Skip to main content

Full text of "17/14650 - Beschlussempfehlung und Bericht des Verteidigungsausschusses als 2. Untersuchungsausschuss gemäß Artikel 45a Absatz 2 des Grundgesetzes"

See other formats


Deutscher Bundestag 

17. Wahlperiode 


Drucksache 17/14650 


02. 09.2013 


Beschlussempfehlung und Bericht 

des Verteidigungsausschusses als 2. Untersuchungsausschuss 
gemäß Artikel 45a Absatz 2 des Grundgesetzes 


Beschlussempfehlung 


Der Bundestag wolle beschließen: 

Der Bericht des Verteidigungsausschusses als 2. Untersuchungsausschuss gemäß Artikel 45a Absatz 2 des Grundgeset- 
zes wird zur Kenntnis genommen. 


Berlin, den 26. August 2013 


Der Verteidigungsausschuss als 2. Untersuchungsausschuss 
gemäß Artikel 45a Absatz 2 des Grundgesetzes 

Dr. h. c. Susanne Kästner Markus Grübel Rainer Arnold Joachim Spatz 

Vorsitzende Berichterstatter Berichterstatter Berichterstatter 


Jan van Aken 


Berichterstatter 


Omid Nouripour 

Berichterstatter 




Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-3- 


Drucksache 17/14650 


Inhaltsverzeichnis 

Seite 

Erster Teil: 

Einsetzung des Untersuchungsausschusses und Verlauf 

des Untersuchungsverfahrens 17 

A. Einsetzung und Konstituierung des Untersuchungsausschusses ... 17 

I. Vorgeschichte 17 

II. Konstituierung des Untersuchungsausschusses und 

Untersuchungsauftrag 18 

1. Untersuchungsauftrag 18 

2. Mitglieder des Untersuchungsausschusses 20 

3. Benannte und ermächtigte Mitarbeiter der Fraktionen 22 

4. Beauftragte der Bundesregierung und des Bundesrates 23 

5. Sekretariat des Untersuchungsausschusses 23 

B. Gang der Untersuchung 25 

I. Rechtsgrundlagen für die Arbeit des Untersuchungsaus- 
schusses 25 

II. Beschlüsse und Absprachen zum Verfahren 25 

III. Beweiserhebung durch Beiziehung und Verlangen der 

Herausgabe von Akten und sonstigen Unterlagen 29 

1 . Art, Herkunft und Umfang des Beweismaterials 29 

2. Bitten um fristgemäße Aktenvorlage und Vollständigkeits- 
erklärung gemäß § 1 8 Absatz 2 PU AG 29 

3. Einstufungen von Beweismaterialien 29 

IV. Beweiserhebung durch Vernehmung von Zeugen 30 

1. Behandlung von Beweisanträgen 30 

a) Entscheidung über die Beweisanträge 30 

b) Terminierung der Vernehmungen 30 

2. Durchführung der Zeugenvernehmungen 30 

a) Keine Live-Übertragung öffentlicher Sitzungen 32 

b) Aussagegenehmigungen 32 

c) Rechtsbeistand von Zeugen 32 

d) Zeugnis- und Auskunfts verweigerungsrechte 32 

3. Vernehmung ausländischer Zeugen 32 

4. Beschlossene, aber nicht terminierte Zeugen 32 

5. Formeller Abschluss der Zeugenvernehmungen 32 

V. Zeit- und Arbeitsaufwand 34 

VI. Bericht 34 



Drucksache 17/14650 


-4- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


Seite 

1. Zeitplan 34 

2. Feststellung des Berichtes 34 

3. Rechtliches Gehör 34 

4. Anfügung von Protokollen an den Bericht 35 

VII. Umgang mit Beweismitteln nach Vorlage des Berichtes 35 

Zweiter Teil: 

Feststellungen zum Sachverhalt 37 

A. Beginn und Verlauf des Entwicklungsprojektes EURO HAWK 

bis zum Vertragsschluss im Jahr 2007 37 

I. Schrittweise Aussonderung des Systems Breguet 1150 

Atlantic SIGINT 37 

II. Durchführung von Konzeptstudien 37 

III. Verfahrensbestimmungen des Customer Product Manage- 
ments (CPM) 2001 38 

1. Analysephase 38 

a) Feststellung einer Fähigkeitslücke in der Systemfähig- 
keitsforderung (SFF) 39 

b) Aufzeigen eines Lösungsweges in der abschließenden 

funktionalen Forderung (AF) 39 

2. Projektierungsphase 39 

3. Einführungsphase 39 

IV. Rechtliche Rahmenbedingungen für die Zulassung und 

den Betrieb von Luftfahrzeugen 39 

1. Allgemeine luftverkehrsrechtliche Regelungen 39 

2. Ausnahmeregelung des § 30 LuftVG für die 

Bundeswehr 39 

a) Zulassungskategorien von unbemannten Luftfahrzeugen. . 39 

aa) Kategorie 1 39 

bb) Kategorie 2 40 

cc) Kategorie 3 40 

b) Musterprüfung und Musterzulassung 40 

V. Beauftragung und Erstellung einer Systemfähigkeits- 
forderung (SFF) 40 

VI. Phasendokument „Abschließende funktionale Forderung 

(AF) für das System Signalerfassende Luftgestützte 
Weiträumige Überwachung und Aufklärung^‘ (SLWÜA) ... 41 

1. Aufgabenspektrum eines Systems SLWÜA 41 

2. Funktionale Forderungen 41 

3. Untersuchte Lösungswege 41 

4. Entscheidung für ein unbemanntes Luftfahrzeug mit einer 

SIGINT-Missionsausstattung 42 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-5- 


Drucksache 17/14650 


Seite 

a) Träger System 42 

b) Entwicklung eines SIGINT-Missionssystems ISIS 42 

5. Realisiemngsrisiken beim Entwicklungsprojekt 42 

a) Aufbau auf einer US-amerikanischen Musterzulassung . . 42 

b) Nutzung teilweise gesperrter Lufträume für den Steig- 

und Sinkflug 43 

6. Bau eines Full Scale Demonstrators 43 

7. Vorgaben zum Kostenrahmen 44 

VII. Projektbezogene Aktivitäten 44 

1 . Gespräche mit der Industrie über den Musterzulassungs- 
prozess 44 

2. Aufforderung zur Angebotsabgabe an die Firma 
EuroHawk GmbH für die Projektierungsphase für 

ein System SLWÜA im September 2004 44 

3. Entscheidung für den Stationierungs Standort Militärflugplatz 

Schleswig-Jagel 45 

4. Vorlage von Vertragsangeboten durch die Firma 

EuroHawk GmbH 45 

5. Abschluss diverser Vereinbarungen vor Vertragsschluss ... . 46 

a) Memorandum of Understanding (MoU) 46 

b) Technical Assistance Agreements (TAA) 46 

VIII. Erste Zwischenentscheidung zum Phasendokument 

AF SLWÜA 46 

1. Präzisierungen 47 

2. Kostensteigerungen 47 

3. Risikoabschätzung gegenüber der AF SLWÜA 47 

B. Vertragsschluss im Januar 2007 49 

I. Verfolgte Absicht 49 

1 . Trägerplattform auf Basis des GLOBAL HAWK 49 

2. Entwicklung eines SIGINT-Missionssystems 49 

II. Freihändige Vergabe 49 

III. Vertragsvorbereitung 50 

IV. Vertrag 50 

1. Entwicklungsziel 50 

2. Geschuldete Leistungen 50 

a) „Bemühensklausel“ 51 

b) Fester Leistungsanteil 51 

c) Optionale Leistungen 51 

d) Aktivitäten zum Erreichen einer Musterzulassung 51 

3. Laufzeit und Kosten 53 

4. Vertragliche Risikoverteilung und -minimierung 53 



Drucksache 17/14650 


- 6 - 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


Seite 

a) Risikoverteilung 53 

b) Gewährleistung 54 

c) Kündigungsrechte 54 

V. Prüfung von Rechtsfragen durch eine Rechtsanwalts- 
kanzlei 55 

VI. Billigungsverfahren/Mitwirkungsrechte 55 

1. Beteiligung des Bundesministeriums der Finanzen 55 

2. Beteiligung des Deutschen Bundestages 55 

VII. Unterrichtung der Öffentlichkeit 56 

C. Verlauf des Entwicklungsprojektes EURO HAWK 2007 bis 

2009 57 

I. Vorlage eines unvollständigen Musterprüfprogramms 

durch die Industrie 57 

II. Vorlage der für die Musterprüfung erforderlichen Nachweise 

durch die Industrie 57 

1 . Überlassung qualitativ und quantitativ unzureichender 

Dokumente und Unterlagen 57 

2. Auswirkungen auf den Musterzulassungsprozess 58 

III. Personalsituation bei der WTD 61/ ML und beim BWB 58 

IV. Vertragliche Änderungen/ Anpassungen 59 

1. Allgemeines 59 

2. Erster Änderungsvertrag vom 17. Dezember 2008 60 

3. Zweiter Änderungsvertrag vom 26. März 2009 60 

4. Dritter Änderungs vertrag vom 26. Juni 2009 60 

a) Allgemeines 60 

b) Inhaltliche Regelungen 60 

c) Projektrisiken 61 

V. Abbruch des Gemeinsamen Auswertesystems der tech- 
nischen und elektronischen Aufklärung (GAST) 61 

VI. Joint Mission Planning Station (JMPS) 61 

a) Die Aufnahme in den Entwicklungsvertrag 61 

b) Die neue Version 1.3.3 61 

c) Der Rückgriff auf das Air Force Mission Support System ... 62 

D. Verlauf des Entwicklungsprojektes EURO HAWK Ende 2009 

bis Anfang 2013 63 

I. Allgemeiner Verlauf 63 

1 . Roll-Out des Full Scale Demonstrators 63 

2. Überfährungsflug des Full Scale Demonstrators am 

20. und 21. Juli 201 1 


63 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-7- 


Drucksache 17/14650 


Seite 

3. Integration ISIS und Erprobungsflüge 64 

a) Integration des Missionssystems 64 

b) Aufnahme der Erprobungsflüge 64 

c) Ziel der Erprobung 64 

aa) Verfahren zur Erprobung ISIS 65 

bb) Datenschutzrechtliche Aspekte 65 

II. Vertragliche Änderungen 66 

1 . Änderungsverträge 4 bis 7 66 

2. Änderungsverträge 8, 9 und 10 66 

III. Auftretende Probleme im Bereich der Zulassung 67 

1 . Grundlagen des Zulassungswesens 67 

a) Zulassungsvoraussetzungen 67 

b) Zuständigkeiten und Verfahren 67 

2. Abstimmung Musterprüfprogramm 68 

a) Ausgangssituation 68 

b) Musterprüfrahmenprogramm 68 

c) Zugang zu und Verfügbarkeit von relevanten 

Dokumenten 69 

d) Schwierigkeiten im Herbst 2009 69 

3. Musterzulassung des Full Scale Demonstrators 70 

a) Gesprächsbedarf 70 

aa) Anregung einer Besprechung 70 

bb) Informationen im Vorfeld 71 

b) Besprechung am 3. Februar 2010 in Manching 72 

aa) Standpunkt von Northrop Grumman 72 

aaa) Erkenntnisgewinn zu den (nicht) leistbaren 
Anforderungen der Musterprüfung des 
Full Scale Demonstrators 72 

bbb) Lösungsvorschlag 74 

bb) Bewertung und Entscheidung des Projektleiters .... 74 

aaa) Zweck des Full Scale Demonstrators 74 

bbb) Bedeutung der Vorläufigen Verkehrszulassung 75 

ccc) Unterschied Musterprüfung - Prototypenprüfung 75 

ddd) Verschieben der Aktivitäten 76 

eee) Weiterer Verlauf 77 

c) Unterrichtung über die getroffene Entscheidung 77 

aa) Auf dem Dienstweg 77 

bb) In den Projekstatusberichten 77 

cc) Auf anderen Kommunikationswegen 78 

dd) Rückblickende Bewertung 78 

4. Musterzulassung der Serie 78 

a) Frühere Kenntnis zur Frage der Entscheidung der 
Projektleitung zum Umschwenken auf eine 

Prototypenprüfling 78 

b) Entwicklung im Jahr 2011 79 



Drucksache 17/14650 


- 8 - 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


Seite 

aa) Erkenntnis über unterschiedliche Zulassungs- 
philosophien 79 

bb) Einschätzung der WTD 61 vom 15. Juni 2011 80 

cc) Unmittelbare Folgen 82 

dd) Erkenntnis über Mehrkosten 82 

aaa) Kenntnisse des BWB über erhebliche 

Kostenrisiken in 2010 82 

bbb) Unterrichtung des Abteilungsleiters Rüstung 

am 24. November 2011 83 

ccc) „Hoher zweistelliger Millionenbetrag“ 83 

c) Validierung der Mehrkosten 84 

aa) „100 Millionen Euro“ (Bericht vom 20. Dezem- 
ber 2011) 84 

aaa) Rückfragen des Abteilungsleiters Rüstung .... 84 

bbb) Vorlage vom 18. Januar 2012 84 

ccc) E-Mail des Abteilungsleiters Rüstung vom 

19. Januar 2012 85 

bb) „250 bis 500 Millionen Euro“ (Besprechung vom 

25. Januar 2012) 85 

cc) „596 Millionen Euro“ (Vorlage vom 30. Januar 

2012) 85 

d) Informationsvorlage an Staatssekretär Beemelmans 

vom 8. Februar 2012 86 

aa) Rüstungsklausur am 1. März 2012 87 

bb) Bewertung durch die Beteiligten 88 

cc) Rückblickende Einschätzung der realisierbaren 

Muster- bzw. Verkehrszulassung 89 

IV. Probleme bei der Zulassung der EuroHawk GmbH als 

Luftfahrtbetrieb 89 

1. Ausgangs Situation 89 

2. Erweiterung der Anforderungen 90 

3. Terminliche Sicherstellung der ISIS-Erprobungsflüge 90 

4. Gesprächsvorbereitungen September 2012 90 

5. Erteilung der Zulassung 91 

V. Maßnahmen zur Schadensvermeidung/Handlungs- 
alternativen 91 

1. Absehen von der Fortführung des Projektes 91 

a) Vorzeitiger Abbruch des Projektes 91 

aa) Schließen der bestehenden Fähigkeitslücke 

SLWÜA 91 

aaa) Vorlage an Staatssekretär Wolf \om 15. Juni 

2012 91 

bbb) Studie zu „Zwischenlösungen“ 92 

bb) Rückblickende Bewertung der Beteiligten 92 

b) Vertragskündigung 94 

2. Zurückstellen der Beschaffung von Langläuferbauteilen .... 94 

a) Erste Vorlage vom 10. Oktober 2011 94 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-9- 


Drucksache 17/14650 


Seite 

b) Rückfragen der Staatssekretäre 94 

c) Anhalten der zweiten Vorlage vom 22. November 2011.. 95 

d) Kenntnisnahme der Staatssekretäre 95 

3. Alternative Zulassungsformen 96 

a) Erste Überlegungen 96 

aa) Billigung des Vorgehens 96 

bb) Besprechung vom 28. Februar 2012 97 

cc) Bewertung der Abteilung Recht 97 

b) Ausnahmeregelung nach ZDv 19/1 Nr. 316 97 

aa) Einsetzung einer Arbeitsgruppe 97 

aaa) Bericht vom 30. April 2012 97 

bbb) Bericht vom 14. Mai 2012 98 

ccc) Vorlagen vom 25. Juni 2012 98 

bb) Unterrichtungsvorlage vom 1. Oktober 2012 99 

aaa) Gesamtschau Zulassung HALE/MALE 99 

bbb) Interner Bericht des B AAINBw 100 

cc) Ergebnis der Arbeitsgruppe vom 22. Novem- 
ber 2012 100 

c) Stückbezogene Vorläufige Verkehrszulassung 101 

aa) Anfrage des Projektleiters 101 

bb) Stellungnahme des Leiters ML 101 

cc) Bewertung des Projektleiters 101 

d) Abschließende zusammenfassende Bewertung des 

B AAINBw 101 

4. Alternative Trägerplattform 102 

a) Studien 103 

aa) Untersuchung vom 28. November 2012 103 

aaa) Mögliche Alternativen 103 

bbb) Bewertung des BAAINBw 103 

ccc) Weiteres Vorgehen 104 

bb) Vertiefende Untersuchungen vom März 2013 104 

cc) Kostenrahmen 105 

b) Bedeutung für die Integration von ISIS 105 

5. Vorbereitung einer Entscheidungsgrundlage 106 

a) Gesprächsvorlage für den Minister vom 5. Dezem- 
ber 2012 106 

b) Staatssekretärsvorlage vom 20. Dezember 2012 107 

VI. Überwachung des Projektverlaufs durch die Bundes- 
regierung 108 

1 . Controlling und Fachaufsicht im BMVg 108 

a) Kritik des Bundesrechnungshofes 108 

b) Umsetzung im Projekt EURO HAWK 109 

aa) Projektstatusberichte und Schwachstellen 109 

bb) Bewertung des Ministers 109 

2. Novellierung des Customer Product Managements 2010 ... . 109 

a) Anlass der Novellierung 110 

b) Neuerungen des CPM (nov.) 110 



Drucksache 17/14650 


- 10 - 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


Seite 

3. Zweite Zwischenentscheidung zur Abschließenden 

funktionalen Forderung 111 

a) Erforderlichkeit 111 

b) Verzögerungen 111 

VII. Eingesetzte Haushaltsmittel seit dem dritten Änderungs- 
vertrag 112 

1. Veranschlagte Kosten 112 

a) Entwicklungsvertrag 112 

b) CLS- Verträge 112 

2. Tatsächliche Ausgaben 113 

VIII. Bewertung des Bundesrechungshofes 113 

1. Informationsgrundlagen 113 

2. Neubewertung 2009 113 

a) Ansicht des Bundesrechnungshofes 113 

b) Ansichten der Vertreter des BMVg 113 

3. Neubewertung 201 1 114 

E. Entscheidung zum Verzicht auf die Serienbeschaffung 

EUROHAWK 115 

I. Inhaltliche Aspekte der Entscheidung 115 

II. Beweggründe für die Entscheidung 116 

1. Finanzielles Risiko 116 

a) Mehrkostenschätzung der Industrie 116 

b) Mehrkostenschätzung des BMVg 117 

c) Stellungnahmen zu der Kostendifferenz 118 

2. Zeitliche Verzögerung im Hinblick auf das Missions- 
planungssystem 119 

3. Fehlende Beherrschbarkeit des Musterzulassungsprozesses 119 

4. Alternative Trägerplattformen 119 

a) Vorliegende Untersuchungen und Studien zu alter- 
nativen Trägerplattformen 120 

b) Zeugenaussagen zur möglichen Weiterverwendung 

von ISIS 121 

III. Information über und Kenntnis von Zulassungs- 
problemen 123 

1. Innerhalb des Bundesministeriums der Verteidigung 123 

a) Kenntnis auf Staatssekretärsebene 123 

b) Kenntnis des Ministers 123 

aa) E-Mail des Abteilungsleiters Rüstung vom 

19. Januar 2012 124 

bb) Rüstungsklausur am 1. März 2012 125 

cc) Besuch des Ministers bei der Firma EADS Division 

Cassidian in Manching am 10. Dezember 2012 126 

dd) Abteilungsleitervorlage vom 3. Januar 2013 mit 

Anmerkung des Abteilungsleiters 126 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 11 - 


Drucksache 17/14650 


Seite 

ee) Ministervorlage vom 6. März 2013 zur Vorberei- 
tung des Gespräches mit den Berichterstattern 
des Haushaltsausschusses 127 

ff) Zeitungsartikel im Donaukurier vom 8. Mai 2013 .. . 128 

gg) Differenzierung nach Vorlagen 128 

hh) Verantwortlichkeiten 130 

2. Innerhalb der Bundesregierung 130 

IV. Information des Parlamentes 131 

1 . Verschiedene parlamentarische Anfragen an die Bundes- 
regierung 131 

2. Sitzungen des Verteidigungsausschusses am 24. April 2013 

und 15. Mai 2013 132 

3. Regierungserklärung am 16. Mai 2013 vor dem 

Deutschen Bundestag 133 

4. Sitzung des Verteidigungsausschusses am 5. Juni 2013 133 

5. Sitzung des Verteidigungsausschusses am 10. Juni 2013 ... . 134 

6. Information des Haushaltsausschusses 135 

7. Zeugenaussagen zur rechtzeitigen Einbindung des 

Parlamentes 135 

V. Information der Öffentlichkeit 137 

1. Pressekonferenz am 15. Mai 2013 137 

2. Pressekonferenz am 5. Juni 2013 137 

3. Pressekonferenz am 10. Juni 2013 137 

VI. Juristische Überprüfung von etwaigen Haftungs- und 

Gewährleistungsansprüchen gegenüber der Auftrag- 
nehmerin sowie Eintritt eines eventuellen Schadens 138 

1 . Prüfung von Regressmöglichkeiten durch eine Rechts- 
anwaltskanzlei 138 

2. Eventueller materieller Schaden und seine Höhe 138 

3. Schadens Vermeidung durch früheren Abbruch des 

Projektes 140 

VII. Auswirkungen der Entscheidung auf andere Rüstungs- 
vorhaben 141 

1. Auswirkungen auf NATO- Alliance Ground Surveillance 

(AGS) 141 

a) AGS Core 141 

b) Konsequenzen für die Nationale Beistellung für 

NATO AGS 143 

2. Auswirkungen auf MALE Überbrückungslösung 144 



Drucksache 17/14650 


- 12 - 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


Seite 

Dritter Teil: 

Bewertungen des Untersuchungsausschusses 145 

A. Verfahren 145 

B. Bewertung der Untersuchungsergebnisse 147 

I. Schließung der Fähigkeitslücke nach „Breguet Atlantic‘‘ .... 147 

II. Projektverlauf CPM 147 

1. Frühe Kenntnis über Entwicklungsrisiken 147 

2. Absenkung der Forderungen zur Teilnahme am allgemeinen 

Luftverkehr 149 

3. Mangelnde Verzahnung 149 

4. ISIS-Erprobung wird sinnvollerweise fortgesetzt 150 

5. Serie wird sinnvollerweise nicht beschafft 150 

6. Kein Schaden durch Entscheidung zur Nichtauslösung der 

Serienbeschaffung 150 

7. Richtige Schlussfolgerungen aus dem Euro Hawk Entwick- 
lungsprozess gezogen 151 

III. Vertragsgestaltung 152 

IV. Kenntnisstand des Bundesministers der Verteidigung 

Dr. Thomas de Maiziere, MdB 153 

V. Befassung des Ministers mit dem Entwicklungsvorhaben 

Euro Hawk 153 

1 . Verantwortung der Staatssekretärsebene im Bundes- 
ministerium der Verteidigung 155 

2. Angeblicher Informations stand der politischen Leitung 

des Bundesministeriums der Verteidigung 156 

a) E-Mail des Abteilungsleiters Rüstung an das Büro von 

Staatssekretär Beemelmans vom 19. Januar 2012 156 

b) Paraphe auf der Informationsvorlage an den Abteilungs- 
leiter Rüstung vom 3. Januar 2013 156 

VI. Verantwortlichkeiten des Bundesministers der 

Verteidigung 157 

VII. Lessons learned 158 

1. „Waffengleichheit bei Vertragsschluss“ 158 

2. Gemeinsames Verständnis entwickeln 158 

3. CPM [nov.] ist ein wichtiger Markstein, bedarf aber der 

weiteren Optimierung 158 

4. Projekt-Controlling verbessern 158 

5. Aufstellung des BAAINBw („Protagonisten an einem 

Tisch“) 159 

6. „Man muss auch mal Nein sagen können“/ Ausstiegs- 
kriterien definieren 159 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-13- 


Drucksache 17/14650 


Seite 

7. EU-weite Regelungen zwingend erforderlich 159 

8. Verbesserte Information des Deutschen Bundestages 159 

VIII. Zusammenfassung 159 

Vierter Teil: 

Sondervoten 163 

A. Sondervotum der Fraktionen SPD und BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN 163 

I. Erwiderung der Fraktionen SPD und BÜNDNIS 90/ 

DIE GRÜNEN zu den Anmerkungen der Ausschuss- 
mehrheit 163 

II. Anlass und Ergebnis des Untersuchungsausschusses 163 

1 . Der Anlass: Parlament und Öffentlichkeit werden falsch 

informiert 164 

a) Überraschende Bruchlandung 164 

b) Mehrwöchige Untersuchung „fährt hinter die Fichte“ .... 165 

c) Wer weiß was von wem - und wer ist verantwortlich? ... 165 

2. Weitere und zukünftige Rüstungsprojekte: Die Ver- 
pflichtung der Bundeswehr als Parlamentsarmee 166 

a) Dauerbrenner Rüstung 166 

b) Parlamentarische Kontrolle 167 

3. Wesentliche Erkenntnisse des Untersuchungsausschusses ... 167 

4. Kein „Geburtsfehler“ vor oder bei Abschluss des 

Vertrages Anfang 2007 167 

a) Fähigkeitslücke, Risikoanalyse und -abwägung 168 

b) Vertragsgestaltung: Wer trägt das Realisiemngsrisiko? .. 168 

c) Redliches Bemühen ausreichend? 168 

d) Geld zurück? Oder: Die Show mit den Rechtsanwälten . . 169 

e) Zulassung, Kat. 2 & 3 und CPM 169 

5. Unzureichende Begleitung des Projektes und offenkundi- 
ges Desinteresse der Leitung des BMVg 170 

a) Wesentliche Ereignisse 170 

aa) 3. Februar 2010: Verzicht auf die Musterzulassung 170 

bb) 20./21 . Juli 2011: Überführungsflug nach 

Deutschland 171 

cc) Herbst 2011: Beschaffung der Langläuferbauteile 

wird angehalten, Serienbeschaffung fraglich 172 

dd) Januar 2012: Information der Spitze des Hauses .... 172 

ee) 1. März 2012: Rüstungsklausur 173 

ff) 26. Juni 2012: Gespräch mit Abgeordneten der 

Koalition 173 

gg) September 2012: Irreführende Informationen des 
BMVg gegenüber dem Parlament zur Bestehung 
von Langläuferbauteilen 173 

hh) 1 8 . Oktober 2012: Parlamentarischer Abend 

desBDSV 174 



Drucksache 17/14650 


- 14- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


Seite 

ii) 10. Dezember 2012: Besuch des Ministers in 

Manching 174 

b) Fehler der Fachebene als Organisationsverschulden 

der Leitung 175 

c) Minister kommt seiner Informationspflicht nicht nach ... 177 

aa) AGS und die Parallelen zu Euro Hawk 177 

bb) Fähigkeitslücke war seit 2010 offen und gegen- 
wärtig 178 

cc) Verhältnis de Maiziere und Beemelmans 179 

6. Verschwendung von Steuergeldern in dreistelliger Millionen- 
höhe durch zu späten Projektabbruch 179 

a) Vermeidbarer Schaden 180 

aa) Außerordentliches Kündigungsrecht 180 

bb) Richtiger Zeitpunkt zur außerordentlichen 

Kündigung 180 

aaa) Fachebene 180 

bbb) Leitungsebene 180 

b) Weiterentwicklung war falsch 180 

aa) Luftfahrzeug 181 

bb) Missionssystem „ISIS“ 181 

c) Weitere finanzielle Risiken 181 

aa) Unsicherheitsfaktor „alternative Trägerplattform“ ... 181 

bb) NATO AGS 182 

IV. Ausblick: 182 

1 . Defizite und fehlerhafte Strukturen im Ministerium 182 

2. Reform des Beschaffungswesens 183 

3. Personeller und struktureller Neuanfang 184 

4. „Bermudadreieck“ aus Bedarfsträger, Amt und Industrie ... 184 

B. Sondervotum der Fraktion DIE LINKE 187 

I. Einleitende Zusammenfassung 187 

II. Die Rolle von Thomas de Maiziere 187 

III. Militarisierung der deutschen Außenpolitik 189 

1 . Euro Hawk für Auslandseinsätze der Bundeswehr 189 

2. Global Hawk für NATO- AGS 191 

a) Kosten 191 

b) Funktionalität 191 

IV. „Ressortübergreifender^‘ Einsatz des Euro Hawk 192 

1. Funktionen und Fähigkeiten des ISIS-Sensors 192 

2. Euro Hawk und ISIS im ressortübergreifenden Einsatz 192 

3. Verschlüsselungstechnologie von der NSA 193 

4. Datenerfassung bei Testflügen 194 

V. Verzahnung zwischen Politik und Rüstungsindustrie 


195 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-15- 


Drucksache 17/14650 


Seite 

1. Persönliche Verflechtungen am Beispiel EADS 195 

2. EADS-Einfluss zu Beginn des Euro Hawk-Projekts 195 

3. EADS-Drohne als Alternative zum Euro Hawk? 196 

4. EADS profitiert von der Ausentwicklung von ISIS 197 

VI. Vertragsfragen: Die Industrie wird aus der Verantwortung 

entlassen 198 

1 . Freiwilliger Verzicht auf Erbringung vertraglich geschul- 
deter Leistungen: Musterprüfung 198 

2. Keine Anstrengungen des Ministeriums zur Rechts- 
durchsetzung 199 

3. Haftungsbeschränkung: Öffentliches Risiko - Privater 

Gewinn 200 

VII. Die Zulassungsprobleme des Euro Hawk 201 

1. Vernachlässigung der Verkehrssicherheit 201 

2. Druck auf die Mitarbeiter - Musterzulassung 203 

Vni. Verfahrensfragen: Die Grenzen der Aufklärung 204 

Fünfter Teil: 

Übersichten und Verzeichnisse 207 

I. Abkürzungsverzeichnis 207 

II. Übersicht der Beratungsunterlagen 213 

III. Beschlüsse zu Beweisanträgen 240 

IV. Verzeichnis der Materialien 281 

V. Verzeichnis der Sitzungen 295 

VI. Verzeichnis beigefügter Stenografischer Protokolle 296 




Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 17- 


Drucksache 17/14650 


Erster Teil: 

Einsetzung des Untersuchungsausschusses 
und Verlauf des Untersuchungsverfahrens 

A. Einsetzung und Konstituierung des 

Untersuchungsausschusses 

I. Vorgeschichte 

Am Anfang des Jahres 2013 erkundigten sich mehrere 
Abgeordnete des Deutschen Bundestages bei der Bundes- 
regierung nach dem Sachstand zum EURO HAWK-Pro- 
jekt. 

Auf eine schriftliche Frage des Abgeordneten Dr. Tobias 
Lindner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), inwiefern es 
seitens der Bundesregierung Überlegungen gebe, die Be- 
schaffung des Systems EURO HAWK zu stoppen bzw. 
zeitlich zu verzögern und welche Gründe dafür vorlägen, 
antwortete der Parlamentarische Staatssekretär im Bun- 
desministerium der Verteidigung (BMVg) Christian 
Schmidt, MdB, am 25. Januar 2013: 

„[...] Der Prozess der Zulassung des ersten unbe- 
mannten Luftfahrzeugs dieser Größenordnung in 
Europa hat sich als deutlich aufwändiger und zei- 
tintensiver herausgestellt als erwartet. Dies hat zu 
Verzögerungen geführt, die sich auch auf die Pla- 
nungen zur Beschaffung der Serienluftfahrzeuge 
ausgewirkt haben. Eine Entscheidung zum weite- 
ren Vorgehen zur Serienbeschaffung Euro Hawk 
wird derzeit erarbeitet. 

Der Abgeordnete Dr Hans-Peter Bartels (SPD) wandte 
sich mit einem Schreiben vom 18. Februar 2013, in dem 
er ebenfalls um Informationen zum Stand des Entwick- 
lungs- und Beschaffungsvorhabens EURO HAWK bat, an 
das BMVg. Der Parlamentarische Staatssekretär im 
BMVg, Thomas Kossendey, MdB, antwortete in einem 
Schreiben vom 20. März 2013, es sei zutreffend, dass 
zum Erwirken einer Muster- und Verkehrszulassung nicht 
unerhebliche Mehrkosten identifiziert worden seien.^ 
Ebenfalls mit Schreiben vom 18. Februar 2013 bat die 
Vorsitzende des Verteidigungsausschusses Dr h. c. 
Susanne Kästner (SPD), MdB, auf Bitte des Abgeordne- 
ten Rainer Arnold (SPD) um Übersendung eines schriftli- 
chen Berichtes zum aktuellen Sachstand des Projektes 
EURO HAWK. In diesem ersten Sachstandsbericht, 
durch den Parlamentarischen Staatssekretär im BMVg 
Thomas Kossendey mit Schreiben vom 22. April 2013 an 
die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses übermit- 
telt, wurde ausgeführt, dass nach aktueller Bewertung 
hinsichtlich des Erwirkens einer Muster- und Verkehrszu- 
lassung erhebliche Risiken und Mehrkosten festgestellt 
worden seien. Das Bundesministerium der Verteidigung 
bewerte derzeit, ob eine Beschaffung der Serie EURO 
HAWK unter Berücksichtigung dieser neuen Erkennt- 
nisse weiter verfolgt werden solle.^ 


1 Bundestagsdrucksache 17/12239, S. 35. 

2 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, Beilage 4 zu Anlage G, S. 1 f. 

2 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, Beilage 6 zu Anlage G, S. 1 ff. 


Daraufhin bat die Abgeordnete Elke Hoff (FDP) in einer 
E-Mail vom 23. April 2013 um kurzfristige Beantwor- 
tung ihrer Fragen nach der Höhe der zu erwartenden Kos- 
ten für die notwendigen Qualifikationsnachweise für die 
Muster- und Verkehrszulassung sowie den dafür erwarte- 
ten Zeitaufwand.^ 

Auch erreichten das BMVg zwischenzeitlich mehrere 
Presseanfragen zu Zwischenfällen beim Betrieb des 
EURO HAWK.5 

Der Bericht des BMVg zum aktuellen Sachstand EURO 
HAWK vom 22. April 2013 wurde in der 139. Sitzung 
des Verteidigungsausschusses am 24. April 2013 beraten 
und diskutiert.^ 

Am 26. April 2013 bat die Vorsitzende des Verteidigungs- 
ausschusses, veranlasst durch ein Schreiben des Abgeord- 
neten Rainer Arnold (SPD), das BMVg um Vorlage eines 
schriftlichen Berichtes zum Thema „Entwicklung des 
Systems EURO HAWK auf der Basis der 25 Millionen 
Euro- Vorlage des BMF“. Zu den von dem Abgeordneten 
Rainer Arnold (SPD) gestellten 14 Fragen, unter anderem 
nach den zu beziffernden Kosten, wurde durch ein 
Schreiben des Staatssekretärs im BMVg Stephane 
Beemelmans vom 14. Mai 2013 an die Vorsitzende des 
Verteidigungsausschusses Stellung genommen. In diesem 
Schreiben wurde auch die inzwischen erfolgte Entschei- 
dung mitgeteilt, 

„[...] den Erprobungsflugbetrieb bis zum 
30. September 2013 mit dem Ziel des qualifizier- 
ten Abschlusses der industrieseitigen Erprobung 
des integrierten SIGINT Missionssystems (ISIS) 
fortzuführen und die Serienbeschaffung des 
EURO HAWK nicht vorzunehmen. 

Mit gleichem Datum wurde der angeforderte Sachstands- 
bericht zur „Entwicklung des Systems EURO HAWK auf 
der Basis der 25 Millionen Euro-Vorlage des BMF“ an- 
lässlich der nächsten Sitzung des Verteidigungsausschus- 
ses am 15. Mai 2013 an die Ausschussvorsitzende über- 
mittelt, in dem zu den bisherigen Ereignissen und 
Hintergründen des Projektes EURO HAWK, zur weiteren 
Vorgehensweise und zu den Kosten Stellung genommen 
wurde. ^ 

In der 141. Sitzung des Verteidigungsausschusses am 
15. Mai 2013 wurde der „Bericht des BMVg zur Ent- 
wicklung des Systems EURO HAWK auf der Basis der 
25 Millionen Euro-Vorlage des BMF“ in Anwesenheit 
des Staatssekretärs im BMVg Stephane Beemelmans, des 
Parlamentarischen Staatssekretärs Thomas Kossendey, 
des Generalleutnants Peter Schelzig (Stellvertreter des 


4 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, Beilage 7 zu Anlage G, S. 1 (4). 

^ Vgl. MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeits- 
gruppe EURO HAWK, Beilage 7 zu Anlage G, S. 1 (2). 

6 Vgl. Kurzprotokoll der 139. Sitzung des Verteidigungsausschusses 
am 24. April 2013, MAT 17-1 zu BB 17-92, S. 401 ff. 

2 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, Beilage 9 zu Anlage G, S. 1. 

8 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, Beilage 8 zu Anlage G, S. 1 ff 



Drucksache 17/14650 


- 18- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


Generalinspekteurs der Bundeswehr), des Ministerial- 
direktors Detlef Selhausen und des Präsidenten des Bun- 
desamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nut- 
zung der Bundeswehr (BAAINBw) Harald Stein 
beraten. 9 Staatssekretär Beemelmans berichtete, das 
BMVg habe die „Reißleine“ an dem Vorhaben gezogen, 
das nicht ohne erhebliche Mehraufwendungen hätte funk- 
tionieren können. Die Abgeordneten erkundigten sich 
nach Kosten und Mehraufwendungen, den Vertragsab- 
schlüssen, nach Auswirkungen dieser Entscheidung und 
Alternativen. Sie interessierten sich ferner für die Hinter- 
gründe der Zulassungsproblematik, wann die Probleme 
aufgetaucht seien, wann wer in der Bundesregierung was 
gewusst habe und ob ein Abbruch nicht früher hätte erfol- 
gen sollen. Auch wurde thematisiert, ob eine rechtzeitige 
Information des Parlamentes erfolgt sei.^^ In dieser 

141. Sitzung beschloss der Verteidigungsausschuss, Ver- 
teidigungsminister Dr Thomas de Maiziere in die nächste 
Ausschusssitzung einzuladen und zu der Thematik EURO 
HAWK zu befragen. 

Zur Vorbereitung auf diese Sitzung des Verteidigungsaus- 
schusses wurde im BMVg am 17. Mai 2013 eine Ad-hoc 
Arbeitsgruppe EURO HAWK unter Leitung des Abtei- 
lungsleiters Ausrüstung, Informationstechnik und Nut- 
zung (AIN), Ministerialdirektor Detlef Selhausen, einge- 
richtet. Der Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe lag in der 

142. Sitzung des Verteidigungsausschusses am 5. Juni 
2013 dem Ausschuss vor. 

Kurz zuvor, mit Schreiben vom 3. Juni 2013, übersandte 
der Bundesrechnungshof (BRH) seinen „Bericht nach 
§ 88 Absatz 2 BHO an den Haushaltsausschuss des Deut- 
schen Bundestages zur Entwicklung des EURO HAWK 
Systems“ an die Vorsitzende des Verteidigungsausschus- 
ses. Der Bundesrechnungshof nahm ausweislich der Dar- 
stellung in seinem Bericht „ Verzögerungen und Kosten- 
steigerungen zum Anlass, ab November 2011 das 
Vorhaben zu prüfen. 

In der erwähnten 142. Sitzung wurde zu Beginn der Be- 
richt der Ad-hoc Arbeitsgruppe verteilt und die Beratung 
der Berichte des Bundesministeriums der Verteidigung 
zur Entwicklung des Systems EURO HAWK auf der Ba- 
sis der 25-Millionen-Euro-Vorlage des Bundesministe- 
riums der Finanzen aus dem Jahr 2007 in Anwesenheit 
des Bundesministers der Verteidigung Dr Thomas de 
Maiziere fortgesetzt. Im Rahmen der Beratung wurde 
auch der vom BRH vorgelegte Bericht mit seinen Anmer- 
kungen und Empfehlungen thematisiert. Unter Bezug- 
nahme auf den vorgelegten Bericht der Ad-hoc Arbeits- 
gruppe EURO HAWK trug der Bundesminister der 


9 Kurzprotokoll der 141. Sitzung des Verteidigungsausschusses am 
15. Mai 2013, MAT 17-1 BT-VA zu BB 17-92, S. 413 ff. 

10 Kurzprotokoll der 141. Sitzung des Verteidigungsausschusses am 
15. Mai 2013, MAT 17-1 BT-VA zu BB 17-92, S. 413 ff 

11 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 1 ff 

12 MAT 17-4 BRH zu BB 17-90, Ordner 1, S. 13 (20). 

13 Kurzprotokoll der 142. Sitzung des Verteidigungsausschusses am 
5. Juni 2013, MAT 17-1 BT-VA zu BB 17-92, S. 459 ff. 


Verteidigung zu Beginn der Sitzung seine Bewertungen 
und Konsequenzen zum EURO HAWK-Projekt vor.^^ 
Nach eingehender Beratung waren aus Sicht der Opposi- 
tionsfraktionen aber noch Fragen offengeblieben. Daher 
wurde die weitere Diskussion auf die nächste Sitzung des 
Verteidigungsausschusses vertagt. 

Dementsprechend fand in der 143. Sitzung des Verteidi- 
gungsausschusses am 10. Juni 2013 die Fortsetzung der 
Beratung der Berichte des Bundesministeriums der Ver- 
teidigung zur Entwicklung des Systems EURO HAWK 
auf der Basis der 25-Millionen-Euro-Vorlage des Bundes- 
ministeriums der Finanzen aus dem Jahr 2007 sowie zum 
Rüstungsvorhaben NATO AGS statt. 

Die Sitzungen des Verteidigungsausschusses im Mai und 
Juni wurden von einer umfänglichen Presseberichterstat- 
tung begleitet. Aus Sicht mehrerer Abgeordneter blieben 
zahlreiche Fragen unbeantwortet. Dies und die dargestell- 
ten Umstände führten zur Einsetzung des Verteidigungs- 
ausschusses als 2. Untersuchungsausschuss gemäß 
Artikel 45a Absatz 2 Grundgesetz aufgrund eines ge- 
meinsamen Antrages aller Fraktionen in der 145. Sitzung 
des Verteidigungsausschusses am 26. Juni 2013. In der 
gleichen Sitzung wurde ein Antrag auf Einsetzung der 
Fraktionen von SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 
auf Ausschussdrucksache Nr. 17(12)1225, der bereits in 
der Sitzung am 10. Juni 2013 verteilt worden war, für er- 
ledigt erklärt. 

II. Konstituierung des Untersuchungsaus- 
schusses und Untersuchungsauftrag 

Am 26. Juni 2013 ist die konstituierende Sitzung des Ver- 
teidigungsausschusses als 2. Untersuchungsausschuss un- 
ter Leitung der Vorsitzenden des Verteidigungsausschus- 
ses, Dr h. c. Susanne Kästner, MdB, durchgeführt 
worden. 

Aufgrund der sehr kurzen Untersuchungszeit bis zum 
Ende der Legislaturperiode hat der Untersuchungsaus- 
schuss bereits in seiner konstituierenden Sitzung 12 Ver- 
fahrensbeschlüsse sowie 126 Beweisbeschlüsse gefasst. 

1. Untersuchungsauftrag 

Die Mitglieder der Fraktionen der CDU/CSU, SPD, FDP, 
DIE LINKE, und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN haben 
dem Verteidigungsausschuss einen gemeinsamen Antrag 
zum Untersuchungsauftrag auf Ausschussdrucksache 
Nr. 17(12)1235 mit folgendem Wortlaut vorgelegt: 


Bewertungen und Konsequenzen zum EURO HAWK durch den 
Bundesminister der Verteidigung Dr. Thomas de Maiziere anlässlich 
der Vorlage des Berichtes der Ad-hoc Arbeitsgruppe EURO HAWK 
des Bundesministeriums für Verteidigung, MAT 17-1 A BT-VA zu 
BB 17-92, S. 1 ff. 

13 Kurzprotokoll der 143. Sitzung des Verteidigungsausschusses am 
10. Juni 2013, MAT 17-1 BT-VA zu BB 17-92, S. 516 ff. 

16 Kurzprotokoll der 145. Sitzung des Verteidigungsausschusses am 
26. Juni 2013, MAT 17-1 A BT-VA zu BB 17-92, S. 14 f (24). 

1"^ Kurzprotokoll der 1. Sitzung des Verteidigungsausschusses als 
2. Untersuchungsausschuss gemäß Artikel 45a Absatz 2 GG, S. 9. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 19- 


Drucksache 17/14650 


„Der Verteidigungsausschuss im Deutschen Bun- 
destag konstituiert sich als Untersuchungsaus- 
schuss gemäß Artikel 45a Abs. 2 GG. 

Der Ausschuss hat den Auftrag, bis zum 3 1 . Au- 
gust 2013 den Umgang der Bundesregierung mit 
dem Entwicklungsvorhaben EURO HAWK un- 
ter vertraglichen, rechtlichen, haushälterischen, 
militärischen, technologischen und politischen 
Gesichtspunkten zu untersuchen sowie die Auf- 
klärungs- und Informationspraxis der Bundesre- 
gierung zu diesem Vorgang zu überprüfen. Ein 
Schwerpunkt ist dabei die Aufklärung über den 
Umgang mit den seit Abschluss des Entwick- 
lungsvertrages bekannt gewordenen schwerwie- 
genden Problemen. 

Hierzu sollen insbesondere folgende Fragen ge- 
klärt werden: 

1. Wie und auf Grundlage welcher Informatio- 
nen und Konsultationen kam es zu dem Plan, 
das Entwicklungsprojekt EURO HAWK zu 
beauftragen und welche Kosten wurden für 
welche erwarteten Fähigkeiten des Aufklä- 
rungssystems damals geschätzt? 

2. Wie, mit welcher Zweckbestimmung und auf 
Grundlage welcher Informationen und Kon- 
sultationen kam es zum Vertragsabschluss 
des Bundesamtes für Wehrtechnik und Be- 
schaffung (BWB) mit der EURO HAWK 
GmbH im Januar 2007? Waren Verfahren, 
Vertragsgestaltung und vereinbarte Risiko- 
verteilung damals sachgerecht und entspra- 
chen sie den damals geltenden Rechtsvor- 
schriften? 

3. Was war zu welchem Zeitpunkt Vertragsge- 
genstand, insbesondere im Hinblick auf ver- 
traglich geschuldete Erfolge, und inwieweit 
wurden gegebenenfalls wann welche Verän- 
derungen am Vertragswerk vorgenommen? 

4. Wie wurde seit Abschluss des Vertrages im 
Januar 2007 von Seiten der Vertragspartner 
an die Stellen des Bundes über den Verlauf 
des Entwicklungsvorhabens berichtet und 
wie wurde seitens der Bundesregierung der 
Projektverlauf überwacht? 

5. Welche Probleme traten im Projektverlauf auf 
und welche Personen in Leitungsfunktionen 
in der Bundesregierung, insbesondere in den 
Bundesministerien der Verteidigung und der 
Finanzen, einschließlich der Hauptabtei- 
lungsleiter und Abteilungsleiter sowie der 
Leitung des BWB/BAAINBw, hatten zu wel- 
chem Zeitpunkt welche Informationen über 
diese Probleme? 

6. Wie wurde mit den Informationen über diese 
Probleme verfahren, wer wurde darüber wie 
informiert und auf Grundlage welcher Infor- 
mationen und Konsultationen wurden wel- 


che Maßnahmen ergriffen, um die Probleme 
zu lösen? 

7. Zu welchem Zeitpunkt hatte Bundesminister 
Dr. Thomas de Maiziere Kenntnis über 
(lösbare oder unlösbare) Probleme beim 
Entwicklungsvorhaben EURO HAWK und 
welche Vorgaben machte der Minister gege- 
benenfalls hinsichtlich der Lösung dieser 
Probleme? 

8. Welche der im Bereich des Bundesministe- 
riums der Verteidigung vorliegenden Infor- 
mationen über die Probleme beim Entwick- 
lungsprojekt EURO HAWK wurden wann 
und aus welchem Anlass innerhalb der Bun- 
desregierung, an den Deutschen Bundestag 
und seine Fachausschüsse sowie an dritte 
Stellen und die Öffentlichkeit weitergegeben? 

9. Wurden in diesem Zusammenhang Informa- 
tionen zurückgehalten, verändert oder nicht 
weitergeleitet? Falls ja: Wie kam es hierzu 
und wer trägt hierfür die Verantwortung? 

10. Welche Haushaltsmittel werden vom Beginn 
des Entwicklungsvorhabens bis zu seiner Be- 
endigung Ende September 2013 für welche 
Zwecke und welche durch den Auftragneh- 
mer erbrachten Leistungen aufgewendet wor- 
den sein? Welche Beträge werden davon aus 
welchen Gründen als Verlust zu verbuchen 
sein und wer trägt hierfür die Verantwortung? 
In welcher Projektphase und in welchen Ent- 
scheidungen liegen die Ursachen für einen 
gegebenenfalls eingetretenen Schaden? Wem 
auf Seiten der Bundesregierung wurde hierzu 
wann berichtet? Was wurde unternommen, 
was unterlassen, um während des Projekts 
Schäden zu vermeiden oder zu vermindern? 
Welche Mitwirkungsrechte und -pflichten 
hinsichtlich der nach dem Vertrag auszuzah- 
lenden Mittel obliegen den beteiligten Minis- 
terien? Wurden diese ausreichend wahrge- 
nommen? Hat das Entwicklungsvorhaben 
Ergebnisse erbracht, die weiter genutzt wer- 
den können? 

1 1 . Welche Informationen und Erkenntnisse wa- 
ren zu welchem Zeitpunkt Grundlage für Ent- 
scheidungen zum Verzicht auf die Serienbe- 
schaffung des EURO HAWK, wurden diese 
Entscheidungen jeweils auf bestmöglicher In- 
formationsgrundlage fachlich und sachlich 
angemessen vorgenommen. Auf welche 
Weise war der Minister in diese Entscheidun- 
gen einbezogen? 

12. Welche Auswirkungen haben das Ende des 
Entwicklungsprojekts EURO HAWK und der 
Verzicht auf die Serienbeschaffung auf an- 
dere Rüstungsvorhaben der Bundeswehr, der 
NATO und der EU im Zusammenhang mit 
unbemannten fliegenden Systemen (AGS/ 
Global Hawk/waffenfahige Drohnen)? 



Drucksache 17/14650 


- 20 - 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


13. Welcher Änderungsbedarf in der Organi- 
sation des Beschaffungswesens der Bundes- 
wehr folgt gegebenenfalls aus den Erfahrun- 
gen mit diesem Entwicklungsvorhaben? 

14. Welche Maßnahmen wurden in der Bundesre- 
gierung auf welcher Informationsgrundlage 
durch wen ergriffen, um Haftungs- und Ge- 

2. Mitglieder des Untersuchungsausschusses 

Die Fraktionen haben folgende Ausschussmitglieder benannt: 

CDU/CSU: 

Ordentliche Mitglieder: Emst-Reinhard Beck 

Michael Brand 

Dr. Reinhard Brandl 

Ingo Gädechens 

Markus Grübel 

Florian Hahn 

Jürgen Hardt 

Robert Hochbaum 

Dr. Dr. h. c. Karl A. Lamers 

Henning Otte 

Anita Schäfer 

Bernd Sichert 

Karin Strenz 

Stellvertretende Mitglieder: Dorothee Bär 

Veronika Bellmann 
Peter Beyer 
Clemens Binninger 
Dr. Michael Fuchs 
Christian Hirte 
Axel Knoerig 
Dr. Rolf Koschorrek 
Dr. Joachim Pfeiffer 
Dr. Andreas Schockenhoff 
Detlef Seif 
Thomas Silberhorn 
Marcus Weinberg 


währleistungsansprüche gegenüber der Auf- 
tragnehmerin zu prüfen und gegebenenfalls 
geltend zu machen?” 

Der Antrag ist in der 145. Sitzung des Verteidigungsaus- 
schusses am 26. Juni 2013 einstimmig beschlossen wor- 
den. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode - 21 - Drucksache 1 7/1 4650 

SPD: 

Ordentliche Mitglieder: Rainer Arnold 

Dr. Hans-Peter Bartels 
Karin Evers -Meyer 
Wolfgang Hellmich 
Dr. h. c. Susanne Kästner 
Lars Klingbeil 
Fritz Rudolf Körper 
Ullrich Meßmer 

Stellvertretende Mitglieder: Uwe Beckmeyer 

Bernhard Brinkmann 
Dr. h. c. Gemot Erler 
Gabriele Fograscher 
Dr. Edgar Franke 
Johannes Kahrs 
Garen Marks 
Uta Zapf 

FDP: 

Ordentliche Mitglieder: Rainer Erdel 

Elke Hoff 

Burkhard Müller- Sönksen 
Christoph Schnurr 
Joachim Spatz 

Stellvertretende Mitglieder: Bijan Djir-Sarai 

Jörg van Essen 

Dr. h. c. Jürgen Koppelin 

Holger Krestel 

Dr. Rainer Stinner 

DIE LINKE.: 

Ordentliche Mitglieder: Christine Buchholz (bis 26. Juni 2013) 

Jan van Aken (ab 26. Juni 2013) 

Inge Höger 
Harald Koch 
Paul Schäfer 



Drucksache 17/14650 


- 22 - 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


Stellvertretende Mitglieder: Christine Buchholz (ab 26. Juni 2013) 

Sevim Dagdelen 

Andrej Hunko (ab 26. Juni 2013) 
Stefan Liebich (bis 26. Juni 2013) 
Thomas Nord (ab 18. Juli 2013) 
Kathrin Vogler (bis 26. Juni 2013) 


BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: 

Ordentliche Mitglieder: Agnes Brugger 

Katja Keul 
Tom Koenigs 
Omid Nouripour 


Stellvertretende Mitglieder: Hans- Josef Fell 

Dr. Tobias Lindner 
Dr. Frithjof Schmidt 
Wolfgang Wieland 


Nach der Konstituierung des Verteidigungsausschusses 
als 2. Untersuchungsausschuss hat es folgende Änderun- 
gen in der Zusammensetzung gegeben: 

Von der Fraktion DIE LINKE, ist Abgeordneter Jan van 
Aken am 26. Juni 2013 für die Abgeordnete Christine 
Buchholz als ordentliches Mitglied benannt worden. Ab- 
geordnete Christine Buchholz ist seit dem 26. Juni 2013 
stellvertretendes Mitglied des Ausschusses. 

Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Dr h. c. 
Susanne Kästner (SPD), MdB, hat den Vorsitz im Unter- 
suchungsausschuss wahrgenommen. Stellvertretender 
Vorsitzender war Abgeordneter Dr Dr h. c. Karl A. 
Lamers (CDU/CSU). 

Als Sprecher haben die Fraktionen die Abgeordneten 
Markus Grübel (CDU/CSU), Rainer Arnold (SPD), 
Joachim Spatz (FDP), Paul Schäfer (DIE LINKE.) und 
Omid Nouripour (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) be- 
nannt. 

Als Berichterstatter im Untersuchungsausschuss hat die 
Fraktion DIE LINKE, den Abgeordneten Jan van Aken 
benannt. Bei allen übrigen Fraktionen haben die Sprecher 
auch die Funktion des Berichterstatters im Untersu- 
chungsausschuss ausgeübt. 

3. Benannte und ermächtigte Mitarbeiter der 
Fraktionen 

Folgende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fraktio- 
nen sind für die Teilnahme an den Sitzungen des Verteidi- 


gungsausschusses als 2. Untersuchungsausschuss gemäß 
Artikel 45a Absatz 2 Grundgesetz benannt worden: 

CDU/CSU-Fraktion: 

Claudia von Cossel 
Dr. Andreas Feser 
Dr. Christoph Hellriegel 
Andreas Henne 
Dr. Matthias Höninger 
Marie-Isabel Kane 
Dan Kühnau 
Bernd Weber 
Volker Zimmermann 

SPD-Fraktion: 

Dr. Harald Dähne 
Ulrike Fleischer 
Kevin Francke 
Sebastian Haag 
Anne Hawxwell 
Christian Heyer 
Ingo Reichelt 
Axel Schneider 
Maja Winter 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-23- 


Drucksache 17/14650 


FDP-Fraktion: 

Jöm Hasler 
Dr. Christian Lange 
Sebastian Schweiger 
Marcel Schwemmlein 

Fraktion DIE LINKE.: 

Dr. Kirsten Jansen 
Thomas Kachel 

Matthias Monroy (ab 15. August 2013) 

Dr. Alexander Neu 

Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: 

Steffen Buchsteiner 

Thorsten Freers (bis 31. Juli 2013) 

Christina Gerts (bis 31. Juli 2013) 

Dr. Verena Haan 

Sascha Hach (ab 1. August 2013) 

Michael Hack 
Ann-Kristin Otto 
Florian Schoeppe 
Nicola Wermer 

Christian Wussow (ab 1. August 2013) 

4. Beauftragte der Bundesregierung und des 
Bundesrates 

Die nachfolgenden Beauftragten der Bundesregierung 
sind dem Sekretariat des Untersuchungsausschusses 
schriftlich benannt worden und ermächtigt gewesen, als 
Vertreter ihrer Behörde an den Sitzungen des Untersu- 
chungsausschusses teilzunehmen: 

Bundeskanzleramt: 

- Fregattenkapitän Christian Bock 

- Andreas Delp 

- Technischer Regierungsdirektor Alexander Dudde 

- Dr. Oliver Linz 

- Regierungsdirektorin Susanne Schmidt-Radefeldt 

- Oberst i. G. Stefan Zeyen 

Bundesministerium der Verteidigung: 

- Technischer Oberregierungsrat Dipl. Ing. Thomas 
Bertram 

- Andreas Bröenhorst 

- Ministerialrat Andreas Conradi 

- Marek von Fintel 

- Markus Gabel 

- Stefan Kleinheyer 


- Mirco Kubbe 

- Regierungs direkter Nils Kuhnert 

- Regierungsrat Nathanael Liminski 

- Oberstleutnant i. G. Markus Messelhäußer 

- Oberstleutnant i. G. Boris Nannt 

- Dipl. Ing. Stefan Prämaßing 

- Stefan Schneider 

- Regierungsdirektor Björn Theis 

- Regierungsdirektor Björn Voigt 

Presse- und Informationsamt der Bundesregierung: 

- Franz- Josef Hackert 

- Oberstleutnant Burkhard Lindhorst 

Bundesministerium der Finanzen: 

- Anna Gerits 

- Dirk Wölky 

Bayerische Staatskanzlei: 

- Andreas Klump 

5. Sekretariat des Untersuchungs- 
ausschusses 

Angegliedert an das Sekretariat des Verteidigungsaus- 
schusses unter Leitung von Ministerialrat Hans-Ulrich 
Gerland ist ein Sekretariat des Untersuchungsausschusses 
eingerichtet worden. In dessen Aufgabenbereich sind die 
inhaltliche und organisatorische Vor- und Nachbereitung 
der Ausschusssitzungen, die Klärung von Rechts- und 
Verfahrensfragen sowie die Ausfertigung und Umsetzung 
von Beschlüssen gefallen. Dem Sekretariat haben ange- 
hört: 

Geschäftsführender Referent: Regierungsdirektor 

Norman Piaster 

Referenten: Oberregierungsrätin 

Dr. Jasmin Merati-Kashani 

Regierungsdirektor 
Dr. Christian Schnellecke 

Sachbearbeiterin: Oberamtsrätin 

Angelika Fülbier 

1 . Ausschusssekretärin: Marianne Steinert 

2. Ausschusssekretärin: Denise Kayser 

Darüber hinaus sind die geprüften Rechtskandidatinnen 
und -kandidaten Renke Bruhn, Ina Kitzmann, Robert 
Lagemann und Melanie Schaller im Sekretariat eingesetzt 
worden. Die Arbeit des Sekretariats ist des Weiteren 
durch die studentischen Hilfskräfte Barnabas Behrends, 
Sebastian Schwerdtfeger, Sara Oslislo, Franziska 
Krauthausen, Lorenzo Skade und Tobias Grosser unter- 
stützt worden. Weitere Unterstützung erfolgte durch Re- 
gierungsdirektor Andreas Christoph. 




Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-25- 


Drucksache 17/14650 


B. Gang der Untersuchung 

I. Rechtsgrundlagen für die Arbeit des 
Untersuchungsausschusses 

Gemäß Artikel 45a Absatz 2 Grundgesetz (GG) hat der 
Verteidigungsausschuss auch die Rechte eines Untersu- 
chungsausschusses. Artikel 44 Absatz 1 GG, nach dem 
nur das Plenum des Deutschen Bundestages das Recht 
hat, einen Untersuchungsausschuss einzusetzen, findet 
nach Artikel 45a Absatz 3 GG auf dem Gebiet der Vertei- 
digung keine Anwendung. Rechtsgrundlagen für die Ar- 
beit des Verteidigungsausschusses als Untersuchungsaus- 
schuss sind weiterhin die sinngemäße Anwendung der 
Vorschriften über den Strafprozess, das Gesetz zur Rege- 
lung des Rechts der Untersuchungsausschüsse des Deut- 
schen Bundestages (Parlamentarisches Untersuchungs- 
ausschussgesetz - PU AG) vom 19. Juni 2001 (BGBl. I 
S. 1142), zuletzt geändert durch Artikel 4 Absatz 1 des 
Gesetzes zur Modernisierung des Kostenrechts (Kosten- 
rechtsmodernisierungsgesetz - KoRMoG) vom 5. Mai 
2004 (BGBl. I S. 718), die Geschäftsordnung und die Ge- 
heimschutzordnung des Deutschen Bundestages. 

II. Beschlüsse und Absprachen zum 
Verfahren 

Der Verteidigungsausschuss als 2. Untersuchungsaus- 
schuss hat in seiner 1. Sitzung am 26. Juni 2013 einstim- 
mig die folgenden 12 Verfahrensbeschlüsse gefasst: 

Beschluss 1 

Zutritt von Fraktionsmitarbeiterinnen 
und -mitarbeitern 

(zu § 12 Absatz 2 Untersuchungsausschussgesetz) 

Von den Fraktionen benannte Mitarbeiterinnen 
und Mitarbeiter haben Zutritt zu allen Sitzungen 
des Ausschusses, jedoch zu den VS- VERTRAU- 
LICH oder höher eingestuften Sitzungen nur, so- 
weit sie die persönlichen Voraussetzungen erfüllen. 

Beschluss 2 

Protokollierung der Ausschusssitzungen 
(zu § 11 Untersuchungsausschussgesetz) 

Die Protokollierung der Sitzungen des Untersu- 
chungsausschusses gemäß § 11 Untersuchungs- 
ausschussgesetz wird wie folgt durchgeführt: 

1 . Alle Sitzungen, die der Beweiserhebung oder 
sonstiger Informationsbeschaffung des Ausschus- 
ses dienen, sind stenographisch aufzunehmen. 

2. Ergebnisse und wesentliche Argumente aller 
Beratungssitzungen und Beratungen werden in 
einem durch das Sekretariat zu fertigenden Kurz- 
protokoll festgehalten. Auf Antrag eines Viertels 
seiner Mitglieder beschließt der Ausschuss die 
stenographische Protokollierung einer nichtöf- 
fentlichen Sitzung. 


Beschluss 3 

Behandlung der Ausschussprotokolle 

I. Protokolle nichtöffentlicher Sitzungen 

1. Protokolle nichtöffentlicher Sitzungen erhal- 
ten die Mitglieder des Untersuchungsausschusses 
und ihre Stellvertreter, die benannten Mitarbeiter/ 
-innen der Fraktionen sowie die Beauftragten der 
Bundesregierung und des Bundesrates. 

2. Dritte haben grundsätzlich kein Recht auf 
Einsichtnahme in Protokolle nichtöffentlicher 
Sitzungen und folglich auch nicht darauf, dass 
ihnen Kopien solcher Protokolle überlassen wer- 
den. Eine Ausnahme besteht nur gegenüber 
Behörden, wenn der Untersuchungsausschuss 
entschieden hat, Amtshilfe zu leisten. 

II. Protokolle öffentlicher Sitzungen 

1. Protokolle öffentlicher Sitzungen erhalten 
der unter Punkt I. 1 . genannte Personenkreis, da- 
rüber hinaus auf Antrag auch Behörden, wenn der 
Untersuchungsausschuss entschieden hat, Amts- 
hilfe zu leisten. 

2. Einem Dritten kann Einsicht in die Proto- 
kolle gewährt werden, wenn er ein „berechtigtes 
Interesse nachweist“ (Abschnitt II der Richtlinien 
für die Behandlung der Ausschussprotokolle ge- 
mäß § 73 Absatz 3 GO-BT in der gültigen Fas- 
sung). Das Vorliegen des berechtigten Interesses 
prüft die Vorsitzende. Die Entscheidung über die 
Gewährung von Einsicht trifft der Ausschuss. 

3. Den Zeugen ist zur Prüfung der Richtigkeit 
der Protokollierung das Protokoll über ihre Ver- 
nehmung zuzustellen (§ 26 Absatz 1 Untersu- 
chungsausschussgesetz). 

III. Protokolle VS-VERTRAULICH oder höher 
eingestufter Sitzungen 

Ist das Protokoll über die Aussage einer Zeugin 
oder eines Zeugen VS-VERTRAULICH oder hö- 
her eingestuft, so ist ihr bzw. ihm Gelegenheit zu 
geben, dies in der Geheimschutzstelle des Deut- 
schen Bundestages einzusehen. Eine Kopie erhält 
sie bzw. er nicht. 

Beschluss 4 

Verteilung von Beratungsunterlagen, Beweis- 
beschlüssen und Ausschussmaterialien 

1. Grundsatz der Verteilung von Beratungsun- 
terlagen, Beweisbeschlüssen und sonstigen Aus- 
schussmaterialien 

Beratungsunterlagen, Beweisbeschlüsse und Aus- 
schussmaterialien sind durch das Sekretariat des 

2. UA (PA 12) - 17. WP zu verteilen an: 

1 . Ordentliche und stellvertretende Mitglieder 

2. Benannte Mitarbeiter/-innen der Fraktionen 



Drucksache 17/14650 


-26- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


3. Beauftragte der Bundesregierung und des 
Bundesrates 

IL Verteilung von Beratungsunterlagen, Be- 
weisbeschlüssen und sonstigen Ausschussmateria- 
lien in elektronischer Form: 

Beratungsunterlagen, Beweisbeschlüsse und Aus- 
schussmaterialien, die nicht VS -VERTRAULICH 
oder höher eingestuft sind, werden vom Sekreta- 
riat an den in Ziffer 1. genannten Personenkreis in 
elektronischer Form übermittelt. Soweit Unterla- 
gen dem Ausschuss nicht in elektronischer Form 
zur Verfügung gestellt werden, besorgt das Sekre- 
tariat die Ablichtung in elektronischer Form. 

III. Verteilung von Beratungsunterlagen, Be- 
weisbeschlüssen und sonstigen Ausschussmateria- 
lien in gedruckter Form: 

1. Beratungsunterlagen, Beweisbeschlüsse und 
Ausschussmaterialien mit einem Umfang bis 

100 Seiten sind an den in Ziffer I. genannten Per- 
sonenkreis zu verteilen. 

2. Ausschussmaterialien mit einem Umfang ab 

101 Seiten werden in je zwei Exemplaren an alle 
Fraktionen verteilt. 

Der Verfahrensbeschluss Nr. 4 wurde in der 2. Sitzung 
des Untersuchungsausschusses am 22. Juli 2013 neu ge- 
fasst und enthielt Änderungen bzgl. der Verteilung der 
beigezogenen Unterlagen in Papierform, die aufgrund der 
Materialmenge reduziert wurde: 

Beschluss 4 (neu) 

Verteilung von Beratungsunterlagen, Beweis- 
beschlüssen und Ausschussmaterialien 

1. Grundsatz der Verteilung von Beratungsun- 
terlagen, Beweisbeschlüssen und sonstigen Aus- 
schussmaterialien 

Beratungsunterlagen, Beweisbeschlüsse und Aus- 
schussmaterialien sind durch das Sekretariat des 

2. UA (PA 12) - 17. WP zu verteilen an: 

1 . Ordentliche und stellvertretende Mitglieder 

2. Benannte MitarbeiterZ-innen der Fraktionen 

3. Beauftragte der Bundesregierung und des 
Bundesrates 

II. Verteilung von Beratungsunterlagen, Be- 
weisbeschlüssen und sonstigen Ausschussmateria- 
lien in elektronischer Form: 

Beratungsunterlagen, Beweisbeschlüsse und Aus- 
schussmaterialien, die nicht VS -VERTRAULICH 
oder höher eingestuft sind, werden vom Sekreta- 
riat an den in Ziffer I. genannten Personenkreis in 
elektronischer Form übermittelt. Soweit Unterla- 
gen dem Ausschuss nicht in elektronischer Form 
zur Verfügung gestellt werden, besorgt das Sekre- 
tariat die Ablichtung in elektronischer Form. 


III. Verteilung von Beratungsunterlagen, Be- 
weisbeschlüssen und sonstigen Ausschussmate- 
rialien in gedruckter Form: 

1 . Beratungsunterlagen, Beweisbeschlüsse und 
Ausschussmaterialien mit einem Umfang bis 

100 Seiten sind an den in Ziffer I. genannten 
Personenkreis zu verteilen. 

2. Ausschussmaterialien mit einem Umfang ab 

101 Seiten werden in je zwei Exemplaren an 
alle Fraktionen verteilt. 

3. Ausschussmaterialien von einem Umfang ab 
1 000 Seiten werden lediglich in je einem 
Exemplar an die Fraktionen CDU/CSU, SPD, 
FDP, DIE LINKE, und BÜNDNIS 90/DIE 
GRÜNEN verteilt. 

Beschluss 5 

Verteilung von Verschlusssachen 
(zu § 16 Absatz 1 Untersuchungsausschussgesetz) 

I. Grundsatz der Verteilung von zugeleiteten 
Verschlusssachen 

Von den für den 2. UA (PA 12) - 17. WP in der 
Geheimschutzstelle des Deutschen Bundestages 
eingehenden VS-VERTRAULICH oder GE- 
HEIM eingestuften Beweismaterialien sind Aus- 
fertigungen herzustellen und zwar für 

1. die Fraktionen im Ausschuss je zwei, 

2. das Sekretariat zugleich für die Vorsitzende 
zwei. 

Den Mitgliedern der Fraktionen sowie den be- 
nannten Mitarbeitern der Fraktionen, die zum 
Umgang mit Verschlusssachen ermächtigt und 
zur Geheimhaltung förmlich verpflichtet sind, 
werden auf Wunsch die jeweiligen Exemplare 
ausgehändigt. 

Der Geheimschutzbeauftragte des Deutschen 
Bundestages wird aufgefordert, den Mitgliedern 
und Mitarbeitern der Fraktionen in Räumen, die 
von diesen bestimmt werden, Verwahrgelasse zur 
Aufbewahrung der Ausfertigung zur Verfügung 
zu stellen und unverzüglich die gegebenenfalls 
weiteren notwendigen technischen Sicherungs- 
maßnahmen zu treffen. 

II. Verteilung der vom UA eingestuften Ver- 
schlusssachen 

Für die vom 2. UA (PA 12) - 17. WP selbst VS- 
VERTRAULICH, VERTRAULICH gern. § 2 a 
GSO, GEHEIM, GEHEIM gern. § 2 a GSO oder 
ggf. STRENG GEHEIM eingestuften Unterlagen 
und Protokolle gilt Ziffer I. entsprechend. 

III. Verteilung von „VS-Nur für den Dienstge- 
brauch“ eingestuften Unterlagen 

VS-NfD-eingestufte Unterlagen werden verteilt 
und behandelt gemäß Beschluss 4 zum Verfahren 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-27- 


Drucksache 17/14650 


in Verbindung mit der Geheimschutzordnung des 
Deutschen Bundestages. 

Der Verfahrensbeschluss Nr. 5 wurde in der 2. Sitzung 
des Untersuchungsausschusses am 22. Juli 2013 neu ge- 
fasst und enthielt Änderungen bzgl. der Verteilung der 
beigefügten Unterlagen in Papierform, die aufgrund der 
Materialmenge reduziert wurde: 

Beschluss 5 (neu) 

Verteilung von Verschlusssachen 
(zu § 16 Absatz 1 Untersuchungsausschussgesetz) 

I. Grundsatz der Verteilung von zugeleiteten 
Verschlusssachen 

Von den für den 2. UA (PA 12) - 17. WP in der 
Geheimschutzstelle des Deutschen Bundestages 
eingehenden VS -VERTRAULICH oder GE- 
HEIM eingestuften Beweismaterialien sind Aus- 
fertigungen herzustellen und zwar für 

1. die Fraktionen im Ausschuss je zwei, 

2. das Sekretariat zugleich für die Vorsitzende 
zwei. 

3. Ausschussmaterialien von einem Umfang ab 
1 000 Seiten werden lediglich in je einem 
Exemplar an die Fraktionen CDU/CSU, SPD, 
FDR DIE LINKE, und BÜNDNIS 90/DIE 
GRÜNEN verteilt. 

Den Mitgliedern der Fraktionen sowie den be- 
nannten Mitarbeitern der Fraktionen, die zum 
Umgang mit Verschlusssachen ermächtigt und 
zur Geheimhaltung förmlich verpflichtet sind, 
werden auf Wunsch die jeweiligen Exemplare 
ausgehändigt. 

Der Geheimschutzbeauftragte des Deutschen 
Bundestages wird aufgefordert, den Mitgliedern 
und Mitarbeitern der Fraktionen in Räumen, die 
von diesen bestimmt werden, Verwahrgelasse zur 
Aufbewahrung der Ausfertigung zur Verfügung 
zu stellen und unverzüglich die gegebenenfalls 
weiteren notwendigen technischen Sicherungs- 
maßnahmen zu treffen. 

II. Verteilung der vom UA eingestuften Ver- 
schlusssachen 

Für die vom 2. UA (PA 12) - 17. WP selbst VS- 
VERTRAULICH, VERTRAULICH gern. § 2 a 
GSO, GEHEIM, GEHEIM gern. § 2 a GSO oder 
ggf STRENG GEHEIM eingestuften Unterlagen 
und Protokolle gilt Ziffer I. entsprechend. 

III. Verteilung von „VS-Nur für den Dienstge- 
brauch“ eingestuften Unterlagen 

VS-NfD-eingestufte Unterlagen werden verteilt 
und behandelt gemäß Beschluss 4 zum Verfahren 
in Verbindung mit der Geheimschutzordnung des 
Deutschen Bundestages. 


Beschluss 6 

Behandlung von Beweisanträgen 

Zur ordnungsgemäßen Vorbereitung der Bera- 
tungssitzungen werden Beweisanträge nur dann 
in einer Beratungssitzung behandelt, wenn sie 
schriftlich bis zum Donnerstag der Vorwoche, 
9.00 Uhr, im Sekretariat des 2. UA (PA 12) - 
17. WP eingegangen sind. Von dieser Frist kann 
einvernehmlich abgewichen werden. 

Beschluss 7 

Nichtöffentlichkeit der Sitzungen 
(gemäß § 14 Absatz 4 Untersuchungsausschussgesetz 
i. V. m. Artikel 45a Absatz 3 GG) 

Die Sitzungen des Verteidigungsausschusses als 
Untersuchungsausschuss sind grundsätzlich nicht 
öffentlich. 

Bei der Einvernahme von Zeugen kann hiervon 
im Einzelfall durch Beschluss abgewichen und 
die Einvernahme öffentlich durchgeführt werden, 
wenn das öffentliche Interesse dies gebietet und 
der Beweisgegenstand es zulässt. 

Derzeitige und ehemalige Mitglieder der politi- 
schen Leitungsebene (Mitglieder der Bundesre- 
gierung, beamtete und parlamentarische Staatsse- 
kretäre, Abteilungsleiter und Pressesprecher) und 
militärischen Führung (Generalinspekteur und 
Stellvertreter) werden grundsätzlich in öffentli- 
cher Sitzung einvernommen. Die Vorschrift des 
§ 14 PU AG bleibt unberührt. 

Im Einzelfall können auch Personen aus dem 
nachgeordneten Bereich öffentlich gehört wer- 
den. 

Beschluss 8 

Verzicht auf Verlesung von Schriftstücken 
(zu § 31 Untersuchungsausschussgesetz) 

Gemäß § 31 Absatz 2 Untersuchungsausschuss- 
gesetz wird auf die Verlesung von Protokollen 
und Schriftstücken verzichtet, soweit diese vom 
Ausschusssekretariat allen Mitgliedern des Un- 
tersuchungsausschusses zugänglich gemacht 
worden sind. 

Beschluss 9 

Verpflichtung zur Geheimhaltung 

1. Die Mitglieder des 2. UA (PA 12) - 17. WP 
sind aufgrund des Untersuchungsausschussgeset- 
zes, der Geheimschutzordnung des Deutschen 
Bundestages, ggf. ergänzt um Beschlüsse des 

2. UA (PA 12) - 17. WP in Verbindung mit § 353 b 
Absatz 2 Nr. 1 StGB zur Geheimhaltung derjeni- 
gen Tatsachen und Einschätzungen verpflichtet, 
die ihnen durch Übermittlung der von amtlichen 
Stellen als VS-VERTRAULICH bzw. VER- 



Drucksache 17/14650 


-28- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


TRAULICH und höher eingestuften Unterlagen 
bekannt werden. Der 2. UA (PA 12) - 17. WP 
wird mit Blick auf die Einstufung von übermittel- 
ten Unterlagen auf die Beachtung der Entschei- 
dung des Bundesverfassungsgerichts vom 
17. Juni 2009 (BVerfG, 2 BvE 2 3/07) dringen. 

2. Diese Geheimhaltungsverpflichtung er- 
streckt sich auch auf solche Tatsachen und Ein- 
schätzungen, die aufgrund von Unterlagen be- 
kannt werden, deren VS-Einstuflmg bzw. 
Behandlung als VS-VERTRAULICH oder höher 
sowie als VERTRAULICH oder höher durch den 
Untersuchungsausschuss selbst veranlasst oder 
durch die Vorsitzende unter Berücksichtigung der 
Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts 
vom 17. Juli 1984 (BVerfGE 67, S. 100 ff.) zur 
Wahrung des Grundrechtsschutzes (Betriebs- und 
Geschäftsgeheimnisse, Steuergeheimnisse und 
informationelles Selbstbestimmungsrecht) vorge- 
nommen wird. 

3. Die Geheimhaltungsverpflichtung entfällt, 
wenn und soweit die aktenführende Stelle bzw. 
der Untersuchungsausschuss die Einstufung als 
VS-VERTRAULICH und höher bzw. die Be- 
handlung als VERTRAULICH und höher auf- 
hebt. 

4. Im Übrigen gilt die Geheimschutzordnung 
des Deutschen Bundestages. 

5. Anträge, deren Inhalt möglicherweise ge- 
heimhaltungsbedürftig ist, sollen in der Geheim- 
schutzstelle des Deutschen Bundestages hinter- 
legt werden. Über die Hinterlegung soll der 
Antragsteller das Ausschusssekretariat unterrich- 
ten. 

Beschluss 10 

Fragerecht bei der Beweiserhebung 

Das Fragerecht bei der Vernehmung von Zeugen 
und Sachverständigen nach § 24 Absatz 5 und 
§ 28 Absatz 1 Untersuchungsausschussgesetz 
wird auf der Grundlage der Geschäftsordnung des 
Deutschen Bundestages und der parlamentari- 
schen Praxis bei Aussprachen im Plenum wie 
folgt gestaltet: 

Die Vernehmung zur Sache wird in zwei Ab- 
schnitte aufgeteilt: 

1. Im ersten Abschnitt stellt zunächst die Vor- 
sitzende, nachdem der Zeugin bzw. dem Zeugen 
Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben wurde, 
weitere Fragen zur Aufklärung und Vervollstän- 
digung der Aussage sowie zur Erforschung des 
Grundes, auf dem das Wissen der Zeugen beruht. 

2. Der zweite Abschnitt besteht aus einzelnen 
Befragungsrunden der Fraktionen. Bei der Rei- 
henfolge der Fraktion innerhalb der Befragungs- 
runden ist dabei die Fraktions stärke und der 


Grundsatz von Rede und Gegenrede zu berück- 
sichtigen. Für die Bemessung des Zeitanteils der 
Fraktion innerhalb der Befragungsrunden wird 
die Verteilung der Redezeiten im Plenum entspre- 
chend angewendet. In jeder Befragungsrunde be- 
ginnt die Fraktion der CDU/CSU. Daran schließt 
sich an die Befragung durch die Fraktion der 
SPD, die Fraktion der FDP, die Fraktion DIE 
LINKE, sowie durch die Fraktion BÜNDNIS 90/ 
DIE GRÜNEN. 

3. Bei Sachverständigenanhörungen und infor- 
matorischen Anhörungen wird entsprechend den 
vorstehenden Regelungen verfahren. 

Beschluss 11 

Mitteilung aus nichtöffentlichen Sitzungen 
(zu § 12 Absatz 3 Untersuchungsausschussgesetz) 

Die Vorsitzende wird gemäß § 12 Absatz 3 
PU AG dazu ermächtigt, die Öffentlichkeit über 
die in nichtöffentlicher Beratungs Sitzung erfass- 
ten Beschlüsse und Terminierungen des Aus- 
schusses zu informieren. 

Hiervon unberührt bleibt das Recht der übrigen 
Ausschussmitglieder, ihre Position hierzu öffent- 
lich zu äußern. 

Beschluss 12 

1. Alle Mitglieder des Verteidigungsausschus- 
ses können an den Sitzungen des Verteidigungs- 
ausschusses als 2. Untersuchungsausschuss teil- 
nehmen. 

2. In allen weiteren Sitzungen des Verteidi- 
gungsausschusses als 2. Untersuchungsausschuss 
ab seiner entsprechenden Konstituierung wird das 
Stimmrecht lediglich von vier Ausschussmitglie- 
dern der CDU/CSU, drei Ausschussmitgliedern 
der SPD, zwei Ausschussmitgliedern der FDP 
und jeweils einem Ausschussmitglied der Frak- 
tionen DIE LINKE, und BÜNDNIS 90/DIE 
GRÜNEN ausgeübt. 

3. Es besteht Einigkeit darüber, dass eine Rüge 
nach § 9 PU AG nur erhoben werden soll, wenn 
weniger als sechs der nach Ziffer 2. stimmberech- 
tigten Mitglieder anwesend sind. 

4. Es besteht weiter Einigkeit darüber, dass in 
allen Fällen, in denen es auf den Anteil von Mit- 
gliedern an der Gesamtmitgliederzahl des Aus- 
schusses ankommt, der Anteil von elf zu zählen 
ist. 

Im Gegensatz zum Verteidigungsausschuss als 1. Unter- 
suchungsausschuss in der 17. Wahlperiode gemäß Arti- 
kel 45a Absatz 2 Grundgesetz wurde kein Interfraktionel- 
les Gremium eingesetzt, sondern stattdessen zu 
Obleuterunden eingeladen. Hervorzuheben ist die Pai- 
ringvereinbarung (Beschluss Nr. 12). Die Pairingverein- 
barung wurde getroffen, nachdem zuvor Überlegungen 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-29- 


Drucksache 17/14650 


zur Einsetzung eines Unterausschusses gern. § 34 Absatz 3 
PUAG zurückgestellt worden waren. Ein weiteres No- 
vum war der Verfahrensbeschluss Nr. 4, der eine zusätzli- 
che elektronische Verteilung der Materialien bis zum Ein- 
stufungsgrad VS-NfD über ein neu einzurichtendes 
Laufwerk vorsieht, wie es bereits der sog. NSU-Unter- 
suchungsausschuss in der 17. Wahlperiode praktiziert hat. 

Gleichfalls in der 1. konstituierenden Sitzung verstän- 
digte sich der Ausschuss einvemehmlich darauf, alle Zeu- 
gen in öffentlicher Sitzung zu vernehmen und bei Bedarf 
in eine nichtöffentliche oder VS -VERTRAULICH bzw. 
höher eingestufte Sitzung einzutreten. 

III. Beweiserhebung durch Beiziehung und 
Verlangen der Herausgabe von Akten 
und sonstigen Unterlagen 

1. Art, Herkunft und Umfang des Beweis- 
materials 

Zum Zweck der Beweiserhebung hat der Verteidigungs- 
ausschuss als 2. Untersuchungsausschuss Akten, Be- 
richte, Protokolle und sonstige Unterlagen aufgrund von 
100 Beweisbeschlüssen beigezogen bzw. die Herausgabe 
verlangt. Der Bestand an Beweismaterialien umfasste 
zum Zeitpunkt der Berichtserstellung rund 1 600 Akten- 
ordner, davon etwa 240 Aktenordner, die VS- VER- 
TRAULICH oder höher eingestuft wurden. Die sehr um- 
fangreichen Aktenlieferungen, insbesondere des BMVg, 
erfolgten parallel zur Arbeitsaufnahme und zu den Ver- 
nehmungen des Untersuchungsausschusses. Sie wurden 
auch nach den Vernehmungen fortgeführt. Die Unterla- 
gen wurden entsprechend den Verfahrensbeschlüssen ver- 
teilt und bei der Erstellung des Berichts berücksichtigt. 

Es handelt sich um Unterlagen folgender Stellen: 

- Deutscher Bundestag: 

- Verteidigungsausschuss 

- Haushaltsausschuss 

- Bundesrechnungshof 

- Bundesregierung: 

- Geschäftsbereich des Bundeskanzleramtes 

- Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Ver- 
teidigung 

- Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Fi- 
nanzen 

- Private Unternehmen: 

- EuroHawk GmbH 

- EADS Deutschland GmbH, Division Cassidian 

- Northrop Grumman LITEF GmbH 

2. Bitten um fristgemäße Aktenvorlage und 
Vollständigkeitserklärung gemäß 

§ 18 Absatz 2 PUAG 

Die um Aktenvorlage ersuchten Ministerien und Behör- 
den sowie die privaten Unternehmen sind ihrer Verpflich- 
tung auf Vorlage der sächlichen Beweismittel durch die 


Herausgabe der in den Beweisbeschlüssen benannten Un- 
terlagen nachgekommen. Bei den auf Grundlage der Be- 
weisbeschlüsse vorgelegten Unterlagen hat es sich durch- 
gängig um Kopien gehandelt. 

Die in den jeweiligen Beweisbeschlüssen genannten Fris- 
ten, bis zu denen eine Vorlage des Materials erbeten war, 
wurde von allen, zumindest durch Übersendung einer ers- 
ten Teillieferung an den Ausschuss, eingehalten. 

Die Vorlagen der Materialien wurden lediglich seitens des 
Bundeskanzleramtes mit einer Vollständigkeitserklärung 
nach § 1 8 Absatz 2 PUAG versehen. 

3. Einstufungen von Beweismaterialien 

Bei einem großen Teil der von Ministerien und Behör- 
den übermittelten Materialien handelte es sich um Doku- 
mente mit einer Einstufung VS-NfD. Im Hinblick auf 
das Interesse des Untersuchungsausschusses, die Zeu- 
gen möglichst in öffentlicher Sitzung zu befragen, gab 
der Beauftragte des BMVg in der 2. Sitzung am 22. Juli 
2013 die grundsätzliche Zustimmung, dass Dokumente 
des BMVg und seines Geschäftsbereiches, die dem Aus- 
schuss in Erfüllung von Beweisbeschlüssen übermittelt 
wurden und VS-NfD eingestuft sind, auch in öffentli- 
chen Sitzungen vorgehalten und zitiert werden können, 
soweit schutzwürdige Rechte Dritter nicht berührt seien. 
Dies gelte nicht pauschal, sondern ausschließlich für die 
Zeugenvernehmungen. 

Mit einem Schreiben vom 5. Juli 2013, als Beratungsun- 
terlage 17-129 vom Untersuchungsausschuss zur Kennt- 
nis genommen, teilte der Beauftragte des BMVg der Aus- 
schussvorsitzenden mit, dass Unterlagen, die einen 
sogenannten ITAR- (International Traffic in Arms Regula- 
tions) Sperrvermerk aufweisen, dem Ausschuss als 
GEHEIM eingestufte Verschlusssachen übermittelt wür- 
den. Ausgangspunkt hierfür seien Exportvorschriften der 
USA, mit denen der Handel mit Waffen, Rüstungs- und 
Verteidigungsgütern kontrolliert werde. Danach verstoße 
die Weitergabe von mit einem solchen Sperrvermerk ver- 
sehenen Unterlagen an Stellen, die ein sogenanntes Tech- 
nical Assistance Agreement (TAA) nicht unterzeichnet 
hätten, gegen US-amerikanische Regelungen. Im Juni 
2013 habe das US Department of State einem Antrag der 
Firma Northrop Grumman entsprochen und der Weiter- 
gabe der ITAR- kontrollierten Informationen an den 
Deutschen Bundestag unter der Voraussetzung zuge- 
stimmt, dass die Unterlagen zuvor als GEHEIM einge- 
stuft werden. 

Auf Bitte der privaten Unternehmen EuroHawk GmbH 
und EADS Deutschland GmbH, Division Cassidian, 
wurde ein Teil der von diesen Firmen übermittelten Mate- 
rialien, soweit Betriebs- oder Geschäftsgeheimnisse be- 
rührt werden, zunächst durch die Vorsitzende gemäß § 1 5 
Absatz 1 Satz 2 PUAG in Verbindung mit § 2a Absatz 2 
der Geheimschutzordnung des Deutschen Bundestages 
vorläufig eingestuft. In seiner 2. Sitzung am 22. Juli 2013 
hat der Untersuchungsausschuss beschlossen, diese Ak- 
ten gemäß § 1 5 Absatz 1 Satz 1 PUAG in Verbindung mit 



Drucksache 17/14650 


-30- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


§ 2a Absatz 2 der Geheimschutzordnung des Deutschen 
Bundestages endgültig als VERTRAULICH einzustufen. 

Zudem hat der Untersuchungsausschuss in seiner 9. Sit- 
zung am 26. August 2013 beschlossen, eine Ergänzungs- 
lieferung an Beweismaterialien, die mit Schreiben vom 
16. August 2013 durch die Firma EuroHawk GmbH über- 
mittelt wurde, gemäß § 15 Absatz 1 Satz 1 PUAG in Ver- 
bindung mit § 2a Absatz 2 der Geheimschutzordnung des 
Deutschen Bundestages als VERTRAULICH einzustufen. 

Darüber hinaus wandte sich die Firma EuroHawk GmbH 
schriftlich am 18. Juli 2013 an die Bundesregierung und 
teilte mit, dass sie den Inhalt der mit dem BMVg ge- 
schlossenen Verträge und den Inhalt der Kommunikation 
mit dem BMVg, soweit sie technische Daten zu dem 
EURO HAWK-Programm enthalte, als Betriebs- und Ge- 
schäftsgeheimnisse betrachte. Die EuroHawk GmbH 
bestehe darauf, dass das BMVg die entsprechenden Un- 
terlagen gemäß §§ 2 Absatz 3, 2a Absatz 1 der Geheim- 
schutzordnung des Deutschen Bundestages für die Zwe- 
cke der Übermittlung an den Untersuchungsausschuss als 
GEHEIM einstufe und dies auch für bereits übermittelte 
Dokumente noch veranlasse. 

Hinsichtlich der bereits vom BMVg an das Ausschussse- 
kretariat übermittelten Dokumente hat der Untersu- 
chungsausschuss in seiner 2. Sitzung am 22. Juli 2013 
einstimmig beschlossen, dass zur Wahrung von Be- 
triebs- und Geschäftsgeheimnissen Vorhalte aus den Un- 
terlagen der Firma nur in nichtöffentlicher Sitzung ge- 
macht werden sollten und jeweils von Fall zu Fall 
entschieden werde. In einem späteren Begleitschreiben 
des BMVg zu übermittelten Dokumenten, die sich auf 
Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse der EuroHawk 
GmbH beziehen könnten, wies das BMVg darauf hin, 
dass es eine Einstufung nach der Geheimschutzordnung 
des Deutschen Bundestages zum Schutz von Betriebs- 
und Geschäftsgeheimnissen nicht selbst vornehmen 
könne. Das BMVg hat sich zur Klärung der Frage, wel- 
che Unterlagen aus welchem Grund konkret mit einem 
Geheimhaltungsgrad zu versehen sind, an die Firma 
EuroHawk GmbH gewandt. Eine Verteilung dieser Ak- 
ten, soweit sie Unterlagen der Firma EuroHawk GmbH 
enthielten, wurde bis zur Rückäußerung der EuroHawk 
GmbH zurückgestellt, die bis zur Drucklegung nicht er- 
folgt ist. Die Unterlagen waren im Ausschusssekretariat 
unter diesem Vorbehalt einsehbar. 


IV. Beweiserhebung durch Vernehmung von 
Zeugen 

1. Behandlung von Beweisanträgen 

a) Entscheidung über die Beweisanträge 

Über Beweisanträge hat der Untersuchungsausschuss ge- 
mäß §§ 17 ff. Untersuchungsausschussgesetz entschie- 
den. Nach § 17 Absatz 2 PUAG sind Beweise zu erheben, 
wenn sie von einem Viertel der Mitglieder des Ausschus- 
ses beantragt sind, es sei denn, die Beweiserhebung ist 
unzulässig oder das Beweismittel ist auch nach der An- 
wendung der in diesem Gesetz vorgesehenen Zwangsmit- 
tel unerreichbar. Der Ausschuss hat einstimmig 26 Be- 
weisanträge zur Vernehmung von Zeugen in seiner 

1. Sitzung am 26. Juni 2013 beschlossen. Weitere vier 
Beweisanträge auf Beiziehung von Akten, die nicht von 
einem Viertel der Mitglieder des Ausschusses beantragt 
wurden, wurden in der 2. Sitzung am 22. Juli 2013 abge- 
lehnt. 

b) Terminierung der Vernehmungen 

Für die Zeugenvernehmungen wurden aufgrund des sehr 
engen Zeitfensters zwei Sitzungsblöcke in der 30. und 
3 1 . Kalenderwoche ä drei Sitzungstage vorgesehen. Eine 
Zeugenliste mit den konkreten Vernehmungsterminen 
von 20 Zeugen wurde in der 1. Sitzung am 26. Juni 2013 
verabschiedet. Aufgrund der Eilbedürftigkeit und mögli- 
cher Verhinderung einzelner Zeugen wurden die Obleute 
ermächtigt, nach Abklärung der Verfügbarkeit der Zeu- 
gen die endgültige Terminierung festzulegen. Die Ob- 
leute haben diese Liste am 28. Juni 2013 endgültig ein- 
vernehmlich beschlossen. 

In einem Fall wurde zum gleichen Vemehmungstermin 
ein Ersatzzeuge geladen, da unklar war, ob der primär ge- 
ladene ausländische Zeuge dem Untersuchungsausschuss 
zur Verfügung stehen würde. Nach Zusage des ausländi- 
schen Zeugen konnte dieser Ersatzzeuge zeitnah abgela- 
den werden. 

2. Durchführung der Zeugenvernehmungen 

Alle Vernehmungen von Zeugen wurden in öffentlicher 
Sitzung entsprechend dem Beschluss in der 1 . Sitzung am 
26. Juni 2013 durchgeführt, welche ausnahmslos im Sit- 
zungssaal des Europaausschusses im Paul-Löbe-Haus des 
Deutschen Bundestages in Berlin stattfanden. Für VS- 
VERTRAULICH und höher eingestufte Sitzungen hätte 
der Sitzungssaal des Innenausschusses im Paul-Löbe- 
Haus zur Verfügung gestanden. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-31- 


Drucksache 17/14650 


Folgende 18 Zeugen wurden öffentlich vernommen: 


Name 

BB 

17- 

Beschlossen 

Vernehmung 

General a. D. 

Wolfgang Schneiderhan 

106 

26.06.2013 

22.07.2013 

Bundesminister a. D. 

Rudolf Scharping 

119 

26.06.2013 

22.07.2013 

Bundesminister a. D. 

Dr. Franz Josef Jung, MdB 

120 

26.06.2013 

22.07.2013 

LTRDir Rüdiger Knöpfei, 

BAAINBw 

112 

26.06.2013 

23.07.2013 

DirWTD 

Wolfgang Steiger, WTD 61 

125 

26.06.2013 

23.07.2013 

Oswald Böhm, ehern. Vorsitzender des 
Personalrates beim BWB 

118 

26.06.2013 

23.07.2013 

Harald Stein, 

Präsident des BAAINBw 

110 

26.06.2013 

23.07.2013 

MRn Angelika Bauch, 
Bundesrechnungshof 

114 

26.06.2013 

24.07.2013 

MD Detlef Selhausen, BMVg 

108 

26.06.2013 

24.07.2013 

DirWTD a. D. Walter Storz, 

WTD 61 von März 2007 bis 

September 2010 

126 

26.06.2013 

24.07.2013 

Bernhard Gerwert, 

CEO Fa. EADS Division Cassidian 

121 

26.06.2013 

29.07.2013 

Janis G. Pamiljans, 

Sector Vice President 

Fa. Northrop Grumman 

123 

26.06.2013 

29.07.2013 

Staatssekretär 

Werner Gatzer, BMF 

113 

26.06.2013 

29.07.2013 

MD Dr. Paul Jansen, BMVg 

109 

26.06.2013 

29.07.2013 

Staatssekretär 

Stephane Beemelmans, BMVg 

103 

26.06.2013 

30.07.2013 

Staatssekretär 

Rüdiger Wolf, BMVg 

102 

26.06.2013 

30.07.2013 

General Volker Wieker, Generalinspek- 
teur der Bundeswehr, BMVg 

107 

26.06.2013 

30.07.2013 

Bundesminister der Verteidigung 

Dr. Thomas de Maiziere, MdB 

101 

26.06.2013 

31.07.2013 




Drucksache 17/14650 


-32- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


In einer nach der Vernehmung des Zeugen Dr Thomas de 
Maiziere durchgeführten Beratungssitzung beschloss der 
Untersuchungsausschuss einvemehmlich, den für diesen 
Tag geladenen Zeugen Prof. Dr Dieter Engels, Präsident 
des Bundesrechnungshofes, nicht mehr zu vernehmen, 
die entsprechende Ladung aufzuheben und die öffentliche 
Sitzung zu beenden. 

a) Keine Live-Übertragung öffentlicher 
Sitzungen 

Im Vorfeld der in öffentlicher Sitzung für den 22. Juli 
2013 beschlossenen Vernehmungen von General a. D. 
Wolfgang Schneiderhan, Bundesminister a. D. Rudolf 
Scharping, sowie von Bundesminister a. D. Dr Franz 
Josef Jung hat sich der Fernsehsender „Phoenix“ an die 
Vorsitzende mit der Bitte gewandt, eine Live-Übertra- 
gung der Vernehmung zu ermöglichen. Unter Hinweis da- 
rauf, dass gemäß § 13 Absatz 1 Satz 2 PU AG Ton- und 
Filmaufnahmen sowie Ton- und Bildübertragungen 
grundsätzlich nicht zulässig seien, wurde das Ansinnen 
des Fernsehsenders abgelehnt. 

b) Aussagegenehmigungen 

Die meisten der vernommenen Zeugen haben für ihre 
Aussage vor dem Untersuchungsausschuss eine Aussage- 
genehmigung benötigt, die sie vom Bundesrechnungshof, 
vom Bundesministerium der Verteidigung sowie vom 
Bundesministerium der Finanzen erhalten und dem Un- 
tersuchungsausschuss vorgelegt haben. 

Bundesminister a. D. Rudolf Scharping, Bundesminister 
a. D. Dr Franz Josef Jung sowie Bundesminister 
Dr Thomas de Maiziere ist jeweils eine Aussagegeneh- 
migung gemäß § 6 Absatz 2 BMinG erteilt worden. Zu- 
dem hat der Präsident des Deutschen Bundestages nach 
§ 44d AbgG für diese drei Zeugen Aussagegenehmigun- 
gen erteilt. 

c) Rechtsbeistand von Zeugen 

Bei nachfolgend aufgeführten inländischen wie ausländi- 
schen Zeugen ist die Vernehmung im Beisein eines 
Rechtsbeistandes erfolgt: 


Zeuge 

Rechts- 

beistand 

Vernehmung 

Bernhard Gerwert, 
CEO Fa. EADS 
Division Cassidian 

Rechtsanwalt 
Dr. Daniel M. 
Krause 

29. Juli 2013 

Janis G. Pamiljans, 
Sector Vice 

President 

Fa. Northrop 
Grumman 

Rechtsanwalt 

Martin 

Seyfarth, 

Kanzlei 

WilmerHale 

29. Juli 2013 


d) Zeugnis- und Auskunftsverweigerungs- 
rechte 

Auf ein Zeugnis- oder Auskunftsverweigerungsrecht ge- 
mäß § 22 PU AG, auf das sowohl in den Ladungen als 


auch zu Beginn der Vernehmungen hingewiesen wurde, 
hat sich keiner der Zeugen berufen. 

3. Vernehmung ausländischer Zeugen 

Im Gegensatz zu deutschen Staatsangehörigen, die nach 
§ 20 Absatz 1 PUAG in Verbindung mit Artikel 44 Ab- 
satz 2 Grundgesetz sowie als Ausfluss ihrer allgemeinen 
Bürgerpflicht verpflichtet sind, einer Ladung des Unter- 
suchungsausschusses nachzukommen, gilt diese Ver- 
pflichtung nicht für Ausländer, die sich nicht in Deutsch- 
land aufhalten. Ein Ausländer kann sich aber freiwillig 
bereiterklären, vor einem deutschen Untersuchungsaus- 
schuss auszusagen. 

In Umsetzung seiner Beweisbeschlüsse hat der Untersu- 
chungsausschuss einen im Ausland lebenden ausländi- 
schen Zeugen gebeten, sich zu einer Aussage vor dem 
Untersuchungsausschuss bereit zu erklären. Dem La- 
dungsschreiben ist dieser ausländische Zeuge gefolgt. 

4. Beschlossene, aber nicht terminierte 
Zeugen 

In einigen Fällen hat der Untersuchungsausschuss vor 
dem Hintergrund der erfolgten Beweisaufnahme von ei- 
ner Vernehmung der folgenden Zeugen, bezüglich derer 
es Beweisbeschlüsse gegeben hat, abgesehen: 


Zeuge 

Beschlossen 

Beweis- 
beschluss- 
Nr. 17- 

Staatssekretär a. D. 

Dr. Peter Eickenboom 

26. Juni 2013 

104 

Staatssekretär a. D. 

Dr. Walther Stützle 

26. Juni 2013 

105 

Dienststellenleiter 

WTD 61, Herbert 

Hauck 

26. Juni 2013 

111 

Leiter des Referates II 

D 1 im BMF im Dezem- 
ber 2006, 

MR Ottenburger 

26. Juni 2013 

116 

Vizepräsident beim 
BAAINBw, 

Thomas Wardecki 

26. Juni 2013 

117 

Ehern. CEO von EADS 
Division Cassidian, 

Stefan Zoller 

26. Juni 2013 

122 


5. Formeller Abschluss der Zeugen- 
vernehmungen 

Am Ende jeder Vernehmung hat die Vorsitzende die Zeu- 
gen gemäß § 26 Absatz 3 PUAG belehrt, dass der Unter- 
suchungsausschuss durch Beschluss feststellt, dass die 
Vernehmung des Zeugen abgeschlossen ist. Die Entschei- 
dung dürfe erst ergehen, wenn nach Zustellung des Ver- 





Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-33- 


Drucksache 17/14650 


nehmungsprotokolls zwei Wochen verstrichen sind oder 
auf die Einhaltung dieser Frist verzichtet worden ist. 

In seiner 9. und zugleich letzten Sitzung am 26. August 
2013 hat der Untersuchungsausschuss folgenden Be- 
schluss einstimmig gefasst: 

Beschluss 13 

Ende der Beweisaufnahme und 
Abschluss von Zeugenvernehmungen 
(zu § 26 Untersuchungsausschussgesetz) 

1. Die Beweisaufnahme endet mit Ablauf der 
17. Wahlperiode. 


2. Nach Beschlussfassung eingehende Beweis- 
materialien werden abweichend zu den Beschlüs- 
sen 4 und 5 zum Verfahren im Sekretariat bzw. in 
der Geheimschutzstelle des Deutschen Bundesta- 
ges lediglich in Papierform vorgehalten. 

3. Die Vernehmungen folgender Zeugen, die 
das stenografische Protokoll über ihre Verneh- 
mung durch den Untersuchungsausschuss erhal- 
ten und dazu Stellung genommen bzw. auf eine 
Stellungnahme verzichtet haben, sind abgeschlos- 
sen. 


Name 

BB 17- 

beschlossen am 

vernommen am 

Protokoll Nr. 

Bauch, Angelika 

114 

26.06.2013 

24.07.2013 

5 

Beemelmans, Stephane 

103 

26.06.2013 

30.07.2013 

7 

Böhm, Oswald 

118 

26.06.2013 

23.07.2013 

4 

Gatzer, Werner 

113 

26.06.2013 

29.07.2013 

6 

Gerwert, Bernhard 

121 

26.06.2013 

29.07.2013 

6 

Jansen, Dr. Paul 

109 

26.06.2013 

29.07.2013 

6 

Jung, Dr. Franz Josef 

120 

26.06.2013 

22.07.2013 

3 

Knöpfei, Rüdiger 

112 

26.06.2013 

23.07.2013 

4 

de Maiziere, Dr. Thomas 

101 

26.06.2013 

31.07.2013 

8 

Pamiljans, Janis G. 

123 

26.06.2013 

29.07.2013 

6 

Scharping, Rudolf 

119 

26.06.2013 

22.07.2013 

3 

Schneiderhan, Wolfgang 

106 

26.06.2013 

22.07.2013 

3 

Selhausen, Detlef 

108 

26.06.2013 

24.07.2013 

5 

Steiger, Wolfgang 

125 

26.06.2013 

23.07.2013 

4 

Stein, Harald 

110 

26.06.2013 

23.07.2013 

4 

Storz, Walter 

126 

26.06.2013 

24.07.2013 

5 

Wieker, Volker 

107 

26.06.2013 

30.07.2013 

7 

Wolf, Rüdiger 

102 

26.06.2013 

30.07.2013 

7 




Drucksache 17/14650 


-34- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


V. Zeit- und Arbeitsaufwand 

In der Zeit von seiner Konstituierung am 26. Juni 2013 
bis zu seiner abschließenden Sitzung am 26. August 2013 
hat der Untersuchungsausschuss insgesamt neun Sitzun- 
gen durchgeführt, davon sechs öffentliche Sitzungen zur 
Beweisaufnahme und drei nichtöffentliche Beratungssit- 
zungen gemäß § 12 Absatz 1 PU AG. 

Die Dauer der öffentlichen und nichtöffentlichen Sitzun- 
gen betrug insgesamt ca. 60 Stunden. Die Stenografi- 
schen Protokolle der öffentlichen Sitzungen zur Beweis- 
aufnahme umfassen etwa 1 000 Seiten. 

VI. Bericht 

1. Zeitplan 

Der Untersuchungsausschuss hat in seiner 2. Sitzung am 
22. Juli 2013 nachfolgenden Zeitplan zur Erstellung des 
Berichtes des Verteidigungsausschusses als 2. Untersu- 
chungsausschuss gemäß Artikel 45a Absatz 2 GG be- 
schlossen: 


1 

Sekretariat: Vorlage des Entwurfs des 

Verfahrensteils und des Feststel- 
lungsteils 

16.08.2013 

2 

Fraktionen: Ganztägige Beratungen 
auf Arbeitsebene mit dem Ziel eines 

gemeinsamen Verfahrens- und 

F eststellungsteils 

20.08.2013 

3 

Vorlage des Bewertungsteils der 
Mehrheit 

21.08.2013 

4 

Vorlage möglicher Sondervoten 

23.08.2013 

5 

Beratungssitzung zur Beschluss- 
fassung des Ausschusses über den 

gemeinsamen Verfahrens- und Fest- 
stellungsteil sowie über die Bewer- 
tung des Ausschusses und die Son- 
dervoten 

26.08.2013, 
12.00 Uhr 


2. Feststellung des Berichtes 

Der Verteidigungsausschuss als 2. Untersuchungsaus- 
schuss gemäß Artikel 45a Absatz 2 GG hat in seiner 
9. und zugleich letzten Sitzung am 26. August 2013 fol- 
genden Beschluss gefasst: 

Beschluss 16 

Feststellung der Teile des Berichtes nach § 33 PUAG 
und Vorlage an den Deutschen Bundestag 

1. Der Verteidigungsausschuss als 2. Untersu- 
chungsausschuss gemäß Artikel 45a Absatz 2 des 
Grundgesetzes stellt den in seiner 9. Sitzung am 
26. August 2013 beschlossenen Bericht in der 
Fassung der Beratungsunterlage 17-151 als Be- 
richtsteile des Untersuchungsausschusses zum 


Gang des Verfahrens (Erster Teil) und zu den er- 
mittelten Tatsachen (Zweiter Teil) sowie Über- 
sichten und Verzeichnisse (Fünfter Teil) gemäß 
§ 33 PUAG fest. 

2. Der Verteidigungsausschuss als 2. Untersu- 
chungsausschuss gemäß Artikel 45a Absatz 2 des 
Grundgesetzes stellt den in seiner 9. Sitzung am 
26. August 2013 beschlossenen Bericht in der 
Fassung der Beratungsunterlage 17-148 als Be- 
richtsteil des Untersuchungsausschusses Ergebnis 
der Untersuchung (Dritter Teil) gemäß § 33 
PUAG fest. 

3. Der Verteidigungsausschuss als 2. Untersu- 
chungsausschuss gemäß Artikel 45a Absatz 2 des 
Grundgesetzes stellt die in seiner 9. Sitzung am 
26. August 2013 vorgelegten Berichte der 
Fraktionen der SPD und BÜNDNIS 90/DIE 
GRÜNEN sowie der Fraktion DIE LINKE, in der 
Fassung der Beratungsunterlagen 17-152 und 
17-153 als Sondervoten gemäß § 33 Absatz 2 
PUAG (Vierter Teil) fest. 

4. Die festgestellten Teile des Berichtes werden 
als Bundestagsdrucksache veröffentlicht. 

5. Die festgestellten Teile des Berichtes werden 
dem Deutschen Bundestag mit folgender Be- 
schlussempfehlung vorgelegt: 

„Der Bundestag wolle beschließen: 

Der Bericht des Verteidigungsausschusses als 
2. Untersuchungsausschussgemäß Artikel 45a 
Absatz 2 des Grundgesetzes wird zur Kenntnis 
genommen.“ 

6. Das Sekretariat wird ermächtigt, den Ersten 
Teil (Gang des Verfahrens) gemäß Beschlussfas- 
sung vom 26. August 2013 zu ergänzen sowie re- 
daktionelle Überarbeitungen offensichtlicher Un- 
richtigkeiten in allen festgestellten Berichtsteilen 
vorzunehmen. 

7. Das Sekretariat wird beauftragt, in Abstim- 
mung mit den federführend benannten Mitarbei- 
tern der Fraktionen die redaktionelle Schlussbear- 
beitung der festgestellten, zur Veröffentlichung 
als Bundestagsdrucksache bestimmten Berichts- 
teile vorzunehmen. 

Ziffer 2 des Beschlusses wurde mit den Stimmen der 
Fraktion der CDU/CSU, SPD, FDP und BÜNDNIS 90/ 
DIE GRÜNEN bei Enthaltung der Fraktion DIE LINKE, 
beschlossen. Alle übrigen Ziffern des Beschlusses wur- 
den einstimmig gefasst. 

3. Rechtliches Gehör 

In seiner 9. Sitzung am 26. August 2013 hat der Verteidi- 
gungsausschuss als 2. Untersuchungsausschuss zudem 
folgenden Beschluss zur Gewährung rechtlichen Gehörs 
einstimmig beschlossen: 




Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-35- 


Drucksache 17/14650 


Beschluss 14 

Gewährung rechtlichen Gehörs zum Bericht 
gemäß § 32 PUAG 

Der Verteidigungsausschuss als 2. Untersu- 
chungsausschuss stellt fest, dass zu den ermittel- 
ten Tatsachen (Feststellungsteil des Berichtes), 
dem Ergebnis der Untersuchung (Bewertungsteil) 
und den Sondervoten vor einer Veröffentlichung 
des Berichtes nach § 32 PUAG keiner Person Ge- 
legenheit zu einer Stellungnahme zu geben ist. 

4. Anfügung von Protokollen an den Bericht 

Am 26. August 2013 hat der Untersuchungsausschuss 
einvernehmlich beschlossen, die stenografischen Proto- 
kolle der öffentlichen Zeugenvernehmungen in den Be- 
richt aufzunehmen: 

Beschluss 15 

Anfügung von Protokollen an den Bericht 
nach § 33 PUAG 

Der Verteidigungsausschuss als 2. Untersu- 
chungsausschuss nimmt folgende Protokolle in 
den Bericht nach § 33 PUAG als Anlagen auf: 

1 . Stenografisches Protokoll der 3 . Sitzung über 
die Vernehmung der Zeugen: 

General a. D. Wolfgang Schneiderhan, Bundes- 
minister a. D. Rudolf Scharping und Bundes- 
minister a. D. Dr. Franz Josef Jung, MdB, am 
22. Juli 2013 

2. Stenografisches Protokoll der 4. Sitzung der 
Vernehmung der Zeugen: 

Leitender Technischer Regierungsdirektor 
Rüdiger Knöpfei, Bundesamt für Ausrüstung, In- 
formationstechnik und Nutzung der Bundeswehr, 
Direktor WTD Wolfgang Steiger, Wehrtechnische 
Dienststelle (WTD) 61, Oswald Böhm, ehern. 
Vorsitzender des Personalrates beim Bundesamt 
für Wehrtechnik und Beschaffung, und Harald 
Stein, Präsident des Bundesamtes für Ausrüstung, 
Informationstechnik und Nutzung der Bundes- 
wehr am 23. Juli 2013 

3. Stenografisches Protokoll der 5. Sitzung über 
die Vernehmung der Zeugen: 

Ministerialrätin Angelika Bauch, Bundesrech- 
nungshof, Ministerialdirektor Detlef Selhausen, 
Bundesministerium der Verteidigung, und Direk- 
tor einer WTD a. D. Walter Storz, ehemaliger 
Dienststellenleiter WTD 61, am 24. Juli 2013 

4. Stenografisches Protokoll der 6. Sitzung über 
die Vernehmung der Zeugen: 

Bernhard Gerwert, Chief Executive Officer 
(CEO), Fa. EADS Division Cassidian, Janis G. 
Pamiljans (Sector Vice President), Fa. Northrop 
Grumman, Staatssekretär Werner Gatzer, Bundes- 
ministerium der Finanzen und Ministerialdirektor 


Dr. Paul Jansen, Bundesministerium der Verteidi- 
gung am 29. Juli 2013 

5. Stenografisches Protokoll der 7. Sitzung über 
die Vernehmung der Zeugen: 

Staatssekretär Stephane Beemelmans, Bundes- 
ministerium der Verteidigung, Staatssekretär 
Rüdiger Wolf, Bundesministerium der Verteidi- 
gung und General Volker Wieker, Generalinspek- 
teur der Bundeswehr am 30. Juli 2013 

6. Stenografisches Protokoll der 8. Sitzung über 
die Vernehmung des Zeugen 

Bundesminister der Verteidigung, Dr. Thomas de 
Maiziere, MdB, am 31. Juli 2013. 

VII. Umgang mit Beweismitteln nach Vorlage 
des Berichtes 

Zum Umgang mit Protokollen und Materialien 
nach Kenntnisnahme des Berichtes durch den 
Deutschen Bundestag hat der Untersuchungsaus- 
schuss einvemehmlich folgenden Beschluss in 
seiner letzten Sitzung am 26. August 2013 ge- 
fasst: 

Beschluss 17 

Behandlung der Protokolle und Materialien nach 
Kenntnisnahme des Berichtes durch den 
Deutschen Bundestag 

1 . Protokolle 

Der Untersuchungsausschuss empfiehlt gemäß 
Ziffer II Nr. 2 der Richtlinien gemäß § 73 Absatz 3 
GO-BT: 

VS-NUR FÜR DEN DIENSTGEBRAUCH ein- 
gestufte Protokolle über Beratungssitzungen wer- 
den nach der Geheimschutzordnung des Bundes- 
tages behandelt. Der Vermerk VS-NUR FÜR 
DEN DIENSTGEBRAUCH verliert am 31. De- 
zember 2017 seine Gültigkeit. Danach können 
diese Protokolle von jedem eingesehen werden, 
der ein berechtigtes Interesse geltend machen 
kann. Über das Vorliegen eines berechtigten Inte- 
resses entscheidet der Präsident. 

2. Beweismaterialien (MAT) 

Die zu Beweiszwecken gemäß § 18 Absatz 1 
PUAG sowie § 29 PUAG beigezogenen Materia- 
lien und die VS-NUR FÜR DEN DIENSTGE- 
BRAUCH und höher eingestuften Beweismateria- 
lien werden nach Ablauf der 17. Wahlperiode an 
die herausgebenden Stellen zurückgegeben, es sei 
denn, die herausgebenden Stellen widersprechen. 
Im Übrigen werden Kopien ebenso wie die vom 
Verteidigungsausschuss als 2. Untersuchungsaus- 
schuss gefertigten Kopien vernichtet. Die Ver- 
nichtung ist in einem Protokoll festzuhalten. 

Die auf dem Gruppenlaufwerk U im Ordner 
„UA_Materialen“ des Verteidigungsausschusses als 



Drucksache 17/14650 


-36- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


2. Untersuchungsausschuss digital gespeicherten 
Materialien werden nach Ablauf der 17. Wahlpe- 
riode durch das zuständige Referat der Verwal- 
tung des Deutschen Bundestages gelöscht. 

3. Geschäftsakten 

Die dem Verteidigungsausschuss als 2. Untersu- 
chungsausschuss von dritter Seite vorgelegten 
Geschäftsakten werden als „VS-NUR FÜR DEN 
DIENSTGEBRAUCH“ eingestuft, soweit diese 
nicht bereits mit einer höheren Einstufung verse- 
hen sind. 

Darüber hinaus hat der Ausschuss einstimmig folgenden 
Beschluss zur Rückgabe von Beweismaterialien und 
Mehrausfertigungen von Protokollen gefasst: 

Beschluss 18 

Rückgabe von Beweismaterialien und Mehr- 
ausfertigungen von Protokollen 

1. Nach Ablauf der 17. Wahlperiode geben 

- die Mitglieder des Verteidigungsausschus- 
ses als 2. Untersuchungsausschuss, 


- die benannten Mitarbeiterinnen und Mitar- 
beiter der Fraktionen und 

- die Beauftragten der Bundesregierung so- 
wie der Stenografische Dienst 

gegenüber dem Sekretariat eine Erklärung ab, 
dass verteilte oder elektronisch bereitgestellte 
Kopien der als VS-NUR FÜR DEN DIENSTGE- 
BRAUCH eingestuften Beweismaterialien sowie 
die davon gezogenen weiteren Kopien, soweit 
dies nicht bereits erfolgt ist, vernichtet werden. 

2. Die von der Geheimregistratur des Deut- 
schen Bundestages an 

- die Mitglieder des Verteidigungsausschus- 
ses als 2. Untersuchungsausschuss, 

- die benannten Mitarbeiterinnen und Mitar- 
beiter der Fraktionen und 

- die Beauftragten der Bundesregierung so- 
wie den Stenografischen Dienst 

verteilten Kopien der VS-NUR FÜR DEN 
DIENSTGEBRAUCH oder höher eingestuften 
Beweismaterialien sind bis Ablauf der 17. Wahl- 
periode der Geheimregistratur zum Zwecke der 
Vernichtung zuzuleiten. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-37- 


Drucksache 17/14650 


Zweiter Teil: 

Feststellungen zum Sachverhalt 

A. Beginn und Verlauf des Entwicklungs- 
projektes EURO HAWK bis zum 
Vertragsschluss im Jahr 2007 

Zur Deckung des Informationsbedarfes der politischen 
Führung und aller militärischen Führungsebenen zur 
Lage in den Interessen-, Krisen- und Einsatzgebieten so- 
wie zu militärisch-technologischen Entwicklungen be- 
treibt die Bundeswehr Nachrichtengewinnung und Auf- 
klärungd^ 

Neben der weltweiten Aufklärung, zum Beispiel durch 
Satelliten, und der taktischen Aufklärung, die dem unmit- 
telbaren Erkenntnisgewinn der eigenen Truppe in ihrem 
Einsatzraum und dem ihn umgebenden Interessenraum 
dient, gibt es die sogenannte weiträumige Aufklärung. 
Diese befähigt zur großräumigen echtzeitnahen Lagefest- 
stehung in einer definierten Region besonderen Interesses 
sowie in einem potentiellen oder aktuellen Operations- 
oder Einsatzgebiet. 

I. Schrittweise Aussonderung des Systems 
Breguet 1150 Atlantic SIGINT 

Für die Signalerfassende Luftgestützte Weiträumige Über- 
wachung und Aufklärung (SLWÜA) standen der Bundes- 
wehr vier Luftfahrzeuge des Typs Breguet 1150 Atlantic 
Signal Intelligence (SIGINT) zur Verfügung. Diese be- 
fanden sich seit dem Jahr 1972 bei der Deutschen Marine 
im Einsatz und sollten bis zum Jahr 2010 genutzt wer- 
den.20 

Aufgrund altersbedingter Defizite sowohl in technischer 
als auch in operationeher Hinsicht sollte das System eine 
Kampfwertanpassung „zur Verbesserung der Missions- 
ausrüstung, Anpassung an das erweiterte Aufgabenspekt- 
rum sowie zur Sicherstellung der technischen Versorg- 
barkeiV‘ erfahren. Diese Absicht wurde aber 
insbesondere aus Kostengründen in der Folgezeit nicht 
weiter verfolgt. 

Der Zeuge General a. D. Wolf gang Schneiderhan hat zu 
diesem Punkt ausgeführt: 

„Man hatte zunächst geplant, dieses System län- 
ger in Betrieb zu halten und bis 2010 auch noch 
eine Kampfwertanpassung bei der Breguet Atlan- 
tic zu machen. Das ist dann verworfen worden, 
weil es für die Breguet Atlantic ab 2010 keine 
wirtschaftliche Versorgungsmöglichkeit durch 
die Industrie mehr gibt und die Nachrüstungszeit, 
die 2007 fertig gewesen wäre, bis zum Auslaufen 
2010 völlig unwirtschaftlich gewesen wäre, für 
die Investitionen über 200 Millionen an Nachrüs- 


18 MAT 17-22 BMVg zu BB 17-33, Abt Plg, Ordner 1, S. 6. 

19 MAT 17-9 BMVg zu BB 17-4, Abt Plg, S. 4. 

20 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 6. 

21 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 6. 


tung. Und deshalb wurde entschieden: Es gibt 
keine Kampfwertanpassung für die Breguet 

Atlantic. “22 

Auch der Bundesrechnungshof stellte in seinen Bemer- 
kungen 2005 zur Haushalts- und Wirtschaftsführung des 
Bundes fest, dass die Bundeswehr mit der Breguet 1150 
Atlantic SIGINT ein weiträumig signalerfassendes Auf- 
klärungssystem betreibe, dessen Trägerflugzeuge und 
Missionsausrüstungen inzwischen so veraltet seien, dass 
es seine Aufgaben schon seit Jahren nicht mehr annä- 
hernd erfüllen könne. Ursprünglich vorgesehene Kampf- 
wertanpassungen hätten sich angesichts der geringen 
Restnutzungszeit als zu teuer erwiesen. 

Als Empfehlung sprach er aus, 

„[...] das veraltete Aufklärungssystem so schnell 
wie möglich und vollständig außer Dienst zu stel- 
len, zu prüfen, ob die Beschaffung eines Nachfol- 
gesystems bedarfsgerecht ist und ggf. dessen Be- 
reitstellung mit Nachdruck zu verfolgen. “23 

Angesichts der Entscheidung, keine Kampfwertanpas- 
sung beim System Breguet 1150 Atlantic SIGINT vorzu- 
nehmen, wurde die schrittweise Aussonderung des Sys- 
tems beginnend ab dem Jahr 2004 vom BMVg 

angewiesen.24 

II. Durchführung von Konzeptstudien 

Vor dem Hintergrund der bereits vorhandenen Defizite im 
Bereich der signalerfassenden luftge stützten weiträumi- 
gen Überwachung und Aufklärung sowie der sich zusätz- 
lich abzeichnenden Fähigkeitslücke [Anm.: Die Fraktion 
DIE LINKE, sieht im Begriff der „Fähigkeitslücke“ hier 
und im Folgenden kein Faktum, sondern eine von ihr 
nicht geteilte politische Position der anderen Fraktionen 
im Untersuchungsausschuss] in diesem Bereich wurde ab 
dem Jahr 2000 mittels mehrerer Studien untersucht, auf 
welche Weise und gegebenenfalls mit welchem Nachfol- 
gesystem dieses Problem behoben werden könnte. 25 

Der Zeuge Bundesminister a. D. Rudolf Scharping hat in 
seiner Vernehmung dazu ausgefuhrt: 

„In diesem Zusammenhang war ganz klar, dass 
das Ziel der Informationsbeschaffung, der Infor- 
mationsüberlegenheit auch im Zusammenhang 
mit luftgestützten Systemen bisher nicht erreicht 
werden konnte. [...] Wie kann man im Zusam- 
menhang mit Entwicklungen, die in Amerika im 
Gange waren, den Rückstand der Europäer besei- 
tigen oder aufholen? Das hat in meiner Amtszeit 
zu Konzeptstudien geführt, mit denen die lABG 
und die EADS beauftragt wurden, um überhaupt 
mal herauszufmden, ob und welche Möglichkei- 


22 Schneiderhan, Protokoll-Nr. 3, S. 3 f. 

23 MAT 17-63 A BMVg zu BB 17-66, Ordner 1, Kdo Lw, S. 107 f. 

24 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 6. 

25 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, Anlage E zum Bericht. 



Drucksache 17/14650 


-38- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


ten bestehen könnten, mithilfe eines solchen Sys- 
tems den Mangel der Informationsbeschaffung 
und der Informationsüberlegenheit - der ange- 
strebten, aber nicht erreichten Informationsüber- 
legenheit - zu beseitigen. “26 

Im Rahmen der Konzeptstudien wurden auch bereits in 
anderen Ländern genutzte Systeme betrachtet. 

Im Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe EURO HAWK 
heißt es dazu: 

„Bereits am 19. Oktober 2001 wurde ein soge- 
nanntes ,Project Agreement - High Altitude Long 
Endurance (HALE) Unmanned Aerial Vehicle 
(UAV) Concept of Operations, Sensor Integration 
and Flight Demonstration Project‘ zwischen dem 
US Department of Defense und dem BMVg un- 
terzeichnet. Diese Vereinbarung sollte die Basis 
für die Vorbereitung und Durchführung der GLO- 
BAL HAWK Demonstrationsflüge in Deutsch- 
land schaffen. Weiterhin sind im Vorfeld für diese 
Flugdemonstration eine Bewertung durch die 
WTD 61 /ML durchgefährt und entsprechende 
Verfahren mit der Deutschen Flugsicherung 
GmbH (DFS) vereinbart worden. Zu diesem 
Zweck erfolgte eine Einsichtnahme in die ent- 
sprechenden Unterlagen vor Ort in den USA. Im 
Ergebnis sind für ein Luftfahrzeug der US Air 
Force (GLOBAL HAWK RQ-4A) die Überflug- 
und Landerechte für sechs Flüge in drei Wochen 
in Deutschland erteilt worden. Die Demonstrati- 
onsflüge fanden im Oktober 2003 in Nordholz 

statt.“27 

Ausweislich der Aussage des Zeugen Direktor einer 
Wehrtechnischen Dienststelle Wolfgang Steiger, Wehr- 
technische Dienststelle (WTD) 61, führte seinerzeit die 
WTD 61 vor Erteilung der Freigabe zum Einfliegen des 
GLOBAL HAWK in den deutschen Luftraum eine Si- 
cherheitsbewertung durch: 

„Als herausragendes Event - ich selber war da- 
mals nicht in Manching, weil ich in der Zeit im 
BMVg war - war ja diese Demonstration 2003 in 
Nordholz, als ein Global Hawk dort für, glaube 
ich, drei Wochen stationiert war und von Nord- 
holz aus mehrere Flüge durchgeführt hat, um 
eben zu demonstrieren, wozu dieses System eben 
in der Lage ist, und da hat die WTD 61 eine Si- 
cherheitsbewertung durchgeführt, damit eben die 
[...] angesprochene Freigabe zum Einfliegen in 
den deutschen Luftraum erteilt werden konnte. “28 

Auch der Zeuge Scharping hat über eine frühe Zusam- 
menarbeit mit US-amerikanischen Unternehmen im Rah- 
men der Suche nach geeigneten Systemen berichtet: 


26 Scharping, Protokoll-Nr. 3, S. 39. 

27 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 7. 

28 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 85. 


„Im Jahr 2001 war das im Rahmen der Konzept- 
studien - wenn ich das richtig erinnere, sind da 
immer auch Fachleute zwischen der Bun- 
desrepublik Deutschland und den USA hin- und 
hergereist; aber das sage ich mit dem Vorbehalt 
einer möglicherweise nicht vollständigen Erinne- 
rung -, dass man jedenfalls mit dem möglichen 
Lieferanten der Basistechnologie - ich glaube, 
das war Northrop Grumman - in einem ständigen 
Austausch steht. Das macht Sinn, jedenfalls so- 
lange man sich entscheidet, keine Eigenentwick- 
lung zu betreiben, sondern ein System dem Kern 
nach zu übernehmen und auf die eigenen Bedürf- 
nisse zu adaptieren, anzupassen.“29 

Der Projektverlauf von der Bedarfsermittlung bis hin zum 
Abschluss eines Entwicklungsvertrages verlief nach den 
Bestimmungen des Customer Product Managements 
(CPM) aus dem Jahre 2001, das in den Folgejahren mehr- 
fach weiterentwickelt wurde. 

III. Verfahrensbestimmungen des Customer 
Product Managements (CPM) 2001 

Bei dem Customer Product Management (CPM) aus dem 
Jahr 2001 handelte es sich um ein Verfahren zur Bedarfs- 
ermittlung und -deckung mit Produkten und Dienstleis- 
tungen im Geschäftsbereich des Bundesministeriums der 
Verteidigung. Dabei bestimmten die Grundsätze der Wirt- 
schaftlichkeit den gesamten Verfahrensablauf. So waren 
beispielsweise verfügbare Produkte und Komponenten 
vorrangig zu betrachten und für neue Produkte zu ver- 
wenden, „um kostenträchtige und risikobehaftete Ent- 
wicklungen zu vermeiden “ .20 

Gemäß dem CPM 2001 wurden Rüstungsprojekte in ver- 
schiedene Phasen gegliedert, wobei jede Phase mit einem 
Phasendokument abgeschlossen wurde, in dem die Er- 
gebnisse der abgelaufenen Phase und die Entscheidung 
zum weiteren Vorgehen dokumentiert wurden. 

1. Analysephase 

In der Analysephase wurden Fähigkeitslücken festgestellt 
und Lösungsmöglichkeiten in den Planungskategorien 
Organisation, Personal, Rüstung, Betrieb und Infrastruk- 
tur beziehungsweise ein möglicher Lösungsweg zum 
Schließen von Ausstattungslücken aufgezeigt .21 

Die gesamtplanerische Verantwortung für eine die Bun- 
deswehr übergreifende Fähigkeitsanalyse sowie die zen- 
trale Bedarfsermittlung lag beim Generalinspekteur (Gen- 
Insp) der Bundeswehr. Für die Erstellung entsprechender 
Phasendokumente war die jeweilige Integrierte Arbeits- 
gruppe Fähigkeitsanalyse (lAGFA), die sich aus Mitglie- 
dern verschiedener ziviler und militärischer Führungs- 
stäbe und Abteilungen des Bundesministeriums der 
Verteidigung zusammensetzte, zuständig .22 


29 Scharping, Protokoll-Nr. 3, S. 40. 

30 MAT 17-31 BMVg zu BB 17-12, AIN I 1, Ordner 1, S. 1 f. 

31 MAT 17-31 BMVg zu BB 17-12, AIN I 1, Ordner 1, S. 7. 

32 Schneiderhan, Protokoll-Nr. 3, S. 2 f. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-39- 


Drucksache 17/14650 


a) Feststellung einer Fähigkeitslücke in der 
Systemfähigkeitsforderung (SFF) 

Eine in der Analysephase erkannte Fähigkeitslücke war 
nach dem CPM in der Stufenentscheidung Systemfähig- 
keitsforderung (SFF) auf der Grundlage konzeptioneller 
Überlegungen und Erfahrungen zu dokumentieren und 
festzustellen. 

Eine Systemfähigkeitsforderung enthielt die funktionalen 
Vorgaben, die für die Analyse alternativer Lösungswege 
zum Schließen einer Fähigkeitslücke erforderlich wa- 
ren, ^3 und war ein sogenanntes bedarfsbegründendes Do- 
kument gemäß den Regelungen des CPM 2001. 

b) Aufzeigen eines Lösungsweges in der 
Abschließenden funktionalen 
Forderung (AF) 

Ein Lösungsweg zum Schließen der in der SFF erkannten 
Fähigkeitslücke wurde in der Abschließenden funktiona- 
len Forderung (AF) festgelegt. 

Soweit funktionale Forderungen nur mit neuen Produkten 
zu realisieren waren, waren diese unter Verwendung ver- 
fügbarer Komponenten über Leistungsanforderungen 
funktional zu definieren. 34 

2. Projektierungsphase 

Die Projektierungsphase war nach den Regelungen des 
CPM 2001 zusätzlich zu durchlaufen, wenn bei der ge- 
planten Realisierung neuer zu entwickelnder Produkte 
das Realisierungsrisiko einen unmittelbaren Eintritt in die 
Einführungsphase nicht zuließ. 

In dieser Phase sollte nachgewiesen werden, dass die ge- 
forderten Produkte zur Erfüllung der funktionalen Forde- 
rung auch herstellbar sind. 

Die Leistungsfähigkeit und Eignung waren unter Beteili- 
gung der künftigen Nutzer zum Beispiel mittels Demons- 
tratoren zu untersuchen. Bei Letztgenanntem handelte es 
sich um das Muster eines künftigen Produktes „zur Dar- 
stellung einsatzrelevanter Produktmerkmale oder zur Be- 
urteilung als kritisch erachteter (Teil-) Funktionen ''.35 

Die Projektierungsphase endete mit der Erstellung des 
Phasendokuments Realisierungsgenehmigung (ReG). 

3. Einführungsphase 

In der Einführungsphase wurden schließlich die betref- 
fenden Produkte beschafft oder deren Herstellung auf Ba- 
sis der getroffenen Auswahlentscheidung beauftragt.36 

Am Ende der Einführungsphase stand das Phasendoku- 
ment Abschlussbericht. 


33 MAT 17-31 BMVg zu BB 17-12, AIN I 1, Ordner 1, S. 8. 

34 MAT 17-31 BMVg zu BB 17-12, AIN I 1, Ordner 1, S. 2. 

35 MAT 17-31 BMVg zu BB 17-12, AIN I 1, Ordner 1, S. 17. 

36 MAT 17-31 BMVg zu BB 17-12, AIN I 1, Ordner 1, S. 11. 


IV. Rechtliche Rahmenbedingungen für die 
Zulassung und den Betrieb von 
Luftfahrzeugen 

Bei der Bewertung und Auswahl eines geeigneten Nach- 
folgesystems zum Schließen der Fähigkeitslücke SLWÜA 
waren die in der Bundesrepublik Deutschland bestehen- 
den Luftfahrtbestimmungen und Zulassungsregelungen 
zu berücksichtigen. 

1. Allgemeine luftverkehrsrechtliche 
Regelungen 

Auf nationaler Ebene regeln das Luftverkehrsgesetz 
(LuftVG) sowie dazu erlassene Verordnungen, wie zum 
Beispiel die Luftverkehrs-Zulassungs-Ordnung (Luft- 
VZO), die Luftverkehrs-Ordnung (LuftVO), die Verord- 
nung zur Prüfung von Luftfahrtgerät (LuftGerVO) oder 
die Flugsicherungs-Anlagen- und Geräte-Musterzulas- 
sungs- Verordnung (FSMusterzulV) die Teilnahme am 
Luftverkehr. Die Bestimmungen gelten grundsätzlich für 
bemannte und unbemannte Luftfahrzeuge im militäri- 
schen oder zivilen Bereich.3'7 

2. Ausnahmeregelung des § 30 LuftVG für 
die Bundeswehr 

Gemäß § 30 LuftVG kann die Bundeswehr von den ge- 
nannten Vorschriften abweichen, ..soweit dies zur Erfül- 
lung ihrer besonderen Aufgaben unter Berücksichtigung 
der öffentlichen Sicherheit oder Ordnung erforderlich 
istP 

In Umsetzung dieser Ausnahmeregelung hat die Bundes- 
wehr insbesondere mittels der Zentralen Dienstvorschrif- 
ten (ZDv) der ZDv 19er Reihe luftrechtliche Verwal- 
tungsvorschriften für die Zulassung und den Flugbetrieb 
militärischer Luftfahrzeuge erlassen. 

a) Zulassungskategorien von unbemannten 
Luftfahrzeugen 

Gemäß der ZDv 19/3 und der Lufttüchtigkeitsforderung 
Sonderbestimmungen bei Prüfung und Zulassung unbe- 
mannter Luftfahrzeugsysteme der Bundeswehr (LTF 
1550-001) werden unbemannte Luftfahrzeuge in drei Ka- 
tegorien eingeteilt: 

aa) Kategorie 1 

Unbemannte Luftfahrzeuge der Kategorie 1 werden nur 
innerhalb von speziell gekennzeichnetem militärischen 
Übungsgelände oder abgesperrtem Gelände mit jeweils 
darüber liegendem Luftsperrgebiet oder Gebiet mit Flug- 
beschränkungen betrieben. 

Derartige Luftfahrzeuge sind prü^flichtig, sie benötigen 
aber keine Musterzulassung.38 


37 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 10. 

38 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 11. 



Drucksache 17/14650 


-40- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


bb) Kategorie 2 

Unbemannte Luftfahrzeuge der Kategorie 2 starten und 
landen innerhalb von speziell gekennzeichnetem militäri- 
schen Übungsgelände oder abgesperrtem Gelände. Der 
Flugweg dazwischen verläuft in einem Gebiet mit Flug- 
beschränkungen oder in für den allgemeinen Luftverkehr 
gesperrten Lufträumen auch außerhalb von militärischem 
Übungs- oder Erprobungsgelände. 

Derartige Luftfahrzeuge werden auf Verkehrssicherheit 
geprüft und benötigen eine Muster- und Verkehr szulas- 
sung.39 

Unbemannte Luftfahrzeuge dieser Kategorie dürfen nur 
von solchem Bedienpersonal betrieben werden, das im 
Besitz einer gültigen Lizenz für bemannte Luftfahrzeuge 
ist. 

Um eine Zulassung für den Flugbetrieb der Kategorie 2 
zu erhalten, müssen unbemannte Luftfahrzeuge zudem 
über ,JSfotv erfahren zur automatischen oder manuellen 
Fehlerbehandlung, über Notsysteme zur Behandlung die- 
ser Notverfahren sowie über ein Flugabbruchsystem ver- 
fügen 

cc) Kategorie 3 

Unbemannte Luftfahrzeuge der Kategorie 3 nehmen am 
allgemeinen Luftverkehr teil und werden auch außerhalb 
von Gebieten mit Luftbeschränkungen in allen Luftraum- 
klassen gemäß den luftrechtlichen Bestimmungen betrie- 
ben. 

Derartige Luftfahrzeuge werden auf Verkehrssicherheit 
geprüft und benötigen eine Muster- und Verkehrszulas- 
sung. 

Ausweislich des Berichtes der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK wird eine Teilnahme unbemannter Luft- 
fahrzeuge am allgemeinen Luftverkehr gemäß Kategorie 3 
erst möglich sein, ,, wenn die dafür erforderlichen gesetz- 
lichen Regeln und Verfahren geschaffen sind‘\ 

Weiter heißt es darin: 

„Darüber hinaus ist die Teilnahme nur dann mög- 
lich, wenn ein sogenanntes , Sense and Avoid- 
System‘ verfügbar sein wird. Ein solches System 
ist noch nicht marktreif. Die entsprechenden 
Technologien und Standards sind noch nicht ent- 

wickelt.“4i 

b) Musterprüfung und Musterzulassung 

Die Durchführung der Musterprüfung und Erteilung der 
Musterzulassung richtet sich nach der ZDv 19/1. Den da- 
rin festgelegten Zulassungsprozess müssen alle Luftfahr- 
zeuge und Luftgeräte der Bundeswehr durchlaufen. Ver- 
antwortlich für die Durchführung der Prüfling und 
Erteilung der Musterzulassung ist die Wehrtechnische 


39 MAT 17-51 BMVg zu BB 17-40, Ordner 1, S. 11. 

40 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 19. 

41 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 12. 


Dienststelle für Luftfahrzeuge - Musterprüfwesen für 
Luftfahrtgerät der Bundeswehr (WTD 61/ML). 

Zweck der Musterprüfung ist die Feststellung der Ver- 
kehrssicherheit/ Lufttauglichkeit des Luftfahrtgerätemus- 
ters unter den vorgegebenen Betriebs- und Umweltbedin- 
gungen. Diese erfolgt auf Grundlage festgelegter Bau- 
und Prüfvorschriften, die in Musterprüfrahmenprogram- 
men festgelegt und die in Verträgen vereinbart werden. ^2 

In der Entwicklung, Erprobung und Beschaffung erhält 
ein Luftfahrzeug von der WTD 61 /ML eine vorläufige 
Zulassung zum Flugbetrieb. ^3 

V. Beauftragung und Erstellung einer 
Systemfähigkeitsforderung (SFF) 

Im März 2001 beauftragte die Integrierte Arbeitsgruppe 
Fähigkeitsanalyse (lAGFA) „Nachrichtengewinnung und 
Aufklärung“ die Erstellung einer Systemfähigkeitsforde- 
rung (SFF) für die luftgestützte weiträumige Überwa- 
chung und Aufklärung.44 Das daraufhin erstellte Phasen- 
dokument SFF wurde vom Generalinspekteur der 
Bundeswehr am 18. August 2002 genehmigt.^^ 

Zu den in der Systemfähigkeitsforderung an ein künftiges 
Aufklärungssystem gestellten Forderungen hat der Zeuge 
Schneiderhan in seiner Vernehmung ausgeführt: 

„Das Ziel war, eine eigenständige politische und 
militärische Urteils-, Entscheidungs- und Hand- 
lungsfähigkeit im gesamten Einsatzspektrum si- 
cherzustellen [...]. Und so wurde die Beschaf- 
fung eines luftgestützten, signalerfassenden 
Systems empfohlen. Die Aufklärungskomponen- 
ten sollten in nationaler Verfügungsgewalt sein. 

Das hängt mit dem direkten Zugriff und der Steu- 
erung zusammen. Das hängt auch mit dem unge- 
filterten Zugriff auf die Rohdaten zusammen. Das 
waren die Überlegungen. 

[...] Zum Träger. In der SFF wurde nur ausge- 
führt: aus großer Höhe - das hat mit der Abstrah- 
lung, der Sicherheit und der Erfassung zu tun -, 
lange Stehzeit. Und es wurde allgemein formu- 
liert, weit ins Interessen-, Krisen- und Einsatzge- 
biet hineinwirken zu können. Ob bemannt oder 
unbemannt, wurde in der SFF noch offengehal- 
ten. Allerdings wurde in der SFF auch schon er- 
wähnt, dass der Träger sich in die vorhandenen 
zivilen und militärischen Luftraumstrukturen ein- 
ordnen können muss und dafür mit den erforderli- 
chen technischen Einrichtungen versehen sein 
sollte. Das geht unter anderem auf die Studien zu- 
rück, die im Vorfeld der SFF schon angelegt wa- 
ren und deren Ergebnisse wir ausgenutzt hat- 

ten.“46 


42 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 12 f. 

43 MAT 17-51 BMVg zu BB 17-40, Ordner 1, S. 10. 

44 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 7. 

45 MAT 17-22 BMVg zu BB 17-33, Abt. Planung, S. 1 ff. 

46 Schneiderhan, Protokoll-Nr. 3, S. 4. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-41- 


Drucksache 17/14650 


VI. Phasendokument „Abschließende funktio- 
nale Forderung (AF) für das System 
Signalerfassende Luftgestützte 
Weiträumige Überwachung und 
Aufklärung“ (SLWÜA) 

Unter Berücksichtigung der bislang erstellten Konzept- 
studien und in Umsetzung der Systemfähigkeitsforderung 
wurde das Phasendokument „Abschließende funktionale 
Forderung (AF) für das System Signalerfassende Luft- 
gestützte Weiträumige Überwachung und Aufklärung“ 
(SLWÜA) erstellt und vom damaligen Generalinspekteur 
der Bundeswehr General Schneiderhan am 17. August 
2004 genehmigt sowie von Staatssekretär Dr. 
Eickenboom am 27. August 2004 gebilligt. 

1. Aufgabenspektrum eines Systems SLWÜA 

Gemäß der AF musste ein künftiges System SLWÜA in 
der Lage sein, als Bestandteil der nationalen Aufklä- 
rungsstruktur die Aufgaben der luftgestützten weiträumi- 
gen Femmelde- und elektronischen Aufklärung zu erfül- 
len. Als Aufklärungsgebiete waren die jeweiligen 
aktuellen Einsatzgebiete, mögliche Krisengebiete sowie 
festgelegte Interessengebiete der Femmelde- und elektro- 
nischen Aufklämng der Bundeswehr definiert. 

