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Full text of "Zeitschrift in 63 vols. vol 9-26"

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Zeitschrift 

der 



herausgegeben 

St 

von den Geschäftsführern. 





Leipzig 1848 


in Commission hei Brock haus und Avenarius. 



JA c\ 

■Qe& o 8-'- ’ y ^ 
CD^v ^ 1 




00042154 



Inhalt 


des zweiten Bandes der Zeitschrift der Deutschen morgen- 
ländischen Gesellschaft 

Erstes Heft. 

Seite 


Eröffnungsrede der Orientalisten - Versammlung in Basel, von de Welle 1 
Verwandtschaftliches Vcrhältniss der Sprachen vom Kaffer- und Kongo- 

Stamme, von Fott .,.5 

Aus Dschami’s Liebesliedern, von Rückert .26 

Ausflug von Jerusalem über Jericho an den Jordan u. s. w., von ff. Gadma 52 

lieber achtsylbige Verse b. Ephracm d. Syrer, von Zingcrle . . 60 

Die Verehrung der XII Imitate bei den Schiiten, von Haneberg . . 74 

Nachtrag der Redaction . . . ..91 

Nachrichten über Angelegenheiten der D. M. G.96 

Die Protokolle der allgemeinen Versammlung zu Basel . . . fri 

Bilance für das Rechnungsjahr 1846 —1847 . 1<>» 

Nnmcnverzcichniss der Thcilnchiner an der Versammlung zu Basel . 106 

Die amerikanische orientalische Gesellschaft .107 

Auszüge aus Briefen des Dr. Mordtmmm an den Etnfsrath Olsbauscn , HW 

Jfcspila, von Olshitusen ..117 

Arhagk Ochompianou, von Neumann . . . , . . .118 

lieber das Würfelspiel bei den Indern, von Roth .... 122 

Neue Sanskrit ^•Literatur, von demselben .175 

lieber Ncrthus bei Tacitus, von Hofmrnn .176 

Blblico - Ehilologieal Institution.177 

Bitte an alle Orientalisten, von Zwanziger .178 


Zweites Heft. 

Verwandtschaftliches Vcrhältniss der Sprachen vom Kaffer- und Kongo- 

Stamme, von Fott (Schluss).179 

lieber die türk. Ucbcrsetzung von Taberi’s Geschichtswerkc, von Kosen 159 
Gedichte und Gesänge aus Sirct Antara, von Rückert . . . . 

Chuilsclm Germnni, von Erdmann .701 

Die Sage von Feridnn in Indien und Iran, von Roth . . . .716 

Zur Topographie ton Jerusalem, von: Rüdiger .ZU 

Vcrzcichniss der für die Bibliothek eingegangenen Schriften . . . 285 

Aus einem Briefe von Ainsworth .287 

lieber die asiatische Benennung der Europäer, Bcnu-l-asfar, v. Erdmann — 
Beschreibung der türkisch - lalar. Handschriften in den Petersburger Bi¬ 
bliotheken, von Rerezin, übers, von Zenker (2r Art.) . . . 742 

Literatur - Anzeigen, von Ad. Jcllinek . . .256 











VI 


Inhalt. 


Drittes lieft» 

Suite 

L'cber canarcsische Sprache und Literatur, vom Mission, Weiglc . . 257 

Nachrichten über Taberistan aus dem Gcschichtswerkc Taheri’s, von 

Mordtmann .. 285 

Mittheilungen über Stephen Olin’s Reise in das Morgenland . i . 315 

lieber die VValkcrschc Sanskrit-Handschriftensammlung in Oxford, von 

Weiter .• ... 336 

Haben die Hebräer schon vor Jerusalems Zerstörung nach Mondmooateu 

gerechnet? von Segffarth .. . . 344 

Dr. Wolffs ) 

Prof. Hitzig's > Berichte über die von ihnen in Basel gehaltenen Vorträge 356 
Prof, Reuss’ ) 


Notiz über das Bulletin der histor. -philol. Classe der Petersburger 

Akademie der Wissenschaften seit 1844 . 364 

Mespila und Maussil, von Tuch ..366 

l'eber die vorhandenen Hdschrr. des Bor - Bahlul und die von Bernstein 

beabsichtigte Herausgabe desselben, von Bernstein . . . 369 

Notiz über die bei den Maroniten gebräuchlichen syrischen Wörter¬ 
bücher und Grammatiken, von Butrus Bislang .... 374 
Gesellschaft der Künste und YVisscnschaften in Beirut .... 378 
Die drei Messen der Nossairier, von J. Catafago . . . , 388 

l'eber eine sinuTtische Inschrift, von Tuch .395 

Nachtrag der Redaction zu den Miltheilungen über Stephen Olin’s Reise 39? 


Verzeichnis der für die Bibliothek eingegangenen Schriften . . 398 


Vierte» lieft. 

. Aus der neuesten Geschichte Persiens. Die Jahre 1833 —1835. Vom 


Staatsrath von Tornau .401 

Auszüge aus Hofrath Dr. Gust. Hiinel's Kcisetagebuclic . . . 426 

Wissenschaftlicher Jahresbericht für d. J. 1847, von Fleischer . . 447 


Notiz über die American Oriental Society.492 

Correspondcnz von Prof. Dr. Robinson .— 

Hinweisung auf Movers „Phönizicn und Phönizier" .... 493 

Correspondcnz von Hrn. Eli Smith .— 

Scheich TfAsif über — 

Anzeige von Lepsius’ Einleit. z. Chronologie d. Acgypter . , 494 


Verzeichnis der für die Bibliothek eingegangenen Schriften u. s. w. . 495 
Einnahmen und Ausgaben der D. M. G. von Mitte 1847 bis Ende 1848 501 
Nachrichten über Angelegenheiten der D. M. G. . . . . 502 

Verzeichniss der Mitglieder der ü. AI. G.505 








Eröftiiiingsrcdc der Orientalisten -Versammlung 
o in Basel 

von Prof. Dr. «le Helle. 


Hoclrziiverehrende Herren ! 

Durch Ihr gütiges »hschbn unverdientes Zutrauen zum Vor¬ 
sitze Ihrer dicssjnhrigcn Versaniinliing berufen heisse ich Sic will¬ 
kommen in Kasels Mauern, und drücke unsre Freude darüber aus, 
dass Sic unsrer Einladung gern gefolgt sind , und somit unsere 
Stadt und die Schweiz nicht als ungehörig zu Deutschland und 
zur grossen Gemeinde deutscher Wissenschaft angesehen haben. 
Wohl gehört die Wissenschaft als Gemeingut der ganzen christ¬ 
lich -europäischen Menschheit an, und die verschiedenen Sprachen, 
welche die Völker trennen, sind keine Schranken für die Gelehrten, 
die sich von jeder Sprache mit doppeltem Reize als von einem 
Gegenstände der Spruchgclchrsanikcit und einem .Schlüssel fremder 
Wisseiisscliätzc ungezogen fühlen, immer aber bleibt die Mutter¬ 
sprache ein inniges Vereinigungshand für die. Pfleger der Wissen¬ 
schaft, und zwar nicht nur als das leichtere Mittel der Gedankeii- 
niitthcilung, sondern auch weil in jeder Sprache cigcuthiimliche 
Formen der Anschauung und des Denkens liegen, weil eine jede 
ihren eigenen Geist hat, und dieser eigcnthUinlirhe Sprachgeist 
die Kedingungcn eines cigenlhiiiolichcn wissenschaftlichen Geistes 
in sich trägt. Diese Wahrheit dringt sich am meisten in der 
Philosophie auf. Von allen neuern \ ülkcrii haben allein die Deut¬ 
schen eine lebendige .selbständige. Philosophie, und keine andere 
neuere Sprache ist ein so lebendiges bewegliches Organ für das 
philosophische Denken wie die deutsche. Nun aber ist die Philo¬ 
sophie die Wissenschaft der Wissenschaft, das Bewusstsein und 
der Lehensgeist derselben; und was von ihr gilt, muss von allen 
Wissenschaften gelten: nur in der deutschen .Sprache können sic 
sich frei genug bewegen mul eigeiithiimlich gestalten. Die deut¬ 
sche Schweiz, obschoii ihr Volksdialckt mul der hier stärkere 
dort schwächere Einfluss der französischen Sprache und Litteralur 
einige Entfremdung verursacht, geliert der Sprache nach zu Deutsch¬ 
land; auch haben sich ihre Bildnngsanstaltcn und ihr Gclehrfen- 
thuin immer und besonders in der neuesten Zeit, welche mit 
II. Ita. 1 



o 


de Welte, Eröffnungsrede 


der politischen Verjüngung auch dem IJnlerriehtswcscn manche 
Verbesserung 1 gebracht hat, an die deutsche Bildung und Gelehr¬ 
samkeit augcschlosscn; und nicht nur hat sic daher Nahrung ge¬ 
zogen, sondern (wir dürfen cs wohl ohne Unlieschci.dcnlicit sagen) 
auch selbstthätig mit- und eingewirkt. 

Es bietet sich hier die Frage an, wie sich die Schweiz zur 
Pflege der morgenliindischen Kprachkunde verhalten habe, u .d 
noch verhalte l Dürfen die Schweizer auch in Beziehung auf 
diesen Zweig der Gelehrsamkeit ihre Angehörigkeit zur deutschen 
Wissenschaft ausprechen I 

Wie die Pflege fast aller Zweige der Gelehrsamkeit eine 
äussere Veranlassung und Ermunterung gehabt, und erst als Mittel 
zu einem anderweitigen Zwecke gedient hat, bis der rein wissen¬ 
schaftliche Trieb und die Liebe zum Gegenstände des Wissens 
um sein selbst willen sich zur Selbständigkeit entwickeln und 
erstarken konnte: so bat bekanntlich auch das Studium der mor¬ 
genländischen Sprachen seinen Anlass und Anhalt an anderweitigen 
Interessen und zwar vorzüglich den kirchlichen gehabt. In andern 
Ländern, besonders in Frankreich und England, haben die diplo¬ 
matischen und Handels - Bedürfnisse einen mächtigen Reiz nnf 
dieses Studium ausgeübt, und ihm grossen Vorschub gethan; aber 
in Deutschland stand es laiige allein im Dienste der Kirche und 
zwar, da die Missiousthätigkcit fast bis auf die neueste Zeit 
der römischen Kirche überlassen blieb, im Dienste der Theologie, 
welche zur Erklärung der ulttcstumcntlichcn Urkunden und zum 
Gebrauche der orientalischen Uebersctzungen beider Testamente 
der Kenntniss hauptsächlich der semitischen Dialekte bedurfte, 
indem zugleich mit dem exegetischen Bedürfnisse die Polemik 
gegen die Juden und Muhammedaner zum Studium der rabbini- 
schcn und arabischen Littcratur nnregte. 

Für dieses theologische Studium morgenländischer Sprachen 
nun hat in früherer Zeit die reformirte Kirche (die anglicauiscbe 
eingeschlossen) ungleich mehr uls die lutherische gethan , wofür 
die grossen Nnmcu Erpenius, Gulitts, Hocharl, Castell ns, Walton, Ilg de, 
Pococ.k , All). Schaltens und viele andere zeugen. Schon als das 
Vaterland der reformirten Kirche darf die Schweiz auf eine Ge¬ 
meinschaft ttn diesen Verdiensten Anspruch machen; sie kann aber 
auch eigene Verdienste aufweisen, und Männer namhaft machen, 
welche sie in ‘ihre Dienste genommen oder hervorgebracht hat, 
wie Sei). Münster, Joh• Vuxlorf Vater und Sohn, J. II. llollinger. 
Seiner Buxtorfe darf Basel sich mit Recht rühmen; denn deren 
Werke sind noch heute in eines jeden alttestamcntlichen Kritikers 
und Auslegers Händen; und die buxtorfisclic rabbinisebe Bücher¬ 
und Manuscripten-Sammlung macht eine Hauptzierde unscTer öffent¬ 
lichen Bibliothek aus. In Holland und England blühete die orien¬ 
talische Gelehrsamkeit am meisten, weil die dortigen Bibliotheken 
die meisten orientalischen Handschriften darboten, aus denen neue 



der Oiinitalisten ■ Versammlung in Hasel. 


3 


Erwerbungen der Wissenschaft gewonnen werden konnten. Darin 
stand die Schweiz zurück, und ein J. II. Ilultingcr musste sich 
wie späterhin manche andere besonders deutsche Orientalisten im 
Auslände mit Abschriften von Manuscriptcn zu seinen Arbeiten 
ausrüsten. 

V Nach muunichfältigeu Vorbereitungen und Anregungen trat 
Zeit ein, wo die Sprach - und Geschichtskunde des iUorgen- 
l^pdcs sich von der Vormundschaft der theologischen und anderer 
^j/Vtcfcsscn befreite, und den freien allgemeinen wissenschaftlichen 
' Standpunkt cinnahni, auf welchen auch die Philologie des grie¬ 
chischen und römischen Altcrthums nach Ueberschreitung ähnlicher 
beengender Schranken trat, so dass die Pfleger beider wissen¬ 
schaftlicher Polder sich einander in Sach - und Geistverwandtem 
Streben begegneten, und demzufolge auch seit kurzem in dieser 
grossartigen wissenschaftlichen Geselligkeit zusamihentraten. 

Zu dieser Befreiung und Erweiterung der orientalischen Studien 
hat die Erweiterung des Vülkcrverkebros mit dem Morgcnlande 
hauptsächlich durch die englische Ansiedelung und Eroberung in 
Ostindien (durch welche uns die uralte Quelle der Sanskrit-Sprache 
zugänglich geworden) Vieles beigetrugen. Aber die' innere Be¬ 
fähigung dazu gab die nun aufkommende ganz neue Gcistcsrich- 
tnng auf das allgemein Menschliche, die sich verbreitende Em¬ 
pfänglichkeit fiir alles Wahre und »Schöne, hei welchem Volke 
und in welcher Religion cs sich finden mochte, der auf die Ge¬ 
schichte der Menschheit, ihrer Geistes- und Sittcnbildung gerichtete 
Trieb der Forschung. Zur Weckung dieses »Sinnes fiir das .Mensch¬ 
liche war cs nötliig, dass die Engherzigkeit des Kirchenglnubens 
durchbrochen wurde, was in feindseliger und zerstörender Weise 
die Freidenkerei und der Naturalismus, in milderer und wissen¬ 
schaftlicherer Weise die rationalistische Theologie und die Phi¬ 
losophie hauptsächlich in Deutschland gethan haben. 

Diese Erweiterung und Verallgemeinerung des orientalistischcn 
Gesichtskreises, in welchen auch das alte ägyptische, vorder- und 
mittelasiatische Morgenland, durch neue Entdeckungen und For¬ 
schungen aufgchellt, in erhöhter Wichtigkeit eingetreten ist, und 
in den nun bald auch China voller erleuchtet cintreten wird, ist 
würdig des europäischen Geistes, der das Kund der Erde um¬ 
kreisen und überblicken gelernt hat, und gewiss es einst ganz 
beherrschen wird; in dem (was noch mehr ist) die Menschheit 
ihr Bewusstsein gefunden hat, und immer mehr finden wird. 

Aber wenn die christliche Theologie die Runde des Morgen¬ 
landes und andere ihr ehedem fast ausschliesslich dienstbare Wis¬ 
senschaften als freie Kinder aus ihrer beengenden Obhut entlassen 
hat: so werden sie nicht undankbare und treulose Rinder sein 
wollen. Auf dem grossen Oceauc bedarf der Schifter eines Com- 
passcs, und auch auf dem unermesslichen Gebiete der Erforschung 
der Sprachen und Geschichten der Völker kann mau eines solchen 

i ♦ 



4 de Welle, Eröffnungsrede der Oriental. -Versamml. in Basel. 

nicht entbehren. Wird aber dazu die abstracto Idee der Wahrheit 
dienen können ? Ich zweifle. Der wissenschaftliche Forscher muss, 
wie jeder Mensch der einen Zweck verfolgt, die Wahrheit als 
concretcs Eigcnthuni, als Glauben an sie, als Licke zu ihr be¬ 
sitzen, und dieser Glaube, diese Liebe können keine andern als 
die christlichen sein. Die christliche Wahrheit ist eben so wenig^ 
eine abstract allgemeine, als sic durch einen BildungsprocodH 
entstanden, etwa wie der Weingeist aus einer gährende'n M.j^H 
abgezogen ist: sie ist gcolFenbart, d. b. durch concrcte lebeiffl^H 
Anschauung-gewonnen worden. Die menschliche Geschichte d9Q 
Christciithuuis und des ihm voraiisgegangcncn Mosuismns kann und 
soll manche Aufklärungen aus der Sprach- und Gcschichtskundc des 
Morgenlandes empfangen; aber daraus erklärt können diese Glau- 
hensw'cisen selbst nicht werden. Und so werden nicht nur die¬ 
jenigen Orientalisten, die ihrem Hauptberufe nach Theologen sind, 
sondern auch diejenigen, die nicht diesen Beruf und das damit 
natürlich verbundene christliche Interesse haben, sowie alle andern 
Forscher im Fache der Völker- und Religionsgcschichtc sich zwar 
ganz in der edlen Freiheit bewegen, welche der deutsche Geist 
sich errungen hat, werden aber auch nicht mit Ablegung der ultoli 
dogmatischen Vnrurlhcilc jeder cigcnthiimlichcn christlichen Be¬ 
stimmtheit des Geistes entsagen, sich nicht einer charakterlosen 
Unparteilichkeit und Gleichgültigkeit ergeben. Auch wird der auf 
einem grösseren Gebiete sich ergehende Forscher immer gern 
wieder nach dem kleinen' Palästina zuriiekkehren, das ewig für 
uns Christen das heilige Land bleiben wird, wo die Duellen der 
göttlichen Wahrheit entsprungen sind. 

Hierin finde ich einen Beruhigungsg-rund für mich, der ich, 
nur im kleinen hebräischen Gebiete einen kleinen Platz einnehmend, 
mit Zagen an die Spitze einer Versammlung trete, in welcher 
die Pflege der gesummten orientalischen Studien ihre Vertretung 
hat. Die Schweiz überhaupt hat aus Mangel an Hülfsmittcln und 
Ermunterung an der Arbeit auf dem grossen Felde der morgen- 
ländischen Sprach- und Gcschichtskundc uicht den Anthcil nehmen 
können, den Deutschland genommen hat. Bewundernswürdig ist 
was deutsche Gelehrte im Wetteifer mit den Ausländern, obschon 
ihuen an äusserer Begünstigung nachstehend, geleistet haben. Sic 
haben es mit,dem Fleisse und dem Geiste der Gründlichkeit und 
Tiefe gethan, welcher die Deutschen auszcichnct. Möge dieser 
Geist immer mehr erstarken, und sich immer schönere Erfolge 
erringen! Und möge auch diese Versammlung etwas zur Anre¬ 
gung und Nährung dieses Geistes beitragen; mögen die Pfleger 
der zu solcher grossartigen Bedeutung erstarkten Studien aus 
dieser ihrer geselligen Vereinigung erfrischt und ermuntert an 
ihre Arbeiten zurückkehren! Feh erkläre hiermit die Versammlung 
für eröffnet. 



i^rwandischaftliches Verhält »iss der Sprachen 
' vom Kaffer- und Kongo -Stamme unter 

einander 

vom Prof. Pott. 


Irlcincs Wissens war es zuerst Marsden l 2 ), welcher mehrere 
Uezüge zwischen den Kongo • und Kaffer- Sprachen erkannte. Ihm 
folgten Killer (Afrika 1822. S. 292 — 293.) und, mit selbstän¬ 
diger Forschung, Priclmrd (Naturgcsch. des Mcnschcngeschl. II. 
299—348.), w'clchcr letztere insbesondere auch die sonst sehr 
merklichen Leihcsuntcrscliicdc vorgedachter zwei Stämme ins Auge 
fasst, ohne diese jedoch für genügend gelten zu lassen zu Nicht¬ 
anerkennung näherer Verwandtschaft derselben. Auch hat, ohne 
von den Vorgängern zu wissen, Casalis in seiner Sechuuna- 
Grammatik p. 3. mehrere lexikalische Einheitspunkte angegeben, 
die zwischen dem Sechiianu und dem Moi/itiloun ") , einem gleich¬ 
falls Kougischcn Idiome, von ihm uufgcfiindcn wurden. 

Diese, im Ganzen jedoch nur erst sehr unvollkommen ge¬ 
führte Untersuchung, der auch schon mit Rücksicht auf die Zahlen 
einige Zeilen in ineiiicn Zähliucthodcn 8. 23 ff. gewidmet worden, 
wissenschaftlich tiefer zu begründen, ist die Aufgabe der folgen¬ 
den Itlätter. Ich glaube nun zu dem, wie uiich bediinken will, 
hochwichtigen und stauneuswerthen, obschon vielleicht nur be¬ 
dingungsweise wahren Ergebnisse gelaugt zu sein, dass, mit 
Ausschluss des in alle Wege sonderbaren IfoUenlollun - Stammes in 


1) In Capluin .J. K. Tueiiy Narr, »f «u cxpcdilion lo explore tlic rix «T 
Zaire, Lond. 1813. 4. p. 384 sqq. Daselbst p. 391 — 399. Vocahular der 
zwei Kongo - Mundarten : Malenxbu und Jaitbüitiuut. 

2) Ks sind wobt die JUilüns, CaimeeaUim Obss. p. XIV. gemeint. Da tni 
hierin Plural -Artikel ist von fllolxut, s. Vaters Lit. der Gramm. 2. Aufl. durch 
Jiilg S. 519., so könnte jenes eine Parallele zu dem Itiindo müchi (natio), 
oder zu dein später von mir aiigerübrlen Genlilprälixe Mii.rUt , z. 11. M6.rio 
Congo (Kongobcwolmer), dem Landesnameii vorgefiigl enllialten. Vgl. mottlsu' 
(Volk) Allg. Hist, der Reisen IV. (>52. Vielleicht Messt i» dem lluodo- 
Verluiui cu-lun llesistir. Pelejar (pngnarej , cunduit oder mliui Pretalecer 
(praevalere) die Ouellc des Namens. 



G 


Pott , Leber die Sprachen 


Afrika’s Südspitze, dieser Wclttheil südlich vom Erdgleicher nur 
jwri Urringeborene, nämlich die unter sich sprachlich eng verwandten 
Volkssliinme, den liaf f erischen an der Osl-, den Ivong ischcn 
an der Westküste, in sich beherberge. Wenigstens fehlen bis jetzt 
solche Data, welche in Widerspruch ständen mit diesem Satze. 

— Natürlich würden hloss lexikalische Ucbcrcinkommuissc xuj 
einem vollständigen ßeweise, wie sonst nimmer, so auch hi^fl 
nicht genügten: icli bin jedoch so glücklich, eine Menge in 
Lehen der Sprache tief einschneidender Urscheinungcn atifzefg^M 
zu können, welche auch mit llezug auf den grammatischen Typu * 
jene zwei vorhin genannten Sprachstämme als unzweifelhaft Einer 
Wurzel entsprossen heraussteilen. 

Gern hätte ich noch einige vorhandene, allein mir abgehende 
(Hilfsmittel benutzt. Zu dem Zwecke meines Aufsatzes, der auf 
Erschöpfung des Gegenstandes keinen Anspruch macht, werden 
die mir zugänglichen nusrcichen. Ich halte es für Pflicht, von 
diesen letzteren Rechenschaft abzulcgcn. 

Für den li'imgn - Stamm standen mir zu Gebote, ausser den 
Skizzen iin Milhridalcs III. 1. 207 — 224., Gesell, von Loango und 
Kukongo u. s. w. vom Abbe Progart. Aus dem Franz. Leipz. 
1777. 8. S. 150—103., in Rezug auf das Kakongo, wovon es 
S. 150. heisst: ,,I)ic Sprache in Kakongo, die mit denen von 
„ Lanugo, S’Goja, Jamba und anderen kleinen benachbarten Staaten 
„fast dieselbe ist, geht von der Sprache des Königreiches Kongo 
„gänzlich ab ‘). Mehrere gemeinschaftliche Artikel aber, und 
„eine grosse Zahl gemeinschaftlicher Wurzclw'örtcr scheinen doch 
„zu beweisen, dass diese Sprachen einen gemeinschaftlichen Ur¬ 
sprung hatten.“ — Ferner ausser Tuckeg's Sammlungen (s. oh.), 
vom Kongo die Wörter hei L. Vegrandprc Voy. ä la cotc occiden- 
tale d'Afriquc, 11 Tonics. Paris 1801. 8. im 1. Ilde. p. 156—162. 

— Desondors aber fiir das liundo, oder die Sprache von Angola: 
Diccionurio du lingua llundu, «u Angolense, explicada na Por- 
tugucza, c Latinu, composto por Fr. liernardo Maria de. Canne- 
cattim, Capuchinho Italiuno da Provincin de Palermo, Miss. Apo- 
stolico, e Prefcito das Missöcs de Angola, e Congo. Lisboa, 
na Iinprcssüo Regia. Anno M. DCCC1V. Per Ordern Superior, 
p. IX. und 720. klein 4. Von Demselben: Collcccäo de Observators 
grammaticales so.brc a lingua Ilunda ou Angolense. Lisboa, Anno 
M. DCCC. V. gr. 8. p. XX. und 218. Die Gramipatik geht, das 
Supplement p. 137-—148. eingerechnet, bis zu dieser letzten Zahl; 
von da ab folgt, nach einer von p. 151—158. reichenden Einleitung, 
welche über den Zusammenhang zwischen dein Congucz und liundo 

1 ) Richtig bemerkt Vater Mithr. a. a. O. S. 20R. , dass damit gewiss 
wenigstens nicht mehr gesagt sei, als dass sic eben so von einander ab- 
\n eichen, \\ie Englisch und Dänisch, so gewiss beide zu Einem Stumme ge- 

iitiPcu« 



vom Kaffer- und Kongo- Stamme. 


I 


lehrreiche Winke g-lebt, Dicc. ubbrcviado da lingua Conguesa, a 
que accrescc huma quarta Columna, quc conte’m os tcrmos da 
lingua Huiula idcnticos, ou scmclhantcs u’ lingua Conguczn, wel¬ 
ches mir also auch für das Kongo-Idiom gute Dienste leistete. 

Fiir den Kaff«: » - Stamm ist mir leider des Wesley’schcn Mis- 
^ionar’s Fr. B. Itogce 1834. in Grahams-town erschienene Grainmar 
H^llie h'afir languagc seihst nicht zugänglich, sondern nur aus 
^^Bdaukciiswcrthcn, wenn gleich zu kurzen Notizen bekannt, 
[Willi. Schott, s. Jiilg S. VIII.] im Mag. f. d. Lit. des Ausl. 
ffro44. nr. 54. S. 213 —214. aus ihr vom Kafferischcn, vermuth- 
lich, der Schnalzlaute wegen, nach dem Koossa- Dialekte mit- 
thcilt. — Vom Kafleridiome an der Dalagoabny enthält ein Wör- 
terverz. IF'. Whitc’s Journ. of a Voy. from Madras to Coluinho, 
und da Lagoa Buy, on the castcrn coast of Africa. Lond. 1800. 
‘4. p. 65 — 70. — Vom Koossa siche die Mitteilungen Lichten- 
Steins (Reisen Th. I. S. 635 — 072.); ebenso von dem gleichfalls 
entschieden Kafferischcn lieeljuanen- Idiome (Th. II. S. 6l9—634.), 
auch, venuiillilich nach Bachapiii’scher Mundart, bei William J. 
Bare hell Reisen in das Innere von Südafrika, Weimar 1825. II. Bd. 
§. 579 — 585., endlich Casalts', doch wohl nach Rossato’scher 
Mundart, verfasste Grammatik. Diese führt den vollständigen Titel: 
Etudes sur la Innguc SMiuana. Pur Eugene Casalis, Miss. Frun^ais 
ä Thnba-Ilossiou , dans lc pays des Bassoutos (Afriquc nidridio- 
nale), prdeddes d’unc introduction sur l’originc et lc progres de 
la uiission chcz les Bassoutos. Publie par lc couiite de In So- 
cidte des Missions Uvnngeliques de Paris chcz les pcuplcs non 
chreticns. Paris ä rimpriuicrie Royale. MDCCCXLI. LXII1 und 
104 S. gr. 8. — Von Mozambique geben Marsden und Prichard 
a. d. a. •().. einige sprachliche Notizen; desgleichen von der Insel 
Anjoane auf p. 2. seiner Gramm. Cusalis. Beide zeigen kafferi- 
schcs Gepräge, was in Betreff von Anjoane um so beachtens¬ 
werter erscheint, als Madagaskar sich rücksichllich seines Idioms 
nicht Afrika’s Sprachen, sondern dem grossen Malayischcu Spracb- 
stanimc zuwendet. — Ein Aufsatz Herrn v. Ewalil’s im I. Hefte 
dieser Zeitschr. S. 44 ff. erweitert bedeutend unsere bisherige 
Kcnntniss, indem er nach Mittheilungen des Missionar h'rapf uns 
erwünschte Kunde bringt über Sprachen von Völkern, die an der 
noch so höchst unbekannten Oslkiisle Afrika's unterhalb Aethiupiens 
ihren Aufenthalt, haben. Zu meiner nicht geringen Ucbcrraschung 
habe ich getunden, dass die Sprache der Suaheli sauunt den Idio- 
meu der übrigen dort besprochenen Völker ungemein grosse Ver¬ 
wandtschaft verräth zunächst mit den verschiedenen bisher be¬ 
kannter gewordenen Sprachen des eigenthümlicheu, au sich freilich 
nicht sehr geeignet sog. Kaffem -Stammes 1 ). Hutten es Lichten- 


1) D. h. im Arali. l'npläutügo; mithin nicht eben bedeutsamer, als der 
Ausdruck: Heiden. Huber ja mu h ein Kafferittnn in Asien! 



s 


Colt , Lieber die Sprachen 


.■stein (Reisen itu südlichen Afrika I. 803. 402.) und ./. S. Vater 
(Mitlir. 111. 1. !S. 267 ff.), aus Mangel nn Nachrichten, nicht wagen 
dürfen, Kaffem in grösserer Nähe vom Gleicher, als hei (Juitoa, 
zu setzen, so ist uns jetzt erlaubt, noch um wenigstens 5 Grade 
bis Mombas nordwärts deren auzuerkennen, von wo ab dann, viel¬ 
leicht einige, erst sehr unzulänglich erkundete Volksstämmc (lUithry 
IV. 447.) abgerechnet, der grosse, seinem geographischen 
fange nach freilich noch nicht zur Genüge bekannte Galla - Stumn|H| 
sich nach Habcsch hinein erstreckt. 

Nur vom Suaheli, so viel ich weiss, hatten wir schon vo^ 
den Ewald’schcn Mittheilungen in Europa eine, inzwischen ver¬ 
gleichsweise unbedeutende und auf Grammatik zudem keine Rück¬ 
sicht nehmende Kunde. „ Suhili oder Sowyly heissen die Bewohner 
„der Küste von Zanzibar. Genauer sollte Sawdhili (d. Ii. 

„ Küstenbewohner) gesprochen und geschrieben werden “ hat Rü¬ 
diger zu Wellsted II. 333. angemerkt. Von diesen sind nun be¬ 
reits durch Salt Voy. to Abyssinia. Lond. 1814. App. 1. p. 1—l\f$ 
in der Rühs’schen Uebers. S. 418—421. (daraus Vater, Mitlir. 
IV. 447 f. 451—455.), sowie von den sprnchvcrwnndten Makoon 
und Monjou Wörterverzeichnisse gegeben, die mit dem Kruppschen 
viele Berührungspunkte haben. Alle diese drei Völkerschaften 
sollen Neger, und die Maktia, sagt Salt ausdrücklich, keine Kaf¬ 
fem sein. Das will ich, übrigens auf Frichard's lichtvolle Be¬ 
handlung dieser Fragen mich beziehend, dahin gestellt sein lassen : 
beweisen kann ich, und zwar bei.den Suaheli, von deren Idiom 
mehr Material vorlicgt, eine unläugbur, selbst grammatisch ge¬ 
nommen, tiefe Sprachgemeinschaft mit Sprachen Kaffcrischen Stam¬ 
mes. Die Sowauli (au Engl. = langem ü) oder Sowaiel sind nach 
Salt die südlicheu Nachbarn der ihnen spruchfremden Somauli 


1) lieber diesen haken wir neuerlichst durch die Bemühungen der Ge¬ 
brüder Tulschcli nach Umfang und sorgfältiger Bearbeitung höchst anerken- 
nenswerlhc Aufschlüsse erhalten. Lex. der Galla- Sprache, verf. von Karl 
Tätschele, lierausg. von Lorenz Tutscheh. 1. Th. Galla - Englisch - Deutsch. 
München 1844. 8. Mit der Gramm, in Allem 3 Bde. — Nicht zu verachten 
sind aber auch die von den verdienten Missionaren Isenbery und Krapf uns 
gewährten (Hilfsmittel. Nämlich: An impeiTcct outline of Ihc elcinents of 
llic (i'allu languagd. 1 ßv the Kcv. J, L, Kropf. Preceded by a few remarks 
roncerning the nation of Ihe Gallas, and an cvangelical inission ainong thern, 
b\ Ute Kev. V. MH Isenbery. I.ond. l’rintcd for the Cliurch Missionary Soc. 
and sohl by L. et G. Seelv, Fleet Street. MDCCCXL. 16 S. 8. — Tcntatnen 
iinltecillum Trauslationis Eoanyelii Johannis in linguam Gallarum. Auctore 
ltev. J. L. Kropf, Mis.sionario. Auxiliante Berkio, viro ex slirjtc Gallarum, 
(|uain Getan vocant, oriumlo. Inceptum in urhe Ankobar, tjuae regni Sholia- 
norum Capitalis est. AIIMXG.VWIX. I.ond. 16 S. 8. — Evangelium Mnilhttei 
transl. in linguam Gallarum. Auct. Kcv. J. L. Kropf, Miss. Ankoburi, Hegni 
Sliohariorum Capitalis. MDCGCXLI. 72 S. 8. — Auch, ungerechnet das wich¬ 
tige Verdienst um das Amltarixche, A small Vocab. of the Dmitnili lang. 
Lund. MIJCCCXL. By the Kev. C. IC. Iscnberg 22 S. 8. 



vom Kaffer- uiul Kongo■ Stamme. 


9 


(au = A) an der Küste von Mugdusho bis gegen Mouibasa, was 
also eine noch weitere Erstreckung des Kalicrnstummcs nach 
Norden bin voraussetzt, uls wir bescbcidcntlicb oben angaben. 
Auch in ihrem .Süden, sagt er, wohnen Galla. Im Acusscrcn 
aber sind sic den Makua ähnlich. Hält man zu Salt's Angaben 
über den |)bysischcn Charakter der Malcua oder Makuana [s. die 
■taktienas bei Casalis] Lichtenstciirs Beschreibung des Kaffcrnlvpus 
■ 394., so ergeben sich allerdings einige anscheinend schwer 
ViTlösbare Differenzen, die sich übrigens, bei mancherlei sonstiger 
r (Jcbereinstimmung (z. B. dem starken athletischen Körperbau), 
doch sicherlich werden uusglcichcn lassen, wozu bereits Prichard 
den Weg ungebahnt hat. Mit Bezug auf die Farbe will ich nur 
eine Notiz aus Casalis p. XXIII. beibringen, woselbst es heisst: 

,, Sous le rapport physique les Bassoutos different assez des untres 
tribus Bechuanas; ils rcsscmhlent duvantagc aux Cafrcs. lls ont 
gdndralemcnt la peau, Iris noire [!], Ic ncz presque uquilin, les 
levres miuces et la barbe touffue. Sauf leur couleur et leurs 
chevcux laincux, ils sc rapprochcnt beauconp plus de la race 
^caiicasiqnc que de la race negre. “ Vielleicht Hess sich Vater a. 
tt. 0. durch die erwähnten Umstände zu sehr cinschiicbtern: eine 
linguistische Betrachtung der Sache ist von ihm nicht versucht. 

Bei Tuckey p. 384. wird gesagt: The languagc of the Covgo 
and the ncighbouring States, diflers very matcrially froin all the 
kuown languages of the negroes of northern Africa; but froui 
the copious vocabularics obtaiued by Captain Tuckey, there wonld 
scein to be a radical affinity betweeu all the languages on the 
Western coast of Southern Africu, and that thesc languages have 
pervaded the greatcr part of that portion of the Coutinent, and 
exteuded even to the castern coast. Diese Vermuthiingen weiter 
zu unterstützen dient auch eine merkwürdige Stelle bei Üegrandpre 
I. 222 ff., wo sie freilich zu einem anderen Zwecke verwendet 
worden. Nämlich: „Duant •, l’nsage de sc marquer rcligieusc- 
ment la ligurc et les bras en couleur, ä la maniere des Indiens, 
il me parait facile d’en conjecturcr l'origine. J'ai aebetü une 
Ndgresse un jour ä Cabende, qui me parut assez fauiilierc avec 
les Blaues, ou du uioius qui ne temoignait n leur vue ni sur- 
prise, ni frayeur. Comme c'dtait la prcmicre fois que je voyais 
une pareillc securite dans un esclavc, cela piqua ma curiosite; 
je lui en demu-ndai la cause: eile me dit qu’elle avait vu des Blaues 
preccdcmuient; je lui deinandai ou: eile me repondit dans une 
autre terre oü lc soleil se leve dans 1’ eau et non pas comme oü 
nous somines, oü il sc Cache dans la mer. Elle me dit, en me 
inontraut le lcvant, monizi monambou (j*ai vu lc bord de la mer). 
Elle satisfit ä toutes nies questions; eile avait ete en clicmin, 
tjonda caralu, beauconp de iuiics; il est clair qu'ellc avait ete h 
Uuiloa ou ä Mozambique. Elle me dit que sou pays elait h 
inoitie clicmin, entre 1’autre edle et ecllc oü uous etions, et qu’ou 



10 


Poll. (.'eher dir Sprachen 


y parlait la meine ianguc qu’ä In eotc d'Angola; ce qui prouverait 
que cct idioinc est le meine jiisqo’au centrc de 1’ Afriqne. Or, , 
8i le voyagc de ectte feiiinic est veritable, les Noirs conunuiii- 
qiicnt donc par 1‘ Interieur, d’tine cdte ä I' aut re; cela peut cx- 
pliquer coinmeut des coutiiincs d’Asie sont parvcnucs dans ces 
climats“ etc. -— Audi sind Cannvi:alliin’s in den Vorreden zumJ 
Dicc., insbesondere aber zu den Obss. über die gcographisclu^| 
Ausbreitung des Kongo - und Hundt) - Idioms gelieferte IVotizjHB 
von grosser Wichtigkeit. So z. 1>. sagt er vou den Sehagtju^^k 
(vgl. illillir. III. 1. 254.) ganz unbefangen (Obss. p. XVI.): A^ 
lingua Honda se falla per todos os povos das Gidcas ou Giugas. 
Estes vivem independentes, e neutracs. Vgl. aiicb Dicc. p. VIII.: 

Os povos de Giaca fallüo a lingua Runda, a quäl sc vai entrun- 
liando a longa distancia pelo sertäo dentro; de Sorte que, desde 
Loanda ate a Missäo de Cahcuda, sc podem contar conto e vitanta 
legoas segundo bum calculo provavcl. Wirklich linde ich Wenig¬ 
stens Schaggaisch quUilles (gewisse Gesetze) Mitbr. III. 1. 252. 
mit Htindo quigilla, pl. iijilla Lei (lex), — aber Mal. l'uco and Pa¬ 
laver [ Yako. Palaver Discoursc, wohl aus Port, palavra], Emb.^ 
ndcusa Law, Kong, milönghi Lei, ordenaqäo (lex), und Biindo 
muldtiga, Pl. mildnga Palavra, verbo;— ferner gonso (Soldat) in Ein¬ 
klang mit Rundo ugdnsa, Pl. jingünsa Soldado, aber auch mit 
Sliangalla gun-za (man) Salt Voy. to Abyss. App. p. XXIV. Sclingg. 
chilombo (Lager, Hurg) stimmt nicht zu Rundo bdnghi Castclio (urx). 

Zu Anfang der Casalis’schen Grammatik heisst cs: „ Sdchuana . 

Le radical cliuana prend la prüfixe se lorsqu ! il designe la languc, 
et la prefixe bc lorsqu’il designe le pcuplc: uitisi nous.disons le 
Sechuana et les Htrhuanas. La voyelle u, dans ces mots, a le 
son ou.“ Auch steht der entsprechende Sing.: le Movhuana Iii- 
trod. p. XXVIII. und p. 62.; auch MaUliuana languagc bei Salt, 
Voy. App. I. p. XXVII., woraus Vater (Mitbr. IV. 458.) lächer¬ 
licher Weise einen besonderen Zweig des Bcetjuanischcn macht. 
Bei Burchell II. 580. Sicliuana - Sprache; 581. mäsdrri o Muchiidna 
Ein Ricliuaua - Weib, Pl. bdssdni- ha Bie.hiidna. Burchell meint 
II. 314. richtig, Bic.hudna ist der Pl. von Muchudna, aber nicht 
genau, dus Vorgesetzte ba bedeute s. v. n. das Hottentottische 
nachgcstelltc —y qua oder unser Mann in Gcutilnamcii. Beispiele 
fiir jenes: Bachapin [vcriu. = Ballapis bei Casalis], Bamahwia 
[also ba vor ma ?], Balummaka [zuweilen: Tämmalut] u. s. f.; für 
dieses: Briqua [Zicgenlciite], ein Nume bei den Hottentotten für 
die Bachapins, ferner Ndmaqua 1 ), Kord qua, Gonaqua u. s. w. 


J) „0 irsc Namaquas gleichen ganz den Ilottenlottrn, zu deren Gc.srhlecbt 
«io gehiircu ; sie reden die näiiiliehc schnalzend« Sprache; aber sie sind von 
höherem Wüchse und überhaupt besser gebaut als die Bosjemans “ Heise in 
Südafrika während 1840 — 41. Von W. v. Meyer. Hamb. 184.4. S, 118. 



rum Kaffer- und Kongo-Stamme. 


11 


Saqua■ — Causaqua oder Causukyqua Leute jcnscit des Flusses; 
dagegen lieissen die niirdlicli vom Garicp ’) Xusaqaa Leute dios- 
seit des Flusses II. 335. Vgl. aucli Pricliard II. 290. — Hieaach 
ist zu verstellen, wie Licbtciistcin II. 529. sagen kann: „Unter 
„dem Namen Becljaana, Siltljuaiia oder Mnh’lfuana bezeichnet sieb 
die ganze Nation als ein und dasselbe Volk, das sieb vom Kn- 
als dein siidliclistcii Funkt, 30 bis 40 Tagereisen nueb 
orden erstreckt und von welchem mehrere Stämme unter glei- 
j^mcher Beeile bis an die Ostkiiste hin wohnen.“ Ferner II. 530. 
*/e Volksnnmen : „Muruhlong, jV auljaping , Muchuruhzi, Matsdro- 
„qua, A/acquini“ [Wanket si wohl s. v. a. fVankils Cas. p. LXII., 
und nicht Baoualietsis], die also bloss in einem anderen Numerus 
aufgefnsst sind, uls die im Uehrigen entsprechenden bei Casalis 
p. V.: „ Lcs priucipalcs branclics de cettc vaste tribu (des Becliua- 
,,nas) sont les Barolonqs, les Batlupis, lcs Baharutzis et 1 es Bas- 
„soulos“ [PI. Ilassoulo vom Sing.: Ic Afossouto p. XVI. XIX. XXVI. 
XXXIII. etc.], wozu p. 1. noch Manloelis oder Ballokoas; Bakue- 
uas [s. oh.] und Baouakelsis kommen. — Hiermit vgl. man die 
Rainen von Hichuuna-Nationen hei Durcheil 11.625 — 520: Tarn- 
makas oder Batammakas (rotbe Leute), von den Klaarwaterscbeu 
Hottentotten rotbe Käftern genannt i 2 3 ). — Kojas oder Lukojas. — 
Barolongs in 2 Ahthciiiingcn a) A/arruwonnas, unter einem Ober¬ 
haupt« Massao , am Ufer des Malappo oder Moloppo ä ) b) Maibus, 
die unter Makrakhi stellt. — Nuakketsi's, werden von Mokkaba be¬ 
herrscht. — Alorulzi's (auch Mahulzi's genannt). Jenseits dersel¬ 
ben soll ein grosser Fluss (Atakalla) nach Südosten strömen, der 
sieb wahrscheinlich in die Dalagoabay mündet, und auf dem jensei¬ 
tigen Ufer desselben die Nation Bamakalla hausen. — Alakwin oder 
Bamakwin [s. ob.], sind die nördlichste Völkerschaft, von der Bur- 
chcll Kunde erhielt. — Karriliarri's oder Bakarrikarvts. Von diesen 
erkennen einige MaUiwi’n für ihren Oberherrn an. Dies ist auch 
der Fall mit den Bamucliurs und den Mnkarraquas , welche die 
Stadt Patüni und das auf der Westseite benachbarte Land be¬ 
wohnen 4 ). — Priehard gedenkt II. 306. des Kafirstamuics Ama- 


1) Kayariep (schwarzer Fluss) II. 158- vgl. Koranasch t'’nuh, schwarz, 
Lichlunst. 11. (i 14-- 

2) Wold Hectj. t'hammachn, rothgcflcckt, hauptsächlich von der Zeich¬ 
nung des llinilvicncs, bei Lichtcnst. 

3) Bcctj. Appellativbcncnnung von Flüssen. 

4) Mit l'leiss habe ich auch einige Personennamen mit erwähnt. Es 
gieht deren viele vorn mit tno oder um, z. B, noch bei Burchell I. 352. 
Muchnnka (im .Sichuana: ann). Mollemmi II. 582. — Bei W hite p. 41. 
Namen von Häuptlingen : Capelieh, Joveh, Wttnyooeh, Mntu-al, Mnllamliitneh, 
H'oneomc, Pnnelleh, Mnputeh, Maehelemhey , Corro, VhenmuUo , (ionumo. 
Miiilieitieuiin , and (iounutno. — Desgleichen hei Casalis hinten in den Die 
•lern in Menge. — Die Kongo -Scliwiirzen hatten (Allg. Ilist. d. Heise' 1 IV. 
7v.l.) , ehe diu l'orhigiesen liiiikaincn, keine besondero Namen. Hus gemeine 



12 /Vf, Leber die Sprachen 

zululi [eine Flurulbilditng, wie Ainu-Koosiua d. ii. Koossu-Land 
«der Volk], Zuluh oder YaUoah, was, auch zufolge p. 823., einerlei 
zu sein scheine mit der früheren Benennung Abulua oder Bulua, 
Auffallender Weise heisst aber nach Licktcnst. I. 657. im Koossu 
der B.oäjesman sehr ähnlich Vndüa oder [l*lur.?] Balua, allein der 
Hottcntott Lmlao, worin Um der zufolge S. 640. oft den Wörtern j 
verschlagende [venu, artikclartige] Nasal [M, Am, Om, Um, audfl 
Inj sein muss. B und IM hält Lichtcnst. II. 621. im Bcctj. für blo^H 
mundartlich verwechselt, z. B. in massari, bussari (Frau); — miV 
Unrecht. Beetj. Makaulu (Buschmann) 11.-631. Male bete (Cafre),^ 
dessen ich, da Casalis p. 70. sich davon den Flur. (I’eufant des 
Mateheles) gestattet, seiucr Niimeralgeltung nach nicht gewiss hin. 

Vielleicht wird uns einmal Krapf darüber uufklären, oh wir 
richtig vcrmiithcn, dass in den von ihm erwähnten Völkerstämmen 
Wakamba, IVanika '), Ulcuafi, Msci/iia, Musainbara gleichfalls vorn 
solche N'uineralpräfixe stecken. Wenigstens gieht uns schon jetzt 
die Angabe über die Plural- Bildung im Suaheli S. 50. 51., vgl. 
mit 55., gerechten Anluss zu dieser Vermuthuug, indem M - sunyo 
ein Europäer, I Yu-sungo die Europäer. Oh damit Umluhngo [doch^ 
nicht etwa l Druckfehler st. ft] Wcisscr Colonist, im Koossn 
(Lichtcnst. I. 657.) zu vergleichen, steht dahin. Makua soll nach 
II. 631. der Name sein, welchen die Bcetjuanas gleich Anfangs 
für die ersten Wcisseu, die sie kennen lernten, erfunden, und 
noch jetzt würden von ihnen damit alle Fremdlinge bezeichnet, 
die nicht Hottentotten oder Kaffem sind. Wie wär's nun, leitete 
mau dies Wort von di ku [eig. wohl hinten mit — a; ich gehe], 
das iin Koossa zur Futuralhilduug dient (Lichtcnst. 1. 665.), allein 
auch in gewöhnlicher Weise für: gehen steht S. 663, vgl. 670 
(Ich dulca Geh nach Hause) und 669? Freilich einen Ankömmling 
erhielte inan so kaum, schwerlich auch mit Hülfe von Suali. ume- • 
kudsha (er kam) Ewald S. 54., da im Beetj. ke z’ha Ich komme 
(Lichtcnst. II. 631.), — hei Burchcll II. 581. jedoch Sich. UiiliS 
kwdunu oder kwdnu Komm her —; und — fortg chcn tliut der 
Europäer chcn uiclit. — Nicht nur aber ist Makoa Mannsname 


Volk wurde mit dem Ninncn der Kräuter, Pflanzen, Steine, Vögel, Tbiere 
und lebendiger Geschöpfe genannt. 

1) Cnmbn wohnen, nach Oldendorp, unweit Loango und bei der Provinz 
Sundi, der nördlichsten des Königreiches Kongo. Mithr. III. 1. 209. 223. Das 
scheint nicht überflüssig zu bemerken , wegen der vielen gemeinschaftlichen 
Bezüge zwischen den Kongo- und KalTcrsprnchcn. Im Bundo Mn - cnmbn 
Companhia (societas), als Plnr. von Ri-cdmba Coiupanheiro (sorius), fami¬ 
liär (familiaris), bietet vielleicht künftig eine Erklärung. So heissen z. It. 
Verbündete: Mueumbu [Genossen] Ainlidn [eines Bündnisses] to-mbebi [zu¬ 
sammen] Ligados. — Auch „Kegnmn Manien uuriferum cujus rex Chicangu“ 
lindel sich auf der Karle der llomunnischen Erben unter 20° S, Br. nach der 
Oslküste zu. Vgl. Hitler, Afrika S. 145. Prichard, Gcsch. des Menschen 
gesell!. II. 321. 



vom Kaffer- und Kongo- Stamme. 


13 


C'ns. p. 50. 74-. (vidi, anders p. 68.), sondern auch p. 2. Ilencn- 
01111 "- eines Volksstammcs. II existe un ccrtain nombre de wols 
sdcliuanas dans lc dialectc des insulaircs d’ Anjoane. Ne scrait-il 
pas pennis de supposcr que ccs mots ont cte pris des Makoas, 
avec Icsqucls les liakitants des Comorcs doivent avoir de frequcnls 
rapports, et d’ en conclurc que lc sechiiana, ou du moins un 
Hangage qui s'eu approclic extrem einen t, cst parle jusque sous 
■ le 10 c degre de latitude sud? Hierauf siclic die Antwort im 
Obigen. Ob aber dieser, offenbar mit Salt's Makooa gleiche Name 
»'mit der Benennung für die Europäer Zusammenhänge, ist eine 
andere und schwer zu beantwortende Frage '). 

,, ln der Landschaft Pemho wächst sehr viel Hirse, welche 
■ ,dic Einwohner Mazza [Millio (miliuin) Gong, midi, ISundo nuissa 
„Cannecattini Obss. p. 193.], oder Korn von Kongo nennen; auch 
„Mais oder Türkischer Walzen [im Koossa hon«; Allg. Hist, 
„der Kciscbcschr. IV. 225. Yaloflisch dough- oub, Fulah malt- 
„ kury ], in der Landessprache Mazza Mnnputo , d. i. Korn von 
„Portugal (welches sic Mnnputo heissen),“ sagt Dappcr, Afri¬ 
ka S. . r )50., wogegen Mampnulou (France) Dcgrandpre I. 160., 
vielleicht also mit gleicher Gebrauchs weite, als Franke = Eu- 

> 

ropäer, Arab. ,£uy»j(, wofür Berbcrisch Iroum'iin, (Enro- 

pecns), d. h. Körner »), wegen ihrer vormaligen Macht in Afrika. 
Venture de Paradis Gramm, et dict. de la lnngnc Herbere. 1840. 
p. 72. — Provart S. 17.: „Im Kakougo heisst eine Art Erd- 
„ äpfcl Itala und Putu, oder Europäische Wurzel, ohne Zweifel 
„desswegen, weil die Portugiesen sic ihnen aus Amerika werden 
„zugefulirt haben,“ worin das „und,, sicherlich Irrthum ist st. 
„A'\ S. 21.: „Es scheint, als wenn der Kokosbaum in diesem 
„ Lande nicht einheimisch, sondern von Europäern aus Amerika 


1) Durcheil II. 581. hat Jl/iitiTaut o mitnschue hässlicher Mann, aber 
Mftkwdu mtischü Ein weisscr Mann = Europäer (wcissc Leute II. 557.), 
von schu (weiss). — Umluhugo ist hei Lirhtenst. 1. 377. Eigenname eines 
Kaifcrisrhcn Mannes, wie dcsplciehon Umlao [sonst: HoltentottJ S. 482. Vielt, 
also in ühnliehcr Weise, wie hei uns, Diihm, Tsclieeh, Frank, Schwall, 
Prenss, Pohl, Hähne, Bayer. Pommer, Schlesier, l'rigcr, falls nicht rlwu 
eher nach dein appcllativen -Sinne, welcher den Namen Umluhugo, Umtao, 
Makoa cip. zu Grunde liegen mag. — Koranusch T" 1 tthmbe tire (Colonist ich), 
ltosjcm. Mm V'kumya t' 2 huli (Ich Mann Weisscr) Ich bin ein Colonist (Eu¬ 
ropäer, Weisscr) Lichtcnst. II. 616. 

2) S. über den mannichfachcn späteren Gebrauch dieses Wortes zu 
Völkcrbczcichnungcn in einem demnächstigen Hefte der llocfcr’sclicn Zeitschrift. 

O • 

Bei Venture p. 61. z. B. auch Bcrb. bouiottkhum , Arab. f Diudon. 

— Franken hiessen mehr die Franzosen saniinl den übrigen Westeuropäern, 
Börner aber die Christen im Osten, auch die Italiener. Amnri, Yoy. en 
Sicilc de Mohammed - Elin-DjobaVr. note 13. 54. liitrn war sogar eine Soldju- 
ken - llurrsclinft gegen das Ende des \I. Jli. in Kloinasien, note 71. 



14 


Poll,' Leber die Sprachen 


„nach Afrika gebracht ist, weil die Neger ihn Uanga A" Ptilu 
„nennen.“ Bang ist ein dem Palinbauine fast gleicher Baum, 
woraus die Schwarzen auch Wein zapfen, den sic Muliensi nennen, 
berichtet Dappcr S. 390. — Malemba und Embomma boam-poulou 
Anchor '), ich weiss nicht, ob zu erklären aus Jaloflisch boume 

1) In der Allg. Hist der Reisen IV. 23J. Maudingoisch Tobnubo (ei*/ 
weisser Mann; gui, weiss), woher Tobnubo knluhn Schilf, eig. der Wcissen 
Canoa, Kahn (Knhihn). Eben so Tobnubo U (Zucker), denn Uh ist Honig; 

— mithin als cingcfülirtcs Product. Bei White p. 33. Sugar, callcd hy theia 
Pnißish honey , ohschon er p. 66. woolombcn (sugar) den Bewohnern dci^ 
Da Lagoabay beimisst, was also wohl eher eig. Honig bezeichnen mag. Wahrseh. 
mit Art. bei ihm auch Repipnw (Tobacco pipe) und, vicll. zu Kakongo pul In 
(blasen) Proyart S. 162., Follny (tohacco), aber Follny tenomphnn (snutt) 
mit numpho (the nosc). Im Bund« süquiri Acucar (saccharum), süguiri (juiafinu 
[auch das zweite Wort: fein, aus dem Port. Vgl. Jaspc, pedra: Bundo Hi- 
ti'tri in/jinu d. h. feiner Stein] Afucar rclinado. Die Waarc bekommt oft 
selbst da, wo sie einheimisch, wegen der Nachfrage Fremder, einen — frem¬ 
den Namen, z. B. Bundo nuirfinu aus Port, marlim (ebur). — Es. ist un¬ 
glaublich , wie viele europäische Ausdrücke (sowie Arabische) cingedrungen 
sind in die Afrikanischen Sprachen , z. B. Holländisch am Kap, Portugiesisch 
in das Bundo (das Würterb. wimmelt davon). So auch, vermulhlich durch 
das Medium des CreoJcnporluyiesisch, Allg. Hist, der Reisen 111. 222. inP 
Mnndinyo: Allu (Gott); Inmbre Amber (vicll. mit Aral). Artikel). Ankoret 
ein Fässchen (vgl. Anker). Jcncll ein Fenster, Bundo jnnella, Port, jn- 
nelln. Aasler oyslre; Krystnll; Gabel gnrfn, Port, ynrfo (uncus); Lölfel 
kulenr, Port, colher (Lat. cochlcar); Licht •liniulca; Schaf korncll (Port, 
carnciro Aries); ein Factor merendore, aber jonko ein Kaufmann; eine 
Platte, Schüssel prnln , Port, pralo (ealinus). — Nicht minder im Ynlof- 
fischen und Fitloh: Annens, Bundo nnnüche Ananaz, ein eig. Malayisches 
Wort. — Y. tmaglm , F. tnbn Taback. — Y. u. F. barra (will) KiscnsUmgc, 
Stange Eisen. — Y. pippn ein Fässchen. — Y. crownt Halstuch; Inpitnn 
Hauptmann. — Y. bnmberla (vgl. bombarda), ein Stück, Canone, /nihil 
Flinte, während im F. fetel [aus Frz. TusilV], das auch im Javanischen vor¬ 
kommt, zugleich Kanone bedeuten soll. — F. deß'eterre Schrcibbuch (Suplkepa) 
vgl. Reland, Diss. misc. II. p. 285. und Klapr. Reise in den Iiauk. 11. 547., 
und lorndc nllnh [Gesclz Gottes !) angeblich für Buch, — Himmel nssn- 
mnn (Ar.) im Y., aber F. hyclln. — Pferd fnrss (Ar.) V., allein F. poukkiou. 

— Um dies zu erklären, darf man nicht erst wieder die Ahnen der Neula¬ 

teiner auferwecken, und, wie z. B. Proyart und Degrandpre möchten, aus der 
Herrschaft der alten Römer in Afrika mehrere, allerdings von Hause aus 
Lateinische Ausdrücke herleitcn. Vgl. z. B. Toaiha lud Ulensu im Bundo 
aus Port. Toalhas de meza (Lat. mensa), wie Ma-toväVia ma jikic» Toal- 
has de mfios (manlclc). — Im Bundo pentu (pcctcn) aus dem Port, penlc. 
Gong, sann (pentc) dagegen, so wie sanoo (Comb, v.) im Mal. und Emb. erinnert, 
ich weiss nicht, ob rein zufällig, an Persisch wLä Kamm. Man könnte auch 
an Koossn ssihnju (Zahn) denken, wegen der Zähne des Kammes, doch wie. 
ilerum ist ja Ar. q*h dens sc. oris, pectinis cct. — Von den Abyssinieru 
und Arabern, als weitverbreiteten Kulturvölkern, mussten natürlich auch viele 
sprachliche Einflüsse auf die Sprachen Afrika’s ausgehen. In vielen Fällen, 
z. B. bei Proyart, sah man jedoch für Semitisch an, was cs nicht ist. Auch 
die Vergleichungen aus dem Seehniiim mit dem Hehr, bei Cns. p. 5. dürften 
wohl meistens nioht Stich hallen. Jedoch z. B. amanili (verite) scheint, nebst 
Suah. amine (Glauben) Ewald S. 53., allerdings der Arab. W. ent¬ 

sprossen. Ebenso sind Arab. Suah. usihtthuda Zeugniss , damit Blut, 



e<»H Kaffer- und Kongo - Stamme. 




(der Strick) ? — Im Bund» Muscudttu [verdreht aus dem Port, 
ßiscouto, i. c. Panis nauticus] oder auch IIdiu rid Pitt (panis 
Portugalensis), wie Futluha rid Put, oder l'arinhn rid Ochi Farinha 
de trigo. — Portugal (Lusitania) wirdDicc. p. 588. wiedergegeben: 
Ochi rid Mudni Pul Kgdnna Jeliu, i. c. Terra regis Portugalliae 
Domini nostri s. Dicc. p. 332: el Rci, und Portugucz: Mona 
[ filins ] rid Mudni Put [regis P.], pl. Ana ja Mudni Put, oder 
Quissw'ia rid Mudni Put. Ferner p. 143. Brazil, rcgiäo (Brasilia) 
V Puttu , ou, Ojichi [regnum] rid Mudni Put. ln den Obss. p. 4. 
Mudni ■ Put o Rci de Portugal, wie Mudni Conijo o Rci do Congo. 
Vgl. Dicc. p. 627. Muvhino [Rei] rid Piit etc. Unter Ursa wird 
angegeben: Ursa, cale mit Angola [non in A.], quidina [fera] 
quinene [magna] rid PtU [liuropac]. Was nun dieses, auch sonst 
noch in vielen Artikeln des Dicc. vorkommende Wort eig. besagen 
wolle, weiss ich nicht. Im Kongischcn bedeutet npiitit Obss. p. 
201.: pobre (pauper, inops), was ich noch nicht so geradehin 
verdammen möchte, da z. B. der Deutsche von den Letten mit 
dem ßeinamen des Blinden regalirt wird. An eine Beziehung zu 
Portugal habe ich gedacht, allein z. B. Port. Portciro (janitor) 
'wird im Rundo zu pulutrlu *). Dicc. p. 173. v. Gochc (rhedn) 
stellt: Caludgc [sonst Caludgcm — Port, carrnagcm Vectnra], ma 
ja Altu [homiiiiim] Mundete, ou, Mindete [eine .Sache der weissen 
Leute]. 

Aus der Spracheigentümlichkeit, die sich, wenn auch in 
raodificirtcr Weise, weithin in Südafrika verbreitet, nämlich den 
Singulären und Pluralen, jedem einen besonderen Artikel vorzu- 
heften, kann in den (ienlil- Bezeichnungen leicht eine Verschieden¬ 
heit 1 2 ) entstehen, die, ohne Beachtung des Umstandes, dass die¬ 
selben bald im Sing, bald im Plur, aufgeführt werden, durchaus 
unerklärt und riithselhaft erscheinen, ja zu mancherlei ctbno- und 
geographischen Missverständnissen Anlass geben muss. 

Wundern wird man sich hiennch uueh weniger, -auf den 
Karten des südlichen Afrika so ungemein vielen geographischen 
Namen zu begegnen, deren erste Sylbe mo- oder ma- ist, wie 
z. B., ausser uuzähligen andern, Mozambique-, der See Maravi, 
wofür Casalis p. 1. Marabai schreibt; Machidas und Mosscyucios 
lilitlir. Ul. 1. 246.; die Kaffcrnstäinme Matlimba und Maduanas 


1) Bei Denliam and Clappcrton, Narr, of Travels rct. Land. 1826. p. 
175.: Bull full; White man, aus bull white), z. B. teminy bull (white 
leelh), ynuyai bull (white trowsers), kukoo bull (white shirl), — also nacli- 
Reslelll! — aber full; inimnittcll, den» Man heisst hum. So im Vor»u. — 
lai Begharmg p. 180: liab n jaffeg White man, nee njit/fg W'liite woman, 
von gaba (man), oder kttb (good man!), aber kab-kussu liad (kussuj man: 
nee (woman). 

2) Z. B. Tembn und [PI.) A-Ilcmlm, wie Vtintlo, PI. A-humlo, Vielt, 
«mh Tuinhi und Adampe. 



16 


Pott, lieber die Sprachen 


277,; Magadaxo, Maracules Pop., Mombaza, Monfia, Muten«), Mon- 
(jato, Moruca. Bei White der Plussname Mafumo. Muzimbos , die 
auch Mauruca heissen. Ritter S. 140; Reich der Musnangani 151.; 
Volk Mongas 143.; Landschaft Matuca 145., Molcarangua 142., 
Volk liotongas 145. Viele andere hei Prichard a. a. 0. II. 326 f. 
— Litdhtn heisst auf lieetj. eine gewisse Stadt, von den um¬ 
mauerten Vicligehegcn (im Sing, lahm ) Rurchcl! II. 318., der 
daseihst nngiebt, wie im Sichuana hei unbelebten Sachen li-, hei 
belebten Gegenständen ma- der gewöhnliche Charakter dcsPlur. sei. 

Zufolge Cusulis i». 10. „le phiricl sc forme par la permu- 
tation de la prelixe d’ apres les regles suivantes: 

Mo se ebange cn Da: Motu, Hamme; pl. Uulu 
Ho » » » Ma: Botluku, Douleur; Malluhu 

Le » ^ Ma: Legeba , Coloinbc; Mageba 

Se » » » Li: Selcpe, Hache; Lilepe. 

„Tons les iioins comincncnnt par unc syllabe differente des quutrc 
,. precedentcs prenncnt li pour niarquc du pluriel.“ Vgl. bei Itnr- 
chell II. 581 ff. : Mösdrri (Weib), pl. bässdrri. — Lolidha [wohl 
vorn nicht richtig] Eine Feder, liptika Federn. — Tiipa i biikäal: 
Ein scharfes Messer, lipa i b'ubü'i Ein stumpfes M.; liliipa Messer 
[wohl PL], — Skhdka Ein Vogelnest, pl. lichdka. — Silleign Ein 
Beil, Pl. lileepi. — Nuenjünni Ein Vogel, Pl. Linuenjdnni. — 
’Nchd Ein Hund, Pl. manclia. — Klon Elcphant (zuweilen, per 
synecdochen, Elfenbein), pl. malildii. Kl du, Iserri pe.cri 2 Elephan- 
tcn. — Korne Ein Ochs. Korne ”wchu Ein schwarzer Ochs. Korne 
Iser v nchü Schwarze Ochsen. [Das, viell. Vielheit anzeigende tsurri, 
tser ist mir sonst unbekannt, erklärt aber viell. den räthsclhaftcn 
Zusatz von Iri- iu 3 und 7 in dem Idiome an der Lagoa-Bay. 
Zählmcth.'S. 21.] — Tau Ein Löwe. E Idit pderi 2 Löwen, läii 
Ikhdmu 5 Löwen; aus pderi (2), c/idrnu (5) nach der, von mir, 
Zählmcth. S. 20. näher beschriebenen Gebrauchsweise, mit der 
das Suaheli grosse Uebcreinstiuuuung *) zeigt, Ewald S. 51., z. B. 
simba waliuba ivaivili (Löwen grosse 2). Ilundo jingdmbi jidri 
(Ochsen 2) Jugada. de bois (Par boum), aber Quibdnca quiajin- 
gdmbi Juutn de bois (jugum boum). 

Cannccattim unterscheidet, ausser den, geschlechtlich nicht 
unterschiedenen Artikeln o (Port, o, a), pl. co (Port, os, an) mit 
ihrer angeblichen Declination, Obss. p. 6., im Bunde überdem 4 
sog. Oeclinationcn , je nach Verschiedenheit der ‘ Numeralpräfixe 
(Casusendungen gicht es in diesen Sprachen, soviel wir wissen, 
nirgend). Diese sind: 


1) im Suaheli sollen Tliirrnnmcn nn sich seihst keine Plurnlliczcielmuiig 
vertragen, sondern nur un den nnchgcslclltcn Zusätzen. Von dieser Kegel 
scheinen die Sichuana - lieispiclc bloss dann nh/.iiwcichen . wenn der Pl. des 
■Sahst, allein, ohne nachfolgende Epitheta, sicht. 



vom Uaffef und Kongo - Stamme. 


17 


I. n) Sing- Mo-, Wtt - ('««-), 1*1- A - 

b) » Jl/u-, MO-, • - » Aft- 

II . » N-, .... » J/n-, oder^i- ') 

III. » Qui-, . ...» I- 

IV. » Ri-, . ... » Ma- 

Mit zalilreiclien Belegen, nicht iihp (Miss. p. 8—16 und 138 — 
146., sondern aucli überall iui Dicc., und dessen ungeachtet habe 
ich bis jetzt weder luutlichc noch begriffliche (sicherlich nicht rein 
geschlechtliche) Gründe für ui? Wahl dieser oder jener Weise 
ttiifzulindcn vermocht. „Die Angolische Sprache ist von der 
„Kongischcn nicht unterschieden, als allein in der Aussprache, 
„dadurch sie eine ganz andere zu sein scheint. “ Dnppcr, Afrika 
S. 586. ist wohl zu viel gesagt, ober das Benehmen des Kongo 
z. B. auch iiu gegenwärtigen Falle ist dem im Bundo sehr ähnlich. 
Cunnccuttiin Ohss. p. 154. meint auch, que as duas Nagoes Con- 
gucza, c Bundn se derivariao de huma mesmu origem, e familia, 
e que com o uudue du tempo sc diflundiria cm rumos, e formnriaö 
estas duas differentes Nagoes. 

" Aus dem Kongo-Vokabular hinter der Collecguo habe ich 
mir für das Kongo folgende Kalle abstrahirt. In Ucbereinstimmung 
mit dem Bundo I. a) Mo, mit, pl. A. b) Mo, mu, pl. Mi. — 
II. nichts Entsprechendes. —- III. Qui, pl. I. — IV.. Ri, dl, pl. 
il/a, ml Ausserdem noch E — Ma; Cu — Ma; Lu — N. Bei¬ 
spiele: I. Modna, pl. Ana, im Bundo Mona, pl. Ana Filius, ii. 
S. auch muldque bei den Dermin. — Munüa, pl. minüa Boca (os, 
oris); auch Nüa Chaga (ulcus), wohl der Ocffuung wegen. U6ß 
quid nüa Beigos (labia). Bundo riednu, pl. maednu Boca. — Pl. 
mildmo Dcdos (digiti). Bundo mulebu, pl. milcbu Obss. p. 10., 
aber mulcmbo, pl. milembo Dicc. p. 256. — Mubacdla, pl. mibacdla, 
Bundo Ngllla, pl. Jingllla Rua (via). — Muquembo Gloria beina- 
venturadn (beatitudo), pl. miquembo Glorias (gloriae). — Mumpäci, 
pl. mimpdei Nccessidade (necessitas). Bundo ocumessena, oder Sing. 
quibiri, pl. ibtri. — Mubingu, pl. miblngu, Bundo mubinga, pl. 
mibinga Petigaö (petitio). Mubtngui, pl. miblngui Advogato (ad- 
vocatus), — Mofünu, pl. mifünu, Bundo quifünu, allein im Dicc. 
p. 539. muffünu, pl. miffünu (auch Ocalacald) Obra (opus, eris). — 
Muichi. Mudnc'i, pl. midnei, Bundo Ndanci, pl. jindanci Raiz 
(radix). — Mospndi, pl. misündi, Bundo quilümba, pl. ilümba Virgeni 
(virgo). — Mulendi, pl. mildndi Poderoso (potens) von lenda (po- 
testas). — Muffunguisse, pl. miffunguisse Confessor (confessarius). 
— Musumüqui, pl, misumüqui Peccador (peccator) von sumüca 
Peccar; ’sumdca Xambi Offeudcr a Deos. - Dagegen risümu , pl. 


1) Bei dem W echsel zwischen z und j Obss. 152., insbesondere 155. 
vielleicht zu vergleichen mit dom sin- Kafferischer Zahlen bei Barrow, s. 
meine Zühlmcthodcn S. 20. 

II. Bd. 


2 



18 


Polt, lieber die Sprachen 


masämu, Bundo quilächi , pl. iliichi Pcccado (peccatum, culpa), 
woher auch im VU. mo quiluxi (in tentutionem). Auch Congucz 
rialuclo, pl. maluelo Venia! (peccatum Icvius) von ludlu IMenos. — 
III. Quivämu; pl. ivümu, Bundo rivumbu, pl. mavumbu Ventre (ven- 
ter). — Quilunzi, pl. iluiisi, Bundo quilüngi, pl. HAngi Entendi 
mento (intcllcctus, us), aber Cong. längt, Bundo quilungi, 
ih’tngi .Juizo (Judicium). —. Quicinsu, pl. iclnstt Sinai, Bundo ( 
chimbuH, pl. tchimbudl, oder quirimbu, pl. irimbu Signo (signtn. 

— Quilumbu, pl. ilümbu, ßiiudof||lttSHa, pl. isita Dia (dies). — 
Quidndu, pl. idndu Cama (lectulus). — IV. Riampöndi, pl. mam- 
pöndi mortui (mortalis). Bundo qulma qui/fua, pl. ima iffua Mnrtal 
cousa (mortalis, lc) und Atlu iffua, oder Ana iffua [sterbliche We¬ 
sen oder Kinder] Mortaes, i. e. Homens. — Ridle, pl. maile, Bundo 
saclamcnlu, pl. jissaclamcntu aus Port, sacrumento. — Rildtt, pl. 
maldu, Bundo pdngu, pl. jipdngu Virfude (virtiis). — Unstreitig 
als blosse Variante (d für r): üibdia,- pl. mabdia, Bundo ribdia, 
pl. mabdia Taltoa (tabula). — Auch dtssu, pl. tndssu, Bundo rissu, 
pl. mdssu (oculus) Ohss. p. 14. 

Dazu Esse, pl. mdsse, Bundo Ohss. p. 12. idla, pl. jildla Pri 
(pater).— Elddi, pl. malddi, Bundo rildri, pl. maldri Pedra (lapis). — 
Eia, pl. mdia, Bundo rid, pl. mdie Palmcira (Palmhnuin). — Eua, 
pl. maua, Bundo mabäba, pl. abdba Ohss. p. 138. Aza (ala). — Cu 

— Ala s. sp. Ohr, Fuss. Quilildnte Em p6 (In uno pede stare), 
aber Ataniüc'nle Em p6s (In pedibus stare). — Eine andere Ab¬ 
weichung ienc, pl.maidnc Mama, teta s. sp. — Desgleichen s. Hände. 

— Für lucüni, pl. ncuni Lenho, madeiro (lignuin) kenne ich nur 
dieses eine Beispiel, sowie für vudma, pl. nudma Rico (dives), 
Emb. vovama, Mal. sena (rieh), Bundo quima quidvvüa Rica cousa 
(dives). Nach Proyart S. 160. sagt man im Kakongo: ein Mann 
von Iteichthümern [Kongo vudma Riqueza. Divitiac, copiac] st. 
ein reicher M. — Ausserdem noch im Kongo folgende Plur., ohne 
Angabe des Sing.: Alacdia Folbas (frondes), im Bundo maffu, als 
Pl. von riffu (follio). — Alazanga Lagriinas (lacrimae). Bundo 
richossi, pl. machossi. — Alabcmbua Hombros (humeri). Bundo 
quissächi, pl. issüchi. — Mal. und Emb. matamma Checks, Bundo 
ritama, Pl. maldma rid polu [faeiei] 1 Faces de rosto (maxillac). 

Iliczu füge man, was Vater im Mithr. III. 1. 214. nach dem 
mir unzugänglichen Velralla anmerkt: »Die Artikel der Subston- 
„tiva, welche an dieselben hinten [!] l ) angehängt werden, sind 


1) Findet vielleicht in S. 215. seine Erklärung. „Die Adj. stehen immer 
„hinter dem Snbst. [nie überhaupt in den Sprachen vom Kongo- und Kaffer- 
„ stamme allgemeine Sitte scheint] mit zwischen gesetztem Artikel oder De- 
„monslrotiv-Pronomen. Mit erstcrem schmilzt z. B. das Adj. eotc, gut, zu¬ 
sammen.“ So mögen, wenigstens zielt dahin die angebliche Einschränkung 
im Gebrauche des Artikels (hei dem Verb, subst. oder bei Adj.), die ver¬ 
meintlich den Subst. suf/igirten Anhängsel Vielmehr eig. Präfixe sein Von den 
Adjectiven u. s. w. (S. später.) 



vom Kaffer- und Kongo-Stamme' 


10 


» ein schwerer Theil der Sprache. Die Eigennamen und die Na- 
„ men der Menschen und Tliiere [vgl. Ewald in Betreff der Thier- 
„namcu] brnuclien keine Artikel, wenn sie mit Verben verbunden 
„Stehen; aber wohl haben Namen der Menschen und Thierc Ar» 
„tikel, und zwar eigentümliche, wenn sie mit dem Verbum subst. 
„ oder mit. Adj. stehen. Die Substantive theilcn sich in 8 Classen, 
„nach Massgabe der Artikel, welche sie im Sing, und Plur. an- 
„nehmen, und nach Massgabe der Anfangsbuchstaben der Sub¬ 
stantive, welche sich nach der Anfügung der Artikel oft ändern. 
„ Diese Artikel sind bei den Siugularcn: ria, üa-, quia , yo, pua, 
„ca, lua, tua; bei den Pluralen: ma, mi, y, sa, tuq, tu. Dem Vocativ 
„wird e [im Bundo he, ohne Unterschied des Geschlecht» und 
„Numerus] vorgesetzt.“ Leider fehlen mir die Mittel, um diese 
durch ihre zu grosse Kürze unklar und fast unbrauchbar gewor- 
■flene Darstellung auf ihren wahren Worth zuriiekzuführen. Unter 
Artikel muss liier noch etwas Anderes, als die von uns oben 
besprochenen Nuineralpräfixe, verstanden werden. Etwa das, was 
Cunnccnttim p. 6. gleichfalls Artikel und deren Declination nennt 
(worin aber offenbar, wenigstens theilweise, Präpositionen stecken): 


Sing. 

N. 0, la 

G. Quid, Kid, la , Gud 
D. A, la 
Acc. 0, la 
V. He 

Abi. Co, Mo, Bu, la, Gud 


Plur. 

Co, Ja,...Cud 

Quinji, Cuä, Ja 
0, Cud 
Co, Cud, Ja 
He 

Co, Mo, Bu, Cud, Jd. 


Z. B, Gen. riä Riäla do Hoincm, pl. quid mala dos Homems, rid 
Mug'dtlu da Mulher, pl. id Ag’dllu das Mulheres. Ob nun diese 
hinter l ) das Subst. treten [vgl. Kakongo], weise ich nicht, 
lndess sehe man Cannec. Obss. p. 154., wenn er, mit auf die 
Lesung von der Doutrina Christa do Padre Vetralha fussend, sagt: 
A base fundamental [!] da Lingua Conguczn he, <;ue ns letrns, 
ou syllubas iniciaes [!] saö as que goveruaö, e distinguem ns pa- 
lavras, e nao as terminaqoes .— nicht die Endungen —, coai« 
dissemos do Lingua Bunda, o que he liuina gründe prova, de 
que nmhas os Na^ocs tiverao a mesma origem. Ferner p. 156.: 
0» nümeros sao dous como na Lingua Bunde, e se distinguem 
pelns 8UOS iniciaes [!]: pois a inicial do singulär he diversa da 


1) Im Suah. ulimcngüni (in die Welt) von ulimengo (Welt), Sccb. mo 
peh mg (dans le coeur) von peln (cocur) Cas. p. 43., während man sonst in 
beiden Idiomen keine solche postpositive Umendungen gewahr wird. Bcetj. 
Amm<uts' ose t’ huhngene [von t’ huhngn] Milch ist im Korbe; eemnsombn ns' 
inüowdnc [von inndhit] Korn ist im Beutel, Im Kongo stehen Präpp. tbeits 
vor, theils hinter den Subst. Mitbr. III. J. 219. 


2 



20 


Polt, Heber die Sprachen 


do plural, e a final de ambos os nüraeros em toilos os casos he 
a mesma [!]. — Todas, ou a maior parte das declinnqoes dos nomes 
da Lingua Congueza, sao os mesmos que na Lingua Bunde, e 
debaixo das mesmas regras, e prcccitos : os adjectivos da mesma 
Sorte cet. — Dann auch sogar; Os artigos alguns sao os mesmos 
da Lingua Bunda, outros nuö. 

Mit dem Kakongo verhält es sich nach Proyart S. 154. 156. 
so: „ Eigentlich zu reden, hat die Sprache weder Genera ('s. .llo- 
„ tion), noch Numeri und Casus, welche letztem beiden durch Ar- 
,, tikel äusgedriiekt werden.— Eine der grössten Schwierigkeiten 
„derSprache liegt in den Artikeln, deren es 13 giebt; 7 für den 
„Sing, und 6 für den PI. Die ersten sind: i, bu, li, liu , hi, u, 
„ku *); die letzten: i, ba, bi, ma, na, zi. Ein jeder dieser Ar- 
„tikel hat eine eigne Classe von Substantiven, mit denen er nur 
„allein verbunden werden kann. Der Artikel von ka (Beft) z. B. 
„ist im Sing, lei, im PI. bt 1 2 ). Man würde nicht verstanden wec- 
„den, wenn man die Artikel verwechselte, und statt ki - ka im 
„Sing., li - ka, oder für bi - ka PI., zi - ka sagte. — Einige 
„Substantiva haben ihre Artikel vor, andere unmittelbar hinter sieb. 
„Leze z. B., und f71a, wovon jenes einen Bedienten [Kongo llcze. 
„petit; nnene, grand, Degr. I. 159.], dieses eine Kröte bedeutet, 
„haben beide den Artikel ki; allein, das erstere bat ihn beständig 
„vor, das andere hinter sich, und man sagt daher J.eze - ki ein 
„Bedienter, ki - Via eine Kröte. Versetzte man die Artikel, so 
„würde man unverständlich werden.’ Einige von diesen Artikeln 
„folgen ganz besonderen Regeln. Der Artikel li z. B. steht vor 
„dem Subst. nicht anders, als wenn es im Nom. vorkommt, und 
„folgt hingegen in allen übrigen Casus. Der Artikel ma gehört 
,, allein zum Genitiv Plur., und geht vor seinem Subst. stets her. 
„Dieser wird sehr häufig gebraucht; denn, ausser seiner ge¬ 
wöhnlichen Bestimmung, drückt er den Titel eines Königs, Prin- 
„zen, Gouverneurs oder Dorfschulzen aus, je nachdem er vor dem 
„Namen eines Königreichs, Fürstenthums, Gouvernements oder 
„Dorfes steht. So heisst il/a- Loatigo , König von Loungo; Ma- 
„Kaja, Prinz von Kaja; Ma- Singa, Gouverneur von Singa; Ma- 
„Kibola, Herr von Kibotn. Hieraus erhellet, dass dieser Artikel, 
„seiner Bedeutung nach, dem franz. de im Genit. Sing, entspricht. 
„Wenn man M. d’Artois, M. d’Orleans, M. de Chainpigny sagt, 
„so versteht man darunter den Grafen von Artois, deu Herzog 
„von Orleans, den Marquis von Champigny. Der Plur., dessen 
„sich die Neger bedienen, hat etwas Grösseres; und des Artois 
„würde der Einbildungskraft ein prächtigeres Bild geben, als 
„d’Artois; unstreitig desswegen, weil Alles, was den Menschen 


1) Das eine dieser hi scheint durch Druckfehler entstellt. 

2) Man vgl. im Suaheli z. B. kitu Sache, teil* Sachen. 



/ 

vom Kaffer- und Kongo• Stamme. 


21 


„zu vergrössern.und seine Besitzungen zu erweitern scheint, seiner 
„Eitelkeit auf eine angenehme Art schmeichelt.“ Also setzt hier 
Proyart einen Respects-Numerus, einen Plur. majestaticus, voraus. 
Gegen diese ganze Darstellung lassen sich inzwischen Einwen¬ 
dungen machen. Im Kongo gieht es Würden, wie Macaye (le 
premicr ministre) Degr. I. 196., Matnbouc (P heritier presomptif 
du trdtie, par consdquent neveu du roi) p. 197., A/a/buc p. 199., 
Mäquimbe (un officier dont le district est sur 1c bord nifime de 
la mer) p. 202., aber auch p. 203. Monibanze und Monibele [A/o- 
nabela Allg. Hist, der Reisen IV. 647.]. Vgl. Tuckey p. 160. 
Monibanze ist, so zu sagen, der Finanzminister nach Degr. I. 208., 
und so etwa vom Kongo banze? Les Noirs congos ne comptent 
qu’une ville par royaume; ils l’appelleut Banze ou Banza: c’est 
leur capitale; ainsi Pon dit Banze - Malembe, Banze Loango, pour 
ddsigner la rösidence du roi de ces dtats I. 67. Monibele p. 203. 
vielt, von einem bele (couteau: nbeli Faca bei Cannec.) genannten 
Instrumente, als Zeichen seiner Würde, und mono (regarder), 
meint Degr. Ob nicht eher mit moc'ne (monsieur I. 110., mon- 
seigneur 156.)? — Titel des Königs von Kongo ist Mani-Kongo, 
d. i. Herr von Kongo. ' Dapper S. 548. ln der Allg. Hist, der 
Reisen IV. 671. steht Mourisse und Mani Loango als Titel des 
Königs von Loango ; und seiner Räthe Mani Malta (von malla, 
Bogen, wohl PI. von Cong. Id Arco, vgl. Bundo ciila Lanqar. 
Jacio, allein Bundo h’itla, pl. mala Espingarda Cannec.), Uaupt- 
1 mann über die Leibwache; Mani Bomma (Seeoberster) u. s. w. 
Mani Herr, Fürst oder König S. 657. Mani Songo Herr von 
Songo S. 723. Vgl. im Bundo Mudni *), Nganna Ojichi [domi¬ 
nus regni] Mouarca, Muchino Rei, und Muchino rid Congo, ou, 
Mudni Congo , Nganna Ojichi Dicc. p. 627. Bei Tuckey Emb. 
m’cheeno (vgl. p. 371.), Mal. nemboma or fooma, cheeno, Cong. 
nfimu Senhor de terras (Dominus). — 

Man könnte demnach im Kakongo bei dem präfigirten ma 
auf Kürzung aus dem Worte für: Herr ratlien, oder doch wenig¬ 
stens dasselbe für anderer Art als genitivisch halten. Nun hat 
aber Vater Mithr. III, 1. 207. die Proyartsche Angabe zu man¬ 
cherlei Vermuthungen benutzt, die erst noch schärfer ins Auge 
gefasst sein wollen. Er macht nämlich die Lautähnlichkeit der 
Ländernamen Loango, Kongo, Kakongo, Angola und Mandongo 
. als eine auf Verschiedenheit von vor- oder nachgestelltcn Artikeln 
beruhende geltend, und setzt namentlich den, mit Mandingo nicht 


1) Davon wohl ganz verschieden Cong. Bene Mesino (idem), Bundo 
Muetie, ou, Qttene muene Mesmo (ipse), Mucne Isso (id ipsmn), und wahr¬ 
scheinlich nicht minder Muenechi [die letzte Sylbe wohl: ichi Terra, und 
nicht Pron., vgl. Magestade allein] Vossn Magestade; — obschon Lithuuiseh 
pat’s [Sskr. patis Hnr] Ehemann, selbst, die Begriffe zu vermitteln dienen 
könnte. — Beetj. murimta (König, Herr) Lichtenst., morena (roi) Os. p. 4'i. 



22 Polt, lieber die Sprachen 

zu »'«'wechselnden Namen Mandongo mit Donge, einem Theile 
von AhgölU, in etymologische Gemeinschaft mittelst des erwähnten 
Präfixes ma, das man, meint er, oft fälschlich als mit zu den 
Namen der Länder gehörig aufgefasst habe. Nun weiss ich zwar 
wohl, dass im Deutschen viele Ländernamen, wie Schwaben, 
Franken, ursprünglichen Dat. PI, (zen Swäben, wie Lat. in ßrut- 
tiis, Unil Städte, wie Civitas Vercellis, metropolis Susis, und 
nachher selbst einfach Curibus, Trullibus. Lobeck, Paralip. I. 779.) 
ihren Ursprung verdanken. Dessenungeachtet bleibt die Erklä- 
rung so vieler Kofferischer Eigennamen hiebt nur für Oerter, 
sondern auch Personen aus einem, den Plural-Gentltu *) bezeich¬ 
nenden Präfixe mehr als misslich. 

Was soll man aber sagen, wenn Vater so fortfährt:' „Ka- 
„kongo liegt südlich vonLoango, die Europäischen Seeleute pflegen 
„es Malinbe [also auch ein mit md beginnender Name, wie Makanda, 
„bei welchem Dorfe Loango nnfängt Proyart S. 8.], nach dem 
„ttafeh dieses Namens zu nennen, und auch südlich das Reich 
„N’Gojo, nach den Franzosen, oder Angoji [nicht sehr unähnlich 
„klingt Ungudsha, Zanzibar, tftttt ted Vngudsha ein Mann fttjs 
„Z. Ewald S. 51]. Nördlich von Loango liegt ein Reich Jomba, 
„Welches (nach dem angeführten Gebrauch und Missbrauch der 
„Vorsylbe ma) von Seefahrern und Erdbeschrcibem: Ma -jomba 
„ genannt worden ist und nicht mit einem anderen Reiche desselben 
„Namens, welches, sowie das Reich N’leka, im Osten von Loango 
„liegt, verwechselt werden darf.“ Wenn, zufolge’ Oldendorp, 
Mandongo-Neger ein Jahr brauchen sollen auf dem Transport 
von ihrem Lande nach Loango, so lässt sich vermuthen, dass 
einzelne Namen recht wohl auf beiden Küsten verkommen können, 
ja dass einzelne Sprachstämmc, wie z. B. im Norden der Berber- 
stumm, vom Osten bis zum Westen mitten durch Afrika hindurch 
reichen mögen. Noch hat Vater u. a. O. S. 225. Mokka UndVMa- 
tcohko , sowie S. 227. die Tembu mit dem Reiche der Matamba 
(etwas gewagt) zusammengehaltcn, was, obschon zur Zeit unbe¬ 
stätigt, doch Sorglichster Aufmerksamkeit nicht unwerth erscheint. 

Wer es Weiss, welch grosses Gewicht der Untersuchung 
geographischer Eigennamen in allen ethnologischen Fragen beizu- 


i) Lichtenstein findet Theit I. 641. Plural umf Cellcctiv« hu K«oss* (was 
auch sonst in vielen Sprachen der Fail] durch IViericrholwng dargestellt, be¬ 
merkt aber S. 644. bei Gelegenheit von iminu (die Finger) als PI. von omnu, 
dass er in der Pluralbildung keine rechte Conscquenz habe entdecken können. 
Nach S. 643. werden Collcrtiva mittelst Vorsetzung von amma gebildet, wie 
Atmnalousilia (das Land oder Volk der Koossa); nmmathumbn (das Gedärm) 
von tluimbe (Barm); ammaassihnju (Zähne, Gebiss) von ssihnja (Zahn); 
S, '645. ammasoivane (sämmllichc Zehen) von osownne (Zehe). Dieses trmmn 
scheint nun nicht wesentlich von dem zwar pluralen (aber nicht eben genit.) 
ma- im Beetj. verschieden, und letzteres mag in einzelnen Ortsnamen wirk¬ 
lich Plural - Präfix sein. 



vom Kaffer- und Kongo - Stamme. 


23 


messen, der wird das lange Verweilen bei einem dubin eiuschlu- 
genden Kapitel zu entschuldigen wissen, und scheue ich mich 
daher nicht, aus Cannecattinfs nicht sehr verbreiteten Büchern 
noch einige dahin zielende Mittheilungen auszuziehen. Im Bundo 
Dicc. p. 523. bezeichnet Mucdchi, pl. Acachi, oder Mücua pl. Agua 
Morador (habitator) und Obss. p. 18. a. Mnca als Patrio, z. B. Müca 
Ambdcea o natural do Presidio de Ambacca; b. Gentilico z. B. Moxin 
Cöngo Conguez, Möxio Loiinda das visinhan^as da Cidade de Loandu, 
Quinbündo, da Na^aö dos Abundos. Diec. p.528. v. Na$ad (natio): Müvhi, 
Agua, und als Beispiele: Müclii- Cöngo, Muchi • Lodnda, Agua-Cöngo. 

Ca-cöngo heisst: Klein-Kongo (Pequeno Congo), da, wie 
sich bei den Deminutiven später ausweisen wird, präligirtes ca, 
mindestens im Bundo, zur Deminution .dient. Diese Obss. p. XII 
gegebene Erklärung bleibt stehen, es möge nun diejenige, welche 
dort und p. IX — X. von Congo versucht worden, gleichfalls 
stehen, oder fallen. — Nach Obss. p. 3. 9. Dicc. p. VI. sind O 
Mubündo, pl. Co Abündu oder 0 Bundo (selten Nbundo ) o 
Negro Angolano, e Angolana, pl. Co Abtindo, os Negros Ango- 
lunos, sowie deren Sprache Bünda, und Reich (Angola) Bünde 
oder Nbönde, sämmtlich auf Cong. bünda, Bundo cubünd a Bnter 
(Percutere, pulsare; auch contundere, Port, macliucar) zurückzu¬ 
leiten: Bundo bezeichne eig'. Batcdor, das sei Vcncedor. Die 
Bewohner von Kongo aber, obschon die Geschlagenen und Be¬ 
siegten, hätten nicht aufgebört, sich mit dem Namen Mucha- Cöngo, 
pl. Acha- Cöngo zu schmücken, das heisse Conguez, e Conguczes, 
was in der Kongo-.Sprache: Ordner (regulador) bezeichne, in der 
Bunda-Sprache aber die Sinuesumwandiung in : Schuldner (devedor) 
erfahren habe *). Ngäna Muchino rid Congo sei demnach im Sinne 
der Kongesen: o Senhor Bei du Regra, aber in dem der Abundos 
o Senhor Rei da Dividu, oder: o Senhor Rei devedor. Statt der, 
auf alte Siege [?] anspielendeu Benennung (von Angola) Bonde 
mUsse als eigentlicher Name dieses Landes Döngo gelten. Döngo 
aber heisse ein grösseres, (ein kleineres löngo) aus einem Stamme 
gefertigtes Kanoe, von unverliältnissmässiger Länge gegen die 
Breite (80—90 Pulmos gegen 7), und, weil somit das lang uud schmal 
an der Meeresküste hin sich erstreckende Reich Angola in der Ge¬ 
stalt einem solchen Fahrzeuge gleiche, trage es hievon den Namen. 
Angola endlich soll von einem, eben so geheissenen kongesen 
, herrühren, der es wiedereroberte, und ihm dann seinen eignen 
Namen lieh; uud der (oder: Döngo • Angola) sei ihm nun bis au! 
den heutigen Tag verblieben. 

----.-- 

1) Allerdings heisst Regra (regula, norma) Cong. cöngo , auch dönghi, 
wie .Bnodo ilunghi, sonst ocu-iiica ■ — liakongo n'tama eine Kegel, ei« Maass 
Proyart S. 161. Cong. lutnnia Braya, medida (Mensura) Obss. p. 167. Palmo 
(palmus) p.198. — ; allein der begriffliche Zusammenhang mit liundo riconm, pl 
m«cdaco (auch hinten ntil- g) Divida (debitum), so z. B. im VC. Mithr. III 
1. 221., leuchtet mir niejit recht ein. 



24 


Pult , Leber Hie Sprachen 


Leute, gewohnt, mehr aus ihren eigenen Vorstellungen, als 
aus bewährten Tliatsaelien, Schlüsse zu ziehen, werden sich nur 
schwer von dem Vorurtheile zurückbringen lassen, als müssten 
die Negersprachen schlechterdings roh und ungeschlacht sein. 
Von den Idiomen HoUenlollisr.hen Geschlechts hat dies innerhalb 
gewisser Grenzen seine Richtigkeit, namentlich in Betreff meh¬ 
rerer, darin vorkommender, der Europäischen Zunge unnachahm¬ 
licher und dem gebildeten Ohre widerwärtiger Laute. Von den 
Sprachen Kongischen und Knfferischen Stammes, mit alleiniger 
Ausnahme der in einigen Kaffermundarten vorfindlichen Schnalz¬ 
laute der Hottentotten, wird uns einstimmig nicht geringer Wohl¬ 
laut bezeugt, und gewinnt diese Beobachtung durch die Scheu 
vor consonantischen Wortausgängen und durch das Meiden schroffer 
Consonantengruppen in den eignen nicht nur, sondern auch in den 
von fremdher aufgenommenen Wörtern vollkommene Bestätigung. 
— Ausserdem ist das Gefüge dieser Sprachen, wenn auch unter 
einigen Gesichtspunkten tadelnswerth, (z. B. weil es an einer 
gewissen tautologischcn Monotonie leidet), doch künstlich genug, 
um, dringt man tiefer in dasselbe ein, uns nicht gemeine Bewunderung 
zu entlocken. Man folgt hier einem merkwürdigen Anordnungsprincipe 
in Betreff der Eie/nonssylhcn mit noch grösserer Strenge, als hei 
der, meist jedoch ihm gleichfalls unterworfenen Ableitung. Während 
nämlich z.B. im Indogermanischen und noch mehr im Tatarischen 
Sprachstamme beiderlei grammatische Vorgänge vorzüglich hinten 
am Ende der Wörter Platz nehmen , haben sich die südafrikani¬ 
schen Sprachen an der West- und Ostküste auf den entgegen¬ 
gesetzten Ort, also vorn, capricirt, um durch Präfujirnng genau 
das auszudrücken, was sonst durch Endungen , oder Sn/figirung, 
erreicht zu werden pflegt. Ich wüsste nicht so schnell zu sagen, 
welcher der beiden Methoden ein grösserer Rechtsanspruch zustehe. 
In jenem Bereiche Afrika 5 s laufen gewissermanssen die Bedienten 
und untergeordneten Beamten der Sprache, den Herren, durch 
ihre Livree deren Ankunft zu .verkünden, voraus, während sic in 
Europa ihnen auf den Fersen nachschlcichen. Unsere Gewohnheit 
hat uns g'egen die andere voreingenommen, aber sagt darum letztere 
den Zwecken der Sprache ohne Weiteres weniger zu ? — Eine 
eig. sexuale Unterscheidung, ausser durch ganz verschiedenartige 
Wörter oder durch Umschreibung, ist ungekannt. An der Stelle 
dieser qualitativen Bestimmung der Wörter, welche der Sprache 
eine lebendigere Farbe verleiht, gicht es andere, scheinbar, nur 
dem Zwecke der Numeral-Unterschcidung, also einer quantitativen 
Determination, zu dienen, bestimmt, jedoch nicht bloss für den, 
solcher Auszeichnung bedürftigen Plur., sondern auch im Sing, 
aus eignen ■arliltelarligen Präfixen bestehend, wodurch das Nomen 
(und auch das Verbum hat darau einen gewissen Antheil) in mehrere 
Classen zerfällt wird, für welche den begrifflichen Eintheilungsgrund 
anzugeben (das Geschlecht ist es entschieden nicht, und Person, 



vom Kaffer- und Kongo• Stamme. 


25 


Thier, Ding; Belebtes — Unbelebtes, wenigstens zur Zeit eben 
so wenig als solcher mit Entschiedenheit erkennbar) nicht eben 
leichter sein wird, als etwa die Gründe der Wahl dieses oder 
jenes grammatischen Geschlechts in anderen Sprachen. Artikel 
solcher Art übrigens sind keineswegs auf die Substantiva einge¬ 
schränkt, erstrecken sich vielmehr vermöge der Congruenz häutigst 
auf das Attribut mit, möge dies nun Adjectiv, Zahlwort, Pronomen '), 
Parlicip sein, oder selbst Finil-Verbum. Allen, diesen Wörtern 
aber ist, das bleibt wohl zu beachten, hinter dem Substantiv, 
wozu sie jedesmal gehören, ihre Stelle angewiesen, und auch 
das abhängige im Genitiv gedachte Substantiv darf, stehe es nun 
mit oder ohne Präfix, keinen andern Platz sich anmassen. — 
Cannecattim’s Vocabulare sind, das Portugiesische voran (Latei¬ 
nisch in der Mitte), abgefasst: hätte er eine alphabetische Anord¬ 
nung nach dem Kongo oder Bundo versucht, ihn würden die 
Präfixe in Verlegenheit gesetzt haben, etwa so, wie es die Lat. 
Adjectiva müssten, sollten sie von rückwärts aus in eine alphabeti¬ 
sche Reihenfolge gebracht werden. •— 

Noch erwähne ich hier behufs allgemeinerer Characterisirung 
gegenwärtiger Idiome ihre Ueberfülle an dem, was -die Semitische 
Grammatik unter Conjugalionen versteht; ich meine die Menge 
besonderer Verbalformen, welche eigenthümliche Begriffs-Abschat¬ 
tungen und Nebenbeziehungen des im jedesmaligen Verbum liegen¬ 
den Grundgedankens abgeben und darstellen. Diese Conjugatiouen 
entstehen aber in der Regel durch Zusätze hinten an der Wurzel. 


1) -Entschieden so das possessive; mit Schwankungen das demonstrative, 
welches z. li. hn Kalferischen auch voraufgeht. Es rührt dies wohl von der 
gleichen Stellung der ihm sinnverwandten Artikel her, und eben so vielleicht, 
diesen aus dem Wege zu gehen, die entgegengesetzte der übrigen genannten 
Wortclassen. 


(Der Schluss folgt im nächsten Hefte.) 





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I. 

Aus Dschamr’s Liebesliedern 

von Fr. Riicbert. 


Der Sänger hob mit Saitenklang 
So schön zum Friihtrunk an den Sang: 

Steh auf! dein Lebensaugenblick 
Sei angelegt zu ew’gera Glück! 

Was schliessest du beim Fest dein Ohr 
Vor Becherklang uud Liederchor! 

Nie übersieh den Weinrubin, 

Denn sichtlich ßiesst die Zeit daliin. 

Geniess den Tag! Wer wissen mag, 

Ob er erlebt noch einen Tag 
Wo ich nur seine Spur mag sehn, 

Wend’ ich vom Freunde nicht mein Flehn. 

Dschami, zur Kaaba zieh nicht aus! 

Er ist bei dir in jedem Baus. 

Kann es meine Sehnsucht stillen, dass ich ihn vom weiten 

l 

Seh vorübergehn, und das auch nur von Zci i zu Zeiten! 

Der Glanz von deinem Angesicht Hess es mich ganz in Wonne 
Vergessen, dass es einen Mond «iusl gab und eine Sonne. 



28 


Rackert, Aus Dschami’s 


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Liebesliedern. 


Ueber alle Grenzen tritt die Tbränenflut, und weit davon 

Ist sie nichtraehr, zu zertrümmern dies Gebild von feuchtem Thot». 

Schönheit nur will Leila zeigen, wenn sie Locken kräuselnd ziert; 
Was bekümmert sie’s, welch Armer drüber den Verstand verliert! 

Der Messiaslipp'ge weiss wol, wie mein Uebel ist zu heben, 
Doch sein Kanon ist, mit Herzenskranken sich nicht abzugehen. 

Fern dir, bin ich nah dem Sterben; Fürchte das Gericht! 

Wenn du näher nicht willst kommen, geh nur ferner nicht! 

Augentrost der Herzbetrübten, komm gezogen! 

Deine Brauenbogen sind zwei Regenbogen. 

Dein feiner Haarwuchs und dein Wuchs so haarfein. 

Der Unterschied von beiden wird kein Haar seyn. 

Von dem Himmelsfalben fällt der Mond zu Füssen deinem Thier, 
Wenn du auf dem Sattel paradierest so mit Schick und Zier. 

Glücksalb’ in mein Auge will ich von des Heiles Salbestift; 

Lest mir Staub von Seinem Weg, und einen Dorn von Seiner Trift! 

Ausser mich komm’ ich vor Freude, wenn du kommst und siebest, wie 
Es mir geht. 0 glaubest du nicht dieses mir, so komm und sieh! 



Rückerl, Aus Dschami's 


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3) Anspielung auf AÄj Jbsj. 


das Vor- 
tie Juls» 



Liebesliedern. 


31 


Du, dessen Liebe tausend Noth bringt über mein bekümmert Haupt, 
Sieb , deines Kummers Ueberfall bat Scblaf und Essen mir geraubt. 

Staub auf deinem Wege ward ick; stolze Zeder, trit einher! 

Eb du kommest eines Tags und meinen Staub nicht findest mehr. 

Um Gott, Wildfanger, ratbet, wie fang’ ichs an, 

Zum Fange jenem Wildfang von Reh zu nabn! 

Wie lange noch verlangst*du nach den lautern Silberwangen? 

Sc,hon hundertmal verbrannte sich dein vorlautes Verlangen. 

Hundert Palmen eitler Lust gewurzelt hatten in der Brust; 
Deiner Liebe Windesbraus riss alle mit den Wurzeln aus. 

Im' Herzen an die Stelle von all dem Freudenrausch 

Trat nun dein Gram und Kummer zum allerschönsten Tausch. 

Von der Ros’ erzählt der Wind, die Rose von des Liebsten Hemde; 
Dem, der nicht von reinem Saum ist, sei der Duft des Liebsten fremde. 

0 sag nicht immer; „Dschami, wann hörst du auf zu singen!“ 

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Es ist nach dir die Sehnsucht, aus der die Tön’ entspringen. 



Rückert, Aas Dschami’s 


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ein neugebildetes Wort im Gegensatz zu 


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mit oder auf dem (rechten) Wege seiend. 


Abstrartum 



Liebesliedern. 


33 

Pein Sklav von Herzen bin ich zwar, doch einer, der die Flucht 

gern sucht; 

Verkaufest du mich hundertmal, zurück zu dir nehm’ ich die Flucht. 
Mich einen Augenblick nur dir entziehn, nicht möglich ist es mir; 
Was soll ichs auch versuchen mehr? ich hah’es hundertmal versucht. 

Der böse Geist von aussen lagert, die böse Lust von innen; 

Den beiden list’jren Wegelagrern wie soll mein Pfad entrinnen! 

Heil dem alten Wirte, dessen Allhuld mir den Segen brachte, 
Dass er mir durch ein paar Gläser hell den Zweck des Lebens machte. 

» 

Hat der Abweg ah vom graden Pfad geführt, 

Gott sei Dank, dass er zum Ziele grad geführt! 

Steht es mir zu, dass die Zunge mit Gcprattel ich bcscluuitze, 

Mit Unwiird'gcr Loh und Tadel stumpfe meines Kieles Spitze! 

Scherben sind gemeine Seelen, Perlenstränge sind Gesäuge; 

Welche Thorheit, dass ich diese noch zum Schmuck an jene hänge! 

Federkauend liess ich aus der Hand ein Kapital von Tagen ; 

• Der Verdruss um das Verlorne macht mich an den Fingern nagen. 

Ob des Wortgebietes Räume seyen weit an Breit’ und Länge, 

■ Doch, auf Reime’sinnend, stündlich o wie komm' ich iu die Enge! 

Worte sind ein Wind; und also, Silbenschrift und Wortfuss nur 

Nach der .Spanne messend, jag’ ich Tag und Nacht auf Windes 

Spur! 


II. Kd. 


3 



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Liebesliedern. 35 

Früh vor Tags zum Logos sprach ich: der zum Trotze meiner 

Neider 

In des Wortes Werkstatt du geworden hist mein Werkbescheider 

Das Talent des Wortewägens müht mich ah; verstatte du, 

Dass mein Haupt ich in den Schooss des Schweigens niederthu 
' • und ruh’! — 

Dschami’s Herz, gab er zur Antwort, ist Geheimnissweltschatz- 

kammer; 

Denke nicht, dass ich von meinem Schatz nie aufthun soll die 

Klammer! 


Gestern hat sich jene Zeder mich zu griissen aufgerichtet; 
Höflich fragend, that sie alles, wozu sie das Herz verpflichtet. 
St«\tt der Antwort wollt 1 ich selber eben ihr die Seele geben, 
Als sie mit der Hand am Busen sittig grösste im Entschweben. 
Nicht ein Augenhlickchen hat sie mir vorm Auge still gestanden 
Doch die Süssigkeit des Grusses bleibt im Herzen mir vorhanden 
Wie der Staub an ihres Weges Rande war ich ganz verachtet, 
Doch den Staub zu ehren hat sie ihrer Gnade werth erachtet. 
Meine Seele gieng, mein Herz gieng mit der wandelnden Zipresse, 
Als sie so an mir vorüber schritt, wie ich es nie vergesse. 
Gottes Lohn dem Eifer meines Glückes, das ein Zuckerlachen 
Auf den Mund ihr streut’, um mir den bittern Gaumen süss zu machen. 
Dschami, schildernd jenes Munds Rubin, den zuckerbrechenden, 
Macht verstummen, alle Papagein, die zuckersprechenden. 


Nicht thören lass es dich, dass man dich nennt der Guten einen; 
Die Schlechtigkeit in dieser Zeit macht dich als gut erscheinen. 


3 



36 


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Liebesliedern. 


37 


Herzen schwach und zart mag nicht der Armut Pilgerschaft ge¬ 
lingen ; 

Schwer ist eine Ladung Glas auf steiu’gem Wege fortzubringen. 

Beschauliche sind Spiegel der eignen Misgestalt; 

Was scliaun sie drein, und schelten den Spiegel dergestalt! 

Wer in den Spiegel speiet, weil er in dessen Licht 
Sich hässlich sieht, der speiet sich seihst ins Angesicht. 

Seinen Bart zu kämmen hält der Scheich für Lebensart; 

Er verdient dass ihm die Schlemmer lachen iu den Bart. 

Akf, Dschami, dich der Heuchelei Gebetschnur zu entschlagen! 
Mit dieser Fangschnur ist kein Wild der Sehnsucht zu erjagen. 

Besudle nicht mit jeder Kost die L/pp’; um Marzipan 

Vom Tisch des Niederträchtigen zerbricht man sich den Zahn. 

Wirf nicht den Steiu des Herzeleids auf reine Herzen nieder! 
Denn leicht zu brechen ist diep Glas, und schwer zu kitten wieder. 

Dschami, willst du, dein Betragen soll aumuten jedermann; 

% 

Was dir selber nicht anmutet, mute keinem andern an! 

Wenn des Heiligthumcs Kose meine Pilgerhand nicht brach, 
Gnüge das mir, dass der Dorn der Wüste doch den Fuss mir stach. 
Mag der Wüste Sand des Pilgers Leib begraben, wenn sein Glaube 
Nur das Heiiigthum erfliegt und nistet dort als Haremsfaube. 



38 


Kiickcrt, Aus Dschami's 


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Liebesliedern. 


39 • 

Berühmt zu werde», war nicht Dschami’s Zweck, 

Als er die anmutfeuehten Lieder,schrieb ; 

Für gute Freunde ein paar Scherze, die 
Kr in der Zeiten ücnkbuch niederschrie)). 

Nachts kam in' mein verstörtes Herz Erinnrung deiner Wangen, 
Wie über ein zerstörtes Haus der Mond kommt aufgegangeu. 

Meine Seele sei das Opfer eines Duftes, den dein Kleid 
(iah dem Winde, Wind der Rose, und die Rose meinem Leid. 

■> Der Apfel des Kinnes. 

An des Herzens Gram zu krankcu deuchte mir Gewinn, 

Bis ich der Genesung Apfel fand an jenem Kinn. 

Jede Knospe Jacht im Lenze, wenn die Wolke weinet; 

Lache, du geschwellte Knospe, die mein Weinen meinet. 

Der Geschicke böses Auge möge dich verschonen, 

Böses Auge, möge nie dein Pfeil auch mich verschonen. 

Wohin sich wenden mag, wer einst Wach’ hielt an deinen Pfosten, 
Er findet nirgends Achtling, der verlassen seinen Posten. 

Der Schuh von Gafnio gab den Geist in Schmerzen auf, und 

sprach: Nur das 

Vom Leben lebt’ ich, was vergieng in deiner Liehe, mein Ajas! ') 



'40 


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Liebesliedern. 


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Mein feuchtes Auge losch’ ein Staub der Fusstapf eines Hündchens, 
Das Nachts einmal vorüberlief am Haus des Zuckermündchens! 1 J 

Thrän’ hat Lampe gelöscht; auch Herzensflamme? von aussen 
Dämpfte sie Feur, und liess immer im Hause die Glut. 

Die Seel’ hat den erschöpften Leib vor Kummerlast geräumt; 

Den Gast im Haus ertrug sie nicht, und hats dem Gast geräumt. 

So viele Pfeile sandtest du, die Brust ward ihnen enge, 

Das Herz ist ausgezogen, und hat Platz gemacht der Menge. 

Weil vor dem Heer der Schönen war kein Schutz in Stadt und 

Gassen, 

Gicng Dschami über Feld, und hat dem Heer das Feld gelassen, 
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Wieder neu von Reiz umgehen seh’ ich dich; 

Warst du schön, noch schöner eben s'eh’ ich dich. 

Gestern warst du wie die Knospe voll, und heut 

Schleier wie die Rose heben seh’ ich dich. 

Wohnen willst du nicht als Seel’ in meiner Brust, 

Auf der Flucht alswie das Leben seh’ ich dich. 

Längst entschwebtest du vor meinem Blicke, doch 

Immer vor dem Blicke schweben seh’ ich dich. 

Dschami, Wein aus wessen Becher trankest du l 

Ueber Erd’ und Himmel schweben seh’ ich dich. 

> 

Der Mond in deinen Nächten ist ohne W’ertli; 

Leicht wird am hellen Tage die Lamp’ entbehrt. 

1) In Dschumi’s Gastden wiinmells von .solchen Hunden , die wir meist 
laufen Hessen, ein paarmal aurh ein wenip verkleideten, wie im zweiten Disti¬ 
chon vor diesem. " ~ 



42 


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Liebesliedern. 


41 

Staub deiner Schwell' und Steinwurf von dir aus Haupt 
Hat mir zu Thron und Krone die Lust geraubt. 

Dem armen Leib entziehst du die Seel’ in Pein; 

Treibst du vom wüsten Dorfe noch Schatzung ein! 

Wie kränket dich von Dschami ein Ach sogleich! 

Wer hat ein hartes Herz je gesehn so weich! 

Beim Feste, wo die Frage ist von Wein und Zuckerbrot, 

0 Vogt, wirf nicht die Frag’ auf von Erlaubnis und Verbot. 

Der Herbst ist vor der Thür; sieh nur, was noch den Blumen einfallt, 
Dass Wicke nicht ihr Winken, Lack sein Locken noch nicht cinstcllt! 

Kummer um dein eignes Unglück, Dschami, hast du nllbercit; 
Kümmre dich nicht auch der Gang des Himmels und der Lauf der Zeit! 

Welch ein seltner Vogel Ist der Heil’ge unsrer Stadt, 

Der des Betckranzes Beeren zu Fangstricken hat! 

Frommer Mann, such’ eine Gabe, würdig Seines Angesichts! 
Denn ich fürchte, dein Gebetkranz hilft dir am Gerichtstag nichts. 

Die fünf Sinne und die sechs Richtungen im Raume. 

Eins thu in den zwei drei Tagen, much dich los von Raum 

und Sinne, 

Dass das Viergespann der .Seele diesem Fünf und Sechs ent¬ 
rinne ! 

Von des Schenkpalastes Ziuire schwang sich her zu gutem Morgen 
Eine Tanh«, die den Freibrief unterm Flügel trug verborgen. 



44 


lim Uri, Aus Dschami s 


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Liebesliedern. 


45 


Dieses Inhalts: wer das Rebenblut euch für verwehrt erklärt, 
\aeh des Wirtes Ectwa sei desselben Blut euch unve.rwelirt. 

Der Liebesgruss von dir, den mir der Bote bringt, 

Wie lieblich klingt er mir, wenn er auch wahr nicht klingt. 

Heut traf zu gutem Morgen auf dich mein erster Blick; 

Gut ward durchs Morgen-Omen des ganzen Tugs Geschick. 

Dein feiner Mund ist nur ein Haar von deinem Liebreiz, aber 
Die Reize aller Schönen wiegt ein Haar von dir zu Roden. 

Eh,du trinkst, berührt mein Mund den Becher, darf ich helfen, 
Besser sei versteckt zu bitten um den Kuss uls offen! 

Der Morgen, zerreisst das Gewand der Nacht. 

Treu sehnt, wie ich, der Morgen sich nach Liebessonncnblicke; 
Warum zerreissen wiird’ er sonst sein blau Gewand in Stücke! 

Wenn der Morgenstern dem Himmel sich versagt zum Ohrgehänge, 
Dscbami, wol dem Morgen gnügcn deines Liedes Perlcnstränge. 

Der Ohrring der Liebe und der Knechtschaft. 

Wem dein Ohrring so voll Reiz zu. Augen ist gekommen, 

Hat den Ring der Knechtschaft deiner Lieb’ ins Öhr genommen. 
Seit ich bin der ohrberingte Sklave deines Ohrrings, 

Ist mir End’ und Anfang, wie dem Ring, abhanden kommen. 
Silberbusiger, dein Ohr ist schwer vom goldnen Ringe, 



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Kiicktri , Aus Dschami's 


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Liebesliedern. 


47 


Und so Lat dein schwer Gehör mein Klagen nie vernommen. 

Stets im Ringe deines Ohres blieb mein Herz gefangen, 

Wie es oft dem Zauberring, auch suchte zu entkommen. 

Wo die Schönen mich umringen, wie von fern dein Ohrring 
Winkt, hab’ ich alsbald den Weg aus jenem Ring genommen. 
Neig einmal dein Ohr! denn von dem Weh der Trennung krümmte 
Dschami sich zum Ring; und .soll er nie zum Ohr dir kommen? 

Der Ball des Kinnes . 

Rin Rail der Anmut ist dein Kinn, und einzig unter all 
Den Schönen trügest du im Spiel davon der Anmut Ball. 

Das geflickte Lebenskleid. 

Zerrissen hat mein Lebenskleid dein Schmerz; o flicks geschwinde! 
Es kommt nicht auf ein Fädchen oh in deines Haars Gewinde. 

Jeder erntet was er säet; aber seht den Unglückssohn! 

Lieb’ ünd Treu hab’ ich gesäet, und geerntet Schmach und Hohn. 

Weisst du, welcher Klang aus Laut’ und Leier thaut? 

Du mein Einz’ges, du mein Alles, Liebestraut! 

Den Gefrornen fehlt der Sinn nur für Musik, 

Sonst die ganze Welt durchdringt der Liebeslaut. 

Der Verbannte schmeckt die Lust der Liebe rein, 

Der erhörungslos verschmachtet in der Fein. 

Von dem Seelenlabezucjcer Schirins hat 
Parwis nicht soviel genossen als Ferhad. 



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HiicUerl, Aus Dschami s 


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TÄebesliedcm. 


49 


Schade war’ es, sollte lliessen dir uin Schwert unlautre Flut; 
Andres sollst du nicht vergiessen als getreuer Herzen Blut. 

Seihst der Himmel soll mir keinen Tropfen Lust auftischen 
Olin’ ihn erst mit deines Liebegrames Gift zu mischen. 

Lieber Freund und leides Glück sind meine Gegner worden; 

Wie cntgeLt der Kummerschlacht mein Herz, das beide morden? 

Wenn der Freund den Wunsch gewährt, das Glück wirds nicht 

erlauben; 

Wenn das Glück sich zu mir kehrt, so wird der Freund sich 

strauben. 

v 

0 wohl ihm, dem dein Liebesweh in Seel’ und Blut gegangen, 
Den ruhn dein Angedenken macht, und aufstehn dein Verlangen; 
Der, wo dein Blick den Tempel zeigt, nicht von Anbetung rastet. 
Und wo dein Mund den Becher reicht, nicht von dem Weine fastet. 

Jener Mund ist solch ein feuerner Rubin, 

Dass mein Mund brennt, wenn mir träumt zu küssen ihn. 

Hier ist Geselle Kummer, Bruder Gram, Genosse Schmerz; 

Wo bist du denn? beisammen sind all deine Freunde, Herz. 

Sieh, wie das Feld voll Tulpen mit,.Rubiuenbechern winkt; 

Heil, wer den Wein der Lebenslust aus diesen Bechern trinkt! 

________ * 

So reich ergoss die Wohlthat sich des Regens auf den Garten, 
Dass von der Last der Dankbarkeit sich krümmt des Veilchens Nacken. 


II. Bd. 


4 



50 


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Liebesliedern. 


51 


ü Prediger, was hilft dir all die Hitze l 
Dein Hörer friert hei deinem frost’gen Witze. 

Prediger, von Hörensagen nicht von Liehe schwätze du! 

Trink erst selber diesen Friihtrunk, dann trink ihn den andern zu! 

Damals steckt’ ich schon im Weinbaus als ein Hefenschmecker, 
Da sich noch nicht fand ein Weinstock noch ein Weinstockstecker. 

Mit Vernunft und Fassung stand ich sonst im Freundschaftshand; 
Mit der Freundschaft brach ich, als der Lieh’ ich ward bekannt. 
> 

Schluss eines Frühlingsgafels. 

Sieh, dir kommt das Gras von den im Staub verborgnen Liehen, 
Alswie krause Schrift von Freunden, die an Freunde schrieben. 
Die unaufgehiiihte Knospe bringet dir verschlossen 
Einen Gruss und Brief von herzenswunden Schmerzgenossen. 
Dschami, nicht durch Thränen wird der Brand in dir sich legen; 
Sich, an Tulpeubrust das Brandmal waschet aus kein Regen. 


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Ei« Ausflug von Jerusalem über Jericho an den 
Jordan, das todte Meer und nach Mar Saba, 

Ende März 1847, 

von 11. Ciadow, ( und. des Predigtnmle». 


Nach einer alten, besonders unter den Griechen herrschenden 
und von den Priestern als ein religiöser Akt sorglich fcstgchlil- 
tenen Sitte, zieht alljährlich ain letzten Montage vor Ostern eine 
zahlreiche Pilgcrkaravane unter dem Schutze einer starken Ue- 
dcckung von türkischem Militär von Jerusalem über Jericho an 
den acht Stunden von ersterem entfernten Jordan, um in seinen 
heiligen Finthen zu baden. Der Auszug fiel in diesem Jahre auf 
den 29. März. Die Karavane war um so zahlreicher, als die 
Muslimin gleichzeitig mit der christlichen Prozession eine Pilger¬ 
fahrt nach dem südwestlich von Jericho gelegenen Nebi Musa 
unternahmen und um dieselbe Stunde auf demselben Wege auszogen. 
Schon in aller Frühe waren die engen Strassen der Stadt, beson¬ 
ders vor den griechischen Klöstern, durch Lastthicre aller Art 
gesperrt, so dass inan nur auf Umwegen vom Jaffa- zum Stephans- 
thore gelangen konnte. Von liier bis auf den südlichen Gipfel 
des Oelberges hatten sieh die, in lange weissc Schleier gehüllten 
Frauen Jerusalems zu beiden Seiten des Weges gelagert, um 
schaulustig den Zug zu mustern und gute Wünsche nuchzurnfen, 
verschiedenen Sinnes je nach der Glnubensverscliicdenheit. Eine 
halbe Stunde hinter Bethanien, dem heutigen Asariyye, im Wady 
Asariyye erwartete uns bei einem Brunnen und .verfallenen' Khan 
die türkische Bedeckung. Kameele gleich Schiffen bei sanft be¬ 
wegtem Meere schwankend und auf beiden Seiten mit Frauen 
und Kindern beladen, Pferde von dem feurigen Temperament der 
arabischen Ra^e, Maulthiere und Esel in sicherem Schritte, be¬ 
wegten sich, eines hinter dem andern, in bunter Reibe gen Osten 
fort, die ganze Karavane gleich einer langen Kette über mehre 
Berge und Thäler zugleich sich in mannigfacher Krümmung liin- 
debnend. Obwohl die Regenzeit kaum vorüber war, so trug doch 



Gadotc, EinAusßug v. Jerusalem üb. Jericho an d. Jordan u. s. w. 53 

die ganze Gegend von Abu Dis ab den Charakter der Dürre und 
Oede. Die weichen sanften Formationen des Kalkgebirges, aus 
der Ferne einen lieblichen Anblick darbietend, machten in so un¬ 
mittelbarer Nähe und hei dem allgemeinen Mangel an Wasser und 
an aller Vegetation nicht denselben Eindruck, da wegen der Enge 
und Tiefe des Wady, in dem wir hinzogen, nur selten eine weitere 
Ucbersicht des Höhenzuges geöffnet war. Nach drei Stunden 
Weges biegt das Wady Asariyye scharf südöstlich, die Strasse 
verlässt dasselbe und windet sich eine massige Höhe hinan, von 
deren Gipfel man alsbald wieder in ein weiteres beckenartiges 
Thal von ziemlicher Dreite, das von N. nach S. verläuft, hinab- 
steigt, dasselbe durchschneidet und mühsam den hohem östlichen 
Thalrand erklimmt. Auf drei Viertheile seiner Höhe liegt die nicht 
unbedeutende Ruine liaryal et-Kurd; der alte Weg führt hart 
an derselben vorüber, und ehe man in ihre Nähe gelangt, längs 
einer tief gerissenen Schlucht hin, deren Seitenwändc verschieden¬ 
farbige Schichten, zeigen. Das Gestein wechselt hier von Kupfcr- 
roth auf Rosa und ist häufig von dem feinen Gelb der Trippel¬ 
erde durchsetzt, als wäre die Masse noch weich und erst im 
Uebergange vom losen bröcklichten Zustande in den der festen 
abgeschlossenen Formation begriffen. Karyal el-Kurd zeigt in 
seinen Grundmauern die Form eines Oblongums ; die Westmauer 
desselben, auf etwa 10—15- Höhe erhalten, lehnt sich an einen 
Haufen Quadern, der auf die Bedeutung des früheren Baues scblies- 
sen lässt; nach dem Norden de zu befinden sich dicht neben einander 
zwei Thorbogen, die in einen langen schmalen Raum führen, der 
vielleicht einst zur Aufnahme von Pferden diente, während die 
daran stossende Südwestecke des Gebäudes in den Fundamenten 
die Abtheilung in kleine Gemächer zeigt. Die Nord- und Südmauer 
sind his auf die Grundmauern zerstört; von der östlichen Wand 
steht nur ein unbedeutender Theil; architektonische Verzierungen 
sind nirgends wahrzunehmen. Wahrscheinlich war das Ganze nichts 
weiter, als durch natürliche Lage befestigtes Nebengebäude des 
in der Nähe auf dem Gipfel desselben Berges gelegenen Karyal 
el-Khan Iludrür. Dies letztgenannte, in früheren Zeiten gewiss 
bedeutende Kastell, welches die Strasse von Jerusalem nach Je¬ 
richo vollständig beherrschte, liegt jetzt ebenfalls in Trümmern. 
Soviel aus der Struktur des Gemäuers zu entnehmen, dürfte es 
fränkischen Ursprungs sein, aus derZeit der Kreuzfahrer, schwerlich 
älter. Das Ganze war in ziemlich regelmässigem Viereck ange¬ 
legt, jede Seite zu 150 Fuss, von einem 20 Fuss breiten, 30—40- 
tiefen in den Fels gehauenen Graben umgeben, dessen innere 
Böschungsmauer mit gehauenen Quadern belegt war. Die innern 
Baulichkeiten und Basteien sind fast ganz zerfallen, mit Ausnahme 
eines stattlichen viereckigen Thurmes in der N. O.-Ecke, dessen 
Höhe indess ebenfalls bis auf 20 Fuss eingeschwunden ist; eine 
Treppe in demselben führt zu tiefer liegenden, mit Schutt ausge- 



54 


(iaduw, Ein Ausflug von Jerusulan 


fülltet! Gewölben liiuub, von denen im Ganzen drei zugänglich 
sind und eine weite starke Bogenspanuung zeigen. Ihre Spalten 
dienten mehrern Paaren von Falken und Zwergkanzen zur Woh¬ 
nung, deren Brutzeit eben eingetreten war. 

Von der Höhe, auf welcher die Ruine liegt, überschaut man 
eine weite Strecke der umliegenden Gegend, westlich von dem 
Höhenzuge begrenzt, auf welchem die ulte Strasse von Jerusalem 
nach Üamascus hinläuft, und der die Wasserscheide zwischen dem 
Mittelmeere und dein Gbtir bildet , östlich von den höher anstei¬ 
genden Gebirgen von Moab und Ammon, dem Ostrande des Jordon- 
thales, in das sich eine halbe Stunde weiter die Aussicht mehr 
und mehr öffnet. Der Vortrab der türkischen Schutzwache sperrte 
den Weg bis zur Ankunft der langsam folgenden Nachhut. Wir 
zogen uns, um dem Gedränge zu entgehen, auf die Bergwund 
zur Rechten des Weges und übersahen von hier aus das bunte 
Gemisch zu unsern Füssen. Nachdem der Vortrab verstärkt war, 
ordnete sich die Karavane wieder, so gut es gehen wollte, von 
selbst. Ein langer Zug an einander gehalfterter Knnieele hinderte, 
von einer Seite zur andern zu gelangen, bis der Weg sich um 
einen Hügel theilte, rechts mehr auf der Höhe, links durch einen 
tiefen, von schroffen steilen Wänden begrenzten Hohlweg hinlaufend. 
Wir wählten den letzteren, wegen der pittoresken Felsenmassen 
aus bröcklichtein, oft gypsartigem Kalkstein; er führte später 
über eine massige Höhe und zeigte Lin und wieder Spuren eines 
alten Strussenbaues. Eine Stunde weiter finden sich zur Rechten 
des Weges die wohl erhaltenen Reste einer Wasserleitung, deren 
Niveau zeigt, dass sie in das Jordanthal hinabgeführt haben müsse. 
Ihr Kanal ist 2 Fuss breit; Fuss tief und ohne sichtbare Spuren 
einer Weiterführung plötzlich abgebrochen; ja die Fortsetzung 
erscheint nach den gegenwärtigen Terrainverhältnissen selbst un¬ 
möglich, da sie am Wady IVlusa endigt, das ihren Lauf fast 
rechtwinklich schneidet. Auffälliger Weise bemerkt man leicht 
zur Linken der Strasse, die hier durch ziemlich steil abfallende 
Bergwände begrenzt ist, an deren Südrande sie hinführt, die Reste 
einer -zweiten Wasserleitung, die indess bedeutend höher geführt 
ist, als die erste ; so dass man höchstens annchmen könnte, diese 
sei von der zweiten höher geführten gespeist worden, um vielleicht 
eine am Rande des oben genannten Wady erbaute Mühle späterer 
Zeit in Bewegung zu setzen; denn für Gärten, zu deren Bewässerung 
das abgegebene Wasser hätte dienen können, ist wegen der steilen 
Abhänge und engen Thäler kein Raum vorhanden. Auch findet sieb 
in der ganzen Gegend nach Aussage der Araber kein höher ge¬ 
legener Quell, der die eine oder die andere der Wasserleitungen 
mit Wasser hätte hinreichend' versorgen können. Ist der Quell 
versiegte oder waren irgendwo Plateaus geebnet, um in der Re¬ 
genzeit das Wasser zu sammeln und es dann der Wasserleitung 



übet- Jericho an den Jordan u. s. w. 


35 


und so einem östlicher gelegenen Russin «uzut'iihren? >) — Seit 
Ausrottung der Waldungen auf diesen Gebirgen mag überhaupt 
der Wassermangel des Landes zitgenommen haben. 

Bel scharfem Abfall des Gebirges nach Osten tritt mau nach 
einer Viertel - Stunde in die Ebene von Jericho. Vergebens sucht 
das Auge nach den Palmen der Palmenstadt. Ein vereinzelter 
Stamm ohne Zweige ragt kaum merklich über das dichte dornen- 
artige Gebüsch hervor, welches das jetzige ltihlui (Lssj ,) und die 
Trümmer des alten Jericho umgieht und das die Araber Sidr (,eVw) 
nennen. Oer Lagerplatz der Karavane wurde neben der alten, 
von Herodes angelegten Wasserleitung anfgescldagen, welche auf 
eilf hochgespannten Spitzbogen über YVady kelt setzend, aus dem 
nordwestlich 4 Stunde entfernt liegenden Elisa-Brunnen (Ain csr 
Sult.in) gespeist wird s ). Dichte Schlingpflanzen ranken sich an 


1) Bei einem zweiten Ausfluge in diese Gegenden war cs mir möglich, 
dieselben etwas genauer zu durchforschen. Etwa 1000 Schritte weit von der 
Stelle , wo die erstgenannte Wasserleitung zur liechten des Weges plötzlich 
am Hände des Wady Musa abbricht, biegt der Weg nach Jericho scharf nord¬ 
östlich um den Südrand des Wady Kelt. Bis hicher lassen sieh die deutlichen 
Spuren des zweilgemmntcn höher gelegenen Aquäducts verfolgen. Das Wady 
Vielt hat liier mindestens eine Tiefe you 100 Euss und darüber; in seiner 
tlovdwand Bemerkt man einige Anaclioretenwohnungcn, zu denen auf derselben 
Seite des Wady eine kleine tlieilweise ntifgemaucflc, theilweise in den Felsen 
gehauene Kinne führt, ähnlich der ganzen Anlage solcher Höhlcnuohmingen 
im Barada-Thale des Antilibanon. Durch die tiefe Schlucht von unserm 
Aquäduct geschieden, konnte diese Rinne unmöglich mit demselben in Ver¬ 
bindung stehen, und hei näherer Untersuchung des Terrains bemerkte ich 
bald in einiger Entfernung von der Strasse eine Haine, die ich bei meiner 
ersten Anwesenheit unbeachtet gelassen hatte. Als ich dieselbe jetzt näher 
untersuchte, erwies sic sich als eine grosse, in drei Absätzen überwölbte 
lüsterne, 401 lang, 301 tief, am oberu W eslende derselben die wallarlige 
Fortsetzung des Aijuiiduets, innerhalb derselben, auf eben dieser Seile die 
Ausnumdung eines Kanals, unter welcher die lernt cotta dunkler gefärbt war 
und das hervorlretende Gestein dieser Wand bröckliehter erschien, als au 
den obern Schichten der drei andern Wunde. Kuincn eines Gebäudes über 
oder neben dieser Cisterne waren nirgends aofztilinden. 

2) Zu den wichtigsten Kesten der Vorzeit in dieser Gegend gehören un¬ 
streitig die Spuren der alten Wasserleitungen. Sobald man vom westlichen 
Gebirgszuge herab in die Ebene tritt, führt der Weg nach ltihlia zunächst 
längs dem Südrande des Wadi Kelt hin. Zwei Wasserleitungen setzen über 
dasselbe. Die erste, näher dem Gebirge liegende scheint jüngern Ursprungs; ■ 
sie ist in der Mitte des Wady bis auf zwei Spitzbogen abgebrochen, welche 
bis an den Nordrand desselben hinüberspannen. An dem Siidramle des W ady 
linden sich nur noch geringe Maucrrcsle, doch lässt sich die Fortsetzung 
derselben in südsüdöstlicher Richtung auf einige hundert Schritte weit durch 
die Ebene verfolgen. Sie konnte demnach unmöglich nach dem heutigen Hilihu 
nihren, das etwa 1500 Schritte nordöstlich auf der jVordseite des breiten 
wasscrleercn VVadv Kejt liegt. Aufwärts trifft sie in ihrem nordnordwöstlichen 
i.aule auf zwei Mauerrrsle am Fnss des Ouarantania, westlich von den Zuk- 
kcrmühlen, unstreitig Stützpunkte, wie sich deren mehre noch weiter nördlich 
bis in die Gegend von Ain Dük verfolgen lassen. Die zweite, bereits ge¬ 
nannte, einige hundert Schrille östlich von der eben beschriebenen auf eilf 



56 Gadow, Ein Ausflug von Jerusalem 

den Bog-enpfeilern empor, dem herabträufelnden Wasser entgegen 
und gnruiren den alten Bau gar anmuthig. Das ägyptische Klima 
dieses tief unter dem Meeresspiegel gelegenen Thaies übt seinen 
Einfluss auf die reiche ungehemmte, weil uubeachtete Vegetation. 
Vorherrschend ist der Nubk- oder Ddmbaum, Sidr, von Schling¬ 
pflanzen durchweht, deren rothe Blüthen der Fucbsia ähneln. Unter 
den niedcrn Straucharten bemerkt man besonders den Eierstrauch 
mit unzähligen gelben eiförmigen Früchten und weissgrauen flei¬ 
schigen Blättern. Eine kleine Art Dünnschnäbler, nicht viel 
grösser als ein Kolibri und in denselben schönen Farben schillernd, 
bewohnt dies GcbUsch besonders häufig. 

