellt. Diese Art der Wölbung findet sich bekanntlich zuerst 
an der berühmten Kuppel von S. Vitale in Ravenna, wo Thongefässe ineinander- 
gesteckt ein continuirliches Spiralband bilden. Es wird sich zeigen, dass solche 
Schncckcnkuppcln von nun ab auch in den Cisternen immer häufiger zur 
Anwendung kommen. 

Der Bodrüm gegenüber Ortätscheschme (19). — Auch dieser Behälter 
hat Kuppeln, deren mittlerer riiui! in Schneckenfugen gewölbt ist. Dazu die 
charakteristischen Merkmaie der nachjuslinianischen Zeit: niedrige Kampfer- 



224 

capitelle und die Umfassungsmauern ohne Fenster; auch felilcn Gurtvorlagen. 
Gegenüber dem Bodrüm 7 fällt seine regelmässig viereckige Anlage ins Auge. 
Er steht darin noch zwei andern Behältern derselben Zeit (23 und 17) wie eine 
Ausnahme gegenüber. 

Der Bodrüm bei der Nür-i Osmanije (23) nimmt offenbar wieder 
auf einen Oberbau Rücksicht, der vielleicht eine Strassenecke gebildet haben 
mag. Die Capitelle haben die typische Form der altbyzantinischen Verfallzeit: 
es sind Kämpfercapitelle, die bei einer Oberkante von l m Länge nur 20 cm 
hoch sind. Die Gewölbe bestehen aus den alten byzantinischen Kappen. Fenster 
und Gurtvorlagen fehlen wieder. Kuppas hat diese Cisterne auf Grund der im 
Kataloge mitgetheilten, von ihm an den Capitellen entdeckten Buchstabenzeichen, 
dem Ende des 4. Jahrhunderts zugewiesen. Er hat, wie in einem Schlusscapitel 
im Zusammenhange zu belegen sein wird, aus einfachen Steinmetzzeichen heraus 
die Namen von Arkadius und Eudoxia als die der Gründer des Behälters 
machen wollen. 

Der Bodrüm am Saly Efendi sokaghy (17) hat ebenfalls unregel- 
mässige Form, indem die vierte Seite schräg zu den drei andern rechtwinkligen 
steht. Die Gewölbe haben eine sonst bei Cisternen nicht nachweisbare Bildung 
aus Tonnen mit Stichkappen. Das Säulenmaterial ist sehr massiv : die Schäfte 
bestehen aus dem schon von den Alexandrinern mit Vorliebe verwandten rothen 
Granit, sieben tragen Kämpfercapitelle von jener älteren hohen Form, die auf 
die Nähe des justinianischen Zeitalters schliessen lässt. Dagegen fällt auf, dass 
diese Capitelle, nur aus dem Rohesten herausgehauen, jeder Glättung entbehren 
und auf zwei Säulen überhaupt nur viereckige Klötze statt der Capitelle liegen. 
Die Cisterne nähert sich nach alldem dem Bodrüm und gehört daher wohl auch 
der nachjustinianischen Periode an. 

Der Bodrüm in Exi Marmara (27) nimmt offenbar auch Rücksicht auf 
einen Oberbau. Es bleibt zweifelhaft, ob er ein einfacher Keller oder eine Cisterne 
war. Die vielen unregelmässigen Nischen sind merkwürdig. Von den fünf Säulen 
tragen vier die gedrückten Kämpfercapitelle (Fig. 3), eine, auf einem Granit- 
schafte, hat ein korinthisches Capitell (Fig. 4) von gutem, älterem Blattschnitt. 

Überblicken wir die Reihe der angeführten Behälter, so ergeben sich im 
Gegensatz zu den Behältern des 5. und 6. Jahrhunderts die unregclmässige Form 
zusammen mit der geringeren Ausdehnung und der Capitellform als charakte- 
ristische Unterschiede. Es ist I)ereits gesagt worden, dass die Erklärung dafür 
darin zu suchen sein dürfte, dass in der Zeit nach Justinian nicht niehr öll'entlich 
für die Anlage der Cisternen gesorgt wurde, sondern jeder iunzeliie bei Anlage 



225 

eines Neubaues Vorsorge traf. Dieselben Grundsätze bleiben aucli in der Folgezeit 
bestehen, dagegen tritt eine wesentliche Änderung in der Beschaffung des Säulen- 
niaterials und der bei neu zugearbeiteten Capitellen zur Anwendung kommenden 
Capitellform ein. Während der eben besprochenen Periode wurde das gedrückte 
Kämpfercapitell verwendet. Dasselbe wird in der Zeit nach dem Bildersturme 
durch eine ältere Form verdrängt. 

II. Die Cisternen der mittelbyzantinischen Zeit. 

Durch den Bildersturm kommt auch die, schon im 7. Jahrhundert schwächer 
werdende Bauthätigkeit, welche sich schliesslich auf die Vergrösserung der kaiser- 
lichen Paläste beschränkt zu haben scheint, ins Stocken. Die älteren Bauten aus 
theodosianischer und der Zeit des Justinian verfallen. Kaiser Theophilus (829 — 42) 
endlich setzt wieder da ein, wo Justinian II. (f 711) aufgehört hatte: bei der 
Erweiterung des Palastes. Erst durch den Begründer der neuen macedonischen 
Dynastie Basilius Macedo (867 — 86) wird der Gesammtheit der Architektur ein 
mächtiger Anstoss zur Weiterentwicklung gegeben. Basilius restaurirt und baut 
über 100 Kirchen in Konstantinopel und Umgebung, die Beamten in den Provinzen 
folgen seinem Beispiele und so entstehen eine Menge neuer Denkmäler von derben, 
massiven Formen, die, unter seinen gelehrten Nachfolgern, welche pietätvoll die 
Spuren der grossen Zeit sammeln, verfeinert, im 10. und 11. Jahrhundert zur 
zweiten Blüthe der byzantinischen Architektur führen. Die Konmenen erhalten 
sie auf der Höhe ; unter ihnen bildet sich im Kirchenbau der bis auf den heutigen 
Tag in der orthodoxen Kirche giltige Canon aus. 

Für den Cisternenbau hat dieser zweite Abschnitt der b\-zantinischen 
Architekturgeschichte im Verhältniss zum ersten untergeordnete Bedeutung. Für 
die Öffentlichkeit war so ausgiebig gesorgt, dass man sich wohl zumeist auf die 
Erhaltung und Wiederherstellung der altbj'zantinischen Wasserbauten beschränkte. 
Weder die Litteratur, noch die erhaltenen Denkmäler liefern Beweise für die 
Unternehmung grösserer öffentlicher Neubauten. Was schon in nachjustinianischer 
Zeit allgemein in Brauch gekommen war, dass jeder soweit es seine Mittel 
erlaubten, für sich selbst sorgte, blieb auch, wie dies das Schweigen der Schrift- 
queilen und die erhaltenen Ideinen Behälter zu bezeugen schienen, in mittel- und 
spätbyzantinischer Zeit giltig. 

Die Errichtung von Privatbehältern war insoferne billiger geworden, als 
man eine unerschöpfliche Fundgrube von Säulenmaterial an den durch die Zeit 
im Allgemeinen und die Vernachlässigung während des Bildersturms im Besonderen 
zu Gmnde gerichteten Bauwerken des 5. und 6. Jahrhunderts hatte. In luittcl- 

29 



226 

byzantinischer Zeit blieb daneben immer noch der Gebrauch neu zugearbeiteten 
Materials bestehen, in der Palaiologenzeit aber verfällt man ganz auf den Raubbau. 
Doch darüber im nächsten Hauptabschnitte. 

I. Die macedonische Periode (867 — 1057). 

Basilius Macedo, der sich mit so grossem Eifer der Wiederaufrichtung der 
verfallenden Kirchen zuwandte und sich dadurch und durcli umfassende Neubauten 
geradezu den Anspruch auf den Namen eines zweiten Justinian erwarb, dürfte 
natürlich auch der Frage der Wasserversorgung der Stadt Aufmerksamkeit 
geschenkt haben. Wir haben wenigstens einen Beleg dafür in der Nachricht, 
dass er den Teich im Palast Hiereia, welchen Heraklius hatte zuschütten und 
in ein Paradies verwandeln lassen, wieder reinigen und mit Wasser füllen Hess. 

Als Grund dafür gibt sein Enkel Konstantin Porphyrogenitus an, Basilius 
habe gesehen, dass die Gegend um den Palast zur Anpflanzung von Paradiesen 
genügenden und passenden Raum darbiete, dagegen an trinkbarem und reinem 
Wasser Mangel habe. Die Nachricht bezieht sich allerdings auf einen kaiserlichen 
Palast, überdies einen solchen, der am asiatischen Ufer lag. Aber sie belegt 
immerhin die Vermuthung, dass die Fürsorge des Kaisers auch nach dieser Seite 
hin gerichtet war. Für die Stadt müssen wir wieder die Denkmäler selbst 
sprechen lassen. Da fragt es sich nun, welche von den aufgenommenen Behältern 
könnten der mittelb3'zantinischen bezw. zunächst der macedonischen Zeit ange- 
hören ? Es lässt sich für die Beantwortung dieser Frage nur ein Schein von 
Wahrscheinlichkeit erzielen. 

Von den vielen Bauten des Basilius Macedo und seiner Zeitgenossen ist 
wenigstens ein sicher datirtes Beispiel nachweisbar. Es ist das die bis jetzt 
unbeachtet gebliebene Kirche in Skripü auf dem Boden des alten Orchonienos 
in Boiotien, gegründet im Jahre 874. Ich werde ihr bei anderer Gelegenheit eine 
kurze Monographie widmen. Bis auf z\\ei säulenartige Scheidewände in einem 
dreigliedrigen Fenster der Westseite sind dort keine Säulen verwendet. Die 
Capitelle dieser F'enster aber bestehen aus einem schmalen Wulst und darüber 
einem unverhältnissmässig hohen Kämpferaufsatz, der mit einem Kreuz und Epheu- 
blättern geschmückt ist. Die Ornamentik des Baues an den die Stockwerke 
trennenden Gesimsen zeigt derbe, vom Ornamente der justinianischen Zeit und 
dem der Antike weitabliegende h^ormcn, die nicht etwa eine zufällig locale 
Erscheinung sind, sondern fih- die sich in Griechenland, Kleinasicn und Italien 
weitere Beispiele vorlegen lassen. Ich erwähne beiläufig, dass gern das Eplieu- 
blatt verwendet wird. 



227 

Uns interessirt im Hinblick auf die Cisternen die Capitellform dieser Zeit. 
Im Anschluss an die Fenstercapitelle von Skripü erinnere ich an das von mir 
pubiicirte Poroscapitell in Olympia. ■ Das obere Ende des Säulenschaftes ist mit 
dem Capitell aus einem Stück gearbeitet und schliesst mit einem Wulst, über dem 
sich wie in Skripü der hohe Kämpferaufsatz erhebt, der ebenfalls mit dem Kreuz 
und Epheublättem geschmückt ist. Ähnliche fragmentirte hohe Kämpfer mit Epheu- 
blattschmuck fand ich unter den Fragmenten der Hadrians-Stoa in Athen und auf 
der Akropolis zu Pergamon. Weisen diese Fälle auf die Verwendung eines ein- 
fachen Kämpfersteines, so führen andere Spuren der macedonischen Zeit zur 
Annahme einer besonderen Vorliebe jener Zeit für den jonischen Capitellkämpfer. 

Wir haben ein Beispiel dieser Capitellgattung bereits oben unter dem 
zugetragenen Säulenmaterial der Westhalle des Bodrüm (Taf. 7, Fig. 5) kennen 
gelernt. Es ist dies eine Capitellgattung, die im 5. Jahrhundert durch Verbindung 
des jonischen Capitells mit dem Kämpferaufsatze entstanden ist und von den Bau- 
meistern Justinian's sowohl in der Sophienkirche, wie in S. Sergius und Bacchus 
in der Gynaikonitis angewendet wurde. Sie scheint nun unter Basilius und seiner 
Dynastie besonders bevorzugt worden zu sein. In Konstantinopel hat sich unter 
der Serai -Terrasse, auf der heute die ecole des beaux-arts steht, ein Raum mit 
vier Säulen erhalten. Dieselben gehören nach dem Ornamentschmuck der Capitelle 
zu urtheilen, der macedonischen Zeit an: diese vier Capitelle, unzweifelhaft von 
derselben Hand zur selben Zeit und für denselben Bau gearbeitet, haben alle 
die Form des ionischen Kämpfers. Die Mitte des Obertheils nimmt stets ein 
Kreuz ein, zwischen die wurstartig gerollten, grossen Voluten ist ein symmetrisches 
Doppelblatt eingemeisselt. Auch in Theben (Boiotien) bietet sich die Spur eines 
Beleges. Dort melden Inschriften die Entstehung einer Kirche des Gregorios 
Theologos im Jahre 876/7. Reste derselben haben sich in der Stadt zerstreut 
erhalten. Von Capitellen fallen wieder einige jonische Kämpfer mit entsprechenden 
Ornamenten auf, die heute in die Kirche der Panagia Lontza vermauert sind. 

Es lässt sich also im Allgemeinen die Vermuthung aufstellen, dass in mace- 
donischer Zeit und speciell unter Basilius Macedo mit Vorliebe einfache Kämpfer 
oder jonische Kämpfercai)itclle verwendet wurden. Wenden wir nun dieses 
völlig unabhängig von den Cisternen erzielte Resultat auf diese letzteren an, so 
muss sofort eine Reihe kleinerer Behälter auffallen, in denen entweder nur 
Kämpfer, oder nur jonische Kämpfercapitelle oder beide zusammen oder endlich 
l)cide Sorten neben anderem, offenbar antiquarisch erworbenem Material auftreten. 



Römische Oii.irtalsclirift IV, S. 11 und Taf. II, Fig. 7. 

29* 



228 

Der Bodiüm am Agha jokuschü (28). — Die schräg stehenden drei 
Säulen haben niedrige Kämpreraufsätze. Dazu kommen zwei Pfeiler. Das Gewölbe 
besteht aus Schneckenkuppeln. Fenster und Gurtvorlagen fehlen. Die unregel- 
mässige Anlage bezeugt die Rücksichtnahme auf einen Oberbau. 

Der Bodrüm am Daje kadyn sokaghy (25). — Die sechs sehr dicken 
Säulentrommeln tragen sechs schmälere, der Breite der Gurtbogen entsprechende 
jonische Kämpfercapitelle, von denen eines die Buchstaben K Y hat, die im 
Anhange zu besprechen sein werden. Die Capitelle sind mit Kreuzen geschmückt 
und haben rohe wurstartige Voluten. Das Gewölbe besteht aus byzantinischen 
Kappen. Fenster und Pfeilervorlagen fehlen. Die Cisterne ist regelmässig viereckig. 

Der Bodrüm bei der Kefeli dschami (31). — Die drei Säulenschäfte sind 
ungleich hoch und dick, also wohl Ruinen entnommen. Dagegen sind die Capitelle 
offenbar für die Cisterne gearbeitet. Sie lassen sich vortrefflich mit dem in der 
Einleitung dieses Abschnittes erwähnten Serai-Unterbau vergleichen. Alle drei 
sind jonische Kämpfercapitelle mit Kreuzen am Kämpfer und einem symmetrischen 
Doppelblatt zwischen den rohen Voluten. Das Gewölbe besteht aus byzantinischen 
Kappen. Fenster und Pfeilervorlagen fehlen. Die Cisterne ist regelmässig viereckig. 