Als Nebenaufgabe sollte das System „ im Rahmen verfüg- 
barer Kapazitäten auch die res sortübergreif ende Nach- 
richtengewinnung und Aufklärung und Hilfs- und Ret- 
tungsaktionen “ unterstützen.^^ 

Auf die Frage zu den Einsatzmöglichkeiten eines solchen 
Systems im Rahmen der beschriebenen Nebenaufgabe 
(Amtshilfe) hat der Zeuge General Volker Wieker, Gene- 
ralinspekteur der Bundeswehr, ausgefährt: 

„Wenn wir ein solches System betreiben zum 
Beispiel mit einem IR/UV-Sensor, dann können 
wir ihn zum Beispiel dafür einsetzen, wie wir es 
jetzt mit der alten DO getan haben bei der Ma- 
rine, indem wir einen solchen IR/UV-Sensor zum 
Entlangfliegen der Deiche nutzen, um den Auf- 
weichungsgrad der Deiche festzustellen; das ist 

möglich.“49 

Der Zeuge Staatssekretär Rüdiger Wolf hat bezüglich ei- 
ner möglichen Unterstützung anderer Ressorts durch die 
Bundeswehr klargestellt: 

„[...] militärische Mittel werden im Rahmen ihrer 
verfassungsrechtlichen Zulässigkeit angewandt. 
Und ein kleiner Aspekt, ein Nebenaspekt - und 
der einzige - der Anwendbarkeit von militäri- 
schen Mitteln ist im Rahmen der Amtshilfe der 
Katastrophenschutz, Naturkatastrophenschutz, so 
wie das beim Hochwasser auch der Fall war. [. . .] 

Ich schließe nicht aus, dass auch Aufklämngssys- 
teme im Zusammenhang mit dem Amtshilfe- 


47 MAT 17-9 BMVg zu BB 17-4, Abt. Planung, S. 1 ff. 

48 MAT 17-9 BMVg zu BB 17-4, Abt. Planung, S. 5. 

49 Wieker, Protokoll-Nr. 7, S. 175. 


grundsatz Anwendung finden, aber nur im Rah- 
men - ich wiederhole es - des verfassungsrechtlich 
Zulässigen. Insofern kann es auch sein, dass Auf- 
klärungsmittel der Bundeswehr auf Anforderung 
der zuständigen Behörden im Rahmen ihres ver- 
fassungsrechtlich zulässigen Einsatzes mit ver- 
wandt werden, 

2. Funktionale Forderungen 

In der AF wurden die Leistungsanforderungen, die ein 
künftiges System zu erfüllen hatte, präzisiert beschrieben 
und in drei Kategorien eingeteilt: 

- „Muss“-Forderung: Die Forderung ist unverzichtbar. 

- „Soll“-Forderung: Eine Forderung ist zu realisieren, 
wenn technisch möglich und finanzierbar. 

- „Kann“-Forderung: Eine Wunschforderung ist zu re- 
alisieren, wenn dies ohne zusätzliche Kosten möglich 
ist oder nach Erfüllung der Muss- und Soll-Forderun- 
gen noch Finanzmittel verfügbar sind. 

Bei der vergleichenden Bewertung möglicher Lösungs- 
wege bezüglich einer Trägerplattform für das System 
SLWÜA wurden die hierfür aufgestellten funktionalen 
Forderungen herangezogen. 

So wurden bestimmte Anforderungen, wie die „Durch- 
führung von Flug-/Notverfahren'‘ als „Muss “-Kriterium 
gewertet. Des Weiteren musste ein solches System eine 
„operativ nutzbare Reichweite von 3.000 Kilometern'^ 
aufweisen und eine „24-stündige Verfügbarkeit des Ge- 
samtsystems im Operationsgebiet" gewährleistet sein.^^ 

Der Zeuge Schneiderhan hat dazu in seiner Vernehmung 
ausgeführt: 

„Wir haben in der AF präzisieren müssen: min- 
destens 3 000 Kilometer entferntes Einsatzgebiet. 

Das hängt dann auch mit der NATO-Strategie zu- 
sammen. Wir haben die Stehzeit im Operations- 
gebiet definiert: 24 Stunden. Wir haben die Hö- 
hen definiert, um die Abschottungen zu 
minimieren. Und es war die Forderung erhoben 
worden, möglichst viele Funktionen zu automati- 
sieren. Das waren die Präzisierungen, die in der 
AF im Gegensatz zur SFF dann entstanden 
sind.“53 

3. Untersuchte Lösungswege 

Nachdem kein marktverfügbares Gesamtsystem den 
funktionalen Forderungen ganzheitlich genügt hatte und 
weitere potentielle Trägersysteme nicht die geforderten 
Leistungsmerkmale erfüllten, waren letztlich für die Trä- 
gerplattform zwei Lösungswege vertieft untersucht wor- 
den: 


50 Wolf, Protokoll-Nr. 7, S. 139. 

51 MAT 17-9 BMVg zu BB 17-4, Abt. Planung, S. 55. 

52 MAT 17-9 BMVg zu BB 17-4, Abt. Planung, S. 56 f. 
55 Schneiderhan, Protokoll-Nr. 3, S. 5 f. 



Drucksache 17/14650 


-42- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- Ein kommerzielles bemanntes Geschäftsreiseflugzeug 
(z. B. Gulfstream V) sowie 

- ein unbemanntes Luftfahrzeug für den großen Flughö- 
henbereich mit sehr großer Flugdauer (HALL UAV 
EADS EURO HAWK auf Basis Northrop Grumman 
GLOBAL HAWK), 54 

jeweils in Verbindung mit einer noch zu entwickelnden 
SIGINT- Sensor-Technik. 

4. Entscheidung für ein unbemanntes 

Luftfahrzeug mit einer SIGINT- 
Missionsausstattung 

a) Trägersystem 

Im Ergebnis fiel die Entscheidung auf ein unbemanntes 
Luftfahrzeug EURO HAWK auf Basis des Trägersystems 
GLOBAL HAWK. In der AF SLWÜA wird die Entschei- 
dung für das Trägersystem wie folgt begründet: 

„Aufgrund der Schätzung der Lebenswegkosten 
und des nur geringfügig höheren Realisierungsri- 
sikos wird im Rahmen der Projektierungsphase 
die Alternative , Unbemanntes Luftfahrzeug 
(EURO HAWK)‘ weiter verfolgt. Nicht zuletzt 
vor dem Hintergrund der geringeren Gefährdung 
von eigenem Personal im Einsatz, der längeren 
Missionsdauer und des weniger aufwändig zu ge- 
staltenden Arbeitsablaufs sowie des insgesamt ef- 
fizienteren Personaleinsatzes [...] ist die ausge- 
wählte Alternative überlegen. “55 

Untersucht worden waren unter anderem die Lebensweg- 
kosten auf Basis einer Nutzungsdauer von 20 Jahren. 
Diese hätten ausweislich der AF SLWÜA für den EURO 
HAWK bei etwa 1 400 Millionen Euro gelegen, für ein 
kommerzielles Geschäftsreiseflugzeug wären etwa 
2 480 Millionen Euro angefallen. 

Zudem konnte bei der „Auswahl der Systemlösung auf 
Basis GLOBAL HAWK aufgrund der Flughöhe und der 
daraus resultierenden Abstandsfähigkeit, in erster Linie 
aber aufgrund der fehlenden Besatzung auf ein kosten- 
treibendes DASS [Defensive Aid Subsystem, Anm.] ver- 
zichtet werden. “ Im schlimmsten Fall müsse „der Verlust 
eines UAV hingenommen werden. “56 

Zu der getroffenen Entscheidung hat der Zeuge 
Schneiderhan erläutert: 

„Wir hatten eine Lebensdauer für das Projekt von 
20 Jahren zugrunde gelegt, und aufgrund dieser 
20 Jahre Nutzungszeit wurden die Lebenshal- 
tungskosten für das System vergleichend - Flug- 
zeug und unbemannt - gemacht. Und das Reali- 
sierungsrisiko für das unbemannte Projekt 
erschien uns damals nur geringfügig höher zu 
sein als beim Flugzeug, was ja von der Integra- 
tion der Sensorik auch noch Geldaufwendungen 


54 MAT 17-9 BMVg zu BB 17-4, Abt. Planung, S. 16 f. 

55 MAT 17-9 BMVg zu BB 17-4, Abt. Planung, S. 24. 

56 MAT 17-9 BMVg zu BB 17-4, Abt. Planung, S. 20. 


und unbekanntes Terrain bedeutet hätte. Letzt- 
endlich war dann die Entscheidung für unbe- 
mannt. “57 

Als langfristiges Ziel definiert die AF SLWÜA die unein- 
geschränkte Teilnahme des Serienluftfahrzeuges EURO 
HAWK am zivilen Luftverkehr nach Kategorie 3 als eine 
„Soll“-Forderung, für den Full Scale Demonstrator wurde 
die Teilhabe am zivilen Luftverkehr als „Kann“-Forde- 
rung festgelegt. 58 

Dazu hat der Zeuge Schneiderhan erklärt.- 

„Für den Demonstrator, den Full Scale Demon- 
strator, wurde ,Kann‘ entschieden. Sein Betrieb, 
so die AF, soll im kontrollierten Luftraum als 
durchführbar gesehen werden. Und für Start und 
Landungen haben wir in der AF schon den Ge- 
danken gehabt, dass zusätzliche Flugbeschrän- 
kungen nötig werden würden. Und für den 
Demonstrator wurde auch ein zusätzliches Radar- 
system gefordert, das mit zivilen und militäri- 
schen Gegenständen Zusammenarbeiten können 
sollte; so hatte es die AF vorgesehen. 

Für die Serie wurde ein ,SolP festgelegt. Das 
,SolP bedeutet: ,wenn technisch machbar und 
finanzierbar^ . Denn es war flugbetrieblich gese- 
hen Neuland, das betreten wurde. Das war bei der 
Erstellung der AF klar, dass wir Neuland betreten 
wollen und müssen.“59 

b) Entwicklung eines SIGINT-Missions- 
systems ISIS 

Mangels Marktverfügbarkeit eines geeigneten Systems 
und aufgrund von Exportbeschränkungen wurde bezüg- 
lich der Missionsausrüstung die Entwicklung eines 
SIGINT-Missionssystems ISIS durch nationale Firmen 
als erforderlich erachtet.^^ Dieses sollte in das Trägersys- 
tem integriert werden. 

5. Realisierungsrisiken beim Entwicklungs- 

projekt 

In der AF SLWÜA wurden auch die Realisierungsrisiken 
für den gewählten Lösungsweg aufgeführt. Dabei wurde 
das finanzielle Risiko „für die Variante mit den forde- 
rungsgerechten moderaten Veränderungen am Basisflug- 
zeug [...] als beherrschbar bewertet. 

a) Aufbau auf einer US-amerikanischen 

Musterzulassung 

Man ging seinerzeit davon aus, dass „ auf die bestehenden 
US-amerikanischen Zulassungen [...] bei der Erarbei- 
tung der erforderlichen nationalen Zulassung zeit- und 
kostensparend'' aufgebaut werden könne. 


5'7 Schneiderhan, Protokoll-Nr. 3, S. 5. 

58 MAT 17-9 BMVg zu BB 17-4, Abt. Planung, S. 57. 

59 Schneiderhan, Protokoll-Nr. 3, S. 5. 

60 MAT 17-9 BMVg zu BB 17-4, Abt. Planung, S. 20. 

61 MAT 17-9 BMVg zu BB 17-4, Abt. Planung, S. 19. 

62 MAT 17-9 BMVg zu BB 17-4, Abt. Planung, S. 19. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-43- 


Drucksache 17/14650 


Der Zeuge Ministerialdirektor Detlef Selhausen, Abtei- 
lungsleiter AIN im Bundesministerium der Verteidigung 
(BMVg), hat in seiner Vernehmung dazu ausgeführt: 

„Nach den Planungen vor Vertrags Schluss sollte 
die beabsichtigte Musterzulassung der Euro- 
Hawk- Serie durch eine vereinfachte Musterprü- 
fung erlangt werden. Eine vereinfachte Muster- 
prüfung kann vorgenommen werden, wenn für 
das betreffende Muster die Verkehrssicherheit be- 
reits amtlich bescheinigt ist, so unter anderem bei 
im Ausland militärisch musterzugelassenen Luft- 
fahrzeugen. [. . .] Als Basis für eine solche verein- 
fachte Musterzulassung des Euro Hawk sollte die 
von der US Air Force zu diesem Zeitpunkt noch 
erwartete Zulassung der US-Global-Hawk-Platt- 
form nach amerikanischem Recht dienen. 

Das Realisierungsrisiko für die Erfüllung der in der Bun- 
desrepublik Deutschland gültigen Luftfahrtbestimmun- 
gen, insbesondere die in „ICAO Annex 10“ und in der 
Flugsicherungs-Anlagen- und Geräte-Musterzulassungs- 
Verordnung (FSMusterzulV) festgelegten Standards, 
wurde „ aus technischer Sicht als gering'^ eingestuft.^^ 

b) Nutzung teilweise gesperrter Lufträume 
für den Steig- und Sinkflug 

Bezüglich einer möglichen Teilnahme von unbemannten 
Luftfahrzeugen am allgemeinen Flugverkehr nach Kate- 
gorie 3 wird in der AF SLWÜA ausgeführt: 

„Ein zeitliches Risiko existiert derzeit hinsicht- 
lich der uneingeschränkten Teilnahme von UAV 
am allgemeinen Luftverkehr. Aufgrund des Feh- 
lens diesbezüglicher internationaler Standards ist 
ein umfangreicher nationaler als auch internatio- 
naler Koordinierungs- und Abstimmungsprozess 
notwendig, um die uneingeschränkte Nutzung 
von unbemannten Luftfahrzeugen zu realisieren. 
Zum Abbau dieses Risikos wird sowohl interna- 
tional als auch national ein erheblicher Aufwand 
[...] betrieben, der die zügige Generierung ab- 
schließender national und international gültiger 
Standards für unbemannte Luftfahrzeuge zum 
Ziel hat. Dabei wird durchgängig ein [...] Weg 
verfolgt, indem auf Vorschriften für die bemannte 
Luftfahrt zurückgegriffen wird, welche im Be- 
darfsfall um spezifische Regelungen für unbe- 
mannte Luftfahrzeuge ergänzt werden. 

Eine Nutzung in zeitweilig gesperrten/reservierten Luft- 
räumen sei aber unkritisch und gängige Praxis. Die freie 
Wahl des Flugweges deutlich oberhalb des zivil genutzten 
Luftraumes sei bereits weitestgehend möglich. Der opera- 
tive Einsatz eines High Altitude Long Endurance 
(HALE)-Systems lasse sich durch die Nutzung von zeit- 
weise zu sperrenden Lufträumen für den Steig- und Sink- 


Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 44. 

64 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 9. 

65 MAT 17-9 BMVg zu BB 17-4, Abt. Planung, S. 19. 


flug sowie der Missionsdurchführung oberhalb des zivi- 
len Luftverkehrs bereits grundsätzlich sicherstellen. 

Abschließend wird festgestellt, dass „ der Nachweis hin- 
sichtlich der grundsätzlichen technischen Realisierbar- 
keit eines unbemannten Gesamtsystems SIGINT Nach- 
folge unter Verwendung von EURO HAWK [...] durch die 
F&T-Studie , Weiträumige unbemannte luftgestützte Auf- 
klärung ‘ und [...] durch praktische Demonstrationsflüge 
des GLOBAL HAWK ELINT Demonstrators, einer Vor- 
stufe der möglichen Lösung, erbracht^' worden sei. 

6. Bau eines Full Scale Demonstrators 

Zum Abbau der noch vorhandenen Realisierungsrisiken 
wurde entschieden, dass im Rahmen der Projektierungs- 
phase ein Full Scale Demonstrator gebaut werden sollte. 
Im Rahmen eines schrittweisen Vorgehens sollte zunächst 
der Träger in Form eines „Green AircrafU beschafft wer- 
den, welcher dann „parallel zur Entwicklung der Sensor- 
systeme deren integrativen Erfordernissen angepasst und 
sukzessive mit diesen ausgerüstet^' werden sollte. Eine 
„isolierte Sensorsystem-Entwicklung ausschließlich auf 
Basis vorliegender Konstruktions- und Schnittstellenda- 
ten des Trägers" erschien „hinsichtlich des erforderli- 
chen [...] Integrationsprozesses nicht realisierbar" und 
hätte zudem „das technische, zeitliche und finanzielle 
Risiko in einem nicht vertretbaren Maße " erhöht.^^ 

Der Zeuge Schneiderhan hat dazu erläutert: 

„Für mich war wichtig, dass wir zunächst einmal 
den Weg gegangen sind, für die Projektierungs- 
phase einen Demonstrator vorzusehen und nicht 
in Serie zu gehen, und dass wir bei der Entwick- 
lung von Komponenten der SIGINT-Sensor-Sys- 
teme unter Anwendung von bekannten Technolo- 
gien mit der Integration in einen verfügbaren 
Träger ausgehen wollten und damit im Grunde 
eine ganz umfassende Neuentwicklung des Ge- 
samtsystems nicht notwendig war.“^^ 

Ausweislich der Aussage des Zeugen Leitender Techni- 
scher Regierungsdirektor (LTRDir) Rüdiger Knöpfei, 
Projektleiter EURO HAWK beim Bundesamt für Ausrüs- 
tung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr 
(BAAINBw), sollte der Full Scale Demonstrator zunächst 
nach Kategorie 2 betrieben werden, solange noch kein für 
den Betrieb nach Kategorie 3 erforderliches „Sense and 
Avoid- System“ verfügbar ist. Zu etwaigen Einschränkun- 
gen im Betrieb des Luftfahrzeuges hat er erklärt: 

„Der Unterschied zwischen Kategorie 3 und 2 ist 
das zurzeit noch allgemein fehlende Sense and 
Avoid System wie dazugehörige luftfahrtrechtli- 
che Zulassungen. [...] Das bedeutet natürlich 
eine operationeile Einschränkung für unbemannte 
Luftfahrzeuge, die aber bei unserem System 
keine großen Auswirkungen haben, weil ich diese 


66 MAT 17-9 BMVg zu BB 17-4, Abt. Planung, S. 19 f. 

67 MAT 17-9 BMVg zu BB 17-4, Abt. Planung, S. 25. 

68 Schneiderhan, Protokoll-Nr. 3, S. 5. 



Drucksache 17/14650 


-44- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


Beschränkung nur für die Zeit der Start- und Lan- 
desphase brauche. Für die operationeile Tätigkeit 
ganz oben, wo keine Luftfahrzeuge mehr sind, 
habe ich per se einen gesperrten Luftraum, weil 
andere Luftfahrzeuge auf die Höhe gar nicht 
kommen. Deswegen ist Kategorie 2 keine Ein- 
schränkung für das Euro-Hawk- System. 

7. Vorgaben zum Kostenrahmen 

Der Finanzbedarf für die Projektierungsphase wurde mit 
insgesamt 250 Millionen Euro beziffert. 

Für die Beschaffung (Einführungsphase) von insgesamt 
fünf Luftfahrzeugen EURO HAWK wurde ein zusätzli- 
cher Bedarf von insgesamt 350 Millionen Euro benannt. 

Der Zeuge Schneiderhan begründete die Stückzahl der 
anzuschaffenden EURO HAWK-Luftfahrzeuge wie folgt: 

„Das System soll die signalerfassende Überwa- 
chung und Aufklärung für einen Einsatzraum per- 
manent sicherstellen - das heißt sieben Tage, 

24 Stunden -, für zwei Einsatzräume gleichzeitig 
regelmäßig, aber nicht lückenlos, und das dann 
für mehrere Monate. Es wurde gefordert, dass die 
Ausbildung in Deutschland stattzufmden habe. 
Und so entwickelte sich dann die Forderung nach 
fünf Flugsegmenten. Die klassische Aufteilung: 
Drei sind im Einsatz, einer ist in der Wartung und 
einer wird als Ausbilder benutzt bzw. in Reserve 
gehalten - das klassische System plus zwei Bo- 
densegmente. Und das wurde in den Bundes- 
wehrplan 2005 dann durch den Generalinspekteur 
eingestellt und im 38. Finanzplan auch abgebil- 
det.‘‘7i 

VII. Projektbezogene Aktivitäten 

1 . Gespräche mit der Industrie über den 

Musterzulassungsprozess 

Mit Blick auf den Zulassungsprozess für das unbemannte 
System EURO HAWK wurden in der Wehrtechnischen 
Dienststelle für Luftfahrtzeuge - Musterprüfwesen für 
Luftfahrtgerät der Bundeswehr (WTD 61 /ML) entspre- 
chende Musterprüfrahmenprogramme erarbeitet. Die 
dritte Entwurfsfassung eines Musterprüfrahmenpro- 
gramms vom 30. Juni 2004'^^ enthielt Bau- und Prüfvor- 
schriften der „Joint Aviation Regulations 23“ (JAR) - an- 
gepasst an Unmanned Aerial Vehicle, deren Erfüllung 
seinerzeit gemäß der ZDv 19/1 zur Erlangung einer deut- 
schen Musterzulassung für die EURO HAWK-Serie er- 
forderlich war. Im Vertrag wurden später inhaltlich identi- 
sche Prüfvorschriften vereinbart.'^^ 


Knöpf el, Protokoll-Nr. 4, S. 18. 

70 MAT 17-9 BMVg zu BB 17-4, Abt. Planung, S. 26 f. 

71 Schneiderhan, Protokoll-Nr. 3, S. 5. 

72 MAT 17-79 D BMVg zu BB 17-59, WTD 61 GF 300, Ordner 1, 
Historie Musterprüfrahmenprogramm, S. 101. 

73 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 20. 


Der Industrie lag das Musterprüfrahmenprogramm im 
Juli 2004 vor. Der Zeuge Selhausen hat dazu ausgesagt: 

„Aus den Akten ist ersichtlich, dass schon vor 
Vertragsschluss Besprechungen zur Zulassung 
der Euro Hawk mit der Firma Northrop Grum- 
man stattfanden. Ein Plan der WTD 61 /ML zur 
Erreichung dieser Musterzulassung lag der Firma 
im Sommer 2004 vor. Dieser enthielt die deut- 
schen Zulassungsforderungen sowie die Angabe 
der anzuwendenden Vorschriften.“ 

Er hat weiter ausgefuhrt, dass die Industrie hinsichtlich 
der Musterzulassung des EURO HAWK in mehreren Be- 
sprechungen auf Arbeitsebene bis in das Jahr 2006 darge- 
legt habe, wegen der Vergleichbarkeit des militärischen 
US-Design-Standards mit dem entsprechenden zivilen 
europäischen Standard könnten die für den US GLOBAL 
HAWK erstellten Einzelnachweise auch für den EURO 
HAWK herangezogen werden.^^ 

Ausweislich des Berichtes der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK sollte die beabsichtigte Musterzulassung 
der EURO HAWK-Serie durch eine vereinfachte Muster- 
prüfung erlangt werden. Basis hierfür sollte die von der 
US Air Force zu diesem Zeitpunkt noch erwartete Zulas- 
sung nach amerikanischem Recht der dem EURO HAWK 
zugrunde liegenden GLOBAL HAWK-Plattform sein.'^^ 

Weiter heißt es, dass die Industrie zum Full Scale De- 
monstrator in mehreren Besprechungen vor Vertrags- 
schluss dargestellt habe, auf welchem Weg eine deutsche 
Musterzulassung im Rahmen des vorgesehenen Entwick- 
lungsvertrages erreicht werden könne. Dabei sei auch auf 
die Vergleichbarkeit der Anforderungen des militärischen 
US-Designstandards (MIL-Hdbk-5 1 6) mit dem zivilen 
europäischen Standard (CS 23) hingewiesen worden. Zu- 
sammenfassend habe die Firma Northrop Grumman 
schon vor Vertragsschluss dargestellt, dass der militäri- 
sche US-Zulassungsprozess mit dem zivilen US-Zulas- 
sungsprozess vergleichbar sei.'^^ 

2. Aufforderung zur Angebotsabgabe an die 
Firma EuroHawk GmbH für die Projektie- 
rungsphase für ein System SLWÜA im 
September 2004 

Am 17. September 2004 wurden die beteiligten Unter- 
nehmen, die Firma European Aeronautic Defence and 
Space Company (EADS) Deutschland und die US-ameri- 
kanische Firma Northrop Grumman, vom damaligen 
Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) 
aufgefordert, ein Angebot für ein System zur signalerfas- 
senden luftgestützten weiträumigen Überwachung und 
Aufklärung zu unterbreiten.'^'^ 


74 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 44. 

75 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 20. 

76 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 22. 

77 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 20. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-45- 


Drucksache 17/14650 


Der Präsident des Bundesamtes für Ausrüstung, Informa- 
tionstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) 
Harald Stein hat dazu in seiner Vernehmung erklärt: 

„Mit Erlass vom 16. September 2004 erhielt das 
BWB in Umsetzung der gebilligten AF den Auf- 
trag, die Angebotsaufforderungen für die Projek- 
tierungsphase MALE UAV Euro Hawk herauszu- 
geben, um eine erste Einsatzbefähigung des 
SIGINT-Nachfolgesystems bis Ende 2008 zu er- 
reichen. Der Erlass enthielt die Vorgabe, die 
Shareholder der in Gründung befindlichen Euro- 
Hawk GmbH, Firma EADS und Northrop Grum- 
man, zum Angebot aufzufordern. Basierend auf 
den Erkenntnissen der Analysephase sei kein an- 
deres Unternehmen im Zusammenwirken mit 
dem US-Plattformhersteller Northrop Grumman 
in der Lage, die Forderungen gemäß der AF an 
ein HALE-UAV- System für die signalerfassende, 
luftgestützte Überwachung und Aufklärung ohne 
erhebliche technische, finanzielle und zeitliche 
Risiken zu erfüllen.“'^^ 

Zur Struktur der Firma EuroHawk GmbH hat der Chief 
Executive Officer (CEO) von EADS Division Cassidian 
Bernhard Gerwert erläutert: 

„Die beiden Anteilseigner fungieren gleichzeitig 
als Unterauftragnehmer der EuroHawk GmbH. 

Die Aufteilung der zu erbringenden Leistungen 
aufseiten der Industrie ist folgendermaßen: Nor- 
throp Grumman liefert das Luftfahrzeug, wäh- 
rend die EADS Deutschland GmbH - meine Di- 
vision, Cassidian - für das Missionssystem ISIS 
verantwortlich ist. Für beide Unternehmen be- 
steht eine Alleinverantwortlichkeit der getrennten 
Arbeitsanteile, das heißt ein Unterauftrag der Eu- 
roHawk GmbH an die beiden Unternehmen. Le- 
diglich hinsichtlich der Integration von ISIS in 
das Luftfahrzeug besteht eine gemeinsame ver- 
tragliche Verantwortlichkeit.“'^^ 

Er hat bestätigt, dass die Gründung der Firma EuroHawk 
GmbH eine Forderung des Auftraggebers BMVg war: 

„[...] der Auftraggeber hat gefordert, dass es 
eben keine Einzelbeauftragung gibt, auf der einen 
Seite Northrop Grumman, auf der anderen Seite 
EADS, sondern dass er einen Ansprechpartner 
für das Gesamtsystem haben möchte; daher die 
EuroHawk GmbH.“80 

In der übersandten „Angebotsaufforderung für die Pro- 
jektierungsphase für ein System zur signalerfassenden 
luftgestützten weiträumigen Überwachung und Aufklä- 
rung (SLWÜA)‘‘ waren die wesentlichen Projektgrund- 
sätze, die funktionalen und logistischen Anforderungen 
sowie technische und auch vertragliche/kommerzielle Er- 
fordernisse aufgeführt.^i 


78 Stein, Protokoll-Nr. 4, S. 121 . 

79 Gerwert, Protokoll-Nr. 6, S. 3. 

80 Gerwert, Protokoll-Nr. 6, S. 48. 

81 MAT 17-78 A BMVg zu BB 17-52, AIN V 5, Ordner 73, S. 429 ff. 


Unter dem Punkt „Gewährleistungsfrist“ wird darin vom 
BWB abweichend zu den Allgemeinen Bedingungen für 
Entwicklungsverträge mit Industriefirmen (ABEI) gefor- 
dert, dass das Angebot ,für das bis Ende erstes Quartal 
2009 an die Bundeswehr zu übergebende SLWÜA-De- 
monstratorsystem einen Gewährleistungszeitraum ab 
Übergabe von mindestens 2 Jahren versehen^' solle. 
Diese Gewährleistung solle die Bereiche Hardware und 
Software, Übereinstimmung mit den Spezifikationen, 
Mängel im Rahmen der Herstellung, des Materials oder 
des Designs abdecken. 

Der künftige Hauptauftragnehmer (HAN) „ muss als Un- 
ternehmen nach deutschem Recht eingetragen sein und 
seinen Sitz in Deutschland haben. “ Weiter wird gefordert, 
dass etwaige Joint Venture-Partner des Hauptauftragneh- 
mers gesamtschuldnerisch mit diesem haften sollen. 

3. Entscheidung für den Stationierungs- 
standort Militärflugplatz Schleswig-Jagel 

In einer Vorlage vom 9. März 2005 wurde Staatssekretär 
im Bundesministerium der Verteidigung Biederbick über 
die Absicht der Luftwaffe unterrichtet, die geplanten un- 
bemannten Aufklärungssysteme, darunter auch das Sys- 
tem EURO HAWK, am Standort Kropp auf dem Militär- 
flugplatz Schleswig-Jagel zu stationieren. 

Im Rahmen einer Rücksprache mit Staatssekretär 
Biederbick stimmte der damalige Bundesminister der 
Verteidigung Dr Peter Struck am 12. April 2005 der vor- 
geschlagenen Stationierung zu.^^ 

4. Vorlage von Vertragsangeboten durch die 
Firma EuroHawk GmbH 

Am 17. März 2005 legte die Firma EuroHawk GmbH 
i. G. erstmals in Reaktion auf die Aufforderung zur Ange- 
botsabgabe des BWB vom 17. September 2004 ein Ange- 
bot vor. Da dieses Angebot aus Sicht des BMVg mit „er- 
heblichen technischen Informations defiziten (u. a. 
Spezifikationsanteil Trägerplattform von Northrop Grum- 
man) und kommerziellen Mängeln (u. a. Transparenz der 
Preisbildung) “ behaftet war, wurden umfangreiche Ge- 
spräche zum erforderlichen Nachbesserungsbedarf ge- 
führt. 

Im Projekt-Quartalsbericht vom 30. September 2005 
heißt es dazu: 

„Trotz umfangreicher Angebots aufforderung 
(91 Seiten) entsprach das Angebot in keinster 
Weise der in der Aufforderung verlangten Quali- 
tät. Im Rahmen einer amtsseitigen Bewertung 
und in Gesprächen mit der Industrie wurden die 
Mängel herausgearbeitet.“ 

Zu dem im Industrieangebot veranschlagten Finanzvolu- 
men wird weiter ausgeführt: 


82 MAT 17-78 A BMVg zu BB 17-52, AIN V 5, Ordner 73, S. 463. 

83 MAT 17-80 B BMVg zu BB 17-44, FüSK I 6, Ordner 1, S. 1 f. 

84 MAT 17-3 BMF zu BB 17-81, II Dl, Band 1, S. 290. 



Drucksache 17/14650 


-46- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


„In der AF wurden für die Entwicklung des Euro 
Hawk Full- Scale-Demonstrator in Anlehnung an 
das in 2003 im Bw-Plan verfügbare Finanzvolu- 
men 250 Millionen EUR eingeplant. Im Rahmen 
des [...] Industrieangebots wurden [...] 350 Mil- 
lionen EUR gefordert, wobei einige, gern. AG 
[Auftraggeber, Anm.] geforderte Leistungen, von 
der Industrie noch nicht mal angeboten wurden.“ 

Am 21. Dezember 2005 wurde dem BWB von der Firma 
EuroHawk GmbH ein überarbeitetes Angebot für die Ent- 
wicklung und den Bau des SLWÜA Full Scale Demon- 
strators unterbreitet.^^ Dieses sah zur Erfüllung der in der 
AF SLWÜA niedergelegten Forderungen einen Mindest- 
bedarf an Finanzmitteln für die Projektierungsphase in 
Höhe von 447,6 Millionen Euro vor. 

Bezüglich der Musterzulassung basierte das Angebot auf 
der Annahme, „dass die durch die US Airforce erwirkte 
US-militärische Musterzulassung für die Musterzulas- 
sung seitens der [WTD 61/] ML vollständig und ohne Zu- 
satzaufwand bzgl. der Basisplattform übernommen wer- 
den kann. 

5. Abschluss diverser Vereinbarungen vor 

Vertragsschluss 

a) Memorandum of Understanding (MoU) 

Aufgrund der in den USA geltenden International Traffic 
in Arms Regulations (ITAR)^^ bestanden Beschränkun- 
gen beim Export militärischer Güter, Dienstleistungen 
und Informationen. Um Risiken aufgrund von aus ITAR 
resultierenden Beschränkung des Informations- und Da- 
tenaustausches zu begegnen, schloss das Bundesministe- 
rium der Verteidigung (BMVg) am 16. Mai 2006 ein Ab- 
kommen mit dem US Department of Defense über die 
Kooperation der Programme GLOBAL HAWK und 
EURO HAWK.89 ßs sieht den Austausch von Daten aus 
dem GLOBAL HAWK-Programm zum Zweck der Inte- 
gration, Erprobung und Nachweisführung sowie auch der 
Verkehrszulassung des EURO HAWK-Systems in nicht 
gesperrten Lufträumen vor.^^ 

b) Technical Assistance Agreements (TAA) 

Des Weiteren waren in der Vergangenheit zur Vorberei- 
tung der Zusammenarbeit mit der Firma Northrop Grum- 
man sog. Technical Assistance Agreements (TAA) ge- 
schlossen worden. Hierbei handelt es sich um 
Vereinbarungen, mit denen vor Übergabe von Unterlagen 
der Transfer späterer Leistungen zwischen einer US- 
Firma und ihrem ausländischen Vertragspartner sowie 
Nutzungsrechte geregelt werden. Gemäß den US-ameri- 


85 MAT 17-74 BMVg zu BB 17-58, Sekr Ltg, Ordner 2, S. 9. 

86 MAT 17-74 BMVg zu BB 17-58, Sekr Ltg, Ordner 2, S. 40. 

87 MAT 17-74 BMVg zu BB 17-58, Sekr Ltg, Ordner 2, S. 83. 

88 Amerikanische Richtlinien, die den Handel mit Waffen, Rüstungs- 
und Verteidigungsgütem regulieren. 

89 Memorandum of Understanding vom 16. Mai 2006 siehe MAT 17-4 
BRH zu BB 17-91, Ordner 12, S. 47 ff. 

90 MAT 17-4 BRH zu BB 17-90, Ordner 1, S. 24. 


kanischen Exportkontrollvorschriften ITAR sind US-Fir- 
men vor der Ausfuhr derartiger Unterlagen verpflichtet, 
durch Vorlage Unterzeichneter TAAs beim US Depart- 
ment of State die Zustimmung zur Übergabe an ihre aus- 
ländischen Vertragspartner einzuholen.^i 

Für den Import des GLOBAL HAWK hatte das Bundes- 
amt für Wehrtechnik und Beschaffüng (BWB) bereits am 
4. Februar 2003 ein Technical Assistance Agreement^^ 
mit dem Hersteller Northrop Grumman geschlossen, das 
während des Projektes mehrfach geändert und angepasst 
wurde. 

Das Wesen von TAAs hat der Abteilungsleiter Ausrüs- 
tung, Nutzung und Informationstechnologie im BMVg, 
Ministerialdirektor Selhausen, wie folgt beschrieben: 

„Bei Industrieverträgen sind die US-Firmen nach 
ITAR aufgefordert, in sogenannten Technical As- 
sistance Agreements, TAA, die Modalitäten der 
Übergabe und Nutzung von Unterlagen zu regeln. 
Diese TAA legen die US-Firmen der US Kon- 
trollbehörde, dem US Department of State, vor.“^^ 

Mit Unterzeichnung des TAA akzeptierte das BWB, dass 
der Leiter des Musterprüfwesens der Bundeswehr für 
Luftfahrtgerät (Leiter ML) ausschließlich in den USA be- 
schränkte Einsicht in Detaildaten zu Konstruktionen so- 
wie in Zeichnungen und Standardspezifikationen zum 
Herstellungs- und Montageverfahren erhält. Diese Unter- 
lagen werden für die Musterzulassung benötigt. Trotz der 
Abkommen waren der Hersteller und die US -Luftwaffe 
weiterhin an die ITAR gebunden. 

VIII. Erste Zwischenentscheidung zum 
Phasendokument AF SLWÜA 

Am 13. November 2006 genehmigte der damalige Gene- 
ralinspekteur der Bundeswehr, General Schneiderhan, die 
„1. Zwischenentscheidung zum Phasendokument Ab- 
schließende funktionale Forderung (AF) für das System 
der Signalerfassenden Luftgestützten Weiträumigen 
Überwachung und Aufklärung (System SLWÜA)“. 

Die Gründe für die Erstellung dieses Dokumentes hat der 
Zeuge General a. D. Schneiderhan dargelegt: 

„Es wurde dann 2006, am 13.11., von mir eine 
erste Zwischenentscheidung zur ,Abschließenden 
fünktionalen Forderung^ gezeichnet und am 12.12. 
vom Staatssekretär gebilligt. Diese erste Zwi- 
schenentscheidung wurde notwendig, weil Pro- 
grammverzögerungen und Kostensteigerungen 
angefallen sind, und die müssen nach CPM dann 
in einer solchen ersten Zwischenentscheidung er- 
fasst und vorgelegt werden, um den Programm- 


91 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 25. 

92 TAA siehe MAT 17-4 BRH zu BB 17-91, Ordner 12, S. 55 ff. 

93 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 26. 

94 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 43. 

95 MAT 17-4 BRH zu BB 17-90, Ordner 1, S. 24 f 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-47- 


Drucksache 17/14650 


verlauf neu zu bewerten und zu gewichten und 
Risiken abzuleiten.“^^ 

1. Präzisierungen 

Die in der AF SLWÜA enthaltenen funktionalen Forde- 
rungen hatten weiterhin unverändert Bestand.^'^ Im Rah- 
men des Projektfortschrittes gewonnene Erkenntnisse 
führten aber zu einer Präzisierung bestimmter Fähigkei- 
ten, verbunden mit einem dadurch erforderlich geworde- 
nen Nachbesserungsbedarf. 

So war beispielsweise deutlich geworden, dass bei der 
Missionsdurchführung „die systeminterne Kommunika- 
tion zwischen Flug- und Bodensegment sowie innerhalb 
des Bodensegments kryptiert, störungsresistent, zuverläs- 
sig, missbrauchsverhindernd und in nahezu Echtzeit^' ab- 
gewickelt werden muss. Dies erforderte die Beschaffüng 
geeigneter Kryptogeräte im Rahmen sogenannter Foreign 
Militäry Sales (FMS). 

Weitere Präzisierungen erfuhr der Bereich der externen 
Kommunikation, in der unter anderem eine „sichere, zu- 
verlässige, leistungsfähige und nahtlose Einbindung des 
Systems über das Bodensegment an GAST [Gemeinsames 
Auswertesy Stern Technische Aufklärung, Anm.] und an 
den Verbund NG&A [Verbund Nachrichtengewinnung 
und Aufklärung, Anm.] '' als erforderlich erachtet 
wurde. 

Der Zeuge Schneiderhan hat dazu erläutert: 

„Bei der Präzisierung ging es zunächst einmal um 
interne Kommunikation im System selbst, es ging 
um den Verbund Nachrichtengewinnung und 
Aufklärung, die Frage der Kooperation mit Part- 
nern. Und damals war noch relevant, was dann 
später nicht mehr relevant war: der Einbau in das 
gemeinsame Auswertungssystem der technischen 
und elektronischen Aufklärung, GAST als Ab- 
kürzung, das dann 2008 eingestellt wurde.“ 

2. Kostensteigerungen 

Der Finanzbedarf für die Projektierungsphase wurde in 
der „1. Zwischenentscheidung“ mit 447,58 Millionen Euro 
beziffert. Gegenüber dem ursprünglich in der AF 
SLWÜA geplanten Finanzbedarf betrug der Kostenauf- 
wuchs damit 197,58 Millionen Euro. 

Grund hierfür war unter anderem die Einplanung von 
20 Millionen Euro für Foreign Military Sales von Teil- 
komponenten (u. a. Kryptogeräte) der SIGINT-Nachfolge. 

Als weitere Gründe wurden unter anderem „ eine Kosten- 
und Aufwandsunterschätzung durch die Industrie in der 
Analysephase mangels hinreichender Konkretisierung 
bzgl. Art und Umfang der zu erbringenden Leistungen im 
Vergleich zu den dezidierten funktionalen Forderungen 


Schneiderhan, Protokoll-Nr. 3, S. 5 f. 

97 MAT 17-3 BMF zu BB 17-81, II D 1, Band 1, S. 298. 

98 MAT 17-3 BMF zu BB 17-81, II D 1, Band 1, S. 287 f. 

99 Schneiderhan, Protokoll-Nr. 3, S. 6. 


der AF'' (Gesamtumfang ca. 79 Millionen Euro) sowie 
eine „ Unterschätzung der (insbesondere USA-DEU ko- 
operativen) Kosten für die industriellen Managementleis- 
tungen " (Umfang ca. 28 Millionen Euro) genannt. 

Der Finanzbedarf für die Beschaffung erhöhte sich um 
46 Millionen Euro auf 396 Millionen Euro.i^i 

3. Risikoabschätzung gegenüber der AF 
SLWÜA 

Im Rahmen des Projektfortschrittes wurden auch bereits 
in der AF SLWÜA identifizierte Realisierungsrisiken 
beim Trägersystem insbesondere mit Blick auf den Mus- 
terzulassungsprozess neu bewertet: 

„Der Musterzulassungsprozess für das System 
SLWÜA (EURO HAWK) nach ZDv 19/1 ist mit 
einem höheren Risiko in finanzieller als auch 
zeitlicher Hinsicht behaftet, als zum Zeitpunkt 
der AF-Erstellung bekannt war. Ursächlich hier- 
für ist eine zum Teil unterschiedliche Philosophie 
im Zulassungsprozess für den Träger GLOBAL 
HAWK durch die US- Streitkräfte im Vergleich 
zum angestrebten Zulassungsprozess EURO 
HAWK durch das Musterprüfwesen der Bundes- 
wehr (WTD 61/ML). Die dem US-amerikani- 
schen Zulassungsprozess zugrunde liegenden 
Vorschriften, Verfahrensweisen, Sicherheitsforde- 
rungen und erbrachten Nachweise und Doku- 
mente sind daher ggf durch weitere Nachweise 
und Dokumente entsprechend des Musterzulas- 
sungsprozesses nach ZDv 19/1 zu ergänzen. Zu- 
gleich sind international anerkannte, einheitliche 
Zulassungsvorschriften für unbemannte Luftfahr- 
zeuge zurzeit noch in Erarbeitung. Die Vorschrif- 
ten für den Musterzulassungsprozess des EURO 
HAWK müssen daher sukzessive aus den Vor- 
schriften der bemannten Luftfahrt abgeleitet wer- 
den, um gleichwertige Sicherheits Standards zu 
gewährleisten. Sich hieraus eventuell ergebende, 
ergänzend durchzuführende Maßnahmen im Rah- 
men des Musterzulassungsprozesses für den 
EURO HAWK umfassen daher aufgrund ihrer 
gegenwärtig noch unzureichenden Überschaubar- 
keit auch Risiken in finanzieller und zeitlicher 

Hinsicht.“i^2 

In seiner Vernehmung hat der Zeuge Selhausen erläutert, 
weshalb anstelle einer vereinfachten Musterprüfung auf 
Grundlage einer US-amerikanischen Musterzulassung 
des GLOBAL HAWK nunmehr eine umfassende Muster- 
prüfung beim EURO HAWK durchgeführt werden sollte: 

„Zur Musterzulassung des Euro Hawk stellte die 
Industrie in mehreren Besprechungen auf Ar- 
beitsebene bis in das Jahr 2006 dar, dass wegen 
der Vergleichbarkeit des militärischen US-De- 
sign- Standards mit dem entsprechenden zivilen 


100 mAT 17-3 BMFzuBB 17-81, HD l,Band 1, S. 291. 

101 MAT 17-3 BMF zu BB 17-81, II D 1, Band 1, S. 292. 

102 MAT 17-3 BMFzuBB 17-81, HD l,Band 1, S. 299. 



Drucksache 17/14650 


-48- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


europäischen Standard die für den US Global 
Hawk erstellten Einzelnachweise auch für den 
Euro Hawk herangezogen werden könnten. Nach- 
dem im Sommer 2006 jedoch erkennbar wurde, 
dass die US Air Force eine Musterzulassung ihres 
Global Hawk nach amerikanischem Recht nicht 
mehr anstrebte, wurde der Ansatz einer verein- 
fachten Musterprüfung aufgegeben und der Weg 
einer umfassenden Musterprüfung am Full Scale 
Demonstrator gewählt. Die Industrie hatte darauf- 
hin einen Schwenk vollzogen und nun dargelegt, 
dass man die Informationen und Unterlagen aus 
dem nunmehr vorgesehenen US -Verkehrszulas- 
sungsprozess für Global Hawk für eine deutsche 
Musterzulassung heranziehen könnte. Da die Zu- 
lassungsforderungen für Global Hawk mit denen 
für Euro Hawk vergleichbar seien, würden in 
weiten Teilen keine zusätzlichen Nachweise und 
Tests erforderlich. Der Projektleiter ist diesem 
Ansatz gefolgt. In der ersten Zwischenentschei- 
dung vom 12. Dezember 2006 zur , Abschließen- 
den funktionalen Forderung^ ist das Zulassungsri- 
siko höher eingestuft als in der , Abschließenden 
funktionalen Forderung^ vom 27. August 2004. 

Als weiteres Risiko in zeitlicher und finanzieller Hinsicht 
wird in der „1. Zwischenentscheidung“ eine Abhängig- 
keit der Firma EuroHawk GmbH bei der Systemkompe- 
tenz von den Firmen Northrop Grumman und EADS 
sowie Defizite in der Handlungs- und Durchsetzungsfä- 
higkeit der EuroHawk GmbH gegenüber den Konsortial- 
partnern benannt. 

So stütze sich die mit der AF SLWÜA angestrebte umfas- 
sende Systemverantwortung der EuroHawk GmbH wäh- 
rend der Projektierung, Einführung und Nutzung des 
Systems SLWÜA hinsichtlich der notwendigen techni- 
schen Informationen und Kompetenzen für den Träger 
auf den US-amerikanischen Hauptauftragnehmer North- 
rop Grumman und in Bezug auf die Missionsausrüstung 
auf den Hauptauftragnehmer EADS ab. Beide Konsortial- 
partner stellten für ihre Zuständigkeitsbereiche Mitarbei- 
ter zur Dienstleistung zur EuroHawk GmbH ab, deren 
Aufgabe die Koordinierung und gesamtverantwortliche 
Führung des Projektes sei. 

Weiter heißt es in dem Dokument: 


„Auf Grund der US-amerikanischen ITAR-Regu- 
larien bestehen standardmäßige Beschränkungen 
beim Export von US-produzierten militärischen 
Gütern, Dienstleistungen und Informationen. 
Gleichsam ist der Informations- und Datenaus- 
tausch zwischen den Hauptunterauftragnehmern 
selbst und innerhalb der Euro Hawk GmbH auf 
Grund berechtigter Eigeninteressen zum Schutz 
firmeneigener IPR [Intellectual Proberty Rights, 
Anm.] an der Träger- und Missionsausrüstungs- 
technologie begrenzt. Die Wahrnehmung der Sys- 
temverantwortung zum national autonomen Be- 
trieb des Systems SLWÜA sowie die 
Weiterentwicklung insbesondere der Missions- 
ausrüstung bleibt hiervor jedoch unberührt. 

[...] Es kann jedoch davon ausgegangen werden, 
dass wegen des am 16. Mai 2006 Unterzeichneten 
MoU zwischen dem BMVg und dem US Depart- 
ment of Defense (DoD) zur Regelung der zukünf- 
tigen Interoperabilität der Systeme GLOBAL 
HAWK und EURO HAWK sowie des beiderseiti- 
gen Informations- und Datenaustausches [. . .] das 
oben dargestellte Risiko im Lauf der Projektreali- 
sierung stetig abnehmen wird.“!^^ 

Zu der Einschätzung der Auswirkungen des Abschlusses 
des MoU auf den Datenaustausch hat die Prüferin am 
Bundesrechnungshof, Ministerialrätin Angelika Bauch, 
ausgeführt: 

„Auch die Einschränkungen durch ITAR wurden 
letztendlich unterschätzt. Man hat gemeint, durch 
einen MoU, durch ein Memorandum of Under- 
standing - - Das ist ein Abkommen, was das Bun- 
desverteidigungsministerium mit dem Bundesver- 
teidigungsministerium der US - - der Amerikaner 
gemacht hat. Die haben gedacht: Na ja, mit dem 
Abkommen, da vereinbaren wir, dass wir uns die 
Daten gegenseitig austauschen und dass wir auch 
Einblicke in die Zulassungsunterlagen bekom- 
men. - Aber letztendlich sind das Abkommen - - 
und letztendlich ist man nach wie vor auch an die 
ITAR-Regularien der US-Regierung gebunden 
gewesen. Und deswegen haben die letztendlich 
nicht so gewirkt, wie sie wirken sollten und wie 
man sich erhofft hat, dass man damit die Pro- 
bleme in den Griff kriegen könnte. 


Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 44. 


104 MAT 17-3 BMFzuBB 17-81, HD l,Band 1, S. 300. 

105 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 3. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-49- 


Drucksache 17/14650 


B. Vertragsschluss im Januar 2007 

I. Verfolgte Absicht 

Ende 2006 beabsichtigte das Bundesministerium der Ver- 
teidigung, einen Vertrag über die Entwicklung des 
Systems EURO HAWK zur Signalerfassenden Luftge- 
stützten Weiträumigen Überwachung und Aufklärung 
(SLWÜA) mit einem Volumen von 431 Millionen Euro 
zu schließen. Die Projektplanung sah die Entwicklung ei- 
nes EURO HAWK-Prototypen einschließlich einer Bo- 
denkomponente bis Ende 2010 vor. Geplant war zudem, 
den Prototypen nach Fertigstellung und spezifikationsge- 
rechter Abnahme in die Nutzung zu übernehmen. 

1. Trägerplattform auf Basis des GLOBAL 
HAWK 

Als Basis für die Trägerplattform des EURO HAWK war 
das von der US Air Force bereits über 8 000 Flugstunden 
operativ betriebene Aufklärungs System GLOBAL 
HAWK mit den Anteilen der Trägerplattform, Daten- 
Link und Bodenkomponente ausgewählt worden. Aus- 
weislich eines Beitrages des BMVg für eine Vorlage des 
Bundesministeriums der Finanzen an den Haushaltsaus- 
schuss des Deutschen Bundestages habe sich das HALL 
UAV GLOBAL HAWK der Firma Northrop Grumman 
Corporation (NGC) in einer mehrstufigen nationalen Sys- 
temkonzeptstudie, in der verschiedene mögliche Träger 
für eine Aufklärungssensorik unter technischen und wirt- 
schaftlichen Gesichtspunkten untersucht worden waren, 
„als eindeutig überlegen erwiesen 

2 . Entwicklung eines SIGINT-Missions- 
systems 

Die seinerzeit von der US Air Force für den GLOBAL 
HAWK in Entwicklung befindliche Aufklärungssensorik 
stand für die Bundesrepublik Deutschland nicht zur Ver- 
fügung. Nach Darstellung des BMVg seien die USA nicht 
bereit gewesen, die Ergebnisse ihrer Entwicklung in eine 
deutscüamerikanische Kooperation einzubringen. Zu- 
dem habe das in den USA in Entwicklung befindliche 
System nicht oder nur eingeschränkt von der Bundeswehr 
benötigte Fähigkeiten zur Fernmeldeaufklärung aufge- 
wiesen. Daher sei des Weiteren die Entwicklung eines 
Systems zur Signalerfassenden Luftgestützten Weiträu- 
migen Aufklärung in nationaler Verantwortung und die 
Integration dieses SIGINT Missionssystems in die EURO 
HAWK-Plattform erforderlich gewesen. 

II. Freihändige Vergabe 

Der Entwicklungsvertrag sollte gemäß § 3 Nummer 4 
Buchstabe a) der Verdingungsordnung für Leistungen - 
Teil A (VOL/A), Abschnitt 1, freihändig, d. h. ohne eine 
umfassende Ausschreibung, an die Firma EuroHawk 
GmbH vergeben werden. 


106 mAT 17-4 BRH zu BB 17-91, Ordner 7, S. 9 f. 

107 MAT 17-4 BRH zu BB 17-91, Ordner 7, S. 9 ff. 

108 MAT 17-4 BRH zu BB 17-91, Ordner 7, S. 16. 

109 MAT 17-4 BRH zu BB 17-91, Ordner 7, S. 9 ff. 


Als Grund für diese Vorgehensweise hat der Zeuge 
Harald Stein in seiner Vernehmung genannt: 

„Die Auftragsvergabe erfolgte freihändig auf der 
Grundlage der damals geltenden VOL/A, da für 
die Leistung nur ein Unternehmen in Betracht 
kam. Alle vergaberechtlichen Aktivitäten, ein- 
schließlich der Auswahl des Auftragnehmers, er- 
folgten in Umsetzung der Erlasse des BMVg.^^^^ 

Der Zeuge Selhausen hat ergänzend erläutert, dass die an 
der Firma EuroHawk GmbH beteiligte Firma Northrop 
Grumman der einzige Anbieter für unbemannte Luftfahr- 
zeuge der HALE-Klasse war, weshalb die Vergabe „al- 
ternativlos '' gewesen sei: 

„Der Generalinspekteur der Bundeswehr hatte 
sich entschieden [...] hier ein unbemanntes Luft- 
fahrzeug der HALE-Klasse zu nutzen, also mit 
einer Steigleistung bis auf 60 000 Fuß. Das kön- 
nen normale Luftfahrzeuge nicht, und der einzige 
Anbieter auf diesem Gebiet war Northrop 
Grumman, und vor dem Hintergrund war die Ver- 
gabe an Northrop Grumman altemativlos, weil 
ein aus Sicht der Streitkräfte hoher Bedarf daran 
bestand, ein Luftfahrzeug dieser Klasse zu nut- 
zen.“iii 

In seiner Vernehmung hat der im Jahr 2006 amtierende 
Bundesminister der Verteidigung Dr Franz Josef Jung 
bestätigt, dass im vorliegenden Fall aus Sicht des Hauses 
nur die Firma EuroHawk GmbH als Vertragspartner in 
Frage kam: 

„Im Rahmen der Einweisung in das Rüstungsvor- 
haben wurde [...] dargelegt, dass verschiedene 
Alternativen geprüft worden sind und dass das 
die einzige sinnvolle und richtige Alternative ist. 

Es gab ja auch die entsprechende Studie, die im- 
merhin über fast zwei Jahre, wenn ich es richtig 
aus dem Kopf sage, gemacht wurde, und von daher 
war klar, dass diese entsprechende Vorbereitung 
für den Vertrag nur über EuroHawk erfolgt.“ 

Auf die Frage, ob in diesem Fall eine Ausschreibung 
hätte erfolgen müssen, hat die Zeugin Bauch geantwortet: 

„[...] Man hat im Vorfeld den Global Hawk als 
Träger identifiziert, der eigentlich nur als Lösung 
infrage kam letztendlich. Auch die ISIS-Entwick- 
lung, da hat sich herausgestellt: Aufgrund Ex- 
portbeschränkungen gab es keine andere Mög- 
lichkeit, dieses Projekt auf dem Markt - - Es war 
kein marktverfügbares Projekt da. Deswegen war 
eine nationale Eigenentwicklung erforderlich 
letztendlich, die auch diese militärischen Forde- 
rungen abbildet. [. . 


110 Stein, Protokoll-Nr. 4, S. 121. 

111 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 62. 

112 Jung, Protokoll-Nr. 3, S. 69. 

113 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 26. 



Drucksache 17/14650 


-50- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


III. Vertragsvorbereitung 

Die Vertragsvorbereitung wurde im Bundesamt für Wehr- 
technik und Beschaffung vorgenommen. Zu Details hat 
sich der Präsident des Bundesamtes für Ausrüstung, In- 
formationstechnik und Nutzung der Bundeswehr 
(BAAINBw) Harald Stein in seiner Vernehmung geäußert: 

„Die Vertragsvorbereitung - und das gilt für alle 
Verträge, die über 25 Millionen im Hause ge- 
schlossen werden - obliegt der zuständigen Ver- 
tragsabteilung des Projektes. Das heißt, die Ab- 
teilung Luft hat dort die Vertragsverhandlungen, 
die wirtschaftliche Bewertung, die Leistungsbe- 
schreibung logischerweise für die Ausschreibung 
erarbeitet und den Vertrag verhandelt und im 
Hause durch die verschiedensten Stellen, die dort 
beteiligt sind, im Rahmen der Mitzeichnung - - 
durchgeführt. 

Der Vizepräsident als derjenige, der den Vertrag 
dann letztendlich auch unterzeichnet - so ist die 
Vorgabe -, bekommt einen Vertragsentwurf vor- 
gelegt, wo er die gesamten Mitzeichnungen des 
Hauses raus entnehmen kann und gegebenenfalls 
auch Mitzeichnungsbemerkungen sich anschauen 
kann. Ich habe zu meiner Zeit als Vizepräsident 
mir auch immer noch einen Vortrag geben lassen 
von der Abteilung, wie der Vertrag zustande ge- 
kommen ist, wie die Bewertung aus Sicht der Ab- 
teilung zum Vertrag ist, bevor wir den Vertrag 
dann erst einmal so weit akzeptiert haben, dass er 
dann den Weg ins Ministerium gehen konnte als 

Entwurf.“ii4 

Ausweislich der Aussage des Zeugen Stein verweigerte 
ein Mitarbeiter aus dem Justiziariat zunächst die Mit- 
zeichnung des Vertragsentwurfes. Nach Abklärung des 
kritisierten Punktes zeichnete dieser den Entwurf schließ- 
lich mit: 

„Wir hatten bei dem Vertrag 2007 eine Mitzeich- 
nungsbemerkung eines Mitarbeiters aus dem Be- 
reich des Justiziariats. Und dieser hatte darauf 
hingewiesen, dass die Nutzungsrechte am System 
nicht dem üblichen Standardvertrag entsprechen 
würden. Nach Abklärung der Situation und unter 
Berücksichtigung, dass eben der Euro Hawk als 
Entwicklung aus amerikanischer Seite gekauft 
werden sollte und wir keine Entwicklungsmittel 
aufgewandt haben, um diese Entwicklung durch- 
zufähren, hat sich dieser Mitarbeiter in der Mit- 
zeichnungserklärung dann zur Mitzeichnung des 
Vertrages entschlossen, sodass kein Problem er- 
kennbar war.“ii5 

IV. Vertrag 

Am 3 1 . Januar 2007 wurde zwischen dem Bundesamt für 
Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) und der Firma 

114 Stein, Protokoll-Nr. 4, S. 126. 

11^ Stein, Protokoll-Nr. 4, S. 126. 


EuroHawk GmbH nach deutschem Recht ein ^.Vertrag 
über die Entwicklung eines Systems zur signalerfassen- 
den, luftgestützten, weitreichenden Überwachung und 
Aufklärung“ geschlossen. 

Dieser basierte in seiner Gestaltung auf einem mit dem 
Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) abge- 
stimmten Musterentwicklungsvertrag des BWB.^i'^ In den 
folgenden Jahren wurden insgesamt elf Vertragsänderun- 
gen vorgenommen. 

1. Entwicklungsziel 

Der Vertrag sah als Ziel die Entwicklung eines Full Scale 
Demonstrators als Prototyp vor. 

Zum gewählten Verfahren, vor einer Entscheidung über 
eine Serienbeschaffung zunächst einen Prototypen zu ent- 
wickeln, hat Staatssekretär im BMVg Stephane 
Beemelmans in seiner Vernehmung am 30. Juli 2013 er- 
klärt: 

„Für das Euro-Hawk-Projekt wurde von Anfang 
an ganz bewusst der Weg über ein zweistufiges 
Vertragsverfahren gewählt, das heißt einen Ent- 
wicklungsvertrag und einen nachgelagerten, vom 
Erfolg des Entwicklungsvertrages abhängigen 
Beschaffungsvertrag. 

Die Bundeswehr wollte hier für die Trägerplatt- 
form eine in Deutschland nicht verfügbare 
Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts in die 
Bundeswehr einführen, mittels eines Versuchsträ- 
gers die Vorgabe des Customer Product Manage- 
ment 2001 [. . .] zur Risikominimierung umsetzen 
und schließlich ein bisher auf dem Markt nicht 
verfügbares Missionssystem ISIS in Deutschland 
selbst entwickeln lassen. [...] Im Ergebnis sollten 
in der ersten Stufe dieses Verfahrens eine unbe- 
mannte US-Global-Hawk-Plattform, Block 20, 
als Prototyp Euro Hawk beschafft werden, ein 
System zur signalerfassenden, luftgestützten, 
weiträumigen Aufklärung in nationaler Verant- 
wortung entwickelt, die Integration dieses so ent- 
wickelten SIGINT-Missionssystems in den Euro 
Hawk zu einem Full Scale Demonstrator erfolgen 
und abschließend die Qualifizierung aller Sys- 
temkomponenten - Träger und Missionssystem - 
zur Vorbereitung der Serienherstellung des Euro 
Hawk in der zweiten Stufe des Verfahrens.“ii^ 

2. Geschuldete Leistungen 

Die im Vertrag beschriebenen Leistungen bestanden aus 
einem festen Leistungsanteil und Optionen. Bei der ver- 
traglichen Festschreibung der einzelnen Leistungsanteile 


116 MAT 17-4 BRH zu BB 17-91, Ordner 9, S. 000 ff. 

11^ MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 22. 

11^ MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 27 f 
119 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 3. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 51 - 


Drucksache 17/14650 


wurde den Besonderheiten von Entwicklungsverträgen 
mit der „ Bemühensklaus eV Rechnung getragen. 

a) „Bernühensklausel“ 

Beim Abschluss eines Entwicklungs Vertrages können 
Auftraggeber und Auftragnehmer regelmäßig nicht mit 
hinreichender Sicherheit davon ausgehen, das definierte 
Entwicklungsziel auch zu erreichen, da Aufwand und Ri- 
siko für das Erreichen des Entwicklungsziels in zeitlicher 
und technischer Hinsicht nicht kalkulierbar sind. Aus die- 
sem Grund werden Auftragnehmer in derartigen Verträ- 
gen regelmäßig nicht verpflichtet, das zu entwickelnde 
Werk auch tatsächlich zu erbringen (Werkvertrag). 

Gemäß der „BemühensklauseV kommt der Auftragneh- 
mer seinen Verpflichtungen zur Durchführung der Ent- 
wicklungsarbeiten nach, ,, wenn er sich nach besten Kräf- 
ten bemüht, unter Ausnutzung des neuesten Standes von 
Wissenschaft und Technik und unter Verwendung der ei- 
genen Kenntnisse und Erfahrungen das bestmögliche Er- 
gebnis zu erzielen, 

Es handelt sich insoweit um Dienstleistungsverträge, mit 
denen die Dienstleistung erfolgsunabhängig geschuldet 
wird. 

Der Zeuge Beemelmans hat dazu ausgeführt: 

„[...] insbesondere wegen des Entwicklungsrisi- 
kos verwendet die Bundeswehr für solche Ent- 
wicklungsverträge mit dem Bundesverband der 
Deutschen Industrie abgestimmte Musterver- 
träge. Darin verpflichtet sich der Auftragnehmer 
üblicherweise zu einer Dienstleistung und nicht 
dazu, ein konkret beschriebenes Werk auch tat- 
sächlich im Sinne eines Werkvertrages zu erbrin- 
gen. Der Auftragnehmer kommt dann seinen 
Verpflichtungen zur Durchführung der Entwick- 
lungsarbeit nach - ich zitiere -, wenn er sich nach 
besten Kräften bemüht, unter Ausnutzung des 
neuesten Standes von Wissenschaft und Technik 
und unter Verwendung der eigenen Kenntnisse 
und Erfahrungen das bestmögliche Ergebnis zu 
erzielen. Das ist die sogenannte Bemühensklau- 

sel.‘‘i2i 

Der Entwicklungsvertrag enthielt dabei Leistungsanteile, 
bei denen die „BemühensklauseK Anwendung fand, und 
solche, bei denen diese Klausel ausgeschlossen war. 

Die Zeugin Bauch hat dazu ausgesagt: 

„Also, wir haben hier so eine gewisse Mischform 
bei dem Entwicklungs vertrag. Man kann nicht sa- 
gen: Es ist ein reiner Entwicklungs vertrag. Es 
gibt auch Werklieferleistungen, wie zum Beispiel 
den Global Hawk, also die Hülle, das Trägerflug- 
zeug. Das ist keine Entwicklung in dem Sinne ge- 
wesen, sondern das sollte natürlich geliefert wer- 


120 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 24. 

121 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 3 f. 


den. [...] Die Sensorik sollte entwickelt werden. 
Und dann das Zusammenfügen der Sensorik in 
den Träger, das ist letztendlich auch noch mal 
eine Entwicklungsleistung gewesen, weil man da 
den Erfolg von vornherein noch nicht absehen 
konnte. Deswegen ist im Vertrag das eigentliche 
Zusammenführen der Sensorik in den Träger 
auch als Optionsleistung vorgesehen [...].“ 122 

b) Fester Leistungsanteil 

Gegenstand des festen Leistungsanteils im Entwicklungs- 
vertrag war die Herstellung der fliegenden Aufklärungs- 
plattform, die aus den Komponenten Luftfahrzeug, Bo- 
denanlage zur Steuerung und Kontrolle des Luftfahrzeugs 
sowie den benötigten Flugfunkgeräten bestand. 

Dabei sollte das Basisflugzeug GLOBAL HAWK unter 
fertigungsbegleitender Entwicklung und Einrüstung der 
notwendigen Modifikationen zur Trägerplattform des 
EURO HAWK-Prototypen einschließlich der Bodenan- 
lage umgewandelt werden. Von diesen Arbeiten entkop- 
pelt sollte das SIGINT-Missionssystem für die signaler- 
fassende luftgestützte weiträumige Überwachung und 
Aufklärung entwickelt werden. Leistungen für Logistik, 
Tests, Zulassung und Qualifikation der fliegenden Träger- 
plattform sowie des Missionssystems komplettierten den 
Umfang des festen Leistungsanteils. 

Nach Darstellung des Bundesrechnungshofes bestanden 
diese Leistungen 

„[...] u.a. aus Leistungen für Logistik, Test, Zu- 
lassung und Qualifikation zum Festpreis [...], für 
die die sogenannte Bemühensklausel [...] aus- 
drücklich ausgeschlossen wurde. 

Soweit für einzelne Leistungsanteile die „Bemühensklau- 
sel“ ausgeschlossen wurde, schuldete der Auftragnehmer 

einen Leistungserfolg. 1^5 

c) Optionale Leistungen 

Des Weiteren wurden im Vertrag optionale Leistungen für 
die Bereiche „Integrationsarbeiten“ und „Tests“ verein- 
bart, die zu einem Selbstkostenerstattungspreis und unter 
Anwendung der „Bemühensklausel“ erbracht werden 

sollten. 126 

Der Bereich „Tests“ umfasste auch wesentliche Aktivitä- 
ten zur Unterstützung der Musterzulassung. 

d) Aktivitäten zum Erreichen einer Muster- 
zulassung 

Bezüglich einer Musterzulassung des Full Scale Demon- 
strators enthielt der Vertrag die Verpflichtung des Auf- 


122 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 6. 

123 mAT 17-3 BMF zu BB 17-82, Band 1 II D 1, S. 3. 

124 MAT 17-4 BRH zu BB 17-90, Ordner I, S. 25. 

125 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 24. 

126 MAT 17-4 BRH zu BB 17-90, Ordner I, S. 25. 



Drucksache 17/14650 


-52- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


tragnehmers EuroHawk GmbH, Managementleistungen 
für logistische Unterstützung und für den Zulassungspro- 
zess zu erbringen. Davon erfasst waren die Koordination 
der von den Unterauftragnehmern EADS und Northrop 
Grumman zu erbringenden Einzelleistungen. Diese Ma- 
nagementleistung der EuroHawk GmbH unterlag nicht 
der „BemühensklauseV^ und war daher als Leistungser- 
folg geschuldet. 

Zudem wurde als optionale Leistung die Durchführung 
bestimmter, in der Leistungsbeschreibung definierter Ak- 
tivitäten zur Musterzulassung vereinbart. Dieser Leis- 
tungsanteil unterlag der „Bemühensklausel“ 

Zu den wichtigen Fragen, ob der Erfolg der Musterzulas- 
sung geschuldet gewesen sei, haben sich die Zeugen vor 
dem Untersuchungsausschuss unterschiedlich geäußert. 
Der Zeuge Knöpf el hat zu seiner Interpretation der „Be- 
mühensklausel “ im Rahmen der Musterzulassung erklärt: 

„Die Bemühensklausel war, weil der Gesamtum- 
fang gar nicht abzusehen war, was eine umfas- 
sende Musterprüfüng bedeuten würde, auch sei- 
tens der Industrie nicht mit einem Festpreis 
möglich, das heißt, einem geschuldeten Objekt, 
sondern wir mussten dort im Rahmen des Ent- 
wicklungsgegenstandes - weil auch die Muster- 
prüfung ein Entwicklungsgegenstand ist - akzep- 
tieren, dass wir dort nur die Bemühensklausel 
erreichen konnten. 

Weiter hat er ausgeführt: 

„Was vereinbart wurde, war, dass sich der Auf- 
tragnehmer einer umfassenden Musterprüfüng zu 
unterziehen hat und deswegen alle entsprechen- 
den technischen Nachweise zu liefern hat, damit 
im Endeffekt wir für die Serie eine Musterzulas- 
sung aussprechen können. Da aber der Gesamt- 
umfang damals nicht in allen Details klar war 
- das heißt, auch der wirtschaftliche Aufwand -, 
konnte dort nur das Bemühen festgelegt wer- 

den.‘‘i29 

Zu den vertraglichen Verpflichtungen der Industrie im 
Zusammenhang mit dem Erreichen einer Musterzulas- 
sung hat der Zeuge Knöpfei erklärt, 

„[...] dass [...] der Auftragnehmer [...] im Rah- 
men der Nichtbemühung als Bringschuld die Er- 
stellung eines Flugerprobungsprogrammes oder 
eines Musterprüfprogrammes bringen muss und 
die übrigen Aktivitäten im Rahmen des Bemü- 
hens zu leisten sind. Aber eine Musterzulassung 
kann ich von einem Auftragnehmer gar nicht for- 
dern, weil die wird ja durch unsere Stelle ausge- 
stellt. Er muss es nur unterstützen.“!^^ 


127 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 24. 

128 Knöpfel, Protokoll-Nr. 4, S. 33. 

129 Knöpfei, Protokoll-Nr. 4, S. 33. 

130 Knöpfei, Protokoll-Nr. 4, S. 33. 


Der Sector Vice President und General Manager Unman- 
ned Systems bei Northrop Grumman, Janis G Pamiljans, 
hat im Zusammenhang mit der Musterzulassung des 
EURO HAWK geäußert, dass man von US-amerikani- 
scher Seite davon ausgegangen sei, auf entsprechende 
Vorleistungen der US Air Force im Rahmen der luftfahrt- 
rechtlichen Zulassung des GLOBAL HAWK zurückgrei- 
fen zu können und keine neuen Dokumentationen zu er- 
stellen: 

„Die ursprünglich im Vertrag vereinbarte Heran- 
gehensweise sah vor, dass die deutschen Flug- 
tauglichkeitsprüfungen maßgeschneidert auf das 
schon existierende Flugzeug abgestimmt wer- 
den. Dabei sollten existente flugtaugliche Pro- 
dukte und Prozesse sowie Zulassungen der US 
Air Force verwendet werden. Das Programm war 
nicht darauf ausgelegt - und es war auch nicht be- 
absichtigt -, neue Dokumentationen für den Euro 
Hawk zu schaffen. [...] Der Vertrag erforderte 
keine Designänderungen oder erneute Tests auf 
der Ebene des Flugzeugsystems, um die deutsche 
luftfahrtrechtliche Zulassung zu erlangen. Wir 
glauben, die Parteien erkannten und waren sich 
von Anfang an einig, dass die Kosten für einen 
solchen anderen Ansatz erheblich und unnötig 
gewesen wären. Dieses Grundkonzept eines Typs 
, militärischer luftfahrtrechtlicher Zulassung^, 
welche dazu bestimmt ist, die Effektivität der 
Aufgaben zu sichern, wurde von allen Parteien 
verstanden und akzeptiert, und zwar von der An- 
bahnung des Euro-Hawk- Vorhabens an bis zu der 
Zeit, als der Vertrag im Januar 2007 vergeben 
wurde. Wir gehen davon aus, dass dieses Ver- 
ständnis mit der deutschen Zulassungsbehörde 
vor der Unterzeichnung des Vertrages abge- 
stimmt worden ist. Wir glauben, dass diese He- 
rangehensweise an die Zulassung darauf abge- 
stimmt war, einen sicheren Betrieb des Euro 
Hawk im deutschen Luftraum sicherzustellen, 
ohne zusätzliche Anforderungen und neue Doku- 
mente auf Basis des Global-Hawk-Flugzeugs zu 
erzeugen, welche nicht bereits als Ergebnis der 
Vorleistungen der US Air Force im Rahmen der 
dortigen luftfahrtrechtlichen Zulassung existier- 
ten.“!3! 

Ausweislich des Berichtes des Bundesrechnungshofes zur 
Entwicklung des EURO HAWK- Systems war die Euro- 
Hawk GmbH verpflichtet, „bei der Entwicklung des 
Musters zur Feststellung der Verkehrssicherheit, Luft- 
fahr ttauglichkeit und Luftfahrtverträglichkeit den Leis- 
tungsgegenstand einer Musterprüfung durch den Leiter 
ML unterziehen zu lassen und ihm die Verkehrssicherheit, 
Luftfahrttauglichkeit und Luftfahrtverträglichkeit nachzu- 
weisen. “ Der Leiter ML konnte die Musterunterlagen 
ausschließlich in den Räumlichkeiten von Northrop 
Grumman in den USA einsehen, wobei das Anfertigen 
von Kopien ausgeschlossen war.!^^ 


131 Pamiljans, Protokoll-Nr. 6, S. 60. 

132 MAT 17-4 BRH zu BB 17-90, Ordner 1, S. 25. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-53- 


Drucksache 17/14650 


Die Zeugin Bauch hat sich in ihrer Vernehmung zu den 
Problemen einer eindeutigen Abgrenzung von Leistun- 
gen, die unter die „BemühensklauseV fallen, von solchen, 
bei denen ein Leistungserfolg geschuldet war, geäußert: 

„Das Problem mit der Musterzulassung in dem 
Vertrag ist: Der Vertrag hat Bereiche, da gilt die 
Bemühensklausel, und er hat Bereiche, da gilt die 
Bemühensklausel nicht. Es gibt so einen Teil 1, 
der beinhaltet auch Aktivitäten im Bereich Zulas- 
sung: Logistik, Test, Zulassung. Das ist im Teil 1, 
wo die Bemühensklausel ausgeschlossen ist. Also 
in dem Teil ist die Zulassung geschuldet. Es gibt 
einen optionalen Teil ,Integration und Test‘, da 
gilt die Bemühensklausel. Das ist jetzt immer 
schwierig abzugrenzen: [...] bei Integration und 
Test im Teil 2 mit der Bemühensklausel sind halt 
eben auch Zulassungsaktivitäten enthalten. 

In seinem Bericht zur Entwicklung des EURO HAWK- 
Systems stellte der Bundesrechnungshof fest, dass das 
Bundesministerium der Verteidigung den Musterzulas- 
sungsprozess bereits vor Abschluss des Vertrages als we- 
sentliches Realisierungsrisiko des EURO HAWK- Sys- 
tems erkannt habe. Weiter heißt es: 

„Obwohl bekannt war, dass es unterschiedliche 
Philosophien im Zulassungsprozess gab, unter- 
suchten Bundesverteidigungsministerium und 
Bundesamt [für Wehrtechnik und Beschaffung, 
Anm.] nicht im Einzelnen, inwieweit die im US- 
amerikanischen Zulas sungs verfahren zu erbrin- 
genden Nachweise und vorzulegende Unterlagen 
für die deutschen Musterzulassungsverfahren 
ausreichten und welche Risiken sich aus einer un- 
terschiedlichen Herangehensweise ergeben könn- 
ten. Ohne vertiefte Kenntnis über die Qualität 
und den Umfang der zu erbringenden Nachweise 
im laufenden US-amerikanischen Zulassungspro- 
zess für den Global Hawk vertrauten sie darauf, 
für die Zulassung des Euro Hawk auf der US- 
amerikanischen Zulassung des Global Hawk auf- 
bauen zu können. Damit gingen sie wegen der 
unzureichenden Überschaubarkeit der unter- 
schiedlichen Prozesse finanzielle und zeitliche 
Risiken ein. Sie verließen sich darauf, dass der 
künftige Auftragnehmer die Anforderungen des 
deutschen Musterzulassungsverfahrens verstan- 
den und dessen Unterschiede zum US-amerikani- 
schen Verfahren erkannt haben und damit dessen 
Einschätzung, die Musterzulassung zu erreichen, 
fundiert sei.^^^^ 

Nach Aussage der Zeugin Bauch wurden die Risiken im 
Zusammenhang mit dem Musterzulassungsprozess unter- 
schätzt: 

„Vor [...] 2007 waren letztendlich Musterzulas- 
sungsprobleme bekannt; die Risiken wurden al- 


133 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 28. 

134 MAT 17-4 BRH zu BB 17-90, Ordner 1, S. 40. 


lerdings unterschätzt. [...] Das heißt, man er- 
kannte auch, dass es Unterschiede im 
Zulassungsprozess mit den USA-Formalitäten 
gibt. Aber man war eigentlich zuversichtlich, 
dass man durch weitere Vorschriften oder weitere 
Nachweise, Dokumente gegebenenfalls die Mus- 
terzulassung in Deutschland erreichen könne. 
Und aus unserer heutigen Bewertung muss man 
sagen: Man war da etwas blauäugig. Man hätte 
letztendlich diese Musterzulassungsvorausset- 
zung besser abklären müssen im Vorfeld. Also, 
das war letztendlich vor Vertragsschluss. 

Sie hat weiter ausgefährt: 

,„Blauäugig‘ heißt: Sie haben einfach darauf ver- 
traut, dass der Auftragnehmer wüsste, was im 
Rahmen der Zulassung zu machen ist. Das Bun- 
desamt und auch das Bundesverteidigungsminis- 
terium haben sich keinen eigenen Eindruck von 
den Zulassungsvoraussetzungen gemacht. Und 
deswegen ,blauäugig‘, einfach darauf zu ver- 
trauen: Na ja, der Firma haben wir die ZDv 19/1 
erläutert und haben denen auch erklärt, wie unser 
Zulassungsprozess ist, und wenn die meinen: ,Ja, 
das ist vergleichbar ‘, dann wird das wohl so 
sein.“ 

3. Laufzeit und Kosten 

Der Vertrag wies eine Laufzeit von 46 Monaten und Ver- 
pflichtungen in Höhe von rund 370,8 Millionen Euro aus, 
für den optionalen Leistungsanteil wurden zudem 
60,1 Millionen Euro vereinbart, 

Die Zahlungen wurden an die Erreichung von „Meilen- 
steinen“ gekoppelt und sollten ausschließlich bei entspre- 
chender Abnahme der Leistung erfolgen. 

4. Vertragliche Risikoverteilung und 

-minimierung 

a) Risikoverteilung 

In ihrem Bericht kommt die Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK zu dem Ergebnis, dass die in den Entwick- 
lungsvertrag eingefägten Änderungen und Ergänzungen 
eine „ ausgewogene Risikoverteilung für beide Vertrags- 
partner “ enthielten. Weiter wird ausgeführt: 

„Die Beteiligung von in- und ausländischen Fir- 
men im Rahmen des Entwicklungsvertrages 
stellte allein auf Grund der divergierenden 
Rechtsordnungen eine besondere Herausforde- 
rung dar. [...] Abweichungen von den muster- 
vertraglichen Regeln, die zum Zeitpunkt des 
Vertragsschlusses vorhersehbar negative Auswir- 
kungen für die Bundeswehr haben, waren nicht 
erkennbar. “139 


135 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 3. 

136 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 5. 

137 MAT 17-2 BT-HA zu BB 17-93, Ordner 1, S. 473. 

138 MAT 17-3 BMF zu BB 17-82, Band 1 II D 1, S. 4. 

139 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 25. 



Drucksache 17/14650 


-54- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


Zu den Risiken des Entwicklungsvertrages hat der Zeuge 
Beemelmans ausgesagt; 

„In dem Entwicklungsvertrag für diese erste 
Stufe mussten zwangsläufig vier Risiken einge- 
gangen werden: erstens das Risiko der Einfüh- 
rung einer in der Bundeswehr bislang nicht vor- 
handenen Technologie, zweitens das Risiko der 
Entwicklung eines neuartigen, zukunftsorientier- 
ten Missionssystems, das nach unserer Informa- 
tion in dieser Form weltweit noch nicht verfügbar 
ist, drittens das Risiko der Integration von Platt- 
form und Missionssystem und viertens das Risiko 
der Zulassung des Ganzen für die Verwendung in 

der Bundeswehr. “140 

Die Zeugin Bauch hat bestätigt, dass das Realisierungsri- 
siko bei Entwicklungsverträgen regelmäßig beim Auf- 
traggeber liegt: 

„Letztendlich muss man natürlich sagen: Es ist 
ein Entwicklungsvertrag, und bei Entwicklungs- 
verträgen ist natürlich letztendlich dann das fi- 
nanzielle und das Realisierungsrisiko immer 
beim Auftraggeber. Zudem sind in dem Vertrag 
einige Dinge mit einer Bemühensklausel - so, 
wie es in Entwicklungsverträgen auch üblich ist - 
versehen, die natürlich dann auch das Risiko 
beim Auftraggeber letztendlich verhaften. 

Aus ihrer Sicht wurden aber die Risiken im Zusammen- 
hang mit einer Musterzulassung bei Vertragsschluss un- 
terschätzt: 

„Risiken waren bekannt, aber ich würde sagen, 
die Tragweite der Risiken war nicht so erkannt 
worden. Man hat das Musterzulassungsrisiko un- 
terschätzt bzw. war optimistisch mit zusätzlichen 
Dokumenten und Nachweisen. Wenn es auch 
Abweichungen von der amerikanischen Zulas- 
sungsphilosophie gibt, war man letztendlich doch 
optimistisch [...] auch diese Informationsbe- 
schränkung nach dem ITAR gegebenenfalls dann 
vor Ort einsehen zu können. “^42 

Das Problem, ob die Musterzulassung als Erfolg geschul- 
det war, wurde auch mit dem Zeugen Gerwert erörtert. 
Auf die dazu gestellte Frage, wie das Projekt EURO 
HAWK verlaufen wäre, wenn man die Musterzulassung 
des EURO HAWK vertraglich als eine vom Auftragneh- 
mer geschuldete Leistung vereinbart hätte, hat er geant- 
wortet: 

„Diesen Vertrag hätte die Industrie nicht unter- 

schrieben.“i43 

In seiner Vernehmung hat der Bundesminister der Vertei- 
digung Dr. Thomas de Maiziere seine Wahrnehmung der 
Schwierigkeiten im Rahmen des Vorhabens EURO 
HAWK wie folgt zusammengefasst: 


140 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 3. 

141 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 6. 

142 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 10. 

143 Gerwert, Protokoll-Nr. 6, S. 6. 


„Die Grundentscheidung für eine Drohne als Trä- 
gersystem [. . .] war nach meiner Meinung richtig, 
aber risikobehaftet. Das Vorgehen mit einem Ent- 
wicklungsvertrag war deshalb angemessen. Aber 
die Probleme wurden zu Beginn des Projektes un- 
terschätzt und im Projektverlauf von Beginn an 
nicht angemessen bearbeitet. Hier liegt der Ge- 
burtsfehler des Euro Hawk. Man kann das mit ei- 
nem anderen Begriff versehen. Mit Blick auf den 
langen Vorlauf könnte man vielleicht auch von ei- 
nem , genetischen Fehler ‘ sprechen. Nach meiner 
Bewertung hätte die Dimension der Probleme be- 
reits nach ihrer Identifikation ernster genommen 
werden müssen.“i44 

b) Gewährleistung 

Im Entwicklungsvertrag waren auch Regelungen zur Ge- 
währleistung enthalten. Der Zeuge Bundesminister a. D. 
Dr Jung hat in seiner Vernehmung dazu ausgefährt: 

„[...] es sind die gesetzlichen Rechte des BGB, 
also Gewährleistungsrecht und Schadensersatz, 
vereinbart worden, wobei ich hierzu sagen darf, 
dass ich natürlich allgemein über den Vertrag in- 
formiert worden bin, von Herrn Staatssekretär 
Eickenboom; der war dafür zuständig, für den 
Bereich. Und ich kann mich ganz gut erinnern, 
dass ich, weil bei mehreren Rüstungsprojekten 
nicht unbedingt der Grundsatz , pacta sunt ser- 
vanda‘ galt, sondern immer Verzögerungen ein- 
getreten waren, gesagt habe: Schaut doch einmal, 
ob ihr wenigstens Schadensersatz und Gewähr- 
leistungsrecht in die Verträge reinbekommt. - 
Und das ist hier dann ja auch geschehen.“i45 

Für solche Leistungsanteile des Entwicklungsvertrages, 
die unter die „ Bemühensklaus eV‘ fielen, waren werkver- 
tragliche Gewährleistungsansprüche ausgeschlossen. ^46 

c) Kündigungsrechte 

Ausweislich des Berichtes der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK enthält der Vertrag ein außerordentliches 
Kündigungsrecht zugunsten des Auftraggebers nach § 1 9 
ABEI, welches jederzeit ganz oder teilweise ausgeübt 
werden kann. Der Auftragnehmer habe in diesem Falle 
Anspruch auf Erstattung aller durch den Auftrag beding- 
ten unvermeidbaren Kosten zuzüglich des auf die zu er- 
stattenden Kosten anfallenden anteiligen Gewinns. Es 
gebe keine weiteren expliziten vertraglichen Regelungen 
zu Rechtsfolgen bei Schlechterfüllung, Kündigung und 
Rücktritt. Insoweit seien für den Auftraggeber die gesetz- 
lichen Rechte nach BGB anwendbar. ^47 


144 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 6. 

145 Jung, Protokoll-Nr. 3, S. 56. 

146 mAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 24 f. 

147 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 24 f. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-55- 


Drucksache 17/14650 


V. Prüfung von Rechtsfragen durch eine 
Rechtsanwaltskanzlei 

Angesichts unterschiedlicher Auslegungen des Umfangs 
der vertraglich geschuldeten Leistungen, insbesondere im 
Hinblick auf die Musterzulassung und die Reichweite der 
„Bemühensklaus er', beauftragte das Bundesministerium 
der Verteidigung am 7. Juni 2013 eine Anwaltskanzlei 
mit der Prüfung dieser Fragend^^ 

Bundesminister der Verteidigung Dr. Thomas de Maiziere 
hat in seiner Vernehmung am 31. Juli 2013 dazu erklärt: 

„Der Vertrag zwischen dem damaligen Bundes- 
amt für Wehrtechnik und Beschaffung der Bun- 
deswehr, BWB, und der Euro-Hawk GmbH vom 
Januar 2007 war ein Entwicklungsvertrag und 
eben kein Beschaffungsvertrag. Mit Blick auf die 
Zulassung wurden Managementpflichten festge- 
legt, die sich auf die Lieferung von Daten und 
Dokumentationen beziehen. Es ist nun im Vertei- 
digungsausschuss umstritten, welche Teile des 
Vertrages eine Dienstleistung beschreiben und 
welche eine Werkleistung. Deshalb habe ich eine 
Rechtsanwaltskanzlei mit der entsprechenden 
Prüfung beauftragt, damit sie bei einem eventuel- 
len Gerichtsverfahren die Interessen des Bundes 
auch vertreten kann. “1^9 

Das Bestehen entsprechender Abgrenzungsprobleme bei 
der Frage, welche Leistungen geschuldet waren, hat der 
Leiter der Abteilung Haushalt und Controlling im Bun- 
desministerium der Verteidigung, Ministerialdirektor Dr 
Paul Jansen, bestätigt: 

„Ja, das ist dieses weite Themenfeld: Wo fängt 
das Bemühen an, Werkvertrag, Dienstleistungs- 
vertrag? - Das ist ja breit diskutiert worden. Hier 
ist die Anwaltskanzlei, wie Sie wissen, ja beauf- 
tragt, dieses abzuklopfen: Wo fängt das eine an, 
und wo hört das andere auf? - Mehr kann ich 
dazu nicht sagen.“!^^ 

VI. Billigungsverfahren/Mitwirkungsrechte 

1. Beteiligung des Bundesministeriums der 
Finanzen 

Mit Schreiben vom 28. November 2006 bat das Bundes- 
ministerium der Verteidigung das Bundesministerium der 
Finanzen um Erstellung einer 25 -Millionen-Euro- Vorlage 
zum Entwicklungsvertrag an den Haushaltsausschuss des 
Deutschen Bundestages. Nach einer entsprechenden Ab- 
stimmung mit dem BMVg sollte die Vorlage an den 
Haushaltsausschuss noch im Dezember 2006 erfolgen, 
damit diese im ersten möglichen Beratungstermin im Ja- 
nuar 2007 behandelt werden könne. 

Der Zeuge Staatssekretär im Bundeministerium der Fi- 
nanzen Gatzer hat dazu ausgeführt: 


148 mAT 17-1 BT-VA zu BB 17-91, S. 524. 

149 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 6. 
i^n Jansen, Protokoll-Nr. 6, S. 132. 

151 MAT 17-3 BMF zu BB 17-81, II D 1 Band 1, S. 6 f. 


„Die erste Vorlage von Ende 2006 war, wie von 
mir schon gesagt, vorbereitet worden von dem 
zuständigen Ressort, dem Bundesministerium der 
Verteidigung, und ist dem Bundesministerium der 
Finanzen mit den notwendigen Berichten, mit 
den notwendigen Unterlagen zugesendet worden. 

Es gab dann noch hinsichtlich einzelner Punkte 
Fragen seitens des Bundesministeriums der Fi- 
nanzen, die sich hauptsächlich - das liegt in der 
Natur der Sache - auf die finanzpolitischen Fra- 
gen beschränken. Also: Ist das Projekt ausrei- 
chend im Haushaltsplan, in der Finanzplanung 
berücksichtigt? Gibt es den einen oder anderen 
Punkt, der hier noch nicht schlüssig ist, weil sich 
die Prüfling im Bundesministerium der Finanzen 
begrenzt auf eine Plausibilitätsprüfung, [...] Es 
gab seinerzeit einige Fragestellungen. [...] Sie 
wissen, 2007 gab es die Mehrwertsteuererhöhung 
von 1 6 auf 1 9 Prozent. Wie ist dies dort berück- 
sichtigt? Es gab auch zu anderen Punkten Fragen 
seitens des Bundesministeriums der Finanzen, die 
vom Bundesministerium der Verteidigung auch 
zufriedenstellend beantwortet wurden laut der 
Aktenlage. Demzufolge konnte die Vorlage dann 
auch von mir gezeichnet [...] und dann dem 
Haushaltsausschuss auch vorgelegt werden mit 
der Bitte um Behandlung im Haushaltsaus- 
schuss. 

2. Beteiligung des Deutschen Bundestages 

Im Anschluss an die Ressortabstimmung und nach erfolg- 
ter Vorlage zur Billigung an den im BMVg zuständigen 
Staatssekretär Dr. Eickenboom legte das Bundesministe- 
rium der Finanzen die Vorlage BMF Nr. 137/06 (Gz 11 D 1 - 
WE 2058/06/0005) mit Schreiben vom 22. Dezember 
2006 dem Haushaltsausschuss des Deutschen Bundesta- 
ges zur Billigung vor.^^^ 

Im Berichterstattergespräch des Haushaltsausschusses am 
17. Januar 2007 baten die Ausschussmitglieder, ihnen et- 
waige kritische Bewertungen des Bundesrechnungshofes 
zu diesem Vorhaben ggf mit einem Beschlussvorschlag 
schriftlich zu übermitteln. Dieser Bitte kam der Bundes- 
rechnungshof mit Schreiben vom 25. Januar 2007 

nach. 154 

In seinen „Hinweisen zur Entwicklung eines Systems zur 
signalerfassenden luftgestützten weitreichenden Überwa- 
chung und Aufklärung (EURO HAWK)" empfahl der 
Bundesrechnungshof unter anderem, „im Rahmen der 
Behandlung der Vorlage zum Entwicklungsvertrag des 
Nachfolgesystems EURO HAWK auf eine möglichst bal- 
dige Aussonderung des nicht mehr effektiv einsetzbaren 
Vorgängersystems zu drängen. 

Des Weiteren sollte das BMVg aufgefordert werden, 
rechtzeitig vor Abruf der im Vertrag vorgesehenen Optio- 


152 Gatzer, Protokoll-Nr. 6, S. 99 f. 

153 MAT 17-3 BMF zu BB 17-81, II D 1 Band 2, S. 219 ff. 

154 MAT 17-3 BMF zu BB 17-81, II D 1 Band 2, S. 282 ff 

155 MAT 17-3 BMFzuBB 17-81, HD 1 Band 2, S. 285. 



Drucksache 17/14650 


-56- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


nen die Zustimmung des Haushaltsausschusses zu einer 
weiteren 25-Millionen-Euro-Vorlage einzuholen. Mit die- 
sen Vorlagen sollten gesicherte Schätzungen zu den Be- 
schaffungskosten vorgelegt werden. 

Am 3 1 . Januar 2007 wurde der EURO HAWK-Entwick- 
lungsvertrag in den Sitzungen des Verteidigungsaus- 
schusses des Deutschen Bundestages und des Haushalts- 
ausschusses des Deutschen Bundestages beraten und 
jeweils von allen Fraktionen, mit Ausnahme der Fraktion 
DIE LINKE., gebilligt. 157 


156 MAT 17-3 BMF zu BB 17-81, II D 1 Band 2, S. 286. 

157 MAT 17-1 BT-VA zu BB 17-92, Protokoll BT-VA vom 31. Januar 
2007, S. 210; MAT 17-2 BT-HA zu BB 17-93, Protokoll BT-HA 
vom 31. Januar 2007, Ordner 1, S. 136. 


Die Unterzeichnung des EURO HAWK-Entwicklungs- 
vertrags erfolgte am selben Tag durch den Vizepräsiden- 
ten des Bundesamtes für Wehrtechnik und Beschaffung 
(BWB) und den Geschäftsführer der Firma EuroHawk 
GmbH. 158 

VII. Unterrichtung der Öffentlichkeit 

Mit Pressemitteilung vom 31. Januar 2007 informierte 
das BMVg die Öffentlichkeit über das Entwicklungsvor- 
haben EURO HAWK. Inhalt war eine kurze Beschrei- 
bung des Projektes, dessen Zielsetzung und die Billigung 
des Vorhabens durch den Haushaltsausschuss des Deut- 
schen Bundestages in der Sitzung am selben Tag.i59 


158 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 27. 

159 mAT 17-54 BMVg zu BB 17-62, Ordner 1, S. 3 f. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-57- 


Drucksache 17/14650 


C. Verlauf des Entwicklungsprojektes EURO 

HAWK 2007 bis 2009 

In der Folgezeit - nach Vertrags Schluss - befasste sich die 
Wehrtechnische Dienststelle 61 /ML im Wesentlichen mit 
Fragen des Musterzulassungsprozesses. Nach dem Ent- 
wicklungsvertrag war die Industrie verpflichtet, ein Mus- 
terprüfprogramm als Grundlage für die Musterzulassung 
vorzulegen. 

I. Vorlage eines unvollständigen Muster- 
prüfprogramms durch die Industrie 

Bei einer Musterprüfung, die der Musterzulassung vor- 
ausgeht, sind festgelegte Bau- und Prüfvorschriften anzu- 
wenden. Diese werden in einem Musterprüfrahmenpro- 
gramm festgelegt, das vertraglich vereinbart wird. Auf 
dieser Grundlage erstellt der Auftragnehmer ein von der 
WTD 61 /ML zu genehmigendes detailliertes Musterprüf- 
programm, in dem die durchzuführenden theoretischen 
Nachweise sowie Boden- und Flugtests beschrieben wer- 
den. 

Zum vertraglich vereinbarten Liefertermin im Juni 2007 
lieferte die Industrie aus Sicht der WTD 61 /ML ein nur 
unvollständiges Musterprüfprogramm. Ein vom Leiter 
Musterprüfwesen für Luftfahrtgerät der Bundeswehr bei 
der WTD 61 genehmigtes Musterprüfprogramm lag bis 
Anfang 2013 nicht vor.i^i 

In ihrer Vernehmung hat die Zeugin Bauch dazu vor dem 
Untersuchungsausschuss erklärt: 

„Das Musterprüfprogramm sollte eigentlich Mitte 
2007 vorgelegt werden, und Mitte 2007 lag es 
nicht vor. Es liegt bis heute nicht vor. Das ist auch 
eine wesentliche Grundlage gewesen. Auch das 
hätte man stärker im Fokus haben müssen.^^^^ 

II. Vorlage der für die Musterprüfung erforder- 
lichen Nachweise durch die Industrie 

Im Rahmen einer Musterprüfung müssen die nachweis- 
führenden Unternehmen gemäß der ZDv 19/1 „alle für 
prüfpflichtige Luftfahrzeuge und Luftfahrtgerät erforder- 
lichen Nachweise '' erbringen und den uneingeschränkten 
Zugang zu den Musterunterlagen, wie z. B. Zeichnungen 
oder Bearbeitungs-, Fertigungs- und Prüfverfahren, er- 
möglichen. Grundlage hierfür war das im Jahr 2003 ge- 
schlossene und fortlaufend erweiterte Technical Assis- 
tance Agreement (TAA)N^ 

1. Überlassung qualitativ und quantitativ 
unzureichender Dokumente und 
Unterlagen 

Erste Qualifikationsdokumente für den Musterzulas- 
sungsprozess erhielt die WTD 61/ML von der Firma Nor- 
throp Grumman im Jahr 2008. Da die vorgelegten Doku- 


160 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 13. 

161 MAT 17-4 BRH zu BB 17-90, Ordner 1, S. 28. 

162 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 23. 

163 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 29. 


mente weder im Umfang noch in der Qualität den 
Anforderungen einer Musterprüfung genügten, wuchs der 
Koordinierungsaufwand zwischen der WTD 61 /ML und 
der Firma Northrop Grumman. 

Der Zeuge Selhausen hat dazu ausgeführt: 

„Nach Vertrags Schluss am 31. Januar 2007 hat 
die Firma EuroHawk GmbH, beginnend ab dem 
Jahr 2008, erste Qualifikationsdokumente für die 
Musterzulassung vorgelegt. Aufgrund des nicht 
ausreichenden Umfangs und der Qualität der vor- 
gelegten Dokumente wuchs der Koordinierungs- 
aufwand zwischen WTD 61 /ML und der Firma 
Northrop Grumman. Die WTD 61 /ML hat 
deshalb Maßnahmen eingeleitet, um die Zusam- 
menarbeit mit der Firma zu verbessern. Die da- 
rauffolgende Entsendung des Gesamtsystemmus- 
terprüfers für mehr als zwei Jahre zur Firma hat 
die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Zulas- 
sung intensiviert. Das Grundproblem der zögerli- 
chen Bereitstellung von DoWmenten und deren 
nicht ausreichende Qualität konnte damit jedoch 
nicht behoben werden.^^^^ 

Von Seiten der Firma Northrop Grumman wurden auch 
Einsichtnahmen in Dokumente mit besonderen Freigabe- 
beschränkungen (ITAR) trotz getroffener vertraglicher 
und außervertraglicher Vereinbarungen (TAA, MoU) 
nicht im erforderlichen Umfang gewährt. 

Dazu hat der Zeuge Steiger erklärt: 

„[...] aufgrund der ITAR-Regularien war [. . .] der 
Informationsfluss [...] nicht so, wie wir das aus 
anderen Projekten mit anderen beteiligten Indus- 
trien so gewohnt sind, wobei zumindest - das ist 
jetzt Hörensagen - von [...] dem Gesamtsystem- 
musterprüfer, dann nicht immer so unterschieden 
werden konnte, was denn nun wirklich ITAR ist 
oder was vielleicht aus anderen Gründen nicht so 
gerne weitergegeben werden sollte oder 

wollte.‘‘i66 

Über Probleme bei der Einsichtnahme in Dokumente hat 
auch der Zeuge Knöpfei berichtet: 

„Die Möglichkeiten zur Einsichtnahme waren 
uns anfangs sehr stark verwehrt. Wir konnten halt 
durch Hinübersendung eines entsprechenden Ge- 
samtmusterprüfers und auch eines Flugversuchs- 
ingenieurs dort viele Wege eröffnen, die uns zu- 
mindest so weit gebracht haben, dass wir die 
hinreichende Verkehrssicherheit des Full Scale 
Demonstrators erklären konnten.^^^'^ 

Nach seiner Aussage besserte sich die Situation aber im 
Laufe der Zeit: 


164 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 45. 

165 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 30. 

166 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 69 f. 

162 Knöpf el, Protokoll-Nr. 4, S. 4. 



Drucksache 17/14650 


-58- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


„Durch vielfältiges Nachfragen und Bohren und 
durch entsprechendes Hinübersenden von Exper- 
ten haben wir es erreicht, dass wir einen hinrei- 
chenden Grad von Einsichtnahme erreichen 
konnten, sodass wir eine Vorläufige Verkehrszu- 
lassung ausstellen konnten, bzw. nicht ich, son- 
dern der Leiter ML [...]. 

Ausweislich der Stellungnahme des Bundesministeriums 
der Verteidigung zum Prüfbericht des Bundesrechnungs- 
hofes war der durch ITAR eingeschränkte Zugang zu 
Nachweisunterlagen allerdings nicht die Hauptursache 
für die Zulassungsproblematik gewesen. „Diese sei im 
Kern darin begründet, dass Nachweisunterlagen auf US- 
amerikanischer Seite gar nicht existierten oder die vorlie- 
genden Nachweisunterlagen eine Qualität aufwiesen, die 
dem deutschen Prüfverfahren für die Musterzulassung 
nicht genügten. 

Diese Darstellung hat der Zeuge Selhausen in seiner Ver- 
nehmung bestätigt: 

„Die USA haben bereits zu einem sehr frühen 
Stadium ihres Global-Hawk-Programms ihr Luft- 
fahrzeug in den Einsatz gebracht. Erfahrungen 
aus diesen Einsätzen flössen umgehend in die 
Weiterentwicklung des Systems Global Hawk 
ein. Im Ergebnis gab es deshalb de facto keinen 
festgelegten und dokumentierten Bauzustand des 
US- Systems Global Hawk, der für eine darauf 
aufsetzende deutsche Musterzulassung unbe- 
dingt erforderlich ist.“^'^^ 

2. Auswirkungen auf den Musterzulassungs- 
prozess 

Die unzureichende Vorlage von relevanten Dokumenten 
stellte auch ein Risiko für das Erreichen einer deutschen 
Musterzulassung dar. 

So hielt der zuständige Projektleiter im BWB bezüglich 
der Musterzulassung des EURO HAWK im Herbst 2007 
im Statusbericht fest: 

„Gern. Vertrag ist eine Musterzulassung nach Ka- 
tegorie 3 gern. LTF 1550-001 angestrebt. Kurz- 
fristige Einschränkungen auf Kategorie 2 im Rah- 
men des Erprobungsbetriebes sind akzeptabel. 

Da zur Zeit der ML aber kaum relevante Unterla- 
gen zum Thema Musterzulassung des Euro Hawk 
seitens des US UAN [Unterauftragnehmer, Anm.] 
vorgelegt werden, ist, falls dieser Zustand so fort- 
besteht, nach Aussage ML maximal eine Muster- 
zulassung nach Kategorie 1 möglich. Dies ist aus 
Auftraggebersicht inakzeptabel. Seitens ML 
wurde nochmals mit Nachdruck auf diese Gefahr 
hingewiesen und die Industrie aufgefordert, ihren 
Dokumentenfreigabeprozess zu beschleunigen. 

Des Weiteren findet in der 42. Kw eine Bespre- 


Knöpfei, Protokoll-Nr. 4, S. 16. 

169 MAT 17-4 BRH zu BB 17-90, Ordner 1, S. 44. 
i^n Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 45. 


chung zwischen BWB, ML und US Air Force in 
Dayton statt, um die Transparenz bzgl. Datenein- 
sicht für ML eindeutig zu verbessern.“!'^! 

Im Jahr 2009 zeichnete sich ab, dass der GLOBAL 
HAWK in den USA nur eine eingeschränkte Zulassung 
erhalten würde. Ausweislich des Berichtes des Bundes- 
rechnungshofes gab der Auftragnehmer daraufhin im 
Frühjahr 2009 die Empfehlung ab, sich bei der Zulassung 
auf eine Vorläufige Verkehrszulassung zu beschränken, 
weil dieser den Aufwand für die ursprünglich vorgese- 
hene Zulassung als zu hoch einstufte. !'^2 

Die Zeugin Bauch hat dazu ausgeführt: 

„Da gibt es vielfältige Schwächen bei dem Pro- 
jektverlauf [...] Im Jahr 2009 zeichnete sich ab, 
dass man nicht auf der Zulassung des Global 
Hawk aufbauen könne, so wie es angedacht war. 

Der Global Hawk hat im Jahr 2009 nur eine ein- 
geschränkte Zulassung erhalten, und es ist auch 
in dem dritten Änderungs vertrag aus dem Jahr 
2009 festgehalten worden - - In der Anlage H, 
meine ich, steht drin, dass letztendlich das Ziel, 
diese militärische Verkehrszulassung des Global 
Hawks für die deutsche Verkehrszulassung ver- 
wenden zu können - - dass die sich nicht als trag- 
fähig erwiesen hätte und dass für die Musterzu- 
lassung natürlich nach ZDv 19/1 zusätzlicher 
Aufwand erforderlich wäre, der nicht mehr im 
Vertrag abgedeckt sei. Diese Erkenntnisse hatte 
man schon 2009. Und auch der Leiter der Muster- 
zulassung hat im Jahr 2009 eine Schätzung abge- 
geben, dass ein sehr hoher Aufwand für das 
Nachziehen von Dokumenten und Nachweisen 
erforderlich wäre, um diese Musterzulassung zu 
erreichen. Das heißt, da merkte man schon: Das 
Vertragsziel ist infrage gestellt. Also, da hätte 
man 2009 auf jeden Fall die Leitung informieren 
müssen und das Projekt neu bewerten müssen 
Das heißt, da merkte man schon: Das Vertragsziel 
ist infrage gestellt.“ !'^3 

III. Personalsituation bei der WTD 61/ ML und 
beim BWB 

Ab dem Jahr 2007 zeichnete sich ab, dass die WTD 61 /ML 
mit zu wenig Personal ausgestattet war. Mit einem an den 
Präsidenten des BWB gerichteten Schreiben vom 28. Juni 
2007 wies der Projektleiter im BWB auf eine unzurei- 
chende Personalausstattung bei dem Projekt EURO 
HAWK hin. Wörtlich hieß es im betreffenden Schreiben: 

„Bisher wurden von den 8 geforderten und gebil- 
ligten DP [Dienstposten, Anm.] lediglich 5 DP 
eingerichtet, von denen z. Zt. wiederum nur 
3 Dienstposten besetzt sind. Dies bedeutet, dass 
seit 2 Jahren de facto nur 25-35% des notwendi- 
gen Personals zur Verfügung stehen.“!'^^ 


171 MAT 17-42 BMVg zu BB 17-43, Ordner 1, S. 251. 

172 MAT 17-4 BRH zu BB 17-90, Ordner 1, S. 17. 

173 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 3 f. 

174 MAT 17-4 BRH zu BB 17-91, Ordner 4, S. 307. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-59- 


Drucksache 17/14650 


In ihrer Vernehmung hat die Zeugin Bauch zum Thema 
Personalausstattung erklärt: 

„Personalprobleme waren von Anfang an ein 
Thema in den Projektstatusberichten. [...] Es 
sollten wohl acht Mitarbeiter für dieses Projekt 
vorgesehen werden, und der Projektleiter hat in 
seinen Statusberichten regelmäßig darauf hinge- 
wiesen, dass die Personalausstattung unzurei- 
chend ist und dass damit eine sachgerechte Be- 
gleitung dieses Projektes nicht möglich ist. Das 
hat er mehrfach in seinen Projektstatusberichten 
geäußert. 

Nach Darstellung des Zeugen Wolfgang Steiger hätten die 
Mitarbeiter der Güteprüfstelle Manching 2009 bei der Li- 
zenzierung des EURO HAWK nicht über die erforderli- 
che Prüflizenz verfügt und stattdessen auf das Wissen der 
amerikanischen Mitarbeiter zugegriffen. 

Der damalige Vorsitzende des Personalrates Oswald 
Böhm hat in seiner Vernehmung erklärt, die personellen 
Kapazitätsprobleme hätten dazu geführt, dass bei der 
„Erstellung eines Prüfungsberichtes mit Risikobewertung 
und gegebenenfalls Empfehlungen zur Verkehrszulassung 
für den Leiter ML [...] offensichtlich Mitarbeiter, die ei- 
nem anderen Bereich zugeordnet waren'\ zum Einsatz 
kamen. 

Er hat weiter ausgesagt: 

„Die geplante Vorgehensweise - Erstellung eines 
Prüfberichtes mit Risikobewertung und gegebe- 
nenfalls Empfehlungen zur Verkehrszulassung 
für den Leiter ML - ist jedoch aus rechtlicher 
Sicht im Interesse der eingesetzten Mitarbeiter zu 
klären. Das war der Punkt: [...] Hier wurde jetzt 
auf Leute zurückgegriffen, die eigentlich erst 
dann kommen, wenn das Gerät eine Musterzulas- 
sung hat, und deren Aufgabe ist dann, zu prüfen, 
ob das, was dann ausgeliefert wird, was dann 
fliegt, auch wirklich mit dem übereinstimmt, was 
der Musterzulassung entspricht; das war der 
Punkt. Wir haben da Bedenken gehabt, [...] dass 
diese Mitarbeiter nur eine bedingte Eignung für 
die Aufgabenwahmehmung haben.“!'^'^ 

Mit Schreiben vom 5. Oktober 2009 wies der Vorsitzende 
des Gesamtpersonalrates beim Bundesamt für Wehrtech- 
nik und Beschaffung (BWB) den Präsidenten des BWB 
Harald Stein auf die Problematik hin und regte eine Prü- 
füng zu der Frage an, ob der Einsatz von Mitarbeitern, 
„ die über keine oder kaum Erfahrung bei der Musterzu- 
lassung von Fluggerät verfügen rechtlich zulässig ist.^'^^ 

In der Folgezeit nahm sich auch der Hauptpersonalrat 
beim Bundesministerium der Verteidigung der Problema- 
tik einer unzureichenden Personalausstattung an und bat 
die Leitung um Mitteilung, ob sich luftfahrzeugtechni- 


175 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 14. 

176 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 96. 

177 Böhm, Protokoll-Nr. 4, S. 108. 

178 MAT 17-51 BMVg zu BB 17-40, Ordner 1, S. 64. 


sehe Prüfer im Falle einer nach der ZDv 19/1 möglichen 
Übernahme fremder Prüfergebnisse im Falle eines Luft- 
fahrtunfalls der Gefahr einer strafrechtlichen Verfolgung 
oder der Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen 
durch Dritte aussetzen könnten. 

Staatssekretär im BMVg Stephane Beemelmans teilte 
dem Vorsitzenden des Hauptpersonalrates beim BMVg 
daraufhin mit Schreiben vom 30. Juni 2011 mit, dass sich 
nach Überzeugung der Bundesregierung 

„[...] das Personal der Bundeswehr und die für die 
Entscheidung der Anerkennung externer Prüf- 
dienste zuständige Stelle durch die Anwendung 
und Beachtung der ZDv 19/1 ,Das Prüf- und Zu- 
lassungswesen für Luftfahrzeuge und Luftfahrt- 
gerät der Bundeswehr^ nicht der Gefahr einer 
Haftung und/oder einer strafrechtlichen Verant- 
wortung aussetzen.“ 

Die angespannte Personalsituation hatte aber keinen nen- 
nenswerten Einfluss auf den Zeitablauf im Musterzulas- 
sungsprozess. 

Der Zeuge Steiger hat auf die Frage, ob der Musterzulas- 
sungsprozess bei einer anderen Personalsituation anders 
verlaufen wäre, geantwortet: 

„Das ist sicherlich so nicht der Fall. Hätten wir 
mehr Personal zur Verfügung gehabt und die 
Möglichkeit gehabt, nicht nur einen, sondern 
vielleicht zwei Musterprüfer nach USA zu schi- 
cken, die sich die Arbeit dort hätten teilen kön- 
nen, anders organisieren können.“!^^ 

Auch der Zeuge Storz hat zur Personalsituation festge- 
stellt: 

„Auf die Abwicklung des Euro Hawks hatte das 
keine Auswirkungen. Der eine Mann war ja stän- 
dig in den USA - das war ein älterer Baudirek- 
tor-, und der wurde jeweils unterstützt für die 
einzelnen Komponenten, indem ich ihm da einen 
Mann für eine Woche oder zwei Wochen in die 
USA entsandt habe.“i^i 

IV. Vertragliche Änderungen/Anpassungen 
1. Allgemeines 

Nach Vertragsschluss Anfang 2007 wurden mehrfach ver- 
tragliche Änderungen des Entwicklungsvertrages vorge- 
nommen. Bis Juni 2009 wurden insgesamt drei Ände- 
rungsverträge geschlossen. Grund für den Abschluss der 
Änderungsverträge waren Leistungsänderungen und/ 
oder Laufzeitverlängerungen. Dabei mussten alle Ver- 
träge, die Kostenverpflichtungen von mehr als 25 Millio- 
nen Euro nach sich ziehen, vom Haushaltsausschuss des 
Deutschen Bundestages genehmigt werden. Dieses Erfor- 


179 MAT 17-51 A BMVg zu BB 17-40, Schriftverkehr StS Beemelmans 
Jun 11 - Sept 11, S. 1. 

180 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 94. 

181 Storz, Protokoll-Nr. 4, S. 105. 



Drucksache 17/14650 


-60- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


dernis erfasste nicht nur Grundverträge, sondern auch die 
Änderungs Verträge . ^ 

2. Erster Änderungsvertrag vom 
17. Dezember 2008 

Der erste Änderungsvertrag mit der EuroHawk GmbH, 
welcher am 17. Dezember 2008 unterzeichnet und kos- 
tenneutral gehalten wurde, diente einer Korrektur der 
Vorkostenanerkennung. Dabei wurden die Vorkosten in 
Bezug auf die Anfang 2008 nicht ausgeübte Option ver- 
traglich präzisiert. ^uf Grund der Unterschreitung 
einer Summe von 25 Millionen Euro musste dieser Ände- 
rungsvertrag nicht dem Haushaltsausschuss des Deut- 
schen Bundestages vorgelegt werden. 

3. Zweiter Änderungsvertrag vom 26. März 
2009 

Der zweite Änderungs vertrag vom 26. März 2009 enthielt 
eine Kostensteigerung in Höhe von 0,35 Millionen Euro 
auf Grund der zusätzlich notwendigen Arbeiten zur Obso- 
leszenzbeseitigung. 

Zu den vertraglichen Inhalten gehörten unter anderem: 

- die Verlängerung der Ausübungsfrist für die verein- 
barten Optionen bis zum 30. Juni 2009, 

- die Aktualisierung der technischen Spezifikation für 
das Antennensystem des SIGINT-Missionssystems, 
welche bauliche Änderungen der US Air Force an der 
GLOBAL HAWK-Plattform erforderten. 1^6 

Auch dieser Änderungsvertrag unterlag nicht dem Erfor- 
dernis einer 25-Millionen-Euro-Vorlage. 

4. Dritter Änderungsvertrag vom 
26. Juni 2009 

a) Allgemeines 

Am 26. Juni 2009 wurde der dritte Änderungsvertrag ge- 
schlossen. Dieser enthielt neben einer Laufzeitverlänge- 
rung von sechs Monaten auch Kostensteigerungen. So 
sah er einen zusätzlichen Betrag in Höhe von 24,5 Millio- 
nen Euro im Rahmen des Basisvertrages und weitere 
24,73 Millionen Euro im Bereich der Option vor.^^^ 

Ausweislich der diesbezüglichen Vorlage des Bundes- 
ministeriums der Finanzen an den Haushaltsausschuss 
des Deutschen Bundestages vom 29. Mai 2009 betrug der 
Kostenaufwuchs durch den dritten Änderungsvertrag ins- 
gesamt 49,23 Millionen Euro.i^^ 


182 mAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, Ordner 4, S. 67. 

183 MAT 17-78 A BMVg zu BB 17-17, AIN V 5, Ordner 109, S. 37. 

184 MAT 17-73 BMVg zu BB 17-48, Akte 7, ParlStS 
Schmidt S. 24. 

185 MAT 17-78 A BMVg zu BB 17-17, AIN V 5, Ordner 109, S. 37. 

186 MAT 17-73 BMVg zu BB 17-48, Akte 7, ParlStS 
Schmidt S. 24. 

187 MAT 17-78 A BMVg zu BB 17-17, AIN V 5, Ordner 109, S. 37. 

188 MAT 17-50 BMVg zu BB 17-31, Ordner 2, S. 22. 

189 MAT 17-2 BT-HA zu BB 17-93, Ordner 1, S. 241. 


Der Vertrag wurde am 17. Juni 2009 in Beratungen des 
Verteidigungsausschusses und im Haushaltsausschuss des 
Deutschen Bundestages von allen Fraktionen, mit Aus- 
nahme der Fraktion DIE LINKE., gebilligt. Mit dieser 
Vorlage wurde auch „die Ausübung von zwei Optionen 
des Entwicklungsvertrages zur Integration des entwickel- 
ten Missionssystems in die Trägerplattform mit dem 
Auftragswert von insgesamt ca. 60 Millionen Euro gebil- 
ligt. Die Vorlage enthielt zusätzlich den „Vertrag über 
logistische Unterstützungsleistungen des Auftragnehmers 
für den Anfangsflugbetrieb des Full Scale Demonstra- 
tors“, welchem beide Ausschüsse zustimmten, 

b) Inhaltliche Regelungen 

Durch diesen Änderungsvertrag wurden die steigenden 
Kosten bei der Erprobung des EURO HAWK abgedeckt, 
welche auf Grund einer flugsicherheitsrelevanten Bauzu- 
standsänderung des GLOBAL HAWK erforderlich wur- 
den. Zudem entstanden auch weitere Kosten für den 
Auftragnehmer, weil Beistellleistungen durch den Auf- 
traggeber nicht rechtzeitig erbracht wurden. Die Ur- 
sache hierfür waren Verzögerungen „bei der FMS- 
Vertragsbearbeitung seitens der US-amerikanischen Ad- 
ministration im Jahr 200U\ so dass die Leistungsanteile 
der Firma EuroHawk GmbH nicht rechtzeitig zur Verfü- 
gung gestellt werden konnten. 

Die Zeugin Bauch hat das in ihrer Vernehmung ausge- 
fährt: 

„In dem dritten Änderungsvertrag [...] wurden 
auch zusätzliche Musterzulassungsaktivitäten mit 
beauftragt, die erforderlich wurden, weil man ge- 
sehen hat: Der Umfang, den wir bislang angesetzt 
haben, reicht nicht aus. [. . 

Sie hat weiter dazu ergänzt: 

„In einer Anlage zum dritten Änderungsvertrag 
stand [...] drin, dass man die Erkenntnis hatte, 
auf den amerikanischen Musterzulassungsprozess 
nicht aufbauen zu können, und dass der Euro 
Hawk eine umfassendere Zulassung braucht, die 
von der amerikanischen Zulassung nicht abge- 
deckt wird, und dass das einen zusätzlichen Auf- 
wand erfordern würde. [. . 

So wurde in der Anlage 1 Anhang H zum Vertrag er- 
wähnt, dass entgegen der ursprünglichen Planung die mi- 
litärische Zulassung des GLOBAL HAWK der US Air 
Force nicht als Grundlage für die deutsche Verkehrszulas- 
sung herangezogen werden konnte. Aus der Anlage ging 
ebenso hervor, dass für dieses Vorgehen eine umfängliche 
Musterzulassung nach ZDv 19/1 notwendig ist.^^'^ 


190 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3, Bericht der Ad-hoc-Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 27. 

191 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3, Bericht der Ad-hoc-Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 27. 

192 MAT 17-73 BMVg zu BB 17-48, Akte 7, ParlStS 
Schmidt vorgänge, S. 15. 

193 MAT 17-50 BMVg zu BB 17-31, Ordner 2, S. 53. 

194 MAT 17-50 BMVg zu BB 17-31, Ordner 2, S. 53. 

195 Bauch, Protokoll-Nr. 5 S. 24. 

196 Bauch, Protokoll-Nr. 5 S. 24. 

197 MAT 17-4 BRH zu BB 17-90, Ordner 1, S. 26. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 61 - 


Drucksache 17/14650 


Der dritte Änderungsvertrag enthielt zudem die Auslö- 
sung von Optionen. Hierzu gehörten beispielsweise die 
Integration des Missionssystems in die Trägerplattform, 
die Beauftragung von Langläuferbauteilen für die Er- 
satzteilversorgung für den Erprobungsflug ebenso wie die 
Durchführung der wesentlichen Arbeiten für die Zulas- 
sung nach der ZDv 19/1.1^^ 

c) Projektrisiken 

Zur Bewertung etwaiger Projektrisiken zum Zeitpunkt 
des dritten Änderungsvertrages hat der Zeuge Staats- 
sekretär Rüdiger Wolf dargelegt: 

„[...] Dieser dritte Änderungsvertrag zu dem Vor- 
haben wurde durch das gesamte Haus [...], durch 
alle relevanten Abteilungen, durch den General- 
inspekteur [mitgezeichnet, Anm.]. [. . .] Und wenn 
ich mich nicht irre, war auch der Rechnungshof 
beteiligt bei dieser Vorlage bzw. wurde beteiligt 
durch den Haushaltsausschuss. Niemand hat zu 
diesem Zeitpunkt ein Risiko als nicht beherrsch- 
bar oder das Vorhaben als revisionsträchtig ange- 
sehen oder beurteilt, auch der Bundesrechnungs- 
hof damals nicht. 

Im Laufe der Vernehmung hat er außerdem erklärt: 

„[...] Wenn ich mich an die Vorgänge um den 
dritten Änderungsvertrag und die damit verbun- 
dene 2 5 -Millionen- Vorlage an den Haushaltsaus- 
schuss richtig erinnere, ist diese 25-Millionen- 
Vorlage sehr intensiv diskutiert worden; auch die 
Gründe für die Verzögemng sind sogar in der 25 -Mil- 
lionen- Vorlage, wenn ich das richtig im Kopf 
habe, zitiert. Sie waren dem Bundesrechnungshof 
mit anderen Worten zugänglich. Sie waren über- 
haupt jedem, der sich mit der 25 -Millionen- Vor- 
lage beschäftigt hat, zugänglich. Sie haben, wie 
ich schon sagte, weder im Hause selber - denn 
wir haben die Vorlage erstellt - noch außerhalb 
des Hauses zu irgendwelchen Nachfragen Anlass 
gegeben. Also, wenn mir jemand jetzt im Nachhi- 
nein sagt: ,Das hätte dich spätestens zu einer Re- 
vision veranlassen müssen^, dann frage ich mich: 
Warum hat man mir diese Information oder die- 
sen Hinweis oder diese Anregung nicht schon an- 
lässlich der Beratung gegeben?“20i 

V. Abbruch des Gemeinsamen Auswerte- 
systems der technischen und 
elektronischen Aufklärung (GAST) 

Im Mai 2008 brach die Bundeswehr das Projekt Gemein- 
sames Auswertesystem der technischen und elektroni- 
schen Aufklärung (GAST) ab. 


Langläuferbauteile sind Bestandteile eines Produktes, deren Liefer- 
bzw. Wiederbeschaffungszeit so lang ist, dass es die Herstellungs- 
dauer des Produktes in erheblichem Maße bestimmt. 

199 mAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, AIN V 5, Ordner 1, S. 511. 

200 Wolf, Protokoll-Nr. 7, S. 108. 

201 Wolf Protokoll-Nr. 7, S. 117. 


Ursprünglich war geplant, die durch das SLWÜA gewon- 
nenen Aufklärungserkenntnisse separat auch dem System 
„Gemeinsames Auswertesystem der technischen und 
elektronischen Aufklärung“ zuzuführen. 202 in einem wei- 
teren Schritt sollten diese Daten dann dem Verbund Nach- 
richtengewinnung und Aufklärung zugeleitet werden.203 
Die Gesamtanlage SIGINT sollte in GAST generiert wer- 

den.204 

Der Zeuge General Wieker hat dieses System beschrieben 
als eine „Sortiermaschine für die empfangenen Daten, 
um sie in die richtigen Analysebereiche zu übersen- 
den “.205 

Als die ARGE GAST am 16. April 2008 die Erfüllung 
des Entwicklungs- und Beschaffungsvertrages verwei- 
gerte, machte das IT- Amt der Bundeswehr am 6. Mai 
2008 vom vereinbarten Rücktrittsrecht Gebrauch .206 Ein 
alternatives System wurde nicht beschafft .202 

VI. Joint Mission Flanning Station (JMPS) 

Die Joint Mission Planning Station (JMPS) stellt eine 
Missionsplanungsstation dar und kommt sowohl in be- 
mannten als auch unbemannten Waffensystemen der US- 
Armee zum Einsatz. Die US Air Force (USAF) setzt sie 
auch in der Missionsplanung des GLOBAL HAWK 

ein.208 

a) Die Aufnahme in den Entwicklungsvertrag 

Nach Empfehlung der US Air Force erfolgte eine Auf- 
nahme des Planungs Systems auch in den Entwicklungs- 
vertrag für das deutsche EURO HAWK-Projekt .209 Dabei 
hatte die US-amerikanische Seite zugesagt, das JMPS in 
der Version 1.3.2. als Basis für die EURO HAWK-Mis- 
sionsplanung zur Verfügung zu stellen .210 

b) Die neue Version 1.3.3. 

Die USAF konnte allerdings nicht lange an dieser Zusage 
festhalten, da die betreffende Version als „Verschlusssa- 
che“2ii eingestuft und damit nicht exportfähig war .212 

Der Zeuge Knöpfei hat dazu erklärt, dass man anderen- 
falls „J/e gesamte Nuklearplanung der US Air Force 
[hätte, Anm.] einsehen können“^^^. 

Ende 2007 setzte die US-amerikanische Seite die Firma 
Northrop Grumman als Empfängerin hiervon in Kenntnis 


202 mAT 17-78 BMVg zu BB 17-52, AIN V 5, Ordner 12, S. 265. 

203 mAT 17-4 BRH zu BB 17-90, Ordner 1, S. 38. 

204 mAT 17-78 BMVg zu BB 17-52, AIN V 5, Ordner 12, S. 265. 

205 Wieker, Protokoll-Nr. 7, S. 176. 

206 mAT 17-78 BMVg zu BB 17-52, AIN V 5, Ordner 12, S. 266. 

207 mAT 17-4 BRH zu BB 17-90, Ordner 1, S. 38. 

208 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc -Arbeitsgruppe 
EUROHAWK, S. 51. 

209 mAT 17-50 BMVg zu BB 17-31, Ordner 2, S. 21. 

210 MAT 17-89 BMVg zu BB 17-54, Ordner 5 HC I 4, S. 150. 

211 MAT 17-89 BMVg zu BB 17-54, Ordner 5 HC I 4, S. 150. 

212 MAT 17-50 BMVg zu BB 17-31, Ordner 2, S. 21. 

213 Knöpfet, Protokoll-Nr. 4, S. 46. 



Drucksache 17/14650 


-62- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


und bot als Ersatz eine veränderte, für den Export geeig- 
nete und noch zu entwickelnde Version 1.3.3. an.^i^ 

Die Beschaffung einer neuen Version zog eine technische 
Angleichung am ISIS- System nach sich und führte zu ei- 
nem finanziellen Mehraufwand, der im 3. und 4. Ände- 
rungsvertrag seinen Niederschlag fand.^i^ Für die verän- 
derte Version fielen zusätzliche Kosten in Höhe von 
6,3 Millionen Euro an.^i^ 

c) Der Rückgriff auf das Air Force Mission 
Support System 

Im weiteren Projektverlauf zeichnete sich ab, dass die 
US Air Force bei der Missionsplanung von GLOBAL 
HAWK mit JMPS mit erheblichen Problemen zu kämp- 
fen hatte.21'^ Um weitere Verzögerungen im Programm- 
verlauf zu verhindern, empfahl die EuroHawk GmbH, das 
Missionsplanungssystem aufzugeben^i^ und für die 
Durchführung der Erprobungsflüge auf das veraltete US 
Air Force System Air Force Mission Support System 

(AFMSS) zurückzugreifen.219 

Da diese Vorgehensweise beim Vertragsschluss 2007 
nicht vorgesehen war, beliefen sich die zusätzlichen Leis- 
tungen im Zusammenhang mit der Entwicklung der 
Schnittstelle zur JMPS-Version 1.3.3. und deren Zulas- 


214 MAT 17-2 BT-HA zu BB 17-96, Ordner 1, S. 249. 

215 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc-Arbeitsgruppe 
EUROHAWK, S. 51. 

216 MAT 17-4 BRH zu BB 17-90, Ordner 1, S. 38. 

212 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc-Arbeitsgruppe 
EUROHAWK, S. 51. 

218 MAT 17-4 BRH zu BB 17-90, Ordner 1, S. 27. 

219 MAT 17-78 BMVg zu BB 17-52, AIN V 5, Ordner 12, S. 260. 


sung sowie den Zusatzleistungen zur Adaption des 
AFMSS auf weitere 4,1 Millionen Euro.^^^ Dieses Vorge- 
hen wurde als „ alternativlos eingestuft. 

Nach Aussage des Zeugen Wieker war das System aber 
von Seiten der USA „nicht exportfähig. Des Weiteren 
darf dessen Nutzung nur durch US-amerikanische Mitar- 
beiter mit spezieller Zugangsberechtigung erfolgen.223 
Vor dem Untersuchungsausschuss hat General Wieker da- 
rauf hingewiesen, dass 

„[...] unsere Erwartungen, dass auch ein solches 
Missionsplanungs System zeitgerecht geliefert 
werden kann mit dem Full Scale Demonstrator, 
hat sich nicht erfüllt. Jetzt arbeitet man daran. Die 
früheste Perspektive liegt jenseits des Jahres 
2017, 2018.‘‘224 

Bundesminister der Verteidigung Dr de Maiziere hat in 
seiner Vernehmung dazu erklärt: 

„Jede Missionsplanung, auch zu Test- und Erpro- 
bungsflügen, hätte von den USA aus durchge- 
führt werden müssen. Eine Exportversion des 
US-amerikanischen Missionsplanungssystems 
war aber erst für die Zeit nach 2017 in Aussicht 
gestellt - in Aussicht gestellt! Mehr auch 

nicht.“225 


220 mAT 17-89 BMVg zu BB 17-84, Ordner 5, HC I 4, S. 150. 

221 MAT 17-78 BMVg zu BB 17-52, AIN V 5, Ordner 12, S. 260. 

222 Wieker Protokoll-Nr. 7, S. 155. 

223 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc-Arbeitsgruppe 
EUROHAWK, S. 51. 

224 Wieker Protokoll-Nr. 7, S. 155. 

225 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 8. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-63- 


Drucksache 17/14650 


D. Verlauf des Entwicklungsprojektes EURO 
HAWK Ende 2009 bis Anfang 2013 

I. Allgemeiner Verlauf 

1. Roll-Out des Full Scale Demonstrators 

Am 8. Oktober 2009 wurde der EURO HAWK Full Scale 
Demonstrator im Rahmen des sogenannten Roll-Out auf 
dem Werkflugplatz der Firma Northrop Grumman in 
Palmdale, Kalifornien (USA), erstmals einer breiten Öf- 
fentlichkeit vorgestellt.226 

Danach erfolgte eine Prototypenprüflmg, die am 24. Juni 
2010 mit dem formellen Nachweis der Verkehrssicherheit 
durch den Leiter der Güteprüfstelle (GPS) der Bundes- 
wehr Manching abgeschlossen wurde. Zudem wurde 
am folgenden Tag die erste Vorläufige Verkehrszulassung 
(WZ) erteilt .228 dieser Grundlage erfolgte am 

29. Juni 2010 der Erstflug des Full Scale Demonstrators 
über ca. zwei Stunden vom Gelände der Firma Northrop 
Grumman zur Edwards Air Force Base, USA.229 

Im Folgenden wurde der Testbetrieb in den USA aufge- 
nommen. Es wurden weitere neun Testflüge bis Dezem- 
ber 2010 durchgeführt, die die geforderten Flugleistungen 
sowie die elektromagnetische Verträglichkeit nachwie- 
sen.230 Mitte Juli 2011 wurde die für den Überführungs- 
flug nach Deutschland erforderliche ergänzende Prototy- 
penprüfung abgeschlossen und eine weitere WZ 

erteilt. 231 

2. Überführungsflug des Full Scale 
Demonstrators am 20. und 21. Juli 2011 

Der Full Scale Demonstrator wurde vom 20. auf den 
21. Juli 2011 aus den USA nach Deutschland zum Flug- 
platz Manching überfährt. Der Überführungsflug führte 
den Full Scale Demonstrator zunächst von der Edwards 
Air Force Base in Kalifornien zur Westküste der USA, 
von dort aus nach Norden und anschließend durch den ka- 
nadischen Luftraum nach Europa.232 Auf die Frage, 
warum der Flug nicht durch den US-amerikanischen 
Luftraum erfolgte, vermutete der Zeuge Leitender Tech- 
nischer Regierungsdirektor (LTRDir) Rüdiger Knöpfei, 
dass es „Probleme zwischen der Luftwaffe und der FAA “ 
gegeben habe, die aber „intern zu klären‘‘ gewesen 
seien.233 Er hat dies auf Nachfrage folgendermaßen präzi- 
siert: 


226 MAT 17-42 BMVg zu BB 17-43, Ordner 2, S. 131. 

227 MAT 17-18 BMVg zu BB 17-18, S. 1. 

228 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 32. 

229 mAT 17-42 BMVg zu BB 17-43, Ordner 2, S. 207; MAT 17-8 
BMVg zu BB 17-3, Ordner 1, Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 51 f. 

230 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 52. 

231 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 32 f. 

232 mAT 17-79 C BMVg zu BB 17-59, WTD 61, GF 230 Mayer, Ord- 
ner 43, S. 149 ff. 

233 Knöpfel, Protokoll-Nr. 4, S. 24. 


„Es geht nicht um Animositäten zwischen der 
FAA und der Luftwaffe oder unserer deutschen 
Zulassungsbehörde, sondern es geht um Differen- 
zen zwischen der US Air Force und der FAA. Das 
liegt einfach daran, dass im Gegensatz zu uns, die 
wir eine rein zivile Luftraumordnung haben, an 
der wir als Militärs teilnehmen dürfen - zumin- 
dest in Friedenszeiten; im Spannungsfall würde 
das genau andersrum sein. Aber da sagen die Zi- 
vilisten, die Deutsche Flugsicherung, wo es lang- 
geht. In den USA ist das anders. Dort gibt es ent- 
sprechende Übereinkommen. Aber die US Air 
Force hat ihre eigene Hoheit. Und da steht die in 
ständiger Konkurrenz zur FAA. 

Die US Air Force hat ihre eigene Zulassung, kann 
entsprechend ihren eigenen Vorgaben den ihr zu- 
gewiesenen Luftraum nutzen. Bei uns handelt es 
sich um eine ausländische Zulassung, nämlich 
eine deutsche Vorläufige Verkehrszulassung. Und 
somit waren wir den Regularien der FAA unter- 
worfen, nicht der US Air Force. Und bis zum 
Zeitpunkt der Flugplanung - das war bis zum 
Freitag; am Montag sollte die Überführung statt- 
fmden - war der FAA die gesamte Flugplanung 
bekannt, bis 12.30 Uhr. Und um 16.30 Uhr wurde 
uns mitgeteilt, dass sie das so nicht akzeptieren 
könne. 

Die Gründe hierfür sind mir nicht in allen Details 
bekannt. Es gab in dieser Hinsicht Aussagen: , Ja, 
da haben die sich ein bisschen gekabbelt.‘ Jeden- 
falls haben wir es innerhalb eines Wochenendes 
geschafft, die Flugplanung umzuändern, und hat- 
ten die Bereitschaft auch der Kanadier, ihr ge- 
samtes Staatsgebiet zu nutzen. Und deswegen ha- 
ben wir als sogenanntes Zivilluftfahrzeug im 
Sinne der FAA diesen Weg - den etwas längeren 
Weg - genutzt, aber konnten damit erfolgreich 
das Luftfahrzeug überführen. “^34 

Während des Überführungsfluges kam es zu zwei Proble- 
men. Der Zeuge LTRDir Rüdiger Knöpfel hat diese Pro- 
bleme wie folgt beschrieben: 

„Das waren die beiden Probleme, die aber per se 
gar nicht meldepflichtig sind. Das heißt, sie ha- 
ben keine Zwischenfallqualität. Es lag daran, dass 
uns ein Schlüssel der US-Amerikaner falsch 
übermittelt wurde, sodass wir auf der Primärfre- 
quenz nach Übernahme der Flugführung durch 
die deutsche Bodenstation die Primärfrequenz 
nicht nutzen konnten. Aber wir haben Redundan- 
zen dort eingebaut, und so konnten wir dann auf 
einem Ausweichsystem das System hier nach 
Deutschland überführen. 

Bei der Überführung dann nach Deutschland, im 
deutschen Luftraum, kam es kurzzeitig zu einem 
Verlust dieser Datenverbindung. Dafür ist das 


234 Knöpfel, Protokoll-Nr. 4, S. 29 f. 



Drucksache 17/14650 


-64- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


System auch vorgesehen; dann macht es einfach 
das, wofür es programmiert wurde, und genau das 
hat es gemacht. 

Aus Gründen der schnellen Abwicklung wurde 
damals ein vorzeitiger Abstieg durch die Flugver- 
kehrs Sicherung erforderlich gemacht. Das heißt, 
das System sank, und dort trat kurzzeitig diese 
Funkstörung auf. Und da hat das System gesagt: 
,Was mache ich, wenn ich an diesem Punkt bin? 
Dann muss ich eigentlich auf eine größere Höhe 
steigen^, und das auch gemacht, genau so, wie es 
vorgesehen und programmiert war. 

Das waren keine technischen Aussetzer, sondern 
das System hat so funktioniert, wie es program- 
miert war und vorgesehen war.“235 

3. Integration ISIS und Erprobungsflüge 

a) Integration des Missionssystems 

Mit der Ankunft des Full Scale Demonstrators in Man- 
ching begann der Einbau der Komponenten des Missions- 
systems ISIS in die Trägerplattform. Nachdem verschie- 
dene Funktionstests von Einzelkomponenten erfolgreich 
durchgeführt worden waren, wurde der Full Scale De- 
monstrator im Rahmen eines „SIGINT Roll-Out Events“ 
am 12. Oktober 2011 erstmals der Presse und der Öffent- 
lichkeit vorgestellt.23^ Die Integration von ISIS in das 
Luftfahrzeug konnte Ende 2011 abgeschlossen werden, 
so dass anschließend mit Bodentests des Gesamtsystems 
einschließlich der ISIS-Bodenstation begonnen werden 
konnte. 

Am 4. Dezember 2012 wurde auf der Grundlage einer be- 
fristeten Ausnahmegenehmigung zur ZDv 19/1 eine er- 
neute WZ mit Auflagen erteilt.^^'^ 

b) Aufnahme der Erprobungsflüge 

Auf dieser Grundlage wurde am 11. Januar 2013 der erste 
Erprobungsflug des Full Scale Demonstrators durchge- 
führt. Aufgrund der Witterungsverhältnisse folgten zwei 
weitere Flüge erst im April 2013.^38 Weitere Erprobungs- 
flüge sollen bis zum 30. September 2013 durchgeführt 

werden.239 

Ursprünglich hätte die Gesamtzahl der vorgesehenen 
Flüge auch der Vorbereitung der nachfolgenden Anfangs- 
flugbefähigung wie z. B. Kalibrierungsflügen gedient. Da 
diese Anforderung aufgrund des Absehens von der Seri- 
enbeschaffung der getroffenen Entscheidung nicht mehr 
zu vollziehen sei, seien auch die entsprechenden Flüge 
entfallen. Herausgegriffen worden sei nur noch der Teil 


235 Knöpfel Protokoll-Nr. 4, S. 18. 

236 MAT 17-80 BMVg zu BB 17-44, AIN V 5, Sämtliche Vorlagen, 
Ordner 1, S. 49. 

237 MAT 17-69 BMVg zu BB 17-32, Büro des Ministers, Ordner 1, 
S. 100. 

238 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 50 f. 

239 Knöpfel Protokoll-Nr. 4, S. 37. 


„technische Spezifikation des ISIS-Systems'' Nach 
Aussage des Abteilungsleiters AIN im BMVg, Ministeri- 
aldirektor (MD) Detlef Selhausen, reichten die Flüge bis 
Ende September 2013 aus, ein qualifiziertes Ziel zu errei- 
chen.241 

Die Verantwortung für die Erprobungsflüge liegt aus- 
schließlich bei der Industrie, wobei die Bundeswehr die 
Durchführung u. a. mit Fachpersonal unterstützt.242 So 
bestätigte der Zeuge MD Detlef Selhausen, dass Mitarbei- 
ter des Rüstungsbereichs genauso wie Mitarbeiter der 
Streitkräfte bei der Erprobung vertreten seien.243 Die 
Testflüge erfolgten in der Einsatzhöhe, d. h. bis zu 60 000 
Fuß, und fänden nur über deutschem Hoheitsgebiet statt, 
weil nur dort die WZ gelte.244 Wie die Erprobungsflüge 
im Einzelnen verlaufen, hat der Zeuge LTRDir Rüdiger 
Knöpfei beschrieben: 

„Das Schema der Erprobungsflüge ist relativ 
übersichtlich. Wir starten in Manching und lan- 
den dort wieder. Das ist das Ziel. Wir haben [...] 
eine entsprechende luftverkehrsrechtliche Vor- 
sorge getroffen, indem wir dort einen Luftraum 
gesperrt haben, der insbesondere den Luftraum 
Echo angeht - dort, wo jeder andere auch fliegen 
kann -, um einfach die anderen Luftfahrzeugteil- 
nehmer zu schützen bzw. uns vor Kollisionen zu 
schützen. Innerhalb dieses gesperrten Luftraums 
für die Start- und Landephase schraubt sich im 
übertragenen Sinn der Full Scale Demonstrator 
auf die Höhe, wo die anderen Luftverkehrsteil- 
nehmer sich nicht mehr befinden und dort man- 
gels Masse unbefleckt fliegen kann. Wir fliegen, 
je nachdem, was wir dort testen wollen. [...] 
Dann landen wir wieder in Manching, indem wir 
wieder den gesperrten Luftraum aktivieren und 
uns dort zur Landung begeben.“ ^45 

c) Ziel der Erprobung 

Die Erprobungsflüge dienten dem Nachweis der techni- 
schen Leistungsfähigkeit des Systems, um abschließend 
dessen Qualifizierung zu erlangen.246 im Einzelnen be- 
deutet dies nach Angaben von LTRDir Knöpfei, dass sich 
die Industrie damit auf den Abnahmeflug vorbereite. Sie 
müsse nachweisen, dass die technischen Spezifikationen, 
die vertraglich geschuldet seien, auch erföllt würden.247 
Auf die Frage nach dem Sinn der Abnahme des Systems 
hat der Zeuge Knöpfei erläutert, dass die Bundeswehr ih- 
rerseits wiederum analysieren müsse, in welcher Form, 
Güte und in welchem Grad dies der Fall sei. Würden die 
Spezifikationen hinreichend erfüllt, habe die Bundeswehr 
die vertragliche Pflicht zur Abnahme des Full Scale De- 
monstrator s.^^s Wenn das System technisch abgenommen 


240 Knöpfet, Protokoll-Nr. 4, S. 38. 

241 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 89. 

242 MAT 17-4BRHzuBB 17-91, Ordner 4, S. 11. 

243 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 87. 

