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Full text of "Neuer nekrolog der Deutschen .."

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Ve: c.6 


En VE 





- 


— j— — — 


* 


Friedrich Franz, 
en vun Mecklenburg Karin. 


Hener 


Wehrolog 
ZZ der 


Deutſchen. 





.Amtzehnter Jahrgang, 1887. 





Ex er Theil, 


— 





"Mit einem Porträt. 


— 2 





Weimar 19539. 
.Deud und Verlag von Bernd, Zriedr. Voigt. 


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Der 
preufsifchen Armee. 


Pr, 


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8 





Ä Wis einem Herrfcherthron, nein Mächt’ge; Dir 
Gilt diefesmal Die Huldigung bes Werke, 
Das dir vertiauend in den "Yan fich wirft. 
Und Anſpruch macht auch auf Dein Wohlgefallen. | 
Denn -treulich :hat e8 Deinem Ruhm gedient 
Und aufgezeichnet ift darin von Zaufenden, - 
Die Dir gehörten, hoher Thaten Glanz; 
Entriffen ſind fie ‚dadurch der Vergeffenheit 

Und fir die Ewigkeit find fie gerettet: 

Denn: eingetragen nım auf Klivd Zafeln 
Kann der Geſchichte ſie kein Gott entreißen 
Und wo von andern tapfern Wöllerflämmen 
Kaum Hunderte nur diefen Ruhm verdient, - 
Da. glänzen Zaufende von Dir im Kranz ' 
Des_Ruhmes. zu- der- fernften Nachmelt Kunde, 
Zum hohen Vorbild edler Volkestreu' ' 
Dur ihren König. und ihr Vaterland. 





“g 


Denn men bed Kampfes Wuth noch übrig ließ, 
Wer nach ihm feiner Lorbeern fich erfreu't 

Und, frei: vom fremden Joche, neu begründet 
Des Vaterlands Erbluͤhen noch erlebt, 


Der Ruh' fich.; freuend auf dem, Siegeslager, 


Doch endlich den Geſetzen der Natur, | 
Dem Staub, verfiel, von Kindern und, yon Lieben, 
Die ihm die Augen zugedruͤckt, heweint: 

Von Diefen gibt. der Nekrolog Euch Kunde 
Und zeigt, daß ihte Thaten nicht vergeſſen: 

Er fuͤhrt Euch ein in heil'ge Todtenhallen 


So vieler · Tugenden und Ideale 


Und gibt Euch den begeiſternden Beweis, 


In welcher Bahl ber Preußen Bolt behauptet 


| Bon Deutſchlands edeſten den fen Bag: 


EZ a5 _ Mr ee 


ernebe 





Eu em der berhengehenbe 14te Jahrgang bed 
Nekrologs bereits im März 1838, alfo fr onate 
früber ald die erſten 13 Jahrgaͤn ge, en fo „port 
eraudgeber "Dadurch, daß. d enwärtige 
* ahrgang ſchon im Deeember, al , —* 
Monate Fräber auögegeben werden kann, biefess 
at das ihn — leider noch immer nicht Tehr br Jah 
reihe — erwartende Publitum noch mehr bers 
raſchen und für die ſchnelle Förderung das eußerfte 
gethan zu haben, was aber in der Folge noch mehr 
zu überbieten, kaum möglich ‚fein wird, fo wim⸗ 
ſchenswerth ed auch. ift, daß die Biographien bem 
Abteben nicht zu langfam folgen, fondern das noch 
feifche Andenken an die Nekrölogifirten noch von 
Neuem beichäftigen und beieben und fie ſchon dann 
noch einmal vor unfere Seele führen, wenn Ihe 
- Bild och lebendig vor unſerm Auge ſteht. 

Freilich laͤßt ed Al fh bei diefer verehrten Beſchleu⸗ 
— Be nicht umgeh aß noch —5 — er als früher . 
erftöße gegen bie fee rer Ige —5 

ei dent durch fie wächit die Zahl ber ver 
eingehenden — nd. r bleibt mchts * 
als, um auch fie dem Rekrologe zu erhalten, ae in 
einem Anhange folgen, diejenigen aber, die auch 

beffen Ahdrud noch nicht eingegangen jmd, dent 
nächften Jahrgang als Nachtrag aan Vorhetgehen 


WV 
den vorbrucken zu laſſen; eine Einrichtung, die von 
allem Anfang an — zuweilen nur in geringerem 
Verhaͤltniß — ſtattgefunden bat und die Vouüſtaͤn⸗ 
digkeit eben fo begünftigt, als die Zeitbefchräntung 
der. Mitarbeiter weniger beengend macht und wo= 
- durch dennoch die angenommene’ Ordnung, die im⸗ 
mer wieder durch bie alle 10 Jahre erfcheinenden 
Generaltegifter im Gleiſe bleibt, nur wenig beein- 
trächtigt wird. | 

Auch diefes Mal befindet fich der Herausgeber 
in dem Falle, mehreren einfichtövollen und. beifälligen 
Herren Necenfenten für die Ehre und Gerechtigkeit 
feinen Dank zu fagen, die fie dem, legten (14.) 
Jahrgange haben widerfahren laflen und er findet 
darin fortwährend einen Theil der Aufmunterung, 
welche ihm zur ferneren beharrlichen Ausdauer bei ' 
diefem fo mühevollen, koſtſpieligen und lukrativ⸗ 
undankbaren Unternehmen in der That fo nöthig if. 
Anerkennungen bdiefer Art waren ihm befonders von 
Werth in den Göttingifchen Anzeigen 1837, Nr. 105 
und in den Blättern für Iiterarifche Unterhaltung 1838, 
Nr. 197. Der letztere hochachtbare Herr Recenſent 
ift dem Heraudgeber fchon feit vielen Jahren ein wah- 
zer Leitftern gewefen und wie ihm befjen Anerkennung 
zum beften Lohn gedient, fo bat er auch, feinen 
Winken ſtets willig eine forgfältige Beachtung gewibs 
met. Derfelbe bewährt in jeder neuen Beurtheilung, 
wie tief und gründlich er fih in das Weſen des 
Nekrologs hineingedacht, wie wohl er deſſen Auf⸗ 
gabe verſtanden und wie einſichtsvoll er das Pro 
und Contra divergirender Anſichten gegen einander 
abgewogen hat. Vertraut mit der ganzen Reihen⸗ 
folge der Jahrgaͤnge, mit den Quaͤſtionen, die bis 
jetzt in Diökuffion geweſen und mit den Verbeſſe⸗ 
rungen bie allmälig als ſolche erfannt und angenom- 
. wen worden find, haben feine fortgefegten Anfichten 


. 





v 


über das ‚Unternehmen benjenigen gebiegenen Werth, _ 
den man in dem abfprechenden Urtheil, im ben uns 
bebachten und unreifen Befferungdvorfchlägen Derer 
nicht finden kann, die von dem, was bereits 
gefchehen, was bereitö für und wiber befprochen, 
was endlich als Ergebniß hiervon angenommen 
: and als befeitigt zu betrachten ift, eben fo weni 
Kenntniß haben, ald von dem, was bis jetzt d 
anerkannte Aufopferung und Audbauer wirklich ges 
leiftet unb welche Grundfäge dabei als Norm und 
Motive angenommen worden find. Diefe Gattung 
der Kritiker nimmt den erften beften Jahrgang zur 
Hand, findet Biographien von Leuten, von denen 
fie niemald etwas gehört, oder die auch wirklich nie 
Gelebritaͤt erlangt (aber dennoch denkwuͤrdig find), 
lieſt nicht, prüft nicht felbft, fondern vergleicht die, 
Aeußerungen, die wohl etwa in Konditoreien, Kaffees 
haͤuſern ımd gefelligen Cirkeln aufgefaßt worben find 
und glaubt ſich nun befugt, frifhweg abzufprechen, 
neue Einrichtungen anzuempfehlen und in ihrem Wahn 
über längft dagewefene und abgemachte Dinge das 
erite Wort zu fprechen und ſich mit neuen heilfamen 
Vorfchlägen zu bräften. Solche Recenfenten bedenken 
nicht, daß ein flabiled Werk wieder Nekrolog, das num 
Schon feit 15 Iahren feinen feften und ruhigen Gang 
eht, nicht mit jedem Jahrgange neue Principien und 
ormen annehmen und in ein charakterlofes inkonſe⸗ 
quented Schwanten und Allerlei verfallen darf, ſon⸗ 
dern daß ed diejenigen Normen, die bereitö von vie⸗ 
len fehr zu berüdjichtigenden Seiten her als zweck⸗ 
mäßig, dauernd und befriedigend erfannt wurden, 
feft im Auge behalten muß. 
Und wie e3 denn eine wahre Erbfünde ber 
mehrfien Menfchen ift, daß ihr erſtes Beduͤrfniß, 
wenn man.fie vor ein muͤhſames Menfchenwerk führt, 
nicht: Anerfennung, fondern eifriges Suchen nah noch 


. 