Die Bewohner von Rihha sind negerartig. Sie sind schwärz 
bei wolligem Haar, schwächlich von Körperbau und mit dem Ge¬ 
präge von Missmuth und Lebensüberdruss iu den schlaffen Ge¬ 
sichtszügen. Die meisten waren jetzt mit der Bereitung des so¬ 
genannten Balsams von Jericho beschäftigt. Eine Art gelher 
Nusskerne vorn Zukkum oder Balsambaum wird zerquetscht, zu 
einem Brei geknetet und giebt dann durch Aufgiessen von heissem 


Spitzbogen über Wndy Kelt setzende Wasserleitung läuft ebenfalls von N. Pi. 
W. nach S. S. 0. und erhält ihr reichlich flicssendes Wasser ans Ain es - 
Sultan, das sich indess bald im Sande verliert und nichts als das üppige 
Wachsthum von wucherndem Dornengebüsoh befördert, das einer grossen An¬ 
zahl Von rothen Rebhühnern and den kleinen Berghasen mit goldgelben Ohren 
zum Aufenthalt dient. Als wir beim zweiten Ausfluge in diese Gegen d an 
1. Juni d. J. quer durch die Ebene in südlicher Richtung nach dem todten 
Meere zu ritten, trafen wir westlich von Ain Hliadschla (&L2* zwi¬ 

schen Wadv Kelt und Wady Santa auf fünf bis sechs gemauerte hanäle, die 
alle in südlicher und südöstlicher Richtung verliefen, und sich wenig über 
das ebene, sanft nach dem Jordan zu abfallende Terrain erhoben, das nur 
durch eine niedere, von seichten Wadys durchschnittene Hügelkette hei Kasr 
Hliadschla unterbrochen wird. Diese Kanäle standen in frühem Zeiten wohl 
sämintlich mit den beiden eben angeführten Wasserleitungen in Verbindung 
und wurden durch dieselben aus Ain Duk und Ain cs-Sultan gespeist, um 
den ganzen Landstrich zwischen den westlichen Gebirgen und der Hügelkette 
bei Kasr Hliadschla zu bewässern und den. reichen Palmenwuchs zu fördern, 
durch den die Gegend von Jericho einst so berühmt war. Ich bin der Mei¬ 
nung, dass dies frühere Bewässerungssystem sieh ohne grosse Kosten wieder 
herstellen und dass durch die richtige Vcrtbeilung des Wassers, welches 
Ain Dük, Ain es-Sultan und Ain Hliadschla liefern, diese Gegend unter fast 
tropischem Klima sich zu einer der fruchtbarsten und ergiebigsten des gan¬ 
zen Erdbodens umsehafien Hesse (Josepbus B. J. IV, 8,o2.). Aber es fehlt 
gegenwärtig sowohl an arbeitsamen Händen, wie an einer, die Sicherheit des 
Besitzes gewährleistenden Verwaltung. Die Macht und der Einfluss der türki¬ 
schen Regierung reicht kaum bis an den Jordan, und seihst hier vermag die¬ 
selbe nur dann ihren Befehlen Geltung zu verschaffen, wenn sie eine bedeu¬ 
tende Anzahl von Truppen immerwährend auf den Beinen erhält. Wäre io 
Syrien für Europäer ein sicherer Erwerb von Grundbesitz möglich, so ist 
keine Frage , dass das Land in wenigen Jahren durch eine richtig geleitete, 
mit den nöthigeu Mitteln versehene Kolonie auf die Stufe seines früheren 
Wohlstandes gebracht werden und dass seine Bevölkerung in Kurzem zu der 
früheren fast unglaublichen Zahl anwachsen würde. 



über Jericho an den Jordan u. s. w. 


57 


Wasser, oder auch woLl von heissem Oel eine balsamartige Flüs¬ 
sigkeit , die augenblicklich in Flaschen gefüllt und an die Pilger 
verkauft wird, die Unze zu etwa 10 Piastern. Es ist dies un¬ 
schuldige wirkungslose Surrogat des früher, zur Zeit des Josephus 
so hocligerfilimten Opobalsamum ') fast die einzige Erwerbsquelle 
der armen Bewohner von Rihhu, die weder Kruft noch Lust zum 
Getreidebau haben. Das wenige bestellte Land liefert seinen Er¬ 
trag an die kräftigeren Gebirgsfeliahin, die Lieber herab kommen 
und bis zur Erntezeit verweilen, oder in die zum Raube allezeit 
fertigen Hände-der Beduinen, die zuweilen von der Ostseite des 
Jordan herüberkommen und den Gewinn vorwcguehmen 1 2 ). Doch 
ist der kleine District von Rihha an einen Privatsteuerpächter 
für 20,000 Piaster verpachtet, zu deren Eintreibung derselbe eine 
Station unregelmässiger Reiter im Orte unterhält. Rihha ist ein 
Häuflein elender Hütten, etwa 1000 Schritte von unserin Lager¬ 
platz an der untern Wasserleitung aus Ain es-Sultan entfernt 
und durch das mit dichtem Dornengestrüpp bewachsene Wady 
Kelt, den Krith des alten Testaments, davon getrennt. Wenige 
Gerten, von dürren Dornenhecken eingefasst, stossen südwestlich 
an das Dorf, westlich an die geringen und unbedeutenden Trümmer, 
welche an der Südseite eines alten kustellartigen Gebäudes, zwi¬ 
schen diesem und dem Nordrande des Wady Kelt liegen und die, 
ihrem geringen Umfange nach zu urtheilen, nicht wohl die Uebcr- 
reste des alten Jericho sein können. Es findet sich darunter nur 
eine kleine flache Cisterne und ein Stück Karnies, das einein 
Gesimse früherer Zeit mag angehört haben, wahrscheinlich aber 
von anders woher dahin gekommen ist. Es sind diese Trümmer 
wohl nichts weiter, als Uebcrreste der wenigen Gebäude, welche 
jenes Castell späterer Zeit umgaben und die mit in die Aussen- 
werke desselben hineingezogen waren 3 ). Das Kastell selbst zeigt 


1 ) Dieser Balsam troff aus Einschnitten, welche inan in den Stamm eines 
Strauches machte. 

2) Zwei Monate später traf ich in Rihha zwei bekannte Scheichs von 
Abu Dis und Sihvtin, die eben mit dem Scheich der lbtem - Beduinen die Tlini- 
lnng des gemeinsam gewonnenen Getreides Vornahmen. Nach ihrer Aussage 
hatte die Aussaat durchschnittlich das 20ste Korn gegeben. Muhammed Pascha 
von Jerusalem sollte sogar 36 Körner hei weniger Aussaat auf grösserem 
Flächenruum gewonnen haben. 

3) Später durchstrich ich in Begleitung meines Freundes, des Dr. Wulff 
aus Wiirtemberg, etwas aufmerksamer das Terrain nördlich vom Wady Kelt 
und westlich vom Kastell, um mich nach etwaigen Spuren des alten Jericho 
mnzusehen. In der That stiessen wir nach mannigfachen Windungen durch 
das dichte Dornengestrüpp and nachdem wir den Bach, welcher das Wasser 
aus dem Elisabrunnen (Ain es-Sultan) in die untere Wasserleitung führt, 
überschritten hatten , nach Verlauf von 26 Minuten auf die Reste einer alten 
gepflasterten Strasse, die sich 10 Minuten weit-von 0. S. 0. nach W. N. W. 
zwischen alten Mauerfundamenten bis nahe an Ain es-Sultan hinzieht. Der 
ganze mit solchen Fundamenten bedeckte Raum hat nach seinem Durcbmessc 



f>8 Gudotv, Ein Ausfluy von Ja usalem 

im Innern verlassene Wohnungen von Menschen und \ ieh; ei» 
steinerne Treppe fuhrt auf das Dach, das mit einer Art Ilms: 
wclir verseilen ist, die nach jeder Himmelsgegend an einen vor- 
springenden Thurm mit je drei Schiessscbarteii lehnt. Sieht man 
von hier aus den westlichen Gebirgszug an, den wir am Tage 
überstiegen, so (ritt derselbe halbkreisförmig zurück, jedoch so, 
dass die Mitte des Bogens mehr südlich von Rihhn liegt. Beide 
Bilden desselben lauten ziemlich symmetrisch in zwei hohe Berg¬ 
kuppen aus, von denen die zweite das nördliche Bog-enendc des 
Uuurnntania ist, dessen Gipfel die Ruinen einer alten Kirche krönen. 
Kr wird noch heut zu Tage von den Arabern Karantal (Jdxiji) 
genannt. In seiner steil abfallenden Ostwand befinden sich viele 
AnachoretenhÖhlen, jezt der Aufenthalt wilder Thierc. Wo der 
Weg von Jerusalem herabkommt, finden sich am Fuss des Ge¬ 
birges die Ruinen eines alten Gebäudes, dessen natürlich befestigte 
Lage zu der Annahme berechtigt, dass es ein altes Kastell zur 
Beherrschung dieser Strasse gewesen sei; ihm gegenüber auf 
der südlichen Seite der Strasse die Ueberreste eines zweiten ähn¬ 
lichen. Vielleicht sind-es die, von Strabo XVI, 2. erwähnten, 
von Pompcjus zerstörten Kastelle Tlirax und Taurus, wenn man 
diese nicht etwa in den Ruinen über Ain es-Sultan und in der 
Gegend der Zuckermühlen zwischen Ain cs-Sultan und dem Ost- 
abfäll des Quarantunia wiederfinden will. Nach Strabo lagen beide 


gegen J- Stunden im Umfange. Die Nähe des Baches, an dessen rechtem Ifer 
der hczciehiiclc Olt sich his in die Nahe der Quelle seihst im \V. N. \V. 
iiindehnt, so wie die künstliche, halbkreisförmige, aus behauenen Quadern ge¬ 
zogene Verkleidung eines unmittelbar vor der Quelle «usgepllaslerlen Bassins 
von 25V Breite und 40J Lange , nicht minder die bedeutenden Hainen eines 
unmittelbar über der Quelle liegenden kastcllartigen Gebäudes, welche den 
Gipfel und den Ostabhang eines kleinen sattelförmigen Hügels bedecken, an 
dessen Buss Ain cs-Sultan entspringt und welche vielleicht thcihvei.se Ueber¬ 
reste des von Iferodes neben Jericho erbauten Kastells Lvpros sind, lassen 
wenig Zweifel übrig, dass liier das Jericho gelegen habe, in dem der jüdische 
Tyrann sein thalenreiefies Leben mit dem verabsclieuuiigswürdigen Aufträge 
beschloss, die vornehmsten Juden unmittelbar nach seinem Abseheiden hin- 
zuriclitcn’, damit es seinem Leichenbegängniss nicht an Thronen fehle. Das 
Jericho der Hcrodisolien Zeit würde demnach nördlich von Wady Kult, west¬ 
lich vom Bach des Elisabrunnens und östlich von der obern Wasserleitung 
aus Ain Dük gelegen haben. Die Quelle selbst, deren Wasser der Prophet 
Elisa gesund machte, strömt eine so reiche Masse Wassers aus, dass der 
Bach, den sie füllt, unmittelbar vor dem Einströmen in das dicht vor der 
Quelle befindliche mit Fischen angefüllte Bassin bereits eine Breite von 9 
rheinläodischen Fussen hat. Bei Josephus lieisst es: „'neben Jericho ist eine 
ergiebige und zur Bewässerung der Fluren sehr reiche Quelle, die bei der 
allen Stiutl (?) hervorspradelt, welche Jes-us der Sohn des iVave eroberte." 
Wie wenig behaut und bewohnt übrigens diese Gegend sei , ist schon daraus 
ersichtlich, dass wir bei hellem Tage eine Menge von Schakalen zu Gesicht 
bekamen, die häufig auf Schussweite hier uiuherstrirhen, um auf die zahl¬ 
reichen rotlien Rebhühner Jagd zu machen, die eben flügge geworden waren. 



über Jericho an den Jordan u. s. w. 


50 


Kastelle in oder nahe bei Jerlclio; die beiden oben genannten 
Ruinen liegen aber von Ain es-Sultan eine halbe Stunde S. W. 
entfernt und sind durch das Wady Kclt von der beschriebenen Orts¬ 
lage des Herodischen Jericho getrennt. 

Die Nacht war wenig an Ruhe zu denken; schlechte Musik 
und noch schlechterer Gesang übertönten in Pausen das Gesumme 
der grossen Volksmenge, die sieh auf 3f Tausend Köpfe belief. 
Gegen 3 Uhr Morgens brach die Karavane hei herrlichem Mond¬ 
licht nach dem Jordan auf und zog unter Fackelschein zwischen 
zwei Reihen Soldaten ziemlich schweigsam durch die mit nichts 
Anderem als Gestrüpp bewachsene Ebene. Etwa zweitausend Schritte 
vor dem Jordan, dessen dichtbelaubte hellgrüne Ufer das hier 
Alles belebende Wasser noch verdeckten und die in der Ferne 
als der Saum der hochansteigenden Gebirge von Kerak erschie¬ 
nen, deren höchste Kuppen schon von den Strahlen der aufgehen¬ 
den Sonne golden erglänzten, hielt die berittene Vorhut die ganze 
Karavane südlich von Kasr Hliadscbia _,*=») ') so lange auf, 

bis alle Nachzügler heran kamen. Unser Scheich Mahmud von 
Ahu Dis, den wir zum Führer nach Mar Saba genommen, bahnte 
mir den Weg, so dass ich um f Stunde früher, als alle Ucbrigen 
an den Jordan gelangte, und so den ersten Eindruck des herrli¬ 
chen bedeutungsvollen Stromes allein gemessen konnte. Knüpften 
sich auch nicht so hohe, heilige Erinnerungen an diesen Fluss, 
so hat schon sein lebendiges, hell und schnell in kurzen Windungen 
dahinrauschendes Wasser inmitten dieser Wüste etwas Erfrischen¬ 
des für Geist und Körper. Ueppig wachsende Bäume von dem 
hellsten Griin und mit weissen traubenförmigen Blüthen an den 
feinen Zweigen erinnern an die schönen Laubwälder Deutschlands; 
das haushohe Schilf, dessen Säuseln mit dem leisen Rauschen 
der Strömung sich mischt, tönt inmitten dieser Oede manches 
Echo in der Brust wach; dann der Strom in seinem schnellen 
Lauf, in bald scharfen, bald sanft gewundenen Krümmungen dem 
todten Meere zucilend, zwischen oft anmuthigen, oft salzig moo¬ 
rigen Ufern, welch’ Bild des Lebens, wenn er endlich seine heiligen 
Fluthcn in der Todcslache begräbt! Und dann seine hohen hehren 


1) Kasr Hhmlschia, auch Mar Johannes genannt, J- Stunden südöstlich 
, von Uihhn, ist die Ruine eines früheren Klosters mit zum Thcil noch wohl- 
crhnltencn christlichen Fiescomalcieien; es linden sielt noch starke Gewölbe 
und die Reste eines Tluinu,'insatzes. Eine halbe Stunde IV. IV. 0. von Kasr 

Hliadscbia entfernt liegt Ain Hliadscbia, die schon oben erwähnte, kreisrund 
ummauerte Quelle zwischen dickem Röhricht. Pie dünenartige Hügelkette, 
welche sich von Knsr liliadsclila südlich an die Nordkiiste des todten Meeres 
herabzicht, heisst Khtär Hhadidschc, das heisst: „eine Reihe an einander 
gehalfterter Kameclesic begrenzt ein tief ausgerissenes Wady, (las in Ard 

idschliaiyyc (s..oL5\>! , so heisst ein Thcil des Nordnfers des todten 

Meeres) ausläuft. 



00 Gadow, Ein Ausflug von Jerusalem 

Erinnerungen! Die Karavane nahte jetzt in vollem Lauf; jeder 
wollte der Erste sein; Alle, in ihren Sterbehemden, die auf dem 
Salbungssteine in der Kirche des heiligen Grabes von einem grie¬ 
chischen Bischof gestempelt werden, tauchten dreimal unter, Greise 
und Greisinnen , kräftig schwimmende Arnauten bis hinab zu den 
kleinsten nur wenige Wochen alten Kindern. Alle glaubten sich die 
Seligkeit mit diesem Bade zu verdienen; ein Mann ertrank, nach 
Einigen absichtlich , und trieb todt dem Meere des Todes zu, du 
bei der äusserst reisseiiden Strömung des Jordan es selbst den 
geübtesten Schwimmern nicht gelingen wollte, ihn zu retten. Es 
wäre dies auch, nach der Ansicht Vieler, — soweit geht der 
Aberglaube — nur ein Versuch gewesen, ihm die Seligkeit zu 
rauhen, welcher der Unglückliche durch die eilenden Wogen plötz¬ 
lich und unaufhaltsam zugeführt wurde. Ueherhaupt wäre hier 
wohl ein Johannes notli gewesen, so sehr ist Alles in der Griechi¬ 
schen Kirche des Orients Formen - und Formelwesen. Wildes 
Geschrei und hin und wieder Verhöhnung aller Sitte stempelten 
diese Scene eher zu einem bachantischen Schauspiel, als zu einem 
religiösen Akt; ja der erustgestiminte und tiefer fühlende Mensch 
wird schmerzlich bewegt, wenn er so viele Lebende im Todteu- 
gewande vor sich und doch des Lebens Sinncnlust nicht ertödtet 
sieht. So schickten wir uns denn alsbald an, den Ort zu ver¬ 
lassen uud den Lauf des Flusses bis zu seiner Ausmündung in 
das 14- Stunde vom Badeplatze entfernte todte Meer zu verfolgen. 
Die Breite des Stromes bleibt sich bis zu seinem Doppeluusfluss 
ziemlich gleich; eine niedere Hügelreihe zieht sich an beiden 
Ufern hin; auf dem linken näher an den Fluss herantretend , als 
auf dem rechten, wo sie sich in ein welliges Terrain bis zum 
Gebirge Juda und Ephraim hin verbreitet. Der Fluss muss zur 
Winterzeit entweder bedeutend übertreten, oder es werden ihm 
von der Westseite her unzählige Winterbäche aus dem Gebirge, 
zugeführt; denn tiefe Furchen zwischen den Hügeln und auf der 
noch nassen Ebene von nicht sehr grobkörnigem Sande zwangen 
uns oft zu kleinen Umwegen. Spuren von wilden Thieren wurden 
häufig bis .ans Wasser hin sichtbar. Je näher dein todten Meere, 
desto inehr schwindet das höhere Grün der Ufereinfassung ; selbst 
das Rohr, das bis zum Ausfluss bleibt, wird dünner und zwerg¬ 
artiger. Am jenseitigen Ufer zeigten sich einige ’Anise- Beduinen, 
die mit unserm Scheich in gutem Einvernehmen*'zu stehen schie¬ 
nen; es wurden freundlich hegrüssende Worte herüber und hinüber 
gewechselt. Endlich lag das grosse Bassin des todten Meeres 
vor uns. Dicht heran treten von beiden Seiten die Gebirge, be¬ 
sonders schroff und steil fällt das Gebirge Juda zur Meeresfläclie 
ab. Die Berge von Kerak, dem alten Moabitcrland, von deren 
Höhe einst Moses das Lund der Verlieissung sah, waren, so bald 
nach der Regenzeit, noch grün bewachsen, während die ganze 
Nordküste des todten Meeres westlich vom Einfluss des Jordan 



Hier Jericho an den Jordan u. s. te. 6 l 

die Breite der Ebene bat. Von ihrem salzhaltigen Sande prallten 
die Sonnenstrahlen empfindlich zurück. Um j näher dem östlichen, 
als dem westlichen Ufer des Salzsees fällt der Jordan, trägeren 
Laufes als oberhalb, in denselben, in zwei Mündungen, die indcss 
nur ein kleines Delta bilden. Sein Grund ist liier tief morastig,- 
seine Ufer etwa hundert Schritte vor dem Ausfluss ohne' Vege¬ 
tation. Je näher dem Tode, desto mehr wird er zum staguirenden 
schleichenden Wasser, als bereute er den schnellen unbedachten 
Lauf seiner Jugendkraft. Wenige Schritte ins Meer, und man 
bemerkt kaum noch den Fluss seiner Gewässer. Der Grund davon 
liegt wohl hauptsächlich in der grösseren spezifischen Schwere 
des Meerwassers. ^Einige Reiher hatten ihren Stand auf dem 
schlammigen Delta genommen und suchten die ins Meer gespülten 
Fischlein, die in der scharfen Lache augenblicklich starben. Ich 
bemerkte selbst einige, die mit dem Tode rangen. Wirklich ist 
auch der Geschmack des Wassers vom todten Meere so abscheulich, 
dass man alle bittersalzigen Arzeneien hier vereinigt zu kosten 
meint; dahei von einer solchen Schärfe, dass nach wenigen Minuten 
sich die Haut von Lippen und Zunge lösen würde, wäre man 
im’Stande, dasselbe auch nur einen Augenblick im Munde zu 
behalten. Seine spezifische Schwere ist so gross, dass es un¬ 
möglich ist, den ganzen Körper unters Wässer zu tauchen. Das 
Stehen und Wassertreten war ausserst schwierig: immer wieder 
warf das Wasscr'dcn Körper in seine horizontale Lage; legte man 
sich auf den Rucken, so konnte man ohne Schwierigkeit Hände 
und Fiisse über die Oberfläche des Wassers hervorstrecken, und 
dennoch sahen wenigstens 4 des Körpers über den Wasserspiegel 
hervor. Dabei nimmt die Tiefe vom Ufer aus sehr ailmälig zu ; 
fast 300 — 400 Schritte musste ich hineinwaten, ehe das Wasser 
mir bis an die Brust reichte. Wenige Minuten nach dem Ankleiden 
war der Körper tbeils mit einer dünnen Salzkruste, tlicils mit 
einer klebrigen, öligen Flüssigkeit überzogen; doch spürte ich 
weder Schmerz, noch merkliches Jucken *). Die Farbe des Meeres 
ist je nach den Entfernungen, aus denen man dasselbe sieht, ver¬ 
schieden. In unmittelbarer Nähe äusserst durchsichtig blau uud 
fast krystallrein, weiterhin ins Graue fallend, daun grün, mit 
weissen Lichtpunkten untermischt. So sahen wir es zwischen 
9 und 10 Uhr Morgens. Bei veränderten Sonnenstände und zu 
verschiedenen Jahreszeiten wechselt vielleicht auch die Farbe J ). 


1) Ms ich spater in der IV. VV. Ecke des todten Meeres badete, inaehte 
sich nach dem Ankleiden ein leises Brennen über der ganzen Körpertläcbe 
bemerkbar. Es war dies im Juni der Fall, also längere Zeit nach dem 
Winterregen und überdies in grösserer Entfernung von dem Einströmen des 
süssen Jordanwassers. 

2) Joseph. B. J. IV, 8. bemerkt von der Farbe des todten Meeres: „Der 
See Asphaltitis hat auch eine bewundernswürdige Veränderung der Farbe, in- 



02 Gadow, Ein Ausflug von Jerusalem 

Die Ausdünstung, so sehr dieselbe auch von der heftig wirkenden 
.Sonne zcrtheilt wird, ist doch in jeder Hinsicht merklicher, als 
bei siissen Gewässern und selbst beim gewöhnlichen Meerwasser. 

Wir schlugen von der Mündung des Jordan unsern Weg nach 
Mar Saba ein, und verfolgten zunächst die Nordküste des Sees. 
Längs dein ganzen Ufer liegen grosse Massen von dicken Baum¬ 
stämmen, alle bis in die kleinsten Zweige von weisser Salzlauge 
durchdrungen, daher von weissgrauer Farbe, ohne Kinde und 
fast unverbrennlich. Die Art konnte Keiner von uns erkennen, 
da sie säinmtlick blhtter- und blüthenlos waren und vielleicht 
schon Jahrhunderte hindurch hier angehäuft liegen. Immer ein 
Beweis, wie schön bewaldet die angrenzenden Gebirge einst waren. 
Uebrigens ist im Ganzen besonders die N. W. Küste des todten 
Meeres nicht so durchaus öde und wüst, als man sich gewöhnlich 
vorstellt. Im hohen Sommer mag das freilich eher der Fall sein; 
jetzt, wo der Boden noch die Feuchtigkeit des Winters enthielt, 
war die Vegetation, wenn auch nicht gerade üppig und mannig¬ 
faltig, doch durchaus nicht spärlicher, als in denjenigen Theilen 
des Gliör, wo das alles belebende Wasser fehlt. Eine schön 
blühende Art von Heidekraut durchzog dickblättrige, dornenartlgc 
Strauchgewächse, und in dem Ard idschhaiyye zeigten zwei Hügel 
bis an die Spitze hohes Schilfrohr, aus dem ein Schwarm Enten 
aufstieg und über die Nördspitze des todten Meeres hinstrich; 
ein Beweis, dass hier süsse ttuellen sind. 

Ein ziemlich tiefes, jetzt wasserloses Wady durchsebnitt den 
Pfad; es musste wohl, von N. W. kommend, das Regenwasser 
in grosser Menge aufgenommen und in reissendera Laufe dem 
Meere zugefülirt haben; denn bei seiner Mündung war das Ufer 
so tief ausgespült, dass wir durch das Meer reiten mussten, um 
dieselbe zu umgeben. Gleich darauf zogen wir uns eine kurze 
Strecke durch dichtes, mehr grau als grünes Gebüsch dem' Ge¬ 
birge zu, dessen Vorberge hier aus kleinen trichterförmigen Kegeln 
bestehen, unzusammenhängend, vulkanischen Ursprungs. Mit diesen 
Hügeln beginnt eine schauerliche Wüste. Selbst die schmarotzenden 
Flechten und Moose vermögen hier nicht Wurzel zu fassen; die 
Strahlen einer heissen Sonne prallen zurück von dem salzgeschwän¬ 
gerten Sande und verursachen dem Auge einen stechenden Schmerz, 
da es vergebens nach einem dunklen Punkte sucht, auf dem es 
ruhen könnte. Stundenlang reitet man so in nordwestlicher Rieh- ( 
tung, biegt dann westlich und endlich südwestlich auf Mar Saba 
zu. Bis dabin bleibt der Charakter der Gegend ziemlich unver¬ 
ändert; höher hinauf ins Gebirge dehnt sich südlich von Nebi 
Musa, dessen Minaretspitze man sieht, eine ziemlich lange Hoch- 


dern er dreimal am Tage seine Oberfläche verändert, und gegen die Sonnen¬ 
strahlen einen mannigfachen Widerschein giebt. “ 



über Jericho an den Jordan u. s. w. O-'l 

ebene aus, die bin und wieder von der Ueberrieselung des Winter¬ 
regens einen kümmerlichen Graswuchs zeigte, und die ihren Aus¬ 
gang endlich durch die Fortsetzung des Kidronthales nach dem 
todten Meere zu findet, von dem zuweilen kleine Flächen hei der 
Wendung des Weges sichtbar werden. Sonst zeigt Berg und 
Thal dasselbe- trostlose Einerlei; seihst die gefällige Rundung 
der Höhenformation gewährt keinen Reiz mehr, da das nnschauende 
Auge sich geblendet zurückwendet und auf dem Sattelknopfe 
und der nächsten Umgehung des oft - gefahrvollen Weges haften 
bleibt. Endlich steigt man in ein Scitenwady des Kidronthales 
hinab, verfolgt dies bis an die Stelle, wo es einmiindet, und wo 
das Kidronthal selbst sich beckenartig erweitert, um sich durch 
die wilde malerische Schlucht ron Mar Saba nach dem Südrande 
jener eben genannten Hochebene und weiter nach dem todten 
Meere fortzusetzen. Es ist eng und von den schroffsten Felsen¬ 
wänden begrenzt; die südwestliche Wand enthält die Zellen des 
Klosters Mar Saba in auf- und absteigenden Reihen. Doch sind 
auch in der gegenüberliegenden Wand hin und wieder alte Ana- 
choreteuhöhlen. Der erste Anblick des Klosters, zu dem eine 
künstliche Strasse längs dem S. W. Rande der Schlucht hinauf¬ 
führt, entschädigt mehr als doppelt für den mühevollen Weg, wozu 
freilich das wohltliucndc Gefühl mitwirkt, auf kurze Zeit zur 
Ruhe gelangt zu sein. Mar Saba ist das älteste Kloster in .Pa¬ 
lästina; seine Geschichte ist bekannt. Zmn Haupteingange ge¬ 
langt man von Westen her; ziemlich abschüssig führt ein 10—12 
Fuss breiter Pfad an die stark verwahrte Thür; ein Empfehlungs¬ 
brief aus dem griechischen Patriarchat in Jerusalem ist der Haupt¬ 
schlüssel zum Oeffncn derselben. Man tritt zunächst in einen 
Hof, der die Stallräume enthält; 50—60 Stufen führen aus 
diesem tiefer hinab zu den Gemächern der Dienerschaft; abermals 
50 Stufen auf den gepflasterten Platz, in dessen Mitte die alte 
Kapelle des Hieromonaclios Saba' steht, ein Achteck mit einer 
Kuppel, ln der N. W. Ecke dieses gepflasterten Raumes befindet 
sich die Kapelle des heiligen Nicolaus, an der Ostseite der Ein¬ 
gang zur Hauptkirche des heiligen Saba. Die übrigen Gebäude, 
welche den Raum umschliessen, sind zur Aufnahme von Pilgern 
bestimmt. 15—20 Stufen tiefer sind zwei kleine Gartenbeete 
mit einigen Gemüsearten und 3 — 4 kleinen Bäumchen. Auch 
eine Stande Zuckerrohr gedieh hier in dieser Wildniss. Von 
den Gartenbeeten 30 — 40 Stufen aufwärts gelangt man zu dem 
südöstlichen ältesten Theile des Klosters, den eigentlichen Felsen¬ 
höhlen, unter denen die des heiligen Saba, in welcher dieser 
mit einem Löwen wohnte. Die Höhle ist sehr klein, kaum möchten 
- die zwei Genossen darin hinreichend Platz gefunden haben; doch 
trägt sie sonst alle Spuren der Echtheit und hat einen grösseren 
natürlichen Vorraum. Von dem Dache def Hauptkirche gelangt 
man zu der 100 und mehr Fuss über dem Haupthofe in der nord- 



64 


Gaäow, Ein Ausflug von Jerusalem 


östlichen Felswand befindlichen Zelle des Johannes Damascenus. 
Sie ist zur geschmacklosen Kapelle uingewandelt, unter deren kunst¬ 
losen Gemälden besonders häufig der heilige Georg und sein Drachen- 
kampf bemerkt wird. Die Hauptkirche des heiligen Saba im Unter¬ 
hofe ist in Form der Itasilica gebaut, ziemlich gross und mit vielen 
meist schlechten Gemälden behängt, den Hauptgegenständen der 
Verehrung im Griechischen Kultus. Dem Haupteingange gegen¬ 
über, in der S. O. Ecke befindet sich das Bild des heiligen Sabbas 
oder Saba, mit einem Gewände von Silberblech; zur Linken des¬ 
selben die Enthauptung Johannes des Täufers, vielleicht das beste 
von den vielen oft sehr alten Gemälden, deren Inschriften sehr 
für den Itacismus sprechen. So liest inan unter einem sehr alten 
Bilde des heiligen Saba die Worte: yvfivog i'SrjlS-ov ix y.iXtug 
(fiir xoiXiag) /.itjrgog /uov. Auf einem andern, das die Verkündigung 
darstellt, heisst cs: 6 ivayyt\i]r!f.iog tjjc dtoroxov. Offenbar hat 
der Maler, unkundig der Orthographie, zwei gleichlautende Buch¬ 
staben verwechselt. An der Aussenwand der Hauptkirche, neben 
dem Eingänge hängt ein, wie es scheint, sehr altes Gemälde 
des heiligen Saba auf Goldgrund mit vielen Sccnen aus seinem 
Leben, die als Randverzicrungen angebracht sind. Unter den 
letztem findet sich schon die kleine achteckige Kapelle in ihrer 
jetzigen Gestalt, ln der Nicolauskirche sind hinter einem Eisen- 
gittijr viele hundert Mcnschenschädel aufgeschichtet, angeblich 
die Schädel der unter Chosroes von den Persern ermordeten 14000 
Anachoreten; im Vordergründe drei besonders verehrte Schädel 
von standhaften Märtyrern; auf einem kleinen verblichenen Ge¬ 
mälde die Jahreszahl X. I. E. In einer Kapelle hinter dem 
Hauptaltar', unter welchem ein Gemälde des Weltgerichts, das 
sehr an die muliammedanische Vorstellung davon erinnert, be¬ 
findet sich ein uralter Kasten , der an seiner Vorderseite ein 
kleines Bild trägt, das einen Kelch darstellt, aus welchem der 
Heiland mit gebundenen Händen hervorzusteigen scheint; da¬ 
runter die Worte: o Cmoqiogog ugzog; nach dem Urtheil eines 
deutschen Malers von Fach ist dies eins der ältesten Kunstwerke 
aus der byzantinischen Zeit. Etwa 30 Mönche nebst einigen Laien¬ 
brüdern bewohnen gegenwärtig das Kloster. Mit Ausnahme des 
Küchenmeisters, der für die Fremden zu sorgen hat, bekümmert 
sich Niemand um die Gästei Die Zimmer sind orientalisch mit 
Teppich und Divan decorirt, die Kost nicht besonders und durchaus 
dem Geschenk nicht entsprechend, das in bestimmter Summe dreist 
gefordert wird. Den folgenden Morgen (31. März) brachen wir 
früh 8 Uhr auf. Unser Scheich Mahmud stand mit seinen Leuten 
bereits zum Abmarsch fertig und wir waren kurz vor demselben 
noch Zeugen der eigentümlichen, an alte Zeiten erinnernden 
Justizpflege unter diesem patriarchalischen Lehnsherrn. Zwei seiner 
Leute hatten am Tag« zuvor mit einander Streit gehabt; nach 
.kurzem mündlichen Verfahren uud Zeugenverhör sprach der Scheich 



über Jericho an den Jordan v. r. «*. C5 

das Urtheil der Steinigung’. Der Verurtheilte rettete sich früh 
genug unter den Bauch eines Pferdes, von da in einen Stall; von 
allen meist absichtlich fehl geschleuderten Steinen traf ihn nur 
einer an den Kopf und verletzte ihn-unbedeutend; wie cs schien, 
kam dieser von seinem Gegner. Damit war das Urtheil vollzogen. 
Nach einigem lauten Hin- und Herreden brachen wir auf und 
zogen Bethlehem zu. Den Oelberg sieht man bald hinter Mar 
Saba in gerader Entfernung von zwei Stunden, ebenso bei einigen 
Wendungen des Weges die Kuppeln der Sahhra und des Arme¬ 
nischen Convents nebst einem' Theile der S. W. Mauer von Jeru¬ 
salem. Die Strasse führt an Burdsch el-Htiumma , einer sehr 
zerfallenen Ruine, und etwas weiter an einem Brunnen, Birkel el- 
Jasliniyye, vorüber. Auf der Höhe fortziehend, die das Wady 
et-Tatlmira nördlich begrenzt, gelangt man zu zwei bedeutenden 
Cisternen, zwischen welchen der Weg hindurch führt. Die grössere 
ist gegen 60^ lang und 40^ tief, bis zur Höhe von 20^ mit 
terra cotta ausgelegt, und liegt an dem felsigen Abhänge eines 
Hügels, den die Ruinen eines alten Klosters von bedeutendem 
Umfange krönen, und das die Beduinen Deir Dössi nannten ‘); die 
beiden Cisternen heissen jetzt bei ihnen Hhammdm baradani, d. i. 
kaltes Bad. Merkwürdiger Weise zieht sich von der Ruine ab¬ 
wärts in östlicher Richtung zwischen beiden Cisternen hindurch 
die Füllung einer alten Grundmauer hin, die beide nothwendig 
von einander trennen musste. Vielleicht trug die Mauer eine Wasser¬ 
leitung, die ihr Wasser nach beiden Seiten hin beliebig ergiessen 
konnte. Auffallend bleibt es immer, wie zwei so wichtige Was¬ 
serbehälter am Abhange eines Hügels ausserhalb aller Befestigung 
angelegt werden konnten. Ein Quell ist übrigens nicht in der Nähe. 

Kurz vor Bethlehem, das von dieser Seite her als Berg¬ 
städtchen fast noch lieblicher erscheint, als wenn man von N. 
herkommt, liegt das Dorf Beil Taamar. Von Bethlehem und von 
dem Wege nach Jerusalem aus ist dasselbe nicht zn bemerken, 
weshalb es auch wohl nicht.auf den Charten angegeben ist. 

ln Bethlehem entliessen wir unsern Scheich, hielten kurze 
Rast im lateinischen Kloster und kehrten Nachmittags ohne Fähr- 
lichkeit nach Jerusalem zurück. 


Z. 


1) Wahrscheinlich Abkürzung von Theodosiut ; s. Ztsehr. 1. Bei. S. 152, 
23—25. n 


II. B<1, 



Ueber sechssylbige Verse bei Ephraem dem 

Syrer, 

von P. Plus Kingerle, 

Professor in Meran. 


Der- um die nähere Kenntniss der syrischen Metrik sehr ver¬ 
diente Prof. Hahn macht S. 45 seines „ Bardcsaues, Syrorum 
primus liymnologus, Lipsiae 1819,“ die Bemerkung, von sechs- 
sylbigen Versen habe er ausser dem Fragmente eines ßnrdesani- 
schen Hymnus kein Beispiel in den Werken Ephraem’s angetrofren. 
Sehr selten kommt diese Art Verse allerdings hei Ephraem vor; in¬ 
dessen glaube ich sie doch in einem und dem andern Gedichte des¬ 
selben bemerkt zu haben. Namentlich gilt dicss von dem 42. Canon 
seiner Grubgesänge, Edit. Rom. ßd. III. S. 298, bei dem mir 
der drille und sechste Vers jeder Strophe ein sechssylbiger zu seyn 
scheint, wenn man nicht, um sie als fünfsylbige zu senndiren, 
zu gewaltsamen Zusammenziehungen seine Zuflucht nehmen will. 
Da der ganze Gesang unstreitig auch poetischen Werth hat, sclze 
ich ihn metrisch abgetheilt her. Er führt den Titel: In funere 
puerorum, eben nicht passend, da er überhaupt die Auferstehung 
der Gerechten schildert. 


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2. 



Zingerle, lieber sechssylbige Verse bei Ephraem dem Syrer.* 67 


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3. 


4. 


5.* 


1 ) Die dritte Strophe ist mangelhaft, wie nicht selten der Fall ln dieser 
Ausgabe Ephraems ist. Mao vergleiche z. B. nur die in Hahns und Rüdigers 
Chrestomathien notirten mangelhaften Verse Epbraems. Bei dem zweiten Verse 
muss man zur Zusammenziehung zweier Sylben in Eine seine Zuflucht nehmen, 
eine häufig wiederkehrende Notbwendigkeit. ln» 5. Verse hat der rüin. Text 

<-*hOvo unrichtig, wie mir scheint. 

5 * 




68 


ZingerIt, lieber sechssylbige Fers* 


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6 . 


7 . 


8. 


9 . 


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1) | j.£> in der röm. Edit., des Metrums wegen unrichtig. 

2) Der dritte Vers der 8. Strophe muss um Eine Sylbe zusomroengezogcn 
gelesen werden. 

3) Der dritte Vers der 9. Strophe ist zu lang, achtsylbig. Das letzte 
Wort kann als Glosse wegfallen, wenn man bei den zwei ersten eine Dinerests, 
die ohnehin hie und da stattfindet, anwenden will. Solche Unregelmässigkeiten 
kommen öfter in Ephraeins Gedichten vor. 



bei Ephraem dem Syrer. 60 

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Ueberaetznni. 

1. „Beim ersten Lufthauch der Auferstehung ') sammeln sich 
der Gerechten Gebeine, und erwachen heim Schall der Po¬ 
saune durch die Macht Gottes, der sie auferweckt. 

2. Am Tag«, da die Gerechten *) auferstehn, werden Himmel 
und Erde erneut, und sie legen Rechenschaft von sich ab, 
dass des Brautgemachs Söhne nicht Schaden leiden *). 

3. Die Vollkommnen frohlocken im Reiche und vereinen sich mit 
den Engeln, und der jubelnden Trompete Schall verneh¬ 
mend stürzen sie unter Preisgesängen den Tod. 

4. Wenn der Gerechten Aufgang erscheint, werden die Bösen 
und Heuchler als schuldig verdammt, und in Feuer und 
Finsterniss gequält, weil sie in ihrem Stolz die Gerechten 
gelästert. 

■5. Von selbst erscliliesst sich ihnen des Paradieses Pforte, 
sobald sie ihr nah’n; gebeugt' huldigt ihnen der Cherub, der 
sie bewacht, spielt auf seiner Zither und schwebt ihnen ent¬ 
gegen. 

6. Sie. schauen den Bräutigam, wann Er erscheint, und unter 
Jubel vom Aufgang her kommt; Er lässt ihnen Flügel wach¬ 
sen, und sogleich erheben sie sich in die Luft und bete« 
Ihn an. 

7. „Kommt, zieht ein, Söhne des Lichts!“ ruft Jesus dann 
Seinen Geliebten entgegen; nehmt eure Kronen für eure 
Mühe, Erben des Reiches, das nicht vergeht!“ 

8. Wohl zieli’n durch jenes prüfende Feuer die Gerechten und 
Gottlosen, und werden geprüft dadurch; ziehn die Gerechten 
vorüber, so ruht es : erschauend die Sünder entbrennt es hell. 

9. Oedc wird der Scheol, wird ein Land der Verwüstung; 
die Gräber gehen uuf und entleeren sich; es erstehn Adams 
Kinder vom Staube, und die Geschöpfe kehren zu ihrem 
Herrn. “ 


Diess der Gesang, dessen erste, dritte, besonders aber die 
fünfte, sechste und achte Strophe diV Ehre der von Vielen ver¬ 
achteten syrischen Poesie wohl etwas vertbeidigen mögen. Das 


1) Wörtlich: ,, Wenn die Luft lei der Auferstehung weht. “ 

2) zum ewigen Leben. 

3) durch Ansschliessung eines Würdigen, oder Aufnahme eines L'owürdigen. 



70 


Zingerle, Lieber sechssylbige Verse 


VVelien der Auferstehungsluft, der Sturz des Todes unter den 
Psalmen der Gerechten , das aufgehende Thor Edens , der freu¬ 
dige Cherub, die wachsenden Fittigc der Gerechten zum Himmels- 
Auge, das Ruhen des Feuers vor den Gerechten sind poetische 
Bilder, deren die grössten Dichter keiner Nation sich schämen 
dürften. 

Aber ein anderer Zweifel ist es, den ich, um redlich zu sevn, 
hinsichtlich des Metrums dieses Gesanges vorlcgen muss. Es 
kann nämlich jede Strophe ungezwungen in vier achlsylbige Verse 
abgetbeilt werden; nur bleibt die dritte Strophe, auch auf diese 
Art skandirt, mank, und bei dem ersten Verse der letzten Strophe 
müssen zwei ziemlich gewaltsame Synaeresen angenommen wer- 

den, indem 'Jil als einsylbig, und |Aa r .x* als zweisylbig gelesen 

* 7 -h 

werden-muss, das aber dann bleiben kann. Achlsylbige 

Verse, und zwar auch solche, die sich nicht in zwei viersylbige 
thcilen lassen, kommen bei Ephraem hie und da vor, z. IS. im 
25. Hymnus gegen die Ketzer, den Huhn in seine Chrestomathie 
S. 153 aufgenommen, und im 43. Canon der Grabgesänge, wo 
jede Strophe aus fünf achtsylbigen Versen besteht, deren mehrere 
sich nicht so scandiren lassen, dass sie zwei viersylbige uusniachco, 
und in mehrern andern Gesängen. 

Man kann daher das ac.hlsylbige Metrum unbedenklich als ein 
eigenes Metrum der syrischen Poesie annehmen, obgleich eben 
kein Dichter genannt wird-, der es besonders geliebt hätte, wie 
z. 1$. Narses das sechs -, und Jakob von Sarug das zwölfsylkige. 

Will man übrigens auch den hier aufgenommrnen Gesang 
zu dem achtsylbigen Metrum rechnen, so kann man dessenuugearl ' 
auch die sechssylbigen Verse dem Ephraem nicht absprechen. Si 
Assemani bemerkt diess im 1. Bande der Biblioth. orientalis, uud 
man findet deren wirklich, z. B. in den Oden gegen die Grübler 
Bd. III. Auf einige will ich hier insbesondere aufmerksam machen. 

Vor Allem muss wohl beachtet werden, was der Maronit 
Assemani über Ephraem sagt, dass im nämlichen Gesänge das 
Metrum oft wechsle, uud bald vier-, bald fünf-, bald auch seclis- 
und siebensylbige Verse vermischt sind. Das Nämliche beobachtete 

auch Hahn. Diess ist der Fall 

I. im zweiten Gesänge auf die Geburt Christi, Bd. II. S. 402 f. 
Eine Strophe darin, S. 403 E, heisst: 

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bei Ephraem dem Syrer. 


71 


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„Gepriesen sey Der, welcher unsere Seele [durch die Taufe] 
gezeichnet und geschmückt und sie mit sich vermählt hat. 
Gepriesen sey Der, welcher unsern Leih gemacht zur Woh¬ 
nung Seiner Verborgenheit [d. i. Seines unsichtbaren We¬ 
sens], Gepriesen sey Gr, der durch unsere Zunge Seine 
Geheimnisse ausgelegt. “ 

Der erste, dritte und fünfte Vers sind offenbar sechssylbig, 
der zweite, vierte und sechste fünfsylhig. Ungezwungener wüsste 
ich diese Verse nicht zu scandirc». Auch reimen sich, was im 
Syrischen selten, diese Verse. Im nämlichen Gesänge kommen 
auch in der ersten Strophe sechssylbige Verse vor. 

II. Im 21. Gesäuge gegen die Ketzer, Bd. II. S. 481, 
finden sich wieder sechssylbige mit fünfsylbigen vermischt. Redend 
vom freien Willen des Menschen und von der Strafwürdigkeit 
der Sünde sagt Ephraem S. 482 D: 

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„ Zeuge ist auch die Schlange Adams,' die gelähmt [auf dem 
Rauch zu kriechen verdammt] worden ist, und das Vieh [das zur 
Bestialität missbrauchte], welches gesteinigt ward [nach Mo- 
sis Gesetz]. . Der Hurer hat sie geschändet, der unsichtbare 
[Satan die Schlange] und der sichtbare [der Bestialität Trei¬ 
bende das Vieh].“ , 

Der zweite und dritte Vers sind, wie mehrere des Gesanges, 
sechssylbig. 

III. Weil so zerstreut vorkommende-Verse von sechs Sylbcn 
Mönchen verdächtig scheinen möchten, so dass man versucht seyn 
könnte, durch Synaerese sie zu fünfsylbigen zu machen, so mögen 
einige Gesänge bezeichnet werden, in denen die s'eclissylbigen Verse 
mit andern vermischt regelmässig Vorkommen. Als solche. Ge¬ 
sänge habe ich im 5. Bande meiner' Uebersetzung Ephraems die 
zehnte, fünfzehnte und neunzehnte Ode gegen die Grübler be¬ 
zeichnet. Nimmt man darin, wie Prof. Hahn, durchweg das fünf- 
sylbige Metrum an, so muss man oft ganze Wörter ohne Notb 



72 


Xinyerle, lieber sechssylbige Verse 


wegwerfen, und zu den gewaltsamsten Zusammeuziehungen sich 
entscliliessen. Meiner Ansicht nach ist über in den erwähnten Oden 
jeder erste und dritte Vers fünfsylbig; 
jeder zweite und vierte sechssylbig; 
dann folgen drei viersylbige; 
der letzte Vers ist fünfsylbig. 

Als Musterstrophe gelte folgende, die erste des X. Gesangs: 

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ca^üa^ jat 

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. Cl-l-jAö >aSs 
vjjiO Aj| 

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„Du, o Herr, hast [in der Bibel, Psalm 80, 11] schreiben 
lassen [oder geschrieben] : „Oeffne deinen Mund und Ich wcrd’ 
ihn füllen.“ Sich, offen ist Dir der Mund Deines Dieners 
sammt seinem Geiste. Du erfüll’ ihn, Herr, mit Deiner 
Gnade, dass ich nach Deinem Wohlgefallen Deinen Preis 
singe! “ 


Das -*aia.*.A,io iin fünften Verse muss zweisylbig gelesen werden. 

Ganz regelmässig -verläuft, ausser andern Strophen, die zweite 
- der fünfzehnten Ode gegen die Grübler, worüber ich Hahns Chresto¬ 
mathie S. 71 zu vergleichen bitte, um zu sehen, zu welchen 
gewaltsamen Synaereseu er in der Anmerkung seine Zuflucht nimmt: 


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bei Ephraem dem Syrer. 


73 


„Der Verständige soll mit Schweigen ehren Deine Gottheit, 
und der Kundige staune in Stille über Deine Majestät. Der 
Weise aber künde mit gesunden Worten dem Ungelehrten 
die Herrlichkeit Deines Reiches.“ 

Untersucht man besonders den 19. Gesang gegen die Grübler, 
von Prof. Hahn S. 77 f. seiner Chrestom. aufgenommen, wieviel 
willkürliche Aenderungen des Textes erlaubt er sich besonders 
in der fünften und achten Strophe, um das fünfsylbige Metrum 
herauszuzwingen, während sie nach meinem Metrum keine Schwie¬ 
rigkeit bieten! Die von ihm weggeworfenen Wörter müssen 
bleiben. Die von ihm so sehr entstellte achte Strophe möge hier 
stehn nach dem von mir bestimmten Metrum: 

. ] 2 aO) cio^ü^, 

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. v ooi!isj —»cn 

jL&is ^ocnLisj 

• . P % 7 ** 

OOl OlS 

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fhojii v oot_i.> 

So bleibt der Text ohne die mindcste_ Aenderung. Die Strophe 
heisst: 

„Etwas Grosses ist’s, dass die Niedern [Menschen] jene Hoheit 
zwangen, klein wie sie zu werden, auch ihnen zu gleichen. 
Für sie [die Menschen] war’s unmöglich, ihr gleich zu wer¬ 
den 5 ihr ist’s leicht, ihnen zu gleichen.“ Vergleiche den 
V. Band meiner Uebersetzung S. 80. 

Hie und da kommen freilich auch unregelmässige Strophen in 
diesen Oden vor. Die vierte und achte Ode in scrutatores haben 
auch sechssylbige Verse. Iclfc hoffe, vorzüglich durch die Dar¬ 
stellung des metrischen Baues der drei zuletzt augeführten Ge¬ 
sänge gegen die Grübler meine Behauptung erwiesen zu haben, 
, dass sich in den> Gedichten des h. Epbraem auch sechssylbige Verse 
finden. So möge diese kleine Abhandlung immerhin als ein Bei¬ 
trag zur nähern Kenntniss der syrischen Metrik wohlwollend hin¬ 
genommen werden; vielleicht folgt bald eine genauere Darstellung 
der verschiedenen Verszusammenstellungen in jenen Gesängen, die 
Prof. Hahn e genere Siy.wXwv nennt, oder des Metri vorn, wie 
Prof. Bernstein das Metrum jener syrischen Gedichte bezeichnet, 
die bald aus kürzern , bald aus längern Versen bestehn. 



Die Verehrung der XII Iniäme bei den 
Schiiten, 

von Prof. Kr. Haneberg. 


Trotz der vortrefflichen Darstellung' der Religion der Perser 
von Chardin, findet sich doch insofern noch eine bedeutende 
Lücke in der europäischen Kunde vom innern Leben und Treiben 
der mohammedanischen Völker, als uns eine urliundenfesle Aus¬ 
einandersetzung der Lehren und Gebräuche der Schiiten fehlt. De 
Sacy hat in seinem Werke über die Religion der Drusen viel¬ 
fältig auf die in Persien ziemlich allgemeine Verehrung Ali's 
und seiner XI Nachfolger als ftnäme hingewiesen. Dadurch ist 
aber mehr das Bedürfniss einer auf Thafsaclicn gestützten, histo¬ 
risch durchgeführten Schilderung der Eigenthümlichkciten der schii- 
tischen Confession geweckt, als die gelehrte Wissbegierde be¬ 
friedigt worden. Nach den bisher-bekannt gewordenen Docuiucnten 
kann die Frage nicht mit Bestimmtheit entschieden werden, ob 
wirklich die Schiiten ihre Vorstellungen vom Imämate Airs und 
seiner Nachfolger soweit getrieben haben, dass sie darin eine 
Art von Iucarnatiohen der Gottheit sahen 1 2 ), und ob, wie Taylor 
meint 1 ), die schiitische Lehre mit Buddhismus vermischt sey. 
lieber alles dies werden wir ins KlaTc kommen, wenn uns irgend 
ein Orientalist, der hiezu die gehörigen Mittel besitzt, mit der 
Belesenheit und Treue eines de Sacy eine vollständige, geschichtlich 
durchgeführte Idee von der Dogmatik und Liturgie der Schiiten 
giebt. Ehe dieses geschehen ist, mögen auch kleine Beiträge 
einer untergeordneten Kraft gütig angenommen werden. 

In der That hoffen wir nichts Vnnützcs zu thun , indem wir 
aus Münchner Handschriften -von solchen öffentlichen Gebeten der 
Schiiten, worin ihre XII Imame kurz cbarakteris^rt sind und deren 
Verehrung sich darlegt,.den Text, die Uebersetzung und eine 
Erläuterung mittheilen. 

Ünter den zahlreichen handschriftlichen Gebetbüchern der Mo¬ 
hammedaner, welche die k. Hofbibliothek zu München bewahrt, 


1) Hottinger, Hist. Orient. Zürich. 1660. S. 594. 

2) The Hislory of Mohainmedanism. London. 1834. S. 212. 



lianeberg , Die Vereitrung der zwölf Imäme bei den Schulen.' 75 

finden sich drei schiili'sche von einigem Wertlic, wenn aucli das 
älteste davon nicht über 300 Jahre zurückreicht; nämlich 205, 
223 und 227. In zweien davon , nämlich 205 und 227, findet 
sich ein ganz kurzes Gebet auf Mohammed, Fätima und die Xll 
Imäine , also auf die sogenannten „XIV Unschuldigen“ 

^), beinahe buchstäblich wie es nach Reiuaud auf scliiitischci» 
Monumenten vorkommt und wie es von diesem Gelehrten in den 
Monumens Musulmans zweimal mit geringen Abweichungen (S. 200 
u. 306) arabisch und französisch mitgetheilt wird. Die constante 
Wiederholung desselben in so verschiedenen Documenten lässt auf 
den Charakter öffentlicher und allgemeiner Anerkanntheit scbliessen. 

Von diesem kurzen, summarischen Irnäm- Gebete giebt es 
Erweiterungen, welche Abschnitt für Abschnitt demselben ent¬ 
sprechen, indem zuerst ein Exordium über Mohammed, dann 
über Ali und Fätima und sofort über die XI folgenden Imäme eine 
ausführliche Benediction gesprochen wird statt der ganz einfachen, 
die sich in jenem kurzen, summarischen Gebete findet. In dieser 
erweiterten Form kommt das Imam-Gebet in* den genannten drei 
Handschriften in verschiedener Fassung, im Wesentlichen aber 
übereinstimmend, zweimal vor, nämlich das eine Mal in Cod. 223, 
das andere Mal in Cod. 227. Dieses erweiterte Imam-Gebet theilen 
wir hier mit. 

Wir wählen aber die erstere Form in Cod. 223, weil sie 
weniger rhetorisch geziert und gekräuselt ist, als die andere Form 
in Cod. 227, und wegen des Anspruches auf öffentliche Bedeutung-, 
der in der Aufschrift gemacht wird. In dieser Aufschrift wird 

es nämlich Cholba autii» Throngebel der XII Imäme genannt. Es 
ist also ein Zeugniss für jenen Glauben der Schiiten, welchem 
zulieb bekanntlich die persischen Könige aus der Sefidcn-Dy¬ 
nastie sich als Vasallen der Imäme gerieten und sogar auf ihren 
Münzen sich als „den Hund“ oder,„den gemeinsten Hund“ von 
Ali oder dem letzten fmäm charakterisirtcn 

Obwohl in dem hiemit erscheinenden Gebete ueben den XII 
Iinämen auch Mohammed und Fätima erwähnt werden, so dass 
im Ganzen darin das Andenken jener XIV Personen gefeiert wird, 
denen nach Chardin, Voyage t. IX. S. 174. Ed. 1711, bei den 
Schiiten jährlich 28 Festtage gewidmet sind, so heisst cs doch 
■das Gebet der Xll Imäme, indem es eben die.Imäme sind, durch 
welche die Schiiten mit Gott zusaminenzuhängen glauben und 
von deren Genossenschaft sie ihren Namen haben 


1) S. Marsdcn, i'ünnismata Orientalin t. II. S. 465 elc. Reimiud, Monu- 
wens II. S. 160. 

. 2) 'ä**i*ji heisst bekanntlich die Partei, Genossenschaft. Masudi 
gebraucht dieses Wort von den Anhängern der Familie Abbas, s. de Sary, Expose 



76 


Haneberg, Die Verehrung der zwölf Imdme 


Die Imdme erscheinen liier durchaus 4)1083 als Zeugen und 
Verkünder der Wahrheit, als Träger besonderer Gnadenkräfle, 
keineswegs in der Eigenschaft von legitimen Erben der weltlichen 
Macht. Beim dritten Imäin 'Hosein wird der Kampf mit den 
Omajjaden gar nicht erwähnt; so sehr die Schiiten sonst den Tod 
Hoseins bei Kerbela feiern, wird er hier kaum nngedeutet; es soll 
an ihm nur das Verdienst um die Wahrheit gerühmt werdeu; darum 
wird an jhm hervorgehoben, dass er dem durch Lehre berühmteren 
Imam Zein - el - dhidin das Daseyn gegeben habe. Bei dieser Auf¬ 
fassung wird cs erklärlich, dass die feindselige Gesinnung gegen 
Abu Bekr, 'Omar und 'Otuiän , die man sonst den Schiiten zu¬ 
schreibt, hier, wie überhaupt in den schiitischen Gebetbüchern, die 
wir gesehen haben, nicht hervortritt. Nur insofern alle Imäme 
s>ynxA unschuldig, unschuldig Leidende heissen, ist auf die 
Stellung derselben gegen die herrschenden Dynastien Rücksicht 
genommen. 1 II. 

üebrigens tritt die Anerkennung ihrer Würde besonders leb¬ 
haft am Anfang und Schluss hervor. 

Doch wir lassen den Text selbst reden, so wie er in Cod. 
or. Älonac. 223 fol. 240. b. ff. steht. 


O Ö *•© > > ~ O > «w-- * f I 

A. (•l^«l tiÄP 

* O p *" = V^ -'■‘"'“4 

i W * • ^ | 

‘iUxf aoLJj! xJLo 

KL*5[jJ oL^UJÜ L am 

Kiö (_p.i Ja: (I. Lty) iJOji- 11 JOs'ilk, • ^Ae J 

y i! L> 


I. introd. LVIII. — Vorzugsweise bezeichnet es die Anhänger der von Ali ab- 

staiainenden Imäme. Schon Niebuhr, Reisebeschr. II. 271, versichert, dass 
die persische Sectioa des Islam den Namen Schin nicht uls Schimpfwort be¬ 
trachte, wie Einige glaubten. Hiezu kann man fügen, dass der ruhige Abulfeda 
in den Annalen XxjyiJf t. II. S. 222, II. S. 3S2, S. 318 IT. 

gebraucht und dass in Cod. or. Monac. 227. f. 152 a. in einem schiitischen 
Gebete die Schiiten sich selbst: die Genossenschaft der Imäme 

nennen. ,— Allerdings ist die Bezeichnung nicht bestimmt genug ; daher dia 
Anhänger der zwölf Imäme deutlicher qJj.^2cL. 51 (Monumens Musulmans 

II. S. 191) und (de Sacy, Expose I. introd. S. LX1V) genannt wer¬ 

den , namentlich zum Unterschiede von den Ismaeiiten, welche nur sieben 
Imäme anerkennen. 



bei den Schiiten. 


77 


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78 


Haneberg, Die Verehrung der zwölf Imdme 


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III. 

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IV. 

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bei den Schiiten. 


79 


VII. 

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VIII. 

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ix. 


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^L*Jt waJ^CI, O^IJI jJjt j.U’il J* Jas 7# O^c, Lsuii 

f WI! olxijii ^A AM» OI,3 LaAaJ(^ wA^aLaA OLäjmJU l3 

,&£>£ »JJi j.jj' ^jÄXJ! aXa^* |»W _;»*> ^ 


X. 


^aä^jI ^oLciJt. . ^ja)C*J i j.lx’i! l j-° ja^j! ^.Sä]! l»L«l !lX 3> 
j*JjJÜI yC»L« J.t j-o jA^üi yJlAJI J»_jj .1,1 VÜA^lLM öt_yltaJ! 

, j.Lo'Jfi ^ja wdlaJl L? ^'<‘ [1. c5^L.J (^oLj J*' J^asf 

. *■£:>_} »JJ! j.Jj' oUiji! »Xaav ^oL^I ^äü! J-c (*U^! 


XI. 


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^ obHIj ^AJ y» j.*9 jA^lii *>5 H^SJ *1^*^ 



80 


Haneberg, Die Verehrung der zwölf hndme 


(•_>*$'! pWI! Vj*j! ^i^b-U U 

^Ul *y 1 (»b«l fl. 

XII. 

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jlhXX*j\ ^Ij’iU^ yaxtt ^s-La ^IsjäJI ,J. »vX*l! * 

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CaS'Lo (_5.A4.JI j*Lo| IJAltj . qj Aii jslj .».Ul ( 1 . OjS) oy>j 
. yll Ü + »Ul ^ . ^.jLa^SI 


Heber £ et 7.11 n £• 

Das Throngebet der zwölf Iinämc. 

Exordium. Im Namen Gottes, des Barmherzigen, -des Er- 
barmers. .Gelobt sey Gott, dass nach Seiner Fügung die Martvr- 
plätze seiner Propheten für die Eingeweihten ' zuin Gebetsziele 
(Qibla) wurden und die Ruhestätten seiner Freunde (Weli) zur 
Kaabe für die Erstarkten, und dass es zum Heile wird Für den 
Tag des Gerichtes, wenn man sich fest hält an dem Bande, das 
sie darbieten; dass wer Schutz sucht bei ihnen, einen Leitstern 
tQibla) findet, um die Stufen zum höchsten Himmel hinanzuklimmen,- 
dass die Nachahmung ihres Wandels insgesainmt eine Religions¬ 
pflicht ist über den Religionspflichten aller Menschen insgcsamuit 
durch deine Barmherzigkeit, o Barmherzigster der Barmherzigen! 



bei den Schiiten. 


8 L 


.l' hmed , Mahmud (der Preiswiirdige), Abu-l-Qusim Mohammed, der 
Auserkorne. Friede über ihn! 

0 Gott, segne den Mo'hammed summt seiner Familie, den 
edelsten der Propheten, den Herrn der (Gottes-) Freunde und der 
Auserlesenen; Mo'hammed, der da gesendet worden ist aus der 
Mitte des Koreischitenlandes, den Ausbund der Araber und Perser, 
das Siegel der Propheten^ das Muster der Nachahmung für die 
Auserlesenen, die Freude {Adams und Eva’s, (ihn, der von sich 
sagen konnte:) Ich war schon Prophet, da Adam noch halb Wasser, 
halb Lehm war; ihn, den Herrn der Dinge, die da sind, den 
Ausbund alles dessen, was existirt, Mo'hammed den Auserkornen, 
das Gebet Gottes, den Vermittler der Offenbarung und des Ko¬ 
ranwortes. Möge ihm Gott Segen spenden und Frieden! 

I. Der Imdm 'Ali, der Hohe, der Erhabene. 

0 Gott, segne den Mond der Oriente und der Occidente, den 
mit dem Strahlensterne, den Pfeil,’der die ganze Schrift schei¬ 
det, den edelsten der Perser und Araber, den siegreichen Gottes- 
Löwen, den Imäin, den Vater des 'Hasan, den ‘All, Sohn des Abu 
‘Täleb; ihn, den (Jeherlieferungsmeister des erhabenen Königs. 
Die- besten Segensprüche, die vollkommensten Ehrengebete mö¬ 
gen auf ihm ruhen, auf ihm, dem Vetter der Gottcsfiirchtigen, 
dem Lichte der Gottesfübrung, der Freude der Schaar des Mantels. 
Ja, Segen und Friede sey über seinen (Mo'kammeds) Vertrauten, 
Freund und Wil/ensvol/strecker, in welchem Gott jegliche Vor¬ 
trefflichkeit vereint hat) meinen Herrn und Meister, den Vnter 
Hasans und 'Hoscins, den Fürsten der Gläubigen, den Imdm 
der Gottesfürchtigen, den Liebling des Herrn der Wcltbe- 
wohner, den siegreichen Gottes - Löwen, den Imäin ‘Ali, Sohn 
Abu ‘Tälebs, den Chalifcn (unmittelbar) nach dem Propheten. 
Möge Gott sein Antlitz verherrlichen! Kein Held ausser ‘Ali, 
kein Schwert ausser Dul-faqär. Fdlima die Glänzende. Segen 
und Frieden über, die- Jungfrau, sie, die ein belehrender Wink 
war für den Gottgesandten, ein Licht für den Hehren und ein 
Band Gottes, das die Glaubensartikel vermittelt. Gott verherrliche 
ihr (iin Texte „sein“) Antlitz! Chadiga die Grosse. Gott segne, 
die Mutter der Glänzenden, die Einzige unter den Auserlesenen, 
(Jbadiga die Grosso! 1 

II. Der unschuldige Imdm 'Hasan, 

0 Gott, segne den unschuldigen Intära, den beschlossenen 
Gottesbefehl, den Ruhm der Tugenden und Erkenntnisse, meinen 
Meister, Abu Mo'hammed ‘Hasan, den vergifteten Sohn‘Alis! O 
Gott, segne den Edlen, den Glänzenden, den Milden, den Freigebi¬ 
gen, den Beobachter des Vertrages, den Lieblichen im Reden, den 
Liebenswürdigen im Handeln, meinen Meister, den Imäin, den Heros. 

' II. Rd. ö 



82 Haneberg, Die Verehrung der- zwölf Iintime 

Abu Mo'bammed 'Hasan, den Keinen. Gott verherrliche sein 
Antlitz ! 

III. Der' Imcim c Hosein , der unschuldige Märtyrer von Kerbeid. 

0 Gott, segne Den, der das Daseyn gab dem Leuchtenden, 
den Erzeuger des Normgebenden, den Schmuck der Ehrenstufen, 
die Leuchte, den Redner mit beredter Zunge. 0 Gott, segne 
den linam, die Freude der beiden Augen (des Propheten), den 
Jüngling unter den beiden Stammhultcrn, den Einen von den 
beiden Basilien, die Perle des Gebietes der beiden Meere, und 
die belle Seite der beiden Scbaaren; den linäm, meinen Meister, 
den Vater‘Abd-allahs, ‘Hosein, Sohn des ‘All, Enkel des Abu- 
Tdleb. Gott verherrliche sein Antlitz! 

IV. Der Imam Zein - ei-‘ dbidtn. 

0 Gott, segne den Imam der Schwierigkeiten, den Ausiiber der 
Bestimmungen des Gebetes, den Nachfolger der (Propheten-) Kinder, 
den Aussprecher der Erklärungen. 0 Gott, segne den Liebling der 
Frommen, den Führer der Rechtwandelnden, den Herrn der Geistes¬ 
männer, den Leitstern (Qibla) der Andächtigen und die Kaaba der 
Gottesanbeter, meinen Meister, den Imam Abu Mo'hamined, den linäm 
‘All, Sohn des lmäm'Hosein, (mit dem Beinamen) Zein - el-‘dhidin 
d. i. Zierde der Andächtigen. [Gott verherrliche sein Antlitz!] 

V. Der Imdm Mo hammed el - bclqir. 

0 Gott, segne den Imäin, die leuchtende Lampe, die iropo- 
nirende Wahrheit, das offenkundige Wissen, den Zurechtfübrer 
in jeglicher Schwierigkeit. O Gott, segne den Imdm, das über¬ 
volle Meer (des Wissens), die offenkundige Wissenschaft, das 
reine Licht, den allbekannten Adel, den Ausbund des Frühem 
und des Spätem, meinen Meister, den Imäin, den Heros, Abu 
G'a'far, Imära Mo'bammed el-bäqir. Gott verherrliche sein Antlitz! 

VI. Der Imdm G'afar op- Qädiq. 

O Gott, segne den Imam, den Heros, die Zunge des Redners, 
den hochragenden Wipfel, das aufstrahlende Licht, das Reinste 
des Erschaffers, den vollquellenden Eimer, den Gelehrtesten von 
den Ländern des Orients und des Occidents, den Mann von hoch¬ 
ragender Herrlichkeit und von hellstrahlender Güte, meinen 
Meister, den Imam, den Heros, Abu ‘Abdallah, Imam G'a'far a<;- 
£adiq (den Wahrhaftigen). Gott verherrliche sein Antlitz! 

VII. Der Imdm MAsd el - Kdl im. 

O Gott, segne den Imam, den Gelehrten, das Licht des Gerichtes 
und der Erklärungen, der allen Irrthümern ein Zerstörer ist. t) 
Gott, (segne) den Mann der Wunder und der Zeichen, der 
zarten Scheu und der Edelthaten und der beständigen, beharr- 



bei den Schiiten. 


83 


liehen Frömmigkeit; '(segne) ihn, die Fügung der Gedanken, 
den Fastenden, den mit beharrlicher Milde Eifernden, meinen 
Meister, Abu-l- Hasan, Imdm Müsa el - Ka tim. Gott verherrliche 
sein Antlitz ! 


VIII. Der Imdm ‘Ali Müsa Rtdd. 

0 Gott, segne das gezückte Schwert, den gottwohlgefäl- 
ligen Imam, den Gerechten im Richten und im Urtheilen, der da be¬ 
graben ist zwischen ‘Täs und Nava. 0 Gott, segne die leuch¬ 
tende Sonne, den Mond des Himmels, das auserlesene Gold, die 
Stirne, den hervorragendsten unter den Menschen und unter der 
Gattung der Creaturen, »einen Meister, den Imam, den Heros, 
‘Ali Müsa Ri 1 da. Gott verherrliche sein Antlitz! 

IX. Der Imdm Mohammed der Gottesfürchtige (Taqi). 

0 Gott, segne den Imam, die Lampe des Lichtes, das Schiff 
der Rettung, die festeste Handhabe. 0 Gott, segne den Speicher 
der Länder, den Stern der Menschen, den Halter der bestimmten 
Frist, den Mann der Intelligenz und der Herrschaften, den Vater 
des richtigen Pfades, meinen Meister, den Imäm Abu G’a'far, 
Imam Mo'hammed, den Wohlthätigen (geväd), den Gottesfürcbtigen 
(taqi). Gott verherrliche sein Antlitz! 

X. Der Imdm ‘Ali der Reine (Nagt). 

0 Gott, segne den boebmögenden Imam, den Mann von auf¬ 
richtigem Glauben, ihn, (der da ist) das Gebet gegen Unglück auf den 
Tag des Gerichtes. 0 Gott, segne den Meister des Edlen und der 
Feinde, den Trefflichsten von allen Ansässigen und Nomaden, 
den Beleber der Herzen, den Führer, meinen Meister, den Imäm, 
den Heros, ‘Ali den Reinen (naqi), den Führer (hädi), den zuver¬ 
lässig rechtleitenden Herrn. Gott verherrliche sein Antlitz! 

XI. Der Imdm ‘Hasan ‘Asltart. 

0 Gott, segne den Imäm des ebenen Pfades und des leuchtenden 
Lichtes, dessen Angesicht das eines Funkensprühenden ist. 0 Gott, 
segne das Propheten - Geheimniss und die Huld, den Grossen , Er¬ 
habenen, den gewaltigen Durst (?), die arabische und persische Wohl- 
redenheit, meinen Meister, den Imäm, den Heros, Abu Mo'hammed 
'Imäm‘Hasan ‘Askari. Gott verherrliche sein Antlitz! 

XII. Der Imdm Mohammed Mehdi- 

0 Gott, segne den Liebling des Erbarmers, den Genossen 
des Koran, den in der Offenbarung Gepriesenen, den Herrn der 
Zeit, der da harret auf die Offenbarung der Gerechtigkeit und 
Tugend, meinen Herrn, den Imäm Abu-l-ftäsim, den Heros, Mo¬ 
hammed Mehdi, den Herrn der Zeit. 


6 



84 


Haneberg, Die Verehrung der zwölf Imdme 


0 Gott, segne den Imam, (welcher in sich dürsteilt) die Glau- 
benspredigt des Propheten, die Grundartikel des Löwen ('Ali), 
die Leiden Fa tima's, die Edelthaten ‘Hasans, die Tapferkeit'Hoseins, 
die Andacht des Anbeters (Zein - el -‘abidin) , die Kenntnisse von 
Bäqir, die Wunder von G'a'far, die Sittenreinheit von Katim, 
die Verhüllung von Rfda, die Enthüllungen des Freigebigen (gevad, 
nämlich Mo'bamuied taqi), den Lebenswandel des Führers (Hädi d. i. 
'Ali naqi) und die Ehrwürde des ('Hasan) 'Askari, und (überhaupt) 
die Verdienste derer, die mit Wahrheit beten. (Segne ihn) das 
Wort Gottes, die Treue Gottes in Wahrheit, das Glaubenslicht, 
den Schauplatz des Richters , den Herrn der Menschen, der Ge¬ 
nien und Dämonen, der sichtbaren (Wesen) und der Vertiefung, 
sowie des Raumes nach dem Befehle des Erharmers, meinen Herru, 
den von Gott Uebriggelassenen, den Stellvertreter Gottes, die Freude 
Gottes, den Retter der Religion und der Welt, den Imäm Mehdi, 
den Herrn der Zeit. 

Gottes Erbarmen sey über 1 ihnen insgesammt durch dein Er¬ 
barmen, o Barmherzigster der Barmherzigen! 


Anmerkungen. 

Jedermann siebt, dass der obige Text durch persische Hände 
gieng (s. z. B, im Exordiuin: ol^>^ «x/oiLi-, in nr. XII. 
die Construction der Adjektiva). Ferner ist manches offenbar 
fehlerhaft geschrieben, der Artikel mehrmals beim st. constr. in- 
correkt angewendet, und überdiess kommen sachliche Schwierig¬ 
keiten vor, die wir ^ufzuhellen oder einzugestehen haben. 

Exordiuin. Das Hervorheben "der Begräbnissstätten und der 
Meschhed der Iinäme zeigt eine gewisse Rivalität der Perser mit 
den Arabern. Ijn Cod. 227. ist bei dein Iinäm-Gebet jedesmal der 
Begräbnissplatz angegeben. Ob ein Sunnite .dieses Exordiuin 
mitbeten würde, bezweifeln wir. — Dass die Betenden sich hier 

nennen, ist etwas befremdend. Sollte dafür „die 

Gottesfürchtigen “ zu lesen seyn? — Mo'hammpd stellt zwar den 
Tag des Gerichtes als eine Zeit dar, da keine Creatur der andern' 
Hülfe bieten kann (Sur. II. 124.), dessenungeachtet finden wir 
hier und weiter unten die Iinäme als Vermittler für das letzte 
Gericht betrachtet. - (.Lüäc)!! ist speciell der Akt des Schutz- 
suchens bei Gott, namentlich in der Absicht, um vor Sünden be¬ 
hütet zq seyn. Indem die Hinwendung zu den Imätnen Schutz 
gewähren soll, ist ihnen die höchste Ehre angetban. — Vielleicht 
liegt dabei eine Anspielung auf ein Gebet zu Grunde, welches 



bei den Schiilen. 


83 


Jji j»UoÄci „das Schutzsuclien des Fürstender Gläu¬ 

bigen Ali“ heisst und in Cod. or. Mon. 216. f. 8. sich findet. 
Dann wäre der Sinn: Wer so zu Ali und seinen Nachfolgern sich 
wendet, wie in dem bekannten Gebete AU sich zu Gott wendet, 


»•1 . . O « « )) 

wird viele Stufen bis zum Himmel erhobt u. s. w. — 

S ) 

ist sicher in ey* zu verändern: Nabel von Bathhä oder Korei- 

> o> 

schitenland. — y^jS etc. Mitten im Contcxt^wird plötzlich ein 
Ausspruch des Propheten angeführt, worin er seine ewige Prä - ' 
destination in ziemlich materieller Weise darstellt. S. Mouradgea 
d’Ohsson, t. I. p. 193, bei Reinaud, Monumens Musulnians t. II. 
S. 69. — Dass Mohammed Herr der Welt — der seyenden Dinge 
— genannt wird, stimmt mit vielen andern, auch nicht schiitischen 
Ausdrücken der Prophetenverehrung überein, vgl. Reinaud, Mon. 
II. S. 106. u. f. und den Vers: 

■O 1 —f 

Den Ausdruck des Testes": jAU hübe ich übersetzt: „An¬ 

dacht Gottes“. Insofern Mohammed von Anfang an vor allen 
Engeln Gott lobte, und alles spätere Lob anderer Creaturen nur 
■ ein Nachhall des seinen ist, kann er das „Gebet Gottes“ heissen. 
Vgl. die Eschatologie ^L3-3f jiS' Cod. or. Mon. 113., in deren 
Einleitung f. 2. b. gesagt ist, das Allererste, was Gott schuf, 
sey der vierästige Raum der Wahrheit qaSaJ! Syss* gewesen, un¬ 
mittelbar darauf sey die Lichtessenz Mohammeds geschaffen wor¬ 
den, welche auf dem Bauine der Wahrheit 70,000 Jahre lang 

(Gott) in Lobgesängen verherrlicht habe; oü3- 

yjüi_x bj-SX/iJi kiSüü» Lo 

XÄ«. Bald darauf erhielt Mohammed, — immer noch vor Erschaf- 
* 

fung der Welt, ja selbst der Engel, — den Auftrag die' fünf Tag¬ 


zeiten zu beten: «-Ui u. s. w. 

> • . * 

I. Imam. Ali mit Fatima. Der Ausdruck: „Der Pfeil, wel¬ 
cher die ganze Schrift scheidet“ ist dunkel. Bekanntlich führt 
Omar den Beinamen insofern er dazu beitrug, dass im 

Koran als dem „scheidenden“ Buche (Jjyi!!) Falsches vom Wah¬ 
ren gesondert würde. Ali ist als ein vorzügliches Organ der 
Propbetentradition unter Sunniten und Schiiten gleich berühmt; 
wesshalb er in unserem Texte: <z£JU der Traditions¬ 

lehrer des erhabenen Königs, heisst; und von Kufa, der Begrab- 



86 


Haneberg, Die Verehrung der zwölf Imitme 


nissstätte Ali’s, gieng die erste Korans-Wissenschaft aus. oL$j' 

heisst nicht bloss überhaupt „Gebet“, sondern jenes specielle, 
4 " 

das sonst jcf&j' heisst, uud von Marracci, prodrom. IV. S. 14. 
übersetzt, sowie von Mouradgea d’Ohsson, Tableau general t. 11. 
Par. 1788 (kleine Ausgabe) S. 84. erläutert wird. Arabisch findet 
es sich Cod. or. Mon. 220 f. 48 und Cod, 205 f. 109. Vgl. Char¬ 
din, voyage t. VII. Amst. 1711. S. 301. — Die fünf Personen 

des Mantels Lc jI oder L«.<JI sind: Mohammed, Ali, Fatima, 
Hasan, Hosein, s. Reinaud, Monumens II. S. 181, und Mischeat- 
Almassabih t. II. S. 779. Darnach ist die Bemerkung von de 

Sacy, Expose I. iutrod. S. 48, zu berichtigen, wo eU*£Jf noblesse, 

statt tLwjCi Mantel, vorausgesetzt wird. — Dass Ali hier ,y 

genannt wird, stimmt init dem Namen (jajli überein, s. 

Reinaud, II. S. 163. — uj,] Chardin (voyage t. VII. 

Amst. 1711. S. 288) bemerkt über in den schiitischen Gebeten: 
„ On traduit d’ ordinaire ce terme par Mattre ou Seigneur, mais Ies 
Persans 1’interpretent par Perverdegar, qui signifie propremcnt Phe 

O - « Oe Or 

nourricier.“ Indessen glauben wir, dass das Persische 
auf den obigen Ausdruck nicht anwendbar sey. — Der Spruch: 
„ Es giebt keinen Helden ausser Ali und kein Schwert ausser 
Dul-faqär“ findet sich buchstäblich so auf Monumenten, s. Rei¬ 
naud, Monumens II. S. 153. — Niebuhr, Reisebeschr. II. Tab. 
XLII. F. giebt nach Wallfuhrtsbildern vou Meschhed Ali eine 
Zeichnung dieses Schwertes. 

Der Abschnitt über Fatima ist etwas incorrckt. Statt 
wie ich im Text geschrieben habe, steht im Manuscript 

) •> O ' 

Der Ausdrück *.;=»} steht auffallender Weise im Masc. Viel¬ 
leicht ist diese Erscheinung durch die Bemerkung Makrizis zu 
erklären, dass Fatima von gewissen Anhängern der Imäme als 
Mann behandelt werde. S. Sacy, Exposä I. introd. 48. J»j 

s. Ewald gT. ar. II. S. 128. Chndig'a ist ohne Segen¬ 
spruch pS u. s. w. erwähnt. 

II. Der Ausdruck wird von den Schiiten auf alle 

XII Imäme und dazu auf Mohammed und Fatima .angewendet. 
Die XII Imäme sammt Mohammed und Fatima heissen die 14 un- 

0-0 ^ r ^ 

schuldigen Dulder ^*3*,« s. Reinaud, Moyurn. II. S. 200f. 



bei den Svhiiten. 


87 


Dass in niciit bloss der Begriff der sittlichen Integrität, 

sondern auch der des Leidens liege, zeigt sich z. ß. in Cod. or. 
Mon. 227. f. 142, wo im Gebete suf Fatima dem Worte 
als Synonymum aUjliäl! an die Seite gestellt wird. 

Statt steht im Manuscript , was kaum einen Sinn 

giebt. lieber Hasans Vergiftung s. Abulfeda annal. ed. Adler 
t. I. S. 350. 


111. (st. Cod. 205. f. 92 sagt von 

.. *■ o - o- • u ~ > 

demselben Hosein, der Märtyrer der Ebene 


von Kerbela. In Cod. 227. f. 144 wird auf Kerbcla das Wortspiel 
uySCJI gemacht. •— Von den beiden Epithetis und 

ist mir besonders letzteres verdächtig, ln Cod. 227. f. 
143 wird dem Qosein das Beiwort »der Gegenstand 

der Hoffnung“ gegeben; wenn wir dieses Wort für 
setzen, so entsteht der Sinn: „Erzeuger des Gegenstandes der 
Hoffnung.“ Statt- möchte ich ebenfalls aus dem ge- 

« / ' O ) *, * 

nannten Manuscript „der Auserkorene“ setzen. —- Statt 


# > O- 

£.1**3* „Leuchte“ steht im Mannscript offenbar aus Miss- 

verständniss. Der Ausdruck cy> wird durch das von 


Reinaud, Monumens II. S. 178, Beigebrachte erläutert. Es sind 
die beiden Augen des Propheten, des Grossvaters von Uosein, zu 
verstehen. 

Die „beiden Stammhalter“ sind Hasan und Hosein, wie aus 
dem summarischen Gebete auf die Xll linäme erhellt, welches 
sich arabisch in Cod. or. Mon. 227. f. 118, sowie bei Reinaud, 


Monumens II. S. 200 und 306, findet. ^ steht im Manuscript. 

» ö «* . ü ' 

Es ist entweder oder ^y> zu lesen. Offenbar sind die Aus¬ 
drücke: „die beiitett Basilien“, „die beiden Meere“, „die beiden 
Heere“ ebenfalls auf Hasan und Hosein zu beziehen; Hoseiu 
erhält den Vorzug. ist dunkel. Statt vor iAac 

,äll| ist zu lesen ^1, 

IV. Statt ^jvXjW! hat die sumiharische Form des Iniäm- 
Gebetes in der Münchner Handschrift und bei Reinaud 1. c. 

Bei der recapitulirenden Uebersiclit der XII Iniäme 

in dem Gebete auf den letzten unter Nr. Xll. werden wir 
als Epitheton vom vierten Imam treffen. — o' soll 

wahrscheinlich soviel sevn, als: linäm der Schwierigkeiten. J.i.a 



S 8 


Haneberg, Die Verehrung der zwölf Imdme 


im Cod. ist das erste dieser beiden Wörter undeutlich; 
vielleicht ist zu lesen: J.13, Vgl. de Sacy, Expos 6 I. intrud. 

CXXII. Unter den „Kindern“ sind wohl die Nachkommen Mo¬ 
hammeds zu verstehen, ln Cod. or. 1223. f. 213 wird als Tra¬ 


dition von Mohammed citirt: LäaÄ q* j.* ^avLSI j'.i 


-OB C-->»0-- *VO-- 


/**- 


Ferner f. 217. b. 


Aäj u. s. w., und unter diesen Kindern des 

Propheten werden die Imdme verstanden. Ueher s. Char¬ 

din, voyage ed. 1711. tom. VII. S. 87 ff. 


V. Dieser Abschnitt ist ziemlich incorrekt, namentlich hin¬ 
sichtlich des Artikels. Statt steht im Manuscript s^b». 

Statt lyM ist entweder zu lesen , oder 


VI. Auch hier ist der Artikel wenigstens nicht regelmässig 
gesetzt. Ich habe indess nichts geändert. G'afar ist bekanntlich 
eine Hauptquelle der schiitisclien Tradition ( darum die Verglei¬ 
chung mit einem tiefen Meer, einem reichlich ausgiessenden Ge- 
fäss u. s. f. Statt vor «Uf Jue ist zu lesen , 3 !.{ 

VII. steht st. der Zornbezwinger. Statt 

O > 

möchte ich lesen: . Statt Ia^ä«."^. steht im Manuscript 

Lwk^wJI. ist wohl identisch mit . 

VIII. Dieser achte Iindin ist jener, welchem zulieb die',Stadt 
Tus in Chorasan, wo er begraben wurde, den Namen Meschhed 

„die Martyrstätte“ xar’ i'£o/fjv erhalten hat. S. Ritter 
Erdk. II. Aufl. VIII. S. 283 — 300. Darauf nimmt die vorliegende 
Stelle Bezug. Nava muss ein Ort hei Tus seyn. Für 
steht im Manuscript ^^.5 jJLd , was keinen Sinn hat. 

IX. Auch hier ist wieder der Artikel auf unregelmässige Weise 
ungewendet. 

X. steht offenbar des Reimes wegen für das Gegen- 

theil von ^Xif. Nach ist wohl statt schon des 

Reimes wegen, zu lesen. Statt steht im Manuscript 

XI. '-»-bXi'j ist wohl soviel, als biesse es: 
v_ib! (J-cj, Der Grosse, Erhabene, dessen Gute sich 



bei den Schiiten. 


89 


im eilften Imäm gezeigt hat, ist entweder Mohammed, oder Gott 
selbst. Worauf der „gewaltige Durst“ anspiele, ist mir unbekannt, 
wenn nicht die Erwartung der Erlösung von jeder andern Herr- 
schaf t als jener der lmäme, damit bezeichnet wird. 

Xll. Statt ist zu lesen, wie gleich um 

Schlüsse der ersten Strophe. — Von an werden sämmt- 

liche charakteristische Merkmale Mohammeds, Fatima’s und der 
XI lmäme als im XII. Imäm sich erneuernd dargestellt. Indess ist 
in unserem Texte auch hier wieder vieles incorrekt. In Cod. 227. 

f. 150 lautet dieser Schluss: jJa _ t g 1 1t 

. XAÄ*».S\]t . ÜA*IaLftJl JvaÜ BjJUaJlj . i^aaJI 

jLSlj ,iüysL*5i jSUJlj SiAasR^ . KcLsv&J'j 

.Kjyijjll . xa*I21 X!I 

Xaa^JIj ^ ® Gott segne Den’, welchem 

angehört die Glaubenspredigt des Propheten; 1) das Gebet des Lö¬ 
wen, sammt der Unschuld Fatima’s; 2) die Milde Hasans; 3) die 
Tapferkeit Hoseins; 4) der Gottesdienst des Anbeters; 5) die 
Erbtugenden El-Baqirs; 6) die Ueberlieferungen G'a'fars; 7) das 
Wissen Ka‘tirns; 8) die Wahrheitsproben Rfdäs; 9) die Freigebig¬ 
keit des Taqi; 10) die Gottesfurcht des Naqi; II) sammt der 
Ehrwürde des 'Askari. — In unserm Text ist das Adjectivum, 
welches sich jedesmal auf den Imäm, sowie am Anfang auf Mo¬ 
hammed und Fatima bezieht, immer im singul. masc. nach persi¬ 
scher Art, wie schon im Eingang dieser Anmerkungen gesagt 

wurde. Statt üIAäa lese ich öU2*a>.— Für jcsl*,!! ist offenbar 
sol**Ji wie in Cod. 227. zu lesen. Statt oläc ist ohne Zweifel 
Xäc zu lesen. Das Wort ist wohl durch des 

Cod. 227. zu berichtigen. Vgl. über vjlär de Sacy Exposä I. S. 78 

u. 2l8. Ueber das. introd. S. CXIII. Für ist ^A/ö^H 

M. ) 

und für ö^a*. ist zu lesen. — Die Stelle: ^jcVuJb b ^aeAJ 

u.s.w. ist sichtlich corrumpirt; Cod, 227. hattet UusvJb ^LüJl 
«Jdl Kjlf uälblt ^j^XAaJl d. b. (über ihn) welcher der Trä¬ 
ger der Wahrheit ist, der zur absoluten Wahrhaftigkeit auffor¬ 
dert, das „Wort Gottes.“ — st. U/Sl. Statt ia 

„Schauplatz“ steht im Manuscript steht statt ^UxJt. 

— Was unter zu verstehen sey, ist scjiwer zu bestimmen. 



90 Haneberg, Die Verehrung der zwölf Imäme bei den Schiiten. 

Vielleicht soll es Gegensatz zu , dem aussen Erscheinen¬ 
den, seyn. Das Wort ist so geschrieben, dass auch 

gelesen werden kann. 

Der Ausdruck ^>iä* ist vielleicht in dem mystischen Sinne 
zn fassen, welchen de Sacy, Expose I. 23. 24. u. 210 beleuchtet. 


ln jener Form des erweiterten Imäin - Gebetes , welche sich 
in Cod. or. Monac. 227 f. J40 ff. .findet, ist am Schlüsse noch 
ein Gebet für die sämintlichen Anhänger der XII Imäme beige- 
gegeben, welches uns zeigen kann, wie die Schiiten gegen die 
Widersacher ihres religiösen. Systems gesinnt seyen; es heisst 

(fol. 151. b. seq.) ^ JL, _^lil 

M o -> O » , 

qi - _£}■* qA 

d. b. „0 Gott! sey Freund jedem, der ihnen (den Imämen) Freund 
ist, und sey Feind jedem, der ihnen Feind ist. Hilf denen, 
die ihnen helfen; verlasse die, welche ihnen Schmach anthun (nnch 
dem Parallelismus ist zu lesen: statt Lege 

Fluch auf jene, die ihnen Gewalt anthun, und beschleunige 
ihre Freude. Hilf ihren Anhängern (schi’a), vernichte jeden Feind 
von .ihnen, sey er Geist oder Mensch, sey er aus der Urzeit 
oder aus der Spätzeit. “ 

Allerdings ist hiermit zugleich ein Fluch gegen jene Cbalifen 
ausgesprochen, -von welchen die Iinäine verfolgt wurden, aber 
keineswegs gegen die von den Sunniten angenommenen drei Cha- 
lifen vor Ali., im Gegentheil findet sich in dem schiitischen Ge¬ 
betbuche Cod. Monac. 205. fol. 93. am Schlüsse" des dort gege¬ 
benen summarischen Gebetes auf die XII Imäme ein Segcnsprucb 
über Abu Bekr, Omar und Otmän. 

Schliesslich fügen wir die Bemerkung bei, dass, obschon 
obeu im Iinam-Gebet unter Nr.'1. Ali nicht als Freund (Weli) 
Gottes bezeichnet wird, doch in den uns vorliegenden schiitischen 
Gebetbüchern das Symbolum der Schiiten in bekannter Weise dem 
Ali diesen Titel giebt: ‘ 

(i) sltt xUi yi «J| ^ 


1) Cod. or. Mon. 227 f. 105. Vgl. Marsden, Numisinata orientalia t. II. 
S, 460. 461. 466. auf Münzen von äebah Abbas, Suleiman 1684, Hosein 1709. 



Nachtrag der Redaction. 


Wenn Herr Prof. Dr. Haneberg im Eingänge vorstehender 
Abhandlung die Frage, ob die Schiiten ihre Verehrung Ali’s und 
seiner Nachfolger wirklich bis zur Vergötterung derselben ge¬ 
trieben haben, als noch nicht völlig entschieden darstellt, so 
spricht er offenbar nur von dem gemässigtem Schiitismus, wie 
er sich z. B. in Persien zur Staatsreligion ausgebildet hat. Denn 
im Allgemeinen konnte über jenen Punkt nach den bezüglichen 
Arbeiten von Pocock, Marracci, Sale, de Sacy. Uammet-Purgstull, Taylor 
u. A. schon vor dem gegenwärtigen Jahrzehend kein Zweifel mehr 
stattfinden, und die seitdem erschienenen Quellenschriften, Schah- 
restäni’s Religions- und Sectengeschichte von Cureton, G'orgdni’s 
Buch der Definitionen von Flügel, nun auch Igi’s Mawakif (Buch 
5. u. 6. nebst Anhang) von Sörenscn , haben nur die urkundlichen 
Belege dazu geliefert, auf welche zum Theil schon IVofff’s über¬ 
sichtliche Zusammenstellung der muliammedanischen Secten (Die 
Drusen und ihre Vorläufer, Leipzig 1845, in der Einleitung) 
Bezug nehmen konnte. 

Uebrigens fbeilen wir die Ueberzeugung des Herrn Verfassers, 
dass hier wirklich ein schiitisehes Gebet vorliegt. Zwar findet 
sich Aehnliches auch bei den Sunniten, und die zahlreichen tür¬ 
kischen Dud-ndme der Dresdener königlichen und der Leipziger 
Stadtbibliothek enthalten häufig wiederkehrend ein t . )a l *lc.> 

,.Lo|, Gebet für die zwölf Imdme,■ in einem Leipziger Exemplar 
(s; Catal. libb. mss. Biblioth. Senat. Lips. p. 446. Cod. CLXIV) 
sogar, wie das Münchner Gebet, s. aLs» genannt; aber als sunni¬ 
tische Ausgleichung schiitischer Einseitigkeit ist vor dem Namen 
eines jeden Imäms der Muhammeds wiederholt, und am Ende kommt 
immer auch noch eine Gesammtanrufung für die ersten vier Cbalifen 
nach Muhammed. Zur Vergleichung geben wir hier dieses sun- 
nitische Imämgebct, wie es sieb, abgesehen von manchen Ver¬ 
schiedenheiten der Lesart und Orthographie, ira Ganzen darsteift: 

pW ,d ^IlVP 

L |= 3-0 pW J.C 

‘ tßr* 1 * - pW 0^.3? p.$IJl ‘ (al. ^Äjil) 



92 


Nachtrag' der Keducliun. 


^<0 r u cw 1 j* j-» ^iir, ^ ^ 

* tfju |.ut a*^* (j-c J-* 5 r* 

..,ILJL» f L,l aU? 3^> ‘ /M f u aI^ <>* ^ 

pwS> pH A*y 3^0 p^Ifi ‘ C7‘ ^ 

’i.^ (_A>Ua (_5<-Vi./o (»Uf A»;s^ J-c jL*a 

‘ (j.jA*^Ji ; jG Jjtj ‘ tC;**S>t (*^4* ot_,La ‘ 

CÄ (3 1 o* ‘ o -^ o 1 "^» ‘ T-’Lk^' a- s* L i 

.vly^W ,JLeJ Ä H>i *ÜI 

Die Unvollständigkeit und chronologische Unordnung in der 
Aufzählung der zwölf Iinäme bezeichnen dieses Gebet als einen aus 
schiitiscben Lappen zusammengeflickten Cento, der sich in keiner 
Weise über die Unzalil vulgärer, gpossentlieils abergläubischer 
Gebete erhebt, mit welchen jene Du d-tidme angefüllt sind, und 
die durchaus auf keine Canonicität Anspruch machen können. 

Hinsichtlich der Lesung und Erklärung des Einzelnen er¬ 
lauben wir uns, soweit der ungemein zerrüttete, von Herrn Prof. 
Haneberg.grösstcntheils diplomatisch getreu wiedergegebene Text 
es gestattet, einige Acnderungsvorschläge zu machen, wobei wir 
natürlich von orthographischen und grammatischen Fehlern und 
Ungenauigkeiten ganz abselien. » 

S. 76, Z, 2 des Textes ysiblLiil 1. ^ajlialJ, für die Umwan - 

* . * 

deluden. Z. 3 äJLjj viel). xJL**j ; der Sinn ist jedenfalls: ein Mittel 
zur Erhöhung der Seligheilsgrade im obersten Himmel (s. Sur. 20, 
77 f.). Z. 4 (jis^s nach zu tilgen: eine Religionspflichl für alle 
'Menschen insg'esamml. 

-• > - - 

' S. 77, Z. o c >jjM 1. oder den Edelsten. Z. 6 

nach ,dli oljJuo einfach ».Atz einzuschieben: Gottes Segnungen über 

•-E 

ihn! Z. 9 wiUAif ^**5» h _*jIä£J! als neues, mit dem 

folgenden reimendes Redeglied: den gewaltig .trennenden Pfeil, den 

Versammlet der Geschwader. Z. 12 oo> viell. "ö> st. s"ö: Die Perle 

*■ J J 

o > 

der Gottes für ekligen. Ebend. entweder, wie Herr Prof. Ha- 

> , <j ~ 

neberg annimmt, st . jSj ^, oder das pers. : und dem Häupt¬ 

ling. Z. 13 haben wir dos a-o-i, der Handschrift ohne Weiteres 



Nachtrag der lledaclion. 


9! 

in >jg>l 5 verwandelt. • Z. 17 ^3 walirscli. Wiederholung des vor¬ 
hergehenden und Z. 19 wiederkehrenden Ehrennamens der Fdtima: 
oder *•!Ehend. ^ 'bö i , in der Hdschr., wie Herr Prot’. 

V 

U. sagt, , 1. die von dem GottgesauiUen Erzeugte. 

Z. 18. IVenn richtig ist, so kann es wohl nur in col- 

O 0 p 

lectivein Sinne genommen werden, soviel als 

das Licht der Geschöpfe. — Ehend. kann zwischen und 

das dem Sinne nach auch von Herrn Prof. H. angenommene ss 

nicht fehlen. Z. 19. oA>.j, der Sinn verlangt äA^... Nahe 

liegt auch die Verinuthung 

S. 78, Z. 1 jj 1. ^jjj. Ebend. !• wegen 

des Reimes auf Z, 5 verlangen die Züge, der Handschrift, 

welche S. 87, Z. 17 so gut als möglich wicdergcgieben sind, und 
der Reim auf vielmehr den Treurallienden, statt 

£.L*»a.tf. Z. 7 —j.*i aus Sur. 25, 55, und 55, 19: die Perle der 
beiden getrennt jtulhenden Meere , d. h. der beiden feindlichen Heere 
bei Kcrbela-, gleichbedeutend iin Parellelgliede die beiden 

Parteien. Für muthmassen wir : das Juwel; s. Catal. 
libb. mss; Hihi. Sen. Lips. S. 507 Col. 2 Anm. 2. — Z. 10 
in der Handschrift wie/auch gedruckt werden 

sollte, da Herr Prof. H. danach übersetzt. Das Richtige ist aber 
ohne Zweifel oI^a^ÜI j.U|, der Imam-der guten Eigenschaften und 

£ *■" • . 

Handlungen. 1. ol^Jt, den llefolger der Zeichen 

(Koranverse) und den Anhänger der klaren Wahrheiten (Offenbarungen). 
Z. 17 1. J.£! (das zweite Wort nach der Hand¬ 
schrift, s. S. 88, Z. 11) d, h. , den Wegweiser jeder 

ralhlosen Seele. Z. 18 , in Uebereinstimmung mit der Ueher- 

setzung statt des der Handschrift. Bei Ij'il lässt 

der Reim bloss die zweite der von Herrn Prof. H. vorgcschlnge- 

nen Berichtigungen zu: Z, 23 Druckfehler 

statt des (d. h. der Handschrift. 

S. 79, Z. 1 schützt der Reim das ^ L*a.JI d. Hdschr., aber für 
1. oU*Jl oder o’UaJI^Aj : das entscheidende Lieht und 
den Verkünder klarer Wahrheiten. Z. 3 gebietet der Reim, zum 

folgenden Gliede zu ziehen; das sinnlose verwandeln wir 

entweder in ^c, oder lassen jenes Wort dahingestellt und setzen 



94 


Nachtrag der Redaciio». 


dieses ein ; tilgen den Punkt über dem letzten Buchstaben von 
, und übersetzen: den geduldigen Erträgen der Mittag shitze, 

w I ^ I m 

den Fasler. Z. 8 sehr. ; die Handschrift . Z. 10 

u. 11 ist für mit Herüberziebung des Anfangsbuch¬ 
staben von zu lesen lyfcJt > für das Folgende etwa 

^ D UJ^t: die hellglänzende Stirn, den (Ideal-) Menschen un¬ 

ter dem Geschleckte der Sterblichen. Z. 15j*Äi| 1. jXÜt, d. h. ^*3 : das 
Licht der Länder. Z. 16 1. vjbX««Jtj , und des Recht¬ 

handelns. Z. >20 o^Juxil ist Inf. absol. im Acc., regiert von 
: mit gewaltigen Segnungen bis zum Tage des Gerichts. Ebend. 
jvjjtCJ! 1. den Edelmülhigen und Wohllhätigcn. 

Z. 21 ^(A^il'ist mit Herrn Prof. H. in zu verwandeln, 

dieses aber im Sinne von als Beiwort von k^JLäSI zu neh¬ 
men: den Beleber des erstorbenen Herzens. L. Z. I- 

Ebend. J>=>- I. jLscJi, und die (in ihm personificirte) 

9 «. 3 «• 

göttliche Huld. Aus der Doxologie J*z>- nach dem Namen 

Gottes ist, wie aus einem Nomen, ein Adj. relat. in der Bedeu- 

w I * - t »f 0 9 * 0 9 

tung von ^Jt gebildet. Aebnlicb von x31ä***. 

S. 80, Z. 1 (jiJjxJi I. der gewaltige Hammer; vgl. 

Jerem. 23, 29.— Z. 5 s. Scbalirest. S. 131, 

Z." 5 u. 4 v. u. Ebend. jIiXS.il I. jkxU! y der da erwartet wird, 

der Gerechtigkeit und Wohllhäligkeit den Sieg zu verschaffen. Z. 4 
obCi-II, die Lichlnische, aus Sur. 24, 35 genommen; liier trop. 
als Eigenschaft Fätima’s der Glänzenden, : das lichtaus- 

slrahlende Wesen. Z. 12 yscjJl ff. 1. nach S. 89, Z. 6 u. 5 v. u. 
dJI Xjlfj ,5,1 ^ctJjl, der Wahrheilslräger Z. II =, 

M> C 

S. 89, Z. 6 v. u.) der da aufforderl zum Bekenntnisse 
der Wahrheit und der da ist das Wort Gottes. Damit sind 
auch noch die Worte ^X«aj5 j *JJ{ zu verbinden : und (der 

da ist) der Schulz Gottes im Bekenntnisse der Wahrheit (d. h. Anleiter zur 
Erlangung der im Bekenntnisse der Wahrheit begründeten Sicher¬ 
heit vor Gottes Strafen), Z. "12 u. 13 jj .j und j^Jx« st, 



Nachtrag der Redaclion. 


95 


und-j^M* , letzteres wohl ; die beiden Adjective und 

vertreten die Stelle von Substantiv-Genitiven; diese selbst in 

den'Text zu setzen, ist nicht möglich, da nicht von 

sondern von jüLo gebildet ist,- dieses aber keinen Reim geben 

würde: das Licht des Glaubens und den Glanzverleiher der Religion 
(d. h. den, welcher der Religion glänzenden Sieg'verschafft). Z. 14 

.> tt 

jkliuJt} I. oder vielmehr f und den Träger (Ausfiihrcr) 

» > 

von Gottes Gebot. Z. 15 o } s> s 1. } den Auserwähllen Gottes. 

Das im Innersten - verderbte Z. 13, welches 

nach der Begrenzung, innerhalb deren es steht, ein drittes Pural- 
lclglicd mit dem Reime dn bilden muss, haben wir hierbei über¬ 
gangen, so wie vorher mehrcres Andere, wofür wir nur unsichere 
und uns selbst nicht' befriedigende Vermutbungen haben. Aber 
auch hinsichtlich der im" Obigen vorgctrngencii harren wir mit 
Herrn Prof. Haneberg auf den eines corrcctcn Exem¬ 

plars, dessen- Entscheidungen wir uns in voraus crgebungsvoll 
unterwerfen. — Ucber die ausschweifenden chiliustischen Erwar¬ 
tungen der Schiiten von ihrem zwölften Imam bringt der Anhang 
des nächstens erscheinenden zweiten Tbciles von Caspari’s ara¬ 
bischer Grammatik ein Stück aiis Bastanri’s Miiscusdiiften, Cod. 
Sen. Lips. CCXCII1 und CGXC1V, Cap. 10. 



Nachrichten über Angelegenheiten der Deutschen 
morgen 1 ändisehen Gesel 1 schaft. 

Nachdem die allgemeine Versammlung zu Basel in ihrer vierten Sitzung 
am 2. Octobcr 1847 auf den von Geh. Kirchenrath Dr. Hoffraann aas Jenn, 
zugleich im Namen der dennaligcn Geschäftsführer gemachten Antrag, die 
Vereinigung des bisher besonders nusgegebenen Jahresberichts mit der Zeit¬ 
schrift der D. M. G. beschlossen hat, ist es möglich geworden, die unsere Ge¬ 
sellschaft betreifenden Nachrichten vierteljährlich zu geben, was den Mitglie¬ 
dern derselben nur erwünscht sevn wird. In den Verhandlungen (1er Dresdener 
Orientalisten * Versammlung vom Jahre 1844 (Leipzig 1845. 4.) ist der Be¬ 
richt über die ersten Vorbereitungen zur Bildung einer Deutschen morgcnlän- 
dischen Gesellschaft niedcrgclcgt; der erste Jahresbericht für 1845 giebt die 
Gcschiehtc der Constituirung der Gesellschaft, ihre am 2. Octobcr jenes 
Jabrcs von der Generalversammlung zu Darmstadt angenommenen Statuten und 
das erste Yerzcichniss ihrer Mitglieder; der Jahresbericht für 1846 enthält 
die Verhandlungen der Jenaer Generalversammlung, einen ausführlichen Ge¬ 
schäftsbericht, das erste Verzeichnis der fast durchgängig aus Geschenken erwach¬ 
senen Bibliothek der Gesellschaft, die Rechnungsbilunce und den diesmal zwei 
Jahre [umfassenden literarischen Jahresbericht. Da dieser letztere nebst den hei 
der Generalversammlung gehaltenen Vorträgen künftig seine passende Stelle unter 
den wissenschaftlichen Abhandlungen der Zeitschrift linden wird, so haben 
wir hier nur an die vorhin bezeiebneten geschäftlichen Berichterstattungen 
anzuknüpfen und werden uns dabei, um dem wissenschaftlichen Inhalte der 
Zeitschrift möglichst viel Kaum zu überlassen, jederzeit der Kürze bcflpissigen- 

Zuerst müssen wir dankbar der Vergünstigungen gedenken, welche der 
D. M. G. im verflossenen Jahre von Seiten zweier deutscher Regierungen zu 
Theil geworden sind, die eine bestehend in der Ueberwcisung eines Locals, 
die andere in der Bewilligung einer pecuniüren Subvention. 

Am 10. Mai 1847 wurde die Gesellschaft durch ein Schreiben des Uni¬ 
versitäts-Rentamts zu Leipzig benachrichtigt, dass ihr nach Verordnung des 
Königlich Sächsischen‘Cultus-Ministeriums vom 28. April d. J. sowohl ein 
kleineres Local in dem mittleren Thcilc des Vorder-PaulinumS daselbst 
zu alleinigem Gebrauch, als auch eins der Sitzungszimmer der Königlich ■ 
Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften zu ihren jeweiligen Sitzungen 
überlassen werden solle. Eine Stelle der gedachten hohen Verordnung, nach 
welcher das kleinere Local ausschliesslich zur Unterbringung der Bibliothek 
gewährt zu sein schien, hatte der Herr Minister von Wietersheim E.vc. die 
Gnade mündlich dahin zu erläutern, dass eine solche Beschränkung damit 
nicht ausgesprochen sein solle. Dieses Local wurde am 24. Octr d. J. zum 
ersten Male zu einer Geschäftssilzung benutzt. 



Nachrichten über Angelegenheiten der D. AI. G. 97 

Von Seiten der Königlich Preussischen Regierung wurde der D. M. G. 
mittelst hohen Rcscripts des Herrn Ministers Eichhorn Exc. auf fünf Jahre 
eine jährliche Subvention von-zweihundert Thalern von 1848 an be¬ 
willigt. 

Die eine wie die andere hohe Gabe wird dazu dienen, der Gesellschaft 
ihren materiellen Grund und Boden zu sichern. Es ist die Garantie des 
Staates für unser Unternehmen, sie soll uns nicht etwa die Einzahlung der 
Actien oder den fleissigen Betrieb der angelegten Bahn ersparen — diese 
würde damit trotz der Garantie nur zu Grunde gehn —, aber sie wird in 
Verbindung mit einer lebhaften Eethciiigung des Publicums dem Unternehmen 
Schwung geben, den Werth der Actien steigern und die der Wissenschaft 
zufallcnden Zinsen und Dividenden vermehren. Möchte sich das gleich An¬ 
fangs im einig-deutschen Sinne auf das gesamtste Vaterland berechnete Un¬ 
ternehmen nun bald auch auf andern Punkten der verdienten Gunst und Un¬ 
terstützung erfreuen! 

Von den durch die D. M. G. besorgten und unterstützten Arbeiten liegt 
jetzt, abgeselm von den beiden Jahresberichten, welche auch wissenschaftliche 
Aufsätze enthalten und in den Händen sämmtlicher Mitglieder sind, ein voll¬ 
ständiger Jahrgang der Zeitschrift vor mit Abhandlungen von Ewald, Tuch, 
R. Roth, Neumann, Fleischer, v. d. Gabelentz, Spiegel, Lepsius u. A. — lauter 
Namen von gutem Klange in verschiedenen Gebieten der orientalischen Studien. 
Das gegenwärtige erste Heft des zweiten Jahrgangs fügt dazu die Namen von 
de Wette, Pott, Rückert, Zingerle, Haneberg, und auch für die nächsten Hefte, deren 
Druck ohne Unterbrechung fortschreitet, liegen wichtige (und gediegene Aufsätze 
bereit.. Dazu werden die Mittheilungen von unsern Correspondenten allmälig 
häufiger und reichlicher. Am meisten haben uns bisher die Herren Rosen, 
Schauffler und Mordtmann in Constantinopel, E. Smith in Beirut, Schultz in 
Jerusalem, Pruncr in Kairo, Sprenger in Delhi, Gottwaldt in Petersburg 
unterstützt. 1 Auch mehrere unsrer ordentlichen und Ehren-Mitglieder sind so 
freundlich gewesen, uns briefliche Nachrichten und kürzere Mittbeilungen aller 
Art für die Correspondenz-Rubrik der Zeitschrift zukommen zu lassen, wie 
Herr von Frälin und Herr von Dorn in Petersburg, die Herrn Höfer, Wetzstein, 
Olshauscn, Bernstein, Dozy in Leiden, Tornberg in Lund, u. A. Die Ge_ 
Schäftsfiihrer statten ihnen hiermit den Dank der Gesellschaft dafür ab und 
bitten um gefällige Fortsetzung ihrer Bemühungen. Andere Corrcspondenten 
und Ehrenmitglieder haben uns vorerst wenigstens ihr Interesse für die Ge¬ 
sellschaft ausgesprochen und ihre spätere Betbeiligung verheissen, nämlich, 
ausser den im Jahresb. für 1846. S. 34. Anm. 3. namhaft gemachten, die 
Herren Burnouf, Mohl, Quatremere, Reinaud, Haughton, Botin, Rud. v. Frähn, 
Clarke. 

. Die von Wüstcnfeld besorgte und von der D. M. G. unterstützte Ausgabe 
der Kosmographie des Kazwini schreitet rasch vor. Zu Ende Juni 1847 
wurde zuerst die erste Hälfte des zweiten (geographischen) Theils versendet, 
die fertigen Bogen der zweiten Hälfte legte Herr Prof. Wüstcnfeld der Ge¬ 
neralversammlung in Basel vor (s. unten das Protokoll vom 30. Sept. 1847). 
Der Verleger stellte für die Mitglieder der D. M. G. einen ermässigten 

II. Bd. 7 



98 Nachrichten über Angelegenheiten der D. M. G. 

Preis ') und lieferte 20 Freiexemplare an die D. kl. G. ab, welche zu Ge¬ 
schenken an andere gelehrte Gesellschaften verwendet werden. (S. Jahresli. 
für 1846, S. 17.) 

Demnächst hat der Vorstand eine Unterstützung von fu n f zi g'Tha I c'rn 
bewilligt für den Druck eines in arabischer Sprache nbgefnssten kritischen 
Sendschreibens über do Sacy’s Ausgabe des Hariri von dem in Beirut lebenden 
Gelehrten IS n s l f Ein Schüler des Prof. P’leischcr, Herr von 

Mehren aus Kopenhagen, hatte die Herausgabe übernommen (s. Jahrcsb. für 
1845, S. 105), und schon waren einige Bogen gedruckt, als die Nachricht 
'einlief, dass der Vf. seine Arbeit neuerlich revidirt habe und bereit scy, 
dieselbe in ihrer neuen Gestalt der D. M. G. zu überlassen. Der Verleger, 
Hr. Engelmaim in Leipzig, entschloss sich zu dem Opfer, die gedruckten Bogen 
zu cassiren und den Druck von neuem zu beginnen, sobald das neue Manuscript 
ankäme. Dr. VVolff brachte es aus Beirut mit sich nach Basel und übergab 
es dort an Prof. Rüdiger. Es wird nächstens erscheinen. 

Ucbcr die von Prof. Bernstein vorbereitete Ausgabe der Chronik des Bar- 
hebrä-us, für welche gleichfalls die Unterstützung der D. M. G. vorläufig 
zugesagt worden, s. .Ztschr. 1847, S. 370. 

Mündliche Bcruthungcn ■ der Geschäftsführer wurden in der Zeit zwischen 
der Jenaer und Baseler Generalversammlung nur zwei nöthig erachtet, während im 
Uebrigcn die briefliche Verständigung ausreichtc. Die erste jener G es chäfts- 
sitzungen fand den "24. Oct. 1846 in Leipzig statt; cs wurde in Folge der 
Jenaer Beschlüsse vorzüglich die Einrichtung, Redaction und Versendung des 
Jahresberichts und der Zeitschrift beralhen. Die andere Sitzung in Halle den 
20. Juni 1847 hatte die einzulcitcnde Abstimmung über die neuerlich in Vor¬ 
schlag gebrachten Ehrenmitglieder und Correspondenlen und die nüthigen Vor¬ 
bereitungen zu der bevorstehenden Generalversammlung zum Gegenstände. An 
der ersten dieser Sitzungen nahm auch Herr Buchhändler Avenarius Theil, welcher 
bald darauf d. 6. November 1846 definitiv das Commissionsgcschäft für die Schrif¬ 
ten der D. M. G. übernahm (Firma: Rrockhaus und Avenarius in Leipzig). 
Auswärtige Agenten der Gesellschaft sind: in Paris J. Gavelot jeune, 
"in London Williams & Norgate. 

Die weiteren Nachrichten, namentlich über den Zuwachs der Bibliothek 
und den Beitritt neuer Mitglieder, verspüren wir bis zum nächsten Hefte, um 
hier folgen zu lassen 

Die Protokolle der allgemeinen Versammlung zu Basel. 


1) Jedem Mitglied der D. M. G. ist das Recht eirigeräuint, ein Exemplar 
dieses Werkes für den ermässigten Preis (1) für das erschienene Heft) 
von der Dieterich’s cbenBuchhandlung in Göttingen zu beziehen. 
Der Vorstand der Gesellschaft hat hiermit nichts zu thun. 



Protokoll 


der 

ersten Sitzung. 

Basel, den 29. September 1847. 

Die bei der zehnten Versammlung der Philologen und Schulmänner in 
Basel anwesenden Orientalisten wohnten am 29. September Morgens 9 Uhr der 
Eröffnungsrede bei, mit welcher der Präsident Prof. F. D. Gerlacb die dies¬ 
jährige Versammlung einleitcte. Nachdem hierauf die Orientalisten noch einem 
Vorträge des Prof. J. G. Müller (von Basel) über jncxicnnisclie Altcrthumer 
beigewohnt, traten dieselben gegen Mittag in einem besondern t>ocal zusammen. 

Zur Thcilnahme an den Berathungen der Commission betreffs des künftigen 
Versammlungsortes wurden sofort bezeichnet Dr. de Welte und Geh. Kirchen- 
ratli lloffmann. 

Zu Sccretärcn wurden vorgcschlagcn und angenommen Prof. Wüstenfeld 
und Pfarrer Preiswerk. 

In ein aufgelegtes Album zeichneten sich 13 Anwesende ein. 

Zu Prüfung der Rechnung, welche Geb. Kirchcnrnth Hoflmnnn, Namens 
des bisherigen Cassenführers Prof. Brockhaus, ablegt, wird ausser dem Präsi¬ 
dium ein Mitglied ausserhalb des Vorstandes in der Person des Inspcctor 
Hoffmann ernannt. 


Zweite Sitzung. 

Donnerstag, den 30. September 1847. 

Die Sitzung begann des Morgens 9£ Uhr. 

Nachdem der Präsident Dr. de Wette in einer Bcgrüssnngsrcde die 
Sitzung eröffnet halte,, wurde ein Geschenk für die Bibliothek der D. M. G. 
vorgclcgt von Dr. Ernst Meier: Nal und Damiy’anti, eine indische Dichtung, 
aus dem Sanskrit von Ernst Meier. 

Zugleich wurde mitgcthcilt: Ankündigung und Probe einer neuen Ausgabe 
der syrischen Chronik von Bar- Hebräus, Berlin 1847, durch G. II. Bernstein. 

' Prof. Wüstenfeld legte vor: den grössten Thei) der zweiten Hälfte des 
2. Bandes der von ihm herausgegebenen Kosmographie des Cazwini, ebenso 
die ersten Bogen von Macrizi’s Abhandlung über die in Aegypten eingewan¬ 
derten arabischen Stamme. 

7 * 



100 Protokolle der allgemeinen Versammlung su Basel. 


Sodann theiltc Geh. Kirchenrath HofTmann übc'r das Befinden des Prof. 
Flügel beruhigende Nachrichten mit, nebst einigen Stellen aus einem neuer¬ 
lichen Briefe desselbenworaus die Versammlung mit Theiinahme sah, wel¬ 
che Beschwerden — aber auch mit welch heiterem Mullie — der verdiente 
Mann ertragen. 

Es betrat nun Dr. Philipp WolfT, evangel. Stadtpfarrer in Rottweil, den 
Rednerstuhl, um der Versammlung nähere Mittheilungen zu machen über seine 
so eben beendete Reise nach Palästina, und die Resultate derselben. Am 
Schlüsse seines Vortrags übergab er der Gesellschaft zwei Manuscripte, das 
eine von Dr. Mördtmann aus Constantinopel, enthaltend „Nachrichten über 
Taberiston“, das andere ein arabisches kritisches Sendschreiben über Hariri, 
voi} Nasif in Beirut, ein Geschenk des Verfassers. 

Hierauf folgte ein Vortrag von Dr. R. Roth über die Fcridun - Sage in 
Indien und Iran. 

Geh. Kirchenrath Hoffmann berichtete dann über die diesen Morgen von dem 
betreffenden Comite geprüfte Rechnung des Cassenführers, welche nach drei 
von demselben zugestandenen Berichtigungen als genau erfunden und von der 
Versammlung angenommen wird mit dem Beschlüsse, dnss die Rechnung durch 
den Präsidenten zu justiliciren sei. 

Die Einnahme betrug 1118. 26 # 4 A. 

Die Ausgabe — > 545. — » ~8 » 

Die Baarschaft — £/!&. 573. 25 rjflf. 6 ~V. 

Derselbe theilte ferner mit, dass Prof. Brockhaus nicht länger die Casse 
Führen zu wollen erklärt, und auch aus dem Vorstande seinen Austritt ankündigt. 
Da nun statutengeraäss 4 Mitglieder aus dem Vorstände durch das Loos auszu¬ 
scheiden haben, so werden nur drei dieser Loosung zu unterwerfen sein, da 
Prof. Brockhaus als der erste Austretende zählt. Die nun vorgenommene 
Loosziehung entscheidet für den Austritt der drei: 

Olshausen, Lassen, Schleiermacher. — 


Dritte Sitzung. 

Freitag, den 2. October 1847. 

Die Sitzung wird 9$- l'hr eröffnet mit Verlesung des Protokolls der 
gestrigen und vorgestrigen Sitzung. 

Ein Geschenk von Missionar Schön wird vorgelegt: Vocabulary of the 
Hanssa Language, by the Rev. James Fredcrick Schön. London 1843. 

Darauf hörte die Versammlung einen Vortrag von Prof. Hitzig aus Zürich 
über den aus den Ortsnamen, namentlich Askalon, nachzuweisenden Ursprung 
der Philistäer. 



Protokolle der allgemeinen Versammlung zu Basel. 101 

Hierauf zeigte Prof. Reuss aus. Strassburg der Versammlung ein arabisch- 
persisches Manuscript, kalligraphische Vorschriften und Sentenzen enthaltend, 
und gab Erläuterungen dazu. 

Dann hielt Prof. Stälielin einen Vortrag über die Eroberung und Ver- 
theilung Palästinas durch die Israeliten. 

Nachdem nun die Philologen mit den Orientalisten vereint zum Ort der 
nächsten Zusammenkunft Berlin bestimmt und zum Präsidenten Prof. Böckh, 
zum Vizepräsidenten Prof. Kramer ernannt hatten, bczeichnete der Verein der 
Orientalisten, wieder in sein besonderes Local zurückgetrclcn, zu seinem 
künftigen Präsidenten Prof. Bopp. Die Besetzung des Viccpräsidiuins wurde 
noch Vorbehalten. 

Prof. Rüdiger nahm nun das Wort und theilte 

I) der Versammlung mit, dass die Königl. Prcuss. Regierung der D. M. 
G. auf fünf Jahre eine jährliche Unterstützung von zweihundert 
TItalern von 1848 ab bewilligt habe, und legte das darauf bezügliche 
Ministcrialrescript vom 20. Aug. 1847 vor. 

II) Im Auftrag von Professor Pott in Halle, Bibliothekar der Gesellschaft, 
forderte er die Mitglieder auf, an denselben Notizen cinzuscndcn über 
ihr Leben und ihre wissenschaftliche Ausbildung, welche offen oder 
versiegelt in der Bibliothek riiederzulcgcn seien. 

III) Zeigte er an, dass durch den Vorstand zn Ehrenmitgliedern ernannt wor¬ 
den sind: 

1) Baron Mac Guckin de Slane in Paris. 

2) Herzog de Luynes in Paris. 

3) Baron Prokcsch von Osten, k. k. österr. Gesandter in Athen. 

4) Dr. Edward Robinson, Prof, in New-York. 

I 

Zu Correspondenten: 

1) Prof. Schinas in Athen. 

2) Herr Ccrutti, k. sardin. Consul zu Larnaka auf Cypern. 

3) Rev. William Cureton, Assistant Keeper of the Mss. in the British 
Museum, London. 

4) Ainsworth, Honorary Secretary to the Syro-Egyptian Society in London. 

5) Dr. Jac. Bcrggren zu Skällwik in Schweden. 

6) Rev. Charles W m Isenberg j ... . 

1 Missionare. . 

7) Rev. Krapf ’ { 

Es wurde nun zu der Wahl von 4 neuen Vorstandsmitgliedern geschritten. 
Stimmgebendc waren 14. 

Stimmen erhielten: Tuch '14. de Wette 11. Wüstenfeld 10. Seyffarth 8. 
Reuss 3. Stähelin 2. Hupfeid 2. Petermann 2. Hitzig 1. Anger 1. Knobel 1. 
Schleiermacher 1. 

Demnach werden die & Erstgenannten auf 3 Jahre in den Vorstand 
cintreten, 

42154 



102 Protokolle der allgemeinen Versammlung zu liasel. 

Don Schluss der Sitzung machte ein Vortrag ‘von Prof. Kassier ülicr 
persische Handschriften auf der Pariser königlichen Bibliothek, enthaltend eine 
l’ebcrsetzung des A. T. 


Vierte Sitzung* 

, Sonnabend, den 2. Octoker 1847. 

Die Sitzung beginnt 8j Uhr Morgens. 

Gell. Kirchenrath IIolTniaiin llieitt ein eben eingegangenes Schreiben von 
lVof. Fleischer an die Versammlung mit, worin derselbe die Verspätung des 
Erscheinens des 3. u. 4. Heftes der Zeitschrift und des Jahresberichtes durch 
Ucberhäufung mit Geschäften entschuldigt. 

Die Versammlung erkennt sein freundliches Bestreben an, sic in dieser 
Angelegenheit ins Klare zu setzen. 

Aus einem an ihn — Geh. K. Rath Hoffmann — von ebendemselben ge¬ 
richteten persönlichen Schreiben llicilt crslerer der Versammlung mit, dass 
derselbe die gehaltenen Vorträge zum Druck ungesendet zu erhalten wünscht. 

Weiter bringt Geh. K. Rath Ilolfmnnn folgende Anträge zur Erledigung 
vor die Versammlung: 

1) Ob künftig der Jahresbericht in die Zeitschrift aufgonommen und mit 
derselben vereinigt worden solle, wodurch die Bogenzahl von 24 auf 30 
bis 32 steigen würde ? Dann würde die Zeitschrift ohne besondere Vergü¬ 
tung an die Mitglieder zu verabfolgen, der jährliche Bcitragaberauf6Thaler 
zu erhöhen scyn. Dieser Antrag wird nach Beseitigung einiger Einwen¬ 
dungen einstimmig angenommen und zum Beschluss erhoben, u. die §§.4. 
10. 11. der Statuten demgemäss modiheirt. 

2) ln Folge des vorjährigen Beschlusses, die. Frage über ein zu gewähren¬ 
des Honorar auf spätere Bestimmung auszusetzen, wird nun die Leistung 
eines Honorars vorgcschlagen, und durch einstimmigen Beschluss fest¬ 
gesetzt, dass ein Honorar von 5 Tlmlcrn pro Druckbogen Für die in die 
Zeitschrift gelieferten Beiträge, einschliesslich des literarischen Jahresbe¬ 
richtes, vorläufig und bis auf weiteres soll entrichtet werden. 

3) Für die beiden schon gelieferten Jahresberichte wird durch einstimmigen 
Beschluss dem Prof. Fleischer ein nachträgliches Honorar im Ganzon von 
50 Thalern zuerkannt. 

/ 

4) Ob die für den ersten Jahrgang der Zeitschrift gelieferten Boiträge nach 
dein sub No. 2 fcstgcstcllton Maassc zu honoriren seien ? —' wird mit über¬ 
wiegender Mehrheit bejaht und demgemäss Beschluss gefasst. 

5) Da bisher Jahresbericht und Zeitschrift in einer Auflage von 750 Expl. 
erschienen sind, und diese Zahl sich als zu hoch erwiesen hat, so wünscht 
die Versammlung, dass dieselbe nach Befinden' des wirklichen Bedürf¬ 
nisses ermässigt werde 


1) Die Eriliässigung auf 550 Expl. ist borcits bei dem 2. Hefte des 1. Jahr¬ 
ganges der Zeitschrift und sodann auch bei dein. Jahresberichte Für 1846 ein- 
gclreteu.- _ D. R e d. 

X 3 i * <? 



Protokolle der allgemeinen Versammlung zu Basel, 103 

6) Es spricht die Gesellschaft ihre Geneigtheit aus, die von Prüf. Bernstein 
besorgte Ausgabe des Bar - Hebräus zu unterstützen, und gewiirtigt dar 
auf bezügliche Vorschläge. 

7) Betreffend das Rodactions - Honorar für die Zeitschrift bleibt cs bei der 
von der vorigen allgemeinen Versammlung festgesetzten Summe von 50 
Thalern jährlich. 

8) Da Prof. Brockhaus von den Geschäften des Gassirer - Amtes zurücklrilt, 
so bevollmächtigt die Versammlung den geschäftsleitenden Vorstand, dem¬ 
selben für getreue Führung des Amtes ihren Dank auszusprechen und 
ihm die erforderliche Dccharge zu geben. 

9) Der bisherige Cassircr schlägt vor, die stillliegenden Gelder verzinslich 
anzulegen, was bei einem soliden Leipziger Hause am besten geschehen 
könne. 

Durch Stimmenmehrheit wird beschlossen, cs möge der geschäftslei¬ 
tende Vorstand dafür Sorge tragen, dass die verfügbaren Gelder auf 
sichere Weise verzinsbar angelegt werden. 

Nach Fassung dieser Beschlüsse hielt Prof. u. Missions-Inspector Hoflmann 
einen Vortrag, worin er die bereits ausgeführten und in nächster Aussicht 
stehenden Arbeiten der Missionare für die Sprachen des mittleren Afrika 
aufzählt und den Vorschlag macht, cs möge sich aus Sprachforschern ein 
Cornitc bilden, welches die von den Missionaren gelieferten Materialien zur 
Hand nehme und im Interesse der Wissenschaft und der Civilisation Afrikas 
verarbeite. Er nennt als nächste Aufgabe: Feststellung gleichmässigcr Ortho¬ 
graphie und leitender Grundsätze für die Grammatiken und Wörterbücher, 
Vergleichung dieser Sprachen unter sich u. s. w. 

Die Versammlung wünscht, dass vorläufige Schritte in dieser Sache durch 
dcu Vorstand angebahnt werden, und empfiehlt ihm dieselbe zu weiterer 
Erwägung l ). 

Sodann bringt G. K. R. Hoffmann zur Sprache, dass Manche mit ihren 
Zahlungen ungebührlich lange Zurückbleiben, wodurch es dem Cassircr noth- 
wendig wird, zu wissen, wie lange er solche Rückstände in der Rechnung 
nachzuführen habe. 

Die Versammlung bescbliesst einstimmig: Wer nach zwei erhaltenen 
Mahnungen und nach zwei verflossenen Jahren säumig bleibt, ist als ausge¬ 
treten anzusehen und sein Name aus dem Verzeichnisse der Mitglieder weg¬ 
zulassen. 

Ebenderselbe hat so eben einen Aufsatz von Prof. Scyflarth erhalten, 
über die Monate der Hebräer nach dem Exil und über Christi Todestag. Bei 
der vorgerückten Zeit aber kann dieser Vortrag bloss noch zur Anzeige, nicht 
mehr zur Mittheilung kommen, und wird dem geschäftsleitenden Vorstand für 
die Zeitschrift zur Verfügung gestellt. 


1) Zu'dcn hierauf bezüglichen Vorarbeiten haben sich einstweilen Prof. 
Pott und Geh. Reg.-Rath v. d. Gabelcnlz erboten. D. Red. 



104 Protokolle der allgemeinen Versammlung zu 'Basel. 

Zum Schlüsse hielt Missionar Schön einen auf «1er Tagesordnung stehenden 
Vortrag über die weitverbreitete afrikanische Haussa-Sprache, und unterstützte 
den von Inspcctor Hoflinann gemachten Vorschlag. 

Nach Vorlesung und Genehmigung dieses Protokolls und voin.Guh. K. R' 
Iloffinann ausgesprochenem Dank an das Präsidium und Secrctarint schloss Dr. 
de \yctte die diesjährige Versammlung der Orientalisten mit einigen Worten 
.der Ermunterung und des Wunsches für den gedeihlichen Fortgang dieses 
Vereins. 


Während der allgemeinen Versammlung zu Basel traten folgende 
neue ordentliche Mitglieder zur D. M. G.: 

1) Baron von Eckstein in Paris, aus Kopenhagen. 

2) -J. F. Schön, Missionar. 

3) Dr. S. Preis werk, Pfarrer in Basel. 

- 4) Dr. August Koch, Privatdocent d. Thcol. in Zürich: 



Professor Dr. Hermann Brockhaus, 

Cassirer der Deutschen morgen ländischen Gesellschaft. 


Biiance der Einnahme und Ausgabe für 1846— 1847. 105 


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der Einnahme und Ausgabe für das Rechnungsjahr 

1. Juli 1846 — 30. Juni 1847. 





Namen verzeichniss 


der Tlieilnchiner an der zweifen allgemeinen Versammlung 
der Deutschen morgenländischen Gesellschaft 

nach Ordnung der Aufzeichnung. 

1. Wilh. Mart. Leberecht de Wette, Prof, in Basel , Präsident der Ver¬ 

sammlung. 

2. J. J. Stäbelin , Prof., Vicepräsident. 

3. Dr. F. Wüstenfeld, Prof, aus Güttingen. 

4. Dr. Eduard Rcuss, Prof. d. Theol. nus Strassburg. 

5. Dr. Fried. Wilh. Bergmann, Prof. d. ausländischen Literat, aus Strassburg. 

6. A. G. H o ff in an n , Geh. Kirchenrath aus Jena. 

7. Baron v oji Eckstein, wohnhaft zu Paris, aus Kopenhagen. 

8. Dr. F. Hitzig, Prof, aus Zifrich. 

9. * Dr. Conr. Dietr. Kassier, Prof, aus Ulm. 

10. Dr. Rudolph Roth, Priv. Doc. aus Tübingen. 

11. W. Hoffmann, Prof. u.'Inspect. der Missions-Anstalt in Basel. 

12. 'S. Preiswerk, Dr. u. Pfarrer in Basel. 

13. Dr. Philipp WolfF, evangel. Stadtpfarrcr aus Rollweil. 

14. Consistor. Rath Prof. R c 11 b e r g aus Marburg. 

15. Dr. u. Prof. d. Theol. K. R. Hagen hach in Basel. 

16. Jac. Friedr. Schön, Missionar. 

17. E* Rüdiger, Prof, aus Halle. 

18. L, Oser, S. M. C. in Basel. 

19. C. F. Schlienz, Missionar. 

20. Dr. Aug. Koch, Priv. Doc. d. Theol. aus Zürich. 



Notizen, Correspondenzen und Vermischtes. 


