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Full text of "07/4201 - Anhang zum Bericht über die Lage der Psychiatrie in der Bundesrepublik Deutschland - Zur psychiatrischen und psychotherapeutisch/psychosomatischen Versorgung der Bevölkerung -"

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Deutscher Bundestag 
7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Unterrichtung 

durch die Bundesregierung 


Anhang zum 

Bericht über die Lage der Psychiatrie in der Bundesrepublik Deutschland 
— Zur psychiatrischen und psychotherapeutisch/psychosomatischen 
Versorgung der Bevölkerung — 

Inhaltsverzeichnis Seite 

Teil A 

Ausführungen der Arbeitsgruppen 3 

TeilB 

Material und ergänzende Daten zur Bestandsaufnahme 88 

Im Auftrag der Sachverständigen-Kommission durchgeführte Unter- 
suchungen 188 

Gutachten, die von der Sachverständigen-Kommission in Auftrag 
gegeben wurden 576 

Berichte über Informationsreisen 992 

Anhörungen 1056 

Materialien 1074 

Teile 

Tätigkeitsbericht 1177 


Druck: Bonner Universitäts-Buchdruckerei, 53 Bonn 1 
Alleinvertrieb; Verlag Dr. Hans Heger, 53 Bonn-Bad Godesberg 1, 
Postfach 821, Goethestraße 56, Telefon (0 22 21) 36 35 51 



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Seite 


Teil A 

Ausführungen der Arbeitsgruppen *) 


Ausführungen der Nomenklatur-Kommission — Begriffe und Definitionen 3 

Ausführungen der Arbeitsgruppen „Extramurale Dienste" — Zur extramu- 
ralen Versorgung psychisch Kranker und Behinderter 9 

Ausführungen der Arbeitsgruppe „Intramurale Dienste" — Erfordernisse 
einer zeitgemäßen stationären Versorgung psychisch Kranker und Behin- 
derter 20 

Ausführungen der Arbeitsgruppe „Kinder- und Jugendpsychiatrie" — Zur 
Versorgung psychisch auffälliger, gestörter und behinderter Kinder und 
Jugendlicher 28 

Ausführungen der Arbeitsgruppe „Suchtkranke" — Zur Versorgung der 
Suchtkranken 43 

Ausführungen des Expertenteams „Epilepsie" — Prävention, Rehabilitation, 

Lehre und Forschung 67 


*) Die Sadiverständigen-Kommission hat den Arbeitsgruppen Gelegenheit gegeben, dem 
Hauptbericht Ausführungen beizulegen, deren Inhalte während ihrer mehrjährigen 
Arbeit formuliert und zur Diskussion gestellt wurden. Einige Teile dieser Ausführun- 
gen sind in den Hauptbericht übernommen worden, andere nicht. Meinungen, Vor- 
schläge und Formulierungen, die im Text des Hauptberichtes nicht enthalten sind oder 
ihm widersprechen, sind nicht Bestandteil der Empfehlungen der Sachverständigen- 
Kommission. 


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Teil A 

Ausführungen der Arbeitsgruppen 

Ausführungen der Nomenklatur-Kommission 

Begriffe und Definitionen 


A. Definitorische Hinweise 

Die Bezeichnungen für psychisch Kranke und Behin- 
derte sowie die Benennungen der Maßnahmen zu ih- 
rer Versorgung lassen sich begrifflich nicht immer 
eindeutig gegeneinander abgrenzen. Deshalb kann 
an dieser Stelle nur eine schwerpunktmäßige Be- 
stimmung einiger Begriffe gegeben werden, die er- 
fahrungsgemäß leicht zu Verwechslungen und Miß- 
verständnissen führen. In dem sich anschließenden 
Abschnitt B sind weitere im Hauptberidit häufig 
verwendete Begriffe zusammengestellt. Eine Voll- 
ständigkeit ist hierbei jedoch nicht angestrebt wor- 
den. 

Unter psychisch Kranken werden Personen verstan- 
den, die unter Psychosen, Neurosen, Alkohol- und 
Drogenabhängigkeit, psychischen Alterserkrankun- 
gen und psychosomatische Störungen leiden, soweit 
es sich um körperliche Beschwerden auf psychi- 
scher Grundlage handelt. Im engeren Sinn werden 
unter psychosomatischen Erkrankungen psychisch 
(mit-) bedingte objektiv faßbare Organstörungen 
wie z. B. Asthma, Ulkus und bestimmte Formen des 
Bluthochdrucks verstanden. 

Der Begriff psychisch Kranke wurde an manchen 
Stellen des Berichtes auch in einem weiteren Sinne 
verwandt. Er schließt dann geistige und seelische 
Behinderungen mit ein. 

Die Gruppe der seelisch und geistig Behinderten 
wird in der Regel jedoch überwiegend neben den 
psychisch Kranken (im engeren Sinne) genannt. Bei 
der Formulierung ,, psychisch Kranke und Behinder- 
te" sind im Begriff „Behinderte" sowohl seelisch als 
auch geistig Behinderte eingeschlossen. 

Unter seelisch Behinderten sind vor allem chronisch 
psychisch Kranke zu verstehen. Zu Ihnen zählen 
Personen mit abnormen psychischen Dauerzustän- 
den, z. B. nach schizophrenen Psychosen oder nach 
hirnorganischen Erkrankungen. 

Unter geistig Behinderten (s. Kapitel B.3.8.1.1) 
versteht man Kinder, Jugendliche und Erwachsene, 
deren geistige Entwicklung durch angeborene oder 
erworbene Störungen hinter der altersgemäßen 
Norm zurückgeblieben ist, so daß sie für ihre Le- 
bensführung besonderer Hilfen bedürfen. 

Nach dem Lebensalter ergibt sich folgende Eintei- 
lung psychisch Kranker: 


1. Psychisch kranke Kinder: 

Kinder bis zum vollendeten 14. Lebensjahr, die 
unter psychischen Erkrankungen leiden, einge- 
schlossen emotional gestörte Kinder sowie Kin- 
der mit Verhaltens- und Leistungsstörungen. 

2. Psychisch kranke Jugendliche: 

Jugendliche vom Beginn des 15. bis zur Vollen- 
dung des 18. Lebensjahres, die unter psychischen 
Erkrankungen leiden, eingeschlossen emotional 
gestörte Jugendliche und Jugendliche mit Ver- 
haltens- und Leistungsstörungen. 

3. Psychisch kranke Erwachsene 

4. Psychisch kranke alte Menschen (gerontopsych- 
iatrische Patienten): 

Personen von 65 Jahren und älter, bei denen eine 
psychische Erkrankung ausschließlich besteht 
oder die entscheidende Komponente ihres Lei- 
dens ist. 

Für psychisch kranke Straftäter hat der Gesetzgeber 
eine zusätzliche Altersstufung vorgenommen; Er un- 
terscheidet zwischen heranwachsenden psychisch 
kranken Straftätern (vom Beginn des 19. bis zur 
Vollendung des 21. Lebensjahres) und erwachsenen 
(vom Beginn des 22. Lebensjahres an). 

Das Wort Therapie wird im allgemeinen gleichbe- 
deutend mit dem deutschen Wort Behandlung ver- 
wendet; jedoch hat Behandlung manchmal eine um- 
fassendere Bedeutung, die dann auch therapiebe- 
gleitende und -unterstützende Maßnahmen ein- 
schließt. Im engeren Sinne sind aber mit beiden Be- 
zeichnungen speziell solche Maßnahmen gemeint, 
die unmittelbar darauf abzielen, ein aktuelles 
Krankheitsgeschehen zu überwinden bzw. einzu- 
dämmen. Man unterscheidet dabei insbesondere die 
körperliche oder somatischeTherapie von der Psycho- 
therapie und der Millieu- bzw. Soziotherapie. 

Die verschiedenen Begriffe beziehen sich aus- 
schließlich auf Maßnahmen und nicht etwa auf 
Krankheitszustände, gegen die diese gerichtet sind. 
Somatische Therapie beinhaltet demnach körperli- 
che Maßnahmen, wie die Anwendung von Medika- 
menten oder — durch elektrische Stromreize ausge- 
löste — Heilkrämpfe (medikamentöse bzw. Elektro- 
krampfbehandlung). Sie steht — neben Milieu- und 
Soziotherapie — im Vordergrund der Psychosen- 
und der Epilepsiebehandlung. 


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Als Psychotherapie bezeichnet man dagegen alle 
Arten gezielter psychologischer Maßnahmen, die 
auf eine Überwindung krankhaften Geschehens ab- 
zielen. Fast alle Formen der Psychotherapie bedie- 
nen sich in bevorzugtem Maße des Mediums der 
Sprache (im Unterschied zu vielen Formen der Mi- 
lieu- bzw. Soziotherapie). Psychotherapie wird vor 
allem bei neurotischen Störungen angewandt. 

Es gibt verschiedene Formen der Psychotherapie. 
Alle tiefenpsychologisch begründeten Verfahren ge- 
hen letztlich auf die Psychoanalyse Sigmund Freuds 
zurück. Die Psychoanalyse hat im Laufe ihrer Ent- 
wicklung eine große Bedeutung erhalten und sich in 
erheblicher Breite entfaltet. Sie beschränkt sich 
heute nicht nur auf Langzeitbehandlungen, sondern 
bedient sich der verschiedensten Anwendungsver- 
fahren (beispielsweise in der sog. Fokal- und Kurz- 
therapie). 

Die Psychoanalyse und die analytisch bzw. tiefen- 
psychologisch begründeten Verfahren bilden eine 
Gruppe, die auch als konfliktbearbeitende („aufdek- 
kende") Verfahren bezeichnet werden, da sie die 
Aufdeckung unbewußter Konflikte des Patienten 
anstreben. Innerhalb der Tiefenpsychologie lassen 
sich verschiedene Richtungen unterscheiden, die 
auch ein unterschiedliches therapeutisches Vorge- 
hen implizieren. Am bekanntesten sind — außer der 
Psychoanalyse im Sinne Freuds und ihren Varianten 
(z. B. der Neo-Psychoanalyse im Sinne von Schultz- 
Hencke) — die analytische Psychologie von 
C. G.Jung und die Individualpsychologie Alfred 
Adlers. Auch die nicht-direktive Gesprächspsycho- 
therapie des amerikanischen Psychologen Rogers 
läßt sich — neben vielen anderen Richtungen — in 
diesen Zusammenhang einordnen. 

Den „aufdeckenden" Verfahren tiefenpsychologi- 
scher Schulen werden andere Verfahren oft als „zu- 
deckende" gegenübergestellt. Man spricht aber bes- 
ser von pragmatischen Verfahren, da ihnen vor al- 
lem gemeinsam ist, daß sie keine bestimmte Theorie 
der behandelten Störungen voraussetzen, sondern 
im wesentlichen „pragmatisch", d. h. lediglich am 
Erfolg orientiert sind. Hierzu gehören u. a. Entspan- 
nungsübungen, Suggestions- und Autosuggestions- 
therapie sowie die Kombination dieser Verfahren in 
der Hypnose (Entspannung mit Fremdsuggestion) 
und im autogenen Training (Entspannung mit Auto- 
suggestion). Das autogene Training leitet über zu 
meditativen Übungen, die Wachsuggestion zur so- 
genannten Persuasionstherapie, einer autoritativ, 
aber rational geführten Gesprächstherapie. 

Die Verhaltenstherapie ist nicht den pragmatischen 
Verfahren zuzurechnen, obwohl sie sich z. T. eini- 
ger ihrer Techniken (insbesondere gewisser Ent- 
spannungsübungen) bedient. Ihr liegt jedoch ein 
ausgearbeitetes theoretisches Konzept zugrunde, 
das der experimentellen Lernpsychologie (und ande- 
ren Formen der „Verhaltenswissenschaften") ent- 
stammt. Verhaltenstherapie ist demnach die syste- 
matische Anwendung von Lernprinzipien für thera- 
peutische Zwecke. In diesem Sinne bildet sie keinen 
Gegensatz zur „Psychotherapie", in den sie oft ge- 
bracht wird, sondern stellt eine eigenständige Rich- 
tung innerhalb der verschiedenen psychologischen 


Therapieformen dar. Da bei ihr dem „Verhaltens- 
training" im Sinne praktischer Verhaltensübungen 
und der systematischen Beeinflussung äußerer Be- 
dingungen eine besondere Bedeutung zukommt, bil- 
det sie einen Übergang zu vielen Formen der Mi- 
lieu- bzw. Soziotherapie. 

Die meisten psychotherapeutischen Verfahren wur- 
den primär als Einzelbehandlung konzipiert und nur 
teilweise zu Gruppentherapien ausgebaut (z. B. psy- 
choanalytische oder tiefenpsychologisch fundierte, 
neuerdings auch verhaltenstherapeutische Grupp- 
entherapie, psychoanalytische Familien-Therapie, 
Hypnose oder autogenes Training in der Gruppe 
etc.). Eine Ausnahme bildet das Psychodrama (Mo- 
reno) als ein primär gruppentherapeutisch ausge- 
richtetes Verfahren mit tiefenpsychologischem Hin- 
tergrund. 

Im Unterschied zur Psychotherapie hat die Milieu- 
bzw. Soziotherapie ihren Ausgang von der Arbeit in 
der Gruppe genommen. Diese Therapieformen spie- 
len insbesondere bei hospitalisierten Patienten eine 
wesentliche Rolle in der Behandlung und zur Verhü- 
tung bzw. Bekämpfung des „Hospitalismus". So 
wird in der Milieutherapie versucht, ein den natürli- 
chen Lebensbedingungen angenähertes therapeuti- 
sches Milieu zu schaffen, in dem die Patienten zu ei- 
genständiger Aktivität und zur Kooperation ange- 
regt werden. Hierher gehören u. a. die Beschäfti- 
gungs-, Arbeits-, Musik und Bewegungstherapie. So- 
weit dabei das Lernen sozialer Rollen — und nicht 
die Förderung der Kreativität oder des Leistungs- 
vermögens — im Vordergrund der therapeutischen 
Bemühungen steht, spricht man auch von Sozio- 
therapie. Ein Beispiel dafür ist das vom Psycho- 
drama abgeleitete Rollenspiel („pädagogisches So- 
ziodrama"). 

Milieu- bzw. Soziotherapie sind bei vielen Behinder- 
ten weniger gegen das Krankheitsgeschehen selber 
als gegen die dadurch entstandenen und drohenden 
sekundären bzw. schon vorbestehenden primären 
Behinderungen gerichtet. Insofern gehören sie oft 
eher in den Bereich der rehabilitativen als in den der 
eigentlich therapeutischen Maßnahmen. 

Unter Rehabilitation faßt man alles zusammen, was 
dem Ausgleich einer Behinderung und der (Wieder-) 
Eingliederung des Behinderten in die Gesellschaft 
dient, aus der er infolge seiner Behinderung ausge- 
gliedert wurde. 

Unter medizinischer Rehabilitation versteht man da- 
bei speziell alle funktionsfördernden Maßnahmen, 
die im Sinne einer „Kompensationstherapie" Funkti- 
onseinbußen oder drohende Funktionseinbußen aus- 
gleichen sollen (Milieu- bzw. Soziotherapie und ver- 
schiedene Verfahren der Verhaltenstherapie). Durch 
Ausnutzung des noch vorhandenen Funktionspoten- 
tials sollen die Auswirkungen der Behinderung ein- 
geschränkt werden, auch wenn die Behinderung als 
solche nicht (vollständig) zu beheben ist. 

Berufliche Rehabilitationt die ihrerseits in vorberuf- 
liche, berufsbezogene und berufsbildende Rehabili- 
tation unterteilt wird, ist auf die (Wieder-)Herstel- 
lung der Berufsfähigkeit gerichtet, wobei entspre- 
chende Leistungsübungen (u. a. im Rahmen der Ar- 


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beitstherapie) durch soziale Maßnahmen ergänzt 
werden. Bei diesen handelt es sich um primär nicht 
auf den Patienten, sondern auf dessen (spätere) Um- 
gebung gerichtete Maßnahmen wie Vermittlung ei- 
nes Ausbildungs- oder Arbeitsplatzes, Beratung von 
Lehrern oder von Arbeitgebern und Arbeitskollegen 
etc. 

Bei der sozialen Rehabilitation^ die der (Wieder-) 
Eingliederung eines Behinderten in außerklinische 
Sozialbezüge dient, kommen zur Förderung der so- 
zialen Kommunikation des Patienten (durch Sozio- 
therapie) ebenfalls soziale Maßnahmen hinzu, z. B. 
Wohnungsbeschaffung, Vermittlung von Sozialkon- 
takten außerhalb der Klinik, Beratung von Angehö- 
rigen oder anderen (künftigen) Wohngefährten des 
Patienten etc. 

Eine Unterscheidung von beruflicher, medizinischer 
und sozialer Rehabilitation ist bei allem Abgren- 
zungsbedürfnis nur sehr schwer möglich, da diese 
Begriffe lediglich unterschiedliche Facetten dersel- 
ben Hilfeart bedeuten. 


B. Einzelne Begriffe in alphabetischer 
Reihenfolge 

Abgänge (s, Krankenbewegung) 

Arbeitstherapie ist unter sachverständiger Anlei- 
tung (Arbeitstherapeut, Beschäftigungstherapeut 
mit Weiterbildung, Krankenpflegepersonal mit 
entsprechender Weiterbildung etc.) ausgeübte 
regelmäßige Tätigkeit, die der optimalen Förde- 
rung und Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit 
dient. Als Maßnahme der vorberuflichen oder be- 
rufsbezogenen Rehabilitation sucht sie durch stu- 
fenweise Heranführung an qualitäts- oder lei- 
stungsbezogene Normen das Ziel einer beruf- 
lichen Wiedereingliederung zu erreichen. In ge- 
wissen Fällen mit ungünstiger Prognose ermög- 
licht sie auch nur eine Dauerbeschäftigung des 
Kranken auf dem höchsten ihm erreichbaren 
Niveau, ohne zu einer beruflichen Rehabilitation 
zu führen. Man kann für den Bereich der stationä- 
ren Einrichtungen unterscheiden: 

1. Arbeit in Versorgungsbetrieben der stationä- 
ren Einrichtung, bei der die geleistete Arbeit 
dem betreffenden Betrieb selbst dient. 

2. Arbeit in Werkstätten oder Betrieben der sta- 
tionären Einrichtung, die einer vorwiegend au- 
ßengerichteten Produktion dient (Teppichwe- 
berei, Druckerei). 

3. Industrielle Auftragsarbeit im Sinne von 
Heimarbeit, die entweder in den Stationen 
oder in speziell dazu eingerichteten Räumen 
oder Werkstätten der Einrichtung durchge- 
führt wird; hier kann man eine Reihe von 
Schwierigkeitsgraden von unkomplizierten 
Handarbeiten bis zu hohe Anforderungen stel- 
lende Arbeiten an Maschinen unterscheiden. 


Aufnahmen (s. Krankenbewegung) 

Ausbildung, Weiterbildung, Fortbildung 

Ausbildung: Sie führt nach einer Abschlußprü- 
fung ggf. nach Ableistung zusätzlicher Praktika 
zur Verleihung einer Berufsbezeichnung oder zur 
Erteilung einer Berufserlaubnis, (z. B. approbierter 
Arzt, Krankenschwester) 

Weiterbildung: Sie setzt eine abgeschlossene Be- 
rufsausbildung voraus und ist auf eine berufliche 
Spezialisierung gerichtet. Sie schließt mit einer 
Anerkennung durch staatliche Stellen, Berufsor- 
ganisationen oder sonstige Stellen ab (z. B. Fach- 
arzt). 

Fortbildung: Sie umfaßt alle berufsbezogenen Bil- 
dungsmöglichkeiten und Veranstaltungen, die der 
Verbesserung der beruflichen Kenntnisse und Fä- 
higkeiten dienen. 

Außenfürsorge ist ein Sonderfall der Nachsorge. 
Darunter versteht man die regelmäßige Betreuung 
entlassener psychisch Kranker durch das Personal 
desjenigen Krankenhauses, in dem sie vorher sta- 
tionär behandelt wurden. Dies geschieht an Orten, 
die dem Aufenthalt des Patienten näher liegen 
als die Einrichtung selbst (z. B. im Gesundheits- 
amt). 

Behandlungszentrum, psychiatrisches: Psychiatri- 
sches Behandlungszentrum ist als Oberbegriff für 
die verschiedenen Möglichkeiten stationärer Ein- 
richtungen anzusehen, nämlich psychiatrische 
Fachkrankenhäuser, psychiatrische Kliniken oder 
Abteilungen im Rahmen von Allgemeinkranken- 
häusern. 

Beschäftigungstherapie ist eine unter sachverständi- 
ger Anleitung (Beschäftigungstherapeut, Pflegebe- 
rufe mit entsprechender Weiterbildung oder dgl.) 
und mit dem Ziel der Förderung gesunder Fähig- 
keiten des Kranken, meist in Gruppen regelmäßig 
ausgeübte Tätigkeit. 

Bett und Platz: Beide Begriffe werden hier nicht im 
wörtlichen Sinne gebraucht, sondern im Sinne 
einer Begriffseinheit, durch welche die Kapazität 
der jeweiligen Einrichtung gemessen werden 
kann. 

Bett: Ein Krankenhausbett muß den Anforderun- 
gen an eine leistungsgerechte Krankenpflege ent- 
sprechen. Es muß der Unterbringung und Behand- 
lung stationärer Patienten über 24 Stunden dienen 
und sich in Stationen oder anderen Bereichen ei- 
nes Krankenhauses befinden, die über eine ständi- 
ge ärztliche Betreuung durch einen oder mehrere 
Angestellte oder vertraglich bzw. anderweitig 
festverpflichtete Ärzte verfügen. 

Planbett: Als planmäßige Betten werden diejeni- 
gen Betten gezählt, deren Aufstellung den in den 
jeweiligen Bundesländern geltenden Richtlinien 


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für den Bau und die Einrichtung von Krankenhäu- 
sern entsprechen. 

Zusatzbett: Zusatzbetten sind Betten, die nicht 
den oben erwähnten Bestimmungen entsprechen 
und über die Planbettenanzahl hinausgehen. In 
diese Kategorie fallen die sog. Notbetten. 

Die Gesamtheit der Plan- und Zusatzbetten wird 
als betriebene Betten (Ist-Betten) bezeichnet. 

Funktionsbetten: Außer den genannten Arten von 
Betten sind Funktionsbetten zu erwähnen, die in 
Untersuchungs- und Funktionsräumen aufgestellt 
sind; sie werden in der Regel von den einzelnen 
Patienten nur kurzfristig benutzt. 

Ein psychiatrisches Bett wird durch folgende Kri- 
terien definiert: 

— Es ist belegt mit oder verfügbar für psychisch 
Kranke oder geistig behinderte Patienten, de- 
ren Versorgung in einem privaten Haushalt 
nicht möglich ist. 

— Es befindet sich in einem Krankenhaus oder in 
einer Einrichtung mit Wohnmöglichkeit, die 
keine Privatwohnung darstellt. 

— Es wird durch einen ständig erreichbaren Arzt 
psychiatrisch betreut. 

Es sind zwei Arten von psychiatrischen Betten zu 
unterscheiden: 

Psychiatrische Krankenhaus- oder Klinikbetten, 
Nicht-klinische psychiatrische Betten (Heimbetten 
u. dgl.) 

Bettenausnützung wird nach der Formel 
Pflegetage X 100 
planmäßige Betten X 365 (366) 
errechnet. 

Bettenmeßziffer ist eine in der Regel aus der Erfah- 
rung, selten aus Bedarfsermittlungen gewonnene 
Rate von Krankenhausbetten je Einwohnerzahl, 
meist auf 1 000 Einwohner eines bestimmten Ge- 
bietes bezogen. 

Entflechtung: Unter Entflechtung versteht man die 
Durchführung spezieller Programme zur Behand- 
lung und Versorgung verschiedener Patientenka- 
tegorien im psychiatrischen Krankenhaus, die bis- 
lang meist gemeinsam auf einer einzigen Station 
behandelt wurden, wie z. B. gerontopsychiatrische 
Kranke, Alkoholiker, geistig Behinderte etc. Der 
Ausdruck findet auch Anwendung für die Aus- 
gliederung von aus dem psychiatrischen Kranken- 
haus entlassenen Patienten oder Behindertengrup- 
pen in andere Versorgungsbereiche. 

Entlassung (s. Krankenbewegung) 

Epidemiologische Forschung: Hierunter versteht 
man die wissenschaftliche Untersuchung der Häu- 
figkeit und Verteilung von Krankheiten, Behinde- 


rungen usw. in einer gegebenen Bevölkerung so- 
wie der Faktoren, die darauf Einfluß nehmen. 

Evaluative Forschung: Evaluative Forschung be- 
zieht sich im Zusammenhang dieses Berichts auf 
die wissenschaftliche Forschung des Erfolgs, der 
Wirksamkeit und der Wirtschaftlichkeit von Vor- 
sorge-, Behandlungs- oder Rehabilitationsmaßnah- 
men und -einrichtungen. 

Extramurale Versorgung (s. Intramurale Versor- 
gung) 

Fehlbelegung (mlsplacement) : Als Fehlbelegung 
wird die Unterbringung von Patienten in Kran- 
kenhäusern und ähnlichen Einrichtungen bezeich- 
net, die dort nicht ihres Leidens wegen, sondern 
aus andersartigen, etwa sozialen Gründen, ver- 
blieben sind, obwohl sie einer stationären oder 
halbstationären Behandlung dieser Intensität und 
Art nicht mehr bedürfen. 

Fortbildung (s. Ausbildung) 

Geistig Behinderte, Einrichtungen für: 

Bei den Einrichtungen für geistig Behinderte ist 
zwischen folgenden Kategorien zu unterschei- 
den: 

1. Einrichtungen im psychiatrischen Verantwor- 
tungsbereich für Diagnostik, Therapie und Ein- 
gliederungshilfe von Behinderten, wenn wegen 
des Ausmaßes der Behinderung oder zusätzli- 
cher psychischer Störungen dauernde Pflege 
oder Eingliederungshilfen unter psydiiatrisdier 
Mitwirkung erforderlich sind. 

2. Sonderpädagogische Einrichtungen zur Bildung 
von Lernbehinderten und Bildungssch wachen. 

3. Heime (Anstalten) zur langfristigen Unterbrin- 
gung von Behinderten. 

Intramurale Versorgung (und extramurale): Mit in- 
tramuraler Versorgung werden alle Maßnahmen, 
die innerhalb der Mauern des psychiatrischen 
Krankenhauses geschehen, bezeichnet, alle übri- 
gen psychiatrischen Einrichtungen und Maßnah- 
men werden diesem als extramural gegenüberge- 
stellt. Ein exakte Zuordnung zu diesen typisieren- 
den Kategorien ist im Übergangsbereich, etwa bei 
den halbstationären Diensten, nicht generell mög- 
lich. 

Komplementäre Dienste (Einrichtungen): Oberbe- 
griff zur Bezeichnung aller Einrichtungen für die 
Wiedereingliederung oder Dauerunterbringung 
solcher psychisch Kranken oder Behinderten, die 
im Wohn- oder Arbeitsbereich ohne besondere 
Hilfen nicht oder noch nicht selbständig leben 
können. Ausgenommen sind die klinischen Ein- 
richtungen der stationären oder halbstationären 
Versorgung (Krankenhäuser, Tag- und Nachtkli- 
niken). 


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Krankenbewegung in stationären Einrichtungen; 

Die Gesamtheit der Ereignisse, die zu Verände- 
rungen im Krankenbestand einer Einrichtung 
führen, wird als Krankenbewegung definiert, so 
die Aufnahmen und Entlassungen, die, ausgehend 
von dem Krankenbestand an einem Stichtag, die 
durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Patienten 
ermitteln lassen. 

1. Krankenbestand: Die Gesamtheit aller Kran- 
ken, die an einem Stichtag in der Einrichtung 
aufgenommen sind, ergibt den Krankenbestand, 
der häufig für den 31. Dezember oder 1. Januar 
des betreffenden Jahres ermittelt wird. Hierbei 
ist zu berücksichtigen, daß die für die Dauer 
von weniger als 28 Tagen beurlaubten Patien- 
ten als aufgenommen mitgezählt werden. Zu be- 
achten ist, daß gerade in psychiatrischen Ein- 
richtungen an einem Stichtag zu Jahresende 
eher weniger Patienten aufgenommen sind, als 
dem Jahresdurchschnitt entspricht. 

2. Stationäre Aufnahmen: Die Gesamtheit aller 
im Bereich einer bestimmten Einrichtung zur 
stationären Diagnostik und/oder Behandlung 
aufgenommenen Patienten. Die können erfolgen 
als Erst-, Neu- und Wiederaufnahmen: 

Erstaufnahme: Von der betreffenden stationä- 
ren Einrichtung her gesehen werden als erstauf- 
genommen diejenigen Patienten verstanden, 
die früher noch nie in dieser Einrichtung aufge- 
nommen waren. Im epidemiologischen Sinne 
bedeutet Erstaufnahme die erste Aufnahme in 
eine stationäre psychiatrische Einrichtung im 
Gegensatz zu anderen Einrichtungen (psychia- 
trische Ersthospitalisation). 

Neuaufnahme: Hierunter wird die erste Auf- 
nahme jedes Patienten im Berichtsjahr verstan- 
den, bezogen auf die betreffende Einrichtung; 
unter die Neuaufnahmen fallen demnach so- 
wohl Erstaufnahmen, wie auch wiederholte 
Aufnahmen in der betreffenden Einrichtung. 

Wiederaufnahme: Unter Wiederaufnahme ist 
die wiederholte Aufnahme in einem Jahr in ei- 
ner bestimmten Einrichtung zu verstehen. Nicht 
als Wiederaufnahmen zu zählen sind Aufnah- 
men nach Urlaub bis zu 28 Tagen nach Urlaubs- 
antritt. 

3. Abgänge: Hierunter werden Entlassungen und 
Todesfälle zusammengefaßt. 

Entlassung: Das bedeutet die Beendigung des statio- 
nären Aufenthaltes und die formale Entlassung ei- 
nes Patienten aus einer Einrichtung. Patienten, 
die in den Verzeichnissen einer stationären Ein- 
richtung aufgeführt werden, ohne daß ein Bett für 
sie reserviert ist, sollten als entlassen aus der sta- 
tionären Behandlung betrachtet werden. Todesfäl- 
le werden in die Entlassungszahl nicht mit einbe- 
zogen. Ebensowenig sollten Beurlaubungen bis zu 
28 Tagen als Entlassungen gezählt werden. Die 
Entlassungen können im ambulanten Bereich, 
in einer teilstationären Einrichtung, in anderen 
stationären psychiatrischen und nicht psychiatri- 
schen Einrichtungen erfolgen. 


Todesfälle 

Krankenhäuser: Krankenhäuser sind Anstalten, in 
denen Kranke untergebracht und verpflegt wer- 
den und in denen durch ärztliche Hilfeleistungen 
erstrebt wird, Krankheiten, Leiden und Körper- 
schäden festzustellen, zu heilen und zu lindern. 
Nach den Trägern werden unterschieden: 

— öffentliche Krankenhäuser sind Anstalten, die 
von Gebietskörperschaften (Bund, Länder, 
Kommunalverbände, Gemeinden etc.) oder von 
Trägern der Sozialversicherung (u. A. Landes- 
versicherungsanstalt, Berufsgenossenschaft) 
betrieben werden. Ferner rechnen hierzu An- 
stalten, die von den genannten Trägern durch 
Hergabe von Geldmitteln überwiegend unter- 
halten werden. 

— Freie gemeinnützige Krankenhäuser sind An- 
stalten, die von Stiftungen bzw. kirchlichen 
und weltlichen Vereinigungen getragen wer- 
den. 

— Private Krankenhäuser sind Anstalten, die auf- 
grund des § 30 der Reichsgewerbeordnung von 
einer höheren Verwaltungsbehörde konzessio- 
niert sind. 

Nach der Zweckbestimmung werden Krankenhäu- 
ser für Akutkranke und Sonder kr ankenhäuser 
unterschieden: 

— Akutkrankenhäuser sind in der Regel in ein 
System von drei Versorgungsstufen eingeglie- 
dert, nämlich Krankenhäuser für die Grund- 
bzw. Regelversorgung, Krankenhäuser für die 
Hauptversorgung und Krankenhäuser für die 
Zentralversorgung. 

— Sonderkrankenhäuser waren bisher größten- 
teils nicht in diese Gliederung einbezogen. 
Von ihrer Funktion her umfassen besonders 
die Sonderkrankenhäuser für Psychiatrie meh- 
rere Stufen des Akutkrankensektors. 

Krisenintervention: Ein Vorgehen der Vorbeugung, 
der Frühbehandlung und des akuten Eingreifens 
durch geeignete Maßnahmen, die in der Krise zur 
Anwendung kommen. 

Nachsorge: Bei bestimmten psychischen Erkrankun- 
gen folgt dem Krankenhausaufenthalt eine unter 
Umständen sehr lange Risikoperiode, die zur Ab- 
wendung von Rückfällen oder gesundheitlichen 
und sozialen Nachteilen verstärkter ärztlicher 
und sozialer Bemühungen bedarf. 

Platz (s. auch Bett): Als Behandlungsplatz wird jede 
für die Versorgung von jeweils einem Kranken 
vorgesehene Einheit verstanden, die in festen Ein- 
richtungen wie Tageskliniken, Rehabilitations- 
werkstätten etc. vorhanden ist und sich auf die 
Versorgung während der Tageszeit beschränkt. 

Die Summe der Behandlungsplätze ergibt die Ka- 
pazität einer Einrichtung, z. B. einer Tagesklinik. 


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Analog zu der Unterteilung der Betten ist von ei- 
ner Unterteilung in Planplätze, Zusatzplätze und 
betriebene Plätze auszugehen. 

Unterschieden werden muß zwischen Plätzen, die 
von den Patienten nur tagsüber besetzt werden 
sowie Plätzen in besonderen Abteilungen von sta- 
tionären Einrichtungen, wie in der Arbeitsthera- 
pie, der Beschäftigungstherapie etc. Die letztge- 
nannten Plätze sind bei der Bestimmung der Ka- 
pazität der betreffenden Einrichtung nicht mitzu- 
zählen, sofern sie von stationär aufgenommenen 
Patienten besetzt werden. 

Prävention; Primärprävention umfaßt alle Maß- 
nahmen, welche das erstmalige Auftreten psychi- 
scher Störungen verhindern. Von der Primärprä- 
vention ist die Sekundärprävention zu unterschei- 
den, welche durch Früherfassung und Frühbe- 
handlung die Verkürzung der Dauer von Erkran- 
kungen und die Verhinderung von Rückfällen 
zum Ziel hat, wie auch die Tertiärprävention, die 
die chronischen Auswirkungen der Erkrankungen 
zu vermeiden bzw. zu mildern sucht. 

In dem Bereich der primären, teilweise auch der 
sekundären Prävention, fällt der Begriff der Vor- 
sorge, der sich auf Maßnahmen bezieht, die mit 
dem Ziel durchgeführt werden, das Neuauftreten 
von Erkankungen zu verhindern und beginnende 
Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen. 

Rehabilitation (s. Einleitung Kapitel B. 3.5) 


Straftäter, psychisch kranke: Psychisch kranke 
Straftäter können sowohl nach dem Tatbestand 
des Rechtsbruchs als nach dem Stand des Verfah- 
rens unterschiedlich definiert werden. In der Re- 
gel werden psychisch kranke Straftäter nur Perso- 
nen genannt, die Verbrechen oder schwere Ver- 
fehlungen begangen haben. Nach dem Stand des 
Verfahrens wird unterschieden zwischen ermittel- 
ten, beschuldigten, angeschuldigten und verurteil- 
ten Tätern. Die Unterbringung von Rechtsbre- 
chern in psychiatrischen Krankenhäusern wegen 
Gefährdung der öffentlichen Sicherheit oder Sitt- 
lichkeit hat nicht immer ein Gerichtsurteil zur 
Voraussetzung, sondern kann auch aufgrund von 
Polizeiverordnungen oder vergleichbaren Rechts- 
akten erfolgen. 

Verweildauer; die durchschnittliche Verweildauer 
wird nach der Formel 

Pflegetage X 2 
Zugänge + Abgänge 

berechnet. Außer der Berechnung der durch- 
schnittlichen Verweildauer, die nur bei homoge- 
nen Patientengruppen gut verwertbare Aussagen 
erlaubt (so bei chronisch oder akut Kranken), 
sollte die Verweildauer durch Aufgliederung des 
Patientenbestandes und der Entlassungen in be- 
stimmte Gruppen durchgeführt werden. 

Vorsorge (s. Prävention) 

Weiterbildung (s. Ausbildung) 


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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Ausführungen der Arbeitsgruppe „Extramurafe Dienste“ 

Zur extramuralen Versorgung psychisch Kranker und Behinderter 


Extramurale Versorgung - — Versorgung also außer- 
halb der Mauern eines Krankenhauses — kann nicht 
für sich allein betrachtet werden. Versorgung bil- 
det, will sie diesen Namen wirklich verdienen, eine 
Einheit. Sie kann nur dort befriedigend stattfinden, 
wo ihre Teilbereiche nahtlos ineinander greifen und 
zwischen der vollstationären Unterbringung auf der 
einen, der ambulanten Behandlung, Beratung und Be- 
treuung auf der anderen Seite Übergänge möglich 
sind. Die Versorgung psychisch Kranker und Behin- 
derter in der Bundesrepublik Deutschland ist jedoch 
durch eine praktisch vollständige Trennung ambu- 
lanter und stationärer Behandlung und durch das 
Fehlen von Institutionen gekennzeichnet, die als 
Übergangseinrichtungen und komplementäre Dien- 
ste die Lücke zwischen beiden Bereichen schlie- 
ßen. 

Im Bereich der ambulanten Versorgung stellt der 
Nervenarzt bisher die gemeindenaheste Fachinstitu- 
tion dar. Die meisten fachärztlich versorgten psy- 
chisch Kranken werden von ihm behandelt, und es 
ist davon auszugehen, daß er auch in Zukunft eine 
zentrale Rolle im extramuralen Versorgungsbereich 
spielen wird. Dennoch kann nicht übersehen wer- 
den, daß seinen Möglichkeiten schon angesichts der 
Bedingungen, denen eine Tätigkeit in freier Praxis 
unterworfen ist, mehrfache Grenzen gezogen sind. 
Die große Zahl seiner Patienten und die gleichzeiti- 
ge Mitversorgung eines meist erheblichen Anteils 
nenrologisch Kranker beschränkt seine Möglichkei- 
ten; zeitlicher Aufwand wird ihm zudem durch die 
vergleichsweise noch immer niedrige Bewertung 
verbaler therapeutischer Leistungen in der ärztli- 
chen Gebührenordnung erschwert. Die bisherigen 
Möglichkeiten der Weiterbildung konnten nur bei 
einem Teil der Nervenärzte zum Erwerb der für eine 
kassenärztlich abgesicherte psychotherapeutische 
Tätigkeit geforderten Befähigung führen. Auch im 
diagnostischen Bereich kann der niedergelassene 
Nervenarzt dort an seine Grenzen stoßen, wo — bei- 
spielsweise bei alten Menschen — aus Gründen der 
Multikausalität eine differenzierte somatische Dia- 
gnostik die enge Kooperation mit anderen medizini- 
schen Fachdisziplinen unabdingbar erforderlich 
macht. 

Quantitativ wirkt sich die zu geringe Zahl nieder- 
gelassener Nervenärzte angesichts der Konzentra- 
tion der Praxen in Großstädten und Ballungsgebie- 
ten doppelt erschwerend aus, was zu unterversorg- 
ten und sogenannten „nervenarztfreien" Zonen ge- 
führt hat. Insbesondere in solchen Gebieten besteht 
von seiten der freien Fachpraxis, trotz des Sicher- 
stellungsauftrags an die Kassenärztliche Vereini- 
gung, kein oder kein ausreichend nahe lokalisiertes 
Angebot. Auch in besser versorgten Regionen 


nimmt ein Teil besonders der krankenhausentlasse- 
nen Patienten das Behandlungsangebot aus krank- 
heitsbedingten Gründen nicht wahr oder ist dem 
angesichts der bestehenden gesetzlichen Regelun- 
gen unvermeidbaren Arztwechsel selbst bei erfolg- 
ter Überweisung nicht gewachsen. Die bei vielen 
Entlassenen wichtige Kontinuität der Nachsorge, 
die während der Behandlung entstandene therapeu- 
tische Bindungen zum Tragen kommen läßt, wird 
hierdurch unmöglich. Bei einem großen Teil kran- 
kenhausentlassener Patienten besteht außerdem ein 
besonders großer Bedarf an begleitenden Maßnah- 
men für ihre gesellschaftliche Wiedereingliederung. 
Der einzelne praktizierende Nervenarzt ist aber 
vor allem bei Patienten überfordert, die differen- 
zierter sozialer oder rehabilitativer Hilfen bedürfen. 
Chronisch-psychotische Patienten, Alkohol- und 
Drogenabhängige und psychisch Alterskranke bil- 
den denn auch nur einen verhältnismäßig geringen 
Anteil seines Klienteis und sind besonders häufig 
die Betroffenen der zwischen der stationären und 
der ambulanten Versorgung in freier Praxis beste- 
henden Lücke. Der Hausarzt, der in ländlich-klein- 
städtischen Regionen die Versorgung stellvertre- 
tend übernehmen müßte und oft auch übernimmt, 
ist angesichts seiner heutigen Aus- und Weiterbil- 
dung nicht in der Lage, diese Lücke in befriedigen- 
der Weise zu füllen und beschränkt sich meist auf 
reine Medikationsverschreibung. 

Auch die sich de facto aus unabweisbaren Gründen 
oft entwickelnde sogenannte „graue Ambulanz" — 
gesetzlich nicht abgesicherte und finanziell nicht 
vergütete Nachbehandlung durch Arzte der psych- 
iatrischen Krankenhäuser — erfaßt nur einen klei- 
nen Teil der nachzubetreuenden Patienten und 
auch diese in der Regel nur vorübergehend. 

Ebenso unzulänglich ist die Außenfürsorge der 
psychiatrischen Großkrankenhäuser. Sie basiert auf 
einem therapeutisch ungünstigen Bestellsystem und 
kann soziale Hilfen nur durch eine sehr beschränk- 
te Mitwirkung der Sozialdienste der Gesundheits- 
fachverwaltung anbieten. Durch das fehlende Be- 
handlungsrecht wird zudem in vielen Fällen eine 
unvertretbare Spaltung beratender und medikamen- 
töser Hilfen erzwungen. 

Bestehende Versorgungslücken können angesichts 
ihrer gegenwärtigen Situation auch nicht durch die 
Gesundheitsämter geschlossen werden. Die Alters- 
struktur der an ihnen tätigen Ärzte ist ungünstig, 
die Anwerbung von Nachwuchs erbrachte bisher 
keinen nennenswerten Erfolg. Hauptamtliche Psych- 
iater sind nur in wenigen Ämtern — in Großstäd- 
ten und Ballungsräumen — tätig. Sie müssen einen 
Aufgabenkatalog abdecken, der ihnen für eigentli- 
che extramurale und nachsorgende Aufgaben kaum 


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Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Zeit läßt und beschränken sich daher meist auf die 
den Gesundheitsfachverwaltungen zugewiesenen 
Hoheitsfunktionen, wie Zwangseinweisungen und 
Begutachtungen. Selbst in Bundesländern mit einem 
gesetzlichen Auftrag zur Nachbetreuung kranken- 
hausentlassener psychisch Kranker ist diese aus 
personellen Gründen in der Regel nicht durchführ- 
bar. Wo spezielle lokale Gegebenheiten und Inter- 
essen die Übernahme von Betreuungs- und Behand- 
lungsfunktionen zuließen, werden diese zudem 
durch das bestehende Behandlungsverbot behin- 
dert. 

Besonders ausgeprägt ist der Mangel an psycho- 
therapeutischen Behandlungsmöglichkeiten. Die ge- 
ringe Zahl der psychotherapeutisch ausgebildeten 
Nervenärzte und die geografische Verteilung der 
wenigen praktizierenden Psychotherapeuten lassen 
erkennen, daß die Bevölkerung weiter Gebiete der 
Bundesrepublik Deutschland über keinerlei Mög- 
lichkeiten verfügt, qualifizierte psychotherapeuti- 
sche Hilfen in Anspruch nehmen zu können. Die 
lange vernachlässigte Entwicklung rationeller 
Kurzzeitverfahren führte zusätzlich zu einer Be- 
schränkung des Klienteis und zu einer, am Bedarf 
gemessen, äußerst geringen Zahl Behandelter. Die 
soziale Zusammensetzung der in psychotherapeuti- 
scher Behandlung sich befindenden Patienten macht 
überdies deutlich, daß die Übernahme der Behand- 
lungskosten durch die Krankenkassen keineswegs 
dazu führte, daß ein auch nach sozialen Gesichts- 
punkten ausgewogeneres Klientel Zugang zu dieser 
Therapieform fand, sondern nach wie vor überwie- 
gend der sozialen Mittelschicht angehörende Pa- 
tienten behandelt werden. 

Auch im Vorfeld präventiver und beratender Maß- 
nahmen ist der gegenwärtige Zustand unbefriedi- 
gend. Vorsorgefunktionen kommen vor allem den 
Beratungsstellen zu. Die Anhörung verschiedener 
Sachverständiger aus diesem Bereich ließ erkennen, 
daß die gegenwärtig in der Bundesrepublik 
Deutschland existierenden etwa 500 Beratungsstel- 
len überwiegend von Angehörigen der sozialen 
Mittelschicht in Anspruch genommen werden. Be- 
handlungen im eigentlichen Sinne finden nicht 
statt. Die Beratungsstellen sind sehr unterschiedlich 
organisiert und differenziert. Psychiatrisch und psy- 
chotherapeutisch qualifizierte Mitarbeiter sind sel- 
ten, die Kontakte zu entsprechenden Diensten kei- 
neswegs ausreichend. Koordination und Koopera- 
tion mit Nachbardiensten sind zufällig und von per- 
sönlichen und lokalen Gegebenheiten abhängig. 
Eine institutionalisierte Form der Zusammenarbeit 
mit anderen Diensten existiert bisher praktisch 
nicht. 

Aus dem Blickwinkel extramuraler Versorgung ist 
die gegenwärtige Situation der stationären Behand- 
lung durch die geschilderte strikte Trennung vom 
extramuralen Bereich sowie dadurch gekennzeich- 
net, daß sie fast ausschließlich in baulich überalter- 
ten, durch ihre hohe Bettenzahl unvermeidlich zu 
Ghettobildung führenden, noch immer vielfach zu 
kustodialer Verwahrung und Passivierung ihrer Pa- 
tienten neigenden und sehr oft weit von den Wohn- 
zentren placierten Großkrankenhäusern durchge- 


führt werden muß. Es versteht sich von selbst, daß 
diese Faktoren zum Abbruch der sozialen Beziehun- 
gen zum normalen Lebensbereich der Kranken füh- 
ren, einer Hospitalisierung Vorschub leisten und 
eine Wiedereingliederung erschweren. Rein nume- 
risch fallen gegenüber diesen Einrichtungen die 
viel günstiger liegenden Universitätskliniken und 
die heute nur in ganz geringer Zahl vorhandenen 
psychiatrischen Abteilungen an Allgemeinkranken- 
häusern kaum ins Gewicht. Hinzu kommt, daß die 
beiden letztgenannten Institutionen meist nur für 
bestimmte Patientengruppen zur Verfügung stehen. 
Bei Universitätskliniken wird diese Selektion durch 
Aspekte psychiatrischer Forschungsorientierung 
bestimmt und begründet. In den psychiatrischen 
Abteilungen der Allgemeinkrankenhäuser finden 
sich bislang häufig weniger schwer gestörte und sel- 
ten chronisch Kranke und Behinderte. In erhöhtem 
Maße gilt dies für die wenigen vorhandenen psych- 
iatrischen Privatkrankenhäuser und Sanatorien. 

Die aktuelle Versorgungslage ist nicht nur durch 
die gemeindeferne stationäre Behandlung in thera- 
peutisch schlecht gerüsteten Großanstalten gekenn- 
zeichnet, sondern auch durch das völlige Fehlen 
von teilstationären, flankierenden und Übergangs- 
einrichtungen. Tageskliniken, Nachtkliniken, Über- 
gangsheime, Wohnheime, beschützende Wohngrup- 
pen und Wohnungen und ähnliche Einrichtungen 
sind so selten, daß ihnen unter Versorgungsge- 
sichtspunkten ein eher modellhafter Charakter zu- 
kommt. Wenig besser ist die Situation in bezug auf 
Patientenclubs oder rehabilitative Institutionen, 
beispielsweise Werkstätten zur langfristigen Ver- 
sorgung von seelisch Behinderten oder beschützende 
Arbeitsplätze in Betrieben. Für eine bedarfsgerech- 
te Versorgung sind alle diese Institutionen jedoch 
unerläßlich. Sie können in vielen Fällen eine statio- 
näre Aufnahme ersetzen, lassen Dauerunterbringun- 
gen vermeiden und sind für eine gestufte Rehabili- 
tation krankenhausentlassener Patienten unabding- 
bar. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß 
durch solche Einrichtungen eine fühlbare Reduk- 
tion vollstationärer Betten und damit eine Entla- 
stung der psychiatrischen Krankenhäuser durch 
eine sinnvollere Unterbringung von nicht wenigen 
ihrer Patienten möglich wäre. Infolge ihrer relativ 
geringen Größe sind diese Einrichtungen auch in 
hervorragender Weise geeignet, den Ansprüchen 
einer gemeindenahen Versorgung gerecht zu wer- 
den. Ihr Fehlen ist ohne Zweifel eine der gravie- 
rendsten Lücken im Bereich extramuraler Versor- 
gung. 

Angesichts der geschilderten quantitativen und 
qualitativen Mängel in der ambulanten Versorgung 
und infolge einer mangelhaften Mitwirkung psych- 
iatrisch bzw. psychotherapeutisch kompetenter 
Mitarbeiter in vielen sozialen und körpermedizini- 
schen Bereichen kann es nicht verwundern, daß 
manche Gruppen psychisch Gestörter innerhalb des 
gegenwärtigen Systems sehr schlecht oder über- 
haupt nicht erfaßt werden. Zu nennen sind bei- 
spielsweise die unter sozial devianten Gruppen 
häufigen psychischen Störungen. Ein weiterer Teil 
solcher nicht erfaßter Patienten ist unter Frührent- 
nern und Sozialhilfeempfängern zu suchen, bei wel- 


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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


chen Berentung und Hilfswürdigkeit aufgrund so- 
matischer Diagnosen erreicht wurde, wodurch eine 
therapeutische und rehabilitative Beeinflussung der 
tatsächlich vorliegenden psychischen Störungen 
unmöglich wird. Ähnliches gilt für Mehrfachbehin- 
derungen. Psychiatrisch-psychotherapeutisch nicht 
erfaßt wird ferner derjenige Anteil an sogen. Kur- 
patienten, bei denen es sich im Grunde um rein 
seelische oder um psychosomatische Störungen 
handelt. Auch weitere Gruppen, beispielsweise die 
der Studenten oder der Gastarbeiter, die beide 
durch eine je anders geartete Randständigkeit 
zur Gesellschaft erhöht psychisch gefährdet sind, 
stellen eine verhältnismäßig größere Zahl solcher 
mangelhaft oder gar nicht erfaßter psychisch Kran- 
ker, Gravierend ist auch die Mangelversorgung von 
alten Menschen mit psychischen Störungen, die 
nicht in Institutionen untergebracht sind und bei 
denen auch die allgemeinärztliche und soziale Be- 
treuung ganz unzureichend ist. Psychogeriatrisch 
Kranke werden zudem selbst dann meist nicht fach- 
psychiatrisch betreut, wenn sie in Heimen oder 
ähnlichen Einrichtungen „versorgt" werden. 
Schließlich stellen psychisch kranke und behinder- 
te Kinder und Jugendliche sowie die Suchtkranken, 
besonders die Alkoholkranken, zwei große Gruppen 
von Patienten dar, deren präventive, behandelnde 
und rehabilitative Versorgung im ambulanten Be- 
reich völlig unzureichend ist. 

Auch die Versorgung von Patienten in akuten Kri- 
sen — beispielsweise von Psychotikern oder von 
Suicidalen — ist infolge der Struktur der gegen- 
wärtigen Versorgung völlig unzureichend. Selbst 
dort, wo eine ambulante Versorgung durch eine 
größere Dichte niedergelassener Nervenärzte rela- 
tiv gut ist, steht diesen das notwendige Instrumen- 
tarium für eine Krisenintervention nicht zur Verfü- 
gung, die in den meisten Fällen eine Intervention 
im persönlichen Umkreis der Betroffenen und so- 
ziale Hilfestellungen erfordert. Auch die Gruppe der 
aus Gründen mangelnder Krankheitseinsicht thera- 
pieunwilligen Patienten ist gegenwärtig angesichts 
des weitgehendst auf Eigeninitiative der Kranken 
abgestellten ambulanten Versorgungssystems nicht 
erfaßbar. 

Die Situation wird dadurch verschärft, daß die für 
die Versorgung wichtigen nicht- ärztlichen Mitarbei- 
ter (Sozialarbeiter, extramurale Pflegekräfte, Psy- 
chologen etc.) im ambulanten Bereich bei dessen 
gegenwärtiger Struktur nicht ausreichend berück- 
sichtigt werden können und angesichts ihrer nicht 
geklärten Eigenverantwortlichkeit auch bei hoher 
Qualifikation in ihrer Tätigkeit nicht voll zum Tra- 
gen kommen. Außerdem fehlen ausreichend ausge- 
bildete Kräfte weitgehend. Soweit sie vorhanden 
sind, sind sie heute überwiegend in mit der Versor- 
gung psychisch Kranker und Behinderter nicht 
koordinierten Bereichen tätig. 

Die gegenwärtige Lage ist über einen quantitativen 
und qualitativen Mangel an bestehenden Einrich- 
tungen hinaus vor allem dadurch gekennzeichnet, 
daß die bestehenden Institutionen meist in einer re- 
lativen Isolierung voneinander arbeiten. Dies ist 
nicht nur durch die Funktionsspaltungen zwischen 


niedergelassenen Nervenärzten und Psychothera- 
peuten (ambulante Behandlung), Beratungsstellen 
(ambulante Beratung), Gesundheitsämtern (admini- 
strative Aufgaben, Zwangseinweisungen) und psych- 
iatrischen Krankenhäusern (stationäre Therapie 
und Unterbringung) bedingt, sondern auch durch 
die unterschiedlichen Trägerschaf ten der einzelnen 
Einrichtungen. Da es im lokalen Bereich keine für 
alle Träger verbindlichen Planungen gibt, hat dies 
nicht selten dazu geführt, daß es zu unkoordinier- 
ten Parallelentwicklungen kam. Selbst in Regionen 
mit numerisch ausreichenden Behandlungskapazitä- 
ten gelingt ein ökonomischer Einsatz der personel- 
len und finanziellen Ressourcen vielfach nicht, da 
in der Regel der Aufbau und Ausbau einzelner 
Dienste notwendigerweise den eher zufälligen In- 
itiativen und Interessen einzelner Persönlichkeiten 
oder Gruppen überlassen blieb. 

Das durchgehende Fehlen von Koordination, Pla- 
nung und Kontrolle verhinderte bisher eine an den 
Bedürfnissen der Patienten ausgerichtete funktio- 
nale Aufteilung der einzelnen Dienste und Einrich- 
tungen sowohl in der stationären wie in der ambu- 
lanten Versorgung. Im extramuralen Bereich kann 
zudem die nicht trennbare, aber auf verschiedene 
Kompetenzen und Institutionen verteilte medizini- 
sche und soziale Betreuung diesen Bedürfnissen 
nicht gerecht werden. Die Unübersichtlichkeit der 
ambulanten Versorgungsstrukturen führt ferner 
nicht selten dazu, daß therapeutisch ungünstige 
und finanziell aufwendige Mehrfachbehandlungen 
in Kauf genommen werden müssen. 

Die Gemeindeferne vieler stationärer psychiatri- 
scher Einrichtungen trägt ebenfalls dazu bei, daß 
eine Koordination oder gar Verflechtung mit den 
gemeindenah angesiedelten ambulanten Diensten 
(niedergelassene Fachärzte und Ärzte, Gesundheits- 
amt, Beratungsstellen) bisher kaum zu verwirkli- 
chen war. Die unangemessene Größe der Einzugs- 
gebiete, die notwendig aus der historisch überkom- 
menen Überdimensionierung der psychiatrischen 
Krankenhäuser selbst resultiert, erschwert die Ver- 
zahnung zwischen stationärem und ambulantem Be- 
reich selbst dort, wo sie aufgrund günstiger äußerer 
Umstände möglich wäre, zumal die Gesundheits- 
fachverwaltung ihre gesetzlich vorgeschriebene 
Koordinationsfunktion nicht wahrnehmen kann und 
nur zu unverbindlichen Empfehlungen berechtigt ist. 

Fehlplacierungen von Patienten sind auch durch 
die fehlende Differenzierung für bestimmte Patien- 
tengruppen bedingt. Dies gilt vor allem für die psy- 
chisch kranken alten Menschen, die Pflegebedürfti- 
gen, aber auch für erwachsene geistig Behinderte, 
Epileptiker, Suchtkranke, strafprozessual Unterge- 
brachte und Dissoziale. Die meisten dieser Patien- 
ten gehören nicht in das psychiatrische Kranken- 
haus, das ihrer Versorgung weit weniger gerecht 
werden kann als eine Placierung in qualifiziert be- 
treuten, gemeindenahen Heimen oder in Sonderein- 
richtungen. Mit großen Bedenken sind allerdings 
Bestrebungen zu verfolgen, psychiatrische Kran- 
kenhäuser dadurch zu entlasten, daß chronisch 
Kranke und geistig Behinderte in Heime oder ähnli- 
che Einrichtungen ausquartiert werden, die selbst 


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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


einfachsten menschlichen Grundbedürfnissen nicht 
entsprechen und nicht einmal Minimalanforderun- 
gen ausreichender Behandlung und Pflege gerecht 
werden. 

Das unabsehbare Misplacement von Patienten im 
gesamten psychiatrischen Versorgungsbereich ist 
das Ergebnis einer Entwicklung, für welche die 
rechtliche und finanzielle Benachteiligung der psy- 
chisch Kranken und Behinderten, die Gemeindefer- 
ne der Krankenhäuser, die Vernachlässigung des 
Aufbaues von Spezialinstitutionen und von komple- 
mentären Einrichtungen, die prinzipielle Spaltung 
ambulanter und stationärer Behandlung, die ausein- 
anderlaufenden Initiativen verschiedener Träger 
und die fehlende Koordination verantwortlich zu 
machen sind. 

Ziel aller Bestrebungen für eine Verbesserung der 
Versorgung psychisch Kranker und Behinderter 
muß eine integrierte, sektorisierte, gemeindenahe 
Psychiatrie sein. Unter Integration ist der koordina- 
tive Einbau aller in der Psychiatrie tätigen Perso- 
nen und Institutionen in ein bedarfsgerechtes Ge- 
samtversorgungssystem zu verstehen. Der Begriff be- 
inhaltet ferner, daß von der Versorgung alle Patien- 
tengruppen mit seelischen Störungen und Behinde- 
rungen erfaßt werden und daß eine kontinuierliche 
und dichte Vor- und Nachsorge gewährleistet ist. Un- 
ter Sektor isierung ist zu verstehen, daß diese Koor- 
dination im Rahmen eines definierten, nach funktio- 
nalen Gesichtspunkten bestimmten geografischen 
Gebietes erfolgt. Abgesehen von überregionalen 
Spezialeinrichtungen ist ein solches „Standardver- 
sorgungsgebiet" in bezug auf die Behandlung der 
von ihm erfaßten Patienten autonom. Gemeindenä- 
he bedeutet Koppelung psychosozialer Versorgung 
mit allen anderen kommunalen Betreuungsstruktu- 
ren und eine möglichst geringe Entfernung aller Be- 
handlungsmöglichkeiten vom Lebensbereich der Pa- 
tienten, um einen Abbruch der sozialen Bezüge zu 
verhindern bzw. eine Wiederaufnahme zu erleich- 
tern. 

Die gegenwärtige Versorgungslage in der Bundes- 
republik Deutschland ist dadurch gekennzeichnet, 
daß keine dieser Forderungen auch nur ansatzweise 
verwirklicht ist. Es wäre daher unrealistisch zu 
glauben, daß die genannten Ziele in naher Zukunft 
und in vollem Umfang erreicht werden könnten. 
Administrative und rechtliche, strukturelle und fi- 
nanzielle Gegebenheiten stehen einer solchen Hoff- 
nung zwingend entgegen. Eine Verbesserung der in 
fast allen Bereichen unvertretbaren gegenwärtigen 
Lage muß sich aber an Zielvorstellungen orientie- 
ren können, die als Rahmenbedingungen jedem 
Schritt einer Reform der Versorgung psychisch 
Kranker und Behinderter zugrunde liegen müssen. 
Nur so können neue Fehlentwicklungen vermieden, 
eine optimale Ausnutzung aller vorhandenen Res- 
sourcen ermöglicht und die Versorgung rationeller 
und gleichzeitig bedarfsgerechter gestaltet werden, 
wobei veränderte Wertvorstellungen über die 
Rechte der Betroffenen und ihre Ansprüche auf so- 
ziale Geltung ebenso berücksichtigt werden müssen 
wie alle Möglichkeiten einer zeitgemäßen Vorsor- 
ge, Behandlung und Wiedereingliederung. 


So haben alle Planungen davon auszugehen, daß 
die Versorgung psychisch Kranker und Behinderter 
der körpermedizinischen Versorgung gleichgestellt 
wird und — wo dies sinnvoll ist — in die Allge- 
meinmedizin reintegriert werden muß. Die Forde- 
rung nach einer Gleichstellung der psychisch Kran- 
ken und Behinderten mit körperlich Kranken bedarf 
jedoch einer ebenso wichtigen Ergänzung. Wesent- 
lich stärker als im Bereich der Allgemeinmedizin 
bestimmen psychologische und soziale Faktoren 
den Charakter psychischer Erkrankungen. Ihre ent- 
scheidende Bedeutung für Manifestation, Verlauf 
und Prognose sind in alle diagnostischen und thera- 
peutischen Überlegungen miteinzubeziehen. Auch 
dort, wo somatische Faktoren bei der Verursachung 
der Erkrankung im Vordergrund stehen — etwa bei 
geistigen Behinderungen, bei Hirntraumen oder 
psychogeriatrischen Störungen — spielen pädagogi- 
sche, psychologische und soziotherapeutische Ver- 
fahren sowie weitere, über den medizinischen Be- 
reich hinausgehende soziale Maßnahmen eine we- 
sentliche Rolle bei Behandlung und Eingliederung. 
Medizinische und psychosoziale Hilfen müssen 
demnach eine Einheit bilden. Beide Elemente lassen 
sich nicht trennen, und es kann nicht eine „medizini- 
sche" einer „sozialen" Psychiatrie gegenüberge- 
stellt werden. Die derzeitige Situation ist aber noch 
von einem solchen Dualismus gekennzeichnet, der 
sich insbesondere in der extramuralen Versorgung 
erschwerend auswirkt. 

Psychiatrische Versorgung hat ferner die Notwen- 
digkeit gestufter therapeutischer, rehabilitativer 
und reintegrativer Maßnahmen und gleitender 
Übergangsmöglichkeiten zu berücksichtigen. Schon 
aus der Forderung einer in jener Richtung jederzeit 
stufbaren Behandlung ergibt sich, daß auch nicht 
eine „intramurale" gegen eine „extramurale" Ver- 
sorgung gestellt werden kann. Versorgung muß 
auch vom Patienten her gesehen eine Einheit bil- 
den, die durch koordinative Verklammerung aller 
die Versorgung tragenden Institutionen verankert 
werden muß. 

Wenn medizinische und soziale Therapie nicht 
trennbar und eine Zerlegung in ein strikt getrenn- 
tes intramurales und extramurales Versorgungssy- 
stem nicht möglich sind, muß jede Reform der Ver- 
sorgung psychisch Kranker und Behinderter schon 
in ihren naheliegendsten Teilschritten auf eine inte- 
grierte Gesamtversorgung zielen. Diese Integration 
bedeutet nicht eine einheitliche Trägerschaft und 
schließt spezialisierte Behandlungs- und Betreu- 
ungsmodalitäten für besondere Patientengruppen 
keineswegs aus. Jede Planung muß aber im Auge 
behalten, daß jede Detailstruktur ein klar definier- 
tes Aufgabengebiet innerhalb eines Gesamtsystems 
haben muß, das für alle Beteiligten möglichst leicht 
durchschaubar wird. Nur dann ist auch der erfor- 
derliche finanzielle Aufwand für eine Verbesserung 
des Versorgungssystem volkswirtschaftlich vertret- 
bar. 

Eine Änderung der Struktur der gegenwärtigen 
Versorgung kann davon ausgehen, daß angesichts 
der modernen pharmakotherapeutischen, so- 
ziotherapeutischen und rehabilitativen Methoden 


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ein weit größerer Anteil psychisch Kranker und Be- 
hinderter ambulant behandelt oder im flankieren- 
den Bereich komplementärer Einrichtungen ver- 
sorgt werden kann. Nur ein Teil der heute in den 
psychiatrischen Krankenhäusern aufgenommenen 
Kranken bedarf der vollen stationären Behandlung. 
Für viele ihrer heutigen Patienten würde sich eine 
teilstationäre Aufnahme schon deshalb empfehlen, 
weil diese einen Abbruch der sozialen Beziehungen 
bereits dadurch verhindert, daß ihre Patienten sich 
nicht durchgehend in diesen Institutionen befinden. 
Für Patienten, deren Unterbringung eher soziale 
und fürsorgerische Gesichtspunkte als Behand- 
lungsnotwendigkeiten zugrundeliegen, ist die Pla- 
cierung in Institutionen von Heimcharakter sinn- 
voller, zumal sie in Folge der größeren räumlichen 
und stilistischen Nähe zu den Lebensbereichen der 
Gesunden ihren Bewohnern einen breiteren Entfal- 
tungsspielraum gewähren. Für viele der Patienten 
ist aus rehabilitativen Gründen die frühzeitige Ver- 
bindung von Behandlungs- und Wiedereingliede- 
rungsmaßnahmen in speziellen rehabilitativen Dien- 
sten wichtig. Schließlich kann bei einer sicher 
nicht kleinen Gruppe heute stationär Behandelter 
die Versorgung sich bei geeigneter Organisations- 
form auf Kriseninterventionen sowie ambulante Be- 
handlungs- und Beratungskontakte beschränken. 

Voraussetzung für eine derartige Verlagerung der 
Schwerpunkte auf den extramuralen Bereich ist je- 
doch der Aufbau, die Weiterentwicklung und die 
Koordination einer nicht geringen Anzahl von bera- 
tenden, ambulanten, teilstationären, komplementä- 
ren und rehabilitativen Diensten. 

Die Sachverständigen-Kommission wird in ihrem 
Bericht konkrete Vorschläge für solche Dienste ma- 
chen und deren jeweilige Voraussetzungen, Ausge- 
staltung und Aufgabenbereiche ausführlich be- 
schreiben. An dieser Stelle sollen daher noch ein- 
mal diejenigen Gesichtspunkte hervorgehoben wer- 
den, welche die Anregungen der Arbeitsgruppe 
„Extramurale Dienste" entscheidend mitbestimmt 
haben. 

Die Bedeutung teilstationärer, komplementärer und 
rehabilitativer Dienste für eine gemeindenahe, ex- 
tramural und rehabilitativ orientierte Versorgung 
kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Ohne 
ihre Existenz wird eine Entlastung des Bettensek- 
tors unmöglich, sind unnötige stationäre Aufnah- 
men kaum zu reduzieren, sind die Chancen von 
Wiedereingliederungsversuchen vermindert. Der 
quantitative Bedarf an solchen Einrichtungen mag 
schwer schätzbar sein, weil jede Entwicklung in 
diesem Bereich von der Weiterentwicklung in an- 
deren Bereichen abhängt. So können beispiels- 
weise Nachtkliniken bei gut ausgestatteten Über- 
gangsheimen im örtlichen Bereich weniger wichtig 
sein oder kombinierte Übergangs- und Wohnheime 
in einer Aufbauphase zu bevorzugen sein. Ein 
Überangebot ist aber praktisch deshalb kaum denk- 
bar, weil alle diese Einrichtungen in hervorragen- 
dem Maße in der Lage sind, kompensatorisch an 
die Stelle von solchen Hospitalisierungen zu treten, 
die letztlich auf dem Mangel an geeigneten thera- 
peutischen, rehabilitativen und sozialen Einrichtun- 


gen beruhen. Da sie ihren Patienten in fast allen 
Fällen eine zumindest in den heuligen psychiatri- 
schen Krankenhäusern meist nicht vorhandene 
Möglichkeit zur Verwirklichung eigener Bedürf- 
nisse bieten, können sie zudem in wesentlicher 
Weise dem Anliegen einer Humanisierung der Psy- 
chiatrie gerecht werden. 

Die Planung neuer Institutionen muß an dem Kon- 
zept einer regionalen Versorgung orientiert sein. 
Zur Gewährleistung der erforderlichen Gemeinde- 
nähe sollten diese Institutionen in größeren Städten 
und Großstädten sowie in Ballungsräumen im Kern- 
gebiet liegen, in überwiegend ländlichen Gegenden 
in möglichst zentral gelegenen Kleinstädten. Auf 
keinen Fall darf die Neugründung psychiatrischer 
Institutionen die strukturelle Fehlentwicklung bei 
der Anlage unserer Großkrankenhäuser wiederho- 
len. Das Prinzip der Nähe zum geographischen Le- 
bensraum der Patienten ist gegenüber allen ande- 
ren Überlegungen vorrangig. Für Tages- und 
Nachtkliniken versteht sich dies wegen des täglich 
notwendigerweise zu bewältigenden Weges von 
selbst. Das gleiche Prinzip gilt aber auch beispiels- 
weise für geriatrische Sondereinrichtungen, um ge- 
rade alten Menschen noch eine möglichst große 
Dichte von nichtartifiziellen Sozialkontakten zu er- 
möglichen. Auch überregionale Sondereinrichtun- 
gen für bestimmte Patientengruppen (psychisch 
kranke Kinder und Jugendliche, Suchtkranke, Al- 
koholkranke, Epileptiker) sollten den Gesichtspunkt 
tragbarer Entfernung für Besuche und Beurlaubun- 
gen berücksichtigen. 

Für die auf lange Sicht anzustrebende volle Sekto- 
risierung der Patientenversorgung ist die Einrich- 
tung stationärer psychiatrischer Behandlungszen- 
tren im Standardversorgungsgebiet selbst erforder- 
lich. Es könnte sich im Prinzip hierbei auch um 
selbständige kleinere psychiatrische Krankenhäuser 
handeln. Im Hinblick auf die erheblichen Schwie- 
rigkeiten beim Bau solcher Einrichtungen im Kern 
eines Versorgungsgebietes sowie angesichts der 
Möglichkeiten, die das Krankenhausfinanzierungs- 
gesetz bietet, empfiehlt sich jedoch dringend eine 
Realisierung über die Einrichtung psychiatrischer 
Abteilungen an Allgemeinkrankenhäusern. Nur 
über diesen Weg, der zudem den Vorteil der Rück- 
bindung der Psychiatrie an die Allgemeinmedizin 
und die damit verbundene Reduzierung der Diskri- 
minierung psychisch Kranker beinhaltet, wird in 
absehbarer Zeit eine Dezentralisierung in breiterem 
Ausmaß in Gang gesetzt werden können. Dies wird 
allerdings nur dann gelingen, wenn innerhalb sol- 
cher psychiatrischer Abteilungen von vornherein 
der Gefahr einer Auswahl in Richtung einer 
„Edelpsychiatrie" durch eine Selektion behand- 
lungsgünstiger Patienten entgegengesteuert wird. 
Die Einrichtung psychiatrischer Abteilungen ist 
deshalb nur dann sinnvoll, wenn gleichzeitig das 
beschriebene differenzierte Angebot an stationären 
und teilstationären Einrichtungen im Heimsektor 
geschaffen wird. 

Es ist zu überlegen, ob in bestehenden großen psy- 
chiatrischen Krankenhäusern dort, wo die Planung 
eines Standardversorgungsgebietes innerhalb ihres 


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Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


jetzigen Einzugsgebietes übersehbar wird und wo 
dies personell und räumlich möglich ist, als vorbe- 
reitender Schritt die Patienten der großen Funkti- 
onsbereiche — psychiatrische Akutbehandlung, 
Rehabilitationsbereich für chronische Patienten, 
Geriatrie — in dem Sektor zugeordneten Teilberei- 
chen behandelt werden sollten. Dadurch würden so- 
wohl den Patienten wie dem zugehörigen Behand- 
lungsteam die Orientierung auf die sektorisierte 
Versorgung, insbesondere im extramuralen Bereich, 
erleichtert und die hier nötigen Kontakte geschaf- 
fen bzw. verbessert. So lange ausreichende statio- 
näre Behandlungsmöglichkeiten im Standardversor- 
gungsgebiet selbst noch fehlen, könnten komple- 
mentäre und teilstationäre Einrichtungen die Funk- 
tion vorgelagerter Dienste der Landeskrankenhäu- 
ser erfüllen. In ländlichen Regionen, in denen die 
stationäre Versorgung in gewissem Umfange zen- 
tralisiert bleiben muß, werden sie in vielen Fällen 
diese Satellitenfunktion sinnvollerweise beibehal- 
ten, wobei hier eine Streuung relativ kleiner Insti- 
tutionen empfohlen werden muß. Die neuen Institu- 
tionen würden selbst nach einer optimalen Realisie- 
rung in aller Regel ja nicht zur Auflösung der 
psychiatrischen Landeskrankenhäuser führen. Diese 
könnten vielmehr später, befreit von der gegenwär- 
tigen, eine fruchtbare Arbeit erschwerenden Über- 
belastung und Überbelegung, den Kern eines eige- 
nen regionalen Versorgungsgebietes bilden und 
gleichzeitig spezielle Aufgaben auf der übergeord- 
neten Versorgungsebene übernehmen. 

Eine zu den bestehenden Angeboten komplementä- 
re Versorgung ist auch im ambulanten Behand- 
lungsbereich selbst geboten. Der niedergelassene 
Nervenfacharzt kann durch seine Placierung in der 
Gemeinde den ambulanten Versorgungsbedarf vor 
allem für solche Patienten abdecken, die eigentli- 
cher sozialpsychiatrischer Maßnahmen nicht bedür- 
fen und auch heute das überwiegende Klientel in 
der freien Praxis bilden. Soweit möglich, sollten 
Praxen niedergelassener Nervenärzte zur Versor- 
gung dieser Patientengruppen auch in z. Z. nerven- 
arztfreien Zonen eingerichtet werden, zumal die 
Mitwirkung der niedergelassenen praktischen Ärzte 
nur bei ausreichend häufigen Kontakten des Patien- 
ten zu einem in der Nähe befindlichen Fach- 
psychiater vertretbar ist. 

Vor allem aber muß die Nachsorge aus stationärer 
Behandlung entlassener Patienten gesichert werden. 
Aus den eingangs geschilderten Gründen ist dies 
nicht der Fall; in ländlich-kleinstädtischen Regio- 
nen ist die Situation gravierend. Der Beitrag der 
nervenärztlichen Praxis ist hier, wie Untersuchun- 
gen ergaben, nur ganz gering. Wegen der erhöhten 
Rückfallgefährdung in der nach der Entlassung aus 
stationärer Behandlung bestehenden Risikoperiode 
muß aber gewährleistet sein, daß die Therapie 
nicht abgebrochen wird. Forderungen zur Nachsor- 
gestruktur müssen dabei berücksichtigen, daß bei 
den häufig sozial isolierten psychotischen Patienten 
während der Behandlung entstandene Bindungen 
sinnvoll sind, aber nur dann zum Tragen kommen 
können, wenn ihre Kontinuität gewahrt bleibt. Ge- 
rade diese Kranken sind einem Wechsel der Thera- 
peuten unmittelbar nach der Entlassung oft auch 


dann nicht gewachsen, wenn eine relative Dichte 
des freien Versorgungsnetzes und eine funktionie- 
rende Uberweisungspraxis ihn theoretisch ermögli- 
chen würden. Auch können solche Patienten, die 
aus krankheitsbedingen Gründen die Notwendig- 
keit einer Nachbehandlung häufig nicht einsehen 
können, durch die Institution selbst eher bewogen 
werden, sich der Nachsorge nicht zu entziehen. 
Schließlich bedürfen gerade die Kranken aus den 
genannten Gruppen, die — im Gegensatz zur Zu- 
sammensetzung der nervenärztlichen Klientel — 
bei den Aufnahmen in die psychiatrischen Kran- 
kenhäuser überwiegen, in hohem Maße neben den 
eigentlichen medizinischen Maßnahmen stützender 
sozialer Hilfen und sozialtherapeutischer Bemühun- 
gen. Die Notwendigkeit einer komplementären am- 
bulanten Versorgung durch Institutionen stellt sich 
aber auch in Ballungsgebieten schon deshalb, weil 
der niedergelassene Nervenarzt wegen fehlender 
integrierter sozialer Hilfsmöglichkeiten sozialpsych- 
iatrische Betreuungsaufgaben in der Regel nicht 
übernehmen kann. Einer Erweiterung der nerven- 
ärztlichen Tätigkeit auf solche Aufgaben stehen 
gegenwärtig aber die eingangs geschilderten Gege- 
benheiten entgegen. 

Vor allem in Hinblick auf die Notwendigkeiten ei- 
ner wirksamen Nachsorge muß daher nachdrück- 
lich gefordert werden, daß stationären Behand- 
lungseinrichtungen grundsätzlich die Möglichkeit 
ambulanter, untersuchender und behandelnder Tä- 
tigkeit gewährt werden muß. Neben ihrer wichtig- 
sten Funktion in der Nachsorge werden ambulante 
Dienste an Institutionen im Sinne einer auch dia- 
gnostisch orientierten Vorschaltambulanz dazu bei- 
tragen können, vollstationäre Aufnahmen von Pa- 
tienten zu vermeiden, den Patientenfluß nach Mög- 
lichkeit in teilstationäre und flankierende Einrich- 
tungen zu kanalisieren und sinnvolle Zuweisungen 
vorzunehmen. Diese entlastende Funktion sollte in 
Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Nerven- 
ärzten und gegebenenfalls durch Überweisung an 
diese erfolgen. Die Vermeidung von stationären 
Aufnahmen durch Weiterleitung oder durch die ei- 
gene Übernahme von Behandlung und psychosozia- 
ler Betreuung scheint nicht zuletzt aus ökonomi- 
schen Gründen erforderlich, weil sie anstelle teurer 
vollstationärer Behandlung dazu führen kann, daß 
weniger kostenintensive, aber deswegen keines- 
wegs weniger wirksame Behandlungsmöglichkeiten 
genutzt werden und hierdurch eine Reduktion der 
sonst benötigten Bettenzahl erwartet werden kann. 

Institutionsgebundene Ambulanzen werden auch 
konsiliarische Funktionen erfüllen müssen. Sie wer- 
den besonders dann, wenn es sich um funktionell 
mit der Institution verklammerte oder Satellitenein- 
richtungen handelt, die komplementären und reha- 
bilitativen Dienste konsiliarisch betreuen. Sie ha- 
ben in nervenärztlich unterversorgten Gebieten 
aber beispielsweise auch die Aufgabe, Patienten 
anderer Fachdisziplinen, etwa primär auf internisti- 
schen Abteilungen behandelte Alterskranke oder 
Suicidpatienten, zu betreuen und nach einer Entlas- 
sung nachzuversorgen, wenn deren Zustand dies er- 
fordert. Eine ambulante Nachbetreuung durch den 
konsiliarisch tätig gewesenen Psychiater wird in 


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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


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der Regel auch wahrgenommen, wenn er sie anbie- 
ten k.ann. 

Komplementäre ambulante Behandlungsmöglichkei- 
ten an Institutionen können im Prinzip an alle vor- 
handenen bzw. neu zu schaffenden ärztlich geleite- 
ten Versorgungseinrichtungen angegliedert werden. 
Sie sind zweckmäßigerweise dort anzubinden, wo 
der Schwerpunkt der Versorgung liegt, da hier so- 
ziale Hilfen rationell und komplikationslos angebo- 
ten und mit der ärztlichen Behandlung schwerelos 
koordiniert werden können. Unter Mitwirkung 
nicht- ärztlicher Mitarbeiter könnte auch die her- 
kömmliche Außenfürsorge der psychiatrischen 
Krankenhäuser durch ein ihr zugestandenes Be- 
handlungsrecht in Konzentrationskernen ihres Ein- 
zugsgebietes die beschriebenen Funktionen über- 
nehmen, wenn hier andere für eine Anbindung von 
Ambulanzen geeignete psychiatrische Institutionen 
nicht oder noch nicht vorhanden sind. 

Nachbehandlungsfunktionen können selbstver- 
ständlich auch von nicht institutionsgebundenen 
ambulanten Zentren übernommen werden. Solche 
Einrichtungen müssen insbesondere für spezielle 
Patientengruppen wie die der psychisch kranken 
alten Menschen, der Alkohol- und Suchtkranken, 
der Epileptiker und der psychisch kranken Kinder 
und Jugendlichen eingerichtet werden und neben 
den Voraussetzungen für diagnostische Bedürfnisse 
die nötige personelle Ausstattung für nachsorgende 
extramurale Funktionen im Sinne einer multiprofes- 
sionellen Betreuung erhalten. Inwieweit die Institu- 
tionen der Gesundheitsfachverwaltung behandelnde 
Nachsorgefunktionen wirksam übernehmen werden, 
wird von der weiteren Entwicklung abhängen. 

Für die Realisierung ambulanter Tätigkeiten an In- 
stitutionen gibt es innerhalb des in der Reichsversi- 
cherungsordnung geregelten Systems der ambulan- 
ten ärztlichen Versorgung mehrere Möglichkeiten. 
Es ist allerdings zu fragen, ob die in letzter Zeit et- 
was häufiger realisierten Beteiligungen und Er- 
mächtigungen leitender Krankenhausärzte und an- 
derer Ärzte den Notwendigkeiten gerecht werden. 
Die Modalitäten von Ermächtigungen und auch Be- 
teiligungen an der kassenärztlichen Versorgung 
werden besonders dann nicht befriedigen, wenn sie 
angesichts ihrer einengenden Delegationsvorausset- 
zungen das in den Institutionen vorhandene fach- 
liche Potential der Mitarbeiter nur begrenzt bzw. 
nur bei nicht legaler Ausweitung der Bestimmun- 
gen zum Zuge kommen lassen. Zudem können die 
Aspekte individueller Leistungsvergütung zu — der 
Aufgabe nicht dienlichen — Komplikationen und 
die Ausweitung der Nebentätigkeit zu unüberwind- 
baren Schwierigkeiten bei den Trägern der Institu- 
tionen führen. Die Einbeziehung der Institution 
selbst als ermächtigter Leistungsträger im Sinne ei- 
nes sogenannten „Institutsvertrags" kommt den aus 
poliklinischen Universitätsbereichen geläufigen, 
unkomplizierteren Modalitäten näher und ist auch 
deshalb unproblematischer, weil sie den uneinge- 
schränkten Miteinsatz der nicht- ärztlichen Mitarbei- 
ter der Institution für die soziale Nachbetreuung 
ermöglicht. Zur Wahrnehmung der beschriebenen 
Aufgaben muß auch eine medizinische Maßnahmen 


einschließende Versorgung außerhalb des Kranken- 
hauses abgesichert sein, weil nur dadurch die neu 
zu organisierende bisherige Außenfürsorge zu einer 
eigentlichen Wirksamkeit gelangen kann. 

Die Tätigkeit ambulanter Dienste an Institutionen 
wird sich in Gebieten mit einer relativen Dichte 
freier Nervenarztpraxen zum gegenwärtigen Zeit- 
punkt auf die Wahrnehmung der Nachsorge und 
weiterer Maßnahmen zur Rehabilitation, auf kom- 
plementäre Funktionen zur Gewährleistung inte- 
grierter sozialer Hilfen, auf ambulante Untersu- 
chungen und Behandlungen zur Vorbeugung von 
Rückfällen bzw. Verhütungen von stationären Auf- 
und Wiederaufnahmen, auf Kriseninterventionen 
sowie auf konsiliarische Betreuung und Behandlung 
beschränken können. In unterversorgten Gebieten 
entfallen diese Einschränkungen, sofern und solan- 
ge hier nur die stationär behandelnden Institutio- 
nen fachpsychiatrische Ambulanzfunktionen über- 
nehmen können. 

Die Organisationsform der von Institutionen zu lei- 
stenden extramuralen ambulanten Arbeit wird sich 
an den Erfordernissen orientieren müssen. Eine 
vielseitig gefächerte Betreuung und eine besonders 
große Flexibilität kann von mültiprofessionell orga- 
nisierten und als Team arbeitenden psychiatrischen 
Diensten angeboten werden. Sie sind in hervorra- 
gender Weise in der Lage, notwendige Kontakte zu 
allen für die psychiatrische Versorgung wichtigen 
Personen und Institutionen im sozialen Umfeld der 
Patienten wahrzunehmen. Diese Organisationsform 
als sogenanntes mobiles Team ermöglicht eine be- 
wegliche und primär koordinierte extramurale 
Wirksamkeit psychiatrischer Versorgung. Sie er- 
laubt eine gezielte und schnelle Hilfe insbesondere 
dort, wo eine Verflechtung medizinischer und so- 
zialer Bedürfnisse sichtbar wird und wo deren 
wechselseitige Bedingtheit zu Krisen führt. Die 
Möglichkeit, auch am Ort der aufgetretenen oder 
drohenden Schwierigkeiten selbst, z. B. der Woh- 
nung oder dem Arbeitsplatz, eingreifen zu können, 
kann in dieser Weise von keiner anderen Form am- 
bulanter Betreuung geboten werden. Auch bei lang- 
fristiger ambulanter Versorgung ist es solchen 
Organisationsformen schwerelos möglich, direkt im 
persönlichen Umkreis der Betroffenen Hilfen zu ge- 
ben und damit oft ein Klientel zu erreichen, das aus 
der Versorgung herauszufallen droht. Damit kön- 
nen solche Dienste auch Rückfälle und Verschlim- 
merungen auffangen, die sich ohne ihre Wirksam- 
keit zu einem Grade steigern würden, der eine Ein- 
weisung unvermeidbar macht. Multiprofessionelle 
psychiatrische Dienste können auch Fehlplacierun- 
gen von Patienten und Fehlberatungen in ungeeig- 
neten öffentlichen Sozialinstitutionen korrigieren 
und angesichts ihrer vielseitigen Fachkompetenz in 
solchen Institutionen beratend tätig sein. 

Entscheidend für die Wirksamkeit solcher Dienste 
ist die verantwortliche Einbeziehung ihrer nicht- 
ärztlichen Mitarbeiter. Auch in dem bisher wenig 
erforschten präventiv-psychohygienischen und pro- 
phylaktischen Bereich, etwa in der Kinder- und Ju- 
gendpsychiatrie, ebenso in der Alterspsychiatrie 
und auch in der Arbeits- und Wohnwelt risikoge- 


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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


fährdeter Erwachsener, werden gerade auf dem Ge- 
biet ambulanter und mobiler Versorgung die nicht- 
ärztlichen Therapeuten in Zukunft eine zentrale 
Rolle spielen. 

Eine solche Rolle wird ihnen auch im Bereich 
psychiatrischer und psychotherapeutischer Arbeit 
im Vorfeld manifester Erkrankungen zukommen. Ein 
funktionierendes Netz ambulanter Versorgung muß 
auch eine möglichst frühzeitige Erfassung psychi- 
scher Erkrankungen gewährleisten. Entscheidend 
ist hier eine gesicherte Zusammenarbeit psychiatri- 
scher, vor allem aber psychotherapeutischer Fach- 
instanzen mit allen jenen Institutionen und Stellen, 
in denen psychische Auffälligkeiten oder Schwie- 
rigkeiten primär wahrgenommen werden können 
(Sozialbehörden, Schulen, Kindergärten usw.). Die 
eigentliche psychotherapeutische Versorgung kann 
nur durch entscheidende Vermehrung und gestreu- 
tere Placierung psychotherapeutischer Fachkompe- 
tenzen und deren Akzentuierung auf eine direkt pa- 
tientbezogene Arbeit gesichert werden. Hierbei 
müssen neben den traditionellen tiefenpsycholo- 
gisch fundierten auch sonstige psychotherapeuti- 
sche Methoden ausreichend einbezogen und eine 
Beschränkung des Klienteis auf verbalisations- und 
reflexionsfähige Angehörige der sozialen Mittel- 
schicht vermieden werden. Psychotherapeutische 
Betreuung wird schon aus ökonomischen Gründen 
vielfach im Rahmen gruppentherapeutischer Moda- 
litäten zu organisieren sein. Solche Organisations- 
formen ermöglichen auch eher die Einbeziehung 
gegenwärtig nicht erfaßter Patienten aus sozial 
randständigen Gruppen. 

Arbeit im Vorfeld eines integrierten Versorgungs- 
systems leisten auch die Beratungsstellen. Die für 
die extramurale Versorgung unbedingt zu fordern- 
de Vermeidung dysfunktionaler Mehrfachbehand- 
lungen und -betreuungen und fachinkompetenter 
Betreuungsmodalitäten psychisch Kranker kann nur 
dadurch gewährleistet werden, daß einerseits eine 
institutionalisierte konsiliarisch-psychiatrische und 
psychotherapeutische Fachfähigkeit gesichert wird, 
die gegebenenfalls den Zugang zur Behandlung ga- 
rantiert. Andererseits muß die Koordination der Be- 
ratungsstellen untereinander und mit psychiatri- 
schen und psychotherapeutischen Instanzen ent- 
scheidend verbessert werden. Die Beratungsstellen 
wollen und können sicher nicht voll in die Versor- 
gung einbezogen werden, da sie mit Ausnahme spe- 
zieller psychiatrischer Beratungsdienste auch oder 
überwiegend eigenständige Aufgaben erfüllen. Die 
Anhörung der Experten der Beratungsstellen hat 
aber gezeigt, daß diese für die auch von ihnen als 
unabdingbar erachtete Koordination die Schaffung 
lokaler Koordinierungsgremien erwarten. 

Mit den letzten Hinweisen ist das zentrale Problem 
jedes Versorgungssystems, die Koordination aller 
beteiligten medizinischen und sozialen Institutionen 
und aller in ihren Tätigen angesprochen. Denn eine 
gemeindenahe, bedarfsgerechte Versorgung ist in 
einer pluralistisch organisierten Gesellschaft darauf 
angewiesen, daß alle an der Versorgung beteiligten 
Personen und Einrichtungen Zusammenwirken. 


Von einem bedarfsgerechten Versorgungssystem 
kann aber erst dann gesprochen werden, wenn alle 
Patienten jeweils Zugang zu demjenigen Ort ge- 
winnen können, der dem Grad ihrer Behinderung 
entspricht und innerhalb des definierten geografi- 
schen Areals des Standardversorgungsgebietes die 
einzelnen Angebote so aufeinander abgestimmt 
sind, daß sie mit den Bedürfnissen der zu versor- 
genden Bevölkerung deckungsgleich werden. Der 
Entwicklung eines solchen bedarfsgerechten Sy- 
stems stehen aber alle jene Erschwerungen entge- 
gen, die eingangs ausdrücklich aufgezeigt wurden 
und auf die schon bei der Schilderung angestrebter 
Veränderungen immer wieder Bezug genommen 
werden mußte. 

Es ist zu wünschen, daß auf einer ersten Ebene die- 
sen Notwendigkeiten dadurch Rechnung getragen 
wird, daß Mitarbeiter und Träger der Institutionen 
im örtlichen Bereich sich zusammenfinden und sich 
auf eine bedarfsgerechtere Verteilung ihrer Arbeit 
einigen. Solche Initiativen, die auf der Basis einer 
freiwilligen Motivation den Vorzug stetigen Aus- 
tausches und kollegialer gegenseitiger Kontrolle 
bieten, müssen in jeder Hinsicht begrüßt und mit 
Nachdruck gefördert werden. Angesichts der ver- 
schiedenen Arbeitsweisen und Interessen der Insti- 
tutionen und ihrer Mitarbeiter, den übergeordneten 
Interessen ihrer vielfältigen Träger, der Spaltung 
der Aufgaben der Gesundheitsfachverwaltung in ei- 
nen administrativen und fürsorgerischen Bereich 
sowie ihrer Unfähigkeit, die ihnen zugedachten 
Entwicklungsaufgaben auch tatsächlich zu überneh- 
men, scheint es aber fraglich, ob die komplizierte 
Problematik der Dysfunktionalität der gegenwärti- 
gen Lage durch solche vom good-will abhängigen 
und damit im Konfliktfall immer unverbindlichen 
Koordinationsbestrebungen bewältigt werden kann. 

Für eine wirksame Koordination und Planung unab- 
dingbar sind daher geeignete, die einzelnen Initiati- 
ven aufnehmende, sie übergreifende und gewich- 
tende Gremien auf verschiedenen Ebenen der Pla- 
nung und Versorgung, welche klare und ausrei- 
chende Befugnisse haben. In Zusammenarbeit mit 
übergeordneten Instanzen wären die Aufgaben sol- 
cher Gremien, die Planung im Versorgungsgebiet 
voranzutreiben und durchzusetzen, nicht funktio- 
nierende und fehlende Verbindungen zwischen den 
Institutionen gegebenenfalls selbst herzustellen, de- 
ren Koordination sicherzustellen und sie dahin ge- 
hend zu steuern, daß die einzelnen Einrichtungen, 
die ihnen innerhalb des Versorgungssystems zuge- 
dachten Funktionen auch tatsächlich erfüllen. Nur 
dadurch kann gewährleistet werden, daß die für 
den jeweiligen Krankheitszustand eines Patienten 
indizierten Behandlungsmöglichkeiten auch zur 
Verfügung stehen. Nur dann wird ein integriertes 
Versorgungssystem mehr leisten können als die 
Summe seiner an ihm beteiligten Institutionen. 

Konsequenzen einer bedarfsgerechten Versorgung 
ergeben sich auch in bezug auf alle an ihr beteilig- 
ten Berufsgruppen. Eine extramural akzentuierte 
Versorgung und breit gefächerte psychosoziale Hil- 
fen erfordern neue Kooperationsformen. Die aus 
dem Krankenhauswesen der Körpermedizin über- 
kommene, strikt an die ärztliche Leitung der Insti- 


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tution geknüpfte und hierarchisch gestufte Wei- 
sungsgebundenheit untergeordneter Mitarbeiter ist 
zur Bewältigung der anstehenden Aufgaben bei- 
spielsweise in teiistationären oder nicht-ärztlich ge- 
leiteten Institutionen im Heimbereich sowie in wei- 
ten Bereichen ambulanter extramuraler Arbeit (psy- 
chiatrische Sozialarbeit, Gemeindepsychiatrie) in 
ihrer traditionellen Form nicht geeignet. Dies ist 
schon deshalb nicht der Fall, weil diese Arbeit eine 
flexible Einbeziehung nicht institutionsgebundener 
Mitarbeiter, z. B. niedergelassener Nervenärzte oder 
Mitarbeiter des Gesundheitsamtes und der Sozial- 
behörden, erforderlich macht. 

Behandlung, Betreuung und Wiedereingliederung 
psychisch Kranker und Behinderter erschöpft sich 
zudem nicht in medizinischen Kategorien, die in 
manchen Bereichen der konkreten Arbeit oft auch 
wenig Hilfe geben können. Pädagogische, psycholo- 
gische, psychotherapeutische, soziotherapeutische 
und soziale Methoden werden schon heute über- 
wiegend von nicht-ärztlichen Mitarbeitern durchge- 
führt und erfordern insbesondere in der extramura- 
len Arbeit oft unaufschiebbare Entscheidungen, die 
durch eine — - oft über mehrere Delegationsstufen 
laufende — Rückbindung an die Entscheidungs- 
kompetenz eines Leiters nur sehr formal und bei 
Nichtzugehörigkeit des therapeutisch Handelnden 
zur Institution überhaupt nicht abgesichert sind. 

Die Übernahme präventiver, beratender, behandeln- 
der, betreuender und begleitender sowie rehabilita- 
tiver Aufgaben beinhaltet daher eine bisher für die- 
se Gruppe von Mitarbeitern unbekannte Eigenver- 
antwortung. Die de facto durch die Differenzierung 
der Behandlungsmethoden schon jetzt erfolgte Ab- 
grenzung der Aufgabenverteilungen zwischen Ärz- 
ten und den übrigen Berufsgruppen macht eine Klä- 
rung und Fixierung der rechtlichen Stellung der 
nicht- ärztlichen Therapeuten insbesondere auf dem 
extramuralen Sektor notwendig. Es kann nur im In- 
teresse einer möglichst breiten und dabei arbeits- 
ökonomischen Versorgung psychisch Kranker und 
Behinderter liegen, wenn — wie dies beispielsweise 
auch bei den klinisch tätigen Psychologen der Fall 
ist — bisher als ärztliche Hilfskräfte angesehene 
Berufsgruppen differenzierte therapeutische Metho- 
den anwenden und vervollständigen und berufsspe- 
zifische Behandlungs- und Betreuungsformen in die 
Behandlung einbringen, zu welchen der Arzt viel- 
fach keine unmittelbare Beziehung hat. 

Die mit dem Problem der Verantwortung aufgewor- 
fene Frage nach einem Verständnis, welches den 
Arzt als alleinigen Träger therapeutischer Funktio- 
nen sieht, stellt sich jedoch nicht nur durch die in- 
tra- und interinstitutionelle Auffächerung extramu- 
raler Arbeit. Sie ist auch nicht nur — wie dies 
manchmal in verkürzter Argumentation zu hören 
ist — durch die unbestreitbare Tatsache begründet, 
daß nicht-ärztliche Psychotherapeuten intensiver, 
die Krankenschwester enger und kontinuierlicher, 
der Arbeitstherapeut wirklichkeitsnäher und der 
Sozialarbeiter im — dem Arzt nicht erreichbaren — 
konkreten sozialen Umfeld mit ihren Patienten in 
Beziehung stehen. Die Bedeutung dieser Berufe, die 
Forderung nach neuen Kooperationsformen und ei- 


nem veränderten Führungsstil, liegt vielmehr in der 
Ausrichtung solcher Tätigkeiten auf einen gerade 
in der extramuralen Psychiatrie unverzichtbaren 
Behandlungsrahmen und auf das Erfordernis, mit 
den Patienten in einer Weise umzugehen, die sich 
nicht an den Umgangsmustern traditioneller Pflege, 
fürsorgerischer Autorität und distanzierter Anord- 
nungen orientieren kann. 

Mit dem traditionellen therapeutischen Stil kusto- 
dialer Verwahrung, kommunikationsfeindlicher Bin- 
nenstrukturen und passivierender Anordnungen 
lassen sich die Aufgaben extramuraler Psychiatrie 
nicht bewältigen, ausreichende Bindungen zu sich 
nicht als Kranke verstehenden Klienten nicht her- 
stellen, ihre Motivation für eine freiwillige Einfü- 
gung in institutioneile und methodische Behand- 
lungs- und Rehabilitationsgefüge nicht wecken, die 
grundsätzlich offenen komplementären Einrichtun- 
gen nicht betreiben. Dies gelingt selbst dann nicht, 
wenn aus einer stationären Behandlung weiterge- 
leitete Patienten unvermittelt übernommen werden 
sollen, ohne daß auch die zuweisende Institution 
den unverzichtbaren Voraussetzungen eines zeitge- 
mäßen therapeutischen Stils entspricht. 

Gerade die Analysen der Binnenstrukturen psychia- 
trischer Großkrankenhäuser und des Verhaltens 
lange hospitalisierter Patienten haben gezeigt, wel- 
chen Einfluß ein institutionelles Ordnungsgefüge, 
der Führungsstil und die Kooperations- und Um- 
gangsformen der Mitarbeiter nicht nur auf die Ein- 
stellungs- und Reaktionsweisen der Patienten, son- 
dern auch auf den Krankheitsverlauf selbst haben 
können. Die Bemühungen zur Überwindung eines 
Behandlungssystems, das den Patienten als Gegen- 
stand diagnostischer Bemühungen und Empfänger 
therapeutischer Maßnahmen zur Passivität verur- 
teilte, gehen davon aus, daß sich die Aktivierung 
und Verselbständigung der Kranken und Gestörten 
nur in einem flexiblen und durchschaubaren sozia- 
len Gefüge vollziehen kann, in welchem Grundmu- 
ster der Interaktion und der sozialen Existenz 
wahrgenommen und erlernt werden können und in 
dem der Patient sich als Mitglied einer Gemein- 
schaft verstehen kann. Seine Situation gerade in 
der teilstationären Einrichtung, im Wohnheim, im 
Club oder in der Rehabilitationswerkstatt gestattet 
aber in besonderer Weise die therapeutische Nut- 
zung vielfältiger Gruppenprozesse, die durch die in- 
tensive Kommunikation der Patienten untereinan- 
der und mit den therapeutischen Mitarbeitern er- 
möglicht werden und dem Kranken eine besonders 
realitätsbezogene Chance aktiver Mitwirkung ge- 
statten. 

Die in einer solchen Struktur des therapeutischen 
Feldes veränderte Rolle des Patienten und die aus 
ihr resultierende Anhebung seines sozialen Status 
verringern das Gefälle zwischen den eingeschränk- 
ten Lebensumständen in der therapeutischen Situa- 
tion — die ihn nach traditionellem Verständnis von 
seinen normalen Rollenverpflichtungen entbindet 
— und den Gegebenheiten der gesunden Umwelt. 
Sie erlaubt es, daß der Kranke und Behinderte mit 
den Erwartungen, Aufgaben und Forderungen sei- 
nes eigentlichen Lebensraums konfrontiert wird 


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Deutsdier Bundestag — 7. Wahlperiode 


und seine soziale Identität soweit als möglich wie- 
derfindet. Die Überwindung der institutionsbezoge- 
nen Orientierung in der Behandlungseinrichtung, 
ihre an der Außenwelt orientierte Realitätsnähe, 
die konsequente Einbeziehung der Umwelt in den 
therapeutischen Prozeß und der Kontakt und die 
aktive Auseinandersetzung mit Partnern und Insti- 
tutionen in der Gemeinde bilden wesentliche Ele- 
mente therapeutischer und rehabilitativer Bemü- 
hungen im teilstationären und komplementären Be- 
reich. 

Die in solcher Praxis realisierte Verflechtung von 
medizinischen, psychologischen und sozialen Ele- 
menten in der Behandlung und die in solcher Ar- 
beit erlebbare Tatsache, daß jede Behandlungs- und 
Betreuungsmaßnahme — auch die einfache Verab- 
reichung eines Medikamentes oder eine handfeste 
fürsorgerische Hilfe — eine soziale Interaktion mit 
wechselseitiger Beeinflussung der Einstellungs- und 
Verhaltensweisen der durch die Situation miteinan- 
der verbundenen Partner ist, stellt an die therapeu- 
tischen Mitarbeiter erhebliche Anforderungen, die 
auch für die Einzelbegegnung im ambulanten Ver- 
sorgungsraum gelten. Durch die Notwendigkeit, bei 
jeder Art therapeutischen Handelns solche Aspekte 
erkennen und therapeutisch nutzen zu können, er- 
hält die Arbeit der nicht-ärztlichen Mitarbeiter ei- 
nen anderen Stellenwert und ein anderes Gewicht 
als im herkömmlichen Gefüge traditioneller Pflege 
und Hilfe, 

Konsequenzen ergeben sich auch für eine Verbes- 
serung der Bildungsgänge aller an der Versorgung 
Beteiligten. Die Bedeutung interaktioneller Kommu- 
nikation in der therapeutischen Situation muß 
schon in der beruflichen Bildung erfahrbar ge- 
macht werden. Neben der Wissenschaftsvermittlung 
wird daher die Schulung des eigenen Verhaltens 
und der eigenen Einstellung sowie des besseren Er- 
fassens des Verhaltens anderer und seiner Motiva- 
tionen im Rahmen der hierzu geeigneten Techniken 
der Selbst- und Fremdwahrnehmung in jedem Bil- 
dungsgang und auf allen Ebenen der Aus-, Fort- 
und Weiterbildung eine Bedeutung erhalten. Gera- 
de Weiter- und Fortbildungsgänge werden sich 
durch Übung kritischer Selbstreflexion um eine 
ständige Verbesserung der interpersonellen Kom- 
munikation mit Patienten und Mitarbeitern bemü- 
hen müssen. 

Der Inhalt der Bildungsgänge wird sich an dem 
Grundsatz orientieren, daß Behandlung und Betreu- 
ung psychisch Kranker und Behinderter immer alle 
Elemente psychischen Krankseins berücksichtigen 
muß. Die in der Versorgung Tätigen müssen - — 
trotz unterschiedlicher Akzentuierungen ihrer spä- 
teren praktischen Arbeit — grundsätzlich in der 
Lage sein, die Bedeutung biologischer, psychologi- 
scher und sozialer Faktoren für die Entstehung, die 
Auswirkung und die Behandlung psychischer 
Krankheiten, Störungen und Behinderungen zu be- 
greifen. Dabei ist besonders darauf zu achten, daß 
in den medizinischen Ausbildungsgängen die sozia- 
len Aspekte und Auswirkungen psychischer Krank- 
heiten weit mehr als bisher berücksichtigt werden 
müssen, und der künftige Arzt ebenso wie die spä- 


tere Krankenschwester ein Bewußtsein entwickeln 
müssen dafür, daß medizinische und soziale Hilfen 
in der konkreten Situation therapeutischen Han- 
delns nicht trennbar sind. Die rein theoretische 
Vermittlung stößt auch bei diesem Anliegen an 
Grenzen, die nur durch eine realitätsgerechte Wis- 
sensvermittlung erweitert und durch einen kontinu- 
ierlichen Praxisbezug überwunden werden können. 
Hierbei sollten die zu entwickelnden Lehr- und Un- 
terrichtsprogramme auch den extramuralen Bereich 
in seinen ambulanten, teilstationären und komple- 
mentären Einrichtungen berücksichtigen, wo immer 
dies möglich ist. 

Qualifizierende Weiterbildungsgänge, die bisher 
nur bei Ärzten für den Erwerb des Facharzttitels 
verlangt wurden, sollten für alle Berufsgruppen ge- 
schaffen werden. Eine bessere Versorgung ist un- 
ausweichlich auch an eine höhere Qualifikation zu- 
mindest solcher Mitarbeiter gebunden, die beson- 
ders verantwortungsvolle Aufgaben übernehmen 
müssen. Solche Aufgaben aber erfordert gerade die 
extramurale Versorgung in höherem Maße, und ihr 
Ausbau kann nur dann mit Erfolg vorangetrieben 
werden, wenn eine ausreichende Anzahl qualifizier- 
ter Mitarbeiter zur Verfügung steht. Weiterbil- 
dungsgänge werden in der Regel berufsspezifisch 
sein. Sofern berufsübergreifende Bestandteile einge- 
baut werden, darf damit die Entwicklung eines kla- 
ren Rollenverständnisses innerhalb der verschiede- 
nen Berufsgruppen nicht behindert werden. Obwohl 
sich deren Tätigkeitsbereiche in der Praxis koopera- 
tiver Arbeit überschneiden, läßt sich nur auf der 
Basis definierter Vorstellungen von Rollen und 
Funktionen eine den Anforderungen eines vielfältig 
gefächerten Versorgungs- und Behandlungssystems 
gerecht werdende Teamarbeit verwirklichen. Insbe- 
sondere die Aufgaben der sozialen und beruflichen 
Rehabilitation lassen sich nur durch Kooperations- 
formen bewältigen, in denen die einzelnen Rollen- 
und Funktionsträger die Möglichkeit haben, ihr 
spezifisches Wissen und Können in Unabhängigkeit 
und Eigenverantwortlichkeit in die gemeinsame Ar- 
beit einzubringen. 

Ein sehr erheblicher Teil der heute in der Psychia- 
trie vor allem auf dem Pflegesektor tätigen Mitar- 
beiter besitzt keine oder nur eine geringe, durch 
eine berufliche Bildung erworbene Qualifikation. 
Soll die Verbesserung der Versorgung nicht in un- 
vertretbarem Ausmaße verzögert werden und die 
Entwicklung ihrer neuen institutioneilen Formen 
nicht infolge gravierender Mängel an Kenntnissen 
und Fähigkeiten bei den zur Arbeit in ihnen Moti- 
vierten scheitern, muß auf die Fortbildung ein be- 
sonders großes Gewicht gelegt werden. Grundfähig- 
keiten für den Umgang mit psychisch Kranken und 
Gestörten sind auch in kurzen Ausbildungsgängen 
dann zu vermitteln, wenn diese an der Praxis orien- 
tiert sind und ihre Inhalte durch lebendige An- 
schauung vermitteln. Es ist deshalb zu fordern, daß 
die Träger der Versorgungseinrichtungen diese Bil- 
dungsformen auf regionaler Ebene für alle Berufs- 
gruppen initiieren und intensivieren, wobei sich 
hier in besonderer Weise die Möglichkeit nutzen 
läßt, verschiedene Berufsgruppen an solchen Fort- 
bildungsveranstaltungen zu beteiligen. 


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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Ausbildungskurse müssen unbedingt auch für jene 
Gruppe geschaffen werden, die in einer gemeinde- 
nah orientierten Versorgung eine wichtige flankie- 
rende Rolle spielen muß. Von der Möglichkeit der 
Einbeziehung freiwilliger Mitarbeiter wird noch im- 
mer viel zu wenig Gebrauch gemacht. Für sie erge- 
ben sich in der extramuralen Versorgung, etwa bei 
der Gestaltung von Freizeitaktivitäten im Rahmen 
von Patientenclubs oder Heimen, eine reiche Fülle 
von Möglichkeiten. Der psychiatrische Laienhelfer 
kann aber nur dann für seinen Einsatz motiviert 
und in diesem bestätigt werden, wenn er fachliche 
Hilfe in einer für ihn geeigneten Form erhält. 

Die Sachverständigen-Kommission hat in ihren Emp- 
fehlungen als Ziel aller Behandlung und Versor- 
gung die größtmögliche Entfaltung der kranken, ge- 
störten oder behinderten Persönlichkeit vor Augen. 
Gemeindenahe Versorgung aber bedeutet, daß diese 
Entfaltung soweit als irgend möglich im freien Le- 
bensraum der Gesunden stattfindet. Partner dieser 
Bestrebung sind daher nicht nur die Mitarbeiter in 
den Institutionen, sondern die Bevölkerung selbst. 
Die Wiedereingliederung psychisch Kranker und 
die Vermeidung ihrer Ausgliederung kann daher 
nur gelingen, wenn diese Umwelt den Bestrebungen 
professioneller Hilfen entgegenkommt. 

Psychiatrische Öffentlichkeitsarbeit ist deshalb 
eine Voraussetzung einer besseren Versorgung. 
Kenntnisse über Art und Wesen psychischer Stö- 
rungen sind aber trotz der Tatsache, daß eine so 
große Zahl von Menschen von ihnen im Laufe ihres 
Lebens betroffen werden, äußerst mangelhaft und 
zufällig verbreitet. Vor allem ist die Öffentlichkeit 
wenig oder gar nicht über die Möglichkeiten mo- 
derner Hilfen und die Art der in Frage kommenden 
Institutionen orientiert. Öffentlichkeitsarbeit sollte 
vor allem darin bestehen, Vorstellungen über die 
Unheilbarkeit solcher Störungen durch die an- 
schauliche Wirksamkeit zeitgemäßer Einrichtungen 
für Beratung, Therapie und Wiedereingliederung 
selbst und damit in einer für jeden verständlichen 
und einleuchtenden Form abzubauen. Dabei werden 
die Kranken selbst und ihre Angehörigen mithelfen. 


Auch die Örientierung der administrativ und ge- 
sund heitspolitisch für die Versorgung Verantwortli- 
chen darf nicht vernachlässigt werden. Es wird ent- 
scheidend sein, beispielsweise bei den kommunalen 
Behörden und Politikern, ein Problembewußtsein 
für die Bedeutung von Reformbestrebungen zu wek- 
ken, ihr Interesse wachzuhalten und sie ständig 
über die sich wandelnden Gegebenheiten und Ent- 
wicklungen zu informieren. 

Die Empfehlungen der Sachverständigen-Kommis- 
sion und die obigen Ausführungen werden deutlich 
machen, daß die zwischen einer unzureichenden 
ambulanten Versorgung und der zu Ausgliederung 
und Isolation tendierenden stationären Behandlung 
in Großkrankenhäusern bestehende Lücke vorran- 
gig geschlossen werden muß und daß es hierzu er- 
heblicher Anstrengungen bedarf. Die Neuordnung 
der Versorgung psychisch Kranker und Behinderter 
erfordert ein Umdenken, das sich nicht in der Pla- 
nung zusätzlicher Einrichtungen erschöpfen kann. 
Notwendige Reformen sind durch einzelne Verbes- 
serungen und die Beseitigung allzu offensichtlicher 
Mißstände nicht zu bewältigen. Versorgung erfolgt 
innerhalb einer Struktur, deren einzelne Elemente 
sich wechselseitig bedingen. Reformen, die über kos- 
metische Bereinigungen hinausgehen und die diesen 
Namen wirklich verdienen, sind deshalb nur durch 
strukturelle Veränderungen zu verwirklichen. 

Die extramurale Psychiatrie wird hier einen ent- 
scheidenen Beitrag zu leisten haben. Sie wird aber 
auch in besonderer Weise dazu beitragen kön- 
nen, daß eine neugeordnete Versorgung auch eine 
humanere Versorgung sein wird. Die Öffnung be- 
handelnder Institutionen nach innen und nach au- 
ßen und die damit auch für die von ihnen Betreuten 
ermöglichte Entfaltung ihrer Persönlichkeit ver- 
langt neben der einschneidenden Umstellung im 
Bereich der äußeren wie der inneren Strukturen der 
vorhandenen und neu zu schaffenden Institutionen 
vor allem eine Neuorientierung des Versorgungs- 
stils und damit einen allseitigen, von der Bevölke- 
rung mitgetragenen Wandel in der Begegnung und 
im Umgang mit psychisch kranken, gestörten und 
behinderten Menschen. 


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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Ausführungen der Arbeitsgruppe „Intramurale Dienste“ 

Erfordernisse einer zeitgemäßen stationären Versorgung psychisch Krankerund Behinderter 


Wenn im folgenden Erfordernisse der stationären 
psychiatrischen Versorgung besonders dargestellt 
werden, so soll dabei nicht verkannt werden, daß 
moderne psychiatrische Behandlungskonzepte eine 
strenge Trennung stationärer, teilstationärer und 
nichtstationärer Behandlung nur theoretisch zulas- 
sen. Eine engste Verflechtung „intramuraler" und 
„extramuraler" Dienste ist unabdingbar erforder- 
lich. 


1 Neugliederung psychiatrischer 
Versorgungsgebiete 

Eine Verbesserung der derzeitigen psychiatrischen 
Versorgung ist nicht denkbar ohne eine weitestge- 
hende Neugliederung des gesamten psychiatrischen 
Versorgungssystems. Von Mammutkrankenhäusern 
aus, die riesige Aufnahmegebiete zu versorgen ha- 
ben, sind moderne psychiatrische Behandlungs- und 
Rehabilitationsverfahren ebensowenig realisierbar, 
wie eine Integration der Psychiatrie in ein allge- 
meines medizinisches Versorgungssystem. 

Durch Psychiatriepläne auf Länderebene müssen 
kleinere, überschaubarere und vorrangig unter dem 
Aspekt der Gemeindenähe konzipierte psychiatri- 
sche Versorgungsregionen geschaffen werden. 

1.1 Das Standardversorgungsgebiet 

Durch Verkleinerung und Neuordnung von Ein- 
zugsgebieten für alle stationären Versorgungsein- 
richtungen sollen Standardversorgungsgebiete ge- 
schaffen werden, die je nach Besiedlungsdichte 
100 000 bis 350 000 Einwohner umfassen. Nur so 
kann der Forderung einer gemeindenahen stationä- 
ren Behandlung Rechnung getragen werden. 

Kapazität, Gliederung, Struktur und Funktion der 
psychiatrischen Einrichtungen und Instanzen des 
Standardversorgungsgebietes müssen gewährlei- 
sten, daß alle psychisch Kranken dieser Region 
auch dort versorgt werden können, soweit nicht für 
einzelne Patientengruppen eine Unterbringung und 
Behandlung in überregionalen Spezialeinrichtungen 
vorgesehen ist. 

In diesen Standardversorgungsgebieten sollen alle 
an Vorsorge, Behandlung, Rehabilitation und Nach- 
betreuung seelisch Kranker bzw. geistig Behinder- 
ter arbeitenden Personen und Einrichtungen im Sin- 
ne eines optimal gegliederten Systems seelischer 
Gesundheitsfürsorge Zusammenwirken. 

Die Grenzen des Standardversorgungsgebietes soll- 
ten möglichst mit den politischen oder verwal- 
tungstechnischen Grenzen (Region, Kreis, Stadt, 


Stadtteil) zusammenfallen. Es wird darauf hinge- 
wiesen, daß sich Universitätskliniken und ähnliche 
Einrichtungen, psychiatrische Krankenhäuser unter 
freigemeinnütziger Trägerschaft und psychiatrische 
Abteilungen an der Gesamtversorgung beteiligen. 
Absprachen dieser Einrichtungen mit psychiatri- 
schen Krankenhäusern, die nur die bestehende Ab- 
schiebepraxis verfestigen, sind keine Lösung. 


1.2 Kooperation und Koordination 

Es müssen nicht alle erforderlichen stationären, 
teilstationären, rehabilitativen und flankierenden 
Einrichtungen von einem einheitlichen Träger vor- 
gehalten werden. Da aber die Möglichkeiten eines 
gestuften Behandlungs Systems nur ausgeschöpft 
werden können bei größtmöglicher Flexibilität und 
optimaler Kooperation, dürfen diese nicht dem Zu- 
fall überlassen werden. Da die Wirksamkeit eines 
integrierten Versorgungssystems von einer entspre- 
chenden Koordination abhängt, ist die Schaffung ei- 
nes institutionalisierten Koordinationsgremiums un- 
bedingt erforderlich. Neben der Koordination und 
Steuerung der Kooperation zwischen den verschie- 
denen psychiatrischen Einrichtungen und Instanzen 
wäre es auf der Ebene des Standardversorgungsge- 
bietes Aufgabe eines „regionalen Psychiatrierates", 
dafür Sorge zu tragen, daß jede der einzelnen Insti- 
tutionen die im gesamten Versorgungssystem ihre 
zugedachte Aufgabe voll wahrnimmt, daß alle für 
die psychiatrische Versorgung der Region erforder- 
lichen Einrichtungen geschaffen werden und in ei- 
ner kontinuierlichen Planung dem jeweils aktuellen 
Bedarf angepaßt werden, aber auch Überkapazitä- 
ten vermieden werden. 

In diesem „regionalen Psychiatriebeirat" (psycho- 
sozialer Ausschuß) sollten möglichst Vertreter aller 
Gruppen vorhanden sein, die fachlich, administra- 
tiv, finanziell und politisch mit der Vorbeugung, 
Behandlung, Versorgung und Wiedereingliederung 
psychisch Kranker befaßt sind. Organisatorisch 
sind für diesen regionalen Psychiatriebeirat mehre- 
re Lösungen denkbar, beispielsweise analog zu den 
Jugendwohlfahrtsausschüssen bei den Jugendäm- 
tern. 

Vertreter dieser einzelnen „regionalen Psychiatrie- 
beiräte" sollten zur Berücksichtigung überörtlicher 
Gesichtspunkte und im Interesse einer landesein- 
heitlichen Psychiatrieentwicklung auf Landesebene 
zu einem „Landespsychiatriebeirat" zusammenge- 
schlossen werden. Aufgabe dieses „Landespsychia- 
triebeirates" sollte es sein, der jeweiligen Landes- 
regierung ein fachlich kompetenter Beratungspart- 
ner für Planung, Realisierung, Weiterentwicklung 


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Deutscher Bundestag — 7, Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


und Kontrolle des psychiatrischen Versorgungssy- 
stems in den einzelnen Bundesländern zu sein. 

1 .3 Überregionale Versorgung 

Eine Abweichung von der Forderung, alle psy- 
chisch Kranken einer Region auch innerhalb dieser 
Region zu behandeln und unterzubringen, kann nur 
für die Patienten gelten, die einer besonderen Be- 
handlung und Unterbringung in einer Spezialein- 
richtung (s. „stationäre Spezialeinrichtungen" 2.3) 
bedürfen, wenn der quantitative Bedarf für die Er- 
richtung einer Spezialeinrichtung innerhalb der Re- 
gion nicht ausreichend ist. In diesem Falle können 
die Kranken bzw. Behinderten in überregionalen 
Spezialeinrichtungen untergebracht und behandelt 
werden. 


2 Stationäre Einrichtungen im 
Standardversorgungsgebiet 

2.1 Das psychiatrische Behandliingszentrum 

Im Mittelpunkt des psychiatrischen Standardversor- 
gungsgebietes soll das psychiatrische Behandlungs- 
zentrum (PBZ) stehen. Das PBZ muß über eine ent- 
sprechende technische Ausstattung und ausreichen- 
de Betten und Plätze verfügen, um allen erforderli- 
chen diagnostischen und therapeutischen Gesichts- 
punkten gerecht werden zu können. Es muß teilsta- 
tionäre, flankierende und extramurale Einrichtun- 
gen anbieten können, um eine gestufte Behandlung 
und Rehabilitation psychisch Kranker und geistig 
Behinderter zu ermöglichen. Es muß außerdem Vor- 
und Nachsorge in ausreichendem Umfang garantie- 
ren können. Im einzelnen kann das PBZ ein psych- 
iatrisches Fachkrankenhaus, eine psychiatrische 
Abteilung am Allgemeinkrankenhaus oder eine 
Universitätsklinik sein. 

Es muß eine intensive Zusammenarbeit mit den 
niedergelassenen Ärzten gewährleistet sein. 

2.1.1 Das psychiatrische Fachkrankenhaus 

Beim psychiatrischen Fachkrankenhaus (Richtgröße 
nach WHO 400 bis 600 Betten) wird man zunächst 
in der Regel davon ausgehen können, daß es sich 
um ein schon bestehendes psychiatrisches Landes- 
krankenhaus handelt, das von der Lage her die For- 
derung der Gemeindenähe erfüllt, das von Überla- 
stung und Uberbelegung befreit wurde und perso- 
nell wie materiell so ausgestattet ist, daß es den Er- 
fordernissen eines modernen psychiatrischen Be- 
handlungszentrums gerecht wird. Das psychiatri- 
sche Fachkrankenhaus wird unter Umständen von 
der vorhandenen Baukapazität her vorübergehend 
auch in der Lage sein, noch überregionale, schwer- 
punktmäßige Sonderfunktionen im Sinne der Spe- 
zialeinrichtung zu übernehmen. Im Interesse der In- 
tegration der Psychiatrie in die allgemeine Medizin 
sollte auch das psychiatrische Fachkrankenhaus 
eine engste Zusammenarbeit mit dem lokalen All- 


gemeinkrankenhaus anstreben und beispielsweise 
als psychiatrische Abteilung eines Hauptschwer- 
punktkrankenhauses fungieren. 

2.1.2 Die psychiatrische Abteilung am 
Allgemelnkrankenhaus 

Die psychiatrische Abteilung am Allgemeinkran- 
kenhaus (Richtgröße mind. 200 Betten/Plätze) muß 
groß genug sein, um der Forderung einer Gesamt- 
versorgung der Region Rechnung zu tragen. Sie 
kann u. U. schrittweise, aber mit der verbindlichen 
Auflage der Gesamtversorgung, auf die erforderli- 
che Kapazität gebracht werden. Hier ist besonders 
auf die Gefahr zu achten, daß leicht durch Aufnah- 
meselektion eine „Edelpsychiatrie" betrieben wer- 
den könnte. 

2.1.3 Die Universitäts-Nervenklinik 

Bei der Universitäts-Nervenklinik als psychiatri- 
schem Behandlungszentrum muß berücksichtigt 
werden, daß sie wegen der relativ geringen Betten- 
zahl auch nur eine kleinere Region wird versorgen 
können. Jedoch ist auch hier im Interesse einer 
Gleichheit der Behandlungschancen, der Verhinde- 
rung einer „Mehrklassen-Psychiatrie" und nicht zu- 
letzt im Hinblick auf Lehre, Forschung und Fach- 
arzt-Weiterbildung die Forderung nach Gesamtver- 
sorgung der (verkleinerten) Region zu stellen. Der 
Mangel an Betten kann durch die Einbeziehung 
teilstationärer Einrichtungen auch anderer Träger 
ausgeglichen werden. 


2.2 Heime 

Patienten, die zu ihrer Behandlung nicht mehr des 
personellen und technischen Apparates eines Kran- 
kenhauses bedürfen, jedoch aus den verschieden- 
sten Gründen (z. B. wegen fortgeschrittenen Alters) 
nicht wieder voll rehabilitierbar sind, dürfen in Zu- 
kunft nicht mehr Betten im psychiatrischen Be- 
handlungszentrum langfristig blockieren, sondern 
sollten in entsprechenden Wohn-, Pflege- und Al- 
tenheimen untergebracht werden. 

Da die Vergangenheit jedoch gezeigt hat, daß die 
vorhandenen Vorschriften und Aufsichtsmöglichkei- 
ten für Heime in keiner Weise ausreichen, ist es 
dringend erforderlich, die Koordinierung und Kon- 
trolle des regionalen Psychiatrierates auf diese Hei- 
me auszudehnen. Es muß sichergestellt werden, daß 
die Unterbringung in diesen Heimen sich an Kom- 
fort und Lebensraum der zukünftigen psychiatri- 
schen Krankenhäuser orientiert und den Patienten 
ein reichhaltiges Freizeit- und Beschäftigungsange- 
bot zur Verfügung steht. Eine fachliche Weiterbe- 
treuung der Patienten sollte im Rahmen der nachge- 
henden Betreuung durch die verlegende stationäre 
Einrichtung gewährleistet werden, besonders dann, 
wenn die Versorgung durch niedergelassene Ärzte 
nicht erfolgt. Die Verlegung von Patienten in derar- 
tige Heime darf nur innerhalb der Region und sollte 
in der Regel in Heime nahe dem ursprünglichen 
Wohnort des Patienten erfolgen. 


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Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


2.3 Spezialeinrichtungen 

Neben den allgemeinen psychiatrischen Einrichtun- 
gen sind für besondere Patientengruppen Spezial- 
einrichtungen mit stationären und ambulanten Be- 
handlungsmöglichkeiten, sowie gegebenenfalls 
selbständigen flankierenden Einrichtungen zu 
schaffen. Diese Spezialeinrichtungen sind, soweit 
dies der quantitative Bedarf zuläßt, ebenfalls auf 
der Ebene der Standardversorgungsregion einzu- 
richten. Derartige Spezialeinrichtungen sind erfor- 
derlich für folgende Patientengruppen: 

2 . 3.1 Geistig Behinderte 

2 . 3.2 Psychisch Alterskranke 

2 . 3.3 Suchtkranke 

2 . 3.4 Epilektiker 

2 . 3.5 Psychisch kranke Kinder und Jugendliche 

2 . 3.6 Psychisch kranke Rechtsbrecher 

In diesen Spezialeinrichtungen sind Patienten un- 
terzubringen, die einer besonders gesicherten Un- 
terbringung bedürfen (insbes. Patienten, die nach 
§ 42 b, c StGB und § 81 sowie § 126 a StPO unterge- 
bracht sind). Für diese Patientengruppe sind beson- 
dere Sicherheitsvorkehrungen erforderlich, die im 
psychiatrischen Behandlungszentrum zu einer un- 
nötigen Beeinträchtigung anderer psychisch Kran- 
ker führen würden. Außerdem brauchen diese Ein- 
richtungen zur Durchführung spezifischer Behand- 
lungs- und Rehabilitations-Programme eine beson- 
dere Ausstattung und speziell geschultes Perso- 
nal. 

2 . 3.7 Mehrfachkranke 

Für die diagnostische und therapeutische Versor- 
gung von Mehrfachkranken (psychisch Kranke mit 
Tuberkulose und anderen ansteckenden Krankhei- 
ten) sind auf der Ebene übergeordneter Versor- 
gungsgebiete geeignete interdisziplinäre Spezialein- 
richtungen zu schaffen. 


3 Teilstationäre, komplementäre und 
Übergangseinrichtungen 


4 Umstrukturierung psychiatrischer 
Großkrankenhäuser 

Es sei hier einleitend festgestellt, daß die Reform 
der stationären psychiatrischen Versorgung in der 
Bundesrepublik Deutschland nicht nur darin beste- 
hen darf, die schon bestehenden psychiatrischen 
Großkrankenhäuser zu renovieren. Ziel der Reform 
muß ein neues, gemeindenahes, gestuftes psychia- 
trisches Versorgungssystem sein. 

Andererseits darf eine Reform der Psychiatrie, die 
bis zu ihrer endgültigen Realisierung sicherlich 
mindestens ein Jahrzehnt in Anspruch nehmen 
wird, sich nicht an den derzeitig stationär unterge- 


brachten psychisch Kranken vorbeientwickeln. Es 
darf nicht eine ganze Generation psychisch Kran- 
ker im Interesse einer optimalen zukünftigen statio- 
nären Versorgung weiterhin unter menschenunwür- 
digen Verhältnissen notdürftig versorgt werden. 
Mit anderen Worten: Die Reform der Psychiatrie 
muß mehrgleisig parallel vollzogen werden. Die 
Planung und Neueinrichtung von bisher völlig feh- 
lenden psychiatrischen Einrichtungen wie psychia- 
trische Abteilungen an Allgemeinkrankenhäusern, 
teilstationären, flankierenden und Übergangseinrich- 
tungen muß parallel mit einer Umstrukturierung 
und Renovierung der derzeit bestehenden psychia- 
trischen Großkrankenhäuser geschehen. Das eine 
darf nicht zu Lasten des anderen betrieben wer- 
den. 

Da erfahrungsgemäß Planung und Neueinrichtung 
von Institutionen eines größeren Anlaufzeitraumes 
bedarf, wird man sogar die ersten Schritte zur Re- 
form der stationären psychiatrischen Versorgung 
im Bereich der jetzigen Einrichtungen unternehmen 
müssen: Hier müssen die Sofortmaßnahmen einset- 
zen. Allerdings darf auch die Umstrukturierung, 
Renovierung usw. der bestehenden psychiatrischen 
Krankenhäuser nur unter dem Aspekt der Rolle 
vorangetrieben werden, die diese psychiatrischen 
Krankenhäuser in einem kommenden, neuen psych- 
iatrischen Versorgungssystem zu spielen haben 
werden. 

Für die meisten derzeitigen psychiatrischen Kran- 
kenhäuser wird man annehmen können, daß sie in 
Zukunft in einem neuen Versorgungssystem die 
Rolle eines psychiatrischen Fachkrankenhauses ei- 
nes Standardversorgungsgebietes übernehmen wer- 
den. Unter diesem Aspekt müssen sie weiterentwik- 
kelt werden. Daher kann das im folgenden über die 
Zielvorstellungen der psychiatrischen Krankenhäu- 
ser Gesagte sinngemäß auch für neu zu planende 
psychiatrische Behandlungszentren in den Standard- 
versorgungsgebieten gelten. 

4.1 Auflockerung der psychiatrischen Krankenhäuser 

Jede Veräpderung in den derzeitigen psychiatri- 
schen Krankenhäusern wird zuerst am Problem der 
Überfüllung ansetzen müssen. Praktisch alle diese 
psychiatrischen Krankenhäuser sind viel zu groß, 
ihre Bettenzahl muß möglichst rasch auf die gefor- 
derte Größe des PBZ von 400 bis 600 Betten redu- 
ziert werden. Da aber bis zum Entstehen weiterer 
psychiatrischer Behandlungszentren, Spezialein- 
richtungen, Übergangseinrichtungen usw. sicherlich 
einige Zeit verstreichen wird, sind hier improvisie- 
rende Sofortmaßnahmen dringend erforderlich, um 
die Überfüllung zu reduzieren und damit andere 
Maßnahmen, wie z. B. die Differenzierung der Be- 
handlungsfelder, überhaupt erst zu ermöglichen. 

Auch derartige improvisierende Maßnahmen müs- 
sen dem Gesichtspunkt der Gemeindenähe und des 
angestrebten gestuften Versorgungssystems Rech- 
nung tragen. So erscheint es beispielsweise nicht 
sinnvoll, die Bettenkapazität in den psychiatrischen 
Krankenhäusern zu erweitern. Zweckmäßiger ist 
eine Erweiterung der Bettenkapazität außerhalb des 


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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Krankenhauses, z. B. durch Auslagerung ganzer Sta- 
tionen in aufgekaufte oder angemietete Hotels und 
Gaststätten. Das Argument einer komplizierteren 
Organisation und Verwaltung darf hier nicht hin- 
dernd im Wege stehen. 

Dazu muß jedoch auch den einzelnen Krankenhäu- 
sern ein größerer Spielraum zum selbständigen 
Handeln gelassen werden (s. Gutachten des Deut- 
schen Krankenhausinstitutes). 

Bei derartigen Entlastungseinrichtungen sollte auf 
Aktivitäten, Möglichkeiten und Einrichtungen bei- 
spielsweise freigemeinnütziger Organisationen zu- 
rückgegriffen werden. Wo dies jedoch nicht mög- 
lich ist, sollten die psychiatrischen Krankenhäuser 
eigene Initiativen entwickeln (Vereine, etc.). 

Obwohl die Situation in Heimen, in die beispiels- 
weise ältere psychisch Kranke in den letzten Jah- 
ren verlegt wurden, häufig zu berechtigter Kritik 
Anlaß gegeben hat, kann doch weiterhin auf diese 
Einrichtungen zurückgegriffen werden, wenn durch 
eine entsprechende Beratung und Kontrolle dieser 
Einrichtungen im Rahmen der nachgehenden ver- 
traglich geregelten Betreuung die Entstehung von 
Mißständen verhindert wird. 

Es müssen also alle, auch improvisierenden Möglich- 
keiten genutzt werden, durch Verlegung geeigneter 
Patienten in extramurale, gemeindenahe Einrichtun- 
gen eine Bettenreduzierung und damit Auflocke- 
rung der bestehenden psychiatrischen Großkran- 
kenhäuser zu erreichen. 

Das anzusteuernde Ziel sollte die Rolle eines ge- 
meindenahen psychiatrischen Behandlungszentrums 
mit ca. 400 bis 600 Betten in einem schon jetzt zu 
planenden Standortversorgungsgebiet sein. Als 
Richtzahlen für die Endstufe können angesehen 
werden: 

3 Behandlungsbetten/ -plätze pro 1 000 Einwohner, 
davon 0,5 Akutbetten pro 1 000 Einwohner, 

1 teilstationäres Bett / Platz pro 1 000 Einwohner, 
maximale Stationsgröße: 20 Betten. 

Hinsichtlich der sanitären und technischen Ausstat- 
tung sowie des erforderlichen Lebensraumes muß 
das heute adäquate allgemeine Krankenhausniveau 
(Si KhVO sowie Richtlinien und Empfehlungen des 
DKI) zugrunde gelegt werden. Dabei ist noch zu be- 
rücksichtigen, daß im Hinblick auf die längere Ver- 
weildauer in Stationen für mittelfristig und langfri- 
stig untergebrachte Patienten Krankenhausatmo- 
sphäre möglichst vermieden, und der Wohncharak- 
ter (Hotelcharakter) betont werden sollte. 

4.2 Landespsychiafriepläne und regionaler 
Psychiatrierat 

Da auch improvisierte Maßnahmen und Einrichtun- 
gen bereits unter dem Aspekt der endgültigen Ziel- 
planung erfolgen sollten, muß möglichst rasch ein 
endgültiges Planungskonzept in Form von regiona- 
len Psychiatrie-Plänen gefordert werden. 

Auch erscheint es zweckmäßig, bereits jetzt regio- 
nale Psychiatrieräte zu schaffen, um möglichst früh- 
zeitig lokale Aktivitäten und Initiativen in Rich- 


tung der geplanten Standardversorgungsregion be- 
rücksichtigen und initiieren zu können. 

4.3 Personalsituation 

Da die personelle Ausstattung der psychiatrischen 
Krankenhäuser als völlig unzureichend angesehen 
werden muß, jede Weiterentwicklung aber zusätz- 
lich Personalbedarf erforderlich macht, ist eine so- 
fortige Aufstockung des Personalschlüssels der 
psychiatrischen Krankenhäuser unabdingbar erfor- 
derlich. Es muß sofort damit begonnen werden, den 
Personalbestand in psychiatrischen Einrichtungen 
auf die von der WHO angegebenen Schlüsselzahlen 
aufzustocken. 

Da für viele, insbesondere geographisch ungünstig 
gelegene psychiatrische Krankenhäuser die Beset- 
zung vorhandener Stellen, vorwiegend ärztlicher 
Stellen, recht schwierig ist, müssen nicht nur neue 
Stellen geschaffen werden, sondern es ist auch eine 
ganze Reihe zusätzlicher Maßnahmen erforderlich, 
um diese Stellen auch besetzen zu können (Stellen- 
zulagen, Austauschbarkeit gleichwertiger Stellen, 
günstige Wohnmöglichkeiten, Fahrtkostenerstat- 
tung, Kindertagesstätten, bessere Aufstiegsmöglich- 
keiten für verschiedene Berufsgruppen). 

Neue Therapieformen machen es erforderlich, daß 
neuje Berufsbilder geschaffen werden (z. B. Freizeit- 
pädagogen, Heimleiter, Arbeitstherapeuten) und 
bisher in der Psychiatrie praktisch nicht vertretene 
Berufsgruppen vermehrt eingesetzt werden (Sozio- 
logen, Sozialpädagogen, Sonderpädagogen, Sport- 
lehrer, Hauswirtschaftsleiterinnen usw.). 

4.4 Ausbildungsstand 

Da die derzeitige Personalsituation nicht nur ein 
quantitatives, sondern auch ein qualitatives Pro- 
blem darstellt, müssen umgehend alle Möglichkei- 
ten gefördert werden, den Ausbildungsstand aller 
in der Psychiatrie tätigen Berufsgruppen anzuheben 
(Ausbildungsstand als Kriterium des Aufstiegs, Be- 
soldungskonsequenzen für Zusatzausbildung, groß- 
zügige Handhabung von Bildungsurlaub usw.). Ins- 
besondere müssen psychodynamische und soziody- 
namische Aspekte der Behandlung und Betreuung 
psychisch Kranker bei der zukünftigen Aus-, Fort- 
und Weiterbildung vermehrt Berücksichtigung fin- 
den. Neben der kontinuierlichen Fortbildung aller 
im Bereich der Psychiatrie Tätigen ist insbesondere 
eine zweijährige berufsbegleitende Weiterbildung 
des Pflegepersonals erforderlich. Für die Mitarbei- 
ter in den genannten Spezialeinrichtungen sollten 
spezifische Aus- und Fortbildungsgänge erarbeitet 
werden. Für nichtärztliche akademische Berufs- 
grüpßien (z. B, Psychologen) sollten der Facharztwei- 
terbildung analoge Fachausbildungsrichtlinien erar- 
beitet werden. Die bisherigeh Modelle sind unzurei- 
chend. 

4.5 Beseitigung der „brutalen Realität“ 

Unabhängig von jeder modernen Psychiatriepla- 
nung und -konzeption müssen auf dem Wege von 


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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Sofortmaßnahmen die zum großen Teil menschen- 
unwürdigen Verhältnisse in den bestehenden psych- 
iatrischen Krankenhäusern (s. Zwischenbericht) 
beseitigt werden. Es muß unbedingt vermieden 
werden, daß mit dem Hinweis auf angelaufene Pla- 
nungen und Umstrukturierungen größeren Stils die- 
se untragbaren Zustände weiter bestehen bleiben. 

Die z. T. katastrophalen sanitären Verhältnisse 
müssen unverzüglich beseitigt werden. Unzumutbar 
große Schlafsäle müssen improvisiert verkleinert 
werden. Unnötige und z. T. unsinnige Restriktions- 
maßnahmen sind sofort zu unterbinden (Stationen 
können überwiegend geöffnet sein, routinemäßiges 
Fixieren von Patienten und disziplinarische Abson- 
derungen sind zu verbieten, den Patienten sollte 
weitestgehende Verfügbarkeit über Geld und per- 
sönliche Gegenstände ermöglicht werden, routine- 
mäßige Postkontrolle ist zu unterlassen). Die Statio- 
nen müssen wenigstens eine ausreichend wohnliche 
Möblierung aufweisen (eigenen, abschließbaren 
Schrank, eigenen Nachttisch, Nachttischlampe für 
jeden Patienten etc.). Wirtschaftlichkeit und orga- 
nisatorische Vereinfachung darf nicht zu Lasten der 
Patienten gehen (Einheitskleidung, zu frühes Wek- 
ken, zu frühes Ins-Bett-gehen, zu frühe Mahlzeiten, 
nur ein Teller zum Essen usw.). 

Das z. T. deprimierend triste Erscheinungsbild der 
Stationen kann mit unbedeutendem materiellen 
Aufwand freundlich gestaltet werden (Licht, Farbe, 
Bilder, Blumen). Zur Vermeidung von Ghettoverhal- 
tensweisen und zur Schaffung eines natürlichen Mi- 
lieus sollten die Stationen gemischt werden. Die 
Befriedigung elementarer menschlicher Grundbe- 
dürfnisse muß zur Selbstverständlichkeit werden. 

Es ist selbstverständlich, daß die Stationen von 
Schwestern und Pflegern gemeinsam betreut wer- 
den. Im Unterricht des Pflegepersonals ist auf die 
Probleme der Beseitigung der sogenannten brutalen 
Realität besonderes Gewicht zu legen. 

4.6 Differenzierung der Behandlungsfelder 

Gezielte Behandlungsmaßnahmen für verschiedene 
Patientengruppen setzen eine Differenzierung der 
Behandlungsfelder (Spezialisierung) voraus. Es 
geht nicht mehr an, heterogene Patientengruppen 
(z. B. Oligophrene, akut psychisch Kranke, Sucht- 
kranke, chronisch psychisch Kranke usw.) inner- 
halb einer Station unterzubringen. Es ist unter die- 
sen Umständen nicht möglich, jedem Patienten die 
für ihn optimalen Behandlungsformen zuteil werden 
zu lassen. Sicherlich ist die Differenzierung auch 
ein Problem der Auflockerung der bestehenden 
Krankenhäuser, jedoch sind eine ganze Reihe von 
Maßnahmen in dieser Richtung auch in den einzel- 
nen Krankenhäusern bereits jetzt möglich. 

Folgende Schwerpunktbildungen innerhalb der ein- 
zelnen Krankenhäuser sollten jetzt bereits durchge- 
führt werden: 

Akutpsychiatrie, 
rehabilitative Psychiatrie, 

Geriatrie, 

Intensivstation, 


Kinder- und Jugendpsychiatrie, 

Psychotherapie, 

Suchtkranke, 

Oligophrene, 

und — wenn möglich — noch Neurologie. 

Eine derartige Differenzierung ist nicht nur Voraus- 
setzung einer optimalen Behandlung der verschie- 
denen Patientengruppen, sondern trägt auch erheb- 
lich zur Strukturierung und Übersichtlichkeit des 
Krankenhauses bei. 

Wo möglich, sollte wenigstens teilweise eine Sek- 
torisierung (geographische Zuständigkeit — oder Be- 
handlungskette: Akutstation — mittelfristige Sta- 
tion — Langzeitstation) eingeleitet werden, um da- 
mit eine gewisse Behandlungskontinuität zu errei- 
chen. 

Für bestimmte Gruppen von Kranken ist eine Sek- 
torisierung wenig sinnvoll, z. B. für Geriatrie. 

4.7 Innere Struktur und Führungsstll 

Unnötige Reglementierung und kustodiale Entmün- 
digung der Patienten sind meist Ausdruck eines 
hierarchisch-autoritären Stils und Gefüges des ge- 
samten Krankenhauses, wobei der Patient stets 
das letzte Glied einer hierarchischen Kette ist. Ein 
Umdenken zu einem Behandlungssystem, das den 
Patienten nicht entmündigt oder überbetreut, son- 
dern den Patienten im Sinne einer therapeutischen 
Gemeinschaft aktiv in die Behandlung mit einbe- 
zieht, ist nicht möglich, ohne einen durchgehend 
demokratisch-kooperativen Stil im gesamten Kran- 
kenhaus. Hierarchisches Denken macht die Behand- 
lung des Patienten durch ein therapeutisches Team 
unmöglich. 

Stil und Leistungsfähigkeit der Krankenhäuser müs- 
sen durch vermehrte Delegation von Entscheidun- 
gen und Verantwortung sowie bessere systemati- 
sierte Kommunikation und mehr Entscheidungs- 
transparenz auf allen Ebenen verbessert werden. Re- 
gelmäßige allgemeine Krankenhauskonferenzen, re- 
gelmäßige Teambesprechungen des behandelnden 
Personals, regelmäßige Stationsvollversammlungen, 
berufsgruppen-spezifische Besprechungen usw. 
müssen zum selbstverständlichen Bestandteil aller 
psychiatrischen Krankenhäuser werden. 