244 Knöpfet, Protokoll-Nr. 4, S. 37. 

245 Knöpfei, Protokoll-Nr. 4, S. 7. 

246 Knöpfet, Protokoll-Nr. 4, S. 37. 

247 Knöpfet, Protokoll-Nr. 4, S. 16. 

248 Knöpfet, Protokoll-Nr. 4, S. 52. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-65- 


Drucksache 17/14650 


sei, solle das Eigentum auf die Bundesrepublik Deutsch- 
land mit der WTD 61 als Halter übergehen.249 

Nach dem ersten Erprobungsflug vom 11. Januar 2013 
wurde festgestellt, dass während der Sensorflugerpro- 
bung „bereits die komplette Wirkungskette aller einge- 
setzten ISIS-Komponenten von der Aufnahme der aufzu- 
klärenden Signale an der Antenne bis zur Anzeige in der 
Auswerte-Bodenstation in Anwesenheit von militärischem 
Erfassungs- und Auswertepersonal des KdoStratAufkl 
(zukünftiger Nutzer) [...] demonstriert ‘‘ werden 
konnte.250 Zum aktuellen Stand fasste der Zeuge MD 
Selhausen zusammen, dass ihm berichtet worden sei, die 
Ergebnisse seien vielversprechend.^^i An anderer Stelle 
sagte er, man könne es zuversichtlich sehen, „ hier ein gu- 
tes System zu bekommen. Der Projektleiter Knöpf el 
hat hierzu klargestellt: 

„[...] für die Leistungsfähigkeit ISIS kann ich 
noch keine belastbaren Aussagen geben, weil die 
Erprobung bzw. Zertifizierung noch nicht abge- 
schlossen ist. Da hoffen wir, dass wir Ende des 
Septembers dort zu einer abschließenden bewer- 
teten Aussage kommen, was die technische Leis- 
tungsfähigkeit angeht. “253 

Mit Abschluss des letzten Erprobungsfluges ist seinem 
Kenntnisstand nach die fliegerische Tätigkeit des Full 
Scale Demonstrators einzustellen.254 

aa) Verfahren zur Erprobung ISIS 

Wie das Missionssystem ISIS im Einzelnen erprobt wird, 
wurde ebenfalls schematisch von dem Zeugen Knöpfei 
beschrieben: 

„Es geht bei den Erprobungen [. . .] um den Nach- 
weis der gesamten Funktionskette. Das heißt, wir 
stellen Sendestationen auf, von denen wir wissen, 
wo sie stehen, in welchem Frequenzbereich sie 
stehen, und versuchen, diese Systeme in der Luft 
aufzufassen, abzuspeichem und auch gleichzeitig 

an den Boden zu transferieren. “255 

bb) Datenschutzrechtliche Aspekte 

Verschiedentlich ist die Frage aufgeworfen worden, wie 
bei der Erprobung von ISIS mit den anfallenden Daten 
bzw. Funksignalen, beispielsweise von Mobiltelefonen, 
umgegangen werde. Die G- 1 0-Kommission des Deut- 
schen Bundestages hatte sich u. a. aufgrund eines Presse- 
artikels mit dem Titel „Gigantischer Datenstaubsauger in 
20.000 Meter Höhe“ und der Darstellung, dass der EURO 
HAWK „ Handy gespräche abhören und SMS auffangen 
könne, der Thematik angenommen.256 


249 Knöpfet, Protokoll-Nr. 4, S. 47. 

250 MAT 17-85 BMVg zu BB 17-64, AIN V 5, Ordner 9, S. 366. 

251 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 98. 

252 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 87. 

253 Knöpfei, Protokoll-Nr. 4, S. 6. 

254 Knöpfet, Protokoll-Nr. 4, S. 43. 

255 Knöpfet, Protokoll-Nr. 4, S. 49. 

256 MAT 17-69 BMVg zu BB 17-32, Büro des Ministers, Ordner 1, S. 113. 


LTRDir Knöpfei hat sich dazu folgendermaßen geäußert: 

„Sicher können dabei auch Daten aufgefangen 
werden, die nicht zum Erprobungsbereich führen. 
Dazu gibt es entsprechende Vorkehrungen gemäß 
der G-lO-Kommission, dass entsprechende Daten 
dieserseits unter juristischer Aufsicht dann sofort 
gelöscht werden, die nicht zum Erprobungsge- 
genstand gehören. “257 

Der Bundesminister der Verteidigung Dr Thomas de 
Maiziere hat grundlegend festgestellt: 

„Wir haben die technischen Konfigurationen und 
die Auswirkungen auf die Grundrechte mit der 
für diese Fragen zuständigen G-lO-Kommission 
des Deutschen Bundestages abschließend und 
einvernehmlich erörtert.“258 

Staatssekretär Rüdiger Wolf hat dies präzisiert, indem er 
auf die Gespräche mit dem Parlamentarischen Kontroll- 
gremium und der G-lO-Kommission des Deutschen Bun- 
destages verwies: 

„Das Vorhaben Euro Hawk ist als ein Aufklä- 
rungssystem zu verstehen, und zwar als ein mili- 
tärisches Aufklärungssystem. Entsprechend 
orientieren sich die Fähigkeiten, die mithilfe die- 
ses Aufklärungssystems, also insbesondere der 
Sensorik, verbunden sind. Das Vorhaben Euro 
Hawk und seine Aufklärungskonstruktion ist aus- 
drücklich nicht vorgesehen, um Mobilfunkdaten 
[...] aufzufangen [...]. “259 

Das System diene vielmehr der Aufklärung von Strahlun- 
gen und Signalen von Radarstellungen, Waffenstationen 
und Ähnlichem. Die G- 1 0-Kommission des Deutschen 
Bundestages habe das Vorhaben in zwei Sitzungen über- 
prüft. Dabei sei ein Vorgehen vereinbart worden, wie mit 
„ Zufallsfunden “ umgegangen werden solle, die auf den 
potenziellen, technischen Möglichkeiten beruhten, jedoch 
ausdrücklich nicht vom Vorhaben umfasst seien.260 Werde 
aufgrund der Technik wider Erwarten ein Mobilfunk- 
oder anderer Datensatz erfasst, so werde über einen Filter 
die Übernahme dieser Daten in das System verhindert. 2^1 
Im Anschluss würden die Daten sodann bei der Auswer- 
tung vemichtet.262 Die Vernichtung erfolge unter Beauf- 
sichtigung eines „Rechtsberatungsoffiziers“ aus dem Be- 
reich des Kommandos Strategische Aufklärung, d. h. 
eines Zivilisten oder eines Soldaten mit der Befähigung 
zum Richteramt und werde in einem Protokoll, welches 
dieser gegenzuzeichnen hätte, festgehalten.263 

Hierzu heißt es in einer Stellungnahme vom 2. März 2012 
des Projektleiters an das BMVg: 


257 Knöpfet, Protokoll-Nr. 4, S. 49. 

258 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 95. 

259 Wolf Protokoll-Nr. 7, S. 132. 

260 Wolf Protokoll-Nr. 7, S. 132. 

261 Wolf Protokoll-Nr. 7, S. 139. 

262 Wolf Protokoll-Nr. 7, S. 133. 

263 Wolf Protokoll-Nr. 7, S. 139. 



Drucksache 17/14650 


- 66 - 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


„Nach Rücksprache mit Fü S II 2 stehen beim 
Kommando Strategische Aufklärung (KdoStrat- 
Aufkl), dem zukünftigen Nutzer [...], mindestens 
zwei entsprechend (Ü3-) sicherheitsüberprüfte 
und mit der G-10 Thematik vertraute Rechtsbera- 
ter (RB) mit der Befähigung zum Richteramt 
(Volljuristen) in den besagten EURO HAWK In- 
dustrie-Flugerprobungszeiträumen zur Verfü- 
gung. Der Kommandeur KdoStratAufkl hat Wei- 
sungsbefugnis über diese RB und kann diese, 
wenn eine entsprechende Forderung besteht, be- 
darfsweise an den Standort der EURO HAWK 
Auswertestation abordnen. 

Die RB des KdoStratAufkl gehören einer eigenen 
Abteilung des KdoStratAufkl an und sind somit 
unabhängig von der operationeilen Erprobungs- 
mannschaft des KdoStratAufkl, die die EURO 
HAWK Industrie-Flugerprobung seitens der Bw 

begleitet. “264 

Darüber wurde auch Bundesminister der Verteidigung 
Dr. Thomas de Maiziere mit Vorlage vom 20. März 2012 
unterrichtet. Darin wird abschließend festgestellt, dass 
diese Vorgehensweise am 8. März 2012 die Zustimmung 
der G- 1 0-Kommission gefunden habe und die Kommis- 
sion das Thema auf dieser Grundlage für erledigt erklärt 
habe.265 

Staatssekretär Wolf hat ergänzend darauf hingewiesen, 
dass der einzige Grund dafür, dass der Full Scale De- 
monstrator derzeit über deutschem Staatsgebiet fliege, in 
der Nachweisführung der Leistungsfähigkeit liege. Er hat 
dazu klargestellt: 

„Es ist nicht sein Einsatzgebiet, um das noch mal 
in aller Deutlichkeit zu sagen. Der Euro Hawk 
gehört nicht nach Europa. Der Euro Hawk gehört 
oder gehörte nach Afghanistan. Der gehört in die 
Einsatzgebiete der Bundeswehr. Die Bundesrepu- 
blik Deutschland ist nicht das Einsatzgebiet der 

Bundeswehr. “266 

Auf Nachfrage haben Staatssekretär Wolß^^ und Staatsse- 
kretär Beemelmans^^^ in ihren Vernehmungen keinen Ver- 
stoß gegen datenschutzrechtliche Bestimmungen erken- 
nen können. 

II. Vertragliche Änderungen 

Bis Anfang 2013 wurden zehn Änderungsverträge zum 
Entwicklungsvertrag geschlossen, durch die das Vertrags- 
volumen von 431 Millionen Euro auf insgesamt ca. 
544 Millionen Euro stieg.269 


264 MAT 17-66 BK zu BB 17-89, BKAmt Ref 601_22-11300Un002, 
S. 49 f. 

265 MAT 17-69 BMVg zu BB 17-32, Büro des Ministers, Ordner 1, 
S. 112 ff. 

266 Wölf, Protokoll-Nr. 7, S. 138. 

267 Wolf Protokoll-Nr. 7, S. 144. 

268 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 82. 

269 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, Anlage A, S. 1 . 


1. Änderungsverträge 4 bis 7 

Die Änderungsverträge 4, 5, 6 und 7 wurden zwischen 
dem 25. November 2009 und dem 28. Oktober 2011 ge- 
schlossen. Sie sind hinsichtlich der zeitlichen Abfolge der 
Vertragsunterzeichnung deutlich voneinander getrennt. 
Darüber hinaus sind sie bzgl. der finanziellen Volumina 
unter dem Gesichtspunkt einer 2 5 -Millionen-Euro- Vorla- 
gepflicht unbeachtlich.220 

Gegenstand des vierten Änderungsvertrages vom 25. No- 
vember 2009 waren JMPS-bedingte Änderungen für den 
SIGINT-Missionsanteil.221 Durch diesen erhöhten sich die 
Verpflichtungen auf insgesamt 482,6 Millionen Euro.222 

Der fünfte Änderungsvertrag wurde am 16. September 

2010 geschlossen, um die Zusatzarbeiten durch den Weg- 
fall des GAST- Systems zu kompensieren. Hierdurch er- 
höhte sich das Vertragsvolumen auf eine Summe von 
486,1 Millionen Euro .223 

Am 11. März 2011 schloss das BWB den sechsten Ände- 
rungsvertrag, wodurch sich das Vertragsvolumen auf 

491.8 Millionen Euro steigerte. Hiermit wurde zusätzli- 
cher Aufwand im Hinblick auf die Musterzulassung fi- 
nanziert.224 

Inhalt des siebten Änderungsvertrags vom 28. Oktober 

2011 waren insbesondere Kompensationen, die durch die 
Verzögerung des Erstflugs entstanden waren. Die Summe 
der Finanzmittel erhöhte sich hierdurch auf insgesamt 

505.8 Millionen Euro.^^s 

2. Änderungsverträge 8, 9 und 10 

Am 1. Juni 2012 schloss das BWB den achten Ände- 
rungsvertrag ab. Dieser erhöhte das Vertragsvolumen auf 
ca. 526 Millionen Euro226 und hatte im Wesentlichen 
Leistungserhöhungen sowie eine Laufzeitverlängerung 
bis zum 31. August 2012 zum Inhalt.^'^'^ 

Der Vertragsschluss zum neunten Änderungsvertrag er- 
folgte am 2. August 2012. Verbunden mit diesem war eine 
Erhöhung des Finanzrahmens auf insgesamt 544,2 Millio- 
nen Euro zur Kompensation von Zusatzaufwand für die 
Musterzulas sung . ^28 


270 mAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, AIN V 5, Ordner 4, S. 67; MAT 
17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe EURO 
HAWK, Anlage A,S. 1. 

271 Siehe Kapitel C, Abschnitt VI. 

272 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, Anlage A, S. 1. 

273 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, Anlage A, S. 1. 

274 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, Anlage A, S. 1; Stein, Protokoll-Nr. 4, S. 128. 

275 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, Anlage A, S. 1. 

276 mAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, AIN V 5, Ordner 4, S. 67; MAT 
17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe EURO 
HAWK, Anlage A,S. 1. 

277 mAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, AIN V 5, Ordner 4, S. 68. 

278 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, Anlage A, S. 1. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-67- 


Drucksache 17/14650 


Infolge des Projektverlaufs wurde im Sommer 2012 er- 
kannt, dass der Entwicklungs vertrag erneut verlängert 
werden müsse, um das Entwicklungsziel zu erreichen.279 
Mithin war Gegenstand des zehnten Änderungsvertrages, 
der am 7. November 2012 geschlossen wurde, ausschließ- 
lich eine Laufzeitverlängerung vom 31. August 2012 bis 
zum 3 1 . Dezember 2012.2^^ Das Vertrags volumen erhöhte 
sich nun auf 544,2 Millionen Euro^^k 

Auf den Hinweis, dass die Änderungsverträge 8, 9 und 10 
innerhalb eines sehr kurzen Zeitraums im Jahr 2012 ge- 
schlossen worden seien und zusammen ein Vertragsvolu- 
men von knapp 40 Millionen Euro aufweisen, hat Staats- 
sekretär Werner Gatzer mit Bezug auf die Vorlagepflicht 
bei Verträgen mit einem Finanzvolumen über 25 Millio- 
nen Euro gesagt, dass er ..keinen Grund zur Kritik‘‘ 
habe.2^2 Es sei nicht unüblich, dass es „mehrere Ände- 
rungsverträge bei einem Beschaffungsvorhaben größeren 
Ausmaßes“ gebe, die unterschiedliche Tatbestände hät- 
ten.283 Er könne nur feststellen, 

„dass das Ressort, das dies in eigener Verantwor- 
tung zu entscheiden hat, hier aus meiner Sicht 
keine Umgehung dieser 2 5 -Millionen- Vorlagen 
vorgenommen hat, und insofern [...] ist das für 

mich jetzt abschließend. “^84 

III. Auftretende Probleme im Bereich der 
Zulassung 

Ab dem Jahr 2009 zeigten sich zunehmend verschiedene 
Probleme. Im Schwerpunkt waren diese im Bereich von 
Zulassungsfragen angesiedelt. 

1. Grundlagen des Zulassungswesens 

a) Zulassungsvoraussetzungen 

Voraussetzung für jede Teilnahme eines Luftfahrzeuges 
am Luftverkehr ist, dass es dafür zugelassen ist, § 2 
LuftVG. Bei der Zulassung handelt es sich um einen ho- 
heitlichen Akt, der von der zuständigen Stelle vollzogen 
wird.2^5 Im Einzelnen richtet sich dies für Luftfahrzeuge 
der Bundeswehr nach den Bestimmungen der ZDv 19/1. 

Der Zeuge Wolf gang Steiger, betonte, dass § 30 LuftVG 
„kein Freibrief“ sei. Die Vorschrift bedeute nicht, dass 
die Bundeswehr tun und lassen könne, was sie wolle, und 
insofern selbst entscheiden könne, ob sie denn eine Mus- 
terprüfung mit anschließender Musterzulassung durch- 
führe oder nicht. Der Grundsatz sei vielmehr, dass alles, 
was sich im Luftraum bewege, auch zugelassen sein 

müsse.286 


279 mAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, AIN V 5, Ordner 4, S. 68; MAT 
17-4 BRH zu BB 17-90, Ordner 1, S. 35. 

280 mAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, AIN V 5, Ordner 4, S. 68. 

281 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, Anlage A, S. 1 . 

282 Gatzer, Protokoll-Nr. 6, S. 105. 

283 Gatzer, Protokoll-Nr. 6, S. 106. 

284 Gatzer, Protokoll-Nr. 6, S. 106. 

285 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 43; Knöpfei, Protokoll-Nr. 4, S. 33. 

286 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 71. 


Nach der ZDv 19/1 Nr. 20 müssen grundsätzlich zwei 
Bedingungen erfüllt sein, damit die Zulassung erteilt wer- 
den kann: 

- Zunächst muss das Muster, auf dem ein einzelnes 
Luftfahrzeug beruht, seinerseits zugelassen sein, d. h. 
es muss die entsprechende Musterzulassung vorliegen. 
Dieses ist gemäß ZDv 19/1 Nr. 306^88 Fall, wenn 
für das Muster erfolgreich eine Musterprüfung durch- 
geführt wurde. 

- Ferner muss für das konkrete Luftfahrzeug die Ver- 
kehrssicherheit nachgewiesen sein. Dazu wird das ein- 
zelne Luftfahrzeug im Rahmen einer sogenannten 
Stückprüfung auf Übereinstimmung mit dem zugelas- 
senen Muster geprüft. 

Sind diese Voraussetzungen erfüllt, wird das Luftfahr- 
zeug für den Luftverkehr in der Bundeswehr zugelassen 
und verfügt so über die sogenannte Verkehrszulassung.289 

Für Luftfahrzeuge in der Entwicklung und Erprobung er- 
folgt die Zulassung zum Luftverkehr über eine soge- 
nannte Vorläufige Verkehrszulassung, soweit die dafür er- 
forderlichen Nachweise erbracht sind.290 

b) Zuständigkeiten und Verfahren 

Zuständig für die Musterprüfung und Musterzulassung 
von Luftfahrzeugen und Luftfahrtgerät der Bundeswehr 
ebenso wie für die Prototypen in der Industrie-Entwick- 
lung ist gemäß ZDv 19/1 Nr. 108 in Verbindung mit 
Nr. 104 der Leiter oder die Leiterin des Musterprüfwe- 
sens für Luftfahrtgerät der Bundeswehr bei der Wehrtech- 
nischen Dienststelle für Luftfahrzeuge - Musterprüfwe- 
sen für Luftfahrtgerät der Bundeswehr (WTD 61) in 
Manching, abgekürzt Ltr ML.291 Ab dem 1. August 2009 
nahm diese Funktion zunächst kommissarisch, seit dem 
3. Mai 2010 originär, der Zeuge Direktor einer Wehrtech- 
nischen Dienststelle (DirWTD) Wolfgang Steiger wahr.292 
In seiner Funktion ist der Leiter ML unabhängig und kei- 
nem Fachvorgesetzten unterstellt. Nach Angaben des ehe- 
maligen Leiters der WTD 61, DirWTD a. D. Walter Storz. 
ist der Direktor der WTD zwar Dienstvorgesetzter des 
Leiters ML, nicht aber sein Fachvorgesetzter.293 Der Lei- 
ter ML, Wolfgang Steiger, hat darauf hingewiesen, dass 
das Referat AIN VI im BMVg dem Leiter ML in be- 
stimmten Fällen Weisungen zur Erteilung von Ausnah- 
megenehmigungen von der ZDv 19/1 erteilen könne. Er 
hat im gleichen Zusammenhang klargestellt, dass der Pro- 
jektleiter SLWÜA zwar Angehöriger der Vorgesetzten 


287 mAT 17-12 BMVg zu BB 17-7, WTD 61, MVZS, Ordner 1, ZDv 19, 
S. 12. 

288 MAT 17-12 BMVg zu BB 17-7, WTD 61, MVZS, Ordner 1, ZDv 19, 
S.26. 

289 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 13. 

290 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 13 f. 

291 MAT 17-12 BMVg zu BB 17-7, WTD 61, MVZS, Ordner 1, ZDv 19, 
S. 10. 

292 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 68 f. 

293 Storz, Protokoll-Nr. 5, S. 106. 



Drucksache 17/14650 


- 68 - 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


Behörde, ihm in Musterprüfaufgaben aber nicht vorge- 
setzt sei.294 

Die Stückprüfung militärischer Serienluftfahrzeuge liegt 
dagegen im Zuständigkeitsbereich des Güteprüfdienstes 
im BAAINBw. Für das Projekt EURO HAWK war dies 
die Güteprüfstelle Manching. ^95 

Der Leiter ML hat das Verfahren und die Unterschiede 
zusammenfassend wie folgt dargestellt: 

„Die WTD 61 ist für die Prüfung eines Baumus- 
ters zuständig, und die Güteprüfstellen prüfen das 
Stück, das jeweilige Luftfahrzeug, das nach die- 
sem Muster gefertigt wird, sodass also in der Re- 
gel zuerst eine Musterzulassung vorliegt, wo das 
Muster als verkehrssicher geprüft ist, und die Gü- 
teprüfstelle bestätigt, dass das jeweils gefertigte 
Stück, das einzelne Luftfahrzeug, so gefertigt ist, 
dass es dem Muster entspricht. Und wenn es dem 
Muster genau entspricht, dann ist es damit prak- 
tisch auch Verkehrs sicher. “296 

Gebe es kein geprüftes Muster, so handele es sich um eine 
Prototypenprüfung, die analog einer Stückprüfung durch- 
geführt werde. 297 Geprüft werde dann die Übereinstim- 
mung des Prototypen mit dem zuvor eindeutig beschrie- 
benen Bauzustand.298 

2. Abstimmung Musterprüfprogramm 

a) Ausgangssituation 

Ursprünglich war vor Vertragsschluss der Weg einer „ver- 
einfachten Musterprüfung“ nach ZDv 19/1 Nr. 220299 beab- 
sichtigt, bei der eine bereits anderweitig festgestellte Ver- 
kehrssicherheit anerkannt werden kann. Da dieser Weg 
jedoch nicht weiterverfolgt werden konnte,200 stand von 
deutscher Seite aus fest, dass auf den Regelfall der umfas- 
senden Musterprüfung nach der ZDv 19/1 Nr. 2192^1 zu- 
rückgegriffen werden sollte. 202 

Grundlage für die umfassende Musterprüfung ist gemäß 
ZDv 19/1 Nr. 225203 ein sogenanntes Musterprüfrahmen- 
programm, das Bestandteil des Vertrags mit dem Auftrag- 
nehmer sein muss. Dieses gibt den Rahmen vor, innerhalb 
dessen der Auftragnehmer, d. h. die Industrie, gemäß der 
Durchführungsbestimmungen zur ZDv 19/1 Nr. 202 zu 


294 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 83. 

295 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 77; MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Be- 
richt der Ad-hoc Arbeitsgruppe EURO HAWK, S. 13. 

296 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 95. 

297 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 96. 

298 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 99. 

299 MAT 17-12 BMVg zu BB 17-7, WTD 61, MVZS, Ordner 1, ZDv 19, 
S. 17. 

300 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 20 f.; siehe auch die Ausführungen im Kapitel A 
Abschnitt VII. 1 . 

301 MAT 17-12 BMVg zu BB 17-7, WTD 61, MVZS, Ordner 1, ZDv 19, 
S. 17. 

302 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 20. 

303 MAT 17-12 BMVg zu BB 17-7, WTD 61, MVZS, Ordner 1, ZDv 19, 
S. 18. 


Nr. 225204 detaillierte Musterprüfprogramme vorzuschla- 
gen hat. Wurden diese von dem Leiter bzw. der Leiterin 
ML genehmigt, so ist danach die Nachweisführung für 
die Musterprüfung vorzunehmen, ZDv 19/1 Nr. 226.205 

Der Leiter ML, DirWTD Steiger, wies in diesem Zusam- 
menhang auf die Besonderheit einer Zulassung im militä- 
rischen Bereich hin. Während im zivilen Bereich für die 
Entwicklung und Zulassung eine eindeutige Gesetzeslage 
gegeben und zu erfüllen sei, werde die Zulassungsbasis 
im militärischen Bereich dagegen vertraglich vereinbart 
und könne insofern auch geändert werden.206 

b) Musterprüfrahmenprogramm 

Bestandteil des Entwicklungsvertrages vom 31. Januar 
2007 ist in Anlage 1 „Leistungsbeschreibung“ die Ergän- 
zung 1 zum Anhang H „Musterzulassung und Nachweis 
der Verkehrssicherheit“ geworden.207 Es handelt sich da- 
bei um das Musterprüfrahmenprogramm, wie der Projekt- 
leiter, Zeuge Knöpf el, in seiner Vernehmung auf Nach- 
frage bestätigte.208 Der Leiter ML, DirWTD Steiger, 
bezeichnete dies als „das zentrale Dokument beim Ver- 
trag 2007‘\ Es sei von der WTD 61 erarbeitet worden.209 

Auf die Nachfrage, ob nicht auch die Musterprüfzulas- 
sung „geliefert^' werden müsse, wenn dies Vertragsbe- 
standteil sei, hat LTRDir Knöpfei erklärt: 

„Das ist praktisch [der Handlungsrahmen], auf 
dem nachher das konkrete Drehbuch - nämlich 
das Musterprü^rogramm für das jeweilige Stück - 
erstellt wird und nach dem dann die Musterprü- 
fung durchzuführen ist. Wenn diese erfolgreich 
durchlaufen ist, dann kann [. . .] der Leiter ML die 
Musterzulassung aussprechen.“2io 

Der Leiter ML, DirWTD Steiger, hat das Verfahren in 
ähnlicher Weise beschrieben: 

„Im Vertrag ist ja das Musterprüfrahmenpro- 
gramm vereinbart [...] Das beschreibt den Rah- 
men, in dem eine Musterzulassung stattzufmden 
hat, und legt die Grundlagen für diese Musterzu- 
lassung fest. 

Die Industrie hat dann die Aufgabe [. . .] ein Mus- 
terprüfprogramm zu entwerfen und mit der Amts- 
seite abzustimmen. Und in diesem Musterprüf- 
programm stehen dann sehr detailliert [...] diese 
einzelnen Forderungen [...] aufgelistet, und es 
steht jeweils dabei, wie die Industrie gedenkt, 
diese Forderungen zu erfüllen und nachzuweisen 
[...] wobei die Kosten, die sich damit verbinden, 
natürlich extrem variieren können.“2ii 


304 mAT 17-12 BMVg zu BB 17-7, WTD 61, MVZS, Ordner 1, ZDv 19, 
S. 109. 

305 MAT 17-12 BMVg zu BB 17-7, WTD 61, MVZS, Ordner 1, ZDv 19, 
S. 18. 

306 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 71 f. 

307 MAT 17-6 BMVg zu BB 17-1, Ordner 1, S. 356. 

308 Knöpfet, Protokoll-Nr. 4, S. 35. 

309 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 83. 

310 Knöpfet, Protokoll-Nr. 4, S. 35. 

311 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 88 f. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-69- 


Drucksache 17/14650 


Bereits im Projektstatusbericht vom 30. September 2007 
unter der Rubrik „18 Ursachen für Probleme/Bewertun- 
gen und Empfehlungen aus Sicht des Projektleiters“ heißt 
es zu dem Thema Musterprüfprogramm: 

„1. Ursache: 

Zum vertraglich vereinbarten Liefertermin 
(120 Tage nach Vertragsschluss) wurde nur ein 
unvollständiges Musterprüfprogramm seitens der 
Industrie vorgelegt. 

2. Bewertung: 

Für die Erstellung des Musterprü^rogramms ist 
im Wesentlichen der US-amerikanische Herstel- 
ler der GLOBAL HAWK Basisplattform zustän- 
dig. USAF und Bw- Verfahren sind bzgl. Muster- 
zulassung, vorzulegender Pläne und sonstiger 
Dokumente nicht unmittelbar vergleichbar. Das 
führt dazu, dass Missverständnisse bzgl. der sei- 
tens US -Industrie vertraglich zu liefernden Doku- 
mente (Umfang, Detaillierung) existieren.“^!^ 

Das Zentralcontrolling bewertete das Projekt vor diesem 
Hintergrund erstmals seit Vertragsschluss als „kritisch 

„Bewertung: 

Im Hinblick auf den Projektfortschritt sind erst- 
mals substantielle Störungen ersichtlich. Die 
mangelnde US-seitige Bereitschaft zur Zuarbeit 
verursacht ernstzunehmende Risiken für das Pha- 
senziel, einsatzreife Produkte verfügbar zu ma- 
chen. Ist die uneingeschränkte Zulassung des Lfz. 
nicht wie geplant möglich, hat das gravierende 
Einschnitte für das Einsatzspektrum zur Folge. 
Aufgrund der bekannten US-seitigen Zurückhal- 
tung bei außenwirtschaftlichen Belangen, insbe- 
sondere bei der Weitergabe rüstungstechnischer 
Informationen wird der Angelegenheit seitens ZC 
eine erhöhte Kritikalität beigemessen.“^!^ 

c) Zugang zu und Verfügbarkeit von 
relevanten Dokumenten 

Der Zeuge Knöpfei sah einen Zusammenhang zwischen 
der Lieferung der erforderlichen Nachweise und der Ab- 
stimmung des Musterprüfprogrammes: 

„Was vereinbart wurde, war, dass sich der Auf- 
tragnehmer einer umfassenden Musterprüfüng zu 
unterziehen hat und deswegen alle entsprechen- 
den technischen Nachweise zu liefern hat, damit 
im Endeffekt wir für die Serie eine Musterzulas- 
sung aussprechen können. 

Die Ad-hoc Arbeitsgruppe EURO HAWK hat in ihrem 
Abschlussbericht dargelegt, dass die Einsichtnahme in 
Dokumente, die aufgrund der Exportbeschränkungen 
ITAR nur eingeschränkt freigegeben waren, nicht im er- 


312 MAT 17-42 BMVg zu BB 17-43, Ordner 1, S. 252. 

313 MAT 17-42 BMVg zu BB 17-43, Ordner 1, S. 259 ff. 

314 Knöpf el, Protokoll-Nr. 4, S. 33. 


forderlichen Umfang gewährt worden sei, obwohl dazu 
alle vertraglichen und außervertraglichen Vereinbarungen 
getroffen worden seien, womit im Wesentlichen die ver- 
einbarten TAAs sowie das MoU zwischen dem US De- 
partment of Defense (DoD) und dem BMVg gemeint wa- 
ren.315 

Der Leiter Musterprüfwesen für Luftfahrtgerät der Bun- 
deswehr, DirWTD Wolfgang Steiger, bestätigte in seiner 
Aussage, dass der Informationsfluss „nicht so, wie wir 
das aus anderen Projekten mit anderen beteiligten Indus- 
trien so gewohnt sind'\ gewesen sei.^^^ Der Projektleiter 
LTRDir Rüdiger Knöpfei führte dazu aus, dass die Mög- 
lichkeiten zur Einsichtnahme anfangs sehr stark verwehrt 
gewesen seien.^i'^ So heißt es beispielsweise im Projekt- 
statusbericht vom 30. September 2007 unter der Rubrik 
„17 Sonstige Störgrößen aus Sicht des Projektleiters“ un- 
ter „4.) Musterzulassung EURO HAWK“: 

„Da zur Zeit der ML aber kaum relevante Unter- 
lagen zum Thema Musterzulassung des EURO 
HAWK seitens des US UAN [Unterauftragneh- 
mer, Anm.] vorgelegt werden, ist, falls dieser Zu- 
stand so fortbesteht, nach Aussage ML maximal 
eine Musterzulassung nach Kategorie 1 möglich. 
Dies ist aus Auftraggebersicht inakzeptabel. Sei- 
tens ML wurde nochmals mit Nachdruck auf 
diese Gefahr hingewiesen und die Industrie auf- 
gefordert, ihren Dokumentenfreigabeprozess zu 

beschleunigen. “3 1 8 

Schließlich habe sich die Situation ein wenig geändert: 

„Durch vielfältiges Nachfragen und Bohren und 
durch entsprechendes Hinübersenden von Exper- 
ten haben wir es erreicht, dass wir einen hinrei- 
chenden Grad von Einsichtnahme erreichen 
konnten, sodass wir eine Vorläufige Verkehrszu- 
lassung ausstellen konnten, bzw. nicht ich, son- 
dern der Leiter ML [. . .].“3i9 

Dies wurde im Projektstatusbericht vom 30. Juni 2009 
festgestellt. Gegenüber den vorangehenden Berichten 
heißt es dort erstmals: 

„Der Anfangs nur schleppend in Gang gekom- 
mene Dokumentenvorlageprozess aus den USA 
an die ML konnte mittlerweile beschleunigt wer- 
den, weist aber einen Verzug von rund 12 Mona- 
ten gegenüber der ursprünglichen Planung 
auf“320 

d) Schwierigkeiten im Herbst 2009 

Dennoch besserte sich die Situation offensichtlich nicht 
wesentlich, denn ein Mitarbeiter des zuständigen Berei- 


313 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 30. 

316 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 69 f. 

317 Knöpfei, Protokoll-Nr. 4, S. 4. 

318 MAT 17-42 BMVg zu BB 17-43, Ordner 1, S. 251. 

319 Knöpfei, Protokoll-Nr. 4, S. 16. 

320 MAT 17-42 BMVg zu BB 17-43, Ordner 2, S. 48. 



Drucksache 17/14650 


-70- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


ches im BWB schrieb in einer E-Mail vom 2. Oktober 
2009: 

„[...] bezüglich der luftfahrttechnischen Prüflin- 
gen im Vorhaben Euro-Hawk sind wir im Mo- 
ment an einem Punkt angekommen, da es absolut 
notwendig erscheint, alle, die im Bereich Zulas- 
sungsverfahren beteiligt sind, zu einer Bespre- 
chung in Koblenz zusammenzurufen. 

Der angeschriebene, in dem Zeitraum in den USA vor Ort 
weilende Gesamtsystem-Musterprüfer EURO HAWK be- 
grüßte die angedachte gemeinsame Besprechung sehr. In 
seiner Antwort wies er zudem auf verschiedene Probleme 
hin. So monierte er für seinen Bereich: 

„(Mindest) Forderung der Stückprüfung 

- trotz mehrfachen Anmahnens gibt es seitens 
der Industrie keinen eindeutigen Vorschlag für 
eine Liste der Anforderungen an die Stückprü- 
fung. [...] 

Bauzustand: 

- es gibt noch keinen offiziellen Bauzustand des 
Lfz (das erste mal im August 2007 bzw. am 
FDR im September 2007 angemahnt) [. . 

In einer von dem Referat Rü VI 2 im BMVg angewiese- 
nen, umfassenden Darlegung u. a. zum Verlauf des Pro- 
jektes in den Anfangsjahren nimmt der Projektleiter 
EURO HAWK unter dem Punkt „Bewertung^' dazu fol- 
gendermaßen Stellung: 

„Nach Durchsicht der ersten, seitens des AN ab 
Mai 2009 gelieferten Dokumente zur Vorberei- 
tung des EURO HAWK FSD Erstflugs im Juni 
2010, wurde offensichtlich, dass dem US-Zulas- 
sungsprozess für den GLOBAL HAWK keine 
Definition eines Baumusters zugrunde liegt, son- 
dern verschiedene GLOBAL HAWK Bauzu- 
stände in der US Nachweisführung vermischt 
worden sind. Dadurch wird der formale Muster- 
prüfprozess nach ZDv 19/1 deutlich erschwert, da 
durchgeführte Änderungen und dafür erbrachte 
Nachweise nicht eindeutig und aufeinander auf- 
bauend auf eine einheitliche GLOBAL HAWK 
Ausgangskonfiguration zurückgeführt werden 
können und somit deren Relevanz bzw. Gültigkeit 
für den EURO HAWK Bauzustand nicht eindeu- 
tig ist.“323 

Der Abteilungsleiter AIN, MD Selhausen, hat sich ähn- 
lich geäußert: 


321 MAT 17-79 BMVg zu BB 17-59, WTD 61, Geschäftsfeld 230 
Mayer, Ordner 20, Schriftverkehr 01 102009 26102009, S. 50. 

322 MAT 17-79 BMVg zu BB 17-59, WTD 61, Geschäftsfeld 230 
Mayer, Ordner 20, Schriftverkehr 01 102009 26102009, S. 49. 

323 MAT 17-37 BMVg zu BB 17-24, BAAINBw L5.1 EH-Rl, Ordner 1, 
S. 5. 


„Die USA haben bereits zu einem sehr frühen 
Stadium ihres Global-Hawk-Programms ihr Luft- 
fahrzeug in den Einsatz gebracht. Erfahrungen 
aus diesen Einsätzen flössen umgehend in die 
Weiterentwicklung des Systems Global Hawk 
ein. Im Ergebnis gab es deshalb de facto keinen 
festgelegten und dokumentierten Bauzustand des 
US Systems Global Hawk, der für eine darauf 
aufsetzende deutsche Musterzulassung unbe- 
dingt erforderlich ist.“^^^ 

Am 27. Oktober 2009 berichtete schließlich die Firma 
Northrop Grumman ihrerseits in einem Project Manage- 
ment Review zu Problemen bei der Abstimmung des 
Musterprüfprogramms zwischen ihr und der WTD 61/ 
ML. Auch nach den Erkenntnissen der Ad-hoc Arbeits- 
gruppe EURO HAWK waren dafür im Wesentlichen der 
nicht definierte Bauzustand sowie zu erwartende Hinder- 
nisse bei der vollständigen Erfüllung der Musterzulas- 
sungsforderungen für die EURO HAWK-Serie auf Basis 
des Full Scale Demonstrators ursächlich. Die Firma Nor- 
throp Grumman stellte in diesem Zusammenhang mögli- 
che Lösungen zur Diskussion.^^s Entscheidung 

wurde im Februar 2010 getroffen.^^ö 

3. Musterzulassung des Full Scale 

Demonstrators 

a) Gesprächsbedarf 

aa) Anregung einer Besprechung 

Ende 2009 war der Erstflug des Full Scale Demonstrators 
von Palmdale zur Edwards Air Force Base noch für den 
16. April 2010 geplant. Danach sollten dort zwölf Test- 
flüge durchgeführt werden, um den Prototypen anschlie- 
ßend Ende des dritten bzw. Anfang des vierten Quartals 
2010 nach Manching zu überführen.^^'^ 

In diesem Zusammenhang gab es aus Sicht des Projektlei- 
ters im Vorfeld der dafür erforderlichen Vorläufigen Ver- 
kehrszulassung „nach wie vor offene Punkte zwischen ML 
und dem Plattformhersteller NGISSII zu klären'\ wie er 
dem Leiter ML bei der WTD 61 am 6. Januar 2010 per 
E-Mail mitteilte. 328 Auftragnehmer, die Firma Euro- 
Hawk GmbH, zugleich Auftraggeber des im Unterauftrag 
tätigen Plattformherstellers NGISSII (Northrop Grum- 
man Integrated Sensor Systems International Ine.), habe 
daher um ein Gespräch mit ihm, d. h. dem Leiter ML, be- 
züglich des „aktuellen Sachstandes des VVZ-Prozesses 
und der Abstimmung der weiteren Vorgehensweise'' gebe- 
ten.329 


324 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 45, 72. 

325 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 30. 

326 Siehe Abschnitt Ill.b). 

327 MAT 17-79 D BMVg zu BB 17-59, WTD 61 OOlLtrML, Ordner 3, 
E-Mail Eingang 2009-2011, S. 38. 

328 MAT 17-79 D BMVg zu BB 17-59, WTD 61 OOlLtrML, Ordner 3, 
E-Mail Eingang 2009-2011, S. 38. 

329 MAT 17-79 D BMVg zu BB 17-59, WTD 61 OOlLtrML, Ordner 3, 
E-Mail Eingang 2009-2011, S. 38. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-71- 


Drucksache 17/14650 


Zuvor hatte er dazu bereits im Projektstatusbericht vom 
31. Dezember 2009 unter der Rubrik „17 Sonstige Stör- 
größen aus Sicht des Projektleiters“ festgehalten: 

„2.) Musterzulassung Euro Hawk 

[...] 

Der Anfangs nur schleppend in Gang gekom- 
mene Dokumentenvorlageprozess aus den USA 
an die ML konnte mittlerweile beschleunigt wer- 
den, weist aber einen Verzug von über 1 8 Mona- 
ten gegenüber der ursprünglichen Planung auf. 
Inwieweit ML trotzdem bis zum März 2011 eine 
Vorläufige Verkehrszulassung aussprechen kann, 
ist z.Zt. nach Aussage ML noch nicht abschätz- 
bar. Eine Sachstandsbesprechung mit der Ma- 
nagementebene der EuroHawk GmbH und der 
Northrop Grumman zur Festlegung der weiteren 
Vorgehensweise findet am 03.02.2010 in Man- 
ching bei Leiter ML statt.“330 

Nach dem Zeitplan war für diesen Tag von 9.00 bis 13.00 Uhr 
eine interne Gesprächsrunde (WTD 61, BWB, BMVg) 
vorgesehen, danach sollte von 14.00 bis 17.00 Uhr das 
Gespräch mit den Industrievertretem stattfmden.^^i 

Zur Tagesordnung wurde mitgeteilt: 

„Seitens NGISSII wird zum Einstieg in die Be- 
sprechung eine kurze Sachstandspräsentation 
zum Thema Musterzulassung (WZ) im Hinblick 
auf den anstehenden Erstflug (April 2010) und 
das daran anschließende Testflugprogramm in 
EAFB und den Überführungsflug nach DEU (De- 
zember 2010) aus Sicht der Industrie gegeben, 
auf deren Basis dann die gemeinsame Diskussion 
über die weitere Vorgehensweise geführt werden 

kann.“332 

bb) Informationen im Vorfeld 

Im Hinblick auf dieses „ Gipfeltreffen ‘‘ sandte ein Ge- 
samtsystem-Musterprüfer, der die Prozesse zum Teil vor 
Ort in den USA begleitete, mehrere E-Mails an den Pro- 
jektleiter, die u. a. auch an den Leiter ML in Kopie ge- 
richtet waren. 

So schrieb er bereits am 8. Januar 2010: 

„[...] manchmal bekomme ich auf dem direkten 
Weg doch etwas mit. In diesem Fall hat man mir 
auf der Arbeitsebene ein paar Ideen mitgeteilt, 
was man machen wollte. Auf dieser Basis scheint 
es mir um Entscheidungen zu gehen, wie man ei- 
nerseits die Belange der Musterzulassung erfüllen 
möchte bzw. wo dies nicht möglich sein wird. 


330 MAT 17-42 BMVg zu BB 17-43, Ordner 2, S. 123. 

331 MAT 17-79 D BMVg zu BB 17-59, WTD 61 OOlLtrML, Ordner 3, 
E-Mail Eingang 2009-2011, S. 48. 

332 mAT 17-79 D BMVg zu BB 17-59, WTD 61 OOlLtrML, Ordner 3, 
E-Mail Eingang 2009-2011, S. 44. 


Das schon viel strapazierte Wort ,Prototypenzu- 
lassung‘ wird hier mit Sicherheit auch eine Rolle 
spielen.“333 

Zwei Wochen später, am 22. Januar 2010, gab er eine de- 
taillierte Einschätzung der Situation ab: 

„[...] ich denke aber, wir müssen uns intensiv auf 
die Besprechung in Manching vorbereiten und 
möchte so viel Informationen dazu geben, wie 
eben möglich ist. [. . .] 

Der Zweck des Treffens ist (so wie ich es aus der 
direkten Kommunikation mit Beteiligten heraus- 
lesen kann) eine Darlegung, was seitens NGISSII 
im Rahmen der Musterprüfung geleistet werden 
kann. Ich gehe davon aus, dass damit auch ver- 
bunden ist, dass im Sinne eines Offenbarungsei- 
des entweder die , unverschämten ‘ Forderungen 
der WTD 61 als nicht erfüllbar dargestellt wer- 
den, oder mal wieder darauf abgehoben wird, was 
der Vertrag angeblich nicht hergibt und man eben 
nachverhandeln müsse. 

Des weiteren gehe ich davon aus, dass es seitens 
der Industrie versucht wird zu erklären, weshalb 
mit dem , neuen Prototypenansatz ‘ man mit weit 
weniger Nachweisen für den Erstflug auskom- 
men braucht als bisher vorgesehen. Dies ist eine 
Entscheidung, die von Leiter ML mitgetragen 
werden muss. 

Hintergründe: 

[...] 

Die in den bisherigen Verhandlungen zum 
EHOO 5334 aufgeführten ,open items‘ werden ggf. 
erneut thematisiert. Es geht wohl um die Abstim- 
mung, wie weiter vorangegangen wird und wie 
der Zusatzaufwand abgedeckt wird. Zum besse- 
ren Verständnis: Zu den als ,open items‘ genann- 
ten Punkten konnte bisher keine Einigung gefun- 
den werden. Aus meiner Sicht hängt dies wohl 
damit zusammen, dass ich Dinge des Muster- 
prüfrahmenprogramms als für eine Durchführung 
der Zulassung bindend betrachte (betrachten 
muss), weil es ein Dokument der Dienststelle ist, 
das ich zu beachten habe, bis eine Entscheidung 
auf Ebene Leiter ML einen anderen Sachverhalt 
schafft. Auf Seite der Industrie sah man sich wohl 
auch aus Kostengründen nicht in der Lage, Zuge- 
ständnisse zu machen. Hier kann ich mir vorstel- 
len, dass die Diskussion durch Aussagen, was 
abgedeckt bzw. nicht abgedeckt ist, erneut ange- 
stoßen werden soll. 


333 MAT 17-79 BMVg zu BB 17-59, WTD 61 Geschäftsfeld 230 
Mayer, Ordner 25, Schriftverkehr 040 1201 0 020220 10, S. 11. 

334 EH005 bezeichnet den „Airworthiness Type Inspection Program 
Plan“ (=Musterprüfprogranini). 



Drucksache 17/14650 


-72- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


Argumentation: 

Was ich als Argumentation der Industrie hier 
spüre ist, 

- der EuroHawk wurde nie dazu entwickelt, Zu- 
lassungskriterien wie CS. 23 oder US AR zu er- 
füllen, damit werden Lücken bleiben. 

- Es wurde nie angeboten, eigene EH- [EURO 
HAWK, Anm.] Prozesse zu etablieren: Der 
GH [GLOBAL HAWK, Anm.] macht das so, 
und wir hätten das zu akzeptieren: Daran stoße 
ich mit der Software immer wieder - aber auch 
andere Dinge wie Berechnungsverfahren oder 
Akzeptanz der Nachweise bis hin zu offen- 
sichtlich fehlerhaften Darstellungen, die über- 
nommen werde müssten. 

- Die Liste der Liefergegenstände (Nachweisdo- 
kumente) ist inzwischen weit größer als im 
Vertrag dargestellt. 

[...] 

Angeblich gibt es Anzeichen, dass die USAF den 
eigenen Terminplan nicht halten kann und des- 
halb sich der für den April geplante Erstflug doch 
nach vorne verschieben könnte. 

Dies bedingt aber, dass das Lfz. kurzfristig bereit 
steht und EH, sobald sich ein Zeitfenster auf Ed- 
wards AFB [Air Force Base, Anm.] auftut, dort 
mit einem EuroHawk-Flug einzuspringen kann. 
Deshalb setzt NGISSII alles daran, mit dem Luft- 
fahrzeug möglichst weit zu sein. Dafür werden 
auch Belange der Musterzulassung ignoriert, 
wenn sie das Programm aufhalten könnten - 
siehe dazu die Entscheidung, das SMU TRR am 
21.12. [2009, Anm.] in meiner Abwesenheit 
durchzufähren. Weitere Beispiele sind zahllos 
und ich habe mit meinen Mahnungen eher das 
Gefühl, nur der Querulant oder Nörgler zu sein, 
der das Projekt nicht unterstützen möchte. 

An dieser Stelle nur der Hinweis: Ich werde keine 
Verantwortung dafür übernehmen, wenn Miss- 
stände, die ich bisher geäußert habe, nicht ad- 
äquat bereinigt wurden. 

Wenige Tage später sandte der Musterprüfer dem Projekt- 
leiter am 28. Januar 2010 erneut eine E-Mail, die wiede- 
rum in Kopie an den Leiter ML und andere ging, mit ei- 
ner weiteren Warnung: 

„Da ich aus internen Quellen angedeutet be- 
komme, dass es nächste Woche wohl sehr darum 
gehen könnte, den deutschen Auftraggeber (und 
damit auch WTD 61) ,anzuschießen‘, scheint 
eine intensive Vorbereitung notwendig. 


335 MAT 17-79 BMVg zu BB- 17-59, WTD 61 Geschäftsfeld 230 
Mayer, Ordner 25, Schriftverkehr 04012010 02022010, S. 424 f. 

336 MAT 17-79 BMVg zu BB- 17-59, WTD 61 Geschäftsfeld 230 
Mayer, Ordner 25, Schriftverkehr 040 1201 0 020220 10, S. 487. 


b) Besprechung am 3. Februar 2010 in 
Manching 

Teilnehmer an der Besprechung waren neben dem Pro- 
jektleiter der Zeuge Wolf gang Steiger als Leiter ML der 
WTD und der Zeuge Knöpf el als Referent im fach- 
aufsichtsführenden Referat BMVg Rü VI 2^^^ sowie ein 
Angehöriger des Referates BMVg Fü L II 5 und Vertreter 
der Firmen EuroHawk GmbH, Northrop Grumman und 
EADS.339 

aa) Standpunkt von Northrop Grumman 

aaa) Erkenntnisgewinn zu den (nicht) leistbaren 
Anforderungen der Musterprüfung des 
Full Scale Demonstrators 

In der Besprechung teilten Vertreter der Firma Northrop 
Grumman mit, dass der Full Scale Demonstrator keine 
geeignete Grundlage mehr für die Musterzulassung der 
Serie sei. In der entsprechenden Präsentation dazu heißt 
es „The Current Euro Hawk Full Scale Demonstrator 
Will Never Meet the Requirements of a Comprehensive 
Type Inspection Program'' Begründet wurde diese 
Feststellung mit der Erkenntnis, dass die Forderungen der 
WTD 61 /ML für die umfassende Musterprüfung des Full 
Scale Demonstrators, der sich bereits in der Fertigstellung 
befand, nicht mehr innerhalb des beabsichtigten Zeit- und 
Kostenrahmens erfüllt werden könnten. Die vorhandenen 
Unterlagen reichten dazu in Umfang und Güte nicht 
aus.341 

Der Abteilungsleiter AIN, MD Selhausen, hat dies bestä- 
tigt: 

„[...] in dieser Besprechung hat die Firma [Nor- 
throp Grumman, Anm.] vorgetragen, dass sie die 
notwendigen Daten für eine umfassende Muster- 
zulassung des Full Scale Demonstrators nicht 
wird liefern können.“342 

(1) Kritik 

In seiner Vernehmung hat der Leiter ML, DirWTD 
Wolfgang Steiger, dazu Stellung genommen: 

„Auch die Aussage [...] der Firma Northrop 
Grumman, sie war davon überrascht, was bei uns 
gefordert wird: Da kann ich nur sagen, die Firma 
Northrop Grumman hat keine Ahnung, wenn das 
denn stimmt, wie ein Musterprü^rozess mit dem 
Ziel einer Musterzulassung oder im angelsächsi- 
schen Term ein Type Certificate durchgeführt 
werden muss. Das ist in den USA nicht anders als 
hier bei uns. 


337 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 69. 

338 Knöpfei, Protokoll-Nr. 4, S. 18. 

339 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 30. 

340 MAT 17-79 BMVg zu BB 17-59, WTD 61, Geschäftsfeld 230 
Mayer, Ordner 26, Schriftverkehr 0302201 0 1 30220 10, S. 223. 

341 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 30. 

342 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 67. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-73- 


Drucksache 17/14650 


Wenn die Firma Northrop Grumman bisher keine 
Luftfahrzeugmuster entwickelt und qualifiziert 
hat, die diesem Anspruch genügen mussten, dann 
mag das schon so sein, dass sie davon überrascht 

wurden. “343 

Die Nachfrage, ob mit dem Musterprüfrahmenprogramm 
die Voraussetzungen für die Musterzulassung im Vertrag 
dezidiert niedergeschrieben waren, hat er ausdrücklich 
bestätigt: 

„Richtig. Das ist richtig.“344 

Auf die weitere Frage, wieso Northrop Grumman über- 
rascht gewesen sein könne, wenn doch alles schriftlich 
detailliert Vertragsbestandteil geworden sei und Northrop 
Grumman dies doch habe nachlesen können, hat er geant- 
wortet: 

„Da haben Sie recht. Das ist, denke ich, auch eine 
gute Frage. Aber die sollten Sie dem Vertreter der 
Northrop Grumman stellen.“345 

Ähnlich hat dies der Projektleiter Rüdiger Knöpf el bewertet: 

„Ja, sie hatten es schriftlich vorliegen. Aber nach 
unserer Ansicht, so wie es sich im Projektanfang 
ergab, haben sie es nicht verstanden gehabt, und 
weil sie es nicht verstanden haben, haben sie auch 
die Notwendigkeit erkannt, sich Unterstützung 
aus dem europäischen Raum zu holen: Dort 
wurde eine Dame engagiert, die aus dem Airbus- 
Geschäft kommt und die ihnen dann erst mal er- 
klärt hat, was die Anforderungen einer europäi- 
schen Zulassung sind. Das heißt, aufseiten der 
Industrie war es ein schwerwiegender Lernpro- 
zess. “346 

(2) Einlassungen von Northrop Grumman 

In diesem Zusammenhang wurde auch der heutige Vize- 
präsident von Northrop Grumman Aerospace Systems, 
Janis G Pamiljans, auf diese Umstände angesprochen. 

Zunächst hat dieser in dem Eingangs Statement seiner 
Zeugenvernehmung zur luftfahrtrechtlichen Zulassung 
gesagt, dass nach dem Vertrag die „ deutschen Flugtaug- 
lichkeitsprüfungen maßgeschneidert auf das schon exis- 
tierende Flugzeug abgestimmt und existente flugtaugliche 
Produkte und Prozesse sowie Zulassungen der US Air 
Force verwendet werden “ sollten. Er hat betont: 

„Das Programm war nicht darauf ausgelegt - und 
es war auch nicht beabsichtigt -, neue Dokumen- 
tationen für den Euro Hawk zu schaffen. [...] Der 
Vertrag erforderte keine Designänderungen oder 
erneute Tests auf der Ebene des Flugzeugsystems, 
um die deutsche luftfahrtrechtliche Zulassung zu 

erlangen.“347 


343 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 80. 

344 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 83. 

345 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 83. 

346 Knöpfei, Protokoll-Nr. 4, S. 65. 

347 Pamiljans, Protokoll-Nr. 6, S. 60. 


Sie seien davon ausgegangen, dass dies „mit der deut- 
schen Zulassungsbehörde vor Vertragsschluss abge- 
stimmt'' worden sei. 348 Sodann 

„wurden [...] nach dem finalen Design-Review 
zusätzliche erhebliche Zulassungsaktivitäten von 
der deutschen Zulassungsbehörde eingefordert. 
Diese Aktivitäten lagen außerhalb des Rahmens 
des ursprünglichen Vertrages und hatten erhebli- 
che negative Auswirkungen auf Projektkosten 
und Zeitplan.“349 

Der Zeuge Janis G Pamiljans hat geäußert, die Anforde- 
rungen an die Zulassung hätten nach Einschätzung 
NGISSI von der persönlichen Ansicht des zuständigen 
Personals abgehangen: 

„Aber als das Programm voranschritt, änderte 
sich mit neuen zuständigen Personen bei der Zu- 
lassung diese Interpretation und Herangehens- 
weise. Es wurden neue Erwartungen an die Mus- 
terzulassung artikuliert, die vom vertraglichen 
Konzept abwichen. “350 

Die Verantwortung für die neue Situation hat er bei der 
WTD 61 gesehen: 

„Die WTD 61 /ML verlangte wesentlich weiter 
gehende Daten, als sie für die US-Air-Force-Zu- 
lassung vorbereitet waren, und die auch nicht 
durch den Vertrag vorgesehen waren.“35i 

Auf den damit entstandenen Widerspruch, dass nach Be- 
richten der WTD 61 die Anforderungen an die deutsche 
Musterzulassung schon bei Vertrags Schluss klar kommu- 
niziert gewesen seien, während er sage, dass sich diese 
erst nach Vertragsschluss geändert hätten, hat sich der 
Zeuge Pamiljans folgendermaßen eingelassen: 

„Die Anforderungen bezogen sich auf den maß- 
geschneiderten Ansatz, auf das Festpreiselement, 
das im Vertrag stand. [...] Und deswegen haben 
wir den Festpreis vertrag auch unterschrieben. 

Die deutschen Anforderungen waren damals 
noch nicht voll und ganz festgelegt. Hätten wir 
das damals vorliegen gehabt, hätte es diese deut- 
schen Anforderungen gegeben und hätten wir da- 
von gewusst, dann hätten wir den Vertrag anders 
unterschrieben. Aber das war nicht so. [. . .]“352 

Ihm wurde sodann das Musterprüfrahmenprogramm353 
aus dem Vertrag vom 31. Januar 2007 vorgehalten. 
Grundlegend hat er dazu gesagt: 

„Wenn das Dokument [. . .] formell in den Vertrag 
übernommen worden ist, dann gehe ich davon 
aus, dass wir das auch umgesetzt haben bei der 
Ausführung des Vertrages. Das haben wir sicher- 


348 Pamiljans, Protokoll-Nr. 6, S. 60. 

349 Pamiljans, Protokoll-Nr. 6, S. 60. 

350 Pamiljans, Protokoll-Nr. 6, S. 60. 

351 Pamiljans, Protokoll-Nr. 6, S. 60. 

352 Pamiljans, Protokoll-Nr. 6, S. 89. 

353 MAT 17-6 BMVg zu BB 17-1, Ordner 1, S. 356. 



Drucksache 17/14650 


-74- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


lieh so verstanden in unserem Unternehmen, als 
wir den Festpreisvertrag unterschrieben ha- 

ben.‘‘354 

In ähnlicher Weise hat er sich geäußert, als er noch auf 
einzelne Punkte des Musterprüfrahmenprogramms ange- 
sprochen wurde. 

bbb) Lösungsvorschlag 

Die Vertreter von Northrop Grumman schlugen in der Be- 
sprechung vor: 

die Musterprüfung für die EURO HAWK Serie 
auf Basis des Full Scale Demonstrators zu- 
rückzustellen, 

- den Umfang der Musterprüfung für den Full 
Scale Demonstrator auf eine Prototypenprü- 
fung zu reduzieren und 

- dabei - vor dem Hintergrund der bereits fest- 
gestellten Bauunterschiede zwischen dem Full 
Scale Demonstrator und der zukünftigen 
EURO HAWK Serie - den zusätzlichen Auf- 
wand für die Musterzulassung der EURO 

HAWK Serie zu identifizieren. “^56 

Den neuen Ansatz („Revised Approach sahen sie in der 
Zertifizierungsstrategie „Prototype-Plus‘\ d. h. einer 
Prototypenzulassung nach der ZDv 19/1 Nr. 233 ff und 
als „Plus“ die Beigabe der Dokumentation nach dem 
amerikanischen Zulassungsrecht gemäß den USAR-Re- 

geln.358 

In ihrer Präsentation gegenüber den Fachleuten der Bun- 
deswehr gingen die Vertreter von Northrop Grumman 
auch auf die genauen Zulassungsvoraussetzungen nach 
der ZDv 19/1 ein und erklärten ihnen unter anderem die 
Unterschiede zwischen einer vereinfachten, einer ergän- 
zenden und einer umfassenden Musterprüfung nach der 
ZDv 19/1 Nr. 219-221. 

bb) Bewertung und Entscheidung des 
Projektleiters 

In der Rückschau gab der Zeuge Knöpfei, der in der Be- 
sprechung seinerzeit die Fachaufsicht des BMVg vertrat, 
mehrere Gründe an, die bei der Entscheidungsfindung 
eine Rolle gespielt hätten. 

Zunächst hätten sie damals bereits im Zuge der Projektie- 
rungsphase die Erkenntnis gewonnen, dass sich die spä- 
tere EURO HAWK- Serie technisch in wesentlichen Tei- 
len von dem Full Scale Demonstrator unterscheiden 
werde. Dieses sei einerseits in der Fortentwicklung des 


354 Pamiljans, Protokoll-Nr. 6, S. 90. 

355 Pamiljans, Protokoll-Nr. 6, S. 92 f. 

356 MAX 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EUROHAWK, S. 31. 

357 mAT 17-12 BMVg zu BB 17-7, WTD 61, MVZS, Ordner 1, ZDv 19, 
S. 19 f. 

358 MAT 17-79 BMVg zu BB-17-59, WTD 61, Geschäftsfeld 230 
Mayer, Ordner 26, Schriftverkehr 030220 10_1 30220 10, S. 229. 

359 Knöpfei, Protokoll-Nr. 4, S. 10. 


GLOBAL HAWK selbst begründet gewesen. Zum ande- 
ren hätten sie zu diesem Zeitpunkt bereits Zusatzforde- 
rungen wie z. B. die Notwendigkeit eines Anti-Icing- Sys- 
tems identifiziert. Er hat dazu gesagt: 

„Bei einem Festhalten an einer umfassenden 
Musterprüfung für den Full Scale Demonstrator 
hätte ich Bemühen beauftragt, was überhaupt 
nicht mehr relevant gewesen wäre. Das heißt, ich 
hätte Mehrkosten verursacht, die wahrscheinlich 
umsonst gewesen wären. 

Der Aspekt der technischen Abweichungen habe sich 
auch auf die beabsichtigte Nutzungsdauer des Full Scale 
Demonstrators ausgewirkt. Eine umfassende Muster- 
prüfung sei auf eine Betriebsdauer über 20 Jahre bzw. 
20 000 Flugstunden ausgelegt. So sei jedoch absehbar ge- 
wesen, dass der Prototyp in der bestehenden Form nicht 
mehr so lange betrieben würde. 

Zudem hätten sie das Ziel gehabt, „ mit dem operationei- 
len Einsatz des Full Scale Demonstrators im Rahmen der 
Anfangsflugbefähigung die Fähigkeitslücke schnellst- 
möglich zu stopfen” Denn im gleichen Jahr stand die 
Ausphasung des letzten Systems der Breguet Atlantic 
1150 bevor.364 

aaa) Zweck des Full Scale Demonstrators 

Hinsichtlich der Beweggründe der damaligen Entschei- 
dungsfindung ist LTRDir Knöpfei weiterhin mehrfach de- 
tailliert auf den ursprünglichen Zweck des Prototypen 
eingegangen. Die Frage, ob es von Anfang an - also mit 
Beginn des Projektes im Jahr 2002 - klar gewesen sei, 
dass der Full Scale Demonstrator nur für die Erprobung 
und Anfangsflugbefähigung des Systems eingesetzt wer- 
den sollte, hat der Zeuge Knöpfei mit den Worten bestä- 
tigt: 

„So ist es - vorbehaltlich einer späteren Hochrüs- 
tung auf den Serienstandard. 

Zu der sogenannten Anfangsflugbefähigung hat er sodann 
näher ausgeführt: 

„[...] das Ziel war, einen Full Scale Demonstrator 
nicht nur für die Erprobungszwecke zu bauen, 
sondern, mit dem Wissen, dass die Serie sowieso 
etwas später zuläuft, diesen Bereich der totalen 
Fähigkeitslücke dadurch zu überbrücken, dass 
wir die sogenannte Anfangsflugbefähigung [...] 
eingerichtet haben. Das heißt, dort sollte in einge- 
schränktem Maße - weil ein Full Scale Demonstra- 
tor natürlich nicht vier Flugzeuge ersetzen kann - 
zumindest diese erhebliche Fähigkeitslücke abge- 
mildert werden durch Operationellen Einsatz. 
[...r366 


360 Knöpfet, Protokoll-Nr. 4, S. 9. 

361 Knöpfei, Protokoll-Nr. 4, S. 10. 

362 Knöpfet, Protokoll-Nr. 4, S. 10. 

363 Knöpfei, Protokoll-Nr. 4, S. 10. 

364 Schneiderhan, Protokoll-Nr. 3, S. 4. 

365 Knöpf el, Protokoll-Nr. 4, S. 19. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-75- 


Drucksache 17/14650 


Bei anderer Gelegenheit ist er dann noch einmal auf die 
ursprünglich beabsichtigte Hochrüstung des Full Scale 
Demonstrators eingegangen: 

„Es war geplant, später im Rahmen der Einfüh- 
rungsphase den Full Scale Demonstrator auf den 
technischen Stand der Serie hochzurüsten. Dann 
hätte er dem Muster entsprochen und wäre un- 
weigerlich unter die sowieso dann schon vorhan- 
dene Musterzulassung subsumiert worden. Es 
wurde aber im Bereich dieser Projektierungs- 
phase zum damaligen Zeitpunkt schon bekannt, 
dass wahrscheinlich der Aufwand, den Full Scale 
Demonstrator auf den Serienstandard später 
hochzurüsten, wahrscheinlich auch in keinem 
wirtschaftlichen Verhältnis stehen könnte. Inso- 
fern war das aber unschädlich, weil für die 
geplanten Nutzungsarten, nämlich Erprobung 
während der Projektierungsphase und der An- 
fangsflugbefähigung, eine Vorläufige Verkehrs- 
zulassung vollkommen ausreichend war und auch 
so geplant war.“^^'^ 

bbb) Bedeutung der Vorläufigen Verkehrs- 
zulassung 

Zur Bedeutung der Vorläufigen Verkehrszulassung hat 
LTRDir Knöpfei während seiner Vernehmung klargestellt: 

„Die luftfahrtrechtliche Zulassung für den Full 
Scale Demonstrator war, wie immer schon ge- 
plant, im Rahmen einer WZ, also einer Vorläufi- 
gen Verkehrszulassung, zu erreichen. Das war 
Ziel und Streben des Projektleiters während der 
Projektierungsphase. 

An anderer Stelle hat der Zeuge Rüdiger Knöpfei dazu ge- 
sagt: 

„[...] wobei [...] [von Anfang an klar war], dass 
der Full Scale Demonstrator in seiner technischen 
Ausführung als Demonstrator nur mit einer WZ 
betrieben werden kann.“^^^ 

Dem Zeugen wurde in seiner Vernehmung daraufhin vor- 
gehalten, dass dies in den Projektstatusberichten in der 
Zeit von 2007 bis 2010 anders festgehalten gewesen sei. 
In dem Projektstatusbericht vom 30. September 2007 fin- 
det sich dazu unter der Rubrik „17 Sonstige Störgrößen 
aus Sicht des Projektleiters“ unter „4.) Musterzulassung 
EURO HAWK“ die Feststellung: 

„Gern. Vertrag ist eine Musterzulassung nach Ka- 
tegorie 3 gern. LTF 1550-001 angestrebt. Kurz- 
fristige Einschränkungen auf Kategorie 2 im Rah- 
men des Erprobungsbetriebes sind akzeptabel. 

Letzteres wurde im Projektstatusbericht vom 31. Dezem- 
ber 2007 noch ergänzt um die Formulierung „und An- 


366 Knöpf el, Protokoll-Nr. 4, S. 20. 

367 Knöpfei Protokoll-Nr. 4, S. 19. 

368 Knöpfel Protokoll-Nr. 4, S. 15 f. 

369 Knöpfel Protokoll-Nr. 4, S. 31. 

370 MAT 17-42 BMVg zu BB 17-43, Ordner 1, S. 251. 


fangsflugbetriebs des Full Scale Demonstrators''?^^ 
Diese Feststellungen wurden bis einschließlich des Pro- 
jektstatusberichtes vom 31. März 2010 so beibehalten. 

Zu diesem Widerspruch hat sich der Zeuge Rüdiger 
Knöpfel folgendermaßen eingelassen: 

„Ja, diese Formulierung ist leider falsch, weil 
man damals auch immer schon davon ausging: 

Wir blicken ja auf die Serie [...]. Weil für die Se- 
rie natürlich eine Musterzulassung angestrebt 
wurde. Konkret ist: Aus dem Vertrag geht nur 
hervor, dass wir eine umfassende Musterprüfung 
im Rahmen des Full Scale Demonstrators ange- 
strebt haben, damit wir später für eine Serie die 
Musterzulassung aussprechen können. [. . .]“372 

Des Weiteren hat er darauf verwiesen, dass von Anfang 
an eine militärische und keine zivile Zulassung des 
EURO HAWK geplant gewesen sei. Doch unabhängig 
davon, ob es sich um eine zivile oder eine militärische 
Zulassung handele, müssten beide Zulassungsarten die 
Verkehrssicherheit zur Teilnahme am Luftverkehr bestäti- 
gen. Dieses hätten sie für den Full Scale Demonstrator 
auch erreicht: 

„Wir haben eine Zulassung, eine vorläufige Ver- 
kehrszulassung, die uns die Verkehrssicherheit 
zur Teilnahme am Luftverkehr bestätigt. 

Nach seinen Angaben kann eine Vorläufige Verkehrszu- 
lassung auf zwei Wegen erlangt werden: 

„Um eine vorläufige Verkehrszulassung zu errei- 
chen, kann ich eine Prototypenprüfling durchfüh- 
ren oder kann auch darüber hinausgehen, eine 
umfassende Musterprüfung zu machen; aber bei- 
des reicht aus, um eine vorläufige Verkehrszulas- 
sung zu erstellen. Das war das geplante Vorgehen 
für die Projektierungsphase und die anschlie- 
ßende Anfangsflugbefähigung. Ziel war es, für 
die später zu realisierende Serie eine Musterzu- 
lassung zu erreichen. Dazu gehören eine umfas- 
sende oder andere Arten der Musterprüfung, und 
dies sollte vereinfacht auch schon im Rahmen der 
Projektierungsphase durchgeführt werden.“^'^^ 

ccc) Unterschied Musterprüfung - Prototypen- 
prüfung 

Um die Beweggründe weiter zu erläutern, hat LTRDir 
Knöpfel zudem auch die jeweilige Bedeutung einer Mus- 
terprüfung bzw. einer Prototypenprüfung näher erläutert. 
Er hat dargelegt, dass die Prototypenprüfung eine Teil- 
menge der umfassenden Musterprüfung darstelle: 

„[...] ist die Prototypenprüfung eine Teilmenge 
der umfassenden Musterprüfung. Das heißt, es 
werden dort nicht alle Dinge angesprochen, die 


371 MAT 17-42 BMVg zu BB 17-43, Ordner 1, S. 286. 

372 Knöpfel Protokoll-Nr. 4, S. 32 f. 

373 Knöpfel Protokoll-Nr. 4, S. 30. 

374 ^7zö/7/e/,Protokoll-Nr. 4, S. 31. 

375 Knöpfel Protokoll-Nr. 4, S. 40. 



Drucksache 17/14650 


-76- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


später für eine Serie erforderlich sind, wenn ich 
beabsichtige, dieses System für eine sehr lange 
Zeit zu nutzen. 

Der Zeuge hat sich zudem zu der unterschiedlichen Be- 
triebsdauer geäußert: 

„Wir reden hier von einer geplanten Betriebs- 
dauer über 20 Jahre hinaus und über mehr als 
20 000 Flugstunden pro Luftfahrzeug; denn das 
ist die Grundlage für [...] die umfassende Mus- 
terprüfüng [...], nicht nur wie eine Prototypen- 
prüfüng für die nächsten 1 000 Stunden. 

Für den Full Scale Demonstrator sei dies nach Ansicht 
des Zeugen die an sich vorgesehene Zulassungsart gewe- 
sen: 

„Die Vorgehensweise für die Projektierungsphase 
war, den Prototypen mit einer vorläufigen Ver- 
kehrszulassung in die Luft zu bekommen. Genau 
an diesen Plan haben wir uns gehalten. Das ist 
jetzt kein böses Hilfsmittel, sondern es ist genau 
[eine vorläufige Verkehrszulassung, Anm.] für 
Prototypen vorgesehen [. . 

Der Leiter ML hat diese Einschätzung wiederholt: 

„Dass der Full Scale Demonstrator als Prototyp 
seine Flugerprobung machen sollte, das war von 
jeher vorgesehen. Es war also nie vorgesehen, 
dass der Erstflug des Prototypen oder der Erstflug 
des FSD bereits mit einer existierenden Muster- 
zulassung erfolgen kann.“^'^^ 

Der Zeuge Knöpf el hat weiter ausgeführt, dass man bei 
der Durchführung einer Musterzulassung auf eine bereits 
durchgeführte Prototypenprüfung zurückgreifen könne: 

„Später, mit der Serie, mit dem Festschreiben ei- 
nes Musters, hätten wir dann die umfassende 
Musterprüfung, aufbauend auf der Teilmenge, die 
wir schon gemacht haben, weiter fortgeführt. 
Dann wäre im Zuge der Einführungsphase noch 
zu entscheiden gewesen, ob wir den Full Scale 
Demonstrator auf den gleichen technischen Stand 
gehoben hätten wie die Serie, oder wir hätten ihn 
so belassen und weitergeflogen, bis es nicht mehr 

geht.‘‘38o 

ddd) Verschieben der Aktivitäten 

Die dann getroffene Entscheidung hat der Zeuge Knöpfei 
wie folgt zusammengefasst: 

„Deswegen haben wir zu diesem Zeitpunkt zur 
Vermeidung von weiteren Kosten die umfassende 
Musterprüfung für die spätere Serie weiterge- 
schoben, und wir haben uns auf eine Prototypen- 
prüfung konzentriert, die eine Teilmenge der um- 


376 Knöpfel, Protokoll-Nr. 4, S. 17. 

377 Knöpfel Protokoll-Nr. 4, S. 7. 

378 Knöpfel Protokoll-Nr. 4, S. 39 f. 

379 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 69. 

380 Knöpfel Protokoll-Nr. 4, S. 19 f. 


fassenden Musterprüfung ist. Das heißt, das, was 
wir dort gemacht haben, war nicht verloren, son- 
dern konnte als Kembestand nachher für die um- 
fassende Musterprüfüng weitergenutzt werden, 
aber dann mit dem sicheren Standpunkt, dass wir 
den technischen Zustand der Serie genau definiert 

haben.‘‘38i 

Getroffen wurde sie von dem damaligen Projektleiter. Als 
anwesender Referent der Fachaufsicht, d. h. des Referates 
BMVg Rü VI 2, trug LTRDir Knöpfel diese Entscheidung 
mit.3^2 

Der ebenfalls bei der Besprechung anwesende Leiter ML, 
DirWTD Steiger, hat in seiner Aussage herausgestellt, 
dass die Vertreter der Bundeswehr diese Entscheidung 
nicht ohne Diskussion getroffen hätten: 

„Es war mit Sicherheit nicht so, dass man sich in 
zwei Minuten oder in fünf Minuten einig war, 
dass das ein guter Weg ist, sondern man hat, so- 
weit ich mich erinnere, die Vor- und Nachteile 
schon diskutiert: Was hat das für Konsequenzen? 

Und es ging ja auch erst mal nicht darum, die 
Musterzulassung komplett fallenzulassen, son- 
dern hintenanzustellen und dem Prototypen den 
Vorzug zu geben. 

Für seine Dienststelle, d. h. für die Musterprüfung bzw. 
Musterzulassung, seien die Konsequenzen nicht so ausge- 
prägt gewesen. Denn die Aufgabe habe sowieso „darin 
bestanden, den Full Scale Demonstrator so zu prüfen, 
dass er als Prototyp betrieben werden ‘‘ könne, wie es von 
Anfang an vorgesehen gewesen sei. Die Musterprüfüng 
habe „begleitend als [...] Fundament für die Schaffung 
der Grundlagen der Vorläufigen Verkehrszulassung fort- 
geführt“ werden sollen.^^^ 

Zu den weiteren Konsequenzen hat er gesagt: 

„Die Aspekte für die Serie wurden sicherlich be- 
trachtet dabei. Aber zu dem Zeitpunkt wurde vom 
Projektmanagement - und auch von der Vorha- 
benaufsicht, soweit ich mich erinnere - eben dem 
Aspekt der möglichst schnellen Verfügbarkeit ei- 
nes Trägers für die Missionsausrüstung der Vor- 
rang gegeben.“^^^ 

Steiger selbst sei nicht begeistert in das Gespräch gegan- 
gen. Auch seien seinerzeit Risiken angesprochen wor- 
den. . . 

„Wir haben also schon darauf hingewiesen, dass, 
wenn wir die Musterprüfung jetzt [quasi] ausset- 
zen, das ein Risiko darstellt für das weitere Pro- 
jekt.“^^^ 

. . . wie auch möglicher Mehraufwand: 


381 Knöpfel Protokoll-Nr. 4, S. 40. 

382 Knöpfel Protokoll-Nr. 4, S. 10. 

383 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 87. 

384 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 87. 

385 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 87. 

386 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 88. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-77- 


Drucksache 17/14650 


„Alles das, was man vorher nicht machen kann, 
muss man halt später machen. Das war ja klar. 
Und dass das natürlich zusätzliche Risiken und 
auch zusätzlichen Aufwand dann für eine spätere 
Serie mit sich bringen kann, das war, glaube ich, 
zu dem Zeitpunkt schon erkannt.“^^'^ 

Man müsse zudem davon ausgehen, dass auch erkannt 
wurde, dass es teurer werde.^^^ 

Auf Nachfrage hat er erklärt, dass nach seiner Erinnerung 
bei der Besprechung nicht darüber gesprochen worden 
sei, dass mit der Entscheidung der Vertrag geändert werde 
oder dass man auf Leistungen verzichte. Auf die Frage, 
ob die Entscheidung im Hinblick auf das gesamte Projekt 
eher als Fortschritt oder als Problem zu bewerten sei, hat 
er klargestellt: 

„Wenn man den Schwerpunkt auf die Qualifika- 
tion der Missionsausrüstung legt oder gelegt hat, 
dann war das sicherlich zu dem Zeitpunkt der ein- 
zige Weg, die Missionsausrüstung möglichst 
schnell in die Luft zu bekommen, um sie qualifi- 
zieren zu können. Das ist aus meiner Sicht ganz 
unzweifelhaft der Fall gewesen. 

eee) Weiterer Verlauf 

Nach Angaben des Leiters ML, DirWTD Steiger, habe 
man sich dann „in seinem Haus“ auf die Musterzulassung 
für die Vorläufige Verkehrszulassung des Prototypen, 
d. h. die Prototypenprüfung, konzentriert. Zudem sei auch 
weiterhin versucht worden, das Musterprüfprogramm ab- 
zustimmen.3^1 

Es wurde schließlich am 25. Juni 2010 die erste Version 
einer Vorläufigen Verkehrszulassung für den Full Scale 
Demonstrator erteilt,^^^ die nach Angaben des Leiters 
ML, Wolfgang Steiger, „mit rund 70 Limitierungen 
verbunden ist: 

„Es gibt Einschränkungen [...] im Bereich Wet- 
ter, weil das System keine Anti-Icing-Einrichtung 
hat. Das hat [...] zu entsprechenden Flugausfäl- 
len [...] im Winterhalbjahr [geführt, Anm.]. Es 
gibt bestimmte Auflagen im Bereich der Über- 
prüfung von Systemen [. . .] und es gibt auch Auf- 
lagen im Bereich des Handlings des Luftfahrzeu- 
ges, im Bereich der Wartung, Instandsetzung, im 
Bereich der Vorschriften. Das sind natürlich In- 
dustrievorschriften, die für eine Nutzung oder für 
eine Verwendung in einem Verband, in der 
Truppe, entsprechend angepasst werden müs- 

sen.“394 


Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 88. 

388 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 88. 

389 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 104. 

390 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 88. 

391 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 88. 

392 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 32. 

393 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 75. 

394 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 90. 


Begrenzt ist auch die Zahl der Flugstunden, die vom Zeu- 
gen Knöpfei mit 800^^^ und vom Zeugen Steiger mit 
1 000^9^ Stunden beziffert wurden. 

c) Unterrichtung über die getroffene 
Entscheidung 

aa) Auf dem Dienstweg 

Über die in der Besprechung vom 3. Februar 2010 getrof- 
fene Entscheidung wurde auf dem Dienstweg nicht be- 
richtet. Nach den Erkenntnissen der Ad-hoc Arbeits- 
gruppe EURO HAWK hat LTRDir Knöpfei seinen 
Referatsleiter im Nachgang zu der Besprechung mündlich 
über die Entscheidung unterrichtet. 

Es ist jedoch kein Bericht vom Projektleiter an das Refe- 
rat BMVg Rü VI 2 als Fachaufsicht ergangen. Zugleich 
habe das Referat Rü VI 2 den Hauptabteilungsleiter Rüs- 
tung weder per Vorlage noch mündlich darüber unterrich- 
tet.398 

Der Präsident des BWB, heute BAAINBw, Harald Stein, 
hat in seiner Vernehmung dazu erklärt: 

„Solche Dinge werden im Rahmen der Abtei- 
lungsleiterrunde angesprochen, wenn überhaupt 
festgestellt wurde: ,Wir haben wieder eine Verzö- 
gerung bei Euro Hawk‘, und dann wird natürlich 
der Sache nachgegangen: Woran liegt es dann? 

Es gab dann verschiedenste Argumentationen. 

Ein Thema habe ich schon in meinem Eingangs- 
statement angesprochen: dass es oft auf fehlender 
personeller Bearbeitungskapazität beruhen solle. 

In dem Bereich waren wir ja auch in der Lage, so- 
weit es unsere Mittel erlaubten, dann auch nach- 
zusteuern. 

Auf die Frage, ob er seine Erkenntnis weitergemeldet 
habe, hat Präsident Stein geantwortet: 

„Im ganz normalen Berichtswege sind Probleme, 
wenn sie eine bestimmte Größenordnung erreicht 
haben, an das BMVg weitergemeldet worden. 
Zudem gibt es unser Berichtswesen Controlling, 
VOCON, Vorhabencontrolling, was befällt wird 
durch den Projektleiter, dann verschiedene Stufen 
der Bewertung durchläuft und was auch in der 
Fachaufsicht im BMVg zur Verfügung steht, “^oo 

bb) In den Projekstatusberichten 

Auch in den Projekstatusberichten findet sich kein ein- 
deutiger Hinweis auf die getroffene Entscheidung.^oi 


395 Knöpfet, Protokoll-Nr. 4, S. 42. 

396 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 75. 

397 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 31. 

398 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 31. 

399 Stein, Protokoll-Nr. 4, S. 128. 

400 Stein, Protokoll-Nr. 4, S. 128. 

401 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 31. 



Drucksache 17/14650 


-78- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


Im Vergleich zu den vorangehenden Projektstatusberich- 
ten führt der Projektleiter im Projektstatusbericht vom 
31. März 2011 unter der Rubrik 17 „Sonstige Störgrößen 
aus Sicht des Projektleiters“ zur Musterzulassung EURO 
HAWK lediglich erstmals aus: 

„Nach aktueller Einschätzung seitens ML wird 
der EURO HAWK FSD auch während seiner ge- 
samten Nutzung nur mit einer WZ betrieben 

werden können. “^02 

cc) Auf anderen Kommunikationswegen 

Auf die Frage, ob er „jenseits von Vorlagen auf anderem 
Kommunikationsweg von dieser Entscheidung erfahren “ 
habe, hat der Abteilungsleiter AIN Detlef Selhausen aus- 
gesagt, dass er „dieses so nicht erfahren“ habe.^^^ Er 
habe „ auf jeden Fall nicht gewusst, dass eine Entschei- 
dung getroffen worden ist, dass Kostenrisiken auf die Se- 
rie verlagert werden 

Auf Nachfrage, ob er anderthalb Jahre lang nicht gewusst 
habe, dass die Musterzulassung für den Demonstrator 
nicht mehr verfolgt werde, hat er geantwortet: 

„Mir ist das erst richtig deutlich geworden infolge 
der Besprechung vom 24. November 2011 

dd) Rückblickende Bewertung 

Als der Zeuge Knöpfei, der seinerzeit als Vertreter der 
Fachaufsicht zugegen war, auf die unterbliebene Weiter- 
meldung der in der Besprechung am 3. Februar 2010 ge- 
troffenen Entscheidung angesprochen wurde, hat er aus- 
gesagt: 

„Mit dieser Entscheidung haben wir nach unserer 
Sicht ein Problem gelöst, und wir mussten eigent- 
lich nicht mehr über ein Problem berichten. Im 
Rückblick auf die jetzige Entwicklung kann ich 
sagen: Ja gut, da hätten wir wahrscheinlich besser 
berichten müssen, aber zu dem damaligen Zeit- 
punkt haben wir wirklich das Gefühl gehabt: Wir 
haben ein Problem gelöst, und jetzt geht es wei- 

ter.“406 

Der Präsident des BAAINBw, Harald Stein, hat in seiner 
Aussage für dieses Vorgehen sein Verständnis geäußert: 

„Es war für den Zeitpunkt Februar 2010, den Sie 
ja ansprechen, sicherlich begründbar und ver- 
ständlich für die handelnden Personen, ob es nun 
der Projektleiter war oder auch die Vorhabenauf- 
sicht im Ministerium, und nachvollziehbar, dass 
man sich für die Musterzulassung auf die Serie 
beschränkt, weil eben die Konstruktions stände 
wohl, so war die Erkenntnis zu dem Zeitpunkt, 


402 MAT 17-42 BMVg zu BB 17-43, Ordner 2, S. 315. 

403 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 74. 

404 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 74. 

405 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 74. 

406 Knöpfei, Protokoll-Nr. 4, S. 10. 


differieren würden. Von daher kann ich diese Ent- 
scheidung als Ingenieur nachvollziehen. 

Der Abteilungsleiter AIN, damals Abteilungsleiter Rüs- 
tung, MD Selhausen, hat das damalige Vorgehen folgen- 
dermaßen kommentiert: 

„[...] diese Entscheidung hätte [...] schriftlich an 
die Leitung, seinerzeit BWB, und auch schriftlich 
an das BMVg, dann auch an die Leitung AIN, das 
heißt seinerzeit an mich als Abteilungsleiter Rüs- 
tung und an den Hauptabteilungsleiter [berichtet 
werden müssen, Anm.].“408 

Der Bundesminister der Verteidigung Dr Thomas de 
Maiziere hat dazu erklärt: 

„Diese weitreichende Entscheidung wurde trotz 
der von mir genannten Vorgeschichte allein durch 
das Beschaffungsamt auf Vorschlag der Industrie 
entschieden. 

Das Problem wurde schlicht auf später verscho- 

ben.“409 

4. Musterzulassung der Serie 

a) Frühere Kenntnis zur Frage der Ent- 

scheidung der Projektleitung zum 
Umschwenken auf eine 
Prototypenprüfung 

In einer E-Mail an den Direktor der WTD 61, Wolfgang 
Steiger, vom 19. Januar 2012 nahm der Projektleiter 
Rüdiger Knöpfei Bezug auf die Entscheidungen, von ei- 
ner Musterprüfung für den Full Scale Demonstrator abzu- 
weichen. 

„In Anbetracht des schwierigen Lernprozesses 
seitens NG und der trägen insbesondere aus Sicht 
des Musterprüfers unzureichenden Informations- 
freigabe Policy der USAF, bzw. der US- Adminis- 
tration begann Januar 2009 das Umschwenken 
auf eine Prototypen-Prüflmg für den FSD, insbe- 
sondere um die Kosten und den Zeithorizont für 
die Übergabe des FSD an die Truppe in Sicht zu 

behalten.“4io 

Auch das Bundesministerium der Verteidigung und hier 
das Referat Rü VI 2 hat der Zeuge Knöpf el Anfang 2012 
über diese Entwicklung in Kenntnis gesetzt. In einer Un- 
terlage mit dem Titel „Projekt EURO HAWK: Projektierung 
und Einführung“ vom 27. Januar 2012 heißt es unter 3.: 

„Im Jahr 2009 wurde aufgrund des zu erwarten- 
den Bauzustandsunterschiedes des FSD vom 
Serienstandard und des hohen zeitlichen sowie 
finanziellen Risikos des eingeschlagenen Zulas- 
sungsweges eine Prototypenprüfung anstelle ei- 
ner umfassenden Musterprüfung für den FSD 


407 Stein, Protokoll-Nr. 4, S. 137. 

408 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 78. 

409 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 6. 

410 MAT 17-79 E BMVg zu BB 17-59 WTD 61 Wolfgang Steiger, Ord- 
ner 1, E-Mail-Eingang, S. 4. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-79- 


Drucksache 17/14650 


weiter verfolgt. Die umfassende Musterprüfung 
sollte im Zuge der Einführungsphase für den Se- 
rienbauzustand, basierend auf den Ergebnissen 
der Prototypenprüfung, abgeschlossen wer- 
den.‘‘4ii 

b) Entwicklung im Jahr 2011 

Bis Ende 2010 wurden neun Testflüge des Full Scale De- 
monstrators an der Edwards Air Force Base durch- 
geführt.412 Im Frühjahr 2011 wurden dann zeitliche und 
finanzielle Schwierigkeiten beim Projektfortschritt gese- 
hen. So heißt es im Projektstatusbericht vom 31. März 
2011 unter der Rubrik „19.2 Gesamtbewertung PL“: 

„Große technische Probleme werden z. Zt. seitens 
des PL nicht gesehen. Der zeitliche und vor allem 
der kostenseitige Mehrbedarf, vor allem in den 
HHJ 2011 und 2012, aufgrund von Verzögerun- 
gen durch Abhängigkeiten vom USAF-Global 
Hawk Programm und USAF-Dienstleistungen 
und Einrichtungen und zusätzlichen Musterzulas- 
sungsaktivitäten für den EURO HAWK (erstma- 
lig für ein Groß-UAV in DEU/EUROPA), können 
die Beendigung der Entwicklung/Fortführung des 
Projekts jedoch erheblich beeinflussen/gefähr- 

den.“4i3 

aa) Erkenntnis über unterschiedliche 
Zulassungsphilosophien 

Wie bereits dargestellt,^!^ wurde schon in der AF 
SLWÜA davon ausgegangen, dass „ auf die bestehenden 
US-amerikanischen Zulassungen [...] bei der Erarbei- 
tung der erforderlichen nationalen Zulassung zeit- und 
kostensparend aufgebaut werden “ könne.'^i^ Auch bei den 
Vertragsverhandlungen war dies weitere Ausgangsgrund- 

lage.416 

Während in der Anfangszeit die Schwierigkeit darin be- 
stand, überhaupt Zugang zu vielen Unterlagen zu erhal- 
ten,4i'^ erkannten die Beteiligten im weiteren Verlauf, dass 
„der Muster Zulassungsprozess [...] in anderen Ländern 
halt eben ein anderer als bei uns “ ist, wie dies Ministeri- 
alrätin (MRn) Angelika Bauch dargelegt hat.^^^ 

Vor allem im Jahr 2011 kamen die Beteiligten zu der Er- 
kenntnis, dass viele erforderliche Unterlagen überhaupt 
nicht vorhanden waren und erst hätten erstellt werden 
müssen. Der Zeuge LTRDir Rüdiger Knöpfei hat dies in 
seiner Vernehmung folgendermaßen präzisiert: 


411 MAT 17-79 E BMVg zu BB 17-59 WTD 61 Wolfgang Steiger, Ord- 
ner 1, E-Mail-Eingang, S. 9. 

412 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 52. 

413 MAT 17-42 BMVg zu BB 17-43, Ordner 2, S. 320. 

414 Siehe Kapitel A Abschnitt VI.5.a). 

415 MAT 17-9 BMVg zu BB 17-4, Abt. Plg, S. 19. 

416 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 20. 

412 Siehe Kapitel C Abschnitt II. 

418 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 20. 


„Zu Anfang -[...] so bis Mitte 2011 - handelte 
es sich im großen Teil auch darum, dass wir einen 
möglichst tiefen Einblick in vorhandene Unterla- 
gen brauchten, die zum Teil manchmal geschützt 
waren aus ITAR-Gründen. Deswegen durften wir 
offiziell nicht reinschauen. Unsere Leute vor Ort 
haben es aber auch geschafft, dass trotzdem Wege 
gefunden wurden [...]. Aber mit dem weiteren 
Nachbohren nach tiefer liegenden Dokumenten 
wurde offensichtlich, dass viele dieser Doku- 
mente, weil sie im amerikanischen Zulassungs- 
rahmen gar nicht gefordert werden, gar nicht vor- 
liegen. Das heißt, Unterauftragnehmer von 
Unterauftragnehmem haben technische Doku- 
mentationen für die Ersatzteile oder für die Teile, 
die sie geliefert haben, gar nicht erstellt, weil sie 
nicht beauftragt wurden. 

Wir, nach unserem System, brauchen erstens die 
Spezifikation ,Was macht das System? ‘, die Be- 
wertung ,Ist es insgesamt verkehrssicher, trägt es 
zur Verkehrssicherheit bei?‘, den Nachweis, dass 
es das auch erfüllt, und nachher die Integration in 
das Gesamtsystem. 

Im US-amerikanischen System ist das in der 
Tiefe gar nicht vorgesehen und manchmal auch 
gar nicht erwünscht, weil es natürlich Geld kos- 
tet. Das ist auch ein wirtschaftlicher Punkt. Die 
sagen: Der Hersteller hat in anderen Systemen, 
die wir fliegen, schon hervorragende Arbeit ge- 
leistet. Da funktioniert das System. Also gehe ich 
davon aus, dass dieses technische Gerät genauso 
gut funktioniert. - Da ist ein Risiko dabei, aber 
das ist ein überschaubares Risiko, das der US- 
amerikanische [...] Projektleiter oder die techni- 
sche Certification Authority bereit ist zu tragen. 

Wir hingegen brauchen genau diesen Nachweis 

der Dokumente. “4 19 

Der Leiter ML, DirWTD Steiger, bestätigte diese Ent- 
wicklung. Die Aktivitäten im Rahmen der Prototypenprü- 
fung hätten mehr und mehr gezeigt, dass es „ nicht nur um 
fehlende Dokumente geht, sondern dass die Grundlagen 
einfach nicht vorhanden'^ waren bzw. „zumindest nicht 
nachgewiesen werden konnten 

Der frühere Leiter der WTD 61, Direktor einer Wehrtech- 
nischen Dienststelle a. D. Walter Storz, hat in diesem Zu- 
sammenhang erläutert: 

„Wir in Deutschland prüfen ja bis auf die Geräte, 
und andere Nationen sagen: Wir prüfen nur die 
Systeme. - Insofern lagen natürlich für die ein- 
zelnen Geräte bei Northrop Grumman auch gar 
keine Unterlagen vor. Das heißt, die konnten uns 
Qualifikationsnachweise gar nicht geben. Also, 
sie haben sich so ein bisschen zuerst gesperrt, be- 
vor das dann wirklich offensichtlich wurde, dass 
sie selber die Unterlagen nicht haben . “^21 


419 Knöpfet, Protokoll-Nr. 4, S. 62. 

420 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 72. 

421 storz, Protokoll-Nr. 5, S. 101. 



Drucksache 17/14650 


-80- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


Und daher habe man aus Sicht von DirWTD Steiger da- 
von ausgehen müssen, dass diese Grundlagenarbeit für 
die Serie neu gemacht werden müsse. So habe sich im 
Jahr 2011 die Erkenntnis verdichtet, dass die allgemeine 
Zulassung der Serie ohne erheblichen Mehraufwand nicht 
möglich sein werde.422 Hinzu komme, dass Northrop 
Grumman das Luftfahrzeug ja nicht „von A bis Z selber 
hergestellt habe, sondern Komponenten auch von anderen 
Herstellern enthalten und verbaut seien. Da müsse man 
die Frage stellen, was für einen Aufwand es darstelle, bei 
jenen Herstellern die Komponenten zu qualifizieren. ^23 
Der Präsident des BAAINBw, Harald Stein, hat in seiner 
Vernehmung dazu erklärt: 

„Wir müssen die Verkehrssicherheit und die Luft- 
tüchtigkeit des Luftfahrzeuges bestätigen, und 
dazu ist die Kenntnis nicht nur des Gesamtsys- 
tems, sondern auch der Subsysteme bis hin zu 
den Komponenten notwendig, und die Nachweise 
sind in unterschiedlichen Formen durch Testate, 
durch Laboruntersuchungen und auch Flugnach- 
weise zu erbringen. “424 

Der Zeuge Storz hat hierzu bestätigt, dass bei „uns [...] 
jedes Bauteil geprüft sein “ müsse.425 Auf Nachfrage zur 
Lösbarkeit dieses Problems hat DirWTD Steiger ausge- 
sagt: 

„Technisch wäre es sicherlich, denke ich, mög- 
lich, ein System Euro Hawk zu qualifizieren und 
auch eine Musterzulassung dafür zu erreichen. Es 
ist aber eine Frage des Aufwandes. Und das ist 
Geld, und das ist Zeit. Und das halte ich für ein 
Euro-Hawk-Muster wirklich für erheblich. “426 

Auf die Frage, ob zu dem nach dem Vertrag geschuldeten 
Bemühen nicht auch das Bereitstellen fehlender Unterla- 
gen gehöre, hat der Zeuge Knöpfei geantwortet, dass dies 
durchaus der Fall sei. Wenn aber die Industrie darauf ver- 
weise, dass sie diese Unterlagen erst erstellen müsse, 
stelle dies genau das Bemühen dar. Dafür müsse aller- 
dings gezahlt werden.427 

Der Zeuge von Northrop Grumman, Janis G Pamiljans, 
hat diese Entwicklung in seiner Vernehmung folgender- 
maßen kommentiert: 

„Aber diese neuen Änderungen, die hier durchge- 
führt wurden und wo sich WTD 6 1 auch viel Ar- 
beit gemacht hat: Da kamen viele Dokumente ins 
Spiel, die nicht verfügbar waren, die nicht exis- 
tierten; die weder für die amerikanische, für die 
Air-Force-Zulassung [existierten, Anm.], und die 
es folglich auch nicht gab für die deutsche Zulas- 

sung.“428 


422 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 72. 

423 Steiger,Frotoko\\-Nr.4,S.13. 

424 Stein, Protokoll-Nr. 4, S. 124. 

425 Storz, Protokoll-Nr. 5, S. 103. 

426 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 73. 

427 Knöpfei, Protokoll-Nr. 4, S. 63. 

428 Pamiljans, Protokoll-Nr. 6, S. 92. 


Der Zeuge DirWTD a. D. Storz wurde in seiner Verneh- 
mung gefragt, ob die Zulassung des GLOBAL HAWK 
aufgrund einer Ausnahmegenehmigung eines Generals 
der US-Luftwaffe bekannt gewesen sei. Storz hat dazu ge- 
sagt: 

„[...] beim Global Hawk ist das ja eine Aus- 
nahme. Normalerweise sind die Amerikaner auch 
gründlicher und machen zumindest auf einer be- 
stimmten Systemebene die Zulassung oder die 
Prüfung, die Qualifikationsnachweise. Beim Glo- 
bal Hawk ist das eben eine wirkliche Ausnahme, 
dass da praktisch nichts ist. Ich meine, zum Ver- 
tragsschluss wussten wir das. “429 

Auf die Frage, ob der Verlauf für Musterprüfvorgänge ty- 
pisch sei, hat der Ltr ML, Wolfgang Steiger geantwortet: 

„Das ist, Gott sei Dank, nicht der Fall. [...] diese 
Arbeitsweise [ist] auch mit der Industrie unty- 
pisch, diese Beschränkung auf Informationswei- 
tergabe und auch dieses [...] Starten mit einem 
Ziel, wo man erkennen muss: Die Grundlage ist 
so nicht gegeben. - Das ist, Gott sei Dank, die 

Ausnahme. “430 

bb) Einschätzung der WTD 61 vom 
15. Juni 2011 

Ursprünglich war der Überführungsflug des Full Scale 
Demonstrators für den 30. Juni 2011 geplant gewesen. 
Aufgrund fehlender Voraussetzungen war Anfang Juni 
2011 jedoch absehbar, dass dieser Termin nicht zu halten 
war. Gleichzeitig standen jedoch ab dem 25. Juli 2011 
Baumaßnahmen auf der südlichen Landebahn in Man- 
ching an, die für die Landung des Demonstrators benötigt 
wurde. Vor dem Hintergrund dieses verringerten Zeitfens- 
ters forderte die Fachaufsicht über das Projekt, BMVg 
Rü VI 2, das BWB auf, „ alle Maßnahmen zu ergreifen, 
um die Überführung des FSD vor Schließung der Süd- 
bahn abzuschließen Zugleich sollte das BWB bis zum 
17. Juni 201 1 zu den ergriffenen Maßnahmen berichten.43i 

Aus diesem Grunde bat BWB L5.1 seinerseits den Leiter 
ML bei der WTD 61 um eine Stellungnahme zu einem 
absehbaren Termin des Überführungsfluges sowie zu of- 
fenen Punkten, die dem bislang entgegenstünden.432 

Diese Stellungnahme legte der Leiter ML, der Zeuge 
DirWTD Wolf gang Steiger, am 15. Juni 2011 dem BWB 
L5.1433^ d. h. dem Projektmanagement, vor.434 in seinem 
Anschreiben ging er zunächst auf die erbetenen Themen- 
felder stichpunktartig ein. Vor allem aber fügte er eine 
ausführliche „Hintergrundinformation EuroHawk‘‘ bei. 


429 Storz, Protokoll-Nr. 5, S. 103. 

430 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 76. 

431 MAT 17-79 D BMVg zu BB 17-59, WTD 61 OOlLtrML, Ordner 3, 
E-Mail Eingang 2009-2011, S. 211 f. 

432 mAT 17-79 D BMVg zu BB 17-59, WTD 61 OOlLtrML, Ordner 3, 
E-Mail Eingang 2009-2011, S. 213. 

433 mAT 17-79 D BMVg zu BB 17-59, WTD 61 OOlLtrML, Ordner 2, 
E-Mail Ausgang 2010-2013, S. 56 ff. 

434 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 89. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 81 - 


Drucksache 17/14650 


in der er einleitend kurz auf die bis dahin aufgetretenen 
Verzögerungen und die Schwierigkeiten bei der Zusam- 
menarbeit mit der Industrie verwies. Sodann stellte er 
umfassend und detailliert sieben ausgewählte technische 
Problemfelder sowie sieben weitere Problemfelder näher 
dar. Dort heißt es beispielsweise: 

„Qualifikation der Komponenten: [...] Ebenso 
ist nicht erkennbar, dass NGISSII bei der Integra- 
tion von neuen Komponenten die Forderungen 
der WTD 61 im Rahmen der Nachweisführung 

berücksichtigt.“435 

„Bewertung der EH Struktur: Bei der EH- 

Struktur reicht neben anderen Detailproblemen 
vor allem die Qualität der vorgelegten Unterlagen 
nicht aus, um eine strukturierte und logisch nach- 
vollziehbare Nachweisfährung zu erbringen. 

[. . .]“436 

„Bauzustand: Die Dokumentation des Bauzu- 
standes ist unzureichend. [...]“437 

„Risikobewertungen des Luftfahrzeugs: [...] 

Im Ergebnis war die Qualität der vorgelegten Si- 
cherheitsbewertungen mangelhaft, und sie muss- 
ten mehrfach aktualisiert werden, weil versucht 
wurde, die aus dem Projekt Global Hawk [. . .] ge- 
wonnenen Ergebnisse auf einfachstem Weg auf 
die Kriterien des Musterprüfrahmenprogramms 
für den Euro Hawk umzuschreiben, ohne die 
Analyse neu durchzuführen. Dabei stellte sich he- 
raus, dass auch die GH Dokumentation bei Ände- 
rungen im Design nicht angepasst worden war 
und schon für die neueren Global Hawk Baulose 
nur bedingt Gültigkeit hat [. . .].“438 

„Nachweisunterlagen der Unterauftragneh- 
mer: Daten der Unterauftragnehmer können zum 
Großteil nicht zugänglich gemacht werden 
[. . 

„Qualität der vorgelegten Nachweise: [. . .] Gra- 
vierender jedoch erscheint, dass die in manchen 
Bereichen dürftigen Antworten vermuten lassen, 
dass auf Seiten der Industrie die notwendigen Un- 
terlagen nicht vorhanden sind oder mit nicht aus- 
reichender Sorgfalt erstellt wurden. “^40 

„Musterprüfbeauftragter: [...] Die immernoch 
nicht abgeschlossenen Diskussionen bezüglich 
der Erstellung eines akzeptablen Musterprüfpro- 


435 mAT 17-79 D BMVg zu BB 17-59, WTD 61 OOlLtrML, Ordner 2, 
E-Mail Ausgang 2010-2013, S. 59 f. 

436 mAT 17-79 D BMVg zu BB 17-59, WTD 61 OOlLtrML, Ordner 2, 
E-Mail Ausgang 2010-2013, S. 60. 

437 mAT 17-79 D BMVg zu BB 17-59, WTD 61 OOlLtrML, Ordner 2, 
E-Mail Ausgang 2010-2013, S. 60. 

438 mAT 17-79 D BMVg zu BB 17-59, WTD 61 OOlLtrML, Ordner 2, 
E-Mail Ausgang 2010-2013, S. 60 f. 

439 mAT 17-79 D BMVg zu BB 17-59, WTD 61 OOlLtrML, Ordner 2, 
E-Mail Ausgang 2010-2013, S. 61. 

440 mAT 17-79 D BMVg zu BB 17-59, WTD 61 OOlLtrML, Ordner 2, 
E-Mail Ausgang 2010-2013, S. 61. 


gramms ist ein weiteres Beispiel für mangelnde 
Berücksichtigung der Anforderungen an einen 
Muster-ZVerkehrszulassungsprozess. Eine Aus- 
wertung des derzeitigen Musterprü^rogrammes 
zeigt eher eine Rückschau vergangener Ereig- 
nisse und ein unvollständiges Bild dessen, wozu 
sich die Industrie verpflichtet und wogegen ge- 
prüft wird. Der Bereich des Betriebs und der Er- 
haltung der Verkehrssicherheit (Continued Air- 
worthiness) fehlt vollständig [. . .].“44i 

In dem letzten Punkt seiner Ausführungen geht der Zeuge 

Steiger auch auf die Folgen der am 3. Februar 2010 in 

Manching getroffenen Entscheidung ein: 

,„Prototyp ohne Folge^: Aufgrund der Entschei- 
dung, die Zulassungsaktivitäten auf einen Proto- 
typ zu beschränken, wurde zwar der Weg eröff- 
net, das Luftfahrzeug zunächst unter Betrachtung 
von Sicherheitsaspekten zu bewerten und die 
, umfassende Musterprüfung ‘ mit Detailbetrach- 
tung von Qualifikation auf LRU Ebene in den 
Hintergrund zu rücken. Der Vorschlag wurde von 
der Industrie mit dem Argument unterbreitet, dass 
[. . .] vor allem Zeit und Erkenntnisse genutzt wer- 
den könnten, eine Definition einer akzeptablen 
Serienkonfiguration zu erstellen. 

Dies darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass 
dies in der bisherigen Praxis der Musterprüfung 
und Zulassung von Lfz der Bundeswehr einmalig 
ist: Bisher waren alle Prototypen darauf ausge- 
richtet, die Nachweisfährung für ein späteres 
Muster im Sinne von Erprobung von Systemfä- 
higkeiten zu unterstützen. Der FSD soll aber die 
Definition möglicher späterer zulassungsrelevan- 
ter Änderungen erlauben, ohne dass er selbst ei- 
ner umfassenden Musterprüfung unterzogen wird 
[...]. 

Das zwar vertraglich vereinbarte, jedoch bis 
heute nicht akzeptierte Musterprü^rogramm 
führt zu wiederholten Diskussionen mit der In- 
dustrie über den Nachweisumfang und der detail- 
lierten Ausführung. Der einzelne Musterprüfer 
hat keine Handhabe, auf eindeutige Forderungen 
zu verweisen und deren Erfüllung einzufordern. 

Für diese Diskussionen ist die WTD 61 im Hin- 
blick auf die vorhandenen personellen Ressour- 
cen derzeit nicht aufgestellt und vorbereitet. 

Die Problemsituation wird durch die permanente 
Einflussnahme des NGISSII Programm-Manage- 
ments auf die Aspekte der Musterprüfung weiter 

verschärft.“442 

Den letzten Abschnitt schloss der Leiter ML mit folgen- 
der Bewertung: 


441 MAT 17-79 D BMVg zu BB 17-59, WTD 61 OOlLtrML, Ordner 2, 
E-Mail Ausgang 2010-2013, S. 61 f. 

442 mAT 17-79 D BMVg zu BB 17-59, WTD 61 OOlLtrML, Ordner 2, 
E-Mail Ausgang 2010-2013, S. 63. 



Drucksache 17/14650 


-82- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


„Aus heutiger Einschätzung ist davon auszuge- 
hen, dass die Nachweisführung für eine mögliche 
spätere Serie praktisch der einer Neuentwicklung 
gleichkommen würde. “^43 

Zu dem Anlass dieser Einschätzung hat DirWTD Steiger 
in seiner Zeugenvernehmung darauf verwiesen, dass „ der 
Musterprüfer vor Ort [. . .] seine Erkenntnislage im Laufe 
der Zeit immer weiter verdichtet'' habe, bis er zu dem 
Schluss gekommen sei, dass „ das, was da für ihn erkenn- 
bar vorhanden ist, so dünn ist und die Abweichungen und 
die Differenzen zu einer Serie so groß sind, dass man also 
hier erheblichen Aufwand gewärtigen " müsse. ^44 Mit an- 
deren Worten seien ,4ie Grundlagen [...] nicht vorhan- 
den'' gewesen, „um [...] eine Musterzulassung zu unter- 
stützen". Der Gesamtsystemprüfer vor Ort habe insofern 
wohl erkannt, dass diese Grundlagen „für eine spätere 
Serie eben nachzuholen wären oder neu zu machen 
seien". Aufgekommen sei diese Erkenntnis ungefähr 
zeitgleich mit dem Überführungsflug im Sommer 
2011.446 Zu der Formulierung „praktisch eine Neuent- 
wicklung " hat der Zeuge Steiger erklärt: 

„Das heißt nicht, dass das System neu entwickelt 
werden muss, aber die Nachweisführung muss ge- 
macht werden wie bei einer Neuentwicklung. “447 

Staatssekretär Beemelmans hat dies mit seinen Worten 
anschaulich beschrieben: 

„[...] dass die Musterzulassung des Prototypen 
einer Neuentwicklung gleichkäme, weil man of- 
fenkundig davon ausging, wir müssen das kom- 
plett auseinandernehmen und jedes einzelne Teil 
noch einmal betrachten, wägen, wiegen, was 
auch immer ein Zulasser damit macht. “448 

cc) Unmittelbare Folgen 

Nach Erinnerung des damaligen Abteilungsleiters Rüs- 
tung, MD Selhausen, hat der Projektleiter die Einschät- 
zung zum Anlass genommen, dieses Thema in einem Pro- 
ject Review Ende September 2011 mit der Industrie zu 
besprechen.449 Während der Besprechung wurde darauf 
eingegangen, dass die „ notwendig gewordene, geänderte 
Vorgehensweise zum Erreichen der Musterzulassung der 
EURO HAWK Serie zusätzlichen Aufwand" erzeuge. Der 
Projektleiter habe daher die Firma EuroHawk GmbH um- 
gehend aufgefordert, den notwendigen finanziellen Mehr- 
bedarf abzuschätzen.450 

Parallel begann nach dem Überführungsflug, der am 20./ 
21. Juli 2011 stattfand,45i die Einrüstung des Full Scale 


443 mAT 17-79 D BMVg zu BB 17-59, WTD 61 OOlLtrML, Ordner 2, 
E-Mail Ausgang 2010-2013, S. 63. 

444 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 78. 

445 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 89. 

446 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 78. 

447 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 89. 

448 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 10. 

449 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 75. 

450 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 33. 

451 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 52. 


Demonstrators mit dem Missionssystem ISIS. Nach Aus- 
sage des Leiters ML Steiger wurde der Musterprüfprozess 
„auf kleiner Flamme" weitergeführt.452 Letztlich seien 
die Aktivitäten zur Abstimmung des Musterprü^ro- 
gramms mehr oder weniger eingeschlafen, nachdem man 
festgestellt habe, dass man auf keinen Nenner komme 
und die Musterprüfung für eine Musterzulassung in die 
Serie verschoben werde. Dann seien auch die Aktivitäten 
der Industrie dort nicht mehr fortgeführt worden.453 Er hat 
dies in seiner Aussage wie folgt zusammengefasst: 

„[...] man hat es nie erreicht, ein Musterprü^ro- 
gramm so abzustimmen, dass es für beide Seiten 
akzeptabel war. “454 

Der Vertreter von Northrop Grumman, Janis G. 
Pamiljans, hat dazu ausgesagt: 

„Wir haben der Zulassungsbehörde über 4 000 
technische Dokumente vorgelegt. Das ging weit 
über unsere vertragliche Verpflichtung hinaus, die 
nur verlangte, dass wir Zugang zu diesen Doku- 
menten vor Ort in den USA ermöglichen. Zahl- 
reiche weitere Dokumente, welche nicht physisch 
exportiert werden konnten, wurden bereitgehal- 
ten, um auf Nachfrage eingesehen zu werden. Wir 
haben außerdem Ingenieure nach Manching ge- 
sendet, um dort den Prüfern der Zulassungsbe- 
hörde umfassenden Einblick in die Entwicklung 
der Systeme und Subsysteme zu ermöglichen. 
Zudem wurden die Voraussetzungen geschaffen, 
dass die Zulassungsbehörde besondere Tests und 
Qualifizierungseinheiten beobachten konnte. Die 
wenigen Daten, die wir aufgrund von US -Export- 
restriktionen nicht zur Verfügung stellen konnten, 
standen nicht im Zusammenhang mit der luft- 
fahrtrechtlichen Zulassung. “455 

dd) Erkenntnis über Mehrkosten 

aaa) Kenntnisse des BWB über erhebliche 
Kostenrisiken in 2010 

Bereits im April 2010 war der Vizepräsident und damit 
die Leitung des BWB darüber informiert, dass sich „ er- 
hebliche Kostensteigerungen " abzeichnen würden. In ei- 
ner Unterlage aus dem Schriftverkehr des Präsidialbüros 
des BWB aus dem Jahr 2010 ist hierzu vermerkt: 

.. erhebliche Kostensteigerungen 

(+ 127 Mio. € = 28% für Projektierung und 
+ 206 Mio. € = 52%o für Einführung) - diese wa- 
ren nur zum Teil im Entwurf einer 2.ZE enthalten 

[...] Die kritische Entwicklung in einem Projekt- 
vortrag vor Leitung BWB vorgestellt und die 
Analyse des Controllings als zutreffend bewertet. 

Das Ergebnis soll in der ZE berücksichtigt wer- 
den.“456 


452 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 70. 

453 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 70. 

454 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 89. 

455 Pamiljans, Protokoll-Nr. 6, S. 61. 

456 mAT 17-74 BMVg zu BB 17-58, Ordner 5 SekrLtg, S. 58. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-83- 


Drucksache 17/14650 


Das BWB hatte also rund 1 !/2 Jahre vor der Information 
an den Abteilungsleiter Rüstung im BMVg, MD Selhausen, 
Kenntnis von sich abzeichnenden erheblichen Mehrkos- 
ten im mittleren dreistelligen Millionenbetrag. 

bbb) Unterrichtung des Abteilungsleiters 
Rüstung am 24. November 2011 

Am 24. November 2011 fand beim Abteilungsleiter Rüs- 
tung, MD Selhausen, eine Besprechung zu dem Thema 
der Musterzulassung eines anderen Projektes statt, an der 
auch der Projektleiter EURO HAWK, seit März desselben 
Jahres der LTRDir Knöpfei, und der Leiter ML, DirWTD 
Steiger, teilnahmen.^^^ in seinem Eingangs Statement zur 
Zeugenvernehmung hat sich MD Selhausen wie folgt er- 
innert: 

„In einer Besprechung am 24. November 2011 
hatte mir der Projektleiter Euro Hawk auf meine 
Frage zum Sachstand im Projekt vorgetragen, 
dass aus seiner aktuellen Sicht die Musterzulas- 
sung für die Euro-Hawk- Serie nur mit zeitlichem 
und finanziellem Mehraufwand zu erreichen sei. 
Noch in dieser Besprechung habe ich das fach- 
aufsichtführende Referat angewiesen, dazu eine 
Informations Vorlage an mich zu erstellen. “^58 

Aus diesem Grunde erbat das Referat Rü VI 2 umgehend 
als Fachaufsicht einen umfassenden Bericht vom BWB 
zum Thema Musterzulassung EURO HAWK.459 

Als weitere Reaktion hielt MD Selhausen eine Entschei- 
dungsvorlage an, in der u. a. die Beschaffung von Lang- 
läuferbauteilen thematisiert wurde. 

ccc) „Hoher zweistelliger Millionenbetrag“ 

Für den vom Abteilungsleiter Rüstung erbetenen Bericht 
legte der Projektleiter dem fachaufsichtführenden Referat 
Rü VI 2 am 1. Dezember 2011 einen ausführlichen Be- 
richt auf dem Dienstweg vor.^^i Wesentliche Grundlage 
dieses Berichtes war eine sehr umfassende Stellung- 
nahme des Leiters ML, die dieser am 29. November 2011 
dem Projektleiter vorgelegt hatte. ^62 

In dem Bericht ging das Projektmanagement einleitend 
auf das im Laufe der Zeit deutlich gewordene Problem 
des unterschiedlichen Verständnisses zu Zulassungen von 
deutscher und US-amerikanischer Seite ein: 

„Im Laufe des Entwicklungsvertrages wurden je- 
doch diverse Abweichungen zwischen Strategien 
und Grundlagen der militärischen Musterzulas- 
sung auf deutscher bzw. US-amerikanischer Seite 
identifiziert, die eine Anwendung der deutschen 
im Ursprungsvertrag vereinbarten Zulassungs- 
vorschriften teilweise verhindern. “^63 


457 mAT 17-34 BMVg zu BB 17-19, AIN V 5, Ordner 1, S. 11. 

458 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 45 f. 

459 MAT 17-34 BMVg zu BB 17-19, AIN V 5, Ordner 1, S. 17. 

460 Dazu ausführlich unter Abschnitt V.2. 

461 MAT 17-34 BMVg zu BB 17-19, AIN V 5, Ordner 1, S. 10 ff 

462 mAT 17-79 D BMVg zu BB 17-59, WTD 61 OOlLtrML, Ordner 2, 
E-Mail Ausgang_2010-2013, S. 97 ff 

463 mAT 17-34 BMVg zu BB 17-19, AIN V 5, Ordner 1, S. 11. 


Es wird ausführlich dargestellt, dass notwendige Nach- 
weise entweder nicht vorgelegt wurden oder in ihrer Qua- 
lität nicht ausreichten.464 im Einzelnen werden sodann die 
Themenfelder ,Jnformationsbedarf für die Musterzulas- 
sung EURO HAWK\ , Möglichkeiten zur Deckung des 
Informationsbedarfes'", ,Jlmken der Musterzulassung" , 
,dCosten der ggfs, notwendigen Maßnahmen", ,fösungs- 
möglichkeiten (Erfordernisse) für die Fortschreibung der 
Vorläufigen Verkehrszulassung" und „Zusagen der USAF 
vor Vertragsschluss" , die von BMVg Rü VI 2 in seiner 
Weisung vorgegeben waren, detailliert erörtert.^^^ 

Zu einer Musterzulassung des Full Scale Demonstrators 
fasste der Leiter ML im Hinblick auf die am 3. Februar 
2010 getroffene Entscheidung zusammen: 

„Sollte es heute zu einem erneuten Wunsch nach 
einer Musterzulassung am vorhandenen System 
FSD kommen, sind die Erfolgsaussichten vor 
dem Hintergrund der damals von der Industrie 
vorgetragenen Aussagen praktisch gleich 

Nu11.“466 

Die „ bisher erreichten Ziele " kommentierte er folgender- 
maßen: 

„Die bisher erreichten Ziele sind gemessen an 
dem ursprünglichen Auftrag gering: 

- Die Dokumentation ist qualitativ schlecht und 
vielfach nur oberflächlich. Teilweise sind 
mehrfache Rückfragen erforderlich, bis eine 
Aktualisierung erfolgt. 

- Die Rückführung der Dokumentation auf einen 
eindeutigen Bauzustand wurde abgelehnt. 

- Obwohl mehrfach DDPs^^^ (insbesondere von 
Zulieferern) eingefordert wurden, wird dieses 
Problem nur zierlich [gemeint wohl , zöger- 
lich', Anm.] abgearbeitet (, ausgesessen') 

- Grundlegende steuernde Dokumentation wird 
gar nicht, schlecht oder nur zögerlich erstellt: 
Musterprü^rogramm, Verfahren für Änderun- 
gen, Verfahren für eine Abarbeitung von Ak- 
tionen aus der Musterprüfung, etc.“^^^ 

Das Projektmanagement nahm dazu eine Gesamtbewer- 
tung vor: 

„Im Rückblick auf die bisherigen Fortschritte im 
Entwicklungsvertrag kann festgestellt werden, 
dass ein Teil der begründeten Annahmen bezüg- 
lich der bereits nutzbaren Zulassungsaktivitäten 
für den GLOBAL HAWK nicht zutreffend waren. 
Dies hatte und hat die Steigerung des Aufwandes 
(Zeit und Kosten) zur Zulassung des Full Scale 
Demonstrators zur Folge. In dieser Phase wurden 
Erkenntnisse generiert, welche nun in die Festle- 


464 mAT 17-34 BMVg zu BB 17-19, AIN V 5, Ordner 1, S. 11 f. 

465 mAT 17-34 BMVg zu BB 17-19, AIN V 5, Ordner 1, S. 11 ff. 

466 mAT 17-34 BMVg zu BB 17-19, AIN V 5, Ordner 1, S. 15. 

467 Declarations of Design and Performance. 

468 MAT 17-34 BMVg zu BB 17-19, AIN V 5, Ordner 1, S. 15. 



Drucksache 17/14650 


-84- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


gungen und Forderungen des Serienvertrages ein- 
fließen, um für die Seriensysteme den Abschluss 
eines erfolgreichen Musterzulassungsprozesses 
zu erreichen. Im ausstehenden Angebot der In- 
dustrie für einen Serienvertrag werden dann die 
Anpassungen [...] mit Kosten hinterlegt sein. 
Nach internen Informationen kann für den Be- 
reich des Trägerluftfahrzeuges ein zusätzlicher 
hoher zweistelliger Millionenbetrag (Euro) er- 
wartet werden, der überwiegend zur Nachweis- 
führung der Verkehrssicherheit des bereits jetzt 
festgelegten und beim GLOBAL HAWK in der 
Nutzung befindlichen Bauzustandes dient.“469 

Auf dieser Grundlage legte da Referat Rü VI 2 wiederum 
am 5. Dezember 2011 dem Abteilungsleiter Rüstung eine 
Informationsvorlage auf dem Dienstweg vor. Darin 
wurde zusammengefasst dargelegt: 

„[...] Die Möglichkeiten zur Erlangung der Qua- 
lifikationsnachweise für eine Musterzulassung 
der EURO HAWK Serie [...] sind weitestgehend 
erfolgversprechend und weiter zu verfolgen. 

Die Gesamtheit aller zusätzlich erforderlichen 
Maßnahmen zur Erreichung einer Musterzulas- 
sung könnte sich zu einem hohen zweistelligen 
Millionen Euro Betrag summieren. [. . .]“470 

Auch wird an dieser Stelle bereits ein alternativer Hand- 
lungsweg aufgezeigt: 

„Sollte eine umfassende Musterzulassung nicht 
erreichbar sein, käme die Möglichkeit des Be- 
triebs der Serienflugzeuge auf Basis einer Aus- 
nahmegenehmigung durch BMVg Rü VI 1 bzw. 

Fü L mit einer WZ der WTD 61/ML bzw. einer 
Verkehrszulassung des WaSysKdoLw in Be- 

tracht.“47i 

c) Validierung der Mehrkosten 

Die Mehrkosten mussten nun näher ermittelt werden. Zu 
den Schwierigkeiten, die sich in diesem Zusammenhang 
ergaben, hat sich der Zeuge LTRDir Knöpfei geäußert: 

„Das heißt, für uns bezogen sich die Risiken nun- 
mehr darauf, dass wir diese Dinge bei den Unter- 
auftragnehmem und weiteren Unterauftragneh- 
mern extra beauftragen hätten müssen. Und das 
ist ein Risiko, was wir vorher kaum abschätzen 
können, weil wir nicht genau wissen, was erfor- 
dert jetzt dies an finanziellem Einsatz. Das heißt, 
die Zahlen, die genannt worden sind, sind grobe 
Schätzungen, die aber schon in die Größenord- 
nung weisen, die wahrscheinlich mit einer umfas- 
senden Musterprüfüng der Serie aufgetreten 
wäre.“4'^2 


469 MAT 17-34 BMVg zu BB 17-19, AIN V 5, Ordner 1, S. 15. 

470 mAT 17-34 BMVg zu BB 17-19, AIN V 5, Ordner 1, S. 1. 

471 MAT 17-34 BMVg zu BB 17-19, AIN V 5, Ordner 1, S. 1. 

472 Knöpf el, Protokoll-Nr. 4, S. 4 f. 


aa) „100 Mio. Euro“ (Bericht vom 20. De- 
zember 2011) 

Am 20. Dezember 2011 unterrichtete BMVg Rü VI 2 den 
Abteilungsleiter Rüstung darüber, dass „[die] zeitge- 
rechte Muster- und Verkehrszulassung für die Serienflug- 
zeuge EURO HAWK [...] vom BWB als erfolgverspre- 
chend eingeschätzt'' werde. Dazu seien jedoch 
„zusätzliche umfangreiche Leistungen des Auftragneh- 
mers erforderlich, für die ein bisher nicht eingeplanter 
Mehrbedarf von bis zu 100 Mio. € abgeschätzt" werde.473 

aaa) Rückfragen des Abteilungsleiters Rüstung 

Zu der Vorlage ergaben sich für den Abteilungsleiter Rüs- 
tung, MD Selhausen, mehrere Fragen: 

„1. Wie lange kann das Luftfahrzeug EURO 
HAWK mit einer Vorläufigen Verkehrszulas- 
sung betrieben werden? 

2. Wie lassen sich die ca. 100 Millionen Euro, 
die für die Muster- und Verkehrszulassung als 
Mehrausgaben eingeschätzt werden, darstel- 
len? Bestehen Handlungsspielräume (Abwei- 
chung nach unten) oder Risiken (Abwei- 
chung nach oben)? 

3. Ich bitte darzulegen ob, und wenn ja, unter 
welchen Prämissen das Vorhaben im Rahmen 
der veranschlagten Haushaltsmittel realisiert 
werden kann. Könnte das Vorhaben nur reali- 
siert werden, indem Abstriche an den gefor- 
derten Leistungsparametem vorgenommen 
werden, ist die Mitzeichnung des Bedarfsträ- 
gers erforderlich. “474 

Mit Weisung vom 2. Januar 2012 wurde das BWB von 
BMVg Rü VI 2 beauftragt, diese Fragen zu beantwor- 
ten,475 was vom BWB mit Schreiben vom 13. Januar 2012 
umgesetzt wurde. 476 Darin wurde auch darauf hingewie- 
sen, dass der geschätzte Betrag von 100 Millionen Euro 
von WTD 61 /ML im Hinblick auf die Musterzulassung 
auf Basis einer umfassenden Musterprüfung nach der 
ZDv 19/1 als nicht ausreichend erachtet werde. Hierzu 
solle aber eine amtsinterne Diskussion in der zweiten 
Januarhälfte 2012 zwischen WTD 61 /ML und der Indust- 
rie erfolgen.477 

bbb) Vorlage vom 18. Januar 2012 

Die Erkenntnisse des BWB und der WTD 61 /ML fasste 
BMVg Rü VI 2 in einer Informations Vorlage an den Ab- 
teilungsleiter Rüstung vom 18. Januar 2011 zusammen, 
die ihm auf dem Dienstweg zugeleitet wurde. 


473 MAT 17-50 BMVg zu BB 17-31, Ordner 2, S. 430 ff. 

474 mAT 17-85 BMVg zu BB 17-64, AIN V 5, Ordner 4, S. 400. 

475 mAT 17-85 BMVg zu BB 17-64, AIN V 5, Ordner 4, S. 400. 

476 mAT 17-85 BMVg zu BB 17-64, AIN V 5, Ordner 4, S. 447 ff 

477 mAT 17-85 BMVg zu BB 17-64, AIN V 5, Ordner 4, S. 448. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-85- 


Drucksache 17/14650 


Auf dem Original wurde vermerkt: 

„Hier muss noch einiges geklärt werden. Emp- 
fehle Besprechung.“478 

MD Selhausen hat in seiner Vernehmung vermutet, dass 
dieser Vermerk von dem Vertreter des Geschäftsführen- 
den Beamten Rüstung vorgenommen wurde.479 

Er selbst nahm die Vorlage ebenfalls am gleichen Tag zur 
Kenntnis und notierte zusätzlich: 

„Habe Anberaumung einer Besprechung bereits 
angewiesen anschließend sofort Sts-Vor- 

lage“48o 

ccc) E-Mail des Abteilungsleiters Rüstung vom 
19. Januar 2012 

Die Vorlage vom 18. Januar 2012 sandte MD Selhausen 
in Ergänzung der Vorbereitung des Ministers Dr. de 
Maiziere auf ein Gespräch mit dem CEO der Firma 
EADS Division Cassidian neben anderem als Anhang ei- 
ner E-Mail an eine Mitarbeiterin im Büro des Staatssekre- 
tärs Beemelmans.^^^ Nach Angaben von Staatssekretär 
Beemelmans handelte es sich hierbei um seine Rüstungs- 
referentin, „ die praktisch als erster Anlaufpunkt für das 
Vorbereiten von entsprechenden Anliegen angesprochen 
wird^'A^^ In dem Anschreiben heißt es unter anderem: 

„Des Weiteren habe ich Ihnen eine Vorlage zur 
aktuellen Entwicklung im Vorhaben Euro Hawk 
beigefügt. Hier zeichnet sich eine dramatische 
Kostenexplosion ab (von 610 Millionen Euro zu- 
züglich 451 Millionen Euro auf 1 061 Millionen 
Euro). Diese Daten werde ich kurzfristig mit mei- 
nen Experten noch einmal validieren. Sollte sich 
die Größenordnung bestätigen - allein rund 
100 Millionen Euro entfallen auf zusätzlich not- 
wendige Zertifizierungsmaßnahmen (die USA 
hatten zu Beginn des Vorhabens trotz sorgfältiger 
Arbeit deutscherseits offenbar nicht ausreichend 
unterrichtet) -, wird BMVg über die Einleitung 
der Beschaffung der Serienluftfahrzeuge durch 
Bestellung von Langläuferteilen neu entscheiden 
müssen. Nach meiner ersten Einschätzung werde 
ich eine solche Maßnahme nicht empfehlen.“483 

Zu der Intention hat MD Selhausen gesagt, dass er damit 
nur darauf aufmerksam machen wollte, dass hier ein 
Thema auf das Haus zukomme,484 das möglicherweise sehr 
gravierend im Programm Euro Hawk sein könnte Zu 


478 MAT 17-73 BMVg zu BB 17-48, Ordner 1, StS Beemelmans, E-Mail- 
Verkehr22072011_29042013, S. 111. 

479 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 64. 

480 MAT 17-73 BMVg zu BB 17-48, Ordner 1, StS Beemelmans, E-Mail- 
Verkehr22072011_29042013, S. 111. 

481 MAT 17-73 BMVg zu BB 17-48, Ordner 1, StS Beemelmans, E-Mail- 
Verkehr22072011_29042013, S. 110. 

482 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 14 f. 

483 MAT 17-73 BMVg zu BB 17-48, Ordner 1, StS Beemelmans, E-Mail- 
Verkehr22072011_29042013, S. 110. 

484 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 57. 

485 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 63. 


der Formulierung „dramatische Kostenexplosion“ hat er 
erklärt: 

„Das hat begonnen in dem Gespräch am 24. No- 
vember 2011, dass der Projektleiter mir gegen- 
über sagte, da sei ein Kostenrisiko in der Muster- 
zulassung. Und ich sagte [...], dass ich dann 
umgehend eine Informationsvorlage angewiesen 
habe, die zunächst - es ist Anfang Dezember ge- 
wesen - in einer Information mündete, dass der 
Projektleiter bzw. dass BWB einen Mehrbedarf 
im Bereich eines hohen zweistelligen Betrages 
schätze. Ich habe dann angewiesen, diese Beträge 
zu validieren. Und genau dieser Prozess war am 

19. Januar noch nicht abgeschlossen.“486 

Vor diesem Hintergrund sei auch seine Entscheidung zu 
den Langläuferbauteilen zu verstehen.^^^ 

bb) „250 bis 500 Mio. Euro“ (Besprechung 
vom 25. Januar 2012) 

Die von MD Selhausen anberaumte Besprechung, auf die 
er bei seinem Vermerk auf der Vorlage vom 18. Januar 
2012 Bezug genommen hatte, fand am 25. Januar 2012 
statt. In dieser Besprechung gab der Projektleiter LTRDir 
Knöpfei als grobe Schätzung der Mehrkosten für die Mus- 
terzulassung der Serie den Betrag von ca. 250 Millionen 
Euro an. Der Leiter ML, DirWTD Steiger, schätzte den 
Mehrbedarf dagegen auf ungefähr 500 Millionen Euro.^^s 

Aus diesem Grund forderte MD Selhausen beide auf, die 
Kostenschätzung abzustimmen und ihm das Ergebnis 
vorzulegen, wie sich DirWTD Steiger in seiner Verneh- 
mung erinnerte."^^^ 

Parallel zu der Validierung der Mehrkosten wurden ab 
diesem Zeitpunkt auch Alternativen zur Musterzulassung 
untersucht, um möglicherweise auf diesem Wege die Ver- 
kehr szulassung der Serie kostengünstiger oder kostenneu- 
tral zu erreichen. 490 

cc) „596 Mio. Euro“ (Vorlage vom 
30. Januar 2012) 

Es folgte am 30. Januar 2012 eine weitere Vorlage des 
BWB, der ein Bericht des Leiters ML vom 27. Januar 
2012 beigefügt war.^^i Darin präzisierte die WTD 61 die 
Kostenschätzung für die Musterzulassung der EURO 
HAWK- Seriensysteme auf ca. 596 Millionen Euro.492 


486 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 58. 

487 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 58; zu den Langläuferbauteilen siehe 
Abschnitt V.2. 

488 mAT 17-36 BMVg zu BB 17-22, BAAINBw L5.1 EH-Rl, Ordner 1, 
S. 5; MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeits- 
gruppe EURO HAWK, S. 35. 

489 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 90. 

490 Darauf wird umfassend unter Abschnitt V.3. eingegangen. 

491 MAT 17-36 BMVg zu BB 17-22, BAAINBw L5.1 EH-Rl, Ordner 1, 
S. 1 ff 

492 mAT 17-36 BMVg zu BB 17-22, BAAINBw L5.I EH-Rl, Ordner I, 
S. 10 f 



Drucksache 17/14650 


- 86 - 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


Zu den Unsicherheiten, die bei den Kostenschätzungen 
bestanden, hat sich der Projektleiter Knöpf el in der Rück- 
schau eingelassen: 

„[...] das war Anfang 2012 [...] Es handelt sich 
hier um eine sehr grobe Schätzung, weil wir halt 
nicht genau wissen, was vielleicht doch noch an 
Dokumenten da ist, was uns zugänglich ist, was 
größtenteils, wenn alles neu erstellt werden 
müsste, dann als maximale Obergrenze kommt. 

Da gab es die Schätzung, dass es bis zu 600 Mil- 
lionen an Mehrkosten geben könnte, nur für die 
umfassende Musterprüfung. Es könnte aber auch, 
bei Vorliegen weiterer Daten oder vielleicht, 
wenn man sieht, dass man nicht die gesamte Soft- 
ware neu entwickeln müsste - - Das ist so ein ge- 
samter Bereich, der von 100 Millionen bis 
600 Millionen aufkam.“493 

Zugleich ging der Projektleiter in der Vorlage auf eine 
mögliche Verkehrszulassung durch den Bedarfsträger, 
d. h. BMVg Fü L, nach der ZDv 19/1 Nr. 316 ein. 494 Hier 
könnten „zeitliche und kostenmäßige Einsparungen ge- 
genüber dem aktuellen Ansatz ermöglicht werden. Eine 
belastbare Aussage dazu sei jedoch erst nach einem de- 
taillierteren Einblick in die US-amerikanischen Zulas- 
sungsunterlagen möglich. Der dazu erforderliche finan- 
zielle Aufwand wurde auf ca. 20 bis 50 Millionen Euro 
geschätzt. Er empfahl daher die „Einleitung des Billi- 
gungsprozesses mit anschließender Weisung für eine al- 
ternative Vorgehensweise und Billigung der Mehrkos- 
ten ''.495 

d) Informationsvorlage an Staatssekretär 
Beemelmans wom 8. Februar 2012 

Aus der Vorlage vom 30. Januar 2012 hat das Referat 
Rü VI 2 im BMVg den Schluss gezogen, dass die Muster- 
zulassung der EURO HAWK-Serie ,piicht mehr im vorge- 
sehenen finanziellen und zeitlichen Rahmen realisierbar 
sei ".496 

Vor diesem Hintergrund wurde am 8. Februar 2012 
Staatssekretär Beemelmans eine Vorlage zur Information 
vorgelegt. 497 Darin werden die Entwicklungen und Er- 
kenntnisse der vergangenen Jahre, insbesondere zur Mus- 
ter- und Verkehrszulassung, zusammengefasst. Im Zu- 
sammenhang mit der Mehrkostenproblematik wird darauf 
verwiesen, dass diese nach Schätzung der Industrie bei 
mindestens 100 Millionen Euro lägen, während sie der 
Projektleiter und der Leiter ML auf eine Höhe von 
250 bis 600 Millionen Euro schätzten, ,phne dass damit 
jedoch ein erfolgreicher Abschluss der Musterprüfung 
gewährleistet werden könnte Des Weiteren heißt es: 


493 Knöpfet, Protokoll-Nr. 4, S. 5. 

494 MAT 17-36 BMVg zu BB 17-22, BAAINBw L5.1 EH-Rl, Ordner 1, 
S. 5. 

495 MAT 17-36 BMVg zu BB 17-22, BAAINBw L5.1 EH-Rl, Ordner 1, 
S. 6. 

496 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 36. 

497 mAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, AIN V 5, Ordner 2, S. 131 ff. 


„Vor diesem Hintergrund schlagen BWB und Lei- 
ter ML vor, eine Musterzulassung für die Serien- 
flugzeuge nicht mehr weiter zu verfolgen 

[...]. “499 

Das Referat Rü VI 2 im BMVg nahm dazu folgende Be- 
wertung vor: 

„Das Festhalten an einer umfassenden Muster- 
prüfung nach ZDv 19/1 [...] für die Serie birgt 
nicht abschätzbare technische, zeitliche und fi- 
nanzielle Risiken. Die dafür geschätzten Aufwen- 
dungen sind unverhältnismäßig zu den Gesamt- 
kosten des Projekts und dem damit erreichbaren 
Ergebnis, zumal die definitive Erlangung einer 
Musterzulassung selbst bei Einsatz dieser zusätz- 
lichen HH-Mittel nicht sicher ist.“^^^ 

Letztlich wurde vorgeschlagen: 

„Wegen der aus heutiger Sicht gegebenen [...] 
Risiken zur Erlangung einer Musterzulassung 
wird eine Verkehrszulassung durch Fü L ohne 
vorherige Zulassung des Musters in Anwendung 
der Ausnahmeregelung nach ZDv 19/1 Nr. 316 
vorgeschlagen. Dies erfordert eine entsprechende 
Entscheidung der Luftwaffe. 

[...] 

Das weitere Vorgehen soll nach Ihrer Kenntnis- 
nahme mit Fü S und Fü L festgelegt werden. So- 
dann ist eine insbesondere auch von Abteilung 
Haushalt mitgezeichnete Leitungsvorlage vorge- 
sehen.“5öi 

Die Vorlage wurde von Staatssekretär Beemelmans am 
13. Februar 2012 gebilligt. Gleichzeitig hat er die Weiter- 
gabe von Kopien u. a. an Staatssekretär Wolf als auch an 
den Generalinspekteur der Bundeswehr, General Wieker, 
verfügt. 

Vor diesem Hintergrund wurde wenig später eine Arbeits- 
gruppe zu alternativen Zulassungsmöglichkeiten einge- 
richtet. 

Nach einem Vermerk des Referates Rü VI 2 vom 23. Fe- 
bruar 2012 sollte das bestehende Musterprü^rogramm 
für die EURO HAWK-Serie parallel in der Verantwor- 
tung des Leiters ML fortgesetzt werden.^^^ Dieser Ansatz 
war aus Sicht des Projektleiters jedoch „nicht zielfüh- 
rend‘'f^^ Er kommentierte die entsprechenden Passagen 
des Vermerks dahingehend, dass es „derzeit noch kein 
Musterprüfprogramm für die Serie'' gebe. Forderten sie 
zu einer umfassenden Musterprüfung auf, so würden die 
angesprochenen entsprechenden Mehrkosten ausgelöst, 
die aber haushälterisch nicht abgebildet seien. Zudem 
könne , .gerade nicht unabhängig von der weiteren Vorge- 
hensweise zum Angebot aufgefordert" werden. Dass sich 


498 MAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, AIN V 5, Ordner 2, S. 133 f 

499 mAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, AIN V 5, Ordner 2, S. 134. 

500 MAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, AIN V 5, Ordner 2, S. 135. 

501 MAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, AIN V 5, Ordner 2, S. 131. 

502 Zum weiteren Verlauf siehe Abschnitt V.3.b). 

503 MAT 17-85 BMVg zu BB 17-64, AIN V 5, Ordner 5, S. 316, 319, 

504 MAT 17-85 BMVg zu BB 17-64, AIN V 5, Ordner 5, S. 315. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-87- 


Drucksache 17/14650 


der ,,Weg der Verkehrszulassung nach Ziffer 316 der 
ZDv 19/1 gemäß den Durchführungsbestimmungen '' er- 
schließe, sei daher ,, exakt die derzeitige Erkenntnis 

Er stellte in seinem Anschreiben heraus: 

„Wir müssen uns also bereits jetzt für diesen Al- 
ternativweg entscheiden! 

Grundlage wäre [. . .] die grundsätzliche Anerken- 
nung des Restricted Airworthiness Certificate^^^ 
der USAF [. . .] durch die Luftwaffe. [. . .] 

Mit anderen Worten: Ausgangspunkt ist nicht 
mehr die umfassende Musterprüfung, sondern das 
Restricted Airworthiness Certificate. 

aa) Rüstungsklausur am 1. März 2012 

Am 1. März 2012 fand unter Vorsitz des Ministers eine 
Rüstungsklausur mit der Leitung und den Abteilungslei- 
tern des BMVg statt. 

Zuvor waren Staatssekretär Beemelmans mit Datum vom 
27. Februar 2012 die Unterlagen zur Vorbereitung des 
Ministers auf dem Dienstweg vorgelegt worden. Der 
Vorlage waren sieben Anlagen beigefügt. Anlage 3 
enthielt Hintergrundinformationen zu dem Thema „TOP 2 
UAV (Drohnen)‘‘. Zu dem Projekt EURO HAWK hieß es 
neben weiteren Informationen zu UAV unter dem Punkt 
„1. Sachstand“: 

Luftgestützte weiträumige signalerfassende 
Überwachung und Aufklärung: 

- Breguet 1150 Atlantic SIGINT seit Mitte 2010 
außer Dienst. Vorgesehenes Nachfolge-UAS: 
EURO HAWK (Basis: GLOBAL HAWK) 

- EURO HAWK Full Scale Demonstrator (FSD) 
soll ab Ende 2012 Operationen genutzt werden. 
Gewonnene Erkenntnisse fließen in den Stan- 
dard der geplanten vier Serien-UAV EURO 
HAWK ein. 

- Einführungsphase in zwei Stufen: 

- Stufe I: Vertragsschluss zur Beschaffung der 
Langläuferbauteile und zur Restentwicklung 
des Missionssystems im II. Quartal 2012 

- Stufe II: Auslösung der Option zur Produk- 
tion der vier Serien-Lfz ab Mitte 2013 unter 
Berücksichtigung der operationeilen Erfah- 
rungen aus der Anfangsflugbefähigung 

- Deutliche Kostensteigerungen sind zu erwar- 
ten. 

[_ ]‘‘509 


505 MAT 17-85 BMVg zu BB 17-64, AIN V 5, Ordner 5, S. 317. 

506 Fluggenehmigung (Übersetzung gemäß MAT 17-97 BMVg zu BB 
17-63, Ordner 10, Reportings, S. 513). 

507 MAT 17-85 BMVg zu BB 17-64, AIN V 5, Ordner 5, S. 315. 

508 MAT 17-69 BMVg zu BB 17-32, Büro des Ministers, Ordner 1, 
S. 124 ff. 


Zu dem Punkt „2. Eigene Position/Bewertung“ wurde 
aufgeführt: 

EURO HAWK FSD kann Fähigkeitslücke nur an- 
satzweise schließen. Kostensteigerungen stellen 
Gesamtsystem zunehmend infrage. 