Der Bodrüm im Bible House (30). — Diese Cisterne ist der Glanzpunkt 
der Reihe, welche ich der macedonischen Zeit zuweisen möchte. So klein sie ist, 
bietet sie doch in ihrem Säulenmaterial das Beste, was jene Zeit darin geliefert 
haben mag. Drei Säulenschäfte sind durchaus gleichartig und sauber gearbeitet; 
an ihnen fällt das in macedonischer Zeit so häufig verwendete lateinische 
Kreuz auf, welches hier in Relief gemeisselt erscheint. Der vierte Schaft ist 
glatt und trägt einen ebenfalls glatten Kämpfer. Die drei andern Säulen 
dagegen haben jonische Kämpfercapitelle, die in der sauberen Arbeit mit den 
Schäften übereinstimmen. Zwei derselben (Fig. 4) zeigen auf der Volutenseite 
am Kämpfer einen sehr zierlichen Schmuck: Weinranken aus zwei Füllhörnern 
entspringend und zwei daran pickende Vögel in durchbrochener Arbeit. Nun 
wird es gewiss bei näherer Kenntnis der oben einleitungsweise erwähnten flachen 
Ornamente aus der Zeit des Basilius Macedo Zweifel erregen, dass diese feinen 
Arbeiten derselben Zeit angehören könnten. Ich will dagegen nur an zweierlei 
erinnern, erstens, dass ich nichts gegen eine Datirung in's 10. Jahrhundert 
einwende, in welcher Zeit das byzantinische Ornament die iiolie Blüthe desjenigen 
der Zeit Justinian's wiedergewonnen iiat (wie ich gelegenflich bereits bewiesen 
iialie), ' zweitens, dass es aber, wie mir sciicinl, gar niclu noilnvcndig ist, zum 



' Im /h).n'iif n/s intoinxr/,; xitl r I) fn^.dvi x i'/s i'niiiji'n^ ^^')0, S II7 



229 

lo. Jahrhundert zu greifen — in welcher Zeit das Ornament denn doch bereits 
einen anderen Grundcharakter hat — weil wir wenigstens litterarisch nachweisen 
können, dass g-erade Weinlaub mit Thieren von den Architekten des Basilius 
Macedo als vornehmster Schmuck angewendet wurde. Konstantin Porphyrogenitus 
nämlich, nachdem er in der Vita seines Grossvaters ausgerufen hat: Und das 
Kainurgion, welches er von Grund aus erbaute, wer staunt nicht darüber?, 
berichtet im Anschluss daran weiter: i6 Säulen tragen den Bau, acht grüne 
von thessalischem Stein und acht dem Onyx ähnliche. Von sechs der letzteren 
nun heisst es: ö Xtbo^oo^ navroico^ wpd(as\/, dfiTtiXou a-(rjl^a xar' aOro^c ytopifwaa^ 
xat TzavroUov Cmcov idia; ev raurrj d-spya(Td[j£vo;. Wenn diese Säulen dem auf 
der Höhe der Cultur des lo. Jahrhunderts stehenden Kaiser der Bewunderung 
werth schienen, dann werden sie wolil nicht hinter den gleichzeitigen Leistungen 
seiner Zeit zurückgestanden haben können. Von dieser Seite her ist also kein 
Grund vorhanden, die beiden Capitelle der Bible House-Cisterne mit durchbrochen 
gearbeitetem Weinlaubschmuck der macedonischen Periode bezw. der Zeit des 
Basilius selbst abzusprechen. An der Kämpferoberkante kehrt überdies der stereo- 
t}'pe Schmuck dieser Zeit Kreuz und Epheulaub wieder und zwischen den steifen, 
unverbundenen Voluten sind auch hier die gegenständigen Blätter angebracht. 
Übrigens braucht man nur einen Blick auf den Schmuck der Nebenseiten beider 
und das zu ihnen gehörige dritte Capitell (Fig. 5, 6) zu werfen, um sich zu über- 
zeugen, dass man es mit dem schwunglosen, verdorbenen Geschmack und der 
rohen Technik kurz nach dem Bildersturme zu thun hat, wenn hier auch die 
Motive noch die altbyzantinischen sind, mit denen sonst um diese Zeit gebrochen 
wird. Aber schon die Analogie der Säulen des Kainurgions beweisst, dass wir 
es mit einer aussergewöhnlichen Kunstleistung zu thun haben. Dass die Säulen 
nicht von vornherein für die kleine Privatcisterne bestimmt gewesen sein kann, 
bezeugen die Kreuze an dreien von den vier Säulenschäften. Ich stelle mir vor, dass 
diese drei Säulen ursprünglich für einen der zahlreichen Kirchenbauten des Basilius 
bestimmt waren, dann aber durch irgend einen Zufall in der Cisterne Aufstellung 
gefunden haben. Das scheint mir bei dem so vorzüglich einheitlichen Charakter 
des Behälters — im Sinne der macedonischen Zeit — und der guten Erhaltung 
der Capitelle mehr wahrscheinlich, als dass die Cisterne später aus maccdonischem 
Aljbruchmaterial erbaut worden sein sollte. 

Die Cisterne hat Kuppelvvölbungen mit kreisförmigen Lagerfugen, keine 
h'enster und keine Gurtvorlagen. Sie ist regelmässig viereckig. 

Der Bodri'im am Kjöroghlü sokaghy (22). — Die Säulenschäftc sind 
theils Marmor, theils Granit, also zusammengetragen, was auch daraus hervor- 



230 

geht, dass die eine sichtbare Basis — was vom Zeichner (Fig. 6) nicht angedeutet 
wurde — einen kleineren Durchmesser hat als der Schaft. Die Capitelle sind in 
fünf Fällen (i — 3, 6, 7) Kämpfer, in dreien (4, 5, 8) jonische Kämpfercapitelle, 
alle gleich roh gearbeitet. Einige haben Kreuze. Die Voluten sind wulstig, 
zwischen ihnen liegen die symmetrischen Blätter. Die auf einigen vorkommenden 
Buchstaben werden im Anhange besprochen werden. Die Decke besteht aus 
auf Schalungen gebauten niedrigen Tonnengewölben, ist also, wenn auch 
einfacher, Y] ähnlich. Fenster und Pfeilervorlagen fehlen. Ob die Cisterne im 
Osten regelmässig abschliesst, Hess sich nicht ermitteln. 

Der Bodrüm nördlich von der Nischandschy dschami (20). — Die 
neun Säulenschäfte sind ungleich, einer hat Canneluren und wird dadurch als 
antik bezeichnet. Von den Capitellen sind sechs Kämpfer oder jonische Kämpfer- 
capitelle von der gewohnten Art, zwei haben flache Polsterform, sind aber nicht 
glatt, wie in den Cisternen der altbyzantinischen Zeit, sondern mit Kreuzen 
und flau gearbeitetem Akanthus geschmückt. Sahen wir schon im Bodrüm 7 
einfache Platten statt der Capitelle eingeschoben, so bietet diese Cisterne ein 
ähnliches Beispiel lüderlicher Arbeit, indem auf einer Säule mehrere Platten 
concentrisch übereinander gelegt sind. Das Gewölbe besteht aus Kuppeln mit 
Schneckenfugen. Die Cisterne ist ohne Fenster und Gurtvorlagen und regel- 
mässig viereckig erbaut. 

Blicken wir zurück, so tritt unläugbar die Thatsache hervor, dass unter den 
bisher betrachteten Behältern der nachjustinianischen Zeit ein auffallender Wechsel 
in der dominirenden Capitellform eintritt. Dass die Cisternen mit dem gedrückten 
Kämpfercapitell nach der Zeit Justinian's zu gravitiren, ist unbestreitbar, und 
nicht minder begründet dürfte schon in Folge dessen die Ansicht erscheinen, 
dass die Cisternen mit Kämpfer oder jonischen Kämpfercapitellen jünger sein 
müssen. Aus der Palaiologcnzeit können sie nicht stammen, weil sich für dieselbe 
ein bestimmter und durchaus verschiedener Charakter unzweifelhaft nachweisen 
lässt, folglich blcijjt nur die niiitdbyzantinische Periode und die Wahl zwischen 
der Zeit der Macedonier und Koiimenen übrig. Reste v(m Bauten des Basilius 
bezeugen die Beliebtheit des Kämpfers und des jonischen Kämpfercapitells in 
dessen Zeit. Damit ist die Wahrscheinlichkeit gegeben, dass wenigstens ein Theil 
der angeführten Behälter der macedonischen Periode angehört. Doch will ich 
die Grenze zwischen der Macedonier- und Komncnen-Periodc )iicht so scharf 
ziehen wie oben zwischen der theodosianischen und justinianischen Zeit. X'ielmchr 
lässt sich wenigstens in einem l''a]l mit einiger Sicherheit nachweisen, dass die 
Verwendung des Kämplers und des jonisclien Kämiircrcapilells auch nach der 



231 

Komnenenzeit für Unterbauten üblich war. Wir kommen damit auf die Kirchen- 
cistemen zu sprechen, die ich bisher ganz überging, weil sie mit den eigentlichen 
Cisternen nur lose zusammenhängen. Ich fasse sie im Folgenden alle, sie mögen 
alt- oder mittelbyzantinisch sein, zusammen. 

2. Die Komnenen-Periode (1057 — 1185, bezw. 1204). 

Die Komnenenzeit bedeutet in der Entwicklungsgeschichte der byzantinischen 
Kunst das Stadium gleichmässigen Beharrens im \'ollbesitze aller am Schlüsse 
der vorhergehenden Entwicklungsperiode zu allgemeiner Geltung gelangten 
Formen. Die byzantinische Kunst hat ihre Höhe überschritten, noch ist der völlige 
Verfall nicht eingetreten. Es sind die zahlreich auf uns gekommenen Denkmäler 
der Komnenenzeit, auf welche sich die heute geltenden Vorstellungen von byzan- 
tinischer Kunst in erster Linie stützen. 

So gleich im Kirchenbaue. Das . einförmige System des spätbyzantinischen 
Kuppelbaues« ist erst seit dieser Zeit der alleingiltige Canon: vier kräftige Pfeiler 
bilden die Ecken des quadratischen Kuppelraumes und die Stützen der Kuppel, 
deren Widerlager Tonnengewölbe sind, welche ein gleichschenkliges, griechisches 
Kreuz, das im Osten mit einer Apsis abschliesst, bilden. Die vier Eckräume sind mit 
Kuppeln überdeckt, die beiden östlichen haben, wie der Hauptraum, Apsiden. Dem 
Ganzen ist ein einfacher oder doppelter Narthex vorgelegt, der dem Bau recht- 
eckigen Umriss gibt. Ein gutes Beispiel dafür liefert die auf Taf. 34 im Grundriss 
dargestellte Eski Imaret dschami, eine von neueren Topographen gewöhnlich 
Pantepopte genannte b3-zantinische Kirche der Komnenenzeit. Doch uns interessirt 
heute nur der Cisternenunterbau derselben. Es ist nicht der erste, den wir 
nachweisen können. 

Choisy ' veröffentlicht die Gewölbe-Ansichten zweier Cisternen unter der 
Demetriuskirche zu Salon ik, einer Basilika des 5. Jahrhunderts. Leider 
gil)t er niclit den Grundriss. Die Gewölbe sind einmal tonnenartig, das andere 
Mal byzantinische Kappen und ruhen im ersteren Fall auf Pfeilern, im letzteren 
auf Säulen, wobei Gurtbogenvorlagen angewendet sind. Ich habe leider erst 
nacii meinem letzten Aufenthalt in Salonik von diesen Unterbauten erfahren. 

Ebensowenig weiss ich über eine unter der Sophienkirche zu Konstan- 
tinopel gelegene Cisterne nähere Auskunft zu geben. Clavijo in seinem Berichte 
vom Jahre 1403 thut ihrer Erwähnung: ' »Et dans la dite eglise (St. Sophie) il y 



' L'art de batir chez les Byzantins, pl. VI. 

5 Nach der französischen Übersetzung in der Revue generale de l'architecture (C. Daly), 
2-annee 18.41, p. 170. 



232 

a des citernes souterraines et salles basses, qui sont choses trop etranges et 
merveilleuses ä voir ... et dans la dite eglise avait une citerne tres grande sous 
terre, laquelle contenait beaucoup d'eau si grande que disait-on eile pu tenir 
Cent galeres.« Ebenso Buondelmonti 1422: xVon der Decke bis zum Paviment 
ist die Kirche 144 Ellen hoch, et a pavimento usque ad planum fundamenti, quia 
tota una cisterna optimae aquae ampliatur, bracchia XXII«. Später, nachdem er 
die übrigen Behälter aufgeführt hat, fügt er nochmals bei: »et aliae multae, sicut 
Sta Sophia, quae est principalior aliis, et Justinianus in XV annis illud explicavit 
opus«.' Grelot erwähnt die Cisterne öfter in seiner eingehenden Beschreibung 
der Sophienkirche und verlegt ihren Zugang in einen kleinen Vorbau, der sich 
zu seiner Zeit zwischen dem Thurm der Facade und dem nächsten südlichen 
Strebepfeiler befand. Man stieg auf etwa dreissig Stufen dazu hinab. Ihre 
Öffnungen hat er im Grundriss mit P bezeichnet. ^ Noch Lechevalier nennt die 
Cisternen im Allgemeinen semblables ä celle, qui sert de fondement ä l'eglise 
de Sainte Sophie. Auch Hammer erwähnt ?die grosse Cisterne, welche den 
grössten Theil des Raumes des Tempels durch unterirdische Wassergewölbe 
einnimmt i, und sagt, dass ihr Wasser durch Röhren unmittelbar rechts an dem 
alten Glockenthurm der Facade ausströme. ' Salzenberg (S. 19) berichtet wörtlich: 
»Hier möchte noch zu erwähnen sein, dass der ganze westliche Theil des Fuss- 
bodens der Sophienkirche unterwölbt zu sein scheint und eine weitläufige Cisterne 
enthält, deren Wasser man bei dem letzten Baue vermittelst einer kreisrunden 
Öffnung im Fussboden der südlichen Seitenhalle zwischen dem ersten Haupt- 
und Strebepfeiler, vom Westen ab gerechnet, schöpfte ; eine zweite derartige 
Öffnung befindet sich im Schiffe, nahe dem nordwestlichen Exeder. Das hoch- 
stehende Wasser und der Mangel eines Zuganges ausser diesen beiden Löchern 
verhinderten eine nähere Untersuchung der Cisterne». Es wird in diesem Zusammen- 
hange zu erinnern sein an die Fabel, dass die Kirche nach der zweiten Vollendung 
acht Ellen hoch mit Wasser gefüllt und die Balken und Bäume des Gerüstes 
darein geworfen wurden, damit nicht, wie das erste Mal durch den Widerstoss 
des Falles die Grundfeste des Baues und der Dom erschüttert werden möchten. ' 
Aus spätmacedonischer Zeit rührt der Unterbau der Hauptkirchc des Klosters 
Hosios Lukas am Helikon her, der allerdings nicht als Cisterne, sondern als 
Unterkirche der hl. Barbara benützt wird. (Die Cisterne selbst liegt wie in den 



' Ruoiidelmontii Libcr insularum Arcliipchigi cd. Sinncr, p. 122 und p. 12. ). 
-' Grelot, Relation nouv. d'un vo)-age Uc Gonst., Paris 1681, p. 124. 
3 Hammer, Constantinopel und der Bosporus, l, S. 356. 
* Ebenda I, S. .^6. 



233 

athonisclien Kleistern diclit neben der Kirche). Icli führe diese Unterkirche, deren 
Grundriss ich bei anderer Gelegenheit veröffentlichen werde, nur deshalb hier 
an, weil sie in dem sofort zu besprechenden Unterbau l8 in Konstantinopel 
eine annähernde Analogie findet. Auch in Hosios Lukas nämlich dehnt sich die 
Unterkirche unter dem Räume zwischen den vier Kuppelpfeilem und unter der 
Hauptapsis aus und ist von elf Kreuzgewölben und Tonnen auf vier Pfeilern 
überwölbt, die das Paviment des Naos tragen. Die Kuppel hat dort die riesigen 
Dimensionen einer Reihe von Kirchen der späten macedonischen Zeit, in denen 
sich stets alle drei Apsiden nach dem Kuppelraum öffnen, also innerhalb der 
Kuppelpfeiler-Distanz liegen. 

Der Bodrüm neben der Moschee Sultan Mohammed (i8). — Dass 
wir es nicht mit einer Unterkirche, sondern mit einer Cisterne zu thun haben, 
beweist der Verputz an der der Nebenkammer zugewandten Mauer. Wie in 
Hosios Lukas ist der Hauptraum unter der Kuppel durch Stützen in massive 
Gewölbe zerlegt, die hier Tonnengewölbe sind. Dagegen mündet hier nur eine 
Apsis auf den Kuppelraum, wir hätten es also mit einer Kirche zu thun, die den 
in der Komnenenzeit allgemein giltigen T}'pus zeigte. Sie muss ungefähr die 
Dimensionen der Grabeskirche der Komnenen, heute Kilise (Pantokrator) dschami 
gehabt haben. Das Säulenmaterial scheint aus älteren Bauten zusammengetragen, 
wenigstens weist darauf, dass ein Theil der Schäfte Marmor, der andere Granit 
ist. Die Capitelle sind analog denen der macedonischen Zeit zum Theil einfache, 
zum Theil jonische Kämpfersteine. 

Von besonderem Interesse ist, dass die Gurtbögen, obwohl von verschiedener 
Spannung, alle auf die gleiche Höhe gebracht wurden, daher zum Theil über- 
höht sind. Wenn wir auf alle bisher besprochenen Cisternen zurückblicken, so 
ergibt sich, dass dies der erste Fall einer solchen Lösung ist. In der Cisterne an 
Un-kapän sokagh}' (13) griff man im gleichen Falle zum Spitzbogen. Der über- 
höhte Rundbogen nun gehört ebenfalls zu den typischen Details des Kirchenbaues 
seit der Komnenenzeit und vor Allem in dieser selbst. Wir werden auf Grund 
dieses Motivs noch einen anderen grossen Behälter für diese Periode in Anspruch 
nehmen. Doch davon später, nach Al)solvirung der Kirchencisternen. Über Namen 
und Zeit der Entstehung der Kirche, welche einst über dem Behälter neben der 
Mohammedije gelegen hat, wird besser im Zusammcnliange des Versuches einer 
Kirchentopographic von Konstantinoiiel zu handeln sein. 

Der Bodrüm unter der Eski Imaret dschami (34) zeigt den vollendeten 
Typus einer Cisterne als Unterbau einer Komnenenkirche von mittlerer Grösse. 
Die Kii|ipcl des Olierbaues hat nur circa 45/« Durchmesser. Die Cisterne 

.30 



234 

erstreckt sich unter alle Räume der Kirche mit Ausnahme des Exonarthex. Die 
sie trennenden Wände sind etwas stärker als die der Oberkirche. Bei der 
r^eringen Spannung des Mittelraumes waren Stützen nicht nothwendig, ein breites 
Tonnengewölbe überspannt den ganzen Raum. 

Der Bodrüm unter der Kemankes Mustafa Pascha dschami (36). 
— Ähnlich wie 34 scheint auch 36 den ganzen Raum unter einer Kirche und 
dazu einer Seitencapelle eingenommen zu haben, mit dem Unterschiede nur, 
dass der Raum unter der Kirche eine Unterkirche mit dem Zugang von E 2 aus 
bildete, wie die an den Wänden erhaltenen Reste von Malereien beweisen, 
während sich die Cisterne auf den oblongen Nebenraum allein beschränkte, 
dessen Wände stark verputzt sind und der erst in türkischer Zeit mit einem 
Eingange versehen wurde. 

Der Bodrüm unter der Kahrije (35) liegt wie die eigentliche Cisterne des 
vorhergenannten Kirchenunterbaues unter einer Seitencapelle, die hier das Grabmal 
des Tornikes enthält. Bei der Spannweite der Cisterne Nr. 36 von 3-06 m Breite 
bot ein Tonnengewölbe genügende Sicherheit. Hier betrug die Gesammtspannung 
4'3 m, man theilte daher den Raum durch eine Längsmauer in zivei oblonge 
Räume, über die Tonnen gelegt sind. 