Wenn auch langfristig, sobald nämlich eine Anglei- 
chung psychiatrischer Krankenhäuser an die Allge- 
meinkrankenhäuser erfolgt ist, die Leitung der 
psychiatrischen Krankenhäuser kollegial erfolgen 
sollte (3er Gremium), so ist zum gegenwärtigen 
Zeitpunkt doch einer direktorialen Leitung der Vor- 
zug zu geben (s. Gutachten des Deutschen Kranken- 
hausinstitutes). 

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist das Konzept, das 
für das Allgemeinkrankenhaus gültig ist, auf das 
psychiatrische Krankenhaus nicht übertragbar. Die 
Unterschiede sind gravierend, sie werden auch 
noch für längere Zeit bestehen bleiben. Z. B. ist die 
Wohnatmosphäre im psychiatrischen Krankenhaus 
gänzlich unter therapeutischen Gesichtspunkten zu 
sehen, ebenso die Frage der Freizeitgestaltung, der 


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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Strukturierung des Tagesablaufes, der Bekleidung, 
der Aufenthaltsräume, der Cafeteria etc. Insofern 
sind diese Bereiche unter ärztlich-therapeutischem 
und nicht unter dem Verwaltungsaspekt zu sehen. 
Das Leitungsgremium sollte nicht auf Zeit wählbar 
sein. Einzelne Mitglieder des Gremiums sollten nicht 
ablösbar wählbar sein, der Leitende Arzt sollte nicht 
rotieren. Vielmehr sollen sich alle Mitglieder des Lei- 
tungsgremiums für ihre Funktion qualifizieren. Bei- 
spielsweise die Leiter der einzelnen Bereiche soll- 
ten sich mit den Problemen des Managements aus- 
einandersetzen. Mehr als bisher aber sollte bei er- 
wiesener Unfähigkeit aller Mitglieder des Gre- 
miums die Möglichkeit einer Ablösung gegeben 
sein. Insofern ist es unzweckmäßig, die Mitglieder 
des Gremiums in einen Beamtenstatus zu versetzen. 
Außerhalb sollte die Probezeit verlängert werden. 
Bei einer Ablösung oder bei der Besetzung der Lei- 
tenden sollte der regionale psychosoziale Ausschuß 
gehört werden. 

4.8 Therapie 

Die Bedeutung der modernen Psychopharmakothe- 
rapie soll in keiner Weise verkannt werden, jedoch 
darf sie nicht als einzige Therapieform in Erschei- 
nung treten. Es ist unbedingt darauf hinzuwirken, 
daß möglichst rasch soziotherapeutische, milieu- 
therapeutische und psychotherapeutische Behand- 
lungsformen den gleichen Stellenwert erhalten. Der 
gesamte Behandlungsstil muß von einem überwie- 
gend kustodialen zu einem sozialintegrativen Be- 
handlungsstil übergeleitet werden. Insbesondere 
auf den Stationen für chronisch psychisch Kranke 
müssen alle Anstrengungen unternommen werden, 
um alsbald an die Stelle eines therapeutischen Ni- 
hilismus eine Fülle rehabilitativer Trainingspro- 
gramme zu setzen (sinnvolle Strukturierung des Ta- 
gesablaufes, gruppentherapeutische Angebote, Inte- 
raktionstraining, Bildungsangebote, Hobby-Schu- 
lung, Kochkurs, Kosmetikkurs, lebenspraktisches 
Intensivtraining, reichhaltiges Freizeitangebot, Ur- 
laubsfahrten usw.). Um in einer systematisierten 
Familientherapie die Angehörigen in den therapeu- 
tischen Prozeß mit einzubeziehen, sind die dazu er- 
forderlichen organisatorischen Vorkehrungen zu 
treffen (z. B. Kindergartenplätze, Gästezimmer für 
Angehörige usw.). 

Eine sofortige Veränderung muß im Bereich der Ar- 
beitstherapie eintreten. Es geht nicht länger an, daß 
z. T. offenbar unter dem Mantel der Therapie die 
Existenzfähigkeit der Krankenhäuser nur durch die 
Mitarbeit der Patienten aufrecht erhalten wird. Da 
heute Arbeitstherapie nicht mehr die einzige Alter- 
native zur hospitalisierenden Untätigkeit auf der 
Station darstellt, muß sie vorrangig unter dem 
Aspekt der beruflichen Rehabilitation gesehen wer- 
den, sie hat sich an den Bedürfnissen des Patienten 
und nicht der Institution zu orientieren. Arbeit 
schlechthin ist noch nicht als Therapie anzusehen, 
sie wird erst zur Arbeitstherapie, wenn sie unter 
fachlich kompetenter Anleitung zum gezielten sy- 
stematischen Berufs- und Leistungstraining wird. 

Unabdingbare Forderung ist eine wenigstens annä- 
hernd leistungsorientierte Entlohnung der arbeits- 


therapeutisch eingesetzten Patienten. Die tatsächli- 
che Leistungsfähigkeit und daruit die beruflichen 
Rehabilitationsmöglichkeiten des einzelnen Patien- 
ten können ohne eine entsprechende Leistungsmoti- 
vation durch Bezahlung der Arbeit nicht zuverläs- 
sig genug beurteilt werden. Es geht außerdem nicht 
an, daß durch eine nur angedeutete Entlohnung 
dem Patienten fortwährend das Gefühl vermittelt 
wird, seine Arbeitsleistung sei nichts wert. 

Vielfältig gestufte arbeitstherapeutische Angebote 
und Einsatzmöglichkeiten müssen sowohl eine Min- 
derung vorhandener Leistungsbeeinträchtigungen 
als auch eine Weiterentwicklung der noch vorhan- 
denen Fähigkeiten ermöglichen. Da das Ziel der Ar- 
beitstherapie in einer vollen beruflichen Wieder- 
eingliederung besteht, muß am Ende einer gestuften 
systematischen Arbeitstherapie ein extramurales 
Leistungstraining an realen industriellen Arbeits- 
plätzen erfolgen. 

Für Patienten, die nicht wieder oder noch nicht 
wieder bis zu einer vollen beruflichen Wiederein- 
gliederung gefördert werden können, müssen geeig- 
nete extramurale Werkstätten und Arbeitsplätze 
geschaffen werden, analog denen für Behinderte. 
Soweit Patienten, die nicht mehr voll beruflich reha- 
bilitiert werden können, innerhalb des psychiatri- 
schen Krankenhauses beschäftigt werden, darf dies 
nur auf dem Wege eines regulären, versicherungs- 
pflichtigen Arbeitsverhältnisses bei leistungsge- 
rechter Bezahlung erfolgen (Gutachten Strehse). 

4.9 Selbstversorgungsprinzip der psychiatrischen 
Krankenhäuser 

Die Selbstversorgungsbetriebe der psychiatrischen 
Krankenhäuser (z. B. Bäckerei, Metzgerei, Gärtnerei 
usw.) sind in der Regel keine adäquaten arbeitsthe- 
rapeutischen Einsatzorte, da das dort tätige Perso- 
nal für diese Aufgabe nicht entsprechend vorgebil- 
det ist. Da diese Selbstversorgungsbetriebe nur bei 
der bisherigen praktisch unentgeltlichen Mitarbeit 
der Patienten wirtschaftlich sinnvoll waren, ist das 
Selbstversorgungsprinzip der psychiatrischen Kran- 
kenhäuser — wo es noch besteht — aufzugeben. 
Die Beschäftigung von einzelnen Mitarbeitern unter 
dem Aspekt der Selbstversorgung (z. B. Betriebs- 
elektriker, Parkgärtner) hat sich an Bedarf oder Ge- 
pflogenheiten der allgemeinen Krankenhäuser oder 
der freien Wirtschaft zu orientieren. 

4.10 Administration und Recht 

Es müssen umgehend Maßnahmen eingeleitet wer- 
den (z. B. durch ein Expertenteam im BMJFG, das 
Gesetzesänderungsvorschläge erarbeitet), bestehen- 
de gesetzliche Vorschriften zu ändern, die psy- 
chisch Kranke diskriminieren, ihre Situation er- 
schweren oder sie benachteiligen. Landesunterbrin- 
gungsgesetze müssen geändert oder überprüft, sie 
müssen vorrangig unter dem Aspekt der Behand- 
lung und Versorgung konzipiert werden und Vor- 
und Nachsorge mit einbeziehen. 

Durch organisatorische Vereinfachung muß erreicht 
werden, daß nicht ein Großteil der Arbeitskraft des 


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Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


therapeutischen Personals durch administrative 
Aufgaben zweckentfremdet wird. 

Kameralistische wie kaufmännische Betriebsfüh- 
rung der Krankenhäuser müssen elastisch und an 
der eigentlichen Aufgabe des Krankenhauses orien- 
tiert sein. Gewinnmaximierung kann nicht Sinn ei- 
nes Krankenhauses sein. 

Auch bei der Rechnungsprüfung in den psychiatri- 
schen Krankenhäusern ist besonders eine Prüfung 
der Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit hin- 
sichtlich der eigentlichen Krankenhausaufgabe 
durch Zuziehung eines fachlich Kompetenten (ana- 
log zum eigenen Architekten der Rechnungshöfe) 
vorzunehmen. 

Die Verpflichtung zur Verschwiegenheit (BAT und 
Beamtenrecht) muß aufgehoben werden, soweit sie 
Zustände betrifft, die die Öffentlichkeit angehen, 
und das Patienten-Arzt-Vertrauenshältnis nicht 
gestört wird. 


4.11 Lehre und Forschung 

Die psychiatrischen Krankenhäuser müssen ver- 
mehrt in die Ausbildung mit einbezogen werden 
(z. B. als Akademische Lehrkrankenhäuser) und 
müssen räumlich, personell und finanziell in der 
Lage sein, Forschungsaufgaben zu übernehmen. 

4.12 Öffentlichkeitsarbeit 

Dringend notwendig ist eine Förderung der Öffent: 
lichkeitsarbeit sowohl in Richtung der sog. allge- 
meinen Öffentlichkeit als auch in Richtung der sog. 
Fachöffentlichkeit (Persönlichkeiten, die in Ämtern 
und Institutionen über Haushalte, Stellen-Pläne 
usw. psychiatrischer Krankenhäuser entschei- 
den). 

Öffentlichkeitsarbeit und zugleich Erweiterung des 
therapeutischen Angebotes müssen auch durch finan- 
zielle Unterstützung von Laienaktivitäten, Laien- 
gruppen, Hilfsvereinen, Fördervereinen usw. erfol- 
gen. 

Die psychiatrischen Krankenhäuser müssen mit ei- 
genen Mitteln für Öffentlichkeitsarbeit ausgestattet 
werden. 


4.13 Maßnahmen, um die Psychiatriereform 
zu gewährleisten 

Auf Bundes- wie auf Länderebene ist ein „parla- 
mentarischer Psychiatriebeauftragter" zu schaffen, 
der unmittelbar dem Bundestag bzw. dem Landtag 
verantwortlich ist, und das bisherige Kontroll- und 
Aufsichtsgremium ergänzen soll. 

Er kann und soll sich neben persönlichen Besichti- 
gungen durch laufende Berichte über die reale Si- 
tuation in den einzelnen Einrichtungen informieren, 
kann Gutachterkommissionen eihberufen und soll 
in den einzelnen psychiatrischen Einrichtungen 


eine Vertrauensperson für Patienten (Patientenan- 
walt) benennen. Er kann aber auch Vorschläge und 
Wünsche von Mitarbeitern entgegennehmen, so- 
weit sie Patienten und deren Situation betreffen. 
Weiter sollte er auch für die maximale Ausschöp- 
fung der gegebenen gesetzlichen Bestimmungen im 
Interesse der Patienten sorgen. 

Das Koordinierungsgremium auf der Ebene des 
Standardversorgungsgebietes, der „regionale Psych- 
iatrierat", müßte zur Zusammenarbeit mit dem 
„Psychiatriebeauftragten" verpflichtet werden. 


4.14 Jährlicher Psychiatriebericht 

Der Bundestag soll vom Bundesminister für Jugend, 
Familie und Gesundheit einen jährlichen Bericht 
über die Auswirkung der Psychiatrie-Enquete und 
die laufende Entwicklung in der Psychiatrie verlan- 
gen (analog zum jährlichen Rentenanpassungsbe- 
richt, dem BSHG-Bericht, dem Unfallverhütungsbe- 
richt, dem Sozialbericht usw.). 


4.15 Bundesförderprogramme 

Der Bund soll durch schwerpunktmäßige Förde- 
rungsprogramme selber initiativ werden (Schaffung 
von Modelleinrichtungen, die für das Gros der psy- 
chisch Kranken generalisierbar sind, Förderung von 
praxisnahen, auf chronische Patienten bezogenen 
Rehabilitationsprogrammen). 


5 Prioritäten 


5.1 

Im Rahmen von Spfortprogrammen müssen Mittel 
zur Beseitigung der „brutalen Realität" der psych- 
iatrischen Großkrankenhäuser bereitgestellt wer- 
den. ^ . . 


5.2 

Die Träger der psychiatrischen Einrichtungen müs- 
sen dafür Sorge tragen, daß Sofortmaßnahmen zur 
Humanisierung der Situation in psychiatrischen 
Krankenhäusern eingeleitet werden (open-door-Sy- 
stem, Patientenbezahlung, Berücksichtigung ele- 
nientarer menschlicher Grundbedürfnisse, Abbau 
der „totalen Institution" usw.).- 


5.3 

In Landespsychiatrieplänen müssen neue psychia- 
trische Versorgungsregionen abgesteckt werden. 
Dabei sollen für alle psychiatrischen Einrichtungen 
Versorgungsgebiete geschaffen werden (bei Univer- 
sitäts-Kliniken gegebenenfalls unter Einbeziehung 
freier Träger). 


26 



Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


5.4 

Die Personalsituation in den psychiatrischen Ein- 
richtungen muß sofort entscheidend verbessert wer- 
den. Dazu ist erforderlich, die Stellenpläne der 
psychiatrischen Einrichtungen aus dem Stellenlimit 
der Länder herauszunehmen. Es müssen auch Stellen 
für neue Berufsgruppen geschaffen werden, deren 
Tariffähigkeit gewährleistet sein muß. Schüler sol- 
len aus den Stellenplänen herausgenommen wer- 
den. Die Austauschbarkeit von gleichwertigen Stel- 
len muß geschaffen werden. Eine Angleichung der 
Besoldung an z. Z. führende Bundesländer muß er- 
folgen. Es sollen vermehrt Mittel zur Fort- und 
Weiterbildung bereitgestellt werden. 

5.5 

Es müssen kostendeckende Pflegesätze festgesetzt 
werden, die sich am Soll orientieren. 

5.6 

Es muß eine Angleichung der Unterbringungsgeset- 
ze in ihren Auswirkungen und in ihrem Sinngehalt 
an das Baden-Württembergische hinsichtlich der 
Unterbringungsverfahren, und an das Nordrhein- 
Westfälische hinsichtlich der Vor- und Nachsorge 
erfolgen. 

5.7 

Bei den Kostenträgern muß erreicht werden, daß 
die Kosten für Nachtkliniken und Übergangsein- 
richtungen übernommen werden und daß der dis- 
kriminierende Leistungsausschluß für psychische 
Erkrankungen bei einigen Kassen wegfällt. 

5.8 

Es muß sofort damit begonnen werden, rechtliche 
Bestimmungen, die psychisch Kranke diskriminie- 
ren oder behindern, zu ändern und im Interesse 
der Patienten liegende gesetzliche Vorschriften zu 
vereinfachen (Leitfaden für Kranke). 


5.9 

Eine ambulante Betreuung psychisch Kranker muß 
an allen psychiatrischen Krankenhäusern ermög- 
licht werden. 

5.10 

Für Patienten, die in psychiatrischen Krankenhäu- 
sern fehlplaciert sind, müssen umgehend entspre- 
chende Spezial- und Übergangseinrichtungen ge- 
schaffen werden. Auf keinen Fall jedoch darf die 
Verlegung von Patienten in derartige Einrichtungen 
und in Heime eine Verschlechterung für den Pa- 
tienten darstellen. 

5.11 

Durch eine rigorose Vereinfachung des Schriftver- 
kehrs und eine Entlastung von administrativen Auf- 
gaben muß das therapeutische Personal für seine 
eigentlichen Aufgaben freigestellt werden. 

5.12 

Die Demokratisierung der psychiatrischen Kranken- 
häuser muß so rasch wie möglich vorangetrieben 
werden. 

5.13 

In den psychiatrischen Einrichtungen müssen jetzt 
schon Patientenanwälte ernannt und für die zukünf- 
tigen Versorgungsregionen regionale Psychiatrie- 
räte geschaffen werden. 

5.14 

Es muß sichergestellt werden, daß durch das Kran- 
kenhausfinanzierungsgesetz nicht die Psychiatrie- 
zielvorstellungen und bereits angelaufene Entwick- 
lungen wieder behindert werden. (Die Länder müs- 
sen auch über das Krankenhausfinanzierungsgesetz 
hinaus Mittel für psychiatrische Einrichtungen be- 
reitstellen). 


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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Ausführungen der Arbeitsgruppe „Kinder- und Jugendpsychiatrie“ 

Zur Versorgung psychisch auffälliger, gestörter und behinderter Kinder und Jugendlicher 


Inhalt 

1 Einleitung 

2 Größenordnung der Versorgungsbedürfnisse — Projekt: Bedarfsermittlung 

3 Dissoziales Verhalten bei Kindern und Jugendlichen (Beratungsergebnisse der 
Expertengruppe) 

4 Beratungsstellen für Kinder, Jugendliche, Eltern und Familien 

5 Zentren für Kinder- und Jugendpsychiatrie 

6 Projekt: Lehrer und ihre Problemschüler 

7 Dringliche Empfehlungen der Arbeitsgruppe Kinder- und Jugendpsychiatrie 


1 Einleitung 

ln den folgenden Ausführungen zur Versorgung 
psychisch auffälliger, gestörter und behinderter 
Kinder und Jugendlicher (Hauptberichtsteil B,3.7.1) 
werden zu einzelnen Problemen Erläuterungen ge- 
geben und Ergänzungen mitgeteilt. Ausführlicher 
werden die Beratungsergebnisse und Empfehlungen 
der durch die Arbeitsgruppe gebildeten Experten- 
gruppe „Dissozialität Jugendlicher“ wiedergegeben. 
Eine ebenfalls auf Veranlassung der Arbeitsgruppe 
gebildete weitere Expertengruppe hat einen eige- 
nen Berichtsteil über die „Versorgung geistig Be- 
hinderter“ (B.3.8) erstellt. 

Von den durch die Arbeitsgruppe Kinder- und Ju- 
gendpsychiatrie veranlaßten Projekten wird hier 
das Projekt „Erziehungsberatungsstellen" (Umfra- 
ge) in seinen wesentlichen Ergebnissen dargestellt. 
Die Ergebnisse der Projekte „Bedarfsermittlung" 
und „Lehrer und ihre Problemschüler" werden zu- 
sammenfassend beschrieben. 

2 Größenordnung der Versorgungsbedürfnisse 
— Projekt: Bedarfsermittlung 

(s. auch Anhang, Teil B, S. 432) 

Der Druck von Anmeldungen, Überweisungen und 
Krisensituationen, dem Beratungsdienste sowie kin- 
der- und jugendpsychiatrische Einrichtungen stän- 
dig ausgesetzt sind, die Wartelisten und Wartezei- 
ten ambulanter und stationärer Einrichtungen, die 
vielfältigen Klagen über das Fehlen von Beratungs- 
und Behandlungsmöglichkeiten für psychisch auf- 
fällige und gestörte Kinder aus den Schulen und 
von den Instanzen der Jugend- und Sozialhilfe 
machen tagtäglich einen weithin ungedeckten Bedarf 
deutlich. 

Es hat sich indessen seit jeher als schwierig erwie- 
sen, diesen sehr verschiedenartigen Bedarf in sei- 


ner Größenordnung und nach Versorgungsbedürf- 
nissen differenziert zu erfassen. Die in den Haupt- 
bericht (B.3.7.1) eingegangenen Ausführungen der 
Arbeitsgruppe Kinder- und Jugendpsychiatrie zu 
diesem Problem sollen hier ergänzt werden. 

Bereits im Dritten Jugendbericht der Bundesregie- 
rung (1973) ist eine Reihe von deutschen und inter- 
nationalen Untersuchungen über die Häufigkeit 
von Verhaltensauffälligkeiten zitiert worden, bei 
denen eine mittlere Symptombelastung zwischen 
19,6 (v. Harnack) und 31,0 Vo (Jonsson und Käl- 
vesten) der untersuchten Kinder und eine Häufig- 
keit von interventionsbedürftigen Verhaltenspro- 
blemen zwischen 9,9 Vo (v. Harnack), ll,2Vo (Stott) 
und 20,0*^70 (Thalmann), 25,0% (Jonsson und Kälve- 
sten) gefunden wurde (a. a. O. S. 26). Es handelte 
sich dabei um mehr oder weniger große und nur 
zum Teil repräsentative Untersuchungspopulatio- 
nen von Schulkindern. Der Vergleich wird dabei 
durch unterschiedliche Kriterien für die Schwere 
der Symptomatik und für die Interventions- bzw. 
Therapiebedürftigkeit erschwert. 

Mißverständlich ist dabei schon der in diesem Zu- 
sammenhang häufig angewandte Begriff „Verhal- 
tensstörungen", der im Bericht der Arbeitsgruppe 
bewußt vermieden worden ist. Seit dem 1. Weltkon- 
greß für Psychiatrie (1950) ursprünglich als Oberbe- 
griff für die vielfältigen Symptome und Schwierig- 
keiten bei Problemkindern eingeführt, ist er inzwi- 
schen — vor allem im pädagogischen Bereich — 
mehr und mehr zur Kennzeichnung mangelhafter 
Anpassung an die Unterrichtsgemeinschaft (motori- 
sche Unruhe, Aggressivität, Schwänzen, Stören, 
Kontaktlosigkeit) benutzt worden. Als in diesem 
Sinne „verhaltensgestört" und besonderer Beschu- 
lung bedürftig gelten nach den Empfehlungen der 
Bildungskommission 1 ®/o aller Schulkinder. Weite- 
re 3 bis 4 werden für entsprechend gefährdet ge- 
halten. „Verhaltensgestört" ist auf diese Weise be- 
reits zu einer diskriminierenden Bezeichnung ge- 


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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


worden. Zudem unterliegt diesem Begriff ein Ver- 
ständnis, bei dem die Ursache der Problematik von 
vornherein dem Kind — als dem „Verhaltensgestör- 
ten" — zugeschrieben wird. 

Demgegenüber hat der inzwischen eingebürgerte 
Begriff „Verhaltensauffälligkeit" für sich, daß er — 
vorerst ohne wertenden Beiklang — - festhält, daß 
einzelne oder auch zahlreiche Verhaltensweisen ei- 
nes Kindes den Erwartungen seiner Beziehungsper- 
sonen oder Bezugsgruppen zuwiderlaufen und da- 
durch auffallen. Die Störung wird damit im Bereich 
der sozialen Interaktion lokalisiert, ohne daß die 
Störungsbedingungen vorweg nur einer Seite zuge- 
schrieben werden. Die gleichen Verhaltensweisen 
können dabei im übrigen in der einen Umgebung 
auffällig sein (z, B. in der Schule) und in der ande- 
ren (z. B. in der Familie) nicht als auffällig gelten. 
Die Art der Auffälligkeit läßt nur selten unmittel- 
bar darauf schließen, ob es sich lediglich um vor- 
übergehende Störungen der Beziehung handelt, ob 
die Beteiligten das Signal der Auffälligkeit als Hin- 
weis zur Überprüfung und Veränderung von Einstel- 
lungen verstehen werden oder ob eine klärende, 
beratende oder therapeutische Intervention durch 
Spezialisten notwendig ist. Jegliche Verhaltensauf- 
fälligkeit ist dabei mit dem Risiko belastet, daß 
über eine bloße Mißbilligung hinaus verfestigende 
Reaktionen und Maßnahmen hervorgerufen werden. 

Das in diesem Sinn benutzte Kriterium der Auffäl- 
ligkeit hat u. a. bei den Erhebungen von Steuber 
(1973) an 621 Schülern zweier Grundschulen und 
von G. Welding (1975) an 1 372 Vorschulkindern 
aus 23 Kindergärten zugrundegelegen. Steuber er- 
mittelte im Durchschnitt der beiden Schulen 25,3 Vo, 
G. Welding 15®/o der Kindergartenkinder als ver- 
haltensauffällig. Der Unterschied ist mit dem Hin- 
zutreten neuer Belastungen und Beziehungsproble- 
me nach der Einschulung zu erklären. Dement- 
sprechend weisen auch die Erstvorstellungen in 
Beratungsstellen und kinderpsychiatrischen Dien- 
sten einen Häufigkeitsgipfel in den ersten Schuljah- 
ren auf. 

Unterschiede hinsichtlich der Häufigkeit der ange- 
gebenen Verhaltensprobleme, wie sie bei diesen 
und ebenso bei anderen Untersuchungen zutage tra- 
ten, beruhen im übrigen einmal auf unterschiedli- 
chen sozialen Voraussetzungen für Störungen der 
Interaktionen, zum anderen auf der unterschiedli- 
chen Bewertung von Verhaltensweisen. Die auf so- 
ziale Bedingungen bezogenen Unterschiede zeigten 
sich deutlich bei der Erhebung von Steuber, der in 
einem Schuleinzugsbereich mit überwiegen der un- 
teren Sozialschichten 28,4 ®/o, in einem anderen Ein- 
zugsbereich mit Überwiegen mittlerer und höherer 
Sozialschichten nur 20,0 Vo Grundschulkinder mit 
Verhaltensauffälligkeiten feststellte. Die unter- 
schiedliche Wahrnehmung und Bewertung von Ver- 
haltensweisen dürfte sich bei größeren Untersu- 
chungspopulationen ausgleichen. 

Einen anderen Weg zur Ermittlung von Symptom- 
belastungen haben Shepherd, Oppenheim und Mit- 
chell bei ihren Untersuchungen an 6 000 Schulkin- 
dern eingeschlagen. Als „auffällig" registrierten sie 
nur solche Verhaltensweisen, die bei 10 ®/o und we- 


niger Kindern der gleichen Alters- und Ge- 
schlechtsgruppe vorkaiiieii. Unabhängig vom Bezie- 
hungszusammenhang, in dem die einzelnen Verhal- 
tensweisen auftraten, wurden ihre objektive Häu- 
figkeit und die Häufigkeit ihres Zusammentreffens 
ermittelt. Ob dabei tatsächlich der Sachverhalt 
„Auffälligkeit" im Sinne eines Abweichens von den 
Erwartungen der jeweils unterschiedlich urteilen- 
den und reagierenden Umgebung vorlag, blieb bei 
diesem Vorgehen unberücksichtigt. Bei 18,7 ®/o der 
Jungen und Mädchen wurden mindestens je drei 
und bei 10,1 Vo der Jungen sowie 11,5 Vo der Mäd- 
chen mindestens je vier Verhaltensweisen angetrof- 
fen, die unter dem willkürlich angenommenen 
Grenzwert einer 10-®/o-Häufigkeit lagen. Nachunter- 
suchungen an einer Gruppe von 400 Kindern mit je 
vier und mehr solcher Verhaltensweisen zeigten ei- 
nen Rückgang insbesondere destruktiver und stö- 
render Auffälligkeiten, während Symptome im Kör- 
perbereich, Unruhe, Ängste, Reizbarkeit eher zum 
Persistieren tendierten. 

Die Arbeitsgruppe hat mit einem eigenen Projekt: 
Bedarfsermittlung, das von Kohlscheen unter Mitar- 
beit von Buff und Hellemann durchgeführt wurde, 
versucht, sich einen Überblick über die Größenord- 
nung des Bedarfs zu verschaffen. Eine darüberhin- 
aus von dem Projekt erhoffte Differenzierung des 
Bedarfs stieß, wie bei ähnlichen Untersuchungen, 
auf erhebliche Schwierigkeiten und konnte nicht 
vorgenommen werden. 

Die Untersuchungen bezogen sich auf den Schulan- 
fängerjahrgang der Stadt Köln im Jahre 1972. Am 
Einschulungstag waren dort 13 780 Kinder schul- 
pflichtig. 1 199 (8,7 Vo) wurden von vornherein Son- 
dereinrichtungen (Heimsonderschulen, Sonderschu- 
len für Lernbehinderte, Sonderschulen für verschie- 
dene andere Behinderungsformen, Sonderschulen 
für Erziehungshilfe) zugeführt, 826 (6 ^/o) vom 

Schulbesuch zurückgestellt. Von den 11 749 in nor- 
male Grundschulen aufgenommenen Schulanfän- 
gern wurden 941 aus 30 ersten Schulklassen in die 
Untersuchung einbezogen. Diese 30 Klassen gehör- 
ten zu 15 der 130 Grundschulen der Stadt Köln, die 
so ausgewählt waren, daß ihre Einzugsbereiche als 
repräsentativ für die sozioökonomische Struktur 
der verschiedenen Stadtbezirke gelten konnten. 180 
(19,1 Vo) der 941 Schüler (502 Jungen, 439 Mädchen) 
wurden von ihren Klassenlehrern spontan auf die 
allgemeine Frage nach auffälligen oder gestörten 
Kindern genannt. Am häufigsten wurde dabei Man- 
gel an Konzentrationsvermögen und Unruhe sowie 
fehlende soziale Anpassung, an dritter Stelle so- 
wohl Agressivität wie Passivität angegeben. Weite- 
re 309 (32,9 ®/o) Kinder wurden bei Fortführung des 
Interviews unter Nennung einzelner Verhaltenswei- 
sen als ebenfalls, aber leichter auffällig bezeichnet. 
Bei 133 der von den Lehrern sofort als verhaltens- 
auffällig genannten 180 Kinder konnte eine psy- 
chologische Untersuchung vorgenommen werden 
(Intelligenzuntersuchung mit Verbalteil und ZS des 
HAWIK, Coloured Progressive Matrices und Mann- 
Zeichentest; Thomas-Erzähltest; Exploration; stan- 
dardisierte Verhaltensbeobachtung). Bei 123 (92,5 Vo) 
von ihnen erwies sich die spontane Beurteilung 
durch die Lehrer insofern als relevant, als bei der 


29 



Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


psychologischen Untersuchung mindestens eines 
der folgenden Kriterien ermittelt wurde: 1. Intelli- 
genzquotient unter 85, 2. ausgeprägte Hinweise auf 
eine Störung im emotionalen oder sozialen Bereich. 
Bei 7,5 ®/o hatten die Lehrer demgegenüber entwick- 
lungsbedingte Verhaltensweisen überbewertet. An- 
dererseits fanden sich in einer Kontrollgruppe von 
21 Kindern, die bei den Lehrern auch nach dem er- 
weiterten Interview als unauffällig galten, in einem 
überraschend hohen Anteil zumindest leichte Stö- 
rungen. Es erschien deswegen zulässig, die Gesamt- 
quote der spontan als auffällig bezeichneten Kinder 
zur Grundlage einer Hochrechnung zu machen, bei 
der sich für die 1972 normal eingeschulten Anfän- 
ger insgesamt eine Zahl von 2 244 zu erwartenden 
Problemkindern ergab. Umgerechnet auf den ge- 
samten Einschulungsj ahrgang ergibt sich damit fol- 
gendes Bild der Häufigkeit von Auffälligkeiten und 


Beeinträchtigungen 

Im Laufe des 1. Schuljahres eindeutig 

als Problemkind auffällig 16,3 ®/o 

Vom Schulbesuch zurückgestellt 6,0 ®/o 

Mit der Einschulung einer Sondereinrich- 
tung zugeführt 8,7 ®/o 

insgesamt 31,0 ®/o. 


Bei dem Projekt: Lehrer und ihre Problemschüler, 
über das noch an anderer Stelle berichtet wird, 
nannten die befragten 145 Lehrkräfte an Grund-, 
Haupt- und Sonderschulen 12®/o ihrer Klassenstär- 
ken als Problemschüler. Der gegenüber den vorher- 
gehend aufgeführten Untersuchungen geringere 
Anteil erklärt sich im wesentlichen mit dem Inter- 
viewvorgehen, bei dem ausdrücklich gebeten wur- 
de, diejenigen Schüler zu nennen, die dem Lehrer 
besondere Probleme aufgeben und bei dem keine 
weitere Nachfrage mit Erwähnung einzelner Ver- 
haltensweisen vorgenommen wurde. 

Die angeführten Erhebungsergebnisse geben keine 
Aufschlüsse darüber, welche Maßnahmen in wel- 
chem Umfang erforderlich sind. Die Arbeitsgruppe 
hat, gestützt auf Schätzungen, versucht, mit einer 
graphischen Darstellung im Hauptberichtsteil 
B.3.7.1 die unterschiedliche Verteilung der Versor- 
gungsbedürfnisse von der Einflußnahme über El- 
tern- und Lehrergruppen bis zur stationären Thera- 
pie aufzuzeigen. Rutter und Graham vermuten, daß 
bei 6 ®/o aller Kinder eine an sie selber gerichtete 
ambulante oder stationäre Therapie notwendig ist. 
Davidson hat 1961 jeweils auf begrenzten Erhebun- 
gen beruhende Schätzungen aus Finnland, Däne- 
mark, Schweden, Holland und England zusammen- 
gestellt. Der Anteil derjenigen Kinder, die keine 
wesentlichen Probleme boten, lag dabei ziemlich 
einheitlich um 75 ®/o. Die Hilfe einer „Child Guid- 
ance Clinic" wurde bei zehn bis 15 ®/o für erforder- 
lich gehalten (Untersuchung, Beratung bzw. Be- 
handlung). 

Bei dem von der Arbeitsgruppe veranlaßten Projekt 
stellte sich demgegenüber heraus, daß von den ver- 
haltensauffälligen und beeinträchtigten Kindern des 
untersuchten Schulanfängerjahrgangs bis dahin nur 


7,9 in den Erziehungsberatungsstellen der Stadt 
Köln erschienen waren. Steuber fand bei seiner Un- 
tersuchung, daß von den verhaltensauffälligen Kin- 
dern, die er bei seiner Untersuchung ermittelte, nur 
für 16,5 zumindest diagnostische Maßnahmen un- 
ternommen worden waren. Das deutliche Gefälle 
von den höheren zu den niedrigeren Sozialschich- 
ten (29,5 ®/o : 11 ‘^/o) zeigt dabei an, daß nicht nur 
insgesamt ein erheblicher Bedarf noch ungedeckt 
ist, sondern daß außerdem die gegenwärtige Ver- 
sorgung auch ganz spezifische Lücken aufweist. 


3 Dissoziales Verhalten bei Kindern und 
Jugendlichen 

Die auf Vorschlag der Arbeitsgruppe Kinder- und 
Jugendpsychiatrie gebildete Expertengruppe „Dis- 
sozialität Jugendlicher" hat sich vor allem mit der 
Frage befaßt, welche Hilfen für Kinder und Ju- 
gendliche mit dissozialem Verhalten innerhalb ei- 
nes regionalen Verbundsystems zur Versprgung 
psychisch auffälliger, gestörter und behinderter 
Kinder vorgesehen werden müssen und welche 
überregionalen Einrichtungen daneben erforderlich 
sind. Sie hat außerdem erörtert, welche Anfor- 
derungen an die Ausbildung von Mitarbeitern der 
vorgeschlagenen Institutionen gerichtet werden 
müssen. Schließlich wurden Möglichkeiten der 
Prävention dissozialen Verhaltens geprüft. 

Die Empfehlungen der Expertengruppe sind in die 
verschiedenen Teile des Abschnitts über Versor- 
gung psychisch auffälliger, gestörter und behinder- 
ter Kinder und Jugendlicher eingegangen, z. T. 
auch in weitere Abschnitte (u. a. Vorfeld und Bera- 
tungsdienste — B.2.1, 2.2, Aus-, Weiter- und Fort- 
bildung — C). Hier folgen dazu Erläuterungen und 
Ergänzungen. — Der während der Beratungen der 
Expertengruppe erschienene Diskussionsentwurf ei- 
nes Jugendhilfegesetzes wurde bei den Erörterun- 
gen berücksichtigt. 


3.1 Grundlagen der Empfehlungen 

Dissoziales Verhalten bei Kindern und Jugendli- 
chen ist jeweils ein Versuch, unterschiedlich ent- 
standene Probleme und Konflikte zu lösen. Insofern 
unterscheidet es sich nicht von anderen Formen 
auffälligen oder abweichenden Verhaltens, in de- 
nen sich eine Störung der Beziehungen zur sozialen 
Umwelt ausdrückt. Der für den weiteren Verlauf 
wesentliche Unterschied liegt darin, daß es sich um 
Verhaltensweisen handelt, die negativ, nämlich als 
sozialschädlich beurteilt werden. Eine derartige Be- 
wertung kann zutreffen, d. h. das Verhalten kann 
tatsächlich den berechtigten Interessen anderer zu- 
widerlaufen. Es kann sich aber auch um eine, über 
die wirkliche Bedeutung des Verhaltens hinausge- 
hende Zuschreibung handeln, die sich auf Vorurtei- 
le — etwa wegen der Zughörigkeit zu einer be- 
stimmten sozialen Gruppe — gründet. Auf jeden 
Fall führt die Beurteilung dazu, daß die Reaktionen, 
insbesondere der öffentlichen Institutionen, von 


30 



Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


dem Bedürfnis bestimmt werden, das dissozial ab- 
weichende Verhalten unter Kontrolle zu bringen. 
Informelle Interventionen, wie sie das System for- 
meller Maßnahmen, das Jugendwohlfahrtsgesetz und 
Jugendgerichtsgesetz vorsehen, behalten dabei 
selbst dann punitive und ausgliedernde Züge, wenn 
sie ausdrücklich pädagogischen und therapeuti- 
schen Zielsetzungen zugeordnet werden. 

Daß restriktives und isolierendes Vorgehen indes- 
sen nicht geeignet ist, die Bedingungen dissozialen 
Verhaltens zu ändern, ist vielfach nachgewiesen 
worden. Es wird im Gegenteil häufig zu einer wei- 
teren, verfestigenden Bedingung. Belastung durch 
diskriminierende Vorurteile, zunehmend negative 
Selbsteinschätzung, Abbruch von Bildungs- und 
Ausbildungsgängen, Bestätigung mißtrauischer Er- 
wartungen gegenüber öffentlichen Institutionen 
verstellen mehr und mehr die Möglichkeit sozial ge- 
billigter Problemlösungen und stellen dadurch den 
Erfolg sozialpädagogischer Bemühungen in Frage. 

Daß derartige stigmatisierende und isolierende Pro- 
zesse vermieden werden, ist eine wesentliche Vor- 
aussetzung für jede nachhaltige Einflußnahme auf 
dissoziales Verhalten. Wenn bei einem Kind ein 
Verhalten beobachtet wird, daß seiner Bewertung 
wegen als dissozial zu bezeichnen ist, sollte deswe- 
gen nicht anders verfahren werden als sonst bei 
Problemverhalten. Die Intervention hat sich nicht 
am negativ bewerteten Symptom zu orientieren, 
sondern an den Konflikten, die ihm zugrunde liegen, 
und an den Bedingungen, die diese entstehen ließen 
und aufrecht erhalten. Nach dem gleichen Prinzip, 
das allgemein für die Versorgung auffälliger Kinder 
im Hauptbericht der Arbeitsgruppe „Kinder- und 
Jugendpsychiatrie“ dargestellt worden ist, sollten 
bereits die erwachsenen Bezugspersonen im Sozial- 
feld des Kindes — vor allem Lehrer, Kindergärtne- 
rinnen, Erzieher — darauf vorbereitet und dabei 
unterstützt werden, Konflikte zu erkennen, zu ihrer 
Lösung beizutragen und negativ verstärkende Re- 
aktionen zu vermeiden. Wenn Klärung, Beratung 
oder Behandlung durch Fachleute notwendig er- 
scheint, dann sollten dies auch bei dissozialem Ver- 
halten jene Einrichtungen innerhalb des Versor- 
gungsgebietes übernehmen, die sich mit den sonsti- 
gen Formen auffälligen Verhaltens und psychischer 
Störung befassen (Beratungsstellen für Kinder, Ju- 
gendliche und Eltern und die enger mit diesen ver- 
bundenen dezentralen therapeutischen und sozial- 
pädagogischen Einrichtungen). 

Auf solche Weise läßt sich einer Entwicklung zu 
verfestigt delinquentem Verhalten am ehesten be- 
gegnen. Auch dann aber, wenn bei Jugendlichen 
ein bereits ausgeprägteres dissoziales Verhalten 
vorliegt, muß der Nachteil ausgliedernder und stig- 
matisierender Maßnahmen vermieden werden. Es 
mehren sich die Untersuchungsergebnisse, mit de- 
nen nachzuweisen ist, daß offene Maßnahmen (Un- 
terstützung durch Sozialarbeiter, Wohngruppen, 
kleinste pädagogische oder therapeutische Heime) 
dissoziales Verhalten — bei jeweils gleichem Aus- 
prägungsgrad — wirksamer beeinflussen, als eine 
hospitalisierende und isolierende Unterbringung in 


großen Erziehungsheimen oder Jugendstrafanstal- 
ten. 


3.2 Umfang der gegenwärtigen Maßnahmen bei 
dissozialem Verhalten 

In welcher Häufigkeit dissoziales Verhalten bei 
Kindern und Jugendlichen überhaupt vorkommt, 
läßt sich nicht allgemeingültig feststellen. Erhebun- 
gen dazu gehen entweder von einzelnen Merkma- 
len aus, ohne deren unterschiedliche soziale Bedeu- 
tung zu berücksichtigen, oder sie befassen sich mit 
allen Erscheinungsformen auffälligen bzw. abwei- 
chenden Verhaltens. Dunkelfelduntersuchungen ha- 
ben gezeigt, daß Verhaltensweisen, die mit Strafe 
bedroht sind, zu einem großen Teil überhaupt ver- 
borgen bleiben. Gelangt dissoziales Verhalten den 
öffentlichen Kontrollinstanzen zur Kenntnis, dann 
sind jeweils eine Reihe weiterer Faktoren daran be- 
teiligt (z. B. Auffälligkeit des Deliktes, Auffälligkeit 
des Täters, Zugehörigkeit des Täters zu einer vor- 
urteilsbelasteten Gruppe usw.). 

Sichere Zahlenangaben lassen sich nur über dieje- 
nigen Kinder und Jugendliche machen, für die ge- 
genwärtig öffentliche Maßnahmen durchgeführt 
werden. Jeweils in abgerundeten Promille-Anteilen 


• — bezogen auf die Gesamtbevölkerung — befanden 
sich 1972 

Minderjährige unter Erziehungsbeistands- 
schaft oder Bewährungshilfe 0,5 %o 

Minderjährige in regelmäßiger formloser 
Betreuung durch Jugendämter 6,3 %o 

Minderjährige in Freiwilliger Erziehungs- 
hilfe 0,3 %o 

Minderjährige in Fürsorgeerziehung .... 0,25 %o 

Minderjährige insgesamt in 
Heimunterbringung bei Freiwilliger Er- 
ziehungshilfe 0,2 %o 

Heimunterbringung bei Fürsorgeerziehung 0,14 %o 

Jugendstrafanstalten und Untersuchungs- 
haft 0,13 %o 

Nur Jugendliche (14;0 bis 17;11 Jahre) in 
Heimunterbringung bei Freiwilliger Er- 
ziehungshilfe 0,1 %o 

Heimunterbringung bei Fürsorgeerziehung 0,09 %o 

Jugendstrafanstalten und Untersuchungs- 
haft 0,03 %o 


Diese für das Bundesgebiet errechneten Quoten 
weisen regionale Unterschiede auf, die sowohl 
mit der Sozialstruktur als auch mit der jewei- 
ligen Praxis der Jugendhilfe Zusammenhängen. Au- 
ßerdem zeichnen sich allgemeine Veränderungen 
ab, die sich u. a. in einem Rückgang der Zahl von 
Jugendlichen ausdrücken, für die Fürsorgeerzie- 
hung angeordnet wurde (1971 waren es 16,4 ®/o we- 
niger als 1970). Für den Bedarf innerhalb eines be- 
stimmten Versorgungsgebietes können diese Quo- 
ten deswegen nur als grobe Anhaltspunkte gel- 
ten. 


31 



Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


3.3 Besondere Einrichtungen innerhalb eines regio- 
nalen Verbundsystems zur Versorgung von 
psychisch auffällligen, gestörten und behinderten 
Kindern und Jugendlichen 

Klärung und Einflußnahme bei dissozialem Verhal- 
ten von Kindern sollen nach Meinung der Exper- 
tengruppe vor allem durch die ambulanten Einrich- 
tungen eines Verbundsystems erfolgen. Dabei sei in 
diesem Zusammenhang noch einmal darauf hinge- 
wiesen, daß nach den Vorstellungen der Arbeits- 
gruppe Kinder- und Jugendpsychiatrie ein solches 
Verbundsystem Institutionen, unabhängig von ihrer 
Trägerschaft und ihrer Ressortzugehörigkeit, zu ei- 
ner verbindlichen Kooperation zusammenfassen 
soll. Nur so kann die spezielle Kompetenz von 
Fachkräften und Facheinrichtungen — wie sie auch 
künftig nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen 
wird — voll genutzt werden und allen gleichmäßig 
zugute kommen. Die in den Entwürfen zu einem Ju- 
gendhilfegesetz aufgestellte Forderung nach Fach- 
lichkeit der Jugendhilfe und nach einem Zusam- 
menwirken von Fachkräften bei der Ursachenklä- 
rung und bei der Planung und Durchführung von 
Hilfen ist nur auf solche Weise zu verwirklichen. 
Die von der Sachverständigen-Kommission geforder- 
ten gemeindenahen Dienste — hier sind dabei vor 
allem ausreichend besetzte Beratungsstellen für 
Kinder, Jugendliche und Eltern (Erziehungsbera- 
tungsstellen) gemeint — sollten dabei künftig ge- 
währleisten, daß diagnostische und therapeutische 
Funktionen miteinander in Zusammenhang bleiben. 
Die Umsetzung diagnostischer Ergebnisse in thera- 
peutisches Handeln durch dieselbe Institution oder 
im unmittelbaren Zusammenwirken einzelner Dien- 
ste muß zur Regel werden. Das Auseinanderfallen 
dagegen von sogenannter „Begutachtung" — ein 
Ausdruck, der auf jeden Fall schon seines diskrimi- 
nierenden Beiklanges wegen vermieden werden 
sollte — und Durchführung läßt sich bei einer be- 
darfsgerechten, gemeindenahen Versorgung nur 
noch als Ausnahme, etwa zur Vorbereitung über- 
regionaler Maßnahmen rechtfertigen. 

Dissoziale Auffälligkeiten bei Kindern müssen vor 
allem dann umfassende Hilfe veranlassen, wenn 
sich zeigt, daß nicht nur vorübergehende Probleme 
zugrunge liegen, sondern daß auf Grund der bisheri- 
gen Sozialisationsbedingungen nur unzulängliche 
Möglichkeiten vorhanden sind, Bedürfnisse auf so- 
zial akzeptierte Weise zu befriedigen und Konflikte 
zu bewältigen. Die Zugehörigkeit zu sozial benach- 
teiligten Gruppen, Beziehungseinschränkungen oder 
-Störungen schon während der ersten Lebenszeit, 
das Aufwachsen in einer desorganisierten Familie 
und Kontaktabbrüche sollten möglichst schon 
durch primärpräventive Maßnahmen vermieden 
werden. Dort, wo sie zu Einschränkungen des so- 
zialen und intellektuellen Lernens geführt haben, 
sollten ergänzende Lernprozesse so früh wie mög- 
lich einsetzen. Das setzt allerdings voraus, daß die 
Dienste eines Verbundsystems unmittelbar Kontakt 
zu Wohnbereichen sozial benachteiligter Gruppen 
haben. Wege dazu sind entsprechende Projektgrup- 
pen, die fachliche Unterstützung nicht-professionel- 
ler Initiativen, das Modell „Psychosoziale Kontakt- 


stelle" (s. B.2.2) oder eine Schwerpunktbildung in 
einzelnen Beratungsstellen für Kinder, Jugendliche 
und Eltern. 

Häufig werden die Schwierigkeiten allerdings erst 
bei der Konfrontation mit den Leistungs- und An- 
passungsforderungen der Schule offenbar. Der auf 
den bisherigen Sozialisationsbedingungen beruhen- 
de schulische Mißerfolg — zumeist trotz ausrei- 
chender Lern- und Leistungsmöglichkeiten — sowie 
die nachfolgende Stigmatisierung und Ausgliede- 
rung im Bereich der Schule sind nachgewiesener- 
maßen ihrerseits sehr häufig weitere Bedingungen 
einer gestört verlaufenden Entwicklung mit anhal- 
tend dissozialem Verhalten. Nach Beratung mit 
Sachverständigen aus dem Bildungswesen unter- 
stützt die Expertengruppe deswegen jene Empfeh- 
lungen der Bildungskommission des Deutschen Bil- 
dungsrates „Zur pädagogischen Förderung behin- 
derter und von Behinderung bedrohter Kinder und 
Jugendlicher", die darauf abzielen, die Aussonde- 
rung von Schülern und Schülergruppen zu vermei- 
den und therapeutische Hilfen in die jeweiligen 
Schulsysteme zu integrieren (a. a. O. 5.1 und 5.11). 

Jugendliche, die — bedingt durch ihre bisherige so- 
ziale Entwicklung und durch ihre besondere Uber- 
gangssituation in der Gesellschaft — bei inneren 
Konflikten und bei Konflikten mit ihrer Umgebung 
Lösungsmöglichkeiten in dissozialem Verhalten su- 
chen, sollen möglichst unmittelbar Angebote errei- 
chen können, die ihnen Zusammenarbeit bei der Be- 
wältigung ihrer Probleme, unmittelbare Hilfe in 
Krisensituationen, Möglichkeiten einer Orientie- 
rung, ergänzendes Lernen sowie Therapie zugäng- 
lich machen. 

Dazu ist vor allem die Weiterentwicklung der in 
den letzten Jahren auf verschiedene Weise entstan- 
denen Kontakt- bzw. Beratungsstellen für Jugendli- 
che erforderlich. Erprobt werden sollten dabei so- 
wohl gesonderte Einrichtungen als auch eine ent- 
sprechende Schwerpunktbildung bei einzelnen Be- 
ratungsstellen für Kinder, Jugendliche, Eltern und 
Familien eines Verbundsystems. Wieweit Jugendli- 
che von einem derartigen Angebot Gebrauch ma- 
chen, hängt sehr wesentlich davon ab, ob sie selber 
mit über die Schritte ihrer Annäherung von der Er- 
kundung über Kontakt und Beratung bis zur Be- 
handlung entscheiden können, ohne sich einer in- 
stitutioneilen Routine unterworfen zu fühlen. 

Auch dann, wenn die Probleme, die dem dissozia- 
len Verhalten zugrunde liegen, und die Schwierig- 
keiten, die durch dieses Verhalten entstanden sind, 
eine kontinuierliche Einflußnahme und Hilfe erfor- 
derlich machen, sollte dies möglichst innerhalb des 
Versorgungsgebietes geschehen. Dazu schlägt die 
Expertengruppe vor (s. B. 3.7. 1.2. 3. 3): 

1. Tageseinrichtungen* mit der Funktion von Ta- 
geskliniken. Sie sollen Jugendlichen und auch 
jüngeren Volljährigen, denen es möglich ist, bei 
ihren Familien, allein oder mit Gleichaltrigen 
zusammen zu wohnen, u. a. therapeutische 
Gruppen, Unterrichtsmöglichkeiten zur Behe- 
bung von Bildungsdefiziten, Werkmöglichkeiten 
zur Arbeitserprobung und erforderlichenfalls 


32 



Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Einzeltherapie sowie Unterstützung bei der Ge- 
staltung ihrer Freizeit bieten, 

2. Nachtkliniken *) für Jugendliche, bei denen der 
Ausprägungsgrad ihrer Störung oder akute Kri- 
sen ein Verbleiben in ihrer bisherigen Wohnum- 
gebung oder ein selbständiges Wohnen aus- 
schließen, die aber tagsüber aus dem Bildungs-, 
Ausbildungs- oder Arbeitsbereich nicht heraus- 
gelöst oder dort wieder eingegliedert werden 
sollen. Mit etwa zehn Plätzen können diese Ein- 
richtungen — u. U. auch bei gleichzeitigem Be- 
such der Tagesklinik — die Funktion eines re- 
gional integrierten Kleinstheimes haben. 

3. Wohngruppen, zum teilweise selbständigen 
Wohnen von Jugendlichen, mit ständiger Bera- 
tung oder Unterstützung durch eine Beratungs- 
stelle für Jugendliche. 

Auch für diese Einrichtungen sind bereits Modelle 
vorhanden. Die Expertengruppe hält es für erfor- 
derlich, solche Modelle langfristig, d. h. über die 
unvermeidlichen Schwierigkeiten jeder Erprobung 
hinweg zu fördern und wissenschaftlich zu unter- 
stützen. 

Da bei der Zusammenarbeit mit schwierigen Ju- 
gendlichen nachweislich die Kontinuität der einmal 
aufgenommenen Beziehungen von besonderer Be- 
deutung für eine günstige Weiterentwicklung ist, 
sollten Beratungsstelle, Tages- und Nachtklinik in 
einem unmittelbaren funktionalen und organisatori- 
schen Zusammenhang stehen. Es ist dies außerdem 
die Voraussetzung dafür, daß den vorgeschlagenen 
kleinen teilstationären Einrichtungen ausreichende 
Fachkompetenz zur Verfügung steht. 

3.4 Überregionale Einrichtungen für Jugendliche mit 
dissozialem Verhalten 

Auch bei der vorgeschlagenen Einbeziehung in 
eine gemeindenahe Versorgung werden für einen 
Teil der Jugendlichen, die mit dissozialem Verhal- 
ten in Erscheinung treten, überregionale Einrich- 
tungen erforderlich bleiben. Unabhängig von Res- 
sortzugehörigkeit und Trägerschaft sollten dabei 
vorgesehen werden 

1. für jedes zweite der vorgeschlagenen Zentren 
für Kinder- und Jugendpsychiatrie — neben ei- 
ner allgemeinen Adoleszentenstation — eine 
kleine Abteilung (zehn Plätze) für Jugendliche 
mit ausgeprägteren Störungen der sozialen 
Orientierung, Gefährdung durch Dekompensa- 
tion ihrer Umweltbeziehungen und Neigung zu 
dissozialem Agieren in Krisen. 

2. Besondere Einrichtungen für Jugendliche, bei 
denen eine therapeutische Einflußnahme nur un- 
ter längerfristigem Schutz vor schädigenden 
Handlungen möglich ist. 


*) Die Begriffe „Tagesklinik" und „Nachtklinik" werden 
hier im Sinne einer Funktionsbeschreibung verwandt. 
Sie sind ohne Bedeutung für die Personalstruktur. Bei 
einer Zusammenarbeit mit ausreichend multidisziplinär 
besetzten Beratungsstellen werden vor allem Sozial- 
pädagogen und Sozialarbeiter dort tätig sein. 


3. Besondere Heime für Jugendliche, die mit disso- 
zialem Verhalten bei ausgeprägten neurotischen 
Entwicklungen einer längerfristigen stationären 
Psychotherapie bedürfen. 

4. Einrichtungen für Jugendliche, denen innerhalb 
ihrer bisherigen Umgebung eine soziale Orien- 
tierung und Eingliederung nicht möglich ist 
(z. B. bei fehlenden oder ausschließlich ungün- 
stigen Beziehungsmöglichkeiten). Sie könnten in 
ihrer Struktur dem Konzept des Werkhofes ent- 
sprechen. 

5. Einrichtungen in der Art von Kurzschulen, in 
denen für einzelne Jugendliche oder auch Grup- 
pen von Jugendlichen bei zeitlich befristetem 
Aufenthalt die Möglichkeiten einer anderen Um- 
gebung und konzentrierter Erfahrungen genutzt 
werden, um neue Orientierungen und Fähigkei- 
ten zu vermitteln und Verhaltensweisen in der 
Gemeinschaft zu erproben. Es würden dies Ein- 
richtungen sein, in denen auch die in den Ent- 
würfen für ein Jugendhilfegesetz vorgesehenen 
übungs- und Erfahrungskurse (dort etwas un- 
glücklich als „Erziehungskurse" bezeichnet) 
durchgeführt werden können. 

Der Platzbedarf in derartigen, sehr verschiedenarti- 
gen Einrichtungen läßt sich schwer schätzen. Soweit 
es sich um längerfristig stationäre Maßnahmen han- 
delt, könnte er etwa bei 0,05 %o der Gesamtbevölke- 
rung liegen. 

Bei allen längerfristigen stationären Unterbringun- 
gen außerhalb des bisherigen Lebensraumes muß 
die Gefahr berücksichtigt werden, daß die ange- 
strebte Wirkung therapeutischer und pädagogi- 
scher Maßnahmen mit zunehmender Dauer durch 
die Auswirkungen der Isolierung von der sozialen 
Wirklichkeit und unvermeidlicher institutioneller 
Reglementierungen aufgehoben wird. Für alle über- 
regionalen Einrichtungen muß deswegen der 
Grundsatz gelten, daß kleine überschaubare Einhei- 
ten zu bilden sind — erfahrungsgemäß liegt deren 
Grenze etwa bei 24 Plätzen — , von denen aus Be- 
ziehungen in die Umgebung hinein möglich sind. 
Zur gemeinsamen Nutzung spezieller therapeuti- 
scher Möglichkeiten, von Bildungs- und Ausbil- 
dungseinrichtungen sowie zur Supervision der Mit- 
arbeiter lassen sich solche kleinen Einheiten zu ei- 
nem Verbund zusammenfassen. 

3.5 Prävention dissozialen Verhaltens 

Die Vorschläge zur Prävention sind weitgehend in 
die entsprechenden Teile des Hauptberichtes 
(B3.7.1 und E) eingegangen. Wesentliche Gesichts- 
punkte seien aber auch hier noch einmal hervorge- 
hoben. 

Dissozialem Verhalten ist vor allem durch allge- 
meine präventive Maßnahmen zu begegnen, mit de- 
nen Gefährdungen überhaupt vermieden werden 
oder vorhandene Gefährdungen allgemeiner Art 
rechtzeitig erkannt und beeinflußt werden. Es geht 
dabei in erster Linie darum, der sozialen Desinte- 
gration einzelner oder ganzer Gruppen entgegenzu- 
wirken. Das kann nur gelingen, wenn in jedem 


33 



Drucksache 7/4201 Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Versorgungsgebiet die Aufmerksamkeit ständig auf 
soziale Brennpunkte und Probleme gerichtet bleibt 
und zu unmittelbaren Reaktionen führt. Sehr wich- 
tig erscheint dabei die Mitwirkung und die Initiati- 
ve nichtprofessioneller Gruppen. 

Angestrebt werden muß außerdem, verfestigende 
und stigmatisierende Reaktionen auf dissoziales 
Verhalten von Kindern und Jugendlichen durch 
aufklärende Tätigkeit nicht nur bei Eltern, Erzie- 
hern und Lehrern, sondern in der allgemeinen Öf- 
fentlichkeit zu verringern. 


4 Beratungsstellen für Kinder, Jugendliche, 
Eltern und Familien 

Die gegenwärtig vorhandenen Erziehungsbera- 
tungsstellen versorgen bereits in größerem Umfang 
psychisch auffällige, gestörte und z. T. auch behin- 
derte Kinder. Als eine Konzentration von Fachkräf- 
ten in größter Gemeindenähe werden sie auch der 
wesentliche Bestandteil des ambulanten Bereichs 
der vorgeschlagenen Verbundsysteme zur Versor- 
gung psychisch auffälliger, gestörter und behinder- 
ter Kinder sein. 

Um Umfang und Art der Versorgung durch die Er- 
ziehungsberatungsstellen in die Beurteilung der ge- 
genwärtigen Lage einbeziehen zu können, hat die 
Arbeitsgruppe Kinder- und Jugendpsychiatrie mit 
dem Stichtag der Haupterhebung der Enquete 
(30. Mai 1973) eine Umfrage bei den Erziehungsbe- 
ratungsstellen in der Bundesrepublik Deutschland 
vorgenommen. Es wurde dabei versucht, diese da- 
durch vollständig zu erfassen, daß einmal nach 
dem Verzeichnis der Bundeskonferenz für Erzie- 
hungsberatung die Stellen einzeln angeschrieben 
wurden, daß außerdem aber eine zusätzliche Ver- 
teilung der Erhebungsbögen über die Träger, die 
Landesjugendbehörden und die Landesarbeitsge- 
meinschaften für Erziehungsberatung erfolgte. Von 
den eingehenden Antworten konnten 375 in die 
Auswertung einbezogen werden. Wenn man davon 
absieht, daß zwei Beratungsstellen ihre Beteiligung 
verweigerten, dürfte die Zahl annähernd mit den 
zum Erhebungszeitpunkt tatsächlich vorhandenen 
Erziehungsberatungsstellen übereinstimmen. Wenn 
die Bundesregierung bei der Beantwortung einer 
Anfrage zur Situation der Kinder in der Bundesre- 
publik bereits 1967 eine Zahl von 427 Erziehungs- 
beratungsstellen genannt hat, dann sind dabei si- 
cherlich auch Einrichtungen berücksichtigt worden, 
die nach Aufgabenstellung, Besetzung und Tätig- 
keit nicht in diese Kategorie gehörten. Auch bei 
der jetzigen Erhebung gingen von derartigen Ein- 
richtungen Antworten ein, wurden aber nicht mit 
ausgewertet. Richtigerweise ist die Bundesregie- 
rung in ihrem Dritten Jugendbericht von den Anga- 
ben der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung 
ausgegangen und hat dort für das Jahr 1971 die 
Zahl von 348 Erziehungsberatungsstellen genannt, 

Uber die 375 Erziehungsberatungsstellen, die bei 
der jetzigen Erhebung erfaßt wurden, lassen sich 
für den Stichtag des 30. Mai 1973 folgende Angaben 
machen: 


Bezeichnung der Stelle 

(Der Bezeichnung lassen sich Hinweise auf den 
Aufgabenbereich und das Aufgabenverständnis ent- 


nehmen) 

Erziehungsberatungsstelle (142) 3718^^/0 

Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche 

und Eltern (84) 22,4 0/0 

Psychologische Beratungsstelle o. ä. (49) . . 13,1 % 

Erziehungs- und Lebensberatungsstelle (30) 8,0 ®/o 

Familien- und/oder Lebensberatungs- 
stelle (12) 3,2 Vo 

Ärztlich-Psychologische Beratungsstelle 

o. ä. (10) •) 2 , 70/0 

Beratungsstelle für Kinder und Jugend- 
liche (8) 2,1 0/0 

Psychotherapeutische Beratungsstelle (8) 2,1 0/0 

Familien- und Erziehungsberatungs- 
stelle (8) 2,1 0/0 

Heilpädagogische Beratungsstelle (7) .... 1,9 0/0 

Beratungsstelle (7) 1,9 0/0 

Jugend- und Familienberatungsstelle (4) 1,1 0/0 

Sozialpädagogische Beratungsstelle (1), 
Psychohygienisches Institut (1) 0,6 0/0 

Bezeichnung nicht mitgeteilt (4) 1,1 0/0 


Leitung 

Hauptamtliche Leitung durch eine Person 84,5 0/0 


Hauptamtliche Leitung durch ein Team . . 2,7 0/0 

Nebenamtliche Leitung 12,8 0/0 

Fachrichtung des Leiters 

Psychologe (293) 78,2 0/0 

Arzt (43) 11 , 50/0 

Arzt und Psychologe (7) 1,8 0/0 

Psychagoge (8) 2,1 0/0 

Sozialarbeiter (1) 0,2 0/0 

Andere Berufe (Theologe, 

Soziologe usw). (13) 3,5 0/0 

Fachliche Besetzung 

drei Fachkräfte und mehr 65,1 0/0 

zwei Fachkräfte und weniger 34,9 0/0 


Neuzugänge im Jahre 1972 

Die Zahl derjenigen Kinder und Jugendlichen, die 
im Laufe eines Jahres erstmals in einer Beratungs- 
stelle erscheinen, erlaubt gewisse Rückschlüsse auf 
deren Aktivität. 30 der 375 erfaßten Stellen konnten 
dazu keine Angaben machen, zumeist weil sie erst 


*) Hier sind audi die ambulanten Beratungseinrichtungen 
an Abteilungen für Kinder- und Jugendpsychiatrie der 
Universitäten aufgeführt. 


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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


im Laufe des Jahres 1972 oder Anfang 1973 einge- 
richtet worden waren. 

Die Gesamtzahl der Neuzugänge in den verbleiben- 
den 345 Erziehungsberatungsstellen belief sich 1972 
auf 81 201 Kinder und Jugendliche. Zwischen den 
einzelnen Beratungsstellen bestehen dabei große Un- 
terschiede, die teils auf deren Besetzung beruhen 
(z. B. zehn Neuzugänge bei einer nur nebenamtlich 
geleiteten und versorgten Stelle; mehr als 1 000 
Neuzugänge bei einzelnen Erziehungsberatungsstel- 
len mit bis zu neun multidisziplinären Arbeitsgrup- 
pen) oder mit der verschiedenartigen Arbeitsweise 
Zusammenhängen (weniger Neuzugänge bei größe- 
rem Angebot an Einzel- und Gruppentherapie, Ar- 
beit mit Eltern-, Lehrer- und Erziehergruppen sowie 
Institutionsberatung). Bei 49,3 ®/o der 345 Erzie- 
hungsberatungsstellen lag die Zahl der Neuzugänge 
im Jahre 1972 unter 180. 


Therapeutische Aktivitäten 

312 der an der Erhebung beteiligten Erziehungsbe- 
ratungsstellen konnten die Zahl der Kinder und Ju- 
gendlichen angeben, die sich am Stichtag in länger- 
fristiger Therapie mit wenigstens einer wöchentli- 
chen Sitzung befanden. Es waren dies insgesamt 
8 689 Kinder und Jugendliche. Auch hier gab es 
ähnlich große Unterschiede wie bei den Neuzugän- 
gen. Einige Stellen konnten lediglich ein bis zwei 
längerfristige Behandlungen durchführen; von ein- 
zelnen großen Erziehungsberatungsstellen mit meh- 
reren Arbeitsgruppen wurden bis zu 157 laufende 
Behandlungen angegeben. 50 Vo der 312 Stellen be- 
handelten am Stichtag jeweils weniger als 30 Kin- 
der und Jugendliche. 

4.1 Angaben über die Kinder und Jugendlichen, die 
in Erziehungsberatungsstellen erscheinen 

Die Bundeskonferenz für Erziehungsberatung hat 
mit einem Erhebungsbogen, der durch eine von ihr 
eingesetzte Kommission entwickelt wurde, bislang 
in den Jahren 1973 und 1974 von 65 bzw. 64 Erzie- 
hungsberatungsstellen eine Vielzahl von Daten 
über die dort neu- bzw. wiedererschienenen oder 
aus dem Vorjahr übernommenen Kinder und Ju- 
gendlichen sammeln können. 1973 handelte es sich 
dabei um 14 095 und 1974 um 12 576 Berichtsfälle. 

Bei den beteiligten Stellen handelt es sich zwar 
nicht um eine repräsentative Stichprobe. Dennoch 
vermitteln die Ergebnisse, die in vieler Hinsicht mit 
früheren Erhebungen übereinstimmen, Aufschlüsse 
über die gegenwärtige Tätigkeit der Erziehungsbe- 
ratungsstellen. In den erfaßten Stellen waren im 
Jahr durchschnittlich 246 bzw. 301 Klienten neu- 
bzw. wiedererschienen. 15Vo davon waren fünf 
Jahre und jünger, 70 ^/o standen im Alter zwischen 
sechs und 13 Jahren, 15 Vo waren 14 Jahre und äl- 
ter. Die häufigsten Vorstellungsanlässe waren Stö- 
rungen im Leistungsbereich [25,7 Auffälligkei- 
ten im Sozialverhalten (25,2 %) und Auffälligkeiten 
im emotionalen Bereich (22®/o). Die Initiative zum 


Aufsuchen der Erziehungsberatungsstelle ging im 
Durchschnitt der beiden Berichtsjahre zu 50 V» von 
den Eltern aus, zu 15 von einer Schule, zu 10 Vo 
von einem Arzt, zu 8 Vo von einem Jugend- oder 
Sozialamt und zu 3 bzw. 3,9 Vo von den Kindern 
oder Jugendlichen selbst. Zu 25 ®/o kamen die 
Klienten aus unvollständigen Familien. 5 bzw. 
3,7 % lebten in Ersatzfamilien. Von besonderer Be- 
deutung sind die Angaben über die soziale Her- 
kunft. Der Hauptverdiener der Herkunftsfamilie 
war bei etwa 20 ®/o höherer Angestellter, Beamter 
oder Selbständiger, bei 42,5 Vo einfacher Angestell- 
ter oder Selbständiger, bei 28 ®/o unselbständiger 
Handwerker oder Facharbeiter und nur zu 9,2 % 
Ungelernter. 

Bei den Formen der Betreuung handelte es sich 
überwiegend um Beratungen bis zu drei Sitzungen 
(46,5 bzw. 40,8 Vo). Bei 30 Vo wurden Beratungen in 
mehr als drei Sitzungen vorgenommen. Zu 25 bzw. 
30 ®/o wurde eine Therapie durchgeführt. In der Rang- 
folge der therapeutischen Maßnahmen standen da- 
bei 1974 eklektische Spieltherapie, nicht-direktive 
Therapie sowie übende heilpädagogische Verfahren 
an erster Stelle. 

4.2 Zusammenfassende Beurteilung der gegenwärti- 
gen Versorgung durch die Erziehungsberatungs- 
stellen 

Einzelne gut ausgestattete Erziehungsberatungsstel- 
len nehmen in sehr großem Umfang Versorgungs- 
aufgaben nicht nur im Bereich ambulanter Diagno- 
stik und Beratung sondern auch im Bereich der 
Therapie wahr. Insgesamt reichen indessen Zahl 
und Besetzung der Erziehungsberatungsstellen in 
keiner Weise aus, um dem Bedarf an Klärung, Bera- 
tung und Therapie gerecht zu werden. Berücksich- 
tigt man nur jene 244 Beratungsstellen aus der jet- 
zigen Erhebung, die über wenigstens eine vollstän- 
dige Arbeitsgruppe hauptamtlicher Fachkräfte ver- 
fügen, dann entfielen 1973 je 250 000 Einwohner auf 
eine derartig besetzte Stelle. Geht man davon aus, 
daß einzelne große Beratungsstellen über mehrere 
Arbeitsgruppen verfügen, dann sind es immer noch 
200 000 Einwohner, die auf eine Arbeitsgruppe ent- 
fallen statt 50 000, wie es älteren Richtzahlen der 
Weltgesundheitsorganisation entsprechen würde. 

Die Tätigkeit der Erziehungsberatungsstellen steht 
damit weithin unter dem Druck von Anmeldungen, 
die zu mehr oder weniger langen Wartelisten und 
zu Wartezeiten entweder vor einem Erstkontakt 
oder vor der Einleitung intensiverer Zusammenar- 
beit führen. Dies ist einer der Gründe dafür, daß 
die gegenwärtige Klientel eine Auslese zugunsten 
der mittleren und höheren Sozialschichten darstellt. 
Diese Voraussetzungen erschweren ihrerseits wie- 
derum Veränderungen, die in den Beratungsstellen 
als notwendig erkannt und teilweise auch verwirk- 
licht werden. Dazu gehören die stärkere Einbezie- 
hung ganzer Familien, ein Vorgehen, das Kinder, 
Jugendliche und Eltern von Anfang an stärker zu 
Mitwirkenden als zu Objekten einer Diagnostik 
macht, aktive Kontakte zu benachteiligten Bevölke- 
rungsgruppen, Arbeit mit Multiplikatoren. 


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Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


4.3 Beratungsstellen für Kinder, Jugendliche, Eltern 
und Familien in den vorgeschlagenen Verbund- 
systemen zur Versorgung psychisch auffälliger, 
gestörter und behinderter Kinder und Jugend- 
licher 

Die erweiterten Aufgaben und die Struktur dieser 
Einrichtungen sind im Abschnitt über die Versor- 
gung psychisch auffälliger, gestörter und behinder- 
ter Kinder (B. 3. 7. 1.2. 3. 3) beschrieben. Die von die- 
sen Diensten z. T. bereits jetzt gewählte Bezeichnung 
„Beratungsstellen für Kinder, Jugendliche, Eltern 
und Familien" soll deutlicher machen, an wen sich 
das Angebot richtet. Die Bezeichnung „Erziehungs- 
beratungsstelle" kennzeichnet ihrem engeren Wort- 
sinn nach die Funktion auch der gegenwärtigen 
Beratungsstellen nur ungenügend. Sie signalisiert 
insbesondere nicht, daß es sich um Einrichtun- 
gen handelt, die für jeden, der selbst nicht in der 
Lage ist, sein Problem zu definieren und sich selbst 
einer speziellen Einrichtung zuzuordnen, die Mög- 
lichkeit des Zugangs bieten soll. 

Die vielseitigen Aufgaben können nur bei einer ge- 
genüber der gegenwärtigen Situation wesentlich 
verstärkten multidisziplinären Besetzung mit Fach- 
kräften wahrgenommen werden. Dabei wird es je 
nach der Sozialstruktur und der geographischen Be- 
schaffenheit des Versorgungsgebietes, nach Aufga- 
benschwerpunkten und nach den Formen der Zu- 
sammenarbeit mit anderen Beratungsdiensten ver- 
schiedenartige Typen derartiger Beratungsstellen 
geben müssen, wie sie z. T. im Hauptbericht ge- 
nannt werden. Wesentlich für die Wirkungsweise 
dieser ambulanten Einrichtungen ist dabei in jedem 
Fall die Möglichkeit informellen Zugangs und in- 
formeller Außenbeziehungen. 

Innerhalb eines Verbundsystems sind für die Bera- 
tungsstellen für Kinder, Jugendliche, Eltern und Fa- 
milien vor allem folgende Kooperationsmöglichkei- 
ten gegeben: 

— unmittelbare Zusammenarbeit, u. U. auch engere 
organisatorische Verbindung mit psychothera- 
peutischen und heilpädagogischen Tageseinrich- 
tungen und Heimen, Tages- und Nachtkliniken 
sowie Wohngruppen für Jugendliche; 

— Zusammenarbeit mit anderen Beratungsstellen, 
zum einen ergänzend bei unterschiedlichen 
Schwerpunkten, zum anderen bei Supervision 
und Erfahrungsaustausch; 

— Rückgriff auf die geplanten Zentren für Kinder- 
und Jugendpsychiatrie bei Problemen, die die 
Möglichkeiten der ambulanten Einrichtung 
überschreiten. 


5 Zentren für Kinder- und Jugendpsychiatrie 

Als zentrale kinder- und jugendpsychiatrische 
Dienste in einem Verbundsystem zur Versorgung 
psychisch auffälliger, gestörter und behinderter 
Kinder hält die Arbeitsgruppe für erforderlich (s. 
B. 3,7.1.2.3.3., C): 


— Eine ambulante Einrichtung für solche diagno- 
stischen und therapeutischen Aufgaben, die nicht 
von den übrigen ambulanten Diensten des Ver- 
sorgungssystems wahrgenommen werden kön- 
nen. Sie soll den Einrichtungen des Verbundsy- 
stems zur differentialdiagnostischen Klärung 
und zur Ergänzung der ambulanten Behand- 
lungsmöglichkeiten den unmittelbaren Rückgriff 
auf spezielle kinder- und jugendpsychiatrische, 
neuropädiatrische, neurologische und psycholo- 
gische Untersuchungsverfahren und Behand- 
lungswege ermöglichen. Je nach den Möglich- 
keiten und der Schwerpunktbildung der Bera- 
tungsstellen für Kinder, Jugendliche, Eltern und 
Familien (s. d.) kann diese ambulante kinder- 
und jugendpsychiatrische Einrichtung ihrerseits 
Schwerpunkte bilden oder besondere Aufgaben 
übernehmen (z. B. Psychotherapie bei besonde- 
ren Störungsformen, Früherkennung und -be- 
handlung bei Behinderten, Krisenintervention, 
Institutionsberatung). Insbesondere sollen durch 
die volle Ausnutzung aller ambulant durchführ- 
baren Untersuchungsverfahren stationäre Auf- 
nahmen aus lediglich diagnostischen Gründen 
reduziert werden. 

— Eine stationäre Einrichtung für Untersuchung 
und Beobachtung, soweit sich dies als unum- 
gänglich erweist, und zur kurz- bis mittelfristi- 
gen Behandlung. 

— Eine stationäre Einrichtung für die längerfristige 
Versorgung von 

1. Kindern und Jugendlichen mit autistischen 
Syndromen, Psychosen, schweren Auswir- 
kungen frühkindlicher Sozialisationsstörun- 
gen, Mehrfachbehinderungen, 

2. geistig oder seelisch behinderten Kindern 
und Jugendlichen mit neuropsychiatrischen 
Komplikationen (z. B. Anfallsleiden) oder 
schwerwiegenden Störungen des Verhaltens 
(z. B. ausgeprägte psychomotorische Unruhe), 
bei denen die Unterbringung in dezentralen 
(komplementären) stationären Einrichtungen 
wegen des Schweregrades der Komplikatio- 
nen und/oder wegen der Notwendigkeit stän- 
diger medizinischer Versorgung nicht mög- 
lich ist. 

Die Arbeitsgruppe empfiehlt, diese Dienste für je- 
weils zwei Standardversorgungsgebiete, d. h. für 
durchschnittlich 500 000 Einwohner, zusammenzu- 
fassen. Für eine solche Zusammenfassung spricht 
die volle Nutzung der diagnostischen und therapeu- 
tischen Ausstattung (insbesondere auch medizi- 
nisch-technische Einrichtungen wie Röntgenappara- 
tur, Elektroenzephalographie, Laboratorien, sowie 
krankengymnastische und beschäftigungstherapeu- 
tische Einrichtungen) und die Möglichkeit über 
spezielle Fachkompetenz aus verschiedenen medizi- 
nischen und psychologischen Bereichen gemeinsam 
verfügen zu können. Dabei sollen derartige Zentren 

— wenn ihre Aufgaben auch denen eines Fachkran- 
kenhauses entsprechen — jedoch keinesfalls den 
Charakter einer klinischen Großeinrichtung haben. 
Die einzelnen Bereiche sollten räumlich soweit ge- 


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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


geneinander abgegrenzt sein, daß den verschieden- 
artigen Bedürfnissen von Kindern und von Ju- 
gendlichen und den unterschiedlichen Versorgungs- 
forrnen bei kurz- bis mittelfristiger und bei langfri- 
stiger stationärer Unterbringung mit der Struktur 
der einzelnen Abteilungen entsprochen werden 
kann. Bauliche Gliederung und Geländenutzung 
müssen die Bewegungs- und Erfahrungsbedürfnisse, 
aber auch die Abgrenzungsbedürfnisse der über- 
wiegend nicht bettlägerigen Kinder und Jugendli- 
chen berücksichtigen und möglichst normale 
Wohnbedingungen sowie eine weitgehend normale 
Tageslaufgestaltung gewährleisten. 

5.1 Platzbedarf der Zentren für Kinder- und 
Jugendpsychiatrie 

Die Arbeitsgruppe hat bei ihren Vorschlägen für 
die verschiedenen Bereiche eines Zentrums auf je 
500 000 Einwohner insgesamt 150 Plätze vorgese- 
hen. Daneben sollten in jedem zweiten Zentrum 
noch Plätze für überregionale Aufgaben (z. B. für 
Adoleszenten mit ausgeprägteren Störungen im So- 
zialverhalten, für spezielle klinische Psychothe- 
rapie) vorgesehen werden. Diese Bedarfsschätzung 
gründet sich auf begrenzte Erhebungen und auf 
Planungen einzelner Länder, hinsichtlich der län- 
gerfristigen stationären Versorgung von behinder- 
ten Kindern und Jugendlichen, sowie auf die Fest- 
stellungen der Expertengruppe für die Versorgung 
geistig Behinderter. 

Im einzelnen weichen die herangezogenen Bedarfs- 
schätzungen und Planzahlen aus verschiedenen 
Gründen voneinander ab. Zu berücksichtigen ist 
dabei die grundsätzliche Schwierigkeit, den hier 
angesprochenen Bedarf differenziert zu ermitteln, 
zum anderen die Verschiedenartigkeit der Aufga- 
ben, die jeweils bei den einzelnen Planungen für 
die stationären kinder- und jugendpsychiatrischen 
Dienste vorgesehen werden. 

So sehen z. B. die Planungsleitzahlen für England 
und Wales an Krankenhausbetten für Kinder und 
für Jugendliche mit psychischen Erkankungen je 
0,025 %o, zusammen 0,05 %o der Gesamtbevölkerung 
vor. Das ist ein Zehntel der für Erwachsene geplan- 
ten Betten (0,5 %o ohne psychogeriatrische Erkran- 
kungen). Zusätzlich sind für geistig behinderte Kin- 
der 0,13 %o Krankenhausbetten vorgesehen, d. h. 
knapp ein Viertel der Leitzahl für erwachsene gei- 
stig Behinderte (0,55 %o). Für geistig behinderte 
Kinder in Wohn- und Pflegeheimen sind außerdem 
noch einmal 0,12 %ü Plätze angesetzt. 

Die Denkschrift „Psychiatrische Krankenhauspla- 
nung und psychiatrische Versorgung der Bevölke- 
rung in Bayern" (1971) vermutet nur für Kinder 
ebenfalls einen Bedarf an psychiatrischen Kranken- 
hausbetten von 0,025 %o der Gesamtbevölkerung, 
dazu für Langverweilabteilungen zur Versorgung 
geistig und seelisch behinderter Kinder 0,075 %o. 
— Im Psychiatrieplan des Landes Baden-Würt- 
temberg (1973) ist hinsichtlich der stationären Ver- 
sorgung von psychisch gestörten und behinderten 
Kindern und Jugendlichen eine Differenzierung 
nach Diagnostik und kurzfristiger Behandlung einer- 


seits, mittel- und langfristiger Behandlung ande- 
rerseits vorgenommen worden. Lediglich um den 
dringendsten Bedarf zu decken, werden dabei im er- 
sten Bereich 0,04 %o und im zweiten Bereich 
0,06 %o, zusammen 0,1 %o Plätze bezogen auf die Ge- 
samtbevölkerung für erforderlich gehalten. Gleich- 
zeitig wird festgestellt, daß gegenwärtig nur 
0,045 %o derartiger Plätze vorhanden sind. Es ist 
richtig, wenn bei diesen Planungsziffern angemerkt 
wird, daß sie noch keine bedarfsgerechte Versor- 
gung gewährleisten. Es würde — zumindest für den 
Bereich der kurz- und mittelfristigen stationären 
Behandlung — bereits der unmittelbaren Erfah- 
rung zuwiderlaufen, daß lediglich eine Verdoppe- 
lung (auch in Bayern würde es sich allenfalls um 
eine Verdoppelung handeln) der Platzzahl in statio- 
nären kinder- und jugendpsychiatrischen Einrich- 
tungen ausreichen würde. 

Eine Studie über die kinder- und jugendpsychiatri- 
sche Versorgung im Bereich des Landschaftsver- 
bandes Rheinland hat dementsprechend zeigen kön- 
nen, daß die vorläufigen Schlüsselzahlen der Deut- 
schen Gesellschaft für Psychiatrie und Nervenheil- 
kunde zutreffen dürften. Sie setzen einen Kranken- 
hausbettenbedarf von 0,1 %o der Gesamtbevölke- 
rung für Diagnostik und für kurz- und mittelfristige 
Behandlung bei psychisch gestörten Kindern und 
Jugendlichen sowie einen Bettenbedarf (Kranken- 
haus- und Heimplätze) von 0,6 %o für die längerfri- 
stige Versorgung von geistig und seelisch behin- 
derten Kindern und Jugendlichen an. — Die Zahl 
der tatsächlich aus dem Landschaftsverband Rhein- 
land stationär untergebrachten Kinder und Jugend- 
lichen, zuzüglich derjenigen, die erfaßt und für eine 
stationäre Unterbringung vorgesehen waren, lag 
bei 87 Vo des nach den Schlüsselzahlen anzuneh- 
menden Bedarfs. Unter der berechtigten Annahme 
einer Dunkelziffer von 13^0 würden sich damit die 
Schlüsselzahlen bestätigen. Allerdings fehlt in die- 
ser Studie eine Differenzierung des Bedarfs nach 
kurz-, mittel- und längerfristiger stationärer Versor- 
gung. Insgesamt machen bei dieser Bedarfsschät- 
zung die Plätze für psychisch gestörte und behin- 
derte Kinder und Jugendliche etwas weniger als 
ein Viertel des nach den Richtzahlen der WHO mit 
3 %o der Gesamtbevölkerung zugrundegelegten Ge- 
samtbedarfs an Plätzen für psychisch Kranke und 
Behinderte aus. 

Die Arbeitsgruppe ist von den durch diese Erhe- 
bung gestützten Schlüsselzahlen ausgegangen. Hin- 
sichtlich des stationären Bedarfs für Diagnostik so- 
wie kurz- und mittelfristige Behandlung hält sie die 
Annahme von 0,1 %o der Gesamtbevölkerung für 
annähernd zutreffend. Sie berücksichtigt dabei un- 
ter anderem eine in den letzten Jahren deutliche 
Tendenz, bei der sich abzeichnet, daß mit quantita- 
tiver und qualitativer Verbesserung ambulanter 
Diagnostik (Neueinrichtung ambulanter Dienste, 
Differenzierung und Verbreitung entsprechender 
Untersuchungsverfahren und Beurteilungsmöglich- 
keiten) der Anteil der lediglich aus diagnostischen 
Gründen erfolgten stationären Aufnahmen zurück- 
geht, daß gleichzeitig aber der Anteil der infolge 
der gleichen Verbesserung erfaßten schwerer ge- 
störten stationären Patienten mit einer aus thera- 


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Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


peutischen Gründen mittelfristigen Verweildauer 
zunimmt. Die Platzzahl bleibt dabei immer noch un- 
ter einem Zehntel der übrigen psychiatrischen 
Krankenhausbetten. 

Hinsichtlich der Plätze für eine längerfristige sta- 
tionäre Versorgung weichen die Bedarfsschätzun- 
gen der Arbeitsgruppe Kinder- und Jugendpsychia- 
trie allerdings von der bisher vorgenommenen Auf- 
schlüsselung des Anteils von insgesamt 0,6 %(> der 
Gesamtbevölkerung in 0,3 %o Krankenhausplätze 
und 0,3 %o Heimplätze ab. übereinstimmend mit 
dem Expertenteam für die Versorgung geistig Be- 
hinderter ist sie der Meinung, daß für 0,45 %o der 
Gesamtbevölkerung Heimplätze (komplementäre 
Dienste) vorgesehen werden können und daß nur 
zu 0,15 der Gesamtbevölkerung für geistig behin- 
derte Kinder und Jugendliche wegen neuropsychia- 
trischen Komplikationen und anderen Gründen für 
eine ständige medizinische Versorgung Plätze an 
einem Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie 
vorgesehen werden müssen. Darüber hinaus aller- 
dings hält sie Plätze für die längerfristige stationä- 
re Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit 
autistischen Syndromen, Psychosen, Mehrfachbe- 
hinderungen mit einer Richtzahl von 0,05 %o der Ge- 
samtbevölkerung für erforderlich. 

Damit würden sich die 150 vorgeschlagenen Plätze 
verteilen auf 50 Plätze (Kinder und Jugendliche) für 
Diagnostik und bis zu mittelfristiger Behandlung, 
25 Plätze für die längerfristige Versorgung von au- 
tistischen Syndromen, Psychosen, Mehrfachbehin- 
derungen usw. und 75 Plätze für die langfristige 
Unterbringung von Behinderten mit der Notwendig- 
keit ständiger medizinischer Versorgung. 

Es muß offen gelassen werden, wieweit bei einer 
Neuordnung und Verbesserung der ambulanten 
Versorgung sich Änderungen hinsichtlich dieses 
stationären Bedarfs ergeben. Aussagen darüber 
werden nur möglich sein, wenn für Modellzentren 
und nach Möglichkeit Modellregionen eingehende 
Erhebungen über die Beziehungen zwischen ambu- 
lanter und stationärer Versorgung angestellt wer- 
den. Den Grundsätzen für eine Neuordnung (s. B.l) 
entsprechend, soll eine stationäre Unterbringung 
nur dann erfolgen, wenn erfolgversprechende Maß- 
nahmen anders nicht gewährleistet sind. 

5.2 Organisationsformen des Zentrums für Kinder- 
und Jugendpsychiatrie 

Die Aufgabenstellung innerhalb eines Verbundsy- 
stems zur Versorgung psychisch auffälliger, gestör- 
ter und behinderter Kinder macht es erforderlich, 
daß das Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie 
ohne Einschränkungen mit den übrigen Einrichtun- 
gen dieses Verbundsystems unmittelbar und ver- 
bindlich Zusammenarbeiten kann. Unter dieser Vor- 
aussetzung, die durch eine unabhängige Leistungs- 
struktur zu sichern ist, sind verschiedene Organisa- 
tionsformen des Zentrums und verschiedene Ver- 
bindungen zu anderen Einrichtungen möglich. Eini- 
ge dieser Möglichkeiten seien mit ihren wesentli- 
chen Vor- und Nachteilen angeführt. Fragen der 
Trägerschaft, der Verwaltung und der wirtschaftli- 


chen und technischen Versorgung werden dabei 
hier nicht berührt. 

1. Selbständiges Zentrum für Kinder- und Jugend- 
psychiatrie. Es hat den Vorteil, daß die Voraus- 
setzungen hinsichtlich Baustruktur und Gelände- 
nutzung (s. o.) unabhängig von der Nachbar- 
schaft anderer Einrichtungen optimal gestaltet 
werden können. Für die mittel- und längerfristig 
aufgenommenen Kinder und Jugendlichen kön- 
nen bei dieser Lösung ohne Schwierigkeiten Bil- 
dungs- und Ausbildungseinrichtungen angeglie- 
dert werden, die gleichzeitig auch anderen Ein- 
richtungen des Verbundsystems zur Verfügung 
stehen. Zu prüfen ist allerdings, ob jeweils die 
erforderliche medizinisch-technische Ausstat- 
tung voll genutzt werden kann. Das dürfte dann 
der Fall sein, wenn außer den vorgeschlagenen 
150 Plätzen weitere Plätze (25 bis 30) für überre- 
gionale Aufgaben vorhanden sind und bzw. oder 
ambulante Schwerpunktaufgaben (z. B. Früher- 
kennung von Behinderungen) wahrgenommen 
werden. 

2. Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie in 
räumlichem und organisatorischem Zusammen- 
hang mit einem anderen Krankenhaus. Unter dei 
Voraussetzung, daß überhaupt bauliche Voraus- 
setzungen für die besonderen Aufgaben des 
Zentrums und für seine Abgrenzung vorhanden 
sind, liegt der Vorteil vor allem darin, daß die 
Einrichtungen und die Kompetenz der verschie- 
denen medizinischen Spezialisten des gesamten 
Krankenhausbereiches zur Verfügung stehen. Die- 
ser Vorteil käme dabei überwiegend der ambu- 
lanten und stationären Diagnostik — besonders 
bei entsprechenden Schwerpunktaufgaben — ■ zu- 
gute. Die Möglichkeiten des Geländes dürften 
dagegen zumeist den Bedürfnissen, die bei den 
mittel- und langfristig aufgenommenen Kindern 
und Jugendlichen bestehen, weniger entspre- 
chen. Im einzelnen kommen in Betracht: 

a) Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie 
in Verbindung mit einem psychiatrischen 
Fachkrankenhaus. Diese Lösung ist u. a. vor- 
geschlagen worden, um Gelände und Bausub- 
stanz solcher Psychiatrischer Landeskranken- 
häuser zu nutzen, deren Platzzahl im Verlauf 
einer Neuordnung reduziert wird. Abgesehen 
davon, daß die vorerst noch vorhandenen 
Vorurteile innerhalb der Bevölkerung das 
Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie 
einschließen könnten, wird in vielen Fällen 
der Standort für die Funktion des Zentrums 
innerhalb eines Versorgungsgebietes unge- 
eignet sein. Bei Neubauten an einem aufga- 
bengerechten Standort könnten sich die übri- 
gen Vor- und Nachteile (Nutzung gemeinsa- 
mer Einrichtungen/Möglichkeiten des Gelän- 
des) die Waage halten. 

b) Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie 
an einem Kinderkrankenhaus oder an einem 
Allgemeinkrankenhaus mit Kinderabteilung. 
Neben den oben erwähnten allgemeinen Vor- 
teilen, die ein größerer Krankenhauskomplex 


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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


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bietet, würde bei dieser Lösung mit der 
räumlichen Verbindung die Gleichstellung 
psychisch und körperlich kranker Kinder be- 
tont. An den für das Zentrum erforderlichen 
strukturellen Voraussetzungen zeigt sich in- 
dessen, daß Gleichstellung wohl Gleichwertig- 
keit, nicht aber Gleichartigkeit der Versor- 
gung bedeutet. Ein weiterer Vorteil könnte 
jedoch darin liegen, daß sich eine — sehr 
wünschenswerte — ergänzende Zusammenar- 
beit zwischen Pädiatrie und Kinder- und Ju- 
gendpsychiatrie entwickeln kann. Als Binde- 
glied — funktional und ggf. auch räumlich 
— kommen dabei Abteilungen für Neuropä- 
diatrie in Betracht. Die Arbeitsgemeinschaft 
für Neuropädiatrie hält für etwa 600 000 Ein- 
wohner jeweils eine neuropädiatrische Ab- 
teilung für erforderlich. Es entspricht dies 
ungefähr einem doppelten Standardversor- 
gungsgebiet, d. h. einem Versorgungsgebiet 
wie es auch für die Kinder- und Jugendpsych- 
iatrie vorgeschlagen wird. Unter dieser 
Voraussetzung ist aber auch die Einrichtung 
von neuropädiatrischen Abteilungen an selb- 
ständigen Zentren für Kinder- und Jugend- 
psychiatrie (s. 1) als eine Möglichkeit für 
einzelne Versorgungsgebiete zu erwägen. Sie 
wurde u. a. mit Sachverständigen aus dem 
Bereich der Neuropädiatrie erörtert. 

3. Zentren für Kinder- und Jugendpsychiatrie mit 
räumlich getrennten Bereichen für Diagnostik 
und bis zu mittelfristiger Behandlung (50 Plätze) 
einerseits, längerfristiger Unterbringung (100 
Plätze) andererseits. Diese Möglichkeit, bei der 
die beiden Bereiche innerhalb einer Ortschaft 
auf verschiedenem Gelände liegen können, 
kommt nur dann in Betracht, wenn die Entfer- 
nung unmittelbare gegenseitige Erreichbarkeit, 
gemeinsame Aktivitäten und gemeinsame Nut- 
zung einzelner Einrichtungen ohne Schwierig- 
keiten zuläßt. Sie könnte sich im Einzelfall dort 
anbieten, wo die Vorteile der Verbindung mit 
einem anderen Krankenhaus genutzt werden 
sollen, dort aber nicht die Voraussetzungen für 
eine bedürfnisentsprechende Unterbringung des 
Langzeitbereiches vorhanden sind. 

Auf diese Weise bestünde ggf. auch für eine 
Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie an 
einer Universität die Möglichkeit, Aufgaben ei- 
nes Zentrums für Kinder- und Jugendpsychiatrie 
zu übernehmen. Dies erscheint u. a. dann sinn- 
voll, wenn deren Forschungsschwerpunkt bei 
den Problemen einer bedarfsgerechten Versor- 
gung liegt. Allerdings müßten für die Versor- 
gungsaufgaben dann tatsächlich 50 Plätze zur 
Verfügung stehen (für andere Forschungsaufga- 
ben ggf. 15 weitere Plätze). Außerdem müßten 
alle Einrichtungen eines Zentrums im ambulan- 
ten und stationären Bereich vorhanden sein (s. 
B.3.3.2, Psychiatrische Universitätskliniken). 

Im übrigen ist die Frage aufgeworfen worden, wie- 
weit sich die in Kinderkrankenhäusern durch Rück- 
gang der Belegung frei werdende Bettenkapazität 
unmittelbar für eine bessere Versorgung psychisch 


auffälliger, gestörter oder behinderter Kinder nut- 
zen läßt. Abgesehen davon, daß diese Frage der Er- 
örterung mit Vertretern der Pädiatrie und ihrer Ein- 
richtungen bedarf, dürften die verfügbaren Plätze 
in der Regel nicht ausreichen, um Zentren für Kin- 
der- und Jugendpsychiatrie oder auch nur deren 
kurz- bis mittelfristigen Bereich (50 Plätze) mit dem 
zusätzlichen Bedarf an Bewegungs- und Aktivitäts- 
räumen unterzubringen. — Es bietet sich dafür eher 
der in B.4.2 des Hauptberichtes (Dienste mit psy- 
chotherapeutisch/psychosomatischer Funktion) ent- 
haltene Vorschlag an, an Kinderkrankenhäusern 
kleine Abteilungen (bis zu 20 Betten) für Psycho- 
therapie/Psychosomatik einzurichten. Diese Abtei- 
lungen sollen auch Beratungsfunktionen für die üb- 
rigen Abteilungen des Krankenhauses übernehmen. 
Auch für eine derartige Einrichtung besteht dabei 
ein größerer Platzbedarf als für eine allgemeine 
Kinderstation. — Es muß betont werden, daß auf 
diese Weise aber nur die Versorgung einer be- 
stimmten Gruppe psychisch gestörter Kinder ver- 
bessert werden kann. Die erforderliche umfassende 
Versorgung aller Gruppen psychisch auffälliger, 
gestörter und behinderter Kinder und Jugendlicher 
macht entsprechende zentrale Dienste für Kinder- 
und Jugendpsychiatrie erforderlich. 

5.3 Gliederung, Einrichtungen und Personaibedarf 
der Zentren für Kinder- und Jugendpsychiatrie 

Die Arbeitsgruppe hat verschiedene Möglichkeiten 
für die Gliederung der stationären Bereiche des 
Zentrums in kleine Einheiten bis zu 12 Plätzen 
erörtert. Im Bereich für stationäre Diagnostik, kurz- 
bis mittelfristige Therapie kommen bei unterschied- 
lichen Schwerpunkten auch verschiedene Formen 
der Gliederung in Betracht. Entsprechende Modelle 
sollen entwickelt und erprobt werden. Ebenso sind 
die Erfahrungen mit der Gliederung bereits beste- 
hender Einrichtungen entsprechender Aufgabenstel- 
lung auszuwerten. Neben der Trennung der beiden 
großen stationären Bereiche des Zentrums sollte die 
Gliederung vor allem die unterschiedlichen Bedürf- 
nisse von Kindern und Jugendlichen und die Diffe- 
renzierung nach diagnostischen und therapeuti- 
schen Funktionen berücksichtigen. Gerade hinsicht- 
lich dieser Differenzierung aber sind für verschie- 
dene Versorgungsgebiete und angesichts von Ver- 
änderungen des Bedarfs sehr unterschiedliche Grö- 
ßenordnungen denkbar. Für bestimmte Patienten- 
gruppen sollen Tagesklinik (z. B. Kinder mit leich- 
teren autistischen Syndromen) und Nachtklinik 
(z. B. für Jugendliche) vorgesehen werden. 

Für die bauliche Gestaltung der vorgeschlagenen 
Zentren für Kinder- und Jugendpsychiatrie gibt es 
in einzelnen Bundesländern bereits Planungen, u. a. 
liegt auch ein als Diplomarbeit erstellter Entwurf 
vor. Die Arbeitsgruppe schlägt vor, derartige Ent- 
würfe zentral zu sammeln und zur Diskussion zu 
stellen. 

An unerläßlichen Einrichtungen des Zentrums für 
Kinder- und Jugendpsychiatrie sind über den allge- 
meinen Bedarf an Bewegungs-, Aktivitäs- und Be- 
schäftigungsräumen hinaus insbesondere Räume für 


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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Unterricht, Gruppentherapie, Beschäftigungsthera- 
pie, Spieltherapie, Krankengymnastik, Sport, ferner 
besondere Räume für Gruppenarbeit mit Eltern, Er- 
ziehern usw. zu nennen. 

Unter Berücksichtigung vielfältiger Erfahrungen 
aus der stationären Kinder- und Jugendpsychiatrie 
gibt die Arbeitsgruppe zur personellen Besetzung 
eines Zentrums für Kinder- und Jugendpsychiatrie 
folgende Hinweise für die stationären Bereiche; 

— Mitarbeiter im Pflege- und Erziehungsdienst 
(Kinderkrankenschwestern, Krankenschwestern, 
Krankenpfleger, Pflegehelfer/Heilerziehungspfle- 
ger und -pflegehelfer/Kindergärtnerinnen, Erzie- 
her, Kinderpflegerinnen) sollten nach einem 
Schlüssel von 1:1,5 vorgesehen werden. Inner- 
halb dieses Schlüssels ist in den verschiedenen 
Bereichen je nach Aufgabenstellung eine unter- 
schiedliche Verteilung von Mitarbeitern mit 
pflegerischer oder sozialpädagogischer Ausbil- 
dung erforderlich. 

— Mitarbeiter mit besonderer therapeutischer, so- 
zialpädagogischer oder heilpädagogischer Aus- 
bildung sollten nach einem Schlüssel von 1:10 
vorgesehen werden. Auch hier ist ohne Berück- 
sichtigung der unterschiedlichen Ausbildungs- 
gänge und -abschlüsse ein gemeinsamer Schlüs- 
sel angegeben, der eine aufgabenentsprechend 
variierende Besetzung zuläßt. 

— Arzte und Psychologen sind mit einem gemein- 
samen Schlüssel von 1:10 für den Bereich statio- 
närer Diagnostik, kurz- bis mittelfristiger Be- 
handlung und 1 : 20 für den Bereich der länger- 
fristigen stationären Versorgung vorzusehen. Für 
den kurz- bis mittelfristigen Bereich ergibt sich 
dabei z. B. eine variable Besetzung mit fünf Ärz- 
ten oder Psychologen. 

Leitungsfunktionen, besondere Aufgaben, ambulan- 
ter Bereich, Konsiliardienste sind bei diesen Hin- 
weisen nicht berücksichtigt. 


6 Projekt: Lehrer und ihre Problemschüler 

über dieses Projekt, das von H. von Balluseck 
durchgeführt und im Juni 1974 abgeschlossen wur- 
de, liegt ein ausführlicher Bericht (48 S., 49 Tabel- 
len) vor, der an anderer Stelle veröffentlicht wer- 
den soll. Hier werden die wesentlichen Ergebnisse 
dieses Projektes zusammengefaßt. Die Fragestel- 
lung der Arbeitsgruppe galt dem Wissensstand bei 
Lehrern über normabweichendes Verhalten von 
Kindern und Jugendlichen. Es sollte geklärt wer- 
den, welche Möglichkeiten derzeit vorhanden sind, 
diese alltäglich mit Konflikten und Problemen von 
Kindern und Jugendlichen konfrontierte Berufs- 
gruppe an primär- und sekundär-präventiven Maß- 
nahmen zu beteiligen bzw. in diese einzubezie- 
hen. 

Es wurden dazu 145 Lehrkräfte an Grund-, Haupt- 
und Sonderschulen (40 Vo Männer, 59 Vo Frauen) 
aus den Räumen München (75) und Bielefeld (70) 
interviewt. Auf eine für die Grundgesamtheit reprä- 


sentative Stichprobe wurde verzichtet und statt 
dessen versucht, eine Drittelung nach den drei 
Schultypen, nach Stadt, Kleinstadt und Dorf sowie 
nach der Dauer der Lehrtätigkeit (bis 5, 5 bis 15, 
über 15 Jahre) soweit wie möglich einzuhalten. 

92 o/o der Befragten bejahten die Frage nach dem 
Vorhandensein von Schülern, die ihnen besondere 
Probleme aufgeben. Genannt wurden dabei im 
Durchschnitt 12 o/o der Klassenstärken. Verneint 
wurde die Frage nach Problemschülern eher von 
Lehrern als von Lehrerinnnen und eher auf dem 
Dorf als in den Städten. Lehrer aus Kleinstädten ga- 
ben die im Durchschnitt höchsten Anteile von Pro- 
blemschülern an. Aus Grundschul- und Hauptschul- 
klassen wurde aufgrund des Interviews ein unge- 
fähr gleicher Anteil von 11 o/o bzw. 90/0 ausgespro- 
chener Problemschüler genannt. Sonderschullehrer 
gaben dagegen nahezu ein Drittel ihrer Klassenstär- 
ken als Problemschüler an. Der Anteil an Haupt- 
schulen liegt vermutlich deswegen am niedrigsten, 
weil ein Teil der problematischen Schüler vor dem 
Erreichen der höheren Klassen an Sonderschulen 
überwiesen wurde. 

Als häufigstes Problem wurden bei 89 0/0 der ange- 
gebenen Schüler Schwierigkeiten im Leistungsbe- 
reich angeführt. An zweiter Stelle standen Störun- 
gen im Sozialverhalten (bei 73 0 / 0 ) in Form von Ag- 
gressivität ( 330 / 0 ) und Kontaktstörungen (38 0 / 0 ). 
Mangelhafte Anpassung an die Schulsituation (unru- 
higes, störendes oder infantiles Verhalten) wurde 
bei 56 0/0 der Problemschüler erwähnt. 

Ausgesprochen dissoziale Verhaltensweisen, Steh- 
len und Schulschwänzen wurden für 8 0/0 bzw. 13 0/0 
aller Problemschüler angegeben. 

Die Ansichten der Lehrer über die Entstehungsbe- 
dingungen der Auffälligkeiten wurden einmal 
durch Äußerungen zu jeweils zwei Problemschü- 
lern, zum anderen durch eine Listenvorlage ermit- 
telt, bei der zehn Verhaltenseigenschaften und 12 
mögliche Ursachen einander zugeordnet werden 
konnten. Mangelnde häusliche Fürsorge und psy- 
chische Belastungen innerhalb der Familie wurden 
als weitaus häufigste Ursache, Konflikte in der 
Klasse (11 0 / 0 ) und mit dem Lehrer (1 0 / 0 ) dagegen äu- 
ßerst selten als Ursachen angesehen. Die Situation 
der Familie wurde verhältnismäßig wenig berück- 
sichtigt (materielle Bedingungen 10 0 / 0 , Gastarbei- 
tersituation o. ä. 30 / 0 ). Bei fast 20 0/0 der Problem- 
schüler wurden von den Lehrern Hirnfunktionsstö- 
rungen vermutet. Von Sonderschullehrern wurde 
häufiger als von den beiden anderen Gruppen bei 
den Problemschülern eine „charakterliche Schwä- 
che“ angenommen. 

Durch Cluster-Analysen wurde versucht, die Lehrer 
nach ihren unterschiedlichen Beurteilungsstand- 
punkten zu gruppieren. Die Mehrheit der Lehrer la- 
stet dem Problemschüler seine Auffälligkeiten und 
Schwierigkeiten nicht an, sondern sucht die Gründe 
in sachlicher Überforderung und in Belastungen 
durch die Familie. 59 ®/o der Lehrer meinten, über 
Möglichkeiten zu verfügen, die Entwicklung ihrer 
Problemschüler positiv zu beeinflussen. Im Vorder- 
grund standen dabei individuelle Formen der Ein- 


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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


flußnahme wie Gespräche, intensiverer Kontakt, 
Geduld, Lob. Verhältnismäßig selten wurden Grup- 
penarbeit oder Zusammenarbeit mit Institutionen 
erwähnt. Ältere Lehrer hoben eher als jüngere die 
Notwendigkeit einer Einbeziehung der Eltern her- 
vor. 

Das Vorhandensein von Erziehungsberatungsstellen 
war nur bei 5 ®/o der befragten Lehrer nicht be- 
kannt. Nur 52 hatten indessen mit einer Erzie- 
hungsberatungsstelle Kontakt aufgenommen. Ande- 
re Einrichtungen zur Versorgung psychisch auffälli- 
ger oder gestörter Kinder waren jeweils bei weni- 
ger als zwei Drittel der Lehrer bekannt und nur für 
ein Drittel überhaupt in erreichbarer Nähe. Von 
den Beratungsdiensten wurden überwiegend dia- 
gnostische Maßnahmen und eine Beratung der El- 
tern erwartet. 43 ®/o hatten Eltern dorthin empfoh- 
len. 92 ^/o der befragten Lehrer bekundeten ihr In- 
teresse an einer Fortbildung über Entstehung und 
Behandlung von Problemverhalten bei Schülern. 
Bevorzugte Formen einer solchen Fortbildung wa- 
ren Arbeitskreise (42 Vo), Seminare (39 ‘^/o) und 
Lehrgänge (27 ®/o). Es wurden aber auch bedarfswei- 
se eingerichtete Aussprachemöglichkeiten mit Kol- 
legen und Hinzuziehung von Fachleuten gewünscht 
(23 o/o). 

Die Ergebnisse der Untersuchung weisen darauf hin, 
daß bei der Aiisbildung und Fortbildung der Lehrer 
Entstehungs- und Verfestigungsbedingungen von 
psychischen Auffälligkeiten und Störungen wesent- 
lich mehr als bisher berücksichtigt werden müssen. 
86 o/o der Befragten zeigten sich in dieser Hinsicht 
ausgesprochen unzufrieden mit ihrer Ausbildung. 
Uber das Wissen hinaus ist eine bessere Befähi- 
gung zum Umgang mit Konflikten und Problemen 
der Schüler und zu einer die Zusammenhänge be- 
rücksichtigenden Einflußnahme erforderlich. Als 
eine bereits erprobte Möglichkeit, Lehrer in dieser 
Hinsicht zu unterstützen, werden fall- und problem- 
zentrierte Lehrergruppen unter Mitwirkung der Be- 
ratungsstellen für Kinder, Jugendliche, Eltern und 
Familien sowie kinder- und jugendpsychiatrischen 
bzw. psychotherapeutischen Dienste empfohlen. 


7 Dringliche Empfehlungen der Arbeitsgruppe 
Kinder- und Jugendpsychiatrie 

Die Sachverständigen-Kommission hat der Versor- 
gung psychisch auffälliger, gestörter und behinder- 
ter Kinder und Jugendlicher Priorität bei den spe- 
ziellen Patientengruppen (s. H.4.5) eingeräumt. 

Die Arbeitsgruppe hält dabei vor allem folgende 
Schritte für vordringlich: 

1. Vermehrung der Beratungsstellen für Kinder, 
Jugendliche, Eltern und Familien (Erziehungsbe- 
ratungsstellen) mit einer schrittweise nach den 
Vorschlägen der Arbeitsgruppe erweiterten mul- 
tidisziplinären Besetzung. 

2. Einrichtung wenigstens eines Modellzentrums 
für Kinder- und Jugendpsychiatrie in jedem 
Bundesland. 


3. Vermehrung der Weiterbildungsmöglichkeiten 
für Arzte zu Fachärzten für Kinder- und Jugend- 
psychiatrie durch entsprechende Stellenpläne an 
den gegenwärtig vorhandenen Einrichtungen 
(Fachkrankenhäuser, Fachabteilungen, Universi- 
tätskliniken) (s. B. 3. 7. 1.4. 3). 

4. Vermehrung der Ausbildungsmöglichkeiten für 
Psychagogen (Kinder- und Jugendlichenpsycho- 
therapeuten) (s. B. 3. 7. 1.4. 3). 

5. Weiterentwicklung und Erprobung von Aus- 
und Fortbildungsmethoden, die den Mitarbeitern 
im Pflege- und Erziehungsdienst Formen des 
therapeutischen Umgangs mit Kindern und Ju- 
gendlichen vermitteln (s. B. 3. 7. 1.4. 2). 


Literaturverzeichnis 

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1971. 

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41 



Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


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Düsseldorf 1972. 


42 



Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Ausführungen der Arbeitsgruppe „Suchtkranke“ 

Zur Versorgung von Suchtkranken 


1 Volkswirtschaftliche (sozio-ökonomische) 
Folgen der Suchterkrankungen 


1.1 Soziallasten 

Die Ermittlung der durch die Gesamtzahl von Alko- 
hol-, Arzneimittel- und Rauschmittelabhängigen be- 
dingten Sozialkosten begegnet manchen methodi- 
schen Schwierigkeiten wie statistische Unzulänglich- 
keiten, Fehlen der Diagnose in den Zusammenstel- 
lungen der Krankenkassen, der Sozialämter, der 
Rententräger, der Kriminalbehörden, langdauerndes 
Unerkanntbleiben eines pathologischen Arzneimit- 
tel- oder Alkoholkonsums. Pritchard (1970) hat für 
Australien den durch vorzeitigen alkoholbedingten 
Tod entstandenen volkswirtschaftlichen Schaden mit 
mathematischen Methoden nach Rice und Weisbrod 
(1966) zu berechnen versucht. Im deutschen Sprach- 
raum ist bisher nur die eine Untersuchung über die 
Höhe der durch Alkoholismus und chronischen Alko- 
holismus verursachten Sozialkosten für die Stadt 
Bremen — vorwiegend für das Jahr 1968 — von 
H. Tempel (1970) durchgeführt und veröffentlicht 
worden. Als direkte Kosten wurden alle Leistungen 
aus sozialen Einrichtungen einschließlich der Perso- 
nalkosten angesehen (ambulante und stationäre Be- 
handlung, Heim- und Anstaltsunterbringung, Haus- 
und Krankengeld, Familienunterstützung gern. § 37 
des Bundessozialhilfegesetzes, Frühinvalidität, Kri- 
minalität, Zivilgerichtsbarkeit, Einbuße an Vermö- 
genswerten durch persönliche Ausgaben für alkoho- 
lische Getränke). Die indirekten Kosten umfassen 
die Verringerung des Volkseinkommens durch „Al- 
koholismus'' wie Produktionsminderung durch Ar- 
beitsausfall und Leistungsabfall, erhöhte Morbidität 
und Mortalität. Tempel hat an direkten Kosten 
7 987 364 DM, an indirekten Kosten 26 117 949 DM, 
insgesamt also 34 105 313 DM ermittelt, wobei er be- 
tont, daß es sich um Minimalzahlen handelt. Bei 
einem Gesamtbruttoeinkommen in Bremen-Stadt 
von annähernd 3 Mrd, DM bilden die Aufwendun- 
gen für Folgen der Alkoholabhängigkeit somit etwa 

1.1 Vo! Eine Hochrechnung für das Gebiet der Bun- 
desrepublik Deutschland mit Berlin (West) ergibt 
mehrere Milliarden DM an Sozialkosten durch pa- 
thologischen Alkoholkonsum. Entsprechende Unter- 
suchungen werden von der Ruhr-Universität in Bo- 
chum durchgeführt. 

Auch in der Deutschen Demokratischen Republik 
sind die „produktionsmindernden Folgen des Alko- 
holmißbrauchs" mit der Zunahme des Alkoholkon- 
sums vom Jahr 1955 mit 4,4 Litern bis zum Jahr 
1970 auf 6,6 Liter Spirituosen und von 68,5 auf 95,7 
Liter Bier pro Kopf und Jahr beträchtlich angestie- 
gen. Trotz der seit 1962 geltenden Bestimmungen, 


den Genuß alkoholischer Getränke in den Betrieben 
zu unterlassen und Angetrunkenen das Betreten eines 
Betriebes zu verbieten, gelang es auch in der DDR 
bisher nicht, dem Problem wirksam zu begegnen 
(Baatz 1972). Die medizinischen und forensischen 
Folgeerscheinungen drücken nur unvollkommen das 
Maß an sozialer, wirtschaftlicher und menschlicher 
Not aus, der besonders auch die Familien der Ab- 
hängigen ausgesetzt sind. 

1.2 Morbidität 

Bei etwa 20 Vo der Abhängigen entwickeln sich psych- 
iatrische, bei etwa 30 bis 40 ®/o neurologische und 
internistische Komplikationen (davon etwa bei 8 Vo 
Leberzirrhose gegenüber 2,2 bis 3,9 % bei Nicht- 
alkoholkranken; nach V. Oldershausen kommt es so- 
gar zu einer Zirrhosenhäufigkeit von 34,6 ®/o nach 
durchschnittlich 22,4 Jahren eines täglichen Konsums 
von mindestens 80 g reinen Alkohols. Bei Leber- 
zirrhose fanden Creutzfeld und Beck in 39 ®/o ihrer 
Fälle Alkoholismus in der Vorgeschichte. Bei dem 
Nachweis einer Fettleber geben Thaler (1969) in 
52 ®/o Alkoholismus als Ursache, Sarvan und Broicher 
(1970) in 49 %, Knick und Mitarbeiter (1969) in 34 Vo 
an. Bei den Fällen von chronischer Pankreatitis 
stellte Amman (1970) bei 52 Vo einen Alkoholismus 
fest. Für psychische Alkoholkrankheiten hat Bättig 
(1972) in der Schweiz eine Zunahme um 106 Vo, 91 % 
bei Männern gegenüber 238 ®/o bei Frauen, seit dem 
Jahre 1936 errechnet. 

1.3 Mortalität 

Nach statistischen Untersuchungen von Wieser und 
Kunad (1965) ist die Mortalität bei Alkoholkranken 
etwa dreimal höher als in der Gesamtbevölkerung. 
Nach Sundby 1967, Ciompi und Eisert 1969, Schmidt- 
de Lint 1969 und Fitzgerald 1971 ist die Mortalität 
sogar vier- bis fünfmal höher als in der Durch- 
schnittsbevölkerung. Bei Opiatabhängigen ist sie so- 
gar zehnmal höher. 


2 Geschichtliche Entwicklung der Sucht und der 
Suchtmittel 

Suchtmittel waren der Menschheit schon zu prähisto- 
rischen Zeiten bekannt. Die auch heute noch ge- 
bräuchlichsten Mittel Alkohol, Opiumalkaloide, Ko- 
kain sind schon in neolithischen Kulturen nachge- 
wiesen worden. Man darf annehmen, daß seit un- 
gefähr 4 000 bis 5 000 Jahren Wein hergestellt wird, 
über das Vorkommen von Suchtkrankheiten ist aus 
früheren Zeiten wenig bekannt. Nach Herodot war 


43 



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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


der übermäßige Konsum von Alkohol schon in Grie- 
chenland weit verbreitet, so wie die griechische Me- 
dizin auch Vergällungskuren gegen den Alkoholis- 
mus kannte. Herodot berichtet auch über das ritua- 
lisierte Rauchen von Cannabis bei Angehörigen sky- 
thischer Stäme, die um das 8. Jahrhundert v. dir. 
am Kaspischen Meer siedelten. Als Arzneimittel 
wird Opium von Scribonius Largus um 47 v. Chr. 
erstmalig erwähnt. Chinesische Darstellungen über 
Haschisch als Heimittel sind wesentlich älter. Der 
medizinische Aspekt des Alkoholismusphänomens 
klingt schon in Äußerungen des römischen Rechts- 
gelehrten Domitius Ulpianus (170 bis 228 n. Chr.) an, 
der in seinen Gesetzestexten den Alkoholiker neben 
dem Geisteskranken erwähnt: „Das 12-Tafelgesetz 
befiehlt, daß ein Wahnsinniger, Alkoholiker und 
ebenso ein Verschwender, dem der Besitz von Gü- 
tern verboten ist, unter dem Schutz der Verwandten 
stehe". Der Mißbrauch alkoholischer Getränke ist 
offenbar zu bestimmten Zeiten bei den verschiede- 
nen Völkern wellenförmig angestiegen; zum Bei- 
spiel stellte der Alkoholismus im 16. Jahrhundert 
nördlich der Alpen ein ernstes Problem dar, er 
wurde in Amerika zur Zeit der Kolonisation zu 
einem Massenphänomen. 1516 entstand auch die 
erste Publikation gegen den Alkoholismus, „Elegien 
gegen die Trunkenheit", die wahrscheinlich Eobanus 
Hessus verfaßt hat. Suchtepidemien sind aus den 
meisten Teilen der Welt bekannt, zum Beispiel die 
katastrophale Ausbreitung des Opiummißbrauchs in 
China, die durch Einfuhren aus Indien im 18. und 
19. Jahrhundert entstand und die letztlich, weil die 
chinesische Regierung die weitere Einfuhr sperren 
wollte, zu den Opiumkriegen führte. Obwohl Opium 
schon im 9. Jahrhundert von den Arabern nach 
China gebracht wurde, erfolgte die exzessive Aus- 
breitung erst nach Intensivierung der Zufuhr des 
Suchtmittels aus Indien. In Ägypten wurden bereits 
im 8. Jahrhundert strengste Strafen (Ausreißen der 
Zähne) wegen des weitverbreiteten Mißbrauchs von 
Cannabis verhängt. Ende des vorigen Jahrhunderts 
findet sich eine ausgedehnte Epidemie von Äther- 
schnupfen im Bereich von Memel. Von 1880 an brei- 
tete sich der Peyotkult (Mescalinmißbrauch) epide- 
mieartig in den Vereinigten Staaten und Kanada 
aus. Man nimmt an, daß damals das im Norden be- 
stehende Älkoholverbot dieser Suchtepidemie för- 
derlich war. Im Zeitalter der Industriegründung kam 
es offenbar im Zusammenhang mit dem Wandel der 
Sozialstrukturen zu einem rapiden Änstieg des Al- 
koholismus, wie er 1845 von Friedrich Engels und 
später von Rudolf Virchow als Elendsalkoholismus 
unter englischen und deutschen Lohnarbeitern ge- 
schildert wurde. 

Gegen Ende des 19. Jahrhundert hat der Alkoholis- 
mus im mitteleuropäischen Bereich eine Ausbreitung 
erfahren, wie sie wahrscheinlich später nicht in glei- 
cher Intensität jemals mehr zu beobachten war. 
Nach dem Statistischen Jahrbuch für das Deutsche 
Reich 1926 verzeichnete man in den Jahren 1911 bis 
1913 in Deutschland 57 225 Aufnahmen von Alkoho- 
likern, 1917 bis 1919 waren es als Auswirkung des 
Ersten Weltkrieges nur mehr 8 370, während im 
Zeitraum von 1920 bis 1922 bereits wieder 22 705 
Aufnahmen zu verzeichnen waren. Die Aufnahme- 


zahlen von Fällen mit Delirium tremens an den 
Kliniken Berlin, Breslau und Wien vor dem Ersten 
Weltkrieg lassen vermuten, daß der Alkoholismus 
damals noch verbreiterter war als heute. Der Zweite 
Weltkrieg brachte wiederum eine starke Reduktion 
der Aufnahmezahlen, während in den Jahren nach 
Beendigung des Zweiten Weltkrieges das Alkohol- 
problem erneut eine Ausbreitung und stetige Zu- 
nahme erfuhr. Der Mißbrauch von Opiumalkaloiden 
breitete sich im amerikanischen und europäischen 
Raum erst mit Einführung der Injektionsnadel aus; 
über größere Probleme wurde erstmals während 
des amerikanischen Bürgerkrieges berichtet. 

Der Krankheitsprozeß des Alkoholismus wurde in 
Amerika von Benjamin Rush 1784 erstmals formu- 
liert, in Europa (1788) von Thomas Trotter, der im 
Jahre 1804 ein Buch über die medizinischen, philo- 
sophischen und chemischen Aspekte der Trunken- 
heit und ihre Effekte auf den menschlichen Körper 
veröffentlichte. Den Hang zur Trunkenheit hat 
Trotter einer Geisteskrankheit gleichgesetzt. In der 
Mitte des 19. Jahrhunderts beginnen auch inten- 
sive therapeutische Bemühungen um die Alkohol- 
kranken. 1851 wurde in Deutschland die erste Trin- 
kerheilstätte eröffnet. Eine bedeutende Monogra- 
phie verfaßte Magnus Huss 1849, die drei Jahre 
später, 1852, in Leipzig in deutscher Sprache her- 
auskam. Ihr Titel lautete „ Alcoholismus chronicus 
oder die chronische Alkoholkrankheit". Da der Al- 
koholismus als Ursache zahlreicher Geisteskrank- 
heiten angesehen wurde und die Alkoholiker da- 
mals die einzige Gruppe psychiatrischer Patien- 
ten waren, die tatsächlich behandelt werden konn- 
ten, beschäftigten sich viele bedeutende Psychiater 
dieser Zeit mit den theoretischen Aspekten der 
Pathogenese des Alkoholismus, vor allem aber auch 
mit prophylaktischen und therapeutischen Metho- 
den. Hier seien Kraepelin, Forel, Bonhoeffer und 
Bleuler genannt. Kraepelin hat einen Großteil sei- 
nes Lebenswerkes der Alkoholforschung gewidmet. 
Leider ist die wissenschaftliche und therapeutische 
Initiative, die die großen Forscher der Psychiatrie 
im vorigen Jahrhundert ergriffen, später wieder 
weitgehend erlahmt. Alle genannten Autoren waren 
selbst Anhänger von Abstinenzbewegungen, die da- 
mals entstanden — das moderne Krankenhauskon- 
zept des Alkoholismus war ihnen jedoch noch weit- 
gehend unbekannt. Inzwischen unterlagen die so- 
zialen Bedingungen der Entstehung der Alkohol- 
krankheit beträchtlichen Veränderungen. Schon 
1940 bemerkt Meggendorfer, daß tatsächlich ungün- 
stige Außenbedingungen ebenso wie Wohlstand 
und Wohlleben den Alkoholismus fördern — eine 
Feststellung, die heute noch gilt. Jellinek hat in den 
Vereinigten Staaten von Amerika im Jahre 1946 
erstmals der dynamischen Betrachtungsweise des 
Alkoholismus als eigengesetzlich ablaufenden, auf 
verschiedene Grundkonstellationen aufgepfropften 
Prozeß zum Durchbruch verholten. Seither hat das 
Krankheitskonzept des Alkoholismus wie der Dro- 
genabhängigkeit ganz allgemein weite Verbreitung 
und wissenschaftliche Anerkennung erfahren. Die 
Therapie der Alkoholkrankheit wurde nach der Ein- 
führung der Aversionstherapie mit Disulfiram 
(Antabus) im Jahre 1948 und besonders der Ent- 


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Wicklung der Sozialpsychiatrie methodisch immer 
mehr verbessert und effektiver gestaltet. 


3 Definitionen des Alkoholismus 

Die Alkoholkrankheit wird meist unscharf definiert. 
In Laienkreisen, aber auch bei Fachleuten werden 
eine Fülle von gängigen Begriffen parallel verwen- 
det, wie die Bezeichnungen „Alkoholismus", „Trunk- 
sucht", „Alkoholmißbrauch", „chronischer Alkoho- 
lismus", „Alkoholkrankheit". In der Literatur wird 
fast einheitlich auf die Unmöglichkeit hingewie- 
sen, das vielschichtige Erscheinungsbild des Alko- 
holismus übereinstimmend zu definieren. Der Grund 
hierfür ist, daß es sich offensichtlich um ein Phäno- 
men handelt, dessen Entstehungsbedingungen nur 
einer extrem multidimensionalen Betrachtungsweise 
zugänglich sind. Man kann die Alkoholkrankheit 
sowohl aus soziologisch normativen Kriterien her- 
aus definieren, wie auch psychopathologischen, psy- 
chodynamischen, psychologischen, biochemischen 
Gegebenheiten fassen. Versucht man alle diese 
Faktoren in eine Definition aufzunehmen, kommt 
es zu unscharfer Begriffsbildung. Als Beispiel hier- 
für sei eine Definition der Weltgesundheitsorgani- 
sation angeführt, die den Alkoholiker (Trunksüch- 
tigen) als einen exzessiven Trinker bezeichnet, 
dessen Abhängigkeit vom Alkohol einen solchen 
Grad erreicht hat, daß er deutliche geistige Stö- 
rungen, Gesundheitsschäden und eine Beeinträch- 
tigung der zwischenmenschlichen Beziehungen so- 
wie sozialer und wirtschaftlicher Funktionen auf- 
weist. Aber auch Prodrome dieser Entwicklung 
werden in diese vielschichtige Definition einbe- 
zogen. Durch bessere Kenntnis der Suchtkrankhei- 
ten hat sich inzwischen gezeigt, daß die Alkohol- 
krankheit nur als eine spezielle Form einer Sucht- 
krankheit, wenn auch als die weitverbreitetste, auf- 
gefaßt werden kann. 

Die längst fällige und erst 1964 (WHO-Report 273) 
veröffentlichte Neudefinition der Sucht durch die 
Weltgesundheitsorganisation hat auch zu einer Ver- 
einfachung definitorischer Bemühungen um das 
Alkoholismusproblem geführt. Die Definition der 
Weltgesundheitsorganisation bezieht sich auf die 
psychische Abhängigkeit, die in jedem Fall von 
Sucht vorhanden ist. Eine eventuell hinzukom- 
mende körperliche Abhängigkeit stellt je nach dem 
mißbrauchten Suchtmittel noch eine zusätzliche 
Komplikation des Krankheitsprozesses dar. Da süch- 
tiges Verhalten im Längsschnitt betrachtet weitge- 
hend von der Art des mißbrauchten Suchtmittels 
beeinflußt wird, hat die Weltgesundheitsorganisa- 
tion je nach pharmakologischen Wirkungsmechanis- 
mus der mißbrauchten Substanz mehrere Abhängig- 
keitstypen in ihre Definition einbezogen. Damit 
kommt auch der Alkoholabhängigkeit bzw. der AF 
koholkrankheit eine Eigenständigkeit im Rahmen 
der verschiedenen Abhängigkeitstypen zu. 

Im wesentlichen sind zwei definitorische Katego- 
rien von größerer praktischer Bedeutung — erstens 
die Trunksucht und zweitens der chronische Alko- 
holismus. Beide Begriffe sind unter dem Ober- 


begriff Alkoholkrankheit bzw. nach neuerer Defi- 
nition Abhängikeil vom Alkohol zu subsumieren 
und stellen nur verschiedene Stadien der Pro- 
gression des Krankheitsprozesses dar. Die Bezeich- 
nung „chronischer Alkoholismus" ist seit langem 
eindeutig definiert. Schon Mitte des vorigen Jahr- 
hunderts wurde er von M. Huss als bestimmtes 
Schädigungsmuster infolge lang dauerndem patho- 
logischem Alkoholismus eindeutig erkannt. Der 
chronische Alkoholismus beschreibt ein typisches 
Syndrom der Organschädigung und der vegetativen 
und psychischen Ausfallerscheinungen, das im Ver- 
lauf der Trunksucht erreicht wird. Es handelt sich 
um einen Zustand, der primär nur im Querschnitt 
erfaßt werden kann. Dabei ist es nach neuerer Auf- 
fassung nicht notwendig, die schweren Ausfall- 
erscheinungen als echt chronisch, als irreversibel an- 
zusehen, da sie sich, wie die Erfahrung zeigt, nach 
langer Zeit der Abstinenz zurückbilden können. 
Chronischer Alkoholismus liegt also dann vor, wenn 
die Abhängigkeit vom Alkohol, die meist viele Jahre 
hindurch bestanden haben muß, zu einem bestimm- 
ten Schädigungsmuster der Organe geführt hat. Die 
Trunksucht dagegen ist ein Begriff, der nur einer 
Längsschnittbetrachtung zugänglich ist. Die Trunk- 
sucht kann allerdings — wie schon erwähnt — in 
einem fortgeschrittenen Stadium in den chroni- 
schen Alkoholismus münden, darf aber mit ihm nicht 
gleichgesetzt werden. Bleuler faßt die Trunksucht 
als einen Vorgang auf, bei dem auf Grund der 
Angewöhnung oder irgendeiner Anlage trotz bes- 
serer Einsicht der Alkoholgenuß nicht aufgegeben 
oder nicht auf ein „unschädliches" Maß reduziert 
werden kann, wobei es aber noch nicht zu den unter 
den Symptomen des chronischen Alkoholismus zu 
beschreibenden Erscheinungen chronischer Vergif- 
tungen gekommen ist. 

Alle Definitionsversuche der Alkoholkrankheit (im 
Stadium der Trunksucht, d. h. der psychischen Ab- 
hängigkeit), die sich an sozialen Normen zu orien- 
tieren versuchen, scheinen ebenso gescheitert zu 
sein, wie die ausschließlich psychodynamisch oder 
nach der Persönlichkeitsstruktur orientierten. Ein- 
heitliche Auffassung besteht darüber, daß die Trunk- 
sucht nicht aus der Menge der konsumierten Ge- 
tränke definiert werden kann. Bei Abhängigkeit 
von Alkohol, also bei der Trunksucht, handelt es 
sich um eine krankhafte Interaktion zwischen einer 
Person und dem Suchtmittel Alkohol mit prozeß- 
haftem Fortschreiten. Das Suchtmittel Alkohol ge- 
winnt allmählich für den Betroffenen eine zentrale 
Bedeutung, wird also vorrangig. Das Phänomen der 
Abhängigkeit (Sucht) vom Alkohol erklärt sich also 
aus der krankhaften Inbeziehungssetzung zwischen 
dem Suchtmittel und einer Persönlichkeit. Daher gilt 
auch für die Trunksucht (Alkohol abhängigkeit) prin- 
zipiell die Definition der Weltgesundheitsorgani- 
sation, in der neben anderen Typen der Abhängig- 
keit von einem Alkoholtyp gesprochen wird. Psychi- 
sche Abhängigkeit von Alkohol und das „Nicht- 
mehr-aufhören-können" führt zu einem prozeßhaf- 
ten Geschehen, das eine heute recht wohl definierte 
Gesetzmäßigkeit aufweist und letzten Endes (so es 
nicht zu einer spontanen oder therapeutischen Un- 
terbrechung kommt) in das Stadium des chronischen 


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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Alkoholismus mündet. Der Begriff der Abhängig- 
keit, der, wie betont, auch für die Alkoholkrankheit 
gilt, wird wie folgt definiert: ein psychischer und 
manchmal auch physischer Zustand, der aus einer 
Inbeziehungsetzung zwischen einem lebenden Orga- 
nismus und einem psychotropen Stoff entsteht und 
charakterisiert ist durch Verhaltens- und andere 
Änderungen, die immer einen Zwang zur konti- 
nuierlichen oder periodischen Einnahme des psycho- 
tropen Stoffes einschließen, um seine psychischen 
Effekte zu erleben und manchmal, um das Mißbeha- 
gen bei seinem Nichtvorhandensein zu überbrücken. 
Eine Toleranz als eine Tendenz zur Steigerung der 
Dosis kann, muß aber nicht vorhanden sein. Eine 
Person kann von mehr als einem psychotropen Stoff 
abhängig sein. Anders ausgedrückt (P. Kielholz) ist 
die Abhängigkeit ein Zustand, der durch ein unbe- 
zwingbares gieriges Verlangen (psychische Abhän- 
gigkeit) nach Selbstverwandlung, das nach einer 
psychischen Gewöhnung in Erscheinung tritt und 
durch „Nicht-mehr-aufhören-können" gekennzeich- 
net ist. 

Mit dieser Definition der Alkoholabhängigkeit (Al- 
koholkrankheit) sind alle Personen erfaßt, die sich 
durch kontinuierlichen Alkoholkonsum irgendwel- 
chen Schaden zufügen und nicht imstande sind, die- 
ses Verhalten aufzugeben. 

Zusammenfassend sprechen wir heute von einer 
Alkoholkrankheit, eine Bezeichnung, die mehr aus 
den praktischen Gesichtspunkten der Therapie- 
führung und der Finanzierung therapeutischer Vor- 
haben entstanden ist, besser noch von der Alko- 
holabhängigkeit — ein Begriff, der sich mit der frü- 
heren Bezeichnung der Trunksucht deckt. Es handelt 
sich um eine krankhafte Entwicklung, die letztlich in 
das Stadium des chronischen Alkoholismus mündet, 
der wohl definiert ist. Gelegentliches exzessives 
Trinken, in dem sich der Betroffene irgendeine Form 
von Schaden zufügt, ist dann nicht unter dem Begriff 
der Alkoholkrankheit zu subsumieren, wenn die 
Charakteristika des prozeßhaften Fortschreitens 
dieses abnormen Verhaltens fehlen. 

Seit wir bessere Kenntnisse über die Verlaufsge- 
setzlichkeit der Alkoholkrankheit besitzen, sind wir 
auch imstande, diesen Krankheitsprozeß aus sich 
selbst heraus, aus seiner eigenen Symptomgesetz- 
lichkeit im Längsschnitt zu erfassen. Die Schwierig- 
keit besteht allerdings darin, daß die Alkoholkrank- 
heit sich durch lange Zeit nur periodisch manifestie- 
ren kann oder aber kontinuierlich, wobei dann in 
einem Fall erst zu einem sehr späten Zeitpunkt, im 
anderen schon sehr früh die körperliche Abhängig- 
keit neben der psychischen im Vordergrund des Ge- 
schehens steht. Diese Vielfältigkeit der Erschei- 
nungsformen, auf die später bei den Ausführungen 
über die Verlaufsformen noch eingegangen werden 
soll, ist einer der Gründe der Schwierigkeit einer 
allgemein gültigen Definition der Alkoholabhängig- 
keit (Alkoholkrankheit). 

Der Begriff des „Alkoholismus" sollte fallenge- 
lassen werden. Manche verwenden die Bezeichnung 
„Alkoholismus" als einen Oberbegriff, der noch 
einer näheren Unterteilung bedarf. Wie unscharf 
dieser Begriff ist, zeigt eine allgemeine Definition, 


die Jellinek vorgeschlagen hat und die lautet: 
Alkoholismus ist jeder Gebrauch alkoholischer Ge- 
tränke, der irgendeine Schädigung des Individuums 
oder der Sozietät oder beider bewirkt. In dieser viel 
zu allgemein gehaltenen Definition sind alle Muster 
des Mißbrauchs eingeschlossen, die nicht Ziel psych- 
iatrisch-therapeutischer Bemühungen sein können 
und daher für den Entwurf eines Therapieplanes 
keinerlei Relevanz besitzen. Diese Mißbrauchsmu- 
ster sind vielmehr Zielpunkt präventiver und pro- 
phylaktischer Maßnahmen. Unter Alkoholismus hat 
man auch eine Art des Trinkens verstanden, die 
in ihrem Ausmaß über die traditionellen Trinksitten 
einer bestimmten Population hinausgeht, ohne Rück- 
sicht auf die ätiologischen Faktoren, die zu einem 
solchen Verhalten führen. Dieser Definition ent- 
sprechend wäre die Trunksucht nur ein Teilaspekt 
des Alkoholismus und auch der nichtsüchtige „ge- 
wohnheitsmäßig überhöhte" Konsum alkoholischer 
Getränke unter diesem Begriff ebenso zu subsu- 
mieren, wie der gelegentliche Alkoholmißbrauch, 
aus welcher Ursache immer dieser zustande kommen 
mag. Alle diese Phänomene können im Einzelfall die 
Basis für eine später sich entwickelnde Alkohol- 
abhängigkeit (Alkoholkrankheit) sein, sind aber 
nicht in der Definition dieser Störung eingeschlos- 
sen. 

Abschließend sei betont, daß die Alkoholkrankheit 
keine primäre eigenständige Krankheit ist, sondern 
ein sekundär aufgepfropftes Geschehen. Die be- 
troffenen Persönlichkeiten sind in verschiedenartig- 
ster Weise psychisch gestört oder aber auch ohne 
erkennbare psychische Auffälligkeiten, den biolo- 
gischen, soziologischen, psychopathologischen, here- 
ditären und Milieufaktoren kommt im Einzelfall eine 
gänzlich wechselnde ätiologische und pathogene- 
tische Bedeutung zu. Es ist bis heute nicht gelungen, 
einen Persönlichkeitstyp, sei es in psychischer oder 
physischer Hinsicht, zu finden, der später für die 
Alkoholabhängigkeit prädisponiert erscheint. Ist die 
Alkoholabhängigkeit einmal in Gang gekommen, 
resultieren daraus recht uniforme Prozesse, die auf- 
grund ihrer Symptomatik erfaßt werden können. 

Aufgrund dieser Überlegungen empfiehlt es sich, 
heute von einer Alkoholabhängigkeit (Alkohol- 
krankheit) zu sprechen, die älteren Begriffe des 
Alkoholismus und der Trunksucht fallenzulassen, 
während die Bezeichnung chronischer Alkoholismus 
nur als Beschreibung eines fortgeschrittenen Sta- 
diums der Alkoholkrankheit aufgefaßt werden kann. 
Die Alkoholabhängigkeit folgt prinzipiell den Ge- 
setzmäßigkeiten anderer Abhängigkeitsformen und 
besitzt nur aufgrund der spezifischen Wirkung des 
Alkohols bestimmte Charakteristika. Sie ist primär 
im psychischen Bereich fixiert und durch das zu- 
nehmende Vorrangigwerden des Suchtmittels im 
Leben des Betroffenen und das Phänomen des 
„Nicht-mehr-aufhören-Könnens" charakterisiert. Ob 
eine Abhängigkeit besteht oder nicht, läßt sich im 
Einzelfall durch einen erfahrenen Untersucher mit 
hoher Wahrscheinlichkeit feststellen. 

Ein ganz anderes definiertes Phänomen ist das des 
sogenannten Alkoholmißbrauches, der zwar das 
Vorstadium einer Alkoholabhängikeit sein kann, 


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aber selbst nur ein Fehlverhalten und keinen Krank- 
heitsprozeß darstellt. Unter Alkoholmißbrauch 
versteht man in Abhängigkeit von der kulturellen 
Einstellung den sinnlosen, überhöhten, unüblichen 
und gefährlichen Gebrauch des Alkohols. Alkohol- 
mißbrauch betreibt, wer Alkohol in überhöhten 
Dosen konsumiert und sich damit in einen Rauschzu- 
stand versetzt, der eine sichtbare Veränderung der 
Persönlichkeit und der Leistungsfähigkeit mit sich 
bringt. Alkoholmißbrauch ist aber auch jeglidier 
Alkoholkonsum zu unüblicher Gelegenheit, also 
während der Arbeit, bei Teilnahme am Straßenver- 
kehr, während der Ausübung von Sportarten usw. 
Eine andere Form des Mißbrauchs ist der chronisch 
überhöhte Alkoholkonsum, der noch nicht notwen- 
digerweise mit einer Alkoholabhängigkeit gleichge- 
setzt werden muß, aber doch zu körperlichen Schäden 
führen kann. Zur Prävention dieser nicht als krank- 
haft einzustufenden und nur als Verhaltensstörung 
zu bezeichnenden Phänomene ist eine intensive Auf- 
klärung der Bevölkerung notwendig. Ein großer 
Prozentsatz von Arbeits- und Verkehrsunfällen, De- 
likten und Suicidversuchen geht auf die weite Ver- 
breitung dieser Mißbrauchsmuster zurück. Von 
Alkoholkonsum spricht man nur dann, wenn Alko- 
hol als Durstmittel oder Genußmittel in mäßigen 
Dosen bei bestimmten Gelegenheiten verwendet 
wird. 

Bei der Planung prophylaktischer und therapeu- 
tischer Maßnahmen ist auf die saubere Trennung 
der Begriffe „Abhängigkeit", „Mißbrauch" und 
„Konsum" besonders zu achten. 


4 Erscheinungsformen und Häufigkeit des Miß- 
brauchs und der Abhängigkeit von Arznei- 
und Rauschmittein 

4.1 Häufigkeit 

Obwohl der unkontrollierte Arzneimittelkonsum in 
der Bundesrepublik Deutschland in den letzten Jah- 
ren ständig zunahm, liegen bis heute weder zuver- 
lässige Zahlen über das wahre Ausmaß des Arznei- 
mittelmißbrauchs noch abgesicherte Informationen 
über die ihm zu Grunde liegenden Verhaltensfor- 
men und Motivationen vor. Ebensowenig gibt es ver- 
läßliche Untersuchungsergebnisse über den Um- 
fang der Arzneimittelabhängigkeit in der Bevölke- 
rung. Versteht man unter Selbstmedikation die „ge- 
legentliche oder regelmäßige Anwendung eines Arz- 
neimittels an sich selbst ohne Einschaltung eines 
Arztes", so belaufen sich Schätzungen in dieser 
Richtung auf einen Jahresumsatz von 1 bis 2 Mrd. 
DM. Zum Vergleich betrug 1971 der Arzneimittel- 
umsatz in Apotheken etwa 6,8 Mrd. DM. 

4.2 Epidemiologie 

Außerordentliche methodische Schwierigkeiten bie- 
tet auch die Epidemiologie von Drogenmißbrauch 
und -abhängigkeit: 

1. Die Pönalisierung des Rauschmittelgebrauchs be- 
hindert empirische Untersuchungen. 


2. Die Expansionstendenz des Mißbrauchsverhal- 
tens im Sinne einer sozialen Ansteckung er- 
schwert die Interpretation regionaler Unter- 
schiede: Ob diese Ausdruck zeitlicher oder 
struktureller Verschiedenheiten sind, kann nur 
durch großangelegte Verbundforschung und 
Wiederholungsuntersuchungen geklärt werden. 

3. Den sogenannten Repräsentativbefragungen von 
Ober-, Grund- und Berufsschülern entzieht sich 
gerade die Gruppe der „drop out"-Existenzen, die 
nach einigen Monaten nachhaltigen Drogenkon- 
sums aus Schule und Beruf ausscheren. 