J 


1 
6 fern Acgepdem Zabel. iſt, ſo halten ſie ca fuͤr dag 
— 3 vorzuwerfen. gr ſei ig 
der Auswahl feiner Gegenftände nicht. ſireng genug, 
nehme ales auf, was man- ihm, zuſchide und liefere 
febr oft Sebembefchreibungen von gleichgültigen, und 

uren Verfonen, bie füglih. hätten vorgbieibeg 
'Sunen,; Diefes haben Hunderte behauptet, Die den 
Nekrolng blod vom Öärenfagen Feunen und ie einen 
Ban, deffelben vor Xugen : gehabt, geffhroeige. denn 


bie fir” “m befjelben gelefen ‚haben, in wels 

en I r die in ihm geltenden Gryndfähe 

von 4 eleuchtet, ‚ng iefen und durch 

die u timmen ‚ber. größten Kritifer als die 
einzig Atigt worben find, Du 

\ nöglich, digfe. Srundfäge, die nun 

berelfi „sehr langen Vorreden zur Gnüge 

befprochen worden find, einem jeben neuen Kabrgange 


wiederhelt vorzubrugen, fo .wmie.«& fchon.an fih ein 

pldriges Geſchaft ift, das ſchon fo oft da gemeenn 

Immer wieder von Veuem zu berühren, Der Here 

° anßgeber wuͤrde daher yon dergleichen. Oberfächliche 

ten auch weiter feine Notiz nehmen, alein da er 

eo bläber fo oft. des Beifals fo vieler hochſt rlhme 

Ya Fritiken erfreut hatı fo glaubt er auch feine Lefer 

zwei minder guͤnſiigen bekannt machen zu.müffen, 

Die eine derfeiben befpricht in Mr, 117 ber 

Blätter fir Hterarifche Unterhaltung das —RX 

in feinem ganzen Kompier Überhaupt und: fein 

Verfaffer gibt fich ‚im Algemeinen, befonders was 

Awed und Abficht betrifft, als einen großen Freund, 

ia oa als einen unbefannten Mitarbeiter deffelben 
N e Hi ar fei, daß die Welle dev Belt 

ng \ mei , Daß die Welle dev Seit von 

[0. vielen : en ee dein eg! er Mens 

renng verwifcher fo fei e8 natitlich, daß 

Hi Andeue vetten 


alone. Kb nen de — aben fie nenne 


ine Freud 
J Ber: Seratin, ef ie $ wi = 


° = 
a et — erh 


den Po onen, den eigen 
But Uberfaritten? Al Bde von Bonchr Di den 
arl .KII., von ib U. und Rapoleon in die 
Shlaı wurden? Aber es genügt uns nicht, 


eines Anden! — 
GSleich wie dieſe Kunhe 


en wie — retten aus dem ande De 
— Yu jefed naturkraͤftige, — ferne, be 
fie anfkrebende Bolt der —— 
—— — fein fuoaifhen des “hal 
hat vom Anl — 
— gu He ft} und leibliches * am 
werfen verſucht! fam. 
indern wollen, daß e Bit s 
eh iche Weife und Ratı mi is 
im Leben. Und body 


keth, der Deutfche ben He Pe hide 
woran jeutfche en eri 
Een und nicht verloren! Allein, damit — 


er — Bie num le 

Ein fir das Ganze uns: leben md tige en 
Hält, fo ift das Leben der —ãA— — auner 

dem Edelſten eine Ermuth ee Bordiih, 

ein FR und fomit ift eö ganz im inne des treuer 
deutfchen Wolke gerad, wenn wir geben fein 

he Rücficht auf —— — 
Fo der Züchtigkeit, der Berat, der 


energiſchen Willens zuſammengeſtellt finden in zinem 
roßen Tempel des en Er ch meine, daB 
ie. Idee des „Nekrologs der Deutſchen“ Eeine andere 
iſt als die eben angedeutete, 4 , 
Der Herausgeber hat ſich erlaubt, dieſe ganze 
ſchoͤne Stelle hier vollſtaͤndig abdrucken zu laſſen, 
weil er ſelbſt kaum im Stande ſein moͤchte, ſowohl 
ſeinen Zweck und ſeine Abſicht bei Herausgabe des 
Nekrologs treffender und beredter vorzutragen, als 
die Nothwendigkeit ſchlagender darzuſtellen, nicht nur 
fuͤr das Andenken der Chorfuͤhrer, ſondern auch fuͤr 
das der Männer bed Chors zu ſorgen. Er dankt 
dem Herrn Kritiker, daß er feinen Ideen und Em: 
pfindungen hier den rechten Ausdruck durch Worte 
gegeben bat, muß aber bedauern, wenn er mit den 
m Widerfpruch gegen feinen eben aufgeftellten Grunds. 
fag weiter auögefprochenen Wünfchen nicht ganz eins 
verftanden fein kann, nämlich: oo 
‚daß die Idee des Nekrologs concentrirter gefaßt und 
bLos ſolche zugelaffen würden, in deren Leben nicht 
ein egoiftifyes Streben, fondern ein Streben für das 
Ganze und für das Heil des vaterländifchen Lebens 
ſich effektvoll geltend gemacht hat. 
Diie Graͤnze zwiſchen dem Streben für ſich felbft 
und. für dad Ganze und Allgemeine verlangt fehr oft 
. tiefere Blicke, als ed für unfere Augen 2 iſt. 
Beiderlei Streben iſt aber ſehr oft, ja in der Regel 
in dem Menſchen ſo in einander eingreifend, daß es 
von einander gar nicht getrennt werden kann. Aber 
ſelbſt angenommen, man koͤnnte es, ſo hat es nicht 
nur ſehr Viele gegeben, die trotz ihrer Selbſtſucht 
oder ihres egoiſtiſchen Strebens dennoch einen ſehr 
großen, ja oft fogar wohlthätigen Einfluß auf bie 
itwelt gehabt, fondern. auch durch ihren Geil, 
Scharffinn und Größe eine Gelebrität erlangt haben, 
daß ihnen ein Gedächtnis auf Klios ehernen Zafeln 
nicht wohl verfagt werden kann, wozu biefe faft auf 


jeber Selte Bie fhlagenöften Belege liefern. Weiter 
fährt der Here Keititer (Mr. 76) fort: j 
„Eine ober flädtichel!i) Betra des Werks 
gist, daß Die angegebene Tendenz (Buläffigkelt nur 
erer, in deren Leben fi ein Streben für das 
. geltend gemacht hat) Bon: aufgefellt, doch nicht cos 
— went feſtgehalten ſei. Leicht würde 
- Selbe dDurchfegen laſſen, wenn man für den 
eine Art von alt ägyptifchem Todtengericht nieder» 
fegte., — Wir hören naͤmlich von Diodorus Sienlus, 
en alten Aegypten Jemand geftorben 
war, fich alsbald 40 Richter verfammelten, welche über 
das Leben des Berftorbenen nd Gericht ſaßen. Nur 
cht für würdig erkannte, 
durften einbalfamirt und beftattet werden, « 
Mas erfllih die Konfequenz anbetrifft, fo hat 
biefe bei- dem Nekrolog, wie in ben vorbergehenden 
Vorreden fehr oft von dem Herauögeber ‚felbft bes 
merkt worden ift, ihre ſehr großen Schwierigkeiten, 
Streng genommen würbe fie verlangen, daß aus 
allen deutfchen Ländern verhältnißmäßig . gleich gie 
reiche Beiträge geliefert, daß bie Länge ober Kirze 


einer Lebenöbefchreibung der Maasftab des Ruhms 


und der Verdienftlichkeit fei, daß Fein ausgezeichneter 


a 


Verftorbener in die zweite, Fein Minderwichtiger in 
bie erfte Abtheilung käme u. f. w. — Ständen bem 
Nekrolog über feine Stoffe die Materialien in folcher 
Auswahl und Menge zu Gebote, ald einem inmitten 
einer großen Bibliothek befchäftigten Lerifograpben, 
fo koͤnnte man allerdings größere Anforderung -von 
Konfequenz an ihn machen, aber man bedenke, daß 
bier 'von feinem Pantheon die Rede tft, zu dem man 
fih feine Helden aus längft zahlreih vorhandenen 
Merken audmählen kann, fondern von einer Todten⸗ 


ber dies 


chronik, deren Aufgabe darin befteht, daß biejenigen 
en 


Denkwuͤrdigern gefchildert werden follen, bie e 
— geſtorben ſind, deren Wahl aber nicht von 
dem 


—8 


— 


erausgeber abhängt, ſondern die ihm vom’ 