[_ ]‘‘510 

Unter Punkt „3. Kritische Punkte“ folgte schließlich u. a.: 

Problem für alle UAS: Schwierigkeiten bei Mus- 
terzulassung. Wenn diese nicht mit einem vertret- 
baren Aufwand erreichbar, muss Betrieb auf Ba- 
sis Vorläufige Verkehrszulassung (WZ) oder 
innerhalb Flugbeschränkungsgebieten geprüft 
werden. 

Bei WZ: Überwälzung erheblicher Verantwor- 
tung auf den Betreiber (Luftwaffe). 

Auf der Informationsmappe notierte StS Beemelmans die 
ausdrückliche Kenntnisnahme des Ministers.^ 

Zum Thema EURO HAWK habe seinerzeit der desi- 
gnierte Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Müll- 
ner, einen Vortrag gehalten, in dem er nach Erinnerung 
des Abteilungsleiters Rüstung, MD Selhausen, auch das 
Zulassungsthema erwähnt habe. Er, Selhausen, habe bei 
der Gelegenheit dazu sinngemäß angemerkt, dass „Luft- 
waffe und Rüstung hierzu im Gespräch seien und das 
Thema gemeinsam klären würden 

Staatssekretär Beemelmans hat sich in seiner Aussage 
ähnlich daran erinnert. Er glaube, dass jeder sein Fähig- 
keitsprofil für die Zukunft dargestellt habe:^!^ 

„In der Rüstungsklausur wurde das Thema nach 
meiner Erinnerung nur extrem kursorisch ange- 
sprochen. General Müllner hat es damals kurz an- 
getippt, und Herr Selhausen hat gesagt: Ja, wir 
sind im Gespräch miteinander, wir finden eine 
Lösung. - Und dann war es das. Das war prak- 
tisch ein ganz kurzes Referieren des wesentlichen 
Tenors der Vorlage vom 8. Februar. 

Auch Staatssekretär WolfhdX sich dahingehend eingelas- 
sen, dass das finanzielle Risiko 

„[...] an dem Tag [. . .] ein Teil einer kurzen Inter- 
vention zwischen Herrn Selhausen und Herrn 


509 MAT 17-69 BMVg zu BB 17-32, Büro des Ministers, Ordner 1, 
S. 132 f. 

510 MAT 17-69 BMVg zu BB 17-32, Büro des Ministers, Ordner 1, 
S. 133. 

511 MAT 17-69 BMVg zu BB 17-32, Büro des Ministers, Ordner 1, 
S. 133. 

512 MAT 17-69 BMVg zu BB 17-32, Büro des Ministers, Ordner 1, 
S. 124. 

515 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 42. 

514 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 94. 

515 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 23. 



Drucksache 17/14650 


- 88 - 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


Müllner als Inspekteur der Luftwaffe [war], in der 
beschrieben wurde: Wir haben ein Zulassungs- 
problem, aber es ist beherrschbar. 

Er hat dies weiter präzisiert: 

„[...] Der Herr Müllner wurde nicht etwa durch 
Herrn Selhausen unterbrochen, sondern der Herr 
Müllner trug einen Verfahrens stand vor. [. . .] Weil 
das die Luftwaffe natürlich mit ins Spiel brachte, 
trug der Inspekteur dazu vor und hat entspre- 
chend durch Herrn Selhausen den Kommentar er- 
halten darüber: ,Das ist beherrschbar', und er 
teilte offensichtlich diese Auffassung.“^!'^ 

General Wieker hat dazu aus seiner Erinnerung dargelegt: 

„Der Euro Hawk wurde erwähnt im Vortrag des 
Inspekteurs Luftwaffe, der eine Gesamtkategori- 
sierung der Aufklärungsmittel [...] dargestellt 
hat. 

Zum Stand des Projektes wurde dann vorgetra- 
gen, dass es hier noch Probleme gebe mit der Zu- 
lassung für den Euro Hawk, dass man aber wei- 
terhin bemüht sei, nach Lösungen zu suchen. Als 
Ergebnis wurde dann ja auch im Nachgang diese 
Arbeitsgruppe eingesetzt.“^ 

Auf Nachfrage hat er erklärt, dass „kein großer Dialog 
stattgefunden “ habe.^^^ 

Bundesminister der Verteidigung Dr de Maiziere hat den 
auf EURO HAWK bezogenen Inhalt der Rüstungsklausur 
in seiner Vernehmung wie folgt geschildert: 

„Wir haben [...] generell über Drohnen gespro- 
chen [...]. Da mir als neuer Minister unklar war, 
was HALE und MALE und alles das ist, hatte ich 
ihn [den designierten Inspekteur der Luftwaffe, 
Generalleutnant Müllner, Anm.] gebeten, er soll 
doch mal auf einer Folie darstellen, welche unter- 
schiedlichen Arten von Drohnen es gibt. Ich bin 
jetzt nicht beim Thema Bewaffnung, sondern tief, 
mittel, hoch. [...] 

Und dann hat er nach meiner Erinnerung gesagt: 
,Wir haben da jeweils Zulassungsprobleme we- 
gen der Teilnahme am allgemeinen Luftverkehr, 
auch beim Euro Hawk', und nach meiner Erinne- 
rung habe ich dann gefragt: ,Was machen wir 
da?', und da hat Herr Selhausen nach meiner Er- 
innerung gesagt: Herr Minister, das lösen wir ge- 
meinsam. - Dazu hat Herr Müllner genickt, und 
da war dieses Thema erledigt. 

Des Weiteren hat er festgestellt: 

„Ich habe gesagt, in der Rüstungsklausur habe ich 
erstmals von Problemen erfahren, 


516 Wolf, Protokoll-Nr. 7, S. 126. 

517 Wolf Protokoll-Nr. 7, S. 126. 

518 Wieker, Protokoll-Nr. 7, S. 170. 

519 Wieker, Protokoll-Nr. 1, S. 177. 

520 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 31. 


„[...] bei der Rüstungsklausur haben wir einen 
allgemeinen Überblick darüber gehabt. Die Rüs- 
tungsklausur [...] war dazu da, dass ich einen 
Überblick bekomme, dass wir die verschiedenen 
Probleme ansprechen. So haben wir ja dann auch 
das Zulassungsproblem bei dem Euro Hawk an- 
gesprochen. Das Ausmaß der Unterlagen zu je- 
dem einzelnen Problem war für mich vorher 
überhaupt nicht zu lesen. “^22 

Auf die Nachfrage, ob die Rüstungsklausur wichtig ge- 
wesen sei, hat Bundesminister de Maiziere darauf verwie- 
sen, dass dem so sei. Sie hätten sich in einem Übergang 
befunden, „[nur] etwas zu planen, was sie sich leisten 
könnten dass , .Wünsche und haushaltspolitische Rea- 
lität miteinander in einen gewissen Einklang“ gebracht 
werden sollten.524 

bb) Bewertung durch die Beteiligten 

Auf die Frage, wann für ihn vor dem Hintergrund der Ri- 
siko- und Kostenentwicklung ein neuralgischer Punkt für 
eine Meldung an höhere Ebenen erreicht gewesen sei, hat 
der Projektleiter EURO HAWK, LTRDir Rüdiger Knöpf ef 
in seiner Vernehmung auf die Entwicklung verwiesen, die 
zu der Vorlage vom 8. Februar 2012 geführt hatte: 

„[...] für uns im Projekt oder für mich als Pro- 
jektleiter war dieser Punkt gegen Ende des Jahres 
2011 erreicht, nachdem ich erste Schätzungen der 
EuroHawk GmbH, basierend auf den Schätzun- 
gen oder groben Schätzungen der Northrop 
Grumman, was aus ihrer Sicht für eine umfas- 
sende Musterprüfung für die Serie an Aufwand 
notwendig wäre, [erhalten hatte, Anm.] [. . .].“525 

MD Selhausen hat in seiner Vernehmung dazu zusam- 
mengefasst: 

„[...] ich habe am 24. November 2011 von dem 
Finanzrisiko im Bereich der Musterzulassung er- 
fahren, habe dieses Risiko abschätzen lassen und 
validieren lassen und habe dann eine Vorlage am 
8. Februar 2012 durch das fachaufsichtsführende 
Referat, abgestimmt mit den Abteilungen im 
Haus, auf den Weg gebracht. 

Für Staatssekretär Wolf begann mit der Vorlage eine 
„neue Weichenstellung“ . da er hiermit erfuhr, dass „wir 
von der bisherigen Verfahrensweise, eine Musterzulas- 
sung zu erreichen, abweichen wollten “\ 

„Das war für mich eine Veränderung. “^27 

Die Auflistung der „inzwischen“ gewonnenen Erkennt- 
nisse über Probleme und Schwierigkeiten für die Muster- 
zulassung kommentierte er mit dem Vermerk: 


521 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 23. 

522 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 30. 

523 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 107. 

524 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 109. 

525 Knöpfei, Protokoll-Nr. 4, S. 7. 

526 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 75. 

527 Wolf Protokoll-Nr. 7, S. 108. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-89- 


Drucksache 17/14650 


„und scheinbare Selbstverständlichkeiten sind 
nicht Gegenstand des Vertrages oder?“528 

Die Frage, ob er sich an dieser Stelle darüber gewundert 
habe, warum oder ob diese Nachweise nicht Gegenstand 
des Vertrages seien, hat er mit der Äußerung beantwortet: 

„Ja, ich habe mich geärgert, ja. Sonst hätte ich 
diese Kommentierung - - Das ist nicht meine Art. 

Ich schreibe ungern Kommentierungen in Vorla- 
gen, die mich auch nur nachrichtlich ereilen; aber 
das hat mich geärgert, ja.“^29 

cc) Rückblickende Einschätzung der 
realisierbaren Muster- bzw. 
Verkehrszulassung 

Als weitere Reaktion auf die mit der Vorlage vom 8. Fe- 
bruar 2012 eingeleitete Wende beauftragte MD Selhausen 
das fachaufsichtführende Referat BMVg Rü VI 2 am 
l.März 2012, einen rückblickenden, umfassenden Be- 
richt zu erstellen, wie die Beteiligten ursprünglich zu der 
Einschätzung gekommen waren, dass eine Muster- bzw. 
Verkehrszulassung des EURO HAWK realisierbar sei.^^^ 
Daraufhin erstellte der Projektleiter EURO HAWK eine 
ausführliche Stellungnahme, die dem Abteilungsleiter am 
14. März 2012 mit einer Informationsvorlage des Referates 
Rü VI 2 vorgelegt wurde. Die Kernaussagen der Vor- 
lage lauten: 

„Trotz Ausschöpfung aller Informationsmög- 
lichkeiten vor Vertragsabschluss war nicht zu er- 
kennen, dass eine umfassende Musterzulassung 
für den EURO HAWK möglicherweise scheitert. 

Zur Absicherung der Zugriffsmöglichkeiten auf 
die für die Zulassung erforderlichen Daten wur- 
den mit Industrie und USAF umfangreiche Ver- 
einbarungen getroffen. 

Es ergeben sich rückblickend keine Anknüp- 
fungspunkte, wonach die USAF den gegebenen 
Zusagen nicht nachgekommen ist. Die offenbar 
gewordenen Lücken in der Nachweisführung des 
Global Hawk sind der - auch durch den Einsatz 
bedingten - deutlich weniger stringenten Zulas- 
sungsphilosophie der USAF geschuldet. 

In der Bewertung wird zusätzlich darauf verwiesen, dass: 

„Erst bei der detaillierten Abarbeitung des Mus- 
terprüfprogramms nach Vertragsabschluss [...] 
offenbar [wurde], dass 

- die kontinuierliche Fortentwicklung (Spiral 
Development) des GLOBAL HAWK Bauzu- 
standes die Gültigkeit und Übertragbarkeit von 
Nachweisen der USAF entwertet. 


528 MAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, AIN V 5, Ordner 2, S. 133, 

529 Wolf, Protokoll-Nr. 7, S. 133. 

530 MAT 17-85 BMVg zu BB 17-64, AIN V 5, Ordner 5, S. 373. 

531 MAT 17-37 BMVg zu BB 17-24, AIN V 5, Ordner 1, S. 1 ff. 

532 mAT 17-37 BMVg zu BB 17-24, AIN V 5, Ordner 1, S. 7. 


- die industrieseitige Softwareentwicklung ent- 
gegen der vorvertraglichen Feststellung nicht 
den Anforderungen [. . .] entspricht, 

- detaillierte Nachweise nicht oder nicht wie ge- 
plant auf US-Seite durchgeführt wurden.“^^^ 

Der Projektleiter schloss seinen Bericht mit dem Hinweis 
auf das aktuelle weitere Vorgehen, d. h. der Suche nach 
^.sinnvollen, risikoarmen und kostenoptimierten Alterna- 
tiven zu einer Muster Zulassung auf der Basis einer umfas- 
senden Musterprüfung. 

Auf diesen Weg konzentrierten sich im Folgenden die 
weiteren Aktivitäten. 

IV. Probleme bei der Zulassung der EuroHawk 
GmbH als Luftfahrtbetrieb 

1 . Ausgangssituation 

Die Industrie sollte die Erprobung des EURO HAWK 
Full Scale Demonstrators in Manching eigenverantwort- 
lich durchführen. Dies steht im Einklang mit der Tatsa- 
che, dass das Eigentum am Full Scale Demonstrator bis 
zum Abschluss der Erprobungsflüge noch bei der Indus- 
trie liegt und erst mit der Abnahme auf die Bundesrepu- 
blik Deutschland übergehen soll.^^'^ Der Leiter ML, 
DirWTD Steiger, hat in seiner Aussage dazu erläutert, 
welcher Schluss daraus zu ziehen ist: 

„[...] Dazu benötigt es einen anerkannten, zertifi- 
zierten Luftfahrtbetrieb nach unserer Vorschrif- 
ten- und Gesetzeslandschaft.“ 

Aus diesem Grunde war im Entwicklungsvertrag ur- 
sprünglich vorgesehen, auf die Zulassungen von EADS 
und Northrop Grumman zurückzugreifen. Eine Zulassung 
der EuroHawk GmbH „ in ihrer Eigenschaft als gesamt- 
systemverantwortliche Managementfirma “ als Luftfahrt- 
betrieb war nicht vorgesehen. Später wurde dies im 
Jahr 2008 für die Betreuung des Anfangsflugbetriebs am 
Standort Schleswig/Jagel dahingehend geändert, dass sich 
die EuroHawk GmbH als Luftfahrtbetrieb mit dem 
Schwerpunkt Instandsetzung zulassen solle.^^o jy{Q Min- 
destanforderungen zur Zulassung als Luftfahrtbetrieb zur 
Unterstützung des operationeilen Flugbetriebs mit dem 
Full Scale Demonstrator wurden ein Jahr später im An- 
hang 2 zur Anlage 1 des CLS 1 Vertrags vom 28. Juli 
2009 festgelegt.541 


533 MAT 17-37 BMVg zu BB 17-24, AIN V 5, Ordner 1, S. 8. 

534 mAT 17-37 BMVg zu BB 17-24, AIN V 5, Ordner 1, S. 6. 

535 Siehe Abschnitt V. 

536 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 70. 

537 Knöpf el, Protokoll-Nr. 4, S. 47. 

538 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 70. 

539 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 48. 

540 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 48. 

541 MAT 17-17 BMVg zu BB 17-16, Ordner 1, S. 60 ff. 



Drucksache 17/14650 


-90- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


2. Erweiterung der Anforderungen 

Im Jahr 2011 wurde schließlich geklärt, dass die Euro- 
Hawk GmbH „sowohl für alle Arbeiten am Luftfahrzeug, 
die in Deutschland durchgeführt werden, als auch für den 
vertraglich geforderten Flugbetrieb in der Verantwortung 
der EuroHawk GmbH‘‘ eine Zulassung als Luftfahrtbe- 
trieb benötige. 

Im weiteren Verlauf erfolgte jedoch noch keine Zulas- 
sung. Da auf der Edwards Air Force Base in den USA 
eine Gefährdung unbeteiligter Dritter ausgeschlossen 
werden konnte, fanden die Erprobungsflüge dort unter 
der Aufsicht der USAF statt.^^s 

Kurz vor dem Überfährungsflug vom Juli 2012 monierte 
der Leiter ML am 15. Juni 2012, dass eine Anerkennung 
sowohl von Northrop Grumman als auch der EuroHawk 
GmbH noch nicht vorgenommen worden sei, was nach 
seiner Bewertung „mitverantwortlich für Lücken in der 
Erfüllung der Vertragslage sein könnte. Schließlich 
müsse zur Gewährleistung der Aufrechterhaltung der Ver- 
kehrssicherheit während des Betriebes in Deutschland be- 
reits bei der Unterzeichnung der Vorläufigen Verkehrszu- 
lassung fär den Überführungsflug eine systembetreuende 
Firma benannt werden. Voraussetzung sei daher, dass die 
Systembetreuung mit diesem Tage von Northrop Grum- 
man auf die EuroHawk GmbH übergehe. ^^4 nicht 

erfolgte, erteilte die Abteilung T des BWB die Weisung, 
den Überführungsflug des Full Scale Demonstrators ohne 
die Anerkennung der EuroHawk GmbH als Luftfahrtbe- 
trieb durchzuführen. 545 

Im Jahr 2012 erfolgte weiterhin keine entsprechende Zu- 
lassung.546 Am 2. August 2012 wurde im Rahmen weite- 
rer Abstimmungen schließlich festgelegt, dass „ die Euro- 
Hawk GmbH sowohl als Entwicklungs- als auch als 
Instandsetzungsbetrieb umfänglich zugelassen sein ‘‘ 
müsse, „ um den anstehenden Entwicklungsflugbetrieb in 
Deutschland durchführen zu können'' In seiner Ver- 
nehmung hat DirWTD Steiger hierzu gesagt: 

„[...] Ich habe dann Anfang August darauf noch 
mal hingewiesen, dass das unbedingt erforderlich 
sei. Das war nicht das erste Mal, dass daraufhin- 
gewiesen wurde; darauf hatte ich auch im Jahre 
vorher schon einmal hingewiesen - auch schrift- 

lich.“548 

Das Thema wurde daraufhin unter der Federführung der 
fär die Zertifizierung zuständigen Stelle, BWB T3.3, wei- 
ter angegangen. 549 


542 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 49. 

543 MAT 17-49 BMVg zu BB 17-26, S. 5. 

544 MAT 17-79 D BMVg zu BB 17-59, WTD 61 OOlLtrML, Ordner 2, 
E-Mail Ausgang 2010-2013, S. 62. 

545 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 49. 

546 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 70. 

547 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 49. 

548 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 70. 

549 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 70. 


3. Terminliche Sicherstellung der 
ISIS-Erprobungsflüge 

Am 27. August 2012 schlug der Projektleiter für das wei- 
tere Vorgehen vor, eine Vorläufige Verkehrszulassung 
auszustellen, ohne dass das bereits eingeleitete Zulas- 
sungsverfahren bis dahin abgeschlossen sein müsste. 550 
Um die Aufnahme des Testflugbetriebs mit dem Full 
Scale Demonstrator sicherzustellen, erließ das fachauf- 
sichtfährende Referat BMVg AIN V 5 am 29. August 
2009 gegenüber dem BWB die Weisung, terminbezogen 
zu bestimmten Themen zu berichten. Zugleich wurde das 
BWB angewiesen, den Entwicklungsvertrag bis zum 
31. Dezember 2012 zu verlängern.55i 

4. Gesprächsvorbereitungen 
September 2012 

In diesem Zusammenhang wurden Staatssekretär 
Beemelmans mit Vorlage vom 8. September 2012 Unter- 
lagen zur Vorbereitung eines Gesprächs mit einer Vertre- 
terin des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums 
vorgelegt. 552 im Zusammenhang mit den aufgetretenen 
Verzögerungen heißt es im Abschnitt zum Sachstand: 

„Hauptproblem ist die Zertifizierung der Euro- 
Hawk GmbH als luftfahrtechnischer Betrieb. Er- 
schwerend kommt das , zerrüttete ‘ Verhältnis der 
Mutterhäuser Cassidian und Northrop Grumman 

hinzu.‘‘553 

Des Weiteren wird darauf verwiesen, dass „ aufgrund der 
noch ungelösten Probleme bei der luftrechtlichen Muster- 
zulassung des EURO HAWK und damit möglicherweise 
verbundener, erheblicher Kosten " die Entscheidung über 
eine Beschaffung der Serie „auf unbestimmte Zeit ver- 
schoben " sei. 554 

Zusammengefasst wurde schließlich dargestellt: 

„Das Gesamtprojekt EURO HAWK wird derzeit 
einer kritischen Prüfung hinsichtlich der Reali- 
sierbarkeit unterzogen. “555 

In nahezu gleicher Weise wurde Staatssekretär 
Beemelmans auf ein Gespräch mit dem Zeugen Bernhard 
Gerwert als neuem Chief Executive Officer (CEO) der 
EADS-Division Cassidian und Vorsitzenden der Ge- 
schäftsführung der EADS Deutschland GmbH am 
27. September 2012 vorbereitet. 556 Zum Zweck des Ge- 
sprächs wurde angegeben: 

„Das Gespräch soll in erster Linie der Vorstellung 
von Herrn Gerwert in seiner neuen Position die- 
nen. Daneben möchte er sich persönlich für die 


550 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 50. 

551 MAT 17-50 BMVg zu BB 17-31, Ordner 3, S. 442 f. 

552 mAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, AIN V 5, Ordner 2, S. 141 ff. 

553 MAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, AIN V 5, Ordner 2, S. 145. 

554 mAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, AIN V 5, Ordner 2, S. 145. 

555 MAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, AIN V 5, Ordner 2, S. 145. 

556 MAT 17-73 BMVgzuBB 17-48, Ordner 2, StS Beemelmans, S. 101 ff. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-91- 


Drucksache 17/14650 


Unterstützung beim Projekt Future European 
MALE (Medium Altitude Long Endurance) be- 

danken.“557 

Für ein Gespräch mit dem CEO des Gesamtkonzems 
EADS, Thomas Enders, wurde dem Bundesminister der 
Verteidigung eine Vorlage zur Gesprächsvorbereitung 
vom 7. September 2012 zugeleitet. Das einstündige 
Gespräch hatte demnach den Zweck, Themenkomplexe 
anzusprechen, „die für die zukünftige Zusammenarbeit 
Akzente setzen und eine Grundlage für den Aufbau des 
notwendigen strategischen Dialogs legen Aktuelle Vor- 
haben würden ,, nur als exemplarische Beispiele ‘‘ heran- 
gezogen werden.559 im Bereich „Transatlantische Rüs- 
tungskooperation '' wurde im Vorbereitungs vermerk 
beispielhaft auf die Projekte MEADS und EURO HAWK 
eingegangen. Im Einzelnen hieß es dort: 

„Beide Programme sind damit gmndsätzlich un- 
terschiedlich, kranken aber dennoch an vergleich- 
baren Schwierigkeiten, ln beiden Fällen gab und 
gibt es immer wieder Probleme mit Informations- 
freigaben (Beispiele: Global Hawk Flugzeug- 
daten [...]). Beide Programme sind aber auch 
signifikant von Ändemngen in den US- Ausrüs- 
tungsplänen betroffen (gravierende Einschnitte 
im US Air Force Global Hawk Programm 

[_ ])/‘560 

Am 10. Oktober 2012 wurde auf die Vorlage der Vermerk 
„ hat BM Vorgelegen '' gestempelt.^^i 

5. Erteilung der Zulassung 

Im Dezember 2012 konnte mit einer Ausnahmegenehmi- 
gung von BMVg des Referates AIN V schließlich die 
Vorläufige Verkehrszulassung ausgesprochen werden.^^^ 

DirWTD Steiger hat in seiner Vernehmung den damali- 
gen Stand des Verfahrens näher beschrieben: 

„Zu diesem Zeitpunkt war die Firma Euro-Hawk 
GmbH noch nicht zertifiziert, aber der Weg bis 
dahin, zur Zertifizierung, war so weit beschrie- 
ben, dass eine Aussicht bestand, in nächster Zeit 
diese Zertifizierung zu erreichen, und das wurde 
als ausreichend erachtet, um auch unter der [...] 
Aufsicht der WTD 6 1 am Standort Manching die 
Flugerprobung beginnen zu können. [. . 


557 MAT 17-73 BMVg zu BB 17-48, Ordner 2, StS Beemelmans, 
S. 101. 

558 MAT 17-80 BMVg zu BB 17-44, AIN V 5, Vorlagen Vermerke, 
Ordner 1, S. 72 ff. 

559 mAT 17-80 BMVg zu BB 17-44, AIN V 5, Vorlagen Vermerke, 
Ordner 1, S. 73. 

560 MAT 17-80 BMVg zu BB 17-44, AIN V 5, Vorlagen Vermerke, 
Ordner 1, S. 73 f 

561 MAT 17-80 BMVg zu BB 17-44, AIN V 5, Vorlagen Vermerke, 
Ordner 1, S. 72, 79. 

562 MAT 17-50 BMVg zu BB 17-31, Ordner 3, S. 459. 

563 Steiger Protokoll-Nr. 4, S. 70. 

564 Steiger Protokoll-Nr. 4, S. 70. 


Mitte Juli 2013 wurde der Firma EuroHawk GmbH letzt- 
lich die bis zum 30. September 2013 limitierte Zulassung 
als Luftfahrtbetrieb erteilt. 

V. Maßnahmen zur Schadensvermeidung/ 
Handlungsalternativen 

Als der Abteilungsleiter Rüstung, MD Selhausen, Ende 
Oktober 2011 von zu erwartendem Mehraufwand für eine 
umfassende Musterzulassung der EURO HAWK-Serie 
erfuhr, hatte er kurz zuvor in Kenntnis der Schwierigkei- 
ten bei der Verfügbarkeit der für die Zulassung notwendi- 
gen Daten eine Vorlage angehalten, in der es u. a. um die 
Beschaffung von Langläuferbauteilen für die EURO 
HAWK-Serie ging. In Folge der weiteren Präzisierung 
der zu erwartenden Mehrkosten wurde dieses Anliegen 
schließlich nicht mehr verfolgt. 

Nachdem Staatssekretär Beemelmans die geschätzten 
Mehrkosten von bis zu ca. 600 Millionen Euro mit Infor- 
mationsvorlage vom 8. Februar 2012 zur Kenntnis ge- 
nommen hatte, konzentrierten sich die weiteren Aktivitä- 
ten der Beteiligten im Wesentlichen auf die Prüfung, ob 
die Beschaffung und der Betrieb der EURO HAWK-Serie 
auch ohne eine umfassende Musterprüfung mit anschlie- 
ßender Musterzulassung erreicht werden könnten. ^67 

1. Absehen von der Fortführung des 

Projektes 

Unabhängig von den getroffenen Maßnahmen zur Scha- 
densvermeidung bzw. der Prüfung von Handlungsaltema- 
tiven kam während der Zeugenvernehmungen im Unter- 
suchungsausschuss die Frage auf, ob auch ein vorzeitiger 
Abbruch bzw. eine Kündigung des Entwicklungsvertra- 
ges in Erwägung gezogen worden war. 

a) Vorzeitiger Abbruch des Projektes 

aa) Schließen der bestehenden 
Fähigkeitslücke SLWÜA 

aaa) Vorlage an Staatssekretär Wolf wom 
15. Juni 2012 

Staatssekretär WolfhdX in seiner Vernehmung berichtet, 
dass ein Abbruch auch aus einem anderen Grund als den 
möglichen Mehrkosten in Erwägung gezogen wurde. 

Mit Vorlage vom 15. Juni 2012 wurde er von der für das 
militärische Nachrichtenwesen zuständigen Abteilung SE 
als militärischem Bedarfsträger des EURO HAWK als 
Aufklärungs System darüber unterrichtet, dass die voll- 
ständige Schließung der Fähigkeitslücke im Bereich 
SLWÜA mit dem EURO HAWK frühestens im Jahr 2019 
erreicht werden könne. Zu den Gründen wurde u. a. auf 
die Zulassungsprobleme der EURO HAWK-Serie, die 
Mindestvorlaufzeit für eine Beauftragung, wirtschaftliche 


565 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 84. 

566 Siehe Abschnitt V. 2. 

567 Siehe Absc hni tt III.4.c). 

568 Wolf, Protokoll-Nr. 7, S. 101. 

569 MAT 17-50 BMVg zu BB 17-31, Ordner 3, S. 383 ff. 



Drucksache 17/14650 


-92- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


Risiken im Zusammenhang mit den Langläuferbauteilen 
und die allgemeine wirtschaftliche Versorgbarkeit des 
EURO HAWK während der Nutzungsphase verwiesen. 
Aus diesem Grunde erschien es der Abteilung SE not- 
wendig, mögliche (Zwischen-) Lösungsvarianten zur 
kurzfristigen, teilweisen Schließung der Fähigkeitslücke 
zu betrachten und zu bewerten.^'^i Bezug genommen 
wurde in diesem Zusammenhang auf eine Vorlage vom 
15. Mai 2012, die die Abteilung SE auf dem Dienstweg 
vorgelegt hatte. Aufgrund einer Rückfrage hatte sie 
Staatssekretär Beemelmans zur Klärung zurückgege- 
ben.5'^2 Hinblick auf die Fähigkeitslücke im Bereich 
SLWÜA wurde folgende Bewertung vorgenommen: 

„Sollte der EURO HAWK FSD im Bereich des 
Trägers (GLOBAL HAWK, Fa. Northrop Grum- 
man) entgegen der bisherigen Erkenntnisse ekla- 
tante Schwächen zeigen, aber im Bereich der 
Aufklärungssensorik überzeugende Leistungen 
bringen, wäre in Bezug auf die Zukunft s Siche- 
rung der Technologie und die Schließung der Fä- 
higkeitslücke die Nutzung des ISIS-Systems in 
Form einer Pod-Lösung [. . .] zu prüfen. 

Sollten Schwierigkeiten mit dem Gesamtpaket 
EURO HAWK FSD auftreten, wären andere Lö- 
sungsmöglichkeiten (z. B. Leasing/Kauf SIGINT- 
Lfz [...]) näher zu untersuchen. 

Staatssekretär IK?//* notierte auf der Vorlage vom 15. Juni 
2012 : 

„Ich bitte um Prüfung und Bewertung (mit AIN 
und PI) eines Abbruchs des Vorhabens bei Vorlie- 
gen einer kurzfristig verfügbaren mittel- und 

langfristig nutzbaren , Zwischenlösung 

Auf dieser Grundlage wurde er mit Vorlage vom 8. Au- 
gust 2012 darüber unterrichtet, dass dazu eine Studie be- 
auftragt werde. Er wurde darauf hingewiesen, dass 
„erst nach Vergleich möglicher Varianten entlang klar de- 
finierter Kriterien, vor allem hinsichtlich der Finanzier- 
barkeit, [...] eine belastbare Aussage bezüglich des Ab- 
bruchs des Vorhaben EURO HAWK SIGINT getroffen 
werden“ könne. Staatssekretär IJh//'nahm die Vorlage 
am 17. August 2012 zur Kenntnis und notierte auf der 
Vorlage, dass er mit der Studie einverstanden sei. Es 
bleibe bei dem ursprünglichen Auftrag, Möglichkeiten 
des Abbruchs zu untersuchen und mit dem Ergebnis der 
Studie zu bewerten. Weiter vermerkte er: 

„Ich halte weitere Investitionen in ein so risiko- 
haftes Vorhaben für mehr als problematisch. 

In seiner Vernehmung hat er dazu erläutert, dass es bei 
dieser Entscheidung „gerade nicht um die Beendigung 


570 MAT 17-50 BMVg zu BB 17-31, Ordner 3, S. 385. 

571 MAT 17-50 BMVg zu BB 17-31, Ordner 3, S. 383. 

572 MAT 17-50 BMVg zu BB 17-31, Ordner 3, S. 318 ff. 

573 MAT 17-50 BMVg zu BB 17-31, Ordner 3, S. 320. 

574 MAT 17-50 BMVg zu BB 17-31, Ordner 3, S. 383. 

575 MAT 17-78 A BMVg zu BB 17-52, AIN V 5, Ordner 65, S. 194 f 

576 MAT 17-78 A BMVg zu BB 17-52, AIN V 5, Ordner 65, S. 195. 

577 MAT 17-78 A BMVg zu BB 17-52, AIN V 5, Ordner 65, S. 194. 


des Vorhabens wegen erkannter, mit einem angemessenen 
zeitlichen, technischen und finanziellen Aufwand nicht 
lösbarer Risiken'' gegangen sei, sondern ausschließlich 
„um die Schließung einer durch Verzögerung befristeten 
Fähigkeitslücke" Das Ergebnis habe er auf jeden Fall 
vor weiteren Investitionen in das Projekt EURO HAWK 
ab warten wollen. 

Staatssekretär Beemelmans ist in ähnlichem Zusammen- 
hang auf die militärische Sichtweise eingegangen: 

„Der Generalinspekteur kann mit einer Fähigkeit, 
die er nicht betreiben kann, nichts anfangen. 
Wenn ihm ein Luftfahrzeug hingestellt wird, zu 
dem die Luftwaffe sagt: ,Ich kann das nicht be- 
treiben, weil ich es nach den Vorschriften nicht 
betreiben kann‘, dann hat der Generalinspekteur 
von dieser Fähigkeit überhaupt nichts. Und des- 
halb hat der Generalinspekteur zugestimmt, dass 
wir nach Alternativen suchen, weil es dem Gene- 
ralinspekteur nicht um den Euro Hawk geht, son- 
dern es geht ihm um die Fähigkeit. 

bbb) Studie zu „Zwischenlösungen“ 

Entsprechend wies das Referat BMVg AIN V 5 das BWB 
am 5. September 2012 an, umgehend eine Kurzstudie zu 
beauftragen und das Ergebnis bis zum 30. November 
2012 vorzulegen. Die weitere Entwicklung wird vor 
dem Hintergrund der chronologischen Abfolge unten im 
Abschnitt D.V.4. „Alternative Trägerplattform“ darge- 
stellt. 

bb) Rückblickende Bewertung der Beteiligten 

Die rückblickende Frage nach dem möglichen Sinn eines 
vorzeitigen Abbruchs vor dem Hintergrund der mögli- 
chen Mehrkosten war mehrfach Gegenstand der Zeugen- 
vernehmungen. Für General a. D. Schneiderhan, der bis 
zum 26. November 2009 Generalinspekteur der Bundes- 
wehr war, kam diese Erwägung nicht in Frage. Auf die 
Frage, ob es einen Zeitpunkt gegeben habe, zu dem aus 
seiner Sicht die Mittel für ein anderes Projekt sinnvoller 
eingesetzt gewesen wären, hat er in seiner Vernehmung 
geantwortet: 

„Nein, den Zeitpunkt gab es nicht. Ich würde 
auch heute noch sagen, dass wir dieses Geld für 
dieses Projekt so dringend wie damals brauchen, 
weil wir diese Fähigkeitslücke nicht in Kauf neh- 
men können, und ich habe keine Alternativen bis- 
her gesehen, diese Fähigkeitslücke zu decken. 

[...] es ist die richtige Technologie. Es ist die 
richtige Forderung. Es ist die Fähigkeit, die dem 
Militär auf den Nägeln brennen muss, und des- 
halb wäre ich bis zur Stunde nicht auf den Gedan- 


578 Wolf, Protokoll-Nr. 7, S. 101. 

579 Wolf Protokoll-Nr. 7, S. 109. 

580 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 34. 

581 MAT 17-50 BMVg zu BB 17-31, Ordner 3, S. 445. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-93- 


Drucksache 17/14650 


ken gekommen, zu sagen: Das lassen wir jetzt 
bleiben und haben es dann eben nicht. 

Für LTRDir Knöpfei, der seit dem 8. März 2011 Projekt- 
leiter ist, war zunächst entscheidend, dass sie in den Jah- 
ren 2007 bis 2009 „ erhebliche Fortschritte “ gemacht hät- 
ten. Sie hätten „jeweils immer den Erfolgt" gehabt, „dass 
wir dieses System weiter betreiben konnten''. Im Ergebnis 
hätte das dazu geführt, dass 

„wir auch ganz bestimmt 2009 nicht das Gefühl 
hatten: Oh, hier scheitert alles. - Ganz bestimmt 

nicht.‘‘583 

Im Jahr 2011 hätten sie dann zwar erkannt, dass die 
EURO HAWK-Serie einen „erheblichen Mehraufwand" 
erfordern könnte, gleichzeitig hätten sie aber bereits 
„eine funktionierende Testumgebung" , d. h. einen funk- 
tionierenden Demonstrator gehabt, 

„[...] und da gab es auch aus meiner Sicht keinen 
Grund, da abzubrechen. Dann hätte man wirklich 
viel verloren. [...]“584 

Bei einem Abbruch im Jahr 2012 hätte er schließlich 
„gar nichts gehabt". 

„Wenn ich vor einem Jahr abgebrochen hätte, 
hätte ich zwar gewusst, ja, das Flugzeug kann 
fliegen. Aber wofür kann es fliegen? Das hätte 
ich nicht sagen können. Insofern wäre es eigent- 
lich ein Gesamtverlust gewesen. 

Insofern wären dann auch die Investitionen in ISIS verlo- 
ren gewesen. Dazu hat er erklärt: 

„Wenn ich jetzt abgebrochen hätte in 2011 oder 
2012, hätte ich ja von dem Full Scale Demonstra- 
tor nichts zurückbekommen. Ziel war der Nach- 
weis der technischen Spezifikation des Missions- 
systems, und genau das erreichen wir, indem wir 
jetzt diese Erprobungsphase abschließen. 

Die Zeugen von Seiten der Industrie konnten ebenfalls 
keine Umstände erkennen, die Anlass für einen vorzeiti- 
gen Abbruch gegeben hätten. Nach Ansicht von Bernhard 
Gerwert, CEO von EADS Division Cassidian, bestand 
weder 2009 „noch irgendwann" solch ein Anlass. Man 
habe „aus guten Gründen den Demonstrator entwickeln 
und erfolgreich zeigen" wollen, dass dieses System in 
seiner Gesamtheit funktioniere. Dies sei erreicht wor- 
den. Die gleiche Ansicht vertrat der Sector Vice Presi- 
dent von Northrop Grumman, Janis G. Pamiljans. Im Jahr 
2009 habe „jeder das Gefühl " gehabt „ dass wir auf ei- 
nem guten Weg waren hin zur Zertifizierung, hin zur Zu- 
lassung". Und in den Jahren 2011 und 2012 habe es 


Schneiderhan, Protokoll-Nr. 3, S. 22. 
Knöpf el, Protokoll-Nr. 4, S. 8. 

584 Knöpfei, Protokoll-Nr. 4, S. 8. 

585 Knöpf el, Protokoll-Nr. 4, S. 22. 

586 Knöpfei, Protokoll-Nr. 4, S. 22. 

587 Knöpf el, Protokoll-Nr. 4, S. 40. 

588 Gerwert, Protokoll-Nr. 6, S. 22. 

589 Pamiljans, Protokoll-Nr. 6, S. 66. 


„ Überhaupt keine Anzeichen " gegeben, „ die Tests nicht 
weiterführen zu lassen 

Zurückhaltender äußerte sich die Vertreterin des Bundes- 
rechnungshofes, MRn Bauch. Auf die Frage, ob die Er- 
probung früher hätte abgebrochen werden müssen, hat sie 
geantwortet: 

„Man hätte auf jeden Fall das Projekt noch mal 
neu bewerten müssen, sich über die Risiken Ge- 
danken machen müssen, hätte den Aufwand für 
die Zulassung stärker eruieren müssen, um dann 
eine Entscheidung zu treffen: Macht das Sinn, un- 
ter diesen Voraussetzungen das Projekt weiterzu- 
führen, oder müssen wir hier einen Abbruch vor- 

sehen?“59i 

Als Zeitpunkte dafür benannte sie - wie bereits im Be- 
richt des Bundesrechnungshofes^^^ - die Jahre 2009 und 
2011.593 

Der Abteilungsleiter AIN, MD Selhausen, hat in seiner 
Aussage angeführt, er habe sich selbst bereits rückbli- 
ckend gefragt, ob ein Beenden des Programms im Jahr 
2010 sinnvoll gewesen wäre. Im Hinblick auf die bis da- 
hin erreichten Ziele, die zu dem Zeitpunkt bestehenden fi- 
nanziellen Verpflichtungen in Höhe von 539 Millionen 
Euro und die unverändert und dringlich fortbestehende 
Forderung nach Schließung der Fähigkeitslücke hätten sie 
vermutlich bei sorgfältiger Abwägung nicht anders ent- 
schieden, als das Projekt fortzusetzen. 594 

Nach Bewertung von Bundesminister der Verteidigung 
Dr. de Maiziere sei der Zeitpunkt der Entscheidung nicht 
zu spät gewesen. Er hat dazu gesagt: 

„Es ist richtig, erst alle vertretbaren Möglichkei- 
ten auszuloten und auszuschöpfen, um zu einer 
Lösung des Problems zu kommen, bevor man ein 
Projekt stoppt. 

Noch Ende Oktober 2012 wurde der zuständige 
Staatssekretär informiert, dass eine Vorläufige 
Verkehrszulassung zur Aufnahme des Testbe- 
triebs bis Dezember 2012 erreicht werden könne 
und dass eine belastbare Aussage über einen al- 
ternativen Zulas sungsweg für die Serienflug- 
zeuge frühestens Ende 2012 vorliegen werde. Da- 
mit war keine vernünftige Grundlage für einen 
Abbruch des Projekts im Jahr 2011 gegeben. Ein 
früherer Abbruch hätte vor allem die Erprobung 
des Aufklärungs Systems ISIS verhindert. Auf die 
Prüfung der Tauglichkeit dieses Systems unter 
Einsatzbedingungen kam und kommt es aber für 
die Fähigkeit zur Aufklärung aus großer Höhe 
aber gerade an. “595 


590 Pamiljans, Protokoll-Nr. 6, S. 67. 

591 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 4. 

592 MAT 17-4 BRH zu BB 17-90, Ordner 1, S. 18. 

593 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 23; siehe auch Abschnitt VIII. 

594 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 68. 

595 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 8. 



Drucksache 17/14650 


-94- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


b) Vertragskündigung 

Auf die Frage an den CEO von EADS Division Cassi- 
dian, Bernhard Gerwert, ob nach einer Vertragskündi- 
gung ISIS mit einem eigens dafür mit Cassidian geschlos- 
senen Vertrag hätte weiterentwickelt werden können, hat 
dieser darauf aufmerksam gemacht, dass dies „wahr- 
scheinlich relativ wenig Sinn‘‘ ergeben hätte, da dann 
keine Trägerplattform vorhanden gewesen sei. Mit einer 
neuen Plattform müsse man auch neu anfangen. 

Die Zeugin Bauch bestätigte, dass der Vertrag eine Kün- 
digungsklausel enthielt. Aus ihrer Sicht hätte man bei ei- 
ner Kündigung die finanziellen Auswirkungen abwägen 
müssen, da der Auftragnehmer schließlich auch einen 
Anspruch auf Erfüllung habe.^^'^ 

Schließlich hat der Präsident des BAAINBw, Harald 
Stein, in seiner Aussage geäußert, dass eine Vertragskün- 
digung „bisher nie Thema gewesen'' sei.^^^ Aus seiner 
Sicht wäre dies „sicherlich nicht ohne Rechtsstreit abge- 
gangen Außerdem sehe er es auch als Aufgabe seines 
Amtes an, die Fähigkeitslücke zu schließen. Zudem 
seien bei einer „normalen" Kündigung eines Vertrages 
stets Restabgeltungsansprüche des Auftragnehmers zu 

zahlen.^oo 

2. Zurückstellen der Beschaffung von 
Langläuferbauteilen 

a) Erste Vorlage vom 10. Oktober 2011 

Am 10. Oktober 2011 legte das Referat Rü VI 2 im 
BMVg Staatssekretär Beemelmans auf dem Dienstweg 
über Staatssekretär Wolf eine Entscheidungsvorlage vor. 
Vorgeschlagen wurde, die Realisierung der Einführungs- 
phase, d. h. der Serienbeschaffung des EURO HAWK, in 
zwei Stufen zu billigen. In der ersten Stufe sollte der Ver- 
trag u. a. zur Beschaffung von Langläuferbauteilen im 
zweiten Quartal 2012 geschlossen und in der zweiten 
Stufe die Option zur Produktion der vier Serienluftfahr- 
zeuge ab Mitte 2013 ausgelöst werden.^^i Im Hinblick auf 
die zu diesem Zeitpunkt bereits bestehende Fähigkeitslü- 
cke im Bereich SIGINT nach Ausphasung der Breguet 
Atlantic 1150^^2 darauf verwiesen, dass die Bundes- 
wehr über einen Zeitraum von fünf Jahren nur über den 
Full Scale Demonstrator für diese Fähigkeit verfüge. In- 
sofern könne jeder Zwischenfall zu einem (erneuten) 
vollständigen Fähigkeitsverlust führen. Dieser Zeitraum 
könne aber mit dem vorgeschlagenen Vorgehen um neun- 
zehn Monate verkürzt werden,^^^ wenn der erste Serien- 
EURO HAWK bereits im September 2015 statt erst im 
April 2017 zulaufe. 


Gerwert, Protokoll-Nr. 6, S. 27. 

597 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 10. 

598 Stein, Protokoll-Nr. 4, S. 129. 

599 Stein, Protokoll-Nr. 4, S. 129. 

Stein, Protokoll-Nr. 4, S. 136. 

601 MAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, AIN V 5, Ordner 2, S. 11 f. 

602 mAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, AIN V 5, Ordner 2, S. 12. 

603 mAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, AIN V 5, Ordner 2, S. 14. 

604 mAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, AIN V 5, Ordner 2, S. 12. 


Zu dem Hintergrund des Zeitpunkts der Vorlage hat MD 
Selhausen in seiner Aussage erklärt: 

„Allein für die Verhandlungen eines solchen Ver- 
trages brauchen Sie ein Jahr, und dann dauert das 
noch seine Zeit, bis die 2 5 -Millionen-Euro- Vor- 
lage erstellt wird. Und um das innerhalb der Le- 
gislaturperiode zu gewährleisten - das war der 
tragende Gedanke der mit dem Projekt Befassten -, 
sollten die Verhandlungen über die Aufnahme der 
Beschaffung von Langläuferteilen zügig aufge- 
nommen werden. “^05 

Dazu hat sich Staatssekretär Beemelmans eingelassen: 

„Er wollte die Erlaubnis haben, jetzt [. . .] mit der 
EuroHawk GmbH Verhandlungen aufzunehmen 
mit dem Ziel, 25-Millionen- Vorlagen zu machen, 
die ihm dann erlauben würden, die Langläufer- 
teile zu beschaffen [...] Diese Erlaubnis hat er 
nicht bekommen, und er hat intern entschieden, 
dass er auch nicht mehr weiter daran arbeitet. 

b) Rückfragen der Staatssekretäre 

Staatssekretär Uh//' nahm diese Vorlage am 24. Oktober 
2011 zur Kenntnis, Staatssekretär zwei Tage 

später am 26. Oktober 2011. Beide Staatssekretäre hatten 
Rückfragen zu der Vorlage. 

„HH-mittelansatz beruht auf 

+ Schätzungen (Ziff 7) 

+ Risiko aus der Nutzung (Ziff 6,13). 

, Bedarfsgerechte ‘ Veranschlagung zur Entschei- 
dung doppelt risikobehaftet. Eingrenzung?“^^'^ 

Unter Ziffer 7 wurde in der Vorlage angeführt, dass der 
Mittelbedarf „geschätzt^ werde. Unter den Ziffern 6 
und 13 wurde darauf verwiesen, dass die Serien-EURO 
HAWKs „ unter Berücksichtigung der operationeilen Er- 
fahrungen " produziert werden sollten^^^ und ggf das Ein- 
holen eines „Ergänzungsangebots zur Option " beabsich- 
tigt sei.^iö 

In seiner Zeugenvernehmung hat Staatssekretär Wolfd^zu 
gesagt: 

„[...] mir erschien der Zeitpunkt falsch gewählt, 
weil die Schätzwerte keine belastbare Grundlage 
für eine Beschaffungsentscheidung von Langläu- 
ferteilen für die Serie enthielten. 

Staatssekretär Beemelmans nahm darauf Bezug und ver- 
fügte auf der Vorlage: 


605 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 70. 

606 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 61. 

607 mAT 1 7-70 B BMVg zu BB 1 7-45, AIN V 5, Ordner 2, S. 1 1 . 

608 mAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, AIN V 5, Ordner 2, S. 12. 

609 mAT 1 7-70 B BMVg zu BB 1 7-45, AIN V 5, Ordner 2, S. 1 1 f. 

610 MAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, AIN V 5, Ordner 2, S. 14. 

611 Wolf, Protokoll-Nr. 7, S . 1 1 1 . 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-95- 


Drucksache 17/14650 


„Bitte WV [Wiedervorlage, Anm.] mit Antwort 
auf die Frage von Sts Wolf. Eingrenzung? Um- 
gang mit Kostenrisiken? Beschränkung der Zahl 
der Systeme oder etwaiger Mehrforderungen?“^!^ 

Hierzu hat Staatssekretär Beemelmans gesagt: 

„Wir haben beide angesichts der uns gemeldeten 
Kostenfolgen entschieden, keine Maßnahmen im 
Hinblick auf die zweite Stufe des Euro-Hawk- 
Vorhabens - mithin der Beschaffung der Serie - 
einzuleiten. Wir haben vielmehr um Präzisierung 
der Kostenschätzung gebeten.“^!^ 

Er habe zu diesem Zeitpunkt nicht Risiken für die Serie 
gesehen, sondern die Kostenschätzung für unklar gehal- 
ten. Er billige keinen Vertragsschluss, wenn er nicht ge- 
nau beziffern könne, um welche Kosten es gehe.^i"^ Auf 
Nachfrage, ob es für ihn kein Anlass für eine „Revision '' 
des Projektes gewesen sei, hat er geantwortet: 

„Nein, [...] weil zu dem Zeitpunkt das ja auch 
überhaupt nicht [anstand]. Außer dass der Über- 
führungsflug erfolgreich gelaufen war, hatte ich 
keine Informationen darüber, dass es Probleme 
gab. [...] praktisch zeitgleich, wie ich den Ver- 
merk bekomme, habe ich Manching besucht. Und 
da stand in meinen Unterlagen auch nichts ande- 
res drin, als dass das Projekt gut läuft und dass 
ich die exzellente Zusammenarbeit aller Beteilig- 
ten loben sollte [. . 

Im Hinblick auf eine gebotene Eile bei der Beschaffung 
hat er erklärt: 

„Wenn es eilig gewesen wäre, hätte ich sofort 
eine Kostenschätzung bekommen. Wir waren 
noch in dem Verfahren der Entwicklung des Pro- 
totyps. 

Der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Wieker, 
der die Vorlage nachrichtlich erhielt, hat sich ebenfalls in 
seiner Aussage zu dieser Thematik eingelassen: 

„Es wäre doch aus meiner Sicht nicht zielführend 
gewesen, solange ich nicht über eine Musterzu- 
lassung der Serie belastbar entschieden habe, nun 
bereits in eine Beschaffung sogenannter Langläu- 
ferteile einzutreten, also - mit anderen Worten - 
Geld auszugeben für etwas, was ich möglicher- 
weise dann gar nicht beschaffe. 

Am 26. Oktober 2011 wurde die Vorlage vom Büro 
Staatssekretär Beemelmans mit dem Auftrag zu einer 
zweiten Vorlage zur Beantwortung der gestellten Fragen 
an den Geschäftsführenden Beamten Rüstung zurückge- 
geben.^i^ 


612 MAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, AIN V 5, Ordner 2, S. 11. 

613 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 4. 

614 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 39 f. 

616 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 40. 

616 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 40. 

617 Wieker, Protokoll-Nr. 7, S. 159. 

618 MAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, AIN V 5, Ordner 2, S. 11. 


c) Anhalten der zweiten Vorlage vom 
22. November 2011 

Am 22. November 2011 legte das Referat Rü VI 2 eine 
zweite Vorlage vor, in der auf die erste Bezug genommen 
und die aufgeworfenen Fragen beantwortet wurden.^i^ 
Diese Vorlage wurde von MD Selhausen, der zu diesem 
Zeitpunkt vertretungsweise die Funktion des Hauptabtei- 
lungsleiters und Nationalen Rüstungsdirektors inne- 
hatte ,620 gestoppt. Er notierte auf dem Dokument: 

„Bitte zunächst die am 23.11.11 in einer Bespre- 
chung bei mir angewiesenen Erkundigungen bei 
der US- Seite abwarten, ob uns die für eine Zulas- 
sung notwendigen Informationen zur Verfügung 
gestellt werden. Andernfalls könnte auch eine be- 
schleunigte Beschaffung obsolet werden. 

In der Besprechung, die am 24. November 2011 stattfand, 
erfuhr MD Selhausen von möglichem finanziellen und 
zeitlichen Mehraufwand für die Musterzulassung der 
EURO HAWK-Serie.622 In diesem Zusammenhang hat er 
seine Entscheidung in seiner Vernehmung erläutert: 

„Das habe ich angehalten, so lange, bis geklärt 
ist, wie die möglichen Kostenaufwüchse für die 
Serie selbst sein können. “^23 

d) Kenntnisnahme der Staatssekretäre 

Nach Angaben von MD Selhausen habe es über seine 
Entscheidung „keine getrennte Vorlage'' gegeben, weil 
die Staatssekretäre selbst angewiesen hätten, eine Kosten- 
eingrenzung vorzunehmen. Hierzu sei es direkt nicht 
mehr gekommen, weil vor einer Bestellung von Langläu- 
ferbauteilen erst einmal die sich zu dem Zeitpunkt bereits 
abzeichnenden Mehrkosten^24 sorgfältig geprüft werden 

sollten.^25 

Am 12. September 2012 bat das Referat AIN V 5 das 
Büro von Staatssekretär Beemelmans um formelle Aufhe- 
bung des auf der ersten Vorlage verfügten Auftrages des 
Staatssekretärs, da die vorgeschlagene vorgezogene Seri- 

enbeschaffung^26 zeitlich und inhaltlich überholt sei und 
nicht weiter verfolgt werde. ^^7 Staatssekretär Beemelmans 
hat dazu gesagt: 

„Am 12.09.2012 ist uns gemeldet worden, dass 
das nicht weiterverfolgt wird von der Abteilung 
AIN. Ich schließe nicht aus, dass mir das vorher 
mündlich gesagt wurde; aber zu dem Thema ha- 
ben wir dann nicht mehr gesprochen. “^28 

Auch sei er nicht über die Entscheidung von MD Selhausen 
informiert worden .^29 ^[q Nachfrage, ob ihn das 


619 MAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, AIN V 5, Ordner 2, S. 19 ff. 

620 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 40 f. 

621 MAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, AIN V 5, Ordner 2, S. 19. 

622 Siehe Abschnitt III.4.a) dd) aaa). 

623 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 70. 

624 Siehe hierzu Abschnitt III.4. 

625 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 70. 

626 Siehe oben Abschnitt V. 2. a). 

627 MAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, AIN V 5, Ordner 2, S. 7 ff 

628 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 17. 

629 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 32. 



Drucksache 17/14650 


-96- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


Thema in der Zwischenzeit nicht interessiert habe, hat er 
sich wie folgt geäußert: 

„Wenn eine Abteilung etwas im Vorgriff auf ein 
offenes Ergebnis fordert und wir lehnen das ab 
und sagen: , Liefere mir Kostenschätzungen 
nach‘, dann hat es die Abteilung in der Hand, ob 
sie einsieht: Ich warte doch lieber, bis das Ent- 
wicklungsergebnis da ist, und komme später mit 
meiner Vorlage [...]. Ich muss dann nicht auch 
noch Vorlagen hinterherlaufen, an denen ich erst 
einmal, für sich genommen, kein Interesse 

habe.‘‘63o 

Des Weiteren hat er erklärt: 

„Ab dem Februar 2012 war ja klar, dass es Zulas- 
sungsprobleme gibt, und da war klar, dass über 
eine Beschaffung von Langläuferteilen nicht ge- 
redet werden kann und auch nicht über eine Be- 
schaffung der Serie, solange die Zulassungsfrage 
nicht geklärt wird. Von daher erübrigte sich diese 
Vorlage. Das ist formalisiert storniert worden, 
aber sie erübrigte sich.^^^i 

Auf die Nachfrage, ob MD Selhausen die Entscheidung 
des Staatssekretärs Beemelmans bestätigt habe, hat letzte- 
rer erläutert: 

„Ich habe gesagt, dass sich die Richtigkeit unse- 
rer Entscheidung faktisch durch seine Mail vom 
19. Januar in meinem Büro^^^ nachträglich bestä- 
tigt hat; denn er hat gesagt, man müsse jetzt die 
Bestellung von Langläuferteilen ganz neu be- 
trachten. Und das hatten wir selbst schon im Ok- 
tober gemacht. 

Auch Staatssekretär erhielt nach seiner Erinnerung 
keinen Rückläufer bzw. keine neue Vorlage zu diesem 
Thema. Auf die Frage, ob das ein Fehler gewesen sei, hat 
er sich folgendermaßen geäußert: 

„Ich hatte auf dieser Vorlage verfügt, dass ich 
diese Beschaffung der Langläuferteile für nicht 
haushaltsreif erachte, weil die Stückzahl, weil die 
entsprechenden Zahlen für mich nur auf Schät- 
zungen beruhten und sich nicht tatsächlich ernst- 
haft belegen ließen. Dies sollte vermeiden, dass 
es in der Konsequenz dieser Vorlagen überhaupt 
zu einer Beschafflingsvorlage kommt. Dies ist 
vermieden worden; denn ich habe keine ge- 

kriegt.“634 

3. Alternative Zulassungsformen 

a) Erste Überlegungen 

Als sich bei der Validierung der Mehrkosten für eine um- 
fassende Musterzulassung der EURO HAWK-Serie 
zeigte, dass die Finanzierbarkeit des Projektes „sehr frag- 
lich'' wurde, erfolgten erste Überlegungen zur „Revidie- 


630 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 17. 

631 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 17. 

632 Siehe Abschnitt III.4.b) aa) ccc). 

633 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 94. 

634 Wolf, Protokoll-Nr. 7, S. 130. 


rung der bisherigen Zulassungsstrategie" Ins Spiel 
gebracht wurde in diesem Zusammenhang ein Rückgriff 
auf die ZDv 19/1 Nr. 316 mit den dazugehörigen Durch- 
führungsbestimmungen.^3^ 

Die Vorschrift hat folgenden Wortlaut: 

„In zwingenden Fällen kann das Bundesministe- 
rium der Verteidigung - Führungsstab der Luft- 
waffe - von dieser Regelung abweichen.“^^'^ 

In den Durchführungsbestimmungen dazu heißt es: 

„Diese Regelung kann grundsätzlich auch zur 
Herstellung und Wahrung der Einsatzfähigkeit 
der Bundeswehr angewendet werden, wenn noch 
keine Musterzulassung vorliegt und Ltr ML be- 
gründet, warum er im jeweiligen Einzelfall keine 
Musterzulassung erteilen kann.“^^^ 

In diesem Zusammenhang wurde festgestellt, dass eine 
Verkehrszulassung durch den Bedarfsträger, d. h. die 
Luftwaffe, „Einsparungen gegenüber den derzeit be- 
kannten abgeschätzten Finanzmitteln für Zulassungsakti- 
vitäten ermöglichen " könnte. 

Nach der Besprechung vom 25. Januar 2012 mit dem Ab- 
teilungsleiter Rüstung, in der es primär um die genaue 
Schätzung der zu erwartenden Mehrkosten ging,^40 
das BWB der Fachaufsicht BMVg Rü VI 2 hierzu einen 
abgestimmten Bericht vor. Hierin wurde insbesondere auf 
mögliche „zeitliche und kostenmäßige Einsparungen" 
verwiesen. Voraussetzung sei allerdings eine eingehende 
Prüfung der US-amerikanischen Zulassungsunterlagen, 
die einen geschätzten finanziellen Aufwand von ca. 
20 bis 50 Millionen Euro mit sich bringe. Empfohlen 
wurde letztlich die „Einleitung des Billigungsprozesses 
mit anschließender Weisung für eine alternative Vorge- 
hensweise und Billigung der Mehrkosten 

aa) Billigung des Vorgehens 

Dieser Ansatz wurde Staatssekretär Beemelmans mit der 
Informationsvorlage vom 8. Februar 2012 vorgestellt. 

Zu dem Hinweis 

„Das weitere Vorgehen soll nach Ihrer Kenntnis- 
nahme mit Fü S und Fü L festgelegt werden. So- 
dann ist eine insbesondere auch von Abteilung 


635 mAT 17-35 BMVg zu BB 17-21, BAAINBw L5.1 EH-Rl, Ordner 1, 
S.2f. 

636 MAT 17-35 BMVg zu BB 17-21, BAAINBw L5.1 EH-Rl, Ordner 1, 
S. 2 ff. 

637 MAT 17-12 BMVg zu BB 17-7, WTD 61, MVZS, Ordner 1, ZDv 19, 
S.27. 

638 MAT 17-12 BMVg zu BB 17-7, WTD 61, MVZS, Ordner 1, ZDv 19, 
S. 134. 

639 MAT 17-35 BMVg zu BB 17-21, BAAINBw L5.1 EH-Rl, Ordner 1, 
S.2f 

640 Siehe Abschnitt III.4.b) bb). 

641 MAT 17-36 BMVg zu BB 17-22, BAAINBw L5.1 EH-Rl, Ordner 1, 
S. 6. 

642 mAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, AIN V 5, Ordner 2, S. 131 ff.; 
siehe dazu auch Abschnitt III.4.c). 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-97- 


Drucksache 17/14650 


Haushalt mitgezeichnete Leitungsvorlage vorge- 
sehen“ 

notierte Staatssekretär Beemelmans den Vermerk: 

„Ja bitte! “643 

Der Projektleiter hat zu dieser Entwicklung in seiner Ver- 
nehmung gesagt: 

„[...] den Auftrag habe ich bereits Anfang des 
Jahres 2012 bekommen, nachdem ich um Billi- 
gung dieses Vorgehens nachgesucht habe; das 
wurde auch unterstützt. In diesem Zusammen- 
hang haben wir dann im Laufe des Jahres die ver- 
schiedenen Möglichkeiten, zunächst erst mal ge- 
stützt auf [. . .] die Nr. 3 16 und später dann, gegen 
Ende des Jahres, auch im Versuch auf Einzelzu- 
lassung - - dort einen Alternativweg zu bekom- 
men. Beide Verfahren waren gegen Ende des Jah- 
res noch nicht vollends abgeschlossen, das heißt, 
mit diesen Alternativen waren Risiken behaf- 
tet.“644 

bb) Besprechung vom 28. Februar 2012 

Am 28. Februar 2012 fand dazu eine Besprechung unter 
der Leitung des Referates Rü VI I des BMVg in Vertre- 
tung der Unterabteilungsleitung BMVg Rü VI statt, an 
der die zuständigen Referate im BMVg (Fü S 11 2, Fü L 
11 1, Fü L 11 5, Rü VI 2), im BWB (L3, L5.1) sowie der 
WTD 61 /ML teilnahmen.645 Diskutiert wurde über die 
Zulassungsproblematik, und der Leiter ML stellte noch 
einmal deutlich die Schwierigkeiten bei der Musterzulas- 
sung heraus. In der Besprechung äußerten bereits Vertre- 
ter der Luftwaffe, dass „ der seitens BMVg Rü VI 2 vorge- 
schlagene Betrieb des UAS nach ZDv 19/1 Ziffer 316 
aber auch keine Alternative “ sei. 646 

Aus diesem Grunde wurde das zuständige Referat in der 
Abteilung Recht gebeten, 

„zu prüfen, was aus rechtlicher Sicht die mindes- 
tens erforderlichen Dokumente sind, die vorlie- 
gen müssen, um eine mil. Verkehrszulassung für 
den Flugbetrieb in DEU (Kat. 2) zu erteilen. Kon- 
kret, kann eine dt. mil. Verkehrszulassung erteilt 
werden, ohne dass ein Musterzulassungs schein 
und/oder keine Stückprüfbescheinigung vorliegt 
(bzw analoge Papiere)“. 647 

cc) Bewertung der Abteilung Recht 

Am 5. März 2012 nahm das zuständige Referat dazu Stel- 
lung. Es verwies zunächst darauf, dass die Ausnahme 
nach § 30 Absatz 1 LuftVG für die Bundeswehr grund- 
sätzlich gilt, „soweit dies zur Erfüllung ihrer besonderen 
Aufgaben unter Berücksichtigung der öffentlichen Sicher- 


643 mAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, AIN V 5, Ordner 2, S. 131. 

644 Knöpf el, Protokoll-Nr. 4, S. 36. 

645 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 36. 

646 mAT 17-85 BMVg zu BB 17-64, AIN V 5, Ordner 5, S. 324. 

647 mAT 17-85 BMVg zu BB 17-64, AIN V 5, Ordner 5, S. 325. 


heit oder Ordnung erforderlich ist'\ Völlig ohne Muster- 
zulassung sei eine Verkehrszulassung nach der ZDv 19/1 
Nr. 316 nur in zwingenden Fällen möglich. Nach den ent- 
sprechenden Durchführungsbestimmungen gilt dies nur 
für die „Herstellung und Wahrung der Einsatzfähigkeit 
der Bundeswehr Als weitere Voraussetzung müsste der 
Leiter ML begründen, warum er im jeweiligen Einzelfall 
keine Musterzulassung erteilen kann.648 

b) Ausnahmeregelung nach ZDv 19/1 Nr. 316 

aa) Einsetzung einer Arbeitsgruppe 

Am 8. März 2012 fand das „Kick-Off Meeting'' für eine 
neu einzusetzende Arbeitsgruppe statt. Der Auftrag be- 
stand darin, alternative Zulassungsmöglichkeiten zu prü- 
fen und ein Zulassungsverfahren außerhalb der gültigen 
Vorschrift ZDv 19/1 zu erarbeiten. 649 Staatssekretär 
Beemelmans hat dies wie folgt umschrieben: 

„[...] man hat sie [die Arbeitsgruppe] gegründet, 
weil man zuversichtlich war, mit der Luftwaffe 
einen alternativen Weg der Zulassung zu finden 
und damit zwar eine Kurve zu drehen, aber recht 
bald wieder auf den Weg zu kommen. “650 

General Wieker hat sich in seiner Vernehmung daran erin- 
nert, dass „im Nachgang" zu der Rüstungsklausur vom 
l.März 2012 eine Arbeitsgruppe „zur Prüfung der 
Frage, ob es einen alternativen Zulassungsweg zur Mus- 
terzulassung gebe und geben könne " eingesetzt wurde: 65 1 

„Diese Arbeitsgruppe wurde unter Leitung In- 
spekteur Luftwaffe eingeteilt und hat ihre Arbeit 
dann im Dezember 2012, wenn ich das recht erin- 
nere, beendet.“652 

Der Abteilungsleiter AIN, MD Selhausen, hat in diesem 
Zusammenhang darauf verwiesen: 

„Es ist ja dann [...], beginnend mit der Konstitu- 
ierung der Arbeitsgruppe am [...] 8. März 2012, 
überhaupt erst untersucht worden, ob es Möglich- 
keiten der alternativen Zulassung auch der Serie 
gibt.“653 

Nach seiner Erinnerung habe die Arbeitsgruppe zunächst 
unter der Leitung des Projektleiters gestanden, ab dem 
22. Mai 2012 habe dann der Inspekteur der Luftwaffe die 
Federführung übernommen.654 

aaa) Bericht vom 30. April 2012 

Am 30. April 2012 berichtete das fachaufsichtsfährende 
Referat im BMVg, seit dem 1. April 2012 AIN V 5, dem 
Abteilungsleiter AIN im Hinblick auf das weitere Vorge- 


648 MAT 17-85 BMVg zu BB 17-64, AIN V 5, Ordner 5, S. 325. 

649 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 37; MAT 17-79 C BMVg zu BB 17-59, WTD 61, 
GF 230 Mayer, Ordner 48, S. 286. 

650 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 19. 

651 Wieker, Protokoll-Nr. 7, S. 159 f., 170. 

652 Wieker, Protokoll-Nr. 7, S. 160. 

653 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 92. 

654 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 46. 



Drucksache 17/14650 


-98- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


hen, dass eine Entscheidung zur Serie EURO HAWK 
„aus rüstungswirtschaftlicher Sicht [...] in dieser Legis- 
laturperiode wahrscheinlich nicht mehr getroffen wer- 
den ‘‘ könne. Begründet wurde dies zum einen damit, 
dass die Zulassungsproblematik nach wie vor ungeklärt 
sei.^^6 Auch die Zukunft des GLOBAL HAWK sei unge- 
wiss. Verwiesen wurde auch auf die Thematik der Lang- 
läuferbauteile. Aufgrund der beschriebenen Ungewiss- 
heiten stelle eine Beschaffung der Langläuferbauteile ein 
,, erhebliches wirtschaftliches Risiko '' dar.^^^ 

Das Referat im BMVg AIN V 5 nahm dazu folgende Be- 
wertung vor: 

„Von den bei der Entscheidung für den Full Scale 
Demonstrator gemachten Aussagen der US- Seite 
haben sich nahezu alle nicht bewahrheitet. Weder 
Zulassung, noch Konfigurationsmanagement, 
Missionsplanung oder Interoperabilität haben je- 
mals einen wirklichen Serienstandard erreicht. 

Diese Entwicklung war u. a. den unmittelbaren 
Einsatzforderungen geschuldet. Der GLOBAL 
HAWK hat mehr als 35.000 , Combat Hoursf 

Die USAF will nun weitestgehend einen Schluss- 
strich unter das Kapitel GLOBAL HAWK set- 

zen.‘‘659 

Die Arbeiten der nächsten Monate sollten sich nun auf 
folgende Punkte konzentrieren: 

Bewertung der Leistungsfähigkeit des Full 
Scale Demonstrators in der Erprobung im 
2. Halbjahr 2012 sowie im anschließenden An- 
fangsflugbetrieb bei der Luftwaffe ab Januar 
2013; 

- abschließende Klärung, ob es eine Zukunft für 
das EURO HAWK System unter Berücksichti- 
gung der Aspekte Versorgbarkeit und Zulas- 
sung gibt; 

- alternatives Trägerkonzept für das Herzstück 
des EURO HAWK Programms, das deutsche 
SIGINT Sensor Paket, erarbeiten; 

- Optionen für eine Zwischenlösung bis ca. 2020 
zu entwickeln, wobei die Nutzung des SIGINT 
Sensors im Fokus stehen sollte. 

Der Abteilungsleiter MD Selhausen, erbat hierzu eine In- 
formationsvorlage für den Staatssekretär.^^! Umgesetzt 
wurde dies mit den Vorlagen vom 15. Mai und 15. Juni 
2012.662 


655 MAT 17-50 BMVg zu BB 17-31, Ordner 3, S. 250. 

656 mAT 17-50 BMVg zu BB 17-31, Ordner 3, S. 251. 

657 Siehe dazu Abschnitt V.2. 

658 mAT 17-50 BMVg zu BB 17-31, Ordner 3, S. 250. 

659 mAT 17-50 BMVg zu BB 17-31, Ordner 3, S. 251 f. 

660 mAT 17-50 BMVg zu BB 17-31, Ordner 3, S. 250 f. 

661 MAT 17-50 BMVg zu BB 17-31, Ordner 3, S. 250. 

662 Siehe Abschnitt V. 1 .a)aa)aaa). 


bbb) Bericht vom 14. Mai 2012 

Am 10. Mai 2012 berichtete BWB L5.1 an das Referat 
BMVg AIN V 1 über das Ergebnis eines weiteren Abstim- 
mungsgespräches vom 9. Mai 2012. Darin wird u. a. da- 
rauf verwiesen, „dass eine abschließende Stellungnahme 
der Lw [Luftwaffe, Anm.] zur Übernahme der Zulas- 
sungsverantwortung im Rahmen eines alternativen Ver- 
fahrens noch nicht vorliege Dazu solle ein weiteres Ge- 
spräch erfolgen, um die Beteiligung bzw. Einbindung der 
WTD 61 /ML in die Prüfung der Luftwaffe zu klären. Des 
weiteren heißt es in dem Bericht: 

„Darüber hinaus wurde festgelegt, dass die be- 
reits [...] avisierte Arbeitsgruppe , Zulassung 
EURO HAWK‘ [...] zügig die Arbeit unter FF 
[Federführung] des Stab InspLw II 5 aufnehmen 

So11.‘‘663 

Die Arbeitsgruppe solle vor allem eine „Road Map'' für 
einen alternativen Zulas sungsweg erarbeiten. Zu den ein- 
zelnen Fragen hatte die WTD 61/ML bereits in dem Kick- 
Off-Meeting am 8. März 2008 nähere Ausführungen ge- 
macht. 664 

„Tragende Säule" des Alternativweges sollte nun die 
Übernahme bzw. Anerkennung der Fluggenehmigung 
(„Restricted Airworthiness Certificate“) der US Air Force 
sein. Vom Grundsatz her sollte das Alternativverfahren 
analog zu der vereinfachten Musterprüfung gemäß der 
ZDv 19/1 Nr. 220 ablaufen: 

„Beim EURO HAWK soll eine , vereinfachte Ver- 
kehrszulassung‘ auf der Basis des US-amerikani- 
schen Restricted Airworthiness Certificate er- 
reicht werden. Durch Anerkennung dieser 
Verkehrszulassung durch die Lw könnte die auf- 
grund nicht vorhandener expliziter Nachweise 
nicht erfolgreich durchzufährende umfassende 
Musterprüfung durch die WTD 61 /ML weitge- 
hend ersetzt werden. Darüber hinaus werden alle 
zur Verfügung stehenden Erkenntnisse aus der 
Prototypenprüfung beim FSD (WZ) ebenfalls 
als Grundlagen berücksichtigt. Mit diesem inno- 
vativen Hybridansatz könnte eine Verkehrszulas- 
sung einschließlich Erhalt der Verkehrssicherheit 
in der Nutzung erreicht werden. “665 

ccc) Vorlagen vom 25. Juni 2012 

Am 25. Juni 2012 legte das BWB der Fachaufsicht im 
BMVg, AIN V 5, einen weiteren Zwischenstand des Pro- 
jektleiters zu dem Fortschritt der Aktivitäten vor. 666 Nach 
damals aktuellem Stand habe die WTD 61 /ML die Unter- 
stützung des Stabes des Inspekteurs der Luftwaffe „ durch 
Empfehlungen weitestgehend auf Basis einer Sicherheits- 


663 mAT 17-38 BMVg zu BB 17-25, BAAINBw L5.1 EH-Rl, Ordner 1, 
S. 4. 

664 MAT 17-38 BMVg zu BB 17-25, BAAINBw L5.1 EH-Rl, Ordner 1, 
S. 4. 

665 MAT 17-38 BMVg zu BB 17-25, BAAINBw L5.1 EH-Rl, Ordner 1, 
S. 5. 

666 MAT 17-50 BMVg zu BB 17-31, Ordner 3, S. 398 ff. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


-99- 


Drucksache 17/14650 


bewertung des UAS EURO HAWK'‘ zugesagt. Es wurde 
zugleich betont, dass nach Aussagen des Leiters ML ,, die 
Akzeptanz dieser Empfehlungen sowie die Übernahme 
des Restricted Airworthiness Certificate der USAF [...] 
und die abschließende deutsche Verkehrszulassung [...] 
in der ausschließlichen Verantwortung der Lw“ lägen.^^'^ 
Um letztlich eine belastbare Empfehlung zum Thema 
deutsche Zulassung EURO HAWK bis Ende September 
2012 geben zu können, seien noch verschiedene Punkte 
zu klären. Um eine zeitnahe Klärung herbeizuführen, bat 
der VrojokÜQitQr Knöpfei „um ministerielle Unterstützung 
insbesondere hinsichtlich der [...] aufgeführten [...] The- 
menbereiche und um ministerielle Begleitung des Klä- 
rungsprozesses 

Am selben Tag erstellte das Referat BMVg AIN V 5 Ge- 
sprächsunterlagen für ein avisiertes Gespräch des Bun- 
desministers der Verteidigung mit den Abgeordneten Elke 
Hoff und Ernst-Reinhard Beck (Reutlingen) am darauffol- 
genden Morgen.^^9 Dazu war mitgeteilt worden, dass auf- 
grund eines Presseartikels auch das Thema EURO 
HAWK angesprochen werden sollte. 

In der entsprechenden Hintergrundinformation wird aus- 
führlich die Historie des Projektes dargelegt. Im Zusam- 
menhang mit der Zulassungsproblematik heißt es im 
Sachstand: 

„Der EURO HAWK FSD wird auf der Grundlage 
einer vorläufigen Verkehrszulassung betrieben. 

Für die Serienluftfahrzeuge ist eine reguläre Ver- 
kehr szulassung erforderlich. Die vorliegende Do- 
kumentation lässt eine solche Zulassung nach den 
derzeit gültigen Normen nicht zu, weshalb ein 
alternatives Zulassungsverfahren untersucht 
wird.^^'^i 

Darauf Bezug nehmend wurde folgende Bewertung vor- 
genommen: 

„Aus den Erfahrungen des deutschen Prüfers in 
den USA wurde zunehmend deutlich, dass grund- 
sätzliche Abweichungen in den Zulas sungs ver- 
fahren der US Air Force gegenüber den gültigen 
deutschen Standards nach ZDv 19/1 bestehen. 

Ein daraus resultierender Maßnahmenkatalog 
wurde im Februar 2012 erarbeitet (Anlage 2) und 
derzeit auf Durchführbarkeit geprüft.“^'^^ 

Bei der Anlage 2 handelte es sich um die Vorlage an 
Staatssekretär Beemelmans vom 8. Februar 2012.^'^^ Die 


667 MAT 17-50 BMVg zu BB 17-31, Ordner 3, S. 400. 

668 mAT 17-50 BMVg zu BB 17-31, Ordner 3, S. 401. 

669 mAT 17-80 BMVg zu BB 17-44, AIN V 5, Sämtliche Vorlagen, 
Ordner 1, S. 1 ff. 

670 mAT 17-80 BMVg zu BB 17-44, AIN V 5, Sämtliche Vorlagen, 
Ordner 1, S. 2. 

671 MAT 17-80 BMVg zu BB 17-44, AIN V 5, Sämtliche Vorlagen, 
Ordner 1, S. 50. 

672 mAT 17-80 BMVg zu BB 17-44, AIN V 5, Sämtliche Vorlagen, 
Ordner 1, S. 50. 

673 mAT 17-80 BMVg zu BB 17-44, AIN V 5, Sämtliche Vorlagen, 
Ordner 1, S. 51; siehe dazu Abschnitt V.4.c). 


Vorlage an den Bundesminister wurde noch am selben 
Tag vom Abteilungsleiter AIN paraphiert. 

bb) Unterrichtungsvorlage vom 
1. Oktober 2012 

Am 27. September 2012 führte Staatssekretär 
Beemelmans ein Gespräch mit dem neuen CEO von 
EADS Division Cassidian, Bernhard GerwertA^^ Am sel- 
ben Tag erteilte das Büro Staatssekretär Beemelmans 
BMVg AIN V 5 den Auftrag, einen Sachstandsbericht zur 
aktuellen Zulassungssituation vorzulegen. 

Diesen Bericht legte das Referat BMVg AIN V 5 am 
1. Oktober 2012 vor.^'^^ Als eine Kernaussage wird darin 
dargelegt: 

„Eine belastbare Aussage über einen alternativen 
Zulassungsweg für die Serienflugzeuge als Aus- 
nahme zur ZDv 19/1 wird spätestens Ende 2012 
vorliegen.“^'^'^ 

Ursprünglich hieß es in der Vorlage „frühestens Ende 
2012‘\ Dies wurde geändert in „spätestens Ende 

In der Bewertung wird dazu gesagt, dass „ vor einer Ent- 
scheidung zur Serienbeschaffung EURO HAWK [...] zu- 
nächst ein verlässlicher Weg zum Erreichen der Verkehr- 
zulassung aufzuzeigen '' sei.^'^^ Daneben erfolgt noch der 
Hinweis, dass „ unabhängig davon '' geprüft werde, ob es 
alternative Trägerplattformen für das Missions System 
ISIS gebe „für den Fall, dass eine Zulassung für die Seri- 
enfiugzeuge über die gesamte Nutzungsdauer absehbar 
nicht erreicht werden kann 

Staatssekretär Beemelmans nahm das Dokument am 
5. Oktober 2012 zur Kenntnis und vermerkte: 

„Das Zulassungsverfahren gehört insgesamt 
überprüft. Wir brauchen dringend Klarheit über 
die Zulassungsfähigkeit. Entscheidung bis Ende 
2012 und dann Bericht und Vorschlag zum weite- 
ren Verfahren. 

Als Reaktion darauf bat das Referat BMVg AIN V 5 das 
Referat BMVg FüSK III I, die Fortführung der Arbeits- 
gruppe „Zulassung EURO HAWK'' unter Einbindung des 
Kommandos Luftwaffe sicherzustellen und bis zum 
23. November 2012 einen Ergebnisbericht vorzulegen.^^^ 

aaa) Gesamtschau Zulassung HALE/MALE 

Unabhängig von dem konkreten EURO HAWK-Projekt 
hatte BMVg AIN V 5 das BWB angewiesen, zu Beginn 
des vierten Quartals 2012 eine „Gesamtschau" zu den 


674 MAT 17-80 BMVg zu BB 17-44, AIN V 5, Sämtliche Vorlagen, 
Ordner 1, S. 96. 

675 Siehe dazu Abschnitt IV.4. 

676 mAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, AIN V 5, Ordner 2, S. 176 ff 

677 mAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, AIN V 5, Ordner 2, S. 176. 

678 mAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, AIN V 5, Ordner 2, S. 176. 

679 mAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, AIN V 5, Ordner 2, S. 178. 

680 mAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, AIN V 5, Ordner 2, S. 178. 

681 MAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, AIN V 5, Ordner 2, S. 176. 

682 mAT 17-78 A BMVg zu BB 17-52, AIN V 5, Ordner 66, S. 42. 



Drucksache 17/14650 


- 100 - 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


Zulassungen der unbemannten Luftfahrzeuge der Klassen 
HALB und MALE vorzulegen. Das zum 1. Oktober 2012 
neu aufgestellte BAAINBw, zu dem auch der Bereich des 
ehemaligen BWB gehört, setzte dies mit Schreiben vom 
12. Oktober 2012 um.^^^ 

Zur Zulassung der EURO HAWK-Serie wird darauf ver- 
wiesen, dass die Prüfung eines alternativen Zulassungs- 
weges für eine Verkehrszulassung im Verantwortungsbe- 
reich der Luftwaffe weiterhin andauere und Ergebnisse 
bis Ende des Jahres vorliegen sollten.^^^ Einzelnen 
wird dazu ausgeführt, dass Kerngedanke „die Über- 
nahme der Zulassungsverantwortung und des Erhalts der 
Verkehrssicherheit in Analogie zur Nummer 316 der ZDv 
19/1 durch den Inspekteur der Luftwaffe'' sei, um so ggf 
das Anerkennen bzw. Akzeptieren eines Großteils der Zu- 
lassungsunterlagen zu erreichen. Jedoch bewerte die 
Luftwaffe die Übernahme dieser Verantwortung als kri- 
tisch. „Sowohl die Kompetenz als auch der Umfang des 
erforderlichen Personals für diesen mehrjährigen Pro- 
zess " sei derzeit nicht gegeben. Es sei aber die abschlie- 
ßende Stellungnahme dazu abzuwarten. 

bbb) Interner Bericht des BAAINBw 

In ähnlicher Weise wurde die Leitung des BAAINBw am 
16. Oktober 2012 unterrichtet. Hier heißt es zusätzlich, 
dass die Erarbeitung eines Alternativprozesses für eine 
Verkehrszulassung einschließlich aller Prozesse zu deren 
Erhalt in der späteren Nutzung abweichend von den Ver- 
fahren der ZDv 19/1 „sehr komplex" sei.^^'^ Dies zeige 
auch die schwierige, noch andauernde Abstimmung in- 
nerhalb der Luftwaffe nach Übernahme der Federfüh- 
rung. Der Projektleiter äußert hier zudem Zweifel, dass 
ein belastbares Ergebnis bis Ende 2012 vorliegen 
könne. 

cc) Ergebnis der Arbeitsgruppe vom 
22. November 2012 

Auf Bitte des Referates AIN V 5 legte das Referat 
FüSK III I am 22. November 2012 einen Bericht zum Er- 
gebnis der Arbeitsgruppe „Zulassung EURO HAWK" 

vor. 689 

Die Arbeitsgruppe unterschied bei Ihrer Prüfling zunächst 
zwischen Luftfahrzeugen, die auf Dauer in den Streitkräf- 
ten genutzt werden sollen, und solchen, die nur temporär 
genutzt werden sollen und für die nicht zeitgerecht und 
nur unter einem unverhältnismäßig hohen Aufwand eine 
Musterzulassung zu erzielen sei. Für erstere sah die Ar- 
beitsgruppe den Weg einer Musterzulassung nach ZDv 
19/1 zur Sicherstellung eines nachhaltigen Flugbetriebs 
als unerlässlich an. So müsse auch bei dem Zurückgreifen 
auf die Ausnahmeregelung der ZDv 19/1 Nr. 316 immer 


683 MAT 17-78 A BMVg zu BB 17-52, AIN V 5, Ordner 66, S. 1 ff. 

684 mAT 17-78 A BMVg zu BB 17-52, AIN V 5, Ordner 66, S. 1. 

685 mAT 17-78 A BMVg zu BB 17-52, AIN V 5, Ordner 66, S. 9. 

686 mAT 17-39 BMVg zu BB 17-27, Ordner 1, S. 1 ff 

687 mAT 17-39 BMVg zu BB 17-27, Ordner 1, S. 3. 

688 mAT 17-39 BMVg zu BB 17-27, Ordner 1, S. 3. 

689 mAT 17-78 A BMVg zu BB 17-52, AIN V 5, Ordner 66, S. 40. 


der Abschluss einer Musterzulassung bzw. Stückprüflmg 
in einem vorgegebenen Zeitraum das Ziel bleiben. 690 

Für den Fall der nur temporär zu nutzenden Luftfahr- 
zeuge sollte eine Zulassung auf anderem Wege erlangt 
werden können. Abgestützt auf die Zulassung anderer 
Nationen und ggf. auf eine qualifizierte externe Expertise 
könnte dies mit der abschließenden Erklärung der Ver- 
kehrssicherheit bzw. Lufttüchtigkeit durch den Leiter ML 
erfolgen. Aus Sicht der Arbeitsgruppe wäre dies bereits 
heute schon auf Grundlage der ZDv 19/1 Nr. 316 für den 
Einsatz möglich. Bei einer Änderung der dazugehörigen 
Durchführungsbestimmungen könnte dies auch auf den 
Erhalt der Einsatzfähigkeit erweitert und den Verantwort- 
lichen zusätzliche Entscheidungsspielräume eingeräumt 
werden. 

Die Arbeitsgruppe kommt sodann bezogen auf den 
EURO HAWK zu der Bewertung: 

„Vor dem Hintergrund wichtiger fehlender Sach- 
stände und Informationen wie z. B. Erkenntnisse/ 
Ergebnisse von Testflügen des FSD Prototypen 
mit WZ [...] ist noch keine abschließende Aus- 
sage zur Zulassbarkeit des Serien-Lfz möglich. 
Festzustellen ist nur, dass eine WZ keine dauer- 
hafte Lösung sein kann und die entsprechenden 
Ergebnisse sehr wahrscheinlich nicht in der not- 
wendigen Quantität und Qualität vorliegen, um 
sich ein abschließendes Urteil zu bilden. 

Da eine Musterzulassung aber anscheinend nicht 
mit vertretbarem Aufwand erzielt werden kann, 
ist aus Sicht FüSK III I durch AIN V 5 zu unter- 
suchen, ob zumindest eine Erklärung zur Luft- 
tüchtigkeit [...] durch Ltr ML erstellt werden 
kann. Hierzu benötigt Ltr ML aber einen erwei- 
terten ,Spielraum‘, da solch ein Weg ,Neuland‘ 
ist und bisher nicht konform mit der derzeit gel- 
tenden ZDv 19/1 ist. Mit einer entsprechenden 
Feststellung, welches ,Restrisiko‘ mit einer Ver- 
kehrszulassung, die nicht auf einer Musterzulas- 
sung basiert, zu übernehmen ist, wäre aus hiesi- 
ger Sicht auch noch eine rechtliche Prüfung 
zumindest im Hinblick auf die Haftungsfrage 

durchzuführen. “69 1 

Der Leiter ML, Wolfgang Steiger, hat in seiner Verneh- 
mung eine allgemeine Bewertung eines alternativen Zu- 
lassungsweges vorgenommen, die sich auf die damit ver- 
bundenen Folgen bezieht: 

„Aber man muss sich darüber im Klaren sein: Ein 
dauerhafter Betrieb eines nicht musterzugelasse- 
nen Systems auf dieser Basis, mit der ständigen 
Notwendigkeit einer Risikobewertung, mit der 
Ungewissheit, wie sich das System in der Zu- 
kunft verhält, wie die Randbedingungen sich wei- 
terhin entwickeln werden [...] der Notwendig- 
keit, auch ungeplant größere Änderungen 


690 MAT 17-78 A BMVg zu BB 17-52, AIN V 5, Ordner 66, S. 40. 

691 MAT 17-78 A BMVg zu BB 17-52, AIN V 5, Ordner 66, S. 41. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 101 - 


Drucksache 17/14650 


durchführen zu müssen, birgt natürlich schon er- 
hebliche Risiken, sowohl was die Verfügbarkeit 
als auch was die Kosten angeht. Man kann das 
machen. Es ist unter gewissen Umständen, wie 
ich vorhin schon sagte, sicherlich vielleicht auch 
mal notwendig; aber das gibt es nicht um- 

sonst.“^92 

c) Stückbezogene Vorläufige Verkehrs- 
zulassung 

Ende Januar 2012 hatte der Projektleiter LTRDir Knöpf el 
vor dem Hintergrund der Erkenntnisse über die mögli- 
chen Mehrkosten für die Musterzulassung der EURO 
HAWK- Serie verschiedene Handlungsalternativen für die 
Fähigkeit SLWÜA betrachtet. Zu jenem Zeitpunkt 
hatte er bereits die Beschaffüng von vier weiteren EURO 
HAWK-Luftfahrzeugen im Bauzustand des Full Scale 
Demonstrators in Erwägung gezogen, um diese dann 
ebenso mit einer Vorläufigen Verkehrszulassung betrei- 
ben zu können. 

aa) Anfrage des Projektleiters 

In der Konsequenz der weiteren Entwicklung beauftragte 
LTRDir Knöpf el den Leiter ML mit Schreiben vom 
25. Oktober 2012, diese Idee näher zu evaluieren. Zu dem 
Ausgangspunkt seiner Betrachtung hat er sich im Rahmen 
der Zeugenvernehmung geäußert: 

„Deswegen hatte ich ja noch eine zweite Alterna- 
tive reingebracht [...] Eine Musterzulassung setzt 
vom damaligen Denken her auch eine große 
Flotte voraus [...]. Wenn ich aber nur von fünf 
Luftfahrzeugen fliege [Anm: gemeint wohl 
„rede“], dann sind das insgesamt noch weniger 
Prototypen, als ich damals für Tornado hatte. Es 
ist ja wesentlich weniger, anstatt der 259 Luft- 
fahrzeuge, die wir damals hatten. Da kam die 
Idee: Wenn ich Prototypen an der WTD 61 in die- 
sem Umfang mit Einzelzulassung betreiben kann, 
warum kann ich das nicht mit einer Serie?“^^^ 

bb) Stellungnahme des Leiters ML 

Der Leiter ML nahm dazu am 26. November 2012 Stel- 
lung.^9^ Zusammenfassend stellt er fest, dass der Betrieb 
von vier weiteren EURO HAWK-Luftfahrzeugen einem 
Entwicklungsflugbetrieb mit Undefiniertem Entwick- 
lungsziel gleichkäme. Die damit verbundenen Kosten 
würden sich aus seiner Sicht „dauerhaft auf hohem 
Niveau “ und ohne Aussicht auf Verringerung bewegen, 
da eine Zielkonfiguration nicht erreicht würde. In sei- 


692 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 78. 

693 MAT 17-85 BMVg zu BB 17-64, AIN V 5, Ordner 5, S. 79 f. 

694 mAT 17-85 BMVg zu BB 17-64, AIN V 5, Ordner 5, S. 80. 

695 Knöpfet, Protokoll-Nr. 4, S. 26. 

696 MAT 17-40 BMVg zu BB 17-28, BAAINBw L5.1 EH-Rl, Ordner 1, 
S. 1 f. 

697 mAT 17-40 BMVg zu BB 17-28, BAAINBw L5.1 EH-Rl, Ordner 1, 
S.2. 


ner Vernehmung hat der Leiter ML, DirWTD Steiger, dies 
näher erläutert: 

„Da haben wir auf den Kostenaspekt hingewie- 
sen, aber, soweit ich mich erinnere, nicht quanti- 
tativ, sondern qualitativ: dass hier höhere Kosten 
in der Nutzung zu erwarten seien, [. . .] dass man, 
eben weil man keinen festgeschriebenen Bauzu- 
stand erreicht und weil man abhängig ist von Da- 
ten, die an anderer Stelle erzeugt werden müssen, 
nämlich zum Beispiel bei der US Air Force, hier 
einfach Unwägbarkeiten hat [...] dass [...] auch 
mit erhöhtem personellen Aufwand, weil aus 
meiner Sicht zumindest nicht sichergestellt ist, 
dass ein dauerhafter Betrieb unter WZ allein 
durch die Truppe, durch die Luftwaffe, möglich 
ist, sondern dass man möglicherweise hier immer 
Industrieunterstützung - in welchem Umfang 
auch immer - benötigt. Auch das erzeugt natür- 
lich über die Zeit nicht vemachlässigbare Kos- 

ten.“698 

Insgesamt ging der Zeuge Steiger von einem erheblichen 
Mehraufwand im Vergleich zur Bearbeitung bisher einge- 
führter Luftfahrzeug-Muster aus.^^^ 

cc) Bewertung des Projektleiters 

Gegenüber der Fachaufsicht AIN V 5 im BMVg fasste 
der Projektleiter mit Schreiben vom 13. Dezember 2012 
zusammen,'^^^ dass insgesamt „ein Flugbetrieb von fünf 
EURO HAWK Luftfahrzeugen auf Basis von Einzelzulas- 
sungen möglich'^ wäre. Allerdings sei dabei „von höhe- 
ren Kosten im Vergleich zu einem Flugbetrieb auf Basis 
einer Musterzulassung auszugehen''. Schließlich exis- 
tiere ein hohes Risiko, dass der Flugbetrieb aufgrund von 
Auflagen nur in eingeschränkter Form erfolgen könne. 

d) Abschließende zusammenfassende 
Bewertung des BAAINBw 

Das Referat BMVg AIN V 5 legte dem Abteilungsleiter 
AIN mit Schreiben vom 3. Januar 2013 eine Informa- 
tionsvorlage zu der abschließenden zusammenfassenden 
Bewertung des BAAINBw zu der Zulassbarkeit der 
EURO HAWK-Serie vor.702 

Zunächst bemängelte die Fachaufsicht, dass das 
BAAINBw „ trotz konsequenter permanenter Einbindung 
von Fachexpertise aus dem Bereich der Muster Zulassung 
seit Programmbeginn, u. a. auch über mehrere Jahre vor 
Ort in USA - nicht in der Lage " gewesen sei, die ge- 
wünschte Bewertung zum vorgegebenen Termin am 
19. Dezember 2012 vorzulegen.'^^^ Dies habe zur Folge 


698 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 87. 

699 MAT 17-40 BMVg zu BB 17-28, BAAINBw L5.1 EH-Rl, Ordner 1, 
S.2. 

700 MAT 17-40 BMVg zu BB 17-28, BAAINBw L5.1 EH-Rl, Ordner 1, 
S. 20 f. 

701 MAT 17-40 BMVg zu BB 17-28, BAAINBw L5.1 EH-Rl, Ordner 1, 
S.21. 

702 mAT 17-50 zu BB 17-31, Ordner 5, S. 1 ff. 

703 mAT 17-50 zu BB 17-31, Ordner 5, S. 1. 



Drucksache 17/14650 


- 102 - 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


gehabt, dass die Staats Sekretärs Vorlage vom 20. Dezem- 
ber 2012'^ö4 unter Berücksichtigung der bis dahin vor- 
liegenden Erkenntnisse habe ergehen können. 

Das Referat BMVg AIN V 5 stellte heraus, dass es die 
Bewertung des Berichtes zu den alternativen Zulassungs- 
wegen „inhaltlich nicht“ teile.'^^^ 

Eine „Aussage zu einer belastbaren und konkreten Han- 
dlungsoption für einen alternativen Zulassungsweg“ 
werde nicht getroffen. Bemängelt wird in diesem Zu- 
sammenhang, dass die alternativen Zulassungswege „seit 
neun Monaten “ untersucht worden, jedoch noch immer 
im Konzeptstatus seien.'^^'^ Das BAAINBw habe stattdes- 
sen sogar empfohlen, die Prüfung und Bewertung mit 
dem Ziel eines abschließenden Ergebnisses „ bis L Quar- 
tal 2014 fortzuführen “. Ob so eine belastbare Aussage 
erreicht werden könne, sei ,, unter Berücksichtigung der 
bisherigen Ergebnisse und Erfahrungen fraglich “. 

Der Abteilungsleiter AIN, MD Selhausen, nahm die Vor- 
lage am 16. Januar 2013 zur Kenntnis und notierte mit 
dem Abzeichnen seinen Kommentar: 

„Jetzt wird Terminverlängerung bis 1. Quartal 
2014 gefordert! Dann - in 2014 - wird gebeten, 
bis Mitte 2015 zu verlängern! Dies Spiel kennen 
wir. Der Minister erwartet bekanntermaßen zum 
31. März 2013 (Eingang bei ihm) eine Entschei- 
dung mit klarer Aussage zur Zulassungsfähigkeit. 
BAAINBw hat bis 15. Februar 2013 diesen Weg 
verbindlich aufzuzeigen. Dies wird Thema in der 
nächsten UAL-Ko (RE AIN V 5 trägt vor).‘‘709 

Grundsätzlich hat der Zeuge MD Selhausen in seiner Ver- 
nehmung Verständnis für die Dauer der Prüfung geäußert: 

„Das ist ein sensibler Prozess. Denn wenn Sie 
sich hier entscheiden zu einem alternativen Zu- 
lassungsweg, dann bedeutet das, auch Verantwor- 
tung zu übernehmen, und dann bedeutet das unter 
Umständen auch, Haftung zu übernehmen. Die- 
ses im Einzelnen abzuwägen und hier die richtige 
Balance zu finden, die einzelnen Argumente ge- 
geneinanderzustellen und möglicherweise auch 
Zwischenwege zu finden, das ist in dem Thema 
- so habe ich es mir erklären lassen - nicht ein- 
fach, und deswegen hat das offenbar diese Zeit 
gedauert.“'^!^ 

Die Beweggründe für den vorgenommenen Vermerk hat 
er an anderer Stelle erklärt: 

„Da geht es um Zulassungsfragen, und es hatte 
sich am 8. März des Vorjahres eine Arbeitsgruppe 
gebildet, die alternative Zulas sungs verfahren un- 
tersuchen sollte, und diese Arbeitsgruppe hat ihre 


704 Siehe dazu Abschnitt V.5.b). 

705 mAT 17-50 zu BB 17-31, Ordner 5, S. 1. 

706 mAT 17-50 zu BB 17-31, Ordner 5, S. 1. 

707 mAT 17-50 zu BB 17-31, Ordner 5, S. 2. 

708 mAT 17-50 zu BB 17-31, Ordner 5, S. 1. 

709 mAT 17-50 zu BB 17-31, Ordner 5, S. 1. 

710 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 90. 


Ergebnisse im November - ich meine zu erinnern 
22. November 2012 - vorgelegt. Und zwei Mo- 
nate später kommt wieder die Frage auf: Können 
wir nicht doch in irgendeiner Weise alternativ zu- 
lassen? 

Da ist dann irgendwann der Punkt da, dass ich als 
Vorgesetzter in dem Moment mir gesagt habe: 
Jetzt muss mal klar und deutlich werden, dass 
diese Ideen aufhören. Es ist kein Ergebnis ge- 
kommen, und wir müssen jetzt zu einer Entschei- 
dung kommen.“'^! 1 

4. Alternative Trägerplattform 

Bei seinen ersten Überlegungen zu Handlungsalternati- 
ven für die Fähigkeit SLWÜA hatte der Projektleiter 
Knöpf el auch über die Migration von „ISIS auf ein 
Fremdsystem “ nachgedacht. Allerdings führte er als 
Nachteil zugleich wahrscheinliche Leistungseinbußen 
auf, weil das „Wirtssystem“ die Fähigkeit HALB, d. h. 
das Wirken in einer Höhe von bis zu 60 000 Fuß, nicht er- 
füllen werde. 

Wieder aufgegriffen wurde diese Alternative in der Infor- 
mationsvorlage des Referates AIN V 5 an den Abtei- 
lungsleiter AIN, MD Selhausen, vom 30. April 
Hier wurde bereits vorgeschlagen, die Arbeiten „der 
nächsten Monate “ u. a. darauf zu konzentrieren, ein „ al- 
ternatives Trägerkonzept für das Herzstück des EURO 
HAWK Programms, das deutsche SIGINT Sensor Paket“ 
zu erarbeiten.^14 der Bewertung wurden die Gründe da- 
für näher dargelegt: 

„Auf Grund der dargelegten Risiken ist bereits 
heute auch ein alternatives Plattformkonzept für 
die SIGINT Sensorik zu erarbeiten. BWB wird 
hierzu einen entsprechenden Unter suchungsauf- 
trag erhalten. Aktuelle Entwicklungen im Bereich 
unbemannter Systeme sollten mit berücksichtigt 
werden.“'^!^ 

Der offizielle Auftrag wurde nach Kenntnisnahme und 
Billigung der Vorlagen durch Staatssekretär Wolf^^ dem 
BWB am 5. September 2012 formell erteilt.'^i'^ Auf die 
Frage, seit wann diese Alternative betrachtet werde, hat 
LTRDir Knöpfei darauf verwiesen: 

„Seitdem wir beauftragt worden sind, und eine 
erste Beauftragung in diese Richtung war im Sep- 
tember letzten Jahres. Dort wurde gesagt, wir 
sollten mal eine Kurzstudie machen, zu der wir 
Aussagen über die Integration des ISIS- Systems 
in einen alternativen Träger führen sollen. 


711 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 65. 

712 MAT 17-85 BMVg zu BB 17-64, AIN V 5, Ordner 5, S. 80. 

713 MAT 17-50 BMVg zu BB 17-31, Ordner 3, S. 250 ff. 

714 MAT 17-50 BMVg zu BB 17-31, Ordner 3, S. 250 f. 

715 MAT 17-50 BMVg zu BB 17-31, Ordner 3, S. 252. 

716 Siehe Abschnitt V. 1 .a)aa)bbb). 

717 MAT 17-50 BMVg zu BB 17-31, Ordner 3, S. 445. 

718 Knöpfel, Protokoll-Nr. 4, S. 27. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 103- 


Drucksache 17/14650 


Zu dem allgemeinen Vorgehen und den damals bereits be- 
kannten Schwachpunkten hat er sich ebenfalls geäußert: 

„Entsprechend den funktionalen Forderungen, 
wie sie in der AF, der Abschließenden Forderung, 
auch begründet wurden, untersuchen wir wieder 
bemannte als auch unbemannte Systeme, wobei 
bei den unbemannten Systemen natürlich immer 
noch entsprechende Herausforderungen sind. 
Aber als bemannte Systeme könnten wir uns ein 
schnelles Geschäftsreiseflugzeug oder einen ent- 
sprechenden Mittelstreckenjet vorstellen, wobei 
hier das Problem nachher die Antennenintegra- 
tion ist, und hier müssen wir einen möglichst 
wirtschaftlichen Weg finden; denn man sagt na- 
türlich einfach: Wir nehmen ein zivil zugelasse- 
nes Fuftfahrzeug, prima, dann haben wir die Zu- 
lassung schon. - Aber sobald ich dort eine 
militärische Schraube ansetze, ist natürlich das 
wieder hinfällig. Das muss alles wieder neu un- 
tersucht werden.“'^!^ 

Mit Vorlage vom 8. Oktober 2012 unterrichtete das Refe- 
rat Plg II 3 Staatssekretär Wolf darüber, dass aktuell die 
Firma Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft mbH 
(lABG) alternative Plattformen für ISIS prüfe. Das Er- 
gebnis der Studie wurde für Dezember 2012 erwartet.'^^^ 

a) Studien 

aa) Untersuchung vom 28. November 2012 
aaa) Mögliche Alternativen 

In Ihrem Abschlussbericht vom 28. November 2012 
führte die Firma lABG eine Gesamtbewertung durch, in 
der Vor- und Nachteile der untersuchten Trägerplattfor- 
men gegenüber dem Referenzsystem EURO HAWK dar- 
gestellt wurden. Auf der Grundlage einer Marktsichtung 
und der vorgegeben Feistungsbeschreibung konzentrierte 
sich die Untersuchung auf die drei Altemativplattformen 
A3 19, HERON TP und FEMAFE.721 

(1) Airbus A319 

Hinsichtlich des Fuftfahrzeugs A3 19 wurde von lABG 
herausgestellt, dass dieses alle technischen Feistungsfor- 
derungen an das alternative Gesamtsystem SFWÜA voll- 
ständig erfülle. Von den betrachteten Alternativen habe es 
zudem das geringste technische, zeitliche und finanzielle 
Risiko.222 

Von Vorteil war bei der Prüfüng des Airbus A3 19 als al- 
ternativem Träger nach Angaben des Projektleiters 
Knöpfei, dass dieser bereits bei der Flugbereitschaft der 
Fuftwaffe betrieben werde und so sehr schnell Informa- 
tionen verfügbar gewesen seien. Dies habe ein schnelles 
und effizientes Vorgehen ermöglicht .223 


719 Knöpfel, Protokoll-Nr. 4, S. 27. 

720 MAT 17-70 A BMVg zu BB 17-45, Abt Plg II 3, Ordner I, S. 39 ff. 

721 MAT 17-26 BMVg zu BB 17-37, Ordner I, S. I ff. 

722 mAT 17-78 A BMVg zu BB 17-52, AIN V 5, Ordner 62, S. 3. 

723 Knöpfel, Protokoll-Nr. 4, S. 52 f 


(2) HERON TP 

Beim HERON TP könne wie beim EURO HAWK als un- 
bemanntem Fuftfahrzeug eine Gefährdung von Piloten 
und Besatzung in Bedrohungssituationen ausgeschlossen 
werden. Gleichzeitig bestehe aber ebenso ein hohes Ri- 
siko bei den Zulassungskosten und die rechtliche Situa- 
tion für den weltweiten Betrieb sei teilweise ungeklärt. 
Von den betrachteten Alternativen habe es das höchste 
zeitliche und finanzielle Risiko . 224 

Im Hinblick auf eine mögliche Integration von ISIS in 
HERON TP hat der Projektleiter Knöpfel dies dahinge- 
hend präzisiert, dass bei einer Weiterverfolgung dieser 
Alternative wahrscheinlich das SIGINT-System auf- 
grund der begrenzten Nutzlast auf zwei HERON TP ver- 
teilt werde. 225 

(3) FEMALE 

Das Future European Medium Altitude Fong Endurance- 
Konzept der Firma Cassidian stelle die günstigste der be- 
trachteten Alternativen dar. Wie beim A3 19 könnten alle 
technischen Feistungsanforderungen vollständig erfüllt 
werden und die installierte ISIS-Feistung sei identisch 
mit dem EURO HAWK. Aufgrund der niedrigeren Flug- 
höhe entstünden jedoch operationelle Einschränkungen. 
Weil es sich noch in einer Konzeptphase befinde, berge es 
ein mittleres technisches, ein hohes zeitliches und ein 
mittleres Kostenrisiko . 226 

bbb) Bewertung des BAAlNBw 

Mit Vorlage vom 6. Dezember 2012 übersandte das BWB 
den Bericht an das Referat AIN V 5 im BMVg und ver- 
wies darauf, dass im ersten Teil der Untersuchung alle 
weltweit zur Verfügung stehenden und technisch geeigne- 
ten Plattformen stichpunktartig verglichen und als mögli- 
che Alternative bewertet worden seien. Als technisch und 
wirtschaftlich beste bemannte Gesamtlösung sei das Mus- 
ter A3 19 der Fa. Airbus, als bestes UAS das Muster Me- 
dium Altitude Fong Endurance (MAFE) UAS HERON 
TP der Fa. lAI identifiziert worden. In einer gesonderten 
Betrachtung sei schließlich das für die Zukunft geplante 
Europäische MAFE UAS untersucht worden.227 

Im zweiten Teil seien diese drei Muster sodann hinsicht- 
lich der Komplexität der technischen Integration, der Zu- 
lassungsrisiken, der Kosten und der Zeitplanung detail- 
liert analysiert und bewertet worden. 228 

Zusammenfassend stellte der Projektleiter in der Bewer- 
tung fest, dass keine der untersuchten Alternativplattfor- 
men die prognostizierten operationeilen und technischen 
Feistungen des EURO HAWK signalerfassenden HAFE 
Aufklärungs Systems erreiche . 229 


724 mAT 17-78 A BMVg zu BB 17-52, AIN V 5, Ordner 62, S. 3. 

725 Knöpfel, Protokoll-Nr. 4, S. 52. 

726 MAT 17-78 A BMVg zu BB 17-52, AIN V 5, Ordner 62, S. 4. 

727 mAT 17-78 BMVg zu BB 17-52, AIN V 5, Ordner 86, S. 48 ff 

728 mAT 17-78 BMVg zu BB 17-52, AIN V 5, Ordner 86, S. 49. 

729 mAT 17-78 BMVg zu BB 17-52, AIN V 5, Ordner 86, S. 49. 



Drucksache 17/14650 


- 104- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


ccc) Weiteres Vorgehen 

Das Referat BMVg AIN V 5 stellte die bis dahin gewon- 
nenen Erkenntnisse am 10. Dezember 2012 in einer Be- 
sprechung mit allen Beteiligten vor. ™ 

In seiner Präsentation ging BMVg AIN V 5 u. a. darauf 
ein, dass für die EURO HAWK-Serie ursprünglich Haus- 
haltsmittel in Höhe von insgesamt 613 Millionen Euro 
vorgesehen gewesen seien. Auf der Grundlage der bis 
dahin gewonnenen Erkenntnisse wurde zudem die Be- 
wertung getroffen, dass die Beschaffung der EURO 
HAWK-Serie nicht weiter zu verfolgen sei.'^^^ Es wurde 
vorgeschlagen, gemeinsam Staatssekretär Beemelmans 
die Integration von ISIS in den A3 19 zu empfehlen.'^^^ So 
sei bereits in der AF ein kommerzielles Geschäftsreise- 
flugzeug als zweitbester Lösungsweg neben dem EURO 
HAWK bewertet worden. 

Das Referat Plg II 1 im BMVg teilte diese Ansicht nicht 
vollständig. Es merkte zu der vorgelegten Studie an, dass 
die von lABG teilweise aufgestellten Kostenvergleiche 
und Schlussfolgerungen „auch bei vorsichtiger Wertung 
nur ansatzweise nachvollziehbar ‘‘ seien. Die Aussage der 
Studie, das Luftfahrzeug FEMALE sei „die günstigste 
der betrachteten Alternativen'', bewertete Plg II 1 mit 
Darlegung der Gründe als „faktisch unzutreffend". Auch 
die Darstellung, das technische Risiko sei bei einem 
MALE-System „gering", sei nicht haltbar. Vielmehr sei 
der Lösungsvorschlag A3 19 „offensichtlich der sinn- 
vollste, da kurzzeitig mit überschaubarem Risiko reali- 
sierbar 

Letztlich kamen die Beteiligten überein, dass die Alterna- 
tiven auf Basis von A3 19 und HERON TP weiter zu un- 
tersuchen seien und bis Ende des ersten Quartals 2013 
eine Empfehlung zur Realisierungsalternative vorgelegt 
werden solle. 

Mit Staats Sekretärs Vorlage vom 20. Dezember 20 12'^^'^ 
wurde dieses Vorgehen gebilligt. In der Folge wies das 
BMVg, AIN V 5, das BAAINBw mit Schreiben vom 
9. Januar 2013 formell an, bis zum 15. März 2013 die be- 
reits vorliegenden Ergebnisse zu den ermittelten alternati- 
ven Trägerplattformen Airbus A3 1 9 und HERON TP mit 
ergänzenden, möglichst belastbaren Daten zu hinterlegen 
und nach verschiedenen Gesichtspunkten zu vertiefen. '^^9 
Ein ähnlicher Auftrag erging am darauffolgenden Tag an 
das Kommando Luftwaffe. 


730 MAT 17-78 A BMVg zu BB 17-52, AIN V 5, Ordner 62, S. 82 ff. 

731 MAT 17-78 A BMVg zu BB 17-52, AIN V 5, Ordner 86, S. 83. 

732 mAT 17-78 A BMVg zu BB 17-52, AIN V 5, Ordner 86, S. 85. 

733 mAT 17-78 A BMVg zu BB 17-52, AIN V 5, Ordner 86, S. 86. 

734 mAT 17-78 A BMVg zu BB 17-52, AIN V 5, Ordner 86, S. 87. 

735 mAT 17-78 A BMVg zu BB 17-52, AIN V 5, Ordner 86, S. 175. 

736 mAT 17-78 A BMVg zu BB 17-52, AIN V 5, Ordner 86, S. 178. 

737 Siehe Absc hni tt V.5.b). 

738 MAT 17-69 BMVg zu BB 17-32, Büro des Ministers, Ordner 1, 
S. 100 ff 

739 mAT 17-50 BMVg zu BB 17-31, Ordner 5, S. 29 f 

740 mAT 17-50 BMVg zu BB 17-31, Ordner 5, S. 32. 


bb) Vertiefende Untersuchungen vom 
März 2013 

Mit Schreiben vom 20. März 2013 legte BAAINBw L5.1 
dem BMVg AIN V 5 den Bericht zur vertiefenden Unter- 
suchung zur „Integration des EURO HAWK SIGINT Sys- 
tems in alternative Sensorplattformen vom 8. März 
2013 vor. '^42 (jgj- j 5 Q Seiten umfassenden Studie 

wurden von der Firma lABG die bereits in der ersten Un- 
tersuchung gewonnenen Erkenntnisse hinsichtlich der 
Umsetzbarkeit und der damit verbundenen Risiken weiter 
präzisiert.'^43 über den A3 19, HERON TP und FEMALE 
hinaus wurde als weitere Alternative zunächst auch eine 
Integration in das Luftfahrzeug Airbus A3 10 geprüft. 
Hier sei vor allem die technische Machbarkeit mit einem 
geringeren Risiko als bei dem A3 19 verbunden. Auf Wei- 
sung des BMVg sei eine weitergehende Untersuchung am 
15. Februar 2013 eingestellt worden.'^44 

Auf Nachfrage hat der Zeuge Knöpfei bestätigt, dass 
diese Studie aussagekräftig sei: 

„Ja, sie hat Aussagen getroffen, mit einer entspre- 
chenden Grobabschätzung und auch mit dem 
Hinweis darauf, dass nähere Informationen erst 
mit einem intensiven Dialog mit den jeweiligen 
Herstellern zu erlangen sind.“'^^^ 

Nahezu zeitgleich erging die Vorlage des Kommandos 
Luftwaffe. '^46 ihrem Untersuchungsbericht vom 

15. März 2013 legt die Luftwaffe dar, dass es innerhalb 
ihrer Strukturen und Prozesse keine Gründe für den Aus- 
schluss einer der beiden alternativen Plattformen gebe.'^^? 
Es sei dabei offensichtlich, dass die Fähigkeitslücke 
SIGINT, gemessen an den ursprünglichen Forderungen, 
nicht vollständig geschlossen werden könne. 

Bei der Betrachtung der ersten Studie vom 28. November 
2012 teilte die Luftwaffe nicht alle Positionen der Firma 
lABG, insbesondere nicht die durchgängig positiv vorge- 
nommene Bewertung des A3 19. Vor diesem Hintergrund 
relativierten sich auch die Aussagen zum System HERON 
TP, das aus Sicht der Luftwaffe über einen eigenständigen 
und querschnittlichen Mehrwert für die Bundeswehr ver- 
füge. Zuletzt stellte die Luftwaffe heraus, dass es für sie 
für die Übergangsphase bis zur Einsatzbereitschaft von 
ISIS auf einem Altemativträger zweitrangig sei, wie die 
benötigten Daten gewonnen würden. An einem temporä- 
ren Betrieb des Full Scale Demonstrators bestehe daher 
durch die Luftwaffe kein Bedarf. '^49 

Im Ergebnis wurde das BAAINBw durch das Referat 
BMVg AIN V 5 mit Erlass vom 19. März 2013 angewie- 
sen, bis zum 30. Oktober 2013 Lösungsvorschläge vorzu- 


741 MAT 17-26 BMVg zu BB 17-37, Ordner 2, S. 1 ff. 

742 mAT 17-50 BMVg zu BB 17-31, Ordner 5, S. 349 ff. 

743 mAT 17-26 BMVg zu BB 17-31, Ordner 2, S. 1 ff 

744 mAT 17-26 BMVg zu BB 17-37, Ordner 2, S. 8. 

745 Protokoll-Nr. 4, S. 53. 

746 MAT 17-50 BMVg zu BB 17-31, Ordner 5, S. 306 ff. 

747 mAT 17-50 BMVg zu BB 17-31, Ordner 5, S. 329. 

748 mAT 17-50 BMVg zu BB 17-31, Ordner 5, S. 329. 

749 mAT 17-50 BMVg zu BB 17-31, Ordner 5, S. 330. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 105 - 


Drucksache 17/14650 


legen, um so eine Auswahlentscheidung für ISIS auf 
einer alternativen Trägerplattform („ISIS-AT“) durch den 
Generalinspekteur der Bundeswehr bis zum 3 1 . Dezem- 
ber 2013 zu ermöglichen^^ö 

cc) Kostenrahmen 

Hinsichtlich des Kostenrahmens für eine alternative Trä- 
gerplattform hat der Projektleiter, LTRDir Knöpf el, zu- 
nächst zu der ersten Studie vom 28. November 2012 aus- 
geführt: 

„[...] Die Aussage gegen Ende des Jahres 2012 
war: Es gibt Möglichkeiten, einen alternativen 
Träger zu nehmen, sowohl bemannt als auch un- 
bemannt, die im derzeit geplanten Kostenrahmen 
unterzubringen seien.^'^^i 

Auf die Frage nach den konkreten Kosten hat der Zeuge 
Knöpfei darauf verwiesen, dass sich die Kostenober- 
grenze aus dem Beschaffungs- und dem Entwicklungs- 
titel zusammensetze und insgesamt 613 Millionen Euro 
betrage. Die Aussagen seien mit sehr grober Schätzung 
dahin gegangen, dass es möglich sei, eine alternative Trä- 
gerlösung in diesem Kostenrahmen unterzubringen, hät- 
ten aber eine weitere Evaluierung erfordert. Dazu sei eine 
weitere Studie, die Studie vom 8. März 2013, beauftragt 
worden, die die Erkenntnisse der ersten Studie weiter er- 
härtet habe und offenbar auch in die Entscheidungsvor- 
lage eingeflossen sei.'^^^ Letztlich sei nun noch eine dritte 
Studie beauftragt worden.'^^^ Zur genaueren Abschätzung 
der Kosten und Klärung des Aufwandes für die techni- 
sche Anpassung bedürfe es schließlich auch einer intensi- 
ven Beratung mit den jeweiligen Herstellern. 

Der Abteilungsleiter AIN, MD Selhausen, hat dazu in sei- 
nem Eingangs Statement zu seiner Vernehmung auf den 
Punkt hingewiesen, dass sich nicht Vorhersagen lasse, wie 
viele Kosten die Integration von ISIS verursachen könne. 
Dies hänge von der ggf. auszuwählenden Plattform ab.'^^^ 
Zu den Studien hat er bekundet: 

„[...] Wenn ich die Ergebnisse der Studie richtig 
erinnere, ist selbst die kostenhöchste Möglichkeit 
innerhalb des vorgegebenen Finanzrahmens mög- 

lich.‘‘756 

Staatssekretär Beemelmans hat dies in der Einleitung zu 
seiner Aussage bestätigt: 

„[...] Das SIGINT-Modul ist - vorbehaltlich ei- 
ner erfolgreichen Sensorflugerprobung - leis- 
tungsfähig und nutzbar, und es ist - ich betone - 
ausdrücklich innerhalb des bislang vorgesehenen 
Kostenrahmens auf eine alternative Trägerplatt- 
form übertragbar und nutzbar, wobei es sich hier 


750 MAT 17-50 BMVg zu BB 17-31, Ordner 5, S. 338 f. 

751 Knöpfel, Protokoll-Nr. 4, S. 45. 

752 Siehe dazu Abschnitt V.4.a)bb). 

753 Knöpfel Protokoll-Nr. 4, S. 45. 

754 Knöpfel Protokoll-Nr. 4, S. 51. 

755 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 42. 

756 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 65 f. 


auf die von mir vorhin erwähnte Studie der lABG 
abstützte 

Er hat angegeben, dass er die Studien jedoch nicht selbst 
gesehen habe.'^^^ Bei anderer Gelegenheit hat er erklärt, 
dass es sich um ein Budget von 675 Millionen Euro han- 
dele,'^59 welches auch genau zum Schließen der Fähig- 
keitslücke reserviert sei.'^^^ 

Staatssekretär Wolf hat dazu betont, dass es für ihn von 
entscheidender Bedeutung sei, „wie viel Geld dafür im 
Haushalt zur Verfügung'' stehe: 

„[...] und ich weiß, dass im Haushalt kein Euro 
oder Cent mehr zur Verfügung steht, als für die 
Beschaffung der Serie des Euro Hawk zur Verfü- 
gung gestanden hätte. Dies ist die finanzielle 
Obergrenze für alle zu findenden Alternativlö- 
sungen. Für jeden Cent, der bei dieser Altemativ- 
lösung eingespart wird, bin ich dankbar. Für je- 
den Cent, den sie mehr kosten sollte, werde ich 
Schwierigkeiten im Haushaltsaufstellungsverfah- 
ren bzw. im Haushalt haben. 

Die Studien selbst hätten ihm ebenfalls nicht Vorgele- 
gen. 

Hinsichtlich der zu veranschlagenden Kosten für die Inte- 
gration von ISIS in eine alternative Trägerplattform hat 
der Zeuge Selhausen ausgeführt: 

„Entsprechend den Planungen zu Beginn des Vor- 
habens in 2002 ff wird der Bundeswehr das 
hochwertige Aufklärungssystem ISIS mit einer 
qualifiziert abgeschlossenen Erprobung zur Inte- 
gration in eine andere Plattform zur Verfügung 
stehen. Wie viele Kosten diese Integration verur- 
sachen könnte, lässt sich derzeit nicht Vorhersa- 
gen. Das hängt von der gegebenenfalls auszu- 
wählenden Plattform ab.“'^^^ 

b) Bedeutung für die Integration von ISIS 

In Zusammenhang mit der Integration von ISIS auf eine 
andere Trägerplattform kam während der Zeugenverneh- 
mungen häufiger von Seiten des Untersuchungsausschus- 
ses die Frage auf, welche Folgen dies genau für das Mis- 
sionssystem habe, ob die Integration ohne Weiteres 
möglich sei und ob z. B. Leistungseinbußen in Kauf zu 
nehmen seien. 

Grundlegend hat sich der Projektleiter LTRDir Knöpfel 
dazu geäußert: 

„Wir haben ein ISIS- System - das ist die Abkür- 
zung für das Integrierte SIGINT- System - in der 
Funktionalität FSD. Wir haben nicht die vollkom- 


757 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 6. 

758 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 47 f. 

759 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 12. 

760 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 25. 

761 Wolf Protokoll-Nr. 7, S. 124. 

762 Wolf Protokoll-Nr. 7, S. 109. 

763 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 53. 



Drucksache 17/14650 


- 106- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


mene Funktionalität entwickelt; die sollte erst 
später mit der Serie weiter fortgeführt werden. 

Weiter hat er ausgeführt: 

„Wenn wir es in einen anderen Träger hineinbrin- 
gen, dann muss man es in dieser neuen Umge- 
bung natürlich auch testen. Ich kann nicht einfach 
ein Trägersystem nehmen und hoffen, dass es in 
einer anderen Systemumgebung genau die glei- 
chen Ergebnisse bringt. Wir reden hier von An- 
tennenverteilungen, und das ist nicht immer ganz 
einfach zu übertragen. 

Zu dem zu erwartenden Umfang hat er erläutert, dass es 
sich im Wesentlichen um kleine „Einbauboxen “ handele, 
die - soweit die technische Spezifikation erfüllt sei - 
nicht geändert werden müssten. Es hänge nur davon ab, 
ob die Leistungsfähigkeit durch eine entsprechende Ver- 
teilung der Antennen auch reproduziert werden könne. 

Der Untersuchungsausschuss ging auch der Frage nach, 
welche Risiken beim Rückgriff auf ein bemanntes System 
möglicherweise entstünden. Für ISIS selbst sei dies irre- 
levant, wie der Zeuge Knöpfei in seiner Aussage darge- 
legt hat. Man könne aber ganz sicher davon ausgehen, 
dass von den Antennen keine Gefährdung für Personal 
ausgehe, denn die Antennen empfingen nur und sendeten 
nicht. Es komme vor allem darauf an, die Druckhülle des 
Luftfahrzeuges nicht zu verletzen, da es sonst kostenin- 
tensiv werde. 

5. Vorbereitung einer Entscheidungs- 
grundlage 

Am 30. Oktober 2012 fand eine gemeinsame Bespre- 
chung auf Ebene der Abteilungsleiter AIN, Planung und 
FüSK zusammen mit dem Inspekteur der Luftwaffe zu 
dem Thema Gesamtschau unbemannter Luftfahrzeuge 
statt. Vor diesem Hintergrund erteilte der Abteilungsleiter 
AIN den Auftrag, bis zum 31. März 2013 eine Staatsse- 
kretärsvorlage zum Projekt EURO HAWK vorzulegen. 
Darin sollte darauf eingegangen werden, ob und wie ein 
Betrieb der Serienluftfahrzeuge und auch des Full Scale 
Demonstrators in der Bundeswehr erfolgen solle. Insbe- 
sondere sollte auch auf Fragen der Zulassung und der ggf 
damit verbundenen Einschränkungen für einen Betrieb 
und Einsatz eingegangen werden. Zuletzt sollte hierfür 
auch ein Zeitplan erstellt werden. 

a) Gesprächsvorlage für den Minister vom 
5. Dezember 2012 

Am 10. Dezember 2012 besuchte der Bundesminister der 
Verteidigung Dr de Maiziere die Firma EADS Division 
Cassidian in Manching. Mit Datum vom 5. Dezember 


Knöpfei, Protokoll-Nr. 4, S. 3. 

765 Knöpfel, Protokoll-Nr. 4, S. 16. 

766 Knöpfel, Protokoll-Nr. 4, S. 39. 

767 Knöpfel, Protokoll-Nr. 4, S. 39. 

768 MAT 17-78 A BMVg zu BB 17-52, AIN V 5, Ordner 66, S. 25. 


2012 wurde ihm zur Vorbereitung dieses Gespräches eine 
Informationsmappe vorgelegt. 

Zum Projekt EURO HAWK wird darin u. a. daraufhin- 
gewiesen, dass hier Verzögerungen gegenüber dem 
ursprünglichen Abschlussdatum von 35 Monaten einge- 
treten seien.'^'^ö Ausführlich wird auch die Zulassungspro- 
blematik dargestellt.'^'^i Eine mögliche Serienbeschaffüng 
wird schließlich wie folgt bewertet: 

„Aus heutiger Sicht, basierend auf den Erkennt- 
nissen der Untersuchungen für einen alternativen 
Zulassungsweg und dem Fehlen einer Missions- 
planungsmöglichkeit, ist die Beauftragung einer 
EURO HAWK Serie mit einem hohen finanziel- 
len und in Teilen technischen Risiko verbun- 

den.^™ 

In der Folge könne die Fähigkeitslücke mit einer EURO 
HAWK-Serie frühestens im Jahr 2019 wirksam geschlos- 
sen werden. Bis dahin werde die Fähigkeit SLWÜA nur 
durch den Full Scale Demonstrator gewährleistet. Eine 
belastbare und im Hause abgestimmte Empfehlung zur 
weiteren Vorgehensweise werde auf Weisung der Staats- 
sekretäre Beemelmans und Wolf am 3 1 . März 2013 vorge- 
legt.773 

Die reaktive Sprechempfehlung lautete vor diesem Hin- 
tergrund: 

„Aufgrund der Zulassungsproblematik und weite- 
rer Unsicherheiten auch hinsichtlich der Zukunft 
der US Air Force GLOBAL HAWK Flotte und 
der Missionsplanung ist derzeit keine Grundlage 
gegeben, um eine Entscheidung für eine Serien- 
beauftragung zu befürworten oder gar zu tref- 

fen.‘‘774 

Die Zeugenvernehmungen lösten Nachfragen bezüglich 
der eingetretenen Verzögerungen aus. Verwiesen wurde 
hier unter anderem auf die „verspätete Beistellung von 
Geräten und Komponenten durch die US Air Force und 
die National Security Agency (NSA) 

Zur Frage, ob ein möglicher Grund für die Verzögerung 
des gesamten Projektes darin läge, dass Teile oder Kom- 
ponenten von der NSA zu spät geliefert worden seien, hat 
der Zeuge Selhausen bekundet: 

„Ich habe keine eigenen Erkenntnisse darüber, in- 
wieweit die NSA [...] dafür verantwortlich sein 
soll, dass verspätete Beistellung von Geräten und 
Komponenten durch die US Air Force erfolgt 

sind.‘‘776 

Auch zu der Frage, welche Geräte und Komponenten von 
der NSA geliefert wurden, und welche davon zu spät ge- 


769 MAT 17-59 BMVg zu BB 17-38, Ordner 1, S. 1 ff. 

770 mAT 17-59 BMVg zu BB 17-38, Ordner 1, S. 39. 

771 MAT 17-59 BMVg zu BB 17-38, Ordner 1, S. 40 f 

772 mAT 17-59 BMVg zu BB 17-38, Ordner 1, S. 42. 

773 mAT 17-59 BMVg zu BB 17-38, Ordner 1, S. 42. 

774 mAT 17-59 BMVg zu BB 17-38, Ordner 1, S. 43. 

775 mAT 17-59 BMVg zu BB 17-38, Ordner 1, S. 39. 

776 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 85. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 107 - 


Drucksache 17/14650 


kommen seien, hat der Zeuge Selhausen bekundet, dass 
ihm keine eigenen Erkenntnisse vorlägen. 

Zu Bauteilen der NSA hat der Zeuge Pamiljans ausge- 
sagt: 

„Ich kann Ihnen sagen: Da gibt es keine Bauteile 
im Euro-Hawk- System. Das Euro-Hawk- System 
ist ein Flugsystem, das wir entwickeln, das wir 
produzieren. Und mir ist nichts Derartiges be- 
kannt.“'^'^^ 

Auf die Frage, ob solche Bauteile im ISIS-System enthal- 
ten seien, hat der Zeuge Pamiljans erklärt: 

„Nein, das ist ein deutsches geheimes System. 
Dazu habe ich keinen Zugang. 

Zur Entwicklung einer deutschen Verschlüsselungstech- 
nik hat der Zeuge Gerwert berichtet: 

„Natürlich könnten wir, wenn wir dazu beauftragt 
werden, eine eigene Verschlüsselungstechnik 
dazu liefern. Aber ob der Auftraggeber dazu eine 
Verschlüsselungstechnik bei uns beauftragt oder 
nicht, ist Sache des Auftraggebers; kann ich Ih- 
nen nicht beurteilen. Wenn wir beauftragt wer- 
den, liefern wir eine Verschlüsselungstechnik, na- 
türlich, 

Auf Befragung zu seiner Kenntnis darüber, dass die Da- 
tenübertragung beim EURO HAWK Verschlüsselungs- 
technik von der NSA umfasse und ob er ausschließen 
könne, dass hierbei Daten, die im deutschen Raum erfasst 
wurden, an die NSA übertragen würden, hat der Zeuge 
Dr. Thomas de Maiziere ausgesagt: 

„[...] Ich kann Ihnen sagen, dass - - Ich bin infor- 
miert worden darüber - das ist Teil eines Zusatz- 
vertrages im Jahre 2006 oder 7 -, dass das be- 
schafft worden ist, dass darüber der Deutsche 
Bundestag informiert worden ist, der Haushalts- 
ausschuss in einer Vorlage, und dass dieses Sys- 
tem nicht dazu dient, irgendwelche Daten an die 
Amerikaner zu übergeben, sondern dass durch 
eine bestimmte technische Konfiguration sicher- 
gestellt wird, dass der Datenabfluss nur ,German 
eyes only‘ stattfindet.^'^^i 

b) Staatssekretärsvorlage vom 
20. Dezember 2012 

Wie in der Unterrichtungsvorlage vom 1. Oktober 2012 
angekündigt,'^^^ wurde Staatssekretär Beemelmans eine 
weitere Informationsvorlage vom 20. Dezember 2012 zu- 
geleitet.'^^^ Eine abschließende Bewertung des BAAINBw 


Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 85. 

Pamiljans, Protokoll-Nr. 6, S. 85. 

Pamiljans, Protokoll-Nr. 6, S. 85. 

780 Gerwert, Protokoll-Nr. 6, S. 51 f. 

781 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 95. 

782 Siehe Abschnitt V.3 .b)bb). 

783 MAT 17-69 BMVg zu BB 17-32, Büro des Ministers, Ordner 1, 
S. 100 ff. 


ZU alternativen Zulassungsmöglichkeiten lag zu diesem 
Zeitpunkt noch nicht vor.'^^^ 

In dieser Vorlage wird erstmals die Empfehlung getrof- 
fen, die EURO HAWK-Serie nicht zu beschaffen. Hierzu 
heißt es in Ziffer 4 der Kemaussagen: 

„Die Möglichkeiten einer alternativen Zulassung 
für einen langfristig ausgelegten Flugbetrieb der 
EURO HAWK Serien-Luftfahrzeugen sind aus 
derzeitiger Sicht ebenfalls nicht akzeptabel. Die 
Beschaffung der EURO HAWK Serie ist daher 
nicht mehr weiter zu verfolgen.“'^^^ 

Im Einzelnen wird in der Bewertung auf die Gründe für 
diese Empfehlung eingegangen: 

„Die Beschaffung der EURO HAWK Serie ist 
nicht mehr weiter zu verfolgen, da 

- ein erfolgreicher und zugleich finanzierbarer 
Abschluss der Musterzulassung für die Serie 
nach derzeitigen Verfahren (ZDv 19/1) als un- 
realistisch zu bewerten ist, 

- die Möglichkeiten einer alternativen Zulassung 
für einen langfristig ausgelegten Flugbetrieb 
von Luftfahrzeugen aus dezeitiger Sicht nicht 
akzeptabel sind, 

- eine Lösung für eine nationale Fähigkeit einer 
Missionsplanung nicht absehbar ist sowie 

- die Zukunft des USAF GLOBAL HAWK 
- und damit auch die beabsichtigte Abstützung 
für eine langfristig wirtschaftliche Versorgung 
und Betreuung in der Nutzung - langfristig 
nach wie vor unsicher ist.“'^^^ 

Statt der Beschaffung der EURO HAWK-Serie würden 
bis zum 31. März 2013 die Untersuchungsergebnisse zu 
alternativen Trägerplattformen verifiziert und eingehend 
geprüft werden,'^^'^ da ISIS ,,unter Einhaltung des geplan- 
ten Kostenrahmens auch auf dieser Basis realisierbar 
sei.'^^^ ISIS sei das derzeit modernste System seiner Art 
und ein Produkt der Schützens werten wehrtechnischen 
Kernfähigkeiten der Firma Cassidian.'^^^ Zusammen mit 
einem konkreten Vorschlag zur weiteren Vorgehensweise 
erfolge dann eine weitere Vorlage. 

Auf den Hintergrund des Begriffs „schützenswerte wehr- 
technische Kernfähigkeiten der Firma Cassidian ‘‘ ange- 
sprochen, hat der Abteilungsleiter AIN, MD Selhausen, 


784 Siehe Abschnitt V.3. d). 

785 mAT 17-69 BMVg zu BB 17-32, Büro des Ministers, Ordner 1, 
S. 101. 

786 MAT 17-69 BMVg zu BB 17-32, Büro des Ministers, Ordner 1, 
S. 103. 

787 MAT 17-69 BMVg zu BB 17-32, Büro des Ministers, Ordner 1, 
S. 104. 

788 MAT 17-69 BMVg zu BB 17-32, Büro des Ministers, Ordner 1, 
S. 101. 

789 MAT 17-69 BMVg zu BB 17-32, Büro des Ministers, Ordner 1, 
S. 103. 

790 MAT 17-69 BMVg zu BB 17-32, Büro des Ministers, Ordner 1, 
S. 104. 



Drucksache 17/14650 


- 108- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


erklärt, dass diese Formulierung „ unglücklich sei. Es 
gehe hier grundsätzlich ,, um eine Fähigkeit, die in dieser 
Form in der Bundesrepublik Deutschland nur Cassidian ‘‘ 
aufweise. 

Staatssekretär Wolf nahm die Vorlage am 4. Januar 2013 
zur Kenntnis und notierte die Fragen, ob die Aussagen in 
Ziffer 4 und 16 bis 18 (Keine Beschaffung EURO 
HAWK- Serie, Weitemutzung ISIS) schon entschieden 
und eine Kündigung bereits erfolgt sei.'^^^ In einer separa- 
ten Vorlage vom 17. Januar 2013 wurde dazu klargestellt, 
dass kein Vertrag bestehe und eine Kündigung nicht er- 
forderlich sei.'^^^ 

Staatssekretär Beemelmans zeichnete die Vorlage am 
7. Januar 2013 ab. Er erklärte sich dabei grundsätzlich 
einverstanden mit dem weiteren Vorgehen. Daneben no- 
tierte er die Frage ,, Wird zu Ziff 4 eine Entscheidung er- 
wartet (InfoVorlage !) Für den Fall, das dies so sei, er- 
teilte sein Büro die Weisung, dies mit der Vorlage zum 
31. März 2013 zu verbinden. Wie avisiert wurde ihm 
am 27. März 2013 eine Vorlage zur Entscheidung auf 
dem Dienstweg zugeleitet. 

VI. Überwachung des Projektverlaufs durch 
die Bundesregierung 

1. Controlling und Fachaufsicht im BMVg 

a) Kritik des Bundesrechnungshofes 

In seinem Prüfbericht vom 3. Juni 2013 übt der Bundes- 
rechnungshof deutliche Kritik daran, wie das Projekt 
EURO HAWK von höheren Ebenen beaufsichtigt bzw. 
überwacht wurde. Im Einzelnen heißt es dazu: 

„Der Bundesrechnungshof sieht im Umgang mit 
den Projektrisiken ein folgenschweres Organisa- 
tionsversagen. [...] 

Neben dem Unterschätzen von Projektrisiken 
wirft der Projektverlauf daher die Frage auf, ob 
die fachliche Führung im Bundesamt und die 
Fachaufsicht im Bundesverteidigungsministe- 
rium so organisiert sind, dass frühzeitig auf Pro- 
jektrisiken reagiert werden kann. Obwohl die 
Projektstatusberichte der Projektleitung der Fach- 
aufsicht Vorlagen, nahm sie die sehr kritischen 
Bewertungen zum Projektverlauf und insbeson- 
dere zum Musterzulassungsprozess nicht zum 
Anlass, einzugreifen.[...]“'^9^ 

Nach Bewertung des BRH hätte die Leitung des Bundes- 
ministeriums der Verteidigung im Frühjahr 2009, spätes- 


Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 89. 

^92 MAT 17-69 BMVg zu BB 17-32, Büro des Ministers, Ordner 1, 
S. 101. 

793 MAT 17-69 BMVg zu BB 17-32, Büro des Ministers, Ordner 1, 
S. 97. 

794 MAT 17-69 BMVg zu BB 17-32, Büro des Ministers, Ordner 1, 
S. 100. 

795 MAT 17-69 BMVg zu BB 17-32, Büro des Ministers, Ordner 1, 
S. 79. Darauf wird näher im Kapitel E eingegangen. 

796 mAT 17-4 BRH zu BB 17-90, Ordner 1, S. 43. 


tens aber im Jahr 2011 informiert und das Projekt insge- 
samt neu bewertet werden müssen.'^^'^ 

Die Zeugin, Ministerialrätin Angelika Bauch, hat letztlich 
zusammengefasst: 

„Was hier auf jeden Fall versagt hatte oder nicht 
funktioniert hatte, ist das Projektcontrolling ge- 
wesen und die Vorhabenaufsicht, die letztendlich 
auch die Projektstatusberichte, die Risiken daraus 
nicht entsprechend zum Anlass genommen hat, 
darauf zu reagieren. 

Im Einzelnen hat sie dazu erklärt, dass mehrere Stufen im 
Projektcontrolling versagt hätten.'^^^ Es habe überhaupt 
keine richtige fachliche Bewertung, kein fachliches Con- 
trolling gegeben, weshalb der Projektleiter zum großen 
Teil auf sich selbst gestellt gewesen sei. Dies hat sie noch 
näher erläutert: 

„Er hat die Probleme dargelegt, aber ich denke 
auch, er hat die Tragweite der Probleme nicht 
richtig erkannt. Er hat sich an den Einschätzun- 
gen der Firma sicherlich auch viel orientiert, und 
ich denke mal, der Projektleiter hat die Tragweite 
der Risiken nicht erkannt. Er war auch noch opti- 
mistisch, Lösungen zu finden, hatte dann aber 
auch, wenn man sich den Projektverlauf ansieht, 
immer die weiteren Schritte erst mal im Blick: 

So, jetzt muss ich als Nächstes gucken, dass der 
Überführungsflug von USA nach Deutschland 
funktioniert. - Er hat nicht diesen voraus schauen- 
den Blick gehabt, welche Realisierungsrisiken 
letztendlich mit dem Musterzulassungsprozess 
verbunden sind. Das hat er in der Tragweite - so 
stellt es sich uns aus den Unterlagen dar - nicht 
erkannt. 

Letztlich habe er Probleme in den Projektstatusberichten 
dargelegt, und auch die Vorhabenaufsicht im BMVg habe 
diese bewertet. Doch sei fraglich, ob dort die Risiken er- 
kannt worden seien. Zugleich hätten auch Vorgesetzte 
die Verpflichtung gehabt, von sich aus nachzufragen, was 
aus dem Projekt geworden sei, zumal es sich bei EURO 
HAWK um ein Vorhaben der „Kategorie V und somit 
um ein leitungsrelevantes Projekt gehandelt habe.^^^ 

Als fachliches Controlling schwebe ihr eine unabhängige 
Stelle, ein Lenkungsgremium vor. Bei Planabweichungen 
müsste dieses im Rahmen des Controllings den Bedarfs- 
träger einbinden, um gemeinsam die Projektrisiken unter 
Berücksichtigung des Gesamtziels bzw. Gesamtvertrags 
zu bewerten. Dieses dürfe nicht nur der Arbeitsebene 
überlassen sein.^^^ 


797 mAT 17-4 BRH zu BB 17-90, Ordner 1, S. 2. 

798 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 7. 

799 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 7. 

800 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 13. 

801 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 14. 

802 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 7. 

803 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 20 f. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 109- 


Drucksache 17/14650 


b) Umsetzung im Projekt EURO HAWK 

Wie das Controlling und die Fachaufsicht in diesem Fall 
grundsätzlich funktionieren sollte, hat MRn Bauch kurz 
dargelegt: 

„Es sind verschiedene Ebenen. Der Projektleiter 
hat die Probleme in seinem Projektstatusbericht 
dargelegt. Bei einer funktionierenden Projekt- 
überwachung [...] hätte an erster Stelle das Bun- 
desamt, sprich der Präsident, über sein Zentral- 
controlling aufmerksam werden müssen, und 
letztendlich über die Vorhabenübersicht im Bun- 
desministerium hätte man das natürlich dann an 
eine Staatssekretärsvorlage über den Abteilungs- 
leiter Rüstung transportieren müssen [. . 

Die Fachaufsicht über das Projekt übte von August 2006 
bis zum 7. März 2011 LTRDir Rüdiger Knöpf el als Refe- 
rent im Referat Rü VI 2 beim BMVg aus.^^^ In dieser 
Funktion habe er den Beitrag der Fachaufsicht für die 
Projektstatusberichte verfasst und an das Zentralcontrol- 
ling weitergeleitet. 