4. Andererseits bietet aber das Untersuchungsgut 
von Kliniken und Beratungsstellen Selektions- 
probleme. Dabei ist hervorzuheben, daß durch 
merkmalsreich dokumentierte, auslesefrei er- 
faßte Kollektive eine Vergleichbarkeit gegeben 
sein kann, 

5. Mißbrauch und Abhängigkeit sind in Fragebo- 
genaktionen nicht ohne weiteres zu operationali- 
sieren bzw. zu differenzieren, so daß eine Viel- 
zahl unterschiedlicher Ausgangsdefinitionen die 
zusammenfassende Beurteilung verschiedener 
Untersuchungsergebnisse kompliziert. Auch der 
Diagnoseschlüssel der Weltgesundheitsorgani- 
sation grenzt beide Begriffe nicht voneinander 
ab. Charakteristische Merkmale wie der Kon- 
troilverlust beim Alkoholismus fehlen. 

6. Ist die Hochrechnung von Fallzahlen (Inzidenz- 
zahlen) stationär oder ambulant erfaßter Patien- 
ten schon beim Alkoholismus mit Unsicherheiten 
belastet, so erweist sich diese Methode auf dem 
Drogensektor als von noch geringerer Brauch- 
barkeit, da es zu wenige und noch dazu regio- 
nal nicht gleichmäßig verteilte Behandlungsin- 
stitutionen gibt. Diese besitzen im Gegensatz zu 
Hilfseinrichtungen für Alkoholiker in der Regel 
auch keine geeigneten Dokumentationsmetho- 
den. Auch die Kriminalstatistik ist wegen der 
unterschiedlichen Intensität der Bekämpfungs- 
maßnahmen und der hohen Dunkelziffern keine 
zuverlässige Grundlage für Hochrechnungen. 

Trotz der aufgezeigten methodischen Schwierigkei- 
ten sind auf Grund einer Vielzahl epidemiologischer 

Untersuchungen der letzten Jahre gewisse Trend- 
aussagen möglich: 

1. Die absolute Zahl der Drogenbenutzer nimmt ab. 
Nachgelassen haben jedoch nur Probier- und 
Gelegenheitskonsum. Der harte Kern derjenigen, 
die bereits abhängig sind oder aber wegen ihres 
Drogengebrauchs als schwer suchtgefährdet be- 
zeichnet werden müssen, nimmt eher zu als ab. 
Die im Zwischenbericht der Enquete-Kommission 
genannten Angaben von etwa 10 000 jugend- 
lichen Suchtkranken und ca. 40 000 Dauerkonsu- 
menten liegen sicher nicht zu hoch. 

2. Der süchtige Gebrauch verschiedener Drogen 
nimmt zu. Bedeutsam ist weiter die anwachsen- 
de Kombination von Rauschmitteln mit Alkohol. 
Der Konsum harter Drogen steigt an. 

3. Der Drogenmißbrauch hat von Schüler- und Stu- 
dentenkreisen auf Lehrlinge und Arbeiter sowie 


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auf jüngere Jahrgänge übergegriffen. Parallel da- 
zu geht ein Abbau der Ideologisierung und der 
subkulturellen Begleiterscheinungen des Rausch- 
mittelkonsums. Die Zahl der Abhängigen, die in 
ihren Familien verbleiben, nimmt zu. 

Die gegenwärtige Situation ergibt sich aus zwei im 
folgenden referierten Erhebungen, und zwar aus 
einer von Jasinsky im April 1973 in Hamburg durch- 
geführten Wiederholungsumfrage und aus einer von 
Benad von der Bundeszentrale für gesundheitliche 
Aufklärung in Zusammenarbeit mit dem Institut für 
Jugendforschung von Januar bis April 1973 erar- 
beiteten Trendanalyse: 

1. Jasinsky befragte insgesamt 5 169 Schüler und 
Schülerinnen aller Schularten und verglich die 
Ergebnisse mit einer analogen Untersuchung aus 
dem April 1971: 82 Vo aller Angesprochenen wa- 
ren 1973 „Nichtkonsumenten'', 1971 waren es nur 
77 ®/o. Der Anteil der Nichtkonsumenten ist also 
gestiegen. Auch der Anteil der Nichtkonsumen- 
ten, die bereit waren, ein Rauschmittel „zu pro- 
bieren", hat sich verändert: 1971 waren es noch 
21 Vo aller Befragten, 1973 waren es 14%, also 
etwa ein Drittel weniger. Die Zahl der Nicht- 
konsumenten, die den Gebrauch von Rausch- 
mitteln eindeutig ablehnten, stieg um 10%. Be- 
stimmende Motivation für Ablehnung des Dro- 
gengebrauchs war die gestiegene Sorge vor ge- 
sundheitlichen Schäden und vor Suchtgefahr. 
Den bereits begonnenen Gebrauch von Rausch- 
mitteln haben 1973 88% der Konsumenten be- 
endet. 1971 waren es nur 71 %. Auffällig war die 
mit 3 % niedrige Erfolgsquote des Motivs „Straf- 
erwartung". Deutlich ist auch ein Trend zur Ab- 
lehnung jeglichen Drogenkonsums, der sich 
durch alle Altersstufen zieht. Zwei Drittel aller 
Schüler sind heute für das Haschischverbot, 1971 
waren es nur 46%. 18% aller Befragten hatten 
Erfahrungen mit Rauschmitteln, d. h. sie haben 
zumindest einmal konsumiert. 1971 waren es 
23 %. Dies bedeutet einen Rückgang von mehr 
als einem Fünftel innerhalb von zwei Jahren. 
Fast die Hälfte dieser Konsumenten hatte den 
Gebrauch zum Zeitpunkt der Befragung bereits 
seit mehr als sechs Monaten eingestellt. Der An- 
teil der sog. „User", also der Konsumenten ohne 
Aufhörer und Probierer, betrug 1971 noch 18% 
aller Schüler, 1973 nur noch 9°/o. Er ist also um 
die Hälfte zurückgegangen. 1971 waren noch 
79% aller Konsumenten als „User" einzustufen, 
also als regelmäßige Rauschmittelbenutzer. 1973 
waren es nur noch 54 %. Das entspricht einem 
Rückgang um rund ein Drittel. Positive Korrela- 
tionen bestanden zwischen Rauschmittelkonsum 
und Rauchen sowie zwischen Rauschmittelkon- 
sum und Alkoholgebrauch. 

2. Benad befragte in Form repräsentativer Stich- 
proben 1 763 junge Menschen im Alter von 12 
bis 25 Jahren. Zum Teil handelte es sich um 
Wiederholungsfragen. Die Ergebnisse: Etwa je- 
der sechste der Altersgruppe hat schon einmal 
ein Rauschgift genommen. Darunter befinden 
sich doppelt so viele männliche wie weibliche 
Jugendliche. Der höchste Anteil der Drogen- 


benutzer liegt mit 26 % in der Altersgruppe 
der 18- bis 20jährigen. Zwei Drittel der Konsu- 
menten haben den Konsum eingestellt. Gegen- 
wärtig sind 5 °/o aller Jugendlichen Rauschmit- 
telverwender. Davon nehmen 80 % Haschisch 
oder Marihuana, 22% Weckmittel, 16% LSD 
und 2 % Schnüffelstoffe. Häufigste Motivationen 
sind Stimmungsverbesserung, Wahrnehmungs- 
intensivierung, Glücksgefühle, Vergessen des 
Alltags und Entspannung. Jeder zweite Verwen- 
der nennt als Grund für die Beendigung des Kon- 
sums die erfolgte Befriedigung der Neugier. Der 
Abbruch des Konsums wird durch enttäuschte 
Wirkungserwartungen begünstigt. 70 % der 
Nichtverwender nennen als Grund für ihre Dro- 
genabstinenz „Angst vor schädlichen Wirkun- 
gen". Von Jugendlichen ohne Rauschmittelerfah- 
rung wollen 1 % ein Rauschmittel probieren, 
15% „vielleicht", 22% „wahrscheinlich nicht", 
42% „auf keinen Fall". 11% aller Befragten 
würden Opium einnehmen, wenn sie es auf einer 
Party kostenlos erhielten, 31 würden Ha- 
schisch akzeptieren. Seit 1971 zeigen sich ein 
Anstieg in der Bekanntheit einzelner Drogen und 
ein Rückgang der Bereitschaft, bestimmte Mittel 
zu versuchen. Zwischen Rauschmittelkonsum 
und der Beziehung zum Elternhaus besteht ein 
deutlicher Zusammenhang. Konsumenten gaben 
im Vergleich zu Nichtkonsumenten häufiger an, 
daß ihre Eltern sich nicht oder wenig um ihre 
täglichen Probleme kümmern. Sie entstammen 
häufiger aus unvollständigen oder gestörten Fa- 
milien. Drogenbenutzer bezeichnen ihren Freun- 
deskreis häufiger als „groß". Jugendliche mit 
positiver Einstellung zum Rauschmittelgebrauch 
ihren Gesundheitszustand seltener als „gut". 
Weiterhin zeigen sich Unterschiede in der Ein- 
stellung gegenüber Schule und Beruf: Verwen- 
der und potentielle Probierer gehen weniger 
gern zur Schule, bezeichnen sich selbst als nicht 
so gute Schüler und bewerten die Schule im 
Hinblick auf ihre Vorbereitung für das Berufs- 
leben negativer. Ihre Freizeit verbringen die 
Konsumenten und potentiellen Probierer lieber 
außer Haus als die drogenablehnenden Jugend- 
lichen. In der Wahl der bevorzugten Freizeit- 
beschäftigung bieten sich bedeutsame Unter- 
schiede: Drogenverwender diskutieren Probleme 
eher als ablehnende Jugendliche. Der Besuch 
von Parties oder Diskotheken wird von den Kon- 
sumenten ebenfalls stärker bevorzugt, während 
sie Basteln und Handarbeiten wesentlich stärker 
ablehnen. Potentielle Rauschmittelverwender 
zeigen einen höheren Alkohol- und Tabakkon- 
sum als die ablehnenden Jugendlichen. 


Literatur 

Evangelische Akademie von Kurhessen-Waldeck: Selbst- 
medikation und Gesundheitsverhalten. Ergebnisbericht 
im Anschluß an eine Fachtagung vom 26. bis 28. Okto- 
ber 1972 in der Evangelischen Akademie Hofgeismar. 

Institut für Markt- und Werbeforscbung Köln: Grund- 
lagenstudie zum Arzneimittelverhalten zur Vorberei- 


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tung einer Aufklärungskampagne gegen den unkontrol- 
lierten Arzneimittelkonsum. Bericht, Köln 1972. 

Täschner, K.-L. und K. Wanke: Drogenabhän- 
gigkeit bei Jugendlichen. Med. Klin. 67 (1972), 515 — 520. 
(übersichtsarbeit). 

Wanke, K.: Drogenabhängigkeit — Bilanz der letzten 
Jahre. 90. Wanderversammlung südwestdeutsdier Neu- 
rologen und Psychiater, 8. bis 9. Juni 1974, Baden- 
Baden (Übersichtsreferat). 


5 Entstehungsbedingungen des Alkoholismus 

In den meisten Staaten sind derzeit alkoholische Ge- 
tränke erwachsenen Personen praktisch in unbe- 
grenzter Menge zugänglich. Aber nur ein relativ 
kleiner Teil der Bevölkerung (in der Bundesrepublik 
Deutschland etwa 1,5 Vo der Erwachsenen über 
15 Jahre) konsumieren alkoholische Getränke in 
einem Umfang, daß von einem Alkoholismus ge- 
sprochen werden kann. Es erhebt sich sofort die 
Frage: warum werden nidit alle, die mit dem Al- 
kohol in Berührung kommen, Alkoholiker. Die bis- 
herigen vielfältigen Untersuchungen über die Ent- 
stehungsbedingungen des Alkoholismus haben bis- 
her keine eindeutige Antwort auf die genannte 
Frage zu geben vermocht. Es sind zahlreiche Theo- 
rien über die Bedingungen des Alkoholismus auf- 
gestellt worden, die drei Hauptfaktoren herausstel- 
len: 

1. soziologische Bedingungen, 

2. psychologische Bedingungen, 

3. physiologische Bedingungen. 

Diese drei Bedingungskomplexe sind aber nicht ge- 
trennt oder gar konkurrierend zu sehen, sondern 
stehen in einer dynamischen Interaktion. 

5.1 Soziologische Bedingungen 

Nach soziologischer Auffassung kann die jeweilige 
Kultur auf drei Wegen das Ausmaß des Alkoholis- 
mus in der Gesellschaft beeinflussen: 

durch Einfluß auf den Grad der inneren Spannun- 
gen und die Anpassung an die Bedürfnisse der Be- 
völkerung, 

durch Einwirkung auf die Haltung gegenüber dem 
Alkoholkonsum, 

durch die Bereitstellung von Ersatzbefriedigungen. 

Hinsichtlich der Einstellung zum Alkoholkonsum 
kann man vier Kulturformen unterscheiden: 

Abstinenzkulturen — Verbot jeglichen Alkohol- 
konsums (z. B. Islam, Hinduismus). 

Ambivalenzkulturen — Konflikt koexistenter Wert- 
strukturen gegenüber dem Alkohol (z. B. anglo- 
amerikanischer Protestantismus). Der Alkoholver- 
trieb und -verbrauch ist verschiedenen Beschrän- 
kungen temporärer und lokaler Art unterworfen. 
Man findet unter den Alkoholikern einen relativ 
hohen Anteil von Konflikttrinkern und süchtigen 
Trinkern. Dagegen tritt das gewohnheitsmäßige. 


kontinuierliche Trinken zurück. Der Genuß von 
scharfen Getränken herrscht vor. 

Permissivkulturen — Gewährung des Alkoholgenus- 
ses, jedoch Ablehnung der Trunkenheit und anderer 
pathologischer Ersdieinungen des Alkoholkonsums 
(Prototyp: die meisten mediterranen Länder). Hier 
trinkt fast die gesamte Bevölkerung Alkohol, jedodi 
meist nur in kleineren Mengen. Der Konsum von 
Alkohol ist auf bestimmte Situationen beschränkt, 
vor allen Dingen auf die Mahlzeiten. Die Bevölke- 
rung ist seit der Kindheit an den limitierten Alkohol- 
konsum gewöhnt. Der Alkoholkonsum ist strecken- 
weise an ein gewisses Zeremoniell gebunden (z. B. 
bei den orthodoxen Juden). Alkoholexzesse sind 
tabuiert. 

Permissive, funktionsgestörte Kulturen — Billigung 
nicht nur des Alkoholtrinkens, sondern auch der 
Exzesse und des pathologisdien Trinkens. Diese 
Kulturform existiert in reiner Ausprägung eigent- 
lich nirgends. In gemäßigter Form kommt sie in 
manchen Ländern, so in Frankreich und in manchen 
südamerikanischen Staaten vor. 

Deutschland, Österreich und die Schweiz nehmen 
eine Mittelstellung zwischen den beiden letztge- 
nannten Kulturformen ein. 

Berufe und Sozialschicht 

Angehörige bestimmter Berufe scheinen zum Al- 
koholmißbrauch disponiert zu sein, vor allen Din- 
gen Angehörige von Alkoholberufen. In Deutsdi- 
land und überhaupt in Mitteleuropa sind männliche 
Alkoholiker, soweit Untersuchungen bekannt sind, 
anteilmäßig auf alle sozialen Schichten gleichmäßig 
verteilt. Dagegen konzentrieren sich die Alkoholi- 
kerinnen auf die oberen sozialen Schichten. 

Primärgruppen 

Während die Rolle des männlichen Partners einer 
Alkoholikerin bisher kaum erforscht worden ist, 
wird das Problem der sozialpsychologischen Bedeu- 
tung der Ehefrau für die Entwicklung des Alkoholis- 
mus beim Mann immer wieder diskutiert. Meist wer- 
den drei Typen von Ehefrauen von Alkoholikern 
unterschieden: die dominierende, die masochistische 
und die indifferent-passive Frau. Folgende Konstel- 
lationen von Ehepartnern in Alkoholikerehen sind 
beschrieben: 

Mann affektiv labil, retardiert, mit schwacher über- 
Ich-Bindung, Frau dominierend, rigid, mit starkem 
Ich-Ideal. 

Mann weit überlegen, Frau primär unsicher. 

Mann abhängig, Frau ältere Mutterfdgur. 

Untersuchungen an Kindern von Alkoholikern, die 
frühzeitig von ihren Eltern getrennt wurden, erga- 
ben im Vergleich zu Kindern nichtalkoholischer El- 
tern, die ebenfalls in Pflegeheimen aufgewachsen 
waren, keine Unterschiede hinsichtlich des Alkohol- 
konsums bzw. des Mißbrauchs im späteren Schick- 
sal der Probanden beider Gruppen. 


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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


5.2 Psychologische Bedingungen 
Persönliche Eigenschaften 

Wenn man alle Alkoholiker zusammenfassend be- 
trachtet, läßt sich feststellen, daß sich im Vorfeld 
des Alkoholismus und unter späteren Alkoholikern 
die „Systematik der Neurosenlehre und der medi- 
zinisch-psychologischen Charakterlehre nebst einer 
beträchtlidien Anzahl durchschnittlicher Persönlich- 
keiten zu finden ist". Beschränken sich die Unter- 
suchungen jedoch auf süchtige Trinker, so ergeben 
sich folgende Wesenszüge der Alkoholikerpersön- 
lichkeit: unreflektierte, passive Affektlabilität, Aver- 
sionen gegen emotional ansprechende Situationen, 
dysphorische Erlebnisinhalte, zentrale orale Fixie- 
rungen, kompromißloses Schwanken zwischen un- 
gesteuerter Befriedigung der durchbrechenden Es- 
Impulse und einseitiger Erfüllung der versagenden 
Über-Ich-Funktionen. 

Psychodynamik 

Diese Charakteristika entsprechen im großen und 
ganzen den Ergebnissen psychodynamischer For- 
schung. Von psychoanalytischer Seite wird noch zu- 
sätzlich auf die masochistischen und autodestrukti- 
ven Tendenzen des Alkoholikers hingewiesen, die 
durch eine Abwehr gegen Fremde, insbesondere 
gegen die Eltern gerichtete Aggressionen bedingt 
ist, die sich nun gegen den Betreffenden selbst wen- 
den. Je früher die Störungen verschiedener psycho- 
dynamischer Entwicklungsphasen einsetzen, desto 
infantiler das Verhalten und die Persönlichkeit des 
Alkoholikers. Nach individualpsychologischer Auf- 
fassung wird der Alkoholismus als Ausdruck des 
Machtstrebens angesehen, das Minderwertigkeits- 
gefühle kompensiert. 

Lerntheorie 

Nach lerntheoretischen Erklärungsversuchen spielt 
sowohl das klassische Konditionieren wie das in- 
strumenteile Lernen in der Pathogenese des Alko- 
holismus eine Rolle. Der Alkoholismus dieser Theo- 
rie ist das Ergebnis eines Lernprozesses auf die 
Erfahrung der spannungs- und angstlösenden Wir- 
kung der Droge (Angst — unbedingter Reiz, Alko- 
hol — bedingter Reiz). Da die Angstreaktion dem 
Trinken meist unmittelbar folgt, ist ihre positiv 
verstärkende Wirkung vermutlich meist größer als 
die negativ verstärkende Wirkung drohender, aber 
erst später einsetzender Bestrafung (Alkoholfolge- 
krankheiten, soziale Komplikationen). Dazu kommt, 
daß die Bestrafung selbst auch als positive Verstär- 
kung wirksam werden kann. 

Tierversuche 

Während in der Regel gesunde Tiere auch in Käfig- 
situation alkoholische Getränke gegenüber nicht- 
alkoholischen Getränken ablehnen, bevorzugen neu- 
rotisierte Versuchstiere, so Katzen und Ratten, al- 
koholische Getränke gegenüber nichtalkoholischen 
Getränken. Es gelang aber bisher nicht, süchtiges 
Trinken (auch nicht mit Selbstapplikationsmetho- 
den) im Tierversuch zu reproduzieren, während es 


möglich war, bei einzelnen Tierspezies körperliche 
Abhängigkeit von Alkohol experimentell zu er- 
zeugen. 

5.3 Physiologische Bedingungen 

Genetik 

Es ist in einzelnen Fällen bei Nagetieren gelungen, 
Tierstämme zu züchten, die ein alkoholavides Ver- 
halten zeigen. Bei Untersuchungen am Menschen 
sind Unterschiede in verschiedenen physiologischen 
Parametern beschrieben, die auf genetische Fakto- 
ren zurückgeführt wurden: unterschiedliche Bevor- 
zugung bestimmter Blutgruppen, Farbwahrneh- 
mungsstörungen bei Probanden mit alkoholischer 
Leberzirrhose, Änderung der Geschmackswahrneh- 
mung. Diese Ergebnisse konnten aber bei Nach- 
untersuchungen nicht eindeutig reproduziert werden. 

Aus Zwillingsuntersuchungen wurde geschlossen, 
daß das Trinkverh alten (Abstinenz, normales Trin- 
ken oder Mißbrauch) durch genetische Faktoren 
bedingt ist. Kontrollverlust scheint bei jüngeren 
Leuten hochgradig erbbedingt zu sein, jedoch nicht 
bei älteren. Die Sozialkonsequenzen des Alkohol- 
mißbrauchs zeigen jedoch keine genetische Abhän- 
gigkeit. 

Biochemie 

Bisher ist es nicht gelungen, die genetotrophische 
Theorie zu bestätigen, nämlich chemische Norm- 
abweichungen festzustellen, die primär, d. h. vor 
Einsetzen des Alkoholabusus, bestanden (z. B. Vit- 
aminmangel oder Allergie). 

Auch die Theorie primärer endokriner Störungen 
bei Alkoholikern (z. B. Schilddrüsenüber- oder 
Unterfunktion) konnte nicht bestätigt werden. 

Neuerdings wurden Unterschiede der Alkoholab- 
bauenzyme (Alkohol-Dehydrogenasen) bei Alko- 
holikern und Nichtalkoholikern gefunden. Es gelang 
die Alkohol-Dehydrogenasen (ADH) in drei Iso- 
enzyme und eine atypische ADH zu differenzieren. 
Die atypische ADH weist eine drei- bis fünfmal 
höhere Leberaktivität gegenüber Alkohol auf. Es 
ist aber noch nicht entschieden, ob diese atypischen 
Alkoholabbauenzyme eine wesentliche Bedeutung 
für die Entstehung des Alkoholismus haben. 

Durch den Konsum von Alkohol kommt es zur Bil- 
dung von Metaboliten, die Verlangen nach Alkohol 
mit sich bringen. Diese Metaboliten von biogenen 
Aminen weisen strukturelle Analogien zu Mor- 
phiumalkaloiden auf, die ja zu ähnlichen Abhän- 
gigkeitsphänomenen führen. 

Die Rolle des ZNS für die Entstehung der Sucht 
wurde in den letzten Jahren besonders hervorgeho- 
ben. Dabei spielen insbesondere Selbstreizversuche 
des Gehirns mit Hilfe eingepflanzter Elektroden 
eine wesentliche Rolle. 


6 Epidemiologie des Alkoholismus 

Genaue Zahlen über die Häufigkeit (Prävalenz) des 
Alkoholismus existieren weder in der Bundesrepu- 


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blik Deutschland noch in den größeren Kulturnatio- 
nen, da es nirgends eine streng durchgeführte ge- 
setzliche Meldepflicht für Alkoholkranke gibt. Alle 
mitgcteilten Zahlen beruhen auf Feldstudien oder 
auf Hochrechnungen. Diese Hochrechnungen grün- 
den sich: 

a) auf den pro-Kopf-Verbrauch an alkoholischen 
Getränken, der ja in den meisten Ländern ge- 
nau bekannt ist. Durch Anwendung bestimmter 
Formeln lassen sich Zahlen über die Konsumen- 
ten bestimmter Alkoholmengen im Tagesdurch- 
schnitt errechnen; 

b) auf Hochrechnungen von Fallzahlen (Inzidenz- 
zahlen) von Alkoholikern, die von bestimmten 
Behandlungsinstitutionen (Krankenhäusern oder 
ambulanten Einrichtungen) oder von Gerichten 
und Polizeiorganen erfaßt werden. Diese Zahlen 
sind aber sicher zu gering, außerdem besteht bei 
ihnen in besonderem Maße die Gefahr der Dop- 
pelzählung. 

Die zuverlässigsten Angaben wären aus Feldstudien 
bzw. Repräsentativerhebungen zu gewinnen, über 
die aber bisher nur Teilergebnisse vorliegen. Die 
epidemiologische Untersuchung der Alkoholismus- 
prävalenz begegnet besonderen Schwierigkeiten: die 
begriffliche Abgrenzung des Alkoholismus ist nicht 
ganz eindeutig (trotz einer Definition der WHO) 
und in den letzten Jahren umstritten. Die Diagnose 
des Alkohölismus ist schwierig, besonders in Früh- 
fällen, da eine große Zahl von Parametern einbe- 
zogen werden muß. Außerdem begegnet die Erfas- 
sung von Alkoholikern erheblichen Tabus bei der 
Bevölkerung, z. T. auch bei den Fachleuten. 

über das Trinkverhalten der Deutschen wurde 1967 
eine umfangreiche Repräsentativerhebung durchge- 
führt, die aber keine direkten Aussagen über den 
Alkoholismus in der Bundesrepublik Deutschland 
zuläßt. Immerhin war es mit Hilfe statistisdier Me- 
thoden möglich, Aussagen über die Anzahl von Per- 
sonen zu machen, die bestimmte durchschnittliche 
Tagestrinkmengen überschreiten. 5 ®/o der erwachse- 
nen Bevölkerung trinken täglich (umgerechnet) mehr 
als 100 ml reinen Alkohol *), 0,75 ®/o mehr als 200 ml 
reinen Alkohol (umgerechnet). Nach anderen Be- 
rechnungen mit Hilfe der gleichen Formeln wurden 
für die Bundesrepublik Deutschland 3 978 Personen 
(im Alter von 15 Jahren und älter, pro 100 000 Ein- 
wohner) festgestellt, die täglich 150 ml und mehr 
reinen Alkohol (umgerechnet) trinken. Diese Unter- 
suchung wurde 1959 veröffentlicht. Die Bundesrepu- 
blik Deutschland liegt dabei an sechster Stelle nach 
Frankreich, Italien, Portugal, Spanien und Öster- 
reich (siehe Tabelle 1). 

Aus diesen Zahlen läßt sich aber noch nicht mit 
Sicherheit ein Rückschluß auf die Häufigkeit des 
Alkoholismus gewinnen, da sie weder etwas über 
das Ausmaß der körperlichen, psychischen oder so- 
zialen Schäden, noch über den Kontrollverlust aus- 
sagen, Kriterien, die aber für die Diagnose des 
Alkoholismus entscheidend sind. 

•) 100 ml reiner Alkohol sind z. B. enthalten in 
ca. 2,5 1 Lagerbier oder 
1 1 Weißwein oder 
0,25 1 40®/oigem Weinbrand. 


6.1 Prävalenz des Alkoholismus 

1969 wurde von der Deutschen Hauptstelle gegen 
die Suchtgefahren die Anzahl der Alkoholiker in der 
Bundesrepublik auf mindestens 600 000 (= ca. 1 ®/o 
der Bevölkerung) geschätzt. Diese Zahl basiert auf 
Erhebungen, die an 23 Alkoholiker-Heilstätten und 
an den psychosozialen Beratimgsstellen der Caritas 
und des Diakonischen Werkes der Bundesrepublik 
Deutschland in den Jahren 1967/68 durchgeführt 
wurden. Nachfolgend sollen einige noch nicht ver- 
öffentlichte Ergebnisse einer Repräsentativerhebung 
mitgeteilt werden, die im Sommer 1973 in Bremen 
durchgeführt wurde. Allerdings bezog sich die Er- 
hebung nur auf Alkoholmengen und auf soziale 
Schäden, nicht auf somatisch-psychologische Schäden. 
Wenn man eine Global-Meßzahl aus den Aussagen 
bildet, die mit großer Wahrscheinlichkeit auf Alko- 
holismus hinweisen, kommt man, umgerechnet auf 


Tabelle 1 


Land 

Geschätzte Zahl von 
Konsumenten von 
mehr als 150 ml 
reinem Alkohol 
(im Alter von 15 und 
mehr Jahren) pro 

100 000 Einwohner 

Frankreich 

9 405 

Italien 

5 877 

Portugal 

5 652 

Spanien 

4 635 

Österreich 

4 212 

Bundesrepublik Deutschland 
einschl. Berlin (West) .... 

3 978 

Schweiz 

3 901 

Luxemburg 

2 988 

Ungarn 

2 952 

USA 

2 198 

CSSR 

2 655 

Kanada 

2 272 

Belgien 

2 052 

England und Wales 

1 946 

Irland 

1 946 

Dänemark 

1 848 

Polen 

1 752 

Schweden 

1 515 

Niederlande 

1 456 

Finnland 

945 

Norwegen 

945 


Nach: Jan de Lint und Wolfgang Schmidt: „Consumption 
Averages and Alcoholism Prevalence: A Brief 
Review of Epideniiological Investigations" Br. J. 
Addict. 1971, Vol. 66, 97—107. 


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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


die Gesamtbevölkerung Bremens, auf eine Gesamt- 
zahl von 1,1 °/o (1,3 ^/o Männer, 0,9 Vo Frauen). Wahr- 
scheinlich ergibt sich ein zutreffenderes Bild, wenn 
man einzelne Fragen mit besonders hoher Aussage- 
kraft herausgreift: z. B. wird die Frage nach dem 
Kontrollverlust von 2,8 ®/o (3,2 % Männern und 2,4 ®/o 
Frauen) positiv beantwortet. Praktisch gleich hoch 
sind die Antworten für Fragen nach morgendlichem 
Alkoholkonsum. Wenn man die Frage nach Schwie- 
rigkeiten am Arbeitsplatz wegen Alkohol zugrunde- 
legt, kommt man auf eine Zahl von 2,0 % (bei 
Männern 3,2 Vo, bei Frauen 1,3 ®/o). Zusammenge- 
faßt kann man nach dieser Erhebung die Prävalenz 
des Alkoholismus in Bremen 1973 auf 2 bis 3 ®/o 
schätzen. Wenn man von den Ergebnissen der Re- 
präsentativbefragung von 1967 über das Trinkver- 
halten der Deutschen ausgeht, nach der keine regio- 
nalen Unterschiede im Alkoholverbrauch zwischen 
den einzelnen Bundesländern bestehen, so wäre 
diese Zahl von 2 bis 3 Vo als gültig für das gesamte 
Bundesgebiet anzusetzen. Es muß offen bleiben, ob 
sie gegenüber der Zahl von 1969 eine Zunahme von 
1 bis 1,5 Vo darstellt, da die Erhebungsmethoden der 
Zahlen von 1969 und 1973 unterschiedlich sind. 

Eine solche Zunahme läßt sich auch aus dem pro- 
capita-Verbrauch an Alkohol ablesen. Er betrug in 
der Bundesrepublik Deutschland 1950 3,271, 1960 


Tabelle 2 


Land 

Gesamtverbrauch 
alkoholischer Getränke 
je Kopf der Bevölkerung 
in verschiedenen Län- 
dern in Litern absoluten 
Alkohols 


1951 bis 
1955 

1966 bis 
1970 

Frankreich 

19,6 

17,6 2) 

Italien 

11,8 ') 

13,8 

Bundesrepublik Deutsch- 
land 

4,4 

10,4 

Schweiz 

8,4 

10,4 

Österreich 

6,0 

10,3 

Belgien 

7,7 

7,9 

Großbritannien 

4,3 

6,0 

Dänemark 

3,2 

6,0 

USA 

5,2 

6,0 

Schweden 

4,5 

5,3 

Niederlande 

U8 

4,5 

Finnland 

1,3 

3,3 

Norwegen 

2,0 

3,2 


1) 1950 bis 1955 

2) 1966 bis 1969 

Nach: DHS-Informationsdienst Nr. 1/2, Juni 1974, 27. Jahr- 
gang, S. 11. 


7,79 1, 1969 10,75 1, 1972 11,97 1. Im Vergleich mit 
elf anderen Ländern ist die Zunahme in der Bundes- 
republik Deutschland am stärksten (s. Tabelle 2). 

6.2 Inzidenzzahlen des Alkoholismus 

Erst recht findet sich eine Zunahme der Inzidenz- 
zahlen der Alkoholiker. Als Beispiel seien die Auf- 
nahmeziffern in psychiatrischen Landeskrankenhäu- 
ser in Bayern und Nordrhein-Westfalen genannt. Die 
Zahl der Aufnahmen von Alkoholiker-Patienten in 
elf bayerischen Nervenkrankenhäusern stieg in den 
Jahren 1969 bis 1972 von 1 976 auf 3 177, also um 
114 Vo. In den rheinischen Landeskrankenhäusern be- 
trug der Anstieg der Aufnahmeziffer für Alkoholi- 
ker von 1969 bis 1971 (Zahlen für 1972 liegen noch 
nicht vor) 34% (von 2 391 auf 3 214 Patienten). 
Geht man von den Aufnahmeziffern von 1960 (791) 
aus, so findet sich gegenüber 1971 eine Zunahme 
von 406 ^^/o. Der Anteil der Frauen beträgt unter den 
Aufnahmen in bayerischen Landeskrankenhäusern 
20 o/o, in nordrhein-westfälischen Landeskrankenhäu- 
sern etwa 250 / 0 . Als Beispiele für den Anteil an 
Alkoholikern am psychiatrischen Krankengut von 
extramuralen Einrichtungen seien die Zahlen der 
Poliklinik des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie, 
München, und der psychiatrischen Ambulanz des 
Klinikums Mannheim genannt: Max-Planck-Institut 
für Psychiatrie 1969 bis 1971: 11 0 / 0 , Ambulanz des 
Klinikums Mannheim (1971): 70 / 0 . Der Anteil der 
Frauen unter den Alkoholikern betrug in beiden 
Institutionen 28 bis 30 0 / 0 . Die Zahl der jugendlichen 
und heranwachsenden Alkoholiker (unter 25 Jah- 
ren) betrug im Max-Planck-Institut für Psychiatrie 
5 0 / 0 , die der über 50jährigen 22 0 / 0 . 


Literatur 

Bayer. Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung. 
Veröffentlicht bei Pressekonferenz am 17. Januar 1974. 

Biehl, W.: Jahrbuch zur Frage der Suchtgefahren 1975. 
Neuland-Verlagsgesellschaft, Hamburg. 

DHS-Informationsdienst, Nr. 1/2, Juni 1974, 27. Jahrgang 
S. 11. 

Direktor des Landschaftsverbandes Rheinland. Einige An- 
gaben zum Problem „Alkoholismus" im Rheinland 1974. 

Feuerlein, W., G. Kunstmann: Die Häufigkeit 
des Alkoholismus. Vergleich zwischen verschiedenen 
Krankenanstalten. Münch. Med. Wschr. 115, 1991 — 96 
(1973). 

Feuer lein, W.: Probleme und Ergebnisse der epide- 
miologischen Forschung beim Alkoholismus. Suchtge- 
fahren 20, 234—237 (1974). 

L i n t , d e J., W. Schmidt; Consumption averages and 
alcoholism prevalence: A brief review of epidemio- 
logical investigations. Br. J. Addict. 66, 97 — 107 (1971). 

Wies er, S.: Das Trinkverhalten der Deutschen. Eine 
medizin-soziologische Untersuchung. Nicolaische Ver- 
lagsbuchhandlung Herford 1972. 

Wieser S. f, W. Feuerlein; Untersuchungen über 
die Häufigkeit des Alkoholismus im Bundesland Bre- 
men (Ergebnisse einer Repräsentativerhebung 1973) (in 
Vorbereitung). 


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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


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7 Die Therapie des Alkoholismus 

7.1 Besondere Probleme 

Die Therapie des Alkoholismus begegnet vielen 
Schwierigkeiten. Sie liegen 1. in der Art der zu the- 
rapierenden Krankheit bzw. der Verhaltensstörung, 
2. in der Einstellung der Patienten, 3. in der Ein- 
stellung der Therapeuten. 

Die multikonditionale Entstehung des Alkoholis- 
mus läßt eine einheitliche kausale Therapie von 
vornherein aussichtslos erscheinen. Dies gilt insbe- 
sondere für die noch letztlich ungeklärten Entste- 
hungsbedingungen des süchtigen Fehlverhaltens. 
Eine weitere praktische Schwierigkeit kommt von 
den seit Jahrtausenden tradierten Trinksitten und 
affektbetonten Voreinstellungen zum Alkohol. 

Die Einstellung des Alkoholikers gegenüber der 
Therapie ist in der Regel zunächst ablehnend. Auch 
bei späterer Kooperationsbereitschaft bleibt sie im 
Grunde ambivalent. 

Die Einstellung der Therapeuten gegenüber dem 
Alkoholiker ist ebenso ambivalent. Alkoholiker 
werden als Pat. vielfach abgelehnt. Sie werden in 
eine deviante Rolle gedrängt, was vielfach wieder 
zu deviantem Verhalten führt. Dazu kommt als 
weitere Schwierigkeit mangelnde Aus- und Weiter- 
bildung der Therapeuten auf dem Gebiet des Alko- 
holismus. 


7.2 Die verschiedenen Behandlungsverfahren 

Die multikonditionelle Genese des Alkoholismus 
legt eine komplexe und umfassende Therapie nahe, 
die nur durch Zusammenarbeit mehrerer Therapeu- 
ten verschiedener Fachrichtungen optimal durchge- 
führt werden kann. Als Beginn des Kriteriums des 
Behandlungserfolges ist die Abstinenz oder die so- 
ziale Heilung bei kurzfristigen Rückfällen anzuse- 
hen. Katamnesen über drei bis fünf Jahre sind als 
Gradmesser für einen einigermaßen stabilen Be- 
handlungserfolg zu fordern. Die Abstinenz ist aber 
nicht das Endziel, sondern Voraussetzung einer opti- 
malen Heilung. Das Endziel ist die Behandlung der 
Persönlichkeit im Sinne des Abbaus der süchtigen 
Fehlhaltung. 

Die Prognose des Alkoholismus, behandelt oder un- 
behandelt, hängt von verschiedenen Faktoren ab 
(Grundpersönlichkeit, Motivation, Beginn des Alko- 
holismus, Geschlecht), 

Eine Frühbehandlung des Alkoholismus ist anzu- 
streben und wäre durch Vorsorgeuntersuchungen 
besonders gefährdeter Bevölkerungsgruppen (z. B. 
Angehörige von Alkoholberufen) zu fördern. Jedoch 
ist nach den bisherigen Erfahrungen der progno- 
stisch günstigste Zeitpunkt für das Einsetzen der 
Therapie erst dann gekommen, wenn der Alkoholi- 
ker durch das Erleben sozialer und gesundheitlicher 
Schäden „reif" für einen Einstellungswandel gegen- 
über seinen bisherigen Verhaltensweisen geworden 
ist. 


Die Entgiftungsbehandlung befaßt sich mit der The- 
rapie der akuten Intoxikationserscheinungen der 
Entzugssyndrome. Die Behandlung hat vorwiegend 
medikamentös zu erfolgen. 

Die Entziehungsbehandlung soll sich unmittelbar an 
die Entgiftungsbehandlung anschließen. Dies spielt 
sich auf zwei Ebenen ab: 

Medikamentöse Behandlung: sie betrifft vor allen 
Dingen Drogen, die zu einer temporären Alkohol- 
unverträglichkeit führen (Prototyp: Disulfiram). 
Diese Behandlung ist jedoch allein nicht ausreichend, 
außerdem wegen möglicher Nebenwirkungen nicht 
ganz ungefährlich. Trotzdem hat diese Behandlung 
auch heute noch als stützende Maßnahme ihre Be- 
deutung. 

Psychologische Maßnahmen 

Alle psychologischen Maßnahmen haben zum Ziel, 
beim Patienten einen Lernprozeß in Gang zu set- 
zen, der zur Bildung neuer, gegen den Alkohol ge- 
richteter Motivationen führt. Der Lernprozeß kann 
auf verschiedene Weise eingeleitet und erhalten 
werden: 

Einzelgespräche sind Anfang und Basis jeder sonsti- 
gen Therapieform. Sie dienen zur Diagnostik, zur 
Information des Patienten und vor allen Dingen zur 
Motivationsstiftung für die weiteren Behandlungs- 
maßnahmen. 

Die individuelle Psychoanalyse hat sich in der Be- 
handlung des Alkoholismus im großen und ganzen 
nicht bewährt. Wegen des oralen Charakters, der 
Abhängigkeit, Passivität und der geringen Frustra- 
tionstoleranz der Alkoholiker ergeben sich Schwie- 
rigkeiten. Außerdem zeigte sich, daß der Alkoholis- 
mus bei vielen Patienten eine „Gemeinschaftsneu- 
rose" darstellt und als solche einer individuellen 
psychoanalytischen Behandlung nicht recht zugäng- 
lich ist. 

Pragmatische psychotherapeutische Verfahren 

Das autogene Training, verbunden mit formelhaften 
Vorsatzbildungen, kann in der Hand von Erfahrenen 
gute Erfolge bringen, ist aber in der Regel als ein- 
zige Methode nicht ausreichend. Das gleiche gilt für 
die Hypnose. Beide Verfahren haben sich jedoch als 
Basis und Zusatzmethode bewährt. 

Die Gruppentherapie hat sich in den letzten Jahr- 
zehnten in zunehmendem Maße auch bei der Thera- 
pie von Alkoholikern eingebürgert. Zu den allge- 
meinen Wirkungen der Gruppentherapie treten 
beim Alkoholiker als weitere Faktoren die größere 
Überzeugungskraft der Informationen durch Grup- 
penmitglieder mit gleicher Alkoholerfahrung. 

Sonderformen der Gruppentherapie sind die Mara- 
thontherapie (Gruppentherapie, die über 24 Stunden 
und länger ununterbrochen fortgesetzt wird) und 
die Familientherapie. 

Weitere Sonderform der Gruppentherapie ist das 
Psycho- und Soziodrama, über das in den letzten 
Jahrzehnten umfangreiche Erfahrungen gesammelt 


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Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag ~ 7. Wahlperiode 


wurden. Es dient der Freisetzung von Affekten unter 
Einübung von sozialen Situationen bei Alkoholkon- 
sumenten. 

Zu den psychotherapeutischen Verfahren der Alko- 
holikerbehandlung ist auch die Therapie mit LSD 
und anderen Halluzinogenen zu rechnen. Ziel dieser 
Therapie ist es, die pathologische Alkoholikerper- 
sönlichkeit durch das Erleben experimentell erzeug- 
ter Psychosen aufzubrechen. Die Ergebnisse dieser 
Therapie werden aber unterschiedlich beurteilt. 

Die Verhaltenstherapie bei Alkoholikern umfaßt 
verschiedene Methoden. Die gebräuchlichste ist die 
Aversionstherapie mit elektrischen Schlägen. Eine 
Variante der Aversionstherapie sucht den Proban- 
den zu einem kontrollierten Trinken zu konditionie- 
ren, wobei die Probanden die Einschätzung des eige- 
nen Blutalkoholspiegels einüben sollen. Eine wei- 
tere Spezialmethode der Aversionstherapie ist die 
Therapie mit Succinylchlorid, die dem Probanden in 
drastischer Weise den mit Alkoholgenuß gekoppel- 
ten Atemstillstand angstvoll erleben läßt. 

Von den sonstigen Methoden der Verhaltensthera- 
pie bei Alkoholikern sei das „Markensystem" 
(„operant conditioning" ) erwähnt. Der Proband er- 
hält für sozial positive Verhaltensweisen, insbeson- 
dere Vermeiden von Alkohol, Marken, die nach 
einem vorher festgesetzten System ihm bestimmte 
Präferenzen vermitteln. 

Die genannten Verfahren können zusammen oder 
alternativ bei ambulanter oder stationärer Behand- 
lung angewandt werden. 

7.3 Die ambulante Behandlung der Alkoholkranken 

Eine der wesentlichen Grundlagen der ambulanten 
Behandlung von Alkoholikern ist die Bedarfsschät- 
zung. Die Zahl der Alkoholiker in der Bundesrepu- 
blik Deutschland beträgt nach neueren Erhebungen 
2 bis 3 Vo der Gesamtbevölkerung, d. i. gleich 1,2 
bis 1,8 Millionen Alkoholiker. Diese Berechnung 
stützt sich auf eine repräsentative Umfrage mit 
einem Fragebogen, die Wieser in Bremen 1972 
durchgeführt hat. 

Die Zahl der Alkoholiker in den ärztlichen Praxen 
ist relativ gering, verglichen mit den Prozentzahlen 
der Alkoholiker in stationären Einrichtungen, die 
durchschnittlich auf 20 Vo der gesamten Aufnahmen 
beziffert wird und bei Männern einen Wert von 
etwa 30 ‘’/o der Aufnahmen und mehr erreicht. Eine 
Umfrage bei 185 Münchener niedergelassenen Ärz- 
ten (Nervenärzten, Internisten und Ärzten für All- 
gemeinmedizin) ergab 1970 folgendes: 80 Vo von 
ihnen hatten 5 Alkoholiker und weniger pro Quar- 
tal, 6 ^/o der befragten Ärzte gaben an, mehr als 
zehn Alkoholiker pro Quartal zu behandeln. Von 
den Nervenärzten waren es nur 17 Vo, die eine 
solche Alkoholikerfrequenz berichteten, während 
71 Vo von ihnen fünf Alkoholiker und weniger pro 
Quartal hatten. Auch in poliklinischen Einrichtun- 
gen ist der Prozentsatz der Alkoholiker nicht sehr 
hoch. In der Poliklinik der Psychiatrischen Klinik 
Mannheim waren es 1971 7 Vo. Der Prozentsatz der 
Alkoholiker in der Poliklinik unseres Institutes 


betrug in den Jahren 1969 bis 1971 11 Vo des psych- 
iatrischen Gesamtkrankengutes, was immerhin einer 
absoluten Zahl von rd. 250 im Jahre entspricht. 
Inzwischen ist aber die Zahl der Alkoholiker hier 
erheblich angestiegen: 1972 waren es 411 Fälle, 
d. h. 22 o/o des psychiatrischen Gesamtkrankengutes. 
30 o/o aller männlichen Zugänge und 15 o/o aller 
weiblichen Zugänge waren Alkoholiker. Dazu muß 
man aber betonen, daß diese Zahlen nur Erstauf- 
nahmen betreffen. Die Zahl der behandelten Al- 
koholiker in den ambulanten Einrichtungen ist aber 
wesentlich höher und hängt generell auch von den 
Möglichkeiten der ambulanten Therapie ab. Diese 
sind im allgemeinen gering und sicher nicht befrie- 
digend. 

7.3.1 Ambulante Behandlungsmöglichkeiten 

Da sich die Behandlung der Alkoholiker über Jahre 
erstrecken muß, ergibt sich, daß der Hauptteil die- 
ser Behandlung ambulant zu erfolgen hat. Die sta- 
tionäre Behandlung bleibt in der Regel nur auf 
eine relativ kurze Zeit beschränkt, gemessen an der 
Gesamtbehandlungsdauer. Ambulante und statio- 
näre Behandlung sind aber nicht unabhängig von- 
einander, sondern müssen stets aufeinander bezo- 
gen sein. Die Aufgaben und die Möglichkeiten der 
ambulanten Behandlung lassen sich wie folgt cha- 
rakterisieren: 

7.3.1.1 

Erfassung der Patienten. Untersuchung und Dia- 
gnosestellung. Die Erfassung der Patienten schließt 
eine Kontaktnahme mit den Angehörigen, Betrieben, 
Behörden, Selbsthilfeorganisationen und Sucht- 
beratungsstellen, vor allen Dingen aber mit den 
überweisenden Ärzten ein. 

7.3.1. 2 

Vorbereitung der stationären Behandlung. Informa- 
tion über Grundbegriffe des Alkoholismus, Weckung 
der Motivation für die Behandlung. Versuch, eine 
vorläufige Abstinenz zu erreichen. Behandlung der 
körperlichen und psychischen Störungen, insbeson- 
dere von Abstinenzerscheinungen, Vitaminmangel- 
erscheinungen und von psychischen Störungen, so- 
weit sie durch Psychopharmaka angegangen werden 
können. Evtl. Unterstützung der Abstinenz durch 
Alkohol sensibilisierende Pharmaka (Disulfiram 
u. ä.). 

7.3.1. 3 

Nachgehende Behandlung nach Entlassung aus der 
stationären Behandlung. Vertiefung des in der sta- 
tionären Behandlung Erlernten, insbesondere durch 
Anwendung auf die praktischen Verhältnisse. Ein- 
beziehung der Angehörigen. 

7.3.1. 4 

Alleinige ambulante Behandlung ohne Einschaltung 
einer stationären Behandlungsphase: bei gut moti- 
vierten Alkoholikern, die sich in einem mittelmäßi- 
gen bis guten körperlichen Zustand befinden, min- 


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destens leidliche soziale Verhältnisse aufweisen, 
ist eine solche Behandlung möglich. 

Der ambulanten Behandlung stehen natürlich we- 
sentlich weniger Verfahren zur Verfügung, als sie in 
der stationären Behandlung möglich sind. In erster 
Linie ist neben der schon erwähnten medikamen- 
tösen Behandlung das Einzelgespräch hervorzuhe- 
ben, das Anfang und Basis jeder sonstigen Thera- 
pieform darstellt und zur Diagnostik, insbesondere 
zur genauen Analyse des süchtigen Verhaltens, zur 
Information über den Patienten und seine Moti- 
vation, vor allen Dingen aber zur Motivationsstif- 
tung für die weitere Therapie dient. In manchen 
Fällen gelingt es auch, die Patienten mit Einzel- 
gesprächen über längere Zeit zu halten und auch 
oberflächlich liegende Konflikte und Fehlhaltungen 
aufzuarbeiten, vor allen Dingen bei systematischer 
Anwendung der Gesprächstherapie nach den Prin- 
zipien von Rodgers bzw. Tausch. Die Gruppenthera- 
pie, ebenfalls in der ambulanten Behandlung mög- 
lich, erfolgt vorwiegend als didaktisch-informative 
oder pädagogisch-direktive Therapie, aber auch als 
analytisch ausgerichtete Therapie. Sie ist unter den 
niedergelassenen Ärzten offenbar wenig verbreitet. 
Bei der erwähnten Rundfrage 1970 vermittelten nur 
5 % der Ärzte ihren Patienten „gelegentlich" oder 
„meistens" eine solche Behandlung. Auch die Be- 
handlung mit pragmatischen psychotherapeutischen 
Verfahren wie Hypnose und autogenem Training 
wird in der Praxis nur relativ wenig angewandt 
(nur in 15 Vo der Fälle nach unseren Erhebungen), 
dabei ist sie als unterstützende Therapie durchaus 
wertvoll. Weitere psychotherapeutische Maßnah- 
men, die auch für die ambulante Behandlung in 
Frage kommen, sind die Familientherapie und für 
einzelne, schwer neurotische Fälle, die Psycho- 
analyse, u. U. auch das Psycho- und Soziodrama. 
Einer besonderen Besprechung bedarf die Verhal- 
tenstherapie, die als Aversionstherapie auch im 
ambulanten Bereich durchführbar ist. Andere ver- 
haltenstherapeutische Verfahren, die sich für die 
ambulante Therapie eignen, sind noch umstritten 
bzw. sind in Erprobung. Nicht zuletzt sei auch noch 
auf die Sozialhilfemaßnahmen im Sinne des Case- 
work oder Group-work erinnert. 

7.4 Nachsorge 

Die Nachsorge für den Alkoholiker ist eine der 
Hauptaufgaben der ambulanten Therapie, sie ist 
aber insgesamt bisher sehr unbefriedigend gelöst. 
Dies zeigen Ergebnisse einer katamn es tischen Un- 
tersuchung an Alkoholikern, die in einem bayeri- 
schen Nervenkrankenhaus behandelt worden waren 
und nach einem halben Jahr nachuntersucht wurden. 
Es waren 190 unausgelesene Alkoholiker, die dort 
im Zeitraum vom 1. Mai bis 31. Juli 1972 entlassen 
worden waren (darunter 140 Männer). Von diesen 
konnten 121 eingehend befragt werden, oder ent- 
sprechende Informationen konnten von den An- 
gehörigen eingeholt werden (64%). Von weiteren 
32 (= 17 ^/o) liegen mehr oder minder unvollstän- 
dige Informationen vor. 24 (= 14%) waren nicht 
auffindbar, 8 Patienten (= 4%) waren verstorben. 
Die katamnestischen Untersuchungen ergaben, daß 


von den 141 Fällen, die entsprechende Antworten 
geben konnten, in 99 Fällen eine Narhbetreuung 
nach der Entlassung überhaupt nicht stattgefunden 
hat*). Von den 141 Fällen waren 46 (= 24%) 
sicher nicht zu einer Nachbetreuung überwiesen 
worden. Die Nachbetreuungsrate war signifikant 
höher (p<C0,50), wenn die stationäre Behandlung 
intensiver war im Sinne einer Gruppentherapie. 
Sonstige Variablen wie Höhe des Alkoholkonsums 
oder zusätzliche psychiatrische Störungen, die sich 
in einer Zusatzdiagnose niedergeschlagen haben, 
standen ohne signifikanten Zusammenhang mit der 
tatsächlich erfolgten Nachbetreuung. Eine genaue 
Analyse der Nachbetreuungsfälle ergab, daß 12 
von ihnen bei den Anonymen Alkoholikern waren 
und 18 durch das Gesundheitsamt nachbetreut wur- 
den. Die restlichen 12 Fälle verteilten sich auf son- 
stige Selbsthilfegruppen, Suchtberatungsstellen und 
Sozialarbeiter. Von den 42 nachbetreuten Fällen 
wurden nur 12 alle 8 bis 14 Tage betreut. Sechs nur 
einmal im Monat, fünf einmal in drei Monaten, der 
Rest überhaupt nur einmal. Geht man davon aus, 
daß eine Nachbetreuung nur dann sinnvoll ist, wenn 
sie mindestens einmal im Monat stattfindet, so 
reduziert sich die Anzahl der Patienten, die eine 
solche Nachbetreuung hatten, auf 18. Diese 18 Pa- 
tienten setzten sich aber hauptsächlich aus Al- 
koholikern zusammen, die sich einer Selbsthilfe- 
gruppe angeschlossen haben oder die von Sucht- 
beratungsstellen oder Sozialarbeitern nachbetreut 
wurden. 

Nicht viel besser war es um die ärztliche Nach- 
behandlung bestellt. Von den 141 Fällen wurden 
nur 55 (39 %) nachbehandelt. Davon 29 (21 %) durch 
den Hausarzt, je 13 (9%) durch Nervenärzte bzw. 
psychiatrische Polikliniken. 

Versucht man den Erfolg der Nachbetreuung ab- 
zuschätzen, so muß man zunächst das Ergebnis der 
gesamten Patientenzahl berücksichtigen. Von den 
141 Patienten blieben 38 (25 %) abstinent bzw. be- 
trieben einen mäßigen Alkoholkonsum. 101 (75%) 
hatten einen totalen Rückfall in die alten Trinksit- 
ten. Bei zwei blieb der Alkoholkonsum unbekannt. 
Von diesen 101 Patienten waren 32 (= 33 %) nach- 
betreut und 68 (67 ®/o) nicht nachbetreut worden. Das 
ist ein Verhältnis von etwa 2:1. Von den 38 total 
Abstinenten bzw. mäßig Trinkenden waren 29 
(76 %) nicht nachbetreut worden und nur 9 (24 %) 
nachbetreut worden. Hier ist das Verhältnis 3:1, 
also ungünstiger bei den Rückfälligen. 

Gehen wir von den 42 nachbetreuten Fällen aus, 
so blieben zwei abstinent, sieben trieben einen 
mäßigen Alkoholkonsum, während 33 (78 %) in 
den alten Trinkstil zurückfielen. Von den 99 nicht 
Nachbetreuten blieben acht abstinent, weitere 21 
konsumierten in mäßigem Umfang Alkohol (= zu- 
sammen 29%). 68 (= 68%) wurden rückfällig. 
Ähnlich verhält es sich mit den Wiederaufnahmen 
zur stationären Behandlung. Von den nachbetreuten 


*) Unter „Nachbetreuung" wurden (im Gegensatz zur 
ärztlichen „Nachbehandlung") Aktivitäten durch die 
AA und sonstige Selbsthilfegruppen, Sozialarbeiter 
und Bewährungshelfer und andere nichtärztliche The- 
rapeuten sowie durch das Gesundheitsamt verstanden. 


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Patienten wurden 48 ®/o, von den nicht nachbetreu- 
ten 37 ®/o stationär aufgenommen. Allerdings braucht 
dies noch nicht ein Zeichen der schlechten Prognose 
zu sein, vielmehr kann die Nachbetreuung die hier 
ohnehin notwendige stationäre Aufnahme beschleu- 
nigt haben. Aus den übrigen Zahlen ließe sich aber 
eher ein ungünstiger Erfolg der Nachbetreuung 
ablesen. Doch ist es sicher gefährlich, so weitrei- 
chende Folgerungen aus dieser ersten Analyse der 
Zahlen zu ziehen. Eine weitere Auswertung muß 
erfolgen. Immerhin lassen sich vielleicht folgende 
Schlüsse ableiten: 

1. Die Nachbetreuung allein ist nicht ausreichend. 
Wenn sich aus den Katamnesen der Patienten 
aus Heilstätten ein deutlicher Unterschied hin- 
sichtlich des Langzeiterfolges ergibt, je nachdem, 
ob eine Nachbetreuung stattgefunden hat oder 
nicht, so läßt sich dieser Befund nicht verallge- 
meinern. Es kommt dann offenbar darauf an, ob 
die stationäre Behandlung entsprechend effizient 
war und ob die Nachbetreuung qualitativ ent- 
sprechend war. 

2. Die eher ungünstigen Ergebnisse der Nachbe- 
treuung könnten auch mit anderen Variablen 
Zusammenhängen. So könnte es sein, daß sich 
unter den Nachbetreuten mehr primär auffällige, 
prognostisch ungünstige Patienten befinden, die 
dann vom Gesundheitsamt zwar gesehen, aber 
nicht genügend effizient nachbetreut werden 
konnten. Außerdem wäre es möglich, daß die- 
jenigen stationären Patienten, denen die intra- 
murale Behandlung eine echte „Umkehr" brachte, 
von sich aus auf eine Nachbetreuung verzich- 
teten, weil sie sie gar nicht für nötig erachteten, 
während die primär schwer neurotischen und 
abhängigen Alkoholiker, deren Prognose über- 
haupt ungünstig ist, in höherem Prozentsatz 
Nachbetreuungsinstitutionen aufsuchten. 

3. Die Überweisung zur Nachbetreuung allein ge- 
nügt nicht. Es bedarf weiterer Anstrengungen, 
um den Patienten in die ihm entsprechenden 
Gruppen zu bringen. Erst recht genügen nicht 
die allgemeinen Angebote der Nachbetreuung. 
Wenn man bedenkt, daß praktisch alle Patien- 
ten in einem bayerischen Nervenkrankenhaus 
entsprechend den dortigen Gepflogenheiten wäh- 
rend ihres stationären Aufenthaltes mindestens 
einmal, meistens mehrmals die Möglichkeit hat- 
ten, Kontakt mit den AA bzw. mit dem Blauen 
Kreuz aufzunehmen, aber nur 12 °/o von ihnen 
diesen Kontakt später aufnahmen, so sieht man, 
daß die einmaligen Veranstaltungen nur einen 
ungenügenden Erfolg haben. 

4. Ein weiterer Grund für die ungenügende Nach- 
betreuung liegt natürlich in den äußeren Gege- 
benheiten. Hier bestehen erhebliche Unterschiede 
zwischen Stadt und Land. Von den Patienten, die 
in einer Stadt wohnen, wurden 25 ®/o nachbetreut, 
von den Landbewohnern nur 11 ®/o. Weitere 
Gründe sind die mangelnde Motivation. Die mei- 
sten Patienten waren unfreiwillig aufgenommen 
worden. Meist gelang es nicht, bei den Patien- 
ten eine genügende Krankheitseinsicht und Mo- 
tivation zu wecken. 


7.5 Vorschläge für die Verbesserung der 
ambulanten Behandlung 

7.5.1 Bessere Anwendung der vorhandenen 
therapeutischen Verfahren 

Bei der erwähnten Umfrage bei Münchener Ärzten 
zeigte sich, daß die Arzte von den vorhandenen 
therapeutischen Verfahren zu wenig Gebrauch ma- 
chen. 

7.5.2 Verbesserung der Zusammenarbeit der einzelnen 
Instanzen 

Die schon erwähnte Umfrage bei den Münchener 
Ärzten ergab weiterhin, daß 52 ^/o selten oder nie 
mit Instanzen der Sozialarbeit oder speziellen Sucht- 
beratungsstellen Zusammenarbeiten. Von den Ner- 
venärzten waren es immerhin 37 ^/o, also mehr als 
ein Drittel, die eine Zusammenarbeit mit den oben 
genannten Institutionen verneinten. Dabei ist zu 
bedenken, daß 24 ®/o der Nervenärzte diese beiden 
Fragen überhaupt nicht beantwortet haben. Dieses 
Ergebnis kann dahingehend interpretiert werden, 
daß derartige Institutionen zu wenig bekannt sind, 
es könnte aber auch sein, daß die Erfahrungen mit 
diesen Institutionen ungünstig waren. 

7.5.3 Entwicklung von neuen und besseren diagnostischen 
Methoden zur Früherfassung der Alkoholiker und zur 
Objektivierung ihrer Diagnose 

Viele Alkoholiker leugnen oder verdrängen ihren 
Alkoholabusus. Ein ähnliches Verleugnungs- oder 
Verdrängungsverhalten besteht von seiten mancher 
Arzte. Sie sind nicht davon überzeugt, daß die an- 
gegebenen Alkoholkonsummengen ihrer Patienten 
einen Alkoholabusus darstellen, bzw. daß die fest- 
gestellten Krankheitssymptome und Verhaltens- 
störungen Ausdruck des Alkoholismus sind. Ande- 
rerseits besteht bei manchen Ärzten eine geradezu 
fatalistische Haltung gegenüber fortgeschrittenen 
Alkoholikern. Deren Prognose wird als absolut un- 
günstig eingeschätzt, was natürlich die therapeu- 
tischen Aktivitäten lähmt. 

7.5.4 Verbesserung der vorhandenen therapeutischen 
Methoden bzw. Entwicklung neuer therapeutischer 
Verfahren, die sich für die ambulante Therapie 
eignen 

Dies gilt sowohl für die ärztlichen Therapeuten wie 
für die nichtärztlichen. Gerade das Ergebnis der ka- 
tamnestischen Untersuchungen zeigt, daß auf dem 
Gebiet der Nachbetreuung in methodischer Hinsicht 
noch manche Wünsche offenbleiben. 

Im einzelnen wären folgende Ziele zu setzen: 

7.5.4.1 Medikamentöse Behandlung 

Zur Bekämpfung von Abstinenzsymptomen sollten 
Mittel verwendet werden, die keine Abhängigkeit 
erzeugen (wie z. B. das Chlormethiazol) und keine 
Nebenwirkungen aufweisen. Es sollten des weite- 
ren sog. Alkoholblocker entwickelt werden, die den 
Alkoholabbau stoppen und durch die Anhäufung 


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von toxisch wirkenden, intermediären Stoffwechsel- 
produkten aversiv wirken oder die Vv^irkung des 
Alkohols aufheben. Diese Medikamente sollten eine 
geringere Eigentoxizität haben als etwa das Disul- 
firam; sie sollten sicher und kontrollierbar anwend- 
bar sein. 

7.5.4.1.2 Psychologische Mittel 

Es besteht das dringende Bedürfnis nach dem Aus- 
bau von psychotherapeutischen Verfahren, die in 
der Praxis relativ leicht in großem Umfang anwend- 
bar sind. Dies gilt insbesondere für gruppenthera- 
peutische Verfahren wie für die Gesprächstherapie. 
Besonderes Augenmerk sollte auf den Ausbau der 
verhaltenstherapeutischen Techniken gelegt werden, 
die in der ambulanten Therapie angewandt werden 
können. Sie sollten den Aversionsverfahren, die in 
der Suchtkrankentherapie öfters angewandt wer- 
den, überlegen sein. Die Versuche mit Selbstkon- 
trollmethoden erscheinen erfolgversprechend, ob- 
wohl es außerordentlich schwierig ist, diese Metho- 
den in der ambulanten Praxis entsprechend durch- 
zuführen. 

7.5.5 

Alle diese Maßnahmen können nur Erfolg haben, 
wenn es gelingt, das Interesse der niedergelassenen 
Ärzte und der sonstigen, für die ambulante Therapie 
in Frage kommenden Therapeuten in größerem Um- 
fang zu wecken als bisher. Voraussetzung ist eine 
bessere Ausbildung. Nur an einer Minderzahl der 
deutschen Hochschulen werden Vorlesungen über 
Alkoholismus und Suchtkrankheiten gehalten. Auch 
in den Lehrbüchern der Psychiatrie findet man viel 
zu wenig darüber. Kaum 5 Vo der zur Verfügung 
stehenden Seiten werden diesem Problem gewidmet, 
wobei immer noch die Alkoholpsychosen den mei- 
sten Raum einnehmen, während Alkoholismus und 
Suchtentwicklung kaum besprochen werden. 

7.5.6 Verbesserung der Organisation der Behandlung 
Nahziele: 

a) Einrichtung bzw. Verbesserung der Nachsorge- 
einrichtungen, die von den intramuralen Instan- 
zen, insbesondere psychiatr. Landeskranken- 
häusern, getragen werden. In erster Linie ist an 
die Einrichtung von Ehemaligen-Gruppen an den 
Orten der Landeskrankenhäuser bzw, in den 
größeren Städten ihres Einzugsgebietes zu den- 
ken. Um dies durchführen zu können, wäre es 
notwendig, genügend Ärzte, Psychologen und 
Sozialarbeiter für diesen Zweck freizustellen. 
Ärzte sollten ggf. durch Ermächtigungsverträge 
am kassenärztlichen Dienst beteiligt werden. 

b) Verbesserung des Sozialdienstes an den Landes- 
krankenhäusern durch Erhöhung der Planstellen. 
Das Minimalziel sollte sein, daß kein Alkoholiker 
entlassen wird, der nicht über eine entsprechende 
Arbeitsstelle und Wohnung verfügt und der 
nicht einen ernsthaften Kontakt mit einer Nach- 
sorgeeinrichtung aufgenommen hat. Die Vermeh- 
rung und Verbesserung der Übergangseinrich- 
tungen wie Wohnheime und Nachtkliniken ist 


ebenfalls anzustreben. Diese übergangseinrich- 
Lungen brauchen zu ihrer Leilurig und Belreuung 
vor allen Dingen speziell geschulte Sozialarbei- 
ter. 

c) Der Kontakt der einzelnen Selbsthilfeorganisa- 
tionen und anderen Nachbetreuungsstellen zu 
den intramuralen Einrichtungen und Nervenärz- 
ten sollte verbessert werden. Auch die einzelnen 
Nachbetreuungseinrichtungen sollten untereinan- 
der besseren Kontakt haben. Ein Konkurrenzver- 
halten zwischen den einzelnen Organisationen, 
wie es hin und wieder beobachtet wird, geht zu 
Lasten der Patienten. 

7.6 

Einrichtung von Fachambulanzen, die die Zentralen 
der genannten extramuralen Aktivitäten darstellen. 
Diese Fachambulanzen sollten zunächst in Groß- 
städten aufgebaut werden und einen sektorisierten 
Bezirk betreuen. Ihre personelle Ausstattung müßte 
so bemessen sein, daß mindestens in den Groß- 
städten ein 24-Stunden-Dienst gewährleistet ist. Das 
Personal sollte neben speziell geschulten Nerven- 
ärzten und Sozialarbeitern auch Psychologen um- 
fassen. An diese Fachambulanzen sollten kleine 
Heime für kurzfristige Aufnahmen zur Kriseninter- 
vention angeschlossen werden. Diese Fachambulan- 
zen sollten Kontakt mit allen in Frage kommenden 
Instanzen, insbesondere intramuralen Einrichtungen 
wie Landeskrankenhäusern, Allgemeinkrankenhäu- 
sern, aber auch Wohnheimen und sonstigen Heimen 
halten, ferner enge Kontakte mit niedergelassenen 
Ärzten, vor allem Nervenärzten, den Instanzen des 
Sozialdienstes, der Betriebe und Behörden pflegen. 
In praxi wäre eine Umwandlung bestehender Struk- 
turen in derartige Fachambulanzen anzustreben. Die 
Einbeziehung niedergelassener Ärzte mit Spezial- 
kenntnissen in diese Fachambulanzen wäre wün- 
schenswert. 


Literatur 

Dilling, H., H. Rosefeldt, G. Kockott, H. 
H e y s e : Verhaltenstherapie bei Phobien, Zwangsneu- 
rosen, sexuellen Störungen und Süchtigen. Fortsdir, 
Neurol. Psychiatr. 39, 293 — 344 (1971). 

Feuerlein, W.: Therapie des Alkoholismus, Münch- 
Med. Wsdir. 112, 1611—1619 (1970). 

Feuerlein, W.: Chronischer Alkoholismus — Entste- 
hungsbedingungen — Therapie. Nervenarzt 43, 389 — 398 
(1972). 

Glatt, M. M.: The alcoholic unit and its contribution 
to management and prevention of alcoholism. AlcohoT 
ism (Zagreb) 1, 85 (1965). 

Kryspin-Exner, K.: Theorie und Praxis der The- 
rapie der Alkoholabhängigkeit. Verlag Brüder Holli- 
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Rieth, E.: Indikation, therapeutische Zielsetzung und 
Erfolg von Entziehungskuren in offenen Heilstätten. 
Dt. Rentenvers. 5/1968. 

Wies er, S.: Alkoholismus IIIi Katamnesen und Pro- 
gnosen. Fortschr. Neurol. 34, 565 — 588 (1966). 


57 



Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


8 Die Therapie Drogenabhängiger und 
-gefährdeter 

Drogenabhängigkeit in ihren derzeitigen Erschei- 
nungsbildern ist eine Sonderform im Rahmen des 
Gesamtkomplexes der Suchtkrankheiten mit spezifi- 
schen psychologischen, psychiatrischen, toxikologi- 
schen und soziologischen Gesichtspunkten und be- 
darf daher in mancher Hinsicht besonders speziali- 
sierter Behandlungseinrichtungen, wenn auch die 
Grundprinzipien der Behandlung für alle Erschei- 
nungsformen der Sucht gleich sind. So wie bei allen 
anderen Suchtkrankheiten muß je nach Stadium 
und Schweregrad, bzw. nach den besonderen Ent- 
stehungsbedingungen der Erkrankung eine Vielzahl 
von Therapieeinrichtungen im Rahmen eines Ge- 
samtbehandlungsplanes zur Verfügung stehen. Eine 
ähnliche Organisationsform, die sich in der Praxis 
bewährt hat, wurde für das Gebiet der Alkohol- 
abhängigkeit bereits dargestellt. In Anbetracht der 
Tatsache, daß in der Bundesrepublik Deutschland 
umfangreiche Erfahrungen mit einem Gesamtbe- 
handlungsplan für Alkoholkranke vorhanden sind, 
können gewisse prinzipielle Grundlagen für die 
Therapie Drogenabhängiger übernommen werden, 
dies besonders im Hinblick auf die Tatsache, daß es 
schwer praktikabel erscheint, für den Bereich der 
Drogenabhängigkeit ausschließlich neue, effektiv 
arbeitende Einrichtungen zu begründen und perso- 
nell auszustatten. Diese Überlegungen betreffen 
allerdings nur die Grundzüge des Funktionierens 
der einzelnen Institutionen im Rahmen des Gesamt- 
behandlungsplanes (Erfassung, Fachambulanzen, In- 
tensivpflegeabteilungen, Spezialkliniken, Rehabili- 
tationseinrichtungen), während die Methodik des 
Funktionierens dieser Institutionen ganz auf die 
speziellen Bedürfnisse des Krankengutes der Dro- 
genabhängigen abgestimmt werden muß. In bezug 
auf die Vielfalt der im Detail anzuwendenden Me- 
thoden gibt es gewichtige Unterschiede zwischen der 
Behandlung Alkohol- und Drogenabhängiger. Die 
Unterschiede ergeben sich aus dem sehr frühzeiti- 
gen Beginn des Abhängigkeitsprozesses, aus der 
spezifischen Wirkung der angewandten psycho- 
tropen Stoffe, der primär meist gänzlich verschie- 
denartigen Motivation zur Drogeneinnahme und 
dem deutlicher im Vordergrund stehenden Milieu- 
konflikt bzw. der ausgeprägteren Persönlichkeits- 
störung. Ein weiterer gewichtiger Unterschied be- 
steht darin, daß die jungen Drogenabhängigen fast 
immer die physische und psychische Reifung, bzw. 
die Eingliederung in die Sozietät (nicht abgeschlos- 
sene Berufsausbildung) noch nicht erreicht haben. 
Damit und vor allem auch durch die Folgen der 
chronischen Intoxikation wird eine konfliktgesteuer- 
te Ausreifung der Persönlichkeit verhindert. In vie- 
ler Hinsicht ähneln die an Drogenabhängigen ge- 
wonnenen Beobachtungen den Bildern, die vom 
Alkoholismus Jugendlicher her seit langem bekannt 
sind. 

Wie der Alkoholismus ist auch die Drogenabhängig- 
keit kein einheitliches Krankheitsbild. Zu ihrer Ent- 
stehung tragen individuell verschiedene Faktoren 
bei, wie persönliche Anlagen, gesellschaftliche, le- 
bensgeschichtliche oder altersphasenspezifische Ein- 


flüsse. Jeder Süchtige, der zur Behandlung bereit 
ist, muß deshalb in seinen eigenen, persönlichen 
Schwierigkeiten gesehen und ihnen entsprechend 
behandelt werden. Ein starres Konzept für die The- 
rapie gibt es nicht. Grundlegendes Prinzip ist, daß 
die Behandlung vielseitig, aber konsequent sein 
sollte. 

Die Bereitschaft des Drogenabhängigen, bei der Be- 
handlung aktiv mitzuwirken, muß meist erst ge- 
weckt werden. Der vielzitierte Leidensdruck bei den 
Jugendlichen der Drogenszene, der diese angeblich 
beim Arzt Hilfe suchen läßt, ist nur in den selten- 
sten Fällen vorhanden. Vielmehr werden die ju- 
gendlichen Patienten mehr oder weniger gegen 
ihren Willen von den besorgten Eltern, vom Haus- 
arzt, von Heimen oder Jugendämtern zum Facharzt 
für Psychiatrie geschickt. Diese Vorfeldarbeit, die 
Aufgabe, mit Drogenkonsumenten Kontakt aufzu- 
nehmen und erste Beratungsgespräche zu führen, 
kann von Jugendberatungsstellen, Schulen, Ärzten, 
Seelsorgern, Richtern oder Behörden, aber auch von 
spezialisierten Einrichtungen wie Kontaktzentren, 
Teestuben, den „Street-workers" oder Drogenbera- 
tungsstellen oder von Selbsthilfegruppen geleistet 
werden. Sie sollen nicht selbst behandeln, sondern 
nur beraten, die Bereitschaft zur Behandlung wek- 
ken und die Drogenabhängigen an Fachambulanzen 
oder an stationäre Einrichtungen vermitteln. 

Es gibt eine Reihe verschiedener Therapieziele wie 
Drogenfreiheit, soziale und berufliche Rehabilita- 
tion, Deliktfreiheit, Schutz des Drogenabhängigen 
vor der Umgebung und umgekehrt Bewahrung des 
Drogensüchtigen vor Rückfälligkeit oder auch Ver- 
zicht auf Drogenfreiheit zugunsten einer gewissen 
beruflichen und sozialen Anpassung. Solche Ziele 
sind nur dann zu erreichen, wenn die Behandlungs- 
maßnahmen in ein therapeutisches Konzept mit an- 
gemessener zeitlicher Reihenfolge eingeordnet wer- 
den. Dieses Nacheinander verschiedener Maßnah- 
men wird als „therapeutische Kette" bezeichnet. 
Viele Mißerfolge von Therapieversuchen hängen 
unter anderem damit zusammen, daß an dem Ort, 
an dem ein Drogenabhängiger behandelt werden 
sollte, eine therapeutische Kette nicht vorhanden 
war oder daß ihr „Ablauf" von ihm zu früh abge- 
brochen wurde. Umgekehrt garantiert das Durch- 
laufen einer derartigen Behandlungskette noch 
nicht die Wirksamkeit der Therapie. 

Auf die bereits erwähnte erste Phase der Kontakt- 
aufnahme und der Einführung des Patienten in das 
Therapieprogramm folgt in der therapeutischen 
Kette die Phase der Entziehung und Entgiftung, in 
der die medizinische Behandlung den Vorrang hat. 
Sie wird in der Regel stationär ausgeführt; ambu- 
lante Versuche brachten bisher sehr widersprüch- 
liche Ergebnisse. Bereits in dieser Phase muß mit 
der psychologischen Behandlung begonnen werden, 
die lückenlos in die mehrere Monate dauernde Ent- 
wöhnungsbehandlung übergeht. Sie findet in Ent- 
wöhnungseinrichtungen statt, in denen versucht 
wird, dem ehemaligen Drogenkonsumenten zu hel- 
fen, wieder Halt zu finden und neue Aufgaben zu 
erkennen, das heißt, sie nach dem physischen Ent- 
zug nun auch von der psychischen Bindung an das 


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Rauschmittel zu entwöhnen. Geeignet hierfür sind 
drogenspezifische oder suchtspezifische Kliniken so- 
wie Spezialabteilungen, die an psychiatrische Kran- 
kenhäuser angegliedert sind. In ihnen sollte mög- 
lichst wenig Klinikatmosphäre herrschen. Die ärzt- 
liche Behandlung tritt hier bereits in den Hinter- 
grund, obwohl durch Medikamente, psychotherapeu- 
tische Verfahren und auch Verhaltenstherapie ge- 
holfen werden kann; psychologische und sozial- 
pädagogische Aspekte werden aber hier immer 
wichtiger. Die bei der stationären Behandlung be- 
gonnene Psychotherapie wird jetzt intensiviert, vor 
allem in Form von Gruppentherapie. 

In der vierten Phase der Therapiekette liegt dann 
der Schwerpunkt auf Sozialpädagogik und Sozial- 
therapie. Man bemüht sich, den früher Drogenabhän- 
gigen in einen geordneten Tagesablauf mit regel- 
mäßiger Arbeit in gestufter Annäherung an nor- 
male Umweltbedingungen einzugliedern. Hierfür 
kommen Wohngemeinschaften, Jugendwohnheime, 
Bauernhöfe und geschützte Werkstätten in Frage. 
Der „Patient" soll hier lernen, seine sozialen Be- 
züge zu stabilisieren und seine „Freiheit" richtig zu 
gebrauchen. Die Dauer der Behandlung in diesen 
meist sehr aufwendigen Einrichtungen sollte drei 
Jahre nicht überschreiten. Da das Krankheitsbild 
des Drogenmißbrauchs und der Drogenabhängig- 
keit in seiner heutigen „jugendlichen" Form erst seit 
verhältnismäßig kurzer Zeit häufiger beobachtet 
wird, kann über den Erfolg der Behandlungsmaß- 
nahmen noch kaum etwas Sicheres ausgesagt wer- 
den. Sich über mehrere Jahre hinziehende Nach- 
untersuchungen fehlen bis heute fast vollständig. 
Die Chancen der beschriebenen Therapie in Reha- 
bilitationsketten werden von den verschiedenen 
Autoren immer noch unterschiedlich beurteilt. Wäh- 
rend sie von einigen nur sehr gering eingeschätzt 
werden, rechnen andere doch mit höheren Erfolgs- 
quoten. 

Die therapeutische Kette mit ihren verschiedenen 
Phasen erfordert zahlreiche gut ausgebildete Mit- 
arbeiter, Psychiater, Ärzte anderer Fachgebiete, 
Psychologen und Sozialarbeiter sowie geeignete 
Räumlichkeiten. Damit ihre Arbeit wirksam wird, 
sollte nicht nur dafür gesorgt werden, daß diese aus- 
reichend zur Verfügung stehen; es erscheint auch 
zweckmäßig, sie so weit wie möglich zu koordinie- 
ren und aufeinander abzustimmen, so daß nicht an 
verschiedenen Stellen gleichgeartete Einrichtungen 
vorzufinden sind, die Jugendlichen so bestenfalls in 
ein bis zwei der genannten Phasen optimale Einrich- 
tungen zur phasenspezifischen Behandlung antref- 
fen. 

Bei der Planung von Behandlungseinrichtungen ist 
zu berücksichtigen, daß sich die Erscheinungsformen 
der Abhängigkeit, die Motive und die Sekundar- 
schäden bereits in den letzten Jahren stark gewan- 
delt haben. Es ist mit hoher Wahrscheinlichkeit an- 
zunehmcn, dr,ß dies auch in Zukunft der Fall sein 
wird. Da jüngste Erfahrungen zeigen, daß die ideolo- 
gischen Motive immer mehr in den Hintergrund 
treten, der Schweregrad der körperlichen und see- 
lischen Abhängigkeit sowie der psychopathologi- 
schen Primärsyndrome zunimmt und eine stärkere 


Koppelung mit Alkoholmißbrauch stattfindet, ist zu 
erwarten, daß sich in den kommenden Jahren die 
Erscheinungsformen der Drogenabhängigkeit mo- 
derner Prägung den herkömmlichen Formen und 
Verläufen der Suchtkrankheit annähern werden. 
Bei Berücksichtigung all dieser Faktoren und der 
vorliegenden Erfahrungen aus dem In- und Ausland 
ergibt sich die unbedingte Notwendigkeit der Schaf- 
fung einer ausreichenden Zahl der nachstehend ge- 
nannten Behandlungseinrichtungen. Soweit es me- 
thodisch möglich und zweckmäßig ist, sollten diese 
therapeutischen Institutionen in einem organisato- 
rischen und möglichst auch räumlichen Zusammen- 
hang mit den Behandlungseinrichtungen für Alko- 
hol- und andere Suchtkranke stehen. 

In welcher Dauer und in welcher Reihenfolge die 
aufgezählten Einrichtungen von einem Drogenab- 
hängigen benutzt werden sollen, kann im Einzelfall 
gänzlich verschieden sein, da erfahrungsgemäß nur 
ein hohes Maß an Flexibilität der Maßnahmen bei 
Suchtkranken zu echten Erfolgen führen kann. Die- 
ses Prinzip der Flexibilität gilt für Drogenabhängige 
aus den eingangs genannten Gründen sicher noch 
mehr als für andere Formen der Sucht. 

Behandlungseinrichtungen für Drogenabhängige/-ge- 
fährdete: 

8.1 Kontaktstellen 

8.1.1 Nicht spezialisierte Vorfeldarbeit 
Institutionen 

Schulen, insbesondere schulpsychologische Dienste, 
Jugend- und Erziehungsberatungsstellen, niederge- 
lassene Ärzte, Werksärzte, Seelsorger, Richter, Be- 
hörden (z. B. Jugendämter, Gesundheitsämter), Ju- 
gendclubs u. a. 

Aufgaben 

Kontaktaufnahme, Erstberatung. 

Ziel 

Weitervermittlung an spezialisierte Einrichtungen, 
insbesondere an Fachambulanz. 

9.1.2 Spezialisierte Vorfeldarbeit 
Institutionen 

Außendienst (street work), Kontaktzentrum, „drop 
in", Teestube, Selbsthilfegruppen. 

Aufgaben 

Kontaktaufnahme, Erstberatung. Sinnvolle, aktivie- 
rende Beschäftigung und motivierende Gruppenar- 
beit. 

Ziel 

Weitervermittlung an Fachambulanz, ggf. direkt an 
stationäre Einrichtungen. 


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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Personal 

Sozialarbeiter, geschulte Ex-user, geschulte Laien. 

Einsatzorte 

Straßen, Plätze, Lokale, Kontaktzentren. 

Zielgruppe 

Drogenkonsumenten aller Schweregrade. 

Dauer der Hilfe 

Ständiges Angebot. 

Methoden 

Gespräch (Einzel- und Gruppengespräch). 

Indikationen 

Drogenkonsum. 

Gegenindikationen 

Die Einrichtungen sind nicht indiziert für fundierte 
Beratung (Qualifikation und diagnostische Möglich- 
keiten erforderlich), Behandlung (nutzlos bzw. ge- 
fährlich, wenn Suchtmittel weitergenommen werden) 
und Opiatentzug (ambulant nicht möglich). 


8.2 Ambulante Behandlungs- und Beratungsstellen 

Institution 

Fachambulanz. 

Aufgaben 

Auffangstelle für Drogenprobleme, Informations- 
stelle, Diagnostik, qualifizierte Beratung Drogen- 
abhängiger, -gefährdeter und ihrer Angehörigen, 
ambulante Behandlung (nur soft use), Nachbetreu- 
ung stationär Behandelter, Schulung und Betreuung 
von Multiplikatoren und Elterngruppen, Ausbildung 
von Mitarbeitern. 

Ziele 

Motivation, ggf. Weitervermittlung an stationäre 
Einrichtungen. 

Personal 

Interdisziplinäres Team unter hauptamtlicher quali- 
fizierter Leitung, d. h.: Einer der hauptamtlichen 
Mitarbeiter muß eine abgeschlossene Ausbildung als 
Sozialarbeiter oder ein abgeschlossenes Hochschul- 
studium auf einem der Aufgabe adäquaten Fach- 
gebiet (z. B. Medizin, Psychologie, Pädagogik) auf- 
weisen, außerdem eine mindestens einjährige Tätig- 
keit in der Suchtkrankenhilfe. Die Stelle muß min- 
destens drei Mitarbeiter für Beratung und Behand- 
lung aufweisen, von denen einer Sozialarbeiter und 
einer Arzt sein muß. Auf einen hauptamtlichen 
Mitarbeiter entfallen maximal 40 Klienten, bei In- 
tensivbetreuung wesentlich weniger. 


Auf je drei Berater sollte mindestens eine Bürokraft 
für Schreibdienst und Verwaltung entfallen. 

Einsatzort 

Extramural, ortsgebunden, mit regionaler Zuständig- 
keit. 

Zielgruppe 

Drogenabhängige und -gefährdete. 

Dauer der Hilfe 

Ständiges Angebot. 

Methoden 

Psychodiagnostische Verfahren, Vermittlung von 
Laboruntersuchungen (Leber- und Geschlechtskrank- 
heiten, Suchtmittelnachweise), beratende Gespräche, 
soziale Einzelfallhilfe, Soziotherapie, Arbeit mit dem 
sozialen Umfeld des Abhängigen, psychotherapeu- 
tische Verfahren, Somatotherapie. 

Indikationen 

Drogenabhängigkeit und -gefährdung. 

Gegenindikationen 

Die Fachambulanz ist nicht indiziert für Behandlun- 
gen, wenn der Drogenkonsum unter der Therapie 
andauert, und für Opiatentzug. 


8.3 Einrichtungen zur Intensivbehandiung 
(Detoxikation) 

Institutionen 

Intensiv-Bettenabteilungen (Entgiftungsstationen) , 
den bestehenden Intoxikationsabteilungen angeglie- 
dert (je nach örtlichen Verhältnissen Nervenklini- 
ken, Anästhesie-, Innere und andere Abteilungen). 

Aufgaben 

Diagnostische Abklärung, Entgiftung. 

Ziele 

Motivation, Krankheitseinsicht, ggf. Verlegung in 
weiterbehandelnde stationäre Einrichtungen. 

Personal 

Internist und beratender Psychiater oder Psychiater 
und beratender Internist in Intensivabteilungen mit 
entsprechender personeller und apparativer Aus- 
stattung. Mitarbeiter der Fachambulanz. 

Einsatzort 

Intramural, mit regionaler Zuständigkeit. 

Zielgruppe 

Drogennotfälle, psychisch Abhängige, diagnostisch 
unklare somatisch kranke Drogenkonsumenten. 


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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Dauer der Hilfe 

In der Regel ein bis zwei Vvochen, höchstens vier 
Wochen. 

Methoden 

Klinisch-psychiatrische und internistische Diagnostik 
und Therapie, Einzelgespräche. 

Indikationen 

Intoxikationen, abnorme Reaktionen (z. B. flash 
back), symptomatische Psychosen, physische Ab- 
hängigkeit. 

Gegenindikation 

Die Intensivabteilung ist nicht indiziert für lang- 
fristige Behandlung („Entwöhnung"). 


8.4 Spezialeinrichtungen zur Entwöhnungs- 
behandlung 

Institutionen 

Fachklinik (Heilstätte), drogenspezifisch oder sucht- 
spezifisch, psychiatrischen Krankenhäusern ange- 
gliederte Spezialabteilungen, spezialisierte Jugend- 
abteilungen innerhalb oder außerhalb von Landes- 
krankenhäusern. Keine ausgesprochene Klinikatmo- 
sphäre, nicht mehr als 15 bis 20 Betten, nach Mög- 
lichkeit offen zu führen. 

Aufgaben 

Abbau der psychischen Abhängigkeit, gestufte Ein- 
übung realer sozialer Bezüge unter beschützenden 
Bedingungen, um den Drogenabhängigen aus seiner 
Isolierung zu befreien („Gewächshaus"). 

Ziele 

„Leben ohne Drogen", Krankheitseinsicht, Neu- 
orientierung, „Persönlichkeitsaufbau". 

Personal 

Interdisziplinäres Team aus Psychiatern, Psycholo- 
gen, Sozialarbeitern, Vertretern der Fachpflegebe- 
rufe, Beschäftigungs-, Bewegungs- und Arbeits- 
therapeuten. In Anbetracht der Charakteristik der 
Institutionen muß im Team mindestens ein Facharzt 
für Psychiatrie vertreten sein. Personalschlüssel: 
1:1 bis 1 : 1,5. 

Einsatzort: 

Intramural. 

Zielgruppe 

Körperlich entzogene Drogenabhängige. 

Dauer der Hilfe 

Bis 9 Monate. 


Methoden 

Versuch der Formierung einer therapeutischen Ge- 
meinschaft (Gruppendruck), Einzcltherapie, Grup- 
pentherapie, Bewegungstherapie, physikalische Maß- 
nahmen, kreative Therapie, Arbeitstherapie. Evtl. 
Ubungsverfahren (autogenes Training, Meditation). 

Indikationen 

Drogenabhängigkeit nach Abklingen von Abstinenz- 
erscheinungen. Indikationswandel zu beachten: z. B. 
vom „use" zu sozialen Implikationen, zu primären 
(Neurosen, Psychopathien, endogene Psychosen, 
Debilität) und sekundären (hirnorganische Zeichen, 
Depravation) psychischen Störungen. 

Gegenindikationen 

Nicht motivierte Drogenabhängige. Nach Möglich- 
keit sind auch Halluzinogen- und Opiatabhängige zu 
trennen. Endogene Psychosen, schwerste Neurosen, 
schwerste Psychopathien und schwerste sekundäre 
psychische Störungen. 

8.5 Rehabilitationseinrichtungen 
Institutionen 

Spezialisierte Übergangseinrichtungen in Form von 
Wohngemeinschaften, Jugendwohnungen, Bauern- 
höfen, spezialisierten Internaten, geschützten Werk- 
stätten, Wohnheimen, Patenschaften unter intensiver 
fachlicher Betreuung („Ersatzeltern"). 

Aufgaben 

Kontakt-, Leistungs- und Belastungstraining mit ge- 
stufter Annäherung an normale Umweltbedingungen 
(„Frühbeet"). 

Ziele 

Nachreifung, freie Selbstverfügbarkeit („motivierte 
Abstinenz"). 

Personal 

Spezialisiertes Team: Sozialarbeiter, Sozialpädago- 
gen, Lehrer mit Sonderausbildung, Arbeitstherapeu- 
ten, Handwerksmeister. Für je fünf Bewohner ist 
eine Fachkraft zu veranschlagen. 

Einsatzort 

Extramural. 

Zielgruppe 

Ex-user ohne soziale Selbständigkeit. 

Dauer der Hilfe 

Bis drei Jahre. 

Methoden 

Gruppentherapie, Arbeitstherapie, Vermittlung, För- 
derung und Stützung von Schul- und Berufsausbil- 
dung. 


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Indikationen 

Drogenabhängigkeit, wenn nach Entgiftung und Ent- 
wöhnung eine spezielle Rehabilitation erforderlich 
wird. 

Gegenindikationen 

Schwere primäre oder sekundäre psydiische Stö- 
rungen. 


8.6 Einrichtungen zur iangfristigen Behandiung in 
geschlossenen Abteilungen 

Langfristige stationäre Unterbringung unkorrigier- 
bar Rückfälliger unter beschützenden Verhältnissen 
im Stil sozialtherapeutischer Anstalten. Da diese 
Suchtkranken für sich selbst existenzunfähig sind, 
greifen sie zu Mitteln, die eine Selbst- und/oder 
Fremdgefährdung mit sich bringen. Deshalb ist eine 
getrennte und geschlossene Unterbringung analog 
den festen Häusern von psychiatrischen Kliniken 
ebenso notwendig wie eine langfristige Behandlung, 
um die Kranken auch vor Selbstschädigungen zu be- 
wahren. Isolierungsmöglichkeiten für infektiöse Er- 
krankungen (z. B. Hepatitis) sind vorzusehen. Eine 
Trennung dieser Patienten nach der Rechtsgrundlage 
der Unterbringung erscheint nicht notwendig. Grup- 
pentherapeutische Verfahren, gegebenenfalls auch 
Einzelbehandlungen, sind anzuwenden. Einen 
Schwerpunkt sollte die Arbeitstherapie bilden. Erst 
nach Änderung der prognostischen Bedingungen 
kommt der Übergang auf eine andere Abteilung in 
Betracht. 


8.7 Die Zuständigkeit von Therapeuten verschiede- 
ner Fachgebiete bei der Behandlung von Drogen- 
abhängigkeit 

Zu dem seit langem bekannten, nach dem Zweiten 
Weltkrieg aber immer größere Ausmaße annehmen- 
den Problem der Alkoholabhängigkeit trat bald ein 
wachsender Mißbrauch vorwiegend von Schlaf-, Be- 
ruhigungs- und Schmerzmitteln sowie von Kombi- 
nationspräparaten, in geringerem Umfang auch von 
stimulierenden Substanzen hinzu. Seit dem Jahre 
1967 war in der Bundesrepublik Deutschland eine 
schnelle Ausbreitung neuartiger Muster des Miß- 
brauchsverhaltens festzustellen. Diese Entwicklung 
nahm ihren Ausgang von den USA. Sie erreichte 
über England und die skandinavischen Länder 
schließlich audi unser Land. Derart plötzlidi auf- 
schießende, völlig neue Formen des Mißbrauchs 
durdi ungewöhnliche Suchtmittel konnten bei uns 
zuvor nur einmal kurz nach dem Ende des Ersten 
Weltkrieges (Kokainwelle), damals jedoch in we- 
sentlidi geringerem Umfang und nur vorübergehend 
für wenige Jahre, beobachtet werden. 

Das jetzige Drogenproblem der siebziger Jahre ist 
im wesentlichen durch drei Faktoren gekennzeich- 
net: 

1. den Gebrauch von bisher in unseren Regionen 
nicht üblichen Suchtmitteln; 


2. die Konzentration auf jüngere Altersstufen, 
nämflich vorwiegend auf Jugendliche und Her- 
anwachsende; 

3. die besondere Motivation, die grundsätzlich von 
der im Rahmen bisher üblicher Mißbrauchsmu- 
ster abweicht. 

Noch niemals wurden in derartigen Ausmaßen 
psychotrope Substanzen systematisch in bestimm- 
ten Altersgruppen benutzt, um gegen vorgegebene 
Lebensformen zu protestieren oder diesen zu entflie- 
hen. Der Rauschmittel- und Drogenmißbrauch jünge- 
rer Menschen ist daher sicher primär vorwiegend 
ein soziologisches und psychologisches Problem. 

Dennoch hat sich gezeigt, daß junge Menschen mit 
persönlichen Schwierigkeiten besonders stark von 
Mißbrauch betroffen sind. Jedoch wußte man bereits 
seit langem, daß abnorm strukturierte Persönlich- 
keiten besonders leicht in eine Abhängigkeit von 
psychotropen Substanzen geraten können. Die bis- 
herige Entwicklung des neuen, alles bisher Dagewe- 
sene sprengenden Drogenmißbrauchs hat diese alte 
psychiatrische Erfahrung in größtem Ausmaß bestä- 
tigt. Die gesundheitlichen und sozialen Folgen einer 
schon in jungen Jahren erreichten Abhängigkeit 
sind stets besonders verhängnisvoll, geht doch das 
Fortschreiten zu Zuständen irreversibler Schädigung 
hier besonders rasch vonstatten. Schränkt bereits 
die außergewöhnliche Motivation dieser großen 
Gruppe von Drogenabhängigen mögliche therapeu- 
tischen Ansätze stark ein, so bedingt der frühe Be- 
ginn der Drogenabhängigkeit grundsätzlich eine be- 
sonders schlechte therapeutische Ansprechbarkeit. 
Daraus leitet sich die außergewöhnlich schlechte 
Prognose dieser Fälle ab. Die bei einem großen Teil 
der Betroffenen festzustellenden primären Persön- 
lichkeitsstörungen sind derart schwerwiegend, daß 
sie auch nach erfolgtem Entzug des verantwortlichen 
Stoffes mit den heute verfügbaren Methoden und 
Einrichtungen kaum günstig zu beeinflussen sind. 
Persönlichkeitsdeviationen dieses Schweregrades 
stellen auch ohne Drogenkonsum und Drogenabhän- 
gigkeit erhebliche Probleme dar. Hinzu kommt noch 
der Mangel an ausreichenden langjährigen Erfah- 
rungen mit neuartigen, unkonventionellen Therapie- 
konzepten, dem aber im übrigen unsere mangelhaf- 
ten Kenntnisse über die nach langjährigem facht- 
bis zwölfjährigem) Mißbrauch zu erwartenden Sucht- 
schäden entspricht. 

Wenn somit auch das aktuelle Rauschmittel- und 
Drogenproblem bei einer kritischen Gesamtschau 
vorwiegend soziologisch und psychologisch zu inter- 
pretierende Wurzeln hat, so fallen dennoch be- 
stimmte Erscheinungsformen allein oder vorwiegend 
in den Zuständigkeitsbereich des Fachgebietes 
Psychiatrie. Selbstverständlich wird sich der Fach- 
arzt hierbei tunlichst multidisziplinärer Methoden 
bedienen und auch Angehörige anderer Berufe nach 
der individuellen Indikaton hinzuziehen. Der Fach- 
arzt für Psychiatrie erscheint insbesondere zuständig 
für: 

1. alle Stadien manifester Abhängigkeit und alle 
Zustandsbilder mit besonderer Abhängigkeits- 
gefährdung; 


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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


2. alle durch Drogenkonsum hervorgerufenen aku- 
ten und dironisdien psydiisdien Störungen (im 
allgemeinen vermag nur der Psychiater mit 
psydiiatrisdien Methoden das Vorliegen einer 
Psychose auszusdiließen) ; 

3. alle Fälle, bei denen sich bereits primär der Dro- 
genmißbraudi als Folge einer vorhandenen psy- 
diisdien Störung herausstellt. 

Bei allen anderen Fragen ist das Fachgebiet Psych- 
iatrie nur sehr bedingt zuständig; die hier ange- 
sprochenen Problemkreise bilden im wesentlichen 
Anliegen der sozialen Politik, der Pädagogik, der 
Psychologie, bis zu einem gewissen Grade auch der 
Philosophie. Aus dieser Aufgabenteilung kann da- 
her nie der völlig falsche Schluß gezogen werden, 
die Psychiatrie sei für den Gesamtbereich der Dro- 
genproblematik nicht zuständig. Der Psychiater muß 
sich aus den dargelegten Gründen mit bestimmten, 
oben näher abgegrenzten medizinischen Bereichen 
alleinzuständig befassen. Von seiten der Psychiatrie 
ist vor allem dafür Sorge zu tragen, daß die nöti- 
gen therapeutischen Einrichtungen in ausreichen- 
dem Umfang bereitgestellt und wirksame, d. h. im 
allgemeinen erprobte Methoden angewandt wer- 
den. Qie bisher verfügbaren psychiatrischen Einrich- 
tungen sind selbst zur Versorgung akuter Krank- 
heitsfälle auf dem Gebiet des Drogenmißbrauchs 
häufig nur bedingt geeignet. Von der Psychiatrie 
bereits entwickelte Behandlungsverfahren und Or- 
ganisationsformen, die ein multidisziplinäres Team 
einbeziehen, konnten bisher wegen des Fehlens ent- 
sprechender finanzieller Mittel nicht in größerem 
Umfang eingesetzt und erprobt werden. Es steht 
jedoch sicher fest, daß die Behandlung Drogenab- 
hängiger im Durchschnitt wesentlich aufwendiger 
sein wird als die therapeutischen Maßnahmen bei 
anderen psychiatrischen Krankengnippen. 


9 Versorgung der Suchtkranken in einem 
regionaien Verbund 

9.1 Das Prinzip der regionaien Suchtkranken- 
versorgung 

Auf dem Gebiet der Behandlung der Abhängigkeit 
werden sektorisierte, gemeindenahe gelegene und 
in die allgemeine psychiatrische Versorgung inte- 
grierte Versorgungszentren mit einem umfassenden 
Angebot an Beratungs- und Behandlungsdiensten 
benötigt. Nicht zuletzt wird die Zahl der behand- 
lungswilligen Abhängigen gesteuert vom sozialen 
Druck, vom Therapieangebot, der Selbsterkenntnis 
der Kranken und dem Image des abhängig gewor- 
denen Kranken in der Gesellschaft. Wenn künftig 
durch die unbedingt notwendige verbesserte Aufklä- 
rung und Erziehung der Bevölkerung sowie durch 
eine angemessene und gründlichere Ausbildung der 
Studenten auf dem Gebiet der Sucht und des Miß- 
brauchs das derartigen Krankheiten noch anhaftende 
Stigma reduziert werden kann, dürfte durch das be- 
schriebene integrierte Suchtkranken-Versorgungs- 


system die Früherfassung der Gefährdeten und Ab- 
hängigen möglich sein. 

Ein funktionsfähiges, mit statistisch abgesicherten 
Dauererfolgen aufwartendes Versorgungssystem für 
Abhängige bildet die wirksamste Öffentlichkeitsar- 
beit auf dem Gebiet der -Suchtkrankenbehandlung, 
die vorstellbar ist. Grundprinzip des regionalen Ver- 
sorgungssystems ist der laufende Kontakt der betei- 
ligten Stellen und Personen, die gleichmäßige An- 
wendung prinzipiell anerkannter Behandlungsver- 
fahren und die gegenseitige Kontrolle aller Maß- 
nahmen durch hierzu befähigte Spezialisten. Durch 
rein private Initiativen ist eine solche umfassende 
Organisation, wie sie sich in der Praxis bereits in 
anderen Ländern vielfach bewährt hat, nicht zu er- 
reichen, Erst ein hohes Maß an Transparenz der Ein- 
richtungen zur Suchtkrankenbehandlung, ihrer The- 
rapiemethoden und Erfolge läßt eine besser wirk- 
same Prävention erhoffen. Hierzu notwendig ist die 
weite Verbreitung der Kenntnisse über die Sucht- 
krankheiten, ihrer Symptome, ihrer Stadien und 
Behandlungschancen sowie die Akzeptierung der 
Sucht als Krankheit und das Wissen um den Rechts- 
anspruch auf Hilfe. Die beste Prävention bietet die 
Demonstration therapeutischer Erfolge. Hierzu ist 
ein optimales regionales Verbundsystem Voraus- 
setzung. 


9.2 Organisatorische Sicherung der Zusammenarbeit 
der therapeutischen Institutionen 

Entscheidend für die Funktion und Effizienz des 
Versorgungssystems für Abhängige ist die zweck- 
mäßige Gliederung und lückenlose Organisation 
der regionalen Versorgung, die sich auf die bereits 
vorhandenen medizinischen und sozialen Betreu- 
ungsstellen stützen kann. Hierzu zählen auch Laien, 
insbesondere ehemalige Suchtmittelabhängige (An- 
onyme Alkoholiker!), 

Die multidisziplinäre Zusammensetzung des Mit- 
arbeiterstabes einer derartig regional gegliederten 
Suchtkrankenversorgung schafft günstige Voraus- 
setzungen für die notwendigen interdisziplinären 
wissenschaftlichen Untersuchungen als Grundlage 
einer verbesserten Prävention und Therapie. 

Die größte Schwierigkeit in der Organisation des 
vorgeschlagenen, bereits in mehreren außerdeut- 
schen Ländern bewährten Versorgungssystems bil- 
det die unterschiedliche Trägerschaft der verschie- 
denen Einrichtungen und ihre Koordination, da er- 
fahrungsgemäß zwischen den Trägern mit verschie- 
dener methodischer, soziologischer oder auch kon- 
fessioneller Zielsetzung beträchtliche Spannungen 
auftreten, die sich auf die Versorgung der Abhängi- 
gen ungünstig auswirken können. 

Die derzeitige und auch noch auf absehbare Zeit 
gegebene Situation der institutioneilen therapeuti- 
schen Versorgung der Abhängigen erfordert, daß 
ein Großteil der notwendigen Behandlungsstätten 
um die großen psychiatrischen Krankenhäuser grup- 
piert wird. Sowohl aus medizinischen wie aus öko- 
nomischen Gründen sollten die geschlossenen Sta- 
tionen für Suchtkranke im Rahmen psychiatrischer 


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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Krankenhäuser geführt werden. Hingegen sollte die 
offene, nur fakultativ in Teilbereichen geschlossene 
Suchtklinik oder Suchtabteilung am psychiatrischen 
Krankenhaus unter Bewahrung der vollen ^medizi- 
nischen und personellen Integration sich nach außen 
als selbständige Spezialeinrichtung darstellen, um 
den prinzipiellen Unterschied im therapeutischen 
Ansatz für die Öffentlichkeit erkennen zu lassen. 
Soweit wie möglich sollten sich die bestehenden 
Fachkliniken (ehemalige Heilstätten) an das be- 
schriebene System anschließen. Die rechtliche Stel- 
lung der nicht einbezogenen privaten Fachkliniken 
bleibt hiervon unberührt. Während in der Regel die 
Bundesländer oder Landschaftsverbände Träger der 
geschlossenen Suchtkrankenabteilungen sind, kann 
die offene Suchtklinik oder Suchtabteilung wegen 
ihrer vielfältigen Aufgaben und der notwendigen 
Dynamik der Therapie von einem eigenen Träger- 
verband unterhalten werden, in dessen Kuratorium 
alle mit der Suchtkrankenbehandlung und Finanzie- 
rung betrauten Behörden, Organisationen und Per- 
sonen vertreten sein müßten. 


9.3 Bedarf 

Trotz Gründung zahlreicher Einrichtungen ist das 
reale Therapieangebot auf stationärem und ambu- 
lantem Sektor nach wie vor völlig unzureichend. In 
jedem Standardversorgungsgebiet von 250 000 Ein- 
wohnern werden bei einer Bettenmeßziffer von 
0,35 ®/oo 87 Betten zur Behandlung notwendig (Akut- 
und Langzeitbereich zusammengenommen). 


9.4 Die regionale Zusammenfassung der 
außerklinischen Suchtkrankendienste 

Die auf Dauererfolge ausgerichtete Therapie bei 
Suchtkranken beruht schließlich auf dem einwand- 
freien Funktionieren gut ausgestatteter und ange- 
messen organisierter extramuraler Einrichtungen. 
Die stationäre Behandlung dient ausschließlich der 
Vorbereitung und soll den Suchtkranken instand- 
setzen, sich der späteren langfristigen ambulanten 
Betreuung unterziehen zu können. Die Ausstattung 
der extramuralen Dienste hat daher besonderes Ge- 
wicht für die Gesamteffizienz der Versorgung von 
Suchtkranken, Vor allem sollte die regionale Glie- 
derung im Idealfall jedem Suchtkranken im Bundes- 
gebiet den regelmäßigen Kontakt mit einer solchen 
Stelle der Nachbetreuung ermöglichen. 


9.5 Begründung der empfohlenen Organisationsform 
der stationären und außerklinischen Dienste für 
Suchtkranke 

Ein bestimmter, zahlenmäßig noch nicht allzu großer 
Prozentsatz von Alkoholkranken, Arzneimittel- oder 
Rauschmittelabhängigen hat durch chronische Ver- 
giftung Schäden derartigen Schweregrades erlitten, 
daß eine Restitution der Ausfallserscheinungen 
kaum oder nur nach besonders langer Zeit mög- 
lich erscheint. Diese Fälle weisen meist hochgradige 
Einbußen ihrer zerebralen Leistungsfähigkeit auf. 


so daß sie entweder als chronisch geisteskrank auf- 
zufassen sind (Korsakowpsychosen und verwandte 
Zustandsbilder) oder in psychischer Hinsicht so 
schwer behindert sind, daß sie sich im Alltag nicht 
mehr zurechtfinden. Häufig spielen bei diesen Fäl- 
len vorzeitige Alterungsprozesse eine bedeutsame 
Rolle. Die Häufigkeit hirnatrophischer Prozesse 
durch Alkoholismus bereits in mittleren Lebensjah- 
ren ist durch zahlreiche Untersuchungen gesichert 
(13). Für diese Patienten müssen geschlossene Sta- 
tionen für Langzeitbehandlung mit dem Schwerpunkt 
„Bewahrung" zur Verfügung stehen. Da wie er- 
wähnt in einigen dieser Fälle noch nach sehr langer 
Zeit eine Restitution möglich ist, ist ein therapeu- 
tisches Minimalprogramm vorzusehen. 

Die geschlossenen psychiatrischen Stationen — 
meist die psychiatrischen Landeskrankenhäuser — 
sind auch heute noch diejenigen intramuralen Dien- 
ste, die die größte Zahl der Alkoholkranken aufneh- 
men. Die offenen Fachkliniken für Suchtkranke in 
der Bundesrepublik Deutschland können maximal 
3 000 bis 4 000 Patienten im Jahr behandeln. Alle 
übrigen, für die sich eine stationäre Aufnahme als 
notwendig erweist; müssen daher zwangsläufig in 
die psychiatrischen Landeskrankenhäuser kommen. 
Dieses Krankengut zeigt erfahrungsgemäß sehr un- 
terschiedliche Charakteristika. Es umfaßt einerseits 
aufgrund der Organschäden oder der primär vor- 
handenen schweren Persönlichkeitsstörung völlig 
krankheitsuneinsichtige Patienten, andererseits aber 
auch eine große Gruppe von solchen, die nach Rück- 
bildung psychotischer Komplikationen bzw. erzwun- 
gener Alkoholabstinenz die Krankheitseinsicht und 
Behandlungsbereitschaft nach kürzerer oder länge- 
rer Zeit wieder erlangen können. In Anbetracht der 
erfahrungsgemäß zu geringen personellen Ausstat- 
tung der geschlossenen intramuralen Institutidnen 
und der häufigen Mischung des Krankenguts mit 
verschiedenen Diagnosegruppen, ist die therapeu- 
tische Versorgung dieser Alkoholkranken als völlig 
unzureichend zu bezeichnen. Fest steht, daß eine 
reine, aüch noch so lang dauernde Internierung keine 
oder nur sehr geringe therapeutische Erfolge zeiti- 
gen kann (19). Daher muß für einen Teil dieses 
Krankengutes eine entsprechende therapeutische 
Versorgung sichergestellt werden, die den moder- 
nen Erkenntnissen über die Führung einer Abtei- 
lung für Alkoholkranke entspricht und außerdem 
eine Flexibilität der zu treffenden Maßnahmen ga- 
rantiert (Überstellung in eine offene Spezialanstalt, 
Fortsetzung der Therapie in spezialisierten Bera- 
tungsstellen, usw.). 

Um die Flexibilität der Maßnahmen in jeder Hin- 
sicht zu gewährleisten und die Verbindung zwischen 
den einzelnen extra- und intramuralen Diensten 
herzustellen, erscheint die Errichtung von offenen, 
spezialisierten Behandlungseinrichtungen nach der 
derzeitigen Erfahrung eine optimale Lösung. Solche 
Behandlungszentren haben sich in vielen Ländern 
bestens bewährt. Ihre Existenz gibt der Gesamtein- 
stellung zur Therapie der Alkoholkrankheit einen 
merklichen Auftrieb. Die in anderen Ländern seit 
langer Zeit bestehenden offenen Einrichtungen ar- 
beiten nach verschiedenen Methoden, doch sind sie 
alle von beträchtlicher therapeutischer Wirksamkeit, 


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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


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besonders dann, wenn sie ein Glied und Zentrum 
in der Kette anderer Versorgungsmöglichkeiten sind. 
Als Beispiel sei hier die seit langer Zeit bestehende 
Spezialklinik in Amsterdam (17) genannt, die haupt- 
sächlich soziotherapeutisch orientiert ist, während 
im System des Behandlungszentrums in Prag die 
straffe Führung des Krankengutes im Vordergrund 
der Zielsetzung steht (12, 17). Das sogenannte Apol- 
linar in Prag verfügt über ein lückenloses System 
der Nachbetreuung und eine akute Aufnahmesta- 
tion. Eine an ein Allgemeinspital angeschlossene 
Spezialklinik wurde schon 1952 in London (6, 18) 
eingerichtet. Erfolgreich arbeitende spezialisierte In- 
stitutionen in Norwegen (2, 10) und Schweden (Ab- 
teilung für Alkoholkranke am Karolinska-Institut in 
Stockholm) beweisen seit langem die Notwendigkeit 
solcher Einrichtungen, über große Erfahrung mit 
einer spezialisierten Institution verfügt auch die 
Klinik für Alkoholforschung in Toronto (1, 17). Eine 
hauptsächlich nach psychiatrisch- therapeutischen 
Gesichtspunkten arbeitende Spezialklinik in Ver- 
bindung mit zahlreichen Außenstellen zur ambulan- 
ten Nachbehandlung wurde 1961 in Wien einge- 
richtet. Auch in den Vereinigten Staaten werden 
große, gut multidisziplinär geführte Behandlungs- 
zentren eingerichtet (5, 7). Alle diese Institutionen 
blicken auf eine erfolgreiche Tätigkeit zurück und 
werden den speziellen Anforderungen des Kranken- 
gutes mehr gerecht als allgemein psychiatrische Ab- 
teilungen. Wegen ihrer Spezialisierung und im Op- 
timalfall vollständigen multidisziplinären Ausstat- 
tung sind sie auch als Verbindungs- und Koordina- 
tionszentren bestens geeignet. Sie sind allerding nur 
imstande, einen beschränkten geographischen Be- 
reich zu versorgen, zu koordinieren und zu über- 
blicken. In Ländern, in denen psychiatrische Einrich- 
tungen alten Typs in der Bevölkerung mit einem 
negativen Image belegt sind, ist die Errichtung sol- 
cher Spezialabteilungen außerhalb des Bereiches be- 
stehender psychiatrischer Institutionen anzuraten, 
doch müssen sie wegen der extremen Vielschichtig- 
keit des Alkoholismusproblems in medizinischer und 
soziologischer Hinsicht über eine ständige Verbin- 
dung zu zahlreichen anderen Fachinstitutionen ver- 
fügen. 

Wie oben erwähnt, arbeiten die seit langer Zeit be- 
stehenden und bewährten Spezialinstitutionen in den 
einzelnen Ländern zwar im Gesamtplan nach glei- 
chen, im methodischen Detail aber nach verschie- 
denen Prinzipien. Auch die Auswahl der aufgenom- 
menen Patienten ist verschieden. Daher sind Ver- 
gleiche der Effizienz schwierig anzustellen. Außer- 
dem fehlt es an vergleichbaren Methoden der Effi- 
zienzkontrollen. Eine primär einheitliche methodi- 
sche Ausstattung mit gleicher Methode der Effizienz- 
kontrolle wäre daher anzustreben. Es soll aber da- 
bei nicht unerwähnt bleiben, daß die personelle 
Ausstattung solcher Institutionen und damit erfah- 
rungsgemäß die Effizienz trotzdem beträchtliche Un- 
terschiede erkennen lassen wird. 

Die Behandlung durch die intramuralen Dienste 
setzt den Alkoholkranken prinzipiell nur instand, 
einer späteren ambulanten Behandlung folgen zu 
können. Es besteht in der gesamten Alkoholismus- 
literatur Übereinstimmung darüber, daß die Ein- 


richtung multidisziplinär besetzter Spezialambulan- 
zen eine conditio sine qua non für die erfolgreiche 
Behandlung der Alkoholkrankheit darstellt. Diese 
ambulante Betreuung muß sich wegen der im Vor- 
dergrund stehenden Sozialproblematik hauptsächlich 
auf die Tätigkeit gutgeschulter Sozialarbeiter stüt- 
zen. Ein T eil des Krankengutes kann erfahrungsgemäß 
auch ohne stationäre Aufnahme nur ambulant ver- 
sorgt werden. Die Verschiedenartigkeit der von der 
Alkoholkrankheit betroffenen Persönlichkeitsstruk- 
turen und sozialen Schichten sowie die Vielschich- 
tigkeit des Alkoholismusproblems an sich bedingen 
es, daß für die einzelnen Patienten verschiedenartige 
Organisationsformen der Nachbetreuung den opti- 
malen Behandlungserfolg garantieren. Während in 
einem Fall die Sozialarbeit erfolgreich sein wird, 
wird in einem anderen Fall die laufende medizini- 
sche Betreuung notwendig sein, während andere 
Patientengruppen durch Selbsthilfeorganisationen 
und konfessionelle Institutionen am besten ver- 
sorgt werden könen. Daher sollten alle diese be- 
stehenden Organisationen in das Gesamtsystem der 
Versorgung einbezogen werden, wieder unter dem 
Gesichtspunkt, daß die Flexibilität der Maßnahmen 
in jedem Fall gewährleistet sein muß. Aus dieser 
Überlegung heraus ist die Uniformität der extra- 
muralen Versorgung gar nicht anzustreben. Ein ge- 
wisses Maß an Koordination dieser extramuralen 
Dienste soll die Gefahr der Anwendung gänzlich 
unterschiedlicher prinzipieller Methoden hintanhal- 
ten. Die Notwendigkeit eines so ausgedehnten Ver- 
sorgungssystems ergibt sich vor allem aus dem ge- 
ringen Interesse, das praktizierende Ärzte und an- 
dere psychiatrische und soziotherapeutische Behand- 
lungsinstitutionen dem Alkoholismus im allgemei- 
nen entgegenbringen. Auch können spezialisierte 
Einrichtungen, wie schon bei der Besprechung der 
offenen Spezialanstalten besprochen worden war, 
den Anforderungen des Krankengutes besser ge- 
recht werden. Bei der personellen Ausstattung die- 
ser Institutionen ist darauf zu achten, daß auf ihnen 
die Hauptlast der therapeutischen Tätigkeit bei Al- 
koholkranken liegt. Daß gerade bei diesem Kran- 
kengut in manchen Phasen die Notwendigkeit zur 
Unterbringung in einem Nachtspital bzw. in einem 
Übergangs- oder Wohnheim besteht, bedarf keiner 
besonderen Begründung, da es allgemein akzeptiert 
ist, daß solche Einrichtungen für eine moderne 
psychiatrische Versorgung der Bevölkerung absolut 
notwendig sind. 

Ambulante Behandlungseinrichtungen für Alkohol- 
kranke existieren in den meisten Ländern seit vie- 
len Jahrzehnten und haben sich in lokalen Berei- 
chen bestens bewährt (5, 7, 8, 16, 17, 18). In Anbe- 
tracht der raschen Entwicklung moderner Rehabili- 
tationstechniken ist verständlicherweise für eine 
bessere materielle und personelle Ausstattung Sorge 
zu tragen. Besonderer Wert ist auf die regionale 
Gliederung zu legen, so daß im Idealfall jeder 
Alkoholkranke die Möglichkeit einer laufenden 
Nachbetreuung hat. Die Einrichtung solcher Fach- 
ambulanzen hat sich z. B. in Großbetrieben der USA 
bestens bewährt (15). 

Die größte Schwierigkeit in der Organisation eines 
solchen Versorgungssystems bildet die Träger- 


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Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Schaft der einzelnen Einrichtungen und ihre Koordi- 
nation, da erfahrungsgemäß zwischen den Trägern 
mit verschiedener methodischer, soziologischer und 
konfessioneller Zielsetzung beträchtliche Spannun- 
gen auftreten, die sich auf die Versorgung des Kran- 
kengutes sehr ungünstig auswirken können. Es ist 
verständlich, daß diese — allerdings sehr wesent- 
liche Erfahrungstatsache — aus der Literatur nicht 
belegt werden kann. 


Literatur 

1. Armstrong, J. D.: The Special Clinik for Alco- 
holism. Canad. med. Ass. J. 83: 1359 — 1361 (1960). 

2. Banks, G. D.; The Treatment of Alcoholism in 
Norway. Brit. J. Addict. 59: 117—124 (1963). 

3. Beiden, E.: A Program for the Treatment of 
Alcoholics in a Mental Hospital. Quart. J. Stud. Ale. 
23: 650—653 (1962). 

4. Gerard, D. L. u. G. Saenger: Out-Patient 
Treatment of Alcoholism. Brookside Monograph No. 4, 
University of Toronto Press (1966). 

5. G 1 a s s c o t e , R. M. et al.: The Treatment of 
Alcoholism. The Joint Information Service of the 
American Psychiatric Association and the National 
Association for Mental Health, Garamond/Pridemark 
Press, Baltimore (1967). 

6. Glatt, M. M.: Gruppenbehandlung von Alkoho- 
likern in („offenen") englischen Spitälern. Aus: 
Arbeitstagung über Alkoholismus, hsg. K. Kryspin- 
Exner: 158, Wien (1962). 

7. Ha y man, M.: Alcoholism, Mechanism and 
Management. American Lecture Series, Charles C. 
Thomas, Springfield, Illinois (1966). 


8. Hoff, E. C.: Newer Concepts of Alcoholism and 
Its Treatment. Quart. J. stud. Alcohol. Suppl. No. 1 
(1961). 

9. Kryspin-Exner, K.: Die offene Anstalt für 
Alkoholkranke in Wien-Kalksburg. Verlag Brüder 
Hollinek, Wien (1967). 

10. Kryspin-Exner, K. u. T. Olteanu: Klinik 
und Therapie des Alkoholismus. Verlag der Wiener 
Medizinischen Akademie (1968). 

11. Kryspin-Exner, K.: Theorie und Praxis der 
Therapie der Alkoholabhängigkeit. Verlag Brüder 
Hollinek, Wien (1969). 

12. Kubicka, L.: A Joint Research Study of a Czech 
System for the Rehabilitation of Alcoholics. Trans- 
national Family Research Institute, Washington, D. C., 
Progress Report No. 3 (1972). 

13. Leuchs, K. H.: Der cerebrale Alkoholsdiaden. 
Aus: Arbeitstagung über Alkoholismus, hsg. K. Kry- 
spin-Exner: 31, Wien (1962). 

14. L u n d q u i s t , G.; Klinische und soziotherapeutische 
Methoden in der Behandlung des Alkoholismus. Aus: 
Arbeitstagung über Alkoholismus, hsg. K. Kryspin- 
Exner: 134, Wien (1962). 

15. Mc Carthy, R. G.: Alcohol Education for Class- 
room and Community. McGraw-Hill Book Company, 
New York, San Francisko, Tpronto, London (1964), 

16. Mendel so n, J. H.: Alcoholism. International 
Psychiatry Clinics. Boston, Little, Brown and Com- 
pany Inc. (1966). 

17. Popham, R. E.: Alcohol & Alcoholism. University 
of Toronto Press (1970). 

18. Ritson, B. u. Ch. Hassall: The Management 
of Alcoholism. E. & S. Livingstone, Edinburgh and 
London (1970). 

19. Wieser, S.: Alkoholismus III: Katamnesen und 
Prognosen. Fortsdir. d. Neurol. u. Psychiatr. 34. Jhg., 
11: 565— 588 (1966). 


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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode DrUCkSdCllG 7/4201 


Ausführungen des Expertenteams „Epilepsie“ 

Prävention, Rehabilitation, Lehre und Forschung 


1 Prävention 

Prävention umfaßt alle Maßnahmen, die geeignet 
sind, Epilepsie und ihre Folgen zu verhüten, setzt 
aber voraus, daß man weiß, wie Epilepsie entsteht 
und verläuft. 

1 .1 Präventive Vorsorge 

Unser Wissen über die Genetik von Epilepsie und 
die epileptogenen Noxen ist Grundlage einer ge- 
zielten primären Prävention im Sinne einer „präven- 
tiven Vorsorge" mit dem Ziel, die Erstmanifestation 
von Epilepsie zu verhindern: 

— Prophylaxe gegen epileptogene Noxen, vor 
allem in dafür gefährdeten Altersbereichen: prä-, 
peri- und postnatale Lebenszeit, 15. bis 35. Le- 
bensjahr („Traumagipfel"), 45. bis 55. Lebensjahr 
(„Tumor-Kreislaufgipfel"). 

— Prophylaxe bei erhöhtem Epilepsie-Risiko: Kon- 
trolle und Nachkontrolle von entzündlichen und 
traumatischen Gehirnaffektionen sowie nach Ge- 
hirnoperationen. Eugenische Beratung bei gene- 
tisch mitbedingten Epilepsien und bei geneti- 
schen Hirnerkrankungen, die zu symptomati- 
schen Epilepsien führen (genetische Prävention). 

Präventive Vorsorge erfordert die Erforschung ihrer 
Bedingungen. Unser Wissen über epilepsieerzeu- 
gende Schädigungsmöglichkeiten ist noch lückenhaft. 
Es müssen vor allem durch prospektive Langzeit- 
studien, z. B. während der ersten Entwicklungsphase 
des Lebens (prä-, peri- und unmittelbar postnatal) 
epileptogene Noxen als solche erkannt werden. Die 
Diagnostik von epileptischen Dispositionen sollte 
durch systematische Vorsorgeuntersuchungen in 
merkmalsdichten Altersbereichen (Kindheit bis zum 
Abschluß der Pubertät) bei Risikoverdacht oder 
besser generell intensiviert werden. 

Schließlich ist eine mehr praktische Anwendung un- 
seres heute vorhandenen Wissens notwendig. Zum 
Beispiel kann die genetische Prävention erfolgreich 
in Ehe- und Familienberatungsstellen durchgeführt 
werden, wenn sich ein epileptologisch geschulter 
Arzt dazu bereitfindet. Es ließen sich ferner die 
Maßnahmen zur Verhütung von Unfällen, die zu 
Gehirnverletzungen führen und relativ häufig eine 
traumatische Epilepsie zur Folge haben (in 5 bis 
15 Vo bei gedecktem Hirntrauma, in 15 bis 45 Vo bei 
offenem Hirntrauma) verbessern, indem man in den 
dafür zuständigen Kontaktstellen (Verkehrsmini- 
sterien, Berufsgenossenschaften, Versicherungen, Be- 
triebsärzten, Automobilclubs, Verband der Auto- 
mobilhersteller Deutschlands) immer wieder „über 
Epilepsie spricht", d. h. sachbezogen informiert. 


1.2 Präventive Behandlung 

Eine zweite Form der Prävention betrifft die „prä- 
ventive Behandlung" mit dem Ziel der Rezidiv- 
Prophylaxe des epileptischen Anfalls. In erster Linie 
ist die medikamentöse Therapie gemeint, die trotz 
großer Fortschritte in vielen Punkten verbesserungs- 
bedürftig ist. Das gleiche gilt von der Psychothera- 
pie und der operativen Therapie bei Epilepsie, die 
zu selten und oft zu spät angewandt werden. Dies- 
bezüglich sei auf die DFG-Denkschrift S. 66 ff. und 
129 ff. verwiesen *). 

Besonders wichtig erscheinen auch Bemühungen, den 
Anfallskranken für eine qualifizierte Betreuung bes- 
ser zu motivieren. Dafür müssen wir bei Diabetes, 
Herzerkrankungen oder anderen körperlichen Behin- 
derungen mehr allgemeine Aspekte der Epilepsie- 
Betreuung und ihrer Erfolge bekanntgemacht wer- 
den. Allein das Vorhandensein einer Epilepsie-Am- 
bulanz mit ihrem positiven therapeutischen Klima 
erleichtert dem Patienten den Zugang zu einer Be- 
handlung. Sie ist für ihn bald die zuständige Instanz 
mit sachverständiger Bezugsperson, in der man mehr 
als sonst irgendwo über Epilepsie spricht, so daß 
von selbst ein „Fachwissen" entsteht, das ihn frei- 
macht von den krankheitsbezogenen Hemmungen. 


1 .3 Präventive Nachsorge 

Eine dritte Form der Prävention ist die „präventive 
Nachsorge" mit dem Ziel, psychische, soziale und 
ökonomische Komplikationen zu verhindern. Es geht 
um die Verhütung von kindlichen Verhaltensstörun- 
gen und tiefgreifenden Neurosen bei Erwachsenen 
mit Epilepsie, die nicht selten zu erlebnisreaktiven 
Persönlichkeitswandlungen führen. Hieraus resul- 
tieren Konflikte in Familie, Schule, Betrieb und Frei- 
zeitbereich und als unausbleibliche soziale Folgen 
das Ausbleiben einer Berufskarriere oder der so- 
ziale Abstieg, häufig eine Diskriminierung, gesell- 
schaftliche Ausgliederung und Isolation. Die wirt- 
schaftliche Notlage stellt sich zwangsläufig ein: Es 
kommt nicht selten zur permanenten finanziellen 
Belastung unterhaltspflichtiger Angehöriger, oder 
die Patienten verarmen bzw. werden Sozialhilfe- 
empfänger. 

Aufklärung alleine genügt nicht! Erste Forderung für 
Epilepsie-Prävention in psychologisch-sozialem Be- 
reich ist die nachgehende Fürsorge mit dem Ingang- 
bringen präventiver Maßnahmen, d. h. systematisch 
und individuell Risikofaktoren reduzieren. Es müs- 
sen Beeinträchtigungen einer ungünstigen Basis- 


•) Epilepsie — Denkschrift der Deutschen Forschungs- 
gemeinschaft, Harald Boldt Verlag KG, Boppard (1973). 


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Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Sozialisation mit ihren irreparablen Folgen ausge- 
schlossen werden. Es muß verhindert werden, daß 
generelle Störfaktoren der schulischen Sozialisation 
(Diskriminierung, Ausklammerung) auf das Kind mit 
Epilepsie einwirken. Ein systematischer Ansatz prä- 
ventiver Nachsorge besteht auch in der Information 
und Beratung von Berufsgruppen, die „durch ihr 
Verhalten Risiken produzieren und multiplizieren 
können"' (z. B. Lehrpersonen). 

Individuelle Maßnahmen müssen sich auf die spe- 
zielle Umwelt der Patienten mit Epilepsie ausrichten, 
z. B. durch Einzelberatung oder Beratung kleinerer 
Gruppen (Familienangehörige, Arbeitskollegen, 
kompetente Bezugspersonen wie Lehrherr, Vorge- 
setzter, Arbeitgeber, Lehrer, Berufsberater u. a. m.). 
Maßnahmen der Psychohygiene, z. B. am Arbeits- 
platz, sollten bei Patienten mit Epilepsie unbedingt 
verwirklicht werden. Dazu gehören die speziellen 
Arbeitsbedingungen, Bezahlung, Ausräumung von 
Konflikten u. a. m. 

Nicht zuletzt muß der Hausarzt des Patienten über 
Prävention und spezielle Institutionen für Epilepsie 
laufend praxisbezogen und methodisch in einer 
zeitgemäßen Form (Kurse, Seminare mit der Dar- 
stellung des Stoffes in einem abgewogenen Verhält- 
nis von Systematik, Einzelfalldarstellung und audio- 
visuellen Methoden) informiert werden. 


2 Rehabilitation 

2.1 Aufgaben 

Rehabilitation als Maßnahme zur Wiedereingliede- 
rung in den Beruf und andere soziale Bereiche ist bei 
epileptisch Kranken zu eng gefaßt. Da etwa die 
Hälfte aller Erkrankungen im Kindesalter und Ju- 
gendalter beginnt, gehört schon die erste Eingliede- 
rung in Familie, Kindergarten, in Schule und Lehre, 
also jede Art von Flabilitation bei Anfallskranken, 
zum Thema der Rehabilitation. 

Habilitation oder Rehabilitation Behinderter voll- 
zieht sich in der Koordination von Maßnahmen ver- 
schiedener Fachaspekte. Der Anteil der einzelnen 
Maßnahmen hängt von der Behinderung des jewei- 
ligen Patienten ab. 

Die Beurteilung der Notwendigkeit einzelner Maß- 
nahmen setzt ein frühzeitiges Zusammentreffen und 
Zusammenarbeiten der Vertreter verschiedener 
Fachdi'sziplinen voraus. 

Dabei bedarf es der Entwicklung differenzierter Indi- 
kationen für die Rehabilitation bei verschiedenen 
Epilepsieformen mit Epileptologen, Psychologen, 
Soziologen und Sozialarbeitern sowie mit Institu- 
tionen der Arbeitswelt und Berufsförderungswerken. 


2.2 Berufliche Rehabilitation 

Die berufliche Rehabilitation ist weitgehend abhän- 
gig von der sozialen Integration und umgekehrt. 
Nur wenige Bedingungen und Folgen solcher Reha- 


bilitations-Prozesse für den Kranken wie für die 
Gesellschaft sind schon untersucht. Es fehlen Un- 
tersuchungen über die Relation von Krankheit und 
Berufseignung, Lern- und Arbeitsmotivation, die 
Effektivität von Eingliederungs- und Wiedereinglie- 
derungsmaßnahmen auf lange Sicht im Vergleich 
zu anderen Behinderungen sowie über den Wider- 
stand gegen Therapie und Rehabilitation bei Patien- 
ten wie bei Institutionen. 

Für die Wahl des geeigneten Berufes ist die Beant- 
wortung dieser Fragen von entscheidender Bedeu- 
tung. Die Abstimmung zwischen Berufseignung, Be- 
gabungsschwerpunkten und Soziabilität ist das 
Kernproblem der Rehabilitation Anfallskranker. Da 
es darüber noch keine verläßlichen Maßstäbe gibt, 
sind Untersuchungen erforderlich, die unter defi- 
nierten Parametern die Krankheitsform, das Psycho- 
syndrom, die Berufseignung und das Sozialverhal- 
ten über längere Zeit verfolgen. 


2.3 Soziale Integration 

Aber auch im Blick auf die soziale Integration von 
Anfallskranken fehlt es weithin an wissenschaft- 
lich fundierten Erkenntnissen. So verändern die Re- 
aktionen der Umwelt das Verhalten der Kranken 
und dieses wiederum das Verhalten der Umwelt. 
Diese Wechselbeziehungen sind aber bisher nie 
systematisch und methodisch exakt untersucht wor- 
den. Solche Untersuchungen sollten der Herstellung 
einer therapeutisch günstigen Umwelt und der Er- 
möglichung von Gruppentherapie und Individual- 
psychotherapie dienen. Aus dem Vorurteil gegen- 
über Epilepsie resultiert für die Kranken eine Be- 
nachteiligung ihrer gesellschaftlichen und beruflich- 
ökonomischen Stellung, mit deren scheinbar ratio- 
nalen Begründungen sich die Kranken oft identifi- 
zieren. Epileptisch Kranke geraten daher in den oft 
unterprivilegierten Status von Minoritäten. Voraus- 
setzung für eine Bekämpfung von Vorurteilen ge- 
genüber Behinderten überhaupt ist eine Überprü- 
fung des derzeit gültigen Normenkodex, der durch 
das Vorherrschen des Leistungs- und Konkurrenz- 
prinzips nicht nur epileptisch Behinderte von der 
Teilnahme an den gesamtgesellschaftlich akzeptier- 
ten Werten ausschließt. 

Wie sinnvoll die Intensivierung aller Maßnahmen 
ist, die das Ziel einer Habilitierung oder Rehabili- 
tierung von Epilepsiekranken haben, mag beispiels- 
weise daran deutlich werden, daß 

— kompetent behandelte Anfallskranke an geeig- 
neten Arbeitsplätzen weniger Unfälle erleiden 
als Gesunde, 

— unter den Patienten einer Epilepsieambulanz das 
Invalidisierungsalter überdurchschnittlich — näm- 
lich um 12 Jahre — angestiegen ist, während der 
Anstieg für sämtliche Invalidisierungsarten im 
gleichen Zeitraum nur drei bis fünf Jahre betrug. 

Die mit einem anfallskranken Kind gegebenen Fami- 
lienprobleme bedürfen intensiver psychagogischer 
und gruppentherapeutischer, bei eingetretenen Schä- 
den auch heilpädagogischer Behandlung, die auch 
die Familie mit einbeziehen muß. 


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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Bildungsmöglichkeiten für anfallskranke Kinder gibt 
es in den Sonderkindergärten der „Lebenshilfe", in 
Sonderschulen für lernbehinderte und bildungs- 
schwache Kinder, Vorschulklassen und Schulkinder- 
gärten. Bei weitgehender Anfallskontrolle und al- 
tersentsprechender körperlich-geistiger Reife steht 
dem Besuch eines normalen Kindergartens und von 
Normal-Schulen nichts im Wege. 

Eine sorgfältige Berufsberatung noch während der 
Schulzeit ist bei jugendlichen Anfallskranken beson- 
ders wichtig, um Rückschläge durch Entlassung aus 
der Lehre oder Abbruch eines ungeeigneten Berufs- 
weges zu verhindern. Das Jugendarbeitsschutzgesetz 
enthält Richtlinien für eine geeignete Berufswahl. 

Es besteht ein dringender Bedarf an Nachsorge, nach- 
gehender Fürsorge oder Außenfürsorge sowohl für 
anfallskranke Kinder und Jugendliche als auch für 
Erwachsene. 

Trotz des Angebots an Sonderschulen, Werkstätten 
für Behinderte, Berufsbildungs- und Berufsförde- 
rungswerken besteht ein Mangel an solchen bil- 
dungs- und berufsfördernden Institutionen, an denen 
neurologische und psychiatrische Behandlung mit 
der Rehabilitation Hand in Hand geht und speziell 
an Einrichtungen, die den besonderen Erfordernissen 
bei der Rehabilitation von Epilepsie-Kranken ent- 
sprechen. 

Allerdings führen weniger die Anfälle selbst oder 
eine Intelligenzminderung als vielmehr eine Fehl- 
einschätzung von Wesensänderungen und Verhal- 
tensabweichungen zur Abweichung oder zum Aus- 
schluß von Anfallskranken aus Rehabilitationsein- 
richtungen, die allen anderen, besonders körper- 
lichen Behinderungsarten, offenstehen. Die Tauglich- 
keit zur Rehabilitation von Anfallskranken ist weit 
weniger von der Art und Schwere ihrer Anfälle ab- 
hängig als von ihrer Wesensart. Deswegen kann 
etwa ein Drittel aller Epilepsie-Patienten nicht auf 
normalem Wege und auch nicht ohne eine längere 
intensive Vorbereitung über die angebotenen Reha- 
bilitationseinrichtungen in eine Ausbildung oder 
Weiterbildung geführt werden. Aus diesen Grün- 
den sind Einrichtungen in allen Teilbereichen der 
Rehabilitation erforderlich. 


2.4 Niedergelassene Arzte 

Grundsätzlich sollten die niedergelassenen Ärzte 
auch für die sozialmedizinischen Probleme ihrer 
Patienten zuständig sein. Daher soll die Betreuung 
von Patienten mit unkompliziertem Krankheitsver- 
lauf auch weiterhin in enger Zusammenarbeit zwi- 
schen Hausarzt und niedergelassenem Facharzt er- 
folgen. 

Sinnvoll wäre es, wenn niedergelassene Ärzte sich 
mit Sozialarbeitern und/oder auch einigen Gemein- 
schaftspraxen auf die Betreuung von Epilepsie-Pa- 
tienten konzentrierten, weil solche Teams, beson- 
ders wenn sie mit den lokalen heilpädagogischen 
und sozialtherapeutischen Institutionen kooperieren, 
sozialmedizinisch besonders effektiv werden. 


2.5 Spezial-Einrichtungen 

15 Vo aller Epilepsie-Patienten (ca. 50 000) bedürfen 
spezieller rehabilitativer Maßnahmen. Die gegen- 
wärtige Ausstattung von speziellen Epilepsie-Insti- 
tutionen entspricht in keiner Weise den Bedürfnis- 
sen, weder im Hinblick auf die Zahl der Plätze, noch 
auf die Art der Einrichtungen, noch auf die Qualität 
der fachlichen Betreuung. Nicht nur Diagnostik und 
Therapie, sondern erst recht Rehabilitation erfor- 
dern eine multidisziplinäre Zusammenarbeit von 
Ärzten verschiedener Fachrichtungen, Sozialarbei- 
tern, Psychologen, Pädagogen, Arbeitstherapeuten 
und Pflegepersonal. Die gegenwärtige Situation 
wird auch den Forderungen nach einer weitgehenden 
Regionalisierung der Betreuung und wirksamen 
Nachsorge nicht gerecht. Daher ist der Ausbau und 
die Einrichtung von Epilepsie-Ambulanzen, Epilep- 
sie-Abteilungen und Epilepsie-Zentren dringend 
erforderlich. 


2.5.1 Epilepsie-Ambulanzen 

Bereits in den Epilepsie- Ambulanzen (s. B.3.9.4.2) 
muß ein breites Angebot zur Rehabilitation von 
Patienten mit Epilepsie vorhanden sein. Die An- 
gebote beziehen sich sowohl auf den sozialen Be- 
reich — Bezugspersonen, Familie, Gesellschaft — als 
auch auf die Ausbildung, Umschulung und Berufs- 
ausübung. Die Ambulanzen haben außerdem be- 
ratende und begleitende Vermittlerfunktion für Pa- 
tienten an anderen Institutionen. 

Epilepsie-Ambulanzen tragen nachweislich dazu bei, 

— Vorurteile in der Bevölkerung abzubauen-, 

- iiitormc'.’ nsstand der Ärzte in Krankenhaus, 
Klinik und Anstalt anzuheben; 

— das Ansehen von psychiatrischen Krankenhäu- 
sern und von Anstalten zu verbessern; 

— die vorzeitige Invalidisierung bei Epilepsie-Kran- 
ken um durchschnittlich zehn Jahre hinauszu- 
schieben. 

Epilepsie-Ambulanzen dienen 

— zur prästationären Krisen-Intervention; 

— zur prästationären Abklärung und Behandlung 
von Anfallskrankheiten und 

— zur poststationären Verhütung von Rückfällen. 

Die rehabilitativen Bemühungen solcher Ambulan- 
zen gelten auch den integrationsgefährdeten (z. B. 
nach der Schulentlassung) oder bereits im Arbeits- 
bereich nicht voll integrierten (z. B. häufiger Wech- 
sel des Arbeitsplatzes durch Kündigung des Arbeit- 
gebers) Patienten. 

Soziale Diagnose, realisierungsorientierte Beratung, 
Überweisung an andere für den Integrationsprozeß 
geeignete Institutionen, Beratung am Arbeitsplatz, 
Berufserprobung in dafür geeigneten Betrieben bis 
zu Maßnahmen der Berufsfindung in enger Zusam- 
menarbeit mit dem Arbeitsamt gehören zu den Auf- 
gaben einer Ambulanz. Hinzu kommen Kontakte 
und Beratung von Angehörigen, von Mitschülern 


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Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


und Lehrern, von Kollegen und Vorgesetzten der 
Patienten am Arbeitsplatz, Beratung anderer Insti- 
tutionen, Erfahrungsaustausch mit und Weiterbil- 
dungsangebote für niedergelassene Ärzte und 
schließlich Öffentlichkeitsarbeit. 

So sollte man in den Ambulanzen in bezug auf die 
Rehabilitation unterscheiden zwischen: 

a) Eigenem Angebot: 

— Beratung der Patienten über ihre Lebens- 
weise, 

— Beratung am Arbeitsplatz, 

— Beratung und Schulung von Bezugspersonen, 

— Beratung und Schulung externer Therapeu- 
ten über Epilepsie, 

b) Mitarbeit in oder Initiierung von externen The- 
rapieangeboten wie: Beschäftigungs-, Arbeits-, 
Verhaltenstherapie. 

c) Überweisung an externe Therapeuten oder an- 
dere Institutionen. 

Die Verwirklichung der Aufgaben erfordert eine 
Zusammenarbeit mit: 

— Gesundheitsamt, 

— Arbeitsamt/Berufsberatung, 

— Sozialamt, 

— Schulamt/Schulen, 

— Lebenshilfe, 

— Werkstatt für Behinderte, 

— Familienberatung, 

— Erziehungsberatungsstellen, 

— Sozialstationen, 

— Tag-/Nachtkliniken, 

— Ubergangsheimen, 

— Wohnheimen, 

— Fachabteilungen an Krankenhäusern: 

— Psychiatrie, 

— Neurologie, 

— Kinder- und Jugendpsychiatrie, 

— Pädiatrie, 

— Epilepsie-Abteilungen, 

— Epilepsie-Zentrum, 

— Arbeitsstellen, 

— Betriebsärzten, 

— Vertrauenspersonen der Schwerbehinderten in 
den Betrieben, 

— Beauftragten der Arbeitgeber für die Schwerbe- 
hinderten. 