4 


x | 
ickſal, wie es chen trifft, vorgeſchrieben werben; 
an kann durchſchnittlich annehmen, daß jeder neue 
Tag dem Herausgeber Die Sorge fuͤr das Andenken 
son 5 während deſſelben Seriorbenen auferlegt :und 
dann ift erfl die Frage, ob Notizen uͤber fie herbei: 
zufchaffett find, ohne daß es in feiner Macht ſteht, 
ihre ‚Egenfhaften X beſtimmen, ſo wenig, als in 
allen Provinzen Deutſchlands gleich aufmerkſame, 
gleich thaͤtige und gleich faͤhige Mitarbeiter zu erlan⸗ 
gen: Sehr oft tütt, der Fall ein, daß der Tod ei⸗ 
ned. ſehr denkwuͤrdigen Mannes in große Verlegen: 
beit. feßt, wenn er bei zurüdgelaffenem:-chrenvollen 
und glänzenden Ruf im Nebrologe nicht wohl- fehlen 
darf and doch gleichwohl Uber ihn Feine Materialien 
zu erlangen find, worüber von unzähligen Beifpielen 
nur ber 1837 verſtorbene koͤnigl. preußifche Kriegse 
minifter und Generallieutenant. v. Wißleben. anges 
führt werden fol, Ueber ihn, wie über viele andere, 
. geben die öffentlichen. Bidtter, -felbft die preußifche, 
Staatözeitung nichtö her und die Korrefpondenz dar⸗ 
über mit feinen verehrlichen Hinterbliebenen Tonnte,, 
wie nachzuweifen ift, bei fehr zu entichuldigenden- 
Berhinderungen, zu feinem Ziele führen Ein: 
Zufammentreffen zufälliger Umftände verhinderte e&.: - 
In folhen Fällen muß der Nekrolog die: ihm ges 
machten Vorwuͤrfe über Mangel einer konſequenten 
cchführung und Behandlung flil ertragen und 
ſich mit feinem Bewußtfein teöffen. oo. Ä 
> Daß der Herr Nr. 75 dem Nekrologsheraus⸗ 
eber das Zodtengericht der 40 alten Aegypter zum 
Nuſter empfiehlt, zeugt: zwar von einer ſehr ibealen; 
Phantafie, aber nicht von einer Kenntniß der Vers . 
haltniffe des wirklichen Lebens.  Legterer ehrt die 
uten Geſinnungen, Anz und Abſichten deffelben zu. 
' ehr, als daß ihn diefer Pafjus.zu einer. Perfiflage- 
verleiten koͤnte. Aber es iſt ihm wohl felbft nicht: 





I wi 
3. Mor--bevgußt, wie es der Nekrolog anfangen. 
—* ein ſolches Todtengericht zu konſtituiren, ſo 
ſchoͤn es auch ‚mare, wenn dieſer Gedanke im mo⸗ 
dernen Gefchmade realiſitt werben und der Nekrolog 
unter die Direktion diefer graufigen Behörde geftellt, 
werden koͤnnte. Da der Berausgeber nicht die An⸗ 
maßung befist, diefed aus 40 aͤghptiſchen Patriciern 
beſtandene Geriht in unfern Tagen durch feine als 
leinige Perfon repräfentiven zu wollen, ſo hat er in 
den vorhergehehden Vorreden bereits wiederholt bie, 
hohen Stadtöregierungen Deutfchland8 aufgefordert, 
ihm die Anftrengungen und die Gelbopfer, . die er 
dern Nekrotogsmwerke bringen muß, abzunehmen und 
‚ in einer Hauptflabt oder an einer Univerfität eine - 
Societät daflır zu bilden, die ganz andere "Mittel 
und Kräfte für einen fo huchmwichtigen Zweck bieten 
‚würde, als die einem weitläufigen Verlagsgeſchaͤfte 
ühfelig abgerungenen Nebenftunden eines Buch⸗ 
haͤndlers, ven das Publikum bei feinen ihm gebrach- 
ten unfäglichen Dpfern noch. obendrein. fo. gänzlich im’ 
Stiche läßt, daß er ſchon Tauſende dabei zugeſetzt 
bat, "Mehr als einmal hat er Öffentlich erklaͤrt und 
aufgefordert, daß er bereit If, dad Verlags» und Forts 
feßungörecht  umentgelblih ar denjenigen abzulaffen, 
der ihm. die Kraft und Ausdauer zu haben fcheint, 
8 auch nur. in feiner biöherigen Mangelhaftigkeit 
fortzufegen und er wiederholt dieſes Anerbieten hier 
durch nochmals, Da er fehr zweifelt, ob es ıhm von 
ben’ Parzen -verftattet fein wird, ed noch fo lange, 
als bereits geſchehen, fortzuführen umd es eine feiner 
forgenvoliften Befürchtungen ifl, Daß es alsdann liegen 
bleiben koͤnnte, und er alödann durch eine vielleicht 
zwanzigjaͤhrige beharrliche Ausdauer und Treue doc) 
. nur ein: Fragment zur deutichen Perfonengefchichte 
des 19. Jahrhunderts geliefert haben würde, — Aber 
nicht eher, ais bis das Netzolr gwert aufgehoͤrt hat, 


- 


’ 
2 


XIvV 


die gerade dad Gegentheil, ‚wie der Kritiker Nr. 75 
behaupten, wollen wir, obſchon wir es koͤnnten, nicht. 


“anführen, fondern zum Ueberfiuß nur noch eriväh: 


nen, daß es eind_von den Hauptverdienſten unfers 
'itherausgebers, Herrn F. 4. Reimann ift (der in 


den lebten 4 Jahren fo vieles zum befiern Gelingen 


des Nekrologswerks beigetragen hat und der ihm 


noch ‚lange erhalten bleiben möge), daß er jeben eins 


zeinen Beitrag forgfältig revidirt und wp es irgend 
Noth thut, abkuͤrzt und ſtyliſtiſch verbeſſert, vor allem 
aber durch Abrundung, Durchfuͤhrung angenommener 
Normen und Einheit in Rechtſchreibung und Ver⸗ 
haͤliniß gewiß nicht ohne den fichtbarften Erfolg 
möglichften Einklang und. Harmonie in dad Ganze 


zu bringen fucht. 


-Diefer ficherlich fehr wohldenkende Herr Kritiker 


-- Pr, 75 ſchließt mit den Worten: | | 
„Indem wir diefe Ideen diefem Blatte anvertraut. has . 


ben 2c.; verfichern wir zugleich, daß in dem Lest” erfchies' 

nenen —5 (ſoll —— Raben) Sn are 
. ein.jeder Deuffche niele Ramen finden wird, die ihm und 

dem deutfchen Vaterlande theuer und unvergeßlich find. 
... Eine ‘zweite zwar zum Zheil, aber ebenfalls nicht 
durchaus beifällige Kritik yon einem Hrn. H. Fitzau 
if enthalten in Nr. 48 des Berliner Konverfationss 
blatts 1838. Sie hat bei weitem richt einmal den; 
Werth ber erfieren, fondern gehört zu den gang ab: 
ſprechenden, oberflächlichen Räfonnements, die mehr 
auf Hörenfagen als auf der eignen Durchlefung des 
Buchs beruhen. Das Urtheit diefed Kritikers cha⸗ 


⸗ um . 


Noch wirg Stellen der Art aus Recenfidnen, 


vralterifirt fih in Kürze dadurch, daß er die Aufs - 


nahme eined Dreſch, Ruperti, Daub, Grote⸗ 


fend, Tauchnitz, Nägeli, Benda, Ebers, 
Vieth ald gehörig motivirt erflärt, weniger ‚aber 
die eined Rehberg, v. Brandenſtein, Grafen 
Mellin, v. Buch, Graf Syulai, u Braufe, 


⁊ 


\ 


N 


Xv 


von Raglovich, Landgraf Karl von Heſſen, 
Freiherr v. Muͤnchhauſen, Müller v. Frieds 
berg, Graf Choteck, Bifhof Hommer, Hun⸗ 
deicker, v. Stifft, Weiſſer u ſ. w. —, Dieſes 
iſt genug, um den Standpunkt des Herrn Fitzau zu 
bezeichnen, der ſich durch ein ſo merkwuͤrdiges Ab⸗ 
wiegungstalent ſein Urtheil gleich ſelbſt geſprochen 
bat und. zwar ſchon um fo mehr genug, als in dies 
fem feichten Räfonnement nichts enthalten ift, was 
nicht bereitd durch das früher Gefagte auf das Volls 
fommenfte widerlegt und befeitigt waͤre. , 
Die Kritit hat den Ngfrolog biöher faſt Uber 
fein Verdienſt hochgeftellt und die neueſte Literatur 
wird wenig Produfte aufweifen, die durch Recenfios 
nen in folhem Grab eine rühmliche Anerkennung 
gefunden haben, als gerade er, Ihre Anzahl geht 
bereitö in die Hunderte und deßhalb hätte man fligs 
lich über diefe eben gebachten zwei hinweggehen Böns 
. nen, wenn der auögefprochene Zabel nicht infofern 
felbft willkommen wäre, daß er. Veranlaffung gab, 
manches. bisher noch Unberührte zue Sprache zu - 
bringen und fo aus dieſer Beinen Reibung felbft 
Nutzen zu ziehen. — | ' Ä 
| Die Anfihten und Grundfäge des Herausgebers 
beruhen auf einem funfzehnjährigen Nachdenken, Er: 
fahrung, Prüfung eigner und fremder Anfichten und, 
Abwägung. des Rechten und Zweckmaͤßigen. Gie 
werden auch ferner bie bisherigen bleiben und von 
ihnen geleitet, wird er auch künftig die biöherige 
Bahn feft und ruhig verfolgen. Sein Werk foll 
eine Todtenchronik, ein Familienbuch deut⸗ 
ſcher Nation bleiben, nicht aber eine ge⸗ 
waͤhlte Zuſammenſtellung der groͤßten 
Geiſter, Helden, Dichter, Fuͤrſten, Gelehr⸗ 
ten, Staatsmaͤnner und anderer. hervors 
vagenden Menſchen aus allen Ständen, 


xVvI 


. Zeiten und Nationen. Diefe feine Natur, Ei: 


genthümlichkeit und Beflimmung legt, ihm. fowohl .in 
der Wahl feines Stoffe, ald auch in der Herbei⸗ 
ſchaffung des Materials eine viel. größere Beſchraͤn⸗ 
tung auf, ald diejenigen ihr unterworfen ſind, welche 
Walhallas, —— und Pantheons kom⸗ 
piliren, mit einem Worte ſich nach ihrer Bequemlich⸗ 
keit die leichteſten und dankbarſten Stoffe ſeibſt aus: 
ſuchen. Solchen wird aber der Nekrolog oft noch 
ſehr gute Dienſte leiſten. — Dieſen Unterſchied eines 


kurrenten Sammelwetks, einer ſteten Chronik, wie 


fie eben der Zufall und die Nothwendigkeit will und 


ohne Wahl vorfchreibt, zwifchen einem auf .dem . 