Amerika. In der vierteljährigen Sitzung der American Oriental Society 
za Boston am 29. September 1847, wo u. A. das 1. und 2. Heft der Ztschr. 
der D. M. G. vorgelegt ’) und von Prof. Edwards aus Andover über die 
Jenaer Versammlung der deutschen Philologen und Orientalisten, wolchor er 
persönlich beiwohnte, Bericht erstattet wurde, erwähnte der Vorsitzende Vicc- 
Präsident Dr. Jenks eines neuerlich auf Malta entdeckten, von dem Entdecker 
selbst, dem dortigen amerikanischen Consul Herrn Andrews, für phönicisch 
gehaltenen Monumentes. Ferner kam die Behauptung des Missionar J. Iciijhton 
Wilson zur Verhandlung, dass sämmtliche Negcrdialcctc in der Umgebung 
der am Gabun in Afrika stationirten Mission südlich vom Mondgcbirgo unter 
einander verwandt seyen, dass dagegen die nördlich von diesen Bergen gesproche¬ 
nen jVcgcrsprachen zu einem andern Stamme gehören. Einige Vocabulare afri¬ 
kanischer Sprachen, welche Herr Wilson, gesammelt hat, will dio Gesellschaft 
berausgehen. Endlich wurden mehrere Briofc und Aufsätze auswärtiger Ge¬ 
lehrten mitgctheilt, z. ß. von Johl P. Brown, Dragoman der nmerik. Ge¬ 
sandtschaft in Constantinopc!, über den türkischen Tabari u. A. — In einer 
Sitzung der Ethnoloyical Society zu New-York am 9. Octobcr war der ge¬ 
nannte Herr Wilson persönlich zugegen und gab ausführliche Erläuterungen 
über die Mpongwe - Sprache, deren" Grammatik er ausgearboitet hat. Auch 
gab er eine vergleichende Uebersicht der drei grossen Sprachen von West- 
Afrika , welche nach ‘seiner Ansicht von der Sahara und den Mondgebirgen 
an bis in dio Nachbarschaft des Vorgcbirgs der guten Hoffnung die vorherr¬ 
schenden sind. Er will zugleich entdeckt haben, dass diese Sprachen nicht 
bloss unter sich , sondern auoh mit dem Sawübili der Ostküste Afrika’s der 
Grundlage nach identisch seyen. Er erkannte die grosse Aehnlichkcit, als er 
mit einem Eingcborncn aus der Gegend des Vorgcbirgs Zanzibar zusaramentraf, 
der sich alsbald mit den Anwohnern des Gabun mit einer gewissen Leichtigkeit ver¬ 
ständigen konnte. Nach den in unsrer Zeitschrift geführten Verhandlungen von 
Ewald, v. d. Gabelentz und Pott über die Verwandtschaft der ostafrikanischen 
Sprachen würde cs von grossem Interesse scyn zu sehen, wie diess für sich 
selbst schon unerwartete Resultat der Identität oslafrikanisclier Sprachen eine 
so immense Ausdehnung bis zur Westküste gewinnen sollte. Es ist daher 


1) Bei diesem Anlass bemerken wir, dass im 1. Hefte der Zeitschrift f. 
1847, S. 88, Z. 4 v. u. hinter „die eine von William W. Turner“ cinzu- 
schalton ist: über die himjaritischcu Inschriften. 0. Red. 



108 Aussage aus Briefen des Ur. Mordlmann in Constanlinopd 


sehr zu wünschen, dass die Forschungen des Misä. Wilson bald der Oeffent- 
lichkeit übergeben werden. Auf Anlass zweier lateinischer Inschriften; die 
Dr. De Forest, amerik. Missionar in Syrien, in der (legend des alten Abila 
copirt hatte (sie waren bereits anderweitig bekannt gemacht) sprach Dr. /,'■ 
Robinson in jener Sitzung noch über die Lage von Abila und über den Lne. 
3, 1. erwähnten Tetrareben Lysanias von Abilcne. Die in letztrer Stelle 
liegende historische Schwierigkeit, die man auf so verschiedene Weise za 
losen gesucht hat, will Hr. R. demnächst ausführlicher in einem Artikel der 
Bibliotheca sacra behandeln. 


Auszüge aus Briefen des Dr. Mordtmann in Conslantinopel 
an den Etatsrath Prof. Olshausen in Kiel. 

1. Aus einem Schreiben vom 13. Juli 1847. 

Ihre Aufforderung wegen der sassanidischen und der damit verwandten 
Münzen habe ich nicht vergessen; abgesehen von dem Interesse, das sie mir 
gewähren, weil ich eine Geschichte der Sassaniden ausgearbeitet habe, glaube 
ich Ihnen ein Vergnügen zu machen, wenn ich Sie mit einigen seltneren Münzen 
dieser Art bekannt mache. Meine eigene Sammlung ist bereits auf dem Wege 

nach Hamburg, wo sie auf der Stadtbibliothek deponirt wird -Sie 

enthält 4 Sapor, nämlich 1 Sapor I., 2 Sapor II. und 1 Sapor III; 3 Bahrain; 
1 Iiobäd; 3 Chosroen mit den Jahreszahlen: 2, 28 und 37. Dio Zahl 28 
haben Sie in Ihrer Schrift auf keiner Münze gefunden. 5 Münzen haben 
theils gar keine Legenden, theils so unleserliche, dass ich nichts damit an- 
zufangeu weiss; doch enthält eine derselben die Zahl 2 (aramäisch) und das 
Wort Iran. Endlich ist noch eine Omar - Münze von Tapuristän mit der 
Zahl 22Q darunter. Das wären zusammen 17 Münzen. Seitdem habe ich 
noch einen Ardeschir I. acquirirt, wie bei Longperier, T. II. N. 2. 

Von hiesigen Sammlungen sind die des belgischen Gesandten, Baron von 
Belir, und die des Hrn. de Cadalvene an sassanidischen Münzen besonders reich¬ 
haltig; doch habe ich noch keine von beiden selbst zu sehen Gelegenheit ge¬ 
habt. Ausserdem besitzen noch der amerikanische Dragoman, Mr. Brown, 
und der preussische, Dr. Rosen, sassanidischc Münzen. Die des erstcren 
habe ich alle mit Müsse untersucht, und ich habe einige neue darunter ge¬ 
funden. Auf 7 Chosroen-Münzen fand ich die Zahlen: 2, 3, 34, 35 (zweimal) 
und 38; eine hatte die Zahl ; die ich als acht lese 5 ). Ausserdem 

zwei Tapuristan - Münzen; eine, welche Ihrer Häni-Münze N. 4. vollkommen 
gleicht, und eine ohne Namen; da wo der Name zu stehen pflegt, liest man 


1) Die Sammlung ist glücklich angelangt. 0. 

2) Mit vollem Rechte. 0. 



an den Eialsralh Prof. Olshausen in Kiel. 


109 


nur: afzüd; auf der Rückseite rechts: Tapuristän ; links: 135. Eine ähnliche 
Münze ohne Namen besitzt Herr Dr. Rosen, mit der Zahl 130. Dieses Jahr 
fallt nach Ihrer Zusammenstellung S. 43. zwischen ’Omar und Muqtitil, wo 
vielleicht gar kein Statthalter dort war. Was aber mit der Münzo vom J. 
135. anzufangen sei, weiss ich nicht, da doch 135. schon G'erir sich Endet. 

Gegenwärtig habe ich die Sammlung eines Antiquars im liausc, die fol¬ 
gende 51, zum Thcil sehr merkwürdige Münzen enthält. 

1 Ardcschirl., ähnlich wie LongpericrT. II. N. 1. Die Legende auf der Rück* 
Seite hat jedoch ganz eigenthümliche Buchstaben, nämlich: y jj f j-f- 

J ±LJJ vVC ‘ U -4- tachschetr jczdnni. 

10 Sapor I.; mehrere sehr schön. 

1 Bahrnm mit den drei Köpfen auf dem Avers; sehr schön. 

4 Hormuzd II. • (nach Longpericr); doch ist nur auf einer der Münzen 
ganz entschieden Äitchrmasdi zu lesen, während die andern drei an dieser 
Stelle sehr beschädigt sind ; allein der Habitus derselben ist vollkommen gleich. 

10 Sapor II., zum Thcil schön, einige aber ganz elend; eine goldene 
M., circa 2 j Dukaten an Gewicht. Mehrere dieser Münzen haken huf der 
Säule, auf wclchor der Feueraltar stellt, Buchstaben, die ich aber noch nicht 

gelesen habe: —-*). Am liebsten möchte ich hier Zahlen vermuthen; 

denn da dieser alte Herr noch einige Monate länger regiert, als gelebt hat, 
nämlich vom Mutterleibe an bis zu seinem Tode 72 Jahre, so hätten wir 
hier Spielraum genug; die erste Zahl wäre vielleicht 60, die zweite 40, die 
dritte 20 (?), die vierte 50, die letzte wieder 20 *); nur macht es mich 
cinigennassen stutzig, dass ich nur runde Zahlen lesen knnn, und nirgends 
Einheiten. Sollte aber wider Erwarten meine Vcrmuthung gegründet sein, so 
würden wir hier den Beweis haben, dass die Zahlen auf den Chosrocs-Münzen 
wirklich Regierungsjahre sind. 

2 Sapor III., wieder mit Buchstaben auf dem Feucraltar; eine hat: yyy yy 

die andere: | yry . Da er nur 5 Jahre regierte, so ist der Spielraum nicht gross; 
die erste Zahl (sie ist schon stark obgeschcucrt) könnto oder g«o, die 

zweite sein, und letztere also Ihre Muthmnssung über das Zahlwort 

bestätigen; aber, wie gesagt, ich bin meiner Sache zu wenig sicher 1 2 3 ). 

1 Bahrtim IV. oder V. 

5 Ffrüz. 

1 Kobad ; diese hat auf der Rückseite links ungemein deutlich: ->*> 
d. i. 32; rechts: n n ; wenn ich nicht irre, hat er 33 oder 35 Jahre 
regiert. 


1) Die hier mitgelhciltcn Schriftzüge unterdrücke ich für jetzt aus Furcht 

sie zu entstellen. ' 0. 

2) Die Zahlen 60 und 40 auf den beiden ersten Münzen halte ich für 

vollkommen sicher; bei der fünften, und insbesondre bei der vierten kann 
ich Herrn Dr. M. nicht beistimmen. 0. 

3) Es ist mir nicht klar, wie Herr Dr. M. zu der vorgeschlagcnen Deu¬ 
tung dieser Zahlen gelangt 0. 



HO Axiszüge aus Briefen des Dr. Mordimam in Constanlinopel 

2 Dscliamasp ;. doch bin Ich bei dem einen ni'cht sicher 1 2 3 ). 

Eine Münze, die mir ganz seltsam scheint; sie gleicht in ihrem Habitus 
der bei Longpcfier T. VII. K. 1. abgebildetcn s ). Das letzte Wort ist augen¬ 
scheinlich: Mazdiesn , womit sonst die Miinzinschriften anfangen; das vorletzte 
Wort ist eben so sicher: Ich (oder lag nach Rawlinson), was sonst das zweite 
Wort ist. Indem ich den so gefundenen Schlüssel zu weiterer Entziffern)} 
benutze, müsste das drittletzte Wort den Königsnamen enthalten; aber wel¬ 
cher ist dieser? Es scheint ein Anlauf zu Anchmutzdi zu sein, der aber 
nicht zu Ende geführt wird. Im Anfang scheint inin mino tschetri mm.... 
zu stehen ; die Mitte ist mir unerklärlich. Auf der Rückseite findet man nur 
undeutliche Ziige. 

10 Chosroes-Münzen, nämlich 1 mit der Zahl 24, 1 mit 25, 1 mit 26, 
2 mit 28, 1 mit 32, 1 mit 34, 2 mit ; 35, 1 mit- 37. Alle haben 
auf der Vorderseite einen dreifachen Hand, während andre Chosroes-Münzen 
nur einen einfachen haben. Ich vermuthe, dass dio Münzen mit einfachem 
Rande Chosroes I. angeboren, da -sie in ihrem Habitus sich den Münzen von 
Firuz, Kobdd und Dscliamasp anschlicsscn, während die mit doppeltem und 
dreifachem Runde den Tapuristan -Münzen gleichen, nlso auf eine spätere Pe¬ 
riode schlicssen lassen, weshalb ich sie Chosroes II. zuschreibe. Allein so 
lange sich noch keine Münze mit einer Zahl über 38 hinaus zeigt, sind wir 
nicht sicher *). 

Endlich sind noch zwei Münzen da, die interessantesten der ganzen Samm¬ 
lung. Die eine gehört zu den Münzen aus Tapuristan. Auf der Vorderseite 
links am Hinterkopfe steht afzitd und noch weiter dem Rande zu das ge¬ 
wöhnliche Münzzcichcn, das auch- auf den vier in Ihrer .Schrift abgebildetcn 
Münzen steht. Rechts sind die Zeichen , welche ich nur Eäril lesen 

kann. Der' einzige mir bekannte arabische Käme, der dieser Gruppe ent¬ 
sprechen könnte, ist viJjts-; ich muss es Ihrer Bcurtheilung überlassen, 
ob das fo der Pehlcwi-Schrift dem arabischen entsprechen könne 4 ). Am 
Rande rechts findet sich : __3 er . Die Rückseite enthält links das Wort Topu- 


1) Die zum Theil völlig unverständlichen Schriftzüge auf beiden Münzen 

müssen hier übergangen werden. 0. 

2) Auch hier übergehen wir die Inschrift, und so öfter in der Folge. 0. 

3) Feber die Richtigkeit der Ansicht des Herrn Dr. M. kann kein Zweifel 

mehr obwalten; es war demselben nur unbekannt geblieben, dass der treffliebe 
liralfl schon im J. 1844. zu dem gleichen Resultat gekommen war; s. Wiener 
Jahrhb. Bd. 106. Anzeigcbl. S. 26. und 29. , 0 ; 

4) So wenig ich bezweifle, dass das arabische Clo durch das pchlewische 
fo würde ausgedrückt werden müssen, so glaube ich doch, dass hier nicht 
der Karne 'Hnrixf' zu finden sei, sondern vielmehr oJLs* CluUid bin Bcrmek, 
der vor ’Omar bin el-’Alä Statthalter von Tapuristan war; s. Kralft, a. a. 0-, 
S. 7. 9, 13. Wenn der Käme Cloulid auf der von Herrn Sorct (Mcmoires de 
la Soc. d’hist. ct archcol. de Gcncve, T. V. Lettre ä Mr. Olsliausen, Ko. 4.) 
bekannt gemachten Münze des Cbülid bin ’Abd allüh nicht mit jenem Buch¬ 
staben am Ende geschrieben ist, so rührt dicss lediglich daher, dass das d 
dort aufgebört bat Endbuchstabe zu sein : Chälidi Afdulnim. 



an den Etatsralh Prof. Olshausen in Kiel. 


111 


ristini, rechts aber eine Zahl, 'deren sichere Losung mir noeli nicht gelungen ist. 
Die Münze ist nämlich durchlöchert und dadurch ein Riss entstanden, der den 
mittleren Theil der Zahl trifft, so dass dieser, etwas undeutlich geworden ist. 
Ich lese durch die Loope: jxiUVtsU . Am Ende ist snt sicher; am Anfang 
liest man «i*, 9; aber was stoht in der Mitte ? Es sicht aus, wie ein An¬ 
lauf zu heftnd , 70, und dann hätten wir 179, womit ich nichts anzufangen 
weiss; lesen wir ahor deh sut, 110, so wären noch zwei Zeichen überflüssig 
fiir die Einer, für welche cytl bliche. Wären die beiden ersten' Zeichen 
verbunden, so könnte man lieft oder beseht leson, obgleich- auch, in diesem 
Kalle die Form des t sehr abweichend'wäre. Aber die beiden ersten Zeichen 
sind zu klar und deutlich und keine Spur von Verbindung. Ich muss daher 
diese crux Ihnen überlassen *). 

Die letzte Münze ist noch interessanter, aber für mich noch undeutlicher; 
cs ist die Münze eines arabischen Statthalters in Persien. Auf der Vorder¬ 
seite links das Wort nfziid und das gewöhnliche Münzzcichcn; rechts: 

Das Obere könnte vielleicht 'Abdallah 'Amrscin; in dem un- 

K-KroKo 

tern Theile erkennt, man ohne Mühe am Ende das Pntronymicum; aber wie 
dieses vollständig heisst, weiss ich nicht zu sagen. Das dritte Zeichen gleicht 
einem Dschiin, das vierte könnte f oder J> sein, die folgenden sind sohr un¬ 
deutlich bis auf den Endstrich der Gruppe. Das Zeichen vor der pntronyini- 
sclien Endung A n ist wieder sehr deutlich ’). Am Rande rechts stellt: |V>~J 
sin , sehr schön und deutlich. Auf dor. Rückseite links eine Zahl, die ich 


1) Ich freue mich diesmal Aufschluss geben zu können. Das Zeichen er 

bedeutet nach der durch Anquctil fortgcpflaHztcn Uchorlicfcrung .s. v. n. az 
und die Zahl ist oder nuwazdch, 19, zusammen also 119. 

Chtilid hin Bcrinck war der unmittelbare Vorgänger 'Omars , dessen älteste 
bekannte Münze vom J. 120. ist. .S. lirafft, a. n. 0. 0. 

2) Auf dieser wichtigen Münze ist der Name Afdtliit d. i. 'Ahd nllfili von 
Herrn Dr. M. richtig erkannt; die oben angeführte Münze des Herrn Sorct 
verbürgt, die Deutung vollkommen. - Das folgende Wort kann aber nicht 'Amr 
sein. Es ist dasselbe Wort, welches etwas minder deutlich geschrieben auf 
Herrn Sorcl’s merkwürdiger Mu’äwije-Münze vorkommt; s.'dic erwähnte Lettre, 
No. 1. Ich lese dasselbe jetzt unbedenklich Amir d. i. y-4-, und bezweifle 
nicht, dass das folgende Wort dein zweiten Theile des Titels Emir cl■ Mnminin 
entspricht. Allein wie dieses letzte persische Wort gelautet habe, kann ich 
bis jetzt nicht enträthscln. Auf Herrn Sorot’s Münze ist dasselbe so schön 
ausgeprägt, wie nur'möglich; dennoch widersteht cs allen Versuchen, die 
ich angcstcllt habe. Der erste ßuclistabc ist entweder « oder w ; der zweite 
j (i) oder vielleicht d. Die dann fogondc Gruppe, die Herr Dr. M. mit 
einem Dschiin vergleicht, ist meiner Meinung nach entschieden: nt oder m ; 
l statt r hat hier wenig für sich; stände der erste Strich minder hoch, so 
könnte cs auch du oder dn sein. Die folgende grösste Gruppe hat zu Anfang 
deutlich ein j (i), das aber vielleicht auch d sein kann; dann ein unzweifel¬ 
haftes sch und schliesslich n oder w (u). Die vorletzte Gruppe ist entweder 
j(t) und k (</), oder dk (dp); die letzte ist An, welche Endung ich jedoch hier 
für oine Pluralcndung halte, nicht für die bekannte patronymischc. Der 
Schluss des langen und gewiss zusammengesetzten Wortes, könnte demnach 



112 Auszüge aus Briefen des Dr. Mordlmann in Conslanlinopel 


nicht anders zu lesen weiss, als: sehnst, 60 ')<; rechts ein Münzzeichen: 
,l 3 . Dieses Zeichen, welches man so häufig auf den Münzen sieht, möchte 
ich für den Anfang des Wortes Dinar halten 2 ). — — 

Für die Tapuristän-Münzen und die Münzen arabischer Statthalter in 
Persien wäre es vielleicht wünschenswert, zunächst eine vollständige Zusam¬ 
menstellung dessen, was arabische Schriftsteller darüber berichten, zu haben. 
Zu dem Ende werde ich aus der türkischen L'cbersetzung des Tarichi Taberi 
alle diese Länder betreffenden Artikel, so weit sie hierher gehören, übersetzen; 
vielleicht nimmt das Redactions-Comite diese Bearbeitung in die Zeitschrift der 
D. M. Gesellschaft auf. — Sollte sich in diesen Briefen etwas finden, was 
vielleicht für ein grösseres Publikum von Interesse wäre, so sind Sie natür¬ 
lich ermächtigt es zu veröffentlichen, zu verbessern, zu commentiren, zu 
widerlegen, wo und wie Sie es für gut finden. — 


2. Aus einem Schreiben vom 3. August 1317. 

Seit meinem letzten Briefe vom 13, v. M. habe ich wieder Gelegenheit 
gehabt, zwei Sammlungen sassanidischer Münzen durchzumustern, nämlich 
diejenige im Besitz des Herrn Brown, die ich noch nicht gesehen hatte, und 
eine Sammlung, welche der Antiquar, von dem ich ihnen neulich schrieb, aufs 
Neue acquirirt hat Ehe ich aber zu der Beschreibung dieser Sammlungen 
übergehe, muss ich nachträglich zu meinem vorigen Berichte zweierlei be¬ 
merken: 1. Die Münze von Tapuristan mit dem Namen Harith *) und die 
des arabischen Statthalters von Persien “), beide sehr merkwürdig, weil sie 


sein: schendegnin, ein passender Ausgang für eine Partioipialform, 

die dein Worte nmminin entspräche. Doch wäre auch möglich: schwei/rii« 

Oe 

(schweigini) oder sclmjegan, welches an die persischen Bildungen auf aj. oder 

e > , 

*ilj — erinnern würde, indem das sch jedenfalls von der Formations-Endung 
auszuscliliessen ist. Für die vorderen Haupttheile des Wortes fehlt es mir 
aber leider an jedem Anhaltspuncte. Dennoch habe ich die Ueberzeugung, 
dass das ganze Wort keine andre Bedeutung hat, als die angegebene, und 
bin deshalb sehr geneigt, die Münze dem 'Abd nllnh hin Zuheir zuzuschreiben, 
der, wie bekannt, bald nach Mu’awije’s Tode als Gegen - Chalife wider die 
Umajjaden auftrat und im Jahr 73. in Mekka getödtet wurde. Der Prägort 
mag vielleicht Baszra seyn, wo ’Abd alhih einen Statthalter hatte. 0. 

1) Die Schriftzüge, die Herr Dr. M. als die Zahl 60 deutet, sind nicht 
deutlich genug, um sie hier wiederzugeben. Ich möchte aber glauben, dass 
nicht sehnst zu lesen sei, sondern schesch sehnst, 66 ., und diese Zahl ent¬ 
spricht vortrefflich der Zeit des Chalifates von ’Abd alläh bin Zubeir. 0. 

2) Ich bezweifle die Richtigkeit dieser Deutung; doch sind mir die 

Gründe unbekannt, die Herrn Dr. M. zu seiner Vermuthnng veranlassen. — 
Es folgt hier in dem Briefe die Beschreibung dreier Gemmen mit pehlewi- 
scher Schrift, die ich für jetzt übergehe. 0 . 

3) Chdlid, wie ich meine; s. oben. 0. 

4) Vielmehr, nach meiner Meinung, des Chalifen ’Abd alläb. 0. 



an den Etatsralh Prof. Olshausen in Kiel. 113 

«och nicht beschrieben warfen, bisher im Besitz jenes Antiquars,- sind jetzt 
an mich übergegnngen. Als er sah, dass sic nicht sassonidischen Ursprungs 
waren, iiberUcss er sie mir ohne Schwierigkeit. — 2. Meine Vermuthung 
in Betreff der Münzen, welche Chosrocs I. und Chosrocs 11. zuzuschreiben 
sind, bat sich bestätigt; ich habe eine Münze in den Händen gehabt, welche 
die Jahreszahl 44 trägt und auf jeder Seite nur einen Tinnd hat. Die Be- 
schrcilmng derselben wird später folgen. 

Herrn Brown s Münzen sind : 

Artaxerxes I., 2 Stück, eine silberne und eine kupferne. 

Sapor I., 3 Stück. 

Varachron II., eine Gold - Münze, mit den drei Köpfen; onf dein Avers 

liest man bloss: Mazdicsn lag .; auf dein Revers: . Varaclirtln Jezdäni , 

vollkommen deutlich. - 

Narscs, vollkommen deutlich auf beiden Seiten. 

. Sapor II., 4 Stück., Ich muss hier wieder auf meine Vermuthung in Be¬ 
treff der Buchstaben zurückkommen, welche man auf dem Gestell des Feuer- 
nltnrs liest. Eine- dieser vier Münzen hat dort die Zahl 30, eine andere die 
Zahl 60. Eine dritte hat j rj j , was ich nicht verstehe. Die vierte endlich 
hat. an derselben Stelle gar keine Schrift, dagegen auf dem Avers zwischen - 
dem Worte Maztliesn und dem Diadem die Gruppe m . also vielleicht wieder 30.' 

Artaxerxes II., eine Münze. *. Aueh diese hat auf dem Altar- Buchstahen, 
vielleicht die Zahl sechs. Ich kann nicht läugnen, cs würde mir sehr leid 
tlmn, wenn Sie meiner Ansicht von der Bedeutung der Sebriftzüge an diesen 
Stellen keinen Beifall schenken könnten 

Sapor III., eine Münze; auch diese bat auf dem Altar Buchstaben, die 
aber .schon ganz abgescheuert sind. 

Varacliran IV., sehr undeutlich. , ‘ 

Jezdegerd. I. oder II., cbonso. „ 

Varachran V., ebenso; zwei Stück. 

I'eroses., 3 Stück; sehr hässlich. 

Dschämasp ; diese hat auf dem Revers links die Zahl 34; so lauge aber 
hat er nicht regiert, sondern höchstens 4 Jahre. Der Name Dschämasp ist 
jedoch unzweifelhaft. Soll vielleicht die Jahreszahl bloss 4 sein? Die Zahl 
30 ist sehr lose geprägt; dabei würde aber wieder zu bedenken sein, dass 
die Zahlen bis zehn immer aramäisch ausgedrückt werdep *). 

Chosrocs I., 3 Stück; eine hat die Zahl, 17, eine andere 34, die dritte 37. 

Cbosrocs II., zwei Stück-, beide mit der aramäischen Zahl 3. , ‘ 

Die neue Sammlung meines ^Antiquars enthält folgende Stücke: 

1 10 Sapor II.; aber nur eine hat auf dem Gestell des Altars erkennhnre 

Buchstaben, nämlich die Zahl 60. 

1) Ich halte die von Herrn Dr. Mi gelesenen Zahlen zum ’fheil . für un¬ 

zweifelhaft; s. oben. Die Präsumtion ist deshalb wohl dafür, dass hier über¬ 
all Zahlen stehen, obgleich natürlichen Weise das sichere Lesen derselben 
noch nicht immer gelingt. 0. 

2) Die Schriftzüge dieser Münze, die \Vir hier nicht wiedergeben, lassen 

über den Namen allerdings keinen Zweifel, lieber die Zahl 30 (hinter dem 
Worte vier) thcilc ich die Bedenken des Herrn Dr. M. " O. 

II. Bd. 


8 




114 Auszüge ans Briefen des Ur. Mordlmann in Conslantinopel 

1 Jezdegcrd. Auch diese Hat auf dem Feudraller Buchstabendie icb 
duazde(h) lesen möchte, also: 12 ’}. 

1 Peroses und 1 Vologescs (Valachnsch) , die nichts Merkwürdiges dar- 
bietenT 

4 Chosrocs I.-mit den Zahlen 13, 20, 33 und 44. Letzffcro hat auf 
jeder Seite nur einen Rand und berechtigt mich, alle ähnlichen Münzen Chos- 
roes I. zuzuschreiben, der 48 Jahre regiert hat. Die anderen Chosrocs-Münzei 
mit zwei Rändern auf dem Avers und dreien auf dem Revers, gehören Chos- 
roes II.-, der 38 Jahre regiert bat; auch habe ich keine Münze dieser Art 
mit einer höheren Zahl als 37 gefunden. 

5 Ilornnizd IV., eine mit der aramäischen Zahl 5, 2 mit der Zahl 6, 
zwei mit 10. 

12 Chosrocs II. mit den Zahlen: 5, 20, 28, 30, 33, 34 (zwei Stück), 
35, 37 (zwei Stück) und mit ju) v />, was ich nicht verstehe; 39 kann es 
nicht sein, da Chosroes II. nur 38 Jahre regiert hat; 32 habe ich auf andern 
Münzen gesehen in der Form': jj.u 2-3 ; es bleibt also nur 29 oder 31; in 
letzteren Falle wäre für die Zahl Eins nach die Pcblewiform aufzusuchen: 
29 ist mir daher das Wahrscheinlichste, obgleich ich da wieder nicht weist, 
wo das schliessende t geblieben ist 

Endlich noch eine Münze, die ich nicht verstehe. Sie gleicht auf dein 
Avers der Münze bei Longpericr T. XII. NI 1., doch ist der Kopf noch viel 
weiblicher; auf dem Revers aber ist sie ganz verschieden. Sie hat zwei 
Ränder und der Altar hat die Form wie LongperieFs T. XII. N. 2. Auf 
dem Avers sieht man links af&iiil und das gewöhnliche Münzzeichcn, rechts 
aber: pj Jj-Jj • Auf dem Revers links, wie mir scheint, die aramäische 
.Zahl 9. Was rechts steht ist mir unverständlich. 

Um den Münzherrn hcrauszuhringen, versuchte ich alle Sassanidcnkönige 
von Artnxcrxcs I. bis Jczdegerd III., .aber keiner wollte passen. Ich 1« 
endlich : vX-J^jJ, aber mit «: Jnzid; auch fehlt jedes Zeichen mubammedani- 
scher Oberhoheit 5 ). _ 

An neuen Sassanidcn- Münzen haken meine beiden Briefe gebracht: 

Jezdcgcrd mit der Zahl 12. 

Kobad , » » » 32. 

Dschämasp » > » 34. 

Chosroes I. » » » 13. 17. 20. 44. 

Hormuzd IV- >. > » 5. . 

Chosrocs II. » »- » 20.* 28. 32. 

•Dazu kommen noch die in dom vorigen Briefe erwähnten Chosrocs-Münzcn 

1) Die Züge sind nicht ganz deutlich, doch glaube ich, dass Herr Dr. AI. 

Recht hat., ... 0. 

2) Die Zahl 29 kann ich liier nicht linden. Die erste Gruppe gleicht 

der Sylbe du auf anderen Münzen ;, der folgende Buchstabe, j (i) oder d, 
ist mir an dieser Stelle unerklärlich; der Schluss scheint mir 30.zu sein. — 
lieber die Zahl der zwölften Münze sehweigt Herr Dr. M. 0. 

3) Ich kann nicht glauben, dass hier der Name Jezid zu finden sei, bin 

aber nicht im Stand«, Besseres vorzuschlagen. 0. 



an den Elalsralh Prof. Olshausen in Kiel. J15 

<lcs Herrn Brown mit den’Zahlen zwei and nc7il; aber damais wusste ich 
die beiden Chosroes noch nicht zu unterscheiden nnd habe seitdem die Münzen 
nicht wieder gesehen. Ich werde sie mir deshalb nächstens wieder aus- 
bitten müssen. 

Ich muss Ihnen jetzt noch eine neue Vermuthung milthcilen. Die jüngeren 
Sassanidcn - Münzen tragen auf dem Revers rechts Zeichen, die Sio unerklärt 
gelassen und einstweilen Miinzzeichen genannt haben. Ihre grosse Mannig¬ 
faltigkeit auf Münzen derselben Grösse und desselben Gewichtes, desselben 
Regenten, ja desselben Jahres, machte mich aufmerksam, und da Sie in 
einem- dieser Münzzeichen das Wort Iran gelesen haben, welches auch auf 
einer von den meinigen stellt, die ich noch Hamburg geschickt habe, und da 
überhaupt diese Zeichen da stehen , wo das Wort Tapuristdn zu stehen pflegt, 
so bin ich auf die Idee gefnthen, es möchten dieselben die verschiedenen 
Prägortc (oder Provinzen) bezeichnen. Bei' einzelnen Zeichen habe ich einen 
Versuch gemacht, und meine folgende abgekürzte Namen zu erkennen: Paris), 
IVischnch(j)itr), Is oder A$(pahAn), Ma(dain?), Aä(erbeujitn), Nach(reuän) 
oder Nach(schcbend) und Sag (Khages, Rej) 1 ). — — 

Die Auszüge aus dem türkischen Taberi über Tnboristdn habe ich begonnen 
nnd werde sic Ihnen nächstens über Bremen schicken. Sobald ich dieselben 
beondigt habe, werde ich nach jenem Schriftsteller eine Liste aller arabischen 
Statthalter in ’lräq, Persien, Chorttsän, Sistiin u. s.- w. anferligcn, in deren 
Angabe Taberi sehr sorgfältig und vollständig ist. 

- 3. Aus einem Seitreiben vom 18. August 1847. 

Vor einigen Tagen hatte ich das Glück, die Sammlung des belgischen 
Gesandten, Herrn Barons von Beh'r, durchzumustern, und da diese mir wieder 
einige Novitäten verführte, so will ich Ihnen die ganze Sammlung beschreiben. 


1) Dass die liier-besprochenen Zeichen auf die Prägorte Bezug hätten, 
habe ich stets geglaubt. Ls ist aber, sehr wichtig, dass cs Herrn Dr. M. 
gelungen ist, mit der Entzifferung einen viel versprechenden Anfang zu machen. 
Die Buchstaben pr, die er Pars liest, sind sehr deutlich. Die Gruppe für 
Niscliachpnr lässt mir noch einigen Zweifel; -es ist dieselbe, deren Züge ich 
mit einem kufischen jJJf verglichen habe. As (pah an) und die drei folgenden 
Gruppen sind wieder deutlich; wegen der letzten bleiben Zweifel. Unter den 
von Herrn J)r. M. mir mitgetlieiltcn 22 Gruppen glaube ich noch zu erkennen: 
l)n(mcghän), St(achr) = Sifstnn). Auch»jenes;Wort findet sieh 

darunter, welches ich früher senet gelesen und sowohl auf einigen Chusro- 
Münzcn gefunden habe’, als auf denen des ’Omar bin ’Ubcid alläh und des 
cl-'llaggäg bin Jäsitf; s. meine Schrift .über die Peblcwi-Legenden, S. 46- 
48. 67. Die Richtigkeit jener Le'sung und deren Deutung durch Jahr war 
mir längst bedenklich geworden, besonders seit dem "Erscheinen von Herrn 
Rcinaud’s Fragments relatifs ä l’Indc, die meine Gedanken nach Sind za- 
riiekführten, an welches ich allerdings schon früher .gedacht hatte, als ich 
die Gruppe snt untersuchte; doch meinte ich damals, so alte mohammedani¬ 
sche Münzen aus Sind nicht statuiren zu dürfen. Jetzt habe ich dabei wenig 
Bedenken und billige insofern, dass Herr Dr. M. die Gruppe hier mit aufge¬ 
führt hat; nur ist sie, wie ich glaube, kein abgekürzter Name, sondern ein voll¬ 
ständiger, eben: Sind, wie wir anderswo Iran und Kcrmän lesen. 0. 

8 * 



116 Auszüge aus Briefen des Dr r Mvrdhnann an Prof. Olshausen. 

Sic bestellt aus 45 Stücken, nämlich: 6 Ardeschlr'l., 6 Sapor ]., 2 Bahram 1. 
4 Bahrüm II., 1 Bahrain III., i Narscs, 1 Hormuzd II., 2 Sapor II., 2 Ar, 
deschir II., 1 Sapor III. Diese alle bieten in paläographischer Hinsicht nichts 
Merkwürdiges dar. Dagegen sind die folgenden nicht ohne Interesse. 

2 Bahrain IV. Eine derselben hat auf dem Fussgestell des Altars die 
Buchstaben U. ganz deutlich und schön; wenn cs eine Zahl ist, so 

kann cs nur acht sein. 

1 Jczdegcrd 1. Die Schrift auf dein Altar kann ich nicht lesen. 

Eine Münze , auf welcher der Name des Münzherrn undeutlich ist. Msn 
liest nämlich: yy . ■ pu/jj , womit ich nichts anzufangen weiss. Der Figur 
nach gleicht sic dem Vologeses hei Longperier, allein die Inschrift zeigt 
keine Spur, dieses Namens.” Eher möchte ich glauben, dass meine Äugen mich 
getäuscht hätten und Dschümasp zu lesen sei. Auf dem Revers steht links 
die Zahl vier ; rechts: ^ . 

2 Piruz; die eine mit Schrift auf dem Revers, die ich nicht erklären kann. 
1 Dschümasp mit deutlichem Namen ; auf dem Revers steht deutlich die. 

Zahl 13. 

, 1. anderer Dschümasp, aber unleserlich; die Rückseite hat links die 

Zahl 33; rechts steht: Irän.- 

3 Chosroes I. mit den Zahlen 7, 15, und einer, die auf 20 unSgchl '). 
1 Hormuzd IV. mit der Zahl 12. 

4 Cliosroes II. mit den Zahlen 6, ,12, 25 und 35. 

J Artaxcrxes III. mit der Zahl soll das vielleicht -jnN sein? 

Der Artaxcrxes III. bei Longperier hat die Zahl 2; da er nur 18 Monate 
regiert hat, so hätten wir aus beiden Regiorungsjahrcn Münzen von ihm. 

Ausserdem noch eine ganz ähnliche Münze, aber der München* ist ein 
anderer, dessen Namen ich nicht lesen kann. Der Kopf ist weiblich, wie 
der von Artaxcrxes MI; vielleicht ist auch hier zu lesen: Artuchsch...; alter 
die Zahl auf der Rückseite ist deutlich 6. 

Nun sind also in dieser Serie die drei Dschümasp', Chosroes I. mit dor 
Zahl 15, Hormuzd mit 12, Chosroes ‘ II. mit 6 und 12, und der Artaxerxcs III. 

.Ferner besitzt Herr Baron Bchr eine Gemme, worauf ein Halm; die 
pehlewiscüe Inschrift kann ich aber nicht deuten. 

Endlich halte derselbe drei Münzen von Taptiristün, die er mir über¬ 
lassen hat.- Zwei darunter sind von ChursChid; die eine tragt die Zahl !>t, 
92 oder 93; die andere ganz schlicht und schön geschnitten 100. -Diese bei¬ 
den Stücke sind jedenfalls neu. Die dritte Münze ist von ’Omar mit der Zahl 
129, also dieselbe, die Sie in Ihrer Schrift S. 19. beschrieben haben. 


1) Wegen der Zahl 7 bin ich nicht sicher. Die Zahl der letzten Münze 
scheint mir entschieden 22 zu sein', aber so geschrieben , dass die Trans¬ 
scription sein würde : . 0. 



Ueler Mespila bei Xenophon. 


117 


Mespila. 

(Xenopli. Anab. III, 4, 10.) 

Herr Professor I)r. Tuch hat in seiner schützbaren Abhandlung de Kino 
urhe die Identität von Xcno|>hon's Mespila und der berühmten Stadt Kinns 
scharfsinnig und überzeugend nachgewiesen. Die- Ruinen derselben werden 
dem heutigen Moszul gegenüber am östlichen Ufer des Tigris gefunden. Ucbcr 
den Namen Mespila äussert sich Herr Dr. Tuch nur unbestimmt, deutet jedoch 
au, dass er vielleicht von der semitischen Wurzel iö© abzulcilcn sei, „ ita 
ut voluisse quenquam nominis ignarura eo vocabulo locum dirutarum ruinarum 
de nomine intciTogantibus designarc arbitremur. “ Diese Erklärung möchte 
jedoch an sich wenig geeignet sein, Beifall zu erwerben, und wird durefi 
Nachwcisuug "der wahren Ableitung jenes Namens vermuthlich ganz beseitigt 
werden. Diese aber scheint näher zu liegen, als Herr Dr. Tuch gedacht hat. 
Die grosse Stadt Mespila ist nämlich längst mit ihrem alten semitischen Kamen 

G •» 

über den Tigris gewandert;, sie wird heutzutage Mauszil genannt, 

oder nach der jetzt gewöhnlichsten Aussprache Moszil, woraus unser in Eu¬ 
ropa übliches Moszul durch eine- unbedeutende Modification des letzten Vocals 
entstanden ist.' .Mauszil heisst: jtmeliohis locus-, hier ist der bequemste 
Vcrbindungspunct für die Landschaften an beiden Ufern des Stromes. Ein 
iVame, der sich auf ein so wichtiges natürliches Verbällniss bezieht, erhält 
sich an’ Ort und Stelle leicht durch alle Stürme der Jahrhunderte hindurch, 
und da derselbe wesentlich und zunächst an dem Uebcrgangspuncte selber 
haftet, so begreift man, dass er, auf den daneben nothwendiger Weise er¬ 
wachsenden ansehnlichen Wohnplatz übertragen, den verschiedenen Zeitver¬ 
hältnissen nach bald auf dem einen Ufer, bald auf dem andern .gefunden 
wird. Hieran möchte, auch wohl nicht leicht Anstoss genommen werden, wohl 
aber, wie zu befürchten ist, an dem anscheinend ziemlich grossen Abstande 
der Formen Mespila und Mauszil. Auch muss eingeräumt werden, dass nicht 
leicht Jemand versucht sein würde, bcide'Namcn znsammcnzuslcltcn, wenn 
sie sich nicht an demselben Vunctc begegneten. Da dicss nun- aber der Fall 
ist, so drängen sich folgende Bemerkungen auf. Mauszil ist erweicht ausMaw- 
szil, und die Lautgruppe aw hat nicht notbwendig überall und zu allen Zeilen 
in «u übergehen müssen, sondern wird häufig, wie z. B. bei den ’oiümnniscben' 
Türken, in ew umgcwandelt. Die Form Mespila nun deutet auf eine solche 
Modification in der Aussprache bin, und Alles, was dann noch daran abwei¬ 
chend erscheint, beschränkt sich auf die Versetzung dos Labialen und des 
Sibilanten und die Verhärtung des ersteren. Was die Versetzung anbetrilft, 
so ist diese Erscheinung, namentlich auch bei Sibilanten, so gewöhnlich, dass 



118 


Arhagk Ochompianou. 


cs genügen wird, hierauf Poll’s etymol. Forschungen, Th. Ii. S. 112. v.u 
verweisen. Eine solche Entstellung der ursprünglichen Form ist vielleicht 
nicht erst durch die Griechen verschuldet, welche uns dieselbe überliefert 
haben, sondern es ist auch möglich, dass sic dem damaligen Volksdialcctc 
jener Gegend angehörte. Die Verhärtung des w in p aber wird vermittelt 
durch die Annäherung des 10 an den Laut unsres f, welche aus der Stellung 
des w am Schlüsse der Sylbe vor dem harten sz von selbst folgt, filefszil, 
als lautliches Acquivalcnt von Mawszii in der Volkssprache gesetzt, verhält 
sich zu Mespila gerade wie das alt 4 hochdeutsche tvefsa zu dem lat. vespn 
und unserem Wespe; s. Pott a. a. 0. Uebrigcns ist die Verhärtung in diesem 
Falle gewiss erst 'nach der Versetzung eingetreten und cs ist keineswegs 
sicher, dass sie erst von den Griechen in das Wort bineingebraebt ist. 

Sprach man denn aber, zu Xenopkon’s Zeit arabisch zu Mespila? Dies 
wird dadurch nicht bewiesen , dass wir das Wort jetzt nur als ein 

arabisches kennen; aber warum Sollte man cs undenkbar linden, dass dem so war? 

.Olsbausen. 


Arhagk Ochompianou. 

I Wenedig - i söurb Cliazar 1842. 

(Fabeln des Olympinnos. Zu Venedig auf der Insel des heiligen Luzni'us.) 

Dio Mitglieder der hnikohischcn Akademie auf St. Lazaro bei Venedig 
fahren fort in ihrer nützlichen nach zwiefacher Richtung ausgehenden Thätig- 
keit. Sie suchen durch Abfassung neuer Schulbücher, durch Herausgabe einer 
belehrenden Zeitschrift in der Weise unserer Pfcnnigmngazine, sowie durch 
l'cbersctzung klassischer Schriften ans den alten und neuen Literaturen ihr 
weitzerstreutes tiefgesunkcncs Volk zur hölicrn Menschlichkeit emporzurichten j 
sie bemühen sich die verbliebenen und nach allen Wcltgegcnden zerfahrenen 
Reste der einheimischen Gcistescrzeugnisse vergangener Jahrhnndcrtc zu sam¬ 
meln und sio nach und nach der eignen IVntion- und der wissenschaftlichen 
Welt des Westens in die Hände zu geben. UcbcrdicS wirken sie auch zum 
Resten ihres Volkes vermittelst einiger nacli grossartigpm Masstabe angelegten 
Erziehungsanstalten,' die auf den reichen Vermächtnissen zweier Armenier in 
Indien, Rnjfhnel und Murnd, beruhen. Der letztere hat den Bewohnern von 
St. Lazaro zu diesem Ende 80,000 Pfand Sterling hintcrlasscn. Zwei Schulen, 
der hölicrn Bildung der armenischen Jugend gewidmet, sind zu Venedig; eine 
dritte wurde (1846)'von Padua nach Paris übergesicdclt; die österreichische 
Regierung wollte- nämlich den Mechitaristen, in Betreff.der Verwendung ihrer 
Geldmittel und des Lehrplanes, in Padua nicht die Freiheit gestatten , deren 
sie sich in Venedig erfreuen. Wir leben hier im Loinbardo - vcnetinnischen 
Königreiche, so sprechen die Armenier, als Fremde; wir sind Unterthanen 



119 


Arluiyk Ochompianou. 

der Pforte und keiner auswärtigen Macht steht das Recht zu von unsern in- 
nern Angelegenheiten Einsicht zu nehmen und sic zu überwachen. Die Ver¬ 
legung der reichen haikaniscii Lehranstalt nach Frankreich ist nicht hloss ein 
örtlicher Nachlheil für Padua, sondern auch in politischem Betrachte ein Vor¬ 
lust für den ganzen Kaiserstaat. Die Armenier sind ein in hohem Grade be¬ 
triebsames, ihre Verbindungen über das ganze Morgenland ausdehnendes Volk ; 
eine Befreundung mit ihnen kann einem grossen Staate, unter gewissen Um¬ 
ständen , viele Vortheile gewähren. Aus diesem Grunde hat sic auch .jener 
Mann scharfen Blickes, Napoleon, zur Zeit als alle klöstcrlichon Institute im 
Königreich Italien aufgehoben wurden, innerhalb ihrer Insel ruhig gewähren 
' lassen. Nur eine Veränderung des Namens verlangte man, damit scheinbar dem 
Gesetze Genüge geleistet werde. Die Mechitnristcn nannten jetzt (1806) ihren 
geistlichen Verein Akademie und bestanden unverändert fort in ihrem her¬ 
kömmlichen. Wirkungskreise. Dies ist der Ursprung und Grund des Namens 
der Armenischen Akademie auf St. Lazaro. 

Die Bewohner der Alpcnlandsoliaflen vom südlichen Abhänge des Caucasus 
bis licrah über Mesopotamien, von den Gränzen der Perser bis zu den Ländern 
Klcinasicns, die Georgier, Albanier und Armenier, traten seit ihrem lieber-,, 
triltc zum Clirislcntliuin inr vierten und fünften Jahrhundert u. Z. nach ihren 
religiösen und geistigen Beziehungen in innige Verbindung mit dem byzantini¬ 
schen Reiche. Ein grosser Theil der griechischen Literatur, sowohl weltliche 
wie geistliche Erzeugnisse —; sic finden sich, so- weit sic vor zolin Jahren 
bekannt waren, sämuitlicli verzeichnet in meiner Geschichte der armenischen 
Literatur — sind in die Jiaikanisclic Sprache übertragen worden. Armenische 
und syrische Gelehrte waren cs auch., welche im achten und neunten Jahr¬ 
hundert, durch Uchcrsctzungeii ins Arabische, allen Völkern muselmanischen 
Glaubens die philosophischen und geographischen Werke der Griechen, Aristo¬ 
teles und Plolciuäus, als Bildungsschule Iiinslclllcn. Die Mechitaristen za 
Wien wie die in Venedig —' crslcrc freilich'in viel geringerem Grade — 
gehen fort auf dieser geschichtlichen Bahn der geistigen Vermittlung zwischen 
dem Abend- und Morgcnlnndc. Der geistliche Verein in der österreichischen 
Hauptstadt, welcher früher bloss deutsche Erbauungs - und Gebetbücher ver¬ 
breitete, hat während der letzten Jahre mehrere nützliche Werke im Arme¬ 
nischen, theiis in der Bücher- lliciis in der Volkssprache, hcrausgcgcbcn. So 
unter andern Volkstümliche Bücher über alle Zweige der Naturwissenschaften, 
über Gcograplife und Geschichte. Es scheint die Männer in Wien tin Geist 
der Nacheiferung mit-St. Lazaro ergriffen zu haben, welcher, bleibt mpn in¬ 
nerhalb des literarischen Gebietes,, bloss zum Segen wirken kann fiir die'Heran¬ 
bildung des armenischen Volkes wie des Morgenlandes im Allgemeinen. Alan 
übersetzte und druckte zu Wien (1S43) das Leben ausgezeichneter Fcldherrn 
von Cornelius Nepos, Ciccro’s. Gespräch, Cato der Acltcrc oder vom Älter 
überschnellen, und Xcnophon's Cyropädie in die armenische Schriftsprache. 
Selbst eine alte Ucbersclzurig, angeblich aus dem fünften Jahrhundert, die 
Catcchcsen des heiligen Cyrillus in armenischer Spräche sind (1832) aus der 
Druckerei der Mechitaristen zu Wien ltervorgegangen. 

‘ Grossartiger und ausgedehnter ist freilich in jeder Beziehung die Thätig- 



120 


Arhagk Ochcmpianou. 


keit der Akudemiker auf St. Lazaro. Sie haben in. den neusten Zeiten, abge¬ 
sehen von einer Menge Werke aus modernen Sprachen, die Aencide, die 
liias und Odyssee — eine Uebersetzung Homers aus dem fünften oder sechsten 
Jahrhundert ist verloren gegangen — ins Haikanischc übertragen, Arbeiten 
die nächstens auch hn Drucke vollendet sein werden. Die Sendboten der mit 
der lateinischen Kirche verbundenen Vater zu Venedig richten, seit der Grün¬ 
dung des Ordens, ihre Aufmerksamkeit in nicht minderem Grade auf die 
Literatur wie auf die Bekehrung ihres Volkes. Man erzählte mir vor kurzem 
auf St. Lazaro -dass einer ihrer Genossen bloss in wissenschaftlichen Aufträgen 
Haiasdnn, das Land der Väter, bereise; er habe in den dortigen Klöstern 
bereits einige neue unbekannte Schätze der alten Literatur aufgefunden und 
sei jetzt, weil die Handschriften nicht verkäuflich wären, damit beschäftigt 
sic abzuschrciben. Aus Indien erhielt man vor wenigen Jahren eine alte hand¬ 
schriftliche Uebersetzung mehrerer Werke Platons — (die übersetzten Bücher 
des Aristoteles sind bekannt und an zwei Orlen, zu Etschmiadsin und St. 
Lazaro, im Drucke erschienen) — nämlich die Gesetze, den Minos, den Eu- 
hyphron und den Timäus. Der Tiinäus ist von Gregorius Magistros, in der 
ersten Hälfte des elften Jahrhunderts , übertragen worden. Die andern Ge¬ 
spräche stammen, wie die Armenier behaupten, aus dem fünften Jahrhundert, 
was sowohl in Betreff der liöhcrn wie der niedere Kritik der Gesetze und 
des Minos, an deren Acchtheit bekanntlich einige Altertliumsforsclier zweifelten, 
von einiger Bedeutung zu sein scheint. Alan sollte dergleichen Hilfsmittel 
nicht so sehr vernachlässigen, wie dies gewöhnlich geschieht. So würde 
Herr Karl Müller, welcher int vorigen Jahre das Leben Alexanders in grie¬ 
chischer Sprache vom sogenannten falschen Callisthenes (hinter der bei Didot 
erschienenen von Hühner besorgten Ausgabe Arrian’s) heruusgegeben hat, 
aus der armenischen Uebersetzung dieses Werkes, jiätte er sic iin Einzelnen 
benutzt, manchen Vortheil gezogen haben. Es ist ihm seihst meine Receusion 
dieser Geschichte Alexanders des Mucedoniers in unsern Gelehrten Anzeigen 
(1844 No. 250 — 252) entgangen, obgleich sie bereits der Franzose Michel- 
lant, in seiner Ausgabe der Romans d’ Alexandre (Stuttgart 1846), kannte 
und sie (Vorrede XI.) gegen Letronne, welcher aus sprachlichen Gründen 
den griechischen Callisthenes dem siebenten Jahrhundert zusebreibt, mit gutem 
Erfolge benutzte. Wer sich mit solchen durch alle Völker und Zeiten gehenden 
Werken wie das Leben Alexanders beschäftigt, muss sieh, will er Genügendes 
leisten, eine welthistorische Uebersicbt des ganzen Stoffes zu ersterben suchen. 

In der Geschichte der armenischen Literatur und in dein Verzeichnis« 
der ursprünglichen oder übersetzten Quellen, aus welchen die Herrn auf 
St. Lazaro ihr grosses Haikanisches Wörterbuch schöpften, wird man vergebens 
die Fabeln des Olympinnos suchen. Die Mecliitaristen haben sie erst, so 
sagte man mir (September 1847) auf St. Lazaro, vor einigen Jahren in einem 
Codex, der allerlei kleinere Werke enthielt, gefunden und halten sie für ein 
äehteS Erzeugnis.« der sogenannten heiligen Ucbcrsctzer aus dem fünften Jahr¬ 
hundert. Meine Entgegnung dass inan in diesem Falle dies in einer Vorrede 
hätte bemerken und die Handschrift beschreiben sollen, was in der gedruckten 
Ausgabe nicht geschehen ist, wurde begründet .gefunden. Man wird wohl ge- 



Arhagk Ochompianou. 


12 L 


lcgcntlich dies Versäumnis« nacliholcn. Der Unterzeichnete hut keinen Grund 
einer Aussage der armenischen Väter zu misstrauen, obgleich cs natürlich 
Jedem sehr auffallend erscheinen wird dass sich nirgendwo oine Spur von 
einem griechischen Fabeldichter, nicht einmal .von einem byzantinischen der 
mildern Jahrhunderte mit dem Namen Olom oder Olympianos findet. Auf 
jenen guten Glauben hin hat man sich der Mühe unterzogen die angeblichen 
armenisch - griechischen Fabeln etwas genauer zu .untersuchen. Die Ergeb¬ 
nisse dieser Untersuchung sollen hier kurz zusammengefasst werden. 

Die drei und zwanzig Fabeln des Olympianos stehen hinter der neuen 
bereits 1842 erschienenen Ausgabe der bekannten Fabeln des Mechitar Kosch. 
Sie sind in einfacher schmuckloser Sprache vorgetragen und enthalten wenig 
Neues; die Stoffe kommen bereits unter den äsopischen Fabeln vor, nur fehlen 
hier die l'eberschriftcn. Aus der 2t. Fabel scheint hervorzugehen dass die 
Sammlung von einem Christen herrührt. Ein Dieb,- so erzählt sic, wurde 
eingefangen. Man stellte auch die Mutter vor Gericht, um über die Person 
des Räubers Sicherheit zu erlangen. Der Sohn misshandelte sie und biss sie 
in die Nase. Warum thust du das, du Schändlicher, fragte der König? Hätte 
sie mich nicht zum Stehlen erzogen, entgegnete der Räuber, so wäre ich 
jetzt nicht gefesselt. Hierauf licss der König ihn los und die Mutter in Bande 
schlagen. Aus dieser Erzählung, setzt der Fabeldichter hinzu, kann man 
lernen dass Ellern, wenn sie ihre Kinder nicht zur Gottesfurcht erziehen , um 
jüngsten Tage für deren Sünden einstehen müssen. 

Die erste Fabel ist die bekannte von der Amme und dem Wolf. Se¬ 
bastian Ilrant erzählt sie nach Avianus von der Bäuerin und dem Wolf (Eso- 
pus’ Leben und Fabeln mit sammpt den Fabeln Aviani, Adclfonsi und etlichen 
Schimpfreden Pogii. Darzu AusszKgc schöner Fabeln und Krempeln Doctors 
Sebastian Brant. Friburg im Brissgau 1545. 4. S. 81.) und beginnt mit 
folgenden Worten: Welche Weibs Worten geiauben wcllcnl, die werden gar 
offt betrogen. Im Armenischen lautet diese. Fabel nach einer wortgetreuen 
EÜbersetzung folgendermnsscn; 

Amme sprach zum Kinde, als cs weinte: Bist du nicht stille, so werd 
ich dich nehmen und dem Wolf hinwerfen. Der Wolf hört die Worte und 
hofft auf den Ausgang der Drohung. Bis zum Abend bleibt er stehen, um 
das Kind zu bekommen. Abend wars, das Kind fiel in Schlaf und der Wolf 
muss diesen Tag ohne Beute zuciickgehcn. Seine Frau fragt nach dem Grund 
und-er antwortet: Ich habe einem Weib getraut und bin betrogen worden. 

0 du glaube ihnen nicht, denn sie sinnen alle auf Künste; ihre Gnaden 
wie ihre Hoffnungen sind .Worte. 

Die zweite Fabel handelt von der Schildkröte und dem Pferde. Die Moral 
ist, man solle nicht in allen Stücken der Natur der Dinge vertrauen, sondern 
Fleiss und Sorgfalt anwenden. Die dritte Fabel erzählt von dem in die Jungfrau 
verliebten Löwen. Die Moral ist, niemand solle seine natürlichen Waffen 
ablcgen. 

Die vierte Fabel will ich ebenfalls "wörtlich mitthcflcn. 

Das Wiesel verliebte sich in einen Jungen. Es bat die Venus ein schö¬ 
nes Weib zu werden; cs erlangte seinen Wunsch, das Wiesel Schien ein 



122 


Ueber das Würfelspiel bei den Indem. 


Weib. Es sprach mit dem Geliebten, Hochzeit wurde gehalten und Gesang 
und Spiel herrschten im erleuchteten Saale. Da lief eine Maus herum; als¬ 
bald sprang das Wiesel nach, um sic zu fressen. 

Die angebornen Triebe sind unüberwindlich; sie beherrschen Alles. 

Es ist dies die 32. Fabel des Eabrius, welche beinahe wörtlich mit der 
bei Olympianos übercinstimmt. 

Va).jj 710 z ’ drSpos evnoenovs tQaofrtior) , 

SiSlOOl OEUvfj KvTtQIS , V tl69'0}l‘ flJ X^Q , 
fioQtffv itfieTyiat xai I.aßelv yvvaixeh t v 
■s.al.rjs yvvatxos, ’]S xis ovx l'ycov i,Qa, 
iScbv 8’ ixeiros (tv ftenei yan fj).cbxei) 

■/an f:ii' /uoäj.fv . fnuh'ov 8e rov SciTtvOv 
'TianiSnauFV /tvs‘ xov Se xi/s ßad'voxQibxun 
xaxaßäoa xoirps ineSlcoxev ?; vvne/r. 

/anov Se 8a£xrj Äi/.ieo , xai xal.eoe eiat&as 
eqcos ctTtiji.d'e • er /von yan veefdr.. 

IInot xovs eijv (fwoiv xmv ttqayfiäemv ÖQciv ros t’/ei prj ßovl.ofievovi, 
t jj Se xovxcov (feine naia nkavcofievovs i'Xeyxov o t uv9~os i’/ei. 

Der Text ist nach Lachmanns Ausgabe gegeben. Im ersten Druck dieser 
Fabeln von Boissonadc ist gleichwie im Armenischen die Moral hinzugerügt, was 
bekanntlich bei den alten griechischen Fabeln so wenig wie in denen der 
östlichen Völker Brauch ist. 

So viel mag hinreichen zur Bestimmung des Wer Dies dieser Fabeln. Man 
halt eine ausführliche Besprechung der noch übrigen 19 Fabeln nicht für noth- 
wendig. Es sind zum grössten Theile ganz bekannte Geschichten, die ohne 
Zweifel, wie so vieles Andere, mag nun der Verfasser selbst ein Grieche 
gewesen seyn oder nicht, vom griechischen Boden nach Armenien verpflanzt 
wurden. Mit Vergnügen wird man Jedem, den dieser Fund interessiren sollte, 
nähere Auskunft ertheilen. Es könnte selbst eine vollständige Uebersetzung 
der Fabeln mitgetheilt werden. 

N c u m a n n. 


Ueber das Würfelspiel bei den Indern, 

insbesondere zur Erklärung 1 von Nala 7, 6. und 20, 38. 

In der Erzählung von Nala’s Unglück im Würfelspiele übernimmt Kali 
die Hauptrolle. Er kommt in Begleitung Dwapara’s, um Damajanti zum Weibe 
zu begehren, ergrimmt darüber, dass diese bereits den Nala gewählt, und 
verbündet sich mit seinem Begleiter, um sich an Nala zu rächen. Der Dich¬ 
ter lässt ihn zu Dwapara sprechen: ich will ihn (Nala) vom Throne stürzen, 
er soll nicht glücklich seyn mit Bhima’s Tochter; und auch du magst mit 



Lieber das Würfelspiel bei den Indem. 


123 


dazu beliülflich scvn, indciii du dich in die Würfel machst (nkslidn samäviyn). 
Man kann sicli wundern, nicht hloss dass liier göttliche Wesen nuftroten, 
deren Namen zwei Wcltpcriodcn bezeichnen, sondern auch dass von Kali 
das Mittel des Spieles und zwar ohne alle nähere Begründung oder Beziehung 
gewählt wird, dass Kali’s Holle schon im Voraus bestimmt scheint und nur 
diejenige Diväpara's noch besonders bezeichnet wird. Wenn Kali nichts an¬ 
deres ist, als die Zeit der Verschlechterung; das gegenwärtige Wcltaltcr, so 
bleibt dieses Alles unverständlich und ermangelt der dichterischen Begründung. 

Es ist mir nicht' bekannt, dass diese Iliirtc bis jetzt irgendwie beseitigt 
worden wäre. Indessen liegt das Mittel zur Lösung des Knotens schon in 
dem Namen Kali’s. Kali bedeutet nämlich nicht nur „Streit, Zwietracht“, 
wovon wohl der Name des Zeitalters entlehnt ist, sondern auch eine gewisse 
Nuss (sowie von der Aclinlichkcit der Form „ die geschlossene Knospe einer 
Illuinc“, ebenso Kaliko; Kalikörn ein nüssetrngendes Gewächs u. s. L), die 
Nuss des Kalidruma, des Kali-Baumes, welcher sonst vihhitahn und in den 
ältesten Büchern vibhidaha genannt und von den englischen Botanikern als 
die Terminalia licllcPica bestimmt wird. Diese Nüsse des Vibhitaka haben 
die Grösse einer Muskatnuss und sind nach Abnahm der äusseren Bedeckung 
beinahe rund mit fünf nicht scharf eingedrückten Seitenflächen. Eine Abbil¬ 
dung des blühenden Zweiges und einer Frucht dieser Terminalia, sowie die 
Beschreibung des Baumes findet man bei ltoxburgh (Plants of the Cönst of 
Coromandcl II. p. 54. und PL 19S), welchem meine Angaben entnommen sind. 

Die Nüsse dieses Baumes wurden in den frühesten Zeiten als Würfel 
zum Spiele gebraucht, wie aus deill — zur Litt. u. Gesell. S. S erwähnten — 
Liede des Spielers Kavasha im Rigweda hervorgeht, wo cs heisst (X, 3, 5, 
t): „wie der Genuss des auf Bergen gewachsenen. Soma, so lupt mich der 
aufregende Vihhidnkn — die Früchte des Baumes, die Würfel, wie die Er¬ 
klärer Sajana und Durga sagen — gedeckt d. h. berauscht“; und die Be¬ 
nutzung gerade dieser Nüsse für das Spiel war so ausschliesslich, dass in 
einem Liede Wasishtha’s vihhidnba geradezu für „ Würfel oder Spiel“ steht 
(VII, 5, 16f 5): „cs ist nicht dev eigene Wille (des Menschen), o Warunn, 
cs ist das Geschick, cs ist der Wein, der Zorn, die Würfel (viltlfi'(Iaht), 
die Unbesonnenheit: cs gibt einen Mächtigeren über den Schwachen.— der 
Schlaf selbst ist ein Förderer des Unrechten". Kali bedeutet also schon 
nach dieser Nachweisung einen Würfel und macht das Auftreten der Person 
eines Kali in dieser Begebenheit mit Nala. erklärlich." 

Noch "nähere Aufschlüsse über die Einzelnlicitcn der Nala-Sage lassen 
sich aber aus den Bemerkungen des Erklärcrs Mahidhara zu der Vügas - Sanhitä 
10, 28., einer von A., Weber iin zweiten Hefte seines Spccimcn S. 169 mit- 
gothciltcn Stelle, gewinnen. 1Js ist-zwar in dieser Anführung leider eine 
Auslassung'an der Stelle, wo von den Fällen gesprochen wird, in welchen 
der eine oder andere .der beiden Spielenden gewinnt, doch lässt sich das 
Wesentliche der Form erkennen, welche das Spiel zu jener Zeit hatte. Mit 
fünf Würfeln wird geworfen. Viere heissen Krim, der fünfte heisst Kali. 
Sic scheinen nur auf Einer Fläche bezeichnet gewesen zu scyn, weil von 
eineni Fallen (des Zeichens) „nach. oben oder nach unten“ die Rede ist. 



124 


Lieber das Würfelspiel bei den Indern. 


In einem bestimmten Falle nun konnte die Lage des Kali allein nach oben, viel¬ 
leicht wenn die bezciehneten Flächen der übrigen Würfel ungleich zu liegen 
kamen, zu Gunsten des Einen der Spieler entscheiden. Davon heisst es, dass Kali 
die übrigen Würfel besiege (sarvnn nkshün abhiblmvali); insofern war er der 
Uauptwiirfel. Dass aber nicht nur zu Mahidliarn’s Zeit, oder auch früher, 
als man neben die Formel der Vägas - Sunliilä die symbolische Bezeichnung 
mit fünf Würfeln reihte (s. die angegeb. St.), sondern schon im Alterthume 
ein solcher -Hauplwürfel gebräuchlich war, zeigt in dem angeführten Liede 
Kavasha’s der Schwur (v. 12): „ dem Anführer eures mächtigen Haufens (ihr 
Würfel), dem Könige der Versammlung, dem Ersten — ihm verkündige ich 
das wahre Wort, bei den zehn ausgestreckten Fingern (meiner Hand): ich 
will (euch) meine Habe nicht mehr dnhingeben, ich weigere sie! “ 

Dieser Hauplwürfel heisst in der Erzählung von Nnla’s Spiele 7, 6. „der 
Stier“ (vrislia) unter den Kühen. Es ist also auch die Vermuthung A. VV. 
Schlegels zu der Stelle (s. Bopp Anm. z. IN’ala S. 214.), dass dort statt Ka- 
li$ caiva, Dväparag ca zu lesen wäre, — auch in der neuesten Verdeutschung 
des Mahl wird sic für unstreitig gehalten t — keineswegs richtig; vielmehr 
ist Kali seiner ursprünglichen Bedeutung gemäss der vrislia, das Haupt der 
Heerde, üwäpara wohnt in den übrigen Würfeln. Wenn Kali in dem Würfel 
wolmt, so kann ihn der Dichter nicht wohl auch zugleich „ in den Nala ge¬ 
fahren “ scyn lassen, wie die Ucbersctzungcn annchincn , sondern V. 4. naht 
er sich nur Nala und Puslikarn , nachdem er lange auf eine Gelegenheit ge¬ 
lauert hatte (auch das ävishta V. 16. kann nicht wohl heissen „ unter Kali’s 
Gewalt stehend “). Allerdings hat der Ordner oder Interpolator des Gedichtes, 
welcher im zwanzigsten Gesänge auf so plumpe Weise den Kali und das 
Gift der Schlange zugleich aus IVala wieder hcrausschaflcn zu müssen glaubte, 
ebenfalls an ein förmliches Böscsscnseyn Nala’s durch Kali gedacht. Er hat 
damit eine grobe Deutlichkeit erreicht, wie sic immer von späteren Sagcn- 
bildungcn und Ausschmückungen gesucht wird. 

Nach dieser Ausführung also gewinnt die Erscheinung Kali’s in der Ge¬ 
schichte Nala’s eine vollkommen sichere und schone Bedeutung. Kali hat 
cs auf Nala abgesehen, das heisst der Würfel soll ihm Verderben bringen. 
Sofern nun .Kali zu jener Zeit schon Name auch des Juga, der W^ltpcriodo, 
war und noch dazu der andere Würfelname,'Krita >), auch in der Reihe der 
Jugaheneiinungcn vorkömmt, so wurde die Sage darauf geführt den Kali in 
dieser Weise zu personißeiren. Wollte sie. dem Kali noch einen Gefährten 
geben, so wäre es aHerdings an» 'Nächsten gewesen, dem Krita Juga selbst 
diese Stelle zu überweisen-, es lief aber wider das Gefühl des Dichters, 
dass das goldene Alter die schlechte Rolle übernehme^ sollte, -und er wählte 
den Dwäpava. Dem indischen Hörer des Gcdiehtes war' diese Doppelheit der 
Bedeutung Kaffs geläufig, für ihn war also die künstliche Verwechslung ein 


1 ) Dass diese Benennung der Würfel eine alte scy, lässt sich durch 
das Vorkommen derselben iiu Rigwcda — allerdings in dem jüngeren Theile 
desselben — darthun. X, 3, 13, 9. 4, 1, 5.' 



Neue Sanskrit ■ Literatur. 


125 


Heiz der Erzählung, wahrtem! für uns bisher in dem unbegründeten Auftreten 
der Personificalionen zweier Zeitalter eine durch keinen Doppelsinn gemilderte 
Unnatürliclikcit liegen musste. 

Der bedeutendste Gewinn entspringt ausserdem aus den gegebenen Nach¬ 
weisungen über Kali für das Vcrständniss und für die kritische Reinigung des 
durch eine Menge von Zusätzen entstellten zwanzigsten Gesanges. Nun er¬ 
klärt sich, warum dort Nala (V. 16 flgg.) wie durch magische Gewalt sich 
zu dein Vibhitaka liingczogcn fühlt trotz der Abmalmung des eilenden Ritn- 
parna. Zählen muss er Früchte und Blüthcn des Baumes; die Zablenkunst 
ist mit der Kunst des Würfelns durch jenen ganzen Gesang hindurch zu- 
sommcngcstcllt. So überwindet er gleichsam den gefährlichen Baum durch 
dasselbe Mittel, durch welches eben der Vibhitaka Urheber seines Unglücks 
geworden ist. Nachdem er so durch unmittelbare Uebung, sowie durch Mit¬ 
teilung von Seiten Rituparna’s Meister der Zahlen und Würfel geworden ist, 
wird Kalis Macht, der seinem Wesen nach nur dem jener Künste unkundigen 
beikommen konnte, gebrochen und er weicht von Nala. Und zwar flieht er 
eben in den Vibhitaka - Baum, in seine ursprüngliche Heimnth (v. 38. 41.).' 
Dass ein späterer Vers (43) den Kali noch „nach Hause“ gehen lässt, ist 
wohl daher zu erklären, dass ein Uebcrarbeiter, welchem der Doppelsinn von 
Kali sehr verwischt oder ganz unbekannt war, mit dem Wcltalter Kali in 
einem Vibhitaka - Baume nichts anzufangen wusste und cs darum noch irgend¬ 
wo andersliin, nach Hause bringen wollte* Auf jeden Fall erhellt aber aus 
dem Vorhergehenden, dass Bölitlingk (in der Chrestomathie) nicht wohl ge¬ 
tan hat gerade die beiden Verse zu streichen, welche vom Eingehen Knli’s 
in den Baum reden.'— 

R. Rot h. 


Pantschatantrum sive Tfcuinquepartitum de moribus exponens. Ex 
codicibus, manu scriptis edidit commentariis criticis auxit J. 
G. L. Kosegarten. Bonnae impensis H. B. Koenig. 1848. XII, 
268 S. 

Wir erhalten hier die erste vollständige Ausgabe des durch seine weile 
Verbreitung berühmten Fabelbuches. K. hat seiner Kccension eine Verglei¬ 
chung von eilf Handschriften zu Grunde legen könneri. Auch bei diesem 
Werke wiederholt sich der in indischer Liltcratur so liäuhge Fall Von zwei 
verschiedenen DiaskeAasen, nur dass auch" innerhalb einer jeden der beiden 
Familien die Handschriften nicht immer zusammenstimmen. Die einfachere 
Recension wird durch sechs, die "ausführlichere durch fünf Handschriften ver¬ 
treten ; K. hat jene abdrucken lassen, mit dieser stimmt meistens die arabi¬ 
sche Bearbeitung, das Buch Kalila. Mit Sicherheit wird übrigens daraus al¬ 
lein noch nicht zu schliessen seyn, was K. vermutbet, dass der ausführlichere 
Text der ältere sey. — Die einzelnen Bücher haben die Ueberschriftcn: 1) 
vom Bruche der Freundschaft (mtfrobfiedre) mit 21 Erzählungen; 2) vom 
Schliessen der Freundschaft (milrosomprdpti), sechs Erzählungen; 3) von der 



126 Neue Sanskrit - Literatur. — Ueber Nerthus bei Tacilus. 


Krälie und Eule ( Kakolülija ) d. b. von der Feindschaft, sechzehn Erz.; 4) wie 
inan (durch Betrug Anderer) um ein Gut gebracht wird (ItibdhapranA^a), eilf 
Erz.; 5) von der Unbesonnenheit, fünfzehn Erzählungen. — Ein Commentar 
soll folgen. R. R. 


De Accentu compositoruin Sanscritorum auctore S. Th. Aufrecht. 
Bonnae, H. B. König-. 1847. XIV. 80. S. 

Die Schrift will die Lücke ausfüllen, welche Bühtlingk’s Arbeit über den 
Accent gelassen hatte, indem sie die Betonung der sanskr. Wortzusammen¬ 
setzungen nach Panini darstellt. Sie ist mit vielem Fleisse gearbeitet, be¬ 
handelt die Zusammensetzungen nach der sonst in der Grammatik gebräuch¬ 
lichen Ordnung und es gereicht ihr zu grossem Yorlheilc, dass der Verf. 
nicht ausschliesslich an den Grammatiker gebunden war, sondern die accen- 
tuirten Texte des ersten Ashtaka vom Rigweda, des Samaweda und der Wüga- 
•saneja Sanhita benutzen konnte. An Deutlichkeit würde sie gewonnen haben, 
wenn der Verf. .deutsch geschrieben hätte. R. R. 


F. Neve, professeur ä la facultd des lettres de l’universite de 
Louvain, Essai sur Ie mythe des Ribhavas, premier vestige 
de Fapothdose dans le V6da, avec le texte snnscrit et la 
traductiou frangaise des iivmnes adressds a ces divinites. 
Paris, B. Duprat 1847. XVI. 479 S. (10 Fr.) 

Das Buch ist eine fleissige Arbeit, in welcher Alles benutzt wird, was 
aus den Weden oder über dieselben veröffentlicht ist. Dass man über ein 
einzelnes Mylhologein, das nur in eilf wedischen Hymnen behandelt wird, 
ein Werk von solchem Umfange schreiben kann, Jiirfte billig in Erstaunen 
setzen; der Verf. hat aber die Gelegenheit benutzt, über wedischen Cultus, 
einzelne sittliche Begriffe in den Weden und Anderes ausführlich zu handeln. 
Dankenswerth ist, dass der Verf. den Text jener.Lieder und Säjana’s Glosse 
hat abdrucken fassen. Den Kern der Arbeit, die Sage von den Ilibhu, hoffe 
ich in dieser Zeitschrift einmal näher besprechen zu können. R. R. 


Geber Nerthus bei Tacilus, Gerat, 40. 

Im Sanscrit müsste das Wort, den Gesetzen der Lautverschiebung zufolge, 
nothwendig nritus oder nrctiis lauten, vorausgesetzt, dass Tacitus dasselbe 
genau wiedergegeben hat. In der zweiten Auflage des Wilson’scben Wörter¬ 
buchs ist nun wirklich unter den Bedeutungen von nritus auch aufgefübrt the 
carth; und es käme bloss noch darauf an, nachzuweisen dass und wo das Wort 
wirklich in dieser Bedeutung gebraucht wird. In der ersten Auflage findet sie sich 
noch nicht und in der zweiten fehlen bekanntlich die Autoritäten. Das 'Wort 



Biblico ■ Philological Institution. 


1 17 

ist bei Wilson als Masculihum angegeben, in Jen Vnndi- Affixen (s. Böhtlingk 
In. AIT. S. 224) wird es ebenfalls durch nartnhi (Tänzer) erklärt, fn einer 
Stelle des Rigvcda aber (Rosens Rigv. Hyinn. 92, 4.) ist cs weiblich. Die 
angegebenen Bedeutungen: Tiinzcr, Enie, Murni, scheinen sich auf kreisför¬ 
mige Bewegung, kreisförmige Gestalt zurückführen zu lassen, und man hätte 
somit zur Bezeichnung der Erde die einfache sinnliche Anschauung — das 
Rund , den Umkreis — gewählt. . Es ist kaum niithig, die Andeutung hinzuzu¬ 
fugen , dass die Erde in den Veden an mehr als einer Stelle Mutter genannt 
wird, wie Nerthus terra inater. 

.München, im Oetober 1S47. 

Dr. Conr. Rofmann. 


Biblico - Philological Institution. 

15, Exeter llall, Strand, 

ist der Name und die Adresse einer dem Studium der Bibel gewidmeten Ge¬ 
sellschaft, gebildet zu London im Herbst 1846. Sie will — so besagt das 
Motto ihres ersten Programms vom folgenden Jahre — „2vufdo/.oye7v, 
ovpsvd'ovoia.t.eiv, ovva/.rd'i.vi'AV iv ayujtr und mit Lord Bacon ruft sic 
ebendaselbst sich und andern zu: „Let no man tipon a wedk conceit of So¬ 
ciety, or an Ul applied moderation , thinlt, or maintain ihat a man can 
search too far, or he too well studied in the book of God's tvord. Halber 
let men endeavour an endless progress or proficicncy therein.“ Sie geht dann 
weiter von dem Satze aus, dass kein menschlicher Geist, einzeln genommen, 
die verschiedenartigen Theile der mit geschichtlichen und geographischen That- 
sachen eng durchwehten Masse geistiger WahrheitA, welche die Bibel ent¬ 
hält, gleichmässig zu durchdringen vermöge, und doch noch nirgends eine der 
Grösse des Gegenstandes entsprechende Anstalt zu vereintem Streben nach 
jenem Ziele — der allseitigcn Erforschung des Inhalts der Bibel — zu Stande 
gekommen sei. Desswegen wurde beschlossen: 

„That a Society be formed for the furthcrancc of this object, and that 
it bc intitlcd THE BIBLICO - PHILOLOGICAL INSTITUTION.“ 

Die nächsten Mittel dazu sind: - 1) Wöchentliche Zusammenkünfte, Montag 
Abend 6 — 9 U. 2) Anlegung einer Bibliothek und anderer Sammlungen. 3) 
Aufstellung von Fragen über biblische Gegenstände. 4) Herausgabe der Ver¬ 
handlungen der Gesellschaft, sobald es die Umstände erlauben werden. 5) 
Briefwechsel mit dem In- und Auslande. 

Neue Mitglieder werden durch Mehrheit (wenigstens drei Viertel) der 
Stimmen gewählt. Der jährliche Beitrag, vom Tage der Wahl an laufend, 
beträgt eine Guinee. Die Geschäfte besorgt ein Comite von sieben Mitglie¬ 
dern, die von der jährlichen Hauptversammlung im Mai oder Juni auf ein 
Jahr gewählt werden und wiederum aus ihrer eigenen Mitte einert Vorsitzen¬ 
den, einen Cassirer und einen Secretär wählen. Die nämliche Versammlung 
beauftragt einen Ausschuss mit der Prüfung der Jahresrechnungen. 



,128 


Biblico - Philological Institution. 


Die Bibliothek enthüll bereits eine bedeutende’Anzahl Bibelausgaben, Po¬ 
lyglotten , Ugolino’s Thesaurus Autiq. hehr;, den Talmud, die Kirchenväter, 
schätzbare ältere Werke, so wie die besten deutschen Philosophen, Theo¬ 
logen, Hcrincneutcn, Exegctcn und vergleichenden Philologen. Denen, welche 
über biblische Materien schreiben wollen, wird die Benutzung dieser Biichcr- 
sainmlung angeboten. Angemessene Bereicherung derselben giebt ein Anrecht 
auf Mitgliedschaft. Philologische Fragen, von Mitgliedern cingcsamll, werden 
entweder unmittelbar oder durch Zusendung von Quellcnwcrkcn beantwortet. 
Mit der Bibliothek soll sich verbinden: ein biblisch-philologisches Museum 
von Modellen, Münzen und andern Alterthümern, ferner — eine biblische 
Menagerie nebst Pflanzengarten („a living Hierozoicon and a Hierobolanicon“). 
Noch achter englisch als dieser breite Grilf in das Leben sind die in Aus¬ 
sicht gestellten gemeinschaftlichen ,, Autumnnl excursions to Palcslinc“. 
Eine Liste von Problemen, welche Mitgliedern der Gesellschaft zur Bearbei¬ 
tung vorlicgen, erstreckt sich auf alle Zweige der biblischen Studien and zeigt 
insbesondere, welch grosse Aufmerksamkeit die Gesellschaft den Arbeiten 
deutscher Gelehrten zuwendet. Wesen und Richtung des ganzen Unternehmens 
sind natürlich conscrvativ, aber nicht im Sinne und Dienste einer starren Alt¬ 
gläubigkeit; im Gcgcnthcil, obwohl von einigen Würdenträgern der bischöf¬ 
lichen Kirche, z. B. dein Lord Bischof von Lincoln, unterstützt, ist die Ge¬ 
sellschaft doch wesentlich progressiv, d. h. sic geht darauf aus, den engen 
Gesichtskreis der gewöhnlichen' englischen Bibelcrklarung zu erweitern, sie 
von der „kahlen Haide“ endlosen Dogmntisirens, Polemisircns und Moralisircns 
auf die „volle grüne Weide“ der biblischen Sprach -, Gcschichts- und Altcr- 
’lhumsfcumlc liinzufiihron und die reichen Mittel Altcnglands endlich auch für 
llerbcischalfung und Verarbeitung des noch im Morgcnlandc zerstreut liegen¬ 
den Materials für jene Wissenschaften aufzubiclen und nutzbar zu machen. 


Bitte an alle Orientalisten. 

Unterzeichneter beabsichtigt eine Geschichte der Zoologie mit vorzüglicher 
Rücksicht auf Entomologie und den in natnrhistorischer Beziehung so sehr 
vernachlässigten Orient zu schreiben. Da nun hiezu ein umfassendes Quellen¬ 
studium unumgänglich nothwendig ist, so stellt derselbe an alle Orientalisten 
die ergebene Bitte, ihn bei diesem schwierigen Unternehmen dadurch zu un¬ 
terstützen, dass sie ihm Alles, was ihnen hei Dnrchlesung, orientalischer Werke 
mit Zoologie in Verbindung Stehendes aufstösst, gütigst mittbeilen oder wenig¬ 
stens die Quellen genau citircn wollen, wo er Belehrung und seine Arbeit 
Förderndes finden kann. Keine Fehlbitte hofft zu thun 

Ignaz Zwanziger, 

Acluar der Stiftsherrschaft Gaunersdorf V. U. 

M. B. in N. Ocst., Mitglied der D. M. G. 



Verwandtschaftliches Verhältnis der Sprachen 
vom Kaffer- und Kongo-Stamme unter 
einander 

von Prof. Pott. 

(Schluss.) 

Aussprache, überhaupt äusserer Habitus. 

Schon die grosse Uebereinstimmung der Berichte über den 
allgemeinen Lautcharakter der Sprache vom Kaffer- einer- und 
vom Kongo-Stamme andrerseits muss grosse Verwunderung erregen. 
An sich und für sich allein wäre jene Einmütigkeit, mit welcher 
man den Wohlklang der vorerwähnten Idiome preist, Ursprungs- 
cinheit dieser beiderlei Stämme zu beweisen allerdings keines- 
weges im Stande, gieht aber, nachdem letztere anderweit wahr¬ 
scheinlich geworden, dafür einen neuen und nicht verächtlichen 
Beleg. Man höre und urthcile. 

I. a) Ewald S. 48. vom Suaheli : „Diese Sprache hat einen 
„sehr sanften Wechsel von Vokalen und Consonanten, und lautet 
,, so weich, dass jedes W'orl auf einen Vokal ausgehl. Ihre Wurzeln 
„können daher zweisylhig sein.“ Zwar finde ich nicht bei allen 
Wörtern der Koossa- und Beetjuaneu-Sprache in den mir zu¬ 
gänglichen Quellen vokalischen Ausgang, wohl aber weitaus bei 
der Mehrzahl. „Alle Zeitwörter enden im Koossa und. Beetj. nur 
„o; die mehrsten, besonders die rein activen sind radikal und 
„gewöhnlich zweisylhig.“ Licbtenst. I. 660. II. 627. 

b) Lichlenslcin I. 394. von den Kaffem: „Sie reden eine voll¬ 
tönende, weiche, wohlklingende Sprache ohne Schnalzen [wie 
„es bei den Hottentotten üblich!]. Die Wurzelwörter sind ein- 
„undzweisvlbig, ihre Laute einfach, ohne Doppellauter. Ihre Ausrede 
„ist langsam, bedeutend, ruhend auf der vorletzten Sylbe. Die 
„Dialekte der Sprache sind auf mannichfache Weise von einander 
„abweichend, aber die entferntesten Stämme sind einander ver¬ 
ständlich. “ — Vom Kafferiscben wird aus Boyr.e im Mag. des 
Ausl, bemerkt: „ Schon das Lautsystem des Kafferischen bietet 
„uns allerlei Merkwürdiges, namentlich in der Consonantenbildnng 

II. Bd. 9 



130 


Poti, lieber die Sprachen 


„Der reine /{-Laut fehlt den Raffern; gleich den Chinesen und 
„vielen Völkern Australiens vertauschen sie das R ausländischer 
„Wörter gewöhnlich mit £; dagegen besitzen sie einen verwandten 
„haut, der, ähnlich dem arabischen Ghain, räuspernd aus der 
„Kehle kommt, und von dem es zwei durch r und r bezeiebnete 
„Varianten giebt. Drei andere Laute, zu deren Bezeichnung man 
„die Buchstaben c, q und x gewählt hat (Boyce nennt sie klap- 
,,pende , clicks), sind dem Europäer, wenn er sie nicht schon in 
„seiner Kindheit sich angeeignet, unaussprechbar; beim ersten 
„wird die Zunge gegen die Vorderzäbne gedrückt, beim zweiten 
„die Zungenspitze gegen den Gaumen, und der dritte wird gar 
„aus den Mundwinkeln hervorgestossen. — Die Vokale sind alle 
„rein und hell auszusprechen; und der Vf. folgt bei ihrer Schrei¬ 
bung' weislich der deutschen Orthographie. Man bildet gern Di- 
,,phthongen; der zweite Vokal darf aber nur i oder u sein, und a 
„verschmilzt oft mit u in o, mit i in e *). Jedes Wort lautet in 
„einen Vokal aus; es scheint, als solle die Wirkung der barhari- 
„schen clicks, die bisweilen obenein zwischen andere Consonanten 
„eingeklemmt sind (gew, new, gqw, nxw), durch eine gewisse Fülle 
„von Selbstlautern gemildert werden.“ Das sind nun offenbar die 
3 eig. Hottentottischen Schnalzlaute, die Lichlenstein 1. 637 (auch 
Bürchell I. 301. 11. 272.) näher beschreibt. Auch an dieser Stelle 
wird behauptet: „Durch die langsame, bedeutende Ausrede, durch 
„den Reiclithum an einfachen, offenen Selbstlautern und die dcut- 
.„liehe Betonung der vorletzten Sylhe bekommt die Kaffern-Sprache 
„ihren eigenthiimlichen Wohlklang. Sie lautet fast wie Italienisch; 
„es wird dem Europäer, von welcher Nation er sey, nicht schwer, 
„die Laute beim ersten Hören nachzusprechen. Diese allgemeinen 
„Eigenthümlichkeiten gelten auch für den Dialekt der Koossa, der 
„sich jedoch darin von allen übrigen unterscheidet, dass in ihm 
„gewisse Schnalzlaute Vorkommen, die sonst der Kaffersprache 
„fremd sind und nur durch den häufigen Verkehr mit den benach¬ 
barten Hottentottenstämmen in ihre Mundart übergingen. “ S. 640. 
fährt er fort: „Der Dialekt der Koossa hat noch das Eigne, dass 
„vor dem Aussprechen vieler Wörter, besonders der Substantive, 
„die mit einem Consonanten anfangen, die Lippen erst geschlossen 
„werden, so dass man ein stummes M vorhört. Seltener klingt 
„dieser Laut wie N, häufig wird aber noch ein Vokal hinzuge- 
,,nominen, so dass eine volle Sylbe: Am, Om, Um und In dem 
„Worte vorangeht. Die Willkülirlichkeit dieser vorgehängten Sylbcn 
„wird bei öfterem Hören bald deutlich, geht 'aber auch daraus 
„hervor, dass man in anderen Kafferndialekten dieselben Wörter 
„ohne diese Vorsylben in ihrer einfachen Gestalt antrifft. Der be- 
„dächtig redende Koossa scheint dadurch besonders der Langsam- 


1) Also wie im Sanskr. 



vom Kaffer - und Kongo-Stamme. 


131 


„keit und Deutlichkeit seiner Rede zu Hülfe kommen zu wollen. 
,,Es ist als wolle er Zeit gewinnen, indem er den Mund erst 
„scliliesst, um ihn zu öffnen. Hauptsächlich aber sollen dadurch 
„Elisionen vermieden werden, daher auch immer zwischen zwei 
„zufällig auf einander folgenden Vokalen ein N (ein wahres N 
i(pt\y.vtrz/x6v) zwischengeschoben wird.“ Die Erklärung jener 
Präfixe durch Versetzung der sonderbaren Erscheinung auf rein 
lautlichen Hoden halte ich für voreilig, und kann, da sich meines 
Wissens beim Verbum der Fall solcher Vorschiebung nicht ereignet, 
hierin nur, wie später ausführlicher dargethan werden soll, prä- 
figirte Artikel erblicken. Cong. msti Piläo (pistillum), nbasr.i Prag» 
(forum). Agenda Renda annual (reditus, proventus). Ncülu Sacco 
(saccus). Hundo npübu'Escudo (elypeus), Cong. ncübo. Im Suaheli 
beachte man die ganz ähnlichen Fälle, z. B. m-lu Mensch, m-li 
Baum, n-li Erde. Agiifu Macht S. 54. (etwa f falsch st. *■?), 
Bundo ngüsu. Forija (robur). koossa - Beispiele sind Lieh- 
tenst. I. 643. poom/u, um-poomlu Nase, m-loomu, um-loomu 
Mund. M soll —was sehr natürlich wäre! — nur vor Labial-, A 
nur vor Dentalbuchstaben Vorkommen ; hingegen vor G, K und S 
abwechselnd bald M bald N stehen. Mpuh Feuergewehr, Lichtenst. 
I. 656., der das Wort für onomatop. hält. Bundo mümbu, pl. 
mimbu, Som (sonus). Musica. Cong. lampülu Espingarda, nbümu 
(tonitru). 

c) Lichlenslein II. 619. vom Iieetjuanischen : „Obgleich man 
„diese Sprache bald als einen Dialekt der Koossasprache erkennt, 
„und in beiden viele Wurzelwörter auffallende Aehnlichkeit haben, 
„so finden doch auch schon gleich in dem Aeusseren bedeutendere 
„Unterscheidungen stutt, als man je zwischen zwei Dialekten einer 
„europäischen Sprache antrifft. Zwar klingt auch die Sprache der 
„Beetjuanen volltönend, weich und wohlklingend, sieistreich an ein¬ 
fachen Selbstlautern, arm an Diphthongen und wird langsam und in 
„Absätzen mit bedeutender Betonung geredet, aber es fehlen ein¬ 
zelne Laute der Koossa, und andre sind gemein, welche diese nicht 
„kennen. So trifft man bei den Beetjuanen das von den Hottentotten 
„übernommene Schnalzen gar nicht mehr an und es fehlt das F mit 
„seiuen verwandten Lauten; däg'cgen ist der Schnarrlaut (R) in 
„vielen Wörtern zu hören und der lallende Zungenstoss (den ich 
„auch hier mit einem ~ bezeichne) wird hier mehr gebraucht als 
„von den Koossa. — Nie kommen Augmente, wie bei jenen das 
„M, A, Am oder In vor; sie bedürfen deren so wenig, als des 
„vermittelnden N der Koossa, da ihre Sprache wegen der Ab¬ 
wesenheit des Schnalzlautes und der geringeren Ueherladung mit 
„Anfangsvocalen sich ohnehin leicht genug ausspricht.“ Die Präfixe 
sind auch im Beetjuanischen vorhanden, nur nicht immer als rein 
consonantische Vorschläge, sondern theils mit nachlautendem Vocal: 
z. B. mo-tu Mensch, theils aber auch, wenigstens nach Burcliell’s 
Angabe 11. 309. von der Sichuana-Sprache, mit vorangehendem. 

9 * 



PuH, Veber die Sprachen 


132 


Ur sag't nämlich: „Wenn ein Wort mit* m oder « anfängt, auf 
„die ein Consonunt folgt, so bilden sie eine besondere Sylbe, gloicli- 
„sum als stände ein Vokal, und zwar ein schwaches u, davor." 
Vgl. S. 581. bei ihm * Ae hä Hund, pl. inancha u. s. w. S. 580.: 
„Die Sichuanasprache hat im Allgemeinen fiir das Ohr etwas au- 
,,gemein Sanftes, da wenige Sylben sich mit einein Consonunt 
„endigen: die grosse Menge von Diphthongen [—anders Lichten- 
„stein!] macht sie äusserst fliessend, und beim bedächtigen Keilen 
„sehr ausdrucksvoll und gefällig. Zuin Beweis, dass darin eine 
„richtige und harmonische Vereinigung von Vokalen und t'onso- 
„nanten obwaltet, kann man anführen,' dass sic erstaunlich schnell 
„und laut geredet werden kann, wenn irgend ein aufregender 
„Gegenstand dieses im Gespräche erheischt, ln der gewöhnlichen 
„Unterhaltung wird sie indess .weder zu laut noch zu hastig ge¬ 
sprochen. Diese ausserordentliche Geläufigkeit im Artikuliren 
„ist bei der Hottentottischen Sprache nicht möglich, und bietet 
„einen neuen Beleg dazu dar, dass diese beiden Menschenracen 
„einen durchaus verschiedenen Ursprung haben.“ — Casalis p. 8.: 
Les principales qualites du Sechuana sont l'harmonie et la clarte. 
Les plus longs mots n’out jamnis plus de quatre syllabes, et les 
plus courts jamnis moins de deux. 11s sc composent de syllabes 
simples, d’une consonne, et d‘une voyelle suivant invariablement 
la consonne. Duclos a fort bien observe qiril faut distingucr la 
syllube reelle et physique de la syllabe d’usage, et que toutes 
les fois que plusieurs consonnes de suite se font senti r dans 
un mot, il y a autant de syllabes-qu’il y a de consonnes qni sc 
font entendre. Si cette remarque avait hesoin d'etre con/irinee, 
on en trouverait la preuve dans la perplexite que cause aux Be- 
chuanas la prononciation de certains mots hollandais, oü les con¬ 
sonnes n’ont pas ete epargnees, et dans la metamorphose eupho- 
nique qu'ils leur font subir. Les mots hals, vleesch, sont trans- 
forrnes, apres avoir passe par leur bouche, en halossi, velasi . — 
Vgl. an derDalagoabay felleacie (A bottle) mit Holl, vlesch (Flasche), 
und Bundo feldscu mit Port. Frasco (Lagena). 

2. a) Proyarl S. 153. vom Loango und A'akongo : „Die Aus¬ 
sprache ist sanft und leicht. II, x und ü giebt es im Kakongo 
„nicht; auch kein französisches *) [I] mitlautendes J, wofür man 
„vielmehr G sagt. II können sie seiner Härte wegen nicht aus- 
.„sprechen und würden es in l verwandeln. — Fast alle Sylben 
„sind einfach und geben nur einen einzigen Ton [?], wodurch 
„die Aussprache leicht und flüchtig wird. Es findet sich zwar 
„eine grosse Menge von Wörtern in ihrer Sprache, die mit M 
„oder N anfangen, wie in M-Fuka; N’Gojo; allein diese Bucli- 


1 ) Ich habe mich leider mit der deutschen Uebersctzung begnügen müssen, 
die mehrmals falsch zu iibersctzei} scheint. 



vom Kaffer - und Kongo ■ Stamme. 


13.} 


„st;tl>en werden so leise ausgesprochen, dass alle, die die Sprache 
„nicht genau kennen, ihnen nur Fuka und Gojo nachsprechen 
„würden. A und 0 kommen oft vor, und mit ihnen endigen sich 
„viele Wörter. Manche niouiliirte Sylben tragen viel zur Weich¬ 
heit der Sprache bei.“ 

b) Degraudpre I. 56. vom Kongo: La langue Congo est ex- 
tremement douce, coulante et flexible; eile n’est pas sonore, mais 
agreable. Lcs diphfhongues se suivent nvec rapidite; aussi cette 
langue prdte-t-clle heaucoup a l'expression des sentiinens violens; 
ce qui ne l'empi'che pas d'efrc tres - dolicc en ainonr; eile a eela 
de commun avec la langue scandinave, avec lc suedois, que la 
plupart des verhes se terininent en a [s. oh. Koossa und Bcetj.j; 
leurs conjitgaisons n’ont que dcux tems, present et passe. 11s 
ne ,’connaissent point de futur, et ne le designent que par un 
tems present. Le passt* des verhes en o se termine en i ; — worin 
der Manu lächerlicher Weise eine Aehnlichkeit mit dem Lateini¬ 
schen entdeckt zu haben glaubt. Vorsetzung von n ist, wie schon 
Vater Mithr. III. 1. 214. richtig bemerkt, Überaus häufig, und 
zwar angeblich bei b, d, p, s, z, v. 

c) Vom Angblaischen heisst es Mithr. a. a. O.: „Kein Wort 
„(die Frage - Adverbien ausgenommen) endigt auf einen Conso- 
„nanten. Das r wird nie verdoppelt. Vor allen Wörtern, welche 
„mit b, d, g, v , i nnfangen, wird n vörgeschlagen.“ Diese 
Sätze gelten, wie ich zum Thcil durch eigne Untersuchung weiss, 
nicht ohne Einschränkung. Auch hier lauten fast alle Wörter 
vocalisch (die Verla im Präs, auf a) aus, aber einige Ausnahmen, 
nur gerade die obeH angegebenen nicht, habe ich gefunden. Näm¬ 
lich die Fragpartikeln hei Cannecattim, Obss. p. 53. 147. haben 
sämmllich vocalischen Auslaut. Dagegen finde ich mit consonantischem 
Schlüsse p. 52. 53. die Adv. ialül (pouco), avül (muito): q’uiamböt 
(hellaincutc, exccllentemente), quidb (novamente), jedoch, ohne dass 
ich eig. das Adv. daran schuld halten kann. Nicht nur steht 
p. 5. quimbdl (Dicc. quimbdr ) o Feitor, Mural, a Mulhcr principal 
do Sova (o Cabeqa do povo), sondern auch p: 17. als Adj. 
q’uiambdl . (Bom) , q’uidlul (pouco), q’uiavül (muito) und Dicc. p. 3. 
Ahastanqa (Ahundantia) Avul , p. 9. Abundancia (Aflluentia) O 
Quiavul vielt, von cu-uvvda Abundar (afflucrc), allein p. 526. 
Mu i, ou Muito in allen Formen q'uiavuUu, jariillu überall hinten 
mit u. So auch p. 537. quidbe Novus. -— Dicc. p. 465. Quichim- 
bucl Indicio;- p. 58. Quixumburl Alro, i. c. harrcira (Scopus). Uaülo 
(Area), zuw. bau!. So z. B. Dicc. p. 151., wo cs Caixa (theca) 
bedeutet. S. noch Portug. bau p. 127. Unter den Lehnwörtern 
sogar pflegen viele, die in der Ursprache consonantisch enden, 
erst einen Vocal hinten anzufügen. Z. B. Nzölu Anzol (hamus). 

Vorschlag von n haben, den Beispielen Obss. 10. 139. nach 
der sog. 2. Deel, zufolge, Singulare von Subst. mit b, v, d, g, gb> 
h, s : z zu Anfänge. Ausführlicher wird darüber p. 5. gehandelt 



134 


Poll, Ueber die Sprachen 


und bemerkt, dass keineswegs alle Wörter, z. B. Zdmbi (Gott) 
und sämba (Elepliant) *) nickt, ein solches n zulicssen 1 2 ). — 
R und D wechseln nach p. 2. 152. zu Anfänge und in der Mitte 
der Wörter, z. 11. I lidla oder Didla (o liomem). Es kommt aber 
in den Kongo-Sprachen überhaupt sehr oft ein Wechsel vor zwi¬ 
schen l, r und d, der nicht nur in Lat. Beispielen, wie Ulysses, 
meridies u. s. w. (Schneider, lat. Gramm. I. 255.), {Erz. calibre 
aus xuXondSiov (Fleischer, GIoss. Habicht, p. 72.), sondern auch 
in dem, freilich iu der Schrift nur unvollkommen mit dd st. II 
wiedergegebenen Laute der kalabrischen Mundart (Fuchs, Rom. 
Zeitw. S. 169.), in der häufigen Beifügung von d zu l in der 
einen Hälfte slawischer Sprachen (Dobr. Inst. Pracf. p. I.), end¬ 
lich in dem Eintreten von r und l statt Indischer Cerebrale d) 
d'h u. s. w. zahlreiche Anulogien findet. > Bei Tuckey hat das 
Malemba einige Male d statt l im Embomma, z. B. deza (Dew), 
Emb. lizee; dela , Emb. leela (Cry v.); dea , Emb. lia (Eat): — 
Fälle, die sich vielfach wiederholen in den anderen] Sprachen. 
Im KooSsa lila (weinen), Kongo lila (pleurer) Degr., aber Cannec. 
düa (plorarc, lacrimari),‘ Bundo Inf. cu-rila (Port, chorar). Bei 
eben diesem Conguez did, rid, Bundo o-cü-ria Jantar (prandiura), 
sustentacäo, alimento (victus), cü-ria Corner Obss. p. 93., o curia 
feli feli (weniges Essen) Abstinencia. Cong. ndta Comestivel (edu- 
lis), und daher unstreitig auch ndia, molia [letzteres wohl PL], 
Bundo, ohne Sing. Obss. p. 10., middia Entranlias (viscera), auch 
Dicc. p. 405. Extripar (exenterare) Cucalüla [Evacuur. Privar, 
z. B. mutfsu~ Desbarbar, Cong. -sdnso Despregar, -lultimu Des- 
obrigar] miria [entranlias] rid rivümu [ventrisj, und bei Proyart 
Loango ilia (die. Eingeweide), was er S. 163. fälschlich mit dem 
Lat. ilia verwandt glaubt. — Cong. budica, Bundo cw - burica 
Quebrar (frangere). Kongo bourica (casser) Degr. Mal. baudede, 
Emb. bourica Break v. — Cong. elddi, Bundo riläri Pedra (lapis). 
— Hieraus erklärt sich nun, wie das Bundo in unzähligen, aus 
dem Portugiesischen erborgten Wörtern l an die Stelle von r 
oder d rücken lässt. Ich muss aber beifügen, dass sich der, den 
Angolanern mit den Beetjuanen gemeinsame Widerwille gegen die 
meisten Consonantengruppen — schon solche, wie in Cong. ecrui 
Rato, animal (mus); Bundo cussacrila Premiar, agradecer, remu- 
nerar, vgl. galardäo, liberal, Koossa Irabba kalt, sind Selten- 


1) Dies Wort klingt sehr ähnlich nicht bloss dem h’ongoisclien nzbu, 
sondern auch dem Mandingo’ischen summa, woher samma ning (d. i. Ele- 
phantenzahn) für Elfenbein, gegen die im Bundo übliche Stellung. Alig. Hist, 
der Reisen IV. 231. Jalofiscb gnag, Fulaisch ghiova Elephant, Jalof. gna\j 
negnny (fast wie redupl., Zähne smabenabin), Ful. nhierre (d. i. Zähne) - 
ghiova Elephantenzähne 223. S. auch Burchell II. 581. 

2) Gleichwohl steht Dicc. p. 142. v. Brainar o elefante Cnricvla o On- 
zdtula (Barrire). 


i 



vom Kaffer- und Kongo- Stamme. 


135 


lieiten — zugleich selih oft geltend macht durch Einschieben von 
Vokalen zwischen solche missliebige Lautverbindungen. Z. 11. 
Buudo Livüla Livro (über, ri). Cidala Cedro (cedrus). Viditu 
Vidro (vitrum), vilülu Cristal. Luculo Lucro (lucrum). Jin-gheldca 
[Plur.'J Grabas (sales). Puluga Pulga (pulex). Malaeiva Alcofa 
(sporta). Riffu id Mdluva Malva, lierva. Cahtma Catma (calor). 
Selamäo Sermäo. Prätica (concio, scrino). Cubulacala pdla cüia 
mu Pul Embarcar (navem conscendere), von baticu, bal cu Raren, 
ou, barco (navicula). Tdridi Vespera, i. e. tarde. — Tävalina 
Taverna (caupona). — Chdftri Enxofre (sulpbur). — Miläquiri Mi- 
lagre (miraculum). 

L st. d: Quidsabalu Subbado. Zapdlu £apato (calceus). Cua- 
dele'tu Quadrado (quadrum). Cdla ola = Cada liora (in boras). 
Cala Mufu Cada anno cet. Dicc. p. 149. Cussumba calo (Comprar 
caro) 5 — balalo (C. barato); — fialo (C. fiado). Tulcila rid 
candeia Torcida da candeia (mergulus). Firila Fcridu (vulnus) s. auch 
acutilar. Sevdla Cevada (hordeum). Calgdla cua rnaldri [lapidibus] 
Calqada (via strata). Lampala Alampnda (lampas). Sobatalu So- 
brado (tabulatum) und Mbnsu [aedes, ium] gud Sobalalu Casa do 
sobrado (coenaculum). Cruzälo gud Jibüngo *) rid Pul [Portugal- 
liae] Cruzado (Nummus aureus) neben Uiculüz Cruz (crux). Qui- 
pariilu Parcde, murallia. Lolondo rid Parielu Arco de ediücio 
(fornix). CaUia Cadoa (catena). Jula Ajuda, i. e. crystel (elyster). 
Pescalolu Pescador (piscator). Vie 11. Risoldri, PI. Masoldri Soldado 
(miles). Umgekehrt r et. d in Cu-risejdla Desejar (cupere); ri- 
manda, PL marimanda Lide, ou, demanda (lis). Auch d st. n in 
Viddgre Tinagre (acetum). Pirilencia oder pinüencia (Pocnitencia). 

Noch häufiger l st. *•: Balele , ou, Calapuza Barrete. Capuz 
(pileus). Ribandela Bandeiru, estandarte (vexillum). Cldla gud 
Riäqui Clara de ovo (ulhumcn). Cong. cobelelole, Bundo cobelelölo 
Cobertor (stragulum). Cu-cobeldla Cobrar (recuperare). Caliale'lo 
Carcereiro. Aljubciro (custos carceris). Caldela Caldeira (ahenum). 
Candca rid cela Candea de cern. Candiero gud cöbiri [von Kupfer] 
Candeeiro (iucerna). Guendulu Coentro (coriandrum). Gicolöa 
Coroa (corona). Colda rid Nganga Coroa de clcrigo. Ricoa, Ricölo 
Cdr (color) Dicc. p. 211. 706. Dolo Dor (dolor). Folono Forno 
(furnus). Folonlale Frontal. Föloma Forma. Fullüna Fortuna. 
Avcntura. Fulula Fruta (pomuin). Felamcnta Ferramenta. Febiile 
Febrc: Fclolo Feitof (procurator). Favölo Fa vor. Adhcrcncia (gratia). 
Dom, i. e. mered. Fucalc'ilu Braseira (prunarium) entstanden aus 
fogarciro. Cuffeleccla Oflerecer (oß’crre). Galäffa Garrafa (ampulla). 
Ngdlfo Garfo (uncus), wie im Mundingo garfa (Gabel). IS galt ja 
Igreja (templum). Rimaritelo. Marilclo Martello (malleus). Malinhdlo 


1") Gibüngu quin culimga Degontado (praesrnti peonnin), von Jinhittigo 
[Plur.) Dinheiro (poronia) und cuimuju C.imtor (narrare, mnuorare). 



136 


Poll , Leber die Sprache» 


Marinheiro (nauta). Cu-pioldla Empeiorar' (ruere iu pejus). Cu- 
pulvidla Polvorizar (pulvere spargere). Pelelelo Pedrciro (lapicida). 
Pilimelu Priineiro, s. auch antes. Pilisenle Presente (inunus). Cu- 
peldcla Perder. Pelccu Prego, cravo (clavus). Dem. Capilecu Esca- 
ravclha (claviculus). Peleca mu quizudtu Prega no vestido (plica- 
tura). Peleso Prezo (captus). Cuta [langar] pelezo Prego (pretium). 
Alrootagar, orgar (taxare). Pelaia [Port. Praia i. e. Littus] uesdla 
[repletum] rid Menha [aqua] Crescente da mare (Fluxus). Rilt'tla, 
PI. malola Roda (rota). Rolo oder Lola Rol de nomes, catalogo, 
lista, registo, notu. Lösso Arroz (oryza). Suälu Suor (sudor). 
Sagdla Secretario. Tesolc'lu Thesourciro (Aerarius). Rililonco Tronco, 
prizäo. ■ Ocu-lolocdla oder Or.u-irocäla Tröca (permutatio). Cora- 
mutagäo. Baralliar. — Der Beachtung werth ist noch insbeson¬ 
dere, dass genau, wie hei uns den Romanischen Sprachen entstam¬ 
mende Verba gern auf — iren nach dem Lat. Inf. uusgehen, so 
auch viele, aus dem Portugiesischen erborgte Bundo-Verba hinten 
ein an die Stelle des r im dortigen Inf. tretendes l angenommen 
haben. Z. B., ausser den aufgeführten, Cussoffelela Soffrer. Sup- 
portar (ferre).' Cu-poldla Agoutar (verberare). Cu-cendcla Accender. 
Alumiar. Illuminar. Cu - ssucedela cdsu Succeder, acontecer (acci- 
dere), s. auch accidente. — Cu-pinldla Pintnr (pingere). Cudldla 
Citar. Cucuviläla Convidar. Cubedecela Obedecer (obedire). Lcaldade 
(fidelitas). Cucapdla Capar, castrar, podar. Cupadecela Padecer, 
penar (pati). Cudiverlila Alcgrar (exhilarare) aus divertir. — Um¬ 
stellung oder Wegfall hat statt gefunden in Acalatrd Alcaträo 
(Naphtha). Lupentula Alpendre (porticus). Cuvilelu Alcoviteiro (leno). 
Ofolo oder Foria Alforria (Manumissio). Gibcla Algibeira (cru- 
mena). Culumolzulo Almogar (jentare), wo noch zum Ueberllusse 
ein l eingeschohen. Mit Deminutiv- Prüf, ca- vorn: Calalöriu pdla 
euss mba Missa [kleiner Altar, um die Messe zu halten] Altar, 
calalöriu rid Ngaldja [ecclesiac] Capelia (sacellum), aber calalöriu 
caqui: cne Capella Mdr (Adytlim majus) mit sonderbarem Wider¬ 
streite gegen die Deminutivform; hingegen Rulaloriu cuquinene 
Altar mdr (altare maximuin). — Hieher gehört auch Malern ha 
plala, Emb. parata (silver), Bundo Pildla, Londo [Metall] pdla 
cubdnea jibüngu [zum Verfertigen von Geld] Prata (argentum). Ja, 
trotzdem dass es ein in Afrika vorkommendes Product *) ist, 

1) So auch Bundo nmrfinu (elnuj , Mufcooa Mur'-fin Elephant’s - tectli 
bei Salt, aus Port, marfim. — Uebrigens sind, ausser den genannten, noch 
viele Mctallnamcn in Afrika dem Portugiesischen entnommen. Bundo chimbu, 
Port, chumbo (plumbum) , Mal. und Emb. choomboo Lead n., und daher im 
Koossa Eisen: Zumbi-linjäme mit linjüme, schwarz, aber Messing [Zinn?]: 
Zumbi-Ulope mit tslope, weiss [libihlu bedeutet: gelb]; — Kupfer brngdla. 
Dieses aber int Bundo Cdbiri Cobre (aes), Arame (aes reguläre), doch an¬ 
geblich letzteres auch londo. Hingegen Mal. snngo , Emb. songo Copper, was an 
saanyua (im Malemba jedoch dafür Loocancba~) Iron angrenzt. Bundo ris- 
siinffn Estanho (stnnnum). Pole (urna). Fuluge Ferrugem (ferrugo). Milougo 
[remedio] rid Pitt [ Porlugalliae], ou. Asoügue Azougue (merenrius). — 



vom Kaffer • und Kongo • Stamme. 


137 


Mal. ola, Emb. voola, Bundo ulu Ouro (aurum), Cuiqmr.a uru oder 
Cubdca oru üourar (imturare). 0 Muffünu [arte] rid cubdnca Lila 
Alquimia, arte de facer ouro. Zambdqui [d. h. Tomback], ou, 
Quima quiaulu [d. h. Res aurea] Alquime, ou, Oriclialco, certa 
especie de lata« (Auricbalcum). 

Zuweilen Lat man r beibehalten, z. B. prdga Praqa (forum), 
fregueze Frcguez (paroecus). Ja einige Male, obscbon selten, tritt 
umgekehrt r für l ein, als: Fe ia Calorica. Fe catholicn. Aniri 
Anil (flos aeris). Rinha Linha (linea). Rifäo Li(’äo (lectio). Rimäo 
Limäo. Marifüo Maldigäo (inaledictio) mit r st. Id. — Sogar in 
dem ächten Bundo-Worte Mdca Cuzuclessa oder Muzueri, Fallador 
(blatero). Rissa, PI. mdssa Massa (Lat. massa) und Richddu, PI. 
machddu Macliado (securis) sind dessbalb höchst merkwürdig, weil 
die Angolaner den Anfang des Fremdwortes für ihr Plural-Suflix 
ansahen, und sich demgemäss einen Sing, hinzubildeten. 

Der Port. Laut nh kommt im Bundo oft vor, dagegen Ih 
wird gern in ein einfaches i verwandelt. Z. B. Buia Bulliu (tu- 
mtiltus). Aio Allio (allium). Güia Agulha (acus, us). Navdia 
Navalha (novacula). Gaella Galheta (Sympinium). Morldia Mortalha. 

Auch sl muss sich oft eine Vereinfachung gefallen lassen. 
Z. B. Ngunna itilu [Dominus noster] Jesu Clu issu [Christus], vgl,, 
auch den Einschub von i in crisimu Crisma (unctio), Idsima Asma 
(asthma). Candssela Canastra. Cusulcla Costureira (sarcinatrix). 
Jicässa PI. Custas (inpensae, arum), aber cuslo Custo (sumptus, 
us). Calizala Castigal (candelahrum). Cosozenlüla Alimentär aus 
susteninr. Ocu-fachidla Fastio (fastidium), cufachialcssa Eufastiar 
a outro (fastidium afferre), aber daneben auch Cucatüla fdsliu 
Desenfastiar (fastidium auferre) und Cucdla ne faslio Asco ter 
(taedio atfectum esse). Cuposldla Apostar (sponsionem facerc). 
Tessamenlclu Testamenteiro, aber Teslamiinlu Tcstaincnto. Fessa 
Festa (dies, festus). Passdlu Pastor. Sessa Sesta (meridies). 


liurcliell II. 573. bemerkt von den Bacliapins: „Von den Metallen besitzen sie 
„eine äusserst unvollständige Kenntniss; auch ist ihnen der bei anderen Völ- 
„kern festgesetzte verhältnissinässige Werth derselben unbekannt. Tsipi fot- 
„wa das obige, dem Port, chnmbo entsprechende Wort?] heisst Eisen; tsipi 
„e tskku (gelbes Eisen) Gold oder Messing; tsipi c shu (weisses Eisen) 
„Silber-, und tsipi e kubilu (rotlies Eisen) Kupfer..“ Die statt Geldes die¬ 
nenden und Simbos genannten Muschelschalen Dapper, Afrika S. 538. 587. 
haben wohl nichts damit zu tliun. Bei Cnnnccaltiin Obss. p. 194.: Moeda 
(moneta) Cong. nzimmu , zimbn, Bundo zimbu, quitdri , aber Dicc. p. 3 Hi. 
Jinbunyo Dinhciro (pecunia) in Uebereinstiinmung mit Mal. bango, Emb. bonyo 
(inonev). Ilitdri , pl. matdri bedeutet im Bundo Pedra (lapis), allein mit 
andern Präfixen: Quitdri, Pl. Jtari Ferro (ferruui). Aco (chalybs). Bronze 
(aes), sogar das Geld 0 quitdri , Pl. co tfriri Obss. p. 13.; Metall im All¬ 
gemeinen: Lomln. — Am (’aiio Lu 1h; Gonsalvos petiugo (Eisen) il'tbr. HI. 1. 
207. — Mandingo t«sso das Erz, tnsso qui (weisses Erz) Zinn. Koiley Sil¬ 
ber. — Jalofhscli bcltnigh, Fuliscli ckinje Blei. dal. prum , Ful. Iigiick- 
huovale Kupfer. AUg. Hist, der Reisen Tb. 111. 



138 


Polt, lieber die Spr achen 


Verba. 

Die Verba geben meist auf -a aus. Zahlreiche Abwandlungen 
giebt es hier vom Verbum, je nachdem der Begriff immediuliv 
oder causativ; activ oder passiv; frequcntati'v; relativ (mit Bezug 
auf ein Anderes, für dasselbe) dgl. gefasst wird. 

„Wenn, sagt Proyart S. 158., im Kukango nichts schwerer, 
„als die Artikel, ist; so ist hingegen nichts schöner und befriedi¬ 
gender als seine Verba. Ulan kann sie auf 3 Klassen zurück- 
„bringen; die erste ist die zahlreichste, und besteht aus gemeinen 
„Verben, die nur in ihren Endungen verschieden sind. Die zweite 
„besteht aus. solchen, die mit ku [gewöhnlich Infinitiv - Präfix] 
„anfangen, und diese Anfatigssylbe unter mancherlei Umständen 
„verlieren. Die dritte enthält solche, die mit L und V anfangen, 
„und bei gewissen Gelegenheiten das Ein!) [vgl. Lautlehre], und Ein 
„P verwandeln. Sife haben alle Tempora, die wir haben, und ver¬ 
schiedene, die uns unbekannt sind, 1 ■ Lia z. B. heisst: Ich iiabe 
„vor einer unbestimmten Zeit gegessen; 1-Lili, ich h. seit einiger 
„Z. g. Ja-Lili, ich h. vor langer Z. g.; Ja-Lia ich h. vor sehr 
„langer Z. g. 

„Ausser dieser Vervielfältigung von Temporen, die sehr viel 
„zur Bestimmtheit des Ausdrucks beiträgt, finden sich in der Sprache 
„sehr viele Verba, die dem Ausdruck wiederum grosse Kürze 
„geben. Ein jedes einfache Verbum hat mehrere andere unter sich, 
„wovon es die Wurzel ist, und die, ausser ihrer Hauptbedeutung, 
„noch eine andere zufällige haben, die wir nur durch Umschreibungen 
„ausdrücken können. Sala z. B. heisst arbeiten; Salila die Arbeit 
„erleichtern (Gong, lu-ssalilu Allivio. Lat. levainentum); Salisia, 
„mit Jemandem a.; Salisila zu Jemandes Port heil a. lassen; Sazia 
„Jemandem iin A. helfen ; Salanga, in der Gewohnheit zu a. sein; 
„Salisionia, die einen für die andern a.'; Salangana zur A. geschickt 
„sein *), Es giebt gar keine Wurzel-Verba, die nicht ähnlicher 
„Modificationen fähig wären ; und vermittelst gewisser Partikeln 
„oder Zusätze zeigt ein jedes dieser Verba, und alle daraus ab¬ 
geleiteten, an, ob die Handlung, die sic ausdrücken, selten 
„oder häufig ist; ob sich Schwierigkeit, Leichtigkeit, Ucbermaass 
„oder andere Unterschiede dabei finden. Diese Vervielfältigung 
„von Verben, verbunden mit allen den Modificätioncn, deren sie 
„fähig sind, verschafft der Sprache einen unerschöpflichen Fonds 
„von Reichtbümern, und zeigt Schönheiten, die man nur durch 


1) Im Conguez reduplicirt snla-sdht , und von einem andern Stamme, 
Bundo cala-calclo (exercitalio) Cannec. Obss. p. 181. Ocu - cnlacnlelo Lavor 
(labor). Malemba salansalnngn (liusy). Beetj. Ke' sarrtie (Ich bin beschäf¬ 
tigt) Burchell II. 582. Cong. säla Entreter (detineo). Ficar (maneo, sedeo), 
aber auch sdln (travailler) Degr. 



vom Kaffer- und Kongo-Stamme. 


139 


„eine genaue Kenntmss empfinden und schützen lernen kann. — 
„Bei dieser Verschwendung von Verben ist mau erstaunt, keines 
„zu finden, das unscrin; leben entspricht. Man drückt es durch 
„folgende Umschreibungen: seine Seele begleiten, oder, bei seinem 
Herzen sein, aus.“ [Vgl. im liundo C'ucdla ne ftlucnhu Viver, eig. 
am Leben, oder bei der Seele, sein s. u. d. VV. Wind; Sech, l'sela 
eig. Traverser für Vivre Cas. p. 6.] Unter die Hebruismcn wird 
dann noch gerechnet, dass sie, so wenig als die Hebräer, alle 
Empfindungen der Liebe und des Hasses in der gegenwärtigen 
Zeit ausdrückten, sondern für: Ich liebe, hasse viclm. Ich habe 
geliebt, gehasst (amavi, odi) sagten. Bundo cuanghiblla Aborrecer 
(odi), aber tigüma, lüma, Cong. nguemi, mtnquenle Odio (odiuin). 
Cong. zolcle Quero (Ego volo, amo) von zbla (Querer). 

Ueber die Kong o-Verba s. Mitbr. III. 1. 218., wonach es 
auch hier eine grosse Menge abgeleiteter Verba giebt, z. B. 
„mehrere Formen, welche die Wiederholung der Handlung aus- 
„drücken, neben der Verdoppelung des Verbal-Lautes, welche 
„übermässige Wiederholung bezeichnet.“ Solche reduplicirte Fre- 
quentativa im Koossa nach Lichtenst. 1. 639. — Bundo z. B. Nga-cd- 
\acdla Eu trabalbo Obss. p. 25. Oculetigulcngu Ligcireza (velocitas). 
Ocubila-bila Passeio (deambulatio). — Auch besondere Formen für die 
Anordnung einer Handlung bildet, das Kongo durch Anhängung der 
Sylbe ssa. Vgl. Cong. sunma, Bundo cussümba Comprar (erncre); 
Cong. zwnissa, Bundo cussumbissa Vender (venderc, venumdare) Obss. 
p. 26., die Conjug. des zweiten p. 95—98., des ersten p. 98 — 
101. Cussümba pala Cussumbissa rinqui [i. e. Mais, Lat. plus] Comprar 
pnra vender (promercari;, Bundo Emmi ngu - lucumüca Eu nballo, 
assombro (terrco), Emmi ngu - lucumuquissa Eu espnnto (terreo) 
p. 27. Cabelequeldssa Mollilicar (emollio) von quima quiabelequete 
Molle, hranda cousa. Cumucibissa Abrnndar (mollio). Culengulu- 
quissa Abreviar (abbrevio) von Quima quiabülu, ou, Quiaculengu 
Breve cousa. (Nyln-ldnga Corro i. e. Curro). Agu-cuabcssa Eu 
aggrado Obss. p. 27. Amimar (aliieere), cuagudba ou Cucuguabcla 
Id. Dicc. p. 43., auch Gozar (frni) p. 440., gosto Obss. p. 44., 
von quima quiaguaba Agradävel, aprasivel, apreqada, formosa, 
gruciosa, airosa, grata, commoda, linda cousa (gratus, jucundus, 
pulcber), Cu-cuabessa, ou, Cu-zolessa Comprazcr (complaceo) v. 
oeuzölci Compraziniento. Vgl. auch Dicc. p. 251. Oucuaquissa Arruinar 
(dcmolior), cucuiquissa, cuohirissa Corroinper. Scduzir. Ocucuu- 
quissa Ruina (casus). Acumuchibissa, O'ompadecer-se (misereor). 
ücumuchibissa Compaixaö (commiseratio). — Cong. gilissa, Bundo 
Cucuabcla, ou, Cubdna Ugilu [dare honorem] Honrar von ugitu 
Honrn (honor). — Bundo cuendcssa Encaminhar (ducere) von cucnda 
Ir (irc). — Bundo cuimüdssa, ou, r.uimichincssa Emprenhar. Gerar 
(gravidare, gencrare); aber cuimila, ou, cuimicliina (concipere), ulso 
passivisch. — Culmessa Esquentar (calcfacere) vgl. Udrna rilema 
Estufa (Hypocaustum), 



140 


Poll, Heber die Sprachen 


Im Suah. v. Ewald S. 48. Causaliva : kucsa erheben, von kuea, 
hinaufgehen; somesha, lesen machen, von svma lesen; funsa [un¬ 
streitig mit Wegwurf von d, s. Koossa], lehren; reflex. dsehifunsa, 
lernen, dessen Präfix vennuthlich auch formell dem reflexiven 
Vorschub i • (se) im Sech, entspricht. Vgl. Cas. p. 16. r. 12. 
i-reka [( st. r dort scheint falsch] s’acheter cet. — Suah. ica 
sagaä (es) scheint (neutr.), ica sagäsa erleuchtet (caus.), vgl. Sech. 
go llage [so hinten mit e als Andeutung des Impei*. 's. sp.] leseri 
Paraitre lumiere (que la 1. paraisse). Pnroitre Ciis. p. 45. — 
Iin Koossa: funda, lernen, fundicssa , lehren s. Liehtenst. I. 661. 
— Secliuana: Kia rekisa Je fais ticheter Cas. p. 15. llobulsa (en- 
dormir) p. 46. s. Verba nr. 6. —- Bei Liehtenst. a. a. 0. noch 
Koossa longicssa, recht odet aufrichtig handeln, von longa gerade, 
longile rechtschaffen. Vgl. Sech. Inka Et re droit, fig. juste Cas. 
p. 7., lukile (juste) p. 45. Cong. longa, Bundo culönga Corrigir 
(corrigere). Ensinar. Instrufr (Docere, instruere, erudire). Culönga 
imd cua affunu [Sachen der Arbeit] Disciplinar, ou, ensinar (docere). 
A- culönga co ima riä Muff ihm Disciplinar - se (instrui). Ocurilon- 
ghcla co Ma-livu.lu [an Büchern] Estudo (studium). Vgl. Mezinhar. 
Mal. longua [wahrsch. Pass.], longua or coucamba, Emh. longua 
I.earn v.; camba heisst Teil. — Ferner Khökiessa lügen, eig. ein 
ganzes fiewebe von Lügen ersinnen, von k’höka, Lüge, khökandile 
(vielt, hinten mit Bundo ngandäla Qucro, luf. cuauddla , um den 
Hang zu bezeichnen), lügenhaft, Lügner. -— T’hamtricssa einschmieren, 
von Ihuamba Mark, Fett S. 662. Ginnicssa, hineiiibringen, von gittna, 
innerhalb. Mukiessa wegbringen, neben muka weggeben S. 663. *). 

Reciproca im Stich. Cas. p. 39 auf -arm, z-B. bofana (se Her 
1’un l’autre). Ein solches auch wohl, p. 6. loana im eig. Sinne 
s’entrelacer, im fig. combattre. Mal. nooana , Emh. noana Fight 
v., Bundo cu-lua Pelejar (pugnare), lutar (luctari). Cong. Ulna 
Id. viel!, von Bundo cü-la Lanqar (jacio), mit pöcu (faca) Es- 
calavrar (sauciare). 

Das Passiv bildet sich im Suaheli gewöhnlich durch ' ein o 
vor dem auslautenden Verbalvocale, z. B. pendöa. geliebt werden; 
ha-pendüi er wird nicht geliebt; alie lellva küa gesandt zu werden. 
Suiliwa, verhindert werden, von suia. Gleichmässig im Sech. Cas. 
p. 16. nr. 11. z. B. rekoa (etre achete), rekiloe etc., p. 6. siloa 
(etre empeclie, etre faible. Pecher vgl. p. 49.), elsoa ( etre fait) 
p. 50., Koossa eensa (machen, verfertigen) Liehtenst. 1. 662. 


1) Auffallender Weise zeigen sich auch ausserhalb des von uns behan¬ 
delten Sprachkreises merkwürdige Analoga. So im Galla (bei Krapf p. 9): 
Dekame (to irritate), dekamsisse He caused to irritate. Iamsisse He caused, 
ordered to call; from iame He called [also mit zweimaligem s], — Des¬ 
gleichen im Vankali: Kaale v. a. und Kaalesse v. a. To wash, vgl. le Water 
s. Isenb. p. 8. 15.; barisse v. a. To teach, harillc v. a. To learn p. 12.; 
admisse v. a. To hunt, von admo s. Chace p. 11., wie fdisse v. a. To bed, 
i. e. to make up and use the bed, von fulima s. Bed p. 14. 



vom Kaffer ■ und Kongo • Stamme. 


141 


mit beständiger Einschaltung von o vor dem Endvocale in allen 
Zeiten und Modi. — Im Kongo „hat das Pass, der Transitiv- 
Verben ein vor dem End-Vocal der Wurzel eingeschaltetes u zum 
Kennzeichen“ Mitlir. III. 1. 218. Vgl. ob. Longua To learn, aber 
ßundo Cu-longa pdla eugia Aprender (disccre). 

Vom Passiv im Bundo handelt Cannec. Obss. p. 22 — 24. 
Er bespricht nur zwei Bildungsweisen desselben, obschon es deren 
mehrere geben soll. Als üblichste scheint die durch Vorsetzung der 
ihrem etymologischen Werthe nach unbekannten Sylbe amu zu 
gelten, z. B. Emm» Ngu-amubetu ngd Eu sou castigado nssim, 
U-amube’ta ngo He c. a. cet. Dann p. 24. 25. 27. Xgu- ii nn 
Eu mando, Ngu-lumina Eu sou mandado. Cuffunuca (resuscitar), 
cu/fucunuqu ■ ina (ser resuscitado). Nach Mitlir. 111 . 1 . 220. ent¬ 
stände. das Passiv durch Vorheftung von 4, z. B. Acubanga Ich 
werde gemacht, allein eine Unzahl von Beispielen im Dicc. er¬ 
geben diese Bildung vielmehr als R^/le.rii form. Z. B. c utohha 
Abater (dejicerc); mürbe [i. e. Mesmo. lpse] Aculo/dra Abater-se 
(sc dejiccre); Amulotdca quidru Abntido estar (jacere). Acuruta 
emuene Seccar-se (arcscere) von cucula Secear (siccare). A-cuc'im- 
biica Assaltar-se (irrumpi). Muene a-cuzu/dca Adornar-se (sc ipsum 
ornare). A - culuma Admiuistrar-se (gubernari), vgl. cutumissa 
Bcinar, governar (regnare). A-cussdma Adivinhar-se (praedici), cu- 
cussüma- Agourar (ominor). A-cutdmbula pdla Mona Adoptar-se 
(adoptari) von cutämbula pdla Mona (udopture), nehmen [Acceitar, 
aver, receber] an Kindes Statt. A-culucumüca, au, A-cucungaluca 
Espnntnr-se vgl. ob. Culucumüca Atlu oder Cubdca [mettcr] udma 
(metuinj aqua [alteri]. Aculucumüca, oder Muene Aculdmbula udma 
[selbst Furcht bekommen] Assombrar-se. Acuriquila id quima quide 
muene Manter-se ä sua custa (suis expensis ali; eig. ali rebus 
suis ipsius). Emuc'ne [ipsum, am] acuriffangdna [Scmclhar] ne Tala 
[cum patre], ne Mama [cum matre] Parccer-se com o Pai, eoin 
a Mai (patrissare, matrissare). 

Im Kongo giebt es negative Verba Mitlir, III. 1. 218. So 
auch im Bundo .Cannec. Obss. p. 30. 48. mittelst der Negativ- 
Partikel se (nao), vgl. Negation, welche man nicht mit der gleich- 
(autenden Conditional-Partikel, die freilich eine andere Stellung 
einnimmt, verwechseln darf. Z. ß. Emmi se nga-bdnea Eu nüo 
fago, Se emmi se Nga-bdnca .Se eu näo üzesse. Die Suaheli-Xerba 
solcher Art s. Ncg. 

Kafferisch: „Im Verbum kann nur die abstracte, als Nomen 
„gebrauchte, Form Präfixa erhalten. Es giebt einfache Verba 
„und solche, die mit gewissen, die Bedeutung abschattcnden Hiilfs- 
„wbrtern unzertrennlich Zusammenhängen. Das Leiden, die Ver¬ 
ursachung, Rückwirkung , Gegenseitigkeit u. s. w. bezeichnet man 
„hier, wie in gewissen Sprachen-Klassen anderer Welttheile (z. B. 
„der semitischen, tatarischen, finnischen) und wie in den Negcr- 
,,Idiomen von Senegambia, durch Zusätze an der Wurzel, z. B. 



142 


Pott, (Jeher die Sprachen 


„landet, lieben; tandtca, geliebt werden [das w offenbar identisch 
„dem o im Sech.]; landisa, bewirken, dass einer liebe [s. oben 
„die Causativa] 11 . s. w. Auch die Negation schmiegt sich in ver¬ 
schiedenen Formen dem Verbum an. Von vorn werden Fürwörter 
„angefügt, die aber mit den abstrakt gebrauchten keine oder ge¬ 
linge Aehnlichkeit haben (man vgl. im Frz. je neben moi; tu 
„neben toi; il neben lut) und, je nachdem sic dieses oder jenes 
„Tempus konstituiren oder konstituiren helfen, noch unter sich 
„verschieden sind. Die erste und zweite Person leiden auch hier 
„keine Einwirkung des Subject-Präfixes, wohl aber die dritte, 
„welche nach Massgabe des letztem uya, liya, siya u. s. w. lauten 
„kann, z. B. der Mensch [er] liebt, umlu uya-landa; das Volk 
[es] liebt, iliswe liya-landa.“ Vgl. v. Ewald S. 50. z. B. mtu 
ameßnika der Mensch hat bedeckt; madschi yameßnika das Wasser 
h. b. u. s. w. 


„Man zählt sechs Arten, drei Zeiten und drei Währungen ‘): 
„für jede Zeit und Währung giebt es aber mannichfache Ausdrucks- 
„weisen. So z. B. kann ich, war liebend (amabain) durch acht 
„Formen dargcstellt werden: benditanda, dibendilanda [also di, ich, 
„wiederholt ?)], dandilanda, dabenditanda, dandibendilanda, dayendi- 
„landa, dayebendilanda , dayendibendilanäa. Da die dritte Person 
„hier, wie im ganzen Verbum, schon des STfljjectpräfixes wegen 
„zehn Mal sich verändern kann, so resultiren für diese allein, 
„durch alle acht Formen des Imperfccts, achtzig- Formen. Und 
„doch handelt es sich'hier nur von einer Person einer Unterab¬ 
teilung der einen Vergangenheit! 

„Die Währung wird auf das gewissenhafteste bezeichnet. 
Beispiel: 


„Gegenwart 


Unbestimmt. 
diya - landa, 
ich liebe 


Unvollendet. Vollendet. 

diya -wa- landa, di-landile 

' ich liebe jetzt ich habe geliebt 


,Vergangenheit da-landa, bendi-landa., bendi - landile 

>’ ° ich liebte ich war liebend .ich hatte geliebt 


Zukunft^ diya-ku-tanda, diya-ku-bandi-landa, diya-ku-bandi-tandile 
” lieh werde lieben ich werde liebend sein ich werde gel. h. 


„ Im Koossa (Lichtenst. I. 660.) enden alle Zeitwörter aiif a 
„(s. Wohllautsregeln); die mehrsten, besonders; die rein activen, 
„sind radikal und gewöhnlich zweisilbig. Die abgeleiteten sind 
„mehrsylbig und haben die Endung ana, ela oder essa [von allen 
„dreien giebt es auch im S6ch.] Die Neutra werden meistentheils 


1) Damit ist auch wohl das gemeint, was oben im Kakongo I-Lin u. 
s. w. S. später. 