Die Zahl der Kirchenunterbauten dürfte sich gewiss, nachdem erst einmal 
auf sie aufmerksam gemacht ist, mit der Zeit vermehren lassen. Ich werde ihnen 
bei anderer Gelegenheit ausführliche Beachtung schenken. Inzwischen fahren 
wir in der Betrachtung der Wasserbehälter Konstantinopels fort. Wie in der 
Einleitung (oben S. 10 ff.) gesagt wurde, nahmen sich die Komnenen Manuel I. 
(1143—80) und Andronikus I. (1183—85) der alten Hadrianischen Wasserleitung 
durch Restaurationen und Fassung neuer Quellen energisch an. Auch unter den 
noch übrigen Cisternen findet sich eine grössere, an der mehrere Merkmale für 
die Entstehung in der Komnenenzeit sprechen. 

Der Bodrüm am Böjük (3tluktschy jokusclu'i (12). — Diese Cisterne 
kommt in den Grössenverhältnissen dem Durchschnittsmasse des 5. Jahrhunderts 
nahe, sie hat 24 Säulen. Und unter diesen sind neunzehn derart gebildet, dass man 
sie dem 5. Jahrhundert zuschreiben muss : die Schäfte bestehen aus Granit und die 
Capitelle haben die korinthische Form mit jenem scharfen, grosslappigen Blatt- 
schnitt, der für die altbyzantinische Kunst bezeichnend ist. Dazu sind diese Cajiitelle 
nicht alle gleichmässig ausgeführt, sondern zeigen verschiedene Grade der 
Vollendung etwa so wie in den Behältern 8, 9 und 11. An der einen sind die 
Blätter fast nur abbozzirt, an andern theilweise ausgeführt, an einigen wieder 
der Akanthusschmuck sehr scharf geschnitleii und plasliseh mit wcitülierfallendcn 



235 

Spitzen ausgearbeitet. Auch die im Anhange zu besprechenden Steinmetzzeichen 
sprechen für das 5. Jahrhundert, so dass gar kein Zweifel daran übrig bleiben 
kann, dass diese neunzehn Capitelle der theodosianischen Zeit angehören. Ist 
nun deshalb auch die Cisterne selbst im 5. Jahrhundert entstanden? Keinesfalls, 
denn es fehlen ihr die Hauptmerkmale des theodosianischen Jahrhunderts, die 
Kämpferaufsätze über den Capitellen und die Fenster, welche die Umfassungs- 
mauern durchbrechen müssten, was hier umsomehr auffällt, als die Mauern terrasse- 
bildend aus dem Boden ragen. Diese Beobachtung leitet unseren Blick prüfend 
zurück auf das Säulenmaterial. Die Schäfte bestehen zwar fast ausnahmslos aus 
Granit, sind aber von ganz verschiedenen Maassen. Der obere Umfang, den ich 
durchgemessen habe, variirt zwischen 105 und 190 cm, nur zwei Säulen haben je 
120 cm (15 und 19), 165 cm (i und 2), 186 cm (5 und 17), nur einmal stimmen drei 
Schäfte untereinander überein (10, 1 1 und 24 mit 190 cm Umfang). Ebenso 
verschieden sind die Höhen. Gleich die eine bis auf die Sohle ausgegrabene 
Säule 22, Fig. 4 zeigt, dass man den Schaft durch einen hohen glockenförmigen 
Untersatz zu erhöhen suchte. Bei zu langen Säulen schnitt man die Capitelle 
entweder ab, oder man schob solche Werkstücke als Capitelle ein, die niedriger 
als dieselben waren. Daraus erklärt sich denn die bei näherem Zusehen ziemlich 
weitgehende Verschiedenheit der Capitelle, die sich bei den neunzehn des 5. Jahr- 
hunderts schon in den verschiedenen Stadien der Ausarbeitung geltend macht. 
Einige von ihnen sind nämlich unten abgesägt (vgl, Fig. 3 rechts), andere 
für den schmäleren Schaft in rohester Weise zugespitzt (bes. Capitell 18). In 
zwei Fällen (13 und 19) sind umgekehrt auf den breiten Schaft sehr kleine 
Kämpfercapitelle aus Sandstein aufgesetzt, deren Schmuck abgeschlagen wurde, 
und in drei Fällen (10, li und 15), in denen die Schäfte sehr lang waren, sind 
umgestülpte Basen (Fig. 5) statt der Capitelle eingeschoben — eine Roheit, für die 
hier das erste Beispiel geliefert wird. Und noch eine andere Art der Nothhilfe kommt 
hier zum ersten Mal in Anwendung, das Aufeinanderstülpen mehrerer Basen und 
Capitelle, wofür wir in der Palaiologenzeit ein geradezu classisches Beispiel in 
der Cisterne Nr. 10 nachweisen werden : Säule 12 hat über dem Schaft zunächst 
ein korintliisches Capitell und darüber erst nocli eine umgestülpte Basis. Kurz, 
die nälicre Prüfung der Details führt so weit ab von dem ersten Eindruck, 
wonach die Cisterne altbyzantinisch erschien, dass wir Mühe haben, nachzu- 
weisen, sie sei nicht spätbyzantinisch. Da spricht nun ein Detail cinigermassen 
für die Komnenenzeit : die in überhöhten Rundbögen ausgeführten Gurten. Dazu 
kommt das Fehlen der für die Palaiologenbehälter so charakteristischen korin- 
thischen Capitelle mit einem sehr Hauen Blattschnitt, der hier neben den Arbeiten 

30* 



236 

des 5. lahrluinderts doppelt auffallen würde. Für die Komnenenzeit spricht endlich 
auch die sehr solide Bauart der Umfassungsmauern, die, wie in der Bin bir direk, 
auf der Bergseite durch Nischen erleichtert werden. Die Gewölbe bestehen aus 
den zuerst im Bodrüm (7) vorkommenden Schneckenkuppeln. Auf besondere 
Sorgfalt beim Baue weisen ferner die sehr regelmässig angebrachten fünf Anker 
der Gurtbögenansätze, deren Löcher sich noch erhalten haben. Die Cisterne 
gehört jedenfalls zu den kunstgeschichtlich interessanteren. Woher man die Säulen 
und Capitelle nahm, lässt sich nicht sagen. Doch könnte man nach verschiedenen 
Stadien der Vollendung der Capitelle schliessen, dass sie aus einer älteren Cisterne 
stammten oder in einer Periode des 5. Jahrhunderts entstanden seien, in der man 
mit grosser Eile arbeitete und die Architekturstücke daher halbvollendet aus den 
prokonnesischen Steinbrüchen herbeischaffte. Dazu würde die Zeit der zweiten 
Stadterweiterung unter Theodosius II. passen. 

Der Bodrüm I im Serai beim Thor Bäb-i humajün (26). — Dieser, 
nach der Raumvertheilung jedenfalls als Unterbau eines darüber stehenden 
Gebäudes ausgeführte Behälter schliesst sich lediglich insofern an die vorher- 
gehende Cisterne an, als auch hier mehrere Säulen umgestülpte Basen statt der 
Capitelle haben, während das flau gearbeitete korinthische Capitell, welches wir 
als charakteristisch für die Palaiologenzeit kennen lernen werden, fehlt. Dafür 
aber kommen ein niedriges Kämpfercapitell, eine jonische Capitellplatte und eine 
einfache Platte vor, Zeichen der nachjustinianischen und macedonischen Periode. 
Die Bauart ist auch hier noch recht solid. Das Gewölbe besteht aus bj-zan- 
tinischen Kappen. 

Der Bodrüm II im Serai beim Thor Bäb-i humajün (29), welcher 
dicht neben der letztgenannten Cisterne liegt, ist dem Säulenmaterial nach seiir 
roh gebaut. Statt der Capitelle sind rohe, kämpferartige Stücke eingcsciioben. 
Icii füge diesen Behälter hier nur an, weil er locai dem vorhergehenden nahekommt. 

III. Die Cisternen der spätbyzantinischen (Palaiologen-) Zeit. 

Durch die Macedonier hatte die Arciiitektur einen kräftigen Anstoss erhalten, 
um das Jahr lOOO stand sie in ihrer zweiten Blüthe. Im Kirchenbau war ein 
fester Canon national geworden, der die Komnenenzeit beherrscht. Dann tritt das 
lateinische Interregnum ein. Die Spuren der Wiedereinführung des alten, basiiikalen 
Schemas sind nicht zu selten. Aber mit der Rückkehr einer nationalen Dynastie, 
der Palaiologen, setzt aucli die Architektur wieder mit jener ungeschwächten 
Kraft ein, die sie sich beim Ausbau der neuen Residenzen Nikaea und Trapezunt, 
ferner in dem ursjirüuglicii lateinischen Mistra, dem l'diupeji dieser Zeit am 



237 

Taygetos, endlich am Berge Athos und überhaupt in den orthodoxen Kltistern 
bewahrt Iiattc. Es folgt noch ein Jahrhundert etwa der Leistungsfähigkeit, dann 
ermatten die alten Sehnen und die byzantinische Architektur vegetirt nach tausend- 
jähriger Entwicklung bis auf den heutigen Tag in den Ländern der orthodoxen 
Kirche kraftlos weiter. 

Für das Capitell, soweit es überhaupt neu zugearbeitet ist, wird am 
Anfang dieser Periode die Kämpferform angewendet, in Griechenland bisweilen 
auch das ägyptische Blättercapitell. Der Schmuck des Kämpfercapitells besteht 
aus roh naturalistischen Blättern, die sehr flach aufgelegt sind. In Konstantinopel, 
Mistra und Nikaea finden sich solche Capitelle noch an aufrechtstehenden Kirchen- 
bauten dieser Zeit, zumeist aber liegen sie als die letzten Reste völlig verschwun- 
dener Ruinen in den Strassen und Häusern herum. Daneben können wir 
beobachten, wie die in den Cisternen bereits in nachjustinianisch-altbyzantinischer 
Zeit am Bodrüm hervortretende Verwendung antiquarischer Architekturstücke 
auch im Kirchenbau Eingang findet. Die Pantanassa-Kirche und die Metropolis 
in Mistra, die Hagia Sophia in Trapezunt und zahlreiche Reste von Bauten der 
Palaiologenzeit zeigen die Verwendung von Capitellen aus den Ruinen der fast 
tausendjährigen, älteren b3'zantinischen Bauperiode. Wie man mit denselben 
umsprang, zeigt gut die Nachricht, dass Kaiser Johannes VI. Kantakuzenos, der, 
als er zum Schutze gegen Bayazid im Jahre 1390 das goldene Thor mit zwei 
neuen Thih-men befestigte, das Material dazu den verfallenen Kirchen Aller- 
heiligen, der 40 Märt3Ter und des hl. Mokios entnahm. * 

Bezüglich der Cisternen gilt diese Art der Materialbeschaffung für die Palaio- 
logenzeit ganz allgemein. Die litterarischen Quellen lassen hier, wie schon in mittel- 
byzantinischer Zeit völlig im Stich. Regel bleibt jedenfalls der bald nach Justinian 
allgemein giltig gewordene Grundsatz, dass Jeder für den nöthigen Wasser- 
vorrath selbst zu sorgen habe. — Es wird sich nun darum handeln, für die Cisternen 
ein Kriterium zu linden, auf Grund dessen sich Bauten der Palaiologenzeit 
erkennen lassen. Die Handhabe dazu bietet ein mit ziemlicher Sicherheit datir- 
barer Behälter. 

Der Bodrüm neben der Fethije (15). — Diese Cisterne liegt hinter der 
Apsis einer alten Kirche in einer Terrasse, die jedenfalls zu dem Zwecke hergestellt 
wurde, um das abschüssige Terrain zur Anlage des Klosters zu gewinnen, welches 
nach der byzantinischen Regel die Kirche im Viereck umschliesscn sollte. ' 



Ducas eil Bonn., S. .)7. 

Vu;I. StrzyiiowsUi, Byzantinische Denkmäler I, S. 3. 



238 

Die Kirche selbst, heute Fethije genannt, ist nacli einer theilweise nocli erlialtenen 
Inschrift, welche auf einem Friese auf der Südseite der Kirche steht ' und einer 
zweiten, die Crusius aus einem Briefe Gerlach's publicirto, ■' die vom Protostrator 
Michael Ducas Glabas und seiner Frau Maria bezw. Martha im letzten Jahrzehnt 
des 13. Jahrhunderts gegründete Kirche des Klosters der Pammakaristos. Die 
Cisterne ist offenbar wie die bei der Kirche des Studios für den Wasserbedarf 
des Klosters erbaut, daher, wie in den hellenischen und athonischen Klöstern 
als neben der Kirche im Klosterhofe liegend zu denken. Schon Crusius weiss, 
durch Gerlach in einem Briefe vom 7. März 1578 unterrichtet, zu berichten, dass 
das ganze Gebäude, damals Patriarchat, von Alters her über einer Cisterne erbaut 
sei. ' Die Cisterne dürfte gleichzeitig mit dem Kloster, also im letzten Jahrzehnt 
des 13. Jahrhunderts oder später erbaut sein. Dazu nun stimmt ihr architektonischer 
Charakter vorzüglich. 

Das Säulenmaterial nämlich verräth den antiquarischen Ursprung in einer 
Mannigfaltigkeit, die durch keine der bisher betrachteten Cisternen, wohl aber 
von andern Behältern der Palaiologenzeit überboten wird. Die Schäfte scheinen 
zum Theil aus Sandstein zu bestehen, sind alle verschieden stark und hoch, 
weshalb einige Capitelle abgeschnitten werden mussten. Zwei der Säulen (3, 10) 
haben wie die Bible House- Cisterne (30) Schäfte mit Kreuzen in Relief, die hier 
aber verschiedene Maasse haben, also nicht einmal von demselben kirchlichen 
Bau herstammen können. Noch bunter zusammengewürfelt sind die Capitelle. 
Es zeigt sich nur das Streiten, dieselben einander gegenüber in der Doppel- 
reihe möglichst gleichen zu lassen. So hat das erste Säulenpaar am Eingange 
(i und 2) Kiimpfercapitelle mit roh umrahmtem Mittelfeld, in dem auf einer 
flachen Bosse ein Reliefmonogramm erscheint (Fig. 3). Dasselbe bezieht sich 
auf den Stifter des Baues, zu dem die Capitelle ursprünglich gehörten. Ein 
gleiches Capitell findet sich nochmals auf Säule 8, nur ist das Randornanicnt 
hier rankenartig und das Monogramm stark versintert. Alle drei Capitelle waren 
von der hohen Kämpfcrform und mussten daher ölten abgeschnitten werden. 
Sie dürften von einem Bau des 6. oder 7. Jahrhunderts stammen. Da ihrer nur 
drei vorhanden waren, musste das correspondirende Capitell zu 8, das ist 7 anders 
woher beschafft werden; man nahiu ganz entsprechend ein Kämpferca|iitell, das 
aljcr flach ist, daher nicht l)cschnitten zu werden brauchte. Solche nachjustinianische 
Trichter sind noch zweimal (10 und 13) verwendet, die correspondirenden Ca])itclle 

1 l< l'ör.sler de antii|uitatihiis et lihii,>< mss. Const. conimcntatio, p. 7. 

2 Turcograecia, p. 1.S9 

3 1. c. p. 190. 



239 

sind entweder ein einfacher Kämpferstein (9, Fig. 6) oder ein jonisches Kämpfer- 
capitell mit Kreuz ([4, Fig. 9). Ein solcher jonischer Kämpfer sitzt auch auf dem 
Säulenpaar 5 und 6 (Fig. 5). Alle diese Capitellsorten sind uns bereits bekannt. 

Neu dagegen sind die beiden übrig bleibenden Capitellpaare (3 und 4, 
II und 12; Fig. 4 und 8). Sie haben zwar die alte korinthische Form, ja selbst 
den dreilappigen Akanthus, aber der Schnitt desselben ist nicht der scharfe und 
plastische, wie in den Behältern des 5. Jahrhunderts (8, 9 und 11), oder an den 
Capitellen der aus altem Material erbauten Komnenencisterne 12, sondern er 
verhält sich zu jenen etwa wie der elegante römische zu dem frischen griechischen 
der Antike. Die Blätter sind in beiden Fällen flach und ohne tiefe Rippen, aber 
im 5. Jahrhundert präcise und scharf, mit weit überfallenden Spitzen, an den 
Capitellen unserer Cisterne dagegen flau und conventioneil geschnitten, ohne 
vorspringende Enden. Der Zeichner hat den Unterschied leider zu wenig offenbar 
zum Ausdruck bringen können', dagegen lässt sich ohne w'eiteres ein zweites 
trennendes Merkmal wahrnehmen: die Volutenstengel sind im 5. Jahrhundert 
zumeist wie in der Antike getrennt hinter den Blättern herauswachsend dargestellt. 
An den Capitellen des Fethije-Behälters laufen sie unten in einem Bande zusammen 
und umrahmen so die Bosse des Abakus. 

In den Cistemen der alt- und mittelbyzantinischen Zeit haben wir diese 
Art des korinthischen Capitells nicht gefunden. An aufrechtstehenden Kirchen- 
bauten kann ich sie in ihrer ursprünglichen Lage augenblicklich erst in zwei 
Fällen nachweisen : in S. ApoUinare nuovo in Ravenna und in der Kalender 
dschami in Konstantinopel. Die ravennatischen Capitelle stammen aus der Zeit 
Theodorich's und sind nach dem Material und den Steinmetzzeichen in den 
prokonnesischen Steinbrüchen gearbeitet. Sie liegen, mit hohen Kämpferaufsätzen 
versehen, auf allen Säulen des Mittelschiffes. In der Kalender dschami werden die 
Schlusswände des kreuzförmigen Mittelschiff'es mit Ausnahme des Apsisraumes von 
je zwei Säulen getragen, die derartige Capitelle ohne Kämpfer haben. Mühlmann 
datirt den Bau vor das Jahr Soo und mit Mordtmann nach der topographischen 
Beschreibung des Anon3-mus bei Banduri (III, p. 18) als die Kirche der Diakonissa 
in die Zeit des Maurikios (582 — 602).' Dem sei wie immer: jedenfalls beweisen 
i)eide Fälle, zusammengehalten mit den an Palaiologenbauten gemachten Erfah- 
rungen, dass die korinthischen Capitelle von flauem, conventionellem Schnitt nicht 



' Das Detail zwischen Fig. 4 und 8 ist nach einem Abklatsch hergestellt, doch kann 
ich nicht angeben, von welchem Capitell. Es zeigt, bis zu welcher Roheit man im Ulattschnitt 
gelangen konnte. Das Steinmetzzeiclien an Säule 12 wird im .Anhange behandelt werden. 