ganzen großen Felde des Ruhms zufammengefuchten 
Dlymp bittet man mit einiger Billigkeit zu beruͤck⸗ 


fihtigen. Er ift es, auf welchem meiſt die Klagen 


beruhen, daß viele der Perfonen, deren Gefchichte der 


Nekrolog feine Blätter widmet, nicht mit der gehoͤ⸗ 


rigen Kritik gewählt würden. Der ‚gegenwärtige 
Jahrgang liefert Übrigens von Neuem. den Beweis, 
daß ed deſſen ohngeachtet auch bei diefen engern 
Sränzen an intereffanten Perfonen und Biographieen 
keineswegs mangelt und daß ſich bei einer forgfältigen 
Redaktion beide Zwecke einigermaßen vereinigen laffen. 


. Da der Herausgeber: fehr oft Zufendungen er= . ' 
haͤlt, wovon er feinen Gebrauch machen Bann, ent⸗ 


weber weil fie dem Kreife, dem fich der Nekrolog 
wibmet, fremb find, oder weil fie zu. fpät kommen, 
fo bemerkt’ er in leßterer Hinficht, daß als folche alle 
Beiträge zurlichgelegt werden müffen, die 6 Monate 
nad) Ablauf des betreffenden Jahrs nicht eingegangen 


find, fo daß 3.2. für Beiträge zum Jahrgang 1838 


Ende Juni 1839 der Iehte Zermin if. Was dem 
Länderumfang anbetrifft, für welchen fich der Nekrolog 
befchäftigt, : fo begreift derfelbe nicht nur alle zum 
beutfchen Bunde gehörenden Staaten, fondern auch 


— 








/ xvu 


diejenigen Länder, in denen deutſche Sprache, beuts 
ſche Wiſſenſchaft und Literatur die herrfchende ifl, 
folglidy die ganze beutfche Schweiz, das Eifaß, 
Schleswig, Holflein und Lauenburg, die ruffifchen 
Oſtſeeprovinzen und dad Königreich Böhmen, endlich 
auch diejenigen denkwuͤrdigen Perfonen, welche deut⸗ 
fhen Urfprungs im Auslande gelebt haben und dort 
orben find, wie fich diefed beſonders häufig in 
ußland ereigriet. 

Nachſtehendes iſt dad Reſumoͤ bes gegenwärtigen 
Jahrgangs: Derfelbe forget. für das Andenken von 
1348 Berflorbenen, wovon 420 *) Biographien in 
der erften Abtheilung fanden, 928 in der zweiten aber 
nur kurz angedeutet werden Tonnten. on erfteren 
420 find 265 ald Originalarbeiten zu betrachten und 
bei den Weberfchriften mit einem * bezeichnet, da 
diefe Biographieen entweber bis jetzt noch gar nicht 
oder doch nicht in der Weife, wie hier, im Drude 
veröffentlicht worden find. Das Andenken biefer 
265 würde, alfo ohne den Nekrolog nirgends aufges 
ichnet und der Gefchichte erhalten worden fein; 155 
bdagegen find mit Angabe der Quellen aus oͤffentli⸗ 
den Blättern, Zeitfchriften und. einzelnen Gebächtnißs 
fchriften für den Rekrolog mühfam gefammelt worden 
und in benfelben übergegangen. 
Nach den Landsmannſchaften gehören die 420, 
welche. ausführliche Biographien fanden, folgenden 
deutfchen Staaten an. 2 Anhalt, 4 Baden, - 86 
Baiern (davon 8 München, 7 Augsburg und 4 Bams ' 
‚ berg), 2 Braunfchweig, 33 den damiſch⸗ beutfchen 
Staaten (davon 6 Altona, 5 Kiel), 18 den freien 
Städten (8 Bremen, 3 Frankfurt a M., 12 Hams 
burg), 25 Hanover (wovon 10 Göttingen, 2 Gas 





- Aiſo 99 mehr, wie im vorigen Jahrgauge— 
' | er.) 


xx 


10 dramatiſche Kuͤnſtler und Sänger, wovon 3 und 


6 Butöbefiger und Delonomen, wovon 1, 3 Mes 
chaniker und Inftrumentmacher, wovon Feiner Schrift: 
. fleller war; — 5 Dichtet, deren Poefieen im Drud 
erſchienen find; — 4 Forſt⸗ und Jagdbeamtete, 
wovon 1, 5 Baumeiſter, wovon 8, 3 zeichnende 
Kuͤnſtler, 2 Antiquare, 1 Schriftgießer, 4 Rabbiner, 


1 Poftbeamter und 1 Stallmeifter,. wovon Feiner et⸗ | 


was gelchrieben hat. - u 
Penn wir und nun erlauben wollen, verſuchs⸗ 
weife den Maßftab der Gelebrität an die hier Ges 
fchilderten zu legen, fo nennen wir als Sterne erfler 
Größe den Minifter Ancillon und den Kapellmeis 


Hummel, So verfchieden ihre Stellung ifl, 


fier 
ſo gieis ſtark ift die Bewunderung, die uns ihre 
Größe abnöthigt.. Unter den fuͤrſtlichen Perfonen 


ſteht ‘der edle Greis Friedrich Kranz von Meds 
lenburg: Schwerin in vieljähriger hoher Wirk⸗ 


famfeit ımb edlem Streben oben an. Ihm folgen 
bie Herzöge Wilhelm und Pins in Baiern 
und der Held, Staatömann und Dichter Des 
Karl von Medlenburg:Strelig, ber wärs 


dige Bruder der unvergeßlichen Königin Louife. An | 
berühmten Miniftern von großem Einfluß nennen wir. 


bie Freiherrn von Pleffen und von Dertzen in 
Schwerin und Neuftrelig, den Grafen v. Brühl 
in Berlin und ben franzöfifchen Diplomaten, Gras 
fın von Reinhard, einen geboren Würtember: 
ger, — An Generalen und Kriegshelden die preußis 
ſchen Generale von der Marwitz, v. Kamede, 
v. Garlomig, v. Werder, v. Rothenburg, 
v. Wienskowsky und v. Auer, bie beiden aus 
gezeichneten wärtembergifchen Generale v. Stock⸗ 
mayer und v. Throbald, ben kuͤhnen balerifchen 
General und Partifan Grafen v. Rechberg und 


vw 


Rothloͤwen, den ‚großen fächfiichen —— — 
ral Rgabe, den durch heldenmuͤthige Hingebung 
denkwuͤrdigen ſaͤchſiſchen Major v. Zychlinsky 
und den tapfern weimariſchen Obriſten v. Ger⸗ 
mat; — von den bemerkenswerthen Staatsmaͤn⸗ 
nern einen Sriefe, Koppe, Domomis, v. Stülps 
nagel in Beln, von Schütz in Koͤln 
von Lützow in Gorkau; — einen Sidel in 
Kipa, Kohlfhütter in Dredden, von Hoff 
in Gotha, Gentebrad in Altenburg; — einen | 
von -Sutner, von Mann und Stürzer im 
Münden; — einen Klüber in Frankfurt a. M., 
v. Porbeck in Kaffe. An namhaften Theologen 
heben wir heraus; den. Generalfuperintendent Rom: 
. mel in Kaffel, die Superintendentn Wunſter in 
Bredlau, Grotefend in Clausthal, die Konſiſto⸗ 
rialraͤthe Em mrich in Meiningen und Matthias 
in Magdeburg, die Dekane Lehmus in Ansbach 
und Mind in Tüuͤbingen, den hochverbienten Paͤ⸗ 
dagogen, Kirchenrath Schwarz in ‚Heidelberg, den 
patriarchalifchen Paſtor Woltersdorff in Sale 
wedel und feinen unglüdlichen Amtöbruder, Pfarrer 
Weidig aus Ober: Sleen, der ald ein Opfer feined 
. Patriotiämus im Kerker endigte. An alademifchen 
Lehrern erwähnen wir der Profefforn Wendt, 
Diffen, Goͤſchen in Söttingen, Normann -in 
. Roflod, Steudel in Tübingen, fo wie ber großen 
Pyilologen Döring in Gotha, Hirt in Berlin, 
. Ramöhorn ii Altenburg, Koͤpke in Berlin. — 
Die auögezeichnetften Aerzte, die wir biefeamal brins 
gen, find: v. Vogel in Roſtock, Stard in Jena, 
Treviranus in Bremen, Himly in Göttingen 
und v. Drff in Münden. Auch berühmte Schrift: 
fleler und Dichter hat dieſer Jahrgang aufzuweifen 
au Börne, Weigel in Wiesbaden, Wächter in. 