2) Vgl. bei Cns. p, 17. die Bildungen mittelst des Auxiliäre ha, z. B. Ki 
bele bin reka J’ai ete j’aehete := j’ai achcte cet. 



vom Kaffer- und Kongo - Stamme. 143 

„durch die unveränderten Subst. oder Adj. ersetzt, z. ß. lamba Hunger 
'„und hungrig sein. Die Pcrsonalftirwörter (S. 664.) werden nur 
„bei besonderem Nachdruck gebraucht; in der gewöhnlichen Rede 
„aber durch gewisse, dem Zeitwort vor- oder angehängte Sylben 
„ausgedriiekt, die nach der Zeit, die man andcuten will, wech¬ 
seln und also gewissermassen als Beugungen der Zeitwörter an- 
,,znsehen sind. Folgendes Schema stellt diese Sylben dar: 



Gegenw. 

Vergang. 

Zukunft. 

Ich 

Dia 

Di oder Indi 

Do 

Du 

Uja 

übe 

0 

Er 

Ea 

Ebe 

1 Vo 

Wir 

Sija 

Sibe 

So 

Ihr 

Mja 

Nibe 

No 

Sie 

Pa ja 

Ebe 

Bona 


„Die Regelmässigkeit und Consequenz in der Bildung dieser Zeit- 
Pronomina ist bemerkenswert!:. Das Charakteristische zurBezeich- 
- „nung der Person liegt in dem Consonanten. Dagegen verräth 
„sich die Zeit durch den Vokal, das Präs, durch .4 [nein: viel¬ 
mehr ja], das Perf. durch E [nein: He, was wohl mit dem ben im 
„Kafferiseben zusammenhängt], das Fut. durch 0. Gewiss eine sehr 
„einfache und glückliche Combination. Diese Form der Personal- 
„fiirwörter überhebt die Sprache der Iioossa des Gebrauches der 
„Hülfszeitwörter, die ihr auch ganz fremd sind, obgleich siö in 
„den Dialekten der Beetjuanenstämme Vorkommen und dort das 
„einzige Mittel zur Beugung der Zeitwörter abgeben. Hin und 
„wieder erscheint jedoch auch in der Koossa-Sprache das Ui ku: 
„ich gehe, als Hiilfszeitwort zur Bildung des Futurs. Uehrigcns 
„werden jene Sylben bald dem Zeitwort vorgesetzt, bald hinten 
„angehängt; ich kann aber nicht angeben, ob dies willkührlich 
„oder nach gewissen Regeln geschehe.“ Beispiele vom Fut.: Ea 
„ku fula (Es wird regnhn). .Inzja le , i lumäjo, do ku-puldba 
[Hund jener, welcher beisst, ich gehe tödten] Den Hund, wel¬ 
cher heisst, werde ich todtschlagen. 

Im Sechuana (Casalis p. 16. 46.): „Le fufur se compose du 
„radical et du verbe lla, venir, [goella Arrivee p. 7. wohl mit dem 
„infin. go] employe auxiliairement comme shall et will en anglais; 
Kt lla reka, „j’aeheterai. “ Dem viel), entsprechend im Suah. 
alapenda (amabit). Nach Lichtenst. II. 620. wird rala (wollen oder 
werden) zur Bezeichnung des Fut. in Anwendung gebracht; bei 
Casalis bedeutet dies Wort aber: dimer p. 6, 7. 15. — „Der Inf. 
„und das Fut. imperf. setzen im Kongo (Mithr. HI, 1. 217.) der 
„Wurzel cu *) vor, letzteres [1] demnächst die Pronomen: Sing. 


1) Ist dies in beiden Fällen gleich, so dass man im Fut. es etwa so za 
fassen hätte: Ich zum - Thun (bereit), oder bedeutet im Fut. cu: ich gehe, 
wie Lichtenst. vom Koossa-behauptet ? 



144 


PoU, lieber die Sprachen 


„l, n 2, und 3, o; Plur. 1, lu 2, nu 3, e. Das Fut. Perf. 
„setzt zwischen die Pronominal - Vorsätze jenes Kut. und dessen 
„Vorsylbe cu noch: cuquinga.“ — Im Bundo p. 33.: „0 futuro do 
„infinito de qualquer vcrbo Bundo he auxiliado de dous verbos, 
„que saö o verbo Cuquinga esperar, e o verho Cuyza vir: o pri- 
„meiro sempre precede ao verho, e por isso se tem como pronome, 
„ou addiqao inicial, o segundo de.ve sempre estar depois do 
verbo, v. g. Quinghi-cuzöla-cuyza quando houver de amar, onde 
claramcnte veinos, o verbo Cuzöla amar, entre os dous verbos 
Cuquinga l ) esperar, e Cuyza vir.“ Vgl. Lat. im Pass, amatum 
iri cet. Das Fut. im Ind. und Opt. wird zufolge p. 32. mittelst 
c.u-yza (venire), sogar bei diesem Verbum selbst, gebildet, wie 
z. B. Ngu-yza-yza Eu virei [ich komme zum Kommen], Gu-yza- 
yza tu viräs cet. 2 ). Jedoch hat man in Loanda und seiner Um¬ 
gebung dafür das Portug. logo (illico; Frz. sur le champ, Hundo 
le logo — Port, logo) angenommen, z. B. Logo ■ ghi ■ yza eu 
virei cet. Das Bullom bedient sich beim Fut. gleichfalls des 
Verbums hun (kommen) als Auxiliäre Mithr. IV. 439. Ja im Sanskrit 
ist es nicht anders Et. F. II. 693. Auch erklärt Moritz Haupt 
(Wiener Jlirb. Bd. 76. p. 127) das Slawische Fut. bödö (ero) aus 
der Wurzel &’ und idö (eo), wie je vais dire, ip/ofiai tppdmor; 
allein ido selbst ist bereits componirt mit einem Analogon zur 
Sskr. Wurzel dhd = Engl, do, vgl. I do go u. a. — Zukunft 
selbst ist die kommejtde Zeit, wie Vergangenheit die fortgegangene. 

Der Inf. ist im Sech, mit einer, dem Engl. Io, Deutsch zu 
entsprechenden Partikel verbunden z. B. go reka (to buy) Cas. 
p. 16., und das Vorgesetzte cu im Kongo sowohl als Hundo 
(Obss. p. 156.) wird wohl eben so, und nicht pronominal, wie Gr. 
to, zu nehmen sein. ’Cu, mti, bü bezeichnen im Bundo: em (in). 

Der Opt., z. ß. apende (er möge lieben) erfährt im Snah. 
hinten Umwandlung des Schluss-« in e. Dasselbe findet im Sech, 
statt. Cas. p. 16.: Le suhjonctif se forme du rndical en changeant 
Pa final en e ; lei reke, „que j’aehete“; eben so p. 19. 20; A 
bofe ftu’il lie. — Merkwürdig genug auch im Bundo p. 29. bei 
der 3. sog. Imperativ-Form, z. B. Dicc. p. 611. Ngänna Zdmbi 
u-anddle [Herr Gott wolle!] Queira Deos (utinam) von cu-anddla 
Querer (veile), Obss. p. 35. U bänque Fa^a eile, pl. A-banque 
Fa^äo eiles, aber Tlänca Faze tu, pl. Banqu-e'nu Fazei vos, dies 
in grosser Uebereinstimmung nicht nur mit Suali. penda, liebe, 
pl. penclani, sondern auch mit dem Sech, bofa (lie), pl. bofang (fiez), 
mithin ng wohl = ni im Suali. Tu • banqu - e'Uu Fayamos nös. — 


1) Dafür steht Mithr. III. 1. 220. ugsa geschrieben, als nota Fut. 

2) Ob wirklich dieses cuquinga, Cong. vinga Esperar (expertare) in 
das Fut. beider Sprachen einging, bediinkt mich sehr fraglich. Wenigstens 
hat das Bundo nur in der 1. Pers. Sg. qui-nghi , z. B. quinghi-b/mra yuando 
eu tiver feito, worin nghi das Ich repräsentirt, aber 2. qni-u-bimca u. s. w. 



eom Kaffer- und Kongo ■ Stamme. 


145 


Ferner Bundo p. 71. Zyla eie Ama tu, pl. zol-enu Amai vos, tu- 
zol-ellu Amernos nos. Uzöle una Ame eile, pl .A-zöle Ana Amem 
elles. Eben so im VU. Mithr. 111. 1. 221. A-ccondeqxte (sanctifi- 
cetur) von Cu ■ conddca Venerar. Heze (veniat) = Bundo eze Obss. 
p. 107. — Iin Kongischen wird in der 2. Pers. lmper. o [d. h. 
doch: du] vor-, ausserdem aber das eig. Personal-Pron. noch 
nachgesetzt. Bei Vornehmen gebraucht man statt der 2. Pers. 
des lmper. die erste Plural >Person. Die erste; — so steht we¬ 
nigstens Mithr. Ilf. J. 217., was etwa so viel andeuten soll, dass 
der Redende dem Angeredeten die Handlung abzunebmen oder ihm 
darin beizusteben sieb als der Niedere verpflichtet fühlt? Der Opi. 
hat vor sich nguabho (d. i. utinam), oder ozolao nzambianpungu 
(d. i. wollte Gott!). Jenes enthält engua Oxalä (utinam) Cannee. 
Obss. p. 197., vieil. mit der Bundo-Postposition bö (Mas) p. 137., 
das zweite anscheinend Port, oxalä, vieil. mit Anklang an zola 
Querer (veile, amare). 

Im Se'c/i. lautet das Präl. z. B. Ki bofilc (j’ai lie) Cas. p. 19., 
Ki bofiloe (j’ai ete liü) cet., s. ob. Kafferisch. — Eben so im 
Bundo Prät. - elele Mithr; 111. 1. 220.; Cannee. Obss. p. 3f. - le, 
selten -ne, zuweilen sogar bloss -e (st. a im Präs.), z. B. p. 70. 
Emmi ghi • a ■ zolele Eu amei, ou tenlio amado. Ferner Emmi ghi- 
a-banque-le Eu fiz, ou tenlio feito Obss. p. 34. Dem -le gleich 
mag das -ri im Kongo sein Mithr. 111. 1. 217. -Als erste Personen 
im Präs, bei Cann. Obss. p. 177. Cong. Voüle Digo (Ego dico) 
von voüa (Dizer); zolele Quero (ego volo, amo) von zola Querer. 
Tanghili Aprendo (ego disco) von langa Aprcudcr. Aber Mul. Meno 
lamba (I boil)* von Emb. lairnb (Boil v.); lamba. Mal. lambe (Cook 
v.), Cong. lamba, Bundo culämba Cozer ao luine (coquere). (Das 
Suali. weicht hier ab: Pract. amepenila, Plsqpf. alipenda. Umeküa, 
aliküu, lalikaa , palikua Erat. Issipokua yee angeblich: ohne es, 
genauer wohl: war es nicht.) 

„Die Pronominal- Accasalive drücken die Kongesen in der Con- 
„jugation der Verba selbst aus.“ Mithr. 111. 1. 216. „Sind Pro¬ 
nomen das Ziel der Handlung; so*wird zwischen die Pronominal- 
„Vorsätze der einzelnen Personen und den Wurzellaut, n für: mich, 
„cit für: dich, mu für: ihn; tu für: uns, nu für: euch, a für: sie 
„eingeschoben, und beim Prät. jenem Pronominal-Vorsatze noch 
„das eigentliche Personal-Pronomen mit einigen Veränderungen 
„vorgesetzt. Auss.pr dem, dass auf diese Weise auch der Rück- 
„bczug auf die handelnde Person ausgedrückt werden kann: giebt 
„es doch noch eine eigene Modification der Conjugation für dieses 
„Reflexiv- Verhältniss. “ Tuckey v. Hire v. hat Mal. Salta Ecofeeta 
Work and i ’ll pay you [-ro-?] von fela Pay v. 

Dem Sechuana fehlen eig. Casus. Cas. p. 10. 42. Das Subj. 
pflegt vor, das übj. hinter dem Verbum *) zu stehen, also wie in 


1) Bei Burchell II. 584. zwar z. B. auch : ’A'c hd [canis] e schiili mükacha 
II. Bd. 10 



146 


Polt, Ueber die Sprachen 


der Suaheli -Phrase S. 50.: ltdha amepiga,. kiihhanadjhtikwe (Pater 
verberavit filium-suum). Merkwürdiger ist die Ucbereinstiinmung 
beider Idiome theils unter sieh, theils mit dem Kongo in Zwi¬ 
schenfügung des abhängigen Personalpronomens zwischen Subj. 
und Verbum; — ein Gebrauch, der ganz der Französischen Weise 
gleicht. Z. B. Sech. Kia mo rala Je l’aime p. 43. Vgl. mu (ihn) 
im Kongo, und Suab. S. 52.: Ame-m-penda(i) Er hat ihn geliebt; 
ame-wa-penddo Er hat sie geliebt, so dass m und wa darin Hem 
Sech. Acc. mo (ihn, sie), PI. ba (sie, ro. und f.) p. 12. gleich 
kommen, deren nominative Geltung, wahrscheinlich wegen ihres 
Gebrauches als Nominal - Präfixe ( Mo-lu der Mensch, PI. ba-lu), 
erloschen, oder, wie wenigstens bei ba der Full, das noch vor 
Verben sie beibehielt, eingeschränkt ist. Die Uebereinstimmnng 
erscheint noch vollständiger, wenn man der Suffigirung -i, pl. o 
im Suah., woran nicht zu zweifeln, die im Sechuana bei solchem 
Gebrauche üblichen Suffixe -e, PI. -bo p. 12. gleich setzen darf, 
Ev. Joh. I. 12. übersetzt Krapf sogar den Dativ (er gab ihnen) 
durch ame-wa-pä-o, dessen Wurzel ich im Koossa pah (auch 
nika oder eelha geben) Lichtenst. I. 660. wiedererkenne. Ob 
schlechthin richtig, möchte ich nicht verbürgen. Wenigstens be¬ 
dient man sich für diesen Fall gewöhnlich des sog. Rclativ-Verbums 
(ich thue Für — Jemanden, in dessen Interesse), wie Kia neLA 
moenaka (je donne ä mon frere) p. 42. vgl. 15., indess auch Kia 
nea [= Koossa nika] GO [s. v. a.: ä] moenaka. Es steht p. 49.: 
Me a ba yoela Et il leur dit, wie p. 50.: A ba foumana II les 
trouva, und a yoela Pcie'ro II dit ä Pierre, so dass ich nicht weiss, 
ob auch yoela Relativ-Verbum sei. — In gleicher Weise sagt man 
im Suaheli: ame-ni-penda oder ame - ni-pendd-mi Er bat mich 
geliebt, aber im Sech, bloss rücksichtlick des Infixes einstimmig 
’n, abweichend im Suff. -ka. — Ferner Suah. ame-ku-pendd-we 
Er hat dich geliebt, im Sech, in beiden Partbien einklingend gu 
und -u. — Ame-w a-penda-niu Er hat euch geliebt, theilt son¬ 
derbarer Weise das Infix ( wa) mit der dritten PI. (s. ab.), wäh¬ 
rend das Secb.' le im Infix, und — letzteres dem Suaheli sehr 
conform — im Suff, -en u sagt. — Suah. ame-tu-pendä ■ sui Er 
bat uns geliebt, allein S6ch. nur im Suff, zusammenpassend, im 
Infix verschieden: re und -elsu. Vgl. noch Ew. S. 50. Ich weiss 
nicht, ob dies re mit der t- oder s-Form etymologisch einver¬ 
standen erklärt werden darf. Ein Wechsel vqn S und R kommt 
vor. Lichtenst. II, 621. Vielleicht mag die Doppelform für 1. Pl. 
kein Ueberfluss sein: das wäre sie nicht, wenn nach dem Muster 
vieler Sprachen die eine inclusiv (die angeredete Person mit ein-), 


[caudam] Der Hund hat den Schwanz verbrannt, allein p. 583. 2 Inversionen: 
Mcetsi [Aquam] achtli [Perf.; imbibit] nmschaua [arena]. Mansche achtln 
liiuscle Lac bihit mtisco. Eben so Inversionen Cas. p. 42. 



vom Kaffer- und Kongo - Stamme. 


147 


die andere exclusiv (tl. h. dieselbe ausscblicssend) sein sollte. 
Eine Bestätigung für diese Vermuthung finde ich jedoch nicht. 

Pronomen« 

Die Pronomina, soweit es sieh aus den unvollständigen Nach¬ 
richten beurtheiien lässt, zerfallen, je nachdem sie emphatisch oder 
bloss als Personalpräfixe des Verbums gebraucht werden, in zwei 
Classen, die im Einzelnen freilich zuweilen von einander, etwa so, 
wie Frz. moi und je [s. ob. Kafferisch beim Verbum], von einander 
auch etymologisch abweichen, in der Regel aber doch nur leichte 
Abschattungen erfahren haben; die Verbalpräfixe offenbar mit dess- 
wegen, weil ihr mehr flüchtiger körperlicher Gehalt mit den 
Temporalzeichen verschmolz. 


Im SMiuana: 


1 

I. 

ii. 

UI. 

masc. u. fem.| neutr. 

Absolut 

Sg. na 

uena 


ona 


PI. rona 

lona 


chona 

Vor Verben: 



■ 

' 

a) Pracs. 

Sg. kia 

ua 

1 

ea 


PI. rea 

leg 

■m 

lia 

b) Perf. 

E3H 







ba 



Im Condit. steht in 1. Pers. Sg. ’N ha be hi bofa (Je lierais) 
Cas. p. 20., vermuthlich weil, falls vorn ki und nicht ’n gesetzt 
wäre, das dreifache k einen Misslaut gegeben hätte. — Bei Lich- 
tenst. II. 628. he (ich), he-nah (ich selbst); eig. wohl: Ich ich. 
Aami (mein). TJona (wir), uljona (unser). — 0 ina, oder 0 (du). 
Chägo (dein), No - ina oder No (ihr, Lat. ros). Muhnlo-sih (der 
Mensch hier) Er; Baato-sih (die Menschen hier) Sie; akkamuhnlo 
(diesem Menschen angehörig) Sein. Nachstellung dieses Demon¬ 
strativpronomens, die auch im Koossa nicht fehlt, z. B. fsehlo-sih, 
dies Ding, intja-sih, dieser Hund, zeigt sich gleichmässig, und, 
dürfte man s mit h vertauscht glauben , sogar buchstäblich über- 
cinkommend im -Suaheli, z. B. niumba hi, dies Haus (v. Ewald 
S. 52.). Im Sdcli. werden Demonstrativ- und Possessiv-Pron. 
stets dem Nomen nachgestellt Cus. p. 43., z. B. Sinoäo sdo (coupe 
cette) p. 50. Die Possessiva werden übrigens auch, wie im Koossa, 
Suaheli u. s. w. den Subst., worauf sie sich beziehen, angehängt. 
Bei Casalis p. 12. oa ame (de moi), oo gago (de toi), oa gaye, 
p. 44. gae (de lui) als Genitive. — Burchell hat Mo ebun (mater 

IO * 










148 


Pott, Ueber die Sprachen 


nostra) mit mii (mater). [} (du), n? na oder de ix (dich). Ausserdem 
in der ersten Singular-Person Formen bald mit li bald mit t [vgl. 
im Koossa di], was wohl auf Eins liinausläuft. Z. Fi. Kt a Itwdiri 
Takün Ich gehe (nach) Litakun. Tia böona Ich sehe = Bundo 
Emmi Nghi - möna (Eu vejo) mit zweimaligem Pron. vorn. Ke 
böonje Icli sah = Bundo Emmi Ghi-a-möne [man beachte hinten 
das e, und nicht a] Eu vi, ou tenho visto. Kong, monizi (j’ai 
vu) Degr. I. 223., ohne Pron., wie es scheint. Bei Lichtenst. 
Beetj. Ke aoho ') bona k’haka' itzinzi Ich habe viel Perlhühner ge¬ 
sehen. O-acho bona Onjlioäh? Hast du den Parder gesehen? Im 
Bundo Eid gu- a-mond Tu viste, ou tens visto'. Bei Cas. p. 45. 
Rea bona (nous voyons), Bundo Ella tu- möna Nös vemos. — Suaheli 
lulcaöna (wir sahen) vielt, mit einem dem Beetj. acho und Koossa ja 
entsprechenden Einschub zwischen Pron. und ona (sehen) S. 4S.; Bundo 
Ella Tu-d-möne Nös vimos, ou temos visto. Cannec. Obss. p. 83. 

Koossa : 

i)tina oder muna (ich), eaam (mein). Thina (wir), a-e'thu 
(unser). — Oenna (du), saam, ako oder lako (dein, und auch; euer). 
Nina oder nini (ihr). — l ■ uhmlö [dieser Mensch] Er, und angeblich 
im PI. eben so, was aber doch der Form nach nicht füglich PI. 
sein kann. K’haluhmlo (sein, und angeblich auch PL: ihr), nach 
Lichtenst. II. 665. wörtlich: zu, oder nach [k'ha ], diesem Mann. 
Die Poss. werden postponirt _z. B. Umfas’ eaam (meine Frau); 
inliomo ■ lako (dein Ochse); insluh-aelhu (unser Haus), also, wie 
Suah. niumba elu (domus nostra) S. 51., ku-elu (bei uns), wie 
kua Mungo (bei Gott) , kuakwe (bei ihm), wie Sdch. Cas. p. 11. 
go’na (aupres de moi) mit dem unstreitig verwandten Prüf. go. 
Die obigen Personalfürwörter werden nur gebraucht, wenn die 
Person mit besonderem Nachdruck angedeutet werden soll, z. B. 
auf die Frage-wer? etwa wie die Lat. Pron. von derselben Be¬ 
deutung. Die Personalpron. als Verbalpräfixe s. beim Verbum. 
Ni garpma lako (Was Name dein) Lichtenst. im Koossa, wie Beetj. 
bei Burchell II. 583.: Litnä ja haaku i mang ? (Name deiner wel¬ 
cher?,) Wie heisst du? — Koossa: Di vela Guakubi (Ich von G.) 
Ich komme v. G. Mina Umluhngo Ich [bin ein] Colonist. Ma- 
si-islaie [hinten e, wie im Opt.] [Wohlan wir sitzen] Lass uns 
niedersitzen. Dia ku peela öenna [Ich gehe schlagen dich] Ich 
werde dich schlagen. Nini p’hina [Ihr wohir.] Wo wohnt ihr? 
Thin appaja Sjommi [Wir dorthin- Sj.j Wir wohnen am Sj. Ea ku 


1) Dieses im Prät. bei Lichtenst. auftretende Wort, welches bei Casalis 
nicht so vorkommt, bedarf noch der Erklärung, welche zu geben ich mich 
nicht im Stande sehe. Ke acho beetsa t'holla Ich habe ein Kudu erlegt. 
Ke acho rati (ich habe gewollt) Ich will gern, bin bereit. Ke acho lappa 
oder Ke lappihle Ich bin müde [geworden?]. Acho meh komona (Haben 
geraubt Ochsen) Sie haben Ochsen geraubt. 



vom Kaffer - und Kongo- Stamme. 


149 


fula (es wird regnen),' wo ea neutral, wie im Secb. Ferner Hat ga 
lie'sa die Sonne geht auf, unstreitig aus Ua (kommen) mit einem 
Pronominalpräf., aber auch Lia p’huma Sic bricht durch. Ebe [s. 
Verbum, wonach es 3. Pers. heim Prät.] liUsiiviklc [hinten unzwei¬ 
felhaft mit dem, auch im Sech, üblichen Präterital - Suff.) Er ist 
schnell [?] gelaufen Licktenst. I. 671., wahrsch.von drjidtma (lau¬ 
fen) S. 663. — An der Lagoabay: 1 — angeblich Defambah , worin 
aber offenbar mit dem di (ich) im Koossa noch ein Verbum, etwa 
Koossa p'hathla (festhalfen), verschmolzen ist. You — Hcurich, 
vgl. Koossa öenna (du). Him — Kawenc. 

Makooa ak-liu, Monjou an goo Mine; Mak. ah-uww, Monjou 
al-wa-lah Thine. Im Sowauli Salt App. p. 111.: Dugghe a-koo 
(Tby brother), aber auch wohl Babbe -akoo (Fathcr) scheint das¬ 
selbe Pronominalsuff, zu enthalten. Die emphatischen Pron., die 
meist vor und hinter dem Worte gesetzt, ja oft zu noch grösserer 
Verstärkung ausserdem verdoppelt werden, s. Ew. S. 52. in Re¬ 
densarten, wie Yce endi-e ja er ist es! fVeute [du-du] endi-wo 
[du] ja du bist es! ilimi [ich - ich] endi-mi [ich] ja ich bin es! 
Suisui [wir-wir] endi sui [wir] ja wir sind es! Nxiinui [ihr-ibr] 
endi nui [ihr]. Wdo endi-o ja sie sind es! Die Poss. S. 1 51. 56. 
yango (mein), yako (dein), yakue (sein), elu (unser), enu (unser), 
yao (ihr) u. s. w., jedoch mit mancherlei Variationen, wie kidsclia- 
nadschäkwe seinen Sohn; maliyakwe sein Eigenthum; mukouo wakwe 
seine Hand; dschina laliwe sein Name. 

Kongo: 

Kongo bei Degrandprö 1. 156. cazi (epouse), cazi amt (nt 
fenime), 127. Moene minou, monlou akou Monseigneur, je suis 
votre esclave, was man, ohne diese Uebersctzung, eher als: „der 
Herr ich, der Sclav du“ zu fassen in Versuchung geriethe. Fer¬ 
ner p. 157. -minou (raoi), y-tame, l:o - ame (ä moi, moi-mdme); 
gaye ou cou'(toi), y-acou, ko-arou (ä toi , toi-mdme); y-andi, 
ko-andi (lui, eile), eher son, leurl — Malemba cazarnmee, Emb. 
casamy (wifc) Tuckey p. 399., offenbar mit Pronominalsuff. I. Pers. 
Sg., was auch in fonlavouke ca ss ame (jealous) p. 396. versteckt 
sein mag. Desgleichen in Emb. coondiamy (Mal. dequame) Friend, 
vgl. cani (ami) bei Degrandprö, Mal. pangamc (brother) und (ou- 
deamme, Emb. moonaleze (servant), vgl. Mal. n’laovde, Emb. leeze, 
toadi (boy), auch.wohl Suah. t ci-loto (Kinder) und Kakongo leze 
(Bedienter). — Desgleichen 1) Mal. meno, Emb. meeno, Cong. bei 
Cannec. mönu (ego), Mal. Ueno caca I am alone, mit caca (alone), 
Cong. caca, locca Somente (solum, tantom), Bundo emmi (ego), 
emmi mucne Eu misnio (egomet); t camee. or e’chame, E. chatny 
Mine pr., Cong. miäme, mäme, Bundo q’u'dmi, pl. iämi (meus). 
Cong. ieta , Bundo guellu, jiellu (nos, nostrum), eilu (nos). —- 
2) Mal. gaia (Plur. yeno), Emb. ga>yay You. Cong. ertghäe, Bundo 
eie (tu), Cong. und Bundo enu (vos, vestrum). ®) m " e * 



150 


Poll , Ueber die Sprachen 


(this), doo, Mal. ana (tliey). Bundo una (eile, ou, aquelie), pl. 
ana Obss. p. 20. Cong. iandiüna, anna, au, Bundo una, ana, 
agua Aquelie, aquelles (ille, a, ud) p. 163. Cong. oyo, Bundo 
yo, y :go, pl. ayo Este (kic, is). — Mal. nanee, Emb. ounanie (wbo). 
Cong. ndhi, Bundo nähi, qud Qual (quis, vel qui), ihndi, oder 
fi di Quem (quis, vel qui). Koossa ni oder inina, Beetj. no (was?) 
Liclitenst. I. 665. II. 628. Cong, q’uidma Que (qui, quae, quod). 
Ueber die grosse Einstimmigkeit der Kongo- und Bundo-Pron., 
wenigstens in den beiden ersten Personen, s. Cannec. Obss. p. 1 55. 
Noch vollständiger ersieht man sie aus Mitbr. 111. 1. 215. nr. 6. 
Kong. Meno ich, ngue du, oyandi er, pl. elu wir, enu ihr, au sie. 
Me mein, cu dein, ndi sein, etu unser, enu euer, au ihr. Ich füge 
hier noch das Bundo-Poss. aus C. p. 21. an, wo es mit Präfixen 
versehen ist, die denen der Subst. dritter Deel, sich nähern, viel¬ 
leicht aber je nach Verschiedenheit seiner ihm beigegebenen Sub- 
stantiva durch andere ersetzt werden. Vgl. z. B. iin VU. 0 ri-gina 
ri-ae (nomen tuum); o quifuchi qui-ae (regnum tuum), o muchima 
uae (voluntas tua); o mussa uetu (panis noster), o macongo elu 
(peccata nostra). Tat’ elu (pater noster). Im Dicc. p. 552. v. 
Padre nosso: Tal-eitu oder Täta gue'llu, Mussdmbo [ora^äo] rid 
Talellu Oratio dominica. 1) Q’uiumi oder chiami (mens, a, um), 
Pl. idmi (mei, ae, a); quiettue oder quiissue (noster, rn, um), Pl. 
iaiellue (nostri, ae, a). — 2) Quiidie (tuus, a, um), Pl. iuie (tui, 
ae, a). Quienu (vester, ra, um), pl. iaidnu (vestri, ne, a). — 
3) Quiai Seu (suus, a, um). Quidllue (deile), pl. iaidllue (dellcs); 
quidu, pl. iaidu (dqquelles). Vgl. übrigens noch Angolanisch Mitlir. 
III. 1. 220., worin ich jedoch glaube einige Irrthiiiner anzeigen 
zu müssen. Em ich, eie du, vina er [kommt dem Beetj. nahe]; 
essue wir, elue ihr [nein; auch: wir], enue sie [vielin.: ihr]. Chami 
mein, quide dein, quienu sein [euer?], quiissue unser, quictue euer 
[unser?], quidu ihr. Vor den Verben steht nghi (ich), v für: du, 
und: er [im Sech, sind beide, «o und oa, auch nur leicht unter¬ 
schieden], tu (wir), mu für: ihr, und: sie [falsch?]. 

Vor Verben haben nach Cannecuttim die liundo - Pronomina 
folgende Gestalt: 



1 I- 

1 1 

111. 

Praes. et Fut. 



f li 




a 

Perf. 


gu - a 

w-a 



nu - a 

a 

Fut. 2. 

qui-nghi 

1 qui - u 



Pl. qui-ttu j 

qui -nu , 

qui - d 











vom Kaffer- und Kongo- Stamme. 


151 


Kongo; 


I. \ 11. ( Hl. 


( Praet. 

n I 


a 

\hodierni diei 

Pl. tu 1 

nu 

a 

Prücs ' 



1 

/Praet. conti- 

ya 

üa 

a 

[ nuativum. 

Pl. tua 

nua 

a 

Fut. imperf. 

n 1 

0 

0 


Pl. tu j 

nu 

e 

Conj. Fut 

nan 

«0 

ne 


Pl. natu 

J nenn 

ne 


Im Kakongo (Proyart S. 156.) werdet» „die Pron. Poss. durch 
„Adv. [?] ausgedrückt. Für mein, meine in Sg. und Pl., ohne 
„Unterschied, arne; für dein, deine Sg. und PI. aku; sein, seine 
„Sg. und PI. andi und so auch in anderen Fällen. Mein Schaf 
„heisst Li-Meme oder,__ Li■ Arne [also nicht zu verwechseln mit 
„Cong. emcme , einem onomntop. Ausdrucke für Schaf]; deine 
„Scheere Tu-ziolo, Tu-aku [vgl. Bundo lijöla aus Port, tisoura 
„Forfex]; seine Matten Nteva bi-andi. Es ist eben so, als wenn 
„man sagte: Das Schaf mir u. s. w. Die pers. Pron.: Ich, du, er; 
„wir, ihr, sie, werden durch I [wohl ein Cons. weggefallen], u, 
,,/ca; tu, lu, ba [vgl. S£ch.] gegeben, wenn man von Menschen 
„beiderlei Geschlechts redet; aber durch ganz eigentliümliche Aus¬ 
drücke , wenn man von Thieren oder unbelebten Gegenständen 
„spricht.“ 

Artikel. 

Bei weitem als das Auffallendste stellt sich in den Kuffer- 
und Kongo-Sprachen die Häufigkeit veränderlicher Präfixe dar. 
Theils mögen sie den Zweck der Ableitung befördern, zumal wir 
beim Nomen, nimmt man die einfache Umendung des verbalen 
Ausgangs -a in andere Vokale aus, nicht allzu viele Ableitungs- 
Sufftxe entdecken. > Andere hingegen scheinen eine Art Artikel, 
welche zwar je nach dem Numerus verschieden sind, allein gewiss 
nicht zu dessen Bezeichnung allein dienen sollen, indem eine 
solche nicht nur für den Sing, ganz überflüssig wäre, sondern 
ja auch der Plur. es sich an einer einzigeu Form genügen lassen 
könnte. Auch kann es, wie Herr v. Ewald richtig bemerkt, nicht 
eigentlich dem Geschleckte gelten, wohl aber mancherlei, noch 
nicht völlig enträthseltcn Unterscheidungen zwischen Person, Thier, 
Sache u. s. w. 



152 


Poll, lieber die Sprachen 


Vergleicht man die oben mitgetheilth Tabelle von Numcral- 
prafixen im Sdchuana (anderwärts bemerke ich dies nicht in 
dem Maasse) , so gewinnt es den Anschein, als seien die dem 
Laute nach nächstgelegenen Paare in den beiden Numeri der¬ 
selben Wörter einander absichtlich aus dem Wege gegangen, um 
desto greller den Numeral-Unterschied hervortreten zu lassen. 
So verhält es sich mit Mo und Ma; Jio und Ba; Le und Li, indem 
diese etymologisch unzweifelhaft zusammengckörenden Formen 
eben nie, was doch am natürlichsten schiene, in denselben Sub¬ 
stantiven je nach dem Nuineraiunterschiede sich finden, sondern 
in ganz verschiedenen. Ihrer innersten Natur nach sind diese 
Formen unstreitig pronominal, unterscheiden sich aber von den übli¬ 
chen Pronominen durch ihre Stellung vor den Wörtern. (Im Kaffe- 
rischen gehen auch Demonstrativa den Nominen voraus). Schon 
o *), z. B. Cas. p. 11., steht pronominal und artikelartig: o mo- 
golu go’na eig. Er [ist] ein - grosser ( mo-golu ) neben - mir, d. 
h. grösser als ich, und o mo ngue (Pautre) 1 2 ) s. Zählmcthoden S. 
20. Oa ist 3. Pers. Sg. vor dem Verbum zufolge p. 12. 43. 45. 
und a p. 13. eins der Präfixe. Als Acc. mo (ihn, sie) im Sg. 
und ba (sie) im PI. desgleichen, aber letzteres iiberdcm vor Verben 
als PI. 3. Pers., s. p. 12., und bo (freilich sonderbar) als Suff, 
im Plur. Im Plur. Neuir. steht lia vor Verben und im Acc. li, 
beide nicht zu vermengen mit <ca, le im Plur. der swiilen Person. 
Vielleicht darf man auch noch geltend machen, dass am Camacon 
(s. Mithr. III. 1. 200.) die Zahlen 1. durch mo und 2. durch ba 
bezeichnet sind, was für den Gebrauch von mo im Sg. und ba 
im PI. sich nicht übel schickte, indem das Sechuana demnach 
in diesem Falle die Einheit durch die Zahl Eins (also mo - lu = 
ein Mensch), die Vielheit aber durch den ersten Repräsentanten, 
nämlich die Zweiheit, ausgedrückt hätte. •— Die Form se z. B. 
p. 46. ist unstreitig verwandt mit dem suff, - sih s. Pron. — Aus 
dem Koossa ferner hat Lichtenst. 1. 665. für: Der, Das — Le, 
Lo oder Lento, letzteres vielt, nur andere Form für L-uhmlö Er 
[eig. s. v. als Frz. l’homme, woraus Pon, on, wie iin Deutschen 
man aus: Mann]. P heia au [zu, an] le Sprich zu ihm S. 666. 
Jener, Jenes — Lehs ist vielleicht aus der vorigen Form mit 


1) Canner. Obss. |>. 3. (i. hat im Bundo als eigentlichen Artikel, der 
noch den Nuineralpräfixen vorausgeht, ohne tiesclilechtsunterscheidung, für 
den Sing. O (Port o, a), für den PI. Co (Port, os, as) z. B. o Rit'tla (o 
Homein), PI. Co Mäht (os Homens); O Mug'üttu (a Mullier), PI. Co Ag'nttu 
(as Mulheres); — ich weiss nicht, ob mit gewisser Nachgiebigkeit gegen dos 
Portugiesische. 

2) Cong. oäva vgl. Zühlmeth. S. 24., Bundo uomuett oder ttomttqun 
Outro (alter, a, um). Quiamuquä oder Mitttu imuehi ja aiäri (ein Mensch 
von zweien), Outro de dous (alter). Amuqua oder lngui Putros (alii). Cuffüta 
Acönco riä aqua [bezahlen die Schulden von Jemand] Desendividar. Kinqiti 
oder rittffui Mais (plus). 



vom Kaffer • and Kongo ■ Stamme. 


153 


dieser zusammengeflossen. Da ni oder iniua, wie no im Bectj., 
was? bedeutet, gehört auch Koossa Ni- W! oder Intoni-lo ? = 
Beetj. No ssrhlo-sih [Was Ding—dieses?] Was ist das? Lieber. 

Selien wir nun auf den Gebrauch derartiger Präfixe in syn- 
taclischer Beziehung, so zeigt sich dieser ungemein wunderbar, 
allein nichts desto weniger auf einen sehr wichtigen Sprachzweck 
hinzielend. Begegnen uns in den vielgeriilmiten Flexionssprachen 
einander beigeordnete Wörter von gleicher oder doch in Geschlecht, 
Numerus und Casus sich entsprechender Endung, z. B. Pulchrae 
sorores meae advenerunt, oder Bruta animalia tria me persccuta 
sunt, so wissen wir sogleich, welchem Zwecke diese Gleichheit 
oder Aehnlichkeit der Ausgänge dient, — nämlich dem, die innere 
Congrucnz einander coordinirter Satztheile auch sinnlich zu veran¬ 
schaulichen. Hier wird die Congrucnz an den Ausgängen ange¬ 
zeigt, in unseren transäquatorialen Sprachen an den Anfängen: 
— der Unterschied— ein topischer oder Orls - Unterschied— ist, 
begrifflich die Sache gefasst, so gross nicht, und. iiberdcin die 
letztere Weise den genannten Idiomen vollkommen gemäss, da 
sie überhaupt alle eigentlichen Casus- (sammt Numeral-) und 
(wie sie bei uns im Verbum üblich) Pcrsonal-Endunyen ganz und 
gar entbehren nnd demnach in ihnen (mit geringen Ausnahmen) 
sämmtliclie Flexionsbezüge nur durch Präfigirung zur Darstellung 
gelangen. — . 

Das Gesagte ist der wahre Kopf vom Nagel, den der Vf. 
der Anzeige im Mag. mit Bezug auf das Kafferische (im engeren 
Sinne) allerdings nicht verfehlt hat. Es mochte aber, zumal es 
sich auch um allgemeinere Ausdehnung des Satzes über andere 
Idiome handelt, noch ein tüchtiger Schlag nicht zu spät kommen. 
Die Worte meines gelehrten Vorgängers a. n~. 0. sind es werth, 
dass ich sie vollständig liielier setze. Er sagt: „DieKuffernsprache 
„giebt sich in ihrem ganzen Bau als eine Schwester der Belschuana- 
„Sprache zu erkennen: nur hat sie die allen beiden gemeinsamen 
„Eigentümlichkeiten kühner und grossartiger ausgebildet: sie ist 
„theils gehaltreicher (zu ihrem wahren Gewinne), theils wenig¬ 
stens viel üppiger entwickelt. Wenige Verhältnisse der W'örter 
„bezeichnet man durch Endungen, bei weitem das Meiste durch 
„Vorsätze und vielfache Umbildung der Anfangslaute, besonders 
„in regierten IFörffrn. Wohl nirgends wird handgreiflicher und 
„gewissermassen despotischer zum Bewusstsein gebracht, dass 
„alle Satzglieder um des einen Subjektes willen da sind. Während 
„die amerikanischen Sprachen durch gegenseitige Einkörperung 
„der Glieder jeden Satz auch dem äusseren Sinne als ein logi¬ 
sches Wort kundgeben, lassen die südafrikanischen den Häupt¬ 
ling, das Subjekt, in mehr oder weniger durchscheinender Ver- 
„larvung aus jedem Winkel hervorblicken. Dort scheint die Einheit 
„des Satzes wie aus gütlicher Verabredung entstanden, hier, wie 
„durch das Machtgebot eines Herrschers ins Dasein gerufen.“ 



154 


Poll, lieber die Sprachen 


„Jedes Selbstandswort bestellt aus einer Wurzel und aus 
,meinem Präfixe, d. h. einem Bestandteil ohne eigene Bedeutung-, 
„dessen vornehmste Bestimmung; die ist, das Selbstandswort als 
„solches kenntlich zu machen. So z. B. sind in den Wörtern- 
„inkosi Häuptling-, ihasche Pferd, umkonlo Speer, abanlu Volk, 
„das in, i, um und aba Präfixu. Es giebt aber besondere Prä- 
„fixn für die Einheit und besondere für die Mehrheil: so wird aus 
„udade Schwester, odade Schwestern; aus| umfasi Weib, abafasi 
Weiber u. s. w. “ 

„Das Präfix des Subjekts hat nun die Tendenz, vor jedem 
„abhängigen Worte sich zu wiederholen. Geschähe dies allemal 
„im buchstäblichen Sinne, so wäre eine gar zu rohe und Konfusion 
„erzeugende allgemeine Nivellirung die Folge davon. Ganz wie¬ 
derholt es sich daher nur vor dem Adjektiv; den übrigen Worten 
„schickt es gewisse Einzellaute, blosse Fragmente seines Wesens, 
„als seine Repräsentanten zu. Hat z. B. ein Suhjcktswort u/u 
„als Präfix, und soll das folgende Wort im Genitiv gedacht werden, 
„so wird dessen Präfixe ein blosses l vorgesetzt, das aber, bei¬ 
läufig bemerkt, wenn der Anfangsvokal u ist, demselben o sub- 
„stituirt: in u luli lomkonlo, Schaft eines Speeres, steht das zweite 
„Wort für umkonlo ; der Genitiv würde aber nach Subjektswörtern 
„mit anderen Präfixen womkonlo, yomkonlo, somkonto u. s. w. lauten. 
„Zu grösserem Nachdrucke bedient man sich auch wohl einer Re¬ 
duplikation mit euphonischer Lautveränderung: gowomkonlo, sesom- 
„kenlo u. s. w. “ 

Hiemit vergleiche man Ewald’s, vielleicht richtige Erklärung 
der mannicbfaltigcn Genitiv-Präfixe im Suaheli als Relativ-Pro- 
nomiua (S. 51.); sie scheinen jedoch w'eniger innig mit demnach¬ 
folgenden Nomen verschmolzen. — lm Sechuana , wo die Casus 
in gewöhnlichem Sinne CCasalis p. 10. 42.) gleichfalls fehlen, 
wird der Genitiv meistens durch die Partikel oa [s. ob. als Zeichen 
der 3. Pers.Sg.] bezeichnet, z. B. Mora [monaf] oa aine „Fils de moi“ 
p. 14., eig. wohl gleichsam tdoe o ifiög oder o ffiov. Rara oa sechaba 
(le pere du peuple), aber auch im Status constr. Ra-sechaba 
[so gekürzt] p. 42. Eine besondere Art Stein, Holl, pyp-klip 
(Pfeifenstein) heisst bei den Buchapins mit umgedrehter Stellung, 
■iinchui - a - kakdana [Stein der Pfeife] Burchell 11. 518. Eben so 
>ci Lichtenst. II. 625. Beetj. linjakomo (eig. lapis bovis) harter, 
schwerer Stein, linjapuri (lapis caprae) weiche'r Stein. Gleiche 
Wortfolge im Kong, 'l'addi Enzazzi (Lightning stone) eig. Stein 
des Blitzes. Tuckey p. 97. 380. Taddy d'ya M'wangoo or Fcti- 
clie rock. — Mit dem oa verwachsen steht Cas. p. 13.: Se-rutu 
sa (se oa) moseme Panier de jonc, worin man die Krase beachte, 
wie deren nicht nur in Romanischen Sprachen, z. B. Frz. du = 
de le, au = d le, und in Germanischen, wie im, zum, zur, son¬ 
dern auch im Griechischen, z. B. avfig, ov/xbg u. s. w. (s. Mehl¬ 
horn, Griech. Gramm. S. 100 ff.) überaus häufig sind. Auch 



vom Kaffer- und Kongo - Stumme. 


155 


kann man im Griech. sehr ähnlich den Artikel wiederholen, und 
den Genitiv oder Partikeln mit ihm verbinden. Beispiele: o uv-yg 
6 oo<pög, %<> ßtßXiov to tov nargög, ovzog livqg (6 arrjg) ovv 
(xlotp u. s. f., und in seiner verschiedenen Form o, y , ro, ot, 
ai , rä erhielte er eine noch grössere Gehrauchsähnlichkeit mit 
den Kaffersprachen. „L’article n’est autre chose que la präfixe 
du nom rdpetde. Ex. Sefale se se-gola L’arbre le grund.“ Cus. 
p. 11. Eben so im Suali. miti (Bäume) midogo (kleine) milalu 
(drei), also auch bei Zahlen (s. Zählniethoden S. 20), wie z. B. 
nicht minder Bundo massücu matdlu Tres noctes, isüa jilätu Tri- 
duum; isüa quigudna Uuatriduum, mala juäna oder atlu judna 
Quatuor homines, von udna (quatuor) etc. — 

Im Suaheli Genitive mit wa (= Sech, oa ) z. B. S. 54. mfano *) 
wa muigni pü?ke wa baba, in Gleichheit des Besitzers der Einzig¬ 
keit des Vaters, aber muigni 2 3 4 ) puelce; und t oegnie kuelli 3 ) (Be¬ 
sitzer der Wahrheit) S. 53. stehen vielleicht so, dass, wie in 
anderen Sprachen durch das Voraufgehen vor dem Regens, hier 
durch die blosse Nachfolge der Genitiv ausgedrückt wird. — In 
den Kongo-Sprachen ist die Wortfolge keine andere. »Die Diener 
der Religion heissen Ganga's “ Proyart S. 169. Allg. Hist, der 
Reisen IV. 683 ff., Emb. gonga, Mal. wecheclie (priest), Bundo 
ngdnga, PI. jingdnga Sacerdote, und Pdpa, Ilicöla ja Jingdnga 
j6ssu [i. e. Princeps sneerdotura omnium) Papa. Daher bei De- 
grandprd I. 48. 78.: Ganga'm Zambi, worin das zweite Wort: 
Gottes besagt, und p. 51. Ganga'm Kissy (Beschwörer der, Kissy 
genannten Fetische, Zauberer) vgl. Tuckey ,p. 153. 329. = En- 
gang a Mokisso (Verfertiger von Mokissos) Allg. Hist, der Reisen 
IV. 690.,. wie Ganga Gomberi Priesterin der Gomberi, und Münsa 
[Haus] Gomberi Heiliges Haus dieses weiblichen Götzen. Songa’m 
cama (adultere avec une femme du roi) Degr. p. 194. vgl. Tuckey 
p. 130., aus songa 1 ') Jouction des deux sexes p. 159. und cama 


1) Das m ist viell. Prüf. = Bundo »ui lim (in). Cong. fanmta, Bundo 
qtiiriffimgäna Semclliantc (similis, consimilis), aber bei Tuekey Mal. dedtlg 
deddy Alilte. Sonst Cong. fndna, fandna Bastar (suflicere) und fanäna Com- 
modamenle (commodc). Bei Degr. fouene (asscz), Mal. fouaing, Emb. foing 
(enough). 

2) Muigni und Wcgni sind viel!, mit Kongo moene (monseigneur) u. s. 
\v. vergleichbar. 

3) Ich weiss nicht, ob venvandt mit Bundo qniri Verdadc (veritas)? 
Kongo ieicca (cn verite) Degr., Emb. Icelica, Mal., chillictt (trne) und Cong. 
qneleca Verdadc (Verum, i), womit cocleca Provar (probare), aber auch 
Goslar (dclcctafi) eine wenigstens äusserlichc Aehnlichkcit zeigen. 

4) Tuckey p. 391. Emb. sougnm f« falsch st. «?] cnstmgnna , Mal. 
Wmmca,.Egcuzganie [Komma-zu tilgen?] Adultery, -offenbar mit cazammee 
[my wifc] und Bundo Quinta qui-anghene Alhein cousa (alienus) in Zusam¬ 
menhang. Schwerlich zu songa (besondere Art Tanz) Tuckey p. 207., noch 
auch mit Mal. somee [m falsch, st. «?], Erob. soncc Sliainc; Mal. n’sone, Emb. 
Sony - znkalcktt Ashnmed. Mal, N'sonc , Emb. ngamzey Afront v., wie Mal. 
nganseg, Emb. coontanlg Hurt v. Bundo sänkt, pl. jissönhi Vcrgonba (pudor). 



156 


Polt, lieber die Sprachen 


(femme de prince) p. 156. gilt als arges Schimpfwort, wie des¬ 
gleichen Kinkololo (perdrix) p. 195., Vögel von unglücklicher 
Vorbedeutung, die man auch nicht isst. Proyart S. 171. — Der 
sonstigen Regel widerstrebend scheint hei Degr. p. 71. biä’m 
canda (peau de bete), da bizi (bete) und canda (peau), Cong. 
mucända Pelle (cutis, corium) , aber im Bundo für Papier, Port. 
papela, woher Mal. papalla. Vielleicht, da von einem Katzenfelle, 
das man vor dem Leibe trägt, die Rede ist, doch eig. zu über¬ 
setzen: Thier des Felles. — Bei Tuckey p. 159. zwei Herrscher¬ 
titel N’Sandy ZT Congo und N'Cucnla Congo, wovon ich wenigstens 
den zweiten erklären kann. Cong. Cucüllu, Bundo cacüllu, cac- 
cülu bedeutet Conde (comes), duque (dux). - p. 119. „The 
name of Zaire [s. Negation] is entirely unknown to the pcople 
of Embomma, wlio call the river „Moienzi enzaddi“ the great 
river, or lit. the river that absorbs all the lesser ones. “ Diese 
Deutung halte ich für ungenau, wenigstens ist es sehr einladend, 
an Cong. nzddi, — aber freilich Mal. und Emb. zoonga Island, eig. 
jedoch Mal. ebenso oder zouvga Circle, im Bundo mulunda (insula) — 
sich zu halten. Für River giebt Tuckey Mal. und Emb. marla, 
also mit l und nicht n, was mich zweifeln lässt, ob wirklich 
dies Wort beiin Zairefluss und Moena Mazea [Herr der Gewässer?] 
p. 8k. gemeint sei. Wie wär’s nämlich, wenn wir Kongo moene 
(monseigneur) Degr. oder, falls man zi nicht zum folgenden als 
Genitiv- oder Plural-Partikel zu ziehen geneigt ist, Bundo muenechi 
(Majestas) darin suchten? Wir erhielten daun „einen Herrn der 
Inseln. “ Das Kampenzey or Monkey island führt nach p. 93. 
bei den Eingeboroen den freilich von den Europäern nicht zu 
höflich ersetzten Namen Zoonga Chinganga. was schwerlich etwas 
anderes besagen will, als Insula säcerdotum. Bundo o Ngdnga, 
PI. co Jingdnga Sacerdote Obss. p. 10. — Aus dem Bundo stehen 
zahlreiche Beispiele zu Gebote, wie: Add, Tdüa riassu, Adamus pater 
omnium, wo die Genitiv-Part, mit iössu , oder quiossu verwachsen 
ist. — Ita [batalha, guerra] rid [Gen.] Matha [aquae] Majinaviu 
[navium von dem Plur. jinaviu aus dein Port, navio] Batalha naval 
(naumachia).— Muchiha [venu] ul AIAlue [capitis] Ccplialca; muchtba 
quid Lucdcu [bracliii]; m. rid Tüllu ^pectoris) ; in. rid (Juindma (pedis). 

- Ohne Präfix z. B. Ocupeldcla [aus dem Port.] oder Ocussonoea 
quima cuenqui [rei cujusdam] Perda de alguma cousa (amissio); 
ocupeldcla Jibem [aus dem Port.: Bonorum],'- o. ima javül [rerum 
multarum], o. oiiima oder oirima udffu (cibariorum) , o. Ana (or- 
batio filiorum). •— Cuhudcu [brachium] ja Allu [hominum] amulu- 
bdnga Ita [inter faciendum pugnae] Ala do exercito (cornu). — 
Cubdna [collocare] Ribengäo [benedictionem, Port, benyäo] rid Ngdnna 
Zambi Domini Dei], ou, Cubenzela [aus Port, benzer] Sagrar (sa- 
crare). — Dicc. p. 41. Menha (aqua) und daher M. müngua 
[salis] Agua salobra, il/. Löme [mir unverständlich] Agua sere- 
nada (a. subdialis), auch malodla (dulcis) von Quima quia- 



vom Kaffer- und Kongo ■ Stamme. 


157 


togdla Doce cousa (rt's dulcis). Menha ma chima A. fontana, 
Quichima quid Menha, Fl. Ichima jdi Menha Fonte, cisterna. Al. 
ma vunzüca (A. turbida) und M. ma vunzticu ne Maloa [mit KothJ 
A. lutata, s. fiieunzu, PI. Marunzu, oder Maloa, P). Aida Lama 
(coenum). Menha mavül [aqua multa; als Art Plur. Menha idvul 
Obss. p. 8.] mdffu Aguas mortas. (Aestus languidiores) vgl. Quima 
quid ffu quirlen Morta cousa. Menha ma Mudnhu [vitae] Aguas vivas 
(Aestus ferventiores, sive Incrementum maris). AI. maztile (clara), 
malälu (arnara). Menha matema (Aqua calida), m. malema mafcli 
[ein wenig warm] Aqua te.pida, m. malaldla Aqua frigida von Quima 
quialema (luente cousa, Quima quäaldla, ou, Quialema cafcli Mornn 
cousa (tepidus). — Als Genitiv - Präfixe des angeblichen Artikels 
nennt Cannecattim Obss. p. 6. im Sg. Qaul, Ria, Id, Gud, für 
den Plur. Quidji, Cud. Ja. Id sei der allgemeinste, oft ohne 
Nothwendigkeit gesetzte Artikel, z. B. o Mona chidmi id Mu- 
g'atlu , gewisserniassen Port. A filha ininhu a femea [eig. das 
Kind das - meine ein -weibliches], oder Hula id Peldro Kspin- 
garda de Pedro, eig. wohl: Flinte die Peters, so jedoch dass 
der Genitiv bloss in der Stellung läge. 

Wir fuhren in der Rede voir 2%. über das Kafferische fort: 
„Von den Fürwörtern widersetzen sich nur ick und du diesem 
„Fiutlusse des Subjekt-Präfixes; die drille Person aber gehört 
„ihm so ganz an, dass sie selbst als Stellvertreterin des Subjekt- 
„Nomens, d. h. im Nominativ, immer nur eine relative Form hat, 
„weil man kein Er (Sie, Es) denken kann, ohne ein Substantiv 
„mit irgend einem bestimmten Präfix im Sinn zn haben: Ihr iVo- 
„minativ lautet abwechselnd yena, yona, s'ona. lona, bona, kona, 
„icona; ihr Akkusativ, am, U, yi, si. lu, wu u. s. w.. Wird der 
„Genitiv (besitzanzeigend) einem Nomen beigegeben, so hat er, je 
„nach dem Präfixe desjenigen Nomens, das den Besitzer ausdrückt, 
„die Formen a/ce [ako fj alo, ay», aso, awo u. s. w., und vor diese 
„Formen tritt noch ein Laut, welcher den besessenen Gegenstand 
„repräsentirt. Will man z. B. ihre Frauen sagen, und soll ihre 
„auf Männer, amndoda, sich beziehen, so muss wegen des Präfixes 
„oma vou amadoda die Form awo des Pronomens gewählt werden, 
„und dieser Form tritt noch ein b vor, welches von dem Präfixe 
„aba in abafasi Frauen, verlangt wird: abafasi bawo ‘). — Dieselbe 
„vollkommene Unselbständigkeit zeigen die Dcmonstrativa, welche, 
„obgleich vor dem Nomen hergehend [s. ob.], nach Massgabe jedes 
„Präfixes ihre Form wesentlich verändern, z. ß. ab-abanlu. dieses 
„Volk; el-ihasche dieses Pferd; psi-silya s ) dieser Korb u. s. w. 

1) Gleichsam ai-yvvalr.ee ai-avrtöv, namentlich wenn man sich (las 
letzte durch Krasis verbunden dachte. 

2) Koossa sihlja oder Vhuhnga Milchkorb, letzteres vielleicht, wie Bectj. 
thuko (eine 5 bis 6 Zoll lange Nadel) -Burchell If. 574., etwa des künstlichen 
Geflechts wegen, von thuhnya, nähen, im Bundo entimya jintnngn Tecer 
(texere), cutiinga ula cnlfmc'i Cozer como alfaite (suere). 



158 Polt, lieber die Sprachen vom Kaffer-und Kongo-Stamme. 

„Das bezügliche Fürwort l 2 ) ist ein blosser Vokal, a, e, otlero 
„(letztere beiden statt a -)- i und a + «). Ks vermittelt die Ver¬ 
bindung- des Hauptwortes mit dem Beiworte; denn Beiwörter 
„scliliessen liier den Begriff des Seins mit in sich. Ausserdem 
„wird vor dem Adjektive das Präfix des Substantivums,-wie oben 
„bemerkt, wiederholt, z. B .um-fasi om-kulu, die Frau welche gross (ist), 
„die grosse Frau. Om in om-kulu steht für a d. h. für 

„das Relativ und das wiederholte Präfix des Hauptwortes, ln der 
„Betschuanensprache fällt hier das Relativ weg.“ 

Ich muss gestehen, dass an Vorhandensein eines Relativ¬ 
pronomens in diesen Sprachen Glauben zu fassen mir schwer 
fallt, zumal ich es im Indogermanischen Sprachstamme als stets 
aus Demonstrativen oder Interrogativen entstanden betrachten muss 
(s. Et. F. II. 162): ri yvvrj r /ufydtXr] genügt vollkommen zur 
Erklärung. Was aber das angebliche Wegfällen des Relativ'» 
im Beetj. anbetrifft, so möchte ich diese Bemerkung nicht unbedingt 
unterschreiben. Vgl. Selomo se segolu (der - Abgrund der der- 
grosse) Cas. p. 11. 

„Will man zwei Hauptwörter in Apposition bringen, so leidet 
„keines durch den Einfluss des anderen, da sie von einander un¬ 
abhängig sind; es wird aber dem zweiten eine Präposition vor- 
„gesetzt, deren Form von dessen Präfixe bedingt ist, und dieser 
„wieder das bezügliche Fürwort J ). Man sagt also z. B. nicht: 
„Der Mann, welcher Häuptling (ist), sondern: der Mann, welcher 
„als (durch, mit) Häuptling existirt. Aus umlu und inlcosi wird 
„in diesem Verhältnisse umlu o-y-inkosi. Dieselbe Präposition ver¬ 
knüpft jedes Prädikat mit seinem Subjekte. — Um den Genitiv 
„und Akkusativ des bezüglichen Fürwortes nuszudrücken, hat 
„man die Wahl zwischen verschiedenen Wendungen, die wiederum 
„eine reiche Fülle von Formen erzeugen und mit dem sonstigen 
„Charakter der Sprache iin schönsten Einklang stehen.“ Vgl. Cas. 
p. 43. 


1) Iin Koossa Lichtenst. I. 665.: Dieser, welcher. 1-i. I sileeltt, i lonqi- 
lejo i enklc. Dieser Weg, welcher gerad’ aus geht; eig. wohl: der Weg, 
der g. gehende, der [ist] gut. Jetikle, schön. — Im Suuh. ambai kuamba, 
PI. ambao kuamba (der, welcher u. s. w.) correspomliren unzweifelhaft auch 
etymologisch, und in dem kn vorn darf inan viell. eine Parallele zu Bundo 
qne oder cue (quäl) suchen. 

2) Der Vf. vergleicht den Gebrauch des Slawischen Instrumentals (st. 
Nominativ) in Fällen, wie etot fschelowek byll sohlatom (dieser Mensch war 
Soldat) und mit der arabischen Fassung des Prädikats im Objekts - Casus; 
gleichsam in adverbialer Weise. — Dass der Fall im ISafferischcn wirklich 
ähnlicher Art sei, muss ich bloss auf Glauben annchmen. 



lieber die in Constantinopel gedruckte türkische 
Uebersetzung von Taberi’s Geschichtswerkc, 

von Dr. 6. Rosen. 


Unter den neusten Publicationcn der Grossherrlich Ottomani- 
schen Buchdruckerey zu Constantinopel ist die des berühmten 
arabischen Historikers Taberi in der türkischen Uebersetzung viel¬ 
leicht die, welche das Interesse der europäischen Orientalisten rege 
zu machen am meisten sich eignet. Dieselbe ist eine ebenso seltene 
als willkommene Erscheinung in dem Wüste von dogmatischen, 
grammatischen und anderen für Anfänger in verschiedenen Wis¬ 
senschaften bestimmten .Schriften, von Divanen meistens unbedeu¬ 
tender Dichter und türkischen Uebersetzungcn persischer und arabi¬ 
scher belletristischer Werke, für welche nach dem Geschmacke 
der hohen Molla’s von Constantinopel die Presse vorzugsweise 
in Bewegung gesetzt wird; und möchte dieser Grund hinreichen, 
es zu rechtfertigen, wenn ich hier einige Blätter für eine mög¬ 
lichst kurze Notiz über diese Ausgabe in Anspruch nehme. 

Taberi, den man mit Recht als einen der Hauptbegründer 
der islamischen Historiographie ansieht, ist schon so lange in der 
gelehrten Welt Europa’s gekannt und geschätzt, dass ich mich 
der Mühe überheben kann, von seinem Leben hier Nachrichten 
zu geben, welche zu längst Bekanntem nichts Neues binzufügen 
würden. Ein Theil des arabischen Textes seiner Annalen, der 
selbst, wie man ihn jetzt besitzt, einer von d’Herbelot (s. v. Ta- 
rikh Al Thabari) nach lbn el G'uzi mitgetheilten Notiz zufolge, nur 
Auszug aus einem, wahrscheinlich auf immer verloren gegangenen 
weitläufigen Origina.1 ist, hat in Deutschland einen ebenso gelehrten 
als geschickten Bearbeiter gefunden, auf dessen Werk (Kosegarten, 
Taberistanensis Annales,Greifsw. 1831. Vorrede) mir die zu verweisen 
gestattet sey, die sich über die Schicksale des Buchs, seine ver¬ 
schiedenen Uebersetzungen u. s. w. genauer unterrichten wollen. 

Kaum 4 Jahrzehende nach Taberi’s Tode wurde seine Ge¬ 
schichte unter dem Samanidiscben Sultan Mansür ben Nu h durch 
dessen Vezir Abu ’Ali Muhammed ei Bal’ami in das Persische 
übertragen, und aus der persischen Uebersetzung ist wieder die 



IGO Hosen, lieber die türkische Ueberselzuny 

türkische geflossen. Den Verfasser der letzteren kennt man nicht 
weiter; dock glaube ich, dass die Ansicht Hägi-Chalfas, der 
ihn in die erste Hälfte des 8. Jahrhunderts der Higra setzt, sich 
durch die alterthiimliche Sprache wohl rechtfertigt. Kosegarten 
tlieilt (Einleitung pag. XVI.) das Exordium dieser Uebersetzung 
nach der von ihm benutzten Jenaer Handschrift mit; die wenn 
gleich nicht sehr bedeutenden Verschiedenheiten zwischen diesem 
und dem Exordium der hiesigen Ausgabe (pag. 6.) veranlassen 
mich, letzteres in Uebersetzung liier beizufügen: 

„Dank und Preis sey dem Herrn, der aus dem Nichts diese 
Geschöpfe werden liess, und der diesen Seinen elenden Knecht (Selhst- 
bezeichnung) dem Volke des Glaubens und Gehorsams unfügte! Auch 
sey Segen und Heil über den Herrn der Welt, unseren Propheten, 
welcher die Religion der Wahrheit geoffenbart; desgleichen über 
sein Geschlecht und seine Genossen, welche in seiner Liebe Habe 
und Leben opferten! — dieser Arme (der Schreibende) spricht: 
Möge Gott den Verfasser dieses Commentars (Geschichtswerks), 
das Haupt der Gelehrten, den grossen Weisen, Abu G'a’far Mn- 
Tiammcd at Taberi, möge Er ihn in das Meer seiner Gnade ver¬ 
senken, ihn, der diess unter dem Namen „Annalen des Taberi“ 
berühmte Ruch zusammengetragen und so viel Merkwürdiges 
und Wunderbares darin aufgenommen hat. Aber da dasselbe in 
arabischer Sprache verfasst war, so konnten sehr viele Menschen 
keinen Nutzen daraus ziehen; es hat daher ein ausgezeichneter 
Mann dasselbe in das Persische übertragen, damit es denen, welche 
des Arabischen nicht mächtig, zugänglich würde. Ich Armer habe 
es mit Gottes Beistand und Hülfe in das Türkische übersetzt, 
damit es denen, welche des Arabischen, und Persischen nicht 
mächtig, zugänglich würde und sie sich seine Ermahnungen zu 
Nutze machten. Ich will die (darin) erwähnten Koranverse und 
Legenden nach Kräften darlegen und hoffe, die verehrten Herrn, 
welche es benutzen, werden dieses Armen in Gutem gedenken. 
Gott ist der, welcher den Lesern Segen giebt und sie an das 
Ziel ihrer Wünsche führt!“ 

Der Persische Uebersetzer wird häufig im Anfänge der Ca- 
pitel mit den Worten: „der Erzähler“ oder „der Gescbicbts- 

erzähler“ (auch mit Beifügung des Namens: Abu ’Ali der 

Vezir) „spricht“ als Gewährsmann angeführt und hie und da selbst 
wieder in Abhängigkeit von der Autorität des Taberi gesetzt. 
Dass der Türke die Urschrift dieses letzteren mitbenutzt, lässt sich 
durch Nichts belegten. Bisweilen trifft man jedocli auch andere 
Gewährsmänner an, z. B. zur Geschichte der Geburt Alexanders 
den Weisen (*Hakim) 'Omar Nizärni; ja in- der Geschichte Jesu 
beklagt sich der türkische Uebersetzer wegen der übermässigen 
Kürze des Muhammed ben G'crir, welche ihn veranlasst, dem 
Texte einige Legenden ex propriis beizmfügen. 



con Taberis Geschichtswelke. 


161 


Die Anordnung und Vertlieilung des im Taberi verarbeiteten 
bistoriscben Stoffs ist die im Orient stereotype, d. h. sein Buch 
zerfällt dem Inhalte nach in drei Theilc, von denen der erste, 
sich an die Erzählungen des alten und neuen Bundes lehnend, eine 
wissenschaftlich ziemlich werthlose, aber wegen ihrer grossen 
Naivität oft anziehende Verzerrung der biblischen Geschichte vom 
Anfang bis einschl. auf Jesus mit gelegentlicher Einschaltung Ara¬ 
bischer und Persischer Sagen enthält; der zweite nach flüchtiger 
Berührung des die Zwischenzeit ausfüllenden Partherreichs mit 
Vorliebe bei den Sasaniden verweilt und über diese Dynastie, so 
wie über die Geschichte der Araber vor Muhammed schätzens¬ 
werte Nachrichten giebt; endlich der dritte, den Leser ganz 
auf historischen Boden versetzend, ihm eine ausführliche Geschichte 
der Anfänge des Islam bis zum Ende des dritten Jahrhunderts 
der Higra vorführt. Wie dieser Stoff in 5 Bände (jOL>)von un¬ 
gefähr gleicher Länge vertheilt ist, lässt sich am Besten aus den 
Capitel - Ueberschriften ersehen, welche ich hier mittheile, weil 
sie zugleich das gültigste Zeugniss von der Vollständigkeit der 
Constantinopolitaner Ausgabe ablegen. 


Erstes Buch. 


Verschiedene Meinungen über 
die Dauer der Welt. 

Von den Genien und Satanen. 

Grund, wesshaib Gott die Wesen 
geschaffen. 

Alter der Erde. 

Von den 38 Fragen, welche die 
Juden dem Propheten vor¬ 
legten, und ihrer Beantwor¬ 
tung. 

Legende von der Sonne und 
dem Monde. 

liegende vom Bache flüssigen 
Erzes. 

Die Erzählung von ’Ug ben 
“Onk. 

Das Paradies des ‘Seddäd. 
Beantwortung von 10 Fragen, 
die David dem Sulomon vor¬ 
legte. 

üeber das Geschlecht der Ge¬ 
nien. 

Die Erschaffung Adams. 

Die Engel werfen sich vor Adam 
nieder. 


Adams und Evas Auszug aus dem 
Paradiese. 

Adams Niederfahrt zur Erde. 
Adams Wallfahrt nach Mekka; 

Beschreibung des Heiligthnms. 
Das Gebet des lblis. 
lblis hintergeht Adam. 
Geschichte von Habil und Käbil 
(Kain). 

Adam sieht seine ganze Nach¬ 
kommenschaft. 

Prophetenthum Adams und Seths. 
Adams Tod. 

Geschichte Seths. 

Käbil betet das Feuer an. 
Geschichte des Idris (Henoch). 
Geschichte des Königs Kejü- 
merth. 

Geschichte des Königs Hdsenk. 
Geschichte d. Königs Tahmureth. 

— - — G'emsid. 

— - — Biveräsp. 

Geschichte Noahs. 

Geschichte Do‘häks. 

Von Aferiddn. 


II. Bd. 


11 



162 


Rosen, Ueber die türkische Ueberselsung 


Von Nimrod. 

Geschichte des Propheten Hüd 
(Eher). 

Von'Sedid, dem Bruder* Seddäd’s. 

Geschichte des Propheten Säli'h. 

Geschichte Abrahams. 

Ahrahams Flucht. 

Untergang Nimrods. 

(Jeschichte Ismaels. 

Geschichte der Vertreibung Is¬ 
maels und Hagars nach Mekka. 

Abraham besucht Ismael. 

Geschichte Lots und Geburt 
Isaaks. 

Opfer Ismaels. 

Abraham und Ismael erbauen die 
Kaaba. 

Sara’s Tod. 

Abrahams Tod. 

Der Todesengel kommt zu Abra¬ 
ham. 

Abraham fragt Gott, wie er einen 
Todten lebendig mache. 

Ismaels Prophetenthum. 

Geschichte Isaaks. 

Esau’s Feindschaft gegen Jakob. 

Geschichte Josephs. 

Joseph und Zuleicha. 

Joseph erklärt den Traum des 
Herrschers von Aegypten. 

Die Brüder Josephs kommen zu 
ihm. 

Geschichte Hiobs. 

Legende vom Propheten 'So’eib. 

Geschichte des Königs Menucehr. 

Gastmahl und Gebet Menucebrs. 

Geschichte Pharaons. 

Geschichte Moses’. 

Moses’ Flucht. 

Sein Prophetenthum. 

Er kehrt nach Aegypten zurück. 

Geschichte derMäsyta, Pharaons 
Tochter, und ihrerKammerfrau 
Asia. 

Pharaons Untergang im Rothen 
Meere. 


Zweites Buch. 

Pharaons Untergang wird dem 
Moses verheissen. 

Moses ruft einen Todten in das 
Leben zurück. 

Moses besucht ei Chydr. 

Kärüns Empörung gegen Moses. 

Moses schickt Kundschafter nach 
den Städten Balka, Jericho 
und Aelia (Jerusalem). 

Tod Moses’ und Aarons. 

Von Josua, dem Sohne Nuns; 
Geschichte Bileams. 

Geschichte des Königs Parwiz 
Tahmäsp. 

Geschichte des Königs Keikobad. 

Geschichte des Propheten Hese- 
kicl. 

Geschichte des Propheten Elias. 

— - — Elisa. 

— - — Samuel. 

Geschichte des Königs Tälüt 

(Saul). 

Tälüt bekriegt den G'älüt (Go¬ 
liath), König der Philister. 

Tälüt beabsichtigt David zu 
tödten; Gott warnt diesen. 

Regierung Davids und sein Pro¬ 
phetenthum. 

Geschichte des weisen Lokradn. 

Geschichte Salomons, des Sohnes 
Davids. 

Geschichte der Königin Bilkis 
von Saba. 

Legende von Salomon. 

Seine Feldzüge. 

Salomons Verhältnisse zu den Ge¬ 
nien, wilden Thieren und Vö¬ 
geln. 

Salomon und die Ameisen, Le¬ 
gende. 

Von Salomons Pferden. 

Salomons Tod. 

Von Balkia und ’Affän. 

Geschichte der Pers. Könige zur 
Zeit Salomons., 



von Tabens Geschichtsicerlce. 


163 


Geschichte Rehabeams. 

Regierung des Isa hen Esa. 

Geschichte des Keichosrev, Soh¬ 
nes des Siäwul. 

Geschichte des'Sa’ja (Jesaia) und 
der Sabäer. 

Geschichte des Lohräsp. 

Geschichte des G'irün und des 
Römischen Kaisers. 

Geschichte des ’Ozeir (Esra) und 
Bucht Nasar (Ncbukadnezar). 

Geschichte des Zerdust, des 
fluchwürdigen. 

Gustäsp und Isfendiär. 

Gustäsp’sKrieg mit denMongolen. 

Erzählungen von Isfendiär. 

Isfendiärs Rückkehr aus Türän. 

Rustein und Isfendiär. 

Geschichte des Zäl und seines 
Sohnes. 

Geschichte des Königs Bclimen. 

Geschichte des Ka'htän und der 
Könige von Jemen. 

Behmen zieht aus, um fsfendiärs 
Tod zu rächen. 

Geschichte der Iiumäi, Tochter 
Böhmens, und ihres Sohnes 
Däräb. 

Gehurt Alexanders. 

Alexanders Krieg mit Darius. 

Darius’ Brief an Alexander. 

Alexander empfangt die Nach¬ 
richt von Darius’ Tode. 

Alexander heira thet Darius’T och- 
ter. 

Geschichte des Königs Kid Hindi. 

Brief des Porus an Alexander. 

Krieg Alexanders init Porus und 
Tod des Letzteren. 

Brief Alexanders an den Cliäkän. 

Alexanders Zusammentreffen mit 
dem Cliäkän. 

Alexanders Brief an die Kaidäfa. 

Alexander kommt als Gesandter 
zur Kaidäfa. 

Alexander eröffnet die Meerenge 
von Constantinopel. 


Alexanders Zusammenkunft mit 
seinen Kindern. 

Socrates’ Rath an Alexander. 

Aristoteles’ Rath. 

Platons Rath. 

Geschichte desNadrben Kinäna. 

Alexanders Krieg mit den Nerin- 
päi. 

Alexander haut die Kaukasi¬ 
sche Mauer. 

Alexander reist mit el Chydr 
und Elias in das Reich der 
Finsterniss; sein Tod. 

Von d. Hordenkönigen (Parthcrn) 
am Tigris nach Alexander. 

Geschichte der Persischen Kö¬ 
nige und der Hordenkonige 
nach Alexander. 

Drittes Bueli. 

Prophetenthum des Zacharias, 
Gehurt Marias und Johannes 
des Täufers. 

Marias Gehurt und IVeihe. 

Legende von der Gehurt Johannis. 

Geschichte Jesu. 

Marius Flucht mit Jesus. 

Zacharias’ Märtyrertod und Pro¬ 
phetenthum Johannis. 

Jesu Prophetenthum. 

Legende von der Spcisctafel. 

Geschichte der Bewohner des 
Dorfes am Meere. 

Jesu Himmelfahrt. 

Maria stirbt und Johannes er¬ 
leidet den Märtyrertod. 

Von den Königen Roms und 
Syriens. 

Nachrichten von den Arabischen 
Königen von ’lräk und Babel 
aus den Benu Isma’il und den 
Benu Ma’add hen ’Adnän in der 
Zeit zwischen Alexander und 
Ardcsir. 

GeschichtedesG'edziinet ulAbras. 

KönigG'edzimahekriegt den ’Amr 
ben Darb. 


H 



164 


Rosen , Ueber die türkische Uebersetzung 


Geschichte des ’Amr hen ’Adi 
und seine Besiegung der Zehba. 

Geschichte des'Hassan hen Tob- 
ba’, Königs von Jemen. 

Geschichte der Grottenheiligen. 

Geschichte des Propheten Jonas. 

Legende von den beiden Aposteln, 
welche Jesus nach Antiochien 
schickte. 

Geschichte des Simson. 

Geschichte desG'irgis (St.Georg). 

Geschichte des Ardesir Bäbegän. 

‘Sabür, Sohn Ardesirs. 

Hormuz, Sohn ‘Säbürs. 

Bahräm, Sohn des Hormuz. 

Bahräm, Sohn Bahräms, Nersi, 
Hormuz. 

'Säbür Dzu’l ektäf, Sohn des 
Hormuz. 

‘Säbür, Sohn ‘Säbürs. 

Bahräm, Sohn ‘Säbürs. 

Jezdgerd, Sohn Bahräms. 

Bahräm Gür, Sohn Jezdgerds. 

Der Chäkän der Türken rückt 
in Persien ein. 

Bahräm Gür geht nach Hindüstän. 

Bahräm schickt den IVlihr Nersi 
nach Rüm. 

Jezdgerd, Sohn Bahrains. 

Firüz, Sohn Jezdgerds. 

Firüz’ Verhältnis zu Cliosnu- 
wäz, König der Hcjätil. 

Baiäs, Sohn des Firüz. 

Kobäd, Sohn des Firüz. 

Nüsirewän, Sohn Kobäds. 

Der Himjaritische König Tobba’ 
wallfahrtet nach Mekka und 
bekleidet die Kaaba. 

Regierungdes Rebi’a hen en-Nadr. 

Regierung des' Hassan benTobba’ 
Es’ad Abu Kerib. 

Chani’a (sic) wird in Jemen 
König. 

Zer’a ben Es’ad Abi Kerib tödtet 
den Chani’a. 

Die Negräniten werden Christen ; 
ihr Krieg mit den Juden Jemens. 


Legende von den Gruben-Mär¬ 
tyrern. 

Die Abyssinier bemächtigen sich 
Jemens. 

Ahralia rückt mit Eleplianten 
gegen die Kaaba und verliert 
dabei das Leben. 

Jeksüm ben Abraha wird König 
von Jemen. 

Von den löblichen Eigenschaften 
Nüsirewäns dos Gerechten. 

Muhammeds Gehurt. 

Mu‘hammeds Reise nach Syrien. 

Nüsirewäns Tod; sein Sohn Hor¬ 
muz wird König. 

Begebnisse zwischen Hormuz und 
Buhrant C'dpin. 

Parwiz wird König. 

Bahräm kommt zum Chäkän und 
wird dort umgebracht. 

Parwiz’ Herrschaft nach Bahräms 
Tode. 

Wunderbare Wahrzeichen Mu- 

‘harnineds. 

Krieg von Dzü Kär. 

Brief des Propheten an Parwiz. 

‘Sirüje wird König. 

Geschichte des ‘Sebriär. 

Türändocht wird Königinn von 
Persien. 

Azermidoclit wird Königinn. 

Heber Azermidochts Nachfolger, 

König Jezdgerd. 

Ueber die verschiedenen Ansich¬ 
ten in der Chronologie von 
Adam bis Muhammed. 

Genealogie ftlu hammeds. 

Geschichte der Chadiga. 

Wiederaufbau des Heiligthums 
von Mekka. 

Mü hammeds Auftreten als Pro¬ 
phet. 

Abu Bekr tritt dem Islam bei. 

’Omar ben el Chattäb tritt dem 
Islam bei. 

Mu'hainmcd fordert die Koreisi- 
ten zum Beitritt auf. 



von Taberi’s Geschichlstverke. 


Muhammeds Himmelreise. 

Wunderbare Legende vom Hirsch. 

Legende vom gespaltenen Mond. 

Von den Gläubigen, die nach 
Abyssinien flohen. 

r Hamza tritt zum Islam über. 

Gesandtschaft der Koreisiten an 
den König von Abyssinien. 

Mu'hammed gebt nach Täif. 

Eine Schaar Genien geht zu 

Mu hammed über. 

Viertes Buch. 

Muhammeds Flucht (Higra). 

Begebenheiten im ersten Jahre 
der Flucht. 

Mu hammed setzt die Flucht als 
Aera ein. 

Erscheinung der Koranverse, wel¬ 
che die Bekämpfung der Un¬ 
gläubigen gebieten. 

Feldzüge vor der Schlacht von 
Bedr. 

Feldzug gegen den jüdischen 
Stamm Benu Kainukä’. 

Die Kybla wird von Jerusalem 
nach Mekka verlegt. 

Schlacht von Bedr. 

Geschichte des Walib ben ’Ainr. 

Feldzug von Enmär. 

Bestürzung der Koreisiten. 

Ermordung des Sclläm ben Abi 
‘Hakik. 

Schlacht von O'hod. 

Feldzug von ‘Hamra el Asad. 

Feldzug von Er Regi’. 

Geschichte des ’Amr ben Urnajja 
e Damiri. 

. Erzählung vom Brunnen Ma’una. 

Mu hammed heirathet die Zeinab 
bint Ga hs. 

Eeldzug gegen den jüdischen 
Stamm Benu Kureiza. 

Feldzug vomBefcstigungsgrabeii. 

Feldzug von Diimet el G'endel. 

Feldzug von Dzü Kärün. 

Feldzug gegen die BenuMustalyk. 


16.> 

Geschichte von der Lüge (d. i. 
Verdächtigung der ehelichen 
Treue ’Aisas). 

Der Zug von ‘Hodcibia. 

Mu hammed schickt Briefe an 
die benachbarten Könige und 
Herrscher. 

Feldzug gegen den jüdischen 
Stamm Chaibar. 

Friedensschluss mit den Juden 
voh Fadak. 

Zug gegen die Juden vonVVädi ’l 
Kora. 

Die genugthuende Pilgerfahrt 
(’Uinret el kada). 

Von den Feldzügen im 8. Jahre 
der Flucht. 

Feldzug von Müta. 

Eroberung von Mekka. 

Von den vierFraucn, die Mu ham- 
med hinrichten liess. 

Feldzug von c Honein. 

Feldzug von Tebük. 

Mu hammed schicktden’AIi gegen 
den Stamm Tai. 

Von den Gesandtschaften, die im 

10. Jahre der Flucht bei Mu ham- 
ined eintrufen. 

Die ’ Wallfahrt des Abschiedes 
(el wedä’). 

Zahl der Feldzüge desPropheten. 

Von seinen Wallfahrten. 

Von seinen Frauen. 

Von seinen Freigelassenen. 

Von seinen Pferden. 

Von seinen Schreibern. 

Von seinen Schwertern. 

Von seiner äusseren Erscheinung. 

Einige seiner Namen. 

Sein Tod. 

Regierungsantritt Abu Bekrs. 

Bestattung des Propheten. 

Usäma ben Zeids Feldzug gegen 
die Griechen. 

Von dem falschen Propheten As- 
wad. 

Krieg gegen dieBeduinen vonTai. 



166 


Rosen, Heber die türkische Uebersetzung 


Von dem Reste der Abtrünnigen 
nach Tulei'lias Tode. 

Von der Selrna bint Mälik, gen. 
die Wittwe. 

Von Ijäs bea Abdallah dem Seli- 
miden. 

Von Thegga'h Tba’lebi. 
Besiegung des falschen Propheten 
Museilima. 

Feldzug des ’Ala el ' Hadrami 
nach Mesopotamien. 

Von den Abtrünnigen in ’Omän 
und Malira. 

Von den Abtrünnigen in Jemen 
und Tiliäma. 

Abu Bekrs Tod. 

Seine Genealogie. 

’Oinar ben el Cbattäb wirdChalif. 
Eroberung von Damascus. 
Eroberung von Rumla und Nisän. 
Kampf des Muthanna ben Haritha 
gegen die Perser. 

Schlacht von en Ncmdrik. 
Schlacht von Kirkis, dieBrücken- 
Sclilacht. 

Schlacht von Boweib. 

Schlacht von Kadesia. 

Jezdgerd verweigert die Annahme 
des Islam. 

Schlacht von Aghwäth. 

Schlacht von Aghinas. 
Eroberung von Kadesia, und Tod 
Rusteins. 

Eroberung von Basra. 

— — Madäin in Syrien. 

-— — ‘ Hyms. 

— — Kynnisrin. 

— — Kaisarije. 

— - - Eg-nadein. 

— — Jerusalem. 

— — Madäin am Tigris. 

-— — G'elüla und'Holwan. 

— • — Tekrit. 

■— — Mäsizan u. 'Sirwan. 

Die zweite Schlacht von 'Hyms. 
E roberung von G'ezira. 

’Omar erobert die Städte inAhwäz. 


Feldzug der Muhammedaner aus 
Mesopotamien nach Kars. 

Eroberung der noch übrigen 
Städte in Ahwäz, und Horrnu- 
zäns Beitritt zum Islam. 

Eroberung von Aegypten und 
Alexandrien. 

Eroberung von Nehawend. 

— -— lsfabän. 

— — Hamadän. 

— — Rei. 

— — Gurgän und Ta- 
beristän. 

Eroberung von Adzerbeigän und 
dem Derbend der Chazaren. 

Ermordung Jezdgcrds und Er¬ 
oberung Choräsäns. 

Eroberung von Tug in Farsistän 

— - Kermän. 

— - Segistän. 

— - Mukran. 

Schlacht von Beirut 

Geschichte des Selima ben Kais. 

Märtyrertod des Chalifen ’Omar. 

Von ’Omars Character und Sitten. 

’Othinän wird Chalif. 

Tod des Hormuzän. 

Versetzung von Truppen und 
Befehlshabern. 

Eroberung von lfrikije und Ber¬ 
ber! je. 

Eroberung von Cypern. 

Abdallah ben ’Amir wird Statt¬ 
halter von Choräsän. 

’Otbmäns Siegelring fällt in den 
Brunnen Eris. 

Feldzug von Dzat Sndr. 

Aufruhr der Bewohner von Kiifa 
gegen ihren Statthalter Sa’d. 

Entstehen der Secte Rig’at. 

’Othmäns Märtyrertod. 

’Othmän ben ’Afifäns Genealogie. 

Fftnftes Buch. 

Inauguration des Chalifen ’Ali. 

Tafha, Zubeir und ’Aisa wider¬ 
setzen sich dem ’Ali. 



von Tabens Geschichtswerke. 


167 


Tafba, Zubeir und ’Aisa gehn 
nach Basra. 

Sie vertreiben den Statthalter 
von Basra, ’Othmän ben'Hanif. 

Scblacbt des Kameels. 

Begebenheiten in Aegypten. 

’Amr ben As tritt zu Mu’äwijas 
Parthey. 

Schlacht von Syffin. 

Empörungen gegen ’Ali. 

Schiedsrichterthuui zur Beile¬ 
gung der Streitigkeiten zwi¬ 
schen beiden Chalifen. 

Krieg ’Ali’s gegen die Empörer 
in seiner Parthey. 

Schlacht von Nehruwän. 

Tod des Mu bammed ben Abi ßckr. 

’Ali bekriegt die aufrührerischen 
Benu Nägic. 

Mu’äwija schickt Befehlshaber 
nach 'Higäz und 'Irak. 

’Ali’s Märtyrertod. 

Inauguration des'Hasan ben’Ali. 

Märtyrertod des 'Hasan. 

Ziäd kommt aus Farsistän zu 
Mu’äwija,• ’Amr Len ei ’As 
stirbt. 

Mu’dwija lässt seinem Sohn Jezid 
als Thronfolger huldigen. 

Mu’äwija stirbt; Jezid kommt 
zur Regierung. 

Mu’äwijas Genealogie. 

Regierung Jezids. 

Märtyrertod des ’Husein ben’Ali. 

Eslein ben Ziäd wird Statthalter 
von Choräsän. 

’Abdallah ben Zubeir geht von 
Medina nach Mekka. 

Schlacht von el 'Harra. 

Krieg des ‘ Häsin ben Nomcir 
gegen ’Abdallah ben Zubeir. 

Jezids Tod. 

Merwdn lässt sich als Chalifen 
huldigen. 

Schlacht von Mcrg Rahit. 

Unruhen in Choräsän nach Je¬ 
zids Tode. 


Die Schiiten constituiren sich 
in Küfa und verlangen Blut¬ 
rache für ‘Husein. 

Geschichte des Muchtär ben Abi 
’übeida. 

Suleimän ben Sard zieht mit 
den Schiiten aus. 

Schlacht von ’Ain el Ward. 

Merwäns Tod; Inauguration sei¬ 
nes Sohnes ’Abd el Melik. 

Empörung der Ezrakiten in Basra. 

Muchtär ben Abi ’Obeidas Em¬ 
pörung in Küfa. 

Muclitärs Schlacht gegen ’Obeid- 
allali ben Ziäd bei Mosul. 

Die Bewohner von Küfa empören 
sich gegen Muchtär, der sie 
besiegt. 

Unruhen in Basra auf Anstiften 
Muclitärs. 

Feindseligkeiten zwischen Much¬ 
tär und ’Abdallah ben Zubeir. 

Mu'hammed ben 'Hanifa wird 
von 'Abdallah ben Zubeir in 
Mekka fesfgehalten und bittet 
Muchtär um Hülfe. 

Ibrähim ben Mälik schlägt den 
’Abdallah ben Ziäd und tödtet 
ihn. 

Kampf zwischen Muchtär und 
Mus’ab ben Zubeir, in dem 
erstercr fallt. 

Die Ezrakiten brechen aus Far¬ 
sistän in 'Irak ein. 

Feindseligkeiten zwischen ’Abd 
el Melik und seinem Vetter 
’Amr ben Sa’id. 

’Abd el Melik kommt nach ’lräk 
und tödtet den Mus’ab. 

'Haggäg ben Jüsuf rückt nach 
Mekka gegen 'Abdallah ben 
Zubeir. 

Empörung des Säli'h in Där Bädi. 

'Haggäg verlangt vou ’Abd cl 
Melik Verstärkung zur Be¬ 
siegung des ‘Sebib. 



168 


Rosen, Heber die türkische Ueberselzung 


Krieg 1 zwischen Haggag benJüsuf 
und 'Sebib. 

Krieg zwischen Katr ben Fegä 
und Muhallab. 

Muhullab ben Abi Safra kommt 
nach Chorasan und ’Obeidallah 
ben Abi Bekra macht einen 
Feldzug gegen den König 
von Kabul. 

Empörung des ’Abderra'hinan heu 
llu hamraed ben cl As’ath. 

Ihn As’ath kommt nach Küfa. 
'Haggäg bekriegt den lbn As’ath. 
Ihn As’aths Tod. 

Absetzung des Jezid ben Mu¬ 
hallab in Chordsan. 

’Abd el Meliks Tod, seine Re¬ 
gierungszeit, seine Frauen und 
Kinder. 

Welid ben ’Abd el Melik wird 
Clialif. 

Koteiba ben Muslim wird Statt¬ 
halter von Chorasan. 

Koteibas Feldzug-gegen Pcikend. 
EroberungBochäräs, Tod Nizeks. 
Koteibas Zug nach Cliowarezin. 
Koteiba erobert Samarkand. 
Feldzug gegen c Sas und Fer- 
gbana. 

Jezid ben Muhallab und seine 
Brüder entfliehen der Haft des 
'Haggag. 

‘ Haggag lässt den Sa’ld ben 
G'ubeir hinrichten. 

'Haggägs Tod. 

Welid ben ’Abd el Melik stirbt, 
sein Bruder Suleimän ben ’Abd 
el Melik wird Clialif. 

Koteiba erobert Kasgharu. macht 
einen Feldzug gegen China. 
Koteiba empört sich in Chorasan. 
Jezid ben Muhallab wird Statt¬ 
halter in ’lräk und Chorasan. 
Suleimän ben’Abd el Mel ik schickt 
eine Expedition gegen Con- 
stautinopel. 


Jezid unterwirft Gurgän und 
Taberistän. 

Suleimän ben ’Abd el Meliks Tod. 

’ömar ben ’Abd el ’Aziz wird 
Clialif. Meslema kommt von 
Constantinopel zurück. 

’Omar verhaftet den Jezid ben 
Muhallab; dieser entflieht. 

’Omars Tod. 

Jezid ben ’Abd el Melik wird 
Clialif; seine Massregeln ge¬ 
gen Jezid ben Muhallab. 

Jezid ben Muhallabs Tod. 1 

G'arrä'h ben ’Abdallali el 'Hakim 
wirdBefehlshaber der gegen die 
Cbazaren gcscliicktenTruppen. 

Jezid stirbt; Hisäm ben ’Abd el 
Melik wird Clialif. 

Sa'id ben ’Ainr bekriegt die 
Cbazaren. 

Meslema ben ’Abd el Melik wird 
Statthalter von Armenien. 

G'undub ben ’Abd er Ra'hmän 
wird Statthalter von Chorasan. 

Jilsuf ben ’Amr wird Statthalter 
von beiden ’lräks. 

Aufruhr der Alidcn unter Zcid 
hen ’Ali ben 'Husein. 

Ja'bja ben Zeid flieht nach Clio- 
räsän. 

Welid ben Jezid ben ’Abd el 
Melik wird Clialif. 

Welid wird ermordet; ihm folgt 
sein Sohn Jezid, und diesem 
sein Bruder Ibrahim. 

Merwän ben Mu hainined wird 
Clialif. 

Statthalterschaft des Nasr ben 
Scjär in Chorasan. 

Abu Muslim erhebt sich in Cho- 
räsän; Macht der Abbasiden. 

Chalifat des Abu ’l ’AbbäsSeffä'b 
’Abdallah ben Mu hainined. 

Mcrwäns Tod. 

Abu G'a’far bekriegt den Jezid 
ben Hubeira. 

Abu G'a’far geht nach Chorasan. 



eon Taberi's Geschichlswerke. 


169 


Muhammed ben Sül gabt nach 
Armenien und Adzerbeigän. 

Abu Muslims Wallfahrt von Cho¬ 
räsän aus. 

Abu’l ’Abbäs stirbt; ihm folgt 
sein Bruder Abu G'a'far. 

CbalifatdesMalidiben AbiG'a'far. 

Mahdi lässt seinen Sohn Musa 
als Thronfolger anerkennen. 

Von Ja’küb ben Dawüd, Wezir 
Mahdis. 

Mahdis Tod. 

Von Mahdis Character und Sitten. 

Müsa el Hädi wird Chalif. 

Auftreten der ketzerischen Secte 
der Zenädik unter diesem und 
dem vorhergehenden Chalifat. 

Müsa el Hädis Tod. 

Härün er Kesid wird Chalif. 

Harun lässt seinen Sohn Mu- 
‘hamined Emin als Thronfolger 
anerkennen. 

Der Barmekide Fadl ben Ja' bja 
kommt nach Choräsän. 

Härün er Resid lässt; den Me’ 
mün als Nachfolger Mu hammed 
Emins anerkennen. 

Härüns Verfeindung mit den Bar- 
mekiden. 

Härüns Krieg mit dem Griechi¬ 
schen Kaiser. 

Empörung des Räfi’ ben Leith 
in Samarkand. 

Härün begicbt sich nach Cho¬ 
räsän und stirbt. 


Von Härüns Alter und Regie¬ 
rungsjahren. 

Nachricht von Battäl Ghäzi. 

Chalifat des Muhammed Emin, 
Sohn Härüns. 

Streitigkeiten zwischen Emin 
und Me’mün. 

Mü hammed Emin wird ermordet* 

Me’mün wird Chalif. 

Hertheina wird ermordet. 

Wirren in Baghdäd wegen des 
'Hasan ben Suhl. 

Ibrahim ben Mahdi wird Chalif. 

Aufruhr desTähir ben el'Husein 
in Choräsän. 

Der Chalif Me’mün bemächtigt 
sich des ibrähim und verzeiht 
ihm. 

Me’mün kcirathet die Tochter 
des 'Hasan ben Sahl. 

Verschiedene Begebenheiten wäh¬ 
rend Me’müns Chalifat. 

Me’inüns Tod, sein Charakter, 
Alter und seine Regierungs- 
zeil. 

Chalifat des Abu Is'häkMo’tasym 
billah. 

Wiederaufbau der Stadt Samira. 

Aufruhr des Haeresiarchen Efsin 
Bäbek. 

Mo’tasyin billahs Tod. 

Chalifat des Wäthyk billah. 

Chalifat des Muktadir billah. 


Um nun speziell zu der uns vorliegenden Ausgabe des Ta- 
richi Taberi überzugehn, so bildet dieselbe einen Folioband von 
mehr als 800 Seiten, auf starkem Papier und von im Ganzen 
gefälliger typischer Ausführung. Aus der Nachschrift erfahren 
wir, dass sie am Ende des Monats Muharrem des Jahres 1260 
(Febr. 1844) vollendet wurde. Ueber die Garantie der Lesarten 
fehlt jede Andeutung, doch genügt es, auf irgend einen Theil des 
Buches nur einen flüchtigen Blick zu werfen, um sich zu über¬ 
zeugen , dass man den treuen Abdruck eines Manuscripts hat. 
So anerkennenswerth es nun auch jedem seyn muss, das Buch 



170 


Rosen , Ueber die türkische Veberselzung 


mit dem Bewusstseyn vor Augen nehmen pu können, dass keine 
ungeschickte Hand willkürliche Aenderungen darin vorgenommen, 
so ist doch immer zu beklagen, dass gar kein Versuch gemacht 
worden ist, da wo man augenscheinlich verdorbene Lesarten hat, 
z. B. in vielen dem Texte eingefügten arabischen Versen, das 
Richtige nach dem in den verschiedenen hiesigen Bibliotheken 
befindlichen Material herzustellen. —- Eine andere sich mir auf- 
drängende Bemerkung ist diese: — das alte Türkisch, welches eine 
grosse Menge der heutigen Sprache Stambuls ganz entfremdeter 
Wörter und verschiedene in dieselbe Kategorie gehörige gramma¬ 
tische Formen, wie das Futurum auf ser , das conditionale Parti- 
cipium auf igele u. s. w. enthält, musste natürlich unter jeder 
Bedingung bcibehalten werden; doch hätte es, meine ich, ohne 
der Ehre des Autors den mindesten Abbruch zu thun, den Werth 
seines Werkes bedeutend gehoben, wenn man die Orthographie 
desselben von Anfang bis zu Ende einer strengen Revision unter¬ 
worfen hätte. Es ist eine weit verbreitete Meinung, dass die 
Orthographie der türkischen Sprache noch vollkommen im Argen 
liege und sich darüber noch gar keine feste Regel gebildet habe, 
und allerdings kann ein unter den meisten in den Bibliotheken 
Europas befindlichen Mannscripten angestellter Vergleich zu keiner 
anderen Ansicht führen. Doch ist dieselbe in jetziger Zeit nicht 
mehr ganz richtig. Man begreift leicht, dass eine solche Un¬ 
sicherheit sich längst, besonders bei of/iciellen Schriften aller Art, 
unangenehm fühlbar machen musste, und so ist denn auch schon 
seit Jahren gerade der Beaintcnstand darauf bedacht gewesen, 
jenem Uebel abzuhelfeu. Bekanntlich geht eine grosse Anzahl 
der türkischen Civilbeamten aus den Kaleins (Schreibstuben , Bu¬ 
reaus) der Hohen Pforte hervor, wo sie sehr jung als Copistcn 
eintreten, später zu Concipienten u. s. w. aufrücken, bis sie endlich 
in der Staatsverwaltung und Diplomatie die ersten Stellen ein¬ 
nehmen. Die Zöglinge dieser Kalems bringen aus denselben 
eine Orthographie mit, welche an Bestimmtheit und Gleichmässig- 
keit der deutschen nur wenig nachsteht und in der ottomaniseken 
Monarchie von Jahr zu Jahr an Terrain gewinnt. Die Memoran¬ 
den des Reis Effendi an die Repräsentanten der euro¬ 

päischen Mächte zu Constantinopel geben sie vielleicht in ihrer 
grössten Reinheit; doch folgt ihr auch die Staats-Zeitung Tak- 
wiini Wakäi’, die auf Befehl der Regierung gedruckten Flug¬ 
schriften, wie die über die Reise des Sultans im verfl. Sommer 
1846 u. a. m. Von dem einleuchtenden Nutzen der Einführung 
einer solchen festen Orthographie bei Schriftstellern wie Taberi, 
nicht allein für die Leichtigkeit des Verständnisses, sondern 
auch in vielen Fällen für die Bestimmtheit des Sinnes hier zu 
reden, würde mich zu weit führen. Ich begnüge mich, um zu 
zeigen, wie sehr einzelne Handschriften in Beziehung auf die 
Rechtschreibung unter sich abweichen, und wie wenig Ansprüche 



von Taberi's Geschichlswerlce. 


171 


daher irgend eine derselben hat, als in der Hinsicht genaue 
Copien ihrer Originale fiir maasgebend zu gelten, am Ende die¬ 
ses Aufsatzes das oljen in Uebersetzung mitgetheilte Exordium 
der hiesigen Ausgabe zum gefälligen Vergleich mit dem bei Kose¬ 
garten (Einleitung, p. XVI) abgedruckten Exordium der Jenaer 
Handschrift herzusetzen, woraus ein jeder sich selbst abstrahiren 
kann, dass ich für die hiesigen Herausgeber nur ein Recht vin- 
dicire, das man in der Türkei jedem Abschreiber immer zugestanden 
bat. Dass der Autor höchst wahrscheinlich dieser Orthographie 
nicht gefolgt, scheint mir kein erheblicher Einwand. Gesetzt, 
das Manuscript, dem die hiesige Ausgabe nachgedruckt worden, 
sei des Verfassers eigene Handschrift, und man fände darin auf 
demselben Blatte z. B. die Worte t>kji (desshalb) einmal 

dann , dann sogar ausgedrückt: so 

würde diess nur zeigen, dass er entweder von der Möglichkeit, 
in seiner Muttersprache mit arabischen Buchstaben eine bestimmte 
Orthographie durchzuführen , keine Idee gehabt, oder, was mir 
wahrscheinlicher ist, dass er es gar nicht für der Mühe werth 
gehalten, diess wenig geachtete Idiom an Regeln zu binden, wie 
solche für das Persische und Arabische immer galten, d. h. dass 
er durch den Inhalt belehren wollte, ohne sich um die Form im 
Mindesten zu kümmern. Schon seit so vielen Jahrhunderten haben 
die Türken ihre Sprache litterarisch ausgebildet, und erst im 
Monat Safer dieses Jahres 1263 der Higra ist es ihnen eingefallen 
die erste nationale Grammatik derselben ausarbeiten zu lassen ! 
Warum denn nicht alles benutzen, was das ßedürfniss späterer 
Zeiten gelehrt? — 

Muss man sich indessen bei diesen Ausstellungen die beliebte 
Entschuldigung der Türken, das , gefallen lassen, so 

verdienen sie eine um so heftigere Rüge wegen eines anderen 
Punktes, in Beziehung auf den sie die früher betretene gute 
Bahn unverantwortlicher Weise verlassen haben. Diess ist die 
Correctheit, welche die früheren constantinopolitanischen Publi- 
cationen so sehr auszeiclinete, welche aber jetzt auf das Unglaub¬ 
lichste vernachlässigt wird. Vollkommen correct sind vielleicht nur 
wenige Blätter im ganzen Buche, und einzelne Stellen wimmeln 
von Fehlern, die — es sind meistens Umstellungen und Aus¬ 
lassungen von Buchstaben und Verwechselungen der durch dia¬ 
kritische Zeichen unterschiedenen — sich zwar gewöhnlich bei 
einiger Aufmerksamkeit leicht erkennen lassen, aber dessenunge¬ 
achtet im Lesen sehr störend sind. 

Als Stylprobe gebe ich hier ausser dem oben übersetzten 
Exordium (Tab. lib. 1. p. 6.) die Geschichte derKöniginn Zebbä 
von Gczira (Tab. lib. 111. p. 28 sqq.), der ich eine Uebersetzung 
und einige Anmerkungen beifugen werde. 



172 


Rosen, Ueber die türkische Ueb ersetz ung 


1) Taberi, 1. L p. 6. 

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2) Tuberi, I. »I. p. 28 sqq. 


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J. * Lj tiVÄA» ^l\aj^ Xf, w ?^ ^-♦■-t'^äa 3^' , cwV.-]' 



von Taberis Geschichlsteerke. 


173 


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174 


Rosen, Ueber die türkische Uebersetzung 


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von Taberis Geschichlswerke. 


175 


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176 


Rosen, lieber die türkische Uebersetzung 


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dom Taberi's Geschichlswerke. 


177 


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II. Bd. 12 



178 


Rosen, lieber die türkische lieber Setzung 


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^pKä-^ö ^X5Ulr> ^.3l«AiLx> jk*\ tO^liLo^ ^a5Cäj 

^i^jAAii^t äXj^XKj _^~^Vß Jj^l ^£lXa.C^J SgXjL^J^t (J>lvX*J ^XMcXäJ 

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.IjkXi^i ^iPl^-PÜ J.aj 


Anmerkungen. 

1) ^.juXILj nach jetziger Schreibweise ^j.Ab. Im Allgemeinen 
ist es Regel geworden, den Vocal der Verbalstammsylbe, wo 
( es kein kurzes e ist, plene zu schreiben, doch macht ghJL 
eine Ausnahme. Die Causativ- Einschaltung finde ich in 
officiellen Piecen nur defectiv geschrieben; dagegen ist in 



von Taberi’s Geschichtswerke. 


179 


der Präsens - Endung auf r der entsprechende Vocalbuchstabe 
stets verstattet "«nd bei einsylbigen Stämmen /mit a sogar 
nothwendig, und Jhm zu Liebe wird häufig das Elif der Stamm- 
sylbe weggelassen. Man schreibt z. B. Inf. machen, 

Praes. jLj, aor. 

2) für . Die Kalem-Schreibweise 

lässt Ja in türkischen Verbalwurzeln nur im Anlaut der Radix 
zu; weiter unten finden sich Formen des Vb. olurmak häufig 
demgemäss geschrieben. — Das Participium praeteriti auf 
mis kann man mit dem Praeterituin verbi substantivi zu 

einem Worte verbinden, doch muss man dann das Elif nebst 
dein Jü des letzteren ahwerfen, da die erste Sylbe des Hülfs- 
verbi ein in der Aussprache fast verschwindendes t ist, 
ein eingeschaltetes ^ aber die Sylbe als eine gedehnte dar¬ 
stellen würde. Gewöhnlich trennt man jedoch die beiden 
Bestandtheilc dieser Verbalform, während das durch Zusam¬ 
mensetzung mit dem Präsens des Verbi abstracti gebildete 
Präsens stets verbunden geschrieben wird. 

3) • Das conditionale Participium auf igek hat die heu¬ 

tige Sprache, ausser in einigen officiellcn Formeln (z. B. im 
Anfänge der Grossherrl. Fermane ^.^5 

„wenn dieser mein hoher Befehl ankommt“) fallen lassen, 
ohne eine andere ebenso prägnante Verbalform an die Stelle 
zu setzen. Bei unscrin Autor ist ihr Gebrauch oft etwas vag, 
und gleich an dieser Stelle würde ungefähr dasselbe 

sagen, wenn man nicht in dem isidigek die Bezeichnung un¬ 
mittelbarer Folge finden will. 

4) s_XÄX». Das Wort kal, eigentlich „Seite“, entspricht in der 

Bedeutung „bei“ dem Persischen AjS und dem Arabischen Jeic. 
Im heutigen Türkischen ist seine adverbiale Anwendung ver¬ 
loren gegangen, und man braucht dafür das selber in 

feinerer Rede der persischen und arabischen Partikel weicht. 
In officiellcn Piecen trifft man das Wort häufig in dem Aus¬ 
drucke bir kal dachy, noch einmal, wo aber der 

«-Laut immer durch Elif bezeichnet wird. 

5) öldurmejeser , alte Form für öldürmejegek. 

6 ) lS'-M ; ULi jetzt ; tjj; dessgl. 7) jetzt 

und dagegen jetzt (jiw.s. 

8) und ^oAjl für und möchte ich nicht für 

defective Schreibweise, sondern für eine alte Form halten, wel¬ 
che später durch die gleichbedeutende vollere verdrängt wurde. 
Noch jetzt heisst bei den sog. Tataren Georgiens „ich wünsche 

12 * 



ISO 


Kosen, Ueber die türkische Ueberselzung 


zu wissen“ isleram bilem. Uebrigens findet sieb im Taberi 
Tergiiinesi auch die jetzt gebräuchlicherOptativform auf eim. 

9) Nach würde die Syntax des^heutigen Türkischen 

den Conditionalis auf verlangen. Die alte Sprache ist 
darin weniger ^enau, wenn sie auch gewöhnlich die Regel 
befolgt. 

10) Die Worte von bis ^Aj! sind, wie in Parenthese, 

ganz) unabhängig hingestellt und. werden dann durch ifi in den 
Satz-Nexus verflochten. Solche etwas schwerfällige Einschie¬ 
bungen liebt unser Autor sehr. 

11) p.i.yi für burnumy kes; der heutige Sprachgebrauch ver¬ 
langt nach einem Possessiv-Suffixe stets das erforderliche 
Casuszeichen. ' 

12) JL b"A,b für AjJs . Man schreibt regelmässig Formen 
wie dedik, olduk ohne Ja vor dem li- Laute; doch wird das¬ 
selbe diesem vorgesetzt, so oft ihm ein ihn erweichendes, 
d. h, nicht consonantiscli beginnendes Suffix angehängt wird. 
Ans ^AS s l wird demnach A.jtjAkl, aus tilA-O wird 
dagegen ^jU'Ap, «Jp&Abi, sAiAljl. 

13) würde in einer officiellen Piece übersetzt werden 

müssen: „wegen seiner Arglist“. Die Kalem-Schreibweise 
trennt die Postposition da, wo das von ihr regierte 

Substantivuin kein possessives Suffix der dritten Person hat. 
Aehnlich ist der Gebrauch von /JLf, das man jedoch an con- 
sonantisch endigende Nomina auch in diesem Falle mit Ab- 
werfung des Elif und des Ja anhängen kann. Der Sinn ver¬ 
langt an dieser Stelle /'*• 

14) üJLs.C« meliriile scheint einfach für «.LA Jka geschrieben zu seyn; 
derselbe Fehler wiederholt sich unten noch mehrmals. 

15) Von Lj bis ^gAb" ist eine constructio ad synesin anzunehmen, 
welche aus Vermischung zweier Redensarten , nämlich Lj 

Ao)iLüüj.:> und A1 1 *,_*.** 

entstanden zu seyn scheint. 

16) Es wird hier mit den Formen c und s^i.i etwas inconse- 
quenter Weise ahgewechselt. 

17) ICi jaha, offenbar alter Dativ des Wortes jan, Seite, regiert 

als Postposition den sog. Ablativ und hat die Bedeutung 
nach — hin. * 

18) Für (_sAJ 5 1 ~erwartet man ^AäA ; doch sind noch jetzt 

ähnliche Redensarten in Gebrauch, z. B. J.,1 jL« 

„sey gesund ! “ 



von Taberi's GeschicItlswerLe. 


181 


19) für »AkJf; die heutige Schreibweise drückt den Vocal 

vor dem der «weiten Person nicht aus. 

T 

U ebersetz ung. 

Vorbemerkung. 

G'edzimct ul Abras, König der Araber in ’lrak, hatte den 
’Ainr ben Tarb (denselben welchen Abulfcda in der vorislami- 
' sehen Geschichte ’Ainr hen Darb nennt), König von 

G'ezira, besiegt und gefödtet. ’Amr hinterliess zwei Töchter, 
Zebba und Zeinab (Zenobia), von denen die erste als Nach¬ 
folgerinn ihres Vaters anerkannt wurde. Um ihres Vaters 
Tod zu rächen, lockte diese den G'edzima mit Hciraths- 
Verspreckungen in ihr Gebiet, wo sic ihn umbringen liess. 
’Amr ben ’Adi, G'czimas Neffe und Nachfolger, hatte nun 
die Verpflichtung für seinen Oheim wieder Blutrache zu nehmen, 
was ihm durch die Selbstaufopferung seines Vezir Kosair, 
welche mit der des Zopyrus in der altpersischen Geschichte 
eine auffallende Aehnlichkeit darbietet, gelang. 

Geschichte des ’Amr ben ’Adi und seiner- Besiegung der Zebba. 

Dieses Capitel handelt von den Begebnissen zwischen ’Amr 
üen ’Adi und der Zebba. Der Erzähler spricht: Hier (nämlich 
in G'ezira) hatte sich also Zebba festgesetzt und war froh ihres 
Vaters Blut an G'edzima gerächt zu haben. Da hörte sie, dass ’Amr 
ben ’Adi den Thron G'edzima’s eingenommen und Beherrscher von 
’lrak geworden war. Als sic diess vernahm, erschrak sie, denn sie 
wusste, dass es dem ’Amr obliege, für G'edzima Blutrache zu 
nehmen. Sie hatte einen Astrologen bei sieb, welcher ihr mit¬ 
theilte, ein Mann von grausamer Gesinnung werde ihrem Leben 
ein Ende machen; doch werde nicht er selbst sie tödten, sondern 
sie werde sich eigenhändig umbringen. Diess setzte die Königinn 
so in Furcht, dass sie G'ezira nicht mehr zu verlassen wagte; 
sie hielt sich^in dem Kioschk ihrer Schwester (Zeinab) auf, und 
besuchte die einzelnen Städte ihres Reiches nicht mehr. Nun 
butte Zebba einen Maler Namens Fakräin, welcher ausgezeichnet 
schöne Gemälde verfertigte. Diesen liess sie rufen und zu sich 
kommen, und schickte ihn, reich beschenkt, in Verkleidung noch 
der Stadt des ’Amr ben ’Adi. „Geh!“ sagte sie ihm, „mache 
dich mit jenen Leuten bekannt und male ihnen Bilder, damit 
sie erfahren, dass du ein Maler bist, und cs dem ’Amr sagen. 
Wenn ’Amr diesen Umstand von dir erfährt, so wird er dir ver¬ 
stauen bei ihm häufig aus- und einzugehn. Dann sollst du sein 
Bildniss in drei verschiedenen Stellungen malen, einmal sitzend, 
einmal stehend und einmal reitend; auch sollst du dabei malen, 



182 Rosen, Ueber die türkische Ueberselsung 

was er für Winter- und Sommerkleider' trägt. Diese Gemälde 
sollst du mir bringen, damit, wenn er gegen mich zu Felde 
zieht oder mir sonst nackstellt, ich ihn na[yli diesen Bildern auf 
den ersten Anblick erkenne und mich vor ihm in Acht nehme.“ 
— Auf diesen Befehl ging der Maler hin und hielt sich ein 
ganzes Jahr hindurch beständig an ’Ainrs Hofe auf, sah diesen, 
wie er ihn nur sehen wollte, malte seine Bildnisse und brachte 
dieselben der Zebba. Zebba bewahrte die Bilder und befahl in¬ 
nerhalb des Schlosses einen verborgenen Gang unter der Erde 
zu bauen, welcher bis zu einer ausserhalb der Stadt gelegenen 
schroffen Burg führe, damit, wenn! irgend ein Unglück sie be¬ 
träfe, während sie sich in ihrem Schlosse befände, sie vermittelst 
dieses Weges daraus entflöhe und sich in jene Burg würfe. 

Als unter diesen Umständen ein Jahr verstrichen war, sprach 
Kosair 1 ) zu ’Anrr ben ’Adi: „Willst du deines Oheims Blut 
nicht rächen?' Ist etwa dein Oheim einer von jenen Königen, 
deren Blut verloren geht?“ —*■ ’Amr antwortete ihm: „Wie soll 
ich’s denn machen? denn,“ fügte er hinzu , >Läc^ 

(sie ist fürwahr gesicherter, als der Adler der Luft) d. h. „jene 
Zebba ist vor mir mehr auf ihrer Hut als der in der Luft krei¬ 
sende Adler; wie soll ich sie denn in meine Gewalt bringen?“ 
Jener Ausspruch ist in der Welt als Sprüchwort geblichen, ■ Kosair 
sprach: „Schneid’ mir die Nase ah und stosse mich in diesem 
Zustande zur Stadt hinaus, dann mache ich mit ihr was ich will.“ 
’Amr cntgegnetc ihm: „Was du da sagst, kann ich nicht thun; es 
ist unmöglich, dass Solches dir von mir widerführe Kosair 
sprach: Ü C ^^3 ^ <1, „überlass mich mir seihst und 

sey unbekümmert Um mein Blut. Ich werde! thun was ich will; 
auf dir soll meinethalben kein Vorwurf lasten.“ — „Thue, was 
du willst,“ erwiderte ihm ’Amr. Kosair ging also, liess sich 
die Nase abschneiden und seinen' Rücken mit Ruthen streichen. 
Das Volk sprach: ciX» U ^*1 (wegen irgend einer Arg¬ 

list hat Kosair sich die Nase abgeschnitten) d. b. wegen einer un¬ 
bekannten Arglist hat er sich die Nase abschneiden fassen. Auch 
diess ist in der Welt als Sprüchwort geblichen. Ein arabischer 
Dichter hat diese Geschichte nach Weise der Sprüchwörter in Verse 
gebracht. Der Dichter Multemis hat diess Sprüchwort in seiner 
Kasfde erwähnt in zwei Verszejlcn, deren Sinn ist:- für seinen 
Freund sich die Nase abschneideu lassen heiss t an seinem Feinde 
durch Arglist Rache nehmen. 


1) Ich gebe dem Namen dieses Vezirs die Deiuinutivform, weil ihn offen¬ 
bar mein Autor so gelesen. Derselbe theilt nämlich im vorhergehenden Capitel 
das auf ihn bezügliche arabische Sprüchwort mit, gtlaj welches 

er türkisch wiedergiebt: jLsXcl isij-.j.*» . Kasir 

würde er einfach durch Kyssa übersetzt haben. 



von Taberi's Geschichlswerke. 


183 


• Als Kosairs Nase abgeschnittenj worden war, erhob er sich 
und ging unbedeckten Hauptes, baarfuss', in zerrissenen Kleidern 
zu Fuss von ’lräk ljack G'ezira. Als er dort angelangt, meldete 
man der Zebba, Kosair sey gekommen, baarbaupt, baarfuss, mit 
abgescbnittener Nase und auf dem Riicken'mit Peitschen gegeisselt. 
Die Königinn Hess ihn zu sich kommen und befragte ihn um 
seinen Zustand: „Was ist diess, dass man so an dir gehandelt?“ 
Kosair sprach: „Diess hat ’Amr an mir gethan; ich, sagte er, 
hätte seinen Oheim G'edztma nach G'ezira gebracht, ich hätte 
ihn zuletzt umgebracht und sey selbst entflohen. Nachdem er 
mich desshalb auf diese Weise gezüchtigt, hat er mich in ein 
Gefängniss geworfen, wo ich einen Monat gelegen, bis ich eine 
Gelegenheit wahrnahm und floh. Siehe, so bin ich jetzt gekommen, 
um Deiner Herrschaft zu dienen, da ich weiss, dass mein Dienst 
bei Dir den ’Amr mehr kränken wird, als der bei irgend einem 
andern Könige.“ Als Zebba diese Rede vernahm, freute sie sich 
sehr; sie erzeigte dem Kosair viele Wohlthaten, nahm ihn bei 
sich auf, liess ilm in einem angenehmen Hause wohnen und 
machte ihm Geschenke. So verstrich einige Zeit, und Zebba, 
welche wusste, dass Kosair ein verständiger, weiser Mann war, 
überlegte und berieth ihre Angelegenheiten mit ihm. Er ertheiltc 
ihr seinen Rath und zeigte darin seine aufrichtigen Gesinnungen, 
so dass sie ihm vollkommen traute und sicher wurde und ihn 
sogar zu einem ihrer Vezire und Hofleute machte. Als unter 
diesen Umständen ein Jahr verstrichen, war die Königinn dem 
Kosair im hö'chsten Grade gewogen. 

- Eines Tages, als sie beisammen sassen, erwähnte man der 
schönen Kleider und ausgezeichneten Gewebe ’lräks. Zebba be¬ 
merkte: „Solche Zeuge und Stoffe finden sich in meinem Schatze 
und meinem Lande nicht.“ Kosair sprach: „0 Königinn, dieser 
Stoffe giebt es in ’lrak viele; wenn die Königinn befiehlt, so nehme' 
ich von den Stoffen dieses Landes und bringe sie als Kaufmann 
verkleidet, so dass niemand mich kennt, nach ’lräk; daselbst' 
verkaufe ich die hiesigen Zeuge, nehme dafür von jenen feinen 
Stoffen ’lräks und bringe dieselben hieher. Was dann der Königinn 
anstebt, das nehme sie für sich; das Uebrige verkaufe ich, auf 
dass es ihr noch reichen Nutzen bringe. Denn, — sagte er, — 
zum Kriegerhandwerk bin ich hinfort unfähig und tauge überhaupt 
zu keinem Geschäfte mehr, als zur Kaufmannschaft; so soll denn 
mein Geschäft hinfort der Handel seyn, und ausserdem Plane 
zu machen und Rath zu geben. “ — Diese Worte waren der 
Zebba höchst willkommen, und sie überhäufte Kosair mit Ge¬ 
schenken. Dieser nahm nun aus G'ezira alles was in ’lräk Vor¬ 
theil versprach, und die Königinn gesellte ihm eine Anzahl Kauf¬ 
leute bei und liess ihn hinziehn. Sie kamen in ’lräk an und ver¬ 
weilten in 'der Residenzstadt’Amrs. Kosair verkaufte die Zeuge, 
die er mitgebracht, und nahm dafür von den kostbaren Stoffen 



|g4 Rosen, lieber die ■türkische Ueberselsung 

und feinen Gewändern, welche sich in ’lräk fanden. Eine Nacht 
ging er-heimlich zum ’Amr, unterrichtete ihn von seiner Lage 
und empfing auch von ihm werthvolle und prächtige Zeuge; dann 
verliess er ’lräk und kehrte wieder zur Zebba zurück. — Zur 
Zeit als Kosair von der Zehha fort nach ’lräk gegangen war, 
sprach ihre Schwester zu ihr: „Du hast nicht wohl gethau; 
so viele Stoffe und Waaren hast du einem Manne anvertraut und 
ihn dann ziehen lassen; der wird nicht zu dir zurückkehren.“ 
Zehha antwortete ihr: „Wenn er zu mir zurückkehrt, so hat er 
mir dadurch seine Treue bewiesen; wenn aber nicht, so möge 
alles, was ich ihm übergeben, eine Vergeltung für das seyn, was 
er um meinetwillen gelitten, dass man ihm nämlich die Nase ab¬ 
geschnitten und ihn aus seinem Vaterlande vertrieben; möge es 
sein rechtmässiges Eigenthum seyn!“ — Als nun Kosair zurück¬ 
kehrte, war Zehha sehr erfreut; von den kostbaren Gewändern 
und prächtigen Zeugen, die er mitbrachte, nahm sie alles was / 
ihr nötliig war, und liiess ihn den Rest verkaufen. Kosair ver¬ 
kaufte jene Zeuge, und zwar mit grossem Vortheil, so dass er 
unermessliche Reichthümcr erwarb. — Im 4. Jahre darauf gab 
die Königinn dem Kosair 1000 Kameele von ihren eignen und 
sprach zu ihm: „ Ziehe mit diesen Knmeelen zum Handel ans. “ 
Kosair entgegnete: „Die Lastsäcke dieser Kameele sind zu enge; 
gieb Befehl, dass man aus Haar weite und grosse Säcke (ghyrär) 
webe, welche viel Waare fassen und zugleich den Knmeelen he-- 
quem sind.“ Zebba ertbeilte den Befehl, und 1000 Paar grosser 
Haarsäcke wurden gewoben. Muhammcd ben G'erir erzählt auf 
Autorität des Mu'hammed ben Thäbit el Kelbi, dass der erste, 
der in der Welt die grossen Haarsäcke erfunden, Kosair gewesen 
sey, und dass vor Kosair Niemand diese Erfindung gemacht hohe. 

Kosair lud seine ganze Fracht in diese Säcke, machte sich 
mit den 1000 Kameelen auf den Weg und ging nach ’lräk. Dort 
angekommen sprach er zum ’Amr ben ’Adi: „Wenn du Blutrache 
nehmen willst, so ist es jetzt Zeit.“ ’Amr fragte: „Wie sollen 
wir’s machen !“ Kosair antwortete: „Stecken wir in die2000Säcke 
ebensoviele Krieger mit Harnisch und Panzer und vollständiger Be¬ 
waffnung; in einen Sack geh du selbst mit ganzer Rüstung. Die 
2000 Mann laden wir auf die 1000 Kameele und ziehn so nach 
der Stadt der Zehba. Sowie dann die Kameele in die Festung 
eingezogen sind, lassen wir das Heer aus den Säcken liervor- 
kommen, dann marschiren wir, ein jeder mit blossem Schwerte 
in der Hand, und nehmen die Burg ein. Innerhalb des Schlosses 
ist auch ein unterirdischer Gang, durch welchen Zebba sich flüchten 
wird; ich werde dich an den Ort führen, wo dieser Weg in das 
Freie ausläuft; daselbst musst du bereit stehen, damit du zur Hand 
seist, wenn Zebba herauskomuit, und sie tödtest. So wird das 
ganze Land dein werden und du wirst an Zebba Rache üben.“ 
’Amr sprach: „Das geht an; auf diese Weise ist es möglich, wie 



von Taben’s Geschichlswerke. 


185 


du gesagt hast.“ Dand befahl er, 2000 Mann mit ihrer Rüstung 
in die 2000 Säcke zu stecken und auf die Kameele zu laden. 
Nachdem diess gesellten, verschlossen sie die Mündung eines jeden 
dieser Säcke, knüpften den Strick fest und gaben ihn dem darin 
befindlichen Manne in die Hand, damit dieser seiner Zeit selbst 
öffnen und herauskommen könne, ohne (der Hülfe) eines Andern 
zum Oeffuen zu bedürfen. Nachdem sie auf diese Weise ihre An¬ 
ordnungen getroffen, machten sie sich auf den Weg und zogen 
der Stadt der Zebba zu. Als sie sich derselben näherten, ging 
Kosair vor der Karavane voraus und brachte der Zebba die frohe 
Botschaft: „In diesem Jahre habe ich eine Ladung gebracht, 
wie noch Niemand ihres Gleichen geführt. “ Diese Worte er¬ 
freuten die Zebba höchlich, sie stieg zu Pferde und kam aus 
der Stadt heraus, um an der Karavane und den Lasten ihre Augen 
zu weiden. Sie sah, dass die Lasten der Kameele sehr gewichtig 
waren, und dass diese sehr schwer einherschritten. Da recitirte 
sie zwei Verse, von denen wir hier eine üebersetzung geben: 
„Dass diese Kameele so langsam schreiten, ist es nur zuin Ver¬ 
gnügen? — Oder ist es etwa, weil eine Last Eisen eine schwere 
Fracht ist? — dass sie also kommen, o Wunder! ist es, weil 
die Last eines jeden ein Held in schweren Waffen ist? “ ‘) — 
Als Zebba wieder zurück zur Stadt ging, kam auch die Kara¬ 
vane und hielt in der Stadt an. Es war in derselben ein Thor¬ 
wärter, welcher, als er die Kameele mit so vieler Beschwerde 
hereinkommen sah, mit einem Stabe auf einen der Säcke schlug. 
Der darin befindliche Mensch wurde getroffen und der Wärter 
sprach: „Gebe Gott der Höchste, dass der Inhalt dieser Lasten etwas 
Gutes sey! Es scheint nichts Gutes darin zu seyn.“ Als sie 
mitten in der Stadt waren, Hessen sie die Kameele niederknien. 
Die Krieger kamen aus den Säcken hervor, ihre Waffen bereit, in 
der Hand eines jeden ein blosses Schwert, — so inarschirten sie 
weiter in die Stadt hinein. Kosair liess auch den ’Amr aus dem 
Sacke heraus und führte ihn zu der Mündung des Ganges, den 
Zebba unter der Erde angelegt, und durch den sie sich flüchten 
musste. „Hier“ sprach er „halte dich mit dem Schwerte in der 
Hand in Bereitschaft, damit du die Zebba tödtest, so wie sie 
herauskommt. “ 

Als Zebba des Umstandes (dass ihre Kameele feindliche Krie¬ 
ger in die Stadt gebracht hatten) gewahr wurde, wollte sie 
durch den verborgenen Gang sich auf und davon machen. In 
dem Augenblicke aber, da sie herausfrat, fand sie an der Mün- 


1) ln poetischen Nachbildungen ist unser Autor gewöhnlich nicht sehr 
glücklich, und so hat er auch hier trotz grosser Verschränkung und Härle 
dem Sinne des Originals sich nur im Allgemeinen annähern kiinnen. Letzteres' 
ist übrigens aus Abulfedas vorislamischcr Geschichte (cd. Fleischer p. 122) 
u. a. bekannt. 



186 


Rosen, Ueber die türkische lleberselzung 


düng des Ganges den ’Amr. Sie erkan'hte ilin sofort und zog 
eine Dosis Gift, die sie in der Fassung ihrer Ringes trug, hervor; 
daran leckte sie und sprach: tikj^ o*-» ^1 d. h. „wenn 

ich sterbe, so sey es durch meine Hand, nicht durch deine.“ 
Spruchs und stürzte alsbald nieder. Als ’Amr in ihr die Zebba 
erkannt hatte, achtete er nicht darauf, dass sie schon niederge¬ 
fallen, sondern stieg vom Pferde ab und durchbohrte sie. Dann 
rief er seine Armee zusammen und befahl die Schwerter einzu¬ 
stecken und Niemanden mehr zu tödten. Die Bewohner' jenes 
Landes wurden dem ’Arar ben ’Adi untertban; dieser nahm auch 
den Schatz der Zebba in Besitz, und ihr Beer huldigte ihm, so dass 
er Beherrscher des ganzen Landes von G'ezira bis ’lräk wurde nnd 
alle Araber ihm gehorchten. 120 Jahr lang war er König dieses 
Landes; dann starb er. Seine Söhne folgten ihm auf dem Throne, 
und ’lrak nebst G'ezira, der Wüste und ‘Higaz vererbten sich 
hei ihnen von Kind auf Kindeskind. Man nennt, diess Geschlecht 
die Könige Benu Nadr; die Nachrichten über sie sind in den 
Büchern der Araber aufgezeichnet und finden sich auch in den 
Persischen Annalen. Ihre Geschichte ist Weltberühmt, da jene 
Gegenden so viele Jahre in ihren Händen blieben. 

Das Land von den Ufern des G'fliün (Ox-us) bis zu dem 
Gebirgsrücken von 'Holwän war (damals) in den Händen der Hor¬ 
denkönige (Partber); dagegen das Land von dem Gebirgsrücken von 
Holwän bis nach Syrien, d. Ji. ’lräk und G'ezira nebst‘Higaz, 
gehörte den Königen Benu Nadr; Syrien und das Römische Reich 
besass der Kaiser. So blieben die Verhältnisse bis Ardesir ßä- 
begän (Artaxerxes 1.) auftrat, die Hordenkönige besiegte und Cho- 
räsän den Barbaren-Fürsten entriss. Dieser überwand auch die 
Könige Benu Nadr, nahm ihnen ’lräk und G'ezira ab, und sandte 
die Herrscher dieses Namens nach Ba'hrein, nach ‘Higäz und in 
die arabische Wüste. Dort Hessen sie sich nieder und blieben 
in Abhängigkeit von Ardesir. Das Römische Reich und Syrien 
war noch ferner in den Händen der Römer. 

Die Könige Benu Nadr herrschten noch lange nach Ardesir 
in 'Higaz, in Bahrein und in der Wüste, weil ihnen Ardesir 
diese Länder nebst Jemen bei ihrer Vertreibung aus G'ezira und 
'Irak übergehen hatte. — Das waren die Nachkommen des ’Amr ben 
’Adi. Sie (die Persischen Regenten) ernannten je einen von ihnen 
zum Herrscher, so dass er König dieser (genannten Länder) ward. 
Die Residenz der Könige Benu Nadr war G'ezira und die der 
persischen Könige Madäin, so wie zu unserer Zeit die Residenz 
der Chalifen vom Hause der Beherrscher der Gläubigen Bughdäd 
ist. Damals war nämlich Baghdäd noch nicht vorhanden. 

Die Persischen Herrscher, welche auf Ardesir folgten, blieben 
in demselben Verhältnis, d. li. sie verzichteten auf Ba'hrein, ‘Higaz 
und die arabische Wüste, und setzten, wie gesagt, in diesen Län- 



von Taberis Geschichlswerkc. 


1S7 


dem einen Nachkomnien ’Ainrs als Fürsten ein, welcher dann 
regierte. Der letztes von diesen war No’män ben Mundzir ben 
No’man ben ’Amr bijn ’Adi ben Nadr ben Rebi’. Diesen No’män 
tödtete endlich Parwiz. 

Die hier erzählte Geschichte von G'edzima nnd ’Amr ben ’Adi 
fand zu den Zeiten der Hordenkönige (Parther) Statt, wo sich' 
viele Gegebenheiten zutrugen, denn sie (die Parther) regierten 400 
Jahre lang. 


Bemerkungen der Redaetlou. 

Zeit und Raum erlaubten nicht, folgende Bemerkungen noch 
vor dein Drucke der obigen Abhandlung Herrn ür. Kosen selbst 
vorzulegen; wir würden uns daher freuen, für einige derselben 
wenigstens seine nachträgliche Beistimmung zu erhalten. 

In dein xiclbj <^Uj 1 S. 172, Z. 3, bezeichnet 

J^>t, wie z. B. S. 174, Z. 4 v. u., eine Person, wonach S. 160, 
Z. 11 u. 12, zu übersetzen ist: und der diesen seinen ohnmächtigen 
Knecht tüchtig machte, ein Gläubiger und (dem göttlichen Gesetze) 
Gehorsamer zu werden. Gbend. Z. 7 ist Taberi’s grosser 

Koran -Commentür, s. Hägf Chalfa Np. 3161 und Catal. Codd. 
Dresd. No. 22. — S. 162, CoI. 1, Z. 5—3 v. u. sind die Worte 
Mäsvta und Asia, wahrscheinlich in der Ausgabe seihst, versetzt; 
Asia heisst in der Legende die Frau (hier die Tochter) Pharao’s, 
s. Beidli. zu Sur. 20, 39; Jläsyta aber ist ein Appellativ-Nomen, 
eig. pectinatrix, d. h. Kammerfrau, Zofe, s. Lane’s Account of 
the Manners etc. II, S. 43 unt; — S. 163, Col. 2, I. Z. ist nach 
Herrn Dr. Rosen’s Handschrift, in Vebereinstimmung mit Hamza 
Ispahani ed, Gottwaldt, S. 96, drittl. Z., Tarb (w^b) zu schrei¬ 
ben st. Darb (vgl. S. 181, Z. 5—7). — S. 174, Z. 2, ist ^ 
nach zu viel; s. Freytng’s Arabb. provv. I, S. 428, Z. 5, 

wo nach andern Handschriften Mcidani’s und unserin Texte 

st. J.;> zu schreiben ist. Das dort stehende giebt einen guten 
Sinn, doch wird unser durch die türkische Uehersetzung ge¬ 
schützt. Ebend. Z. 6 gÄ», richtig gAs», Arabh. provv. II, S. 450, 
wo jaM mit der Nunation zu schreiben ist. S. 182 Amu, ^.a-osU, 

als Eigenname besser , Arabb. provv. I, S. 425, Z. 20, und 11. 
S. 536. — 



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Auswahl 

von Gedichten und Gesängen 

aus dem arabischen Volksheldenroman 

Sirct Antarat 1 I b a 11 a ], 
d. i. Leben und Thaten Antara’s des Kämpfers. 

Aus den Gotha’schen Handschriften, 

von Friedrich Rückert. 

1 . 

Ich dachte dein, wo mancher Sjier sich tränkt' in mir, 

In meinem Blut sich wuschen indische Spitzen; 

Hie Schwerter wollt ich küssen, weil sie leuchteten, 

Als wie beim Lächeln deine Zähne blitzen. 