Später als Projektleiter habe er die vierteljährlichen Sta- 
tusberichte selbst erstattet. Direktes Feedback zu den Vor- 
lagen hätte er jeweils dann erhalten, wenn das BMVg dies 
als notwendig erachtet habe.^^'^ 

aa) Projektstatusberichte und Schwachstellen 

Projektstatusberichte sind nach Angaben von MD Selhausen 
zu allen wesentlichen Projekten vierteljährlich zum Quar- 
talsende vom Projektleiter anzufertigen. Darzustellen 
sind darin neben dem Leistungsfortschritt auch die finan- 
ziellen Entwicklungen des Projektes sowie Probleme und 
Risiken. Zudem erfolgt eine Gesamteinschätzung des 
Vorhabens. 

Im Projekt EURO HAWK war festzustellen, dass die 
Fachaufsicht zum Teil eine andere Bewertung vomahm 
als der Projektleiter oder das Zentralcontrolling. Derar- 
tige Abweichungen hat die Zeugin Bauch wie folgt zu er- 
klären versucht: 

„[...] wir haben festgestellt, dass es mal eine Ab- 
weichung gab. Der Projektleiter hatte Ende 2010 
das Projekt schon mal sehr kritisch bewertet. Da- 
bei hat die Vorhabenaufsicht diese sehr kritische 
Bewertung nicht geteilt. Im Jahr 2011, wenn ich 
mich richtig erinnere, gab es dann auch mal wie- 
der eine Bewertung vom Projektleiter, wo er 
sagte: Na ja, jetzt ist das Projekt vielleicht doch 
nicht mehr sehr kritisch, sondern kritisch. - Das 
schwankte auch etwas in der Bewertung beim 
Projektleiter, 


Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 13. 

805 Knöpfei, Protokoll-Nr. 4, S. 2. 

806 Knöpfel, Protokoll-Nr. 4, S. 32. 

807 Knöpfel, Protokoll-Nr. 4, S. 32. 

808 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 49. 

809 MAT 17-4 BRH zu BB 17-90, Ordner 1, S. 27. 

810 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 17. 


Diesen Fall hat der Projektleiter Rüdiger Knöpfel in sei- 
ner Vernehmung aufgegriffen und dargestellt, dass der 
Überführungsflug in seiner Durchführung gefährdet ge- 
wesen sei, weil die Verfügbarkeit der entsprechenden 
Landebahn in Manching nicht gewährleistet werden 
konnte. Er habe daher diesen Punkt bei dem Verfassen 
des damals anstehenden Berichtes auf „rof ‘ setzten müs- 
sen. Dieses Problem habe sich dann jedoch gelöst, wes- 
halb es dem BMVg möglich war, die Bewertung auf 
„grün“ zu setzen. Insofern spiegelten „ Warnleuchten “ in 
den Berichten oftmals nur singuläre Ereignisse wider.^ii 

Einen anderen wesentlichen Schwachpunkt des Control- 
lingprozesses hat der Abteilungsleiter AIN, MD Selhausen, 
in dem teilweise erheblichen Zeitbedarf vom Eintreten 
eines Ereignisses bis zu dessen Vorstellung bei der Lei- 
tung BAAINBw“ identifiziert. Im ungünstigsten Fall 
könne dieser Zeitraum rund vier Monate betragen. 

Zuletzt hat MRn Bauch mitgeteilt, dass „ ab dem zweiten 
Halbjahr 2011 keine Einschätzung mehr der Vorhaben- 
aufsicht in den Projektstatusberichten zu sehen “ gewesen 
sei. Sie habe dafür keine Begründung. Vielleicht habe es 
an Personen gelegen, die gewechselt hätten. Dies sei aber 

Spekulation.813 

bb) Bewertung des Ministers 

Der Bundesminister der Verteidigung, Dr Thomas de 
Maiziere, hat in seiner Aussage festgestellt, dass im Fall 
des EURO HAWK das Projektmanagement, das Projekt- 
controlling und das Verhalten der Fachaufsicht kritikwür- 
dig gewesen seien. Hinsichtlich der Unterrichtung der 
Leitung hat er ausgeführt, 

„[...] dass wir oft und vielleicht zu oft über die 
Dinge reden, wo Probleme bekannt sind, und zu 
wenig über die Dinge, wo Probleme nicht richtig 
bekannt sind. Und das bezieht sich vor allen Din- 
gen auf den Zeitraum von 2004 oder 7 bis [...] 
Februar 2012 [...].“8i5 

Nach seiner Ansicht sollte man Jn einem Ministerium 
von 2 000 Mitarbeitern, bei hochbezahlten Staatssekretä- 
ren und Abteilungsleitern, bei klaren Verantwortlichkei- 
ten keine Struktur haben, wo das Hauptziel einer Institu- 
tion sei, die anderen ständig zu kontrollieren Der 
Zeuge Dr de Maiziere hat der Bewertung des BRH zuge- 
stimmt, dass das Projektcontrolling nicht funktioniert 
habe. Für seine Amtszeit trage er die entsprechende Ver- 
antwortung.^!'^ 

2. Novellierung des Customer Product 
Managements 2010 

Wie dargestellt, hätte sich MRn Bauch an der Stelle des 
Fachcontrollings eine unabhängige Stelle bzw. ein Len- 


811 Knöpfel, Protokoll-Nr. 4, S. 11. 

812 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 49 f. 

813 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 17. 

814 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8. S. 9. 

815 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8. S. 32. 

816 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8. S. 68 f. 

817 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8. S. 105. 



Drucksache 17/14650 


- 110 - 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


kungsgremium vorstellen können.^ In ähnlicher Weise 
hat sie auf die Neuerungen des novellierten Customer 
Product Managements (CPM nov.) verwiesen: 

„Mit dem CPM (nov.) möchte man so eine Funk- 
tion wie so einen Projektrat - das ist ein Gremium 
so einen Lenkungsausschuss auf Bundesamtse- 
bene einrichten, unter Leitung des Präsidenten. 

Der soll wohl auch alle zwei Monate tagen. [...] 
Und wenn dann Sollabweichungen vom Projekt 
festgestellt werden, sollen die auch an einen Len- 
kungsausschuss im Bundesministerium [unter 
Leitung des Abteilungsleisters Rüstung] herange- 
tragen werden - Also, da sind zumindest Stufen 
im Projektcontrolling vorgesehen.“^!^ 

a) Anlass der Novellierung 

Der CPM (nov.) sollte im Zuge der Neuausrichtung der 
Bundeswehr Mängel des alten CPM ausbessem .^20 
Zeuge Wieker hat hierzu dargelegt: 

„[...] dass die Aussagen der Weise-Kommission 
in ihrem Bericht vom Oktober 2010 zutreffen. Es 
heißt darin: Der CPM ,hat sich grundsätzlich be- 
währt ‘, ist jedoch ,in der konkreten Umsetzung ‘ 
charakterisiert durch , einen langwierigen konsen- 
sualen Abstimmungs- und Entscheidungspro- 
zess ‘, [. . .] , zersplitterte Verantwortlichkeiten und 
Kompetenzbereiche und dadurch insgesamt in- 
transparente Prozesse sowie schwerfällige Kom- 
munikationsstrukturen ‘. Diese Feststellung war 
im Rahmen der Neuausrichtung der Bundeswehr 
Anlass zu einer Novellierung des Beschaffungs- 
prozesses. 

General a. D. Schneiderhan hat dies im Hinblick auf den 
„alten“ CPM anders gesehen: 

„Ich kann keine Mängel im CPM erkennen. [...] 

Es ist zweimal nachgebessert worden; das habe 
ich entschieden. Die Praxis zeigt immer gewisse 

Schwächen.“^22 

MRn Bauch hat hierzu darauf verwiesen, dass auch der 
„alte“ CPM Berichtspflichten vorgesehen habe, wie z. B. 
mit den Projektstatusberichten und dass der Projektleiter 
eine Risikoanalyse habe vornehmen müssen. Es stelle 
sich nur immer die Frage, wie „es dann ausgefüllt‘‘ 
werde. 

Der Projektleiter, Rüdiger Knöpf el, hat auf die Frage, ob 
er hinsichtlich des „alten“ CPM Änderungsbedarf sehe, 
die Umsetzung des EURO HAWK-Projektes im Rahmen 
des jeweils geltenden CPM folgendermaßen beschrieben: 

„[...] ganz zu Anfang war festzustellen, dass [. . .] 
mit dem Projekt gewisse Risiken verbunden sind. 


Siehe Abschnitt VI. 1 .a). 

819 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 7. 

820 MAT 17-31 BMVg zu BB 17-12, AIN I 1, Ordner 1, S. 143. 

821 Wieker, Protokoll-Nr. 7, S. 152. 

822 Schneiderhan, Protokoll-Nr. 3, S. 21. 

823 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 30. 


Um diese überschaubar und einordbar zu ma- 
chen, wurde halt das Hilfsmittel Projektierungs- 
phase gewählt, um diese Risiken abzuarbeiten 
[. . .] Denn es wäre ja fatal gewesen, wenn wir in 
2007 schon die gesamte Serie beauftragt hätten 
[...] Deswegen hat man gerade dieses Hilfsmittel 
- im CPM 2010 als auch im neuen CPM (nov.) ist 
ein ähnliches Vorgehen vorgesehen - zur Risiko- 
minimierung [...] wie wir es in dieser Projektie- 
rungsphase Vorhaben, die Demonstration der Ge- 
samtfunktionalität mit den Einzelteilen [...] und 
bei einem haben wir jetzt festgestellt, wir können 
es nicht ausreichend wirtschaftlich reduzieren. 
Deswegen kam die Entscheidung: Wir gehen die- 
sen Schritt in Richtung Euro-Hawk- Serie nicht 
mehr weiter. - Das ist so, wie es im Bilderbuch 
vorgesehen ist, genau so.“^24 

Die Novellierung des CPM 2010 erfolgte am 12. Novem- 
ber 2012.825 

b) Neuerungen des CPM (nov.) 

Die Neuerungen des CPM (nov). hat Bundesminister 

Dr de Maiziere zusammengefasst: 

„Der neue Beschaffungsprozess [...] zeichnet 
sich gegenüber dem bisher gültigen CPM durch 
vielfältige Verbesserungen aus. [...] Wir haben 
Verantwortlichkeiten, Entscheidungskompeten- 
zen klarer definiert und Schnittstellen reduziert. 

Wir haben den Prozessablauf von bisher vier auf 
drei Phasen verschlankt und die Analysephase, in 
der Risiken ermittelt und bewertet werden, ver- 
tieft. Wir arbeiten mit der Ämterebene durch 
Zielvereinbarung und trennen klar zwischen mi- 
nisteriellen Steuerungs- und ämterseitigen Durch- 
führungsaufgaben. Wir haben integrierte Projekt- 
teams eingerichtet, in denen die erforderliche 
Expertise unter einheitlicher Führung gebündelt 
und die Kommunikation deutlich verbessert wird. 

[...] Und: Es wird ein neues Projektcontrolling 
geben, und es wird schrittweise eingeführt. Künf- 
tig erhält der Generalinspekteur der Bundeswehr 
erstmals die Möglichkeit zur Auswahl zwischen 
mehreren abgestuften Lösungsvorschlägen, in de- 
nen der Grad der Erfüllung der Fähigkeitsanfor- 
derungen mit den zu erwartenden Kosten und Ri- 
siken zusammen gesehen wird. Die Einführung 
dieses neuen Verfahrens kann nur schrittweise er- 

folgen.“826 

Der Zeuge Stein hat zu den Änderungen des CPM (nov.) 

ausgeführt: 

„Zum einen ist die Möglichkeit gegeben, in der 
Analysephase 2 eine wesentlich sauberere und 
bessere Vorbereitung für eine Projektierungs- 
phase zu schaffen. Der zweite Punkt ist: Wir sind 


824 Knöpf el, Protokoll-Nr. 4, S. 29. 

825 MAT 17-31 BMVg zu BB 17-12, AIN I 1, Ordner 1, S. 143 f. 

826 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 9. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 111 - 


Drucksache 17/14650 


nach dem CPM (novelliert) auch gefordert, nicht 
nur Aussagen zur Projektierung zu machen und 
der möglichen Beschaffung, sondern auch zu den 
Life Cycle Costs. Der dritte Punkt ist, dass wir 
auch gefordert sind, unterschiedliche Lösungsva- 
rianten und Alternativen vorzuschlagen, sodass 
dann die Möglichkeit besteht, eine Variante aus- 
zuwählen, die entsprechend risikoärmer ist und 
vielleicht dadurch auch zeitgerechter zu realisie- 
ren ist. [...] Es ist vorgegeben, dass wir für die 
größeren Projekte im Hause BAAINBw Project 
Reviews machen, die dann durch ein Team aus 
entsprechend zusammengestellten Mitarbeitern 
diese Vorhaben dann prüfen und vor der Leitung 
vorgestellt werden, um Probleme frühzeitig zu er- 
kennen und dann auch angehen zu können. “^27 

Der Zeuge Selhausen hat die Zielvereinbarungen als Teil 
der Fachaufsicht eingeordnet: 

„Mit dem neuen Rüstungsprozess, dem CPM 
(nov.) vom 1. Januar 2013, werden Zielvereinba- 
rungen zwischen BMVg, AIN und BAAINBw 
eingeführt. Es wird also ein zusätzliches Instru- 
ment der Fachaufsicht genutzt. “^^8 

3. Zweite Zwischenentscheidung zur Ab- 
schließenden funktionalen Forderung 

Als weiteren Punkt hat MRn Bauch beanstandet, dass mit 
der Entscheidung, auf die Musterzulassung des Full Scale 
Dermonstrators zu verzichten, d. h. mit der Entscheidung 
vom 3. Februar 2010 eine neue Zwischenentscheidung 
hätte erstellt werden müssen, da es kostenmäßige Abwei- 
chungen, zeitliche Verzögerungen und Abweichungen 
vom Vertragsziel gegeben habe. ^29 

a) Erforderlichkeit 

Nach Billigung der „7. Zwischenentscheidung'' am 
12. Dezember 2006^^^ wurde innerhalb der Projektie- 
rungsphase des Projektes EURO HAWK bereits frühzei- 
tig das Erfordernis gesehen, „ aufgrund der eingetretenen 
Verzögerungen und der Kostensteigerung" eine zweite 
Zwischenentscheidung zu erstellen, wie es im Projektsta- 
tusbericht vom 31. März 2008 heißt.^^i Im Projektstatus- 
bericht vom 30. Juni 2008 wurde diese für die 42. Kalen- 
derwoche 2008 in Aussicht gestellt. 

Der seinerzeit zuständige Generalinspekteur der Bundes- 
wehr, General a. D. Schneiderhan, äußerte dazu, dass er 
Mitte 2009 die Notwendigkeit einer zweiten Zwischen- 
entscheidung gesehen habe.^^^ 

Entsprechend war vom BWB ursprünglich beabsichtigt, 
zum 30. Juni 2009 in der „2. Zwischenentscheidung" 


^27 Stein, Protokoll-Nr. 4, S. 123. 

828 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 48. 

829 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 35. 

830 Siehe Kapitel A Abschnitt VIII. 

831 MAT 17-42 BMVg zu BB 17-43, Ordner 1, S. 331. 

832 mAT 17-42 BMVg zu BB 17-43, Ordner 1, S. 369. 

833 Schneiderhan, Protokoll-Nr. 3, S. 17. 


Über Verzögerungen und Mehrkosten der Entwicklungs- 
phase und des Anfangsflugbetriebes des Prototyps zu be- 
richten. ^^4 

b) Verzögerungen 

Bis März 2011 war die „2. Zwischenentscheidung" noch 
nicht vorgelegt worden. Dem Projektstatusbericht vom 
31. März 2011 kann dazu entnommen werden, dass der 
Entwurf der „2. Zwischenentscheidung" „von der Lei- 
tung BWB im Juli 2009 an den PL zur Überarbeitung zu- 
rückgegeben " worden war.^^^ 

Gleichzeitig stellt in demselben Projektstatusbericht das 
Zentralcontrolling des BMVg in seiner Bewertung einer- 
seits eine zeitliche Verzögerung des Projekts Verlaufs um 
19 Monate sowie andererseits eine erhebliche Überschrei- 
tung der geplanten Gesamtkosten (ca. 1,28 Milliarden 
Euro statt ca. 843 Millionen Euro), jeweils im Vergleich 
zu dem Stand der „1. Zwischenentscheidung", fest. Es 
spricht aus diesem Grunde die Empfehlung aus, die 
„2. Zwischenentscheidung" auf Ämterebene bis Juni 

2011 fertigzustellen, anschließend dem BMVg vorzule- 
gen und damit die ministerielle Billigung einzuholen.^^^ 

Als der bis dahin gebilligte Finanzrahmen nahezu ausge- 
schöpft war, wurde das BAAINBw am 23. November 

2012 seitens des Referates BMVg AIN V 5 gebeten, die 
„2. Zwischenentscheidung" zu erstellen, um damit die 
unterbrechungsfreie Fortsetzung des Entwicklungsvertra- 
ges zu gewährleisten. Am 4. Januar 2013 folgte 
schließlich die Weisung, das Dokument bis zum 10. Ja- 
nuar 2013 vorzulegen. 

Auf Nachfrage, warum sich die Vorlage der zweiten Zwi- 
schenentscheidung so verzögert habe, hat LTRDir 
Knöpf el gesagt: 

„Nun, es gehört ja zu den Aufgaben eines Pro- 
jektleiters, nicht nur Probleme aufzuzeigen, son- 
dern auch Vorschläge zu machen, wie man sie lö- 
sen könnte. Beitretender Faktor war hier beim 
Festhalten an einer umfassenden Musterprüfung 
der damit verbundene wirtschaftliche Aufwand. 

[...] Deswegen war unser Bestreben, zu untersu- 
chen: Wie können wir diesen wirtschaftlichen 
Mehraufwand reduzieren, damit die Realisation 
einer entsprechenden Serie doch noch möglich 
wäre? Das geht natürlich nicht von heute auf 
morgen. 

Zweitens haben wir ja begleitend die Erprobung 
durchgeführt, weil das Ziel, [. . .] die Gesamtfunk- 
tionalität noch zu zeigen, ja noch ausstand 

[. . 


834 MAT 17-4 BRH zu BB 17-90, Ordner 1, S. 27. 

835 MAT 17-42 BMVg zu BB 17-43, Ordner 2, S. 327. 

836 mAT 17-42 BMVg zu BB 17-43, Ordner 2, S. 327 f. 

837 MAT 17-8 zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe EURO 
HAWK, S. 55; MAT 17-78 A, BMVg zu BB 17-3, AIN V 5, Ord- 
ner 109, S. 45. 

838 MAT 17-8 zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe EURO 
HAWK, S. 43. 

839 Protokoll-Nr. 4, S. 21. 



Drucksache 17/14650 


- 112 - 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


Derzeit liegt die „2. Zwischenentscheidung beim Gene- 
ralinspekteur der Bundeswehr, General Volker Wieker, der 
deren Inhalt wie folgt skizziert hat: 

„Hier geht es jetzt tatsächlich darum, [. . .] die ge- 
troffenen Entscheidungen und Ereignisse, die ein- 
getreten sind auf dem Weg seit der ersten Zwi- 
schenentscheidung und der 2 5 -Millionen- Vorlage 
in 2009, nachzuzeichnen. Einer der ganz wesent- 
lichen Einflussfaktoren war dabei das Scheitern 
im Projekt GAST [...]. Das hat zu Anpassungen 
führen müssen, die insgesamt jetzt nachgezeich- 
net werden müssen.^^^o 

Darüber hinaus gebe es nur 

„einen einzigen weiteren Grund für eine zweite 
Zwischenentscheidung oder für [eine, Anm.] 
Zwischenentscheidung grundsätzlich: Das ist das 
Überschreiten von 15 Prozent der gebilligten Fi- 
nanzlinie. Der Fall ist hier noch nicht eingetre- 

ten.‘‘84i 

Die „2. Zwischenentscheidung'' sei noch nicht an die 
Staatssekretäre bzw. den Minister weitergeleitet, da er 

„noch Rückfragen habe, was insbesondere den 
Blick in die Zukunft betrifft. 

VII. Eingesetzte Haushaltsmittel seit dem 
dritten Änderungsvertrag 

1. Veranschlagte Kosten 

a) Entwicklungsvertrag 

Während bei Abschluss des Entwicklungsvertrages noch 
ein Gesamtfmanzbedarf exklusiv erforderlicher weiterer 
Vertragsabschlüsse zur Beschaffung von Geräten sowie 
für Unterstützungsleistungen von 430,9 Millionen Euro 
veranschlagt wurde,^43 belief sich der geplante Gesamtfi- 
nanzbedarf laut 25-Millionen-Euro-Vorlage an den Haus- 
haltsausschuss des Deutschen Bundestages vom 29. Mai 


840 Wieker, Protokoll-Nr. 7, S. 176. 

841 Wieker, Protokoll-Nr. 7, S. 179. 

842 Wieker, Protokoll-Nr. 7, S. 176. 

843 MAT 17-3 BMF zu BB 17-81, Band 2, II D I, S. 223. 


2009 mit Abschluss des dritten Änderungs Vertrages auf 
480,13 Millionen Euro.844 

Für die erforderlichen weiteren Verträge zur Beschaffung 
von Geräten sowie für Unterstützungsleistungen wurden 
2007 28,3 Millionen Euro veranschlagt,^^^ 2009 waren 
47,17 Millionen Euro eingeplant. 

Mit den darauffolgenden Änderungsverträgen erhöhte 
sich der Finanzbedarf des Entwicklungsvertrages wie 
folgt (siehe Tabelle unten). 

b) CLS-Verträge 

Neben dem Entwicklungsvertrag wurden Verträge über 
logistische Unterstützungsleistungen für den EURO 
HAWK Full Scale Demonstrator, sogenannte Contractor 
Logistics Support- Verträge (CLS-Verträge), mit der Euro- 
Hawk GmbH geschlossen. 

Der CLS-Vertrag Teil 1 wurde am 28. Juli 2009 mit einer 
Laufzeit von 26 Monaten geschlossen. Hierfür wurden 
bei Vertragsschluss Ausgaben in Höhe von 47,1 Millio- 
nen Euro eingeplant. Mit dem dritten Änderungsvertrag 
zum CLS-Vertrag Teil 1 vom 30. Dezember 2011 erhöhte 
sich diese Summe auf 48,8 Millionen Euro. Der sechste 
Änderungsvertrag vom 30. November 2012 führte letzt- 
lich zu einer weiteren Erhöhung auf 49,6 Millionen Euro. 

Am 2. Dezember 2011 wurde der CLS-Vertrag Teil 2 ge- 
schlossen, für welchen Verpflichtungen in Höhe von 
32,3 Millionen Euro angesetzt wurden. Die Summe er- 
höhte sich mit dem ersten Änderungsvertrag zum CLS- 
Vertrag Teil 2 vom 14. November 2012 auf 32,9 Millio- 
nen Euro.847 

Zudem wurden Kosten in Höhe von rund 2,9 Millionen 
Euro für diverse Verträge, die weitere Unterstützungsleis- 
tungen zum Inhalt hatten, verplant. ^^8 


844 MAT 17-2 BT-HA zu BB 17-93, Ordner I, S. 239. 

845 MAT 17-3 BMF zu BB 17-81, Band 2, II D I, S. 219. 

846 MAT 17-2 BT-HA zu BB 17-93: S. 240. 

847 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, Anlage A, S. 4. 

848 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3, Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, Anlage A, S. 4. 


Vertrag 

Datum 

Bedarfserhöhung in Euro^^^ 

4. Änderungs vertrag 

25. November 2009 

2.180.000 

5. Änderungsvertrag 

16. September 2010 

3.462.100 

6. Änderungsvertrag 

11. März 2011 

5.747.446 

7. Änderungsvertrag 

28. Oktober 2011 

13.996.557 

8. Änderungsvertrag 

1. Juni 2012 

20.006.091 

9. Änderungsvertrag 

2. August 2012 

5.317.302 

10. Änderungsvertrag 

7. November 2012 

13.095.387 


849 MAT 17-4 BRH zu BB 17-90, Ordner I, S. 47. 




Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 113- 


Drucksache 17/14650 


2. Tatsächliche Ausgaben 

Für Entwicklungs- und CLS-Verträge wurden 2009 tat- 
sächlich 126.443.368 Euro ausgegeben. Davon entfielen 
54.892.516 Euro auf das Luftfahrzeug, 69.500.621 Euro 
auf die Entwicklung von ISIS und 2.050.231 Euro auf 
dessen Erprobung sowie die Vorbereitung der Erprobung. 

2010 wurden insgesamt 81.015.197 Euro gezahlt, wovon 
42.853.439 Euro auf das Luftfahrzeug, 30.128.294 Euro 
auf die ISIS-Entwicklung und 8.033.464 Euro auf die Er- 
probung und Vorbereitung entfielen. 

Im folgenden Jahr betrugen die tatsächlichen Ausgaben 
64.372.941 Euro. Für das Luftfahrzeug wurden 31.367.130 
Euro, fär die ISIS-Entwicklung 24.069.542 Euro sowie fär 
dessen Erprobung 19.019.964 Euro gezahlt. 

Im Jahr 2012 wurden insgesamt 91.717.592 ausgegeben. 
Dabei betrugen die Ausgaben fär das Luftfahrzeug 
35.881.760 Euro, für die ISIS-Entwicklung 30.028.370 
Euro und fär die ISIS-Erprobung 25.807.462 Euro.^so 

VIII. Bewertung des Bundesrechungshofes 

1 . Informationsgrundlagen 

Bei der Prüfung des Entwicklungsprojektes EURO 
HAWK habe den Prüfern des BRH zunächst die „Ab- 
schließende funktionale Forderung^' und die „1. Zwi- 
schenentscheidung als Informationsbasis gedient. Zu- 
sätzlich seien die Projektstatusberichte des Projektleiters 
und des Auftragnehmers ausgewertet worden. Zudem 
hätten zu den wesentlichen Erhebungsgrundlagen der 
Schriftverkehr mit der Musterzulassungs stelle und die 
schriftliche Kommunikation, die mit dem BMVg geführt 
wurde, gezählt. 

Darüber hinaus hätten die Prüfer des BRH Gespräche mit 
der Vorhabenaufsicht, insbesondere dem Projektmanager 
sowie mit dem Musterprüfbeauftragten und dem Güte- 
prüfdienst geführt, nicht aber mit dem Projektleiter. ^^2 
Der Schriftverkehr innerhalb der Bundesregierung und 
den Abteilungen der Ministerien habe nicht umfänglich 
ausgewertet werden können, wohl aber ,, vier, fünf Staats- 
sekretärsvorlagen 

Nach Auswertung dieser Informationsquellen kam der 
BRH zu der Einschätzung, dass sowohl 2009 als auch 

2011 die politische Leitung informiert und eine Neube- 
wertung des Gesamtprojektes hätte vorgenommen wer- 
den müssen. 

2. Neubewertung 2009 

a) Ansicht des Bundesrechnungshofes 

Obwohl das BMVg das Projekt im Jahr 2009 als unkri- 
tisch einstufte^^^, hätte man laut MRn Angelika Bauch 


850 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, Anlage C, S. 1 f. 

851 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 7 f. 

852 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 8. 

853 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 8. 

854 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 23; MAT 17-4 BRH zu BB 17-90, Ord- 
ner 1,S. 18. 

855 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 13. 


(BRH), schon zu diesem Zeitpunkt ,,auf jeden Fall neu 
bewerten müssenF^^^ Aus ihrer Sicht seien da ,4ie ersten 
Probleme auf getreten'': 

„Wir haben ja [...] diesen Abbruch vom GAST 
gehabt. Das ist dieses Auswertesystem, ein wich- 
tiger Baustein in dem Projekt, den man 2008 ab- 
gebrochen hatte. [. . .] Es zeichneten sich auch bei 
dem Missionsplanungssystem zunehmend Pro- 
bleme ab, dass man die beauftragte Exportversion 
wohl nicht bekommen würde, und natürlich kam 
2009 zunehmend, dass die Musterzulassungsakti- 
vitäten so einen Umfang erfordern, um die Anfor- 
derung nach der ZDv 19/1 zu erfüllen, dass man 
da schon die ersten Bedenken hatte, ob man die 
im Rahmen des Vertrages abwickeln kann.“^^'^ 

Schließlich 

„[wurde, Anm.] im Jahr 2009 mit dem dritten Än- 
derungsvertrag [...] eindeutig festgehalten [...], 
dass man nicht auf der amerikanischen Zulassung 
aufbauen könne, wie man vorher angenommen 

hatte.‘‘858 

Dies hätten die Prüfer in einer Anlage zum dritten Ände- 
rungsvertrag gefunden, in welcher festgehalten war, dass: 

„[...] man die Erkenntnis hatte, auf den amerika- 
nischen Musterzulassungsprozess nicht aufbauen 
zu können, und dass der Euro Hawk eine umfas- 
sende Zulassung braucht, die von der amerikani- 
schen Zulassung nicht abgedeckt wird, und dass 
das einen zusätzlichen Aufwand erfordern 
würde.“^^^ 

Auf Nachfrage, wer als Initiator dieser Neubewertung 
hätte tätig werden müssen, hat die Zeugin Bauch ausge- 
fährt, dass an erster Stelle der Präsident des BWB hätte 
aufmerksam gemacht werden müssen. Dann hätte letzt- 
endlich eine Staats Sekretärs Vorlage über den Abteilungs- 
leiter Rüstung weitergeleitet werden müssen.^^^ 

Insgesamt hätten bereits 2009 die Risiken „so eine Trag- 
weite" angenommen, dass die .Jlealisierung schon in- 
frage" hätte gestellt werden können. 

b) Ansichten der Vertreter des BMVg 

Der Präsident des BAAINBw, Harald Stein, hat sich hin- 
sichtlich dieser Einschätzung des BRH, dahingehend ge- 
äußert, dass es 

„[...] das Recht des Bundesrechnungshofes [ist], 
eine solche Aussage zu machen; aber man muss 
sich nicht unbedingt dieser Bewertung an- 
schließen. [...] Im Jahre 2009 - so belegen alle 
Berichte - war dieses Problem [die höheren Kos- 


856 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 13. 
852 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 13. 

858 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 13. 

859 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 24. 

860 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 13. 

861 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 24. 



Drucksache 17/14650 


- 114- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


ten der Musterzulassung, Anm.] als beherrschbar 

eingestuft. 

Auch der Zeuge Selhausen hat sich in ähnlicher Weise 
eingelassen: Noch Anfang Dezember 2009 hätte er aus 
dem damaligen BWB eine Vorlage erhalten, ,4ciss gute 
Fortschritte grundsätzlich auf dem Programm seien und 
dass der Mehrbedarf auf einen hohen zweistelligen Mil- 
Honen-Euro-Betragfür die Zulassung, Musterprüfung der 
Serie geschätzt würde Der Bundesminister der Finan- 
zen hätte die 25-Millionen-Euro-Vorlage zum CLS- Ver- 
trag Nr. 2 am 17. November 2009 an den Haushaltsaus- 
schuss des Deutschen Bundestages geschickt. Erste 
Erkenntnisse, dass darin ein ,fohes Finanzrisiko liegen 
könnte“, habe der Zeuge Selhausen jedoch erst am 
24. November, mithin sieben Tage später, gehabt. 

Er hat weiter ausgefährt, dass 

„[...] es [...] dann zweieinhalb Monate gedauert 
[hat], bis dieses Risiko hinreichend substanziiert 
und belegbar war. [...] Mit diesem Wissen hätte 
ich stichhaltig nicht begründen können, diese 
Vorlage anzuhalten. 

Auf die Nachfrage, ob er bei Auftreten weiterer Probleme 
darüber nachgedacht hätte, die Erprobung zu stoppen, er- 
widerte MD Selhausen, dass es in Besprechungen immer 
„solche Abwägungen“ gegeben habe. Allerdings habe 
stets im Mittelpunkt gestanden, dass „hier eine Fähig- 
keitslücke aufwächst, die für die Streitkräfte wirklich 
massiv ist.“^^^ 

Auch StS Wolf wurde zu dieser Thematik vernommen. 
Auf die Frage, wie er zu der Einschätzung des Bundes- 
rechnungshofes stehe, dass im Zusammenhang mit dem 
dritten Änderungs vertrag eine Neubewertung hätte vorge- 
nommen werden müssen, hat er geantwortet: 

„Ich bin überrascht [...], weil, wenn ich mich 
[...] richtig erinnere, ist diese 25-Millionen- 
Vorlage sehr intensiv diskutiert worden; auch die 
Gründe für die Verzögerung sind sogar in der 
25 -Millionen- Vorlage [...] zitiert. Sie waren dem 
Bundesrechnungshof mit anderen Worten zu- 
gänglich. [...] Also, wenn mir jemand jetzt im 
Nachhinein sagt: ,Das hätte dich spätestens zu ei- 
ner Revision veranlassen müssen^, dann frage ich 
mich: Warum hat man mir diese Information oder 
diesen Hinweis oder diese Anregung nicht schon 
anlässlich der Beratung gegeben?“^^'^ 


862 Stein, Protokoll-Nr. 4, S. 147. 

863 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 52. 

864 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 52. 

865 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 52. 

866 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 52. 

867 Wolf, Protokoll-Nr. 1, S. 117. 


3. Neubewertung 2011 

Der Bericht des Bundesrechnungshofes konstatiert zu der 
weiteren Entwicklung: 

„Spätestens im Jahr 2011, als weitere Arbeiten 
zur Musterzulassung vereinbart worden waren, 
zeichnete sich ab, dass die aufgetretenen Pro- 
bleme nicht mit vertretbarem Aufwand lösbar 
waren. Spätestens jetzt hätte die Leitung des Bun- 
desverteidigungsministeriums informiert und das 
Projekt insgesamt neu bewertet werden müs- 

sen.“868 

Erst ab Anfang 2012 sei der für Rüstung zuständige 
Staatssekretär darüber informiert worden, „dass die Mus- 
terzulassung zwischen 250 und 600 Mio. Euro zusätzliche 
Ausgaben verursachen könne, ohne dass die Musterzulas- 
sung gewährleistet sei. Das BMVg habe daraufhin 
veranlasst, „dass alternative Trägerwege für die Missi- 
onsausrüstung und weniger aufwendige Zulassungswege 
untersucht wurden“. Damit habe die Leitung des Ministe- 
riums gehandelt, „sobald ihr die Probleme berichtet wur- 
den 

Diese Ansicht hat auch die Zeugin Bauch in ihrer Aus- 
sage vor dem Untersuchungsausschuss untermauert: 

„[...] im Jahr 2011 kann man es festmachen: Der 
Musterzulassungsprozess war sehr schleppend, 
und letztendlich zeichnete sich ab - erste Ein- 
schätzung des Auftragnehmers -, dass etwa 
1 00 Millionen erforderlich wären, um die Mus- 
terzulassung zu erreichen. Das wurde aber auch 
als sehr untere Grenze erkannt.^^'^i 

Zur Frage, wie der BRH zu der Einschätzung kam, dass 
das Entwicklungsprojekt „spätestens 2011 “ hätte neu be- 
wertet werden müssen, hat MRn Bauch erläutert: 

„Spätestens 2011: Das GAST-Problem war noch 
da. Es zeichnete sich ab, dass [. . .] kein nationales 
Missionsplanungssystem da sein wird. Es zeich- 
nete sich ab, dass die Musterzulassung nicht er- 
reichbar wird, dass man nur eine Prototypenzu- 
lassung erzielen wird. Und letztendlich: Wenn 
man die vertraglich geschuldete Musterzulas- 
sung, Musterprüfung erwirken will, dass das mit 
einem immensen Kostenaufwand von bis zu 
600 Millionen - Also, ins Jahr 2011 zeichnete 
sich so 100 Millionen [ab] - [...], dass man das 
nochmal hätte hinterfragen müssen.“^'^^ 

Eine direkte Äußerung von anderen Zeugen erfolgte auf 
diese Bewertung des BRH nicht. 


868 MAT 17-4 BRH zu BB 17-90, Ordner 1, S. 41. 

869 MAT 17-4 BRH zu BB 17-90, Ordner 1, S. 42. 

870 MAT 17-4 BRH zu BB 17-90, Ordner 1, S. 42. 

871 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 4. 

872 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 18. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 115- 


Drucksache 17/14650 


E. Entscheidung zum Verzicht auf die 

Serienbeschaffung EURO HAWK 

Am 8. Mai 2013 bzw. am 10. Mai 2013 entschieden 
Staatssekretär Rüdiger Wolf (BMVg) und Staatssekretär 
Stephane Beemelmans (BMVg), eine Serienbeschaffung 
auf Basis des EURO HAWK nicht weiter zu verfolgen. 
Diese Entscheidung wurde am 13. Mai 2013 durch den 
Bundesminister der Verteidigung Dr Thomas de Maiziere 
gebilligt. 

I. Inhaltliche Aspekte der Entscheidung 

Die Entscheidung der beiden Staatssekretäre im BMVg 
geht auf die Staatssekretärvorlage vom 27. März 2013 
und die Staatssekretärvorlage vom 29. April 2013 zurück, 
die zusammen die Grundlage der Entscheidung bildeten. 

Die Entscheidungsvorlage des Referates AIN V 5 im 
BMVg vom 27. März 2013 an Staatssekretär 
über Staatssekretär Wolf enthielt folgenden Entschei- 
dungsvorschlag: 

„1- Eine Serienbeschaffung auf Basis des EURO 
HAWK wird nicht weiter verfolgt. 

2- Die Weitemutzung des für EURO HAWK na- 
tional entwickelten Integrierten SIGINT (Signals 
Intelligence) Systems ISIS für das künftige Sys- 
tem zur Signalerfassenden Luftgestützten Weit- 
räumigen Überwachung und Aufklärung (SL- 
WÜA) wird angestrebt. 

3- Dem Generalinspekteur der Bundeswehr wer- 
den bis Ende des Jahres Lösungsvorschläge zur 
Weitemutzung von ISIS auf einer alternativen 
Trägerplattform für eine Auswahlentscheidung 
(AWE) vorgelegt. Dabei wird eine Realisiemng 
innerhalb des bisher für die EURO HAWK Serie 
geplanten Kostenrahmens mit beherrschbarem 
Risiko und zeitnahem Zulauf angestrebt. 

4- Der Betrieb des EURO HAWK Full Scale De- 
monstrators (FSD) soll - zunächst für maximal 
vier Jahre begrenzt - bevorzugt beim Aufklä- 
mngsgeschwader 5 1 „Immelmann“ (AufklG 5 1 „I“) 
in Schleswig/Jagel - fortgeführt werden, um die 
Fähigkeitslücke durch operationelle Nutzung des 
SIGINT Systems zu reduzieren. Voraussetzung 
für diesen Weiterbetrieb ist der erfolgreiche 
Nachweis der Leistungsfähigkeit, des operatio- 
neilen Nutzens und der Wirtschaftlichkeit des 
Systems. 

5- Die beigefügte umgehende Information des 
Verteidigungs- und des Haushalts aus Schusses des 
Deutschen Bundestages sowie die Presseerklä- 
mng bzw. presseverwertbare Stellungnahme (An- 
lagen 1 und 2) werden gebilligt. 


873 MAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45 AIN V, 5, Ordner 2, S. 329 
(330). 


Die Staatssekretärvorlage der Referate AIN V 5 und 
Plg II 3 im BMVg vom 29. April 2013 an Staatssekretär 
Beemelmans über Staatssekretär Wolf enthielt folgenden 
Vorschlag zur Entscheidung: 

„Fortsetzung des Erprobungsflugbetriebs des In- 
tegrierten SIGINT Systems ISIS (Integriertes 
Signal Intelligence System) auf dem EURO 
HAWK Full Scale Demonstrator (FSD) bis zum 
qualifizierten Abschluss der industrieseitigen Er- 
probung mit dem Zieldatum 30. September 2013, 
als Voraussetzung zur Übertragung der gewonne- 
nen technischen Erkenntnisse auf eine alternative 
Trägerplattform. Einstellen Flugbetrieb FSD zum 
Zieldatum 1. Oktober 2013.‘‘874 

Dem Vorschlag der Vorlage vom 29. April 2013 sowie 
den Ziffern 1-3 der Vorlage vom 27. März 2013 wurde 
zugestimmt. Die Ziffern 4 und 5 der Vorlage vom 27. 
März 2013 wurden verworfen. 

Da der Generalinspekteur der Bundeswehr, General 
Volker Wieker, im Rahmen der Vorlage vom 27. März 
2013 ursprünglich nicht beteiligt worden war, veranlasste 
StS Wolf dessen Bewertung der Handlungsalternativen, 
„insbesondere des vorgeschlagenen zeitlich befristeten 
Weiterbetriebs zur Gewinnung von Aufklärungsergebnis- 
sen aus militärischer Sicht In seiner Vernehmung hat 
der Zeuge WolfhiQYzu weiter ausgeführt: 

„Im Rahmen einer Kosten-Nutzen-Abwägung 
lehnte der Generalinspekteur durch den Abtei- 
lungsleiter Planung am 29. April 2013 einen Wei- 
terbetrieb zur Gewinnung von Aufklärungsergeb- 
nissen ab, befürwortete aber einen Weiterbetrieb 
zur abschließenden Entwicklung von ISIS.“^'^^ 

Zur Erläuterung der Vorschläge wurde in den Vorlagen 
darauf hingewiesen, dass eine Musterzulassung nur mit 
„unverhältnismäßig hohem Aufwand'' und zusätzlichen 
Kosten zu erreichen wäre.^'^'^ Zudem würden vor dem 
Hintergrund, dass eine wirtschaftliche Versorgung einer 
EURO HAWK-Kleinstflotte in einem Nutzungszeitraum 
von über 20 Jahren nicht möglich sei und die US Air 
Force ihre GLOBAL HAWK-Block 20/30/40 außer 
Dienst stellen werden, die für 20 Jahre abgeschätzten 
,fife-Cycle-Costs‘‘ die seinerzeitige Abschätzung von 
1 ,4 Milliarden Euro um nahezu eine Milliarde Euro über- 
steigen.^'^^ 

Da das Missionssystem ISIS derzeit das „ modernste sei- 
ner Art" sei, solle es aus technologischer und rüstungs- 
wirtschaftlicher Sicht weiter genutzt werden.^'^^ Mittels 
externer Studien, einer Marktsichtung des BAAINBw 
und gestützt auf industrielle Expertise seien geeignete 
und verfügbare Plattformen identifiziert worden. Ziel sei 


874 MAT 17-70 A BMVg zu BB 17-45, Abt Plg II 3, Ordner 1, S. 1 (1 f.). 

875 Wolf, Protokoll-Nr. 7, S. 103. 

876 Wolf Protokoll-Nr. 7, S. 103. 

877 MAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45 AIN V 5, Ordner 2, S. 329 (331). 

878 MAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45 AIN V 5, Ordner 2, S. 329 (334). 

879 MAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45 AIN V 5, Ordner 2, S. 329 (335). 



Drucksache 17/14650 


- 116- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


es, bis Ende des Jahres 2013 Lösungsvorschläge zur Wei- 
temutzung von ISIS auf einer alternativen Plattform für 
eine Auswahlentscheidung vorzulegen, um die Fähig- 
keitslücke dauerhaft zu schließen. In der Bewertung 
wurde hinsichtlich alternativer Trägerplattformen ausge- 
fährt: „Auf Basis einer alternativen Trägerplattform ist 
der langfristige Zielbetrieb des integrierten SIGINT Sys- 
tems voraussichtlich im vergleichbaren Zeitrahmen mit 
beherrschbaren Risiken möglich. Die dafür erforderli- 
chen Haushaltsmittel sind derzeit [...] in ausreichender 
Höhe veranschlagt. '' Günstigstenfalls sei der Zulauf einer 
Serie ,, drei Jahre nach Vertragsschluss - also ab 201 7 
realistisch erreichbar. 

Neben dem oben in Ziffer 4 dargestellten Weiterbetrieb 
des EURO HAWK Full Scale Demonstrators (FSD), der 
Kosten für den Materialerhaltungsbedarf in Höhe von ca. 
52 Millionen Euro pro Jahr verursachen würde, werden in 
der Vorlage vom 29. April 2013 weitere fünf Optionen 
eruiert. Empfohlen wurde in der Vorlage die vierte Op- 
tion, die den „ Weiterbetrieb des FSD bis einschließlich 
September 2012 zum Gegenstand hat, um den „vertrag- 
lich vereinbarten Leistungsnachweis qualifiziert abzu- 
schließen 

Zum Hintergrund für beide Entscheidungs Vorlagen: Be- 
reits in früheren Informationsvorlagen aus dem Jahr 2012 
an die Staatssekretäre ist die Zulassungsproblematik 
eruiert worden. Sowohl StS Wolf als auch StS 
Beemelmans hatten um Klärung der Zulassungsfähigkeit 
und Untersuchung der Möglichkeiten eines Abbruchs so- 
wie um Bericht bzw. Vorschlag zum weiteren Verfahren 
bis Ende 2012, vermerkt auf einigen Vorlagen, gebeten. 
In der Staatssekretärvorlage vom 20. Dezember 2012 
heißt es dann, dass die Industrieanlagen-Betriebsgesell- 
schaft mbH (lABG) eine technisch-wirtschaftliche Unter- 
suchung zur Integration des EURO HAWK SIGINT-Sys- 
tems in alternative Trägerplattformen durchgeführt habe 
und nach Validierung dieser Untersuchungsergebnisse ein 
konkreter Vorschlag zur weiteren Vorgehensweise bis 
3 1 . März 2013 vorgelegt werde. Auch in einer weiteren 
Informationsvorlage an die Staatssekretäre vom 17. Ja- 
nuar 2013 wurde eine Vorlage zur Entscheidung zum 
31. März 2013 angekündigt,^^^ die dann mit der Vorlage 
vom 27. März 2013 erfolgte. 

II. Beweggründe für die Entscheidung 

Ausgangspunkt für die Entscheidung, eine Serienbeschaf- 
fung nicht weiter zu verfolgen, war die Einschätzung, 
dass „ein sinnvoller operationeller Betrieb der Serie [. . .] 
nach der geltenden Vorschriftenlage der Bundeswehr 
grundsätzlich nur auf Basis einer erfolgreichen Muster- 
zulassung zulässig'' sei und keine Alternative zu einem 


880 MAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45 AIN V 5, Ordner 2, S. 329 (333). 

881 MAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45 AIN V 5, Ordner 2, S. 329 (335 f.). 

882 MAT 17-70 A BMVg zu BB 17-45, Abt Plg II 3, Ordner 1, S. 1 (7). 

883 Vgl. Kapitel D. 

884 MAT 17-4 BRH zu BB 17-91, Ordner 4, S. 31 (33, 35). 

885 MAT 17-4 BRH zu BB 17-91, Ordner 4, S. 9 (9). 


Musterzulassungsprozess gemäß der ZDv 19/1 trotz Prü- 
fung alternativer Zulassungswege gesehen wurde. 

1. Finanzielles Risiko 

Für eine als notwendig angesehene Musterzulassung wä- 
ren Mehrkosten, insbesondere für die beizubringenden 
Dokumentationen, entstanden. Hinsichtlich der Höhe der 
anzusetzenden Mehrkosten gab es nach den Untersuchun- 
gen des Ausschusses unterschiedliche Schätzungen. 

a) Mehrkostenschätzung der Industrie 

In einem Schreiben von Mitte Mai 2013 - nach der ge- 
troffenen Entscheidung zum Verzicht auf die Serienbe- 
schaffung - hatte die Firma Northrop Grumman über die 
EuroHawk GmbH dem BMVg einen Vorschlag übermit- 
telt, der sich auf 160 bis 193 Millionen Euro belief und 
sämtliche Kosten für die Musterzulassung und Lufttüch- 
tigkeitsprüfung des EURO HAWK abdeckte. Auch in 
der Zeugenvernehmung des Sector Vice President von 
Northrop Grumman Janis G. Pamiljans hat dieser bestä- 
tigt, dass die weiteren Anforderungen des BMVg, die not- 
wendig sind, im Rahmen von 160 bis 193 Millionen Euro 
umgesetzt werden könnten. Zum Hintergrund hat er er- 
läutert: 

„Diese Schätzung basiert auf gemeinsamen Dis- 
kussionen mit dem BAAINBw, der WTD 61/ML 
und der deutschen Luftwaffe aus dem Jahr 2012 
über eine akzeptable Konfiguration für die Seri- 
enbeschaffung. Diese Schätzung beruht auf be- 
stimmten Annahmen zu Konfiguration und tech- 
nischen Systemen, die für die Erreichung der 
luftfahrtrechtlichen Zulassung erforderlich sind 

[_ ] ‘‘889 

Auf Nachfrage hat er weiter ausgefuhrt: 

„Aber ob die 160 bis 193 Millionen alle fehlen- 
den Dokumente abdecken oder nicht, das kann 
ich hier nicht komplett bestätigen, da ich hier 
nicht den gesamten Einblick in die Details 

habe.‘‘89o 

Auf die Frage, ob er die Musterzulassung in Deutschland 
für einen Festpreis von 193 Millionen Euro garantieren 
könne, hat der Zeuge Pamiljans dargestellt: 

„Ich denke, das ist ein guter Preis entsprechend 
der Spezifikationsanforderung, die wir am An- 
fang der Diskussion hatten, auch hinsichtlich der 
Erwartung. Das war kein Preis, der von WTD 61 
bestätigt wurde; aber sie waren an dieser Festle- 
gung des Preises signifikant beteiligt. Und jeder 


886 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 47. 

887 FAZ-Artikel vom 4. Juni 2013, „Der Programmstopp war eine 
Überraschung für uns“, Interview mit dem Vizepräsidenten North- 
rop Grumman Janis Pamiljans. 

888 Pamiljans, Protokoll-Nr. 6, S. 63. 

889 Pamiljans, Protokoll-Nr. 6, S. 63. 

890 Pamiljans, Protokoll-Nr. 6, S. 93. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 117- 


Drucksache 17/14650 


war der Meinung, dass dies ein Ansatz für die zu- 
künftige Produktion sein sollte, dass dies ein 
Preis ist, der erreichbar ist. Ob das jetzt ein fester 
Preis ist: Ich möchte Sie alle daran erinnern, dass 
der ursprüngliche Zertifizierungspreis fest war. 
Also, das heißt, die Risiken waren von Anfang an 
verstanden. Erst als wir dann in den Vertrag über- 
gingen, hatten wir hier eine Abweichung und hat- 
ten die Unterschiede in den Preisen. Die Risiken 
bewegten sich dort. Aber ob wir das mit einem 
festen Preis machen könnten oder nicht: Also, ich 
denke, wenn die Spezifikationen klar sind, die 
Anforderungen klar sind und wenn die beteiligten 
Parteien darin Übereinkommen, dass auf der 
Grundlage der Zusammenarbeit alle Parteien Zu- 
sammenarbeiten, dann können wir dies auch als 
festen Preis ansehen, ja. 

[...] 

Ich würde gerne eine Koalition haben zwischen 
WTD 61 /ML, der Luftwaffe und dem 
BAAINBw, um die richtigen Spezifikationen, 
Anforderungen festzulegen und sich auf diese zu 
einigen. Wenn das der ursprüngliche Ansatz sein 
würde, dann, denke ich, wäre das ein guter Dia- 
log, in dem wir festlegen könnten, was der Preis 
am Ende dann ist.^^^i 

Auf die Frage, ob er bereit sei, alle Zulassungsrisiken für 
193 Millionen Euro zu tragen, hat er bekundet: 

„Dann müsste ich verstehen, was genau die An- 
forderungen sind, und wir müssten sicherstellen, 
dass sie klar dokumentiert und überprüft wer- 

den.‘‘892 

b) Mehrkostenschätzung des BMVg 

In der Staatssekretärvorlage vom 27. März 2013 wurde 
dargestellt, dass die Musterzulassung nur mit einem zu- 
sätzlichen Kostenaufwand von bis zu 600 Millionen Euro 
zu erreichen sei.^^^ Dies geht zurück auf eine Schätzung 
von 500 bis 600 Millionen Euro für den Aufwand für die 
Musterprüfung der EURO HAWK- Serie durch die Wehr- 
technische Dienststelle (WTD) 61/ML.^94 Konkret hat der 
Zeuge Wolfgang Steiger, WTD 6 1 , in seiner Vernehmung 
hierzu ausgeführt: 

„Die WTD hat eine Kostenschätzung gegenüber 
dem Projektmanagement abgegeben in der Höhe 
von 500 und paar neunzig, also knapp 600 Millio- 
nen, und die Zahl ist entstanden dadurch, dass 
man [...] für die Gerätekomponenten - - Man hat 
eine Anzahl von etwa hundert Gerätekomponen- 
ten, die in etwa dem System Euro Hawk ent- 


Pamiljans, Protokoll-Nr. 6, S. 65 f. 

^92 Pamiljans, Protokoll-Nr. 6, S. 65 f. 

893 MAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, AIN V 5, Ordner 2, S. 329 
(331). 

894 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 1 (46). 


spricht, angenommen und mit einem Pauschal- 
wert belegt für eine Nachqualifikation, um eben 
hier die Grundlagen zu schaffen. Nicht beinhaltet 
sind eventuelle Redesigns.“^^^ 

Zur Höhe der Mehrkosten hat sich auch der Zeuge 
Rüdiger Knöpf el, Projektleiter im BAAINBw, vor dem 
Untersuchungsausschuss geäußert: 

„Es handelt sich um eine sehr grobe Schätzung, 
weil wir halt nicht genau wissen, was vielleicht 
doch noch an Dokumenten da ist, was uns zu- 
gänglich ist, was größtenteils, wenn alles neu er- 
stellt werden müsste, dann als maximale Ober- 
grenze kommt. Da gab es die Schätzung, dass es 
bis zu 600 Millionen an Mehrkosten geben 
könnte, nur für die umfassende Musterprüfung. 

Es könnte aber auch, bei Vorliegen weiterer Da- 
ten oder vielleicht, wenn man sieht, dass man 
nicht die gesamte Software neu entwickeln 
müsste - Das ist so ein gesamter Bereich, der von 
100 Millionen bis 600 Millionen aufkam. Aber 
das ist halt kein gutes Zeichen, weil man diese 
Unsicherheit hat.“^^^ 

Zur Plausibilitätsprüflmg und Bewertung der bestehenden 
Aufwandsabschätzung für Qualifikation und Zulassung 
des Systems EURO HAWK wurde am 22. Mai 2013 
-also nach der Entscheidung, die Serienbe Schaffung 
nicht mehr weiterzuverfolgen - die lABG durch das 
BMVg mit einer Kurzstudie beauftragt. Zum Hintergrund 
der Beauftragung hat der Zeuge Staatssekretär Stephane 
Beemelmans in seiner Vernehmung ausgeführt: 

„In der Tat hat Northrop Grumman ja unmittelbar 
nach der Entscheidung [...] mich angeschrieben 
und dann dieses Angebot - in Anführungszeichen - 
vorgelegt, wobei nicht klar ist, was er da anbietet. 

Ich habe dann sofort hinterfragt: ,Wie kann es 
sein, dass wir 600 Millionen geschätzt haben? ‘ 

[...] und habe sofort um Stellungnahme gebeten. 

Da hat Herr Selhausen vorgeschlagen - und ich 
habe zugestimmt -, dass wir die lABG beauftra- 
gen, dazu eine Studie zu machen, eine Kurzstu- 

die.‘‘897 

Die lABG kam in ihrer Kurzstudie vom 26. Mai 2013 zu 
folgendem Fazit: 

„Im Rahmen der lABG Kurzstudie kommt die 
lABG zum Schluss, dass die durch die WTD 61/ 

ML quantifizierten Aufwände auf Grund der vor- 
liegenden Quellen in Herleitung und Größenord- 
nung nachvollziehbar und plausibel sind.“^^^ 

Darüber hinaus wurden in der lABG-Studie „ weitere si- 
gnifikante Risiken identifiziert etwa im Bereich der 
„ Qualifizierung der Softwareentwicklung'' 


895 Steiger, Protokoll-Nr. 4, S. 86. 

896 Knöpf el, Protokoll-Nr. 4, S. 5. 

897 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 12 f. 

898 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 1 (46). 

899 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 47 f. 



Drucksache 17/14650 


- 118- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


Auf die Frage, ob es sich bei dem Kurzgutachten der 
lABG, da es in vier Tagen vorgelegt wurde, um eine 
gründliche Prüfung handele bzw. ob diesem schnellen 
Gutachten Vertrauen geschenkt werden könne, hat der 
Zeuge Beemelmans ausgesagt: 

„[...] wir haben die lABG gefragt, ob sie sich das 
zutraut. Die lABG hat rekurrieren können auf die 
Vorarbeiten der WTD. [...] Wir haben die lABG 
gefragt, die eine sehr renommierte und seriöse 
Einrichtung ist, ob sie sich zutraut, das zu ma- 
chen. Die lABG hätte den Auftrag auch ablehnen 
können. Die lABG hat gesagt: Wenn ich die Un- 
terlagen bekomme, um die zu überprüfen auf ihre 
Plausibilität und Exaktheit und Notwendigkeit, 
dann mache ich Ihnen dieses Kurzgutachten. Und 
das hat die lABG gemacht. [...] Ich vertraue der 
Arbeit in meinem Haus und der lABG.“^^^ 

Neben diesen Mehrkosten im Hinblick auf die Zulassung 
wurden in der Vorlage vom 27. März 2013 auch zusätzli- 
che Kosten von rund einer Milliarde Euro bei einem Nut- 
zungszeitraum von über 20 Jahren beziffert, unter ande- 
rem deswegen, weil die USAF ihre GLOBAL HAWK- 
Block 20/30/40 außer Dienst stellen wollen und damit der 
Anteil Deutschlands an den begleitenden Gemeinkosten 
höher ausfallen würde. Tatsächlich informierte der Wehr- 
technische Attache der Deutschen Botschaft in 
Washington in einer E-Mail Anfang Juni 2013 darüber, 
dass die Entscheidung, von der zukünftigen Nutzung des 
Block 20 abzusehen, seitens der US Air Force gefallen 
sei. Diese E-Mail wurde von Staatssekretär Beemelmans 
an Minister Dr de Maiziere am 3. Juni 2013 weitergelei- 
tet.901 

Das Kostenrisiko, vor allem die Mehrkosten hinsichtlich 
der Zulassung und weitere Zusatzkosten in der Nutzung 
durch das bevorstehende Alleinstehen mit dem GLOBAL 
HAWK-Block 20, stellte einen wichtigen Beweggrund 
für die Leitung dar, von einer Serienbeschaffung Abstand 
zu nehmen. Der Zeuge Beemelmans hat hierzu in seiner 
Vernehmung dargestellt: 

„Ein Rüstungsgut, was nicht mit vertretbarem 
Aufwand in die Bundeswehr eingeführt werden 
kann und wo ich 100 Prozent des vorgesehenen 
Preisansatzes noch mal zahlen darf, um über- 
haupt die Zulassung zu bekommen, das ist zu 

viel.‘‘902 

c) Stellungnahmen zu der Kostendifferenz 

Auf die Mehrkostenschätzungen der Industrie einerseits 
und des BMVg andererseits haben einige Zeugen in ihrer 
Vernehmung Bezug genommen. 

So hat der Zeuge Ministerialdirektor Detlef Selhausen ge- 
äußert, dass vor dem Hintergrund der lABG-Studie „ der 


900 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 16. 

901 MAT 17-72 zu BB 17-47 BMVg, Büro des Ministers, Ordner 2, 
S. 23 ff. 

902 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 21. 


am 29. Mai 2012 unterbreitete Vorschlag der EuroHawk 
GmbH, eine Musterzulassung für 160 bis 193 Mio. Euro 
erreichen zu wollen, wenig stichhaltig und letztlich nicht 
als seriös einzustufen “ sei. Allein für die Softwarequalifi- 
kation werde sowohl nach Schätzungen der Experten des 
BAAINBw und der WTD 61 /ML wie auch der Schätzun- 
gen der lABG ein höherer Betrag als der seitens der Euro- 
Hawk GmbH genannte Maximalpreis von 193 Millionen 
Euro benötigt. 

Zu dem Schreiben des Sector Vice President Janis G. 
Pamiljans vom Mai 2013 hat der Zeuge Staatssekretär 
Stephane Beemelmans ausgeführt: 

„Also, ich hätte natürlich sagen können: Wir ma- 
chen es zu dem Preis. - Aber es war ausdrücklich 
kein Festpreis, und ich ahnte schon, dass wiede- 
rum andere Zulassungsphilosophien dahinterste- 
hen. [...] Diese Missverständnisse in der Kom- 
munikation dann zwischen Güteprüfem, was sie 
erwarten, und Auftragnehmer, was er denkt, was 
die erwarten, plus Dolmetscher, das Risiko war 
uns zu hoch.“904 

Der Projektleiter im BAAINBw, Rüdiger Knöpf el, hat zu 
der Schätzung von Northrop Grumman ebenfalls bekun- 
det: 

„Wir wissen zum Beispiel noch nicht, ob es nach 
Ansicht der Firma Northrop Grumman um einen 
Beitrag zur umfassenden Musterprüfung geht 
oder ob es sich um einen Rückgriff auf alternative 
Zulassungsmethoden handelt, die bei uns ja noch 
nicht in der Tiefe ausformuliert worden sind. In- 
sofern kann ich das nicht genau abschätzen. Ich 
gehe dort auch nicht von einem Festpreis aus, 
weil wir nämlich die Managementkosten der Eu- 
roHawk GmbH noch nicht dabei haben. Bisher 
zumindest war es so, dass sich der Hersteller bzw. 
der Unterauftragnehmer Northrop Grumman 
nicht auf einen Festpreis geeinigt hat, weil er 
selbst den gesamten Umfang noch nicht umfassen 
konnte. 

Bereits im März 2013 wandte sich der Sector Vice Presi- 
dent von Northrop Grumman, Janis G. Pamiljans, in ei- 
nem Schreiben an Staatssekretär Beemelmans, in dem er 
appellierte, die bereits im Projekt getätigten Investitionen 
Deutschlands nicht ungenutzt zu lassen, dem EURO 
HAWK Full Scale Demonstrator (FSD) eine Chance zu 
geben, seine Leistungsfähigkeit zu beweisen und eine ab- 
schließende Entscheidung bezüglich der Serienbeschaf- 
fung nicht vor Ende des Jahres zu treffen. Allerdings 
seien nach der Bewertung des BMVg, formuliert in einer 
Staatssekretärvorlage vom 21. März 2013, in dem Schrei- 
ben keine Ansätze zu erkennen, um die bestehenden Risi- 
ken für eine Serienbeschaffung seitens Northrop Grum- 
man auch nur annähernd zu reduzieren. Auch die 
besonders schwerwiegenden und tatsächlichen Pro- 


903 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 48. 

904 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 13. 

905 Knöpf el, Protokoll-Nr. 4, S. 5. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 119- 


Drucksache 17/14650 


bleme, die einer Serienbeschaffung entgegenstünden, 
seien in keiner Weise adressiert worden.^^^ Ähnliche 
Schreiben versandte der Sector Vice President von North- 
rop Grumman, Janis G Pamiljans, an Ministerialdirektor 
Detlef Selhausen am 25. April 2013 und 21. Mai 2013, 
wo er auch die unterschiedlichen Kostenansätze themati- 
sierte. Zudem erklärte er in einem Interview mit der 
Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) vom 4. Juni 
2013, dass, wenn das BMVg das Aufklärungssystem in 
einer anderen Flugplattform installieren wolle, die Zulas- 
sungskosten weit höher als eine halbe Milliarde Euro wä- 

ren.908 

Unter Bezugnahme auf die Einschätzung des BMVg hat 
der Sector Vice President von Northrop Grumman, Janis 
G Pamiljans, in seiner Zeugenvernehmung zu den unter- 
schiedlichen Zahlen geäußert: 

„Ich weiß nicht, wo die 500 bis 800 Millionen 
Euro herkommen. Das ist nicht Teil des Joint 
Ventures; das ist nicht etwas, was mit der Indus- 
trie zusammen erarbeitet wurde. Wir wissen 
nicht, wo dieser Preis herkommt, wie er berech- 
net wurde. Das heißt, zu diesen Zahlen kann ich 
auch keine Anmerkungen machen.“^^^ 

2. Zeitliche Verzögerung im Hinblick auf das 
Missionsplanungssystem 

In der Staatssekretärvorlage vom 29. April 2013 wurde 
ausgeführt, dass erhebliche operationeile Einschränkun- 
gen bei einem Weiterbetrieb des EURO HAWK FSD be- 
stünden. Die Missionsplanung erfolge in den USA. ,J)azu 
müssen die Flugplanungsparameter für Aufklärungsflüge 
zunächst an Northrop Grumman übermittelt werden. 
Diese führt die Missionsplanung durch und sendet dann 
die entsprechenden Daten an Deutschland. 

Auch in der Vorlage vom 27. März 2013 wurde auf diese 
Problematik Bezug genommen. Darin heißt es: „Die Mis- 
sionsplanung erfolgt derzeit in den USA auf dem nicht 
exportfähigen Planungssystem AFMSS der US Air Force 
(USAF). Dazu müssen die Flugplanungsparameter für 
Aufklärungsflüge zunächst an die USAF übermittelt wer- 
den, diese führt die Missionsplanung durch und sendet 
dann die entsprechenden Daten an Deutschland. Die Re- 
alisierung des durch die USAF avisierten, exportfähigen 
Missionsplanungssystems JMPS wird sich aufgrund tech- 
nischer Probleme weiter verzögern (voraussichtlich min- 
destens zwei Jahre). 

In seiner Vernehmung hat der Zeuge Beemelmans darge- 
stellt, dass, solange der Bund über das Missionsplanungs- 


906 MAT 17-70 C BMVg zu BB 17-45, AIN V 1, Ordner 1, Sämtliche 
Vorlagen, S. 408 ff. bzw. 419 ff 

907 mAT 17-104 RA-Kanzlei Wilmerhale zu BB 17-122. 

908 Interview mit Janis Pamiljans, FAZ-Artikel vom 4. Juni 2013, „Der 
Programmstopp war eine Überraschung für uns“. 

909 Pamiljans, Protokoll-Nr. 6, S. 65. 

910 MAT 17-70 A BMVg zu BB 17-45, Abt Plg II 3, Ordner 1, S. 1 (3). 

911 MAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, AIN V 5, Ordner 2, S. 329 
(331). 


System nicht autonom verfügen könne, dieses auch kei- 
nen eigenen Nutzen habe.^^^ Die mit einer hinreichend 
autonomen Nutzung einhergehende Verzögerung sei ein 
Risiko gewesen, welches in Kombination mit anderen Ri- 
siken letztlich zu der Entscheidung geführt habe: 

„Das Missionsplanungssystem, was es uns er- 
möglichen würde, autonom die Global Hawk zu 
fliegen, würde sich auch noch verzögern um zwei 
Jahre. Das heißt, wir würden auch noch zwei 
Jahre länger - voraussichtlich - auf ein autono- 
mes Missionsplanungssystem warten müssen. 
Diese Kombination von [...] Risiken haben, 
wenn Sie so wollen, dazu geführt, dass wir dafür 
keine vernünftige Lösung im Hinblick auf das an- 
gestrebte Ziel gesehen hatten.^^i^ 

3. Fehlende Beherrschbarkeit des 
Musterzulassungsprozesses 

Neben dem finanziellen Risiko stellte die fehlende Be- 
herrschbarkeit des Musterzulassungsprozesses aus Sicht 
des Staatssekretärs Rüdiger Wolf den zentralen Gesichts- 
punkt für die Beendigung des Entwicklungsvorhabens 
dar. In seiner Vernehmung hat er hierzu ausgeführt: 

„[...] das ist für mich der ausschlaggebende 
Punkt gewesen - die fehlende Beherrschbarkeit 
des Musterzulassungsprozesses. Das heißt, es 
wäre selbst nach weiteren erheblichen Investitio- 
nen am Ende eine erfolgreiche Musterzulassung 
der Serie nicht sicher gewesen.“^!^ 

An anderer Stelle hat er in ähnlicher Weise den Beweg- 
grund für seine Entscheidung, das Projekt nicht fortzuset- 
zen, beschrieben: 

„Der ausschlaggebende Punkt war der, dass eine 
Musterzulassung sich nicht erreichen ließ. Es gab 
selbst eine Unsicherheit beim Einsetzen von bis 
zu 600 Millionen Euro für die Herstellung dieser 
Musterzulassung. 

4. Alternative Trägerplattformen 

Zur Schließung der eingetretenen Fähigkeitslücke haben 
Staatssekretär Beemelmans und Staatssekretär Wolf am 
10. bzw. 8. Mai 2013 dem Vorschlag auf Weiternutzung 
des ISIS- Systems zur Signalerfassenden Luftgestützten 
Weiträumigen Überwachung und Aufklärung (SLWÜA) 
zugestimmt. Zur Weitemutzung von ISIS bedarf es, nach- 
dem die GLOBAL HAWK-Trägerplattform nunmehr aus- 
scheidet, einer alternativen Trägerplattform. 

Um bis Ende des Jahres 2013, wie es in den Entschei- 
dungsvorlagen anvisiert wurde,^!^ eine Entscheidung über 
eine alternative Trägerplattform fällen zu können, sollen 
sämtliche Lösungsmöglichkeiten betrachtet werden. 


912 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 43. 

913 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 8. 

914 Wolf, Protokoll-Nr. 7, S. 103. 

915 Wolf Protokoll-Nr. 7, S. 123. 

916 MAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, AIN V 5, Ordner 2, S. 329 
(333). 



Drucksache 17/14650 


- 120 - 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


a) Vorliegende Untersuchungen und Studien 
zu alternativen Trägerplattformen 

Bereits mit Erlass des BMVg vom 5. September 2012 
wurde das BAAINBw angewiesen, eine Untersuchung zu 
alternativen luftgestützten Plattformen für den Einsatz 
des integrierten SIGINT- Systems zu beauftragen. Darauf- 
hin wurde die Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft mbH 
(lABG) Ottobrunn mit der Untersuchung beauftragt.^i'^ 

In der Studie der lABG „Technisch-wirtschaftliche Un- 
tersuchung zur Integration des EURO HAWK SIGINT 
Systems in alternative Sensorplattformen“ vom 28. No- 
vember 2012 wurde eine Marktsichtung vorgenommen 
und eine Liste fliegender Sensorplattformen erstellt. 
Betrachtet wurden aktuelle bemannte und unbemannte 
Fluggeräte. In der Zusammenfassung dieser Studie hieß 
es: 

„Es erfolgte durch lABG und den AG [Auftrag- 
geber, Anm.] eine Vorauswahl, so dass 
11 Plattformen verblieben. Danach wurden eine 
einheitliche Nutzlast (Masse, Widerstand) defi- 
niert, die Flugleistungen und Beschaffungs-/Be- 
triebskosten abgeschätzt und eine vergleichende 
Bewertung anhand der Kriterien Flugleistungen, 
Kosten, ISIS-Integration, ISIS-Leistung, Risiko 
und Nutzen-Potenzial durchgeführt. Mit Hilfe der 
Bewertung wurde durch den AG der Airbus A3 19 
als beste bemannte Alternative und der lAI Heron 
TP als beste unbemannte Alternative ausgewählt. 

Für diese Plattformen und das bereits in der Leis- 
tungsbeschreibung vorausgewählte Cassidian Fu- 
ture European MALE wurde im zweiten Schritt 
jeweils ein Integrationskonzept für ISIS ausgear- 
beitet und beschrieben.“^!^ 

In der Studie wurde festgestellt, dass sich das zivile Kurz- 
streckenflugzeug A3 19 der Firma Airbus als die teuerste 
der betrachteten Alternativen darstellt. Es 

„[...] bietet dafür aber auch das geringste techni- 
sche, zeitliche und Kostenrisiko. Außerdem hat 
die A3 19 die höchste Operative Leistungsfähig- 
keit aller Alternativen und erreicht außer Ein- 
schränkungen durch die geringere Flughöhe die 
volle operative Leistungsfähigkeit des Euro 
Hawk.“9i9 

Zur Alternative, ISIS in das unbemannte Fluggerät der is- 
raelischen Firma lAI HERON TP einzurüsten, wurde 
festgehalten, der HERON TP berge 

„[...] das höchste technische, zeitliche und Kos- 
tenrisiko, hat die geringste operative Leistungsfä- 
higkeit aller Alternativen und hat wesentliche 
Einschränkungen in Flugreichweite, Kommuni- 
kationsbandbreite und teilweise SIGINT-Aufklä- 

rungsleistung.“920 


917 MAT 17-78 A BMVg zu BB 17-52 AIN V 5, Ordner 86, S. 48. 

918 MAT 17-26 zu BB 17-37, Ordner 1/2, S. 1 (3). 

919 MAT 17-26 zu BB 17-37, Ordner 1/2, S. 1 (4). 


In der Studie wurde als weitere Alternative untersucht, 
das Konzept ISIS in das geplante unbemannte Luftfahr- 
zeug Future European MALE (FEMALE) der Firma 
Cassidian einzurüsten. Dieses 

„befindet sich noch in der Konzeptionsphase, was 
bedeutet, dass wesentliche Basisparameter festge- 
legt wurden und man die Vorkonstruktion vorbe- 
reitet, es aber nicht ausgeschlossen ist, dass sich 
Basisgrößen im Lauf des Entwicklungsprozesses 
noch ändern können. Im Gegensatz zu den ersten 
beiden betrachteten Alternativen wurden das In- 
tegrationskonzept und die Abschätzung der Flug- 
leistungen nicht von lABG selbst, sondern von 
Cassidian im Unterauftrag durchgefährt.“^^! 

Es wurde letztlich festgestellt, dass „sich der FEMALE 
als die kostengünstigste der betrachteten Alternativen'' 
darstelle, aber nicht vor 2023 verfügbar sei.^^^ 

Das BAAINBw informierte mit Schreiben vom 6. De- 
zember 2012 das Bundesministerium der Verteidigung, 
Referat AIN V 5, über das Ergebnis dieser Studie. ^^3 
Daraufhin fand beim BMVg am 10. Dezember 2012 eine 
Ergebnispräsentation der lABG- Studie statt. In dem 
entsprechenden Ergebnisvermerk zu dieser Besprechung 
wurde seitens des Referates AIN V 5 im BMVg kri- 
tisch angemerkt: „Auch bei vorsichtiger Wertung sind 
die von lABG teilweise aufgestellten Kostenvergleiche 
und Schlußfolgerungen nur ansatzweise nachvollzieh- 
bar " Hinsichtlich der Alternative FEMALE wurde 
ausgeführt: 

„Sollte FEMALE ab 2023 zulaufen, müsste man 
die ausgabewirksamen Kosten preislich anpassen. 

[. . .] Eine behutsame Eskalation mit 4 % führt zu 
(bisher bekannten) Gesamtkosten von rd. 

1,9 Mrd. €. Diese Lösung wäre damit deutlich 
teurer als die beiden zeitnah ,realisierbaren‘ Lö- 
sungen und müsste in der Risikobewertung eine 
andere Bewertung bekommen. Hinzu kommt, 
dass die technischen Unzulänglichkeiten einer 
Hochglanzbroschüre bei diesem zeitlichen Vor- 
lauf nicht seriös überschaubar sind, die daraus ab- 
sehbaren Kostenverschiebungen (bspw. Genera- 
tor) nicht bewertbar. Die Aussage ,Günstigste der 
betrachteten Alternativen^ ist damit faktisch un- 
zutreffend. “^^4 

In der Folgestudie der lABG „ Vertiefende Technisch- 
wirtschaftliche Untersuchung zur Integration des EURO 
HAWK SIGINT Systems in alternative Sensorplattfor- 
men " vom 8. März 2013 wurden die Ergebnisse zu A3 19 
und HERON TP detailliert. Dabei wurden insbesondere 
mit potentiellen Auftragnehmern die Risiken in der 


920 MAT 17-26 zu BB 17-37, Ordner 1/2, S. 1 (5). 

921 MAT 17-26 zu BB 17-37, Ordner 1/2, S. 1 (5). 

922 mAT 17-26 zu BB 17-37, Ordner 1/2, S. 1 (6). 

923 Schreiben des BAAINBw vom 6. Dezember 2012, MAT 17-78 A 
BMVg zu BB 17-52, AIN V 5, Ordner 86, S. 48 ff. 

924 mAT 17-78 A BMVg zu BB 17-52, AIN V 5, Ordner 86, S. 175 ff. 
(175). 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 121 - 


Drucksache 17/14650 


Umsetzung untersucht und zudem Lösungen für die iden- 
tifizierten technischen Risiken beider Varianten erarbei- 
tet. 925 

Mit Schreiben vom 20. März 2013 legte das BAAINBw 
dem BMVg, Referat AIN V 5, einen zusammenfassenden 
Bericht vor und informierte über die Ergebnisse der Fol- 
gestudie. 926 

Auf Weisung des Referates im BMVg, AIN V 5, fertigte 
das Kommando Luftwaffe (Kdo Lw) am 15. März 2013 
einen Untersuchungsbericht „Alternative Trägerplattfor- 
men für das integrierte SIGINT Missions System ISIS'‘ an, 
in dem die Umsetzbarkeit eines Betriebes der alternativen 
Trägerplattformen in der Struktur der Luftwaffe geprüft 
wurde. Zudem wurden die Untersuchungsergebnisse der 
lABG durch das Kdo Lw um operationeile Aspekte und 
Weiterentwicklungen erweitert. Die Betrachtung 
beschränkte sich auf die Systeme Airbus A3 19, Airbus 
A400M und das unbemannte Luftfahrzeug HERON TR 922 

Im Untersuchungsbericht kommt das Kdo Lw zu dem Er- 
gebnis, dass es 

„[...] innerhalb der Strukturen und Prozesse der 
Luftwaffe keine Gründe für den Ausschluss einer 
der beiden alternativen Trägerplattformen A3 19 
oder UAS HERON TP gibt. Es ist dabei offen- 
sichtlich, dass aufgrund der Leistungsparameter 
dieser Plattformen die Fähigkeitslücke SIGINT 
gemessen an den ursprünglichen Forderungen 
nicht vollständig geschlossen werden kann. “928 

b) Zeugenaussagen zur möglichen 
Weiterverwendung von ISIS 

Zur Verwendbarkeit des Aufklärungs Systems ISIS in al- 
ternativen Trägerplattformen hat der Zeuge Bernhard 
Gerwert, CEO der Firma EADS Division Cassidian, die 
das System ISIS entwickelt hat und an dem geplanten 
UAS FEMALE arbeitet, ausgeführt: 

„Ja, das muss man dann natürlich im Detail unter- 
suchen, weil ja auch - - Der Träger muss ja be- 
stimmten Anforderungen genügen. Ob alternative 
Träger dazu genutzt werden können, kann man, 
kann ich zumindest heute nicht sagen. “929 

Der Zeuge hat ferner bekundet, dass die Firma Cassidian 
bisher nicht im Detail untersucht hätte, ob eine MALE- 
Drohne der Firma Cassidian eine alternative Plattform für 
ISIS sein könne: 

„Wir haben uns mit diesem Thema bisher nicht 
intensiv beschäftigt als EADS. Dies ist bisher 
eine Studie der lABG Ich kann dazu nichts sa- 
gen. Da müssten wir damit beauftragt werden, die 


925 MAT 17-26 zu BB 17-37, Ordner 2/2, S. 1 ff. 

926 mAT 17-78 A BMVg zu BB 17-52, AIN V 5, Ordner 89, S. 216 ff 

927 mAT 17-78 A BMVg zu BB 17-52, AIN V 5, Ordner 89, S. 204-3 ff. 
(204-7). 

928 MAT 17-78 A BMVg zu BB 17-52, AIN V 5, Ordner 89, S. 204-3 ff. 
(204-26). 

929 Gerwert, Protokoll-Nr. 6, S. 8. 


Frage gestellt kriegen. Dann werden wir das sehr 
intensiv analysieren, und dann können wir eine 
Antwort dazu geben, heute nicht. “920 

Auf die Frage nach seiner Befassung mit den oben darge- 
stellten lABG- Studien, zu denen die Firma Cassidian in 
Bezug auf ihr Produkt FEMALE zugearbeitet hat, hat der 
Zeuge Bernhard Gerwert bekundet: 

„Nein. Ich weiß nicht, wie im Detail dazu die Stu- 
die erstellt wurde. Ich kann nur heute sagen: Wir 
haben bis heute kein Angebot erstellt, keine Kos- 
tenschätzungen erstellt, was die Integration des 
ISIS-Systems in ein Future European MALE be- 
deuten würde. [...] Ich bin natürlich informiert 
worden, dass es hier - - dass die lABG eine Studie 
erstellt. Natürlich war ich darüber informiert, 
dass die lABG eine Studie erstellt, und ich war 
darüber informiert, dass wir dazu Zuarbeiten ge- 
leistet haben. Aber diese Studie ist mir nicht mal 

bekannt. “921 

Zur Untersuchung bis Ende des Jahres 2013 hinsichtlich 
der Weiterverwendung von ISIS in einer alternativen Trä- 
gerplattform hat der Zeuge Beemelmans in seiner Verneh- 
mung ausgefährt: 

„Wir haben im Verteidigungsausschuss darauf 
hingewiesen, dass diese Untersuchung absolut 
Produkt- oder plattformoffen durchgeführt wird. 
Also jede Plattform, die denkbar ist, wird be- 
trachtet. Ich habe in den letzten Tagen gehört, 
dass jetzt auch diese Plattform betrachtet wird: 
Future European MALE. Diese gibt es schlicht- 
weg nicht. Das ist das Projekt, was ich - darüber 
habe ich im Verteidigungsausschuss auch einige 
Male berichtet - versuche, als Talarion- Nachfol- 
gemodell auf den Weg zu bringen. Das gibt es 
schlichtweg nicht. Also ich würde mich sehr 
wundern, wenn in der Vorlage, die für den Gene- 
ralinspekteur erarbeitet wird, dieses Projekt über- 
haupt auftaucht, weil ich das zurzeit nicht für eine 
realistische Plattform erachte, weil es die einfach 
nicht gibt, sondern es geht um die Schließung der 
F ähigkeitslücke . “922 

Der Zeuge hat in seiner Vernehmung mehrfach betont, 
dass in den Vorlagen, die er bekommen habe, stehe, „ dass 
es Alternativen gibt im Kostenrahmen Allerdings könne 
er sich nicht vorstellen, dass dies FEMALE sein könne, 
da es nicht im Kostenrahmen darstellbar sei. 922 

Ergänzend hat der Zeuge Beemelmans zur Erläuterung 
bekundet, dass er die Studie selbst jedoch nicht gesehen 
habe. 

„Maßgeblich ist ja nicht diese Studie, sondern 
maßgeblich ist diese Studie nur insoweit, dass sie 
gesagt hat: Es ist machbar. - Maßgeblich werden 


930 Gerwert, Protokoll-Nr. 6, S. 45. 

931 Gerwert, Protokoll-Nr. 6, S. 13. 

932 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 42. 

933 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 65. 



Drucksache 17/14650 


- 122 - 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


sein die Vorlagen, die die zuständigen Abteilun- 
gen - ich vermute: AIN, Planung und Haushalt - 
machen werden, um dem Generalinspekteur das 
volle Portfolio mit Abwägung von Kosten, Risi- 
ken, Chancen vorzulegen. 

Auf mehrfache Nachfrage, wie der Zeuge, ohne die Stu- 
die gelesen zu haben, zu der Einschätzung komme, dass 
eine Alternative in den für EURO HAWK vorgesehenen 
Kosten realisierbar sei, wenn nach der Studie nur ein be- 
manntes Flugzeug und die Neuentwicklung MALE 
EADS in Frage komme, führte dieser aus: „Das steht in 
den mir zur Verfügung stehenden Vorlagen genauso drin, 
die Antwort. 

Der Zeuge hat in seiner Vernehmung hier insbesondere 
auf die erwähnte Vorlage vom 20. Dezember 2012 an ihn 
rekurriert, in der dargestellt wurde, dass der Betrieb des 
ISIS auch auf Basis einer alternativen Trägerplattform 
,, unter Einhaltung des geplanten Kostenrahmens für die 
Beschaffung mit beherrschbaren Risiken realisierbar ‘‘ 
sei.93^ 

In der Vorlage vom 27. März 2013, die zur Entscheidung 
führte, hieß es, die Serienbeschaffung nicht mehr weiter- 
zuverfolgen, hinsichtlich der Lösungsvorschläge zur Wei- 
temutzung von ISIS auf einer alternativen Trägerplatt- 
form: „Dabei wird eine Realisierung innerhalb des bisher 
für die EURO HAWK Serie geplanten Kostenrahmens mit 
beherrschbarem Risiko und zeitnahem Zulauf ange- 
strebt. 

Zur Höhe der anfallenden Integrationskosten des ISIS- 
Systems in eine alternative Trägerplattform konnte der 
Projektleiter im BAAINBw, Leitender Regierungsdirek- 
tor Rüdiger Knöpfei, keine Angaben machen, da diese 
Fragen Gegenstand der Untersuchung sein werden: 
„Denn die Kosten der Integration und des Betriebs eines 
Luftfahrzeugs, das ja die Fähigkeiten eines Euro Hawks 
ausgleichen soll, müssen auch erst evaluiert werden. 
Darüber hinaus hat er hierzu in seiner Vernehmung be- 
kundet: 

„Das Ergebnis ist, dass es mögliche Alternativen 
gibt, die aber einer wesentlich weiteren Betrach- 
tung bedürfen, weil wir nicht abschätzen können, 
ob wir den gesamten wirtschaftlichen Rahmen 
dort nicht sprengen oder ob wir den wirtschaftli- 
chen Rahmen, der zurzeit vorgegeben ist, auch 
einhalten können. Das konnte mit diesem groben 
Ansatz so schnell nicht geschaffen werden.“^^^ 

Zudem hat der Zeuge ausgeführt, dass die Aussage der 
beiden Studien zeige, dass es möglich erscheine, den jet- 
zigen Finanzrahmen, der für die Serie vorgesehen sei, 
nicht zu überschreiten; allerdings sei dies mit sehr hohen 


934 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 47. 

935 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 48. 

936 MAT 17-4BRHzuBB 17-91, Ordner 4, S. 31 (32). 

937 mAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, AIN V 5, Ordner 2, S. 329 
(330). 

938 Knöpfet, Protokoll-Nr. 4, S. 45. 

939 Knöpfei, Protokoll-Nr. 4, S. 39. 


Risiken behaftet, weil es dazu weiterer vertiefender Un- 
tersuchungen bedürfe. ^40 

In ähnlicher Weise hat der Abteilungsleiter im BMVg, 
der Zeuge Detlef Selhausen, bekundet, dass das Aufklä- 
rungssystem ISIS mit einer qualifiziert abgeschlossenen 
Erprobung zur Integration in eine andere Plattform zur 
Verfügung stehen werde. „ Wie viele Kosten diese Inte- 
gration verursachen könnte, lässt sich derzeit nicht Vor- 
hersagen. Das hängt von der gegebenenfalls auszuwäh- 
lenden Plattform ab. 

Die Zeugin Angelika Bauch, Bundesrechnungshof, hat in 
ihrer Vernehmung geäußert, dass es sicherlich ein Pro- 
blem sei, das ISIS-System auf eine andere Plattform zu 
bringen, da es auf den Träger EURO HAWK ausgerichtet 
sei und das „einfache Umswitchen des Sensoriksystems 
auf eine andere Trägerplattform '' wohl nicht ohne Pro- 
bleme vonstattengehen werde. ^^2 Denn wenn das ISIS- 
System im EURO HAWK funktionsfähig sei, sei damit 
„ noch nicht gesagt, dass es dann auch ohne Leistungsein- 
bußen in einem anderen Träger funktioniert. Von daher ist 
es schwierig, zu sagen, welchen Nutzen diese Sensorik 
letztendlich hat. 

Im Hinblick auf die Fähigkeitslücke, die nach Aussage 
des Zeugen General Volker Wieker „so schnell wie mög- 
lich ''^44 geschlossen werden sollte, war der Gesichtspunkt 
der Alternativen für die Entscheidung des Verzichts auf 
die Serienbeschaffung des EURO HAWK ein wichtiges 
Element für Staatssekretär Beemelmans. Er hat hierzu in 
seiner Zeugenvernehmung bekundet: 

„[...] ich komme zu der Aussage [dass man diese 
Fähigkeitslücke schließen könne, Anm.], weil das 
die Aussage ist, die Grundlage meiner Entschei- 
dung war. Das ist die Aussage, die sich in den 
Unterlagen fand. Die stützt sich auf die Studie der 
lABG; und es ist mir wörtlich aufgeschrieben 
worden [...], dass Alternativen im vorgegebenen 
Kostenrahmen möglich sind. Dass bei Alternati- 
ven möglicherweise die eine oder andere Ein- 
schränkung oder Verbesserung im Verhältnis zum 
Euro Hawk sein wird, ergibt sich aus der Tatsa- 
che, dass die Alternative, wenn sie kein Euro 
Hawk ist, etwas anderes ist und eben entspre- 
chend etwas mehr oder etwas weniger kann. Die 
sind halt unterschiedlich. Das wird eben in einer 
schönen Matrix dem Generalinspekteur vorgelegt 
werden, und der Generalinspekteur wird dann auf 
der Basis abschätzen und abwägen, welche Alter- 
native am ehesten, am besten die Fähigkeitslücke 
schließt. Denn eine Alternative, die wir nicht be- 
zahlen können oder nicht bezahlen wollen, 
schließt ja die Fähigkeitslücke nicht, und dann 
muss ich andere nehmen. Und da ist jede Alterna- 
tive, die die Fähigkeitslücke schließt, eine bessere 


940 Knöpfet, Protokoll-Nr. 4, S. 54. 

941 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 42. 

942 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 22. 

943 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 23. 

944 Wieker, Protokoll-Nr. 7, S. 154. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 123 - 


Drucksache 17/14650 


Alternative als eine, die sie nicht schließt oder 
nur ein Loch in den Haushalt reißt. “^^5 

Zur Bedeutung einer Alternative für seine Entscheidung, 
die Serienbeschaffung nicht weiter zu verfolgen, hat der 
Zeuge ferner ausgesagt: 

„Also, es ist eine, wenn Sie so wollen, gemischte 
Güterabwägung, die sich darauf stützt, dass es 
eine Alternative gibt. Wenn es diese Alternative 
nicht gegeben hätte, wäre die Entscheidung wahr- 
scheinlich anders ausgefallen. “^46 

Die Höhe des haushälterisch zur Verfügung stehenden 
Kostenrahmens für alternative Trägerplattformen ergibt 
sich aus den für die Serienbeschaffung eingeplanten 
Haushaltsmitteln, die nun frei sind. Hierzu hat der Zeuge 
Ministerialdirektor Dr. Paul Jansen in seiner Verneh- 
mung geäußert: 

„Es sind freie Planwerte in Höhe von 675 Millio- 
nen, die dann auch den Ausgangspunkt dafür bil- 
den können, eine Altemativlösung zu finden.“ 

Ergänzend hat er bekundet: 

„Theoretisch [...] wäre man natürlich auch frei, 
zu sagen: Ich nehme diese kompletten 675 Mil- 
lionen für was ganz anderes. Aber diese Fähigkeit 
ist hoch priorisiert. Deswegen gehe ich davon 
aus, dass zur Schließung dieser Fähigkeitslücke 
ein Großteil oder der Großteil dieser Summe ein- 
gesetzt werden wird.“^^? 

Demgegenüber hat der Sector Vice President von North- 
rop Grumman, der Zeuge Janis G Pamiljans, eine Alter- 
nativlösung in diesem Kostenrahmen angezweifelt: 

„Soweit andere Trägersysteme, sowohl bemannt 
als auch unbemannt, als Alternative für den Euro 
Hawk betrachtet werden können, glauben wir, 
dass diese sowohl teurer als auch zeitaufwendiger 
wären. Solche Alternativen hätten zudem gerin- 
gere Fähigkeiten als die, die mit dem Euro- 
Hawk-System erreicht werden können.^^^s 

Der Zeuge Bundesminister der Verteidigung Dr. Thomas 
de Maiziere hat in seiner Vernehmung ausgeführt, dass 
die Variantenuntersuchung ergebnisoffen durchgeführt 
werde und hoffentlich zu einem Ergebnis führe. „ Wenn 
sie nicht zu einem Ergebnis führt, dann werden wir weiter 
mit der Fähigkeitslücke leben müssen. Aber vorher wer- 
den wir alles tun, zu prüfen, ob es mit einem vertretbaren 
Aufwand mit anderen Plattformen geht, diese Fähigkeits- 
lücke zu schließen. 

III. Information über und Kenntnis von 
Zulassungsproblemen 

Ein zentraler Gesichtspunkt des Untersuchungsausschus- 
ses ist die Frage gewesen, wer wann in der Bundesregie- 


945 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 47. 

946 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 63. 

947 Jansen, Protokoll-Nr. 6, S. 127. 

948 Pamiljans, Protokoll-Nr. 6, S. 62. 

949 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 81. 


rung und insbesondere im BMVg auf Leitungsebene 
Kenntnis von Zulassungsproblemen hatte und wann In- 
formationen hierüber an wen weitergegeben wurden. 

1. Innerhalb des Bundesministeriums der 

Verteidigung 

Die Zulassungsproblematik wurde im Verlauf des Projek- 
tes EURO HAWK in Vorlagen und sonstigen Dokumen- 
ten von der Fachebene an die Leitungsebene herangetra- 
gen. 

a) Kenntnis auf Staatssekretärsebene 

Wie bereits oben dargestellt, wurden die erheblichen zeit- 
lichen sowie finanziellen Risiken zur Erlangung einer 
Musterzulassung erstmals mit Vorlage vom 8. Februar 

2012 an die Leitungsebene kommuniziert. Staatssekretär 
Beemelmans und Staatssekretär WolfhdXiQW davon Kennt- 
nis genommen und auch in weiteren Vorlagen, wie etwa 
die Vorlage vom 20. Dezember 2012, wurden beide über 
die Problematik informiert. 

b) Kenntnis des Ministers 

Bundesminister der Verteidigung Dr. Thomas de Maiziere 
äußerte sowohl vor dem Verteidigungsausschuss als auch 
in verschiedenen Presseerklärungen, dass es vor der Billi- 
gung der Entscheidung seiner Staatssekretäre am 13. Mai 

2013 „keine Vorlage an den Minister mit einer Beschrei- 
bung der Zulassungsprobleme oder überhaupt zum Ge- 
samtproblem “ gegeben habe: 

„Es gab lediglich am 20. März 2012 eine Infor- 
mationsvorlage an mich zu rechtlichen Fragestel- 
lungen im Zusammenhang mit dem sog. G-10- 
Gesetz. Von Zulassungsproblemen habe ich erst- 
mals im Rahmen einer allgemeinen Besprechung 
zu vielen Rüstungsvorhaben am 1. März 2012 ge- 
hört. Sie wurden mir gegenüber in dieser Bespre- 
chung als lösbar dargestellt. 

In seiner Vernehmung hat er hierauf Bezug genommen 
und bedauert, dass er sich in der Sitzung des Verteidi- 
gungsausschusses am 5. Juni 2013 nicht klarer ausge- 
drückt habe: „Den Eindruck, ich hätte nie etwas gewusst, 
wollte ich ganz sicher nicht hervorrufen. Ich habe diesen 
Eindruck korrigiert, indem ich klargestellt habe, dass ich 
über lösbare Probleme durchaus unterrichtet war. 

Nach der Definition des Zeugen Dr. de Maiziere bedeute 
Jösbar'' in diesem Kontext: 

„Das Projekt kann im dazu entschiedenen Kos- 
tenrahmen realisiert werden; Varianten werden 
untersucht; die zuständigen Stellen sind am 

Ball.“953 


950 Vgl. Kapitel D. 

951 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 10, zitiert aus seinem Sprechzettel 
für die Verteidigungsausschusssitzung am 5. Juni 2013, S. 3. 

952 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 10. 

953 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 10. 



Drucksache 17/14650 


- 124- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


Erst mit der Entscheidungsvorlage, die am 13. Mai 2013 
durch den Zeugen Dr de Maiziere gebilligt wurde, sei er 
darüber informiert worden, dass nach Erhärtung der Kos- 
tenschätzung für die Musterzulassung der Serie und nach 
Ausschluss alternativer Zulassungswege die Probleme 
mit Blick auf den gegebenen Kostenrahmen nicht mehr 
lösbar waren. Dementsprechend sei er sowohl von der 
Entscheidungsvorlage als auch von der Dimension der 
darin dargelegten Probleme, die damit verbunden war, 
überrascht gewesen.^^^ 

Zu der Frage, ob er auf informellem Wege früher über die 
erheblichen Zulassungsprobleme beim EURO HAWK in- 
formiert worden sei, hat der Zeuge Dr de Maiziere ausge- 
fährt: 

„Natürlich fliege ich auch mit der Flugbereit- 
schaft. Ich trinke auch mal ein Glas Rotwein, rede 
auch mit Mitarbeitern, lieber ohne Rotwein als 
mit Rotwein, muss ich Ihnen sagen. Allerdings 
habe ich schon ein Verständnis von der Führung 
eines Ministeriums, dass man solche wichtigen 
Fragen, ob man ein Projekt dieser Art abbricht 
oder nicht, nicht beim abendlichen Rotwein oder 
in der Challenger bespricht, sondern dann muss 
eine anständige, spezifisch auf diesen Fall bezo- 
gene Vorlage gemacht werden und nicht auf Zu- 
ruf irgendetwas entschieden werden. Das ist nicht 
nur wegen der Kontrolle und der Nachverfolgbar- 
keit nötig, sondern das hängt auch mit den Di- 
mensionen der Zahlen usw. zusammen. Also, in- 
formieren kann man sich gerne nebenbei, 
entscheiden sollte man sich in einem geordneten 

Verfahren.“956 

Zum Stichwort „Flurfunk'' hat der Zeuge Dr de Maiziere 
bekundet.' „Es gab keine Situation des Flurfunks, an 
die ich mich erinnerte. 

Staatssekretär Beemelmans hat in seiner Zeugenaussage 
hervorgehoben, dass der Minister von ihm nur am 
13. Mai 2013 befasst worden sei: 

„Erst als das Kostenrisiko so präzise beschrieben 
war, dass eine Fortsetzung des Projekts unter den 
ursprünglichen Bedingungen nicht mehr realis- 
tisch war, haben wir in Zusammenarbeit aller be- 
troffenen Abteilungen nach neuen Wegen der 
Schließung der Fähigkeitslücke gesucht. Ich habe 
erst diese entscheidende Veränderung im Projekt 
an den Minister weitergeleitet [...]. Alle vorange- 
gangenen Informationen zum Projekt Euro Hawk, 
die in den letzten zwei Jahren etwa im Rahmen 
von Besprechungen oder Klausuren von mir auch 
gegenüber dem Minister geäußert worden sind, 
hatten daher auch immer nur die Qualität, wie sie 
bei allgemeinen Unterrichtungen von Sachstän- 


de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 10. 

955 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 48. 

956 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 18 f. 

957 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 93. 


den üblich zu erwarten ist: nicht mehr als allge- 
meine Zwischenstände. 

Der Zeuge Staatssekretär Rüdiger Wolf hat die Frage ver- 
neint, ob er jenseits des offiziellen Dienstweges über das 
Projekt EURO HAWK mit dem Minister gesprochen 

habe.959 

Auch der Zeuge General Volker Wieker hat in seiner Ver- 
nehmung ausgesagt, dass er nicht mit dem Minister an ir- 
gendeiner Stelle über EURO HAWK gesprochen habe, er 
auch nicht von ihm angesprochen worden sei, weder all- 
gemein noch insgesamt zu Zulassungsproblemen von 

Drohnen.9^0 

In den Zeugenvernehmungen haben verschiedene Mate- 
rialien aus den Jahren 2012 und 2013, in denen die Zulas- 
sungsproblematik aufgegriffen wurde, bei der Frage, ob 
der Minister schon vor dem 13. Mai 2013 Kenntnis über 
die Problematik hatte, eine Rolle gespielt. 

aa) E-Mail des Abteilungsleiters Rüstung vom 
19. Januar 2012 

Der Abteilungsleiter Rüstung, Ministerialdirektor Detlef 
Selhausen, sandte am 19. Januar 2012 zum Thema „Ge- 
spräch BMmit CEO Cassidian am 19. Januar 2012 " eine 
E-MaiE^i an das Büro des Staatssekretärs Beemelmans, in 
der es zur aktuellen Entwicklung im Vorhaben EURO 
HAWK heißt: 

„Hier zeichnet sich eine dramatische Kostenex- 
plosion ab (von 610 Mio. € zuzüglich 451 Mio. € 
auf 1.061 Mio. €.) Diese Daten werde ich kurz- 
fristig mit meinen Experten noch einmal validie- 
ren. Sollte sich die Größenordnung bestätigen 
[...], wird BMVg über die Einleitung der Be- 
schaffung der Serienluftfahrzeuge durch Bestel- 
lung von Langläuferteilen neu entscheiden müs- 
sen. Nach meiner ersten Einschätzung werde ich 
eine solche Maßnahme nicht empfehlen. 

Der Zeuge Detlef Selhausen hat in seiner Vernehmung auf 
die Frage, ob diese Information den Bundesminister - da 
es sich um eine Gesprächsvorbereitung für diesen gehan- 
delt hatte - erreicht habe, ausgesagt, dass er dies nicht 
wisse. Allerdings sollte „auf jeden Fall ein Problembe- 
wusstsein da sein, dass hier sich ein Thema auftun kann ". 
Unter Bezugnahme auf den in der E-Mail formulierten 
Prüfungs Vorbehalt hat er ergänzt: 

„Ich wollte damit nur darauf aufmerksam ma- 
chen, dass hier ein Thema auf das Haus zu- 
kommt. [...] Hier sollte es das Büro über einen 
Sachverhalt informieren, als Hintergrund für das 

Gespräch.“9^3 


958 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 7. 

959 Wolf, Protokoll-Nr. 7, S. 116. 

960 Wieker, Protokoll-Nr. 7, S. 160. 

961 Vgl. Kapitel D. 

962 MAT 17-73 BMVg zu BB 17-48, Ordner 1, Sts Beemelmans, E-Mail- 
Verkehr,S. 110(110). 

963 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 57. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 125- 


Drucksache 17/14650 


Der Zeuge Staatssekretär Beemelmans, an dessen Büro 
die E-Mail gerichtet war, hat sich in seiner Vernehmung 
zwar nicht an diese E-Mail erinnern können, hat aber un- 
terstellt, dass er sie bekommen habe. Er hat darüber hi- 
naus ausgeführt: 

„Da wir ja schon im Verfahren der Validierung 
waren und da er - oder bzw. mein Büro dann ge- 
sagt hat: „Wenn die Validierung kommt, dann 
warten wir auf die Validierung“, habe ich - unter- 
stellt, ich habe die gesehen - keinen Anlass gese- 
hen, darüber den Minister zu informieren. Jeden- 
falls: Die Information an eine Referentin aus 
meinem Büro über eine solche sich abzeichnende 
Kostenexplosion, die noch zu validieren sei, ist 
jedenfalls höchstwahrscheinlich - ich unterstelle 
es mal - bis zu mir gekommen, ist aber jedenfalls 

nicht zum Minister gekommen. 

Dem Minister Dr. de Maiziere war diese E-Mail lediglich 
aus der aktuellen Presse bekannt.^^^ 

bb) Rüstungsklausur am 1. März 2012 

Am 1. März 2012 fand eine Rüstungsklausur im BMVg 
statt.966 Hierfür erhielt der Bundesminister der Verteidi- 
gung Dr Thomas de Maiziere eine Informationsmappe 
mit Hintergrundinformationen. Auf der Staats s ekr e tärvor- 
lage mit den anliegenden Unterlagen zur Vorbereitung auf 
die Rüstungsklausur vom 27. Februar 2012 hatte Staats- 
sekretär am 1. März 2012 vermerkt: 

„Sehr gute Vorbereitung, hat BM ausdrücklich 
gelobt! 

In den anliegenden Hintergrundinformationen stand als 
ein Spiegelstrich unter „Eigene Position/Bewertung“: 

„EUROHAWK FSD kann Fähigkeitslücke nur 
ansatzweise schließen. Kostensteigerungen stel- 
len Gesamtsystem zunehmend infrage.“ 

Als kritischer Punkt wurde aufgelistet: 

„Problem für alle UAS: Schwierigkeiten bei 
Musterzulassung. Wenn diese nicht mit einem 
vertretbaren Aufwand erreichbar, muss Betrieb 
auf Basis Vorläufige Verkehrszulassung (WZ) 
oder innerhalb Flugbeschränkungsgebieten ge- 
prüft werden. “96^ 

Der Zeuge Ministerialdirektor Detlef Selhausen hat in sei- 
ner Vernehmung erläutert, dass er zu dem Thema EURO 
HAWK nur an einer Besprechung mit dem Bundesminis- 
ter teilgenommen habe; dies sei die Rüstungsklausur am 
1. März 2012 gewesen. Hierzu hat er ausgeführt: 


Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 9. 

965 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 90. 

966 Vgl. Kapitel D. 

967 MAT 17-69 BMVg zu BB 17-32, Büro des Ministers, Ordner 1, 
S. 124 ff. 

968 MAT 17-69 BMVg zu BB 17-32, Büro des Ministers, Ordner 1, 
S. 124 (133). 


„Am 1. März 2012 fand unter Vorsitz des Minis- 
ters mit der Leitung des BMVg und den Abtei- 
lungsleitern eine Rüstungsklausur statt. Hierzu 
war im Ergebnis der damalige Führungsstab der 
Streitkräfte angewiesen, ein kurzes Einführungs- 
statement für den Bundesminister, einen kurzen 
Sachstand zum Projekt Überprüfung der Ausrüs- 
tungs- und Beschaffungsvorhaben und zu den 
Themenblöcken UAV - also unbemannte Luft- 
fahrzeuge -, schwimmende Systeme und Dreh- 
flügler sowie kurzen Sachstand zu den jeweiligen 
kritischen Punkten vorzulegen. [...] In der Klau- 
sur war ich als seinerzeitiger Abteilungsleiter 
Rüstung beauftragt, einen kurzen Sachstand zu 
den Gesprächen mit der Industrie vorzutragen. 
Gemeint waren die Verhandlungen zur Reduzie- 
rung der Stückzahlen des Beschaffungspro- 
gramms Schützenpanzer Puma und der Pro- 
gramme NH90 und Tiger. Diesen Überblick habe 
ich gegeben. Unter anderem zu Euro Hawk hat 
General Müllner einen Vortrag gehalten, in dem 
er auch das Zulassungsthema erwähnte. Dazu 
habe ich nach meiner Erinnerung sinngemäß be- 
merkt, dass Luftwaffe und Rüstung hierzu im Ge- 
spräch seien und das Thema gemeinsam klären 

würden.“969 

Auf Befragen hat der Zeuge Staatssekretär Beemelmans, 
der ebenfalls bei der Rüstungsklausur anwesend war, aus- 
gesagt: 

„In der Rüstungsklausur wurde das Thema nach 
meiner Erinnerung nur extrem kursorisch ange- 
sprochen. General Müllner hat es damals kurz an- 
getippt, und Herr Selhausen hat gesagt: Ja, wir 
sind im Gespräch miteinander, wir finden eine 
Lösung. - Und dann war es das. [. . .] Dem Minis- 
ter ist vorgetragen worden zu dem Punkt, und es 
ist ihm vorgetragen worden, dass wir derzeit an 
einer Lösung arbeiten. 

Der Zeuge Dr de Maiziere hat in seiner Vernehmung dar- 
gestellt, wie er die Rüstungsklausur bzw. den Vortrag des 
Inspekteurs der Luftwaffe, Generalleutnant (GenLt) 
Müllner, zum Thema EURO HAWK nach seiner Erinne- 
rung wahrgenommen hat: 

„Und dann hat er [GenLt Müllner, Anm.] nach 
meiner Erinnerung gesagt: ,Wir haben da jeweils 
Zulassungsprobleme wegen der Teilnahme am 
allgemeinen Luftverkehr, auch beim Euro Hawk‘, 
und nach meiner Erinnerung habe ich dann ge- 
fragt: ,Was machen wir da?‘, und da hat Herr Sel- 
hausen nach meiner Erinnerung gesagt: Herr 
Minister, das lösen wir gemeinsam. - Dazu hat 
Herr Müllner genickt, und da war dieses Thema 
erledigt. “^'^1 


969 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 42. 

970 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 23. 

971 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 31. 



Drucksache 17/14650 


- 126- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


Darüber hinaus hat der Zeuge ausgeführt, dass der Satz 
„Kostensteigerungen stellen das System zunehmend in- 
frage '' über die Hälfte aller Rüstungsvorhaben geschrie- 
ben werden könne: 

„Es gibt kaum ein Rüstungsvorhaben, das nicht 
gewaltige Kostensteigerungen hat und wo man 
immer fragen könnte: Stellt das die Sache eigent- 
lich nicht infrage? - Deswegen ist ein solcher 
Satz nicht ein besonderer Anlass, nun hier tätig 

zu werden. “^'^2 

cc) Besuch des Ministers bei der Firma BADS 
Division Cassidian in Manching am 
10. Dezember 2012 

Am 10. Dezember 2012 besuchte der Bundesminister der 
Verteidigung Dr de Maiziere die EADS Division 
Cassidian in Manching und führte dort u. a. ein Gespräch 
mit dem Chief Executive Officer (CEO) Bernhard 
Gerwert.^^^ Zur Vorbereitung dieser Standortbesichtigung 
erhielt der Minister eine Informationsmappe mit verschie- 
denen Hintergrundinformationen als Ministervorlage, die 
er laut Paraphe am 10. Dezember 2012 zur Kenntnis ge- 
nommen hat. 

In den Informationen zum Thema EURO HAWK heißt es 
hinsichtlich der Bewertung: 

„Aus heutiger Sicht, basierend auf den Erkennt- 
nissen der Untersuchungen für einen alternativen 
Zulassungsweg und dem Fehlen einer Missions- 
planungsmöglichkeit, ist die Beauftragung einer 
EURO HAWK Serie mit einem hohen finanziel- 
len und in Teilen technischen Risiko verbunden. 

[...] Eine belastbare und im Hause abgestimmte 
Empfehlung zur weiteren Vorgehensweise wird 
zu dem durch Sts Beemelmans und Wolf vorge- 
gebenen Termin am 31. März 2013 vorgelegt. 

Als Sprechempfehlung (reaktiv) wurde darüber hinaus 
aufgeführt: 

„Aufgrund der Zulassungsproblematik und weite- 
rer Unsicherheiten auch hinsichtlich der Zukunft 
der US Air Force GLOBAL HAWK Flotte und 
der Missionsplanung ist derzeit keine Grundlage 
gegeben, um eine Entscheidung für eine Serien- 
beauftragung zu befürworten oder gar zu tref- 

fen.‘‘975 

Der Bundesminister der Verteidigung wurde in seiner 
Zeugenvernehmung befragt, ob er diese Hintergrundin- 
formationen aus dem Jahre 2012 nicht zum Anlass ge- 
nommen habe, weitere Informationen einzuholen oder 
das Projekt sogar neu zu bewerten. Hierzu hat der Zeuge 
Dr de Maiziere bekundet: 


^'72 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 21. 

973 Vgl. Kapitel D. 

974 MAT 17-59 BMVg zu BB 17-38, Ordner 1, S. 1 (42). 

975 mAT 17-59 BMVg zu BB 17-38, Ordner 1, S. 1 (43). 


„Ich habe diese Mappe gesehen und habe sie auch 
abgezeichnet. Natürlich kann ich im Nachhinein 
nicht mehr sagen, ob und in welcher Gründlich- 
keit ich jede dieser 60 Seiten gelesen habe. Mal 
kann ich die Vorbereitungen gründlich und gut 
studieren, manchmal weniger; das ist ein Zeitpro- 
blem. Ich will mich jetzt aber gar nicht darauf be- 
rufen, dass ich diese Seiten vielleicht gar nicht 
gelesen hätte. Ich muss mir dieses Wissen zurech- 
nen lassen. Das ist so. Ich habe die Vorlage abge- 
zeichnet. In diesen Unterlagen zum Euro-Hawk- 
Projekt ist auf Probleme hingewiesen worden; sie 
wurden aber als lösbar dargestellt und auch in der 
Bearbeitung befindlich, sogar mit einem konkre- 
ten Zeitplan. Das hat mir ausgereicht. [...] Über 
konkrete Probleme am Euro Hawk haben wir bei 
diesem gesamten Besuch gar nicht gespro- 

chen.‘‘976 

Das erwähnte Dokument, die Informationsmappe zur 
Vorbereitung des Besuches in Manching bei Cassidian am 
10. Dezember 2012, findet sich auch an anderer Stelle in 
den Akten des Untersuchungsausschusses. Bei einer Ver- 
sion des Dokumentes^'^'^ sind mit grünem Textmarker 
Stellen hervorgehoben und mit Ausrufezeichen versehen 
worden [Die Farbe Grün ist in der Ministerialverwaltung 
üblicherweise dem Minister Vorbehalten, Anm.]. Auf die 
Frage, ob diese grünen Markierungen vom Zeugen Bun- 
desminister der Verteidigung Dr Thomas de Maiziere 
stammen, hat dieser ausgesagt: „Ich verwende keinen 
Textmarker In der dem Ausschuss vorliegenden Ver- 
sion des Dokumentes aus dem Büro des Ministers, das 
Dr de Maiziere auch selbst handschriftlich abgezeichnet 
hat, sind diese grünen Markierungen nicht enthalten. 

dd) Abteilungsleitervorlage vom 3. Januar 201 3 
mit Anmerkung des Abteilungsleiters 

Mit Vorlage vom 3. Januar 2013 wurde der Abteilungslei- 
ter Detlef Selhausen durch das Referat AIN V 5 darüber 
informiert, dass das BAAINBw nicht in der Lage sei, die 
Zulassbarkeit der EURO HAWK-Serie zum gewünschten 
Stichtag zu bewerten und vielmehr empfehle, die Bewer- 
tung mit dem Ziel eines abschließenden Ergebnisses bis 
zum 1. Quartal 2014 fortzufuhren.^'^^ Am 16. Januar 2013 
vermerkte der Abteilungsleiter Detlef Selhausen auf der 
Vorlage: 

„Jetzt wird Terminverlängerung bis I. Quartal 
2014 gefordert! Dann - in 2014 - wird gebeten, 
bis Mitte 2015 zu verlängern! Dies Spiel kennen 
wir. Der Minister erwartet bekanntermaßen zum 
31. März 2013 (Eingang bei ihm) eine Entschei- 
dungsvorlage mit klarer Aussage zur Zulassungs- 
fähigkeit. BAAINBw hat bis 15. Februar 2013 
diesen Weg verbindlich aufzuzeigen. Dies wird 


976 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 12 f. 

977 MAT 17-73 BMVg zu BB 17-48, Ordner 2, StS Beemelmans, 
S. 117 ff. (124). 

978 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 14. 

979 Vgl. Kapitel D. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 127- 


Drucksache 17/14650 


Thema in der nächsten UAL-KO (RL AIN V 5 
trägt vor)/‘98o 

Der Zeuge Detlef Selhausen wurde zum Hintergrund sei- 
ner Anmerkung auf der Vorlage befragt, da diese auf die 
Kenntnis des Ministers über die Zulassungsproblematik 
hindeute. Er hat in seiner Vernehmung hierzu erklärt: 

„Aus diesem Vermerk ist die Schlussfolgerung 
gezogen worden, Bundesminister Dr. de Maiziere 
habe zur Zulassung des Euro Hawk eine Vorlage 
angewiesen. Diese Schlussfolgerung ist unzutref- 
fend. Staatssekretär Beemelmans hatte auf einer 
Vorlage meiner Abteilung vom 1. Oktober 2012 
eine Klärung zur Zulassungsfähigkeit bis Ende 

2012 sowie einen anschließenden Bericht und 
Vorschlag zum weiteren Verfahren angewiesen. 

Es ging mir mit meinem Vermerk vom 16. Januar 

2013 darum, dem von Staatssekretär Beemelmans 
eingeforderten Klärungsbedarf Nachdruck zu 
verleihen. Ich ging davon aus, dass Staatssekretär 
Beemelmans entsprechend dem Dienstweg ent- 
scheiden werde, ob der Bundesminister mit der 
Vorlage zu befassen sei. Dementsprechend wurde 
dem Staatssekretär am 17. Januar 2013 zu diesem 
Thema eine abgestimmte Vorlage zur Entschei- 
dung für den 31. März 2013 angekündigt. 

Der Zeuge Dr. de Maiziere hat in seiner Vernehmung be- 
stätigt, dass er eine solche Vorlage nicht bereits im Januar 
2013 veranlasst habe. Zudem hat er ergänzt: 

„Und ich finde es auch richtig, wenn der Minister 
etwas anweist, dass man im Ministerium darauf 
hinweist, dass es so ist. Wenn es der Minister aber 
nicht anweist, sollte man den Namen des Minister 
dafür nicht in Anspruch nehmen. 

ee) Ministervorlage vom 6. März 2013 zur 
Vorbereitung des Gespräches mit den 
Berichterstattern des 
Haushaltsausschusses 

Zur Vorbereitung des Gespräches zwischen Bundesminis- 
ter Dr de Maiziere und den Haushaltsberichterstattern der 
Koalition, den Abgeordneten Dr Koppelin, Willsch und 
Kalb, am 14. März 2013 wurden dem Minister Ge- 
sprächsunterlagen im Rahmen einer Ministervorlage vor- 
gelegt. Diese Vorlage vom 6. März 2013 hat der Minister 
laut Paraphe am 12. März 2013 abgezeichnet. Zum Sach- 
stand HALE UAS EURO HAWK war in den Gesprächs- 
unterlagen zu finden: 

„Die Erteilung einer regulären Musterzulassung 
für den FSD und die ursprünglich geplante Seri- 
enbeschaffung Euro Hawk ist jedoch extrem risi- 
kobehaftet und derzeit nicht absehbar. [...] Eine 
Entscheidung über das weitere Vorgehen hin- 


980 MAT 17-78 A BMVg zu BB 17-52, AIN V 5, Ordner 66, S. 79 ff. 
(79). 

981 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 42 f 

982 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 17. 


sichtlich der Serienbeschaffung Euro Hawk (ur- 
sprünglich vorgesehen waren vier weitere Euro 
Hawk) wird derzeit durch die Abteilung AIN vor- 
bereitet und soll Ende März 2013 vorgelegt wer- 

den.‘‘983 

In der Sprechempfehlung (aktiv) war u. a. dargestellt: 

„Die Zulassung des Euro Hawk gestaltet sich als 
extrem schwierig und risikobehaftet äußerst 

schwierig.“9^4 

Diese zitierte Passage in der Sprechempfehlung war 
durchgestrichen. Zur Erläuterung findet sich in den Akten 
eine E-Mail vom 11. März 2013 des Referates AIN V 5 
an das Staatssekretärbüro, in der gebeten wurde, die Aus- 
sage „Die Zulassung des EURO HAWK gestaltet sich äu- 
ßerst schwierig '' von der aktiven in die reaktive Sprech- 
empfehlung zu übernehmen und bei Nachfragen auf die 
in der aktiven Sprechempfehlung genannte, weitere Un- 
terrichtung im II. Quartal 2013 zu verweisen. Weitere er- 
klärende Hintergrundinformationen hierzu wurden in der 
E-Mail als „nicht kommunizierfähig'' bezeichnet.^^^ 

Der Zeuge Staatssekretär Wolf\\dX sich in seiner Verneh- 
mung nicht erinnern können, ob er die Streichung bzw. 
Verschiebung aus der aktiven in die reaktive Sprechemp- 
fehlung angestoßen hatte. Die Streichung könne er jedoch 
nachvollziehen, da er zum damaligen Zeitpunkt dieses 
Problem als nicht so wichtig ansah, dass der Minister es 
aktiv anspreche. Auf die Frage, warum er der Meinung 
sei, dass Mitglieder des Bundestages nicht aktiv über die 
Zulassungsschwierigkeiten informiert werden müssten, 
hat er in seiner Vernehmung zu Protokoll gegeben: 

„Natürlich ist es meine Verantwortung, auch die 
Mitglieder des Haushaltsausschusses des Deut- 
schen Bundestages, und zwar egal welcher Frak- 
tion, über haushaltsrelevante Dinge in einem Vor- 
haben zu informieren. Ich hatte Ihnen schon 
gesagt, dass ich nach meinem Dafürhalten die 
Entscheidung zu dem Thema als unlösbar erst 
später vorgelegt bekam, und es bestand für mich 
hier keine Veranlassung, dieses Problem anders 
zu bewerten. Ich würde aber selbstverständlich, 
wenn ich ein Problem für unlösbar halte und es 
hat haushälterische Auswirkungen, dies zu gege- 
bener Zeit bei gegebenem Anlass den Mitgliedern 
des Ausschusses vortragen, natürlich.“^^^ 

In seiner Vernehmung hat der Zeuge Dr de Maiziere er- 
läutert, warum er auch nach dieser Information über er- 
hebliche Zulassungsprobleme keine Maßnahmen zur Er- 
forschung der Hintergründe veranlasst habe: 

„Zunächst will ich Ihnen gerne sagen, dass wir 
bei diesem Gespräch über das Thema Euro Hawk 
nicht gesprochen haben, sondern wir haben ge- 
sprochen über die Beschaffung des Eagle, was 


983 MAT 17-80 BMVg zu BB 17-44, Vorlagen BM, Ordner 1, S. 1 (11). 

984 mAT 17-80 BMVg zu BB 17-44, Vorlagen BM, Ordner 1, S. 1 (11). 

985 mAT 17-80 BMVg zu BB 17-44, Vorlagen BM, Ordner 1, S. 16. 

986 Wolf, Protokoll-Nr. 7, S. 146. 



Drucksache 17/14650 


- 128- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


dann später ja auch eine nicht unerhebliche Rolle 
spielte, und es gab dann noch einen Gesprächs- 
gang zum Thema Veteranen. In der Unterlage 
selbst ist in der Tat auf Probleme hingewiesen. Es 
gibt eine entsprechende Anlage und ein Mail, auf 
das ich auch hingewiesen worden bin [...]. Alles 
erweckte dann bei mir den Eindruck, dass wir auf 
eine Lösung hinarbeiten, und deswegen war das 
kein Anlass, nachzufragen, wann sie denn nun im 
Einzelnen kommt, zumal ja auch ein Zeitplan ge- 
nannt war.“^^'^ 

ff) Zeitungsartikel im „Donaukurier“ 
vom 8. Mai 2013 

Am 8. Mai 2013 erschien im „Donaukurier“ ein Zeitungs- 
artikel mit der Überschrift „Die Riesen-Drohne trudelt 
Im Artikel selbst wurde auf einen Besuch des Bundesmi- 
nisters der Verteidigung Dr de Maiziere in der Redaktion 
des „Donaukurier“ am Tag zuvor Bezug genommen. Der 
Verteidigungsminister wurde auf die Frage nach der An- 
schaffung vier weiterer EURO HAWK mit den Worten zi- 
tiert: „Im Moment sieht es nicht so aus 

Am 6. Juni 2013 [die Pressemitteilung trägt irrtümlich 
das Datum vom 6. Januar 2013, Anm.], gab das BMVg in 
einer Pressemitteilung eine Erklärung zu der Formulie- 
rung im Artikel des „Donaukuriers“ ab. Danach stünden 
die Ausführungen des Ministers vor dem Verteidigungs- 
und Haushaltsausschuss am 5. Juni 2013, in denen er er- 
klärte, dass es vor dem 13. Mai 2013 keine Vorlage an ihn 
mit einer Beschreibung der Zulassungsprobleme gegeben 
habe, nicht im Widerspruch zum Artikel des „Donau- 
kurier“: 

„Die Aussagen des Ministers gegenüber dem Do- 
naukurier basierten auf Hintergrundinformatio- 
nen zum Vorhaben EURO HAWK, wie er sie am 
1. März 2012 im Rahmen einer allgemeinen Be- 
sprechung zu vielen Rüstungsvorhaben sowie 
auch später erhalten hat.“^^^ 

Zu seiner Aussage im „Donaukurier“ hat der Zeuge Dr 
de Maiziere Folgendes in seiner Vernehmung ausgeführt: 

„[...] die Stellungnahme zum Donaukurier trifft 
zu. Sie haben eben auch erwähnt , sowie auch spä- 
ter ‘ [Formulierung in der Pressemitteilung des 
BMVg vom 6. Juni 2013 zum Donaukurier- 
Artikel, Anm.]. Das bezog sich auf spätere Vor- 
gänge, insbesondere den Cassidian-Besuch und 
andere Vorgänge, die ich auch genannt habe. 
Über den Ablauf der Rüstungsklausur ist ja, wenn 
ich den Verlauf des Untersuchungsausschusses 
richtig verfolgt habe, umfangreich gesprochen 
worden, über die Unterlagen, über den Vortrag, 
den der designierte Inspekteur der Luftwaffe, Ge- 
neralleutnant Müllner, gegeben hat. Die Zulas- 


de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 13. 

Artikel „Donaukurier“ vom 8. Mai 2013, „Die Riesen-Drohne tru- 
delt“. 

989 mAT 17-5 bk zu BB 17-88, Band 1, S. 133. 


sungsfragen wurden dort angesprochen. Der Rüs- 
tungsabteilungsleiter und der Inspekteur haben 
mir gesagt, sie werden sich darum kümmern und 
das Problem werde gelöst. Ich habe diese Vor- 
lage, auch den Gesamtvorgang dieser Rüstungs- 
klausur gelobt.“99o 

Auf den für einige Abgeordnete sich darstellenden Wi- 
derspruch zwischen der Aussage des Ministers, bis zur 
Entscheidungsvorlage am 13. Mai 2013 von lösbaren 
Problemen ausgegangen zu sein bzw. hierüber überrascht 
gewesen zu sein, und der Aussage im Zeitungsartikel des 
„Donaukuriers“ vom 8. Mai 2013, es sehe nicht so aus, 
dass die Serie beschafft werde, hat der Zeuge bekundet: 

„Ich sehe darin keinen Widerspruch. 

Später hat er ergänzt: 

„Die Gemengelage der Informationen, die aus 
Anlass von anderen Gesprächen mir zur Verfü- 
gung gestellt worden waren, zeigte, dass sich die 
Dinge in eine Richtung entwickeln, die weiter- 
geht, als sie ein halbes Jahr vorher war. Konkreter 
hatte ich keine Kenntnis. [...] Mich hat über- 
rascht, in welcher Qualität und Entscheidungs- 
reife dann danach diese Vorlage mir vorgelegt 
wurde.“992 

gg) Differenzierung nach Vorlagen 

Der Bundesminister der Verteidigung Dr Thomas de 
Maiziere hatte am 5. Juni 2013 vor dem Verteidigungs- 
ausschuss Folgendes gesagt: 

„Es gab zuvor [vor der Entscheidungsvorlage, die 
er am 13. Mai 2013 gebilligt hat, Anm.] keine 
Vorlage an den Minister mit einer Beschreibung 
der Zulassungsprobleme oder überhaupt zum Ge- 
samtproblem. Es gab lediglich am 20. März 2012 
eine Informationsvorlage an mich zu rechtlichen 
Fragestellungen im Zusammenhang mit dem sog. 
G-lO-Gesetz. Von Zulassungsproblemen habe ich 
erstmals im Rahmen einer allgemeinen Bespre- 
chung zu vielen Rüstungsvorhaben am 1 . März 
2012 gehört. Sie wurden mir gegenüber in dieser 
Besprechung als lösbar dargestellt. 

An anderer Stelle führte er zur Rüstungsklausur am 
l.März 2012 ausweislich des Kurzprotokolls vor dem 
Verteidigungsausschuss aus: 

„Es sei über Drohnen insgesamt und über die un- 
terschiedlichen Drohnen gesprochen worden. Da- 
bei sei die Rede gewesen von einem Zulassungs- 
problem. Der designierte Inspekteur der 
Luftwaffe und der Abteilungsleiter Rüstung hät- 
ten dabei erklärt, dass es dort ein Problem gebe, 
das man lösen werde. Dies sei der einzige Zusam- 


990 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 21. 

991 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 70. 

992 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 85. 

993 MAT 17-1 A BT-VA zu BB 17-92, S. 1 (3). 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 129- 


Drucksache 17/14650 


menhang gewesen, in dem er vor der Entschei- 
dungsvorlage mit dem Thema EURO HAWK be- 
fasst worden sei.“^^"^ 

Zu seinem Kenntnisstand im Mai 2012, als er für die Zu- 
stimmung zur Beteiligung am NATO AGS geworben 
hatte, erklärte Dr. de Maiziere laut Kurzprotokoll des Ver- 
teidigungsausschusses im Juni 2013: 

„Außerdem sei die Befassung des Parlaments an- 
gesprochen worden - und dies werde vielleicht 
bei AGS auch noch ein Punkt sein, wenn es um 
die Frage gehe, warum er im Mai 2012 so für 
AGS geworben habe, ohne auf die Zulassungs- 
probleme beim EURO HAWK hinzuweisen. Die 
Antwort darauf sei, dass er darüber nicht infor- 
miert gewesen sei. Es könne sein, dass er viel- 
leicht andernfalls gesagt hätte, dass man Pro- 
bleme habe, die ihm jedoch als lösbar dargestellt 
worden seien. Dies könne er jedoch nicht vortra- 
gen, wenn es ihm nicht bekannt sei. Dies sei nicht 
schön, und dies habe er auch so gesagt. Es sei 
aber der Sachverhalt und die Entstehungsge- 
schichte. Deshalb habe er folglich auch keine 
Kontakte mit den USA und der Industrie gehabt. 

Er habe laufende Kontakte mit der Industrie und 
sei 2012 sogar in Manching gewesen, wo er sich 
das Modell angesehen habe. Allerdings würden 
einem Minister bei einem Betriebsbesuch be- 
kanntlich selten Probleme vorgetragen. Meistens 
werde dabei erklärt, es sei alles in Ordnung. 

Vor dem Hintergrund der dargestellten Informationen und 
Vorlagen, die den Minister vor dem 13. Mai 2013 erreicht 
haben, und seiner Aussagen vor dem Verteidigungsaus- 
schuss am 5. Juni 2013 wurde der Minister Dr de 
Maiziere in seiner Vernehmung mit dem Vorwurf der 
Lüge konfrontiert. 

Der Zeuge Dr de Maiziere hat dies als Unterstellung zu- 
rückgewiesen und ausgeführt: 

„Ich will Ihnen gern auch noch mal sagen, was 
der Hintergrund [für seine Äußerung vor dem 
Verteidigungsausschuss am 5. Juni 2013, Anm.] 
war. Das bezieht sich insbesondere auf das Wort 
,Entscheidung‘, was ja hier auch in diesem Text 
vorkommt. Wir waren bei der Vorbereitung für 
den 05.06. sehr stark auf den Entscheidungspro- 
zess fokussiert: Wie ist es zu dieser Entscheidung 
gekommen, und wer war bei dieser Entscheidung 
befasst, beim Entscheidungsgang befasst? - Das 
war der Hauptpunkt, den ich im Kopf hatte bei 
dieser Formulierung. Das war der wesentliche 
Gehalt dessen, was wir dort vorgetragen haben. 

Als dann der Eindruck entstand, dass es bei dem 
Wort ,Befassung‘ nicht nur um Entscheidungs- 
vorlagen oder Informationsvorlagen speziell zu 
dem Thema Euro Hawk geht - ich habe erwähnt, 
es gab eine Vorlage speziell zu dem Thema Euro 


994 MAT 17-1, BT-VA zu BB 17-92, S. 459 (492). 

995 mAT 17-1 BT-VA zu BB 17-92, S. 478. 


Hawk rund um das Thema G 10 -, als dann dieser 
Eindruck entstanden war, habe ich ihn, sobald es 
irgend möglich war, im Ausschuss und öffentlich 
korrigiert.“^^^ 

Ähnlich hat der Zeuge an anderer Stelle in seiner Verneh- 
mung formuliert: 

„Ich wurde von der [...] Entscheidung in Kennt- 
nis gesetzt. Ich habe diese Entscheidung gebilligt. 

Es gab zuvor ja keine Vorlage an den Minister. 

Ich hatte im Kopf: Entscheidungs Vorlage. Da ich 
das nicht so formuliert habe, habe ich einen Bei- 
trag dazu geleistet, dass der unzutreffende Ein- 
druck entstanden ist, ich hätte nie etwas ge- 
WUSSt.“99'^ 

Die Differenzierung nach Vorlagearten durch den Zeugen 
Dr de Maiziere spielte im weiteren Verlauf der Verneh- 
mung eine Rolle. Konkret hierzu hat der Zeuge weiter er- 
klärt: 

„Ich will Ihnen mal was zum Begriff Vorlage sa- 
gen; das ist ja hier offenbar ein sehr wichtiger 
Punkt. Ein Minister hat viele Termine im In- und 
Ausland. Die Mitarbeiter packen den Minister 
voll mit jeder Menge Papieren, mit Problemen 
und Erfolgsmeldungen und all dem. Das sind In- 
formationen, die da beigefügt werden, Hinter- 
grundinformationen, Anlagen für die Gesprächs- 
führung, für den Hinterkopf. Eine solche 
Unterlage führt natürlich zu Kenntnissen des 
Ministers. Sie ersetzt aber nicht das, was ich hier 
als Vorlage gemeint habe, nämlich eine Vorlage, 
die ausgezeichnet ist auf den Minister, wo drin- 
steht: ,Herr Minister, wir haben ein gewaltiges 
Problem. Wir arbeiten an einer Lösung‘, oder: 
,Wir wissen keine Lösung‘, oder: ,Wir müssen 
eine Entscheidung treffen, die anders als bisher 
ist‘. Es kann nicht richtig sein, dass Mitarbeiter 
sich dadurch entlasten, dass sie aus Anlass von 
Terminen Probleme als Anlage in Informations- 
mappen stellen und sagen: Da soll der Minister 
mal sehen, was er damit macht. - So wird in ei- 
nem Ministerium, das ich führe, nicht gearbei- 

tet2‘998 

[...] 

„Und in meiner Aussage vom 05.06. [...] habe 
ich im Kopf gehabt: solche Informations- und 
Entscheidungsvorlagen, die sich speziell auf das 
Thema Euro Hawk beziehen, und nicht irgend- 
welche Unterlagen als Teil für Gesprächsvorbe- 
reitung. 

Auf die Frage, ab wann dann der Minister einen Anlass 
zum Handeln sehe, hat der Zeuge geantwortet: 


996 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 20. 

997 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 38. 

998 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 22. 

999 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 46. 



Drucksache 17/14650 


- 130- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


„Wenn mir in einer Informationsvorlage im De- 
zember 2012 gesagt wird: Herr Minister, wir ha- 
ben hier ein gewaltiges Problem mit der Serien- 
zulassung - [...] dann hätte ich natürlich 
gehandelt. [...] sodass alleine der Hinweis auf 
große Probleme kein Anlass zum Handeln ist für 
mich; denn Sie finden hier den Hinweis auf große 
Probleme bei nahezu jedem zweiten Rüstungs- 
projekt, 

hh) Verantwortlichkeiten 

Ein wichtiges Thema im Untersuchungsausschuss war 
das Verständnis von der Amtsführung und den Aufgaben 
eines Ministers. 

Zu seinem eigenen Verständnis von Amtsführung äußerte 
sich der frühere Bundesminister der Verteidigung Rudolf 
Scharping in seiner Vernehmung dahingehend, dass man 
klug beraten sei, sich nicht nur auf das zu verlassen, was 
als abgestimmter Konsens aus der Bürokratie die Ebene 
des Ministers erreicht, weil dabei durchaus Informationen 
und Aspekte untergehen könnten. 

„Ich muss mich regelmäßig informieren. Ich 
muss selber den Anstoß dazu geben. Ich muss 
Fragen stellen. [...] Mir geht es nur darum, deut- 
lich zu machen, dass jedenfalls für mein Ver- 
ständnis von politischer Führung die Holschuld 
für Informationen ein Teil ist, ein Teil von politi- 
scher Führung.“ioo 2 

Ähnlich sah dies auch die Zeugin Angelika Bauch, Bun- 
desrechnungshof, und hat vor dem Untersuchungsaus- 
schuss ausgeführt: 

„Auch Vorgesetzte haben eine Holschuld. Die 
müssen sich auch informieren: ,Was ist aus den 
Projekten geworden? ‘, zumal das Euro-Hawk- 
Projekt ja auch Kategorie 1 war und damit auch 
ein leitungsrelevantes Projekt war.“!^^^ 

Rückblickend, so hat der Zeuge Dr de Maiziere in seiner 
Vernehmung dargestellt, hätte er, wenn er die Informatio- 
nen insgesamt sehe, von sich aus an der einen oder ande- 
ren Stelle nachfragen sollen. Allerdings hätten die Staats- 
sekretäre, vor allem Staatssekretär Beemelmans, ihn 
früher von diesem Entscheidungsgang unterrichten sol- 
len. In der Sitzung des Verteidigungsausschusses am 
5. Juni 2013 führte der Minister aus, dass es verschiedene 
Varianten der Informierung gebe. Im Regelfall werde er 
durch eine an den Minister ausgezeichnete Vorlage infor- 
miert oder solle auf dieser Grundlage eine Entscheidung 
treffen. Die zweite Variante sei, dass ein Staatssekretär zu 
ihm komme und ihm etwas vortragen wolle. Die dritte 
Variante sei eine Erörterung in der Leitungsrunde. Zum 
Thema EURO HAWK seien alle drei Varianten nicht zum 

Tragen gekommen. 


1000 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 46 f. 

1001 Scharping, Protokoll-Nr. 3, S. 43. 

1002 Scharping, Protokoll-Nr. 3, S. 50 f. 

1003 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 7. 

1004 mAT 17-1 BT-VA zu BB 17-92, S. 459 (492). 


Dennoch könne er keine Fehler bei den Staatssekretären 
im Handling erkennen. Zudem hätte eine frühere Un- 
terrichtung nicht zu einer anderen Entscheidung ge- 
führt. 

Auf die Frage, ob der Minister eine Holschuld habe, was 
Informationen über ein wichtiges Rüstungsprojekt an- 
gehe, hat der Zeuge Dr Thomas de Maiziere geantwortet: 

„Ja, ich habe eine Holschuld. Sie war hier nicht 
erforderlich. [...] Weil ja an den Problemen, seit 
die Leitung des Ministeriums informiert wurde, 
ordentlich und gut gearbeitet wurde. Das hat Ih- 
nen Staatssekretär Beemelmans vorgetragen, und 
das hat der Rechnungshof auch bestätigt.^i^^'^ 

Bundesminister der Verteidigung Dr de Maiziere betonte, 
dass vielmehr die Probleme zu Beginn des Projektes un- 
terschätzt worden seien „ und im Projektverlauf von Be- 
ginn an nicht angemessen bearbeitet'' wurden. Hier liege 
aus Sicht des Zeugen Dr de Maiziere der „ Geburtsfeh- 
ler" des EURO HAWK.i^os Denn zu seinem Amtsantritt, 
Ende des ersten Quartals 2011, seien bereits rund 
565 Millionen Euro entweder ausgegeben oder bereits ge- 
bunden gewesen. „Das sind über 85 Prozent der Gesamt- 
summe, über die wir heute sprechen. Und damals waren 
der Leitung des Ministeriums keine Probleme be- 
kannt. 

2 . Innerhalb der Bundesregierung 

Der Untersuchungsausschuss ist zudem der Frage nach- 
gegangen, ob andere Ressorts, außer dem BMVg, Kennt- 
nis über die Probleme bei der Zulassung des EURO 
HAWK hatten. In Betracht kam hier das Bundesministe- 
rium der Finanzen (BMF), welches im Zusammenhang 
mit sogenannten 2 5 -Millionen-Euro- Vorlagen zu beteili- 
gen ist. 25 -Millionen-Euro- Vorlagen sind Vorlagen an 
den Haushaltsausschuss, die zurückgehen auf einen Be- 
schluss des Haushaltsausschusses Anfang der 80er Jahre, 
wonach Beschaffungsvorhaben, die größer als 50 Millio- 
nen DM, jetzt 25 Millionen Euro sind, vorher dem Haus- 
haltsausschuss zuzuleiten sind.^^i^ 

Der Zeuge Werner Gatzer, Staatssekretär im Bundes- 
ministerium der Finanzen, hat in seiner Vernehmung er- 
läutert, dass das BMVg die Ressorthoheit habe und damit 
auch allein verantwortlich für Fragen und Probleme sei, 
die sich im Zusammenhang mit dem Vorhaben stell- 
ten, Die jeweiligen Vorlagen seien dem BMF mit den 
notwendigen Berichten zugesendet worden. 

„Es gab dann noch hinsichtlich einzelner Punkte 
Fragen seitens des Bundesministeriums der Fi- 
nanzen, die sich hauptsächlich - das liegt in der 
Natur der Sache - auf die finanzpolitischen Fra- 


1^05 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 49. 

1006 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 54. 

1007 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 39. 

1008 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 6. 

1009 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 8. 

1010 Gatzer, Protokoll-Nr. 6, S. 99. 

1011 Gatzer, Protokoll-Nr. 6, S. 99. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 131 - 


Drucksache 17/14650 


gen beschränken. Also: Ist das Projekt ausrei- 
chend im Haushaltsplan, in der Finanzplanung 
berücksichtigt? Gibt es den einen oder anderen 
Punkt, der hier noch nicht schlüssig ist, weil sich 
die Prüfung im Bundesministerium der Finanzen 
begrenzt auf eine Plausibilitätsprüfung, auf eine 
Schlüssigkeitsprüfung? Das heißt: Geben die Un- 
terlagen, gibt der Sachvortrag des zuständigen 
Ressorts, hier des Bundesministeriums der Ver- 
teidigung, das wieder, was dann für die Be- 
schlussfassung durch den Haushaltsausschuss 
auch notwendig ist?“iöi 2 

Zulassungsprobleme seien jedoch „kein Thema auf Lei- 
tungsebene'' im BMF gewesen. 

Der Zeuge Staatssekretär Gatzer hat in seiner Verneh- 
mung weiter ausgeführt, worauf sich die Plausibilitäts- 
prüfung des BMF erstreckt hat: 

„Die Plausibilitätsprüfung erstreckt sich darauf 
-zum einen finanzpolitisch der Schwerpunkt, 
wie Sie gesagt haben -: Ist das Projekt mit den fi- 
nanzpolitischen Rahmenbedingungen, die wir im 
Finanzplan oder im Bundeshaushalt haben, in 
Einklang zu bringen? Sie erstreckt sich - das 
muss ich jetzt wieder allgemein sagen, weil ich 
nicht weiß, wie es hier im konkreten Einzelfall 
gewesen ist - unter Umständen auf Fragestellun- 
gen, die im Vorfeld von Berichterstattern oder an- 
deren geäußert wurden, ob diese Fragestellungen 
abgehandelt werden. Sie erstreckt sich auch auf 
Punkte, wie zum Beispiel von mir gesagt, jetzt 
hier im konkreten Fall, Fragen - was wir hier dis- 
kutiert haben, ich kann Ihnen hier auch noch mal 
den Katalog kurz schildern - im Zusammenhang 
mit der Umsatzsteuer, mit der angedachten Um- 
satzsteuererhöhung. [...] Also hier in dem kon- 
kreten Fall waren es einige Fragen, die [...] vom 
Finanzministerium, an das Ressort gerichtet wur- 
den auf Arbeitsebene, jetzt nicht von der Lei- 
tungsebene. Zum Beispiel Fragen im Zusammen- 
hang mit den Einzelpreisen, Fragen im 
Zusammenhang mit möglichen Vorauszahlungen, 
über die kalkulatorische Verzinsung wurde dem 
Vernehmen nach gesprochen, Umsatzsteuer hatte 
ich gesagt, warum auf die Vertragsstrafe verzich- 
tet wurde. Das mal als wesentliche Punkte. Und 
hier, das ist aus Haushalts sicht ganz wichtig: wie 
die Deckung des bereits zum Jahresbeginn 2007 
erkennbaren sogenannten Verpflichtungsüber- 
hangs erfolgt.^iöi"^ 

Hinsichtlich der Entscheidung, die Serienbeschaffung 
nicht weiter zu verfolgen, sei das BMF nicht eingebunden 
gewesen: 

„Also ich als Person nicht, und mir ist auch nicht 
bekannt, dass das Bundesministerium der Finan- 


Gatzer, Protokoll-Nr. 6, S. 99. 

1013 Gatzer, Protokoll-Nr. 6, S. 100. 

1014 Gatzer, Protokoll-Nr. 6, S. 103. 


zen vorher konsultiert wurde, bevor die Beendi- 
gung ausgesprochen wurde. 

IV. Information des Parlamentes 

Gegenstand der Untersuchung war auch die Information 
des Deutschen Bundestages und seiner Fachausschüsse 
über die Probleme beim Entwicklungsprojekt EURO 
HAWK durch die Bundesregierung. 