‘ 
IX | j 


- Hamburg (Veit. Weber), Freiherrniv. Gerning 
in Frankf. a. M., v. Maltig in Dredden, Franz 
Horn in Berlin, den. genialen Naturbichter Hils 
ſcher föflerreichifcher Fourier in Mailand) :und .den 
allwiffenden, berühmten Zeitungsfchreiber Stegmann 
in Augsburg, der ed allen Partheien recht zu machen 

° verftand. — .Unter den Chemifern und Botanikern 

. find Höchft beachtenöwerth: Tromsdorff in ‚Erfurt, 
Nees:von .Efenbed in Bonn und Zenker in 
Jena. - Außerdem: glauben wir aufmerkfam machen 
zu müffen. auf den großen Mathematiker und Aftro: . 
nom .Dr. Tiarks, den Freund Sir Joſeph Banks, 
welcher fich viele Jahre mit der Regulirung der engs 
liſchen Gränzlinien in Amerika befchäftigte; — ferner 
auf den hochverbienten Geographen und Kartenzeich⸗ 
nee Reihard in Lobenftein, Hochverdiert um die 
Bereicherung ber .alten und neuen graphifchen Erb: 
Funde, auf den in, feiner großartigen bergmännts' 
ſchen Wirkſamkeit fo. hochwichtigen Oberbergdireftoer — +’. 
v. Everämann in Berlin, auf den Koncertmeifter 
Rolla in Dresden und die Schaufpielr Schmelka 
in Berlin und Coſtenoble in Wien.- Unter den 
außgezeichnetern Zechnifern find von großer. Bedeus 

‚ tung der erfinderifche Inftrumentmaher Streit: 
wolff in Göttingen und der bemunderungswürdige 
Autodidalt Uhlhorn in Grevenbroich, der fich durch 
eigned Studium von einem oldenburgifchen Zifchler: 
burfchen zu. einem der erften Mechaniker und Ma⸗ 
f&hinenbauer Deutfchlands heraufſchwang, ‚ingleichen 
der weimarifche Schriftgießer Wallbaum: des Ael⸗ 
terg., der ebenfalls ohne alle Anleitung und nur 
durch eignes Forſchen fich zu einem der eriten Schrift: 

gießer beranbildete und durch beffere Form, elegans 
tern Schnitt und größere Haltbarkeit der Lettern fehr 
große Verdienfte um die beuffche Typographie erwarb. 


1 





xx 


Wenn wir To auch einen Ueberbiid über bie 
“ vorzüglicheren Motabilitäten dieſes Jahrgangs gege: 
ben haben, fo bliebe und eigentlich noch übrig, Die 
zahlreichen Beftandtheile defielben auch nach ihrem 
Darftellungs: und Schriftftellerwerthe zu rangiren. 
Wir. wollen aber diefed den Herren Kritikern ber 
laſſen, können aber nicht verfchweigen, daß wir und 
‚auf die Biographieen 

Nr. 278 Reichard, 

= 868 Need von Efenbed, 

» 404 Tiarks, 


fo wie auf einige andere in ber That etwas einbil⸗ 
den, nicht allein, weil wir fie als Driginalarbeiten 
aus fehr guten Händen -erhielten und fie in ihrer Art 
für wahre Monographieen halten, fondern auch, weil 
wir ihnen großen Werth für die Bereicherung ber 
MWiffenfchaften 1). der graphifchen Erdkunde, 2) der 
Botanit und 8) der Mathematit und Aftronomie, 
beimeffen. Ä : 
Sudem wir folhe Zierden bed gegenwärtigen. 
Sahrgangs ger bemerklich machen, fo wollen wir 
auch feine Schwädhen und Mängel nicht verbergen. 
Billig wäre nämlich zu erwarten gewefen, baß auch von 
den Dahingefchiedenen, derenin der zweiten Abtheilung 
unter den Nummern 450, 532, 552, 613, 648, 
698, 703, 722, 734, 741, 764, 777, 801, 828, 
831, 847, 856, 859, 915, 955, 991, 997, 1002, 
1038, 1050, 1061, 1126, 1139, 1145, 1188, 
1199, 1248, 1257, 1319, 1344 nur kuͤrzlich 
Erwähnung gethan werden konnte, ausführlichere 
Notizen in der erſten Abtheilung mitgetheilt wor: 
den wären, einer Ehre, deren wir fie fo würdig 
erkennen müffen. Es bat auch von unferer Seite 
nicht am vielfachen Verſuchen, und Nachrichten über 


% 


xxrv i 
fie zu verſchaffen, gefehlt, ja ed find zu dieſen 
Behuf ale Mittel angemenbet worden. Bir tom. 
men Daher auf dad ultra posse Nemo tenetur und 
auf das zuruͤck, was wir oben über eine gleichfühl: 
bare Luͤcke in Betreff des verewigten Generallieutes 
nant und Kriegöminifter von Wißleben gefagt haben 
und empfehlen dieſe und andere Mängel der fchonens 
den Nachficht ber Lefer. 


‚Weimar, den 28. December 1858. 


Bernh. Friedr. Voigt. 


Außer ben ‚vielen binterlaffenen gamiſi ſiengliedern 
welche auch zu dem diesmaligen Jahrgange des 
Nekrologs zahlreiche — — eingefendet haben, 
—* derſelbe feine Volftändig! —* namentlich 

Agenden 


geehrten Herren Mitarbeitern: 
(In alphadetiſcher Folge.) 


Sem 6 ofrath Dr. von Ahorner in Augsburg, 

_ f — in Ei J 

— Ser 3.3. Bernet in Gt. Gallen, 

_ Bernftein in Berlin. 

— Dr. Blümner, Art in Breslan, 

_ — und „Kemmerpere J. Feeip. v. 


t Brandes, Zebrer am Gymna| X KRoſtock. 


Dr. Be Seifen in © ” 
er, Profeffor und Doktor der 


pur Bu Buddens in Leipzig. 


b Bee & in &ie 
’Den 
ing m in Jen. — 
Doktor der Reh hie ER Pr in — 

Dr. Snarıg in See “ 
So —E FZalkenſtein in 


Rektor Simmertpatin Lin Sonde! Pre 
Dtto 85 te und Vrivatdo⸗ 
3 *85 


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— Sender in Weimar. " . 
tor Geot, BT, in Hanover. 
Ei —E in drner. 
gende ven Dennerkmard, koͤnigl. Bes 
for IA in Bamberg. ® 


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O 
Dr. un 


Herrn Hofrath und Dberbibliothekar Ja cobs in Gotha. 


Juſtizrath Iang in Schweidnis. 
Sure er Dr. Shin in Meininden.  - 
ofihaufpieler F. von Kawaczinski in 
oburg. 
Kammerſekretaͤr Keß ler in Weimar. 
Domaͤnenrath Keſtner in Hanover. 
ofeſſor &. E. Klaufen in Altona... 
tadtrath und Ritter Klein in Dresden. 
obergerichtöanwalt Knorz in Zulda. 
& 3, Kohlfchütter, Prediger an ber veformirten 
Gemeinde in Dredden. | 
Superintendent Koethe in Alftedt. 


Profeſſor M. Kreyffig in Meißen. 


eofeffor Anton Krüger in Dresden. | 
rüger, Kandidat der Theologie in Göttingen. _ 
Hoffchaufpieler Krüger aus Berlin, 
Dr. Luͤbker, Konre F 
Kommergien s und Admiralitaͤtsraih Marquardt 
im Danzig. . 
Auguk Matthäy in Dresden. u 
Londfchaftsmaler Heinrich Matthäy in Dresden. 
er eſſor Cornelius Müller in Hamburg. 
8. Müller Kirchenrath u. Oberpfarrer in Hom⸗ 


burg vor der Höhe. 


- Paftor Müller in Langen: Lepsdorf bei Juͤterbogk. 


Baftor Dr. Müller in Berka. 
ammerjunfer Freiherr von Neven in Offenbach. 
Diakonus Niefe in Torgau. 
Diakonus yernen in aittah 
—— .Peters zu St. Peter und Paul in. 
wgnid, oo. . 
Metropolitan Petri in Fulda. , a 
Rentamtmam Preuster in Großenhain. 
Diakonus Rauch in Arnſtadt. | 
— Auguſt Reimann in Weimar. 
Begationsrath Neuß in Stuttgart, 
Lehrer Robolsky in Neuhaldensleben. 
Paſtor Saal in Oberweimar. 
Dr. Sachs in Berlin. = 
Hofrat Guzuenberg in Roſtockk. —- 
M. Schmidthbammer, Praͤdikant und 
Lehrer zu Albleben. nt 





toe der Domfihule in Schleswig. 