2 . 

Dich lieh’ ich, wie Edlere liehen, mit Schweigen, 

Zufrieden, wenn dich nur ein Traum darf mir zeigen. 
Du bist die Gebieterin über mein Blut, 

Die Fürstin, zu der meine Hoffnungen steigen. 

0 Abla, die Zungen der Menschen bekennen, 

Dass heute die Schönheit der Welt ist dein eigen. 

Und spräch’ ich, dein Wuchs sei ein Zweig, so beschämte 
Dein Wuchs ihn mit Gradheit und zierlichem Neigen. 
Die Perlen nur gleichen den Zähnen von dir; 

Wie dürft’ ich die Zähne den Perlen vergleichen? 

Die Nacht deines Haars ist mein Irrungsgewinde, 

Doch trägt deine Stirne mein leitendes Zeichen. 

Die Brüste sind uns zur Versuchung erschaffen; 

Gott, lass sie kein feindliches Auge bestreichen! 



190 


Rückert, Gedichte und Gesänge 


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aus Siret Äntara. 


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Dein Halsband, es schlägt alle Seelen in Bande, 

Und zwingt sie d^in Bande der Welt zu entweichen. 
Dein Antlitz ist freilich die Sonne, ja wohl, ' 

So nah zum Erglänzen, so fern zum Erreichen. 


3. 

Ob auch von Abs die Ritter leugnen meinen Stamm, 

Doch Lanzenspitz’ und Säbel geben ihm Gewähr, 

Und Reuterschaaren geben mir das Zeugnis, dass 
Ich auseinander sprengte sie mit scharfem Ger, 

Und trieb mein Uösslein ins Gewühl, das drang hinein, 

Wo’s Feuer brennt, um das die schwarze Nacht hängt her. 
Weissfussig drangs hinein, und als es wiederum 
Ins Freie kam, da war es nich't weissfussig mehr. 

Sehiba wacht’ in finstrer Nacht und schalt auf mich. 

Sie fürchtete für mich das Kampfgedräng im Heer. 

Da sagt’ ich ihr: Der Tod ist unsre Tränk’, und nie 
Ist ungetränkt davon geblieben irgendwer. 

Lass deine Sorgen! ich bin unbesorgt, denn wiss, 

Wo nicht der Mann erschlagen wird, so stirbet er. 

Fürwahr der Tod, wenn er Gestalt annähm’ am Tag 
Der Schlacht, ich wollt ihn treffen mit dem ersten Spcr. 

4. 

Ich barg die Glut der Sehnsucht tief in des Herzens Schacht, 
Und wenn die Wächter schlafen, so wach’ ich meine Nacht. 
Was ich nie kann erreichen, erstreb’ ich lebenslang, 

Und fass’ ein Glück am Saume, dass nie mich nimmt in Acht. 



192 


Rückert, Gedichte und Gesänge 


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aus Sirel Anlara. 


193 


Icl» wünsch’, o Tochter Malek’s, zu dir die Näherung, 

Doch trenneud ist ditzwischen Kriegsfeuer angefacht. 

i 

Wenn auf mein Blut einstürmen die Dein’gen, sorge nicht! 

Denn Fleisch und B!ut nicht hab’ ich, seitdem mich traf die Acht, 
Vielmehr nur ein verwittert Gebein und eine Haut, 

Auf deren Trümmern lagert des Kummers Heeresmacht. 


5. 

0 Herr, lass mich leben nicht in Schanden, und sterben lass 
Mich nicht, unter Klageruf der Weiber begraben. 

Ich sei ein Ersclilagner, den umwandelt die Vogclschaar, 

Und aus meinen Gliedern trinken durstige Rahen. 

6 . 

Anlara antwortet auf die schmähende Anrede eines Herausforderers. 
Nennst du mich Knecht und schlechten Stamms, doch aber 
Der Stahl ist meines Adelruhms Handhaber; 

Der Stahl, wo ich ihn zückt’ am Zorntag, gab er 
Zu Knechten mir die Fürsten der Araber. 

7. 

Durch Steppen hin streif 5 ich, und dicht ist verhänget die Nacht; 

Durch Wüsten her zieh’ ich, und des Sandes Glut ist entfacht. 

Es geht mit mir kein Gefälirt’ als hier mein Schwert an der Seit', 

Ob nuu des Feinds wenig sei ob viel am Tage der Schlacht. 

Nim dich in Acht, wildes Thier des Felds, vor solch einem Mann, 

Vor dem, sobald er gezückt sein Schwert, nicht nützet die Acht. 
II. Bd. 13 



194 


Rückerl, Gedichte und Gesänge 


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aus Sirel Anlara. 


195 


Begleite mich, sehen sollst du Todte niedergestreckt, 

Und Vögel, die spät und früh oh ihnen halten die Wacht. 

i 

Der Chaled, der ewig heisst, er wird, wann ich ihn gesucht. 
Nicht ewig seyn, prangen auch wird nicht von Gida die Pracht. 
Ihr Wohngefild, bleiben wird es seinen Wohnern vertraut 
Nicht lange Zeit, sein Gehöft hat dort der Panther gemacht. 

0 die du trafst mein Gebein mit deiner Blicke Geschoss, 

Den Pfeilen, für deren Tod ist keine Heilung erdacht! 

Die Lust des Umgangs mit dir ist ein geschmückt Paradies, 
Der Bann von dir Feuerglut von allverzehrender Macht. 

Dein Gipfel, oh Sada, sei getränkt vom milden Besuch 
Der Wolk’, und dein Wohngefild mit Regen reichlich bedacht! 
Wie manche liebtraute Nacht yön reinstem Glanze, dem nichts 
Von Trübe war beigemischt, hab’ ich dir nabe verbracht, 

Mit jungem Volk, zwischen dein die Becher leiteten hin 
Des Weines würzreichen Strom', den hell die Klärung gemacht. 
Nie, weil ich leb’, hör’ ich auf, mit Dank zu denken an dich; 
Und bin ich todt, lebt’ ich doch in dir manch selige Nacht. 


8 . 

Wenn Lüfte wehn zur Zeit des Abendscheines, 
Heilet ihr Hauch ein krankes Herz wie meines. 
Sic kommen mir und künden, dass die Lieben 
Sind aüfgcbrochen,• spottend des Vereines, 

Und achten nicht auf einen, den sie Hessen 
Im Fremdland hingeworfenen Gebeines, 


13 



Rückerl, Gedichte und Gesänge _ 


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aus Sirel Anlara. 


197 


Der ihre Gluten hegt uüd seufzt aus Sehnsucht, 
Sooft sie. spornen ihrer Reitthier’ eines. 

Vertraut ward ich so mit den Misgeschicken, 
Dass mir nun gilt ihr gröstes Tür ein kleines. 


9. 

Wofern deine Hülf’, o Thrän’, ich jemals in Kummer fand, 

So hilf mir! du kühlst vielleicht von mir dieser Flammen Brand. 
Und, Herz, warst du standhaft nicht am Tage da dort ich schied, 
So starb ich; so stirbt in Schmach ein Fremdling, den man verbannt. 
Wieoft abgehalten hab’ ich Unfalls Begegnisse, 

YVieoft Schrecken mit dem Schwert dem indischen abgewandt, 

Und Leuten damit gedient, bei denen dos Gegentbeil 

Von dem, was von Liebe sie mir zeigten, das Herz empfand. 

Im Krieg bin ich ihnen Fürst der Heerschaar, im Frieden doch 
So unwerth wie Abfall eines Nagels von Sklavenhand. 

0 kennt’ ich die Liehe nicht! wie hat sie erniedret mich, 
Gelähmt meines Muts Aufschwung, geschwächt meiner Kraft Bestand! 
Zum Haus Gottes will ich ziehn, das Unrecht das mir geschehn 
Zu klagen dem Richter, des Gericht ohne Widerstand. 

Geduld will ich üben so dass keinem Verliebten bleib’ 

Ein Rest von Geduld womit erquickt werde Liebesbrand. 

Und Blut will ich wcineu, wenn die Tbräne den Dienst versagt. 
Und beistehn mit Klagen jeder Taube im Witwenstand. 

Der Gruss Gottes mög’ ob dir, o Tochter von Malek, seyn, 

Der Gruss eines Herzens, das der Kummer der Lieb’ entmannt. 



II 


Rückerl , Gedichte und Gesänge 

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aus Siifi Antara. 


199 


Icli gieng, und es blieb mein Herz im Hunde der Lust zurück; 

O geh freundlich um' mit dem Gefangnen in deinem Baud! 

) 

Mein Volk, denken wirst du mein am Tage, wo Rosse vor 
Zum Kampf rücken, und auf ihnen trabt jeder Fürst im Land. 
Da wirst du des Helden Ruhm, o Tochter von Malek, auch 
Erkennen nach Würden, wann der Feigling benagt die Hand. 

10 . 

Ich schelte das Glück, hei dem kein Schelten verfangen; 

Bei Zeitläuften such’ ich Ruh, die ruhlos ergangen. 

Die Tage, sie machen mir die Zusage, die mich täuscht; 

Dass Lug ist ihr Wort, ich könnt’ es wissen seit langen. 
Gedient hab’ ich Leuten, die mit mir der Verwandtschaft Band 
Umschlang, und sie wurden mir zu Schlingen und Schlangen. 
Sie nennen im Frieden mich der Sklavin Sebiba Sohn, 

Und Sohn edler Väter, wann die Schwerter erklangen. 

Wo nicht Liehe thät’, ein solcher friilmete solcheu nicht, 

Noch würde der Leu im Forst vor Füchsen erbangen. 

0 hätte der Himmel, was ich liehe, so nahe mir 
Gerückt als die Unglücksfalle, die mich umrangen! 

0 hätte dein Traumbild nur, o Tochter vou Malek, je 
Gesehn meiner Wimpern Flut, den Strom meiner Wangen! 

Die Höhen des Himmels sind die Standorte deines Werths, 

Und kurz ist die Hand mir um nach Sternen zu langen. 

Jedoch w r cnn cs Gott verhängt, der Höchste, nach seiner Huld, 
So soll nichts mich hindern meinen Wunsch zu umfangen, 



Rückert, Gedichte und Gesänge 

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aus Siret Anlara. 


201 


Zu löschen den Lebenfcdocht der Neider, und meinem Ziel 
Zu nullii' mit Gewalt durch Schwert und Sper ohne Bangen. 


11 . 

Antara sendet seinen Bruder. 

Scheibub, o weh, mein Bruder, siehst du uicbt, wie mir 
Die Abla fehlt? o komm, und mich beklage! 

Geplündert seh’ ich mich von Herzen und betrübt, 

Die laute Thräne strömt mir früh am Tage, 

Um solches Leid, das mich befiel, und grosses Weh, 

Es mehrt sich was- ich sinn’ und was ich zage. 

So zeuch nach jenen Siedlungen des Stammes, geh 
Auf Kundschaft Ahla’s, meid’ ihr meine Lage! 

Ja eil in’s Land Irak, vielleicht dass du sie triffst, 

Und kehrest mir zurück mit Glücksertrage. 

Kein gutes Leben soll mir muuden fern von ihr, 

Bis du von ihr mir meldest schöne Sage. 


12 . 

Abla singt: 

Meinen Leib ermattet Hauch des Abendwinds; 
Wie ertragen soll ich Qualen immer neu? 

Bringet mich zum Schutzgebiet des Antara ! 

Denn das Reh beschützt k^ein andrer als der Leu. 



202 


RiiclieH, Gedichte und Gesänge 


Koten zu Antaro. 

ln Gotha sind zwei Handschriften vom Leben Antara’s, eine in Folio, 
eine in Quart, jede in ^vielen Händen, keine vollständig. l)ie zahlreichen 
darin eingewebteri Verse sind meist schlecht und ganz ungrammatisch, doch 
auch viel schöne darunter, woraus ich die obigen mittheile als eine letzte 
Auswahl aus einem ursprünglich weit umfassenderen Auszug. Hin und wieder 
kommen ächte alte Verse des Anlara vor, die sich in seiner Moallaka oder 
seinen übrigen Gedichten finden, an die sich Erweiterungen und freie Zu- 
dichtungen ansebiiessen; die meisten Gedichte aber sind ganz und gar jünge¬ 
res Werk. 

1. 

Das Gcdichtchcn ist gedruckt und übersetzt hei Jones in Uommcnt. P, A. 

> » o > 

(cd. Lips. p. 295) wo B. 1. b. statt ,oflü besser 

2 . 

B. 3. a. fehlt im Text, 
b. Text: 

B. 7. Text: alil p.9lhj.h äUXj iyils» lXS 

B. 9. !>.• JLxIl vielleicht JUil . Vgl. N. 10. 11. 8. 


3. 

Auszug aus 31 Beils im Text. 

B. 2. ist Verunstaltung eines ächten Verses von Autara, im Gedicht fi 
der Goth. Handschr. 

das unsers Textes, eigentlich Stoss der Lanze, passt nicht zu 

Schwert. Vermuthlich hat unser Nachbildner bei sich eben so wenig 

eine bestimmte Watte gedacht, wie wir bei unserm Ger. 

B. 4. b, xjcXSjii wahrsch. x*A'j*Jl 

Unter den in unserm Auszüge ausgelassenen Versen sind folgende, die 
sieh im angeführten Gedicht von Anlara wörtlich so oder ähnlich finden, nach 
unserm 5. B.: 

i__jc>v^U.ol i_ 

nach unserm letzten: 

X^jLc JsaJcvJIj 

IV 7. a. Verunstaltung des ächten Antara j. 

- O ~o ' Ci + l> *c ~ 

li5ü Ul ^ Ls 

Unserem Nachbildner war die Phrase «5ü LI ^ nicht ,mehr geläufig. Deren 
Erklärung sieh im Commcntnr des Hariri von Sacy. 



aus Sirel Anlaru. 


203 

. 4. 

B. 1. b. Text: 

•i. ii. Text: ;J 

3. a. u&uc fehlt. 

4. b. |*äJ Text: 3 

5. a. äeXJLs*» Text: 

ß. 

Z. 1. LoOj Text: i. e -j uuunwiJt ^is>j , "oduieli xt.id de.. 

Versinasscs der folgenden Zeilen j~*j das Veranlass £?.•** entstellt. 

7. 

B. 3. i, Text: (^AjLs? t aurh zulässig. 

4. a. ^Lis (j; j‘ Text: jS 

b. Text: .iA*J 

6. b. j*äJ\ Text: 

9. a. *!s\Jts~.S! Text: eX*.wJl 

jqili Text: 

10. a. JLJ Text: *LJ 

11. b. Text: c>x^j<« 

8. 

Vor unserin letzten Beit hat der Text noch 8 schlechlV. 

B. 3. a. ^ilc Text: 

B. 4. a. |*£s^jC y»it Text: 

9. 

la * w C/ 

B. 1. b. ^**s d. i. ^.Äxilj so hilf mir. 

B. 3. a. Text: ^JLiül 

B. 8. a .) j>s»i Text: 

'O > 

b. Text: (_ 5 jJ. Vielleicht 

B. 9. b. obl£a ist zweifelhaft. 

11. b. v&JL* Text: tzXluwls 

10. 

B. 2. a. C. fol. tu jc\ Quart, j 

8. 4. so in C. fol. — C. cpiart. hat uJj^l Ihr Jsuil und fehlerhaft 
US ILfctft für tj’iüo'bl 



‘204 


Rückert, Gedichte und Gesänge aus Siret Anlara. 


B. 5. b. so C. quart. — C. fol.: 

' l 

Noch gliche der wilde Leu dem Fuclise, dem bangen. 

Nach B. 5. folgen in Fol. (in Q. ganz entstellt) diese beiden: 

OÄ- '» ^^Jj-aaaÜ qIj 

£S ss jS »b 

Mein Volk, denken wirst du mein, wann Rosse zu Felde ziehn, 

Und Reiter einher von allen Seiten sich schwangen. 

Und wo sie vergessen mich, so wird Schwert und Lanze sie 
Erinnern an meinen Hieb und Stoss meiner Stangen. 

B. 6. b. Text Fol. wAjLatt J. Jo Quart. wolxxtt 

B. 8. b. Fol. JLu« Quart. Jli/O 
«• «•> 

B. 9. b. I*/) C. Quart, ; sollte eigentlich stehn 
B. 10. a. Fol. Jf Quart, ji 

11 . 

Zwischen den drei ersten und den drei letzten Beils hat der Text noch 
eilf andere. 

B. 4. a. dafür hat der Text das ungrammatische ^4**'$ 

statt wääs^j 

b. LttÄülS dafür der Text L, 

- O-CA 

B. 5. a. «£L*li Text ungrammatisch ^ä**!_► statt 

12 . 

Auszug aus einem langen Gedicht. 

B. 2. b. j£& Text: )S5 



Chndschu Gei mani') 


und 

seine dichterischen Geisteserzeugnisse 

beleuchtet 

vqn 

Dp. Franz von Erdmann. 

Den mannigfaltigen Zweigen der Literatur westasiatischer 
Völker ist es nicht anders ergangen, als den der europäischen. 
Ausser den Heroen der Wissenschaft entnehmen seihst dem Namen 
nach berühmte Verfasser die in ihren Werken niedergelegten Nach¬ 
richten und Mittheilungen oft aus den Schriften ihrer Vorgänger, 
ohne sich mit dem von ihnen beurtheiltcn Gegenstände genauer 
bekannt gemacht und die Aussagen ihrer Gewährsmänner eines kriti¬ 
schen Blicks gewürdigt zu haben. Sie wiederholen zuweilen das 
schon Gesagte Wort für Wort, erlauben sich hin und wieder 
Abkürzungen oder Auslassungen, welche zur Verwirrung führen 
und zu falschen Ansichten verleiten, oder theilen uns oft vielleicht 
nur nach Hörensagen oder spärlichen Abrissen das zu wissen 
Nöthige mit. Wenn ich dies in Bezug auf arabische Schriftsteller 
schon hinlänglich angedeutet zu haben glaube, so halte ich es nicht 
für überflüssig, auch an persische denselben Masstnb anzulcgen, 
und durch ein schlagendes Beispiel die von mir aufgestellte Be¬ 
hauptung zu erhärten. 

Obgleich die von Dewletschah in persischer Sprache abge¬ 
fassten Dichterbiographieen J ) für den künftigen Bearbeiter der 
Geschichte der persischen Literatur und Dichtkunst als trefflicher 
Fingerzeig und gehaltvolle Anleitung gelten können, so ist doch 
lange nicht Alles von ihm geschehen, und besonders die jüngere 
Zeitperiode entweder aus geringerem Interesse an dem Gunzen, 


1) Der aas dem Lande der Wärme Entsprossene, daher nicht: Kermani. 

2) - SjfiÄj nach einem mir cigenthiiinlich angehiirenden Mann¬ 

scripte, und dem der Kaiserlichen Kusnnisrhcn l'iiivorsität s. No. 502. 



206 


r. Erilmann, Chudschu Germani 


oder aus mangelhafteren Quellen - Nachrichten , oder endlich auch 
aus der nicht eigenen Ansicht und Kenntpiss der beschriebe¬ 
nen Schriftsteller oft unzureichend und seihst oberflächlich von 
ihm behandelt worden. Herr Baron von Hammer-Purgstnll bat 
uns die dichterischen Geisteserzeugnisse der Perser nach diesem 
seinen Vorbilde zwar zu vergegenwärtigen versucht 1 ), aber, un¬ 
beschadet seiner sonstigen grossen Verdienste , oft den Sinn des 
Originals nicht richtig gefasst und das in abgekürzter Form wieder¬ 
gegeben, was doch als das vielleicht einzige bis dahin Vorhan¬ 
dene als eine Seltenheit betrachtet und eben daher um so treuer 
bewahrt werden musste 2 3 ). 

Will man bei kritischen Untersuchungen dieser Art keine 
Veranlassung zu Zweifeln geben und auch andern Kritikern die 
Gelegenheit darbieten, sich von der Wahrheit aufgestellter Be¬ 
hauptungen zu überzeugen, so darf man die Mittheilung des Ori¬ 
ginals , als der sichersten Grundlage, gewiss nicht versäumen. 
Handelt es sich hier übrigens um den Beweis, dass Dewletschah 
hei der Abfassung seiner Biographieen oft nicht nur ungenau, 
sondern geradezu oberflächlich zu Werke gegangen sey, so ist 
es die Pflicht des Forschers ihn selbst zu vernehmen, und dann 
die weitern Belege folgen zu lassen. Ich hübe den schon oben 
genannten Chudschu Germani, der wegen seiner grossen Spracli- 
gelehrsamkeit und seiner ausgezeichneten Dichtertalente es gewiss 
verdient, näher gekannt zu werden, als Prüfstein zu gebrauchen 
um so mehr mich verbunden gehalten, weil er in einer Periode 
lebte, in welcher die persische Literatur und Sprache unter dem 
Scepter der mongolischen Ilchane nicht ohne Erfolg gepflegt 
wurden, und tbeils der von Herrschern und Magnaten den Gelehrten 
verliehene Schutz ihnen als Aufforderung zu erhöhter geistiger 
Thätigkeit diente, theils aber auch die Zeitverhältnisse ihren 
Schöpfungen ein eigenes Colorit verliehen. ' Derselben Periode, 
welche sich durch Geschichtforschung und Sprachg-elehrsainkeit aus¬ 
zeichnete , gehören Raschidu - d- din , Abdu-l-lah, Faszlu-1 - Iah u. 
m. a. an. 'Vernehmen wir also zunächst die Aussage des erwähn¬ 
ten Dewletschah, um dann späterhin, auf Grundlage des von Chu¬ 
dschu Germani selbst aufgeführten Gebäudes unsere weiteren Schlüsse 
fortbauen zu können. Der Biograph berichtet uns Folgendes 

über ihn J ); ij I) J3 


1) Geschichte der schönen Redekünste Persiens. Wien 1818. 

2) Von den Biographieen Mewlana Dschami’s n. u. darf hier nicht die 
Rede seyn. 

3) Meine Handschrift (E.) fol. if 1 ! verso, die der Kasanischen l'ni- 

versität (K.) fol. 11*0 verso : *jil| K. E. K. (I 



und seine dichterischen Geisteserzeuynisse. 


‘207 


f)*iJA**l ^Vyias w«.>Lo« De/ 0 ') ^)ß J ' 

*f) AäoIAa/o ^.A^ai & ''-^'5 ciA>L.o.? ^*^5 

0 ) vtfA.»l..A-A» 8jl^*S> .Sj »Xz-Äwi l^*,Ü, tXÄj ^5^5 

5 I ^läij iMAxa jO v) ^US» j 1) ^2; Li j'j.» qI^*" 

*) jjtÄ ff) KXaß Ai:> ^t A ) 

l^jliÄJ' AÄi! t jÄJLo / J” u5l> \f ‘ P)jLgJ >Awi ib f) 

l_A^J c i'; J ^ ‘ i^V" CJ^° 

v) AAXi LsiAjAj Jjl ‘ ALL *t) A_aI s*. ■'■■’ v*j 

1)j,iiüi=o jS\a iXiVisS * ^U» ^ a)o!A-*-*-^ 

AÄw • I ||) Aj^J ^LäM ^LÄaAM AiÜji s^O>LaAK ^Lol f .) ^)^» 

Io) 3^*3^./! £»~~ |f) lj gju&jljtÄl} it") S-i}J |K) 0 UI jj^AO jvi ffclb“* 

l‘l) t? cl^ AjjJva* o*" {JA" i“ 

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Aav ^1*4»** äJjO -C^^tfi »A>jL# * ^L^Zaav OjLc» 

tAOjtjU* K. (f 3U»j a (^J K. (P \£S***^ E. (I J} jl _jl E. ^1 
^jSjOj lOyL (Jai K. (a Ijq^jU3> E. K. (v c^-sbo E. (1 E. (ö 

qLjJ K. (1 Joji »C>jS „^0> v-J^S* obJ;ij >Ota OlO ^IaavJ) 

Äj^Jvaä k. (Sf 0 L 0 ! a U^b K. (I. 

1) Diese Verse sind aus dem ^LaS 1 , nach der Kasanisclien 

Handschrift fol, *11 recto genommen, und thnn dar, wie verderbt der Text in 
den beiden vor mir liegenden Handschriften des Dewlelschah ist. Lwjj» E. K. (I 
f j .j 0 5 ; ^ Jjb »S E. Ii. (ö JiijA E. (f yXS E. K. (I“ (S» E. K. (f 
AäXs Vj**J üS’Li» E. (v E. K. (*1 ^IjUj 

j0> K. (1. jl E. K. (1 «M<A*j tu K. (a Im Ii. fehlen beide llcmistichien. 
qS) yxIualjJt ^ILJu« yväs^t 8* Ai ( L*Jt g-yi o^.*as» iüa*s=Va3j K. (II 

Ajyjtj A_a_>aj j.jj,,k_ 1| «y~« ijaAj J,LU.*v jJjAJI tiilc qjAjI^ aj.il 

Qjlj K. fl) K. Io) Ijg^jÄ Ojaös» K. If) ^ K. 11") i>ÜT E. !!*) 

^jtÄO oaavI^I Oo.aÄv (J-j-** j*-* 

2) Diese Verse stehen nicht in der hier mangelhaften Kasaner Hdschft. 



208 


v. Erdifiann, Chudschu Germani 


1 ) i3jc 

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ü>j-S\JLj f ) ‘ I*) !) (^« 

'S jlo,jAä nS" (^oLä ^ ‘ >t oot>-A9 &S* ^«jIao q! 

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Ai" ^La-aL« lOWwujt OCJU * ^LaaL«. ijJÜU waS-Lo (jÄ^J 

CÄAAwOt^J . i^AtAA/OLj 

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<3^ ^) jj****l**l j4 j* <j*ot Z**?:^* 

V£>»aOIaaJ 

vXöc y ^ »^‘ 5 / c y ‘ y° /c)jt*") v* c^y ^ 

O»/*01a«!0 cXaa.* 

UV-*- Oba* a;j j */ 0/ a !p- ‘ ^ ^/V> s i <*£\i 0 U ^ 
owaOLäM lXXsI 

1) Diese Worte fehlen in Hdschft E. E. (¥ O^su K. (t 

K. (v <jtj^ E. (1 j'ijS'Jlj K. (ö (j~iAflj K. (f jUjCHj K. (t** 
E. (I! J VS K. (H >=-y» E. K. (t. iXiS K. (1 t*älr> K. (a 

/* e. (ir 



209 


und seine dichterischen Geisleserzeugnisse. 


»S w 4 sXj^w« ^*X*j 

> 

* } S^AulM^lXU ^«3 

* * w 

Ü-^' ^ vMhX*w 

_;&> *f «jK 0 I ‘ «yf ^ v'.*"' «JK )1 ß ß 

ci\»^L# j 

^'j' q^^-j «f 0 -Jo! |.y> « qLj=-j ,*£ _jÄ c^-oa-aJ ti" 5 ^ 

0"«wl 

1) J-*X^w.y«j £_jÄ*X* O 1 -*»! Ci**J ^jS> OWj Ü^^XÄJj^ 

x i SOLij 8^3 lXj ► £jA»ÄXjw»*0 öIaJjCj olnhij^j IjC lXjLciS jJ 

^jAAAii XfcvM jO Aj j->^> v) ol:.^ XÄ& i\av \X-~*i 

<3? «Oyi fcjUxAMij 


„Er war von den Magnaten German’s entsprossen, von hoher 
„Bildung und gefälliger Sprache.' Seine Redeweise erkennen die 
„Ausgezeichnetsten und Angesehensten in der Bcredtsamkeit nnd 
„Sprachgewalt für unvergleichlich an, und nennen ihn deswegen den 
„Ziergärtner der Dichter. Er war beständig auf Reisen, und hielt 
„sich wenig in German auf. Auch schrieb er das Buch: Humai 
„we Humajun in Bagdad, und ob der Sehnsucht nach seinem 
„eigentlichen Vaterlande diese wenigen Verse: 


„Willkommen Ambrawind, o Frühlings¬ 
hauch *), 

„ Willkommen Zeit des süssgeschw’atz’- 
gen Vogels, 

„Was that ich, dass des Himmels 
hoher Dom 

„Weswegen soll ich hier in Bagdad 
weilen, 


„Der wehend über German’s Erde 
streicht; 

„Des Ruheort in jenem Lande ist! 1 2 3 ) 


>» 


» 


Aus jenem meinen Nest mich hiebet 
warf? >) 

Wo nur der Tigris mir in’s Auge 
tritt? 


1) Diese beiden Hemistichien-fehlen in K. 

2) Diese beiden Hemistichien stehen vor dem mit .$ anfangenden in K, 

Fehlt in K. (ö K. (f »Jt-ä K. (!" E. (P X<3i K. (t 

>>!>=>. K. (a oli, K. (v K. (1 

1) Nach E. und K. „Willkommen mir, o Frühhauch, Ambrawind.“ 

2) Nach E. und K. „Des Ort in jenem Land und Wohnsitz ist.“ 

3) Nach E. und K. „ Aus jenem reinen Land nach Westen warf? “ 

II. Bd. 14 



‘210 


v. Erdmann, Chudschu Germa,ni 


„Auf seinen Reisen besuchte er auch den Ala-dewleii Sim- 
„nani, ward sein Schüler, lebte mehrere Jahre unter den Sufi 
„und ward selbst Sufi. Auch redigirte er die Gedichte des Scheichs 
„und sang auf ihn folgendes Rubai': ‘ 

„Wer auf den Pfad Ali Tmrani’s kam, „WieChisr an den Quell des Lebens kam; 

„Wird frei von Satans Flüstern und „Wird Ala-dewle'i Simnani gleich! 
Betrug, 


„Dieses Ghazei ist gleichfalls von ihm: 


„Gelobt sey, der durch Macht und 
Hoheit heilig ist, 

„Der Meister, dessen Bauwerk ewig 
dauernd ist, 

„Saturn ist dieses Klosters Wächter, 
— er befuhl's, 

„Ins Ohr des Himmels hängt zum 
Schmuck er Magreb’s Gold, 

„Bald zieht am Himmel er des Zal- 
zer’s Brauen auf, 

„Naht Chudschu flehend dieser Pforte, 
so ist’s recht: 


„Gelobt sey, der an Gnad’ und Würde 
einzig ist, 

„Der Mächt’ge , dessen Allmacht un¬ 
vergänglich ist. 

„Mars ist in dieser Feste Burgherr, 
— er gebol’s; 

„Durch’s Werde jeden Monat einen 
Neumondring. 

„Bald giebt der Sonne er des Zal- 
Erzeugten Schwerdt. 

„Vom Herrn die Gnade, und die Bitte 
von dem Knecht. 


„Suleiiuan’s Herrschaft ist dem Ein¬ 
sichtsvollen Wind, 

„Wer, dass auf Wasser diese Welt 
gegründet, spricht, 

„Kein Gastzelt schlag bei diesem alten 
Gasthof auf, 

„Bind* nicht Jdein Herz Jan diese alte 
Buhlerin, 

„Des Himmels Liebe fällt auf einen 
Andern stets; 

„Die Erde Bagdads träufelt weinend 
Martyr - Blut, 

„Der Ziegel, den Scheddad hinwarf 
Im Goldpalast, 

„Ist voll von frischen Tulpen gleich 
des Berges Saum, 

„Chudschu hat nichts als Gram er¬ 
übrigt von der Welt '), 


„Vielmehr Suleiman der, der frei von 
Herrschaft ist. 

„Den höre, Chodscha, nicht; denk nach: 

sie steht auf Wind; 

„Nicht bleibend und unsicher ist sein 
Fundament; 

„Die immer neue Braut von vielen 
Freiern ist. 

„Was thun, da er einmal so niedrig 
ist gesinnt? 

„Wenn nicht, woher dann rinnt in 
Bagdad dieser Strom? 

„Ist in des Schah’s Palast vom Haupte 
Scbcddad’s nun. 

„Nicht Tulpen sind es. Sondern Fer- 
had’s Herzensblut. 

„Frohlocke wer da gänzlich frei ist 
von der Welt!“ 


4) Dieses Gramgefuhl drückt der bekannte Schemen-1-maali Ahu-l- 
Busein Kabus nach Luthf Ali in eigenthümlichen Worten so ans : 

(*^S girt, ‘ vjJjit (ji-£ 

9 (jr&zs ‘ er* J j-tr-f" lA" 

euAs 



und seine dichterischen Geisteserzeugnisse. 2 L l 

„Man sagt, dass Her Divan Chudschu’s aus 20,000 Distichen 
„bestehe; er sei tcch’niscli vollendet und enthalte glänzende Kasiden, 
„gefällige Bruchstücke und Ghazelen, von denen in dieser ßio- 
„graphie nicht mehr, als geschrieben ist, aufgenommen werden 
„kann. Chudschu starb in'dein Jahre 742.“ *) 

Dies ist Alles, was wir über den berühmten Chudschu Germani 
in seiner Biographie finden. Denn das, was Dewletschah noch 
zu derselben hinzugefiigt hat, bezieht sich auf einige Lebensver¬ 
hältnisse des Ala-dewlei' Simnani, welcher in seiner Jugend im 
Dienste des Mongolischen Kaisers Argun Chan 2 ) stand, in dem 
Alter von 72 Jahren und 2 Monaten mit Tode abging, und auch 
den Abdu-r-ra‘hman EsfcruYni und Nedschmu - d - din Mu'hammed 
Esferaini unter seine Schüler zählte. 

Man sieht aus dieser Lebensbeschreibung des Dewletschah 
deutlich, dass er ;die Schriften des Chudschu Germani nicht aus 
selbsteigener Ansicht- gekannt, sondern nur jiach kurzen Anzeigen 
Anderer über dieselben geurtheilt habe, weil er im entgegenge¬ 
setzten Falle sich ganz anders und viel umständlicher über sie 
ausgesprochen haben würde. Dasselbe kann man mit vollem Rechte 
von dem Luthf Ali Beg ben Aclia Chan behaupten, welcher in seiner 
kärglichen und höchst oberflächlichen Lebensbeschreibung des 
Chudschu Germani 3 ), den er Chadschu nennt, nur sagt, 

dass er ein Mesnewi,als Gegenstück zu dem Machzenu-J-asrar, 
unter dem Titel: Die Blumenaue der Lichter SC-irjj), wo¬ 

runter er wahrscheinlich seine beiden mystischen Dichtungen ver¬ 
steht, und ein anderes Mesnewi: Humai we Humajun, in Bagdad 
geschrieben, an der Welt Langeweile gefunden habe, und in dem 
Dienste des Schah Alau-d-dewle Simnani, zu dessen Lobe er 
einige von ihm gedichtete Verse beifügt, im Jahre 642 (so) gestorben 
sey. Hier zum wenigsten erweiset sich die von Luthf Ali Beg 
durch seine Feuerbrände veranstaltete Aufhellung als eine kleine 
Reuomisterei. 

Da ich in der letzten Zeit meiner frühem Stellung die ge¬ 
wiss seltenen Werke des Chudschu Germani durch Ankauf von ei- 


„In diesen deinen Locken wohnen „Kraus’, Knoten, Schleife, Falte, 
Sechs: Flechte, Schling; 

„In meinem Herzen nisten andre Sechs : „Lieb', Kummer, Schmerz, Betrnbniss, 

Aerger, Gram. 

So in Atesch Kede, Hdsch. meiner Sammlung fol. K verso. 

1) Chudschu Germani ward nach seiner eigenen Aussage, im Bnur uz we 
GBl, den 15. Schewwal des Jahres 679 (12-g£) geboren, und hatte daher in 
seinem Todesjahre 742 (13$-j) ein Lebensalter von .63 Jahren erreicht. 

2) Regierte yon 683-—690 d. H. (1284 —1291 nach Chr. Geb.) 

3) Nach der mir angehörigen Handschrift des Atesch Kede, fol. verso. 

14* 



212 t>. Erdmann , Chudsch u Germani 

nein Bncharen für die Kaiserliche Kasauisciie Universität erworben 
habe, so hoffe ich durch die Ausfüllung- dieser 5 nicht unbedeutenden 
Lücke iin Dewletschah und Luthf Ali Beg den Dunk der Gelehrten 
zu verdienen, indem ich sie mit Chudscliu’s Schriften so wie mit dem 
in ihnen herrschenden Geiste genauer bekannt zu machen suche. 

Die von mir benutzte, in Persischer Sprache abgefasste, 
theils vollständige, theils mangelhafte Handschrift enthält 136 
Blätter in kl. Folio und alle Geisteserzeugnisse unsers Dichters. Ge- 

- c 

wohnlich werden dieselben von den Asiaten mit dem Namen; 

J.IO" d. li. Der Fünfer des Chudschu Germani bezeichnet, und 

bestehen wirklich aus folgenden fünf Abtheiluugen : 

1) d. h. Nauruz und Giil, von fol. | verso bis Pa 

recto, geschrieben von und geendigt in Samarkand 

den 22. Schaahan im Jahre 1038 (1629), bestehend aus 5230 Halb-, 
oder 2615 Doppelversen, nachstehenden Inhalts: 

Nach der gewöhnlichen Anrufung des göttlichen Beistandes, 
dem Lohe des Propheten und des Sultans von Irack, Tadschu-d- 
dunja-we-d-din, geht der Dichter zn der Ursache der Abfassung die¬ 
ser Schrift über, deren Anlage folgende ist. Prinz Nauruz, der 
Sohn des Schah Firuz von Chorasan, ausgezeichnet durch die 
Schönheit seines Körpers und Geistes, hört von der schönen Giil, 
der Tochter des Römischen Kaisers, so wie diese wieder von 
ihm, und beide verlieben sich in einander durch Hörensagen. Der 
Prinz bittet seinen kaiserlichen Vater, eine Reise dahin unternehmen 
zu dürfen, erhält aber abschlägige Antwort. Auf die Nachricht, 
sein Sohn sey wegen der Nichterfüllung seines Wunsches in tiefe 
Melancholie verfallen und untröstlich, sendet Firuz einen an seinem 
Hofe lebenden Weisen, Namens Mihrpesl, zu ihm, welcher ihn 
durch die eingeschobenen Erzählungen von ISehzad und Perizad, 
so wie von einem Vezir, Namens Muhammed, und seinem Sohne 
Ali mit glücklichem Erfolg, doch nur augenblicklich tröstet. Zu 
Firuz zurückgekehrt, fertigt Mihrpest seinen Sohn Mihran in 
gleicher Eigenschaft an ihn ab, und dieser weiss dem Unmuthe 
des Nauruz durch die cingeflochfene Erzählung von Mihr und 
Mihrban , welche nach langem ihre Verbindung hindernden Unge¬ 
mache doch endlich zum Ziele gelangten, eine sehr günstige 
Wendung zu verleihen. Prinz Nauruz setzt endlich seinen so 
lange gehegten, feurigen Wunsch durch, und langt in der 
Residenz des Römischen Kaisers an. Durch die Amme der Prin¬ 
zessin Gül in Kenntniss gesetzt, dass diese in ihn verliebt sey, 
sucht er mit ihr, so wie sie mit ihm, Bekanntschaft anzuknüpfen. 
Nauruz erhält nach dem Siege über den von ihm mit eigener 
Hand erlegten syrischen Schah Ferachzur, welcher gegen die 
Residenz des Römischen Kaisers mit einem Heere angerückt war, 



und seine dichterischen Geisleserzeugnisse. 


213 


die Hand der Prinzessin GUI und begiebt sieb nach begangener 
Hochzeitsfeier mit ihr in sein väterliches Reich Menoi Srhahdschun. 
Nach dem bald darauf erfolgten Tode seines Vaters Firuz, be¬ 
steigt er dessen Thron, kommt aber späterhin in der gegen ihn 
angezettelten Verschwörung des Prinzen Kubad mit seiner Ge¬ 
mahlin um Thron und Lehen, während der Thronräuber sich der 
Herrschaft bemächtigt. — Nach dem Lobe des Fürsten von Kuzerun 
Abu Is‘hack Ibrahim und des ausgezeichneten Scheichu-1- islam 
Gininu-1 - miile we-d -dunja we-d-d in, des Kazeruners, ertheilt 
der Dichter die nöthige Auskunft über die Zeit seiner Geburt und 
die während derselben obwaltende Cunstellation, wobei er das 
Jahr nach den vier in Westasieu angenommenen Hauptepocheu 
bestimmt. 

2) d. h. Humai und Humajun, von'fol. 1*1 

verso bis ii“ verso, geschrieben von demselben und geendigt iu 
Samarkand an einem Donnerstage, den 30. Schaaban 1038 (1629), 
bestehend aus 6406 Halb -, oder 3203 Doppelversen, nachstehen¬ 
den Inhalts; 

Nach dem Lohe Gottes des Schöpfers, den er um Hülfe 
und Beistand anruft, und des Sultans As-said Aläu-d-dunja 
we-d-din Abusaid Behader Chan ‘), so wie seines mächtigen 
Grossvezirs Ghajassu-d-dunja we-d-din Muhamined, gieht er 
einen allgemeinen lieberblick seines Werkes, so wie seiner 
eigenen Lage, und schreitet dann zu den Ursachen der Abfassung 
dieser von ihm auf Befehl des erwähnten Grossvezirs verfassten 
Schrift, dereu Anlage folgeude ist. 

Der durch seine Schönheit ausgezeichnete Prinz Humai, der 
Sohn des Schah Huschenk, begiebt sich mit Hülfe seines Rosses 
Ghurab auf ein Abenteuer und gelangt in die Residenz des Chi¬ 
nesischen Faghfur (Kaisers), welche beschrieben wird. Hier sieht 
ihn die Tochter desselben, Prinzessin Humajun, und verliebt sich 
in ihn. Auf einer von dem Faghfur ihm zu Ehren veranstalteten 
Jagd entfernt er sich in dem Getümmel derselben heimlich von 
des Fürsten Seite, und begiebt sich in den Sominergarten der Hu¬ 
majun, Semensar Ruschab, ermordet den Wächter, den alten Gärtner, 
und verrichtet seihst dessen Wacbtdicnst. So wird er mit der 
sich dort aufhaltcnden Prinzessin näher bekannt, muss aber den 
Sommergarten verlassen, sobald man durch Späher Nachricht über 
seinen Aufenthaltsort und sein Verbrechen erlangt hat; er wird 
eingefangen und vom Faghfur in das Gcfängniss nach Tewaraz- 
diz abgeschickt. Hier werden seine Klagen laut, dringen zu den 

-_ t 

1) Regierte von 716 — 736 d. H. (1316 — 1335 nach Chr. Geburt.) 



214 


r. Erdmann, Chudschu Germani 


Ohren der Prinzessin und erregen die Theilnalime der Tochter 
des Soheil Dschehan-suz, welche ihn aus seiner Haft befreit. Prinz 
Huinai kehrt in das Sommerschloss der Hum,'ijun zurück, wo er 
mit ihr freundschaftlichen Umgang pflegt. Jedoch einsehend, dass 
seine hinsichtlich der Verbindung mit der Geliebten gehegten 
Wünsche nicht erfüllt werden können, verlässt er sie wieder, 
und begiebt sich in eine hoffnungslose Einöde, wohin ihm die 
Prinzessiu auf dem Fusse nachfolgt, worauf sie bei ihm dort einige 
Zeit verweilt und ihm ihr Herz aufschliesst. Hier erbieten sich 
Fehrschah und behzad mit des Ostens Heere dem Liebespaare 
Hülfe zu leisten, undHumai, auf dieselbe fussend, ersucht den Faghfur 
um die Hand seiner Tochter iA einem Schreiben, welches die¬ 
ser hinterlistiger Weise dahin beantwortet, dass er nicht eher 
seine Zustimmung ertlieilen könne, bis Humai ihm seine Tochter 
zurückgestellt habe. Humai sendet nun die Humajun mit dem 
Heere des Ostens in die Hauptstadt des Faghfur und sucht durch 
den Ostwind die schriftliche Verbindung mit ihr zu unterhalten. 
Der trügerische Faghfur verbirgt jedoch, um auch diese Verbindung 
mit einem Schlage zu vernichten, seine Tochter in einem unter¬ 
irdischen Gemache, und sprengt das Gerücht ans, sie scy ge¬ 
storben. Er veranstaltet sogar verstellter Weise eine Todtcnfeier 
und giebt sich über den Tod der geliebten Tochter den lautesten 
Klagen hin. Prinz Humai, an der Wahrheit dieses allgemein 
verbreiteten Gerüchts nicht zweifelnd, begiebt sich wiederum in 
die Wüste. Die von diesem traurigen Loose ihres Geliebten in 
Kenntniss gesetzte Humajun zieht über den Aufenthalt desselben 
mit-Hülfe Hehzad's und Ferinusch die nöthige Nachricht ein, und 
Humai entschliesst sich, der an ihn ergangenen Aufforderung zu¬ 
folge, in die Hauptstadt zurückzukehren. Der über diese Kühn¬ 
heit auf’s Aeusserste erbitterte Faghfur zieht mit einer Hceresabthei- 
lung gegen ihn, fällt aber in dem gelieferten Treffen, durch die Hand 
des Humai erlegt. Der Prinz besteigt jetzt den Thron des ge- 
tödteten Faghfur und feiert mit der Humajun das doppelte Sieges¬ 
fest in dem Soiumerpalaste Semenzar Nuscbab.j Nachdem er 
hierauf das Hoflager von dort nach der Hauptstadt verlegt, ver¬ 
mählt er sich mit ihr auf eine feierliche Weise und ersteigt mit 
ihr die höchste Stufe des Ruhms. Das Reich des Faghfur von 
Tschin, Perizad’s und des Cbakans 'Husein dem Ferinusch, als 
Statthalter, anvertrauend, begiebt er sich anfangs mit seiner Ge¬ 
mahlin in das Land Chawer, wo er Schemsei Chaweri und Awaz 
Afruz mit Fehrschah und Behzad vermählt, und dann nach Schani, 
wo er gleichfalls Besitz vom Throne nimmt, es jedoch nach 
einiger Zeit wieder verlässt, die Zügel der Regierung in die 
Hände des Dschehangir legend. — Das Gedicht scliliesst mit dem 
Lobe des ho'chberühmten, als Feldherr und Regent gleich aus¬ 
gezeichneten Herrn Srhemsu - l-back - we - d - dunja we-d-din Ma'h- 



uni seine dichterischen Geisteserxeugnisse. 


215 


mud, des Kadhi Sain und des ausgezeichneten Grossvezirs Ruknu- 
d-dewle we-d-dunj'a we-d-din Elmehdi Amidu-l-mulk. 

3) Mystisches Gedicht (Mesnewi), von fol. *lf verso bis II 4 recto, 
geschrieben von demselben und geendigt den 27. des Monats Re- 
dscheb, an einem Mittwoch im Jahre 1044 (1635), bestehend aus 
5270 Halb-, oder 2635 Doppelversen. 

4) Mystisches Gedicht (Mesnewi), von fol. Io bis) % verso, 
unvollständig, enthält nur 402 Halb-, oder 201 Doppelverse. 

5) Diwan , enthaltend Ghazelen, Kasiden, Mukattaat und Ru- 
baijjat, bis fol. tn verso, gleichfalls unvollständig. Die Kasiden 
sind geschrieben zum Lohe lebender und verstorbener, ausgezeich¬ 
neter Männer, als a ) des Mubarizu-l‘hack wc-d-dunja we-d- 
din Muhammed Elmuszaffer, des Stifters der Dynastie der Mu- 
szafferi, b) des Kiwamu-d-din Niszamu-l-mulk, c) des'Hamidu- 
1-mulk Ihn Niszami-l-mulk Tusi, d) des Nuru-d-dewle we- 
d-din Kiwamu-1-mulk Masud ben Dschemili-l-mulk, e) des 
Fachru-d-din A'hmed ben Kiwami-1 -mulk, f) des Chodscha 
Zckiu-d-dewle we-d-din Ma'hmud ben Fachri-l-'hnck we-d- 
din Achmed, g ) des Izzu-d-din Jusuf ben Zeki'i-d-din Ma'hmud, 
h ) des Schirwan-Schah ben Menudscbehr, i) des Dschemalu-d-din 
Mauseli, k) des Atabeg Muszafferu-d-dunja we-d-din Kizil 
Arslan, Padischah’s von Irack. 

So viel für den gegenwärtigen Augenblick. Vielleicht werde 
ich auf den von Luthf Ali so ganz verkannten Cbudschu Germani 
dereinst nach einem grossem Masstabe wieder zurückkommen, 
— nach der Gläubigen frommen Spruch — *lw ,^1, oder, 
um mit andern Zungen zu reden, wenn es Zeit und Verhältnisse 
erlauben. Geschrieben zu Gr. Nowgorod am -Ar Autrust 1847. 



Die Sage von Feridun in Indien und Iran. 

Vorgetragen den 1. .Oktober 1847 in der Versammlung der 
' Orientalisten zu Basel 

von Dr. K, Hotli. 

Vor zwei Jubren batte icb die Ehre Uber das inutbinaassliclie 
Alter der alten indischen Liedersammlungen zu berichten, die 
unter dem Namen der Weden auf uns gekommen sind. Weniges 
zwar ist aus diesem Gebiete inzwischen veröffentlicht worden, 
desto lebhafter wird aber, wie Ihnen bekannt ist, darin gearbeitet, 
und ich habe .Grund zu hoffen, dass die damals gezeichneten 
Umrisse noch fest stehen, so weit wenigstens feststehen, dass 
ich heute einen Schritt weiter gehen und das indische Altertbum 
mit dem persischen zusainmenknüpfen kann. 

Die möglich engste Verbindung beider wird nach meiner 
Ueberzeugung für die Wissenschaft vom persischen Alterthume, 
wie sie jetzt .stellt, am förderlichsten seyn. 

Da mir zu einer vollständigen Uebersicht über den ursprüng¬ 
lichen Zusammenhang persischer und indischer Religionsgeschichte 
bis jetzt noch Kraft und Mittel fehlen, so möchte ich wenigstens 
an einem Beispiele zeigen, wie Weda und Zcndawesta aus Einer 
Quelle fliesseu als zwei Arme, von welchen der eine — im Weda 
— voller, reiner, seinem ursprünglichen Wesen gleicher geblieben 
ist, der andere vielfach sich verfärbt, seinen ersten Lauf geän¬ 
dert hat und durum nicht immer mit gleich er 'Sich erb eit bis zu 
seinen Ursprüngen zurück verfolgt werden kann. Für diesen 
Nachweis wähle ich den Sagenkreis des Feridun, eines der ge¬ 
feiertsten Helden der persischen Vorzeit, bei welchem man am 
meisten versucht ist, einen nationalen geschichtlichen Stoff unter 
der sagenhaften Hülle zu suchen, mit dessen Aussprüchen noch 
spat Dichter ihre Werke schmücken, dessen berühmtes Banner, 
nachdem es die Sasaniden auf ihren Zügen begleitet hatte, erst 
in der Schlacht von Kadesin den Unterdrückern Persiens unter 
Omar zur Beute wurde. 

Die Fabel von Feridun, so weit sie hieher gehört, wird in 
der Hauptquelle für unsere Kenutuiss der persischen Heldensage 
in Firdusi’s Königsbuch so erzählt. Unter Zohäk's Herrschaft wird 



Rolli, Die Sage von Feridun in Indien^ und Iran. 


217 


Feridun geboren, ein Sohn Abtin’s und der Firänek. Zohäk stellt 
dem Kinde nach, Weil von ibin nach dem Munde der Wahrsager 
der Untergang seiner Herrschaft kommen sollte. Nur dessen Vater 
Abtin fällt aber in seine Hände und wird getödtet; die Mutter 
flieht mit dem Sohne in den Wald, wo die wunderbare Kuh Pur- 
mäje weidet, deren Wächter das Kind drei Jahre lang mit der 
Milch der Kuh ernährt. Als die Mutter ihn auch hier nicht mehr 
sicher glaubt, flieht sie mit ihm nach Hindustan zum Berge El- 
burz und übergibt ihn einem Einsiedler zur Erziehung, ln seinem 
sechzehnten Jahre verlangt Feridiin von der Mutter Aufschluss * 
über seine Abkunft. Sie sagt ihm von Zohäks Verfolgung, und 
dass er aus dem alten Königsgeschlechte des Tahmuras stamme. 
Feridun beschliesst Rache an Zohäk. Die Ausführung seines Planes 
wird möglich gemacht durch die gleichzeitige Empörung gegen den 
Fürsten unter der Anführung des Eisenschmiedes Kdice. Käwcs 
Söhne waren den Schlangen zur Speise geworden, welche nach der 
Sage durch einen Kuss des Teufels aus Zohäks Schultern em¬ 
porgewachsen waren; der empörte Vater macht sein Schurzfell 
zur Fahne des Aufruhrs. Diess ist die berühmte Kawefahne, 
pLjlf (jijjOi. Feridun lässt sich zum Kampfe eine gewaltige 
eiserne Keule in Form eines Stierkopfes verfertigen und zieht 
mit seinen beiden älteren Brüdern Kajdn&sh und Purmdje aus 
zum Streite. Auf dem Wege wollen diese, eifersüchtig auf des 
Bruders wachsende Macht, ihn heimlich tödten, aber seine über¬ 
natürliche Wissenschaft und Kraft verhindert, es. Diess scheint 
jedoch ein hinzugefugter Zug zu seyu, um Feriddns Grösse zu 
heben, denn beide erscheinen später wieder in seinem Gefolge 
(v. 426. Zohäk. Ausg. v. J. Mold). Er kommt endlich, Käwe 
an der Spitze seines Heeres, zum Flusse Arvand, den Firdusi 
ausdrücklich als den Tigris bezeichnet, setzt über den Fluss, nimmt 
Zohäks Burg Gangidizhucht oder mit dem arabischen Namen Beit- 
ül - mukaddes — die gewöhnliche Bezeichnung Jerusalems — und 
findet zwar nicht Zohäk selbst, aber seine beiden Weiber aus 
Dshemshid’s Geschlecht, Arnewäz und Shehrinäz. Zuletzt erscheint 
Zohäk, um Burg und Weiber wieder zu gewinnen, wird aber 
von Feriddn mit der Stierkeule getroffen. Der Sieger tödtet ihn 
nicht, weil der himmlische Genius Serosh räth, ihn in Felsen 
einzuscldiessen; die Stunde seines Todes sey noch nicht gekommen. 
Feridun geleitet ihn gebunden nach Shirchän, wird von dem Genius 
noch einmal abgehalten Hand an Zohäk zu legen und angewiesen 
ihn im Berge Demävend gefangen zu halten. Dort nagelt ihn 
Feriddn an die Felsen; so bleibt er aufgehäugt und sein Herzblut 
träufelt auf den Boden. 

Diess ist die Sage so weit sie für unseren Zweck herbeizu¬ 
ziehen ist. Was über die nachmalige Regierung Feriddn’s und 
die fünfhuudertjährige Dauer derselben erzählt wird, ist nur ein 
weiterer Beweis für den Satz, welchen die folgende Ausführung 



218 


»Roth, Die Sage von Feridun 


festzustellen bemüht ist, dass dieser Sage< keine geschichtliche Er¬ 
innerung zu Grunde liege. Sie hat übrigenä in der Gestalt ver- 
muthlick schon lange vor Firdusi bestanden; denn es linden sich 
in ihr ziemlich unversehrt alle Hauptzüge after Göttersage, und 
sie mag zu den Ausführungen gehören, welche Firdusi’s Feinde 
bei seinem Gönner dem Gaznewiden Mahmud dadurch herabzusetzen 
suchten, dass sie dieselben als blosse Ausflüsse älterer Quellen 
bezeichneten. 

Leider besitze ich nicht die Mittel, die Entwicklung der 
Sage regelmässig aufwärts zu verfolgen und sie in den Peh- 
lewi-Büchern wieder aufzusuchen. Anquetil’s Uebersetzung der 
letzten Capitel des Bundehesch, die vornehmlich zu benutzen 
wären, ist so verdächtig, dass es gerathener seyn wird, die 
Lücke offen 'zu lassen und eine Anknüpfung unmittelbar an die 
Zendbücher und noch weiter hinauf zu versuchen. 

Feridün, in den Zendbüchern Thraelona, woraus die späteren 
.Mundarten durch Uebergang der Hauchlaute Phredüna bilden, ist 
Sohn Athwja’s, Seine Geburt wird in dem merkwürdigen neunten 
Abschnitte des Yafna, über welchen wir Burnoui’s vortrelfliche 
Erklärungen haben, als eine Gnade Homa’s dargestellt. Den 
Sterblichen, die in der Vorzeit seinen Dienst geübt haben, 
werden durch ihn Söhne verliehen, welche Segen über die 
Welt bringen. Vivanghvat ist der Erste, welcher das Homaopfer 
bringt, ihm wird Jima geboren, unter dessen Regierung nicht 
Hunger, Krankheit, Alter, Tod noch anderes Elend die Men¬ 
schen drückt. Der Zweite ist Athwja; er zeugt Thraelona. Der 
Dritte ist Thrita, welchem Urvakshaja und KfrVfdfpa geboren 
werden. Der letztere überwindet die giftige, Menschen und Vieh 
verschlingende Schlange. Der vierte endlich ist Purusha<;pa; als 
sein Sohn erscheint Zarathustra der Dämonenfeind, der Lehrer 
des wahren Gesetzes. 

Wir haben hier die drei grossen Helden der persischen Sage 
Jima, Thraetöna, Kere^agpa — Dshem- shid, Feridün, Gershasp — 
und den Propheten des reinen Glaubens. Der Sinn der Zusammen¬ 
stellung ist offenbar nicht der, dass die Väter besonders hoch- 
gestellt und gepriesen würden für ihre Frömmigkeit, sondern dass 
die Kraft des alten heiligen Ritus des Homaopfers verherrlicht 
werde, indem das arische Land ihm seine gewaltigsten Männer 
verdanke. Von dem zweiten derselben, von Thraelona wird erzählt, 
„dass er erschlagen habe die verderbliche *) Schlange mit drei 
Rachen, drei Schwänzen 2 ), sechs Augen und tausend Kräften, 
gemacht von Ahriman zum Verderben dieser Welt." Diess ist 
die That auf welche -der Ruhm Thradtöna's gegründet ist; sie 
bildet den Mittelpunkt seiner Geschichte, sie ist seine ganze Ge- 


1) Siehe Anm. 1. 


2) Siehe Anm. 2. 



in Indien und Iran. 


219 


schichte. Der Name^Zöhäk in der späteren Feridünsage ist Ver¬ 
stümmlung- der zendischen Bezeichnung ashi dnliäka, verderbliche 
Schlange; Zohak heiost übrigens auch in Firdusi’s Erzählung noch 
oft geradezu , ash dehäk; auch die drei Köpfe der Schlange 

im Yaqna sind ihm geblieben, mit dem Unterschiede dass die 
neuere Fabel mindestens Einen derselben zu einem menschlichen 
Haupte umgestalten musste, um die Schlange für den Thron Irans 
einigermassen brauchbar zu machen. Thraetöna ist der Sohn eines 
menschlichen Vaters Athwja, dessen Name sonst in persischen 
Büchern dem Zend ähnlicher Atbin lautet (ßurh. qat. s. v.), wäh¬ 
rend Firdusi die etymologischere Form Abtin hat; er ist, wie im 
ersten Fargard des Vendidäd erzählt wird, in dem vierzehnten der 
von Ahuramazda geschaffenen Länder geboren , in Varena dem 
viereckigen. Welches dieses Land sey, ist zwar für die Sage 
von keinem Werthe — auch hat Firdusi keine Erwähnung einer 
Oertliclikeit, — ich möchte aber die Vermuthung aussprechen,fdass 
wir dasselbe im Südosteh der arischen Ländermasse auf den Grän¬ 
zen des alten Gedrosiens und Arackosiens zu suchen haben, wo¬ 
hin kein anderer der bis jetzt festgestellten Namen reicht, wo die 
von Nord nach Siid und von West nach Ost streichenden und sich 
treffenden Gebirgszüge Landabschnitte bilden, die man füglich 
cathru■ gaosa, viereckig nennen konnte, wo endlich der Name der 
Oriten, Edritcn (PtoJ. Geogr. 6,22.) oder Oren auf einen einhei¬ 
mischen Namen wie Warn, Warna hinfiihrt. Erst die spätere 
Auslegung der Zendbücher hat die Vorgänge und Ländernamen 
des Ostens auf den Westen übergetragen und die Barbaren und 
bösen Geister der Wüste im Norden in das waldige Gebirge süd¬ 
lich vom kaspischen Meere nach Mazenderan verlegt. 

Diesen drachentodtenden Sohn Athwja’s, den wir so eng in 
die Urgeschichte Persiens verflochten glaubten, finden wir gleich¬ 
wohl wieder bei den alt-indischen Stämmen, bei dem wediseben 
Volke. Sein Patronymicum — wenn man es noch so nennen 
kann — ist Aplja, dem zendischen Athwja bis auf die Versetzung 
des t und p Lautes entsprechend, wie schon Burnouf in einer 
nachträglichen Note (J. ns. V. 120.) bemerkt hat. Der Name des 
Helden selbst aber lautet Trita. Es lässt sich das zendische Thrae- 
tona von diesem Trita allerdings nicht unmittelbar ahleiten, sans¬ 
kritisch müsste jenes etwa Tretavana lauten, das. man für ein Patro¬ 
nymicum mit unregelmässiger Vocalsteigerung von Tritavan halten 
könnte '). Einmal (ludet sich im Rigweda die dem Zend ähnlicher 
klingende Form Traüana 1 2 ). Wie dem aber auch sey, so erkennt man 


1) Hiezu ist der Name des Königs der Matsja Dhvasn Dvaitavma zu 
vergleichen, (in (iat. Brahm. XIII, 3, 6, 9. bei Weber, Spccimcn II, 209) 
nach welchem der gleichnamige See und Wald in der Nähe der Saraswati 
genannt seyn soll. 

2) Siehe ämn. 3. 



Iiolh, Die Sage von Feridun 


220 


in dein Zendworte jedenfalls alle Elemente 8es wedischen Trita, und | 
wenn vollends dieser Trita der Aptja genannt wird, wie Tliraetona 
der Sohn Athwja’s lieisst, so kann, hätten wirklich nichts weiter als 
diese Worte, die Identität beider kaum mehr bezweifelt werden. 

Hiezu kommt aber eine innige sachliche Verwandtschaft beider. 
Der persische Tliraetona tödtet die verheerende Schlange (asln'm 
duhiikem); ebenso liegt der wedische Trita im Kampfe wider die 
Schlange (ahi), wenn z. II. Indra in einem Liede, das ihm selbst 
in den Mund gelegt ist, von sich rühmt: ich bin es, der Trita 
verlieh, wider Ahi — wider die Schlange — die Kühe zu ge¬ 
winnen. (X, 4, 6, 2.). 

Ferner: die Geburt und die Heldenkraft Thraetona’s sind 
eine Gnade floina’s, ein Geschenk für die ihm geleistete V erehrung. 
Ganz dieselbe Vorstellung, uur eigentlicher, kehrt im Weda wieder, 
wenn — um nur Ein Heispiel anzuführen — Agastja in einem 
Liede sagt: ich will den Trank lobeu — den Somatrank— durch 
dessen Kraft Trita den Writra in Stücke riss. (I, 24, 8, 1.) 
Writra, der Einwicklcr, Umhüller, ist nur ein andrer Name des 
Dämon, der sonst Ahi, die Schlange, heisst. 

Wenn endlich im Zendawesta das Ungeheuer, das unser Held 
bekämpft, mit dreifachem Rachen und Leibe, seebsaugig beschrieben 
wird, so wird im Weda (X, 1, 8, 8.) von Trita dem Aptja gesagt: 
Oer Aptja wusste seines Vaters Walten zu gebrauchen,' 

Von Indra gesandt (oder: ermutliigt) schritt er zum Kampfe: 

Den Dreiköpfigen mit sieben Schwänzen schlug Trita 
und befreite aus Twashlra’s Gewalt die Kinder. 

Man wird, wo es sich um den Nachweis von Aehnlichkeiten 
in den Mythen religionsverwandter Völker handelt — nicht bloss 
von unselbständigen Entlehnungen — kaum eine vollständigere 
Aehnlichkeit erwarten dürfen als diese. Der Kämpfer, der Kampf 
und der Feind sind in beiden Sagen dieselben; nur das Gut, um 
welches gekämpft wird, ist verschieden und daran kommt die Stu¬ 
fenfolge der dreifachen Sagenbildung tun deutlichsten zum Vorschein. 

In den Weden ist es ein göttliches Wesen, nach der Einen 
Stelle könnte es sogar scheinen Indra’s eigener Sohn, der die 
Schlange oder den Dämon, heisse er Ahi oder Writra oder Wala, 
niederwirft und ihm die geraubten Kühe abnimmt. Es ist die ulte 
Sage von dem Wolkendämon , der die am Himmel irrenden Ge¬ 
wässer, die farbigen Wolken, welche wie Kühe auf der Weide 
ziehen und wie diese bestimmt sind den Menschen zu nähren, 
indem sie befruchtend zur Erde fallen, — der diese Gewässer 
wegtreibt hinter den Horizont und in seine Verschlüsse legt; oder 
die Sage von dem Bösen, der in den Gebirgen haust, wo er die 
Quellen und Flüsse hinter den Riegeln seiner Felsen gefangen 
hält. Hier wie dort fallt der Donnerkeil Indra’s, oder nach der 
uns angehenden Wendung der Fubel Trita’s Geschoss auf ihn, 



in Indien und Iran. 


221 


spaltet die Klüfte der Felsen, dass die Gewässer rieseln, oder 
zerreisst die schwarze Hülle, die er über den Himmel gelegt hat 
— und Fruchtbarkeit der Fluren und der erfreuende Glanz des 
Himmels kehrt wieder auf die Erde zurück. Dieses Ringen zwischen 
Licht und Dunkel am Himmel, zwischen Fruchtbarkeit und Hunger 
auf Erden — ein Ringen das im Gemüthc des wedisclien Volkes 
eine der obersten Stellen einnimmt, ist auch der Kampf zwischen 
Trita und der Schlange. 

In den Zendbüchern steigt der Kampf vom Himmel herab auf 
die Erde, oder er steigt hinauf aus der Reihe der natürlichen 
Erscheinungen in das sittliche Gebiet; denn der Streiter ist ein 
Sohn, der seinem Vater geboren und der ganzen Welt zum Heile 
gegeben wird für die fromme Hebung des Homacultus. Der Drache, 
den er schlägt, ist eine Schöpfung des bösen Machthabers, aus¬ 
gerüstet mit dämonischer Gewalt, damit er die Reinheit in der 
Welt zerstöre. Thractona ist ein Sterblicher auf Erden geboren 
und er kämpft in dem Kriege des Reinen gegen das Unreine, ei¬ 
nem Kriege, der auf Erden inmitten der menschlichen Gesellschaft 
geführt wird.- 

Die persische Heldensage eudlich tritt auf den Roden der Ge¬ 
schichte. Der Kampf wird im arischen Lande geführt. Die Schlange 
wird zum Tyrannen auf dem Throne Irans, ihr Frevel ist die 
grausame Bedrückung der Völker und die Unrcchtmassigk.cit ihrer 
Herrschaft, und das Gut, welches der streitbare Feridun dein be¬ 
rechtigten Volke erwirbt, ist Freiheit und Zufriedenheit des Le¬ 
hens auf väterlichem Boden und unter dem angestammten Herr- 
sclierhause. 

Diese Stufen hat die Sage im Laufe von nahezu zwei Jahr¬ 
tausenden durchwandert. Dass die geschichtlich oberste Stufe 
jene sey, wo Trita am Himmel kämpft, um Fruchtbarkeit und Wohl¬ 
fahrt der Erde zu fördern, würde schon in der begrifflichen Ent¬ 
wicklung des Mythus liegen, wenn auch keine anderen Beweise 
zur Hand wären, wie sogleich der aus dem Patronymicum Trita’s 
oder Thraetona’s zu entnehmende. Dieses Athwja der Zendtextc 
nämlich hat keine Etymologie, es ist nur die Anbequeraung des 
Wortes Aptja an das spätere Organ, eines der alten Sprache, 
welche Zend- und Wedavolk vereint redeten, angeliörigen und im 
Sanskrit unversehrt gebliebenen Wortes. Aptja aber bezeichnet 
den Wasserbewohner oder- Wassergebieler. 

Um den bisherigen Zusammenstellungen eine Unterlage zu 
geben, ist die Stellung zu bestimmen, welche Trita der Aptja in 
dem Kreise der wedisclien Göttervorstellungen einnimmt. Die 
Aufgabe ist nicht ganz leicht. Die Lieder geben ihn nicht in fester 
und lebendiger Gestalt, wie etwa den Indra, die A^win u. s. w. 
Es wird seiner nur iu flüchtigen Erwähnungen gedacht, deren >in 
allen tausend Liedern des Rigwcda kaum über dreissig sein mö¬ 
gen. Trita der Aptja scheint auf der Stufe der indischen Mythen- 



222 


Rolh, Die Sage von Feridun 


bildung, welche uns in der Mehrzahl der" erhaltenen Lieder vor- 
liegt, ein theilweise in Vergessenheit zuriickgetretener Gott zu 
seyn. Zusammenfassende Darstellungen dieses Systemes, wie der 
zweite Theil des Nirukta, widmen ihm darum auch keine beson¬ 
dere Stelle; der Verfasser des letzteren erklärt vielmehr an einem 
Orte, verführt durch die Aehnliclikeit des Kampfes, der von Trita 
erzählt wird, mit dem des Indra, den Trita geradezu für Indra. 
(Ebenso hat neuerlich A. Kuhn gethan, ich zweifle aber nicht, 
dass er, wenn ihm die oben angeführten und noch weiterhin zu 
nennenden Stellen der Lieder zur Hand gewesen wären, mit mir 
über die Verschiedenheit beider übereinstimmen würde). 

Wollte man den Trita mit irgend einem der übrigen wedi- 
seben Götter identificiren, so dürfte es am ehesten mit Vaju, dem 
Wehenden, seyn. Es wird z. B. in einem der grossen Somalieder 
des 9. Buches gesungen: „der süsse Soma floss und erzeugte 
Trita’s Namen (d. h. nach wedischem Sprachgcbrauche, Trita’s 
Wesen, Macht, Herrschaft), damit Väju lndra’s Genosse werde“ 
— Genosse natürlich in dem Kampfe gegen den Dämon. (IX, 5, 
1, 20). Noch deutlicher ist dieses in einem Liede Gaja’s, wo 
es von Agni, dem Feuer, heisst, dass seine Flammen plötzlich 
auflodern, wenn ihn vom Himmel Trita wie ein Bläser anhlase. 
(V. 1, 9, 5). Ebenso steht in den Anrufungen eines demselben 
Verfasser beigelegten Liedes Trita neben väta und vielleicht ist 
dieses. Wort eben zu Trita zu ziehen „ der Wind (oder der we¬ 
hende) Trita. “ (X, 5, 4, 3). Mit dieser Zusammenstellung Tri¬ 
ta’s und des Windes wurde auch der Sdholiajät des Nirukta, Durga, 
eine sonst nicht gering zu schätzende Autorität, Übereins timmen, 
welcher ihn an einer Stelle für den Vaju hält. Allein wir wer¬ 
den schwerlich so durchgreifend zu Werke gehen dürfen, als die 
indischen Theologen von Jäska bis auf Säjana herab, die ohne 
viele Umstände jeden Gott in eines der drei Fächer, Erde, Luft, 
Himmel, cinschoben, Göttergruppen spalteten oder zusammenstellten, 
wie das jedesmalige Bedürfniss es wünsebenswerth erscheinen liess. 
Das wedische Pantheon ist ohnehin in der Abtheilung der blasen¬ 
den Götter wohl versehen. Da sind die Marul, die Schaaren der 
Winde mit glänzenden Rüstungen fahrend auf flüchtigen Wagen, 
die bald sanft am klaren Himmel ziehen, bald in stürmischer Eile 
Wolken und Finsterniss vor sich herjagen als Genossen Indras 
in seinem Kampfe. Da ist Fdju, der Wehende, ein freundlicher 
Gott, der mit Indra zum Somatrank geladen wird; fahrend auf 
dem von Stuten gezogenen Wagen hellt er den Himmel auf und 
lässt die Morgenröthe leuchten (I, 20, 1, 3). Und endlich ist 
Riidra gepriesen als der Vater der Winde, ein gefürchteter Gott, 
der Herrscher des Sturmwindes, der verderbliche Geschosse in 
seiner Hand trägt und des Menschen wie der Heerden Leben be¬ 
droht, aber auch über tausend Heilmittel gebietet und den Schaden 
verhüten und vergüten kann. 



in Indien und Iran. 


223 


So scheint für Trita kaum eine Stelle übrig zu bleiben. Er 
muss dieselbe anderswo finden, und es fehlt uns dafür in den 
Liedern keineswegs ganz an Andeutungen, — ln einem Liede Par- 
vata’s (VIII, 2, 6, j?6. 17.) wird Indra angeredet: „Wenn du, o 
Indra, am Soma dich ergehest wie Wishnu, oder bei Trita dem 
Aptja oder unter den Marutas, — ob du dich oben im fernen 
Luftmeere ergehest: freue dich des von uns bereiteten Soma!“ 
Indra, wie ferne er immer sey, möge herbeikommen. — Trita ist 
neben Wishnu genannt, der nach des Aitarija Brähmana Ausdruck 
der oberste der Götter d. h. der räumlich höchste, die Sonne im 
Scheitelpunkte ist, wo sie dem Blicke am fernsten scheint, ln 
ähnlichem Abstande müssen wir Trita suchen. So wird er denn 
an die fernste Gränze, welche die menschliche Vorstellung errei¬ 
chen kann, hinausgerückt in der Anrufung (VIII, 6, 5,'13 fgg.): 

Unsere Sünden, seien sie offenkundig, seien sic verborgen, ihr Götter! 
schaffet sie alle weit weg von uns zu Trita dem Aplja. 

Noch viermal in demselben Liede wiederholt sich der Wunsch. — 
Nur diese unbestimmte Ferne von Trita’s Gebiet mag auch der 
Grund seyn, dass in einem Liede NAbhäkus (VIII, 5, 11, 6.) 
Warüna mit dem Namen Trita bezeichnet wird — Warüna die 
Gränze des AU’s, der ovgavog, der ferne Lenker menschlicher 
Schicksale. An diesen Gränzen der Schöpfung denkt man sich 
die geheimnissvoll schaffenden Gewalten, und Trita erscheint so 
unter den Göttern, welche bei der Schöpfung der Sonne thätig 
sind, die in einem mystisch-allegorischen Liede des Dirghatamas 
(I, 22, 7, 1 — 3) als ein den Himmelsraum durchlaufendes Ross 
vorgestellt wird: 

1. Ms zuerst du wiehertest bei deinem Entstehen , 
aufsteigend aus dem Luftraeere oder den Gewässern 

—- mit den Flügeln des Falken, mit "den Schenkeln des Hirsches — 
da erhob sich dir grosser Preis, o Arwah. 

2. Jama gab ihn (d/h. schuf ihn), Trita schirrte ihn, 

Indra bestieg ihn zuerst, 

Gundharwa ergriff seinen Zügel: 

aus der Sonne, ihr Vasu (d. h. ihr leuchtenden Götter), habt ihr ein 

Pferd gemacht 

3. Du bist Jama, o Arwan, du bist Adiy'a, 

du bist Trita mit der gehcimnissvollen Herrschaft, 
du bist verbrüdert mit Soma: 

dreifache Verwandtschaft, sagen sie, habest du im Himmel. 

Ehe w'ir diese Züge zusammenfassen, müssen wir noch die 
Bezeichnung Trita’s als Aptja, als des Wassergeboren oder Was-: 
sergebieters, herbeiziehen. Die Wasser, welche in der wedischen 



224 


Rollt, Die Sage von Ferid.au 


Natursymbolik von vorzüglichem Belange sind, sind weniger die 
Wasser der Flüsse und des Meeres — von dem letzteren insbe¬ 
sondere zeigen alle Spuren, dass das Volk mit ihm wenig vertraut 
war — als die himmlischen Wasser; im Lnftkreis sind Wellen, 
Ströme, Meere. Sie umwallen die demMensclien bekannte Schöpfung. 
Ein Sohn oder Gebieter dieser äussersten Wasser, von welchen 
die Welt getragen und genährt wird, mag Trita seyn. Von diesen 
fernen Gränzen des Lebens, aus diesen bewegten Wassern der 
äussersten Atmosphäre muss auch der Lufthauch kommen, der 
Wind, von welchem Niemand weiss, woher er kommt und wohin 
er fährt. — In diesem Sinne kann auch Indra der Aptja der Ap- 
tja’s genannt werden, wie es Ein Mal geschieht, als der in dem 
sichtbaren Dunstmeere der Luft vor allen andern gebietende. End¬ 
lich ist auch die einzige Stelle, in welcher die Trita’s in der 
Mehrzahl genannt sind (VI, 4, 1, 23), von diesen Genien der 
fernsten Lüfte zu verstehen. 

Es stände demnach fest, dass Trita der Wassergeborne in 
jenen fernen und darum geheimnissvollen schaffenden und die 
Welt nährenden Wassern wohnt,' und dass er, weil eben dort 
auch die Geburtsstätte der Stömungen der Luft .gedacht wird, in 
die Reihe der Götter des Windes eintritt. Eben damit wird er 
ein Genosse Indra’s so gut wie die Marutas, die Schaaren der 
Winde, welche Indra den Schlupfwinkel der Schlange, des Wol¬ 
ken-Dämons, zerbrechen und jenen tödten helfen. Da nun dieser 
Kampf — wiewohl er auch anderen Göttern z. B. dem Agni zu¬ 
geschrieben wird — doch vorzugsweise dem Jndra an gehört, so 
ist es eine leicht erklärliche Ausschmückung der Vorstellungen 
von Trita,- dass ihn) die Sage in dieser Eigenschaft zu einem 
Vorhilde oder gar zu einem Sohne Indra’s macht. Indra herrscht 
in dem sichtbaren Luftreiche und es ist nach dieser Vorstellung 
ein Eingreifen in sein Gebiet, wenn ein anderer jenseitiger Gott 
wie Trita dieselbe Thätigkeit sich zueignen würde; man stellt 
ihn demnach unter Indra’s oberste Leitung. 

Indessen wird es keine gewagte Verinuthung seyn, wenn wir 
annehmen, dass in den Vorstellungen einer früheren Zeit, rück¬ 
wärts der meisten wedischen Lieder, Trita eine bedeutendere 
Stellung eingenommen habe und namentlich in dem Streite mit 
der Schlange nach seiner doppelten Seite als Wasser- und Wind¬ 
gott ganz anders hervorgeboben gewesen sey, als die wenigen 
Trümmer dieser Sage, welche in den Liedern sich gerettet haben, 
uns schildern. Aus diesem ursprünglich reicheren Trita - Mythus 
ist in der Zend - Religion die Sage von dem Drachenkampfe als 
eine dem Wesen dieses Glaubens besonders zusagende geblieben, 
während in der wedischen Mythologie man gerade dieser Seite 
am Wenigsten bedurfte, da sie gänzlich in Indra vorgestellt war, 
und dagegen häufiger des Trita als des fernen Wassergebieters 
gedacht wird, des fernen vielleicht nur darum weil er immer mehr 



in Indien und Iran. 


225 


aus dem Gedächtnisse pich verwischt hatte und man ihm, da an¬ 
dere an seine Stelle >sich gedrängt hatten, in dem näheren Reiche 
der Lufterscheinungen keine Stelle mehr zu geben wusste. 

Dass ferner Trita, ein wirklicher Gott der alten arisch-in¬ 
dischen Religion, in dem Glauben des Zendvolkes auf die Stufe 
eines blossen Heiden herahsinkt, dafür dürfen wir nicht erst an¬ 
derwärts Beispiele suchen. Wir finden dieselbe Erscheinung in 
den anderen grossen Helden der persischen Sage, in dem Jima 
der Zendbücher, dem Dsfaem (Dshemshid) der späteren Sprache, 
welcher nach dem Zendawesta ein Diener Ahura Mazda’s in den 
Urzeiten die Welt einrichtet, die Mittel zur Wohlfahrt herstellt 
und in einer goldenen Zeit über die Menschen herrscht, der in 
der Heldensage ein bevorzugter Herrscher Irans und zwar nach 
Firdusi erst der vierte ist, während er in der älteren Vorstellung 
der Weden als Jama im Himmel wohnt ein freundlicher Gebieter 
der abgeschiedenen Seelen der Väter, die dort oben mit ihm 
schmausen (X, 1, 14, 10). 

Wo unvergängliches Licht ist (sagt ein schönes Lied Kayapa’s, IX, 7,10, 7.8.) 
in der Welt, wo der Sonnenglasz wohnt, 

Dahin bringt mich, o Soma, in die unsterbliche unverletzliche Welt. 

Wo der Wiwaswatsohn (Jaina) als König gebietet, 
wo die Stufen zum Himmel sind, 
wo jene grossen Wasser wohnen, 

Dort lass’ mich unsterblich sevn! 

Daraus dass jener erste Schritt der Sage — die Herabsetzung 
eines Himmelsgottes zum Sterblichen — zu gross wäre, wird 
man also keinen Beweis gegen die Richtigkeit der bisher erläu¬ 
terten Identität Trita’s, Thraetona’s und Feriduns entnehmen kön¬ 
nen. Dagegen könnte von einer anderen Seite, welche ich nicht 
verschweigen darf, wenngleich kein Gegenbeweis, doch eine 
Schwierigkeit erhoben und eine andere Identification vorgeschlagen 
werden. Der Zendawesta kennt einen anderen Heroennamen, der 
dem wedisclien Trita nicht nur weit ähnlicher ist als Thraetona, 
sondern völlig derselbe: der Zendawesta hat geradezu einen Thrita. 
Im Anfänge des 20. Farg. des Vendidäd heisst es: „Es fragte 
Zarathustra (den Ah. Äl.): wer hat zuerst unter den Menschen, 
unter den lebenskräftigen, herrlichen, kraftbegabten, tbätigen, glän¬ 
zenden, rührigen, frommen Menschen des Hungers Hunger gebrochen, 
des Todes tödtliche Kraft gebrochen, die Fiebergluthen gebrochen 
und—Alles dieses— aus dem menschlichen Leibe verbannt ?“ Ahura 
Mazda antwortet, es sey Thrita gewesen, der dieses gethan; und wenn 
im Folgenden, wo nur der lithographirte Text zum Verständnisse 
nicht ganz zureicht, die Erklärung Anquetils einigermaassen ver¬ 
lässlich ist, so geschah die Heilung durch den Gebrauch der 
zahllosen Kräuter und des Homa insbesondere, welche Ahura 
Mazda wachsen liess. Denselben Thrita sehe ich wieder.in der 

15 


II. Bd. 



226 


R olh, Die Sage von Veridun 


oben angeführten Stelle aus dem 9. Abschnitte des Ya^na, wo 
er der wolilthätigste der Heilkundigen oder, «wenn man das Wort 
(dmanam als Eigennamen verstehen will, der wohlthätigste der 
£äma’s genannt wird. Hier sieht zwar der Sanskritübersetzer 
Neriosengh und die Parsi und ebenso Burnouf das Thrita für ein 
Zahlwort an — gerade so wie die Wedenerklärer mit dem we- 
dischen Trita tliun —, allein das Zahlwort steht sogleich daneben 
in seiner richtigen Form und Neriosengh deutet — was ohne 
allen Zweifel vor ihm die Pehlewi - Glosse gethan hat — einen 
Eigennamen an durch seine Umsetzung des Thrita in die Sans¬ 
kritlaute ■ 

Ich verzweifle nicht, auch diesem Thrita in den wcdischen 
Texten auf die Spur zu kommen. Thrita heisst dort an manchen 
Stellen der den Homa mit Steinen ausschlagende und durclipres¬ 
sende Priester (IX, 2, 8, 2. 10, 4. 13, 4. 14, 2. 5, 10, 4). 
Könnte nun nicht die Bezeichnung des Priesters, welcher den 
kräftigen und heilenden Trank bereitet in der verschwisterten Re¬ 
ligion, in ihren Erinnerungen aus einer gemeinschaftlichen Vor¬ 
zeit zu dem Namen eines heilkundigen Heroen sich umgcstaltet 
haben? Oder umgekehrt: wenn wir annehmen wollten, dass das 
Zendvolli hier das Ursprüngliche bewahrt habe, könnte nicht der 
Name des Heilkundigen auf den Homapriester übergegangen seyn ? 
Und dass in diesem Falle ein Heilkundiger den Namen eines Gottes 
der Gewässer trage, ist vollkommen wahrscheinlich bei einem Volke, 
welchem das Wasser fiir heilkräftig in hohem Grade galt. — 
Mancherlei Fragen bleiben hier freilich noch zu beantworten, z. 
B. die, wie es kommt dass im Zend ein und dasselbe wcdische 
Wort zweierlei Gestalten trägt. Mit Vermuthungen über dieses 
und Aehnliches kann ich hier Ihre Zeit nicht in Anspruch nehmen; 
auch würde jede Lösung dieser Fragen das Wesentliche der 
aufgestellten Ergebnisse schwerlich erschüttern können. 

Nachdem so der Umriss der Entwicklung der Sage herge¬ 
stellt ist, versuche ich noch einzelne Züge der Heldensage bei 
Firdusi herauszulesen und an Aelteres anzureihen. Dass hier 
Vieles verwischt ist oder über Gebühr sieb in die Breite gesponnen 
oder endlich sich gespalten hat, wird nicht überraschen, wenn 
man erwägt, welche Reihe von Jahrhunderten zwischen der Zeit 
der ersten Bildung der Tritasage und der epischen Erzählung 
Firdusi’s liegt. 

Der Eine der Brüder Feridün’s wird im Schahnäme Kajün-ush 
genannt. Wir werden unter dem Namen schwerlich etwas An¬ 
deres zu verstehen haben als den Kav-us oder Ka-us des Per¬ 
sischen, den Kava-UQ der Zendbücher und — den Kdvja. Ufanä 
der Weden. 

In der freilich sehr modern hergerichteten Stelle, in welcher 
Firdusi.die Vorbereitungen Feridüns zum Zuge gegen Zohäk er- 



in Indien und Iran. 


TI 7 


zählt, lässt er denselben sich an die Brüder Kajän-ush und Pur- 
mäje wenden, damit tfie ihm Waffen verschaffen. Iin Sinne seiner 

Zeit lässt Firdusi sie, auf den Bazär der Eisenschmiede 
laufen und diese berufen, damit die eherne Keule verfertigt werde. 
Es bleibt aber unter diesem Gewände doch so viel von der alten 
Sage, dass die Brüder, unter ihnen Kajän-ush, die eherne Keule 
liefern, mit welcher der Azdehak erschlagen wird. . 

Dieselbe Persönlichkeit der Sage, denselben Kävja Uqanä 

sehe ich wieder auch in Käwe dem Eisenschmied mit 

dessen Hülfe Feridün den Drachen besiegt. Dass wir hier Kajän- 
ush und Käwe neben einander auftrefen sehen, ist nach meinem 
Dafürhalten eine leicht zu überwindende Schwierigkeit: aus zwei 
verschiedenen Versionen der Sage hatte sich diese Form derselben 
— vielleicht schon vor Firdusi — verschmolzen. 

Von dem Kävja Tirana aber, dem Kavisohne oder Seher U^and, 
den ich für den Ahnherrn der genannten beiden halte, wird in 
den wedischen Liedern gesagt: dass er einmal durch seine Seher¬ 
kraft die von dem Dämon verborgenen Kühe aufgespürt habe 
(IX, 5, 2, 3), wie Käwe Fcriduns Heereszuge vorangeht; dass 
er dem Indra zum Tüdten seines Feindes das tausendzackige 
Geschoss geliefert (V, 3, 2, 2), dass er den Writra tödteuden 
Donnerkeil ihm verfertigt Habe (I, 18, 1, 12). Der Donnerkeil 
ist von Erz ( djasa), daher die Eisenschmiede der persischen Sage. 

Der Kävja Uqana selbst aber ist, wie .aus sonstigen Erwäh-’ 
nungen bervorgeht, ein bevorzugter Seher oder Weiser, der in 
der Vorzeit im lebendigsten Verkehre mit den Göttern stehend, 
ihre Hülfe für die Menschen in Anspruch genommen hat, und so 
als ihr Verbündeter im Kampfe angesehen wird, gleichwie er 
auch besonderer Bettung von ihrer Seite sich zu erfreuen hatte 
(X, 3, 11, 7). Als die Indrasage dem Zendvolke verloren ging 
und der Kampf mit der Schlange nur von Thractonn erzählt wurde, 
so erscheint L T §ana der Kävja als ein Verbündeter des letzteren. 

Will man die Zusammenstellung einzelner Züge noch weiter 
führen, so kann man daran erinnern, dass Käwe das Fell 
das von der Sage als ein Schurzfell angesehen wird, weil er ein 
Schmied ist, zu dem Zeichen macht, unter welchem sie den Drachen 
besiegen wollen. Das Fell (carmd) ist aber in der alten Religion 
auch das wichtige Opfergeräth, das bei der Somabereitung ge¬ 
braucht wird, ein Symbol des Trankes selbst, in dessen Kraft 
der Gott über den Drachen siegt. 

Ferner: wie Feridün in Zohäk’s Palaste die Weiber findet, 
so hat auch der Dämon der indischen Sage Weiber an seiner 
Seite, die er sogar im Kampfe zu Hülfe ruft (V, 2, 16, 9). 
Dieser Zug ist um so mehr der Anführung werth, als die Götter 
des Weda keine Weiber haben. Wenn ihrer erwähnt wird, ge- 

15* 



228 


Roth, Die Sage von Feridün 


schiebt es nur beiläufig und sie sind keirje feste Persönlichkeiten, 
z. B. Varunani, Indrani u. s. f. »• 

Endlich ist bemerkenswert!!. dass Feridün den Zohäk in 

%■ 3 

Felsenklüfte sperrt und nicht tödtet auf ausdiüicklichen und wieder- 
linlten Rath des Serosh. Der Drache in seinem ursprünglichen 
Sinne kann ja nicht vernichtet werden; in den Klüften der Berge 
hat er wie im Anbeginne* so stets fort seine Behausung, dort 
wird er überwunden. Der Gott wäre nicht mehr, wenn der Dämon 
nicht wäre. Der Kampf ist stets neu. 

Die persische Heldensage sogar in ihrer spätesten Gestalt 
trägt also noch eine Menge von Zügen an sich, mittelst deren 
wir — besässen wir auch gar keines der Mittelglieder — we¬ 
nigstens Einen ihrer bedeutendsten Helden, den Feridün, zurück¬ 
verfolgen können bis in die Göttersage der uralten Zeit, wo die 
nachmaligen indischen und persischen Stämme noch ungetrennt 
einerlei Götterdienst und einerlei Göttersage besässen; und die 
indischen Quellen, die alten Lieder des Weda, sind um so vieles 
älter, oder sie sind um so vieles ihren Ursprüngen treuer geblieben 
als der Zendawesta, dass wir aus ihnen die erste Gestalt des 
Mythus beinahe vollständig wiederherstellen können. Eine ganz 
ähnliche Zusammenstellung lässt sich für Dshemshid, Jima. Jama 
durchführen. Zwei Könige des alten Persiens erscheinen als Götter 
in der gemeinsamen indisch-arischen Vorzeit. VVie steht es nun 
mit der persischen Königschronik? Wie steht es mit den ge¬ 
schichtlichen Unterlagen, welche die persische Sage selbst sich 
zu geben gesucht hat, wenn z. B. Firdusi bei Feridün und Zohäk 
ganz deutlich durchschimmern lässt, dass' Zohäk Repräsentant 
einer erobernden semitischen Ra<;e ist, welche der einheimischen 
arischen unter Feridün erliegt? Findet hier wirklich eine ge¬ 
schichtliche' Uebertragung der alten Göttersage statt, oder ist 
dieses geschichtliche Element ein willkürlich hineingetragenes ? 

Für die Beantwortung aller dieser Fragen ist jetzt die Zeit 
herangekommen durch die Aufschliessung der lange verborgenen 
altindischen Sage; sie tritt in Bund mit dem Zendawesta, und 
•für den Forscher im persischen Alterthume gilt es nun nicht mehr 
wie früher, die Mährchen arabischer Autoren gutmüthig anzunch- 
men. Nicht von unten auf, sondern von oben herab muss hier 
das Licht kommen, ein Licht, vor welchem freilich viele von 
den Gestalten schwinden werden, die man in dem Halbdunkel für 
etwas Festes und Greifbares ansehen konnte. 

Besser ist es aber sicherlich, eine Lücke so lange zuzugeben 
und stehen zu lassen, bis man sie mit geschichtlichen Gestalten 
allmälig ausfiillen kann, als durch den täuschenden Schimmer 
nebelhafter Sagengebilde sich blenden zu lassen; besser — ein¬ 
zugestehen , wir haben noch keine Geschichte Persiens, die über 
Kyrus hinaufreichte, als dass man Firdusi’s Könige für Geschichte 
ausgibt. ’ 



in Indien und Iran. 


229 


Anmerkungen. 

t 

1. Nach der in der Abhandlung nachgewiesenen Identität der 
Schlange mit dem Dämon der wedischcn Göttersage wird es kaum 
mehr zu bezweifeln seyn, dass auch die zendiscbe Bezeichnung 
derselben dalidka aus jenem Kreise herzuleitcn ist. Ddsn, der 
Verderber, ist eine häufige Bezeichnung des Dämon (Rik 1, 15. 
11, 2. III, 2, 5, 1. VII, 2, 2, 2. u. s. w.), zurückzuführen auf 
die Stämme das und das und genau verwandt mit dasju (vergl. X, 
3, 9, 3); eine adjectivische Bildung jenes Stammes wäre duhdka, 
und die lautliche Abweichung derselben, welche übrigens im Zend 
selbst keineswegs allein steht, ist nicht stark genug, um bei der 
sonstigen Uebereinstimmung die Zusammenstellung zu hindern. — 
Burnouf bat das Wort von der Wurzel da?, beissen, abgeleitet. 
J. as. IV, 498. 

2. Ich übersetze das Wort Thrikameredhem mit„dreigescbwänzt“, 
Anquetii mit ä Irois ceinlures, Burnouf behält die von Neriosengh 

angenommene Bedeutung bei, „dreiköpfig“ • ® as Wort 

KamVr'ödh oder Kamerüdha findet sich nicht selten in den Zeud- 
bücbern, ohne dass ich jedoch aus den mir bekannten Stellen 
(Vendidäd S. lith. p. 142, 14. 516, 7. 521 , 9 und 18) eine 
sichere Bedeutung gewinnen konnte. Zu der obigen Uebersetzung 
veranlasst mich nicht nur der Umstand, dass bei der Beschrei¬ 
bung des furchtbaren Drachen der Schwanz nicht fehlen sollte, 
sondern auch die Aehnticbkeit des Wortes mit dem wedischen 
Ausdrucke Wi 7 ^! h'nprUh. ln einer der Stellen des Rigweda, 

welche von einer nackten geschlechtlichen Sinnlichkeit Zeugniss 
geben (X, 7 , 2, 16) , heisst es: 

efT tiWT i 

ufm vtzf fiw fäspjchi 

Es kann kein Zweifel seyn, dass das Wort hier penis be¬ 
deutet. Ebenso Hesse es sich, freilich ganz gegen die Ansicht 
Sdjana’s, in der zweiten Stelle (X, 9, 2, 12) fassen: 

e^ct gwrtö« 

Der Uebergang der Bedeutung — wenn man sie nicht ge¬ 
radezu lassen will — für unsere Stelle wäre wie bei Idngüla, 
cauda u. s. w. Lautlich Hesse sich das zendiscbe m»w für biü, 
sagen, vergleichen. — 

Eine ganz andere Auffassung der Schlange als die von mir. 
vorgeschlagene, siche jetzt beiBenfey, Gotting. G. A. 1847. S. 1484. 



230 Roth, Die Sage von Feridun in Indien und Iran. 

3. Die Form Trailana 'findet sich iA der folgenden Stelle 
eines dem Dirghatamas zugeschricbenen Liedes 1, 22, 2, 5: 

•T I TTfT(T I TT qff ^'^4:1 

filft IcRt T%cnrrFFqq ^TTT 3fr mTTW W. H 

„Es mögen mich nicht verschlingen die mütterlichsten Wellen, 
wohin mich die Bösen wohlgehunden gebracht haben: wenn Trai- 
tana seinen Kopf abgerissen hat, so verschlingt der Böse (der 
däsa) in sich selbst- Brust und Schultern. “ Die zweite Hälfte 
des Verses hat wohl den Sinn: Wenn nur der Anfang zu meiner 
Rettung gemacht ist, dadurch dass ich vor dem Ertrinken im 
Flusse bewahrt hin, so wird das Uebrige von selbst folgen, ge¬ 
rade wie die böse Schlange, wenn ihr Traitana (Trita) einmal 
den Kopf abgehauen hat, zu Grunde geht, sich gleichsam selbst 
uufzehrt.- 

Man sieht hier die Spuren der später weiter ausgefülirten 
Sage von Dirghataiuas (Mahd Bh. I. S. 153 fgg. vgl. Lassen, 
Alt. 1. 556), welchen seine Söhne sollen auf ein Floss gebun¬ 
den und in die Gang» geworfen haben. Der Rigweda gibt zu¬ 
gleich die Verbesserung des Patronymicum’s von Dirghatamas in 
Aucatlija (nicht Auttliatja, wie Lassen vermuthete). Er lieisst ab¬ 
wechselnd so, oder iUämateja. Auch zu anderen Zügen der Sage 
finden sich die Anfänge in den ihm zugeschriebenen Liedern; 
z. B. I, 21, 8, 3. „die Hülfreicken, welche den blinden Mämateja 
gewahrten und vor Unglück beschützten“; sogar zu der Bege¬ 
benheit zwischen Brihaspati und dem in Mutterleibe wohnenden 
Dirghatamas findet sich die Stelle 1, 21, 13, 3: 

mf qfrqT m mfict 

Diese Sage könntd vielleicht ein Beispiel dafür seyn, wie manche 
spätere Erzählungen sich nur an einzelne Stellen der Lieder 
anschliessen, ohne noch weitere selbständig überlieferte Elemente 
zu befassen. 



Zur Topographie von Jerusalem. 

Aus einem Briefe des Missionar Herrn G, B. Whiting 
an Div E. Robinson. 

IVKitgethellt von E. Rödiger. 

Mit dem Erscheinen von Robinson’s Werke über Palästina hat 
die Erforschung der Topographie von Jerusalem einen neuen Auf¬ 
schwung genommen, und durch die von Williams und Schultz ge¬ 
machten Einwendungen, welchen auch Krafft und Tischendorf bei¬ 
pflichten , sowie durch.Robinson’s „Neue Untersuchungen“ (Halle 
184-7) ist das Interesse daran im Publikum nur noch mehr gesteigert 
worden , so dass jedes weitere Zeugniss über die streitigen Punkte, 
namentlich wenn cs, wie das in den folgenden Zeilen mitgetheilte, 
auf gewissenhafter Beobachtung, beruht, höchst willkommen seyn 
muss. Einige Fragen sind überdies zu dem Punkte vorgeschritten, 
dass ihre endliche definitive Lösung nur durch die specicllstcn 
Einzeluutersuchungen und — ein Ziel, dessen Ermöglichung wir 
für die raschere Förderung dieser Studien schon längst herhei- 
wiinschen mussten — durch Aufgrabungen an Ort und Stelle 
erlangt werden kann. Auf den Befund solcher Aufgrabungen, 
freilich nur erst gelegentlicher, nicht eigends zu wissenschaftlichen 
Zwecken vorgenommener Aufgrabungen, stützen sich zum Theil 
wenigstens die Bemerkungen des Herrn Whiling, der mehrere 
Jahre in Jerusalem lebte. Er schreibt in einem Briefe an Dr. Ro¬ 
binson, dat. Abcih im Libanon, den 22. August 1847: 

„Vor einigen Monaten las ich mit grossem Interesse und, ich 
„kann hinzusetzen, zu meiner vollkommenen Befriedigung Ihre 
„beiden Artikel in der Bibliotheca Sacra über die Topographie 
„Jerusalems '). Da ich eben die heilige Stadt wieder besuchen 
„wollte, so beschloss ich, einige der streitig gewordenen Punkte 
„namentlich in Betreff des Thaies Tyropoeon und des Laufes der 
„zweiten Mauer des. Josephus von neuem zu untersuchen. Einer 
„dieser Punkte, vielleicht derjenige, der in Herrn Williams Be- 


1) Bibliotheca Sacra and Theologien! Review, No. XI. XII. Aug. u. Nov. 

1846. Diese beiden Artikel enthalten das englische Original der unter des 
Vf.’s Aufsicht übersetzten und auf den Wunsch desselben von mir berausge- 
gebenen „Neuen Untersuchungen über die Topographie von Jerusalem.“ Halle 

1847. 8, E. R. 



232 Rüdiger, Zur Topographie von Jerusalem. 

„weisfübrung den meisten Schein der Wahrheit für sich hat, ist 
„die von Letzterem angeführte Thatsache, dass längs der Strasse, 
„die in östlicher Richtung vom Jäfa-Thore^ an der Nordseite des 
„Zion hinläuft, wo Sie den Anfang des Tyropoeon setzen, keine 
„Spur eines Thaies zu finden, und dass die Christen-Strasse 
„(IJural en - Nass Ara) , welche aus der vorhin bezeichneten Strasse 
„nördlich ausläuft l ), gänzlich ohne Steigung sey. Nun ist zwar 
„zuzugeben, dass diese Christen - Strasse an der Stelle, wo sie 
„die Jäfa-Thor-Strasse verlässt, beinahe oder ganz ' eben ist; 
„aber weiter nach Norden hin steigt sie allerdings fast ihrer ganzen 
„Länge nach aufwärts, und wenn, wie Sie an die Hand geben, 
„ihr Lauf sich etwas mehr nach Westen neigte, würde sie noch 
„stärker ansteigen. “ 

„Was aber dein Einwurfe des Hrn. W. noch entschiedener 
„begegnet, ist der Umstand, dass, wie Sie auch vermuthen, längs 
„der ganzen Nordseite des Zion unzweifelhaft eine grosse Menge 
„Schutt aufgehäuft liegt, wodurch das Thal aufgefüllt worden ist. 
„Es war dies schon daraus abzunehmen, dass man am nördlichen 
„Rande des Zion z. B. bei der Grundlegung der evangelischen 
„Kirche und hei Gelegenheit der von Ibrahim Pascha errichteten 
„Baracken auf eine grosse Tiefe hin Schutt und alte Gebäude 
„fand; jetzt aber ist es erwiesen durch mehrere neuerlich in dem 
„Thale seihst vorgenommene Aufgrabungen, so dass jenes auf 
„die Beschaffenheit des jetzigen Bodens gegründete Argument 
„buchstäblich auf Schutt ruht und kein solides Fundament bat.“ 

„Doch ich komme zu den Thatsachen, die ich mittheilen 
„wollte. Als ich einmal in Begleitung des verstorbenen Prof. Fiske 
„über den Platz ging, den einst der grosse Palast oder das 
„Hospital der Johanniter-Ritter einnahin, wurde ‘.unsre Aufmerk¬ 
samkeit durch einen grossen Haufen frisch aufgeworfenen Schuttes 
„gefesselt, der nahe bei der kleinen griechischen Kirche in der 
„südwestlichen Ecke jenes Platzes lag. Wir gingen in den Hof der 
„Kirche und fänden .da Leute, die beschäftigt waren, für ein Neben¬ 
gebäude Grund zu graben. Sie hatten bereits etwa 15 bis 20 Fuss 
„tief" durch lauter Schutt gegraben und waren so eben auf den 
„oberen Theil eines Gewölbes gestossen. Die Männer hatten ge- 
„hört, es habe hier eine alte „Capelle“ gestanden, die schon 
„lange unter den Ruinen und dem Schutte anderer Gebäude be¬ 
graben liege. Ob das Gewölbe, dessen oberen Theil wir sahen, 
„die besagte Capelle war oder nicht, und ob es zum Erdgeschoss 
„oder zu dem oberen Stock eines Gebäudes gehört hatte, konnten 
„wir nicht ermitteln. Aber, auch vorausgesetzt dass es einem 
„unteren Stockwerk angehörte, so mussten die Grundmauern dieses 


1) Es ist die Hauptslrassc iiu Stadtviertel der Christen gemeint, die 
mittlere von den drei in dieser Richtung laufenden. E. R. 



Rüdiger, Zur Topographie von Jerusalem. 233 

„alten Gebäudes wenigstens 30bis40Fuss unter der gegenwärtigen 
„Bodenfläche liegen,' vielleicht auch uocli viel tiefer. Diese Stelle 
„ist aber nur wenige Schritte von der Jäfa-Thor-Strasse entfernt, 
„folglich gerade da, wo man nach Ihrer Theorie „das mit Schutt 
„aufgefüllte Tyropoeon-Thal“ suchen muss. Ich brauche nicht 
„zu sagen, wie viel Interesse diese Entdeckung für uns hatte.“ 

„Ich habe noch ein anderes Factum derselben Art zu erwäh¬ 
nen. An derselben Jafa-Thor-Strasse, nur weiter nach dem 
„Thore hinauf, ist kürzlich ein grosses neues Gebäude errichtet 
„worden. Es steht der Citudelle gegenüber, an der Ecke der 
„Strasse, die nördlich von der Hauptstrusse nach dem lateinischen 
„Kloster führt, und also gerade über dem Bett Ihres Tyropoeon- 
„Thales. Ich fragte einen europäischen Kaufmann, der einen 
„Theil des Gebäudes bewohnt und der es hatte entstehen sehn, 
„ob man bei der Grundlegung wohl auf tiefen Schutt gestossen 
„seyt „Auf sehr tiefen Schutt,“ antwortete er. „Wie tief musste 
„man gruben?“ „0, ich weiss es nicht, aber sehr tief,“ sagte 
„er. „Sehen Sie da die Mauer der Citadellc?" eben so tief muss¬ 
ten wir graben.“ Die Mauer der Citadelle, auf die er hinzeigte, 
„muss ungefähr 40 Fuss h'oeh seyn. „Sind Sie gewiss, sagte 
„ich, dass man so tief grub?“ „Ja, antwortete er sehr zuver¬ 
sichtlich, ganz so tief wie diese 3Iaucr hoch ist.“ 

„ Für mich und meine Freunde in Jerusalem batten diese 
„Thatsachen unzweifelhafte Beweiskraft dafür: dass sich längs 
„der Strasse einst ein tiefes Thal hinzog, und ich sollte denken, 
„jeder Unbefangene müsste darin, wenn er Ihre Auseinandersetzung 
„gelesen, nothwendig das Tyropoeon finden." Jenes neue Gebäude 
„ist vielleicht nur 300 bis 400 Fuss vom Jäfa-Thore entfernt. 
„Ist es nicht wahrscheinlich, dass das Thal vormals mit dem 
„Hinnom-Tliale im Westen und Süden der Stadt zusammeuhing, 
„so dass der Berg Zion von diesen beiden Thälern ganz einge- 
,,schlossen wurde?“ 

„ Hr. Williams u. A. haben viel gesprochen von einigen an¬ 
geblich sehr alten Bauresten nahe der Ecke, welche die Jäfu- 
„Thor-Strasse mit der nördlich am Bazar hinluufenden bildet, 
„wie auch von dem „Pfeiler eines Thores“ (Pier of a yaleway) 
„auf dem offenen Boden westlich von den Bazars. Diese beiden 
„Punkte bemühte ich mich mit Prof. Fiske näher zu untersuchen. 
„Die zuerst erwähnten Reste sind nichts mehr und nichts weniger 
„als eine gut erhaltene Muuerecke des berühmten Johanniter- 
„Palastes. Sie werden sich der Reihe von Bogen erinnern, die 
„an der Nordseite der Jäfa-Thor-Strasse von den Bazars fast 
„bis zur Christenstrasse hinauf läuft. Diese Bogenreihe gehört, 
„wie man wohl allgemein annimmt, in die Zeit der Kreuzzüge 
„und bildete offenbar den Unterbau des grossen Palastes der Ritter 
„auf der Südseite. Jene Maucrecke ist eine Fortsetzung oder 
„vielmehr das Ende dieser Bogenreihe. Sie liegt in gerader 



234 


, Rüdiger, Zur Topographie von Jerusalem. 

„Richtung; mit derselben und ist in'ganz gleichem Stil gebaut, 
„ja die Steine - sind von derselben Form udd Grösse mit denen 
„der Bogen. “ 

„Von der besagten Mauerecke nordwärts blickend sahen wir 
„genau in gleicher Linie mit der östlichen Aussenfläche derselben 
„und ungefähr in der Mitte zwischen ihr und der Nordseite des 
„Palastbezirks, den „ Pfeiler eines Tbores dessen Architektur 
„Hr. Williams von allem verschieden fand, was er in Jerusalem 
„gesehen, und dem er ein hohes Alterthum beilegt. Wenn aber 
„Hr. W. diesen Pfeiler mit der vorhin erwähnten Bogenreihe sorg¬ 
fältig verglichen hätte, so würde er gefunden haben, dass der 
„architektonische Stil in beiden vollkommen derselbe ist. Selbst 
„Form und Dimensionen der Steine- sind dieselben. Die Steine 
„sind meistens 3 bis 4 Fuss lang und etwas weniger als 2. Fuss 
„breit und dick. Und wenn er ferner von der Spitze der oben 
„beschriebenen Mauerecke über den offenen Boden bin nach die- 
„sem Pfeiler gesehen hätte, würde er sich überzeugt haben, dass 
„beide, Ecke und Pfeiler, Theile eines und desselben Baues, und 
„zwar des Palastes der Johanniter gewesen seyn müssen, ln 
„dein Pfeiler vermuthen Sie ‘j eins von den Thoren, die den 
„Zugang zu diesem Palaste bildeten, und mir scheint es, dass 
„Niemand, der die besprochenen Baureste genauer betrachtet, an 
„der Richtigkeit dieser Vcrmuthung zweifeln kann.“ 

Hr. Whiting konnte zwar selbst diese Beobachtungen nicht 
weiter verfolgen, bat aber, seinen Freund, Hrn. Dr. McGowan , 
sie fortzusetzen.. Der letztere hat seinen Wohnort in Jerusalem 
und wird namentlich auf alle Aufgrabungen, die dort etwa vor¬ 
genommen werden, ein wachsames Auge haben. Wir wollen hoffen, 
dass so eine Fussbreite nach der andern auf dem so schwer zu 
erobernden Terrain für die Wissenschaft' gewonnen werde. 


S. die Neuen Untersuch, von Robinson S. 66. 


E. R. 



Verzeichntes der für dieRibliolhek eingesansenen Schriften 

(S. Jahresbericht 1846 , S. 46 — 62 und S. 236 — 243 .) 

(i 

I. Fortsetzungen. (Vgl. Jahvesb. 1846. S. 236.J 

1) Zu Nr. 9: Bulletin de la Classe des Sciences hisloriques, philologiqurs 

et politiqucs de l’Academie de St. - I'eterbourg. T. IV. No. 18 — ‘20. 
Von der Akademie. 

2) Zu Nr. 34: Spruchenhalle. [2. Abthlg.] Das Vaterunser in mehr als zwei¬ 

hundert Sprachen u. Mundarten m. Originaltypen. [Wien 1847.] gr. (lucrfol. 
8 Bl. Von dem Herausgeber, Reg.-Rath Auer. 

3) Zu Nr. 152 (und Nr. 29): The Pcrsian CuneVform Insrription at llehistun etc. 

By Rawlinson. (Journ. of the R. As. Soc. Vol. X. P. 3,). Von d. R. 
As. Society. 

4) Zu Nr. 154: Jahresbericht der D. M. G. für 1846. Leipzig 1847. 8. 

5) Zu Nr. 155: Zeitschrift der D. M. G. Heft 111. u. IV'. Leipzig 1847. 8. 

6) .Zu Nr. 199: Koehbe Jizchak. Eine Sammlung ebraischer Aufsätze u. 8. w. 

Herausg. von itf. E. Stern. H. 11. 1847 und H. 1. 2te Aull. 1847. 12. 
Von dem Herausgeber. 

7) Zu Nr. 202: Journal Asiatique, Jain — Sept. 1847. Paris. 8. Von der 

Societe Asiatique. 

11. Andere Werke: 

Von Dr. Rosen: 

230. Das Buch des Sudan oder Reisen des Scheich Zain el Ahidin in Nigri- 
tien. Aus d. Türk, übersetzt von Dr. G. Rosen. Leipzig 1847. 8. 

Von der D. M. G. unterstütztes Werk: 

231. Zakarija Ben Muhatnmed Ben Mahmud, el Cazw ini’s h’osmographie. 
Zweiter Th. Die Denkmäler der Länder. Herausg. von F. Listenfeld. 
Erste Hälfte. Gott. 1847. 8. 

Von den Yfn.: 

232. Essai sur le Mythe des Ribbavas, premier vestige de l’npotheose dnn.s 
le Veda. Par F. Neue. Paris 1847. 8. 

233. Ueber die Sprache der Lazcn. Von G. Rosen. Lemgo u. Detmold 1844. 4. 

234. Ossetische Sprachlehre nebst einer Abh. über das Mingrelisehc, Suani- 
schc und Abchasischc, von Dr. G. Rosen. Lemgo u. Detmold 1846. 4. 

235. Nal und Dainajanti. Eine Indische Dichtung. Aus dem Sanskr. übers, 
u. erläutert von Ernst Meier. Stuttg. 1847. 12. 

236. Vocabulary of tbe Hanssa language. By the Rev. Jnmes Frederick 
Schön. Lond. 1843. 8. 

Von Prof. Pott: 

237. Epilegomena zu Th. Benfey’s Griecli. Wurzellexikon von W. Sonne. 
Wismar 1847. 8. 

1) Die geehrten Einsender, sofern sie Mitglieder der D. M. G. sind, 
werden gebeten die Aufführung' ihrer Geschenke in diesem fortlaufenden Ver¬ 
zeichnis zugleich als den von der Bibliothek ausgestellten Empfangsehein zu 
betrachten. 



236 Veneichniss der fiir die Bibliothek eingegangenen Schriften. 

Von Geh. Kirchenrath Hoffmann: > 

238. Vocabulariüs oplimus. Zur Begrüssung der in tiasel versammelten Phi¬ 
lologen. Herausg. von Prof. Willi. Wackernagel. 1847. 4. 

Von der Rönigl. Societiit der W’iss. zu Gölliiigcn: 

239. Göltingisehe gelehrte Anzeigen. 1846. 3 Bde. 8 . nebst: Nachrichten 
von der Georg-August-Univ, und der Königl. Gesellseh. der Wiss. zu 
Göttingen. 1846. 8 . 

240. Ordnungen der Wedckindischen Preisstiftung fiir deutsche Geschichte. 
Gött. 1847. 

Von den Vfn.: 

241. Ausführliche Sanskrit-Grammatik fiir den öffentlichen und Selbstunter¬ 
richt von Anton Boiler. Wien 1847. 8 . 

242. Bibliothecae Sanskritoe sive Recensus librorum Sanskritorum hucusque 
typis vel lapide inscriptorum critici specimen. Concinnavit Jon. Gildc- 
nieister. Bomiae ad Rh. 1847. 8 . 

243. Geographica Caucasia. Von Dr. Bemh. Dom. Mit 2 lithogr. Tafeln. 
(Aus den Mem. de l’Acad. des'Sciences. Tome Vll.) Petersb. 1847. 4. 

Von Dr. Gottwnldt: 

044 . KamaAorb KHiiraMt h pyKouiicmvifc cet. (i. c. Catalogus li¬ 
brorum tum editorum tum mss. lingua Chiuensi, Mandschurica, Mongo- 
lica, Tibetana et’Sanscrita, qui sunt depositi in Bibi, divisionis Asiaticae.) 
Petersb. 1843. 8 . 

Von Prof. Rödiger: 

245. The Literary World. A Gazette cet. iYexv-Vork 1847. No. 39. 
(Enth. zwei Artikel über d. American Oriental Soc. und d. Ethnological 
Society.) 

Von dem Verfasser: 

246. Gymnosophista sive indicac philosophiae dotunxenta. Gollegit, edidil, 
enarravit Christ. Lassen. Vol. 1. Pasc.' 1., Isvuraerishnae Sankliya- 
Caricam tenens. Bonnae 1832. 4. 

247. De Taprobane insula vetcribus cognita diss., auct. Ch. Lassen. Bonnae 
1842. 4. 

248. Indische Alterthumskunde. Von Ch. Lassen. Erster Band. Geogx-aphie 
und die älteste Geschichte. Bonn u. London 1847. 8 . 

Von Dr. Beke in London: 

249. The Athenaeum. Joui-nal of English and foreign Litei'ature cet. Lon¬ 
don 1847. No. 1041, 1042 u. 1044. (Enth. Artikel von C. T. Beke und 
M. A. <l' Äbbailie über Abessinien.) 

III- Handschi'iften, Münzen u. A. 

Von Stadtpfarrcr Dr. WollT: 

16 ) Henna. 17) Koliol. 18) Ein Schreibrohr. 

Von Prof. Koch: 

19) Ein Fläschchen mit Manna. 

Von Dr. Rosen: 

20 ) Sechs Stück türkische Münzen. 



Correspondenzen, Notizen und Vermischtes 


Aus einem Briefe des Herrn W. Francis Ainsworth. 

London, den 15. Febr. 1848. 

— — Herr Laijnrd, bekannt durch seine Entdeckungen in Nimrud, ist 
jetzt in England, um die Herausgabe seiner Zeichnungen vorzubereiten; das 
Britische Museum wird die Kosten bestreiten. Im Miirz geht Hr. L. wieder 
nach dem Orient, um im Namen seiner Regierung bei Feststellung der tür¬ 
kisch - persischen Grenze mitzuwirken. — Hr. Durber, gewesener Konsul in 
Tarsus, hat eine Geschichte Cilicicns geschrieben, die nächstens gedruckt 
werden soll. Sie hat für die ältere Geschichte keinen grossen Werth, enthält 
aber manches Wichtige aus der Geschichte des Landes in neuerer Zeit und 
über den jetzigen Zustand desselben. — Hr. Joseph Bonomi hat so eben eine 
sehr brauchbare Karte des alten Aegyptens unter Antoninus Pius, also für die 
Zeit 140 n. Chr., edirt nach Zeichnungen von Hr. Shnrpe. — Endlich steht 
auch der erste Band von Colonel Chesnetjs lange erwarteter Geschichte der 
Euphrat-Expedition in Aussicht. Durch seine Anstellung in China wie auch 
durch den Verlust eines grossen Theils seines Manuscriptes ist die Veröffent¬ 
lichung verspätet worden. 


lieber die sonderbare Benennung der Europäer, Bcnu-l-asfar 
(Nachkommen des Gelben), von Seiten der Westasiaten. 

Es giebt in der gelehrten Welt oft wunderbare Erscheinungen, welche, 
aus einer unlautern Quelle entsprungen, sich durch fast unglaubliche blinde 
Nachbeterei fortpflanzen und selbst Jahrhunderte hindurch, als wären sie 
von einem Zauberkreise umgeben, in ihrem vollen Anschn erhalten. Die 
Lösung des Zaubers liegt oft ganz nahe, aber es fehlt heute, es fehlt morgen 
an der nöthigen Disposition des Scelenvcrmögcns, oder man hält es nicht für 
der Mühe werth in die Sache tiefer einzudringen, oder man begnügt sich mit 
irgend einer, wenn gleich nur schielenden Erklärung, und das Rüthsel bleibt 
Räthsel wie zuvor. 



238 


Ueber die sonderbare Benennung 


Den Erscheinungen dieser Art glaube ich mit yollem Rechte die bei den 
VVestasiatcn gebräuchliche Bezeichnung der von ihnen' nach NW. wohnenden 
Europäische» Völker dureli Beim -l- asfar d. h. Nachkommen des Asfar (des 
Gelben) nnreihen zu dürfen. Die Araber und nach Ihnen die übrigen west- 
asiatischen Nationen pllcgen nämlich seit der Ausbreitung ihres Chalifnts die 
Römer sowohl des westlichen als des östlichen Reichs und späterhin alle Wcst- 
und Nord - Europäer, folglich auch Slaven und Russen, mit diesem allgemei¬ 
nen Namen zu belegen. 

Der Arabische Geschichtschreiber Abu-l-faradsch, anderer zu gcschwcigen, 
beantwortet uns die Frage, warum die Europäischen Nationen des W. und N. 
von ihnen Beim-1-asfar (Nachkommen des Asfar) benannt worden seyeB, 
so: „Es ward dem -Isaak, “ sagt er, „in seinem 60. Lebensjahre ein Sohn, 
„ Namens Jakob, geboren. Denn Melchiscdek verkündigte der ihn während ihrer 
., Schwangerschaft um Rath fragenden Rebecca Zwillinge, deren ältester Esau, 
„ der Urahn der Edomiteu (d. h„ wie er hinzufügt: röthlichen Franken), dem 
„Jakob, dem Urahn Act Israeliten, sich unterwerfen werde“*). Damit nicht 
zufrieden ergänzt er diese Erklärung noch durch den Zusatz: „dass einige 
„der Nachkommen des Esau, des Sohnes Isaak’s, des Enkels Abrahnm’s, 
„ sich von den Israeliten getrennt, sich in das Land der Franken übergesie- 
„ dclt und dort sich dem Könige Latinus , und später dem Römischen Könige 
„ llomulus unterworfen hätten “ ’). Man sicht cs dieser ganzen Erklärung an, 
dass sie bei den Haaren herbeigezogen ist, und man hätte nach ihr anzu- 
nelimcn, dass die Römer, unter denen Abu-l-faradsch auch die Kranken 
d. h. die Westeuropäer im Allgemeinen versteht, von Esau und einem Tbeile 
seiner Nachkommen, der Edomilen, welcher sich nach Rom iibcrgcsiedclt, 
abstammlen und desswegen Beim -1 - asfar genannt worden wären. Von 
einem Asfar oder Gelben aber ist bei Abu-l-faradsch nicht die Rede, sondern 
stillschweigend nimmt er das Wort Asfar in dem ßinne von Edom (roth), 
und erklärt dasselbe, ohne einen Grund dafür anzufuhren, von den röthlichen 
Franken, oder Westeuropäern. So gehaltlos diese Erklärung auch immer¬ 
hin seyn mochte, so nahmen doch Europäische Gelehrte, als Herbelot 1 2 3 4 5 J, 
Gagnier, Strahlenberg *), Manger 6 ), Baron S. de Sacg 7 8 ), und selbst 
der berühmte Akademiker unserer Zeit Quatremere") an, die Franken d. li. 
die Römer oder die Westeuropäer seyent von den Westasiatcn aus jenem 
Grunde mit der Benennung Edom d. h. der Rothen belegt worden. Dic- 


1) Vgl. Historia dgnastiarmn cd. Pocock. Osford 1663. pg. 22. 

2) Vgl. ib. pg - 42. 

3) Vgl. Bibliothequc orientale, pg. 721. 

4) Vgl. .Abulfedae vita Muhammedis. Cp. VII, pg. 14. 

5) Vgl. Vas Nord- und öestliche Thcilvon Europa mul Asien. Stockholm 
1730. Einl. pg. 67. 

6) Vgl. Ahtnedis Arabsiadae Vitae et rerum gestarum Timuri historia. 
Lcovardiac 1767. T. II, pg. 216. 217. 

7) Journal Asiatique. Paris 1S36. pg. 94. 95. 

8) Histoire des Sultans Mamlonks. II, 1. pg. 127. not.- 13. 



der Europäer , Benu • l- asfar. 


239 


scr Annahme zufolge müsste, das Wort Asfar, was stillschweigend snbsumirt 
wird, ein Beiname des “Es«», und in diesem und jenem Falle eine lieber- 
Setzung des Wortes Edorn, d. h. des Rothen, scyn. Dom widersprochen je¬ 
doch die beiden von Qudtrcmerc angerührten llauptbcwoisc; denn 1) nach dem 
Arabischen Schriftsteller Masudi , welcher sich so äussert: „die letzten Römer 
(d. h. die Byzantiner), die Nachkommen des Asfar, Sohnes des Enncfcr, En¬ 
kels des Aisa (Esau), Urenkels des Isnak “ ’), ist ja der erwähnte Asfar der 
Enkel Esau’s oder Edom's, aber nicht Bdom selbst; und 2) der gelehrte 
Arabische Geschichtschreiber Ilm Chaldun verwirft durch seine Worte; „wenn 
„irgend jemand sich cinbildet, cs wären die Römer Nachkommen des Asfar 
„(Gelben, Benu -1 - nsfnr) d- h. des Esau, so irrt er“’) geradezu diese 
etymologische Ableitung. Angenommen jedoch, dass das Wort Asfar wirklich 
eine Uebcrsetzung des Wortes Etlom wäre, so muss cs auf jeden Fall son¬ 
derbar erscheinen, dass die Araber sich dazu des dem Edont am wenigsten 
entsprechenden Asfar , und nicht eines Derivats der Wurzel adamn 1 ), oder 
anderer in dieser Bedeutung bei weitem gebräuchlicherer Wörter, als : Aschhar, 
Asshab oder Ahmnr “) bedient haben. Dies beweist ein anderer Zusatz des 
Abu -1 - fanidsch, durch den er seine Ableitung unterstützt; „(die Franken) 
. „ die schuh- (röthlich) sind “. Von Asfar ist also in dieser ganzen Erklä¬ 
rung nur im Vorhcigchn die Rede; und doch musste es llnuplgcgonstand der 
Verhandlung-scyn. Folglich kann das Wort Asfar, den mitgctheiltcn Grün¬ 
den jener so angesehenen Schriftsteller, Mnsudi's und Ihn Chaldun’s, zufolge 
nicht dieselbe Bedeutung mit Edom d. h. Es«» haben, und aus eben dieser 
Ursache kann man die Ableitung der lientt-l-asfar (iVachkoinmen des Gelben) 
von Edom oder Esau nicht gut heissen. Unterliegt aber diese Behauptung 
keinem Zweifel, so ist cs ebenso sicher, dass die Wcströmcr, die'Byzanti¬ 
ner u. a. Völker nicht ihrer röthlichcn GcsiclHsfarhc wegen, wie Alm-1- 
faradsch u. a. nach ihm cs deuten, Nachkommen des Gelben genannt worden 
seven, und dass bei den Arabern die Kennlniss der wahrten Bedeutung dieser 
Benennung verloren gegangen ist. 

Durch den Ausdruck Beim-1-asfar w’olllcn die Araber, wie mannigfal¬ 
tige ähnliche Zusammensetzungen dies beweisen, gewiss nur die Dynastie oder 
das Geschlecht, aus dem die Römischen Kaiser nbstninmtcn, bezeichnen, be¬ 
legten aber später mit ihm auch alle diejenigen, welche mit Recht Oder mit 
Unrecht von diesen ihren Ursprung ableitetcn. Wenden wir uns anrdie nns 
aufbewahrten historischen Denkmäler mit der Frage, aus w'clclicm GcschlcClitc 
die spätem Römischen Kaiser, besonders des östlichen Reichs, ihren Ursprung 
ableitetcn, so treten uns diese mit der Antwort: aus dem Geschlcchte dt’s Flavius 
entgegen. Und vernehmen wir danu statt aller übrigen geschichtlichen Bc- 


1) Mttrndschtt-ds-dsehab. I, fol. 136 v. 

X O eS 

2) Seine Geschichte. II, fol. 19 v. 3) 

4) jävüt vgl. Abulfedae Annates. II, 60. 174. 322., IV, 

250. 492 et, passim. Expcditio Russorum Bcrdaam versus. III, p. 15 sqq. 
Tarafae Moallak. cd. Vullcrs v. 24. pg. 46.. 



240 


Heber die sonderbare Benennung 


weise nur das, was Du Cmge in seinem Wörterhuchc ') uns über diesen 
Gegenstand mitgctheilt hat, so erfahren wir Folgendes: „Den Beinamen der 
„ Allerdurchlauchtigsten Kaiser Vespasian und Titus, nämlich Flavins, nahm 
„zuerst, wenn ich nicht irre, der Kaiser Claudius •an , und nach ihm Con- 
„ stantin Chlorus, Constmlin der Grosse, und alle seine Durchlauchtigsten 
„Nachfolger auf dem Constnntinopolischcn Throne. Endlich maasstco sich 
„diesen Beinamen nicht nur die Kaiser, sondern alle Consuln, Militär- and 
„ Civilcbcfs, Präsidenten, alle berühmten Männer und Edcllcute an, wie dies 
,uus den Gruterischcn Inschriften erhellt. Bei den 'Longobarden ward der 
„ König Autar seiner Verdienste wegen von seinen Unterthanen mit dem Ehreii- 
„titel Flavius belegt, und denselben nahmen nach ihm alle seine Nachfolger 
„an. Auch die Gotliischen Könige, welche in Spanien herrschten, mnassten 
„ sich diesen ehrenvollen Beinamen an, welchen bei ihnen Hcckard während 
„der dritten Kircbcnversammlung zu Toledo cinführte“ *). Aus diesen Wor¬ 
ten geht hervor, dass sek des Kaisers Constantin des Grossen 1 2 ) Zeit, d. h. 
seit dem Anfänge des vierten Jahrhunderts nach Chr. Geb., alle Thronfolger 
desselben, so wie viele ausgezeichnete Männer den ehrenvollen Beinamen 
Flavius trugen und daher überall in grosser Menge Flavier im Römischen 
Reiche, Flavier bei den Longobarden, Flavier endlich auch bei den Gothen 
in Spanien sich vorfanden. Dieser zur Ehre und zum Gedächtnisse des gros¬ 
sen Kaisers, welcher das Christenthum in seinem Reiche als gesetzliche Religion 
cinführte, auf die späteste Nachwelt und nach allen Gegenden bin verbreitete 
Ehrenname ist ein von - dein Lateinischen flaviis (gelb) abgeleitetes Wort, 
welches in jeder Hinsicht dem Arabischen nsfar entspricht. Gewiss übersetz¬ 
ten nun die Araber, um die Dynastie der Rainer zu bezeichnen, das Latein 
nische Flavius durch Asfar, tbcils weil das Wörtchen Beim schon den Zu¬ 
satz .eines Arabischen, nicht eines Lateinischen Wortes verlangte,- theils weil 
dasselbe zugleich den Begriffen entsprach, welche sich die Araber von der 
hellem Gesichtsfarbe der Europäer gebildet haben mochten, wenn anders diese 
nicht etwa aus der falschen Deutung des Bcnu-l-asfar entstanden waren, 
theiis endlich weil es den Doppelsinn von gelb und verhasst, ungläubig, be¬ 
trügerisch 3 * ) -r- denn für solche wurden die Römer und Christen überhaupt von 
den Arabern gehalten — in sich schloss. Wenn die Araber dasselbe durch 
aschhtr (rütblich) erklärten, wie wir oben gesehen haben, so lag dicss 
um so näher, da der Name Rufns, der dein Arabischen aschhar ent¬ 
spricht, gleichfalls bei den Römern gang und gäbe geworden war. So war 
unter andern l, Mecenius. Rufns Qnacstor des Cicero; Cornelius Rufns der 
Freund des jüngern Plinius; Acilius Rufns ein gelehrter Mann zur Zeit des 


1) V 7 gl. Glossarium ad scriptorcs metliae et infimae Lnlinitatis. Halae 
1774. T. III, pg. 584 A. Hansen, Wer vernnlasste die Berufung der 
Vandalen aus Afrika?■ Dorpat 1842. pg. 10. Journal des Savants. Mars 
1843. pg. 181. 

2) . Eigentlich Flavius Valerius Constantinus. 

3) Vgl. u. a. Harirx Consess. ed. A. Schult ens. III, 164. Abulfedae 

Annales. I. not. 68. pg. 33. . „ 



der Europäer, Benu ■ l - asfar. 


241 


jüngern Plimus; Tullius Rufus Qiiacstor in Africa zur Zeit Ciisar’s, Rufus 
Efihcsius wahrend der Regierung Trajan's, und Rufus Festes Aitientis während 
der des Thcodosius; L. Viryilius Rufus Statthalter des obern Deutschlands 
während der Regierung des Kaisers Nero. \Vir stossep in der Römischen Ge¬ 
schichte noch auf viele andere Rufi, als M. Cclius Rufus, Minulius Rufus, 
Octavius Rufus, Pompejns Rufus, Pomponius Rufus, Q. Minucius Rufus, 
Q, Pompcjus Rufus, Sntrius Rufus, Scxtilins Rufus u. s. w. Die Araber 
hatten also die beiden Stichwörter behalten, während der Text zur Deutung 
derselben bei ihnen verloren gegangen war. Wenn sich daher nach den 
oben angegebenen Beweisen sowohl Flavii als lluii überall bei den alten Rö¬ 
mern und andern Nationen vorfanden, ist cs dann noch eine Frage, warum die 
Araber die Römer des West- und Ostreichs, so wie andere Europäer, Nach¬ 
kommen des Gelben nannten, und warum sie in der Wahl des Wortes , bald 
Asfar, bald Aschkar gebrauchend, oder jenes durch dieses erklärend, schwank¬ 
ten? Der Ausdruck: Benu-l-asfar (Nachkommen des Gelben) ist also 
ursprünglich gleichbedeutend mit: Geschlecht der Flavier oder: Dynastie der 
Flavier. Darf cs dann noch auffallen, dass die Araber auch Slaven und 
Russen, welche thcils aus diesem thcils aus jenem Grunde, so wie der 
vielfältigen Verbindungen und Beziehungen wegen, «die zwischen ihnen und 
den Byzantinern 'stallfanden, dem Scheine nach zu diesen gehörten, eben 
so nannten; oder dass in unsern Tagen noch die Perser *) die Russen'- 
Nachkommen des Gelben,' und die Syrer *) den Russischen Kaiser: den Kaiser 
der Nachkommen des Gelben, d. h. mit andern Worten: den Kaiser aus 
dem Geschleckte der Flavier oder Constantin's des Grossen nennen ? 

Die erste Frage, welche man an einen Unbekannten, dessen Bekannt¬ 
schaft man sucht, zu richten pflegt, dreht sich um seinen Namen und die 
an ihn sich knüpfenden Umstände. So wird mir auch die Lösnng des oben 
behandelten Räthscls zur Erörterung mancher noch bis jetzt dunkeln Gegen¬ 
stände in der vor - Rurikschen Periode der Geschichte des Russischen Volks 
und seiner Entwickelung Veranlassung geben. 


1) Vgl. die Tebrizer Geschichte .der Kadschuren fol. 49 v. 

2) JSurckhardt Travels in Syria. pg. 59. 

Gr. Nowgorod am 26. Januar 1S48. , 

0 

Professor Dr. Franz v. Erdmann. 


II. Bd. 


lö 



242 Beschreibung der türkisch ■ tatarischen Handschriften 


Beschreibung der türkisch - tatarischen Handschriften in den 
Petersburger Bibliotheken 

von J. Berezln. 

Aus dem Russischen übersetzt von Dr. Zenker. 

Zweiter Artikel *). 

Der Ueberblick über die eigentlich tatarischen Werke zeigt hinlänglich 
die Dürftigkeit dieser Litteratur; einige Handschriften, von denen nur eine 
einzige, der bolgarische Reisebericht (No.4 u. 5.) *), ein allgemeineres Interesse 
gewährt, bilden ein Material, welches nur die Wissbegierde der Sprachfor¬ 
scher reizen kann. Diese wenigen Handschriften und neben ihnen noch einige 
die sich yn Hauptarchive des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten 
in Moskau befinden, die tatarische Chrestolnathie von Iwanow und einige 
kleinere in Kazan gedruckte Werke sind alles worauf sich unsere Kcnntniss 
der Litteratur der nördlichen türkischen Dialecte erstreckt,, die ungeachtet 
ihrer Ausbreitung und alten Bildung, entfernt vom Mittelpuncto des Islam, 
zum grössten Theile nur im Munde des Volks fortbestehen, eine Litteratur 
im strengen Sinne des Wortes aber bis jetzt noch nicht erlangt haben. Solche 
Reiche allerdings, wie z. B. das Reich von Kazan, die sich bis zu einer ge¬ 
wissen Stufe der bürgerlichen Verfassung emporgeschwungen hatten , mögen 
grössere Schriftwerke besessen haben, wenn auch noch keine eigentliche Lit¬ 
teratur, leider aber sind die Trümmer dieser entschwundenen, selbstständigen 
Bildung gar nicht oder nur in sehr geringem Hausse bis auf uns gekommen, 
wie man wenigstens aus einem l'eberblicke über die in Russland bekannten 
Bibliotheken schliessen kann; die Bibliotheken des übrigen Europa bieten 
hier gar nichts. 