Hervorzuheben sind diesbezüglich verschiedene Sitzun- 
gen des Verteidigungsausschusses und des Haushaltsaus- 
schusses im Jahre 2013 in Anwesenheit von Vertretern 
der Bundesregierung, die Regierungserklärung des Bun- 
desverteidigungsministers vor dem Plenum des Deut- 
schen Bundestages sowie diverse Antworten der Bundes- 
regierung auf parlamentarische Anfragen. 

1 . Verschiedene parlamentarische Anfragen 
an die Bundesregierung 

Das Thema EURO HAWK war Gegenstand zahlreicher 
parlamentarischer Anfragen an die Bundesregierung, ins- 
besondere in den Jahren 2012 und 2013. 

Im Rahmen einer Berichtsbitte des Abgeordneten 
Michael Leutert (DIE LINKE.) aus dem Haushaltsaus- 
schuss zur Mittelverwendung für Unbemannte Flugob- 
jekte (UAV, Drohnen) antwortete das BMVg etwa hin- 
sichtlich der Frage nach dem Umsetzungs stand des 
Vorhabens EURO HAWK am 8. Juni 2012: 

„Im Vorhaben EURO HAWK (Anteil Entwick- 
lung) sind ca. 75 % der vorgesehenen Haushalts- 
mittel bereits verausgabt. 90 % der vorgesehenen 
Haushaltsmittel sind bereits vertraglich gebun- 
den. Die restlichen 1 0 % sind für notwendige Än- 
derungsverträge zum Abschluss der laufenden 
Entwicklung vorgesehen. Aufgrund externer Ab- 
hängigkeiten vom US-amerikanischen GLOBAL 
HAWK-Programm, von Beistellungen seitens der 
US Air Force und Zusatzinformationenbedarf 
hinsichtlich einer Muster- bzw. Verkehrszulas- 
sung kam es zu Verzögerungen und Zusatzkosten. 

Das Programm steht unmittelbar vor dem Beginn 
der Sensorflugerprobung in Manching. Die Er- 
probung von neuem Luftfahrtgerät ist naturge- 
mäß risikobehaftet. Daher können für das EURO 
HAWK-Programm ggf. weitere Verzögerungen 
und weitere Zusatzkosten nicht ausgeschlossen 
werden. Deren Höhe ist aufgrund des Risikocha- 
rakters derzeit nicht abschätzbar.^i^i^ 

Bereits mit Staatssekretärvorlage vom 8. Februar 2012 
hatte die Arbeitsebene im BMVg auf technische, zeitliche 
sowie finanzielle Risiken zur Erlangung einer Musterzu- 
lassung und auf Mehrkosten in Höhe von bis zu 600 Mil- 
lionen Euro, ohne dass damit ein erfolgreicher Abschluss 
der Musterprüfung gewährleistet sei, hingewiesen. 


1015 Gatzer, Protokoll-Nr. 6, S. 104. 

1016 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3, Ordner 1: Bericht der Ad-hoc Ar- 
beitsgruppe EURO HAWK, Beilage 2 zu Anlage G, S.l f. 

1017 Vgl. Kapitel D. 



Drucksache 17/14650 


- 132- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


Der Zeuge Staatssekretär Rüdiger Wolf hdit die Frage, ob 
diese Auskunft aus seiner Sicht gegenüber dem Parlament 
vollständig, sachgerecht und wahrheitsgemäß sei bzw. ob 
er das Parlament genauso wieder unterrichten würde, be- 
jaht. Der Zeuge Dr de Maiziere hat vor dem Untersu- 
chungsausschuss bekundet: 

„Ich habe diese Berichtsbitte nicht gemacht; das 

behaupten Sie ja auch gar nicht. Sie ist zutreffend 

und könnte etwas vollständiger sein.^i^i^ 

In einem Antwortschreiben des BMVg vom 13. Dezem- 
ber 2012 auf die Bitte des Abgeordneten Florian Hahn 
(CDU/CSU) nach einem Sachstand zum Thema EURO 
HAWK werden die Probleme bei der Zulassung gar nicht 
erwähnt. 1^20 (jjg Frage, ob dies eine sachgerechte In- 
formation sei vor dem Hintergrund, dass auf das Thema 
Musterzulassung oder Serienbeschaffung nicht eingegan- 
gen wurde, hat der Zeuge Dr de Maiziere erwidert: 

„Kann ich nicht beurteilen. Aus heutiger Sicht 

hätte man das vielleicht erwähnen sollen.^i^^i 

Erst im Jahre 2013 wurde auf Anfragen von Abgeordne- 
ten, z. B. vom Abgeordneten Dr Tobias Lindner (BÜND- 
NIS 90/DIE GRÜNEN) zu MALE/HALE UAV, seitens 
des BMVg darüber informiert, dass hinsichtlich einer 
Muster- und Verkehrszulassung nicht unerhebliche Risi- 
ken und erhebliche Mehrkosten entstünden und daher 
derzeit eine Entscheidung zum weiteren Vorgehen zur Se- 
rienbeschaffung EURO HAWK vorbereitet werde. Xm 
Höhe der Mehrkosten wurde erstmals angegeben, dass 
hierfür schätzungsweise ein „mittlerer dreistelliger Mio. 
€-Betrag‘‘ erforderlich sei.^^^^ 

In der Fragestunde des Plenums des Deutschen Bundesta- 
ges am 5. Juni 2013 wurden zahlreiche Fragen zum 
EURO HAWK durch die Parlamentarier an die Bundesre- 
gierung gestellt. Die Antworten auf diese Fragen wurden 
durch den Parlamentarischen Staatssekretär im BMVg, 
Thomas Kossendey, gegeben. 1^24 Darüber hinaus wurde 
das Thema EURO HAWK anschließend im Rahmen einer 
Aktuellen Stunde zur Verwendung von Drohnentechnolo- 
gie durch die Bundeswehr aufgegriffen und kontrovers 

debattiert. 1^25 

Am 13. Juni 2013 wurden im Plenum des Deutschen 
Bundestages eine Große Anfrage der SPD-Fraktion zur 
Haltung der Bundesregierung zum Erwerb und Einsatz 
von Kampfdrohnen sowie ein Entschließungsantrag der 
Fraktion DIE LINKE, zur Missbilligung der Amtsfüh- 
rung von Bundesminister Dr de Maiziere beraten, 
Auch die Thematik EURO HAWK wurde dabei ange- 


1018 Woiy Protokoll-Nr. 7, S. 113 f. 

1019 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 62. 

1020 mat 17-73 BMVg zu BB 17-48, Ordner 0, StS Beemelmans E-Mail- 
Verkehr 22.06.2012-27.03.2013, S. 25 ff. 

1021 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 98. 

1022 MAX 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, Beilage 5 zu Anlage G, S. 2. 

1023 mat 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, Beilage 5 zu Anlage G, S. 3. 

1024 Plenarprotokoll 17/242, S. 30674 C ff 

1025 Plenarprotokoll 17/242, S. 30640 A ff 

1026 Plenarprotokoll 17/246, S. 31346 D. 


sprechen und kontrovers diskutiert. Dabei spielte die 
Frage, wann der Minister informiert worden sei und wel- 
che Ausführungen er vor dem Verteidigungsausschuss ge- 
macht habe vor dem Hintergrund des Zeitungsartikels im 
„Donaukurier“ eine Rolle. Im Hinblick auf den Entschlie- 
ßungsantrag wurde die Amtsführung des Ministers the- 
matisiert. Die Große Anfrage wurde am 17. Oktober 
20121027 gestellt und enthielt selbst, genau wie die Ant- 
wort der Bundesregierungi028^ keine Bezüge zum EURO 
HAWK-Projekt. 

Weitere Antworten auf parlamentarische Anfragen aus 
dem Jahr 2013 wurden im Ersten Teil dieses Berichtes 
dargestellt, auf den verwiesen wird. 1029 

2. Sitzungen des Verteidigungsausschusses 
am 24. April 2013 und 15. Mai 2013 

Am 24. April 2013 wurde in der 139. Sitzung des Vertei- 
digungsausschusses der im Ersten Teil dieses Berichtes 
erwähnte erste Sachstandsbericht zum Thema EURO 
HAWK des BMVg beraten. Gegenstand der Beratung wa- 
ren auch die Probleme bei der Verkehrszulassung. Der 
Parlamentarische Staatssekretär des BMVg, Thomas 
Kossendey, erläuterte, dass derzeit zeitnah an einer Ent- 
scheidung über das weitere Vorgehen gearbeitet werde 
und noch vor dem Sommer ein weiterer Bericht zur Vor- 
gehensweise und auch über mögliche Alternativen vorge- 
legt werde. 1030 Der Abteilungsleiter Ministerialdirektor 
Detlef Selhausen unterrichtete den Verteidigungsaus- 
schuss über die verausgabten Beträge. io3i 

Nachdem der Verteidigungsminister die Entscheidung der 
Staatssekretäre Beemelmans und Wolf die Serienbe- 
schaffung des EURO HAWK-Projektes nicht weiter zu 
verfolgen, am 13. Mai 2013 gebilligt hatte, informierte 
Staatssekretär Stephane Beemelmans den Verteidigungs- 
ausschuss in seiner 141. Sitzung am 15. Mai 2013 über 
diese Entscheidung. Staatssekretär Beemelmans berich- 
tete, dass das BMVg die „Reißleine'' bei einem Vorhaben 
gezogen habe, das absehbar nicht ohne erhebliche Mehr- 
aufwendungen hätte funktionieren können. i032 in der Sit- 
zung wurden darüber hinaus die bisherigen Kosten und 
weitere Kosten hinsichtlich möglicher alternativer Trä- 
gerplattformen thematisiert, die Auswirkungen der Ent- 
scheidung auf andere Projekte angesprochen sowie die 
Hintergründe des Vertragsschlusses und seiner Risikover- 
teilung eruiert. Zu der Frage, wann das BMVg das Parla- 
ment habe informieren wollen, teilte Staatssekretär 


1027 Große Anfrage zur Haltung der Bundesregierung zu Erwerb und 
Einsatz von Kampfdrohnen vom 17. Oktober 2012, Bundestags- 
drucksache 17/11102. 

1028 Antwort der Bundesregierung vom 29. Mai 2013 auf die Große 
Anfrage zur Haltung der Bundesregierung zu Erwerb und Einsatz 
von Kampfdrohnen, Bundestagsdrucksache 17/13655. 

1029 Vgl. Erster Teil des Berichtes: Einsetzung des Untersuchungsaus- 
schusses und Verlauf des Untersuchungs Verfahrens. 

1930 Kurzprotokoll der 139. Sitzung des Verteidigungsausschusses, 
MAT 17-1 BT-VA zu BB 17-92, S. 401 (407). 

1931 Kurzprotokoll der 139. Sitzung des Verteidigungsausschusses, 
MAT 17-1 BT-VA zu BB 17-92, S. 401 (407). 

1932 Kurzprotokoll der 141. Sitzung des Verteidigungsausschusses, 
MAT 17-1 BT-VA zu BB 17-92, S. 413 (422). 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 133- 


Drucksache 17/14650 


Beemelmans dem Verteidigungsausschuss mit, dass es 
tatsächlich seit Ende 2011 Zweifel daran gegeben habe, 
dass es funktionieren werde. Seitdem weise man darauf 
hin, dass es keine Beschaffung geben werde, wenn sich 
diese Zweifel erhärteten. 

3. Regierungserklärung am 16. Mai 2013 vor 
dem Deutschen Bundestag 

In seiner Regierungserklärung am 16. Mai 2013 vor dem 
Deutschen Bundestag zur Neuausrichtung der Bundes- 
wehr - Stand und Perspektiven, äußerte der Bundesminis- 
ter der Verteidigung Dr Thomas de Maiziere allgemein 
im Hinblick auf Beschaffung von Rüstungsgütem: 

„Das neue Bundesamt für Ausrüstung, Informa- 
tionstechnik und Nutzung ist aufgestellt und be- 
ginnt, mit neuen Verfahren zu arbeiten. Wir pla- 
nen nur, was wir brauchen, und nicht, was uns 
angeboten wird. [. . .] Die Nutzungskosten werden 
von Beginn an in die Kostenkalkulation einbezo- 
gen. Nachträgliche Veränderungen werden er- 
schwert. Gerade die Erfahrungen der letzten Tage 
zeigen, wie notwendig ein integriertes Beschaf- 
fungs- und Nutzungs verfahren ist, das von Be- 
ginn an alle denkbaren Gesichtspunkte in den 
Blick nimmt. [. . .] Wenn Probleme bei neuartigen 
Modellen auftauchen, wie bei dem Fall, über den 
wir jetzt diskutieren, so wird erst daran gearbei- 
tet, sie zu lösen. Wenn wir dann sehen, dass diese 
Probleme nicht adäquat behoben werden können, 
wenn Kosten aus dem Ruder zu laufen drohen, 
dann ziehen wir lieber die Reißleine - auch in Zu- 
kunft. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein 
Schrecken ohne Ende. Das werden wir auch in 
diesem Fall chronologisch genau dokumentie- 

ren2‘i034 

4. Sitzung des Verteidigungsausschusses 
am 5. Juni 2013 

Zur 142. Sitzung des Verteidigungsausschusses am 

5. Juni 2013 wurde ein in der Regierungserklärung am 
16. Mai 2013 angekündigter Bericht vorgelegt, der eine 
chronologische Aufarbeitung des gesamten Projektes 
EURO HAWK beinhaltete. Anlässlich dieses Berichtes 
der Ad-hoc Arbeitsgruppe EURO HAWK des BMVg^^^^ 
stellte der Bundesminister der Verteidigung, Dr Thomas 
de Maiziere, seine Bewertungen und Konsequenzen zum 
EURO HAWK dar mit u. a. dem Ziel einer umfassenden 
Information des Parlamentes und der Öffentlichkeit. 


1033 Kurzprotokoll der 141. Sitzung des Verteidigungsausschusses, 
MAT 17-1 BT-VAzuBB 17-92, S. 413 (429). 

1034 Regierungserklärung des Bundesministers der Verteidigung 
Dr. Thomas de Maiziere am 16. Mai 2013, Plenarprotokoll 17/240, 
S. 30125 A und B. 

1035 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 1 ff. 

1036 mAT 17-1 A BT-VA zu BB 17-92, Sprechzettel, S. 1 ff (2). 


Über seine Befassung mit dem EURO HAWK-Projekt hat 
er sich vor dem Verteidigungsausschuss wie folgt geäu- 
ßert: 

„Ich wurde am 13. Mai 2013 nach der auf Ebene 
der Staatssekretäre Wolf am 08.05.2013 und 
Beemelmans am 10.05.2013 getroffenen Ent- 
scheidung hierüber in Kenntnis gesetzt. Ich habe 
diese Entscheidung am selben Tag gebilligt. Es 
gab zuvor keine Vorlage an den Minister mit ei- 
ner Beschreibung der Zulassungsprobleme oder 
überhaupt zum Gesamtproblem. Es gab lediglich 
am 20. März 2012 eine Informationsvorlage an 
mich zu rechtlichen Fragestellungen im Zusam- 
menhang mit dem sog. G-lO-Gesetz. Von Zulas- 
sungsproblemen habe ich erstmals im Rahmen ei- 
ner allgemeinen Besprechung zu vielen 
Rüstungsvorhaben am 1. März 2012 gehört. Sie 
wurden mir gegenüber in dieser Besprechung als 
lösbar dargestellt.“ 

Darüber hinaus erläuterte Minister Dr de Maiziere, dass 
„mit einer an Staatssekretär Beemelmans gerichteten Vor- 
lage vom 8. Februar 2012 [...] die Leitung des BMVg 
erstmals über die Schwierigkeiten bei der Zulassung der 
Serie und die damit verbundenen voraussichtlichen 
Mehrkosten informiert'^ worden sei.^^^^ 

Er rechtfertigte die Entscheidung und den Zeitpunkt der 
Entscheidung, verwies aber auch auf Mängel im Verfah- 
ren. So habe etwa das Projektcontrolling nicht funktio- 
niert, die politische Leitung des BMVg sei zu spät unter- 
richtet worden und er selbst sei unzureichend 
eingebunden gewesen. Außerdem nahm er Bezug auf die 
frühere Geschichte des EURO HAWK-Projektes vor Ver- 
tragsschluss, wo seines Erachtens der eigentliche „Ge- 
burts- und Konstruktionsfehler" liege. Hinsichtlich 
der zu ziehenden Konsequenzen führte er u. a. aus, dass 
ein klares Regelwerk für zivile und militärisch genutzte 
Luftfahrzeuge auf europäischer und NATO-Ebene ge- 
braucht werde und er hier seine Bemühungen verstärken 
werde. Darüber hinaus würden die Auswirkungen des 
EURO HAWK auf das NATO-Projekt AGS geprüft; ein 
Informationsaustausch mit der NATO sei verabredet. 
Eine Task Force werde ihm einen Bericht mit Vorschlä- 
gen unterbreiten, wie z. B. die Berichtspflichten und die 
Fachaufsicht zukünftig geregelt werden könnten, um 
auch die vom Rechnungshof aufgezeigten Mängel abzu- 
stellen. Zudem habe das BMVg eine Rechtsanwaltskanz- 
lei beauftragt, Rechtsansprüche aller Art gegen Beteiligte 
zu prüfen und er habe sich personelle Konsequenzen Vor- 
behalten, 

Die Darstellungen des Ministers wurden in der Verteidi- 
gungsausschusssitzung ausführlich beraten. Auf die 
Frage, warum wichtige Informationen in der Presse zu le- 
sen waren, bevor das Parlament hierüber unterrichtet 


1037 MAT 17-1 A BT-VA zu BB 17-92, Sprechzettel, S. 1 (3). 

1038 mAT 17-1 A BT-VA zu BB 17-92, Sprechzettel, S. 1 (7). 

1039 mAT 17-1 A BT-VA zu BB 17-92, Sprechzettel, S. 1 (5). 

1040 mAT 17-1 A BT-VA zu BB 17-92, Sprechzettel, S. 1 (11 ff.). 



Drucksache 17/14650 


- 134- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


worden sei, erklärte der Minister, dass dies auf eine Indis- 
kretion zurückzuführen sei. Denn die „FAZ“ habe in ihrer 
Online- Ausgabe am 13. Mai 2013 und am 14. Mai 2013 
in der Printausgabe ausführlich berichtet, was nicht in sei- 
nem Interesse gewesen sei. Vielmehr sei eine umgehende 
Unterrichtung des Parlamentes, wie sie am 15. Mai 2013 
erfolgt sei, vorgesehen gewesen, was aber durch die In- 
diskretion so nicht mehr möglich gewesen wäre.^^^^i 

Bezogen auf den Entscheidungsgang bekundete der 
Minister, dass dieser aus seiner Sicht nicht angemessen 
gewesen sei, denn eine solche Entscheidung müsse mit 
dem und durch den Minister getroffen werden. 1^42 

5. Sitzung des Verteidigungsausschusses 
am 10. Juni 2013 

Im Rahmen einer Sondersitzung des Verteidigungsaus- 
schusses am 10. Juni 2013 wurden die Beratungen zum 
EURO HAWK aus der vorangegangenen Sitzung vom 
5. Juni 2013 in Anwesenheit des Bundesministers der 
Verteidigung Dr. Thomas de Maiziere fortgeführt. 

Gegenstand der Beratung waren der Bericht der Ad-hoc 
Arbeitsgruppe sowie die bisherigen Darstellungen des 
Bundesministers der Verteidigung in der Presse und vor 
dem Verteidigungsausschuss. Vor allem ging es um die 
Kenntnis des Ministers und die rechtzeitige Information 
des Parlamentes. Thematisiert wurden unter anderem In- 
formationen in Presseartikeln, die dem Ausschuss so 
nicht vorgetragen worden seien, wie etwa ein Bericht bei 
„Spiegel Online“ bzw. in dem bereits erwähnten Artikel 
der „FAZ“ vom 13. Mai 2013. Zudem wurde der Minister 
zu den von einigen Abgeordneten als widersprüchlich be- 
zeichneten Aussagen vor dem Parlament und im Artikel 
der Zeitung „Donau Kurier“ vom 8. Mai 2013 befragt. 
Die in Pressemitteilungen des BMVg auftauchende Diffe- 
renzierung des Ministers zwischen lösbaren und unlösba- 
ren Problemen wurde ebenfalls aufgegriffen. Der Vertrag 
aus dem Jahre 2007 und die weiteren Änderungs Verträge, 
konkret die Geltung der Bemühensklausel sowie die 
Frage nach einem Schaden ist eruiert worden. Daneben 
war der Bericht des Bundesrechnungshofes Gegenstand 
der Debatte und wurde in Anwesenheit von Frau Ministe- 
rialrätin Angelika Bauch, Bundesrechnungshof, disku- 
tiert. Eine kurze zusammenfassende Schilderung der 
Prüfergebnisse des Bundesrechnungshofes trug die Zeu- 
gin Bauch auch in der Sondersitzung des Verteidigungs- 
ausschusses am 10. Juni 2013 vor. 1^44 

Im Bericht des Bundesrechnungshofes vom 3. Juni 2013 
wurde im Wesentlichen festgestellt, dass sich das BMVg 
und das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung 
(BWB) bereits vor Vertragsabschluss ein eigenes Bild 
über die Erfolgsaussichten eines Musterzulassungsver- 


1041 Kurzprotokoll der 142. Sitzung des Verteidigungsausschusses, 
MAT 17-1 BT-VA zu BB 17-92, S. 459 (479). 

1042 Kurzprotokoll der 142. Sitzung des Verteidigungsausschusses, 
MAT 17-1 BT-VA zu BB 17-92, S. 459 (478). 

1043 Kurzprotokoll der 143. Sitzung des Verteidigungsausschusses, 
MAT 17-1 BT-VA zu BB 17-92, S. 516 (523 ff.). 

1044 Kurzprotokoll der 143. Sitzung des Verteidigungsausschusses, 
MAT 17-1 BT-VA zu BB 17-92, S. 516 (529). 


fahrens für ein unbemanntes Luftfahrzeug hätten machen 
müssen. 1045 Zudem hätte die Leitung des BMVg im Früh- 
jahr 2009, spätestens im Jahr 2011, informiert und das 
Projekt insgesamt neu bewertet werden müssen. 

In ihrer Vernehmung am 24. Juli 2013 hat die Zeugin Mi- 
nisterialrätin Angelika Bauch in ähnlicher Weise ausge- 
führt und auf „ vielfältige Schwächen bei dem Projektver- 
lauf' hingewiesen: 

„Man war da etwas blauäugig. Man hätte letzt- 
endlich diese Musterzulassungs voraus Setzung 
besser abklären müssen im Vorfeld. Also, das war 

letztendlich vor Vertragsschluss. 

Weiter hat die Zeugin geäußert: 

„Eine weitere Phase im Projektverlauf, würde ich 
sagen, ist nach unserer Bewertung das Jahr 2009 
gewesen. Im Jahr 2009 zeichnete sich ab, dass 
man nicht auf der Zulassung des Global Hawk 
aufbauen könne, so wie es angedacht war.“iö48 

Zudem hat sie ergänzt: 

„Also, da hätte man 2009 auf jeden Fall die Lei- 
tung informieren müssen und das Projekt neu be- 
werten müssen. Und letztendlich - im Jahr 2011 
kann man es festmachen -: Der Musterzulas- 
sungsprozess war sehr schleppend, und letztend- 
lich zeichnete sich ab - erste Einschätzung des 
Auftragnehmers -, dass etwa 100 Millionen er- 
forderlich wären, um die Musterzulassung zu er- 
reichen. Das wurde aber auch als sehr untere 
Grenze erkannt.“iö49 

Letztlich habe aber die Leitung des BMVg gehandelt, so- 
bald ihr die Probleme berichtet wurden. Jedoch werfe der 
Projektverlauf die Frage auf, ob die Fachaufsicht im 
BMVg so organisiert sei, dass das BMVg auf Projektrisi- 
ken frühzeitig reagieren könne. 

Zu diesem Punkt hat die Zeugin Folgendes in ihrer Ver- 
nehmung geschildert: 

„Was hier auf jeden Fall versagt hatte oder nicht 
funktioniert hatte, ist das Projektcontrolling ge- 
wesen und die Vorhabenaufsicht, die letztendlich 
auch die Projektstatusberichte, die Risiken daraus 
nicht entsprechend zum Anlass genommen hat, 
darauf zu reagieren. Es gab mehrere Stufen im 
Projektcontrolling, die versagt haben. Es gab kein 
fachliches Controlling, keine Bewertung außer- 
halb des Projektleiters, also von Leuten, die 
[nicht (Korrektur der Zeugin in der endgültigen 
Fassung des Protokolls), Anm.] unmittelbar im 
Projekt angebunden und eingebunden waren. Das 
heißt, der Projektleiter war auch zum großen Teil 


1045 MAT 17-4 BRH zu BB 17-90, Ordner 1, S. 1 ff. (1). 

1046 mAT 17-4 BRH zu BB 17-90, Ordner 1, S. 1 ff (2). 

1047 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 3. 

1048 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 3. 

1049 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 4. 

1050 MAT 17-4 BRH zu BB 17-90, Ordner 1, S. 1 ff (2). 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 135- 


Drucksache 17/14650 


auf sich selbst gestellt und auf die Einschätzung 
des Auftragnehmers eingestellt.“!^^! 

In seinem Bericht empfahl der Bundesrechnungshof dem 
BMVg, sein Musterzulassungsverfahren so zu überarbei- 
ten, dass es bei internationalen Rüstungsprojekten mit 
vertretbarem Aufwand anwendbar sei. Der Informations- 
austausch sollte künftig vertraglich abgesichert werden. 
Bei Großprojekten sollten Projektrisiken unabhängig von 
den am Projekt beteiligten Stellen bewertet werden (fach- 
liches Controlling). Zudem sollte die Leitung des BMVg 
sich bei wichtigen Projekten in regelmäßigen Abständen 
über Risiken berichten lassen. Außerdem sollten die Er- 
fahrungen aus dem EURO HAWK-Projekt rasch mit 
Blick auf andere Projekte bewertet werden. ! ü52 

6. Information des Haushaltsausschusses 

Auch in den Sitzungen des Haushaltsausschusses fand 
das Thema EURO HAWK Berücksichtigung. Zu erwäh- 
nen sind hier insbesondere der Vertrag aus dem Jahre 
2007, der vom Haushaltsausschuss gebilligt wurde, und 
vereinzelte Änderungs Verträge in Form von 25-Millio- 
nen-Euro-Vorlagen. 

Im Jahre 2013 fand in der 123. Sitzung des Haushaltsaus- 
schusses am 5. Juni 2013 eine Unterrichtung durch die 
Bundesregierung zu „Euro-Hawk, Global-Hawk - AGS“ 
statt in Anwesenheit des Bundesministers der Verteidigung 
Dr. Thomas de Maiziere. Ähnlich wie am gleichen Tage 
im Verteidigungsausschuss informierte der Minister den 
Ausschuss über den Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK sowie über seine eigenen Bewertungen 
und Konsequenzen zum EURO HAWK-Projekt. ! ü^3 

In einer Sondersitzung des Haushaltsausschusses am 
6. Juni 2013 wurde die Beratung in Anwesenheit des 
Bundesministers der Verteidigung fortgeführt. !ü^ 4 die- 
ser Sitzung hat der Haushaltsausschuss auch einem An- 
trag der Koalitionsfraktionen der CDU/CSU und FDP 
auf A-Drs. 17(8)6051 mit den Stimmen der Koalitions- 
fraktionen gegen die Stimmen der Oppositionsfraktionen 
zugestimmt, mit dem u. a. der Haushaltsausschuss den 
Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe des BMVg sowie den 
Bericht des BRH nach § 88 Absatz 2 BHO zur Kenntnis 
nimmt. !ü^^ Darüber hinaus forderte der Haushaltsaus- 
schuss mit diesem Beschluss das BMVg auf, den Haus- 
haltsausschuss bei wichtigen Projekten in regelmäßigen 
Abständen über Risiken zu informieren. !ü 5^ Einen gleich- 
lautenden Beschluss hat der Verteidigungsausschuss in 
seiner 145. Sitzung am 26. Juni 2013 ohne Beteiligung 


1051 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 7. 

1052 MAT 17-4 BRH zu BB 17-90, Ordner 1, S. 1 ff. (2). 

1053 Kurzprotokoll der 123. Sitzung des Haushaltsausschusses, MAT 
17-2 BT-HA zu BB 17-93, Ordner 2, S. 747 ff. 

1054 Kurzprotokoll der 124. Sitzung des Haushaltsausschusses, MAT 
17-2 BT-HA zu BB 17-93, Ordner 2, S. 765 ff 

1055 Kurzprotokoll der 124. Sitzung des Haushaltsausschusses, MAT 
17-2 BT-HA zu BB 17-93, Ordner 2, S. 765 (791). 

1056 A-Drs. 17(8)6051, MAT 17-2 BT-HA zu BB 17-93, Ordner 2, 
S. 627 (627 f ). 


der Oppositonsfraktionen aufgrund rechtlicher Bedenken 
gefasst. !ü5'^ 

7. Zeugenaussagen zur rechtzeitigen 
Einbindung des Parlamentes 

Im Hinblick auf den Vorwurf, dass eine Unterrichtung des 
Parlamentes zu spät erfolgt sei, haben sich in den Verneh- 
mungen mehrere Zeugen geäußert. 

Der Zeuge Ministerialdirektor Detlef Selhausen, Abtei- 
lungsleiter im BMVg, hat zur Frage, wann das Parlament 
hätte informiert werden müssen, ausgeführt: 

„Wenn sich grundlegende Änderungen im Pro- 
grammverlauf ergeben haben und dies Ganze 
auch zu vertraglichen Änderungen führt. Es gibt 
ja eine 2 5 -Mio. -Euro- Vorlagenpflicht und darauf 
aufbauend, auf diese 2 5 -Mio. -Euro- Vorlagen- 
pflicht, auch weitere Folgeverpflichtungen. Da 
gibt es eine Systematik von Berichtspflichten, die 
das Haus hat. Im Übrigen ist grundsätzlich zu in- 
formieren, insbesondere auch auf Nachfrage, bei 
der Haushaltsaufstellung. “!ü5^ 

Bezogen auf den Fall EURO HAWK hat der Zeuge kon- 
kretisiert: 

„Als feststand, dass das Haus die Beschaffung der 
Serie nicht weiterverfolgen wird. [...] Wenn sich 
grundlegende Daten in einem Vorhaben ändern 
[...] sehe ich eine aktive Informationspflicht. 
Dies ist vorliegend mit der Entscheidung, die Se- 
rie nicht weiterzuverfolgen, geschehen.“!!!^^ 

Auch der Zeuge Staatssekretär Beemelmans hat hierzu 
bekundet: 

„Herr Abgeordneter, ich habe, als eine festste- 
hende Entscheidungslage dastand, unmittelbar 
das Parlament unterrichtet. Also, schneller kann 
ich mir das nicht vorstellen. Unmittelbar, einen 
Tag nachdem der Minister das überhaupt erfahren 
hat, habe ich den Bericht an den Verteidigungs- 
ausschuss geschickt, wo ich berichtet habe, wie 
der Stand ist. Und wenn ich es richtig in Erinne- 
rung habe, ist zu diesem Projekt im Rahmen der 
Unterlagen, die wir schicken zum Haushaltsauf- 
stellungsverfahren, regelmäßig auch immer ein 
Steckbrief zum Euro Hawk dabei gewesen, wo 
drinstand: ,Langläuferteile verschieben sich, weil 
...‘ und so was. Aber ich habe tatsächlich, einen 
Tag nachdem ich den Minister unterrichtet habe, 
schon den Verteidigungsausschuss unterrich- 

tet.“!060 

Auf die Frage, warum er nicht schon nach Kenntnis- 
nahme der E-Mail des Abteilungsleiters Detlef Selhausen 
vom 19. Januar 2012, in dem von einer „dramatischen 


Kurzprotokoll der 145. Sitzung des Verteidigungsausschusses, 
MAT 17-1 A BT-VA zu BB 17-92, Sprechzettel BM, S. 14 (23). 

1058 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 55. 

1059 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 56. 

1060 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 31. 



Drucksache 17/14650 


- 136- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


Kostenexplosion '' die Rede gewesen sei, die Parlamenta- 
rier über Probleme bei der Zulassung informiert habe, hat 
der Zeuge geantwortet: 

„[...] da ich den Minister nicht informiert habe, 
weiß ich nicht, warum ich das Parlament infor- 
mieren soll. Ich habe die Entscheidungslage oder 
die Informationslage als unsicher betrachtet und 
habe auf die Vorlagen gewartet. Und als die Vor- 
lagen kamen, stand drin: Wir bilden eine Arbeits- 
gruppe zur Herbeiführung einer Alternative. - 
Das halte ich als etwas, was in der Mehrzahl der 
Projekte irgendwann mal an irgendeiner Stelle 
stattfmdet, für nicht zwingend kommunikations- 
bedürftig.“!^^! 

Demgegenüber hat die Zeugin Ministerialrätin Angelika 
Bauch, Bundesrechnungshof, vor dem Untersuchungs- 
ausschuss ausgeführt, dass man ihrer Ansicht nach das 
Parlament auch über die Probleme hätte informieren müs- 
sen: 

„Das Parlament hätte eigentlich auch darüber in- 
formiert werden müssen, welche Probleme da 
auftreten und wie man letztendlich dann auch die- 
ses Projekt oder diese Probleme angeht, bzw. 
auch diese Neubewertung des Projektes hätte 
man natürlich mit dem Parlament besprechen 

müssen.“iö62 

Der Zeuge Beemelmans hat in seiner Vernehmung auf die 
Absicht des Ministers Bezug genommen, zukünftig die 
Parlamentarier anlasslos zu unterrichten: 

„Ich halte die Unterrichtung des Parlaments, die 
wir ja anlassbezogen fortlaufend machen als Re- 
aktion auf Ihre Fragen und von uns aus immer 
dann, wenn es eine wesentliche Veränderung des 
Sachverhalts gibt - - Die wesentliche Verände- 
rung ist meines Erachtens erst eingetreten mit der 
Entscheidung vom 10. Mai 2013. Dessen unge- 
achtet hat der Minister klargestellt, dass er jetzt 
nicht nur über eine regelmäßige Berichterstattung 
anlasslos [...] im Haus entscheiden möchte, son- 
dern dass er daraus abgeleitet auch eine ebenso 
anlasslose Unterrichtung des Verteidigungsaus- 
schusses anstrebt. Darüber sind wir dabei, die 
entsprechenden Formate zu erarbeiten.“!^^^ 

Staatssekretär Rüdiger WolfhdX in seiner Zeugenaussage 
ebenfalls auf die zukünftig intensivere Unterrichtung des 
Parlamentes verwiesen: 

„Die Information des Parlaments zu verstärken 
und zu intensivieren, ist nie falsch, und ich kann 
deswegen die Entscheidung des Ministers voll 
mittragen. Die Frage war jetzt ja nur in diesem 
Zusammenhang: Haben wir das Parlament nicht 
vollständig unterrichtet? - Und das würde ich 
also für mich jedenfalls nicht behaupten. 


1061 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 46. 

1062 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 19. 

1063 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 82. 

1064 Wolf, Protokoll-Nr. 7, S. 148. 


Der Zeuge Dr de Maiziere hat in seiner Vernehmung die 
geplante verstärkte Unterrichtung des Parlamentes näher 
erläutert: 

„Zunächst will ich sagen, dass das Parlament ins- 
besondere in Form des Haushaltsausschusses 
natürlich nicht schlecht unterrichtet ist, weil die 
2 5 -Millionen- Vorlagen ja vom Haushaltsaus- 
schuss beschlossen werden. Und 25 Millionen 
sind bei einer Rüstungsinvestition von Milliar- 
den, selbst wenn sie stückweise erfolgt, ja eine 
niedrige Summe. Und bei vielen Kostensteige- 
rungen, die wir ja leider zu gewärtigen haben, 
wird natürlich in den Vorlagen an den Haushalts- 
ausschuss auch über diese Probleme berichtet. 
Also, wir fangen da nicht bei null an. Da gibt es 
viel. Gleichwohl will ich die Zusammenarbeit 
verbessern, und es gibt entsprechende Be- 
schlüsse, die Haushalts- und Verteidigungsaus- 
schuss gefasst haben. Ich finde, wir sollten zu Be- 
ginn der neuen Legislaturperiode dort ein 
gemeinsames Verständnis erzielen. Meine Vor- 
stellung geht dahin, dass wir die Statusberichte, 
die wir selbst für uns erstellen, so oder in leicht 
veränderter Form dann auch dem Parlament zur 
Verfügung stellen.“io65 

Ebenfalls untersucht wurde die Frage, ob die Änderungs- 
verträge - insgesamt gab es elf Änderungsverträge, der 
letzte wurde am 15. April 2013 über ein Volumen von 
7,4 Millionen Euro zzgl. einer Option über 6,6 Millionen 
Euro, die am 24. Mai 2013 ausgelöst wurde, geschlossen - 
bewusst so gestückelt worden seien, dass die Einzelver- 
träge die 25-Millionen-Euro-Grenze jeweils nicht über- 
schritten. 

In einer Staatssekretärvorlage vom 9. Juni 2013, die der 
Vorbereitung der Sondersitzung des Verteidigungsaus- 
schusses am 10. Juni 2013 diente, wurde hierzu darge- 
stellt: 

„Der Projektverlauf im Jahr 2012 und 2013 be- 
legt, dass eine weitere Zusammenfassung von 
Leistungsgegenständen bzw. Laufdauerverlänge- 
rungen nicht möglich war; die sukzessiv abge- 
schlossenen Änderungsverträge entsprachen da- 
mit dem seinerzeitigen Projektverlauf. Alle 
Einzelvertragswerte unterschritten die Grenze 
von 25 Mio. €. Eine ,Stückelung‘ der Vertragsvo- 
lumina zum Zwecke einer Umgehung der 
25 Mio. €- Vorlagepflicht ist nicht gegeben.“i 066 

Der Bundesrechnungshof legte diesbezüglich mit Schrei- 
ben vom 20. Juni 2013 dem Haushaltsausschuss einen 
Bericht nach § 88 Absatz 2 BHO über die Prüfung der 
zeitlichen Abfolge und der Höhe der beauftragten Ände- 
rungsverträge zum Entwicklungsvertrag des EURO 
HAWK-Systems vor, der auf eine Prüfbitte des Haus- 
haltsausschusses in der 124. Sitzung vom 6. Juni 2013 zu- 
rückging. Ausweislich des Berichtes habe der Bundes- 


1^65 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 34. 

1066 MAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45, AIN V 5, Ordner 4, S. 65 (69). 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 137 - 


Drucksache 17/14650 


rechnungshof keine Hinweise dafür gefunden, dass die 
Projektleitung gezielt Leistungen mit separaten Ände- 
rungsverträgen beauftragte, um eine Unterrichtung des 
Parlamentes zu umgehen. Indes hätten bei einer sach- 
gerechten Begleitung und Überwachung der laufenden 
Verträge die bis zum Jahresende 2012 absehbaren Leis- 
tungen bereits gemeinsam mit dem achten Änderungsver- 
trag im Juni 2012 vergeben werden können. Damit wäre 
die 25-Millionen-Euro-Grenze für den achten Änderungs- 
vertrag überschritten worden und das BMVg hätte eine 
Parlamentsvorlage veranlassen müssen. Die separate und 
zeitlich verzögerte Beauftragung von Leistungen mache 
vielmehr weitere Schwächen in der Projektdurchfährung 
sichtbar, die auch auf die unzureichende Personalausstat- 
tung des Projektteams zurückzuführen seien. 

In ähnlicher Weise hat die Zeugin Angelika Bauch, Bun- 
desrechnungshof, in ihrer Vernehmung erklärt, dass sie 
keinen sachlichen Grund sehe, warum nach dem dritten 
Änderungsvertrag die Verträge nicht zusammengefasst 
und damit im Rahmen einer 25 -Millionen-Euro- Vorlage 
dem Parlament zugeleitet worden seien. 

V. Information der Öffentlichkeit 

Nach Bekanntwerden der Nichtbeschaffung der Serie fan- 
den verschiedene Bundespressekonferenzen statt, bei de- 
nen die Öffentlichkeit sowie die Presse informiert wur- 
den. Daneben gab es zahlreiche Pressemitteilungen sowie 
Presseinterviews. 

1. Pressekonferenz am 15. Mai 2013 

Am 15. Mai 2013, im Anschluss an die Sitzung des Ver- 
teidigungsausschusses, wurde die Öffentlichkeit im Rah- 
men einer Bundespressekonferenz über die Nichtbeschaf- 
fung der Serie informiert. 

Im Hinblick auf die Kosten teilte der Sprecher des BMVg 
mit, dass bis zum damaligen Zeitpunkt eine Summe von 
rund 562 Millionen Euro ausgegeben worden sei. Davon 
seien rund 54 Millionen Euro auf Kosten entfallen, die 
bei vergleichbaren Projekten aufgewendet werden müss- 
ten, um Tests, Demonstrationen und Ähnliches zu finan- 
zieren. Die verbleibenden 508 Millionen Euro seien circa 
hälftig in die Trägerplattform und in die Sensortechnik 

geflossen. 1069 

Zur Begründung der Nichtbeschaffung wurde angemerkt, 
dass aufgrund erheblicher Zulassungsschwierigkeiten ein 
zuverlässiger Gebrauch des Geräts nicht möglich sein 
würde. Somit seien die in das Fluggerät investierten 
250 Millionen Euro vergebens, die für das Sensorsystem 
investierten Gelder jedoch nicht verloren. Noch bis Ende 
September 2013 würden letzte Tests durchgeführt wer- 
den, um die Aufklärungstechnik zukünftig auf einer alter- 
nativen Trägerplattform nutzen zu können. i070 


1067 MAT 17-2 BT-HA zu BB 17-93, Ordner 2, S. 793 ff. 

Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 9. 

1069 MAT 17-66 A BK zu BB 17-89, BKAmt Ref. 211_ 22- 
11300Un002, S. 26 (34 f). 

1070 mAT 17-66 A BK zu BB 17-89, BKAmt Ref 211 22- 

11300Un002, S.26 (35). 


2. Pressekonferenz am 5. Juni 2013 

Im Anschluss an die Unterrichtung des Verteidigungsaus- 
schusses und Vorlage des Berichtes der Ad-hoc Arbeits- 
gruppe EURO HAWK nahm der Bundesminister der 
Verteidigung Dr. Thomas de Maiziere vor der Bundes- 
pressekonferenz am 5. Juni 2013 Stellung. Zunächst hat 
er zu seiner Befassung mit dem Projekt mitgeteilt: 

„Ich wurde am 13. Mai 2013 nach der auf Ebene 
der Staatsekretäre Wolf am 08.05.2013 und 
Beemelmans am 10.05.2013 getroffenen Ent- 
scheidung hierüber in Kenntnis gesetzt. Ich habe 
diese Entscheidung am selben Tag gebilligt. Es 
gab zuvor keine Vorlage an den Minister mit ei- 
ner Beschreibung der Zulassungsprobleme oder 
überhaupt zum Gesamtproblem. Es gab lediglich 
am 20. März 2012 eine Informationsvorlage an 
mich zur rechtlichen Fragestellung in Zusammen- 
hang mit dem sog. G-lO-Gesetz. Von Zulassungs- 
problemen habe [ich] erstmals im Rahmen einer 
allgemeinen Besprechung zu vielen Rüstungsvor- 
haben am 1. März 2012 gehört. Sie wurden mir 
gegenüber in dieser Besprechung als lösbar dar- 
gestellt.“!^'^! 

Des Weiteren gab der Minister seine Bewertung der Ent- 
scheidung und ihres Zustandekommens ab und stellte die 
sich für ihn ergebenden Konsequenzen dar. Er verwies 
darauf, dass der Zeitpunkt der Entscheidung nicht zu spät 
sei und Schaden vermindert habe. 

3. Pressekonferenz am 10. Juni 2013 

Anknüpfend an die Sondersitzung des Verteidigungsaus- 
schusses am 10. Juni 2013 nahm Bundesminister der Ver- 
teidigung Dr Thomas de Maiziere an der Bundespresse- 
konferenz teil und berichtete erneut zum Thema EURO 
HAWK. 

Im Anschluss stellte er sich den Fragen der anwesenden 
Journalisten, die sich insbesondere um die rechtzeitige 
Information der Parlamentarier, die Kosten und einen 
eventuellen Schaden, seine Äußerungen in der Zeitung 
„Donaukurier“ sowie den Informationsfluss im BMVg 
drehten. Er wiederholte hierbei seine Darstellung des 
Sachverhalts sowie seine Bewertung, dass die Entschei- 
dung, die Serienbeschaffung nicht weiter zu verfolgen, 
richtig und zum richtigen Zeitpunkt erfolgt sei. Darüber- 
hinaus hat er vorgetragen: 

„Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich bei den 
Gelegenheiten, bei denen ich von lösbaren Pro- 
blemen erfahren habe, zu lange gewartet habe. 

Ich hätte nachfragen müssen und einen Bericht 
über das Ausmaß der Probleme mit entsprechen- 
den Lösungsvorschlägen dafür erbitten müssen. 

Mir lag und liegt es fern, irgendjemanden im Par- 
lament oder der Öffentlichkeit hinter die Fichte 
zu fuhren.“iö '^2 


1071 mAT 17-72 BMVg zu BB 17-47, Büro des Ministers, Ordner 1, S. 50 
(52). 

1072 MAT 17-5 BK zu BB 17-84 bis 88, Band 1, S. 140 ff. (140). 



Drucksache 17/14650 


- 138- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


Auf Nachfrage hat der Minister ausgeführt: 

„Wenn ich auf Probleme hingewiesen werde, 
z. B. in Gesprächsunterlagen und gesagt wird, die 
seien lösbar, dann werde ich das in Zukunft zum 
Anlass nehmen zu sagen, beschreib mir bitte die 
Dimension des Problems und mach mir Lösungs- 
vorschläge. Und das hätte ich hier auch früher tun 
sollen.“!^'^^ 

VI. Juristische Überprüfung von etwaigen 
Haftungs- und Gewährleistungsansprü- 
chen gegenüber der Auftragnehmerin 
sowie Eintritt eines eventuellen Schadens 

Der Untersuchungsausschuss ist der Frage nachgegangen, 
inwiefern Haftungs- und Gewährleistungsansprüche ge- 
genüber der EuroHawk GmbH bestehen könnten bzw. ob 
durch die Entscheidung am 13. Mai 2013, eine Serienbe- 
schaffung nicht mehr weiterzuverfolgen, ein Schaden ent- 
standen sei bzw. noch entstehen könnte. 

1. Prüfung von Regressmöglichkeiten durch 
eine Rechtsanwaltskanzlei 

Der Haushaltsausschuss hat in seiner 124. Sitzung am 
6. Juni 2013 das BMVg aufgefordert, „alle Regressmög- 
lichkeiten zu prüfen und je nach Einschätzung der Er- 
folgsaussichten auch durchzusetzen'' 

Bereits am 5. Juni 2013 erklärte der Bundesminister der 
Verteidigung Dr Thomas de Maiziere vor dem Verteidi- 
gungsausschuss: 

„Das BMVg wird eine Anwaltskanzlei beauftra- 
gen, Rechtsansprüche aller Art gegen Beteiligte 
zu prüfen.“i075 

In seiner Vernehmung vor dem Untersuchungsausschuss 
hat er hierzu betont, dass der Vertrag zwischen dem da- 
maligen Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung 
BWB) und der EuroHawk GmbH vom Januar 2007 ein 
Entwicklungs- und eben kein Beschaffungs vertrag gewe- 
sen sei. Mit Blick auf die Zulassung seien Management- 
pflichten festgelegt worden, die sich auf die Lieferung 
von Daten und Dokumentationen bezogen hätten. Im Ver- 
teidigungsausschuss sei nun umstritten, welche Teile des 
Vertrages eine Dienstleistung beschreiben und welche 
eine Werkleistung. Deshalb habe er eine Rechtsanwalts- 
kanzlei mit der entsprechenden Prüfung beauftragt, damit 
sie bei einem eventuellen Gerichtsverfahren die Interes- 
sen des Bundes auch vertreten könne. 


1073 MAT 17-5 BK zu BB 17-84 bis 88, Band 1, S. 140 ff. (141). 

1074 Protokoll der 124. Sitzung des Haushaltsausschusses am 6. Juni 
2013, MAT 17-2 BT-HA zu BB 17-93, Ordner 2, S. 765 ff; Annah- 
me des Antrags der Arbeitsgruppen Haushalt der Fraktionen CDU/ 
CSU und FDP auf Ausschussdrucksache 17(8)6051, MAT 17-72 
BMVg zu BB 17-47, Büro des Ministers, Ordner 2, S. 73. 

11175 Bewertungen und Konsequenzen zum EURO HAWK durch den 
Bundesminister der Verteidigung Dr. Thomas de Maiziere anläss- 
lich der Vorlage des „Berichtes der Ad-hoc Arbeitsgruppe EURO 
HAWK“ des Bundesministeriums für Verteidigung im Verteidi- 
gungsausschuss des Deutschen Bundestages am 5. Juni 2013, MAT 
17-1 A BT-VA zu BB 17-92, Sprechzettel BM, S. 13. 

11176 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 6. 


Ferner hat er auf die Frage, warum er dazu externen Sach- 
verstand einhole und nicht auf die juristischen Experten 
im BMVg zurückgreife, erläutert: 

„Es gibt auch Gewährleistungs-, also Werkleis- 
tungsteile; das ist klar. [...] Das Amt ist, was die 
entscheidende Frage der Zulassung angeht, vom 
Bemühen ausgegangen. Das Ministerium ist vom 
Bemühen ausgegangen. [...] andere bestreiten 
das, sagen: Da ist doch Gewährleistung. Natür- 
lich habe ich oder haben wir auch erwogen: Dann 
bitten wir die Rechtsabteilung, dazu Stellung zu 
nehmen. Wenn ich das gemacht hätte, hätten Sie 
gesagt: Das ist ja kein Wunder; die Rechtsabtei- 
lung vertritt die gleiche Auffassung wie die Rüs- 
tungsabteilung. Und um das sozusagen aus dem 
Ministerium rauszuhalten, habe ich entschieden: 

Das lassen wir mal von jemandem, der nicht mit 
den Dingen betraut war, der irgendwie nicht be- 
fasst war. [...] Und deswegen habe ich eine 
Rechtsanwaltskanzlei beauftragt, die mit den 
Dingen nicht betraut war, um sich einfach mal ei- 
nen solchen Vertrag anzugucken, von dem wir 
sicher beide der Auffassung sind, dass er kom- 
pliziert ist, und dann dazu ein Votum abzuge- 

ben.‘‘io77 

Der Zeuge Detlef Selhausen hat auf eine entsprechende 
Nachfrage erklärt, dass durch das BMVg nach der Ent- 
scheidung über den Verzicht auf die Musterzulassung 
keine Prüfung erfolgt sei, ob Gewährleistungs- oder 
Schadensersatzansprüche bestünden. Im BMVg sei auch 
weder von der Rechtsabteilung noch von anderen Stellen 
eine Prüfung vorgenommen worden, denn das sei grund- 
sätzlich eine Aufgabe des BAAINBw.^^'^^ 

Zur Beauftragung einer Kanzlei hat der Zeuge Staats- 
sekretär Stephane Beemelmans, BMVg, ausgefährt: 

„[...] der Minister hat eine Überprüfung durch 
eine unabhängige Rechtsanwaltskanzlei angekün- 
digt oder angewiesen, um noch mal von dritter 
Seite sich darlegen zu lassen, ob unsere Rechts- 
auffassung die richtige ist oder nicht und ob sich 
möglicherweise - das kann mit der Bemühens- 
klausel Zusammenhängen, kann auch mit anderen 
Gründen Zusammenhängen - Ansprüche noch er- 
geben könnten von uns. Er hat das völlig ergeb- 
nisoffen über das - wenn man so will - ganze 
Vertragskompendium und seine Umsetzung vor- 

gelegt.“i079 

2. Eventueller materieller Schaden und 
seine Höhe 

Der Untersuchungsausschuss hat sich auch mit der Frage 
beschäftigt, ob durch die Entscheidung vom 13. Mai 
2013, die Serienbeschaffung nicht weiter zu verfolgen. 


1^77 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 64. 

1078 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 79. 

1079 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 35. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 139- 


Drucksache 17/14650 


ein Schaden entstanden ist, der ggf. einen Schadenersatz- 
anspruch gegen den Verursacher begründet. 

Hinsichtlich der Kosten ist zwischen den Ausgaben für 
den FSD als Trägerplattform und den Entwicklungskos- 
ten für das System ISIS zu differenzieren. 

Der Bundesminister der Verteidigung Dr. Thomas de 
Maiziere hob bereits vor dem Verteidigungsausschuss am 
5. Juni 2013 hervor: 

„Die Entscheidung war richtig, der Zeitpunkt war 
nicht zu spät. Es ist größerer Schaden verhindert 
worden.^iö^ö 

Dies entspricht auch seiner Antwort in der Presse auf die 
Frage, wie viel Geld für das Drohnen-Projekt EURO 
HAWK „ verschwendet^^ wurde: 

„Das steht noch nicht fest. Das Geld für die An- 
schaffung der Serie des ,Euro Hawk‘ ist nicht ver- 
loren, weil wir die Serie gar nicht bestellen. Das 
Geld, das wir für das Aufklärungs System inves- 
tiert haben, ist nicht verloren, weil wir das Sys- 
tem weiter nutzen können. Ob das Geld, das wir 
in den Prototypen gesteckt haben, eine Fehlinves- 
tition war, hängt davon ab, was wir nach der Er- 
probungsphase damit machen.^i^^i 

Des Weiteren führte Minister Dr de Maiziere im Verteidi- 
gungsausschuss aus: 

„Durch die Entscheidung im Mai 2013 ist kein 
zusätzlicher Schaden entstanden, sondern größe- 
rer Schaden verhindert worden. Ursprünglich bei 
Vertragsschluss in 2007 waren als Gesamtfman- 
zierungsbedarf 371 Mio. Euro in das Trägersys- 
tem und das Aufklärungs System geplant. Durch 
viele Änderungsverträge und Verzögerungen ist 
inzwischen ein Betrag von 662 Mio. Euro ver- 
traglich untersetzt, von dem aber rund 100 Mio. 
Euro noch offen sind. Von diesem Betrag sind 
rund 360 Mio. Euro für die Entwicklung und Er- 
probung des Aufklärungs Systems ISIS sinnvoll 
investiert. Das gilt auch für die weitere Investi- 
tion bis zur Vollendung des Testbetriebes bis 
Ende September 2013. Bis Ende 2010 waren be- 
reits knapp 400 Mio. Euro und bis Ende Oktober 
2011 bereits rund 460 Mio. Euro ausgegeben und 
weitere 147 Mio. Euro gebunden. Das meiste 
Geld war also bereits ausgegeben oder gebun- 

den.“i082 

Auch in seiner Vernehmung hat der Zeuge Dr de 
Maiziere betont dass durch die Entscheidung im Mai 
2013 kein zusätzlicher Schaden entstanden, sondern - im 


1080 Bewertungen und Konsequenzen zum EURO HAWK durch den 
Bundesminister der Verteidigung Dr. Thomas de Maiziere anläss- 
lich der Vorlage des „Berichts der Ad-hoc Arbeitsgruppe EURO 
HAWK“ des Bundesministeriums für Verteidigung im Verteidi- 
gungsausschuss des Deutschen Bundestages am 5. Juni 2013, 
MAT 17-1 A BT-VA zu BB 17-92, Sprechzettel BM, S. 3. 

1081 Interview mit dem Bundesminister der Verteidigung Dr Thomas de 
Maiziere, Zeitschrift FOCUS vom 10. Juni 2013, S. 31. 


Gegenteil - ein solcher verhindert worden sei. Mit seinem 
Amtsantritt am Ende des ersten Quartals 2011 seien be- 
reits rund 565 Millionen Euro entweder ausgegeben oder 
bereits gebunden gewesen, d. h. über 85 Prozent der Ge- 
samtsumme. Vom Gesamtbetrag seien rund 360 Millio- 
nen Euro für die Entwicklung und Erprobung des Aufklä- 
rungssystems ISIS voraussichtlich sinnvoll investiert 
worden. Das gelte auch für die weitere Investition bis zur 
Vollendung des Testbetriebes. Zum Schaden, der sich aus 
der Investition in den Demonstrator ergeben könnte, 
könne man noch nichts Abschließendes sagen, weil er 
Gegenstand der laufenden Prüfung von möglichen Alter- 
nativen zur Schließung der Fähigkeitslücke sei. Die In- 
vestitionen für die Infrastruktur am geplanten Stationie- 
rungsort und für die Ausbildung seien zum jetzigen 
Zeitpunkt noch nicht alle verausgabt und weitgehend 
auch für andere Systeme nutzbar zu machen. 1^83 

Wenn das Geld für den Prototypen gut genutzt werde, so 
hat der Zeuge in seiner Vernehmung ausgeführt, 

„[...] ist auch das Geld für den Prototyp nicht 
weg, Klammer auf: vielleicht um den Preis hoher 
Materialkosten, Klammer zu. Wenn wir den Pro- 
totyp ins Museum stellen, haben wir Erkenntnis- 
gewinn, aber das Geld für den Prototyp ist weg. 

[...] Also, den Gegenwert zu dem Aufklärungs- 
system, den haben wir abzüglich der Kosten, die 
wir für Transformation in eine neue Plattform 
bräuchten. Die endgültige Zahl dazu kann ich Ih- 
nen nicht sagen. Das Geld jedenfalls für die Serie 
ist nicht weg, sondern, wie bereits gefragt, steht 
als Planung zur Verfügung. Deswegen ist die ur- 
sprünglich mal genannte Summe von einem 
Schaden von 1,3 Milliarden abwegig. 

Zur Höhe des Schadens könne er sich jedoch nicht ab- 
schließend äußern. 

Der Zeuge Harald Stein, Präsident des BAAINBw, hat in 
seiner Vernehmung bemerkt: 

„Ob ein Schaden entstanden ist, das muss jeder 
selbst bewerten. Ich sehe auch einen Erkenntnis- 
gewinn als einen zusätzlichen Erfolg. 

Der Bundesrechnungshof sah indes in seinem dem Haus- 
halts- und dem Verteidigungsausschuss vorgelegten Be- 
richt im Umgang mit den Projektrisiken ein „folgen- 
schweres Organisationsversagen'' Bis Vertragsende 
würden 552 Millionen Euro ausgezahlt sein. Bei Abbruch 
des Vorhabens sei ein Teil der für das Trägerluftfahrzeug 
getätigten Ausgaben „ verloren Es habe dann noch 
Nutzen als Erprobungsträger für die für 232 Millionen 


1082 Bewertungen und Konsequenzen zum EURO HAWK durch den 
Bundesminister der Verteidigung Dr Thomas de Maiziere anläss- 
lich der Vorlage des „Berichtes der Ad-hoc Arbeitsgruppe EURO 
HAWK“ des Bundesministeriums für Verteidigung im Verteidi- 
gungsausschuss des Deutschen Bundestags am 5. Juni 2013, 
MAT 17-1 A BT-VA zu BB 17-92, Sprechzettel BM, S. 1 (10 f). 
de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 9. 
de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 71 f. 
de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 89. 

1086 Stein, Protokoll-Nr. 4, S. 135. 

1087 MAT 17-4 BRH zu BB 17-90, Ordner 1, S. 42. 

1088 mAT 17-4 BRH zu BB 17-90, Ordner 1, S. 42. 



Drucksache 17/14650 


- 140- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


Euro entwickelte Sensorik, die ggf. in alternativen Trä- 
gerluftfahrzeugen eingesetzt werden könnte. 

Die Zeugin Ministerialrätin Angelika Bauch, Bundesrech- 
nungshof, hat auf Nachfrage, wie viel Geld bereits in das 
Entwicklungsprojekt EURO HAWK investiert worden 
sei, erläutert: 

„[...] insgesamt hat sich der Ursprungsvertrag 
von 431 Millionen auf mittlerweile 558 Millionen 
erhöht, und es sind zusätzliche Verträge abge- 
schlossen in einem Volumen von etwa 110 Mil- 
lionen. Dazu gehören diese beiden CLS-Verträge, 
FMS-Verträge und diverse Unterstützungsleistun- 
gen, so dass wir insgesamt ein Vertragsvolumen 
haben von 668 Millionen. Und wenn man das mal 
aufteilt auf den Träger und auf die Entwicklung 
ISIS mit den entsprechenden Zulassungsleistun- 
gen und wenn man sagt, dass diese beiden Unter- 
stützungsleistungen, diese CLS-1- und -2- Ver- 
träge, in erster Linie dem Träger zuzuordnen sind, 
dann kann man sagen, sind Ausgaben oder auch 
vertraglich gebunden für den Träger letztendlich 
305 Millionen und für die ISIS-Entwicklung und 
Tests und so von etwa 363 Millionen.“i090 

Weitergehende Kosten hinsichtlich der Neuintegration 
von ISIS, einer Beschaffung von alternativen Plattformen 
usw. seien darin nicht enthalten. 1^9 1 Allerdings sei klar, 
wenn das ISIS-System auf dem EURO HAWK funktions- 
fähig sei, „At damit noch nicht gesagt, dass es dann auch 
ohne Leistungseinbuß en in einem anderen Träger funktio- 
niert. Von daher ist es schwierig, zu sagen, welchen Nut- 
zen diese Sensorik letztendlich hat. 

Der Zeuge Ministerialdirektor Detlef Selhausen, Abtei- 
lungsleiter AIN im BMVg, hat eingeräumt, dass eines der 
Ziele des Entwicklungsprojektes EURO HAWK, nämlich 
die Qualifizierung des Trägers als Vorbereitung zur Seri- 
enherstellung des EURO HAWK nicht erreicht worden 
sei. Die im Haushalt veranschlagten 515 Millionen Euro 
für die Beschaffung der Serie EURO HAWK seien aber 
kein Verlust, weil kein Serienvertrag unterzeichnet wor- 
den sei. 

Zudem hat er vor dem Untersuchungsausschuss ausge- 
führt: 

„Die rund 301 Mio. Euro, die für das Missions- 
system ISIS einschließlich dessen Erprobung ge- 
zahlt worden sind, sind in ein Sensorsystem in- 
vestiert worden, an dem die Bundeswehr einen 
unabweisbaren Bedarf hat. Entsprechend den Pla- 
nungen zu Beginn des Vorhabens in 2002 ff wird 
der Bundeswehr das hochwertige Aufklärungs- 
system ISIS mit einer qualifiziert abgeschlosse- 
nen Erprobung zur Integration in eine andere 
Plattform zur Verfügung stehen. Wie viele Kosten 


1089 MAT 17-4 BRH zu BB 17-90, Ordner 1, S. 42. 

1090 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 15 f. 

1091 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 16. 

1092 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 23. 

1093 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 41 f. 


diese Integration verursachen könnte, lässt sich 
derzeit nicht Vorhersagen. Das hängt von der ge- 
gebenenfalls auszuwählenden Plattform ab. Für 
den Full Scale Demonstrator sind Haushaltsmittel 
in Höhe von 261 Mio. Euro gezahlt worden. [...] 

In welcher Höhe diese Investition von 261 Mio. 
Euro im Ergebnis ein Verlust sein wird, hängt da- 
von ab, was die Bundeswehr nach der Erpro- 
bungsphase mit dem Full Scale Demonstrator 
machen wird. Es ist nicht auszuschließen, dass 
am Ende ein Großteil dieser rund 261 Mio. Euro 
als Verlust betrachtet werden muss.^^^^^ 

Fest stehe aber auch, so der Zeuge, dass die Bundeswehr 
durch das Entwicklungsvorhaben EURO HAWK einen 
nicht zu unterschätzenden Erkenntnisgewinn durch den 
Einblick in die betrieblichen Verfahren und die Nutzung 
eines großen unbemannten Luftfahrzeuges gewonnen 

habe. 1095 

Zur Höhe eines Schadens hat der Zeuge Ministerialdirek- 
tor Dr. Paul Jansen, Abteilungsleiter Haushalt im BMVg, 
bekundet: 

„ [...] dass wir dieses ISIS-System nutzen wer- 
den, das steht fest. Insoweit würde ich diesen Be- 
reich aus einer potenziellen Schadensbetrachtung 
herausnehmen. Ob man den Rest als Schaden be- 
ziffern muss [...] Jedenfalls haben wir für das 
Geld am Ende nicht das, was wir gerne dafür be- 
kommen wollten. Wir haben sicherlich eine 
Menge Erkenntnisse gewonnen, die über diesen 
Vorgang hinaus weiter nutzbar sind und deren 
Vorteilhaftigkeit sich schwer in Euro und Cent 
beziffern lässt. Insoweit tue ich mich etwas 
schwer, jetzt eine Zahl zu benennen und der das 
Etikett ,Schaden‘ anzuheften. “i096 

Für den Zeugen Staatssekretär Rüdiger Wolf liege ein 
möglicher Schaden infolge des nicht erfolgreichen Ab- 
schlusses des Entwicklungsvorhabens in der weiterhin 
nicht geschlossenen Fähigkeitslücke für die deutschen 
Streitkräfte. Dies sei aber kein finanzieller Aspekt. ^097 

3. Schadensvermeidung durch früheren 
Abbruch des Projektes 

Zur Frage, ob durch einen früheren Abbruch des EURO 
HAWK-Projektes Geld des Steuerzahlers hätte eingespart 
werden können, legte Bundesminister der Verteidigung 
Dr. Thomas de Maiziere am 5. Juni 2013 vor dem Vertei- 
digungsausschuss dar: 

„Wären im Herbst 2011 oder im Sommer 2012 
die Arbeiten an dem Demonstrator abgebrochen 
worden, dann wäre der Schaden erheblich größer 
gewesen. Denn dann wären die Entwicklungskos- 


1094 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 42. 

1095 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 42. 

1096 Jansen, Protokoll-Nr. 6, S. 124. 

1097 Wolf, Protokoll-Nr. 7, S. 103. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 141 - 


Drucksache 17/14650 


ten für das Aufklämngs System ISIS vergeblich 
gewesen, weil der Prototyp nicht einmal eine vor- 
läufige Verkehrszulassung gehabt hätte, mit der 
eine Erprobung hätte stattfmden können.“!^^^ 

Ähnlich hat sich der Zeuge Dr. Thomas de Maiziere vor 
dem Untersuchungsausschuss geäußert: 

„Deswegen kann man zu der Höhe des Schadens 
heute noch keine abschließende Bemerkung ma- 
chen. Aber auf jeden Fall wäre der Schaden, was 
das Aufklärungssystem anbetrifft, voll eingetre- 
ten, wenn man es gar nicht bis zum Ende der 
Funktionsfähigkeit getestet hätte. 

Im Hinblick darauf, ob ein früheres Nachhaken oder eine 
frühere Unterrichtung zu irgendeiner Einsparung im Pro- 
jektverlauf oder zu einer anderen Entscheidung in der Sa- 
che geführt hätte, hat der Zeuge bekundet: 

„Nein, dann hätte ich genauso entschieden. Die 
Entscheidung wäre genauso gelaufen. Ein Nach- 
haken von mir hätte nichts geändert. Es wäre 
auch kein größerer oder kleinerer Schaden ent- 
standen. Deswegen hat die Leitung des Hauses in 
Form der Staatssekretäre und des Generalinspek- 
teurs nach Kenntnisnahme richtig entschie- 

den.‘‘iioo 

Die Zeugin Angelika Bauch hat hinsichtlich eines frühe- 
ren Abbruchs des Projektes erklärt: 

„Wenn ich das dann im Jahr 2012 abbreche, dann 
ist klar, da ist die ISIS-Entwicklung, die Sensorik 
nicht entwickelt bis zum Ende. Dann hätte ich 
auch keine Erkenntnisse aus der Sensorik gehabt. 

Es kommt letztendlich darauf an, was man weiter 
mit der Sensorik anfangen kann. Kann man sie 
tatsächlich in einen anderen Träger einführen, 
oder muss man da mit zu großen Leistungseinbu- 
ßen rechnen?“! 

Wenn ein halbes Jahr früher das Erprobungsszenario ver- 
lassen worden wäre, hätte man nach der dem Untersu- 
chungsausschuss vorgetragenen Ansicht des Zeugen 
Harald Stein, Präsident des BAAINBw, 

„[...] nur die Ergebnisse der Laborversuche ge- 
habt. Und jeder weiß, dass gerade die Atmo- 
sphäre bei Signalerfassungen da doch eine ganz 
große Auswirkung hat, und dieses hätte man 
höchstens über Simulationen und Berechnungen 
versuchen können in den Griff zu bekommen. 
Und von daher ist es ganz wichtig nach meiner 
Bewertung, dass wir diese Flugversuche jetzt 
noch durchführen können und durchgefährt ha- 


1098 Bewertungen und Konsequenzen zum EURO HAWK durch den 
Bundesminister der Verteidigung Dr. Thomas de Maiziere anläss- 
lich der Vorlage des „Berichtes der Ad-hoc Arbeitsgruppe EURO 
HAWK“ des Bundesministeriums für Verteidigung im Verteidi- 
gungsausschuss des Deutschen Bundestages am 5. Juni 2013, 
MAT 17-1 A BT-VA zu BB 17-92, Sprechzettel BM, S. 10. 

1099 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 89. 

1100 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 54. 

1101 Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 7. 


ben, um ein wesentlich besseres Beurteilungs- 
potenzial für die Leistungsfähigkeit des ISIS 
dann zu bekommen.“! 

Bei einer Vertragskündigung hätten vielmehr Restabgel- 
tungsansprüche an den Auftragnehmer gezahlt werden 
müssen. ÜÜ3 

Der Zeuge Bernhard Gerwert, Chief Executive Officer 
(CEO) von EADS Division Cassidian, hat in seinen Aus- 
führungen betont, dass die Serienbeschaffung nicht ge- 
stoppt, sondern nicht beauftragt wurde. Er hat ausgeführt, 
dass, wenn das ISIS-System tatsächlich die nächsten 10 
bis 15 Jahre „daliege‘\ es einen Schaden gäbe.ü^^ Wenn 
der Entwicklungsvertrag mit der EuroHawk GmbH ge- 
kündigt worden wäre, hätte eine Weiterentwicklung des 
ISIS- Systems wenig Sinn gehabt, da es keinen Erpro- 
bungsträger mehr gegeben hätte. 

VII. Auswirkungen der Entscheidung auf 
andere Rüstungsvorhaben 

1. Auswirkungen auf NATO- Alliance Ground 

Surveillance (AGS) 

Das NATO Projekt AGSü^^ besteht aus dem durch die 
NATO zu beschaffenden und betreibenden Kern (AGS 
Core) und nationalen Beistehungen. AGS Core basiert 
-wie EURO HAWK - auf der US-Plattform GLOBAL 
HAWK. 

a) AGS Core 

Das Projekt NATO AGS wurde beim NATO-Gipfel in 
Chicago im Mai 2012 als Projekt der „Smart Defence“- 
Politik beschlossen. Es ist Bestandteil des NATO Früh- 
warnsystems und dient der abbildenden Aufklärung der 
militärisch relevanten Bodenlage, 

Das AGS Kernelement (AGS Core) wird im Eigentum 
der NATO unmittelbar durch diese betrieben („NATO 
owned and operated“).!!ü^ Dazu beschafft die NATO un- 
ter finanzieller Beteiligung von 14 der 28 NATO Mit- 
gliedsstaaten (u. a. Deutschland, USA, Italien) fünf UAS 
vom Typ GLOBAL HAWK-Block 40. Deutschland trägt 
einen Anteil an der Beschaffung in Höhe von 456,82 Mil- 
lionen Euro (Festbetrag). Der Zulauf der Luftfahrzeuge 
soll in den Jahren 2017 und 2018 erfolgen. Stationie- 
rungsort werde die NATO Base Sigoneha auf Sizilien 
sein.üü^ 


1102 Stein, Protokoll-Nr. 4, S. 124. 

1103 Stein, Protokoll-Nr. 4, S. 136. 

1104 Gerwert, Protokoll-Nr. 6, S. 54. 

1105 Gerwert, Protokoll-Nr. 6, S. 27. 

1106 Alliance Ground Surveillance (AGS) ist ein Programm der NATO 
zum Aufbau einer Fähigkeit zur Gefechtsfeldaufklärung und -Über- 
wachung. 

1107 MAT 17-66 BK zu BB 17-89, BKAmt Ref 211-22-11300Un002- 
Nr.l7-89-l,S. 13. 

1108 MAT 17-66 BK zu BB 17-89, BKAmt Ref 211-22-11300Un002- 
Nr.l7-89-l,S. 13. 

1109 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 64 ff 



Drucksache 17/14650 


- 142- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


Thematisiert wurde die Frage, ob die Entscheidung 
Deutschlands, im Projekt EURO HAWK auf die Serien- 
beschaffung zu verzichten, Auswirkungen auf NATO 
AGS haben könnte. 

In einem Schreiben des Staatssekretärs Rüdiger Wolf Sin 
den Stellvertretenden NATO-Generalsekretär wurde dar- 
gestellt, dass der Bundesminister der Verteidigung Dr de 
Maiziere anlässlich des Treffens der NATO-Verteidi- 
gungsminister am 4./5. Juni 2013 bekräftigt habe, dass 
die deutsche Bundesregierung weiterhin zu diesem für die 
NATO besonders bedeutsamen Projekt stehe. 

Hinsichtlich der Zulassung bestehe nach dem Bericht der 
Ad-hoc Arbeitsgruppe EURO HAWK des BMVg kein 
unmittelbarer Einfluss auf das Projekt NATO AGS Core. 
Die deutsche Zulassungsproblematik beim EURO 
HAWK sei nicht auf die Zulassungssituation der Luft- 
fahrzeuge NATO AGS Core übertragbar. Die NATO be- 
schaffe ein System auf Basis des technisch fortgeschritte- 
neren GLOBAL HAWK-Block 40. Zulassung und 
Zertifizierung der NATO AGS Core Luftfahrzeuge erfol- 
gen in der Zuständigkeit Italiens durch die italienische 
militärische Zulassungsbehörde. In vorbereitenden 
Unterlagen für Staatssekretär Wolf zar Verteidigungsaus- 
schusssitzung am 10. Juni 2013 heißt es, dass aus italieni- 
scher Sicht derzeit kein Hinderungsgrund für die Ertei- 
lung einer Zulassung erkennbar sei, 

„[...] auch wenn die Verhandlungen mit [...] 
Northrop Grumman über Art und Umfang der zur 
Verfügung gestellten Dokumentation schwierig 
seien. So mussten die überlassenen Dokumente 
zur Zulassung Anfang 2013 komplett an North- 
rop Grumman zur Überarbeitung zurückgesandt 

werden.“iii2 

Ähnlich sei in einem Bericht der Deutschen Botschaft 
vom 29. Mai 2013 ausgeführt worden, dass „der bishe- 
rige Projektverlauf AGS nicht problemfrei sei. Derzeit 
habe noch kein durch die Fa. Northrop Grumman über 
NAGSMA vorgelegtes Zertifizierungsdokument akzep- 
tiert werden können. Ebenso wurde in einer Staatsse- 
kretärvorlage vom 21. Juni 2013, in der über die Sitzung 
des Aufsichtsrates der NATO AGS Management Organi- 
sation (NAGSMO BoD) am 12./ 13. Juni 2013 berichtet 
wurde, dargestellt, dass Italien keine Aussage zur Er- 
folgswahrscheinlichkeit des Zulas sungs Verfahrens ge- 
macht, aber gleichwohl verdeutlicht habe, dass ,, die Risi- 
ken als beherrschbar angesehen werden und , Zulassung ‘ 
derzeit kein ,showstopper‘ sei (,we know how to do 

iP)-mA 

Bundesminister der Verteidigung Dr. Thomas de Maiziere 
erklärte zu den Auswirkungen auf das Projekt NATO 
AGS anlässlich der Vorlage des „Berichtes der Ad-hoc 


1110 mAT 17-70 C BMVg zu BB 17-45, Füsk I, Ordner 1, S. 7 (10). 

1111 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 64 ff. 

1112 MAT 17-73 BMVg zu BB 17-48, Ordner 7, StS Wolf, S. 495 (521). 

1113 MAT 17-70 C BMVg zu BB 17-45 Füsk I, Ordner 1, S. 7 (8). 

1114 MAT 17-70 B BMVg zu BB 17-45 AIN V 5, Ordner 4, S. 85 (86). 


Arbeitsgruppe EURO HAWK“ des BMVg im Verteidi- 
gungsausschuss am 5. Juni 2013: 

„Das Verteidigungsministerium wird die Auswir- 
kungen des Vorgangs Euro Hawk auf das NATO- 
Projekt AGS (Alliance Ground Surveillance) prü- 
fen. Wir haben uns bereits mit einem entspre- 
chenden Anliegen an die NATO gewandt. Es ist 
ein Informationsaustausch mit der NATO verab- 
redet. Die Gründe für die deutsche Entscheidung 
habe ich gestern meinen Kollegen der NATO er- 
läutert. Wir sollten eine Chance für Europa nut- 
zen, indem wir uns mit dem Zulassungsland Ita- 
lien auf gemeinsame Zulassungsanforderungen 
verständigen.“ 

Der Haushaltsausschuss forderte am 6. Juni 2013 das 
BMVg auf, „die Erfahrungen aus dem EURO HAWK 
Projekt rasch mit Blick auf andere Projekte, wie z. B. die 
nationale Beistellung von vier unbemannten Luftfahrzeu- 
gen zu AGS und die Beschaffung unbemannter Luftfahr- 
zeuge der Klasse MALE, zu bewerten 

Vorangegangen war ein Vertrag zwischen der 
NAGSMAiii'^ und Northrop Grumman über die Beschaf- 
fung von fünf GLOBAL HAWK-Luftfahrzeugen und Bo- 
denstationen, dem der Haushaltsausschuss des Deutschen 
Bundestages am 23. Mai 2012 im Rahmen einer 25-Mil- 
lionen-Euro- Vorlage zustimmte. Der deutsche Anteil an 
der Beschaffung betrug 457 Millionen Euro. Zu diesem 
Zeitpunkt seien - so führte es der Bundesrechnungshof in 
seinem Bericht an den Haushalts- und Verteidigungsaus- 
schuss aus - die Probleme bei der Zulassung des GLO- 
BAL HAWK als Plattform für das EURO HAWK-System 
bereits bekannt gewesen. Einen Hinweis auf Zulassungs- 
risiken habe die 25-Millionen-Euro-Vorlage nicht enthal- 
ten, 

Hierzu führte der Bundesminister der Verteidigung Dr. de 
Maiziere auf Nachfrage im Rahmen der Bundespresse- 
konferenz am 5. Juni 2013 aus: 

„[...] und ich habe ja sogar, um es fast noch 
schlimmer zu machen, im Mai 2012 vor dem 
Haushaltsausschuss für AGS geworben, ohne auf 
die Zulassungsprobleme beim Euro Hawk hinzu- 
weisen. Das ist so. Und das ich das so gemacht 
habe, liegt daran, dass in den vorbereitenden Un- 


Bewertungen und Konsequenzen zum EURO HAWK durch den 
Bundesminister der Verteidigung Dr. Thomas de MaiziNe anläss- 
lich der Vorlage des „Berichtes der Ad-hoc Arbeitsgruppe EURO 
HAWK“ des Bundesministeriums für Verteidigung im Verteidi- 
gungsausschuss des Deutschen Bundestages am 5. Juni 2013, 
MAT 17-lA BT-VA zu BB 17-92, Sprechzettel BM, S. 12. 

1116 Protokoll der 124. Sitzung des Haushaltsausschusses am 6. Juni 
2013, MAT 17-2 BT-HA zu BB 17-93, Ordner 2. S. 765 f.; Annah- 
me des Antrags der Arbeitsgruppen Haushalt der Fraktionen CDU/ 
CSU und FDP auf Ausschussdrucksache 17(8)6051, MAT 17-72 
BMVg zu BB 17-47, Büro des Ministers, Ordner 2, S. 73. 

1112 Für das AGS-Projekt gründeten die beteiligten Nationen die NATO 
Alliance Ground Surveillance Management Organisation (NAGSMA). 

1118 MAT 17-4 BRH zu BB 17-90, Ordner 1, S. 39. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 143 - 


Drucksache 17/14650 


terlagen eben dieses Problem nicht erwähnt 

Der Zeuge Staatssekretär Rüdiger Wolf hat ebenfalls in 
seiner Vernehmung berichtet, dass ein Votum für die Be- 
endigung des Entwicklungsvorhabens auch nicht anläss- 
lich der Entscheidung zur Beteiligung am NATO Vorha- 
ben AGS Vorgelegen habe. Darüber hinaus hat der Zeuge 
erläutert: 

„Der Haushaltsausschuss billigte auf Vorlage des 
Finanzministeriums vom 25. März 2009, die wie- 
derum auf einem Beitrag des Verteidigungsminis- 
teriums beruhte, den Abschluss einer Programm- 
vereinbarung über die deutsche Beteiligung an 
diesem luftgestützten Radarsystem der NATO zur 
weiträumigen Aufklärung und Bodenüberwa- 
chung. [...] 

Weder anlässlich der Entscheidung im Jahre 2009 
zum Abschluss der Programmvereinbarung noch 
im Mai 2012 bestand Grund, aus den Erkenntnis- 
sen im Vorhaben Euro Hawk auf vergleichbare 
Risiken im Vorhaben AGS zu schließen. Beide 
Vorhaben sind trotz prinzipieller Ähnlichkeiten 
des Trägersystems - die basieren beide auf dem 
System Global Hawk - nicht miteinander ver- 
gleichbar. 

Zum einen aus technischen Gründen: Euro Hawk 
basiert auf dem Entwicklungsstand Block 20, 
AGS auf dem System Global Hawk Block 40. 
Und bereits 2007 wurde die Beschaffung von 
AGS auf dieser Basis, nämlich Block 40, als so- 
genannte Commercial- off-the-shelf-Lösung, also 
als ,von der Stange zu kaufen^, vereinbart. Inso- 
fern enthält die Beschaffung des AGS-Systems 
kein Entwicklungsrisiko. 

Euro Hawk basiert nicht nur auf einem geringe- 
ren technischen Reifegrad, sondern wurde zur In- 
tegration des Aufklärungsanteils ISIS wie auch 
zur Anpassung an NATO- Standards einer An- 
passentwicklung unterzogen. Zum anderen aber 
ergibt sich der Unterschied - und das ist viel ent- 
scheidender - aus Verfahrensgründen. Euro 
Hawk ist ein nationales Vorhaben mit gegenüber 
AGS unterschiedlichen Aufklärungssystemen. Es 
wird in Deutschland stationiert und unterliegt na- 
tionalen luftverkehrsrechtlichen Bestimmungen. 
AGS dagegen ist ein ,NATO-owned and operated 
system‘. Es wird in Sigonella in Italien stationiert 
und unterliegt italienischen Zulassungsvorschrif- 
ten. Das heißt, die NATO allein verantwortet die 
Beschaffung, den Betrieb und den Einsatz des 
AGS. 

Es kommt hinzu, dass die Vereinigten Staaten 
sich mit einem Anteil von über 40 Prozent an der 
Beschaffung beteiligen. In Sigonella betreiben 
Italien und die USA bereits unbemannte Droh- 


nen, unter anderem durch die USA auch die Glo- 
bal Hawk Block 40 mit einer italienischen militä- 
rischen Luftverkehrszulassung. [...] Unabhängig 
von dieser fehlenden Vergleichbarkeit beider Sys- 
teme und der Beschaffungsverfahren wurde noch 
im März 2012 im Bundesministerium das Risiko 
der Musterzulassung der Serie des Euro Hawk 
über alternative Zulassungen als beherrschbar 
eingestuft [...] Die Beschaffungsvorhaben Euro 
Hawk und AGS sind weder technisch noch ver- 
fahrensseitig miteinander vergleichbar. 

Bundesminister der Verteidigung Dr de Maiziere hat in 
seiner Vernehmung verdeutlicht, dass die NATO selbst 
keine Zulassung vornehme, sondern immer nationales 
Recht gelte. So würde NATO AGS eine Zulassung nach 
italienischem Recht brauchen, weil es dort stationiert sein 
werde. Das AWACS (Airborne Early Waming and Con- 
trol System) zum Beispiel habe eine Zulassung nach lu- 
xemburgischem Recht. 

In seiner Vernehmung hat er ferner erklärt, den von ihm 
bereits initiierten Informationsaustausch über die Konse- 
quenzen aus der Nichtbeschaffung einer Serie des EURO 
HAWK für die NATO AGS weiterzufähren .1122 

Der Zeuge Staatssekretär Stephane Beemelmans hat vor 
dem Untersuchungsausschuss dargelegt, die Beschaf- 
fungsentscheidung sei für die Beistellungen an NATO 
AGS noch nicht getroffen. Die Beteiligung an NATO 
AGS sei eine kostenseitige Beteiligung. Man höre von 
Problemen; aber er habe noch nicht davon gehört, dass 
die Italiener sagen: „Das wird nichts Nach der deut- 
schen Entscheidung sei auch die NATO unterrichtet wor- 
den.1123 

b) Konsequenzen für die Nationale 
Beistellung für NATO AGS 

NATO AGS Core soll durch nationale Aufklärungsmittel 
der Teilnehmerstaaten ergänzt werden, „da es lediglich 
einen Teil der strategischen Zielsetzung der NATO ab- 
deckWN^^ 

Deutschland habe sich laut Ad-hoc Bericht des BMVg 
bereit erklärt, über die Beteiligung an NATO AGS (Core) 
hinaus weitere vier Luftfahrzeuge zu NATO AGS beizu- 
stellen, ohne sich jedoch abschließend auf ein bestimmtes 
Flugzeugmuster festzulegen. Dafür sei zunächst eine pla- 
nerische Vorsorge getroffen worden. Aufgrund der mittel- 
fristigen fmanzplanerischen Rahmenbedingungen sei der- 
zeit eine Realisierung ab 2023 geplant. Art, Umfang und 
Kosten dieses separaten Projektes seien noch nicht festge- 

legt.1125 


1120 Wolp Protokoll-Nr. 7, S. 101 f. 

1121 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 36. 

1122 de MaiziNe, Protokoll-Nr. 8, S. 11. 

1123 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 45 f. 

1124 MAT 17-66 BK zu BB 17-89, BKAmt Ref211-22-11300Un002- 
Nr.l7-89-l,S. 13. 

1125 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 65. 


1119 MAT 17-44 BMVg zu BB 17-61, PR-Infostab, Ordner 1, S. 1 (11). 



Drucksache 17/14650 


- 144- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


2. Auswirkungen auf MALE Überbrückungs- 
lösung 

Nach Darstellung des Ad-hoc Berichtes des BMVg wurde 
die Beschaffung der Anfangsausstattung MALE-Kompo- 
nente zur Deckung des Bedarfs an einem System abbil- 
dende Aufklärung bis in die Tiefe des Einsatzgebietes im 
Jahr 2007 gebilligt. Zu dem Zeitpunkt waren keine geeig- 
neten Systeme marktverfügbar. Derzeit würden für die 
MALE UAS Überbrückungslösung verfügbare Systeme 
untersucht und Lösungsvorschläge erarbeitet. Auch für 


diese Systeme bestehe ein Risiko für das Erreichen einer 
deutschen Musterzulassung. Durch Beauftragung vorge- 
zogener Untersuchungen könne das Zulassungsrisiko 
weiter eingegrenzt werden. Die vollständige Reduktion 
des Zulassungsrisikos vor Abschluss des Beschaffungs- 
vertrags sei damit indessen nicht möglich. 1126 


1126 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, S. 65. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 145 - 


Drucksache 17/14650 


Dritter Teil: 

Bewertungen des Untersuchungsausschusses 
A. Verfahren 

Der 2. UA gern. Artikel 45a Absatz 2 GG der 17. Wahlpe- 
riode hat nach seiner Konstituierung die üblichen Be- 
schlüsse zum Verfahren gefasst. Zwei Besonderheiten be- 
dürfen allerdings der Erwähnung, nämlich die Beschlüsse 7 
(Öffentlichkeit) und 12 (Präsenz, Stimmrechte, Be- 
schlussunfähigkeitsrüge). 

In seinem Beschluss 7 zum Verfahren setzte der Aus- 
schuss fest, dass Mitglieder der politischen Leitungs- 
ebene und der militärischen Führung unbeschadet der 
Vorschrift des § 14 PU AG grundsätzlich in öffentlicher 
Sitzung anzuhören seien. Dies könne im Einzelfall auch 
auf Personen des nachgeordneten Bereichs erstreckt wer- 
den. 

Damit ist die Frage des Verhältnisses von Artikel 45a Ab- 
satz 3 GG einerseits (Keine Geltung des Artikel 44 Ab- 
satz 1 GG mit seiner Pflicht zur Öffentlichen Sitzung) 
und der Kompetenz des Ausschusses, öffentliche Anhö- 
rungen zuzulassen, andererseits aufgeworfen. 

Dieses Rechtsproblem nahm im 1. UA gern. Artikel 45a 
Absatz 2 GG der 17. WP, dem sog. Kunduz-Untersu- 
chungsausschuss, einen breiteren Raum ein. Der Aus- 
schuss kam damals nach Abwägung der Stimmen aus den 
Kommentaren zum Grundgesetz und aus Monographien zu 
dem Ergebnis, dass er selbst bestimmen könne, ob und in 
welchem Umfang Beweiserhebungen öffentlich durchzu- 
fähren seien (vgl. insoweit den Bericht des 1 . UA gern. Ar- 
tikel 45a Absatz 2 GG, Bundestagsdrucksache 17/7400, 
Dritter Teil, A. I. Verfahrensbeschlüsse, S. 169, re Sp.). 
Entscheidend sei immer die Situation im jeweiligen Unter- 
suchungsausschuss, nicht zuletzt auch der Untersuchungs- 
gegenstand. Dementsprechend wurden in diesem Fall alle 
Anhörungen in öffentlicher Sitzung durchgefährt. 

Hintergrund dieser für den Verteidigungsausschuss als 
Untersuchungsausschuss geradezu ungewohnten Offen- 
heit war das Verhalten der Ausschussminderheit nach Sit- 
zungen des Verteidigungsausschusses im Vorfeld der 
Konstituierung als Untersuchungsausschuss. Deren Äu- 
ßerungen nach den nicht öffentlichen Sitzungen gegen- 
über den Medienvertretem gaben nach Ansicht der Mehr- 
heit regelmäßig nicht den tatsächlichen Verlauf und Inhalt 
der Sitzung wieder. Um den Medienvertretern wenigstens 
die Gelegenheit zu geben, entsprechend Inhalt und Ver- 
lauf der Sitzungen zu berichten und zu kommentieren, 
wurde das beschriebene hohe Maß an Öffentlichkeit fest- 
gelegt. „Öffentlich“ umfasste in diesem Fall keine Fern- 
sehaufnahmen während der Sitzungen. Auf eine Anfrage 
eines Fernsehsenders, ob die Vernehmungen der Zeugen 
live übertragen werden können, wurde von Seiten der 
Vorsitzenden zu Recht auf § 13 Absatz 1 Satz 2 PU AG 
verwiesen, wonach Ton- und Filmaufnahmen sowie Ton- 


und Bildübertragungen grundsätzlich nicht zulässig sind. 
Aus diesem Grund wurde die Anfrage durch das Aus- 
schusssekretariat zu Recht abschlägig beantwortet. Der 
ebenfalls in der 17. Wahlperiode tagende Untersuchungs- 
ausschuss NSU verfuhr auf gleiche Art und Weise. 

Mit seinem Beschluss 12 zum Verfahren betrat der Aus- 
schuss Neuland, zumindest für die Zeit unter Geltung des 
PUAG. 

Gern. § 34 Absatz 3 2. Halbsatz PUAG kann der Verteidi- 
gungsausschuss als Untersuchungsausschuss einen Unter- 
ausschuss „zu deren [der Untersuchung] Durchführung“ 
einsetzen. 

Bei den Erörterungen zur Einsetzung des Ausschusses 
wurde von Teilen der Minderheit dem entgegengehalten, 
dass es hiergegen - nicht näher spezifizierte - verfas- 
sungsrechtliche Bedenken gebe. 

Eine Prüfung ergab, dass diese wesentlich darin bestan- 
den, der Untersuchungsausschuss könne die ihm durch 
das Grundgesetz zugewiesene Kompetenz nicht delegie- 
ren. Es stellte sich jedoch heraus, dass die von den Kriti- 
kern zitierte verfassungsrechtliche Literatur i. d. R. vor 
Geltung des PUAG entstanden war. Lediglich Klein in 
Maunz-Dürig, Kommentar GG, Artikel 45 a, blieb bei der 
von ihm vertretenen strengen Linie und wurde damit zur 
Mindermeinung. Andere Kommentatoren erwähnen die 
Frage in neueren Kommentierungen nicht mehr, in Um- 
bach/Clemens wird der Streit durch die Regelung in § 34 
PUAG für entschieden erklärt. Zudem sind aus den Ge- 
setzgebungsmaterialien zum PUAG keinerlei verfas- 
sungsrechtliche Bedenken gegenüber der Regelung des 
§ 34 Absatz 3 PUAG ersichtlich. 

Auch der Einwand aus § 55 GO-BT trifft nicht. Er regelt 
die Einsetzung von Unterausschüssen in nicht durch spe- 
zielles Gesetz genannten Fällen. Diese Unterausschüsse 
können lediglich vorbereitende Aufgaben übertragen be- 
kommen. § 55 GO-BT statuiert ein Widerspruchsrecht ei- 
ner Minderheit von einem Drittel der Ausschussmitglie- 
der. Damit wäre ein einfacher Mehrheitsbeschluss gegen 
dieses Drittel nicht möglich gewesen. § 34 Absatz 3 
PUAG ist insoweit vorrangige lex specialis, zumal er in 
Kenntnis des § 55 GO-BT beschlossen wurde. 

Die Einsetzung eines Unterausschusses gern. § 34 Absatz 3 
PUAG wäre ein Verfahrensbeschluss und daher mit einfa- 
cher Mehrheit zu fassen gewesen. 

Dem zeitaufwendigen Verfahren einer gutachterlichen 
oder gar gerichtlichen Klärung dieser durchaus grund- 
sätzlichen Frage wollte der Ausschuss jedoch wegen der 
ohnehin knapp bemessenen Dauer der Untersuchung 
(Ende der Wahlperiode) entgehen und fasste den aus dem 
Feststellungsteil ersichtlichen Beschluss 12 zum Verfah- 
ren. Dieser ermöglichte eine weitgehend reibungsfreie 
Durchführung der Untersuchungen trotz parlamentari- 
scher Sommerpause und Wahlkampf 




Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 147 - 


Drucksache 17/14650 


B. Bewertung der Untersuchungsergebnisse 

I. Schließung der Fähigkeitslücke nach 

„Breguet Atlantic“ 

Es war im Jahr 2004 eine richtige Entscheidung, die ver- 
alteten und auf wirtschaftliche Weise nicht mehr steiger- 
baren und modernisierbaren Fernaufklärer „Breguet 
Atlantic“ durch ein hochmodernes und zu einem erhebli- 
chen Teil noch zu entwickelndes System einer signaler- 
fassenden, luftgestützten, weiträumigen Überwachung 
und Aufklärung (SLWÜA) zu ersetzen. Die durch die 
sukzessive Außerdienststellung der Flugzeuge entste- 
hende und im Zeitablauf stetig wachsende Lücke in der 
weiträumigen Aufklärung und Nachrichtengewinnung 
konnte durch vorhandene andere Mittel (Satellitenaufklä- 
rung einerseits und operativ-taktische Aufklärung ande- 
rerseits) nicht geschlossen werden. Strategische Nach- 
richtengewinnung durch Femmelde- und elektronische 
Aufklärung ist eine Schlüsselfähigkeit für eine moderne 
Armee im Einsatz und für die Aufgaben der zivilen Kri- 
senprävention und -reaktion unverzichtbar. Zudem kann 
das System einen wichtigen Beitrag zum Schutz unserer 
Soldatinnen, Soldaten und des Zivilpersonals im Einsatz 
leisten. Das daraus resultierende Fähigkeits Spektrum ist 
eine wesentliche Voraussetzung, damit die Bundeswehr 
dem vom Deutschen Bundestag formulierten Auftrag 
nachkommen kann. 

Es war auch richtig, angesichts des Anforderungsprofils 
- mind. 3 000 km Reichweite und 24 Stunden Stehzeit - 
sich für ein unbemanntes System zu entscheiden. Hierfür 
bot sich der in den USA bereits erprobte Träger Global 
Hawk an. Das entsprechende Sensoriksystem sollte in 
Deutschland entwickelt werden. 

Das Projekt Euro Hawk wurde unter rot- grüner Regie- 
rungsverantwortung mit großer Aufbruchstimmung ge- 
startet. Allerdings war es von Beginn an viel komplexer 
und risikobehafteter, als dies die Initiatoren kommuniziert 
haben. Mit der Entscheidung wurde technologisches, 
rechtliches und luftfahrtregulatorisches Neuland betreten. 
Das Entwicklungsprojekt Euro Hawk musste zudem von 
Anfang an als hoch komplexes Vorhaben betrachtet wer- 
den, zumal auf dem Markt keine adäquate, bereits existie- 
rende Lösung zur Verfügung stand. Die Lückenschlie- 
ßung durch ein unbemanntes System mit modernster 
Elektronik war mehr als nur eine lineare Fortentwicklung 
vorhandener Technik, es war der Sprung in eine neue 
technologische Generation. Die Entscheidung sollte auch 
den technologischen Anschluss der deutschen militäri- 
schen Luftfahrt an das Forschungsniveau der USA und 
somit das Handeln mit dem Bündnispartner auf Augen- 
höhe sichern. Die Entscheidung für die „Drohne“ anstelle 
anderer Trägerplattformen mit Besatzung konnte den An- 
forderungen an die durch die geforderte Reichweite erfor- 
derliche Flughöhe von mehr als 20 km und die lange 
Stehzeit als einzige genügen. Sie versprach zudem gerin- 
gere laufende Kosten für das eingesetzte Personal. Die 
Bedeutung unbemannter Systeme wird auch international 
zunehmend erkannt. 


Die Überlegungen und Planungen für einen Ersatz für die 
Zeit „nach Breguet“ wurden grundsätzlich hinreichend 
früh begonnen, um einen fließenden Übergang zu der 
neuen Technik organisieren zu können. Dass die hohen 
Anforderungen an die technischen, aber auch technisch- 
administrativen Erfordernisse zu einer erheblichen Zeit- 
verzögerung bei der Einführung der neuen Technik und 
damit zu einer lang andauernden Fähigkeitslücke führen 
würden, war in diesem Umfang nicht abzusehen. 

II. Projektverlauf CPM 

1. Frühe Kenntnis über Entwicklungsrisiken 

Der Zeuge Wolfgang Schneiderhan hat in seinen Ausfüh- 
rungen verdeutlicht, dass nach der Außerdienststellung 
der Breguet Atlanic im Jahre 2010 eine absehbare Fähig- 
keitslücke im Bereich der signalerfassenden, luftgestütz- 
ten und weiträumigen Überwachung und Aufklärung zu 
entstehen drohte (SLWÜA). 

Daraus wurde der aus heutiger Sicht richtige Schluss ge- 
zogen, frühzeitig mit der Entwicklung eines leistungsfä- 
higen und technisch innovativen Nachfolgesystems zu 
beginnen. Als Planungsverfahren griff man auf den neuen 
CPM 2001 zurück, der im Gegensatz zum vorherigen Be- 
schaffungsgang Fähigkeiten und nicht Systeme in den 
Mittelpunkt der Betrachtungen stellte. 

Der Generalinspekteur der Bundeswehr hat gemäß CPM 
2001 als derjenige, der die militärischen Rahmenbedin- 
gungen zu formulieren hat, einen zentralen Anteil an der 
Planung für die Nachfolge der Breguet Atlantic. Die zu- 
ständigen Planungsgremien (Integrierte Arbeitsgruppen 
Fähigkeitsanalyse - lAGFA) griffen bei der Betrachtung 
der Möglichkeiten zur Schließung der Fähigkeitslücken 
auf zahlreiche Studien hinsichtlich einer technischen und 
finanziellen Machbarkeit zurück. Man kann somit davon 
ausgehen, dass bereits zu diesem frühen Zeitpunkt die 
technischen und finanziellen Risiken ausgeschlossen 
bzw. minimiert werden sollten. 

Im Verlauf des Planungsprozesses stellte sich sehr bald 
heraus, dass sowohl die militärische als auch die politi- 
sche Seite ein unbemanntes System präferieren würde. 
Die Vorteile eines solchen Systems lagen auf der Hand. 
Neben dem Vorteil der langen Stehzeit im Einsatzgebiet 
konnten die geringeren Betriebskosten und der nicht zu 
verachtende Aspekt des Technologiesprungs in der Luft- 
waffe auf der Habenseite verbucht werden. 

Der Zeuge Wolfgang Schneiderhan bestätigte, dass man 
sich bereits zu diesem frühen Zeitpunkt über das hohe 
technische, aber auch verkehrstechnische Risiko bewusst 
war und deshalb richtigerweise den Weg wählte, zunächst 
einen Entwicklungsvertrag mit der Industrie zu schließen. 
Dieser Ansatz war zweifellos richtig, blieb aber durch das 
Ausblenden entscheidender Fragen unvollständig und 
hätte nur bei Behandlung aller relevanten Fragen und ent- 
sprechender Kontrolle zum Erfolg geführt werden kön- 
nen. 

Das technische Risiko einer kompletten Neuentwicklung 
sollte dadurch minimiert werden, dass man bereits im 



Drucksache 17/14650 


- 148- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


Sommer 2000 in Erwägung zog, auf die amerikanische 
Drohne Global Hawk zurückzugreifen. Damit hätte man 
gleichzeitig eine quasi standardisierte Trägerplattform für 
die deutsche SIGINT Nachfolge als auch für die NATO 
AGS erhalten. Ein auf den ersten Blick nicht von der 
Hand zu weisender Vorteil. 

Dieser Ansatz geht aus dem von Staatssekretär 
Dr. Walther Stützle und Generalinspekteur Harald Kujat 
genehmigten Protokoll einer Priorisierungssitzung aus 
dem August 2000 hervor. Und auch zu diesem frühen 
Zeitpunkt spielte die Flugsicherheitsfrage bereits eine 
Rolle und wurde im Protokoll ausdrücklich genannt. Den- 
noch entschied man sich zum „energischen Vorantreiben“ 
der UAV basierten Aufklärungssysteme. 

Auch bei den im Rahmen des CPM 2001 zu erarbeiten- 
den Dokumenten (Systemfähigkeitsforderung und Ab- 
schließende funktionale Forderung) spielten die mögli- 
chen Zulassungsprobleme bereits eine Rolle. So stellte 
der Generalsinspekteur Harald Kujat bereits im Februar 
2001 fest, dass hinsichtlich des Fliegens unbemannter 
Systeme im kontrollierten Luftraum unabhängig vom an- 
gestrebten Trägersystem Euro Hawk erheblicher Hand- 
lungsbedarfbestehe. 

Sehr früh wurde seitens des Generalinspekteurs Kujat 
auch schon auf die restriktiven US-amerikanischen Rüs- 
tungsexportregeln im Zusammenhang mit dem Projekt 
Euro Hawk hingewiesen. Ein zusätzlicher Risikofaktor, 
der im weiteren Verlauf der Entwicklung zu zeitlichen 
Verzögerungen und damit einhergehend zu einer erhebli- 
chen Kostensteigerung führte. 

Dennoch wurde wie erwähnt an der unbemannten Lösung 
festgehalten. Die Probleme hinsichtlich der Teilnahme 
am zivilen Luftverkehr wollte man mit einem nicht näher 
bezeichneten technischen Modernisierungsschub/Techno- 
logiesprung erreichen. 

Damit wurde das Unwägbare als fester Bestandteil in den 
weiteren Erprobungsprozess aufgenommen. Man wollte 
die UAV-Technik um jeden Preis und wählte zur Realisie- 
rung einen hochriskanten Ansatz. Letztendlich hat man 
das Risiko des Scheiterns an diesen offenen Fragen be- 
reits zu diesem Zeitpunkt in Kauf genommen. 

Der bereits mehrfach erwähnte Planungsprozess CPM 
2001 sah vor, bei Beschaffungsvorhaben auf marktver- 
fügbare Systeme zur Risikominimierung zurückzugreifen 
und die Funktionsfähigkeit an einen Prototyp zu testen. 
Dieser Ansatz ist prinzipiell richtig, denn bei einer Neu- 
entwicklung, beispielsweise eines Trägersystems, hätte 
man im wahrsten Sinne des Wortes um jeden Preis die 
Musterzulassung erwirken müssen. Der Ansatz bleibt 
aber unvollständig und hochriskant, wenn bereits be- 
kannte Risiken ausgeblendet oder zeitlich nach hinten ge- 
schoben werden. 

Der Global Hawk war das einzige marktverfügbare, den 
Anforderungen entsprechende System. Bei eingehender 


1127 Protokoll der 8. Sitzung, S. 04. 


Betrachtung hätte aber festgestellt werden können, dass 
das System durch die US-Luftwaffe ständig verbessert 
wurde und in den USA keine US-amerikanische Muster- 
zulassung existierte. Auf diese Zulassung hätte man zu- 
rückgreifen wollen, wie es bei der Beschaffung des Phan- 
tom Jagdbombers bereits der Fall war. Die Hoffnung war, 
man müsse lediglich die US-amerikanischen Papiere in 
deutsche Zulassungspapiere umwandeln. Jedoch war eine 
Musterzulassung für die verschiedenen Versionen des 
Global Hawk für die US-Luftwaffe aus nachvollziehba- 
ren Gründen nicht sinnvoll. Der Aufwand wäre größer 
gewesen als der Nutzen. Dies schien zur damaligen Zeit 
im Bundesministerium der Verteidigung und im nachge- 
ordneten Bereich nicht bekannt gewesen zu sein. Diese 
Unkenntnis und unterlassene, tiefergehende Prüfung der 
tatsächlichen Zulassungsumstände ist ein weiterer we- 
sentlicher Fehler, der zu den Zulassungsproblemen des 
Euro Hawk in Deutschland führte. 

Die im Untersuchungszeitraum fortlaufende Verbesse- 
rung der Global Hawk der US-Luftwaffe brachte es über- 
dies mit sich, dass der durch das Bundesministerium der 
Verteidigung beschaffte und erprobte sogenannte Global 
Hawk Block 20 zum Zeitpunkt der Erprobung und erst 
recht zum Zeitpunkt einer etwaigen Serienbeschaffung 
nicht mehr dem technisch modernsten Stand besaß und 
somit auch nicht mehr kostengünstig versorgbar war, da 
die Ersatzteilbeschaffung eines erheblichen finanziellen 
Aufwands bedurft hätte. 

Darin lag ein weiterer wichtiger Grund für die heutige 
Nichtbeschaffung des Global Hawk. 

Die Tatsache, dass die US-amerikanische Entwicklungs- 
realität im Bundesministerium der Verteidigung gar nicht 
oder nur zum Teil wahrgenommen wurde, barg bereits 
den Keim des Scheiterns in sich. 

Die Frage, inwieweit die USA willens waren, militärische 
Hochtechnologie mit Deutschland auszutauschen, wurde 
im Bundesministerium der Verteidigung zu optimistisch 
beurteilt. Gleichwohl wurde auf die grundsätzlichen Pro- 
bleme durch die Luftwaffe frühzeitig hingewiesen. Offen- 
kundig ging der Austausch derart stockend voran, dass 
der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder im Fe- 
bruar 2004 zur Vorbereitung einer USA-Reise einen ent- 
sprechenden Vermerk zum Entwicklungsvorhaben Euro 
Hawk erhielt. Ob das Projekt dann auch Thema bei Kon- 
sultationen oder sonstigen Gesprächen war, ist nicht mehr 
nachvollziehbar. Hinweise darauf liegen nicht vor. 

Insgesamt hätte man also bereits zum Beginn der Ent- 
wicklung das hohe Risiko in den verschiedenen angespro- 
chenen Bereichen erkennen müssen. 

Erkannte man die Risikofaktoren, so wurden diese durch 
zu optimistische Annahmen oder die Hoffnung auf Tech- 
nologiesprünge relativiert. Es entsteht, wie bereits festge- 
stellt, der Eindruck, dass die militärische und politische 
Führung des Bundesministeriums der Verteidigung eine 
UAV Plattform um jeden Preis beschaffen wollte, getrie- 
ben von dem Wunsch, mit der USA im Bereich SIGINT 
auf Augenhöhe begegnen zu können. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 149- 


Drucksache 17/14650 


Hinsichtlich der Musterzulassung und der Teilnahme am 
allgemeinen Luftverkehr wurde bereits im Jahre 2002 von 
der Arbeitsgruppe Systemkonzeptstudie dringender 
Handlungsbedarf festgestellt. 

2. Absenkung der Forderungen zur Teil- 
nahme am allgemeinen Luftverkehr 

Obwohl die Bundeswehr über keinerlei Erfahrungen be- 
züglich des Flugbetriebs unbemannter Systeme besaß, 
forderte die Arbeitsgruppe Fähigkeitsanalyse des Bundes- 
ministeriums der Verteidigung im Sommer 2002, dass 
sich der Träger in die vorhandene und militärische Luft- 
raumstruktur einzuordnen habe und deshalb mit den ent- 
sprechenden dafür erforderlichen technischen Einrichtun- 
gen versehen sein müsse. 

Diese Forderung wurde jedoch im Jahre 2004 in der ab- 
schließenden funktionalen Forderung des Generalinspek- 
teurs Wolfgang Schneiderhan bereits abgeschwächt. Nach 
diesem von Staatssekretär Dr. Peter Eickenboom geneh- 
migten Dokument muss das UAV nicht mehr am Luftver- 
kehr teilnehmen, sondern es soll teilnehmen können. Für 
den Prototyp galt sogar nur noch eine Kann- Vorschrift. 
Dies stellte eine erhebliche Relativierung der ursprüngli- 
chen Entwicklungsziele dar und nahm im Wesentlichen 
die Verschiebung der Musterzulassung aus der Entwick- 
lung hin zur Serie bereits vorweg bzw. machte diese zu- 
mindest möglich. 

Diese Absenkung der Anforderungen zur Teilnahme am 
allgemeinen Luftverkehr fand sich auch im Vertrag über 
den Euro Hawk im Jahre 2007 wieder. So war es nach- 
vollziehbar, dass im Februar 2010 gänzlich auf die Mus- 
terzulassung des Prototypen verzichtet und dieses Unter- 
fangen auf die Serie verschoben wurde. Dieser Verzicht 
ist der Endpunkt der zuvor beschriebenen und im Jahre 
2002 beginnenden Relativierung der Fähigkeiten zur Teil- 
nahme am allgemeinen Luftverkehr. Damit hatte man ein- 
gestanden, dass zumindest für den Prototypen der er- 
hoffte Technologiesprung, welcher als Voraussetzung zur 
Teilnahme am allgemeinen Luftverkehr in der Konzep- 
tionsphase erhofft und angenommen wurde, nicht stattge- 
funden hatte. Jedoch bedeutet das Verschieben der Mus- 
terzulassung hin zur Serie, dass man sich noch immer 
nicht ganz von dieser zentralen Annahme trennen wollte 
und auf dieses Entwicklungswunder hoffte. 

Einer der wesentlichen Fehler des Projekts war es, zwi- 
schen dem Demonstrator und der Serie in der wichtigen 
Frage der Zulassung zu unterscheiden. Es wurde demge- 
mäß bereits beim Anlaufen des Projekts das Risiko zu ge- 
ring bewertet, dass man am Ende der Projektierungsphase 
gegebenenfalls zwar ein einzelnes technisch funktionie- 
rendes System hat, aber eine Zulassung der Serie dauer- 
haft nicht oder nur mit erheblichen Mehrkosten erreicht 
werden kann. 

3. Mangelnde Verzahnung 

Bezeichnend für den gesamten Prozess der Entwicklung 
ist, dass die besagte Entscheidung des Jahres 2010 allein 
durch das Projektteam des damaligen BWB getroffen 


wurde. Hier werden auch die Schwächen des CPM 2001 
sichtbar. Die Verzahnung bzw. fristgerechte Einbindung 
der entsprechenden Führungs- und Entscheidungsebenen 
fehlte zu jeder Zeit. Die Protagonisten schwebten ohne 
verbindende und ordnende Klammer im gesamten Pro- 
zess quasi in Parallelwelten. Informationen gelangten ent- 
weder gar nicht oder zu spät zu den nächsthöheren Stab- 
stellen. Das damalige BWB war offenkundig nicht in der 
Lage, eine Transmission zwischen Entwicklungsteam und 
Bundesministerium der Verteidigung herzustellen und die 
entsprechenden Maßgaben zu koordinieren. 

Aus dieser offenkundigen Schwäche des fehlgeleiteten 
Prozesses wurde im Rahmen der aktuellen Reform des 
Beschaffungsprozesses der richtige Schluss gezogen. Zu- 
künftig werden alle beteiligten Organisationsbereiche von 
Beginn an in den Prozess der Planung bis hin zur Nut- 
zung eingebunden. Parallele Entwicklungen nach dem 
Muster Euro Hawk werden so erschwert. Ein wirkungs- 
volles Controlling führt die Entwicklung zudem immer 
wieder auf das ursprünglich vereinbarte Ziel zurück. 

In den beschriebenen Fehlentwicklungen und risikobe- 
hafteten grundlegenden Annahmen liegen aus Sicht der 
Regierungskoalition die wesentlichen Gründe für das 
Scheitern des Entwicklungsvorhabens. Unbestritten ist 
aus Sicht der Koalition, dass man zu Beginn des Projekts 
Risiken leichtfertig relativierte, um mit dem Euro Hawk 
ein modernes Aufklärungs System zu erhalten. Hier muss 
man sich dem Bundesrechnungshof anschließen und von 
einem blauäugigen Vorgehen sprechen. 

Die Musterzulassung des Euro Hawk ist grundsätzlich 
Voraussetzung für den Einsatz des UAV. Ohne Musterzu- 
lassung kein Euro Hawk und ohne Euro Hawk kein Quan- 
tensprung bei den Fähigkeiten in der SIGINT Aufklä- 
rung. Diese auf der Hand liegende zentrale Bedeutung der 
Musterzulassung wurde offenkundig konsequent ausge- 
blendet, weshalb die Probleme zu deren Erlangung viel 
zu spät erkannt wurde und das Projekt mithin zwangsläu- 
fig zu der bekannten Entwicklung geführt hat. 

Für die Musterzulassung muss der Hersteller Angaben 
über verbaute Materialien und Technologien machen. Ge- 
nau dazu war aber die US-amerikanische Seite zu keinem 
Zeitpunkt bereit. Die diesbezüglichen Vorstellungen der 
Vertragspartner Bundeswehr und EuroHawk GmbH 
konnten in diesem Punkt nicht harmonisiert werden. Viel- 
mehr bestand zu jeder Zeit und von Beginn an eine unter- 
schiedliche Auffassung darüber, welche Informationen 
der deutschen Seite zur Verfügung zu stellen sind. 

Auch bei diesem Problemkomplex, der Dokumentation, 
hatten die Mitarbeiter des BWB die Hoffnung, die Pro- 
bleme im Verlauf des Projekts lösen zu können. Wiede- 
rum kam eine hochriskante Annahme mit vielen Unbe- 
kannten hinzu. 

Beachtenswert ist aus Sicht der Koalition zudem, dass der 
Abwägungsprozess zwischen dem Scheitern aufgrund der 
ausufemden Kosten sowie der Nichtzulassung und dem 
ohne Zweifel vorhandenem Fähigkeitshinzugewinn 
(Schließen der Fähigkeitslücke) ständig auf der Ebene der 
Projektleitung lag. Dies scheint aus heutiger Sicht nicht 



Drucksache 17/14650 


- 150- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


die richtige Entscheidungsebene zu sein. Wenigstens der 
Präsident des ehemaligen BWB hätte in diesen Entschei- 
dungsprozess eingebunden sein müssen, um im Sinne der 
Fürsorge den nötigen Rückhalt für etwaige Entscheidun- 
gen gegenüber dem Bundesministerium der Verteidigung 
zu geben. 

Die Projektleitung hat sich aus naheliegenden Gründen 
stets zu Gunsten des Euro Hawk ausgesprochen. Erst als 
die Kosten für eine Musterzulassung die Grenze von bis 
zu 600 Mio. Euro zu überschreiten drohten - ohne das die 
Musterzulassung wirklich verlässlich am Ende der Ent- 
wicklung gestanden hätte - setzte ein Umdenken ein. Bis 
dahin galt es, die Fähigkeitsanforderungen zu senken, die 
Geldausgaben hingegen zu steigern. Aus Sicht der Koali- 
tion ist dieser Umgang mit Steuergeldem jedoch nicht 
verantwortbar. 

Auch wenn Bundesminister a. D. Rudolf Scharping und 
Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan in ihren Zeu- 
genaussagen der Auffassung waren, dass das Schließen 
der Fähigkeitslücke schwerer wiege als die steigenden 
Kosten, stimmt die Koalition der Entscheidung von Bun- 
desminister Dr. Thomas de Maiziere, MdB, zu, die Seri- 
enbeschaffung nicht auszulösen. 

4. ISIS-Erprobung wird sinnvollerweise 
fortgesetzt 

Die Koalition stimmt Bundesminister Dr. Thomas de 
Maiziere, MdB, auch in seiner Bewertung zu, dass trotz 
des zunehmend negativen Kosten-Nutzen- Verhältnisses 
des Trägersystems die bisher erfolgreiche Erprobung des 
Missionspakets ISIS entgegen steht. Eine erfolgreiche Er- 
probung ist nur auf der Trägerplattform Euro Hawk mög- 
lich und kann aufgrund der vorläufigen Verkehrszulas- 
sung dort durchgeführt werden. Dieses Vorgehen ist 
nachvollziehbar und richtig. Doch auch hier gilt, dass das 
Bundesministerium der Verteidigung und insbesondere 
die Leitung früher in den Entscheidungsprozess hätten 
eingebunden werden müssen. Der erneute Alleingang bei 
der Fortführung des Projektes Euro Hawk unter geänder- 
ten Vorzeichen ist ebenso wenig akzeptabel wie die Ent- 
scheidung im Februar 2010 als man die Musterzulassung 
in die Serie verschob. 

Die Koalition unterstützt die Entscheidung des Ministers, 
den Prototypen zur Erprobung des ISIS- Systems zu nut- 
zen, ohne in die Phase der Serienbeschaffung einzustei- 
gen. 

5. Serie wird sinnvollerweise nicht beschafft 

Aus heutiger Sicht gab es keine realistische Chance für 
eine Musterzulassung der Serie zu vertretbaren Rahmen- 
bedingungen. Die lABG Studie geht von rd. 600 Mio. 
Euro Mehrkosten für den Versuch einer Musterzulassung 
aus, ohne diese letztendlich garantieren zu können. Die 
Entscheidung der USA, die für den Euro Hawk vorgese- 
henen Versionen des Global Hawk (Block 20/30) nicht 
mehr zu nutzen hätte die Beschaffung von Ersatzteilen für 
die Serie erschwert und die Kosten dafür in die Höhe ge- 
trieben. 


Nicht außer Acht gelassen werden darf bei einer abschlie- 
ßenden Betrachtung die Tatsache, dass eine rein nationale 
Missionsplanung erst ab dem Jahre 2017 hätte stattfmden 
können. Mit anderen Worten: Mindestens bis 2017 hätten 
die USA die Missionen der deutschen UAV geplant. Dies 
kann nicht im Interesse Deutschlands sein. 

Zusammenfassend: Ein UAV, welches über veraltete, 
nicht mehr versorgbare Technik verfügt, keine realisti- 
sche Perspektive auf eine Musterzulassung hat und nicht 
der deutschen Planungshoheit unterliegt, ist aus den ge- 
nannten nachvollziehbaren Gründen nicht zu beschaffen. 
Eine anderslautende Entscheidung, wie von Bundes- 
minister a. D. Rudolf Scharping während seiner Verneh- 
mung durch den Untersuchungsausschuss präferiert, 
hieße leichtfertig mit Steuergelden umzugehen. Der Nut- 
zen für die Bundeswehr stünde in keinem vertretbaren 
Verhältnis zu den Kosten. 

6. Kein Schaden durch Entscheidung zur 
Nichtauslösung der Serienbeschaffung 

Hinsichtlich des Zeitpunkts der Entscheidung stützt die 
Koalition die Position des Bundesverteidigungsministers 
Dr. Thomas de Maiziere, MdB. Zwar mahnt der Bundes- 
rechnungshof bereits für das Jahr 2009 eine grundsätzli- 
che Neubewertung an, räumt aber im selben Bericht ein, 
dass die Leitung des Hauses nach Kenntnisnahme der 
Schieflage im Entwicklungsprojekt Euro Hawk umge- 
hend und richtig gehandelt habe. 

Aus heutiger Sicht haben die Zeugeneinvernahmen 
glaubhaft ergeben, dass man sich zunächst bemühte, alle 
möglichen Lösungsansätze zu prüfen und zu bewerten, 
bevor man ein Projekt dieser Dimension stoppt. Nur so ist 
die Unterrichtung des zuständigen Staatssekretärs 
Stephane Beemelmans im Oktober 2012 zu erklären, der 
zufolge der Testbetrieb mit einer vorläufigen Zulassung 
ab Dezember 2012 beginnen könne und eine belastbare 
Aussage zur Musterzulassung der Serie erst bis Ende 
2012 möglich wäre. 

Ein verfrühter Abbruch des Projektes wäre nicht sinnvoll 
gewesen. Weder hätte das ISIS System unter Einsatzbe- 
dingungen erprobt werden können, noch hätte man Erfah- 
rung im Flugbetrieb mit einem HALL UAV gewinnen 
können. Aus Sicht der Koalition ist im Zusammenhang 
mit dem Nichtauslösen der Serienbeschafflmg nicht von 
einem Schaden zu sprechen. Vielmehr hat die Leitung des 
Bundesministeriums der Verteidigung versucht, unter den 
gegebenen Umständen noch den maximalen Nutzen zu 
erlangen. 

Aus dem ursprünglich bei Vertragsabschluss im Jahre 
2007 avisierten Gesamtfmanzierungsbedarf von 371 Mio. 
Euro für das Trägersystem und das ISIS System waren 
die Kosten durch zahllose Verzögerungen und Ände- 
rungsverträge auf rund 600 Mio. Euro angestiegen. Von 
diesem Betrag hat der Bund noch 100 Mio. Euro anzu- 
weisen. 

Am Tag des Amtsantritts von Bundesminister 
Dr. Thomas de Maiziere, MdB, also Anfang 2011, waren 
bereits über 85 Prozent der Gesamtsumme, das sind 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 151 - 


Drucksache 17/14650 


565 Mio. Euro, abgeflossen oder gebunden. Diesen Be- 
trag kann man ohne Zweifel als die Masse der Finanzmit- 
tel bezeichnen. 

Zu dem Zeitpunkt, als die Leitung des Bundesministe- 
riums der Verteidigung Anfang 2012 über die Probleme 
unterrichtet wurde, waren bereits 613 Mio. Euro abge- 
flossen oder gebunden. Dies entspricht 93 Prozent der 
Gesamtsumme. Ein Abbruch des Projekts zu diesem Zeit- 
punkt hätte somit lediglich geringe haushälterische Ef- 
fekte gehabt, ohne jedoch eine wirkliche finanzielle Ein- 
sparung zu bringen. 

Von dem genannten Betrag schlagen rund 360 Mio. Euro 
für die Entwicklung und Erprobung des ISIS- Systems zu 
Buche. Dieses Geld wäre bei einem verfrühten Abbruch 
des Gesamtentwicklungsprogamms vergeblich aufge- 
bracht worden. Die berechtigte Kritik des Bundesrech- 
nungshofes wäre gewiss gewesen. 

Somit wird deutlich, dass ein Abbruch des Entwicklungs- 
projekts nicht nur keine finanzielle Ersparnis gebracht 
hätte. Im Gegenteil: Die durch den Abbruch bedingte 
Nichtvollendung des ISIS-Systems hätte einen signifikan- 
ten finanziellen und technologischen Schaden ausgelöst. 
Hätte man Schaden frühzeitig verhindern wollen, hätten 
in der Projektierungsphase realistische Annahmen getrof- 
fen und das gesamte Entwicklungsprojekt über den ge- 
samten Entwicklungszeitraum qualitativ enger begleitet 
werden müssen. Die einzige Schadensvermeidungsstrate- 
gie im Zusammenhang mit dem Euro Hawk Projekt, wie 
es sich heute darstellt, wäre die Nichtunterzeichnung der 
Phasenpapiere und Verträge gewesen. 

7. Richtige Schlussfolgerungen aus dem 

Euro Hawk Entwicklungsprozess gezogen 

Allen Entwicklungsvorhaben ist das Risiko des Schei- 
tems immanent, z. B. weil die technologischen Fordemn- 
gen zu ambitioniert sind. Entscheidend scheint aber vor 
dem Hintergmnd der Erfahmngen mit dem Euro Hawk 
das Risikomanagement, das auch immer die Zulassungs- 
fragen von Beginn an einschließt. 

Alle an der Entwicklung und Erprobung beteiligten Par- 
teien sollten ein gemeinsames Verständnis über alle rele- 
vanten Themen und Begriffe entwickeln, damit die Indus- 
trie auch Kenntnis davon hat, was die Bundeswehr 
wirklich benötigt. 

Kostensteigemngen sollten nur im vertretbaren Rahmen 
erfolgen. Die selbstverständliche Nachfmanziemng sollte 
der Vergangenheit angehören. Für den Fall eines exorbi- 
tanten Preisanstiegs müssen Ausstiegskriterien definiert 
sein. 

Dies ist auch der Herstellerseite zu kommunizieren, nur 
so kann es zukünftig zu realistischeren Kosten- und Leis- 
tungsangeboten kommen. 

Im Falle des Euro Hawk haben alle Kontrollmechanis- 
men, so sie denn im CPM 2001 vorgesehen waren, ver- 
sagt. 


Damm war es richtig, bei der Neuausrichtung der Bun- 
deswehr das Beschaffungsverfahren zu reformieren. Die 
Beschaffung und die Materialverantwortung im Rahmen 
der (lebenslangen) Nutzung wurden im Bundesamt für 
Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bun- 
deswehr (BAAINBw) zusammengeführt. Damit ist si- 
chergestellt, dass alle Protagonisten „an einem Tisch“ sit- 
zen. 

Der neue CPM nov. zeigt gegenüber dem CPM 2001 fol- 
gende wesentliche Verbessemngen auf 

Die Schnittstellen wurden reduziert und die Verantwort- 
lichkeiten klar definiert. Die Risikoanalyse erhält einen 
höheren Stellenwert. Zu jedem Zeitpunkt des Planungs- 
prozesses sind alternative Lösungen zu betrachten. Das 
Controlling wird durch Zielvereinbamngen auf allen Ebe- 
nen wesentlich verbessert. In den Integrierten Projekt- 
teams wird die gesamte in der Bundeswehr vorhandene 
Expertise unter einer Fühmng gebündelt. Wir begrüßen, 
dass Bundesminister Dr. Thomas de Maiziere, MdB, eine 
Task Force eingesetzt hat, welche die im Zusammenhang 
mit dem Euro Hawk festgestellten Mängel in der Fach- 
aufsicht endgültig und dauerhaft beseitigt. 

Gerade der Ansatz, dass mehrere Alternativen von Be- 
ginn an zu betrachten sind, versetzt den Generalinspek- 
teur erstmals in die Lage, die unter den jeweiligen Prä- 
missen beste Lösung auszuwählen (Risiko/Kosten/ 
Nutzen- Analyse) . 

Die Koalition teilt die Auffassung des Ministers, dass mit 
dem CPM nov. Fehlentwicklungen wie beim Euro Hawk 
bereits in einer frühen Phase hätten vorgebeugt werden 
können. 

Dennoch besteht die Fähigkeitslücke im SLWÜA-Be- 
reich nach wie vor, es muss sogar damit gerechnet wer- 
den, dass diese Lücke aufgrund der Nichtbeschafflmg des 
Euro Hawk noch länger Bestand haben wird als ursprüng- 
lich gedacht. Darum ist es wichtig, so schnell wie mög- 
lich Alternativen zu betrachten, die in der Lage sind, das 
ISIS- System ohne große Anpassentwicklung aufzuneh- 
men. Die Planungen des Bundesministeriums der Vertei- 
digung, dafür die in den Einzelplan 14 zum Bundeshaus- 
halt eingestellten Beschaffungsmittel des Euro Hawk zu 
nutzen, sind aus heutiger Sicht sinnvoll. 

Sollte es zu weiteren Beschaffungsentscheidungen für 
Drohnen kommen, müssen die Zulassungsvoraussetzun- 
gen von Beginn der Entwicklung an definiert und geklärt 
sein. Nur so kann einer möglichen Überdehnung des Fi- 
nanzrahmens wirkungsvoll entgegengewirkt werden. 

Die Teilnahme unbemannter Flugobjekte am allgemeinen 
Luftverkehr muss auf Ebene der EU geregelt werden, 
weil wir davon überzeugt sind, dass sich diese Art des 
Fliegens in wenigen Jahren auch in der zivilen Fliegerei 
etabliert haben wird. 

Wir begrüßen, dass Bundesminister Dr. Thomas de 
Maiziere, MdB, die Frage der Zulassungsharmonisierung 
bereits auf die Agenda der Europäischen Verteidigungs- 
agentur (EDA) gebracht hat. Die EDA wird sich noch in 



Drucksache 17/14650 


- 152- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


diesem Jahr damit beschäftigen. Es ist erfreulich, dass 
auch die EU sich mit diesem Punkt befassen wird. 

Was die Zulassung von militärischen Luftfahrzeugen be- 
trifft, begrüßt die Regierungskoalition ausdrücklich die 
durch Bundesminister Dr. Thomas de Maiziere, MdB, an- 
geordnete Aufstellung einer zentralen militärischen Luft- 
fahrtbehörde. Derart hoch komplexe Fragestellungen wie 
die Zulassung zum Luftverkehr muss aus einer Hand ge- 
regelt werden. 

Eine weitere, in diesem Abschnitt nicht weiter ausge- 
fährte Schwäche des CPM 2001 war die Information des 
Ministers selbst und die Information des Parlaments. Die 
Untersuchung des Euro Hawk Entwicklungsprojekts hat 
ergeben, dass der Minister gemäß den geltenden Regeln 
zwar richtig (vorschriftsmäßig) informiert wurde, dies je- 
doch vor dem Hintergrund der Bedeutung dieses Projekts 
faktisch zu spät war. Darum begrüßt die Koalition aus- 
drücklich die Anordnung des Ministers, das Informa- 
tionsmanagement bei größeren Rüstungsvorhaben in 
Form von regelmäßigen, anlasslosen Statusberichten an 
den Minister zu verbessern. Auch ist zu begrüßen, dass 
dabei die Probleme und Risiken sowie die Kostenent- 
wicklung im Vordergrund zu stehen haben. Somit kann 
ein verantwortungsvoller Umgang mit Steuermitteln zu- 
künftig gewährleistet werden. 

Die Koalition begrüßt ausdrücklich die Ankündigung des 
Bundesverteidigungsministers, das Parlament ohne be- 
sondere Nachfrage seitens des Bundestages, periodisch 
den Verteidigungs- und Haushaltsausschuss mit einem 
Bericht über die Sachstände der entsprechenden Rüs- 
tungsprojekte zu informieren. 

Wir sind davon überzeugt, dass Bundesminister 
Dr. Thomas de Maiziere, MdB, insgesamt die richtigen 
Schlüsse aus dem Euro Hawk-Programm gezogen hat und 
so die Chancen gut stehen, dass zukünftige Rüstungspro- 
jekte einen besseren Verlauf nehmen. 

III. Vertragsgestaltung 

Die Beweisaufnahme hat zweifelsfrei ergeben, dass be- 
reits lange vor Dienstantritt von Bundesverteidigungsmi- 
nister Dr. Thomas de Maiziere, MdB, das Projekt so aus- 
gerichtet war, dass bei Ausbleiben einer Lösung für die 
Serien-Musterzulassung eine dauerhafte Einsatzfähigkeit 
des Euro Hawk nicht gegeben wäre. Dazu trägt vor allem 
die Art und Weise der Vertragsgestaltung einen erhebli- 
chen Anteil bei. 

Nach dem sog. Phasendokument über eine „Abschlie- 
ßende funktionale Forderung“ (AF), das am 27. August 
2004 vom damaligen Staatssekretär Dr. Peter 
Eickenboom gebilligt wurde, erhielt das BWB durch Er- 
lass des Bundesministeriums der Verteidigung vom 
16. September 2004 den Auftrag, die Projektierungsphase 
einzuleiten. Die darin enthaltene Vorgabe, ausschließlich 
die Teilhaber der in Gründung befindlichen EuroHawk 
GmbH, nämlich EADS und Northrop Grumman, zum 
Angebot aufzufordem, war richtig und konsequent. Es 
wäre kein anderes Unternehmen in der Lage gewesen, 
ohne erhebliche technische, finanzielle und zeitliche Risi- 


ken die in der AF definierten Anforderungen an ein sol- 
ches HALE-UAV- System zu verwirklichen (vgl. Zeuge 
Stein, Sten. Prot. 4. Sitzung vom 23. Juli 2013 [vorläu- 
fig], S. 121). 

Richtig und im Einklang mit dem CPM 2001 war es, zu- 
nächst nur einen „Full Scale Demonstrator“ (FSD) auf 
Basis des Global Hawk als Entwicklungsziel in Auftrag 
zu geben und es vom Ergebnis dieser Entwicklung abhän- 
gig zu machen, ob im Anschluss die - kleine - Serie von 
vier weiteren Plattformen Global Hawk bestellt würde. 
Anderenfalls hätte man sich zu früh auf einen Weg festge- 
legt, mit dem bewusst ein nicht risikofreies technologi- 
sches Neuland betreten wurde. Zwar nahm man auf 
Grund der vorangegangenen Analysen an, man werde das 
Ziel erreichen. Es gab jedoch keine Garantie, wie sich 
später bei dem Teilziel „Teilnahme am allgemeinen Luft- 
verkehr“ zeigen sollte. 

Richtig war es auch, ausdrücklich einen „Entwicklungs- 
vertrag“ zu schließen. Dieser birgt zwar für den Auftrag- 
geber das Risiko, dass er je nach Entwicklungsstand und 
je nach Ergebnis der Zwischenschritte mancher Ergän- 
zungen bedarf, was sich in der großen Zahl von Anlagen 
zum Vertrag und diversen Vertragsänderungen zeigt. Dies 
ist jedoch bei einem Entwicklungsvertrag hinzunehmen, 
der einen großen Sprung in technologisches Neuland dar- 
stellt. Der Zeuge Stein hat nicht zu Unrecht darauf hinge- 
wiesen, dass nicht jede Entwicklung auch zur Beschaf- 
fung führt. Am Ende werde immer die Frage 
aufgeworfen, wie das Verhältnis von Kosten und Nutzen 
sei. Er hat dazu einige überzeugende Beispiele benannt, 
wie z. B. das Bodenüberwachungsradar (BÜR) (vgl. 
Zeuge Stein, Sten. Prot. 4. Sitzung vom 23. Juli 2013 
[vorläufig], S. 127). 

Richtig war es schließlich, nicht alle Teile des Vertrages 
der sog. Bemühensklausel zu unterwerfen. Unglücklich 
war es jedoch, und zwar mit Folgen bis in die Gegenwart, 
dass die Ausnahmen von der Bemühensklausel nicht hin- 
reichend klar definiert wurden. Anderenfalls hätte nicht 
nach der Entscheidung vom 13. Mai 2013 ein „renom- 
miertes Anwaltsbüro“ (vgl. Zeuge Stein, Sten. Prot. 
4. Sitzung vom 23. Juli 2013 [vorläufig], S. 121) mit der 
Klärung der Frage beauftragt werden müssen, ob die 
Nachweise für die Musterzulassung von der Bemühens- 
klausel erfasst oder ausgenommen sind. 

Völlig unverständlich ist der Umstand, dass bei den ver- 
traglichen Regelungen betreffend die Musterzulassung 
keine der vertragschließenden Parteien sich darüber klar 
war, was die andere Seite jeweils darunter versteht und 
welche Unterlagen dafür beizubringen sein würden. Es 
gab keine begriffliche Klärung der Musterzulassung nach 
US-Defmition einerseits und der für eine Zulassung erfor- 
derlichen Voraussetzungen in Deutschland andererseits. 
Zwar handelt es sich hier um quasi technisch-administra- 
tive Details, mit denen die Zulassungsprüfer besser ver- 
traut sind als die Juristen. Gleichwohl wäre es Sache des 
BWB gewesen, hier auf Klarheit zu dringen. Durch dieses 
Versäumnis wurde den Beteiligten erst Jahre nach Ver- 
tragsschluss klar, welchen zusätzlichen Aufwand die Er- 
langung einer Musterzulassung als Voraussetzung für den 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 153- 


Drucksache 17/14650 


Dauerbetrieb eines Flugzeugmusters in sich barg. Damit 
waren die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass das 
Projekt zunehmend auf die schiefe Ebene geraten konnte 
und letztlich die Serienbeschaffung gestoppt werden 
musste. 

Der Zeuge Stein datiert die Erkenntnis der Fachebene auf 
deutscher Seite über schwerwiegende Probleme bei der 
Musterzulassung der Serie in seiner Aussage auf Anfang 
2010, als bei einer Besprechung in Manching auf 
Fachebene entschieden worden sei, es für den FSD bei ei- 
ner „Vorläufigen Verkehrszulassung“ (WZ) zu belassen 
und die Musterzulassung erst bei Erwerb der Serie und 
für diese zu betreiben. Die Fachebene konnte sich dabei 
auf die bereits oben skizzierte, 2004 in der Abschließen- 
den funktionalen Forderung formulierte gedankliche 
Trennung von Demonstrator und Serie in Fragen der Zu- 
lassung abstützen. Zwar wurde die Entscheidung damals 
im Februar 2010 mit den verschiedenen „Konfigurations- 
zuständen“ von FSD und den späteren Serienmodellen 
begründet, es lag darin jedoch auch ein Wegducken vor 
einem sich abzeichnenden Problem größerer Bedeutung. 
Es wurde nämlich erkennbar, dass Risiken aus der paral- 
lelen Weiterentwicklung der Trägerplattform Global 
Hawk durch die USA von Beginn an deutlich unterschätzt 
wurden. 

Nach Aussage des Zeugen Stein trat für ihn erst mit dem 
Überführungsflug des FSD von den USA nach Deutsch- 
land die Gesamtproblematik im Bereich der Musterzulas- 
sung auf Es sei klar geworden, dass die Musterzulassung 
doch erheblich aufwendiger werden würde als angenom- 
men (vgl. Zeuge Stein, Sten. Prot. 4. Sitzung vom 23. Juli 
2013 [vorläufig], S. 127). Die US-amerikanische Seite 
sah ihrerseits die deutsche Zulassungsproblematik als 
nicht so schwerwiegend, insbesondere nach der vorläufi- 
gen Zulassung für den FSD. Man hoffte wohl auch hier, 
das Problem werde sich im Zeitablauf erledigen (vgl. 
Zeuge Pamiljans, Sten. Prot. 6 Sitzung vom 29. Juli 2013 
[vorläufig], S. 60/61). 

In diesem Zusammenhang erwies es sich auch als Ver- 
säumnis, den Umfang der Offenlegung technischer De- 
tails nicht genauer vertraglich zu bestimmen (sog. Black- 
Box-Problem). Auch die Frage, welche Informationen 
unter die FMS-Regeln und die ITAR-Beschränkungen 
fallen würden, war nicht hinreichend geklärt, weil man 
auf deutscher Seite offenbar davon ausging, als bevorzug- 
ter und vertrauenswürdiger Partner behandelt zu werden. 
Das Thema der technischen Offenlegung war denn auch 
für das BWB in dem Zeitpunkt [des Vertragsschlusses] 
„nicht relevant“ (vgl. Zeuge Stein, Sten. Prot. 4. Sitzung 
vom 23. Juli 2013 [vorläufig], S. 126). Als problematisch 
erweist sich auch, dass der Ausgangsvertrag offenbar Un- 
klarheiten hinsichtlich möglicher Schadensersatzansprü- 
che enthält, die inzwischen durch die Anwaltskanzlei ge- 
prüft werden. 

Insgesamt zeigt sich, dass trotz einer gewissen Erfahrung 
des BWB mit internationalen Verträgen und ausländi- 
schen Partnern bei Verträgen mit einem Volumen wie 
beim Entwicklungsvorhaben Euro Hawk die Einschal- 
tung des sicherlich teuren externen Sachver Standes einer 


international tätigen Kanzlei günstiger sein kann als die 
Prüfung von Schadensersatzansprüchen nach Beendigung 
des Projekts. 

IV. Kenntnisstand des Bundesministers der 

Verteidigung Dr. Thomas de Maiziere, MdB 

Nach Abschluss der Zeugenbefragung steht unzweifelhaft 
fest, dass der Bundesminister der Verteidigung 
Dr. Thomas de Maiziere, MdB, in Bezug auf seinen 
Kenntnisstand über lösbare oder unlösbare Probleme 
beim Entwicklungsvorhaben Euro Hawk von Anfang an 
die Wahrheit gesagt und richtig gehandelt hat. Es existiert 
kein einziges Indiz, welches das Gegenteil belegt. 

V Befassung des Ministers mit dem 

Entwicklungsvorhaben Euro Hawk 

Richtig ist, dass der Minister nicht vor dem 13. Mai 2013 
separat und umfassend mit dem Entwicklungsvorhaben 
Euro Hawk befasst wurde. Vorher erreichte ihn weder 
zum Gesamtprojekt selbst noch zu etwaigen Zulassungs- 
problemen eine umfassende und eigenständige Informa- 
tionsvorlage. 

In Form von Gesprächs Vorbereitungen und Hintergrund- 
informationen erhielt er freilich mehrfach Hinweise auf 
andauernde Arbeiten an Lösungen bestehender techni- 
scher und rechtlicher Herausforderungen. Diese mussten 
aber den Eindruck hinterlassen, dass es sich um lösbare 
Fragestellungen handelt. Verstärkt wurde dieser Eindruck 
durch die fortlaufende Unterrichtung, dass die zuständi- 
gen Stellen an Lösungen für bestehende Probleme arbei- 
ten. Ein deutlicher Beleg hierfür ist die E-Mail des Refe- 
rats AIN V 5 an die Abteilungsleitung AIN V vom 
11. März 2013, 14:22 Uhr^i^s^ aus der hervorgeht, dass 
die Fachebene unter Hinweis auf laufende Untersuchun- 
gen zu Problemlösungen empfiehlt, konkrete Aussagen 
über die Beschaffung der Serie Euro Hawk nicht zu täti- 
gen. So musste beim Minister auch noch zu diesem Zeit- 
punkt der Eindruck entstehen, dass sich das Vorhaben wie 
geplant realisieren lässt. 

Fest steht, dass auch in der Rückschau keine vorausei- 
lende Holschuld des Ministers gegenüber den Fachabtei- 
lungen im Haus bestand. Politische Führung muss sich 
zum einen auf fachliche Expertise verlassen, zumal bei 
komplizierten Themen wie Zulassungsfragen komplexer 
Entwicklungsvorhaben. Zum anderen wurde mehrfach 
von Seiten der Fachabteilung darauf aufmerksam ge- 
macht, dass Problemstellungen einer ordentlichen Lösung 
zugefährt werden. Dies änderte sich erst mit der Entschei- 
dungsvorlage vom 13. Mai 2013. Erst hier wurde klar, 
dass aufgrund der validierten Schätzung der Mehrkosten 
für die Musterzulassung der Serie und nach Ausschluss 
alternativer Zulas sungswege die Probleme mit Blick auf 
den gegebenen Kostenrahmen nicht mehr lösbar sind. 
Diese Einschätzung wurde von allen beteiligten Stellen 
des Bundesministeriums der Verteidigung geteilt und mit- 
gezeichnet. Diese Vorlage stellte insofern eine erste be- 


1128 mAT 17-80 BMVg zu BB 17-44, Vorlagen BM Ordner 1, S. 16. 



Drucksache 17/14650 


- 154- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


lastbare und sorgfältig vorbereitete Entscheidungsgrund- 
lage dar, da im Vorfeld eine breite Beteiligung der 
Fachebene sowie eine Zeichnung der Staatssekretäre so- 
wie des Generalinspekteurs der Bundeswehr stattgeflin- 
den hat. Der Minister hat folgerichtig die Entscheidung 
noch am selben Tag gebilligt. 

Es hat sich gezeigt, dass der Minister genau dann im 
Wege einer sorgfältig vorbereiteten Vorlage befasst 
wurde, als die Risiken klar ausgearbeitet, gegeneinander 
abgewogen und mit Lösungsmöglichkeiten versehen wur- 
den. Eine qualitativ gleichwertige Unterrichtung lässt 
sich im Flugzeug oder bei einem Glas Rotwein, wie vom 
Zeugen Bundesminister a. D. Rudolf Scharping ins Ge- 
spräch gebracht, nicht auch nur annähernd hersteilen. Die 
wesentlichen Vorzüge einer Vorlage sind, dass Fragestel- 
lungen aufgrund der Mitzeichnungsvorschriften von allen 
relevanten Akteuren aus allen möglichen Blickwinkeln 
betrachtet werden und fachlich abschließend und umfas- 
send bewertet sind. Probleme werden nicht nur eindimen- 
sional benannt, sondern auch Lösungswege schlüssig auf- 
gezeigt. In diesem Fall hat Bundesminister Dr. Thomas de 
Maiziere, MdB, folgerichtig entschieden, die Staatssekre- 
tärsvorlage zu billigen, vom Einstieg in die Serienbe- 
schaffung des Euro Hawk Abstand zu nehmen, da er die 
rechtlichen, technischen und finanziellen Risiken auf- 
grund der Entscheidungsvorlage vom 13. Mai 2013 um- 
fassend gegeneinander abwägen konnte. 