2 Zeitsciirift für bildende Kunst iSSö, S. .49 If. 



240 

neu für die Fethije-Cisterne zugearbeitet, sondern wie das übrige Säulenmaterial 
Ruinen entnommen sein dürften. Das Fehlen dieser Capitellform in den zum Theil 
mit antiquarischem Material ergänzten Cisternen der mittelbyzantinischen Zeit legt 
die Vermuthung nahe, dass dieselbe in altbyzantinischer Zeit selten, vorwiegend erst 
in der Komnenenzeit angewendet wurde, so dass sie antiquarisch frühestens nach 
den Zerstörungen der Lateiner am Beginn der Palaiologenzeit auftreten konnte. 

Die Cisterne neben der Fethije ist regelmässig viereckig und gehört zu 
jenen, gelegentlich der Behälter des 5. und 6. Jahrhunderts genannten Ausnahmen, 
die zwar keine Fenster, dafür aber Pfeilervorlagen haben, hier an den Thalseiten. 
Die Gewölbe sind Schneckenkuppeln. 

Der Bodrüm beim Tschukür bostän von Kara gümrük (10). — 
Dieser Behälter wird schon durch die lüderliche Bauart der Umfassungsmauern 
einer sehr späten Zeit zugewiesen. Dem Säulenmaterial nach liefert er das 
classische Beispiel eines von aller einheitlichen Durchbildung absehenden Raub- 
Ijaues. Gegen ihn sind alle bisher aufgeführten Behälter, in denen antiquarisches 
Material verwendet ist, auch der bei der Fethije, sehr regelmässige Bauten aus 
einem Guss. Wir haben oben in der Cisterne am Böjük Otluktschy sokaghy (12) 
an einer einzigen Säule das Aufeinanderstülpen zweier Capitelle nachgewiesen: 
hier ist das nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Es macht den Eindruck, als 
wäre dem Erbauer dieses Behälters das Vcrständniss für die tektonische Bedeutung 
von Capitell und Basis vollständig abhanden gekommen: was immer ihm zur 
Hand ist, wird verwendet, um der Säule die nüthige Höhe zu geben, so dass 
die aufeinander gestülpten Capitelle und Basen fast ebensoviel Raum einnehmen, als 
die Schäfte. Diese letzteren sind untereinander sehr verschieden : einige bestehen 
aus Granit, davon vier von 194««, vier von 155 cm, zwei von 136 und 1790?! Umfang, 
die übrigen sind Marmor von circa 133 oder 160 cm Umfang. Eine Säule (9) ist 
aus zwei Schaftfragmenten übereinander hergestellt. Geradezu raffinirt zusammen- 
gewürfelt sind die Unterlagen der Schäfte, denn von Basen lässt sich hier über- 
haupt nicht mehr reden: eine Platte, dreizehn Kämpfersteine, mit oder ohne 
Kreuz und Eckakanthus, acht korinthische Capitelle von dem späten. Hauen 
.Schnitt, zum Theil mit \-erbundenen Volutenstcngeln übereinander, dann einund- 
zwanzig eigenartige Glieder, die wie abgekantete dorische Capitelle aussehen 
(Fig. 5) und nur hier vorkommen — alle diese Einzclglieder, bald einzeln, ])ald 
do])pelt übereinander grni)i)irt, geben zusammen mit einer einzigen Basis mit 
achteckigem i'linlJuis (S) die .Summe der als Untersätze verwendeten IJaustüeke. 
Dazu kommt, dass in sechs Fällen jeder Untersatz fcliU und in zehn h'ällen 
wieder dem chaotischen Übereinander ein mehr oder weniger iioiier geiuauerler 



241 

Ansatz untL-rgeleyt ist. Icli will nur drei Beisi)iole dieser Aufeinanderfolge 
anführen: Säule 13 und 17 haben Untermauerung, Kämpfer, dorisches Glied, 
korinthisches Capitell; Säule 8 Untermauerung, Kämpfer, zwei dorische Glieder, 
eine achteckige Basis ; Säule 22 ein dorisches Glied , zwei Capitelle über- 
einander u. s. f. Alle Glieder sind gestürzt, so dass stets der obere Theil nach 
unten zu liegt. 

Etwas überlegter ist die Capitellbildung durchgeführt. In neunzehn Fällen 
ist einfach das korinthische Capitell bald von besserem Schnitt, bald von jener 
flauen Bildung wie wir sie oben kennen lernten, verwendet. Dazu kommt ein 
Capitell des 5. Jahrhunderts, korinthisch mit fettem, zackigem Schnitt des Acanthus 
spinosus (22), in drei Fällen ein jonischer, einmal (7) ein einfacher Kämpfer, 
zweimal (l und 2) umgestülpte Basen, einmal ein flaches Kämpfercapitell (4). Nur 
auf Säule 25 und 26 sitzen zwei Capitelle übereinander, unten je ein Kämpfer- 
capitell, oben ein spätkorinthisches. Die Kämpfercapitelle sind auf der einen Seite 
mit durchbrochenem Flechtwerk, auf der andern mit tangartigem Akanthus 
geschmückt und gehören der justinianischen Zeit an. Fig. 4 stellt eine dieser 
Säulen dar. 

Überblicken wir diese Baumasse, so ergibt sich, dass Capitelle aus allen Jahr- 
hunderten verwendet sind, unter welchen aber die, welche wir zuerst am Ende 
des 13. Jahrhunderts in der Fethije-Cisterne auftreten sahen, dominiren. Dieses 
Merkmal bestätigt, was schon die schlechte Ausführung der Umfassungsmauern 
und die bunte Flickarbeit der Säulen an sich nahelegte: dass die Cisterne der 
Palaiologenzeit angehört. Sie ist regelmässig viereckig und hat Schneckenkuppeln 
wie die Fethije-Cisterne. 

Der Bodrüm zwischen Gül- und Eski Imaret dschami (14). — Auch 
hier sind die Umfassungsmauern aus sehr unregelmässigem Schichtenmauerwerk 
aufgeführt und das Säulenmaterial aus allen Winkeln und Ruinen der Stadt 
zusammengeschleppt. 

Die Capitelle liefern vortreffliche Beispiele mehrerer byzantinischer Capitell- 
typcn. Fig. 5 unten zeigt den reinen Canon des theodosianischen Compositcapitells. 
I-ls ist dies jedenfalls die zierlichste Capitellform, welche die byzantinische Kunst 
hervorgebracht hat. Dem 5. Jahrhundert angehörend, sind die zahlreichen erhal- 
tenen Beispiele stets mit der allergrösstcn Sauberkeit gearbeitet. Charakteristisch 
ist für sie der zackige Schnitt des Acanthus spinosus, der Wulst schräg gestellter 
Blätter unten, der Kranz aufrechtstehender Blätter oben zwischen den Voluten 
statt des antiken Eierstabes. Alle Blätter sind sehr stark unterarbeitet. Die datirtcn 
Hauptbcispiclc sind die Capitelle am Propylaion des goldenen Thores aus der 

31 



242 

Zeit Theodüsius' II. ' und nn der Kiiclie des Studios = in Konstantinoi;cl. In 
Italien findet man sie dutzendweise an S. Marco ' und vereinzelt auf der den 
Thurni tragenden Säule von S. Gio. Evangelista in Ravenna, ' auf der fünften 
Säule links in S. Maria in Cosmedin in Rom ^ u. a. O. 

Über diesem theodosianischen sitzt ein jonisches Kämpfercapitell mit Kreuz. 
Eine andere sehr interessante Gestalt hat das unter Fig. 6 dargestellte Capitell. 
Wir haben oben gelegentlich der Bin bir direk (6) gesehen, dass das Kämpfer- 
capitell zuerst ganz glatt erscheint. Die nächste Art zeigt Fig. 6: die Seiten- 
flächen werden durch glatte Bänder umrahmt und in die so entstandenen Mittel- 
felder glatte Bossen oder Kreuze gesetzt. Die Beispiele dafür sind selten und 
liegen, soweit ich sie kenne, in den Strassen von Konstantinopel und Skutari 
zerstreut umher, eines findet sich auch an der Sophia in Trapezunt. — Der 
Kämpfer (Fig. 4) hatte ursprünglich lediglich den Blattschmuck, die Umrisse 
eines Gesichtes sind eine später angebrachte Spielerei. Ausser den angeführten 
Capitellformen kommen nun auch mehrere korinthische Capitelle von flauem 
Schnitt vor, welche die durch die Mauerstructur und das bunt zusammengewürfelte 
Säulenmaterial von vornherein wahrscheinliche Datirung bestätigen. 

Die Cisterne ist regelmässig viereckig, in Kuppeln gewölbt und gehört zu 
jenen oben S. 219 citirten Ausnahmen, die sowohl Fenster wie Gurtvorlagen 
haben. Die Fenster erklären sich daraus, dass die Mauern auf einer Seite fast 
ganz aus dem Boden ragten. Sie haben die schiessschartenartige Form derjenigen 
der Bin bir direk (6). An einer Säule finden sich die Schriftzeichen TA, über 
die bei der folgenden Cisterne die Rede sein wird. 

Der Bodrüm am Mengene sokaghy (21). — Das Säulenmaterial stimmt 
seiner antiquarischen Buntheit nach genau mit dem der drei vorher beschriebenen 
Behälter überein. Die Schäfte sind untereinander verschieden. Statt der Capitelle 
haben zwei einfache Kämpfer (8 und 9), ein dritter (7, Fig. 4 oben) ebenfalls einen 
Kämpfer aber mit vorkragender Console. ''■ Zwei Säulen (2 und 6) tragen jonische 



1 Abgebildet von Strzygowski im Juliibucli des kais. deutschen archäologisehen Instituts 
1893, S. 27. 

2 Abgebildet bei Salzenberg, Pulglier und Strzygowski (a. a. O. S. 10). 

3 Vgl. die Publication der Firma Ongania Port. Nr. V und Naya's Photographien. 
•• Vgl. Corr. Ricci, Guida di Kavenna 2-a ed., p. 10 und Tav. 3. 

5 Vgl. Cattaneo, L'architettura in Italia dal secolo VI. al mille circa, p. 32. 

'■ In Taf. 21 dürften Fig. 3 und .| nielit ganz richtig sein. Wenn ich recht nolirt lialic, 
sitzt der Kampfei stein von Fig. 4 nicht auf dem Capitell (wie Forchheimer wilh, sondern beide 
sind getrennt auf verschiedenen Silulen, der Kilmpfer auf 7, das Capitell aul 1 angebracht. 



243 

Kämpfercapitelle, eine (3) ein theodosianisches Capitell mit auf den Akanthus- 
blättern sitzenden Adlern (Fig. 5) ; dieselben sind leider zum grössten Theile 
abgeschlagen. Diese Capitellform vermittelt zwischen dem theodosianischen Com- 
posit und dem justinianischen Korbcapitell : statt der Voluten sind, wie beim Korb- 
capitell, Thiere getreten, der Korb wird noch von dem Acanthus spinosus des 
5. Jahrhunderts gebildet. An dem Capitell sind die zur Anbringung der Hebe- 
vorrichtung stehen gelassenen Stege erhalten, wurden aber in Fig. 5 leider nicht 
angedeutet. Ebenso blieben die von Paluka an einem Kämpferaufsatz erwähnten 
Buchstaben OMweg. ' Die übrigen drei Capitelle der Cisterne (i, 4 und 5) haben 
korinthische Form (Fig. 4 unten), das eine von älterer, mehr präcise geschnittener 
Form, die beiden anderen genau so Hau, wie die in den drei andern Behältern 
der Palaiologenzeit. 

Die Cisterne ist nicht ganz regelmässig viereckig, die Südwand springt 
etwas ein. Die schweren Tonnengewölbe mit den weit vortretenden massiven 
Gurtvorlagen weisen auf einen schwer lastenden Oberbau. Es ist hervorzuheben, 
dass während wir in nachjustinianischer und bis auf die Palaiologenzeit keine 
Pfeilervorlagen nachweisen konnten, wir unter den vier, nach dem Säulenmaterial 
der spätbyzantinischen Zeit zugewiesenen Behältern gleich drei mit solchen 
haben. Es scheint also, dass dieselben zur Zeit der Palaiologen wieder öfter 
verwendet wurden. An einem Säulenschaft (4) findet sich ein Pegel, dessen 
Zahlbuchstaben A, B, l' vielleicht zur Erklärung der in der vorherbeschriebenen 
Cisterne an einem Schafte beobachteten Buchstaben F A dienen können. 

Der Bodrüm am Lökündschy sokaghy (32). — Dieser kleine Behälter 
trägt den Stempel des Raubbaues deutlich an den beiden Säulenköpfen: einmal 
ist eine umgestülpte Basis, das andere Mal ein spätkorinthisches Capitell von 
flauem Schnitt, mit zusammenlaufenden Volutenstengeln (Fig. 5) verwendet. Das 
letztere Capitell ist überdies unten abgeschnitten. Das Gewölbe besteht wie bei 
den Palaiologen-Cisternen 10 und 15 aus Schncckenkuppeln und hat wie 14, 15 
und 21 Pfeilervorlagen, schliesst sich also in Allem an die übrigen Glieder der 
aufgestellten Reihe. 

Fassen wir zusammen, so ergeben sich als charakteristische Merkmale der 
Cisternen aus der Palaiologenzeit zwei Momente : einmal die bunt zusammen- 
getragenen und ohne jedes tektonische Feingefühl aufgebauten Säulen, aus denen 
heraus sich mit Leichtigkeit eine Musterkarte der liyzantinischen Capitoliformen 
zusammenstellen Hesse und zweitens innerhalb dieser vielgestaltigen Reihe das 



I Im Jen MiUliciluiiLjcn des dcutscliun RxciirsioTu-C.liibs in Koiist.'inliiiopcl i.S()3, S. 55. 

3'* 



244 

Auftreten, ja Überwiegen eines korinthischen Capitells von flauem Akanthusschnitt. 
Eine übersichtliche Zusammenstellung der Entwicklung des Cisternenbaues in 
einem Schlusscapitel wird diese Eigenthümlichkeiten gegenüber denjenigen der 
vorhergehenden Perioden leicht in ein überzeugend klares Licht zu stellen 
vermögen. 

Es erübrigt nun noch mit ein paar \\'orten auf die in der chronologischen 
Entwicklungsreihe nicht berücksichtigten Behälter 37, 38, 39 und 40 hinzuweisen. 
Sie alle sind als kellerartige Unterbauten ohne Säulen ausgeführt und wurden 
mehr einer vollständigen Vorführung des untersuchten Materials als um ihres kunst- 
historischen oder technischen Interesses willen aufgenommen. Ihre Besprechung, 
soweit dieselbe nicht schon oben eingeleitet wurde (wie Sulü Serai auf S. 183), 
möge einer topographischen Arbeit über die byzantinischen Baureste von 
Konstantinopel vorbehalten bleiben. Hier mag die im Kataloge gegebene 
Beschreibung genügen. 



C. Die Steinmetzzeichen. 

Ein und das andere der oben erzielten Resultate lässt sich durch Beachtung 
der Buchstabenzeichen stützen, die hin und wieder als an Capitellen und Säulen- 
schäften und zwar an untergeordneter Stelle ohne jede Umrahmung eingeritzt 
erwähnt wurden. Dieselben sind nur, soweit sie ohne specielle Anstalten sichtbar 
waren, notirt worden. Ein ihnen nachgehender Specialforscher müsste bis an die 
Capitelle reichende, der Höhe nach verschiebbare und leicht bewegliche Gerüste 
anfertigen lassen und, um dieselben in die Cistemen schaffen zu dürfen, den that- 
kräftigsten Schutz der Behörden gemessen. Er müsste ferner für gute Beleuchtung 
der unterirdischen Räume sorgen. Alles das aber würde mit so grossen Kosten 
verbunden sein, dass die auf eigene Faust arbeitenden Verfasser darauf ver- 
zichten mussten. Das so, ohne entsprechende Massnahmen und nur in solchen 
Behältern, die der Verfasser dieses Abschnittes darauf hin eingehender zu unter- 
suchen Gelegenheit hatte, gesammelte Material ist daher recht spärlich ausgefallen. 
In dem einen Falle, der Jere batän Serai-Cisterne (5), welche heute noch mit Wasser 
gefüllt ist, wurde das einzige den Verfassern bekannte Buchstabenzeichen erst in 
einer bei Magnesiumlicht aufgenommenen Photographie entdeckt. Wahrscheinlich 
haben aber viele, vielleicht alle vierhundertundzwanzig Säulencapitelle solche 
Zeichen. Mit einiger Vollständigkeit konnten nur diejenigen der Bin bir direk (6) 
und der Cisteme am Böjük Otluktschy jokuschü (12) aufgenommen werden, weil 
sie in crsterem Falle mit Leichtigkeit, meist allerdings erst nach suchendem Tasten 
der Hand, in letzterem Falle bei guter Tagesbeleuchtung und wegen des die 
Cisterne bis dicht an die Capitelle füllenden Schuttes aus nächster Nähe mit 
freiem Auge festgestellt werden konnten. Diese beiden Beispiele reichen aber 
hin, um eine andere, bei einer systematischen Sammlung dieser Zeichen zu 
beachtende Schwierigkeit hervortreten zu lassen: dieselben sind nicht immer 
wie in der Bin bir direk äusserlich sichtbar, sondern oft, ja zumeist an solchen 
Mächen angebracht, die durch benachbarte Bauglieder verdeckt werden. So fand 
ich an den vierundzwanzig Capitellen der Cisterne u am Btijt'ik Otluktschy 
sokaghy nur an sechs von ihnen Zeichen. Alle übrigen müssen an der unteren 
oder oberen Autlagcrfiäche stehen. — Indem ich nun daran gehe, die mir bekannt 



246 

gewordenen Buchstabenzeichen zusammenfassend vorzuführen, folge ich der im 
letzten Abschnitte aufgestellten chronologischen Reihe der Behälter. 