Wir lassen, nach [unserer Eintheilung der-türkischen Dialecte, auf das 
Taft'rische den östlichen Dialcct oder das Dschugataische folgen, welches eine 
ziemliche Anzahl auch dein Inhalte nach merkwürdiger Schriftwerke besitzt. 
Die dschagataische Litteratur ist um Vieles reicher als die tatarische, aber 
auch ihre Fortbildung ist seit langer Zeit stehen geblieben, und die Freunde 
der osttürkischen Litteratur müssen sich mit einigen Werken des Mir Ali 
Schir, Abulghazt und weniger anderer aus älterer Zeit begnügen. Von allen 
alten schriftlichen Denkmälern die dem uigurischen Dialecte angeboren, findet 


1) S. Heft IV. des Jahrganges 1847 dieser Zeitschrift, S. 339 ff. 

2) Heft IV. 1847. S. 341. 



in den Petersburger Bibliotheken. 


243 


sich in den Petersburger Bibliotheken nichts und nur in Moskau ein Jarlvk 
in uigurischer Sprache,»den H. Kazembeg mit einer Uebersctzung und türki¬ 
scher Transcription heruusgegeben hat, leider aber ohne Anmerkungen. Aus¬ 
züge aus uigurischen Handschriften der königlichen Bibliothek zu Paris und 
andern Bibliotheken hat Davids mit Uebersctzung und Transcription mit- 
getheilt 

Dschagataische Handschriften. 

A) Der kaiserliclien öffentlichen Bibliothek. 

1. Handschrift unter No. OE. Ziemlich gross, ohne Titel. Dieses schöne, 
von einer ausgezeichneten Hand geschriebene Manuscript ist, wie auch die 
Aufschrift auf dem Einbande angiebt, ein' dschngatnischcs Wörterbuch, 
, vorzugsweise zu’den Werken des Mir Ali Schir. ln einem 
kurzen Vorworte in Versen, im alten osmnnischen Dialecte, erklärt der Vf. 
dieses Wörterbuchs, dass ihm die Werke des Mir Ali Schir besonderen Ge¬ 
nuss gewährt und er deshalb, und um auch andern denselben möglich zu 
machen, sein Wörterbuch verfasst habe. Genauer drückt er sich an einer 
andern Stelle aus, Fol. 10 v., bei der Erklärung des Wortes Lei, älterer 
Bruder, wo er die übrigen Schriften aufzählt die ihm als Quelle gedient 
haben. Seine Worte sind folgende: „ Dieser unwürdige Diener (der Vf. 
spricht von sich seihst) hat von den Werken des Herrn Newai ’) fünfzehn 
Bände gesammelt, aus denen er sowohl die Grundbedeutungen der Wörter 
geschöpft hat, als auch die abgeleiteten Bedeutungendesgleichen hat er aus 
chorasanischen, somarkandisefaen und dschagataischcn Mcsnewis und Diwanen 
und aus anderen türkischen Werken zusaramengetragen, damit ein hoher 
Herr, dessen Andenken gesegnet sei, nachdem er meine Mühe und Sorgfalt 
gesehen, meine Sammlung der Werke Newais seiner Gunst würdigen möge. 
Ira Ganzen hatte ich neunundzwanzig Bände, aber nachdem ich Schätze ge 
sammelt, wurde ich arn); keine Hindernisse und Umstände achtend Und selten 
sich darbictendc Gelegenheiten benutzend, schrieb ich vierzehn Bände ab und 
gelangte so in den Besitz der Sammlung. Diese Schriften sind folgende: 

1. 2 wli oL>LU Gebetbuch, 

2. vierzig Traditionen, 

3. ( i k' Juwclenschnur, 

4. yvJLvi! Leuchte der Moslems, 

5. Liebesdüftc, 

6. Vögelsprache, 

1) A grammar of the turkish language, by Davids, p. 171 —181. 

2) der Dichtername des Mir Ali Schir, den er sich in seinen 
türkischen Werken giebt. 


16 



244 Umschreibung der türkisch - lalarischen Handschriften 

7. ‘—Jj.iävi «-JjxJi* der Geliebte der Herzen. 

8- rl*xi5 go»ö Geschichte der Propheten, 

9. «dpi-« Geschichte der Könige, ( 

10. qJ^^VaÜ die fünf Staunenden, 

11. |j~.jUÜ.St Unterhaltungen der Anserwählten, 

12 .. Staunen der Frommen , ), 

f3. QjyjvÄj JLS'yä Ferhad und Schirin, 

14. (J-a-Sj Mcdsehnun und .Leila, 

•» fl 

15. 5)^*" diu sieben Planeten, 

16. der Damm Alexanders, 

17. Denkwürdigkeiten der Kindheit 

18. ji Seltenheiten der “lügend, 

19. Ja~pJS Jo Wunder des Manncsaltcrs. 

20. yC^Sl kXjj^s Früchte des Greisenaltcrs, 

21. ob 5 'iS vjlb** Wage der Vcrsmuassc, 

22. oL£X« Briefsteller, 

23. ^jxXiJlSi X*S^ La? Prooess der beiden Sprachen, 

24. a-Afiij Vermächtnissschrift, 

25. ( g»»> y*-< --aSU* die Tugenden des Mir Scjid Hasan, 

26. A«..a? die Tugenden des Helden Afuhanuned, 

27. Buch des Weinschenken, 

28. persische Diwane von mehr als 7000 Doppelvcrsen, welche zum 
Theil den Dichternamen Fani 1 2 3 ) führen, und 

29. persische Briefe. 

Ausser den genannten noch andere Bücher, die hier nicht angeführt werden, 
weil sie zu dem vorliegenden Wörterbuche in keiner Beziehung stehen.“ 

Das Wörterbuch ist in alphabetischer Ordnung und die dschagataischcn 
Wörter durchgängig im osmanischen Dialecte erklärt. Zur grossem Deutlich¬ 
keit sind die arabischen und persischen Synonyme beigefügt und fast bei 
jeder Erklärung findet inan einen Salz aus den Werken des Mir Ali Schir, 
in dem das erklärte Wort vorkommt. Die Erklärungen des Verfassers sind 
fast immer ziemlich richtig, nicht selten aber unrichtig geschrieben und ohne 
irgend ein System der Orthographie, ein Mangel den das Werk mit vielen 
türkischen Handschriften thcilt. Die dscbagataischen Wörter werden nicht 
nur lexieaüseh, sondern auch etymologisch und nach ihren verschiedenen 


1) Nr. 12, 13, 14, 15 und 16 bilden zusammen ein Fünfgedicbt, 

2) Nr. 17, 18, 19 u. 20 bilden die vier Diwane. 

3) Ueber diesen Namen des Mir Ali Schir s. unten. 



in dm Petersburger Bibliotheken. 


245 


grammatischen Formen erklärt. Da das Werk bis jetzt das einzige bekannte 
dschagataiseke Wörterbuch mit der Erklärung in einem anderen Dialecte ist, 
so scheint es nicht überflüssig hier einige Buchstaben welche nur wenige 
Wörter haben, vollständig anzufuhren, mit Uebergehung der Belegstellen 
aus den Werken NcwaYs. 




der Buchstabe ^ h mit Zamma. 


hug'uk (mit arab. Kaf) bedeutet Fabel, erdichtete Erzählung. 
httblia' und hübUtt bed. Feuerzeug, im Sinne v. Feuerschlagcnd. 

huluiu nennt man einen feurigen Streifen. 
tOls» hade nennt man ein Ruder. 

ÄsJLi» halb Name eines Volkes. 


to-yC&U tj/s» der Buchstabe ,h d mit Fath. 

dagi bedeutet und, noch. 

j*} dn gi bir bed. und dann nach, noch einmal. 

depkur bed. Schlachtordnung, Bataillon. 

desneku bed. eine zum Sattel gehörige Sache*), auch der Steigbügel 
wird so genannnt, 

dnrihan bed. vorgefallen, begegnet, gekommen sein. 

ItCjjtO daruga bed. das Haupt der Wachen, in der Bedeutung von Aufseber 
bei der Wasserverthcilung. 
dewak (mit arab. ti5) bed. ein junges Mädchen. 

O degel'u (mit pers. ic5) nennt man einen Rock mit kurzen Aermeln den 
man überzieht und der auch unter dem Namen idiCj tekele, 
tekela (mit O und arab. tö) bekannt ist. 
dik (mit arab. y£) bed. ähnlich, s. v. a. auch *). • 


_ljO> dawwng (mit Teschdid auf j) in der Bedeutung von libace, der 

obere Rock, s. v. a. das persische cadirseb Decke, 

Bettdecke, nnd^Läj^j jurgan Decke oder tnht pub, 

alles was bedeckt. ,-!• J> wird auch duwwttg ausgesprochen, mit 
Zamma, auf l> und Teschdid. Es ist ein arabisches Wort und 
sowohl im Persischen als im Türkischen gebräuchlich. 
däulgan und txJjlO däulga bed. Helm. 
l*J!0 dalga bed. ebenfalls Helm. 


1) Der Verf. schreibt — »Sf ^ 

2) Weiter unten fuhrt der Vf. diese Wörter noch einmal an, mit der 

Orthographie . — 



246 Beschreibung der türkisch-talarischen Handschriften 


jtodl der Buchstabe 4 d mit Kesre. 

^La-O dijban hcd. gesagt hakend. 

^jUI ^O dij - atman Ucd. sage nicht. ( 

_**jl*Ji (__cO <lij - ul(jitimH hcd. kann er sogen? 
wep dijb hcd. gesagt. 

uJLoO,~>l dijb irding (mit pers. u5) hcd. du sagtest damals als (du 

bliebst sagend damals als). 

dijb idiny bed. dasselbe wie das vorhergehende. 

•^jLmaÄjO dijnsab bed. verbessernd, aufstehend. 

^Laaa.O dijusar bed. er drückt nieder. 

^O dij durl’ar bed. man sagt (jetzt). 

«ivJ dijrga (mit pers. u£) bed. nin gesagt zu werden (so zu sagen). 

,3^0 dijmi bed. das Gesagte (Accpsaliv). 
q'sA jO dijr-min bed. ich sage. 

dijsigai (mit pers. bed, wir sprechen mit . . . , damit ich 

spreche mit.das (von ihnon) gesagte. 

j _.** (_cJ> dij suz bed. sprich ein Wort, und das zu sprechende Wort. 

dijyui (mit pers. uS) hcd. damit er sage. 

(^;£o dijgin (mit pers. üS j hat viele Bedeutungen. 

pulanga dijgin bed. bis dorthin und dass du sagest. Im Impe¬ 
rativ bed. es. sage, und.endlich das gesagte, das gesprochene. 
L^VÄaJv-O dijginga (mit pefs. u5) bed. bis zum Sprechen , bis zum Sagen. 
^:>*£.;0 dijgugi bed. ein Sprechender.. 

(J (.0 dijgag bed, das Wort welches gesprochen werden muss und das was 
gesagt werden muss. 

lO jv*jl.^jO dijganim da bed. während der Zeit meines Sprechens. 

^AwjXljsO dilgusi bed. muss gesagt werden. 
jsO £j.£jO dijgim dar fied. ich muss sagen, 
yi ^IXjO dijgai lim, bed. dass sie sagen. 

Cfr** dijgai sin bed. dass du sagest. 

,M5U> dijgali bcd v dass er sage, oder zum Sagen. 

ViJsJjXjO. dijgmg (mit pers. uS) be<|. du, sagst und du sollst sagen *). 

dikilüti (mit arab. «£) bed. das was gesteckt ist, das was genäht ist. 
ti&O dik (mit arab. <j 5) bed. dasselbe. 

iz£jO dik (mit arab. uS) wird in Verbindung mit einem andern Worte in folg. 

Bedeutung gebraucht: ^c^O^-w surdikliar lasst sie fragen; 

gmdikUar lasst sie sehen ; gurdik lasst 


1) Gleich darauf wiederholt der Vf. wahrscheinlich aus Versehen die 
Erklärung der Worte dijgugi und dijgai , die wir hier als überflüssig aus- 
lassen. 



in den Petersburger Bibliotheken. 


247 


ihn sehen; <j5U<3 bulgusi dik du sollst sein; ^^a5ou>j|L 

bardikl'ar Iahst sie Weggehen ; oldildotr lasst sie sein; 

bijdikUmr lasst sie verschwinden. 

(J-P.O dijli lasst nns sagen, lasst uns sprechen. 
r) U.gO dijman sage nicht. 

dijmnli bed. lasst uns nicht sagen. 
tt&U.O dijmang (mit pers. u5) bed. sagt nicht. 

^PO dij bed. sage. 

und qJO dijn bed. ebenfalls sage. 

o*> dijn bed. auch von (diesem) uS'L pnk demidin bed. von sei¬ 

ner reinen Rede. 

J.£1aJ.O dijlgan (mit pers. fci£) bed. das gesagte, gesprochene. 
dijali bed. lasst uns sagen, 
dij bed. sage. 

4er Buchstabe l> d mit Zamma. 

dnpdurin nennt man einen Laut der durch die Fiissc verursacht 
wird, in dem Sinne von: Lärm der Füssc; man nennt auch so • 
das Pochen des Herzens. 

yu O dupht nennt man einen Stock den die Weber mit den Füssen treten; 

auch einen ForbcstolF der als Arznei für die Fiisse der Falken 
gebraucht wird. 

^ j-ljO dttrluk bed. von ächten Perlen (Adjectiv). 

dululdnmnlc (mit arab. ü 5) nennt man den Laut des pochen¬ 
den Herzens. 

dnltme ist das segenannto „ j.i! eliug ■). 
y Jo dultu nennt man eine Wolfshyäne. 
dul'uga bed. Ziegelstein. 

sUail i_j jS> der Buchstabe Ja t mit Fath. 

tagni bed. der Oheim, der älteste Bruder der Mutter. 

tUxJI Ja der Buchstabe t mit Zamma. 

tulga ist Imperativ und bed. mache wanken (schütteln). 

(_ 5 _yb tut ist eine Festlichkeit. 

Die Wichtigkeit dieses Wörterbuches liegt am Tage, zu bedauern aber 
ist, dass der Vcrf. nur Werke des Mir Ali Schir vor sich batte, auf die 


1) Species lierbae serpentum noxis mirifice medentis. Gol. vgl. Meninski, 
Lex. turc. Tom. 1. p. 287. 



248 lltschreiütuig der türkisch - tatarischen Handschriften 


übrigen dsehagalaischen Schriftsteller aber keine RUcksicht nahm '). lieber 
den Verfasser, so wie Ort und Zeit der Abfassung, lässt sich nichts be¬ 
stimmen ; wahrscheinlich ist das Werk in Constantinopcl oder in Kleinasicn 
in der Nähe von Constantinopcl verfasst. Am Ende findet sich folgende 
Bemerkung: Oie Worte aus Newai und die dschagataischcn Citate sind ge¬ 
schrieben von der Hand des armen Alai Bcg Muhibbi esch-Schcrif, in der 
Mitte des Monats Dschemadi cl-cwwel 967 d. Hedsehra, d. i. 1560 Chr. 

Bei Herausgabe dschagatnischcr Werke ist die Benutzung dieses Wörter¬ 
buches unentbehrlich. Eine vollständige Uebersctzung desselben, nebst beige¬ 
gebenem Texte, würde eine hcmcrkenswrrlhe Erscheinung in der armen Lit- 
teratur der türkisch - tatarischen Dialecte sein *). 

2. Handschrift unter Nr. Ard. 120. gross, ziemlich gut geschrieben, be¬ 
titelt Sammlung der Werke des Newai. 

Oer Heichthum der dschagataischcn Lillcralur ist bis jetzt wenig in 
Europa bekannt; der einzige Gelehrte der seine Aufmerksamkeit darauf ge¬ 
richtet hat, gehört Frankreich an und ist Herr Qualrei'nere. Jauhert, Davids 
und v. Hammer haben nur die Oberfläche dieses reichen Schachtes berührt. 
Der berühmteste dsclingntaischc Schriftsteller, ist nach übereinstimmendem 
l'rthcil der orientalischen Bibliophilen, Mir Ali Schir, der Verfasser dieser 
Handschrift. Einige Bemerkungen über ihn werden daher hier nicht übcrllässig 
seih, um so mehr, du das oben genannte Wörterbuch ausschliesslich für 
seine Werke gemacht worden und wir unten noch mehrere Handschriften 
tlieils prosaischer theiis poetischer Werke desselben Verfassers zu beschrei¬ 
ben Gelegenheit haben werden. 

Mir Ali Schir war nach D.ewlctsehah *) der Sohn ungesehener Deute in 
einem dschagataischcn Dorfe. Sein Vater gab ihm eine vorzügliche. Erziehung, 
welche die grossen Fähigkeiten mit denen er von Natur begabt war ent¬ 
wickelte. Die Fortschritte welche der Jüngling in den persischen und türki¬ 
schen und moslemischen Wissenschaften überhaupt machte, setzten Mirza Balten 
in Erstaunen. Es ist unbekannt warum Ali Schir von dem Sultan Abu Zeid 
Mirza aus Hcri verwiesen wurde, von wo er sich nach Samarkand begab, wo 


1) Das Institut der orientalischen Sprachen des Ministeriums der aus¬ 
wärtigen Angelegenheiten besitzt ein in Calcutta 1825. 8. gedrucktes dsehaga- 
taisches Wörterbuch. Beide Werke hat Charinoy benutzt, hei seinem Com- 
mentare zur Expedition de Tiinour-i-lenk contre Toqtamische. 

2) Einer der Herren Academikcr in Petersburg hat sich die Bearbeitung 
dieses Wörterbuches vorgenommen, ist aber bis jetzt durch Mangel an Zeit 
daran verhindert worden. 

3} Deutet Schah, Verfasser des berühmten persischen Werkes ÜjJlXj 
«lyatMzll Verzeiclmiss der Dichter, welches die Lebensbeschreibungen vieler 
persischer und einiger arabischer und türkischer Dichter enthält. Eine lldsclir. 
dieses Werkes Bildet sich auf der l'nivcrsitäts -Bibliothek in Kazan, aus wei¬ 
cher hier einige Nachrichten über Ali Schir entnommen sind. Dewlet Schah 
giebt eine sehr kurze und ungenügende Lebensbeschreibung dieses Dichters, 
die mehr nur allgemeine Bemerkungen und pomphafte Lobeserhebungen ent¬ 
hält. Die Handschrift ist vom Juki- 1048 — 1638. 



in den Petersburger Bibliotheken. 


249 


er mehrere Jahre unter dem Schutze des Ahmed Hadschi Beg verweilte. 
Ali Schir wurde mit dem Sultan Husein zusammen unterrichtet, dessen V'czir 
und Freund er später wurde. Anfänglich hatte er das Siegel des Sultans in 
Verwahrung. Tm reiferen Alter wurde er zum lieg ernannt und verwaltete 
eine Zeit lang die Provinz Astrahad. Nachdem er diese Stelle uiedcrgelcgt 
halte, wollte er vom Sultan Husein Mirza keine Bezahlung annchmcn, sondern 
brachte diesem vielmehr alljährlich eine bedeutende Summe Geldes als Geselicnk. 
Als Sultan Husein Mirza von einem Feldzüge nach Astrahad zurückkehrtc, 
kam ihm Ali Schir aus der Stadt entgegen. Während seiner Vorstellung bei 
dem Sultan rührte ihn der Schlag und keine Bemühungen der Aerzte waren 
im Stande den berühmten Schriftsteller vom Tode zu retten. Ilerbclot setzt 
seinen Tod in das Jahr 906 oder 912 der Hedschra, d. i. 1500 oder 1506 
nach Chr. 

Mir Ali Schir, oder wie ihn Dcwlet Schah nennt ^a~ .a/s! ^aaS” 

(der grosse Fürst,' Fürst AH Schir), war berühmt durch seine Redekunst, 
seinen Anstand, seine Begünstigung der Gelehrten und Künstler. Der be¬ 
rühmte Scheich Usta Kuli Beg und Husein Audi, bekannt durch ihre Leistungen 
in der Musik, verdanken seinem günstigen Urthcilc ihre Berühmtheit, des¬ 
gleichen Ustad lieg Zad und Schah MuzaIFcr. Da er nicht vcrheiralhct war 
und für keine Familie zu sorgen halte, so verwandte er sein ganzes Ver¬ 
mögen auf Gott wohlgefällige Bauten , wie Moscheen, Seminare, Klöster, 
Hospitäler, Bäder, Karau-anscrais u. dgl. Eine besondere Sorgfalt widmete 
er den Bauten in der Hauptstadt Hcrnt. Besonders zu bemerken ist das 
Imarel (Hospital) des Seid Kazcin und seine Wasserleitung, durch welche 
er das-Wasser der Quelle Gülbest, (, in Cliorasan berühmt) in 
die heilige Stadt Mcsrhlied zu leiten suchte. 

Als Kenner des Persischen und Türkischen schrieb Ali Seliir mit fast 
gleicher Leichtigkeit in beiden Sprachen, seine persischen Werke erfreuen 
sich jedoch nicht derselben Berühmtheit wie die türkischen. Von seinen 
Schriften , deren er viele sowohl in Prosa als in Versen hintcrlnsscn hat, 
führen wir hier nur die folgenden besonders an: 

1. Vier türkische Diwane, die Dewletschoh die „Zierde der Unterhal¬ 
tungen der Könige“ nennt. Diese Diwane sind nach den Altersstufen geordnet 
und betitelt: 

a) jikai I Merkwürdigkeiten der Kindheit, 

b) '_>Ia>&-!' Seltenheiten der Jugend, 

c) Jui~_j.il £üIcAj Wunder des Mannesnltcrs, 

d) jaJvJS Früchte des Greisenaltcrs. 

Diese Diwane bestehen aus Ghazelen und gelten für die besten Erzeugnisse 
der Müsse des Ali Schir. 

2. ein Fiinfgcdiclit. Nach dem Zeugnisse des Dewlctschnh wett¬ 
eiferte Ali Schir in diesem Werke mit Nizami ’); es besieht aus fünf bc- 
söndern Gedichten oder Mesnewi: 


1) Nizami von Gcndsch, ein persischer Dichter, berühmt durch sein Fünf- 



250 Beschreibung der türkisch - tatarischen Handschriften 

\ 

a) Oja> Staunen der Frommen, 

b) qJ« bt^j Ferhad und Schirin, 

c) Mcdschnun und Leila, 

t» C 

d) die sieben Planeten, 

e) iX*v der Damm Alexanders *). 

3. der Geliebte der Herzen. Von diesem Werke 

werde ich zu einer andern Zeit ausführlicher sprechen, bei der 
Uebersiclil der dschagataischen Handschriften des Museums der 
Acadeinie der Wissenschaften. 

4. Vögelsprachc, eine Nachahmung des Gedichtes 

(JjhkA Gespräch der Vögel (von Fcrideddin Attar). Der 

Verfasser des Werkes olxilj, Denkwürdigkeiten Bakers, 

giebt diesem Gedichte, dem Fünfgedichte und den vier Diwanen 
den Vorzug vor allen übrigen Werken des Ali Schir. 

5. cioiXä» -vierzig Traditionen. 

6. Geschichte, der Propheten. 

-7. Geschichte der Könige. 

8. (jMjlaJkH Unterhaltungen der Auserwählten. 

9. die fünf Staunenden. 

10. Juwelenschnur. 

11. Leuchte der Moslems. 

12. aucSktf Liebcsdüfte. 

13. oLüXe Briefsteller. Der Verf. der Denkwürdigkeiten Babers 
nennt dieses Werk eine Nachahmung des Briefstellers des Mewlana 
Abdurrahman Dschami. 

14. Vermächnissschrift. 

15. iXa*» jka wasIä* die Tugenden des Mir Sejid Hasan. 

16. die Tugenden des Helden Mubammed. 

17. y>\ Wage der Vcrsmaasse. Der Verf. der Denkwür¬ 

digkeiten Babers beurtbeilt dieses Werk ziemlich ungünstig und 
sagt dass sich Ali Schir bei Beschreibung der vierundzwanzig Metra 
viermal geirrt habe und dass sich ausserdem noch andere Fehler 

in dem W'erke finden, die aus Unkunde des Baues der persischen 
Verse hervorgegangen seien. 


gedieht. Seine Lebensbeschreibung nach Dewletschah hat Erdmann herausge¬ 
geben in Expeditio Berdaam versus ete. 

1) Eine vortreffliche Handschrift dieses Fünfgedichtes des Ali Schir, wel¬ 
ches im’Jahr 889 der Hedschra (1484) verfasst worden, findet sich auf der 
Universitätsbibliothek in Kazan. 



in den Petersburger Bibliotheken. 


251 


18. 'iJai Geschichlc des Scheich Sanaan. 

ln seinen dscliagalaisclien Werken hat Ali Scliir den Namen Newai an¬ 
genommen , in den persischen hingegen nennt er sich Fani. Nach Angabe 
des Verfassers der Denkwürdigkeiten Babers sind manche von den persischen 
Dichtungen des Ali Schir nicht schlecht, der grössere Theil jedoch schwer¬ 
fällig und dürftig.- Ansscr seinen schriftstellerischen Werken hat Ali Schir 
auch sehr schöne musicalische Compositionen liinterlasscn. 

Die Handschrift unter dein. Titel old,!” (Abtheilung XIV. Nr. 15) 

in reichem gepressten Einbände, enthält einige prosaische und einige poeti¬ 
sche Werke des Mir Ali Schir. Die bemerkenswerthesten in dieser Samm-, 
lung sind: 

a) v^aj-As» vierzig Traditionen; mit diesem Stück in Versen' 

beginnt das Buch. 

b) Gespräch der Vögel, wahrsch. anstatt jA^di ^LaJ . 

c) (j~.Aa.Ul Unterhaltungen der Auserwählten, ein kurzer 

Aufsatz in Prosa. 

d) g-jjlj Geschichte. 

e) oLiki.« Briefsteller, in Prosa und Versen. 

f) q.Jja^\äU die fünf Staunenden. Ein kurzer Aufsatz in 

Prosa. 

g) &Aä'S} Vcrmächtnissschrift, ein kurzer Aufsatz in Prosa und Versen. 
Am Ende dieses letzten Aufsatzes findet sich folgendes Chronosti- 
chon, welches das Jahr der Beendigung desselben anzeigt: 

gjjlj (_jCÜ ^LaaKaaaj jA^AU 

sA Q y: (3^! J^AX kAftSj 

Achthundert und sechsundachtzig Jahre waren, 

Als die Vermächtnissschrift beendigt wurde (886 = 1481). 

Von dieser Sammlung ethischer, historischer und anderer Aufsätze habe 
ich der Geschichte (go^Li) eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Diese 
beginnt mit Adam und enthält auf 26 Blättern die Lebensbeschreibungen der 
Propheten und Weisen. Am Ende des 26. Blattes beginnt die Geschichte der 
alten persischen Dynastien , von dem ersten Pischdadier Kajumcrs bis zum 
letzten Sassanidcn Jezdedscherd oder bis zur Eroberung Persiens durch die 
Araber. Die Abhandlung ist aus muhainmedanischen Quellen zusammenge¬ 
tragen und enthält keine besonderen Facta, ist aber wegen der Kürze der 


1) Die angeführten Stellen aus den Denkwürdigkeiten Babers sind aus 
Davids Grammar of the turk. lang, genommen. Herbelot giebt sehr kurze und 
fehlerhafte Notizen von Mir Ali Schir unter dem Artikel NaouaV. Herr P. S. 
Saweliew hat eine ausführliche Lebensbeschreibung nach Dewletscliah und 
den Denkwürdigkeiten Babers mitgetheilt in dem „Russischen encyclopädischen 
Lexicon“ Th. 1. S. 527 f. unter dem Artikel Ali Schir. 



252 Beschreibung der türkisch - lalarischen Handschriften 

Darstellung merkwürdig ') und eigentlich eine Epitome bis zur muhammedani- 
schen Geschichte Persiens. Es findet sich hier, einte Reihe von Lebensbe¬ 
schreibungen persischer Könige, deren jede mit einigen Versen scliliesst. Der 
Styl dieser Biographien ist, mit Ausnahme der-Vers», ziemlich einfach; das 
Türkische erscheint hier noch in seiner ursprünglichen Einfachheit und mit 
einigen alten Wörtern; die Siitze sind im Allgemeinen kurz, eine Ortho¬ 
graphie existirt hier nicht. 

Diese historische Arbeit des Mir Ali Schir ist auch in die osmanisclie 
Lilteratur übergegangen und es giebt eine fast wörtliche Uebcrsetzung davon 
im alten osmunischen Dialecte, von der sich auf der kaiserlichen öffentlichen 
Bibliothek ebenfalls eine Handschrift findet, nämlich (_gUA Geschichte 

Fenais, eine kleine Handschrift unter Nr. HE. 26. Die eigentliche Uebcr- 
schrift dieser Handschrift ist gpjsj 

Geschichte der Könige von Newai, Uebersetzung des armen Fenai. Die Schrift 
ist die gewöhnliche, das Ganze umfasst 4l Blätter. Der Name des Schrei¬ 
bers und die Jahreszahl sind nicht angegeben. 

Der Text dieser osmanischen Uebersetzung ist in Wien ^>j 

gedruckt, im Jahr-1784, unter dem Titel ^lis Geschichte des Fenaij 

diese Ausgabe unterscheidet sich wenig von der Handschrift; der Unterschied 
bestellt eigentlich nur in der regelmässigen und correcteren Orthographie der 
gedruckten Ausgabe, da hingegen die Handschrift sehr fehlerhaft geschrie¬ 
ben ist 

In dem Vorworte der Uebcrsetzung erzählt der Ucbersetzcr, dass er, 
„der unwürdige arme Fenai einmal einem vornehmen Herrn den Aufsatz 
des Ali Schir Newai „Geschichte der Könige“ überreicht habe, als eine 
Gabe edler Unterhaltung und Geschenk einer achtungswerthen Gesellschaft. “ 
Diesem vornehmen Herrn gefiel das Werk und die Anwesenden baten um dessen 
Uebcrsetzung in das Türkische owjj ts.L*LJ es mit türkischen 

Kleidern zu schmücken) l 2 ), was dem Uebcrselzcr auch von dem vornehmen Herrn 
anempfohlen ward. Man muss jedoch gestehen , dass er seine Aufgabe nicht 
zum Besten gelöst hat Die Vorrede ist noch ziemlich eorrect geschrieben, 
die Uebersetzung aber hinsichtlich der Sprache und des Satzbaues sehr schlecht. 
Dem Anscheine nach halte der Uebersetzer die Originalhandschrift des Ali 
Schir vor Augen, durch deren dscbagataischen Charakter er sich hinreissen 
Hess, so dass er ein Gemisch von Dscbagataischem und Türkischem zusammensetzte. 
Die Verse des Ali Schir sind ebenfalls mit geringen Abänderungen übertragen. 


1) Es sind allem Anscheine nach die beiden Stücke »Ls*)! Ge¬ 
schichte der Propheten, und clJ^Lo Geschichte der Könige, unter dem 

Namen gvjjti in Eins zusammengefasst. 

2) Die Handschrift hat richtig sd*vUJ ^* 5 ) ■ Ruin nen¬ 

nen eigentlich nur die Perser die osmanisebe Pforte, bei den Osmancn 
lieisst Bum vorzugsweise Griechenland und Rom. 



in den Petersburger Bibliotheken. 


253 


Herr Quatremere, der sich seit langer Zeit mit Ali Scliip beschäftigt, hat 
endlich im Jahr 1841 ‘die Herausgabe dieses berühmtesten dschagataischcn 
Schriftstellers begonnen, .unter dem Titel: „Chrestomathie en turk oriental, 
contenant plusieurs ouvnoges de T Emir - Ali - Schir, des extraits des memoires 
du Sultan Baber, du traite du Miradj, du Tczkiret-el - Aulia et du Bakhliar- 
namch, publies, accorapagnes d’une traduction fran$aise, d’un memoire sur 
la vie d’AIi- Schir et de notes grammaticalcs et autres, par M. Quatremere 
1. Fase. Paris 1841. 

Der Text beginnt mit dem Titel oLd/, Sammlung der Werke 

Newai's, und das erste von 11. Q. mitgetheilto Stück ist aus dem 
(jOJiiJi, worauf unmittelbar jXa i-ijL j , die Geschichte der Per¬ 

sischen Könige, folgt *). Diese Ausgabe gehört zu den mühsamsten Arbeiten 
europäischer Gelehrten. Herr Quatremere ist längst durch seine Kenntniss 
der Sprachen, der Geschichte und Litteratur asiatischer Völker berühmt. Alle 
seine Ausgaben und Abhandlungen tragen das Gepräge grosser Gelehrsamkeit 
und gewissenhaften Fleisses. Diese Chrestomathie der dschagataischcn Schrift¬ 
steller ist das neueste und wahrscheinlich nicht das letzte Blatt zum Ruhmes 
kränze dieses berühmten Orientalisten. 

Zur Vergleichung der Handschrift der kaiserl. öffentl. Bibliothek mit der 
Ausgabe Herrn Quntreineres und der in Wien gedruckten Uebersetzung, geben 
wir folgendes Stück. 


Text des Herrn Quatremere. 

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5 ,3^^ Xa-O .jiyb ^ jS^ !u\*J psS 

q;qAAÜ (.*£ a.ciy 

-a — jI -A xe*. 

jJCu q.jA id]jSS» ^j r VgÄv . 


1) Der Text ist nach einer Handschrift der Werke des Ali Schir auf der 
königlichen Bibliothek herausgegeben. Das erste Stück nimmt ira Drucke 
vierzig Seiten ein, in der Handschrift aber (Tom. II:) Fol. 736 v. — 744 v. 
Das zweite Stück beginnt in der Handschrift (Tom. II.) Fol. 813 v. Man 
sieht deutlich, dass zwischen diesen beiden Stücken mehrere Aufsätze liegen, 
die Herr Quatremere in seine Ausgabe nicht aufgenommen hak 



254 Beschreibung der ' türkisch ■ lalarischen Handschriften 

J>Sj j*.A^ jj^L aöl-i-jj Üls» tS ^jJL» ^jLj 

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Text der Handschrift. 

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xLo Ott^j JlXc ^ c^/.Ä.Li.Lw säUjiJ 

W.J.C jtj J-*ü 5 j jJlXa.Ji 3 !lXJL+>^ ^yAO»«, 

(*-*^ (_^*»< HäL»! (jj^ IIT”^ *^*-?“ Jj|j (^lXIaS jblc!yü>l 

*■}/>} U^' uji )ji ü: >Aji ?+$ L5^** 

^^IawL jjl j*.*f j^_>J <_*p ^Qläjli J^_jü WAJ>^ (*.3> 

)j/ i y i _j*s ^^}. J .^j JU> jjJ L>ot^Cj (_3 iAJLs Uj y * ;> 5 

O^jf- C~^ L$'~ l J^y Jy^>L*Ajt_J (3;V 1^50,5 

LXav.J? ISE-j^Sm ^.£.wa lXaaa^\ 

^jSU> ^ ^oLäJj! yljfr w jÄüwlj ,_5 lX-^.s siAcL jj ^j-ili 

ij^i j^*!W Qj3 ^*$4 <^s* £ c>y <JXfA QÄ'i 

(►*f jLj (^5j^jt.Av.ji ^!L> | +jS ^iXJLw ^Aäj ^»^.!.\ 

(3^5 (jaIUaS L *jyf ^ ’S'’^ Java laaLj 

Text der Wiener Handschrift. 

»ü^ÄiiLw liXSy-^Ia J.! jJI*»b*j lXa.£.+> 

»AJI*>j i_5-^jJj <-*4j JaXc xäXJLo qL^s». _j 

( 3 ;' - waJjC SwXJla^^ ^Aias* 3 

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bvXA^ut (ji'^*“ 3 y l^) 1 «^^ I^aXaS IaX-aJ (3j! ^.X's^j fc 



in den Petersburger Bibliotheken. 


2?5 

^sXcÜSj c5^> 1^3 iV *ji •* 

^iX/Sxäj ^ ,_5>Aj.aj (^j^wySviaAafj 

L gjJLo lAj _jJ »Ailj ^*,1 e)>' 

t_cO tiVil »Mj ^--O! k 5 x ^ ®>^Ls" (+•> 

ii I 

Ilebersetznni’ 

Dscliemschid. Einige sagen dass er der Bruder des Tchmuras gewesen 
sei, andere, seines Bruders Sohn. Nach seiner Thronbesteigung regierte er 
das Weltreich mit Recht und Gerechtigkeit und war entzückend durch Schön¬ 
heit und Anmuth und unvergleichlich an Tugend und Vollkommenheit. Er 
machte wunderbare Erfindungen, von deren Zahl die Kricgswaflcn sind, welche 
er erfand 1 2 ). Er brachte 1 ) die Ro'bscide, gesponnene Seide, Webewerkzeuge, 
Farben und Schwärze in Gebrauch, welche vor ihm dem Volke 3 4 5 ) unbekannt 
waren. Von einer Stadt zur andern befahl er Dörfer zu bauen, vielen Ge¬ 
genständen bestimmte er Hegel und Gebrauch, und die Stadt Istnchr vergrös- 
serte er dergestalt, dass ihre Länge sich von Chufrek bis llumdschcrd er¬ 
streckte, so dass ihre Länge zwölf Agatsch und ihre Breite zehn Agatsch 
erreichte. Er baute dort grosse Gebäude, von denen noch jetzt Spuren und 
Zeichen existiren “), so dass dem Menschen ein solches Bauwerk unmöglich 
scheint, dass, wenn der Mensch s ) dasselbe nicht gesehen, er es nicht glaubt. 
Man nennt es Tschihil rninar. 

/ 

Cebersetzung naeli der Wiener Ausgabe. 

Vschemscliid. Einige nennen ihn den Bruder des Tchmuras. Als er 
den Thron bestieg, schmückte und verschönerte er das Weltreich durch 
Recht und Gerechtigkeit und war unvergleichlich durch Schönheit und An¬ 
muth und entzückend durch Tugend und Vollkommenheit. Er ist bekannt 
durch slaunenswertlie Erfindungen, in deren Zahl die Erfindung der Kriogs- 
werkzeuge ist. Er hat auch die Rohseide, die gesponnene Seide und die 
zur Webekunst gehörigen Gegenstände und Farben -erfunden, die dem 
Volke bis dahin unbekannt waren. Er erfand Wege von einer Stadt zur 


1) In der Handschrift folgen hier die Worte: Vor ihm waren Steine 
und Stöcke im Gebrauch; auch schreibt man ihm die Einführung der Lan¬ 
zen, Hellebarden, Messer, so wie der Wolfsfallen zu, desgleichen die Er¬ 
bauung der Bäder und die Erfindung des Tauchens. 

2) In der Handschrift: Er hat auch eingeführt. 

3) In der Hdschr,: den Leuten. 

4) In der Hdschr.: deren Spuren u. Z. noch jetzt sind. 

5) ln der Handscbr.: wer dasselbe nicht gesehen. 



2o6 


Literatur - Anzeigen. 


andern und vielen Dingen bestimmte er Regel und Gebrauch. Die Stadt 
Istachr vergrösserte er so, dass diese Stadt sich vori Chefesrek bis Zabheruk 
ausdclinte; die Länge derselben beträgt 12 Agatsch und die Breite 10 Agatsch. 
l'nd dort errichtete er einen grossen Bau, von dem nrch heute Spuren, Proben 
und Zeichen vorhanden sind, so dass dem Menschen ein solches Bauwerk 
unmöglich erscheint, dass der Mensch, der es nicht sieht, es nicht glaubt, 
ln einigen Geschichtswerken nennt man es Tschihil minar. “ 

Im Ganzen ist die Handschrift der kaiserlichen Bibliothek wenig von der 
Ausgabe Herrn Q untrem eres verschieden, und hat nur hie und da einzelne 
Zusätze, dahingegen die türkische Uebersetzung an manchen Stellen den Sinn 
des Originals abkürzt, wie man an dein gegebenen Beispiele ersehen kann. 


Sefer Tebuöt ha-Arez von Josef Schwarz, (hebr.) Jerusalem 
1845. 8. (Leipzig, C. L. Fritzsclie.) Pr. 1 Thlr. 6 Ngr. 

Die Literatur über Palästina erhält durch dieses Werk, das von der 
Geographie, Naturkunde und Geschichte des heiligen Landes handelt, eine 
■wesentliche Bereicherung. Der Vcrf., ein in Jerusalem seit mchrern Jahren 
lebender deutscher Gelehrter, behandelt in der ersten Ablhcilung seines Wer¬ 
kes die Geographie nach der biblischen Stammverthcilung, giebt wo möglich 
die arabischen Bezeichnungen an und benutzt ausser den Kirchenvätern auch 
Tulmud und Midrasch. Durch die Benutzung der beiden letztem von Seiten 
eines Palästina aus langjähriger Autopsie kennenden Gelehrten dürfte ein be¬ 
deutender Fortschritt erzielt worden sein. Eine detaillirte Beschreibung Je¬ 
rusalems bcschlicsst die erste Abtheilung. Die zweite beschäftigt sich mit 
den drei Naturreichen und hat einen zu compendiösen Charakter. Doch ist 
die sorgfältige Angabe der arabischen Namen besonders hervorzuheben. Der 
geschichtliche Theil hat eine zu confessionellc Haltung und steht daher 
in allgemein wissenschaftlicher Beziehung dem geographischen und naturhisto¬ 
rischen nach. A. J. 


Magyarische Alterthiimer. Von Selig Cassel. Berlin, Veit u. Coinp. 
1848, 8. XII u. 340 S. (1 Thlr. 20 Sgr.) 

Diese historische Untersuchung zerfällt in drei Capitcl, denen drei Bei¬ 
lagen folgen. Erstes Cap. über die Abstammung der Magyaren von den Hun¬ 
nen S. 1—70; zweites Cap. die linguistischen Untersuchungen über den Ur¬ 
sprung der Magyaren 8. 71 —120; drittes Cap. Betrachtungen über den l'rsitz 
der Magyaren S. 121 — 180. 

Die erste Beilage S. 182 — 219 hdndclt von dem Briefe Josef's des 
Chazarenkönigs; die zweite S. 220 — 262 von Goiner und Magog in Bibel 
und Joscphus; die dritte endlich S. 262 — 346 von Gomcr und Magog in 
Targuin, Talmud, Midrasch und Josippon. A. J. 




V/«if #4 U ) f q 

iTIjN. 




Ueber canaresische Sprache und Literatur ‘). 


§. 1. Die Grenzen, innerhalb deren die canaresische Sprache 
gesprochen wird, sind von Colonel Wilkes in seinen ,, Historical 
sketches of tlie South oflndia“ folgendermassen angegeben: Die 
Sprachgrenze beginnt im Norden in der Nähe der Stadt Beder, 
18° 45' nördl. Br., etwa 60 engl. Meilen nordwestl. von Hyderabad; 
von da gegen Siidosten zieht sie sich in einer Wellenlinie, wel¬ 
che die Stadt Adoni (Adivani) beinahe berührt, westlich von der 
Festung Guty bis in die Nähe von Anantasucra, geht von da weiter 
durch die Festung Nandidurga, berührt die östlichen Gliatgebirge 
und folgt ihrem Lauf südwärts bis zu dem Pass von Gajjalhatti, 
läuft sodann durch das Querthal in der Nähe der Städte Coim- 
batoor und Palghat, 'von dort streicht sie nordwestlich, entlang 
den Gipfeln der steilen westlichen Gliatgebirge bis beinahe zu 
den Quellen des Krischna-Flusses; sodann wendet sie sich östlich 
und später nordöstlich, bis sie in der Nähe der obgenannten Stadt 
Beder in einem ziemlich spitzigen Winkel endigt. (Vergl. auch 
Ritter IV, 2. S. 376.) 

§. 2. Diese Grenzbestimmung ist ohne Zweifel im Allgemeinen 
richtig; nur muss hinzugefügt werden, dass innerhalb dieses Ge¬ 
biets die canaresische Sprache keineswegs ausschliesslich herrscht, 
sondern Mahratta vom Norden her, Telugu und Tamil vom Osten 
her, Malayajam vom Südwesten her, vielfältig und namentlich die 
drei ersteren über bedeutende Länderstrecken bin in dieses Sprach¬ 
gebiet eingreifen, während der Dekkhani- Dialekt des Hindostani, 
sowohl als allgemeine Sprache der Muhammedaner, als auch als 
Lingua franca der englischen Regierung und Armee, sich über 
dieses ganze Ländergebiet erstreckt. Auf der andern Seite hat 
das Canaresische in Folge der Eroberungen canaresischer Könige 
und bedeutender Einwanderungen von canaresischen Brnhminen- 
Colonien die oben angegebenen Grenzen nach Westen überschritten 


1) Diesen Aufsaz schrieb Herr Missionar Wciffle, einer meiner ersten 
Schüler in Tübingen, ursprünglich zwar Tür eine deutsche Missionszeitschrift 
auf deren Wunsch: da er aber sodann für diese als zu wissenschaftlich ge¬ 
halten ungeeignet schien, so möchte er sich für eine eigentlich morgen- 
ländische Zeitschrift desto besser eignen. Ewald. 

II. Bd. 


17 



258 Weigle, Ueber can aresische Sprache und Literatur. 


und sich in dein jetzt Canara genannten Füstenlande so fest ge¬ 
setzt, dass es, als ziemlich allgemeine Sprache der gebildeten 
Klassen, für die Mission in diesem Landstriche ebenso bedeu¬ 
tend ist als die ursprüngliche Landessprache', das Tu]u. — 

§. 3. Der Name Canara oder vielmehr Cannada ist canare- 
sische Umbildung des alten Sanskritwortes: Carnata oder Carnataka, 
welche beiden Formen jedoch auch heutzutage noch im Canarc- 
sischen zulässig und gebräuchlich sind. Der Name: Piirvada Haie 
Canada *), welcher von Ritter pag. 381 erwähnt wird und auch 
sonst bisweilen in englischen Schriften auf eine Weise angeführt 
wird, dass man meinen könnte, er bezeichne etwas ganz Beson- 
deres, ist nur der canaresische Ausdruck für „ Allcanaresisch 

§. 4. Die canaresische Sprache ist auf’s engste verschwistert 
mit vier anderen Sprachen, welche sich nebst ihr in die Länder¬ 
gebiete von Südindien theilen. Diese sind: das Telugu, Tamil, 
Malayäjam und Tu]u. Zur allgemeinen Uebcrsicht mag es genügen, 
hier anzugeben, dass das Telugu von der Nordgrenze der Madras- 
Präsidentschaft bei Ganjant (19° nördl. Br.) bis in die Nähe 
von Madras, das Tamil von da bis zum Cap Comorin, das Ma¬ 
layäjam vom Cap Comorin bis zum Nilegwnra-Fluss (Nelisaram der 
Cartcn) unter 12° 10', das Tuju -von hier bis zum Bramhävara- 
Fluss unter 13° 30' an der Küste gesprochen wird, während, wie 
sich aus dem Obigen ergiebt, die eigentliche Heimath des Cana- 
resiseben auf dem zwischen dieser Küstenlinie befindlichen Hoch¬ 
lande ist. Diese fünf Sprachen zusammen sind bisweilen die Dek- 
khan-Sprachen (weil sie in dem Dekkban, d. i. der südlichen Halbinsel 
Indiens', ihre Heimath haben), oder auch die Drävida- Sprachen 
genannt worden. Die Mahratta-Sprache, welche Ritter pag. 377 
statt des Tuju zu diesem Spraclistamme zählt, hat nichts mit dem¬ 
selben gemein als etwa einzelne Wörter und ist unzweifelhaft 
Sanskritischen Ursprungs, worüber wir der Kürze wegen auf 
Lassens Prakrit - Grammatik pag. 41 u. s. w. verweisen. 

§. 5. Die fünf obengenannten Sprachen stehen im Süden In¬ 
diens als ein ganz eigenthümliclier, ursprünglich selbstständiger 
Sprachstamm da. Es gibt ohne Zweifel in allen Gegenden Indiens, 
namentlich in den von dem Weltverkehr und auch von dem Ein¬ 
fluss der Bewohner des Indischen Thallandes und insbesondere 
der Brahminen abgeschlossenen Wald- und Gebirgsläudern, noch 
zahlreiche Stämme, welche — wenigstens unter sich — Sprachen 
reden, die diesen südlichen oder Dekkhan-Sprachen auf’s innigste 
verwandt sind. Man hat zwar von den Sprachen dieser gemeinig¬ 
lich verachteten, sehr wenig civilisirten und eben desswegen auch 
wenig erforschten Stämme bis jetzt nur wenige Proben, aber auch 
diese genügen, um die Verwandtschaft alles dessen, was bisher 


1) Parvada ist wohl hur durch ein Versehen statt „Pdrvada“ geschrie- 
ben oder gedruckt worden. 



Weigle, lieber canaremche Sprache und Literatur. 259 


bekannt gemacht worden ist, mit dem südindischen Wurzel- und 
Formenschatze auf’s unverkennbarste festzustellen. Schon inner¬ 
halb des Gebietes der fünf dravidischen Hauptsprachen finden sich 
zahlreiche mehr oder weniger isolirte Stämme, meist die Gebirge 
bewohnend, welche ihre eigenen Dialekte reden, die aber alle 
der einen oder anderen dieser Hauptsprachen mehr oder weniger 
nahe stehen; so im Tulu-Lande die Koraga’s und Malekudia’s; auf 
den Höhen der Ghat’s in einem kleinen isolirten Gebirgslande 
die Kodaga’s (gemeiniglich „Kurg“ genannt), die bis vor Kur¬ 
zem noch ein eigenes Reich unter einem selbstständigen Könige 
bildeten; andere werden in den Anemale-Gebirgen und bis gegen 
Cap Comorin hin erwähnt *), und mehrere andere wohnen an 
und auf den Neilgherrygebirge. Auch die Toda’s sprechen un¬ 
streitig eine den Dravida-Sprachen verwandte Sprache, wie sich 
daraus am deutlichsten ergicbt, dass sogar ihre Weiber und Kin¬ 
der, wenn in canaresischer Sprache an geredet, in der Regel das Ge¬ 
sagte verstehen. Nur scheint ihre Sprache allerdings von der cana- 
resischen Schriftsprache sich weiter zu entfernen als die meisten 
anderen Sprachen der .Iierg- und Waldvölker. Bei weitem die 
bedeutendste aber dieser bis jetzt unerforschten Sprachen ist die 
des Lundes Gundwäna, und es scheint, dass von dort sich ein fast 
ununterbrochener Bevölkerungsstrich über das Plateau von Ama- 
rakantaka in nordöstlicher Richtung bis zu den Bergen liinziebt, 
welche in der Nähe von Rajahmahal an den Ganges stossen; denn 
auch von dorther hat man kleine Wörtersammlungen, welche die 
Verwandtschaft dortiger Gebirgssprachen mit den fünf südindischen 
deutlich beweisen. Auf der andern Seite ziehen sich ähnliche 
Gebirgsstäinme von den Quellen des Krischna, entlang den west¬ 
lichen Ghats, und nördlich von denselben bis zum Berg Abu hinauf; 
und hätte ein ebenso scharfsichtiger Beobachter als der uner¬ 
müdliche Missionar Dr. Wilson, dem wir die Nachrichten über 
diese Stämme verdankeu, weiter im Norden in Rajputäna ethno¬ 
graphische Untersuchungen angestellt, so würden wir auch dorther 
wohl ähnliche Resultate haben. 

§. 6. Die Sprachen Nordindiens haben, trotz der überwiegen¬ 
den Menge von Sanskritwörtern, die sich in ihrem Sprachschätze 
befinden, dennoch so Manches aus dem Dravida-Wurzelschatze 
erborgt oder bewahrt, dass es uns nicht über die Maassen wundern 
kann, wenu manche treffliche Engländer, die von Lassen so gründ¬ 
lich nachgewiesene Entstehung der grammatischen Formen des 
Hindostani, Bengali und Mabratta aus dem Sanskrit durch Ver¬ 
mittlung des Prakrit übersehend, auf die abenteuerliche Idee ge- 
rietben, die Volkssprachen von ganz Indien gehörten zu Einem 
Stamme und das Sanskrit scy eine mit Hülfe der modernen Spra¬ 
chen von den Brahminen gemachte Sprache. 


1) Ritter IV, 1. pag. 761. • 


17 



260 Weigle, Veber canaresische Sprache und Literatur. 


§. 7. Wir ziehen aus dem bisher Gesagten den Schluss, dass 
in uralter Zeit Sprachen und Völker dravidischen Stammes über 
ganz Indien oder doch den grössten Theil desselben — (denn der 
Osten und Norden mag immerhin unter indochinesischen und tübe- 
tanisclien Einflüssen gestanden haben, während das Industhal allen 
Spuren nach in hohem Alterthum von iranischen Stämmen bevölkert 
war) —• sich angesiedelt hatten; und dass bei der Einwanderung 
des Sanskrit redenden Volkes die Sprache und Cultur des letzteren 
in ähnlicher Stärke und Weise auf die Ureinwohner wirkte, wie 
in geschichtlichen Zeiten die römische Sprache und Cultur’auf die 
Ureinwohner Frankreichs und Spaniens gewirkt hat, während im 
Süden von Indien der Einfluss des Brahmanenthums weder in gleich 
frühen Zeiten, noch, wie es scheint, mit gleicher Stetigkeit und 
gleich überwältigender Kraft sich geltend gemacht hat. Begeben 
wir uns von diesen ziemlich sicheren Schlüssen, welche wohl mit 
einer Beweisführung unterstützt werden könnten, wenn hier der 
Ort dazu wäre, auf das Gebiet der Hypothese, so möchte es 
scheinen, dass die eben besprochene vorsanskritische Bevölkerung 
Indiens nicht über die Gebirge in den Norden, sondern über das Meer 
in den Süden eingewandert sey, woraus sich sodann die natürliche 
Folgerung ergäbe, dass sanskritische Civilisation und Sprache 
gerade im Süden, wo sie der Natur der Sache nach am spätesten 
und so zu sagen in den ungleichsten Wellenschlägen anlangte, 
das unsanskritische Volksthum in den grössten Massen und in der 
ungebrochensten Kraft antreffen musste, während ihr im Norden 
und besonders im Gangesthal wohl nur die äussersten, vielleicht 
bereits entarteten Vorposten desselben entgegengetreten wären. 
Diese Hypothese scheint noch dadurch Gewicht zu erhalten, dass 
die dravidischen Sprachen in dem weiten Gebiete asiatischer Lin¬ 
guistik nirgends, namentlich weder in dem sanskritisch-persischen, 
noch in dem tatarischen Spracbstamme '7 einen Anknüpfungspunkt 
finden; und der Versuch, das Brahuiki, eine Sprache Beludschi- 
stan’s, mit den Dekkhanischen Sprüchen zusammenzustellen 5 ), 
wird, nach Allem was wir von dieser seltsamen Sprache durch 
Lassen wissen, schwerlich gelingen. Ebensowenig aber haben die 
Dravida-Sprachen mit dem weiten Kreise der malayisch - polyne- 
sischen Sprachen, der uns von Humboldt’s Meisterhand geschildert 
worden ist, zu tliun'; ja, nicht einmal mit der Sprache Ceylon’s 


1) Mündlichen Mittheilungen zufolge ist die Ansicht, dass unsre Sprachen 
dom tatarischen Stamme verwandt seien, bei denen, die überhaupt über die 
Sache gedacht haben, ziemlich verbreitet; '— aber nichts desto weniger muss 
ich (so weit ich durch Schotts Abhandlung über die tatarischen Sprachen in 
den Stand gesetzt bin hierüber zu urtheilen) meine Stimme entschieden gegen 
diese Ansicht abgeben. 

2) Lassen in der Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes V, 2. 
pag. 403. 



Weigle, Ueber canaresische Sprache und Literatur. 261 

(welche übrigens ihre Schrift aus Südindien erhalten zu haben 
scheint), noch auch mit der unzweifelhaft dem malayischen Sprach- 
stamme augehörigen Sprache der Lakadiven und Malediven, von 
der wir kürzlich dupeh Lieutenant Christopher eine schätzbare 
Wörtersammlung erhalten haben. Bei dieser Isolirtheit der Dek- 
khan - Sprachen macht der Verfasser dieses Aufsatzes keinen Hehl 
daraus, dass er mit besonderem Interesse auf den Fortgang sprach¬ 
licher Entdeckungen in Ostafrika hinblickt, und vermutbet, dass 
es vielleicht einer nahen Zukunft Vorbehalten sein möchte, urälteste 
Verbindungen zwischen jener Küste und der ihr gegenüber lie¬ 
genden des westlichen Iudiens nachzuweisen. Ist es doch eine 
unzweifelhafte Thatsache, dass mit der Zunahme europäischer 
Schifffahrt in den indischen Meeren die Schifffahrt der Eingebornen 
und die auf derselben beruhenden eigentümlichen Völkerverbin¬ 
dungen in steter Abnahme begriffen sind, wie man auch an dem 
gänzlichen Erlöschen des chinesischen Verkehrs mit Indien sieht *). 

§. 8. Ehe wir nun auf eine Betrachtung der canaresischen 
Sprache im Einzelnen eingehen, mag es uns noch vergönnt sein, 
jede der vier andern verwandten Hauptsprachen mit ein paar Wor¬ 
ten zu charakterisiren. Das Tamil ist in seiner Grammatik und 
in seinem Wortschätze sehr reich und eigentümlich, und eine künf¬ 
tige vergleichende Grammatik des gesummten Spraclistammcs wird 
wohl in den meisten Fällen das Wesen der Formen-und die wahre 
Geltung und gegenseitige Verwandtschaft der Buchstaben aus dem 
Tamil zu erkennen haben. — Das Telugu ist schon lange als eine 
besonders wohllautende Sprache, als das Italienische von Indien 
gerühmt worden; die Literatur desselben ist auch besonders reich 
an leichteren, lieblichen Dichtungen; die Sprache seihst ist in 
ihrer grammatischen Entwicklung einen sehr eigentümlichen, oft 
kühnen Weg gegangen, namentlich durch häufige Verschmelzung 
von zwei kurzen Sylben iij eine lange, und durch eine Vokal-Assi¬ 
milation, welche an das Altdeutsche erinnert, — aber auch dem 
Einfluss des Sanskrit in Beziehung auf ihren Wortschatz vielleicht 
mehr als irgend eine andere unterlegen. — Das Malayäjam ist 
(wie es scheint, erst in ziemlich neuer Zeit) seiner Verbalflexion 
verlustig gegangen. Es steht zwar dem Tamil im Ganzen sehr 
nahe, unterscheidet sich aber von ihm sowohl durch die total 
verschiedene, bis zum Zerfliessen weiche Aussprache, als auch 
durch den weit häufigeren, mit der hohen Bildungsstufe des Volks 
zusammenhängenden Gebrauch des Sanskrit. — Das Tuju besitzt 
— ausser wenigen heidnisch-religiösen Gedichten, die von den 
wenigsten und merkwürdigerweise nur von Leuten der niedrigsten 
Classe verstanden werden — keine Literatur; es ist sehr alterthüm- 
lich und weniger ausgebildet, vielleicht auch weniger reich als 
die andern. 


1) Vergl. Ritter IN', 1. pag. 592. 



262 Weigle, Heber eanaresische Sprache und Literatur. 

§. 9. Wenn wir nun zu einer nähern Betrachtung des Cana- 
resischen iin Besonderen übergehen, so zie'ht'zuerst dessen Schrift 
unsere Aufmerksamkeit auf sich. Dieselbe bietet, wie man sich 
auf den ersten Blick überzeugen kann, die gesummte Buchstaben¬ 
reihe des Sanskrit-Alphabets in gleicher Zahl und Ordnung dar; 
und es ist also von vorn herein klar, dass wenigstens das Schrift- 
System , so eigenthümlich und künstlerisch vollendet wie es ist, 
von sanskritischen Stämmen erborgt ist. (Das Gleiche gilt auch 
von den Alphabeten des Telugu und Malayajam.) Aber auch die 
Schriftseichen tragen, besonders in ihrer altertümlichen Gestalt, 
wie sie auf Inschriften gefunden werden, unverkennbare Spuren 
eines Ursprungs aus dein Devanägari. Mehrere der bekannt ge¬ 
wordenen älteren Sanskrit-Alphabete haben ziemliche Aehnlichkeit 
mit den Zügen des Canaresischen; aber noch mehr als diese alten 
Alphabete sind etliche noch jetzt in Centralindien übrige Schrift¬ 
arten der canaresischen verwandt; so die von Kaufleuten, deren 
Heiinath, wenn ich nicht irre, Malta ist, gebrauchte und nament¬ 
lich die Currentschrift des Mahratta. (Auch die Orissa-Schrift 
scheint nach den wenigen Proben, die der Verfasser gesehen hat, 
zu derselben Classe zu gehören.) Die Veränderung, welche mit 
den Gestalten der Sanskrit-Buchstaben vorgegangen ist, lässt sich 
im Allgemeinen dadurch erklären, dass man (wie auch wenigstens 
heut zu Tage heim Schreiben des Devanägari selbst geschieht) 
unten beim Kern des Buchstaben angefangen und dann im Cana¬ 
resischen den Seitenstrich und oberen Querstrich der Sanskrit- 
Buchstaben in eine die meisten Buchstaben dachförmig bedeckende 
gekrümmte Linie verwandelt hat. Auch die Vokalisation des Ca¬ 
naresischen lässt sich leicht auf die ältere sanskritische zurück¬ 
führen. Ebenso die Zahlzeichen. Dieses Schriftsystem beurkundet 
jedoch seinen fremden Ursprung hauptsächlich dadurch, dass manche 
der Laute für das eigentlich Canaresische durchaus nie und andere 
kaum je gebraucht werden. So namentlich die dem Sanskrit eigen- 
thüinlichen ri- und lri-Laute und das Visarga. Dagegen hat das 
Canaresische ein dem Sanskrit bekanntlich fremdes kurzes e und o 
in sein Lautsystem aufgenommen. Auch in der Consouantenreihe 
weist die canaresische Sprache alle Aspiraten, so wie die Zisch¬ 
laute und das A, als ihr ursprünglich fremd, von sich, obgleich 
dieselben in der neueren Sprache, wenigstens tbeilweise, sich 
auch in acht canaresischen Wörtern festgesetzt haben. Aber auch 
unter die Consonanten des Devanägari-Lautsystems hatte das Alt- 
canaresische wenigstens zwei oder vielleicht mehr ihm eigen- 
thümliche Laute und Zeichen eingeschoben; diese waren ein un¬ 
gemein weiches uud ein besonders hartes und schnarrendes r; das 
letztere verdoppelt bezeichnete einen eigenthümlichen Mischlaut 
zwischen l und r; und auf ein n folgend, eine Lautgruppe, die 
sich nur annähernd durch ndr ausdrücken lässt. Die Cerebral- 
laute des Devanägari dagegen sind so völlig einheimisch im 



Weigle, Lieber canaresische Sprache und Literatur, 263 

Canaresisclien und den andern Dekkhan-Sprachen, dass man. fast 
auf den Gedanken kommen könnte, ob nickt ihr sparsames Er¬ 
scheinen im Sanskrit und ihr Verschwinden in den dein Sanskrit 
verwandten westliche/i Sprachen daraufhindeuten möchte, dass die¬ 
selben erst auf indischem Boden und durch dravidische Einflüsse 
in das Sanskrit eiugedrungen seyen. 

§. 10. Die bisherigen Bemerkungen zeigen, dass zwischen 
dem vom Sanskrit erborgten Schriftsystem und den ursprünglich 
canaresisclien Lautsystem eine in der neueren Sprache ullmälig 
verschwindende Incongrucnz obwaltet; darum ist es für künftige 
Sprachforschungen um so wichtiger, zu bemerken, dass wir das 
alte und ächte Dravida-Alphabet noch in zwei Gestalten, in dem 
noch immer gebräuchlichen Tamil-Alphabet (über welches mein 
verehrter Lehrer Ewald *), obwohl in grosser Kürze, doch mit 
gewohntem Scharfblick einige höchst richtige Bemerkungen ge¬ 
geben hat) und in dem eben jetzt allmälig aus dem Gebrauch ver¬ 
schwindenden alten Malaydlam-Alphabet, besitzen. Aus diesen 
Alphabeten ergeben sich denn auch die ursprünglichen Lautver- 
hältuisse der Dravida-Sprachen und des Canaresisclien insbeson¬ 
dere mit der grössten Klarheit und Einfachheit. Fiir den gegen¬ 
wärtigen Zweck genüge es, zu bemerken, dass die Consonanten- 
reilie dieses Alphabets nur aus 18 Buchstaben besteht, von denen 
12 , je eine Tenuis und ein Nasa), nach Art der Varga des 
Devanagari, sechs Classen bilden. Fünf derselben sind identisch 
mit den fünf Varga’s des sanskritischen Lautsystems; die sechste, 
bestehend aus dem schnarrenden r und dessen Nasal,' steht zwischen 
den lingualen und dentalen Lauten und könnte nach dem Theile 
des Mundes, in welchem dieselbe geformt wird, mit dem Namen 
der Alveolar-Classe bezeichnet werden. Die sechs übrigen Con- 
sonanten sind die liquidae: y, r, l, v, das linguale l, welches 
wenigstens in dem modernen Sanskrit fast müssig in dem Alpha¬ 
bete figurirt, und das oben erwähnte weiche r. (Dieses letzte 
ist der Endbuchstabe des Wortes Tamil, woraus sich die ver¬ 
schiedenen Schreibweisen dieses Wortes in europäischen Schriften 
erklären.) Uebcr die Art, auf welche dieses einfache Alphabet 
durch Erweichung der Stuinmlaute erweitert wird, hat bereits 
Ewald (a. a. 0.) das Nöthige gesagt. 

§. 11. Das Canaresische, sowie das Sanskrit, betrachtet den 
Satz als ein W r ortganzes und lässt dcsshalb an dem Ende der 
einzelnen Worte gewisse wobllautliche Veränderungen eintreten, 
welche im Sanskrit unter dem Namen der Sandhi-Regeln bekannt 
sind. Diese Veränderungen finden sich auch in der Vcrbalflexion 
und Wortzusammensetzung wieder vor. Doch ist es wichtig, zu 
bemerken, dass auch in diesem Punkte die totale Verschiedenheit 


1) Zeitschrift f. <\. li. i. M., Band II, png. 320. 



264 Weigle, lieber canaresische Sprache und Literatur. 

der dravidisclien von der Sanskrit-Sprache,sich darin zu erkennen 
giebt, dass, während die letztere hauptsächlich durch Verschmelzung 
zusammentreffender Vokale ihrem Wohllautsgefühle genügt, die 
dravidisclien Sprachen nie zu diesem Mittel, Sondern entweder zur 
Elision des ersten Vokals, oder zur Epenthese eines Halbvokals 
ihre Zuflucht nehmen. Uebrigens ist diese Feinheit des Sprach¬ 
gefühls in dem modernen Dialekte im Verschwinden begriffen und 
fast ganz auf den Fluss der mündlichen Rede beschränkt. Auf 
der andern Seite hat sich der moderne Dialekt in einem nach¬ 
klingenden e und u, auch bisweilen i, mit welchem er alle con- 
sonantisch auslautenden Wörter und Formen der alten Sprache 
verziert, eine keineswegs beneidenswerthe Last aufgeladen. Ein 
wunderlicher Irrthum ist es freilich, wenn man, wie sogar der 
selige Rlienius, jene Lautgesetze für eine Erfindung der firuh- 
minen hält, die dazu gedient haben soll, die Schriftsprache dem 
gemeinen Mann unverständlich zu machen '), da ja gerade in der 
Feinheit des Sprachorgans und Ohrs und nicht in dem stummen 
Buchstaben der Schrift diese Dinge ihre lebendige und sinnige 
Begründung haben; aber es ist nichtsdestoweniger eine That- 
sache, dass in der jetzigen Sprache die Lautgesetze ihre Bedeu¬ 
tung fast ganz verloren haben und desswegen auch billig in der 
schriftlichen Composition nur so weit, als sie überhaupt noch vom 
Volke gekannt und gefühlt werden, beobachtet werden- können. 

§. 12. Der Wurzelschatz unserer Sprache ist noch zu wenig 
gesichtet, als dass inan auf eine genügende Weise über denselben 
im Allgemeinen sprechen kö'nnte. Es giebt Verbalwurzeln von 
einer, zwei und drei Sylben. Die letzteren jedoch möchten sich 
wohl immer auf einfachere zurückführen lassen. Manche sind 
zugleich Hauptwörter oder werden es durch eine sehr geringe 
Veränderung. Die meisten Partikeln geben noch ihren Ursprung 
aus wurzelhaften, einfachen Noininibus mehr oder minder deutlich 
zu erkennen. — Das Sanskrit, dem unsere Sprache vielleicht eine 
volle Hälfte ihres gegenwärtigen Wortschatzes verdankt, scheint 
zu verschiedenen Zeiten auf verschiedene Weise Eingang gefunden 
zu haben. Im Altcanaresischen finden sich wohl eben so viele 
Sanskrit-Wörter als in der jetzigen Sprache; aber dort sind die 
meisten nach den Gesetzen des Dravida-Lautsystems verwandelt und 
bisweilen fast bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Sanskrit-Wörter in 
dieser Gestalt werden von den einheimischen Grammatikern Tad- 
bhava-Wörter genannt. Es braucht kaum bemerkt zu werden, 
dass die Verwandlungsgesetze dieser Wörter nicht selten ein er¬ 
wünschtes Licht von den Lautgesetzen des Prakrit empfangen 
und wiederum auf dieselben zurückwerfen. Manche dieser in die 
alte Sprache aufgenommenen Wörter sind in der jetzigen unbe- 


1) Tamil-Grainmar png. 3lj. nuta. 



Weigle, Ueber canaresische Sprache und Literatur. 265 

kannt; etliche existiren, neben der reinen Sanskrit-Form mit einer 
anderen Bedeutung (z. B. liabba, pabba mit der Bedeutung „ Fest“ 
neben dem rein - sanskritischen Wort parva mit der Bedeutung „Ab¬ 
schnitt eines Buches“). Eine spätere Fluth sanskritischer Wörter 
scheint sich erst in neuerer Zeit (vielleicht gleichzeitig mit den 
Wanderungen der durch muhainmedanische Eroberungen, ja auf der 
Westküste sogar erst durch die Portugiesen in den Süden gedrängten 
nördlichen Braiiminen) über das Canaresische ergossen zu haben; 
und diese sind meist, mit Ausnabme der grammatischen Endungen, 
ganz unverändert der Sprache einverleiht worden. Diese Wörter- 
classe wird mit dem Namen „Tatsama“ bezeichnet. Das Gefühl, 
dass diese Wörter fremd sind, ist bei allen Gebildeten noch sehr 
stark, weniger so in den Tadbhava-Wörtern; doch würde es 
wohl an’s Unmögliche grenzen, mit Vermeidung der Fremdwörter 
dieser beiden Classen irgend etwas zu schreiben oder zu spre¬ 
chen, und ein solcher Versuch würde jedenfalls eher von der Ge¬ 
meinverständlichkeit ab, als derselben entgegen führen. Ein Anderes 
ist freilich die Einführung völlig neuer Sanskrit-Wörter für biblisch- 
christliche Ideen. Die canaresische Sprache hat das unbezweifelte 
Recht, das Sanskrit als eine Schatzkammer neuer Wörter zu be¬ 
nützen, wie die deutsche das Lateinische und Griechische, oder 
— um ein besseres Beispiel zu wählen — wie die türkische das 
Persische und Arabische. Nur muss hiebei auf die Popularität 
oder vielmehr auf die Erkennbarkeit und Anknüpfharkeit des neu 
einzuführenden Wortes an früher bekannte Rücksicht genommen 
werden, wenn man nicht abstrus schreiben will. — Ausser dem 
Sanskrit und dessen Tochtersprachen hat auch der arabisch-per¬ 
sische Wortschatz des Hindostani (in welchen sich sogar einiges 
Mongolische von der Zeit der Delhi-Kaiser verirrt hat) seine 
reichlichen Beiträge zu dem gegenwärtigen Canaresischen ge¬ 
liefert; aber, obgleich der falsche Geschmack der Beamten und son¬ 
stiger hochgestellter Eingeborenen dahin geht, ihre Sprache so 
reichlich mit hindostanischen Fremdwöitern zu durchwürzen, als 
es in unserer deutschen Muttersprache in, Gott Lob, längst 
vergangenen Zeiten mit dem Französischen der Fall war, und 
obgleich alle Regierungsschriften von hindostanischen Phrasen 
wimmeln , so sind doch alle hindostanischen Wörter so durchaus 
geschieden von dem eigentlich canaresischen Sprachschatz, dass 
sogar der gemeine Mann sich immer bewusst ist, ein seiner Mut¬ 
tersprache fremdes Wort zu gebrauchen, wenn er sich eines Hin¬ 
dostani-Wortes bedient, und das Gefühl, dass diese Wortclasse 
von rein canaresischer Composition fern zu halten sey, ist 
auch bei anderweitig nicht fein gebildeten Eingeborenen sehr 
stark. — 

§. 13. Was das Nomen betrifft, so sind zusammengesetzte 
Hauptwörter iu dem dravidiseben Theile des canaresischen Sprach¬ 
schatzes verhältnissmässig selten. Die ältere Sprache ist an solchen, 



266 Weiyle, Heber canaresische Sprache und Literatur. 

die, nach Analogie sanskritischer Wörter, hauptsächlich zum ße- 
hufe poetischer Ausschmückung gebildet sind, viel reicher. So 
z. B. ist dävuregannu die genaue Uchersetzung des sanskritischen 
kamalaldcana (lotosaugig). Die Adjectiva cagaresischen Ursprungs 
können entweder flexionslos vor dem Hauptworte, dessen Bestim¬ 
mung sie enthalten, stehen, (und diess hat den englischen Gram¬ 
matikern unserer südlichen Sprachen die Veranlassung gegeben, 
dieselben „nouns of quality“ zu nennen), oder aber, wenn sie 
flectirt werden sollen, so verbinden sie sich mit dem Pronomen der 
dritten Person auf eine .Weise, welche an die starke Flexion deut¬ 
scher Adjectiva erinnert und haben dann substantivische Geltung. 
Die Sprache hat drei Geschlechter, aber Ewalds schöne Bemerkung 
über das Tamil am angeführen Orte pag. 322 bestätigt sich auch 
im Canaresisclien: die Hauptscheidung ist zwischen dem Mensch¬ 
lichen und Aussermenschlichen. Das Letztere ist durchaus neutral. 
Im Gebiete des Menschlichen scheidet sich sodann das männliche 
und weibliche Geschlecht. — Das Canaresische kennt nur zwei 
Zahlen in der Flexion; und die Mehrzahl hat zwei Formen, deren 
eine dem männlichen und weiblichen, die andere dem sächlichen 
oder — um das obige Wort heizuhehalten -- aussermenschlichen 
Geschlecht eigenthümlich zukommt. Zu diesen gesellt sich noch 
eine dritte Pluralform, die ausschliesslich hei den Verwandtschafts¬ 
wörtern gebraucht wird und wohl ursprünglich eine ehrende Par¬ 
tikel einschloss, obwohl dieselbe nicht mehr zu erkennen ist. 
(Die erste Form ist ar, die zweite gal, die dritte andir.) 

Der Einfluss der Sanskrit-Grammatik hat schon in früher Zeit 
die Aufstellung von acht Casus zur Folge gehabt ; aber mehrere 
derselben sind nur lose angehängte Partikeln, und es unterliegt 
keinem Zweifel, dass die ganze Declination sich auf einen Casus 
rectus und obliquus zurückführen lässt; die Natur dieser Casus¬ 
formen erhellt aus dem Umstande, dass häufig auch eine an die 
andere angeheftet werden kann, so z. B. maneyellinda, ein In¬ 
strumentalis des Locativus — von in dem Haus. Die alte Sprache 
ist reicher an solchen Casus - Partikeln, die, wie zu erwarten, 
verschiedene feinere Nüauccn von Bedeutung haben, so dass man 
leicht auch noch mehrere Casus nufstellen könnte, wenn es nicht 
zweckmässiger wäre, auch die jetzt angenommenen vielmehr in 
ihrer Lostrennbarkeit zu betrachten und darzustcllen. Der Dativ 
in allen dravidiseken Sprachen ist ku oder ke; aber der Ursprung 
desselben ist nicht klarer, als der gleichen Form in den sanskri¬ 
tischen Tochtersprachen, über weiche Lassen l ) eine sinnreiche 
Vermuthung aufgcstcllt hat. 

§. 14, Das canaresische Pronomen ist besonders einfach und 
doch vollständig. Die persönlichen Fürwörter der ersten und 


1) Prakrit-Grammatik pag. 54. 



Weiyle, lieber vanaresische Sprache und Literatur. 267 

zweiten Person sind: ndn (ältere Formen: ydn, yen) und ntn (nt 
und i), welchen sich’ das reciproke Fürwort tan (selbst) beigesellt. 
Der oblique Casus ist hier besonders deutlich, und wird durch 
innerliche Verkürzung gebildet, was sonst nirgends mehr der Fall 
ist. Also: min, »In, hin. Auch die Mehrzahl dieser Wörter bildet 
sich auf eine besondere und bemerkenswerthe Weise: ndm und tdm 
(niin ist dem Schreiber dieses noch nie vorgekommen; es steht statt 
dessen nir oder ir mit der Pluralendung des Nomens.) Diess Alles 
im Altcauaresischen. Die neuen Formen dagegen sind einstimmig: 
ndvu, nivu, tdvu mit dem oben erwähnten nachklingenden u. 
Die zweite Reibe von Pronominalwörtern sind die Dcmonstrativa. 
ln diesen ist schon von Ewald a. a. 0. der wichtige Unterschied 
der Vokale a und i, deren ersterer auf das Entfernte, der 
zweite auf das Nahe hinweist, angedeutet worden, ln der That 
ist der Grundhestandthcil der hindeutenden Fürwörter nichts 
Anderes als gerade diese Vokale, welchen sodann nur die En¬ 
dungen zur Bezeichnung des Geschlechts und der Flexion ange¬ 
hängt werden. Ja, sogar die blossen Vokale werden, verlängert 
in d und i, in derselben Weise, wie das indeclinable Adjectivuin, 
den durch sie zu bezeichnenden Substantiven vorgesetzt. Aber 
ausser diesen beiden Vokalen gab es in der alten Sprache noch 
einen dritten, die Mitte zwischen ihnen bezeichnenden, das n; 
neben avanu (jener) und ivanu (dieser) bestand auch ein uvanu, 
dessen Spuren sich noch bis in die neueren Zeiten herabziehen, 
besonders in. der Verbalbildung. Zu dieser Trias von Vokalen 
mit pronominaler Geltung gesellt sich endlich noch ein Halbvokal, 
das ya, welches alle fragenden Fürwörter bildet; dieses ist übri¬ 
gens nicht so beständig als die andern, sondern geht besonders 
im älteren Dialekt in d und c über. Wie nun aus diesem höchst 
einfachen Material eine Masse von pronominalen Verbindungen 
und namentlich auch Pronominal-Adverbien gebildet wird, kann 
hier nicht erörtert werden. Dagegen ist eine andere Erscheinung 
noch sehr bemerkenswerth;- nämlich das Eingreifen der allen, 
diesen Sprachen mehr oder weniger zukommenden Höflichkeits¬ 
formen in das Pronomen. Der Canarese redet nur zu seinen 
Untergebenen mit: du; sogar von sich selbst, wenn er irgend¬ 
wie sich für einen Mann von. Bedeutung anzusehen Grund hat, 
spricht er in der ersten Person der Mehrzahl. Gleichstehende 
werden mit: Ihr, Höhere mit Sie (der Mehrzahl des Reflexiv-Pro- 
nomen’s: tdc w) angeredet. Sogar jüngere Brüder sprechen von 
ihrem älteren Bruder, sollte er auch noch ein Knabe sein, kaum 
anders als in der 3. Person der Mehrzahl des Demonstrativ-Pro¬ 
nomens: avaru. Diese Höflichkeit hat in dem hindeutenden Für¬ 
worte eine besondere, mit dem Reflexiv-Pronomen zusammengesetzte 
Form hervorgerufen: „jenerErhabene und dieser Erhabene — dlanu 
und ilanu. Für das weibliche Geschlecht gilt eine ähnliche Form, die 



268 Weigle , lieber canaresische Sprache und Literatur. 

ohne Zweifel mit dem Worte für „ältere Schwester“ aklia zusammen¬ 
hängt, also: „diese ältere Schwester“ d. i. die'sc geehrte Frau: tke, 
jene — dke. (Es ist bemerkenswerth, dass die Tochtersprachen des 
Sanskrit, namentlich dass Mahratta und Hindostani, statt des bekann¬ 
ten bhavän, welches schon im Sanskrit einen Anfang dieser cere- 
moniellen Sprache bildet, sich eines höflichen dp, dpne bedienen, 
dessen Ursprung im Sanskritischen dtman „er selbst“ zu su¬ 
chen ist. 

§. 15. Das Zahlwort, dieses Criterium der Originalität einer 
Sprache, ist, wie sich erwarten lässt, in den Dravida-Sprachen 
völlig verschieden von denen anderer Sprachen. Die neutralen 
Wörter von eins bis zehn sind, wie folgt: ondu *), yeradu, mürv, 
nalku, eidu, dru, yclu, yentu, ombhatlu, hallu; von da bis 19 
wird 10 im Casus obliquus mit den einfachen Zahlen zusammen¬ 
gesetzt; 20 ist ippallu statt irhallu , welches aber nicht in den 
Casus obliquus tritt; sodann: müvaltu, ndlvatlu u. s. w. bis nüru 
— hundert. Tausend u. die höheren Potenzen sind vom Sanskrit 
entlehnt. Das Erstere lautet in der heutigen Sprache: sdvira; 
alt: sdsira, worin das sanskritische sahasra leicht zu erkennen 
ist. Die Zahl eins hat drei Geschlechter; die Zahlen 2—7 haben 
wenigstens eine Form für’s Lebendige neben dem Neutrum. Die 
Ordnungszahlen werden durch die Anhängungsylbe ne gebildet: 
ycradani, mürane etc. Modalane — der Erste— ist, wie das sans¬ 
kritische pralhama, von einer anderen Wurzel. Verdoppelung macht 
die' Zahlen distributiv: eideidu — je Fünf. Verschiedene Sub- 
stantiva sind in Gebrauch, um Zahladverbien zu bilden. Hier ist 
auch der Ort, das System der gebrochenen Zahlen, wie es in 
den dravidischen Sprachen sich findet, zu erwähnen. Es findet 
sich nämlich in diesen Sprachen ein, wie es scheint, in keiner 
nordindischen Sprache vorhandenenes Hruchsystem mit eigenen 
Hruchzahlzeichen, welches im Canaresischen die folgenden Brüche 
umfasst, y, (, -g-, ^* y s S - * Die Al orte sind: are 

(tadhhava aus arddlia) = d-; lcdlu (Fuss, ähnlich dem Gebrauche 
von päda im Sanskr.) = ; bete = ; Visa = arevisa = 

V; kdni = y r , T ; -arekani = T 4-g; gidgdni = T j- S -. Das Tamil 
theilt anders; es hat ausser Vierteln, Achteln und Sechzehnthei¬ 
len das Zwanzigstel unter dem Namen tnd zu einer Brucheinheit 
erhoben, und nennt also das Vierzigstel eine halbe md und das 
Fünftel vier md. Das Achzigstel ist sodann unter dem Namen 
kdni der vierte Theil des md, und das 320-Theil ist das Vier¬ 
theil des kdni mit dem Namen mundiri. Das Telugu nennt T -(-g 
— priya, geht dann fort zu welches sura heisst (-pfr s * nd 


1) Nicht ondu, wie Lassen (Zeitschrift f. d. K. d. M. V, 408) meint. 



Weigte, lieber canaresische Sprache und Lileralur. 269 

zwei sura) und scljliesst seine Bruchreihe mit Tn/g-y, welches 
gökara lidni genannt wird. Dieses Zahlsystem schliesst nutiirlich 
alle übrigen Brüche vom Gebrauch des gemeinen Volkes aus; 
und auch die Gelehnten, die mit älteren indischen mathematischen 
Werken bekannt sind, bedienen sich nur dieser Brüche, auf 
welche sie die in der Lösung ihrer Aufgaben vorkommenden an¬ 
deren Bruche mittelst einer Annäherungsrechnung zurückführen. 
Diese Besonderheit des dravidischen Zahlensystems, (welche auch 
einen Hauptabschnitt des altherkömmlichen einheimischen Schul¬ 
unterrichts bildet,) verdient noch genauere Untersuchung, als 
hr bisher zu Tbeil geworden ist. 

§. 16. Das Verbum tbeilt sich in zwei Conjugationen: die der 
Stämme auf u und die der Stämme, die sich auf i und e endigen. 
Beide weichen jedoch hauptsächlich nur darin von einander ab, 
dass die erstere ihre Endungen unmittelbar an den Stamm an¬ 
setzt, während die zweite häufig eines vermittelnden y bedarf, 
uin die Endungen anzubeften. Es sind drei Hauptzeiten; die ver¬ 
gangene und zukünftige mit kurzen Endungen, die gegenwärtige 
mit gedehnter Endung. Es ist eine schwierige Aufgabe, die 
zwischen Stamm- und Personen - Endung eintretenden, den Zeit¬ 
unterschied bedingenden Sylben in ihrer wahren Geltung zu er¬ 
kennen; innerhalb der Grenzen dieser Blätter kann nur gesagt 
werden, dass die Futur-Formen unserer Sprachen ein m, das im 
Neucanaresischen stets zum v wird, und die Formen der Ver¬ 
gangenheit entweder ein i (und dieses ist entschieden das ältere) 
oder ein l oder d (welches mit Recht an die schwache Conjugation 
im Deutschen und an eine ähnliche Erscheinung im Persischen 
erinnert) zum Charakterbuchstaben der Zeit haben. Dunkler in 
ihrem Ursprung ist die Sylbe, welche im Präsens zwischen Stamm 
und Endung tritt. Im Altcanaresischen ist es ein p, wie auch 
jetzt noch im Tuju; im Neucanaresischen dagegen ist eine räth- 
selhafte Sylbe ult eiugeschoben; im Tamil ist cs Uir und in dessen 
altem Dialekt kindr, in welcher letzteren Form sich wahrschein¬ 
lich das Wort nindr — ich stehe, befinde mich — verborgen hat. 
In Rücksicht auf die Bedeutung dieser drei Hauptzeiten ist zu 
bemerken, dass dieselbe viel schwebender ist, als die gewöhn¬ 
lichen Grammatiken durch die Namen: Präsens, Präteritum und 
Futurum zu verstehen geben. Wenn der Canarese sagen will: 
„ich komme eben jetzt“, so braucht er die Form der Vergangen¬ 
heit; um zu bezeichnen, dass er im Begriff sey zu kommen, be¬ 
dient er sich der Gegenwart; und um auszudrücken, dass er zu 
kommen pflege (oft gekommen sey und auch wohl wieder kommen 
werde) wählt er nicht selten das Futurum. — Zu diesen Haupt¬ 
zeiten gesellen sich noch zwei andere: ein zweites Futur von 
dem Particip der Vergangenheit mit den gedehnten Endungen der 
Gegenwart gebildet, welches die Möglichkeit und den Zweifel 



270 Weigle, lieber canaresische Sprache und Literatur. 

nusdrückt, nickt unähnlich dem Potentialis. d.es Sanskrit, und die 
diesen Sprachen eigene Verneinungsform aoristischer Natur, im 
Canaresischen mit kürzesten Endungen am Stamme selbst gebildet'). 
Endlich ein Imperativ, aber nur in der zweiten Person, obgleich, 
wie natürlich, die andern Personen von anderweitigen Formen 
gebildet werden und desshalb in der Grammatik aufgefdbrt sind. 

Auch das Verbum, wie das Nomen, hat nur zwei Zahlen; 
aber in der dritten Person der Einzahl Formen für alle drei Ge¬ 
schlechter und in der dritten der Mehrzahl abermals den Unterschied 
.des Menschlichen und Aussermenschlichen. Die Personenendungen 
sind, wie zu erwarten, auch in unserer Sprache den persönlichen 
Fürwö'rtern aufs innigste verwandt. 

Zur näheren Erläuterung dieses Punktes folgt hier eine Ta¬ 
belle der Verbalendungen mit den ihnen entsprechenden persön¬ 
lichen Fürwörtern: 


Einzahl. 



1 . 

2. 

masc. 

3. 

| fern. 

neutr. 

Pronomen." 

nanu (yän, 
yen) 

ni (i) 



adu 

Gedehnte Ver¬ 
bal -Endung 
des Präsens. 

Sne 


H 

äje 

ade 

Verkürzte des 
Prät., Futur, 
u. Negativ. 

enu 


H 

H 

ltu, Neg. 

ädu 

Gedehnte des 
zweiten Fut. 

önu 

mm 

n 

m 

itu 


1) Das Bengalische hat eine negative Form, die durch ein nachgesetztes 
nA, nAi ausgedrückt wird; das Mahratta kann auf ähnliche Weise nah ft — 
Plur. nuhti und nayd (wörtlich — es geht nicht) gebrauchen. Die Aufstel¬ 
lung dieser ganz äusserlich syntaktischen Bildungen in Gestalt von eigenen 
Paradigmen in den Grammatiken der eben genannten Sprachen zeugt wohl von 
einem Einfluss der Dravida-Sprachen, welcher ein Suchen nach derartigen 
Formen veranlasste. 





















Weiyle , Ueber canaresische Sprache und Literatur. 


271 


> ’Mclirzahl, 




I 2 1 3 - 

1 masc. und fern. 

ncutr. 

Pronomen. 

nävu | nivu 
(näm , cm)j (nir, ir) 

i ävaru 

avu 

Gedehnte Ver¬ 
bal - Endung 
des Präsens. 

eve 

iri 

are 

ftve 

Verkürzte des 
Prät., Futur, 
u. Negativ. 

evu 

iri 

Ncg-. äri 

äru 

ävu 

Gedehnte des 
zweiten Fut. 

evu 

iri 

äru 

avu 


Der Infinitiv und das Particrpium spielen in» Canaresisclien, um 
syntaktischer Verhältnisse willen, eine wichtige Rolle. Die Infinitiv¬ 
endung lautet ursprünglich al, was auf den ersten Blick an den 
Puschtu-Infinitiv erinnert, aber gewiss anderen Ursprungs ist. Man 
möchte verinuthen, dass dieser alte Infinitiv auf al, der jetzt nur 
noch in Verbal-Zusammensetzungen oder mit dem angehängten u als 
alu auftritt, ursprünglich identisch mit dem andern, jetzt gebräuch¬ 
licheren auf adu ist. Adu aber ist, wie oben erwähnt, das Neutrum 
des Pronomens der dritten Person, und so bedeutet mdd - alu 
ebensowohl als mdduv-adu geradezu „das Machen “. Beide In¬ 
finitive haben auch einen Dativ, welcher unserem deutschen Infinitiv 
mit zu entspricht. Es giebt aber auch noch eine dritte Inf.-Form, 
die noch mehr substantivisch als die andern ist und mit einem 
mir etymologisch dunkeln Suffix vana oder ana gebildet wird; 
höguvana oder zusammengezogen hdgdna bedeutet das Gehen. Der 
Canarese fragt: wann wird das Kommen zu meinem Ort sich er¬ 
eignen? wenn er hörlich sich erkundigen will, wann man kommen 
werde, und bedient sich hiebei dieser dritten Form. Auch eine 
Art von Cohortativ bildet diese Form. „Wir das Kommen“ heisst: 
lasst uns kommen. 

Der Participien sind drei: eines, das zwischen dem Präsens 
und Futurum schwebt, eines für die Vergangenheit, und eines für 
die negative Form. Aber diese drei Participien haben je eine 
absolut verbale und eine adjectivische Gestalt, welche in den 
Grammatiken der Eingebornen mit den Namen Kriyanyüna und 
^abdanyüna — Verbalparticip und Nominalparticip, bezeichnet wer¬ 
den. Natürlich steht das Erstere allein am Ende eines Satzes, 













272 Weigle, Uebc.r canaresische Sprache und Literatur. 

das zweite als Bestimmungswort bei einem Nomen oder auch 
nach Art der Adjective (vergl. §. 13.) mit dem Pronomen der 
dritten Person zusammengesetzt, und dann mit substantivischer 
Bedeutung. Das Participium der Vergangenheit zeigt allein im 
Canaresischen den oben erwähnten Unterschied zwischen der älteren 
und neueren Conjugationsform. Man vergleiche miidi — gemacht 
habend, mit nudi - du — gesagt habend. Im Tulu geht dieser Un¬ 
terschied noch durch die ganze Conjugation. Wir stellen die 
Participial-Formen hier noch übersichtlich zusammen:' 




Präsens. 

Präteritum. 

Negativ. 

■ 





£abda Nytina 


mäd-uva 

nudi-yuva 

madi - da 

nudi - da 

mäd-ada 

nudi -yada. 


Unter den secundärcn Verbalbildungen, welche hauptsächlich 
mit Hülfe der Wörter seyn und werden in ziemlichem Reichthum 
zu Stande kommen — (ein schlechter Geschmack der liingebornen 
sowohl, als auch mancher neuerdings in dieser Sprache schrei¬ 
bender Ausländer, hat mit Hülfe dieser Auxiliär-Verba Schnörkel 
hervorgebracht, die nur mit den im goldenen Zeitalter unseres 
deutschen Canzleistyls beliebt gewesenen verglichen werden können) 
— heben wir nur die Conditional-Form hervor, welche im Canare¬ 
sischen durch die Sylbe re (in der alten Sprache de) an dem 
Verbalparticip der Vergangenheit ausgedrückt wird. Das Tamil, 
welches überhaupt eine Wechselwirkung zwischen Verbal- und 
Nominal-Formen in älteren Zeiten in solchem Maasse geltend ge¬ 
macht hat, dass Beispiele von Deklination der Verbalpersonen eben 
sowohl, als von Conjugation der Nomina sich finden *), gebraucht 
für die Bedingungsform die Endung des Instrumentalis am Verbal¬ 
particip. Die verschiedenen Zeiten nnd Verhältnisse der Bedin¬ 
gungssätze können mit derselben Feinheit, wie im Griechischen, 
ausgedrücKt werden. 

Die sogenannten unregelmässigen Verba sind zum grössten 
Theil solche, in denen die Bildungssylben am Stamm oder dieser 
an jenen lautliche Veränderungen hervorrufen, die man, wenigstens 
in der neueren Sprache, sonst selten mehr gewahr wird; eben 
desswegen sind diese Verba auch in unserer Sprache, wie wohl 
in den meisten, die lehrreichsten und in Wahrheit regelmässigstcn. 


1) Rhenius Tamil - Grammar pag. 108. 











Weigle, lieber canaresische Sprache und Literatur. 273 

Unter den defectiven Tprbis finden sich, wie zu erwarten, einige 
der ältesten und für die gesammte Sprache wichtigsten. Wir 
fuhren von diesen nur die folgenden an: 1) für das Verbum sub- 
stantivum hat auch dieSeSprache, wie so vie'e andere, zwei Stämme: 
ir und ull, welches allerdings, wie manche andere Einzelnheilen, 
an die tatarischen Sprachen erinnert. (Im Türkischen sind bekannt¬ 
lich zwei Stämme, — der eine ist deutlich ul-ol; der andere im 
Präsens und Imperfectum hat wenigstens das i mit unsern Sprachen 
gemein; was seine eigentliche Gestalt sey, darüber muss ich mich 
unwissend bekennen. Das Mordwinische *) bat deutlich den Stamm 
ul, zu dem wohl auch die Formen ylän, ylät, yldädö gehören. — 
Jedoch scheint diese Aelmlichkeit durch die Bemerkung Schott’s 1 2 ), 
dass das türkische ol ursprünglich bol ist, wieder zerstört zu 
werden (vergl. die Formen bologad, bolbalsu, böliige u. s. w. in 
der Mändscliu-Mongolischen Grammatik 3 )). 2) Der Stamm für 
werden ist d (ägu); und von iru — seyn und ägu — werden, bil¬ 
den sich die beiden Negationen unserer Sprache, welche auch 
wirklich im Gebrauch den schönen Unterschied bewahren, dass 
illa (von iru) das Seyn überhaupt, — alla (von ägu) das Werden 
oder So-seyn verneint. Auch das Wort für ja (ahudu, liaudu) ist 
ein altes Futurum des Wortes für werden. 3) Hier ist noch zu 
erwähnen ein Wort, das „sagen“ bedeutet (annu, ennu, yennu) 
und das in verschiedenen Formen, namentlich im Infinitiv und in 
den Participien als Anführungswort, ähnlich dem sanskritischen Ui 
in syntaktischer Beziehung die wichtigsten Dienste leistet. — 

Eines Passivums ermangelt die Sprache. In vielen Fällen ist 
es acht canaresisch, statt desselben geradezu das Activum zu 
setzen, man sagt: „das ich gesagt habende Wort“ statt „das 
von mir gesagte Wort“; in andern Fällen ist es leicht, durch 
Aenderung des Subjects das Passivum zu vermeiden; in noch an¬ 
deren sind gewisse idiomatische Phrasen im Gebrauch, wie: „er 
isst Schläge “ statt „ er wird geschlagen “; in noch anderen end¬ 
lich bedient man sich etlicher Worte mit der Bedeutung „fallen 
und lassen “, um das Leidensverhältniss auszudrücken. „Er fällt 
in das Wählen“ heisst „er wird gewählt“; „er lässt Furcht“ heisst 
„er leidet Furcht“, was freilich nach dem gewöhnlichen Begriffe 
kein Passivum mehr ist. Moderne, namentlich englische Einflüsse, 
haben das Wort padu — fallen, als Passivform in grammatische 
Reihe und Glied gestellt und damit der Reinheit des canaresischen 
Ausdrucks in manchen Beziehungen Abbruch gethan. 

Eine mediale oder reciproke Bedeutung wird canaresischen 
Zeitwörtern durch die Anfügung des Zeitworts kollu an das Par- 


1) Zeitschrift f. d, K. d. M. Band II, pag. 262. 

2) Tatarische Sprachen pag. 79. 

3) Zeitschrift f. d. K. d. M. Band I, pag. 260 ff. 
II. Bd. 


18 



274 Wfiiglc., lieber canaresisrhe Sprache und Literatur. 

ticip der Vergangenheit mitgetheilt. Dieses,Wort bedeutet'eigcnt- 
lich „kaufen“; aber in dieser ungemein Läufigen-Verbindung hat 
es die Bedeutung, „Etwas mit Beziehung auf sich selbst thun“. 
So: nddu — scheu —, nddi liollu — sich untsehen. Eine ähnliche 
Verhalverbindung ist die mit dem Zeitworte „bidu“, welches „las¬ 
sen“ bedeutet, — hoga lieisst „gehen“; lu'uji bidu —- „es gehend 
lassen“ d. h. „davon gehen“; helu — „sagen“;— heli bidu - 
„Einem Etwas sagend lassen“, d. h. „es ihm definitiv sagen, 
ln dieser Weise können auch noch andere Modalitäten des Ver¬ 
bums auf dem Wege der Zusammensetzung genau und elegant 
ausgedrückt werden. 

Endlich ist noch die Causalform zu erwähnen. Dieselbe wird 
durch die Anheftung der Endung isu an den Stamm gebildet, 
z. B. kodu —- geben; — ltodisu — geben lassen. Diese Endung 
ist im alten Dialekt und in den verwandten Sprachen auch int, 
incu, cu, im Tamulischen ku; und findet sich auch an Zeitwörtern, 
bei denen kein CausalbegrifF mehr zu erkennen ist. Ausserdem 
hat diese Endung noch eine wichtige Function, indem mittelst 
ihrer die gesammtc Masse der Sanskritverba im Canarcsisclien 
conjugirbar gemacht wird. Diese Verba sind grösstentheils Deno- 
ininativa, und wo auch die Ableitung direct von einem sanskriti¬ 
schen Substantiv nicht nachweisbar wäre, so wurde dennoch der 
Umstand, dass das Wort als todter Stoff in die Sprache gekom¬ 
men ist, hinreichenden Grund abgeben, cs durch Denominativ- 
Bildung gleichsam lebendig zu machen, wie z. B. bhaj - isu von 
der Sanskrit-Wurzel bhaj — „verehren“; bhuj-isu von bhuj — 
geniessen, obwohl auch bhdgisu vorkommt, welches, wie natürlich, 
auf das Sanskrit-Substantiv bhuga zuriiekweist und somit wieder 
ein eigentliches Denoinioativum ist. 

Sogar einige hindostanische Wörter sind auf diese Weise zu 
canaresischen Verben geworden, doch nur sehr wenige; z. B. 
phermdisu von dem hindostanischen fermdna (persisch fermüdan ) 
befehlen, badaldisu von dem hindostanischen badaläna und dem 
arabisch-hebräischen badal ändern, und vulgär lagdisu von dem 
hindostanischen lagdna, berühren lassen. Die Einheit der Causal¬ 
und Denominativ-Form ist insofern heachtenswerth, als ja auch 
im Sanskrit diese beiden Formen nicht selten zusammenfallcn, und 
sogar (in der zehnten Classe der Sanskrit-Conjugation) Beispiele 
sich finden, in welchen die gleiche Bildungssylbe ohne erkennbare 
Modification der Bedeutung auftritt. 

§. 17. Sollen wir nun auch über die Syntax in der Kürze 
und Allgemeinheit, welcher wir uns bisher beflissen haben, noch 
Etwas sagen, so kann dies wohl kaum besser geschehen, als es 
in der übersichtlichen Einleitung des sei. Rhenius zu seiner Tamil- 
Syntax *) geschehen ist. Wir geben desswegen eine Uehersetzung 


1) O-irnmar pag. 117. 



Weigle, lieber canaresische Sprache und Literatur. 275 


der erwähnten Stelle,seines Werks. Es kann ohne Uebertreibung 
gesagt werden, dass die dem Europäer von Jugend auf ange¬ 
wöhnte Gedankenordnung einer völligen Umstellung bedarf, ehe 
er sich in das, denndck in sich auch schöne und ordnungsvolle 
Labyrinth eines dravidischen Satzes hineinfinden kann. Nur das 
Griechische hat eine ähnliche Verschlungenheit und eine ähnliche 
Gewandtheit im Gebrauch der Participien, und ist desslialb auch 
vor anderen Sprachen geeignet, eine canaresische Periode treu 
zu übertragen. 

Doch nun lassen wir Rhenius reden: „Das Subject steht immer 
„vor dem Verbum tinitum, welches letztere nothwendig das letzte 
„Wort im Satze ist. Alle anderen, von diesen Haupttheilen eines 
„Satzes abhängigen Wörter stehen vor denselben, und zwar in 
„der Ordnung, dass das wichtigste der abhängigen Wörter dem 
„Satzende am nächsten, und das unwichtigste am fernsten steht. 
„Das Adjectiv steht immer vor dem Substantiv; das Nomen vor 
„der dasselbe regierenden Participial-Form oder Präposition; das 
„Adverbinm vor dem Verbum; der Infinitiv vor dem Zeitwort, von 
„dem er abhängt; der negative Theil eines Satzes vor dem 
„positiven; in der Vergleichung stellt der Theil, welcher im Deut¬ 
schen mit „als“ dem Comparativ nachfolgt, vor dem, welcher 
„den Comparativ hat *). Das, womit eine Sache verglichen wird, 
„steht vor der verglichenen Sache; die Zahl vor dem Gezählten; 
„der Casus vor dem, wodurch er regiert wird; die Ursache vor der 
„Wirkung; der Schluss vor dem Grunde; die Absicht vor dem 
„Beabsichtigten und die Bedingung vor der Folge.“ 

Allgemein ausgedrückt: Alles Bestimmende steht vor dem Be¬ 
stimmten. 

Es ist hieraus leicht zu ersehen, welche totale Umstellung we¬ 
nigstens ein modern europäischer Satz in den dravidischen Sprachen 
erfahren muss. Nimmt man hiezu noch die charakteristische Nei¬ 
gung unserer Sprachen, so viele einzelne Sätze, als nur immer 
möglich, durch verschiedene Participial-Wendungen zu einer fast 
endlosen Periode zu verknüpfen, so hat man ein ziemlich treues Bild 
von den Grundverhältnissen dravidischer Syntax. An Partikeln sind 
Sprachen, welche Alles durch die Stellung der Worte, durch Par¬ 
ticipien und Casus an denselben ausdriieken, nothwendig arm; 
einfache Vokallaute, wie ein d zur Bezeichnung des Nachdrucks, 
welcher überdiess durch Betonung und Dehnung des Wortes sehr 
stark hervorgehoben werden kann; ein 6, d oder d für die Frage; 

•— wiederum ein d oder d für den Ausruf und ein ü für „und“ 
oder „auch“ (nebst einem deutenden das aber in seiner An- 


1) Es ist hier zu bemerken, dass die dravidischen Sprachen keine Com¬ 
parativ -Form haben, sondern sich auf ähnliche Weise hcITen, wie z. B. das 
Hebräische. 


18 



276 Weigle, lieber canaresische Sprache und Literatur. 

Wendung beschränkter ist) spielen wichtige,. Rollen in der Wort- 
und Satzbildung unserer Sprachen. 

Zum Ausdruck collectiver Begriffe besitzt das Canaresische 
eine Menge von sogenannten Paarwörtern oder Doppelwörlern, ähn¬ 
lich den deutschen: Haus und Hof, Haut und Haar, Stumpf und 
Stiel u. s. w. Die meisten derselben sind, wie im Deutschen, 
alliterirend und manches alte Wort ist fast nur in solchen Paar¬ 
verbindungen lebendig geblieben. Bemerkenswerth ist, dass, gleich¬ 
wie im Deutschen eine besondere Menge solcher Formen in der 
Rechtssprache stehen geblieben ist *), so auch im Canaresisclien 
einige vorinukammedanische Landesgesetze von denselben wahr¬ 
haft wimmeln. — Eine sonderbare Spielerei der Dravida-Sprachen 
ist es, dass solche Paarwörter aus irgend einem Substantivuu), 
um das zu demselben Gehörige, demselben Verwandte auszudrücken, 
geradezu durch Anheftung der Sylbe gi statt der ersten Sylbe 
des betreffenden Worts gebildet werden können. So sagt der 
Brähinine, er habe „sndna gtna“ zu machen, um das Baden und 
alle anderen Ceremonien zu bezeichnen. Andere Beispiele sind: 
„ntru ’giru“ — Wasser u. dgl., dla gila — Spiel und andere 
Belustigungen; mdtu gitu — Rede u. dgl.; arasu gtrasu — König 
und sonstige obrigkeitliche Personen. Auch im Deutschen würden 
wohl manche Paarwörter, deren eines sinnlos ist, aufzuweisen sein; 
ich erinnere mich nur des provinzialen „Rutz und Butz“, wo 
doch wohl für Rutz keine Bedeutung zu finden ist. Indessen haben 
die Dravida-Sprachen auf jeden Fall die Regelmässigkeiten der Bil¬ 
dung und die durchgreifende Anwendbarkeit derselben zu eigen. 
Kann ja sogar ein canaresiscker Koch sagen, er habe cake und 
gike zu machen, wenn er mit der Anfertigung der verschiedenen 
Bestandteile eines englischen dinner - desserts beauftragt ist. 
Uebrigens ist diese Wortbildung keineswegs blos vulgär, sondern 
erstreckt sich bis in die classischen Heldengedichte hinein, wo 
sie jedoch einen verächtlichen Nebenbegriff hat; z. B. im Jaimini: 
l manuschyaru ginuschyaru, diese (verächtlichen) Leute. 


§. 18. Die canaresische Literatur ist noch zu unvollständig 
gesammelt und zu wenig studirt (da die Missionarien, so bald 
sie der neueren Umgangssprache einigermaassen mächtig sind, 
gewöhnlich ihrer unmittelbaren Berufsarbeit alle Zeit und Kraft 
zuzuwenden haben), als dass mit irgend welcher Vollständigkeit 
und Sicherheit über dieselbe berichtet werden könnte. Es soll 
jedoch hier der Versuch gemacht werden, wenigstens das, was 
bis jetzt zu unserer Kenntniss gekommen ist, in Kürze zu be¬ 
schreiben, nicht ohne die Hoffnung, dass auch eine so mangel¬ 
hafte Literaturgeschichte, wie wir sie geben können, wenigstens 


1) Grimm’s deutsche Rechts - Alterthümcr pag. 6. 



Weigle, Heber canaresische Sprache und Literatur. 277 


den allscemeincn Eindruck hervorrufen werde, dass eine Literatur 
vorhanden sey, und zwar eine solche, die auf genaueres Stu¬ 
dium von Seiten derer, deren Lust oder Pflicht es sein mag, 
sich mit solchen Dingen zu befassen, nicht ungegründete Ansprüche 
machen kann. 

Ganz an der Spitze unserer Literatur stehen merkwürdiger 
Weise Grammatik, Wörterbuch und Prosodie in drei verschiedenen 
sehr alten Werken. Ueber ihr Alter können wir jedoch nur die 
Vermuthung aufstellen, dass es sich auf 6—700 Jahre belaufen 
möchte; gewiss wissen wir nur das, dass die eben genannten Werke 
älter sind als Alles, was sonst canaresisch vorhanden oder we¬ 
nigstens zu unserer Kenntniss gekommen ist, mit Ausnahme Eines 
Werks, das unten erwähnt werden soll. 

Die Grammatik, Qabdamanidarpana (Wortperlenspiegel) ge¬ 
nannt, handelt in acht Capiteln, deren eines ein Wurzelregister 
(dliätupätha) ist, von den gewöhnlichen Hauptstücken der indischen 
Grammatik (sandlii, näma, samäsa, taddhita, äkhydta, dhätu, 
apabhramsa, avyaya). Die grammatischen Regeln, Sütra's, sind in 
vierzeiligen Strophen ahgefasst, und würden wohl ohne Commentar 
unverständlich sein; die Grammatik hat aber zwei, ohne Zweifel 
gleichzeitige und allem Anschein nach von dem Verfasser selbst 
geschriebene Commentare: ein pada (Worterklärung) und eine 
vritti (Sinnerklärung). Der Verfasser giebt sich selbst in dem 
zweiten Sütra folgendcrmassen zu erkennen: 

Kavisumanobänana yä — 
davakatakäcäryanesavadauhitranenäm 
Kavikegavanam yögi — 
pravaracidananda inallikarjunasutanem. 

d. i. „Ich bin der Enkel, der Glänzende, des Lehrers des Yädava- 
Gesclilechts, Kavisuinauöbäna, und der Sohn des herrlichen Büssers 
und Deukers, Mallikärjuna; ich bin Kavikegava. 

Im sechsten Sütra sagt er, dass er, der Verständlichkeit 
wegen, seinen Sütren eine Sinnerklärung beifügen wolle. Diese 
Grammatik ist, wie leicht zu denken, von der grössten Wichtigkeit 
und würde wohl ahgcdruckt zu werden verdienen, wenn sich hiezu 
Mittel und Wege fanden. Mc’Kerrell in seiner canaresischen Gram¬ 
matik hat sie zwar benützt, aber noch eine reiche Ausbeute übrig 
gelassen. Der Verfasser derselben führt nicht weniger als 10 alte 
canaresische Schriftsteller ‘an, deren Werke er als classisch be¬ 
nützt habe; ihre Namen sind: 1) Gajaga; 2) Asaga; 3) £rivijaya; 
4) Sujanöttämsa; 5) Gunanandi; 6) Candrabhatti; 7) Honna; 8) 
Manasija; 9) Gunavarma; 10) Hampa. Aus den Schriften dieser 
Männer führt er auch nicht selten Beispiele an, aber ihre Werke 
sind entweder ganz verloren oder doch bis jetzt unzugänglich. 

Könnte man dieses Werk den canaresischen Pänini nennen, 
so fehlt es uns auch nicht an einem Amara. Das Canaresische 



278 


Weigle, Ueber canaresische Sprache und Literatur. 


Substantiv-Wörterbuch befolgt ganz die Ordnung des Sanskriti¬ 
schen, ist aber kürzer, und da es keinen Commentar hat, so ist 
es noch schwerverstäjidlicher als die Grammatik. Es wird „£abda- 
manjari“ genannt. <. 

Das dritte Buch dieser ältesten Reihe ist eine Metrik (Chandas), 
deren Verfasser sich Kavinägavarma nennt. Wir besitzen nur ein 
ückenhaftes Exemplar derselben. Sie enthält, wie zu erwarten, 
ebenfalls viele Citate aus älteren verlorenen Gedichten. 

ln die gleiche Zeit mit diesen drei Werken soll auch ein 
Heldengedicht, Jaganndtbavijaya genannt, fallen. Ich habe aber 
dieses noch nie gesehen. — 

§. 19. Entschieden später als die eben angeführten vier Werke 
und etwa dem 14. Jahrhundert ungehörig sind vier andere, welche 
von den Canaresen unserer Zeit als die classischen Heldengedichte 
der noch jetzt bekannten und, obwohl selten genug, studirten 
Literatur betrachtet werden. Diese sind 1) das Mabä hhärata. 
Dieses ist eine canaresische freie Nachahmung des bekannten 
Sanskritwerkes, jedoch bei weitem nicht in derselben Ausführ¬ 
lichkeit. Der Verfasser hat in Gadag, in der Nähe von Dharwar ‘) 
gelebt, und heisst Närana. Dieses Werk enthält nur zehn Parva’s; 
die übrigen acht sind zwar auch vorhanden, aber späteren Ur¬ 
sprungs. 2) Das Ramäyana. Der Verfasser ist Narsappa von einem 
in der ebengenannten Gegend befindlichen Orte, Torave. Auch, 
dieses enthält nur sechs kämlas; das siebente ist erst später hin¬ 
zugefügt. 3) Das Bhägavata puräna, vollständig; der Verfasser ist 
Nitydtman; sein Wohnort unbekannt. 4) Das wichtigste, ja das 
Hauptbuch jetziger gelehrter Canaresen ist das Juimini hhärata, 
eine eigenthümliche Bearbeitung des Agwa medha parva; der Ver¬ 
fasser ist Lakshmipati von Devapura in derselben Gegend. Diese 
vier Werke enthalten die grösste Fülle altcanaresischer Sprach- 
forinen und gleichsam der Encyclopädie indischer Heldensage. Sie 
müssen um desswillen immer die Aufmerksamkeit des Canaresisch- 
Studirenden auf sich ziehen. Jedoch ist der Mangel an Origina¬ 
lität des Stoffes und der in ihnen allen bis in’s .Unglaubliche 
gehende Hang zur Künstelei für den europäischen Leser ermüdend, 
obgleich gerade das letztere in den Augen der Eingebornen ihnen 
den besondersten Reiz verleiht. Sie tragen ganz den Charakter 
einer späteren Kunstpoesie; voll von stehenden poetischen Redens¬ 
arten und Ausschmückungen, sowie von Doppelsinn und seltsamen 
Wortgeklingel, wie es durch das Nalödaya zur Genüge auch zu 
Hause bekannt ist. Das Metrum ist eine sechszeilige Strophe 


1) In jener Gegend scheint überhaupt in alter Zeit canarcsisches Wesen 
und canaresische Wissenschaft einen ihrer Mittelpunkte gehabt zu haben, da 
die alten canaresisclten Königsslädte Vijavanagara, Hampc und Anegondi in 
ler Nähe gelegen sind und auch aus der Ferne wohl manche Gelehrte und 
Dichter anzogen. 



We'ujle, Heber canaresisvhe Sprache und Literalar. 279 

(schutpada); aber die des Jaiinini ist länger und künstlicher als 
die in den andern Gcllichten gebrauchte und heisst varddhika 
schatpadu. 

§. 20. Ein aberjnals späterer Kreis canaresiscber Werke, in 
der Sprache schon der Gegenwart um ein Bedeutendes näher ste¬ 
hend, enthält mehrere Geschichten, theils nach sanskritischen Vor¬ 
bildern, tlieils ohne solche; einige lobpreisende Gedichte auf ver¬ 
schiedene Gottheiten und etliche moralisch - didaktische Stücke. 
Unter die erstere Classe gehören: 1) Ein Buch, genannt Sobagina 
sdne (Redeschmuckkranz), über dessen Inhalt ich nichts Weiteres 
anzugehen weiss. 2) Eines betitelt Biruinajc (Kcdeplatzregen), dem 
später noch zu erwähnenden Kanakadäsa zugeschrieben. Dieses 
handelt von dem Kampf zwischen ßänäsura und Krischna. 3) 
Gayacaritra — der Kampf des Krischna mit Arjuna, der dem 
Gandbarven Gaya zu Hülfe gekommen ist. 4) Die Geschichte des 
Sömacekliara und Uitraqekhara, eine, bereits mit Prosa untermischte, 
anmuthige, mehr novellenartige Erzählung. Endlich gehören hieher 
die wichtigen Werke der Lingaverehrer: 5) das Basava purana und 
6) das Rdghavanka kavya. Dem Basava purdna soll hiemit eine 
frühere Existenz in alterthümlicher Gestalt keineswegs abgespro¬ 
chen werden, aber wenigstens die Copie, deren wir habhaft ge¬ 
worden sind, scheint in diese Periode zu gehören. — Zu der 
Ulasse der lobpreisenden Gedichte (stuti oder mahdtmyam) gehört: 
1) Bliaktisara von Kanakadäsa — ein Lob Wischnu's. 2) Uiva 
bhaktisura — ein Lob (’iva’s. 3) Mahanavamapadagaju — eine 
Sammlung kleinerer Lobgedicbfe zum Gebrauch in heidnischen 
Schulen, und wohl noch viele andere. Zu den moralisch - didakti¬ 
schen Produkten gehören das Jinamuni-tancyya-dnyanopade<;a — 
ein Hauptbuch der Jaina's, noch sehr altertbiimlich in seinem Styl. 
Das Anuhhavamrita, ein Liehlingshuch der Brahminen, und endlich 
die Sarvadnyapadagalu, eine Sammlung von Weisheitssprüchen. 

§. 21. Den eben angeführten gleichzeitig, aber viel wichtiger, 
ist eine sehr grosse Menge kleiner, in der Form den persischen 
Ghaselen nicht unähnlicher lyrischer Gedichte. Die Verfasser der¬ 
selben werden Dasa’s (Gebundene einer Gottheit) genannt; mehrere 
derselben sind Leute aus niederen Kasten, die sich wohl nur 
durch ein hervorragendes Dichtertalent aus dem Drucke der Ver¬ 
hältnisse, in welche sie hineingeboren waren, herausarbeiteg konn¬ 
ten. Ihre Gedichte sind rein volkstliiimlicli; nicht ohne manche 
treffende und bisweilen sehr scharfe Bemerkungen über die Heu¬ 
chelei des Brahminenwesens und die sonstige Thorheit des welt- 
befangenen Treibens. Zugleich offenbart sich in ihnen häutig ein 
edles Sehnen nach etwas Besserem, über die‘Vergänglichkeit und 
Nichtigkeit dieser Welt Erhabenem, das aber freilich eben immer 
wieder mit dem Hinfliehen zu dem. Einen Gotte, dessen Gebundener 
der Dichter gerade ist, beschwichtigt wird. Die Namen etlicher 
von diesen fruchtbaren lyrischen Dichtern sind: Kanakadäsa, Pu- 



280 Weigle, Ueber vanaresische Sprache und Literatur . 

rttndaradasa, Vijayadäsu, Veikuntluidäsa, RangavalHdäsa. Ein Mann 
unseres Landes hat in der gleichen Richtung und wohl zu gleicher 
Zeit Hindostani gedichtet, ob er gleich kein Muhammedaner war; 
sein Name ist Kabiradasn. Er lebt noch in der Erinnerung unseres 
Volks. Diese Gedichte der Däsa’s schlagen einen so eigenthüm- 
lichen Ton an, dass wir nicht umhin können, wenigstens Eine 
kleine Probe mitzutheilen, genommen aus den Werken Purandn- 
' radäsa’s, kenntlich an dem Worte Vitthalo =r Purandara, welches 
in der letzten Zeile seiner Gedichte, wie der Name des Verfas¬ 
sers in persischen Ghaselen, stets wiederkehrt. 

1) Des Todes Boten haben kein Erbarmen, 

, Die Sorge lassend rufe an den heil’gen Hari; 

Tag und Nacht ohn’ Unterschied, Schmalz, Kahm und saure Milch, 

Schmackhafte Kost essend bin ich dahin gefahren, o Herr! 

Diesen tiidtend, Jenen tödtend habe ich Reichthum erworben, 

Des Todes Boten — Wann sie kommen, weiss ich nicht, o Herr! 

Des Todes Boten haben kein Erbarmen. 

2) Vorgestern war Hochzeit, Herr; ein oder zwei Kühe kalben mir; 

Gestern hab’ ich ein Feld gekauft, das soll Frucht tragen; 

Ich habe Geld und Geldeswerth; ich kann nicht sterben — doch, wie 

ich’s sage, 

Sitzt mir der Tod im Nacken und lacht meiner, o Herr! 

, Des Todes Engel hoben kein Erbarmen. 

3) Ein neues Haus hab' ich gebaut; Einweihungsfest ist in dem Hause; 

Mein Weib ist schwanger; morgen ist des Sohnes Hochzeit. 

So glücklich lebt sich’s; sterben kann ich nicht — doch, wie icb’s sage. 

Sitzt mir der Tod im Nacken u. s. w. 

4) Des Sohn’s Geburtstag ist — das Fest der Milchspeise, 

Ein anderer Sohn soll morgen die Brahminenschnur anlcgen, 

Ich muss ja fröhlich sein; ich kann nicht sterben — doch, wie icb’s 

sage u. s. w. 

5) Das gekochte Essen hab’ ich nicht gegessen; die Freunde nicht gcseh’n; 

Die ansgclieh’ne Schuld einzufordern find’ ich keine Zeit, o Herr! 

Wenn des Schicksals Frist erfüllt ist, liisst sich nichts machen; 

Unterdessen — dem viergesichtigen Vitthala ist’s bekannt :j 

Des Todes Engel haben kein Erbarmen. 

Gewiss dürften Gedichte, wie diese, von der Hand unseres ge¬ 
feierten Rückert auf deutschen Boden verpflanzt, sich getrost neben 
manchem Anderen sehen lassen, was aus fernen Literaturen dem 
deutschen Volke schon als Blumenstrauss geboten worden ist. lu 
die gleiche Klasse lassen sich auch noch eine Anzahl von Rätb- 
selu stellen, die uns in ähnlicher Form überliefert worden sind. 



Weigle, Heber canaresische Sprache und Literatur. 281 

§. 22. Von ungleich geringerem Werthe sind neuere Bear¬ 
beitungen alter, mythologischer Stoffe unter dem Namen Prasanga’s 
und Yakscliagana’s, meist in einer rhetorischen Prosa, und zum 
Leitfaden für herumreisende Erzähler dienend, welche, sich an 
Festen und bei sonstigen Gelegenheiten in den Häusern reicher 
Eingebornen hören lassen. Die eben genannten Arten neuerer 
Composition sind mit lyrischen Stücken gemischt, während eine 
dritte Art, Dandaka's genannt, eigentliche gereimte Prosa (nur 
mit Anfangsreimen statt der Endreime) enthält. 

§. 23. Unter den prosaischen Büchern, mit denen wir bisher 
bekannt geworden sind, befinden sich zwei ziemlich alte: eine 
Geschichte des £ringeri-Klosters, aus welchem bekanntlich fan- 
karäcarya liervorgegangen ist, und eine Geschichte der älteren 
Mysore-Könige, die jedoch wohl schwerlich von anderem als sprach¬ 
lichem Werthe seyn dürfte. (Die in derselben erwähnten Könige 
sind C’dmaräjavodeya 1. und 11.; Rajanripa, C'ämaräjalll., Immadiräja, 
Kanthiravanurasa und Dodda Devaräja.) Sodann ist noch die Ge¬ 
schichte des Königs Bliütalapandi als ein Stück aus der ächten 
Landesgeschichte nebst den daran angehängten , zum Theil jetzt 
noch gültigen alten Gesetzen bemerkenswcrth. Unter den aus 
dem Sanskrit übertragenen Fabel - und Mährchen-Sammlungen steht 
billig das Pancatantra oben an, nicht nur wegen seines grösseren 
inneren Werthes, sondern auch wegen des Verdienstes der cana- 
resischen Uebersetzung, die als ein Muster des prosaischen Styles 
gelten kann und wenigstens nicht ganz modern ist. Ausser diesem 
sind auch Vdtülapancavin^ati, fukasaptati und das beliebte neuere 
Mährchenbucb, Bnttis puttäli *) (Mahrattischen Ursprungs) in un¬ 
serem Lande vielfach gekannt und wohl auch schon früher über¬ 
setzt. Sonst wird unter neueren Prosawerken auch noch eine Art 
Roman unter dem Titel Nilavati von Yddavaräya, einem ehemaligen 
Mysore-Hofdichter erwähnt. 

In allerneuester Zeit hat sich auch ein Bestreben, für den 
Druck zu schreiben, hie und da, doch nur in schwachen Anfängen, 
unter den Canaresen gezeigt. Ein Advokat des obersten Gerichts¬ 
hofes zu Madras, der aber von (Mrangapatna (Seringapatam) ge¬ 
bürtig ist, hat 1838 eine respectable neucanaresische Grammatik 
auf 216 Quartseiten drucken lassen. Den zweiten Theil, der das 
Altcanaresische behandeln sollte, ist er bis jetzt schuldig geblie¬ 
ben. Der Munsif (eingeborene Richter) zu Bangalore hat sogar 
eine eigene Presse gekauft, um heidnischen Schulunterricht und 
sonstiges Studium unter den Canaresen zu befördern. Er hat die 
obenerwähnte Anubliavämrita und einige andere Stücke ähnlicher 
Art abdrucken lassen und sich auch selbst in einigen herzlich 
schlechten Schulbüchelchen versucht. Ueberhaupt möchte wohl die 


1) Das ist: Die 32 Bildsäulen an den Thronstufen des Vikramaditya. 



282 Weigle, Heber canaresische Sprache und Literatur. 

Zahl der Eingeborenen, welche ihre Muttersprache mit erträglicher 
Correctheit zu schreiben verstehen, gegenwärtig sehr gering sein. 

§. 24. Ausser dieser geschriebenen Literatur besitzt jedocb 
das canaresisclie Volk auch noch eine andere, in mancher Be¬ 
ziehung wichtigere, jedenfalls originellere und an wahrer Poesie 
und innerer Schönheit keineswegs arme mündlich überlieferte 
Volksliteratur., Diese ist, wie zu erwarten, sehr schwer zu sam¬ 
meln, da sie nur im Schoose der Familien, ja sogar zum Theil 
nur in einzelnen, mit der Fortpflanzung derselben beschäftigten 
fortleben. Es giebt eine grosse Menge von Liedern, theils von 
dem allgemein indischen Sagenkreis ausgehend, (theils demselben 
fremd, welche von den Weibern allein gesungen und von Männern 
eben aus diesem Grunde als ihrerKenntnissnahme unwürdig betrachtet 
werden, und eine Reihe von Mährcken, welche weder in Rücksicht 
auf epische Verknüpfung, noch auch in Rücksicht auf den sich 
durch sie hinziehenden munteren Volkswitz dem Mährchenschatze 
irgend einer anderen Nation nachstehen. Diese Mälirchen werden 
ajjihalhe (Grossmuttergescliichtcn) genannt. Proben derselben sind 
in „Barth’s Jugendblätteru“ anzutreffen. Eine grosse Menge kern- 
liafter, in veralteten Wörtern und bisweilen auch in alliterirenden 
Formen ihren frühen Ursprung beurkundender Sprüchwörtcr ist 
ebenfalls unter unserem Volke im Umlauf. Die drei eben genannten 
Uucllen sind für den, der an ihnen zu schöpfen nicht verschmäht, 
wohl eine wichtigere Hülfe für das Eindringen in acht canaresi- 
sches Sprach - und Gedankenwesen, als das Studium der künst¬ 
lichen,' unter fremdem Einfluss geschriebenen Gedichte der älteren 
Periode. 

§. 25. Wenn nun auch über europäische Leistungen auf dem 
Gebiete der Literatur mit ein paar Worten berichtet werden soll, 
so ist vor Allem die Grammatik von John Mc’ Kerrell, Madras 
1820, und das Lexikon von William Reeve, Madras 1832, mit 
gebührendem Dank zu erwähnen. Beide Werke, das erste von 
einem britischen Civilheamten, das zweite von einem Missionar 
der Londoner Gesellschaft verfasst, zeigen eine sehr ansehnliche 
Bekanntschaft mit der Sprache. Dass aber die ersten Versuche 
dieser Art unmöglich vollkommen sein konnten, und dass auch 
eine gute Grammatik und ein ziemlich vollständiges Wörterbuch, 
von Engländern verfasst, auf dem Standpunkt neuerer deutscher 
Philologie noch Manches zu wünschen übrig lassen, versteht sich 
von seihst. Gemeinsam ist diesen beiden Werken eine überraschende, 
aber unkritische Bekanntschaft mit dem Altcanaresischen. Für den 
Sanskritischen Theil des Sprachschatzes ist hei der Abfassung' 
des Lexikons Wilson wohl zu sehr das Orakel des Lexikographen 
gewesen. Für canaresische Etymologie ist noch so gut als gar 
nichts geschehen. 

Die Bibel wurde vor vielen Jahren für das ßediirfniss der 
Missionen ius Canaresische übertragen, wie es scheint theils aus 



Weigle, Ueber canaresische Sprache und Literatur. 283 

dem Tamil, tlicils aus dem Englischen. Diese Uebersetzung, gröss- 
tentheils von dein englischen Missionar Hunds besorgt, hat un¬ 
streitig ihre Früchte getragen, und es wäre desswegen undankbar, 
anders als in optimam partem von ihr zu reden *). Doch ist es 
von englischen sowohl, als deutschen Missionaren allgemein an¬ 
erkannt, dass eine neue Uebersetzung aus den Grundsprachen 
mit grösserer Berücksichtigung des canaresischen Idioms höchst 
wünschenswert ist. Zu einer solchen hatte auch der sei. Miss. 
Reid in Bellary, ein in wissenschaftlicher und christlicher Be¬ 
ziehung gleich trefflicher junger Mann, Vorbereitungen gemacht, 
die aber durch seinen Tod im Jahre J842 unterbrochen wurden; 
und es handelt sich eben jetzt darum, dieses wichtige Werk wieder 
uufzunckmen und seiner Vollendung entgegenzuführen. Eine, viel¬ 
leicht nur zu grosse Zahl kleinerer Erbauungsschriften und Schul¬ 
bücher ist ebenfalls durch das vereinte Wirken englischer und 
indischer Tractat- und Schulbuch - Gesellschaften in Umlauf gesetzt 
worden; zu gross sage ich, weil manche derselben ohne die min¬ 
deste Rücksicht auf den canaresischen Sprachgebrauch und ohne 
die mindeste Kenntniss von dem, was diesem Volke nach seiner 
Eigentümlichkeit gesagt zu werden Not thut (indem ein theo- 
retisirendes Widerlegen des Hinduismus im Allgemeinen eben so 
wenig, als ein dogmatisirendes Darlegen christlicher Lehre zum 
erwünschten Ziele führen wird), zwar ohne allen Zweifel mit 
gutem W'illen, aber in der irrigen Meinung geschrieben sind, zum 
Schriftstellern in einer indischen Sprache unter einem minder civili- 
sirten Volke werde ein geringerer Grad von Correctheit des Ge¬ 
dankens und Styls genügen, als etwa zum Schreiben für den Druck 
in der eigenen Muttersprache, während doch in der Tliat ein 
grösserer erfordert wird. In neuesten Zeiten jedoch scheint auch 
in dieser Beziehung ein regeres Streben eingetreten und auch 
schon mit einigem Erfolge gekrönt worden zu sein, wie namentlich 
der vielfach ausgesprochene Wunsch gebildeter Eingeborenen, ge¬ 
wisse neuere Schrifteben dieser Classe zu lesen und zu besitzen, 
unverkennbar beurkundet. 

Während des Jahres 1844 wurde von der Baseler Mission 
zum ersten Mal der Versuch gemacht, eine canaresische Zeitung 
herauszugeben. Dieses Blatt, das zuerst lithograpliirt zu Manga- 
lore und später gedruckt zu Bellary erschien, fand Anfangs eine 
ziemliche Menge von Lesern; nach und nach jedoch nahin die 
Zahl derselben bedeutend ab, und der Mangel an Unterstützung 
sowohl, als Krankheit der Missionarien machten es nötliig, diesen 
Versuch, zu der gebildeten Classe des gesainmten Volkes zu reden, 


1) Die canaresische Uebersetzung etlicher Bibeltheile von dein berühmten 
Dr. Carey in Seramporc , so wie seine canaresische Grammatik, erwähne ich 
nicht, weil ich sie nicht wieder gesehen habe seitdem ich Canaresisch ge¬ 
lernt habe, und folglich auch kein l rlheil über dieselben abgeben könnte. 



284 Weigle, lieber canaresische Sprache und Literatur -. 

vor der Hand wieder aufzugeben, doch 
erfolgreicheren Wiederanfangs. 

§. 26. Schliesslich muss der Verfasser dieses Aufsatzes die 
Nachsicht seiner Leser ansprechen aus zwei Gründen: einmal, 
'weil im Gedränge täglicher Arbeit es ihm bis jetzt nicht möglich 
gewesen ist, das Gebiet caiiaresischer Sprache und Literatur so 
gründlich zu durchforschen, als es, um der Sache selbst willen, 
wünschenswerth wäre, (wesshalb er an manchen Stellen eine Ver- 
inuthung oder gar ein non Jiquet hat aussprechen müssen, wo 
man denken könnte, es wäre die Pflicht eines Missionars, Ge¬ 
wisses zu wissen und vollkommen} unterrichtet zu sein;) und 
zweitens) weil dieser Aufsatz auf eine an ihn ergangene Auffor¬ 
derung in der kurzen Frist zwischen der Ankunft einer und dem 
Abgang der nächsten europäischen Dampfschiffpost abgefasst wer¬ 
den musste, so dass an nichts Anderes, als das unvcrwcilte Nie¬ 
derschreiben dessen,, was zunächst sich darbot, gedacht werden 
konnte. 

Wenn, aber das Vorstehende auch nur in Einem oder Etlichen 
der Leser den Gedanken rege machte, dass das canaresische Volk, 
von welchem hier gehandelt ist, obgleich ein bis jetzt kaum dem 
Namen nach zu Hause gekanntes, dennoch in seiner Sprache, Ge¬ 
sittung und Literatur auf einer keinesweges verächtlichen Stufe 
stehe, dass diese Sprache und Literatur eine nähere Kcnntnissnahme, 
die wahren und hö'chsten Interessen des Volkes aber eine innige 
und, wo möglich, thätige Theilnuhme verdienen,, so würde der 
Verfasser diese Blätter nicht fiir umsonst geschrieben achten. 

Nilägiri-Berge, im May 1846. 


nicht ohne Hoffnung eines 



Nachrichten über Taberistan 

aus 

dem Geschichtswerke Taberi’s, 

Einleitung. 

Seit zwanzig- Monaten in Konstantinopel wohnhaft, hatte ich 
Gelegenheit, nicht nur seihst eine kleine Sammlung sassanidischer 
und taberistanischer Münzen anzulegen, sondern auch ähnliche 
Sammlungen, welche einzelne hiesige Liebhaber besitzen, durchzu¬ 
mustern, wobei ich das Vergnügen hatte, eine Menge bisher noch 
nicht beschriebener Münzen zu finden. Die Resultate dieser Un¬ 
tersuchungen habe ich auf einem andern Wege nach Deutschland 
gelangen lassen l ). Zur Erklärung der hier folgenden Auszüge 
genügt diese kurze Notiz, da diese Beschäftigungen mich veran- 
lassten, hei orientalischen Historikern Nachrichten über Taberistan 
zu suchen und sic zusammenzusteilen. Ich begann mit dem Vater 
der arabischen Geschichte, Taheri, und werde damit fortfahren, 
da sie mir hinlänglich interessant erscheinen, um die Geschichte 
eines kleinen Landes mit Hülfe der Münzen zu reconstruiren. 