Alle vorangegangenen Informationen zum Entwicklungs- 
vorhaben Euro Hawk, die den Bundesminister der Vertei- 
digung vor dem 13. Mai 2013 etwa im Rahmen von Hin- 
tergrundinformationen oder Gesprächsvorbereitungen 
erreichten, hatten stets nur die Qualität, wie sie bei allge- 
meinen Unterrichtungen von Sachständen üblicherweise 
zu erwarten sind und waren nicht mehr als allgemeine 
Zwischenstände. 

Anhand des Terminkalenders des Bundesministers der 
Verteidigung lassen sich die nachfolgenden Begebenhei- 
ten identifizieren, zu denen er unter anderem mit dem 
Entwicklungsvorhaben Euro Hawk befasst wurde. 

Erstmals schriftlich wurde der Minister in einer Vorberei- 
tung zu einem Gespräch am 3 1 . August 2011 mit dem da- 
maligen CEO von EADS, Herrn Louis Gallois und dem 
damaligen CEO von Airbus, Herrn Thomas Enders, mit 
dem Entwicklungsvorhaben Euro Hawk befasst. Damals 
wurde ihm gegenüber formuliert, dass das Projekt Euro 
Hawk zur Zufriedenheit der Fachabteilung voranschrei- 
tet. Eine weitergehende Information erfolgte nicht. 

Das Entwicklungsvorhaben wurde neben anderen Punk- 
ten auch im Rahmen der Rüstungsklausur am 1 . März 
2012 kurz thematisiert. Übereinstimmende Zeugenaussa- 
gen haben bestätigt, dass bei dieser Gelegenheit auch das 
Thema Zulassung kurz gestreift wurde. Zu diesem Zeit- 
punkt wurden dem Minister gegenüber erstmals Probleme 
hinsichtlich der Zulassung erwähnt. Sowohl der Leiter 
der Abteilung Rüstung Detlef Selhausen als auch der da- 


malige designierte Inspekteur der Luftwaffe Generalleut- 
nant Karl Müllner versicherten dem Minister, dass an ei- 
ner Lösung gearbeitet werde. Eine tiefergehende 
Erörterung fand nicht statt. 

Ob bei einem für den 26. Juni 2012 angesetzten Jour Fixe 
des Ministers mit den Fachsprecher der Koalitionsfraktio- 
nen Elke Hoff, MdB (FDP), und Emst-Reinhard Beck, 
MdB (CDU/CSU), das Thema Euro Hawk zur Sprache 
kam, konnte im Rahmen der Zeugeneinvernahme nicht 
geklärt werden. Gleichwohl weist die dafür vorgelegte 
Hintergmndinformation und Sprechempfehlung aus- 
drücklich darauf hin, dass das Vorhaben weitgehend zu- 
friedenstellend verlaufe. Die gemachten Angaben zu 
Fragen der Zulassung erschöpfen sich in allgemeinen 
Hinweisen zur Komplexität des Themas. Auch dies ist ein 
weiterer Beleg dafür, dass dem Minister nicht der Ein- 
dmck entstehen konnte, die Fachebene stünde vor un- 
überwindbaren Hindernissen. 

In einer ca. 60 Seiten umfassenden Vorlage für den An- 
trittsbesuch des Bundesministers der Verteidigung bei der 
Firma Cassidian in Manching am 10. Dezember 2012ii32 
ist auf Probleme beim Euro-Hawk-Projekt hingewiesen 
worden. Wie in früheren Vorlagen wurden diese jedoch 
weiterhin als lösbar und in Bearbeitung dargestellt. Beim 
Firmenbesuch selbst war das Thema Euro Hawk ausweis- 
lich der Zeugeneinvernahme 1133 nicht dezidiert Ge- 
sprächsgegenstand. Es ging lediglich um allgemeine Fra- 
gen der Zulassung von unbemannten Luftfahrzeugen, wie 
die Zeugen Gerwert und de Maiziere übereinstimmend 
glaubhaft versicherten. 

Anlässlich eines Gesprächs mit den Haushaltsberichter- 
stattern der Koalitionsfraktionen zum Einzelplan des 
Bundesministeriums der Verteidigung am 14. März 2013 
erreichte den Minister eine von den Staatssekretären mit- 
gezeichnete, umfangreiche Gesprächsvorbereitung der 
zuständigen Fachabteilung AIN I 4. Darin findet sich un- 
ter anderem auch ein Sachstand sowie eine Sprechemp- 
fehlung zum Entwicklungsvorhaben Euro Hawk. Ferner 
umfasste die Vorlage unter anderem Informationen bei- 
spielsweise zum Projekt EAGLE V/AMPV, zu einer 
Überbrückungslösung und Entwicklung einer Nachfolge 
der HERON 1 sowie zur Veteranenpolitik der Bundes- 
wehr. Die Fachebene hat die Schwierigkeiten beim Ent- 
wicklungsvorhaben Euro Hawk der politischen Leitung 
gegenüber auch in diesem Fall als lösbar dargestellt, ver- 
sehen mit dem Hinweis einer baldigen separaten Vorlage 
zur Entscheidung. Angesichts dieser Ankündigung be- 
stand für den Minister auch zu diesem Zeitpunkt keine 
Veranlassung, in laufende Prozesse, die ohnehin kurz vor 
dem Abschluss standen, einzugreifen. Dieser Eindruck 
wurde durch die bereits oben erwähnte Bitte der Fachab- 
teilung, konkrete Aussagen zur Beschaffung der Euro- 


1130 Protokoll-Nr. 8. S. 21. 

1131 MAT 17-73 zu BB 17-48, Ordner 0, StS Beemelmans, S. 3 ff. 

1132 MAT 17-59 BMVg zu BB 17-38, Ordner 1, S 1. 

1133 Vgl. hierzu Protokoll-Nr. 6. S. 35 ff sowie im gleichen Tenor Proto- 
koll-Nr. 8. S. 12 f 


1129 Protokoll-Nr. 8. S. 10. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 155- 


Drucksache 17/14650 


Hawk- Serie mit Blick auf die in Arbeit befindliche Ent- 
scheidungsvorlage nicht zu tätigen, noch verstärkt. 

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass dem Bun- 
desminister der Verteidigung Dr. Thomas de Maiziere, 
MdB, im Laufe seiner Amtszeit bis zum 13. Mai 2013 in 
allen thematisch einschlägigen Vorlagen die Herausforde- 
rungen beim Entwicklungsvorhaben Euro Hawk stets als 
lösbar dargestellt wurden, verbunden mit dem stetigen 
Hinweis, die zuständigen Fachabteilungen und befassten 
Stellen arbeiteten an Lösungen. Eine umfassende, vali- 
dierte, eigenständige Vorlage zur Entscheidung wurde für 
das zweite Quartal 2013 angekündigt. Der Minister hatte 
daher folgerichtig keine Veranlassung, an den ihm gegen- 
über gemachten Darstellungen zu zweifeln, geschweige 
denn eine eigenständige Neubewertung, losgelöst von der 
Expertise seiner Fachabteilungen, vorzunehmen. 

1 . Verantwortung der Staatssekretärsebene 
im Bundesministerium der Verteidigung 

Der für Rüstungs fragen zuständige Staatssekretär im 
Bundesministerium der Verteidigung Stephane 
Beemelmans hat bei seiner Zeugeneinvernahme glaubhaft 
versichert, dass er Bundesverteidigungsminister Dr. 
Thomas de Maiziere, MdB, einzig am 13. Mai 2013 mit 
den unlösbaren Problemen im Zusammenhang mit dem 
Projekt Euro Hawk befasst hat.^^^^ Dies geschah, als fest- 
stand, dass das Projekt unter den politisch beschlossenen 
Bedingungen nicht mehr realisierbar war. Dieses Vorge- 
hen von Staatssekretär Stephane Beemelmans steht im 
Einklang mit der Geschäftsordnung des Ministeriums, 
dem Dresdner Erlass, und ist sachgerecht. 

Nach dem Dresdner Erlass führen die Staatssekretäre die 
ihnen zugewiesenen Geschäftsbereiche im Verteidigungs- 
ministerium eigenverantwortlich. Das Verhalten des 
Staatssekretärs Stephane Beemelmans hat gezeigt, dass er 
die neue Verantwortlichkeit, die durch die Neuausrich- 
tung der Bundeswehr initiiert wurde, verinnerlicht hat. 
Anstatt den Minister in regelmäßigen Abständen mit 
Wasserstandsmeldungen zu Problemen zu konfrontieren, 
wurde Minister de Maiziere im Wege einer Vorlage be- 
fasst, als die Risiken klar ausgearbeitet, gegeneinander 
abgewogen und mit den Lösungsmöglichkeiten versehen 
waren. 

Die Staatssekretärsebene war in der Amtszeit von Dr. 
Thomas de Maiziere, MdB, als Bundesminister der Ver- 
teidigung entsprechend ihren Verantwortlichkeiten im 
Verlauf des Entwicklungsvorhabens Euro Hawk mit di- 
versen Vorlagen befasst. 

Einen ersten Meilenstein stellt dabei die Vorlage vom 
10. Oktober 2011 zur Beschaffung der Langläuferbauteile 
und zur Produktion der vier Serienluftfahrzeuge ab Mitte 
2013 dar. Darin wurde der Wunsch der Abteilung Rüs- 
tung als Fachabteilung artikuliert, einen entsprechenden 
Vertragsschluss durch die Staatssekretäre billigen zu las- 
sen. Staatssekretär Rüdiger Wolf hat am 24. Oktober 2011 


1134 Protokoll-Nr. 7. S. 7. 


und Staatssekretär Stephane Beemelmans am 26. Oktober 
2011 die Vorlage zurückgewiesen und richtigerweise die- 
sem Wunsch nicht entsprochen. Im Sinne der Risikomini- 
mierung wurde vielmehr entschieden, keine kostenpflich- 
tigen Maßnahmen im Hinblick auf den Einstieg in die 
zweite Stufe des Euro-Hawk- Vorhabens einzuleiten, be- 
vor Sicherheit über den Abschluss der Entwicklungs- 
phase besteht. Eine Befassung des Ministers war an die- 
ser Stelle weder notwendig noch angezeigt. 

Eine umfassende Darstellung der technischen, zeitlichen 
und finanziellen Risiken zur Erlangung einer Musterzu- 
lassung beinhaltete erstmals die Vorlage an Staatssekretär 
Stephane Beemelmans vom 8. Februar 2012. Auch für 
dieses Schriftstück gilt, dass darin explizit darauf hinge- 
wiesen wurde, dass die fachlich zuständigen Stellen an 
Lösungsvorschlägen in Form einer Leitungsvorlage ar- 
beiten. In der Gesamtbetrachtung stellte sich das Ent- 
wicklungsvorhaben Euro Hawk in dieser Vorlage nach 
wie vor als realisierbar dar. Zur Erstellung der angekün- 
digten Vorlage sollten auch die Führungsstäbe Streit- 
kräfte, Luftwaffe sowie die Abteilung Haushalt eingebun- 
den werden. Zudem wurde eine Arbeitsgruppe gegründet. 
Die Fachabteilungen zeigten sich zuversichtlich, gemein- 
sam einen alternativen Weg der Zulassung zu finden. In- 
sofern war eine Information an den Minister vor diesem 
Hintergrund nicht angezeigt und ist folgerichtig nicht er- 
folgt. 

Ein Gespräch mit dem CEO von Cassidian, Herrn 
Bernhard Gerwert, am 27. September 2012 nahm Staats- 
sekretär Stephane Beemelmans richtigerweise zum An- 
lass, die Abteilung AIN mit der kurzfristigen Erstellung 
eines Sachstandberichts zur Zulassungsproblematik des 
Full Scale Demonstrators (FSD) zu beauftragen. Hinter- 
grund hierfür war die Aussage von Herrn Gerwert, der 
FSD stünde technisch flugbereit in Manching, dürfe je- 
doch mangels entsprechender Zulassungspapiere nicht 
fliegen. Am 1. Oktober 2012 teilte die Abteilung AIN 
mit, dass eine Vorläufige Verkehrszulassung für den FSD 
angestrebt und die alternativen Zulas sungswege für die 
Serienluftfahrzeuge einer fortgesetzten Prüfung unterzo- 
gen werden. Über das Ergebnis der Prüfung können erst 
frühestens Ende 2012 Aussagen getroffen werden. Staats- 
sekretär Stephane Beemelmans entschied daraufhin, dass 
bis spätestens 2012 Klarheit über die Zulassungsfähigkeit 
der Serie herrschen müsse und ihm ein Vorschlag zum 
weiteren Verfahren zu unterbreiten sei. Mit dieser Ent- 
scheidung bewegte sich Staatssekretär Stephane 
Beemelmans vollständig im ihm durch den Dresdner Er- 
lass zugebilligten Regelungsbereich. Eine Befassung des 
Ministers war aufgrund der Sachlage weder angezeigt 
noch notwendig. 

Die von Staatssekretär Stephane Beemelmans angefor- 
derte Vorlage mit Vorschlägen zum weiteren Verfahren 
stellt dann auch einen wesentlichen Meilenstein dar. Mit 
Schriftsatz vom 20. Dezember 2012 erreichten die politi- 
sche Leitung des Ministeriums in Person der Staatssekre- 
täre erstmals validierte Informationen darüber, dass die 
Musterzulassung für die Serie aufgrund des zu erwarten- 
den finanziellen Mehraufwands von zusätzlich bis zu 



Drucksache 17/14650 


- 156- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


600 Mio. Euro - und damit mithin einer Verdoppelung 
der Gesamtkosten - als unrealistisch zu bewerten sei. Zu- 
dem wurde klar gestellt, dass alternative Zulassungsmög- 
lichkeiten aus Sicht des Nutzers Luftwaffe nicht akzepta- 
bel und der Einstieg in die Beschaffung der Euro-Hawk- 
Serie daher nicht weiter zu verfolgen sei. Dieser Lage- 
beurteilung schloss sich Staatssekretär Stephane 
Beemelmans am 7. Januar 2013 richtigerweise an, indem 
er die Vorlage abzeichnete und mit der Bitte um Erstel- 
lung einer umfassenden, die Alternativen beleuchtenden 
Entscheidungs Vorlage zurückverfügte. Diese Entschei- 
dungsvorlage sollte bis zum 31. März 2013 erarbeitet 
werden. 

Die Vorlage vom 20. Dezember 2012 offenbarte eine 
neue Qualität an Problemstellungen. Aufgrund der dort 
zum Ausdruck gebrachten mehrdimensionalen Risiko- 
kombination war eine Schwelle erreicht, die - auch nach 
den Bestimmungen des Dresdner Erlasses - eine Unter- 
richtung des Bundesministers der Verteidigung notwen- 
dig gemacht hätte. Für die Nichtbefassung des Ministers 
zu diesem Zeitpunkt hat Staatssekretär Stephane 
Beemelmans im Rahmen seiner Befragung die alleinige 
Verantwortung übernommen. 

Am 10. Mai 2013 billigte Staatssekretär Stephane 
Beemelmans zwei Entscheidungsvorlagen, die vorher be- 
reits von Staatssekretär Rüdiger Wolf und dem Generalin- 
spekteur der Bundeswehr, General Volker Wieker, ge- 
zeichnet wurden. Staatssekretär Stephane Beemelmans 
entschied unter der Maßgabe, die Beschaffung der Euro- 
Hawk- Serie nicht weiter zu verfolgen, die Weitemutzung 
des SIGINT-Moduls anzustreben und dafür den Erpro- 
bungsflugbetrieb bis zum 30. September 2013 fortzuset- 
zen. Die von Staatssekretär Stephane Beemelmans da- 
raufhin am 13. Mai 2013 veranlasste Befassung des 
Bundesministers der Verteidigung war richtig und steht 
im Einklang mit der Geschäftsordnung des Ministeriums 
sowie mit den Bestimmungen des Dresdner Erlasses. Zu 
diesem Zeitpunkt bedurfte es einer Grundsatzentschei- 
dung über die Fortführung des Gesamtprojekts Euro 
Hawk und zum SIGINT-Modul. Mittlerweile war das 
Kostenrisiko so präzise beschrieben, dass die Fortsetzung 
des Projekts unter den ursprünglichen Bedingungen nicht 
mehr realistisch war. Zudem wurde in Zusammenarbeit 
aller betroffenen Abteilungen nach neuen Wegen der 
Schließung der Fähigkeitslücke gesucht. Dies waren so 
entscheidende Veränderungen im Projekt, dass sie eine 
Befassung des Ministers nötig machten. Alle vorangegan- 
genen Informationen an den Minister hatten immer nur 
die Qualität wie sie bei allgemeinen Unterrichtungen von 
Sachständen üblich ist: nicht mehr als allgemeine Zwi- 
schenstände. 

2. Angeblicher Informationsstand der 
politischen Leitung des Bundes- 
ministeriums der Verteidigung 

Im Laufe der Beweisaufnahme wurden zwei Beweis- 
stücke vorgelegt, die einen angeblichen, über den oben 
skizzierten Informations stand der politischen Leitung hi- 


1135 Protokoll-Nr. 7. S. 93. 


nausgehenden Kenntnisstand dokumentieren sollten. In 
beiden Fällen hat sich jedoch eindeutig herausgestellt, 
dass diese Unterstellung nicht zutrifft. 

a) E-Mail des Abteilungsleiters Rüstung an 
das Büro von Staatssekretär Beemelmans 
vom 19. Januar 2012^^36 

Im Umgang mit der E-Mail ist Staatssekretär Stephane 
Beemelmans kein fehlerhaftes Verhalten vorzuwerfen. 
Eine Information des Ministers über die Existenz oder 
den Inhalt der Nachricht war zu diesem Zeitpunkt weder 
angezeigt noch notwendig. 

In der E-Mail werden mehrere Entwicklungsprojekte an- 
gesprochen. Bezogen auf das Entwicklungsvorhaben 
Euro Hawk heißt es dort unter anderem, dass sich eine 
dramatische Kostenexplosion abzeichne. Der Verfasser 
führt jedoch gleichzeitig aus, dass diese Schätzung der 
vermeintlichen zusätzlichen Kosten zunächst noch durch 
ihn und weitere Experten validiert werden müsse. Es ist 
daher schlüssig und sinnvoll, dass Staatssekretär 
Stephane Beemelmans zunächst auf das Ergebnis der ein- 
gehenden Überprüfung der Kostenschätzung gewartet 
hat. 

Das Prüflmgsergebnis wurde in Form der bereits themati- 
sierten Vorlage vom 8. Februar 2012 übersandt und stellt 
insofern die nachträgliche Erfüllung der in der E-Mail an- 
gekündigten Vorlage dar. Auch für das Schriftstück vom 
8. Februar 2012 gilt, dass darin ausdrücklich daraufhin- 
gewiesen wurde, dass die fachlich zuständigen Stellen an 
Lösungsvorschlägen in Form einer Leitungsvorlage ar- 
beiten. 

b) Paraphe auf der Informationsvorlage an 
den Abteilungsleiter Rüstung vom 

3. Januar 2013^137 

Die Zeugeneinvernahme des Abteilungsleiters Rüstung 
Detlef Selhausen hat zweifelsfrei verdeutlicht, dass der 
Bundesminister der Verteidigung entgegen dem Wortlaut 
der Paraphe keine Entscheidungsvorlage beauftragt hat. 

Mit der in Rede stehenden Formulierung „Der Minister 
erwartet bekanntermaßen zum 31. März 2013 (Eingang 
bei ihm) eine Entscheidungsvorlage mit klarer Aussage 
zur Zulassungsfähigkeit.“ wollte der Verfasser nach eige- 
nen Angaben dem von Staatssekretär Stephane 
Beemelmans eingeforderten Klärungsbedarf Nachdruck 
verleihen. Er hat eingeräumt, davon auszugehen, dass 
Staatssekretär Stephane Beemelmans auf dem Dienstweg 
entscheiden werde, ob der Bundesminister mit der Vor- 
lage zu befassen sei. Die nicht autorisierte Bezugnahme 
auf den Minister stellte für den Abteilungsleiter Rüstung 
einen Weg dar, seinem eigenen Anliegen Nachdruck zu 
verleihen. Dieses Vorgehen ist kritikwürdig, da es nicht 


1136 MAT 17-73 BMVg zu BB 17-48, Ordner 1, StS Beemelmans, 
S. 110. 

1137 mAT 17-78 A BMVg zu BB 17-52, AIN V 5, Ordner 66, S. 79. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 157- 


Drucksache 17/14650 


statthaft ist, den Namen des Ministers für einen Auftrag 
zu verwenden, den dieser nicht erteilt hat. 

VI. Verantwortlichkeiten des Bundesministers 
der Verteidigung 

Der von Teilen der Opposition erhobene Vorwurf, der 
Bundesminister der Verteidigung Dr. Thomas de 
Maiziere, MdB, habe vor dem Verteidigungsausschuss 
gelogen, ist absurd und verantwortungslos. Der Minister 
hat, wie der Untersuchungsausschuss deutlich ergeben 
hat, von Anfang an die Wahrheit gesagt. 

Am 5. Juni führte Bundesminister Dr. Thomas de 
Maiziere, MdB, vor dem Ausschuss unter anderem aus: 

„Von Zulassungsproblemen habe ich erstmals im 
Rahmen einer allgemeinen Besprechung zu vie- 
len Rüstungsvorhaben am 1. März 2012 gehört. 

Sie wurden mir gegenüber in dieser Besprechung 
als lösbar dargestellt. [Es handelte sich um die 
sog. Rüstungsklausur, Anm.J^^^^^ 

Daraus wurde die Behauptung des Ministers konstruiert, 
er habe zwischen dem Termin im März 2012 und Mai 
2013 keinerlei Informationen über den Fortgang des Pro- 
jekts Euro Hawk erhalten. Es gab kaum einen Politiker 
der Opposition, der nicht mit dem Vorwurf der Lüge han- 
tiert hätte, auch außerhalb des von der Indemnität erfass- 
ten Bereichs des Bundestages und seiner Ausschüsse 
(vgl. statt aller Reuter vom 7. Juni 2013, 11:24 Uhr und 
Reuter vom 8. Juni 2013, 13:44 Uhr). 

„Nach dieser Aussage ist in der Öffentlichkeit der 
unzutreffende Eindruck entstanden, ich sei zwi- 
schen der Rüstungsklausur im März 2012 und 
dem 13. Mai 2013 nie über Probleme beim Euro 
Hawk unterrichtet worden. Nachdem dieser nicht 
zutreffende Eindruck entstanden war, habe ich im 
Verteidigungsausschuss bereits in der nächsten 
Sitzung (...) und in öffentlichen Einlassungen be- 
reits selbst klargestellt, dass ich durchaus über 
Probleme unterrichtet wurde, diese aber stets als 
lösbar dargestellt wurden. 

Der Minister hat eingeräumt, dass seine Formulierung 
möglicherweise missverständlich gewesen sei und hat be- 
reits in der Sitzung des Verteidigungsausschusses vom 
10. Juni die Dinge klargestellt. In seiner Vernehmung 
durch den Untersuchungsausschuss am 31. Juli 2013 hat 
er erneut betont, dass er natürlich im Zusammenhang mit 
Terminen bei EADS, Cassidian, den Haushaltsberichter- 
stattem usw. (vgl. Teil B Kap. IV) von Problemen mit der 
Zulassung Kenntnis gehabt habe, aber immer verbunden 
mit dem Hinweis, man arbeite an einer Lösung und werde 
eine Entscheidung vorbereiten (vgl. Sten. Prot.[vorl.], 
8. Sitzung am 31. Juli 2013, S. 10). Dies bestätigend hat 
Staatssekretär Stephane Beemelmans bei seiner Zeugen- 
einvernahme glaubhaft versichert, dass er Bundesvertei- 
digungsminister Dr. Thomas de Maiziere, MdB, einzig 


1138 Protokoll-Nr. 8. S. 10. 

1139 Protokoll-Nr. 8. S. 10. 


am 13. Mai 2013 mit den unlösbaren Problemen im Zu- 
sammenhang mit dem Projekt Euro Hawk befasst habe. 

Dem widersprechen auch nicht die von Bundesminister 
de Maiziere, MdB, im Rahmen eines Redaktionsgeprächs 
beim Donaukurier geäußerten Einschätzungen zum Ent- 
wicklungsvorhaben Euro Hawk. Der Minister hat klar ge- 
stellt, dass seine Aussage auf Hintergrundinformationen 
beruhte, wie er sie am 1. März 2012 im Rahmen einer all- 
gemeinen Besprechung zu vielen Rüstungsvorhaben so- 
wie auch später erhalten hatte. 

Dem Bundesverteidigungsminister wurde im Laufe seiner 
Vernehmung vorgeworfen, er habe sich nicht hinreichend 
persönlich um das Projekt gekümmert. Dies hat der 
Minister in seinen Antworten auf die Fragen der Abg. 
Arnold und Spatz hinreichend beantwortet, vgl. Sten. 
Prot.[vorl.], 8. Sitzung am 31. Juli 2013, S. 59/60). Es er- 
gibt sich auch in der Rückschau keine vorauseilende Hol- 
schuld des Ministers gegenüber den Fachabteilungen im 
Haus. Der Minister bearbeitet nicht die Musterzulassung. 
Wenn ein Problem ansteht und die Leitung unterrichtet 
wird, hat diese sich um den Fortgang zu kümmern. Dies 
hat sie ausweislich des BRH-Berichts getan, bis der Zeit- 
punkt für eine Entscheidung gereift war - und dann hat 
sie entschieden. 

Der Minister hat selber erklärt, dass er sich zwar zu spät 
informiert sah, als Staatssekretär Stephane Beemelmans 
die Entscheidung zur Kenntnis gab, von der Bestellung 
der Serie Abstand zu nehmen. 

Dennoch hat der Minister richtig gehandelt. Nach dem 
sog. Dresdner Erlass vom 21. März 2012 führen die 
Staatssekretäre die ihnen zugewiesenen Geschäftsberei- 
che im Bundesministerium der Verteidigung eigenverant- 
wortlich. Dort heißt es unter Ziff. 1.1. unter anderem: 

„Dem Bundesminister der Verteidigung sind ne- 
ben Entscheidungen, die ihm Gesetze und oder 
sonstige Vorschriften zuweisen, abschließende 
Entscheidungen über folgende Angelegenheiten 
seines Geschäftsbereichs Vorbehalten: 

- Fragen von grundsätzlicher oder politisch be- 
sonderer Bedeutung; 

[...].- 

In Ziff. I. 4. heißt es: 

„Die Staatssekretäre [...]. Sie entscheiden in Ver- 
waltungs- und entsprechenden militärischen An- 
gelegenheiten in der Regel abschließend [...].“ 

Aus heutiger Sicht handelte es sich um eine Angelegen- 
heit von besonderer politischer Bedeutung. Andererseits 
gehört sie auch zu den Entscheidungen, wie sie unter 1.4. 
genannt sind. Hier hätte man vielleicht von den Staatsse- 
kretären ein wenig mehr Gespür für die politische Brisanz 
dieser Angelegenheit erwarten können, wie dies auch in 
den Aussagen des Staatssekretärs Stephane Beemelmans 
vor dem Untersuchungsausschuss zum Ausdruck kam. 

Dennoch war der Minister in der Lage, die abschließende 
Entscheidung vom Einstieg in die Serienbeschaffung des 



Drucksache 17/14650 


- 158- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


Euro Hawks Abstand zu nehmen, am 13. Mai 2013 zu 
billigen. Er wurde mit einer Vorlage befasst, in der die Ri- 
siken sauber ausgearbeitet, gegeneinander abgewogen 
und mit den Lösungsmöglichkeiten versehen wurden. 

VII. Lessons learned 

Die Untersuchungen haben deutlich gemacht, dass die 
wesentlichen Fehler, aufgrund derer das Projekt zuneh- 
mend auf die schiefe Bahn geriet, bereits weit vor der 
Amtsübernahme durch Bundesminister Dr. Thomas de 
Maiziere, MdB, gemacht wurden. Gleichwohl ist die Auf- 
arbeitung des gescheiterten Entwicklungsvorhabens be- 
reits in vollem Gange. Die identifizierten Schwachstellen 
werden zum Teil bereits einer Lösung zugeführt oder es 
wird an einer solchen gearbeitet. 

1 . „Waffengleichheit bei Vertragsschluss“ 

Das Bundesministerium der Verteidigung wäre gut bera- 
ten, bei künftigen Vertragsverhandlungen dieser Größen- 
ordnung bereits vor Vertragsschluss „Waffengleichheit“ 
herzustellen und sich durch externen Sachverstand bera- 
ten zu lassen. Der Vertragsschluss zum Entwicklungspro- 
jekt Euro Hawk hat gezeigt, dass trotz einer gewissen Er- 
fahrung des BWB mit internationalen Verträgen und 
ausländischen Partnern bei Verträgen mit einem Volumen 
wie dem über den FSD, die Beiziehung des externen 
Sachverstandes einer international tätigen Kanzlei günsti- 
ger gewesen wäre als die ex post-Prüfung von Schadens- 
ersatzansprüchen nach Beendigung des Projekts. 

2. Gemeinsames Verständnis entwickeln 

Zudem sollten bei multinationalen Projekten Fragen des 
Informationsaustausches vertraglich besser abgesichert 
und bereits bei Vertragsschluss eindeutig geregelt wer- 
den. Dazu gehört auch, dass alle an der Entwicklung und 
Erprobung beteiligten Parteien ein gemeinsames Ver- 
ständnis über alle relevanten Themen und Begriffe ent- 
wickeln, damit die Industrie auch Kenntnis von den tat- 
sächlichen Ansprüchen der Bundeswehr und des 
Bundesministeriums der Verteidigung hat. 

3. CPM [nov.] ist ein wichtiger Markstein, 
bedaiT aber der weiteren Optimierung 

Die Koalition teilt die Auffassung von Bundesminister 
Dr. Thomas de Maiziere, MdB, dass mit dem CPM nov. 
Fehlentwicklungen wie beim Euro Hawk bereits in einer 
frühen Phase hätte begegnet werden können. 

Das durch die Neuausrichtung der Bundeswehr refor- 
mierte und für den Ausrüstungs- und Nutzungsprozess 
maßgebliche Verfahren des „Customer Product Manage- 
ment [novelliert]“ (CPM nov.) stellt eine wesentliche Ver- 
besserung gegenüber den früheren Versionen des CPM 
dar. Durch ihn werden die Voraussetzungen geschaffen, 
die für die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr erforderliche 
Ausrüstung zeit- und kostengerecht bereitzustellen und 
im Rahmen des integrierten Planungsprozesses die Berei- 
che Haushalt und Controlling zusammenzuführen. Da- 
durch werden Schnittstellen reduziert und die Verantwort- 


lichkeiten klar definiert. Die Risikoanalyse erhält einen 
höheren Stellenwert. Zu jedem Zeitpunkt des Planungs- 
prozesses sind alternative Lösungen umfassend zu be- 
trachten. Das Controlling wird durch Zielvereinbarungen 
auf allen Ebenen wesentlich verbessert. In den Integrier- 
ten Projektteams wird die gesamte, in der Bundeswehr, 
vorhandene Expertise unter einer Führung gebündelt. Zu- 
dem erhält der Generalinspekteur der Bundeswehr die 
Möglichkeit, zwischen mehreren Alternativen mit abge- 
stuftem Realisierungsrisiko und abgestuften Fähigkeiten 
wählen zu können. 

Dieser Ansatz muss weiter optimiert und auf die Integra- 
tion möglicher Frühwarn-Mechanismen untersucht wer- 
den. So kann die politische Leitung des Ministeriums frü- 
her und enger in die Entscheidungsabläufe eingebunden 
werden, als dies bisher der Fall gewesen war. Entwick- 
lungsvorhaben ist das Risiko des Scheitems immanent, 
z. B. weil die technologischen Fordemngen zu ambitio- 
niert sind. Vor dem Hintergmnd der Erfahmngen mit dem 
Euro Hawk ist für die Zukunft zusätzlich die Etabliemng 
eines Risikomanagements angezeigt, das z. B. auch Fra- 
gen der Zulassung von Beginn an mit einschließt. Sollte 
es zu weiteren Beschaffungsentscheidungen für Drohnen 
kommen, müssen die Zulassungsvoraussetzungen von 
Beginn der Entwicklung an definiert und nach Möglich- 
keit vor Vertrags Schluss geklärt sein. Nur so kann eine 
mögliche Überdehnung des Finanzrahmens wirkungsvoll 
verhindert werden. 

Wir begrüßen, dass Bundesminister Dr. Thomas de 
Maiziere, MdB, eine Task Force eingesetzt hat, um die im 
Zusammenhang mit dem Euro Hawk festgestellten Män- 
gel in der Fachaufsicht endgültig und dauerhaft zu besei- 
tigen. 

Zudem unterstützen wir die bereits angekündigte Etablie- 
mng regelmäßiger und anlassloser Unterrichtungen des 
Ministers zu Rüstungsprojekten. Eine weitere Schwäche 
des CPM 2001 war die Information des Ministers und die 
Information des Parlaments. Die Untersuchung des Euro 
Hawk Entwicklungsprojekts hat ergeben, dass der Minis- 
ter gemäß den geltenden Regeln zwar vorschriftsmäßig 
informiert wurde, dies jedoch vor dem Hintergmnd der 
Bedeutung dieses Projekts für die Bundeswehr faktisch 
zu spät erfolgte. Damm begrüßt die Koalition ausdrück- 
lich die Anordnung des Ministers, das Informationsma- 
nagement bei größeren Rüstungsvorhaben in Form von 
regelmäßigen, anlasslosen Statusberichten an den Minis- 
ter zu verbessern. Auch ist zu begrüßen, dass dabei die 
Probleme und Risiken sowie die Kostenentwicklung im 
Vordergmnd zu stehen haben. Somit ist ein verantwor- 
tungsvoller Umgang mit Steuermitteln zukünftig besser 
gewährleistet. 

4. Projekt-Controlling verbessern 

Das Entwicklungsvorhaben Euro Hawk hat gezeigt, dass 
auch der Bereich des Projekt-Controllings weiter verbes- 
sert werden muss. Hier könnte die Empfehlung des Bun- 
desrechnungshofes aufgegriffen und geprüft werden. Der 
Rechnungshof hat dem Bundesministerium der Verteidi- 
gung empfohlen, für Großprojekte Organisationseinhei- 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 159- 


Drucksache 17/14650 


ten ZU schaffen, die in der Lage sind, Projektrisiken unab- 
hängig von der Einschätzung der am Projekt beteiligten 
Stellen zu bewerten. Projektrisiken könnten zudem auch 
durch eine externe fachliche Stelle geprüft werden. 

5. Aufstellung des BAAlNBw („Protagonisten 
an einem Tisch“) 

Mit der vorgezogenen Errichtung des neuen Bundesamtes 
für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der 
Bundeswehr (BAAlNBw) im Herbst 2012 wurde bereits 
ein wichtiger Meilenstein erreicht, um die maßgeblichen 
Protagonisten an einen Tisch zu holen. Dadurch wurden 
die Beschaffung und die Materialverantwortung im Rah- 
men der Nutzung in einem zentralen Amt zusammenge- 
fährt. Damit ist die Verantwortung für Produkte und 
Dienstleistungen über den gesamten Lebenszyklus eines 
Systems hin in einem einzigen - zivil und militärisch 
durchmischten - Organisationsbereich erstmals zusam- 
mengefasst. Die Organisations Struktur, Verantwortlich- 
keiten, Meldewege sowie die Personalstruktur sollten je- 
doch, gerade vor dem Hintergrund der gemachten 
Erfahrungen mit dem Entwicklungsvorhaben Euro Hawk, 
abermals geprüft und auf ihre Leistungsfähigkeit hin un- 
tersucht werden. 

6. „Man muss auch mal Nein sagen können“/ 
Ausstiegskriterien definieren 

Bundesminister Dr. Thomas de Maiziere, MdB, hat mit 
seiner Entscheidung deutlich gemacht, dass nicht jede 
Kostensteigerung bei Entwicklungs- oder Beschaffungs- 
vorhaben ohne weiteres nachfmanziert werden dürfe. 
Kostensteigerungen sollten nur im vertretbaren Rahmen 
erfolgen. Die selbstverständliche Nachfmanzierung sollte 
der Vergangenheit angehören. 

Für den Fall eines exorbitanten Preisanstiegs müssen 
vorab Ausstiegskriterien definiert sein. Dies ist auch der 
Herstellerseite zu kommunizieren; nur so kann es zukünf- 
tig zu realistischeren Kosten- und Leistungsangeboten 
kommen. 

7. EU-weite Regelungen zwingend 
erforderlich 

Wir sind davon überzeugt, dass sich die unbemannte Art 
des Fliegens in wenigen Jahren auch in der zivilen Fliege- 
rei endgültig etabliert haben wird. Die Teilnahme unbe- 
mannter Flugobjekte am allgemeinen Luftverkehr muss 
daher dringend auf Ebene der Europäischen Union gere- 
gelt werden. 

Wir begrüßen, dass Bundesminister Dr. Thomas de 
Maiziere, MdB, die Frage der Zulassungsharmonisierung 
bereits auf die Agenda der Europäischen Verteidigungs- 
agentur (EDA) gebracht hat. Die EDA wird sich noch in 
diesem Jahr damit beschäftigen. 

Was die Zulassung von militärischen Luftfahrzeugen be- 
trifft, begrüßt die Regierungskoalition ausdrücklich die 
durch Bundesminister Dr. Thomas de Maiziere, MdB, an- 
geordnete Aufstellung einer zentralen militärischen Luft- 


fahrtbehörde. Derart hoch komplexe Fragestellungen, wie 
die Zulassung zum Luftverkehr, müssen an einer Stelle 
gebündelt und dort zentral geregelt werden. 

8. Verbesserte Information des Deutschen 
Bundestages 

Die Koalition begrüßt ausdrücklich die Ankündigung des 
Bundesverteidigungsministers, das Parlament ohne be- 
sondere Nachfrage seitens des Bundestages, periodisch 
mit einem Bericht an den Verteidigungs- und den Haus- 
haltsausschuss über die Sachstände der entsprechenden 
Rüstungsprojekte zu informieren. 

Der Minister kommt damit einer von den Koalitionsfrak- 
tionen noch vor der Sommerpause beschlossenen Forde- 
rung nach Vorlage periodischer, anlassloser Berichte zum 
Status der wichtigsten Rüstungsprojekte an den Haus- 
halts- sowie den Verteidigungsausschuss des Deutschen 
Bundestages nach. 

Wir sind davon überzeugt, dass der Bundesminister der 
Verteidigung Dr. Thomas de Maiziere, MdB, insgesamt 
die richtigen Schlüsse aus dem Euro Hawk-Programm ge- 
zogen hat und so die Voraussetzungen dafür geschaffen 
werden, dass zukünftige Entwicklungsprojekte - bei allen 
Unwägbarkeiten - einen besseren Verlauf nehmen. 

VIII. Zusammenfassung 

Bundesminister Dr. Thomas de Maiziere, MdB, hat von 
Anfang an die Wahrheit gesagt. Es existiert auch nach der 
Befragung des Verteidigungsministers vor dem Untersu- 
chungsausschuss kein einziges Indiz, welches das Gegen- 
teil belegt. Alle einschlägigen Zeugen haben die Äuße- 
rungen des Ministers untermauert, dass er bis Mai 2013 
nicht mit unlösbaren Problemen bei der Zulassung des 
Euro Hawks befasst wurde. Im Gegenteil: Die Fachebene 
hat die Schwierigkeiten der politischen Leitung gegen- 
über stets als lösbar dargestellt. 

Die wahren Gründe für die Probleme, davor verschließen 
die Fraktionen der SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- 
NEN gerne fortdauernd die Augen, liegen weit vor der 
Amtszeit von Bundesminister Dr. Thomas de Maiziere, 
MdB. Das Entwicklungsprojekt Euro Hawk wurde unter 
rot-grüner Regierungsverantwortung mit großer Auf- 
bruchsstimmung gestartet. Allerdings war es von Beginn 
an viel komplexer und risikobehafteter, als dies die Initia- 
toren kommuniziert haben. Insbesondere gilt dies für die 
mit einem anspruchsvollen Entwicklungsprojekt verbun- 
denen Kostenrisiken. 

Sämtliche Probleme waren ausweislich vieler Belege be- 
reits zu Beginn des Projekts bekannt, wurden aber von 
den rot-grünen Verantwortungsträgem sträflich unter- 
schätzt. Dies bezieht sich insbesondere auf die Musterzu- 
lassung. Die Musterzulassung des Euro Hawk ist gmnd- 
sätzlich Voraussetzung für den Einsatz des UAV Ohne 
Musterzulassung kein Euro Hawk und ohne Euro Hawk 
kein Quantenspmng bei den Fähigkeiten in der SIGINT 
Aufklämng. Diese auf der Hand liegende zentrale Bedeu- 



Drucksache 17/14650 


- 160- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


tung der Musterzulassung wurde offenkundig konsequent 
ausgeblendet, weshalb die Probleme zur Erlangung der 
Musterzulassung viel zu spät erkannt wurden und das 
Projekt mithin zwangsläufig zu der bekannten Entwick- 
lung geführt hat. Statt genauer hinzusehen, wollte man 
den großen Wurf bewerkstelligen und hat Herausforde- 
rungen wie den Austausch von technologischem Know- 
how mit der US-Seite, Flugsicherheitsfragen oder Fragen 
der Zulassungsvoraussetzungen konsequent vor sich her- 
geschoben. Hier wurden die Voraussetzungen dafür ge- 
schaffen, dass das Projekt zunehmend auf die schiefe 
Ebene geriet und letztlich die Serienbeschaffung nicht 
vorgenommen werden konnte. 

Dies ist umso folgenschwerer, da alle einschlägigen Zeu- 
gen dargelegt haben, dass die Bundesrepublik auf die Fä- 
higkeit zur signalerfassenden luftgestützten weiträumigen 
Überwachung und Aufklärung (SLWÜA) dringend ange- 
wiesen ist. Das daraus resultierende Fähigkeitsspektrum 
ist eine wesentliche Voraussetzung, damit die Bundes- 
wehr dem vom Deutschen Bundestag formulierten Auf- 
trag nachkommen kann. Strategische Nachrichtengewin- 
nung durch Fernmelde- und elektronische Aufklärung ist 
eine Schlüsselfähigkeit für eine moderne Armee im Ein- 
satz und für die Aufgaben der zivilen Krisenprävention 
und Krisenreaktion unverzichtbar. 

Zudem kann das System einen wichtigen Beitrag zum 
Schutz unserer Soldatinnen, Soldaten und des Zivilperso- 
nals im Einsatz leisten. 

Im Zuge der Zeugenbefragung wurde deutlich, dass mit 
dem Einstieg in die Entwicklung eines unbemannten, flie- 
genden Systems technologisches, rechtliches und luft- 
fahrtregulatorisches Neuland betreten wurde. Dieses Zu- 
sammenspiel führte dazu, das Projekt Euro Hawk zu 
einem hoch komplexen Vorhaben zu machen, zumal auf 
dem Markt keine adäquate, bereits existierende Lösung 
zur Verfügung stand. 

Diese Komplexität hat sich bereits zu Beginn des Projekts 
abgezeichnet. Die letztendliche Entscheidung der Fa- 
chebene 2010, die Frage der Musterzulassung des Sys- 
tems Euro Hawk zu verschieben und sich zunächst auf 
eine Prototypenprüfung für den FSD zu konzentrieren, 
folgt der 2004 mit der AF bereits entschiedenen Logik, 
zwischen Demonstrator und Serie in Fragen der Zulas- 
sung zu unterscheiden. Darüber hinaus wurde im Unter- 
suchungsausschuss deutlich, dass das Thema Musterzu- 
lassung der Serie sehr unzureichend behandelt worden ist, 
man sich einseitig auf die Aussage der Industrie verlassen 
hat und die entsprechenden Risiken grob unterschätzt 
worden sind. Es zeichnete sich also bereits beim Anlau- 
fen des Projekts ab, dass man am Ende der Projektie- 
rungsphase gegebenenfalls zwar ein einzelnes technisch 
funktionierendes System hat, aber eine Zulassung der Se- 
rie dauerhaft nicht vorliegt oder nur mit erheblichen 
Mehrkosten erreicht werden kann. 

Als weiterer schwerwiegender Fehler wurde erkennbar, 
dass - trotz gegenteiliger Hinweise - die Risiken aus der 
parallelen Weiterentwicklung der Trägerplattform Glo- 


bal Hawk durch die USA von Beginn an deutlich unter- 
schätzt wurden. Hier liegt nach derzeitigem Kenntnis- 
stand der Hauptgrund für die erheblich gestiegenen 
Kosten des Projekts. Für die deutsche Zulassung not- 
wendige Unterlagen, Nachweise und Dokumente konn- 
ten von den US-amerikanischen Partnern entweder nicht 
vorgelegt werden oder durften aufgrund von US-Bestim- 
mungen nicht übermittelt werden. Sie müssten daher un- 
ter hohem finanziellem und zeitlichem Aufwand nach- 
träglich erbracht werden. 

Durch die Entscheidung von Bundesverteidigungsminis- 
ter Dr. Thomas de Maiziere, MdB, nicht in die Serienbe- 
schaffung beim Projekt Euro Hawk einzusteigen, ist kein 
finanzieller Schaden entstanden, sondern größerer Scha- 
den verhindert worden. Schaden wäre eingetreten, wenn 
mit der Entscheidung auch ein sofortiger Stopp der ISIS- 
Erprobung verbunden gewesen wäre. Die Tests mit dem 
Aufklärungssystem ISIS werden nun voraussichtlich bis 
zum 30. September 2013 abgeschlossen. 

Außerdem bleibt festzuhalten, dass bei Amtsantritt von 
Bundesminister Dr. Thomas de Maiziere, MdB, bereits 
über 85 Prozent der zur Verfügung stehenden Haus- 
haltmittel entweder bereits ausgegeben oder vertraglich 
gebunden waren. Zum Zeitpunkt der Erstinformation der 
aktuellen politischen Leitung im Jahr 2012 war dieses Ni- 
veau bereits auf 93 Prozent gestiegen. 

Die Beweisaufnahme hat zweifelsfrei ergeben, dass be- 
reits lange vor Dienstantritt von Bundesverteidigungsmi- 
nister Dr. Thomas de Maiziere, MdB, das Projekt so aus- 
gerichtet war, dass bei Ausbleiben einer Lösung für die 
Serien-Musterzulassung eine dauerhafte Einsatzfähigkeit 
des Euro Hawk nicht gegeben ist. Dazu trägt vor allem 
die Art und Weise der Vertragsgestaltung einen erhebli- 
chen Anteil bei. 

Von umfassender negativer Tragweite ist dabei der Um- 
stand, dass bei den vertraglichen Regelungen betreffend 
die Musterzulassung keine der vertragschließenden Par- 
teien sich darüber klar war, was die jeweils andere Seite 
darunter versteht und welche Unterlagen dafür beizubrin- 
gen sein würden. In diesem Zusammenhang erwies es 
sich auch als Versäumnis, den Umfang der Offenlegung 
technischer Details nicht genauer vertraglich zu bestim- 
men (sog. Black-Box-Problem). Auch die Frage, welche 
Informationen unter die FMS-Regeln und die ITAR-Be- 
schränkungen fallen würden, war nicht hinreichend ge- 
klärt, weil man auf deutscher Seite offenbar davon aus- 
ging, als bevorzugter und vertrauenswürdiger Partner 
behandelt zu werden. 

Bundesminister Dr. Thomas de Maiziere, MdB, hat be- 
reits eine Reihe wichtiger Maßnahmen im Bereich der 
Rüstung und Beschaffung in Gang gesetzt. So soll das für 
den Beschaffungsprozess maßgebliche Verfahren des 
„Customer Product Management [novelliert]“ (CPM 
nov.) weiter optimiert und auf die Integration möglicher 
Frühwarn-Mechanismen untersucht werden. Auch muss 
das Projekt-Controlling verbessert werden. Mit der vor- 
gezogenen Errichtung des Bundesamtes für Ausrüstung, 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 161 - 


Drucksache 17/14650 


Infrastruktur und Nutzung der Bundeswehr im Herbst 
2012 wurde bereits ein wichtiger Markstein gesetzt. Zu- 
dem hat der Minister bereits zugesagt, der von den Koali- 
tionsfraktionen noch vor der Sommerpause beschlosse- 


nen Forderung nach Vorlage periodischer anlassloser 
Berichte zum Status der wichtigsten Rüstungsprojekte an 
den Haushalts- sowie den Verteidigungsausschuss des 
Deutschen Bundestages nachzukommen. 




Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 163 - 


Drucksache 17/14650 


Vierter Teil: 

Sondervoten 

A. Sondervotum der Fraktionen SPD und 
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 

I. Erwiderung der Fraktionen SPD und 
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zu den 
Anmerkungen der Ausschussmehrheit''''4o 

Der Untersuchungsausschuss hat bis heute Aktenmaterial 
im Umfang von über 1 .500 Aktenordnern sichten können. 
18 Zeugen wurden in sechs Sitzungen des Ausschusses 
intensiv vernommen. 

In ihrer Bewertung wollen Union und FDP den Eindruck 
erwecken, der Minister hätte erst am 13. Mai 2013 von 
den Zulassungsproblemen erfahren. Die Mehrheit igno- 
riert damit die Aktenlage und macht sich vollends un- 
glaubwürdig. 

Die Beweisaufnahme hat klipp und klar ergeben, dass 
Minister de Maiziere vor dem 13. Mai 2013 mittels zahl- 
reicher Unterlagen und bei verschiedenen Terminen über 
das Projekt Euro Hawk und Probleme u. a. bei der Zulas- 
sung informiert worden war. Er selbst hat bei seiner Zeu- 
genaussage im Untersuchungsausschuss allein acht Gele- 
genheiten aufgezählt, zu denen er mit den Problemen bei 
der Zulassung konfrontiert worden ist. Es ist deshalb ge- 
radezu grotesk, zur Verteidigung weiter an einer Unter- 
scheidung von Jösbaren“ und ..unlösbaren'" Problemen 
festzuhalten. Die unlösbaren Probleme seien die schwie- 
rigsten, so Dr. Thomas de Maiziere vor dem Aus- 
schuss. Währenddessen hat sein Haus seit März 2012 
im Stakkatotakt Sitzungen einberufen, über Probleme und 
etwaige Lösungsansätze beratschlagt, um des Desasters 
Euro Hawk Herr zu werden. Und von all dem will der 
Minister nichts mitbekommen haben? Das ist unglaub- 
würdig und spricht nicht für das penible Verhältnis zur 
Aktenlage, das dem Minister bisher nachgesagt wurde. 

Bereits während der Zeugenbefragungen hatten Vertreter 
der Ausschussmehrheit sachwidrig immer wieder be- 
hauptet, der Euro Hawk sei in Wirklichkeit daran geschei- 
tert, dass man vor Vertragsschluss die Anforderungen zur 
Teilnahme am Luftverkehr beschränkt habe. Sie erklärt: 
..Dies stellte eine erhebliche Relativierung der ursprüng- 
lichen Entwicklungsziele dar und nahm im Wesentlichen 
die Verschiebung der Musterzulassung aus der Entwick- 
lung hin zur Serie bereits vorweg, bzw. machte diese zu- 
mindest möglich."^^^^ Das ist schon denklogisch falsch. Je 
niedriger die Anforderungen für eine Teilnahme am Luft- 
verkehr gestaltet werden, umso leichter lässt sich eine 
Musterzulassung für diese Anforderung erreichen. Wenn 
die Mehrheit hier keine vorsätzliche Irreführung betreibt, 
so offenbart sie ihren Dilettantismus bei der Untersu- 
chung. 

Eine Irreführung ist es auch, von den schweren Fehlern 
auf Leitungs- und Fachebene mit dem Verweis auf novel- 


1140 Dritter Teil: Bewertungsteil der Mehrheit. 

1141 de Maiziere. Protokoll-Nr. 8, S. 58. 

1142 Dritter Teil: Bewertungsteil der Mehrheit, S. 393, Zeile 3-7. 


lierte Verwaltungs Vorschriften ablenken zu wollen. Nicht 
der alte CPM 2001 ist die Ursache für die begangenen 
Fehler. Das stellt bereits der Bericht des Bundesrech- 
nungshofes ^ 1^3 fest. Die Vorgaben des CPM 2001 wurden 
einfach ignoriert. Eine Neuregelung, wie sie mit dem 
CPM nov. vorgenommen worden ist, ändert daran nichts, 
wenn Strukturen und Leitung kollektiv versagen. 

Es ist ein unglaubhaftes und durchschaubares Manöver, 
die Ursachen für das Scheitern des Euro Hawk weit in die 
Zeit vor Vertragsschluss zu schieben. Es ist aber auch ein 
klassischer Fall einer misslungenen Schutzbehauptung, 
bei der die Verteidigung von de Maiziere wichtiger ist als 
Aufklärung im Sinne der Steuerzahlerinnen und Steuer- 
zahler. Die politische Führung des BMVg hätte spätestens 
ab Juli 2011 eingreifen müssen, als der Euro Hawk nach 
Deutschland überführt worden ist. Ab diesem Zeitpunkt 
waren die Auswirkungen der Zulassungsprobleme nicht 
mehr zu ignorieren. Der Minister hätte informiert werden 
und sich zugleich aktiv um dieses strategisch und poli- 
tisch herausragende Rüstungsvorhaben kümmern müs- 
sen. 

Die Beweisaufnahme hat keinen Hinweis darauf ergeben, 
dass die Neugestaltung des Beschaffungsbereichs durch 
Thomas de Maiziere zu positiven Effekten geführt hätte. 
Das BAAINBw entpuppt sich als noch größerer Bürokra- 
tie-Dschungel als das alte BWB. Verantwortungsdifflision 
wird weiterhin großgeschrieben. Der Minister ist hier 
trotz großspuriger Ankündigungen, den Beschaffungspro- 
zess neu ordnen zu wollen, umfassend gescheitert. 

II. Anlass und Ergebnis des Untersuchungs- 
ausschusses 

Dieser Untersuchungsausschuss und sein Auftrag wurden 
am 26. Juni 2013 von allen Fraktionen im Konsens be- 
schlossen. Gleiches gilt für die Beweisbeschlüsse, mit de- 
nen die Dokumente beigezogen und die Zeugen geladen 
wurden. Es war nicht nur die Opposition, die diesen Aus- 
schuss gewollt hat. 

Nachdem die Beweisaufnahme abgeschlossen worden ist, 
stellen wir fest: Dieser Untersuchungsausschuss war ein 
Erfolg. Trotz unterschiedlicher politischer Auffassungen 
zum Untersuchungsgegenstand wurde er weder als Bühne 
missbraucht, noch verlor er sich in wahlkampftaktischen 
Scheinmanövern. Natürlich handelten die Akteure nicht 
unbeeinflusst vom beginnenden Wahlkampf. Aber die 
Beweisaufnahme wurde innerhalb weniger Tage von al- 
len Fraktionen äußerst diszipliniert, fair, zügig, sachlich 
fundiert und immer kollegial durchgeführt. Von Hektik 
oder Hysterie hat sich dieser Ausschuss zu keinem Zeit- 
punkt anstecken lassen. Der in einigen Medien geäußerte 
Vorwurf, es sei der Opposition nicht um Aufklärung ge- 
gangen, sondern um eine ..Wahlkampfbühne"^^^^ zur Dis- 


1143 Ygi Bundesrechnungshof, Bericht nach § 88 Absatz 2 BHO an den 
Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages zur Entwicklung 
des Euro Hawk Systems, 3. Juni 2013, MAT 17-4 BRH zu BB 17-90, 
Ordner 1, S. 1 ff. 

1144 Ygi Dig Welt“ vom 1. August 2013, S. 1, Kommentar von Thorsten 
Jungholt, Thema verfehlt („Auf der anderen Seite die Opposition. 
Sie funktionierte den Ausschuss zur Wahlkampfbühne um”). 



Drucksache 17/14650 


- 164- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


kreditierung eines bis dato beliebten Ministers und die ihn 
stützende Kanzlerin, ist eindeutig widerlegt. 

Die Einsetzung stellt hierbei ein Novum dar: Es ist der 
kürzeste Untersuchungsausschuss in der Parlamentsge- 
schichte. Während die im Oktober 2011 vom Verteidi- 
gungsausschuss abgeschlossene Untersuchung zur Bom- 
bardierung in Kunduz eineinhalb Jahre in Anspruch 
genommen hat, musste die Untersuchung zum gescheiter- 
ten Euro Hawk-Projekt bis zum Ende der Legislaturpe- 
riode im Oktober abgeschlossen sein. Deshalb waren be- 
reits am 26. Juni 2013 einstimmig und abschließend alle 
Beweisanträge und Zeugenbefragungen zu beschließen. 

Diese konzentrierte Arbeit lieferte eine Fülle von Er- 
kenntnissen. Die Wesentlichen sind aus Sicht der Fraktion 
der SPD und der Fraktion BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN: 

- Verteidigungsminister Thomas de Maiziere hat die 
Mitglieder des Deutschen Bundestages und Verteidi- 
gungsausschusses zögernd und unzureichend infor- 
miert und schließlich seinen wahren Kenntnisstand ge- 
leugnet, um die Versäumnisse seiner Amtsführung zu 
kaschieren. Seine Behauptung, es habe lediglich ein 
Missverständnis Vorgelegen, ändert daran nichts. Ge- 
nauso kann letztlich dahingestellt bleiben, welche 
Kenntnisse er tatsächlich im Detail über die Probleme 
hatte - oder welche Kenntnisse er hätte haben müssen, 
wenn er sein Amt ernst genommen hätte. Es ist für ei- 
nen Minister nicht egal, ob man seinem Wort glauben 
kann oder nicht. Er hat jegliches Vertrauen verloren. 

- Es handelte sich beim Euro Hawk um ein leitungsrele- 
vantes und strategisch bedeutsames Projekt. Zudem 
hatte Verteidigungsminister Thomas de Maiziere einen 
speziellen Bezug zum Thema: Er hat die Ausrüstung 
der Bundeswehr mit Drohnen an die Spitze seiner ver- 
teidigungspolitischen Agenda gehoben und das AGS- 
Projekt der NATO auf Grundlage des Global Hawk im 
Mai 2012 mit angestoßen. 

- Umso schwerer wiegt es, dass sich der Minister jeder 
eigenen Initiative verweigert hat. Stattdessen igno- 
rierte er die Probleme, soweit sie ihm bekannt wurden, 
und offenbarte ein befremdlich formalistisches Amts- 
verständnis. Zugleich ist das Ausmaß der Kenntnisse, 
die er hatte oder hätte haben können, weitaus umfang- 
reicher, als er vor der Einsetzung dieses Untersu- 
chungsausschusses zugegeben hat. 

- Ein Minister, der nur dann führt, wenn ihm eine for- 
melle Entscheidungsvorlage präsentiert wird, kann 
nicht das Verteidigungsministerium und die Bundes- 
wehr verantwortlich leiten. Gleiches gilt für einen 
Minister, der mündliche Informationen und Informa- 
tionsvorlagen ignoriert. Thomas de Maiziere hat sich 
als ungeeignet für dieses Amt erwiesen. 

- Rüstungsstaatssekretär Beemelmans ließ jede Initia- 
tive vermissen. Er war aufgrund seiner Fixierung auf 
Einhaltung des Dienstweges schlecht informiert und 
mit der Bewältigung des Problems überfordert. 

- Das Projekt Euro Hawk litt nicht an einem „Geburts- 
fehler“. Für die Entwicklungsanteile des Vertrages be- 
standen zwar Realisierungsrisiken, die von Anfang an 
bekannt und vertraglich nicht auszuschließen waren. 


Diese hätten aber durch intensives und fortlaufendes 
Controlling minimiert werden können. 

- Als nach drei Jahren Laufzeit im Jahre 2009, spätes- 
tens Anfang 2010 auf Fachebene entschieden wurde, 
die Musterzulassung als ein wesentliches Ziel des Ver- 
trages nicht mehr zu verfolgen, war das Projekt damit 
praktisch gescheitert. Die Geschäftsgrundlage des 
Vertrages war entfallen. Eine Serienbeschaffung des 
Euro Hawk hätte aufgrund der zusätzlichen Zulas- 
sungsaufwendungen jeden Kostenrahmen gesprengt. 

- Dennoch wurde kein Moratorium veranlasst und die 
Leitung des BMVg nicht informiert. Die Fachebene 
betrieb das Projekt auf Anraten der Industrie weiter, 
die damit ihre eigenen Interessen verfolgte. Control- 
ling und Fachaufsicht im BMVg versagten. 

- Die Leitung des BMVg kümmerte sich nicht proaktiv 
um das Projekt. Erst im Herbst 2011 realisierte sie die 
Probleme und war ab Anfang 2012 in vollem Umfang 
darüber informiert. 

- Obwohl die Projektentwicklung schon lange geschei- 
tert war, dauerte es noch einmal zusätzlich eineinhalb 
Jahre bis 2013, bis eine Entscheidung über die Zu- 
kunft des Projektes getroffen wurde. Dazwischen gab 
es hektische Betriebsamkeit auf der Fachebene und 
Zögern und Zaudern auf der Leitungsebene, um doch 
noch wider Erwarten die Zulassungsfrage lösen zu 
können. 

- Die nachgeordneten Behörden im damaligen BWB 
(heute BAAINBw) neigen zum Eigenleben. Die Pro- 
jektleitung ließ sich offensichtlich stark von der Indus- 
trie beeinflussen und für deren Interessen einspannen. 
Die Leitung des BWB/BAAINBw trat als Kontrollin- 
stanz nicht in Erscheinung. 

1. Der Anlass: Parlament und Öffentlichkeit 
werden falsch informiert 

Es war die Bundesregierung, die diesen Untersuchungs- 
ausschuss provoziert hat. Denn die Nachricht über das 
Aus des Euro Hawk stand im Gegensatz zu allen Informa- 
tionen, die man aus dem BMVg bis Anfang 2013 erhalten 
hatte. Obwohl dort das Projekt seit Ende 2011 auf der 
Kippe stand und die Serienbeschaffung höchst unwahr- 
scheinlich geworden war, hatte das Parlament fortwäh- 
rend Erfolgsmeldungen erhalten, damit die Finanzierung 
für den Euro Hawk weiter fließen konnte. Als jedoch die 
Verantwortlichkeit des Ministers für das finanzielle und 
politische Desaster thematisiert wurde, wartete dieser wo- 
chenlang ab, um sich dann nachhaltig in Widersprüche zu 
verstricken. 

a) Überraschende Bruchlandung 

Am 3 1 . Januar 2007 war der Vertrag geschlossen worden, 
am 21. Juli 2011 hatte der Überführungsflug des Euro 
Hawk nach Deutschland stattgefunden. Er wurde von der 
Bundeswehr mit Worten wie .schneller, höher, weiter‘\ 
,J\deilenstein'' und ,,neue Ära der Luftaufklärung^^ beju- 

belt.1145 


1145 Pressemitteilung d. Luftwaffe vom 18. August 2011. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 165- 


Drucksache 17/14650 


Während die Drohne in Manching getestet wurde, wur- 
den die Abgeordneten des Verteidigungsausschusses bis 
Frühjahr 2013 in dem Glauben gelassen, der Euro Hawk 
sei ein Erfolgsmodell, das in Kürze zum Einsatz kommen 
werde. Erst von anderer Seite musste durchsickem, dass 
es erhebliche Probleme gebe. Aufgrund kritischer Sach- 
standsanfragen Anfang 2013 der Abgeordneten 
Dr. Lindner, Dr. Bartels und der Ausschuss Vorsitzenden 
Dr. h. c. Kästner, über die auch öffentlich berichtet 
wurde, 1146 erhielten die Mitglieder am 22. April 2013 ei- 
nen Bericht des BMVg (Ausschuss-Drs. 17(12)1185). 
Dieser las sich bereits wie „J/e Ankündigung eines Desas- 
ters'" Am 24. April 2013 standen Vertreter des BMVg 
den Mitgliedern des Verteidigungs- und Haushaltsaus- 
schusses für Nachfragen zur Verfügung. Es wurde von 
massiven Flugbeschränkungen, hohen Betriebskosten, 
Zulassungsproblemen und geschätzten Mehrkosten von 
500 bis 800 Millionen Euro für die Beschaffung der Euro 
Hawk-Serie berichtet, Das stand im Gegensatz zu den 
bisher offiziell erhaltenen Informationen, die ein gänzlich 
anderes Bild vermittelt hatten. 

Am 13. Mai 2013 abends in der Online- Ausgabe und am 
14. Mai 2013 in der Druckausgabe der „FAZ“ konnten 
sodann die Abgeordneten erfahren, dass das Ministerium 
Reißleine gezogen" habe und der Euro Hawk endgül- 
tig abgestürzt sei. Mit Zustimmung des Ministers vom 
13. Mai war wenige Tage zuvor auf Ebene der Staatsse- 
kretäre entschieden worden, den Testbetrieb zum 30. Sep- 
tember 2013 einzustellen und die Beschaffung der Serie 
nicht vorzunehmen. Diese Entscheidung warf eine ganze 
Reihe neuer Fragen auf, die in der Sitzung des Verteidi- 
gungsausschusses am 15. Mai 2013 durch die anwesen- 
den Vertreter des BMVg jedoch nicht geklärt werden 
konnten. Stattdessen gab es ,,mehr Verwirrung als vor- 
her" Unbeantwortet blieben u. a. die Fragen nach den 
Ursachen und der Verantwortung für das Scheitern inner- 
halb und außerhalb des BMVg. Gleiches galt auch für die 
(finanziellen) Folgen der nun getroffenen Entscheidung. 
Ungeklärt blieb auch, ob und wie sich das ISIS-Aufklä- 
rungssystem zukünftig nutzen lassen könnte. Die Antwort 
der Regierung auf die Frage, warum der Abbruch nicht 
bereits 2011 hätte erfolgen müssen, obwohl alle wesentli- 
chen Umstände bereits damals bekannt waren, blieb 
ebenfalls nicht nachvollziehbar. 

b) Mehrwöchige Untersuchung „führt hinter 
die Fichte“ 

Nach dreiwöchigem Aktenstudium wollte der Bundesver- 
teidigungsminister, Thomas de Maiziere, dem Ausschuss 
die Ursachen und die Verantwortlichkeit für das Drohnen- 
Desaster abschließend erläutern. Es wurde ein Kommuni- 


1146 Bspw. Frankfurter Rundschau vom 22. März 2013. 

1147 MdB Bartels, MAT 17-1 BT-VA zu BB 17-92, S. 403 ff. Außerdem 
Nachfragen u. a. von Keul, Lindner, Nouripour 

1148 MD Selhausen im Verteidigungsausschuss am 24. April 2013, vgl. 
MAT 17-1 BT-VA zu BB 17-92, S. 408 f 

1149 MdB Nouripour, MAT 17-1 BT-VA zu BB 17-92, S. 450. 

ii^n StS Beemelmans im Verteidigungsausschuss am 15. Mai 2013, vgl. 
MAT 17-1 BT-VA zu BB 17-92, S. 422 ff. 


kations-Desaster. Wie unglücklich der Minister mit der 
Aufarbeitung des Scheitems des Euro Hawk umging, 
zeigte sich schon daran, dass er einen der Hauptverant- 
wortlichen des Projektes, den Abteilungsleiter AIN, mit 
der Leitung der Ad-hoc Arbeitsgmppe betraute, die die 
Projektgeschichte für den Verteidigungsausschuss rekon- 
stmieren sollte. 

Thomas de Maiziere wies dagegen alle Verantwortung 
von sich. Hierzu - ob vorsätzlich oder fahrlässig, kann 
dahin gestellt bleiben - täuschte er in seiner von ihm 
selbst verfasstenii52 Erklämng vor, er habe keine Kennt- 
nis zum Problem gehabt, weil er von seinen Staatssekre- 
tären nicht oder nicht ausreichend informiert worden sei. 
Er rügte sie deswegen offen und drohte personelle Konse- 
quenzen an. Bis zur Entscheidungsvorlage am 13. Mai 
2013 sei er Jediglich"^^^^ anlässlich einer „Rüstungsklau- 
sur“ am 1. März 2012, also nur ein einziges Mal, ober- 
flächlich mit Zulassungsproblemen beim Euro Hawk be- 
fasst gewesen. Im Übrigen seien die Ursachen bei seinen 
Vorgängern, den Fachebenen im BMVg und damaligen 
BWB (heute: BAAINBw) und dem US -Vertragspartner 
zu suchen. 

Außerdem habe der Euro Hawk bis 2013 schon deshalb 
weiterentwickelt werden müssen, da nur so das Aufklä- 
mngssystem ISIS weiterentwickelt werden konnte, das 
jetzt in einer alternativen Plattform genutzt werden 
könne. Ein früherer Abbmch der Entwicklung hätte dage- 
gen höhere Kosten vemrsacht. Diese nicht belegte Be- 
hauptung des Ministers schien weder finanziell noch 
technisch nachvollziehbar. 

c) Wer weiß was von wem — und wer ist 
verantwortlich? 

Hatte der Minister am 5. Juni noch den Eindmck erweckt, 
sein Haus in relativer Unkenntnis regiert zu haben, wurde 
kurz darauf ein Interview im „Donaukurier“ vom 8. Mai 
bekannt, das den Minister deutlich besser informiert 
zeigte, als es seine Darstellung im Ausschuss vermuten 
ließ. Gegenüber der Zeitung äußert er wenige Tage vor 
der abschließenden Entscheidung seiner Staatssekretäre 
die Einschätzung, die Serienbeschaffung des Euro Hawk 
sei Jm Moment" nicht sehr wahrscheinlich. ^4 Dabei 
wollte er angeblich vor dem 13. Mai überhaupt keine In- 
formationen erhalten haben, die in diese Richtung deute- 
ten. 

Die Zweifel verschärften sich noch weiter, als eine Pres- 
semitteilung des BMVg als Reaktion auf die Interview- 
aussagen vom 8. Mai zwar weiter den Eindruck erwecken 
wollte, es sei bis zum 13. Mai 2013 keine schriftliche In- 


1151 mAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, Ordner 1, S. 1 ff 
de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 38. 

Bewertungen und Konsequenzen zum Euro Hawk durch den Bun- 
desminister der Verteidigung Dr Thomas de Maiziere anlässlich 
der Vorlage des „Berichts der Ad-hoc Arbeitsgruppe Euro Hawk“ 
des Bundesministeriums für Verteidigung im Verteidigungsaus- 
schuss des Deutschen Bundestags am 5. Juni 2013 in Berlin, MAT 
17-1 A BT-VA zu BB 17-92, Sprechzettel BM, S. 3. 

11^4 Donaukurier vom 8. Mai 2013, „Die Riesen-Drohne trudelt“. 



Drucksache 17/14650 


- 166- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


formation an den Minister gelangt zuvor keine Vor- 
lage an ihn mit einer Beschreibung der Zulassungspro- 
bleme oder überhaupt zum Gesamtproblem... 
indem unter erneuter Hervorhebung der Beratungen auf 
der Rüstungsklausur vom 1. März 2012 suggeriert wurde, 
dies seien nur mündliche Hintergrundinformationen ge- 
wesen. Aber dem Verweis auf den 1. März 2012 folgte 
- semantisch versteckt und im Widerspruch zum Vorher- 
stehenden - der Annex ..sowie auch später‘\^^^^ Diesen 
Verweis auf unbestimmte weitere Zeitpunkte zwischen 
beiden genannten Daten hatte Thomas de Maiziere am 
5. Juni noch nicht verwendet. Dort war die mündliche Be- 
sprechung als singuläres Ereignis {nur ein einziges Mal) 
geschildert worden. Nun konnte - laut Pressestelle des 
BMVg - eventuell die Rüstungsklausur nur als eine von 
mehreren mündlichen Unterrichtungen verstanden werden. 

In den Tagen nach dem 6. Juni 2013 tauchten in schneller 
Abfolge weitere Informationen auf, die den Eindruck 
nachhaltig erschüttern, der Minister sei wirklich in Un- 
kenntnis belassen worden. Sie betrafen größtenteils 
schriftliche Unterrichtungen im Zeitraum zwischen der 
Rüstungsklausur am 1. März 2012 und der Entscheidung 
am 13. Mai 2013, in welchem der Minister ursprünglich 
völlig ahnungslos gewesen sein wollte. 

Am 10. Juni 2013 musste er im Verteidigungsausschuss 
einräumen, doch bei mehreren Gelegenheiten von Zulas- 
sungsproblemen und Kostensteigerungen beim Euro 
Hawk erfahren zu haben. Aber da sie ihm ..lösbaV er- 
schienen, habe er nichts weiter veranlasst. 

Diese neue Verteidigungslinie - von völliger Unkenntnis 
hin zur Unkenntnis ..unlösbarer'^ Probleme - beschädigt 
die Glaubwürdigkeit des Ministers nachhaltig. Diese Li- 
nie hat er auch vor dem Untersuchungsausschuss beibe- 
halten. Das Vertrauen in die Wahrhaftigkeit der Unter- 
richtung des Parlaments ist endgültig erschüttert. Da nutzt 
auch die Beteuerung des Ministers nichts, er wolle nie- 
manden ..hinter die Fichte [...] führen“ Da sich die 
aufgeworfenen Fragen aufgrund zeitlicher Probleme in 
der letzten Sitzung am 24. Juni 2013 nicht beantworten 
lassen würden, zumal auch viele Dokumente des BMVg 
noch nicht Vorlagen, wurde die Konstituierung des Verteidi- 
gungsausschusses als Untersuchungsausschuss zwingend. 

2. Weitere und zukünftige Rüstungsprojekte: 
Die Verpflichtung der Bundeswehr als 
Parlamentsarmee 

Das fraktionsübergreifende Interesse an der Aufklärung 
des Rüstungsprojektes Euro Hawk gründet in der beson- 
deren Verantwortung des Verteidigungsausschusses für 


Bewertungen und Konsequenzen zum Euro Hawk, MAT 17-1 A 
BT-VA zu BB 17-92, Sprechzettel BM, S. 3. 

1156 Pressemitteilung Nr. 17/2013 des BMVg vom 6. Januar 2013 [sic!], 
S. 1 : „Die Aussagen des Ministers gegenüber dem Donaukurier ba- 
sierten auf Hintergrundinformationen zum Vorhaben EURO 
HAWK, wie er sie am 1. März 2012 im Rahmen einer allgemeinen 
Besprechung zu vielen Rüstungsvorhaben sowie auch später [Her- 
vorh. d. Verf.J erhalten hat.“ 

de Maiziere im Verteidigungsausschuss am 10. Juni 2013, vgl. 
MAT 17-1 BT-VA zu BB 17-92, Protokoll vom 10. Juni 2013, 
S. 526. 


die Bundeswehr als Parlamentsarmee. Die auf die 
Streitkräfte bezogenen Regelungen des Grundgesetzes 
sind danach darauf angelegt, die Bundeswehr nicht allein 
der Exekutive zu überlassen, sondern sie als „Parlaments- 
heer“ in die demokratisch rechtsstaatliche Verfassungs- 
ordnung einzufägen. Aus diesem Grund gibt es nicht nur 
die Institution des Wehrbeauftragten des Deutschen Bun- 
destages mit umfangreichen Kontrollrechten nach 
Art. 45b des Grundgesetzes (GG), sondern Art. 45a GG 
verleiht dem Verteidigungsausschuss auch die Rechts- 
macht eines Untersuchungsausschusses nach Art. 44 GG. 
Von diesem Recht hat der Verteidigungsausschuss schon 
mehrfach Gebrauch gemacht, so zuletzt, als es um die 
politische und militärische Verantwortung für den Bom- 
beneinsatz in Kunduz/ Afghanistan im Jahr 2009 ging. 
Die Bombardierung und die nachfolgende intensive öf- 
fentliche Debatte hatten die Soldatinnen und Soldaten wie 
auch die Öffentlichkeit sehr verunsichert. Der Ausschuss 
hatte in ihrem Interesse die Pflicht, Umstände und Folgen 
aufzuklären. 

Gleiches gilt, wenn es um die Ausrüstung der Soldatinnen 
und Soldaten geht. Durch das Scheitern des Euro Hawk 
verlängert sich eine seit 2010 existierende und sich seit 
2000 ankündigende Fähigkeitslücke der Bundeswehr in 
der luftgestützten Aufklärung mindestens bis 2019, rea- 
listischer betrachtet auf unabsehbare Zeit. Dadurch sind 
auch ganz konkret Leib und Leben der Soldatinnen und 
Soldaten im Einsatz betroffen. Nicht zuletzt ist das Parla- 
ment zur Kontrolle verpflichtet, wenn es um hohe Be- 
träge für Rüstungsvorhaben geht, die fehlgeleitet werden. 
Hier ist das Budgetrecht des Parlaments unmittelbar be- 
rührt. 

a) Dauerbrenner Rüstung 

Der Rüstungsbereich ist seit der Gründung der Bundes- 
wehr ein hochproblematisches Feld. Die Liste mit Skan- 
dalen und Fehlinvestitionen ist lang. Aktuell geht es al- 
lein im Bereich der fliegenden Ausrüstung um zahllose 
Probleme bei der Entwicklung und Beschaffung des Hub- 
schraubers „NH 90“, des Kampfhubschraubers „TIGER“, 
des KampQets „Eurofighter“ und des Airbus „A400M“. 
Probleme gab es mit der Einsatzausrüstung auch wieder- 
holt für Afghanistan, v. a. bei den gepanzerten Fahr- 
zeugen. Hier musste der Verteidigungsausschuss nach 
Unterrichtung durch den Wehrbeauftragten mehrfach in- 
tervenieren, nachdem Soldatinnen und Soldaten in unge- 
schützten Fahrzeugen bei Kampfhandlungen ums Leben 
gekommen waren. 

Besondere Herausforderungen ergeben sich aus der 
historisch gewachsenen Struktur der zivilen Wehrverwal- 
tung. Hierbei ist insbesondere die Dienststelle des neuor- 
ganisierten BAAINBw zu nennen, die mit ihren knapp 
10.000 Mitarbeitern nur schwer zu kontrollieren ist. 

Dabei können Bundesregierung und Parlament auf das 
Grundproblem bisher nur eingeschränkt Einfluss nehmen: 
Es herrscht nur wenig Wettbewerb, oftmals gibt es nur ei- 


1158 Vgl. hierzu grundlegend BVerfGE 90, 286 (381 f.); 121, 135 (153 f.). 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 167- 


Drucksache 17/14650 


nen Anbieter. Neuentwicklungen finden nur statt, wenn 
die Nachfrageseite diese beauftragt - und hierzu alle Kos- 
ten und Risiken trägt. 

Gerade deshalb ist eine permanente Kontrolle des Ver- 
laufs von Rüstungsprojekten elementar. Hier ist der Ver- 
teidigungsausschuss genauso in der Pflicht wie die Bun- 
desregierung. Er muss kontinuierlich und anlassbezogen 
- nicht nur im Rahmen von 25 Millionen Euro- Vorlagen - 
informiert werden. Parlamentarische Kontrolle stellt sich 
hier weniger als klassische Auseinandersetzung zwischen 
Koalition und Opposition dar, sondern ist vielmehr wich- 
tiger Bestandteil der parlamentarischen Aufgaben. 

b) Parlamentarische Kontrolle 

Die letzten Jahrzehnte haben wiederholt gezeigt, dass die 
Steuerung des Rüstungsbereiches für jeden Verteidi- 
gungsminister eine besondere Herausforderung darstellt. 
Der Untersuchungsausschuss Euro Hawk hat deshalb 
auch auf andere Rüstungsvorhaben eine Wirkung über die 
17. Wahlperiode hinaus. Dies gilt umso mehr, wenn - wie 
hier - die Beweisaufnahme vollständig unter Beteiligung 
der Öffentlichkeit erfolgt und der Fokus der öffentlichen 
Aufmerksamkeit auf dem Umgang der öffentlichen Hand 
mit Steuergeldern liegt. 

Mit der Einsetzung des Ausschusses zeigt der Verteidi- 
gungsausschuss, dass es ihm ernst mit der Kontrolle des 
Rüstungsbereiches ist. Zugleich möchte er die Exekutive 
zu weiteren Anstrengungen motivieren, diesen Bereich 
nachhaltig zu re strukturieren, um bessere Preis-Leis- 
tungs-Relationen zu erhalten und die Ausgaben kalkulier- 
bar zu machen. 

Dabei ist es das Wesen parlamentarischer Kontrolle, dass 
mit ihr ein hohes Maß an öffentlicher Aufmerksamkeit 
einhergeht. Das Licht des öffentlichen Interesses fällt hier 
auf eine Schnittstelle zwischen wirtschaftlichen und ver- 
teidigungspolitischen Interessen, die sich sonst mit Ver- 
weis auf militärische (Betriebs) Geheimnisse und die Ge- 
heimhaltung internationaler Vereinbarungen einer 
öffentlichen Kontrolle entziehen. Hier kann ein Untersu- 
chungsausschuss unter Beachtung der Vorgaben der Ge- 
heimschutzordnung des Deutschen Bundestages die Tat- 
sachen öffentlich machen, für deren Geheimhaltung es an 
Rechtfertigung mangelt. 

Ein transparenter Umgang mit Vertragsbeziehungen und 
erbrachten Leistungen hat durchaus einen positiven Ef- 
fekt für die Zukunft. Die Unternehmen der Rüstungsbran- 
che fürchten um ihr Image. Gleiches gilt für die beteilig- 
ten Behördenmitarbeiter, die sich der Kritik stellen 
müssen. Der Verteidigungsausschuss ist deshalb auch mit 
Blick auf die nächste Wahlperiode tätig geworden. 

3. Wesentliche Erkenntnisse des Unter- 
suchungsausschusses 

4. Kein „Geburtsfehler“ vor oder bei 
Abschluss des Vertrages Anfang 2007 

Bundesminister de Maiziere hat wiederholt vor dem Aus- 
schuss und in der Öffentlichkeit die These vertreten, nicht 


er trage die Schuld am Scheitern des Projektes Euro 
Hawk: Der ..eigentliche Geburts- und Konstruktionsfeh- 
ler'" des Entwicklungsvorhabens liege in der Zeit der rot- 
grünen Bundesregierung in den Jahren 2000 bis 2005. 
Beide Seiten hätten vor Vertragsschluss unterschiedliche 
Vorstellungen entwickelt, welche Zulassungsvorausset- 
zungen für den Flugbetrieb des Euro Hawk in Deutsch- 
land notwendig wären. Die Grundannahme, dass eine 
amerikanische Zulassung für die deutsche Zulassung nur 
angepasst werden müsse, sei falsch gewesen. Hier liege 
der Keim der Probleme. 

Er suggeriert damit, es seien seine Amtsvorgänger, die 
Verteidigungsminister Rudolf Scharping und Peter Struck 
gewesen, die ein zum Scheitern verurteiltes Projekt auf 
den Weg gebracht hätten. Er, Thomas de Maiziere, könne 
hier keine Verantwortung tragen. Das ist nicht nur sach- 
lich unrichtig. Sondern es ist auch ein leicht durchschau- 
bares Ablenkungsmanöver de Maizieres, um sich selbst 
zu entlasten. 

In seiner Vernehmung vor dem Untersuchungsausschuss 
hat General a. D. Wolfgang Schneiderhan die These eines 
so genannten „Geburtsfehlers“ in Zweifel gezogen und 
gesagt: 

„Ich würde zur Vorsicht mahnen, in diesem prä- 
natalen Zustand, den wir damals hatten, mit dem 
Kenntnisstand, den wir damals hatten, schon von 
einem Fehler zu reden. Das ist mit der Weisheit 
von heute vielleicht leicht möglich. Mit der Weis- 
heit von damals - in diesem pränatalen Zustand 
noch weit von der Geburt entfernt - konnte man 
das so nicht beurteilen. Insofern hätte ich Pro- 
bleme mit dieser Begrifflichkeit [. . 

Der Skandal liegt nicht darin, dass der Euro Hawk ge- 
scheitert ist. Sofern sich Projekte dauerhaft nicht zeit- 
oder kostengerecht realisieren lassen, stellt der Abbruch 
stets eine mögliche Option dar. Vielmehr liegt der Skan- 
dal darin, dass die Spitze des BMVg erst jetzt realisiert 
hat, dass das Projekt schon lange gescheitert ist. Es ist un- 
verständlich, warum Wehrverwaltung und Verteidigungs- 
ministerium ein gescheitertes Projekt über Jahre hinweg 
weiter betreiben und Gelder abrufen,ii6i bis alle veran- 
schlagten Finanzmittel ausgeschöpft sind, die Kosten für 
Alternativen steigen und die Bundeswehr auf Jahre hi- 
naus weiter mit ihrer Fähigkeitslücke zu kämpfen hat. 
Dabei war - wie bereits der Bundesrechnungshof festge- 
stelltii 62 die Beweisaufnahme nunmehr bestätigt hat - 
bereits 2009, spätestens 2011, bekannt: Ein wesentliches 
erhofftes Entwicklungsziel, die Musterzulassung, würde 
sich nicht erreichen lassen. 


Bewertungen und Konsequenzen zum Euro Hawk, MAT 17-1 A 
BT-VA zu BB 17-92, Sprechzettel BM, S. 5 f. Deutlicher noch in 
der Zusammenfassung auf S. 1 1 . 

Schneiderhan. Protokoll-Nr. 3, S. 9. 

1161 Knöpf el, Protokoll-Nr. 4, S. 3, für den das Projekt sehr erfolgreich 
verlaufen ist. 

1162 mAT 17-4 BRH zu BB 17-90, Ordner 1, S. 13 ff 



Drucksache 17/14650 


- 168- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


a) Fähigkeitslücke, Risikoanalyse und 
-abwäg ung 

Es war die richtige Entscheidung, das Projekt Euro Hawk 
2002 auf den Weg zu bringen und die Chancen zu nutzen, 
die dieses System potentiell bot. Nach gebotener Abwä- 
gung von Vor- und Nachteilen hat sich das BMVg für 
eine besondere innovative Lösung entschieden. Hätte wie 
erhofft die Serie von Euro Hawks beschafft werden kön- 
nen, wäre die Bundeswehr damit in einem optimalen 
Kosten-Nutzen- Verhältnis aufgestellt gewesen. 

Am Anfang des Projektes Euro Hawk war die sich 2010 
realisierende Aufklärungslücke im Fähigkeits Spektrum 
der Bundeswehr absehbar. Es ging hierbei um die Fähig- 
keit der luftgestützten und signalerfassenden Nachrich- 
tengewinnung und Aufklärung. Sie ist zentral, weil sie die 
Einsatzfähigkeit der Bundeswehr im Querschnitt betrifft 
und notwendig ist, um deren Soldatinnen und Soldaten 
besser schützen zu können. 

Die propellergetriebenen Flugzeuge Breguet 1150 Atlan- 
tic SIGINT, die bis 2010 diese Fähigkeit bereitstellten, 
waren bei Außerdienststellung bereits seit 40 Jahren im 
Einsatz. Es war und ist heute noch politischer Konsens, 
dass diese Fähigkeitslücke geschlossen werden muss.^^^^ 
Hierzu schien ein unbemanntes Fluggerät aufgrund seiner 
Flugeigenschaften am besten geeignet. In den USA hatte 
der Global Hawk 1998 seinen Erstflug absolviert und 
schien nach militärischen Einsätzen durch die US Air 
Force vielversprechend zu sein. Insbesondere seine ein- 
zigartige Fähigkeit, aus einer Höhe von rund 20.000 Me- 
ter aufklären zu können, bot hervorragende Ausgangsbe- 
dingungen. 

Vor Vertragsabschluss wurden mehrere Studien^i^^ 2 u 
Aufklärungsmodul und Trägerplattform eingeholt, die 
technische und luftfahrtrechtliche Risiken thematisierten, 
da es seinerzeit noch keine Zulassungsregeln für unbe- 
mannte Fluggeräte der Kategorie 3 gab. Die Möglichkei- 
ten der Integration einer Aufklärungseinheit in einen Glo- 
bal Hawk wurde unter Hinweis auf die Zulassungsrisiken 
bejaht. Die großen Vorteile gegenüber einer konventio- 
nellen Lösung mit einem herkömmlichen Jet bestanden in 
der Flughöhe, -dauer und -Sicherheit (für die Besatzung/ 
das Personal). Diese Vorteile rechtfertigten die hohen 
Entwicklungskosten und -risiken bei eindeutig niedrige- 
ren Stückpreis- und Lebenszeitkosten. 

Wären die vertraglichen Möglichkeiten von Seiten des 
damaligen BWB konsequent angewandt worden, wäre 
der Schaden erheblich geringer ausgefallen. 

b) Vertragsgestaltung: Wer trägt das 
Realisierungsrisiko? 

Da der Markt für Rüstungsgüter sehr beschränkt ist, ent- 
wickelt die Industrie neue Technologien nur dann, wenn 


So die übereinstimmenden Aussagen der Zeugen Scharping (Pro- 
tokoll-Nr. 3, S. 39 f.), Schneiderhan (Protokoll-Nr. 3, S. 2 ff.), Jung 
(Protokoll-Nr. 3, S. 55 f) und de Maiziere (Protokoll-Nr. 8, S. 6 f). 

1164 MAT 17-21 BMVg zu BB 17-30, Ordner 3, 5 und 6 (SLWÜA), 
Ordner 4 (AGWOA) und Ordner 10 (ISISS). 

1165 AGWOA Abschlussbericht B-WA 4403/04 vom 28.02.2003, MAT 
17-21 BMVg zu BB 17-30, Ordner 4, S. 1 ff. 


sie sich hierbei Vorteile verspricht. Eine angepasste 
Version des Musterentwicklungsvertrages (ABEI)ii^'^ 
sollte deshalb die Realisierungsrisiken der Entwicklungs- 
anteile im Vertrag angemessen auf beide Vertragspartner 
verteilen. Die Beurteilung dessen, welche Risiken der 
Bund tatsächlich zu tragen hat, steht aus. Der Vertrag war 
jedoch jederzeit kündbar. Der Auftraggeber hatte zu- 
dem das Recht, das Entgelt zum Teil einzubehalten, falls 
Leistungen nicht oder nicht richtig erbracht wurden. Ent- 
schlossenes Handeln vorausgesetzt, hätten Fehlentwick- 
lungen daher vom Bund als Auftraggeber konsequent ge- 
stoppt werden können und mit Verfehlen des elementaren 
Ziels „Zulassung“ das Projekt auch müssen. Erst nach ei- 
ner erneuten Risikoanalyse und ggf der Entscheidung zur 
Bereitstellung neuer Finanzmittel hätte es weiter geführt 
werden dürfen. Genau hier haben alle Ebenen versagt, die 
Fachebene spätestens Anfang 2010, die Leitung spätes- 
tens 2011. 

Der Vertragsabschluss war dabei kein „Schnellschuss“, 
sondern es ging ihm eine komplexe über sechsjährige 
Vorbereitungs- und Verhandlungszeit voraus. Aus diesem 
Grund ist die Vereinbarung mit ihren Anlagen ein um- 
fangreiches Vertragswerk, das auf Grundlage des damali- 
gen Kenntnisstandes auf mehreren Ebenen verschiedenar- 
tige Leistungsformen und -ziele zusammenfasst. Sollte es 
einen versteckten Dissens hinsichtlich der Zulassungsvor- 
aussetzungen zwischen den Parteien gegeben haben, dann 
hat das BWB durch das Einbringen der Musterzulas- 
sungsanforderungen (ZDv 19/1) in den Vertrag und die 
Verpflichtung zur Aufstellung eines Musterprüfrahmen- 
programms aus seiner Sicht alles Erdenkliche getan, um 
die Zulassungsfähigkeit zum Vertragsbestandteil zu ma- 
chen. Den an den Vertragsentwürfen Beteiligten kann 
deshalb ebenso wenig ein Vorwurf gemacht werden, wie 
dem bei Vertragsschluss am 3 1 . Januar 2007 amtierenden 
Verteidigungsminister Franz Josef Jung.^^^^ Es ist deshalb 
durchsichtig, wenn Minister de Maiziere und die Mitglie- 
der der Koalition die Verantwortung möglichst weit in die 
Vergangenheit schieben wollen. 

c) Redliches Bemühen ausreichend? 

Auch wenn in einem Arbeitszeugnis der Verweis auf das 
redliche „Bemühen“ des Arbeitnehmers de facto ein „un- 
genügend“ bedeutet, liegt die Ursache für das Scheitern 
des Euro Hawk wohl kaum in der häufig als Ursache he- 
rangezogenen „Bemühensklausel“. 

Nach Ansicht des BAAINBw galt sie grundsätzlich für 
die Erbringung von Dienstleistungen durch die Euro- 


1166 Dazu: taz vom 12. August 2013, S. 12: Michael Brzoska, Von 
Mängeln und Milliarden. Außerdem: taz vom 15. August 2013, 
S. 6: Ulrike Winkelmann, US-Industrie wurde gehätschelt. 

1167 ABEI = Allgemeine Bedingungen für Entwicklungsverträge der 
Industriefirmen. 

1168 mAT 17-6 BMVg zu BB I7-I, Ordner I, S. 27: § 18 des Vertrages 
vom 3 1 . Januar 2007. 

1169 Dessen angeblicher Einsatz für die ausdrückliche Aufnahme von 
Schadensersatz- und Mangelgewährleistungsvorschriften im Ver- 
trag (§§ 12, 13) ist zwar löblich, aber relativ wirkungslos: Entspre- 
chende allgemeine Vorschriften wären via Anwendung der VOL/B 
(§ 14) Vertragsbestandteil geworden (§ 22 Abs. I des Vertrages). 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 169- 


Drucksache 17/14650 


Hawk GmbH. Geschuldet sein soll insoweit lediglich das 
, bemühen, das bestmögliche Ergebnis zu erzielen'". Die 
Klausel soll für risikobelastete Entwicklungsverträge 
typisch sein und richtet sich nach den entsprechenden 
Musterverträgen. ^ 

Allerdings wurde die Bemühensklausel für einzelne be- 
deutende Leistungen ausdrücklich ausgeschlossen: Die 
EuroHawk GmbH schuldete konkrete „Zulassungs- 
leistungen“, das heißt Unterstützungsleistungen zum Er- 
langen einer Zulassung. Von der Bemühensklausel 
ausgeschlossen waren auch bestimmte ,J[d^n^gementleis- 
tungen" (Leistungen für Logistik, Test, Zulassung und 
Qualifikation). Dies waren z. B. Koordinierungsleistun- 
gen für den Zertifizierungsprozess zwischen allen Betei- 

ligten.ii'^2 

Letztlich ist es unerheblich, ob sich der Auftragnehmer 
nun (nicht) richtig bemüht oder bestimmte Leistungen 
(nicht) erbracht hat, obwohl er dazu verpflichtet gewesen 
wäre. Es ist nach über sechs Jahren Laufzeit und der voll- 
ständigen Bezahlung des Auftragnehmers fraglich, ob 
noch erfolgreich Ansprüche gegen die EuroHawk GmbH 
geltend gemacht werden könnten - zumal weder das 
BAAINBw noch das BMVg hierzu ernsthafte Bemühun- 
gen an den Tag legen. Das mag auch daran liegen, dass 
man die Beziehungen zur Industrie nicht über Gebühr 
strapazieren will. 

d) Geld zurück? Oder: Die Show mit den 
Rechtsanwälten 

Weder 2009 noch 2011 wurde geprüft, ob der Vertrag ge- 
kündigt werden konnte oder ob sich sonstige Ansprüche 
daraus ableiten ließen. Zu diesem Zeitpunkt hätten sich 
noch erhebliche Entwicklungskosten einsparen lassen. 
Doch erst im Mai 2013 beauftragte Verteidigungsminister 
Thomas de Maiziere eine renommierte und entsprechend 
teure Rechtsanwaltskanzlei. Dieser Auftrag ist reines 
Alibi. 

Der Eindruck, dass hier wieder Steuergelder verschwen- 
det werden, drängt sich schon deshalb auf, weil bisher zur 
Rechtslage (außer einer knappen Einschätzung des 
BAAINBw) weder die Rechtsabteilung im BMVg noch 
die Amtsebene gutachterlich zu etwaigen Ansprüchen 
oder zur Rechtslage allgemein Stellung genommen ha- 
ben. Ob der Auftragnehmer seinen konkreten Pflichten 
laut Leistungsbeschreibung nachgekommen ist, lässt sich 
im Detail schwer beurteilen - und noch schwerer nach- 
weisen. 

Die teuren Anwälte werden sich deshalb vermutlich red- 
lich - aber erfolglos - bemühen: Der EuroHawk GmbH 


1170 Vgl. z. B. Musterverträge in MAT 17-32 BMVg zu BB 17-13, 
BAAINBw Z3.2 R4, Ordner 4; auch MAT 17-47 BMVg zu BB 17- 
14, Ordner 1-3. 

1171 MAT 17-6 BMVg zu BB 17-1, Ordner 1, S. 28 f., 61 ff.: § 21 des 
Vertrages i. V. m. Anlage 18. 

1172 MAT 17-6 BMVg zu BB 17-1, Ordner 1, S. 29, 61 ff: § 21 Abs. 3 
des Vertrages i. V. m. Anlage 18. 

1173 Bewertungen und Konsequenzen zum Euro Hawk, MAT 17-1 A 
BT-VA zu BB 17-92, Sprechzettel BM, S. 13. 


sind zwischen 2007 und 2013 die meisten Arbeitspakete 
und „Milestones“ für scheinbar korrekt erbrachte Leistun- 
gen bezahlt worden. Nur für einzelne nicht oder unzurei- 
chend erbrachte Leistungen wurden Gelder einbehal- 
ten. darüber hinaus auch erst noch ein konkreter 

Schaden beziffert werden müsste, der durch etwaige 
Pflichtverletzungen eingetreten ist, ist es fraglich, ob sich 
ein eventuell doch bestehender Anspruch schließlich auch 
gerichtlich oder auf dem Verhandlungswege erfolgreich 
durchsetzen lasse. Die Einschaltung der Rechtsanwälte ist 
daher Blendwerk. Es soll in der Öffentlichkeit nur der 
Eindruck erweckt werden, der Minister beabsichtige 
ernsthaft, mit allen rechtlichen Mitteln das Geld zurück- 
zuholen, das sein Ministerium zuvor so bereitwillig aus- 
gegeben hat. 

e) Zulassung, Kat. 2 & 3 und CPM 

Die technischen und vertraglichen Herausforderungen 
hinsichtlich der Realisierung des Projektes waren dem 
Auftragnehmer bei Vertragsschluss Ende Januar 2007 
durchaus bewusst. Das Schließen der Fähigkeitslücke auf 
Basis des integrierten Systems Euro Hawk war in mehrer- 
lei Hinsicht technologisches Neuland. Umso klarer war, 
dass dieses Projekt von Anbeginn einer engen Begleitung 
durch die Leitung des Bundesministeriums der Verteidi- 
gung, allen voran des Ministers bedurfte. 

Verteidigungsminister de Maiziere hat argumentiert, das 
Vorhaben, die Musterzulassung für die Serie nach „Kate- 
gorie 3“ als Soll-Forderung festzuschreiben und durchzu- 
fähren, sei Teil des Konstruktionsfehlers des Euro Hawk- 
Projektes und mit Schuld am späteren Scheitern. Das 
Nichtvorhandensein eines Sense and Avoid-Systems hätte 
Warnung sein müssen, sich auf Kategorie 2 für die Zulas- 
sung zu beschränken. Dieser Vorwurf verkennt jedoch die 
Tatsache, dass für das Erlangen der Verkehrssicherheit ei- 
nes jeden militärischen Fluggerätes - ob nach Kategorie 2 
oder Kategorie 3 - die gleichen Nachweise zu erbringen 
sind. Dies hat der Projektleiter in seiner Vernehmung vor 
dem Untersuchungsausschuss noch einmal bestätigt. 
Dieser Umstand war den Verantwortlichen bei Vertrags- 
schluss ebenso bekannt wie die Tatsache, dass ein Sense 
and Avoid- System erst noch entwickelt werden muss und 
ein zugelassenes Euro Hawk-System bis dahin unter Ka- 
tegorie 2 fliegen würde. Im Übrigen hat sein eigenes 
Haus im Mai 2013 klipp und klar herausgestellt, dass 
.Aspekte eines fehlenden Kollisionswarnsystems [...] 
keine Ausschlußkriterien für eine Zulassung" darstell- 
ten. Danach wäre der Euro Hawk auch in Kategorie 2 
vollumfänglich einsatzfähig und nutzbar. 

Des Weiteren ist es falsch, wenn der Minister strukturel- 
len Problemen im CPM von 2001 bzw. 2004 die Schuld 
dafür gibt, dass Projektrisiken nicht erkannt und über 


1174 Vgl. Stein, Protokoll-Nr. 4, S. 142, 149. 

1175 „Projekte der Projektstufe 1 sind grundsätzlich leitungsrelevant.“; 
Vgl. MAT 17-31 BMVg zu BB 17-12 BMVg, AIN I, Ordner 1, 
S. 136. 

1176 Vgl. Knöpfei, Protokoll-Nr. 4, S. 13. 

1177 MAT 17-87 BMVg zu BB 17-57, FüSK I, S. 194. 



Drucksache 17/14650 


- 170- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


Jahre hinweg Probleme aufgestaut wurden. Und es trifft 
noch weniger zu, dass mit dem CPM nov. eine solche 
Entwicklung definitiv nicht eingetreten wäre. Es ist un- 
strittig, dass mit dem neuen CPM Verbesserungen im Be- 
reich des Controlling eingeführt werden sollen, die auch 
erkannten Problemen im bisherigen Beschaffungswesen 
Rechnung tragen. Jedoch existiert der CPM nov. bisher 
nur auf dem Papier und wird erst allmählich eingefährt. 
Auch der Bundesrechnungshof hat deutlich gemacht, dass 
es durchaus Mechanismen im geltenden CPM gibt wie 
die Veranlassung einer Zwischenentscheidung, Projekt- 
statusberichte sowie die Holschuld der Leitung bei Pro- 
jekten dieser Relevanz. Jedoch wurden diese quer 
durch alle Ebenen zum Schaden des Projektes ignoriert. 
Verantwortung und Projektcontrolling standen damit nur 
auf dem Papier. 

Deshalb ist die Behauptung des Ministers, der novellierte 
CPM hätte das Scheitern des Projektes verhindert, unehr- 
lich und lenkt vom eigentlichen Problem ab: der desaströ- 
sen Verantwortungskultur an der Spitze des Ministeriums. 

Die Leitung des Bundesverteidigungsministeriums hat es 
über Jahre hinweg versäumt, der Tatsache Rechnung zu 
tragen, dass es sich um ein Rüstungsprojekt der Projekt- 
stufe handelte. Demnach hätten sich Minister und 
Staatssekretäre in besonderer Weise um das Projekt küm- 
mern und Informationen zu Projektstand und Problemen 
einholen müssen. In dieser Hinsicht ist in der Amtszeit 
von Thomas de Maiziere und seinem Staatssekretär für 
Rüstungsvorhaben, Stephane Beemelmans, nichts ge- 
schehen. Die vollmundigen Ankündigungen des Minis- 
ters, alle großen Rüstungsprojekte auf den Prüfstand zu 
stellen, waren ohne Wert. 

5. Unzureichende Begleitung des Projektes 
und offenkundiges Desinteresse der 
Leitung des BMVg 

Beim Ursprungsvertrag von 2007 handelt es sich um ei- 
nen Entwicklungs vertrag. Dieser enthält viele dienstver- 
tragliche Leistungspflichten, deren Einhaltung genauso 
fortlaufend zu überprüfen ist wie deren Bezug zum ei- 
gentlichen Entwicklungsziel. Der Charakter eines solchen 
Vertrages macht eine enge fachliche wie politische Be- 
gleitung notwendig. Es soll gerade nicht „ins Blaue hi- 
nein“ entwickelt werden. Gerade bei wichtigen Weichen- 
stellungen, wie der Entscheidung der Fachebene von 
BWB und BMVg Anfang Februar 2010, den Prototyp 
nicht als Muster für die Serie zu entwickeln, hätte die mi- 
nisterielle Führung, welche die politische Verantwortung 
für das Projekt trägt, eingebunden sein und sich bereits im 
Vorfeld aktiv einbringen müssen. Dass sie dies nur unzu- 
reichend tat, deutet auf ein offenkundiges Desinteresse 
oder Naivität hinsichtlich der Entwicklung des Proto- 


1178 Vgl. Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 35. 

1179 Im CPM 2010 werden die Projekte in Projektstufe 1 und 2 einge- 
teilt. Zur Projektstufe 1 heißt es u. a.: „Projekte im besonderen Fo- 
kus des BMVg [...] Projekte der Projektstufe 1 sind grundsätzlich 
leitungsrelevant.“; Vgl. MAT 17-31 BMVg zu BB 17-12 BMVg, 
AIN I, Ordner 1, S. 136. 


typen und der Einführung der Serie hin. Die Fähigkeitslü- 
cke, die seit 2001 absehbar und seit 2010 Realität war, be- 
steht damit unnötigerweise weiter fort. 

a) Wesentliche Ereignisse 

Während der Aufarbeitung der Ereignisse durch den Un- 
tersuchungsausschuss wurde offenbar, dass es eine ganze 
Reihe von Zeitpunkten gab, an denen Probleme sichtbar 
wurden. Hier hätten sich die BMVg-Leitung und/oder die 
mittleren Ebenen einschalten müssen. Es ist bei einem 
Projekt dieser Größenordnung völlig unglaubwürdig, 
dass der Minister, der die politische Verantwortung trägt, 
nach eigener Aussage erst am 13. Mai 2013 mit der be- 
reits entschiedenen Vorlage zur Nichtbeschaffung der Se- 
rie vollständig informiert worden sein will.^i^^ Davor will 
er nur allgemein im Rahmen einer Rüstungsklausur am 
1. März 2012 Informationen zum Projekt bekommen ha- 
ben. Der Bundesrechnungshof stellte in seinem Bericht 
vom 3. Juni 2013 überzeugend dar, dass bereits im Jahr 
2009, spätestens 2011 eine Neubewertung des Projektes 
hätte erfolgen müssen. Es gibt eine ganze Reihe von 
Ereignissen, bei denen der Minister entweder nachweis- 
lich von massiven Problemen erfuhr, sie hätte erfahren 
müssen oder bei denen er sich aktiv um das Projekt hätte 
kümmern und eine enge Begleitung realisieren müssen. 
Die „neuralgischen Punkte“ für das Projekt Euro Hawk 
sind: 

aa) 3. Februar 2010: Verzicht auf die Muster- 
zulassung 

Ursprünglich sollte der Prototyp des Euro Hawk, der sog. 
Full Scale Demonstrator (FSD), auf Basis der US-Zulas- 
sung ein vereinfachtes Zulas sungs verfahren in Deutsch- 
land durchlaufen und als Muster für die Serie fungieren. 
Im Laufe der Zeit wurde jedoch offenbar, dass das verein- 
fachte Verfahren nicht durchführbar war und ein vollstän- 
diges Musterprüfverfahren durchgeführt werden musste. 
Nicht vorhandene Unterlagen auf amerikanischer Seite 
und die Erkenntnis, dass aufgrund der fortwährenden 
Weiterentwicklung der Global Hawks in den USA die 
Unterschiede zwischen dem im Bau befindlichen FSD 
und den geplanten Serienfahrzeugen zu groß werden wür- 
den, stellten Anfang 2010 das Gesamtprojekt existentiell 
in Frage. Der Bundesrechnungshof sieht diesen Zeitpunkt 
sogar noch früher, im Jahre 2009, vor der Verabschiedung 

des 3. Änderungsvertrages.11^2 

Auf Vorschlag der Firma Northrop Grumman beschloss 
die Projektleitung mit Zustimmung eines Vertreters der 
Fachaufsicht aus dem Referat Rü VI 2 des BMVg Anfang 
Februar 2010, die Musterzulassung nicht weiter zu ver- 
folgen. Stattdessen sollte der FSD mit dem bestehenden 
Budget weiter entwickelt und dann mit einer vorläufigen 
Verkehrszulassung (WZ) betrieben werden. Auf der Fe- 


il so Ygi Bewertungen und Konsequenzen zum Euro Hawk, MAT 17-1 
A BT-VA zu BB 17-92, Sprechzettel BM, S. 3. 

1181 Ygi Bericht des Bundesrechnungshofes, MAT 17-4 BRH zu BB 
17-90, Ordner S. 41 (S. 29 des Berichts). 

1182 Ygi. Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 13. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 171 - 


Drucksache 17/14650 


bmar- Sitzung wurde dies in größerer Runde offiziell be- 
schlossen, aber bereits im Januar 2009 hatte ,,das Um- 
schwenken auf eine Prototypen-Prüfung für den FSD‘‘ 
begonnen.! Damit wurden die kaum abzuschätzenden 
zusätzlichen Zulassungskosten auf die noch zu beschaf- 
fende Serie verschoben. Deren Kosten wären dann explo- 
diert, sofern eine Serienzulassung nach deutschen Maß- 
stäben überhaupt zu verwirklichen gewesen wäre. Das 
muss allen Beteiligten klar gewesen sein. Aufgrund der 
strategischen Bedeutung des Euro Hawk hätte eine solche 
Entscheidung von der Leitungsebene gefällt werden müs- 
sen. Dies wurde jedoch weder vom Projektleiter an den 
BWB-Präsidenten noch vom Vertreter der Fachaufsicht 
aus dem Referat Rü VI 2 an den Abteilungsleiter Rüstung 
(AL Rü) berichtet. Genauso wenig wurde sie dokumen- 
tiert. Sie findet sich auch nicht in den Quartalsberichten 

des BWB zum Vorhabencontrolling. ßi^e Erklärung 

hatten die hierfür Verantwortlichen nicht. Der zuständige 
Abteilungsleiter konnte dies vor dem Untersuchungsaus- 
schuss nur konstatieren und dass er nicht informiert wor- 
den sei.!!^^ So erfuhr der AL Rü erst im Herbst 2011, ein- 
einhalb Jahre später, von dieser fatalen Entscheidung und 
leitete entsprechende Maßnahmen ein. 

„Mir ist das erst richtig deutlich geworden infolge 
der Besprechung vom 24. November 2011.“!!^^ 

„[...] diese Entscheidung hätte [...] schriftlich an 
die Leitung, seinerzeit BWB, und auch schriftlich 
an das BMVg, dann auch an die Leitung AIN, das 
heißt seinerzeit an mich als Abteilungsleiter Rüs- 
tung und an den Hauptabteilungsleiter [berichtet 
werden müssen].“! 

Wäre das Scheitern der Musterzulassung für die Euro 
Hawk- Serie der Führung im BMVg eher bekannt gewor- 
den, hätte das Projekt deutlich früher umfassend auf den 
Prüfstand gestellt werden müssen und erhebliche finan- 
zielle Mittel hätten eingespart werden können. 

Zwar fällt diese Entscheidung noch in die Amtszeit von 
de Maizieres Vorgänger Karl-Theodor zu Guttenberg. Al- 
lerspätestens mit dem Antritt von Thomas de Maiziere als 
Minister und Stephane Beemelmans als Rüstungsstaatse- 
kretär im März 2011 sollten alle wichtigen Rüstungspro- 
jekte einer Überprüfung unterzogen werden. So hatte es 
Minister de Maiziere kurz nach seinem Amtsantritt ange- 
kündigt, Ineffektives Controlling und die offene Miss- 
achtung der für das BWB und das BMVg geltenden Ver- 
fahrensbestimmungen im Customer Product Management 
(CPM) haben dies ebenso vereitelt wie das Auseinander- 


1183 Vgl. E-Mail vom 19. Januar 2012, MAT 17-79 E BMVg zu BB 17-59, 
WTD 61, Wolfgang Steiger, Ordner 1, E-Mail Eingang, S. 4; vgl. 
auch S. 9. 

1184 Vgl. Knöpfei, Protokoll-Nr. 4, S. 10. 

1185 Vgl. Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 67. 

1186 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 74. 

1187 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 78. 

1188 Ygi Äußerungen von Thomas de Maiziere beim Parlamentarischen 
Abend des Bundesverbandes der Deutschen Sicherheits- und Ver- 
teidigungsindustrie (BDSV) am 6. September 2011. 


klaffen von Anspruch und Realität der Ankündigungen 
des Ministers und seines Staatssekretärs.!!^^ 

bb) 20./21. Juli 2011: Überführungsflug nach 
Deutschland 

Vom 20. auf den 21. Juli fand der Überführungsflug des 
FSD von der Edwards Air Force Base in Kalifornien zum 
Testgelände der Dienststelle WTD 61 nach Manching in 
Bayern statt. Der FSD flog zwar mit einer deutschen vor- 
läufigen Verkehrszulassung, durfte aber mangels US-Ge- 
nehmigung nicht wie ursprünglich geplant über US-ame- 
rikanisches Territorium fliegen, sondern wurde an der 
Westküste entlang über Kanada nach Europa geleitet. 
Während des Fluges ,drat wiederholt der komplette Ver- 
lust der Steuerungsfähigkeit ein“. ,f>er EURO HAWK 
veränderte wiederholt und unplanmäßig die Flughöhe. 
Das Verhalten des ULfz [unbemannten Luftfahrzeuges] 
war nicht vorhersehbar“ 

Trotz dieser offensichtlich massiven Probleme wurde der 
Euro Hawk von Staatssekretär Beemelmans Mitte Okto- 
ber 2011 voller Stolz der Öffentlichkeit vorgestellt. Dabei 
hätte vermutlich schon der Flug der Drohne in den deut- 
schen Luftraum nicht stattfmden dürfen, da die eingesetz- 
ten deutschen Prüfer bei der begleitenden Bauprüfling im 
Sommer 2009 keine Prüfberechtigung hatten. ü^! Zudem 
fehlten notwendige Unterlagen seitens des Unterauftrag- 
nehmers Northrop Grumman und der US Air Force. Die 
Musterprüfstelle WTD 61 /ML kam zu dem Schluss, 
,4ass die Nachweisführung für eine mögliche spätere Se- 
rie praktisch der einer Neuentwicklung gleichkommen 
würde“. 

„Dass hier möglicherweise ein richtig fundamen- 
tales Problem auftauche, sei das erste Mal be- 
wusst geworden, als der EURO HAWK von den 
USA nach Deutschland überführt worden sei“, 

so der Abteilungsleiter Rüstung in der Sitzung des Vertei- 
digungsausschusses am 24. April 2013.Ü93 

Doch offenbar hat niemand in der Leitungsebene die Re- 
levanz dieses „fundamentalen Problems“ erkannt oder 
sich dafür wenigstens interessiert. Der wenige Monate 
zuvor ins Amt gekommene Minister de Maiziere hatte 
zwar angekündigt, alle Rüstungsprojekte auf den Prüf- 
stand stellen zu wollen. Das Euro Hawk-Projekt wurde 
jedoch weder vor noch nach dem Flug nach Deutschland 
einer Neubewertung unterworfen. Der Überführungsflug 
des Prototypen hätte verschoben werden müssen, um zu- 
nächst die bestehenden Probleme auszuräumen. Aber 
eine Überprüfung des Gesamtprojektes fand nicht statt. 


1189 Ygp Äußerungen von Stephane Beemelmans vor der Deutschen Ge- 
sellschaft fiir Auswärtige Politik (DGAP) am 13. September 2011. 

1190 Ygl. Präsentation der Luftwaffe für das Treffen der Airspace Coor- 
dination Working Group Anfang September 2011, MAT 17-91 
BMVg zu BB 17-65, FüSK 1 2, Ordner 2, S. 206 ff., hier S. 214. 

1191 Ygl. Bericht TRAR Michael Ruhe vom 21 . August 2009, MAT 17-48 
BMVg zu BB 17-17, S. 11 ff. 

1192 Ygl. MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeits- 
gruppe EURO HAWK, Ordner 1, S. 32. 

1193 Ygl. Deutscher Bundestag, 17. WP, Kurzprotokoll der 139. Sitzung 
des Verteidigungsausschusses, 24. April 2013, MAT 17-1 BT-VA 
zuBB 17-92, S. 408. 



Drucksache 17/14650 


- 172- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


cc) Herbst 2011 : Beschaffung der Lang- 
läuferbauteile wird angehalten, 
Serienbeschaffung fraglich 

Obwohl bereits auf Fachebene beschlossen worden war, 
den FSD nicht als Muster für die Serie zu qualifizieren 
(s. o.) und die Beschaffung der Serie insgesamt fraglich 
geworden war, wurde das Entwicklungsprogramm unge- 
rührt fortgesetzt. Noch im Oktober 2011 erreichten die 
BMVg-Spitze eine Vorlage zur Beschaffung sogenannter 
„Langläuferbauteile“ und ein Entscheidungsvorschlag zur 
beschleunigten Beschaffung der Serie, Die Bestellung 
dieser Langläuferbauteile hätte bereits die Beschaffung 
der Serienfahrzeuge eingeleitet, für die noch gar kein 
Muster entwickelt worden war. Einen Monat später ging 
eine weitere Vorlage mit konkretisierten Angaben zum 
Ablauf der Beschaffung bei den Staatssekretären ein.^^^^ 
Allerdings hatte zeitgleich, am 24. November 2011, ein 
Treffen beim Abteilungsleiter Rüstung Selhausen stattge- 
hmden, in dessen Verlauf er von der fundamentalen Ent- 
scheidung vom 3. Februar 2010 Kenntnis erhielt. Auf der 
Entscheidungsvorlage vermerkte er die Bitte, vor einer 
Bestellung weitere notwendige Informationen abzuwar- 
ten. In einer im Nachgang zu der Besprechung geforder- 
ten Informationsvorlage mit Datum vom 5. Dezember 
2011 heißt es: 

„Die Gesamtheit aller zusätzlich erforderlichen 
Maßnahmen zur Erreichung einer Musterzulas- 
sung könnte sich zu einem hohen zweistelligen 
Mio. € Betrag summieren. 

Wieder zeigt sich hier das BMVg als eine Organisation in 
einem desolaten Zustand. Über eineinhalb Jahre lang 
wurde eine essentielle Entscheidung der Fachebene, die 
sie aufgrund der Tragweite gar nicht hätte treffen dürfen, 
nicht an die Spitze des Hauses weitergegeben. Dabei 
wäre es durch die Bestellung der Langläuferbauteile noch 
zu weiteren unnötigen Kostensteigerungen gekommen, 
wenn der zuständige Abteilungsleiter Rüstung nicht zu- 
fällig durch ein informelles Gespräch mit dem Projektlei- 
ter vom wahren Stand des Projektes erfahren hätte. Ob- 
wohl der für Rüstung zuständige Staatssekretär 
Beemelmans mit der Vorlage vom 22. November 2011 
von der Entwicklung informiert wurde, ging die weitere 
Initiative vom AL Rü aus. Zudem ließ der Staatssekretär 
den Minister in Unkenntnis ob der neuen Entwicklungen. 
Dabei ist die Entwicklung des Euro Hawk nach dem seit 
Juni 2010 gültigen CPM ein Projekt der Stufe 1 und damit 
..grundsätzlich leitungsrelevanf'^^^^. Hier wurden also so- 
wohl die Vorgaben des CPM ignoriert als auch die poli- 


1194 Ygi Entscheidungsvorlage vom 10. Oktober 2011, MAT 17-50 
BMVg zu BB 17-31, Ordner 2, S. 291 ff. 

1195 Ygi Informations- und Entscheidungsvorlage vom 22. November 
2011, MAT 17-50 BMVg zu BB 17-31, Ordner 2, S. 329 ff. 

1196 Ygl. Informationsvorlage vom 5. Dezember 2011, MAT 17-50 
BMVg zu BB 17-31, Ordner 2, S. 335. 

1197 Ygl. Customer Product Management (CPM) 2010, Verfahrens- 
bestimmungen für die Bedarfsermittlung, Bedarfsdeckung und 
Nutzung in der Bundeswehr, S. 30, s. MAT 17-31 BMVg zu 
BB 17-12, AIN I 1, Ordner 1, S. 136. 


tisch Verantwortlichen in Unkenntnis über diese rich- 
tungsweisende Entscheidung gelassen. 

dd) Januar 2012: Information der Spitze des 
Hauses 

Im Verlauf der Entscheidung, die Langläuferbauteile zu- 
nächst nicht zu bestellen, beauftragte der AL Rü das 
BWB darzustellen, wie ein Betrieb des FSD und eine Zu- 
lassung der Serie innerhalb des bestehenden Vertrages er- 
reicht werden könnten. Zunächst wurde von der Abtei- 
lung Luft im BWB für die Serienbeschaffung ein 
Mehrbedarf von 100 Millionen Euro geschätzt; dabei 
wurden vom Vizepräsidenten des BWB bereits im April 
2010 erhebliche Kostensteigerungen von 333 Millionen 
Euro für Projektierung und Einführung der Serie gese- 
hen. Am 18. Januar 2012 erreichte den Abteilungslei- 
ter allerdings eine weitere Vorlage, in der nun für die Se- 
rienbeschaffung ein .Mehrbedarf von 451 Millionen Euro 
gegenüber der bisherigen Kostenschätzung von 610 Mil- 
lionen Euro''^^^^ erwartet wurde, also über eine Milliarde 
Euro; diese hohen Kosten waren erst im Mai 2013 das 
entscheidende Kriterium für die Nichtbeschaffung der Se- 
rie, obwohl sie bereits seit Anfang 2012 der Leitung be- 
kannt waren. 

Diese Information gab der AL Rü umgehend weiter an 
das Büro des Rüstungsstaatssekretärs Beemelmans, um 
dort ein .Moblembewusstsein“^^^^ zu schaffen. Am 
19. Januar 2012 schickte er deshalb dessen Büro eine E- 
Mail, in welcher er explizit auf die sich abzeichnende 
..dramatische Kostenexplosion'' hinwies. Bei diesen 
hohen Kosten würde er eine Bestellung der Langläufer- 
bauteile nicht empfehlen. 1202 Die E-Mail war zur Vorbe- 
reitung eines Gesprächs des Ministers mit Industrievertre- 
tem geschrieben worden. Daher ist davon auszugehen, 
dass der Inhalt der E-Mail den Staatssekretär wie auch 
den Minister in schriftlicher oder mündlicher Form errei- 
chen sollte. Eine Informations Vorlage an die Staatssekre- 
täre am 8. Februar 2012 wiederholte die grundsätzlichen 
Bedenken zu den ..aus heutiger Sicht gegebenen techni- 
schen, zeitlichen sowie finanziellen (die Finanzierbarkeit 
des Programms in Frage stellenden) Risiken". Besonders 
Staatssekretär Wolf war sich offenbar des heiklen Zu- 
stands des Projektes bewusst, wie seine zahlreichen kriti- 
schen Anmerkungen in der Vorlage belegen. 1203 Von lös- 
baren Problemen, wie sie der Minister später beschrieben 
hat, konnte schon Anfang 2012 längst nicht mehr die 
Rede sein. 


1198 Ygl. Informationsvorlage vom 20. Dezember 2011, MAT 17-50 
BMVg zu BB 17-31, Ordner 2, S. 342 ff. 

1199 Ygl. Präsentation zum Projektcontrolling in der Rüstung, Stand 04/ 
2010, MAT 17-74 BMVg zu BB 17-58, Ordner 5, Sekretariat Lei- 
tung BWB/BAAINBw, S. 58. 

1200 Ygl. Informationsvorlage vom 20. Januar 2012, MAT 17-50 
BMVg zu BB 17-31, Ordner 2, S. 347 ff 

1201 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 57. 

1202 Ygl. E-Mail vom 19. Januar 2012, MAT 17-73 BMVg zu BB 17- 
48, Ordner 1, StS Beemelmans, E-Mail Verkehr 
22072011 29042013, S. 110. 

1203 Ygl. Informationsvorlage vom 8. Februar 2012, MAT 17-69 BMVg 
zu BB 17-32, Büro des Ministers, Ordner 1, S. 141 ff. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 173- 


Drucksache 17/14650 


ee) 1. März 2012: Rüstungsklausur 

Auf der Rüstungsklausur wurde der Minister nach eigener 
Aussage jedenfalls zum ersten Mal über Probleme beim 
Euro Hawk informiert, allerdings waren ihm diese als 
„lösbar“ dargestellt worden. Vorab hatte er eine ausführli- 
che Informationsvorlage erhalten, die er laut schriftli- 
chem Vermerk von Staatssekretär Beemelmans ausdrück- 
lich gelobt hat. Darin heißt es deutlich zum Euro Hawk, 
ähnlich wie bereits in der Vorlage vom 8. Februar 2012: 
,JCostensteigerungen stellen Gesamtsystem zunehmend 
infrage“ Weiter heißt es, das Problem bei allen UAS 
(Unmanned Aircraft Systems) seien Schwierigkeiten bei 
der Musterzulassung und die Befürchtung, diese nicht mit 
einem vertretbaren Aufwand erreichen zu können. Auf 
der Klausur selbst hielt zur Zulassungsproblematik der 
designierte Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant 
Müllner, einen Vortrag, zu dem es in der anschließenden 
Diskussion aber keine Nachfragen gegeben haben soll, 
weder vom Minister noch von den Staatssekretären. Vom 
AL Rü Selhausen wurde dagegen versichert, man habe 
darüber gesprochen ,,das Thema gemeinsam klären“^^^^ 
zu wollen. 

Überraschend ist, dass der zentrale Punkt der Vorlage 
- die bedrohlichen Kostensteigerungen - auf der Klausur 
nicht angesprochen worden ist. Trotz gegenteiligem Wis- 
sensstand auf Seiten der Staatssekretäre und des AL Rü 
wurden offenbar dazu keine Rückfragen gestellt, sondern 
der Punkt möglichst schnell (und geräuschlos) abgehan- 
delt. Gab es hier eine falsche Rücksicht auf den Minister? 
Wollte dieser bekanntermaßen nicht mit Details belästigt 
werden? Oder sollte ob des desaströsen Projektverlaufs 
ein günstigerer Moment abgepasst werden, den Minister 
über die riesigen Probleme zu informieren? Auch hier 
scheint die Kommunikation auf der Leitungsebene de- 
saströs gewesen zu sein. 

Bereits Jahre vor dem Vertragsschluss 2007 war das Zu- 
lassungsthema als kritischer Punkt erkannt worden. Ge- 
rade aus diesem Grund bedurfte das Projekt einer engen 
Begleitung durch die Spitze des Hauses. Auf der Klausur 
2012 fand der wunde Punkt des Projektes Erwähnung - 
aber auch nicht mehr, obwohl die Bestellung der Langläu- 
ferbauteile und damit der Einstieg in die Serienbeschaf- 
fung schon vom AL Rü und Staatssekretär Beemelmans 
zurückgestellt worden war. Zudem war lange zuvor (Fe- 
bruar 2010, de facto bereits Januar 2009) das Vertragsziel 
dahingehend geändert worden, den FSD nicht mehr als 
Muster für die Serie zuzulassen. Wenn auf dieser Klausur 
mit umfangreicher schriftlicher Vorbereitung kaum ein 
Wort über den prekären Zustand des Projektes verloren 
wird, dann ist das schwer vorstellbar. Hier haben alle Be- 
teiligten versagt. Nimmt man die Unterlagen und die Zeu- 
genaussagen hierzu als Maßstab, konnte dies nur in ein 
Desaster führen. 


1204 Ygi Informationsvorlage vom 27. Februar 2012, MAT 17-69 
BMVg zu BB 17-32, Büro des Ministers, Ordner 1, S. 124 ff., hier 
S. 133. 

1205 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 42. 


ff) 26. Juni 2012: Gespräch mit Abgeordneten 
der Koalition 

Zur Vorbereitung eines Gesprächs mit den Bundestagsab- 
geordneten Elke Hoff und Emst-Reinhard Beck Ende 
Juni 2012 erhielt der Minister aus seinem Haus Hinter- 
gmndinformationen und eine Sprechempfehlung. Darin 
wird auf eine 27-monatige Verzögemng gegenüber der 
ursprünglichen Zeitplanung hingewiesen. Zudem sollen 
laut Sachstand vier Serienluftfahrzeuge beschafft werden; 
unerwähnt bleibt, dass das bestehende Modell des Euro 
Hawk nicht als Muster geeignet ist und dass man schon 
lange von dem Vertragsziel abgewichen ist, einen Full 
Scale Demonstrator als Vorlage für eine Serie zu entwi- 
ckeln. Weiterhin sagt das Dokument, der Kauf der Lang- 
läuferbauteile für die Serie sei zunächst zurückgestellt 
worden. Damit ist die beabsichtigte Serienbe Schaffung 
entgegen der ersten Information unsicher. 

Allerdings finden sich weder im aktiven noch im reakti- 
ven Teil der Sprechempfehlung diese Hinweise. Stattdes- 
sen soll Minister de Maiziere die MdBs darüber informie- 
ren, dass das Projekt ^.abgesehen von den eingetretenen 
Verzögerungen zufriedenstellend“^'^^^ verläuft. Eine Ent- 
scheidung zur Beschaffung der Serie könne Ende des Jah- 
res getroffen werden. Die Formuliemng lässt isoliert be- 
trachtet breiten Interpretationsspielraum bezüglich des 
Projektverlaufs. Im Gesamtkontext soll der Minister - wi- 
der besseres Wissen - den Parlamentariern genau das ver- 
mitteln, was im Sachstand bereits als riskant skizziert 
worden ist. Zur gleichen Zeit arbeiten die verschiedenen 
Stellen des BMVg, des BWB/BAAINBw und der Bun- 
deswehr bereits an möglichen alternativen Zulassungs- 
möglichkeiten; an eine zügige und problemlose Einfüh- 
mng der Serie war nicht mehr zu denken. 

gg) September 2012: Irreführende Informa- 
tionen des BMVg gegenüber dem 
Parlament zur Bestellung von 
Langläuferbauteilen 

Der Zeuge Staatssekretär Beemelmans hat in seiner Ver- 
nehmung vor dem Untersuchungsausschuss auf die 
Frage, ob das Parlament nicht bei Problemen hätte einbe- 
zogen werden sollen, geantwortet: 

„Herr Abgeordneter, ich habe, als eine festste- 
hende Entscheidungslage dastand, unmittelbar 
das Parlament unterrichtet. Also, schneller kann 
ich mir das nicht vorstellen. Unmittelbar, einen 
Tag nachdem der Minister das überhaupt erfahren 
hat, habe ich den Bericht an den Verteidigungs- 
ausschuss geschickt, wo ich berichtet habe, wie 
der Stand ist. Und wenn ich es richtig in Erinne- 
rung habe, ist zu diesem Projekt im Rahmen der 
Unterlagen, die wir schicken zum Haushaltsauf- 
stellungsverfahren, regelmäßig auch immer ein 
Steckbrief zum Euro Hawk dabei gewesen, wo 


1206 Vgl. Hintergrundinformation MALE UAS EURO HAWK, MAT 
17-80 BMVg zu BB 17-44, AIN V 5, Sämtliche Vorlagen, Ordner 1, 
S. 8. 



Drucksache 17/14650 


- 174- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


drinstand: , Langläuferteile verschieben sich, weil 
und so was. Aber ich habe tatsächlich, einen 
Tag nachdem ich den Minister unterrichtet habe, 
schon den Verteidigungsausschuss unterrich- 

tet.“i207 

Dies trifft jedoch so nicht zu. In den jährlichen Berichten 
des Bundesministeriums der Verteidigung zu Rüstungsbe- 
schafflingen, die im Rahmen des Haushaltsaufstellungs- 
verfahrens an die Mitglieder des Verteidigungsausschus- 
ses und des Haushaltsausschusses geschickt werden, 
finden sich keine Hinweise dazu, dass es zu Verzögerun- 
gen bei der Bestellung von Langläuferbauteilen o. ä. 
kommen könnte. Vielmehr wird im sogenannten „Pro- 
jektsteckbrief ‘ Euro Hawk vom 17. September 2012 da- 
rauf hingewiesen, dass „[durch] die frühzeitige Beauf- 
tragung von Langläuferteilen und der zeitkritischen 
Restentwicklung des Missionssystems [...] die Beschaf- 
fung der Serienluftfahrzeuge mit einem Zulauf ab 2016- 
2017 ermöglicht" werden soll.^^os 

Zu diesem Zeitpunkt war jedoch bereits seit mehreren 
Monaten BMVg-intem entschieden, von einer Beschaf- 
fung der Langläuferbauteile abzusehen. Damit wurden 
die Abgeordneten im Rahmen der Haushaltsverhandlun- 
gen für den Haushalt 2013 sowie hinsichtlich der mittel- 
fristigen Finanzplanung für den Einzelplan 14 (Verteidi- 
gung) falsch informiert. Das Bundesministerium der 
Verteidigung suggerierte mit der „Projektskizze“ Euro 
Hawk, dass eine Beschaffung von Langläuferbauteilen 
nach wie vor geplant sei und dies sogar beschleunigt ge- 
schehen solle. Das Gegenteil war der Fall. 

hh) 18. Oktober 2012: Parlamentarischer 
Abend des BDSV 

Aus Anlass eines parlamentarischen Abends des BDSV 
Mitte Oktober 2012 erhielt der Minister mit Datum vom 
24. September 2012 erneut eine mehrseitige Hintergrund- 
information zum Euro Hawk-Projekt. Danach seien mitt- 
lerweile Verzögerungen von 35 Monaten eingetreten. Die 
zusätzlichen Kosten für die Zulassung, auf die der Abtei- 
lungsleiter Rüstung bereits im Januar 2012 hingewiesen 
hatte, betrügen bei Berücksichtigung der maximal mögli- 
chen Einsparmöglichkeiten noch immer mindestens 
184 Millionen Euro; zudem seien zusätzliche Kosten für 
die Entwicklung des SIGINT-Missionssystems notwen- 
dig. Deshalb würden sowohl alternative Zulassungswege 
sowie alternative Trägersysteme untersucht. Wie bereits 
in früheren Informationen wurde auch darauf hingewie- 
sen, dass die Langläuferbauteile für die Serie zunächst 
nicht bestellt worden seien. Eine abschließende Entschei- 
dung werde Anfang 2013 erfolgen. 1209 

Da diese Information speziell für den Minister von seinen 
Beamten erstellt wurde, kann davon ausgegangen wer- 


1207 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 31. 

1208 Anlage 3 zu Pari StS beim Bundesministerium der Verteidigung 
Kossendey, 1780002-V07 vom 25. September 2012. 

1209 Ygp Hintergrundinformation für Herrn Minister Parlamentarischer 
Abend des BDSV e. V. am 18. Oktober 2012, MAT 17-80 A 
BMVg zu BB 17-44, Stab Org und Rev, S. 1 ff. 


den, dass er Kenntnis von ihrem Inhalt genommen hat. 
Dem Minister wurden erneut die bestehenden Probleme 
aufgezeigt. Die mehr als deutliche Verzögerung des Pro- 
jektes, die drastischen Kostensteigerungen trotz Einspa- 
rungen und der unklare weitere Projektverlauf waren ein- 
deutige Fingerzeige, dass das Projekt unweigerlich in 
eine ungute Richtung driftete. 

Doch der Minister fragte nicht nach, forderte keine weite- 
ren Informations- oder gar Entscheidungsvorlagen an und 
er scheuchte auch nicht seine Staatssekretäre auf, hier die 
Initiative zu ergreifen. Schon gar nicht informierte er das 
Parlament über die schwerwiegenden Probleme. 

ii) 10. Dezember 2012: Besuch des Ministers 
in Manching 

Am 10. Dezember 2012 traf der Minister bei der Firma 
Cassidian in Manching mit deren CEO Gerwert zusam- 
men. Die Unterlagen zur Gesprächsvorbereitung mit Da- 
tum vom 5. Dezember zeichnete der Minister am Tag des 
Besuchs ab. Im den Euro Hawk betreffenden Sach- 
stand^^iö wird kurz auf die den deutschen Musterprüfbe- 
stimmungen widersprechende Entwicklung der Träger- 
plattform im Jahr 2009 eingegangen. Die zeitliche 
Verzögerung beträgt nach dieser Unterrichtung weiterhin 
35 Monate. Erneut wird das gescheiterte Entwicklungs- 
ziel nicht in seinen Konsequenzen thematisiert, sondern 
weiter die Umsetzung der geplanten Beschaffung von 
vier Serienluftfahrzeugen in Aussicht gestellt. Eine ab- 
schließende Entscheidung würde im ersten Quartal 2013 
getroffen. Wie bereits in früheren Vorlagen erging auch 
hier die Information, dass der Kauf von Langläuferbautei- 
len für die Serie zurückgestellt sei, bis Klarheit über die 
Zulassungsproblematik und die Zukunft des Global Hawk 
der US Air Force herrsche (die Produktion der Global 
Hawk Block 20 und 30 war Anfang 2012 eingestellt wor- 
den, was die zukünftige Versorgung mit Ersatzteilen in- 
frage stellte). So Jst die Beauftragung einer EURO 
HAWK Serie mit einem hohen finanziellen und in Teilen 
technischen Risiko verbunden"" 2'^^^ Als Abschluss der In- 
formationen für den Minister wird die reaktive Sprech- 
empfehlung gegeben, dass ..derzeit keine Grundlage ge- 
geben [sei], um eine Entscheidung für eine 
Serienbeschaffung zu befürworten oder gar zu tref- 
fen"" Doch anscheinend hatte der Minister diese Pas- 
sagen nicht gelesen: 

„Ich habe diese Mappe gesehen und habe sie auch 
abgezeichnet. Natürlich kann ich im Nachhinein 
nicht mehr sagen, ob und in welcher Gründlich- 
keit ich jede dieser 60 Seiten gelesen habe. Mal 
kann ich die Vorbereitungen gründlich und gut 
studieren, manchmal weniger; das ist ein Zeitpro- 


1210 Ygp Informationsmappe für das Gespräch von Herrn Bundesminis- 
ter mit Herrn Dipl.-Ing. Bernhard Gerwert (...) am 10. Dezember 
2012, MAT 17-59 BMVg zu BB 17-38, Ordner 1, S. 1 ff 

1211 Gesprächsvorbereitung, MAT 17-59 BMVg zu BB 17-38, Ordner 1, 
S. 42. 

1212 Gesprächsvorbereitung, MAT 17-59 BMVg zu BB 17-38, Ordner 1, 
S.43. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 175- 


Drucksache 17/14650 


blem. Ich will mich jetzt aber gar nicht darauf be- 
rufen, dass ich diese Seiten vielleicht gar nicht 
gelesen hätte. Ich muss mir dieses Wissen zurech- 
nen lassen. Das ist so. Ich habe die Vorlage abge- 

zeichnet.“i2i3 

Seltsam verklausuliert wurde zugegeben, dass die Serien- 
beschaffung bis auf Weiteres gescheitert sei. Wenn auch 
in sich widersprüchlich und diffus wurde der Minister 
über die Probleme des Projektes informiert. Doch hat er 
diese Informationen nicht aufgenommen und war folglich 
nicht in der informatorischen Lage, entsprechend kritisch 
nachzufragen. 

Aufgrund der mittlerweile zahlreichen und deutlichen 
Hinweise aus den verschiedenen Informationsvorlagen 
und Vorbereitungsmappen hätte der Minister schnellst- 
möglich eine umfassende und zielgerichtete Leitungs Vor- 
lage einfordem und damit das Projekt aktiv an sich reißen 
müssen. Dies ist nicht geschehen. Unwissend und schein- 
bar teilnahmslos hat de Maiziere die Mischung aus Er- 
folgsmeldungen, diffusen Andeutungen und versteckten 
Eingeständnissen des Scheitems über sich ergehen lassen. 
Doch in jedem Fall hat er zahlreiche Gelegenheiten ge- 
habt, sich über den Fortgang des Projektes zu informieren - 
und nachzufragen. 

Es ist davon auszugehen, dass der Minister bis zur Ent- 
scheidung am 13. Mai 2013 mehrfach bei der einen oder 
anderen Gelegenheit weitere Informationen erhalten ha- 
ben könnte. Hinweise hierzu hat er in seiner Vernehmung 
vor dem Untersuchungsausschuss selbst geliefert. 
Ausschlaggebend sind diese letzten Monate vor der Ent- 
scheidung aber nicht mehr. Tatsache ist, dass das Projekt 
zu einem viel früheren Zeitpunkt auf den Prüfstand gehört 
und gestoppt hätte werden müssen. Es gab ausreichend 
Gelegenheiten in der Amtszeit des Ministers seit März 
2011. Dass dies nicht geschah, ist teilweise den Stmktu- 
ren und dem Kommunikationsgebaren auf der Arbeits- 
ebene, teilweise der kraft- und initiativlosen Kommunika- 
tionskultur auf der Leitungsebene zuzuschreiben. 

b) Fehler der Fachebene als Organisations- 
verschulden der Leitung 

Das Euro Hawk-Desaster hat eklatante Missstände in der 
Organisation des Ministeriums und seiner nachgeordne- 
ten Bereiche offenbart. Missstände, für die die Leitung 
des BMVg ebenfalls politisch verantwortlich ist. Über 
Jahre hinweg haben sich Fachebene und Leitung ungenü- 
gend vernetzt, aneinander vorbei gearbeitet und beste- 
hende Controlling-Mechanismen ad absurdum geführt. 
Der Bundesrechnungshof nennt den Umgang mit den 
Projektrisiken schlichtweg .folgenschweres Organisa- 
tionsversagen'^^^^^. Ein überaus formalistischer Arbeits- 
und Kommunikationsstil und die Überfordemng und 


1213 de Maiziere. Protokoll-Nr. 8, S. 12 f. 

1214 Ygi Maiziere. Protokoll-Nr. 8, S. 10: „(...) das Gespräch mit 
den Haushaltsberichterstattem der Koalition am 14. März 2013 und 
den Jour fixe am 26. April 2013.“ 

1215 Ygp Bericht des Bundesrechnungshofes, MAT 17-4 BRH zu BB 
17-90, Ordner 1, S. 42 (S. 30 des Berichts). 


Blickverengung von Verantwortlichen quer durch alle 
Ebenen bildeten eine fatale Fehlerkette und trugen erheb- 
lich zum Scheitern des Projektes Euro Hawk bei. 

Es finden sich zahlreiche Belege dafür, dass die Projekt- 
leitung frühzeitig informiert war über gravierende Pro- 
bleme mit Blick auf die angestrebte Musterzulassung der 
Serie, das hierfür nötige Beibringen von Dokumenten und 
Nachweisen sowie die Generierung erheblicher Mehrkos- 
ten. Zudem traf die Fachebene für den Projektverlauf 
gravierende Entscheidungen, ohne die mittel- und lang- 
fristigen Folgen zu bedenken sowie diese mit der Leitung 
rückzukoppeln, geschweige denn billigen zu lassen. Her- 
vorstechendes Beispiel hierfür ist die eigenmächtige Ent- 
scheidung der Projektleitung, bereits im Jahr 2009/10, auf 
eine umfassende Musterprüfung für den Full Scale De- 
monstrator (FSD) zu verzichten, die Musterprüfung auf 
die spätere Serie zu verschieben und sich hinsichtlich des 
FSD auf eine Prototypenprüflmg zu beschränken. Diese 
Entscheidung am 3. Februar 2010 wurde laut dem so ge- 
nannten „Ad-hoc Bericht“ der Arbeitsgruppe EURO 
HAWK im Bundesministerium der Verteidigung durch 
die Projektleitung weder schriftlich festgehalten noch an 
die Leitung kommuniziert. Der Vertreter der Fachaufsicht 
hat seinen Referatsleiter Rü VI 2 im Anschluss an die Be- 
sprechung mündlich über das Ergebnis in Kenntnis gQ- 
setzt.i^i'^ Die Informationen sind in der Folge im Ministe- 
rium versandet. Erst knapp zwei Jahre später, am 
24. November 2011 soll der AL Rü vom Projektleiter des 
Euro Hawk von dieser Entscheidung erfahren haben. Die 
Richtigkeit der Darstellung des BMVg konnte nicht ab- 
schließend verifiziert werden. Sollte sie aber zutreffen, so 
wäre dies ein weiterer Beleg für das desaströse Kommu- 
nikations- und Entscheidungsverhalten der Verantwortli- 
chen. 