Die drei Behälter des 5. Jahrhunderts (8, 9 und ll) sind alle verhältniss- 
mässig wenig mit Schlamm und Schutt angefüllt, so dass die Capitelle hoch über 
dem Boden liegen und im Detail schwer untersucht werden können. Daher wohl 
kommt es, wenn ein Buchstabenzeichen nur an einem einzigen Capitelle der 
Cisterne am Eschrefije sokaglw (8, Fig. 3, links) an einer dem vollen Tageslichte 
zugewandten Seite beobachtet werden konnte. Es hat die Form: 

<D 

Reichere Ausbeute lieferte die der Komnenenzeit zugeschriebene Cisterne 12 
am Böjük Otluktschy sokagh}-, von deren vierundzvvanzig Säulencapitellen ich 
neunzehn wegen ihrer Formen als einer Ruine des 5. Jahrhunderts entnommen 
bezeichnet habe. Für diese Behauptung liefert die Berücksichtigung der Buch- 
stabenzeichen eine unerwartete Bestätigung. Es stehen an den Capitellen 
von Säule 7 und 8 die Buchstaben J\ Q 
» » 23 » » e i 6 

» » 4, 5 und 17 ■» '- C F. 

Derselben Zeit, d. i. der theodosianischen, gehört auch das Zeichen B an, 
welches Paluka an dem Taf. 21, Fig. 5 abgebildeten Adlercapitell der Cisterne 
am Mengene sokaghy aus der Palaiologenzeit gefunden hat. ' 

An der Hand der wenigen datirten Beispiele solcher Buchstabenzeichen 
des 5. Jahrhunderts, die ich ausserhalb der Cisterncn in Konstantinopel gefunden 
habe, lässt sich nun nachweisen, dass das eine dieser Zeichen im 5. Jahr- 
hundert stereotyp wiederkehrt, während sich für die beiden anderen heraus- 
stellen wird, dass sie unter den zahlreichen Buchstabenzeichen der justinianischen 
Zeit und später nicht vorkommen. In dem Viertel südlich von der Moschee 
Sultan Ahmed bildet eine kurze Strecke eine Palastfayade die Scemauer der 
Stadt. ' Die Reisehandbücher bezeichnen diese Ruine als den Hormisdas- 
Palast, ' welchen Justinian bis zu seiner Thronbesteigung bewohnte, und licv 
neben der heutigen Kütschük Aja Sophia, der alten Kirche der hl. Scrgius und 
Bacchos gelegen hat.* Es ist hier nicht der Ort, zu untersuchen, ob diese Namen- 
gebung richtig sei. Vc'illig sicher ist nur das eine, dass der Bau nach den noch 



I Mittlieiliiiif^en des ck-iitsclicn F.xcursioiis-Chibs in Konstantinopcl 1893, .S. 5.]. 

' Bei Stolpe uiiterlialb des Biielist:ibens y der Aiilselirift Tseli.illady Kapu. 

3 Meyer'.s Rei-scliandlnielier, 2. A,, S. 2 17/.S, Cüiide-loaiiiic, S. 22j. 

> \'kI I'niKop ed Bonn, III., p. lS(.. 



247 

erhaltenen Marmor-Architekturtheilen, besonders den Capitellen, nicht älter als 
aus Justinian"s Zeit sein kann. Der reich geschmückte Oberbau dieser Fa9ade 
ruht auf Fundamenten, in die eine lange Reihe von riesigen Kämpferaufsätzen 
so vermauert wurde, dass ihr oberes Auflager nach aussen gerichtet ist. Ich 
zählte im ganzen fünfundzwanzig Stück in einer fortlaufenden Reihe und mehrere 
vereinzelte Exemplare vermauert oder ausgebrochen am Boden liegend. ' Diese 
in dem grobkörnigen, grauen Marmor der Prokonnesos gearbeiteten Reste müssen 
ursprünglich einem bedeutenden Bau des 5. Jahrhunderts angehört haben, denn ihre 
Form, der Kämpferstein verschwindet, wie oben S. 212 bemerkt, auf dem Boden 
der Hauptstadt seit etwa 528. An den aus der Mauer gebrochenen Exemplaren 
dieser Kämpferaufsätze nun ist wiederholt am oberen Rande die Buchstabenfolge 
ö E oder umgekehrt 3 H eingeritzt. Dasselbe Zeichen E O kehrt nach Paluka '^ 
in der Cisterne 21 am Mengene sokagh}', und zwar ebenfalls auf einem der- 
artigen Kämpferstein wieder. Das dritte datirte Beispiel fand ich Stambul 
gegenüber auf der asiatischen Seite, wo zwischen Kadi-Kjöi und Fener Bao'htsche 
am Rande der Bucht Kalamisia liegt, im Kapheneion des Nikolaos Kortis. Es 
ist das Fragment eines riesigen Capitells jener typischen Form, die ich die 
theodosianische genannt habe, ^ und für welche Fig. 5 auf Taf. 14 ein treffliches 
Beispiel abgibt. Diese composite Capitellform ist im Zusammenhange mit dem 
Acanthus spinosus-Schnitt der Blätter für das 5. Jahrhundert ebenso bezeichnend 
wie der Kämpferstein. Auch an dem Fragmente von Kalamisia nun kehren die 
Buchstaben E eingeritzt wieder. Nach den angeführten Beispielen darf also 
diese Buchstabenverbindung, welche durch ein Kreuz getrennt an den Capitellen 
der Komnenencisterne 12 wiederkehrt, als für das 5. Jahrhundert charakteristisch 
bezeichnet, daher auch als ein unterstützender Beleg für die Richtigkeit der 
Annahme citirt werden, dass ein Theil der Säulen der Cisterne 12 dem 5. Jahr- 
hundert angelnirt. ' 

Als Analogie für die eben in den Cisternen gemachten Beobachtungen 
ziehe man die Buchstabenzeichen heran, welche Corrado Ricci an den Säulen 



> Die Kuilie der fCmfunJzwanziii in einer Reihe vermauerten Kämpfersteinc ist sehr gut 
sichtbar in einer Aufnahme des Photographen G. Berggren in Konstantinopel, Nr. 164. 

■J Mittheiiung des deutschen Exciirsions-Clubs in Konstantinopel 189.?, S. 55. 

ä Byzantinische Zeitschrift, I, S. 68. 

■• Ich liabe das Zeiclicn H E noch auf einem Fensterschlussstein der Cisterne 2.\ am 
Adschy Musiük sokaghy, die der naclijustinianisclien Zeit angeluirt, wiedergefunden. Dieses 
Fenster ist aber erst in türkischer Zeit gebrochen und der Stein daher irgendwo hergcschleppt. 
Das Zeichen TE (bczw. 31) fand ich in einer marmornen Fenstersclicidewand, die im Kuppcl- 
aufgang der alten Georgskirche in SaloniU, licutc Moschee des Orlaschi Kfendi, vermauert ist. 



248 

der Kirchen von Ravenna beobachtet hat und die aucli ich — thelKveise unalj- 
hängig von ihm, angeregt durch die eigenen Studien — gefunden habe. Es zeigt 
sich, dass auch dort, wie in Cisterne 12, nicht alle Capitelle die Zeichen sichtbar 
tragen und dass sich unter den beobachteten ebenfalls Gruppen von gleichartig 
wiederkehrenden Buchstabenverbindungen nachweisen lassen. So — um zunächst 
nur die Bauten des 5. Jahrhunderts zu berücksichtigen — in S. Francesco auf 
den Plinthen der 5. und il. Säule rechts P E, auf denen der 3., 4., 6. und 7. Säule 
E V <7. Es sind im Ganzen zweiundzwanzig Säulen vorhanden, di marmo greco 
venato, wie Ricci beifügt. ' Merkwürdig verhalten sich in dieser Beziehung die 
Bauten Theodorich's. An den vierzehn Säulen von S. Spirito, deren Capitelle 
Ricci byzantinisch nennt, fand er nur an dreien (der 3. und 6. rechts und der 
7. links) das Zeichen N eingeritzt. '' Dagegen zeigen die Säulen der 504 vollendeten 
Basilika S. Apollinare nuovo zahlreiche Einritzungen an Capitellen sowohl, wie am 
Rande der Schäfte. Einige derselben sind auch in Cav. Ricci's photographischen 
Specialaufnahmen einzelner Capitelle deutlich erkennbar. Corr. Ricci hat sie in 
Facsimile reproducirt (p. 126 ff.). Danach sind folgende Marken zu unterscheiden: 

A 6 A V (?) am Schaftrande 7 links 

S am Capitell 10 links 

I CO am Schaftrande 10 rechts 

Y A >l am Capitell 4 rechts 

\ fr, am Capitell 9 links 

j\N am Capitell 7 rechts, 2, 6, 7 und 12 links 

T P V am Capitell 12 rechts, 5 links und am Schaftrande 12 rechts 
und 3, 4, 5 links. 
Am Capitell 4 links ist ein einfaches Kreuz angebracht. Diese Buchstaben sind 
nicht immer in gleicher Weise verbunden, sie stehen bald richtig, bald verkehrt. 
Man vergleiche darüber Ricci. 

Gehen wir nun über zu den Cisternen des 6. Jahrhunderts, so sind wir 
im gleichen Falle wie vorher. Aus der Jere batän Serai ist nur das eine Zeichen 

iK9 
bekannt. Die Bin bir direk- dagegen ist geradezu überschüttet mit solchen. Die- 
selben sind hier sowohl am Capitell und am unteren Rande der Säulenschäfte, 
wie an den Ku])i>elungcn, welche die aufeinander stehenden Schäfte verbinden, 
angebracht. Taf. 6, Fig. 4, zeigt die Zeichen der Säule 65. Da die Cisterne seit 

• Kicci »Guida di Ravenna^' 2-a cd. K.ivcniui ISS), p. 108/9. 
= Kicci a. a. O. p. 22. 



249 

jeher öffentlich zugänglich ist, sind ihre Zeichen bereits öfter, gut aber und 
wenigstens annähernd vollständig nur von Choisy im Facsimile publicirt worden. ' 
Sie sind in alphabetischer Reihenfolge : 

ABI. AX, AKA.AKAKi, AM, er. €Vr € P, CMl . 
€VC, eW, €VTP. KA. KON. KOC, KVN, KVNO, AA, 
AVA O, TTA.TE, J^\, -t-^, YKN, ^N, <}>, <P\ . 

Ausserdem einige wenige Zeichen, die sich nur facsimilirt wiedergeben 
Hessen. Da an dieser Stelle von vornherein auf Vollständigkeit der Aufzählung 
verzichtet werden musste, so lasse ich dieselben weg. Um nun eine Vorstellung 
davon zu geben, wie diese Zeichen an derselben Säule vertheilt sind, will ich 
diejenigen Beispiele anführen, bei denen es mir gelungen ist, ausser den leicht 
auffindbaren Buchstaben am Schaft und an der Trommel auch diejenigen von 
unten ohne Gerüst zu entdecken, die an den Capitellen angebracht sind: 
Säulennummer: 17 33 65 129 194 203 

Capitell: H >9 "1 ^ ^N IS tN IS 

Schaftrand: TE "^ N ¥"+ CNAF" AX ^ 

Trommel: ^N TTl AKA N^6<L IcN 

Um ferner wenigstens eine Reihe mit ihren fortlaufenden Zeichen vorzu- 
füiiren, sei hier noch die zweite von Norden nach Süden laufende Säulenreihe 
in iincn am Schaft und an der Trommel angebrachten Zeichen reproducirt: 
Säulennummer: 2 18 34 50 66 82 98 

Schaftrand: ^W TTA +¥" +¥ 1< N FE QO^ 

Trommel: GC M^ ^^ N^ QC ^MBT 

Säulennummer: 114 130 J40 162 178 194 210 

Schaftrand: C^ (^L €VF ^t €P AX S3 

Trommel: J 8 N >!. ^ N ~]B BL €<L IS 

In der mit dieser Cisterne Justinian's ungefähr gleichzeitig erbauten Kirche 
S. Vitale in Ravenna, deren Säulenmaterial nach den Formen unzweifelhaft 
byzantinischer Provenienz ist, iiat schon Ricci und ebenso später ich an zwei 
Capitellen der unteren Nischen in der Tribuna das Zeiclien TE und an den 
Scliäften von drei Säulen der Galerie und an zwei Capitellen das Zeichen du 
gefunden. '^ Ricci erwähnt, dass sich das erstere Zeichen TE auch an den 
Säulen der Kirche zu Pomposa und in der Kathedrale zu Parenzo in Istrien 
wiederfinde. An letzterem Orte habe ich selbst, durch Monsignore Deperis 

1 L'art de bätir chcz Ics liyzantiiis p. 172. Vgl. das 16. IlaQuinii/ia uns ' E!2. f'd. l'vV.oyof 
p. 8, 4-S. 

= Ricci a. a. Ü p. 5r 2. 

32 



250 

angeregt, diesbezügliche Untersuchungen angestellt. Ich fand an dem den Formen 
nach ebenfalls sicher byzantinischen Säulenmaterial nicht nur das eine der beiden 
Zeichen von S. Vitale, sondern auch das zweite vor und zwar steht am unteren 
Rande des Schaftes der vierten Säule links und der zweiten und vierten Säule 
rechts TE, an dem der achten Säule links 5T und an dem der zweiten Säule 
links und der dritten Säule rechts Jj- Ricci (p. 71) führt dann noch in der vom 
Erzbischof Ecclesius (521—34) in Ravenna erbauten Kirche S. Maria Maggiore 
an drei Säulen das Zeichen IAO an. 

Es erübrigt noch kurz diejenigen Buchstabenzeichen aufzuzählen, die in den 
nach dem 6. Jahrhundert entstandenen Cisternen aufgefunden wurden. Chrono- 
logisch würden zunächst die von Kuppas ' publicirten Zeichen an zwei Capitellen 
der Cisterne bei der Nür-i Osmanije (23) folgen. Das eine hat die Form A^, ^ 
das andere die Form 6Y. Dann zwei Beispiele der macedonischen Zeit. An einem 
der beiden jonischen Kämpfercapitelle der Cisterne 25 am Daje kadyn sokaghy 
stehen die Buchstaben KY. In der Cisterne 22 am Kjöroghlü sokaghy ist an dem 
statt des Capitells benutzten Kämpfersteine der zweiten Säule A d>, an dem der 
siebenten Säule 0, am jonischen Kämpfercapitell der fünften Säule 11 \f ein- 
geritzt. An dem Kämpferstein der sechsten Säule steht auf einer Seite A, auf 
einer andern CT. Die Zeichen der Komnenencisterne 12 am Böjük Otluktschy 
sokaghy sind bereits oben zum 5. Jahrhundert aufgeführt. Es bleibt noch das in 
der Cisterne 15 bei der Fethije an dem flau gearbeiteten korinthischen Capitell 
der neunten Säule beobachtete Zeichen _\/ zu erwähnen. 

Die zuletzt herangezogene Cisterne bietet erwünschten Anlass nunmehr 
auf die Bedeutung der vorgeführten Buchstabenzeichen einzugehen. Es dürfte 
auffallen, dass ich die an drei Kämpfercapitellen der Fethije-Cisterne angebrachten 
und in Taf 15, Fig. 3 dargestellten Monogramme, welche doch auch Buclistabcn- 
zeichen sind, nicht mit hierher zog. In der That sind dieselben unter allen in 
den Cisternen vorkommenden Buchstabenzeichen die einzigen Vertreter einer 
Gattung von Inschriften, die, obzwar häufig mit der grossen Masse verwechselt, 
eine wesentlich andere Bedeutung haben, als diese. Es wird gut sein, wenn wir 
sie in der Betrachtung vorweg nehmen. Die drei Monogramme der Fethije- 
Cisterne sind von einem Kreise umschlossen und in Relief gearbeitet ; sie stehen 
an der bevorzugten Schmuckfläche des Capitellkörpers und fallen daher in jeder 
Beziehung sofort in's Auge. Man beachte dem gegenüber, was im lü'ngange 
dieses Abschnittes von der grossen Masse der aufgeführten iiuclistabenzeiclien 



' lluiiiiijxi]iia ToD x-xß' tö/iov des ' E/./.. 'I'i/.. —rV.oyoi:, n. 53. 



251 

gesagt wurde, dass sie ohne jede Umralimung zumeist an untergeordneter, oft 
gar nicht sichtbarer Stelle in den Stein geritzt sind. Der Unterschied beider 
Gruppen ist also ein formaler ebensogut wie ein localer und technischer. 