Bei den Institutionen der ersten Rubrik handelt es 
sich vorwiegend um Zusammenarbeit und Beratung; 
bei den Institutionen der zweiten Rubrik zusätzlich 
um Uberweisungs- und teilweise auch um konsilia- 
rische Aufgaben. 


2.5.2 Epilepsie-Abteilungen 

Es ist damit zu rechnen, daß auch nach dem Ausbau 
eines Netzes von Epilepsie-Ambulanzen etwa 20 ®/o 
der ambulant betreuten Patienten vorübergehend 
in Epilepsie-Abteilungen (s. B.3.9.4.2) bzw. Epilepsie- 
Zentren aufgenommen werden müssen. 

Die meisten Patienten werden in die Abteilungen 
stationär aufgenommen, weil sie medizinische und/ 
oder soziale Probleme haben, die ambulant nicht 
gelöst werden können. 

Es werden Patienten auch direkt zum Zentrum 
überwiesen, wenn neben der medizinischen Behand- 
lung Maßnahmen der beruflichen Fortbildung, der 
Weiterbildung oder Qualifizierung durch Anpas- 
sung an bestimmte Arbeitsplatzsituationen erfor- 
derlich werden. 

In den Epilepsie-Abteilungen müssen — integriert 
in die Einrichtungen des angeschlossenen Bereiches 
(psychiatrische-, neurologische-, pädiatrische Klini- 
ken, Krankenhäuser oder Fachabteilungen von 
Krankenhäusern oder in kinder- und jugendpsychia- 
trischen Zentren) — Beschäftigungstherapie, Arbeits- 
therapie und Soziotherapie und für Kinder Klinik- 
schulen vorhanden sein. 

Die Einbindung von Epilepsie-Abteilungen Iüt Kin- 
der in eine pädiatrische Klinik oder in ein kinder- 
und jugendpsychiatrisches Zentrum erlaubt die Inte- 
gration dieser Kinder in die allgemeine Klinik- 
schule. 

Eine Epilepsie- Abteilung für Erwachsene in Verbin- 
dung mit einer psychiatrischen Institution an 
Schwerpunktkrankenhäusern ermöglicht die Mit- 
benutzung der für die Rehabilitation vorgesehenen 
Einrichtungen. 

Es ist wünschenswert, daß die stationär erfolgende 
medikamentöse Einstellung quasi unter Realsituatio- 
nen stattfindet. Da eine Arbeitserprobung am eige- 
nen Arbeitsplatz aber wegen der in der Regel zu 
weiten Entfernungen (Einzugsbereich der Epilepsie- 
Abteilungen bezogen auf 7,5 Millionen Einwohner) 
oft nicht möglich sein wird, sollte die Simulation 
der Arbeitssituation und -belastung durch die in 
der Abteilung dafür einzurichtende funktionale Be- 
schäftigungstherapie erfolgen. 

Die Soziotherapie für diese Patienten der Epilepsie- 
Abteilung besteht im wesentlichen aus: 

— Hilfen zur Selbsteinschätzung und Selbstannahme 
der Patienten (Gesprächstherapie nach Rogers 
und anderen) ; 

— Dem Erlernen und Verfügbarmachen von Ver- 
haltensweisen, die dem Patienten dazu verhel- 
fen, sich in seiner Umwelt zu behaupten (z. B. 
durch Verhaltensmodifikation, Verhaltensthera- 
pie); 

— der Aufarbeitung vorgegebener Probleme durch 
themenzentrierte Gruppenarbeit (z. B. auch An- 
gehörigengruppen) ; 


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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


— einem differenzierten Wohnangebot: 

— in Dbergangseiririchtungen, 

— im Wohnheim, 

— in der Wohngruppe. 

Nach Beendigung der stationären Behandlung wer- 
den die meisten Patienten, versehen mit einem 
Therapieplan, von der zuständigen Ambulanz in 
Zusammenarbeit mit dem niedergelassenen Arzt 
weiterbetreut. 

Manche werden einer nachgehenden konsiliarischen 
Betreuung in einer Übergangseinrichtung (Nacht- 
klinik, Wohnheim, Wohngruppe) bedürfen. 

Auch diejenigen, die für lange Zeit in „heimat- 
ersetzenden Häusern", „beschützenden Pensionen" 
oder „beschützenden Siedlungen" aufgenommen 
werden müssen, sollten über die zuständigen Ambu- 
lanzen konsiliarisch weiterbetreut werden. 

Für Probleme der Arbeitsfindung und Arbeitserpro- 
bung oder der kindlichen Entwicklung, die nicht 
durch Ambulanz oder Abteilung gelöst werden kön- 
nen, sind Epilepsie-Zentren zuständig. 

2.5.3 Epilepsie-Zentren 

Epilepsie-Zentren (s. B. 3. 9. 4. 2) sind Rehabilitations- 
Schwerpunkte für Menschen mit Epilepsie. Doch 
sollten dort, um eine Segregation weitgehend zu 
vermeiden, nicht nur Anfallskranke, sondern auch 
Rehabilitanden mit verwandten Behinderungsarten 
wie z. B. Hirnverletzte aufgenommen werden. Ein 
umfassendes Sozialtraining soll die Eingliederung 
oder Wiedereingliederung in die Gesellschaft er- 
leichtern. Die berufsbezogenen Angebote gehen vom 
Belastungstraining und der Arbeitstherapie über 
Berufsfindung und Arbeitserprobung, Anlernung, 
Fort- und Weiterbildung bis zur Anpassung an be- 
stimmte Arbeitsplatzsituationen. Sie dienen nicht 
der beruflichen Ausbildung. Dafür sind Berufsbil- 
dungswerke und Berufsförderungswerke zuständig. 

2.5.3.1 Zentren für Erwachsene 

Epilepsie-Zentren für Erwachsene (siehe auch Denk- 
schrift „Epilepsie", Anhang S. 108 bis 118) sollen 
als „Rehabilitationszentren für spezielle Krankheits- 
und Behinderungsarten" die Lücke zwischen der 
medizinischen und beruflichen Rehabilitation schlie- 
ßen, indem zugleich mit der medizinischen Behand- 
lung die berufliche Rehabilitation eingeleitet wird. 
Die Behinderten sollen dabei soweit gefördert wer- 
den, daß sie entweder nahtlos ins Erwerbsleben 
zurückkehren oder außerhalb eine Ausbildung oder 
eine Umschulung beginnen können. Angepaßt an 
die Art und den Grad der jeweiligen Leistungsmin- 
derung sollen dabei insbesondere ein Sozial- und 
Arbeitstraining durchgeführt, Begabungsreserven 
mobilisiert und künftige berufliche Tätigkeiten er- 
probt werden. 

Darüber hinaus ist durch Maßnahmen der beruf- 
lichen Fortbildung, der Weiterbildung oder Quali- 
fizierung eine Anpassung an bestimmte Arbeits- 
platz-Situationen zu ermöglichen. Wo sich dann 
eine Ausbildung bzw. eine Umschulung als möglich 


und notwendig erweist, soll die Reife für ein auf 
die Bedürfnisse spezieller Epilepsie-Betreuung ein- 
gestelltes Berufsförderungswerk erlangt werden. 

Ausgangspunkt der Konzeption von überregionalen 
Rehabilitationszentren ist die Erkenntnis, daß eine 
beträchtliche Zahl von erwachsenen Anfallskranken 
durch medizinische Leistungen allein das Ziel der 
beruflichen und sozialen Eingliederung nicht oder 
nicht dauerhaft erreichen kann. Es handelt sich da- 
bei um einen Personenkreis, der wegen besonderer 
psychischer und sozialer Begleitumstände des Krank- 
heitsgeschehens neben der medizinischen Betreuung 
umfangreicher sozialer und beruflicher Maßnahmen, 
d. h. umfassender Rehabilitationsleistungen bedarf. 
Gleichzeitig versieht das Rehabilitationszentrum die 
Aufgaben einer überregionalen Epilepsie-Abteilung 
und einer regionalen Epilepsie-Ambulanz. 

Im einzelnen wird das Rehabilitationszentrum fol- 
gende Leistungen zu erbringen haben: 

1. Medizinischer Bereich 

Stationäre und ambulante Betreuung von An- 
fallskranken mit allen notwendigen diagnosti- 
schen und therapeutischen Einrichtungen ein- 
schließlich Physiotherapie und Physikotherapie. 

2. Sozialer und psychologischer Dienst 

Leistungen der Rehabilitations-, Arbeits- und 
Sozialberatung einschließlich Nachsorge, der 
Psychotherapie und Soziotherapie sowie der psy- 
chologischen Eignungsuntersuchung. 

3. Beruflicher Bereich mit Internat 

Berufstherapie mit Bildungstraining, praktischen 
und theoretischen beruflichen Bildungselementen, 
Berufs- und Arbeitsplatzerprobung und Berufs- 
und Arbeitsplatzinformation sowie berufliche 
Fortbildung und Qualifizierung einschließlich 
Anpassung an neue Arbeitstechniken und Vor- 
bereitung für eine volle Berufsausbildung in 
einem Berufsförderungswerk, gegliedert nach 
folgenden Bereichen: 

a) Maschinenbautechnischer, feinwerktechnischer 
und allgemeingewerblicher Berufsbereich, 

b) Elektronischer Berufsbereich, 

c) Berufsbereich Zeichnen und Konstruktion, 

d Bürotechnisch-kaufmännischer Berufsbereich 
einschließlich Datenverarbeitung, 

e) Berufsbereich Gesundheitswesen, soziale Ar- 
beit und Haushalt. 

Für die Patienten, die für eine Ausbildung in 
einem Lehr- und Anlernberuf bzw. zu einer Um- 
schulung in einen den obigen Berufsfeldern ent- 
sprechenden Beruf nicht geeignet sind, sind 
Kurse zur Verbesserung der Vermittlungsfähig- 
keit für Behinderte einzurichten. 

4. Bereiche: Wirtschaft, Versorgung und Verwal- 
tung. 

2.5.3.2 Zentren für Kinder 

Epilepsie-Zentren für Kinder (siehe auch Denkschrift 
„Epilepsie", Anhang A4, S. 118 bis 127) müssen 


71 



Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


pädagogisch-psychologische Sondereinrichtungen 
enthalten. Zugleich mit epileptologisch qualifizierten 
diagnostisch-therapeutischen Maßnahmen muß in 
Sonder-Kindergärten und in familienähnlichen In- 
ternatsgruppen die soziale Integration, die vorschu- 
lische Entwicklung und in Sonderschulen und Son- 
derberufsschulen eine spätere Integration in eine 
allgemeine Schule oder eine normale Berufsausbil- 
dung vorbereitet werden. Wenn dies nicht möglich 
ist, sollte die Reife für ein auf die Bedürfnisse von 
Anfallskranken eingestelltes Beruf sbildungswerk 
erreicht werden. 

Ausgangspunkt der Konzeption dieses überregio- 
nalen Rehabilitationszentrums ist die Erkenntnis, 
daß eine beträchtliche Zahl von Kindern mit An- 
fallsleiden durch ambulante oder stationäre medi- 
zinische Leistungen allein vorschulische und schu- 
lische Bildung nicht oder nur unzureichend realisie- 
ren kann. Es handelt sich dabei um Kinder, die we- 
gen besonderer psychischer und pädagogischer Be- 
gleitumstände des Krankheitsgeschehens und in- 
folge von Komplikationen pränatal oder frühkindlich 
erworbener Hirnstörungen neben der medizinischen 
Versorgung sprachtherapeutisch, physiotherapeu- 
tisch, psychologisch, heilpädagogisch und schulisch 
betreut werden müssen. Gleichzeitig versieht das 
Rehabilitationszentrum die Aufgaben einer über- 
regionalen Epilepsie- Abteilung und einer regionalen 
Epilepsie- Ambulanz für Kinder. 

Nicht wenige Kinder mit Epilepsie haben mehrere 
Behinderungen, die qualifizierter Diagnostik und 
Behandlung sowie heilpädagogischer Betreuung be- 
dürfen. Die zusätzlichen Störungen können auf kör- 
perlichem Gebiet liegen und sich in zerebralen Be- 
wegungsstörungen oder Lähmungen äußern. An- 
dere Kinder haben intellektuelle oder Verhaltens- 
störungen und benötigen daher sonderpädagogische 
und heilerzieherische Betreuung. Wieder andere 
leiden zusätzlich an Beeinträchtigung des Hör- und 
Sehvermögens oder des Sprachausdrucks und müs- 
sen entsprechend audiologisch, orthoptisch-ophthal- 
mologisch oder logopädisch behandelt werden. Im 
folgenden werden die verschiedenen Bereiche des 
Epilepsie-Zentrums für Kinder in ihren Funktionen 
stichwortartig dargestellt. 

1. Medizinischer Bereich 

Stationäre und ambulante Betreuung von an- 
fallskranken Kindern mit allen notwendigen 
diagnostischen und therapeutischen Einrichtun- 
gen einschließlich Physiotherapie und Physiko- 
therapie. Bei einer Stationsgröße von 8 bis 12 
Betten müssen auf klinischen Abteilungen aus- 
reichende Isolierungsmöglichkeiten wegen in- 
fektiöser Kinderkrankheiten gewährleistet sein. 

2. Heilpädagogisch psychologischer und sprach- 
therapeutischer Dienst. 

Leistungen der Heilpädagogik einschließlich 
Nachsorge, Psychotherapie und Soziotherapie, 
Sprachtherapie sowie der schulpsychologisdien 
Betreuung mit den notwendigen Räumen eines 
heilpädagogischen Kindergartens. Gemeinsam 
mit dem medizinischen Bereich Diagnostik und 
Therapie von Perzeptionsstörungen im Rahmen 
der allgemeinen Entwicklungsdiagnostik. 


Für die heilpädagogische Betreuung ist von 
etwa 12 Gruppen bis zu zehn Kindern auszu- 
gehen. Jede Gruppe sollte von einem ausgebil- 
deten Heilpädagogen geleitet werden, dem zwei 
Mitarbeiter (Kinderkrankenschwester, Erziehe- 
rin) zur Seite stehen. 

3. Schulischer bzw. vorschulischer Bereich mit In- 
ternat mit den notwendigen Räumen für die vor- 
schulische Förderung und für eine Grund- und 
Hauptschule als Sonderschule für geistig behin- 
derte bzw. für lernbehinderte Kinder. Hierbei 
ist von neun Klassen zu maximal sechs Kindern 
auszugehen. Möglichkeiten der Einzelförderung 
und zur Bildung von Klassen für zusätzlich an 
Legasthenie leidende Kinder müssen vorhanden 
sein. 

4. Wohnbereich für Gäste 
Unterbringungsmöglichkeiten für Angehörige, 
die aktiv am Rehabilitationsprozeß ihrer Kinder 
beteiligt werden müssen. 

5. Bereiche: Wirtschaft, Versorgung und Verwal- 
tung. 

Epilepsie-Zentren sollten möglichst in Verbindung 
mit oder in der Nähe von Universitäten eingerich- 
tet werden, um den nahtlosen Zusammenhang von 
Diagnostik, Therapie und Rehabilitation in die Aus- 
bildung von ärztlichen und nichtärztlichen medizini- 
schen Berufen einbringen zu können. Medizinische, 
pädagogische und berufliche Rehabilitation zum 
Gegenstand von Lehre und Forschung zu machen, 
läßt sich besonders am Beispiel der Epilepsie kon- 
kretisieren, weil diese ein Modell sowohl für eine 
Mehrfachbehinderung (physisch und psychisch) wie 
für die Notwendigkeit einer interdisziplinären Zu- 
sammenarbeit darstellt. 

2.5.4 Berufsbildungswerk 

Jugendliche Patienten mit Epilepsie, die so behin- 
dert sind, daß sie keine normale Berufsausbildung 
durchlaufen können, sollen in Berufsbildungswerken 
zur beruflichen Erstausbildung aufgenommen wer- 
den. Neben der beruflichen Ausbildung erfahren 
sie hier eine besondere ärztliche, psychologische 
und soziales Verhalten fördernde Betreuung. Zur 
Vermeidung ungünstiger psycho-sozialer Folgen 
einer Segregation ist eine gemeinsame Ausbildung 
von Jugendlichen mit Epilepsie und solchen mit 
anderen Behinderungen geboten. Um jedoch zu- 
gleich die notwendige spezialistisch-epileptologische 
Betreuung zu gewährleisten, sollten einige Berufs- 
bildungswerke bevorzugt epileptische Jugendliche 
aufnehmen und für deren besondere Bedürfnisse 
eingerichtet sein. 

2.5.5 Berufsförderungswerk 

Berufsförderungswerke für erwachsene Behinderte 
sollen neben der praktischen und theoretischen 
Ausbildung in zukunftsgerichteten Berufen eine 
ausbildungsbegleitende Heilbehandlung anbieten 
und über Fachkräfte für eine soziale, psychologische 
und sportliche Betreuung verfügen. Auch hier kön- 


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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


nen Anfallskranke aufgenommen werden, wenn sie 
weitgehend anfallsfrei und ohne behindernde psy- 
chische Störungen sind. Sie kommen dann wie an- 
dere Behinderte nach Eignung und Neigung für 
eine Berufsausbildung im Rahmen der angebotenen 
Ausbildungsprogramme in Frage. 

Das Potential der Berufsbildungs- und Berufsförde- 
rungswerke zur beruflichen Rehabilitation von Kran- 
ken mit Epilepsie könnte weit besser genutzt wer- 
den, wenn Zuweisung und Aufnahmen durch 

— eine Aufklärung über die Möglichkeiten zur Re- 
habilitation unter der Ärzteschaft gefördert und 

— eine Kooperation zwischen Epilepsie- Ambulan- 
zen und Berufsbildungs-ZBerufsförderungswerken 
auf regionaler Ebene angestrebt und 

— zumindest an den größeren Berufsbildungs-/ 
Berufsförderungswerken eine die Ausbildung 
kontinuierlich begleitende nervenärztliche Heil- 
behandlung hauptamtlich gewährleistet wären. 


3 Lehre in Epileptologie 

Kenntnisse in Epileptologie müssen nicht nur Medi- 
zinstudenten und Ärzten in der Ausbildung, Wei- 
terbildung und Fortbildung vermittelt werden, son- 
dern auch im sozial-medizinischen Unterricht an- 
derer Berufsgruppen. Bei allen Berufen, die mit 
Epilepsie-Kranken zu tun haben, sollen Kurse über 
Epilepsie in die Grundausbildung aufgenommen 
werden. Epilepsie-Probleme müssen auch in den 
Weiterbildungskursen zu allen pädagogischen und 
sozialen Berufen regelmäßig behandelt werden. 


3.1 Zielgruppen und Bildungsstufen 

3.1.1 

Während der Ausbildung von Ärzten, Psychologen, 
Pädagogen, Soziologen, medizinisch-technischen As- 
sistenten, Sozialarbeitern, Pflegepersonen, Beschäf- 
tigungstherapeuten, Arbeitstherapeuten, psycholo- 
gisch-technischen Assistenten soll Epileptologie (als 
Lehre von Entstehungsbedingungen, Erscheinungs- 
und Verlaufsformen epileptischer Anfälle und 
Krankheiten) angemessen berücksichtigt werden. 

3.1.2 

Während der Weiterbildung zu Fachärzten für 
Psychiatrie, Neurologie, Neurochirurgie, Pädiatrie, 
Kinder- und Jugendpsychiatrie, von klinischen Psy- 
chologen, Klinik-Seelsorgern, klinischen Sozialarbei- 
tern, Fachpflegepersonal für Psychiatrie, EEG-Assi- 
stenten, Dokumentations-Assistenten sollen darüber 
hinaus berufsspezifisch erweiterte Kenntnisse in 
Epileptologie vermittelt werden. 

3.1.3 

Für Ärzte, die in Epilepsie-Institutionen leitend tätig 
werden, ist eine besondere Art von Weiterbildung 


(Zusatzausbildiing) in Epileptologie erforderlich. 
Eine Zusatzausbildung in Epileptologie setzt gründ= 
liehe Kenntnisse in klinischer Neurophysiologie und 
eine mindestens einjährige Tätigkeit an einer Epi- 
lepsie-Abteilung oder in einem Epilepsie-Zentrum 
voraus. 


3.2 Lernziel-Kataloge 

In allen Ausbildungsgängen und bei allen Berufs- 
gruppen sollten sämtliche im Lernziel-Katalog auf- 
geführten Hauptthemen (Anlage 1) berücksichtigt 
werden. Ausmaß und Intensität der Vermittlung 
sind nach den Ausbildungsgängen und den Berufs- 
gruppen abzustufen. 

Als Beispiel für den berufsspezifischen Differenzie- 
rungsgrad in der Ausbildung zum Arzt dient der 
Abschnitt „Epileptologie" aus dem Lernziel-Katalog 
für Neurologie (Anlage 2), Als Beispiel für den Dif- 
ferenzierungsgrad auf der Stufe der Weiterbildung 
zum Nervenfacharzt dient das Stichwortverzeichnis 
zu „psychische Befunde bei Epilepsie"' (Anlage 3). 

Analog dazu sollten berufsspezifisch akzentuierte 
Lernziel-Kataloge über Epileptologie für andere 
Berufsgruppen erarbeitet werden. 

Abgesehen vom Erwerb spezieller praktischer und 
theoretischer Kenntnisse in medizinischer Epilepto- 
logie kommt bei der Zusatzausbildung noch ein Un- 
terricht durch soziologische und psychologische Fach- 
kräfte hinzu. 


3.3 Lehrhilfen 

Literatur: Deutsche Sektion der Internationalen Liga 
gegen Epilepsie (Hrsg.), Die epileptischen Anfalls- 
erkrankungen, Kork/b. Kehl, 1973; A. Matthes, Epi- 
lepsie, Thieme — Stuttgart 1975; A. Matthes, ABC 
für Anfallskrankheiten, Thieme — Stuttgart, 1968; 
Deutsche Forschungsgemeinschaft (Hrsg.), Denk- 
schrift „Epilepsie", Boppard, 1973; D. Janz, Die Epi- 
lepsien, Thieme — Stuttgart, 1969; W. Schulte 
(Hrsg.), Epilepsie und ihre Randgebiete in Klinik 
und Praxis, Lehmann, München, 1964. 


3.4 Lehrstätten und Lehrpersonal 

Alle speziellen Epilepsie-Institutionen (Epilepsie- 
Ambulanzen, Epilepsie-Abteilungen, Epilepsie-Zen- 
tren) sollen Schwerpunkte für die theoretische und 
praktische Unterweisung in Epileptologie werden. 
Um dem Unterrichtsbedarf in theoretischer und prak- 
tischer Epileptologie zu genügen, sollten an Uni- 
versitäten Professuren eingerichtet und Lehrauf- 
träge an außerhalb der Universität gelegene Epi- 
lepsie-Zentren erteilt werden. Zusatzausbildungen 
in Epileptologie an speziellen Epilepsie-Institutio- 
nen werden von der Bundesanstalt für Arbeit nach 
§ 41 des Arbeitsförderungsgesetzes gefördert. 


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Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


4 Forschung*) 

Epileptische Anfälle werden hervorgerufen durch 
plötzlich einsetzende, abnorm starke Erregungsvor- 
gänge an Nervenzellen im Gehirn. Das Studium 
epileptischer Phänomene dient daher sowohl dem 
Verständnis normaler Hirnfunktionen wie der Er- 
klärung von Vorgängen, die zu Epilepsie führen. 
Insofern, als Epilepsie sich nicht nur an anfallswei- 
sen motorischen Symptomen, sondern auch an vor- 
übergehenden oder bleibenden psychischen Symp- 
tomen zeigt, ist Epilepsie auch Forschungsgegen- 
stand psychiatrischer Wissenschaft. 

Durch die sorgfältige Analyse der klinischen Symp- 
tome, die Entwicklung der Elektroenzephalographie 
und die Fortschritte der Neuropharmakologie hat 
die Epileptologie in den beiden vergangenen Jahr- 
zehnten entscheidende Impulse empfangen. Epilep- 
tische Anfälle gehen mit gut definierbaren Abwand- 
lungen der elektrischen Aktivität des Gehirns ein- 
her, die größtenteils auch im anfallfreien Intervall 
und selbst bei disponierten Individuen ohne kli- 
nische Anfälle (Merkmalsträger) demonstrierbar 
sind. Dadurch ist eine Fülle klinischer und experi- 
menteller Daten bekannt geworden, die die Klassi- 
fikation und Pathophysiologie epileptischer und 
epilepsie-verwandter Phänomene bis in den subkli- 
nischen Bereich hinein verändert und differenziert 
haben. Aus der systematischen Entwicklung em- 
pirisch gefundener antikonvulsiver Substanzen ist 
eine Vielzahl von antiepileptischer Pharmaka her- 
vorgegangen, mit deren Hilfe die medikamentöse 
Therapie wesentlich wirksamer, aber auch wesent- 
lich komplizierter geworden ist. 

4.1 Klinische Forschung 

Voraussetzung für eine wissenschaftliche Durch- 
dringung und eine interdisziplinäre Verständigung 
ist eine verbindliche Klassifikation der Phänomene. 
Erschwerend für die Korrelation klinischer Erschei- 
nungen mit bioelektrischen Entladungsmustern, 
pathogenetischen Mechanismen und therapeutischer 
Ansprechbarkeit ist die Tatsache, daß die Parame- 
ter nicht selten divergieren. 

4.1.1 Psychiatrie 

Der Umfang psychiatrischer und psychologischer 
Forschungstätigkeit bei Epilepsie ist, verglichen 
z. B. mit den Bemühungen bei Schizophrenie, ver- 
schwindend gering. Das ist zum Teil darauf zurück- 
zuführen, daß Epilepsie-Forschung und Epilepsie- 
Betreuung in den letzten Dezennien vorwiegend auf 
neurologisch bzw. neurophysiologisch orientierte 
Ärzte übergegangen ist, und zum Teil darauf, daß 
die Objektivierung psychosozialer Zusammenhänge 
methodisch sehr schwierig ist. Die akuten epilep- 
tischen Psychosen haben wegen ihrer Ähnlichkeit 
zur Schizophrenie ein großes theoretisches Interesse. 
Eine genaue Analyse der Entstehungsbedingungen 
für psychotische Reaktionen bei Epilepsie hat ver- 
mutlich exemplarische Bedeutung für die allgemeine 

*) In Anlehnung an die DFG-Denkschrift „Epilepsie". 


Psychosen-Forschung. Denn zu berücksichtigen ist 
die Tatsache, daß es epileptische Psychosen gibt, 
die einer Schizophrenie oder Zyklothymie ähnlich 
sind, aber bemerkenswerte klinische und elektro- 
enzephalographische Befunde bieten. Gemeint ist 
damit der alternative Verlauf mit Ausbleiben der 
Anfälle und Auftreten der Psychose bei gleichzei- 
tiger Normalisierung des Elektroenzephalogrammes, 
bzw. im Falle der pharmakologisch herbeigeführten 
Besserung oder Ausheilung der Psychose, die Um- 
polung des klinisch-neurophysiologischen Gesche- 
hens, d. h. Wiederauftreten der Anfälle und Patho- 
logisierung des EEG. 

Sogenannte schizo-affektive Mischpsychosen und 
auch Schizophrenien unter Psychopharmakotherapie 
verhalten sich ähnlich klinisch-elektroenzephalogra- 
phisch alternativ, soweit eine Besserung eintritt. An 
diesen Wendepunkten in der Verlaufsdynamik 
sollte neurochemische Forschung ansetzen. Wo sich 
Hirnfunktionen in kurzer Zeit so intensiv ändern, 
daß der Vorgang im EEG objektivierbar wird, wird 
man — und das gilt auch für die Schizophrenie- 
forschung — am ehesten positive biochemische Er- 
gebnisse erwarten können. 

Seit Beginn des 19. Jahrhunderts gibt es Vorstel- 
lungen über eine besondere Wesensart von Epilep- 
sie-Kranken („epileptische Wesensänderung"), die 
hauptsächlich an langjährig asylierten Kranken 
entwickelt, unter dem Einfluß der Anstalts-Psych- 
iatrie klischeehaft überzeichnet und in ihrer Be- 
deutung weit überschätzt wurde. Neuere Unter- 
suchungen belegen, daß Anfallskranke im Hinblick 
auf ihre Intelligenz im Durchschnitt nicht von der 
allgemeinen Bevölkerung abweichen. Ausgenommen 
sind jene symptomatischen Epilepsien, deren Grund- 
leiden mit einer Oligophrenie einhergeht, sowie 
therapeutisch unbeeinflußbare Epilepsien mit se- 
kundärer Demenz. Als epileptische Demenz bezeich- 
net man sämtliche Zustände geistigen Verfalls, die 
auf Folgen häufiger Anfälle und Hirntraumen, Ver- 
lust sozialer Bindungen und Überdosierung von 
Medikamenten zurückgeführt werden. 

Nicht selten ist Epilepsie mit Persönlichkeitsdevian- 
ten verbunden, deren Art und Ausmaß nicht einheit- 
lich sind. Die Veränderungen beziehen sich auf das 
Tempo psychischer Abläufe, das Konzentrationsver- 
mögen und auf den affektiven Bereich. 

Daraus resultieren Verhaltens- und Leistungsstö- 
rungen, die ein ernstes Problem für die soziale 
Rehabilitation darstellen. Obwohl eine komplexe 
Genese aus dispositionellen, reaktiven und konse- 
kutiven Faktoren angenommen wird, ist über die 
Zuordnung und Bedeutung dieser Variablen zu 
Krankheitsformen und pathophysiologischen Me- 
chanismen nur wenig Verläßliches bekannt. Ver- 
suche einer Abgrenzung hirnlokalisatorisch oder 
nosologisch bezogener Psychosyndrome sind bis 
heute kontrovers geblieben. Einen Beitrag zum Ver- 
ständnis der epileptischen Wesensänderung könn- 
ten Untersuchungen der prämorbiden Persönlichkeit 
erbringen. Sie sind am Patienten nur selten reali- 
sierbar, könnten aber über Studien der hirngesun- 
den bioelektrischen Merkmalsträger in den Familien 
der Patienten fruchtbar werden. 


74 



Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Die epileptische Demenz bedarf einer Untersuchung 
hinsichtlich ihrer vielschir^Vit'-^-^ri A.etiopathogenese: 

— - Bedeutung häufiger Anfälle und Hirntraumen, 

— Überdosierung von Medikamenten, 

— Verlust sozialer Bindungen. 

Die Wirkung von Antiepileptika auf Denk- und 
Lernprozesse sollte eingehend untersucht werden. 
Beeinträchtigungen könnten z. B. durch eine medi- 
kamentöse Intoxikation oder auch durch eine Hem- 
mung der epileptischen Aktivität selbst bedingt sein. 
Die Erforschung der Kombination von hysterischen 
Anfällen und Epilepsie scheint unter dem Aspekt 
psychosozialer Konsequenzen der modernen The- 
rapie und der erweiterten Möglichkeiten einer neu- 
rophysiologischen Interpretation erfolgverspre- 
chend. 

Suicidale Reaktionen sind nach ihrer Häufigkeit und 
ihren Folgen ein ernstes Problem. — Suicid ist die 
häufigste Todesursache bei Epilepsie, über das 
außer seiner zahlenmäßigen Bedeutung kaum etwas 
bekannt ist. Sie sollten daher hinsichtlich ihrer un- 
mittelbar krankheitsbedingten Begründung und psy- 
chologischen Motivierung eingehend untersucht 
werden. 

Inhaltlich reicht der Bogen psychiatrischer Epilepsie- 
forschung vom Begriff der abnormen Persönlichkeit 
bis zur sogenannten epileptischen Wesensänderung 
unter Einschluß abnormer Reaktionen und Entwick- 
lungen (Hysterie, Suicid, Neurosen) sowie von den 
akuten episodischen Verstimmungen und Psychosen 
bis zu den chronischen seelischen Veränderung mit 
einem Persönlichkeits- und Leistungsabbau. Metho- 
disch sollte psychiatrische Forschung durch bio- 
, chemische Analysen und bioelektrische Untersu- 
chungsverfahren intensiviert werden. Solche Arbei- 
ten eröffnen einen Zugang zur Interpretation psy- 
chopathologischer Phänomene. Erforderlich sind 
phänomenologisch-deskriptive Quer- und Längs- 
schnittuntersuchungen simultan zu objektivierenden 
Verfahren unter Berücksichtigung der aktuellen 
Verlaufsdynamik der psychopathologi sehen Syn- 
drome (Pathopsychometrie). 

Untersuchungen zur Korrelation von morphologi- 
schen und psychopathologischen Befunden stehen 
noch am Anfang und erfordern eine interdiszipli- 
näre Zusammenarbeit mit der Neuropathologie. 

Aufgabe sozialpsychiatrischer Forschung ist es, die 
Beziehungen zwischen Anfallskranken und Gesell- 
schaft zu untersuchen. Epileptische Manifestationen 
führen zu spontanen und durch die Vorurteile be- 
stimmten Reaktionen in Schule und Familie, am 
Arbeitsplatz und in anderen Sozialgruppen. Die 
Reaktionen der Umgebung verändern das Verhal- 
ten der Kranken und dieses wieder das Verhalten 
der Umwelt. Die Bedingungen dieses psychosozialen 
Circulus vitiosus bedürfen systematischer und me- 
thodisch exakter Untersuchungen. 

4.1.2 Psychologie 

Die Psychologie hat zunächst als Wissenschaft des 
objektivierten Verhaltens für die Epilepsie-For- 


schung Bedeutung. Denn als solche bietet sie zur 
Registrierung und Quantifizierung von Verhaltens- 
weisen metrische Verfahren aus, mit deren Hilfe 
objektivierte Verhaltensgrößen mit somatischen Pa- 
rametern korreliert werden können. Psychologische 
Epilepsie-Forschung sollte aber auch von den un- 
mittelbaren Erfahrungen der Patienten ausgehen. 
Anstelle kausalen Erklärens von Symptomen tritt 
dann Explizieren von Situationen mit der Absicht, 
gemeinsame Handlungsziele in einer gemeinsamen 
Welt zu suchen. 

Da die diesbezüglichen Kenntnisse sehr beschränkt 
sind, sollte sich psychologische Epilepsie-Forschung 
künftig nach folgenden Leitlinien orientieren: 

— Die neuropsychologische Diagnostik ist zuneh- 
mend auf die Sicherheit der prognostischen 
Brauchbarkeit ihrer Verhaltensvariablen ange- 
wiesen. Dem Studium „höherer Hirnleistungen,, 
wie der Sprache, von Wahrnehmungs-, Lern- und 
Erinnerungsvorgängen kann Epilepsie als ergie- 
bige Forschungsquelle dienen. Verhaltensobjek- 
tivierende Bemühungen können auch für die Epi- 
lepsie-Behandlung bedeutsam werden, wobei es 
einmal um verhaltenstherapeutische Techniken, 
zum anderen um Wirkung und Nebenwirkungen 
von Medikamenten geht. 

— Die phänomenologische Methode analysiert die 
Erfahrungen der Patienten und unsere Erfahrun- 
gen mit ihnen. Gegenstand ist sowohl die an- 
fallsbezogene Erfahrung wie die Selbsterfahrung 
des epileptisch Kranken überhaupt. Die psychi- 
schen Anfallsmanifestationen sind bisher weit- 
gehend ohne psychologische Kriterien erschrie- 
ben worden. Für die Phänomenologie wäre es 
interessant, Anfälle auf dem Hintergrund des 
Anfallvorfeldes und anderer spezifischer Erfah- 
rungen des betroffenen Subjekts hermeneutisch 
auszulegen. Epileptische Anfälle können sich in 
bestimmten Situationen ereignen, was zu einer 
klinischen Differential-Typologie beigetragen 
hat. Doch ist noch unklar, welche Dimensionen 
dieser präkritischen Erfahrungen sich im Anfall 
fortsetzen. Ebenso fehlt es noch an Material, das 
zu erkennen gäbe, welche Erfahrungskonstanten 
im Anfalls-Vorfeld konvergieren. 

— Die Psychologie hat in den letzten Jahrzehnten 
komplexe Interpretationssysteme ausgearbeitet, 
die über die Anleitung zu kritischer Reflektion 
menschliche Erfahrungsstrukturen und Hand- 
lungsmaximen zu verändern suchen, über die 
traditionellen Interpretationsmuster der Psycho- 
analyse und der Daseinsanalyse hinaus werden 
in neuester Zeit auch Formen menschlichen Zu- 
sammenlebens als Spiegel benutzt, um die 
„emanzipatorische" Betrachtungsweise in Gang 
zu setzen. Wieweit sich diese Theorien bei Epi- 
lepsie anweniden lassen und welches dieser Sy- 
steme dafür geeignet ist, therapeutische Ziele zu 
unterstützen, bedarf sorgfältiger Prüfung. Die für 
einen „Erfahrungsumbruch" relevanten Zusam- 
menhänge ergeben sich aus dem therapeutischen 
Gespräch, der Erkundung bestimmter Erlebnis- 
bereiche (z. B. Elternhaus, Schule, Ausbildung 


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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


und berufliche Umwelt, soziale Stellung, zwi- 
schenmenschliche Kontakte, Partnerschaft, Ehe) 
und aus gruppendynamischen Vorgängen. Davon 
ist bei Epilepsie noch wenig bekannt, sehr im 
Gegensatz zu Schizophrenie, wo systematische 
Familienuntersuchungen sowohl genetisch wie 
therapeutisch wesentliche Einrichtungen ge- 
bracht haben. 

4.1.3 Sozialmedizin 

Soziologisch hat man sich mit Epilepsie bisher kaum 
beschäftigt, wahrscheinlich, weil die körperlichen 
Symptome bei der Krankheit im Vordergrund ste- 
hen. Daß aber soziale Faktoren nicht ohne Einfluß 
sind auf Entstehung und Verlauf von epileptischen 
Anfällen, wird u. a. durch die selbstinduzierten An- 
fälle, den Einfluß von „maternal overprotection", 
von Arbeitsbedingungen wie von Erziehungsstruk- 
turen auf Krankheitsverlauf und Therapie nahe- 
gelegt. 

Da epileptisch Kranke ihre Anfälle vorwiegend „im 
Spiegel der Umwelt" erleben, ist für sie die Ein- 
stellung der Gesellschaft zu ihrer Krankheit ent- 
scheidend. Die Reaktionen der Umwelt verändern 
das Verhalten der Kranken und dieses wiederum das 
Verhalten der Umwelt. Diese Wechselbeziehungen 
sind bisher nie systematisch und methodisch exakt 
untersucht worden. Es sind Untersuchungen not- 
wendig, die sich von der Situation in der Familie 
und am Arbeitsplatz bis auf allgemeine Bedingun- 
gen der Umwelt erstrecken. Solche Untersuchungen 
sollten der Herstellung einer therapeutisch günsti- 
gen Umwelt und der Ermöglichung von Gruppenthe- 
rapie und Individualpsychologie dienen. 

Aus dem Vorurteil gegenüber Epilepsie resultiert 
für die Kranken eine Benachteiligung ihrer gesell- 
schaftlichen und beruflichen ökonomischen Stellung, 
mit deren scheinbar rationalen Begründungen sich 
die Kranken oft identifizieren. Epileptisch Kranke 
geraten daher in den oft unterprivilegierten Status 
von Minoritäten. Eine Kampagne gegen dieses Vor- 
urteil muß berücksichtigen, daß Minoritäten inner- 
halb einer Gesamtgesellschaft bestimmte Funktio- 
nen haben. Individuen und Kollektive mit nega- 
tivem Selbstbild benutzen diese Minoritäten als ne- 
gative Bezugspersonengruppe, um ihre Teilhabe am 
Prestige der Gesamtgesellschaft zu demonstrieren. 
Zum anderen haben sie häufig die Rolle des Sünden- 
bocks einzunehmen, auf den kollektive Aggressio- 
nen abgeleitet werden. Unter diesen Voraussetzun- 
gen würde eine lediglich auf Aufklärung zielende 
Belehrung nicht genügen. Vielmehr ist eine Über- 
prüfung des derzeit gültigen Normenkodex notwen- 
dig, der durch das Vorherrschen des Leistungs- und 
Konkurrenzprinzips nicht nur epileptisch Kranke 
von der Teilnahme an den gesamtgesellschaftlich 
akzeptierten Werten ausschließt. Es kommt daher 
darauf an, bei der Entwicklung gesellschaftlicher 
Normen die berechtigten Interessen der Behinder- 
ten stärker als bisher zu berücksichtigen. 

Zukünftige Aufgaben medizinsoziologischer Epi- 
lepsie-Forschung sind daher: 


— die Ermittlung von pathogenen Faktoren in der 
sozialen Umwelt des Kranken, die für die Ent- 
stehung von Anfällen, Wiederholung und Thera- 
pieverlauf von Bedeutung sind, 

— die Untersuchung der Bedingungen für das Vor- 
urteil gegenüber Epilepsie und der Möglichkei- 
ten, dieses Vorurteil zu beseitigen, 

— die Analyse der Bedingungen für die medizi- 
nische und soziale „Karriere" von Epileptikern. 

4.1.4 Neurologie und Pädiatrie 

Der Symptomwandel im Krankheitsverlauf stellt die 
Epilepsie-Forschung vor Aufgaben, die durch retro- 
spektive Erhebungen nicht zu lösen sind. Aus Ver- 
laufsuntersuchungen lassen sich prognostische Kri- 
terien entwickeln, die für den Werdegang der Pa- 
tienten und die Familienberatung von Bedeutung 
sind. Der Epileptologie des Kindes- und Jugend- 
alters kommt eine besondere Bedeutung zu, da die 
Mehrzahl aller Epilepsien im Kindesalter beginnt. 
Für die Aufklärung pathogenetischer Zusammen- 
hänge bietet sich bei früherem Krankheitsbeginn 
ein besonders günstiger Ansatz. In den letzten 
20 Jahren haben klinische Studien zu einer Fülle 
neuer Ergebnisse über die Pathogenese, Nosologie 
und Therapiemöglichkeiten geführt. Unter anderen 
wurden Untersuchungen über die febrilen Konvulsio- 
nen des Kleinkindes und über altersgebundene kleine 
Anfälle (Blitz-, Nick-, Salaamkrämpfe, myoklonisch- 
astatisches Petit mal, Pyknolepsie, Impulsiv-Petit 
mal) durchgeführt sowie Studien über den Verlaufs- 
wandel bei Epilepsien und Untersuchungen über 
die Abhängigkeit der Anfälle vom Schlaf-Wach- 
Rhythmus. 

Für die Fortentwicklung semiologischer Studien bie- 
ten sich visuelle Techniken (zur Registrierung klini- 
scher und elektrobiologischer Erscheinungen im 
„Synchronen Doppelbildverfahren") sowie computer- 
gerechte Dokumentationsverfahren an. Hinzu treten 
die quantifizierenden Möglichkeiten der automati- 
schen EEG-Analyse. 

Semiologische Studien verdienen bestimmte korti- 
kale Anfallssyndrome, die Differentialtypologie 
verschiedener Formen von Petit mal-Status ein- 
schließlich der sogenannten Aura continua, psycho- 
tische Episoden und Verhaltensstörungen. — Auf 
einem so viel bearbeiteten Gebiet wie dem der 
psychomotorischen Epilepsie fehlt es noch an einer 
systematischen Untersuchung der elektroenzephalo- 
graphisch-klinischen Korrelationen, 

Wenig erforscht ist das „Grenzland der Epilepsie". 
Dazu gehören alle mit Schwindel, Angst, Schmerzen, 
Krämpfen oder Bewußtlosigkeit einhergehenden an- 
fallshaften und krisenförmigen Ereignissen wie Me- 
nieresche, tetanische, kardiale, psychogene, syn- 
kopale Anfälle, Migräne-Attacken, Affekt, Angst- 
und Schmerzkrisen. Nimmt man die Erfahrung hinzu, 
daß epileptische Anfälle spontan oder nach Therapie 
von Verstimmungen, Psychosen, Hysterieformen 
und suicidalen Reaktionen begleitet sein können, 
so hat sich erwiesen, daß die Epilepsien vor einem 
differentialdiagnostisch und pathogenetisch vielfäl- 


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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


tigern Hintergrund stehen. — Zum Grenzland der 
Epilepsie im engeren Sinne gehören auch andere, 
häufig mit Epilepsie einhergehende spezifische Er- 
krankungen (Phenylketonurie, Lipoidosen, tuberöse 
Sklerose und andere Phakomatosen). 

Klinische Untersuchungen zur Pathogenese sollten 
sich erstrecken auf: 

— • Grundlagen der Anfallsbereitschaft und deren Ab- 
hängigkeit von endogenen und exogenen Fakto- 
ren, 

— Bestimmung aktuell anfallsauslösender und an- 
fallshemmender Bedingungen, 

■ — - der Erforschung für eine Chronifizierung epi- 
leptischer Anfälle, d. h. von Bahnungsvorgän- 
gen bei Umwandlung von epileptischen Reaktio- 
nen in epileptische Krankheiten, 

4.1.5 Klinische Neurophysiologie 

Die klinische Neurophysiologie ist eine wesentliche 
Hilfswissenschaft bei der Epilepsie-Forschung. Mit 
der Elektroenzephalographie (EEG) können neuro- 
nale Vorgänge im Zentralnervensystem direkt regi- 
striert werden. Ihr Wert liegt darin, daß die Hirn- 
stromkurven während der Anfälle und oft auch itn 
anfallsfreien Intervall charakteristische Veränderun- 
gen bieten. Von besonderer Bedeutung erwiesen 
sich die Zusammenhänge zwischen altersspezifischen 
Anfallssyndromen und EEG-Mustern. Übergänge 
oder Umwandlungen verschiedener spike-wave- 
Muster mit zunehmendem Lebensalter lassen auf 
Reifungsvorgänge des Gehirns schließen. 

Bei Untersuchungen über Beziehungen zwischen 
Epilepsie und Schlaf ergaben sich gegensätzliche Pro- 
file des Schlaf-Wach-Verlaufes bei verschiedenen 
Epilepsie-Formen und ein alternatives Verhalten 
spezifischer Anfallsmuster in verschiedenen Schlaf- 
stadien einschließlich der REM-Phasen. 

Wenig erforscht sind die Beziehungen zwischen der 
bioelektrischen Tätigkeit des Gehirns und der hor- 
monalen Regulation. 

Ansätze für Untersuchungen zur Anfallsentstehung 
bieten die sensorisch auslösbaren Anfälle (reizindu- 
zierte Anfälle, Triger-Epilepsie, Reflex-Epilepsie). 
Analysen derartiger Lese-, Foto-Epilepsie, klangin- 
duzierter, speziell „musikogener" Anfälle, emotio- 
nell induzierter oder durch sensible bzw. proprio- 
ceptive Reize oder durch Autostimulation ausgelö- 
ster epileptischer Anfälle sind auch therapeutisch 
im Hinblick auf dekonditionierende Maßnahmen von 
Bedeutung. 

Besondere Aufgaben stellen sich der klinischen Neu- 
rophysiologie in zwei Bereichen: 

— Entwicklung der automatischen Datenverarbei- 
tung, um die EEG-Kurven in einen einfadien 
Code zu übertragen, der eine Korrelation von 
EEG-Daten mit klinischen Variablen in größerem 
Ausmaß ermöglicht. 

— Polygraphische Korrelation von normalen und 
pathologischen hirnelektrischen Phänomenen mit 
anderen pysiologischen Daten und Verhaltens- 


variablen und Registrierung in freien Verhaltens- 
situationeii mit Hilfe der Biotelemetrie. 

4.1.6 Klinische Neuropathologie 

Neuropathologische Untersuchungen bilden eine 
wichtige Voraussetzung für die Klärung der Aetio- 
logie, der Pathogenese und der Folgezustände der 
Epilepsie und damit zugleich für die Prophylaxe von 
Epilepsien wie von geistigen und körperlichen Ent- 
wicklungsstörungen. Hierbei kommen lichtmikrosko- 
pische, elektronenmikroskopische sowie komplexere 
histochemische Methoden an postmortal und gele- 
gentlich auch intravital gewonnenem Gewebe zur 
Anwendung. 

Auch bei Epilepsie, deren Ursache klinisch nicht ge- 
klärt werden kann, sind die Gehirne morphologisch 
in der Regel nicht befundlos, sondern zeigen häufig 
Störungen der Rindendifferenzierung (Mikrodys- 
genesien) und Läsionen, die als Anfallsfolgen 
(„Krampfschädigungen") gedeutet werden. 

Mikrodysgenesien sind Erscheinungen einer gestör- 
ten Hirnentwicklung. Sogenannte Krampfschädigun- 
gen sind bei Epilepsie in einer bestimmten Häufig- 
keitsfolge anzutreffen. Der Wandel von Anfalls- 
symptomen und psychischen Abbauerscheinungen 
im Krankheitsverlauf werden mit anfallsbedingten 
Hirnschädigungen in Verbindung gebracht. 

Der weiteren Bearbeitung bedürfen daher: 

— das örtliche Verteilungsmuster und die Häufig- 
keitsreihenfolge sogenannter Krampfschäden 
und dysontogenetischer Befunde bei verschiede- 
nen Formen der Epilepsien, 

— Beziehungen zwischen Ausprägungsgrad und 
Verteilungsmuster neuropathologischer Befunde 
in Abhängigkeit von Erkrankungsalter, Krank- 
heitsdauer, Anfallshäufigkeit, EEG-Mustern, 
Symptomwandel, Medikation und psychischen 
Symptomen. 

4.1.7 Genetik 

Die Abgrenzung spezifischer Dispositionen und ge- 
netischer Syndrome ist Voraussetzung für die Er- 
forschung von speziellen Stoffwechselstörungen wie 
für eine differenzierte erbprognostische Beratung. 

Die Kenntnisse über erbbiologische Faktoren bei 
Epilepsie beruhen auf Zwillings- und Familienunter- 
suchungen, Danach liegt die Konkordanzrate für 
epileptische Anfälle bei eineiigen Zwillingen deut- 
lich höher als bei zweieiigen, wie auch die Erkran- 
kungshäufigkeit im Erbumkreis von Epilepsie-Kran- 
ken größer ist als in der Normalbevölkerung, Seit- 
dem klinisch gesunde Merkmalsträger elektro- 
enzephalographisch erkannt werden können, weiß 
man, daß die genetische Disposition zu Epilepsie 
wesentlich verbreiteter ist als ihre Manifestation. 
Genetische Faktoren sind auch bei sogenannten 
sympotomatischen Epilepsien von Bedeutung. 

Erst mit zunehmender elektroenzephalographisch- 
klinischer Differenzierung sind Untersuchungen über 
den Erbgang spezieller klinischer Anfallssyndrome 


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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


und hirnelektrischer Merkmale paroxysmaler und 
nicht paroxysmaler Art möglich geworden. Ihre Er- 
gebnisse sprechen für eine genetische Spezifität ver- 
schiedener klinischer Reaktionsformen. 

Folgende Untersuchungen aus diesem Problemkreis 
werden durchgeführt oder sind zum Teil schon abge- 
schlossen: 

— Familien-Untersuchungen bei kindlichen Epilep- 
sien (Propulsiv-Petit mal, myoklonisch-astatisches 
Petit mal, Pyknolepsie, Impulsiv-Petit mal, foto- 
sensible Epilepsien), 

— Genetik der mit Myokeonien einhergehenden 
epileptischen Erkrankungen, 

— prospektive Längsschnitt-Untersuchungen an Kin- 
dern epileptischer Eltern, 

— Genetik der für kindliche Epilepsie typischen 
EEG-Merkmale (fotokonvulsive Reaktion, andere 
sogenannte zentrenzephale EEG-Muster, abnor- 
me Rhythmisierung). 

4.1.8 Medikamentöse Therapie und Pharmakokinetik 

Die Entwicklung von Antiepileptika basiert einer- 
seits auf der Auswertung auffälliger Befunde, ande- 
rerseits auf der systematischen Prüfung von Deri- 
vaten bekannter Antiepileptika. Zufällig entdeckt 
wurden nicht nur Brom (1857) und Phenobarbital 
(1912), sondern auch Dipropylacetat (1962). 

— Aus systematischen Abwandlungen des Pheno- 
barbital-Moleküls sind sowohl die Hydantoine ent- 
standen als auch die Oxazolidine, die Azylharnstoffe 
und die Sukzinimide. 

Die Entwicklung neuer Antiepileptika läßt zuneh- 
mend nach. Verantwortlich dafür sind die höheren 
Anforderungen, die an die klinische Arzneimittel- 
prüfung gestellt werden. 

Die Wirksamkeit von Antiepileptika ist wissen- 
schaftlich meist unzulänglich geprüft worden. 

Kleine und große epileptische Anfälle erfüllen alle 
Kriterien einer wissenschaftlichen Therapieprüfung, 
weil sie repräsentativ, objektivierbar, reversibel, 
wiederholt meßbar und therapiesensibel sind. Sie 
eignen sich sowohl für kollektive als auch für indi- 
viduelle Vergleiche, d. h. Gegenüberstellung ver- 
schieden behandelter Patientenkollektive bzw. Ver- 
gleiche bestimmter Testperioden im individuellen 
Krankheitsverlauf. 

Neue Antiepileptika sollten künftig nach klinischer 
Vortestung in Zusammenarbeit mehrerer Kliniken 
kollaborativ geprüft werden, um statistisch zuläng- 
liche Angaben über Indikationen und Kontraindika- 
tionen, Wirkungen und Nebenwirkungen zu erhal- 
ten. Aus der Tatsache, daß Epilepsie-Therapie immer 
Langzeitbehandlung ist, resultieren toxikologische 
Probleme besonderer Art. Daher müssen Prüfungen 
von Beginn an ständige Beobachtungen toxikolo- 
gischer Begleiteffekte einschließen, bei denen außer 
den bekannten Risiken für blutbildende Organe, 
retikuloendotheliales System, Kleinhirn u. a. ein 
breites Spektrum möglicher, wenn auch bisher unbe- 
wiesener Wirkungen beachtet werden muß. Der Ver- 


dacht, daß während der Schwangerschaft gegebene 
Antiepileptika zu Gerinnungsstörungen und Blutun- 
gen bei Neugeborenen führen, bedarf der Nachprü- 
fung. 

Die Bedeutung antiepileptischer Medikamente für 
Demenz und andere psychopathologische Syndrome 
sowie neurologische Störungen ist noch nicht hin- 
reichend geklärt. Auch sind die möglichen toxikolo- 
gisch wichtigen Interaktionen noch wenig untersucht. 
Das gilt sowohl für die Kombination mehrerer anti- 
epileptisch wirksamer Substanzen wie für zusätz- 
liche Medikamente mit anderer Indikation. 

Bei keinem der heute gebräuchlichen Antiepileptika 
ist der Wirkungsmechanismus völlig geklärt. Von 
Diphenylhydantoin weiß man lediglich, daß es we- 
niger den Reizfokus als die Erregungsausbreitung 
beeinflußt und daß es allgemein membranstabilisie- 
rende Eigenschaften über eine Beeinflussung des 
transmembranösen Natriumtransportes hat. Beim 
Azetazolamid soll die Wirkung über eine Hemmung 
der Carbonanhydratase mit Anreicherung von CO 2 
im Zentralnervensystem verlaufen. Der antikonvul- 
sive Wirkungsmechanismus von Barbituraten ist 
ebenso wie der von neueren Substanzen, wie Dia- 
zepam und Carbamazepin, noch unbekannt. Bei 
Dipropylazetat wird eine intracerebrale Vermeh- 
rung von GABA diskutiert. 

In pharmakokinetischen Untersuchungen ist zu prü- 
fen, ob ein Mittel schnell oder langsam, teilweise 
oder vollständig resorbiert wird, in welcher Stufe 
und durdi welche Organe es umgesetzt wird, welche 
Eigenschaften die Metaboliten haben, wie die Ver- 
teilung und die Elimination der metabolisierten und 
der nicht metabolisierten Stoffe erfolgt. Konstitutio- 
nelle Besonderheiten sind dabei zu berücksichtigen. 
Es müssen Methoden erarbeitet werden, die routine- 
mäßig angewandt werden können, um die Kon- 
zentration von Antiepileptika im Blut und in an- 
deren Körperflüssigkeiten quantitativ zu bestim- 
men. 

Resorption, Verteilung im Organismus, Metabolis- 
mus und Ausscheidung therapeutisch verwendeter 
Antiepileptika werden erst in jüngster Zeit syste- 
matisch untersucht. Dies gilt auch für Fragen der 
wechselseitigen Beeinflussung gleichzeitig verab- 
folgter Substanzen (z. B. Barbiturate plus Diphenyl- 
hydatioin). Von besonderer Bedeutung ist die Klä- 
rung der Beziehung zwischen Dosis, Konzentration 
der Substanzen im Blut, Liquor sowie ZNS und 
antiepileptischem Effekt, insbesondere im Hinblick 
auf Wirkungsunterschiede bei verschiedenen Indivi- 
duen. 


4.1.9 Psychotherapie 

Unter den psychotherapeutischen Verfahren verdie- 
nen bei Epilepsie 

• — die Client-centered therapy von Rogers und 
■ — die Verhaltenstherapie besondere Beachtung. 

Die Client-centered therapy eignet sich vor allem 
dazu, günstigere Bedingungen für die medikamen- 
töse Therapie zu schaffen. Als Kurztherapieverfah- 


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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


ren ließe es sich auch ambulant auf eine Effektivi- 
tät hin prüfen und durch die Registrierung über 
Bandaufnahmen wissenschaftlich objektivieren. 
Auch die engere Umwelt ließe sich einbeziehen, 
wobei die Kranken entweder gemeinsam mit der 
Familie behandelt werden oder therapeutische Grup- 
pen mit Kranken und therapeutische Gruppen mit 
Familienangehörigen parallel (bifokale Gruppen- 
therapie) laufen könnten. 

Die Verhaltenstherapie versucht sowohl unmittelbar 
auf die Anfälle, die sie als konditionierbares Ver- 
halten auffaßt, wie auch auf Verhaltensstörungen 
Einfluß zu nehmen. Nach dem gleichen Schema, Ver- 
haltensstrukturen durch Verlernen und Umlernen zu 
verändern, beteiligt sie sich auch an der Gestaltung 
soziopsychologischer Bedingungen. 

Therapie der Anfälle ist bisher an sensorisch aus- 
gelösten Anfällen praktiziert worden. Zur Unter- 
brechung der Beziehung AuslÖsereiz- Anfall dürften 
sich verschiedene verhaltenstherapeutische Techni- 
ken eignen: Extinktion (während refraktärer Pha- 
sen, in denen der Patient nicht mit einem Anfall 
reagiert) sowie Adaption und Erlernen alternativer, 
mit dem Anfall inkompatibler Reaktionen auf den 
Reiz hin. Auch bei epileptischen Auren sind Kondi- 
tionstechniken anwendbar, wobei die Weiterent- 
wicklung der Aura auf geeignete Weise unterbro- 
chen wird, um darauf einen Konditionierungsprozeß 
aufzubauen. — 

Neue Ansätze eröffnen Versuche, auch bioelektri- 
sche Abläufe des Gehirns zu konditionieren. 

Rehabilitation 

Rehabilitationsforschung bei Epilepsie hat die so- 
ziale Habilitation und Rehabilitation von Anfalls- 
kranken in ihren Bedingungen und Folgen für den 
Kranken wie für die Gesellschaft zu reflektieren. 
Sie ist Voraussetzung dafür, daß die medikamen- 
töse Behandlung sozial relevant werden kann. 

Speziell untersucht sind die Rolle der überfürsorg- 
lichen Mutter, das Unfallrisiko im Betrieb und am 
Steuer, Bedingungen der Frühinvalidität und die 
Lebenserwartung. Nicht untersucht sind Relationen 
von Krankheit und Berufseignung, Lern- und Arbeits- 
motivation, die Effektivität von Eingliederungs- und 
Wiedereingliederungsmaßnahmen auf lange Sicht 
im Vergleich zu anderen Behinderungen sowie der 
Widerstand gegen Therapie und Rehabilitation bei 
Patienten wie bei Institutionen. 

Für die Wahl des geeigneten Berufes sind diese 
Fragen von entscheidender Bedeutung. Die Ab- 
stimmung zwischen Berufseignung, Begabungs- 
schwerpunkten und Soziabilität ist das Kernpro- 
blem der Rehabilitation Anfallskranker. Da es da- 
rüber noch keine verläßlichen Maßstäbe gibt, sind 
Untersuchungen erforderlich, die unter definierten 
Parametern die Krankheitsform, das Psychosyndrom, 
die Berufseignung und das Sozialverhalten über län- 
gere Zeit verfolgen. 

Aufgabe der Rehabilitationsforschung ist es ferner, 
differenzierte Indikationen für die Rehabilitation bei 
verschiedenen Epilepsieformen mit Epileptologen, 
Psychologen und Sozialarbeitern sowie Soziologen 


und mit Institutionen der Arbeitswelt und Berufs- 
förderungswerken zu entwickeln. 

Arbeitspsychologische Untersuchungen sind durch 
die Möglichkeit, das EEG telemetrisch unter den 
natürlichen Bedingungen des Alltagslebens abzulei- 
ten, erfolgversprechend geworden. 

4.1.10 Dokumentation — Datenverarbeitung 

Datenverarbeitung in der Epilepsie-Forschung er- 
streckt sich auf die Verarbeitung von Daten einer 
standardisierten Befund-Dokumentation sowie auf 
Verfahren zur quantitativen und zunehmend auch 
automatisierten Funktions-Diagnostik, wie die au- 
tomatische EEG-Analyse. 

Die dokumentationsgerechte Erfassung von klini- 
schen und labortechnischen Befunden ist unabding- 
bar für eine statistische Bearbeitung wissenschaft- 
licher Fragen. Gerade in der klinischen Epilepsie- 
Forschung, die mit einem relativ hohen Prozent- 
satz „harter Daten" rechnen kann, rechtfertigt sich 
Arbeitsaufwand und technischer Einsatz moderner 
Dokumentations- und Auswertungsverfahren. Die 
elektronische Auswertung von Dokumentationsun- 
terlagen macht es möglich, multifaktoriell bedingte 
komplizierte Zusammenhänge aufzudecken. 

Das Problem der automatischen EEG-Analyse ist 
noch nicht befriedigend gelöst. Es stehen jedoch 
spezielle Methoden zur Untersuchung bestimmter 
Fragestellungen zur Verfügung, wie z. B. zur Beur- 
teilung der Grundfrequenzen sowie — noch in be- 
schränktem Maße — zur automatischen Erkennung 
besonders markanter Muster. Derartige Analysen 
können für wissenschaftliche Zwecke zentral durch- 
geführt werden, indem nach einheitlichen Kriterien 
registrierte Elektroenzephalogramme auf Magnet- 
bändern analog gespeichert und in zentralen Insti- 
tutionen einer quantitativen Analyse unterzogen 
werden. 

Ein anderer Weg besteht in der Entwicklung spe- 
zieller Rechnersysteme begrenzter Kapazität, um mit 
Hilfe standardisierter Programm-Systeme ori line- 
Analysen durchführen zu können. Dadurch ergibt 
sich mit finanziell tragbarem Aufwand die Möglich- 
keit zu einer dezentralisierten quantitativen und 
automatisierten Analyse, die größere Rechenanlagen 
von zeit- und rechenaufwendigen Schritten der Vor- 
verdichtung entlastet. 


4.2 Experimentelle Forschung 

Nervenzellen stehen miteinander über Synapsen in 
Verbindung. Ein Aktionspotential, das in einer Ner- 
venzelle entsteht, wird über den Nervenfortsatz fort- 
geleitet und setzt an der Synapse einen die post- 
synaptische Membran erregende oder hemmende 
Überträgersubstanz frei. Erregende Überträgersub- 
stanzen (Acetylcholin, Glutaminsäure o. ä.) führen 
zu einer Depolarisierung der nachgeschalteten Ner- 
venzellen, hemmende Überträgersubstanzen (einige 
Aminosäuren, wie Glycin und Gammaaminobutter- 
säure — GABA, sowie die biogenen Amine) zu einer 
Hyperpolarisation. Ein Impuls kann also zu einer 


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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Stimulierung oder Bremsung erregender oder hem- 
mender synaptischer Übertragung führen. Jede ein- 
zelne Nervenzelle steht über diese erregenden oder 
hemmenden Synapsen mit zahlreichen anderen Ner- 
venzellen in Verbindung, so daß das Gehirn, beson- 
ders die Hirnrindenstrukturen als ein Netzwerk von 
miteinander verschalteten Nervenzellen angesehen 
werden kann, die sich gegenseitig in ihrer Aktivität 
beeinflussen. Die Summe der erregenden und hem- 
menden Prozesse steht in einem regulierten Gleich- 
gewicht, dessen Störung zu Änderungen des Ver- 
haltens und im Extremfall zu epileptischen Anfäl- 
len führen kann. 

4.2.1 Störungen grundlegender Mechanismen 
bei epileptischen Anfällen 

Pathologische Erregungszustände, wie sie epilep- 
tischen Anfällen zugrundeliegen, können durch ein 
überwiegen erregender oder durch die Verminde- 
rung hemmender Mechanismen Zustandekommen. 
Dabei ist der Anfall selbst nur als extremes Phäno- 
men der zugrundeliegenden Funktionsstörungen 
aufzufassen, deren Ursachen mannigfaltig sein kön- 
nen. 

Zur Erklärung der Vorgänge, die einem Anfall vor- 
ausgehen, werden verschiedene Mechanismen dis- 
kutiert: 

a) Störung der prä- und postsynaptischen inhibito- 
rischen Mechanismen im Gehirn, die eine „Disin- 
hibition" zur Folge haben. 

b) Verstärkte Erregung durch eine Störung der dem 
exzitatorischen synaptischen Potential zugrunde- 
liegenden biochemischen Mechanismen. 

c) Störung von Membraneigenschaften der Nerven- 
zelle im Sinne eines „epileptischen Neurons". 

4.2.2 Ausbreitung und Beendigung von 
Anfallsentladungen 

In der intakten Hirnrinde lösen fokale Entladungen 
in der Umgebung inhibitorische Potentiale aus. Die- 
ser „Hemmwall" um einen Entladungsherd spielt 
wahrscheinlich eine Rolle bei der Begrenzung foka- 
ler Paroxysmen. 

Auch die Ursachen der primären Generalisierung 
von epileptischen Entladungen sind noch unklar. 
Für die Entstehung der „hypersynchronen" spike- 
wave-Komplexe, einem typischen EEG-Muster bei 
kleinen Anfällen vom Typ des Petit mal, wurde ein 
zentrenzephaler Schrittmacher diskutiert. 

Für die Beendigung eines generalisierten Krampf- 
anfalles sind wahrscheinlich Verschiebungen des 
Sauerstoffdruckes (p02), des Kohlensäuredruckes 
(pC 02 ) und der Wasserstoffionenkonzentration (pH) 
von Bedeutung. 

4.3 Empfehlungen zur Förderung der 
Epilepsie-Forschung 

Epilepsie-Forschung ist krankheitsbezogene Projekt- 
forschung und projektbezogene Hirnforschung. Epi- 


lepsie ist ein sozialmedizinisch bedeutsames, alle 
Lebensalter betreffendes und neurologische und 
psychiatrische Disziplinen angehendes Leiden. Die 
Erforschung ihrer biologischen Grundlagen erfor- 
dert eine interdisziplinäre Bemühung und den Ein- 
satz komplizierter, hochspezialisierter Methoden. 

Bei dem heutigen Stand des Wissens und der Mög- 
lichkeiten ist Epilepsie-Forschung eine lohnende 
Aufgabe geworden. 

Die auf allen Teilbereichen der Epilepsie-Forschung 
entstandenen Probleme erscheinen jetzt auch „in- 
teressant" und für die gesamte psychiatrische und 
neurologische Forschung relevant genug, um ein- 
zelne Wissenschaftler langfristig an derartige Pro- 
jekte zu binden. 

Eine gezielte Forschungsförderung hat zu berück- 
sichtigen, daß optimale Epilepsie-Forschung auf 
längere Frist angelegt sein muß, einen vollen pro- 
jektbezogenen Einsatz erfordert und als Verbund- 
forschung von mehreren Arbeitsgruppen vorgenom- 
men werden sollte. Im Hinblick darauf wird' als 
vordringlich angesehen: 

— ■ Die Einrichtung von „Forschergruppen", die 
aus Kliniken hervorgehen oder sich an beste- 
hende klinische Institutionen anlehnen sollten. 

Eine Gruppe sollte nicht zu groß sein, d. h. etwa 
fünf Wissenschaftler mit technischem Personal um- 
fassen, sowohl personell als auch methodisch aus- 
reichend multidisziplinär ausgerüstet sein. Eine 
Forschergruppe ist auf zehn Jahre vorzusehen. 

Für mittelfristige Projekte könnte sich auch ein 
Schwerpunktprogramm für zunächst fünf Jahre eig- 
nen. 

Bei günstigen örtlichen Voraussetzungen wäre es zu 
begrüßen, wenn eine Universität einen Sonderfor- 
schungsbereich „Epilepsie" beantragen würde. 

— Ferner wird empfohlen, Arbeitskreise wie den 
„Arbeitskreis zur Bestimmung von Antiepilep- 
tika in Körperflüssigkeiten" und den „Arbeits- 
kreis für Epilepsie-Therapie-Prüfung" als regel- 
mäßige Arbeitstagungen von Epilepsie-Forschern 
(z. B. durch den Stifterverband für die Deutsche 
Wissenschaft oder durch die DFG) zu fördern. 

— Eingehend wurde das Problem diskutiert, ob ein 
Zentral-Institut für Epilepsie-Forschung sinnvoll 
sei. Alle Sachverständigen äußerten den Wunsch 
nach stärkerer Koordinierung und besserem Kon- 
takt zwischen Forschergruppen und anderen Pro- 
jekt-Gruppen. 

Ein Zentral-Institut für Epilepsie-Forschung würde 
auf längere Sicht den Notwendigkeiten am besten 
entsprechen. Ein solches Forschungsinstitut sollte 
sowohl Möglichkeiten zur klinischen wie auch zur 
experimentellen Forschung haben. Es sollte nicht nur 
„intramurale" Forschungs-Programme durchführen, 
sondern auch Forschergruppen und Einzelprojekte 
im Rahmen eines extramularen Programms unter- 
stützen. 

Da Epilepsie-Forschung eine beispielhaft interdis- 
ziplinäre und klar definierte Forschungsaufgabe dar- 
stellt, wie sie den Förderungsprinzipien der Max- 


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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


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Planck-Gesellschaft entspricht, erscheint die Reali- 
sierung eines derartigen Instituts im Rahmen der 
Max-Planck-Gesellschaft empfehlenswert. 

Schließlich ist es notwendig, daß ein ständiges Epi- 
lepsie-Kuratorium bestellt wird, das in Abstimmung 
mit dem Psychiatrierat der DFG, die zuständigen 
Bundes- und Länderministerien, die Parlamente und 
die potentiellen Geldgeber 

— im Hinblick auf Epilepsie-Betreuung und Epilep- 
sie-Forschung berät, 

— Initiativen zur Durchführung der Sofortmaß- 
nahmen und des in der Denkschrift „Epilepsie" 
aufgeführten Stufenplanes ergreift, 

— Berichte über den Stand der Forschung veran- 
laßt, 

— Ausbildungs-Richtlinien erarbeiten läßt, 

— die Kooperation mit internationalen Gremien für 
Epilepsie-Forschung und Epilepsie-Betreuung 
fördert und 

— in fünf Jahren eine Bilanz vorlegt, aus der Vor- 
schläge für die weiteren Maßnahmen hervorge- 
hen sollen. 

Ein solches Kuratorium sollte gemeinsam mit der 
DFG, den Bundesministerien für Bildung und Wis- 
senschaft, Arbeit und Soziales, Jugend und Familie 
und Vertretern der Bundesländer bestellt werden. 
Es sollte besetzt werden mit je einem Vertreter 
dieser Dienststellen und mit in Mehrheit vertrete- 
nen Wissenschaftlern. 

Anlage 1 

zum Adnex: Epilepsiekranke, Kapitel 3: Lehre in 
Epileptologie 

Hauptthemen des Lernziel-Katalogs für alle Berufs- 
gruppen 

A) Was bezeichnet man als Epilepsie? (Definitionen) 

B) Epilepsie in der Geschichte. 

C) Epidemiologie (Häufigkeit, Verbreitung, sozial- 
medizinische Bedeutung). 

D) Erscheinungsweisen und Verlaufsformen (Sym- 
ptomatologie, Klassifikation, Erkrankungsalter, 
Geschlechtsverteilung, psychische Befunde, Pro- 
gnose). 

E) Entstehungsbedingungen (Pathogenese, Genetik, 
Ätiologie). 

F) Diagnostik (Anamnese, Beobachtung, EEG-Be- 
funde, Spezialuntersuchungen). 

G) Soziale Bedingungen und Konsequenzen (Vorur- 
teile, Familien- und Schulprobleme, Berufseig- 
nung und Erwerbsfähigkeit, Invalidität, Kraft- 
fahrtauglichkeit und Beamtentauglichkeit). 

H) Vorbeugung und Behandlung (Vorsorgeunter- 
suchungen, prä-, peri- und postnatale Risikofak- 
toren, medikamentöse, diätetische, psychothera- 
peutische und operative Maßnahmen, insbeson- 


dere Wirkung und Nebenwirkungen von Anti- 
epileptika). 

I) Rehabilitation (Hilfen zur Eingliederung und 
Wiedereingliederung in Familie, Kindergärten, 
Schule, Lehre, Beruf, Hilfen zur Teilhabe an den 
gesamtgesellschaftlich akzeptierten Werten). 

Anlage 2 

zum Adnex: Epilepsiekranke, Kapitel 3: Lehre in 
Epileptologie 

Lernziel-Katalog für Neurologie (Ausbildung zum 
Arzt) 

Stichwortverzeichnis zu; 

Cerebrale Anfallskrankheiten — Epileptologie 
Nach der internationalen Klassifikation; 

1. generalisierte Epilepsien (a. primär generali- 
sierte Epilepsien, b. sekundär generalisierte Epi- 
lepsien) und 

2. fokale (partielle, lokalisierte) Epilepsien. 

Nach der Ätiologie: hereditäre residuale, traumati- 
sche, metabolische, Alkohol-, Tumor-, vasculäre 
Epilepsien, Eklampsie. 

Nosologisch: idiopathische (genuine, essentielle, en- 
dogene, kryptogene) und symptomatische (exogene, 
organische) Epilepsien. 

Nach der Bindung der großen Anfälle an den Schlaf- 
Wach-Rhythmus: Aufwach-, Schlaf-, diffuse Epilep- 
sien. 

Nach dem Auslösungsmodus: sensorisch ausgelöste 
(photogene, photosensible, audiogene, musikogene, 
Reflex-)Epilepsien, Fieberkrämpfe (febrile Konvul- 
sionen). 

Nach dem Verlauf: akute und chronische, Mono-, 
Oligo-, Gelegenheits-, stationäre und Prozeß-Epi- 
lepsien. 

Nach dem Erkrankungsalter: infantile, juvenile Spät- 
Epilepsien. 

Nach der Lokalisation: zentrencephale (bzw. gene- 
ralisierte) und fokale (limbische, temporale oder 
neokortikale) Anfälle. 

Nach dem Anfallssyndrom: Epilepsien mit Propulsiv- 
Petit mal (Blitz-, Nick-, Salaamkrämpfe; West-Syn- 
drom), Epilepsien mit myoklonisch-astatischem Pe- 
tit mal (Lennox-Syndrom), Epilepsien mit pyknolep- 
tischem Petit mal (Pyknolepsie, Friedmann-Syn- 
drom), Epilepsien mit Impulsiv-Petit mal (myoklo- 
nische Anfälle), Epilepsien mit kortikalen Anfällen 
(Jackson-Anfälle, Adversiv-Krämpfe), Epilepsien mit 
psychomotorischen Anfällen, psycho- und senso- 
motorische Anfälle, progressive familiäre Myklo- 
nus-Epilepsie (Unverricht-Lundborg) . 


81 



Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Epilepsien mit subcortikalen Anfällen (fokale und 
Halbseitenanfälle) . 

Formen epileptischer Staten (Status epilepticus) : 
Grand mal-Status, Petit mal-Status, Status psycho- 
motoricus (Status mit psychomotorischen Anfällen), 
Epilepsia partialis Continua (Kojewnikoff), Aura 
cantinua. 

Anfallssymptome: Prodrome, Aura (epigastrisdie, 
olfaktorische, gustatorische, optische, akustische, 
somatosensorische, dreamy state), Automatismen 
(orale, adversive), postparoxysmale Lähmungen, 
postparoxysmale Umdämmerung, 

Subklinische (maskierte, latente) Epilepsie 

Therapie: Spezielle Indikationen, Dosierungsbereich 
und Nebenwirkungen von Hydantoinen (Diphenyl- 
hydantoin), Barbituraten (Phenobarbital, Primidone), 
Succinimiden, Benzodiazepinen und Hormonen 
(ACTH, Dexamethason). Neurochirurgische, psycho- 
therapeutische und sozialtherapeutische Indikatio- 
nen. 

Notfall: Status epilepticus (DPH, Phenobarbital, 
Valium parenteral) Intubationsnarkose. 

Prävention von sekundären Epilepsien nach Fieber- 
krämpfen, Gehirntraumen und Gehirnoperationen. 

Pathophysiologie und Pathochemie der epileptischen 
Grundprozesse. 

Pharmakologie der Antiepileptica, besonders im 
Hinblick auf Resorption, Metabolismus und Elimi- 
nation sowie bezüglich hemmender und fördernder 
Erkrankungen und Substanzen. 

Sozialmedizinische Aspekte (Schulfähigkeit, Berufs- 
eignung, Kraftfahrtauglichkeit. Eugenische Beratung, 
Rehabilitation in beschützenden Werkstätten, An- 
lernberufen, Berufsbildungs- und Berufsförderungs- 
werken). 

Differentialdiagnose zu anderen Anfallskrankhei- 
ten: Morbus Meniere, Tetanie, Torticollis spasticus, 
psychogene (hysterische) Anfälle, extrapyramidale 
(pharmakologisch induzierte) Anfälle, Pavor noc- 
turnus, Affektkrämpfe, synkopale Anfälle, Narko- 
lepsie (affektiver Tonusverlust), zerebelläre An- 
fälle „(cerebellar fits"). 


Anlage 3 

zum Adnex; Epilepsiekranke, Kapitel 3: Lehre in 
Epileptologie 

Lernziel-Katalog für die Weiterbildung zum Nerven- 
Facharzt: Psychische Befunde bei Epilepsie 

A Allgemeine Definitionen 

— ■ Wesensänderung (hirnlokales Psychosyn- 

drom), 

— ■ Demenz (hirndiffuses Psychosyndrom), 

— Verstimmungen, 


— Psychosen, 

— Endoforme Syndrome, 

— Dämmerzustände, Delirien. 

B Geschichtliches und Allgemeines. 

C Wesensänderungen bei Epilepsie 

— Psychopathologisches Bild, 

— Persönlichkeit und Konstitution, 

— Anfallsformen (z. B. bei psychomotorischen 
Anfällen, bei Petit mal), 

— Krankheitsverlauf (z. B. bei Schlaf- und bei 
Aufwach-Grand mal-Epilepsien), 

— Lebensalter (Kinder-Jugendliche-Erwachsene), 

— Aetiologien (bei idiopathischen-, bei sympto- 
matischen Epilepsien), 

— Pathogenese, 

— Umweltbedingte Faktoren (psychisch-reaktive 
Komponenten), 

— EEG-Befunde (z. B. interictale Grundaktivität; 
ictale Krampfaktivität u. a. m.), 

— Testpsychologische Befunde. 

D Demenzen bei Epilepsie 

— Psychopathologisches Bild, 

— Intelligenzniveau, 

— Anfallsformen, 

— Krankheitsverlauf (z. B. Schwere und Häufig- 
keit der Anfälle), 

— Aetiologien (u. a. cerebrale Vorschädigungen), 
— Pathogenese, 

— EEG-Befunde, 

— Testpsychologische Befunde, 

— Therapeutische Faktoren, 

— Soziale Faktoren, 

— Operative Eingriffe. 

E Problem der reversiblen und irreversiblen Psy- 
chosyndrome bei Epilepsie. 

F Sozialpsychologische Aspekte, u. a. Kraftfahr- 
tauglichkeit, Verbeamtung, Invalidität, Suicidali- 
tät. 

G Episodische Verstimmungen bei Epilepsie 
— Psychopathologische Syndrome, 

— Verlauf, 

— EEG-Befunde, 

— Pathogenese (u. a. pharmakogen, Vitamin 
Bi 2 -Mangelpsychosen) , 

— Therapie. 


82 



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Drucksache 7/4201 


H Episodische Psychosen bei Epilepsie 
— Psychopathologische Syndrome, 

— Produktiv psychotische Episoden, 

— paranoide 

— halluzinatorische 

— paranoid-halluzinatorische 

— mit anderen Wahnphänomenen 

— mit Ich‘Störung 

— coenästhetische 

— depressive 

— manische 

— Dämmerzustände 
— Delirien 

— andere 


— Unproduktive psychotische Episoden 
— Stupor bei Petit mai-Status 
— einfache Bewußtseinstrübungen 

— Verlauf, 

— EEG-Befunde, 

— Pathogenese, 

— Therapie. 

I Chronische Psychosen bei Epilepsie 

— Psychopathologische Syndrome, 

— EEG-Befunde, 

— Therapie, 

— Soziale Folgen. 


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Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Seite 

Teil B 

Material und ergänzende Daten zur Bestandsaufnahme 


I. Ausgewählte Daten 88 

II. Die für die Erhebung der Sachverständigen-Kommission verwendeten 

Erhebungsbogen 158 

III. Verzeichnis der in die Erhebung der Sachverständigen-Kommission ein- 
bezogenen Krankenhaus-Einrichtungen sowie der Heime und Anstalten 

für geistig Behinderte und chronisch psychisch Kranke 175 

IV, Bericht über die Durchführung der Haupterhebung durch das Deutsche 

Institut für medizinische Dokumentation und Information 184 


Im Auftrag der Sachverständigen-Kommission durdigeführte 
Untersuchungen *) 

Aus dem Tätigkeitsfeld der Arbeitsgruppe „Ausbildung und Personal" 

Ausbildungsangebot für psychiatrisches Pflegepersonal — eine empirische 
Untersuchung — (von E. von Freytag-Loringhoven, K. Gante, J.-J. Koch, 

M. Rave-Schwank) 188 

Ausbildungsprogramme und Ausbildungsplanung an den Ausbildungsstät- 
ten für Beschäftigungstherapie bzw. Beschäftigungs- und Arbeitstherapie 
zur Ermittlung des psychiatrischen Ausbildungsanteils (von Ch. Haerlin, 

1. Viethsen) 257 

Ausbildungsprogramme und -planung an Fachhochschulen für Sozialwesen 
(von G. TheineJ 268 

Ausbildung in cinderen Ländern — dargestellt an einigen Berufsgruppen — 

A) Ausbildung der Psychiater in England (von R, Richter) 276 

B) Ausbildung der Psychiater in Schweden (von R. Richter) 299 

C) Ausbildung der Psychiater in Norwegen — Ausbildung zum Speziali- 
sten in der Psychiatrie (von R, Richter) 301 

D) Ausbildung des psychiatrischen Pflegepersonals in anderen Ländern 

(von R. Richter) 302 

E) Entwicklung und Stand der psychiatrischen Ausbildung von Sozial- 
arbeitern (von W. Dietrich) 314 

Aus dem Tätigkeitsfeld der Arbeitsgruppe „Extramurale Dienste" 

Nachbehandlung krankenhausentlassener schizophrener Patienten — Ergeb- 
nisse einer empirischen Untersuchung (von G. Bosch, A. Pietzcker) 344 

Zur Behandlungsinzidenz und -prävalenz in drei Kreisen Oberbayerns (von 
H. Dilling, S. Weyerer) 361 

Die ambulante Vor- und Nachbehandlung der stationären Patienten in den 
drei Landkreisen Berchtesgaden, Rosenheim und Traunstein (von H. Dilling, 

S. Weyerer) 382 

Frührentner (von H. Koester) 400 


*) Die abgedruckten Texte geben die Auffassungen der Verfasser, nicht jedoch unbedingt 
die der Sachverständigen-Kommission wieder. 


84 



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Drucksache 7/4201 


Seite 

Aus dem Tätigkeitsfeld der Arbeitsgruppe „Intramurale Dienste" 

Stellungnahme zu den Betriebs- und Arbeitsabläufen im Psychiatrischen 
Landeskrankenhaus Weinsberg und Vorschläge zu deren Optimierung 
(Deutsches Krankenhausinstitut e. V. Düsseldorf) 404 

Aus dem Tätigkeitsfeld der Arbeitsgruppe „Kinder- und Jugendpsychiatrie" 

Untersuchungen zur Bedarfsermittlung eines Versorgungssystems für soma- 
tisch und psychisch auffällige Kinder und Jugendliche (von G. Kohlscheen) 432 

Aus dem Tätigkeitsfeld der Arbeitsgruppe „Gerontopsychiatrie" 

Probleme bei der Betreuung psychisch veränderter und/oder geistig-see- 
lischer behinderter und/oder gestörter alter Menschen im Heim (von 
S. Gössling) 458 

Bericht über die Untersuchung „der Alterspatienten in der Sprechstunde 
des Internisten und des praktischen Arztes" (mit Fahimeh und Hossein 
Mohebby) (von J.-E. Meyer) ^ 478 

Untersuchung über die Größenordnung von psychischen Störungen und die 
Versorgung von psychisch Kranken in Allgemeinkrankenhäusern (inter- 
nistische und chirurgische Abteilungen) (von H. Siede, R. Lindner, K. Woll- 
brink) 480 

Aus dem Tätigkeitsfeld der Arbeitsgruppe „Suchtkranke" 

Aktuelle Erfassung der derzeitigen Erscheinungsformen von Sucht und Miß- 
brauch in stationären Einrichtungen der Bundesrepublik Deutschland (von 
K. Wanke) 488 

Katamnes tische Untersuchungen an ambulant und stationär behandelten 
Alkoholikern (von W. Feuerlein) 506 

„Ist-Daten" zum Abhängigkeitsproblem (Alkohol, Rauschmittel, Arznei- 
mittel) in der Bundesrepublik Deutschland einschließlich West-Berlin (von 
W. Keup) 521 

Die gegenwärtige Situation in der Nachsorge der aus stationärer Behand- 
lung entlassenen Drogenabhängigen („Schwundproblematik") (von L. Barth, 

A. Huhn, W. Keup, 1. Marckwort) 565 

Gutachten, die von der Sachverständigen-Kommission in Auftrag 
gegeben wurden 

Überblick über die psychiatrischen Gesundheitsdienste in Europa (von 
A. R, May) 576 

Die psychiatrischen Gesundheitsdienste in Großbritannien und Nordirland 
(von J. K. Wing) 629 

Psychiatrische Gesundheitsdienste in den Niederlanden (von R. Giel) 654 

Die Situation der psychisch Kranken in Dänemark im Jahre 1974 (von 
E. Strömgren) 665 

Die Fürsorge für geistig Behinderte in Dänemark (von N. E. Bank-Mi kkelsen) 676 
Die psychiatrische Versorgung in Schweden (von H. Forssman) 696 

Psychiatrische Versorgung in Canada — System oder Nichtsystem? (von 
C. M. Smith) 715 

Planung und Durchführung psychiatrischer Dienste in den USA (von 
M. Greenblatt) 749 

Primärprävention psychischer Störungen (von L. Ciompi) 760 

Heutiger Kenntnisstand der genetischen Prävention (von G. G. Wendt) .... 787 

Einige Bemerkungen zur Rehabilitation psychisch und geistig Behinderter in 
Großbritannien (von D. Bennett) 797 


85 



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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Seite 

Beitrag der Verhaltenstherapie zur Versorgung psychisch Kranker in der 
Bevölkerung (von D. Schulte) 828 

Die Versorgung und Rehabilitation der Hirnverletzten in der Bundesrepu- 
blik Deutschland — Gegenwärtiger Stand und notwendige Maßnahmen — 

(von I. Pampus) 835 

Zum Problem des Personalbedarfs in der Versorgung psychisch Kranker und 
Behinderter (SAB-Institut für sozioökonomische Strukturforschung GmbH.) 864 

Was sagen katamnestisdie Untersuchungen über die Effektivität stationär 
psychotherapeutischer Behandlungsmaßnahmen aus? (von R. Göllner) .... 921 

Zu Fragen der Organisation (juristische Stellung, Finanzierung und Struktu- 
rierung) von psychotherapeutischen Weiterbildungsstätten (von H. Ros- 
kamp, H. Schmid) 942 

Familientherapie (von U. Wegener) 954 

über die Situation der Psychotherapie/Psychosomatik im Gesamtgebiet der 
Geburtshilfe und Gynäkologie (von H. J. Prill) 959 

über die Lage der Psychotherapie in der Pädiatrie der Bundesrepublik (von 
G. Biermann) 965 

Zur Lage der psychotherapeutischen Versorgung von Studenten durch die 
Beratungsstellen für Studenten an den westdeutschen Hochschulen (von 
U. Lindig) 971 

Primäre Prävention in Wohnungsbau und Stadtplanung — Psychosoziale 
Aspekte (von Ch. Mühlich- von Staden, W. Mühlich) 979 

Berichte über Informationsreisen 

Die psychiatrische Versorgung in Norwegen. Bericht über eine Informations- 
reise (Juli 1973) (H. Dilling) 992 

Informationsreise nach Moskau und Leningrad (Oktober 1973) (D. von 
Zerssen) 1002 

Sektorisierte Versorgung in Holland. Bericht über eine Informationsreise 
(April 1974) (1. Rauch, M. Richartz, R. Wienekamp) 1009 

Gerontopsychiatrische Einrichtungen in London und Manchester. Bericht 
über eine Informationsreise (Juli 1973) (H. Behrends, H. heutiger, H. Siede) 1024 

Die Versorgung geistig Behinderter in Dänemark und Schweden. Bericht 
über eine Informationsreise des Expertenteams „Geistig Behinderte" (De- 
zember 1973) (G. Bosch, K. Kaempf, H. Koester) 1026 

Institution für Epilepsie-Kranke in Holland, Belgien und England (H. von 
Balluseck, D. Janz, E. Schmidt) 1044 

Anhörungen 

Anhörung von Frau Dipl.-Psych. Marianne Hegenscheidt zu Fragen des Ver- 
gleichs von Verhaltenstherapie und analytischer Psychotherapie 1056 

Anhörung von Prof. Dr. P. Fürstenau, einschließlich der Diskussion zu 
Fragen der Institutionsberatung 1064 

Materialien 

Übersicht über die Bildungsgänge verschiedener Berufsgruppen im Bereich 
der Versorgung psychisch Kranker und Behinderter 1074 

Empfehlung der Deutschen Krankenhausgesellschaft vom 25. Mai 1971: 
Weiterbildung zu Fachkrankenschwestern/Fachkrankenpflegern/Fachkinder- 
krankenschwestern 1080 


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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Seite 

Empfehlung der Deutschen Krankenhausgesellschaft vom 11. Dezember 1973: 
Strukturplan für die Neuordnung der beruflichen Bildung in der Kranken- 
pflege 1085 

Stellungnahme der DGPN zur Überarbeitung der Empfehlungen des Wissen- 
schaftsrates zur Struktur und zum Ausbau der medizinischen Forschungs- 
und Ausbildungsstätten aus dem Jahre 1968 1087 

Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie in der 
Bundesrepublik Deutschland zur Bearbeitung der „Empfehlung des Wissen- 
schaftsrates zur Struktur und zum Aufbau der Medizinischen Forschungs- 
und Ausbildungsstätten" aus dem Jahre 1968 1095 

Stellungnahme der Ständigen Konferenz der Hochschullehrer für Psychoso- 
matik/Psychotherapie, Medizinische Psychologie und Medizinische Sozio- 
logie (HPPS) für die Neufassung der „Empfehlungen des Wissenschaftsrates 
zur Struktur und zum Ausbau der Medizinischen Forschungs- und Ausbil- 
dungsstätten" aus dem Jahre 1968 1103 

Aktionsausschuß zur Verbesserung der Hilfe für psychisch Kranke beim 
Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge: Ausarbeitung zur 
Aus-, Weiter- und Fortbildung der Sozialarbeiter in der Psychiatrie 1111 

Optimalmodell eines Beratungsdienstes an Schulen 1113 

Beitrag des Bundesministeriums der Verteidigung zur Wehrpsychiatrie .... 1114 

Gutachten zur Problematik der Öffentlichkeitsarbeit im Bereich der Versor- 
gung psychisch Kranker und Behinderter *) 

Gutachten zum Abbau von Vorurteilen gegenüber psychisdi Behinderten 
(M. Bauer) 1116 

Gutachten zum Abbau von Vorurteilen gegenüber psychisch Kranken und 
Behinderten (A. Finzen) 1130 

Gutachten zum Abbau von Vorurteilen gegenüber psychisch Kranken und 
Behinderten — aus sozialpsychologischer Sicht (K, R. Scherer) 1140 

Gutachten zu Problemen einer differenzierten Öffentlichkeitsarbeit im Be- 
reich der Versorgung psychisch Kranker und Behinderter (W. Stumme) . . 1161 


*) Die Gutachten von Bauer, Finzen, Scherer und Stumme sind im Aufträge des Bundes- 
ministeriums für Jugend, Familie und Gesundheit von der Bundeszentrale für gesund- 
heitlidie Aufklärung eingeholt worden. 


87 



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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Teil B 


Material und ergänzende Daten zur Bestandsaufnahme 

I. Ausgewählte Daten *) 

— Erhebung derSachverständigen-Kommission — 

(Stichtag: 30. Mai 1973) 


Fachkrankenhäuser, Fachabteilungen, Heime und Anstalten 
Träger, Bettengrößenklassen und Basisdaten 



Anzahl 

Betten 

Kranken- 

bestand 

Auf- 

nahmen 

darunter 

Erstauf- 

nahmen 

Entlas- 

sungen 

(ohne 

Sterbe- 

fälle) 

sterbe 

fälle 

Pflege- 

tage 


am 30. Mai 1973 



im Jahre 1972 


Fachkrankenhäuser für Psychiatrie und 









Psvchiatrie/Neurologie 

130 

98 757 

94 197 

158 034 

84 266 

143 850 

14 328 

34 116 608 

Fachabteilungen für Psychiatrie und 









Psychiatrie/Neurologie 

44 

3 164 

3 021 

26 887 

13 844 

26 215 

650 

932 480 

Universitätskliniken 

23 

3 507 

3 140 

34 280 

10 088 

30 512 

558 

1 140 486 

Fachkrankenhäuser 

und Fachabteilungen für Kinder- und 

Jugendpsychiatrie 

171) 

3 725 

3 420 

3 045 

2 739 

3 039 

51 

1 168 407 

Fachkrankenhäuser für 









Gerontopsychiatrie 

5 

1 030 

972 

686 

545 

546 

129 

355 203 

Suchtkranke 

22 

1 267 

1 176 

2 744 

2 256 

2 766 

5 

354 623 

Heime und Anstalten für geistig 
Behinderte und chronisch 
psychisch Kranke mit 

101 bis 500 Betten 

73 

16 286 

15 874 

2 152 

1 743 

2 608 

629 

5 210 609 

501 und mehr Betten 

20 

19 482 

19 190 

2 970 

1 657 

1 914 

457 

6 937 389 


1) darunter: 5 Fadiabteilungen für Kinder- und Jugendpsydiiatrie 

*) Die Reihenfolge der abgedruckten Tabellen orientiert sich — soweit das möglich ist — an der Gliederung des 
Kapitels A4 Bestandsaufnahme und Analyse der gegenwärtigen Versorgung psychisch Kranker und Behinderter 
in der Bundesrepublik Deutschland'. 


88 




Deutscher Bundestag — 7, Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Fachkrankenhäuser 

Träger, Bettengrößenklassen und Basisdaten 



Anzahl 

Betten 

Kranken- 

bestand 

Auf- 

nahmen 

darunter 

Erstauf- 

nahmen 

Entlas- 

sungen 

(ohne 

Sterbe- 

fälle) 

Sterbe 

fälle 

Pflege- 

tage 


am 30. Mai 1973 



im Jahre 1972 


Fachkrankenhäuser für Psychiatrie und 
Psychiatrie/Neurologie 









insgesamt 

130 

98 757 

94 197 

158 034 

84 266 

143 850 

14 328 

34 116 608 

nach Trägern: 









öffentlich 

74 

80 351 

76 500 

129 225 

65 938 

115 499 

12 965 

27 979 085 

freigemeinnützig 

36 

13 650 

13 083 

13 957 

9 271 

13 630 

1 014 

4 514 466 

privat 

20 

4 756 

4 614 

14 852 

9 057 

14 721 

349 

1 623 057 

davon: 

unter 100 Betten 









insgesamt 

21 

1 171 

1 145 

4 090 

1 882 

4 124 

72 

364 497 

nach Trägern; 









öffentlich 

2 

160 

159 

9 

8 

7 

— 

33 926 

freigemeinnützig 

9 

528 

518 

592 

420 

546 

26 

164 715 

privat 

10 

483 

468 

3 489 

1 454 

3 571 

46 

165 856 

101 bis 500 Betten 









insgesamt 

37 

9 373 

8 985 

18 992 

10 458 

18 285 

990 

3 121 512 

nach Trägern: 









öffentlich 

11 

3 189 

3 034 

7 990 

3 148 

7 426 

387 

1 008 474 

freigemeinnützig 

20 

5 215 

5 027 

8 251 

4 903 

8 188 

542 

1 807 344 

privat 

6 

969 

924 

2 751 

2 407 

2 671 

61 

305 694 

501 bis 1 000 Betten 









insgesamt 

28 

21 065 

20 555 

31 591 

17 406 

31 094 

2 676 

7 538 007 

nach Trägern: 









öffentlich 

20 

15 856 

15 494 

20 464 

10 331 

20 133 

2 262 

5 879 746 

freigemeinnützig 

5 

3 241 

3 118 

3 557 

2 820 

3 422 

302 

965 256 

privat 

3 

1 968 

1 943 

7 570 

4 255 

7 539 

112 

693 005 

1 001 Betten und mehr 









insgesamt 

44 

67 148 

63 512 

103 361 

54 520 

90 347 

10 590 

23 092 592 

nach Trägern; 









öffentlich 

41 

61 146 

57 813 

100 762 

52 451 

87 933 

10 316 

21 056 939 

freigemeinnützig 

2 

4 666 

4 420 

1 557 

1 128 

1 474 

144 

1 577 151 

privat 

1 

1 336 

1 279 

1 042 

941 

940 

130 

458 502 


1) Die Rheinisdie Landesklinik Rheydt ist erst im Januar 1973 in Betrieb genommen worden. 


89 




Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Fachkrankenhäuser, Fachabteilungen, Heime und Anstalten 
Träger, Bettengrößenklassen, Basisdaten 

Schleswig-Holstein 



Anzahl 

Betten 

Kranken- 

bestand 



am 30. Mai 1973 



Anzahl 


Betten 


Kranken- 

bestand 


am 30. Mai 1973 


Fachkrankenhäuser für 
Psychiatrie und 
Psychiatrie/Neurologie 

insgesamt 8 6 547 6 051 

nach Trägern: 

öffentlich 4 4 750 4 292 

freigemeinnützig 3 1 746 1 708 

privat 1 51 51 

davon: 

unter 100 Betten 

insgesamt 2 96 96 

nach Trägern: 

öffentlich — — 

freigemeinnützig 1 45 45 

privat 1 51 51 

101 bis 500 Betten 

insgesamt 2 653 655 

nach Trägern: 

öffentlich 1 202 216 

freigemeinnützig 1 451 439 

privat — — — 

501 bis 1 000 Betten 

insgesamt — — — 

nach Trägern: 

öffentlich — — — 

freigemeinnützig — — — 

privat — — — 

1 001 Betten und mehr 

insgesamt 4 5 798 5 300 

nach Trägern; 

öffentlich 3 4 548 4 076 

freigemeinnützig 1 1 250 1 224 

privat — — — 


Fachkrankenhäuser für 
Psychiatrie und Psychiatrie/ 

Neurologie 8 6 547 6 051 

Fachabteilungen für 
Psychiatrie und Psychiatrie/ 

Neurologie — — — 

Universitätskliniken 2 265 255 

Fachkrankenhäuser und 
Fachabteilungen für Kinder- 

und Jugendpsychiatrie .... 1 803 726 

Fachkrankenhäuser für 

Gerontopsychiatrie — — — 

Suchtkranke 2 102 94 

Heime und Anstalten für 
geistig Behinderte und 
chronisch psychisch Kranke 
mit 


101 bis 500 Betten 

3 

658 

651 

501 und mehr Betten 

1 

528 

508 


90 










Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Fachkrankenhäuser, Fachabteilungen, Heime und Anstalten 
Träger, Bettengrößenklassen, Basisdaten 

Hamburg 



Anzahl 

Betten 

Kranken- 

bestand 


Anzahl 

Betten 

BBMI 

am 30. Mai 1973 

am 30. Mai 1973 

Fachkrankenhäuser für 




Fachkrankenhäuser für 




Psychiatrie und 




Psychiatrie und 




Psychiatrie/Neurologie 




Psychiatrie/Neurologie 

1 

1 739 

1 596 

insgesamt 

1 

1 739 

1 596 

Fachabteilungen für 








Psvchiatrie und 




nach Trägern: 




Psychiatrie/Neurologie 

4 

269 

255 

öffentlich 

1 

1 739 

1 596 





freigemeinnützig 

— 

— 

— 

Universitätskliniken 

1 

236 

233 

privat 

— 

— 

— 









Fachkrankenhäuser und 




davon: 




Fachabteilungen für Kinder- 




unter 100 Betten 




und Jugendpsychiatrie 

2 

46 

40 

insgesamt 

— 

— 

— 

Fachkrankenhäuser für 




nach Trägern: 




Gerontopsychiatrie 

— 

— 

— 

öffentlich 




Suchtkranke 

1 

36 

9 

freigemeinnützig 












Heime und Anstalten für 




privat 

— 

— 

— 

geistig Behinderte und 




101 bis 500 Betten 




chronisch psychisch Kranke 
mit 




insgesamt 

— 

— 

— 

101 bis 500 Betten 

1 

272 

206 

nach Trägern: 












501 und mehr Betten 

1 

1 277 

1 264 

öffentlich 

_ 

— 

— 





freigemeinnützig 

— 

— 

— 





privat 

— 

— 

— 





501 bis 1 000 Betten 








insgesamt 

— 

— 

— 





nach Trägern: 








öffentlich 

— 

— 

— 





freigemeinnützig 

— 

— 

— 





privat 

— 

— 

— 





1 001 Betten und mehr 








insgesamt 

1 

1 739 

1 596 





nach Trägern: 








öffentlich 

1 

1 739 

1 596 





freigemeinnützig 

— 

— 

— 





privat 

— 

— 

— 






91 







Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Fadikrankenhäuser, Fachabteilungeiir Heime und Anstalten 
Träger, Bettengrößenklassen, Basisdaten 

Niedersachsen 


Fachkrankenhäuser für 
Psychiatrie und 
Psychiatrie/N eurologie 

insgesamt 

nach Trägern: 

öffentlich 

freigemeinnützig . . . 
privat 

davon: 

unter 100 Betten 

insgesamt 

nach Trägern: 

öffentlich 

freigemeinnützig . . . 
privat 

101 bis 500 Betten 

insgesamt 

nach Trägern: 

öffentlich 

freigemeinnützig . . . 
privat 

501 bis 1 000 Betten 

insgesamt 

nach Trägern: 

öffentlich 

freigemeinnützig . . . 
privat 

1 001 Betten und mehr 

insgesamt 

nach Trägern: 

öffentlich 

freigemeinnützig . . . 
privat 


Anzahl 


Betten 


Kranken- 

bestand 


Anzahl 


Betten 


Kranken- 

bestand 


am 30. Mai 1973 


am 30. Mai 1973 


Fachkrankenhäuser für 
Psychiatrie und 
Psychiatrie/Neurologie 


14 10 438 9 992 


14 

9 

2 

3 


10 438 9 992 

8 132 7 767 

234 227 

2 072 1 998 


Fachabteilungen für 
Psychiatrie und 
Psychiatrie/Neurologie . . . , 

Universitätskliniken 

Fachkrankenhäuser und 
Fachabteilungen für Kinder- 
und Jugendpsychiatrie .... 


2 

2 


3 


Fachkrankenhäuser für 
Gerontopsychiatrie — 

Suchtkranke 1 


142 141 

171 164 

376 375 

41 40 


1 

5 

3 

2 


28 

1 200 

966 

234 


21 

1 117 

890 

227 


Heime und Anstalten für 
geistig Behinderte und 
chronisch psychisch Kranke 
mit 

101 bis 500 Betten 

501 und mehr Betten .... 


10 

3 


1 623 1 521 
3 279 3 212 


2 1 522 1 453 

1 814 755 

1 708 698 

6 7 688 7 401 

5 6 352 6 122 

1 1 336 1 279 


92 




Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Fadikrankenhäuser, Fachabteilungen, Heime und Anstalten 
Träger, Bettengrößenklassen, Basisdaten 

Bremen 



Anzahl 

Betten 

Kranken- 

bestand 


Anzahl Betten 


am 30. Mai 1973 


am 30. Mai 1973 

Fachkrankenhäuser für 




Fachkrankenhäuser für 


Psychiatrie und 




Psychiatrie und 


Psychiatrie/Neurologie 




Psychiatrie/Ncurologie 

2 1 410 1 366 

insgesamt 

nach Trägern: 

2 

1 410 

1 366 

Fachabteilungen für 
Psychiatrie und 
Psychiatrie/Neurologie 


öffentlich 

1 

1 276 

1 234 



freigemeinnützig 

— 

— 

— 

Universitätskliniken 

— — — 

privat 

1 

134 

132 

Fachkrankenhäuser und 


davon: 




Fachabteilungen für Kinder- 


unter 100 Betten 




und Jugendpsychiatrie 

_ 

insgesamt 

— 

— 

— 

Fachkrankenhäuser für 


nach Trägern: 




Gerontopsychiatrie 

— — — 

öffpntlirh ... 




Suchtkranke 


freigemeinnützig 

privat 

— 

— 

— 

Heime und Anstalten für 





geistig Behinderte und 
chronisch psychisch Kranke 
mit 


101 bis 500 Betten 

insgesamt 

1 

134 

132 

101 bis 500 Betten 



nach Trägern: 




501 und mehr Betten 



öffentlich 

_ 

— 

— 



freigemeinnützig 

— 

— 

— 



privat 

1 

134 

132 



501 bis 1 000 Betten 

insgesamt 

nach Trägern: 

— 

— 

— 



öffentlich 






freigemeinnützig 

— 

— 

— 



privat 

— 

— 

— 



1 001 Betten und mehr 






insgesamt 

1 

1 276 

1 234 



nach Trägern: 






öffentlich 

1 

1 276 

1 234 



freigemeinnützig 

— 

— 

— 



privat 

— 

— 

— 




93 




Drucksache 1IA2Q^ 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Fachkrankenhäuserr Fachabteilungen, Heime und Anstalten 
Träger, Bettengrößenklassen, Basisdaten 

Nordrhein- Westfalen 



Anzahl 

Betten 

Kranken- 

bestand 


Anzahl 

Betten 

Kranken- 

bestand 

am 30. Mai 1973 

am 30. Mai 1973 

Fachkrankenhäuser für 




Fachkrankenhäuser für 




Psychiatrie und 




Psychiatrie und 




Psychiatrie/Neurologie 




Psychiatrie/Neurologie 

34 

31 064 

29 552 

insgesamt 

34 

31 064 

29 552 

Fachabteilungen für 




nach Trägern: 




Psychiatrie und 








Psychiatrie/Neurologie 

22 

1 151 

1 128 

öffentlich 

18 

22 416 

21 342 





frei gemeinnützig 

14 

8 276 

7 877 

Universitätskliniken 

5 

664 

602 

privat 

2 

372 

333 









Fachkrankenhäuser und 




davon: 




Fachabteilungen für Kinder- 




unter 100 Betten 




und Jugendpsychiatrie 

7 

2 139 

1 952 

insgesamt 

3 

241 

240 

Fachkrankenhäuser für 




nach Trägern; 




Gerontopsychiatrie 

2 

494 

431 

öffentlich 

1 

67 

63 

Suchtkranke 

10 

692 

651 

freigemeinnützig 

1 

88 

88 









Heime und Anstalten für 




privat 

1 

86 

89 

geistig Behinderte und 




101 bis 500 Betten 




chronisch psychisch Kranke 
mit 




insgesamt 

12 

3 654 

3 446 

101 bis 500 Betten 

8 

1 885 

1 844 

nach Trägern: 




501 und mehr Betten 


6713 

6 561 

öffentlich 

3 

957 

893 





frei gemeinnützig 

8 

2411 

2 309 





privat 

1 

286 

244 





501 bis 1 000 Betten 








insgesamt 

5 

3 191 

3 102 





nach Trägern: 








öffentlich 

1 

830 

818 





freigemeinnützig 

4 

2 361 

2 284 





privat 

— 

— 

— 





1 001 Betten und mehr 








insgesamt 

14 

23 978 

22 764 





nach Trägern: 








öffentlich 

13 

20 562 

19 568 





freigemeinnützig 

1 

3 416 

3 196 





privat 

— 


— 






94 





Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Fachkrankenhäusefr Fachabteilungen, Heime und Anstalten 
Träger, Bettengrößenklassen, Basisdaten 

Hessen 



Anzahl 

Betten 

Kranken- 

bestand 


Anzahl 

Betten 

Kranken- 

bestand 


am 30. Mai 1973 


am 30. Mai 1973 

Fachkrankenhäuser für 




Fachkrankenhäuser für 




Psychiatrie und 




Psychiatrie und 




Psychiatrie/Neurologie 




Psychiatrie/Neurologie 

17 

9 533 

9 262 

insgesamt 

17 

9 533 

9 262 

Fachabteilungen für 




nach Trägern: 




Psychiatrie und 
Psychiatrie/Neurologie 

3 

190 

149 

öffentlich 

12 

8 729 

8 491 





frpigpmpinmit7ig 

2 

575 

548 

Universitätskliniken 

3 

591 

516 

privat 

3 

229 

223 

Fachkrankenhäuser und 




davon: 




Fachabteilungen für Kinder- 




unter 100 Betten 




und Jugendpsychiatrie 

2 

86 

77 

insgesamt 

3 

202 

201 

Fachkrankenhäuser für 




nach Trägern: 




Gerontopsychiatrie 

1 

123 

123 

öffentlich 

1 

93 

96 

Suchtkranke 

2 

106 

108 

freigemeinnützig 

— 

— 

— 

Heime und Anstalten für 




privat 

101 bis 500 Betten 

2 

109 

105 

geistig Behinderte und 
chronisch psychisch Kranke 
mit 




insgesamt 

4 

1 078 

1 052 

101 bis 500 Betten 

6 

1 364 

1 328 

nach Trägern: 




501 und mehr Betten 

2 

1 291 

1 262 

öffentlich 

1 

383 

386 





freigemeinnützig 

2 

575 

548 





privat 

1 

120 

118 





501 bis 1 000 Betten 








insgesamt 

9 

6 931 

6 821 





nach Trägern: 








öffentlich 

9 

6 931 

6 821 





freigemeinnützig 

— 

— 

— 





privat 

— 

— 

— 





1 001 Betten und mehr 








insgesamt 

1 

1 322 

1 188 





nach Trägern; 








öffentlich 

1 

1322 

1 188 





freigemeinnützig 

— 

— 

— 





privat 

— 

■ — 

— 






95 




Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — • 7. Wahlperiode 


Fadikrankenhäuser, Fadiabteilungen, Heime und Anstalten 
Träger, Bettengrößenklassen, Basisdaten 

Rheinland-Pfalz 


Fachkrankenhäuser für 
Psychiatrie und 
Psychiatrie/Neurologie 

insgesamt 

nach Trägern: 

öffentlich 

freigemeinnützig . . . 
privat 

davon: 

unter 100 Betten 

insgesamt 

nach Trägern: 

öffentlich 

freigemeinnützig . . . 
privat 

101 bis 500 Betten 

insgesamt 

nach Trägern: 

öffentlich 

freigemeinnützig . . . 
privat 

501 bis 1 000 Betten 

insgesamt 

nach Trägern: 

öffentlich 

freigemeinnützig . . . 
privat 

1 001 Betten und mehr 

insgesamt 

nach Trägern: 

öffentlich 

freigemeinnützig . . . 
privat 


Anzahl 


Betten 


Kranken- 

bestand 


Anzahl 


Betten 


Kranken- 

bestand 


am 30. Mai 1973 


am 30. Mai 1973 


Fachkrankenhäuser für 
Psychiatrie und 
Psychiatrie/Neurologie 


9 5 047 4 669 


9 5 047 

3 3 795 

3 879 

3 373 


4 669 

3 455 
848 
366 


Fachabteilungen für 
Psychiatrie und 
Psychiatrie/Neurologie 

Universitätskliniken 

Fachkrankenhäuser und 
Fachabteilungen für Kinder- 
und Jugendpsychiatrie .... 


1 


Fachkrankenhäuser für 
Gerontopsychiatrie . 

Suchtkranke 


149 


48 


95 


48 


1 


5 


76 

1 176 


Heime und Anstalten für 
geistig Behinderte und 
chronisch psychisch Kranke 
mit 

101 bis 500 Betten 

501 und mehr Betten .... 


7 2 125 2 068 

1 701 701 


3 879 848 

2 297 290 


1 950 898 

1 950 898 


2 2 845 2 557 

2 2 845 2 557 


96 






Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Fadikrankenhäuser, Fadiabteilungeiir Heime und Anstalten 
Träger, Bettengrößenklassen, Basisdaten 

Baden- W ürttemberg 



Anzahl 

Betten 

Kranken- 

bestand 


Anzahl 

Betten 

Kranken- 

bestand 

am 30. Mai 1973 

am 30. Mai 1973 

Fachkrankenhäuser für 




Fachkrankenhäuser für 




Psychiatrie und 




Psychiatrie und 




Psychiatrie/Neurologie 




Psychiatrie/Neurologie 

16 

10 651 

10 347 

insgesamt 

16 

10 651 

10 347 

Fachabteilungen für 




nach Trägern; 




Psychiatrie und 








Psychiatrie/Neurologie 

3 

276 

270 

öffentlich 

8 

8 231 

7 998 





freigemeinnützig 

5 

1 141 

1 085 

[Tnivprsitätskliniken 

4 

598 

511 

privat 

3 

1 279 

1264 







Fachkrankenhäuser und 




davon: 




Fachabteilungen für Kinder- 




unter 100 Betten 




und Jugendpsychiatrie 

— 

— 

— 

insgesamt 

4 

176 

170 

Fachkrankenhäuser für 




nach Trägern: 




Gerontopsychiatrie 

1 

354 

359 

öffpntlich 




Suchtkrankp . , ^ - 1 

1 

65 

65 

freigemeinnützig 

3 

157 

151 








Heime und Anstalten für 




privat 

1 

19 

19 

geistig Behinderte und 




101 bis 500 Betten 




chronisch psychisch Kranke 
mit 




insgesamt 

1 

104 

100 

101 bis 500 Betten 

14 

3 052 

3 048 

nach Trägern: 




501 und mehr Betten 

4 

3 890 

3 879 

öffentlich 

— 

— 

— 





freigemeinnützig 

1 

104 

100 





privat 

— 

— 

— 





501 bis 1 000 Betten 








insgesamt 

9 

7 098 

6916 





nach Trägern: 








öffentlich 

6 

4 958 

4 837 





freigemeinnützig 

1 

880 

834 





privat 

2 

1 260 

1245 





1 001 Betten und mehr 








insgesamt 

2 

3 273 

3 161 





nach Trägern: 








öffentlich 

2 

3 273 

3 161 





freigemeinnützig 

— 

— 

— 





privat 

— 

— 

— 






97 



Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Fachkrankenhäuser, Fachabteilungen, Heime und Anstalten 
Träger, Bettengrößenklassen, Basisdaten 

Bayern 



Anzahl 

Betten 

Kranken- 

bestand 


Anzahl 

Betten 

Kranken- 

bestand 

am 30. Mai 1973 

am 30. Mai 1973 

Fachkrankenhäuser für 




Fachkrankenhäuser für 




Psychiatrie und 




Psychiatrie und 




Psychiatrie/Neurologie 




Psychiatrie/Neurologie 

19 

17 002 

16 322 

insgesamt 

19 

17 002 

16 322 

Fachabteilungen für 




nach Trägern: 




Psychiatrie und 








Psychiatrie/Neurologie 

4 

393 

364 

öffentlich 

15 

16 768 

16 091 





freigpmpinniitzig 

1 

120 

124 

Universitätskliniken 

3 

531 

477 

privat 

3 

114 

107 









Fachkrankenhäuser und 




davon: 




Fachabteilungen für Kinder- 




unter 100 Betten 




und Jugendpsychiatrie 

— 

— 

— 

insgesamt 

3 

114 

107 

Fachkrankenhäuser für 




nach Trägern; 




Gerontopsychiatrie 

— 

_ 

— 

offen tlirh ... 




Suchtkranke 

3 

152 

153 

freigemeinnützig 



_ 









Heime und Anstalten für 




privat 

3 

114 

107 

geistig Behinderte und 








chronisch psychisch Kranke 




101 bis 500 Betten 




mit 




insgesamt 

4 

801 

773 

101 bis 500 Betten 

21 

4 724 

4 640 

nach Trägern: 




501 und mehr Betten 

2 

1 803 

1 803 

öffentlich 

3 

681 

649 





freigemeinnützig 

1 

120 

124 





privat 

— 

— 

— 





501 bis 1 000 Betten 








insgesamt 

2 

1 373 

1 365 





nach Trägern: 








öffentlich 

2 

1 373 

1 365 





freigemeinnützig 

— 

— 

— 





privat 

— 

— 

— 





1 001 Betten und mehr 








insgesamt 

10 

14 714 

14 077 





nach Trägern: 








öffentlich 

10 

14 714 

14 077 





freigemeinnützig 

— 

— 

— 





privat 

— 

— 

— 






98 





Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Fadikrankenhäuser, Fadiabteilungen, Heime und Anstalten 
Träger, Bettengrößenklassen, Basisdaten 

Saarland 


Anzahl I Betten “n- Kzankea 

am 30. Mai 1973 am 30. Mai 1973 


Fachkrankenhäuser für 
Psychiatrie und 
Psychiatrie/Neurologie 

insgesamt 2 1 476 1 421 

nach Trägern: 

öffentlich 1 1 344 1 281 

freigemeinnützig — — . — • 

privat 1 132 140 

davon: 

unter 100 Betten 

insgesamt — — — 

nach Trägern: 

öffentlich — — — 

freigemeinnützig — — — 

privat — — — 

101 bis 500 Betten 

insgesamt 1 132 140 

nach Trägern: 

Öffentlich — — — 

freigemeinnützig — — — 

privat 1 132 140 

501 bis 1 000 Betten 

insgesamt — — — 

nach Trägern: 

öffentlich — — — 

freigemeinnützig — — — 

privat — — — 

1 001 Betten und mehr 

insgesamt 1 1 344 1 281 

nach Trägern: 

1 1 344 1 281 


Fachkrankenhäuser für 
Psychiatrie und 

Psychiatrie/Neurologie 2 1 476 1 421 

Fachabteilungen für 
Psychiatrie und 

Psychiatrie/Neurologie 1 30 30 

Universitätskliniken 1 218 205 

Fachkrankenhäuser und 
Fachabteilungen für Kinder- 

und Jugendpsychiatrie — — — 

Fachkrankenhäuser für 

Gerontopsychiatrie — — — 

Suchtkranke — — — 

Heime und Anstalten für 
geistig Behinderte und 
chronisch psychisch Kranke 
mit 

101 bis 500 Betten — — — 

501 und mehr Betten — — — 


öffentlich 

freigemeinnützig 
privat 





Drucksache 7/4201 


Deutsdier Bundestag — 7. Wahlperiode 


Fadikrankenhäuser, Fadiabteilungen, Heime und Anstalten 
Träger, Bettengrößenklassen, Basisdaten 

Berlin (West) 


Fachkrankenhäuser für 
Psychiatrie und 
Psychiatrie/Neurologie 

insgesamt 

nach Trägern: 

Öffentlich 

freigemeinnützig . . . 
privat 

davon: 

unter 100 Betten 

insgesamt 

nach Trägem; 

öffentlich 

freigemeinnützig . . . 
privat 

101 bis 500 Betten 

insgesamt 

nach Trägern: 

Öffentlich 

freigemeinnützig . . . 
privat 

501 bis 1 000 Betten 

insgesamt 

nach Trägern: 

öffentlich 

freigemeinnützig . . . 
privat 

1 001 Betten und mehr 

insgesamt 

nach Trägern: 

öffentlich 

freigemeinnützig . . . 
privat 


Anzahl 

Betten 

Kranken- 

bestand 

am 30. Mai 1973 

8 

3 850 

3 619 

2 

3 171 

2 953 

6 

679 

666 




4 

238 

234 

— 

— 

— 

4 

238 

234 

— 

— 

— 

2 

441 

432 

— . 

— 

— 

2 

441 

432 

— 

— 

— 





— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

2 

3 171 

2 953 

2 

3 171 

2 953 








Fachkrankenhäuser für 
Psychiatrie und 
Psychiatrie/Neurologie 

Fachabteilungen für 
Psychiatrie und 
Psychiatrie/Neurologie 

Universitätskliniken 

Fachkrankenhäuser und 
Fachabteilungen für Kinder- 
und Jugendpsychiatrie 

Fachkrankenhäuser für 
Gerontopsychiatrie 

Suchtkranke 

Heime und Anstalten für 
geistig Behinderte und 
chronisch psychisch Kranke 
mit 

101 bis 500 Betten 

501 und mehr Betten 


Anzahl | Betten 

am 30. Mal 1973 


8 3 850 3 619 


5 713 684 

1 84 82 


2 275 250 

1 59 59 

1 25 8 


3 583 568 


Kranken- 

bestand 


















Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Fachkrankenhäuser — Bettengrößenklassen 




davon: Anteil der Betten in Fachkrankenhäusern mit . . , 


Betten insgesamt 

bis 100 
Betten 

101 bis 500 
Betten 

501 bis 1 000 
Betten 

1 001 Betten 
und mehr 




Angaben in Vo 


Schleswig-Holstein 

6 547 

1,5 

10,0 



88,6 

Hamburg 

1 739 

— 

— 

— 

100,0 

Niedersachsen 

10 438 

0,3 

11,5 

14,6 

73,7 

Bremen 

1 410 


9,5 

— 

90,5 

Nordrhein-Westfalen 

31 064 

0,8 

11,8 

10,3 

77,2 

Hessen 

9 533 

2J 

11,3 

12,7 

13,9 

Rheinland-Pfalz 

5 047 

1,5 

23,3 

18,8 

56,4 

Baden-Württemberg 

10 651 

17 

hO 

66,6 

30,7 

Bayern 

17 002 

0,7 

4,7 

8,1 

86,5 

Saarland 

1 476 

— 

8,9 

— 

91,1 

Berlin (West) 

3 850 

6,2 

11,5 

— 

82,4 

Bundesrepublik Deutschland einschließ- 






lich Berlin (West) 

98 757 

1,2 

9,5 

21,3 

68,0 


Zahl der Betten in psychiatrischen Krankenhäusern in der 
Bundesrepublik Deutschland (31. Mai 1973) 


Land 

Einwohner 
(31. Dezem- 
ber 1972) 

Betten insgesamt 

davon in öffentlichen 
Krankenhäusern 

in frei- 
gemein- 
nützigen 
Kranken- 
häusern 

in privaten 
Kranken- 
häusern 

absolut 

Betten/ 

1 000 Ein- 
wohner 

absolut 

Betten/ 

1 000 Ein- 
wohner 

Schleswig-Holstein 

2 563 775 

5 345 

2,08 

4 

548 

1,77 

746 

51 

Hamburg 

1 766 214 

2 941 

1,67 

1 

941 

1,10 

1 000 

— 

Niedersachsen 

7 214 828 

10 438 

1,45 

8 

132 

1,13 • 

234 

2 072 

Bremen 

734 330 

1 410 

1,92 

1 

276 

1,74 

— 

134 

Nordrhein-Westfalen 

17 192 897 

31 064 

1,81 

22 

416 

1,30 

8 276 

372 

Hessen 

5 532 965 

9 533 

1,72, 

8 

729 

1,58 

575 

229 

Rheinland-Pfalz 

3 690 372 

5 047 

1,37 

3 

795 

1,03 

879 

373 

Baden-Württemberg 

9 154 152 

10 651 

1,16 

8 

231 

0,90 

1 141 

1 279 

Bayern 

10 778 661 

17 002 

1,58 

16 

768 

1,56 

120 

114 

Saarland 

1 118 569 

1 476 

1,32 

1 

344 

1,20 

— 

132 

Berlin (West) 

2 062 615 

3 850 

1,87 

3 

171 

1,54 

679 

— 

Bundesrepublik Deutschland ein- 
schließlich Berlin (West) 

61 809 378 

98 757 

1,60 

80 351 

1,30 

j 13 650 

4 756 


1) Bei dieser Aufstellung sind 202 Betten des Heinridi-Sengelmann-Krankenhauses und 1 000 (der insgesamt 1 250) Betten der Ricklinger An- 
stalten nicht bei Schleswig-Holstein, sondern bei Hamburg mitgezählt, da diese Betten für die psychiatrische Versorgung Hamburgs vorgehal- 
ten werden. 


101 







Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Fadikrankenhäuser für Psychiatrie und Psychiatrie/Neurologie 
in öffentlicher Trägersdiaft mit festgelegten Einzugsgebieten 



Krankenhäuser 

insgesamt 

Bettengrößenklassen 


bis zu 

100 Betten 

101 bis 500 
Betten 

501 bis 1 000 
Betten 

mehr als 1 001 
Betten 

Krankenhäuser in Öffentlicher Träger- 
schaft 

74 

2 

11 

20 

41 

Krankenhäuser, die Angaben zum Ein- 
zugsgebiet gemacht haben 

darunter: 

59 

1 

4 

17 

37 

größte Entfernung zur Peripherie: 

bis 25 km 

1 

1 




26 bis 50 km 

12 

— 

2 

3 

7 

51 bis 75 km 

12 

— 

— 

4 

8 

76 bis 100 km 

19 

— 

1 

5 

13 

über 100 km 

15 

— 

1 

5 

9 

größte Entfernung zur Peripherie (Durch- 
schnittswert) in km 

88 km 

10 km 

72 km 

92 km 

90 km 


102 





Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Fachkrankenhäuser für Psychiatrie und Psychiatrie/Neurologie 
Verteilung der Diagnosen (30. Mai 1973) 




Kranken- 

bestand 

Altersgruppen 

Diagnosegruppen 

(Jeder Patient nur mit einer Diagnose) 

Diagnosenschlüssel 
(ICD 68) 

bis untei 
15 Jahre 

15 bis unter 
65 Jahre 

65 und 
darüber 



Angaben in “/o 

Psychische Störungen des höheren Lebensalters (einschl. 
präsenile und senile Demenz) 

290, 293,0 

9,1 


2,1 

33,6 

Andere organische psychiatrische Erkrankungen 

292—294, 309 
außer 293,0,2 
und 309,4 

3,9 

3,9 

3,7 

4,6 

Schizophrener Formenkreis 

295 

36,7 

0,6 

39,2 

32,0 

Affektive (manisch-depressive) Psychosen 

296, 298,0 

5,8 

0,1 

5,5 

7,4 

Andere (paranoide, reaktive und sonstige) Psychosen .... 

297—299 
außer 298,0 

2,4 

0,1 

1,9 

4,0 

Neurotische Leiden 

300 

1,5 

1,0 

1,9 

0,4 

Persönlichkeitsstörungen 

301, 302 

1,9 

1,3 

2,1 

1,0 

Suchten; 






a) Alkoholpsychosen / Alkoholismus (ohne d) 

291, 303 

S,1 

0,2 

9,6 

4,0 

b) Drogenabhängigkeit (ohne d) 

304, 0,4—7 

0,5 

0,6 

0,6 

0,0 

c) Sonstige Medikamentenabhängigkeit (ohne d) 

304, 1—3, 8—9 

0,7 

0,0 

0,8 

0,2 

d) Alkoholismus mit Drogen- oder Medikamenten- 
abhängigkeit 

303 mit 304 

0,4 


0,5 

0,1 

Psychosomatische Störungen 

305—308 

0,6 

5,4 

0,6 

0,2 

Anfallsleiden mit psychischen Störungen 

293,2,309,4 

4,8 

9,3 

5,4 

2,1 

ohne psychische Störungen 

345 

1,2 

0,6 

1,5 

0,5 . 

Schwachsinnsformen: 






Einfache Minderbegabung einschließlich Lernbehinderte 
(IQ über 70) 

310 

0,4 

3,1 

0,5 

0,1 

Leichter Schwachsinn (IQ 70 — 50) 

311 

2,4 

4,8 

2,8 

0,7 

Erheblicher Schwachsinn (IQ unter 50 — 35) 

312 

6,4 

12,2 

7,3 

2,9 

Schwerer Schwachsinn (IQ unter 35) 

313 u, 314 

6,6 

30,6 

7,2 

2,2 

Nicht näher bestimmbarer Schwachsinnsgrad 

315 

2,6 

24,1 

2,5 

0,7 

Körperlich Kranke ohne psychische Störungen 






a) neurologisch 


2,7 

0,9 

2,9 

2,1 

b) internistisch 


0,1 


0,0 

0,1 

c) sonstige 


0,5 

0,1 

0,5 

0,5 

übrige Kranke 


0,7 

0,3 

0,8 

0,5 

Krankenbestand insgesamt 


94 197 

2 122 

70 974 

21 101 


103 




Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Fadikrankenhäuser für Psychiatrie und Psydiiatrie/Neurologie 
Verteilung der Diagnosen (30. Mai 1973) 

Träger: öffentlidi 


Diagnosegruppen 

(Jeder Patient nur mit einer Diagnose) 

Diagnosensdilüssel 
(ICD 68) 

Kranken- 

bestand 

Altersgruppen 

bis unter 
15 Jahre 

15 bis unter 
65 Jahre 

65 und 
darüber 

Angaben in ®/o 

Psydiisdie Störungen des höheren Lebensalters (einsdil. 






präsenile und senile Demenz) 

290, 293,0 

9,4 



35,2 

Andere organische psychiatrische Erkrankungen 

292—294, 

3,8 

4,2 

3,5 

4,9 


309 außer 






293,0,2 und 309,4 





Schizophrener Formenkreis 

295 

38,5 

0,7 

41,7 

31,8 

Affektive (manisch-depressive) Psychosen 

296, 298,0 

5,5 

0,1 

5,1 

7,3 

Andere (paranoide, reaktive und sonstige) Psychosen .... 

297—299 

2,2 

0,2 

1,8 

3,8 


außer 298,0 





Neurotische Leiden 

300 

1.1 

1,6 

1,4 

0,3 

Persönlichkeitsstörungen 

301, 302 

19 

1,4 

2,2 

0,9 

Suchten: 






a) Alkoholpsychosen / Alkoholismus (ohne d) 

291, 303 

9,1 

0,2 

10,8 

4,4 

b) Drogenabhängigkeit (ohne d) 

304, 0,4—7 

0,6 

0,2 

0,7 

0,0 

c) Sonstige Medikamentenabhängigkeit (ohne d) 

304, 1—3, 8—9 

0,7 

0,1 

0,8 

0,2 

d) Alkoholismus mit Drogen- oder Medikamenten- 






abhängigkeit 

303 mit 304 

0,4 


0,5 

0,1 

Psychosomatische Störungen 

305—308 

0,5 

6,0 

0,4 

0,1 

Anfallsleiden mit psychischen Störungen 

293,2, 309,4 

2,9 

2,6 

3,3 

1,4 

ohne psychische Störungen 

345 

12 

0,4 

1,4 

0,5 

Schwachsinnsformen : 






Einfache Minderbegabung einschließlich Lernbehinderte 






(IQ über 70) 

310 

0,5 

3,3 

0,5 

0,1 

Leichter Schwachsinn (IQ 70 — 50) 

311 

2,3 

5,1 

2,7 

0,6 

Erheblicher Schwachsinn (IQ unter 50 — 35) 

312 

6,1 

13,0 

6,9 

2,5 

Schwerer Schwachsinn (IQ unter 35) 

313 u. 314 

6,8 

32,5 

7,4 

2,1 

Nicht näher bestimmbarer Schwachsinnsgrad 

315 

3,2 

27,2 

3,1 

0,9 

Körperlich Kranke ohne psychische Störungen 






a) neurologisch 


2,6 

1,0 

2,7 

2,2 

b) internistisch 


0,0 


0,0 

0,1 

c) sonstige 


0,1 

0,1 

0,1 

0,1 

übrige Kranke 


0,1 

0,4 

0,8 

0,6 

Krankenbestand insgesamt 


76 500 

1 882 

57 306 

17 312 


104 










Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Fachkrankenhäuser für Psychiatrie und Psychiatrie/Neurologie 
Verteilung der Diagnosen (30. Mai 1973) 

Träger: frei-gemeinnützig 


Diagnosegruppen 

(Jeder Patient nur mit einer Diagnose) 

Diagnosenschlüssel 
(ICD 68) 

Kranken- 

bestand 

Altersgruppen 

bis unter 
15 Jahre 

15 bis unter 
65 Jahre 

65 und 
darüber 

Angaben in Vo 

Psychische Störungen des höheren Lebensalters (einschl. 






präsenile und senile Demenz) 

290, 293,0 

7.0 


2,0 

25,3 

Andere organische psychiatrische Erkrankungen 

292—294, 


2,2 

2,9 

3,8 


309 außer 293,0,2 






und 309,4 





Schizophrener Formenkreis 

295 

28ß 


28,8 

30,4 

Affektive (manisch-depressive) Psychosen 

296, 298,0 

5,8 


5,5 

7,5 

Andere (paranoide, reaktive und sonstige) Psychosen 

297—299 

3,0 


2,5 

5,2 


außer 298,0 





Neurotische Leiden 

300 

2,9 

1.7 

3,6 

0,7 

Persönlichkeitsstörungen 

301, 302 

19 

0,9 

2,0 

1.6 

Suchten: 






a) Alkoholpsychosen / Alkoholismus (ohne d) 

291, 303 

3,3 

0,4 

3,8 

1.9 

b) Drogenabhängigkeit (ohne d) 

304, 0,4—7 

0,2 


0,2 


c) Sonstige Medikamentenabhängigkeit (ohne d) 

304, 1—3,8— 9 

0,5 


0,6 

0,1 

d) Alkoholismus mit Drogen- oder Medikamenten- 






abhängigkeit 

303 mit 304 

0,3 


0,4 

0,1 

Psychosomatische Störungen 

305—308 

0,9 

0,9 

1.0 

0,8 

Anfallsleiden mit psychischen Störungen 

293,2,309,4 

16,4 

65,1 

18,1 

6,8 

ohne psychische Störungen 

345 

1.2 

2,2 

1.3 

0,7 

Schwachsinnsformen : 






Einfache Minderbegabung einschließlich Lernbehinderte 






(IQ über 70) 

310 

0,4 \ 

1.3 

0,4 

0,3 

Leichter Schwachsinn (IQ 70 — 50) 

311 

3,4 

2,6 

3,9 

1.7 

Erheblicher Schwachsinn (IQ unter 50 — 35) 

312 

8,9 

6,1 

10,0 

5,3 

Schwerer Schwachsinn (IQ unter 35) 

313 u. 314 

6,6 

16,2 

7,6 

2,6 

Nicht näher bestimmbarer Schwachsinnsgrad 

315 





Körperlich Kranke ohne psychische Störungen 






a) neurologisch 


h7 


1.8 

1.6 

b) internistisch 


0,1 


0,1 

0,4 

c) sonstige 


2,8 

0,4 

2,9 

2,9 

Übrige Kranke 


0,7 


0,9 

0,3 

Krankenbestand insgesamt 


13 083 

229 

10 007 

2 847 


105 




Drucksache 7/4201 Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Fachkrankenhäuser für Psychiatrie und Psychiatrie/Neurologie 

Verteilung der Diagnosen (30. Mai 1973) 

Träger: privat 


Diagnosegruppen 

Diagnosensdilüssel 

Kranken- 

bestand 

Altersgruppen 

bis unter 15 bis unter 

65 und 

(Jeder Patient nur mit einer Diagnose) 

(ICD 68) 


15 Jahre 65 Jahre 

darüber 




Angaben in “/o 


Psychische Störungen des höheren Lebensalters (einschl. 





präsenile und senile Demenz) 

290, 293,0 

8,7 

3,5 

29,2 

Andere organische psychiatrische Erkrankungen 

292—294, 

8,1 

9,6 

2,2 

Schizophrener Formenkreis 

309 außer 293,0,2 
und 309,4 

295 

30,0 

27,0 

41,9 

Affektive (manisch-depressive) Psychosen 

296, 298,0 

12,0 

12,6 

9,7 

Andere (paranoide, reaktive und sonstige) Psychosen .... 

297—299 

2,9 

3,0 

2,4 

Neurotische Leiden 

außer 298,0 

300 

4,7 

5,8 

0,4 

Persönlichkeitsstörungen 

301, 302 

1,7 

2,0 

0,7 






a) Alkoholpsy^.^ix. ' ^ 

OQ1 

/f 7 

i;. K 

1 A 

b) Drogenabhängigkeit (ohne d) 

304, 0,4—7 

0,7 

100,0 0,6 


c) Sonstige Medikamentenabhängigkcit (ohne d) 

304, 1—3,8— 9 

0,5 

0,6 

0,1 

d) Alkoholismus mit Drogen- oder Mcdikamenten- 
abhängigkeit 

303 mit 304 

0,6 

0,8 


Psychosomatische Störungen 

305—308 

2,0 

2,4 

0,4 

Anfallsleiden mit psychischen Störungen 

293,2,309,4 

3,0 

3,4 

1,7 

ohne psychische Störungen 

345 

2,2 

2,7 

0,2 

Schwachsinnsforinen ; 

Einfache Minderbegabung einschließlich Lernbehinderte 
(IQ über 70) 

310 

0,1 

0,0 

0,1 

Leichter Schwachsinn (IQ 70 — 50) 

311 

1,2 

1,3 

0,6 

Erheblicher Schwachsinn (IQ unter 50 — 35) 

312 

3,9 

4,1 

2,9 

Schwerer Schwachsinn (IQ unter 35) 

313 u. 314 

3,9 

4,2 

3,1 

Nicht näher bestimmbarer Schwadisinnsgrad 

315 




Körperlich Kranke ohne psychische Störungen 





a) neurologisch 


9,0 

10,6 

2,9 

b) internistisch 

c) sonstige 

Übrige Kranke 


0,0 

0,0 

0,1 

0,0 

0,0 

0,1 


Krankenbestand insgesamt 


4 614 

11 3 661 

942 


106 




Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Fachabteiiungen für Psychiatrie und Psychiatrie/Neurologie 
Verteilung der Diagnosen (30. Mai 1973) 




Kranken- 

bestand 

Altersgruppen 

Diagnosegruppen 

(Jeder Patient nur mit einer Diagnose) 

Diagnosensdilüssel 
(ICD 68) 

bis unter 
15 Jahre 

15 bis unter 
65 Jahre 

65 und 
darüber 



Angaben in “/o 

Psychische Störungen des höheren Lebensalters (einschl. 
präsenile und senile Demenz) 

290, 293,0 

6,5 


2,1 

28,7 

Andere organische psychiatrische Erkrankungen 

292—294, 

309 außer 293,0,2 
und 309,4 

3,5 

6,3 

3,0 

6,2 

Schizophrener Formenkreis 

295 

12,2 


13,8 

4,8 

Affektive (manisch-depressive) Psychosen 

296, 298,0 

14,0 


13,7 

16,0 

Andere (paranoide, reaktive und sonstige) Psychosen .... 

297—299 
außer 298,0 

3,3 


2,9 

5,0 

Neurotische Leiden 

300 

7,4 

12,5 

8,7 

0,8 

Persönlichkeitsstörungen 

301, 302 

2,6 


2,9 

1,4 

Suchten: 






a) Alkoholpsychosen / Alkoholismus (ohne d) 

291, 303 

8,9 


10,0 

4,0 

b) Drogenabhängigkeit (ohne d) 

304, 0,4—7 

IJ 


1,3 

0,2 

c) Sonstige Medikamentenabhängigkeit (ohne d) 

304, 1—3,8— 9 

1,1 


1,2 

0,4 

d) Alkoholismus mit Drogen- oder Medikamenten- 
abhängigkeit 

303 mit 304 

0,6 


0,8 


Psychosomatische Störungen 

305—308 

1,5 


1,7 

0,6 

Anfallsleiden mit psychischen Störungen 

293,2,309,4 

1,3 


2,0 

0,8 

ohne psychische Störungen 

345 

2,0 


2,4 

0,2 

Schwachsinnsformen : 






Einfache Minderbegabung einschließlich Lernbehinderte 
(IQ über 70) 

310 

0,2 


0,3 


Leichter Schwachsinn (IQ 70 — 50) 

311 

0,4 


0,5 


Erheblicher Schwachsinn (IQ unter 50 — 35) 

312 

0,5 


0,7 


Schwerer Schwachsinn (IQ unter 35) 

313 u. 314 

0,3 


0,4 


Nicht näher bestimmbarer Schwachsinnsgrad 

315 

0,3 


0,4 


Körperlich Kranke ohne psychische Störungen 






a) neurologisch 


30,4 

81,3 

30,2 

29,5 

b) internistisch 


0,4 


0,4 

0,6 

c) sonstige 


0,1 


0,1 

0,4 

übrige Kranke 


0,5 


0,6 

0,4 

Krankenbestand insgesamt 


3 021 

16 

2 498 

507 


107 
















Drucksache 7/4201 Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Universitätskliniken 
Verteilung der Diagnosen (30. Mai 1973) 


Diagnosegruppen 

(Jeder Patient nur mit einer Diagnose) 

Diagnosenschlüssel 
(ICD 68) 

Kranken- 

bestand 

Altersgruppen 

bis unter 
15 Jahre 

15 bis unter 
65 Jahre 

65 und 
darüber 

Angaben in ®/o 

Psychische Störungen des höheren Lebensalters (einschl. 






präsenile und senile Demenz) 

290, 293,0 

3ß 


1.5 

26.8 

Andere organische psychiatrische Erkrankungen 

292—294, 

5,5 

6.5 

5,2 

8,4 


309 außer 293,0,2 






und 309,4 





Schizophrener Formenkreis 

295 

17 A 

4.0 

19,7 

0.8 

Affektive (manisch-depressive) Psychosen 

296, 298,0 

17 A 

3.2 

17.7 

22.0 

Andere (paranoide, reaktive und sonstige) Psychosen .... 

297—299 

S,7 

0.8 

4.0 

2.8 


außer 298,0 





Neurotische Leiden 

300 

11.7 

17.7 

12.5 

1.2 

Persönlichkeitsstörungen 

301, 302 

3.7 

9.7 

3.7 

0.8 

Suchten: 






a) Alkoholpsychosen / Alkoholismus (ohne d) 

291, 303 

4.9 


5.6 

0.4 

Droaenabhängigkeit (ohne d) 

304, 0,4—7 

1.5 


1.8 


c) Sonstige Medikamenteiiauxxaixyigkeit (ohne d) 

304, 1—3,8— 9 

1.9 


2.2 

0.4 

d) Alkoholismus mit Drogen- oder Medikamenten- 






abhängigkeit 

303 mit 304 

1.2 


1.3 

0.8 

Psychosomatische Störungen 

305—308 

2.7 

31.5 

1.5 


Anfallsleiden mit psychischen Störungen 

293,2,309,4 

1.4 

3.2 

1.5 


ohne psychische Störungen 

345 

0.9 

3.2 

0.9 


Schwachsinnsformen: 






Einfache Minderbegabung einschließlich Lernbehinderte 






(IQ über 70) 

310 

0.5 

3.2 

0.4 


Leichter Schwachsinn (IQ 70 — 50) 

311 

0.4 

4.8 

0.2 


Erheblicher Schwachsinn (IQ unter 50 — 35) 

312 

0.2 

3.2 

0.1 


Schwerer Schwachsinn (IQ unter 35) 

313 u. 314 

0.1 


0.1 


Nicht näher bestimmbarer Schwachsinnsgrad 

315 





Körperlich Kranke ohne psychische Störungen 






a) neurologisch 


20.3 

4,0 

19.8 

33.6 

b) internistisch 


0.4 


0.2 

2.0 

c) sonstige 






übrige Kranke 


0.4 

4.8 

0.2 


Krankenbestand insgesamt 


3 140 

136 

2 729 

275 


108 




Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Fadikrankenhäuser und Fachabteilungen für Kinder- und Jugendpsychiatrie 

Verteilung der Diagnosen (30. Mai 1973) 


Diagnosegruppen 

(Jeder Patient nur mit einer Diagnose) 

Diagnosensdilüssel 
(ICD 68) 

Kranken- 

bestand 

Altersgruppen 

bis unter 
15 Jahre 

ISJahreund 

darüber 

Angaben in ®/o 

Organische psychiatrische Erkrankungen einschließlich 





organischer Demenzprozesse 

292—294 (außer 293,2) 

1,3 

0,1 

2,9 

Chronische organische und endokrine Psychosyndrome 





(z. B, Folgen frühkindlicher Hirnschädigungen ohne 





Schwachsinn) 

309 (außer 309,4) 

2,6 

3,9 

0,6 

SchizophrenerFormenkreis 

295 

0,7 

0,6 

0,8 

Affektive (manisch-depressive) Psychosen 

296, 298,0 

0,7 

0,2 

1,3 

Andere Psychosen (paranoide, reaktive, einschließlich 





Entwicklungskrisen psychotischen Ausmaßes) 

297—299 außer 298,0 

0,2 

0,1 

0,3 

Neurotische Leiden 

300 

4,1 

5.9 

1,5 

Persönlichkeitsstörungen, Dissozialität, Psychopathien, 





sexuelle Verhaltensabweichungen 

301, 302 

1,4 

1,3 

1,6 

Suchten: 





a) Alkoholpsychosen / Alkoholismus (ohne d) 

291, 303 

0,1 


0,1 

b) Drogenabhängigkeit (ohne d) 

304, 0.4—7 

0,4 

0,0 

0,9 

c) Sonstige Medikamentenabhängigkeit (ohne d) 

304, 1—3, 8—9 

0,0 


0,1 

d) Alkoholismus mit Drogen- oder Medikamenten- 





abhängigkeit 

303 mit 304 




rsychosomatische Störungen 

305, 306,4—8 

1,1 

1,8 

0,1 

Lern-, Teilleistungs- und psychomotorische Störungen . . . 