IXVII 


‚Hexen rivatgele Dr. ans Schr ; 
ve gelehrt ve Band £ gs auf Kremp 
— or were in techen. 
— iebold in Fran 
— — — in De 
— Hon Sydow in Sondershaufen. 
— Gtabtfaplan © 9 Thiem bei. Gt. Marien in 
Bamberg. 
— Geheimerath und Oberpräfident . 
eh ee Er Den fi Freiherr v Binde 
— ah der Dr. Weppen in Wickerthauſen bei 
Rortheim. 
remierlieutenant Hans von Werd 
—* ne San u in Osnabrü rück, er in Beuthen. 
— Winkler in Lohme. 
berlientenant und Adjutant Benno von Bit: 
leben in Dresden. 
— Pafır Bolkenhaar in Deacerdurd bei Rienburg 
3 wer Pe veipzig. 
— r. Zehmen in 
—F er Hevens, Inn P 
au Julie von Berzo: Freün v. 
ein —— ‚8 v. Zhon⸗Dit⸗ 
Herr a und Deliothetar Dr, E. Zober m 


xxx 


Berlin 226. ‚von der Be, Oberffieuteuant zu Eelle 
1268 · Beder, Pfarrer. zu Bodland 15%. Dr. Beder, 
praftifher Arzt zu Bredftedt 9. Mag. Beder, Pfarrer 
gu Kleindrembad 348. Dr. Becker, praktifher Arzt zu 


eipzig 2086. Beder, Buchhändler zu Quedlinburg | 


419. Beder, Prediger zu Rittermannshagen 51. Becker, 
Kommiſſionsrath zu, Tererom 11m. von Beerfelde, Ios 
‚ banniterritter zu Xiebenau_ 107. von Behr, Kammer 

berr auf Behrenbof 7:0. Bedrmann, Kanzleirath zu Als 
tona 22. Beigel, Oherbibliothekar zu Dreöden 58. v. 
Belen, Kloferdomina zu Maldom 87. Benede, Kaufs 
wenn Zu Deibelberg 708. dv. Bentheim: Tecklenburg: Rbeda, 
Sr Emil Sriedrih zu Rheda 400 u. sis. M. Bercht, 


Pfr. zu Annaberg 1059.. Berended, Pfarr: Senior.zu Heffta 


9 ‚Berg, Domfapituler zu Breslau 242. Berger, 
©teuerrarh. zu Bredlau 1137. Berger, Schaufpielerin zu 


Bremen 314. Berger, Buchhändler zu. Leipzig s28.. Vers. . 


ger, Shrifiteller zu Straßburg 276. Bergmann, Sena⸗ 
sor zu Lömenberg 1225. Bergemann, Medicinalratd zu Bers 
fin 1003. Bergt, Organift au Baugen 73. Bernau, Rek⸗ 
tor. zu. Perleberg sıee. Bernbardi, Doktor d. Med, zu 
Altenburg za. Bernftein, Paftor zu Nabrendorf ss. Sreis 
Kir, von Berftedt,. Staatöminifter zu Karlsruhe cıs. 
ertbold, Hauptmann zu Schandau 1500. Bertram, 


Geifenfiedermeifer zu Sondershaufen 385. Beſche⸗ 
rer, Juſtiztkommiſſarius zu Siemerödorf 1007. Dr. Beur 


mann, Landphpfikus zu Stolgenau cos. Beutler, Mus 


Äldirektor zu Mäbldaufen 223. von Berille, Major 


au Zuger u Beyer, „Prediger: zu Burkall 206, 
9. Biberftein, Hauptm. zu Charlottenburg 575. v..Bibers 
ftein, Landrath zu Oppeln es. Biedermann, Dekan 
zu-Spaihingen rsı. Biener, Lieutenant zu Bledede 
1106  Bilterling, Doktor d. Med. zu Libau 62. Birett, 
Antiquar zu. Augsburg 170. Blepyh, "Zollbeamter zu 
Riga614. Block, Rathsherr zu Dorpat res. v. Bluͤcher, 
Obriſt zu Schleswig 19. Dr. Bluff, praktiſcher Arys zu 
Aachen 207. Blümner, Hofratd ‚zu Breslau 85. +» Bod, 
Apotheker zu Sriedland 117, Bock, Obriflieutenant. zu 
Sagan 1233. v. Bodenhaufen, Prälat zu Merfeburg css. 
Boͤdmer, Direktor zu Zürich 224. Böddinghaus, Kaufs 
mann zu Elberfeld io. Bölike, Pred. zu NeusLevin 
or. von Boͤltzig, Major zu Bunzlau = Dr. Bönig, 
Dofmedifus zu Zellerfeld 78. Frhr. v. Bon 

oktor d. Med. zu Hamburg 288. Börne, Schrififteller 
ww, Paris 79. Freiin v. Bpineburg-Zengöfeld zu Weis. 


ningbaufen,. 


Sn 












lat 2. ©. Boftenkern, Obriſt zu Oeltfchan an. 
an Major zu Berlin se. nor Dberfiien 





rfifet ogı. v. Borcke ru Berkin 90 
Rede, Zieut. zu Stettin 1060. Borrmann, Ganllehrer 
u Jägerndorf 1173. - Bofe, Rittmeiker ju Oberfrank 
Veen 118, von Bofe, Premierlieutenant zu Meiningen 
486. Dr. Bothe, Regierungsraip zu Rrantenfein 353. 
Graf von Botbmer, Gebeimeratd zu‘ Offenbu: 7 
2». Bothnier, Yauptm, zu Zelle css. Bora, Gefhihtts 
foreiber zu Hamburg 132. Baron Bourgignon, Ober» 
Heut. zu Prag 668. Brande, Apotdeter ju PBenneden, 
Kein ser. Brand, Decdant zu Rumer os9. Brandl, tie 
Mkdirektor zu Karkörude 200. v. Braunfhweig, Major 
zu Neuwied 1. Brecht, Dberjufizkanzlik zu Eüwen. 
gen sıo. von Bredom, Hanptmann zu Birnbaum ss. 
Brehme, Doktor der Med. zu Jene 293. Bremi, Pros 
feffor zu Züri 182. Brerh, Major zu Münden soo 
Breuer, Botenmeiter ju Hanover. zı._ von Bremern, 
Qudenrianer zu ©t. Petersburg sr. Brinfdöpfe, Pas 
or zu Herford 100. dv. Brodes, Dberfilieut, zu Idee 
boe 3, Dr. Brodmann, Domprobk zu Münfer 
Qrodmann, Schaufpieler zu Wien os. von Bröfide, 
Dperftlieur. zu Breslau ge. d. Brofigfe, Deidaupts 
mann j Havelberg 557. Dr. Srör. dv. Brüd, Prieker 
u Münden 381. Dr. Bricker. Hofrath zu Neue 
randenburg 161. Brfger, De flgamtmann zu Nieder 
roßla 186. Graf von ‘Bräbl, Gebeimerard zu Berlin 
254. VBräning, Dberbürgermeifter zu_Ciberfeld 1098. 
Brundmig, Doktor zu Rofor 70. Dr. Blichner, Redab 
teur zu Berlin 343. Dr. Büchner, Privardocent zw 
Zurich 90. von Buchwald, Konferenzrard zu Neudorf 
12._ Buley, Premierlientenant zu Schweinrid 1. 
v. Bülow, Hauptmann zu Teffin 1354. v. Bünau, Haupte 
mann zu Delipfh 875. d. Wlnau, Gebeimerard zu Dreds 
den 17. v. Bünau, Major zu Dreöden 1251. _v. Wie 
nau, Lieut. zu pragbeburn 127 -Bün 

janover 1170. Dr. Bunfen, Profeffor zı 

urddart; Paftor zu Bienenkättel 1028. 
rath zu Bredlau sis. Burrmann,. Predi 
1163. Buſch, Paftor zu Nordheim os» $ 
au Prenzlow 1193. Dr. Büfd, praft, A 
372. Bufe, Maler au Madrid 108. $ — 
Dilitzſch 127i. Batdorff, Rimeſter zu Poſen 10m. 
Vütemeifer, Oberamimann zu Depeen 146. Büttner, 
Doftor, der Medicin zu Galzwedel 78. Graf v. Bun 
dönden, Kammerherr zu Reval 726, Cimmerer, b 17773 


xxxiv 
ner, Major zu: Wormditt sr Gickentſcher, Baͤrgetmei⸗ 


Her qu Nedwig son. Fickert, Kammerdireftor zu Delö 1126. 
Sind, Paſtor zu Sattenhauſen ızoı. Fink, Buchdaͤndler 
zu Linz 753. Dr. Finke, Profeffor zu Lingen 477. Finken⸗ 
ſtaͤdt, Hauptſchulledrer zu Dfen 1198. Birnbaber, Doftor 
d. Rechte zu Hanover zı2. Fiſcher, Doft. d. Med. zu 


Goͤttitggen 1253. Fiſcher, Vrediger. zu: Hobenfinow 49. 


M. Sifoder, Diafonus zu Neumark css. Dr. Flebbe, Ge⸗ 
beimer Kammerrathd zu Danover 195. Fleiſcher, Stadt 
fondifus zu Pernau 677. Fleiſchmann, Inſpektor gu Kds 
nigsberg 11s3.. v. Slemming, Landmarſchall zu Boͤck 1156. 
Semming, Regierangsfanzlift zu Schwerin 1084. "God, 
Hbergerichtdadvofat zu Kiel 8. Dr. Focke, Arzt zu 
Trottau 1. Sörfer, Paltor zu Dabrun 606. Foͤrſter, 
Dberlebrer zu Halle 208% Follenſus, Obergerichts⸗ 
anwalt zu Sulda 704. Fontanes, Regimentdarzt zu Wrede 
lan zı. Forberg, Doft. d. Med. zu Erfurt em. 9.804 
seier, Premierlieun. zu Nigsfp 1086. von Sranf, Dbers 
bergratd zu Dortmund 125. Sranfe, Hofrasb zu Berlin 
437. Franke, Sprachlehrer zu Breslau 7er. Dr. Sranfe, 

praftiiher Arzt zu Dresden 178. Stanz, Stadt⸗ 

gerichterasd zu Elbing 953. Franzen, Paſtor zu Soͤ⸗, 
sup 334. Srebfe- Hinte, Nitterfbaftsadminiftrator zu 

Hanover 54. Frerichs, Hoſprediger zu Dldenburg 
42. Dr Freter, Medicinalra zu Polen wm. 