Die Relief-Monogramme der Fethije-Cisterne wurden oben S. 238 auf den 
Namen des Stifters desjenigen Baues gedeutet, dem die Capitelle, an denen die 
Zeichen angebracht sind, ursprünglich angehörten. Diese Art der Verewigung 
des Erbauemamens ist von Kirchenbauten her als in Byzanz allgemein üblich 
bekannt. An den Capitellen der Sophienkirche sind so die Namen Justinian's 
und Theodora's, ihre Titel und eine Jahreszahl inmitten des Laubschmuckes der 
Capitelle auf bossirten Medaillons zur Darstellung gebracht. ' An ravennatischen, 
den Formen nach in der Prokonnesos entstandenen Capitellen nennt sich mono- 
grammatisch ein Petrus in der erzbischöflichen Capelle und in S. Agata, Theodorich 
an denen der sogenannten Herculesbasilika, Julianus Argentarius an denen von 
S. Vitale. - An den Kämpfersteinen der ebenfalls byzantinischen Capitelle des 
Domes von Parenzo kehrt der Name des Stifters Euphrasius eps. immer wieder. ' 
hr ähnlicher Weise Hessen sich zahlreiche Beispiele beibringen. Es sei jedoch an 
dieser Stelle nur im Allgemeinen bemerkt, dass diese monogrammatische Schreibung 
des Namens, zuerst von Theodosius dem Grossen auf Münzen angewendet, * zu 
allen Zeiten in Byzanz geltend geblieben ist. Charakteristisch für diese Art 
von Inschriften bleibt mit wenigen Ausnahmen, dass sie an hervorragender 
Stelle innerhalb eines kreisförmigen Rahmens in Relief ausgeführt und die Buch- 
staben häufig in Kreuzform angeordnet sind. 

Fr. Rziha hat diese Relief-Monogramme für Steinmetzzeichen genommen. ^ 
Er kannte das Justinian's Monogramm der Sophienkirche und die Monogramme 
der bekannten Pfeiler von Acre neben S. Marco in Venedig. Daraus gelang es 
ihm merkwürdigerweise zu constatiren, dass diese angeblich ungedeuteten Mono- 
gramme »vollauf in die \ierte Potenz des Vierpasses (seines Zeichensystems, den 
er geneigt ist den romanischen Hauptschlüssel zu nennen), passen und offenbar 



1 Die Monogramme sind zusammengestellt im Ifnoänziifia des 16. Randes des 'KV.. <l>d. 
^vü.oyog, a. 13. 

J Sänimtliehe in Ravenna vorkommenden Monogramme sind abgebildet bei Corrado Kieci 
a. a. O. 

3 Kunstgescliiehtlielie Chaiakterbilder aus Österreich-Ungarn. (Strzygowski, das frühe 
und das hohe Mittelalter), Abbildung 17 zu S. 60. 

* Vgl. Friedländer in der Archäologischen Zeitimg 1860, S. 47. 

5 Franz Rziha, Studien über Steinmetzzeichen in den Mittheilungen der k. k. Central- 
Commission 1883, S, 40 IV. und Taf. 65, Nr. 1103— 7. 

32* 



252 

Meisterzeichen des Maurerbundes sind. Die Romanen übernahmen also«, schliesst 
er daraus, »ihren Schlüssel ebenso von den Byzantinern, wie die Gothiker ihren 
Vierpass von den Romanen erhielten und die Meister der Renaissance den 
Dreipass von den Gothikern empfingen. Der archäologische Werth dieser byzan- 
tinischen Zeichen ist ein bedeutender, weil durch sie das Bindeglied des 
Zeichenwesens zwischen Antike und Romanismus hergestellt ist.« 

Rziha hat sich nun zwar in diesem Falle in der Wahl seiner Documente 
ebenso geirrt, wie bei Verwerthung der modernen Sterne am capitolinischen 
Stadtplane von Rom. Immerhin aber bleiben seine Untersuchungen von Werth, 
weil sie zeigen, welche Bedeutung eine an sich so untergeordnete Frage, wie 
es die nach den Steinmetzzeichen ist, gewinnen kann und weil sie uns die Wege 
weist, auf denen Resultate von allgemeiner Bedeutung zu lösen sind. Gehen wir 
bei der Frage nach den byzantinischen Steinmetzzeichen aus von einem Vergleiche 
der antiken mit den mittelalterlichen des Nordens. 

Otto Richter hat in einer Monographie «über antike Steinmetzzeichen « ' 
nachgewiesen, dass sich dieselben nur an Ouadermauern finden und nicht 
etwa persönliche Zeichen des Steinmetzen, sondern im Steinbruche angebrachte 
Marken der Lieferanten des Materials sind, ähnlich wie die Ziegelstempel. Er hat 
ferner festgestellt, dass sie keine eigentlichen Zahlen oder Buchstaben, sondern 
Conventionelle Zeichen sind, die bisweilen auch Formen von Buchstaben annehmen 
konnten. Im Gegensatz dazu sind die Steinmetzzeichen des christlichen Nordens 
im Mittelalter persönliche Meisterzeichen desjenigen Steinmetzen, welcher das 
betreftende Architekturstück — denn darum, nicht um Mauern wie in der Antike 
handelt es sich hier — geschaffen hat. Sie sind angebracht, »damit das Werk 
den Meister lobe« an gut sichtbaren Stellen. ' Man sieht also, dass eine Brücke 
zwischen Antike und Mittelalter in dem Sinne, wie sie Rziha schlagen will, gar 
nicht möglich ist. Wohl aber fragt es sich, ob sich die etwa nachweisbaren 
Steinmetzzeichen der Byzantiner der Antike oder den Bräuchen der mittel- 
alterlichen Bauhütten anschliessen. 

Schon Choisy ' hat die ohne Umrahmung und an untergeordneter Stelle 
in den Grund eingeritzten Buchstabenzeichen, wie wir solche oben zusammen- 
gestellt haben, für Steinmetzzeichen angesehen. Für ihre Deutung zog er Mauer- 
inschriften heran, welche er an dem römischen Theater zu Salonik gefunden 
hatte. Indem er dort 0AfiC(-:lM' tür «/£<t . . . [otj] sf/ylu-y/ liest und in H A//// Y 



• 45. Programm zum Winkelmannsfcstc der archäologischun Ciesellscliaft zu Berlin 1SS5. 

2 Vgl. Rziha a. a. O., Otte, Deutsclie Bauluinst II, S. 492 und Richter a. a. O. S. 29 ff. 

3 L'art de batir chez les Byzantins, p. 177 II. 



253 

ebenfalls den Genitiv eines Eigennamens sieht, zu dem 'ijiyo'j zu ergänzen sei, 
schliesst er, dass diese Zeichen Marken der Arbeiter seien, bestimmt für die 
Regelung der Rechnung. Er führt dann die Marken, welche er an den Steinen 
der Bin bir direk und an denjenigen der decorativen Verkleidung der Sopiiien- 
kirche gefunden hat, auf. Aus der Art nun, wie dieselben über die einzelnen 
Bauglieder vertheilt sind, schliesst er weiter, dass bei den B3'zantinern nicht die 
römische Art der Arbeitstheilung bestanden habe. So habe z. B. der Arbeiter, 
welcher mit ^ N signirte, der Bin bir direk einundzwanzig Capitelle, neun- 
zehn grosse und hundertsiebzehn kleine Tambours (Schäfte und Kuppelungen?) 
geliefert. Daran anschliessend schildert Choisy an der Hand des modern griechischen 
Arbeitss3-stems und der Gesetze und schriftstellerischen Nachrichten der Byzantiner 
die Wandlungen, welche das römische Bauarbeiterwesen im Osten durch- 
gemacht hat. 

Für uns bieten die gesammelten Buchstabenzeichen eine ausgiebigere Quelle 
der Belehrung. Man beachte zunächst, dass, während die antiken Zeichen nur 
an Quadermauerwerk gefunden worden sind, die byzantinischen ausschliesslich 
an decorativen Marmorstücken, wie den einzelnen Theilen der Säulen und in 
der Sophienkirche an den Schrankenplatten der Gynaikonitis etc. vorkommen. 
Choisy war also nicht berechtigt, die Inschriften vom römischen Theater in Salonik 
direct für Byzanz auszubeuten: dieselben stehen am Mauerwerk, nicht an Marmor- 
gliedem und gehören jener Gruppe antiker Inschriften an, die O. Richter, S. 5 6, 
aus Thasos, Eleusis, Nikaea und Todi zusmmengestellt hat. 

Suchen wir also die Bedeutung der byzantinischen Buchstabenzeichen unab- 
hängig von der zuletzt genannten Gruppe festzustellen, so bietet dafür den besten 
Ausgangspunkt die reiche Ausbeute der Bin bir direk. Die meisten Schriftsteller, 
die sich um diese Zeichen gekümmert haben, sahen in ihnen die Anfänge von 
Namen. Hammer ' kannte nur ein Zeichen K N, das er für den Namenszug 
Konstantin's des Grossen ansah, unter welchem diese Cisterne nach seiner Meinung 
gebaut worden sei. Dr. Mordtmann wieder publicirte neuerdings ein Zeichen 
k N, von dessen Existenz ich so wenig wie Choisy wissen und das wahrscheinlich 
aus ii N entstellt ist. Er löst es in Akylina auf und scheint, da er dasselbe 
gelegentlich der Nennung der Kirche der hl. Aquilina vorbringt, einen Zusammen- 
hang der Cisterne mit dieser Kirche anzunehmen. * Während demnach diese 
beiden Forscher recht oberflächliche Kenntniss von den Zeichen nahmen, haben 
Curtis und Aristarchis theilweise den richtigen Weg betreten, indem sie lasen: 



Constantinopel und dtr Bosporos I, S. 555. 
Kcvuc Je l'ait chrüt. 1891, p. 475. 



254 

AU AU und die verwandten Formen für 'Axaxfiou 

(■JYC >■• s » ;> » E'Jfffsßiou 

(-;VT1> ■' ' E'jzjffoTiiuu 

IIA für Uaf/Aou 
^ I » 'Pat[xlou. 

Da aber auch diese Herren an der Fabel festhielten, die Bin bir direk sei 
von Konstantin gegründet und die Philoxenos-Cisterne, so gelangten sie auf eine 
recht merkwürdige Art zu dem Schluss, der Magister Philoxenos, auf welchen 
die nach ihm benannte Cisterne zurückgeht, habe Eugenios geheissen. Dieser 
sei der eigentliche Erbauer gewesen, die andern in den Buchstabenzeichen 
"•enannten Namen wären die seiner Mitarbeiter. Schliesslich wird dann noch 
Kynegios mit einer Persönlichkeit identificirt, die 384 - 88 lebte und die Philoxenos- 
Cisterne restaurirt habe. 

Richtig dürfte bei dieser hiterpretation nur die Lösung einiger Zeichen 
sein. Für die Namen der Erbauer aber wird man sie schon wegen der Masse 
verschiedener Formen und deshalb nicht halten können, weil sie, abgesehen 
vielleicht von jenen an den Capitellen, wo sie hier in einem unterirdischen 
Raum ausnahmsweise die Mitte einer vollen Seitenfläche einnehmen, durchaus 
nebensächlich angebracht sind. Ausserdem haben wir ja oben ausgeführt, wie 
solche Stiftermonogramme aussehen und wie sie angebracht werden. Es kann 
sich daher nur um einen praktischen Werth der eingeritzten Zeichen handeln. 

Wenn ich meine eigenen in der Bin bir direk angestellten Untersuchungen 
nach den Zeichen zu ordnen suche, dann ergibt sich, dass von den neun 
Capitellen, an denen ich die Buchstaben erkennen konnte, fünf mit (r<r, zwei 
mit ^N, eines mit +-p- und eines mit H)IY gezeichnet sind. Von sechzig unter- 
suchten Kuppelungen dagegen haben vierzig r N, fünfzehn (•< T, zwei 6 V C, 
eine (7 VF, eine 11/''/, eine AKA. Während also die Mehrzahl der Capitelie, wie 
es scheint, mit f-< V gezeichnet ist und an zweiter Stelle \ N steht, ist das 
Verhältniss bei den Kuppelungen gerade umgekehrt, indem die überwiegende 
Zahl 1{(N, die kleinere (r« f hat. hnmerhin besteht zwischen beiden noch ein 
alternirendes Gleichgewicht. Ganz unregelmässig aber ist die Markirung der 
Schäfte. Von einundsechzig untersuchten sind gezeichnet zehn -f ^, neun 
XN, acht <I)F, sechs (7 VF, sechs HP, fünf TE, vier (•; V f., zwei AK A, zwei IIA 
und die übrigen je einmal mit einem der andern oben im alphabetischen Register 
aufgeführten Zciciien. Von einer regelmässigen Wiederkehr derselben Zeichen- 



255 

gruppen an einer Säule kann nur insofern die Rede sein, als eben die oft 
angewendeten Zeichen wiederholt mit einander vorkommen. Die auf S. 249 
angeführten Reihen geben darüber die beste Vorstellung. 

Eine theihveise Klärung der Sachlage tritt dann ein, wenn wir berück- 
sichtigen, dass die Capitelle und Kuppelungen kleinere Werkstücke sind, die 
viel weniger Arbeit kosteten als die grossen Schäfte. Daher konnte £■< V von 
neun Capitellen fünf und *|^ N von sechzig Kuppelungen vierzig liefern. Dafür 
hat aber 6< T von einundsechzig Schäften nur einen und ic N deren nur neun 
fertiggestellt, während die an den kleineren Werkstücken nur vereinzelt vor- 
kommenden Zeichen alle an den Schäften mit grösseren Zahlen betheiligt sind, 
besonders +-p-. Viele Zeichen aber kommen überhaupt nur an den Schäften 
vor. Diese Beobachtungen, welchen sich die Nachricht Choisy's, ' dass er das 
Zeichen i^N im Ganzen an einundzwanzig Capitellen, neunzehn grossen (Schäften) 
und einhundertsiebzehn kleinen Tambours (Kuppelungen), also einhundertsieben- 
undfünfzig Mal, das Zeichen (-< V aber nur siebenundachtzig Mal gefunden habe, 
weisen darauf hin, dass sich diese Buchstabenzeichen auf irgend eine Form der 
Arbeitstheilung beziehen und es entsteht nun die Frage, ob dabei nach antiker 
Art die Lieferanten oder nach den Bräuchen des Mittelalters die Steinmetzen in 
ihren Leistungen erkannt werden sollten. 

Hier nun tritt die längst gemachte Beobachtung bedeutungsvoll ein, wonach 
das Säulenmaterial der meisten ravennatischen Kirchen den Steinbrüchen der 
prokonnesischen Insel entnommen sein soll. - L'nd in der That ist nicht nur das 
Material der Säulen von Ravenna immer das gleiche, sondern es ist auch identisch 
mit demjenigen der gleichen Architekturtheile von Konstantinopel, Salonik, Parenzo 
und überhaupt an der ganzen Küste des mittelländischen Meeres, soweit sich 
daselbst Säulenmaterial aus dem 5. und 6. nachchristlichen Jahrhundert erhalten 
hat. •' Das Centrum für die Beschaffung dieser Bautheile waren die alten Marmor- 
brüche der prokonnesischen Insel im. Marmarameer, aus denen heraus schon das 
benaclil)arte Kyzikos entstanden war (Strabo XIII, 588). Dort war zur Zeit der 
Gründung der neuen Roma ein Steinmetzengesclüecht erwachsen, welches schon 
am Ende des 4. Jahrhunderts nach den Inseln des ägäischen Meeres exportirte, 
wie die Nachricht von einem Presbyter aus Thasos beweist, der beauftragt war, 
in Konstantinopel prokonnesische Marmortafeln für seine Kirche zu kaufen, die 



< Revue arcli. N. S. X.XXI (1876 I) p. 245, IT. 

- Sclinaase 2. A, III, S. 140, u. a. O. 

' V>jl. aucli meine Andeutungen in der liyzantinisi-licn Zeitschrift I, S. 70. 



256 

dafür bestimmte Summe aber zu Gunsten des Ägypters Maximus, des Gegners 
von Gregor von Nazianz unterschlug. ' 

Einen neuen Beleg für diese centrale Bedeutung der griechischen Stein- 
brüche liefern die beobachteten Zeichen insoferne als sie, von denjenigen von 
S. Francesco in Ravenna abgesehen, ausschliesslich Buchstaben von griechischer 
Form zeigen. Dafür weiter, dass die Marmortheile, an denen sie angebracht sind, 
alle aus ein und derselben Quelle, d. h. aus ein und demselben, nicht aus verschie- 
denen griechischen Steinbrüchen hervorgegangen sind, spricht wenigstens eine 
auffallende Thatsache. An den Säulen von S. Vitale in Ravenna und im Dom 
zu Parenzo wurden die gleichen Marken TE und uj beobachtet. Da nun beide 
Kirchen ungefähr gleichzeitig in Justinian's Zeit entstanden sind, so liegt es gewiss 
nahe anzunehmen, dass ihre Säulen auch demselben griechischen Steinbruch 
entnommen wurden. Das Zeichen "It kommt aber ebenso in Pomposa und — 
was besonders wertlivoll ist — auch in der Bin bir direk in Konstantinopel vor. 
Es scheint also hier ein analoger Fall vorzuliegen, wie im 5. Jahrhundert für das 
Zeichen 0E. Es Hesse sich aus dem sicher datirten Beispiel von S. Vitale schliessen, 
dass auch die Bin bir direk der gleichen Zeit, d. h. der des Justinian ange- 
höre, wodurch w'ir eine neue Bestätigung der oben begründeten Annahme 
erhielten, dass diese Cisterne die von Justinian im Jahre 528 erbaute in der 
Basilika des Illus sei. .S. Vitale wurde 526 im Bau begonnen. In ähnlicher Weise 
kommt das zweite Zeichen von S. Vitale und Parenzo uj auch schon in der 
504 geweihten Kirche S. Apollinare nuovo vor und ebenso das Zeichen "F V 
der letzteren in anderer Zusammenfügung der Buchstaben als y- später in der Bin 
bir direk. 