306,0—3 

1,8 

2,8 

0,2 

Autismus (Kanner) und autistische Syndrome 

306,9 

1,0 

1,5 

0,3 

Anpassungsstörungen und abnorme Erlebnisreaktionen 





der Kindheit und Adoleszenz 

307, 308 

2,6 

3,8 

0,9 

Anfallsleiden mit psychischen Störungen 

293,2 309,4 

2,9 

2,5 

3,3 

ohne psychische Störungen 

345 

0,7 

1,1 

0,1 

Schwachsinnsformen : 





Einfache Minderbegabung (einschl. Lernbehinderte) 





(IQ über 70) 

310 

4,7 

6,6 

1,9 

Leichter Schwachsinn (IQ 70 — 50) 

311 

8,6 

10,2 

6,3 

Erheblicher Schwachsinn (IQ unter 50 — 35) 

312 

17,0 

16,1 

18,4 

Schwerer Schwachsinn (IQ unter 35) 

313 und 314 

43,1 

37,0 

52,0 

Nicht näher bestimmbarer Schwachsinnsgrad 

315 




Körperlich Kranke ohne psychische Störungen: 





a) neurologisch 


0,2 

0,3 


b) pädiatrisch-internistisch 





c) sonstige 


0,5 


1,3 

Übrige Kranke 


4,5 

4,0 

5,2 

Krankenbestand insgesamt 


3 420 

2 048 

1 372 


109 




Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Fadikrankenhäuser für Gerontopsychiatrie 
Verteilung der Diagnosen (30. Mai 1973) 




Kranken- 

bestand 

Altersgruppen 


Diagnosegruppen 

(Jeder Patient nur mit einer Diagnose) 

Diagnosenschlüssel 
(ICD 68) 

bis unter 15 bis unter 
15 Jahre 65 Jahre 

65 und 
darüber 




Angaben in ®/o 


Psychische Störungen des höheren Lebensalters (einschl. 





präsenile und senile Demenz) 

290, 293,0 

18,4 

4,7 

30,2 

Andere organische psychiatrische Erkrankungen 

292—294, 309 
außer 293,0,2 
und 309,4 

7,6 

8,5 

6,8 

Schizophrener Formenkreis 

295 

17,5 

18,6 

16,6 

Affektive (manisch-depressive) Psychosen 

296, 298,0 

4,4 

5,1 

3,7 

Andere (paranoide, reaktive und sonstige) Psychosen .... 

297—299 
außer 298,0 

3,0 

1,6 

4,3 

Neurotische Leiden 

300 

1,8 

3,8 


Persönlichkeitsstörungen 

301, 302 

2,1 

2,5 

1,7 

Suchten: 





a) Alkoholpsychosen / Alkoholismus (ohne d) 

b) Drogenabhängigkeit (ohne d) 

c) Sonstige Medikamentenabhängigkeit (ohne d) 

291, 303 

304, 0,4—7 

304,1—3,8—9 

3,1 

3,1 

3,1 

d) Alkoholismus mit Drogen- oder Medikamenten- 





abhängigkeit 

303 mit 304 




Psychosomatische Störungen 

305—308 

0,2 

0,2 

0,2 

Anfallsleiden mit psychischen Störungen 

293,2, 309,4 

3,6 

4,5 

2,9 

ohne psychische Störungen 

345 

0,9 

1,6 

0,4 

Schwachsinnsformen ; 

Einfache Minderbegabung einschließlich Lernbehinderte 





(IQ über 70) 

310 

0,2 

0,4 


Leichter Schwachsinn (IQ 70 — 50) 

311 

3,0 

3,8 

2,3 

Erheblicher Schwachsinn (IQ unter 50 — 35) 

312 

12,2 

15,7 

9,3 

Schwerer Schwachsinn (IQ unter 35) . 

Nicht näher bestimmbarer Schwachsinnsgrad 

313 und 314 

315 

7,6 

12,3 

3,5 

Körperlich Kranke ohne psychische Störungen 





a) neurologisch 


8,9 

10,7 

7,4 

b) internistisch 


1,9 

0,9 

2,7 

c) sonstige 


2,0 

0,4 

3,3 

übrige Kranke 


1,7 

1,6 

1,7 

Krankenbestand insgesamt 


972 

451 

521 


110 






Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Fachkrankenhäuser für Suchtkranke 
Verteilung der Diagnosen (30. Mai 1973) 


Diagnosegruppen 

(Jeder Patient nur mit einer Diagnose) 

Didgnosenschlüssel 
(ICD 68) 

Kranken- 

bestand 

Altersgruppen 

bis unter 
15 Jahre 

15 bis unter 
65 Jahre 

65 und 
darüber 

Angaben in ®/o 

Psychische Störungen des höheren Lebensalters (einschl. 




präsenile und senile Demenz) 

290, 293,0 



Andere organische psychiatrische Erkrankungen 

292—294, 309 




außer 293,0,2 




und 309,4 



Schizophrener Formenkreis 

295 



Affektive (manisch-depressive) Psychosen 

296, 298,0 



Andere (paranoide, reaktive und sonstige) Psychosen .... 

297—299 




außer 298,0 



Neurotische Leiden 

300 



Persönlichkeitsstörungen 

301, 302 



Suchten: 




a) Alkoholpsychosen / Alkoholismus (ohne d) 

291, 303 

88,1 

88,0 

100,0 

b) Drogenabhängigkeit (ohne d) 

304, 0,4—7 

6,1 

6,1 

c) Sonstige Medikamentenabhängigkeit (ohne d) 

304,1—3,8—9 

1,3 

1.3 

d) Alkoholismus mit Drogen- oder Medikamenten- 




abhängigkeit 

303 mit 304 

4,5 

4,6 

Psychosomatische Störungen 

305—308 



Anfallsleiden mit psychischen Störungen 

293,2, 309,4 



ohne psychische Störungen 

345 



Schwachsinnsformen : 




Einfache Minderbegabung einschließlich Lernbehinderte 




(IQ über 70) 

310 



Leichter Schwachsinn (IQ 70 — 50) 

311 



Erheblicher Schwachsinn (IQ unter 50 — 35) 

312 



Schwerer Schwachsinn (IQ unter 35) 

313 und 314 



Nicht näher bestimmbarer Schwachsinnsgrad 

315 



Körperlich Kranke ohne psychische Störungen 




a) neurologisch 




b) internistisch 




c) sonstige 




übrige Kranke 




Krankenbestand insgesamt 


1 176 

1 173 

3 


111 




Drucksache 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Heime und Anstalten für geistig Behinderte und dironisch psychisch Kranke 

(101 und mehr Betten) 

Verteilung der Diagnosen (30. Mai 1973) 




Kranken- 

bestand 


Altersgruppen 


Diagnosegruppen 

(Jeder Patient nur mit einer Diagnose) 

Diagnosensdilüssel 
(ICD 68) 

bis unter 
15 Jahre 

15 bis unter 
65 Jahre 

65 und 
darüber 




Angaben in ®/* 


Psychische Störungen des höheren Lebensalters (einsdil. 






präsenile und senile Demenz) 

290, 293,0 

5,2 


Iß 

28.3 

Andere organische psychiatrische Erkrankungen 

292—294, 309 
außer 293,0,2 
und 309,4 

2,6 

0.4 

2,4 

5.9 

Schizophrener Formenkreis 

295 

5,5 

0.2 

5.9 

10,9 

Affektive (manisch-depressive) Psychosen 

296, 298,0 

0.4 

0.0 

0.4 

1.2 

Andere (paranoide, reaktive und sonstige) Psychosen .... 

297—299 
außer 298,0 

0.8 

0.0 

0.9 

15 

Neurotische Leiden 

300 

0.3 

0.0 

0.3 

0.4 

Persönlichkeitsstörungen 

301, 302 

0.9 

0.4 

1.1 

0.7 

Suchten: 






a) Alkoholpsychosen / Alkoholismus (ohne d) 

b) Drogenabhängigkeit (ohne d) 

291, 303 

304, 0,4—7 

2.7 


3.4 

3.0 

c) Sonstige Medikamentenabhängigkeit (ohne d) 

304,1—3,8—9 

0.1 


0.1 

0.0 

d) Alkoholismus mit Drogen- oder Medikamenten- 






abhängigkeit 

303 mit 304 

0.2 


0.2 

0.1 

Psychosomatische Störungen 

305—308 

0.1 

0.4 

0.0 

0.2 

Anfallsleiden mit psychischen Störungen 

293,2, 309,4 

4.1 

3.6 

4.7 

2.2 

ohne psychische Störungen 

345 

0.7 

0.8 

0.6 

0.8 

Schwachsinnsformen : 

Einfache Minderbegabung einschließlich Lernbehinderte 






(IQ über 70) 

310 

5.4 

13.7 

3.8 

Iß 

Leichter Schwachsinn (IQ 70 — 50) 

311 

16.5 

25.0 

15,8 

8.0 

Erheblicher Schwachsinn (IQ unter 50 — 35) 

312 

22,4 

22,7 

24,9 

11,4 

Schwerer Schwachsinn (IQ unter 35) 

313 und 314 

15.2 

19,3 

16,5 

3,9 

Nicht näher bestimmbarer Schwachsinnsgrad 

315 

6.2 

6,3 

6.1 

6,3 

Körperlich Kranke ohne psychische Störungen 






a) neurologisch 


0.9 

0,0 

0.9 

1.7 

b) internistisch 


0.8 

0.0 

0.3 

3,8 

c) sonstige 


2.5 

0.7 

2.6 

4.2 

übrige Kranke 


6.7 

6.4 

7.3 

4.3 

Krankenbestand insgesamt ^ 


35 064 

6 952 

22 863 

5 249 


112 




Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Fachkrankenhäuser, Fachabteilungen, Heime und Anstalten 
Krankenbestand nach Diagnosen 





Patienten in 




Diagnosegruppen 

(Jeder Patient nur mit einer Diagnose) 
Krankenbestand am 30. Mai 1973 

Fadi- 

kranken- 

häusern 

Fach- 

abteilungen 

Universi- 

täts- 

kliniken 

Fach- 

kranken- 

häusern 

und 

Fach- 
abteilungen 
für Kinder- 
und 

Jugend- 

psydiiatrie 

Fachkrankenhäusern 

für 

Heimen 

und 

Anstalten 





Geronto- 

psychia- 

trie 

Sucht- 

kranke 





Angaben in “/o 




Psychiatrische Störungen des höheren 
Lebensalters und andere organische 
psychiatrische Erkrankungen 

13,0 

10,1 

9,1 

3,8 

25,9 


7,8 

Schizophrener Formenkreis 

36,7 

12,2 

17,4 

0,7 

17,5 


5,5 

Affektive (manisch-depressive) und an- 
dere (paranoide, reaktive und son- 
stige) Psychosen 

8,2 

17,3 

21,2 

0,8 

7,4 


1,3 

Neurotische Leiden, Persönlichkeitsstö- 
rungen, psychosomatische Störungen 

4,0 

11,6 

18,1 

12,0 

4,0 


1,3 

Suchten 

9,6 

117 

9,6 

0,5 

3,1 

100,0 

2,9 

Anfallsleiden 

6,0 

3,8 

2,3 

3,6 

4,6 


4,8 

Schwachsinnsformen 

18,5 

1,8 

1,2 

73,4 

23,0 


65,6 

Körperlich Kranke ohne psychische 
Störungen (neurologisch, interni- 
stisch), übrige Kranke 

4,0 

31,5 

21,1 

5,2 

14,4 


10,8 

Krankenbestand insgesamt 

94 197 

3 021 

3 140 

3 420 

972 

1 176 

35 064 


Fachkrankenhäuser für Psychiatrie und Psychiatrie/Neurologie 
Krankenbestand nach Diagnosen und Bettengrößenklassen 



Patienten 

insgesamt 


davon: in Fachkrankenhäusern mit 


Diagnosegruppen 

(Jeder Patient nur mit einer Diagnose) 
Krankenbestand am 30. Mai 1973 

unter 100 
Betten 

101 bis 500 
Betten 

501 bis 1 000 
Betten 

1 001 und mehl 
Betten 




Angaben in ®/o 



Psychische Störungen des höheren Le- 
bensalters und andere organische 
psychiatrische Erkrankungen 

13,0 

9,5 

13,1 

15,3 

12,3 

Schizophrener Formenkreis 

36,7 

27,0 

30,1 

37,9 

37,5 

Affektive (manisch-depressive) und an- 
dere (paranoide, reaktive und sonstige) 
Psychosen 

8,2 

17,0 

14,4 

7,3 

7,4 

Neurotische Leiden, Persönlichkeitsstö- 
rungen, psychosomatische Störungen . . 

4,0 

17,7 

8,1 

3,4 

3,3 

Suchten 

9,6 

7,6 

9,2 

8,2 

10,2 

Anfallsleiden 

6,0 

6,9 

4,4 

5,3 

6,5 

Schwachsinnsformen 

18,5 

12,0 

14,1 

19,1 

19,1 

Körperlich Kranke ohne psychische Stö- 
rungen, (neurologisch, internistisch), 
übrige Kranke 

4,0 

2,1 

6,6 

3,3 

3,8 

Krankenbestand insgesamt 

94 197 

1 145 

8 985 

20 555 

63 512 


113 





Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Fachkrankenhäuser für Psychiatrie und Psychiatrie/Neurologie 
Krankenbestand nach Diagnosen 


Diagnosegruppen 

(Jeder Patient nur mit einer Diagnose) 
Krankenbestand ain 30. Mai 1973 

Patienten 

davon: 

in Fadikrankenhäusern nach Träg 

ern 

insgesamt 

öffentlich 

1 frei, gemeinnützig | 

privat 


Angaben in ®/o 


Psychische Störungen des höheren Lebens- 
alters und andere organische psychiatri- 
sche Erkrankungen 

13,0 

13,3 

10,1 

16,8 

Schizophrener Formenkreis 

36,7 

38,5 

28,6 

30,0 

Affektive (manisch-depressive) und andere 
(paranoide, reaktive und sonstige) Psycho- 

sen 

8,2 

7,7 

8,8 

14,9 

Neurotische Leiden, Persönlichkeitsstörun- 
gen, psychosomatische Störungen 

4,0 

3,5 

5,7 

8,4 

Suchten 

9,6 

10,7 

4,3 

6,6 

Anfallsleiden 

6,0 

4,1 

17,6 

5,3 

Schwachsinnsformen 

18,5 

18,8 

19,4 

9,0 

Körperlich Kranke ohne psychische Störun- 
gen (neurologisch, internistisch), übrige 
Kranke 

4,0 

3,5 

5,5 

9,1 

Krankenbestand insgesamt 

94 197 

76 500 

13 083 

4614 


Fachkrankenhäuser, Fachabteilungen, Heime und Anstalten 
Krankenbestand nach Diagnosen und Alter 
(bis 15 Jahre) 


Diagnosegruppen 

(Jeder Patient nur mit einer Diagnose) 
Krankenbestand am 30. Mai 1973 

Patienten in 

Fach- 

kranken- 

häusern 

Fach- 

abteilungen 

Universi- 

täts- 

kliniken 

Fach- 
kranken- 
häusern 
und Fadl- 
abteilungen 
für Kinder- 
und 

Jugend- 

psydiiatric 

Fachkrankenhäusern 

für 

Heimen 

und 

Anstalten 

Geronto- 

psychia- 

trie 

Sucht- 

kranke 

Angaben in Vo 

Psychische Störungen des höheren Le- 








bensalters und andere organische 








psychiatrische Erkrankungen 

3,9 

6,3 

6,5 

4,0 



0,4 

Schizophrener Formenkreis 

0,6 


4,0 

0,6 



0,2 

Affektive (manisch-depressive) und an- 








dere (paranoide, reaktive und son- 








stige) Psychosen 

0,2 


4,0 

0,3 



0,0 

Neurotische Leiden, Persönlichkeitsstö- 








rungen, psychosomatisdie Störungen 

8,4 

12,5 

58,9 

17,1 



0,8 

Suchten 

0,9 



0,0 




Anfallsleiden 

9,9 


6,5 

3,7 



4,4 

Schwachsinnsformen 

74,7 


11,3 

69,9 



87,0 

Körperlich Kranke ohne psychische 








Störungen (neurologisch, interni- 








stisch), übrige Kranke 

1,3 

81,3 

8,9 

4,3 



7,2 

Krankenbestand insgesamt 

1 2 122 

16 

136 

2 048 



6 952 


114 







Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Fachkrankenhäuserr Fachabteilungen, Heime und Anstalten 
Krankenbestand nach Diagnosen und Alter 

(15 bis 65 Jahre) 





Patienten in 




Diagnosegruppen 

(Jeder Patient nur mit einer Diagnose) 
Krankenbestand am 30. Mai 1973 

Fach- 

kranken- 

häusern 

Fadl- 

abteilungen 

Universi- 

täts- 

kliniken 

Fadi- 
kranken- 
häusern 
und Fadl- 
abteilungen 
für Kinder- 
und 

Jugend- 

psydiia- 

trie 

Fadikrankenhäusern 

für 

Heimen 

und 

Anstalten 




Geronto- 

psydiia- 

trie 

Sudit- 

kranke 





Angaben in ®/o 




Psychische Störungen des höheren Le- 
bensalters und andere organische 
psychiatrische Erkrankungen 

5,7 

5,0 

6,6 

3,5 

13,2 


4,0 

Schizophrener Formenkreis 

39,2 

13,8 

19,7 

0,8 

18,6 


5,9 

Affektive (manisch-depressive) und an- 
dere (paranoide, reaktive und son- 
stige) Psychosen 

7,5 

16,6 

21,6 

1,6 

6,7 


1,3 

Neurotische Leiden, Persönlichkeitsstö- 
rungen, psychosomatische Störungen 

4,6 

13,4 

17,7 

4,5 

6,5 


1,4 

Suchten 

11,5 

13,3 

10,9 

1,1 

3,1 

100,0 

3,7 

Anfallsleiden 

6,9 

4,4 

2,4 

3,4 

6,0 


5,3 

Schwachsinnsformen 

20,3 

2,2 

0,8 

78,6 

32,2 


67,1 

Körperlich Kranke ohne psychische 
Störungen (neurologisch, interni- 
stisch), übrige Kranke 

4,3 

31,3 

20,2 

6,5 

13,6 


11,1 

Krankenbestand ingesamt | 

70 974 

2 498 

2 729 

1 372 

451 

1 173 

22 863 


Facbkrankenhäuser, Fadiabteilungen, Heime und Anstalten 
Krankenbestand nach Diagnosen und Alter 

(65 Jahre und älter) 


Diagnosegruppen 

(Jeder Patient nur mit einer Diagnose) 
Krankenbestand am 30. Mai 1973 

Patienten in 

Fach- 

kranken- 

häusern 

Fach- 

abteilungen 

Universi- 

täts- 

kliniken 

Fach- 
kranken- 
häusern 
und Fach- 
abteilungen 
für Kinder- 
und 

Jugend- 

psychia- 

trie 

Fachkrank 

fl 

Geronto- 

psychia- 

trie 

enhäusern 

ir 

Sucht- 

kranke 

Heimen 

und 

Anstalten 

Angaben in ®/o 

Psychische Störungen des höheren Le- 








bensalters und andere organische 








psychiatrische Erkrankungen 

38,2 

34,9 

35,2 


36,9 


34,1 

Schizophrener Formenkreis 

32,0 

4,8 

0,8 


16,6 


10,9 

Affektive (manisch-depressive) und an- 








dere (paranoide, reaktive und son- 








stige) Psychosen 

11,4 

21,0 

24,8 


7,9 


2,7 

Neurotische Leiden, Persönlichkeitsstö- 








rungen, psychosomatische Störungen 

1,5 

2,8 

2,0 


1,9 


1,3 

Suchten 

4,3 

4,6 

1,6 


3,1 

100,0 

3,1 

Anfallsleiden 

2,6 

1,0 



3,3 


2,9 

Schwachsinnsformen 

6,7 




15,1 


30,9 

Körperlich Kranke ohne psychische 








Störungen (neurologisch, interni- 








stisch), übrige Kranke 

3,2 

30,9 

35,6 


15,1 


14,1 

Krankenbestand ingesamt 

1 21 101 

507 

275 


521 

3 

5 249 


115 







Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Fachkrankenhäuser 

Träger und durchschnittliche Verweildauer^) im Jahre 1972 



Anzahl der 
Einriditungen 

durdisdinittlidie 
Verweildauer 
in Tagen 

Träger: 



öffentlich 

73 

220,3 

frei-gemeinnützig 

33 2) 

317,2 

privat 

17 2) 

101,3 


Fachkrankenhäuser 

Bettengrößenklassen und durchschnittliche Verweildauer im Jahre 1972 



Anzahl der 
Einriditungen 

durdisdinittlidie 
Verweildauer 
in Tagen 

Bettengrößenklassen: 

unter 100 Betten 

101 bis 500 Betten 

501 bis 1 000 Betten 

1 001 und mehr Betten 

18 2) 87,8 

33 2) 155,6 

28 230,7 

44 230,2 


Fachkrankenhäuser 

Träger, Bettengrößenklassen und durchschnittliche Verweildauer^) im Jahre 1972 



Anzahl der 
Einriditungen 

durdisdinittlidie 
Verweildauer 
in Tagen 

Träger: 

öffentlich 



unter 500 Betten 

12 2) 

131,9 

501 und mehr Betten 

61 

226,2 

frei-gemeinnützig 



unter 500 Betten 

26 2) 

216,9 

501 und mehr Betten 

7 

486,3 

privat 



unter 500 Betten 

13 2) 

57,7 

501 und mehr Betten 

4 

132,9 


Fachabteilungen, Universitätskliniken 
durchschnittliche Verweildauer^) im Jahre 1972 



Anzahl der durdisdinittlidie 

Einriditungen Verweildauer 

^ in Tagen 

Fachabteilungen 

36 35,37 

20 2) 32,06 

Universitätskliniken 


.X , Pflegetage x 2 

1) Durdischnittlidie Verweildauer = = = — 

Zugang + Abgang 

2) Bei dieser Aufstellung sind nur diejenigen Fadikrankenhäuser berüdcsiditigt worden, die Angaben zu 
„Pflegetagen", „Zugängen" und „Abgängen" gemacht haben. 


116 






Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Fachkrankenhäuser, Fachabteilungen, Heime und Anstalten 
Angaben zur Aufenthaltsdauer der Patienten am 30. Mai 1973 







davon: 




Patienten 

insgesamt 

darunter 
mit Anga- 
ben zur 
Aufent- 
haltsdauer 

bis unter 

3 

Monate 

3 

Monate 
bis unter 

1 Jahr 

1 Jahr 
bis unter 

2 Jahre 

2 Jahre 
bis unter 

5 Jahre 

5 J ahre 
bis unter 
10 Jahre 

10 Jahre 
und 

darüber 






Angaben in “/o 



Fachkrankenhäuser für Psychiatrie 









und Psychiatrie/Neurologie 

94 197 

85 260 

21 

13 

8 

13 

15 

31 

davon: 









unter 100 Betten 

1 145 

972 

40 

11 

7 

26 

10 

7 

101 bis 500 Betten 

8 985 

7 045 

31 

15 

7 

13 

14 

21 

501 bis 1 000 Betten 

20 555 

17 959 

20 

12 

7 

13 

14 

34 

1 001 und mehr Betten 

63 512 

59 284 

19 

13 

8 

13 

15 

32 

Fachabteilungen für Psychiatrie 









un . Psychiatrie/Neurologie .... 

3 021 

2 353 

83 

11 

2 

3 

0 

0 

Un' /ersitätskliniken 

3 140 

2 116 

87 

12 

1 

— 

— 

— 

F chkrankenhäuser und Fachabtei- 
lungen für Kinder- und Jugend- 









psychiatrie 

3 420 

2 610 

15 

9 

9 

16 

21 

30 

Fachkrankenhäuser für 









Gerontopsychiatrie 

972 

964 

9 

11 

7 

16 

17 

40 

Suchtkranke 

Heime und Anstalten für geistig 

1 176 

1 028 

30 

64 

1 

2 

4 


Behinderte und chronisch psy- 
chisch Kranke mit 









101 bis 500 Betten 

15 874 

9611 

2 

6 

7 

20 

22 

43 

501 und mehr Betten 

19 190 

8 084 

2 

7 

4 

12 

21 

55 


117 


iDrucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Fachkrankenhäuser 

Träger und durchschnittliche Bettenausnutzung^ im Jahre 1972 



Anzahl der 
Einrichtungen 

durchschnittliche 

Bettenausnutzung 

1 

Träger: 



öffentlich 

71 2) 

97,1 

frei-gemeinnützig 

35 2) 

90,7 

privat 

20 

94,4 

Fachkrankenhäuser 

Bettengrößenklassen und durchschnittliche Bettenausnutzung 

im Jahre 1972 


Anzahl der 
Einrichtungen 

durchschnittliche 

Bettenausnutzung 

Bettengrößenklassen: 



unter 100 Betten 

19 2) 

94,0 

101 bis 500 Betten 

36 2) 

92,4 

501 bis 1 000 Betten 

28 

97,8 

1 001 und mehr Betten 

43 2) 

96,1 


Fadikrankenhäuser 

Träger, Bettengrößenklassen und durchschnittliche Bettenausnutzung^) 

im Jahre 1972 



Anzahl der 
Einrichtungen 

durchschnittliche 

Bettenausnutzung 

Träger: 

öffentlich 



unter 500 Betten 

11 2) 

90,6 

501 und mehr Betten 

60 2) 

97,4 

frei-gemeinnützig 



unter 500 Betten 

28 2) 

94,5 

501 und mehr Betten 

7 

87,9 

privat 



unter 500 Betten 

16 

88,7 

501 und mehr Betten 

4 

96,9 


Fachabteilungen, Universitätskliniken 
durchschnittliche Bettenausnutzung^) im Jahre 1972 



Anzahl der 
Einrichtungen 

durchschnittliche 

Bettenausnutzung 

Fachabteilungen 

40 2) 95,14 

22 2) 90,74 

Universitätskliniken 


4 ^ „ Pfleqetaqe x 100 

1 Durdisdinittlidie Bettenausnutzung = — — : \ . / — : — : 

(Planmäßige Betten + zusatzlidi aufgestellte Betten) x 365 (366) 

2) Bei der Beredinung der durdisdinittlidien Bettenausnutzung sind die Einrichtungen berüdcsichtigt worden, 
die Angaben zu den Pflegetagen im Jahre 1972 gemacht haben. 


118 













Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Fachkrankenhäuser, Fachabteilungen, Heime und Anstalten 

Ärzte 



Ärzte 


davon; 



Insgesamt 

darunter: 

Vollzeit- 

beschäftigte 

Fachärzte 

für 

Psychiatrie 

und/oder 

Neurologie 

Fachärzte 
für Kinder- 
und 

Jugend- 

psychiatrie 

sonstige 
Ärzte in 
psychiatri- 
scher 
Tätigkeit 

Ärzte (ein- 
sdiließlidi 
Fachärzte) 
in nidit- 
psydiiatri- 
scher 
Tätigkeit 

Fachkrankenhäuser für Psychiatrie und Psych- 







iatrie/Neurologie 

1 651 

1 586 

861 

19 

685 

86 

davon: 







unter 100 Betten 

43 

41 

24 

2 

12 

5 

101 bis 500 Betten 

228 

215 

98 

2 

112 

16 

501 bis 1 000 Betten 

364 

348 

192 

3 

166 

3 

1 001 und mehr Betten 

1 016 

982 

547 

12 

395 

62 

Fachabteilungen für Psychiatrie und Psychia- 







trie/Neurologie 

252 

240 

89 

1 

99 

63 

Universitätskliniken 

517 

510 

184 

15 

294 

24 

Fachkrankenhäuser und Fachabteilungen für 







Kinder und Jugendpsychiatrie 

91 

84 

14 

35 

41 

1 

Fachkrankenhäuser für 







Gerontopsychiatrie 

8 

7 

4 

— 

2 

2 

Suchtkranke 

49 

24 

25 

— 

10 

14 

Heime und Anstalten für geistig Behinderte und 
chronisch psychisch Kranke mit 







101 bis 500 Betten 

68 

17 

21 

4 

7 

36 

501 und mehr Betten 

87 

65 

36 

11 

24 

16 

Insgesamt 

1 2 723 1) 

2 533 1 

1 234 

85 

1 162 

242 


1) In dieser Zahl sind insgesamt 78 Medizinalassistenten nicht enthalten. 


Fachkrankenhäuser, Fachabteilungen, Heime und Anstalten 
Personal: Fachärzte für Psychiatrie und Neurologie 







darunter: 








mit 

abge- 

schlos- 

sener 



Alter in Jahren 


Ins- 

gesamt 

in 

leitender 

in 

weiblich 

Aus- 

länder 

bis 

unter 

30 

Jahre 

30 bis 
unter 

50 

Jahre 

50 

Jahre 

und 

älter 



Funktion 

psychotherapeu- 

tischer 

Ausbildung 







Angaben in Vo 


Fachkrankenhäuser für Psychiatrie 
und Psvchiatrie/Neurologie 

861 

314 

51 

79 

25 

6 

1 

38 

60 

davon: 

unter 100 Betten 

24 

13 

2 

7 

17 

8 


58 

42 

101 bis 500 Betten 

98 

40 

3 

18 

24 

10 

2 

47 


501 bis 1 000 Betten 

192 

70 

2 

5 

27 

5 

2 

35 


1 001 und mehr Betten 

547 

191 

44 

49 

25 

5 

1 

37 

62 

Fachabteilungen für Psychiatrie und 
Psychiatrie/Neurologie 

89 

48 

3 

10 

12 

6 


65 

35 

Universitätskliniken 

184 

56 

23 

25 

9 

4 

1 

73 

26 

Fachkrankenhäuser und Fachabtei- 
lungen für Kinder- und Jugend- 
psychiatrie 

14 

7 

2 


50 

14 


50 

50 

Fachkrankenhäuser für 
Gerontopsychiatrie 

4 

1 



25 



50 

50 

Suchtkranke 

25 

15 

— 

6 

16 

4 

— 

30 

70 

Heime und Anstalten für geistig Be- 
hinderte und chronisch psychisch 
Kranke mit 

101 bis 500 Betten 

21 

9 

1 

5 

19 

5 


43 

57 

501 und mehr Betten 

36 

15 

— 

4 

22 

8 

3 

46 

51 


119 






Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Fachkrankenhäuser, Fachabteilungen, Heime und Anstalten 
Personal: Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie 


1 





darunter: 








mit 

abge- 

sdilos- 

sener 



Alter in Jahren 


Ins- 

gesamt 

in 

leitender 

in 

weiblidi 

Aus- 

länder 

bis 

unter 

30 bis 
unter 

50 

Jahre 

50 

Jahre 



Funktion 

psydiotherapeu- 

tisdier 

Ausbildung 



Jahre 

älter 





Angaben in '’/o 


Fachkrankenhäuser für Psychiatrie 
und Psychiatrie/Neurologie 

19 

10 


4 

26 

5 


61 

39 

davon: 

unter 100 Betten 

2 

2 


2 




100 


101 bis 500 Betten 

2 

1 

— 

— 

50 

— 

— 

100 

— 

501 bis 1 000 Betten 

3 

1 

— 

1 

33 

— 

— 

— 

100 

1 001 und mehr Betten 

12 

6 

— 

1 

25 

8 

— 

64 

36 

Fachabteilungen für Psychiatrie und 
Psychiatrie/Neurologie 

1 

1 






100 


Universitätskliniken 

15 

5 

— 

1 

20 

— 

— 

64 

36 

Fachkrankenhäuser und Fachabtei- 
lungen für Kinder- und Jugend- 
psychiatrie 

35 

21 

3 

8 

37 



44 

56 

Fachkrankenhäuser für 
Gerontopsychiatrie 










Suchtkranke 


— 

. — 

- — 

— 

— 

— 

— 

— 

Heime und Anstalten für geistig Be- 
hinderte und chronisch psychisch 
Kranke mit 

101 bis 500 Betten 

4 

2 

1 

1 

25 

25 


75 

25 

501 und mehr Betten 

11 

1 

— 

1 

27 

27 

— 

70 

30 


Fachkrankenhäuser, Fachabteilungen, Heime und Anstalten 
Personal: Sonstige Ärzte in psychiatrischer Tätigkeit 







darunter: 








mit 

abge- 

schlos- 

sener 



Alter in Jahren 


Ins- 

gesamt 

in 

leitender 

in 

weiblich 

Aus- 

länder 

bis 

unter 

30 

Jahre 

30 bis 
unter 

50 

Jahre 

50 

Jahre 

und 

älter 



Funktion 

psydiotherapeu- 






Ausbildung 


Angaben in ®/o 


Fachkrankenhäuser für Psychiatrie 
und Psychiatrie/Neurologie 

685 

12 

59 

8 

38 

9 

19 

67 

14 

davon: 

unter 100 Betten 

12 


3 


58 

8 

10 

80 

10 

101 bis 500 Betten 

112 

1 

17 

3 

32 

8 

19 

71 

10 

501 bis 1 000 Betten 

166 

6 

3 

2 

43 

9 

19 

61 

20 

1 001 und mehr Betten 

395 

5 

36 

3 

36 

10 

19 

68 

13 

Fachabteilungen für Psychiatrie und 
Psychiatrie/Neurologie 

99 


16 


31 

5 

22 

74 

3 

Universitätskliniken 

294 

1 

30 

9 

21 

3 

42 

58 

— . 

Fachkrankenhäuser und Fachabtei- 
lungen für Kinder- und Jugend- 
psychiatrie 

41 


5 

6 

66 

5 

26 

68 

5 

Fachkrankenhäuser für 
Gerontopsychiatrie 

2 

1 



50 



50 

50 

Suchtkranke 

10 

— 

— 

— 

20 

10 

— 

80 

20 

Heime und Anstalten für geistig Be- 
hinderte und chronisch psychisch 
Kranke mit 

101 bis 500 Betten 

7 

1 



29 


14 

14 

71 

501 und mehr Betten 

24 

— 

— 

— 

46 

— 

13 

54 

33 


120 





Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Fachkrankenhäuser, Fachabteilungen, Heime und Anstalten 
Personal: Ärzte (inklusive Fachärzte) in nichtpsychiatrischer Tätigkeit 







darunter: 








mit 

abge- 

sdilos- 

sener 



Alter in Jahren 


Ins- 

gesamt 

in 

leitender 

in 

weiblidi 

Aus- 

länder 

bis 

unter 

30 

Jahre 

30 bis 
unter 

50 

Jahre 

50 

Jahre 



Funktion 

psydiotherapeu- 

tisdier 

Ausbildung 



älter 





Angaben in ®/o 


Fachkrankenhäuser für Psychiatrie 
und Psychiatrie/Neurologie 

86 

22 

3 

4 

33 

7 

7 

58 

35 

davon: 

unter 100 Betten 

5 

3 

2 


40 

20 


100 


101 bis 500 Betten 

16 

3 

1 

1 

6 

— 

5 

40 

55 

501 bis 1 000 Betten 

3 

1 

— 


— 

__ 

— 

67 

33 

1 001 und mehr Betten 

62 

15 

— 

3 

40 

8 

8 

60 

32 

Fachabteilungen für Psychiatrie und 
Psychiatrie/Neurologie 

63 

13 

2 

— 

27 

8 

10 

86 

4 

Universitätskliniken 

24 

— 

— 

— 

21 

— 

25 

63 

13 

Fachkrankenhäuser und Fachabtei- 
lungen für Kinder- und Jugend- 
psychiatrie 

1 








100 

Fachkrankenhäuser für 
Gerontopsychiatrie 

2 

1 





50 

_ 

_ 

50 

50 

Suchtkranke 

14 

7 

— 

1 

29 

7 

6 

69 

25 

Heime und Anstalten für geistig Be- 
hinderte und chronisch psychisch 
Kranke mit 

101 bis 500 Betten 

36 

4 

1 

1 

3 



47 

53 

501 und mehr Betten 

16 

2 

— 

— 

25 

— 

7 

57 

36 


121 



Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Fachkrankenhäuser, Fachabteilungen, Heime und 
Anstalten 

Anzahl der Ärzte und Betten am 30. Mai 1973 



Betten 

ins- 

gesamt 

Arzte 

ins- 

gesamt 

1 Arzt 
je . . . 
Betten 

Fachkrankenhäuser für 
Psychiatrie und Psych- 
iatrie/Neurologie .... 

98 757 

1 651 

59,8 

davon: 

unter 100 Betten .... 

1 171 

43 

27,2 

101 bis 500 Betten . . 

9 373 

228 

41,1 

501 bis 1 000 Betten . . 

21 065 

364 

57,9 

1 001 und mehr Betten 

67 148 

1 016 

66,1 

Fachabteilungen für 
Psychiatrie und Psych- 
iatrie/Neurologie .... 

3 164 

252 

12,6 

Universitätskliniken .... 

3 507 

517 

6,8 

Fachkrankenhäuser und 
Fachabteilungen für 
Kinder- und Jugend- 
psychiatrie 

3 725 

91 

40,9 

Fachkrankenhäuser für 
Gerontopsychiatrie 

1 030 

8 

128,8 

Suchtkranke 

1 267 

49 

25,9 

Heime und Anstalten für 
geistig Behinderte und 
chronisch psychisch 
Kranke 

35 768 

155 

230,8 

davon mit: 

101 bis 500 Betten 

16 286 

68 

239,5 

501 und mehr Betten . . 

19 482 

87 

223,9 


Fachkrankenhäuser, Fadiabteilungen, Heime und 
Anstalten 

Anzahl der Fachärzte für Psychiatrie und/oder 
Neurologie und Betten am 30. Mai 1973 



Betten 

ins- 

gesamt 

Fachärzte 

ins- 

gesamt 

1 Facharzt 
je . . . 
Betten 

Fachkrankenhäuser, für 
Psychiatrie und Psych- 
iatrie/Neurologie .... 

98 757 

861 

114,7 

davon: 

unter 100 Betten .... 

1 171 

24 

48,8 

101 bis 500 Betten . . 

9 373 

98 

95,6 

501 bis 1 000 Betten . . 

21 065 

192 

109,7 

1 001 und mehr Betten 

67 148 

547 

122,8 

Fachabteilungen für 
Psychiatrie und Psych- 
iatrie/Neurologie .... 

3 164 

89 

35,6 

Universitätskliniken .... 

3 507 

184 

19,1 

Fachkrankenhäuser und 
Fachabteilungen für 
Kinder- und Jugend- 
psychiatrie 

3 725 

49 1) 

76,0 

Fachkrankenhäuser für 
Gerontopsychiatrie 

1 030 

4 

257,5 

Suchtkranke 

1 267 

25 

50,7 

Heime und Anstalten für 
geistig Behinderte und 
chronisch psychisch 
Kranke 

35 768 

57 

627,5 

davon mit: 

101 bis 500 Betten .... 

16 286 

21 

775,5 

501 und mehr Betten . , 

19 482 

36 

541,2 


In dieser Zahl enthalten sind 35 Fachärzte für Kinder- 
und Jugendpsychiatrie, 





Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Fachkrankenhäuser, Fachabteilungen, Heime und 
Anstalten 

Anzahl der Fachärzte für Psychiatrie und/oder 
Neurologie sowie für Kinder- und Jugend- 
psychiatrie und Betten am 30. Mai 1973 



Betten 

ins- 

gesamt 

Fachärzte 

ins- 

gesamt 

1 Facharzt 
je . . . 
Betten 

Fachkrankenhäuser für 
Psychiatrie und Psych- 
iatrie/Neurologie .... 

98 757 

880 

112,2 

davon: 

unter 100 Betten .... 

1 171 

26 

45,0 

101 bis 500 Betten . . 

9 373 

100 

93,7 

501 bis 1 000 Betten . . 

21 065 

195 

108,0 

1 001 und mehr Betten 

67 148 

559 

120,1 

Fachabteilungen für 
Psychiatrie und Psych- 
iatrie/Neurologie .... 

3 164 

90 

35,2 

Universitätskliniken .... 

3 507 

199 

17,6 

Fachkrankenhäuser und 
Fachabteilungen für 
Kinder- und Jugend- 
psychiatrie 

3 725 

49 

76,0 

Fachkrankenhäuser für 
Gerontopsychiatrie 

1 030 

4 

257,5 

Suchtkranke 

1 267 

25 

50,7 

Heime und Anstalten für 
geistig Behinderte und 
chronisch psychisch 
Kranke 

35 768 

72 

496,8 

davon mit: 

101 bis 500 Betten .... 

16 286 

25 

651,4 

501 und mehr Betten . . 

19 482 

47 

414,5 


Fachkrankenhäuser, Fachabteilungen, Heime und 
Anstalten 

Anzahl der Psychologen und Betten am 30. Mai 1973 



Betten 

ins- 

gesamt 

Psycho- 

logen 

ins- 

gesamt 

1 Psycho- 
loge 
je . . . 
Betten 

Fachkrankenhäuser für 




Psychiatrie und Psych- 
iatrie/Neurologie .... 

98 757 

195 

506,4 

davon: 




unter 100 Betten .... 

1 171 

4 

292,8 

101 bis 500 Betten . . 

9 373 

21 

446,3 

501 bis 1 000 Betten . . 

21 065 

48 

438,9 

1 001 und mehr Betten 

67 148 

122 

550,4 

Fachabteilungen für 




Psychiatrie und Psych- 
iatrie/Neurologie .... 

3 164 

19 

166,5 

Universitätskliniken .... 

3 507 

70 

50,1 

Fachkrankenhäuser und 




Fachabteilungen für 
Kinder- und Jugend- 
psychiatrie 

3 725 

31 

120,2 

Fachkrankenhäuser für 




Gerontopsychiatrie 

1 030 

1 

1 030,0 

Suchtkranke 

1 267 

12 

105,6 

Heime und Anstalten für 

geistig Behinderte und 
chronisch psychisch 
Kranke 

35 768 

46 

777,6 

davon mit: 

1 01 bis 500 Betten .... 

16 286 

13 

1 252,8 

501 und mehr Betten . . 

19 482 

33 

590,4 


123 





Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Fachkrankenhäuser, Fadiabteilungen, Heime und Anstalten 
Psychologen 



Psydiologen 


darunter: Psychologen . . . 





mit Aner- 

mit Aus- 
bildung in 
speziellen 
psycho- 
therapeuti- 
schen 
Techniken 
(Ver- 
haltens- 
therapie, 
Gesprächs- 
therapie 
u. a.) 

in . . . 

mit 

abgeschlos- 
sener . . . 


Ins- 

gesamt 

darunter: 

Vollzeit- 

besdiäftigte 

kennung 

für 

klinische 
Psychologie 
durch die 
Fach- 
gesellschaft 

psychotherapeutischer 

Ausbildung 

Fachkrankenhäuser für Psychiatrie und Psych- 







iatrie/Neurologie 

195 

185 

30 

60 

13 

19 

davon: 







unter 100 Betten 

4 

1 

2 

2 

— 

3 

101 bis 500 Betten 

21 

19 

2 

10 

4 

2 

501 bis 1 000 Betten 

48 

46 

9 

6 



5 

1 000 und mehr Betten 

122 

119 

17 

26 

9 

9 

Fachabteilungen für Psychiatrie und Psychia- 







trie/Neurologie 

19 

18 

6 

7 

7 

— 

Universitätskliniken 

70 

69 

8 

15 

14 

5 

Fachkrankenhäuser und Fachabteilungen für 







Kinder- und Jugendpsychiatrie 

31 

25 

1 

7 

8 

4 

Fachkrankenhäuser für 







Gerontopsychiatrie 

1 

1 

— 

— 

— 

— 

Suchtkranke 

12 

6 

2 

8 

3 

4 

Heime und Anstalten für geistig Behinderte und 
chronisch psychisch Kranke mit 







101 bis 500 Betten 

13 

12 

2 

2 

1 

2 

501 und mehr Betten 

33 

26 

3 

7 

3 

2 

Insgesamt 

1 374 

342 

1 52 

106 

49 

36 


' Fachkrankenhäuser, Fadiabteilungen, Heime und Anstalten 
Personal: Psychologen 







darunter: 



1 





mit 



Alter in Jahren 


Ins- 

gesamt 

in 

leitender 

Funktion 

in . . . 

abge- 

schlos- 

sener 

weiblich 

Aus- 

länder 

bis 

unter 

30 

Jahre 

30 bis 
unter 

50 

50 

Jahre 

und 

älter 













scher Ausbildung 


Angaben in "/o 


Fachkrankenhäuser für Psychiatrie 
und Psychiatrie/Neurologie .... 

195 

18 

13 

19 

47 

5 

42 

51 

7 

davon: 

unter 100 Betten 

4 

1 


3 

75 



100 


101 bis 500 Betten 

21 

2 

4 

2 

57 

10 

35 

60 

5 

501 bis 1000 Betten 

48 

6 

— 

5 

46 

4 

54 

44 

2 

1001 und mehr Betten 

122 

9 

9 

9 

45 

4 

40 

51 

9 

Fachabteilungen für Psychiatrie und 
Psychiatrie/Neurologie 

19 

2 

7 

_ 

37 



11 

89 


Universitätskliniken 

70 

3 

14 

5 

39 

— 

28 

69 

3 

Fachkrankenhäuser und Fachabtei- 
lungen für Kinder- und Jugend- 
psychiatrie 

31 


8 

4 

48 

6 

33 

63 

3 

Fachkrankenhäuser für 
Gerontopsychiatrie 

1 













WO 

_ 

Suchtkranke 

12 

4 

3 

4 

33 

— 

8 

83 

8 

Heime und Anstalten für geistig Be- 
hinderte und chronisch psychisch 
Kranke mit 

101 bis 500 Betten 

13 

4 

1 

2 

46 


54 

38 

8 

501 und mehr Betten 

33 

9 

3 

2 

36 

— 

41 

44 

16 


124 





Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Fachkrankenhäuser, Fachabteilungen, Heime und Anstalten 
Pflegepersonal 



Pflegepersonal 





davon: 






Insgesamt 

darunter: 

Vollzeitbeschäftigte 

Krankenpfleger, Krankenschwe- 
stern, Kinderkrankenschwestern mit 
staatlicher Anerkennung 

darunter: 

mit (sozial)psydiiatrischer Zusatz- 
ausbildung 

Krankenpfleger und -Schwestern mit 
verwaltungseigener Prüfung ohne 
staatliches Krankenpflegeexamen 

Altenpfleger und Altenpflegerinnen 

Krankenpflegehelfer und 
Krankenpflegehelferinnen 

Krankenpflegeschüler und 
Krankenpflegeschülerinnen 

Krankenpflegehelferschüler 

Krankenpflegevorschüler 

Pflegepersonal ohne Ausbildung 

Fachkrankenhäuser für Psychiatrie 
und Psychiatrie/Neurologie 

23 312 

21 535 

9 831 

1 403 

1 508 

37 

4 060 

2 575 

742 

606 

3 953 

davon: 

unter 100 Betten 

177 

162 

69 

15 

14 

2 

50 

5 

6 


31 

101 bis 500 Betten 

1 850 

1 615 

783 

116 

157 

14 

343 

47 

46 

4 

456 

501 bis 1000 Betten 

4 770 

4 341 

1 665 

345 

214 

19 

1 288 

569 

268 

100 

647 

1001 und mehr Betten 

16515 

15 417 

7314 

927 

1 123 

2 

2 379 

1 954 

422 

502 

2 819 

Fachabteilungen für Psychiatrie und 
Psychiatrie/Neurologie 

1 182 

1 077 

607 

36 

45 

1 

209 

134 

20 

4 

162 

Universitätskliniken 

1 578 

1 409 

973 

209 

26 

2 

196 

82 

15 

8 

276 

Fachkrankenhäuser und Fachabteilun- 
gen für Kinder- und Jugendpsychia- 
trie 

1 157 

1 100 

454 

68 

36 

2 

404 

96 

33 


132 

Fachkrankenhäuser für 

Gerontopsychiatrie 

169 

131 

40 

3 

4 

16 

44 



6 



59 

Suchtkranke 

132 

127 

56 

13 

14 

~ 

41 

— 

10 

— 

11 

Heime und Anstalten für geistig Be- 
hinderte und chronisch psychisch 
Kranke mit 

101 bis 500 Betten 

1 862 

1 667 

439 

79 

78 

131 

267 

23 

30 

1 

893 

501 und mehr Betten 

3 805 

3 307 

623 

88 

282 

88 

627 

111 

139 

60 

1 875 

Insgesamt . . . 

33 197 

30 353 

13 023 

1 899 

1 993 

277 

5 848 

3 021 

995 

679 

7 361 


125 




Drucksache 7I^2QA 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Fachkrankenhäuserr Fachabteilungen, Heime und Anstalten 
Pflegepersonal 



Insgesamt 

weiblidi 

Ausländer 

darunter: 

bis unter 

30 Jahre 

Alter in Jahrei 

30 bis unter 
50 Jahre 

50 Jahre 
und älter 

Angaben in “/o 

Fadikrankenhäuser für Psychiatrie und 







Psychiatrie/Neurologie 

23 312 

56 

6 

34 

49 

18 

davon: 







unter 100 Betten 

177 

55 

1 

28 

45 

27 

101 bis 500 Betten 

1 850 

65 

8 

28 

46 

26 

501 bis 1000 Betten 

4 770 

54 

7 

34 

49 

17 

1001 und mehr Betten 

16 515 

56 

6 

34 

49 

17 

Fachabteilungen für Psychiatrie und Psych- 







iatrie/Neurologie ■ 

1 182 

76 

13 

55 

31 

14 

Universitätskliniken 

1 578 

63 

8 

42 

38 

20 

Fachkrankenhäuser und Fachabteilungen für 







Kinder- und Jugendpsychiatrie 

1 157 

73 

5 

43 

43 

13 

Fachkrankenhäuser für 







Gerontopsychiatrie 

169 

63 

— 

17 

56 

28 

Suchtkranke 

132 

39 

— 

25 

58 

17 

Heime und Anstalten für geistig Behinderte 







und chronisch psychisch Kranke mit 







101 bis 500 Betten 

1 862 

68 

6 

26 

43 

31 

501 und mehr Betten 

3 805 

57 

2 

34 

46 

20 


Fachkrankenhäuser, Fachabteilungen, Helme und Anstalten 


Personal: Krankenpfleger, Krankenschwestern und Kinderkrankenschwestern 
mit staatlicher Anerkennung ohne sozialpsychiatrische oder psychiatrische 

Zusatzausbildung 



Insgesamt 

weiblidi 

Ausländer 

darunter: 

bis unter 

30 Jahre 

Alter in Jahrei 

30 bis unter 
50 Jahre 

1 

50 Jahre 
und älter 

Angaben in Vo 

Fachkrankenhäuser für Psychiatrie und 







Psychiatrie/Neurologie 

8 428 

47 

2 

17 

60 

23 

davon: 







unter 100 Betten 

54 

74 

— 

16 

56 

29 

101 bis 500 Betten 

667 

62 

6 

24 

48 

28 

501 bis 1000 Betten 

1 320 

47 

3 

16 

58 

26 

1001 und mehr Betten 

6 387 

46 

2 

16 

61 

22 

Fachabteilungen für Psychiatrie und Psychia- 







trie/Neurologie 

571 

84 

12 

47 

36 

17 

Universitätskliniken 

764 

65 

7 

42 

36 

23 

Fachkrankenhäuser und Fachabteilungen für 







Kinder- und Jugendpsychiatrie 

386 

67 

2 

39 

44 

16 

Fachkrankenhäuser für 







Gerontopsychiatrie 

37 

65 

— 

5 

46 

49 

Suchtkranke 

43 

81 

— 

44 

35 

21 

Heime und Anstalten für geistig Behinderte 







und chronisch psychisch Kranke mit 







101 bis 500 Betten 

360 

70 

4 

16 

39 

45 

501 und mehr Betten 

535 

69 

2 

25 

48 

27 


126 











Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Fachkrankenhäuser, Fachabteilungen, Heime und Anstalten 

Personal: Krankenpfleger, Krankenschwestern und Kinderkrankenschwestern 
mit staatlicher Anerkennung und sozialpsychiatrischer oder psychiatrischer 

Zusatzausbildung 



Insgesamt 

weiblidi 

Ausländer 

darunter; 

bis unter 

30 Jahre 

Alter in Jahrei 

30 bis unter 
50 Jahre 

50 Jahre 
und älter 

Angaben in ®/o 

Fachkrankenhäuser für Psychiatrie und 







Psychiatrie/Neurologie 

1 403 

48 

2 

20 

58 

22 

davon: 







unter 100 Betten 

15 

80 

7 

50 

29 

21 

101 bis 500 Betten 

116 

64 

3 

23 

52 

25 

501 bis 1000 Betten 

345 

39 

2 

15 

66 

19 

1001 und mehr Betten 

927 

49 

2 

22 

55 

23 

Fachabteilungen für Psychiatrie und Psychia- 







trie/Neurologie 

36 

61 

8 

27 

58 

15 

Universitätskliniken 

209 

75 

8 

27 

51 

22 

Fachkrankenhäuser und Fachabteilungen für 







Kinder- und Jugendpsydiiatrie 

68 

69 

3 

48 

30 

21 

Fachkrankenhäuser für 







Gerontopsychiatrie 

3 

33 

— 

— 

100 

— 

Suchtkranke 

13 

31 

— 

15 

69 

15 

Heime und Anstalten für geistig Behinderte 







und chronisch psychisch Kranke mit 







101 bis 500 Betten 

79 

34 

— 

13 

44 

43 

501 und mehr Betten 

88 

70 

1 

13 

44 

43 


Fachkrankenhäuser, Fachabteilungen, Heime und Anstalten 

Personal: Krankenpfleger und Krankenschwestern mit verwaltungseigener 
Prüfung ohne staatliches Krankenpflegeexamen 



Insgesamt 

weiblidi 

Ausländer 

darunter; 

bis unter 

30 Jahre 

A^lter in Jahrei 

30 bis unter 
50 Jahre 

50 Jahre 
und älter 

Angaben in */o 

Fachkrankenhäuser für Psychiatrie und 







Psychiatrie/Neurologie 

1 508 

59 

4 

20 

50 

30 

davon: 







unter 100 Betten 

14 

wo 

57 

29 

57 

14 

101 bis 500 Betten 

157 

52 

5 

22 

41 

37 

501 bis 1000 Betten 

214 

57 

1 

5 

54 

40 

1001 und mehr Betten 

1 123 

60 

3 

22 

51 

27 

Fachabteilungen für Psychiatrie und Psychia- 







trie/Neurologie 

45 

76 

9 

32 

42 

26 

Universitätskliniken 

26 

88 

43 

14 

36 

50 

Fachkrankenhäuser und Fachabteilungen für 







Kinder- und Jugendpsychiatrie 

36 

89 

3 

19 

56 

25 

Fachkrankenhäuser für 







Gerontopsychiatrie 

4 

25 

— 

— 

75 

25 

Suchtkranke 

14 

7 

— 

— 

79 

21 

Heime und Anstalten für geistig Behinderte 







und chronisch psychisch Kranke mit 







101 bis 500 Betten 

78 

53 

10 

12 

36 

52 

501 und mehr Betten 

282 

46 

— 

13 

68 

19 


127 









Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7, Wahlperiode 


Fachkrankenhäuseir Fachabteilungen, Heime und Anstalten 
Personal: Altenpfleger und Altenpflegerinnen 






darunter: 







Alter in Jahren 


Insgesamt 

weiblich 

Ausländer 

bis unter 

30 Jahre 

30 bis unter 
50 Jahre 

50 Jahre 
und älter 





Angaben in */o 



Fachkrankenhäuser für Psychiatrie und 







Psychiatrie/Neurologie 

37 

38 

3 

22 

49 

30 

davon: 







unter 100 Betten 

2 

WO 

— 

— 

50 

50 

101 bis 500 Betten 

14 

21 

7 

7 

43 

50 

501 bis 1000 Betten 

19 

37 

— 

37 

58 

5 

1001 und mehr Betten 

2 

WO 

— 

— 

— 

WO 

Fachabteilungen für Psychiatrie und Psychia- 







trie/Neurologie 

1 

WO 

— 

— 

WO 

— 

Universitätskliniken 

2 

WO 

— 

50 

50 

— 

Fachkrankenhäuser und Fachabteilungen für 







Kinder- und Jugendpsychiatrie 

2 

WO 

— 

WO 

— 


Fachkrankenhäuser für 







Gerontopsychiatrie 

16 

63 

— 

13 

69 

19 

Suchtkranke 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

Heime und Anstalten für geistig Behinderte 
und chronisch psychisch Kranke mit 







101 bis 500 Betten 

131 

89 

6 

19 

51 

30 

501 und mehr Betten 

88 

53 

— 

37 

44 

19 


Fachkrankenhäuser, Fachabteilungen, Heime und Anstalten 
Personal: Krankenpflegehelfer und Krankenpflegehelferinnen 



Insgesamt 

weiblich 

Ausländer 

darunter: 

bis unter 

30 Jahre 

Alter in Jahre 

30 bis unter 
50 Jahre 

1 

50 Jahre 
und älter 

Angaben in ®/o 

Fachkrankenhäuser für Psychiatrie und 







Psychiatrie/Neurologie 

4 060 

65 

13 

34 

49 

17 

davon: 







unter 100 Betten 

50 

44 

— 

24 

44 

32 

101 bis 500 Betten 

343 

76 

19 

37 

45 

18 

501 bis 1000 Betten 

1 288 

57 

13 

33 

52 

15 

1001 und mehr Betten 

2 379 

68 

13 

34 

48 

18 

Fachabteilungen für Psychiatrie und Psychia- 







trie/Neurologie 

209 

76 

27 

61 

29 

9 

Universitätskliniken 

196 

52 

6 

46 

34 

20 

Fachkrankenhäuser und Fachabteilungen für 







Kinder- und Jugendpsychiatrie 

404 

79 

9 

43 

48 

9 

Fachkrankenhäuser für 







Gerontopsychiatrie 

44 

39 

— 

25 

68 

7 

Suchtkranke 

41 

12 

— 

20 

68 

12 

Heime und Anstalten für geistig Behinderte 







und chronisch psychisch Kranke mit 







101 bis 500 Betten 

267 

69 

12 

43 

45 

12 

501 und mehr Betten 

627 

48 

1 

37 

49 

14 


128 







Deutscher Bundestag — « 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Fachkrankenhäuser, Fachabteilungen, Heime und Anstalten 
Personal: Krankenpflegesdiüler und Krankenschwesternschülerinnen 



Insgesamt 

weiblich 

Ausländer 

darunter: 

bis unter 

30 Jahre 

Alter in Jahre 

30 bis unter 
50 Jahre 

n 

50 Jahre 
und älter 

Angaben in ®/o 

Fachkrankenhäuser für Psychiatrie und 







Psychiatrie/Neurologie 

2 575 

54 

5 

71 

22 

0 

davon: 







unter 100 Betten 

5 

— 

— 

100 

— 

— 

101 bis 500 Betten 

47 

43 

— 

53 

43 

4 

501 bis 1000 Betten 

569 

49 

7 

73 

27 

0 

1001 und mehr Betten 

1 954 

56 

4 

78 

22 

0 

Fachabteilungen für Psychiatrie und Psychia- 







trie/Neurologie 

134 

76 

3 

100 

— 

— 

Universitätskliniken 

82 

60 

1 

93 

8 

— 

Fachkrankenhäuser und Fachabteilungen für 







Kinder- und Jugendpsychiatrie 

96 

68 

— 

61 

39 

— 

Fachkrankenhäuser für 







Gerontopsychiatrie 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

Suchtkranke 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

Heime und Anstalten für geistig Behinderte 







und chronisch psychisch Kranke mit 







101 bis 500 Betten 

23 

57 

— 

48 

43 

9 

501 und mehr Betten 

111 

59 

1 

57 

40 



Fachkrankenhäuser, Fachabteilungen, Heime und Anstalten 
Personal: Krankenpflegehelf ersdiüler 



Insgesamt 

weiblich 

Ausländer 

darunter: 

Alter in Jahre 

bis unter 30 bis unter 

30 Jahre 50 Jahre 

1 

50 Jahre 
und älter 

Angaben in ®/o 

Fachkrankenhäuser für Psychiatrie und 







Psychiatrie/Neurologie 

742 

56 

7 

56 

42 

2 

davon: 







unter 100 Betten 

6 

— 

— 

100 

— 

— 

101 bis 500 Betten 

46 

54 

9 

35 

61 

4 

501 bis 1000 Betten 

268 

51 

5 

60 

39 

1 

1001 und mehr Betten 

422 

59 

8 

56 

42 

2 

Fachabteilungen für Psychiatrie und Psychia- 







trie/Neurologie 

20 

45 

20 

95 

5 

— 

Universitätskliniken 

15 

60 

— 

80 

20 

— 

Fachkrankenhäuser und Fachabteilungen für 







Kinder- und Jugendpsychiatrie 

33 

70 

— 

52 

45 

3 

Fachkrankenhäuser für 







Gerontopsychiatrie 

6 

33 

— 

100 

— 

— 

Suchtkranke 

10 

40 

— 

20 

80 

— 

Heime und Anstalten für geistig Behinderte 







und chronisch psychisch Kranke mit 







101 bis 500 Betten 

30 

43 

— 

73 

27 

— 

501 und mehr Betten 

139 

45 

1 

55 

39 

6 


129 







Drucksache 7/4201 


Deutsdier Bundestag — 7. Wahlperiode 


Fadikrankenhäuser, Fachabteilungen, Heime und Anstalten 
Personal: Krankenpflegevorschüler 



Insgesamt 

weiblidi 

Ausländer 

darunter: 

bis unter 

30 Jahre 

Alter in Jahre 

30 bis unter 
50 Jahre 

a 

50 Jahre 
und älter 

Angaben in ®/o 

Fadikrankenhäuser für Psychiatrie und 







Psychiatrie/Neurologie 

606 

97 

3 

100 

— 

— 

davon: 







unter 100 Betten 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

101 bis 500 Betten 

4 

100 

100 

100 

— 

— 

501 bis 1000 Betten 

100 

97 

12 

100 

— 

— 

1001 und mehr Betten 

502 

97 

1 

100 

— 

— 

Fachabteilungen für Psychiatrie und Psychia- 







trie/Neurologie 

4 

25 

100 

100 

— 

— 

Universitätskliniken 

8 

63 

— 

100 

— 

— 

Fachkrankenhäuser und Fachabteilungen für 







Kinder- und Jugendpsychiatrie 

_ 

— 

— 

— 


— 

Fachkrankenhäuser für 







Gerontopsychiatrie 

— 


— 

— 

— 

— 

Suchtkranke 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

Heime und Anstalten für geistig Behinderte 







und chronisch psychisch Kranke mit 







101 bis 500 Betten 

1 

100 

— 

100 

— 

— 

501 und mehr Betten 

60 

100 

— 

100 

— 

— 


Fachkrankenhäuser, Fachabteilungen, Helme und Anstalten 
Personal: Pflegepersonal ohne Ausbildung 




darunter; 





Alter in Jahren 


Insgesamt 

weiblidi 

Ausländer 

bis unter 

30 Jahre 

30 bis unter 
50 Jahre 

50 Jahre 
und älter 



Angaben in Vo 

Fachkrankenhäuser für Psychiatrie und 
Psychiatrie/Neurologie 

3 953 

64 

10 

38 

45 

17 

davon: 

unter 100 Betten 

31 

45 

3 

44 

32 

24 

101 bis 500 Betten 

456 

71 

6 

32 

42 

26 

501 bis 1000 Betten 

647 

71 

12 

38 

46 

16 

1001 lind mehr Betten 

2 819 

61 

10 

39 

46 

16 

Fachabteilungen für Psychiatrie und Psychia- 
trie/Neurologie 

162 

59 

9 

42 

38 

20 

Universitätskliniken 

276 

55 

12 

39 

46 

16 

Fachkrankenhäuser und Fachabteilungen für 
Kinder- und Jugendpsychiatrie 

132 

77 

9 

46 

31 

23 

Fachkrankenhäuser für 

Gerontopsychiatrie 

59 

88 


12 

51 

37 

Suchtkranke 

11 

18 


18 

55 

27 

Heime und Anstalten für geistig Behinderte 
und chronisch psychisch Kranke mit 

101 bis 500 Betten 

893 

68 

5 

25 

44 

31 

501 und mehr Betten 

1 875 

57 

3 

34 

45 

21 







130 
















Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Fachkrankenhäuser, Fachabteilungen, 
Heime und Anstalten 

Anzahl des Pflegepersonals und Betten 
am 30. Mai 1973 



Betten 

ins- 

gesamt 

Pflege- 

personal 

ins- 

gesamt 

1 Pflege- 
kraft 

je . . . 
Betten 

Fachkrankenhäuser für 




Psychiatrie und Psych- 
iatrie/Neurologie 

98 757 

23 312 

4,2 

davon: 




unter 100 Betten 

1 171 

177 

6,6 

101 bis 500 Betten . . 

9 373 

1 850 

5,1 

501 bis 1000 Betten . . 

21 065 

4 770 

4,4 

1001 und mehr Betten . 

67 148 

16515 

4,1 

Fachabteilungen für 




Psychiatrie und Psych- 
iatrie/Neurologie 

3 164 

1 182 

2,7 


3 507 

1 578 

2,2 

Fachkrankenhäuser und 




Fachabteilungen für 
Kinder- und Jugend- 
psychiatrie 

3 725 

1 157 

3,2 

Fachkrankenhäuser für 




Gerontopsychiatrie . . . 

1 030 

169 

6,1 

Suchtkranke 

1 267 

132 

9.6 

Heime und Anstalten für 

geistig Behinderte und 
chronisch psychisch 

Kranke 

35 768 

5 667 

6,3 

davon mit: 

101 bis 500 Betten 

16 286 

1 862 

8,7 

501 und mehr Betten . . 

19 482 

3 805 

5,1 


Fachkrankenhäuser, Fachabteilungen, Heime und 
Anstalten 

Anzahl des Pflegepersonals mit staatlicher 
Anerkennung und Betten am 30. Mai 1973 



Betten 

ins- 

gesamt 

Pflege- 
personal 
mit staat- 
licher 
Anerken- 
nung ins- 
gesamt 

1 Pflege- 
kraft mit 
staat- 
lidier 
Anerken- 
nung 
je . . . 
Betten 

Fachkrankenhäuser für 
Psychiatrie und Psych- 
iatrie/Neurologie 

98 757 

9 831 

10,0 

davon: 

unter 100 Betten 

1 171 

69 

17,0 

101 bis 500 Betten . . . 

9 373 

783 

12,0 

501 bis 1000 Betten . . . 

21 065 

1 665 

12,7 

1001 und mehr Betten . 

67 148 

7 314 

9,2 

Fachabteilungen für 
Psychiatrie und Psych- 
iatrie/Neurologie 

3 164 

607 

5,2 

Universitätskliniken .... 

3 507 

973 

3,6 

Fachkrankenhäuser und 
Fachabteilungen für 
Kinder- und Jugend- 
psychiatrie 

3 725 

454 

8,2 

Fachkrankenhäuser für 
Gerontopsychiatrie . . . 

1 030 

40 

25,8 

Suchtkranke 

1 267 

56 

22,6 

Heime und Anstalten für 
geistig Behinderte und 
chronisch psychisch 

Kranke 

35 768 

1 062 

33,7 

davon mit: 

101 bis 500 Betten 

16 286 

439 

37,1 

501 und mehr Betten . . 

19 482 

623 

31,3 


131 





Drucksache 7/4201 Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Fachkrankenhäuser, Fachabteilungen, Heime und Anstalten 
Sozialarbeiter und Psychagogen 




Sozialarbeiter und 
Psychagogen 


davon: 



Insgesamt 

darunter: 

Vollzeit- 

besdiäf- 

tigte 

Sozial- 

arbeiter 

Sozial- 
arbeits- 
praktikan- 
ten (Berufs- 
praktikum) 

Psych- 
agogen 
mit abge- 
sdilossener 
Ausbildung 
(und 
Sozial- 
arbeiter, 
Sozial- 
pädagogen 
etc. mit 
psydiagogi- 
scher 
Zusatz- 
ausbildung) 

Psych- 
agogen und 
Sozial- 
pädagogen 
als Berufs- 
praktikan- 
ten 

Fachkrankenhäuser für Psychiatrie und Psych- 







iatrie/Neurologie 

209 

195 

183 

23 

1 

2 

davon: 







unter 100 Betten 

2 

2 

2 

— 

— 

— 

101 bis 500 Betten 

26 

23 

22 

4 

— 

— 

501 bis 1000 Betten 

45 

40 

39 

6 

— 

— 

1001 und mehr Betten 

136 

130 

120 

13 

1 

2 

Fachabteilungen für Psychiatrie und Psychiatrie/ 







Neurologie 

34 

23 

30 

3 

— 

1 

Universitätskliniken 

29 

29 

15 

12 

— 

2 

Fachkrankenhäuser und Fachabteilungen für 







Kinder- und Jugendpsychiatrie 

112 

100 

105 

7 

— 

— 

Fachkrankenhäuser für 







Gerontopsychiatrie 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

Suchtkranke 

48 

43 

43 

2 

— 

3 

Heime und Anstalten für geistig Behinderte und 
chronisch psychisch Kranke mit 







101 bis 500 Betten 

94 

88 

60 

29 

— 

5 

501 und mehr Betten 

26 

25 

21 

4 

— 

1 

Insgesamt 

552 

503 

457 

80 

1 

14 


132 






Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Fachkrankenhäuser, Fachabteilungen, Heime und 
Anstalten 

Anzahl der Sozialarbeiter und Betten 
am 30. Mai 1973 



Betten 

ins- 

gesamt 

Sozial- 

arbeiter 

ins- 

gesamt 

1 Sozial- 
arbeiter 
je . . . 
Betten 

Fachkrankenhäuser für 




Psychiatrie und Psydi- 
iatrie/Neurologie 

98 757 

183 

539,7 

davon: 




unter 100 Betten 

1 171 

2 

585,5 

101 bis 500 Betten .... 

9 373 

22 

426,0 

501 bis 1000 Betten 

21 065 

39 

540,1 

1001 und mehr Betten . 

67 148 

120 

559,6 

Fachabteilungen für 




Psychiatrie und Psych- 
iatrie/Neurologie 

3 164 

30 

105,5 

Universitätskliniken .... 

3 507 

15 

233,8 

Fachkrankenhäuser und 




Fachabteilungen für 
Kinder- und Jugend- 
psychiatrie 

3 725 

105 

35,5 

Fachkrankenhäuser für 




Gerontopsychiatrie . . . 

1 030 

— 

— 

Suchtkranke 

1 267 

43 

29,5 

Heime und Anstalten für 

geistig Behinderte und 
chronisch psychisch 
Kranke 

35 768 

81 

441,6 

davon mit: 

101 bis 500 Betten .... 

16 286 

60 

271,4 

501 und mehr Betten . . 

19 482 

21 

927,7 


Fachkrankenhäuser, Fachabteilungen, Heime und 
Anstalten 

Anzahl der Beschäftigungs- und Arbeitstherapeuten 
(inklusive angelernte Kräfte) und Betten 
am 30. Mai 1973 



Betten 

ins- 

gesamt 

Besdiäfti- 

gungs- 

und 

Arbeits- 

thera- 

peuten 

ins- 

gesamt 

1 Be- 
sdiäfti- 
gungs- 
bzw. 
Arbeits- 
therapeut 
je . . . 
Betten 

Fachkrankenhäuser für 
Psychiatrie und Psych- 
iatrie/Neurologie .... 

98 757 

542 

182,2 

davon: 

unter 500 Betten 

1 171 

13 

90,1 

101 bis 500 Betten .... 

9 373 

66 

142,0 

501 bis 1 000 Betten . . 

21 065 

113 

186,4 

1 001 und mehr Betten . 

67 148 

350 

191,9 

Fachabteilungen für 
Psychiatrie und Psych- 
trie/Neurologie 

3 164 

47 

67,3 

Universitätskliniken .... 

3 507 

47 

74,6 

Fachkrankenhäuser und 
Fachabteilungen für 
Kinder- und Jugend- 
psychiatrie 

3 725 

25 

149,0 

Fachkrankenhäuser für 
Gerontopsychiatrie .... 

1 030 

4 

257,5 

Suchtkranke 

1 267 

64 

19,0 

Heime und Anstalten für 
geistig Behinderte und 
chronisch psychisch 
Kranke 

35 768 

406 

88,1 

davon mit: 

101 bis 500 Betten .... 

16 286 

116 

140,4 

501 und mehr Betten . . 

19 482 

290 

67,2 


133 






Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Fadikrankenhäuser, Fachabteilungen, Heime und Anstalten 
Besdiäftigungs- und Arbeitstherapeuten 



Besdiäftigungs- und 
Arbeitstherapeuten 

davon: 

darunter: Besdiäftigungs- 
therapeuten . . . 

Arbeits- 
therapeu- 
ten mit ab- 
geschlosse- 
ner Aus- 
bildung 

Arbeits- 

und 

Beschäfti- 
gungs- 
thera- 
peuten als 
angelernte 
Kräfte 

insgesamt 

darunter: 

Vollzeit- 

besdiäf- 

tigte 

mit abge- 
schlosse- 
ner Aus- 
bildung 

mit 

arbeits- 

therapeu- 

tischer 

Zusatz- 

aus- 

bildung 

als Be- 
rufsprak- 
tikanten 

Fachkrankenhäuser für Psychiatrie und 








Psychiatrie/Neurologie 

542 

479 

136 

6 

57 

58 

285 

davon: 








unter 100 Betten 

13 

8 

2 

— 

5 

2 

4 

101 bis 500 Betten 

66 

62 

17 

3 

4 

7 

35 

501 bis 1 000 Betten 

113 

105 

22 

1 

8 

4 

78 

1 001 und mehr Betten 

350 

304 

95 

2 

40 

45 

168 

Fachabteilung für Psychiatrie und Psych- 








iatrie/Neurologie 

47 

45 

28 

3 

12 

— 

4 

Universitätskliniken 

47 

44 

26 

2 

11 

— 

8 

Fachkrankenhäuser und Fachabteilungen 








für Kinder- und Jugendpsychiatrie 

25 

23 

7 

3 

2 

10 

3 

Fachkrankenhäuser für 








Gerontopsychiatrie 

4 

4 

2 

— 

— 

— 

2 

Sucht kranke 

64 

61 

8 

3 

1 

13 

39 

Heime und Anstalten für geistig Behin- 








derte und chronisch psychisch Kranke 








mit 








101 bis 500 Betten 

116 

112 

9 

5 

1 

28 

73 

501 und mehr Betten 

290 

280 

14 

— 

11 

15 

250 

Insgesamt . . . 

1 135 

1 048 

230 

22 

95 

124 

664 


134 




Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 


Fachkrankenhäuser, Fachabteilungen, Heime und 
Anstalten 

Anzahl der Besdiäftigungstherapeuten 
mit abgeschlossener Ausbildung und Betten 
am 30. Mai 1973 



Betten 

ins- 

gesamt 

Besdiäf- 

tigungs- 

thera- 

peuten 

ins- 

gesamt 

1 Be- 
sdiäfti- 
gungs- 
therapeut 
je . . . 
Betten 

Fadikrankenhäuser für 
Psychiatrie und Psydi- 
iatrie/Neurologie .... 

98 757 

142 

695,5 

davon: 

unter 500 Betten 

1 171 

2 

585,5 

101 bis 500 Betten .... 

9 373 

20 

468,7 

501 bis 1 000 Betten . . 

21 065 

23 

915,9 

1 001 und mehr Betten . 

67 148 

97 

692,2 

Fadiabteilungen für 
Psychiatrie und Psych- 
trie/Neurologie 

3 164 

31 

102,1 

Universitätskliniken .... 

3 507 

28 

125,3 

Fachkrankenhäuser und 
Fachabteilungen für 
Kinder- und Jugend- 
psychiatrie 

3 725 

10 

372,5 

Fachkrankenhäuser für 
Gerontopsychiatrie .... 

1 030 

2 

515,0 

Suchtkranke 

1 267 

11 

115,2 

Heime und Anstalten für 
geistig Behinderte und 
chronisch psychisch 
Kranke 

35 768 

28 

1 277,4 

davon mit: 

101 bis 500 Betten .... 

16 286 

14 

1 163,3 

501 und mehr Betten . . 

19 482 

14 

1 391,6 


Fachkrankenhäuser, Fadiabteilungen, Heime und 
Anstalten 

Anzahl der Besdiäftigungs- und Arbeitstherapeuten 
mit abgeschlossener Ausbildung und Betten 
am 30. Mai 1973 



Betten 

ins- 

gesamt 

Besdiäf- 

tigungs- 

und 

Arbeits- 

thera- 

peuten 

ins- 

gesamt 

1 Be- 
sdiäfti- 
gungs- 
bzw. 
Arbeits- 
therapeut 
je . . . 
Betten 

Fachkrankenhäuser für 
Psychiatrie und Psych- 
iatrie/Neurologie .... 

98 757 

194 

509,1 

davon: 

unter 500 Betten 

1 171 

4 

292,8 

101 bis 500 Betten .... 

9 373 

24 

39^ 0 

501 bis 1 000 Betten , . 

21 065 

26 

810,2 

1 001 und mehr Betten . 

67 148 

140 

479,6 

Fachabteilungen für 
Psychiatrie und Psych- 
trie/Neurologie 

3 16 

28 

113,0 

Universitätskliniken .... 

3 507 

26 

134,9 

Fachkrankenhäuser und 
Fachabteilungen für 
Kinder- und Jugend- 
psychiatrie 

3 725 

17 

219,1 

Fachkrankenhäuser für 
Gerontopsychiatrie .... 

1 030 

2 

515,0 

Suchtkranke 

1 267 

21 

60,3 

Heime und Anstalten für 
geistig Behinderte und 
chronisch psychisch 
Kranke 

35 768 

66 

541,9 

davon mit: 

101 bis 500 Betten .... 

16 286 

37 

440,2 

501 und mehr Betten . . 

19 482 

29 

671,8 


135 







Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Fadikrankenhäuser, Fadiabteilungen, Heime und Anstalten 
Pädagogisdies Personal 



Pädagogisches 

Personal 

davon; 

Pädagogen, 

Lehrer 

Sozial- 

pädagogen, 

Jugend- 

leiter 

Heil- 
pädagogen 
mit abge- 
schlossener 
Ausbildung 

Pädagogi- 
sche Hilfs- 
kräfte 
ohne oder 
mit ander- 
weitiger 
Fach- 
ausbildung 

Insgesamt 

darunter 

Vollzeit- 

beschäftigte 

Fachkrankenhäuser für Psychiatrie und Psychia- 







trie/Neurologie 

177 

153 

32 

26 

11 

108 

davon: 







unter 100 Betten 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

101 bis 500 Betten 

13 

12 

— 

1 

3 

9 

501 bis 1 000 Betten 

35 

29 

7 

5 

2 

21 

1 001 und mehr Betten 

129 

112 

25 

20 

6 

78 

Fachabteilungen für Psychiatrie und Psychiatrie/ 







Neurologie 

3 

3 

3 

— 

— 

— 

Universitätskliniken 

26 

25 

5 

6 

2 

13 

Fachkrankenhäuser und Fachabteilungen für 







Kinder- und Jugendpsychiatrie 

160 

151 

30 

26 

15 

89 

Fachkrankenhäuser für 







Gerontopsychiatrie 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

Suchtkranke 

26 

14 

12 

4 

1 

9 

Heime und Anstalten für geistig Behinderte und 







chronisch psychisch Kranke mit 







101 bis 500 Betten 

866 

795 

140 

74 

28 

624 

501 und mehr Betten 

864 

820 

142 

108 

40 

574 

Insgesamt . . . 

2 122 

1 961 

364 

244 

97 

1 417 


136 







Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Fachkrankenhäuser, Fadiabteilungen, 
Heime und Anstalten 

Anzahl des Pädagogischen Personals und Betten 
am 30. Mai 1973 



Betten 

ins- 

gesamt 

Pädago- 

gisdies 

Personal 

ins- 

gesamt 

1 Päd- 
agoge 
je . . . 
Betten 

Fadikrankenhäuser für 
Psychiatrie und Psychia- 
trie/Neurologie 

98 757 

177 

557,9 

davon: 

unter 100 Betten 

1 171 



101 bis 500 Betten .... 

9 373 

13 

721,0 

501 bis 1 000 Betten . . 

21 065 

35 

601.9 

1 001 und mehr Betten . 

67 148 

129 

520,5 

Fadiabteilungen für 
Psychiatrie und Psychia- 
trie/Neurologie 

3 164 

3 

1 054,7 

Universitätskliniken .... 

3 507 

26 

134,9 

Fadikrankenhäusern und 
Fadiabteilungen für 
Kinder- und Jugend- 
psydiiatrie 

3 725 

160 

23,3 

Fadikrankenhäuser für 
Gerontopsydiiatrie 

1 030 





Suchtkranke 

1 267 

26 

48,7 

Heime und Anstalten für 
geistig Behinderte und 
dironisdi psychisch 
Kranke 

35 768 

1 730 

20,7 

davon mit: 

101 bis 500 Betten .... 

16 286 

866 

18,8 

501 und mehr Betten . . 

19 482 

864 

22,5 


137 




Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Fadikrankenhäuser, Fachabteilungen, Heime und Anstalten 
Freiwillige Mitarbeiter (Laienhelfer u. a.) 



Anzahl der Einrichtungen 

Anzahl der freiwilli- 
gen Mitarbeiter 

Mitarbeiter, die . . . 

kommen 




in denen 
der Einsatz 
von der 
Einrichtung 
organisiert 
wird 


häufiger 
(etwa Ix 
monat- 
lich) 

oft (mehr 
als Ix 
monat- 
lich) 


Insgesamt 

in denen 
freiwillige 
Mitarbeiter 
tätig sind 

gezählt 

geschätzt 

selten 
(1- bis 2x 
jährlich) 





Angaben in ®/o 

Fadikrankenhäuser für Psychia- 
trie und Psychiatrie/Neurologie 

130 

52 

39 

842 

648 

16 

24 

60 

davon: 

unter 100 Betten 

21 

3 

2 

12 




100 

101 bis 500 Betten 

37 

11 

7 

104 

40 

33 

18 

49 

501 bis 1 000 Betten 

28 

14 

12 

330 

133 

7 

44 

49 

1 001 und mehr Betten 

44 

24 

18 

396 

475 

18 

14 

67 

Fadiabteilungen für Psychiatrie 
und Psychiatrie/Neurologie . . . 

44 

5 

4 

35 

9 

_ 

55 

45 

Universitätskliniken 

23 

7 

4 

64 

222 

23 

41 

36 

Fadikrankenhäuser und Fachab- 
teilungen für Kinder- und Ju- 
gendpsychiatrie 

17 

6 

3 

8 

119 

23 

18 

58 

Fadikrankenhäuser für 
Gerontopsydiiatrie 

5 


_ 


_ 




Suditkranke 

22 

10 

7 

64 

49 

49 

11 

41 

Heime und Anstalten für geistig 
Behinderte und dironisdi psy- 
diisdi Kranke mit 

101 bis 500 Betten 

73 

26 

7 

127 

278 

49 

34 

17 

501 und mehr Betten 

20 

7 

2 

263 

57 

30 

49 

21 


Fadikrankenhäuser, Fachabteilungen, Heime und Anstalten 
Beschäftigungstherapie 





darunter: 



Patienten 
am 30. Mai 1973 



davon: | 


in Beschäftigungstherapie 

auf Station 

in speziellen 
Räumen 



absolut 1 


Angaben in ®/o 


Fadikrankenhäuser für Psychiatrie und 






Psydiiatrie/Neurologie 

94 197 

9 630 

10 

34 

66 

davon: 






unter 100 Betten 

1 145 

157 

14 

25 

75 

101 bis 500 Betten 

8 985 

2 312 

26 

21 

79 

501 bis 1 000 Betten 

20 555 

2 271 

11 

43 

57 

1 001 und mehr Betten 

63 512 

4 890 

8 

36 

64 

Fadiabteilungen für Psychiatrie und 






Psychiatrie/Neurologie 

3 021 

713 

24 

18 

82 

Universitätskliniken 

3 140 

756 

24 

27 

73 

Heime und Anstalten für geistig Behin- 
derte und chronisch psychisch Kranke 
mit 






101 bis 500 Betten 

15 874 

2 243 

14 

42 

58 

501 und mehr Betten 

19 190 

1 748 

9 

49 

51 


138 




Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Fachkrankenhäuserr Fadiabteilungen, Heime und Anstalten 
Arbeitstherapie 






darunter; 








davon: 



Patienten 

am 

30. Mai 1973 

in Arbeitstherapie 

Anstalts- 

eigene 

Arbeits- 

therapie 

Industrielle 

Auftrags- 

arbeit 

Arbeit in 
Betrieben 
außerhalb 
des Hauses 



absolut 1 



Angaben in V 


Fachkrankenhäuser für Psychiatrie und 
Psychiatrie/Neurologie 

94 197 

38 364 

41 

67 

30 

3 

davon: 

in öffentlicher Tragersdiaft 
unter 500 Betten 

3 193 

1 612 

50 

62 

38 

0 

501 und mehr Betten 

73 307 

31 740 

43 

66 

31 

3 

in freigemeinnütziger Trägerschaft 
unter 500 Betten 

5 545 

1 218 

22 

74 

25 

1 

501 und mehr Betten 

7 538 

2 733 

36 

68 

29 

3 

in privater Trägerschaft 
unter 500 Betten 

1 392 

90 

6 

76 

22 

2 

501 und mehr Betten 

3 222 

971 

30 

86 

10 

5 

Fadiabteilungen für Psychiatrie und Psychia- 
trie/Neurologie 

3 021 

62 

2 

65 

34 

2 

Universitätskliniken 

3 140 

134 

4 

49 

40 

12 

Heime und Anstalten für geistig Behinderte 
und chronisch psychisch Kranke 

101 bis 500 Betten 

15 874 

4 155 

26 

72 

25 

3 

501 und mehr Betten 

19 190 

7 473 

39 

60 

38 

2 


Fachkrankenhäuserr FachabteilungeUr Heime und Anstalten 
Baualter der Gebäude 



Betten am 

30. Mai 1973 

davon; 

Zahl der betriebenen Betten, die in Gebäuden stehen, 
die in der Zeit (von) . . . errichtet wurden 


vor 1900 

1 1900 bis 1925 | 1926 bis 1950 | 

Angaben in ®/o 

ab 1950 

Fachkrankenhäuser für Psychiatrie und 






Psychiatrie/Neurologie 

98 757 

31,1 

31,1 

11,0 

26,8 

davon: 






unter 100 Betten 

1 171 

17,4 

20,2 

17,5 

44,9 

101 bis 500 Betten 

9 373 

28,6 

24,6 

13,6 

33,3 

501 bis 1 000 Betten 

21 065 

40,3 

25,3 

8,4 

26,0 

1 001 und mehr Betten 

67 148 

28,7 

34,0 

11,4 

25,9 

Fachabteilungen für Psychiatrie und 






Psychiatrie/Neurologie 

3 164 

16,6 

4,6 

30,7 

48,1 

Universitätskliniken 

3 507 

19,4 

15,7 

16,3 

48,6 

Fachkrankenhäuser und Fachabteilungen 






für Kinder- und Jugendpsychiatrie .... 

3 725 

8,0 

30,9 

16,5 

44,6 

Fachkrankenhäusern für 






Gerontopsychiatrie 

1 030 

26,2 

21,2 

25,1 

27,6 

Suchtkranke 

1 267 

9,6 

14,4 

5,3 

70,6 

Heime und Anstalten für geistig Behin- 
derte und chronisch psychisch Kranke 
mit 






101 bis 500 Betten 

16 286 

21,0 

16,4 

16,6 

45,9 

501 und mehr Betten 

19 482 

24,3 

26,1 

15,3 

34,3 


139 






Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Fachkrankenhäuser, Fachabteilungen, Heime und Anstalten 
Schlafräume 



Betten 

Schlaf- 

davon: 

Schlafräume mit . . . Betten 

Anzahl 

der 

Betten 
außer- 
halb von 
Schlaf- 
räumen 




1 bis 3 1 

4 bis 10 1 

11 bis 20 1 

über 20 

Anzahl 




der 


Insgesamt 


Angaben 

in ®/o 


Boden- 

betten 

Fachkrankenhäuser für Psychiatrie und 
Psychiatrie/Neurologie 

98 757 

21 328 

54 

38 

7 

1 

630 

31 

davon: 

unter 100 Betten 

1 171 

479 

83 

16 

1 




101 bis 500 Betten 

9 373 

2 437 

69 

28 

3 

0 

290 

— 

501 bis 1 000 Betten 

21 065 

5 135 

59 

35 

5 

1 

80 

14 

1 001 und mehr Betten 

67 148 

13 277 

49 

41 

8 

2 

260 

17 

Fachabteilungen für Psychiatrie und 
Psychiatrie/Neurologie 

3 164 

1 160 

73 

26 

1 

_ 

86 

1 

Universitätskliniken 

3 507 

1 229 

53 

45 

2 

— 

34 

— 

Fachkrankenhäuser und Fachabteilun- 
gen für Kinder- und Jugendpsychia- 
trie 

3 725 

733 

35 

59 

6 

0 



Fadikrankenhäuser für 

Gerontopsychiatrie 

1 030 

267 

54 

44 

1 

_ 

9 

_ 

Suchtkranke 

1 267 

653 

92 

8 

— 

— 

10 

— 

Heime und Anstalten für geistig Be- 
hinderte und chronisch psychisch 
Kranke mit 

101 bis 500 Betten 

16 286 

4 279 

59 

38 

2 

0 

34 


501 und mehr Betten 

19 482 

4 185 

42 

54 

4 

0 

— 

— 


Krankenhäuser und Abteilungen 
Anteil der geschlossenen, halboffenen und offenen Stationen 



Betten 

Stationen 

Anteil der Betten auf Stationen, die 

. . sind 




gesdilossen 

1 halboffen | 

offen 




Angaben in "/o 


Fachkrankenhäuser für Psychiatrie und 






Psychiatrie/Neurologie 

98 757 

2 564 

54,0 

17,6 

28,4 

davon: 






unter 100 Betten 

1 171 

50 

29,9 

9,9 

60,2 

101 bis 500 Betten 

9 373 

310 

44,0 

14,3 

41,7 

501 bis 1 000 Betten 

21 065 

554 

51,9 

15,8 

32,2 

1 001 und mehr Betten 

67 148 

1 650 

56,3 

18 6 

25,0 

Fachabteilungen für Psychiatrie und 






Psychiatrie/Neurologie 

3 164 

118 

15,4 

9,1 

75,5 

Universitätskliniken 

3 507 

168 

28,2 

15,6 

56,2 

Fachkrankenhäuser und Fachabteilungen 






für Kinder- und Jugendpsychiatrie .... 

3 725 

140 

19,0 

22,7 

58,3 

Fachkrankenhäuser für 






Gerontopsychiatrie 

1 030 

28 

29,4 

14,0 

56,6 

Suchtkranke 

1 267 

54 

8,8 

6,3 

84,9 

Heime und Anstalten für geistig Behin- 
derte und chronisch psychisch Kranke 
mit 






101 bis 500 Betten 

16 286 

460 

14,8 

17,3 

68,0 

501 und mehr Betten 

19 482 

716 

19,0 

8,8 

72,3 


140 





Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Fachkrankenhäuser, Fachabteilungen, Heime und Anstalten 
Art der Stationen 



Stationen 

Betten 

darunter: Stationen . . . 

die gemisdit geschledit- die keinen Tagesraum 

lidi besetzt sind haben 

Insgesamt 

Anzahl 

mit . . . 
Betten 

Anzahl 

mit . . . 
Betten 

Fachkrankenhäuser für Psychiatrie und Psychia- 







trie/Neurologie 

2 564 

98 757 

232 

6610 

114 

2 796 

davon: 







unter 100 Betten 

50 

1 171 

25 

382 

1 

— 

101 bis 500 Betten 

310 

9 373 

48 

919 

19 

505 

501 bis 1 000 Betten 

554 

21 065 

46 

1 620 

15 

470 

1 001 und mehr Betten 

1 650 

67 148 

113 

3 689 

59 

1 821 

Fachabteilungen für Psychiatrie und Psychiatrie/ 







Neurologie 

118 

3 164 

42 

900 

27 

271 

Universitätskliniken 

168 

3 507 

56 

935 

27 

431 

Fachkrankenhäuser und Fachabteilungen für 







Kinder- und Jugendpsychiatrie 

140 

3 725 

49 

1 040 

— 


Fachkrankenhäuser für 







Gerontopsychiatrie 

28 

1 030 

4 

60 

— 

„ 

Suditkranke 

54 

1 267 

8 

110 

2 

8 

Heime und Anstalten für geistig Behinderte und 







chronisch psychisch Kranke mit 







101 bis 500 Betten 

460 

16 286 

76 

1 043 

20 

424 

501 und mehr Betten 

716 

19 482 

70 

1 588 

8 

141 


Fachkrankenhäuser, Fachabteilungen, Heime und Anstalten 
Sozialräume 






darunter: Zahl der Einrichtungen mit . 




Anzahl der 
Einriditungen 

Club- 

räumen 

Büche- 

rei 

Cafe- 

teria/ 

Kan- 

tine 

Läden 

Fest- 

saal 

Sport- 

platz 

Turn- 

halle 

Schwimm- 

bad 

Fachkrankenhäuser für Psychiatrie 
und Psychiatrie/Neurologie 

130 

49 

90 

44 

43 

82 

48 

28 

13 

davon: 

unter 100 Betten 

21 

7 

9 

2 


8 

1 

2 

1 

101 bis 500 Betten 

37 

17 

21 

6 

9 

17 

8 

7 

3 

501 bis 1 000 Betten 

28 

6 

20 

9 

9 

19 

13 

7 

3 

1 001 und mehr Betten 

44 

19 

40 

27 

25 

38 

26 

12 

6 

Fachabteilungen für Psychiatrie und 
Psydiiatrie/Neurologie 

44 

13 

18 

4 

17 

15 

7 

9 

6 

Universitätskliniken 

23 

3 

8 

1 

2 

1 

3 

8 

3 

Fachkrankenhäuser und Fachabtei- 
lungen für Kinder- und Jugend- 
psydiiatrie 

17 

8 

8 

3 

4 

9 

11 

12 

7 

Fachkrankenhäuser für 
Gerontopsychiatrie 

5 

1 

5 

2 

1 

2 


1 

1 

Suchtkranke 

22 

15 

15 

3 

4 

9 

11 

4 

5 

Heime und Anstalten für geistig Be- 
hinderte und chronisch psychisch 
Kranke mit 

101 bis 500 Betten 

73 

21 

34 

13 

15 

40 

28 

18 

18 

501 und mehr Betten 

20 

10 

11 

4 

7 

13 

12 

10 

11 


141 




Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Fadikrankenhäuser für Psychiatrie und Psydiiatrie/Neurologie 
Art der Gebäudereinigung 




davon: Zahl der Einriditungen, in denen die Gebäudereinigung 
erfolgt durdi . . . (Mehrfadinennungen) 


Einriditungen 

insgesamt 

eigene Kräfte 

angemietete 

Firma 

Patienten 

Sonstige 




Angaben in ®/o 


Fadikrankenhäuser für Psychiatrie und 






Psychiatrie/Neurologie 

130 

80,0 

24,6 

54,6 

4,6 

davon: 






unter 100 Betten 

21 

57,1 . 

19,0 

14,3 

9,5 

101 bis 500 Betten 

37 

64,9 

18,9 

35,1 

2,7 

501 bis 1000 Betten 

28 

89,3 

25,0 

67,9 

7,1 

1001 und mehr Betten 

44 

97,7 

31,8 

81,8 

4,5 


Fadikrankenhäuser und Fachabteilungen für 
Psychiatrie und Psychiatrie/Neurologie 

Patientenclubs, Beratungsstellen 



Anzahl 
der Ein- 
ridi- 
tungen 

daru 

Elnriditun 

Patien- 

tenclubs 

nter: 

?en mit . . . 

Bera- 

tungs- 

stellen 

Fachkrankenhäuser für 
Psychiatrie und Psych- 
iatrie/Neurologie 

130 

25 

19 

davon: 

unter 100 Betten 

21 

1 


101 bis 500 Betten .... 

37 

3 

6 

501 bis 1000 Betten 

28 

7 

6 

1001 und mehr Betten . 

44 

14 

7 

Fachabteilungen für Psych- 
iatrie und Psychiatrie/ 
Neurologie 

44 

4 

4 

Universitätkliniken 

23 

7 

4 


Fachkrankenhäuser, Fachabteilungen, Heime 
und Anstalten 

Berufliche Rehabilitationseinrichtungen 



Anzahl 
der Ein- 
richtun- 
gen 

darunter: 

Einrichtu 

berufliche 

tationsein 

berufs- 

bildende 

(mit 

Abschluß) 

Anzahl der 
ngen mit 
a Rehabili- 
richtungen 

berufs- 

bezogene 

Fachkrankenhäuser für 
Psychiatrie und Psych- 
iatrie/Neurologie 

130 

2 

6 

davon: 

unter 100 Betten 

21 


1 

101 bis 500 Betten . . . 

37 

1 

— 

501 bis 1000 Betten . . . 

28 

— 

1 

1001 und mehr Betten . 

44 

1 

4 

Fachabteilungen für Psych- 
iatrie und Psychiatrie/ 
Neurologie 

44 

1 

1 

Universitätskliniken .... 

23 

— 

— 

Heime und Anstalten für 
geistig Behinderte und 
chronisch psychisch 

Kranke mit 

101 bis 500 Betten .... 

73 

4 

8 

501 und mehr Betten . . 

20 

4 

6 


142 






Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Fadikrankenhäuser, Fachabteilungen, Heime 
und Anstalten 

Betriebene Außenfürsorge 



Einrich- 

tungen 

insgesamt 

darunter: Zahl der 
Einrichtungen, 
die Außenfürsorge 
betreiben 


absolut 

in ®/o 

Fachkrankenhäuser für 
Psydiiatrie und Psychia- 
trie/Neurologie 

130 

65 

50,0 

davon: 

unter 100 Betten 

21 

2 

9,5 

101 bis 500 Betten .... 

37 

12 

32,4 

501 bis 1 000 Betten . . 

28 

15 

53,6 

1 001 und mehr Betten . 

44 

36 

81,8 

Fachabteilungen für 
Psychiatrie und Psychia- 
trie/Neurologie 

44 

3 

6,8 

Universitätskliniken .... 

23 

3 

13,0 

Fachkrankenhäuser und 
Fachabteilungen für 
Kinder- und Jugend- 
psychiatrie 

1? 

5 

29,4 

Fachkrankenhäuser für 
Gerontopsychiatrie .... 

5 





Suditkranke 

22 

6 

27,3 

Heime und Anstalten für 
geistig Behinderte und 
chronisch psychisch 
Kranke mit 

101 bis 500 Betten .... 

73 

9 

12,3 

501 und mehr Betten . . 

20 

6 

30,0 


143 




Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Fachkrankenhäuser, Fadiabteilungen, 
Zusätzlidi betreute Ubergangs- 



Anzahl 

daru 

Zahl der Einriditungen 

Tagesklinik | 

nter: 

[, Betten/Plätze mit . . . 

Tagesstätte 

Ein- 

riditungen 

Betten 

Ein- 

riditungen 

Betten/ 

Plätze 

Ein- 

richtungen 

Betten/ 

Plätze 

Fachkrankenhäuser für Psychiatrie und Psychia- 







trie/Neurologie 

130 

98 757 

8 

136 

1 

20 

davon: 







unter 100 Betten 

21 

1 171 

1 

18 

— 

__ 

101 bis 500 Betten 

37 

9 373 

2 

27 

— 

— 

501 bis 1 000 Retten 

28 

21 065 

1 

30 

1 

20 

1 001 und mehr Betten 

44 

67 148 

4 

61 



Fachabteilungen für Psychiatrie und Psychiatrie/ 







Neurologie 

44 

3 164 

3 

105 

— 

— 

Universitätskliniken 

23 

3 507 

4 

90 

— 

— 

Fachkrankenhäuser und Fadiabteilungen für 







Kinder- und Jugendpsychiatrie 

17 

3 725 

— 

— 

— 

— 

Fachkrankenhäuser für 







Gerontopsychiatrie 

5 

1 030 

-- 

— 

— 

— 

Suditkranke 

22 

1 267 

— 

— 

— 

— 

Heime und Anstalten für geistig Behinderte und 







dironisdi psychisch Kranke mit 







101 bis 500 Betten 

73 

16 286 

— 

— 

1 

75 

501 und mehr Betten 

20 

19 482 

— 

— 

— 

— 


144 
















Deutsdier Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Heime und Anstalten 
und sonstige Einrichtungen 


Naditklinik 

1 übergangsheim j 

1 Wohnheim | 

1 Altenkranken-ZPflegeheim 

1 Altenheim 

Einriditungen 

Betten/ 

Plätze 

Einriditungen 

Betten/ 

Plätze 

Einriditungen 

Betten/ 

Plätze 

Einriditungen 

Betten/ 

Plätze 

Ein- 

richtungen 

Betten/ 

Plätze 

33 

537 

11 

204 

5 

386 

10 

1 310 

8 

1 167 

2 

4 

37 

61 

2 

65 

1 

78 

2 

85 

3 

86 

5 

21 

3 

53 

1 

15 

3 

361 

— 

— 

22 

418 

6 

86 

3 

293 

5 

864 

5 

1 081 

1 

2 

1 

5 

— 

— 

1 

42 

— 

— 

5 

1 

42 

3 

3 

210 

2 

155 





2 

20 

1 

10 

— 

— 

— 

— 

— 

— 



1 

6 

2 

181 

4 

1 179 

1 

9 

— 

— 

2 

28 

2 

20 

— 

— 

1 

25 


145 




Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Psychiatrische Beratung in Gesundheitsämtern 


Land 

Zahl der 
Gesund- 
heits- 
ämter 

darunter 

Gesund- 

heits- 

ämter 

ohne 

psydiia- 

trisdie 

Beratung 

Psydiiatrisdie Beratung in Gesundheitsämtern (Zahl der Ämter) 

Beratung durch 
eigenes Personal 
im Rahmen der 
allgemeinen Beratung 

Beratung in 
speziellen psydiiatri- 
sdien Abteilungen 

Beratung durdi 
fremdes Personal 

Außenfürsorge eines 
psydiiatrlsdien 
Krankenhauses 

14tägig 

und 

öfter 

monatlidi 

und 

seltener 

14tägig 

und 

öfter 

monatlidi 

und 

seltener 

14tägig 

und 

öfter 

monatlidi 

und 

seltener 

14tägig 

und 

öfter 

monatlidi 

und 

seltener 

Schleswig-Holstein 

15 

— 

7 

1 

4 

— 

1 

4 


5 

Hamburg 

7 

— 

— 

— 

7 

— 

— 

— 

1 

— 

Niedersachsen 

67 

7 

34 

19 

6 

— 

5 

13 

4 

19 

Bremen 

3 

— 

2 

— 

2 

— 

— 

1 

— 

— 

Nordrhein-Westfalen 

82 

— 

39 

9 

39 

— 

17 

8 

37 

25 

Hessen 

38 

1 

16 

5 

4 

— 

4 

13 

2 

14 

Rheinland-Pfalz 

28 

— 

12 

7 

2 

2 

1 

5 

4 

20 

Baden-Württemberg 

64 

2 

21 

14 

5 

— 

— 

— 

6 

46 

Bayern 

74 

— 

24 

10 

3 

6 

6 

20 

10 

33 

Saarland 

8 

— 

4 

2 

— 

— 

— 

3 

— 

3 

Berlin (West) 

12 

— 

— 

— 

12 

— 

— 

— 

— 

— 

Bundesrepublik Deutschland 
einschließlich Berlin (West) 

398 

10 

159 

67 

84 

8 

34 

57 

64 

165 


146 





Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Übersicht über die in der psychiatrischen Beratung der Gesundheitsämter 

tätigen Ärzte 

(vollbeschäftigt und teilbeschäftigt) 

30. Mai 1973 





darunter: 






in psychiatrischer 
Beratung tätiges 
Personal 

weitere in psychiatrischer 
Beratung tätige Ärzte 

in psychia- 
trischer 

darunter: 

Ärzte 
mit Erfah- 
rung in 
Psychiatrie 
und 

Neurologie 

Land 

an Gesund- 
heitsämtern 
tätige Ärzte 

im Rahmen 
der 

allgemei- 

nen 

Beratung 

Beratung in 
speziellen 
psychiatri- 
schen 
Abtei- 
lungen 

fremdes 

Personal 

Äußen- 
fürsorge- 
ärzte eines 
psychiatri- 
schen 
Kranken- 
hauses 

Beratung 

tätige 

Ärzte 

insgesamt 




Ärzte in psychiatrischer Beratung 


Schleswig-Holstein 

109 

19 

5 

5 

10 

39 

21 

Hamburg 

262 

— 

11 

3 

— 

14 

14 

Niedersachsen 

285 

77 

4 

17 

22 

120 

78 

Bremen 

53 

1 

3 

~ 

— 

4 

3 

Nordrhein-Westfalen 

719 

95 

31 

31 

64 

221 

143 

Hessen 

266 

20 

11 

19 

18 

68 

54 

Rheinland-Pfalz 

113 

20 

2 

8 

26 

56 

40 

Baden-Württemberg 

346 

62 

5 

— 

51 

118 

72 

Bayern 

442 

81 

14 

31 

52 

178 

138 

Saarland 

44 

13 

— 

3 

3 

19 

12 

Berlin (West) 

324 

— 

39 

3 

— 

42 

39 

Bundesrepublik Deutschland ein- 








schließlich Berlin (West) 

2 963 

388 

125 

120 

246 

879 

614 


Ausgewählte Angaben zur personellen Besetzung der 398 Gesundheitsämter 
in der Bundesrepublik Deutschland (30. Mai 1973) 


Berufsgruppen 

Personal der Gesundheitsämter 

fremdes 
Personal, 
welches im 
Rahmen der 
psychiatri- 
sdien Bera- 
tung des 
Gesundheits- 
amtes 
tätig ist 

vollbeschäftigt 

teilbeschäftigt 

Insgesamt 

darunter: in der 
psychiatrischen Beratung 
tätig 

Insgesamt 

darunter: in der 
psychiatrischen Beratung 
tätig 

absolut 

in ®/o 

absolut 

in Vo 

Ärzte ^) 

2 011 

435 

21,6 

952 

78 

8,2 

366 

Psychologen 

13 

12 

92,3 

14 

9 

64,3 

8 

Fürsorger(innen), 








Sozialarbeiter (innen) , 








Sozialhelfer(innen) 2) 

2 959 

1 036 

35,0 

204 

95 

46,6 

235 

Krankenschwestern 

430 

18 

4,2 

43 

2 

4,7 

4 


1) darunter: Ärzte mit Erfahrung in Psychiatrie und Neurologie 

— Personal der Gesundheitsämter (vollbeschäftigt): 263 (13,1 */«) 

— Personal der Gesundheitsämter (teilbeschäftigt) : 45 ( 4,7 Vo) 

— fremdes Personal, welches im Rahmen der psychiatrischen Beratung des Gesundheitsamtes tätig ist: 306 ('03,6 Vc) 

2) Der Anteil der vollbeschäftigten Fürsorger(innen), Sozialarbeiter(innen) und Sozialhelfer(innen) verhält sich 583 : 2 201 ; 175 


147 




Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Sonderkindergärten und Kinder nadi der Art der Trägersdiaft 



Insgesamt 

davon: Träger 

öffentlidx 

freigemeinnützig 

privat 

Zahl der Sonderkindergärten 

368 

99 

209 

60 

durdisdinittlidie Zahl der Kinder 

26,2 

21,0 

27,8 

29,1 

Kinder 

9 636 

2 082 

5 806 

1 748 

davon: 





Kinder nach der Art und dem Grad der 





Behinderung 



Angaben in ®/o 


Lernbehinderte 

762 

8,9 

8,8 

3,8 

geistig Behinderte (IQ 70 bis 50) 

2 091 

20,6 

21,3 

24,4 

geistig Behinderte (IQ 50 bis 35) 

3 852 

34,3 

42,3 

39,1 

geistig Behinderte (IQ unter 35) 

2 066 

15,7 

21,5 

28,1 

Sinnesbehinderte 

198 

7J 

0,5 

0,5 

Verhaltensgestörte 

131 

3,3 

0,8 

0,8 

Sonstige nicht geistig und nicht verhaltens- 





gestörte Kinder 

536 

9,6 

4,8 

3,3 


Kinder in Sonderkindergärten nach dem Grad der Behinderung 


Land 

Lernbehinderte 

und 

geistig Behinderte 
insgesamt 

darunter: Geistig Behinderte mit einem IQ von . . . 

70 bis 50 

50 bis 35 

unter 35 

Schleswig-Holstein 

1 094 

310 

438 

244 

Hamburg 

126 

15 

45 

63 

Niedersachsen 

823 

194 

402 

152 

Bremen 

26 

4 

3 

19 

Nordrhein-Westfalen 

2 464 

573 

1 091 

560 

Hessen 

614 

90 

240 

127 

Rheinland-Pfalz 

513 

96 

258 

136 

Baden-Württemberg 

549 

122 

221 

167 

Bayern 

2 013 

511 

934 

519 

Saarland 

188 

89 

69 

23 

Berlin (West) 

361 

87 

151 

56 

Bundesrepublik Deutschland einschließlich 





Berlin (West) 

8 771 

2 091 

3 852 

2 066 


148 





Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Sonderkindergärten nach der überwiegenden Zweckbestimmung 


Land 

Sonderkindergärten für 

geistig behinderte 
Kinder 

geistig und körperlidi 
bzw. sinnesbehinderte 
Kinder 

verhaltensgestörte 

Kinder 

Schleswig-Holstein 

18 

13 

1 

Hamburg 

6 

3 

— 

Niedersadisen 

8 

15 

— 

Bremen 

5 

2 

— 

Nordrhein-Westfalen 

72 

39 

— 

Hessen 

13 

18 

— 

Rheinland-Pfalz 

18 

12 

— 

Baden-Württemberg 

24 

8 

— 

Bayern 

40 

27 

— 

Saarland 

2 

3 


Berlin (West) 

9 

11 

1 

Bundesrepublik Deutschland einschließlich Ber- 




lin (West) 

215 

151 

2 


Kinder und Personal der Sonderkindergärten 



Insgesamt 

davon: Träger 


öffentlich 

freigemeinnützig 

privat 

Kinder 

9 636 

2 082 

5 806 

1 748 

Personal 





Sozialpädagogisch-psychologischer Dienst . 

1 716 

397 

1 041 

278 

Pflegerischer und medizinischer Dienst . . . 

1 096 

201 

701 

194 


149 




Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Sonderkindergärten, Behinderungsart der Kinder 


Land 

Zahl der Sonder- 
kindergärten 

Kinder insgesamt 

davon: 

Lernbehinderte und 
geistig Behinderte 

übrige Behinderte 

Schleswig-Holstein 

31 

1 108 

1094 

14 

Hamburg 

9 

139 

126 

13 

Niedersachsen 

23 

891 

823 

68 

Bremen 

7 

130 

26 

104 

Nordrhein-Westfalen 

111 

2 656 

2 464 

192 

Hessen 

31 

635 

614 

21 

Rheinland-Pfalz 

30 

611 

513 

98 

Baden-Württemberg 

33 

603 

549 

54 

Bayern 

67 

2 152 

2013 

139 

Saarland 

5 

223 

188 

35 

Berlin (West) 

21 

488 

361 

127 

Bundesrepublik Deutschland einschließlich 





Berlin (West) 

368 

9 636 

8 771 

865 


Sonderschulen und Schüler nach der Art der Trägerschaft 



Insgesamt 


davon: Träger 



öffentlich 

1 freigemeinnützig [ 

privat 

Zahl der Schulen 

1 281 

1 005 

150 

126 

Durchschnittliche Zahl der Schüler 

129,8 

144,5 

55,2 

101,1 

Schüler 

166 267 

145 242 

8 286 

12 737 

davon: 

Schüler nach der Art und dem Grad der 
Behinderung 

Lernbehinderte 

105 210 

69,2 

Angaben in Vo 

12,9 

29,0 

geistig Behinderte (IQ 70 bis 50) 

33 855 

19,3 

26,1 

28,9 

geistig Behinderte (IQ 50 bis 35) 

16 346 

6,7 

40,2 

26,1 

geistig Behinderte (IQ unter 35) 

4 424 

1,5 

15,4 

7,7 

übrige Behinderte 

6 435 

3,4 

5,4 

8,3 


150 





Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Schüler in Sonderschulen nach dem Grad der Behinderung 


Land 

Lernbehinderte 

und 

gestig Behinderte 
insgesamt 

darunter: geistig Behinderte mit einem IQ 

70 bis 50 1 50 bis 35 | 

von . . . 

unter 35 

Schleswig-Holstein 

14 340 

2 929 


449 

102 

Hamburg 

6 174 

1 464 


61 

21 

Niedersachsen 

6 091 

1 672 

1 

892 

613 

Bremen 

318 

— 


226 

92 

Nordrhein-Westfalen 

43 569 

10 577 

4 

397 

1 190 

Hessen 

4 305 

944 

1 

378 

306 

Rheinland-Pfalz 

2 174 

582 

1 

106 

212 

Baden-Württemberg 

36 576 

5217 

3 

379 

927 

Bayern 

38 182 

8 949 

2 

810 

763 

Saarland 

820 

265 


302 

129 

Berlin (West) 

7 283 

1 256 


346 

69 

Bundesrepublik Deutschland einschließlich 
Berlin (West) 

159 832 

33 855 

16 346 

4 424 


Zahl der geistig Behinderten in Sonderschulen 


Land 

Zahl der 
Schüler mit 
einem IQ 
unter 70 

Schüler pro 

1 000 Einwohnei 

Schleswig-Holstein 

3 480 

1,36 

Hamburg 

1 546 

0,88 

Niedersachsen 

4 177 

0,58 

Bremen 

318 

0,43 

Nordrhein-Westfalen 

16 164 

0,94 

Hessen 

2 628 

0,47 

Rheinland-Pfalz 

1 900 

0,51 

Bayern 

9 523 

1,04 

Baden-Württemberg 

12 522 

1,16 

Saarland 

696 

0,62 

Berlin (West) 

1 671 

0,81 

Bundesrepublik Deutschland einschließlich 
Berlin (West) 

54 625 

0,88 


151 






Drucksache 7/4201 Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Sondersdiulen, Behinderungsart der Sdiüler 



Zahl der 
Schulen 

Schüler 

insgesamt 

davon: 

Land 

Lernbehinderte und 
geistig Behinderte 

Übrige Behinderte 

Schleswig-Holstein 

117 

14 549 

14 340 

209 

Hamburg 

39 

6 317 

6 174 

143 

Niedersachsen 

79 

6 356 

6 091 

265 

Bremen 

4 

518 

318 

200 

Nordrhein-Westfalen' 

315 

45 313 

43 569 

1 744 

Hessen 

50 

4 352 

4 305 

47 

Rheinland-Pfalz 

43 

2 612 

2 174 

438 

Baden-Württemberg 

327 

38 507 

36 576 

1 931 

Bayern 

246 

39 021 

38 182 

839 

Saarland 

21 

1 140 

820 

320 

Berlin (West) 

40 

7 582 

7 283 

299 

Bundesrepublik Deutschland einschließlich 





Berlin (West) 

1 281 

166 267 

159 832 

1 

6 435 


Werkstätten für Behinderte 
Träger, Plätze, Behinderte 




davon: Träger 

Werkstätten 


genutzte 


Zahl der 





Plätze 
pro 1 000 
Ein- 
wohner 

Zahl der 

Plätze 


Werk- 

stätten 

öffentlich 

frei- 

gemein- 

nützig 

privat 

Plätze 

Behinder- 

ten 

am 

30. Mai 
1973 in «/o 

Schleswig-Holstein 

11 

2 

9 

— 

1 026 

0,38 

970 

94,5 

Hamburg 

2 

1 

1 

— 

617 

0,35 

617 

100,0 

Niedersachsen 

30 

— 

28 

2 

3 341 

0,41 

2 971 

88,9 

Bremen 

3 

1 

2 

— 

590 

0,87 

642 

108,8 

Nordrhein-Westfalen 

50 

6 

41 

3 

4 707 

0,25 

4 266 

90,6 

Hessen 

31 

3 

25 

3 

2 265 

0,31 

1 740 

76,8 

Rheinland-Pfalz 

19 

1 

16 

2 

1 489 

0,31 

1 147 

77,0 

Baden-Württemberg 

34 

2 

29 

3 

3218 

0,27 

2 427 

75,4 

Bayern 

36 

2 

28 

6 

1 715 

0,12 

1 345 

78,4 

Saarland 

3 

— 

2 

1 

674 

0,35 

396 

58,8 

Berlin (West) 

15 

10 

5 


1 292 

0,60 

1 237 

95,7 

Bundesrepublik Deutschland ein- 









schließlich Berlin (West) 

234 

28 

186 

20 

20 934 

0,34 

17 758 

84,8 


152 




Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode DfUCksachG 7 / 4201 


Werkstätten für Behinderte nach der Art der Trägerschaft 



Insgesamt 


davon: Träger 



öffentlich 

1 freigemeinnützig | 

privat 

Zahl der Werkstätten 

234 

28 

186 

20 

durchschnittliche Zahl der Behinderten 

75,9 

74,3 

77,5 

63,4 

Behinderte 

17 758 

2 079 

14411 

1 268 

davon: 

Behinderte nach der Art und dem Grad der 
Behinderung 

Lernbehinderte und Minderbegabte 

2 193 

3,6 

Angaben in "/n 

13,2 

17,6 

geistig Behinderte (IQ 70 bis 50) 

3 794 

21,4 

20,8 

28,1 

geistig Behinderte (IQ 50 bis 35) 

5 044 

39,6 

26,9 

27,5 

geistig behinderte (IQ unter 35) 

2 070 

12,4 

12,0 

6,7 

seelisch Behinderte 

1 115 

8,1 

6,0 

6,2 

Anfallskranke 

897 

4,4 

5,3 

2,9 

körperlich Behinderte 

1 609 

7,8 

9,6 

4,6 

Sinnesbehinderte 

661 

2,2 

4,1 

1,7 

übrige Behinderte 

140 

0,3 

0,9 

0,6 

keine Angaben zur Art der Behinderung . . 

235 

0,1 

1,3 

4,0 


Werkstätten für Behinderte 

Trägerschaft und Zugehörigkeit zu einem Spitzenverband 


Zahl der Werkstätten 

234 

davon: 


öffentlich 

28 

privat 

20 

freigeineinnützig 

186 

darunter: 


Arbeiterwohlfahrt-Bundesverband e.V 

5 

Diakonisches Werk — Innere Mission und 


Hilfswerk der Evangelischen Kirche in 


Deutschland 

36 

Deutscher Caritasverband e.V 

29 

Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband 


e.V 

77 

Deutsches Rotes Kreuz e.V 

3 

Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutsch- 


land e.V 

— 


153 




Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Behinderte in Werkstätten nach dem Grad der Behinderung 


Land 

Behinderte 

insgesamt 

darunter: 

70 bis 50 

geistig Behinderte mit einem IQ von . . . 

1 50 bis 35 1 unter 35 

Schleswig-Holstein 

970 

193 

191 

54 

Hamburg 

617 

12 

82 

106 

Niedersachsen 

2 971 

595 

956 

348 

Bremen 

642 

170 

242 

45 

Nordrhein-Westfalen 

4 266 

878 

1 367 

503 

Hessen 

1 740 

419 

456 

205 

Rheinland-Pfalz 

1 147 

307 

347 

99 

Baden-Württemberg 

2 427 

770 

661 

165 

Bayern 

1 345 

231 

432 

210 

Saarland 

396 

151 

112 

41 

Berlin (West) 

1 237 

68 

198 

294 

Bundesrepublik Deutschland einschließlich 
Berlin (West) 

17 758 

3 794 

5 044 

2 070 


Werkstätten für Behinderte 
Art des Arbeitsangebotes (Plätze) 


Land 

Dienstleistungen 

Eigenproduktion 

Lohnaufträge 

Angaben in “/o 

Schleswig-Holstein 

7,9 

12,8 

79,3 

Hamburg 

4,9 

14,9 

80,2 

Niedersachsen 

7,2 

12,1 

80,7 

Bremen 

8,9 

32,4 

58,7 

Nordrhein-Westfalen 

5,8 

6,6 

87,6 

Hessen 

7,4 

6,5 

86,2 

Rheinland-Pfalz 

24,6 

5,8 

69,6 

Baden-Württemberg 

19,5 

6,2 

74,3 

Bayern 

5,1 

1,1 

93,8 

Saarland 

6,8 

5,1 

88,1 

Berlin (West) 

11,7 

27,1 

61,3 

Bundesrepublik Deutschland einschließlich Ber- 
lin (West) 

1 641 

1 666 

13 510 


154 






Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Werkstätten für Behinderte 
Ausbildungsangebot 




darunter; Ausbildungsangebot 

Land 

Behinderte 

insgesamt 

Anlernen für 
eigene Werkstatt 

Anlernen für den 
freien Arbeitsraarkt 

Ausbildung für 
einen bestimmten 
Beruf 




Angaben in */o 


Schleswig-Holstein 

970 

33,0 

7,5 

13,4 

Hamburg 

617 

9,9 

— 

— 

Niedersachsen 

2 971 

15,2 

9,8 

5,9 

Bremen 

642 

13,6 

— 

— 

Nordrhein-Westfalen 

4 266 

35,0 

3,7 

0,8 

Hessen 

1 740 

47,2 

6,1 

— 

Rheinland-Pfalz 

1 147 

20,7 

11,2 

4,5 

Baden-Württemberg 

2 427 

37,9 

6,6 

1,2 

Bayern 

1 345 

52,6 

6,0 

1,9 

Saarland 

396 

35,6 

23,0 

1,8 

Berlin (West) 

1 237 

21,3 

19,0 

— 

Bundesrepublik Deutschland einschließlich 





Berlin (West) 

17 758 

31,6 

7,5 

2,6 


Werkstätten für Behinderte 
Entlohnnung 





darunter: 




Behinderte, 

Entlohnung {Mehrfachnennungen) 

Land 

Behinderte 

insgesamt 

mit denen ein 
ordentlicher 
Arbeitsvertrag 
geschlossen ist 

Grundbetrag 

(Taschengeld) 

Prämie unter 
Berücksichti- 
gung 

der Leistung 

feste Stunden- 
löhne 




Angaben in ”/o 


Schleswig-Holstein 

970 

29,8 

48,0 

61,3 

1.2 

Hamburg 

617 

7,9 

— 

85,9 

7,9 

Niedersachsen 

2 971 

10,8 

32,1 

58,3 

11,2 

Bremen 

642 

81,5 

10,6 

13,1 

76,3 

Nordrhein-Westfalen 

4 266 

2,5 

60,4 

71,1 

2,6 

Hessen 

1 740 

2,4 

43,4 

62,2 

0,7 

Rheinland-Pfalz 

1 147 

0,2 

48,9 

65,6 

0,3 

Baden-Württemberg 

2 427 

2,6 

23,0 

80,9 

1,5 

Bayern 

1 345 

3,6 

65,7 

73,4 

7,8 

Saarland 

396 

0,5 

11,9 

34,8 

5,8 

Berlin (West) 

1 237 

28,0 

46,2 

13,7 

33,3 

Bundesrepublik Deutschland (einschließ- 






lich Berlin (West) 

17 758 

10,1 

41,9 

62,3 

8,9 


155 








Drucksache 7/4201 Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Werkstätten für Behinderte 
Leistungen der Arbeitsverwaltung 




darunter: 

Behinderte, welche Leistungen der Arbeitsverwaltung nadi § 58 
Arbeitsförderungsgesetz (AFG) erhalten in Verbindung mit . . . 

Land 

Behinderte 

insgesamt 

§ 10 Nr. 5 
AReha (2. Juli 1970) 
Förderkurse 

§ 40 Abs. 4 
AReha (2. Juli 1970) 
Einarbeitungs- 
zuschuß 

§ 96 ff. 

AReha (2. Juli 1970) 
Eingliederungs- 
beihilfe 




Angaben in ®/o 


Schleswig-Holstein 

970 

5,1 

— 


Hamburg 

617 

9,9 

— 


Niedersachsen 

2 971 

3,6 

0,0 

0,6 

Bremen 

642 

9,2 

— 

— 

Nordrhein-Westfalen 

4 226 

3,3 

0,2 

1.0 

Hessen 

1 740 

2,5 

0,1 

0,2 

Rheinland-Pfalz 

1 147 

17 

0,9 

0,3 

Baden-Württemberg 

2 427 

— 

— 

— 

Bayern 

1 345 

4,5 

0,4 

2,2 

Saarland 

396 

49,0 

0,3 

13,9 

Berlin (West) 

1 237 

5,7 


— 

Bundesrepublik Deutschland einschließlich 





Berlin (West) 

17 758 

4,5 

0,2 

0,9 


Behinderte, welche in der Zeit von 1968 bis 1973 aus den Werkstätten 
für Behinderte entlassen wurden 




darunter: 

Land 

entlassene Behinderte 
insgesamt 

auf den freien Arbeits- 
markt vermittelt 

in stationäre Betreuung 
eingewiesen 



Angaben in ®/o 

Schleswig-Holstein 

249 

45,0 

15,0 

Hamburg 

265 

32,1 

10,9 

Niedersachsen 

716 

49,0 

16,9 

Bremen 

240 

57,5 

15,8 

Nordrhein-Westfalen 

1 103 

34,3 

18,9 

Hessen 

660 

40,6 

17,3 

Rheinland-Pfalz 

428 

26,9 

32,7 

Baden-Württemberg 

873 

38.5 

21,9 

Bayern 

561 

44,9 

18,7 

Saarland 

29 

62,1 

10,3 

Berlin (West) 

603 

51,4 

3,8 

Bundesrepublik Deutschland einschließlich Ber- 




lin (West) 

5 677 

41,6 

17,8 


156 






Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Werkstätten für Behinderte 
Träger, Personal 


Personalgruppen 

Personal 

insgesamt 

öffentlich 

davon: Träger 

1 freigemeinnützig | 

Angaben in ®/o 

privat 

Werkstatt-Dienst 

1 654 

42,2 

42,9 

32,6 

Pädagogisch-psychologischer Dienst 

489 

22,4 

11,8 

7,8 

Medizinisch-pflegerisdier Dienst 

654 

8,8 

16,4 

27,0 

Büro-, Küchen-, Reinigungsdienst 

910 

15,9 

23,3 

28,2 

Sonstige 

234 

10,f) 

5,6 

4,4 

Personal insgesamt 

3 941 

339 

3 283 

319 


Werkstätten für Behinderte 
Personal 


Land 

Personal 

insgesamt 

Werkstatt- 

dienst 

pädago- 

gisch- 

psycbologi- 

scher 

Dienst 

davon: 

medi- 

zinisch- 

pflegeri- 

scher 

Dienst 

Angaben in ®/t 

Büro-, 

Küchen- 

und 

Reinigungs- 

dienst 

Sonstige 

Schleswig-Holstein 

272 

44,5 

16,9 

8,8 

26,8 

2,9 

Hamburg 

86 

24,4 

29,1 

9,3 

25,6 

11,6 

Niedersadisen 

602 

45,8 

15,3 

10,6 

26,1 

2,2 

Bremen 

86 

68,6 

5,8 

U2 

17,4 

7,0 

Nordrhein-Westfalen 

766 

55,5 

10,3 

10,1 

20,8 

3,4 

Hessen 

412 

41,0 

14,3 

13,6 

22,6 

8,5 

Rheinland-Pfalz 

289 

49,1 

13,8 

18,7 

14,9 

3,5 

Baden-Württemberg 

743 

24,2 

10,2 

30,8 

26,6 

3,1 

Bayern 

421 

36,8 

20,7 

10,5 

17,8 

14,3 

Saarland 

96 

50,0 

18,8 

7,3 

21,9 

2,1 

Berlin (West) 

168 

34,5 

25,0 

6,0 

32,1 

2,4 

Bundesrepublik Deutschland einschließlich 
Berlin (West) 

3 941 

42,0 

14,4 

14,6 

23,1 

5,9 


157 









Drucksache lltV2Xa\ 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


II. Die für die Erhebung der Sachverständigen -Kommission verwendeten Erhebungsbogen 

(Stichtag: 30. Mai 1973) 


Sachverständigen-Kommission zur Erarbeitung der 
Enquete über die Lage der Psychiatrie in der BRD 


Fragebogen- Nummer; 


Nr 


Erhebungsbogen für stationäre Einrichtungen 

Stichtag: 30. 5. 1973 


Seite 1 

von inig*»mt 16 Seiten 



Bei fettgedruckten Ziffern in den Randspalten, bitte den Hinweis unter der gleichen lfd. Ziffer im Merkblatt zum Erhebungsbogen für stationäre Einrichtungen beachten. 


103 


111 


112 

113 


150 


1. Allgemein 

Name der Einrichtung: 


Name des verantwortlichen Leiters: 


Berufliche Ausbildung als: 


Postalische Adresse 
Postleitzahl und Gemeinde: 


Straße und Hausnummer: 

Rückfragen sind zu richten an (Name). 


Zahl der von der Einrichtung insgesamt betriebenen Betten am Stichtag: 
Zahl der Pflegetage der Einrichtung insgesamt im Jahr 1972; 


Jahr der Inbetriebnahme: 


130 

131 

132 

133 

134 


Die Einrichturtg ist: 

öffentlich: 

frei-gemeinnützig : 

Falls ja, welcher Spitzenverband? 

Arbaiterwohl fahrt Burtdssverband e. V.: 

Das Diakonische Werk - Innere Mission 
und Hilfswerk - der Evangelischen Kirche 
in Deutschland: 


Deutscher Caritasverband e. V.: 


Deutsches Rotes Kreuz e. V.: 


0 -' 

□ 

□ 


□ 

JD-' 


Der Einrichtung sind angeschlossen: 

f ^nderkindergärten und gleichgestellte Einrichtungen (Tagesstätten u. ä.) für geistig und seelisch behinderte Kinder: 

' (Auch So nderlt indergärten für körperlich Behinderte, soweit sie geistig und seelisch Behinderte mit betreuen); 

2. Werkstätten für Behinderte (Beschützende Werkstätten): 

3. Sonderschulen, Sonderschulen mit Werkstufe, Tagesbildungsstätten und Anlernwerkstatten für geistig und seelisch Behinderte. 
(Auch Sonderschulen für körperlich Behinderte, soweit sie geistig und seelisch Behinderte mit betreuen); 


B 

□ 


Bitte die Nummer des 
Fragebogens eintragen, 
den die jeweilige Einrich- 
tung evtl, ebenfalls von 
der Sach verstand igen- 
Kommission erhalten hat. 


') Bei □ bitte Zutreffendes ankreuzen 


'*) Beir.TDbitte Eintragung vornehmen 


Enquete ■ Psychiatrie Seite 2 

von insgesanrrt 16 Seiten 

Fra geboge n- Nu m mer : I Nr. ~~] 



158 






Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Enquete - Psychiatrie 


Fragebogen- Nu mmer: 


Nr. 


Seite 3 

von Inigesamt 16 Seiten 


200 

1 3. Spezielle Patientengruppen 


Spezielle Patientengruppen für 

Anzahl d< 

Insgesamt 

ar Betten 

davon 

201 

1 . Psychisch Krenke insgesamt 



202 

1. 1 Psychisch kranke Kinder (bis unter 14 J.) 

X 


203 

1. 2 Psychisch kranke Jugendliche (14 bis unter 18 J.) 


204 

1. 3 Psychogeriatrische Patienten 


205 

1 . 4 Alkohol-Kranke 


206 

1. 5 Drogen- und Medikamentenabhängige 


207 

1 . 6 Psychosomatische Fälle, Neurotische Kranke 


208 

1. 7 Anfaliskranke 


209 

1. 8 Psychisch Kranke in Infektionsabteilungen (Tbc, Typhus u. ä.) 


210 

1. 9 Andere spezielle Patientertgruppen psychisch Kranker 


211 

2. Geistig Behinderte insgesamt 

1 


212 

2. 1 Kinder und Jugendliche 

X 


213 

2. 2 Erwachsene 


214 

3. Neurologisch Kranke 


X 

215 

4. Summe der Kategorien 1 - 3 


216 

5. Übrige Kranke, die nicht in den oben genannten Gruppierungen zusammengefaSt sind | 

217 

6. Betriebene Betten insgesamt (1-5) | | 


Enquete - Psychiatrie 


Frag ebogen- Nu mmer : 


Nr. 


Seite 4 

von insgejerm 1 6 Seiten 


220 

Sozialräume 

240 

Betriebene Betten nach 
Baualter der Gebäude 

250 

Schlaf räume 

221 

Vorhanden Nicht vorhanden 

251 

Zimmer 

mit Betten 

Anzahl 
d. Räume 

(für Patienten geschaffen) 

^ 

241 


Cfubräume L 

abir ausbau- 
bedürftig 

□ C 

aber 

wünschenswert 

□ 

Baualter der 

Gebäude 

Anzahl 
. Betten 

Zimmer mit 

1 '3 Betten 


vor 1900 


252 

4-10 


242 

1900-1925 


253 

1 1 bis 20 


222 

Bücherei Q 

] □ □ □ 

] □ □ □ 

243 

1926-1950 


254 

über 20 


223 

Cafeteria/Kantine Q 

244 

ab 1950 



Belegte Betten 
auBerhalb von 
Schlafräumen'. 

(z. B. Flure, 
Tagasräume u. a.) 

Anzahl 

der 

Betten 
1 

224 

Läden D O C 

□ 

□ 

245 

Betriebene Betten insges. 


225 

n □ r 

260 

Medizinische 

Ausstanung 

(Zutreffendes bitte ankreuzen) 

255 

1 


: □ □ □ 

-1 1 — II — 1 m 

256 

Belegte Bodenbetten 
IMetratzenlager) 


226 

Sportplatz E 

1 

227 

22B 

229 




Turnhalle LJ LJ l—J LJ 

Schwimmbad Q D Q C 

Sonstige ö D [U IZI 

261 

262 

Römgen EU 

PEG und Angiographie Q 

270 

Betriebene Betten nach 

Art der Stationen 

263 

264 

Med. techn. Labor EU 

271 

Art der 

Anzahl Zahl der. 
der Sta- Betten 

280 

Wer besorgt bei Ihnen die Gebäudereinigung (Innenreinigung) 

281 

ja nein 

265 

EKG El 

1 nigesamt 



a) im Stelienpian ausgewtesan und unter „Wirtschaftspersonal p 

enthaltene eigene Kräfte L 

LJ LJ LJ 

□ □□□ 

266 

physikalische Therapie [D 

272 

Davon 

geschlossen 



282 

b) angemietete Firma E 

267 

Sonstiges (bitte angeben) [D 

273 

halboffen 



283 

e) Patienten E 

268 

Ärztl. Untersuchu noszimmer 1 1 

274 

offen 



284 

d) sonstiges (bitte angeben) E 

269 

Sonstiges (bitte angeben) ED 

275 

HVnvial Staiionan 
sind gamiichi ■ 
gasch iKhi lieh 
basatn 



2X 

Halten Sie die ja I”! 

medizinische Ausstat- ' — • 

tung für ausreichend? ^ejn Q 



285 

Haushaltsmittel für Gebaudereinioung im Jahre 1972 DM | 

231 

276 

- haben keinen 
Tagesraum 




159 





Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Enquete - Psychiatrie 


F ragebogen- N ummer : 


Nr. 


Seite 5 

voft insgesamt 16 Seiten 


300 Krankenbestand am 30. 05. 1973 (Lfd. Ziff. 301 - 345 nicht auszufullen von Fachkrankenhauser für Kinder- und Jugendptychiatriebzw. wn Fachabteilungen 
für Kirtder- ur»d Jugendpsychiatne) rsach Diagrwsen, Geschlecht, Atter 



Z 

2 



Diag rw sersgru ppen 

(Jeder Patient nur mit einer Diagrsose) 

Diagnosen- 1 £ 
schtüssel o 

|tCD68) -F 

1 

Kranken- 

bestand 

bis 

unter 

15 Jahre 

15 bis 
unter 

25 Jahre 

25 bis 
unter 

35 Jahre 

Alter sg 

35 bis 
unter 

45 Jahre 

ruppen 

45 bis 
unter 

55 Jahre 

55 bis 
unter 

65 Jahre 

65 und 
darüber 

301 

1 

Psychische Störungen des höheren Lenbensalters 
(einschl. präsenile ursd senile Demenz) 

290, 

293,0 

m 



— 






302 

w 








303 

2 

Artdere organische psychiatrische 

Erkrankungen 

292-294, 

309 außer 

m 









304 

293,0,2 
u. 309,4 

w 









305 

3 

Schizophrener Formenkreis 

295 

m 









306 

w 









307 

4 

Affektive (man.-depressive) Psychosen 

296, 298.0 

m 









308 

w 









309 

5 

Artdere (paranoide, reaktive ursd sonstige) 

Psychosen 

297-299 

außer 

298,0 

m 









310 

w 









311 

6 

Neurotische Leiden 

300 

m 









312 

w 









313 


Persönlichkeitsstörungen 

301, 302 

m 









314 

7 

w 









315 

8 

a) Alkoholpsychosen / Alkoholismus 
(ohrte 8d) 

291 

303 

m 









316 

w 









317 

b) Orogenabhängigkeit (ohne 8 d) 

Suchten 

304, 0,4-7 


— 








318 








319 

c) Sonstige Medikamenten- 
abhängigkeit (ohne 8 d) 

304,1-3, 

8-9 

m 









320 


w 









321 


d) Alkoholismus mit Drogen- 

oder Medikamentenabhängigkeit 

303 mit 

304 

m 









322 


T 










Übertrag: 










Enquete - Psychiatrie 


Fragebogen-Nummer; 


Nr. 


Seite 6 

von insgesamt 16 Saiten 


Krankenbestand am 30. 05. 1973 (Fortsetzung) 



- 

Diagnosengruppen 

(Jeder Patient nur mit eirter Diagnose) 

Oiagnosen- 
schlüssel 
(ICO 68) 

£ 

Ü 

Kranken- 

bestand 

bis 

unter 

1 5 Jahre 

15 bis 
unter 

25 Jahre 

25 bis 
unter 

35 Jahre 

Alter sg 

35 bis 

45 Jahre 

ruppen 

45 bis 
unter 

55 Jahre 

55 bis 

65 Jahre 

65 und 
darüber 



Übertrag: 









323 

9 

Psychosomatische Störungen 

305-308 

m 









324 

w 









325 

326 

10 

mit psychischen Störungen 

Anfallsleiden 

293,2 

309,4 

m 









w 









327 

328 

ohne psychische Störungen 



















329 

11 

Schwachsinnsformen: 

Einfache Mirtderbegabung einschl. Lernbehirtderte 
(l.a über 70) 

310 










330 

w 









331 

Leichter Schwachsinn (L Q. 70 - 50) 

311 

m 





1 


L 



332 

w 





! 

j 

i 


333 

Erheblicher Schwachsinn (1. Q. unter 50 ■ 35) 

312 

m 









334 

w 









335 

Schwerer Schwachsinn (1. Q. unter 35) 

313 u. 314 










336 

w 






r ' ~ 



337 

12 

Körperlich Kranke ohne psychische Störungen 

al neurologisch 

X 






i 

i 

1 



338 

w 





1 



339 

340 

b) internistisch 




i 





w 



1 



1 


Übertrag: 


1 


i 1 1 


160 





Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Enquete - Psychiatrie Seite 7 

von inigeserm 16 Setten 

Fragebogen-Nummer: FFk I 


Krankenbestand am 30. 05. 1973 (Fortsetzung) 




Diagnosengruppen 

(Jeder Patient nur mit einer Diagnose! 

Diagnosen- 
schlüssel 
(ICD 68) 

Geschlecht | 

Kranken- 

bestand 

bis 

unter 

15 Jahr« 

15 bis 
unter 

25 Jahre 

25 bis 
unter 

35 Jahre 

Altersg 

35 bis 
unter 

45 Jahre 

uppen 

45 bis 
umer 

55 Jahre 

55 bis 
unter 

65 Jahre 

65 und 
darüber 


Übertrag 









341 

12 

Fortsetzung; Körperlich Kranke ohne psychische Störungen 

X 

m 









342 

c) sonstige 

w 









343 

13 


m 





i 




344 


w 









345 

14 

Krankenbestand insgesamt 

1 1 









360 


Welcher Diagnosentchlüssei wird angevtendt? 


361 


(Zutreffendes bitte ankreuzcn) 


ICD Würzburger Sonstige Keine 

i. □ □ □ □ 

nein D D D EU 


370 

1 Aufenthaltsdauergruppen 



Kranken- 

bestand 

bis 

unter 

3 Monate 

3 Monate 
bis umer 

1 Jahr 

1 

1 Jahr 
bis unter 

2 Jahre 

* 2 Jahre 

bis unter 

5 Jahre 

5 Jahre 
bis unter 

10 Jahre 

10 Jahre 
und 

darüber 

371 

Insgesamt 








372 

männlich 








373 

weiblich 









374 1 

Einzugsgebiet ist festgelegt ia EU 

nein Q 

375 

Wenn ja: Größte Entfernung vom Standort der Einrichtung bis zur Peripherie | 

km 


Enquete • Psychiatrie 


Fragebogen-Nummer: 


Nr 


Seite 8 

von insgecarm 16 Sehen 


400 



Z 

5 

Diagnosengruppen 

Diagnosen- 
schlüssel 
(ICD 68) 

1 

1 

Kranken- 

bestand 

bis 

umer 

3 Jahre 

3 bis 
umer 

6 Jahre 

6 bis 
umer 

10 Jahre 

Altersg 

lObis 

unter 

15 Jahre 

iruppen 

15 bis 
unter 

18 Jahre 

18 bis 
unter 

21 Jahre 

21 bis 
umer 

25 Jahre 

25 und 
darüber 

401 

402 

1 

Organische psychiatrische 

Erkrankungen einschließlich 
organischer Demenzprozeße 

292-294 

(außer 

293,2) 

m 










w 










403 

2 

Chronische organische und endokrine 

Psychosyndronte (z. B. Folgen früh- 
kindlicher Hirnschädigungen 
ohne Schwachsinn] 

1 

309 

(außer 

309,4) 

m 










404 

w 

1 









405 

406 

J 

Schizophrener Formenkreis 

295 

m 










w 










407 

408 

4 

Affektive (manisch-depressive) Psychosen 

296, 

298,0 

m 










w 










409 

410 

5 

Andere Psychosen (paranoide, reaktive, 
einschließlich Entwicklungskrisen 
psychotischen Ausmaßes) 

297-299 

außer 

298,0 

m 










w 










411 

6 

Neurotische Leiden 

300 











412 

w 










413 

7 

Parsönlichkeitsstörungen, Dissozialhät, Psycho- 
pathien, Sexuelle Verhaltensabweichungan 

301, 302 

m 






1 




414 

w 










416 

416 

8 

a) Alkoholpsychosen Alkoholismus 
(ohne 8 dl 

Suchten 

291 

303 

_m 








1 


w 










417 

b) Drogenabhängigkeit (ohne 8 d) 

304, 0.4-7 

m 










418 

w 













Übertrag: 

1 












161 




Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Enquete - Psychiatrie 


Fragebogen-Nummer: 


w: 


Seite 9 

von insgesamt 16 Seiten 


Krankenbestand nach Diagnosen, Geschlecht und Alter am 30. 05. 1973 (Fortsetzung) 



Lfd. Nr. 