» Sreudenberg, Major zu Augsburg 1280. Sreudenberg, 


ollrath zu Pleß 1001. Freudenthal, Oberſtlieutenant zu 
remen 910. Freusberg, Landrath au Olpe 894. Fritz⸗ 
ſche, Paſtor zu Großdrebnitz 1333. Freytag, Stadtgerichts⸗ 
rath zu Memel sz2. v. Sreywald, Premierlieutenant zu 
Dresden 1135. Frieſe, Stigatsſekretär zu Berlin W. 


Frodien, Gutöbefiner zu Neubrandenburg 1184. Fro⸗ 
‚ mann, Buchhändler. in Jena 212. Fubrib, Lehrer zu _ 


Bredlau 1008. Bund, SKanzleidireftor zu Bentheim 794. 
Fürſt, Kaufen. zu Schwerin 328. v. Gabain, Major zu 
Berlin ags. Gabriel, Hofmundarzt zu Berlin css. Gad⸗ 
dum, Major zu Breslau se. Bade, Gobgräfe zu Nies 
dernſtoͤcken 1762. Gaͤdicke, Buchhändler zu Berlin 327. 
Gaͤriner, Pfr. zu Arnddorf 713, Ganguin, Geb. Negies 
sangsrath zu Danzig 308. Ganſel, Schullehrer zu Lang» 
beimigddorf: 521. v. Gantzkow, Oberftlieut. zu Schweid- 
nig 1228. Gehring, Landtagsdeputirter zu Hanau 1002. 
Brite, Pfr. zu Wiihelmsberg 6. Dr. Beifeler, Medis 
einafrath zu Danzig 142. Dr. Geißler, Hof⸗u. Mebdicis 


‚malrat zu Hechingen cos. Geißler, Pfr. zu Wittgendorf 


Baron von Geißlern, Hoffanzier zu Wien 136% 


6 


xxxv 


.Gellern , Hauptmann zu Hausberge 135. Georgi, 
:Bafor zu Markeröbad gm.  Gerife, Gtaabdarie zu 


‚Ruppin 1235. von Gerlach, Lieutenant gu Parfom oe. 


Gerlitz, Liduten. zu Bredlau ars. v. Germar, Obriſt zu 
Weimar 46. Frhr. v. Gerning, Gebeimerath zu Gran 
furt o/M. 94. v. Gerddorff, Hauptm, zu Dresden air. 
v. Gerddorff, Haupim. zu Görlig 56. v. Gerftenbergf, 
Hofrath zu Jena 1015. _Oeutebrüd, Geheimerrath zu 
Altenburg 315. Geyer, Pfr. zu Banz 39. Dr. Gepfer, 
praftifchee Arzt zu Kiel 5. Giersberg, Stadtdireftor zu 
Motylewo 112. Gies, Vikarius zu Adrmweiler or. Gilde 
meiter, Senator zu Bremen 57. Billing, Rendant zu’ 
Breslau ca. Gimmerthal, Konfitorialraty zu Greußen 
437. Dr. Slafer, Superintendent zu Neuftrelig 18. 
Dr. Glaſewald, Zuftizramd zu Naumburg 46. Gleiß, 
Major zu Neuſtadt im Holfein 6. Gag, Buͤrgermeiſter 
zu Solothurn 097. Goͤbel, Richter u Dfelöbeff us. 

oͤdecke, Rekor zu Nordheim o00. Göppingen, Oberfl« 
leuten. hu Oppeln ss.‘ Goͤſchen, Hofrath zu Goͤttingen 
294. Goͤſſel, Rath zu Stade gıs. Goͤtſchmann, Geb. 
Rechnungsrath zu Berlin 1118. Götz, Lederhändfer zu 
Dresden ıze. Golda, Pfr. zu Sternalitz sıs. Golde, 
- Advofat zu zeipgis 1039. Goldmann, Oberamtmann zu 

Gerode 835. v. Goldner, Gebeimerath zu Srankf. af. 


68 Freiin v. Goldftein zu Breslau 8. Baron v. der. 


Solg, Major zu Berlin res. v. Goltzheim, Beneral. 
major zu Sreienmwalde a, d. D. 96. Grabenftein, Doktor 
d. Medic. zu Goͤttingen 47. M. Gräter, Pfr, zu Jarts 
baufen 773. Graupner, Oberregierungsrath zu Son⸗ 
Deröbaufen 347. Dr. Greßmann, prakt. Arzt zu Schwer 
rin 252. Greu, Notar zu Widmer 1876. v. Griesheim, 
Dberlieutenant zu Gotha ası. Grimm, Prediger zu 
Gammin 399. Mag. Grimm, Pfr. zu Wildenbain 540. 
Griſebach, Generalauditeur zu Hanover ua» Grobe, 
Dberpfr. zu Thann 1819. Srch, Landbaumeifter zu Zub» 
wigeluft 331. Großmann, Kantor zu Seelze 929. Gros 
tefend, Generalfuperintendent zu-Clausthal 59. v. Grund, 
herr, Appellationsrath zu Nürnberg iors. Grundmann, 
Stantor zu Langmalterädorf 670. Gruner, Kammerrath 
zu Leipzig 36. Grunwald, Regimentsarzt zu Glatz 123% 


Baron v. Gruttfchreiber, Kieut. zu Dirfchel go. v. Gunds 


lach , Butöbefiger zu Rumpshagen 1070. Günther, Buch⸗ 
. händler zu Groß-Glogau sr. Ghntber, Diakonus gu 
Zandöhut ses. Dr. Güng, Geheimerath zu Dreöden 1944. 
Sättel, Paftor zu Bhndorf 110. Guinde, Thierarzt zu 
Iferlohn 1233. von Gusmann, Etatdrath. zu Altona 18. 


Dr, Haar, prakt, Arzt gu Bremen ars. van Haar, Nele. 


- 


- Bromberg 6 v. 


% 


Di ne Dani —* —— 


en aan nel, Prorektor zu Breslau 244, 

* nie, 9 eildurg rıs, M. Härtel, Pfr. zu Zins 

enbain * cken, Diseftor zu Augsburg 91. ‚Gage: 
mann, Paftor zu Borſtel 1336. Hagemann, Major. 3 

gen, Zandratd zu Müpdidaufen 364. 

M. Hagen, Gtadiptarrer zu Windsdeim ass. v. Hager, 


abn, Kommerzienratd zu Hanover 565. Haile, Dr. zu 

tape urg 11600. Hailer, Subkuſtos zu uesburg 7. 
Medicinalaflefior zu Berlin 100. Hallin 

or der Philoſ. zu Wiedbaden 61. Hamacher, Pfr. 

zu Leſſenich ses. Dr. Hameauy , privotböcent zu Gießen 

Hammer, vor zu Ängersb bof. 1116. Hanfing, 

—2 — naubitent zu Hard urg 1066. Danfing, Prediger 

arel 40. Darbord, Apotheker zu rtom 69% 

raf von garbens nahe Bebeimeratb Berlin 35% 

Sygierun fetretär zu Düffeldorf se. Dr. 


Er Ein, zu Ilmenau 4. Hahn, Kapitän zu Berlin 7. 


— — u Oldenburg 101. Harimann, 
Betr ee zu en gs; Dertung, Landtagsdepu⸗ 
tirter zu ‚ Prediger zu neben 274. 
aub,, rare ‚au gain 231. Hauſchild, Hofrath zu 
reöden 1088. 


nd 
' or fein. Pfarrer zu Leutenthal 448. von Harten, 


rediger au ‚Solbera 1272. Hedden, Kandidar zu © 
aufen: 405. Hedden, Paſtor zu Strädyaufen 412, 


erlin 204. von Deine, Generalmajor Eunerd» 
rf 106%  Heinemeyer, DOberlebrer zu Zittau 308 


' Seingeimann, Pred. zu ZBubfengin 1178. Heiſe, Pre⸗ 


bes, mine, Gradiriäter u Sl zu Breslau 339. Hers 
med, Sand. d. Theol, zu Neufalden 72. Hennig, Oder⸗ 
förfter zu Ullersdorf oo. Hennig, Wundarzt zu Prettin 
82. Henning, Pred. zu Kappel 759. Denzicel, Pred. 
zu-Saltendagen ı2s4. ©. Herda, Hausmärſchall zu Gotha 
856%. Hering, Hauptm, zu Dreöden 1200. Dr. Hering, 
praft. Arzt zu Hadmers eben 155. M. Hermann, Pfr. 
ju Renningen se von Herr, Reg. Rath zu Köln 19. 