Belegen diese Beispiele zunächst nur die Wahrscheinlichkeit der gleichen 
Provenienz, so können die von dieser Quelle so entfernt liegenden Kirchen 
in Ravenna und Parenzo auch als Belege dafür herangezogen werden, dass wir 
es in den Buchstabenzeichen nicht mit Lieferantenmarken, sondern mit wirklichen 
Steinmetzzeichen zu tliun halien. Denn der Bischof Ecclesius von Ravenna wird, 
als er 526 von Konstantinopel zurückkehrte, mit einem, nicht mit mehreren 
Lieferanten für S. Vitale abgeschlossen haben und ebenso der Bischof Euphrasins 
für den Dom von Parenzo. Dann aber können es nur — soweit sich bis heute 
feststellen lässt — zwei Arbeiter oder Arbeitsführcr fJF.frfto;:) und ll.'fdvvrj^) 
gewesen sein, die ihre für die Al)rcchnung bestimmten Marken an ihren Werk- 
stücken angeljraeht iiaben. L'iid ebenso hat auch Tlicodorich für seine Kirche 



' Vr!. GdldeniiLiiiiinir hikI TH.iiul, t]. r Kniscr Tlicodosiiis der Grosse, S. 97. 



257 

S. Martino in cuelo aureo, heute S. Apullinare niiuvo, niciit mit neun Lieferanten 
abgeschlossen, sondern an der Herstellung des Materials waren neun Steinmetzen 
oder neun Steinmetzgruppen thätig, deren Zeichen wir heute noch theilweise 
sichtbar angebracht vorfinden. 

Bei der Bin bir direk wären immer Zweifel bezüglich der Bedeutung der 
Zeichen geblieben, weil bei der Raschheit, mit der der Kaiser gewiss bauen Hess, 
immerhin zahlreiche Lieferanten herangezogen worden sein könnten, umsomehr, 
als ja die Residenz, wie wir an dem Beispiel des Presbyters von Thasos sahen, 
der Platz war, auf dem das Material der vor den Thoren der Stadt gelegenen 
prokonnesischen Steinbrüche in den Handel gebracht wurde. 

So sind wir auf einem Umwege mit Heranziehung der Kirchenbauten zu 
demselben Resultate gelangt, das Choisy, obwohl auf falschem Boden bauend, 
erzielt hatte. Auf die Bin bir direk angewendet, war für dieselbe eine grosse 
Anzahl Arbeiter oder Arbeitergruppen thätig, die je nach der Structur des 
gebrochenen Materials Schäfte, Capitelle und Kuppelungen arbeiteten. Die einen, 
wie \H, vielleicht ein Arbeiter oder Arbeiterführer Kijvff,-to? und £<V ein 
l'.'jjsMio^, verwendeten wahrscheinlich ihre ganze Zeit allein für diesen einen 
Bau und stellten die Hauptmasse des erforderlichen Materials her, andere könnten 
nebenbei noch anders beschäftigt gewesen sein. Das Alles lässt sich nur bei 
einer vollständigen Aufnahme der Zeichen feststellen. Der Arbeiter oder Arbeiter- 
führer TE aber ist möglicherweise derselbe, der auch für S. Vitale und Parenzo 
lieferte, der Arbeiter oder Arbeiterführer -p- könnte derselbe "FV sein, der schon 
zwanzig Jahre früher für S. Apollinare nuovo in Ravenna geliefert hatte, wie 
der an dem Säulenmaterial derselben Kirche vorkommende I CD später noch für 
S. Vitale und Parenzo geliefert haben könnte. Nöthig ist das jedenfalls nicht, 
denn auch das Zeichen <I) der Bin bir direk kommt schon circa hundert Jahre 
früher in dem Behälter am Eschrefije sokaghy vor und das Zeichen 11 A, welches 
unter einundsechzig Schäften der Bin bir direk auf zweien steht, findet sich 
wieder auf einem der für die macedonische Zeit so charakteristischen jonischen 
Kämpfercapitelle in der Cisterne 22 am Kjöroghlü sokaghy ; doch ist es bei dem 
bunt zusammengewürfelten Material, unter dem die Anzeichen der macedonischen 
Periode nur dominirend hervortreten, nicht völlig ausgeschlossen, dass wir es in 
dem signirten Stück mit einem wiederverwendeten Rest des 6. Jahrhunderts zu 
thun haben. 

Ich hal)c bei Deutung der Zeichen als Belege für eine Arbeitsleistung stets 
Arbeiter oder Arbeiterführer gesetzt. Ciioisy hat nachgewiesen, dass wenn auch 
der römische CoUegienzwang in Byzanz gelöst erscheint und die Genossen- 

33 



258 

Schäften als freie, mit gewissen Privilegien ausgestattete Vereinigungen auftreten, 
doch innerhalb dieser Gruppen noch Ordnung herrscht, insoferne an ihrer 
Spitze ein -pa}Toiio.tnzwf) steht. Ich glaube nun, dass sich -die Frage, ob dieser 
oder jeder einzelne Arbeiter l^ei der Arbeit im Steinbruche signirte, nur auf 
Grund von Untersuchungen entschieden werden kann, die in den Steinbrüchen 
der Prokonnesos selbst anzustellen sein werden. Herr Professor Lepsius in Darm- 
stadt und ich hatten die Absicht, diese Aufgabe zu unternehmen, leider ist dieselbe 
aber durch allerhand Schwierigkeiten vereitelt worden. Vorläufig genüge die 
immerhin interessante Thatsache, dass sich bereits in Byzanz der Umschwung 
vom antiken zum mittelalterlichen System der Steinmetzzeichen vollzieht: aus den 
Lieferantenzeichen werden Arbeitsmarken und an Stelle der Signirung des Mauer- 
werkes tritt die des architektonisch werthvollen Baumaterials. Es bleibt der Zukunft 
überlassen, diese bescheidenen Spuren, zu deren Aufdeckung die Cisternen Anlass 
gaben, weiter zu verfolgen. 

Es scheint mir wahrscheinlich, dass die Signirung des Marmormaterials 
auch noch in mittelbyzantinischer Zeit üblich blieb, wenn ich auch bis jetzt nicht 
im Stande bin, auch nur ein solches Zeichen aus dieser Zeit aussei-halb der 
Cisternen nachzuweisen. Doch muss ich auch hier betonen, dass ich auf meinen 
bisherigen Studienreisen so gut wie gar nicht nach denselben geforscht habe. 
Zieeelmarken aber kommen hier nicht in Betracht. Das Zeichen KY an einem 
der sehr regelmässig, also doch wohl neu für den Bau zugearbeiteten jonischen 
Kämpfercapitelle der Cisterne 25 am Daje kadyn sokaghy scheint für den Fort- 
bestand des altbyzantinischen Zeichenwesen zu sprechen. Bei den übrigen Marken 
bleibt der mittelbyzantinische Ursprung des Materials in Nr. 22, der spätbyzan- 
tinische bei dem Zeichen /\~an einem korinthischen Capitelle von flauem Schnitt 
zweifelhaft. 



D. Schluss. 

Die Untersuclrang der litterarischen Quellen und der erhaltenen Denkmäler 
hat gezeigt, dass wir besser als es sich nach dem Katalog auf den ersten Blick 
erwarten Hesse, im Stande sind, die Spuren der Entwicklung des Cisternenbaues 
zu verfolgen. Wir wollen versuchen, die Resultate kurz zusammen zu fassen. 

Die Wasserversorgung des alten B3-zanz wird nach römischer Weise 
geregelt gewesen sein. Hadrian baute einen Aquäduct, welcher das Wasser der 
Waldzone am Schwarzen Meere nach der Stadt führte, Septimius Severus die 
Cisterne in den Substructionen des Hippodroms {33). hu Übrigen werden Piscinen 
zur Kläruno: des Wassers der Leitungen vorhanden gewesen sein. 

Als die Stadtmauern durch Konstantin den Grossen um fünfzehn Stadien 
hinausgeschoben und das kleine Byzanz zur neuen Roma, zur Residenz erhoben 
wurde, da verwerthete man auch die Quellen des Hochplateaus zwischen dem 
goldenen Hörn und dem Marmarameere. Der Patricier Eubulos erbaute die 
dahin führenden Leitimgen. Das Wasser wurde aus Brunnenhäusern und aus 
den Canälen selbst geschöpft und durch Mutterröhren nach den Thermen 
und Nymphaeen geleitet. Zugleich erbaute einer der vier römischen Magistri 
Philoxenos in der Nähe des Forums, nahe an der alten Stadtmauer eine 
Cisterne. Dieselbe war wahrscheinlich noch eine römische Pfeilerpiscine. 

Valens vermehrt die Mittel der Wasserversorgung, indem er im Jahre 368 
eine neue, bis heute bestehende Leitung erbaut. Zur gleichen Zeit legen syrische 
Baumeister die ersten offenen Teiche, den des xModestus (Sarrädschchane A) und 
den des Aetius (bei Tekfur Serai) an, die beide heute verfallen sind. 

Theodosius der Grosse schafft einen Teich in der 5. Region, früher schon 
mag auch jener im kaiserlichen Palaste, an welchem später der Justinianos 
errichtet wurde, erbaut worden sein. Jedenfalls hört um diese Zeit etwa der 
Teichbau in der Altstadt des Septimius Severus auf Der Raum war bis auf das 
letzte Plätzchen ausgenützt, man musste bei Neuanlagen damit rechnen. Da die 
Bevölkerungszahl immer mehr zunalim und die Wassermasse immer knapper 
ausreichte, kam man daher wieder auf die unterirdischen Cisternen zurück. 
Alexandrinische Baumeister führten statt der alten römischen Pfeiler- die Säulen- 



26o 

behälter ihrer Heimat ein. Wahrscheinlich war die im Jahre 407 unter einem 
Übergange des Forums erbaute Cisterna maxima das erste Beispiel dafür. Die 
älteste erhaltene Cisterne dieser Gegend, vielleicht von Pulcheria im Jalire 421 
erbaut, ist die in Eschrefije sokaghy (8|. 

In dem von Konstantin zur Stadt gezogenen fünfzehn Stadien breiten 
Raum erbaute Arkadius in der Nähe der Paläste der weiblichen Glieder seiner 
Familie den Teicli bei Sultan Selim (2). Dicht daran entstand bald darauf, viel- 
leicht 421, die Säulencisterne 9. Im Laufe des 5. Jahrhunderts wurde auch der 
Streifen der Stadt, welcher erst durch Theodosius IL hinzugekommen war, mit 
Behältern ausgestattet: Äspar erbaute im Jahre 459 den Teich in Kara gümriik (3), 
Anastasius Dikoros (491—519) denjenigen in Exi Marmara bei der Kirche des 
hl. Mokios (i). Dieser letztere Teich schliesst sich insofern enger an die syrischen 
Originale, als er innen mit Quadern ausgebaut ist, während die übrigen Teiche 
der Stadt die byzantinische Schichtung der Mauern zeigen. Von den Hallen- 
behältern dieser Gegend gehört dem 5. Jahrhundert der wahrscheinlich gleichzeitig 
mit der Johanneskirche und dem Kloster des Studios im Jahre 463 erbaute 
Bodrüm neben der Mirachör dschami (ll) an. Wie die beiden andern Hallen- 
behälter des 5. Jahrhunderts zeigt er korinthische Capitelle mit hohen Kämpfer- 
aufsätzen und hat auf allen Seiten Fenster. Die Durchschnittsgrösse der Behälter 
dieser Zeit beträgt vierundzwanzig, bezw. zweiunddreissig Säulen, annähernd der 
Durchschnittszahl von Säulen in den Cisternen von Alexandria, mit welchen 
Bauten 8 und 11 auch noch die Granitschäfte gemein haben. — Nach den 
Formen der Capitelle und den Steinmetzzeiclien gehören auch neunzehn der 
Capitelle des Behälters 12 am Böjiik Otluktsch}'^ sokaghy dieser Zeit an. 

Im Zeitalter des grossen Justinian erreicht die Cisterncnbautechnik ihren 
Höhepunkt. Offene Teiche scheinen nur noch in den sul)url)anen Palästen, so in 
Hiereia auf der asiatischen Seite und im Heljdomon vor der Magnaura ausser- 
halb des goldenen Thores erijaut worden zu sein. Der letztere ist im i'"ilcli:inc (4) 
erhalten. Der Hallenbehälterbau setzt den Hauformen nach zunächst mit den 
Traditionen des 5. Jahrhunderts ein: das korinthische Capitell mit einem Kämpfer- 
aufsatz, der jetzt niedriger ausfällt, findet sich nocli in der etwa im Jahre 527 
erbauten Cisterna Basilica, Jere batän Serai (5). Justinian gewann den Platz 
dieses, dem I'"lächenraume nach gnissten Hallenbeliälters dadurch, dass er eine 
Arkade des Pcristyls der kaiserlichen Stoa niederlegte. Der Kaum über derCiisternc 
wurde mit dem alten Innenliofc der .Sioa zu einem grossen, statuengcschmiickten 
Platze vereinigt. Dem llrhalln- fililm /um eisten Male die l''enster. hi almliclier 
Weise ^ing lusliui.m ini AnliL;e des I irliiiltcrs in der Basilika des lllus, Hin bii- 



26l 

direk (6) im Jahre 528 vor. Diese Cisterne ist die Krone der gedeckten Behälter. 
Sie sollte unter dem Mesiaulon der Basilika erbaut werden. Es entstand das 
Problem, wie ein verhältnissmässig kleiner Flächenraum für eine möglichst grosse 
Wasseraufspeichenmg verwerthet werden könnte. Wahrscheinlich war es ein 
alexandrinischer Baumeister, der hier Rath schaffte. Nach dem Muster der Behälter 
seiner Vaterstadt führte er mehrere Stockwerke übereinander auf. Dabei ging er 
in jener kühnen Art vor, die wir an der Sophienkirche bewundern. Er verzichtete auf 
die in Alexandria üblichen von Säule zu Säule in jedem Stockwerk errichteten 
Gurtbogen, setzte aus freier Hand Säule auf Säule und legte darüber das in 
Konstantinopel übliche byzantinische Kappengewölbe. Dadurch gedrängt auf 
jedes überflüssige Zwischenglied zu verzichten, suchte er nach einer Capitellform, 
welche den Kämpferstein entbehrlich machte. So erfand wahrscheinlich er das 
Kämpfercapitell, welches seit dieser Zeit, d. h. seit 528 in der byzantinischen 
Architektur dominirend hervortritt. Das Säulenmaterial wurde, was auch noch 
durch die zahlreichen Steinmetzzeichen, von denen einige mit solchen derselben 
Zeit in Ravemia und Parenzo übereinstimmen, belegt wird, in den Brüchen der 
prokonnesischen Mannorinsel zugearbeitet. — Nicht minder werthvoll für die 
Entwicklungsgeschichte der b3-zantinischen Architektur ist der jedenfalls auch zur 
Zeit Justinian's erbaute Behäker an der Un-kapän sokaghy (13). In der wohl- 
berechneten Anlage und Mauerconstruction, in dem Wechsel femer der Stützen 
und Spannweiten sucht der Erbauer dem Erd-, Wasser- und Gewölbedrucke zu 
begegnen. Die Erzielung gleicher Gurtbogenhöhen fülirt ihn auf den Spitzbogen. 
So stellt sich der Behälter als die Leistung einer technisch ungemein hoch 
entwickelten Individualität dar. Das Kämpfercapitell ist dem Erbauer bereits 
geläufig. — Eine kümmerliche Leistung dieser Periode ist der Privatbehälter 16 
bei der Pantokrator Kilise dschami. 

In der letzten, nachjustinianischen Periode der altbyzantinischen Kunst tritt 
der allseitige Verfall auch im Cisternenbau deutlich hervor. Teiche scheinen niclit 
mehr erbaut worden zu sein. Ja Heraklius schüttet die in den kaiserlichen Palästen 
befindlichen sogar zu und verwandelt sie in das, was die bis heute erhaltenen 
Teiche sind, in üppige Fruclitgärten. Hallenbehältcr werden bis auf Heraklius in 
grösserem Mass.stab aufgeführt. Wir hören, dass der Kämmerer des Kaisers 
AL-iurikios Steplianos im Jahre 594 eine Cisterne, ein Greisenhaus und ein Bad 
im \'iertul to'j Kiiwi) erriciitetc, dass im Jahre 609 eine Cisterne bei der Kirche 
der 40 Märtyrer vollendet wurde und dass schliesslich der Patricier Bonus zur 
Zeit des Heraklius selbst einen gewölbten Behälter an der alten Konstantinsiiiavier 
erbaute. \'i>n keinem hat sich eine Si>iir nachweisen lassen, rnler den erhaltenen 



262 

Behältern gehören dieser Zeit mit grosser Walirscheinlichkeit diejenigen an, 
welche ein gedrücktes Kämpfercapitell haben : am Adschy Musli'ik sokaghy (24), 
der Bodrüm (7) als der bedeutendste, der Behälter gegenüber der Ortatscheschme 
(19), bei der Nür-i Osmanije (23), am Saly Efendi sokaghy (17) und in Exi Marmara 
(27). Die verhältnissmässig grosse Zahl erklärt sich daraus, dass diese bis auf den 
Bodrüm sehr kleinen und unregelmässigen Behälter die letzten Unterbaureste 
grösserer Gebäude sind. Seit Heraklius nämlich muss es Sitte geworden sein, 
dass öfifentlich keine Neubauten mehr für die Wasserversorgung unternommen 
wurden, man sich vielmehr mit der Erhaltung des Bestehenden begnügte vmd im 
Übrigen Jeden für sich sorgen liess. hi Folge dessen erhielt wohl jeder grössere 
Neubau seine eigene kleine Cisterne. Diese Regel bleibt in mittel- und spät- 
byzantinischer Zeit aufrecht. Im Bodrüm (7) tritt zum ersten Male die Schnecken- 
kuppel auf, welche von nun ab ebenso häufig wie die alte byzantinische Kappe 
vorkommt. 