Der Bundesrechnungshof hat vor dem Untersuchungsaus- 
schuss deutlich gemacht, dass das mit dem Projekt be- 
traute damalige Bundesamt für Wehrtechnik und Be- 
schaffung (BWB, heute Bundesamt für Ausrüstung, 
Infrastruktur und Nutzung der Bundeswehr - BAAINBw) 
gegen die vorgesehenen Berichts- und Entscheidungs- 
wege entlang des damals gültigen Beschaffungsprozesses 
verstoßen hat. Die im alten CPM von 2001 bzw. 2004 
durchaus vorhandenen Mechanismen zur Risikoanalyse 
und -bewertung sowie die damit verbundenen Berichts- 
pflichten wurden schlicht ignoriert. Danach hätte bei ei- 
ner so wegweisenden Entscheidung wie dem Abweichen 
von der geplanten Musterprüfung an die Leitung über die- 
ses Vorhaben sowie über die Probleme berichtet werden 
müssen. Außerdem wäre eine Entscheidung der Leitung 
in diesem Punkt zwingend notwendig gewesen, 8 

Wie ahnungslos das Verteidigungsministerium ein- 
schließlich des Ministers auch noch nach Abbruch des 


1216 Ygl. u. a. MAT 17-94 BMVg zu BB 17-56, Anlage 1, S, 141; Stein. 
Protokoll-Nr. 4, S. 151; MAT 17-4 BRH zu BB 17-90, Ordner 1, S. 
1 8 sowie 40 ff. 

1217 mAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, Ordner 1, S. 31. 

1218 Bauch. Protokoll-Nr. 5, S. 35. 



Drucksache 17/14650 


- 176- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


Serienvorhabens im Mai 2013 hinsichtlich entscheiden- 
der Projektentwicklungen war, zeigt sich u.a. daran, dass 
der Ad-hoc Bericht als Datum für die diesbezügliche Ent- 
scheidung eine Besprechung der Projektleitung mit Ver- 
tretern der EuroHawk GmbH am 3. Februar 2010 aus- 
macht. 1^19 Vor dem Untersuchungsausschuss hat der 
heutige Projektleiter Rüdiger Knöpfei auf die Frage, 
wann genau die Entscheidung getroffen wurde, auf eine 
umfassende Musterzulassung zu verzichten und sich auf 
eine Prototypenprüfung für den FSD zu beschränken, ge- 
antwortet: 

„Genau? Sie ist Anfang des Jahres 2010 getroffen 

worden.“i220 

Der Direktor des BAAINBw, Harald Stein, bestätigte 
diese Angabe vor dem Untersuchungsausschuss mit den 
Worten: 

„Dieses war im Februar 2010 bei einer Projektbe- 
sprechung anlässlich einer Zusammenkunft 
Ministerium, Rüstungsabteilung, FüL, Projektlei- 
tung und Firma, und auf Vorschlag der Industrie 
wurde dort die Empfehlung angenommen, dass 
man auf die Musterzulassung des Prototypen ver- 
zichtet, weil ein Konstruktions stand absehbar für 
die Serie ein anderer sein wird. Deswegen hat 
man entschieden, die Serie erst mit der Musterzu- 
lassung zuzulassen.“i 22 i 

Demgegenüber findet sich in den an den Untersuchungs- 
ausschuss gelieferten Akten ein Schreiben des heutigen 
Projektleiters Knöpfei an den heutigen Leiter WTD 61 /ML 
Steiger, in welchem es heißt: 

„In Anbetracht des schwierigen Lernprozesses 
seitens NG und der trägen insbesondere aus Sicht 
des Musterprüfers unzureichenden Informations- 
freigabe Policy der USAF, bzw. der US -Adminis- 
tration begann Januar 2009 das Umschwenken 
auf eine Prototypen-Prüfung für den FSD, insbe- 
sondere um die Kosten und den Zeithorizont für 
die Übergabe des FSD an die Truppe in Sicht zu 

behalten.“i222 

Damit widerspricht der Projektleiter Knöpfei seiner eige- 
nen Aussage sowie der seines Vorgesetzten hinsichtlich 
des Umschwenkens auf eine Prototypenprüfung und im 
Übrigen auch dem Ad-hoc Bericht der Arbeitsgruppe 
EURO HAWK des Bundesministeriums der Verteidi- 
gung. Es ist in diesem Zusammenhang geradezu grotesk, 
dass ausgerechnet an diesem Punkt des Projektes die Pro- 
jektverantwortlichen die Tragweite nicht erkannt und eine 
generelle Überprüfung des Vorhabens eingeleitet haben. 
Sehenden Auges wurde sich von der ursprünglichen Ziel- 
vorgabe des Projektes verabschiedet und damit bereits zu 


1219 MAT 17-8 BMVg zu BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe 
EURO HAWK, Ordner 1, S. 30 ff. 

1220 Knöpfel, Protokoll-Nr. 4, S. 18. 

1221 Vgl. Stein, Protokoll-Nr. 4, S. 147. 

1222 MAT 17-79 E BMVg zu BB 17-59, WTD 61, Wolfgang Steiger, 
Ordner 1, E-Mail Eingang, S. 4; vgl. auch S. 9. 


diesem Zeitpunkt das nachhaltige Schließen der Fähig- 
keitslücke SIGINT in mittlerer Frist faktisch beerdigt. 

Die Fachebene ist ihrer Bringschuld gegenüber der Lei- 
tung bei zentralen Punkten im Projektverlauf nicht nach- 
gekommen. Gleichzeitig hat sich weder die fachliche 
Führung im Bundesamt noch die Fachaufsicht im Bun- 
desverteidigungsministerium für das Projekt interes- 
siert. 1^23 Dies wird auch daran deutlich, dass die schlechte 
personelle Ausstattung des Projektes, die immer wieder 
durch die Projektleitung problematisiert wurde, ohne Re- 
aktion durch das Ministerium blieb. Über Jahre hin- 
weg wurde trotz kritischer Projektstatusberichte seitens 
der Fachaufsicht nicht eingegriffen, die Projektrisiken 
türmten sich dadurch immer höher auf Bringschuld auf 
Fachebene und Holschuld auf Leitungsebene - das feh- 
lende Verständnis hierfür griff derart ineinander, dass das 
Ministerium bezüglich der Probleme erst aktiv wurde, als 
ein Scheitern des Projektes bereits besiegelt war. 

Hinweise über die Entwicklung erheblicher Mehrkosten 
wurden von der Fachebene nicht weitergereicht und spä- 
ter von der Ministerialverwaltung verschleppt. Der Vize- 
präsident des BWB rechnete bereits im April 2010 mit 
möglichen Mehrkosten für das Euro Hawk-Projekt in 
Höhe von mehr als 330 Millionen Euro.^^^^ Dem Ad-hoc 
Bericht zufolge wurden dem Abteilungsleiter Rüstung im 
BMVg jedoch erst Ende 2011 mögliche Mehrkosten von 
bis zu 100 Millionen Euro angekündigt, obwohl zu die- 
sem Zeitpunkt bereits ein weitaus höherer Mehraufwand 

bekannt war. 1226 

Informationen zu solch zentralen Entwicklungen und Pro- 
blemen waren offensichtlich widersprüchlich, erreichten 
die zuständigen Stellen im Ministerium regelmäßig mit 
erheblicher Verzögerung, nicht selten eher zufällig als auf 
dem geordneten Dienstweg und wurden offenkundig auch 
innerhalb des Ministeriums eher spärlich oder grob be- 
schönigend kommuniziert. Damit setzte sich die eigen- 
willige Interpretation des CPM und der Dienstwege fort. 
In seiner Vernehmung vor dem Untersuchungsausschuss 
hat beispielsweise der Abteilungsleiter Rüstung, Ministe- 
rialdirektor Detlef Selhausen, deutlich gemacht, dass er 
Teile des Controllings für zu träge erachtete. Auf Grund- 
lage dieser Einschätzung wurden jedoch die Bewertungen 
des BMVg zu den Statusberichten der Fachebene im 
BWB/BAAINBw nicht mehr in das System eingepflegt. 


1223 „Insbesondere geben die Unterlagen keinen Hinweis auf ein Ein- 
wirken der Leitung des Bundesamtes.“ 

1224 Yg\. Bericht des Bundesrechnungshofes, MAT 17-4 BRH zu BB 
17-90, Ordner 1, S. 42 (S. 30 des Berichts). 

1225 Präsentation zum Projektcontrolling in der Rüstung, Stand 04/2010, 
vgl. MAT 17-74 BMVg zu BB 17-58, Ordner 5, Sekretariat Lei- 
tung BWB/BAAINBw, S. 58. 

1226 „Am 20. Dezember 2011 berichtete BMVg Rü VI 2 dazu an Abtei- 
lungsleiter Rüstung mit folgenden Kemaussagen: Die zeitgerechte 
Muster- und Verkehrszulassung für die Serienflugzeuge EURO 
HAWK wird vom BWB als erfolgversprechend eingeschätzt. Dazu 
sind jedoch zusätzliche umfangreiche Leistungen des Auftragneh- 
mers erforderlich, für die ein bisher nicht eingeplanter Mehrbedarf 
von bis zu 100 Mio. € abgeschätzt wird“, vgl. MAT 17-8 BMVg zu 
BB 17-3: Bericht der Ad-hoc Arbeitsgruppe EURO HAWK, Ord- 
ner 1, S. 34 ff. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 177- 


Drucksache 17/14650 


die Dokumentation von Problemen und deren Kommuni- 
kation an die Leitung damit erschwert. 12^7 

Vor diesem Hintergrund kann die Aussage von MD Sel- 
hausen nur noch erstaunen, nach der er den Projektauftrag 
„Rüstung, Nutzung, IT“ vom Minister nur unter der Vo- 
raussetzung übernommen habe, dass er die Möglichkeit 
erhalte, ein neues Controlling zu etablieren. 1228 ist lo- 
benswert, sich für Verbesserungen im Controlling einset- 
zen zu wollen; die geltenden Regeln und Mechanismen 
jedoch gleichzeitig außer Kraft zu setzen bzw. für sich 
nicht mehr als geltend anzusehen, zeugt von einem frag- 
würdigen Amts- und Verantwortungs Verständnis. Sollte 
der CPM nov. hier an der falschen Stelle ansetzen, wäre 
wieder nichts gewonnen, sondern Probleme würden nur 
verlagert. 

Die Leitung des Ministeriums stand dem Desinteresse der 
Fachaufsicht für das Projekt in nichts nach. Das Vorha- 
ben, die Fähigkeitslücke SIGINT zu schließen, gilt vor- 
geblich bis heute im BMVg als hochprioritär; die Leitung 
hat sich jedoch bis zuletzt auf ein vorlagenfixiertes Arbei- 
ten in Verwaltungsakten beschränkt. Die Überzeugung 
bspw. von Staatssekretär Stephane Beemelmans, dass et- 
was geschehe, weil es so in einer Vorlage vermerkt sei, 
offenbart ein befremdliches Realitätsverständnis und ei- 
nen schier endlosen Aktenglauben: 

„Rainer Arnold (SPD): Ja, wie können Sie uns 
dann immer wieder erzählen und auch der Minis- 
ter: ,Wir haben ja noch nicht so viel Geld verlo- 
ren, weil wir dieses so tolle System haben’, wenn 
Sie am Ende nicht mal wissen: Was haben wir 
denn nachher? 

Zeuge Stephane Beemelmans: Herr Abgeordne- 
ter, weil das genau so in den Vorlagen steht. Es 
steht genau so in den Vorlagen, dass wir bis zum 
Ende der Erprobung am 30.09. ein funktionsfähi- 
ges ISIS Modul haben werden.“i229 

Obwohl es sich beim Projekt Euro Hawk um ein Rüs- 
tungsprojekt der Projektstufe H23o handelt, es also lei- 
tungsrelevant ist, hat sich Bundesverteidigungsminister 
de Maiziere nicht ein einziges Mal bis zum Projektab- 
bruch am 13. Mai zu Entwicklungen und Problemen vor- 
tragen lassen. Gleichzeitig sagte der Minister am 3 1 . Ja- 
nuar 2013 im Plenum des Deutschen Bundestages: 

„[...] ich halte die Beschaffung von Drohnen 
auch für die Bundeswehr für sicherheitspolitisch, 
bündnispolitisch und technologisch sinnvoll. “1^31 


1227 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 80. 

1228 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 73-74. 

1229 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 42. 

1230 iyyi CPM 2010 werden die Projekte in Projektstufe 1 und 2 einge- 
teilt. Zur Projektstufe 1 heißt es u. a.: „Projekte im besonderen Fo- 
kus des BMVg [...] Projekte der Projektstufe 1 sind grundsätzlich 
leitungsrelevant.“, vgl. MAT 17-31 BMVg zu BB 17-12 BMVg, 
AIN I, Ordner 1, S. 136. 

1231 Deutscher Bundestag, Stenografischer Bericht vom 31. Januar 
2013, 219. Sitzung, Plenarprotokoll 17/219, S. 27111. 


Da Verteidigungsminister de Maiziere keine der Informa- 
tionsvorlagen zum Euro Hawk Projekt so gelesen haben 
will, dass er sich daran erinnern könne, bleibt es sein Ge- 
heimnis, wie er zu oben genannter Einschätzung kommt. 
Auch sieht der Minister bei sich keine Holschuld, weil 
aus seiner Sicht an den Problemen ^.ordentlich und gut 
gearbeitet"^'^^'^ wurde. Es lässt tief blicken, wenn der 
Bundesrechnungshof Thomas de Maiziere und seinem 
Haus empfehlen muss, dass sich die .J^eitung des Bundes- 
verteidigungsministeriums [...] bei wichtigen Projekten, 
wie dem Euro Hawk Projekt, über die Entwicklung der 
wesentlichen Risiken in regelmäßigen Abständen berich- 
^ew“i233 lässt. 

c) Minister kommt seiner Informationspflicht 
nicht nach 

Der Entwicklungsvertrag des Euro Hawk-Projektes und 
die in ihm angelegten unvermeidlichen Risiken machten 
von Beginn an eine enge fachliche und politische Beglei- 
tung auf allen Ebenen notwendig. Das Wegschieben der 
Verantwortung durch den Minister auf seine Staatssekre- 
täre und die unteren Arbeitsebenen sowie seine Äußerun- 
gen, ihn treffe keine Schuld am Scheitern des Entwick- 
lungsprojektes Euro Hawk, haben sich nach den 
Befragungen durch den Untersuchungsausschuss als un- 
haltbar erwiesen. Zum einen gab es zahlreiche Gelegen- 
heiten und Hinweise auf Probleme, zu denen er aktiv 
hätte nachfragen müssen, es aber nicht getan und offen- 
sichtlich auch nicht für nötig erachtet hat. Zum anderen 
war davon völlig unabhängig das Projekt nach den Be- 
stimmungen des CPM ein Projekt der Projektstufe 1. Es 
war ..grundsätzlich leitungsrelevanP^^^^. Zudem war es 
aufgrund seiner strategischen Bedeutung und dem einzig- 
artigen deutsch-US-amerikanischen Joint Venture eines 
der wichtigsten Rüstungsprojekte, als Thomas de 
Maiziere im März 2011 das Amt übernahm. Der Minister 
hätte daher vom Versagen seines Ministeriums und seiner 
Staatssekretäre nicht abhängig werden dürfen und die Ini- 
tiative proaktiv ergreifen müssen. Bis zum 13. Mai 2013 
hat sich der Minister dem verweigert und dies danach da- 
mit gerechtfertigt, dass er von seinen Mitarbeitern erwar- 
tet habe, zur rechten Zeit eine formal ordentliche Vorlage 
zu bekommen. Dabei gab es ausreichend Anlässe, bei de- 
nen schlicht nicht vorstellbar ist, dass der Minister den 
Stand des Rüstungsprojektes Euro Hawk für unbeachtlich 
gehalten hat. 

aa) AGS und die Parallelen zu Euro Hawk 

Parallel zum deutschen Euro Hawk-Projekt arbeitete die 
NATO am Aufbau eines eigenen drohnenbasierten Auf- 
klärungsprogramms zur Gefechtsfeldaufklärung, dem Al- 
lied Ground Surveillance (AGS). Im Gegensatz zum Euro 


1232 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 46. 

1233 Vgl. Bericht des Bundesrechnungshofes, MAT 17-4 BRH zu 
BB 17-90, Ordner 1, S. 43 (S. 31 des Berichts). 

1234 Ygp Customer Product Management (CPM) 2010, Verfahrens- 
bestimmungen für die Bedarfsermittlung, Bedarfsdeckung und 
Nutzung in der Bundeswehr, S. 30, s. MAT 17-31 BMVg zu 
BB 17-12, AIN I 1, Ordner 1, S. 136. 



Drucksache 17/14650 


- 178- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


Hawk geht es zwar nicht um signal- sondern um bildge- 
bende Aufklärung. Aber die insgesamt fünf Luftfahr- 
zeuge basieren ebenfalls auf dem Global Hawk (GH) von 
Northrop Grumman. Sie stammen zwar aus einer späteren 
Baureihe, dem Block 40, als der Euro Hawk, der auf ei- 
nem GH Block 20 basiert, dürften aber hinsichtlich der 
Zulassung ähnliche Probleme aufweisen. Deutschland be- 
teiligt sich mit 483 Millionen Euro an dem Projekt, das 
bisher auf 1 ,2 Milliarden Euro kalkuliert wird. Zudem be- 
stehen Überlegungen, nationale Beistellungen zu dem 
NATO-Programm zu machen und fünf weitere Global 
Hawk, finanziert von Deutschland, in einer bildaufklären- 
den Version zu liefern. 

Auf dem NATO-Gipfel im April 2012 überzeugte der 
deutsche Verteidigungsminister de Maiziere seine NATO- 
Kollegen auch gegen Widerstände einiger Verteidigungs- 
minister anderer Länder, den Kauf von insgesamt fünf 
Systemen voranzutreiben. Die Maschinen sollen in Sigo- 
nella/Italien stationiert und von den italienischen Behör- 
den zugelassen werden. Vermutlich wird Italien zu die- 
sem Zweck eine militärische Ausnahmegenehmigung 
erteilen. 

Beim Euro Hawk waren die Zulassungsfragen von Be- 
ginn an kritisch eingeschätzt und am Ende deren hohen 
Kosten bzw. die objektive Nichtzulassungsfähigkeit ent- 
scheidend für die Nichtbeschaffung der Serie. Ein ähnli- 
ches Debakel zu vermeiden muss für die Entscheidung 
der NATO höchste Priorität haben. Auch bei den Global 
Hawks für das NATO-AGS gibt es Probleme mit den Do- 
kumenten, die Northrop Grumman den italienischen Zu- 
lassungsbehörden zur Verfügung stellt. 

Damit läuft der deutsche Verteidigungsminister Gefahr, 
entweder erneut eine halbe Milliarde Euro aufs Spiel zu 
setzen - oder nicht erklären zu können, warum italieni- 
schen Zulassungsbehörden gelingen soll, was den deut- 
schen Zulassungsstellen nicht möglich ist. 

Stattdessen wurde der Bundestag über die Risiken nicht 
hinreichend informiert. Weder wurde zu diesem Anlass 
über die bereits bekannten Probleme beim Euro Hawk be- 
richtet, noch hat man dies zum Anlass genommen, den 
Verteidigungs- und den Haushaltsausschuss vor der Mit- 
telfreigabe über die bestehenden Zulassungsrisiken bei 
AGS zu informieren, und das alles obwohl der Minister 
zu den entscheidenden Ausschusssitzungen persönlich 
geladen war. 

Es bleibt ein Rätsel, warum Thomas de Maiziere nicht 
vor der NATO-Entscheidung einen eingehenden Über- 
blick über Stand und Probleme des Euro Hawk eingefor- 
dert hat. Ebenso bleibt es ein Rätsel, warum die Staatsse- 
kretäre dies nicht getan haben. Das Wissen um die 
Probleme beim Euro Hawk war im Hause bereits vorhan- 
den, auch wenn der Minister noch am 5. Juni 2013 einen 
gegenteiligen Eindruck erweckte: 


1235 Sachstand vom 2. Juni 2013 zur Zulassung der NATO AGS 
GLOBAL HAWK, MAT 17-73 BMVg zu BB 17-48, Ordner 7, StS 
Wolf, S. 495 (521). 


„[...] und ich habe ja sogar, um es fast noch 
schlimmer zu machen, im Mai 2012 vor dem 
Haushaltsausschuss für AGS geworben, ohne auf 
die Zulassungsprobleme beim Euro Hawk hinzu- 
weisen. Das ist so. Und das ich das so gemacht 
habe, liegt daran, dass in den vorbereitenden Un- 
terlagen eben dieses Problem nicht erwähnt 

war. “1236 

Leider wurde weder aus den Befragungen noch aus den 
gelieferten Unterlagen deutlich, ob und wie die Bundesre- 
gierung und der deutsche Verteidigungsminister die Er- 
fahrungen des Euro Hawk-Projektes in das NATO- Vorha- 
ben einbringen wollten. Laut Bundesregierung soll es im 
Vorfeld des entscheidenden NATO-Treffens im Mai 2012 
Informationen dazu nicht gegeben haben. 1237 

Sollte die Zulassung in Italien leichter gelingen, mag dies 
mit einer anderen Zulassungsphilosophie dort Zusammen- 
hängen. Ob die NATO-Global Hawks mit einer wie auch 
immer begründeten italienischen Zulassung in den deut- 
schen Luftraum einfliegen dürfen, blieb in den Befragun- 
gen ebenfalls unbeantwortet. 

Als offensichtlich wurde, dass der Minister doch umfang- 
reicher informiert war, als es am 5. Juni 2013 noch 
schien, schwenkte die Leitung des BMVg auf eine andere 
Rechtfertigungsschiene um: Im Vorfeld von AGS habe 
man den EURO HAWK deshalb nicht thematisiert, weil 
beide Vorhaben technisch und zulassungsverfahrensmä- 
ßig nicht miteinander vergleichbar wären. Zudem hätten 
die Zulassungsprobleme des EURO HAWK im März 
2012 noch als „beherrschbar“ gegolten. ^238 

Unverständlich (und unwahrscheinlich) ist, dass der 
Minister im Rahmen der Entscheidung für das AGS kein 
Interesse an den Zulassungsproblemen des Euro Hawk 
gezeigt hat. Während er maßgeblich daran beteiligt ist, 
ein prestigeträchtiges internationales Projekt auf den Weg 
zu bringen, informiert er sich nicht über das eigene pro- 
blembehaftete nationale Projekt, das im Mai 2012 schon 
lange gescheitert ist. Dies wissen oder ahnen zumindest 
auch seine Mitarbeiter in der Leitung des BMVg. Auch 
wenn ihm angeblich nur von positiven Fortschritten und 
„lösbaren Problemen“ berichtet worden sein sollte, hätte 
er aktiv früher und intensiver Informationen einholen 
müssen, um verantwortungsbewusst und der Sache ange- 
messen eine deutsche Beteiligung an den Kosten von 
AGS zu sichern - und das Parlament wahrheitsgemäß 
über die wahren Risiken der Anschaffung der Global 
Hawks informieren zu können. 

bb) Fähigkeitslücke war seit 2010 offen und 
gegenwärtig 

Ziel des Entwicklungsprojektes war es ursprünglich, ei- 
nen Nachfolger für die Breguet Atlantic zu entwickeln. 


1236 Statements des Bundesverteidigungsministers de Maiziere im Rah- 
men der Bundespressekonferenz am 5. Juni 2013, MAT 17-44 
BMVg zu BB 17-61, PR-Infostab, Ordner 1, S. 1 (11). 

1237 Ygp de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 40. 

1238 Wolf Protokoll-Nr. 7, S. 101 f. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 179 - 


Drucksache 17/14650 


Diese wurde 2010 außer Dienst gestellt. Seit drei Jahren 
existiert daher nun bei der Bundeswehr im Bereich der si- 
gnalerfassenden luftgestützten weiträumigen Überwa- 
chung und Aufklärung (SLWÜA) eine Fähigkeitslücke. 
Diese Lücke wird mit unbemannten Systemen absehbar 
nicht vor 2019 geschlossen werden können, da der FSD 
aus Kostengründen nicht eingesetzt wird und der Euro 
Hawk als Serie ausgefallen ist. Alternative bemannte Trä- 
gerplattformen könnten bereits unwesentlich früher ein- 
gesetzt werden, erfüllen aber nicht die gewünschten An- 
forderungen und sind durch höheren Personaleinsatz 
längerfristig auch kaum günstiger. - Mit einer früheren 
zügigen Entscheidung spätestens im Jahr 2011 hätte viel 
Zeit gewonnen werden können. Bereits damals war auf 
Fachebene bekannt, dass das Projekt nicht den gewünsch- 
ten Erfolg bringen und auch der Prototyp nur schwer ein- 
gesetzt werden würde. Eine Serienbeschaffung weiterer 
Euro Hawks war schon aus Kostengründen völlig un- 
wahrscheinlich geworden. Obwohl die Fähigkeitslücke 
seit 2010 offenbar war, kümmerte sich die Leitung des 
BMVg nicht um eine mögliche Lösung. Die technischen 
Probleme wurden den Ingenieuren überlassen, notfalls 
wurde der Geldhahn aufgedreht. Die rechtlichen, politi- 
schen und strategischen Folgen wurden ignoriert. Beide 
Bereiche, Fach- wie Leitungsebene, verschlossen die Au- 
gen vor dem Scheitern und machten weiter wie bisher in 
der fatalen Hoffnung, doch noch irgendwie Erfolg zu ha- 
ben - oder zumindest den Misserfolg auf den Amtsnach- 
folger verschieben zu können. Mit dieser Ignoranz wurde 
die frühzeitige Suche nach Alternativlösungen torpediert, 
was die Existenz der Fähigkeitslücke zwangsläufig um 
ca. zwei Jahre verlängert haben dürfte. Die Bundeswehr 
muss somit weiterhin bei Operationen auf Informationen 
von Verbündeten zurückgreifen und kann keine eigenen 
Aufklärungsergebnisse im Bereich der SLWÜA generieren. 

cc) Verhältnis de Maiziere und Beemelmans 

Das Arbeits- und Vertrauensverhältnis zwischen Minister 
de Maiziere und seinem Rüstungs staats Sekretär 
Beemelmans ist nicht nur bei allen Beschaffungspro- 
jekten von hoher Bedeutung. Beim Euro Hawk ist offen- 
sichtlich geworden, dass die Aufgabenteilung hoch- 
problematisch ist. Während der Minister seinem 
Staatssekretär anscheinend völlig blind vertraute, meldete 
dieser jenem die relevanten Probleme offensichtlich nicht 
weiter. Es spricht viel dafür, dass es offen oder unabge- 
sprochen Konsens zwischen beiden Beteiligten war, un- 
angenehme Rüstungsfragen nicht offen auf den Tisch zu 
legen. Vielmehr ist - auch angesichts sehr kritischer öf- 
fentlicher Äußerungen des Ministers über das Rüstungs- 
geschäft^^^^ - gar nicht der Wille vorhanden, sich intensiv 
damit zu beschäftigen. Da der Minister wusste, dass der 


1239 Ygi BamS vom 3. März 2013, S. 6/7, Interview mit Bundesvertei- 
digungsminister Thomas de Maiziere, „Ich habe nicht den richtigen 
Ton getroffen, die Melodie bleibt aber richtig“ („Auch meine Kol- 
legen aus verbündeten Staaten beklagen, dass Qualität, Zuverläs- 
sigkeit und die Einhaltung vereinbarter Preise ein besonderes Pro- 
blem der Rüstungsindustrie sind. Dafür gibt es mehrere Ursachen. 
Eine ist sicher die bestehende Monopolsituation”). 


Rüstungsbereich viele Fallstricke bereit hält, wäre es 
mehr als nachvollziehbar - aber falsch - zu Rüstungsfra- 
gen größtmögliche Distanz zu wahren. 

Konstruktive Kommunikation fand offensichtlich in Sa- 
chen Euro Hawk nicht statt. Sie reichte nach Darstellung 
des Ministers über die Weitergabe von abgezeichneten 
Vorlagen letztlich nicht hinaus. Eine fundierte Arbeitstei- 
lung war nicht vorhanden. Sonst hätte der eine die Ent- 
scheidungen vorbereitet und am Ende die wesentlichen 
Handlungsoptionen vorgeschlagen, und der andere hätte 
seine politische Verantwortung wahrgenommen und eine 
Entscheidung politisch verantwortlich und nicht nur juris- 
tisch getroffen. Ursache hierfür waren wohl auch die nur 
rudimentären Kenntnisse des Rüstungs staats Sekretärs in 
Rüstungsfragen. Er kannte anlässlich seiner Zeugenbefra- 
gung noch nicht einmal die Ergebnisse der Studie über 
Alternativlösungen, die er selbst in Auftrag gegeben 
hatte. 1240 Dabei ist die Suche nach Alternativlösungen aus 
militärischer und ministerieller Praxis heraus die ent- 
scheidende Frage für die Zukunft. 

In der Befragung durch den Untersuchungsausschuss hat 
der Staatssekretär für die mangelnde Informationsweiter- 
gabe an den Minister die volle Verantwortung übernom- 
men. i24i Überzeugend war das nicht. Denn er trug nicht 
die alleinige Verantwortung, auch wenn der Minister 
nichts anderes versucht hat: Die Verantwortung abzu- 
schieben. Doch die gleiche Verantwortung für mangelnde 
Information hat auch er. Er hätte seine „Holschuld“ be- 
gleichen und früher und intensiver Informationen einho- 
len müssen. Dies bestätigte in den Befragungen auch die 
Vertreterin des Bundesrechnungshofes: 

„Das heißt, man hat da natürlich auch dann, weil 

es ein politisch bedeutsames Projekt ist, letztend- 
lich eine Holschuld, dass man sich in regelmäßi- 
gen Abständen über dieses Projekt berichten 

läSSt.“1242 

Trotz öffentlichkeitswirksamer Androhung personeller 
Konsequenzen sind bisher noch keine gefolgt, denn so- 
wohl de Maiziere wie Beemelmans sind weiterhin im 
Amt. 

6. Verschwendung von Steuergeldern in 
dreistelliger Millionenhöhe durch zu 
späten Projektabbruch 

Für das Projekt Euro Hawk hat der Bund bislang 668 Mil- 
lionen Euro bereitgestellt. So viel wurde und wird an die 
EuroHawk GmbH bezahlt. Dafür hat die Bundeswehr ein 
Flugzeug bekommen, das nach dem 30. September 2013 
auf dem Boden bleiben muss. Völlig unklar ist, ob das 
„ISIS“-Modul, für das rund die Hälfte der Kosten zu ver- 
buchen ist, in der jetzigen Konfiguration jemals zum Ein- 
satz kommen wird. Ebenso wenig ist klar, wie viel die In- 
tegration des Aufklärungssystems in eine andere 
Trägerplattform kosten wird. Die ISIS-Kosten dürfen des- 


1240 Ygp Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 47 f. 

1241 Ygl. Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 7. 

1242 Ygl. Bauch, Protokoll-Nr. 5, S. 9. 



Drucksache 17/14650 


- 180- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


halb nicht - wie in den Berechnungen des Verteidigungs- 
ministers - von der Schadenssumme abgezogen werden. 
Eventuell sind auch diese Kosten komplett verloren. 

Einem komplizierten Beschaffungsprojekt wohnt das Ri- 
siko des Scheitems inne und ein Schaden lässt sich nicht 
immer verhindern. Das liegt in der Natur der Sache und 
das ist bei Vertragsschluss in die Abwägung mit einbezo- 
gen worden. Doch die Schadensmindemngspflicht ist 
fortwährend weiter zu beachten. Diese Pflicht hat das 
BMVg ignoriert. Hätte sich die Fachebene 2009 und die 
Leitungsebene spätestens 2011 das Scheitern eingestan- 
den, hätte viel Geld (273 Millionen Euro) gespart werden 
können. Allein in der Amtszeit von Thomas de Maiziere 
wären es noch 112 Millionen Euro gewesen. 

Über die Frage, wie hoch der tatsächliche finanzielle 
Schaden für den Bund ist, hat es unterschiedlich qualifi- 
zierte Meinungsäußemngen gegeben. Bei der Bewertung 
kommt es erheblich darauf an, welche Ausgaben und ein- 
gegangenen finanziellen Verpflichtungen im Rahmen der 
Projekte Euro Hawk und NATO AGS als Schaden bzw. 
Risiko gewichtet werden. Im Ergebnis muss leider davon 
ausgegangen werden, dass bis jetzt ein Betrag von 273,1 
Millionen Euro umsonst ausgegeben worden ist, 112 Mil- 
lionen Euro davon gehen auf das Konto des jetzigen 
Ministers Thomas de Maiziere. Hinzu kommen noch 
nicht absehbare Kostenrisiken von fast 1 Mrd. Euro aus 
dem NATO AGS Programm und den etwaigen Nachfol- 
gelösungen für Euro Hawk. 

a) Vermeidbarer Schaden 

Für die Frage nach Verantwortlichkeiten und Schlussfol- 
gemngen für künftige Projekte ist vor allem erheblich, 
welche Schäden durch das BMVg hätten vermieden wer- 
den können, wenn auf Fach- bzw. auf Leitungsebene rich- 
tig und umgehend reagiert worden wäre. Welche Steuer- 
gelder wären nicht verloren, wenn das BMVg sofort nach 
Bekanntwerden der Zulassungsprobleme gehandelt hätte? 

aa) Außerordentliches Kündigungsrecht^243 

Unabhängig von der komplexen Frage nach bestehenden 
Schadensersatzansprüchen und der etwaig von der Euro- 
Hawk GmbH geschuldeten zulas sungs fähigen Übergabe 
des Euro Hawk Demonstrators hätte für das BMVg jeder- 
zeit ein Recht zur Kündigung des Vertrags gern. § 19 
ABEE244 bestanden. 

Der Vertrag war daher kündbar. Weitere „Meilensteine“ 
der Industrie hätten nicht mehr erbracht und dementspre- 
chend auch nicht weiter vom Bund bezahlt werden müs- 
sen. Gegebenenfalls bereits an den Auftragnehmer ge- 
zahlte, aber noch nicht für das Projekt ausgegebene 
Finanzmittel hätten eventuell zurückverlangt werden kön- 
nen. Die in § 19 ABEI vorgeschriebene Restabgeltung 
mit Anspruch auf den anteiligen Gewinn bezieht sich auf 


1243 Vgl. MAT 17-6 BMVg zu BB 17-1, Ordner 1, S. 27: § 18 des Ver- 
trages vom 3 1 . Januar 2007. 

1244 aBEI = Allgemeine Bedingungen für Entwicklungsverträge der 
Industriefirmen. 


die jeweiligen Projektteile, nicht das Gesamtvorhaben. 
Der Ausstieg war somit möglich. 

bb) Richtiger Zeitpunkt zur außerordentlichen 
Kündigung 

Wie viel Steuergeld hätte gerettet werden können, hängt 
davon ab, wann die jeweilige Ebenen von den Problemen 
erfahren haben und wie viel Geld bis dahin bereits abge- 
flossen war. 

aaa) Fachebene 

Wie bereits dargelegt, sind die Probleme und die zu er- 
wartenden Mehrkosten im dreistelligen Millionenbereich 
für die Musterzulassung der Serie auf Fachebene offenbar 
bereits seit Mitte 2009, spätestens seit Februar 2010 be- 
kannt gewesen. Hier hätte das Projekt auch nach Ansicht 
des Bundesrechnungshofs neu bewertet werden müssen. 
Geschehen ist leider das Gegenteil. Am 26. Juni 2009 
wurde das Vertragsvolumen mit dem 3. Änderungsvertrag 
zum Euro Hawk FSD Vertrag nochmal erheblich erhöht. 
Zusammen mit den noch folgenden Vertragsänderungen 
ist die Verpflichtungssumme in der darauf folgenden Zeit 
um insgesamt 180,6 Millionen Euro aus dem Grundver- 
trag angehoben worden. Hinzu kommen Änderungen in 
den FMS und CLS Verträgen in Höhe von 92,5 Millionen 
Euro. Wäre das Projekt daher Mitte 2009 auf den Prüf- 
stand gestellt worden, hätten Verpflichtungen von 
273,1 Millionen Euro vermieden werden können. 

bbb) Leitungsebene 

Durch das Organisationsversagen des Ministers ist ein fi- 
nanzieller Schaden von 112 Millionen Euro entstanden. 
Thomas de Maiziere ist Anfang 2011 als Verteidigungs- 
minister mit dem Anspruch angetreten, laufende Rüs- 
tungsprojekte auf ihre Sinnhaftigkeit zu überprüfen. Das 
hat er versäumt. 

Mit der E-Mail des Abteilungsleiters AIN Detlef Selhausen 
an das Büro von Staatssekretär Beemelmans vom 19. Ja- 
nuar 2012 war das Wissen um die Probleme endgültig in 
der Leitungsebene des BMVg angekommen. 1^45 hätte 
sofort ein Vertrags aus stieg geprüft werden müssen. Statt- 
dessen wurde fröhlich weiter gezahlt. Von Beginn des 
Jahres 2012 an bis Mai 2013 wurden 112 Millionen Euro 
an die Industrie ausgezahlt. Als Schadensbegrenzung und 
ein etwaiger Ausstieg Priorität hätten haben müssen, 
wurde stattdessen gutes Geld dem Schlechten hinterher- 
geworfen. 

b) Weiterentwicklung war falsch 

Versuche zu belegen, dass im Grunde kein Schaden ent- 
standen ist, stützten sich meist auf das fragwürdige Argu- 
ment, dass der Vertrag für den Euro Hawk Demonstrator 


1245 Vgl. E-Mail vom 19. Januar 2012, MAT 17-73 BMVg zu BB 17-48, 
Ordner 1, StS Beemelmans, E-Mail Verkehr 2207201 1 2904201 3, 
S. 110. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 181 - 


Drucksache 17/14650 


im Grunde erfolgreich beendet worden ist und alle Ziele 
erreicht wurdend^"^^ 

„Ein Wort zum Schaden. Durch die Entscheidung 
im Mai 2013 ist kein zusätzlicher Schaden ent- 
standen, sondern im Gegenteil zusätzlicher Scha- 
den verhindert worden.“ 1^47 

Diese Behauptung geht an der Realität vollständig vorbei. 
Richtig ist, dass der zwischen dem Bund und der Euro- 
Hawk GmbH geschlossene Vertrag nicht mehr über den 
30. September hinaus verlängert wird. Die ursprünglich 
seitens der Streitkräfte geplante „Truppenerprobung“ des 
ISIS- Systems wird in absehbarer Zeit nicht stattfmden. 
Abgeschlossen ist die Entwicklung daher nicht bzw. sie 
müsste nach Auswahl eines neuen Trägersystems mit An- 
pass entwicklungen weitergefährt oder gar neu begonnen 
werden. 

aa) Luftfahrzeug 

Der Euro Hawk Demonstrator verfügt bis heute über 
keine vollständige Musterzulassung. Die hierfür notwen- 
dige Musterprüfung wurde wahrscheinlich ab Mitte 2009, 
spätestens ab Februar 2010 von der Fachebene nicht wei- 
ter verfolgt. Der Inhalt einer E-Mail des Leiters der Mus- 
terzulassungsstelle im damaligen BWB aus dem Jahr 
2012 belegt diese Vermutung, dort heißt es: 

„In Anbetracht des schwierigen Lernprozesses 
seitens NG und der trägen insbesondere aus Sicht 
des Musterprüfers unzureichenden Informations- 
freigabe Policy der USAF, bzw. der US -Adminis- 
tration begann Januar 2009 das Umschwenken 
auf eine Prototypen-Prüflmg für den FSD, insbe- 
sondere um die Kosten und den Zeithorizont für 
die Übergabe des FSD an die Truppe in Sicht zu 

behalten.“i248 

Die Testflüge des Euro Hawk Demonstrators werden bis 
heute lediglich durch eine Vorläufige Verkehrszulassung 
(WZ) ermöglicht. Diese WZ wurde seitens des Leiters 
ML der WTD 61 auf 800 Flugstunden begrenzt und ist 
außerdem mit weiteren Auflagen für den Flugbetrieb ver- 
sehen. Ungefähr ein Drittel der zulässigen Flugstunden 
wird bald aufgebraucht sein. 1^49 Selbst wenn die operatio- 
neile Nutzung des Demonstrators mit Hilfe einer erwei- 
terten WZ erwogen würde, wären für den Betrieb allein 
des Euro Hawk Demonstrators rd. 52 Millionen Euro im 
Jahr zu veranschlagen. 1250 Betrieb nur eines Flugge- 

räts des Typ Euro Hawk ist auf Grund der notwendigen 
Fixkosten für Wartung und Infrastruktur daher nicht wirt- 
schaftlich sinnvoll. Weder BMVg noch Luftwaffe planen 
offenbar, den Euro Hawk Demonstrator nach der Über- 
gabe in Betrieb zu nehmen. 


1246 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 53, 68, 72. 

1247 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 8. 

1248 MAT 17-79 E BMVg zu BB 17-59, WTD 61, Wolfgang Steiger, 
Ordner 1, E-Mail Eingang, S. 4 sowie S. 9 

1249 Knöpfel, Protokoll-Nr. 4, S. 42 f. 

1250 Wolf Protokoll-Nr. 7, S. 110. 


bb) Missionssystem „ISIS“ 

Als weitere Rechtfertigung wurde das „national“ entwi- 
ckelte Missionssystem ISIS angeführt. Der späte Projekt- 
abbruch sei sinnvoll gewesen, da so wenigstens die ISIS- 
Entwicklung abgeschlossen werden konnte. 

Auch hier belegt ein Blick auf die Fakten das Gegenteil. 
Die Behauptung, dass ein für den Einsatz in besonders 
großer Höhe^^^i entwickeltes System zur signalerfassen- 
den Aufklärung (ISIS) irgendeinen Nutzwert für die 
Streitkräfte entfaltet, solange es in einem Schrank von 
maximal 1,5 Metern Höhe liegt, ist weltfremd. Da der 
Nutzen bislang unbewiesen ist und das System in den 
nächsten Jahren voraussichtlich auch nicht zum Einsatz 
kommen wird, ist das Geld hierfür ohne Nutzen ausgege- 
ben worden. Ein System, das nicht einsetzbar ist, stellt 
weder einen Fähigkeitsmehrwert noch einen finanziellen 
Wert dar. 

Bis heute ist außerdem unklar, ob das Missionssystem je 
die gesteckten Erwartungen erfüllen kann. Die bisherigen 
Tests stimmen zwar positiv, aber sowohl weitere Flug- 
tests als auch die Truppenerprobung stehen aus. Die bis- 
herigen Angaben über die Leistungsfähigkeit stützen sich 
weit überwiegend auf Laborversuche und Angaben der 
Industrie. Die operationeile Leistungsfähigkeit des Sys- 
tems ist unbewiesen. Die Erkenntnisse der Bundeswehr 
über das System sind begrenzt. Auch mit der geplanten 
Übergabe des Systems an die Bundeswehr im September 
wird sich an diesem Umstand nichts ändern. Auf eine Er- 
probung des Systems durch die Streitkräfte soll vorerst 
verzichtet werden. Ohne Erprobung der operationeilen 
Fähigkeiten ist ISIS aber nicht einfach verwendbar, wie 
der CEO von Cassidian, Gerwert, Ende Mai Staatsekretär 
Beemelmans mitteilte: 

„Ein qualifizierter Abschluss der ISIS Entwick- 
lung (...) ist nur mit einer entsprechenden (...) 
FSD Betriebsphase zum Nachweis der operatio- 
neilen Leistungsfähigkeit möglich. “1^52 

c) Weitere finanzielle Risiken 

Der zukünftige Nutzen von ISIS und die Kosten dafür 
sind unsicher. Es ist nicht absehbar, ob und zu welchem 
Preis man das System zukünftig wird einsetzen können. 
Beim Thema „alternative Trägerplattform“ bestehen er- 
hebliche Kostenrisiken. Genauso verhält es sich mit dem 
System NATO AGS. Es handelt sich hier um Risiken im 
Milliardenbereich. 

aa) Unsicherheitsfaktor „alternative Träger- 
plattform“ 

Wann und ob das ISIS-Missionssystem jemals in eine an- 
dere Trägerplattform eingebaut werden kann, ist unklar. 
Das BAAINBw prüft in Absprache mit dem BMVg der- 


1251 Beim Euro Hawk handelte es sich um ein unbemanntes System der 
MALE Klasse und ISIS wurde dementsprechend dafür entwickelt. 

1252 mAT 17-73 BMVg zu BB 17-48, Ordner 2, StS Beemelmans, 
E-Mail Verkehr 07052013 22052013, S. 53. 



Drucksache 17/14650 


- 182- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


zeit bemannte und unbemannte Alternativen zum Global 
Hawk. In welchem Kosten- und Zeitrahmen sich die et- 
waigen Alternativen verwirklichen lassen, ist genauso un- 
klar. Dass es sich im Bereich der einmal angedachten 
1 ,4 Milliarden Euro für die gesamte Serie, einschließlich 
des Full Scale Demonstrators, bewegen wird, ist hier äu- 
ßerst unwahrscheinlich. Kurzfristig ist mit keinem Sys- 
tem zu rechnen. Eine Schließung der Fähigkeitslücke vor 
2020 ist nicht realistisch. In jedem Fall werden erneute 
Integrationskosten für Anpassung und Einbau von ISIS in 
eine neue Trägerplattform anfallen. 

Sofern es sich um eine bemannte Plattform handeln wird, 
ist mit deutlich höherem Aufwand zum Schutz der Besat- 
zung zu rechen. Wenn die ursprünglich angedachte Steh- 
zeit von 24 Stunden über dem Einsatzgebiet erreicht wer- 
den soll, müssen zusätzlich Tankflugzeuge eingesetzt 
werden. 

Zu den Unsicherheitsfaktoren für eine zeitnahe ISIS-Nut- 
zung kommt noch ein weiterer hinzu: Das ISIS-Missions- 
sy Stern wurde ursprünglich für die signalerfassende Auf- 
klärung in großer Höhe entwickelt (für ein unbemanntes 
System der HALE Kategorie). Nur in großer Höhe, 20 km 
und mehr, kann es die volle angedachte Leistung erbrin- 
gen. Derzeit gibt es weltweit lediglich zwei Trägerplatt- 
formen die in dieser Höhe SIGINT Aufklärung betreiben 
können. Dabei handelt es sich zum einen um das System 
Global Hawk, auf dem der Euro Hawk basiert, und zum 
anderen um das bemannte und überalterte amerikanische 
Aufklärungsflugzeug U2. Der Global Hawk scheidet aus, 
solange die Zulassungsproblematik nicht geklärt wurde. 
Auf anderen Trägerplattformen wird ISIS nicht die volle 
Leistung erbringen können. Die Entwicklung ist damit 
über das Ziel hinausgeschossen. Für die Anforderung 
„Aufklärung in mittlerer Höhe“ hätte gegebenenfalls auch 
eine kostengünstigere Entwicklung gereicht. Mit anderen 
Worten: Man kann den Motor eines Porsches 91 1 in einen 
VW Käfer einbauen, aber danach fährt der Käfer nicht 
wie der Porsche. 

Sofern ein unbemanntes Flugsystem der MALE-Klasse 
ausgewählt werden sollte, treten neue Fragen und Risiken 
in Bezug auf die Verkehrssicherheit auf Während der 
Euro Hawk „über“ dem regulären Flugverkehr operieren 
sollte und nur zum Starten und Landen auf gesperrten 
Luftraum angewiesen gewesen wäre, stellt sich das 
„Sense & Avoid“-Problem bei unbemannten Flugsyste- 
men der MALE-Klasse während der gesamten Flugzeit. 
Drohnen der MALE-Klasse fliegen in mittleren Höhen, in 
denen sich auch Verkehrsflugzeuge bewegen. Ein unbe- 
manntes Alternativsystem zum Euro Hawk wird daher 
zwingend auf ein sogenanntes „Sense & Avoid“-System 
angewiesen sein. Ein solches ist bisher jedoch weltweit 
nicht verfügbar. 


1253 Zu dem Zeitpunkt werden die Breguet Atlantic Flugzeuge bereits 
10 Jahre außer Dienst gestellt sein und die Bestrebungen die Fähig- 
keitslücke mit einer Nachfolgelösung zu schließen werden 20 Jahre 
angedauert haben. 


bb) NATO AGS 

Niemand kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt mit Be- 
stimmtheit ausschließen, dass sich das Desaster des Euro 
Hawk bei NATO AGS nicht wiederholt. Beide Systeme 
basieren auf dem amerikanischen Global Hawk. Deutsch- 
land beteiligt sich mit 456,82 Millionen Euro an AGS. Es 
bleibt zu befürchten, dass das Projekt an den gleichen 
Problemen krankt wie der Euro Hawk und sich hier im- 
mense Kostenrisiken verstecken. 

IV. Ausblick: 

1. Defizite und fehlerhafte Strukturen im 

Ministerium 

Neben den Fehlentscheidungen und dem Versagen der 
politischen Leitung wurden erhebliche strukturelle Defi- 
zite in der Abteilung Ausrüstung, Informationstechnik 
und Nutzung sowie dem nachgeordneten Bereich offen- 
bar. Im Rahmen der Reform des Bundesministeriums der 
Verteidigung sollte ein neues effizientes und einheitliches 
Ausrüstungs- und Nutzungsmanagement geschaffen wer- 
den, das klare Verantwortlichkeiten mit eindeutigen Ent- 
scheidungskompetenzen und weniger Schnittstellen ha- 
ben sollte. 

Die Zeugenbefragungen haben ergeben, dass Rüstungs- 
projekte in der Größenordnung des Entwicklungsvorha- 
bens Euro Hawk ohne wirksame und vor allem zeitge- 
rechte Aufsicht und Kontrolle erfolgen. 

So hat sich gezeigt, dass die tumusgemäß erstellten Sta- 
tusberichte der Ämterebene für die Rüstungsabteilung 
wertlos waren. Die Berichte haben die zuständigen Stel- 
len in der Regel mit einer dreimonatigen Verspätung er- 
reicht und haben so nicht mehr den aktuellen Stand des 
Rüstungsvorhabens Euro Hawk wiedergegeben. Dies war 
im Ministerium bekannt. Es wurden jedoch keine Maß- 
nahmen ergriffen, dies zu ändern. Stattdessen haben die 
Beteiligten das Berichtswesen weiter unterminiert (siehe 
auch Abschnitt II.2.b.). 

Innerhalb der Abteilung AIN gibt es kein Kommunika- 
tionsnetz, das den Anforderungen eines modernen und ef- 
fektiven Managements entspricht. Obwohl Berichte der 
Ämterebene regelmäßig bei der Controlling- Stelle auflie- 
fen, wurde dort nicht die Brisanz der Meldungen erkannt. 
Schon 2009, spätestens aber ab dem Jahr 2011 lagen gesi- 
cherte Erkenntnisse vor, dass die Euro Hawk-Plattform 
keine Zulassung bekommen würde. Neben personellen 
Fehlentscheidungen sind vor allem organisatorische 
Fehlaufstellungen dafür verantwortlich, dass ein großer 
finanzieller Schaden entstehen konnte. 

Es bleibt unbegreiflich, dass der Abteilungsleiter AIN mit 
einer Verzögerung von fast zwei Jahren darüber in Kennt- 
nis gesetzt wurde, dass die Zulassungsproblematik des 
Euro Hawk in die Serienbeschaffung verschoben wurde. 
Nach Kenntnisnahme wurden wiederum keine Aktivitä- 
ten unternommen, um zu prüfen, welche Auswirkungen 
die Entscheidung des Projektleiters auf die Serienbe- 
schaffung haben könnte. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 183- 


Drucksache 17/14650 


Im Verlauf der Zeugenbefragungen wurde immer deutli- 
cher, dass es eine Fehlentscheidung des Verteidigungsmi- 
nisters war, den Empfehlungen der Weise-Kommission 
vom Oktober 2010 bezüglich der Neuorganisation des 
Rüstungsbereiches nicht zu folgen. Zwar wurde der soge- 
nannte Customer Product Management (CPM) für die 
Rüstungsbeschaffungsprozesse überarbeitet, um ein 
durchgehendes Fähigkeitsmanagement bei durchgängiger 
Verantwortung, fachlicher Kompetenz und organisatori- 
scher Zuständigkeit im Verantwortungsbereich AIN zu 
erreichen. Für das Euro Hawk-Projekt war der alte CPM 
nicht Ursache des Scheiterns, denn auch als der neue 
CPM dann zum 1. Januar 2013 in Kraft trat, fand es kei- 
ner der Verantwortlichen für nötig, das Euro Hawk-Pro- 
jekt wenigstens einmal zu überprüfen und ggf neu zu be- 
urteilen. Es wurde so weitergemacht wie in den Jahren 
davor und die Vorschriften des neuen CPMs ignoriert. 
Dies zeigt, wie oberflächlich und unsolide mit diesem 
Milliardenprojekt umgegangen wurde. 

Nun werden die Effizienzsteigerung in der Kommunika- 
tion und der Aufbau eines effektiven Controlling zur Ver- 
besserung des Ausrüstungs- und Nutzungsmanagements 
als „Lessons learned“ verkauft. Wäre man den Empfeh- 
lungen der Weise-Kommission von 2010 bei der Neu- 
strukturierung des Rüstungsbereichs gefolgt, wäre es 
nicht in diesem Ausmaß zu den verheerenden Fehlent- 
scheidungen bei Euro Hawk gekommen. Ein dreistelliger 
Millionenbetrag wäre nicht sinnlos verpulvert worden. 

Auch im nachgeordneten Bundesamt für Ausrüstung, In- 
formationstechnik und Nutzung der Bundeswehr 
(BAAINBw) sind ähnlich desaströse Verhältnisse im 
Ausrüstungs- und Nutzungsmanagement zu verzeichnen. 
Auch hier sind die Verantwortlichkeiten nicht klar gere- 
gelt. Es gibt keine eindeutigen Entscheidungskompeten- 
zen. 

Bemerkenswert ist ebenfalls, dass die Fachebene bei Ent- 
scheidungen, die ausschließlich dem Auftraggeber zuzu- 
ordnen sind, in einem nicht unerheblichen Maße dem 
Einfluss und der Abhängigkeit zur Industrie ausgesetzt 
ist, die in der Regel auch Auftragnehmer ist. Dies wurde 
besonders deutlich bei der Entscheidung am 3. Februar 
2010, den Full Scale Demonstrator nicht als Muster für 
die Serie zu verwenden oder auch bei der Erstellung der 
Studien zu alternativen Plattformen zum Euro Hawk im 
Jahre 2012. Hier ist das Ergebnis solcher Studien grund- 
sätzlich in Frage zu stellen. 

Insgesamt wurde der Eindruck gewonnen, dass der Rüs- 
tungsbereich des BMVg und des nachgeordneten Be- 
reichs in bürokratisch verkrusteten Strukturen agieren. 
Entscheidungen werden entweder gar nicht oder wenn, 
dann in der Regel auf dem Dienstweg mit formalisierten 
Begründungen eingeholt. Oft lautet das Motto nicht 
„Melden macht frei“, sondern: „Geh nicht zu deinem Vor- 
gesetzten, wenn er dich nicht gerufen hat“. Bei dieser 
Verfahrensweise ist es nicht verwunderlich, dass das Euro 
Hawk-Projekt so endete. 

Es erscheint dringend notwendig, den gesamten Rüs- 
tungsbereich, der jährlich den zweitgrößten Investitions- 


posten im Bundeshaushalt ausmacht, nochmals zu über- 
prüfen. Dabei sollte externer Sachverstand hinzugezogen 
werden. 

2. Reform des Beschaffungswesens 

Im Rahmen der Neuausrichtung der Bundeswehr hatten 
Bundesverteidigungsminister Thomas de Maiziere und 
Staatssekretär Beemelmans groß angekündigt, die ge- 
samte Beschaffung und das Ausrüstungswesen neu zu 
ordnen. Alle großen Rüstungsprojekte sollten auf den 
Prüfstand gestellt, mit der Industrie über zu beschaffende 
Stückzahlen neu verhandelt werden. Auch strukturell 
sollte die Beschaffung von Rüstungsgut neu organisiert 
werden. 

Die Strukturkommission der Bundeswehr unter Vorsitz 
von Dr. h. c. Frank Jürgen Weise hatte im Oktober 2010 
ihren Bericht „Vom Einsatz her denken - Konzentration, 
Flexibilität, Effizienz“ vorgelegt. Darin schlug sie um- 
fangreiche Reformen des Beschaffungswesens wie die or- 
ganisatorische Trennung des Bereichs Rüstungspolitik 
vom Rüstungsverlauf und die Beseitigung von Doppel- 
strukturen vor. Verantwortlichkeiten sollten gebündelt, 
der Lebenszyklus der Projekte über die Agentur gesteuert 
werden. 

Die Erwartungen an eine umfassende Neuordnung des 
Beschaffungswesens wurden durch Minister de Maiziere 
jedoch tief enttäuscht. Mit Wirkung vom 1. Oktober 2012 
wurde das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung 
(BWB) mit dem IT-Amt der Bundeswehr (IT-AmtBw) 
zum Bundesamt für Ausrüstung, Infrastruktur und Nut- 
zung der Bundeswehr (BAAINBw) verschmolzen. Aller- 
dings war die Zusammenlegung fachfremder Gebiete wie 
IT und Beschaffung kontraproduktiv. Das BAAINBw 
entpuppt sich nun als größerer Moloch als seinerzeit das 
BWB. Der Beschaffungsprozess ist nach wie vor intrans- 
parent. Industriepolitische Interessen haben zu oft Vor- 
rang vor der Ausstattung der Soldatinnen und Soldaten 
mit dem Notwendigen in kürze stmöglicher Zeit. Das Pro- 
blem, dass die Fachebene häufig von der (alleinigen) Ex- 
pertise der Industrie abhängig und damit enorm beein- 
flussbar ist, bleibt weiter bestehen. Nach wie vor werden 
die Einsatzerfordernisse für die Truppe ignoriert. Beispiel 
ist das Standardgewehr der Bundeswehr, das G36: Hier 
wurden beharrlich gravierende Probleme ignoriert, ob- 
wohl zuständige Wehrtechnische Dienststellen Gefahren 
für Leib und Leben ausgemacht haben. 

Der Präsident des BAAINBw hat bei seiner Befragung 
den Eindruck erweckt, dass er in seiner Funktion als Lei- 
ter einer Dienststelle von 9.600 Mitarbeitern vorrangig 
organisatorische Aufgaben wahrnimmt. Dies legt den 
Rückschluss nahe, dass dieses monströse Amt ein Eigen- 
leben entwickelt hat, wo die Verantwortlichen der Füh- 
rungsebene nur noch sehr eingeschränkt eingebunden 
sind. Dies entspricht in keiner Weise einer effizienten 
Managementstruktur. 

Die Neuverhandlung von geschlossenen Beschaffungs- 
verträgen bezüglich großer Rüstungsprojekte wie PUMA, 
A400M, Korvetten Kl 30 oder des NH90 sind bereits in 



Drucksache 17/14650 


- 184- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


den Anfängen kläglich stecken geblieben. Die Bundes- 
wehr wird damit weiter Gerät beschaffen, was in den ge- 
orderten Stückzahlen nicht benötigt wird. Auch hat der 
chaotische Entwicklungsprozess bei vielen Projekten 
dazu geführt, dass nun Material beschafft wird, welches 
allein aus sicherheitspolitischen Gesichtspunkten über- 
holt und für die Truppe eher Fluch denn Segen sein 
dürfte. Denn Mittel, die anderweitig dringend benötigt 
würden, bleiben dank schlechter Verträge und der Unfä- 
higkeit des BMVg, hier erfolgreich nachzuverhandeln, 
weiter gebunden. 

Die Reform des Beschaffungsprozesses entlang des no- 
vellierten „Customer Product Management“ (CPM nov.) 
droht deshalb ebenfalls zur Luftnummer zu verkommen. 
Denn das Scheitern des Projektes Euro Hawk hat gezeigt, 
dass durchaus sinnvolle Mechanismen im Bereich 
Controlling durch Personal auf Fach- und Leitungsebene 
unterlaufen und ausgehebelt werden können - mit 
schwerwiegenden Folgen für den Projekt- und Beschaf- 
fungsverlauf Damit bleibt Thomas de Maiziere zugleich 
eine Antwort schuldig, warum diesmal alles anders wer- 
den und der CPM nov. ein Erfolg werden soll. Große 
Zweifel sind hier mindestens angebracht. 

3. Personeller und struktureller Neuanfang 

Zunächst muss es darum gehen, Ruhe und Verbindlich- 
keit für die Soldatinnen und Soldaten sowie die zivilen 
Beschäftigten in der Bundeswehr herzustellen. Die per- 
manenten Umstrukturierungen und die monatelangen Un- 
sicherheiten für beinahe jede und jeden in der Truppe ha- 
ben die Stimmung auf den Tiefpunkt gedrückt und das 
Vertrauen in den Dienstherrn nachhaltig erschüttert. 
Thomas de Maiziere hat es nicht verstanden, die Ängste 
und Sorgen der Bundes wehrangehörigen ernst zu nehmen 
und darauf angemessen zu reagieren. 

Darüber hinaus muss der Beschaffungsprozess endlich 
geordnet und gestrafft werden. Dabei sollte externer 
Sachverstand hinzugezogen werden. Im Mittelpunkt des 
Beschaffungswesens muss dabei das Primat stehen, die 
Soldatinnen und Soldaten mit der bestmöglichen Ausrüs- 
tung für den Einsatz auszustatten. Goldrandlösungen zum 
Wohle der Industrie, bei der die Sicherheit des in Einsät- 
zen befindlichen Personals auf der Strecke bleibt, darf es 
nicht mehr geben. Wo immer dies möglich und verant- 
wortbar ist, sollte auf off-the-shelf-Technologie zurück- 
gegriffen werden, um die Soldatinnen und Soldaten im 
Hier und Jetzt mit dem Nötigen auszustatten. 

4. „Bermudadreieck“ aus Bedarfsträger, Amt 
und Industrie 

Die Geschichte der Rüstungs Skandale ist fast so alt wie 
die Bundeswehr selbst. Mit der bald 60 Jahre zurücklie- 
genden Entscheidung zur deutschen Wiederbewaffnung 
ging gleichzeitig die Entscheidung für eine nationale Rüs- 
tungsindustrie zur Ausstattung der Streitkräfte einher. 
Skandale um verschwendete Steuergelder, Korruptions- 
vorwürfe und nicht funktionierende Waffensysteme sind 


seit jeher an der Tagesordnung. Viele Projekte bleiben 
nicht im Zeit- oder Kostenrahmen. 

Durch die verstärkte Belastung der Bundeswehr für Ein- 
sätze der Vereinten Nationen, der EU und der NATO bei 
gleichzeitig wachsendem Spardruck und verkleinerten fi- 
nanziellen Spielräumen seit Beginn der Finanzkrise, ist 
die Bundeswehr heute mehr denn je auf ein transparentes 
und hinreichend effizientes Beschafflmgs System ange- 
wiesen. 

Bei Rüstungsgütern versagt der „freie“ Markt als steuern- 
des Instrument. Waffen sollen außerhalb von EU und 
NATO grundsätzlich nicht exportiert werden. 

Auch wenn sich marktwirtschaftliche Grundsätze nur ein- 
geschränkt auf das Beschaffungswesen übertragen lassen, 
ist das kein Freifahrtschein zum verschwenderischen Um- 
gang mit Steuermitteln. Die Tatsache, dass sich auf dem 
Beschaffungsmarkt wenige Anbieter noch weniger Käu- 
fern gegenüberstehen und daher beide Seiten aufeinander 
„angewiesen“ sind, ist keine Ausrede dafür, dass so gut 
wie kein Projekt im Zeitplan bleibt und sich die Kosten 
im Gegensatz zu den anfänglich erwarteten Summen häu- 
fig vervielfachen. 

Zudem wird der Rüstungsbereich selbst zwischen den eu- 
ropäischen Partnern vielfach als „nationaler Kembereich“ 
verstanden. Sogar enge Partner werden aus industriepoli- 
tischen und vermeintlich sicherheitspolitischen Beweg- 
gründen aus dem Wettbewerb herausgehalten. Selbst an 
den Stellen, an denen zumindest ein gewisser Wettbewerb 
und sinnvolle Kooperation möglich wären, wird aus über- 
holten, falschen Souveränitäts Vorstellungen und materiel- 
len Interessen darauf verzichtet. 

In dieser komplexen Gemengelage wird es der Industrie 
häufig zu leicht gemacht, unangenehmen Konsequenzen 
nach dem Scheitern von Projekten aus dem Weg zu ge- 
hen. Selbst wenn eine Entwicklung häufig Jahre hinter 
dem Zeitplan herhinkt und das ursprünglich bestellte Sys- 
tem gar nicht mehr gebraucht wird, genieren sich die Un- 
ternehmen nicht, auf die Einhaltung der Verträge zu po- 
chen. Die Bundeswehr wird oft gezwungen, Geld für 
Waffensysteme auszugeben, die sie weder braucht noch 
will. 

Allerdings wurden in der Vergangenheit auch allzu oft die 
Anforderungen an verschiedene Rüstungsprojekte vor 
und während der Entwicklung durch die Bundeswehr ins 
schier Unendliche gesteigert; statt einer funktionierenden 
80 Prozent-Lösung forderte das Verteidigungsministe- 
rium häufig die sprichwörtliche eierlegende Wollmilch- 
sau. Die Industrie wiederum stellte die Realisierung von 
noch so abenteuerlichen Forderungen in Aussicht und 
einzelne Abgeordnete, die isoliert die Interessen der in ih- 
rem Wahlkreis ansässigen Industrie verfolgen, gaben dem 
Ganzen die notwendige politische Rückendeckung. Über 
die exorbitanten Kosten sprechen alle erst, wenn es zu 
spät ist. Dieses „Bermudadreieck“ aus Bedarfsträger, In- 
dustrie und Politik muss aufgebrochen werden. 

Auf der einen Seite werden die Streitkräfte zu spät, mit zu 
altem und zu teurem Material ausgestattet, welches von 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 185- 


Drucksache 17/14650 


der Einsatzrealität längst überholt ist. Und die Steuerzah- 
ler können nur Zusehen, wie ihr Geld in Großprojekten 
wie dem A400M, dem MH 90 und dem NH 90 oder ak- 
tuell dem Euro Hawk versickert. Der Beitrag des Vertei- 
digungshaushalts zur Haushaltskonsolidierung fällt daher 
schmaler aus als ursprünglich angedacht. Aus den ur- 
sprünglich von Minister zu Guttenberg angekündigten 
8 Milliarden Euro Einsparungen ist unter Minister de 
Maiziere sogar ein leichter Ausgabenaufwuchs gewor- 
den. Die Tendenz ist eher steigend als fallend. 

Der desolate Zustand des Beschaffungswesens hat weit- 
reichende Folgen. Viele Projekte können aus Geldmangel 
nicht realisiert werden, und es besteht wenig finanzieller 
Spielraum, um die Streitkräfte auch kurzfristig mit not- 
wendiger Ausrüstung zu versorgen. 

Dieses Spannungsfeld wurde trotz verschiedener Ansätze 
in den letzten Jahren nicht aufgelöst. Versuchen, im Aus- 
land „von der Stange“ zu kaufen statt für viel Geld und 
noch mehr Zeit jedes Rüstungsgut national selbst zu ent- 
wickeln, wurde oft mit massivem Druck seitens der Rüs- 
tungsindustrie und Teilen der Politik begegnet. 

Formelkompromisse und industriepolitische Entschei- 
dungen werden häufig als die wirtschaftlich und leis- 
tungsmäßig beste Lösung verkauft, obwohl den Beteilig- 
ten des Verfahrens häufig das Gegenteil bewusst ist. Die 
echten Motive und Entscheidungsgründe werden häufig 
vertuscht. Nicht selten erwächst dieser Druck aus engen 
persönlichen Beziehungen zwischen Teilen von Industrie, 
Politik und Verwaltung. Hieraus können sich eng ver- 
flochtene Abhängigkeitsverhältnisse ergeben. In der Kon- 
sequenz stehen dann nicht die Entwicklung und Beschaf- 
fung von sicherheitspolitisch und hinsichtlich der 
Ausrüstung dringend benötigtem Material im Mittelpunkt 
der Präferenzen, sondern die kommerziellen Interessen 
der Industrie. Für eine gut aufgestellte Bundeswehr und 
die Sicherheit der Soldatinnen und Soldaten in den Ein- 
sätzen ist das regelmäßig problematisch. 

Am Beispiel des gescheiterten Euro Hawk-Projektes so- 
wie dem Vorhaben des BMVg, in größerem Umfang un- 
bemannte fliegende Systeme der MALE und HALE- 
Klasse in die Bundeswehr einzuführen, lässt sich diese 
Verquickung exemplarisch rekonstruieren. 

Die EuroHawk GmbH wurde für die Entwicklung des 
deutschen Global Hawk (Euro Hawk) von EADS sowie 
Northrop Grumman (NG) als Joint Venture gegründet. 
Cassidian als Geschäftsbereich der EADS fiel die Ent- 
wicklung und Integration des SIGINT- Systems ISIS zu, 
während NG für die Bereitstellung und Anpassung der 
Plattform zuständig war. 

Als sich BMVg-intern abzeichnete, dass es mit einer 
Musterzulassung und Beschaffung der Euro Hawk-Serie 
wohl nichts werden würde, vergab das BAAINBw an die 
IABG1254 Öen Auftrag, eine Studie zu alternativen Träger- 
plattformen zu erstellen. Erstaunlich daran ist, dass die 
Firma Cassidian (EADS) als Unter auftragnehmer in der 


1254 iaBG Steht für Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft mbH. 


EuroHawk GmbH für die Erstellung der Studie herange- 
zogen wurde. In der Vergangenheit hatte Cassidian heftig 
für die Entwicklung einer hauseigenen Drohne mit dem 
Namen Talarion geworben; gegenüber der Bundeswehr 
wurde Druck aufgebaut, Mittel für die weitere Entwick- 
lung dieses Projektes zur Verfügung zu stellen und eine 
Beschaffung anzustreben. Verteidigungsminister de 
Maiziere hatte sich 2012 öffentlich gegen das Projekt aus- 
gesprochen. 

Bei der Erstellung des IABG- Gutachtens untersuchte 
Cassidian interessanterweise die bisher nur auf dem 
Papier befindliche Drohne „Future European MALE“ 
(FEMALE). Die lABG-Studie kommt zu dem Schluss, 
dass FEMALE als alternative Trägerplattform für das 
ISIS- System geeignet sei und damit die Fähigkeitslücke 
SIGINT geschlossen werden könnte. Hersteller dieses 
MALE-UAV wäre Cassidian. Damit wurde ein Rüstungs- 
unternehmen vom BMVg damit beauftragt, ein eigenes 
Rüstungsprojektvorhaben zu begutachten, zu bewerten - 
und zu bewerben. 

Vor dem Untersuchungsausschuss hat StS Beemelmans 
hierzu gesagt: 

„Ich habe von Anfang an gesagt, dass das Thema 
Talarion nicht Erfolg versprechend ist in der Kon- 
struktion, in der es ist, und habe von Anfang an 
gesagt: Wir müssen, wenn wir ein solches Projekt 
machen, ein europäisches Projekt bauen. - FE- 
MALE ist an sich das europäische Projekt. Es ist 
nicht der Talarion, sondern es ist etwas Vergleich- 
bares, aber nicht abgestützt nur auf ein oder zwei 
Partner, die wir bislang hatten, sondern abgestützt 
auf die relevanten Partner in Europa. Und dafür 
habe ich mich - dazu habe ich auch im Verteidi- 
gungsausschuss berichtet - intensiv seit meinem 
Amtsantritt eingesetzt [. . 

Wie sehr sich Sts. Beemelmans für die Plattform 
FEMALE eingesetzt haben muss, wird dadurch deutlich, 
dass sich der CEO von Cassidian, Bernhard Gerwert, bei 
einem Zusammentreffen mit StS Beemelmans persönlich 
für dessen Einsatz beim Projekt Future European MALE 
bedanken wollte. 

In der weiteren Vernehmung stellte sich heraus, dass die 
Plattformen Talarion und FEMALE sehr ähnlich sind, das 
Projekt FEMALE sich jedoch auf ein breiteres Feld euro- 
päischer Staaten abstützen würde: 

„Katja Keul (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): [. . .] 

Bei FEMALE ist sozusagen Talarion plus Frank- 
reich im Boot? 

Zeuge Stephane Beemelmans: Plus Frankreich 
plus Italien plus Spanien plus England, wenn die 
Lust haben, plus jeder, aber unter Ausschluss ei- 
nes Konkurrenzprojektes in Europa. 


1255 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 66. 

1256 Vgl. MAT 17-73 BMVg zu BB 17-48, Ordner 2, StS Beemelmans, 
S. 101. 

1257 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 67. 



Drucksache 17/14650 


- 186- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


Staatssekretär Beemelmans hat in seiner Vernehmung un- 
terstrichen, dass eine alternative Trägerplattform zum ge- 
scheiterten Euro Hawk möglichst aus den Mitteln finan- 
ziert werden muss, die durch die Nichtbeschaffung der 
Euro Hawk-Serie „frei würden“. Dabei handelt es sich 
um rund 675 Millionen Euro. Die erwähnte lABG- Studie 
erwähnt drei mögliche Trägerplattformen, in die ISIS in- 
tegriert werden könnte: einen Airbus A3 19, die MALE- 
Drohne Heron TP sowie das UAV Future European 
MALE. In einer Fußnote wird bemerkt, dass sich die auf 
20 Jahre gerechneten Gesamtkosten von FEMALE von 
1.258 Millionen Euro auf nur noch 658 Millionen Euro 
reduzieren würden, wenn der geringere Leistungsumfang 
(Einsatzradius) des Heron TP angelegt würde. Damit kam 
die lABG-Studie zu dem Schluss, dass FEMALE als 
Alternative geeignet sei. Gleichzeitig würde der finan- 
zielle Aufwand hierfür durch die Nichtbeschaffung der 
Euro Hawk-Serie gedeckt. Es ist mehr als zweifelhaft, 
dass es möglich sein wird, innerhalb des gesetzten Kos- 
tenrahmens entweder ein bemanntes Flugzeug zu be- 


schaffen und zu betreiben oder eine unbemannte Neuent- 
wicklung durchzufuhren. 

Es bleibt abzuwarten, welche Alternative das BMVg 
letztlich zum Schließen der Fähigkeitslücke und damit 
zur Integration von ISIS auswählen wird. Der Deutsche 
Bundestag wird über eine entsprechende Vorlage ent- 
scheiden müssen. Fest steht, dass die Neuordnung des Be- 
schaffungswesens inklusive der diesem zugrundeliegen- 
den Beschaffungsphilosophie unter Thomas de Maiziere 
wegverwaltet wurde. Die skizzierten Probleme wurden 
nicht angegangen und existieren nach wie vor. Hier ist der 
Minister auf ganzer Linie gescheitert. 

Bundesverteidigungsminister Dr. Thomas de Maiziere hat 
vor dem Verteidigungsausschuss personelle Konsequen- 
zen angekündigt. Die Arbeit des Untersuchungsausschus- 
ses hat gezeigt, dass dies dringend notwendig ist - insbe- 
sondere in der Leitung des BMVg. Der Minister sollte 
seiner Verantwortung nachkommen und hier bei sich 
selbst beginnen. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 187- 


Drucksache 17/14650 


B. Sondervotum der Fraktion DIE LINKE. 

I. Einleitende Zusammenfassung 

Für DIE LINKE, ging es im Untersuchungsausschuss 
nicht nur um die Frage, was Thomas de Maiziere wann 
gewusst oder getan hat, sondern auch um Sinn und Un- 
sinn des Euro Hawk. Aus unserer Sicht lassen sich die 
folgenden Ergebnisse des Ausschusses festhalten: 

- Thomas de Maiziere hat nachweislich die Unwahrheit 
gesagt, als er behauptete, erst am 13. Mai 2013 über 
das wahre Ausmaß des Debakels informiert gewesen 
zu sein. Schuld am Euro Hawk Debakel war aber nicht 
de Maiziere allein, sondern auch seine Vorgänger seit 
Scharping. 

- Der Euro Hawk war von Anfang an für den Einsatz in 
internationalen Militäreinsätzen konzipiert gewesen 
und wurde deshalb auch von Beginn an von der LIN- 
KEN abgelehnt. Die 600 Millionen Euro, die jetzt in 
den Sand gesetzt wurden, wären anderswo von vorn- 
herein besser investiert gewesen. 

- Der Euro Hawk ist technisch in der Lage, auch Mobil- 
telefon-Verbindungen und -Inhalte mitzuschneiden. 
Sein Einsatz war „ressortübergreifend“ geplant, d. h. 
jenseits der Auslandseinsätze der Bundeswehr auch 
durch Geheimdienste oder das Innenministerium. 

- Die Verschlüsselungstechnik des Euro Hawk kommt 
direkt von der US-amerikanischen NSA. Es konnte im 
Verlauf des Ausschusses leider nicht geklärt werden, 
inwieweit die NSA darüber alle vom Euro Hawk er- 
fassten Daten mitlesen kann und ob dies bei den be- 
reits erfolgten Testflügen geschehen ist. 

- Im Rahmen des Euro Hawk-Projektes und auch noch 
in seinem Scheitern wurde die sehr enge Verflechtung 
zwischen Verteidigungsministerium und Rüstungsin- 
dustrie deutlich. Noch 2012 galt de Maiziere als anpa- 
ckender Reformer, der ,alle Rüstungsgroßprojekte (...) 
auf den Prüfstand ‘ stellen und , harte Verhandlungen 
mit der Industrie’ führen wollte, getan hat er gegen 
den Rüstungs-Filz allerdings wenig. Bei vielen Ent- 
scheidungen im Euro Hawk-Projekt ging es vor allem 
darum, der Industrie Geld und Aufträge zuzuschustem - 
bis dahin, dass nach dem Scheitern des Euro Hawk 
eine der beteiligten Firmen, EADS, für das Nachfolge- 
projekt wieder gut im Rennen ist. Regelmäßig hat das 
Ministerium die Firmen damit beauftragt, sich selbst 
zu begutachten. 

- Das Ministerium hat sowohl bei Vertragsschluss als 
auch bei der Durchführung des Vertrages grobe Fehler 
gemacht, die alle zulasten der Steuerzahler und zu- 
gunsten der Rüstungsindustrie gingen. Das Haftungs- 
risiko wurde von vornherein einseitig auf den Bund 
verlagert, Vertragspflichten der Auftragnehmer im 
Laufe des Projektes einfach fallen gelassen. 


1258 Ygi Rede de Maizieres vom 21 .3.2012, und Interview mit Vizead- 
miral Manfred Nielson vom 2.9. 201 1 . 


Zusammenfassend muss man sagen: Das Euro Hawk-Pro- 
jekt war von Anfang an falsch, wurde schlecht umgesetzt 
und zuletzt ganz im Sinne der Rüstungsindustrie gegen 
die Wand gefahren. Und schuld daran waren immer die 
anderen. 

II. Die Rolle von Thomas de Maiziere 

Im Laufe des Untersuchungsausschusses konnte nachge- 
wiesen werden, dass Thomas de Maiziere nicht die Wahr- 
heit gesagt hat, als er sich am 5. Juni 2013 als ahnungslos 
und uninformiert darstellte. 

In der Sitzung des Verteidigungsausschusses am 5. Juni 
2013 hatte Verteidigungsminister de Maiziere den Abge- 
ordneten gegenüber behauptet: 

„Ich wurde am 13. Mai 2013 nach der auf Ebene 
der Staatssekretäre Wolf am 8. Mai 2013 und 
Beemelmans am 10. Mai 2013 getroffenen Ent- 
scheidung hierüber in Kenntnis gesetzt. Ich habe 
diese Entscheidung am selben Tag gebilligt. Es 
gab zuvor keine Vorlage an den Minister mit ei- 
ner Beschreibung der Zulassungsprobleme oder 
überhaupt zum Gesamtproblem. Es gab lediglich 
am 20. März 2012 eine Informationsvorlage an 
mich zu rechtlichen Fragestellungen im Zusam- 
menhang mit dem sog. G-10-Gesetz.“i259 

Die Aussage, er habe vor dem 13. Mai keine Vorlage mit 
einer Beschreibung der Probleme bekommen, ist nach- 
weislich falsch. Bereits am 5. Dezember 2012 gab es eine 
Vorlage an de Maiziere in der anlässlich seines Besu- 
ches bei Cassidian in Manching von drastischen Proble- 
men beim Euro Hawk berichtet wird, von hohen finan- 
ziellen Risiken und davon, dass es zu dem Zeitpunkt 
keine Grundlage gab, den Auftrag zur Serienbeschaffung 
des Euro Hawk zu befürworten. Im Gegenteil, dort wird 
ausdrücklich berichtet, dass bereits Alternativen für den 
Euro Hawk gesucht wurden. Allein durch diese Vorlage 
ist de Maiziere mit seiner Aussage, er habe nie eine Vor- 
lage zu den Problemen bekommen, der Lüge überführt. 

Als Zeuge im Untersuchungsausschuss musste 
de Maiziere schrittweise zurückrudern. Er erklärte: 

„Nach dieser Aussage ist in der Öffentlichkeit der 
unzutreffende Eindruck entstanden, ich sei zwi- 
schen der Rüstungsklausur im März 2012 und 
dem 13. Mai 2013 nie über Probleme beim Euro 
Hawk unterrichtet worden. Nachdem dieser nicht 
zutreffende Eindruck entstanden war, habe ich im 
Verteidigungsausschuss bereits in der nächsten 
Sitzung [. . .] und in öffentlichen Einlassungen be- 
reits selbst klargestellt, dass ich durchaus über 
Probleme unterrichtet wurde, diese aber stets als 

lösbar dargestellt wurden.“ 1^6 1 

Es entspann sich dann während der Vernehmung im Un- 
tersuchungsausschuss eine unwürdige Debatte darüber. 


1259 mAT 17-1 A BT-VA zu BB 17-92, S. 3. 

1260 mAT 17-59 BMVg zu BB 17-38. 

1261 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 10. 



Drucksache 17/14650 


- 188- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


was denn im Sprachgebrauch von de Maiziere eine „Vor- 
lage“ sei, und was „lösbar“. Seine Bemühungen, sich 
spitzfindig herauszuwinden, gingen teilweise ins Ab- 
surde. 

Zunächst verstieg sich de Maiziere zu der Aussage, nur 
das Deckblatt der Informationsmappe für den Cassidian- 
Besuch sei eine „Vorlage“ - auf mehrfaches Nachfragen 
gestand er jedoch ein, dass natürlich die gesamte Mappe 
eine „Vorlage“ sei. Im weiteren Verlauf der Vernehmung 
wollte de Maiziere dann noch zwischen „Informations- 
vorlagen“, „Entscheidungsvorlagen“, „Vorlagen für einen 
Betriebsbesuch“ und anderen Vorlagen unterscheiden. 1^62 
All diese Spitzfindigkeiten ändern jedoch nichts an der 
Tatsache, dass de Maiziere tatsächlich bereits im Dezem- 
ber 2012 eine Vorlage auf den Tisch bekommen hat, in 
der die Probleme des Euro Hawk in allen Details sehr 
drastisch geschildert wurden. Seine Aussage vom 5. Juni 
2013, er habe keine Vorlage bekommen, ist damit nach- 
weislich unwahr. 

Im weiteren Verlauf versuchte de Maiziere, sich darauf 
zurück zu ziehen, alle Probleme seien immer als „lösbar“ 
dargestellt worden. Auch diese Argumentation ist nicht 
haltbar, aus zwei Gründen. 

Zum einen wurde bereits in dem Cassidian-Briefmg deut- 
lich gesagt, dass die Serienbeschafflmg des Euro Hawk 
mit hohen finanziellen und technischen Risiken behaftet 
sei und vor allem, dass bereits nach Alternativen für den 
Euro Hawk gesucht werde. Deutlicher lässt sich nicht sa- 
gen, dass ein Projekt vor dem Scheitern steht. 

Zum anderen ergab sich im Untersuchungsausschuss, 
dass de Maiziere selbst schon vor dem 13. Mai 2013 das 
Wissen über die Unlösbarkeit der Probleme hatte. Der 
Donaukurier hatte am 6. Juni 2013 gemeldet: 

„In seiner Erklärung vom Mittwoch hatte sich de 
Maiziere beklagt, er sei zu spät über die Probleme 
mit der Zulassung der Aufklärungsdrohne infor- 
miert worden. Erst am 13. Mai habe er von seinen 
Staatssekretären erfahren, dass das Projekt ge- 
stoppt worden sei, sagte de Maiziere vor dem 
Verteidigungsausschuss. Vorher habe er nur in ei- 
ner allgemeinen Besprechung von Problemen mit 
der Zulassung des Euro Hawk gehört, die aber als 
lösbar dargestellt worden seien. 

Allerdings hatte der Minister schon anlässlich ei- 
nes Redaktionsbesuchs bei unserer Zeitung am 
7. Mai große Zweifel geäußert. Auf die Frage, ob 
die Bundeswehr wie geplant fünf Euro-Hawk- 
Exemplare beschaffen werde, sagte er: „Im Mo- 
ment sieht es nicht so aus.“ Die Prüfung sei noch 
nicht abgeschlossen, sagte er weiter. Das ent- 
scheidende Thema sei die Frage der Zulassung. 

Er sprach auch davon, dass man die Aufklärungs- 
technik des Euro Hawk gegebenenfalls anders 
nutzen, sprich: sie in ein anderes Flugzeug ein- 
bauen könne. 


1262 Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 25 - 28, 44 - 46. 


Im Untersuchungsausschuss war de Maiziere zunächst 
gefragt worden, ob er überrascht gewesen sei von der 
Entscheidungsvorlage, die ihm am 13. Mai 2013 zuge- 
gangen sei, und durch die er nach seinen eigenen Anga- 
ben von der Erheblichkeit der Probleme mit dem Ent- 
wicklungsprojekt Euro Hawk erfahren habe, und auch 
davon, dass auf die Serienbeschaffung verzichtet werden 

solle. 1264 

Daraufhin hatte er bestätigt: Ja, er sei überrascht gewe- 
sen. 1265 

Trotz dieser „Überraschung“ vom 13. Mai 2013 konnte 
de Maiziere nicht sagen, ab wann er gewusst habe, dass 
es voraussichtlich nicht zu einer Serienbeschaffung des 
Euro Hawk kommen werde - und er war völlig außer- 
stande, auch nur annähernd konkrete Angaben dazu zu 
machen, worauf seine beim Donaukurier geäußerten 
„Zweifel an einer Serienbeschaffung“ fußten: i266 

„Jan van Aken (DIE LINKE): Wir waren stehen 
geblieben bei der Frage, seit wann Sie - ungefähr - 
wussten, dass es wohl nicht zu einer Serienbe- 
schaffung des Euro Hawks kommen würde. 

Zeuge Dr. Thomas de Maiziere: Das kann ich, 
ehrlich gesagt, im Nachhinein nicht mehr genau 
sagen, wann jetzt dieser genaue Zeitpunkt ist. 

Jan van Aken (DIE LINKE): Aber Sie haben 
vorhin gesagt. Sie waren überrascht am 13. Mai 
von der Entscheidung. 

Zeuge Dr. Thomas de Maiziere: Ja, von der Ent- 
scheidungsvorlage, von den Dimensionen, von 
den Varianten usw. 

Jan van Aken (DIE LINKE): Warum? 

Zeuge Dr. Thomas de Maiziere: Das war mir in 
dieser Dimension nicht klar. 

Jan van Aken (DIE LINKE): Was heißt ,in die- 
ser Dimension ‘? Es geht ja um die Frage ganz 
entscheidend: Die Serie wird nicht beschafft. Das 
ist ja das, was Sie wahrscheinlich überrascht hat. 
Aber hatten Sie vorher keine Hinweise darauf, 
dass sie vielleicht nicht beschafft wird? 

Zeuge Dr. Thomas de Maiziere: Nein, es gab ja 
in den Unterlagen zu Gesprächen durchaus solche 
Hinweise, aber immer mit dem Punkt: ,Wir versu- 
chen, das zu verhindern; wir finden einen Weg; 
wir müssen gucken, was wir machen^, sodass die 
abschließende Entscheidung, der abschließende 
Entscheidungsvorschlag oder die Entscheidung 
,Nein, wir steigen aus‘, das stand erst - - dann 
rund um diese Entscheidungsvorlage statt, die ja 
einen langen Weg genommen hat von Ende März 
bis 13. Mai. 


1263 http://www.donaukurier.de/lokales/schrobenhausen/Ingolstadt-De 
MaiziProzent25E8re-Was-wusste-er-wann;art603, 2768055. 

1264 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 48. 

1265 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 48. 

1266 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 61. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 189- 


Drucksache 17/14650 


Jan van Aken (DIE LINKE): Das heißt, bis zum 
13. Mai sind Sie davon ausgegangen: ,Das wird 
schon‘? 

Zeuge Dr. Thomas de Maiziere: Nein, das wird 
schon nicht, sondern bis zum 13. Mai konnte ich 
davon ausgehen, dass an dem Problem konstruk- 
tiv gearbeitet wird. 

Jan van Aken (DIE LINKE): Und wie lässt sich 
dann Ihre Aussage im Donaukurier erklären, dass 
Sie da eigentlich nicht mehr von ausgegangen 
sind, schon am 7. Mai? 

Zeuge Dr. Thomas de Maiziere: Die Dinge ha- 
ben sich ja ein bisschen weiterentwickelt. Herr 
Bartels hat auf eine Kleine Anfrage hingewiesen, 
die Herr Kossendey an ihn gemacht hat. Und des- 
wegen hatte ich offenbar im Hinterkopf, dass sich 
die Dinge allmählich zuspitzen. Aber eine kon- 
krete Vorlage, also konkrete Kenntnis von der 
Vorlage, die ja vom - - die erste vom März 
stammt und der zweite Anlauf dann vom April, 
hatte ich bei dieser Donaukurier- Vorlage nicht; 
sonst hätte ich sie im Zweifel auch anders ausge- 
drückt. 

Jan van Aken (DIE LINKE): Ich rede ja nicht 
über Vorlagen. Ich rede über Ihr Wissen. Also 
noch mal: Der Donaukurier zitiert Sie, dass Sie 
geantwortet hätten auf die Frage: , Werden jetzt 
diese Euro Hawks angeschafft? ‘ Ihre Antwort 
-Zitat -: ,Im Moment sieht es nicht so aus.‘ Ist 
das richtig zitiert? 

Zeuge Dr. Thomas de Maiziere: Das mag sein, 
dass das richtig zitiert ist. Ich habe jedenfalls kei- 
nen Zweifel, dass das so richtig zitiert sein kann. 

Jan van Aken (DIE LINKE): ,Im Moment sieht 
es nicht so aus.‘ Also, da hatten Sie ja schon eine 
relativ klare Vorstellung, dass es also mit größerer 
Wahrscheinlichkeit nicht passiert. Wieso? Wo- 
her? Aus welcher Gemengelage an Informationen 
nehmen Sie so eine Aussage? 

Zeuge Dr. Thomas de Maiziere: Aus einer Ge- 
mengelage von Informationen, die ich vorgetra- 
gen habe. Konkret wo ich das hergenommen 
habe, das weiß ich nicht.“ 

Zusammenfassend hat de Maiziere bereits im Jahre 2012 
eine Vorlage über die Probleme beim Euro Hawk bekom- 
men, die dort nicht als lösbar dargestellt wurden, sondern 
im Gegenteil wurde als Ausweg dort bereits die Suche 
nach Alternativen vorgestellt. Spätestens das Interview 
mit dem Donaukurier offenbarte dann, dass Verteidi- 
gungsminister de Maiziere sehr wohl seinerzeit schon 
wusste, dass es mit dem Euro Hawk nicht weitergehen 
würde. Seine spätere Aussage, er habe nie eine Vorlage 
bekommen und nie etwas über unlösbare Probleme ge- 
wusst, ist damit widerlegt. 


III. Militarisierung der deutschen Außenpolitik 

1 . Euro Hawk für Auslandseinsätze der 
Bundeswehr 

Die technischen Leistungsmerkmale des Euro Hawk-Trä- 
gersystems machen ihn zum effektiven Spionage- und 
Aufklärungssytem für Auslandseinsätze der Bundeswehr 
fernab des Bundes- und Bündnisgebietes. Die Beschaf- 
fung des Euro Hawk war von vornherein so angelegt, 
dass damit zwei Auslandseinsätze der Bundeswehr 
gleichzeitig abgedeckt werden können. 

Mit einer Reichweite von über 20.000 Kilometer und ei- 
ner Stehzeit von etwa 40 Stunden kann dieses System den 
gesamten afrikanischen und asiatischen Kontinent bis an 
den Pazifik sowie große Teile Lateinamerikas erreichen 
und ohne Betankung wieder nach Deutschland zurück- 
fliegen. Mit einer Flughöhe von über 20.000 Meterni267 
ist der Euro Hawk für die Luftabwehr vieler Staaten nicht 
erreichbar. Die Empfangsreichweiten für das integrierte 
ISIS-Empfangssystem umfassen einen Umkreis von 
400 bis 500 Kilometer. Der ehemalige Generalinspekteur 
Schneiderhan formulierte im Untersuchungsausschuss die 
Leistungsanforderung an den Euro Hawk wie folgt: 

„Das System soll die signalerfassende Überwa- 
chung und Aufklärung für einen Einsatzraum per- 
manent sicherstellen - das heißt sieben Tage, 

24 Stunden -, für zwei Einsatzräume gleichzeitig 
regelmäßig, aber nicht lückenlos, und das dann 
für mehrere Monate. 

Den technischen Leistungsmerkmalen entsprechend solle 
die Beschaffung der Aufklärungs dröhne Euro Hawk, so 
der Bundesverteidigungsminister sowie der amtierende 
Generalinspekteur Wieker, dazu dienen, die seit Mitte 
2010 bestehende „Fähigkeitslücke“ zu schließen. 

Insgesamt erfreut sich der Begriff der „Fähigkeitslücke“ 
im Kontext des EURO HAWK-Skandals großer Beliebt- 
heit, stellt er doch die legitimatorische Grundlage zur Be- 
schaffung des Systems dar. Wie sehr die Bestimmung ei- 
ner „Fähigkeitslücke“ eher subjektiven Kriterien folgte, 
wird in einem Schriftwechsel innerhalb des BMVg im 
September 2001 deutlich. Darin kommt eine Uneinigkeit 
über die Frage einer „Fähigkeitslücke“ bei der „weiträu- 
migen bodengebundenen Überwachung und Aufklärung“ 

zum Ausdruck. 1269 

Worin besteht diese angebliche „Fähigkeitslücke“ kon- 
kret? Bis Mitte 2010 stand noch eine Breguet Atlantic 
(BR 1150) mit SIGINT-Fähigkeiten im Dienst der Bun- 
deswehr. Es handelte sich dabei um einen bemannten 
Langstrecken- Seeaufklärer. Da seit langem bekannt war, 
dass die Breguet Atlantic aufgrund ihrer Überalterung im 
Jahre 2010 außer Dienst gestellt werden musste, be- 
schaffte das BMVg 2006 acht bemannte P-3C Orion See- 
aufklärungsflugzeuge. Damit kann die „Fähigkeitslücke“ 
temporär wieder als geschlossen betrachtet werden, so- 


1267 Schneiderhan, Protokoll-Nr. 3, S. 31. 

1268 Schneiderhan, Protokoll-Nr. 3, S. 5. 

1269 MAT 17-83 BMVg zu BB 17-42, AIN II, Ordner 3, S. 252 - 254. 



Drucksache 17/14650 


- 190- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


weit es um die Fernaufklärung auf See geht - insbeson- 
dere im NATO-Bündnisgebiet. Nach den Vorstellungen 
des Bundesministeriums der Verteidigung sollte diese 
„Fähigkeitslücke“ langfristig durch das Euro Hawk- 
System geschlossen werden. 

Zu Zeiten des Ost- West-Konflikts diente die Breguet 
Atlantic der Bundesmarine zur Seefernaufklärung des 
Atlantiks zum Schutz des NATO-Gebietes. Dieser Auf- 
trag stand weitgehend im Einklang mit dem Verteidi- 
gungsauftrag des Grundgesetzes (Art. 87a i. V. m. 
Art. 115a) sowie des NATO-Statuts (Art. 4 und 6). 

Der Verteidigungsbegriff selbst ist in seiner Logik territo- 
rial gebunden. Diese Territorialbindung der Verteidigung 
findet sich sowohl im Grundgesetz (Art. 115a) als auch in 
Art. 6 des NATO-Statuts wieder. 

Ob die seinerzeit geplante Beschaffung der Euro Hawk- 
Systeme vernünftig war, darf angesichts der äußerst posi- 
tiven militärischen und sicherheitspolitischen Lageana- 
lyse seitens des BMVg und des Ministers de Maiziere 
selbst, wonach 

„eine unmittelbare territoriale Bedrohung 

Deutschlands mit konventionellen militärischen 

Mitteln unverändert unwahrscheinlich“ 

sei, 1271 ernsthaft bezweifelt werden. Eine militärische Fä- 
higkeit, die angesichts der positiven Lageanalyse und le- 
diglich abstrakter Bedrohungs Szenarien über keinen ver- 
teidigungspolitischen Hintergrund verfügt, ist eine 
überflüssige Fähigkeit. Ihr Wegfall stellt keine Fähig- 
keitslücke, sondern eine Anpassung an die verteidigungs- 
politischen Realitäten dar. Die Ausphasung der Breguet 
Atlantic im Jahre 2010 war somit sicherheits- und vertei- 
digungspolitisch längst überfällig. 

Eine „Fähigkeitslücke“ besteht nur für den Fall, dass das 
Aufgaben- und Einsatzspektrum der Bundeswehr über 
den territorial gebundenen Verteidigungsauftrag hinaus 
gehen soll. Also für eine Bundeswehr mit überregionalem 
oder globalem Interventionsanspruch. 

Genau dies bestätigt de Maiziere, wenn er in den „Vertei- 
digungspolitischen Richtlinien“ 2011 erklärt, Sicherheit 
sei nicht ausschließlich geographisch definiert. Auch im 
Untersuchungsausschuss unterstrich de Maiziere ^272 die 
Notwendigkeit der Beschaffung des Euro Hawk zur 
„Schließung der Fähigkeitslücke“, um den Soldaten im 
Auslandseinsatz einen besseren Schutz zu gewähren und 
um die „Bündnisfähigkeit zu erhalten“. Ein weiteres Ar- 
gument für die angebliche Notwendigkeit dieser Aufklä- 
rungstechnologie erläutert der ehemalige Generalinspek- 
teur Wolfgang Schneiderhan: 


1270 Militärische Einsatzoptionen jenseits der Verteidigung des Bundes- 
und Bündnisgebiets sind nur im Einklang mit der UNO-Charta zu- 
lässig. Hierzu gehören UN-mandatierte oder UN-geführte Missio- 
nen im gesamten militärischen Fähigkeitsspektrum. 

1271 Ygp Verteidigungspolitische Richtlinien 2011 (VPR). 

1272 de Maiziere, Protokoh-Nr. 8, S. 3. 


„(...) weil die [Euro Hawk-Technologie] uns auf 
die Augenhöhe mit Partnern bringt, in der NATO 
und in der EU.“i273 

Dieses Argument verrät ein in rein militärischer Logik 
verhaftetes Denken: Die „Augenhöhe“ wird allzu offen- 
sichtlich nur nach militärischer Leistungsfähigkeit, nicht 
aber nach politischen Parametern gemessen. 

Auch das Argument der Gewährleistung eines besseren 
Schutzes der Soldaten im Auslandseinsatz durch entspre- 
chende Aufklärungsfähigkeiten hat wenig mit der heuti- 
gen Realität zu tun. Tatsächlich schreibt das BMVg ganz 
offen, dass bei den heutigen Auslandseinsätzen der Euro 
Hawk nicht wirklich gebraucht würde, weil die Gegner 
technologisch der Bundeswehr gar nicht gewachsen 
seien: 

„III. Bewertung (...) 

16. Die Fähigkeitslücke SIGINT hat sich in den 
letzten Jahren nicht ausgewirkt, weil in keinem 
Einsatz eine Bedrohung durch technologisch an- 
spruchsvolle Systeme bestand. Bei Eintritt eines 
solchen Falls würde die Fähigkeitslücke prägnant 
und wirkte sich gleichermaßen nachteilig auf die 
eigene Durchsetzungsfähigkeit und den Schutz 
eigener Kräfte aus. Der Einsatz eigener Kräfte 
wäre somit einem erhöhten Risiko ausge- 

setzt.“1274 

Deutlicher kann man nicht sagen, dass die Anschaffung 
des Euro Hawk auf der Erwartung basiert, künftig auch 
Auslandseinsätze gegen militärisch gleichwertige Gegner 
zu führen. 

Auch, und das ist das Entscheidende, muss der Einsatz 
der Bundeswehr im Ausland im Kontext der Behauptung 
spezifischer außenwirtschaftlicher und geostrategischer 
Interessen der Bundesrepublik Deutschland gesehen wer- 
den: Die Begriffe deutsche „Interessengebiete“, „Einsatz- 
gebiete“ und „ökonomische Interessen“ gehören mittler- 
weile wie selbstverständlich in den außen- und 
sicherheitspolitischen Diskurs von Bundesregierung und 

Bundeswehr. 1275 

Sie reflektieren einen unverhohlenen globalen Gestal- 
tungsanspruch - auch unter Anwendung militärischer 
Mittel. Militärische Macht ‘ bleibt ein Strukturprinzip 
internationaler Beziehungen^^ so die Argumentation aus 
den Reihen der CDU/CSU-Fraktion.i276 

Für künftige Auslandseinsätze zur globalen Interessen- 
durchsetzung spielt die luftgestützte Aufklärung in der 
gesamten Bandbreite (IMINT, SIGINT, COMINT) eine 


1273 Schneiderhan, Protokoll-Nr. 3, S. 10. 

1274 MAT 17-70 A BMVg zu BB 17-45, Abt. Plg. II 3, Ordner 1, S. 6. 

1275 Siehe zum Beispiel: Thomas de Maiziere, Verteidigungspolitische 
Richtlinien 2011, S. 3. ff. 

1276 Dj. Andreas Schockenhoff, stellvertretender Vorsitzender der CDU/ 
CSU-Bundestagsfraktion, Roderich Kiesewetter, Obmann für Ab- 
rüstung, Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung der CDU/CSU- 
Fraktion und Präsident des Reservistenverbandes, „Impulse für Eu- 
ropas Sicherheitspolitik - Die Zeit zum Handeln ist gekommen“, 
in: Internationale Politik, 9/10 2012, S. 88-97 - hier, S. 90. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 191 - 


Drucksache 17/14650 


zentrale Rolle. Aufklämngsüberlegenheit bedeutet Füh- 
rungsüberlegenheit und somit die Voraussetzung, eine 
militärische Operation auch erfolgreich zu bestehen. Wie 
wichtig die luftgestützte Aufklärung für künftige Inter- 
ventionsoperationen ist, wird in dem .Bericht zum Stand 
der Neuausrichtung der Bundeswehr'" des BMVg vom 
8. Mai 2013 (wenige Tage bevor de Maiziere die Nicht- 
beschaffung des Euro Hawk einräumte) deutlich: 

Unter der Überschrift ..Strukturrelevante Hauptwaffen- 
systeme der Streitkräfte" werden Euro Hawk, Global 
Hawk und SAATEG MALE genannt. Mit der Kategori- 
sierung „strukturrelevante Hauptwaffensysteme" werden 
sie zu unverzichtbaren Fähigkeiten deutscher Außen- und 
Sicherheitspolitik erklärt. 

DIE LINKE, hingegen vermag angesichts des reinen Ver- 
teidigungsauftrages der Bundeswehr keine aufklärungsre- 
levante „Fähigkeitslücke“ zu erkennen. Überregionale 
oder globale militärische Machtprojektionen mit welcher 
realen oder vorgeschobenen Begründung auch immer 
lehnt DIE LINKE, ab. 

2. Global Hawk für NATO-AGS 

Auf dem Chicagoer NATO-Gipfel im Mai 2012 beschlos- 
sen bzw. Unterzeichneten 14 NATO-Staaten die Beschaf- 
fung von fünf Global-Hawk Block 40 UAV-Drohnen für 
ihr Aufklärungssystem AGS (Alliance Ground Surveil- 
lance) und die dazu gehörigen mobilen Bodenstationen. 
Trotz des eigenen Euro Hawk-Debakel hält die Bundesre- 
gierung weiter strikt am AGS-Projekt fest, obwohl die 
beiden Drohnentypen sich vor allem in ihrer Missions- 
ausstattung unterscheiden, und kaum in der Drohne 
selbst. Dementsprechend ist hier mit sehr ähnlichen 
Zulassungsproblemen zu rechnen wie beim Euro Hawk. 

Das „Eurocontrol Air Traffic Management“ kam bereits 
im Jahre 2010 - also noch zwei Jahre vor dem NATO- 
Gipfel - zu folgendem Ergebnis: 

„Although GH (but not EH) is equipped with a 
Traffic Collision Avoidance System (TCAS), 
ICA013 considers that further safety studies and 
analyses are required before the Operation of 
ACAS is permitted on any UAS. 

Therefore, with no pilot on board and Operation 
of its TCAS not allowed, GH lacks a collision 
avoidance capability. (...). 

Guideline ATMGH18. Collision avoidance for 
GH shall normally be addressed by operating it 
either within segregated airspace at or below FL 
5 1 0 or in airspace where it is isolated from other 
aircraft by virtue of its extreme altitude.“!^'^^ 

Hiermit wird deutlich, dass nach dem Debakel um die 
deutschen Euro Hawk sich ähnliche Probleme für die 


1277 Knöpf el. Protokoll-Nr. 4, S. 48. 

1278 Eurocontrol Air Traffic Management, “Guidelines for Global 
Hawk in European Airspace”, 2010, S. 24. 


Global Hawk der NATO ankündigen. Ungeachtet dessen 
hält man an der Beschaffung fest. 

Details zur Beteiligung an der Global Hawk-Beschaffung 
lieferte der am 5. Juni 2013 verteilte Bericht der im Bun- 
desministerium der Verteidigung eilig eingesetzten Ad- 
hoc Arbeitsgruppe Bestätigt wurde darin nicht nur, 
dass Deutschland rund ein Drittel der Kosten für die fünf 
Global Hawk des NATO-Programms tragen will, sondern 
auch, dass die Bundesregierung noch vier weitere Droh- 
nen beisteuern will: 

„Deutschland hat sich bereit erklärt, über die Be- 
teiligung an NATO AGS (Core) hinaus weitere 
vier Luftfahrzeuge zu NATO AGS beizustellen, 
ohne sich jedoch abschließend auf ein bestimmtes 
Flugzeugmuster festzulegen. Dafür wurde zu- 
nächst eine planerische Vorsorge getroffen. Auf- 
grund der mittelfristigen fmanzplanerischen Rah- 
menbedingungen ist derzeit eine Realisierung ab 
2023 geplant. Art, Umfang und Kosten dieses se- 
paraten Projektes sind noch nicht festgelegt.“ 

a) Kosten 

Ungeachtet der auch seinerzeit schon auf der Hand lie- 
genden Probleme wurde beim NATO-Gipfel 2012 in Chi- 
cago der endgültige Vertrag mit dem Hersteller Northrop 
Grumman unterzeichnet. Die zwei führenden Regierun- 
gen bei der Einrichtung des AGS Core und mithin die 
größten Beitragszahler des Vorhabens sind die USA 
(41,7 Prozent) und Deutschland (33,26 Prozent, das ent- 
spricht knapp 483 Millionen Euro). Italien beteiligt sich 
an 14,72 Prozent der Kosten, die verbliebenen rund 
12 Prozent teilen sich unter den übrigen zehn Partnern 
auf 

Die deutsche Beteiligung am NATO AGS wird weitere 
Folgekosten beinhalten. Denn wegen der Reichweite des 
Global Hawk von über 20.000 Kilometern erfordert der 
Datenaustausch mit der Auswerte- und Steuereinheit in 
Deutschland breitbandige Satellitenkommunikationsver- 
bindungen, die überdies gegen Ausfall gesichert bzw. 
doppelt errichtet werden müssen. Daher muss auf die An- 
mietung kommerzieller Satellitenkapazitäten oder zivil 
genutzter Satelliten der Bundesregierung zurückgegrif- 
fen werden. Die Bundesregierung gibt die auf 20 Jahre 
geschätzten Kosten hierfür mit rund 250 Millionen Euro 
an. Die Gesamtkosten des Projekts beziffert die Bundes- 
regierung mit 1,452 Millionen Euro. Weitere Kosten ent- 
stehen für Infrastruktur im sizilianischen Sigonella 
(105,4 Millionen Euro). Finanziell sollen sich alle 
28 NATO-Staaten fortlaufend am Betrieb des AGS betei- 
ligen. 

b) Funktionalität 

Die Alliance Ground Surveillance besteht aus einem 
Luft- und einem Bodensegment (das sogenannte AGS 
Core). In der Luft kreisen die Spionagedrohnen mit hoch- 


1279 mAT 17-8 BMVg zu BB 17-3, S. 63 / 64 f. 



Drucksache 17/14650 


- 192- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


auflösendem Radar zur Bodenbeobachtung. Bislang ver- 
fügt der Global Hawk weder für Italien noch für andere 
europäische Länder über eine luftfahrtrechtliche Zulas- 
sung. Nach Auskunft der Bundesregierung steht der Zu- 
lassungsprozess in Italien erst am Anfang und das Land 
hat bislang keine konkrete Aussage zur Erfolgswahr- 
scheinlichkeit des Zulassungsverfahrens getroffen, 

Northrop Grumman verpflichtet sich, die Global Hawk 
mit einem sogenannten Multi-Platform Radar Technology 
Insertion Program Radar (MP-RTIP) auszustatten. Dabei 
handelt es sich um eine teure Technologie zur Verfolgung 
von sich langsam bewegenden Objekten am Boden oder 
auch in niedrigen Höhen. Auf diese Weise könnten die 
Drohnen beispielsweise Raketen aufspüren. 

Bereits 2006 wurde auf eine deutsch-US -amerikanische 
Initiative hin die Gründung einer „Global / Euro Hawk 
User Group“ (GEHUG) vereinbart Ziele waren ein 
„Austausch von Erfahrungen, Informationen, technischen 
Daten, UnfalL/Zwischenfallberichten aus operationeller, 
technischer und logistischer Sicht“ sowie die „Bearbei- 
tung von erkannten Problemen und Weiterentwicklung 
durch Unterarbeitsgruppen“. Hierzu gehören die Bereiche 
„Flugrouten und Luftraumnutzung“, also auch Ausweich- 
verfahren und Zulassungsfragen. 

Das deutsche Euro Hawk-Debakel hatte allerdings erheb- 
liche Auswirkungen auf die informelle Zusammenarbeit 
zu den US-Riesendrohnen: Die GEHUG wurde nach dem 
Stop der Pläne für die Serienbeschaffüng des Euro Hawk 
im Mai 2013 aufgelöst. 

Wie der Euro Hawk verfügen auch die NATO-Drohnen 
über keine automatisierten Verfahren zur Vermeidung von 
Zusammenstößen in der Luft (sense & avoid- Systeme). 
Wie beim Euro Hawk sind hier also hohe Mehrkosten und 
Unwägbarkeiten bei der Zulassung für eine Teilnahme am 
allgemeinen Luftverkehr zu erwarten. Völlig unklar ist 
zudem, inwieweit eine Zulassung ohne erforderliche Do- 
kumentation auf europäischer Ebene ermöglicht werden 
soll. 

IV. „Ressortübergreifender“ Einsatz des 
Euro Hawk 

Sowohl die Auswertung der Dokumente als auch die Be- 
fragung der Zeugen hat gezeigt, dass die Bundesregie- 
rung für den Euro Hawk eindeutig sogenannte „ressort- 
übergreifende“ Einsätze vorsieht. Für die Fraktion der 
LINKEN haben sich hieraus weitergehende Fragen zu 
den Fähigkeiten der Spionagetechnologie und möglichen 
Einsatzszenarien ergeben, die für den Euro Hawk geplant 
waren und nun möglicherweise von einem alternativen 
System übernommen werden sollen. Besondere Brisanz 
erhalten die Erkenntnisse des Untersuchungsausschusses 


1280 Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion 
DIE LINKE. (Bundestags-Drucksache I7/I40I8) vom 12. 6.2013 
(noch ohne Drucksachen-Nr.). 

1281 Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion 
DIE LINKE. (Bundestags-Drucksache 17/140 18) vom 12. 6.20 13 
(noch ohne Drucksachen-Nr.). 


durch die aufgetauchten Beweise für die Verwendung von 
Verschlüsselungstechnologien der amerikanischen Natio- 
nal Security Agency (NSA). Die Abhängigkeiten von die- 
ser Technik waren einerseits selbst ursächlich für massive 
Verzögerungen im Projektverlauf. Sie werfen andererseits 
die Frage auf, ob die Bundesregierung von Beginn an 
eine Weitergabe der durch das Signalerfassungssystem 
gewonnenen Daten an die USA, bzw. die NSA plante 
oder billigend in Kauf nahm. 

1. Funktionen und Fähigkeiten des 
ISIS-Sensors 

Die Funktionen des ISIS-Sensors sind darauf ausgelegt, 
eine große Zahl von Funksendern anzupeilen, zu klassifi- 
zieren und wiederzuerkennen. Es können die Inhalte so- 
wohl von Funkaussendungen als auch von Mobiltelefo- 
nen empfangen und aufgefangen werden. 

Das ISIS-System im Euro Hawk kann bei 15 Kilometer 
Flughöhe in einem Umkreis von bis zu ca. 400 Kilometern 
alle Funksignale auffangen, anpeilen und aufzeichnen, die 
stark genug sind, um von den Empfängern aufgenommen 
zu werden. Dazu gehören auch Mobilfunksignale, insbe- 
sondere die der Sendemasten, welche mittels Richtanten- 
nen von ISIS selektiv empfangen werden können. In ei- 
nem Sprechzettel zum Euro Hawk SIGINT Roll-Out von 
Oktober 2011 wird dargelegt, dass der Euro Hawk Handy- 
telefonate und E-Mail-Kommunikation auffangen 

kann. 1282 

2. Euro Hawk und ISIS im ressort- 
übergreifenden Einsatz 

Das Einsatzkonzept der Bundeswehr für den Euro Hawk 
verfügt über einen eigenen Unterabschnitt „Sonderein- 
sätze“, der unter anderem die „ressortübergreifende 
Nachrichtengewinnung und Aufklärung“ vorsieht. 1283 
Unter ressortübergreifenden Einsätzen kann die Nutzung 
der Drohne durch Bundesnachrichtendienst (BND), Poli- 
zei oder auch die europäische Agentur zur Flüchtlingsab- 
wehr, FRONTEX, gemeint sein. Der ehemalige General- 
inspekteur der Bundeswehr, Schneiderhahn, gab in seiner 
Vernehmung im Untersuchungsausschuss an, dass der ur- 
sprünglichen Konzeption des Anforderungsprofils für den 
Euro Hawk (Systemfähigkeitsforderung, SFF) eine „er- 
gänzende Aufgabe“ hinzugefügt worden sei: „Ressort- 
übergreifende Nachrichtengewinnung und Aufklä- 
rung“. i284 

Der Zeuge Staatssekretär Stephane Beemelmans, selbst 
zwischen 2009 und 2011 Staatssekretär im Bundesinnen- 
ministerium, vermutete, dass ein Bedarf für „ressortüber- 
greifenden Einsatz“ des Euro Hawk auch beim Bundes- 
innenministerium bestehen könne. 1285 Der heutige 
Verteidigungsminister de Maiziere gab als Zeuge an, in 


1282 MAT 17-53 BMVg zu BB 17-56, Ordner 5, S. 195 / 440 ff., 445. 

1283 mAT 17-64 BMVg zu BB 17-75, BAAINBw H 1.4 Zentrale 
Dienste, Ordner I, S. 19. 

1284 Schneiderhan, Protokoll-Nr. 3, S. 4. 

1285 Beemelmans, Protokoll-Nr. 7, S. 53. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 193 - 


Drucksache 17/14650 


seiner Zeit als Bundesinnenminister keine Kenntnis vom 
Projekt Euro Hawk erhalten zu habend^^^ „Selbstver- 
ständlich“ stünden jedoch „Geräte der Bundeswehr im 
Wege der Amtshilfe auch anderen zur Verfügung^d^^^ 

Die deutlichen Hinweise auf einen möglichen Einsatz des 
Euro Hawk im Inneren werfen Fragen zu Gefahren für 
Bürgerinnen- und Freiheitsrechte auf. Die fortschreitende 
Dehnung des Spektrums der „Amtshilfe“ durch Streit- 
kräfteinsätze (Art. 35 GG) hat zu einer massiven Auswei- 
tung und rasanten Zunahme von Einsätzen der Bundes- 
wehr bei Großveranstaltungen und Staatsbesuchen im 
Inland geführt, p)ie Bundesregierung zögert nicht, in 
bestimmten Situationen - wie etwa bei den Protesten ge- 
gen Castor-Transporte oder gegen das Treffen der Staats- 
und Regierungschefs der G8 in Heiligendamm 2007 - die 
Bundeswehr und dezidiert deren Aufklärungsfähigkeiten 
(Tornado-Luftbildeinsätze) auch verfassungswidrig ge- 
gen die eigene Zivilgesellschaft einzusetzen. 

Auch wenn der Euro Hawk nicht primär für solche An- 
wendungen geplant und ausgelegt war, kann er technisch 
problemlos zur Überwachung im Inneren eingesetzt wer- 
den. 

Bei großen Protestveranstaltungen werden eine Vielzahl 
von Funksystemen eingesetzt. Da Mobiltelefone in gro- 
ßen Menschenansammlungen aufgrund der Überlastung 
der Netz-Ressourcen oft nur schlecht funktionieren, wer- 
den bei Protestcamps u. ä. üblicherweise in größerem 
Umfang lizenzfreie Handflmkgeräte (sog. ISM-Band), 
Wi-Fi-Knoten oder Schnurlostelefone eingesetzt. Übli- 
cherweise werden diese Funksysteme von Gruppen oder 
Menschen mit hohem Organisationsgrad verwendet, die 
sich nicht auf das Funktionieren der überlasteten oder ört- 
lich nicht verfügbaren Mobilfunknetze verlassen wollen. 
Der Inhalt dieser Funkverbindungen ist demzufolge aus 
Sicht eines Abhörers oft „hochwertig“, weil er Zugang zu 
strategischen Informationen verspricht. 

Für die Lokalisierung, Identifizierung und Aufzeichnung/ 
Übertragung aller dieser Funksysteme ist ISIS hervorra- 
gend geeignet. Bei Wi-Fi- Verbindungen könnte die Kom- 
bination von großer Bandbreite und relativ geringer Sen- 
deleistung ein Abhören schwieriger machen bzw. nur 
relativ nahe am Sender möglich sein. Mit Hilfe einer eng 
kreisenden ISIS-Drohne analog zu den Tornado-Luftbild- 
einsätzen beim G8-Protest in Heiligendamm ließe sich 
auch eine räumlich weitverteilte Protestbewegung prak- 
tisch flächendeckend aufklären. 

Sollte ein ISIS-Sensor an einem Fesselballon in einigen 
hundert Metern Höhe stationiert werden, wäre ein solcher 
ortsfester Einsatz sogar noch verheerender. Durch den ge- 
ringeren Abstand zu den zu empfangenden Geräten könn- 
ten auch die mit geringer Sendeleistung arbeitenden Mo- 
biltelefone problemlos erfasst und aufgezeichnet werden. 


1286 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 91. 

1287 de Maiziere, Protokoll-Nr. 8, S. 92. 

1288 Vgl. Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE., Bundestags- 
Drucksache 16/6159. 


So wie bereits 2007 beim G8-Gipfel in Deutschland die 
Bundeswehr mit Spionage-Gerät im Inneren ausgeholfen 
hat, so wurden bereits mehrfach auch in anderen europäi- 
schen Staaten militärische Drohnen zur Überwachung im 
Inneren eingesetzt. Beipiele wären die Schweiz 2008 
während der Europameisterschaft oder 2008 in Italien 
beim G8-Gipfel.i289 Ein Vertreter des Rüstungskonzems 
EADS Cassidian regt an, auch die für die Bundeswehr 
geplanten Euro Hawk für Zwecke einer „Homeland 
Security” zu nutzen. Hierzu zählt er unter anderem die 
Absichemng polizeilicher Großereignisse und Grenz- 
überwachung. 

EADS verfügt in diesem Bereich über Erfahmng: Laut 
der Firmenwebseite wurden die in Zusammenarbeit mit 
dem französischen Konzern Thaies umgebauten Harfang- 
Drohnen des israelischen Herstellers lAI beim G8-Gipfel 
2009 im französischen Deauville eingesetzt. 

Ein anderes mögliches „ressortübergreifendes“ Einsatz- 
gebiet ist die Grenzsichemng z. B. im Rahmen von 
FRONTEX. In Workshops von FRONTEX wurden seit 
2009 bereits eine Vielzahl von Drohnen - damnter auch 
der Euro Hawk - vorgestellt. 

3. Verschlüsselungstechnologie von der 
NSA 

Besondere Brisanz erhalten die oben geschilderten Fähig- 
keiten des SIGINT- Systems ISIS durch die verwendeten 
Kommunikationskomponenten des Euro Hawk. Im Un- 
tersuchungsausschuss stellte sich heraus, dass wesentli- 
che Bestandteile der Verschlüsselungstechnologie von der 
amerikanischen National Security Agency (NSA) be- 
schafft wurden. Die offenen Fragen der LINKEN zum po- 
tenziellen Zugang zu den von ISIS - auch schon im Pro- 
bebetrieb - ermittelten Daten durch NSA oder andere 
Dienste sind von den Zeugen nicht beantwortet worden. 

ISIS und die Trägerplattform Euro Hawk nutzen einen 
gemeinsamen Datenlink, dessen Verschlüsselung durch 
die zugekaufte Technik samt Schlüsseln funktioniert. 
Steuerung und Sensordaten des Systems nutzen den glei- 
chen physischen Datenlink. 

Die Abhängigkeit des Euro Hawk von NSA-Technik 
führte zu maßgeblichen Verzögerungen bei der Fertigstel- 
lung der Drohne. Wie über eine Vielzahl anderer Sachver- 
halte wurde auch diese Information in der Informations- 
mappe für Verteidigungsminister de Maiziere für seinen 
Besuch in Manching am 10. Dezember 2012 eindeutig 
kommuniziert: 

„Insgesamt sind bisher Verzögerungen gegenüber 

dem ursprünglichen Abschlussdatum des Ent- 


1289 Youtxibe, http://www.youtxibe.com/watch?v=KD206cM6-Fw 

1290 “RPAS for homeland security applications”, Vortrag von Jean 
CARON/Cassidian, http://www.icao.int/Meetings/UAS/Documents/ 
26_Caron- Jean_Cassidian_France_Presentation_ver_ 1804 12 .pdf 

1291 http://www.eads.coni/eads/germany/de/presse/press.201 10527_cas 
sidian_harfang.html 

1292 Schriftliche Frage des Abgeordneten Andrej Hunko Nr. 5/296 vom 
28. Mai 2013. 



Drucksache 17/14650 


- 194- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


Wicklungsvertrags von 35 Monaten eingetreten. 
Gründe dafür waren: [...] verspätete Bereitstel- 
lung von Geräten und Komponenten durch die 
US Air Force und die National Security Agency 

(NSA)‘‘.1293 

Der Leiter der Rüstungsabteilung im Bundesministerium 
der Verteidigung, Ministerialdirektor Detlef Selhausen, 
gab an, er könne keine Angaben zu den benannten Verzö- 
gerungen machen, er habe „keine diesbezüglichen Er- 
kenntnisse” Auch über die Geräte und Komponenten, 
die von Seiten der NSA für den Euro Hawk beschafft 
wurden, hatte der Zeuge „keine eigenen Erkennt- 
nisse” Die Wissenslücken dieses und anderer Zeugen 
zu genau diesem Aspekt des Untersuchungsauftrags ist 
auffällig. Insbesondere da bereits in der Frühphase des 
Projekts (Februar 2001) der damalige Generalinspekteur 
Kujat in einem Schreiben an den Staatssekretär im BMVg 
Stützle ganz besonders auf die Risiken hingewiesen hatte, 
die im Bereich der Kommunikation für das Gesamtpro- 
jekt bestehen: 

„Neben der Trägerplattform sind hierbei weitere, 
teilweise erheblich risikobehaftete Systemele- 
mente zu berücksichtigen, z. B. die Übertragung 
der durch Sensoren mit hoher Auflösung erzeug- 
ten großen Datenmengen, die dabei erforderliche 
Sicherheit gegen Informationsoperationen [...]. 
Insbesondere bezüglich Datenübertragung ist 
eine europäische Lösung heute nicht verfügbar 
und in ihrer Realisierung für den Gesamt- 
Zeitplan einer UAV-Lösung zeitkritisch. Von Be- 
deutung ist hier die US-Position zur Technolo- 
giefreigabe im Rahmen einer möglichen Koope- 
ration. ‘‘1296 

Der Zeuge Schneiderhan verwies in seiner Befragung auf 
die Sensibilität des Bereichs Nachrichtengewinnung und 
Aufklärung, die eine „europäische Lösung“ von Beginn 
an erschwert habe, 

„weil die nationalen Interessen dann doch sehr 
dominant sind und der nationale Zugriff zu Auf- 
klärungssystemen natürlich eine ganz essentielle 
Frage ist“. 1297 

Schneiderhan wiederholte das damalige Argumenta- 
tionsmuster der Bundesregierung, demzufolge eine unab- 
hängige und eigenständige Nachrichtengewinnung essen- 
tiell für die zukünftige Einsatzfähigkeit der Bundeswehr 
seien: 

„Da müssen wir unsere ureigensten Ansprüche 
auf [. . .] ungefilterten Zugang zu Rohdaten und so 
haben. In der Phase, wenn das eingeführt ist, 
dann können wir durchaus kooperieren, weil 
Nachrichtendienst funktioniert nach Geben und 
Nehmen. [. . .] Aber in der Entwicklung und in der 


1293 MAT 17-59 BMVg zu BB 17-38, Ordner 1, S. 39. 

1294 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 85. 

1295 Selhausen, Protokoll-Nr. 5, S. 85. 

1296 MAT 17-83 BMVg zu BB 17-42, Ordner 3, AIN II 2, S. 22, 23. 

1297 Schneiderhan, Protokoll-Nr. 3 S. 7. 


Hoheit über das Gerät gibt es sensitive Bereiche 

^ ] ‘4298 

Dass die befragten Zeugen aus dem BMVg vor diesem 
selbst eingeräumten und durchgängig kommunizierten 
Hintergrund der für das Gesamtprojekt äußerst kritischen 
Datenübertragungswege von der Einbindung eines aus- 
ländischen Geheimdienstes ausgerechnet bei der Ver- 
schlüsselungstechnologie keine Kenntnisse hatten, bzw. 
dieser keine Bedeutung beigemessen haben sollten, ist 
kaum vorstellbar. 

4. Datenerfassung bei Testflügen 

Es bleibt auch vollkommen unklar, ob private Kommuni- 
kationsdaten deutscher oder europäischer Bürgerinnen, 
die die Drohne im Einsatz oder bei Erprobungsflügen be- 
reits erfassen konnte, über die erwähnte Schwachstelle in 
der Kommunikation nicht bereits in die Hände Dritter ge- 
langt sind. EADS schreibt selbst zum ersten vollausgerüs- 
teten Testflug im Januar 20131299; 

„Für den Testflug war das unbemannte Flugsys- 
tem mit hochentwickelten SIGINT- Sensoren zur 
Detektion von Radarstrahlem und Kommunika- 
tionssendern ausgerüstet.“ 

Laut dem Sprechzettel des Verteidigungsministers für den 

Verteidigungsausschuss 1200 diente der verzögerte Ab- 
bruch des Euro Hawk-Programms nur dem Abschluss 
von Tests mit dem fliegenden ISIS. Sollte dabei eine ver- 
sehentliche, grundrechtswidrige Speicherung vorgenom- 
men werden, wurde (allerdings erst auf Drängen der GIO- 
Kommission) ein Löschverfahren festgelegt: 

„Unbeabsichtigte Erfassungen von Kommunika- 
tion mit G 10-Relevanz werden grundsätzlich 
- unabhängig vom jeweiligen Stand und Grad der 
Bearbeitung oder Auswertung - umgehend einge- 
stellt, bisherige Aufzeichnungen und eventuell 
schon angelegte Datenbestände sofort gelöscht. 
Entsprechende Verfahren sind eingerichtet.“i20i 

Die Kontrolleure von Verletzungen des Fernmeldege- 
heimnisses haben sich ausbedungen, dass die Löschung 
zu Unrecht erhobener Daten protokolliert werden 

mussi202: 

„Für die Flugerprobung des Euro Hawk wurde 
auf Forderung der G-lO-Kommission des Deut- 
schen Bundestages eine zusätzliche Verfahrensre- 
gelung eingefährt, um juristisch verwertbar zu 
dokumentieren, dass versehentliche Erfassungen 
von G-lO-relevanter Kommunikation unverzüg- 
lich gelöscht werden.“ 

Offen geblieben ist aber die Frage, ob denn ausgeschlos- 
sen werden könne, dass noch vor der Löschung die NSA 


1298 Schneiderhan, Protokoll-Nr. 3, S. 28 f. 

1299 http://www.eads.com/eads/int/en/news/press.de_201 301 1 I cassi 
dianeurohawk. html 

1300 mAT 17-1 A BT-VA zu BB 17-92, S. 6, 10. 

1301 MAT 17-78 BMVg zu BB 17-52, Ordner 67, AIN V 5, S. 24. 

1302 Plenarprotokoll 17/245 vom 12.6.2013. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 195 - 


Drucksache 17/14650 


möglicherweise diese Daten bereits für deren eigenen Ge- 
brauch hemntergeladen hat. 

Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz oder die In- 
formationsfreiheit hat keine Kontrolle über Bundeswehr- 
aktivitäten. Er wird in die Entwicklung der militärischen 
Spionagetechnik nicht einbezogen, sondern lediglich „in- 
formiert”. Denn Datenschutz ist laut der Antwort „eine 
Führungsaufgabe”, die von der Bundeswehr selbst über- 
nommen und wie beim Euro Hawk in einem projektbezo- 
genen Datenschutzkonzept festgelegt wird. 

Jedoch hat die Bundesregierung versäumt, die „Füh- 
rungsaufgabe“ des Datenschutzes beim Euro Hawk 
überhaupt zu berücksichtigen. Weder existiert ein militä- 
risches Datenschutzkonzept, noch wurde mit entspre- 
chenden Vorbereitungen überhaupt begonnen. 

Das fehlende Datenschutzkonzept der Bundeswehr sollte 
den Abgeordneten des Bundestages verschwiegen wer- 
den. Dies belegen interne Vermerke des Bundesministe- 
riums der Verteidigung zur Beantwortung einer Kleinen 
Anfrage des MdB Andrej Hunko (DIE LINKE.), der sich 
genau danach erkundigt hatte^^^^: 

„Der explizite Hinweis auf die Grundsatzweisung 
sollte a.h.S. vermieden werden, um dieses Thema 
nicht wieder aufzuwärmen. Zudem regelt es nicht 
die Einzelmaßnahmen beim EH. Ein Daten- 
schutzkonzept (DSK) ist - falls noch nicht ge- 
schehen - ohnehin zu erstehen. Dieses DSK setzt 
die Vorgaben der Grundsatzweisung um, diese 
muss also nicht explizit erwähnt werden.“ 

V. Verzahnung zwischen Politik und 

Rüstungsindustrie 

1. Persönliche Verflechtungen am Beispiel 

EADS 

Die Euro Hawk-Krise hat ein Schlaglicht auf die domi- 
nierende Stellung geworfen, die der deutsch-französisch- 
spanische Rüstungskonzern EADS auf dem Feld der 
Hochtechnologierüstung in Deutschland und Europa in- 
nehat. EADS ist mit einem Umsatz von 56,5 Milliarden 
Euro der zweitgrößte Rüstungskonzem Europas (2012). 
Bei fast zwei Drittel aller Rüstungsaufträge waren in 
jüngster Vergangenheit EADS-Sparten Auftragneh- 
mer. i304 

Für die enge personelle Verflechtung von Politik und Pro- 
fit im Falle EADS gibt es mehrere prominente Beispiele. 
So hat Tom Enders, der jetzige CEO von EADS, eine Ver- 
gangenheit als Beamter im Verteidigungsministerium. Er 
war dort von 1989 bis 1991 im Planungsstab tätig. Bis 
2011 war er Mitglied der CSU. 

Auch Martin Biesel, ehemaliger Büroleiter von Guido 
Westerwelle (FDP), wechselte 1999 aus dem Büro des da- 


1303 MAT 17-78 BMVg zu BB 17-52, Ordner 67, AIN V 5, S. 320. 

1304 EADS-Anteil am Verteidigungshaushalt, s. Handelsblatt, 12.6.2008. 

Umsatzzahlen: http://www.eads.coni/eads/germany/de/presse/ 

press. de_20 1 30227_eads_annual_pi*ess_conference_ 20 1 3 .html 


maligen FDP-Chefs direkt zu EADS, als Senior Manager 
für Regierungs- und Politikangelegenheiten. Nach zwei 
Jahren kehrte er wieder in Westerwelles Vorzimmer zu- 
rück, von 2009 bis 2011 war er dann Staatssekretär im 
Auswärtigen Amt. 

Und SPD-Mann Ditmar Staffelt wurde im Jahr 2002 par- 
lamentarischer Staatssekretär im Wirtschaftsministerium 
mit Verantwortung für den Rüstungsexport. In dieser 
Position hatte er ständigen Kontakt mit Verantwortlichen 
der Rüstungssparten von EADS. 2008 legte er sein Man- 
dat nieder und wechselte übergangslos in die Position des 
Vorstandsbeauftragten für Politik und Regierungsangele- 
genheiten bei EADS. 

Solche „Übergänge“ von der Politik in die Rüstungswirt- 
schaft, demonstrieren augenfällig eine symbiotische Part- 
nerschaft von Profit und Politik und werfen schwerwie- 
gende Fragen über die persönliche Integrität von 
Beamten, bzw. die Unabhängigkeit des Mandats von Ab- 
geordneten auf Diese enge Verflechtung zeigt sich in 
eklatanter Weise im Fall Euro Hawk. 

2. EADS-Einfluss zu Beginn des Euro Hawk- 
Projekts 

Eines der frühesten amtlichen Dokumente des Untersu- 
chungsausschusses ist das Protokoll der Sitzung der 
Arbeitsgruppe „Nachfolger Breguet ATLANTIQUE 
SIGINT“ vom 31. März 1998.i305 Deutlich wird hier be- 
reits die dominierende Rohe des EADS -Vorgängers 
DASA. Zum Thema „Aktueller Sachstand Nachfolgesys- 
tem Breguet“ tragen Gäste der DASA vor und sprechen 
über ihr Projekt GECARS. Das Protokoll vermerkt: 

„Diese Industrievorschläge sollen als Grundlage 
für weitere Studiendurchführungen dienen. Die 
Ausführungen der Firma wurden sehr positiv auf- 
genommen...“ 

Die DASA bestreitet auch den zweiten TOP selbst: Sie 
steht ihre Variante der Kostenschätzung für das Projekt 
vor. Innerhalb der nächsten zwölf Monate kann DASA/ 
EADS noch vier weitere Male die Pläne für ein HALE- 
basiertes SIGINT-Spionagesystem in der Abteilung AIN II 
präsentieren. 

Für diese erste Orientierungsphase eines finanziell so luk- 
rativen Projekts wären Präsentationen anderer Anbieter 
vollkommen erwartbar. Jedoch finden sich in den vom 
Untersuchungsausschuss beigezogenen Akten aus dem 
gesamten Zeitraum bis zur Fertigstellung der Systemfä- 
higkeitsforderung (SFF) im August 2002 nur zwei Prä- 
sentationen von EADS-Konkurrenzfirmen: eine Konzept- 
vorstehung „UAV zur weitreichenden Aufklärung“ durch 
die Firma STN Atlas Electronic (Bremen) im Februar 
2000,13^'^ und ein Briefing der US-Firma Raytheon zu 
,Future SIGINT‘ im April 2001. Demgegenüber gibt es 
alleine im Jahre 2001 weitere vier Präsentationen der 


1305 MAT 17-83 BMVg zu BB 17-42, Ordner 2, AIN II, S. 5. 

1306 mAT 17-83 BMVg zu BB 17-42, Ordner I, AIN II, S.I. 

1307 mAT 17-38 BMVg zu BB 17-25, Ordner 3, S. 237. 



Drucksache 17/14650 


- 196- 


Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


Firma EADS.^^^^ Zu diesem Zeitpunkt war nicht einmal 
die offizielle Entscheidung für die Erprobung des Global 
Hawk als Grundlage-Plattform gefallen, geschweige denn 
irgend eine Entscheidung zur Ausschreibung oder Beauf- 
tragung des SIGINT-Projekts.1309 

Dem Konzern wurde auch erlaubt, die Vergabe der Sys- 
temstudien nach seinem Gusto zu lenken. Ein Beschaf- 
fungsvorgang beginnt nach dem (alten wie neu gültigen) 
CPM mit der Systemfähigkeitsforderung (SFF), die vom 
BWB zu erstellen war. Diese soll im Rahmen des CPM 
einen „lösungswegneutralen“ Forderungskatalog aufma- 
chen.i^iö Die daraufhin zu vergebenden Systemstudien 
sind vom CPM vorgesehen, um der Bundeswehr die 
Möglichkeit zu geben, „zwischen verschiedenen Lö- 
sungswegen abzuwägen. 

Am 9. Juli 2001 durfte die Firma EADS im BMVg erneut 
präsentieren: EADS schlug dem Ministerium vor, nach 
den Vorstudien nun eine umfassende Systemstudie zur 
weitreichenden luftge stützten Aufklärung in Auftrag zu 
geben. Laut Protokoll vom 13. Juli 2001 wurde bei dem 
Treffen festgelegt, dass der Entwurf der SFF an EADS 
weitergeleitet werden soll, was nur den Schluss zulässt, 
dass die Firma sich darauf vorbereiten wird, diese Studie 
gemäß der SFF auch zu konzipieren. Doch da war noch 
die Konkurrenzfirma STN Atlas, die ebenfalls Interesse 
am Projekt bekundet hatte. Das Protokoll hält fest: 

„Eine gemeinsame Bearbeitung der Systemstudie 
durch die Firmen EADS und STN [...] hätte den 
Vorteil, dass eine konkurrierende Vergabe zwi- 
schen diesen beiden Firmen vermieden wird 
(Klärung durch Firma EADS).“ i3i2 

Obwohl anfänglich scheinbar auf einen Ausgleich abge- 
zielt wird, überlässt das BWB die endgültige ,Klärung‘, 
und damit auch die Entscheidung, der Firma EADS. Da- 
bei wäre die Gewährleistung von Transparenz und Chan- 
cengleichheit im Sinne des CPM hier die ureigenste Auf- 
gabe des Amtes. 

In der Tat wird die Firma STN in der Folge nicht an der 
Erstellung der Studie beteiligt. Der Hauptauftragnehmer 
für die Erstellung der Systemkonzeptstudie der Phase 1 
wurde EADS Domier, und für Phase 2 blieb das ebenfalls 
so. 

Einen signifikanten Eingriff in die Objektivität der vom 
CPM geforderten „Darstellung verschiedener Lösungs- 


1308 ßei diesen Meetings waren oft so viele EADS -Mitarbeiter wie Mi- 
nisterial- oder Amtsangestellte zugegen, vgl. z. B. MAT 17-83 
BMVg zu BB 17-42, Ordner 2, S. 288. 

1309 Während sich Ministerium und BWB 2001 noch gegenseitig versi- 
chern, der Vergabeprozess sei „nicht präjudiziert“, diktiert ihnen 
Cassidian-Mann Weitzel in die Feder, den US-Partnem „müssten 
dann auch die deutschen Forderungen vorgetragen werden“, näm- 
lich dass die , Integration des deutschen Missionssystems durch 
EADS‘ erfolgt. - Die „deutschen Forderungen“ sind die von 
EADS. MAT 17-83 BMVg zu BB 17-42, Ordner 3, S. 9. 

1310 Zit. in ,Novellierung des Customer Product Management^ Folder 
des BMVg, 2013. 

1311 ibid. 

1312 Vgl. MAT 17-83 BMVg zu BB 17-42, Ordner 3, S. 220. 


möglichkeiten“ unternahm EADS auch bei der Durchfüh- 
rung einer weiteren Studie, der lABG-Studie vom Sep- 
tember 2012, in der eine neue eigene EADS-Plattform 
platziert wurde. 

3. EADS-Drohne als Alternative zum 
Euro Hawk? 

Als die Probleme beim Euro Hawk immer deutlicher wur- 
den, orientierte sich EADS/Cassidian auf die Möglichkeit 
alternativer Träger für das neu entwickelte Spionage- Sys- 
tem ISIS um. Dabei kam eine Doppelstrategie zum Tra- 
gen: 

Einerseits wollte EADS/Cassidian den Entwicklungs ver- 
trag für den Euro Hawk um jeden Preis zu Ende führen, 
um das ISIS-System in Testflügen erproben zu können. 

Andererseits begann die Sparte Cassidian nun eine neue 
Werbeoffensive mit dem Ziel, eine eigene Drohne als 
möglichen Ersatz für den Euro Hawk ins Spiel zu brin- 
gen. 

Dabei wurde nicht nur EADS aktiv. Noch im Januar 2012 
preist der Chef der Rüstungsabteilung Selhausen dem 
Staatssekretär Beemelmans die krisengeplagte Reißbrett- 
drohne Talarion in bestem Werbesprech an: 

„[In der Vorlage für Minister de Maiziere] ist das 
Vorhaben Talarion zwar behandelt, aber nicht 
ausreichend. [...] Auf der Plusseite von Talarion 
steht zweifellos dass hier erstmals bei Entwick- 
lungsbeginn ein UAV konstruiert wird mit dem 
Ziel der Zulassung zum Flug im zivilen Luft- 
raum!“i3i3 

Ab ca. Mitte 2012 bewarb EADS ein neues Drohnen-Pro- 
jekt unter dem Namen Future European MALE (FE- 
MALE), das auf dem zuvor gescheiterten Projekt Tala- 
rion aufbaute. Unter diesem Projektnamen bekam die 
Drohne ein neues Design mit größerer Spannweite und 
Nutzlast sowie einer (geringfügigen) Steigerung der Flug- 
höhe. Da die Drohne wie der Vorgänger Talarion auch 
jetzt noch nicht über die Projektierungsphase hinausge- 
kommen ist, ist laut EADS mit einer Serienbeschaffüng 
nicht vor 2020 zu rechnen. 

In der beginnenden Debatte um eine eventuelle Nach- 
folge der Euro Hawk-Plattform kam das Projekt 
FEMALE just zur rechten Zeit, aber mit zwei gravieren- 
den Nachteilen: Die zu geringe Höhe gegenüber einem 
HALE UAV und die lange Projektierungszeit. Angesichts 
des Scheitems des Euro Hawk sollte es eigentlich kaum 
vorstellbar sein, dass ein Ersatzsystem auf einem unent- 
wickelten, risikobehafteten Reißbrett-Projekt basieren 
könnte. Auf wundersame Weise hat es aber dieses Projekt 
von EADS wieder in die engste Auswahl für ein Euro 
Hawk-Ersatzsystem geschafft. 

Die am 5. September 2012 vom BMVg beim BWB be- 
auftragte Untersuchung zur Integration von ISIS in mög- 
liche Alternativplattformen wurde vom Ministerium frei- 


1313 Vgl. MAT 17-73 BMVg zu BB 17-48, Ordner 1, S. 110. 



Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode 


- 197- 


Drucksache 17/14650 


händig an die Consulting-Firma lABG vergeben. Diese 
Firma ist ein langjähriger Geschäftspartner von Cassidian 
und auch direkt vertraglich im Euro Hawk-Projekt mit 
eingebunden. Auch in diesem Falle wurde die Unabhän- 
gigkeit der Studie durch das Agieren von EADS ad absur- 
dum geführt. Wie Cassidian-Chef Gerwert in der Befra- 
gung des Untersuchungsausschusses zugeben musste, 
überließ die lABG die Einschätzung der Eignung von FE- 
MALE der Firma Cassidian selbst: 

„Für diese Studie hat die lABG Cassidian in Un- 
terauftrag genommen [...] und den aktuellen 
Stand der wichtigsten technischen Eigenschaften 
des FEMALE erhalten.“ 

„Geprüft“ wurden insgesamt 37 bemannte und unbe- 
mannte Plattformen, drei kamen in die engere Wahl. Die 
lABG empfahl als präferierte Alternativen den 
Airbus 319 und die Heron TP. Und keine weitere Platt- 
form. 

Urplötzlich tauchte als mögliche dritte Variante auch die 
FEMALE-Drohne wieder auf. Das geschah, wie das Pro- 
tokoll der Sitzung vom 11. Dezember 2012 zu ersten Er- 
gebnissen der Studie zeigt, auf ausdrückliche Intervention 
des Ministeriums, und zwar im Nachgang zu den eigent- 
lich schon fertigen Ergebnissen der Prüfung der anderen 
beiden Varianten: 

„Im Rahmen der Mitzeichnung des Ergebnisver- 
merks hat [die Abteilung Planung] II 3 die Be- 
rücksichtigung der Alternative FEMALE einge- 
fordert. AIN wird FEMALE im Rahmen der 
Vorgehensweise daher ebenfalls betrachten und 

bewerten.“i3i4 

Auch hier hat EADS offenbar wieder auf ge