Da das Geschichtswerk Taberi’s in Deutschland sowohl aus 
früheren Notizen, als aus der angefangenen Herausgabe des Wer¬ 
kes selbst durch Prof. Kosegarten hinlänglich bekannt ist, so 
begnüge ich mich liier mit einigen Angaben über die hier vor 
fast drei Jahren gedruckte türkische Ausgabe. 

Diese Ausgabe ist in Folio, und trägt den einfachen Titel: 
£■ 

/ a»S' (Uebersetzung des -grossen Taheri). Die 

Uebersetzung ist aus dem persischen Texte gemacht und hin 
und wieder abgekürzt: namentlich fehlen überall die Angaben der 
Autoritäten, welche Taheri in seinem Originalwerke so sorgfältig 
aufzählt,- ferner ein grosser Theil der Verse, so wie endlich eine 
Menge Obscönitäten, obgleich in letzterer Beziehung die Auswahl 
nicht so ganz streng erscheint. Dagegen zeigen sich hin und 
wieder Interpolationen; so z. B. ist die Geschichte der Pischdadier 
und Kejanier-fast ganz aus dem Schahname geschöpft. Die Ursache 
dieser Interpolation scheint mehr die Befriedigung einer gewissen 
Klasse von Lesern zu seyn, als weil der Interpolator den Bericht 
Firdevsi’s für wahrhafter hielt; denn gleichsam als wollte er seine 
eigene-Arbeit lächerlich machen, erzählt er unter anderem die monstro- 


1) Vgl. Heft 1, S. 108 ff. 



286 


Mordlmann , v Nachrichten über Taberislan 


sen Abenteuer Isfendiars in aller Breite, upd .scliliesst das Kapitel 
mit den Worten : ^jJjl |»l*ü »Hiermit endigt 

diese unschöne Lüge.“ Der Uebersetzer ist nicht bekannt, doch 
muss diese Uebersetzung sehr alt seyn, und ist sicher nicht in 
Konstantinopel gemacht, da die Sprache theils noch sehr roh und 
ungebildet, tlieils fast gar- nicht in dieser Gegend verständlich ist; 
ein aufmerksames Studium der Sprache aber führt auf die Ver- 
muthung, dass die Uebersetzung ungefähr vor 400 Jahren in Syrien 
oder Irak gemacht ist. Der Druck ist sehr bequem, indem jedes 
Kapitel seine Ueherschrift Lat, und ein Register zu Anfang des Wer¬ 
kes gibt alle)diese Ueherschriften nebst Angabe der Seitenzahl. Das 
Ganze ist in fünfTheile (in einem JBande) abgetlieilt. Der erste 
Theil beginnt mit der Schöpfung und endigt mit dem Auszuge 
der Israeliten aus Aegypten, 167 Seiten. Der zweite Theil scliliesst 
mit der partliisclien Dynastie, 147 Seiten. Der dritte Theil geht 
bis zur Hidschre, 138 Seiten. Der vierte Theil geht bis zur 
Ermordung des Chalifen Osman, 164 Seiten,. Der fünfte Theil 
scliliesst mit dem Chalifate des Moktedir-billah, 201 Seiten. Das 
Ganze umfasst also über 200 Bogen engen Druck, und kostet 
gebunden nicht mehr als 160 Piaster (10 Pr.) 

Die folgenden Auszüge aus diesem Werke liefern den Beweis, 
dass die Geschichte von Taberistan noch sehr im Argen liegt, 
uud erst andere Autoren sind vielleicht im Stande, diese Lücke 
auszufülleu. Denn die vorhandenen Münzen von Taberistan, ohne 
jenen Auszügen geradezu zu widersprechen, geben doch ganz 
andere Daten, und somit müssen wir von der Zukunft erwarten, 
wie diese Dinge sich mit einander reimen lassen, ln dem türki¬ 
schen Texte habe ich die Orthographie der gedruckten Ausgabe 
beibehalteu, und nur offenbare Druckfehler geändert; die Ueber¬ 
setzung ist so wörtlich wie möglich. 

Konstantinopel, den 31. August 1487. 

A. D. Mordtmann, Dr. 


In Beziehung auf die Zeitrechnung, sowohl diejenige, welche, 
sich auf den Sassaniden-Münzen, als) die, welche sich auf denTapu- 
ristan-Münzen findet, mag vielleicht das folgende Capitel aus dem 
vierten Theile S. 5. nicht ohne Interesse seyn. Es bestätigt Hadschi 
Chalfa’s Angabe in Betreff der Epoche der Jezdegirdischen Aera. 

pLij Ueber die Bestimmung der Epochen. 

jLaXc! j'-o! Die wahre Geschichte der Zeit¬ 

rechnung von der Hidschret 
ist folgende. ln diesem Jahre 



aus dem Geschichlswerke Taberi's. 


287 


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Vj-Vi' ^j'jJ .5 QJjt **xS” »i" s^-’i» iVj 


(d. I). dem ersten der Hidschret, 
wie sich aus dem vorhergehenden 
Capitel ergibt) bestimmte unser 
Prophet die Zeitrechnung. Vor¬ 
her waren die Briefe und Dekrete 
ohne Datum. Unser Prophet 
sagte: „Ist es zweckmässig, dass 
keine Zeitrechnung da ist, und 
dass man nicht weiss, wann 
dies geschrieben ist? Bei den 
Arabern und Persern war es 
ein alter Brauch, dass man 
von der Zeit, wo ein König 
den Thron bestieg oder starb, 
oder eine grosse Hungersnotli 
Statt fand, oder irgend eine 
grosse Begebenheit sich ereig¬ 
nete, eine Zeitrechnung anfing. 
So wie man von dem Tode des 
Propheten Adam oder von der 
Sündfluth des Noah eine Zeit¬ 
rechnung anfing, so muss jedes 
Volk seine Zeitrechnung von 
seinem Propheten an beginnen. 
Zur Zeit des Propheten Abraham 
rechnete man von der Zeit an, 
wo er in’s Feuer geworfen wur¬ 
de, später von dem Bau des 
Hauses der Kaahe. Zur Zeit 
des Kosai hen Kilab entstand 
zwischen den Söhnen Nizar und 
Maadd Uneinigkeit und Krieg, 
worin viele Menschen umkamen ; 
die Araber nannten diese Tage 
„die Tage des Mordes“, und 
berechneten die Zeit danach; 
ferner von der Zeit an, wo die 
Kaahe nach ihrer Zerstörung 
wieder aufgebaut wurde. “ Als 
unser Prophet daher auswan- 
dertc und nach Medina kam, 
befahl er, dass man von der 
Hidschret die Zeitrechnung be¬ 
ginne. Später rechneten einige 
von der Ermordung des Hussein 
ben Ali; andere, welche Moavia 



288 


Mordlmann, Nachrichten über Taberislan 


^Xil jJLkXjÜ jUj liebten und dem Ali feind waren, 

rechneten von dem Tode Moa- 
viu’s an. Noch andere rechne» 

. . . ten von'den Tode Jesdedschird’s 

**>JX*» ***** *3°*' ben Scbabriar. Jedes Volk rech- 

v -c\ a ly nete von dem Tode seiner gros- 

^ ' J sen Männer. 

ü* ^ o* Ck*" Ä ‘ 

£ 

*Ji_jLb (^.äuu., 

°/ 3i> o->^' 

jJLj lXj^Ip 

cH 

^Aif 

Nach Tahert’s Bericht (Th. 4. p. 132) wurde die Stadt Rci 
im J. d. II. 22 durch Naim ben Mokarrin q) p.**i erobert, 

und der dortige Befehlshaber Siavesch, Enkel des Bahram Tschupin. 
fiel in dem Sturm. Ein Tlicil des persischen Heeres flüchtete 
nach Kotnasch, wo sie sich aber ebenfalls nicht halten konnten;. 
Süweid, Bruder Naim’s, zog in Koniusch und bald darauf in 
Damagan ein; die weiteren Schicksale der persischen Hcerestriim- 
mer stehen in Beziehung auf unsern Gegenstand, wesshalb ich 
hier Tabcri selbst reden lasse (ib. p. 133): 




jjC* vX^a» O^oas» AÄC^ 

L^j qXjK^ 5 * 

(^sX^J 5 (^'X—»** ^ 

Kl sXääjO 


Jenes ganze (persische) Heer 
begab sich nach Giirgan und 
Tnberistan.; Süweid sammelte 
schnell sein Heer, und zog eben¬ 
falls nach Gürgan, und machte 
in Bestam halt; Bestam hing von 
Komusch ab. In Gürgan war 
ein Nachkomme der Könige von 
Dilem, persischer Religion, Na¬ 
mens Merzeban, welcher Dagestan 
und Gürgan beherrschte. Auch 
in Taberistan war ein sogenann- 



aus dem Geschichtswerke Tabens . 


289 


läkil jS_.jp ter Issfeliid; dieser Issfebid so 

1 wie ganz Taberistan stand unter 

ji sJwü| der Herrschaft Merzebans. 

jS_.jp L-! N.'CjP.jS 

.^pjf 


^LXaVjaIj _} q(J j/ g«*S J*J> 
‘wX-^wL.j 3 

lXa^äaoI ^LXawjxI^ ^ C5-N^ 

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ä Srp-^—^r 

Jjä 4 üUjyf jj qS-jjj'« l5^o L .jl^j^ 
Ojaüs» i—j^Sj! ^jI*1a»a^ 'pj-S^* 
dJLLjjÄv lSjS ( CjvAtlj^ —.Ia3 A-IJ' lX^_jAV 

»jjj _Sj.i- ^*-o l/f pLX.SLr.j' «y 

«.jjfi» &a!j( jjLJLa* a/ »■**»*^'.3^ 
J.J P-A.4-a.Aa! 0 _jpr »jJj 

jL! ^io Jj! sP-A.it v3.*=>- 

jJ'! -Ajj .xf xJCas- ^■a.lXa^' 
x-Lj ! j_5j.J-MA.fi / q-J 
Oj*as» jajAj! pS-Ä> A-j-jSj 

_.LP-Lf Kj^P Sj^AsiPsäS^ i_5'AJ-j! 

-jjPjfil^ sX^* eJ '"?jy c 3 

J —ji ^jL*1amA XP S.M.aP jA' J_ 50 -Äj! 
jj^maS-aJS- ÜjÜj jjPj4^ U^maJP' 
QJ" 1 * 1 ft} X.maAaS'^ 

n. Bd. 


Nachricht von der Eroberung Gür- 
gan’s und Taberistan s. 

Der König von Gürgan war der 
Dilemite Merzeban, und der König 
von Taberistan war Issfebid. Als 
Siiweid mit seinem Heere nach 
Gürgan zog, kam ihm der Kö¬ 
nig von Gürgan, Merzeban, eine 
Tagreise weit entgegen, nahm 
den Islam an und schloss mit 
ihm Frieden unter der Bedin¬ 
gung , dass er ihm wegen 
Giirgan eine bestimmte Kopf¬ 
steuer entrichtete, und diejenigen, 
welche nicht zum Islam übertre¬ 
ten würden, eine Abgabe be¬ 
zahlten. Er fügte hinzu: „Wenn 
der Issfebid diese Nachricht hören 
wird, so wird er auch Frieden 
schliessen und keinen Krieg an- 
fangen. Sollte er dennoch Krieg 
atifangen, so werde ich mit dem 
Heere von Gürgan ausziehen und 
ihn bekämpfen.“ Süweid schloss 
auf dieseBedingung Frieden, wor¬ 
auf sie in die Stadt einzogen. 
Merzeban liess durch einen Herold 
in der Stadt ausrufen: „Wer 
Muselmann wird, der komme aus 
der Stadt, und wer es nicht wird, 
der bezahle Tribut.“ Auf diese 
Nachricht versammelte der Iss- 
fehid seine Grossen um sich. 
Unter diesen befand sich ein 
sehr vornehmer Mann, Namens 
Ferchan. Issfebid bedeutet in 
der Sprache von Taberistan Heer- 
19 



290 


Mordlmann, Nachrichten über Taberistan 


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S.J» ^0 üLji J^J (jio »->**•*. 

^'j jJCm^c s.üL*1^<« j 5'! *i" «JJjj 4^^ 


fiihrer, lind heisst auf Persisch 
Leschkbrkcsch d. h. der ein Heer 
von einem Orte nach einem andern 
zieht. Ferchan liiess auch lssfehid 
von Chorasan, weil er mit einem 
Heere von Chorasan gekommen 
war. Es wird auch berichtet, dass 
Ferchan König von Gilan war; 
in den Briefen, die man ihm 
schrieb, nannte man ihn „Padi- 
schah von Gilan“, wie es noch jetzt 
geschieht. Als daher alle issfehid 
zu Ferchan kamen, sagten sie: 
„ Was fiir einen Rath erfbeilst 
dn uns'?“ Er antwortete: „Diese 
persische Religion ist nichtig 
geworden; jene neue Religion 
aber ist eine siegreiche Religion. 
Wir müssen daher Frieden schlos¬ 
sen und uns dem Tribut unter¬ 
werfen.“ Alle sagten: „So ist 
es recht.“ Ferchan schickte mm 
zu Süwcid einen Mann und 
schloss mit ihm Frieden auf die 
Bedingungen, dass das ganze 
Königreich Taberistan jährlich 
500,000 Dirhein Tribut bezahle; 
wenn aber die Muselmänner Trup¬ 
pen nöthighätten, so solltcdieser 
Tribut nicht bezahlt werden. Sii- 
weid genehmigte diese Bedin¬ 
gungen, worauf Ferchan sofort 
500,000 Dirhein bezahlte. Dar¬ 
auf blieb Siiweid mit seinem 
Heere in Giirgan und meldete 
Omar dem Sohne Chattab's in 
einem Berichte die Einnahme 
von Komascb. Diese Eroberung 
geschah im J. d. H. 22. 



aus dem Geschichtswerke Taberi's. 


291 


iji j La*A=»l lX-ij*. 0.»Z25» #Jji 

&Äc ^ll*j sJJi uXj C2ytas> u^> l 3 -V -5 pjO 
S^C ,Xlxj dJt l -r J ^'> J+E ÖjÄS» ÖLXjlfjf jiljJ 

o)o^->v? g.j^lj g,Äs ^.^lXJIaj ^jÄäs 

. ^lXj! öl \X*»tsX*h t$*£* 


Unter dem Cbalifeu Osinan fielen die Einwohner von Gürgan, 
Taberistan und Chorasan wieder vom Islam ab; Taberi erzählt 
darüber Folgendes (Th. IV. S. 156): 


J*lc £jJ *131, AaC jA^I ,j.i* 

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l\lf yß> *jL»ic OjOS* 
^jL».'aE OyüaS* jLlXIj! lXjjX: 

Ävi^Kj liljLwLi» ^.ajIe yj lXaxam 

*JJf JlaC Oj*as> ( _ 50 J Jki^J' 

^lXä'j! V}jL» »/»Lj 

lJjlXj! £-*_d» «*_e a--*3.} 

a.jL*ly> »Joale lXa*«. o^ias- 
lihxiLe *131 lXac Oj*ä> y » 

lXaJCal O^aZie» \S, J —L_L_L ^ 

8jA2* ^jlX+1J^ lXa*« ^L? 

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^lXIS" ajü« lXa*a» Oj*a=» 

*131 lXaC 0.«a;> s^jAÄÄif 

qI«! w ^” ^ i 1 i . j 

bvXjAe* 1 

CJjA&> ^vXlf 2 .Jj lXaAÄ* ^j'L-E* 


IVte Abdallah ben Aamir ben Kerlz 
Emir t)on Chorasan ward. 

Als das BO. Jahr begann, er¬ 
hielt Osmnn die Nachricht, dass 
das Volk von Chorasan vom 
Islam abtrünnig geworden war. 
Osman schickte den Said ben 
Aassi zur Beherrschung von Cho¬ 
rasan, und schrieb auch an Abd¬ 
allah ben Aamir ben Keriz einen 
Brief, mit dem Befehl: „Sammle 
das Heer von Bassra und geh mit 
Said ben Aassi nach Chorasan.“ 
Abdallah ben Aamir wünschte je¬ 
doch in seinem Herzen nicht, mit 
Said zu marscbiren; er begab 
sich daher vor der Ankunft Said’s 
mit dem Heere von Bassra nach 
Chorasan. Als Said nach Kufa 
kam, hörte er, dass Abdallah schon 
fort war; er glaubte, dass er 
ihn an det Gränze von Chorasan 
erwartete, und folgte ihm. Als 
Said nach Rej kam, erhielt Abd¬ 
allah von ihm Nachricht in Nischu- 
bur; von dort begab er sich nach 
Mann und zog über Gürgan und 
Taberistan Nachrichten ein. Sic 
sind alle wieder vom Islam ab¬ 
gefallen , sagte man ihm. Said 
zog nun mit seinem Heere nacli 
Gürgan, belagerte es, und schloss 
19 * 



292 


Morälmann, Nachrichten über Taberistan 


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mit ihnen Frieden, indem sie 
wieder 200,000 Dirliem bezahlen 
mussten. Nachdem er das Geld 
empfange« und sie wieder zum 
Islam bekehrt hatte, zog er nach 
Taberistan. Die Bewohner von 
Taberistan zogen sich in die 
Festung zurück, lieferten einige 
Schlachten, und schlossen zu¬ 
letzt Frieden unter der Bedin¬ 
gung, dass er nicht einen Men¬ 
schen von ihnen tödtete. Als sie 
aber aus der Festung auszogen, 
tödtete er sie alle bis auf einen 
Mann. „Ich habe gesagt, ich 
werde nicht einen Menschen 
tödten,“ sagte er. Nachdem er 
Taberistan erobert hatte, kehrte 
er mit seinem Beere nach Medina 
zurück. 


Von da ah bis zum .1. d. H. 77 sch\vcigtTaberi gänzlich über die 
Ereignisse in seinem Vaterlande, so dass es scheint, dass während 
dieser Zeit Taberistan seinen Tribut regelmässig bezahlte, im \Jebri- 
gen aber wenig oder gar nicht von dem blutigen Zwiespalt, der 
damals das neue Chalifenreich zerfleischte, betrolfen wurde. Um 
d. J. 77 aber, als Hadschadsch der Sohn Jusufs seine scharfe Geissei 
über Irak und Persien schwang und der Schrecken der Empörer 
und Ketzer war, erhob sich in Nischabur ein gewisser Katari ben 
Fudscha Taheri nennt ihn einen Fürsten akLa; Mo- 

halleb, der von Hadschadsch ernannte Statthalter von Pars, hatte den 
Auftrag, diesen Ketzer zu bekämpfen; allein dies war kaum nötbig. 



aus dem Geschichlswerke Tabens. 


293 


Einer von Kataris Anhängern hatte einen Meuchelmord begangen; 
auf die desshalb erhoben^ Klage der Verwandten verweigerte Katari 
die Blutrache (joUa's an dem Mörder zu nehmen, worauf sich der 
grösste Theil von ihm lossagte und sich einen andern Anführer, 
Abd el Rah erwählte; die beiden Parteien führten mit 

einander Krieg und. schwächten sich gegenseitig so, dass Mo- 
lialleh dem Hadschadsch schrieb, es wäre das Beste, mit der 
Bekämpfung dieser Ketzer so lange zu warten, bis sie sich selbst 
fast aufgerieben hätten. Hadschadsch genehmigte diesen Rath, 
indem er Moballcb’s Bericht nicht beantwortete^ und nach dem 
bekannten Grundsatz: qui tacet cousentire videfur, verhielt sich 
dieser ruhig. Wir lassen hier jetzt Tabcri seihst reden (Th. V. 
S. 82): 


^l/Vos'Aj! j\.'i y>| 

»ül„l'j j> 
»jyiI vX-j-c 

SJjZ* » .A^ U»!}/ ^.LiXIaJ 
Ij ^iX*Äjf aäaP •—Lj ,Ji 

\S 

lXJ \ &AM.jiji. ,11 La 2} 

sjiXjuj^SP ^ ' -yy '— 

OUlX.A.'ÜÄ.jt ---F (__7 X JvJ* ^ 

XI aAA Jj»LaV [ jH ^*jJ 

sÄAtia ktkii 

aJulX«*, a. q nKäaäw'^! .X* 

^=0 Ifi 7 aaI 0 X: ; j J.aö - 

8 * 2 X.Ajl SA -J 

jdLd ^Ä>pM |jj qIaäav wuiXd £*:> 


Darüber vergingen einige Mo¬ 
nate.. Zuletzt vermochte Katari 
nicht mehr zu widerstehen und 
floh mit einigen Leuten nach 
Taberistan; die Charedschiten 
huldigten sämmtlich dein Abd el 
Rab, und erkannten ihn als ihren 
Fürsten und Anführer. Nun be¬ 
gann auch Mohalleb den Krieg 
wieder, und ruhte nicht eher, 
als bis er die meisten Chare¬ 
dschiten getödtet, ihre Weiber 
und Kinder gefangen genommen 
und sicli ihrer Habe bemächtigt 
hatte. Als Hadschadsch vernahm, 
dass Katari der Sohn Fudscha sich 
nach Taberistan g'cwandt hatte, 
schickte er Sofjan heil el Ezdi 
mit dem syrischen Heere zu seiner 
Verfolgung aus; auch befahl er 
dem Isbak ben Mohammed ben 
el Escliatb, der sein Statthalter 
in Taberistan war, sich mit dem 




294 


Mordlmann, Nachrichten über Taberistan 


^£*aJ t gAkjl oacLao! 
jjjUäi x.ajLs ^jLa_s_*v aj.it 

'-Jj-ri'j' ^LstaJl q.J j^yJaS yijJ^t 
»Ajt ^IjA^J »AjyJlc Li> ^Iäao.aJ? 

&Kj| 


itUf JLjAä'j! iiU=- 


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yJbAÄcila .xyi ^S'sAijl} 
(^gA.jt |jÄ-«y_jl3 »AA-äL &A ^ 
ajut c*^' < &Ä *.av> J^t i_i^*J.s ^Lu 

( ^yAA«C^ yAw—\A/I LJ »—Ü—A 

■3}t ^Aaääaj;^ &Äjl^- ^Jja^aSj 
i^AXd ^AäI# 1 >il^j 

O J vS. Xt ajjjk) viVjtj yijiA^yJ^ 
^vAAw^y.5^j slfLj a Iä-i 

obW ji &** M v*^>t ß 

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kiifische^i Heere dem Sofjan ben 
el Ezdi anzuschliessen, um Katari 
zu vernichten. Ishak befolgte die¬ 
sen Befehl und schloss sich mit 
dem kulischen Heere dem Sof¬ 
jan an, um Katari ben elFudscha 
aufzusuchen. Sie fanden ihn in 
den Gebirgen Taberistans, lie¬ 
ferten ihm viele Treffen und 
zerstreuten seine Leute. Katari 
entfloh zu Fuss aüf einen Hügel, 
wo er voll Traurigkeit verweilte; 
als der Durst ihn plagte und er 
von den Bewohnern der Gegend 
Wasser forderte, verweigerte man 
es ihm und that nichts, um seinen 
Kummer zu erleichtern. Wäh¬ 
rend dessen fiel von dem Hiigel 
ein Stein und zerschmetterte ihm 
eine Hüfte. 

W enn das Glück verschwunden ist, so 
geht alles verkehrt, man mag thun, 
was man will; 

Wer einmal vom Unglück betroffen ist, 
auf den fallen Steine von allen Seiten. 


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Als die Kutaner von Katari’s Um¬ 
ständen hörten, zogen Sure ben 
Bohair der Temimite, Dschaafer 
ben Abderralnnan ben Muhnif, 
Ishak und Amr ben Ebu el Ssalt 
ben Kubar gegen ihn aus, hieben 
ihm den Kopf ab und brachten 
ihn zu Ishak ben Mohammed ben 
el Eschath, indem jeder den Katari 




aus dem Geschivhtswerke Taberi's. 


295 


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getödtct zu haben behauptete. 
Obeide ben el HilaI, einer vuu 
den Grossen der Churedschiten, 
war mit seinen Leuten eutflohe» 
und batte sich in ein dort be¬ 
findliches festes Schloss begeben. 
Sofjan zog mit dem Heere wider 
ihn aus, belagerte das Schloss 
mehrere Tage und lieferte ihm 
jeden Tag ein Treffen, bis Obeidc 
und seine Leute vor Hunger ver¬ 
gingen; zuerst schlachteten sie 
alle ihre Pferde und verzehrten 
sie; zuletzt kamen alle aus dem 
Schlosse heraus, lieferten dem 
Heere Sofjan’s eine Schlacht und 
erlitten eine Niederlage. Auf 
Sofjan's Befehl wurden ihnen die 
Kopfe abgeschlagen, welche man 
zu Hadschadsch ben Jusuf brachte. 
Darauf kam Sotjan nach Tabe¬ 
ristun, wo er blieb bisHadscliadsch 
ihn absetzte. Der Tod des Katari 
ben cl Fudsclia, Obeide ben el HilaI 
und Abd el Rah ereignete sich 
im Jahre d. H. 77, oder nach 
einigen im J. d. H. 78. 


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Wir sehen aus dieser Erzählung’, dass damals in Tabcristan 
ein arabischer Statthalter war; allein es scheint mit der arabischen 
Herrschaft nicht lange gedauert zu haben. Ungefähr 20 Jahre 
später war das Land wieder völlig unabhängig, und cs musste 
von Neuem erobert werden. Der Gericht über diese Eroberung 
findet sich in Taberi Th. V S. 117 — 120: 



296 


Mordtmann, Nachrichten über Taberistan 


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Nachricht von der Eroberung Gür- 
gan’s und Taberislan’s durch Je- 
zid ben Mohalleb. 

Der Erzähler berichtet: Zur 
Zeit der persischen Könige war 
in Gürgan ein festes Schloss, 
und man hatte einen festen 
Dumm aufgeworfen, dessen Ende 
bis an das Meer von Chorasan 
(den Aralsee) reichte und dessen 
Lage sich noch jetzt nachweisen 
lässt. Man hatte den Damm 
desshalb aufgeworfen, damit das 
Heer der Tataren weder zur Un¬ 
zeit noch zur rechten Zeit kom¬ 
men könnte. Die persischen Kö¬ 
nige Schabur Dliul Aktaf, Clios- 
rev, Horinuz, Kohad, Firuz, 
Nuschirwan und andere grosse 
Könige, welche in Gürgan einfie¬ 
len, konnten dieses Schloss wegen 
seiner Festigkeit nicht bezwin¬ 
gen. Als Gott aber den Islam 
offenharte, zog Said ben el Aassi 
ben Umejje zur Zeit des Chalifen 
Osina» aus, um Giirgan zu ero- 
oberu; er schloss mit ihnenFriedeu, 
und nachdem er ihnen 400,000 Ak- 
tsche abgenommen hatte, kehrte 
er zurück. Ausser diesem Said 
unternahm kein anderer gegen 
sie einen Feldzug. Nun war 
der Weg von Irak nach Chorasan 
über Damagan und Rej ab ge¬ 
schnitten, und man ging über 
Kirnutn und Pars; als später 



aus dem Geschichlswerke Taberi's. 


297 


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Koteibe die Stadt Kesch erobert 
hatte, ging man über diesen 
Ort. Koteibe bat in allen seinen 
Berichten an Hadschadsch um 
Erlaubnis zur Eroberung von 
Gürgan; Hadschadsch sagte je¬ 
doch: „Das Iassff bleiben, damit 
dir nicht etwas zustosse, wo¬ 
gegen du nichts vermagst.“ So 
oftSuleiman benAbdelMelik von 
irgend einer Eroberung Roteibe’s 
in Chorasan Bericht erhielt, sagte 
er zu der Versammlung: „Seht, 
was fiir wunderbare Eroberungen 
Koteibe macht!“ Jezid ben Mo- 
halleb sagte: „Was soll das für 
eine Eroberung scyn! Die wahre 
Eroberung ist die von Gürgan, 
denn alle Könige vermochten 
nichts gegen dieses Land.“ End¬ 
lich, als Jezid Statthalter von 
Chorasan geworden war, war 
sein einziges Streben der Krieg 
mit Gürgan. Nachdem er in 
Merv drei bis vier Monate ver¬ 
weilthatte, um die Angelegenhei¬ 
ten Chorasans zu ordnen, liess er 
seinen Sohn Muchalled in Cho¬ 
rasan und zog mit seinem Heere 
nach Dehistan und Gürgan. Als 
er sich Dehistan und Gürgan 
näherte, zeigte sich ein Dorf, 
das ihm sehr gefiel; er fragte, 
was für ein Dorf es sey. Man 
sagte: „Es war früher eine Stadt, 




298 


MordUmann, Nachrichten über Taberistan 


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aber ein Türke,. Namens Ssol, 
Lat sie verwüstet und die Be¬ 
wohner getödtet; dieses Dorf 
enthält diejenigen, welche dem 
ßlutbade entronnen sind.“ Da¬ 
rauf sagte Jezid: „Wo ist dieser 
Ssol jetzt?“ Man antwortete: 
„Er ist in Dehistan.“ Als nun 
Jezid wider Gürgan zog, ging 
der Türke Ssol nach Dehistan. 
Es wird erzählt, dass das Heer 
von Gürgan über 200,000 Mann 
stark war, und Jezid’s Heer 
100,000 Mann betrug. Als die 
beiden Heere einander gegen¬ 
über standen , lieferten sie .sich 
hitzige Treffen. Einer von den 
Leuten von Irak, Mohammed 
hen Ebu Sehre el Dscliofi sali, 
dass ein Türke auf den Kampf¬ 
platz trat, dem die Muselmänner 
nicht zu widerstehen vermochten. 
Er ritt auf den Türken los; 
dieser hieb Mohammed mit sei¬ 
nem Schwerte nach dem Kopf, 
so dass cs unter dem Kopfe Mo- 
hummed’s stecken blieb; so sehr 
auch der Türke zog, so konnte 
er es nicht wieder heraus ziehen; 
Mohammed tödtete ihn mit einem 
Hiebe und kehrte darauf zu 
dem Heere zurück. An einem 
andern Tage fand wieder ein 
heftiges Treffen Statt; Jezid 
stand mit seinen Brüdern und 



aus dem Geschichtswerke Tabens . 299 


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Vettern, 4000 an der Zahl, an 
einem Ende des Heeres; plötz¬ 
lich wurden sie von 4000 Tür¬ 
ken angegriffen. Mohammed hen 
Ebu Sebre, die Söhne des Dsche- 
rir und Hadschadsch hen Hari- 
the el Cathami und viele Helden 
waren bei Jezid und kämpften 
mit jenen 4000 Mann; endlich 
zerstreuten sie dieselben; Jezid 
befahl nun dem Heere, Dehistan 
gänzlich zu umzingeln, so dass 
kein Vogel über die Stadt weg¬ 
fliegen konnte. Nachdem die 
Türken in der Festung ihre 
Vorräthe verzehrt hatten, wurden 
.sie schwach. Endlich schickte 
Ssol zu Jezid einen Menschen 
und hat um Frieden. Jezid ant¬ 
wortete : „Ich mache mit dir 
Frieden unter der Bedingung, 
das du aus dem Schlosse ziehst 
und es uns ühergiebst, “ Ssol 
sagte: „So sey es, wenn du 
von mir und meinen Angehörigen 
und meinem Vermögen die Hand 
abziehst.“ Jezid genehmigte cs 
und zog in Dehistan ein, wo er so 
viel Schätze fand, dass sie nicht zu 
berechnen waren. Nachdem er 
14,000Türken erschlagen,schrieb 
er au Suleiman den Siegesbericht. 
Darauf zog er nach Gürgan. Die 
Gürganer pflegten jedesmal, wenn 
ein moslemisches Heer wider sie 



300 


Morülmann, Nachrichten über Tuberislan' 


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zog, Frieden zu schliessen, indem 
sie bald 100,000 Dirliem, bald 
2OO,O0ODirh em, bald 300,0000ir- 
bem gaben. Als Jczid wider sie 
zog, baten sie um Frieden, indem 
sie sieb sehr vor ibm fürchteten. 
Jezid genehmigte den Frieden 
mit ihnen, indem erihnen 300,000 
Dirhem abnahm und den Esed 
ben Abdallah mit 4000 Musel¬ 
männern dort liess. Von dort 
zog er wider Taberistun; der 
König von Taberistanbiess lssfe- 
hid Gil Gilani, und batte ein 
zahlloses Heer. Indem nun Jezid 
mit der Eroberung von Tabe¬ 
ristun beschäftigt war, liess er 
die Bäume und Wälder umbauen, 
um sich einen Weg zu bahnen, 
und sandte seinen Bruder Müd- 
rik mit 4000 Mann als Vorbut 
voraus. Als der Issfehid dies 
erfuhr, erkannte er, dass die 
Moslemin gegen ihn zogen. An¬ 
fangs wollte er nach Dilent ent¬ 
fliehen; endlich aber beschloss 
er Widerstand zu leisten. Er 
liess daher den König von 
Dilem um Hülfe bitten; dieser 
schickte ihm 10,000 Mann. Auf 
diese Nachricht schickte Jezid 
dem Müdrik seinen Sohn Hadas 
mit 20,000 Mann zu Hülfe. Als 
nun der Feldherr des Issfehid, 
welcher Suleiman hiess, mit sei- 



aus dem Geschieht sw erbe Taberi ’$♦ 


301 


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nem Heere ankam und die beiden 
Heere sicli gegenüber standen, 
lieferten sie sich eine grosse 
Schlacht. Mohammed hen Ebu 
Sebere, welcher an der Spitze 
der Muselmänner stand, leitete 
die Schlacht. Von den Dilemiten 
trat ein Beg hervor und verlangte 
mit einem Helden zu kämpfen; 
der Sohn des Ebu Sebere stellte 
sich ihm gegenüber und stritt 
mit ihm; der Dilemit war ihm 
nicht gewachsen und wurde von 
ihm getödtet. Als dieser fiel, 
flohen die übrigen auf den 
Gipfel hoher Berge; die Mu- 
selmänner folgten ihnen, jene 
aber empfingen sie von den 
Bergen aus mit einem Pfeilregen 
und rollten Steine auf sie herab; 
da also die Moslemin ihnen nicht 
folgen konnten , zogen sie sich 
zurück und kamen wieder zu 
Jezid. Darauf besetzte das Heer 
des Issfebid die Wege und Eng¬ 
pässe ; der Issfebid schrieb dem 
Könige von Gürgan: „Du musst 
die Leute, die sich dort befinden, 
vernichten, ein Heer herbeifüh¬ 
ren und die'Wege, auf denen 
Jezid wieder zurückkehren muss, 
besetzen. (< Der König von Gür¬ 
gan that so, griff die 4000 
Mann unter Esed ben Abdallah 
an und tödtete die meisten 



302 


Mordlmann, Nachrichten über Taberislan 


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nur ein Häuflein, dass sich nach 
einer Seite zurückzog, hielt dort 
Stand, bis Jezid zurückkehrte. 
Als Jezid diese Nachricht hörte, 
ward er sehr betrübt, und rief 
den Hajjan Nahati zu sich; die¬ 
ser Hajjan war eigentlich ein 
Dilemit; man nannte ihn aber 
Nabati, weil er stammelte und 
sich nicht richtig ausdrückte; er 
war jedoch sehr verständig und 
klug. Jezid hatte ihn früher ein¬ 
mal erzürnt; jetzt sagte er zu 
ihm: „Ebu Moammer, ich habe 
dir zwar Böses zugcfiigt, thue 
aber jetzt den Moslemin etwas 
Gutes, denn du weisst, was für 
Nachrichten von Gürgan gekom¬ 
men sind und wie man den Mosle¬ 
min den Weg abgeschnitten hat. 
Suche nun aus Liehe zu Gott 
zwischen mir und dem Issfehid 
Frieden zu schliessen. “ Hajjan 
erwiedcrte: „Gern,“ bestieg sein 
Pferd, ritt zuui Issfehid, und 
sagte zu ihm: „Obgleich ich den 
Islam angenommen habe, so bin 
ich doch mit dir eins ; ich schätze 
dich hoch, und wünsche, dass 
es dir wohl gehen möge; auch 
liegt deine Wohlfahrt mir mehr 
als dem Jezid ain Herzen. Nun 
wünsche ich zwischen Jezid und 



aus dem Gesehichlswerke Taberi’s. 


303 


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den Türken Frieden zu scliliessen; 
nimm auch du den Frieden an, 
und sey nickt übermütig wegen 
der Flucht der Muselmänner; 
dem Heere des Suleiman ben 
Abd el melik kannst du nickt 
widerstehen; denn Jezid bat ihm 
einen Brief geschrieben und ihn 
um Verstärkung und Hülfe ge¬ 
beten) und es wird nicht lange 
dauern, so kommen von allen 
Seiten Truppen. Jetzt ist Je- 
zi.d geneigt, mit dir Frieden 
zu machen; wenn aber die Ver¬ 
stärkung und Hülfe ankommt, 
wird er nicht mehr dazu geneigt 
seyn. Ich halte es daher für 
zweckmässig, dass du mit ihm 
Frieden schlossest, damit er zu- 
rückkehre und nach Gürgan gehe 
und sein ganzer Zorn sich auf 
jene werfe, denn sie haben Ver- 
ratb an ihm begangen. “ Der 
Issfehid sagte: „Ei Hajjan, ich 
habe gehört, dass Jezid dir 
Böses gethan und dir 200,000 
Dirhem abgezwackt hat, und jetzt 
verrichtest du Botengeschäfte für 
ihn!“ Hajjan antwortete: „Aller¬ 
dings, du hast Recht; um dir 
zu nützen, ertrage ich seine 
Gewalttätigkeit, und wenn du 
schwach wirst, werde ich dir 
dazu verhelfen, dass du einen 
billigen Frieden erlangst.“ Kurz, 



304 Mordlmann, Nachrichten über Taberistan 


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Hajjan sprach so lange, bis er 
den Issfchid zu seiner Ansicht 
gebracht hatte und dieser mit 
Jezid Frieden schloss, auf die 
die Bedingung, dass er dem Jezid 
100,000 Dirhem und 400 Lasten 
Safran öder deren Werth gehe, 
ferner 400Sklaven; jeder Sklave 
sollte auf seinem Kopfe eine sil¬ 
berne Schüssel tragen, und auf je¬ 
der Schüssel einen Ballen Seide 
und einen goldenen oder silbernen 
Ring. Hierauf kehrte Hajjan zu 
Jezid zurück und sagte zu ikm : 
„ Schicke einen Menschen wegen 
des Friedenspreises.“ Jezid frag¬ 
te: »AVer hat diesen Preis zu 
bezahlen, wir oder sie 1“ Hajjan 
antwortete: „Sie.“ Jezid war 
sehr vergnügt und schickte einen 
Menschen, um den Preis in Em¬ 
pfang zu nehmen. Darauf kehrte 
er nach Gürgan zurück und 
schwor einen Eid, wenn er sic 
besiegte, würde er das Schwert 
nicht eher von ihnen abziehen, als 
bis er mit ihrem Blute eine Mühle 
getrieben, auf der Mühle Waizen 
gemahlen und das aus dem g-emah- 
lenen Waizen gebackene Brot ge¬ 
gessen hätte. Der Fürst von Gür¬ 
gan floh auf diese Nachricht nach 
einem festen Schlosse, welches 
auf einem Berge in einemWalde 
lag; zu diesem Schlosse führte 



aus dem Geschichlswerke Tabens. 


305 


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II. Bd. 


nur ein Weg, der noch dazu 
sehr schwer zu ersteigen war. 
Jezid belagerte ihn dort und 
blieb daselbst sieben Monate; 
er lieferte ihm viele Treffen, 
stellte Wurfmaschinen auf, schleu¬ 
derte Steine, aber Alles war 
vergebens, und Jezid ward un- 
muthig. Endlich ging eines Tags 
Hejjadsch ben Abderrahman, einer 
von Jezid’s Freunden, auf die 
Jagd; seine Hunde verfolgten 
einen Hirsch und trieben ihn den 
Berg hinan auf einen ziemlich 
engen Weg. Hejjadsch sagte 
zu seinen Begleitern: „ Bleibt 
hier, bis ich wiederkomme.“ In¬ 
dem er nun seinen Hunden 
folgte, gelangte er auf den Gipfel 
des Berges und kam plötzlich 
an eine Stelle, von welcher man 
den Fürsten von Gurgau an¬ 
greifen konnte. Er kehrte so¬ 
gleich zurück, und aus Furcht, 
den Weg nicht wieder zu finden } 
zerriss er einen seiner Röcke in 
viele Stücke, hing jedes Stück 
auf einen Dornbusch als Merk¬ 
zeichen, und kam zum Lager zu¬ 
rück. Er ging zu Jezid und sagte 
zu ihm: „Willst du dieses Schloss 
bequem erobern?“ Jezid antwor¬ 
tete: „Ja, gewiss.“ Hejjadsch 
sagte: „Was gibst du mir?“ — 
„Was du willst.“ — „lcl> ver- 


20 



306 


Mordtmann, Nachrichten über Taberislan 


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lange 4000 Dirliem.“ — Nimm 
dir 10,000.“ „Nein, gib du nur 
Befehl, dass man mir 4000 Dirliem 
gebe.“ • iWrauf wurden ihm auf 
Jezid’s Befehl 4000 Dirliem aus¬ 
gezahlt. Hejjadsch erzählte hier¬ 
auf sein Abenteuer, worüber sich 
Jezid sehr freute und 1400 tapfere 
Männer kommen liess, damit sie 
mit Hejjadsch diesen Weg gingen. 
Hejjadsch sagte: „Emir, so viel 
Leute kann der Weg nicht fassen, 
denn er ist nicht so breit.“ Jezid 
sagte: „Nimm denn so viele, als 
du willst.“ Hejjadsch nahm so 
viele, als er wollte, und Jezid 
gab ihnen noch den Dschehui 
ben Zedschr mit, und sagte 
zu Hejjadsch: „Wie viel Zeit 
braucht ihr, um dahin zu kom¬ 
men*“ Hejjadsch sagte: „Bis 
morgen Nachmittag. “ Darauf 
zogen sie ab. Am folgenden 
Morgen befahl Jezid, dass jeder 
im Lager ein Feuer anzünde. 
Als die Besatzung des Schlosses 
dies sah, wurden sie traurig 
und rüsteten sich zum Streite. 
Auf Jczid's Befehl wurde von 
der Zeit des Mittagsgebetes bis 
zum Nachinittagsgebete liitzigge- 
kämpft und die Welt den Ungläu¬ 
bigen enge gemacht; um diese 
Zeit drang auch Hejjadsch gegen 
das Schloss vor; die Ungläubigen, 



aus dem Geschichlswerke l'aberi's. 


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die von dieser Seite sicher wa¬ 
ren, hörten plötzlich das Tekbir 
der Moslemin im Schlosse; sie 
wurden bestürzt und verlangten 
zu capituliren, indem sie sich 
alle dem Jezid unterwarfen. Sie 
zogen alle heraus und begaben 
sich zu Jezid; auf dessen Befehl 
wurden ihre Weiber und Kinder 
gefangen genommen, die An¬ 
führer enthauptet und das Schloss 
verwüstet. Darauf kehrten sie 
nach Gürgan zurück, belagerten 
die Stadt und stellten die Wurf¬ 
maschinen auf; es wurde Feuer 
hinein geschleudert, und da die 
Stadt nicht widerstehen konnte, 
wurde sie erstürmt; 12,000Men¬ 
schen wurden gefangen genom¬ 
men. ln Gürgan flicsst der Fluss 
Enderhez; Jezid befahl, die Ge¬ 
fangenen auf diesem Flusse zu 
erwürgen und das Blut der Er¬ 
würgten in’s Wasser fliessen zu 
lassen; darauf wurde eine Mühle 
errichtet, worin Waizen gemahlen 
wurde; aus dem Mehl wurde Brot 
gebacken, welches Jezid ass, 
um seinen Schwur zu erfüllen. 
Ausser diesen Erschlagenen wur¬ 
den noch4000Personen gefangen 
genommen; er nuhrn alle Güter 
derselben, sonderte den fünften 
Tlieil davon ab, und vertheilte 
das Uebrige unter die Musel- 
20 * 



Mordlmann, Nachrichten über Taberistan 


308 

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niänner. .Noch nie hatte mau 
eine so reiche Beute gemacht. 
Daraufscliricb Jezid ben Moballcb 
an Suleiman ben Abd el Älelik 
einen Bericht, worin es liiess: 
,, Gott hat dich der Eroberung 
von Gürgan und Taberistan ge. 
wiirdig-t, welche noch keinem 
Monarchen gelungen ist. Schabur 
Dhul Aktaf, Kobad und Hormuz 
waren hier nicht siegreich. Weder 
Omar, noch Osman,noch den Cha- 
lifen nach ihnen gelang es. Gott 
hat dich daher geehrt, dass er dir 
so viele Beute zu Theil werden 
liess, wie noch Niemanden in die 
Hände gefallen ist. Es befindet 
sich bei mir so viel Beute, dass der 
fünfte Theil davon sich auf sechs¬ 
mal hunderttausend Dirhcm be¬ 
läuft,'die ich dir hiermit sende.“ 
Nachdem er diesen Brief geschrie¬ 
ben hatte, sagte sein Schreiber 
31ogire ben Ebu Ferwe: „Gott 
erhalte den Emir. Schreibe dies 
nicht in den Brief, denn du 
weis st nicht, was von heute bis 
morgen eintreten kann. Noth- 
wendig muss eins von beiden ge¬ 
schehen : entweder dies erscheint 
in seinen Augen gross, und er be- 
befiehlt dir, dass du diese Beute 
ihm selbst schickst,oder er schenkt 
sie dir, und du geräthst in Verle¬ 
genheit: du musst ihm cinGeschenk 



aus dem Geschichlswerke Taberi’s. 


309 


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schicke», und was auch immer 
du ihm schicken mögest, so wird 
es in seinen Augen wenig schei¬ 
nen. Ich halte es daher für ratk- 
sam, dass du in dem Eroberungs- 
hericht, den du ihm schickest, ihn 
um Erlauhniss bittest zu ihm zu 
kommen, und was du ihm zu sagen 
hast, das sage ihm dann seihst 
mündlich.“ Jczid nahm diesen 
Rath nicht an und schickte dem 
Sulciman seinen Rrief. Als Su- 
leiman den Bericht las, ward er 
froh. Einige aber berichten: 
als Jezid ben Mnhallch dem Su- 
leiman seinen Bericht geschickt 
hatte, begab er sich nach Clio- 
rasan, legte den Chorasanern 
Steuern -auf, und nahm ihnen 
unrechtmässiger Weise unzähli¬ 
ges Geld ab. Endlich verabrede¬ 
ten sich einige Chorasancr und 
schickten an Suleiman einen Brief, 
worin sic schrieben: „Jezid 
will sich Chorusan aneignen und 
sich gegen dich empören. “ 
Suleiman ward über diesen Brief 
sehr bestürzt; endlich herieth 
er sich mit seinen Freunden; 
einer von seinen Verwandten 
sagte zu ihm: „Beherrscher der 
Gläubigen, Jezid hat so viel 
Geld in seine Hände bekommen, 
dass es gar nicht zu berechnen 
ist; ein Mensch, der so viel 



310 


Mordlmann , Nachrichten über Taberistan 


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Geld in den Händen bat, kann die 
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ganze Welt einnehmen. Es ist 
daher zweckmässig, dass du einen 
Mann aus* deiner eigenen Fa¬ 
milie zu ihm sendest, der ihm 
alles wegnehme. Wenn du es 
so machst, wird er sich nicht ge¬ 
gen dich empören können. “ Su- 
leiman sagte: „So soll es seyn.“ 
Schon ging er mit sich zu 
Rathe, wen er schicken sollte, 
als er krank ward und an dieser 
Krankheit starb. Nach einem 
Berichte soll er dem Mesleme 
in Konstantinopel Befehl gegeben 
haben, sich nach Chorasan zu 
begeben. Es wird erzählt, dass 
Jezid nach der Eroberung von 
Giirgun und Taberistan nach Rej 
zuriiekkehrte. — 


Der Nachfolger Suleiman’s, Omar heil Abd el Aziz, bestätigte 
das Abberufungsschreiben für Mesleme, widerrief aber den Befehl 
nach Chorasan zu geben, und behielt Mesleme bei sich in Damaskus 
(ib. S. 123). Von nun an folgt wieder ein absolutes Schweigen 
über die Ereignisse in Taberistan; kein Wort, wie dasselbe sich 
wieder der arabischen Herrschaft entledigte, kein Wort über den 
Churschid, dessen Namen man uuf den ältesten Münzen des Landes 
liest, kein Wort endlich über die abermalige Eroberung im J. 
157 durch Omar; erst im J. 169 kommt eine kurze Notiz; in 
diesem Jahre, am 6. Zilliidsche, starb der Cbalife Mchdi, und 
Taberi erzählt (Th. V, S. 167): 




Als Mchdi nach Masendan ging, 
ernannte er den Rebi zu seinem 
Stellvertreter und liess das ganze 
Heer bei ihm; sein Sohn Musa 
el Hadi führte damals in Ta- 



aus dem Gesuhichlswerke Tabens. 


311 


*JLd ^Ls benstan Krieg' mit Sclierwin, dem 

* Könige von Taberistan. 

Als er indessen, die Nacbricbt von dem Tode seines Vaters 
und von seiner Ernennung zum Chalifen erhielt, schloss er mit 
Sclierwin Frieden «JLi! und kehrte 

nach Bagdad zurück. Scherwin selbst kam später ebenfalls nach 
Bagdad, ob gezwungen, oder freiwillig, ob als Kriegsgefangener, 
oder als König und Gast, davon sagt Taberi nichts; er schreibt 
bloss: &äjIs „Scherwin kam von 

Taberistan zu Hadi. “ 

Unter dem Chalifat Harun el Reschid’s hat Taberi abermals 
Gelegenheit seines Vaterlandes zu erwähnen, Th. V. S. 171: 


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IFie Harun seinem Sohne Moham¬ 
med Emin huldigen lässt. 

Mohammed wurde im J. d. H. 
170 geboren. Als er fünf Jahr 
alt war, liess Harun el Reschid 
ihm huldigen; du er noch sehr 
klein war, so gefiel dies dem 
Volke nicht; Harun el Reschid 
liess zwar dem ganzen Volke den 
Huldigungseid abnehmen, allein 
man sprach davon, dass das Heer 
und die Bevölkerung von Chorasan 
die Huldigung verweigerten, weil 
er noch klein sei. Fadhl ben Jahja 
ben Chalid batte diesen Moham¬ 
med Emin erzogen; Harun el 
Reschid rief den Ahbas ben 
Dschaafer von Chorasan ab und 
ernannte den Fadhl zum Stadt¬ 
halter dieser Provinz, damit er 
dort die Huldigung für Moham¬ 
med empfange. Nachdem Fadhl 
in einem Jahre diesen Auftrag 
völlig ausgefuhrt hatte, setzte 



312 


Mordtmann, Nachrichten über Taberislan 


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(^^Uäj’I (J*-4.*V. j_>A ^1 «-^'i 
«Mt A*c ^jj »A;^! 1^*5 

^AäA *»».;> «AiIä.i«.ajL> jj^aam^S 

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^CjLirALs ^«-AStjjtj iA*.^ ^yAjt 

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jljAj^t Li"! ^jlL> ^Aaj! 
j»0>T «.AMjjjiit >—>^Aji nLa=> 


ihn Harun wieder ab, und er¬ 
nannte tJn dessen Stelle seines 
Oheims Cbcizeran Bruder, Gitrif 
ben Ata. 'Dieser Ata war von 
Dschemusch, einer Stadt in Je¬ 
men, nach Taberistan als Sklave 
gebracht worden und dort dem 
Mehdi in die Hände gefallen. 
Harun berief denFadh] ben Jahja, 
damit er auch in Irak dem Mo¬ 
hammed huldigen lasse. " Auch 
Beendigung dieser Angelegenheit 
gab ihm Harun el Reschid Ta¬ 
beristan , Demawcnd, Hamadan, 
Kuhistan, Armenien und Azer- 
beidschau bis nach Irak. Im 
J. 176 empörte sich Jahja ben 
Abdullah el lluseini in Taberistuu 
und riss dieses Land an sich. 
Hasan ben Ali el Huseini, wel¬ 
cher sich zur Zeit des Chalifen 
Hadi in Mekka empört hatte, war 
getödtet worden; seine beiden 
Vettern, Jahja und Idris, die 
Brüder Mohammeds und Ibra¬ 
hims , die sich zur Zeit Mansur’s 
in Medina und Basra empörten, 
hatten sich bei ihm befunden, 
waren aber, als Hadi den Hasan 
ben Ali tödten 1/ess, entflohen. 
Idris kam nach Tanger, wo er das 
Volk aufwiegelte, welches ihm ge¬ 
horchte. Hadi griff zur List; er 
schickte Jemanden nach Tanger, 
der den Idris vergiftete. Jahja 




aus dem Geschichlswerke Taberi’s. 


313 


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kam nach Taberistan, wo er ein 
grosses Heer sammelte. Harun 
cl Rescliid schickte den Fadhl 
mit 3000 Mann von Bagdad dahin; 
Fadhl blieb ein ganzes Jahr in 
Rej und machte dem Jalija im 
Namen Harun elReschid’s schöne 
Versprechungen. Jalija verlangte 
die eigenhändige Unterschrift des 
Chalifen. Harun el Reschid schrieb 
eigenhändig (die Amnestie), und 
licss dieselbe von den Bewoh¬ 
nern Bagdads, den Haschemiden, 
Rechtsgclehrteu, Geistlichen, Ka- 
dhi’s und Vornehmsten der Gros¬ 
sen als Zeugen unterschreiben. 
Dieses Dokument schickte er an 
Fadhl, der es Jalija zusandte, 
Juhja hegab sich zu Fadhl, der 
ihn nach Bagdad führte, und so 
ward dieser Sieg mit Leichtig¬ 
keit gewonnen. Harun Hess für 
Juhja einen Palast einrichten, und 
das ganze Heer musste den Jahja 
begrüssen, welcher mehr Ehre 
fand, als er gehofft hatte. Nach 
fünf Monaten wurde er in ein 
Gefängniss geworfen, unter dem 
Vorwände, man habe einen Brief 
oufgefangen; fünf Monate später 
wurde er im Gefängniss ver¬ 
giftet. 



314 Mordtmann^ Nachr.üb. Taberisiau aus d. Geschichtswerke Taben’s. 

Nach dein Sturze der Bcrmekiden ernannte Harun seinen Sohn 
Mamun zum .Statthalter von Holwan, Kukistan, Hatnadan, Rcj, 
Görgan, Tttberistan, Komascli, Ghorasan, Mawarannabr und TBr- 
kestan (Tlu V. S. 175.). 

4 » 

Dies ist Alles, was sich Uber Taberistan in dem Gcscliichls- 
Wcrke Taben’s findet. - / 



Mittheilungen über Stephen Olin’s Reise ’) 
in das Morgenland. 

Sinai bis lAkabah. 

Nach einem Tage grosser Aufregung und Ermüdung über¬ 
nachteten wir im Wadi Sheikh. 

Den 13. März 1840. Heute früh waren wir schon bald nach 
7 Uhr in Bewegung. Es trieb uns die Hoffnung, das Ziel bald 
zu erreichen und den Sinai mit seinen heiligen Umgebungen zu 
erblicken. Zuerst kamen wir durch den Wadi -Seheb, dann durch 
den Wadi Solaf. Gegen 11 Uhr stiegen wir aufwärts nach einer 
Berglücke zu, durch welche uns unser Weg nach dem Sinai führte. 
Eine senkrechte Wand von Kies und Sand zog sich quer über 
unsern Weg, aber eine tiefe Schlucht, welche von Regengüssen 
ausgewaschen worden war, hatte die Höhe niedrig und das Hinan¬ 
steigen leicht gemacht, Wir gelangten bald auf ebenes Land 
mit einer steinigen und ungleichen Oberfläche, umfasst von zwei 


1) Unter dem Titel: „ Travels i» Eyypt, Arabin fclram , mul the holy 
Imul, by the llev. StejJien Olin V. V., p resident of the Wesleyan Univer- 
sity. In two Volumes “ erschien zu IVcw - York bei Hnrper & Brothers 
1843 ein hei uns unbekannt gebliebenes Reisewerk Uber die genannten Län¬ 
der. Der Vf. langte am 25. December 1839 in Aegypten an, bereiste cs 
bis zu den Katarakten bei Osuan und unternahm am 2. Marz 1840 
die Reise von Cairo über Suez nach dem Sinai auf der auch von' Ro¬ 
binson gewählten Strasse. Vom Sinai nach slkabah dagegen ging der Vf. auf 
dem minder bekannten Wege über el-’Ain, zog durch die Arabali und be¬ 
suchte unter günstigen Umständen Petra. Von hier nahm der Vf. den bekann¬ 
teren Weg über ‘Ain el - Mureidhah durch den Pass css-Ssafäh nach Hebron 
und Jerusalem , besuchte Jericho, das todte Meer, St. Saba, und folgte der 
gangbaren Strasse über Nabu/us, Tabarijeh, Ssafed, Ssür nach Beirut. 
Schon hieraus ist klar, welche Stücke besonders unser Interesse in Anspruch 
zu nehmen geeignet sind. IIleibt zwar der Vf. hinter seinem berühmtem 
Landsmanne zurück und lässt sich nicht verkennen, dass er etwas breit ist, 
öfters auch zu uncrspriesslichen Erörterungen abirrt: so ist er doch ein flcis- 
siger, aufrichtiger und guter Beobachter, dessen Darstellungen nicht selten 
Robinsons Forschungen erweitern und bestätigen. Herr M. Freusser, Pfarrer 
zu Langhennersdorf in Sachsen, beabsichtigt eine vollständige Ueberselznng 
des Ganzen zu veröffentlichen. Ein angemessener Auszug dürfte vielleicht noch 
willkommener sein. Obige Auszüge werden hinreichen,- die Rciseresnltalo 
wie die Uehersetzung zu charukterisircn. Vgl. Kob. I. S. 140 If. D. Red. 



316 


Slephen Olms Reise 


Armen, welche über eine Meile weit von dein Berge vor'uns in 
der Gestalt eines Halbkreises ausliefen. Xakb-huwi *), die Berg¬ 
lücke, durch die man zu den Bergen des Sinai gelangt, durch- 
schneidct diesen Halbkreis in seinem Mittelpunkte. Hier fangt 
eine tiefe Schlucht an, die das Bett eines ‘Waldstroms ist, der 
nur erst kürzlich vertrocknet war. Die Berge zur Rechten und 
Linken sind zwar nicht senkrecht, aber doch sehr steil und hoch, 
und ihre sehr abschüssigen Seiten reichen bis auf den Boden der 
Schlucht und bilden die Ränder des Waldstroms. Wir stiegen auf 
der Westseite auf einem sich schlängelnden Wege immer bergan. 
Er war so schmal, dass die Kamecle kaum Raum hatten, und 
ihre Lasten oft heftig an die hervorspringenden Felsen, die un- 
sern Pfad einengten, anstiessen. Ein kleines Stück ist gepflastert, 
indem einige grosse breite Steine in einer Linie hinter einander 
gelegt sind. An andern Stellen ist der Pfad durch die Tritte 
der Kameelc in den Fels getreten, aber an dem grossem Thcile 
ist nichts gethan worden, um . die natürlichen Hemmnisse zu be¬ 
seitigen, die unser Weiterkoinmen zu hindern drohten. Da wir 
die auf einander folgenden Abhänge über sehr grosse Wände von 
ubgelösten oder rollenden Steinen erklimmen mussten, so standen 
die Kameelc oft still und erhoben, rückwärts in die tiefe Schlucht 
zur Linken unten hinabhlickend, ein klägliches Geschrei. Nur 
mit Mühe konnten sie vorwärts gebracht werden. Eine grosse 
Menge ungeheurer Felsstücke, die sich von der Hohe losge¬ 
rissen haben, sind in die Abgründe herabgestiirzt, und liegen in 
unbeschreiblicher Unordnung thcils auf dem Boden tlieils an den 
Seiten des Berges. Die östliche Felswand ist fast senkrecht, 800 
bis 1000 Fuss hoch, und in der Vorderseite derselben, so wie iu 
der ihr westlich gegeniiberstehenden Felswand, ist eine Unzahl von 
Löchern von verschiedener Gestalt und Grösse, was diesen Unge¬ 
heuern Massen das Aussehen eines wurmstichigen Maminuthsge- 
rippes giebt. Ihre Höhen sind zerrissen und unregelmässig. Sie 
erheben sich zu schwarzen, drohendeu Spitzen, die bis tief herab 
durch enge, finstre, senkrechte Risse geschieden sind. Wir wun¬ 
derten uns, in einer so abschreckenden Gegend ein Zunehmen des 
Pflanzenwuchses zu finden. Mehrere unbeachtete Dattelbäume trei¬ 
ben ihre Wurzeln in die Spalten der Felsen, und hier sah ich 
die ersten Feigenbäume und Grashalme seitdem ich Aegypten ver¬ 
lassen hatte. Ich habe nirgends einen so wilden und schauerlichen 
Engpass gesehen. 

Zwei Stunden lang bewunderten wir die Herrlichkeit dieser 
sonderbaren Gestalten und kämpften mit den Schwierigkeiten die¬ 
ser dunkeln und erhabenen Wildniss. Um 1 Uhr hatten wir die 
Hohe erstiegen. Wir gingen nun mehrere Minuten lang durch 
einen engen,, unebenen Pass, als unsre Führer, begierig hiu- 


i) Im Original unrichtig Tfukctl Hnwa. 


D. Red. 



Wadi Sheikh — Sinai. 


317 


zeigend auf das dunkle, raulie Gebirge, welches sich vor uns 
erhob, und sichtbarlich mit uns das Interesse an diesem Anblick 
tlieilend, mit lauter, fröhlicher Stimme ausriefen: „Dshebel Mousa! 
Dshcbel Mousa!“ Qas Thal, das hier ziemlich breit war, verwan¬ 
delt sich allmälig in eine weite Ebene, ist links und rechts von 
sehr hohen, schwarzen Granitwänden umgeben, die in viele rauhe, 
senkrechte Spitzen durch Spalten getheilt sind, die fast bis auf 
den Fuss niedergehen. Quer über dem Thale drüben, gerade vor 
uns, in einer Entfernung von etwa zwei Meilen stellte sich plötz¬ 
lich unsern Blicken der Berg Sinai dar, in einer Höhe von 1500 
Fuss, in Unstern, senkrechten Felsklippen. Von hier aus gesehen 
steht er fast vereinzelt da, indem ihn auf der Ost-, West- und 
Südseite tiefe Thäler von den fürchterlichen, Ungeheuern Granit¬ 
säulen trennen, mit welchen die umliegende Gegend angefüllt ist. 
Das ausgetrocknete und felsige Bett eines Bergstroms zieht sich 
fast bis zu seinem Fusse herab. Von hier an erstreckt sich eine 
aufgeschwemmte Ebene von Kies und Sandstein bis an den Fuss 
der sich aufthürmenden Felsen, deren schwarze, breitgezogene 
Massen bis an die Wolken reichen. Ich zweifle nicht, dass die 
Erinnerungen, die sich an diese Gegend knüpfen, einen grossen 
Einfluss auf meine Empfindungen hatten; aber ich bin auch über¬ 
zeugt , dass ich nie einen Anblick von so Ehrfurcht gebietender, 
so überwältigender Grösse gehabt habe. Es war eine Stunde 
tiefer, das ganze Gemüth ergreifender Rührung. 

Wir hatten nur erst die Hälfte des Wadi er-Raha der Länge 
nach durchschnitten, als es anfing zu regnen. Wir beschleunigten 
daher unsre Schritte nach dem Kloster St. Katharina, dem gewöhn¬ 
lichen und einzigen Quartier für reisende Christen. Es liegt in einer 
engen, tiefen Schlucht auf der Ostseite des Sinai, etwa eine 
halbe Meile über dem südlichen Ende vom Wadi er-Raha. Der 
Zugang zu demselben wird durch Fclsinassen und Steine erschwert, 
über die wir mit Mühe hinwegstiegen. Endlich befanden ivir 
uns vor dem Eingänge des Klosters. 

Den 14. März. Unser erstes Unternehmen war das Besteigen 
des Sinai. Um 11 Uhr verliessen wir das Kloster durch einen 
niedrigen gewölbten Gang, der fast ganz finster und kaum weit 
genug wJir, uns ohne grosse Unbequemlichkeit einen Ausgang zu 
gestatten. Er ist mit eisernen Thüren verschlossen, die kaum 
vier Fuss hoch sind. Nachdem wir so unsern Weg mit zur Erde 
niedergebeugten Köpfen, um nicht oben nnzustossen, etwa 5 Yards 
weit herausgefühlt batten, befanden wir uns in dem Klostergarten. 
Im Vergleiche mit Allem, was ich während dieser Reise gesehen 
hatte, war er ein wahres Paradies. Der Menscbenfleiss hat hier 
einen vollständigen Sieg über die Unfruchtbarkeit der Natur davon- 
getragen. Hohe Cypressen, Oliven-, Granat-, Aprikosen-, Mandel-, 
Birn-, Aepfel- und andere Obstbäuine, von denen viele jetzt in voller 
Blüthe standen, gewährten einen Anblick üppigen Wuchsthums, 



318 Stephen (Hins Reise 

der dem Auge, das bisher nichts als nackte Felsen und dürre, 
schauerliche Sandwüsten vor sich zu seheft gewöhnt war, um so 
angenehmer war. 

Besucher haben freien Eintritt in den Qiarten am Tage, und 
während desselben werden auch Frauen in das Kloster gelassen. 
Aus dem Garten kamen wir durch ein offenes, von einem Pförtner 
bewachtes Thor an einen kleinen, felsigen Abhang, der zwischen 
dem Kloster und dem Berge liegt. Wir wendeten uns dann eine 
Viertelstunde lang südwärts, und kamen beiü'einer schmalen, steilen 
Schlucht an, die aufwärts nach der Spitze des Sinai führt. Das 
Hinaufsteigen ist schwierig und anstrengend. Man hat von un¬ 
förmlichen Granitmassen eine Art von Treppe auf eine grosse 
Strecke des Weges gemacht; aber viele derselben sind jetzt aus 
ihrer Lage gerückt, auch scheint man eben nicht viel Ueberlegung 
und Geschicklichkeit angewendet zu haben, um die passendste 
Stelle für den Weg auszusuchen oder den natürlichen Hindernissen 
des Besteigens auszuweichen. Die Schlucht ist dureh herabkommen¬ 
des Gerolle und viele ungeheure Felsmassen, die hier beim Herab¬ 
stürzen von den obern Theilen des Berges liegen geblieben sind, 
gesperrt. Es sind viele Umwege nötliig, um die hervorspringen¬ 
den Felsen zu umgehen, und nach länger als einer Stunde be¬ 
fanden wir uns erst auf dem halben Wege des beschwerlichen 
Abhanges. 

Unterwegs kommen verschiedene interessante Gegenstände 
vor. Herrliche Duellen dringen aus den Felsen hervor und bilden 
einen prächtig strahlenden Wasserfall, der sich die Schlucht 
hinunterstürzt, zuweilen unter den abhängigen Felsen und dem 
Gerolle sich verliert, und dann wieder zum Vorschein kommt. 
Wir näherten uns oft seinem kühlen, klaren 'Wasser, unsern 
Durst zu löschen, den wir bei solcher Anstrengung, den brennen¬ 
den Strahlen der Sonne ausgesetzt, empfanden, ob 'wir gleich 
vor Kälte schauerten , ehe wir den Gipfel des Berges erreichten. 
Unser Führer, ein Mönch aus dem Kloster, hiess uns still stehen, 
um eine Quelle zu betrachten, die in einer tiefen, durch über¬ 
hängende Granitmassen gebildeten Grotte en tspringt. Er schrieb 
ihr einen wundervollen Ursprung zu. Etwas weiter hin ist eine 
kleine Kapelle, der Jungfrau geweiht, erbaut aus rohen, unbe¬ 
hauenen Steinen ohne alle Schönheit und Zierrath. Nach weiterer 
mühevoller Anstrengung den steilen Pfad hinan, über den hier 
grosse i'elsklippen hinweghingen, gelangten wir zu einem kleinen 
Thore; einige Minuten später zu einem andern, dem ersteren ähn¬ 
lichen. Nichts kann die Herrlichkeit und Erhabenheit der Aus¬ 
sicht übertreflfen, die man an dieser Stelle hat, besonders wenn 
man sich umwendet und in den tiefen Abgrund, den man hinter 
sich zurückgelassen hat, hinabblickt. Ganz unerwartet öffnet 
sich da weiter dem Blicke eine Scene von einziger Schönheit. Es 
ist ein tiefes Thal, links und rechts von hohen, nackten Felsen 



Sinai, 


319 


eingesclilosscn. Im Mittelpunkte desselben erhebt sich eine mäch¬ 
tige, schöngewachsene .Cypresse. Hier grünen kleine Grasstellen 
mit einer Ueppigkeit, wie man sie in den tiefer liegenden Tbälern 
gar nicht findet. 

In einiger Entfernung über diesem herrlichen Rubeplätzchen 
steht eine kleine Kapelle, ganz ohne allen Geschmack erbaut, 
dem Propheten Elias geweiht. Der Gipfel des Berges erhob sich 
noch weit über uns, doch die fortwährende Anstrengung des Em- 
porkliminens wurde durch die zunehmende Herrlichkeit der Aussicht 
belohnt. Die Luft wurde nun kalt, und die Felsen, über welche 
ein kleines Bäckelchen herahrieselte, waren mit Eis bedeckt. In 
zwei und einer Viertelstunde, vom Anfänge unsers Hinaufsteigeus 
an, hatten wir die Spitze des Sinai erreicht. 

Die Gegend, durch die wir seit vielen Tagen auf unserm Wege 
gezogen waren, lag wie eine Landkarte vor unsem Augen aus¬ 
gebreitet, und die langen Ketten von Kalksteingebirgen und 
die sandigen Vertiefungen zwischen denselben konnte man ganz 
deutlich unterscheiden. Die Aussicht nach West und Nordwest 
ist nicht so weit. Der Katharinenberg mit seinen hohem Spitzen 
verbirgt das rotlie Meer und Suez, die man von seinem Gipfel 
sehen soll. Diese entfernten Gegenstände waren es jedoch 
nicht, die mich besonders interessirten. Mein Blick ruhte viel¬ 
mehr auf einem Gefilde von ungefähr dreissig bis vierzig Mei¬ 
len im Durchmesser, voller Berge, die in Gestalt und Aussehen 
dem Sinai sehr ähnlich sind und unter diesem allgemeinen Namen 
mit begriffen werden. Ich habe sonst nirgends etwas Aehnliches 
gesehn, und ich gehe die Hoffnung auf, eine genau entsprechende 
Schilderung zu entwerfen. Eigentlich kann man ihnen den Namen 
einer Gebirgskette nicht geben. Denn keine derselben ist länger 
als fünf bis acht Meilen, und die meisten davon sind noch kürzer. 
Im Ganzen einander auf eine merkwürdige Weise ähnlich in Form 
und Ansehen bilden sie unverbundene, getrennte Massen, ge¬ 
schieden durch tiefe, enge Thäler, die nur zuweilen sichtbar sind, 
im Ganzen aber dem Auge des Beschauers auf dem Gipfel des 
Sinai, dem höchsten Punkte in der ganzen Gruppe, mit, wie ich 
glaube, bloss zwei Ausnahmen verborgen bleiben. Dieser Umstand 
verursacht, dass eine Gruppe abgesonderter Berge das Aussehen 
gewinnt, als wäre es ein einziger grosser Haufe, auf welchem 
sich hohe Spitzen erheben. Betrachtet man diese Spitzen genauer 
und von einem andern Standpunkte, so findet man, dass es Kämme 
kurzer, aber ganz deutlicher Bergrücken sind, die in-eine Menge 
hoher, dünner Spitzen auslaufen, durch tiefe Schluchten getrennt, 
welche durch die Zersetzung perpendikulärer Porphyrlagen zwi¬ 
schen den festem Granitmassen entstanden sind. 

Ich habe erwähnt, dass man auf den Bergen in Arabien keine 
Bäume und keinen Graswuchs antrifft. Verkrüppelte Bäume und 
dürftige Pflanzen findet man hier und da in den Thälern, wo 



320 


Stephen Oliti’s Reise 


Quellen oder Regen die nöthige Feuchtigkeit gehen; aber der 
auf das Ganze geworfene Blick wird sie nicht gewahr und sie 
bringen in das Gesammtbild auch nicht die geringste Farbenmi¬ 
schung. Tiefer unten an den Seiten, selten höher in der Nähe 
der Gipfel, sind grosse Steinmassen, die zuweilen eine glatte, 
ununterbrochene Oberfläche bilden. Grösstentlieils aber haben die 
Abhänge der Berge scharfe, hervorstehende Kanten und Zacken 
und dazwischen Aushöhlungen, die durch die Zersetzung der lockern 
Theile des Felsen entstanden und als die blosse Schale desselben 
zu betrachten sind. Die hohen und schlanken Massen, die sich 
über den Urstock des Gebirges erheben, haben zuweilen ein säu¬ 
lenförmiges Ansehn. 

Die Farbe dieser Berge ist bei aller Verschiedenheit doch durch¬ 
gängig dunkel und düster. An einigen der tiefer liegenden Massen 
ist die Grünsteinbildung vorherrschend, und da sie leicht zersetzt 
und durch den liegen fortgeschwemmt wird, so färbt sie die da¬ 
runter liegenden Stellen dunkelgrün. Wo der Porphyr vorherrscht, 
theilt er seine Farbe den höher liegenden Theilen des Berges 
mit und beträchtliche Bergzüge haben ein ziegelrothes Aussehen. 
Der bei weitem grösste Tkeil aber dieser sonderbaren Berge be¬ 
steht aus rotliem Granit, dessen helle und schöne Farbe Zeit 
und Elemente in ein dunkles Rothbraun verwandelt haben. Andere 
Schattirungen erscheinen hn verschiedenen Orten. Alles hat eine 
dunkle, düstre Färbung und gewährt durch Höhe und Gestalt 
einen erhabenen, herrlichen Anblick. 

Bei unserm Herabsteigen vom Berge wurde uns die Stelle 
gezeigt, wo Mose während der Schlacht mit den Amalekitern 
iin Thule Rephidira stand. Dieses Thal, das uns von unserm 
Führer bezeichnet wurde, liegt nicht viel über eine Meile südöst¬ 
lich von der Stelle, auf welcher der Prophet stand. Au einer 
andern Stelle des Weges rief uns der muhammedanische Dolmetscher 
beiSeite, um uns den Fusstapfen von Mohammeds Kameel zu zeigen. 

Ich kehrte in das Kloster zurück mit der Ueberzeugung, 
dass die Tradition der Mönche hinsichtlich der Bestimmung- der 
Spitze, die ich als die des Berges Sinai, von welchem die Bibel 
redet, besucht hatte, eine ganz irrthüinliche ist. In mehr als einer 
Hinsicht entspricht sie der biblischen Erzählung ganz und gar 
nicht. Es giebt hier keine grosse Ebene, die Raum gäbe zu 
einem Lager für eine solche Menge als die Kinder Israel aus- 
maebten, und von wo aus die Spitze des Berges und die Ereig¬ 
nisse auf ihm, selbst Mose’s Hinaufsteigen hätte gesehen werden 
können. 

Der Berggipfel, den wir heute bestiegen, der Sinai nach 
der Angabe der Mönche, erhebt sich an dein südöstlichen Ende 
eines Bergzuges, der nicht länger ist, als drittbalb bis drei Meilen, 
und sich von Nordwest nach Südost erstreckt. Das entgegen¬ 
gesetzte Ende dieses kurzen Bergzuges besteht aus einer zweiten 



Sinai, Safsdfeh. 


321 


sich in die Lüfte erhebenden Spitze, zwischen welcher und der 
des Sinai der Mönche das bereits beschriebene tiefe Thal liegt, in 
welchem die Cypresse und die Kirche des Elias stehen. Die Mönche 
geben der nördlichen Höhe den Namen Horeb. Die Araber nennen 
den ganzen Bergzug Dshebel Musa und das nordwestliche Ende 
desselben Safsdfeh '). 

Dshebel Safsafeh erhebt sich von einer breiten und sich weit¬ 
hin erstreckenden Fläche in verschiedenen hohen und fast senkrech¬ 
ten Bergspitzen. Er gewährt einen Anblick imposanter, erhabener 
Grösse, und ob er gleich niedriger ist als die benachbarten Berg¬ 
spitzen, so macht er doch einen grö'ssern Eindruck. Er über¬ 
schaut vollkommen das weitausgedehnte Thal von er-Raha, das 
sich von seinem Fusse an zwei Meilen nordwärts hinzieht und 
in seiner Breite abwechselnd eine halbe bis ziemlich eine. Meile 
beträgt. Der Wadi esh-Sheikb, der von Osten herkoipmt, durch- 
schueidet den Wadi er-Raha gerade an der Fronte oder der 
Nordseite des Berges, und indem er so die ebene Gegend sehr 
vergrössert, bietet diese bequemen Raum genug zum Lager eines 
Heerhaufens. Dieses ist die einzige Stelle in der Gegend umher, 
wo eine grosse Armee sich lagern konnte. Sie besitzt alle Vor¬ 
theile in dieser Hinsicht, und niemand, der sich einige Kenntnis» 
von der Nachbarschaft des Sinai erworben hat, kann Anstand 
nehmen zu glauben, dass dieses die Ebene ist, auf welcher die 
Kinder Israel während der Zeit, da das Gesetz gegeben wurde, 
sich gelagert hatten; Wirklich hat auch die Tradition, wie ich 
glaube mit völliger Beistimmung jedes Reisenden, hieher das 
Lager verlegt; aber mit einer befremdenden lnconsequenz und 
ohne alle Rücksicht auf die Thatsachen, die durch die Bibel be¬ 
zeugt sind, hat sie den Namen Sinai und die Ehre der göttlichen 
Offenbarungen dem südlichem Gipfel des Berges gegeben, der 
vom Tbale aus gar nicht gesehen werden kann. 

Den 16. März. Den heutigen Tag verwendete ich auf die 
Untersuchung der Gipfel am nördlichen Ende des Dshebel Mousa, 
des Safsdfeh der Beduinen. Es war dieses eine' Excursion von 
hohem Interesse, aber mit vieler Beschwerde und Angst ver¬ 
bunden. Ich verliess mit Herrn Cooley das Kloster durch den 
Gang, der in den Garten führt, um 9 Uhr Vormittags. Wir 
nahmen keinen Führer mit, weil wir keinen linden konnten, der 
nur einigermassen des Wegs kundig gewesen wäre. Die Beduinen, 
an die wir uns mit unsern Nachfragen wendeten und von denen 
wir den Namen von diesem Ende des Bergs erfuhren, versicherten, 
es gäbe da keine Wege, die sie uns führen könnten, und mochten 
uns in unserm Vorhaben nicht als Führer dienen. Von den Mön¬ 
chen konnten wir auch nichts erfahren über die Lage oder den 


1) IrrllmmUch nennt der Vf. die Höhe stets SooJcsafn. 

It. Bd. 21 


D. Red. 



Stephen Olin's Reise 


322 

Namen eines Ungeheuern Berges, der sich unmittelbar von den 
Mauern und Gärten des Klosters an erhebt. 

Unser Führer auf den Berg Sinai, der gewöhnliche Füh¬ 
rer der Reisenden, welche die Nachbarschaft besuchen, und der 
in dieser Hinsicht wahrscheinlich am besten unterrichtete Mann 
in dem ganzen Kloster, sagte uns, dass er mit diesem Berge 
gar nicht bekannt sei und versicherte, dass er nichts Interes¬ 
santes biete. Indem wir uns von dem, was interessant ist, 
die Auslegung seihst machten, schritten wir ohne Begleiter vor¬ 
wärts längs des engen Thaies des Klosters auf den Wadi er- 
Ralia zu und gelangten, uns westlich wendend, bald an den Fuss 
von Safsäfeh. Anfänglich gings über Steingerölle, das von oben 
herabgekommen war; aber bald erreichten wir den festen, nackten 
Fels, aus welchem der Berg grösstentheils besteht, und setzten über 
denselben den grössten Theil unsers Wegs bis zur Spitze fort. 
Das Gestein ist von schlechter Verbindung und hat eine rauhe Ober¬ 
fläche, wodurch die Gefahr auszuglciten vermindert wird. Jetzt 
hatten wir eine zweite Höhe, steiler und schwerer zuerklimmen, 
vor uns. Es waren nicht weniger als vier solcher Klippen, von 
denen jede an andern Orten als hoch würde angesehen worden 
sein, die in gerader Linie nach dem Ziel unsrer Unternehmung 
standen und- eben so viele Absätze unsers Emporklimmens bildeten, 
Die zweite setzte unserm Vordringen keine grosse Schwierigkeit 
entgegen und war bald erstiegen. Die nächste war steiler, die 
Oberfläche des Felsen, der hier fester war als tiefer unten, war 
zu glatt, als dass man festen Fuss hätte fassen können, und da 
die Abdachung in der Nähe des Gipfels sehr steil wurde, so, 
war das Emporklimmen sehr schwierig und ermüdend. Als wir 
nicht weiter vorwärts konnten, mussten wir in eine enge Schlucht 
hinabsteigen, die gerade zwischen der letzten der geringem An¬ 
höhen und dem sich aufthürmenden Dshebel Safsäfeh sich befindet, 
der unsern Blicken eine ungeheure Felsenmasse darbot, die sich 
ganz senkrecht mehrere hundert Fuss erhob. Wir hofften indess 
irgend einen weniger zurückschreckenden Anblick zu gewinnen, 
wenn wir uns um seinen Fuss herum auf die östliche oder süd¬ 
liche Seite begäben. Unser Emporklimmen wurde uns erleichtert 
durch eine grosse Menge Fels- und Granitstücke, die von oben 
herabgestürzt waren und in der Schlucht lagen. Sie bildeten an 
mehrern Stellen willkommene, freilich beschwerliche Treppen. 
Ehe wir den Punkt erreichten, wo wir irgend einen ersteigbaren 
Abhang zu gewinnen gehofft hatten, an welchem wir zu dem 
überhängenden, drohenden Felsen emporklimmen könnten, sahen 
wir uns mit einem Male durch einen tiefen Abgrund aufge¬ 
halten. Auf dem Boden, der 200 Fuss tief unter uns lag, war 
ein kleines Thal, von grossen, steilen Felsen eingeschlossen 
und mit Gras bewachsen. Durch irgend eine Schlucht, die wir 
nicht sehen konnten, steht dasselbe wahrscheinlich mit einem 



Safsdfeh. 


323 


der grossem, tiefem Thäler in Verbindung. Unsre Hoffnung auf 
einen glücklichen Erfolg auf dieser Seite war nun gänzlich ab¬ 
geschnitten , und es hatte ganz das Ansebn, als ob wir zu der 
Ebene, von wo wir ausgegangen waren, würden zurückkehren und 
einen andern Ausgangspunkt suchen müssen. Bei weiterer Unter¬ 
suchung fanden wir jedoch eine andere Stelle des Felsen, wo 
wir weiter emporzuklimmen versuchen konnten, ob es gleich ganz 
unmöglich schien von da einen höhern Punkt zu erreichen. Der 
Versuch glückte über alle meine Erwartung. Ein kleines Lager 
einer zersetzten Porphyrader gewährte anfangs unerwartete Be¬ 
quemlichkeit. Als dieses aufhörte, stemmten wir uns in die kleinen 
Vertiefungen ein, die sich, wie ich bereits bemerkt habe, in der 
Oberfläche des Felsen befanden und klimmten so über die nicht 
mehr so senkrechten Massen empor. Der Abhang wurde nun so 
glatt, dass wir nur auf Händen und Fussen kriechen konnten. 
Hätten wir einen Fehltritt gethan oder glitten wir aus, so waren 
wir verloren. Gerade an dem Orte, wo diese glatte Stelle anfing, 
war ich so unglücklich-von dem passenden Wege abzukommen 
und sah mich in dem Weiterkommen durch einen senkrechten 
Felsen verhindert. Mit Hülfe einiger kleinen Risse und hervor¬ 
springenden Felsstückc stieg ich noch 15—20 Fuss empor, ehe 
ich die gänzliche Unmöglichkeit weiter vorzudringen einsah. Als 
ich versuchte wieder herabzusteigen, was noch weit schwieriger 
war, wurde ich einen tiefen Abgrund von wenigstens 200 Fuss 
gewahr, über den ich, indem ich weit linkshin die schräg liegen¬ 
den Theile des Felsen verfolgt hatte, unvorsichtigerweise hinaus¬ 
geschritten war, und in welchen ich bei einem einzigen Fehltritt 
hinabgestürzt sein würde. Augenblicklich wendete ich mein Ge¬ 
sicht weg und hing nun so an dem Felsen da, indem ich mich 
an ein hervorstehendes Stück desselben mit den Händen krampf¬ 
haft auklammerte. Ich sammelte mich sogleich wieder und half 
mir zum Glück bald aus dieser höchst unangenehmen Lage. In 
diesem Augenblicke voll Angst und Gefahr drang der Jubelruf 
meines Gefährten in mein Ohr, der den Gipfel des Berges erreicht 
hatte. Nachdem ich einige Minuten ausgeruht, um meine durch 
Anstrengung ganz erschöpften Kräfte ein wenig zu sammeln, ge¬ 
wann ich den Weg, auf welchem er hinangekommen war, und 
war höchst erfreut mein Ziel erreicht zu haben. 

Der Gipfel des Safsäfeh, der von dem Wody er-Raha aus 
gesehen nur als ein kleiner Punkt erscheint, breitet sich in eine 
Ebene von bedeutendem Umfang aus und besteht aus dunkelgrauem, 
von der Sonne verbranntem Granit. Die Aussicht von diesem 
Punkte ist fast eben so schön wie die von dem Sinai und umfasst 
beinahe dieselbe Gegend.- Ich freute mich sehr, mich zu überzeugen, 
dass er die Ebene von er-Raha vollkommen beherrscht, und dass 
jeder Gegenstand von hinlänglicher Grösse und jeder Vorgang 
auf demselben von den unten gelagerten Israeliten musste gesehen 

21 * 



324 


Stephen Olin's Reise 


werden können. Meine Vermutliung, dass dieses der wahre Sinai 
sei, wurde dadurch ganz bestätigt. Es gieht an diesem Endpunkte 
des Bergzuges noch zwei andre Gipfel innerhalb einer Entfernung 
von einer halben Meile oder etwas darüber. < Ich bestieg sie ohne 
grosse Schwierigkeit, um mich zu vergewissern, ob etwa einer 
von ihnen auf die Ehre Anspruch machen könnte, die ich bereits 
dem ersten zuerkannt hatte. Ich überzeugte mich bald, dass dieses 
nicht der Fall sei. Nur ein kleiner Theil von der Ebene er-Raha 
kann von ihnen gesehn werden, weil die Aussicht nicht bloss 
durch den vorragenden Gipfel desjenigen Berges, den ich für den 
wahren Sinai mit völliger Zuversicht halten muss, «sondern auch 
durch einige niedrigere Hervorragungen gehemmt wird *). 

Ich biieb über eine Stunde auf diesen erhabenen, ehrwürdigen 
Höhen. Mehrere tiefe Schluchten führen zwischen verschiedenen 
Massen hindurch zu diesem Theile des Berges, ln denselben wächst 
eine Menge Gestrüpp und Büschelgras, zu dem die Ziegenheerden 
der Beduinen ganz gewiss einen nicht so steilen und beschwer¬ 
lichen Weg suchen, als wir gefunden hatten. 

Meine Rückkehr vom Safsäfeh nach dem Kloster war für 
mich mit mehr Zufällen und gefährlichen Umständen als das Hinauf¬ 
steigen verbunden. Ich wollte nicht auf demselben Wege zurück¬ 
kehren und hoffte einen geradem Weg zu finden, der mir zu¬ 
gleich Gelegenheit verschaffen könnte, die mittlern Partieen des 
Berges genauer zu untersuchen. Mein Begleiter wählte eine 
Schlucht, die ihn in das Cypressenthal führte, durch welches wir 
am Sonnabende bei unsrer Besteigung des Sinai gekommen waren. 
Ich gerieth in eine Schlucht, die sich nach Südosten gegen das 
Thal des Klosters wendete. Diese Seite des Berges ist sehr steil 
und die Schlucht, an der sich zu beiden Seiten senkrechte Fels¬ 
wände erhoben, zeigte auf einmal ganz unerwartet einen jähen, 
schwer zu passirenden Abhang, über den nur über Felsen hinweg 
hinab zu kommen war, die hier hei ihrem Herahstürzen vom Berge 
liegen geblieben waren. Diese gaben jedoch den Füssen einen 
guten Haltpunkt. Als ich nun eine halbe Stunde so hinabgestiegen 
war, sähe ich mich mit einem Male von einem wenigstens hundert 
Fuss tiefen Abgrunde aufgehalten. Es blieb nichts übrig, als meinen 
Weg wieder zurück nach der Schlucht zu nehmen, und in einer 
andern halben Stunde war ich wieder auf dem Gipfel des Berges. 
Als ich mich nun nach einem bessern Wege umsah, fand ich bald 
eine zweite Schlucht, ganz der ersten ähnlich. Ich begab mich 
in dieselbe. Beide waren dadurch entstanden, dass einige senk- 


1) Der Vf. sucht nun nach den auch von Robinson beigebrachten Schrift¬ 
stellen darzuthun, dass nur die Lage des Dshebel Snfstifeh, nicht aber die 
des südlicheren Dshebel Musa dem entspreche, was die Schrift über das 
Lokal der Gesetzgebung angiebt. D. R e d. 



Safsdfeh. 


325 


rechte Lager zwischen den Granitinassendie sich ganz gerade 
oder aucli überhängend, zu einer ausserordentlichen Höhe erheben, 
herausgewaschen waren. Dieser zweite Versuch, das Thal zu ge¬ 
winnen, lief nicht glücklicher ab als der erste. Ungefähr in der¬ 
selben Gegend des 'Abhanges hatte ein ungeheurer Granitblock, 
wohl auf vierzig Fuss im Durchmesser, den Weg gänzlich versperrt. 
Haufen von kleinern Steinen und Gerolle bildeten eine Art Rand 
an der obern Seite des Felsen hin, aber darunter hatten Sturz¬ 
bäche einen fürchterlichen Abgrund ausgewüblt, der tiefer als der 
Fels hoch war. Hier war wiederum eine unüberstcigliche Schei¬ 
dewand, und ich sah mich noch einmal nach der Spitze des Berges 
um. Das Hinanklimmen war äusserst schwierig. Ich war abwärts 
über mehrere glatte Felsen weggeglitten, an denen ich mich beim 
Emporkliinmeu weder mit den Füssen noch Händen anhalten konnte. 
Meine Kraft fing an unter dieser mühseligen Anstrengung auszu- 
gehen, und ich war herzlich froh als ich wieder oben auf dem 
Gipfel stand und —— mich bloss in der Nothwendigkeit sah, einen 
neuen Versuch zu machen, von dem ich in der Angst meines Her¬ 
zens fürchtete, er möchte nicht glücklicher ablaufen, als die vor¬ 
hergehenden. Ich würde auf den Safsafeh zurückgekehrt sein und 
den Weg, den ich erst verschmähte, eingeschlagen haben, aber 
ich hatte die Richtung verloren. Ich beschloss daher, zu sehen, 
ob ich nicht den Weg in das Cypressenthal finden könnte, wo es 
dann keine Schwierigkeit mehr gab. Ich durfte nur dem betrete¬ 
nen Wege nach dem Kloster folgen. Ich stieg deshalb auf den höch¬ 
sten Punkt in diesem Gcbirgstheile, um mich um zusehn, und ent¬ 
deckte bald eine Schlucht, die in gerader Richtung dahin führte. 
Sie war mit allen den Schwierigkeiten verbunden, die ich bereits 
erfahren hatte , nur waren sie nicht schlechterdings unüberwindlich. 
Ich gleitete über lauge Abschüsse hin, die eine zu glatte Ober¬ 
fläche hatten, als dass mau sich hätte unklammern können, und 
der Gedanke beunruhigte mich nicht wenig, dass es uumöglich 
sein würde meinen Rückweg zu nehmen, im Fall diese Schlucht 
wie die übrigen nicht zu passircu wäre. Ich fand bald, dass sie 
nicht ins Cypressenthal führte, sondern sich nach der östlichen 
Seite des Berges bin wendete, wo es, wie ich so eben erst die 
Erfahrung gemacht hatte, ungeheuer grosse, abgebrochene Felsen 
und Abgründe giebt. Nachdem ich eine Zeitlaug abwärts gestiegen 
war, wurde ich durch den Anblick einer kleinen, unansehnlichen 
Kapelle erfreut, dergleichen man in mehrern tiefen Schluchten 
des Gebirges findet. Daraus erkannte ich, dass der Weg wenig¬ 
stens nicht unbekannt sei. Die Schlucht, in welcher ich herab 
kam, breitete sich in ein weites, bewässertes und grünendes Thal 
aus, aber es wurde bald enger und enger als zuvor, und ich musste 
nach der immer zunehmenden Abschüssigkeit des Weges und dem 
gänzlichen Verschwinden aller Anzeichen, dass hier etwas gethan 
worden sei, glauben, dass der Zugang zu der Kapelle auf der 



326 


Stephen Oliris Reise 


entgegengesetzten Seite sei, wahrscheinlich vom Cyprcssenthalc 
herauf. Diess gab mir wenigstens Hoffnung, einen Ausweg zu 
finden, wenn ich auch genöthigt sein sollte, noch einmal umzu¬ 
kehren. Glücklicherweise indess gelang es mir, auf diesem Wege 
bis an den Fuss des Berges zu kommen. ' 

Ich hatte mit diesen vereitelten Versuchen, den Berg herab 
zu steigen, drei und eine Viertelstunde zugebracht und war in 
allem über sechs Stunden weg gewesen. An zwei Stellen war 
die letzte Schlucht durch gewaltige Felsstücke verrammelt, die 
von der Hohe herabgeschossen sie ganz ausfüllten und einen. 
jähen Abhang von dreissig bis vierzig Fuss Höhe bildeten. Beide 
Mal aber fand' ich einen unterirdischen Durchgang, den die Re¬ 
gengüsse gemacht hatten, gerade für meinen Körper weit genug. 
Durch denselben kroch ich unter den darüber liegenden Massen 
hindurch und gelangte so an den Fuss des Abhanges, der sich 
durch das Herabstürzen der Felsen gebildet hatte. Die letzte 
Stunde war eine der angstvollsten. Ich bewältigte die Furcht 
durch Vertrauen zu Gott, der mich beschützte und glücklich rettete, 
und ich war von dem lebhaftesten Dankgefühl durchdrungen. 

Den 17. März. Ich fühlte mich heute früh in Folge der 
gestrigen Anstrengungen zu irgend einer Unternehmung gar nicht 
aufgelegt und wollte daher auf meinem Zimmer bleiben und der 
Ruhe pflegen. Ich konnte jedoch der Einladung nicht widerstehen, 
drei von unsrer Gesellschaft auf den Dshebel el-Menadsha zu be¬ 
gleiten, einen Berg, etwa zwei Meilen südlich vom Lager, mit dem 
er durch die enge Schlucht, in welcher das Kloster liegt, in Ver¬ 
bindung steht, von Lord Lindsay als der eigentliche Sinai be¬ 
zeichnet. Die Höhe zeigte sich grösser, als ich sie von Wadi 
cr-Ralia und dem Sinai aus gesehen mir vorgestellt hatte. Von 
diesen Punkten aus geselin, hat der Berg die Form eines Domes oder 
einer breitgedrückten Halbkugel. Er erscheint nicht so unregel¬ 
mässig und gezackt, wie die übrigen Berge der Umgegend, und 
sieht grün aus, was ich von der Zersetzung des Grünsteins her¬ 
leitete, der so häufig in den Abhängen dieser Berg reiben vorkommt. 
Bei näherer Untersuchung fand ich jedoch, dass die Regelmässig¬ 
keit seiner Form und die Ebenheit seiner Oberfläche nur scheinbar 
waren. Dshebel el - Menadsha besteht aus inchrern Rücken, auf 
die man beim Hinaufsteigen nach und noch gelangt, mit einer 
Mannigfaltigkeit von Schluchten, Abgründen und nackten Granit¬ 
massen , die alle aus kleinern Abstufungen bestehen, wie sie dem 
Sinai und Safsafeh eigcntbüinlich sind. Es ist schwer, die Ur¬ 
sache seiner besonder!) Farbe anzugeben, da wir keine Ueberreste 
von Grünstein, dem wir dieselbe zugeschrieben hatten, fanden. 
Die grossem Felsinassen bestebeu aus rothem Granit, der mit 
kleinen Stücken von grauem Granit stark belegt ist. Auch findet 
man am Berge keinen Graswuclis, dem man etwa sein besonderes 
Anssehn zuschreiben könnte. Ob er gleich weiter hinauf, als ich 



Sinai — 'Akahah. 


327 


es gewöhnlich getroffen habe, mit Gestrüpp bewachsen ist, so ist 
dieses doch ganz blätterlos und fast weiss. Vielleicht brachte das 
Zurückwerfen der Sonnenstrahlen von den roth und grau gemisch¬ 
ten Felsen das Grün hervor. Das Hinaufsteigen dauerte nicht 
ganz eine Stunde. » 

Unmittelbar südlich von diesem Berge fängt ein langer, un¬ 
regelmässiger Wadi an, welchen die Tradition, wenigstens die 
' des Mönchs, unsers Führers , zum Thale llephidim gemacht hat, 
dem letzten Lager der Israeliten, bevor sie sich von-dem Sinai 
abwendeten. 

Den 18. März. Unsre Abreise aus dem Kloster bot eine Scene 
von unbeschreiblicher Verwirrung. Einige hundert Beduinen waren 
unter dem Fenster versammelt, durch welches wir in das Kloster 
gelaugt waren und durch welches unser schwerfälliges Gepäck, 
so wie unsre eigene Person wieder zur Erde niedergelassen wurde. 
Das nahm den grössteu Tlieil des Tages hinweg. Irrungen waren 
dabei nicht zu vermeiden. Koffer, Wasserkrüge u. s. w. waren 
auf falsche Kameele gepackt worden und mussten, um noch grös¬ 
seren Wirren vorzubeugen, wieder abgepackt und nach ihrer 
Aufschrift richtig vertheilt werden. Bei solchen Gelegenheiten 
sind die Beduinen immer sehr böse und aufgebracht. Sie fragen 
nicht nach Erklärung und Zurechtweisung, sondern gestikuliren 
und schreien heftig, oft wüthend. Ich war genöthigt, mich in die¬ 
sen Wirrwarr hineinzubegehen, um so viel möglich meine Sachen 
an die rechte Stelle und in die rechte Ordnung zu bringen. Ich 
habe noch nie eii^e Stunde inmitten solcher wilden und unbe¬ 
schreiblichen Confüsion verlebt, und bin nie froher gewesen, als 
heute, da ich mein Dromedar bestieg und sah, dass mein Gepäck 
auf dem Packsattel festgebunden war. 

Wir übernachteten etwa zwei oder drei Meilen vom Sinai in 
dem Wadi esh■ Sheikh , einem romantischen Thale, umgeben von 
hohen, nackten Bergen, die unsre Zelte fast überhingen. Dieses 
Thal tritt mit seiner östlichen Seite nahe beim Safsafeh in den 
Wadi er-Raha ein. 

Den 19. März. Unser Lager bot diesen Morgen einen recht 
malerischen und imposanten Anblick. Wir hatten uns im Kloster 
verstärkt und zählten nun acht Zelte. Wir waren jetzt im Ganzen 
fünfzehn Reisende, sechs Engländer, vier Amerikaner, drei Oester- 
reicher, ein Schottländer und ein Venetianer. Es ist dieses die 
stärkste Reisegesellschaft von Franken, die je die Wüste nach 
dem Berge Sinai und Petra passirt hat, wie ich von Tuweileb, 
einem allbekannten Beduinen-Sheikh, hörte, der ein paar Tage 
bei uns blieb. Unsre Führer sind von seinem Stamme, und Salib, 
unser Hauptführer, behauptet dessen Bruder zu sein, oh er gleich 
nur ein Anverwandter, vielleicht gar bloss ein Stammverwandter 
von ihm ist. 

Wir gingen gestern Abends , wie das in der Wüste gebrauch- 



328 


Stephen Olin's Reise 


lieh ist, bei guter Zeit zu Bett. Ein unbewölkter, prachtvoller 
Himmel breitete sich über uns aus. Wir dachten an nichts weniger 
als an Regen, der zwei Stunden vor Mitternacht ganz sanft 
begann und sehr bald in Strömen vom Himmel floss *). Er war 
von einem heftigen Sturme begleitet, der dds Wasser durch unsre 
Zeltleinwand, ob sie gleich doppelt war, trieb und, was noch 
schlimmer war, einige Zelte umstürzte. Das meinige, das sehr 
niedrig ist, bot dem Sturme Trotz und liess nur wenig Wasser 
durch; aber ich wurde bald von einem grossem Uebel bedroht. 
Das herrliche Thal, das wir alle Abends vorher wegen seiner 
romantischen Lage in dem Schatten hoher Berge bewundert hatten, 
wurde nunmehr zum Bett mehrerer gewaltig daher brausender 
Bergströme, und ich wurde kurz vor Tagesanbruch durch ihr 
Tosen und Rauschen aus meinem Bette getrieben. W r ie staunte 
und erschrack ich, als ich mich auf einer Sandinsel befand und 
ein reissender Strom zu beiden Seiten nur wenige Fuss von mei¬ 
nem Zelte dahinbrauste! Ich raffte alle meine Habseligkeiten zu¬ 
sammen und machte mich fertig, sobald als möglich zu entrinnen. 
Inzwischen legte sich jedoch der Regensturm. 

Der anhrcchende Tag entfaltete eine Scene von so ausnehmen¬ 
der und ergreifender Herrlichkeit, als wollte er uns für die Unan¬ 
nehmlichkeiten der' Nacht entschädigen. Das Thal ist schwerlich 
mcjir als eine Viertelmeile breit, und die fast senkrechten Fels¬ 
wände an seinen Seiten können nicht weniger als 1500 bis 2000 
Fuss über die Grundfläche sich erheben. Jede dieser Wände ist 
durch eine schmale, tiefe Spalte zerschnitten,• die sich durch die 
Zerstörung irgend eines perpendikulären Geschiebes gebildet hat 
und rechtwinklig mit der Fläche des Abhanges von der Spitze 
bis auf den Boden geht. Es sind das die Abzüge der kleinen 
Tkäler und Schluchten, welche die Gipfel thcilen und durch die 
obern 'Berge hindurch gehen. Beide stunden unserm Lager und 
einander beinahe gegenüber. Der Regen, der so unvermutbet 
das Thal überschwemmte, füllte diese steilen Spalten an und ver¬ 
wandelte sie ihrer ganzen Länge nach in schäumende, schnelle 
Katarakten von der Spitze bis zu dem Fasse der Berge. So 
hotten wir zu gleicher Zeit das Schauspiel zweier Wasserfalle, 
zehnmal höher als die des Niagara vor uns, die in einer Stunde 
eine ungeheure Wasserfluth in das durstige Thal ergossen, wo 
den Abend vorher kein Tropfen Wasser, ausser dem, das wir auf 
unsern Kameelen mitgebracht hatten, zu finden, war. 

Wir wurden von den Folgen des Regens bis Nachmittag 
aufgehalten. Die Zelte mussten erst getrocknet werden, ehe sie 
auf die Kauieele gepackt werden konnten, und einigen von uns 


1) S. o. unter dem 13. März, vgl. m. Kuppelt Reisen in Nubien S. »44., 
Reise in Abyss. J. S. 104. D. R e d. 



Sinai — *Akabah. 


329 


waren unglücklicherweise ihre Betten und Kleider ganz durchnässt 
worden. > 

Es war schon 12 Uhr vorüber, als wir unscrn Lagerplatz 
zu verlassen im Stande waren. Die Thalebene (Wadi) Sheikh, der 
wir zwei Stunden lang folgten, ist sandig, umgehen von Granit- 
gebirgen, die das Unterscheidende der Sinaitiscben Gruppe an sich 
haben. Bald nachdem wir aus diesem Thale heraus getreten waren, 
kamen wir bei einer Quelle vorbei und durch zwei schmale Schluch¬ 
ten , wo einige Palmbäume standen und etwas Gras wuchs, da 
der Boden, jedoch nicht weithin, feucht ist. Wir schlugen unsre 
Zelte in einer beträchtlichen Ebene, der Fortsetzung eines Wadi, 
der von unsern Führern ’J'ahfi *) genannt wurde, auf, nachdem 
wir nur vier Stunden gereist waren. 

Den 20. März. Unser Weg führte uns diesen Morgen anfangs 
durch eine Gegend von Bergen durchschnitten, ähnlich denen, die 
ich schon oft beschrieben habe. Als wir aus dem Wadi Gemanina , 
der aus einem grossen Thale besteht, wo sich nur wenig von 
dem in Arabien gewöhnlichen Graswuclise findet, heraus und in 
den Wadi Dellaga kamen, gingen die gewöhnlichen Granitgebirge 
in Sandstein über. Den Uebergang bildet, wie das in diesem 
Lande gewöhnlich ist, eine verworrene Mischung von Granit, 
rothem und grauem Porphyr, Grün - und Sandstein. Um 94- Uhr 
befanden wir uns in einer grossen, breiten Thalebene von weissem 
Sande, rechts und links von Sundsteinbergen ein geschlossen, die 
anfänglich nichts Bemerkenswerthes darboten, schmutzig gelb aus¬ 
sahen, regelmässig gelagert und grossentheils mit Schutt bedeckt 
waren. Nach einer Stunde bekamen sie ein mehr abwechselndes 
Aussehen. Ihr Grund besteht bis zu einer Höhe von wohl zwei¬ 
hundert Fuss aus einer sehr weissen Unterlage, die man für Kreide 
ansehen könnte. Ueber diesen weissen Massen sind purpurrotlie 
Lager von etwa gleicher Höhe. Von da bis zum Gipfel besteht 
das Gebirge aus einer dunkelbraunen Masse. Senkrechte Lager von 
Porphyr erheben sich in der sandigen Ebene oder in dem breiten 
Thale von Tellega bis zu einer Höhe von etlichen Fuss über den 
Boden. Gegen das Ende dieses Thaies wurde unser Weg mühsam 
und schwierig. Wir stiegen beträchtliche Rücken von weissem 
Sandstein hinan, die mehr und mehr abgebrochen und sehr rauh 
wurden. Unsre Spur führte sanft aufsteigend den Felsen hinan 
und • brachte uns so hier und da an den Rand tiefer Abgründe. 
Die Kumeele wurden müde und konnten nur mit vieler Mühe vor¬ 
wärts gebracht werden. Der Fels bildet eine ungleiche Ebene, 
die sich rechts weithin erstreckte und von niedrigen Felsrückcn be¬ 
grenzt war. Nachdem wir weiter vorgerückt waren und von einer 


1) Bei den geogr. Namen, deren Rechtschreibung nicht sicher ist, behal¬ 
te» wir die Schreibweise des engl. Originals bei. D. Red. 



330 


Stephen Olin’s Reise 


andern Stelle in die Tiefe blicken konnten, sahen wir, dass sie 
von tiefen Schluchten, die sich in verschiedenen Richtungen hin- 
zogcn, durchschnitten war, so dass nun steile Berge von beträchtlicher 
Höhe sichtbar wurden. Von unsrer ersten Stelle hatte das Äuge 
nur die Gipfel gesehen, die nun niedriger wforen als unser jetziger 
Standpunkt; und da die dazwischen liegenden Thäler nicht sichtbar 
waren, so schien das Ganze eine weite, aus blossen weissen Stei¬ 
nen bestehende Ebene zu sein. Die Hitze war gross, kein Lüft¬ 
chen rührte sich in diesen engen Schluchten, die Sonne schoss 
ihre Strahlen mit erdrückender Gewalt herab, sie prallten von dem 
weissen Felsen so blendend und heiss zurück, dass man fast er¬ 
blindete. Der Schmerz meiner Augen war heftig und drang bis 
ins Hirn. Wir lagerten uns etwa 5 Uhr Nachmittags. 

Den 21. März. Diesen Morgen ging -unsre Reise mehrere 
Stunden durch den Wadi Megara, ein grosses, felsiges Thal, wo 
das gewöhnliche Gestrüpp spärlich wächst. Die wenigen Akazien, 
die wir auf dieser Seite des Berges Sinai getroffen haben, schlagen 
Wurzeln zwischen den Felsen am Fusse der Berge und bis in die 
Mitte des Thaies hinein. Unsre gewöhnliche Richtung ist etwas 
nordöstlich, und oh wir gleich, indem wir den Engpässen zwi¬ 
schen den Bergen folgen, nach allen Punkten des Compasses bin 
abweichen, so folgen doch alle Haupttliäler dieser Richtung mit 
einer Regelmässigkeit, die, in Betracht der beständigen Unter¬ 
brechung durch Bergreihen, sehr bewundernswert!» ist. 

Der Wadi el-Ain J ), in den wir halb zwei Uhr Nachmittags 
gelangten, scheint der vorzüglichste Abzug von einem grossen 
Theile dieser Gebirgsgegend zu sein, und hat, oh er gleich jetzt 
ganz wasserleer ist, das Aussehen von dem Flussbette eines 
breiten Stromes, der an Breite und Wassermenge dem Connecticut 
gleich kommt. Der Boden des Thaies ist mit weissein Sande be¬ 
deckt, und der Reflex der überaus heissen Sonnenstrahlen war 
für die Augen sehr empfindlich und zog fast Blasen auf der Haut. 
Das gewöhnliche Gestrüpp nimmt nun zu und wird grösser, als 
wir es seit etlichen Tagen, vielleicht seit unserm Eintritt in Ara¬ 
bien , gescheu haben. Die Tamariske, die selten stärker als ein 
bis zwei Zoll war, wird hier anderthalb Fuss im Umfange. Doch 
erlangt sie keine beträchtliche Höhe, und der gewundene, ver¬ 
krüppelte Stamm neigt sich gewöhnlich gegen die Erde. Die 
Felsberge zu beiden Seiten bestehen aus rothem Sandstein, da¬ 
zwischen hier und da Porphyrlager. Auf dem Rücken der Ost¬ 
seite sahen wir fünf verfallene Häuser stehen, die einst von Mön¬ 
chen bewohnt waren. 

Das nördliche Eude dieses Thaies bietet einen Anblick von-seltner 
Schönheit in einer Gegend wie diese: ein kleines Dickicht niedriger, 


1) Vgl. Rnppell Nubien S. 255 f. 


T>. Red. 



Sinai — ’Akabah.' 


331 


vernachlässigter Palmbäume, zwischen welchen Schilf wächst, das 
erste, das ich in Arabian gesehn habe. Hier befindet sich eine 
Art Morast oder Sumpf, der nicht gross ist, aber ein kleines 
Bächelchen von trinkbarem, obgleich nicht gutem Wasser unterhält. 

Senkrechte Felsen umgeben dieses gut bewässerte Gebüsch 
zur Rechten, und erheben sich über dasselbe zu einer zerrissenen 
Hochebene. Dieser Wasserplatz giebt dem schönen Thale den 
Namen und ist in diesem Tlieile der Wüste einer der bekanntesten 
Plätze. Der Wadi el-Ain macht weiterhin eine kleine Biegung 
rechts und zieht sich unter dem Namen Wadi IVelir (oder H'ela/t) 
in fast gerader Linie bis zu dem Meerbusen von Akaba hin. 

Den 22. März. Die Felsberge, welche den Wadi el-Ain ein- 
schliessen, bestehen aus Sandstein. An ihrem nördlichen Ende 
sind sie aus rotheui und grauem Granit zusammengesetzt, nicht 
weit unterhalb der Quelle el-Ain, wo sie von schroffen, senk¬ 
rechten Klüften gespalten sind, die ihnen einen sehr wilden, 
schauerlichen Anblick geben. Als wir in nordöstlicher Richtung 
aus diesem Thale heraustraten, war unser Weg auf einmal durch 
einen hohen Sandsteinberg verschlossen, der uns eine grössere Man¬ 
nigfaltigkeit brillanter Farben zeigte, als ich jemals vorher gesehu 
hatte. Die Grundlage bis zu einer Höhe von etwa hundert Fuss 
ist rotli, über derselben sind aufeinander folgende Lagen von 
gelber, weisser und purpurrother Farbe. Das Ganze bedecken 
Massen von gewöhnlichen gelben oder braunen Steinen, die eine 
grosse Höhe erreichen und nach dem Gipfel zu regelmässig schräg 
abfallen. Der Weg, der an der linken Seite dieses Berges in 
die Höhe geht, und den die quer über denselben laufenden Fels¬ 
rippen sehr holperig machen, ist bis zu einer gewissen nicht eben 
weiten Strecke links und rechts von niedrigen, jähen Felswänden 
eingeschlossen, in welchen sich Granit in grösserer oder geringe¬ 
rer Menge mit Sandstein mischt. Hierdurch entsteht eben jene 
Mannigfaltigkeit der Farben. Etwas weiter hinauf und zwar 
zur Linken kam eine fünfzig bis sechszig Fuss hohe Erdmasse, 
welche dieselbe Mannigfaltigkeit schöner Farben darbietet, wie die 
rothen Felswände gegenüber, indem der Process der Verwandlung 
in Fels schnell unterbrochen worden zu sein scheint. 

Die niedrigem Felsen an der Strasse und am Berge, der 
liier wohl zweihundert Yards über dieselben emporragt, siud senk¬ 
recht oder überhängend. Die obern Lagen, die hart gcnug 'sind, 
um der Einwirkung des Regens zu widerstehen, liegen auf Fels¬ 
massen von weicherer Art. Das darauf fallende Wasser läuft 
über ihren glatten, harten Rücken hinweg und sebiesst an der 
Seite auf die weichem Massen darunter hinab und macht sie mit 
der darüber liegenden Decke entweder senkrecht, oder rcisst breite, 
regelmässige Klüfte hineiu. 'Zwanzig oder fünfzig oder hundert 
Fuss tiefer trifft die herabstürzende Strömung auf das eine oder 
das andere harte Lager, und so werden durch die Elemente die- 



332 


Stephen Olins Reise 


selben Veränderungen bis hinunter hervorgebracht. Diese Abwech¬ 
selung und regelmässige Aufeinanderfolge der Farben und Gestehen 
erregen ein grosses Interesse und geben diesem sonderbaren 
Berge, den unsre Führer Dshebel Mi sei nannten, eine Schönheit 
einziger Art. 

Als wir von diesem Bergrücken in das nächste Thal hinab- 
stiegen, zog eine andere schöne Formation meine Aufmerksamkeit 
auf sich. Eine grosse Zahl von Kieseln, die durch irgend eine 
Einwirkung eine runde Gestalt angenommen hatten, waren in den 
Sandsteinfels hineingedrückt. Die Masse war jedoch zum Theil 
durch die Macht der Elemente zerstört, die Kiesel, die ihre be¬ 
sondere Form behalten hatten, waren mit einer dünnen Sandriude 
überzogen und auf die mannigfaltigste Weise zu seltnen Gestalten 
angenehm mit einander verbunden. Manche gleichen an Gestalt 
und Grösse Weintrauben, andere Büscheln von Pflaumen und Acpfeln, 
die dicht neben einander auf einem Aste gewachsen sind, und 
nicht wenige der grossem Art haben eine ganz regelrechte Form 
und könnten, soweit ich zu urtheileu vermochte, zu Stangenkugeln 
dienen. 

Der Wadi Souanah, in den uns dieser interessante Weg 94 Uhr 
führte, ist mit weissein Sande, Kies und Flintsteinen bedeckt. 
Eine beträchtliche Strecke desselben hat zum Boden weissen und 
rotlien Sandstein, der eine ebene Oberfläche bildet und mit 
dein übrigen Tliale einerlei Höhe hat. Die Schichten sind sehr 
dünn, und abwechselnd kommt bald die rothe, bald die weisse 
Schicht zum Vorschein. Den Uebergang von der einen zur andern 
macht eine einzige Stufe, die so hoch als das Lager dick ist. 
i Das nördliche Ende des Thaies bietet wieder eine Mischung von 
rothem und grauem Granit, von Porphyr, Grün- und Sandstein 
von verschiedenem Umfange, was den Gebirgen dieser Gegend 
ein so eigenthümliches Aussehn giebt. 

Zunächst gingen wir quer durch den Wadi Shubaka, durch 
welchen, wie man uns sagte, der gewöhnliche Weg nach Akaba, 
nach der Seeküste zu, führt. Unsre Führer schlugen, unter dem 
Vorgehen, dass er kürzer sei, aber wohrscheinlicb, um mehr Ge¬ 
strüpp und Gras für eine so grosse Zahl von Kameelen zu treffen, 
einen mehr nach links und landeinwärts führenden Weg ein. Er 
wurde bald so unkenntlich, dass sie in Verlegenheit waren, wohin 
sie sich wenden sollten. Sie schienen vorher diesen Weg nie 
betreten zu haben. Die Gegend nahm offenbar eine ganz andre 
Gestalt an. Die Thäler sind breiter und die Berge gar nicht so 
hoch. Der Wadi Allia *), den wir um 12 Uhr erreichten, ist mit 
weissein Sande bedeckt, von welchem das Licht auf eine für die 
Augen sehr empfindliche Weise zurückprallte. Der Wadi Hertia 


1) D. i. Wadi e? -sitijeh bei Robins. I. S. 439. 



Sinai — Akabah. 


333 


ist demselben im Ganzen ähnlich. Ein einzelner Berg gleiches 
Namens stand rechts nahe am Wege, nnd der in grösserer Ent¬ 
fernung zur Linken, stehende Dshebel Tih sieht zur Vermehrung 
der gewöhnlichen Abwechselung der Farben eine weite Strecke hin 
schön schieferblau aus. Um 2.1- Uhr befanden wir uns in dem 
schmalen Wadi Partah , und nahe am Ende unsrer Tagereise be¬ 
gann einiger Kreidestein an dem Fiisse der Berge sichtbar zu wer¬ 
den. Wir übernachteten in dem Wadi Hessieh, einem weiten Thale 
mit Ueberfluss an Gestrüpp, von niedrigen Bergen umgeben. 

Den 23. März. Nach einem Ritte von nicht ganz einer Stunde 
gelangten wir diesen Morgen um 7-j- Uhr zu einem Wasser, das 
mit dem Namen einer Quelle Ain Shara beehrt wird, ob es gleich 
weiter nichts ist als ein gewöhnliches Loch im Sande, etwa drei 
Fuss tief, aus dem etwas trübes, salziges Wasser hervorkommt. 
Mehrere ähnliche Brunnen in der Nähe sind jetzt mit Sand ver¬ 
schüttet und vertrocknet. Sie könnten wahrscheinlich in wenig 
Minuten mit der Hand wieder geöffnet werden, so dass sie eben 
so nützlich werden könnten als dieser eine, an welchem wir unsre 
Kameele tränkten und einige leere Flaschen wieder füllten. Hier 
stiessen an die Strasse einige niedrige Felsrücken an, die mit 
einer dünnen Rinde harten Gesteins überzogen waren, während die 
darunter liegende Masse nicht vollkommen ausgebildet und sehr 
zerstückelt war. Das Thal breitete sich weiterhin in eine Ebene 
aus, umgeben von niedrigen Bergen oder vielmehr HiigeJn von 
Kreide. Um 10 Uhr waren wir in den Wadi Tih gelangt, der 
kein von Bergen umschlossenes Thal mehr, sondern eine grosse 
Ebene ist, indem die Kreideberge sich fünf bis sechs Meilen von 
der Strasse zurückziehen. Auf ihr wechselt dürftiger Graswuchs 
mit schwarzen Streifen ab, welche durch herumliegende Stücke 
von Flintstein gebildet werden. Nachdem wir mehrere Stunden 
allmälig aufwärts gestiegen waren, befanden wir uns auf der 
Höhe eines Kalksteinrückens, der einen jähen Abhang nach einer 
andern Ebene hin hatte, in die wir über die abgebrochenen, zer¬ 
streuten .Felsstücke nicht ohne Beschwerde hinabstiegen. Hier 
kommt der Sandstein wieder zum Vorschein, obgleich weisse Rücken, 
offenbar aus Kreide bestehend, zur Linken hin auf mehrere Meilen 
weit gesehen'werden. Zur Rechten sind Rücken von rothem Sand¬ 
stein. Unsre Richtung ging nordöstlich und ost - nordöstlich. 
Der Wadi Graffah *), der nicht lang ist, leitete uns in den Wadi 
es-Sala 1 2 ), eine sehr grosse Ebene, die eine auffallende Aebn- 
lichkeit mit der Wüste von Suez hat. Sie besteht aus Kies und 
Sand, hier und da ziehen sich Streifen von Gestrüpp hindurch, 


1) D. i. Wadi el - Dsherafeh. 

2) Vgl. Rüppell a. a. 0. S. 247. D. R c d. 



334 


Stephen Oliris Reise 


die von dunkeln, mit Flintstein besäeten Gefilden unterbrochen 
werden. Wir schliefen auf einem grünen Rasenplatze in dieser 
Ebene, nachdem wir einen Tag grosser Ermüdung, die noch durch 
Durst und schlechtes Wasser doppelt beschwerlich wurde, zurück¬ 
gelegt hatten. Am frühen Morgen war es still und die Hitze 
schrecklich drückend. Gegen 9 Uhr erhob sich ein sengeödheisser 
Wind, der jedoch-insofern einige Linderung verschaffte, als er 
das Athemholen zu erleichtern schien. Er wurde den Tag über 
stärker und verlor allmälig etwas von seiner brennenden Gluth. 

Den 24. März. Nachdem wir diesen Morgen eine Stunde 
Weges oder etwas mehr zurückgelegt batten, kamen wir an die 
Hauptstrasse der Pilger von Aegypten über Suez und Akaba 
nach Mekka. Es ist dieses das erste Mal, dass ich in Arabien 
etwas einer Kunststrasse Aebnliches gesehn habe. Hier sieht 
man offenbar, dass man sich einige Mühe gegeben hat, die 
Felsstücke, die den Weg versperrten, auf die Seite zu schaffen, 
und an mehrern Stellen hat man am Abhange der Berge Terrassen 
angelegt, um den Weg hinauf zu erleichtern. Es ist ein rauher 
und holperiger Thcil der Strasse. Wir begannen bald nach dein 
Meere hinabzusteigen l ), indem wir unsre Richtung etwas östlicher 
nahmen. Das Auge überblickt hier eine, wilde, tiefen Eindruck 
machende Gegend. Ausser einem ausgedehnten Gefilde von Bergen 
auf beiden Seiten Ides Meeres, das man erblickt, lagen einige 
tiefe, finstre Schluchten vor uns, die durch Bergströme hervor¬ 
gebracht zu sein scheinen, doch von solcher Grossartigkeit, 
dass man vermutken muss, dass sie einem grossen Theile nach 
wohl natürlich sind und die Bergströme sie nur vertieft und 
ihnen diesen schroffen, fast fürchterlichen Anblick gegeben ha¬ 
ben. Eine Stunde lang war der Abweg sehr steil, worauf wir 
einige Berge yon rothern Granit trafen, ganz von derselben Eigen- 
thümlichkeit wie bei Suez, — die Wände, senkrecht und rauh, 
mit einer Menge hoher, schlanker Spitzen, die durch tiefe Ein¬ 
schnitte von einander getrennt sind. Senkrechte Lager von Por¬ 
phyr laufen nach allen Richtungen an den Gipfeln und Seiten 
herab. Weiter unten zeigt sich Grünstein, während einige höher 
liegende Massen schwärz und schieferfarbig sind. Die Strasse 
der Pilger windet sich durch diese sonderbar gestalteten und 
verschiedenfarbigen Berge nach dem Ufer des Meerbusens von 
Akaba hinab. Sie sieht weiss aus von Kameelknochen, und in 
kurzen Zwischenräumen erblickt man mehrere einfache Denkmale, 
welche die Stelle bezeichnen, wo eifrigeMoslemin ihre irdische Wall¬ 
fahrt beschlossen haben. Zur Linken blieben uns mehrere grosse 
Wälle von Ruinen und Schutthaufen liegen,-und indem wir uns 


1) Der berüchtigte Alcalat AU eh. S. Roh. I. S.- 285 ff. 


D. Red. 



Sinai — 'Akabah. 


335 


rings um die Spitze de«f Meerbusens berumzogen, kamen wir in 
Akaba an, das auf der Ostseite liegt. Wir wurden sehr erfreut 
durch den unerwarteten Anblick eines dichten Palmenhains, der 
sich an dem Ufer hin mehrere Meilen w.eit erstreckt. Die Palmen 
waren sehr schön gewachsen und verbargen ganz und gar das 
Kastell, welches wir nicht eher sahen, als bis wir vor dem Thore 
desselben hielten ‘). 


1) Schliisslich bedarf es kanm der Bemerkung, dass die Entfernungsnn- 
gaben naeb englischen Meilen bestimmt sind. ‘ f). H e d. 



Ueber die Walkersche Sanscrit-Handschriften- 
sammlung in Oxford 

von Albreclit Weber. 

In der bibliolheca Bodleiana in Oxford befindet sicli ausser der 
grossen Sanscrit-Handschriftensammlung, die Wilson, und der klei¬ 
neren, jüngst angekauften, di6 Mül in Indien gesammelt hat, eine 
andere aus 101 Numern bestehend, die von einem Herrn Walker im 
Malirattenlande erworben und nach Oxford geschenkt ward. Ich 
batte Gelegenheit, von derselben den folgenden kurzen Catalog zu 
machen, und nehme hiervon Anlass, den Bibliothekaren, den Herren 
Bandinel und Coxe, öffentlich den herzlichsten Dank zu sagen für die 
liebenswürdige Freundlichkeit, die sie, wie fast alle die Oxforder 
Herren, dem fremden Gelehrten erzeigen,'um ihm in dem Alls¬ 
lande die Heimath vergessen zu machen. Ich kann jedoch nicht umhin, 
zu gleicher Zeit mein Bedauern darüber auszudrücken, dass die 
veralteten Gesetzesbestimmungen (der bekannte incubus des freien 
Englands) es schlechthin verbieten, dass’man die Manuscripte 
mit nach Hause nehme, wodurch der Gebrauch derselben täglich 
auf 7 Stunden iin Sommer und 5 Stunden im Winter eingeschränkt 
wird, was für den Fremden, der nur ihrethalben nach Oxford 
kommt, offenbar nicht ausreichend ist. Zum Glück steht dem 
Orientalisten noch die reiche Sammlung des Easl India Home durch 
Wilson’s ausgezeichnete, seltene Liberalität zu Gebote, so dass 
er auch für die Zeit, wo die Bibliothek geschlossen ist, sich 
versorgen kann. Endlich noch eine Bemerkung, die vielleicht un¬ 
bescheiden erscheinen mag, welche zu machen aber der jüngste 
Brand der Copenhagener Sammlung mich unabweislich drängt: 
sollte es nicht möglich sein, wenigstens einen Theii der kostbarsten 
Manuscripte aus dem so äusserst feuergefährlichen Gebäude der 
Bodleiana in das gleich daneben stehende feuerfeste Gebäude der 
Radcliffe library zu versetzen? 


Bodl. WA. 122. Ueber astronomische Berechnungen. In Mabratta 
. mit Devandgari-Lettern. 

123 (cf. 198). Cintdmanitikä. Vedanta. Anfang und 
Schluss fehlen. 



Weber, lieber die Walkerseite Sanscrit■ Handschriflensammlung, 337 

124. 125 a. jivabhigamasütram. Ein Jainabuch, nebst einem theil- 
weis in Sanscrit geschriebenen Commentar. 

1256. gunasthdnaprakaranam. Buddhistisch, ln €lokas mit Com¬ 
mentar. , 

126. 127. t'ariigadhäru's paddhati. Naturgeschichte. Physiologie 
und Psychologie des Menschen, 

128. a. Lieber Wolken. 

b. Ueber Constellationen. 

c. Commentar zum Nalodaya. 

d. ratnakoshakarikavicdrah. Philosophisch?. 

129. a. Cantanu's Commentar zum Candikamdhatmya, Preis der 

Göttinn Durga. 

6. Commentar über den mahimna(h)stnva (Charnb. 160). 

c. Fragment des Sahhäparvan im Mahd Bhar. Draupadivastra- 

vaharanam. • • • 

d. Commentar zu Daivajnapanditasürya’s Rämakrishndkhyam 
kdvyam. 

e. karmavipaka. Ueber Sühnung und Bussen. 8 adhyaya. 
Schliesst .die smriti des ^dtatapa. In ^loka’s. 15 Blätter. 

f. vakratundastotram. Hymne an Ganega. 

130. griinad - adbyätma- Rainayanam. Theil des Brahmdndapurdna. 

131. a. Anubhütisvarüpdcarya’s Sarasvat! prakriya in drei vritti’s 

(taddhitaprakriyd [cf. 191«. 201/'.?], äkhyätap., kridantap.) 
6. bhagavadbhakti. Preis (,'iva’s. (cf. 157 e.) 

132. a. bhashakhushanam. Rhetorisch. 

6. (~ 197 a.) Nandadasa’s grimana (?) nianjarindmamäld. Sy¬ 
nonyma. Hindi ? 

c. Der Pärthartlia genannte itihdsasamuccaya, Auszug aus 
dem M. Bh. in ()loka’s. 73 Blätter. In 32 dkhydna’s (= 
Adhyäya’s), die im Anfang der Reihe nach aufgeführt wer¬ 
den. 1. gyenajiddkhydnam. 2. gautamyäh dkhy. 3. mudra- 
ldkliy. 4. auginaram ä. 5. gangdindhdtmyam. 6. saktu- 
prasthiyam a, 7. sudarganasya a. 8. suvarnanakuläkhy. 
9. kapotäk. 10. durgatistaranäk. ll.saptarshindm samvadah. 
12. lobhäkhy. 13. jdjalydk. 14. kundadhdrasya a. 15. 
mankigitam. 16. bodhyagitam. 17. indrakdgyapasamvadah. 
18. pituh putrena samvädah. 19. gukänugäsanam. 20. 
tandulakhy. 21: mäiisabbakshyanishedbanam. 22. bhümidänam. 
23. tilapadmädidanapragansd. Es folgen in einem Gespräch 
des Yudhishthira mit Naghusha: 24. nrigäkhyänam (!). 
25,. Cyavanäkhy. 26. mänasatirthayäträ. 27. abatväbrah- 
maliatydvidkigrigdlavdnarasamvddah. 28. Nagbushasyanu- 
kirtanam. 29. goddnasya mahatmyam. 30. bahuldvyaghra- 
samvädah. 31. suvritakhy. 32. pundarikasya samvädo 
devarsherNdradasyaca. Nicht aufgezählt in der Anukramani 
ist das 33. dkhydnam (und Adhyaya) samsaraküpavarnanam. 

d. Theil des Civapuraua. 

II. Bd. ** 



338 


-Weber, Ueber die Walliersche 


133. Kürmapurdna. 134. Skandapurana. 

135. a. Jinäm(?)padacihnamähätinyam. Ein Jainatraktat. 

b. Tkeile das Sinhäsanadvatrincjati in Mnliratta. (159c. 161c. 
166 c. 212 a.b. 213 c.-/t.) Geschichten von Vikramärka. 

136. Bericht über die Familien mehrer Räja’s. Im Kuchdialekt.(l) 

So nacli der Angabe Wilsoit’s, der hie und da einigen dieser 
Manuscripte eine Inhaltsangabe beigefügt hat. 

137. «. vrikshäyurveda. Ueher Bäume (oflicinelle ?). 

b. Ein philosophischer Traktat (pakshataväda'?). Logisch, 
e. prämänyavädarahasyain. Logisch. 

d. Ueber die krit-Affixe. Erstes Blatt fehlt. 

e. Medicinische Traktate. 

138. Theil von Mallinätha’s Commentar zum Kirätärjuniya. 

139. rasikapriyä. ln Hindi. Rhetorischl (195). 

140—142. Theil des Vayupuräna, nämlich das Revämähätmyam. 
729 Blätter. Beschreibung der Tirthas und sagenhafte 
-Berichte über dieselben. 

143. ätankadarpane nidänavyakhyä. Medicinisch. Text und Com¬ 
mentar. 

144 a. Theil des Skandapurana. 

b. AgralAyanagäkhoktamantrasanhitä. Vollständig. Vedische 
Stellen geordnet in sükta’s. Beginnt: udutyam jätavedasam etc. 
Es finden sich Vishuusüktani. Vämanasuktam. Harisu. Devisfl. 
Sarasvatisd. medhäsu. parjanyasii. dumpatyoh ‘) süktam. 
vivähasüktam etc. 

145. 146, Die erste Hälfte von Bhattotpala’s Commentar zur 
Värälii Brihatsanhitä, der grösseren (ornatior?) Ausgabe 
von Varäha Mihira’s Lehrbuch (cf. 165.). 

147 —150. Haradäsa über die 24 Avatara des Vislinu. 755 Blätter. 
Tbeilweis mit Bildern. 

151 a. Hemncandra’s nämamälä, genannt brihadabhidhänacintämani. 
6. pankara’s maniratnamälä. 

152 a. Migrake^ava’s ^rimutsakalalokaloccinacakoracintämani^rirä- 

-macandracandrika. 39 prakäga’s. Geschichten von Rdm a etc. 

b. urnvasinamamälä (?) in Hindi (?) =: 196. Von ManyamiVra 
(iiromani (kävyarasusancaye). 

c. Bhartrihara(!)’s ^atakäni (II. I. III.) mit Commentar. 

d. Agastya’s lakshmistofram. 

153. Pancäkhyänafästram (= Pancatanfra) von Vishnu^arman. Mit 

Commentar. 176 Blätter, in Mahratti (?). 

154. Dasselbe in Mahratti, hier genannt pancopäkhyänaräjanfti- 

gastram von Visbiniframa(l). 

155. 156. Raghuvaii^a mit Mallinätha’s Commentar. 


1) Von diesem Worte hat .Aufrecht die neue, und wol bessere Erklärung 
gegeben: = „dm beiden Herren des Hauses“, de acc. compos, p, 45. 



Sanscrit ■ Handschriftensammlung. 339 

157 a. Theil des Garudapurana. 

b. Viiislmavaoästrai’u in 15 Adhyäya’s von Ndrdyanuddsusiddhn. 

c. (cf. 1316.) bkagavadbliaktiratnavali mit Commentar. 

d. «jrishavayane (!) crironiakasiddhdnta. Purana- ähnlich. Be¬ 
ginnt: oni naniali eriromakasiddhdiitdya | Dhümraputram prati 
liomalidcHTjo vadati | punareva pravakshyami (,rinu -. Auf den 
ersten 16 Blättern beginnt jeder Abschnitt mit Romakäcäryo 
vadati. Ucber die Vorgänge bei Heiratben in astrologischer 
Beziehung etc. Scheint eine Umarbeitung eines arabischen 
Astrologen, p. 17 6. manushyagananatshatre brihaspati(r) 
udayam karoti, tadd lüiurdsdnavigruhum — Pdrdsavigrnhnm 

■ ■—Mdgalornigraham — Mdthuravigraham Magadhabhaya- 
träsam (!) — Sindhuhh. — Gurjardtäbh .— Hindusthäne .— 
Cinadece. Dies Werk ist offenbar sehr spät, doch bedaure 
Ich, dass meine Zeit mir nicht näheres Durchblicken ge¬ 
stattete. 

158. Nurasinhapurdna. 

159 a. Mahddeva’s muhilrtadipakam mit Comm.(cf.l84.) Astrologisch. 

b. rasendracintamani. 9 adhyäya. Medicinisch. 

c. cf. 1356. 

160. Theil des Skandapurana. 

161 a. Amaracandra’s Parimala, Comm. zur Kdvyukalpalatdvritti. 

16 prastara. Unvollständig. JRhetorisch. 

6. (168 c.) liaima - dhätupätha (von Hemacandra). c. cf. 135 6. 

d. sundarfyriiigara. Hindi? Erotisch. 

e. Ke^avarka’s vivahavrindavanain. Ueher Heirath und Ehe. 

162 a. Ndrdyana’s Comm. zum Nishadbendrakdvyain. 