Wenn wir nach abgeschlossener Untersuchung auf die in den Cisternen 
dominirend auftretenden Capitellformen zurückblicken, so bleiben neben denen, 
die bestimmt der altbyzantinischen Zeit angehören, nur noch zwei Arten übrig, 
nach deren Vorkommen sich Gruppen von Cisternen zusammenschliessen : der 
einfache und jonische Capitellkämpfer und ein flau und conventionell gearbeitetes 
korinthisches Capitell. Da die einfachen und jonischen Kämpfer bis auf einen 
einzigen Fall (20), wo ein niedriges Kämpfercapitell vorhanden ist, dessen Orna- 
ment aber die derben macedonischen Formen zeigt, unvermischt mit älteren 
Capitellsorten vorkommen, so dürften sie, was ja auch ihre späte und schlechte 
Ausführung verräth und wogegen auch die in einigen beobachteten Steinmetz- 
zeichen nicht sprechen, eigens für die Cisternen-Unterbauten hergestellt, nicht 
antiquarisch beschafft worden sein. Nun haben sich ein paar Gründe dafür 
beibringen lassen, dass diese Capitellformen in macedonischer Zeit beliebt waren. 
Sie blieben es wahrscheinlich für Unterbauten während der ganzen mittelbyzan- 
tinischen Periode. Von den in der Untersuchung als macedonisch angeführten 
Behältern: am Agha jokuschü (28), am Daj 6 kadyn sokaghy (25), bei der Kefeli 
dschami (31), im Bible House (30), am Kjüroghli'i sokaghy (22) und nördlich von 
der Nischandschy dschami (20) gehören vielleicht einige auch der folgenden 
Periode an. 

Für die Komnenenzeit lässt sich mit einiger Bestimmtheit nur eine 
Cisterne, al)gesehcn von Kirciienuntcrbauten, in Anspruch nehmen. Wir landen, 
dass das Säulcnmaterial bisher mit unbedeutenden AusnalniKii im Allgemeinen 
stets neu zugearbeitet wurde. Dabei schon ging, je mehr wir uns der Kdtnncnen- 



263 

zeit näherten, die Regelmässigkeit und Einheitlichkeit der Formen verloren. Und 
nun stehen wir vor einem Behälter wie dem am BöjiÜk Otluktschy sokaghy (12), 
dessen Material nach den Formen und Steinmetzzeichen zu urtheilen, zu über 
zwei Dritttheilen von einem Baue des 5. Jahrhunderts hergenommen und auch im 
Übrigen durch antiquarische Stücke ergänzt ist. Hier ist also nicht ein Stück 
Marmor für den Bau selbst gearbeitet. Die sorgfältige Bauart der Umfassungs- 
mauern schliesst die spätb\'zantinische Zeit aus. Die überhöhten Gurtbogen 
lassen sich für eine Entstehung in der Komnenenzeit geltend machen. Die Serai- 
Cisternen I und II (26 und 29) sind äusserlich angeschlossen. 

Gehört die Böjük Otluktschy (12) wirklich in die Komnenenzeit, so bildet 
sie passend den Ausgangspunkt der zweiten Reihe von Säulencisternen, die wir 
dann etwa mit dem Jahre 1000 beginnen lassen könnten, wo das gesammte 
Stützenmaterial ausschliesslich antiquarisch beschafft wird. Vor 1204 herrscht 
dabei immer noch ein gewisses Streben nach Einheitlichkeit, wie eben die Böjiik 
Otluktsch}' zeigte, in der Palaiologenzeit wird gei-adezu ein Ragout aller älteren 
Säulenformen aufgetischt. In der bunten Reihe der verwendeten Capitelle aber 
tritt dominirend die zweite, sicher nicht in altbyzantinischen Cisternen vor- 
kommende Form hervor: das korinthische Capitell von flauem, conventionellem 
Schnitt. Seine Anwendung unterscheidet sich dadurch wesentlich von der des 
mittelbyzantinischen einfachen und jonischen Kämpfers, dass es nicht für den 
Bau zugearbeitet, sondern antiquarisch beschafft ist. Die Steinbrüche, aus denen 
es genommen wurde, waren die in Ruinen liegenden Bauten der alt- und mittel- 
bj'zantinischen Periode, insbesondere der Komnenenzeit. Die hierher gehörigen 
Behälter sind der datirte bei der Fethije (15), der in Kara gümrük (10), welcher 
das classische Beispiel der Zeit ist, der Behälter zwischen Gül- und Eski Imaret 
dschamisi (14), der Bodrüm an der Mengene sokaghy (21), endlich der kleine 
am Lökündschi sokaghy (32). 

Nebenbei berührt sind die Kirchencisternen (18, 34, 35, 36) und lediglich 
im Kataloge aufgeführt die Unterbauten 37—40. Diese beiden Gruppen werden 
besser in anderem Zusammenhange zu besprechen sein. 

So hat denn die historische Betrachtung der byzantinischen Behälter, welche 
dem Verfasser als eine zähe, undurchdringliche Masse in die Hände kamen, wider 
Erwarten, wie derselbe gestehen muss, zur Feststellung einer nicht unwahrschein- 
lichen Entwicklung geführt. Der Erfolg dieses ersten bescheidenen Versuches 
gibt die Hoffnung, dass auch auf dem der Bearbeitung so dringend bedürftigen 
Gebiete der Kirchenarchitektur ein klares Erfassen des Verlaufes möglich sein 
wird. Was hier durch eine günstige Gelegenheit, den gleichzeitigen Aufenthalt 



264 

des Verfassers mit einem Fachmanne, auf einem bescheidenen Gebiete, dem des 
Wasserbaues, begonnen wurde, kiinnte die Aufmunterung zu einer plangemässen 
Durcharbeitung der byzantinischen Kirchenarchitektur werden. Möge eine billige 
Aufnahme dieses ersten Versuches einer systematischen Durcharbeitung der 
byzantinischen Denkmäler dem Herausgeber die Aufmunterung bringen, deren 
er so sehr bedürftig ist. 




Inhalts -Verzeichniss. 



Einleitung. Seit« 

Die Wasserversorgung von Konstantinopel 1 

Katalog der byzantinischen Wasserbehälter Kon.tantinopcls 35 

I. OtTene Teiolie *^ 

1. Tscluilu'ir bostän im Viertel Exi Marmara -15 

2. , j bei der Moschee Sultfm Selim 47 

3. » j> von Kara giimriik ^^ 

4. Filchanc ""^ 



A. Samidschchanc ' "' 

B. Tschukiir hammämv ='*- 

C l' 

II. Gedeckte Behälter '"^ 

:>. Jere hatän Serai '"' 

0. Bin bir dirck 

7. Der Bodrüm ^^ 

X. Bodn'nn am Eschrefijc sokaghy ^ 

9. - am Tschukür bostän von Sultan Selim fiS 

11). am Tschukür bostän von Kara gümruk ''-^ 

11. » neben der Mirachor dschami "' 

l>. A am Biijuk Otluktschy jokuschü '"^ 

i:;. ■ am Un-kapän sokaghy '' 

14. zwischen Gül- und Eski'-lmarct dschami '• 

1.-,. > bei der Fethijc 

k;. . zwischen der Kilisc dschami iPantokrator) und d.r M..liammcdiic . 7 7 

17. am Saly Efcndi sokaghy ''•* 

18. » neben der Moschee Sultan Mohammed 81 

IK. » gegenüber Ortatscheschmc 



■-'0. 



nördlich von der Nischandschy dschami 8u 

■_. 1. am McngenO sokaghy Nr. p 

•>2. am Kji">roglih'i sokagliy 

... *n 
•23. ,- bei der Nür-i O.smanijc 

•24. » am Adschv Musluk .sokaghy 

34 



266 

Seite 

25. Bodrüm am Dajii kadyn sokaghy Nr. 24 9.3 

20. » I im Serai beim Thor Bäb-i humajün 95 

27. » (?) im Viertel Exi Marmara 97 

28. » am Agha jokuschü Nr. 9 99 

29. » 11 im Serai beim Thor Bäb-i humajün 99 

30. » im Bible House 101 

31. » bei der Kefeh' dschami 103 

32. '■' am Lökündschy sokaghy 103 

33. So'ük tscheschme in den At-meidän-Substructionen 105 

34. Bodrüm unter der Eski Imaret dschami 107 

35. » unter der Kahrijc dschami 107 

36. » unter der Kemankes Mustafa Pascha dschami 109 

37. Keller des Hauses Merdschän jokuschü Nr. 5 109 

38. Bodrüm im sogenannten Anemas-Thurm 109 

39. » an dem Aiwäz Etcndi sokaghy 109 

40. Sulü Serai 110 

Unauffindbare oder nicht betretbare Hallenbehälter a— z 111 

Untersuchungen. 

Technischer Theil von Ph. Forchhcimer 115 

Lage 115, Bauweise 116, Mauerwerk HG, Teiche 110, gedeckte Behälter r.'O, 
Ecken 121, Fenster 121, Verputz 121, Sohle 122, Pfeiler und Säulen 123, 
Raumauftheilung 121J, Gurtbögen 128, Anker 128, Tonnengewölbe 129, 
böhmische Kappen 130, byzantinische Kappen loO, Kuppeln 136, Fugen 136, 
Übermauerung i;!7, Zugang, Zu- und Ableitung, Brunnen 137, Inhalt 14(i, 
Zweck M2. 
Untersuchungen. 

Historischer Theil von /. Str:;ygowski 145 

A. Die litterarisclie Überlieferung'. Topographische Streifzüge 147 

I. Die offenen Teiche 149 

1. Die Cisterna Theodosiaca 150 

2. » » Arcadiaca (der TscluiUür bostan bei Sultan Sclim 2) .... 150 

;{. » » Modestiaca (Sarrädschchane A.) 152 

4. » Cistcrne des Aetius 154 

6. » » » Aspar (der TschuUür bostän von Kara gümrilU 3) . . . . 158 

6. » Cisterna Mocisia (der Tscliukür bostän in Exi Marmara i) 159 

7. > Cisterne im Palast ITiereia 161 

8. » » beim Justinianos Hi2 

9. » » vor der Magn.iura (l'"ilchanü .] ) 16S 

Zusammenfassung 165 

11. Uie gedeckten Behälter 108 

). Die Hippodrom Cistcrne (Jj) 169 

2. ' Cisterna I'hiloxeni l'<0 



207 

Seite 

3. Die Cistenia maximn bei der Porphyisäule 172 

4. » Cisterne der Piilcheria (Bodrüm 8 oder 9) 175 

ö. » kalte Cisterne im Palaste 176 

6. » Cisterna Basilica (Jere batän Serai 5) 177 

7. '> Cisterne in der Basilika des Illiis (Bin bir direk 6) 180 

8. » 3 Ei; rä tov Kniov 182 

9. •> •> der 40 Märtyrer 183 

10. » •) des Bonus 18 t 

Zusammenfassung 18ü 

B. Die erhaltenen Denkmäler. Ein Capitel zur Geschichte der b3-zantinischen 
Architektur. 

a) Ursprung der constructiven Formen 189 

I. Die oflenen Teiche 190 

II. Die gedeckten Behälter 195 

b) Datirung der gedeckten Behälter nach den Bauformen 206 

I. Die Cisternen der altbvzantinischen Zeit 207 

1. Das 5. oder tlieodosianische Jahrhundert 203 

Der Bodrüm am Tschukür bostän von Sultan Selim (9) -.'iig, der Bodrüm am 
Eschrefije sokaghy (8) 2111, der Bodrüm neben der Mirachor dscliami (11) 210. 

2. Das Zeitalter Justinian's 212 

Jere batun Serai (5) 212, Bin bir direk (6) 21.^, der Bodrüm am Un-kap.in 
sokaghy (13) 218, der Bodrüm zwischen der Kilisc dschami (Pantokrator) 
und der Mohanimedije (]6) 219. 

8. Die altbyzantinischen Cisternen aus der Zeit nach Justinian 220 

Der Bodrüm am Adschy Muslük sokaghy (24) 221, der Bodrüm (7) 222, 
der Bodrüm gegenüber Ortatscheschnie (19) 223, der Bodrüm bei der Xür-i 
Osmanije (23) 224, der Bodrüm am Saly Efcndi sokaghy (17) 224, der 
Bodrüm in Exi Marmara (27) 224. 
II. Die Cisternen der mittelbyzantinischen Zeit 225 

1. Die macedonische Periode (867-1057) •J2G 

Der Bodrüm am Agha jokuschü (28) 228, der Bodrüm am Daje kadyn 
sokaghy (25) 228, der Bodrüm bei der Kefeli dschami (31) 228, der Bodrüm 
im Bible House (30) 228, der Bodrüm am Kjüroghlü sokaghy (22) 229, 
der Bodrüm nördlich von der Nischandschy dschami (20) 2:!i>. 

2. Die Komnenen-Periode (1057 - I18;, bczw. 1204 ) 231 

Der Bodrüm neben der Moschee Sultan Mohammed (iS) 233, der Bodrüm 
unter der I'"ski Imaret dschami (34) 2;'i3, der Bodrüm unter der KemankOs 
Mustafa Pascha dschami (36) 234, der Bodrüm unter der KuhrijO (35) 234, 
der Bodrüm am Böji'ik Otluktschy jokuschü (12) 231, der Bodrütn I im 
Serai beim Thor Bäb-i humajün (26) 230, der Bodrüm 11 im Serai lieim 
Thor Bäb-i humajün (29) 230. 

34* 



268 

Seite 

III. Die Cisternen der spatbyzantinischen (Palaiologen-) Zeit 230 

Der Bodrüm neben der Fethije (IJ) 237, der Bodrüm beim Tscliukür bostän 
von Kara gümriik (lO) 2i0, der Bodrüm zwischen GüI- und Eslii-Imarct 
dschami (14) 241, der Bodrüm am Mengene sokaghy (21) 242, der Bodrüm 
am Lökündschj- sokaghy (32) 243. 

C. Die Steinmetzzeichen 245 

D. Schluss 259 

Inhalts -Verzeichniss 265 

Verzeichniss der Abbildungen 269 



Verzeichniss der Abbildungen: 



Illustrationen im Texte: 

Seite 

F'a- 1- QucUfassung mittels Stollen in Kunstantinopel 4 

» 2. Gerinne bei Egri-Kapü .'> 

» 3. Bend Mahmud's II. bei Belgrad-Konstantinopel (Mauerseite) 9 

» i. Bend Atahmüd's 11. bei Belgrad-Konstantinopcl (Waldseite) 10 

» 5. Der sogenannte Justinians-Aquaduct siehe Beilage lia 

» 6. Der sogenannte Justinians-Aquaduct 13 

ä 7 — 9. Der krumme Aquäduct (nach Andreossv) 1(! 

» III. Der lange Aquäduct 17 

» 11. Der Aquäduct von Dschebedschi-Kjöi siehe Beilage 12 a 

» 12. Der Valens- Aquäduct 18 

» 13 und 14. Aquäduct von Baghtsche-Kjoi 21 

■> 15. Thonröhren aus Ak-hissär 23 

10. Längendurchschnitt einer Suterazv-Wasserleitung nach Andieossv . . . 23 

-> 17. Siiterazv bei Kadi-Kjöi 24 

»18. » bei Kadi-Kjoi 25 

» 19. » in der Nähe der Marcianssäule 26 

» 211. u in der Nähe der Marcianssäule 27 

V 21. Taksim von Egri-Kapü 31 

.' 22. Brunneuhaus in der Ahmedije 33 

2.'J. Brunnenhaus in Topchane 34 

21. Unvollendete byzantinische Kappe 131 

2j. Höhenplan der b\-zantinischen Kappe 132 

'' 26. Gerippe der bvzantinischen Kappe 13i 

5 27— 2'.i. Piscine in Tivoli (Schnitt A-H ist muzukchrcn) . ii)6 

! 3ii. Grundriss der Cisterne el-Ge\tän el-Kebjr in Alexandria 202 

> 31. Längsschnitt der Cisterne cl-Gcvtän el-Kebvr in Alexandria 202 



Tafelgruppen: 

1. Tschukür bostän im Viertel Exi Marniara 44 

2. ' ■ bei der Moschee Sultan Seiini 46 

3. > von Kara gilmrük 48 



2/0 



Seil« 

i. Filchane 50 

5. Jere batän Serai 51 

6. Bin bir direk 56 

7. Der Budtum 58 

8. Bodrüm am Eschrefije sokagliy 60 

9. !> am Tschukür bostän bei Sultan Sclnn 62 

Hl. , am Tschukür bostan von Kara gümriik 64 

11. V neben der Mirachor dschami 66 

12. 9 am Büjük Otluktschy jokuscliü 68 

i;i. :> am Un-kapän sokaghy 10 

14. > zwischen Gül- und Eski-Imaret dschami 72 

1.5. » bei der Fethije 74 

16. ;) zwisclien der Kilise dschami (Pantokrator) und der Mohammedije . 76 

17. ' am Saly Efendi sokaghy 78 

18. •> neben der Moschee Sultan Moh.immed 80 

19. » gegenüber Ortatscheschme 82 

2(1. » nördlich von der Nischandschy dschami 84 

21. am Mengene sokaghy' 86 

22. > am Kjriroghlü sokaghy 88 

23. » bei der Nür-i Osmanije 90 

24. » am Adschy Muslük sokaghy 90 

25. » am Daje kadyn sokaghv 92 

26. » I im Serai 94 

27. » (?) im Viertel Exi Marmara 96 

28. ^ am Agha jokuschü 9« 

29. /■ II im Serai 98 

30. >' im Bible House 100 

31. » bei der Kefeli dschami 102 

32. » am Lökündsch}' sokagh\'- 102 

3;;. So'ük tscheschme in den At-meidän-Substructionen 104 

34. Bodrüm unter der Eski-Imaret dschami 106 

35. i> unter der Kahrije 106 

SO. » unter der Keniankes Mustafa Pascha dschami 108 

37. Keller des Hauses Merdschän jokuschü Nr. 5 108 

38. Bodrüm im sogenannten Anemas-Thurm lOS 

39. !> an dem Aiwäz Efendi sokaghy 108 

40. Suli'i Serai HO 

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NA Forchheimer, Philipp 
370 Byzantinischen 
F67 Wasserbehälter 



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