Diagnosengruppen 

Diagnosen- 
schlüssel 
(ICD 68) 

Geschlecht 

Kranken- 

bestand 

bis 

unter 

3 Jahre 

3 bis 
unter 

6 Jahre 

6 bis 
unter 

10 Jahre 

Alter sg 

10 bis 
unter 

15 Jahre 

ruppen 

15 bis 
unter 

18 Jahre 

18 bis 
unter • 

21 Jahre 

21 bis 
unter 

25 Jahre 

25 und 
darüber 



Übertrag ; 










419 

420 

8 

c) Sonstige Medilcamentenabbängigkeit 
(ohne 8 dl 

304. 1-3, 
8-9 

^ m 










w 










421 

d) Alkohollsmus mit Drogen- oder 
Medikamentenabhängigkeit 

303 mit 

304 

m 










422 

w 










423 

9 

Psychosomatische Störungen 

305 

306,4-8 

m 










424 

w 










425 

10 

1 

Lern, Teilleistungs- und psychomotorische Störungen 

306,0-3 

m 










426 

w 










427 

11 

Autismus (Kenner) und autistische Syndrome 

306,9 

m 










428 

w 










429 

12 

Anpassungsstörungen und abnorme Erlebnisreaktionen 
der Kindheit und Adoleszenz 

Ä)7 

308 

m 










430 

w 










431 

13 

mit psychischen Störungen 

293,2 

309.4 

m 










432 

w 










433 

ohne psychische Störungen 

345 

m 










434 













1 Übertrag: 











Enqürte ■ Psychiatrie 


Fragebogen-Nummer; Nr. 


Seite 10 

von insgesamt 1 6 Seiten 


Krankanbestand nach Diagnosen, Geschlecht und Alter am 30. 05. 1973 (Fortsetzung) 



Z 

2 

-i 

Diagnosengruppen 

Diagnosen- 
schtüssal 
(ICD 68) 

1 

■§ 

Krankan- 

bestand 

bis 

unter 

3 Jahre 

3 bis 
unter 

6 Jahre 

6 bis 
umer 

10 Jahre 

Alter sg 

10 bis 

unter 

15 Jahre 

iruppen 

15 bis 
unter 
- 18 Jahre 

18 bis 
umer 

21 Jahre 

21 bis 
unter 

26 Jahre 

25 und 
darüber 


r 

Übertrag: 










435 

14 

Schwachsinnsformen: 

Einfache Minderbegabung (einschlieSiich Lernbehinderte) 

(1. Q. über 701 

310 

m 










436 

r:' 










437 

Leichter Schwachsinn (1. Q. 70 - 50) 

311 











438 

w 










439 

Erheblicher Schwachsinn (1. Q. unter 50 - 35) 

312 

m 










440 

w 










441 

Schwerer Schwachsinn (1. Q. unter 35) 

313 u. 314 

m 










442 

w 










443 

15 

Körperlich Kranke ohne psychische Störungen 

a) neurologisch 

A 

m 










444 

w 










445 

b) pädiatrisch-imernistuch 

m 










446 

w 










447 

c) sonstige 

m 










448 

w 










449 

16 

Übrige Kranke 

m 










450 

w 










451 

17 

Krankenbestand Insgesamt: 


1 1 










162 




Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Enquete - Psychiatrie 


FragebogervNummer: 


Nr. 


Seiten 

von insgesamt 16 Seiten 



Enquete - Psychiatrie Seite 12 

von insgesam 16 Seiten 

Fragebogen-Nummer; I Nr. I 



Ambulante Dienste | 

597 

Besteht ein Bedürfnis zur 
Erweiterung der 



Behandtungsfäile (Durchgang im Jahr 1972) 

Insgesamt 

Personal 

(voll- bzw. tellzeitbesc(.dftigt) 



Krankheitsart 






Sozial- 

arbeiter 





in Poli- 
Kliniken 

ner kassen- 
ärztl. Betei- 
ligung 

oder vertragl. 
anderer 

Weise 


Arzte 

Sonstige 


t jaD 

a) ambulanten 

Behandtungs- 

möglichkeiten nein |_J 

591 

Insgesamt (Psychiatrie urxJ Neurologie) 








598 

592 










593 

nur Psychiatrie 










594 

Darunter Anfallskranke 









b) teilstationären ** 

Behandlungs- PH 

möglichkeiten CJ 

595 

Alkoholiker 








599 

596 

Andere Sucht kranke 









597 

Geronto-psychiat rische Kranke 











600 


Personal gemäß Stellenplan 1972 nach Berufsgruppen 



Berufsgruppen 

Stellen- 

plan 

Soll 

Gesa 

Voll- 

beschi 

mt-lit 

Teilzeit- 

iftigte 

1 

zusammen 

leitender 

Funk- 

tion 

und zwar: (von zusarr 

In Mit ab- 

1 geschl. 
psychothe- 
rapeutischer 
Ausbildung 

tmen) 

weibl. 

Ausländ. 

Bis 

unter 

30 Jahre 

Alter 

30 bis 
unter 

50 Jahre 

50 Jahre 

und 

älter 

601 

Ärzte insgesamt lohne Medizinal^ssistenten) 

(lfd. Ztffer 602-6051 













602 

Fachärzte für Psychiatrie und/oder Neurologie 













603 

Fachärrte für Kinder- und Jugendpsychiatrie 













604 

Sonstige Ärzte in psychiatrischer Tätigkeit 













605 

Ärzte (einschl. Fachärzte) in njcht-psychiatrischer 

Tätigkeit 













610 

Medizinalassistenten 












611 

612 


Sind an Ihrer Einrichtung durch vertragliche Regelung psychiatrisch tätige Ärzte im Nebenamt beschäftigt? ja □ 

Falls ja: Anzahlj...... 


□ 


163 








Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Enquete - Psychiatrie 


Fragebogen-Nummer". 


■RT 


Seite 13 

von insgesamt 16 Saiten 


Personal gem^^ellenplan 1972 nach Berufsgru ppen (Fortsetzung) 



Berufsgruppen 

Stellen- 

plan 

Soll 

Gesamt-Ist 
Voll- 1 TeilzeU- 
beschaftigte 

Zusammen 

in 

leitender 

Funk- 

tion 

und zwi 

In 

psych 

rapeui 

Ausbi 

ir: (von zusa 

Mitab- 

geschl. 

othe- 

tischer 

Idung 

mmen) 

weibl. 

Ausländ. 

Bis 

unter 

30 Jahre 

Alter 

30 bis 
unter 

50 Jahre 

50 Jahre 

und 

alter 

620 

Psychologen insgesamt 













621 

darunter: Psychologen mit Anerkennung für 

klinische Psychologie durch die 

Fachgesellschaft 













622 

Psychologen mit Ausbildung in speziellen 
psychotherapeutischen Techniken (Verhaltens- 
therapie. Gesprächstherapie, u. a.) 














Berufsgruppen 

Stellen- 

plan 

Soll 

Gesar 

VolF 

beschi 

nt-ist 

1 Teilzeit- 
iftigte 

Zusammen 

und 
(von zu: 

weibl. 

zwar: 

lammen) 

Ausländ. 

Bis 

unter 

30 Jahre 

Alter 

30 bis 
unter 

50 Jahre 

50 Jahre 

und 

alter 

630 

631 

Pflegepersonal insgesamt (lfd. Ziff. 631 - 6391 










Krankenpfleger, Krankenschwestern und Kinderkrankenschwestern mit staatlicher 
Anerkennung und sozialpsychiatrischer oder psychiatrischer Zusatzausbildung 
(einschließlich Zuatzausbiidung in der Suchtkrankenpflege) 










632 

Krankenpfleger, Krankenschwestern und K Inder krankenschwestern mit staatlicher 
Anerkennung ohne sozialpsychiatrischer oder Zuatzausbildung 










633 

Krankenpfleger und Krankenschwestern mit verwaltungseigener 

Prüfung ohne staatliches Krankenpflegeexamen 










634 

Altenpfleger und -innen 










635 

Krankenpflegehelfer und Krenkenpflegehelferinnen 










636 

Krankenpflegeschüler und Krankenschwesternschülerinnen 











Enquete - Psychiatrie 


Fragebogen-Nummer; 


N7 


Seite 14 

von insgesamt 16 Satten 


600 

Personal gemäß Stellenplan 1972 nach Berufsgruppen IFortsetzung) 


Berufsgruppen 

Stellen- 

plon 

Soll 

Gesar 

Voll- 

besch 

nt-lst 

Teilzeit- 

iftigte 

Zusammen 

(von züi 

weibl. 

z-war: 

»mmen) 

Auslärvd. 

Bis 

unter 

30 Jahre 

Alter 

30 bis 
unter 

50 Jahre 

50 Jahre 

und 

älter 

637 

Krankenpflegehelf er Schüler 










638 

Krankenpflegevorschüler 










639 

Pflegepersonal ohne Ausbildung 










650 

Sonstige Berufe des Gesundheitswesens insgesamt (ifd. Ziff. 651 - 662) 










651 

Apotheker 










652 

Beschäftigungstherapeuten mit abgeschlossener Ausbildung 










653 

Beschäftigungstherapeuten mit arbeitstherapeutischer 

Zusatzausbildung 










654 

Beschaftigungstherapeuten als Berufspraktikanten 










655 

Arbeitstherapeuten mit abgeschlossener Ausbildung 










656 

Arbeits- u nd Beschäftigungstherapeuten als 
angelernte Kräfte 

1 









657 

Krank ervgymnasten mit staatlicher Anerkennung 










658 

Krankengymnastisch Tätige ohne staatliche Anerkennung 










659 

Atemtherapeuten, Rhytmiklehrer, Musiktharapeuten c. a. 










660 

Medizinisch-technische Assistenten, medizinisch-technische 

Laboratoriums- und medizinisch-technische Radiologie- 
assistenten 










661 

Diätassistenten (Diätküchenleiter u. a.) 










662 

Sonstige Heilhilfsberufe (Masseure u. medizinische Bademeister ua«.| 











164 





Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Enquete - Psychiatrie 


Fragebogen-N um m er : 


Nr. 


Seite 15 

von Inigesamt 16 Seiten 


600 

Personal gemäß Stellenplan 1972 nach Berufsgruppen (Fortsetzung) 


Berufsgruppen 

Stellen- 

plan 

Soll 

Gesai 

I Voll- I 

beschi 

mt-lst 

Teilzeit- 

iftigte 

Zusammen 

und 
(von zui 

weibl. 

zwar: 

tammen) 

Autlind. 

Bis 

unter 

30 Jahre 

Alter 

30 bis 
unter 

50 Jahre 

EO Jehre 

und 

iher 

670 

Personal in sozialen und pädagogischen Berufen insgesamt (lfd. Ziff. 671 • 681 ) 








i 


671 

Pädagogen, Lehrer 










672 

Sozialpädagogen, Jugendleiter 










673 

Heiipädagogen mit abgeschlossener Ausbildung 










674 

Soziologen 










675 

Seelsorger 










676 

Diakone, soweit nicht unter den aufgeführten Berufen einzuordnen 










677 

Sozialarbeiter 










678 

Psychagogen mit abgeschlossener Ausbildung (einschließlich Sozialarbeiter, 

Sozialpadagogen etc. mit psychagogischer Zusatzausbildung) 










679 

Psychagogen und Sozial Pädagogen als Berufspraktikanten 










680 

Soziaiarbeitspraktikanten (Berufspraktikum) 










681 

Pädagogische Hilfskräfte ohne oder mit anderweitiger Fachausbildung 










690 

Verwaltung!- und Winschaftspersonal insgesamt Hfd. Ziff. 691 ■ 6941 










691 

Sekretärinnen und Schreibkräfte im ärztlichen Behandlungsbereich, 

Bibliothek einschließlich Archiv 










692 

Verwaltungspersonal (ohne Schrebkräfte im ärztlichen Behandlungsberekrh) 






J 




693 

Wirtscheftspersonal einschließhch technisches Personal 










694 

Fachpersonal für besondere Einrichtungen (Ingenieure, Kaufleute und 

Werkmeister in Rehabilitationseinrichtungen) soweit nicht en anderer 

Stelle aufgeführt 










695 

Gesamtpersonal (von lfd. Ziff. 601, 610. 620, 630, 650, 670 und 690) 











Enquete - Psychiatrie 


Fragebogen-Nummer: 


Nr. 


Seite 16 

von insgesamt 16 Seiten 


700 

Freiwillige Mitarbeiter (Laienhelfer u. a.) 


Durchschnittlicfie Häufigkeit des Einsatzes 

Anzahl di 

gezählt 

ST Personen 

geschätzt 

701 

selten (1 • 2 X jährlich) 



702 

häufiger (etwa 1 x monatlich) 



703 

oft (mehr alt 1 x monatlich) 



704 

Personen insgesamt: 



705 

Der Einsatz der freiwilligen Mitarbeiter wird organisiert 


706 

von Ihrer Einrichtung Q 

707 

von anderen Q (Bitte Angabe von v«em): 


(Datum) 


(ümerschriftl 

(Beruf und Dienststellung des'Autfüllenden) 


165 






Sachver$tändiger»- Kommission zur Erarbeitung 
der Enquete über die Lage der Psychiatrie 
in der BRD 


Seitei 

von iniQMirm 2 Setten 


C5> 


Fragebogen- Nummer: 


Nr. 


Enquete - Psychiatrie 


Seite 2 

von iniBesamt 2 Seiten 


Erhebungsbogen für Gesundheitsämter 

Stichtag: 30. 5. 1973 


Fragebogen- N u mmer : 


Nr. 


100 

1. Anuhrlft des GMundhcltsamt«: 

101 

Postleitzahl und Ort: 

102 

StraBe und Nr.: 

103 

Telefon mit Vorwahl: 

104 

Leiter: 

120 

2. Dienstbazirk; kreisfreie Stadt und/oder Landkreis(e): 

121 


122 

Bundesland: Einwohnerzahl des Dianstbezirkes: 


130 

3. Personelle Besetzung des Gesundheitsamtes: 

(einschließlich evtl, vorhandener Nebenstellen) vollbeschäftigt 

(Anzahl) 

teilbeschaftigt 

(Anzahl) 

131 

Ärzte 


132 

Psychologen | 


133 

Fürsorger(innen) 


134 

Sozialarbeiter linnen) 


J35 

Sozialhelferlinnen) j 

136 

Krankenschwestern 


150 


5. 


Paraonelle Besetzung der psychiatrischen Beratungsdienste 

(Bitte die jeweilige Anzahl eintragen) 




Arzte 

davon: 
Arzte mit 
Erfahrung 
in Psychi- 
atrie und 
Naurolo- 
gie 

Psycholo- 

gen 

Fürsorger 

(innen) 

i 

Sozial- 

arbeiter 

(innen) 

Sozial- 

helfer 

(innen) 

Kranken- 

schwestern 

151 

Beratung durch eigenes Personal 
im Rahmen lier allgemeinen Beratung 
vollbeschäftigt 








152 

teilbetchäftigt 








153 

Beratung durch eigenes Personal in einer 
speziellen psychiatrischen Abteilung des 

Gcsu ndheitiamtes 

vollbeschäftigt 








154 

teilbeschaftigt 








155 

Beratung durch fremdet Personal 

Arzt im Vertragsverhaltnis zum Gesundheitsamt 








156 

Außenfürsorge eines psychiatrischen 
Krankenhauses 

Arzt im Beschäftigungsverhältnis des 
Krankenhauses 









140 4. In welcher Form urxl wie oft werden in Ihrem Gesundheitsamt psychiatrische Beratungen durchgeführt? 

(Bitte das Zutreffend« ankreuzen} 


141 Keine psychiatrische Beratung 



j 

keine 

Beratung 

mehrmals 
' wochent- 1 
; lieh 1 

1 _| 

wochent- ! 
lieh 

: n 

14- tägig 

! 

monatlich 

seltener 

142 

Beratung durch eigenes Personal 
- im Rahmen der allgemeinen Beratung 

□ 


□ 

□ 

□ 

□ 

143 

- Beratung durch spezielle psychiatrische 

Abteilung (z. B. Fürsorgestellel j 

in 

r i 

; □ 

L Q. .. 

□ ' 

□ 

□ 

144 

Beratung durch fremdes Personal 
— Arzt im Vertragsverhältnis zum Gesundheitsamt 

□ 

.. J 

i 

1 □ 

1 1 

□ 

□ 

--- 

□ 

□ 

145 

AuBenfürsorge eines psychiatrischen Krankenhauses 
— Arzt im Beschäftigurtgsverhältnis des Krankenhauses 

1 

■ □ 

1 

1 □ 

□ 

;□ 

i i 

□ 

' □ 


Wirken Pünorger(innen) / Sozialarbeiter linnen) des Jugendamtes oder Sozialamtes 
an der Beratung (Sprechtage, Hausbesuche) psychisch Kranker mit? 


(bitte Zutreffendes ankreuzen) 






Wird die psychiatrische Beratung Ihres Gesundheitsamtes überwiegend von 

Fürsorger(mnan) / Sozialarbeiter (innen) des Jugendamtes oder , [ I 

Sozialamtes wahrgenommen? k 

(bitte Zutreffendes an k rauzen ) ' ’ 


I 


(Datum) 


(Unterschrift) 

(Beruf und Dienststellung des Ausfüllenden) 


Drucksache 7/4201 Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 





Sachverständigen-Kommission zur Erarbeitung 
der E'nqu^te über die Lage der Psychiatrie 
in der BRD 


Seite 1 

von insgesamt 4 Seiten 


Fragebogen-Nummer: 


Nr. 




Erhebungsbogen für Sonderkindergärten und gleichgestellte Einrichtungen 
(Tagesstätten u.ä.) für geistig und seelisch behinderte Kinder 

Auch Sonderkindergärten und gleichgestellte Einrichtungen für körperlich Behinderte, soweit sie geistig und seelisch 
Behinderte mit betreuen. 

Stichtag: 30. Mai 1973 


100 

A. Einrichtung 

110 

1. Allgemeines 

111 

Name der Einrichtung: 

112 

Postleitzahl urd Ort: 

113 

Kreis: 

114 

Straße und Nr: 

115 

Name des verantw. Leiters: 

116 

Beruf; 

117 

Telefon mit Vorwahlnummer; 

118 

Rückfragen sind zu richten an (Name): 

119 

Die Schule ist; öffentlich *) freigemeinnützig •) privat 


120 

121 


Trägerder Einrichtung: 


Wenn Träger der Verein „LEBENSHI LEE" ist und keinem Spitzenverband angehört, hier ankreuzen: 


*□ 


Spitzenverband 
(Bitte ankreuzen) 


_ □ 


m □ 

E □ 


'w □ 


124 

125 

126 


Jahr der Inbetriebnahme: 


Ist der SonderkirKlergarten selbständig oder Teil einer 
anderen Einrichtung? 


selbständig 


Wenn unselbständig, Teil welcher Einrichtung? 


128 

129 

130 

140 

141 

142 

143 

144 

145 


Ist die Einrichtung verbunden mit: 


Sonderschulen 
Werkstätten für Behinderte 
Stationäre Einrichtungen 


Zutreffendes bitte 
ankreuzen 


Bitte die Nummer des 
Fragebogens eintragen, 
den die jeweilige Einrich- 
tung evtl, ebenfalls von 
der Sachverstandigen- 
Kommission erhalten hat. 


2. Überwiegende Zweckbestimmung (Nur eine Zweckbestimmung ankreuzen) 


Sonderkirdergarten für: geistig behinderte Kinder 


geistig und körperlich, bzw. sinnesbehinderte 
(mehrfach behinderte) Kirder 


verhaltensgestörte Kinder 


Durchschnittliche Dauer der Betreuungszeit an Werktagen (ohne Fahrtzeit) in: 


Wer entscheidet über Aufnahme urd Entlassung der Kinder? (Gutachtergruppe u. ä.): 


Auf Grund welcher Vorschrift: 


•*) Bei | [ bitte Eintragung vornehmen 


Enquete - Psychiatrie 


Seite 2 

von insgesamt 4 Seiten 


Fragebogen-Nummef: 


Nr. 


160 

161 

3. Plätze ufkI Sozialräume 

Kindergartenplätze a) Wieviele Kirder können (gegebenenfalls unter Beachtung einschlägiger Richtlinien) 

gleichzeitig betreut werden? 


162 

bl Wieviele Kirder werden pro Woche (ggf. im Schichtdienst I tatsächlich betreut? | 


163 

c) Bei Überbelegung: | 

Wieviele Kirder werden über die zu a) angegebene Zahl hinaus gleichzeitig betraut? 


164 

d) Gibt es eine Warteliste? ja | | nein | [ 

165 

e| Wieviele Kinder sird ggf. darauf vorgemarkt? | 

□ 

166 

Zahl der vorhandenen Grupperträume 



167 

Zahl der Ruhe-, Gymnastik- urd Therapieräume 


n 


168 

Ist ein Spielplatz im Freien vorharden ja 

J 

1 nein | | 

169 

Sonstige Sozialräume (bitte angeben welche): 



180 

4. Einzugsbereich 

181 

Einzugsbereich ist festgelegt ja 

□ 

I nein | | 

182 

! Wenn ja, Bevölkerungszahl des Einzugsbereiches 



183 

(in Kilometer 

; Größte Entfernung, die die Kinder täglich zurücklegen müssen Einwegstrecke) 




1 

200 

B. Betreute 

210 

5. Kinder nach Behinderungsgrad am Stichtag: 30.5.73 


Behinderungsart und -grad 

Geschl. 

Altersgruppe | 

zusammen 

vpn 3 Jahren 
bis zumSchul- 
pflicntalter 

im Schul- 
pflichtalter 

211 

a) Einfache Minderbegabte einschließlich Lernbehinderte (1. Q. über 70) 

m 




212 

w 




213 

b) Leichte geistig Behinderte ( 1. Q. 70 - 50) 

m 




214 ' 

w 




215 

c) Erheblich geistig Behinderte (1. Q. unter 50-35) 

m 




216 

w 




217 

218 

d) Schwer geistig Behinderte (1. Q. unter 351 

m 




w 




219 

ej Sinnesbehinderte (z. B. Taubstumme) 

Nicht geistig Behirderte 

m 




220 

w 




221 

f) Verhaltänsgestörte Kinder, die nicht unter a) bis a| fallen 

m 




222 

w 




223 

g) Sonstige nicht geistig und nicht verhaltensgestörte Kinder 
(nicht a) bis f )) 

m 




224 

w 




225 

1 Insgesamt: 





Bai □ bitte Zutrefferdes ankreuzen 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode DrUCksachO 7/4201 









168 


Enqu^e ' Psychiatrie 


Seite 3 

von insgesamt 4 Seiten 


Enquete - Psychiatrie 


Seite 4 

von inagesemt 4 Seiten 


FragebogervNummer; 


Nr. 


240 


6. Aufnahmen und Entlassungen im Jahre 1972 




Geschlecht 

Betreute 

Kinder 

am 

1.1.1972 

Zugang 

im 

Jahr 

1972 

Zusam- 

men 

1 Abgang im Jahr 1972 j 

Insgesanrt 

Betreute 

Kinder 

am 

31.12. 72 

nach Ablauf 
e^ier Pio 

nictii ' 
forderungs- 

reichong 

d« 

Noch«- 

sonstige 

Gründe 

241 

Geistig Behinderte 

m 









242 

w 









243 

zusam- 

men 









244 

Nicht geistig Behinderte 

m 









245 

w 









246 


zusam- 

men 









247 

Insgesamt | 










248 


249 

250 


7. Werden die Kinder im Kindergarten wegen ihrer geistigen oder seelischen Behinderung betreut durch: 


Arzte: 

Diplom- Psychologen 


ja 


ja 




nein 

nein 




Fortsetzung 
Seite 4 


F ragebogen- Nu m m er : 


Nr. 


300 

C. Personal im Jahre 1972 

320 

8. Pädagogisch- psychologischer Dienst 

1 

ü 

Hauptberuflich 

Anzahl der nicht 
hauptberuflich tätigen 
Mitarbeiter 

321 

Kindergärtnerin / Erzieher(innen) 

m 



322 

w 



323 

Jungendleiter / Sozialpädagoge 

m 



324 

w 



325 

Psychagogen 

m 



326 

w 



327 

Heilpädagogen 

m 



328 

w 



329 

Logopäden 

m 



330 

w 



331 

Psychologen 

m 



332 

w 



333 

Sozialarbeiter 

m 



334 

w 



335 

Praktikanten 

m 



336 

w 



337 

Sonstige 

m 



338 

w 

1 


339 

1 Insgesamt (Pädagogisch- psychologischer Dienst) | 



340 

1 9. Pflegerischer und medizinischer Dienst 

341 

Kranken- oder Kinderkrankentchwestern, 

Krankenpflager (einichl. Schüler(innenl) 

m 



342 

w 



343 

Beschäftigungstherapeuten 

m 



344 

w 



345 

Krankengymnasten und Gymnasien 

m 



346 

w 



347 

Kirxlergartenhe Iferi n 

m 



348 

w 



349 

Pflegekräfte ohne Ausbildung 

m 



350 

w 



351 

Sonstige 

m 



352 

w 



353 

[ Insgesamt (Pflegerischer und medizinischer Dienst) 




(Datum) 


(Unterschrift) 

(Beruf und Dienststeliung des Ausfüllenden) 


Drucksache 7/4201 Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 






CO 


Sachverständigen-Kommission zur Erarbeitung 
der Enquete über die Lage der Psychiatrie 
in der BRD 

Fragebogen- N u mmer ; 


Seite 1 

von inagesamt 5 Saiten 


Nr. 


Erhebungsbogen für Sonderschulen, Sonderschulen mit Werkstufe, 
Tagesbildungsstätten und Anlernwerkstätten für geistig und seelisch 
Behinderte 

Auch Sonderschulen für körperlich Behinderte, soweit sie geistig und seelisch Behinderte mit betreuen 

Stichtag: 30. Mai 1973 


100 

110 

111 

112 

113 

114 

115 

116 

117 

118 

119 

120 
121 
122 

123 

124 

125 


128 

129 

130 


132 

133 

134 


140 

141 

142 

143 

144 


A. Einrichtung 


1. Allgemeines 


Name der Schule: 


Postleitzahl und Ort: 


Straße und Nr.: 


Name des verantw. Leiters: 


Telefon mit Vorvaahlnummer: 


Rückfragen sind zu richten an (Name); 


Die Schule ist: 


freigemeinnützig 


Art der Einrichtung: 
Sonderschule 
Tagesb i Idu ngsstätta 
Anlernwerkstatt 


Sonderschule mit Werkstine 
Tagesbild ungsstine mit Anlermwerkstatt 
(Z utreff endes ankreuzeo ) 




Träger der Einrichtung: 


Wenn Träger der Verein „LEBENSH ILFE" ist und keinem Spitzenverband angehört, hier ankreuzen: 


Spitzenverband 
(Bitte ankreuzen) 


□ 


S □ 

B □ 




n 

□ 

□ 


Jahr der Inbetriebnahme: 


Ist die Sonderschule oder Tagesbildungsstätte/Werkstan 
Teil einer anderen Einrichtur^g? 


selbständig 


unselbständig 


Wenn unselbständig, Teil welcher Einrichtung? 


Ist die Einrichtung verbunden mit: 


Sonderkindergärten und 
gleichgestellte Einrichtungen 
Werkstätten für Behinderte 

Stationäre Einrichtungen 


Zutreffendes bitte 
ankreuzen 


Bitte die Nummer des 
Fragebogens eintragen, 
den die jeweilige Einrich- 
tung evtl, ebenfalls von 
der Sachverständigen- 
Kommission erhalten hat. 


2. Plätze und Sozialräume 

Die Schule ist einzügig: 

Sie hat: 

Räume für Spiel und Sport: 
Sportplatz: 


a 


mehrzügig mit: 

Klassen mit durchschn. je] 
nein 
nein 


Zügen 

Schülern 


EnquSte - Psychiatrie 


Seite 2 

von intgetamt 5 Seiten 


Fragebogen- Nu mmer ; 


Nr. 


161 

162 

163 

164 


3. Schulbeziric 


Schulbezirk ist festgelegt: 

Wenn ja, Bevölkerungszahl des Schulbezirkes: 
Größte Entfernung, 

die Schüler täglich zurücklegen müssen in km: 
Gehört zur Schule ein Internat; 


Einwohner 
(Nur Einwegstrecke) 


u 

I 

□ 


165 

Wieviel Schüler wohnen ggf. darin: | | Schüier 

200 

4. Zweckbestimmung 


' Die Einrichtung betreut am Stichtag: 30. 5. 73 

Geschlecht 

Anzahl 

1 Davon 

in eigener 
Klasse oder 
Gruppe 

ungetrannt 
mit- anderen 
Gruppen 

Behinderungsart ur>d -grad 

201 

a) Einfache Minderbegabung einschließlich 

Lernbehinderung (1. Q. über 70) 

m 




202 

w 




203 

b) Leichte geistige Behinderung (1. Q. 70 - 50) 

m 




204 

w 




205 

c| Erhebliche geistige Behinderung (1. Q. 50 - %) 

m 




206 

w 




207 

d) Schwere geistige Behinderung (). Q. unter 35} 

m 




20B 

w 




209 

e) Sinnesbehinderte (z. B. Taubstumme) 
aber nicht geistig Behinderte 

m 




210 

w 




211 

f) Verhaltensgestörte Kinder, die nicht unter a) bis e) fallen 

m 




212 

w 




~ 1 

213 

g) Sonstige nicht geistig und nicht verhaltensgestörte Kirxfer 
(nicht a) bis f)) 

m 




214 

w 




215 

1 Insgesamt: 





Durchschnittliche Dauer der täglichen Unterrichtszeit für Schüler (ohne Fahrtzeit) in ca. 


Wer entscheidet über Aufnahme und Entlassung (Gutachtergruppe, Schulaufsichtsbehörde u. ä.); 


Aufgrund welcher Vorschriften: 


*) Bei C bitte Zutreffendes ankreuzen 


•) BeiJi^hitte Eintragung vornehmen 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode PrUCksachG 7/4201 





170 


Enquete - Psychiatrie 


Seite 3 

von ini08tamt 5 Sertsn 



300 B. Schüler im Jahre 1972 




Geistig Behinderte 

Nicht geistig Behinderte 

Gesamtsumme 



m 

w 

insgesamt 

m 

VW 

insgesamt 

m 

w 

insgesamt 

301 

Schülerbestand 

am 1. 1. 1972 










302 

Zugänge im Jahre 1972 
insgesamt 



i 

1 







303 

Darunter erstmalige 
Aufnahmen (d. h. ohne 
Zugänge von anderen 
Sonderschulen) 



j 







304 

Bestand und Zugänge 

zusammen 



1 







305 

Abgänge im Jahre 1972 
in gesamt 



! 







306 

Davon 

nicht forderungsfähig 
nach Probezeit 



i 







307 

Darunter in stationärer 
Dauorbehandlung 










303 

Entlassung r\ach 

Beendigung der Vollzeit- 
schulpflicht 










309 

— in weiterführende 

Beh. Einrichtungen 
(selbst. Anlernw. 

Beh. Werkstett) 










310 

— zum freien 

Arbeitsmarkt 










311 

Sonstige Abgänge 










312 

Schülerbestand 
am 31. 12. 1972 











Im Schuljahr 1972 nahmen am Unterricht der Werkstufe teil: 



Werden die Behinderten in der Sonderschule (Tagesbildungsstätte) wegen ihrer geistigen oder 
seelischen Behinderung betreut durch: 



315 


Oiplom-P<Ycho logen 



Drucksache 7/4201 Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 





Sachverständigen- Kommission zur Erarbeitung 
der Enquete über die Lage der Psychiatrie 
in der BRD 


Seite 2 

von insgesamt 8 Seiten 


Fragebogen- Nu m mer: 


Nr. 


Seite 1 

von insgesamt 8 Seiten , 


Enquete - Psychiatrie 


F rage bogen- N u mmer: 


Nr. 


Erhebungsbogen; Werkstätten für Behinderte 

(Beschüt 2 ende Werkstätten) 

Stichtag: 30. 5. 1973 


100 

A. Einrichtung 

110 

1. Allgemeines 

111 

Name der Einrichtung: 

112 

Postalische Anschrift 

Postleitzahl und Ort: 

113 

Kreis: 

114 

Straße und Nr.r 

115 

Name des verantw. Leiters der Einrichtung: 

116 

117 

Beruf: 

Telefon mit Vorwahl: 

118 

Rückfragen sind zu richten an: 

119 

Oie Einrichtung ist: 

öffentlich 

r 

I *l freigememniitzig | | *| privat | | 

120 

Träger der Einrichtung: 

121 

Wenn Träger der Verein „Lebenshilfe" ist und keinem Spitzenverband angehört, hier ankreuzen: | | 

122 

Spitzenverbend , ^ 

(bitte ankreuzen) | | 

ffl □ 

□ □ 
m 

□ □ 

H Bl 

123 

124 

Jahr der Inbetriebnahme: 



125 

Zahl der Plätze: 



126 

Ist die Einrichtung selbständig oder irn Zusammenschluß mit einer anderen Einrichtung verbunden. (Werkstätten mit an- 

[ I j [ geschlossenem Wohnheim 

selbständig [ | unselbständig | | gelten als selbständig) 


127 Ist die Einrichtung verbunden mit: 


i 

Bitte die Nummer des 



Sonderkindergärten und 
gleichgestellte Einrichtungen 

Zutreffendes bitte 
an kreuzen 

Fragebogens eintragen, 
den die jeweilige Einrich- 
tung evtl ebenfalls von 
der Sachverständigen- 
Kommission erhalten hat. 

128 

□ 









129 

Sonderschulen 

□ 


1 1 







130 

Stationäre Einrichtungen 

□ 

^ 

1 J 

j 

_ 

— 






•)' Bei □ bine Zutreffend« ankreuien **) Bei l!,'.^'.'..| bltte Eintreouno vornehmen 


140 

2. Die Werkstatt betreut am Stichtag: 30. 5. 73 


Personenkreis jeweils nach der überwiegenden Behinderung, 
die den Aufenthalt in der Werkstatt erfordert, einordnen. 

Zahl der Behinderten 

m 1 w 

Darunter 

mehrfach 

Geschädigte 

141 

Geistig Behinderte (ausgenommen Anfallskranke) 




142 

1. Einfache Minderbegabung einschließlich Lernbehtnderung (1. Q. über 70) 




143 

2. Leichte geistige Behinderung (1. Q. 70 - 50) 




144 

3. Erhebliche geistige Behinderung (1. Q. unter 50 - 35) 




145 

4. Schwere geistige Behinderung (1. Q. unter 35) 




146 

I 

147 

Seelisch Behinderte 

aufgrund von schweren Neurosen, Persönlichkeitsstörungen, 

Psychosen usw. und aufgrund von späterworbenen körper- 
lichen Erkrankungen und Schädigungen (Hirnverletzungsfolgen, 
Hirnabbauprozeße usw.) 




148 

Anfa’lskranke (Epileptiker) 

1. Ohne psychische Störungen 




149 

150 

2. Mit psychischen Störungen 




151 

Körperlich Behinderte 

1. Spastiker (einschließlich Athetotiker) 



— 

1 

152 1 

153 

2. Andersartig Gelähmte 



154 

3. Anderweitig körperlich Behinderte 




155 

Sinnesbehinderte 




156 

1. Sehbehinderte 



— 

157 

2, Horbehinderte 



158 

3- Mehrfachbehinderte 



159 

160 

Übrige Behinderte (z. B. Autisten, abnorme Persönlichkeiten u. a.) Bitte anführen 

1. 

1 



161 

2. 




162 

3. 




163 

4. 









164 

Zusammen: 




165 

1 Durchschnittliche Dauer der wöchentlichen Mindestarbeitszeit, ohne Fahrtzeit und Mittagspausen: in 1 


Stunder 

166 

Wer entscheidet über Aufnahme und Entlassung 
der Behinderten? (Gutachtergruppe o. ä.) 

167 

Aufgrund welcher Vorschriften? 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode DrUCkSdCKlG 7/4201 






172 


Enquete - Psychiatrie 


2 Enquete - Psychiatrie 

von insgesamt 8 Seiten 


Saite 4 

von Insgesamt 8 Saiten 


FragebogervNummer; 


Nr. 


Fragebogert-Nummer: 


Nr. 


180 

3. Einzugsbereich 

181 

Einzugsbereich ist festgelegt: ja 

n 

1 nein j J 


182 

Wenn ja, 8evölkerungszahl des Einzugsbereiches: 


1 Einwohner 

183 

Wenn nein, Bevölkerungszahl des Betriebs- 
sitzes der Einrichtung; 


Einwohner 

184 

Größte Entfernung, die Betreute täglich 
zurücklegen müssen; in 

^ 

1 Kilometer (Nur E 

r 

iinwegsl recke) 


185 

Ist mit der Behindertenwerkstatt ein 
Wohnangebot verbunden? ja 

n 

r~ 

>einr 1 

186 

Wieviel Beschäftigte wohnen ggf. dort: 

j Anzahl der Bewohner 

200 

4. Arbeitsangebot 

201 

a) Dienstleistungen ( überwiegende Art der Leistung) 


Art der Leistung 

männlich 

Zahl der Platz« 

weiblich 

Insgesamt 

202 

z. B. Gartenarbeit 




203 

z. B. Küchenarbeit 




204 





205 





206 





207 

■ Zusammen 




210 

b| Eigenproduktion (bitte Produkte angeben) 




211 


212 





213 





214 




1 

215 





216 

Zusammen 





220 

1 c) Lohnaufträge (überwiegende Art des Auftrages) 


Bearbeitungsvorgang 

Geschlecht 

Metall 

Z 

Holz 

ahl der Piät: 

Kunststoff 

re bei der Bei 

Elektro- 

artikel 

irbeitung vo 

Papier 

Pappe 

n; 

Sonstiges 

Insgesann 

221 

Montage, Demontage 









222 

w 





1 



223 

Verformung (z. B. biegen, abwinkeln, 
schneiden, hobeln, schleifen u. ä.) 

m 








224 

w 








225 

Sortieren 

m 








226 

w 








227 

Zählen 

m 








228 

w 








229 

Halb- und Endfertigung (z. B. schweißen, 
kleben, bohren, falten, entgraten, 
buchbirxfen, löten, isolieren) 

m 








230 

w 








231 

Sonstige 

m 








232 

E 








233 

Zusammen | 









1 

Bearbeitungsvorgang 

Zahl dar 

männlich 

Plätze bei dar Bl 
von Textilien 

weiblich 

aerbeitung 

Insgesamt 

234 

Näharbeiten (z. B. Herstellung, ausbessem) 




235 

Handarbeiten (z. B. häkeln, stricken, sticken, knüpfen u. ä.) 




236 

Stoffdrucken (Batik) 




237 

Dekoration (z. B. Musterkollektion zusammenstellen} 




238 

Spielzeugherstellung (z. B. Stofftiere, Stoffpuppen u. ä.) 




239 

Sortieren 




240 

Zählen 




241 

Sonstige 




242 

Zusammen 

1 




Arbeitsvorgang 

Zahl der Plätze bei Büro- 
und Oruckarbeiten 

243 

Ablichten 




244 

Vervielfältigen 




245 

Heften, abheften 




246 

Numerieren 




247 

Zählen u. sortieren (z. B. Katalogzusammenstelluhg u. ä.) 




248 

Expedition (z. 6. verpacken, adressieren, kuvertieren, frankieren) 




249 

Sonstiges 




250 

Zusammen 





Drucksache 7/4201 Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 





173 


Enquite ■ Psychiatrie 
Fragebogen-Nummer; FnT 


Seite 5 

von insgetamt 8 Seiten 


260 

1 5. Ausbildungsangebot 

261 

Ausbildungsart; 

männlich 

weiblich 

Insgesamt 

262 

Anlernen für eigene Werkstatt 




263 

Anlernen für den freien Arbeitsmarkt 




264 

Ausbildung für einen bestimmten Beruf 




265 

Zusammen 





6. Raumangebot 

Gesamtfläche der vorhandenen Arbeitsräume in m* ; 

Ist ein Speise- und Aufenthaltsraum vorhanden: 

Werden die Mahlzeiten: 

Ist ein ärztlicher Untersuchungsraum vorhanden: 

Ist ein psychologischer Untersuchungs- und Therapieraum vorhanden: 
Zahl der vorhandenen Sanitärräume: 


nein 

oder selbst zubereitet 
nein 


Toiletten |_ J Waschr äume| J Duschräume 

Zahl der vorhandenen Umkleideräume; 

Ist ein Ruheraum vorhanden: ja | 

Zahl der Personalräume: 

Zahl der Büroräume: 

7. Entlohnung 

Wieviel Behinderte erhalten: männ 

Grundbetrag (Taschengeldl 
Prämie unter Berücksichtigung der Leistung 
Feste Stundenlöhne 

Mit vwievielen Behinderten ist ein ordentlicher Arbertsvert rag geschlossen; 

8. Aus welchen Mitteln erfolgen die Zahlungen an die Behinderten? (Mehrfachankreuzung möglichll 

al Einnahmen des Betriebes 
bl Spenden 

cl sonstigen Einnahmen (bitte hierunter angebeni 



9. Wieviele Behinderte erhalten Leistungen der Arbeitsverwaltung nach § 58 Arbeitsförderungsgesetz (AFG) 

Art der Leistung männlich w 

a) in Verbindung mit § 10 Nr. 5 AReha vom 2. 7. 1970 (Förderkurse) 

b) in Verbindung mit § 40 Abs. 4 AReha vom 2. 7. 1970 (Einarbeitungszuschuß) 

c) in Verbindung mit §§ 96 ff AReha vom 2. 7. 1970 (Eingliederungsbethilfe) 



Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode DrUCkSBChG 7/4201 





174 


Enquete * Psychiatrie 


Seite? 

von insgesamt 8 Seiten 


Fragebogerv Nummer: 


Nr. 


400 

C, Personal in Einrichtungen 

401 

12. Berufsgruppen 

Geschlecht 

bis 

unter 

30 Jahre 

Mtersgruppe 

30 bis 
unter 

50 Jahre 

60 Jahre 

und 

älter 

Insge- 

samt 

di 

zeitweise 
auch in 
anderen 
Einrich- 
tungen 
arbeiten- 
den Per- 
sonals ••) 

svon Anzahl 

haupt- 

amtlich 

tätigen 

Perionalt 

des 

Personals 

mit heil- 

pädago- 

gischar 

Zusatzaut- 

bildung 

402 

Werkstattleiter 

m 








403 

w 








404 

Ingenieur 

m 








405 

w 








406 

Sozialpädagoge / Jugendleiter 

m 








407 

w 








408 

Sozialarbeiter 

m 








409 

w 








410 

Werklehrer 

m 








411 

w 








412 

Handvwerksnrveister 

m 








413 


w 








. 414 

Staatlich geprüfte Erzieher 
(Kindergärtnerin) 

m 








415 

w 








416 

Facharbeiter 

m 








417 

w 








418 

Handwerksgaiallen 

m 








419 

w 








420 

Sonstige Gruppenleiter 

m 








421 

w 








422 

' Krankenpfleger und Schwestern 

m 








423 

w 








424 

Kinderpf leger 

m 








425 

w 








426 

Krankenpflegehelfer 

m 








427 

w 








428 

Übertrag: | 









Enquete • Psychiatrie 


Seite 8 


von insgesamt 8 Saiten 


Fragebogen- Nummer: 


Nr. 


400 

C. Personal in Einrichungen (Fortsetzung) 

401 

12. Berufsgruppen 

Geschlecht 

unter 

30 Jahre 

Altersgruppe 

30 bis 
unter 

50 Jahre 

50 Jahre 

und 

älter 

Insge- 

samt 

da 

zeitweise 
auch in 
anderen 
Einrich- 
tungen 
arbeiten- 
den Per- 
sonals **) 

von Anzahl i 

haupt- 

amtlich 

tätigen 

Personals 

des 

Personals 
mit heil- 
pädago- 
gischer 
Zusatzaus- 
bildung 

429 

Übertrag: 









430 

Sonstige Pflegekräfte 

m 








431 

w 








432 

Bürokräfte 

m 








433 

w 








434 

Küchenkräfte 

m 








435 

w 








436 

Reinigungskräfte, 

Technischer Dienst 

m 








437 

w 








438 

Arzt *) 

m 








439 

w 








440 

Psychologe 

m 








441 

w 








442 

Sonderschullehrer 

m 








443 

w 








444 

Klei I Pädagoge 

m 








445 , 

w 








446 

Logopäde 

m 








447 

w 








448 

Beschäftigungstherapeut 

m 








449 

w 








450 

Krankengymnastin oder 

Krankengymnastiker 

m 








451 

w 







i 

452 

Gymnastiklehrer 

m 








453 

w 







I 

454 

Sonstige (bitte angeben) 

m 








455 

w 








456 

Zusammen 










•) Bitte Fachrichtung angeben • z. B. Sonderkindergärten und gteichgesteJIte Einrichtungen, Sonderschulen, statronäre Einrichtungen. 


z. B. Sonderkindergärten und gleichgestellte Einrichtungen, Sonderschunlen. stationäre Einrichtungen. 


(Datum) 


(Unterschrift) 

(Beruf und Dienststellung des Ausfül lenden) 


Drucksache 7/4201 Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 





Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


III. Verzeichnis der in die Erhebung der Sachverständigen-Kommission (Stichtag: 30. Mai 1973) 
einbezogenen Krankenhaus-Einrichtungen sowie der Heime und Anstalten für geistig Behinderte 
und chronisch psychisch Kranken (mit mehr als 100 Betten) 


Fachkrankenhäuser für Psychiatrie und Psychiatrie/Neurologle 


Schleswig-Holstein 

Krankenhaus für Nerven- und Gemütsleiden 
2257 Breklum 

Privat Heil- und Pflegeanstalt Dr. Schulze 

2381 ülsby 

Diakoniewerk Kropp 

2382 Kropp 

Heinrich-Sengelmann-Krankenhaus 
2061 Bargfeld-Stegen 

Landeskrankenhaus Neustadt 
2430 Neustadt/Holstein 

Landeskrankenhaus Heiligenhafen 
2447 Heiligenhafen 

Landeskrankenhaus Schleswig 
2380 Schleswig 

Ricklinger Anstalten 2351 Rickling 

Hamburg 

Allgemeines Krankenhaus Ochsenzoll 
2000 Hamburg 62 

Niedersachsen 

Sanatorium Dr. Barner 
3389 Braunlage 

Städtische Nervenklinik Langenhagen 
3012 Langenhagen 

Evangelisches Stiftungskrankenhaus Ginsterhof 
2101 Tötensen 

Niedersächsisches Landeskrankenhaus Hildesheim 
3200 Hildesheim 

Psychiatrische Klinik Häcklingen 
3141 Häcklingen 

Niedersädisisdies Landeskrankenhaus Moringen 
3413 Moringen 

Niedersächsisches Landeskrankenhaus Göttingen 
3400 Göttingen 

Privat-Nervenklinik Dr. Kurt Fontheim 
3384 Liebenburg 

Niedersächsisches Landeskrankenhaus 
2901 Wehnen, Post Ofen 

Wahrendorffsche Anstalten 
3001 Ilten 


Niedersächsisches Landeskrankenhaus 
3307 Königslutter/Elm 

Niedersächsisches Landeskrankenhaus 
3140 Lüneburg 

Niedersächsisches Landeskrankenhaus 
3050 Wunstorf 

Niedersächsisches Landeskrankenhaus 
4500 Osnabrück 


Bremen 

Privatklinik Dr, Heines 
2800 Bremen-Oberneuland 

Krankenhaus Bremen Ost 
2800 Bremen 44 


Nordrhein-Westfalen 

Theodor-Fliedner-Werk, Mühlenhof- Waldhof 
4330 Mülheim (Ruhr) -Selbeck 

Rheinische Landesklinik für Psychiatrie 
4070 Rheydt 

Alexianer-Krankenhaus 
5100 Aachen 

Krankenhaus des Th. Fliedner-Werkes 
4032 Lintorf 

Krankenanstalt Kloster Marienborn 
5352 Zülpich-Hoven 

Rheinisches Landeskrankenhaus Brauweiler 
5026 Brauweiler 

Alexianer-Krankenhaus 
4150 Krefeld 

Nervenklinik Dreifaltigkeitskloster 
4150 Krefeld 

St. Josef-Krankenhaus 
4040 Neuss 

Alexianer-Krankenhaus 
5050 Porz-Ensen 

St. Alexius-Krankenhaus 
4040 Neuss 

Stiftung Tannenhof. Evangelische Nervenklinik 
Bergisches Land 
5630 Remscheid 

Rheinisches Landeskrankenhaus Bonn 
5300 Bonn 


175 



Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Rheinisches Landeskrankenhaus Düren 
5160 Düren 

Rheinisches Landeskrankenhaus Düsseldorf 
(Universitätsklinik Düsseldorf) 

4000 Düsseldorf 

Rheinisches Landeskrankenhaus Viersen 
4060 Viersen 

Rheinisches Landeskrankenhaus Bedburg-Hau 
4194 Bedburg-Hau 

Rheinisches Landeskrankenhaus Langenfeld 
4018 Langenfeld 

Lippische Nervenklinik Dr. Spernau 
4902 Bad Salzuflen 

Krankenheimstätte Homborn im Verband Bethel 
5801 Zurstraße, Gemeinde Waldbauer 

Westfälisches Landeskrankenhaus Frönspert 
5874 Bredenbruch/Hemer 

St. Rochus-Hospital 
4404 Telgte/Westf. 

Westfälisches Landeskrankenhaus Paderborn 
4750 Paderborn 

Westfälisches Landeskrankenhaus Benninghausen 
4781 Benninghausen 

Stiftung Maria-Hilf 
4401 Havixbeck-Tilbeck 2 

Alexianer-Krankenhaus 
4401 Amelsbüren 

Anstalt Bethel 
4813 Bethel/Bielefeld 

Westfälisches Landeskrankenhaus Marsberg 
3538 Niedermarsberg 

Westfälisches Landeskrankenhaus Dortmund 
4600 Dortmund- Aplerbeck 

Westfälisches Landeskrankenhaus Gütersloh 
4830 Gütersloh 1 

Westfälisches Landeskrankenhaus Warstein 
4788 Suttrop/Post Warstein 

Westfälisches Landeskrankenhaus Münster 
4400 Münster (Westf.) 

Westfälisches Landeskrankenhaus Eickelborn 
4771 Eickelborn 

Westfälisches Landeskrankenhaus Lengerich 
4540 Lengerich (Westf.) 


Hessen 

Kurklinik Hofheim/Taunus 
6238 Hofheim 

Sanatorium Prof. Schwab 
6350 Bad Nauheim 

Psychiatrisches Krankenhaus Meißner 
3431 Meißnerheilstätte/Witzenhausen 

Klinik Hohemark 
6370 Oberursel/Taunus 


Waldkrankenhaus Köppern 
6383 Friedrichsdorf-Köppern 

Sanatorium Dr. Ribisch 
6232 Bad Soden/Taunus 

St. Valentinushaus 
6229 Kiedrich/Eltville 

Psychiatrisches Krankenhaus Heppenheim 
6148 Heppenheim/Bergstraße 

Psychiatrisches Krankenhaus Herborn 
6348 Herborn 

Psychiatrisches Krankenhaus Haina/Kloster 
3559 Haina/Kloster 

Psychiatrisches Krankenhaus Gießen 
6300 Gießen 

Psychiatrisches Krankenhaus Merxhausen 
3501 Emstal 2 

Psychiatrisches Krankenhaus Hadamar 
6253 Hadamar 

Psychiatrisches Krankenhaus Marburg 
3550 Marburg 

Psychiatrisches Krankenhaus Weilmünster 
6292 Weilmünster 

Psychiatrisches Krankenhaus Eichberg 
6228 Eltville/Rhein 

Psychiatrisches Krankenhaus Philippshospital 
6081 Goddelau 


Rheinland-Pfalz 

Sanatorium Katzenelnbogen 
5429 Katzenelnbogen 

Dr. von Ehrenwall'sche Klinik 
5483 Ahrweiler 

Privatklinik „Sanatorium Bad Gleisweiler" 

6741 Gleisweiler 

Brüder-Krankenhaus für Nerven- und Gemütskranke 
5471 Saffig 

St. Antoniushaus 
5451 Waldbreitbach 

Krankenhaus der Barmherzigen Brüder 
5500 Trier 

Landesnervenklinik Alzey 
6508 Alzey 

Pfälzische Nervenklinik Landeck 
6749 Landeck 

Landesnervenklinik Andernach 
5470 Andernach 


Baden-Württemberg 

Vianney-Hospital 
7770 Uberlingen 

Privat-Klinik Dr. Denzel 
7100 Heilbronn 

Korker Anstalten, neuropädiatrische Klinik 
7640 Kehl-Kork 


176 



Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drud(sache 7/4201 


Heinrich-Landerer-Krankenhaus, 

M.-Lotte-Merkh-Heim 

7410 Reutlingen 

Friedrich-Husemann-Klinik 

7801 Buchenbach bei Freiburg/Breisgau 

Psychiatrisches Landeskrankenhaus Bad Schussen- 
ried 

7953 Bad Schussenried 

Christophsbad Dr. Länderer Söhne 
7320 Göppingen 

Psychiatrisches Landeskrankenhaus Weinsberg 
7102 Weinsberg 

Neurologische Kliniken Dr. Sdimieder 
7704 Gailingen 

Psychiatrisches Landeskrankenhaus Reichenau 
7750 Konstanz 13 

Psychiatriches Landeskrankenhaus Weissenau 
7980 Weissenau/Gemeinde Eschach bei Ravensburg 

Psychiatrisches Landeskrankenhaus Winnenden 
7057 Winnenden 

Psychiatrisches Landeskrankenhaus Zwiefalten 
7942 Zwiefalten 

Fachkrankenhaus Rottenmünster 
7210 Rottweil 1 

Psychiatrisches Landeskrankenhaus Emmendingen 
7830 Emmendingen 

Psychiatrisches Landeskrankenhaus Wiesloch 
6908 Wiesloch 


Bayern 

Fachkrankenhaus für Nerven- und Gemütskranke 
8070 Ingolstadt 

Inntalklinik 
8204 Brannenburg 

Privat-Nervenklinik Dr. Schmidt 
8035 Gauting 

Nervenklinik Bamberg 
8600 Bamberg 

Nervenkrankenhaus Bayreuth, Außenstelle Kutzen- 
berg 

8621 Kutzenberg 

Klinik des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie 
8000 München 

Bezirkskrankenhaus Engelthal 
8561 Engelthal 

Bezirkskrankenhaus Taufkirrhen 
8252 Taufkirchen/Vils 


Nervenkrankenhaus des Bezirkes Unterfranken 
8722 Werneck 

Bezirkskrankenhaus Ansbach 
8800 Ansbach 

Nervenkrankenhaus des Bezirkes Oberfranken 
8580 Bayreuth 

Bezirkskrankenhaus Mainkofen 
8351 Mainkofen 

Bezirkskrankenhaus Erlangen 
8520 Erlangen 

Nervenkrankenhaus des Bezirkes Schwaben 
8870 Günzburg 

Nervenkrankenhaus des Bezirkes Schwaben 
8950 Kaufbeuren 

Nervenklinik des Bezirkes Unterfranken 
8770 Lohr/Main 

Bezirkskrankenhaus Haar 
8013 Haar 

Nervenkrankenhaus des Bezirkes Oberfalz 
8400 Regensburg 

Bezirkskrankenhaus Gabersee 

8094 Gabersee, Gemeinde Attel bei Wasserburg 

Saarland 

Sozialpsychiatrische Klinik Sonnenberg 
6600 Saarbrücken 

Landesnervenklinik Merzig 
6640 Merzig/Saar 

Berlin (West) 

Phoenix-DRK-Klinik 
1000 Berlin 19 

Krankenanstalt Birkenhain 
1000 Berlin 19 

Krankenanstal Erlengrund 
1000 Berlin 41 

Krankenanstalt Tannengrund 
1000 Berlin 37 

„Eibenhof" 

1000 Berlin 33 

Neuropsychiatrische Klinik Waldhaus Nikolassee 
1000 Berlin 28 

Städtische Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik 
1000 Berlin 26 

Landesnervenklinik Berlin 
1000 Berlin 20 


177 



Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Fachabteilungen für Psychiatrie und Psychiatrie/Neurologie 


in folgenden Krankenhäusern: 

Hamburg 

Neurologisch-psychiatrische Abteilung des 

Albertinen-Krankenhauses 

2000 Hamburg 61 

Neurologische Abteilung des Allgemeinen 
Krankenhauses Altona 
2000 Hamburg 50 

Psychiatrisch-neurologische Klinik des Evangeli- 
schen Krankenhauses Alsterdorf 
2000 Hamburg 39 

Neurologische und psychiatrische Abteilung des 

Bundeswehrkrankenhauses 

2000 Hamburg 70 

Niedersachsen 

Psychiatrie- und Nervenklinik der Stadt 

Braunschweig 

3300 Braunschweig 

Kreiskrankenhaus Norden 
2980 Norden 

Nor drhein- W estf alen 

Katholisches Krankenhaus St. Johannes-Hospital 
5760 Neheim-Hüsten 1 

Krankenanstalten Sarepta 
4813 Bethel-Bielefeld 

St. Josefs Hospital 
4630 Bochum-Linden 

Knappschafts-Krankenhaus 
4250 Bottrop 

Knappschafts-Krankenhaus 
4600 Dortmund-Brackel 

Marien-Hospital 
46 Dortmund-Hombruch 

Nervenklinik des Diakoniewerkes Kaiserwerth 
4000 Düsseldorf 31 

Katholisches Krankenhaus Philippus-Stift 
4300 Essen 1 1 

Evangelisches Krankenhaus 
4650 Gelsenkirchen 

Neurologisch-psychiatrische Abteilung des 

Knappschaftskrankenhauses 

4700 Hamm 

St. Josefshospital 
3490 Bad Driburg 

Rehabilitationszentrum 
5000 Köln 41 


Psychiatrische Untersuchungsabteilung für ver- 
haltensgestörte Strafgefangene 
5000 Köln 30 

Kreiskrankenhaus Lüdenscheid 
5880 Lüdenscheid-Hellersen 

Zweckverband Stadt- und Kreiskrankenhaus 
4950 Minden 

Neurologische Abteilung 
5270 Gummersbach 

Nervenklinik am St. Josefshospital 
4200 Oberhausen 

St. Vinzenz Krankenhaus 
4790 Paderborn 

St. Marien Hospital 
4230 Wesel 

St. Antonius Krankenhaus 
4446 Hörstel 

Evangelisches Diakonissen-Krankenhaus 
5810 Witten 

Neurologische-psychiatrische Klinik 
5600 Wuppertal-Barmen 

Hessen 

Städtisches Krankenhaus 
6230 Frankfurt-Höchst 

St. Katharinen Krankenhaus 
6000 Frankfurt/M. 

Psychiatrisch-neurologische Klinik 
6200 Wiesbaden 

Baden- W ürttemberg 

Südwestdeutsches Rehabilitations-Krankenhaus 
7501 Karlsbad 

Neurologisch-psychiatrische Abteilung des H. Lanz 

Krankenhauses 

6800 Mannheim 

Psychiatrische Klinik des Bürgerhospitals 
7000 Stuttgart 1 

Bayern 

Psychiatrische Abteilung des Krankenhaus- 

Zweckverbandes 

8900 Augsburg 

Psychiatrie- und Nervenklinik der Städtischen 

Krankenhausanstalten 

8500 Nürnberg 

Krankenhaus der Barmherzigen Brüder 
4800 Regensburg 

Neurologische Abteilung des St. Josefskranken- 
hauses 

8400 Regensburg 


178 



Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Saarland 

Neurologische Abteilung des Bundesknappschafts- 
krankenhauses 
6603 Sulzbach/Saar 

Berlin (West) 

Städtisches Krankenhaus Spandau-Süd 
1000 Berlin 22 


Universitätskliniken 


Schleswig-Holstein 

Psychiatrische Universitäts-Nervenklinik 
2300 Kiel 

Psychiatrische und Neurologische Klinik 
2400 Lübeck 


Hamburg 

Psychiatrische Universitäts-Nervenklinik und 

Poliklinik 

2000 Hamburg 20 

Niedersachsen 

Psychiatrische Klinik der Universität 
3400 Göttingen 

Psychiatrische Klinik 
3000 Hannover-Kleefeld 


Hessen 

Nervenklinik der Stadt und Universität Frankfurt 
6000 Frankfurt/Main 

Neuropsychiatrische Klinik 
63 Gießen 


Städtisches-Auguste-Viktoria Krankenhaus 
1000 Berlin 41 

Neurologisch-psychiatrische Abteilung des 

Wenckebach-Krankenhauses 

1000 Berlin 42 

Städtisches Krankenhaus Moabit 
1000 Berlin 30 

Städtisches-Rudolf-Virchow Krankenhaus 
1000 Berlin 65 


Psychiatrische Universitäts-Nervenklinik 
3550 Marburg/Lahn 


Rheinland-Pfalz 

Neuro-Psychiatrische Universitätsklinik 
6500 Mainz 


Baden- W ürtt emb er g 

Psychiatrische Nervenklinik der Universität 
7800 Freiburg 

Psychiatrische Universitätsklinik 
6900 Heidelberg 

Sozialpsychiatrische Klinik der Universität 

Heidelberg 

6900 Heidelberg 

Universitäts-Nervenklinik 
7400 Tübingen 


Bayern 

Universitäts-Nervenklinik 
8520 Erlangen 

Nervenklinik der Universität 
8000 München 2 

Universitäts-Nervenklinik und Poliklinik 
8700 Würzburg 


Saarland 

Universitäts-Nervenklinik 
6650 Homberg 


Berlin (West) 

Psychiatrische und neurologische Klinik der 
FU Berlin 
1000 Berlin 19 


Nordrhein-W estf alen 

Psychiatrische Abteilung der medizinischen Fakultät 
TH Aachen 
5100 Aachen 

Universitäts-Nervenklinik 
5300 Bonn 

Psychiatrische Klinik des Klinikums Essen 
4300 Essen 

Universitäts-Nervenklinik Köln 
5000 Köln 41 

Psychiatrische Universitäts-Nervenklinik 
4400 Münster 


179 



Drucksache 7/4201 Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Fachkrankenhäuser und Fachabteilungen für Kinder- und Jugendpsychiatrie 


Schleswig-Holstein 

Landeskrankenhaus 
2380 Schleswig 


Hamburg 

Allgemeines Krankenhaus Heidberg 
2000 Hamburg 62 

Psychosomatische Abteilung am Krankenhaus 

Rothenburgsort 

2000 Hamburg 

Niedersachsen 

Psychiatrische Abteilung der Hannoverschen 

Kinderheilanstalt 

3000 Hannover 

Jugendpsychiatrische Klinik des Evangelisch- 
Lutherischen Wichernstifts 
2875 Elmshorn 

Evangelisches Hospital Lilienthal 
2804 Lilienthal 


Nordrhein-Westfalen 

Rheinische Landesklinik für Kinder- und Jugend- 

psydiiatrie 

5300 Bonn 


Fachkrankenhäuser für Gerontopsychlatrie 


N ordrhein- W es tf alen 

Westfälisches Landeskrankenhaus Geseke 
4787 Geseke 

Landesklinik für Geriatrie 
5277 Marienheide 

Hessen 

Evangelisches Krankenhaus Gesundbrunnen 
3520 Hofgeismar 


St. Johannes Stift 
3538 Niedermassberg 

Westfälisches Institut für Jugendpsychiatrie und 

Heilpädagogik 

4700 Hamm 

Psychiatrisches Krankenhaus „Maria Hilf" 

5133 Gangelt 

Rheinische Landesklinik für Kinder und Jugend- 
psychiatrie 
4060 Viersen 12 

Psychiatrisches Kinderkrankenhaus Maria Helferin 
4060 Viersen 12 

Westfälisches Landeskrankenhaus 
4370 Marl-Sinsen 

Hessen 

Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie 
3550 Marburg/Lahn 

Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie 
6270 Idstein/Taunus 

Berlin (West) 

Kinder- und Poliklinik FU Berlin 
1000 Berlin 19 

Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie 

Weisengrund 

1000 Berlin 28 


Baden-Württemberg 

Kreispflegeheim 

6490 Weinheim/Bergstraße 


Berlin (West) 

Privat Hospital Wannsee 
1000 Berlin 39 


180 



Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Fachkrankenhäuser für Suchtkranke 


Schleswig-Holstein 

Landesklinik 

2300 Kiel-Elmschenhagen 

Kurklinik „Haus Freudenholm" 
2309 Kreuz/über Kiel 


Hamburg 

Therapie-Zentrum Altona 
2000 Hamburg 50 

Niedersachsen 

Heilstätte „Moorpension" 
2389 Freistatt 


Nordrhein-Westfalen 

Psychiatrisches Fachkrankenhaus Kamillushaus 
4300 Essen 16 

Westfälische Landesheilstätte Gütersloh 
4830 Gütersloh 1 

Sanatorium Professor Kahle 
5000 Köln 80 

Kurklinik am Hellweg 
4811 örlinghausen 

Kurheim Spielwigge 
5880 Lüdenscheid 

Heilstätte für drogenabhängige Jugendliche 
5883 Kierspe-Erlenhof 

Psychosomatische Klinik Wilkenberg 
5882 Meinerzhagen 

Westfälische Landesheilstätte Haldem 
4991 Stemwede-Haldem 


Kurheim St. Mechthild 
5202 Hennef/Sieg 

Curt-von-Knobelsdorff-Haus 
5608 Radevormwald 

Hessen 

Klinik Schloß Falkenhof 
6140 Bensheim/Bergstraße 

Heilstätte Haus Burgwald 
6101 Nieder-Beerbach 

Rheinland-Pfalz 

Heilstätte Hermersbergerhof 
6741 Wilgartswiesen 

Baden-Württemberg 

Haus Renchtal 

Fachklinik für alkoholkranke Männer 
7592 Renchen 

Bayern 

Heilstätte Weihersmühle 
8501 Großhabersdorf 

Kurheim Annabrunn 
8261 Oberflossing 

Heilstätte Römerhaus 
8961 Gemeinde Sulzberg 

Berlin (West) 

Wilhelm Teil Hausklinik für Drogenprobleme 
1000 Berlin 30 


Heime und Anstalten für geistig Behinderte und chronisch psychisch Kranke 


Schleswig-Holstein 

Kinder- und Pflegeheim Vorwerk 
2400 Lübeck 

Alten- und Pflegeheim 
2400 Lübeck 1 

Privat Pflegeanstalt Wilhelm Berendsen 
2380 Schleswig 

Heinrich-Eisenbarth-Heim 
2051 Sachsenwaldau 


Hamburg 

Alsterdorfer Anstalten 
2000 Hamburg 39 

Pflege- und Gefährdetenheim Farmsen 
2000 Hamburg 72 


Niedersachsen 

Pflegeheim Dr. med. E. A. Wilkening 
3221 Winzenburg 


181 



Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Heidehäuser 
3102 Hermannsburg 

Ostfriesische Beschützende Werkstätten 
2970 Emden 

Gutshof Hudemühlen 
3035 Hodenhagen 

Kästorfer Anstalten der Inneren Mission 
3171 Kästorf 

Pflegeheim Dr. med. E. A. Wilkening 
3000 Hannover-Waldheim 

Heimstatt Röderhof 
3201 Egenstedt 

Stiftung Gertrudenheim „Haus Sannum" 

2901 Huntlosen 

Wiesengrund 
3262 Steinbergen 

Stiftung Waldheim 
3091 Cluvenhagen 

Innere Mission Lobetal 
3100 Celle 

Frauenheim vor Hildesheim 
3201 Himmelsthür 

Rotenburger Anstalten der Inneren Mission 
2130 Rotenburg 

Nordrhein- W estf alen 

Bischöfliches Bildungs- und Pflegeheim 
Haus Hall 
4423 Gescher 

Franz-Sales-Haus 
4300 Essen 1 

St.-Vinzenz-Hospital 
4730 Ahlen 

Anna-Katharinen-Stift 
4409 Karthaus b. Dülmen 

St. -Josefs-Hospital 
4000 Düsseldorf 30 

Sanatorium Hellersen 
5880 Lüdenscheid 

Kinderheilstätte 
4711 Nordkirchen 

St. -Josefs-Haus 

4050 Mönchengladbach-Hardt 

Bildungs- und Pflegeheim St. Bernadin 
4170 Geldern 2 

St.-Laurentius-Heim 
3530 Warburg 

Sozialwerk St. Georg 
4660 Gelsenkirchen 

Heilerziehungs- und Pflegeanstalt Eben-Ezer 
4920 Lemgo 

Wittekindshof 
4971 Wittekindshof 

Evangelische Bildungs- und Pflegeanstalt Hephata 
4050 Mönchengladbach 


Hessen 

Nieder-Ramstädter Heime der Inneren Mission 
6101 Nieder-Ramstadt 

Hessisches Diakonie-Zentrum Hephata 
3578 Schwalmstadt-Treysa 

Vertragsheim Schütz des Landeswohlfahrtsverban- 
des Hessen 
6101 Asbach 

Antoniusheim 
6400 Fulda 

Pflegeheim im Mehrholz 
6462 Gelhausen-Hailer 

St. -Vinzenz-Stift Aulhausen 
6224 Assmannshausen/Rhein 

Heilerziehungsheim Kalmenhof 
6270 Idstein/Taunus 

Pflegeheim Haus Waldfrieden 
3548 Arolsen-Neu Berich 


Rheinland-Pfalz 

Heilerziehungs- und Pflegeanstalt Scheuern 
5408 Nassau 

Bethanien 

6550 Bad Kreuznach 

Anstalt Eben-Ezer 
6581 Asbach 

Niederreidenbacherhof 
6580 Idar-Oberstein 

Pflege- und Bildungsheim Kloster Ebernach 
5590 Cochem 

Evangelisches Pflegeheim Zoar 
6760 Rockenhausen 

Herz-Jesu-Haus 
5401 Niederfell 

Caritashaus der Barmherzigen Brüder 
5430 Montabaur 


Baden-Württemberg 

Pflegeanstalt Heggbach 
7951 Heggbach ü. Biberach/Riß 

Pflegeanstalt Pfingstweid 

7901 Pfingstweid über Friedrichshafen 

Frauenheim Haus am Berg 
7831 Kirnhalden 

Pflegeheim St. Vinzenz 
7025 Plattenhardt 

Evangelisches Pflegeheim Lichtenstein 
7101 Löwenstein 

Kreispflegeheim Wichs 
7861 Wichs b. Schopfheim 

Landesheim Markgröningen 
7145 Markgröningen 

Korker Anstalten 
7640 Kehl-Kork 


182 



Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Landesheim Rabenhof 
7090 Ellwangen 


Kinderhilfswerk Salem 
8652 Stadtsteinach 

Magnusheim 

8939 Holzhausen über Buchloe 


Stiftung Liebenau 

7996 Meckenburen-Liebenau 

Johannes-Anstalten 
6950 Mosbach 

Anstalt Stetten 
7055 Stetten 

Gustav-Werner-Stiftung zum Bruderhaus 
7410 Reutlingen 

Heilerziehungsheim der Zieglerschen Anstalten 
7983 Wilhelmsdorf 

Heim für Mehrfachbehinderte Haslachmühle 
7981 Horgenzell 2 

Landesheim Reutlingen 
7410 Reutlingen 

Kreispflegeanstalt Sinsheim 
6920 Sinsheim 

Landesheim Riedhof 
7900 Ulm 


Bayern 

Pflegeheim Michelfeld 
8571 Michelfeld 

Heim der Diakonischen Anstalt 
8806 Neuendettelsau 

Pflegeanstalt Reichenbach 
8411 Reichenbach 

Versorgungs- und Pflegeanstalt Glött 
8871 Glött 

Elisabethenstiftung 
8882 Lauingen 

Pflegeanstalt der Barmherzigen Brüder 
8551 Gremsdorf 

Heilpädagogisches Heim „Sonnenhaus" 
8551 Unterleinleiter 

Cabrini-Heim 
8421 Offenstetten 


St.-Josefs-Anstalt 
8622 Burgkunstadt 

Stiftung Edcsberg 
8260 Altmühldorf 

Haus an der Teutoburger Straße 
8000 München 90 

Heim- und Therapiestätte für Cerebralgeschädigte 
8475 Wernberg 

Ottilienheim 
8821 Absberg 

Pflegeanstalt Heimat 
8831 Polsingen 

Pflegeanstalt Schloß Polsingen 
8831 Polsingen 

Pflegeheim Mariahilf 
8431 Holnstein 

Pflegeanstalt Karlshof 
8451 Lauterhofen 

Stiftung Attel 
8091 Attel 

Pflegeheim Auhof der Rummelsberger Anstalten 
8543 Hilpoltstein 

Pflegeanstalt 
8802 Bruckberg 

Pflegeanstalt Schönbrunn 
8061 Schönbrunn über Dachau 

Berlin (West) 

Pastor-Braune-Haus 
1000 Berlin 46 

Berliner Kinderheilstätte Schöneberg 
2270 Wyk auf Föhr 

Pflegeanstalt des Arbeiter-Samariter-Bundes 
1000 Berlin 20 


183 



Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


IV. Bericht über die Durchführung der Haupterhebung durch das Deutsche institut 
für medizinische Dokumentation und information 

— Ein Beitrag des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information - 


1 Aufgabensteiiung für die Datenverarbeitung 

Die dem Deutschen Institut für medizinische Doku- 
mentation und Information (DIMDI) von der Sach- 
verständigen-Kommission (SK) zur Erarbeitung der 
Enquete über die Lage der Psychiatrie in der Bun- 
desrepublik Deutschland (EP) übertragenen Auf- 
gaben für eine computergestützte Erfassung und 
Auswertung des Datenmaterials aus der Haupterhe- 
bung wurden im März 1973 begonnen und im De- 
zember 1974 abgeschlossen. 

Der Gesamtumfang für die computergestützte Aus- 
wertung der Haupterhebung beläuft sich auf ca. 
30 Millionen Zeichen. Darin enthalten sind u. a. Ver- 
waltungsdateien, Programmdateien, umsortierte 
Daten-Dateien und Listen-Telegrammdateien. 

Im einzelnen wurden von DIMDI für die Haupt- 
erhebung folgende Aufgaben durchgeführt: 

— Für die Datenverarbeitung eine erfassungsorien- 
tierte Fragebogengestaltung sowie die Druck- 
legung und der Versand zu den Obersten Ge- 
sundheitsbehörden der Länder. 

— Rücklauf- und Plausibilitätskontrolle der von 
den Einrichtungen zurückgesandten Erhebungs- 
bogen sowie Aufbereitung des Fragebogenmate- 
rials für die Datenerfassung. 

— Auswahl, Beschaffung, Test und Implemen- 
tierung eines für die Problemstellung geeig- 


neten Informationswiedergewinnungssystems mit 
einem lückenlosen Funktionsumfang in den Bear- 
beitungsstufen 

Datenerfassung, 

Datenänderung, 

Datenwiedergewinnung. 

Für die Lösung der anstehenden Probleme wurde 
das Informationswiedergewinnungssystem ISIS *) 
verwendet, da es hierzu in besonderer Weise 
geeignet und auf der DIMDI TIME-SHARING- 
Anlage Siemens 4004—151 sofort einsatzbereit 
war. 

— Entwicklung eines Listenprogrammgenerators 
(DLPG) für die spätere Auswertung des Daten- 
materials (s. Anhang A. Punkt 4 u. 5). 

— Erstellung eines Programmsystemes für die Vali- 
dierung der Daten aus der Haupterhebung, wel- 
ches die vielseitigen rechnerischen und Plausi- 
bilitätskontrollen durdiführte (s. Anhang A. 
Punkt 4 und 5). 

— Datenerfassung, Validierung, visuelle Kontrolle 
und Datenänderungsdienst. 


*) ISIS: Index-sequentielles-Informations-System, eine ge- 
meinschaftliche Entwicklung des Instituts für med. 
Datenverarbeitung (IMD) und der Fa. Siemens. 


Grundlage der Haupterhebung waren fünf verschiedene Erhebungsbogen 
mit folgendem Datenmengengerüst 



Anzahl 





zurück- 
geschickter 
Frage- 
bogen *) 

erfaßter 

Frage- 

bogen 

Fragen 
je Bogen 

Zeichen- 
umfang 
je Bogen 

Abgesp. 

Daten 

gesamt 

1. stationäre Einrichtungen 

690 

526 

2 100 

8 000 

4 208 000 

2. Sonderschulen 

1 700 

1 280 

235 

1 000 

1 280 000 

3. Sonderkindergärten 

470 

380 

241 

1 100 

418 000 

4. Werkstätten 

350 

234 

915 

2 700 

631 800 

5. Gesundheitsämter 

398 

398 

106 

500 

199 000 

Gesamt . . . 

3 608 

2 818 

3 597 

13 300 

6 736 800 


*) Einige zurückgeschickte Fragebogen wurden nicht erfaßt, da sie nicht in den Bereich der Psychiatrie fielen. 


184 




Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


— Erstellung von zunächst 130 Listen mit Hilfe des 
DliviDI-Listeiiprögramrngenerators auf Grund von 
Tabellenprogrammen der SK. 

— Beantwortung von Ad-hoc-Anfragen an den Da- 
tenbestand mit Hilfe der Informationssysteme 
ISIS und DLPG. 


2 Durchführung der Haupterhebung 

Nachdem von DIMDI die Voraussetzungen bezüg- 
lich Personalgestellung, Auswahl und Erstellung der 
benötigten Informations- und Programmsysteme 
geschaffen bzw. eingeleitet wurden, wurde parallel 
dazu mit der Durchführung der Haupterhebung be- 
gonnen. 

Die folgende chronologische und stark geraffte Dar- 
stellung der einzelnen Hauptaktivitäten und der 
daraus für diese Haupterhebung speziell erwachse- 
nen Probleme sollen einen Überblick über die durch- 
geführten Arbeiten und Erfahrungen geben. 

— Die für die Datenverarbeitung erforderliche er- 
fassungsorientierte Gestaltung der Fragebogen 
wurde durch DIMDI anhand der von der SK 
erstellten Manuskripte vorgenommen. Parallel 
hierzu wurde in Zusammenarbeit mit der SK 
der sachliche Inhalt der Fragebogen nochmals 
überprüft. Dabei ergaben sich noch einige sach- 
liche und formale Änderungen der Fragebogen, 
durch die sich Drucklegung und Versand der 
Bogen geringfügig verzögerte. 

— Die Erhebungsbogen sind dann sukzessiv im 
April/Mai 1973 nach Drucklegung an die Ober- 
sten Gesundheitsbehörden der Länder gesandt 
worden, die diese mit einem Anschreiben an die- 
jenigen Institutionen versandt haben, die in die 
Erhebung einbezogen wurden. 

— Der sehr spät und schleppend einsetzende Rück- 
lauf der Erhebungsbogen — Juni 1973 bis 
Mai 1974 — (s. Anhang A. Punkt 6) hatte zur 
Folge, daß die manuellen Plausibilitätskontrollen 
erst wesentlich später einsetzen konnten (s. An- 
hang A. Punkt 7, 10 und 1 1). 

— Während des verzögerten Rücklaufes zeigte sich 
anhand der eingegangenen Erhebungsbogen, daß 
Qualitäts- und Plausibilitätskontrollen in einem 
vorher nicht abzuschätzenden Umfang erforder- 
lich waren. Dies traf insbesondere für den Erhe- 
bungsbogen der stationären Einrichtungen zu, 
der 16 DIN A 4 Seiten und ca. 2 000 mögliche 
Fragen hat. 

— Da die teilweise stark differenzierten Fragen der 
Erhebungsbogen mit unterschiedlicher Genauig- 
keit und Sorgfalt beantwortet wurden, entschloß 
sich DIMDI in Abstimmung mit der SK zur Ein- 
führung von „Qualitätsmerkmalen", die dem 
Datenmaterial in Form eines Buchstabens bei- 
gegeben wurden. Diese „Gütezeichen" gaben bei 
der Bewertung des Zahlenmaterials der Aus- 
wertungslisten gezielte Hinweise und schlos- 
sen Fehlinterpretationen weitgehend aus. 


Zusätzlich wurden zahlreiche telefonische Rück- 
fragen bei den Obersten Gesundheitsbehörden 
der Länder und insbesondere bei den Einrich- 
tungen erforderlich, um divergierende Angaben 
zu klären. 

— Alle manuellen Plausibilitätskontrollen der Er- 
hebungsbogen, die gleichzeitig durchgeführte 
Bereinigung des Datenmaterials und die Auf- 
bereitung für die Datenerfassung sowie die spä- 
ter durchgeführte Kontrollesung des abgespei- 
cherten Datenbestandes mit den Originalerhe- 
bungsbogen wurde von ca. 15 Aushilfskräften 
vorgenommen. 

— Die Erfassung der Erhebungsbogen und der Än- 
derungsdienst der abgespeicherten Daten wurde 
beim DIMDI mit extern angemieteten Daten- 
typistinnen durchgeführt (s. Anhang A. Punkt 8). 
Mit Hilfe des Datenbanksystems ISIS wurden 
Erhebungsbogen und Änderungen über mehrere 
Datensichtgeräte erfaßt und in die Enquete- 
Psychiatrie-Datenbank eingespeichert. 

— Die Fragebogenerfassung und der Änderungs- 
dienst der stationären Einrichtungen stellte sich 
auch hier als eine besonders schwierige und zeit- 
raubende Tätigkeit heraus, da der Fragebogen 
einen Umfang von 16 DIN A 4 Seiten hat und 
ca. 2 000 mögliche Fragen (Aspekte) und max. 
8 000 Datenstellen beinhaltet. Bei der Bearbei- 
tung dieser Fragebogen ergaben sich für alle 
Beteiligten die meisten Probleme. Dies zeigt sich 
auch bei den aufgetretenen Fehlerarten und Feh- 
lerraten bei der Ausfüllung, Plausibilitätskon- 
trolle und Datenerfassung — zunächst bis zu 
30 Vo. Deshalb wurde auch beschlossen, alle er- 
faßten Fragebogen für stat. Einrichtungen aus- 
zudrucken und aus Sicherheitsgründen mit den 
Originalerhebungsbogen zu vergleichen (Anhang 
A. Punkt 7, 10 und 11). Trotz dieser Aktion konn- 
ten nicht alle Fehler ermittelt bzw. Unstimmig- 
keiten geklärt werden, so daß ein Unsicherheits- 
faktor von 5 ®/o bezogen auf das Gesamtdaten- 
material bestehen bleibt. 

Im Gegensatz dazu wurde festgestellt, daß die 
übrigen Fragebogen, die einen erheblich gerin- 
geren Umfang hatten — jeweils etwa 5 DIN A4 
Seiten, 250 Fragen (Aspekte) und max. 1 000 
Datenstellen eine wesentlich geringere Fehler- 
rate — weit unter 5 ®/o — aufwiesen, und da- 
durch von allen Beteiligten auch besser gehand- 
habt werden konnten. 

— Von der SK wurden ca. 130 Tabellenprogramme 
definiert, um das aus der Haupterhebung gewon- 
nene Datenmaterial ordnen und auswerten zu 
können. Diese 130 Tabellen bildeten die Basis 
und den Ausgangspunkt zur Erstellung weiterer 
Leistungen; insgesamt sind schätzungsweise 500 
unterschiedliche Übersichten entstanden und über 
Drucker oder Datensichtgerät ausgegeben wor- 
den (s. Anhang A, Punkt 9). 

Die rasche Erstellung dieser Vielzahl von Listun- 
gen war nur mit Hilfe des eigens für diesen 
Zweck beim DIMDI entwickelten Listenpro- 


185 



Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


grammgenerators und seiner äußerst einfachen 
und benutzerfreundlichen Handhabung möglich; 
die meisten Tabellenprogramme wurden von 
nicht mit der EDV vertrautem Personal ange- 
fertigt. Der DLPG wurde damit für die SK zu 
einem wertvollen Instrument der Datenanalyse 
und Datenauswertung; ca. 95 Vo aller Auswer- 
tungen wurden mit dem DLPG durchgeführt und 
bildeten die Grundlage für die weiteren Arbeiten 
der SK. 

— Zur weiteren Unterstützung der Arbeitsgruppe 
der SK wurden vom DIMDI am 12. Juni 1974 
zwei wissenschaftliche Mitarbeiter im Rahmen 
des Projektes EP auf Zeit eingestellt (s. Anhang 
A. Punkt 12). Während einer zweiwöchigen Aus- 
bildung durch DIMDI-Mitarbeiter wurde diesen 
beiden Zeitkräften die Handhabung des Listen- 
programmgenerators und des Datenbanksystems 
ISIS vermittelt, und an Beispielen die besondere 
Problematik der Enquete-Psychiatrie dargestellt. 
Dieser zusätzliche Personaleinsatz, der bis De- 
zember 1974 verlängert wurde, stellte für die 
SK eine wertvolle Hilfe bei den Auswertungs- 
arbeiten dar. 

— Zur Unterstützung der Arbeiten der SK und der 
von ihr beauftragten Arbeitsgruppe in Mann- 
heim wurde dort ein Datensichtgerät installiert 
und in der Zeit vom 27. Juni 1974 bis 15. Ok- 
tober 1974 betrieben. Auf diese Weise wurde 
den Mitarbeitern der SK die Möglichkeit gege- 
ben, von Mannheim aus mit Hilfe des DIMDI- 
Listenprogrammgenerators oder des Informa- 
tionswiedergewinnungssystems ISIS auf die 
Enquete-Psychiatrie-Daten aus der Haupterhe- 
bung beim DIMDI in Köln zuzugreifen und Aus- 
wertungen selbst vorzunehmen (s. Anhang A. 
Punkt 13). 


3 Zusammenfassung und Schlußbetrachtung 

Die computergestützte Abwicklung der „Haupt- 
erhebung“ war wegen der beim DIMDI vorhandenen 
Erfahrung in der Lösung von Sachproblemen mit 
Hilfe der Datenverarbeitung — insbesondere im 
Umgang und in der Erstellung von Informations- 
systemen — eine Aufgabe, die selbst bei der gege- 
benen knappen Terminierung optimal vollzogen 
werden konnte. 

Andererseits war die Qualitätsbeurteilung und Be- 
reinigung des durch die Erhebung gewonnenen Zah- 
lenmaterials sowie die Vorgehensweise bei der 
Definition von Tabellenprogrammen zur Erlangung 
von aufschlußreichen Informationen eine besonders 
problematische und zeitraubende Aufgabe, die nur 
in enger Zusammenarbeit mit der SK zu lösen war. 

Als besonders schwierig gestaltete sich hierbei die 
Datenerhebung und die Qualitätsbeurteilung des 
gewonnenen Zahlenmaterials auf dem kaum über- 
schaubaren Krankenhaussektor. Im Vergleich dazu 
war die Erhebung und Auswertung der weitaus 


kleineren Einrichtungen, wie z. B. Sonderkindergär- 
ten und Sonderschulen, fast problemlos. 

Während der Abwicklung der Haupterhebung haben 
alle Beteiligten — insbesondere DIMDI — eine 
Menge von Erfahrungen sammeln können und wer- 
den somit in die Lage versetzt, bei solchen oder 
ähnlichen Aufgaben die besondere Problematik von 
Fragebogenerhebungen und deren Auswertung auch 
anderen Auftraggebern zu verdeutlichen. 

Die vom DIMDI durchgeführte Haupterhebung im 
Rahmen der EP ist die erste größere Erhebung auf 
dem Gebiet der Psychiatrie und als Erst- und Total- 
erhebung einzustufen. 

Die für die Psychiatrie relevanten Einrichtungen 
Stationäre Einrichtungen, 

Sonderschulen, 

Sonderkindergärten, 

Werkstätten für Behinderte 

sind in ihrer Mehrzahl, die Gesundheitsämter mit 
psychiatrischen Diensten vollständig erfaßt wor- 
den. Im Bereich der Öffentlichen und freigemein- 
nützigen Krankenhäuser einschließlich der Univer- 
sitätskliniken erfolgte ebenfalls die komplette 
Erfassung, 

Die unter großen Anstrengungen aller Beteiligten 
beim DIMDI aufgebaute computergestützte Psych- 
iatrie-Datenbank, deren Zahlenmaterial die Basis 
für die weiteren Arbeiten der SK darstellte, sollte 
auch von anderen Interessenten genutzt werden 
können. Da dieser Datenbestand der einzige um- 
fassendste dieser Art ist, sollte außerdem die Mög- 
lichkeit geschaffen werden, diese Informationen 
über den Rahmen der EP hinaus turnusmäßig zu 
aktualisieren. 

Die vom DIMDI geplante und realisierte computer- 
gestützte Lösung der Haupterhebung — insbeson- 
dere die Schaffung des DIMDI-Listenprogramm- 
generators und der Einsatz des Informationssystems 
ISIS — erfolgte in der Weise, daß durch diese Pro- 
grammsysteme eine Vielzahl ähnlicher Projekte, 
aber auch solche List- und Retrieval-Aufgaben be- 
arbeitet werden können, die über die zu lösenden 
EP-Probleme hinaus gehen. Die universelle An- 
wendbarkeit der zuvor genannten Programmsysteme 
hat zur Folge, daß zukünftige Projekte von DIMDI 
schneller und kostengünstiger durchgeführt werden 
können. 

Das vom DIMDI im Rahmen der Haupterhebung 
eingesetzte und geleitete Personal für die Daten- 
erhebung — Kontrolle, Erfassung, Auswertung, 
Systemanalyse und Programmierung — umfaßte 
zeitweise ca. 30 Mitarbeiter und stellt einen Auf- 
wand von ca. 11,5 Mannjahren, komprimiert auf 
IV 2 Zeitjahre, dar. Diese Zahlen bringen zum Aus- 
druck, daß DIMDI bezüglich des Personaleinsatzes 
alle Möglichkeiten ausgeschöpft hat, um die SK bei 
ihren Arbeiten zu unterstützen und somit zum Ge- 
lingen der Auswertung beizutragen. 


186 



Anhang A 


1. Angebot, Auftrag, 

Problemanalyse 

2. EDV-gerechte Fragebo- 

gengestaltung, Druckle- 
gung, Versand 

3. Beschaffung, Test und 
Korrektur eines Infor- 
mationssystems (isis) . . 

4. Konzeption Listenpro- 
grammgenerator, Vali- 
dierungsprogramm .... 

5. Programmierung und 

Test: Listenprogramm- 

generator und Validie- 
rungsprogramm 

6. Fragebogenrücklauf . . . 

7. Manuelle Vorprüfung 

und Aufbereitung der 
Fragebogen 

8. Fragebogenerfassung 

und maschineller Ände- 
rungsdienst 

9. Telegrammerstellung 

Bearbeitung neuer Ta- 
bellenprogramme 

10. Fragebogenausdruck, vi- 
suelle Kontrolle 

11. Zusätzliche Überarbei- 

tung verschiedener Fra- 
gebogendaten 

12. Ausbildung, Einsatz von 

2 Mitarbeitern für die 
Sachverständigen-Kom- 
mission 

13. Auswertungen mit Da- 

tensichtgerät von Mann- 
heim 


1973 



Anhang A 



Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Ausbildungsangebot für psychiatrisches Pflegepersonal 
— eine empirische Untersuchung — 

von 


Eva von Freytag-Loringhoven 
Karin Gante 
Jens-Jörg Koch 
Maria Rave-Schwank 


Gliederung 


1 Fragestellung und Hypothesen der Untersuchung 

2 Methodik 

2.1 Repräsentativität der untersuchten psychiatrischen Einrichtungen 

2.1.1 Die Situation in der Bundesrepublik Deutschland im Vergleich zum Bundes- 
land Hessen 

2.1.2 Situation in den auf gesuchten psychiatrischen Einrichtungen Hessens 

2.2 Entwicklung der Instrumente 

2.2.1 Materialsammlung 

2.2.2 Hauptinhalte des Fragebogens für Pllegekräfte 

2.2.3 Pretest 

2.2.4 Fragebogen für die Krankenpflegeschulen 

2.2.5 Fragebogen für die Verwaltung 
2.3 Stichprobenauswahl 

3 Hauptuntersuchung 

3.1 Kontaktaufnahme mit den einzelnen Einrichtungen 

3.2 Situative Bedingungen und Durchführung der schriftlichen Befragung in 
Gruppensituation 

3.3 Teilnahme an der schriftlichen Befragung 

3.4 Gruppengespräche mit homogenen Helfergruppen 

3.5 Auswertungsarbeiten 

4 Strukturdaten 

4.1 Krankenpflegeschulen in den aufgesuchten psychiatrischen Einrichtungen 

4.1.1 Schüler in ein- und dreijähriger Ausbildung 

4.1.2 Angaben zu den Lehrkräften 

4.1.3 Gestaltung des Unterrichts 

4.1.4 Stellung der Krankenpflegeschule in der Institution 

4.1.5 Wünsche des Unterrichtspersonals 

4.2 Zur Sozialstruktur der befragten Personenstichprobe 

4.2.1 Persönliche Daten 

4.2.2 Zur Situation der Pflegepersonen am Arbeitsplatz 


188 



Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode DrUCkSdChG 7/4201 


5 Ergebnisse der Untersuchung 

5.1 Probleme der Ausbildung für psychiatrisches Pflegepersonal 

5.1.1 Die Ausbildung im Urteil der Befragten 

5.1.2 Die gewünschte Ausbildung 

5.1.3 Die tägliche Arbeitssituation 

5.2 Die Vermittlung von Theorie und Praxis 

5.2.1 Stationsbesprechungen 

5.2.2 Informationsfluß zwischen Ärzten und Pflegepersonal 

5.2.3 Vermittlung von Theorie und Praxis bei Schülern 

5.3 Bewertung neuer Umgangs- und Therapieformen 

5.4 Weiterbildung für examiniertes Pflegepersonal 

5.4.1 Kenntnis von Weiterbildungsmaßnahmen und eigene Pläne der Examinierten 

5.4.2 Hauptgründe zur Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen 

5.4.3 Gründe gegen die Beteiligung an Weiterbildungsmaßnahmen 

5.4.4 Bedingungen zur Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen 

5.4.5 Opfer für die Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen 

5.5 Fortbildungsmaßnahmen für psychiatrisches Pflegepersonal 

5.5.1 Existenz, Kenntnis und Teilnahmequoten 

5.5.2 Organisationsform der Fortbildungsveranstaltungen 

5.5.3 Bewertung von Fortbildung 

5.5.4 Wünsche zur Fortbildung 

5.6 Desinformiertheitsindex der befragten Pflegepersonen 

5.7 Zur Berufszufriedenheit des psychiatrischen Pflegepersonals 

6 Ergebnisse der Gruppengespräche mit homogenen Helfergruppen 

6.1 Ausbildung und tägliche Arbeitssituation 

6.2 Zur Fortbildung 

7 Diskussion der Ergebnisse der Untersuchung 

7.1 Repräsentativität der Ergebnisse 

7.2 Bedingungen der schriftlichen Untersuchung 

7.3 Zu den Ergebnissen 

7.4 Ergebnisse nach sozio-demographischen Merkmalen 

8 Praktische Konsequenzen 

8.1 Fortbildung 

8.2 Die Sdiülersituation 

8.3 KrankenschwesternZ-pfleger 

8.3.1 Der Bildungsgang „KrankenschwesterZ-pfleger (Psychiatrie)" 

8.3.2 Weiterbildung 

8.4 Bildungsmaßnahmen im Bereich der Krankenpflegehelfer 

8.4.1 Psychiatriespezifische Grundausbildung für Krankenpflegehelfer 

8.4.2 Weiterbildung für Krankenpflegehelfer 

9 Zusammenfassung 

10 Tabellen 

1 1 Anhang 
Autorenverzeichnis 

Literaturverzeichnis 


189 



Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


1 Fragestellung und Hypothesen 
der Untersuchung 

Ziel dieser Untersuchung war es, das Urteil der 
psychiatrischen Pflegepersonen über ihre Ausbil- 
dung zu erfahren und so von den Betroffenen 
selbst Auskunft über ihre Situation zu erhalten. 

Im einzelnen sollte die durchlaufende Ausbildung, 
vor allem der Bereich der modernen Therapiefor- 
men, von den Pflegepersonen kritisch beurteilt wer- 
den, die wichtigsten Gebiete für die Ausbildung 
einer Pflegekraft in der Psychiatrie formuliert, d. h. 
die Hauptaufgaben für diese Tätigkeit gekennzeich- 
net und die Vermittlung von Theorie und Praxis 
dargestellt werden. 

Im erweiterten Sinne des Begriffes „Ausbildung" 
sollten Existenz und Kenntnis von Fort- und Wei- 
terbildungsmaßnahmen für psychiatrisches Pflege- 
personal erfragt werden, durch die den Pflegeper- 
sonen die Möglichkeit zur Erweiterung ihrer beruf- 
lichen Kenntnisse — mit oder ohne formellen Ab- 
schluß — gegeben wird. Umfang und Art der Dar- 
bietung dieser Fort- und Weiterbildungsangebote 
sollten in Beziehung gesetzt werden zur Bewertung 
dieser Maßnahmen und Rückschlüsse auf das Fort- 
bildungs(des)interesse der Institutionen ermöglichen. 
Die Entscheidung über die Auswahl der Stichprobe 
fiel aus rein organisatorischen Gründen auf das 
Bundesland Hessen, nachdem sich hinsichtlich der 
Repräsentativität keine Anhaltspunkte dafür erge- 
ben hatten, daß die Strukturdaten des Bundeslan- 
des Hessen nicht auf ein anderes Flächenland der 
Bundesrepublik Deutschland übertragbar sind (vgl. 
2.1). 

Bedingt durch die Zielsetzung dieser Studie erfolgte 
die Bestandsaufnahme des Ausbildungsangebotes 
für psychiatrisches Pflegepersonal methodisch durch 
Häufigkeitsbestimmungen von Daten; es vrurde 


bewußt auf die Messung von Einstellungen der Be- 
fragten verzichtet, da dies über den Rahmen der 
Aufgabenstellung hinausgeführt hätte. 

Die folgenden Hypothesen zum Ausbildungsange- 
bot für psychiatrisches Pflegepersonal entstanden 
aus langjährigen Erfahrungen zweier Mitarbeiter 
der Projektgruppe A/6 in der Ausbildung psychiatri- 
scher Pflegepersonen, aus der Materialsammlung 
aus Gruppendiskussionen und Literaturstudium 
und bildeten die Grundlage der vorliegenden Un- 
tersuchung; 

Zwischenfälle (Todesfälle, Suizide, Entweichun- 
gen, Fixierungen) werden im pflegrisch-theore- 
tischen Unterricht nicht ausreichend besprochen. 

Die Ausbildung in neuen Therapieformen im 
Sinne einer Konzeption des Pflegepersonals als 
therapeutische Mitarbeiter ist insuffizient und 
trifft nicht auf adäquate Bedürfnisstrukturen. 

Die Vermittlung von Theorie und Praxis ist nicht 
vorhanden wegen methodischer Unzulänglich- 
keiten, insbesondere wegen mangelnder Vermitt- 
lung von praktischer Anleitung überhaupt. 

Das Fort- und Weiterbildungsinieiesse der Pflege- 
personen sowie die Angebote seitens der Insti- 
tutionen überhaupt sind gering und wirken nega- 
tiv motivierend, u. a. wegen irrelevanter Thema- 
tik im Fortbildungsangebot. 

Die Ergebnisse der empirischen Untersuchung so- 
wie deren Gruppierung nach sozio-demographischen 
Merkmalen (z. B. Lebensalter, Beschäftigungsdauer 
am Krankenhaus, Art der Schulbildung) und Struk- 
turdaten der Institutionen (z. B. Größe gemessen 
nach Bettenanzahl) werden dann im Zusammenhang 
mit den Hypothesen besprochen. 

Zum Überblick über die psychiatrischen Einrichtun- 
gen in der Bundesrepublik Deutschland mag die fol- 
gende Tabelle dienen: 


190 



Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Tabelle 1 


Pflegepersonen *) in der Bundesrepublik Deutschland nach Ländern, 
Art der Träger der Institutionen, Ausbildungsgrad und Geschlecht 
der Pflegepersonen in der Psychiatrie 


Bundesland 

Art der 
Träger 

Ausbildungsgrad der Pflegepersonen | 

Summe aller 
Pflege- 
personen 

Plan- 

mäßige 

Betten- 

zahl 

3 jährige 
Ausbildung 

Schüler 

3 jährige 
Ausbildung 

1 jährige 
Ausbildung 

Schüler 

1jährige 

Ausbildung 

ohne 

Ausbildung 

m 

1 w 

m 

1 w 

m 

1 w 

m 1 

w 

m 

1 w 

Hessen . . . 

öff. 

447 

311 

132 

171 

220 

301 

82 

78 

53 

177 

1 972 




frgmn. 

15 

71 

1 

— 

7 

17 

• — 

16 

31 

100 

258 

2 262 

9 467 


priv. 

— 

16 

— 

— 

2 

7 

— 

— 

1 

6 

32 



Nordrhein- 

öff. 

1 321 

1 066 

450 

471 

209 

397 

73 

114 

388 

877 

5 366 



Westfalen . 

frgmn. 

285 

483 

86 

58 

120 

218 

60 

50 

496 

538 

2 394 

7 795 

16 703 


priv. 

— 

8 

— 

1 

3 

15 

— 

— 

2 

6 

35 



Schleswig- 

öff. 

305 

209 

24 

63 

255 

400 

29 

43 

117 

261 

1 706 



Holstein . . 

frgmn. 

18 

42 


— 

12 

31 

6 

15 

34 

190 

348 

2 065 

6 593 


priv. 

— 

2 

— 

— 

— 

3 

• — 

' — 

— 

6 

11 



Hamburg . 

öff. 

100 

158 

13 

15 

31 

70 

— 

3 

17 

60 

467 




frgmn. 

32 

28 

— 

— 

8 

4 

5 

5 

45 

42 

169 

636 

— 


priv. 

— 

■ — 

— 

— 

— 

. — 

— 

— 

— 

• — - 

— 



Nieder- 

öff. 

600 

470 

161 

113 

71 

203 

10 

35 

60 

196 

1 919 



Sachsen . . . 

frgmn. 

45 

48 

— 

— 

45 

72 

— 

— 

55 

122 

387 

2 790 

5 601 


priv. 

27 

63 

8 

23 

25 

141 

5 

21 

24 

147 

484 



Bremeif . . . 

öff. 

163 

132 

— 

11 

— 

— 

— 

— 

66 

52 

424 




frgmn. 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

462 

1 228 


priv. 

— 

8 

— 

■ — 

— 

5 

‘ — 

— 

— 

25 

38 



Rheinland- 

öff. 

296 

179 

81 

72 

13 

49 

7 

24 

11 

101 

833 



Pfalz .... 

frgmn. 

40 

75 

— 

— 

48 

16 

— 

— 

98 

128 

405 

1 268 

704 


priv. 

— 

21 

— 

— 

— 

‘ — 

— 

— 

4 

5 

30 



Baden- 

öff. 

653 

528 

45 

51 

153 

253 

12 

11 

278 

479 

2 463 



Württem- 

frgmn. 

18 

132 

5 

7 

23 

45 

11 

30 

88 

59 

418 

3 096 

5 148 

berg 

priv. 

21 

78 

— 

— 

16 

19 

— 

— 

23 

58 

215 



Bayern . . . 

öff. 

1 145 

926 

315 

627 

69 

164 

— 

— 

202 

403 

3 851 




frgmn. 

17 

65 

— 

— 

— 

2 

. — 

— 

15 

36 

135 

4 015 

968 


priv. 

— 

16 

— 

— 

2 

9 

— 

— 

— 

2 

29 



Saarland . . 

öff. 

126 

108 

14 

15 

— 

11 

— 

— 

9 

29 

312 




frgmn. 

— 

— 1 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

312 

— 


priv. 

— 

— 1 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 



Berlin .... 

öff. 

119 

283 

41 

27 

90 

208 

17 

12 

188 

212 1 

1 197 




frgmn. 

12 

67 

— 

— 

10 

76 

— 

— 

21 

102 

288 

1 492 

4 210 


priv. 

— 

4 

— 

— 

— 

2 

— 

— 

— 

1 

7 




2: 

15 805 

5 597 

|1 376 

1 725 1 

|l 432 

2 738 

317 

457 

|2 326 

4 420 

26 193 

50 622 



11 402 

3 101 

4 170 

774 


6 746 





*) mit Ausländern 


Abkürzungen: 
off. = öffentlich 
frgmn, = freigemeinnützig 
priv, = privat 


Zusammengestellt nach: 

Personal und Patienten in den psychiatrischen Kranken- 
häusern 1971, aus: Wirtschaft und Statistik, 9/73, Statisti- 
sches Bundesamt Wiesbaden, Verlag W. Kohlhammer. 


191 




Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


2 Methodik 

2.1 Repräsentativität der untersuchten 
psychiatrischen Einrichtungen 

Im folgenden werden die Strukturen der psychia- 
trischen Einrichtungen durch die Kriterien gekenn- 
zeichnet: 

— Anzahl der belegten Betten, 

— Art der Trägerschaft, 

— Anzahl der Pflegepersonen, 

- — Geschlecht der Pflegepersonen, 

— - Ausbildungsart der Pflegepersonen, 

— Nationalität der Pflegepersonen. 

Zum Vergleich und zur besseren Einordnung der 
Stichprobe Hessen ist die Situation aller psychiatri- 
schen Einrichtungen in der Bundesrepublik Deutsch- 
land sowie im Bundesland Hessen insgesamt kurz 
darzustellen. 


2.1.1 Die Situation in der Bundesrepublik Deutschland 
im Vergleich zum Bundesland Hessen 

In den insgesamt 95 Einrichtungen zur Versorgung 
psychisch Kranker sind in der Bundesrepublik 
Deutschland insgesamt 26 186 Pflegepersonen tätig 
(vgl. 10, A/1: Pflegepersonen in psychiatrischen Ein- 
richtungen der Bundesrepublik Deutschland). 

In den 33 hessischen psychiatrischen Einrichtungen 
mit insgesamt 9 465 planmäßigen Betten sind 2 262 
Pflegepersonen beschäftigt; dies sind 8,6 Vo aller in 
der Bundesrepublik Deutschland in der Psychiatrie 
tätigen Pflegepersonen (vgl. 10, A/2: Pflegepersonen 
in psychiatrischen Einrichtungen Hessens) : 

Die Situation in der Bundesrepublik Deutschland im 
Vergleich zum Bundesland Hessen stellt sich wie 
folgt dar: 


^) Angaben: Statistisches Bundesamt Wiesbaden, Stand 
Dezember 1971. 

2) Angaben: Statistisches Landesamt Wiesbaden, Stand 
Dezember 1971. 



Pflege- 

personen 

insgesamt 

davon in Einrichtungen 
mit . . . Trägern in Vo 

davon in Vo 


m w 

Bundesrepublik 
Deutschland 

26 186 

2 262 

78,3 18,3 3,4 

87,2 11,4 1,4 

42,9 57,1 

43,8 56,2 

Hessen 




3 jährig 
Ausgebil- 
dete 

Ijährig 

Ausgebil- 

dete 

ohne staat- 
liche Aus- 
bildung 

Schüler 

davon Ausländer in ®/ü 

insgesamt | 

m 1 

w 

Bundesrepublik 








Deutschland 

43,5 

15,9 

25,8 

14,8 

2,0 

15,0 

85,0 

Hessen . 

38,0 

24,5 

16,3 

21,2 

7,3 

10,9 

89,1 


Beim Vergleich der Situation der Bundesrepublik 

Deutschland mit derjenigen Hessens zeigt sich, daß: 

— die Anzahl der dreijährig Ausgebildeten in Hes- 
sen etwas unter dem Bundesdurchschnitt liegt 
(38 Vo gegenüber 45 Vo) 

— die Anzahl der Pflegepersonen ohne staatliche 
Ausbildung in Hessen etwas unter dem Bundes- 
durchschnitt liegt (16 Vo gegenüber 26 Vo) 

— die Anzahl der einjährig Ausgebildeten in Hes- 
sen etwas über dem Bundesdurchschnitt liegt 
(25 Vo gegenüber 16 Vo) 

— die Anzahl der Schüler etwas über dem Bundes- 
durchschnitt in Hessen liegt (21 Vo gegenüber 
15 Vo) 

— der Anteil der ausländischen Pflegekräfte an der 
Gesamtzahl aller Pflegekräfte in Hessen höher 


liegt als in der Bundesrepublik Deutschland (7 Vo 
gegenüber 2 Vo). 

In Hessen arbeiten demnach etwa 26 Vo aller in 
der Bundesrepublik Deutschland tätigen auslän- 
dischen Pflegekräfte. 

Dieser Vergleich zeigt, daß es sich bei einem Teil 
der Unterschiede in den Daten um günstige struk- 
turelle Bedingungen für das Bundesland Hessen han- 
delt (Zahl der Schüler, Zahl der Pflegepersonen ohne 
staatliche Ausbildung). Eine Reihe von Daten weicht 
ungünstig vom Bundesdurchschnitt ab (Anzahl der 
dreijährig Ausgebildeten). 

Insgesamt kann man aber davon ausgehen, daß die 
Daten des Bundeslandes Hessen auf ein anderes 
Flächenland der Bundesrepublik Deutschland ohne 
schwerwiegende Einschränkungen übertragbar sind. 


192 





Deutscher Bundestag — 1. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


2.1.2 Situation in den aufgesuchten psychiatrischen 
Einrichtungen Hessens ') 

Wie in späterem Zusammenhang (vgl. 2.3) ausge- 
führt werden wird, beruht die vorliegende Unter- 
suchung auf einer Erhebung aus 17 psychiatrischen 
Einrichtungen Hessens, die nach einer quotierten 
Zufallsstichprobe ausgewählt wurde. 

Bei dieser Stichprobe ergab sich im Verhältnis zur 
Bundesrepublik Deutschland folgendes Bild: 

In den ausgewählten 17 psychiatrischen Einrichtun- 
gen mit insgesamt 6 378 planmäßigen Betten sind 
insgesamt 1 740 Pflegepersonen beschäftigt; dies 
sind 76,9 Vo aller Pflegekräfte in psychiatrischen 
Einrichtungen Hessens (vgl. 10, A/3: Pflegepersonen 
in den psychiatrischen Einrichtungen der Stichprobe 
Hessens) . 


Davon sind in Einrichtungen mit folgenden Trägern 
tätig: 


LWV 

Kommunal 

privat 

Universität 

75,5 «/o 

2,8 »/o 

9,1 »/o 

12,6 o/o 


Davon entfallen auf: 


Sjährig 

Ijährig 

ohne Staat- 


Ausgebil- 

Ausgebil- 

liehe Aus- 

Schüler 

dete 

dete 

bildung 


37,8 o/o 

32,9 o/o 

9,6 o/o 

19,7 o/o 


Insgesamt sind an den 17 psychiatrischen Einrich- 
tungen tätig: 38,2 ^/o männliche und 61,8 ^/o weib- 
liche Pflegepersonen. 

12.2 ^lo aller Pflegepersonen, die an diesen Einrich- 
tungen arbeiten, sind ausländische Pflegekräfte. Da- 
von entfallen auf männliche Pflegepersonen 26,4 ®/o, 
auf weibliche 73,6 ^/o. 

Insgesamt zeigt sich bei einem Vergleich der Struk- 
turdaten der Bundesrepublik Deutschland, des Bun- 
deslandes Hessen und der Stichprobe Hessen, daß 
die Situation in der Stichprobe Hessens im Verhält- 
nis zum Bundesland Hessen und zur Bundesrepublik 
Deutschland — abgesehen von den in 2.1.1 darge- 
stellten — keine entscheidenden Besonderheiten auf- 
weist. 

2.2 Entwicklung der Instrumente 

2.2.1 Materialsammlung 

Grundlage für die inhaltliche Konzeption waren ne- 
ben langjährigen Erfahrungen zweier Projektgrup- 
penmitglieder im Bereich psychiatrischer Kranken- 
pflegeausbildung Informationen aus sechs Gruppen- 
gesprächen, die in psychiatrischen Landeskranken- 
häusern außerhalb Hessens Anfang Januar 1973 


^) Angaben: Feldarbeit Juni bis Oktober 1973 


stattfanden (Wiesloch, Weinsberg, Johannisanstal- 
ten Mosbach). 

Diese sechs, jeweils etwa lV 2 stündigen Gruppenge- 
spräche wurden mit einem Diskussionsleiter und 
einem Protokollanten und durchschnittlich 12 bis 18 
Pflegepersonen an Hand eines halb-standardisierten 
Leitfadens geführt. Die Pflegepersonen verteilten 
sich auf sämtliche vorkommenden Ausbildungsni- 
veaus (dreijährige und einjährige Ausbildung, Aus- 
bildung bis zu einem Jahr oder keine spezielle Aus- 
bildung, Schüler in ein- und dreijähriger Ausbil- 
dung) und waren hinsichtlich des Geschlechtes zah- 
lenmäßig ungefähr gleich repräsentiert. 

Die Protokolle dieser Gruppengespräche wurden auf 
ständig wiederkehrende Problemkreise durchge- 
arbeitet und bildeten zusamm_en mit den Ausgangs- 
hypothesen die endgültige inhaltliche Konzeption. 

2.2.2 Hauptinhalte des Fragebogens für Pflegekräfte 

Folgende Problembereiche wurden für die Formulie- 
rung des Fragebogens zusammengestellt (s. 3.2): 

— Beurteilung der durchlaufenen bzw. jetzigen 
Ausbildung sowie des eigenen Berufes; 

— Bewertung neuer Umgangs- und Therapieformen; 

— Fortbildung (verstanden als jegliche Form der 
Erweiterung der Berufskenntnisse), Existenz von 
Fortbildungsangeboten, Kenntnis und Teilnahme; 
Organisationsformen von Fortbildungsmaßnah- 
men, Wünsche und Vorschläge des befragten 
Personenkreises ; 

— Weiterbildung (verstanden als Erweiterung der 
beruflichen Kenntnisse mit einem formellen Ab- 
schluß), Existenz und Kenntnis von Weiterbil- 
dungsmaßnahmen, Motivation für die Teilnahme 
und optimale organisatorische Bedingungen für 
die Durchführung von Weiterbildungsmaßnah- 
men; 

— Sozialstruktur der befragten Pflegepersonen; 

(vgl. hierzu 11.1 : Fragebögen für das Pflegepersonal). 

2.2.3 Pretest 

Diese Fragestellungen wurden in standardisierte, 
zumeist geschlossene multiple-choice-Fragen über- 
setzt und 60 Pflegepersonen in zwei psychiatrischen 
Landeskrankenhäusern außerhalb Hessens im März 
1973. zum Pretest vorgelegt (PLK Wiesloch, PLK 
Weinsberg). 

Bedingt durch generelles Ungeübtsein in der Beant- 
wortung schriftlich formulierter Fagen und durch 
das verschiedenartige Ausbildungsniveau der Pfle- 
gepersonen (dreijährige Ausbildung, einjährige Aus- 
bildung, Ausbildung bis zu einem Jahr, keine spe- 
zielle Ausbildung und Schüler) verhielten sich die 
Probanden beim Ausfüllen des Fragebogens in so 
starkem Maße instruktionswidrig, daß die Umarbei- 
tung einer einheitlichen Fragebogenfassung für alle 
Pflegepersonen in drei unterschiedliche Fassungen 
des Fragebogens für Examinierte, Krankepflegehel- 
fer und Schüler unumgänglich war. 

Diese Maßnahme hat sich in der Hauptuntersuchung 
außerordentlich gut bewährt. 


193 





Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


2.2.4 Fragebogen für die Krankenpflegeschulen 

Die Befragung von Unterrichtsschwestern und -pfle- 
gern wurde bewußt in die Untersuchung einbezo- 
gen, um zu einem möglichst frühen Zeitpunkt die 
eigentlichen Träger der geplanten Verbesserungs- 
maßnahmen zu aktivieren und zur Mitarbeit anzu- 
regen. 

Mit dem Fragebogen für Unterrichtsschwestern und 
-pfleger wurden in Form von standardisierten, zu- 
meist geschlossenen Alternativ- oder multiple- 
choice-Fragen Daten über: 

— Größe der jeweiligen Schule, 

— Unterrichtspersonal, 

— Stellung der Krankenpflegeschule in der Institu- 
tion, 

— Gestaltung des Unterrichts sowie diesbezügliche 
Wünsche und Anregungen 

erhoben. (Vgl. 11.2: Fragebogen für Unterrichts- 
schwestern, /-pfleger.) 

2.2.5 Fragebogen für die Verwaltung 

Da zum Zeitpunkt der vorliegenden Untersuchung 
die Statistiken der Sachverstandigen-Kommission 
zur Erarbeitung der Enquete über die Lage der 
Psychiatrie in der Bundesrepublik Deutschland noch 
nicht Vorlagen und die Strukturdaten der einzelnen 
psychiatrischen Einrichtungen Hessens nicht vom 
Statistischen Landesamt in Wiesbaden erhältlich 
waren, wurden während der Feldarbeit diese Daten 
erhoben, und zwar im einzelnen: 

— Besetzung der Planstellen nach Ausbildungsgrad 
und Geschlecht der Pflegepersonen; 

— Besetzung der Planstellen durch ausländische 
Pflegekräfte nach Ausbildungsgrad und Ge- 
schlecht; 

— Anzahl der Ersatzdienstleistenden (EDL); 

— Anzahl der belegten Betten; 

— Anzahl der am Befragungstag anwesenden Pfle- 
gepersonen 

(vgl. 11.3: Strukturdaten der aufgesuchten psychia- 
trischen Einrichtungen). 

2.3 Stichprobenauswahl 

Die Entscheidung über die Auswahl der Stichprobe 
fiel aus rein organisatorischen Gründen auf das 
Bundesland Hessen, nachdem sich hinsichtlich der 
Repräsentativität keine Anhalstpunkte dafür erge- 
ben hatten, daß die Strukturdaten des Bundeslandes 
Hessen nicht auf ein anderes Flächenland der Bun- 
desrepublik Deutschland übertragbar sind (vgl. 2.1). 
Zielgruppe für die vorliegende Untersuchung sollten 
alle im Pflegebereich tätigen Personen deutscher 
Nationalität sein, die in Einrichtungen zur Behand- 
lung psychisch Kranker im Bundesland Hessen ar- 
beiten. Ausgeschlossen aus der Zielgruppe waren: 


1. die Gruppe der Ersatzdienstleistenden, die als 
Kurzzeitmitarbeiter für die Beantwortung grund- 
legender Fragestellungen über die Ausbildung 
nicht relevant erschienen und die nach dieser 
Tätigkeit dann andere Berufe ausüben werden. 

2. die Gruppe der ausländischen Pflegekräfte, deren 
Problematik sich verschiedenartig von derjeni- 
gen deutscher Pflegekräfte gestaltet und die hier 
nicht mit einbezogen werden konnte. Für diese 
Gruppe sind Sprachkurse als vorrangig vor einer 
spezifisch psychiatrischen Ausbildung anzusehen. 

Bei der Bestimmung der Grundgesamtheit aller hes- 
sischen psychiatrischen Einrichtungen ergaben sich 
erhebliche Schwierigkeiten hinsichtlich der Struktur- 
daten. 

Da zu diesem Zeitpunkt die Statistiken der Sach- 
verständigen-Kommission noch nicht Vorlagen, wur- 
den die Angaben des Statistischen Landesamtes 
Wiesbaden (Stand Dezember 1971), des „Berichts 
des Sozialministeriums zur psychiatrischen Versor- 
gung im Lande Hessen zwecks Verbesserung der 
Lage der psychisch Kranken, der geistig und see- 
lisch Behinderten sowie der Suchtkranken" (Stand 
Dezember 1972) sowie des Krankenhausadreßbuches 
(Stand Dezember 1972) herangezogen. Ein Vergleich 
dieser Daten im Hinblick auf die Bettenzahl zeigte 
— vor allem bei den großen psychiatrischen Ein- 
richtungen des Landeswohlfahrtsverbandes (LWV) 
— ■ Diskrepanzen bis zu 260 Betten auf. 

Aus Gründen der Zuverlässigkeit und Zugänglich- 
keit wurden für die Grundgesamtheit die Angaben 
des Statistischen Landesamtes verwendet, jedoch 
mit dem Hinweis, daß generell bei den Zahlenanga- 
ben Vorsicht geboten sein wird. 

Die Angaben derjenigen psychiatrischen Einrichtun- 
gen, die im Statistischen Landesamt in Wiesbaden 
nicht geführt werden, wurden auf postalischem 
Wege eingeholt. 

So umfaßte die Grundgesamtheit 33 Einrichtungen 
Hessens, die der Versorgung psychisch Kranker 
dienen (vgl. 10, A4: Psychiatrische Einrichtungen in 
Hessen). 

Ausgenommen war, auf Grund der speziellen Pro- 
blematik, die Gruppe der Oligophrenen. Es hatte 
sich bei den Gruppengesprächen ergeben (Mosbach), 
daß in Einrichtungen, die ausschließlich der Be- 
treuung Oligophrener dienen, das Berufsbild des 
Heilerziehungspflegers (insbesondere seit der staat- 
lichen Anerkennung in Baden- Württemberg 1971) 
den pflegerisch-pädagogischen Aufgaben wesentlich 
näherkommt als der Aufgabenkatalog der Kranken- 
schwesterZ-pfleger. Es entsprach daher weder den 
Wünschen noch den Anforderungen in diesem Be- 
reich, die KrankenschwesterZ-pfleger wieder zentral 
einzubeziehen. 

Zum Überblick über die regionale Lage der 33 psych- 
iatrischen Einrichtungen mag die folgende Dar- 
stellung dienen: 


194 



Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 



195 


Drucksache 7/4201 Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Tabelle 2 


Pflegepersonen (insgesamt) der aufgesuchten 



Name der 
aufgesuchten 
Einrichtung 



Pflegepersonen insgesamt 




davon Ausländer 


Nr. 

Examinierte 

Helfer 

Schüler 


Examinierte 

Helfer 


m 1 

W 

m 1 

w 

m 1 

w 


m 

1 w 

m 1 

w 

1 

Merxhausen 

23 

29 

9 

81 

16 

49 

207 

1 

2 



25 

2 

Haina 

61 

2 

72 

21 

15 

2 

173 

— 

— 

— 

— 

3 

Weilmünster 

32 

39 

47 

89 

33 

23 

263 

— 

— 

— 

— 

4 

Köppern 

9 

12 

9 

25 

16 

18 

89 

1 

1 

1 

14 

5 

Goddelau 

28 

39 

83 

92 

33 

26 

301 

1 

7 

41 

37 

6 

Herborn 

84 

56 

14 

29 

32 

65 

280 

— 

— 

1 

3 


2: 

(237) 

(177) 

(234) 

(337) 

(145) (183) 

(1 313) 

(3) 

(10) 

(43) 

(79) 

7 

Hohe Mark 

3 

35 

5 

10 

— 

— 

53 

— 

— 

— 

5 

8 

Amelung 

— 

5 

— 

5 

— 

— 

10 

— 

— 

— 

— 

9 

Schulze-Kahleyss 

— 

5 

— 

3 

— 

— 

8 

— 

— 

— 

— 

10 

Hephata 

4 

10 

2 

23 

— 

— 

39 

— 

— 

— 

— 

11 

Dickhaut 

— 

2 


6 

— 

— 

8 

— 

1 

— 

— 

12 

Fischerhof 

— 

2 

— 

4 

— 

— 

6 

— 

— 

— 

— 

13 

Noll-KH 

1 

14 

4 

15 

— 

— 

34 


8 


8 


2: 

(8) 

(73) 

(11) 

(66) 

(0) 

(0) 

(158) 

(0) 

(9) 

(0) 

(13) 

14 

Ffm.-Höchst 

2 

16 

— 

4 

1 

2 

25 

— 

5 

— 

3 

15 

Kli. Wiesbaden 

2 

11 

1 

9 

— 

2 

25 

— 

4 

— 

— 


2: 

(4) 

(27) 

(1) 

(13) 

(1) 

(4) 

(50) 

— 

(9) 

— 

(3) 

16 

Univ. Marburg 

22 

35 

28 

20 

3 

3 

111 

■ 

2 

— 

— 

17 

Univ. Frankfurt 

17 

57 

10 

21 

3 

— 

108 

5 

20 

4 

8 


2: 

(39) 

(92) 

(38) 

(41) 

(6) 

(3) 

(219) 

(5) 

(22) 

(4) 

(8) 


2i 

288 369 

657 

284 

741 

457 

152 

342 

190 

1 740 

8 

50 

58 

47 

150 

103 


Anmerkungen zur Tabelle: 

a) Den Einrichtungen 1 bis 6 (LWV) liegen die neueren Angaben der Nachfrage zugrunde. 

b) Den Einrichtungen 14 bis 17 (Städtische und Universitäts>Kliniken) liegen nur die Zahlen der Schüler zugrunde, 
die an der Befragung teilnahmen; genauere Angaben waren nicht zu erhalten. 

c) Angaben; Feldarbeit Juni bis Oktober 1973 


196 





Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Tabelle 2 


psychiatrischen Einrichtungen in Hessen 


davon Ausländer 



Anzahl der Pflegepersonen ohne Ausländer 

Anzahl der Pflege- 

Schüler 


davon 

EDL 

Examinierte 

Helfer 

Schüler 

2 

Personen ohne EDL, 
ohne Ausländer = 

m 1 

w 

2. 


m 

W 

m 

w 

m 1 

w 

Zielgruppe 

1 

2 

31 

2 

22 

27 

9 

56 

15 

47 

176 

174 

— 

— 

— 

— 

61 

2 

72 

21 

15 

2 

173 

173 

— 

— 

— 

— 

32 

39 

47 

89 

33 

23 

263 

263 

— 

— 

17 

— 

8 

11 

8 

11 

16 

18 

72 

72 

— 

1 

87 

3 

27 

32 

42 

55 

33 

25 

214 

211 

— 

— 

4 

7 

84 

56 

13 

26 

32 

65 

276 

269 

(1) 

(3) 

(139) 

(12) 

(234) 

(167) 

(191) 

(258) 

(144) 

(180) 

(1 174) 

(1 162) 

— 

— 

5 

1 

3 

35 

5 

5 

— 

— 

48 

47 

— 

— 

— 


— 

5 

— 

5 

— 

— 

10 

10 

— 

— 

— 

— 

__ 

5 

— 

3 

— 

— 

8 

8 

— 




4 

10 

2 

23 

— 

— 

39 

39 

— 

— 

1 

— 

— 

1 

— 

6 


— 

7 

7 

— 

— 

— 

— 

— 

2 

— 

4 

— 

— 

6 

6 

— 

— 

16 

3 

1 

6 

4 

7 

— 

— 

18 

15 

(0) 

(0) 

(22) 

(4) 

(8) 

(64) 

(11) 

(53) 

(0) 

(0) 

(136) 

(132) 

— 

— 

8 

— 

2 

11 

— 

1 

1 

2 

17 

17 

— 

— 

4 


2 

7 

1 

9 

— 

2 

21 

21 

(0) 

(0) 

(12) 

(0) 

(4) 

(18) 

(1) 

(10) 

(1) 

(4) 

(38) 

(38) 

— 

— 

2 

— 

22 

33 

28 

20 

3 

3 

109 

109 

— 

— 

37 

4 

12 

37 

6 

13 

3 

— 

71 

67 

(0) 

(0) 

(39) 

(4) 

(34) 

(70) 

(34) 

(33) 

(6) 

(3) 

(180) 

(176) 

1 

4 

3 

212 

20 

280 

319 

237 

354 

151 

187 

1 528 

1 508 


197 


Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Bei einem — durch zeitliche und ökonomische Ge- 
sichtspunkte bedingten — Auswahlverhältnis von 
1 : 2 wurden per quotierter Zufallsstichprobe unter 
Berücksichtigung der Merkmale: 

— Anzahl der belegten Betten, 

— Anzahl der Pflegepersonen, 

— Art der Träger Schaft 

(LWV, Kommunal, privat, Universität), 

— regionale Lage 

17 psychiatrische Einrichtungen ermittelt (vgl. 10, 
A/4: Psychiatrische Einrichtungen in Hessen). 

In diesen 17 psychiatrischen Einrichtungen wurde 
eine Vollerhebung im Sinne aller am Befragungstag 
anwesenden Pflegepersonen angezielt (vgl. Tabelle 
2: Pflegepersonen der aufgesuditen psychiatrischen 
Einrichtungen). 


3 Hauptuntersuchung 

3.1 Kontaktaufnahme mit den einzelnen 
Einrichtungen 

Bereits während der Fragebogenentwicklung wurde 
Kontakt mit den 17 psychiatrischen Einrichtungen 
aufgenommen, und zwar wurden zunächst über die 
Deutsche Krankenpflegezeitschrift alle Pflegekräfte 
Hessens zur Kooperation aufgerufen und anschlie- 
ßend die ärztliche Leitung und die Leitung des Pfle- 
gedienstes jeweils getrennt durch ein Anschreiben 
der Projektgruppe unter Beifügung eines Empfeh- 
lungsschreibens des Hessischen Sozialministers über 
die schriftliche Befragung informiert. 

Zusätzlich wurden die leitenden Krankenhausärzte 
der LWV -Häuser auf einer Konferenz der leitenden 
Krankenhausärzte (LWV Hessen) um ihre Unter- 
stützung gebeten. 

Mit der Pflegedienstleitung erfolgte telefonisch die 
Terminabsprache für den Zeitpunkt der schriftlichen 
Befragung. Zur Information der Pflegekräfte über 
Zweck und Ziel der Untersuchung sowie Bekannt- 
gabe von Zeit und Ort für die Befragung wurden 
kurze Anschreiben an die einzelnen Einrichtungen 
versandt. 

3.2 Situative Bedingungen und Durchführung der 
schriftlichen Befragung in Gruppensituation 

Die Entscheidung hinsichtlich der Beiragungs- 
methode war zugunsten der Vorgabe schriftlich for- 
mulierter Fragen in einer fluktuierenden Gruppen- 
situation gefallen. Diese Erhebungsmethode erschien 
für die vorliegende Fragestellung weitaus geeigne- 
ter als Interviews oder Gruppengespräche. Durch 
die Form der Gruppenbefragung konnten die we- 
sentlichen Nachteile von schriftlichen Befragungen 
weitestgehend ausgeschaltet werden: Unkontrollier- 
barkeit der Erhebungssituation, Unkenntnis der Art 
der Ausfälle, keine Erläuterung der Fragen oder 
nondirektives Nachfragen etc. durch Interviewer 
(vgl. Friederichs 1973, Mayntz 1969, Scheuch 1967). 


Dementsprechend fand die schriftliche Befragung 
in „fluktuierender Gruppensituation" statt: bei stän- 
diger Anwesenheit von zumeist zwei Untersu- 
chungsleitern konnten die Pflegepersonen — je nach 
Abkömmlichkeit von Station — innerhalb eines vor- 
gegebenen Zeitraumes von durchschnittlich vier bis 
fünf Stunden zur schriftlichen Befragung kommen, 
die Fragen beantworten und wieder auf Station zu- 
rückkehren. 

Dabei hatten die beiden Untersuchungsleiter neben 
der Funktion von Administratoren auch diejenige 
von Beratern der Befragten, so daß mangelnde Ver- 
trautheit mit den Befragungsmodalitäten sowie auch 
Verständnisschwierigkeiten in den meisten Fällen 
geklärt und dadurch instruktionswidriges oder lük- 
kenhaftes Beantworten der Fragen meist verhindert 
werden konnte. 

Die Pflegepersonen an den einzelnen psychiatrischen 
Einrichtungen waren von der Pflegedienstleitung 
angesprochen und je nach Dienstplan am jeweiligen 
Befragungstag aufgefordert worden, an der schrift- 
lichen Befragung teilzunehmen. Nur einige wenige 
Pflegepersonen folgten diesen Aufforderungen nicht. 
Insgesamt liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, 
daß es sich bei denjenigen Pflegepersonen, die an 
der schriftlichen Befragung teilnahmen, um eine 
selektive Auswahl handelte. 

Bei der Beantworung der schriftlich formulierten 
Fragen durch die Pflegepersonen ergaben sich ins- 
gesamt kaum Schwierigkeiten. 

Als einzige Quelle des Anstoßes erwies sich die 
Frage nach dem Vaterberuf, da man hier einen Bruch 
der Anonymität vermutete. Jedoch konnten die Un- 
tersuchungsleiter in vielen Fällen diese Bedenken 
zerstreuen, so daß diese Frage zumeist doch in die 
Auswertung einbezogen werden konnte. (Keine An- 
gaben machten 13 °/o der Schüler, 21 Vo der Exami- 
nierten und 27 Vo der Helfer). 

Auf diese Weise konnte am jeweiligen Befragungs- 
tag in den psychiatrischen Einrichtungen in standar- 
disierten, d. h. vergleichbaren Situationen unter 
Ausschaltung einiger sonst schwer vermeidbarer 
Nachteile der schriftlichen Befragung eine optimale 
Anzahl von Daten erhoben werden. 

Am Tage der schriftlichen Befragung wurden zu- 
gleich die Daten der Strukturfragebogen bei der 
Verwaltung sowie die der Krankenpflegeschulen er- 
mittelt. 

3.3 Teilnahme an der schriftlichen Befragung 

über die ohnehin durch Schicht- und Nachtdienst 
bedingte Reduktion der Anzahl der Anwesenden 
im Vergleich zur Anzahl der Beschäftigten fiel der 
Zeitpunkt der Feldarbeit zum großen Teil in die 
Sommerferien Hessens (Juni bis Oktober 1973 
Durchführung der Hauptuntersuchung), so daß durch- 
schnittlich nur 59 ®/o aller am Hause tätigen Pflege- 
personen am jeweiligen Befragungstag angetroffen 
wurden. 

Von diesen am Befragungstag anwesenden Pflege- 
personen konnten mit der schriftlichen Befragung 
81 ®/o (N = 599) erreicht werden (vgl. Tabelle 3: 


198 



Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Teilnahme an der schriftlichen Befragung). Von al- 
len befragten Pflegepersonen entfielen auf; 

die Gruppe der dreijährig Ausgebildeten 44 Vo, 
die Gruppe der Helfer 31 ^/o, 
die Gruppe der Schüler 25 ^/o, 

(vgl. 10, B/1; Verhältnis der Anzahl der befragten 
Pflegepersonen zu . . .), 


Tabelle 3 


Teilnehmer an der schriftlichen Befragung 





Pflege- 


Teilnehmer an der Befragung 

Prozent- 
satz der 
Teilneh- 
mer zu 

Anwe- 
senden 
am Befra- 
gungstag 

Prozent- 
satz der 
Teilneh- 
mer zu 
Pflege- 
personen 
ins- 
gesamt 

Nr. 

Name der 
aufgesuchten 
Einrichtung 

Träger 

Perso- 
nen 
insge- 
samt *) 

Anwesende 
am Tag der 
Befragung 

Exami- 

nierte 

Helfer 

Schüler 

2 






m 

1 w 

m 

w 

m 

w 


1 

Merxhausen 

LWV 

174 

85=48,8 o/o 

13 

10 

3 

20 

5 

16 

67 

78,8 

38,50 

2 

Haina 

LWV 

173 

72 = 41,6 o/o 

24 

4 

20 

6 

3 

— • 

57 

11,1 

32,94 

3 

Weilmünster 

I + II 1) 

LWV 

263 

98 = 37,2»/» 

19 

15 

10 

9 

9 

15 

77 

18,5 

29,21 

4 

Köppern 

LWV 

72 

30 = 41,6»/» 

4 

6 

1 

2 

8 

6 

27 

90,0 

31,50 

5 

Goddelau 

I + IP) 

LWV 

211 

164 = 77,7 o/o 

19 

13 

26 

36 

20 

10 

124 

15,6 

58,16 

6 

Herborn 

LWV 

269 

123 = 45,7 o/o 

23 

22 

4 

13 

13 

27 

102 

82,9 

31,54 




(1 162) 

(537 = 46,2 »/») 

(102) 

(70) 

(64) 

(86) 

(58) 

(74) 

(454) 

(84,5) 


7 

Hohe Mark 

priv. 

47 

17 = 36,1 o/o 

2 

14 

— 

— 

— 

— 

16 

94,1 

34,04 

8 

Amelung 

priv. 

10 

6=60,0»/» 

— 

2 

— 

2 

— 

— 

4 

66,6 

40,00 

9 

Schulze -Kahl. 

priv. 

8 

5=62,5 o/o 


3 


— 

— 

— - 

3 

60,0 

31,50 

10 

Hephata 

priv. 

39 

24=61,5»/» 

2 

4 

3 

11 

1 

2 

23 

95,8 

58,91 

11 

Dickhaut 

priv. 

7 

5=71,4»/» 

— 

1 

— 

2 

— 

— 

3 

60,0 

42,85 

12 

Fischerhof 

priv. 

6 

3 = 50,0»/» 

— 

1 

— 

2 


— 

3 

100,0 

50,00 

13 

Noll-KH 

priv. 

15 

6=40,0 o/o 

— 

3 

1 

1 

— 

— 

5 

83,3 

33,33 




132) 

(66=50,0 »/») 

( 4 ) 

(28) 

( 4 ) 

(18) 

(1) 

(2) 

(57) 

(86,3) 


14 

Ffm-Höchst 

Städt. 

17 

14 = 82,3»/» 

2 

6 


— 

1 

2 

11 

18,5 

64,10 

15 

Kliniken 

Wiesbaden 

Stadt. 

21 

13 = 61,9 o/o 

1 

3 

— 

3 

— 

2 

9 

69,2 

42,85 




(38) 

(27=71,0»/») 

( 3 ) 

( 9 ) 

(0) 

( 3 ) 

(1) 

( 4 ) 

(20) 

(14,0) 


16 

Universität 

Marburg 

I + IP) 

Univ. 

109 

67 = 61,4 o/o 

8 

13 

6 

4 

3 

3 

37 

55,2 

33,94 

17 

Universität 

Frankfurt/M. 

Univ. 

67 

42 = 62,6»/» 

5 

21 

1 

1 

3 

— 

31 

13,8 

1 

46.26 




(176) 1 (109 = 61,9»/») 

1 (13) 

(34) 

1 (7) 

(5) 1 

1 (6) 

(3) 1 (68) 

1 (62,3) 




2: 

1 508 

739=49,0»/» 

122 141 

263 

75 112 

187 

66 83 

149 

599 

81,05 

39,08 


’) ohne EDL und ohne Ausländer 

Diese Einrichtungen wurden zweimal aufgesucht, da beim ersten Besuch entweder überdurchschnittlich wenig 
Pflegepersonen am Befragungstag anwesend waren (Goddelau, Weilmünster) oder überdurchschnittlich wenig 
Pflegepersonen an der Befragung teilgenommen hatten (Marburg). 


199 


Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Bezogen auf die Gesamtzahl aller an den 17 Ein- 
richtungen beschäftigten Pflegepersonen nahmen an 
der schriftlichen Befragung 40 ^/o teil. 

Bezogen auf alle Pflegepersonen in allen hessischen 
psychiatrischen Einrichtungen wurden 28 ®/o schrift- 
lich befragt (vgl. 10, B/2: Prozentualer Anteil der be- 
fragten Pflegepersonen). 

Uber die Zusammensetzung der verhältnismäßig 
kleinen Gruppe von Pflegekräften, die zwar am Be- 
fragungstag anwesend war, aber nicht zur Befragung 
erschien, konnten von der Pflegedienstleitung keine 
genauen Angaben gemacht werden. 

Neben 0,4 ^/o aktiven Verweigerern konnten nach 
Aussagen von Kollegen als mögliche Gründe für die 
Nichtteilnahme gelten: 

— Unabkömmlichkeit von Station wegen schwacher 
Besetzung in der Urlaubszeit, wegen besonderer 
Zwischenfälle, Besprechungen, Schulunterricht; 

— große räumliche Entfernungen zum Befragungs- 
ort, besonders in den LWV-Häusern,- 

— Desinteresse dieser Pflegeperson an der Frage- 
stellung; 

— andere uns nicht bekannte Gründe. 

Es lagen insgesamt jedoch keine Anhaltspunkte da- 
für vor, daß diese Gruppe der Nicht-Teilnehmer in 
irgendeiner charakteristischen Weise besondere 
Merkmale aufwies und näher hätte untersucht wer- 
den müssen. 

3.4 Gruppengespräche mit homogenen 
Helfergruppen 

Die Sichtung der Ergebnisse der schriftlichen Befra- 
gung zeigte einen auffällig hohen Grad von Desin- 
formiertheit bei der Helfergruppe bezüglich aller im 
Fragebogen angesprochener Problemkreise. 

Aus diesem Grunde konzentrierten sich die nach- 
folgenden drei Gruppengespräche allein auf die 
Helfergruppe. Sie fanden im Februar 1974 in den 
PLK's Köppern, Haina und Herborn statt, hatten 
eine durchschnittliche Dauer von IV 2 Stunden, und 
es nahmen insgesamt 41 Pflegepersonen teil. 

Diese Gruppengespräche wurden mit halbstruktu- 
rierten Stimuli bei abschnittweise freiem Lauf des 
Gespräches mit einem Diskussionsleiter und einem 
Protokollanten geführt. Auf diese Weise konnte ein 
größerer Bereich verschiedener spontanerer Reak- 
tionsweisen erfaßt werden als bei der Beantwortung 
schriftlich formulierter Fragen. Auch konnten sich 
die Gesprächspartner untereinander zu detaillierten 
Meinungsäußerungen anregen (vgl, Mangold, 1967), 

3.5 Auswertungsarbeiten 

Während der Feldarbeit wurde parallel der Kode- 
Plan für die drei Fragebogenfassungen erstellt und 
mit dem Verkoden der Antworten begonnen. 

Anschließend wurde eine Zufallsstichprobe von 10 ^/o 
aller verkodeten Fragebögen kontrollverkodet. Die 
fehlerhaft verkodeten Fragen (0,8 ®/o) wurden dar- 
aufhin bei der gesamten Stichprobe überprüft. 


Im Rechenzentrum der Philipps-Universität Marburg 
wurden die verkodeten Antworten auf Lochkarten 
übertragen, aufgelistet und an Hand von Lochlisten 
auf Ablochfehler kontrolliert. 

Parallel zur Erstellung des Auswertungsplanes wur- 
den im Deutschen Rechenzentrum Darmstadt Rechen- 
programme ausgewählt (Programm für einfache 
Häufigkeitsauszählung HÄUF, Autoren: P. Schnell, 
L. Poecker; Programm für zweifache Häufigkeits- 
auszählung HAEU, Autor: F. Gebhardt) und Probe- 
läufe gestartet. 

Nach der Grundauszählung erfolgten Spezialläufe zu 
einigen spezifischen Fragestellungen. 

Die Computer-Ausdrucke wurden nach Durchsicht 
für den Tabellenteil des vorliegenden Berichtes auf- 
bereitet und zusammengestellt. Nach eingehender 
Diskussion der Ergebnisse bildete die Erstellung des 
Berichtes selbst den Abschluß der Arbeiten der Pro- 
jektgruppe A/6. 


4 Strukturdaten 


4.1 Krankenpflegeschulen in den aufgesuchten 
psychiatrischen Einrichtungen 

Die Situation an den Krankenpflegeschulen als Aus- 
bildungsstätten für die zukünftigen Pflegepersonen 
kann als signifikant für den jetzigen Stand der Aus- 
bildung gelten. Dies bezieht sich sowohl auf die 
Krankenpflegeschulen als Organisation und auch 
besonders auf die personelle Situation, vor allem 
auf die Rolle der UnterriditsschwesternZ-pfleger, de- 
ren Einfluß auf die Ausbildung und auch auf die 
Fortbildung interessierte. 

Im folgenden sollen die Krankenpflegeschulen des 
Landes Wohlfahrtsverbandes Hessen betrachtet wer- 
den, in denen die Schüler sich bereits für eine Tätig- 
keit in der Psychiatrie entschieden haben. Dies war 
nicht der Fall bei Schülern in den übrigen Kranken- 
pflegeschulen (mit privatem, kommunalem oder Uni- 
versitäts-Träger), wo sich Schüler für die allgemeine 
Krankenpflege und für die Pflegetätigkeit in der 
Psychiatrie gemeinsam vorbereiten. Auf die daraus 
resultierenden Schwierigkeiten, insbesondere die 
mangelhafte Ausbildung im therapeutischen Umgang 
mit psychiatrischen Patienten, wurde mehrfach — 
zuletzt im Arbeitspapier der DKG vom 13. Dezem- 
ber 1973 — ■ hingewiesen. 

4.1.1 Schüler in ein- und dreijähriger Ausbildung 

Ausbildungsstand und -ziel 

Zur Zeit der Feldarbeit (Juni bis Oktober 1973) wur- 
den in den sechs LWV-Häusern insgesamt 1 313 
Pflegepersonen angetroffen; davon waren 21 ^/o 
Schüler: 

ein Drittel stand in der einjährigen Ausbildung, 
zwei Drittel standen in der dreijährigen Ausbildung 

(vgl. 10, A/5: Strukturdaten der auf gesuchten Kran- 
kenpflegeschulen) . 


200 



Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Dieses prozentuale Verhältnis entsprach in hohem 
Maße der Situation im Bundesland Hessen (vgl. 10, 
A/6: Schüler in der Stichprobe Hessens, im Bundes- 
land Hessen und in der Bundesrepublik Deutsch- 
land). 

Es wich jedoch von der Situation in der Bundes- 
republik Deutschland insofern ab, als in der Bundes- 
republik Deutschland drei Viertel aller Schüler die 
dreijährige Ausbildung durchlaufen, im Bundesland 
Hessen nur zwei Drittel. 

Geschlecht 

Insgesamt standen in den sechs LWV-Häusern 47 Vo 
männliche und 53 ®/o weibliche Schüler in der Aus- 
bildung. 