6. naiia(?) - vddatippani. 

c. ßhdskariye karauukutühule pdtddhikdro navamah. Astrono- 
( misch. 

d. Bhattamadana’s Preis des Ruhmes des Königs Kalyänardja 
und seines uttaracaritram. 

163. 164. ßrahmavaivartapurana. 

165. ßhattotpala’s Comm. über Vuräliamibira's Brihajjdtoka (cf. 

145. 146. 207a.). 

166. a. 6. Theile des Padmapuräna. c. cf. 135 6. 

168. Sainnydsayoga, Comm. zur Bhagavadgita (bhagavadgitdsü- 
panishatsu brahmavidyaydin yogaqästrc ^rikrishnarjunasam- 
vddah). 

168 a. Rdya (!) madanapdla’s £udradharmötpaladyotini Smritikau- 
mudi 105 Blätter. Stützt sich stets auf gute, alte Auto¬ 
ritäten wie Baudhdyana, Manu, Devala, Ydjnavalkya, 
IN'arada. 

6. Gunacandra’s Tatvaprakdcjakavritti (<;.rihemacandravydka- 
ranabhiprayena — itifjribaimavibhramasütram —). 

c. Theil von Hemacandra’s Dhatupatha (161 b). 

d. Ein 8 prakarana’s von l)rimanikyasdri’s ^'äkunam und 11 

22 * 



340 


W£ber, Lieber die Walkersehe 


prakarana’s von Vasantnrdja's (,'äkiiiiain auf 63 Blättern 
enthaltendem Werk über omina, genannt Bälävakodha.(?) 

169 a. Kananda Vyühä. b. Svayambhupurdilu. Buddhistisch. In 
Nepdlicharacteren. <• 

170. Kuraviratantram. Buddh. In Nepalicharacteren. 

171 a. Nalodaya init Glossen. 

b (— 200 «.) Commentar des äcarya (bihemacandra zum 
achten adhyäya des Siddha- Hemacandräbhidhanasvopajna- 
Qubddnu^asanam, enthaltend die Präkritgranutiatik. ln 
4 päda’s mit (271. 217. 180. 445.) 1113 siHx-a’s. Mit 
4, 260 schliesst die präkritabhäshä. 261 — 287 sauruseni- 
bhäshä. 288—303 mägadhibh. 304 —325 pairdc ibh. 325 
—329 cülikapai^äcibli. 330 sq. apabhrangnbhdshä (330 lautet 
svaränam sv uralt präyo ’pabbran^e (vdliä, valid, vähu). Mit 
zahlreichen Belegstellen. 123 Bl. 

172. 173. • Madhava’s Comm. zu der in ^lloka's verfassten Paratjara- 
srariti. 500 Blätter. 12adhyaya. Per erste Ad hyäya schliesst 
p. 174 a. mit den (jüdradbarmaprakaranam. p. 201«. über 
den pravara (Genealogie). Stützt sich auf gute Autoritäten, 
wie Paitbinasi, £atdtapa, Vydgbrapada. 

174. 175. Madana’s Parijätukam. Häusliche Ceremonicn. 485 Bl. 

176. 177. Mandana’s Vrataräja. 602 Bl. 

178 a. rasaräjolakshmi von Rämegvara ßhatta. Medicinisch. 

b. Vigvanäthadaivajna’s udäharanam der Paddhati des Kecava- 
devajna (cf. 161 e.). Astrologisch. 

179 a. 9 at, bara’s Saundaryalaharistotram cottimentirt von Gauri- 

käntasärvabliauinabhattäcärya. 

b. ((ankaru’s Erklärung der 1000 Namen Vishnu’g. 

c. Janärdana Vibudha’s Comm. zu 205 e. 

d. Rämacandrä^rntna’s Siddhdntacandrika zu Patanjali’s gram¬ 
matischen Sütra’s. 

180. Fragmente philosophischer Traktate. 

181 a. Tlterl des Skundapuraua. 

b. Agniveqa’s Rärnacandracaritrasäram (Rämayanasya säram 
pratidinam rishinä cägnive^ena gitam). 

c. (rnrityu) kälajnänam. ^rfmutra (V) parika. Medicinisch. 

d. vaidyajiyanah. Medicinisch. 

e. dhanvantanyo Nigfrantuh (die lermini lechnici in der ars 
medica). 

f. griyogagatam. Medicinisch. 

g. Tkeil von ßhattacarya Cüdamani’s nyäyasiddhäntamanjari. 
Logisch. 

fr. gachäcdra. Regeln für das Leben der Jaina. In Prakrit(?). 
Cf. 206 d. 

i. Pdraskara’s gribyasütram. 



Sanscrit ■ llandschnflensuniiiiltniij. 


34 t 


182 a. .Madhavanidanam. Medicinisch. 

b. Maiträyauujakhyäm griliye shodaqakarmah (!) prnthamnpuru- 
skäkipaddhatili. 38 Bl. Die 16 samskara des grihastha. 

c. Ragliuvanga mit Glossen. 

183. Prubodhacandroilaya mit Commentar. 

184. Anantasuta-daivajna-Räma’s Comm. zur Muhürtu Cintämani. 

Astrologisch (cf. 159«.). 

185. 186. Samjivini, Mallinäthä’s Comm. zum Raglmvanca. 

187. 188. Kavicand(r)a’s Gescliiclitc von Prithirajaräsaka (?). 

189. Anaiigarunga. Erotisch. Ucker surata etc. Illustrirt mit 

Bildern, deren unteren Theil eine züchtige Hand wegge¬ 
schnitten hat. [Cltutiib. 157.] 

190 u. trivikramabhatta’s Damayantikatba. 120 Bl. (= 208«.). 

In 8 ucchväsa’s. 

b. mabakärunikabodbisatvaduQabala’s cintämanisäranikä. 15 BI. 
Astronomisch! Schliesst mit dem samkräntisamvatsaraya- 
nam prakaranain. 

c. Geschichtchen von Madhavauala, einem ausgezeichnet scho¬ 
nen Sänger. 

191 a. taddhitaprakriya (cf. 131 a. 1.). 

b. pavanavijayah. 168<;loka. Aus einem Puräna? Samvatl426. 

c. Gaudakäyastbabaridäsa's Ickbakamuktämani in 4 sarga’s. 

1. utpattivarnanab in 66 kandika’s. 24 — 36 werden Man- 
dayyugantamau, Yälmiku, Yasishtha, Sobhari, Dälabbyaka, 
Haiisaka, ßliatt iku, Suubhuri, Aldtlwra, Huvshakuharitau 
als 12 tunujüh des Prajapatt (?) aufgefiihrt. 

2. ganitavarnanah. 97 k. Arithmetik. 

3. likbanu(vidhi)kaläv. 155 k. Schreiben. Zeichnen. Mess¬ 
kunst. 

4. rajanitiv. 146 k. 87 Bl. Sainvat 1681. 

192 a. (’riniväsa’s quddhidipikä. 

b. Harinätba’s Rämaviläsakävyam. 

c. Käliddsa’s Qrutabodha. 40 Verse. 

d. (/rikalyana’s ^ngitagangädharabbidbänam mabäkävyam. 

e. Qri - gripatibhatta’s Jyotisharatnamälä. Astronomisch. 

193. Lieder in Hindi gesammelt von Loknhitasüsi. 

194. Lieder auf Krishna und Rädbä in Hindi. 

165 (= 139). Mahäräjakuinära Indrajita’s Rasikapriyä in 16 pra- 
bhära’s. Erotisch oder Rhetorisch ? Hindi. 

196 (— 152 b.). ^iroinani’s Urvacinämamälä (?). Hindi. 

197 a. = 132 b. 

ö. Kavipriyä (= 139. 195'?). Rhetorik, ln Hindi. Von Ma- 
harajakuniara Indrajita. 

198. ^iromani’s Cinhamani. Cf. 123 ? Logisch. [Chamb. 578.] 

199. Fragmente der Madhyasiddhäntakaumudi. Ueber das Ver¬ 

bum etc. 



342 


Weber, l/ebcr die Walliersche 


200 a. — 171b. 35 Bl. Samvat 1665. 

b. <;rimadaH»um(niadana?)bhattopädhy;lya’s Cornm. zum tarka- 
sangraha. Logisch. 

c. Kumärasamblmva mit Glossen. 7 sarga. 

d. ^rijndnänaiula’s Connn. zu Akatjavani’s hanumatstotram. 

e. Pitämbarasutapuruskottaina’s (Schüler von Vallabhacarya- 
caranämbujadasa) Connn. zur dravyat;uddhi. Citirt Yajna- 
valkya, ßrihaspati etc. 

f. aiigadavishtidütäng&dachayanätakam (213 a.). UeberRäma’s 
Geschichte. 

g. Auiarasiiiba’s nämaliügänucasannin. Die 3 kända. 

201 a. dharmitdvachedakatäpratyasattivicara von Harirama. Logik. 

b. Der dritte Sarga des Bälabhärata. 8 Bl. 104 Verse. Von 
t'akuntalä etc. cf. Hüfer in dieser Zeitschr. I. S. 201. 

c. Theil des Kumärusumbhava. 

d. Vi<;vanäthn’s Karikänibandha. 

e. Theil der ^akuntalä. 

/'. 17 BI. grammatischer Sutra’s (cf. 131a, 191a.?). 

g. Vopadevakavi’s <;ata<;lokiyum. Medicinisch. Ueber curna. 
gutikä. ghrita. taila etc. 

h. Mahadeva’s ('omni, zur atmatatvajati. 

i. laukikavishayavicära. 

202. ä^vnmedhikaparva Jaiminivam des Malta Bhärata. Jaimini 

spricht. 

203. Sukbavativyiiha. Buddhistisch, ln Nepal ischrift. 

204. ()ivapiiräna. Vollständig in 74 Adbyäya’s. 

205 a. ^riiigara^atam von Bbartribema maliica (nicht Bhartriliuri). ' 

b. vriddhacduakyu’s rajyaniticästram. Vollständig in 8 adlivä- 
ya’s. Samvat 1793, Cf. die neugriechische Uebersetzung. 

c. ßodhäyanabliattacitrasena’s Connn. zu Pingala’s ebando- 
grantba. 

d. Logik. Beginnt mit dem Segensspruche: vasva ni^yasitam 
vedah. — Sclilicsst p. 62: iti <;vi - Hariharamnbaräj'nporipäli- 
tena sahujasarvajuavishnudevtirädhyutanüjena sarvajnänujena 
CinnabhaUena viracitäyäm Tarkabhäsliäprakä^ikäyäm pra- 
meyädiparichedah samäptah. 

c. Die 6 adhyaya von pribbattakedära's vrittaratnäkaräkhyam 
chundah (179 c. Comm.). 9 BJ. 

I. samjnädbyäyah. 2. maträvrittaprakaranam. 3. sama- 
vrittih. 4. ardhasainavritfih. 5. visbauiavrittih. 6. ohne 
Namen. 

Uemacandra’s abbidhdnacintdmaiiinämumälä. Schliesst mit 
dem (6.) sätnanyakanda. 

y- vägbhatälamkära. in 5 paricheda's. Rhetorisch. 9 Bl. 

206 «. Theil des Brahmapuräna. 

b. Samva’s süryastotram. 



Sanscril ■ Uandschriftensammlung. 


343 


c. ratnamälä, Bliogalapuräne, märakände. 14 111. lieber die 
Yuffu’s etc. 

ö » 

d. gachäcäraprakirnakasütrain. 6 Bl. Cf. 181 h. 

e. Yatidharina. >6 Bl. Jaina. 

f. bhuratnkänäiu> dvätrinqat kathäh. 32 Gescliicbten. 17 Bl. 
Samvat 1731. 

g. Gunäkara’s Comm. A zu NagArjuna’s Yogafatnamälä. 

207 a. 25 adhynya’s von AvantikAcArya (,'ri Varahamihira’s Brihaj- 

jätakam (der 25. adhy. über die DreshkAna). Cf. 145.146.165. 
6. 5 aiika's von MurArfs Anargharaghavam. 
v. Kavi\nraglium‘itlia’s £rimahamatisutasyaDurvAsasah kavyam 
rasikaranianasamjnakam. In 18 sarga’s. 34 BI. 

208 a. — 190a. b. candrärki (?). Ucber den Mond. 

c. Purushottamadeva’s Juapakasamuccaya. Grammatisch. 24 Bl. 

d. Genealogisches t 

e. liaj'ililäviveka in 12 skandbu's. 

209 a. CandrakalAsaktavikalanakavvam. Liebesgedicht in 176 Stan¬ 

zen. Enthält von 86—137 die Caurapanca<;ika. 

6. vartä madanamohanauäm. Liebesgeschichten in Hindi (?). 
92 Bl. 

c. Geschichte von ty'ipadamAvutinu. Hindi. 

210 a. Theile des Naishadhiya. 

6. Schluss von Mnllinätha’s Comm. zum Raghuvainja. 

211. Nilakantha’s svoddhritamantrabhAgavatavy&khyA mantraraha- 
syapraka^ini 4 kända. lieber Krisbna (gokulakanda, vrin- 
davanak., akrürak., Matliuräk.). 

212 a. b. cf. 135 b. 

213 a. Theil des Dutaiigadam (200 f.). 

b. Jivanätha’s svaratatvodayam. Astronomisch, 

c — h. cf. 135 6. 

214. 215. Prajnaparamita 1 

216. Dharani \ Buddhistisch. In NcpAlischrift. 

217. Lalitapurana ' 

218 — 220. Die 3 letzten Bücher des M. Bh. (Mausala, Mnhä- 
prasthäna, Svargärohana) und derHarivan^amitGovindasünu- 
ftilakantha’s Coimnentar. 

221. Eine persische Schrift über Hebammenkunst {. 

222 a. Die 4 adhyäya der ^arirakasutra mit Comm. von (t); in 191 
adhikaruna’s (samanvayadhyaya, avirodhadhy., sAdhanädhy., 
phalädhyaya). Beginnt: athato hrahmajijnasä. Dr. Bergstedt 
aus Upsala wird diese Sütra nebst (,,'ankara’s Comm. her¬ 
ausgeben. 24 Bl. 

6. mahämabopadhyaya (Irigoviuda’s Kavyapradipa in 10 ulla- 
sa’s. 150 Bl. Rhetorik. 



Haben die Hebräer schon vor Jerusalems Zer¬ 
störung nach Mondmonaten gerechnet? 

von (4. Seyffarth. 

(S. Seite 103.) 

Die Geschichte des jüdischen Mondkalenders reicht mir bis 
zum Jahre 200 n. dir. Gehurt hinauf, wie Icleler (Chronologie 
1. 573 ff.) dargethan hat. Er sagt: „ Die ersten sicheren Nach¬ 
richten von der Gestaltung des heutigen jüdischen Kalenders 
gehen nicht über den Schluss der Mischna zurück, der in das 
Jahr 3949 d. W., n. dir. 169, gesetzt wird.“ Selbst ftlaimonidcs 
versichert im Kiddusch hachodesch V. 3: „Nicht eher haben die 
Juden angefangen das Jahr kyklisch zu ordnen, als unter den 
letzten Urhebern des Thalmud, wo das gänzlich verheerte Judäa 
keine feste Synode mehr hatte.“ Sonach ist noch keinesweges 
entschieden, oh die Monate der Hebräer vor Jerusalems Zerstö¬ 
rung durch Titus und vor der Babylonischen Gefangenschaft Mond- 
nionate oder Souncumonate gewesen sind. Dass die Hebräer vor 
der Babylonischen Gefangenschaft nach Sonneninonaten gerechnet, 
haben schön viele Chronologen angenommen. Ihre Gründe sind 
hauptsächlich folgende: 

1. Allerdings erzählen die Rahbinen, dass das Synedrium 
zu Jerusalem seit den ältesten Zeiten , zu Ende der Monate ver¬ 
sammelt g-eweseu und abgewartet habe, ob 2 oder 3 Zeugen 
die Nachricht vom Erscheinen der ersten Mondsichel bringen wür¬ 
den; dann habe man anfangs Feuersignale gegeben, später Boten 
in alle Gegenden ausgesendet, damit überall der Monat von gleichem 
Tage an gerechnet werden möchte. Da jedoch viele Ortschaften > 
über 20 Meilen entfernt lagen, da es anfangs kein Synedrium 
gab, da die Mondsichel hier früher dort später, bei bedecktem 
Himmel gar nicht gesehn werden konnte, da mithin eine empiri¬ 
sche Bestimmung der Monate die grösste Verwirrung in alle 
bürgerlichen Angelegenheiten gebracht haben würde, die Rubbineu 
nicht Augenzeugen waren, vielmehr Ursache hatten, ihren späteren 
Mondkalender so alt a/s möglich zu machen, da in der ganzen 
hebräischen Geschichte bis zu Jerusalems Zerstörung diese wenig¬ 
stens 23,000 Mal gegebenen Feuersignale und Sendboten nicht 
mit einer Sylbe erwähnt werden; so hat man die Erzählungen der 
Rahbinen als unbegründet und unglaubhar von der Untersuchung 
ausgeschlossen. 



Segffarth, Haben d. Hehr, schon vor Jerusal. Zerstörung u. s. u\ .34."> 


2. Bei dem Auszüge aus Aegypten nahmen die Hebräer, wie 
Joseplius Aut. I, 3, 3. berichtet und wie sich von selbst versteht, 
die ihnen seit 430 Jahren gebräuchliche Zeitrechnung der Aegypfer 
mit. In Aegypten gab es aber kein Mondjahr. Ausdrücklich 
sagt Joseplius Ant. 2, 14, 6. u. 15, 2., die Hebräer hätten Ae¬ 
gypten am 15. des Pharinuthi, des Xanthicus der Griechen, des 
Nisan der Juden, verlassen. Wäre nun Nisan ein Mondmonat 
gewesen, so hätte ihn Joseplius nicht mit dem Sonnenmonat Phar- 
muthi vergleichen können, der höchstens alle 3 Jahre dem Nisan 
so ziemlich ertsprochen haben würde. 

3. Aus der Geschiehte der SUndfluth geht, wie alle Chrono¬ 

logen behaupten, hervor, dass im Pentateuche nicht anders, als 
nach 30tägigen Sonnenmonaten gerechnet ist. . 

4. Hätten die Hebräer nach Mondmonaten gerechnet, so 
würden sie alle drei Jahre einen Schaltmonat nöthig gehabt haben; 
aber von diesem 13. Monate des Jahres findet sich im ganzen 
A. T. nicht die geringste Spur. 

5. So oft im A. T. Zeiträume von 1 oder 2 oder 3 Monaten 
erwähnt werden, sind dieselben durch 30 oder *00 oder 90 
Tage ausgedrückt, woraus man sieht, dass die Monate 30 Tage 
enthalten haben müssen. Dahin gehören die 30 Tage der Los- 
kaufung der Erstgeburt, des Nasiraeats, der allgemeinen Trauer, 
der Exconimunication. Auch entsprachen die so oft erwähnten 
Zeitabschnitte von 40 Tagen den vier Dritttheilen eines Sonnen¬ 
monats und den vier Dccurien des Thierkreises der Alten. 

6. David theilte das Heer in 12 Legionen, deren jede,wäh¬ 
rend eines bestimmten Monats in Jerusalem sein sollte; und hätte 
cs nun 13 Monate gegeben, so würde die 12. Legion aller 2 
Jahre noch einmal so lange auf der Wache gewesen sein, als 
die übrigen elf. Dasselbe gilt von den 12 Rentmeistern Saloimrs, 
deren jeder das königliche Haus einen Monat-hindurch zu bekö¬ 
stigen hatte. 

7. David sagt: „Morgen ist der erste des Monats, wo ich 
mit dem Könige zu Tische sitzen soll.“ Hätte nun das Syne- 
drium empirisch die Anfänge der Monate zu bestimmen, durch 
Signalfeuer oder Sendboten bekannt zu machen gehabt; so hätte 
David nicht wissen können, ob Morgen der erste des Monats 
sein werde. 

8. Nimmt man an, dass die Hebräer nach 30tägigen Son¬ 
nenmonaten gerechnet und den Neujahrsfag bei dem Auszüge aus 
Aegypten auf den Frühlings- oder Herbstnachtgleichentag gelegt 
haben; so fallen alle feierlichen Handlungen in der Geschichte der 
Hebräer auf denselben Früblingsnachtgleichentag und die übrigen, 
im ganzen Alterthume geheiligten Cardinaltage, namentlich die 
Weihe der Stiftshütte, der Uebergang über den Jordan, die Grund¬ 
legung des Salomonischen Tempels, seine Einweihung, Jero- 



346 Seyffarlh, Haben d. Hebräer schon vor Jerusalems Zerstörung 

beains Nationalfest, Hiskias Tenipelrcinigung, das Abbrecben des 
Tempels durch Nebukadnezar, die Todeifeier des Sonnengottes 
Tbammus. 

9. Begann das alte Jahr der Hebräer am Nacbtgleichen- 
tage, so fielen die im A. T. angeführten'Sabbate auf dieselben 
Monatstage, auf welche jene Sabbate gefallen sein sollen. 

10. Joseplius und Philo versichern, Mose habe bei dem 
Auszuge das Kirchenjahr 16 Tage vor dem Frühlingsnachtglei¬ 
chentuge angefangen; weshalb die Hebräer nur nach Sonnenmo- 
nuten gerechnet haben können. — Diesen Satz hat Wieseler in 
den Göttinger Gel. Anzeigen 1846 S. 1571 in Zweifel zu ziehen 
gesucht, aber mit Unrecht, wie sich nachweisen lässt. Zunächst 
haben .alle Chronologen angenommen, dass Mose sein Kirchen¬ 
jahr etwa 6 Monate vor dem Werkeljahre, jenes im Frühlinge, 
dieses im Herbste angefangen habe. Denn nach Lev. 23, 11. 34. 
sollte die erste reife Gerstengarbe am 16. des 1. Monats, am 
zweiten Ostertage dargebracht, das Laubhüttenfest am 15. des 
7. Monats (Thiscliri) gehalten werden; und dennoch setzt Ex. 23, 
16. 34, 22. das Laubhüttenfest an „den Schluss des Jahres“: 
daher Mose, von anderen Gründen abgesehn, das Kirchenjahr 
im Frühlinge, das Werkeljahr im Herbste angefangen haben muss. 
Ferner lässt sich nichts dagegen einwenden, dass 1867 v. Cbr. 
der 7. julian. April der Frühlingsnachtgleichentag, der 9. Oct. der 
Herbstnachtgleichentng waren, dass in diesem, durch mehrere 
astronomische Thatsacheu festgestellten Jahre des Auszugs 16 
Tage vor dem 7. April, dem Nach tgl eieben tage, kein Neumond 
eingetreten ist; daher Mose, indem er ausdrücklich den 1. Nisau 
zum Neujahrstage des Kirchenjahres machte (Ex. 12, 2), nicht 
nach Mondmonaten gerechnet haben kann. Er muss Sonnenmonate 
zu Grunde gelegt haben, nämlich, wie Joseplius versichert und 
siclr von selbst versteht, die Aegyptischen. Joseplius vergleicht 
den Pharmutlii des Alexandrinisclien Jahres, der jederzeit am 27. 
jul. März begann, durchaus mit dem Nisan: daher das Mosaische 
Kirchenjahr am 27. jul. März begonnen haben müsste. Da nun 
aber die Aegypter nach dem Pharmutki, die Hebräer vor dem Nisan, 
wie der Ve-Adar lehrt, einschalteten; so entsprach der 1. Nisau 
beim Auszuge dem 22. jul. März: und da nun der 7. jul. April 
der Nachtgleichentag war und Ostern jederzeit am 15. Nisan ge¬ 
feiert wurde; so fiel in der Tbat, wie Josephus und Philo ver¬ 
sichern, der dritte, nach Hebräischer Weise der zweite Ostertag 
auf die Frühlingsnachtgleiche. Daher erklärt sich nun, warum 
Mose den 16. Nisan zu einem besonderen Festtage machte, an 
welchem die Ernte begonnen, und das Erstlingsopfer mit anderen 
gebracht werden sollten. Er war der im ganzen Alterthume ge¬ 
heiligte Frühlingsnachtgleichentag, der natürliche Anfang des 
Jahres. Desshalb legte Mose diesen 16. Nisan zu Grunde, um 
den Tag des Pfingstfestes zu bestimmen, das 7 Wochen nachher 



«ach Mondmonalen gerechnet'! 


347 


gefeiert werden sollte; desslialb rechneten die Juden vom 16. Nisan, 
als einem Neujalirstage’ an ilircn Lag heomer (Ideler, Cliron. I. 
566); desslialb konnten Pbilo und Josephus behaupten, Mose 
habe Ostern, den 15. Nisan seines Kirchenjahres, auf den Früh- 
lingsnachtgleichentag, den angeblichen Tag der Schöpfung, an 
welchem die Sonne in Aries trete, gesetzt. Uebrigcns fiel wirk¬ 
lich der 1. Nisan des Mosaischen Werkeljahres 1867 v. Chr. bei 
dem Auszuge aus Aegypten auf den genannten 7. April, den 
Nachtgleichentag. Denn da Mose, wie Josephus versichert, die 
beiden Aegyptischen Sonnenjahre beibehielt und das fixe Aloxon- 
drinische zu seinem am 22. jul. März anfangenden Kirchenjahre 
machte; so musste das wandelnde Jahr der Aegypter für das 
Hebräische Werkeljahr beibehalten werden. Nun fiel 1867 v. 
Chr. der Neujahrstag (1. Thoth) des Aegyptischen Wandcljahres 
229 Tage vor den 20. Juli, d. i. auf den 2. jul. April; daher 
das Hebräische Werkeljahr eigentlich an diesem Tage begonnen 
-haben sollte. Da aber die Hebräer vor dem Nisan ihre 5 Epa- 
goinenen schon einschalteten; so musste der 1. Nisan des Hebräi¬ 
schen Werkeljahres auf den 7. jul. April zu stehn kommen; und 
dieser war eben bei dein Auszuge der Frühlingsnachtgleichentag, 
der 16. Tag, wie gesagt, des Kirchenjahres. Hieraus erklärt 
sich nun auch, warum Ex. 23, 16. 34, 22. Lev. 23, 34. Nuin. 
29, 35. das Fest der Versammlung mit seinen Opfern und seinem 
feierlichen Sabbate gerade auf den 22. Thischri, welcher im be¬ 
sagten Kirchenjahre dem 9. October entsprach, gesetzt ist. Er 
war, wie sich gezeigt, der Herbstnachtgleichentag, vor welchem 
das Laubhüttenfest jederzeit nach Philo und Josephus gefeiert 
wurde, der Anfang des Werkeljahres der Hebräer. Auch stimmt 
der somit gefundene Mosaische Kalender bis auf den Tag mit 
dem der Araber überein ( Ideler, Chron. 1. 437). Genug, nimmt 
man an, dass Mose sein Kirchenjahr am 22. März, den Nisan 
des Werkeljahres am 6/7 April angefangen habe; so fallen alle 
feierlichen Handlungen der Hebräer auf die Cardinaltage und ul Io 
im A. T. erwähnten Sabbate auf die Monatstage, auf welche sie 
geschichtlich fielen. Eines weiteren Beweises für den besagten 
Mosaischen Sonnenkalender bedarf es nicht. Aus diesen und ähn¬ 
lichen Thatsacben haben schon manche unbefangene Chronologen 
geschlossen, dass die Hebräer bis zum Exile unmöglich nach 
Mondmonaten gerechnet haben können. 

Da nun aber die Hebräer doch zu irgend einer Zeit ihren 
Mondkalender erhalten haben müssen; so kamen manche Chrono¬ 
logen auf den Gedanken, diess könne nur iin Exile geschehen 
sein. Dem stehen aber wiederum grosse Schwierigkeiten entgegen. 
Die wichtigsten sind folgende: 

1. ln Babylonien gab es kein Mondjahr, sondern nur dreis- 
sigtägige Sonnenmonate, nach welchen auch die Hebräer in ihrer 
Abhängigkeit haben rechnen müssen. 



348 Seyffarlh, Haben (!. Hebräer schon vor Jerusalems Zerstörung 


2. Hätten Männer, wie Seruhabel, Esra und Nebcmia das 
Mosaische Sonnenjahr abgescliafl't und ein Mondjahr eingeführt, 
dessen Neumonde empirisch bestimmt werden sollten; so würden 
sie nicht nur die Mosaischen Verordnungen umgestossen, sondern 
auch durch einen solchen Rückschritt vom Besseren zum Schlech¬ 
teren die grösste Verwirrung in alle öffentlichen Angelegenheiten 
gebracht haben. 

3. Die alten Verzeichnisse der nachcxilischen Monate enthal¬ 
ten keinen Schaltmonat; in keinem Ruche bis zu Jerusalems Zer¬ 
störung-, weder in den kanonischen Schriften, noch in den Mak¬ 
kabäerbüchern, noch bei Josephus, noch hei Philo, noch im ältern 
Theile des Thalmud findet sich eine Spur des im Mondjahre so 
häufig vorkommenden Schaltmonates. 

4. Die nacliexilisclien Monate der Hebräer waren auch bei 
vielen anderen Völkern gebräuchlich; aber bei keinem derselben 
waren sie Mondmonate. 

5. Joseplius und Philo versichern, dass Ostern und Lauhhiit-. 
teufest nicht blos zu Mosc’s, sondern auch zu ihrer Zeit stets 
am Frühlings- und Herhstnachtgleichentage gefeiert worden sei; 
und da dicss bei Mondmonaten unmöglich war, so müssen die 
Hebräer damals noch nach Sonnenmonaten gerechnet haben. 

6. Nach Joseplius fiel das Passa nicht hlos zur Zeit des 
Auszuges, sondern auch damals stets auf den Tag, wo die Sonne 
in Aries trat; nach Mondmonaten konnte dieser Fall höchstens 
aller drei Jahre ein Mal eintreten. 

7. Ausdrücklich behauptet Philo, Ostern sei stets auf den 
Tag der Schöpfung, den Fruhlingsnachtgleichcntag, gefallen; was 
nur dann möglich war, wenn die Juden damals noch nach Son- 
nenmouaten rechneten. 

8. Die Inschrift von Berenice lehrt, dass im 55. Jahre Au- 
gust’s (25 n. dir.) der 8. Tag des Laubhüttenfestes (Syllogus) 
am 22. Sept. = 25. Paoplii (dem Herhstnachtgleichentage) ge¬ 
feiert worden sei; daher die Juden damals noch nach festen Son¬ 
nenmonaten gerechnet haben müssen. Denn der Neumond fiel auf 
den 10. Sept. 25 n. Chr., nicht auf den 1. September. 

9. Das Buch Daniel und die Apokalypse drücken 3j- Jahr 
durch 42 Monate und durch 1260 Tage aus; daher dieselben 
nothwendig nach dreissigtägigen Sonnenmonaten gerechnet haben 
müssen. 

10. Sehr oft giebt Joseplius an, wie viele Jahre, Monate 
und Tage von einer früheren Begebenheit bis auf eine viel spätere 
verflossen wären; daher die Juden nach Sonnenmonaten gezählt 
haben müssen. Denn nach Mondmonaten gerechnet, konnte Joseplius 
nicht wissen, wie viele Schaltmonate in der Zwischenzeit vorge¬ 
kommen und wie lang die Mondmonate gewesen. 

11. Nimmt man an, das nachexilische-Jahr der Hebräer sei 
eine Fortsetzung des Mosaischen fixen Sonnenjahres gewesen; 



nach Mondmonaten gerechnet ! 


349 


so fallen, wie cs Lei den vorexilisclicn Festen der Fall war, 
alle wichtigen FesthandUmgcn der Hebräer nach dem Exile bis 
zur Zerstörung Jerusalems auf dieselben Cardinaltage; z. B. die 
Weihe des Serubabelschen Altars und des zweiten Tempels, die 
Tempclreinigung unter Juda Makkabi, die Gründung und Weihe 
des Herodianischen Tempels. 

12. Hätten die Hebräer seit dem Exile nach Mondmonaten 
gerechnet, so würden diö Sabbate nicht auf die Monatstagc ge¬ 
fallen sein, auf welche sic die Geschichtsbücher setzen; dagegen 
waren jene Monatstage wirklich Sonnabende, wenn das nachexi- 
lische Jahr Fortsetzung des Mosaischen war. 

13. Die Kirchcngeschichte lehrt, dass in vielen Ländern 
Ostern lange Zeit hindurch stets am 25. März, dem ursprünglichen 
Sachtgleichentage gefeiert worden ist; daher Christus am Sacht¬ 
gleichentage auferstanden sein muss. Aber in keinem Jahre unter 
Tibcrius war Ostern nach Mondmonaten auf den Nachtgleichentng 
und einen Sonntag gefallen. 

14. Die Canones Apostol. enthalten die Vorschrift: ne quis 
sanctum Passae diem ante vernum aequinoctium cum Judaeis ce- 
lebret; woraus man sieht, dass die Juden, damals noch Ostern 
stets vor dem Friililingsnachtgleichentagc, wie zu Josephus und 
Philo’s Zeit, gehalten haben; dass sie noch Dach Sonnenmonaten 
gerechnet haben müssen. 

15. Epiphanius erzählt, dass nicht blos die Quartadeciinaner, 
sondern auch die Cappadocier Ostern stets, auf welchen Tag 
auch der Vollmond gefallen , am 20. März gefeiert haben; daher 
auch der 15. Nisan bei den Juden früher stets dem 20. jul. März 
entsprochen haben muss. 

16. Einstimmig versichern die Kirchenväter, dass Christus 
am Frühlingsnachtgleichentage uuferstanden sei. Aber in keinem 
der Jahre, in welche Christi Tod gesetzt werden konnte, fiel 
der 3. Tag nach dem 14. Nisan, dem Monde gemäss, auf die 
Frühlingsnachtgleiche. 

17. Viele Kirchenväter behaupten, die von Phlegon u. A. 
erwähnte Sonnenfinsterniss sei die bei Christi Tode gewesen. Aber 
nach Mondmonaten konute keine Sonnenfinsterniss auf den 14. Nisan 
fallen. Dagegen fiel auf diesen Tag und die von den Evange¬ 
listen bezeugten Stunden eine Sonnenfinsterniss, wenn die He¬ 
bräer nach Sonnenmonaten rechneten und nach dem Exile das 
Mosaische Sonneujahr fortsetzten. 

Man sollte meinen, diese Thatsachen wären hinreichend, ausser 
Zweifel zu setzen, dass die Hebräer vor Jerusalems Zerstörung 
noch nicht nach Mondmonaten gerechnet haben können, dass letz¬ 
tere erst seit Rabbi Samuel 189 n. Chr., oder Rabbi Adda 200 
n. Chr., oder Rabbi Hillel 358 n. Chr. in Gebrauch gekommen 
sein müssen; und dennoch lassen sich dagegen vier bedeutende 
^Zweifel erheben. 



330 Seijffarth, Haben d. Hebräer schon vor Jerusalems Zerstörung 


Zunächst behaupten die Rabbinen, dass das Synedrium von 
jeher die Mondmonate empirisch bestimmt habe. Dagegen ist 
bereits bemerkt worden, dass die Rabbinep nicht Augenzeugen 
waren, dass sie Ursache hatten, ihren Mondkalender wenigstens 
von Serubabel berzuleiten, dass eine Bekanntmachung der Monate 
durch Feuersignale und Boten widergeschichtlich und undenkbar sei. 

Ferner lehrt Philo’s Schrift De Septennio, wonach das 
Passa stets am Vollmond gehalten worden ist, dass damals der 
Mondkalender schon vorhanden gewesen sein müsse. Allein in 
andern Büchern sagt Philo gerade das Gegcntheil; und da die 
Schrift De Septennio, zuerst von Hoeschel als über singularis 
herausgegeben, in den Phiionischen Handschriften fehlt; so ist 
noch nicht entschieden, ob Philo oder ein späterer Freund der 
Mondmonate Verfasser sei. 

Sodaun setzt Josepbus, so oft er den Tag der Jüdischen Feste 
erwähnt, die Worte xurd atkrjvrjv hinzu; woraus hervorgehn soll, 
dass die Feste sich nach den Mondgestalten gerichtet haben. Da¬ 
gegen hat sich oben gezeigt, dass Mose seinen Kirchennisan 
16 Tage vor dem Werkelnisan, also in der Mitte des vorher¬ 
gehenden Werkelmonats, der Aegyptischen Zeitrechnung gemäss, 
anfing; daher die Kirchenmonate durch irgend einen Zusatz von 
den, 14 Tage später anfangenden, Werkelmonaten unterschieden 
werden mussten. Da nun otlijvi] bei den Classikern auch den 
Vollmond und, nach Analogie der vovfiijvi'a , die Mitte des Mo¬ 
nats bedeutete; so haben Josepbus und Philo offenbar nichts weiter 
gethan, als die Kirchenmonate von den Werkelmonaten durch 
xaru aeXijvtjv unterschieden. Obgleich nun später, wie aus Haggai 
2, 1. erhellt, das Kirchenjahr seit Abschaffung des unbequemen 
Wandeljahres um 27 Tage vor dem Werkelnisan begann; so 
konnte doch die alte in Gebrauch gekommene Unterscheidung der 
Kirchen- und Werkelmonate durch y.urtf oelrjVTjv bcibehalten wer¬ 
den. Hätten Josepbus. und Philo bei zoau. atlfjvrjv an Mondmo¬ 
nate' gedacht, so würden sie sich selbst widersprochen haben, 
da sie wiederholt Ostern und Laubhüttenfest auf die Frühlings¬ 
und Herbstnachtgleiche, auf Eintritt der Sonne in Aries, auf den 
Schöpfungstag setzen, was nach Mondmoriaten nicht möglich war. 

Endlich ist noch das Bedenken übrig, und diess ist das 
wichtigste von Allen, dass Josephus die Hebräischen- Monate un¬ 
bedingt den Macedonisch-Griechischen gleichstellt, welche, wie man 
sagt, keine Sonnen-, sondern Mondmonate waren. Liesse sich aber 
mit mathematischer Sicherheit nachweisen, dass auch die Griechen 
nach Sonnenmonaten rechneten; so würde es um so gewisser sein, 
dass auch die Hebräer seit dem Exile blos Sonnenmonate gehabt ha¬ 
ben. Nun haben schon Scaliger und in neueren Zeiten Clinton in sei¬ 
nen Hellenischen Fasten angenommen, dass die Griechischen Völker 
im gewöhnlichen Leben blos nach Sonnenmonaten gerechnet haben, 
ihre Gründe sind hauptsächlich folgende (Vgl. Idcler, Chron. I. 257 ff): • 



nach Mondmonaten gerechnet ? 


351 


Da die Grieche« erst durch Meto« 430 v. Chr. einen voraus- 
bercchnete« Mondkalcndter erhielten; so müssten sie bis dahin, 
also wenigstens 800, Jahre hindurch, die Neumonde empirisch 
bestimmt haben; und ^la nun die Mondsichel hier früher, dort 
später, bei bedecktem Himmel gar nicht erschien; so würden 
durch einen solchen Kalender alle öffentlichen Angelegenheiten 
Griechenlands in die grö'sste Verwirrung gerathen sein. Diess 
lässt sich bei einem Volke, wie die Griechen seit Homer und 
Hesiod waren, nicht denken. 

Sehr oft vergleichen die Geschichtsschreiber die Monate und 
Monatstage des einen Griechischen Stammes mit denen des andern; 
was bei Mondmonaten, bei verschiedenen Anfängen derselben und 
verschiedenen Schaltmonaten nicht hätte geschehen können. 

Thatsächlich schreibt Homer den Griechen ein tropisches Son¬ 
nenjahr zu; ausdrücklich versichert Geminus (Isag. c. 6.), alle 
Griechischen Völker hätten nach Snnnenmonaten gezählt (tovto 
dtthußov anuvrtg ol "EXXrji’ig to zovg f.itv Ivtavrovg av/nquovtog 
uyttv tw ijh'u)). 

Hierzu haben sich in neuern Zeiten viele Aegyptisclie In¬ 
schriften und Papyrus gefunden, welche Aegyptisclie Data mit 
Macedonischen vergleichen; und da hat sich gezeigt, dass die 
Macedouischcn Monate nicht mit den Neumonden, sondern zuin 
Theil viele Tage später oder früher begonnen haben. 

Nach Aristoxencs (Harm. £iem. 2, 30. M.) fingen gewisse 
Monate bei dem einen Griechischen Stamme, wie schon aus Thu- 
eydides bekannt ist, um 2 und um 5 Tage später an, als bei 
dein andern; was sich durchaus nicht aus Mondmonaten, sondern 
nur daraus erkläret! lässt, dass alle Griechen nach 30tägigcn 
Sonnenmonaten rechneten, die 5 und 6 Schalttage aber hinter 
verschiedenen Monaten anbrachten. 

Ausdrücklich sagt Theodorus Gaza, „die Griechen hätten 
ein Jahr von 360 Tagen gehabt, denen sie 5, bisweilen (im 
Schaltjahre) 6 Tage beigefügt“; wie im alten Alexandrinischen 
Jahre geschah. 

Das bekannte Räthsel des Klcobulus bei Diog. Laert. 1, 91. 
von den 12 Söhnen, deren jeder 30 halbschwarze und halbweisse 
Töchter hatte, spricht deutlich für die BOtägigen Sonnenmonate 
der Griechen. 

Auf den 12 Sonnenmonaten beruhte die ganze Einthcilung 
des Athenischen Volkes; „der Stämme machten sic vier“, sagt 
Suidas unter ytvvrjzu.1, „nach dem Vorbilde der 4 Jahreszeiten, 
der Phratrien zwölf nach den 12 Monaten, der Geschlechter in 
jeder Phratria dreissig nach der Tagessumme 360 des Jahres 
Hätten die Griechen ein Mondjahr gehabt, so würde das Volk 
gewiss nicht in dieser Weise eingethcilt worden sein. 

Dieselben 30tägigen Monate finden sich bei Aristoteles (Hist. 
An. 6, 20), wo er 60 Tage auf ein Sechsteljahr, 72 Tage auf 



352 Scyffarlh, Haben d. Hebräer schon vor Jerusalems Zerstörung 

ein Fünfteljahr rechnet; bei Hippocrates (De morb. vulg. 2. p. 1031 
und De corn, p. 254), der 9 Monaten 270 Tage gleit und den 
Zeitraum von 9 Monaten mit 10 Tagen durcl} 280 Tage ausdriiekt. 

Hesiod tbeilt an vielen Stellen, z. B. Tb. v. 814, jeden 
Monat in 3 Decaden; was bei Mondmonaten unmöglich war. 

Deutlich sagt Geminus (ls. c. 6), das Jahr der Griechen habe 
aus 30tägigen Jlonaten bestanden, denen sie jährlich Schalttage 
beigefügt (zoig fx^vag rntay.orÜr l f.tt(jov<; r l yov, roitg de ijußohßov; 
nag' iviavrorj. In welchen Jahren der 6. Tag eingeschaltet 
worden, sagt Censorinus (De die nat. 18) nicht undeutlich: „qui 
annus magnus ex quadriennio commodior visus est, nt annus solis 
constaret ex diebus CCCLXV et diei quarta circiter parte, quae 
iinuiu in quadriennio diein conficeret. ftuare agon et in Elide 
Jovi Olympio et Romae Capitolino quinto quoque anno redeunte 
celebratur. “ 

Wenn nun gleich aus diesen historischen Zeugnissen Scaliger 
und Clinton u. A. nicht mit Unrecht geschlossen haben mögen, 
die Griechen müssen im gewöhnlichen Leben nicht nach Mond¬ 
sondern nach Sonneninonaten gerechnet haben; so gab es doch 
dafür bisher keine mathematischen Beweise; und daher ist es ge¬ 
kommen, dass nach Petavius Vorgänge fast allgemein angenommen 
worden ist, die Griechen hätten nach Melons Mondkalendcr, ob¬ 
gleich derselbe nach den Alten gar nicht für das bürgerliche 
Leben bestimmt war, gerechnet. Inzwischen sind vier astrono¬ 
mische Beobachtungen der Alten an das Licht gekommen, durch 
welche ausser allen Zweifel gesetzt wird, dass die Griechen wirk¬ 
lich im bürgerlichen Leben nicht anders,' als nach 30tägigen 
Sonnenmonaten gerechnet haben; sie sind folgende. 

Zuvor wird es nötbig sein, den Sonneukulender der Hebräer 
und Macedonier, auf welchen der Verf, vor mehrern Jahren in 
seiner Clironologia sacra p. 69 durch sorgfältige Benutzung der 
obengenannten historischen Ueberlieferungen in Betreff des Jüdi¬ 
schen Kalenders gekommen war, anzuführen. 

Werkeljahr. Kirchenjahr. 

3. April, l.Nisan, Xanthicus, Thargeiion. 6. JMä'rz, 1. IVisan cct. 

3. Mai, l.Ijar, Artemisius, Scirophorion. 5. April, l.Ijar. 

2. Juni, l.Sivan, Daesius, fiecatombaeon. 5. Mai, l.Sivan. 

2. Juli, l.Thammus, Paneinus, Metagitnion. 4. Juni, 1. Thnmmus. 

l.Aug., 1. Ah , Lous, BoeViromion. 4. Juli, 1. Ab. 

3t.Aug., 1. Elul, Gorpiaeus, Pyanepsion. 3. Aug., l.Elul. 

30. Sept., 1. Thischri, Hyperberetaeas, Maemacterion. 2. Sept., l.Thischri. 
30.0ct., l.Marcheschvan, Pius, Posideon. 2. Oct., l.Marcheschvan. 

29. Nov., l.Kislev, Apellaeus, Gamelion. 1. Nov., l.Kislev. 

29. Dec., l.Epagom. . l.Dec., l.Tebeth. 

3. Jan. , l.Tebeth, Audynaeus, Antbesterion. 31. Dec., l.Schebat. 

2.Febr., l.Schebat, Peritius, Elaphcbolion. 30. Jan., l.Adar. 

,4. März, l.Adar, Dystrus, Munychion. l.M'arz, l.Epagom.' 




nach Mondmonaten gerechnet? 


353 


Die beigefügten Attischen Monate beruhen auf dem bekannten 
Briefe des Philippus ( Ideler, Chron. I. 403), wonach die Mace- 
donischen und Attischen Monate einander in besagter Weise ent¬ 
sprachen. Hat es nun mit vorstehendem Kalender seine Richtig¬ 
keit, so müssen die folgenden 4 astronomischen Beobachtungen 
auf die julianischen Tage fallen, die den Griechischen Daten der 
Tafel nach entsprachen. 

1. Diodor 12, .36 berichtet, der erste Neumond des Meton- 
schen Mondkalenders unter dem Archon Apseudes sei auf den 
13. Skirophorion des bürgerlichen Jahres der Athener gefallen. 
Das Jahr dieses Archon (429 v. Chr.) ist, abgesehen von anderen 
astronomischen Sicherheiten, durch denselben Astronom Meton 
genau bestimmt. Er fand mit Euctemon, dass unter Apseudes die 
Sommersonnenwende am27. Juni(21.Pbarmutlii) bei Sonnenaufgang 
eingetreten sei (l’tol. Alm. 3, 2. p. 162. R.); und in der That 
fiel 429 v. Cbr. das Solstitium auf den 27. Juni 5 Uhr nach 
Mitternacht. Sonach war Metons erster Neumond 429 v. Chr. 
auf den 15. Mai gefallen; denn nach vorstehendem Kalender ent¬ 
sprach der 1. Skirophorion stets dem 3. Mai, der 13. Skiropho¬ 
rion, der Tag jenes Neumondes, dem 15. Mai; und wirklich war 
dieser Tag ein Neumondstag in der Weise Metons und der Alten 
überhaupt. Denn der astronomische Neumond erfolgte für Athen 
am 13. Mai bald nach Sonnenuntergang; am 14. Mai bei Sonnen¬ 
untergang konnte die Mondsichel, die nahe 13° östlich von der 
Sonne stand, zuerst gesehn werden; daher mit dem 15. Mai, 
dem 13. Skirophorion, den Meton eben zum ersten Mondnionatstag 
unter Apseudes gemacht haben soll, der Mondmonat begann. In 
keinem der vorhergehenden und folgenden Jahre konnte nach 
astronomischen Gesetzen auf den 13. Skirophorion ein Neumond 
treffen. 

2. Aristophanes Nub. 581 ff. erzählt als Augenzeuge, dass 
bei Kleons Wahl zum Strategos binnen wenigen Tagen eine Son- 
nen finstern iss, _ die auch Thucjdides 4, 52 zum 8. Jahre des 
peloponnesischen Kriegs erwähnt, und eine totale Mondlinsterniss 
stattgefunden haben. Da der Fall, binnen 15 Tagen an demselben 
Orte eine Sonnen- und totale Mondlinsterniss zu sehn, höchst 
selten vorkommt und nur 421 v. Chr. am 18. Jan. und 2. Febr. 
vorgekommen ist; so ist, von anderen astronomischen Thatsachen 
abgesehen, das Jahr, in welchem Kleon Strategos wurde, mathema¬ 
tisch festgestellt. JeneSonnenfinsterniss hat nach einem Scholiasteu 
in Scaliger 1 s Swayioyf) loiop. am 16. Anthesterion, d. i. gemäss 
vorstehendem Kalender am 18. Jan., stattgefunden, ln der That, 
fiel eben auf diesen 18. Jan. 2 Uhr nach Mittag 421 v. Chr. die 
von Aristophanes und Thucydides bezeugte partiale Sonncnfinster- 
niss. Hätten die Griechen nach Mondmonaten gerechnet; so 
konnte keine Sonnenfinsternis auf den 16. Anthesterion und kein 

II. Bd. 23 



354 Seyffarlh, Haben d. Hebräer schon vor Jerusalems Zerstörung 


Neumond auf den 13. Skirophorion fallen. Sie hätten dann stets 
am ersten oder letzten Monatstage eintreten müssen. 

3. Tliucyd. 8, 20 ff. und Plutarch ,Nik. c. 28 erzählen 
umständlich, dass am 27. Karneios, dem 29. Metagitnion der 
Athener (Thuc. 4, 118), das Attische Heer in Sicilien umge- 
komincn sei und zwar 20 oder 21 Tage, wie auch Clinton Fast, 
Hell. II. 76 nachweist, nach einer totalen Mondßnsterniss im 19. 
(vom ersten Feldzuge der Lacedämonier an gerechnet im 18.) Kriegs¬ 
jahre, welches gemäss den hei Thucydides, Xenophon u. A. er¬ 
wähnten Finsternissen und olympischen Spielen das Jahr 411 v. Chr. 
war. Da nun jene Mondlinsterniss 21 Tage vor dem 29. Meta¬ 
gitnion, welcher in obiger Tafel dem 30. Juli entsprach, statt¬ 
fand; so müsste sie auf den 10. oder 11. Juli sss 10. Metagitnion 
gefallen sein. So ist es in der That. Denn am 10. Juli 411 v. 
Chr. 1 Uhr nach Mitternacht ist in Sicilien eine totale Mondfin- 
sterniss gesehen worden. Im folgenden Jahre fiel der ekliptische 
Vollmond auf den Mittag und in keinem der vorangehenden und 
nachfolgenden Jahre hat es in Europa während des Juli eine totale 
Mondlinsterniss gegeben. Hätten die Griechen also nach Mond- 
monaten gerechnet; so hätte keine Mondßnsterniss auf den 10. 
Metagitnion der Athener, oder den 8. Karneios der Lacedämonier 
fallen können. 

4. Fast alle Kirchenväter versichern einstimmig, dass am 
14. Nisan = Thargelion, 3 Tage vor der Frühlingsnachtgleiche, 
im 18. Jahre Tibers, mithin 33 der Dion. Aera zu Jerusalem eine 
Sonnenfinsterniss stattgefunden habe, welche den Evangelisten nach 
von der 6. bis 9. Stunde (11 bis 1 Uhr nach Mittag) dauerte. 
Da nun der Hebräische Festnisan. gemäss lluggai 27 Tage vor 
dem Werkelnisan begann, so müsste jene Finsterniss auf den 
19. März 33 n. Chr. gefallen sein; und allerdings ist ein eklipti- 
scher Neumond auf diesen Tag und die besagten Stunden und 
zwar nur in diesem Jahre 3 Tage vor der Frühlingsnachtgleiche 
gefallen. Den älteren Mondtafeln nach war diese Finsterniss nur 
in Aethiopien und südlicher sichtbar; nach Burckhardt, der den 
Mondknoten richtiger schon viel westlicher setzt, war dieser Neu¬ 
mond auch für Aegypten ekliptisch. Nun haben aber ßouvard und 
Voirron eine hundertjährige' Mondknotenbewegung gefunden und 
bekannt gemacht, nach welcher jene Sonnenfinsterniss auch in Jeru¬ 
salem sichtbar war. Voirron sagt in der Hist, de Pastron. P. 1810 
p. 337: „D’apres le grand nombre d’observations qu’ il (Bürg) a 
discutdes, il a trouvö pour le mouvement seculaire de 1’ apogee, 
une correction soustractive de 7' 10" et pour le mouvement 
sdculaire du noeud une correction additive de 40" seulement. La 
premiere parait exactement ddterminde, mais Ia secoude n’est pas 
tout-ä-fait d’accord avec les observations anciennes; car il en 
resulterait, d’apres les calculs de M. Bouvard , que l’dclipse de 
lune observee le 23. Decembre de P an 383 avant P ere vulgaire 



ii ach Mondmonalen gerechnet? 


355 


n’ a pnint eu lien, quoique cette eclipse soit tres - bien constutdc. 
Pour satisfairc a cette observation ,. ainsi qn d la presque-10- 
talile des dbservationr, anciennes el modernes, il paruit necessaire 
<1’ pugmenter lc niouvpment sdculaire <lu noeud d' cnviron deux 
minules par siecje.“ Da Voirron hierbei Biirgs Säcularglcichungcn 
au Grunde legte, so lag Dir die Epoche 800 v. Chr. der Mond¬ 
knoten bei allen Neumonden nahe 7° 30'westlicher, als nach den 
alteren Tafeln; und diese von Voirron gefundene Mondkhoten- 
bewegung wird durch alle totalenFiiisternisse der Alten bestätigt 
und ausser Zweifel gesetzt. Demnach war auch der Neumond 
am 14. Thargelion = 19. März 33 n. Chr. für Jerusalem eklipfisch. 

Gesetzt nun, die oben angeführten historischen Thatsachen, 
nach welchen Sealiger, Clinton u. A. den Griechen Sonnenmonnte 
^schrieben, wären zweideutig und unsicher; so lassen doch die' 
genannten vier astronomischen Thatsachen nicht den geringsten 
Zweifel übrig: Die Monate der Griechen -sind nicht Mond-, sondern 
Sonnenmonate gewesen. 

Da nun JoSepbus die Griechischen Monate den Hebräischen 
ganz gleichstellt; seine Data bald in Macedonischer, bald in 
Hebräischer Weise, bald in beiden zugleich ausdrückt; so wird 
es wohl dabei bleiben: Die Monate der Hebräer waren bis zu 
Jerusalems Zerstörung wenigstens keine Mondmonute, sondern Sonnen- 
monate, die mit den julianischen Tagen anfingen, welche vorstehender, 
vorher imd auf andern fVegen gefundener Kalender der Hebräer 
dngiebt. 


23 



Dr, Wolff's Bericht über seinen in Basel gehaltenen Vortrag. 

(S. Seite WO.) 


Nachdem ich einleitungsweise von dem grossen Interesse 
gesprochen, das Jerusalem in neuerer Zeit wieder erlangt hat, 
und ich angedeutet hatte, wie dieses Interesse noch mehr zu 
bethätigen sei, suchte ich fiir’s Erste nachzuweisen, dass eine 
Reise dahin keineswegs eine mit grossen Kosten und Beschwer¬ 
lichkeiten verbundene sei. Ich theilte hiebei folgende Details mit: 
Von Triest nach Beirut sind 900 Seemeilen. Dazu braucht man 
auf einem Dampfschiffe 12 Tage, nämlich: 8 Tage bis Smyrna, 
wobei ein Aufenthalt von etwa 12 Stunden in Corfu und einer 
von mindestens 24 Stunden in Syra ist, und 4 Tage nach Beirut, 
mit einem Aufenthalt von ein paar Stunden auf Rhodus und von 
18 Stunden in Larnaka (Cypern). In Beirut war bis jetzt ein 
Aufenthalt von 10 bis 12 Tagen nöthig, da dort ein von Con- 
stantinopel kommendes Schiff abzuwarten war. Die eigentliche 
Fahrzeit von Triest nach Beirut ist (wenn Alles in Ordnung geht) 
228 Stunden. Da aber in einer Stunde circa 2f Wegstunden 
gemacht werden, beträgt die Entfernung von Triest nach Beirut 
570 Stunden. Rechnet man dazu den Weg von Beirut nach Je¬ 
rusalem zu 70, und den von Basel nach Triest zu 130 Stunden: 
so erhält mau zwischen Basel und Jerusalem eine Entfernung von 
770 Stunden. Die Ueberfahrt von Triest nach Smyrna kostet 
auf dem ersten Platz 90, auf dem zweiten 70 Gulden Münze (der 
Gulden zu 1 fl. 12 'Xr. rheinisch); von Smyrna nach Beirut auf 
dem ersten Platz 66, auf dem zweiten 44 Gulden. Dazu kommt 
die Kost auf dem ersten Platz für den Tag zu auf dem zweiten 
Platz zu 1^- Gulden. Die Fahrt von Beirut nach Jaffa auf einem 
arabischen Segelschiffe, das bei günstigem Winde dieselbe in 24 
Stunden macht, kostet, ohne die Lebensmittel, für die man selbst 
zu sorgen hat, 4 bis 5 Gulden ; die Landreise zu Pferd, mit Allem 
und Jedem, nach Umständen 1 Dukaten bis 1 Napoleond’or. Die 
ganze Reise von Basel nach Jerusalem kann man mit 250 bis 
350 Gulden machen. Die Seefahrt zu günstiger Jahreszeit hat 
durchaus nichts Beschwerliches. Seekrankheit ist für den Gesunden 
nur bei eintretendem Sturm zu befürchten. Die Landreise aber 
ist, sofern man mit einem Zelte und cinemj guten Diener versehen 
ist, sogar etwas Erquickendes. 



Wulffs Bericht über seinen in Basel gehaltenen Vortrag. 357 

Fiir's Zweite suchte ich nachzuweisen, es sei nun an der 
Zeit, dass man, um Onientalia zu studiren, in den Orient selbst 
gehe. Ich stellte desshalb den Antrag :■ die Lehrer der orien¬ 
talischen Sprachen a'n unsern - Universitäten möchten denjenigen 
ihrer Zöglinge, welchfe eine Vervollkommnung ihrer orientalischen 
Kenntnisse in dem Auslande zu erstreben beabsichtigen, anratlien, 
anstatt — wie cs bisher in der Regel geschehen ist — nach 
Paris oder London, lieber nach dem Orient, insonderheit nach 
Jerusalem, wo sic gegenwärtig an Scheich As ad Effendi, Imam 
der Schafeiten, einen vorzüglichen Lehrer des Arabischen finden, 
oder nach Damascus, woselbst ausserordentlich billig zu leben ist, 
oder nach Kairo zu gehen. Auf diese Weise, fugte ich hinzu, 
bekäme die Deutsche morgenländische Gesellschaft wissenschaftliche 
Agenten im Orient, die z. B. Sorge tragen könuten, Mitglieder 
für die Gesellschaft zu gewinnen, unsere arabischen Textwerke 
(die ihnen in gehöriger Anzahl von den Buchhändlern zum Ver¬ 
kauf und auch zur unentgeltlichen Vertheilung an einheimische 
Notabilitäten zuzusenden wären') zu verbreiten, Manuscripte, die 
sich fast nur unter der Hand oder durch Hülfe von Bekannt¬ 
schaften erlangen lassen , zu erwerben u. dgl. 

Mein Drittes war die Einladung zur Abhaltung einer Orien¬ 
talisten-Versammlung in dem Orient , wozu sich vorzugsweise Je¬ 
rusalem eignen würde. Diese Idee, bemerkte ich, dürfte vielleicht 
.Manchem abenteuerlich und unausführbar erscheinen; mir erscheine 
sie ausführbar und grossartig. Es sei die Idee des Mustercon- 
suls und Musterfreundes, des Dr. E. G. Schultz, derzeit Verweser 
des preussischen Gencralconsulats zu Beirut. Wie würden sie, 
fragte ich, in Constantinopel aufsehen (denn die Reise würde 
gemeinschaftlich gemacht werden und müsste über Constantinopel 
gehen), wenn ein ganzes Schiff voll deutscher Orientalisten, 
begleitet von andern Männern der Wissenschaft, dort ankäme! 
und wie in Jerusalem, wenn ein Kreuzheer friedlicher Gelehrten 
durch seine Thore zöge! Welche Verbindungen'licssen sich da 
auknüpfen l welcher Einfluss auf den Orient könnte sich hieraus 
entwickeln! welche Ehre würde eine solche Expedition von deut¬ 
schen Gelehrten dem deutschen Namen bringen! wie manche schwie¬ 
rige Frage, über die man Jahre lang vergeblich gestritten, könnte 
da auf einmal ihre Lösung finden! Ich konnte auch bereits die 
Mittheilung machen — in Folge einer, mit einem der Directoren 
des österreichischen Lloyd geführten Besprechung — dass der 
deutsche Lloyd bereit ist, für die Uebcrfahrt der in Rede stehen¬ 
den Gesellschaft auf einem hesondern Schiffe sehr billige Bedin¬ 
gungen zu stellen; und sprach dabei die Ucbcrzeugung aus, dass 
wohl jede deutsche Regierung, die darum angegangen würde, 
sich an einem solchen Unternehmen durch Absendung einiger Ge¬ 
lehrten auf Regierungskosten gern betheiligen würde, und dass 
insbesondere wohl der hochherzige, grossartige wissenschaftliche 



358 Wolff’s Bericht über seinen in Basel gehaltenen Vortrag. 

Zwecke so gern fördernde König von Preussen dasselbe unter 
seinen Schutz nehmen möchte. c 

Zum Vierten erstattete ich kurzen Bericht über die von 
mir in Palästina und Syrien gemachten Ausflüge und Reisen. 
Ich war bei def» Taämira-Beduinen und aiif dem Prankenberge; 
in Hebron und Bethlehem; in Jericho, an dem todten Meere und 
dem Jordan. Auf der Reise nach Beirut berührte ich: Sindschil, 
Nablus, Dschenin, den Karmel, Nazareth, den Tabor, .Tiberias, 
Safed, den See Hule, Bänias, Hasbeia, Dschesfn, Deir el Kamr; 
auf der Reise von Beirut nach Damascus: Haindün, Andschar, 
Medschdel, üemäs; auf der Rückreise von da nach Beirut: 
Sebdäue, Baalbek, Ars el Libnan (die Cedera des Libanon), 
Eden, Tripoli, Dschebeil, Dschune, Nähr el Kelb. 

Fünftens gab ich kurze Rechenschaft über meine Reisefrüchte. 
Ich machte hier namhaft: a) eine Zeichnung der Haram-Mauer 
auf 23 Bogen (auf derselben ist jeder einzelne alte Stein genau 
vermessen. Sie ist das von mir angeregte und durch meine Bei¬ 
hülfe zu Stande gebrachte mühevolle Werk meines Freundes und 
Reisegefährten, des Predigtamtscandidaten Gailow, von dem ein 
ganz neuer Plan Jerusalems zu erwarten ist); b) ein arabisches Na- 
menverzeichniss palästinensischer Pflanzen; c) einen Auszug aus 
dem Katechismus der Nosairicr (dieser Katechismus ist mir durch 
den kermtnissreichen und forschenden Dragoinan des preussischen 
Gencralconsulats, Katafago , zur Einsicht mitgetheilt worden, mit 
dem Bemerken, dass eine Abschrift und französische Uebersetzung 
desselben von ihm nach Berlin geschickt worden sei); d) eine 
Sammlung arabischer Wörter und Redensarten für die Umgangs¬ 
sprache. Von mitgebrachten Manuscripten, Münzen und Landes- 
producten legte ich Einzelnes vor. ln Betreff der Topogra¬ 
phie Jerusalems erklärte ich, dass über die Hauptfragen et¬ 
was Sicheres und Entscheidendes nun und nimmermehr früher 
gegeben werden könne, als bis umfassende Nivellirungen und 
Nachgrabungen vorgenommen seien, daher ich also die Zahl der 
vorhandenen Hypothesen nicht vermehren wolle; auch konnte ich 
mittlieilen, dass Robinson’’s „Neue Untersuchungen“ die Ueberzeu- 
gung meiner Freunde in Jerusalem keineswegs haben erschüttern 
können. Hieran schloss ich 

Sechstens die Bitte, dass die Herren Redacteure gelehrter 
Zeitschriften von den Orient betreffenden Artikeln (Recensionen 
u. dgl.) besondere Abzüge, und die Herausgeber orientalischer 
Werke ein oder zwei Exemplare von denselben der Consular- 
Bihliothek in Jerusalem zukommen lassen möchten, damit man 
iri Jerusalem sich auf dem Laufenden erhalten könne und zu¬ 
gleich wissenschaftliche Auffrischung und Anregung gewinne. 
Kleinere Packete, bemerkte ich dabei, seien an das Ministerium 
des Auswärtigen in Berlin zu senden, mit der Declaration „wis¬ 
senschaftliche Angelegenheiten“ und der Angabe des Absenders 



Hitzig's Bericht über seinen in Basel gehaltenen Vortrag. 359 


auf der Adresse, grössere Büclierpuckete aber seien einem Hand¬ 
lungshause iu Triest (jetwa der Buchhandlung II. F. Favarger) 
zur Beförderung an das preussiscbe Generalconsulat in Beirut 
zu iibermachen. < 

Ich schloss mit ziner Dankbezeigung für die mir in Betreff 
meiner Reise bewiesene Theilnalime, und dem Wunsche dass 
die Verbindung zwischen dem Orient und dem Occident eine 
immer lebendigere werden möge — zurFörderung der Wissenschaft 
und des Reiches Guttes. 


Prof, IlUzig’s Bericht über seinen in Basel gehaltenen Vortrag. 

(S. Seite 100.) 


Prof. Hitzig von Zürich, welcher keineu Vortrag angemeldet 
hatte, aber eine Lücke auszufüllen erbötig war, redete über die 
Städtenamen Askalon und Askaland. 

Nachdem der Sprecher daran erinnert hatte, dass von ihm 
in einer i. J. 1845. herausgegebenen Druckschrift Pelasgisches 
Volksthum der Pliilistäer und folgerichtig Verwandtschaft ihrer 
Sprache mit dem Griechischen und dem Sanskrit behauptet worden 
sei, durchging er summarisch die Gründe für und gegen, und 
lenkte schliesslich über auf die Sindische Hauptstadt Askaland 
fiXÄläMc) oder nach Alexander gräcisirt Askalandussa, welche 
in einem Stücke des Mugmil-ettewärich, S. 3 und 47 von Ueinaud’s 
Fragments Arabes et Persans inedits etc. (Paris 1845) erwähnt 
wird. Dass eben dieser Name Askaland mit „Askalon“ identisch 
sei, bildete den Mittelpunkt und eigentlichen Kern der Erörte¬ 
rung. ■pVpTtJN sei im Hebräischen jeder Analogie haar und gebe 
auch keinen Sinn als Ortsname ; die Deutung dagegen durch as- 
qalan sanskr. = nicht wankend empfehle sich selber. Dass aber 
jenes Sindische Askaland sanskritisch, nämlich durch asqalanl (die 
Grundform von asgalan)= nicht wankend zu erklären sei, liege 
auf flacher Hand. Gewonnen liieinit werde, dass jenes dem Namen 
■pipiöN untergelegte asgalan nun nicht mehr bloss eine Bildung 
nach Analogie, sondern als wirkliches Wort nachgewiesen sei; 
und zwar wieder als Name einer Stadt, einer Königsstadt. Und 
so dürfe aus der Einerleiheit beider Namen auf Verwandtschaft 
der Philistäer mit jenem Volke in Sind, aus ihrer formellen Ab¬ 
weichung aber von einander der Schluss gezogen werden, dass 
sie eben nur mit ihm verwandt, nicht Eins, nicht etwa gerade 
von demselben eine Colonie oder Pnrcelle gewesen seien. 



Prof. Reuss’ Bericht über seinen in Basel gehaltenen Vortrag. 

(S. Seite 101.) « 

Prof, llnuss von Strassburg legt der Versammlung ein orien¬ 
talisches Munuscript vor, das zwar nicht durch seine literarische 
Wichtigkeit aber doch durch seine eigentliiimlicbe Form und sei¬ 
nen Inhalt die Aufmerksamkeit der Anwesenden in Anspruch nimmt. 

Die Handschrift, sehr gut gehalten und in einem hübschen 
Originalbande, besteht aus etwa fünfzig Blättern in gross Octavfor- 
mnt, welche aber so aneinander geklebt sind dass sie, aufgeschlagen, 
einen langen Streifen bilden und, auf der einen Seite wenigstens, 
gleichzeitig übersehen werden können. 

Die eine Seitenreihe enthält einen durchaus auf allen Blättern 
gleichförmig geschriebenen Text, und zwar zerfällt jede Blattseite 
der Länge nach (in Bezug auf das Octavformat) in zwei Abthei¬ 
lungen wovon die obere in schöner, voller und grosser Neskhi- 
schrift kalligraphische Modelle enthält; die untere aber,.diese in¬ 
dessen nur auf dem dritten Theile des Raumes und in kleiner nied¬ 
licher Schrift, einen Text von dem gleich die Rede sein wird. 

Was jene Vorschriften betrifft,’ so enthalten sie auf den zwei 
ersten und den sichen letzten Seiten religiöse, meist bekannte Sen¬ 
tenzen. Die mittlern aber geben zuerst die einzelnen Buchstaben 
in ihren inanniclifaltigen Formen und nach diesen in eilf Alphabeten 
die möglichen Comhinationen von je zwei Schriftzügen. 

Der untere klcingeschriebene Text, der ohne Unterbrechung 
über alle, fünfzig Seiten fortläuft, so zwar dass keine Seite von der 
andern unabhängig ist, enthält eine grosse Reibe kurzer Fragmente 
die sich auf die eine oder andre Weise auf die SchönscJireihekunst 
beziehn; nämlich Sentenzen, Anecdoten, Traditionen, bistorische 
Notizen, Vorschriften für Kalligraphen, und namentlich auch 
viele Distichen und einige zusammenhängende längere Gedichte. 
Von diesen Fragmenten liest Ref. eine Probe in freier deutscherUe- 
bersetzuug vor. (S. nachher.) Unter den Sentenzen zeichnet der¬ 
selbe einige aus die sich durch die Zierlichkeit der Form ebenso¬ 
sehr als durch den Witz des Inhalts bemerklich machen, z. B. 


ji ws*f h«j ji J äÄS» U 

Meiuorirst du, so verlierst du — schreib’s, so bleibt’s! 

O a- ) So- 50 . 

oder: JUS iöUX'Jfj iXya 

Memorireu ist fangen — schreiben ist fesseln. 

f 

Eine Randbemerkung oder sonst etwas das über den Ursprung 
der Handschrift Auskunft geben könnte findet sich nicht vor. 
Indessen muss noch hinzugefügt werden dass die Vorschriften 



Reusa' Bericht über seinen in Basel gehaltenen Vortrag. 361 


mit dem darunter stehenden Texte alle auf fliegende Blätter aus¬ 
serordentlich feinen Papiers und von ganz gleicher Grösse ge¬ 
schrieben, sehr sauber auf die etwas grossem und starkem 
Blätter die den Codex bilden aufgeklebt und einfach mit Gold- 
liuien eingefasst sind'. 

Dreht man nun diese Blätterreihe um, so erscheinen in gleicher 
Weise zusammenhängend die Rückseiten, die in kalligraphischer 
Hinsicht unendlich schöner und auch sonst interessanter sind. 
Hier haben wir nämlich mit Ausnahme einer Seite die zierlichsten 
Proben' persischer oder Taalikschrift, ebenfalls aufgeklebt wie 
die arabischen Modelle, aber von verschiedner Grösse. Dazu ist 
das Papier selbst auf dem Grunde nicht, wie auf der arabischen 
Seite, weiss, sondern von mancherlei Farben und namentlich öfters 
vergoldet, mit ausserordentlich feinen Zeichnungen von Blumen, 
Vögeln, Gasellen u. s.‘ w. 

Seite 20 — 25 enthalten eine Art Compendium persischer Kal¬ 
ligraphie, nämlich die erste Sure und dann eine Art Titelblatt 
welches eine ähnliche Reihe von Alphabeten einleitet, wie wir sie 
schon oben beschrieben haben, und woraus wir zugleich lernen 
das^ diese nach der in dem Werke eines Mir 

Ali von Tcbriz vorgezeichneten Methode geschrieben sind. 

Die meisten übrigen Seiten enthalten bald in grösserer bald in 
kleinerer Schrift persische Gedichte oder Bruchstücke aus solchen 
von 2- —8 Distichen, die aber fast sämmtlicb schief auf die Blattseite 
geschrieben sind, so dass oben und unten dreieckige leere Räume 
übrig bleiben, in welchen meist (und zwar arabisch) die Namen von 
Personen stehen welche die betreffenden Blätter geschrieben haben, 
so dass Ref. sich der Vermuthung hingibt es sei dieser Tbeil 
der Handschrift eine Art Stammbuch. Die Namen die am häufig¬ 
sten Vorkommen sind, ausser dem schon genannten Mir Ali, ein 
Schah Mahmud von Nisabur, ein Sultan Ali von Meschhcd, ein 
Mohammed Aidha ebendaher, ein anderer desselben Namens von 
Tebriz, ein Derwisch Mustafa und andre mehr. Auch Jahrzahlen 
finden sich in diesen Ecken mehrere. Die älteste ist das Jahr 978, 
die jüngste 999 (1570—90 Cbr.) 

Die 33ste Seite stellt in schönem Miniaturbilde mit reichem 
Farbenglanze die Himmelfahrt des Propheten auf dem Borak 
vor; auch die 36ste enthält ein Gemälde das nicht übel ist; zwei 
andre stellen einen Wald vor in welchem Bäume und Thiere aller 
Art sehr fein in Papier ausgeschnitten und aufgcklebt sind, wie 
denn auch noch andre der Kalligraphie im weitern Sinne verwandte 
Spielereien Vorkommen. 

Woher die Handschrift stammt weiss Ref. nicht anzugeben. 
Sie ist zu Anfang des Jahrhunderts uus der Verlassenschaft eines 
Schullehrers zu Strassburg gekauft worden und vor kurzem durch 
Erbschaft in die Hände des Ref. gekommen. 



Lob der Schönsehreibekunst 

( 

in sieben Sätzen. , 


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Lob 'der Schönschreibckunst. 

Frei nach dem Arabischen. 


Es rühme sich des Schwertes immerhin der Held, 

Wenn er es fdr’s preiswürdigste der Güter hält. 

Dem Schreibrohr gnügt, statt aller Ehre, alles Lobs, 

Der Ruhm dass Allah bei ihm schwur, der Herr der Welt.*) 

Es ist’s das mit der Rede Macht von Gott betraut 
Des Himmels ew’ger« Rath den Sterblichen erzählt. 

Auch ist ihm eine Zunge stummberedt verliehn 
Und zu des Herzens treuem Dolmetsch ist’s bestellt. 

Dass oft sich nur des Freundes Auge gebe kund 
Was tief und still die Brust dem Munde vorenthält. 

Sein grösster Vorzug aber ist dass es getreu 
Der Todten Weisheit seihst den Lebenden erhält, 

Und des Propheten Wort, gebenedeit sei Er, 

Durch seine Hilfe dem Gedächtniss nie entfällt. 

Drum ist auch eine schöne Schrift das schönere, 

Mit welchem Gute du vergleichend sie gesellt; 

Von zweien Ueheln aber, bliebe mir die Wahl, 

War’ eine schlechte Schrift was ich zuletzt gewählt. 


Sur. 68, 1. 



Notizen, Conespondenzeii und Vermischtes 


Das Bulletin der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften zu St. Pe¬ 
tersburg wird nach Vollendung der ersten Reihe von 10 Bänden, die unter 
dem Titel Bulletin scientifigue naturwissenschaftliche, mathematische, physi¬ 
kalische, historische und philologische Aufsätze in gemischter Folge enthielten, 
seit dein Jahre 1844 in zwei von einander getrennten Ahthcilungen ausgegehen, 
deren eine, ausschliesslich historischen, philologischen und politischen Inhalts, 
die p. M. G. von der Kais. Akademie zum Geschenk erhält. Ausser den Aus¬ 
zügen längerer Abhandlungen, welche nnchgchcnds vollständig in den Memoiren 
der Akademie erscheinen, werden in dem Bulletin eine Menge wichtiger Ab¬ 
handlungen von geringerem Umfang, Berichte und Notizen niedcrgelegt, die 
zum grossen Tlicil in den Bereich der orientalischen Litteratur gehören. Es 
scheint angemessen, über den Inhalt dieses Bulletins von Zeit zu Zeit in diesen 
Blättern zu berichten, und wird es erlaubt seyn, diesmal bis zu dem Anfänge 
der neuen Heilte zurückzugehn, um an einige wichtige Aufsätze za erinnern, 
die schon in den ersten Bänden stehen *). Herr Staatsrath «oh Frühn sprach 
dort u. A. hei Gelegenheit des Rostocker Miinzkabincts von den zerbrochenen 
Münzen, die man in den Baltischen Ländern und in Russland so bäulig lindet, 
stets Fragmente von Silbermünzen und zwar meistens von Samanidcn, offenbar 
gebraucht statt kleinerer Münzen oder zur Ergänzung des Gewichts, wenn die 
Zahlung nach der Wage geleistet wurde. Auch wird die Vermuthung aus¬ 
führlich und sehr überzeugend dargelcgt, dass die so oft mit Samaniden-Gcltl 
vermischt gefundenen Numi Cufici barbari mit ihrem rohen Gepräge und der 
unförmlichen Schrift ein Fabrikat der Wolga-Bulgharcn seyen, wie auch die 
Russen in der Mongolischen Periode tatarisches Geld nachbildetcn. Neben 
dieser Abhandlung des Hrn. v. Frälin bietet der 1. Bd. noch schätzbare Bei¬ 
träge von Vorn, Brosset, Böhtlingk u. A. dar. Unter den dort erwähnten 
neuen Erwerbungen des Asiat. Museums sind besonders viele Sasaniden-Miinzcn, 
von Hdschrr. z. B. ein persischer Isstakhri (Text zu Ousciey's Oriental Geo- 
graphy), — Im 2. Bde (1845) gab Hr. von Dom seine Notiz Uber Fassih's 
Geschicbtswerk mit reichlichen Auszügen, desgl. Nachrichten 

über Korane mit persischer Interlinearübersetzung, und Hr. Brosset Untersuchun¬ 
gen über georgische Gcscliichtsqucllen, abgeschn von geschichtlichen, ethno¬ 
graphischen und statistischen Aufsätzen über slavische Völker und Länder. 
— Ira 3. Bde bilden die in ihrer Art wichtigen ethnographischen und linguis¬ 
tischen Berichte Castreu’s über seine Reisen unter den Ostjaken, Samojeden 
u. s. w. einen stehenden Artikel. Ebenso läuft Brosset's Untersuchung geor- 


*) Ref. hat darüber schon im Inlelligenzbl. der Allg. Lit. Zeit. 184(5, 
Nr. 31 berichtet. 



3G5 


giseher Annalen liier noch fort. Unter Jen gemeldeten neuen Erwerbungen 
sind u. a. einige in Tebriz 1 lithographirte Bücher, nämlich 1. Fassl-alläh's 
Geschichte der ulten persischen Könige, 1843, 308 S. 8., 1. die von IV. 
Jones übersetzte Gcschiclitc Nadir Sehah’s von Muhammad Mahdi ihn Muham¬ 
mad Nassir Astcrabädi, wie der Verfasser in der Einleitung genannt wird 
1844 , 484. S. 8., 3. ein persisches Wörterbuch von Muham¬ 

mad Kcsim verfasst und unter seiner Aufsicht lithographirt, 1844 , 209 Bl. 
kl. Fol., 4. Sa’di’s Werke, 1841, kl. Fol., 5. Häliz Divan, 1843, 8. Endlich 6. 
drei unbedeutende Werke. — Im 4. Ilde (heilt Hr. Klinik Bemerkungen mit 
sur l’expedition des Russcs IVormands en 944 vers los pays situcs aux bords 
de la rner Caspiennc (Baivlaa) d’apres Nizämi, Ibn-al-A(hir et Ainv, nach 
Mitlheilungen von Chariiioy, Reinaud und Frähn. Das Wiehligste ist die von 
Reinaud gelieferte Stelle aus Ihn-al-Athir über dieses schon öfter besprochene 
historische Datum. Ebenso gielit Hr. Kunik hier nach Brosset’s Miltheilung eine 
Stelle aus einem unedirten armenischen Geschichlswcrkc über die frühere Ex¬ 
pedition im J. 914. Der Verfasser dieses Werkes, Mose Caghancnlovatsi, 
kann hiernach frühestens im 10. Jahrh. gelebt haben, nicht schon am Schlüsse 
des 8. Jalirli., wohin ihn die Meohitnristen und Neumann setzen. Neue Be¬ 
richte von Cnstren sagen uns viel Interessantes über die am untern Jcniscj 
wohnenden Ostjakcn, Tunguscn und andere frostige Nationen. Die Bericiite 
erregen zugleich unsre Bewunderung der Ausdauer des Reisenden unter den 
lästigsten Beschwerden. Seinen unermüdlichen Eifer ersieht man u. a. ans einer 
Steile seiner letzten Briefe, wo er sagt: „Endlich habe ich den unabänderlichen 
Entschluss gefasst, in das Chinesische Kaisertlmm zu reisen, um mit den 
Sojoten bekannt zu werden. Zwar ist diese Reise in meiner Instruction nicht 
vorgeschrieben , und in dem Chinesischen Grenzrcglement dürfte sie sogar 
verboten sevn; allein bloss der Gedanke, die Abkunft der Sojoten unerledigt 
zu lassen, ist mir unerträglicher als Chinesische Gefangenschaft“ (S. 316). 
Das Resultat dieses kurzen und abenteuerlichen Besuchs meldet der einen 
Monat später geschriebene letzte Brief, S. 317 IT. Wir linden hier ferner 
„Beiträge zur Kritik des Bartrihari aus Qnrngndharti's Paddhati, von Anion 
Schiefner, zugleich mit Benutzung des Demetrios Galanos, und von demselben: 
„Ueber die logischen und grammatischen Werke im Tandjur.“ Die Titel sind 
nach einigen Hdschrr. des Index des Tandjur gegeben und mit Hälfe eines 
sanskrit-tibetischen Wörterbuches in das Sanskrit zurückübersetzt. Den gramma¬ 
tischen Schriften hat Hr. Sch. die iexicalischen, rhetorischen und prosodischen 
Werke, und anhangsweise auch die poetischen hinzugefügt. Hr. Krosset legt 
den Plan einer littcrarischen Reise nach Georgien vor. Unter den im 4. Bande 
gemeldeten neuen Erwerbungen sind am wichtigsten die von Rudolph von Frähn, 
dem Sohne des Staatsraths Ch. M. von Frähn, auf seiner Rückreise aus Persien 
gesammelten Münzen, worunter 44 Inedita und Unica, welche hier von Frähn 
dem Vater besprochen werden. Es mag hier nur die eine bervorgehoben wer¬ 
den , die unter Nr. 14 verzeichnet ist. Sie ist in Bagdad geschlagen, aber 
im Namen des ’Alidischcn Chalifen von Aegypten Mustanssir, während der. 
Entthronung des Chalifen KäYm im J. 450. (S. Abulfeda’s Annalen III, 186 ff.) 



366 


Mespila und Maussil ( 

i 

Hr. Etalsralh Prof. Olshansen hat die Freundlichkeit gelinkt, einer von 
mir in meiner Schrift de Nino urbe S. 45. nnr flürktig hingeworfenen Bemer¬ 
kung über den Ursprung des Namens MiositXa, mit welchem Xenophon die 
Triimmerstiilte Ninives, Mossul gegenüber, bezeichnet, in diesen Blättern 
(Bd. 2. S. 117 f.) einige berichtigende Zeilen zu widmen. Je mehr mich 
der Hr. Vf. durch diese Aufmerksamkeit zu besonderem Danke verpflichtet hat, 
um so mehr Fühle ich mich gedrungen, seine eben so gelehrte als gewandte 
Argumentation einer nähern Prüfung zu unterwerfen und meine Ansicht darüber 
unumwunden auszusprechen. 

Der Mittelpunkt der ganzen Argumentation besteht in Folgendem: Mespila 
ist eine nach Analogie ähnlicher Fälle nicht unmögliche Umgestaltung aus dem 
semitischen Mcwssil — Jd. i. imetionis locus. Dieser Name bezeich- 
nete schon zu Xenophons Zeit das Thor, welches West- und Ostasien ver¬ 
bindet, und ging, weil aus Ortsverhältnissen entsprungen, vom Ostufer des 
Tigris passend auf die spätere Ansiedelung am Westufer über. 

Diese Combinntion von Mespil und Maussil ist nicht neu. Schon Renne/! 
und Ainsworth haben sie versucht, und so war ich bereits früher im Stande, 
unter den möglichen Wegen der Begründung speciell auch den zu prüfen, den 
Hr. E. R. Olshausen eingeschlagen hat. Wenn ich dennoch den anscheinend 
nahe liegenden Weg nicht betrat, so hielten mich davon keinesweges die mir 
sehr wohl bekannten Lautübergänge ab, sondern geschichtliche Gründe, die ich 
auch jetzt noch nach wiederholter Prüfung der Frage ihrem ganzen Umfange 
nach aufrecht halte. 

Denn — 1) ist nach allen uns zu Gebote sichenden Mitteln der 

Beurtheilung ein ausschliesslich arabisches Wort. Die Gleichstellung von 
Mespil und Maussil nimmt daher das Arabische als Volksidiom in jenen Ge¬ 
genden zur Voraussetzung und Hr. O. hält dies in den letzten Zeilen seiner 
Bemerkungen nicht für undenkbar. Eine solche Voraussetzung aber für Xcno- 
phon’s Zeit ist nicht allein gegen die bekannten Ueberlieferungen von der 
Einwanderung arabischer Stämme in die mesopotamischen Stufenlä'ndcr, son ¬ 
dern zugleich gegen alle in geographischen Namen uns vorliegenden histori¬ 
schen Zeugnisse. Man vergleiche die Ortsnamen auf beiden Ufern des Tigris 
bei Ptolemacus 5, 18. 6, 1., auf der Tabula Pcutingeriana u. s. w. Nicht einen 
entschieden arabischen Namen wird man linden, wohl aber Namen wie Blgfra 
= Ui±=> “• a-> die ebenso aramäisches Sprachgut sind, wie das etwas nörd¬ 
licher gelegene IsaI" schon bei Procop. de aedif. 2, 4. Kltpae ge¬ 

nannt, nach dem Aramäischen 0adas Fclsenschloss, nicht nach dem 
Arabischen das „ Schloss der guten Ztmne“ bedeutet Hierzu kommt —■ 2) dass 
schon in vorarabischer Zeit auf der Stelle des nachmaligen Mossul sich ein 
Ort befand. Dieser hiess aber weder Mespil, noch Mevssil, sondern Aaß- 
ßava (Ptol. 5, 18, 9.), abermals mit aramäischem, auf den Baustoff bezug- 



Mespila und Maussil. 


367 


liebem Namen. Dagegen findet sich mit Zuverlässigkeit der Name erst 

seit Araber hier ansässig sihd und Auch darum lässt sich derselbe nicht durch 
Mutlunassung in die Zeit Xenophon’s um e. 1000 Jahr 7,uriickvcrlegcn. Kndlicli 
— 3) ist die bei dieser Kombination vorausgesetzte Wandelung der Lautgruppe 
au in ev, ef spcciliscli türkisch, nicht arabisch, überhaupt nicht semitisch. 
Der Semit triibt den «-Laut vor w und lässt letzteres niemals dem Laute 
des k_j sich nähern. Mevssil oder gar Mcfssil, wie Hr. 0. schreibt, wird 
dem arabischen Ohre niemals = Maussil sein. Ich furchte sehr, dasselbe 
würde vielmehr das gerade Gegentlicil von iimctiom's locus, nämlich 
disiunctionis locus einzig und allein darunter vermuthen können. Hiermit 
bricht der Boden jener Combination zusammen. 

Ueber die von mir nur schüchtern versuchte Anknüpfung des Namens 
an den semitischen Stamm gebe ich das L'rtheil völlig frei. Ich bestehe 

im mindesten nicht darauf. Nur sei mir schlüsslich noch erlaubt, auf einiges 
zur Verständigung hinzudeuten. Wer in der Litteratur der Reisenden belesen 
ist, weiss, wie unendlich oft von einem llügel ct-Tcll, einer Quelle el-'Ain, 
einem Schloss el-Hissn od. el-Qnl’nh, einer Ruine Khörbch u. a. die Rede 
ist, d. h. wie oft der befragte Führer den Namen nicht gewusst und der Frng- 
stellcr das als Appellativ gegebene Wort ais Eigennamen hingenommen hat. 
Verwechselungen und andere aus mangelhafter Kcnntniss der Befragten her¬ 
vorgegangene oder durch Missvcrsländniss herbeigeführte Irrungen sind ebenso 
nicht selten und vieles der Art findet sich bei den besten Reisenden, denen 
die Erd- und Länderkunde Asiens vor vielen andern Dank schuldet. In ganz 
demselben Falle, wie die meisten unserer Reisenden, war auch Xenopbon, 
und eben darum besteht auch sein unbestrittenes Verdienst um die Länder¬ 
kunde ausschliesslich in seinen Terrainzeiclinungcn", seinen Schilderungen 
dessen, was und wie er cs gesehen hat, keinesweges in den von ihm ange¬ 
führten Namen, deren Werth durch die Auctoritätcn, denen zu folgen er ge¬ 
zwungen war, ebenso wie durch die Möglichkeit des richtigen Verständnisses 
asiatischer Wörter von der eignen Seite her bedingt ist. Dass aber die frag¬ 
lichen Auctoritäten keinesweges vollkommen wohl unterrichtet waren, dass Xe- 
nophon in Folge dessen Namen unrichtig wiederholt, dass er auch Appeilativa 
für Eigennamen genommen und wiedergegeben hat: diess ist nicht nur muth- 
masslich, sondern nachweisbar der Fall. Xcnophon ging mit den Griechen 
bei Qarpaxos über den Euphrat Anab. 1, 4, 17. und folgte dem linken Ufer 
stromabwärts. Mithin musste er über den Khnbur gehen und an der richtigen 
Stelle nennt er §. 19. den Uebergang über einen Fluss. Obschon nun nichts 
gewisser ist, als dass der Khabur niemals einen andern Namen geführt 
hat, als den, welchen er bei Ezechiel, Ptolemaeus, den Schriftstellern des 
Milteialters und noch heutigen Tages führt, nennt ihn doch Xenophon 
a. a. 0. Wie kommt er dazu? Unzweifelhaft folgte er hierin einer 

persischen Anctorität, die den Strom mit dem Worte,' welches in der Zend- 
form ’) Vduru hashi lautet, benannte und somit des Namens wahrscheinlich 


1) Käme das Wort zu Bisutun vor, würden wir es wahrscheinlich in 
der Form haben, in welcher es Xcnophon hörte. Analog wenigstens ist Ufr atu 
— Eixpoarris, nach Benfeij (d. pers. Keilinschriften S. 76.) „der sehr breite u . 



3C8 


Mespila und Maussil . 


unkundig denselben allgemein als einen „weite Ufer habenden“ not'ttjtbs /<*/«> 
Procop. B. Pers. -2, 5. bczeichncte. Xenophon trimmt das Wort für den Ei¬ 
gennamen und macht sich die barbarischen Laute zurecht in der Form ’Jodjjqs, 
die ihm anderweit als Flussname bekannt sein musste. Dies der eine Fall. 
Vom Kliabur geht der Zug tov Bv<p^drr]v noxattov iv d'*ü«x Hymv weiter 
und Xenophon nennt nun 1, 5, 4. einen Mnay.a Tcorauos. So hicss allerdings 
einer der mesopotamischen Flüsse, nämlich der ^AkO senj bei den Aramäcrn, 

jj.Uyh daraus gekürzt bei den Arabern. Aber über den Hinaus, der sieb 
von Xenophons Route ziemlich weit nach Osten mit dem Kltabur vereinigt, kamen 
die Griechen ganz gewiss nicht und wir haben hierin einen zweiten, evidenten 
Fall, der uns die Landeskunde der Führer Xcnophon’s heurtlieileu lässt. Diese 
Nachrichten sammelte Xenophon unter im Ganzen noch günstigen Umstünden. 
In viel misslicherer Lage dagegen ging er mit seinen Landsleuten über den 
Tigris und folgte von Feinden umschwürmt (tüchtig dem linken Ufer stromauf¬ 
wärts. Den grossen Zäh nennt er 3, 3, 6. richtig, und nun trifft er in dem 
alten Aturia zwei in Trümmern liegende Orte, von denen er den einen (Lntjartl's 
Nimrud) Adqtooa 3, 4, 7., den andern Miom/.a §. 10. nennt. Meonilr) ist 
das griechische Wort für den AI ispelbamn; yluoiooa ist ein geographischer 
Name, der nach griechischen Quellen an vielen andern Orten (Truns, Acotis, 
Aegypten u. a.) wiedterkelirt.. Unzweifelhaft haben wir in beiden Tonnen nor 
liellenisirende Umgestaltungen asiatischer Wörter, für welche sieh wohl aus 
jeder asiatischen Sprache eine Etymologie erzwingen licssc, deren wahre l'r- 
geslalt aber mit Sicherheit wiedcrzulinden um so schwieriger ist, da uns jeder 
Fingerzeig fehlt, um zu ermitteln, wen Xenophon um Auskunft befragt haben 
könne. F.r selbst sagt nur §. 9., dass die Eingeborenen aus den benachbar¬ 
ten Dö'rfcru geflohen waren. In Berücksichtigung der Umstände indess, unter 
welchen Xenophon hier p'ar, lässt sich kaum vennuthen, dass er im Slandc 
gewesen sein dürfte, nur wohlunterrichtete Leute zu beiragen, sprächen auch 
die verworrenen, mährchcnhaftcn geschichtlichen Angaben §. 8. 11 ff. nicht 
eben dafür unabweisbar. Das in Yldoioea aber wie in Miontla vorkommende 
l sebüesst Gewährsmänner aus, in. deren Sprache grade das l fehlt 1 ); Semiten, 
namentlich Arnmäcr zu vermuthen, logen die Ortsverhältnisse nahe. So kam 
ich darauf für MsonUa an ein Derivat von einer semitischen Wurzel zu 
denken, durch welches der Befragte die Trümmcrstätle als Kliörbeh bezeich¬ 
nen wollte, was Xenophon, wie bei seinem Afdiqe, nicht verstand und in 
derselben Weise wie dort behandelte. Das Vcrhältniss mir alter grade so 
zu denken, dazu veranlasst? mich der geschichtliche Umstand, dass nach 
Ctcsios bei Diodor die TrümmerstäUe Ninives vollkommen bekannt war und aueb 
ztrXenophons Zeit den Namen Ninive führte, wie i» allen Jahrhunderten nach 
ihm-. Doch hierüber darf ich auf meine Schrift selbst verweisen. 

Die von mir versuchte Anknüpfung des Wortes an den Stamm botzj > ich 
wiederhole es, mg ungenügend sein. Nur bitte ich, im Zusammenhänge mit 


1) Vgl. andrerseits XaqfidvSrj 1, 5, 10. = -jais E*- 27 > wie 
Bnhiru — 



liernslein, lieber die Ildschn. des Bar- Bahlul tt. s. w. 369 


den liier gegebenen Daten darüber urlheUen zu wollen, ob meine Erkliirungs- 
weise „an sieb so wenig geeignet sein möchte, Beifall zu erwerben“, wie 
es auf den ersten Blick nach Hrn. Olshoitsens Auseinandersetzungen scheinen 
dürfte. ' 

Leipzig, am 3. Mürz 1848. 

Dr. Tuch. 


lieber die vorhandenen Hdschrr. des Syrisch - Arabischen 
Lexicons des Har - BahinJ und die von mir beabsichtigte 
Herausgabe dieses Werkes. 

Das Syrisch-Arabische Lexicon des Josua oder Isa (Jesus) Bar-Bnlilul, 
eines Ncstorianers aus der Mitte des 10. cliristl. Jahrh. (nach Assem. Bibi, 
or. 111,1. S. 257. lebte er um d. J. 963., nach Ass. Bibi. Vat. Codd. ÜIss. or. 
Catal. P. I. T. III. S. 513. „Josua Bar-Bablul vitain usque ad a. 963. 
produxit“) ist das ausführlichste und reichhaltigste unter den von Syri¬ 
schen Gelehrten ‘verfassten Wörterbüchern ihrer Sprache, eine höchst wich¬ 
tige und einem Syrischen Lexicographen und Sprachforscher unentbehrliche 
Fundgrube. Nach einer Angabe, welche sich in den beiden Bodlevischcn 
Hdschrr. No. 119. u. 121. des Lexicons des Bar-Ali nach der Vorrede vor¬ 
findet , ist cs zu Babel d. i. Bagdad von Bar - Bahlul geschrieben worden ’). 


1) Gcsenius, welcher sich in zwei Abhandlungen de Bar-Alio et Bar-Bah- 
luio, lexicographis Svriocis ineditis, verbreitet, bemerkt Abhandl. 1 S. 27.: 
„Lorsbachius (Arch. 1, 12.), quem sequilur Holfmannus, Bar-Bahlulum opus 

suum congessisse scribit in coenobio Kuzchaja (|ajj1hd) ; sed hoc unde ha- 
beat indagarc non potui.“ Lorsbach hat diese Notiz aus Castell. Lexic. Syr. 
u. d. W. t-vjalQß entlehn^; sic beruht aber auf einem Irrthume. In der 
Hdschr. des Bar-Bahlul, welche Castell, vor sich gehabt und benutzt hat, 
steht nämlich vermerkt, sie sei in dem Kloster geschrieben d. h. 

abgesehrieben worden, nicht aber, dass das Werk selbst daselbst verfasst 
worden sei, und JajjIqjO |j.jj ist nicht ein Kloster zwischen Jerusalem und 

Jericho, wie Castell, a. a. 0. sagt, sondern ein Kloster auf dem Berge Liba¬ 
non, welches Burckhardt (Reisen in Syrien u, s. w. 1, 66.) KaschHeya nenn!, 
„drei Stunden von Kanobin beim Kloster Kaschhcya, welches nahe bei dem 
Dorfe Ehden liegt, ist eine Druckerei, wo Gebetbücher in syr. Sprache ge¬ 
druckt werden“, vgl. Schnurrer’s Bibi. Arab. S. 341 f. 351 f. Der Name 

wird gewöhnlich ks-wlCLD Kuzhnja geschrieben (Catal. Bibi. Vat. III, 424.), 

aber auch (Catal. Bibi. Vat. III, 423. 516.). Mönche vom Anlo- 

nier-Orden bewohnen dieses Kloster. — Die Abhandlungen von Gesenius 
machen uns mit den Verff. und dem Geiste, in welchem diese beiden Wör¬ 
terbücher geschrieben sind, naher bekannt, und sind darum sehr schätzcns- 
werthe Gaben, wenn sie auch hier und da etwas Lebereilung verralhen. Die 

tf. Bd. • ’ 24 



Bernslein, Veber die vorhandenen TIandschrr. 


370 


Dieses seltene Werk wird nur auf vier Europiiiselien Bibliotheken in fünf 
Exemplaren aufbewahrt. „ 

1. Zwei Exemplare davon besitzt die Bodlejische Bibliothek zn Oxford: 

a) Cod. llunt. 157. (Uri Bibi. Bodl. Cohd. Mss. or. Catal. — Codd. 
Syr. No. CXXI1I.), nett und leserlich, das Arabische mit arab. Schrift 
geschrieben, 458 Blätter 4., mit der Jahrzahl 1644. 

b) Cod. Marsh. 198. (Uri a. a. 0. Codd. Syr. No. CXVL), kar- 
sehunisch, d. h. das Arabische mit syr. Schrift geschrieben, und 1495 S. Fol., 
jede Seite in 2 Columnen gctbeilt, enthaltend. Die Abschrift ist i. J. 1597. 
und zwar, wie nach dem Buchstaben f bemerkt steht, in dem Antonier-Klo- 


ster Kuzhaja (s. d. Anincrk.) auf dem Berge Libanon von etwas unbehol¬ 
fener Hand angefertigt. 

2. Ein Exemplar hat die. Universitäts-Bibliothek zu Cambridge, ebenfalls 
karschunisch, von derselben Hand und, wie am Ende mehrerer Buchstaben ge¬ 
sagt ist, i. J. 1600 und 1601. in demselben Kloster auf dem Berge Libanon 
abgeschrieben, welchem das vorhergehende Ex. seine Entstehung verdankt. 
Diesen beiden Handschriften liegt Ein Exemplar zum Grunde; in beiden sind 
die Seiten in 2 Columnen von 28 Zeilen gctbeilt, und die Abweichungen be¬ 
stehen nur in Schreibfehlern und Auslassungen; die Cambridger ist etwas 
reinlicher geschrieben und besser erhallen, und giebt in 2 Bänden die fort¬ 
laufende Seitenzahl 1500. Fol., wovon 656 S. auf den ersten Tlieil, welcher 
mit dem Buchstaben yO endet, und 844 S. auf den zweiten kommen. 

3. Das vierte Exemplar ist das der Bibliotheca Laurentiana zn Florenz 
(Bibi. Medic. Laurent. Codd. Mss. or. Catal., reecnsuit St. Ev. Assemani, S. 
107 f.) in 2 Theiteo, Fol., deren erster 281 ßliitler (nicht pagg., wie Assem. 
angiebt), der zweite 289 Blätter umfasst, gleichfalls karschunisch', reinlich 
und gut von neuerer Hand geschrieben und jede Seite in 2 Columnen ge- 
theilt. Die Abschrift ist nach einem Nachwort, welches sich am Ende des 


ersten, mit dem Buchstaben s j^schliessendcn Theilcs vorßndet, von Ant. Si- 
onita, einem Antonicr - Mönche, i. J. 1606. ( : O : ]3iO : o : 1 :, nicht, 


in der ersten gegebene Vorrede des Bar-Ali z. B. enthält manche Irrtliümer 
im Texte wie in der Ucbersetzung; , steht nicht, wie Ahb. II S. 5. Anm. 16. 
behauptet wird, für f über s. Iexicon Honaini, sondern be¬ 
zeichnet überhaupt ein anderes Werk, denn es kommt auch . ein 

. » r t . 

anderes Werk und Honain erklären das Wort so“ vor; J. _ >iQ _Cß 

S. 7. Z. 3. ist nicht Syria desertn, sondern exlerior d. i. Mesopotamien und 

» • » . 

Assyrien, im Gegensätze von j Syria iuterior, dem eigentlichen 

Syrien ; Ol , S. 21 Z. 7. ist nicht Uber Hermetis, sondern Ol steht hier fiir 
» * o - 

QJOt das ist, bedeutet, und gehört zu der ans einem andern Werke ( - J 

beigebrachten Erklärung; r ^lls S. 29. Z. 9. Bedeutet hier nicht baptizntus 

est, sondern, wie auch die arab, Erklärung besagt, demersit sc, u. dgl. m. 


( 



des Syr. - Arab .. Lexicons d. Ilar-Iiahlul u. s. w. 371 

wie Assem. a. a. 0. schreibt, 1636.) gemacht, und stimmt mit den 

beiden vorhergenannten Exemplaren, besonders dem Cambridger, fast ganz 
überein. 

i 

4. Die fünfte Hdschr. endlich befindet sich in der Bibliothek der Propa¬ 
ganda zu Rom in 4 Bänden 4to. Das Arabische ist in selbiger, wie in der 
ersten Bodieyischen, mit arab. Schrift geschrieben, der Codex dem Aussehen 
und der Schrift nach, welche sich der sogenannten Chaldäischen nähert, alt; 
wann er aber geschrieben worden, habe ich nicht ausmitteln können, da der 
4te Band, als ich die Bibliothek besuchte, nicht aufgefunden werden konnte. 
Später hat er sich zwar wieder vorgefnnden, die Erlauhniss, diesen Codex 
näher einzusehen und mit dein ineinigen zu vergleichen, konnte ich jedoch 
zu meinem Bedauern von den Vorstehern dieser Jesuiten-Anstalt nicht er¬ 
langen. Er enthält dieselbe arabische Vorrede, welche die Bodlcyische Hdschr. 
a. hat, und stimmt mit dieser zwar im Ganzen überein, ist aber in der Dar¬ 
stellung einfacher, öfters kürzer und in der Anordnung vorzüglicher. Die 
Bodleyisehc Hdschr. mag durch einige spätere Zusätze erweitert worden sein. 
Ich habe eine halbe Seite meiner Hdschr. S. 418. mit dieser verglichen und 
die Abweichungen mit grüner Dinte am Rande vermerkt. 

Die erste der beiden Bodieyischen Handschriften besitze ich abschriftlich 
vollständig. Um mich nämlich in den Besitz dieses fiir meine lexicalischen 
Arbeiten durchaus nothwendigen Werkes zu setzen, begab ich mich Ostern 
1836. mit zwei jungen gelehrten Freunden, den DD. liehnsch und Gotiwnhlt, 
auf eigene Kosten, nach Oxford und liess dasselbe aus dem Cod. Hnnt. 157. 
oder a., als dem besten, absebreiben, worauf ich dann das» Abgeschriebene 
mit dem Originale nochmals verglich. Die Abschrift ist sehr w’ohl gelungen, 
correct und schön geschrieben, und umfasst 1001 S. Fol. 

Dr. Bchnsch begann hierauf auch die zweite Bodlevische Hdschr., Marsh. 
193. oder b., abzuschreiben, da ihre zahlreichen Abweichungen sich nicht an 
den Rand der bereits gemachten Abschrift bringen Hessen. Nachdem die 
Hälfte mit dem Buchstaben 'J beendigt war, wurde damit die Cambridger 
Hdschr. verglichen und die Varianten wurden mit rolher Dinte eingetragen. 
Familienverhältnisse nölhigten indessen den Dr. Bchnsch, weither nach meiner 
und der etwas später erfolgten Rückreise des Dr. Gottwaldt zu diesem ße- 
linfc allein in England zurückgeblieben war und sich 15 Monate auf meine 
Kosten dort aufgcbaltcn hatte, hier abzubrcchcn und in sein Vaterland zu- 
rückzukchrcn, se dass ich von dieser Hdschr. nur den ersten Theil besitze, 
701 S. Fol. 

Die 203 ersten Seiten dieser Abschrift habe ich später, i. J, 184 2., mit 
dem Florentiner Codex verglichen und die Abweichungen des letzteren mit 
grüner Dinte derselben beigefügt. Sie umfasst also nicht bloss den Bodl. 
Cod. b., sondern auch den Cambridger und zum Theil den Florentiner, bat 
daher einen dreifachen Werth. 

Aus der Florentiner Hdschr. besitze ich ausserdem abschriftlich von dem 
2ten Thcilc 1) die 60 ersten Seiten des Buchst. X>, 2) 5 Seiten des Buchst 

24 * 



372 Bernstein, Ueber die vorhandenen Handschrr. 

<_£> zur Ergänzung einer Lücke im Cod. Rudi. a., 3) den Buchstaben ls 
und 4) einen Thcil des Buchst. 2., im Ganzen'30 Bogen, Fol. 

Meine eigene Mühe nicht gerechnet, hat die^ Erwerbung dieses hand¬ 
schriftlichen Vorraths 5000 Thlr. gekostet. Möge, was deutscher Fleiss mit 
grossen Geldopfern herheigeschaift, auch meinem, an syr. Handschriften so 
armen Vaterlande bleiben und nach meinem Tode nicht in das Ausland wan¬ 
dern! Ich bin bereit, diese Handschriften schon jetzt einer vaterländischen 
öffentlichen Bibliothek zu überlassen. 

Den Plan, dieses Werk iin Original herauszugeben und durch den Druck 
gemeinnützig zu machen, habe ich leider aus Mangel an der zu einem so 
grossen und kostspieligen Unternehmen mithigen Unterstützung aufgeben müssen. 
Ich war dazu von mehreren Seiten aufgefordert worden, besonders und wieder¬ 
holt von Gesenins , welcher sich sehr lebhaft dafür interessirte und sich des¬ 
halb auch, jedoch erfolglos, an Lord Munster gewendet hatte, daher er S. 4. 
seiner zweiten Abhandlung de Bar-Alio etc. schreibt, dass von meinem „litte- 
raruin Syriacarum promovendarum Studio integri operis editio sperari posset. 
nisi tantae et tarn laudabili industriae deessc videretur Mnecenatum nostrorum 
liberalitas. “ 

Der Minister Freiherr von Altenstein, immer bereit, nützliche wissen¬ 
schaftliche Unternehmungen nach Kräften zu fördern, hatte mir bereits auf¬ 
munternde Zusicherungen ertheilt, als ihn der Tod ereilte. Sein Nachfolger, 
der Minister Dr. Eichhorn, welchen ich hierauf mit meinem Vorhaben be¬ 
kannt machte, erwiederte mir, „dass er mir zu einem solchen Unternehmen 
gern die Hand biete. Ich möchte in einer Eingabe meinen Plan auseinander¬ 
setzen und die Kosten veranschlagen, welche der Druck des Werkes unge¬ 
fähr erfordern würde; er werde dann einen darauf bezüglichen Antrag bei 
Sr. Majestät dem Könige machen.“ 

Hocherfreut über diese günstigen Aussichten liess ich sogleich ein Stück 
aus dem Lcxicon des Bar-Bahlul drucken: Proben aus Jesus Bar-Bnhhil's 
Si/risch - Arabischem Lcxicon, Breslau 1842. gr. Fol. (wovon nur 28 Ab¬ 
drücke gemacht worden sind), um den Kostenbetrag des Ganzen darnach be¬ 
rechnen zu können, überreichte am 4. Jan. 1842. einige Exemplare desselben 
zugleich mit dem Druckkosten - Anschläge, und erlaubte mir, im Fall es Für 
zweckmässig erachtet werden sollte, zuvor die Meinung einiger Sachverstän¬ 
digen über mein Vorhaben zu hören, einige Gelehrte in Vorschlag zu bringen, 
welche ein Urthcil darüber abzugeben vorzüglich geeignet sein dürften, und 
unter diesen Gesenins und Hahn. An diese hat sich, wie ich später erfah¬ 
ren, das hohe .Ministerium deshalb auch gewendet. Letzterer, mit meinen 
Handschriften wohl vertraut, hat sich de» Vernehmen nach sehr günstig für 
mein Unternehmen ausgesprochen und die Förderung desselben dem Herrn 
Minister dringend empfohlen; crstcrcr sich jedoch dahin erklärt, dass er den 
Nutzen, welcher der Wissenschaft durch die Veröffentlichung des Bar-Bahlul 
erwachsen würde, nicht verkenne, es aber für dieselbe ein noch grösserer Ge¬ 
winn sein .würde, wenn ich veranlasst werden könnte, mein eigenes, längst 
vorbereitetes syrisches Wörterbuch unter Hinzuziehung der Glossen des Bar- 
Balilul auszuarbeiten und dem Publicum zu übergeben. — In diesem Sinne 



des Syr.-Arab. Lexicons d. Bar-Bahlul u. s. w. 373 

erhielt ich im Juni 1842. zu Florenz, wohin ich einige Monate zuvor abge¬ 
reist war, ein Antwortschreiben vom 26sten Mai: 

„Ew. u. s. w. haben in der Vorstellung vom 4. Januar d. J. in Hinsicht 
„auf die von Ihnen beabsichtigte Herausgabe des syrisch-arabischen Lexicons 
„von Bar-Bahlul darum gebeten, dass der Kostenbetrag fiir den Druck die- 
„ses Werkes aus Staats - Fonds gewährt werden mochte. Das Ministerium 
„hat sich verpflichtet gehalten, in der Sache zuvorderst noch das Gutachten 
„von Sachverständigen zu erfordern. Nach dem Inhalte desselben erscheint 
„es zweckmässiger, wenn Ew. u. s. w. statt Ihres oben gedachten Vorhabens 
„sich der Ausarbeitung Ihres eigenen, längst vorbereiteten und angekiindigten 
„Wörterbuches der syrischen Sprache widmeten, hierbei das gedachte Origi¬ 
nal-Lexicon benutzten, und nur die Glossen des letztem da, wo es nöthig 
„und zweckmässig ist, wörtlich mittheiltcn. In so fern Ew. u. s, w. hier- 
„auf einzugehen bereit sind, ist das Ministerium nicht abgeneigt, die Ile- 
„willigung eines Zuschusses aus Staats-Fonds zu den Druckkosten des 
„Werkes Allerhöchsten Orts zu beantragen. Berlin den 26. Mai 1840. 

Ministerium der geistlichen, Unterrichts - und Medizinal-Angelegcnheiten.“ 

Unter diesen Umständen brach ich die begonnene Vergleichung meiner 
Hdschr. des Bar-Bahlul mit der dortigen ah, und würde mich zur baldigen 
Rückkehr entschlossen haben, hätte ich nicht wenige Wochen darauf ein 
Schreiben von meinem Freunde, dem Herrn Consistorialr. Dr. Hahn, erhalten, 
in welchem mir derselbe freudig mitthcilte, er habe bei seiner Durchreise 
durch Berlin, am 8. Juli, den Herrn Minister gesprochen, das Gespräch auch 
auf mein Vorhaben gelenkt, und könne, mir die Versicherung geben, „dass der 
Herr Minister sich sehr gern bereit erklärt habe, dasselbe zu unterstützen, 
iu so fern nur der Druck nicht sogleich, sondern erst im nächsten Jahre be¬ 
ginnen dnd einige Jahre dauern würde.“ 

Auf diese erfreulichen Aeusserungen des Herrn Ministers bauend setzte 
ich die unterbrochene Arbeit wieder fort, und erneuerte iin Februar 1843. 
von Rom aus bei demselben unter Berufung auf jene Aeusserungen mein Ge¬ 
such, ohne jedoch einen Bescheid darauf zu erhalten. Aus diesem Still¬ 
schweigen musste ich entnehmen, dass es bei der früheren Entscheidung sein 
Bewenden haben solle, erbot mich daher unter dem 5ten Octob. 1843., indem 
ich mein Bedauern über meine fehlgcschlagenen Erwartungen und Hotrnungen 
ausdrücktc, meine Kräfte der Ausarbeitung meines eigenen Wörterbuches der 
syr. Sprache unter den mir unter d. 26. Mai vorigen Jahres gemachten Be¬ 
dingungen zuwenden zu wollen , und bat um geneigte Festsetzung des zur 
Bestreitung der Druckkosten desselben mir io Aussicht gestellten Zuschusses. 
Die Antwort lautete: 

„Ew. u. s. w. eröffne ich hierdurch auf ihre Vorstellung vom 5ten vor. 
„Monats, dass die von allen Seiten vielfach in Anspruch genommenen Fonds 
„meines Ministeriums mir zu meinem Bedauern nicht gestalten, Ihnen zur 
„Herausgabe Ihres syrisch - lateinischen Wörterbuchs die von Ihnen gewünschte 
„Unterstützung zu gewähren. Auch muss ich in Rücksicht auf die vielen, 
„noch dringenderen Ansprüche, welche gegenwärtig Behufs der Unterstützung 
„wissenschaftlicher Unternehmungen an die ülfentlichen Staats-Fonds gemacht 



374 


Butrus Bistany, Ueber die bei den Slareniten 


„werden, Anstand nehmen, die Bewilligung eines Zusclmsses aus Staats-Fonds 
„zu den Druckkosten des fraglichen Wörterbuchs, wie in der Verfügung vom 
„26sten Mai vorigen Jahres eeentualiter in Aussicht gestellt worden, Aller¬ 
höchsten Orts unmittelbar zu beantragen. Berlin den lsten Nov. 1843. 

Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelcgcnheiten. 

Eichhorn.“ 

Wenn es mir nun nicht gelungen ist, - einen Plan zu verwirklichen, dem 
ich Zeit und Geld zum Opfer gebracht, und ich die Herausgabe des Lexicons 
des Bar - Bahlul, die ich für sehr wünschenswerth halte, einem Anderen, von 
der Zeit oder dem Glück Begünstigteren überlassen muss: so hat es mir 
wenigstens weder an dem guten Willen gefehlt, noch hat mich die Furcht 
vor einem so umfassenden und schwierigen Unternehmen abgeschreckt. 

G. H. Bernstein. 


Butrus Bistany’s Notiz über die bei den Maroniten gebräuch¬ 
lichen syrischen Wörterbücher und Grammatiken, 

eingesendet 

von Bev. Eli Smith ln lleirut 

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1) Herr J5H Smith schrieb uns hei der Ueberscndung dieser Notiz unter 
d. 23. Aug. 1847: „You arc axvare that Syriac is tbc ecclesiastical and lit- 
terary language of the large sect of Maronites in this countrv, who have 
several institutions in which it is taught. It has occurred to me, that a 
brief notice of the Dictionaries and Grammars used by them, might be ac- 
ceptable to the Society; as soine of them may possibly even yet not have 
found their way to Europe. I accordingly enclose a brief notice of them in 
Arabic, by Mr. Butrus Bistany, who was for eight years connected with the 
Seminary at 'Ain Wnrht, first as pupil and afterwards as tcacher, and is 
no« teucher in onr Seminary at ’Aieih.“ 



gebräuchlichen syrischen Wörterbücher und Grammatiken. 375 


aaSIjjaaII a*1!1 v_aÄ^ q-« JiLsJUi ,3 'iaa uXJ'lyCCo jjb l/o 

JilüJlSi ^.ajasI iAs» L*^a£j ^.AAAAiÄji v•’j.iUjj ^ofjilj" 

aL:>*X*!S jwJ'jyjJS oLWI ^(Äi (jzytÄA ajIäs' J, XAall~i 
lXeIaaA ^Xäv ^Ij ^A>"•, ^jJ^AJ^aJI A*aÄ 5 * ^ ^,a\J AasL^-AaII AAL! ^ 

jj cü-MixSt., AAj.ljj.AAJI x*Ut j^svj ,3 oiy Ajji ^aJöc 

13 U. L^J l^tef q-i »U»AüJI JL*jiäaa[ aaSa^j ,J.£ L^bUJI ,_U*a 

C 1 / 51 oUJ,Al tjÄ» 0 t Jljt 0 A Uaa. Tf, l^AA 0 ^A^Ää } l$J ^JUj-J \yM 

_^$»J ^»^5| cJi Aji ^jLbi La * qLj^-vaH A&aa^Ls ^jA SjAjIe ^A^ ^L^jJAaJJ 

N 3 ~\A.J H3L^Äm t aXEa^J 1 )) Lj^j^i 3 A^La m ‘ i i Sj-^AÄÄJ 

aILIaaI ^.<*j Ail £A vJJASjJJ IÄ5 AaC lytolxj |V^jJ LjaS AÄa 

jfcjfi ^^aJi ji (_5 ^.aaj 3 .^Li Äaa _^js-\äj AiCiAv-j 5 ! 

Jv^ L*jj aj! " 3 ! Xds J;Li er» j*asI_^S>j ;**£■!! u^^LaJL o.*j J,LäJ1 
ji^ol 3 «, JiUWt 3L^?J <3 tr-U! o a 0 ^ «Si5 3 lS.s-P’ Li oLX aas 
X* Ai\Aj|^ ^AOÄjS^A AC>j J.L^AAAjf ^-AM.ÄJ AjI LaJ A-b*A«.ij L^ajLaa 

La iXCc L^L+aä-aO Ui=3 *5)j 3 S'-X=»lj ä^VaaJ ^e (_ 5 _ 5 -"< aaa ,_äj1 

a*U! 1,1 vUÄl aaäIs»- a=-/a Ai^AMiJi SÖ 3 > ^'5 S*U* Ltf 

Q-» jl lXj> LSj ÄxlJi ^a!*A QA vXJI^AaJL CT* i 3 a ^ L*li^ AAAAjiül 

SjA^aJ Äilli yj *jl^ ^Laj 5 ^Lä La "Ü aaiÜ^aJ! ÄaJj*J1 

U-*-a 5^ ^ ^U».*Äig»t 

A_il "31 l_A—ij_ii_j J,LaJ 1 Vr?" & 

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376 


Butrus Bistany, Ueber die bei den jlaronilen 


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^ 1 — f)j*i( Jj^f ( ■)S 1 ^ 

lebersetzung des Vorstehenden, 
von Dr. v. Mehren. 

Die in den marunilischen Gelelirtenschnlcn des Berges Libanon gebräuch¬ 
lichen Wörterbücher der syrischen Sprache sind der Zahl nach vier. 

Das erste und an Umfang grösste von ihnen wird gewöhnlich Kerm- 
sedde genannt, hergenommen von dem Namen eines Städtchens in der Um¬ 
gegend von Tarabnlus, zu dem Amte Bscherre gehörig; desswegen weil der 
Verfasser dieses Wörterbuchs ein Maronit aus diesem Städtchen war. In 
seinem Umfange kommt es dem grossen arabisch - lateinischen Wörterbuche 
von Freytag nahe und ist sehr selten zu linden, so dass nur zwei Exemplare 
davon zu meiner Kenntniss gelangt sind: das eine in der Gclehrtenschule zu 
‘Ain-Warka, und das andere in der Gelehrtenschule des Mär ‘Abda Harha- 
rejja; auch habe ich nichts von dem Vorhandensein anderer Exemplare ge¬ 
hört. Von dem Verfasser wird erzählt, er sei ein Mann von durchdringen¬ 
dem Verstände und ausgezeichnetem Gedächtniss gewesen. Er erklärt das 
Syrische durch das Syrische; nur selten bedient er sich des Arabischen bei 
seinen Erklärungen. Oft bringt er Beweisstellen zu den Bedeutungen der 
Wörter aus den Dichtern der syrischen Sprache bei, wie aus Ephrem dem Sy¬ 
rer, Jacob aus Nisibis u. A. Er hat sich darauf beschränkt, die rein syrischen 
Wörter seinem Buche einzuverleiben, ohne sich auf Anführung der in die 



gebräuchlichen syrischen Wörterbücher und Grammatiken. 377 


syrische Sprache aufgenommenen und in den Schriften der Spätem häufig 
vorkommenden griechischen* Wörter einzulassen. Er ist ohne Zweifel ein 
herrlicher Beistand und unvergleichlicher Führer Tür jeden, der sich in das 
Meer der syrischen Sprache versenken, sich in die Bedeutungen ihrer Wör¬ 
ter vertiefen, und Kenntniss davon erlangen will, wie die altern Schrift¬ 
steller dieser Sprache sie angewendet haben und was sie mit derselben 
ausdrücken und durch sie andeuten wollten; besonders aber für jeden, 
der die Werke Mar Ephrcm des Syrers und der ihm gleichzeitigen syri¬ 
schen Philosophen lesen will. So viel ich weiss, ist dieses Buch bis jetzt in 
Europa nicht bekannt geworden, und ich habe kein Zeugniss dafür, dass (fort 
ein Exemplar davon existire. Es ist zu verwundern, dass die Europäer es 
bis jetzt übersehen haben, obgleich man es für ungefähr 100 französische 
Talari oder 2000 Piaster ankaufen oder abschreiben lassen kann. 

Das zweite wird gewöhnlich das grosse Wörterbuch genannt. Es ist 
kleiner als das erste; doch findet man darin nicht selten Wörter, die in je¬ 
nem fehlen. Zum Aufschlagen der Wörter und zum Auffinden der Bedeu¬ 
tungen ist es für den Studirenden leicht zu gebrauchen, indem cs das Syrische 
kurz und deutlich durch das Arabische erklärt. Zu meiner Kenntniss ist 
davon nur ein einziges Exemplar in ‘Ain-Warka gekommen, dessen ich mich 
bediente, als ich die [syrische] Sprache studirte. Der grösste Theil des In¬ 
halts dieses Exemplars ist auf dem Rande des Buches in die lateinische 
Sprache übersetzt. Nur selten werden darin Beweisstellen aus den Lehrern 
der Sprache beigebracht und von den fremden griechischen Wörtern nur dieje¬ 
nigen aufgeführt, welche allgemein bekannt und durch ihren häufigen Gebrauch 
bei den syrischen Schriftstellern so gut wie ursprünglich syrisch geworden sind. 

Das dritte ist Bar-Bnhlul. In seinem Umfange kommt es etwa nur zwei 
Dritthcilcn des zweiten gleich, enthält jedoch ungefähr drei Viertheile der 
Wörter desselben, indem es keine Beweisstellen beibringt, sondern bloss, gleich¬ 
sam nach dem Muster der europäischen Wörterbücher, das Wort und seine 
Bedeutung oder Bedeutungen einfach anfuhrt. Alle seine Erklärungen sind in 
arabischer Sprache. Vielleicht umfasst es alle in die syrische Sprache auf¬ 
genommenen griechischen Wörter, und es ist in dieser Hinsicht sehr brauch¬ 
bar und beliebt bei den jetzt lebenden Dichtern, die in Ermanglung feiner 
Gedanken mit dunkeln Wörtern zufrieden sind. 

Das vierte ist ein kurzgefasster Auszug und reicht nur für das Lesen 
leichter in dieser Sprache geschriebener Werke hin. 

Es ergiebt sich hieraus, dass in diesem ganzen Lande kein arabisch-sy¬ 
risches Wörterbuch existirt, sondern alle diese Wörterbücher fangen mit dein 
Syrischen an und erklären dieses entweder wiederum durch das Syrische 
oder durch das Arahische. Desswegcn ist der, welcher [nur] das arabische 
Wort kennt, ausser Stande, das ihm auf syrisch entsprechende kennen zu 
lernen. In den letzten Jahren jedoch hat man, bei der Einsicht in das dring¬ 
ende Bedürfniss eines solchen Hülfsmittels , zu diesem Ende ein Verfahren 
ausfindig gemacht, dem ähnlich, welches Freytag in seinem arabisch - lateini¬ 
schen Wörterbuche anwendet, indem man die arabischen Wörter in alphabe¬ 
tischer Ordnung zusammcngestelit und zum Nachschlagcn Zahlen beigefügt hat. 



378 Gesellschaft der Künste und Wissenschaften in Beirut. 


Was die Grammatiken betrilft, so sind die [bei den Maroniteu] ge¬ 
bräuchlichen den Europäern schon bekannt, wie' der kleine und der grosse 
Barhebriius '), die von Schadnnvj, ’), die von Abraham [EchcllensisJ J ) und 
die von Joseph [Accurensis] 1 2 3 4 ). Ausser diesen giebll es nur noch zwei, näm¬ 
lich die Grammatik des Priesters Petrus von Tula And die des Pfarrers An¬ 
tonius Schahwan aus Ghusta. Die erste kommt selten, die zweite aber häufig 
vor, und diese letztere ist das erste Buch, in dem die Kinder in den Ge- 
lelirtcnschulen dieser Sprache studiren. Der Pfarrer dr.se« ins El-Vachuri 
hat davon eine berichtigte und verbesserte Ausgabe in arabischer Sprache 
gemacht und es in bessere Ordnung gebracht, so dass es gleichsam ein neues 
Werk geworden ist, das auch seinen Nauien fuhrt und das man jetzt, mit Zu¬ 
rücksetzung des altern, unter dem Namen El-Schabwani bekannten, in den 
Gelehrtenschulon gebraucht. 


Gesellschaft der Künste und Wissenschaften in Beirut. 

Herr Eli Smith schreibt uns aus Beirut vom 12. Kehr. d. J.: „You will 
be interesled to learu tliat we have a litlle Society of Arts and Sciences 
at Beirut. It was formed a year ago, and bas now reaebed a position, 
whielt seerns to promiso its perinancncy, and gives us coniidence to speak 
of it. It was formed in consequence of Ibe urgent soUicitation of intelligent 
natives, chiefly young men, desirous of knowledge. We readily promised 
wliat assislancc we could render, and the result bas roorc Ulan answered our 
expectations. We meet semimontbly, wben litterary infoimation is commu- 
aicated, papers are read, and questions discusscd. We bave, also, occasio- 
nal public lcctures. Our expectation is to publish before long the first No. 
of our Transactions, wben I will send you a copy. In Ute inean time, allow 
me to enclose a Ms. copy of the Constitution, and the Report nutde at our 
annual Meeting on the state of the library. I am inclined, also, to send 
you somc of the papers tliat are prcsenled at our Meetings front time to 
time. I trust yottr large and learned body, will not considcr Iltis littlc ehild 
of Science, in tliis now dark but onec culightcncd land, unwortliy of its no¬ 
tice and sympatliy. Should any of your Oriental scltolars or pitbiishers, be 
inclined to make contributions to our library, of such works as are pabüshed 
among you, they would confer on our lillle Society a great favour.“ 

Einstweilen haben wir der neuen, vielversprechenden Gesellschaft, der wir 
freudig die Hand bieten, die ersten beiden von unserer Gesellschaft unterstütz¬ 
ten Werke — Cazwini’s Atbar-al - bilüd von Wüstenfeld und Nasif s Epistola 
critica von Mehren — für ihre Bibliothek zugcsciiickt, die namentlich das 
zweite dieser Werke um so mehr beanspruchen konnte, da der Verfasser 


1) S. Hoffmann’s Gramm, syr. S. 30. Bertlicau’s Ausg. d. kleinern Gram¬ 
matik, Gott. 1843, Vorr. 

2) Bei uns Isaak Schadrensis; s. HolTmann S. 49. 

3) S. ebend. S. 48. 

4) S. ebend. S. 50. 



Gesellschaft dm' Künste und Wissenschaften in Beirut, 379 

desselben, wie die Unterschrift des folgenden Bibliotheksberichtes zeigt, eins 
der beiden Mitglieder des Bfeiruter Bibliotheks-Comite’s ist. Wir freuen uns, 
diesen erstgebornen Sohn des abendländischen wissenschaftlichen Associations¬ 
geistes in Westasien zutlst, so viel nns bekannt, in das gelehrte Europa cin- 
zufuhren, indem wir die "uns von Herrn Eli Smith gesendeten beiden Aeten- 
stiieke in der Urschrift und in einer Uebersetzung hier mittheilen. 



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3S0 Gesellschaft der Künste und Wissenschaften in Beirut. 

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u\/oUi Kajum^ü! oL$> ^ ^Lca 

^>=»»11 JUt ^ **:-> pJj t» jiAj t) yiiL > 5 Lj5l»^ o 5 j^^v>» Xa*»& 
&*i£=ii! J fjL U £.5Lo! 5 X^ÜL uAä^Uci! Jw=-5) & 

iß* t^ASÄäj ^ |*^!j X/»j5üt yA ti5ÜO jACj _**==> £ 'j~S 

^_^/«iAäj Ka**^\U Xjjäaa Xa*L> Jf XaäsCU 0 * 

0 jt XLoLxll »A*jt!l (^c s^a^\j 5 SyiiÄXl^ jyöÜL L^äJLs- L-«lc Li^ai 
Xili - 0 _j«A> U Aic jii==>\ jt J, BjA bL^l! *Uaiu 

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iCwi> ^ (__^^j Ääaj " 2 ^ v_ÄA*ail ^-« XaJLLwJ! 51 i- U 7 bi! 

»cVgJj (jöliy't Xaa*s» Jil ^ löl Sa**J' »ÄS* q-° 

IAj j/>t j_gl ,5 ^IaÄs» 5U ijOljl { JfA Xa«» & l«i 2 cl IjjiAä ^ l* 23 ^ SlX **11 
jb>55 ^J.ltAA^U L/l XÜaASAj (vS’Ljl j^o51c( vji**“ £* (*-§^ 
Lam>J 1 

OulÄi=iJt (Ae l<* XaX»^- oI^jIXo £?.*-?" )r s ?- iKäl*^ wo'l/ c;)' 

XaiuJ^ J! ^Aj'bCb -£s«=U } XoyAs.si’ oAac LgJ 15^' 

Lfili oLlb^ JoL»J! cÄiL^ (Ae b Lfw» XLwji! wAAj'IXtl ^)S'° £f 
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Gesellschaft der Künste und Wissenschaften in Beirut. 381 

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382 Gesellschaft der Künste und Wissenschaften in Beirut. 
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3 § 4 -' Gesellschaft der Künste und Wissenschaften in ISeirut. 

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l'ebersetzung des Vorstellenden, 
von Dr. Hatvrbriickcr. 

Statut der Gesellschaft. 

§. 1. Diese Vereinigung führt den Namen: Syrische Gesellschaft für 
die Aneignung der freien Künste und Wissenschaften. 

§. 2. Die Zwecke dieser Gesellschaft sind: 1) Förderung ihrer Mit¬ 
glieder in den freien Künsten und Wissenschaften durch Besprechungen, 
schriftliche Abhandlungen, Vorträge und Millheilungcn; 2) Sammlung von 
grossem und kleinern Schriftwerken, gedruckten sowohl als handschriftlichen, 
besonders solchen in arabischer Sprache, die geeignet sind, die Zwecke der 
Gesellschaft zu föjjdcm; 3) Anregung des Interesses im Allgemeinen Dir An¬ 
eignung der Wissenschaften und nützlichen Kenntnisse, abgesehen von poli¬ 
tischen Angelegenheiten und religiösen Streitigkeiten; denn diese stehen zu 
der Gesellschaft in keiner Beziehung. 

§. 3. Die Mitglieder dieser Gesellschaft sind einheimische, correspon- 
dirende und Ehrenmitglieder. Wer in die Gesellschaft einzutreten wünscht, 
dessen Name muss zuerst von einem Mitglicde des Verwaltungs - Comite’s 
in einer ordentlichen Sitzung proclamirt werden, dann findet in der nächst¬ 
folgenden Sitzung seine Wahl statt, die aber Itur bei Stimmcneinhcit von 
zwei Dritteln der anwesenden Mitglieder wirklich erfolgt. 

§. 4. Jedes einheimische Mitglied zahlt bei seinem Eintritte 50 und jähr¬ 
lich 25 Piaster in die Gesellschaftskasse. Wenn ein Mitglied mit Leistung 
der von ihm zu entrichtenden Zahlungen zwei Jahre hintereinander in Rück¬ 
stand bleibt, so streicht das Verwaltungs-Comile seinen Namen aus dem 
Mitgliederverzcichnisse. Die Gesellschaft wird sich’s aber auch angelegen sein 
lassen, ihre Freunde und die, welche .ihr Hülfe leisten wollen, um Unter¬ 
stützung zu ersuchen, möge diese in baarem Geldc oder in Büchern bestehen. 
Alles was von solchen Geschenken eingeht, wird mit dem Namen des Gebers 
in dem Register des Kassircrs verzeichnet 

§. 5. Die Vorsteher dieser Gesellschaft sind ein Präsident, drei Vi- 
cepräsidenten, ein Correspondenzfübrer, ein Protokollführer, ein Bibliothekar 




Gesellschaft der Künste und Wissenschaften in Beirut. 385 


und ein Kassirer. Dieselben werden jährlich durch Stimmzettel gewählt und 
bleiben in ihren Aeintcrn ein Jahr oder bis eine neue Wahl erfolgt. 

§. 6. Die Vorsteher der Gesellschaft und zwei von Seiten des Präsi¬ 
denten gewählte Mitglieder derselben bilden ein ständiges Comite, welches 
das Verwaltungs - Comite heisst. Kraft ihres Amtes empfangen sic Geschenke, 
welche der Gesellschaft gemacht werden, suchen die zur Erreichung der 
Gesellschaftszwecke dienlichen Mittel auf, besorgen die'Geschäfte der Ge¬ 
sellschaft und gehen die Erlaubnis dazu, dass von dem in den Händen des 
Kassirers befindlichen Gelde das ausgezahlt werde, was für die laufenden 
Ausgaben, die nüthigen Herstellungen in der Bibliothek, den Ankauf von 
Büchern, Druckarbeiten und andere Bedürfnisse erforderlich ist. Auch steht 
es ihnen frei, den Zustand der Bibliothek und der Kasse, wann sie wollen, 
zu untersuchen. In jeder Jahressitzung der Gesellschaft haben sic einen 
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