Im Vergleich zum Bundesland Hessen und zur Bun- 
desrepublik Deutschland bleibt das Zahlenverhältnis 
bei einjähriger und dreijähriger Ausbildung an- 
nähernd gleich. 

Nationalität 

In den sechs LWV-Häusern standen insgesamt nur 
sieben ausländische Schüler in der Ausbildung (drei 
männliche und vier weibliche). Von diesen befan- 
den sich vier in der einjährigen und drei in der 
dreijährigen Ausbildung. 

4.1.2 Angaben zu den Lehrkräften 

Insgesamt arbeiteten an den Krankenpflegeschulen 
der sechs LWV-Häuser 13 Unterrichtsschwestern/ 
-pfleger bei 283 Schülern insgesamt. Die Geschlechts- 
verteilung war annähernd gleich und so auch ver- 
gleichbar zur Geschlechtsverteilung der Unterrich- 
tenden in der allgemeinen Krankenpflege. 

Alle Unterrichtsschwestern und -pfleger der sechs 
LWV-Häuser hatten nach der dreijährigen Ausbil- 
dung eine Ausbildung zur Unterrichtsschwester/ 
-pfleger durchlaufen. Genaue Angaben über die 
eigentliche Qualifikation, die von sechs bis zu 24 
Monaten Ausbildungszeit dauern kann, waren nicht 
erhältlich. 

4.1.3 Gestaltung des Unterrichts 

Die aufgesuchten Krankenpflegeschulen richten sich 
nach dem Lehrplan, der im Krankenpflegegesetz an- 
gegeben ist. 

4.1.4 Stellung der Krankenpflegeschule In der Institution 

Nur zwei der sechs Krankenpflegeschulen des LWV 
besaßen nach eigenen Angaben einen eigenen Schul- 
etat. Seine Höhe wurde mit 3 500 und 4 500 DM pro 
Jahr angegeben. 

Nur vier der sechs Krankenpflegeschulen des LWV 
stellten einen eigenständigen Bereich dar, die an- 
deren beiden unterstanden nach eigenen Angaben 
der Pflegedienstleitung bzw. der Leitung des ärzt- 
lichen Direktors. 


Ausbildung im Fach Psychiatrie gefordert, z. B. 
Schulstationen mit besonderen Pflegefällen; sowie 
generell eine Intensivierung der Aus- und Weiter- 
bildung. 

Hiermit stimmen die Angaben der Unterrichts- 
schwestern/-pf leger mit der mehrfach formulierten 
Kritik überein, der zufolge das Fach Psychiatrie so- 
wie die Fächergruppe psychologische Medizin im 
Katalog der Ausbildungsfächer zu kurz kommen. 

Weiterhin wurde gefordert, daß die Krankenpflege- 
schulen ein eigenständiger Bereich mit eigenem 
Schuletat werden sollten, die Schüler aus dem Stel- 
lenplan ausscheiden sollten und mehr Fachdozenten 
herangezogen werden könnten. 

Insgesamt kommt der Initiative der Unterichts- 
schwestern/-pf leger in den einzelnen psychiatrischen 
Einrichtungen sowohl für die Ausbildung als auch 
für die Fortbildung hohe Bedeutung zu. Diese Ini- 
tiative war derzeit in nur geringem Umfang zu fin- 
den. Für diese Gruppe sollten daher besondere Fort- 
bildungsmöglichkeiten geschaffen werden. 


4.2 Zur Sozialstruktur der befragten 
Personenstichprobe 

Im folgenden soll der Begriff der Sozialstruktur inso- 
fern erweitert werden, als nicht nur persönliche 
Daten der Befragten, sondern auch ihre jeweilige 
Situation am Arbeitsplatz besprochen werden sol- 
len. 

4.2.1 Persönliche Daten 

Geschlecht 

Die Gruppe der befragten Pflegepersonen setzt sich 
zusammen aus 44 ®/o männlichen und 56 Vo weib- 
lichen Personen. 


Alter 


Alter 

Anteil an der 
Gesamtgruppe in ®/o 

unter 25 Jahren 

32 

26 bis 50 Jahre 

53 

über 50 Jahre 

14 


Altersdurchschnitt 



Examinierte 

Helfer 

Schüler 

m 

45 Jahre 

29 Jahre 

24 Jahre 

w 

40 Jahre 

28 Jahre 

20 Jahre 


4.1.5 Wünsche des Unterrichtspersonals 

Die Wünsche und Anregungen der Unterrichtenden 
betrafen zum einen die Gestaltung des Unterrichts: 
es wurde eine bessere, d. h. stärker praxisbezogene 


Knapp ein Drittel aller Pflegepersonen lag so alters- 
mäßig unter 25 Jahren. Mehr als die Hälfte der Be- 
fragten stand zwischen dem 26. und dem 50. Lebens- 
jahr. Nur 14 ®/o waren älter als 50 Jahre. 


201 




Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Religionszugehörigkeit 


Religionszugehörigkeit 

Anteil an der 
Gesamtgruppe in Vo 

evangelisch 

72 

katholisch 

20 

keine oder andere 

7 


Mehr als zwei Drittel aller befragten Pflegepersonen 
waren evangelischer Konfession. 

Familienstand 


Familienstand 

Anteil an 
Gesamt- 
gruppe 
in °/o 

davon 

m 

1 w 

ledig 

32 

21 

79 

verheiratet 

62 

41 

59 

verwitwet, geschieden . 

6 

13 

87 


Der größte Teil der Befragten war verheiratet, 
knapp ein Drittel war ledig. 

Schulbildung 


Art der Schulbildung 

Anteil an 
Gesamt- 
gruppe 
in ®/o 

davon 

m 1 

w 

Volksschule 

77 

38 

39 

Mittlere Reife 

21 

5 

16 

Abitur 

2 

0,7 

1,6 


Insgesamt besaßen die weiblichen Befragten eine 
bessere schulische Vorbildung als die männlichen. 

Bei Berücksichtigung des Ausbildungsgrades fiel auf, 
daß die Gruppe der Schüler prozentual den höchsten 
Anteil an der mittleren Reife aufwies (33 ^/o) ; sie lag 
damit noch über der Gruppe der Examinierten. 

Diesem Trend bei der Schülergruppe ist im weiteren 
Aufmerksamkeit zu schenken. 


Berufliche Tätigkeiten vor der Krankenpflege 

Für . . . Vo der Befragten ist der Pflegeberuf in der 
Psychiatrie der . . . 



Anteil an 
Gesamt- 
gruppe 
in ^/o 

davon 

m 

1 w 

Erstberuf 

48 

62 

38 

Zweitberuf 

12 

21 

6 

Drittberuf und mehr . . 

3 

5 

1 


Von allen befragten Pflegepersonen hatten 63 ®/o 
Vorberufe ausgeübt. 

Von allen befragten männlichen Pflegepersonen 
hatten 87 Vo, von allen befragten weiblichen Pflege- 
personen 45 Vo Tätigkeiten vor der Krankenpflege 
ausgeübt. 

Bei Berücksichtigung des Ausbildungsniveaus zeigte 
sich, daß mit 57 Vo die Helfergruppe den zahlen- 
mäßig größten Anteil an Pflegepersonen mit Vor- 
berufen aufwies, obwohl das durchschnittliche Alter 
dieser Gruppe wesentlich niedriger lag als das der 
Examinierten. Es folgte dann die Schülergruppe 
(54 Vo) und die Examiniertengruppe (23 Vo). 

Nach der zahlenmäßigen Darstellung der Vorberufe 
der Pflegepersonen ist kurz auf die Art der Vor- 
berufe einzugehen: Die Vorberufe aller männlichen 
befragten Pflegepersonen, gleich welchen Ausbil- 
dungsniveaus, erstreckten sich hauptsächlich auf 
handwerkliche und technische Bereiche. 

Im Gegensatz zu den Vorberufen der weiblichen 
Examinierten und Helfer (kaufmännischer und An- 
gestellten-Bereich, hauswirtschaftlicher und hand- 
werklicher Bereich, Tätigkeit als Arbeiterin) standen 
die Vorberufe der weiblichen Schüler dem Kranken- 
pflegeberuf wesentlich näher (pflegerisch-medizi- 
nische Tätigkeit), so daß bei der weiblichen Schüler- 
gruppe nicht in dem Sinne wie bei den weiblichen 
Examinierten und Helfern von einem Wechsel in 
einen anderen Beruf gesprochen werden kann. 

S chichtzugehörigk ei t 

Die Schichtzugehörigkeit der Befragten wurde nach 
dem modifizierten Verfahren der „Sozialen Selbst- 
einstufung (SSE)" (Kleining und Moore, 1968) er- 
mittelt. 

Hierbei sind die verschiedenen Sozialschichten durch 
jeweils „typische" Berufe charakterisiert; die indi- 
viduellen Berufe werden der am ehesten „passen- 
den" Berufsgruppe — und damit der entsprechenden 
sozialen Schicht — zugeordnet. Dabei wird davon 
ausgegangen, daß der Beruf in industriellen Gesell- 
schaften als das bedeutsamste Status- und Prestige- 
kriterium angesehen werden kann. 

Dieses Verfahren umgeht das Problem der ideologi- 
schen Bewertung von Status, da es keine Zuordnung 
des eigenen Berufes zu Schichtnamen verlangt, son- 
dern nur zu anderen Berufen. 

In der vorliegenden Untersuchung hatten die be- 
fragten Pflegepersonen den Beruf des Ehepartners 
und den des Vaters anzugeben. Diese Berufsanga- 
ben wurden bei der Verkodung der Antworten fol- 
genden sechs Schichten zugeordnet: 

Oberschicht, 
obere Mittelschicht, 
mittlere Mittelschicht, 
untere Mittelschicht, 
obere Unterschicht, 
untere Unterschicht. 


202 







Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Die Befragten gehörten folgenden Schichten an: 


Schicht 

Anteil an 
Gcsamt- 
gruppe in ®/o 
(nach Ehe- 
partner- 
beruf *)) 

Anteil an 
Gesamt- 
gruppe in Vo 
(nach Vater- 
beruf) 

obere Mittel- und 
mittlere Mittelschicht . 

4 

6 

untere Mittelschicht . . 

5 

16 

obere Unterschicht . . . 

35 

65 

untere Unterschicht . . . 

2 

3 


*) entfällt für Gruppe der Ledigen 


Der größte Teil der Befragten rekrutierte sich dem- 
nach aus der oberen Unterschicht. 

Vergleicht man die Schichtzugehörigkeit (nach Va- 
terberufen) von Schülern der allgemeinen Kranken- 
pflege und Schülern der psychiatrischen Kranken- 
pflege, so liegen die Schüler, die einen Pflegeberuf 
in der Psychiatrie ergreifen wollen, schichtenmäßig 
deutlich niedriger (vgl. Pinding, Thomae, Kirchlech- 
ner, 1972): 


Schichtzugehörigkeit 
(nach Vaterberufen) 

Schüler der 
allgemeinen 
Kranken- 
pflege 
in ®/o 

Schüler der 
psychiatri- 
schen Kran- 
kenpflege 
in ®/o 

Oberschicht, 
obere Mittelschicht, 
mittlere Mittelschicht . 

30 

5 

untere Mittelschicht . . 

35 

15 

obere Unterschicht, 



untere Unterschicht . . 

26 

73 


Zusammenfassend lassen sich folgende Be- 
sonderheiten hinsichtlich der Sozialstruktur der be- 
fragten Pflegepersonen formulieren: 

— Der größte Teil der befragten Pflegepersonen 
rekrutiert sich aus der oberen Unterschicht. 

— Im speziellen liegt die Gruppe der Schüler der 
psychiatrischen Krankenpflege schichtenmäßig 
deutlich niedriger als Schüler der allgemeinen 
Krankenpflege. 

— Insgesamt weist die Gruppe der weiblichen 
Pflegepersonen eine höhere Schulbildung auf als 


die Gruppe der männlichen Pflegepersonen; 
diese Relation spiegelt sich auch in der Schicht- 
zugehörigkeit wider. 

— Die Gruppe der Schüler zeigt durchschnittlich 
eine höhere Schulbildung auf als Examinierte 
und Helfer. 

— Setzt man die Anzahl mehrerer Vorberufe mit 
als Indikator für eine nicht überlegte und nicht 
gewünschte Berufswahl, so könnte man für die 
Gruppe der weiblichen Pflegepersonen insgesamt 
sagen, daß hier vermutlich eine bewußtere Be- 
rufswahl stattgefunden hat als bei den männ- 
lichen Pflegepersonen. 

— Hinsichtlich der Art der Vorberiife zeigt die 
Gruppe der weiblichen Schüler in ihren Tätig- 
keiten eine besondere Nähe zum therapeutisch- 
ärztlichen Bereich. 


4.2.2 Die Situation der Pflegepersonen am Arbeitsplatz 

Durchschnittliche Beschäftigungsdauer am Kranken- 
haus: 


Examinierte 

Helfer 

Schüler 

1 1 Jahre 

5^/2 Jahre 

2 Jahre 


Im Gegensatz zum allgemeinen Krankenpflegeberuf 
mit einer hohen geographischen Mobilität zeigt sich 
vor allem in der psychiatrischen Krankenpflege die 
Gruppe der Examinierten als besonders stabil. 


Art der Abteilungen 

Zur Zeit der Feldarbeit arbeiten auf . . . Abteilungen: 


Art der Abteilung 

Examinierte 

Helfer 

m 

1 w 

m 

1 w 

offen 

30 

45 

25 

31 

halboffen. 





geschlossen .... 

68 

51 

73 

69 


So arbeitet der größere Teil der weiblichen Exami- 
nierten und der weiblichen Helfer auf offenen Ab- 
teilungen, der größere Teil der männlichen Exami- 
nierten und der männlichen Helfer auf halboffenen 
bzw. geschlossenen Abteilungen. 


203 







Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


5 Ergebnisse der Untersuchung 

Die Art der Trägerschaft der Institutionen war rele- 
vant für die Entscheidung hinsichtlich der Repräsen- 
tativität des Samples, um Pflegepersonen aus allen 
Institutionen, d. h. mit privatem, kommunalem, Uni- 
versitäts- und LWV-Träger zu erfassen. Die Art der 
Trägerschaft stellt aber keinen Faktor dar, der in 
die Differentialdarstellung der Ergebnisse eingehen 
muß. 

5.1 Probleme der Ausbildung für psychiatrisches 
Pflegepersonal 

Im folgenden soll die Beurteilung der durchlaufenen 
Ausbildung in Beziehung zu der gewünschten Aus- 
bildung und zur täglichen Arbeitssituation der Be- 
fragten betrachtet werden. Dabei ist uns bewußt, 
daß Rückerinnerungen an die eigene durchlaufene 
Ausbildung Verzerrungen beinhalten können. 

Die Ergebnisse werden unter Berücksichtigung des 
Ausbildungsgrades der Befragten und anderer Merk- 


male besprochen, die Einfluß auf die jeweiligen Re- 
sultate nehmen. 

Eine Gesamtdarstellung der Ergebnisse erscheint nur 
in einigen wenigen Fällen sinnvoll, in denen es 
nicht so sehr um die durchlaufene Ausbildung geht 
als vielmehr um die Kennzeichnung von Tendenzen 
bei der Inanspruchnahme durch Tätigkeiten. 

Da sich die Helfergruppe in dieser Untersuchung 
aus Pflegepersonen mit einjähriger Ausbildung, 
Ausbildung bis zu einem Jahr und keiner speziellen 
Ausbildung für eine Tätigkeit in der Psychiatrie zu- 
sammensetzte, wurden die Fragen über das Thema 
Ausbildung dieser Gruppe nicht zur Beantwortung 
vorgelegt. Die Befragung darüber wurde in Gruppen- 
gesprächen im Anschluß an die schriftliche Befra- 
gung mit homogenen Helfergruppen durchgeführt 
(vgl. 3.4). 

Daher werden im folgenden ersten Abschnitt „Die 
Ausbildung im Urteil der Befragten" und „Die ge- 
wünschte Ausbildung" nur die Ergebnisse der Exa- 
minierten und der Schüler in ein- und dreijähriger 
Ausbildung dargestellt und besprochen. 


5.1.1 Die Ausbildung im Urteil der Befragten 


Bewertung 

Fach bzw. Bereich 

Anteil an der jeweiligen Gruppe 
in o/o 

Examinierte | Schüler 

in der Ausbildung 
zu kurz gekommen 

Moderne Therapieformen 

Sozialwissenschaftliche Fächer 

Naturwissenschaftliche Fächer 

Psychiatrie 

Familie und Umgebung des Patienten 

Zwischenfälle 

Krankheitslehre 

76 59 

70 32 

59 31 

43 27 

39 47 

37 51 

29 26 

in der Ausbildung 
nicht zu kurz 
gekommen 

Krankheitslehre 

Zwischenfälle 

Psychiatrie 

Familie und Umgebung des Patienten 

Naturwissenschaftliche Fächer 

Sozialwissenschaftliche Fächer 

Moderne Therapieformen 

64 48 

51 34 

50 52 

49 29 

31 32 

20 39 

15 13 


Mehr als drei Viertel der Examinierten und mehr 
als die Hälfte der Schüler beurteilen moderne Thera- 
pieformen als nicht ausreichend besprochen. 

Knapp zwei Drittel der Examinierten halten Krank- 
heitslehre und mehr als die Hälfte der Schüler das 
Fach Psychiatrie für ausreichend abgehandelt. 


204 




Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Eine Aufschlüsselung der Ergebnisse der Examinier- 
ten nach deren Lebensalter zeigt, daß die am häu- 
figsten genannten Gebiete sich in zwei Gruppen 
auf gliedern: 


Mit wachsendem Lebensalter werden in steigendem 
Maße als zu kurz gekommen beurteilt: 


Gebiet 

Lebensalter 

bis 25 Jahre | über 50 Jahre 

in o/o 

Krankheitslehre 

11 

29 

Naturwissenschaftliche 



Fächer 

44 

65 


Mit steigendem Lebensalter werden vermindert als 
zu kurz besprochen beurteilt: 


Gebiet 

Lebensalter 

bis 25 Jahre | über 50 Jahre 

in o/o 

Familie und Umgebung 



des Patienten 

53 

27 

Moderne 



Therapieformen .... 

88 

65 

Psychiatrie 

51 

41 


Es muß als erstaunlich gelten, daß gerade die älte- 
ren Pflegepersonen, deren Ausbildung lange zurück 
liegt, moderne Therapieformen und Familie und Um- 
gebung des Patienten für ausreichend besprochen 
halten. Diese Angaben dürften kaum der Realität 
entsprechen, und es ist vielmehr zu vermuten, daß 
es sich hier um Überzeugtheit von eigener Kompe- 
tenz der älteren und länger am Krankenhaus be- 
schäftigten Pflegekräfte handelt. 

Bei einer Aufschlüsselung der Ergebnisse der Schü- 
ler nach Schulbildung wird deutlich, daß folgende 
Gebiete eher von Schülern mit mittlerer Reife als zu 
kurz gekommen gesehen werden als von Schülern 
mit Volksschulabschluß: 



Schulbildung 

Gebiet 

Volksschule 

mittlere 
Reife und 
Abitur 


in o/o 

Moderne 

Therapieformen .... 

54 

70 

Zwischenfälle 

43 

59 

Familie und Umgebung 
des Patienten 

43 

55 

Sozialwissenschaftliche 
Fächer 

29 

37 


Bei einer Aufschlüsselung der Ergebnisse der Exa- 
minierten nach Schulbildung zeigt sich zwar eine 
ähnliche Tendenz in den Ergebnissen, nicht jedoch 
in derselben Klarheit wie bei der Schülergruppe. 

Aufschlüsselung der Ergebnisse der Schüler nach 
Ausbildungsziel und -stand: 





kam 

kam 

nicht 

weiß 

Bereich 

Ausbildung 

zu 

kurz 

zu 

kurz 

nicht 




in o/o 


1 jährig 

35 

38 

27 

Zwischenfälle 

3 

1. J. 

53 

27 

20 


jäh- 

2. J. 

61 

28 

11 


rig 

3. J. 

55 

33 

12 


1 jährig 

31 

42 

27 

Familie und 











Umgebung 

des 

3 

1. J. 

57 

23 

20 

Patienten 

jäh- 

2. J. 

56 

22 

22 


rig 

3. J. 

67 

18 

15 


1 jährig 

50 

13 

38 

Moderne 






Therapie- 

formen 

1 

3 

jäh- 

1. J. 

53 

10 

37 

2. J. 

61 

11 

28 

1 

rig 

3. J. 

76 

15 

9 


Es werden deutliche Unterschiede in der Beurteilung 
moderner Therapie- und Umgangsformen bei Schü- 
lern in ein- und dreijähriger Ausbildung ersichtlich. 

Besonders auffallend sind die Diskrepanzen der 
Schüler der ein- und dreijährigen Ausbildung in der 
Unentschlossenheit oder Unfähigkeit zur kritischen 
Beurteilung ihrer eigenen Ausbildung: 

Während die Schüler der einjährigen Ausbildung je 
nach Bereich bis zu 50 Vo mit „weiß ich nicht" ge- 
antwortet haben, zeigt sich bei den Schülern der 
dreijährigen Ausbildung eine deutliche Tendenz, 
nach ebenso anfänglicher Unentschlossenheit oder 
Unfähigkeit dann im Laufe der Ausbildungszeit zu 
einer Beurteilung zu gelangen. 

Eine insgesamt ähnliche Tendenz in der Beurteilung 
der Bereiche von Schülern der ein- und der drei- 
jährigen Ausbildung zeigt sich nur für moderne 
Therapieformen, die als ungenügend besprochen be- 
urteilt werden. 

Diskrepanzen treten auf bei Zwischenfällen und 
Familie und Umgebung des Patienten. Diese Be- 
reiche werden von Schülern der einjährigen Aus- 
bildung für ausreichend besprochen gehalten, nicht 
aber von Schülern der dreijährigen Ausbildung. 


205 







Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Schon während der Ausbildungszeit zeigen sich bei 
Schülern in ein- und dreijähriger Ausbildung Diskre- 
panzen in den Einstellungen und Auffassungen über 
die Hauptgewichte im psychiatrischen Pflegeberuf. 

Diese Merkmale der Schüler in der einjährigen Aus- 
bildung (Unentschlossenheit, Unfähigkeit zur Be- 
urteilung) werden später in Zusammenhang mit der 
Problematik der gesamten Helfergruppe weiter be- 
sprochen werden. 

Zusammenfassend läßt sich über die Aus- 
bildung im Urteil der Befragten sagen: 

— Moderne Therapieformen werden von Schülern 
und Examinierten als zu kurz besprochen beur- 
teilt. Die Examinierten halten weiterhin Sozial- 
und Naturwissenschaftliche Fächer für nicht aus- 
reichend besprochen. 

Die Schüler sehen mehr patientennahe Bereiche 
als ungenügend besprochen: Zwischenfälle und 
Familie und Umgebung des Patienten. 

— Ausreichend besprochen ist nach Meinung der 
Examinierten Krankheitslehre und nach Auffas- 
sung der Schüler Psychiatrie. 

— Die Schulbildung hat Einfluß auf die Beurteilung 
der Ausbildung, in besonderem Maße bei den 
Schülern, in ab ge schwächt er Form bei den Exa- 
minierten: 

Die Befragten mit mittlerer Reife und Abitur als 
Schulabschluß beurteilen Gebiete, die die zu- 
künftigen Hauptinhalte der pflegerischen Aus- 
bildung in der Psychiatrie ausmachen, eher als zu 
kurz gekommen als Befragte mit Volksschulab- 
schluß. 

— Das Ausbildungsziel der Schüler (ein- oder drei- 
jährige Ausbildung) nimmt Einfluß auf die Ur- 
teilsfähigkeit hinsichtlich der Ausbildung: 

Bei Schülern der einjährigen Ausbildung findet 
sich ein wesentlich höherer Prozentsatz derer, 
die unfähig sind, die eigene Ausbildung zu be- 
urteilen als bei Schülern der dreijährigen Aus- 
bildung, deren Fähigkeit zur Beurteilung im 
Laufe der Ausbildung zunimmt. Es zeigen sich 
bei Schülern in ein- und dreijähriger Ausbildung 
Diskrepanzen in den Auffassungen über die 
Hauptgewichte im psychiatrischen Pflegeberuf. 

” Das Lebensalter der Examinierten hat Einfluß 
auf die Beurteilung der Ausbildung: 

Je älter die Pflegepersonen sind, um so mehr 
nimmt die Tendenz zu, moderne Therapieformen, 
Familie und Umgebung des Patienten und Psy- 
chiatrie als ausreichend und Krankheitslehre und 
Naturwissenschaftliche Fächer als ungenügend 
besprochen zu beurteilen. 

Diese Angaben lassen vermuten, daß es sich hier 
eher um Überzeugtheit von eigener Kompetenz 
bei älteren Pflegekräften handelt als um reali- 
tätsgemäße Darstellung der eigenen durchlaufe- 
nen Ausbildung. 

Kenntnisse über Zwischenfälle 

Die befragten Examinierten haben ihre Kenntnisse 
über folgende Zwischenfälle hauptsächlich aus der 


psychiatrischen Pflegekundc: Suizide 58 Vo, Fixie- 
rungen 62 Vo, Entweichungen 57 Vo, Todesfälle 53 ®/o. 
Als zweithäufigste Quelle werden Beobachtungen 
von Kollegen angegeben. 

Die befragten Schüler haben ihre Kenntnisse über 
die Zwischenfälle hauptsächlich durch Beobachtun- 
gen von Kollegen erworben (Fixierungen 50 %, Ent- 
weichungen 43 ®/o, Todesfälle 39 ®/o). Lediglich ihre 
Kenntnisse über Suizide stammen überwiegend aus 
der psychiatrischen Pflegekunde (41 %). 

Als zweithäufigste Informationsquelle für Fixierun- 
gen, Entweichungen und Todesfälle wird psychia- 
trische Pflegekunde angegeben, für Suizide Beob- 
achtungen von Kollegen. 

Wenn Zwischenfälle überhaupt in der psychiatri- 
schen Pflegekunde besprochen wurden, dann wur- 
den sie sowohl mit den Schülern der einjährigen 
als auch mit den Schülern der dreijährigen Ausbil- 
dung nach ihren eigenen Angaben meist ausführlich 
besprochen (mit Ausnahme von Todesfällen, die in 
der einjährigen Ausbildung nur gelegentlich er- 
wähnt worden sind). 

Eine Aufschlüsselung der Ergebnisse nach dem 
Lebensalter der befragten Examinierten zeigt, daß 
jüngere Examinierte eher dazu neigen, als Quelle 
Beobachtungen von Kollegen anzugeben. Mit zuneh- 
mendem Lebensalter nimmt dann die Zahl derer zu, 
die als Quelle psychiatrische Pflegekunde angeben. 
Eine ähnliche Tendenz zeigt die Aufschlüsselung 
der Ergebnisse der Examinierten nach Tarifgruppen: 
Mit höherer Tarifgruppe (KR 5 und KR 6 und damit 
in den meisten Fällen höherem Lebensalter) nimmt 
die Häufigkeit ab, Beobachtungen von Kollegen als 
Quelle für die Kenntnisse über Zwischenfälle anzu- 
geben. 

Zusammenfassend läßt sich über die Quelle 
der Kenntnisse von Zwischenfällen folgendes sagen; 

— Als Quelle der Kenntnisse über die genannten 
Zwischenfälle geben die Examinierten vor allem 
psychiatrische Pflegekunde an, wobei Lebens- 
alter und Zugehörigkeit zu bestimmten Tarif- 
gruppen Einfluß auf die Angaben nehmen: 

je jünger die Examinierten sind und je niedrige- 
rem Tarifgruppen sie angehören, umso eher ge- 
ben sie als Quelle Beobachtungen von Kollegen 
an; 

je älter sie sind und je höheren Tarifgruppen sie 
angehören, umso eher geben sie psychiatrische 
Pflegekunde als Quelle an. 

Diese Tendenzen lassen sich mit einer Art Sicher- 
heitsfaktor bei der Gruppe der älteren und besser 
bezahlten Pflegepersonen erklären. 

— Die Schüler haben ihre Kenntnisse über die 
Mehrzahl der Zwischenfälle in erster Linie aus 
Beobachtungen von Kollegen. 

— - Diejenigen Schüler, die als Quelle der Kenntnisse 
von Zwischenfällen psychiatrische Pflegekunde 
angegeben haben, sind der Meinung, daß diese 
dort ausführlich besprochen worden sind. 


206 



Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


5.1.2 Die gewünschte Ausbildung 

Kennzeichnung der drei wichtigsten Gebiete für die 
Ausbildung 

Die Befragten sehen als die drei wichtigsten Ge- 
biete für die Ausbildung an: 


Bereidi 

Examinierte 

Schüler 

Ausführung 
medizinischer 
Maßnahmen . . 

57 «/o (l.Rang) 

48 Vo (l.Rang) 

Beaufsichtigung 
von Patienten , 

34 «/o (2. Rang) 

28 ®/o (2. Rang) 

Erledigung 
von Schreib- 
tischarbeiten . 

21 «/o (3. Rang) 


Umgang mit 
Patienten 

— 

19 Vo (3. Rang) 


Die Examinierten und Schüler halten Ausführung 
medizinischer Maßnahmen und Beaufsichtigung von 
Patienten für besonders wichtige Gebiete in der 
Ausbildung. 

Während die Schüler dann an die dritte Stelle einem 
patientennäheren Bereich besondere Bedeutung zu- 
sdhreiben: Umgang mit Patienten, setzen die Exami- 
nierten an die dritte Stelle: 

Erledigung von Schreibtisdharbeiten. 

Als weniger wichtig für die Ausbildung werden so- 
wohl Aufgaben aus dem Bereich Hausarbeit, als erst 
recht Kontakte mit Besuchern und Beteiligung an 
Arbeits- und Beschäftigungstherapie von allen Be- 
fragten angesehen. 

Die Aufschlüsselung der Ergebnisse der Examinier- 
ten und Schüler nach Lebensalter zeigt für beide 
Gruppen ähnliche Tendenzen: 

Mit steigendem Lebensalter nimmt die Bedeutung 
der Ausführung medizinischer Maßnahmen und der 
Beaufsichtigung von Patienten zu, der Umgang mit 
Patienten jedoch in seiner Bedeutung ab: 




Lebensalter 


Bereich 

bis 25 Jahre 

über 50 Jahre 

Exami- 

nierte 

Schüler 

Exami- 

nierte 

Schüler 



in 

”/o 


Ausführung medizi- 
nischer Maßnah- 
men 

37 

48 

73 

77 

Beaufsichtigung von 
Patienten 

23 

31 

45 

55 

Umgang mit Patien- 
ten 

41 

34 

8 

0 


Eine Aufschlüsselung der Ergebnisse der Examinier- 
ten und Schüler nach Schulbildung zeigt für beide 
Gruppen einen klaren, in gleicher Richtung verlau- 
fenden Einfluß der Schulbildung. 

Folgende Bereiche werden von . . . ®/o der Befragten 
für wichtig erachtet: 



Examinierte 

Schüler 

Bereich 

Volks- 

schule 

Mittlere 

Reife 

Abitur 

Volks- 

schule 

Mittlere 

Reife 

Abitur 



in 

«/o 


Beaufsichtigung von 
Patienten 

36 

28 

16 

5 

Umgang mit Patien- 
ten 

14 

28 

23 

43 


Bei einer Aufschlüsselung der Ergebnisse der Schü- 
ler nach Ausbildungsziel (ein- oder dreijährige Aus- 
bildung) fällt die Beurteilung der beiden folgenden 
Gebiete besonders auf: Eine ähnliche Bewertung 
von Erledigung von Schreibtischarbeiten und Um- 
gang mit Patienten geschieht von Schülern der ein- 
jährigen Ausbildung und Schülern, die im ersten 
Ausbildungsjahr der dreijährigen Ausbildung ste- 
hen. 

Für die Schüler der dreijährigen Ausbildung nimmt 
dann im weiteren Verlauf der Ausbildung die Be- 
deutung der genannten Gebiete zu, wobei die wach- 
sende Bedeutung des Umgangs mit Patienten als 
besonders positive Voraussetzung für eine zukünf- 
tige Tätigkeit in der psychiatrischen Krankenpflege 
zu werten ist, während man in der zunehmenden 
Betonung der Bedeutung von Schreibtischarbeiten 
wohl eher eine realistische Widerspiegelung der 
tatsächlichen Situation wird sehen müssen (vgl. 
5.1.3): 


Bereich 

Schüler 
der ein- 
jährigen 
Ausbil- 
dung 

Schüler der drei- 
jährigen Ausbildung 

im im 

1. Jahr 3. Jahr 

in ®/o 

Erledigung von Schreib- 
tischarbeiten 

14 

25 

13 30 

27 39 

Umgang mit Patienten 


Z u s a m me nfassend läßt sich über die wich- 
tigsten Gebiete der Ausbildung sagen: 

— Die Gemeinsamkeiten in der Beurteilung der 
wichtigsten Gebiete für die Ausbildung seitens 
der Examinierten und Schüler überwiegen die 
Unterschiede: 

Die Ausführung medizinischer Maßnahmen und 
die Beaufsichtigung von Patienten werden von 
beiden Gruppen für besonders wichtig gehalten. 


207 







Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Für Examinierte haben dann Erledigung von 
Schreibtischarbeiten besondere Bedeutung, für 
Schüler der Umgang mit Patienten. 

— Das Lebensalter der Schüler und Examinierten 
nimmt Einfluß auf die Beurteilung der wichtig- 
sten Gebiete für die Ausbildung: 

Je jünger die Schüler und Examinierten sind, um 
so mehr gewinnt der Umgang mit Patienten an 
Bedeutung; je älter sie sind, um so mehr Ge- 
wicht kommt der Ausführung medizinischer 
Maßnahmen und der Beaufsichtigung von Pa- 
tienten zu. 

— Die Schulbildung der Schüler und Examinierten 
zeigt Einfluß auf die Beurteilung der wichtigsten 
Gebiete für die Ausbildung: 

Je höher die Schulbildung der Befragten ist, um 
so weniger Bedeutung kommt der Beaufsichti- 
gung von Patienten und um so mehr Gewicht 
kommt dem Umgang mit Patienten zu. 


— Das Ausbildungsziel der Schüler (ein- oder drei- 
jährige Ausbildung) hat Einfluß auf die Beurtei- 
lung der wichtigsten Gebiete für die Ausbildung: 

Schüler der einjährigen Ausbildung und Schüler, 
die am Anfang der dreijährigen Ausbildung 
stehen, zeigen ähnliche Beurteilungen. Je weiter 
die Schüler der dreijährigen Ausbildung in ihrer 
Ausbildungszeit fortgeschritten sind, um so mehr 
Gewicht gewinnt vor allem der Umgang mit Pa- 
tienten — eine Entwicklung, die als positiv für 
eine zukünftige Tätigkeit in der Psychiatrie ge- 
sehen werden kann. 


5.1.3 Die tägliche Arbeitssituation 

Inanspruchnahme durch Tätigkeiten 

Eine Betrachtung der Ergebnisse aller Befragten 
ohne Berücksichtigung des Ausbildungsgrades ergibt 
folgendes Bild: 


Tätigkeit 

am 

stärksten *) 

am zweit- 
stärksten *) 

am dritt- 
stärksten *) 

2 

Ausführung medizinischer Maßnahmen . 

432 (144) 

220 (110) 

76 ( 76) 

728 

Beaufsichtigung von Patienten 

588 (196) 

212 (106) 

78 ( 78) 

878 

Ordnung und Sauberkeit auf Station, 
Hausarbeit 

435 (145) 

434 (217) 

205 (205) 

869 

Erledigung von Schreibtischarbeiten 

144 ( 48) 

144 ( 72) 

84 ( 84) 

372 

Umgang mit Patienten 

126 ( 42) 

136 

68) 

77 ( 77) 

339 

Arbeits- und Beschäftigungstherapie . . . 

36 ( 12) 

22 ( 11) 

21 ( 21) 

79 

Kontakte mit Besuchern 

6 ( 2) 

20 

10) 

34 ( 34) 

60 


Zum besseren Überblick wurde folgender Punkteschlüssel verwendet: 
am stärksten = 3 Punkte 

am zweitstärksten =" 2 Punkte 

am drittstärksten = 1 Punkt 

Zahlen in Klammern = Anzahl der Befragten, die die jeweilige Tätigkeit an die betreffende Stelle setzten. 


Haupttätigkeiten der Befragten sind also Beaufsich- 
tigung von Patienten, Sorge für Ordnung und Sau- 
berkeit auf Station und Hausarbeit und Ausführung 
medizinischer Maßnahmen. Der Umgang mit Patien- 
ten — der den eigentlichen Kern der psycihiatrischen 
Pflegetätigkeit darstellen sollte — nimmt einen der 
untersten Rangplätze ein. 





Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Eine Aufschlüsselung der Ergebnisse nach dem Aus- 
bildungsgrad der Befragten zeigt, daß Examinierte 
in erster Linie durch die Ausführung medizinischer 
Maßnahmen, Helfer durch Beaufsichtigung von Pa- 
tienten und Schüler durch Sorge für Ordnung und 
Sauberkeit auf Station und Hausarbeit in Anspruch 
genommen sind: 


Tätigkeit 

am am zweit- am dritt- 

stärksten stärksten stärksten 

Ausführung 

medizinischer 

Maßnahmen 

Exami- Exami- — 

nierte nierte 

40 ö/o 21 ö/o 

Beaufsichti- 
gung von 
Patienten 

Helfer — — 

52 »/o 

Sorge für 
Ordnung und 
Sauberkeit 
auf Station, 
Hausarbeit 

Schüler Helfer Exami- 

31 ö/o 53 ö/o, nierte 

Schüler 31 Vo, 

45 ö/o Helfer 

36 ö/o, 
Schüler 

33 ö/o 


Eine Aufschlüsselung der Ergebnisse von Exami- 
nierten und Helfern nach Beschäftigungsdauer am 
jetzigen Krankenhaus macht deutlich, daß sich die 
Helfer bei wachsender Beschäftigungsdauer in ihren 
Tätigkeiten, was die Ausführung medizinischer 
Maßnahmen anbetrifft, an die Examinierten anglei- 
chen: 



Examinierte 

Helfer 

bis über 

1 Jahr 10 Jahre 

bis über 

1 Jahr lOJahre 

in ®/o 

Ausführung medi- 
zinischer Maßnah- 
men (als erste Nen- 
nung) 

42 30 

16 27 


Dieses Ergebnis stützt auch die Aussagen der Helfer 
aus den Gruppengesprächen (vgl. 6.1). 

Eine Aufschlüsselung der Ergebnisse von Exami- 
nierten und Helfern nach dem Lebensalter zeigt für 
beide Gruppen ähnliche Tendenzen in der Beanspru- 
chung durch folgende Tätigkeiten: 



Examinierte 

Helfer 

Tätigkeit *) 

bis 

25 Jahre 

über 

50 Jahre 

bis 

25 Jahre 

über 

50 Jahre 


in Vo 

Beaufsichtigung von 





Patienten 

16 

21 

33 

55 

Umgang mit Patien- 

ten 

28 

10 

24 

0 



*) erste Nennung 


Während mit steigendem Lebensalter die Inan- 
spruchnahme durch Beaufsichtigung von Patienten 
zunimmt, sinkt die Inanspruchnahme durch Umgang 
mit Patienten. 

Eine Aufschlüsselung der Ergebnisse der Exami- 
nierten nach Tarif gruppen (die insgesamt der Auf- 
gliederung nach dem Lebensalter entspricht) macht 
deutlich, daß mit der Zugehörigkeit zu höheren Ta- 
rifgruppen die direkten persönlichen Kontakte zum 
Patienten zugunsten von Verwaltungstätigkeit ab- 
nehmen: 


Tätigkeit *) 

Tarif gruppe 

KR 4 1 KR 6 

in ®/o 

Erledigung von 

Schreibtischarbeiten 

Beaufsichtigung von 
Patienten 

8 22 

28 9 

11 5 

Umgang mit Patienten 


*) erste Nennung 


Zusammenfassend läßt sich über die Tätig- 
keiten von Pflegepersonen in der Psychiatrie fol- 
gendes sagen: 

— Die Haupttätigkeiten von Pflegepersonen in der 
Psychiatrie sind Beaufsichtigung von Patienten, 
Sorge für Ordnung und Sauberkeit auf Station 
und Hausarbeit und Ausführung medizinischer 
Maßnahmen. Der Umgang mit Patienten steht mit 
an letzter Stelle der Rangliste. 

— Im einzelnen führen Examinierte in erster Linie 
medizinische Maßnahmen aus und weiterhin sor- 
gen sie für Ordnung und Sauberkeit auf Station 
und erledigen Hausarbeit. 

— Helfer beaufsichtigen hauptsächlich Patienten 
und sorgen weiterhin für Ordnung und Sauber- 
keit auf Station und erledigen Hausarbeit. 

— Schüler werden hauptsächlich durch Sorge für 
Ordnung und Sauberkeit auf Station und Haus- 
arbeit in Anspruch genommen. 

— Die Beschäftigungsdauer am Krankenhaus, das 
Lebensalter von Examinierten und Helfern und 
die Zugehörigkeit zu bestimmten Tarifgruppen 
von Examinierten haben Einfluß auf die Art der 
Tätigkeiten, die sie ausüben: 

Je länger Helfer am Krankenhaus tätig sind, um 
so mehr führen sie medizinische Maßnahmen aus 
und gleichen sich an die Tätigkeiten der Exami- 
nierten an. 

Die Examinierten ihrerseits verrichten mit wach- 
sender Beschäftigungsdauer am Krankenhaus und 
mit der Zugehörigkeit zu höheren Tarifgruppen 
— und mit wachsender Erfahrung — immer mehr 
Verwaltungstätigkeiten zuungunsten der direk- 
ten persönlichen Kontakte mit den Patienten. 

Vergleicht man abschließend die Bewertung der 
wichtigsten Gebiete für die Ausbildung und damit 


209 








Drucksache 7/4201 Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


die Kennzeichnung der Hauptaufgaben einer Pflege- 
kraft in der Psychiatrie mit den Tätigkeiten, die die 
Pflegekräfte im Stationsbetrieb verrichten, so zeigt 
sich folgendes: 

Die Gruppe der Examinierten sieht die Hauptauf- 
gabe von Pflegepersonen in der Psychiatrie in der 
Ausführung medizinischer Maßnahmen und wird 
auch in erster Linie in der täglichen Arbeit davon in 
Anspruch genommen. 

Für diese Gruppe besteht demnach weitgehende 
Kongruenz zwischen Berufserwartung und täglicher 
Arbeitssituation. 

Konträr gestaltet sich das Bild bei der Schüler- 
gruppe, bei der völlige Diskrepanz zwischen Be- 
wertung der wichtigsten Tätigkeiten für die Ausbil- 
dung und praktischer Ausbildung im Stationsbetrieb 
herrscht: 

Während die Schüler medizinische Maßnahmen, Be- 
aufsichtigung von und Umgang mit Patienten für die 
wichtigsten Gebiete in der Ausbildung zur psychia- 
trischen Pflegekraft halten, werden im Stationsbe- 
trieb hauptsächlich Putzarbeiten von ihnen verrich- 
tet. 

Die Unzufriedenheit der Schüler mit ihrer Ausbil- 
dung spiegelt sich zumindest teilweise darin wider, 
daß mit wachsender Ausbildungszeit der Prozent- 
satz derer immer mehr abnimmt, die anderen zum 
psychiatrischen Pflegeberuf zuraten würden (vgl. 
5.7). Dies muß als um so bedauerlicher gelten, als ge- 
rade die Schülergruppe im Verhältnis zu den ande- 
ren Pflegekräften noch die günstigsten Vorausset- 
zungen für eine Pflegetätigkeit in der Psychiatrie 
mitbringt (Erstberuf, Lebensalter, Schulbildung, 
Hauptaufgaben einer psychiatrischen Pflegekraft). 

Auffallend muß die Annäherung der Tätigkeitsbe- 
reiche der Helfergruppe an die der Examinierten 
bei wachsender Besdiäftigungsdauer am Kranken- 
haus erscheinen, ein Ergebnis, das sich auch in den 
Gruppengesprächen mit homogenen Helfergruppen 
fand und auf das im späteren Zusammenhang noch 
eingegangen werden wird. 

Bei den Examinierten ihrerseits gehen mit steigen- 
der Beschäftigungsdauer am Krankenhaus und wach- 
sender Erfahrung die persönlichen Kontakte mit den 
Patienten zurück zugunsten von Verwaltungstätig- 
keiten. 

Nach den Ergebnissen der vorliegenden Untersu- 
chung kann das Zusammentreffen folgender Voraus- 
setzungen als besonders günstige Bedingung für eine 
Pflegetätigkeit in der Psychiatrie (im Sinne von po- 
sitiven Einstellungen und Bewertungen gegenüber 
modernen Umgangs- und Therapieformen) gelten: 

— Schulabschluß mit Mittlerer Reife und Abitur, 

— Niedriges Lebensalter, was zumeist auch eine 
kurze Beschäftigungsdauer am Krankenhaus be- 
deutet, 

— Abschluß der dreijährigen Ausbildung, 

— Tätigkeit im Stationsbetrieb, d. h. direkte Kon- 
takte mit den Patienten. 


5.2 Die Vermittlung von Theorie und Praxis 

Als bewährte Form der Vermittlung von Theorie 
und Praxis gelten Stations- oder Fallbesprechungen 
und der tägliche Informationsfluß auf Station zwi- 
schen Ärzten und Pflegepersonal. 

5.2.1 Stationsbesprechungen 

Stationsbesprechungen finden nur für 49 ^/o aller 
Befragten statt; davon bestehen 29 % als regel- 
mäßige Einrichtung, 20 Vo finden unregelmäßig statt. 
Bei Aufschlüsselung dieser Ergebnisse nach dem 
Ausbildungsgrad der Befragten wird deutlich, daß 
für Examinierte am häufigsten Stationsbesprechun- 
gen stattfinden: 

Stationsbesprechungen existieren für: 

66 °/o der Examinierten 
30 ®/o der Helfer 
39°/o der Schüler. 

Der Informiertheitsgrad von Examinierten über Sta- 
tionsbesprechungen ist entsprechend höher als der- 
jenige von Helfern und Sdiülern. (27 °/o vs. 68 ®/o, 
61 ®/o, die keine Kenntnisse haben.) 

Bei Aufschlüsselung der Ergebnisse nach der Größe 
der psychiatrischen Einrichtungen (gemessen an der 
Bettenzahl) , zeigt sich, daß in kleineren Häusern häu- 
figer Stationsbesprechungen stattfinden als in grö- 
ßeren: 


Stationsbesprechungen finden statt in Häusern: 



regelmäßig 

in o/o 

bis 599 Betten 

41 24 

23 18 

ab 600 Betten 



Der Informiertheitsgrad der Pflegepersonen über Sta- 
tionsbesprechungen ist in kleineren Häusern höher 
als in größeren (31 ®/o vs. 57 Vo, die keine Kennt- 
nisse haben). 

5.2.2 InformationsfluB zwischen Ärzten und 
Pflegepersonal 

Informationen über Patienten, die Ärzte dem Pflege- 
personal geben. 

Von allen befragten Pflegepersonen erhalten über 
Patienten: 

44 ®/o regelmäßig, 

32 o/o nur in Krisensituationen, 

21 o/o gar keine Informationen von Ärzten. 

Nach Aufschlüsselung der Ergebnisse nach dem 
Ausbildungsgrad der Befragten erhalten ... o/o der 
. . . Informationen über Patienten: 


210 





Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode DrUCkSdChG 7/4201 



Exami- 

nierte 

Keifer 

Schüler 

in ®/o 

regelmäßig 

64 

33 

23 

nur in Krisen- 




situationen .... 

25 

37 

37 


Die Häufigkeit von Informationen, die die Pflege- 
personen in Krisensituationen erhalten, erweist sich 
als statusunabhängig, während die Unterschiede in 
den Häufigkeiten der regelmäßig gegebenen Infor- 
mationen deutlich aussagen, daß die Examinierten 
entscheidend mehr regelmäßige Informationen er- 
halten als Helfer und Schüler. 

Bei Aufschlüsselung der Ergebnisse nach der Größe 
des Krankenhauses (gemessen an der Bettenzahl) 
wird deutlich, daß in kleineren Häusern die Pflege- 
personen öfter Informationen erhalten als in grö- 
ßeren (84 ®/o VS. 74 ®/o) und daß entsprechend in 
kleineren Häusern der Prozentsatz derer, die keine 
Kenntnisse über den Informationsfluß besitzen, ge- 
ringer ist als in größeren (13 Vo vs 23 ®/o). 

Informationen über Patienten, die Ärzte vom Pflege- 
personal holen 

Ärzte holen von . . . Vo aller Pflegepersonen: 

69 ®/o regelmäßig, 

18 ®/o nur in Krisensituationen, 
lOVo gar keine Informationen. 

Bei Aufschlüsselung der Ergebnisse nach dem Aus- 
bildungsgrad der Befragten zeigt sich, daß von den 
Examinierten am häufigsten regelmäßige Informa- 
tionen geholt werden. Die in Krisensituationen ge- 
holten Informationen erweisen sich wiederum als 
statusunabhängig : 



Exami- 

nierte 

Helfer 

Schüler 

in Vo 

regelmäßig 

81 

64 

56 

nur in Krisen- 




situationen .... 

11 

22 

23 


Die Größe der Häuser zeigt keinen besonderen 
Einfluß auf die Häufigkeit, mit der Informationen 
von Ärzten vom Pflegepersonal geholt werden. 

5.2.3 Vermittlung von Theorie und Praxis bei Schülern 

Das theoretische Wissen kann nach Meinung der 
Schüler in folgendem Umfang in der Praxis ange- 
wendet werden: 

35 Vo der Schüler können es meistens anwenden, 
55 Vo nur manchmal, 

10 Vo fast nie. 


Kenntnisse über Zwischenfälle haben die Schüler 
in erster Linie nicht aus der psychiatri sehen Pflege- 
kunde, die sie dann in der Praxis anwenden 
könnten, sondern müssen sich diese aus Beobach- 
tungen von Kollegen selber aneignen (vgl. 5.1.1). 

Die befragten Schüler haben normalerweise zum 
Gespräch mit der(m) Stationsschwester /-pfleg er fol- 
gende Möglichkeiten: 

52 ®/o haben mehrmals bis einmal am Tag, 

47 Vo seltener Gelegenheit zu einem Gespräch. 

Bei Aufschlüsselung dieses Ergebnisses nach Größe 
der Häuser (gerechnet nach Bettenzahl) zeigt sich, 
daß in kleineren Häusern häufiger die Möglichkeit 
zu einem Gespräch besteht als in größeren: 


Bettenzahl 

mehrmals bis seltener 

1 X pro Tag seltener 

in Vo 

bis 599 

62 38 

46 53 

über 600 



Zusammenfassend läßt sich über die Ver- 
mittlung von Theorie und Praxis sagen: 

— Stationsbesprechungen existieren nur für die 
Hälfte aller Befragten, davon für Examinierte 
weitaus häufiger als für Helfer und Schüler. 

— Weniger als die Hälfte aller Befragten erhalten 
von den Ärzten regelmäßige Informationen über 
Patienten, davon Examinierte mehr als Helfer 
und Schüler. 

— Von etwa zwei Drittel aller Befragten holen die 
Ärzte regelmäßige Informationen über Patienten, 
davon von den Examinierten am häufigsten. 

— Nur ein Drittel der Schüler kann das theoretische 
Wissen in der Praxis meist anwenden, mehr als 
die Hälfte der Schüler nur manchmal. 

— Nur die Hälfte aller Schüler hat mehrmals bis 
einmal am Tag die Möglichkeit, mit der /dem 
Stationssdiwester/ -pfleg er zu sprechen. 

— Die besprochenen Formen der Vermittlung von 
Theorie und Praxis finden in kleineren Häusern 
häufiger statt als in größeren. 

— Eine Vermittlung von Theorie und Praxis hin- 
sichtlich der Kenntnisse über Zwischenfälle fin- 
det kaum statt, vielmehr müssen sich die Schüler 
ihr Wissen hauptsächlich aus Beobachtungen von 
Kollegen aneignen. 

Insgesamt zeigt die Vermittlung von Theorie und 
Praxis gerade für die Gruppe der Examinierten 
noch das befriedigendste Bild, obwohl die Ver- 
mittlung von Theorie und Praxis für die Helfer- 
und die Schülergruppe weitaus notwendiger wäre. 

Die Schüler besitzen einen ähnlichen oder noch 
niedrigeren Informationsstand als die Helfer und 
von einer intensiven und gezielten praktischen An- 
leitung der Schüler im Stationsbetrieb kann nicht 
die Rede sein. 


211 






Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


5.3 Bewertung neuer Umgangs- und 
Therapieformen 

Die bewußt harte Formulierung dieser Frage im 
Fragebogen hatte die Funktion, den festen Kern 
der Pflegepersonen herauszukristallisieren, der die 
alte, klassische Psychiatrie vertritt. 

Die Ergebnisse zeigen, daß insgesamt ein Viertel 
aller Befragten unzumutbare Schwierigkeiten für 
das Pflegepersonal bei der Einführung der folgen- 
den Neuerungen sieht: 



für das Pflegepersonal 

Patienten 

unzumutbar 

zumutbar 

erhalten/ 
dürfen . . . 

Exami- 

nierte 

Helfer 

Exami- 

nierte 

Helfer 



in ®/o 


eigene 

Kleidung . . 

13 

18 

78 

68 

Geschirr und 
Besteck .... 

29 

43 

56 

44 

Schreiben 
ohne Zensur 

26 

29 

57 

47 

Mitsprache- 
recht 

21 

38 

56 

38 

Teilnahme an 
Arbeits- und 
Beschäfti- 
gungs- 
therapie . . 

13 

18 

78 

62 


Insgesamt sieht die Helfergruppe mehr unzumut- 
bare Schwierigkeiten für das Pflegepersonal bei der 
Einführung dieser Neuerungen als die Examinierten. 
Entgegen anfänglichen Annahmen lassen die vorlie- 
genden Ergebnisse keinen besonderen Einfluß der 
Merkmale Schulbildung und Lebensalter der Be- 
fragten auf die Beurteilung erkennen. 

Bei Aufschlüsselung der Ergebnisse der Examinier- 
ten nach Beschäftigungsdauer am Krankenhaus wird 
deutlich, daß mit wachsender Beschäftigungsdauer 
„positive" Bewertungen hinsichtlich der Neuerungen 
— mit Ausnahme des Mitspracherechtes — zuneh- 
men: 


Neuerung 

bis 

1 Jahr 

über 

10 Jahre 


in 

Vo 

eigene Kleidung 

64 

80 

Geschirr und Besteck 

18 

55 

Schreiben ohne Zensur 

36 

60 

Arbeits- und Beschäftigungs- 
therapie 

68 

80 

Mitspracherecht 

57 

45 


Entgegen der Meinung von Moll (1973), der glaubt, 
daß längere Beschäftigung mit dem Patienten zu 
einem besseren Verständnis dessen Situation führe, 
glauben wir, daß es sich bei den positiven Bewer- 
tungen bei längerer Beschäftigungsdauer vielmehr 
um eine Art Sicherheitssyndrom bei der Examinier- 
tengruppe handelt, die sich selbst mehr zutraut und 
durch Neuerungen weniger bedroht fühlt als die 
Helfergruppe. 

Daß es sich nicht um tatsächlich positive Bewertun- 
gen dieser Neuerungen handelt, wird auch daraus 
ersichtlich, daß bei der Kennzeichnung der wich- 
tigsten Gebiete für die Ausbildung (vgl. 5.1.2, 
S. 207 f.) moderne Umgangs- und Therapieformen 
an letzter Stelle der Rangliste standen. 

Eine Ausnahme stellt lediglich die Bewertung des 
Mitspracherechtes dar, durch dessen Einführung die 
Patienten möglicherweise diese Sicherheit stören 
könnten und das von den Examinierten mit längerer 
Beschäftigungsdauer eher Ablehnung erfährt. 

Bei Aufschlüsselung der Ergebnisse der Helfer nach 
Beschäftigungsdauer ergibt sich ein andersartiges 
Bild als bei den Examinierten: 


Neuerung 

bis 

1 Jahr 

über 

10 Jahre 


in o/o 

eigene Kleidung 

75 

82 

Geschirr und Besteck 

36 

27 

Schreiben ohne Zensur 

56 

46 

Arbeits- und Beschäftigungs- 
therapie 

64 

64 

Mitspracherecht 

44 

9 


Mit wachsender Beschäftigungsdauer am Kranken- 
haus nehmen lediglich die positiven Bewertungen 
hinsichtlich der Einführung eigener Kleidung zu. 

Die meisten übrigen Neuerungen werden mit wach- 
sender Beschäftigungsdauer eher abgelehnt mit Aus- 
nahme der Arbeits- und Beschäftigungstherapie, die 
in der Bewertung unverändert bleibt. 

Aus diesen Resultaten wird deutlich, daß der Helfer- 
gruppe das Selbstsicherheitsgefühl, das die Exami- 
nierten in so hohem Maße besitzen, fehlt und sie 
sich durch Einführung der Neuerungen verunsichert 
fühlen. 

Diese Ergebnisse der Helfergruppe ergänzen das 
Bild, das sich aus den gesamten Resultaten der vor- 
liegenden Untersuchung ergibt: Unfähigkeit zur Be- 
urteilung der eigenen Ausbildungssituation, hoher 
Desinformiertheitsgrad, Unkenntnis von Fortbil- 
dungsmaßnahmen u. a, m. 


5.4 Weiterbildung für examiniertes Pflegepersonal 

Weiterbildung wurde in der vorliegenden Unter- 
suchung definiert als Erweiterung der beruflichen 
Kenntnisse mit einem formellen Abschluß. 


212 






Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


5.4.1 Kenntnis von Weiterbildungsmaßnahmen und eigene 
Pläne der Examinierten 

Mehr als drei Viertel aller Befragten (77 ^/o) besit- 
zen keine Kenntnisse über mögliche Weiterbil- 
dungsmaßnahmen hinsichtlich einer psychiatrischen 
Zusatzausbildung. 

Nur 7 Vo der Befragten haben bisher eine psychia- 
trische Zusatzausbildung durchlaufen. 

Konkrete Pläne für eine psychiatrische Zusatzaus- 
bildung haben lediglich 8 Vo der Befragten. 

Pläne für andere Weiterbildungsmaßnahmen besit- 
zen 14% der Befragten, hauptsächlich handelt es 
sich hier um die Ausbildung zur(m) Unterrichts- 
schwesterZ-pfleger. 

Die Kenntnis von Weiterbildungsmaßnahmen hin- 
sichtlich einer psychiatrischen Zusatzausbildung, 
diesbezügliche Pläne sowie Pläne für andere Wei- 
terbildungsmaßnahmen stehen in Zusammenhang 
mit Lebensalter und Tarifgruppe der Befragten: 



Lebensalter 

Tarifgruppe 


bis 

25 Jahre 

über 

50 Jahre 

KR 4 

KR 6 



in ®/o 


Kenntnis von 
psychiatrischer 
Zusatzausbildung 

19 

2 

15 

5 

Konkrete Pläne für 
psychiatrische 
Zusatzausbildung 

12 

2 

9 

2 

Pläne für andere 
Weiterbildungs- 
maßnahmen 

30 

2 

18 

7 


Die Gruppe der jüngeren Examinierten zeigt das 
größte Interesse und die meisten Pläne hinsichtlich 
Weiterbildung. 

Mit steigendem Lebensalter steigt das Desinteresse 
an Weiterbildung, das dem Selbstsicherheitsgefühl 
der Examinierten entspricht, aus dem heraus sie eine 
Erweiterung der beruflichen Kenntnisse nicht für 
notwendig erachten. 

5.4.2 Hauptgründe zur Teilnahme an 
Weiterbildungsmaßnahmen 

Als Anreize geben ... % der Examinierten an: 


— selbständigere und veranwortlichere 

Tätigkeit 64 %, 

— ■ bessere Bezahlung nach der Weiterbil- 
dung 30 ®/o, 

— Abwechslung vom Berufsalltag 25 %, 

— Aufstieg und Ansehen 20 %. 


Die Aussicht auf eine selbständigere und verant- 
wortungsvollere Tätigkeit wäre somit Hauptanreiz 
für eine Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen. 


5.4.3 Gründe gegen die Beteiligung an 
Weiterbildungsmaßnahmen 

Insgesamt sehen knapp ein Viertel aller Befragten 
(24 ^fo) keinerlei Hinderungsgründe zur Teilnahme 
an Weiterbildungsmaßnahmen. Von denjenigen 
Examinierten, die Gründe gegen die Beteiligung an 
Weiterbildungsmaßnahmen sehen, gehen ... % an: 


— Verpflichtung gegenüber der Familie . . 42 %, 

— Mehrbelastung durch das Lernen 23 %, 

— Als Erwachsener auf Schulbank sitzen . . 18 %, 

— Arbeitsplatz aufgeben 13 Vo, 

— Widerstände von seiten der Kollegen . . 5 %, 

— schwierigere Arbeit nach der Zusatzaus- 
bildung 2 %. 


Größter Hinderungsgrund zur Teilnahme an Wei- 
terbildungsmaßnahmen wären die Verpflichtungen 
gegenüber der Familie. 

Bei Aufschlüsselung der Ergebnisse nach dem Le- 
bensalter der Befragten wird deutlich, daß familiäre 
Verpflichtungen bis zum 50. Lebensjahr als Hinde- 
rungsgrund ansteigen, nach dem 50. Lebensjahr dann 
wieder abnehmen (bis 25 J.: 30 %, bis 50 J.: 51 %, 
ü. 50 J.: 38 %). 

5.4.4 Bedingungen zur Teilnahme an 
Weiterbildungsmaßnahmen 

Beste Voraussetzungen für eine hohe Teilnahme- 


quote bei Weiterbildungsmaßnahmen wären gege- 
ben, wenn Unterricht und Praktikum am Ort statt- 
fänden, da hier der Haupthinderungsgrund — fami- 
liäre Verpflichtungen — entfällt: 

— Unterricht und Praktikum am Ort 62 Vo, 

— Unterricht am Ort, Praktikum außerhalb 21 Vo, 

— Unterricht außerhalb, Praktikum aber 

am Ort 14 Vo, 

— Unterricht und Praktikum außerhalb . . 26 Vo. 


5.4.5 Opfer für die Teilnahme an Weiterbildungs- 
maßnahmen 

Die Befragten scheinen am ehesten bereit zu sein, 


Freizeit zu opfern: 

— Opfer an Freizeit 27 %, 

— Belastungen durch auswärtigen Unter- 
richtsort 11 %, 

— zusätzliche Ausgaben 6 %, 

— vorübergehende Einkommensminderung 6 %. 


Bei Aufschlüsselung dieses Ergebnisses nach dem 
Lebensalter der Befragten zeigt sich, daß die Be- 
reitschaft, Freizeit zu opfern, mit steigendem Alter 
sinkt (bis 25 Jahre: 40 %, über 50 Jahre: 21 %). 

Zusammenfassend läßt sich über Weiter- 
bildung sagen: 

— 77 % aller Examinierten haben keine Kenntnisse 
über psychiatrische Zusatzausbildungen. 

— 84 % haben keine konkreten Pläne für eine psy- 
chiatrische Zusatzausbildung. 


213 




Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


— 84 ®/o haben keine Pläne hinsichtlich anderer 
Weiterbildungsmaßnahmen. 

— - Kenntnisse und Pläne haben am ehesten jüngere 
Examinierte, die niedrigen Tarifgruppen zuge- 
hören. 

— Größter Anreiz zur Teilnahme an Weiterbil- 
dung s maß nahmen wäre eine selbständigere und 
verantwortungsvollere Tätigkeit nach der Wei- 
terbildung; dieser Anreiz sinkt mit steigendem 
Alter. 

— Knapp ein Viertel aller Befragten sieht keiner- 
lei Hinderungsgründe zur Teilnahme an Weiter- 
bildungsmaßnahmen. 

— Diejenigen Befragten, die Hinderungsgründe 
sehen, nennen familiäre Verpflichtungen als 
größtes Hemmnis zur Teilnahme an Weiterbil- 
dung; dieses steigt bis zum 50. Lebensjahr an. 

— Als günstigste organisatorische Form zur Teil- 
nahme an Weiterbildung gilt, wenn Unterricht 
und Praktikum am Ort stattfinden. 

— Freizeit wird am ehesten für eine Teilnahme ge- 
opfert, wobei diese Bereitschaft mit steigendem 
Alter sinkt. 

Das größte Interesse an Weiterbildung zeigt die 

Gruppe der jüngeren Examinierten. 

5.5 Fortbildungsmaßnahmen für psychiatrisches 
Pflegepersonal 

Fortbildung wurde definiert als jede Form der Er- 
weiterung der Berufskenntnisse. 


5.5.1 Existenz, Kenntnis und Teilnahmequoten 

Die Verbreitesten Fortbildungsmaßnahmen sind 
Filmabende und Vorträge: 


Fortbildungs- 

maßnahme 

Kennt- 

nis 

über 

Exi- 

stenz 

eigene 

Teil- 

nahme 

weiß 

nicht 

gibt es 
nicht 



in ®/o 


Filmabende . . 

30 

15 

14 

34 

Vorträge .... 

41 

18 

14 

27 

Arbeitskreise . 

23 

4 

27 

45 

Besichtigun- 
gen auswär- 
tiger med. 
Einrich- 
tungen .... 

25 

9 

21 

44 

Besichtigun- 
gen ausw. 
psychiatri- 
scher Ein- 
richtungen . 

28 

8 

20 

44 

Einführungs- 
kurse für 
neue Mitar- 
beiter .... 

15 

2 

30 

50 


Dennoch gibt es für knapp die Hälfte aller Befrag- 
ten keine Filmabende und für mehr als ein Drittel 
keine Vorträge. 

Bei Aufschlüsselung der Ergebnisse nach dem Aus- 
bildungsgrad der Befragten zeigt sich: 

— - Examinierte sind über Vorträge und Filmabende 
am besten informiert, gefolgt von den Schülern 
und Helfern (42 Vo, 38 Vo, 34 Vo). 

— Schüler nehmen am häufigsten an Filmabenden 
und Vorträgen teil, gefolgt von Examinierten 
und Helfern (25 Vo, 15 Vo, 11 Vo). 


Kenntnis und Teilnahme an den populärsten Fort- 
bildungsveranstaltungen in Abhängigkeit von der 
Bettenzahl der psychiatrischen Einrichtungen: 


Fortbildungs- 

maßnahme 

Betten- 

zahl 

ja und 
teil- 
genom- 
men 

ja ohne 
Teil- 
nahme 

nein 

weiß 

nicht 

in “/o 

Filmabende 

bis 

599 

Betten 

11 24 46 17 

über 

600 

Betten 

17 45 28 10 

Vorträge 

bis 

599 

Betten 

15 34 34 15 

über 

600 

Betten 

18 44 23 14 

Besichti- 
gungen 
auswärti- 
ger psych- 
iatrischer 
Einrichtun- 
gen 

bis 

599 

Betten 

12 33 37 17 

über 

600 

Betten 

6 25 47 21 


Die Größe des Krankenhauses hat Einfluß auf die 
Art der Fortbildungsmaßnahmen; 

— Filmabende und Vorträge finden in größeren 
Krankenhäusern häufiger statt, sind bekannter 
und werden öfter besucht als in kleineren. 

— Besichtigungen auswärtiger psychiatrischer Ein- 
richtungen finden in kleineren Krankenhäusern 
häufiger statt, sind bekannter und werden öfter 
besucht als in größeren. 

Die Aufschlüsselung der Ergebnisse der Schüler 
nach Ausbildungsziel (ein- oder dreijährige Aus- 
bildung) macht deutlich, daß Schüler der einjährigen 
Ausbildung weitaus weniger an Fortbildungsmaß- 
nahmen teilnehmen als Schüler der dreijährigen 
Ausbildung: 


214 





Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode DrUCkSacIlG 1 


Fortuiluungsmaßndhiiie 

einiähriae 

Filmabende 

Vorträge 

8 »/o 58 «'0 

130/0 46 0/0 


Die Diskrepanzen in den Ergebnissen von Schülern 
der einjährigen und der dreijährigen Ausbildung 
ordnen sich in die bisherigen Ergebnisse dieser 
Gruppe ein und werden besonders im Zusammen- 
hang mit der Problematik der Helfergruppe bespro- 
chen werden. 


Praktische Fortbildungsmaßnahmen im Krankenhaus 


Fortbildungsmaßnahme 

Kennt- 

nis 

über 

Exi- 

stenz 

gibt 

es 

nicht 

weiß 

nicht 



in ®/o 


regelmäßige Fall- 
besprechungen .... 

25 

52 

21 

Austausch von Beob- 
achtungen verschie- 
dener Berufsgruppen 

37 

40 

22 

Systematische Anlei- 
tung (z. B. bei Ein- 
führung neuer Thera- 
pieformen) 

18 

46 

35 


Insgesamt gibt es für . , . Vo aller Befragten: 

— ■ 73 ^^0 keine regelmäßigen Fallbesprechungen, 

— 62 ^/o keinen Austausch von Beobachtungen, 

— 81 ®/ü keine systematische Anleitung. 

Bei Aufschlüsselung der Ergebnisse nach dem Aus- 
bildungsgrad der Befragten zeigt sich, daß die Hel- 
fer am wenigsten über die Existenz von Fortbil- 
dungsmaßnahmen wissen, Schüler und Examinierte 
besser informiert sind (56 Vo, 45 Vo, 42 %). 

Bei Aufschlüsselung der Ergebnisse nach der Größe 
des Krankenhauses zeigt sich, daß in kleineren Häu- 
sern häufiger regelmäßige Fallbesprechungen und 
Austausch von Beobachtungen stattfinden als in grö- 
ßeren; 


Fortbildungsmaßnahme 

bis 599 
Betten 

über 600 
Betten 

in % 

regelmäßige Fall- 
besprechungen ... 

Austausch von 

Beobachtungen .... 

41 12 

49 31 


Fachbücher und Fachzeitschriften als Fortbildung 


Fortbildungsmaßnahme 

Kennt- 

nis 

über 

Exi- 

stenz 

gibt 

es 

nidit 

weiß 

nicht 

in % 

Fachbücher 

31 29 40 

24 41 34 

Fachzeitschriften 


So stehen für mehr als zwei Drittel der Befragten 
keine Fachbücher und für drei Viertel aller Befrag- 
ten keine Fachzeitschriften zur Fortbildung zur Ver- 
fügung. 

Bei Aufschlüsselung der Ergebnisse nach dem Aus- 
bildungsgrad der Befragten ergibt sich: 

— Schüler weisen den niedrigsten Prozentsatz an 
Desinformiertheit auf (29 ®/o). 

— Dieser Prozentsatz liegt bei Examinierten etwas 
höher als bei den Schülern (35 ®/o). 

— Helfer haben den höchsten Prozentsatz an Des- 
informiertheit (42 Vo). 

So sind die Examinierten und Helfer, für die diese 
Art von Fortbildung weitaus notwendiger wäre als 
für die Schüler, am schlechtesten darüber informiert. 

Fortbildungsveranstaltungen außerhalb 
des Krankenhauses 

Knapp zwei Drittel aller Befragten erfahren nichts 
von Fortbildungsveranstaltungen außerhalb des 
Krankenhauses (60%). Von dieser Gruppe entfällt 
auf die Helfer der größte Anteil (79 %). 

Nur ein Fünftel aller Befragten hat bereits an Fort- 
bildungsveranstaltungen außerhalb des Kranken- 
hauses teilgenommen (20%). Hiervon entfällt auf 
die Examinierten der größte Prozentsatz (36%), es 
folgen dann die Schüler (14 %) und die Helfer (4 %). 

Bei Aufschlüsselung der Ergebnisse der Examinier- 
ten nach Beschäftigungsdauer am Krankenhaus zeigt 
sich; 

— Pflegepersonen, die mehr als fünf Jahre am 
Krankenhaus beschäftigt sind, haben häufiger an 
Fortbildungsmaßnahmen außerhalb des Kranken- 
hauses teilgenommen als Pflegepersonen, die 
weniger als fünf Jahre am Krankenhaus beschäf- 
tigt sind (39 ®/o, 27 %). 

Bei Aufschlüsselung der Ergebnisse der Helfer nach 
Beschäftigungsdauer am Krankenhaus zeigt sich ein 
anderes Bild als bei den Examinierten: 

— Pflegepersonen, die bis zu fünf Jahren am Kran- 
kenhaus besdiäftigt sind, haben noch eher an 
Fortbildungsveranstaltungen außerhalb des Kran- 
kenhauses teilgenommen als Pflegepersonen, die 
länger dort beschäftigt sind und die gar nicht 
mehr teilnehmen (16 %, 0 %). 

Aus diesen Ergebnissen wird ersichtlich, daß das 
anfänglich noch vorhandene Interesse von Helfern 


215 







Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


mit wachsender Beschäftigungsdauer immer mehr 
abnimmt und einer resignativen Haltung Platz 
macht. 

Bei Auischlüsselung der Ergebnisse der Examinier- 
ten nach Tarifgruppen wird deutlich: 

— Pflegepersonen^ die niedrigeren Tarifgruppen 
zugehören (KR 4, KR 5j, haben weniger an Fort- 
bildungsveranstaltungen außerhalb teilgenom- 
men als Pflegepersonen, die höheren Tarifgrup- 
pen zugehören (KR 6), (30 ®/o vs. 49 ®/o). 

5.5.2 Organisationsformen der Fortbildungsveranstaltun- 
gen 

Häufigkeit von Fortbildungsveranstaltungen 

Für nur 55 ^lo aller befragten Pflegepersonen finden 
Fortbildungsveranstaltungen überhaupt statt. 

— Für 22 ®/o aller Befragten finden sie mehrmals 
pro Woche oder im Abstand von vier bis 6 Wo- 
chen statt, 

— für 33 aller Befragten seltener. 

Zeit und Ort 

Wenn Fortbildungsveranstaltungen überhaupt statt- 
finden, dann finden sie für ... ®/o aller Befragten 
statt: 

— 29 ®/o im Krankenhaus in der Dienstzeit, 

— 26 ®/o im Krankenhaus außerhalb der Dienstzeit, 

— 7 ®/o außerhalb des Krankenhauses in der 

Dienstzeit, 

— 5 Vo außerhalb des Krankenhauses außerhalb 

der Dienstzeit. 

Der größte Teil der Fortbildungsveranstaltungen 
findet demnach im Krankenhaus, und zwar jeweils 
etwa zur Hälfte innerhalb bzw. außerhalb der 
Dienstzeit statt. 

Auswahlmodi für die Teilnahme an Fortbildungs- 
maßnahmen 

Mehr als die Hälfte aller Befragten besitzt keine 
Kenntnisse über die Auswahlmodi zur Teilnahme 
an Fortbildungsveranstaltungen. 

Von denjenigen Pflegepersonen, die Kenntnisse 
haben, meinen . . . ®/o: 

— 26®/o, pflegerische Vorgesetzte treffen die Aus- 

wahl, 

— 13 ^/o, man könne sich selbst entscheiden, 

— 5 ®/o, Ärzte treffen die Auswahl. 

Abgeltung von Fortbildungsmaßnahmen 

Knapp die Hälfte aller Befragten hat keine Kennt- 
nisse über die Abgeltungsweise von Fortbildungs- 
maßnahmen. 

Von denjenigen Pflegepersonen, die Kenntnisse 
haben, meinen . . , Vo: 

— 29 ®/o, es finde überhaupt keine Abgeltung statt, 

— 22 Vo, die Teilnahme werde mit Freizeit oder 

Überstunden abgegolten. 


Finanzielle Opfer für die Teilnahme an Fortbil- 
dungsveranstaltungen 

Knapp zwei Drittel aller Befragten können keine 
Auskunft darüber geben, ob man für die Teilnahme 
an Fortbildungsmaßnahmen finanzielle Opfer brin- 
gen muß. 

Von denjenigen Pflegepersonen, die Kenntnisse 
haben, meinen . . . Vo: 

— 22 o/o, man müsse keine finanziellen Opfer brin- 

gen, 

— 14 o/o, man müsse finanzielle Opfer bringen. 

5.5.3 Bewertung von Fortbildung 

Sprechen über Fortbildung 

Von allen befragten Pflegepersonen geben ... o/o an: 

— 12 o/o, nie über Fortbildung gesprochen zu haben, 

— 66 ^/o, selten über Fortbildung gesprochen zu 

haben, 

— 21 o/o, oft über Fortbildung gesprochen zu haben. 

Fortbildung im Urteil der Kollegen 

Von allen befragten Pflegepersonen geben ... o/o an, 
daß Kollegen Fortbildung beurteilen: 

— ■ 18 o/o als sehr positiv, 

— 57 ^/o als teilweise positiv, 

— 8 o/o stehen ihr gleichgültig gegenüber, 

— 16 o/o haben noch keine Meinung dazu. 

Fortbildung im eigenen Urteil 

Von allen befragten Pflegepersonen beurteilen 
... o/o Fortbildung: 

— 47 o/o als sehr nützlich oder nützlich, 

— 16 o/o als wenig nützlich oder unnütz, 

— 37 o/o haben keine Meinung dazu. 

In der Tendenz entsprechen sich die Art, in der über 
Fortbildung gesprochen wird und das Urteil der 
Kollegen über Fortbildung. Dazu steht die Beurtei- 
lung der Fortbildung im eigenen Urteil der Befrag- 
ten im Gegensatz; diese fällt wesentlich positiver 
aus und es kann hier nicht ausgeschlossen werden, 
daß es sich bei dieser Antwort eher um eine — im 
Sinne der Fragebogenkonstruktion — „erwünschte" 
und nicht um eine ehrliche Antwort handelt. 

5.5.4 Wünsche zur Fortbildung 

Von allen befragten Pflegepersonen äußerten 15 ®/o 
Wünsche zur Fortbildung; von diesen war jedoch 
ein Teil nicht auswertbar, da sie hinsichtlich der 
Fragestellung irrelevant waren. 

Wünsche der Examinierten 

Fortbildung sollte häufiger stattfinden, die Themen 
sollten mehr auf die praktische Stationsarbeit zuge- 
schnitten sein und die Wünsche des Pflegepersonals 
sollten mehr berücksichtigt werden. 


216 



Deutscher Bundestag — 7, Wahlperiode 


Drucksache 


Fortbildungsmaßnahmen sollten mehr Unterrichtung 
in neuen Umgangs- und Therapieformen, Gesprächs- 
führung und Hinweise für den täglichen Umgang mit 
Patienten beinhalten. Weiterhin wurden Einfüh- 
rungskurse für neue Mitarbeiter gewünscht, eine im- 
merwährende Fortbildung für ausländisches Pflege- 
personal, eine größere Rotation der Schüler, Zutritt 
zum Unterricht für älteres Pflegepersonal, Besichti- 
gungen anderer psychiatrischer Einrichtungen und 
Austausch mit dem dortigen Pflegepersonal. 

Weiterhin sollten Stellenpläne für die Zusatzausbil- 
dung geschaffen werden. 

Wünsche der Helfer 

Das Pflegepersonal sollte besser über Fortbildungs- 
veranstaltungen informiert werden, gesonderte Fort- 
bildungsmaßnahmen für Helfer sowie für alle älte- 
ren Pflegekräfte sollten angeboten werden. 

Fortbildung sollte sich inhaltlich mehr mit neuen 
Umgangs- und Therapieformen und mit Führungs- 
stilen befassen und die Darbietung sollte interessant 
und leicht verständlich sein. 

Zusammenfassend läßt sich über Fortbildungs- 
maßnahmen für psychiatrisches Pflegepersonal sa- 
gen: 

— Filmabende und Vorträge als die verbreitetsten 
Fortbildungsmaßnahmen sind für drei Viertel al- 
ler Befragten vorhanden, bisher hat jedoch nur 
ein Drittel aller Befragten jemals daran teilge- 
nommen. 

— Examinierte sind zwar am häufigsten über diese 
Maßnahmen informiert, Schüler besuchen sie 
aber am meisten. 

— In größeren Krankenhäusern finden häufiger 
Filmabende und Vorträge statt und werden dort 
häufiger besucht als in kleineren. 

— Schüler der dreijährigen Ausbildung nehmen we- 
sentlich häufiger an diesen Fortbildungsmaßnah- 
men teil als Schüler der einjährigen Ausbildung. 

— Regelmäßige Fallbesprechungen, Austausch von 
Beobachtungen und systematische Anleitung gibt 
es für knapp zwei Drittel aller Befragten nicht. 

— In kleineren Krankenhäusern finden diese Maß- 
nahmen häufiger statt als in größeren. 

— Fachbücher und Fachzeitschriften stehen für we- 
niger als ein Drittel aller Pflegepersonen zur Ver- 
fügung. 


— Uber Fortbildungsveranstaltungen außerhalb des 
Krankenhauses erhalten annähernd zwei Drittel 
aller Befragten keinerlei Informationen und vier 
Fünftel haben noch nie daran teilgenommen. 

— Organisationsform der Fortbildung 

Nur für ein Fünftel aller Befragten finden Fort- 
bildungsmaßnahmen mehrmals pro Woche oder 
im Abstand von vier bis sechs Wochen statt, für 
ein Drittel aller Befragten seltener, 

— Der größte Teil der Fortbildungsveranstaltungen 
findet im Krankenhaus statt, und zwar jeweils 
etwa zur Hälfte innerhalb bzw. außerhalb der 
Dienstzeit. 

— Mehr als die Hälfte aller Befragten haben keiner- 
lei Kenntnisse über Auswahlmodi und Abgel- 
tungsweise von Fortbildungsmaßnahmen außer- 
halb des Hauses. 

— Annähernd die Hälfte aller Befragten ist nicht 
darüber informiert, ob man für die Teilnahme an 
Fortbildungsveranstaltungen außerhalb finan- 
zielle Opfer bringen muß. 


5.6 Desinformiertheitsindex der befragten 
Pfiegepersonen 

Um einen Überblick über den Grad der allgemeinen 
Informiertheit über den Informationsaustausch im 
Rahmen der täglichen Arbeitssituation sowie über 
die Fortbildung von Examinierten, Helfern und 
Schülern zu erhalten, wurden die zentralen Fragen 
zu einem (Des)Informiertheitsindex zusammenge- 
stellt. Dieser wurde für jede Frage wie folgt er- 

, “ weiß nicht 

rechnet: 

N 

Aus diesem Desinformiertheitsindex wird ersicht- 
lich, daß die Examinierten den geringsten Prozent- 
satz an Desinformiertheit aufweisen (21 ^lo), dann 
die Schüler folgen (28 ^h) und schließlich die Hel- 
fer, die den höchsten Prozentsatz an Desinformiert- 
heit zeigen (35 ^/o). 

Dieser schlechte Informiertheitsstand der Helfer- 
gruppe stützt die Ergebnisse der schriftlichen Befra- 
gung und die der Gruppengespräche mit homogenen 
Helfergruppen und unterstreicht die Notwendigkeit, 
spezielle Maßnahmen zur Fortbildung der Helfer- 
gruppe zu schaffen: 


217 



Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Desinformiertheitsindex der befragten Pflegepersonen 


Bereich 

Frage 

Examinierte | 

Helfer 

1 Schüler 


in % 


Tägliche 

Arbeitssituation 

Häufigkeit der Informationen, die Ärzte 
vom Pflegepersonal holen 

0,8 

5 

8 


Häufigkeit der Informationen, die Ärzte 
dem Pflegepersonal geben 

0,8 

3 

5 


Existenz von Stationsbesprechungen 

0,8 

21 

19 

Fortbildung 

Wie oft wird über Fortbildung gespro- 
chen 

5 

8 

5 


Gibt es Filmabende 

8 

15 

18 


Gibt es Vorträge 

10 

22 

14 


Gibt es Besichtigungen auswärtiger 
psychiatrischer Einrichtungen 

16 

24 

22 


Gibt es regelmäßige Fallbesprechungen 

17 

26 

24 


Gibt es Austausch von Beobachtungen . . 

16 

28 

26 


Gibt es systematische Anleitung 

27 

45 

40 


Gibt es Fachbücher 

33 

57 

34 


Gibt es Fachzeitschriften 

39 

44 

32 


Wer initiiert Fortbildung 

31 

53 

73 


Wie oft findet Fortbildung statt 

16 

45 

38 


Wann und wo findet Fortbildung statt . . 

13 

40 

27 


Wie wird Fortbildung abgegolten 

40 

58 



Erfahren Sie von Fortbildung außerhalb 

49 

80 

56 


Wer trifft Auswahl für Teilnahme an 
Fortbildung außerhalb 

86 

78 

68 


Muß man für die Teilnahme an Fort- 
bildung außerhalb finanzielle Opfer 
bringen 

48 

86 



Wie äußern sich Kollegen über Fortbil- 
dung 

7 

19 

15 


*) = Frage nicht gestellt 




Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


5.7 Zur Berufszufriedenheit des psychiatrischen 
Pfiegepersonais 

Bei einer Beratung hinsichtlich eines Pflegeberufes 
in der Psychiatrie und in der allgemeinen Kranken- 
pflege würden sich die Befragten folgendermaßen 
verhalten: 



würden zuraten 

würden abraten oder 
sidi raushalten 


Exam. 1 

Helf. 1 

Schü. 

Exam. 1 Helf. | Schü. 




in 

o/o 

zur psychiatri- 
schen Kran- 
kenpflege . 

47 

45 

37 

52 54 61 

zur allgemei- 
nen Kran- 
kenpflege 

64 

60 

64 

35 39 35 


Zum allgemeinen Krankenpflegeberuf würden 63 ®/o 
aller befragten Pflegepersonen zuraten, 37 ®/o wür- 
den sich raushalten oder abraten. 


Zum psychiatrischen Pflegeberuf würden nur 44 
aller Befragten zuraten, 55 Vo würden sich raushal- 
ten oder abraten. 

Bei einer Aufschlüsselung der Ergebnisse der Schü- 
ler der dreijährigen Ausbildung nach Ausbildungs- 
stand wird deutlidi, daß nach dem Ausbildungs- 
beginn der Prozentsatz derer stark ansteigt, die 
zum psychiatrischen Krankenpflegeberuf zuraten 
würden; zu Ende der Ausbildung steigt dagegen 
der Prozentsatz derer stark an, die sich raushalten 
oder abraten würden: 


Ausbildungsstand 

zuraten 

übraten oder 
raushalten 

in Vo 

1. Jahr 

30 

70 

2. Jahr 

67 

33 

3. Jahr 

24 

76 


Mehr als die Hälfte aller Befragten scheint dem- 
nach nicht mit ihrer Tätigkeit in der Psychiatrie in 
dem Maße zufrieden zu sein, daß sie anderen zu 
diesem Beruf zuraten würden. 

Die genauen Gründe hierfür waren nicht Gegen- 
stand der schriftlichen Befragung, d. h. der Aufga- 
benstellung der Projektgruppe. 

Diese Berufsunzufriedenheit jedoch scheint bei Be- 
rücksichtigung folgender Resultate — zumindest 
teilweise — erklärbar zu sein: 

— Wenn knapp zwei Drittel aller befragten Pflege- 
personen einen oder mehrere Vorberufe aus- 
geübt haben (vgl. 4.2.1) und damit wohl in den 
meisten Fällen keine gezielte Berufswahl statt- 
gefunden haben kann (vgl. auch Kukla, S. 78, 
98), 


— wenn Schüler, die — im Vergleich zu Examinier- 
ten und Helfer — noch die günstigsten Voraus- 
setzungen für eine Tätigkeit in der Psychiatrie 
mitbringen, im Laufe ihrer Ausbildungszeit im- 
mer weniger von ihrem zukünftigen Beruf über- 
zeugt sind, 

■ — wenn zumindest Ansätze zu einer Konzeption 
des Pflegepersonals als therapeutische Mitar- 
beiter bei jüngeren und am Beginn ihrer Berufs- 
tätigkeit stehenden Pflegekräfte mit wachsen- 
der Beschäftigungsdauer verschwinden (vgl. 
5.1.2), 

— wenn über ein Viertel aller Befragten keinerlei 
Kenntnisse über den Informationsfluß auf Station 
— eine der Hauptvoraussetzungen für eine ef- 
fektive Stationsarbeit — und Möglichkeiten zur 
Fortbildung haben (vgl. 5.2), 

— wenn die Haupttätigkeiten der Pflegepersonen 
in der Psychiatrie Beaufsichtigung von Patienten, 
Sorge für Ordnung und Sauberkeit auf Station 
und Ausführung medizinischer Maßnahmen sind 
(vgl. 5.1.3), 

dann muß zumindest teilweise die geringe Berufs- 
zufriedenheit der Pflegepersonen in der Psychiatric 
als verständlich erscheinen. 


6 Ergebnisse der Gruppengespräche mit 
homogenen Helfergruppen 

Zu Anlaß und Durchführung der Gruppengespräche 
vgl. 3.4. 

6.1 Ausbildung und tägliche Arbeitssituation 

Insgesamt wurde die durchlaufene Ausbildung kei- 
ner besonders kritischen Betrachtung unterzogen. 

Ein entscheidender Unterschied zwischen ein- und 
dreijähriger Ausbildung wurde nicht oder nur 
schwach gesehen. Nach Meinung der Helfer verfü- 
gen die Examinierten evtl, über mehr Fachwissen 
und über bessere Chancen bei einem Berufswechsel 
in eine andere psychiatrische Einrichtung. 

Entsprechend der Ergebnisse der schriftlichen Befiei- 
gung, daß sich die Tätigkeiten (Ausführung medizi- 
nischer Maßnahmen) der Helfer mit wachsender Be- 
schäftigungsdauer am Krankenhaus an die der Exa- 
minierten angleichen, waren auch die Teilnehmer der 
Gruppengespräche der Meinung, daß sie in der täg- 
lichen Stationsarbeit dieselben Tätigkeiten wie die 
Examinierten verrichteten und daher für sie auch 
kein Anreiz bestünde, sich forzubilden oder gar die 
dreijährige Ausbildung noch anzuschließen. 

Für das Ergebnis der schriftlichen Befragung, daß 
nämlich Helfer viel schlechter informiert sind als 
Examinierte und daß Helfer meist an Stationsbe- 
sprechungen nicht teilnehmen dürfen, wußten sie 
keine sinnvolle Erklärung. 

Die Helfer sahen ihre Gruppe nicht als spezielle 
Berufsgruppe an und besaßen kein kritisches Be- 
wußtsein für ihre Situation. 


219 





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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


6.2 Zur Fortbildung 

Entsprechend der Resultate der schriftlichen Befra- 
gung gaben die Befragten an, daß sie in den meisten 
Fällen keine Informationen über Fortbildungsmaß- 
nahmen innerhalb und noch viel weniger über Fort- 
bildungsmaßnahmen außerhalb des Krankenhauses 
erhielten. 

Die wenigen, ihnen bekannten Fortbildungsange- 
bote, deren Thematik im voraus noch nicht einmal 
bekanntgegeben worden war, seien für sie nicht in- 
teressant gewesen wegen irrelevanter Themen (z. B. 
innere Medizin), die in den seltensten Fällen auf die 
tägliche Arbeitssituation bezogen gewesen wären. 

Die Möglichkeit eines speziellen Fortbildungsange- 
botes für die Helfergruppe wurde zwar begrüßt, doch 
die Befragten waren sich einig, daß vor eigener Ini- 
tiative erst einmal ein fertiges Angebot „von oben" 
abgewartet werden sollte. Eigeninitiative schien 
wenig bekannt oder verlernt zu sein und den Be- 
fragten stand auch keine Person vor Augen, an die 
sie sich mit Vorschlägen oder Problemen wenden 
könnten. 

Insgesamt erschien die Gruppe der Helfer antriebs- 
los und apathisch der eigenen Berufsentwicklung 
gegenüber. Sie verrichten zwar dieselben Tätigkei- 
ten wie die Examinierten, werden dabei aber 
schlechter bezahlt als diese und haben keinerlei Auf- 
stiegschancen, so daß sie in eine resignative Haltung 
verfallen sind. 

Die Ergebnisse der Gruppengespräche mit homo- 
genen Helfergruppen stützen die Resultate der 
schriftlichen Befragung in vollem Maße, 

Fortbildungsmaßnahmen mit interessanter, praxisbe- 
zogener Thematik, in leicht verständlicher Form dar- 
geboten und unter organisatorischen Voraussetzun- 
gen, die es den Pflegepersonen schwer machen, sich 
der Teilnahme zu entziehen, scheinen für die Hel- 
fergruppe unumgänglich. 

Auf diese Weise könnte das Bewußtsein der Helfer- 
gruppe bei ihr selbst für ihre Situation und auch bei 
den Examinierten geweckt werden. 


7 Diskussion der Ergebnisse der 
empirischen Untersuchung 

7.1 Repräsentativität der Ergebnisse 

Bei der Stichprobenauswahl und den Vergleichen 
der hessischen Situation mit derjenigen in der Bun- 
desrepublik Deutschland ergaben sich keinerlei An- 
haltspunkte dafür, daß die Situation Hessens nicht 
auf ein anderes Flächenland und auf die gesamte 
Bundesrepublik Deutschland übertragbar ist (vgl. 
2 . 1 ). 

7.2 Bedingungen der schriftlichen Befragung 

Die prozentuale Beteiligung an der schriftlichen Be- 
fragung in den ausgewählten psychiatrischen Ein- 
richtungen Hessens ergab keine Anhaltspunkte da- 
für, daß eine der drei Gruppen (Examinierte, Helfer, 


Schüler) in besonderem Maße unterrepräsentiert 
war und daß dafür besondere Gründe verantwort- 
lich waren (Examinierte 44 ®/o, Helfer 31 ®/o, Schü- 
ler 25 Vo). Die etwas geringere Beteiligung der Hel- 
fergruppe war darauf zurückzuführen, daß diese 
Gruppe ungeübter in der Beantwortung schriftlich 
formulierter Fragen ist und daher zurückhaltender 
in der Teilnahme an der schriftlichen Befragung. Um 
mögliche Verzerrungen der Ergebnisse aus diesem 
Grunde zu verhindern, wurden nach Abschluß der 
schriftlichen Befragung Gruppengespräche mit homo- 
genen Helfergruppen durchgeführt, deren Resultate 
diejenigen der schriftlichen Befragung in vollem Um- 
fang bestätigten. 

Ein Teil der Gruppe der Schüler hielt sich wegen 
Praktika zur Zeit der Feldarbeit außerhalb des Kran- 
kenhauses auf, so daß sie für eine Befragung nicht 
erreichbar war (vgl. 3.3). 

So können durch die Repräsentativität Hessens für 
ein anderes Flächenland oder die gesamte Bundes- 
republik Deutschland und durch eine ausreichende 
Repräsentation der drei Gruppen in der Stichprobe 
(Examinierte, Helfer, Schüler) ohne entscheidende 
Einschränkungen Rückschlüsse auf die Pflegeperso- 
nen in psychiatrischen Einrichtungen in der Bundes- 
republik Deutschland gezogen werden. 


7.3 Zu den Ergebnissen 

Für die Situation der Psychiatrie speziell in der Bun- 
desrepublik Deutschland liegen aus den letzten Jah- 
ren vor allem die beiden Arbeiten von Kukla (1971) 
und Moll (1973) vor. 

Kukla untersucht die Arbeitssituation von Kranken- 
schwestern in der Psychiatrie und kommt zu folgen- 
dem Ergebnis: 

„Die Orientierungsausrichtung der Krankenschwe- 
stern im Verlauf ihrer Sozialisation in die Berufs- 
rolle läuft auf eine Anpassung an die gegebenen 
Strukturen hinaus, ohne daß die in diesem Prozeß 
auftretenden Friktionen innovative Impulse aus- 
lösen, die verhärtete Strukturen der Institution ver- 
ändern könnten," Er fordert, daß das Pflegepersonal 
— wie die gesamte Psychiatrie, die um ein neues 
Selbstverständnis ringt — seine Orientierung än- 
dern muß; dieses könne jedoch nicht ohne Eingriffe 
in die Strukturen der psychiatrischen Krankenhäuser 
ablaufen. 

Moll untersucht hauptsächlich die Einstellungen des 
psychiatrischen Pflegepersonals zu verschiedenen Be- 
reichen ihres Arbeitsfeldes, vor allem deren kusto- 
diale Haltung gegenüber den Patienten. 

Eine Überprüfung der Stichhaltigkeit der Hypothe- 
sen der vorliegenden Untersuchung an Hand der 
Ergebnisse zeigt folgendes: 

In der vorliegenden Untersuchung sehen die befrag- 
ten Pflegepersonen ihre Hauptaufgaben in der Psy- 
chiatrie in der Ausführung medizinischer Maßnah- 
men und in der Beaufsichtigung von Patienten und 
führen diese Tätigkeiten auch überwiegend in der 
Praxis aus. Es wird zwar angegeben, daß moderne 
Therapieformen in der Ausbildung unzureichend be- 


220 



Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


sprechen worden seien, jedoch werden sie nicht als 
ein zentraler Bereich für den Pflegeberuf in der Psy- 
chiatrie gesehen. 

Demnach sind nach den vorliegenden Ergebnissen 
derzeit keine adäquaten Bedürfnisstrukturen für eine 
Konzeption des Pflegepersonals als therapeutische 
Mitarbeiter vorhanden, an die angeknüpft werden 
könnte. 

Die Vermittlung von Theorie und Praxis in Form 
von regelmäßigen Stations- und Fallbesprechungen, 
systematischer Anleitung bei Neuerungen, speziell 
praktischer Anleitung bei Schülern und Informa- 
tionsfluß zwischen Ärzten und Pflegepersonal auf 
Station muß als nicht ausreichend bezeichnet wer- 
den. 

Fortbildungsveranstaltungen in Form von Filmaben- 
den oder Vorträgen sind zwar vorhanden, jedoch 
nimmt sie nur ein geringer Teil der Pflegepersonen 
wahr. Die Gründe hierfür liegen einerseits in einem 
Desinformiertheitsgrad über Fortbildungsveranstal- 
tungen, in einer irrelevanten Thematik der Ange- 
bote, die zu ungünstigen Zeitpunkten stattfinden — 
andererseits im Desinteresse der Pflegepersonen an 
Fortbildung generell, über die selten und dann nur 
teilweise positiv gesprochen wird. 

Uber Weiterbildungsmaßnahmen ist nur ein ver- 
schwindend kleiner Teil der Pflegepersonen infor- 
miert. Hauptanreiz zur Teilnahme an Weiterbil- 
dungsmaßnahmen wäre eine verantwortungsvollere 
und selbständigere Tätigkeit; Hinderungsgrund sind 
vor allem familiäre Verpflichtungen. Günstige orga- 
nisatorische Voraussetzung wäre eine Durchführung 
von Unterricht und Praktikum am Ort. 


7.4 Ergebnisse nach sozio-demographischen 
Merkmalen 

In der vorliegenden Untersuchung lassen sich — 
ebenso wie in der Untersuchung von Moll — keine 
charakteristischen Merkmale auf Grund einer Grup- 
pierung der Ergebnisse hinsichtlich Geschlecht und 
Familienstand feststellen. 

Dagegen erscheinen Lebensalter (das bei den Ex- 
aminierten nahezu parallel mit der Zugehörigkeit zu 
bestimmten Tarifgruppen verläuft), Art der Schul- 
bildung und Beschäftigungsdauer am Krankenhaus 
wichtiger: 

— Ältere Pflegepersonen bewerten moderne The- 
rapieformen, Familie und Umgebung des Patien- 
ten und Umgang mit Patienten geringer, Ausfüh- 
rung medizinischer Maßnahmen und Beaufsich- 
tigung von Patienten dagegen höher als ihre 
jüngeren Kollegen. 

— Entsprechend beschäftigen sich ältere Pflege- 
personen bei der täglichen Arbeit mehr mit der 
Ausführung medizinischer Maßnahmen und weni- 
ger mit dem Umgang mit Patienten als ihre jün- 
geren Kollegen. 

— Altere Pflegepersonen haben weniger Kenntnisse 
und Pläne hinsichtlich Fort- und Weiterbildungs- 
maßnahmen als jüngere. 


Nach den vorliegenden Ergebnissen haben also 
die älteren und länger am Krankenhaus beschäf- 
tigten Pflegepersonen eine andere Berufskon- 
zeption als die jüngeren und kürzer am Kran- 
kenhaus beschäftigten: 

— Die Älteren, die moderne Therapieformen wäh- 
rend ihrer Ausbildung gar nicht oder nur insuffi- 
zient kennengelernt haben — auch wenn das 
nicht in Erscheinung tritt - — und demzufolge we- 
niger Kenntnisse darin haben, scheinen sich auf 
Gebiete zurückzuziehen, in denen sie ausrei- 
chende Kenntnisse besitzen (medizinische Maß- 
nahmen) und setzen sich so nicht Situationen 
aus, denen sie ausbildungsmäßig nicht gewach- 
sen sind. Dieses Sicherheitsgefühl professionel- 
ler Kompetenz ermöglicht es ihnen, gegenüber 
Neuerungen weniger Widerstände zu äußern; es 
läßt sie aber nicht motiviert sein, an Fort- und 
Weiterbildungsmaßnahmen telizunehmen und so 
ihre Kenntnisse zu erweitern. 

Für die Jüngeren entsteht daraus die Gefahr, sich 
trotz besserer Kenntnisse und einer andersarti- 
gen Berufskonzeption im Laufe ihrer Berufstätig- 
keit an die Auffassungen der Dienstälteren und 
Vorgesetzten anzupassen oder sich anpassen zu 
müssen und auf diese Weise Neuerungen — vor 
allem im Hinblick auf die Methoden im Umgang 
mit Patienten — verhindert werden bzw. von 
ihnen kaum zu erwarten sind (vgl. Kukla). 

Die Art der Schulbildung der befragten Pflegeper- 
sonen prägt die Sicht des eigenen Berufsbildes: 

— Pflegepersonen mit höherer Schulbildung (mitt- 
lere Reife oder Abitur) sehen ihre Hauptaufgabe 
in der Psychiatrie wesentlich mehr in der Aus- 
übung moderner Therapieformen und stehen so 
einer Konzeption des Pflegepersonals als thera- 
peutische Mitarbeiter wesentlich näher als Pfle- 
gepersonen mit Volksschulabschluß. 

Ebenso hat das Ausbildungsziel bei Schülern Ein- 
fluß auf deren Berufsbild; 

— Das Resultat, daß die Schülergruppe ihrer Auf- 
gabe als zukünftige psychiatrische Pflegeperso- 
nen mehr in der Ausübung moderner Therapie- 
formen und damit mehr als therapeutische Mit- 
arbeiter sehen als Examinierte und Helfer, macht 
deutlich, daß diese Bereiche mit der Schüler- 
gruppe intensiver in der Ausbildung besprochen 
wurden und zu einer positiveren Sicht des Be- 
rufsbildes zu führen scheinen. 

Es ist jedoch deutlich darauf hinzuweisen, daß 
die Schülergruppe in Schüler der einjährigen 
und in Schüler der dreijährigen Ausbildung 
unterschieden werden muß, da die Schüler der 
dreijährigen Ausbildung weitaus besser infor- 
miert sind, mehr Fortbildungspläne und eine 
positivere Sicht ihres Berufsbildes haben als die 
Schüler der einjährigen Ausbildung, die insge- 
samt ähnliche Charakteristika besitzen wie ihre 
zukünftige Berufsgruppe, die Helfer, die wohl 
als die „Stiefkinder" unter den Pflegepersonen 
zu bezeichnen sind. 


221 




Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


über den Einfluß der Art des Beschäftigungsver- 
hältnisses der Pflegepersonen (Beamter-Angestell- 
ter) können aus den vorliegenden Ergebnissen kei- 
nerlei Aussagen gemacht werden, da in Hessen nur 
ein sehr geringer Prozentsatz des Pflegepersonals 
verbeamtet ist und diese Gruppe in unserer Studie 
daher völlig unterrepräsentiert ist (im Gegensatz 
beispielsweise zu der Situation in Baden-Württem- 
berg). Beim Landeswohlfahrtsverband Hessen sind 
tätig (Stand Dezember 1973, Angaben vom LWV): 



männlich 

weiblich 

Beamte 

21 15 

1 045 1 213 

Angestellte 


wobei es sich bei den Pflegekräften im Beamtenver- 
hältnis fast ausschließlich um leitendes Pflegeperso- 
nal handelt, die mit dieser Untersuchung nicht er- 
faßt wurden. 

Angaben anderer Bundesländer waren nicht erhält- 
lich, teilweise wurden sie bewußt verweigert. 

Moll vermutet, daß „unter dem Einfluß des größeren 
Lebensalters und der größeren Berufserfahrung der 
Art des Beschäftigungsverhältnisses nicht mehr die 
Bedeutung zukommt, die sich bei jüngerem Personal 
ablesen läßt, daß nämlich beamtetes Pflegepersonal 
— allgemeiner Vorstellung entsprechend — für tra- 
dierte Haltungen bei der Behandlung und Pflege 
von psychisch Kranken eintritt". 

Fort- und Weiterbildungsinteresse von verbeamte- 
ten Pflegepersonen werden in der Untersuchung 
auch bei Moll jedoch nicht untersucht und eine ge- 
sonderte Studie wird in diesem Zusammenhang vor- 
geschlagen. 


8 Praktische Konsequenzen 

Die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung un- 
terstreichen die Notwendigkeit für Veränderungen 
im Bereich der Ausbildung, aber auch der Fort- und 
Weiterbildung in den genannten Berufsgruppen auf 
das deutlichste. 

Diese Bildungsmaßnahmen müssen sämtlich auf die 
täglichen Erfahrungen und Tätigkeiten, insbeson- 
dere auf die Stationsarbeit, bezogen sein. Dieses 
regelmäßige überdenken der täglichen Arbeit und 
der Probleme unter Berücksichtigung von Erfahrun- 
gen anderer Mitarbeiter — das praxisbezogene Ler- 
nen — stellt einen wesentlichen Teil der angestreb- 
ten Aus- und Weiterbildung dar, insbesondere aber 
der Fortbildung. 

8.1 Fortbildung 

Dieses praxisbezogene Lernen soll als Fortbildung 
für alle Berufsgruppen institutionell gesichert sein. 
So sieht die DKG eine gesetzliche Regelung in die- 
sem Bereich vor („Grundsätze" vom 11. Dezember 
1973). 


Damit ist bereits hervorgehoben, daß es sich bei 
Fortbildungsmaßnahmen nicht um eine Luxusein- 
richtung handeln soll, die bei Überfluß in Personal- 
und Finanzbereich erfolgen kann oder bei Schwie- 
rigkeiten ausbleibt. Fortbildung muß vielmehr ge- 
sehen werden als fest integrierter Teil der thera- 
peutischen Arbeit. 

Aus der vorliegenden Untersuchung geht hervor, 
daß Fortbildung diesen Stellenwert bisher nicht be- 
saß; z. B. nahm nur ein sehr kleiner Teil der Pflege- 
personen an Fortbildungsveranstaltungen teil (18 ^/o), 
es wurde nur wenig über Fortbildung gesprochen 
und regelmäßige Fallbesprechungen auf den Abtei- 
lungen waren erschreckend selten (29 ®/o). 

Wenn Fortbildung mehr werden soll als eine Luxus- 
einrichtung, wenn sie vielmehr als praxisbezogenes 
Lernen zur Information und Motivation der Pflege- 
personen beitragen soll, dann halten wir folgende 
Grundsätze für wichtig: 

— Feste organisatorische Integration in das Ar- 
beitsprogramm 

— Praxisbezogene und damit interessante und in- 
teressierende Themen 

— Vermittlung der Fortbildungsinhalte in Sprache 
und Bild in einer allgemeinverständlichen Form 

— Zeitliche Planung der Fortbildung entsprechend 
den Wünschen der Teilnehmer (Schichtende oder 
Schichtüberlappung, möglichst innerhalb der 
Dienstzeit). 

Solche Fortbildungsveranstaltungen sollen etwa ein- 
mal monatlich während einer Stunde in Kurzrefe- 
raten mit anschließender Diskussion über Neuerun- 
gen oder Probleme berichten. 

Durch eine Überprüfung der Fortbildungsveranstal- 
tungen in etwa halbjährigen Abständen durch den 
Fortbildungsinitiator (z. B. durch schriftliche, an- 
onyme Teilnehmerbefragung mit korrespondieren- 
der Notierung der Teilnehmerzahl), verbunden mit 
einer Diskussion über das Fortbildungsangebot, 
kann das Fortbildungsinteresse wesentlich geför- 
dert werden. 

Weiterhin sind auf jeder Station bzw. Abteilung 
Fallbesprechungen anzustreben. Hierbei sollen meh- 
rere Patienten oder ein Patient mit der gesamten 
Behandlungs- und Rehabilitationsproblematik be- 
sprochen werden und zwar aus der Sicht der ver- 
schiedenen therapeutischen Mitarbeiter. 

Auch wenn die Pflegepersonen nur partiell von Sta- 
tion abkömmlich sind, ist deren Teilnahme als wich- 
tiges Angebot für praxisbezogenes Lernen im Team 
ebensosehr zu unterstützen wie aus Gründen einer 
umfassenderen Information aller Mitarbeiter. 

Ein Sonderproblem der Fortbildung stellen die Un- 
terrichtslehrkräfte selbst dar. Da sie im Kranken- 
haus oft nicht die entsprechenden Fortbildungsmög- 
lichkeiten und Anregungen finden, um selbst wieder 
im Fortbildungsbereich initiativ zu werden, sind Be- 
suche anderer psychiatrischer Einrichtungen unter 
dem besonderen Aspekt der Organisation, Durchfüh- 


222 




Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode DrUCkSBChG 7/4201 


rung und Evaluation von Bildungsveranstaltungen 
sehr zu fördern. Diese Besuche sollen eher indivi- 
duell als in Gruppen organisiert sein, um Gastgebern 
und Besuchern den entsprechenden Spielraum zu 
lassen. 

8.2 Die Schülersituation 

Angesichts des Mangels an interessierten und quali- 
fizierten Pflegekräften sind aus der vorliegenden 
Untersudiung zwei Ergebnisse aus dem Schülerbe- 
reich besonders hervorzuheben: 

Zum einen fällt auf, daß die Schüler wesentlich häu- 
figer vom psychiatrisdien Pflegeberuf abraten oder 
sich raushalten als Examinierte und Helfer (61 ®/o vs. 
54 ®/o, 52 %). Dies ist sicherlich als Zeichen ihrer be- 
ruflichen Unzufriedenheit zu werten. 

Zum anderen wird deutlich, daß bei der Feststellung 
der täglichen Aufgaben die drei ersten Plätze von 
„Sorge für Ordnung und Sauberkeit und Hausarbei- 
ten" besetzt werden. Gleichzeitig damit aber sehen 
Schüler Ausführungen medizinischer Maßnahmen, 
Beaufsichtigung, aber auch Umgang mit Patienten 
als die drei wichtigsten Gebiete in der Ausbildung 
an. 

Die Diskrepanz zwischen Ausbildungserwartung der 
Schüler und tatsächlicher Inanspruchnahme während 
der Ausbildung muß in besonderem Maße unter- 
strichen werden. 

Sie ist gekoppelt mit einem nicht gesicherten Schü- 
lerstatus: die Schüler werden eher als bezahlte Sta- 
tionshilfen angesehen und eingesetzt denn als Aus- 
zubildende. Diese Situation mündet in eine globale 
Schülerunzufriedenheit. 

Bei der derzeitigen Personallage kann es sich kein 
Krankenhaus leisten, eine solche Berufsunzufrieden- 
heit bei den Auszubildenden selbst hervorzunifen. 
Als Konsequenzen ergeben sich daraus insbeson- 
dere: 

— Sicherung des Schülerstatus für die Auszubilden- 
den, 

— Feste Zuständigkeiten für praktische Anleitung 
auf der Station (Praxisanleitung), 

— Arbeitseinteilung der Schüler entsprechend 
Schülerstatus. 

8.3 KrankenschwesterZ-pfleger 

8.3.1 Der Bildungsgang „KrankenschwesterZ-pfleger 
(Psychiatrie)^ 

Die deutliche Patientenorientierung von Schülern 
und Pflegekräften am Beginn ihrer Berufstätigkeit 
gegenüber länger Beschäftigten ist als Zeichen für 
vorhandene Kommunikationswünsche und -tenden- 
zen junger Pflegekräfte zu werten. In einem kom- 
plexen Sozialisationsprozeß im Krankenhaus, der 
vorwiegend durch die Nachahmung der leitenden 
Pflegekräfte bestimmt zu sein scheint — und der 
bei Lehrern vergleichbar verläuft (Koch 1972) — 
zieht sich die junge Pflegekraft zunehmend vom 
Patienten zurück an den Schreibtisch. Parallel dazu 


läuft die Erfahrung zum Teil unangenehmer und 
lästiger Patienten, deren Kontakte einerseits gerne 
gemieden werden, die aber andererseits selbst oft 
nur im Umgang mit Pflegepersonen verlerntes So- 
zialverhalten wieder erlernen können. Dieses ge- 
störte Sozialverhalten, das besonders häufig bei 
längeren Krankenhausaufenthalten auftritt und die 
Rehabilitation gefährdet, muß vor allem von der 
Pflegekraft mit Instrumenten der Soziotherapie an- 
gegangen werden. Die Pflegeperson muß eine Sta- 
tion als therapeutisches Mileu erkennen, unterstüt- 
zen und in ihrem alltäglichen beruflichen Handeln 
realisieren können. Dazu ist eine Grundausbildung 
notwendig, die spezielle soziotherapeutische Fertig- 
keiten trainiert. 

Im Grundsatzpapier der DKG vom 11. Dezember 
1973 ist ein Bildungsgang vorgeschlagen, der diese 
Bedingungen erfüllen kann. Im dritten Jahr der 
Grundausbildung kann danach Psychiatrie als 
Schwerpunktgebiet gewählt werden. Diese Kran- 
kenpflegeausbildung bietet die Möglichkeit, die not- 
wendigen Fertigkeiten und Einstellungen an die Per- 
sonengruppe zu vermitteln, die kontakt- und patien- 
tenorientiert zur Ausbildung kommt und bisher nur 
zu oft nach kurzer Zeit den Rückzug an den Schreib- 
tisch oder die Abwanderung in ein anderes Kran- 
kenpflegefach als einzige Möglichkeit ansieht, den 
psychiatrischen Patienten „los zu sein". 

8.3.2 Weiterbildung 

Für Schwestern und Pfleger, die nach Abschluß ihrer 
Ausbildung als StationsschwesternZ-pfleger stilbil- 
dend auf Schüler einwirken, sind Weiterbildungs- 
möglichkeiten nach den Richtlinien der DKG vom 
11. Dezember 1973 anzustreben. Mit diesem Bil- 
dungsgang können besonders verantwortungsvolle 
Aufgaben selbständig von derart ausgebildeten 
FachkrankenschwersternZ-pflegern durchgeführt wer- 
den (vgl. 11,4 Lernzielkatalog, S. 254). 

Dabei müssen die Weiterbildungsmaßnahmen an 
bestimmte beruflidie und materielle Gratifikationen 
gebunden sein, wie sie z. B. schon im 24. Tarif- 
änderungsvertrag zum BAT für angestellte Kranken- 
schwesternZ-pfleger festgelegt sind; für verbeamtete 
Schwestern und Pfleger müßte eine entsprechende 
Zulage ermöglicht werden. Daß hier ein Umdenken 
vom Laufbahndenken in eine „funktionsgebundene 
Allokation" stattfinden muß, soll an dieser Stelle 
ausdrücklich hervorgehoben werden. Der „Luxus- 
charakter" einer Weiterbildung kann am sichersten 
durch derartige Anreize langsam beseitigt werden. 

Die kurrikularen Vorarbeiten einer so gearteten 
Weiterbildung liegen bereits vor. Zum gegenwär- 
tigen Zeitpunkt ist zur Durchsetzung folgendes zu 
fordern: 

— Laufende Informationen in allen Zeitschriften der 
Krankenpflege über bestehende und geplante 
Weiterbildungsmöglichkeiten, 

— Regionale Zusammenschlüsse von Krankenan- 
stalten zu dem Zweck, Weiterbildunglehrgänge 
zu schaffen (siehe DKG-Richtlinien), 


223 



Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


— Vorbereitung und Unterstützung der Maßnah- 
men durch Schaffung einer Filmdokumentation 
zur Unterrichtsunterstützung; Projekt „Filmmate- 
rial zur Weiterbildung zur Psychiatrischen Fach- 
schwesterZ-pfleger". 

8.4 Bildungsmaßnahmen im Bereich der 
Krankenpflegehilfen 

Die Gruppe der einjährig oder kürzer Ausgebilde- 
ten in der Psychiatrie ist inhomogen hinsichtlich 
Alter, beruflicher Biographie, Laufbahnwünschen 
und Lernfähigkeit. 

Sie setzt sich zusammen aus der Gruppe, 

— die eine dreijährige Ausbildung abgebrochen 
haben, 

— von Frauen und Männern, die einen therapeuti- 
schen Zweitberuf nach anderen beruflichen Tätig- 
keiten in einem höheren Lebensalter ohne län- 
gere Ausbildung beginnen wollen, u. U. neben 
der Fortführung von Haushalt oder Landwirt- 
schaft, 

— der Ausländer und Ersatzdienstleistenden, die in 
der vorliegenden Untersuchung nicht ausführlich 
berücksichtigt wurde. 

Die Situation dieser Berufsgruppe ist gekennzeich- 
net durch schlechtere Aufstiegschancen und schlech- 
tere Bezahlung (im Höchstfall KR 3) gegenüber den 
Examinierten — bei einem Tätigkeitsfeld, das jeden- 
falls von der Helfergruppe selbst als im wesent- 
lichen gleichartig mit dem der Examinierten gesehen 
wird. Die Haltung, die sich in dieser Gruppe vor- 
herrschend zeigte, läßt sich am ehesten mit Apathie 
kennzeichnen. 

Im Sektor der Krankenpflegehilfe schlagen wir da- 
her gezielte Bildungsmaßnahmen auf verschiedenen 
Ebenen vor: 

8.4.1 Psychiatriespezifische Grundausbiidung für 
Krankenpfieger 

In der vorliegenden Untersuchung bezeichnen die 
Krankenpflegehelfer Beaufsichtigung des Patienten 
als ihre Hauptaufgabe, während der therapieorien- 
tierte Umgang mit dem Patienten nur sehr wenig 
Bedeutung für sie besitzt. 

Der Umgang mit dem Patienten, nicht seine isolie- 
rende Verwaltung, ist aber die Verhaltensorientie- 
rung, die in einer patientenorientierten Psychiatrie 
gefordert ist. Sie setzt erlernbare Fertigkeiten, Ein- 
stellungen und Kenntnisse voraus. 

Zur Verwirklichung dieser Forderungen schlagen 
wir die psychiatriespezifische Grundausbildung für 
Pflegehelfer vor. 

Diese einjährige Ausbildung wird u. a. empfohlen, 
um die Arbeitsmarktlage mit Kapazitäten bei er- 
wachsenen verheirateten Frauen zu nutzen. Bei die- 
ser Personengruppe wird aus familiären Gründen 
bei der Arbeitsaufnahme bereits ein bestimmtes 
Krankenhaus als Arbeitsplatz angestrebt. 

Mobilität in die allgemeinen Krankenpflege hinein 
ist von dieser Gruppe nicht zu erwarten. Meist ist 


sie nicht gewillt, eine relativ lange Ausbildung in 
höherem Lebensalter zu absolvieren. 

Daher ist an der bisherigen Ausbildungszeit von 
nur einem Jahr festzuhalten, diesen Zeitraum aber 
besser als bisher für eine möglichst praxisrelevante 
Ausbildung zu nutzen, die damit stärker als bisher 
psychiatriebezogen sein muß (vgl. 11.5 Ausbildungs- 
ziele). 

Die gesetzlichen Voraussetzungen für den Heilhilfs- 
beruf des psychiatrischen Krankenpflegehelfers sol- 
len geschaffen werden. 

8.4.2 Weiterbildung für Krankenpflegehelfer 

Die Durchlässigkeit des bisherigen Bildungsabschlus- 
ses „Krankenpflegehelfer" zum staatlich anerkann- 
ten Krankenpfleger ist im Grundsatzpapier der DKG 
gefordert und wird durch die Ergebnisse der vorlie- 
genden Untersuchung unterstrichen. 

Für einen Teil der Pflegehelfer können berufsquali- 
fizierende Lehrgänge die Laufbahnmöglichkeiten des 
Krankenpflegers eröffnen und so für interessierte 
Helfer den KrankenpflegerZ-schwester über den 
„zweiten Bildungsweg" ermöglichen. Die entspre- 
chenden Schritte für die Durchführung solcher Über- 
gangsmaßnahmen sind zu planen. 

Nur vielfältige Maßnahmen zur Veränderung der 
Aus-, Fort- und Weiterbildung, verbunden mit 
Öffentlichkeitsarbeit, können langfristig die thera- 
peutische Berufsorientierung und das Image des 
psychiatrischen Pflegepersonals verbessern. Dabei 
müssen die soziotherapeutischen Behandlungsfor- 
men und die zugehörigen Einstellungen wie Respekt 
und Anteilnahme im Mittelpunkt der Bildungsmaß- 
nahmen stehen. 


9 Zusammenfassung 

Ziel der Untersuchung war es; 

1. eine Bestandsaufnahme über die Qualität der 
Ausbildung zu liefern, wie sie die Pflegeperso- 
nen besitzen, die heute in der Psychiatrie tätig 
sind, 

2. deren Berufskonzeption zu ermitteln und 

3. Informationen über Fort- und Weiterbildungsan- 
gebote zu gewinnen, soweit sie im Bewußtsein 
des Pflegepersonals präsent waren. 

Zu diesem Zweck wurden Pflegepersonen, Kranken- 
pflegesdiulen und Verwaltungen mit geeigneten 
Fragebögen, die entwickelt und vorgetestet worden 
waren, befragt. Der schriftlichen Befragung — mit 
getrennten Fragebögen für Examinierte, Kranken- 
pflegehelfer und Schüler — gingen Gruppengesprä- 
che voraus (Materialsammlung). Nach Abschluß der 
schriftlichen Befragung wurde durch Gruppengesprä- 
che nochmals die spezielle Problematik einer Ausbil- 
dungsstufe, nämlich der Helfergruppe, geklärt. 

Die Entscheidung über die Auswahl der Stichprobe 
für die schriftliche Befragung fiel aus organisato- 
rischen Gründen auf das Bundesland Hessen, nach- 


224 



Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


dem sich keine Anhaltspunkte dafür ergeben hatten, 
daß sich die Strukturdaten von Hessen wesentlich 
von denen eines anderen Flächenlandes der Bundes- 
republik Deutschland unterschieden. 

An der schriftlichen Befragung nahmen 599 Pflege- 
personen aus 17 hessischen psychiatrischen Einrich- 
tungen verschiedener Trägerschaft, Größe (gemessen 
an Bettenanzahl) und regionaler Lage teil. 

Die Beantwortung der schriftlich formulierten Fra- 
gen geschah am jeweiligen Befragungstag in den 
psychiatrischen Einrichtungen in fluktuierender 
Gruppensituation unter Anleitung von je zwei Un- 
tersuchungsleitern. 

Die Zusammensetzung der Stichprobe hinsichtlich 
Geschlecht und Ausbildungsniveau entsprach im 
wesentlichen der Situation im Bundesland Hessen 
sowie auch derjenigen in der Bundesrepublik 
Deutschland insgesamt, so daß hinsichtlich der Re- 
präsentativität der Ergebnisse kaum wesentliche Ein- 
schränkungen gemacht werden müssen. 

Die Ergebnisse der schriftlichen Befragung wurden 
nach soziodemographischen Merkmalen und Struk- 
turdaten aufgeschlüsselt und ausgewertet. Dabei 
zeigte sich folgendes: 

— Mehr als die Hälfte aller Befragten hatte beruf- 
liche Tätigkeiten vor der psychiatrischen Kran- 
kenpflege ausgeübt, die zumeist keinerlei Bezug 
zum pflege risch- ärztlichen Bereich hatten (vgl. 
Hemprich und Kisker); daraus kann der Schluß 
gezogen werden, daß der Krankenpflegeberuf in 
der Psychiatrie kein bewußt angestrebter oder 
primär gewünschter Beruf für diese Gruppe ist. 
Als ein Index für die Berufsunzufriedenheit des 
psychiatrischen Pflegepersonals kann das Resul- 
tat gelten, daß sich mehr als die Hälfte aller Be- 
fragten bei einer Beratung über den psychia- 
trischen Pflegeberuf jeder Stellungnahme enthal- 
ten würden oder sogar abraten, 

— Ihre Hauptaufgabe in der psychiatrischen Kran- 
kenpflege sehen die Befragten in der „Ausfüh- 
rung medizinischer Maßnahmen" und in der „Be- 
aufsichtigung von Patienten". Wenngleich ange- 
geben wird, daß moderne Therapieformen in der 
Ausbildung nicht ausreichend besprochen wor- 
den seien, hatte dieser Bereich doch im Bewußt- 
sein der Befragten keine große Bedeutung, so 
daß er nicht als ein wesentlicher Bestandteil der 
psychiatrischen Krankenpflege empfunden wurde. 
Vielmehr erscheint er mit an letzter Stelle der 
Rangliste. 

Dem entspricht auch, daß bei der Einführung 
moderner Umgangs- und Therapieformen (z. B. 
eigene Kleidung, freier Postverkehr und sozio- 
therapeutische Maßnahmen) ein Viertel aller Be- 
fragten unzumutbare Schwierigkeiten für das 
Pflegepersonal sahen. 

— Die tägliche Arbeit im psychiatrischen Pflege- 
beruf bestand derzeit hauptsächlich aus „Beauf- 
sichtigung von Patienten", „Ausführung medizi- 
nischer Maßnahmen", „Sorge für Ordnung und 
Sauberkeit auf Station sowie Hausarbeit" — letz- 
teres wurde fast ausschließlich von der Schüler- 
gruppe ausgeführt. 


Der direkte Umgang mit dem Patienten, sei es 
bei der Haushaltsführung oder bei Spielen, Sport, 
Gruppenaktivitäten oder Gesprächen, der als 
wesentliche psychiatrisch-pflegerische Tätigkeit 
anzusehen ist, stand an letzter Stelle der Rang- 
liste. 

Dabei ist hervorzuheben, daß unter den Pflege- 
personen die Schüler den „Umgang mit dem Pa- 
tienten" zwar selten, aber doch häufiger als 
ältere Berufskollegen für wichtig erachteten. Die 
vorliegenden Ergebnisse zeigen, daß diese an- 
fängliche Kontaktbereitschaft der Schüler inner- 
halb der Ausbildungszeit nicht systematisch ge- 
fördert und therapeutisch nutzbar gemacht wird, 
sondern verkümmert und mit zunehmendem 
Dienstalter abnimml. Der Einsatz der Schüler zu 
Putzarbeiten in erheblichem Ausmaß ist — eben- 
so wie die vorherrschende Tätigkeit der bereits 
Ausgebildeten, nämlich „die Beaufsichtigung der 
Patienten" — keine aktiv therapeutische Tätig- 
keit, sondern steht für die Berufskonzeption der 
psychiatrischen Pflegepersonen als „aufsichts- 
führendes Ordnungsorgan" (Koester). 

— Stations- oder Fallbesprechungen als bewährte 
Form der Vermittlung von Theorie und Praxis, 
fanden nicht einmal für die Hälfte aller Befrag- 
ten statt; regelmäßige Informationen über Pa- 
tienten holten und erhielten Ärzte hauptsächlich 
von examinierten Schwestern und Pflegern. 

— Um einen Überblick über den allgemeinen Grad 
der Desinformiertheit hinsichtlich des Informa- 
tionsaustausches im Rahmen der täglichen Ar- 
beitssituation sowie über Fortbildungsmöglich- 
keiten der Befragten zu erhalten, wurde ein Des- 
informiertheitsindex aus den zentralen Fragen 
zusammengestellt, aus dem hervorgeht, daß die 
Helfer mit Abstand am schlechtesten informiert 
waren, dann die Schüler folgten; die Examinier- 
ten waren am besten informiert. 

— Diese Desinformiertheit zeigt sich auch darin, 
daß über Weiterbildungsmöglichkeiten im Sinne 
psychiatrischer Zusatzausbildung drei Viertel al- 
ler Befragten keine Kenntnisse besaßen, nur 8 ^/o 
der Befragten hatten diesbezüglich konkrete 
Pläne und nur 7 ^/o hatten bereits eine psychia- 
trische Zusatzausbildung durchlaufen. 

Hauptanreiz zur Teilnahme an Weiterbildungs- 
maßnahmen war eine selbständigere und verant- 
wortungsvollere Tätigkeit. Hinderungsgrund wa- 
ren vor allem Verpflichtungen gegenüber der 
Familie, Günstige organisatorische Vorausset- 
zung zur Teilnahme wäre die Durchführung von 
Unterricht und Praktikum am Ort. 

— Nur ein Drittel aller Befragten hatte bisher an 
Fortbildungsveranstaltungen wie Filmveranstal- 
tungen und Vorträgen jemals teilgenommen. 
Praktische Fortbildungsveranstaltungen (wie z, B. 
Austausch von Beobachtungen verschiedener Be- 
rufsgruppen und regelmäßige Fallbesprechung) 
sowie Fachbücher und Fachzeitschriften gab es 
für zwei Drittel aller Befragten — ihren eigenen 
Angaben zufolge — nicht. 


225 



Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


über Fortbildungsmaßnahmen außerhalb des ei- 
genen Krankenhauses besaßen zwei Drittel aller 
Befragten keinerlei Informationen und vier Fünf- 
tel hatten noch nie daran teilgenommen. Die Hal- 
tung gegenüber der Fortbildung war insgesamt — 
bedingt durch die geringen Angebote seitens der 
Institutionen und den niedrigen Informiertheits- 
grad der Pflegepersonen — eher gleichgültig; es 
wurde nur selten und auch dann nur teilweise 
positiv über Fortbildung gesprochen. 

Die Krankenpflegesdiulen waren für den Bereich der 
Fortbildung wenig initiativ; vielmehr beschränkten 
sie sich auf die Ausbildung der Schüler. Die Kran- 
kenpflegeschulen führten sämtlich zum Staatsexa- 
men in der Krankenpflege (dreijährige Ausbildung). 
Verwaltungseigene Ausbildungsgänge bestanden in 
Hessen nicht. 

Eine Verselbständigung der Schulen wurde als drin- 
gendes Bedürfnis geäußert. 

Eine Gruppierung der Ergebnisse nach Geschlecht 
und Familienstand der Befragten ergab keine cha- 
rakteristischen Besonderheiten (vgl. auch Moll), 
Dagegen erschienen Lebensalter, Beschäftigungs- 
dauer am Krankenhaus und Art der Schulbildung 
bedeutsamer: 

— Ältere und länger am Krankenhaus beschäftigte 
Pflegepersonen hatten eine andersartige Berufs- 
konzeption als jüngere: die Älteren zogen sich 
auf Gebiete zurück, in denen sie ausreichende 
Kenntnisse hatten (Ausführung medizinischer 
Maßnahmen) und entwickelten eine Art profes- 
sionelles Selbstbewußtsein, bzw. eine Kompe- 
tenzsicherheit, die es ihnen ermöglichte, gegen- 
über Neuerungen weniger Widerstände zu äu- 
ßern, die sie jedoch andererseits nicht motiviert 
sein ließ, selbst an Fort- und Weiterbildungsver- 
anstaltungen teilzunehmen, um so ihre beruf- 
lichen Kenntnisse zu erweitern. 

Daraus entstand für die Jüngeren, kürzer am 
Krankenhaus Beschäftigten (und zugleich besser 
Ausgebildeten) die Gefahr, daß sie sich im Laufe 
ihrer Berufstätigkeit an die Auffassungen der 
Dienstälteren und Vorgesetzten anpaßten und 
auf diese Weise notwendige Neuerungen in den 
Methoden im Umgang mit Patienten verhindert 
wurden (vgl. Kukla). 

— Ebenso beeinflußt die Art der Schulbildung die 
Sichtweise des eigenen Berufsbildes: Pflegeper- 
sonen mit höherer Schulbildung (mittlerer Reife 
und Abitur) sahen ihre Hauptaufgaben wesent- 
lich stärker in der Ausübung moderner Umgangs- 
und Therapierformen und kamen somit einer 
Konzeption des Pflegepersonals als therapeu- 
tische Mitarbeiter erheblich näher als Pflegeper- 
sonen mit Volksschulabschluß. 

— Bei der Schülergruppe speziell hatte das Ausbil- 
dungsziel wesentlichen Einfluß auf die Einstel- 
lung zum psychiatrischen Pflegeberuf: Schüler 
der dreijährigen Ausbildung waren insgesamt 
besser informiert, hatten mehr Fortbildungjspläne 
und eine positivere Sicht des eigenen Berufsbil- 
des als Schüler der einjährigen Ausbildung, bei 


denen sich schon während der Ausbildungszeit 
dieselben Haltungen abzeichneten wie bei ihrer 
zukünftigen Berufsgruppe, der Helfergruppe: Des- 
informiertheit, Unfähigkeit zur realistischen Be- 
urteilungen der eigenen Situation und Resig- 
nation. 

Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, daß die Aus- 
bildung des Pflegepersonals zum therapeutischen 
Mitarbeiter unzureichend ist. Von der Ausbildung 
der Pflegepersonen zum gegenwärtigen Zeitpunkt 
und für die absehbare Zukunft ist kein positiver Ein- 
fluß auf die tägliche Arbeit und die gesamte Berufs- 
konzeption zu erwarten. Bestenfalls sind Ansätze zu 
entsprechenden Bedürfnisstrukturen bei denjenigen 
Pflegepersonen zu erkennen, die sich noch in der 
Ausbildung oder am Beginn ihrer Berufstätigkeit be- 
finden; diese schwinden jedoch mit wachsender Be- 
schäftigungsdauer am Krankenhaus. Mögliche Kor- 
rekturen oder Ergänzungen in den Kenntnissen 
durch eine ausreichende Vermittlung von Theorie 
und Praxis in Form von Stationsbesprechungen und 
regelmäßigem, selbstverständlichem Informationsfluß 
zwischen Ärzten und Pflegepersonal sind nach den 
vorliegenden Ergebnissen kaum gegeben. Eine Er- 
weiterung der Kenntnisse und eine Veränderung der 
Einstellungen durch Teilnahme an Fort- und Weiter- 
bildungsmaßnahmen ist nur möglich, wenn einerseits 
die Angebote von seiten der Institutionen wesent- 
lich vermehrt werden, wenn sie thematisch praxis- 
bezogen und relevant und günstig organisiert sind, 
andererseits die Pflegepersonen selbst mehr Inter- 
esse an den fehlenden und den existierenden Ange- 
boten zeigen und mehr eigene Wünsche und Vor- 
schläge zur Verbesserung äußern. 

Insgesamt machen die vorliegenden Ergebnisse die 
Notwendigkeiten zu Veränderungen im Bereich der 
Ausbildung, in ganz besonderem Maße der prakti- 
schen Ausbildung, aber auch in der Fort- und Wei- 
terbildung für älteres Pflegepersonal sehr deutlich. 
Diese Bildungsmaßnahmen müssen auf die Praxis, 
d. h. auf die konkreten Tätigkeiten im Stationsbe- 
trieb bezogen sein, sie müssen thematisch inter- 
essant und in verständlicher Form dargeboten und 
für alle Pflegepersonen zugänglich sein. Im Sinne 
einer Bereitschaft zu eigenem innovativem Verhal- 
ten werden sie darüber hinaus nur wirksam sein 
können, wenn sie an die realen Alltagserfahrungen 
der Zielgruppe anknüpfen und den instrumentellen 
Wert angestrebter und propagierter Neuerungen für 
die Bewältigung von Problemen des beruflichen All- 
tags belegen können. Nur in einer so gearteten Vor- 
gehensweise liegt die Chance, das Sicherheitsgefühl 
professioneller Kompetenz (der älteren Examinier- 
ten) wie auch Resignation und Desinteresse (der 
Krankenpflegehelfer i. w. S.) mit einiger Aussicht 
auf Erfolg zu unterlaufen bzw. zu durchbrechen. 

Geeignete Schritte, um das Image psychiatrischer 
Pflegepersonen zu verbessern und damit langfristig 
auch Mitarbeiter für diesen Beruf zu motivieren, 
müssen mit einer zunächst weitgehend desinformier- 
ten, initiative-armen und resignierten, berufsunzu- 
friedenen Gruppe rechnen. Diese Gruppe ist oft ent- 
täuscht und überfordert von der alltäglichen Arbeits- 
situation. Konkrete Schritte zur Verbesserung der 


226 



Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Aus-, Fort- und Weiterbildung müssen im Zusam- 
menhang mit der Verbesserung der psychiatrischen 
Versorgung geplant werden und lassen sich folgen- 
dermaßen zusammenfassen (siehe Kp. 8, S. 222 ff.): 

— Für eine kleine Gruppe von Pflegepersonen, die 
eine psychiatrische Weiterbildung und damit 
eine selbständigere und verantwortungsvollere 
Tätigkeit wünscht, sollen Weiterbildungsmög- 
lichkeiten angeboten werden, und zwar nach den 
Richtlinien der DKG vom 11. Dezember 1973. Es 
ist anzustreben, daß mindestens jedes Bundes- 
land eine Weiterbildungseinrichtung zur Fach- 
schwesterZ-pfleger für Psychiatrie hat. 

— Der Schiilerstatus in der Krankenpflege (Aus- 
bildungsplatz) ist rechtlich durchzusetzen, Die 
Psychiatrie kann es sich nicht leisten, daß Schüler 
durch falsche Arbeitseinteilung zu Stationshilfen 
werden und ihre ursprüngliche Motivation zur 
psychiatrischen Krankenpflege verlieren. Die Be- 
deutung der praktischen Ausbildung und damit 
der praktischen Anleitung am Einsatzplatz kann 
nicht genügend hervorgehoben werden. 

— Das Ausbildungsangebot im Lehrplan der allge- 
meinen Krankenpflege ist für die Psychiatrie 
ungenügend. Es ist daher dringend zu empfehlen, 
die psychiatrieorientierte Grundausbildung nach 


den Grundsätzen der DKG vom 11. Dezember 
1973 zu ermöglichen und die gesetzlichen und 
kurrikularen Voraussetzungen dafür zu schaffen. 

— Fortbildung ist als fest integrierter Bestandteil 
der therapeutischen Arbeit, auch für die älteren 
Mitarbeiter, praxisbezogen und obligatorisch 
durchzuführen. 

— Eine psychiatriespezifische einjährige Ausbil- 
dung zum Krankenpfiegeheifer ist zu planen. 
Die gesetzlichen Voraussetzungen dafür sind zu 
schaffen. 

— Voraussetzung für vielfältige Maßnahmen ist die 
Bereits]tellung von Unterrichtsmaterial, insbe- 
sondere von Filmen zu Themen psychiatrischer 
Krankenpflege. Ein Projekt „Filmmaterial für 
psychiatrische Krankenpflegeausbildung" wird 
vorgeschlagen, um die mangelnde Kapazität an 
Ausbildern in diesem Bereich zu überbrücken. 

Dabei bleibt das Fernziel dieser Bildungsmaßnahmen 
größere berufliche Kompetenz, aber auch größere 
Attraktivität psychiatrischer Pflegeberufe. Nur durch 
laufbahnrelevante Bildungsmaßnahmen kann der 
(die) Pfleger(Schwester) in der Psychiatrie in Zukunft 
die Erwartungen erfüllen, die er an sich selbst stellt 
als Schüler und die in erhöhtem Maße der Patient an 
ihn stellt: Dabeisein und nicht nur aufpassen. 


227 



Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


10 Tabellen 

A. Strukturdaten der psychiatrischen Einrichtungen 

A/1 Pflegepersonen in psychiatrischen Einrichtungen der Bundesrepublik 
Deutschland 

A/2 Pflegepersonen in psychiatrischen Einrichtungen Hessens 

A/3 Pflegepersonen in psychiatrischen Einrichtungen der Stichprobe Hessens 

A/4 Psychiatrische Einrichtungen in Hessen 

A/5 Strukturdaten der aufgesuchten Krankenpflegeschulen 

A/6 Schüler in der Stichprobe Hessens, im Bundesland Hessen und in der 
Bundesrepublik Deutschland 

B. Befragung der psychiatrischen Pflegepersonen 

B/1 Verhältnis der befragten Pflegepersonen zu Anzahl aller am Befragungstag 
anwesenden Pflegepersonen, Anzahl der Pflegepersonen der gesamten Ziel- 
gruppe sowie aller Pflegepersonen Hessens und der Bundesrepublik Deutsch- 
land 

B/2 Prozentualer Anteil der befragten Pflegepersonen von allen am Befragungs- 
tag anwesenden Pflegepersonen, allen Pflegepersonen der Zielgruppe, von 
Hessen, von der Bundesrepublik Deutschland. 


228 



Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Tabelle A/1 


Pflegepersonen in psychiatrischen Einrichtungen 
der Bundesrepublik Deutschland nach Trägern der Einrichtungenr 
Ausbildungsgrad und Geschlecht der Pflegepersonen 


Art der 

Ausbildung 

Pflege- 

personen 

insgesamt 


davon in . . 

Krankenhäusern 


davon 

Ausländer 

öffentlich 

freigemein- 

nützig 

privat 

m 

w 

m 

w 

m 

1 w 

m 1 

w 

m 

1 w 

3jährige Ausbildung 

5 805 

5 590 

5 275 

4 370 

482 

1004 

48 

216 

14 

110 

1jährige Ausbildung 

1 432 

2 738 

1 111 

2056 

273 

481 

48 

201 

17 

263 

ohne staatliche Prüfung 

2 326 

4 420 

1389 

2 847 

883 

1317 

54 

256 

44 

95 

Schüler der 3jährigen Ausbil- 











dung 

1 376 

1725 

1276 

1636 

92 

65 

8 

24 

13 

72 

Schüler der 1jährigen Ausbil- 











dung 

317 

457 

230 

320 

82 

116 

5 

21 

6 

10 

S: 

11256 

14 930 

9 281 

11 229 

1 812 

2 983 

163 

718 

94 

550 


26 186 

20 510 

4 795 

881 


644 


Angaben: Statistisches Bundesamt, Stand Dezember 1971 


Tabelle A/2 


Pflegepersonen in psychiatrischen Einrichtungen Hessens nach Trägern 
der Einrichtungen, Geschlecht und Ausbildungsgrad der Pflegepersonen 


Ausbildungsgrad 

Pflege- 

personen 

insgesamt 

davon in . . . Krankenhäusern 

davon 

Ausländer 

öffentlich 

freigemein- 

nützig 

privat 

m 

1 w 

m 

1 w 

m 1 w 

m 

1 w 

m 

1 w 

3jährige Ausbildung . . . . 


462 

398 

447 

311 

15 71 

— 

16 

2 

18 

1jährige Ausbildung . . . . 


229 

325 

220 

301 

7 17 

2 

7 

7 

109 

ohne Ausbildung 


85 

283 

53 

177 

31 100 

1 

6 

3 

12 

Schüler 











3jährige Ausbildung . , 


133 

171 

132 

171 

1 — 

— 

— 

1 

3 

Schüler 











1jährige Ausbildung . . 


82 

94 

82 

78 

— 16 

— 

— 

5 

5 


S: 

991 

1 271 

934 

1 038 

54 204 

3 

29 

18 

147 




2 262 


1 972 

258 


32 


165 


Angaben: Statistisches Bundesamt, Stand Dezember 1971 


229 





Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Tabelle A/3 


Pflegepersonen in den psychiatrischen Einrichtungen in der Stichprobe Hessens 
nach Trägern der Einrichtungenr Geschlecht und Ausbildungsgrad 
der Pflegepersonen *) 


Träger 

Pflege- 

personen 

insgesamt 

Ausbildungsgrad der Pflegepersonen 

3 jährige 
Ausbildung 

Ausbildung 
bis 1 Jahr 

keine 

Ausbildung 

Schüler der 

1- und 3jähr. 
Ausbildung 

m 1 

w 

m 1 

w 

m 1 

w 

m 1 

w 

m 

w 

Landeswohlfahrtsverband . 


556 

754 

177 

234 

188 

298 

46 

39 

145 

183 

privat 


19 

139 

8 

73 

7 

36 

4 

30 

— 

— 

kommunal 


6 

44 

4 

27 

— 

4 

1 

9 

1 

4 

Universität 


83 

136 

39 

92 

14 

27 

24 

14 

6 

3 


2 ; 

664 

1073 

228 

426 

209 

365 

75 

92 

152 

190 



1 737 

654 

574 


167 


342 


*) mit Ausländern und Ersatzdienstleistenden, Angaben; Feldarbeit, Juni bis Oktober 1973 


Tabelle A/4 


Psychiatrische Einrichtungen Hessens 


in der Krankenpflege tätiges Personal 


Name der Einrichtung 

Bettenzahl 

Examinierte | 

1 Helfer 

1 Schüler 

Summe 

aller 

Pflege- 

kräfte 

ins- 

gesamt 

davon 

pyschia- 

trisch 

ins- 

gesamt 

davon 

Aus- 

länder 

ins- 

gesamt 

davon 

Psych- 

iatrie 

davon 

Aus- 

länder 

ins- 

gesamt 

davon 

Aus- 

länder 

1 PLK Hadamar 

552 

552 

90 

— 

9 

9 

— 

19 

— 

118 

2 PLK Heppenheim 

566 

566 

85 

10 

— 

— 

— 

71 

— 

156 

3 PLK Marburg 

591 

591 

100 

— 

30 

24 

— 

29 

— 

159 

4 PLK Gießen 

699 

699 

129 

6 

36 

36 

— 

35 

— 

200 

5 PLK Haina 

722 

722 

136 

— 

— 

— 

— ■ 

39 

— 

175 

6 PLK Eichberg 

727 

727 

136 

20 

13 

— 

13 

32 

4 

181 

7 PLK Herborn 

845 

845 

175 

— 

18 

17 

— 

52 

— 

245 

8 PLK Weilmünster 

965 

965 

193 

32 

19 

8 

— 

62 

— 

274 

9 PLK Goddelau 

1 231 

1 231 

107 

26 

65 

65 

2 

61 

9 

233 

10 PLK Köppern 

334 

334 

56 

7 

5 

— 

1 

21 

— 

82 

11 PLK Meißnerheilstätte 

92 

92 

5 

— 

3 

— 

— 

— 

— 

8 

12 PLK Merxhausen 

516 

516 

76 

27 

50 

42 

— 

50 

— 

176 

13 Städtisches Krankenhaus 











Ffm-Höchst 

1 066 

70 

18 

5 

4 

4 

3 

3 

— 

25 

14 Klinik der Landeshauptstadt 











Wiesbaden 

1 195 

28 

13 

4 

10 

10 

— 

2 

— 

25 

15 Neurologische Klinik 











Bad Homburg 

112 

112 

11 

3 

— 

— 

— 


— 

11 

16 L. -Noll-Krankenhaus Kassel .... 

94 

38 

3 

2 

4 

— 

— 

— 

— 

7 

17 Anstalt Hephata Treysa 

692 

692 

31 

— 

70 

— 

— 

— 

— 

101 

18 Fischerhof Büdingen 

80 

80 

4 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

4 

19 St. Valentinushaus Kiedrich .... 

262 

262 

29 

1 

36 

3 

3 

7 

1 

72 


230 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Tabelle A/3 


davon Ausländer 

Betten- 

zahl 

ins- 

gesamt 

3 jährige 
Ausbildung 

ohne 

Ausbildung 
bis 1 Jahr 

Schüler 
der 1- und 
3jähr. 

Ausbildung 

m 1 

w 

m 1 

w 

m 1 

w 

3 

10 

43 

79 

1 

3 

5 010 

__ 

9 

— 

13 

— 

— 

755 

— 

9 

— 

3 

— 

— 

125 

5 

22 

4 

8 

— 

— 

488 

8 

50 

47 

103 

1 

3 

6 378 

58 

150 


4 




Tabelle A/4 




.. 1 


in der Krankenpflege tätiges Personal 


Summe 

aller 

Name der Einrichtung 

uettenzani 

Examinierte 


Helfer 


Schüler 

ins- 

gesamt 

davon 

psychia- 

trisdi 

ins- 

gesamt 

davon 

Aus- 

länder 

ins- 

gesamt 

davon 

Psych- 

iatrie 

davon 

Aus- 

länder 

ins- 

gesamt 

davon 

Aus- 

länder 

Pflege- 

kräfte 

20 Sanatorium Schwab Nauheim .... 

12 

12 

1 







— 



— 

1 

21 Malertshof Burghaun 

22 

22 


— 

2 

2 

— 

— 

— 

2 

22 Falkenhof Bensheim 

34 

34 

2 

— 

5 

5 

— 

— 

— 

7 

23 Burgwald Nieder-Beerbach 

42 

42 

2 

— 

2 

2 

— 

— 

— 

4 

24 Dickhaut Bad Nauheim 

52 

52 

9 

1 

1 

1 

— 

— 

— 

10 

25 Riebusch Bad Soden 

66 

66 

6 

— 

6 

6 

— 

— 

— 

12 

26 Schulze-Kahleyss Hofheim 

90 

90 

9 

— 

— 

— 

■ — 

— 

— 

9 

27 Hohe Mark Oberursel 

260 

260 

42 

2 

— 

5 

— 

— 

— 

47 

28 Amelung Königstein 

85 

45 

12 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

12 

29 Neurologische und Nachtklinik 
Universität Gießen 

105 

105 

68 

3 






68 

30 Psychosomatische Klinik der Uni- 
versität Gießen 

10 

10 

2 


3 

3 


1 



6 

31 Neurologische Klinik der Univer- 
sität Gießen 

68 

68 

35 

3 








35 

32 Psychiatrische und Neurologische 
Klinik Universität Frankfurt 

434 

264 

94 

25 

40 

39 

15 

14 



148 

33 Psychiatrische und Nervenklinik 
Universität Marburg a. d. Lahn . . 

194 

194 

61 

— 

34 

34 

1 

16 

— 

111 

2: 

1 12815 

10 386 

1 740 

177 

1 465 

315 

38 

1 514 

14 

2 724 


Angaben: Statistisches Landesamt, Wiesbaden. Stand Dezember 1971, 


231 




Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Tabelle A/5 


StruktuFdaten der aufgesuditen Krankenpflegesdiulen 


Name der Einrichtung 

Bet- 

ten- 

zahl 

Pfle- 

ge- 

perso- 

nen 

ins- 

ge- 

samt 

davon Schüler, 
einjährige Ausbildung 

Schüler, dreijährige Ausbildung 

1. Ausbildungsjahr 

m 

davon 

länder 

Aus- 

W 

davon 

Aus- 

länder 

Summe 

m 

davon 

Aus- 

länder 

w 

1 davon 
Aus- 
f länder 

Summe 

Merxhausen 

667 

207 

3 



5 

1 

8 

4 



13 

1 

17 

Haina 

810 

173 

9 

— 

3 

— 

12 

— 

— 

— 

— 

— 

Weilmünster 

960 

263 

4 

— 

13 

— 

17 

5 

— 

6 

— 

11 

Köppern 

369 

89 

10 

2 

6 

1 

16 

— 

— 

— 

— 

— 

Goddelau 

1 304 

301 

6 

— 

5 

1 

11 

4 

— 

8 

— 

12 

Herborn 

900 

280 

13 

— 

17 

— 

30 

1 

— 

7 

— 

8 


(5 010) 

(1 313) 

(45) 

(2) 

(49) 

(3) 

(94) 

(14) 

(0) 

(34) 

(1) 

(48) 

Hephata 

90 

39 

6 

— 

6 

— 

12 

— 

— 

__ 

— 

— 

Ffm-Höchst 

70 

25 

1 

— 

7 

1 

8 

3 

— 

12 

— 

15 

Kliniken Wiesbaden 

55 

25 

— 

— 

— 

— 

— 

4 

— 

13 

3 

17 

Univ. Marburg 

194 

111 

14 

— 

3 

— 

17 

17 

1 

22 

1 

39 

Univ. Frankfurt/Main 

294 

108 

— 

— 

— 

— 

— 

12 

— 

— 

— 

12 

insgesamt . . . 

(5 713) 

(1 621) 



(131) 



(131) 


Angaben: Feldarbeit Juni bis Oktober 1973 


232 




Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode DrUCkSSChG 7/4201 













T a b e 1 

le A/5 

Schüler, dreijährige Ausbildung 

Summe 

Sjäbrige 

Aus- 

Summe 

aller 

Anzahl von 
Unterrichts- 
personal 

2. Ausbildungsjahr 

3. Ausbildungsjahr 

Schüler 
der ein- 
und drei- 

m 

davon 

Aus- 

länder 

w 

davon 

Aus- 

länder 

Summe 

m 

davon 

Aus- 

länder 

w 

davon 

Aus- 

länder 

Summe 

bildung 

jährigen 

Aus- 

bildung 

m 

W 

6 



12 



18 

3 



8 



11 

46 

54 

2 

2 

— 



— 

— 

— 

15 

— 

2 

— 

17 

17 

29 

1 

— 

16 

— 

2 

— 

18 

4 

— 

2 

— 

6 

35 

52 

1 

1 

3 

— 

5 

— 

8 

5 

— 

6 

— 

11 

19 

35 

1 

— 

5 

1 

2 

— 

7 

7 

— 

1 

— 

8 

27 

48 

2 

— 

4 

— 

9 

— 

13 

7 

— 

17 

— 

24 

45 

75 

— 

3 

(34) 

(1) 

(30) 

(0) 

(64) 

(41) 

(0) 

(36) 

(0) 

(77) 

(189) 

(293) 

(7) 

(6) 

3 

— 

14 

1 

17 

— 

— 

15 

2 

15 

47 

12 

55 

1 

1 

5 

4 

— 

19 

2 

23 

5 

1 

23 

— 

28 

68 

68 

— 

3 

13 

— 

43 

2 

56 

11 

— 

56 

4 

67 

162 

179 

2 

6 

25 

— 

— 

— 

— 

6 

— 

— 

— 

6 

33 

33 

1 

— 



(160) 



(193) 

(499) 

(640) 

(12) 

(20) 


233 





Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Tabelle A/6 


Schüler in der Stichprobe Hessens, im Bundesland Hessen und ln der 
Bundesrepublik Deutschland nach Geschlecht und Art der Ausbildung 


Gruppe 

1jährige Ausbildung 

3jährige Ausbildung 

Summe 

aller 

Schüler 

davon ausländische 
Schüler 

1- und 3jährige Aus- 
bildung 


m 

w 

Sum- 

me 

m 

w 

Sum- 

me 

m 

w 

Sum- 

me 

Schüler in den besuchten 
LWV-Häusern der Stich- 
probe Hessens 

45 

49 

94 

89 

100 

189 

283 

3 

4 

7 

Schüler im Bundesland 

Hessen *) 

82 

94 

176 

133 

171 

304 

480 

6 

8 

14 

Schüler in der Bundes- 
republik Deutschland *) . . . 

317 

457 

774 

1 376 

1 725 

3 101 

3 875 

19 

82 

101 


*) Angaben: Statistisches Bundesamt, Stand Dezember 1971. 


T a b e 1 1 e B/1 


Verhältnis der Anzahl der befragten Pflegepersonen zu: Anzahl aller am Befra- 
gungstag anwesenden Pflegepersonen, Anzahl der Pflegepersonen der gesamten 
Zielgruppe sowie aller Pflegepersonen Hessens und der 
Bundesrepublik Deutschland 



Examinierte 


Helfer 



Schüler 



m 1 

w 

Summe 

m 1 

w 

Summe 

m 1 

w 

Summe 

2 

Pflegepersonen der 17 
psychiatrischen Einrich- 
tungen, die an Befragung 
teilnahmen *) 

122 

141 

263 

75 

112 

187 

66 

83 

149 

599 

Pflegepersonen der 17 
psychiatrischen Einrich- 
tungen, die am Befra- 
gungstag anwesend wa- 
ren *) 










739 

Pflegepersonen insgesamt 
an den 17 psychiatrischen 
Einrichtungen*) 

280 

319 

599 

237 

354 

591 

151 

187 

338 

1528 

Pflegepersonen insgesamt 
an allen hessischen psych- 
iatrischen Einrichtungen*) 

460 

380 

840 

304 

487 

791 

209 

257 

466 

2 097 

Pflegepersonen insgesamt 
in allen psychiatrischen 
Einrichtungen der Bundes- 
republik Deutschland *) 

5791 

5480 

11271 

3697 

6 800 

10497 

1674 

2100 

3 774 

25542 


*) ohne Ausländer 

Angaben: Statistisches Bundesamt, Stand Dezember 1971 


234 





Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Tabelle B/2 


Prozentualer Anteil der befragten Pflegepersonen von: 
allen am Befragungstag anwesenden Pflegepersonen, allen Pflegepersonen der 
Zielgruppe, von Hessen, von der Bundesrepublik Deutschland 


Gruppe 

Befragte 

Pflege- 

personen 

Anwesende 
Pflege- 
personen am 
Bofragungs- 
tag 

Pflege- 
personen 
aller 17 
psychiatri- 
schen Ein- 
richtungen 

Pflege- 
personen 
insgesamt 
aller hessi- 
schen psych- 
iatrischen 
Einrich- 
tungen 

Pflege- 
personen 
insgesamt 
aller psych- 
iatrischen 
Einrich- 
tungen in der 
Bundesrepu- 
blik Deutsch- 
land 

Befragte Pflegepersonen 

N = 599 *) 

81,05 o/o 

39,20 o/o 

28,56 o/o 

2,34 o/o 

Anwesende Pflegepersonen am Be- 






fragungstag 

81,05 »/o 

N = 739 •) 

48,36 o/o 

35,24 o/o 

2,89 o/o 

Pflegepersonen aller 17 psychiatri- 






schen Einrichtungen 

Pflegepersonen insgesamt aller hessi- 
schen psychiatrischen Einrichtun- 

39,20 o/o 

48,36 o/o 

N = 1 528*) 

72,86 o/o 

5,98 o/o 

gen») 

Pflegepersonen insgesamt aller psych- 
iatrischen Einrichtungen in der Bun- 

28,56 o/o 

35,24 o/o 

72,86 o/o 

N = 2097*) 

8,21 o/o 

desrepublik Deutschland 

2,34 o/o 

2,89 o/o 

5,98 o/o 

8,21 o/o 

N = 25542*) 


*) ohne Ausländer, mit EDL 

h Angaben: Statistisches Bundesamt, Stand Dezember 1971 


11 Anhang 

11.1 Fragebogen für Examinierte, Helfer, Schüler 

11.2 Fragebogen für Unterrichtsschwestern, -pfleger 

11.3 Fragebogen für die Verwaltung 

1 1.4 Lernzielkatalog: Fachschwester, -pfleger für Psychiatrie 

1 1 .5 Lernzielkatalog: Psychiatrische Krankenpflegehelfer 


11.1 Fragebogen für Examinierte 

Lesen Sie bitte die einzelnen Fragen sorgfältig durch 
und kreuzen Sie das an, was für Sie zutrifft. Es ist 
besonders wichtig, daß keine Frage ausgelassen 
wird. Die Fragen sind so formuliert, daß Sie immer 
eine Angabe machen können; und wenn Sie z. B. 
über ein Problem nicht informiert sind, dann kreu- 
zen Sie bitte „weiß ich nicht" an, usw. Bei Unklarhei- 
ten fragen Sie bitte einen der Untersuchungsleiter. 
Namen nicht vermerken — und nun viel Spaß! 

1. Kennzeichnen Sie bitte als erstes Ihre jetzige 


Tätigkeit: 

a) Stationsdienst O 

b) UnterrichtsschwesterZ-pfleger O 

c) Dauernachtwache O 


d) Beschäftigungstherapie O 

e) Ambulanz O 

f) Arbeitstherapie O 


g) andere Tätigkeit, welche? 


2. Handelt es sich dabei um eine: 

a) offene Abteilung O 

b) halboffene Abteilung O 

c) geschlossene Abteilung O 

d) keine der genannten Abteilungen O 


235 




Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


3. In welcher Art von Dienstverhältnis stehen Sie? 


a) Beamter(tin) O 

b) Angestellte(r) O 

c) Arbeiter(in) O 


4. Seit wann arbeiten Sie in diesem Krankenhaus? 
Seit 19. . . . 

5. Auf welchen Abteilungen haben Sie in diesem 
Krankenhaus bisher gearbeitet (einschließlich 


Ausbildungszeit und jetziger Tätigkeit)? 

a) auf der Aufnahmestation O 

b) auf der neurologischen Station O 

c) bei chronisch Kranken O 

d) auf der gemischten Station (männliche 

und weibliche Patienten) O 

e) bei Kindern O 

f) bei Alterskranken O 

g) im „festen Haus" O 

h) auf Station mit gemischten Krankheits- 
bildern O 

i) in der Besdiäftigungs- bzw. Arbeits- 
therapie O 

j) auf anderen Abteilungen, wo? 


6. Jetzt möchten wir gern etwas über Ihre Ausbil- 
dung erfahren: Wenn Sie von Ihrer heutigen 
Situation auf Ihre Ausbildung zurückblicken, 
haben Sie dann den Eindruck, daß manche Ge- 
biete zu kurz gekommen sind? Oder wie beur- 
teilen Sie das heutet (Bitte machen Sie bei 
jedem Gebiet eine Angabe.) 


Gebiete 

kam zu kurz 

kam nidit 
zu kurz 

weiß ich 
nicht mehr 

a) Naturwissenschaftliche 
Fächer (z. B. Chemie, 
Physik, Physiologie) 

o 

o 

o 

b) Verhalten bei Zwischen- 
fällen (Suizide, Entwei- 
chungen, Fixierung) 

o 

o 

o 

c) Familie und Umgebung des 
Patienten (Umgang mit 
Angehörigen, Freunden, 
Arbeitskollegen) 

o 

o 

o 

d) Krankheitslehre (z. B. Neu- 
rologie, Chirurgie, innere 
Medizin) 

o 

o 

o 

e) Moderne Therapieformen 
(Rehabilitation, Milieu- 
therapie, Verhaltens- 
therapie) 

o 

o 

o 

f) Psychiatrie (z. B. Neuro- 
senlehre, Psychosenarten) 

o 

o 

o 

g) Sozialwissenschaftliche 
Fächer (Soziologie, Psycho- 
logie, Sozialarbeit) 

o 

o 

o 


h) oder welche Gebiete sonst? 


7. Es folgt jetzt eine Liste von Tätigkeiten, die im 
Pflegebereich Vorkommen. 

Suchen Sie bitte zunächst die Tätigkeit aus, auf 
die in der Ausbildung das Hauptgewicht gelegt 
werden sollte, und schreiben Sie die Zahl „1" 
dazu. 

Suchen Sie bitte jetzt diejenige Tätigkeit her- 
aus, die Ihnen für die Ausbildung am zweit- 
wichtigsten erscheint und schreiben Sie die 
Zahl „2" dazu. 

Und nun kennzeichnen Sie bitte noch die Tätig- 
keit, die Ihnen für die Ausbildung am dritt- 


wichtigsten erscheint, mit der Zahl „3". 

a) Korrekte Ausführung medizinischer 

Maßnahmen (z. B. Verteilung von Me- 
dikamenten) n 

b) Beaufsichtigung von Patienten und 
Verhinderung von Zwischenfällen ... 

c) Kontakte mit Besuchern (z. B. Ange- 
hörigen) O 

d) Beteiligung an Arbeits/Beschäfti- 
gungstherapie m 

e) Sorge für Ordnung und Sauberkeit auf 

der Station O 


f) Sorgfältige Erledigung von Schreib- 
tischarbeiten (z. B. Berichte schreiben, 
Kurven führen, Material anfordern) n 

g) Umgang mit Patienten (Spiele, Sport, 

Gespräche führen) 

h) andere Tätigkeiten, welche? 


8. Im alltäglichen Pflegebereich auf der Station 
kommt es ja immer wieder zu Zwischenfällen 
und unvorhersehbaren Ereignissen, bei denen 
Schwester und Pfleger rasch reagieren müssen. 
Andererseits kann in der theoretischen Aus- 
bildung natürlich nicht jeder denkbare Zwi- 
schenfall ausführlich behandelt werden. Daraus 
ergeben sich gerade für die noch nicht so er- 
fahrene Pflegekraft anfangs oft Schwierigkei- 
ten. 

Um die Situation von Berufsanfängern richtig 
verstehen zu können, ist es für uns also sehr 
wichtig zu erfahren, wie das bei Ihnen persön- 
lich war: 

Woher stammen Ihre jetzigen Kenntnisse über 
die pflegerischen Aufgaben und über das rich- 
tige Verhalten bei solchen Zwischenfällen zum 
überwiegenden Teil? 

Auf welche Weise haben Sie also z. B. erfahren, 
wie man sich bei Todesfällen verhalten muß? 
(Bitte machen Sie nur eine Angabe.) 

Meine jetzigen Kenntnisse über das richtige 
Verhalten und über die pflegerischen Aufgaben 
bei Todesfällen stammen: 


236 



Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 


a) hauptsächlich aus der Reditskunde .... O 

b) hauptsächlich aus der psychiatrischen 

Pflegekunde O 

c) hauptsächlich aus Beobachtungen von 

Kollegen O 

d) woher sonst? 


Und wie ist es in bezug auf Suizide“? 

(Bitte wieder nur eine Angabe.) 

a) hauptsächlich aus der Rechtskunde O 

b) hauptsächlich aus der psychiatrischen 

Pflegekunde O 

c) hauptsächlich aus Beobachtungen von 

Kollegen O 

d) woher sonst? 


Und wie verhält es sich mit Entweichungen, die 
man ja auch zu den Zwischenfällen rechnen 


muß? 

(Auch hier wieder nur eine Angabe.) 

a) hauptsächlich aus der Rechtskunde O 

b) hauptsächlich aus der psychiatrischen 

Pflegekunde O 

c) hauptsächlich aus Beobachtungen von 

Kollegen O 

d) woher sonst? 


Und schließlich noch die Fixierungen besonders 
unruhiger Patienten. 

(Denken Sie bitte wieder daran, daß nur ein 


Punkt angekreuzt wird.) 

a) hauptsächlich aus der Rechtskunde O 

b) hauptsächlich aus der psychiatrischen 

Pflegekunde O 

c) hauptsächlich aus Beobachtungen von 

Kollegen O 

d) woher sonst? 


9. Es folgt jetzt wieder eine Liste von Tätigkeiten, 
die im Pflegebereich Vorkommen. 

Diesmal suchen Sie bitte zunächst die Tätigkeit 
aus, die im allgemeinen den größten Teil Ihrer 
täglichen Arbeitszeit in Anspruch nimmt und 
schreiben Sie die Zahl „1“ dazu. 

Suchen Sie nun die Tätigkeit heraus, die den 
zweitgrößten Teil Ihrer Arbeitszeit ausmacht 
und schreiben Sie die Zahl „2“ dazu. 


Und jetzt kennzeichnen Sie bitte noch die Tätig- 
keit, die Sie am drittstärksten in Anspruch 


nimmt, mit der Zahl „3“. 

a) Ausführung medizinischer Maßnah- 

men (z. B. Verteilung von Medika- 
menten) n 

b) Beaufsichtigung von Patienten Q 

c) Kontakte mit Besuchern (z. B, Ange- 
hörigen) Q 

d) Beteiligung an Arbeits/Beschäftigungs- 
therapie o 

e) Sorge für Ordnung und Sauberkeit auf 

der Station Lj 

f) Erledigung von Schreibtischarbeiten 

(z. B. Berichte schreiben, Kurven füh- 
ren, Material anfordern) O 

g) Umgang mit Patienten (Spiele, Sport, 

Gespräche führen) 

h) Hausarbeit (z. B. Essen austeilen, Put- 
zen) ö 

i) andere Tätigkeiten, welche? 


Wenn Sie gegenwärtig nicht im Stationsdienst tätig 
sind, bitte sofort weiter zu Frage 13! 

10. Informieren sich die Ärzte auf Ihrer Station 
beim Pflegepersonal über die Patienten? 


regelmäßig O 

nur in Krisensituationen O 

eigentlich gar nicht O 

weiß idi nicht O 


11. Und bekommen Sie von den Ärzten Informatio- 
nen über einzelne Patienten? 


regelmäßig O 

nur in Krisensituationen O 

eigentlich gar nicht O 

weiß ich nicht O 


12. Finden auf Ihrer Station Besprechungen zwi- 
schen Ärzten, Pflegepersonal und sonstigen 
therapeutischen Mitarbeitern statt? 

(Madien Sie bitte eine ungefähre Angabe.) 


nein, gar nicht . . . 

o 


weiß ich nicht . . . 

o 


ja, regelmäßig . . . 

o 

und zwar: (Bitte ange- 
ben, wie oft) 

ja, unregelmäßig 

o 

und zwar im Durch- 



schnitt: (Bitte angeben, 
wie oft) 


237 



Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


13. Angenommen, auf einer geschlossenen Abtei- 
lung sollten bestimmte Neuerungen eingeführt 
werden: 

Glauben Sie, daß unzumutbare Schwierigkeiten 
für das Pflegepersonal entstehen würden, wenn 
die Patienten dort: 


Neuerungen 

ja 

nein 

kann 

idi 

noch 

nicht 

sagen 

a) eigene Kleidung hätten 

o 

o 

o 

b) Geschirr und Besteck 
haben dürften 

o 

o 

o 

c) täglich unzensiert schrei- 
ben könnten, an wen sie 
wollten 

o 

o 

o 

d) ein Mitspracherecht 
erhielten, z. B. über den 
Tagesablauf 

o 

o 

o 

e) Arbeitstherapie innerhalb 
des Krankenhauses wahr- 
nähmen 

o 

o 

o 


14. Oft ist die pflegerische Tätigkeit mit psychisch 
Kranken schwierig und bringt Enttäuschungen, 
Ärger und Unsicherheit. Wenn Sie einmal an 
sich persönlich denken, haben Sie öfter solche 
Probleme mit den Patienten? 

nein O 

ja O Was macht Ihnen da hauptsächlich 
Schwierigkeiten? 

a) Ungewißheit, ob man sich richtig verhält O 

b) Angst, daß man der Verantwortung für 
die Sicherheit der Patienten nicht gerecht 


wird O 

c) Ärger über Besserwisserei und Ansprü- 
che der Patienten O 

d) Unsicherheit wegen unzureichender Aus- 
bildung O 


e) anderes, was? 


15. Haben Sie während des letzten Jahres (1972) 
hin und wieder fehlen müssen? (Bitte bei beiden 
Vorgaben je eine Angabe) 


Grund für Fehlen 

öfter 

gele- 

gent- 

lich 

nie 

a) weil Sie sich nicht wohl- 




fühlten 

o 

o 

o 

b) weil Sie schwerer erkrankt 




waren 

o 

o 

o 


16. Als nächstes möchten wir einiges über die 
Weiterbildung erfahren. 

Unter Weiterbildung verstehen wir die Erwei- 
terung der beruflichen Kenntnisse mit einem 
formellen Abschluß, z. B. Intensivpfege, Unter- 
richtsschwesterZ-pfleger. Wir interessieren uns 
jetzt nur für die Weiterbildung zur Fachpflege- 
kraft in Psychiatrie. 

Sind Ihnen Möglichkeiten bekannt, zu einer 
Fach- bzw. Zusatzausbildung in Psychiatrie zu 
kommen? 

nein O 

habe bereits 
diese Zusatz- 
ausbildung O 

ja O und zwar folgende Mög- 

lichkeiten: 


17. Haben Sie bezüglich einer solchen Fach- bzw. 
Zusatzausbildung in Psychiatrie konkrete 
Pläne für die Zukunft? 

nein O 

habe bereits 
diese Zusatz- 
ausbildung O 

ja O und zwar folgende Pläne: 


18. Die Möglichkeiten zur Weiterbildung im psych- 
iatrischen Pflegebereich werden zur Zeit sehr 
diskutiert. Unter welchen Bedingungen würden 
Sie selbst an einer solchen Weiterbildung teil- 
nehmen, vorausgesetzt, der Unterricht findet 
während der Dienstzeit statt? 

(Bitte zu jeder Bedingung Stellung nehmen.) 


Bedingungen 

würde ohne 

weitere.s 

teilnehmen 

würde mög- 
licherweise 
teilnehmen 

würde wohl 
nicht 

teilnehmen 

a) Unterricht und Praktikum 
hier am Ort 

o 

o 

o 

b) Unterricht hier am Ort und 
Praktikum außerhalb 

o 

o 

o 

c) Unterricht außerhalb und 
Praktikum aber hier am Ort 

o 

o 

o 

d) Unterricht und Praktikum 
außerhalb (z. B. an einer 
zentralen Einrichtung) 

o 

o 

o 

e) habe bereits diese 
Zusatzausbildung 

o 

o 

o 


19. Wenn Sie die konkrete Möglichkeit hätten, an 
einer Weiterbildung zur Fachpflegekraft in 
Psychiatrie teilzunehmen, welche Opfer würden 
Sie ggf. auf sich nehmen? 


238 



Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Opfer 

ja, in 

erheblichem 

Umfang 

ja, in 

geringem 

Umfang 

gar keine 

a) vorübergehende Einkom- 
mensminderung 

o 

o 

o 

b) zusätzliche Ausgaben 
(Lehrgangsgebühren, 
Fahrtkosten, Unterkunft) 

o 

o 

o 

c) Belastungen durch aus- 
wärtigen Unterrichtsort 
(z. B. Trennung von der 
Familie, Fahrtzeit) 

o 

o 

o 

d) Opfer an Freizeit 

o 

o 

o 

e) habe bereits diese 
Zusatzausbildung 



o 


20. Was könnten für Sie in der derzeitigen Situa- 
tion die Hauptgründe zur Teilnahme an einer 
Weiterbildung zur Fachpflegekraft in Psych- 


iatrie sein? 

(Mehrfachnennungen möglich) 

a) beruflicher Aufstieg und größeres An- 
sehen O 

b) später bessere Bezahlung O 

c) selbständigere und verantwortlichere 

Tätigkeit O 

d) Abwechslung vom Berufsalltag O 

e) andere Gründe, welche? 

f) eigenlich keine O 

g) habe bereits diese Zusatzausbildung ... O 


21. Es gibt sicher viele Schwierigkeiten, die der 
Teilnahme an einer solchen Weiterbildung zur 
Fachpflegekraft in Psychiatrie entgegenstehen. 
Wir möchten gern wissen, worin für Sie per- 
sönlich die Hauptprobleme bestehen könnten. 

Welche Gründe könnten also gegen Ihre Be- 
teiligung an einer solchen Weiterbildung zur 


Fachpflegekraft in Psychiatrie sprechen? 

a) Bedenken, den gewohnten Arbeitsplatz 

aufzugeben O 

b) Schwierigkeit, als Erwachsener wieder 
auf der Schulbank sitzen zu müssen .... O 

c) Mehrbelastung durch das Lernen O 

d) Schwierigere Arbeit nach der Zusatz- 
ausbildung O 

e) Widerstände von seiten der Kollegen ... O 

f) Verpflichtung gegenüber der Familie ... O 

g) eigentlich keine Gründe O 

h) habe bereits diese Zusatzausbildung ... O 


22. Es gibt außer der Weiterbildung zur Fach- 
pflegekraft in Psychiatrie auch noch andere 
Fachausbildungen. Haben Sie bezüglich ande- 
rer Weiterbildungsmöglichkeiten konkrete 
Pläne für die Zukunft (z. B. Unterrichts schwe- 
ster/-pfleger, leitende Schwester/Pfleger)? 

nein O 

ja O und zwar folgende Pläne: 


23. Nach der Weiterbildung möchten wir jetzt gern 
etwas über die Fortbildung erfahren. 

Unter Fortbildung verstehen wir jede Form 
der Erweiterung der Berufskenntnisse. 

Wird in Ihrem Krankenhaus über das Thema 
„Fortbildung" im allgemeinen gesprochen? 


oft O 

manchmal O 

selten O 

nie O 

weiß ich nicht O 


24. Wie äußern sich im allgemeinen Ihre Kollegen 


über Fortbildung? 

sehr positiv O 

teilweise positiv O 

ist ihnen gleichgültig O 

ziemlich negativ O 

weiß ich nicht O 


25. Gibt es in Ihrem jetzigen Krankenhaus: 
(Bitte bei jedem Punkt Angaben machen) 


Fortbildungsmaßnahmen 

Id 

ӟ> 

PI 

weiß ich nicht 

habe bereits 
teilgenommen 

a) Filmabende 

O 

o 

o 

o 

b) Vorträge 

o 

o 

o 

o 

c) Arbeitskreise, Gruppen- 
arbeit zu bestimmten 
Themen 

o 

o 

o 

o 

d) Besichtigungen auswärtiger 
medizinischer Einrich- 
tungen 

o 

o 

o 

o 

e) Besichtigungen psychiatri- 
scher Einrichtungen 

o 

o 

o 

o 

f) Einführungskurse für 
neue Mitarbeiter 

o 

o 

o 

o 


g) andere Fortbildungsveranstaltungen, welche? . . 


239 



Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


26. Von wem geht gewöhnlich die Initiative zu 
solchen Fortbildungsveranstaltungen aus? 

(Mehrere Angaben möglich) 

a) vom Pflegepersonal O 

b) von Ärzten O 

c) von leitenden Schwestern/Pflegern O 

d) von UnterrichtsschwesternZ-pflegern .... O 

e) vom Personalrat O 

f) von wem sonst? 

g) weiß ich nicht O 

h) es gibt keine solchen Veranstaltungen . . O 


27. Welchen Eindruck haben Sie: Wer besucht 
solche Fortbildungsveranstaltungen hauptsäch- 


lich? 

(Bitte nur eine Nennung) 

a) Ärzte O 

b) Pflegepersonal O 

c) Schüler O 

d) es gibt keine Fortbildungsveranstaltun- 
gen O 


28. Wie oft finden im allgemeinen Fortbildungs- 


veranstaltungen statt? 

a) mehrmals pro Monat O 

b) im Abstand von 4 bis 6 Wochen O 

c) seltener O 

d) überhaupt nicht O 

e) weiß ich nicht O 


29. Wann und wo finden solche Fortbildungsver- 
anstaltungen hauptsächlich statt? 

(Bitte nur eine Angabe, und zwar den häufig- 


sten Fall) 

a) im Krankenhaus und in der Dienstzeit . . O 

b) im Krankenhaus außerhalb der Dienst- 
zeit O 

c) außerhalb des Krankenhauses, aber in 

der Dienstzeit O 

d) außerhalb des Krankenhauses und außer- 
halb der Dienstzeit O 

e) weiß ich nicht O 

f) es gibt keine Fortbildungsveranstaltun- 
gen O 


30. Gibt es auch Fortbildungsveranstaltungen für 
einen geschlossenen Personenkreis (z. B. nur 


für StationsschwesternZ-pfleger oder nur für 
ausländisches Pflegepersonal)? 


ja O 

nein O 

weiß ich nicht O 


31. Gibt es in diesem Krankenhaus: 
(Bitte für jeden Punkt eine Angabe) 


Fortbildungsmaßnahmen 

(0 

'S 

G 

weiß idi nicht 

a) Fachbücher für das Pflege- 
personal in der Bibliothek 

o 

O 

o 

b) Fachzeitschriften für das 
Pflegepersonal 

o 

o 

o 

c) HauszeitungZlnformations- 
blätter 

o 

o 

o 


32. Wenn Sie an einer Fortbildungsveranstaltung 
außerhalb Ihrer Dienstzeit teilnehmen, wie wird 


das im allgemeinen abgegolten? 

a) gar nicht O 

b) in Form von Freizeit O 

c) als Überstunden angerechnet O 

d) wie sonst? 

e) weiß ich nicht O 


33. Fortbildung findet ja nicht nur durch Vorträge 
oder Buchlektüre statt; gibt es in Ihrem jetzigen 
Arbeitsbereich: 


'S 

Fortbildungsmaßnahmen .g 


a) regelmäßige Fallbespre- 
chungen o o o 

b) Austausch von Beobach- 
tungen verschiedener 
Berufsgruppen über be- 
stimmte Patienten (z. B. 
durch Beschäftigungs- 
therapeuten, Sozialarbeiter, 

Ärzte und Pflegepersonal) O O O 

c) systematische Anleitung 
(z. B. bei Einführungen 

neuer Therapieformen) O O O 

d) andere ähnliche Maßnahmen, welche? 


240 



x w; P^tsd^er Bi^dqstag — ^ DfÜCksachjg 


"34. Wissen- Siö^V öb es Woanders m dieser Klinili 
5 diese Maßnahmen (auch) gibt?. 


Fortbildungsmaßnahmen 

^fO 

Ö V 

‘S 

c 

weiß Ich nicht 

a) regelmäßige Fallbespre- 




chungen 

. p"; 


i.P 

b) Austai^ch von Beobach- 
tungen verschiedener 
Berufsgruppen 

O 

•Q 

O 

c) systematische Anleitung 

r© 


. o ■ 


d) andere ähnlidie Maßnahmen, welche? 


35, Man hört oft die Meinung, Fortbildungsmaßnah- 

. mesri ini^ Syippe (|er Fragen, 33 seie^ f;hr^ 

die Bewältigung der Probleme im beruflichen 
Alltag Icautn von Nutz^. Wie beurteilen< Sie : 
das: 

Ist Ihneh die Föftbildutig so, “wie sie gegenwär- 
tig in diesem Krankenhaus gehandhabt wird, 
nützlich für Ihren Berufsalltag? 

sehr nützlich ' . : ; . .... . . . . . ... O 

nützlich .V. . : * . : . : -.r: .4 . „ . . . . ... . O 

wenig nützlich i . i>. V . G 

unnütz .j,. O 

' kann ich nicht beurteilen^. 0 ... . . . . . . : . . . ; Ö 

es gibt keine Fortbildungs Veranstaltungen 
(im Sinne der Fragen 33 und 34) ^ . . . ; . ^ . . . O 

36. Welche Wünsche, Vorschläge oder Anregun- 
gen zur Fortbildung haben Sie selbst außer 
denen, die bereits hier genannt worden sind? 


37. Nun gibt es auch Fortbildungsveranstaltungen, 
die außerhalb des Krankenhauses durchgeführt 
werden; hierzu gehören z. B. Tagungen und 
Kongresse. Erfahren Sie von solchen Fortbil- 
: dtui^igsmaßnahmen SuBerhalb xÖeSes Kranken- 
hauses? 

nein O 

ja O und zwar durch 


38. Haben Sie bereits an solchen Fortbildungsver- 
anstaltungen (Tagungen, Kongressen) außerhalb 
dieses Krankenhauses teilgenommen? 


nein O - - ^ • - 

O und , zwar handelte es sich um fob 
gendes: ^ .......... 



39. Wer trifft die Auswahl für die Teilnahme an 


Tagungen und Kongreßen? v ^ 

ä) Ärzte .“. O 

bj pflegerische Vorgesetzte O 

c) konnte mich selbst entscheldeil . . . 

d) weiß ich nicht O 

40. Muß man für, die Teilnahme an Tagungen und 
Kongressen finanzielle Opfer bringen? 

ja O 

nein . . . . . . . jO 

weiß ich nicht O 


41. Jetzt hätten wir gern noch gewußt, wie ,S4e 
über Ihre bbrüfliche Tätigkeit iin allgemeinen 
denken: Wenn Sie Angehörige oder Freunde 
beraten hatten, ob sie einen Ffle'§eberüf 
. in der Psychiatrie Wählen jsoUeh, würcien Sfe 
dann nach Ihren jetzigen Erfährüngeü öier zu- 
rateÄx)der eher abraten?/ ^ 

würde eher zuraten ..... ^ . ... . . ...... . . . . 

würde eher abraten G 

würde mich lieber raushalten O 



42. Und wie ist es mit dem Krankenpflegeberuf 
.. .ni/gemein: . Würden Sie Angehörigen ^ oder 
Freunden eher zuraten oder eher abraten? 


würde eher zuraten • . 

würde eher abraten O 

würde mich lieber raushalten O 


Soweit unsere ' Fragen zur Ausbildung,' Fort- ^ find* 
Weiterbildung. 

Für statistische Zwecke benötigen wir noch einige 
Daten zur Person; 


Geschlecht: 

männlich 



.. O 

weiblich ^ : , , . 



;.|0 

Alter: 

unter 20 Jahre 



. O 

21 bis 25 Jahre 


P V » « • 1 

. O 

26 bis 30 Jahre 

.... 


. O 

31 bis 40 Jahre 



. O 

41 bis 50 Jahre 




. O 

über 50 Jahre 




o 



Drucksache 7/4201 


Deutsdier Bundestag — 7. Wahlperiode 


45. Reli gionszugehöri gkei t : 


evangelisch O 

römisch-katholisch O 

andere, welche? 

keine O 

46. Familienstand: 

ledig O 

verheiratet O 

geschieden O 

verwitwet O 


47. Beruf des Vaters (falls pensioniert, Rentner 
oder verstorben, dann früheren Beruf angeben) 
Bitte genaue Bezeichnung angeben, z. B. Dre- 
her, Landwirt, selbständiger Kaufmann, Verwal- 
tungsinspektor; „Beamter" oder „Angestellter" 
genügt nicht I 


48. Wenn Sie verheiratet, geschieden oder verwit- 
wet sind: Beruf des Ehepartners: 


49. Schulbildung: 

(Bitte nur eine Angabe) 

Volksschule O 

Mittlere Reife bzw. entsprechender Abschluß O 
Abitur O 


50. Haben Sie vor der Krankenpflege eine oder 
mehrere berufliche Tätigkeiten ausgeübt? 

nein O 

ja O und zwar: 


Art der Tätigkeit 

mit abgesdilossener 
Ausbildung 

ohne abgesdilossene 
Ausbildung 

1. 

O 

O 

2. 

o 

o 

3. 

o 

o 

4. 

o 

o 


11 .1 Fragebogen für Helfer 

Lesen Sie bitte die einzelnen Fragen sorgfältig durch 
und kreuzen Sie das an, was für Sie zutrifft. Es ist 
besonders wichtig, daß keine Frage ausgelassen 
wird. Die Fragen sind so formuliert, daß Sie immer 
eine Angabe machen können; und wenn Sie z. B. 
über ein Problem nicht informiert sind, dann kreu- 
zen Sie bitte „weiß ich nicht" an. 


51. Welche Krankenpflegeausbildung besitzen Sie? 

a) dreijährige Ausbildung mit Examen .... O 

b) einjährige Ausbildung mit Anerkennung 
aufgrund langjähriger Berufspraxis .... O 

52. Examen in der Krankenpflege im Jahr 19 


53. Wo haben Sie Examen gemacht? 

a) am psychiatrischen Landeskrankenhaus O 

b) am allgemeinen Krankenhaus mit psych- 
iatrisch/neurologischer Abteilung O 

c) am allgemeinen Krankenhaus ohne 
psychiatrisch/neurologische Abteilung O 

d) an einer Universitätsklinik O 

e) anderswo und zwar: 


54. Wenn Sie heute nochmals wählen könnten: 
Würden Sie Ihre Ausbildung noch einmal an 
der Einrichtung machen wollen, an der Sie sie 
erhalten haben, oder befürworten Sie eine Aus- 


bildung an einer andersartigen Einrichtung? 

a) würde wieder an der gleichen Einrich- 
tung die Ausbildung machen O 

b) würde die Ausbildung lieber an einer 

andersartigen Einrichtung machen O 

und zwar an: 


55. Nach welcher Tarifgruppe sind Sie im Augen- 
blick eingestuft? (z. B. Kr. IV oder BAT 6 b) 

Nach 

56. Und als letztes möchten wir noch wissen, ob Sie 
vollzeitbeschäftigt oder teilzeitbeschäftigt sind: 


vollzeitbeschäftigt O 

teilzeitbeschäftigt O 


Wir danken Ihnen für Ihre freundliche Mitarbeit I 


Bei Unklarheiten fragen Sie bitte einen der Unter- 
suchungsleiter. 

Name nicht vermerken — und nun viel Spaß! 

1. Kennzeichnen Sie bitte als erstes Ihre jetzige 
Tätigkeit: 

Stationsdienst O 


242 



Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Dauernachtwache O 

Beschäftigungstherapie O 

Ambulanz O 

Arbeitstherapie O 

Sonstiges, welche? 


2. Handelt es sich dabei um eine: 

offene Abteilung o 

halboffene Abteilung o 

geschlossene Abteilung O 

keine der genannten Abteilungen O 


3. In welcher Art von Dienstverhältnis stehen Sie? 


Beamter(in) O 

Angestellte(r) O 

Arbeiter(in) O 


4. Seit wann arbeiten Sie in diesem Krankenhaus? 
Seit 19 ... . 

5. Auf welchen Abteilungen haben Sie in diesem 
Krankenhaus bisher gearbeitet? (einschließlich 


Ausbildungszeit und jetziger Tätigkeit) 

a) auf der Aufnahmestation O 

b) auf der neurologischen Station O 

c) bei chronisch Kranken O 

d) auf der gemischten Station (männl. u. 

weibl. Patienten) O 

e) bei Kindern O 

f) bei Alterskranken O 

g) im „festen Haus" O 

h) auf Station mit gemischten Krankheits- 
bildern O 

i) in der Beschäftigungs- bzw. Arbeitsthe- 
rapie O 

j) auf anderen Abteilungen, wo? 


6. Es folgt nun eine Liste von Tätigkeiten, die im 
Pflegebereich Vorkommen. 

Suchen Sie bitte zunächst die Tätigkeit aus, 
die im allgemeinen den größten Teil Ihrer täg- 
lichen Arbeitszeit in Anspruch nimmt, und 
schreiben Sie die Zahl „ 1 " dazu. 

Suchen Sie nun die Tätigkeit heraus, die den 
zweitgrößten Teil Ihrer Arbeitszeit ausmacht, 
und schreiben Sie eine „2" dazu. 

Und jetzt kennzeichnen Sie bitte noch die 
Tätigkeit mit einer „3", die Sie am drittstär li- 
sten in Anspruch nimmt. 


a) Ausführung medizinischer Maßnahmen Q 

b) Beaufsichtigung von Patienten Q 

c) Kontakte mit Besuchern (z. B. Ange- 
hörigen) Q 

d) Beteiligung an Arbeits/Beschäfti- 
gungstherapie n 

e) Sorge für Ordnung und Sauberkeit auf 

der Station Q 

f) Erledigung von Schreibarbeiten (z. B. 

Berichte schreiben: Kurven führen; 
Material anfordern) Q 

g) Umgang mit Patienten (z. B. Spiele, 

Sport, Gespräche führen) Q 

h) Hausarbeit (z. B. Essen austeilen; 

Putzen) Q 

i) andere Tätigkeiten, welche? 


7. Informieren sich die Arzte auf Ihrer Station 
beim Pflegepersonal über die Patienten? 


regelmäßig O 

nur in Krisensituationen O 

eigentlich gar nicht O 

weiß ich nicht O 


8. Und bekommen Sie von den Ärzten Informatio- 
nen über einzelne Patienten? 


regelmäßig O 

nur in Krisensituationen O 

eigentlich gar nicht O 

weiß ich nicht O 


9. Finden auf Ihrer Station Besprechungen zwi- 
schen Ärzten, Pflegepersonal und sonstigen 
therapeutischen Mitarbeitern statt? 

(Machen Sie bitte eine ungefähre Angabe) 


nein, gar nicht 

o 


weiß ich nicht 

o 


ja, regelmäßig 

o 

und zwar (bitte ange- 
ben, wie oft) 

ja, unregelmäßig 

o 

und zwar im Durch- 
schnitt (bitte angeben, 
wie oft) 


10. Angenommen, auf einer geschlossenen Abtei- 
lung sollten bestimmte Neuerungen eingeführt 
werden: Glauben Sie, daß unzumutbare Schwie- 
rigkeiten für das Pflegepersonal entstehen wür- 
den, wenn die Patienten dort: 


243 



Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Neuerungen 


ö 

'q; 

G 

kann ich 
nicht sagen 

a) eigene Kleidung hätten 

o 

O 

o 

b) Geschirr und Besteck 
haben dürften 

o 

O 

o 

c) täglich unzensiert schreiben 
könnten, an wen sie 
wollten 

o 

o 

o 

d) ein Mitspracherecht erhiel- 
ten, z. B. über den Tages- 
ablauf 

o 

o 

o 

e) Arbeitstherapie innerhalb 
des Krankenhauses wahr- 
nähmen 

o 

o 

o 


11. Oft ist die pflegerische Tätigkeit mit psychisch 
Kranken schwierig und bringt Enttäuschungen, 
Arger und Unsicherheit. Wenn Sie einmal an 
sich persönlich denken, haben Sie öfter solche 
Probleme mit den Patienten? 

nein O 

ja O was macht Ihnen da hauptsächlich 
Schwierigkeiten? 

a) Ungewißheit, ob man sich richtig verhält O 

b) Angst, daß man der Verantwortung für 
die Sicherheit der Patienten nicht gerecht 


wird O 

c) Arger über Besserwisserei und An- 
sprüche der Patienten O 

d) Unsicherheit wegen unzureichender Aus- 
bildung O 

e) anderes, was? O 


12. Haben Sie während des letzten Jahres (1972) 
hin und wieder fehlen müssen? 

(Bitte bei beiden Vorgaben je eine Angabe) 


Grund für Fehlen 



a) weil Sie sich nicht wohl 

fühlten O O O 

b) weil Sie schwerer erkrankt 

waren O O O 


13. In jedem Beruf kann man eigentlich immer noch 
etwas dazulernen; unter Fortbildung verstehen 
wir deshalb jede Form der Erweiterung der 
Berufskenntnisse. 


Wird in Ihrem Krankenhaus über das Thema 
„Fortbildung" im allgemeinen gesprochen? 


oft O 

manchmal O 

selten O 

nie O 

weiß ich nicht O 


14. Wie äußern sich im allgemeinen Ihre Kollegen 


über Fortbildung? 

sehr positiv O 

teilweise positiv O 

ist ihnen gleichgültig O 

ziemlich negativ O 

weiß ich nicht O 


15. Gibt es in Ihrem jetzigen Krankenhaus 
(Bitte bei jedem Punkt Angaben machen): 


Fortbildungsmaßnahmen 

fO 

s 

'3 

Ö 

weiß ich nicht 

selbst bereits 
teilgenommen 

a) Filmabende 

O 

o 

o 

o 

b) Vorträge 

O 

o 

o 

o 

c) Arbeitskreise, Gruppen- 
arbeit zu bestimmten 
Themen 

O 

o 

o 

o 

d) Besichtigungen auswär- 
tiger medizinischer 
Einrichtungen 

o 

o 

o 

o 

e) Besichtigungen psychiatri- 
scher Einrichtungen 

o 

o 

o 

o 

f) Einführungskurse für neue 
Mitarbeiter 

o 

o 

o 

o 


g) andere Fortbildungs Veranstaltungen, welche? 


16. Von wem geht gewöhnlich die Initiative zu 
solchen Fortbildungsveranstaltungen aus? 
(Mehrere Angaben möglich) 

a) vom Pflegepersonal O 

b) von Ärzten O 

c) von leitenden Schwestern/Pflegern O 

d) von UnterrichtsschwesternZ-pflegern ... O 

e) vom Personalrat O 

f) von wem sonst? 

g) weiß ich nicht O 

h) es gibt keine solchen Veranstaltungen . . O 


244 



Deutscher Bundestag — 7, Wahlperiode DrUCkSache 7/4201 


17. Welchen Eindruck haben Sie: Wer besucht sol- 
che Fortbildungsveranstaltungen hauptsächlich? 


(Bitte nur eine Nennung) 

a) Ärzte O 

b) Pflegepersonal O 

c) Schüler O 

d) es gibt keine Fortbildungsveranstaltun- 
gen O 


18. Wie oft finden im allgemeinen Fortbildungsver- 


anstaltungen statt? 

a) mehrmals pro Monat O 

b) im Abstand von 4 bis 6 Wochen O 

c) seltener O 

d) überhaupt nicht O 

e) weiß ich nicht O 


19. Wann und wo finden solche Fortbildungsveran- 
staltungen hauptsächlich statt? 

(Bitte nur eine Angabe, und zwar den häufig- 


sten Fall) 

a) im Krankenhaus und in der Dienstzeit . . O 

b) im Krankenhaus außerhalb der Dienst- 
zeit O 

c) außerhalb des Krankenhauses, aber in 

der Dienstzeit O 

d) außerhalb des Krankenhauses und 

außerhalb der Dienstzeit O 

e) weiß ich nicht O 


20. Wenn Sie an einer Fortbildungsveranstal- 
tung außerhalb Ihrer Dienstzeit teilnehmen, wie 
wird das im allgemeinen abgegolten? 


a) gar nicht O 

b) in Form von Freizeit O 

c) als Überstunden angerechnet O 

d) wie sonst? 

e) weiß ich nicht O 


21. Gibt es auch Fortbildungsveranstaltungen für 
einen geschlossenen Personenkreis (z. B. nur 
für StationsschwesternZ-pfleger oder nur für 
ausländische Pflegekräfte)? 


ja O 

nein O 

weiß ich nicht O 


22. Gibt es in diesem Krankenhaus: 
(Bitte für jeden Punkt eine Angabe) 


Fortbildungsmaßnahmen 

<ö 

B 

’S 

c 

weiß ich nicht 

a) Fachbücher für das Pflege- 
personal in der Bibliothek 

o 

o 

o 

b) Fachzeitschriften für das 
Pflegepersonal 

o 

o 

o 

c) Hauszeitung/Informations- 
blätter 

o 

o 

o 

Fortbildung findet ja nicht nur durch Vorträge 
oder Buchlektüre statt. Gibt es in Ihrem jetzi- 
gen Arbeitsbereich: 

Fortbildungsmaßnahmen 

td 

Ö 

'S 

Pi 

weiß ich nicht 

a) regelmäßige Fallbespre- 
chungen 

O 

o 

o 

b) Austausch von Beobach- 
tungen verschiedener 
Berufsgruppen über 
bestimmte Patienten (z. B. 
durch Beschäftigungsthera- 
peuten, Sozialarbeiter, 
Ärzte, Pflegepersonal) 

o 

o 

o 

c) systematische Anleitung 
(z. B. bei Einführung neuer 
Therapieformen) 

o 

o 

o 


d) andere ähnliche Maßnahmen, welche? 


24. Wissen Sie, ob es woanders in dieser Klinik 
diese Maßnahmen (auch) gibt? 


Fortbildungsmaßnahmen 

(Ü 

’S 

weiß ich nicht 

a) regelmäßige Fallbespre- 
chungen 

O 

o 

o 

b) Austausch von Beobach- 
tungen verschiedener 
Berufsgruppen 

o 

o 

o 

c) systematische Anleitung 

o 

o 

o 


d) andere ähnliche Maßnahmen, welche? 


245 



Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


25. Man hört oft die Meinung, Fortbildungsmaß- 
nahmen im Sinne der Fragen 23 und 24 seien 
für die Bewältigung der Probleme im beruf- 
lichen Alltag kaum von Nutzen. Wie beurteilen 
Sie das: 

Ist Ihnen die Fortbildung so, wie sie gegen- 
wärtig in diesem Krankenhaus gehandhabt 


wird, nützlich für Ihren Berufsalltag? 

sehr nützlich O 

nützlich O 

wenig nützlich O 

unnütz O 

kann ich nicht beurteilen O 

es gibt keine Fortbildungsveranstaltungen 
(im Sinne der Fragen 23 und 24) O 


26. Welche Wünsche, Vorschläge oder Anregungen 
zur Fortbildung haben Sie selbst außer denen, 
die bereits hier genannt worden sind? 


27. Nun gibt es auch Fortbildungsveranstaltungen, 
die außerhalb des Krankenhauses durchgeführt 
werden; hierzu gehören z. B. Tagungen und 
Kongresse. 

Erfahren Sie von solchen Fortbildungsmaßnah- 
men außerhalb dieses Krankenhauses? 
nein O 

ja O und zwar durch: 


28. Haben Sie bereits an solchen Fortbildungsver- 
anstaltungen (Tagungen, Kongressen) außer- 
halb dieses Krankenhauses teilgenommen? 
nein O 

ja O und zwar handelt es sich um fol- 
gendes: 


29. Wer trifft die Auswahl für die Teilnahme an 


Tagungen und Kongressen? 

a) Ärzte O 

b) pflegerische Vorgesetzte O 

c) konnte mich selbst entscheiden O 

d) weiß ich nicht O 

30. Muß man für die Teilnahme an Tagungen und 
Kongressen finanzielle Opfer bringen? 

nein O 

ja O 

weiß ich nicht O 


31. Nun hätten wir noch gern gewußt, wie Sie über 
Ihre berufliche Tätigkeit im allgemeinen den- 
ken: 


Wenn Sie Angehörige oder Freunde zu beraten 
hätten, ob sie einen Pflegeberuf in der Psych- 
iatrie wählen sollen, würden Sie dann nach 
Ihren jetzigen Erfahrungen eher zuraten oder 


eher abraten? 

würde eher zuraten O 

würde eher abraten O 

würde mich lieber raushalten O 


32. Und wie ist es mit einem Krankenpflegeberuf 
allgemein: würden Sie Angehörigen oder 
Freunden eher zuraten oder eher abraten? 


würde eher zuraten O 

würde eher abraten O 

würde mich lieber raushalten O 


Soweit unsere Fragen zur Ausbildung und Fortbil- 
dung. Für statistische Zwecke benötigen wir noch 
einige Daten zur Person: 


33. Geschlecht: 

männlich O 

weiblich O 

34. Alter: 

unter 20 Jahre O 

21 bis 25 Jahre O 

26 bis 30 Jahre O 

31 bis 40 Jahre O 

41 bis 50 Jahre O 

über 50 Jahre O 

35. Religionszugehörigkeit: 

evangelisch O 

römisch-katholisch O 

andere, welche? 

keine O 

36. Familienstand: 

ledig O 

verheiratet O 

geschieden O 

verwitwet O 


37. Beruf des Vaters (falls pensioniert, Rentner 
oder verstorben, dann früheren Beruf angeben) 
Bitte genaue Bezeichnung angeben, z. B. Dre- 
her, Landwirt, selbständiger Kaufmann, Ver- 
waltungsinspektor; „Beamter" oder „Angestell- 
ter" genügt nicht! 


38. Wenn Sie verheiratet, geschieden oder verwit- 
wet sind: 

Beruf des Ehepartners: 


246 



Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


39. Schulbildung: 

(Bitte nur eine Angabel) 

Volksschule O 

Mittlere Reife bzw. entsprechender Abschluß O 
Abitur O 


40. Haben Sie vor der Krankenpflege eine oder 
mehrere berufliche Tätigkeiten ausgeübt? 

nein O 

ja O und zwar: 


Art der Tätigkeit 

mit abge- 
schlossener 
Ausbildung 

ohne abge- 
schlossene 
Ausbildung 

1. 

0 

o 

2. 

o 

o 

3. 

o 

0 

4. 

o 

o 


41. Sind Sie für die Tätigkeit in der Krankenpflege 


speziell ausgebildet worden? 

nein, ich habe keine spezielle Ausbildung . . O 

ja, Ausbildung als Pflegehelfer/-in 

(Dauer der Ausbildung weniger als 
1 Jahr) O 

ja, Ausbildung als Krankenpflegehel- 
fer/in 

(Dauer der Ausbildung 1 Jahr) O 


42, Nach welcher Tarifgruppe sind Sie im 
Augenblick eingestuft? (z, B. Kr. I) 

Nach 

43. Und als letztes möchten wir noch wissen, ob Sie 
vollzeitbeschäftigt oder teilzeitbeschäftigt sind? 


vollzeitbeschäftigt O 

teilzeitbeschäftigt O 


Wir danken Ihnen für Ihre freundliche Mitarbeit! 


11.1 Fragebogen für Schüler 


Lesen Sie bitte die einzelnen Fragen sorgfältig durch 
und kreuzen Sie das an, was für Sie zutrifft. Es ist 
besonders wichtig, daß keine Frage ausgelassen 
wird. Die Fragen sind so formuliert, daß Sie immer 
eine Angabe machen können; und wenn Sie über 
ein Problem nicht informiert sind, dann kreuzen Sie 
bitte „weiß ich nicht" an, usw. 

Bei Unklarheiten fragen Sie bitte einen der Unter- 
suchungsleiter. 

Namen nicht vermerken — und nun viel Spaß! 

1. Zu Beginn möchten wir gern wissen, seit wann 
Sie in diesem Krankenhaus arbeiten? 

Seit 19 ... . 

2. Welche Krankenpflegeausbildung machen Sie? 

a) einjährige Ausbildung, 

also Schüler der Krankenpflegehilfe .... O 

b) dreijährige Ausbildung 

also Schüler der Krankenpflege O 

wievieltes Ausbildungsjahr? 

3. Zu welcher Art von Krankenhaus gehört 
Ihre Krankenpflege -Schule? 

a) Psychiatrisches Landeskrankenhaus .... O 

b) Allgemeines Krankenhaus mit 

psydiiatrisch/neurologisdier Abteilung O 


c) Allgemeines Krankenhaus ohne 
psychiatrisch/neurologische Abteilung . . O 

d) Universitätsklinik O 


4. Auf welchen Abteilungen haben Sie während 
Ihres Einsatzes in der Psychiatrie gearbeitet? 


a) auf der Aufnahmestation O 

b) auf der neurologischen Station O 

c) bei chronisch Kranken O 

d) auf der gemischten Station (männl. und 

weibl. Patienten) O 

e) bei Kindern O 

f) bei Alterskranken O 

g) im „festen Haus" O 

h) auf Station mit gemischten Krankheits- 
bildern O 

i) in der Beschäftigungs/Arbeitstherapie . . O 

j) auf anderen Abteilungen, wo? 


5. Jetzt möchten wir gern etwas über Ihre Aus- 
bildung erfahren: Haben Sie den Eindruck, daß 
manche Gebiete im Unterricht zu kurz kommen? 
Bitte beurteilen Sie jedes der folgenden Gebiete 
im Hinblick auf eine Tätigkeit im psychiatri- 
schen Pflegebereich: 


247 



Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Gebiete 

kommt 
zu kurz 

kommt nicht 
zu kurz 

kann ich noch 
nicht sagen 

a) Naturwissenschaftliche 
Fächer (z. B. Chemie, 

Physik, Physiologie) 

o 

o 

o 

b) Verhalten bei Zwischen- 
fällen (Suizide, Entwei- 
chungen, Fixierungen) 

o 

o 

o 

c) Familie und Umgebung 
des Patienten (Umgang mit 
Angehörigen, Arbeits- 
kollegen, Freunden) 

o 

o 

o 

d) Krankheitslehre (z. B. 
Neurologie, Chirurgie, 
innere Medizin) 

o 

o 

o 

e) Moderne Therapieformen 
(Rehabilitation, Milieu- 
therapie, Verhaltens- 
therapie) 

o 

o 

o 

f) Psychiatrie (z, B. Neurosen- 
lehre, Psychosenarten) 

o 

o 

o 

g) Sozialwissenschaftliche 
Fächer (Soziologie, Psycho- 
logie, Sözialarbeit) 

o 

o 

o 


h) oder welche Gebiete sonst? 


6. Es folgt jetzt eine Liste von Tätigkeiten, die im 
Pflegebereich Vorkommen. 

Suchen Sie bitte zunächst die Tätigkeit heraus, 
die Ihnen persönlich für die Ausbildung am 
wichtigsten erscheint, und schreiben Sie die 
Zahl „1" dazu. 

Suchen Sie jetzt dasjenige Gebiet heraus, das 
Ihnen für die Ausbildung am zweitwichtigsten 
erscheint und schreiben Sie die Zahl „2" dazu. 

Und nun kennzeichnen Sie bitte noch das- 
jenige Gebiet, das Ihnen für die Ausbildung am 
drittwichtigsten erscheint, mit der Zahl „3": 

a) Korrekte Ausführung medizinischer 


Maßnahmen (z. B. Verteilung von Me- 
dikamenten) 

b) Beaufsichtigung von Patienten und 

Verhinderung von Zwischenfällen ... Q] 

c) Kontakte mit den Besuchern (z. B. 

Angehörigen) Q] 

d) Beteiligung an Arbeits/Beschäfti- 
gungstherapie 

e) Sorge für Ordnung und Sauberkeit 

auf der Station Q] 

f) Sorgfältige Erledigung von Schreib- 

tischarbeiten (z. B. Berichte schreiben, 
Kurven führen, Material anfordern) . . [H 


g) Umgang mit Patienten (z. B. Spiele, 

Sport, Gespräche führen) 

h) andere Tätigkeiten, welche? 


7. Wurden im Verlauf Ihrer bisherigen Ausbil- 
dung die pflegerischen Aufgaben für folgende 
Ereignisse im Unterricht in Pflegeiächern be- 
sprochen? 

(Machen Sie bitte für jedes Ereignis eine An- 
gabe) 


Zwischenfälle 

bisher nicht 
besprochen 

gelegentlich 

erwähnt 

ausführlich 

besprochen 

a) Todesfälle 



o 

o 

O 

b) Suizide 



o 

o 

o 

c) Entweichungen 



o 

o 

o 

d) Fixierungen 



o 

o 

o 

Falls „gelegentlich erwähnt" oder „ausführlich 
besprochen" zutrifft: Wer brachte das zur 

Sprache? 

Einmal ganz abgesehen davon, ob die genann- 
ten Zwischenfälle im theoretischen Unterricht 
besprochen wurden oder nicht: 

Woher stammen Ihre gegenwärtigen Kennt- 
nisse über die pflegerischen Aufgaben und das 
richtige Verhalten bei derartigen Ereignissen 
zum überwiegenden TeiU 
(Bitte für jedes Ereignis nur eine Angabe) 


% e 

(U 

1 Kenntnisse hauptsächlich aus 

Zwischenfälle 

O "O 

QJ 

■sl « 

S £ß 

q; ^ ö 

*5 QJ 

TI Ö 

(0 > 

^ (ü Q} 

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a 

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^ S w 

Di M 

VI C 3 

CL, d, .Si 

ml« 

ö OJ 
(üCQ ? 

a) Todesfälle 

o 

O 

o 

o 


b) Suizide 

o 

O 

o 

o 


c) Entweichungen 

o 

O 

o 

o 


d) Fixierungen 

o 

O 

o 

o 



8. Es folgt nun wieder eine Liste von Tätigkeiten, 
die im Pflegebereich Vorkommen. 

Diesmal suchen Sie bitte zunächst die Tätig- 
keit aus, die im allgemeinen den größten Teil 
Ihrer täglichen Arbeitszeit in Anspruch nimmt, 
und schreiben Sie die Zahl „ 1 " dazu. 

Suchen Sie nun die Tätigkeit heraus, die den 
zweitgrößten Teil Ihrer Arbeitszeit ausmacht, 
und schreiben Sie die Zahl „2" dazu. 

Und jetzt kennzeichnen Sie bitte noch die 
Tätigkeit, die Sie am drittstärksten in An- 
spruch nimmt, mit der Zahl „3" : 


248 



Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


a) Ausführung medizinischer Maßnah- 

men (z. B. Verteilung von Medika- 
menten) 

b) Beaufsichtigung von Patienten 

c) Kontakte mit Besuchern (z. B. Ange- 
hörigen) 

d) Beteiligung an Arbeits/Besdiäfti- 

gungstherapie 

e) Sorge für Ordnung und Sauberkeit auf 

der Station 


f) Erledigung von Schreibtischarbeiten 

(z. B. Berichte schreiben, Kurven füh- 
ren, Material anfordern) [H 

g) Umgang mit Patienten (Spiele, Sport, 

Gespräche führen) Q 

h) Hausarbeit (z. B. Essen austeilen, Put- 

zen) □ 

i) andere Tätigkeiten, welche? 


9. Wie sind Ihre Erfahrungen: Kann man das, was 
man in der Theorie gelernt hat, im allgemeinen 
auch in der Praxis anwenden? 


ja, meistens O 

nur manchmal O 

fast nie O 


10. Wie oft hat in der letzten Woche Ihr(e) gegen- 
wärtige (r) StationsschwesterZ-pfleger mit Ihnen 
über pflegerische Probleme gesprochen? 


mehrmals täglich O 

im Durchschnitt täglich einmal O 

seltener O 


11. Informieren sich die Ärzte auf Ihrer Station 
beim Pflegepersonal über die Patienten? 


regelmäßig O 

nur in Krisensituationen O 

eigentlich gar nicht O 

weiß ich nicht O 


12. Und bekommen Sie von den Ärzten Informatio- 
nen über einzelne Patienten? 


regelmäßig O 

nur in Krisensituationen O 

eigentlich gar nicht O 

weiß ich nicht O 


13. Finden auf Ihrer Station Besprechungen zwi- 
schen Ärzten, Pflegepersonal und sonstigen the- 
rapeutischen Mitarbeitern statt? 

(Machen Sie bitte eine ungefähre Angabe) 

nein, gar nicht O 

weiß ich nicht O 


ja, regelmäßig 


O und zwar: (bitte ange- 
ben, wie oft) 


ja, unregelmäßig O und zwar im Durch- 
schnitt: (bitte angeben, 
wie oft) 


14. In jedem Beruf kann man eigentlich immer noch 
etwas dazulernen. Unter Fortbildung verstehen 
wir deshalb jede Form der Erweiterung der 
Berufskenntnisse. 

Wird in Ihrem Krankenhaus über das Thema 
„Fortbildung" im allgemeinen gesprochen? 


oft O 

manchmal O 

selten O 

nie O 

weiß ich nicht O 


15. Wie äußert sich das Pflegepersonal auf der 
Station im allgemeinen über Fortbildung? 


sehr positiv O 

teilweise positiv O 

ist ihnen gleichgültig O 

ziemlich negativ O 

weiß ich nicht O 


16. Gibt es in Ihrem jetzigen Krankenhaus: 
(Bitte bei jedem Punkt Angaben machen) 


Fortbildungsmaßnahmen 

(0 

G 

‘3 

ß 

weiß idi nicht 

selbst bereits 
teilgenommen 

a) Filmabende 

o 

o 

o 

o 

b) Vorträge 

o 

o 

o 

o 

c) Arbeitskreise, Gruppen- 
arbeit zu bestimmten 

Themen 

o 

o 

o 

o 

d) Besichtigungen auswär- 
tiger medizinischer Ein- 
richtungen 

o 

o 

o 

o 

e) Besichtigungen psychia- 
trischer Einrichtungen 

o 

o 

o 

o 

f) Einführungskurse für 
neue Mitarbeiter 

o 

o 

o 

o 


g) andere Fortbildungsmöglichkeiten, welche? 


249 



Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


17. Von wem geht gewöhnlich die Initiative zu 
solchen Fortbildungsveranstaltungen aus? 
(Mehrere Angaben möglich) 

a) vom Pflegepersonal O 

b) von Ärzten O 

c) von leitenden Sdiwestern/Pflegern O 

d) von UnterrichtsschwesternZ-pflegern ... O 

e) vom Personalrat O 

f) von wem sonst? O 

g) weiß idi nicht O 

h) es gibt keine solchen Veranstaltungen . . O 


18. Welchen Eindruck haben Sie: Wer besucht 
solche Fortbildungsveranstaltungen hauptsäch- 
lich? 

(Bitte nur eine Nennung) 

a) Ärzte O 

b) Pflegepersonal O 

c) Schüler O 

d) es gibt keine Fortbildungsveranstal- 
tungen O 

19. Wie oft finden im allgemeinen Fortbildungs- 


veranstaltungen statt? 

a) mehrmals pro Monat O 

b) im Abstand von 4 bis 6 Wochen O 

c) seltener O 

d) überhaupt nicht O 

e) weiß ich nicht O 


20. Wann und wo finden solche Fortbildungsver- 
anstaltungen hauptsächlich statt? 

(Bitte nur eine Angabe, und zwar den häufig- 


sten Fall) 

a) im Krankenhaus und in der Dienstzeit . . O 

b) im Krankenhaus außerhalb der Dienst- 
zeit O 

c) außerhalb des Krankenhauses, aber in 

der Dienstzeit O 

d) außerhalb des Krankenhauses und 

außerhalb der Dienstzeit O 

e) weiß ich nicht O 

f) es gibt keine Fortbildungsveranstal- 
tungen O 


21. Gibt es auch Fortbildungs Veranstaltungen für 
einen geschlossenen Personenkreis, z. B. nur 
für StationsschwesternZ-pfleger, oder nur für 
ausländisches Pflegepersonal)? 


ja O 

nein O 

weiß ich nicht O 


22. Gibt es in Ihrer Krankenpflegeschule bzw. in 
dem Krankenhaus: 

(Bitte für jeden Punkt eine Angabe) 


Fortbildungsmaßnahmen ^ 


G 

*5 

G 

weiß idi nicht 

a) Fachbücher in der 

Bibliothek 

O 

O 

O 

b) Fachzeitschriften 

o 

o 

o 

c) HauszeitungZInformations- 
blätter 

o 

o 

o 

Fortbildung findet ja nicht nur durch Vorträge 
oder Buchlektüre statt; gibt es in Ihrem jetzigen 
Arbeitsbereich: 

Fortbildungsmaßnahmen 

(d 

a 

‘S 

a 

weiß ich nicht 

a) regelmäßige Fallbespre- 
chungen 

o 

o 

o 

b) Austausch von Beobach- 
tungen verschiedener 
Berufsgruppen über 
bestimmte Patienten (z. B. 
durch Beschäftigungsthera- 
peuten, Sozialarbeiter, 

Ärzte und Pflegepersonal) 

o 

o 

o 

c) systematische Anleitung 
(z. B. bei Einführungen von 
neuen Therapieformen) 

o 

o 

o 


d) andere ähnliche Maßnahmen, welche? 


24. Wissen Sie, ob es woanders in dieser Klinik 
diese Maßnahmen (auch) gibt? 


Fortbildungsmaßnahmen 

(d 

JÜ 

'S 

G 

weiß ich nicht 

a) regelmäßige Fallbespre- 
chungen 

O 

O 

o 

b) Austausch von Beobachtun- 
gen verschiedener Berufs- 
gruppen 

O 

o 

o 

c) systematische Anleitung 

o 

o 

o 

d) andere ähnliche Maßnahmen, welche? 



250 



Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


25. Nun gibt es auch Fortbildungsveranstaltungen, 
die außerhalb des Krankenhauses durchgeführt 
werden. Hierzu gehören z. B. Tagungen und 
Kongresse. Erfahren Sie von solchen Fortbil- 
dungsmaßnahmen außerhalb dieses Kranken- 
hauses? 
nein O 

ja O und zwar durch: 


26, Haben Sie bereits an solchen Fortbildungsver- 
anstaltungen (Tagungen, Kongressen) außer- 
halb dieses Krankenhauses teilgenommen? 
nein O 

ja O und zwar handelt es sich um fol- 
gendes: 


27. Wer trifft die Auswahl für die Teilnahme an 


Tagungen und Kongressen? 

a) Ärzte O 

b) pflegerische Vorgesetzte O 

c) konnte mich selbst entscheiden O 

d) weiß ich nicht O 


28. Jetzt hätten wir gern noch gewußt, wie Sie über 
Ihre berufliche Tätigkeit im allgemeinen den- 
ken: 

Wenn Sie Angehörige oder Freunde zu beraten 
hätten, ob sie einen Pflegeberul in der Psych- 
iatrie wählen sollen, würden Sie dann nach 
Ihren jetzigen Erfahrungen eher zuraten oder 


eher abraten? 

würde eher zuraten O 

würde eher abraten O 

würde mich lieber raushalten O 


29. Und wie ist es mit einem Krankenpflegeberuf 
allgemein'? Würden Sie Angehörigen oder 
Freunden eher zuraten oder eher abraten? 


würde eher zuraten O 

würde eher abraten O 

würde mich lieber raushalten O 


Soweit unsere Fragen zur Ausbildung und Fortbil- 
dung. Für statistische Zwecke benötigen wir noch 
einige Daten zur Person: 


30. Geschlecht: 

männlich O 

weiblich O 

31. Alter: 

unter 20 Jahren O 

21 bis 25 Jahre O 

26 bis 30 Jahre O 

31 bis 40 Jahre O 

41 bis 50 Jahre O 

über 50 Jahre O 


32. Religionszugehörigkeit: 


evangelisch O 

römisch-katholisch O 

andere, welche? 

keine O 

33. Familienstand: 

ledig O 

verheiratet O 

geschieden O 

verwitwet O 


34. Beruf des Vaters (falls pensioniert, Rentner 
oder verstorben, dann früheren Beruf angeben) 
Bitte genaue Bezeichnung angeben, z. B. Dreher, 
Landwirt, selbständiger Kaufmann, Verwal- 
tungsinspektor; „Beamter“ oder „Angestellter" 
genügt nicht! 


35. Wenn Sie verheiratet, geschieden oder verwit- 
wet sind: 

Beruf des Ehepartners: 


36. Schulbildung: 

(Bitte nur eine Angabe) 

Volksschule O 

Mittlere Reife bzw. entsprechender Ab- 
schluß O 

Abitur O 


37. Haben Sie vor der Krankenpflege eine oder 
mehrere berufliche Tätigkeiten ausgeübt? 
nein O 

ja O und zwar: 


Art der Tätigkeeit 

mit abge- 
schlossener 
Ausbildung 

ohne abge- 
schlossene 
Ausbildung 

1. 

o 

o 

2. 

o 

o 

3. 

o 

o 

4. 

o 

o 


38. Wenn Sie heute nochmals wählen könnten: 
Würden Sie dann Ihre Ausbildung wiederum 
an der Einrichtung machen, an der Sie gegen- 
wärtig sind oder lieber an einer andersartigen 


Einrichtung? 

a) würde wieder an der gleichen Einrich- 
tung die Ausbildung machen O 

b) würde die Ausbildung lieber anderswo 
machen (z. B. Psychiatrisches Landes- 
krankenhaus, Allgemeines Krankenhaus, 

Universitätsklinik) O 

und zwar an: 


Wir danken Ihnen für Ihre freundliche Mitarbeit! 


251 



Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


11 .2 Fragebogen für UnterrichtsschwesternZ-pf leger 


Name der Einrichtung: 

1. Gibt es bei Ihnen die einjährige Krankenpüege- 
ausbildung'^ 

nein O 

ja O und wie viele Ausbildungsplätze 
gibt es? 

2. Wie viele Kursteilnehmer sind z. Z. tatsächlich 
in der einjährigen Ausbildung? 

Männer: 

Wie viele davon sind Ausländer? 

Frauen: 

Wie viele davon sind Ausländerinnen? 

3. Gibt es bei Ihnen die dreijährige Kranken- 
pflegeausbildung ? 

nein O 

ja O und wie viele Ausbildungsplätze 
gibt es? 

4. Wie viele Kursteilnehmer sind z. Z. tatsächlich 
in der dreijährigen Ausbildung? 

im 1. Jahr: 

Männer: 

Wie viele davon sind Ausländer? 

Frauen: 

Wie viele davon sind Ausländerinnen? 

im 2. Jahr: 

Männer: 

Wie viele davon sind Ausländer? 

Frauen: 

Wie viele davon sind Ausländerinnen? 

im 3. Jahr: 

Männer: 

Wie viele davon sind Ausländer? 

Frauen: 

Wie viele davon sind Ausländerinnen? 

5. Wann fand das letzte Examen der dreijährigen 
Ausbildung statt? 

Jahr: 19 . . . Monat: 

6. Wie groß war diese letzte Examensgruppe? . . . 


7. Wie groß war die vorletzte Examensgruppe? 


8. Wie viele Schwestern/Pfleger schieden nach 
dem letzten Examen aus? 

Schwestern 

Pfleger 

weiß ich nicht O 


9. Wie viele Unterrichtsschwestern sind am Haus 
beschäftigt? 

Wie viele Unterrichtspfleger sind am Haus be- 
schäftigt? 

10. Welche Ausbildung besitzen Sie selbst? 


11. Welche Ausbildung haben die anderen Unter- 
richtsschwesternZ-pfleger? 


12. Für welche Fächer werden Dozenten von außer- 
halb herangezogen? 


13. Gibt es einen eigenen Schuletat? 
nein O 

ja O wie hoch ist er? 

14. Welche Unterriditshilfsmittel stehen Ihnen zur 

Verfügung? 


15. Gibt es bei Ihnen einen Lehrplan? 
nein O 

ja O wenn möglich, bitte beifügen! 

16. Untersteht die Krankenpflegeschule der Leitung 
des Pflegedienstes oder ist sie ein eigenstän- 
diger Bereich? 

ist ein eigenständiger Bereich O 

untersteht der Leitung des Pflegedienstes . . O 

17. Welchen Problemkreis sehen Sie aus Ihrer Si- 

tuation heraus als besonders vordringlich in der 
psychiatrischen Pflegeausbildung an? 


Vielen Dank für Ihre freundliche Mitarbeit! 


252 



Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode PrUCkSSChG 7/4201 


11 .3 Fragebogen für die Verwaltung 

Strukturdaten der Einrichtung 

Datum: 

Ort: 

Einrichtung: 

Gesprächspartner: 

Gesprächsklima: 


1. Planstellen für Pflegepersonal 

a) Anzahl der bewilligten Planstellen insgesamt: 

b) Planstellen besetzt von: 


Examinierten | 

1 Krankenpflegern/Pflegehelfern 

1 Unausgebildete 

m 

1 w 

1 

1 w 

1 m 1 

w 








c) Anzahl der nichtbesetzten Planstellen: 

2. Ausländische Pflegekräfte 

a) Anzahl der ausländischen Pflegekräfte ins- 
gesamt: 

b) Grad des Ausbildungsniveaus: 


Examinierte 

Krankenpfleger/Pflegehelfer 

Unausgebildeten 

m 

w 

m 

w 

m 

w 








3. Ersatzdienstleistende 

Anzahl (jetzige Situation): 

4. Betten 

a) Bettenzahl: 

b) Anzahl der belegten Betten (jetzige Situa- 
tion) : 

5. Pflegekräfte 

a) Anzahl der Pflegekräfte, die am Tage der 

Befragung im Dienst sind: 

b) Anzahl der Pflegekräfte, die an der Befragung 

teilgenommen haben: 


253 





Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


11.4 Lernzielkatalog: FachschwesterZ-pfleger für Psychiatrie 


Organisation der Station zum therapeutischen 

Milieu: 

— Kenntnisse und Fertigkeiten zur Planung, Durch- 
führung und Kontrolle in den Bereichen Auf- 
nahme, Entlassung; therapeutische Haushaltsfüh- 
rung; Umgang mit Patienten; Teamarbeit; Außen- 
kontakte 

— • Planung und Durchführung von Aktivierungs- 
gruppen 

— Durchführung und Leitung von Haus- und Sta- 
tionsversammlungen mit Patienten und therapeu- 
tischen Mitarbeitern 

— Erkennen und Ansprechen von Gruppenpro- 
zessen 

— Kenntnisse und Fertigkeiten im Umgang mit den 
Angehörigen der Patienten 

— Praxisbezogene Anleitung von Schülern in der 
Psychiatrie (Schwerpunktsgebiet Psychiatrie) 


Rehabilitation und Nachsorge: 

— Kenntnisse und Fertigkeiten der intra-extramu- 
ralen Rehabilitation 

— Nachbetreuung entlassener Patienten 

— Organisatorische und therapeutische Aufgaben 
in Übergangseinrichtungen, insbesondere Pla- 
nung und Durchführung von Patientenclubs, auch 
in Zusammenarbeit mit Laienhelfern 

— > Praktische Tätigkeit nachgewiesen in den Berei- 
chen für Akutkranke, psychogeriatrisch Kranke, 
chronisch Kranke und Oligophrene; in einer teil- 
stationären sowie einer extramuralen Einrich- 
tung 

— Kenntnisse im psychiatrisch-medizinischen Be- 
reich; Sozialwissenschaftliche und psychologische 
Grundlagen; therapeutisch-pflegerische Kennt- 
nisse. 


11.5 Lernzielkatalog: Psychiatrische Krankenpfiegehelfer 


— Respekt und Verständnisbereitschaft als Grund- 
einstellung zum Patienten 

— Grundkenntnisse der psychiatrischen Krankhei- 
ten und ihre Behandlungsmethoden (somatische, 
psychotherapeutische, soziotherapeutische Be- 
handlungsmöglichkeiten) 

— Grundkenntnisse über den Umgang mit Gruppen 

— Durchführung von Aktivierungsgruppen nach 


Anleitung (Gesellschaftsspiele, Sport, Singen, 
Handarbeiten, Basteln) 

— Grundkenntnisse über die Organisation der Sta- 
tion zum therapeutischen Milieu (Aufnahme, 
Eigentum, Post, Körperpflege, Mahlzeiten, of- 
fene und geschlossene Abteilungen, Entlassung) 

— Arbeitstherapie und Beschäftigungstherapie als 
intramurale Rehabilitationsmöglichkeiten. 


254 



Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Literaturverzeichnis 


F r i e d e r i c h s , J.: Methoden empirischer Sozialforschung, Reinbek, Rowohlt- 
Verlag, 1973. 

H e m p r i c h , R. D. u. Kisker, K. P.: Die „Herren der Klinik" und die Patien- 
ten, Nervenarzt, 1968, Jg. 39, 10, S. 434 — 441. 

Kleining, G. u. Moore, H.: Soziale Selbsteinstufung, in: Kölner Zeitschrift 
für Soziologie und Sozialpsychologic, 20. Jg., 1968, Westdeutscher Verlag, Köln 
und Opladen, S. 502 — 552. 

Koch, J.-J.: Lehrer-Studium und Beruf. Einstellungswandel in den beiden Pha- 
sen der Ausbildung, Ulm, Süddeutsche Verlagsgesellschaft, 1972. 

Koester, H.: Die Risiken bei der Humanisierung in der Psychiatrie, in: Das 
ärztliche Gespräch, 1970, 12, S. 27 — 46. 

Kukla, R.; Krankenschwestern in der Psychiatrie, Diplomarbeit am Soziologi- 
schen Seminar der Universität Köln, 1971. 

Mangold, W.: Gruppendiskussionen, in: Handbuch der empirischen Sozial- 
forschung, Bd. I, Ferdinand-Enke- Verlag, Stuttgart 1967, S. 209 — 225. 

Mayntz, R., Holm, K., Hübner, P.: Einführung in die Methoden der 
empirischen Soziologie-, Westdeutscher Verlag, Köln und Opladen, 1969. 

Moll,J.: Einstellungen des psychiatrischen Pflegepersonals im Landeskranken- 
haus Weinsberg, Inaugural-Dissertation an der Universität Mannheim, 1973, 
unveröffentlicht. 

Pinding, M., Thomae, J., Kirchlechner, B.: Krankenschwestern 
in der Ausbildung, G.-Thieme-Verlag, Stuttgart 1972. 

Scheuch, E. K.: Das Interview in der Sozialforschung, in: Handbuch der em- 
pirischen Sozialforschung, Bd. I, F.-Enke-Verlag, Stuttgart, 1967, S. 136 — 196. 


255 



DrUCkS3Ch6 7/4201 Deutsdier Bundestag — 7. Wahlperiode 


Autoren 

V. Freytag-Loringhoven, Eva-Maria, Magister Artium der Soziologie, 
Psychologie und Zeitungswissenschaft, geh. 1946. Seit November 1972 Voll- 
zeitmitarbeiterin bei der Projektgruppe „Ausbildungsangebot für psychiatrisches 
Pflegepersonal". 

Anschrift: 355 Marburg, Fähnrichsweg 18. 

Gante, Karin, Leiterin des Fortbildungszentrums für Krankenpflege im Be- 
rufsfortbildungswerk des DGB in Frankfurt/Main, geb. 1943. 1969 bis 1971 
Pflegedienstleitung der Augenklinik im Stadt. Krankenhaus Frankfurt-Höchst, 
1971 bis 1972 dortselbst Leitende Schwester für Organisation, Werbung und 
Öffentlichkeitsarbeit. Beraterin der Projektgruppe in Ausbildungsfragen. 

Anschrift: 6 Frankfurt/Main, Stegstraße 50. 

Koch, Dr. rer. soc., Jens-Jörg, Prof, für Psychologie an der Technischen Hoch- 
schule Darmstadt, geb. 1939, Veröffentlichungen u. a. aus dem Bereich der 
Psychologie und Soziologie von Krankenpflegeberufen und der Bildungsfor- 
schung, insbesondere zur beruflichen Sozialisation. Sozialwissenschaftlicher 
Berater der Projektgruppe. 

Anschrift: 6101 Reinheim, Schäferweg 11. 

Rave-Schwank, Dr. med. Maria, Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie, 
Psychotherapie, geb. 1935. 1968 bis 1973 leitende Ärztin der Tagesklinik der 
Sozialpsychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg-Mannheim, 1970 bis 1973 
dort Ausbildungsleiterin der Sozialpsychiatrischen Fachausbildung für Schwe- 
stern/Pfleger. Mitglied der Arbeitsgruppe „Berufliche Bildung in der (Sozial-) 
Psychiatrie" der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Mitglied der Arbeits- 
gruppe Ausbildung und Personal der Sachverständigenkommission zur Erstel- 
lung der Enquete über die Lage der Psychiatrie in der Bundesrepublik Deutsch- 
land. Leiterin der Projektgruppe. Veröffentlichungen aus dem Bereich der 
psychiatrischen Krankenpflege und der Rehabilitation chronisch psychisch Kran- 
ker. 

Anschrift: 5 Köln 41, Nassestraße 32. 


Wir danken Frau Dr. med. Maria Pinding für ihre Beratung und Mitarbeit; 

ferner dem Statistischen Landes- und Bundesamt Wiesbaden für die freundliche 
Mithilfe bei der Beschaffung der statistischen Unterlagen 

sowie allen Pflege- und Verwaltungskräften im Bundesland Hessen, die durch 
ihre Aufgeschlossenheit und Mitarbeit wesentlich zu der vorliegenden Unter- 
suchung beigetragen haben. 

Die Verfasser 


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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Ausbildungsprogramme und Ausbildungsplanung an den Ausbildungsstätten 
für Beschäftigungstherapie bzw. Beschäftigungs- und Arbeitstherapie 
zur Ermittlung des psychiatrischen Ausbildungsantells 


von 

Christiane Haerlin 
und Ingrid Viethsen 

Gliederung 

Motivation zur Durchführung des Projektes 

Form der Durchführung 

Ergebnisse 

1. Die befragten Ausbildungsstätten 

2. Die Studierenden 

3. Die Ausbilder 

4. Einsatzgebiete 

5. Psychiatrische Schulen und Methoden 

6. Theoretischer Unterricht 

7. Vergleich der theoretischen Fächer 

8. Sollvorstellungen der Ausbildungsleiter 

9. Formen des Unterrichts 

10. Unterrichtsinhalt 
Tabelle I Diagnostik 
Tabelle II Allgemeine Therapie 

Tabelle III Beschäftigungstherapeutisdie Verfahren 
Tabelle IV Forschung und Methodik 
Tabelle V Angewandte Techniken 

11. Praktikumsstellen 
Diskussion der Ergebnisse 


Motivation zur Durchführung des Projektes 

Es wird in weiten Kreisen von ausgebildeten und in 
der Psychiatrie tätigen Beschäftigungstherapeuten 
bestätigt, daß die Ausbildung zum Beschäftigungs- 
therapeuten nicht genügend für den Einsatz in der 
Psychiatrie vorbereite. Da sich in den letzten Jah- 
ren innerhalb der Psychiatrie ein Wandel vollzieht 
zur Therapie und Rehabilitation, die über den sta- 
tionären Bereich hinaus die bestmögliche Wieder- 
eingliederung des psychisch Kranken in die Gesell- 
schaft anstrebt, muß sich auch die Beschäftigungs- 
therapie auf diese Zielsetzung hin wandeln. 


Daraus ergeben sich folgende Forderungen: 

A. Die Beschäftigungstherapie muß über den sta- 
tionären Rahmen hinaus mit dem Patienten zu- 
sammen Probleme seines späteren Lebens in der 
Gesellschaft bearbeiten. Dabei sind vor allem 
folgende Bereiche wichtig: 

— der Arbeitsbereich 

— der lebenspraktische Bereich (Hilfe zur 
Selbsthilfe) 

— der Bereich der gezielten Freizeitgestaltung 

Die auftauchenden Probleme dieser Bereiche 
müssen vom Beschäftigungstherapeuten sowohl 


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Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


im stationären Bereich, als auch im teilstationä- 
ren und ambulanten Bereich bearbeitet werden. 

B. Der Beschäftigungstherapeut kann diese Ziele 
nicht alleine in Einzeltherapie nur verfolgen, 
sondern wird dies in der Regel in Patientengrup- 
pen tun unter Berücksichtigung soziodynamischer 
Aspekte, 

Dabei muß sich der Beschäftigungstherapeut sei- 
ner spezifischen Mittel und Wege bedienen. Kurz 
zusammengefaßt ist die Beschäftigungstherapie 
gekennzeichnet durch nichtverbale Aktivitäten, 
die im Verlaufe der Therapie besprochen wer- 
den müssen und deren Sinn bewußt gemacht 
werden muß, um voll therapeutisch wirksam zu 
werden. 

Diese Therapie muß mit den anderen Teammit- 
gliedern abgesprodien werden unter Berücksich- 
tigung von Rollenüberlappungen und Rollenab- 
grenzungen. 

Darüber hinaus gibt es Therapieformen, die von 
mehreren Teammitgliedern ausgeführt werden, 
auch von dem Beschäftigungstherapeuten (Grup- 
pentherapien, Patientenmeetings, Rollenspiel 
z. B.). 

C. Wenn man die unter A. und B. beschriebenen 
Aspekte berücksichtigt, spielt die Form der Aus- 
bildung, die Auswahl der Dozenten, die Art der 
Praktikumsstellen eine signifikante Rolle. 


Um diese Forderungen erfüllen zu können, muß der 
Studierende schon während der Ausbildung auf 
diese gelenkt werden. Es ergeben sich folgende 
Überlegungen für die Gestaltung der Ausbildung: 

ad A; 

Für diese Zielsetzung muß der Beschäftigungsthera- 
peut die Rolle des Menschen heute, die Rolle des 
Patienten und Behinderten in der Gesellschaft gut 
verstehen. Dazu tragen folgende Fächer bei: 

— Psychologie 

— Pädagogik 

— Soziologie 

Der Beschäftigungstherapeut muß über die Kenntnis 
des stationären Bereiches hinaus teilstationäre und 
ambulante Therapieformen kennenlernen und seine 
therapeutische Rolle auch dort finden. Die gelehrten 
fachspezifischen Techniken müssen auf die genann- 
ten Ziele ausgerichtet werden und über die Ver- 
mittlung handwerklich künstlerischer Techniken 
hinaus nur realistischere Techniken aus der Arbeits- 
welt und dem lebenspraktischen Bereich gelehrt 
werden. 

ad B: 

Für diese Formen der Therapie muß der Beschäfti- 
gungstherapeut seine eigene Persönlichkeit und 
deren Dynamik kennen und wissen, wie diese auf 
Patienten und andere Teammitglieder wirkt (Forde- 


rung der Selbsterfahrungsgruppe). Er muß gruppen- 
dynamische Prozesse verstehen können und thera- 
peutisch beeinflussen können, da er mehr in Grup- 
pen von Patienten arbeitet als mit einzelnen Pa- 
tienten. Er muß ein gutes Wissen über praktizierte 
Therapieformen anderer Teammitglieder haben, um 
seine spezielle Therapieform abzustimmen und zu 
integrieren in das gesamte therapeutische Pro- 
gramm. 

ad C: 

Gemäß der fundierten Erkenntnisse optimalen Ler- 
nens ist es dringend notwendig, daß die Unter- 
richtsform während der Ausbildung über die Form 
der Schulstunde oder des Vorlesungsstiles hinaus- 
geht. Es müssen moderne Medien eingesetzt werden 
zur größeren Effektivität. Es ist besonders wichtig, 
daß die Dozenten sich einig sind über die genannten 
Zielvorstellungen, da ihre Haltung Unterricht und 
Effektivität des Lernens wesentlich beeinflußt. Dies 
gilt in gleicher Weise für die Praktikumsleiter. 

Der Fragebogen ist auf diese Forderungen und Im- 
plikationen für die Ausbildung hin konzipiert und 
versucht den Ist-Stand der derzeitigen Ausbildungs- 
formen zu ermitteln, um besser erkennen zu können, 
wie groß die Diskrepanz zwischen diesem und den 
formulierten Sollvorstellungen ist. 

1. Form der Durchführung 

Zwischen dem 23. Juni 1973 und dem 17. August 
1973 fanden an fünf Fachschulen für Beschäftigungs- 
therapie und einer höheren Fachschule für Beschäf- 
tigungs- und Arbeitstherapie eine mündliche Befra- 
gung statt an Hand des beigefügten Fragebogens. 
Eine weitere Ausbildungsstätte erklärte sich im 
Oktober 1973 zu einer schriftlichen Befragung 

— mittels desselben Bogens — bereit. 

An alle Einrichtungen wurden dieselben Fragen ge- 
stellt. Einige Fragen ließen sich nicht eindeutig 
beantworten und gaben Anlaß für ein längeres Ge- 
spräch. Durch diese Art der Befragung fließen auch 
subjektive Erfahrungen und Meinungen in den Aus- 
wertungsbericht sowie einige zusätzliche sachliche 
Informationen. Der benötigte Zeitaufwand betrug 
fünf bis sieben Stunden pro Einrichtung, Die Befra- 
gung konzentrierte sich auf folgende Hauptpunkte: 

— ■ Unterrichtsinhalt 

— Unterrichtsformen 

• — Studierende und Ausbilder 

Ergebnisse 

In der Bundesrepublik Deutschland gibt es zur Zeit 
sieben Ausbildungsstätten für Beschäftigungsthera- 
pie: 

Staatlich anerkannte Schule für Beschäftigungs- 
therapie am Annastift e. V, 

(Orthopädische Heil- und Lehranstalt) 

3 Hannover-Kleefeld, Heimchenstraße 1 — 6 
Leiter der Schule; Prof. Dr. med, G, Hauberg 
Ausbildungsleiterin: Erika Witte 


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Drucksache 7/4201 


Höhere Fachschule für Besdiäftigungs- und Arbeits- 
therapie 

— Ergotherapie — 

der Landeshauptstadt München 

(öffentliche Schule) 

8 München 80, Bogenhauser Kirchplatz 3 
Schulleitung: Gerda Huchthausen 

Vorsitzender des ärztl. Beirates der Schule: Univ.- 
Prof. Dr. Georg Maurer 

Staatlich anerkannte Schule für Beschäftigungs- 
therapie 

1 Berlin-Dahlem, Oskar-Helene-Heim, 

Clayallee 229 

Leiter der Schule: Prof. Dr. med, Friedebold 
Technische Kursleiterin: Ilse Naumann 

Staatlich anerkannte Lehranstalt für Beschäftigungs- 
therapie an der Klinik und dem Rehablitationszen- 
trum Lippolsberg 

3417 Wahlsburg-Lippoldsberg 
Schulleitung: Dr. med. A. Koch, Inge Lausen 
Ausbildungsleiterin: Inge Lausen 

Staatlich anerkannte Lehranstalt für Beschäftigungs- 
therapie 

1 Berlin-Spandau 
Evangelisches Waldkrankenhaus 
Leiter der Schule: Dr. med. Stope 
Ausbildungsleiterin: Ursula BÖssenrodt 

Staatliche Lehranstalt für Beschäftigungstherapie 

1 Berlin- Wittenau 

Städt. Karl-Bonhoeffer-Heilstätten, 

Oranienburgstraße 285 

Leiter der Lehranstalt: Dr. med. Keup 

Ausbildungsleiterin: Sigrid Kleinert 

Staatlich anerkannte Lehranstalt für Beschäftigungs- 
therapie 

6230 Frankfurt/Main-Höchst 
Städtisches Krankenhaus, Gotenstraße 
Leiter der Lehranstalt: Dr. med. W. Beditoldt 
Technische Leiterin; Frauke Drees 

Eine achte Ausbildungsstätte ist im Aufbau an der 
Stiftung Rehabilitation in Heidelberg. Sie ist bei 
der Befragung nicht berücksichtigt worden. 

Ein echter Vergleich zwischen den Einrichtungen 
ist schwierig. Zunächst nimmt die höhere Fach- 
schule in München insofern eine Sonderstellung 
ein, als sie nicht an ein Krankenhaus angeschlossen 
ist wie die anderen sechs Einrichtungen. Außerdem 
ist sie die einzige Ausbildungsstätte, die auch im 
dritten Ausbildungsjahr ein Unterrichtsprogramm 
anbietet neben Praktika. Die anderen sehen im 
dritten Jahr während der ganzen Zeit ein Berufs- 
praktikum vor. Das dritte Ausbildungsjahr der 
Münchner Einrichtung ist in der ersten Jahreshälfte 
der Arbeitstherapie Vorbehalten. Diese wird an den 
anderen Einrichtungen nicht gelehrt. 


Von den sieben Ausbildungsstätten ist also eine un- 
abhängig, zwei angegliedert an orthopädische Kli- 
niken, zwei an allgemeine Krankenhäuser, eine an 
ein Krankenhaus für innere Erkrankungen mit Re- 
habilitationszentrum und eine an ein psychiatrisches 
Landeskrankenhaus. 

Ein Vergleich der Schulen wird zudem dadurch 
erschwert, daß in den einzelnen Bundesländern die 
Ausbildungs- und Prüfungsordnungen unterschied- 
lich sind. Dies soll sich mit dem für 1975 erwarteten 
Bundesgesetz zur staatlichen Anerkennung des 
Berufes ändern. 

2. Die Studierenden 

In der Bundesrepublik Deutschland gibt es augen- 
blicklich 210 bis 220 Ausbildungsplätze pro Jahr. 
Vier Ausbildungsstätten nehmen jedes Halbjahr 
Studierende auf, drei nur einmal pro Jahr. 

Im Durchschnitt beträgt die Schülerzahl pro Aus- 
bildungsgang 24 Plätze. Die höchste Zahl haben die 
Stätten, die einmal jährlich aufnehmen: Hannover 
34 Plätze, München 36, Lippoldsberg 36. Niedrigste 
Zahlen haben die Berliner Stätten mit 10 bis 12 
Plätzen pro Ausbildungsgang. 

Die Studierenden bringen sehr unterschiedliche Vor- 
aussetzungen für die Ausbildung mit. 

Das Mindestalter beträgt je nach Einrichtung zwi- 
schen 18 und 20 Jahre. 

Schulische Voraussetzungen (durchschnittlich) : 

20®/o Abitur 

50 Mittlere Reife und eine Berufsausbildung, 
davon 20 Vo mit Berufserfahrung 

10 Vo Fachoberschule oder Primareife u. ä. 

20 Vo nur Mittlere Reife 

Schüleranmeldungen pro Jahr: 


Hannover 10 bis 100 

München 400 

Berlin, Oskar-Helene-Heim 70 

Berlin, Karl-Bonhoeffer-Heim 60 bis 80 

Berlin, Waldkrankenhaus 160 bis 200 

Lippoldsberg 500 

Frankfurt 100 bis 160 


Diese Zahlen wurden von den Ausbildungsleitern 
geschätzt. Ganz exakte Zahlen konnten nicht gege- 
ben werden. Da die Wartezeit an den meisten Schu- 
len zwei bis drei Jahre beträgt, springen viele Bewer- 
ber ab. An den drei Berliner Ausbildungsstätten er- 
folgen die Anmeldungen oft gleichzeitig, so daß bei 
Addition der Anmeldungen pro Schule ein falsches 
Bild entstünde. Insgesamt muß aber in der Bundes- 
republik Deutschland mit mindestens 1 300 Anmel- 
dungen pro Jahr gerechnet werden. Von 1 300 Be- 
werbern müssen also 1 080 zurückgewiesen werden. 
Nur jeder fünfte Interessent kann die Ausbildung 
beginnen. Es konnte nicht ermittelt werden, wie- 


259 



Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


viele Bewerber ihre Bewerbung aus persönlichen 
Gründen selbst zurückziehen. 

Nach welchen Gesichtspunkten erfolgt die Selektion: 
An allen Einrichtungen ist das Datum der Anmel- 
dung und das Alter des Bewerbers (nicht unter 
18 Jahre) wichtig. 

Alle anderen Selektionskriterien werden uneinheit- 
lich gewertet. An drei Ausbildungsstätten wird der 
Schulabschluß und der Notendurchschnitt berücksich- 
tigt. Am gegensätzlichsten sind die Meinungen hin- 
sichtlich der Bedeutung der Persönlichkeitsstruktur 
des Bewerbers. Fast an allen Stätten wird ein psy- 
chologischer Eignungstest verlangt und zusätzlich 
ein persönliches Gespräch mit dem Ausbildungs- 
leiter, In München ist dieses Gespräch für die Auf- 
nahme ausschlaggebend. In Berlin, Waldkranken- 
haus, erfolgt die Auslese durch eine Sachbearbeiterin 
des Diakonievereins und durch den hauseigenen 
Psychologen im Gruppentest. Außerdem muß dort 
das Krankenpflegepraktikum, das bei allen Aus- 
bildungsstätten vor Beginn verlangt wird, (meist 
V 4 Jahr) im Waldkrankenhaus selbst abgeleistet 
werden. Dagegen wird in Frankfurt die Aufnahme 
nicht einmal vom „guten Eindruck" im persönlichen 
Gesnräch mit der Ausbildungsleiterin abhängig ge- 
macht. 

3. Die Ausbilder 

Der Unterricht in den medizinischen Fächern erfolgt 
durch Fachärzte. Sie werden durch die Leitung der 
Einrichtungen in Absprache mit den Praktikums- 
leiterinnen in der Psychiatrie berufen. Die Dozenten 
erhalten pro Unterrichtsstunde zwischen 18,50 DM 
(Frankfurt) und 25 DM (Berlin). Fünf der unterrich- 
tenden Fachärzte für Psychiatrie arbeiten in den 
großen psychiatrischen Anstalten wie z. B. Landes- 
nervenklinik Berlin oder Bethel. Ein Facharzt ist an 
einer neurologischen Klinik angestellt und einer 
in einer psychiatrischen Abteilung eines allgemei- 
nen Krankenhauses. Die Dozenten haben keine 
pädagogisch didaktische Qualifikation. Sie unter- 
richten auf Honorarbasis. Es gibt kein medizinisches 
Unterrichtsbuch, das auf den Beruf des Beschäfti- 
gungstherapeuten zugeschnitten ist. Die Ärzte er- 
teilen einen Unterricht, der sich weitgehend an dem 
Studium für Mediziner orientiert. So ist die Zwi- 
schenprüfung in Anatomie und Psychologie für Be- 
schäftigungstherapeuten eine Art Physikum en 
miniature. 

Die Ausbildungsleiter haben ebenfalls keine päd- 
agogische Qualifikation vorzuweisen. Es sind über- 
wiegend Beschäftigungstherapeuten, die zusätzliche 
Qualifikationen handwerklichen Inhalts erworben 
haben. Eine Ausnahme ist die Münchner Ausbil- 
dungsleiterin, die außer Beschäftigungstherapeutin 
fertig ausgebildete Studienrätin ist. 

Die Praktikumsleiter sind Beschäftigungstherapeu- 
ten ebenfalls ohne pädagogische Ausbildung. Sie 
sind voll im Klinikeinsatz und bilden dazu 2 bis 17 
Studierende im zweiten Ausbildungsjahr während 
des Schulpraktikums aus. Sie werden wie alle prak- 
tisch arbeitenden Beschäftigungstherapeuten besol- 


det. Nur in Hannover wird diesen aus dem Schul- 
fonds eine zusätzliche Vergütung gewährt. Dadurch 
hat die Schule auch Einfluß auf die Auswahl der 
Praktikumsleiter. Im Gegensatz dazu müssen die 
Ausbildungsleiter der anderen Einrichtungen froh 
sein, wenn sich irgendeine Klinik und deren Kräfte 
bereit erklären. Studierende aufzunehmen. 


4. Einsatzgebiete 

Die Ausbildungsleiter betonen, ohne differenzieren 
zu wollen, daß die Studierenden für alle Einsatzge- 
biete und Patienten, sei es mit akut oder chronisch 
Kranken, im stationären, teilstationären und ambu- 
lanten Bereich gleich gut ausgebildet werden müs- 
sen. 

Die Ärzte hingegen neigen dazu, die Beschäftigungs- 
therapeuten in ihrem Tätigkeitsgebiet einsetzen zu 
wollen. Bezeichnend ist, daß nur ein Arzt, der eine 
Nachtklinik leitet, die Notwendigkeit der Freizeit- 
gestaltung in der Nachtklinik durch Beschäftigungs- 
therapeuten betont. 

5. Psychiatrische Schulen und Methoden 

Umstritten ist auch die Frage, mit welchen neueren 
psychiatrischen Methoden die Beschäftigungsthera- 
pie vereinbart werden kann. Psychotherapie, Ver- 
haltenstherapie, Milieutherapie, medikamentöse, so- 
matische Therapie standen zur Diskussion. 

Psychotherapie kommt nach der Meinung der mei- 
sten Fachärzte nicht in Frage. Verhaltenstherapie 
und Milieutherapie fanden dagegen eher ihre Zu- 
stimmung. Umstritten war nur die medikamentöse, 
somatische Therapie, die als Voraussetzung für die 
Beschäftigungstherapie angesehen wird. 

6. Theoretischer Unterricht in Psychiatrie, 
Psychologie, Pädagogik und Sozioiogie 

Das Unterrichtsangebot für Psychiatrie, Neurologie, 
Psychotherapie beträgt durchschnittlich 74 Stunden 
pro Ausbildung, ist aber je Einrichtung sehr unter- 
schiedlich: 

Hannover 45 Stunden 

München 50 Stunden 

Berlin, O. H. H 60 Stunden 

Berlin, K. B. H 50 Stunden 

Berlin, Ev. W 98 Stunden 

Lippoldsberg 40 Stunden 

Frankfurt 176 Stunden 

Die hohe Stundenzahl in Frankfurt ergibt sich durch 
den zusätzlichen Unterricht in Psychotherapie. 

Der Unterricht in Psychologie erfolgt vorwiegend im 
ersten Jahr mit durchschnittlich 105 Stunden für die 
gesamte Ausbildungszeit. Bei Aufschlüsselung er- 
geben sich erhebliche Unterschiede: 


260 



Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Hannover 

65 


München 

160 

(1. Jahr) 


60 

(2. Jahr) 


120 

(3. Jahr) 

Berlin, O. H. H. 

66 


Berlin, K. B. H. 

140 


Berlin, Ev. W. . 

110 


Lippoldsberg . . 

60 


Frankfurt 

88 



Unterricht in Pädagogik und Soziologie finden an 
den Ausbildungsstätten nicht statt. 


7, Vergleich der Fächer Psychiatrie, Psychologie mit 
den Fächern Anatomie, Physiologie und 
Orthopädie 

Im ersten Ausbildungsjahr: 


Hannover 

Psychologie 

Anatomie, 

65 

Stunden 


Physiologie 

274 

Stunden 

Berlin, K. B. H. 

Psychologie 

Anatomie, 

140 

Stunden 


Physiologie 

208 

Stunden 

München 

Psychologie 

Anatomie, 

340 

Stunden 


Physiologie 

120 

Stunden 


— nicht ganz ausreichend für die später psychia- 
trisch orientierte Beschäftigungstherapeutin 

— leider fehlt die Zeit, um vor dem Praktikum in 
Psychiatrie Unterricht zu geben. 

— bei Verlängerung der Ausbildung sollte mehr 
Psychiatrie gelehrt werden. 

Eine Ausbildungsleiterin erklärte die für Psychiatrie 
angesetzten Stunden für zu gering. Auch ist es be- 
merkenswert, daß eine Ausbildungsleiterin 60 Stun- 
den für ausreichend, eine andere 176 für nicht aus- 
reichend erklärt. 

Psychologie: Vier Ausbildungsleiter sind der Mei- 
nung, die Stundenzahl in Psychologie sei ausrei- 
chend und günstig über die Ausbildungszeit verteilt. 
Zwei möchten die Stundenzahl erhöhen, betonen 
aber, daß die Zeit bei der Fülle des Programmes da- 
für nicht ausreiche. Bemerkenswert ist, daß eine 
Ausbildungsleiterin 60 Stunden für ausreichend, eine 
andere 340 für ausreichend erklärt. 

Pädagogik: Die Einführung dieses Fach würden die 
meisten Befragten begrüßen. Es ergab sich im Ge- 
spräch, daß darunter die Methodik der Beschäfti- 
gungstherapie verstanden wird. 

Soziologie: Es wird als Fach nicht rundweg abge- 
lehnt, aber es bestehen keine klaren Vorstellungen, 
was hier konkret gelehrt werden soll. 


In Hannover, die als erste Einrichtung richtungs- 
weisend für die anderen Schulen war, steht das Ver- 
hältnis Psychologie : Anatomie wie 1 : 4. 


9. Formen des Unterrichts 


Im zweiten Ausbildungsjahr: 

Es finden Praktika in drei verschiedenen Einrich- 
tungen statt. Nebenher erfolgt der theoretische Un- 


terricht. 



Hannover 

Psychiatrie, 

Neurologie 

45 Stunden 


Orthopädie 

110 Stunden 

Berlin 

Psychiatrie, 

Neurologie 

60 Stunden 


Orthopädie 

70 Stunden 


8. Sollvorstellungen der Ausbildungsleiter zu den 

Fächern Psychiatrie, Psychologie, Pädagogik, 
Soziologie 

Psychiatrie: Sechs Ausbildungsleiter erklären die 
Ausbildung in Psychiatrie für ausreichend. Drei da- 
von schränken diese Aussage etwas ein wie folgt: 


Die Form des Unterrichts ist in den einzelnen Fä- 
chern verschieden. Sie ist von der Persönlichkeit des 
Dozenten abhängig und wird bei fortgeschrittenen 
Semestern nicht verändert. Die dominierende Form 
in Psychiatrie ist die Vorlesung, die durch Sach- 
fragen und kurze Diskussionen unterbrochen wer- 
den kann. Nur in Psychologie werden auch freie Un- 
terrichtsformen gepflegt. Hier nähert sich die Aus-j 
bildungsweise dem universitären Seminarstil. Nur 
an einer Ausbildungsstätte werden auch Anregun- 
gen für das Selbststudium gegeben. Differenzierte 
Gruppenarbeit findet kaum statt. Audiovisuelle 
Hilfsmittel sind sehr wenig, an den meisten Stätten 
überhaupt nicht vorhanden. Interdisziplinären Un- 
terricht gibt es an keiner der aufgesuchten Ausbil- 
dungsstätten. Er wird von den meisten Ausbildungs- 
leitern abgelehnt, da sie davon eine geringe Berufs- 
bezogenheit erwarten. Ärzte lehnen ebenso wie 
Ausbildungsleiter Großgruppen ab. 


261 




Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Tabelle I 


10. Unterrichtsinhalt an den einzelnen Ausbildungsstätten 

Diagnostik 


Bereiche 

grober 

Überblick 

gutes 
theoreti- 
sches Wissen 

theoreti- 
sches Wissen 
und Fall- 
besprechung 

theoreti- 
sches Wissen 
und 

Einübung 

theoreti- 
sches Wissen 
und Praxis 
mitPatienten 

Psychotische Störungen 

Ha Fr 

Mü Bl B3 
B2 

Li 

— 

— 

Psychoneurotische Störungen 

Bl B3 Fr 

Mü B2 

— 

— 

Li 

Psychosomatische Störungen 

Ha Mü Bl 
Fr B3 B2 

— 

— 

— 

Li 

Persönlichkeitsstörungen 

Psychische Störungen mit organischer 

B3 

Mü B2 Fr 

Ha Li 

— 

— 

Ursache 

Verhaltensstörungen in Kindheit und 

Ha Mü Fr 

Li B2 

B3 


Bl 

Jugend 

Li Mü 

Fr 



— 

Verhaltensstörungen im Alter 

Li B3 Fr 

B2 

Ha B2 

-- 

- 

Suchten 

Mü Bl Li 

Fr Ha 

B3 B2 





Legende: 


Ausbildungsstätte Hannover 

Ha 

Berlin, 

Oskar-Helene-Heim 

Bl 

München 

Mü 

Berlin, 

Karl-Bonhoeffer-Heilstätten 

B2 

Frankfurt 

Fr 

Berlin, 

Waldkrankenhaus 

B3 

Lippoldsberg 

Li 





Im Fachbereich Psychiatrie wird den Schülern haupt- 
sächlich ein grober Überblick vermittelt. 25mal ent- 
schieden sich die Ärzte für diese Spalte, 15mal wird 
angegeben, daß gutes theoretisches Wissen beige- 
bracht wird. 

Fallbesprechungen und Praxis mit Patienten werden 
selten Inhalt der Unterrichtsstunde. Im ganzen ist 
eine Wertung schwierig, weil auch die Aussagen 
der Ärzte, ob sie einen groben Überblick geben oder 
gutes theoretisches Wissen vermitteln, relativ sind. 
Auffällig ist, daß Verhaltensstörungen in Kindheit 
und Jugend an vier Ausbildungsstätten, psycho- 
neurotische Störungen an einer Ausbildungsstätte 
nicht behandelt werden. 

Allgemeine Therapie wird im Unterrichtsfach Psych- 
iatrie nur sehr wenig berücksichtigt. Sollten Stu- 
dierende überhaupt in therapeutische Behandlungs- 
verfahren der Ärzte eingeweiht werden? 


Bei keiner anderen Frage wurden so kontroverse 
Meinungen vorgetragen. Am meisten Zuspruch be- 
kam das Fach Rehabilitation, am wenigsten die 
Prävention, psychotherapeutische Verfahren und 
Psychodrama. Drei Ärzte streben an, ihre Studie- 
renden über therapeutische Gemeinschaft und Ver- 
haltenstherapie zu informieren. Zwei Ärzte würden 
anstreben, in Gruppentherapie, Rehabilitation, Psy- 
chodrama und psychotherapeutische Verfahren zu 
unterrichten. Ein Arzt hält es nicht für notwendig. 
Studierende in Therapieverfahren — wie psycho- 
therapeutische Behandlung, Psychodrama, Psycho- 
pharmaka — einzuführen. Ein Arzt lehnt es grund- 
sätzlich ab. Studierende über die Therapieverfahren 
zu informieren, weil sie diese später nicht ausüben 
würden. Seiner Meinung nach braucht die Beschäfti- 
gungstherapeutin ebenso wenig Wissen über psy- 
chotherapeutische Verfahren und Verhaltensthera- 
pie wie über Hospitalisierung, Milieutherapie, Grup- 
pentherapie und Psychodrama. 


262 




Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 



Therapie, allgemein 



Tabelle II 

Bereiche 

grober 

Überblick 

gutes 
theoreti- 
sches Wissen 

theoreti- 
sches Wissen 
und Fall- 
besprechung 

theoreti- 
sches Wissen 
und 

Einübung 

theoreti- 
sches Wissen 
und Praxis 
mit Patienten 

Somatische Behandlungsverfahren .... 

Ha Mü 








Psychopharmaka 

Li B3 Fr 

B2 

— 


— 

Psychosoziale Behandlungsverfahren . . 

— 

— 

— 

— 

~ 

Klassische Analyse 

Mü B2 Fr 

— 

— 

— 

— 

andere psychotherapeutische Verfahren 

— 

— 

— 

— 

— 

Gruppentherapie 

Li B3 B2 Fr 

— 

— 

— 

— 

Hospitalisierung und Milieutherapie . . 

Ha Mü 

B3 B2 Fr 

— 

— 

— 

Prävention 

Bl 

— 

— 


— 

Therapeutische Gemeinschaft 

B3 B2 Fr 

— 

— 

— 

— 

Verhaltenstherapie 

Fr 

Mü B2 

— 

— 

— 

Psychodrama 

Li Fr 

— 

— 

— 

— 

Rehabilitation 

Fr 

— 

— 

— 

— 


MÜB1B3B2 






bezüglich der Abkürzungen vgl. Tabelle I 


Tabelle III 


Von der Beschäftigungstherapeutin verwendete Therapieverfahren 


Bereiche 

Hanno- 

ver 

München Frankfurt 

Lippolds- 

berg 

Berlin 1 

Berlin 2 

Berlin 3 

Kreative Gestaltungsthcrapie . . 

X 

X 


X 

V 

X 

Maltherapie 



X 


X 


Konzentrative Bewegungs- 







therapie 







Arbeitstherapie 


X 


X 


X 

Haushaltstraining 


X 

X 

X 

X 

X 

Andere lebenspraktische 







Übungen 



X 

X 


X 

Freizeitgestaltung 

X 

X 

X 

X 

X 

X 

Musiktherapie, Tanz, Rhythmik . 





X 



263 





Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Tabelle IV 


Forsdiung und Methodik 


Bereiche 


grober 

Überblick 


gutes 
theoreti- 
sches Wissen 


theoreti- 
sches Wissen 
und Fall- 
besprechung 


theoreti- 
sches Wissen 
und 

Einübung 


theoreti- 
sches Wissen 
und Praxis 
mitPatienten 


Psychologische Testverfahren 

Mü B 1 

B3 Ha 

Fr 

Statistik 

B3 


Beurteilungsbögen 

Mü B2 

Fr 

Ha 

Fragebögen 

Soziogramm 

Mü 

Ha 

Anamneseerhebung 

Fr 


Interviewtechnik 

Fr 



bezüglich der Abkürzungen vgl. Tabelle I 


Auf dieser Tabelle wurden fast alle Eintragungen 
nur unter Vorbehalten gemacht, denn in diesen 
Fächern wird den Studierenden kaum oder nur sehr 
vages Wissen vermittelt. 

Immerhin werden die Studierenden, außer an zwei 
Einrichtungen, mit psychologischen Testverfahren 
vertraut gemacht, über Patientenbeurteilungsbögen 
wird im allgemeinen im praxisbegleitenden Unter- 
richt informiert. Zwei Praktikastellen benutzen kei- 
ne Beurteilungsbögen mehr. 


264 




Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Tabelle V 


Angewandte Techniken der Beschäftigungstherapeutin in der Psychiatrie 


Bereiche 

Hanno- 

München 

Frankfurt 

Lippolds- 

Berlin 1 

Berlin 2 

Berlin 3 


ver 



berg 





Handwerkliche Techniken 

Holz 

Metall 

Ton 

Textilien 

Papier 

Flechten 

Technische^ industrielle Techniken 

Metall 

Kunststoff 

Technisches Zeichnen 

Elektronik 

Textil, Papierindustrie 

Kaufmännische Techniken . . . 

Gestalterischer Bereich 

Malen 

Plastisches Gestalten 

Musik 

Bewegung 

Graphisches Gestalten 

Haushaltsbereich 

(Kochen 

Waschen 

Raumpflege 

Haushaltsbudget 

Wohnungseinrichtung 

Lebenspraktischer Bereich 

Hygiene, Körperpflege 

Kosmetik, Haarpflege 

Verkehr 

öffentliche Einrichtungen . . . 
Umgang mit Geld 

Freizeitbereich 

Sport 

Spiele 

Hobbies 

Geselligkeit 

Kulturelle Veranstaltungen . 


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Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Die Beschäftigungstherapeuten verwenden haupt- 
sächlich Techniken, die sie im ersten Ausbildungs- 
jahr gelernt haben. Da an allen Ausbildungsstätten 
die handwerklichen und kunsthandwerklichen Tech- 
niken vermittelt werden, ist es naheliegend, daß 
diese in erster Linie angewendet werden. Tätigkei- 
ten aus dem Haushaltsbereich und lebensprak- 
tischen Bereich werden dagegen fast gar nicht in 
den Kliniken ausgeführt. 


11, Praktikumstellen 


Die Praktikumstellen befinden sich hauptsächlich in 
großen Anstalten mit mehr als 1 000 Betten: 

Hannover Wahrendorf'sche Anstalten Ilten 

München LKH Wasserburg a. Inn 

Universitätsnervenklinik München 

Lippoldsberg Bethel 

Berlin 1 Landesnervenklinik Berlin-Dahlem 

Berlin 2 Karl Bonhoeffer Heilstätten 

Berlin 3 Landesnervenklinik Berlin-Spandau 

Frankfurt Städtischen Krankenhaus Höchst, 

psychiatrische Abteilung 


Die Studierenden haben an den meisten Einrichtun- 
gen Einfluß auf die Reihenfolge der verschiedenen 
Praktika. Ein Psychiatriepraktikum ist an allen 
Schulen Pflicht. Praktikanten müssen eine Gruppe 
von drei bis zehn Patienten betreuen. Eine Lehrthe- 
rapeutin hat zwei bis 17 Studierende in der ange- 
wandten Beschäftigungstherapie anzuleiten. 

Feste Vereinbarungen zwischen Schule und Prak- 
tikumsstellen bestehen kaum. Liegt die Schule in der 
Nähe, so wird mündlich Kontakt gepflegt. Regel- 
mäßig angesetzte Besprechungen finden nur an drei 
Ausbildungsstätten statt (München, Hannover, Lip- 
poldsberg), 

An einer Einrichtung (München) gibt es zwei Praxis- 
leiterinnen, die den Kotakt zwischen Ausbildungs- 
stätte und Praktikumsstelle aufrechterhalten. 

Tägliche Besprechungen mit den Schülern finden an 
zwei Praktikumsstellen statt. Der praxisbegleitende 
Unterricht und der Fachunterricht in Psychiatrie 
findet außer an einer Schule immer an den Prak- 
tikumsstellen statt. 

In fünf Krankenhäusern wird den Studierenden Ein- 
blick in die Krankengeschichte gewährt und Zulaß 
zu Personalteambesprechungen gegeben. Bis auf 
eine Stelle dürfen die Studierenden an Visiten teil- 
nehmen. Bei Personalbesprechungen in der Beschäf- 
tigungstherapie sind die Studierenden immer anwe- 
send. Behandlungspläne werden von Beschäftigungs- 
therapGuten nie schriftlich und nur ab und zu münd- 
lich im Team festgelegt. Schriftliche Patientenbeob- 
achtungen und Beurteilung wird außer an zwei Prak- 
tikumstellen durchgeführt. 

Überall findet praxisbegleitender Unterricht statt. 
Eine psychiatrische Praktikumsarbeit wird nur noch 
von einer Ausbildungsstätte verlangt. 


Zwei Einrichtungen lassen die Studierenden nur 
eine Praktikumsarbeit aus dem zweiten Ausbil- 
clungsjahr nach freier Wahl schreiben. An zwei Aus- 
bildungsstätten findet nach Beendigung der Prak- 
tikumszeit eine Prüfung statt (Patientenvorstel- 
lung und schriftlicher Bericht). 

Die Studierenden werden nach einem Beurteilungs- 
bogen nach Ablauf der Praktikumszeit beurteilt. 

Jeder Studierende hat nach Meinung der Ausbil- 
dungsleiter genügend Gelegenheit, sich alleine oder 
im Klassenverband mit den Dozenten und der Schul- 
leitung auszusprechen. An einer Schule gibt es ein- 
mal pro Monat eine Vollversammlung (Studierende- 
Mitverwaltung). An anderen Ausbildungsstätten 
gibt es nur Vollversammlungen, wenn Probleme 
auftauchen. 

Teilweise gibt es im Unterrichtsfach „Gruppendyna- 
mik" schon Selbsterfahrungsgruppen bzw. Möglich- 
keiten, sich mit Psychotherapeuten auszusprechen. 

Diskussion der Ergebnisse 

Betrachtet man die Ergebnisse der Untersuchung 
im Vergleich zu den eingangs gestellten Forderun- 
gen und Implikationen für die Ausbildung, so wer- 
den die Diskrepanzen zwischen dem ermittelten 
Ist-Zustancl und dem formulierten Soll-Zustand sehr 
deutlich: 

ad A: 

Es ist zwar eine Selbstverständlichkeit, an allen 
Ausbildungsstätten die Fächer Psychiatrie und Psy- 
chologie zu lehren. Die Stundenzahl und Verteilung 
der Stunden auf die Ausbildungszeit schwankt aber 
beträchtlich. Sehr deutlich wird daraus die von den 
Ursprüngen der Beschäftigungstherapie herrüh- 
rende Orientierung an der Körpermedizin, beson- 
ders der Orthopädie. 

Die geforderten Fächer Pädagogik und Soziologie 
werden nicht gelehrt, es bestehen unterschiedliche 
Einstellungen dazu, zum Teil vage Vorstellungen 
über den Inhalt und Sinn dieser Fächer. Derzeit 
kann an den Ausbildungsstätten kein Trend zur Ein- 
führung dieser Fächer festgestellt werden. Das Feh- 
len soziologischer Betrachtungsweisen mag erklä- 
ren, warum Beschäftigungstherapeuten in der Psych- 
iatrie große Probleme haben, ihre Rolle und Funk- 
tion im Organismus einer Einrichtung zu verstehen 
und diese zu integrieren mit anderen Therapiefor- 
men. 

Uber den Einsatz in teilstationären und ambulanten 
Einrichtungen herrschen vage Vorstellungen oder 
je nach Dozenten rein zufällige Einstellungen. Die 
Rolle eines Beschäftigungstherapeuten in einer Ta- 
gesklinik oder in einem ambulanten Dienst wird an 
Hand des Unterrichts nicht geklärt. Dies mag einer 
der Gründe sein, warum es in diesen Einrichtungen 
kaum Beschäftigungstherapeuten gibt, obwohl es 
eine Vielzahl von nichtverbalen Aktivitäten gäbe, 
die dort durchgeführt werden könnten. Dies wird 
heute teilweise von anderen Teammitgliedern be- 
sorgt. 


266 



Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Es ist sehr auffallend, wie stark die in der Ausbil- 
dung vermittelten Techniken am handwerklich- 
künstlerischen Modell orientiert sind, obwohl sich 
heute bei — ■ in der Psychiatrie tätigen — Beschäf- 
tigungstherapeuten die Notwendigkeit für Tedini- 
ken aus dem vorberuflichen Bereich und dem lebens- 
praktischen Bereich schon sehr deutlich zeigt. Selbst 
der kaum mehr umstrittene Haushaltsbereich, der 
zunehmend zum Programm des Beschäftigungsthera- 
peuten gehört, wird nur von ganz wenigen Ausbil- 
dungsstätten berücksichtigt. 

ad B: 

Es wird weder in den Ausbildungsstätten noch in 
der Praxis genügend bedacht, daß die Kenntnis der 
eigenen Persönlichkeit und ihrer Dynamik für den 
Studierenden sehr wichtig ist in bezug auf seinen 
späteren therapeutischen Einsatz. Es finden keine 
Selbsterfahrungsgruppen oder nur ganz sporadische 
Ansätze bisher in den Ausbildungsstätten statt. Es 
herrscht auch unter Ärzten und Psychologen Un- 
sicherheit, inwiefern dies einem Studierenden der 
Beschäftigungstherapie bereits zugemutet werden 
kann. Wenn es in der Praxis am Arbeitsplatz in der 
Psychiatrie für den jungen Beschäftigungstherapeu- 
ten ausreichende Möglichkeiten der Selbsterfahrung 
gäbe, wäre es tatsächlich ratsam, diese nach der 
Ausbildungszeit stattfinden zu lassen. Da dies bis 
auf weiteres aber noch nicht abzusehen ist, sollten 
die Ausbildungsstätten etwa die Form der themen- 
zentrierten Selbsterfahrung weitgehend einführen. 

Gruppendynamik, Gruppentherapie wird hie und da 
in die Fächer Psychiatrie und Psychologie eingebaut. 
Die Informationen darüber sind in diesem Projekt 
zu ungenügend, als daß viel darüber gesagt werden 
kann. Es ist aber aus anderen Informationen be- 
kannt, daß über das Vermitteln der Techniken hin- 
aus kaum Zeit bleibt, diese in gruppendynamischer 
Form zu bearbeiten, um sie später so gezielter bei 
Gruppen von Patienten anwenden zu können. 

Interdisziplinärer Unterricht wird durchweg abge- 
lehnt, da befürchtet wird, daß die fachspezifischen 
Aspekte darunter leiden würden. Es ist aber bekannt 
von Ausbildungsstätten in anderen Berufsbereichen, 
daß bei gewissen interdisziplinären Unterrichtsfor- 


men das Verständnis für angrenzende Berufe wächst 
und Rollenüberlappungen und -abgrenzungen be- 
reits während der Ausbildung bearbeitet werden 
können. Dies trägt später zu einer schnelleren und 
sichereren Findung der eigenen Rolle bei. Gerade 
für Grundlagenfächer wie Psychiatrie, Pädagogik, 
Psychologie und Soziologie sollte die Form des 
interdisziplinären Unterrichts mit verwandten Beru- 
fen wie Physiotherapeuten, Berufstherapeuten, 
Sprachtherapeuten angestrebt werden. Im Ausland, 
besonders in jenen Ländern, die auf eine Ausbildung 
im Rahmen von Politechnischen oder Universitären 
Einrichtungen hinzielen (USA, Australien, England), 
wird dies bereits verwirklicht. In Deutschland wird 
dies für die in Planung befindliche Ausbildungs- 
stätte an der Stiftung Rehabilitation in Heidelberg 
angestrebt. 

ad C: 

Es ist in weiten Kreisen von Fachleuten der Unter- 
richtsgestaltung längst bekannt, daß der Medien- 
verbund eine sinnvolle und effektive Form des 
Unterrichts ist. Dies bedeutet, daß neben den tradi- 
tionellen Formen wie Vorlesung oder Frontalunter- 
richt die Form des Seminarstils, der Kleingruppen- 
arbeit, des Einsatzes von audiovisuellen Mitteln 
wichtig sind. In den befragten Ausbildungsstätten 
wird kaum anders als in Form des Frontalunter- 
richts gelehrt. Es ist dringend notwendig, daß an- 
dere Unterrichtsformen hinzukommen und Differen- 
zierungen gemacht werden zwischen Unterrihtsfor- 
men des ersten, zweiten, dritten Jahres. Selbst wenn 
audiovisuelle Mittel aus finanziellen Gründen 
shwierig einzusetzen sind, könnte der Seminarstil 
und Unterricht in kleinen Arbeitsgruppen bereits 
jetzt eingeführt werden. 

Darüber hinaus bieten die Dozenten und ihre Ein- 
stellung ein äußerst heterogenes, problematishes 
Bild. Es ist kaum zu verübeln, wenn Ärzte und 
Psyhologen für ein sehr geringes Entgelt diesen 
Unterriht als Nebensahe ansehen. Eine bessere 
Finanzierung sollten einhergehen mit einer Einfüh- 
rung und Instruktion der in Frage kommenden Do- 
zenten über die Ausbildungsanliegen und Zielset- 
zungen der studierenden Beshäftigungstherapeuten. 


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Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Ausbildungsprogramme und -planung an Fachhochschulen 
für Sozialwesen *) 


von 

Gerlinde Theine 

Gliederung 

I. Merkmale und Ziele der Reform 

II. Ausbildungsstätten, Träger, Fachbereiche, Numerus clausus, Ausbildungs- 
kapazität 

III. Organisation der Ausbildung, Eingangsvoraussetzungen, Lehrkörper 

IV. Inhalte der Ausbildung 
Grundstudium 

Haupt- bzw. Schwerpunktstudium 
Praktika 

V. Zusammenfassung 

VI. Diskussion 


I. Merkmale und Ziele der Reform 

Die Ausbildung von Sozialarbeitern und Sozialpäd- 
agogen wird seit etwa 1970/1971 umstrukturiert. 
Wesentliche Merkmale und Ziele dieses Prozesses 
sind 

a) Umwandlung von Höheren Fachschulen zu Fach- 
hochschulen für Sozialwesen, Neugründungen 
von Fachhochschulen und Fachbereichen an Ge- 
samtfachhochschulen und Gesamthochschulen für 
Sozialwesen 

b) Graduierung der Absolventen, d. h. Verleihung 
des akademischen Grades Sozialarbeiter grad. 
bzw. Sozialpädagoge grad. nach bestandenem 
Abschlußexamen 


*) Dieser Zusammenstellung liegen zugrunde 

a) Ergebnisse einer Untersuchung der Universität 
Konstanz „Sozialwesen an Fachhochschulen", lfd. 
Nr. PG 6, in: H. Pfaffenberger; Zur Situation der 
Studienrichtung Sozialwesen an Fachhochschulen 
und Gesamthochschulen, in: Nachrichtendienst des 
Deutschen Vereins für öffentliche und private Für- 
sorge, 53. Jahrg., 2, 1973; 

b) Auswertung von Studienbeschreibungen und Vor- 
lesungsverzeichnissen von einem Drittel aller Fach- 
hochschulen und Fachbereiche für Sozialwesen un- 
ter Berücksichtigung der verschiedenen Bundeslän- 
der und staatlicher und freier Träger; 

c) lfd. Untersuchung über Stellenausschreibungen für 
Sozialarbeiter und Sozialpädagogen, die durchge- 
führt wird von Studenten der Ev. Fachhochschule 
für Sozialwesen in Hannover. 


c) Zusammenführung der traditionell getrennten 
Teilbereiche Sozialarbeit und Sozialpädagogik 

d) Schaffung größerer und leistungsfähiger Ausbil- 
dungsstätten 

e) Erweiterung der Ausbildungskapazität 

f) Statusanhebung 

g) Qualifizierung der Ausbildung 

Die derzeitige Ausbildungssituation ist gekennzeich- 
net durch Diskussionen um Studienordnungen und 
Studieninhalte und durch Neugründungen von Fach- 
hochschulen bzw. Fachbereichen, so daß sich z. Zt. 
die inhaltliche Gestaltung der Studiengänge und 
auch die Anzahl der Ausbildungsstätten und -plätze 
ständig verändert. Deshalb können zu diesem Zeit- 
punkt nur mit Vorsicht Aussagen gemacht werden. 

II. Ausbildungsstätten, Träger, Fachbereiche, 
Numerus clausus, Ausbildungskapazität 

Die Ausbildung von Sozialarbeitern und Sozialpäd- 
agogen findet auf Fachhochschulebene statt und 
zwar in 

a) eigenständigen Fachhochschulen für Sozialwesen 

b) Fachbereichen für Sozialwesen an Gesamtfach- 
hochschulen 

c) Fachbereichen für Sozialwesen an Gesamthoch- 
schulen 


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Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Drucksache 7/4201 


Der Fachbereich Sozialwesen ist in der Regel in 

a) einem Fachbereich Sozialwesen zusammengefaßt 
oder 

b) in zwei Fachbereiche Sozialarbeit und Sozialpäd- 
agogik gegliedert. 

In der Bundesrepublik Deutschland gibt es z. Zt. 

48 Fachhochschulen bzw. Fachbereiche für Sozial- 
wesen, davon 

31 in staatlicher und 

17 in freier Trägerschaft (9 ev., 8 kath.) 

An den 48 Ausbildungsstätten sind die Fachbereiche 
wie folgt organisiert: 

28mal in einem Fachbereich Sozialwesen 

17mal in zwei Fachbereichen Sozialarbeit und So- 
zialpädagogik 

3mal ist der Bereich Sozialwesen als Teil oder 
Studiengang innerhalb eines umfassenderen Fachbe- 
reichs organisiert. 

Ausbildungskapazität : 

„Die studentischen Jahrgangsstärken aller FHS bzw. 
FBe für Sozialwesen zusammengenommen, haben 
sich seit WS 1969 ungefähr alle zwei Jahre an- 
nähernd verdoppelt. Sie betragen nämlich im SS 
1972 (immer bezogen auf die hier erfaßten Vs aller 
FHS): 

1 735 Studenten im 3. Ausbildungsjahr, 

2 455 Studenten im 2. Ausbildungsjahr, 

3 610 Studenten im 1. Ausbildungsjahr, 

4 635 Studenten als vorgesehene Neuaufnahme- 

Quote für das Studienjahr 1972/1973 

Demnach würden die Studentenzahlen 
im SS 1972 7 800 Studenten 

im SS 1973 10 700 Studenten und 

im SS 1975 rd. 14 000 Studenten betragen 

Immer unter der Annahme, daß 

a) keine neuen FHS und Fachbereiche für Sozial- 
wesen zu den vorhandenen hinzukommen, 

b) die existierenden FHS und FBe keine Kapazitäts- 
erweiterung mehr vornehmen, 

c) der Studienandrang unvermindert, d. h. bis zur 
Ausschöpfung der Kapazität anhält und 

d) die Studentenzahlen bis zum Regelabschluß nach 
sechs Semestern unverändert bleibt (d. h., daß in 
diesem Zusammenhang die Fälle von Studienab- 
bruch und Studienzeitverlängerung, Wiederho- 
lung der Prüfung usw. unberücksichtigt bleiben). 


1) Es wurden die Angaben der Untersuchung „Sozial- 
wesen an Fachhochschulen" zugrunde gelegt und er- 
gänzt. 

2) Vgl. hierzu H. Pfaffenberger, a. a. O., S. 32 ff. 


Unter den gleichen Voraussetzungen beträgt die 
voraussehbare durchschnittliche Studentenzahl ^) 

im SS 1972 290 Studenten je FHS bzw. 190 Stu- 

denten je OE 

im SS 1973 400 Studenten je FHS bzw. 260 Stu- 

denten je OE 

im SS 1975 515 Studenten je FHS bzw. 340 Stu- 

denten je OE 

Die durchschnittliche jährliche Aufnahmequote ab 
WS 1972/1973 würde wiederum unter den gleichen 
Voraussetzungen 170 Studenten je FHS und 115 
Studenten je OE betragen. Daraus läßt sich hoch- 
rechnen, daß die jährliche Ausstoßquote ab WS 
1975/1976 rd. 7 200 bis 7 800 Studenten bzw. Ab- 
solventen (berechnet auf die Gesamtheit aller FHS 
und OE) betragen wird. 

Statistisch ist dabei zu beachten, daß die berechne- 
ten Zunahmequoten (also die geschätzte Verdop- 
pelung der Studentenzahlen in jeweils zwei bis drei 
Jahren) relativ zuverlässig, die absoluten Zahlen 
dagegen weit unzuverlässiger, aber eher zu niedrig 
angesetzt sind. Hier muß ein Fehlerspielraum von 
20 bis 30 ®/o nach oben angenommen werden." 

Der genannten Untersuchung — Sozialwesen an 
Fachhochschulen — kann weiter entnommen wer- 
den, daß die Anzahl der Bewerbungen die der Stu- 
dienplätze noch übersteigt und praktisch an fast 
allen FHS Numerus clausus herrscht. 


III. Organisation der Ausbildung, Eingangs- 
voraussetzungen, Lehrkörper 

Die Ausbildung zum Sozialarbeiter grad, und So- 
zialpädagogen grad. dauert insgesamt vier Jahre. 

Es sind 

a) einphasige, d. h. achtsemestrige Ausbildungs- 
gänge mit integrierten Praxissemestern (Bayern 
und Baden-Württemberg) 

und 

b) zweiphasige, d. h. sechssemestrige Ausbildungs- 
gänge plus einjährigem Berufspraktikum nach 
bestandenem Abschlußexamen (alle übrigen 
Bundesländer) 

eingerichtet worden. 

Die Ausbildungszeit gliedert sidi in 

a) Grundstudium 

b) Haupt- bzw. Schwerpunktstudium 

c) Praktikumszeiten während des Grund- und 
Hauptstudiums 

d) Berufspraktikum (das Berufspraktikum entfällt 
bei der einphas. Ausbildung) 


1) Anmerkung: Als Organisationseinheit (OE) wird jede 
örtliche und administrative Einheit bezeichnet und 
gezählt, z. B. jede Unter gliederung in organisatorisch 
getrennte Fachbereiche und/oder örtlich getrennte Ab- 
teilungen einer Fachhochschule. 


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Drucksache 7/4201 


Deutscher Bundestag — 7. Wahlperiode 


Die Dauer der einzelnen Studienabschnitte beträgt: 
Grundstudium zwischen zwei und vier Semestern 
Hauptstudium zwischen drei und fünf Semestern 
Berufspraktikum ein Jahr 

Praktikumszeiten während der Ausbildung werden 
später beschrieben. 

Prüfungen 

Nach dem Grundstudium wird der Nachweis be- 
stimmter Leistungen und/oder eine Zwischenprü- 
fung verlangt, das Studium an der FHS schließt 
nach dem sechsten bzw. achten Semester mit einem 
staatlich anerkannten Abschlußexamen das Berufs- 
praktikum mit einem Kolloquium ab. 

Eingangsvoraussetzungen 

Als Eingangsvoraussetzung wird in der Regel 

a) Fachoberschulreife oder 

b) allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife 
oder 

c) Versetzung in die 13. Klasse oder 

d) Erzieher- bzw. Sozialpädagogenausbildung 

e) und der Nachweis eines Vorpraktikums (sofern 
nicht bereits in den anderen Voraussetzungen 
enthalten) 

verlangt. 

Die Ausbildung wird durch Fachhochschulgesetze 
geregelt. 

Lehrkräfte 

Lehrkräfte an Fachhochschulen und Fachbereichen 
für Sozialwesen sind 

a) Lehrkräfte mit einem abgeschlossenen Hochsciiul- 
studium und praktischer Berufserfahrung, inzwi- 
schen in der Regel Nachweis einer fünfjährigen 
Tätigkeit 

b) Lehrkräfte ohne abgeschlossenes Hochschulstu- 
dium (z. B. Sozialarbeiter und Sozialpädagogen), 
in der Regel mit abgeschlossener Zusatzausbil- 
dung und mehrjähriger Berufserfahrung. 

Der Lehrkörper setzt sich zusammen aus hauptbe- 
ruflichen Lehrkräften und Lehrbeauftragten. Die 
Gruppe der Lehrbeauftragten ist gewöhnlich sehr 
groß und übersteigt zuweilen die Gruppe der haupt- 
amtlichen Lehrkräfte. 

Die Lehrtätigkeit gliedert sich in die Bereiche 

a) wissenschaftliche Grundlagendisziplinen 

b) berufsbezogene Fächer 

c) Methoden der Sozialarbeit/Sozialpädagogik/Su- 
pervision 

d) Medienpädagogik 

Das Schwergewicht der Lehrtätigkeit akademisch 
vorgebildeter Lehrkräfte liegt im Bereich der wis- 


senschaftlichen Grundlagendisziplinen, das der Lehr- 
kräfte ohne abgeschlossenes Hochschulstudium im 
Bereich der Methoden einschließlich Praxisanleitung 
und Praxisberatung. 

Die Stundenbelastung aller Lehrkräfte ist hoch und 
beträgt zwischen etwa 18 und 24 Stunden, wobei 
die Stundenbelastung der Lehrkräfte mit abge- 
schlossenem Hochschulstudium etwas geringer (16 
bis 18, gelegentlich 20 Stunden) als die der nicht 
akademisch vorgebildeten Lehrkräfte (18 bis 24, 
gelegentlich 26 Stunden) ist. 

Mit de