’ | Tr, Bier u Coldig 184. 
ge ‚Geb ER R\ — 157. * 


SB. Heilmann, Dichter zu 


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Herr, geil: Bedelmtuin, in xig tenthal soo ” 
wann, Yafor In rferödorf 86. er 1 
Hr jor au Breblan Pr Der), Pakor zu f 
Dbernanrand su Dekan 22. u 
Stu 1 gu Grodılengeield 804 Helle, 
Berfen fenprüd efle, proftifder- fr, i 
471. Hefe 1026, % rganıft zu Sobur, 
apilion ee Serdinand, Prinz von iS 
ppeidal, Bitterle, ‚Prime nn en, 
rof. au Breöden 149. „Br. 
jjenröder, —S Diderkedt 
drand, Di Doktor d. Med. . zu Beutden su. £ 
pfarrer en 235. Dilfper, Sourier 
45. 19, Prof. zu’ Göttingen 430. Yirib, Pfr. 
Breit ss. Dr. Hirfpel, Arzt zu Or. logaı 
irt, Hofrash zu Berlin 230. — le, Vir. zu Frant⸗ 
— m we 
a 98: ‚ Kola u Wuri 
don ‚e, en. ‚Konfererpran su Gorda y 







‘ Notar iu de Seren "a. Hofmann, Pafor au 
du au 256. 


Rapitular zu: Köln oo. Sretin von — Diet 
räpofitus zu Ute 


du hp as ie Bee . 


RR tus zu_ Warendorf u u. 810 Jäger, Date der 
ehtE au en 1195, v. Jagomw, Hauptm. au Bertin 


Sn 


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XxVI 


Bughaͤndler zu Augkburg 147. von Jenner, Altſedel⸗ 
meifter zu Bern 1257. Dr. Ilgen, Prof. zu Berlin 357. 
Sirnfinger, Pfr. zu Erantentad 65. Sagen, Stadiförfter. 
u Uelzen os. von Sfenburg, Prinz Wolfgang Ernft, zu 
fſfenbach cu. Itzenblitz, Rittmeiſter au Breslau 789. 
gungen ‚ Dekonomiefommiffär zu Waldrode ago.  Kärner, 
aſtor zu Pillingsdorf 57. v. Kahle, Dechant zu Freien⸗ 
walde sro. von Kameke, Generallieut. zu Stettin 817. 
Kappelow, Hauptm. zu Perleberg 117. Dr. Karpe, 
cof, zu Insbruck 488. Dr. Karften, praft. Advokat zu 
amburg 309. Dr. von Kaſtellitz, Doktor der Medicin 
zu Wien ses. Kaufmann, Doktor. der Med. zu Hübftadt 
si.” Graf Sapferling, Aſſeſſor so. Dr. Kellermann, 
Privatgelehrter zu Rom 270. Kempe, Pred. zu Berlin 
1220. Mg. Kerner, Pfarrer zu Hohen Menımingen 630. 
von Kerp, Dbrift zu Augsburg 1340. Kepler, Kriegdrarh 
zu Berlin co» Keßler, Hofchirurg zu Hanover 225. 
Keßler, Hauptmann zu Tharand 1058. von Kerelbodt, . 
Gebeimerath zu Rudolftade 10. Kettler, Juſtizrath zu 
Auri 1214. Kepßner, Kirchenrath zu Meiningen 210. 
Kiefbaber, Drofeflor zu München 116. Kieren, Pfr. zu - 
Sitten 650. KierfchEe , Paftor zu Kl. Gaffron 714. Kies. 
Dekan zu Böblingen sro. Dr. Kieffelbacy, praft. Arzt zu. 
Danau 634. Kinckel, Paſtor zu Bonn soo. Kind, Schule. 
lehrer zu Döben 1327. Kindt, Hofapothefer zu Eutin 
885. D. Kindt, Privardocent. in Kiel 14. Kirſch, Ober 
»farrer zu Belgern ss. Kitzler, Paſtor zu Hermödorf 
sis, Klambeck, Lieut, zu Eoppenbrügge 1100. v. Stleift, 
Major zu Stolp sa. Klien, Pfr. zu Kl.⸗Bautzen 106. 
Klinge, Paftor zu Wülften- 1133. Klingenberg, Sörfter - 
au Fuhrberg aeı- Klinkhard, Advokat zu Herzberg 906. . 
Klotzſch, Pfr. zu Reichenbach os. Klüber, Staaisrath 
zu Sranff. a/M. 83. Sinauer, Apotheker zu Heldburg 
1065. v. Knobelddorf, Premierlieutenant zu Sagan 1071. . 
v, Knorring, Polizeiaffeffor auf Wabhaſt sır. P. Anorz,.. 
Ge. Regierungdrarh zu Fulda 280. Kobbe, Juſtizrath 
su Dadamar ao. Koch, Sörfter zu Celle 606. Dr. Koch, 
guperintendent zu Torgau 371.  Köberlein, Pfarrer zu 
egensburg 358. v. Köhler, Rittmeiſter zu Oſtran 950 
Ködler, Bfarrer zum Stepferöpaufen 201. -Köbler, 
Dberförfter zu MWüftegierödorf 12» Koͤhler, . Pfars 
rer ‚zu Vilſen er pon Köliden, Major zu Bres⸗ 
lau 1099. Dr. Kölle, Regterungsmedicinalrath zu Pofen 
92. v. Könnerig, DOberftlieut. u Dreöden 189. Koͤnigk, 
Juſtizrath zu. Gruben 1101, Koͤnigsdoͤrffer, Paſtor zu 
Eifterberg s51. Dr. Köpfe, Direftor zu Berlin. 228. 
Möpke, Kammergerichtsaſſeſſor zu Rathenom.ssr. Körner, - 





IXXIX 


‚Direktor au Oels 277. D. Koblſchutter, Geh. Kabinets⸗ 
‚rath zu Dresden 71. Konrad, Schullehrer zu Pollent⸗ 
ſchine ses. D. Koller, Apotheker zu St. Petersburg 1057. 
von Kopp, Staatöminifter zu Kaflel 1126. Dr. Koppe, 
Geh. Regierungsrard zu Berlin 151. Korn, Buchhaͤnd⸗ 
der zu Breslau 64. Korn, Buchhändler zu Breslau 282. 
Korte» Zeffen, Buchbändier zu Flensburg oa. Graf 
9. Kobpond, Maior zu Dredden 1075. Kramer, Doftor 
der Medicin zu Berlin 5. Krauſe, Juſtizkommiſſaͤr zu 
reptom, 26. ..Krauß, Bauinfpeftor zu Staffel 4234 
Dr. Kreb6, Apotheker zu Breslau 665. Dr. Kreyßi 
Juſtizrath gu Dresden 80. Sriften, Yauptm. zu Sc 
lau 60. Kroönig, Profeffor zu Bielefeld 332, . Srüger, 
Stadtgerihtödireftor gu Breslau 98. Dr. Krug, Pfr. 
u Werfen 346. Krummacher, Paltor zu Eiberteld am. 
rupp, Pred. zu Metbier 1264. Arhppel, Doft. d. Med. 
an Zulpi ss. Kruſchwitz, Retbökänmerer gu Zeig 768. 
x. Kübl, Bürgermeilter zu Stralfund 339. Kühn, Les 
ationdrath zu Dresden 11597. Sreiderr v. Kündberg u 
Donndorf 705. Küfter, Reg. Rath zu Berlin 1067. uf 
ler, Stadiforfiratd zu Frankfurt a/D. 156, Stubfabl, 
Bibliothekar zu Berlin 125. Kuipper, Advokat zu Leip⸗ 
u 185. Kulaf, Prem. Lieutenant zu Georgentbal 1166 
unft, Kantor zu Walderöbrunn ss. Kuſche, Bürger 
meifter zu Schweidnitz 301. Reichsfrhr. von Kylmann, 
Gebeimeratb zu Duͤſſeldorf 0. Dr. v. Laband, Staatbrath zu 
Karlsruhe 1235. Lachmann, Dberpred. zu Zielengig 1328. Graf 
v. Lamberg, Kämmerer zu Amberg 350. Lambey, Wunds» 


arzt zu Oppeln sıe. von Lampi, Maler gu Wien 146 . 


Landmann, Lehrer zu Zeit 12:0. Landooigt, Doftor der 
Medic. zu Oraudenz 12897. Dr. Lang, Prof. zu Erlangen 
89. Lange, Etatsrath zu Altona 829. Lange, Pir. zu 
Poͤtewitz 666. Lange, Pfr. zu Saara res. Lanz. Rech 
nungsrath zu Berlin or. v. Lariſch, Major zu Breslau 
23. Laubinger, Amtöafleff, zu Hocdelveim 1158. Laube, 
Schullehrer zu Goldbeck 61. Lauenſtein, Paſtor zu 
Aerzen 1105. Lauffer, Stadtpfarrer zu Katſcher 597. Dr. 
Laumayer, Regimentsarzt zu Freiburg es1. Lauterbach, 
Student zu Berlin 1154. v. Lebbin, Oberftlieut. zu Au⸗ 
Damm 106. v. Leeb, Bürgermitr. Fin Wien 360. Zefflot, 
Appeuatinndgerihtsadvofat zu Nürnb. 1107. - Lehmann, 

uſtizrath zu Berlin sız. Lehmann, SKaufm. zu Srank, 
urt a/D. 190. M. Lehmann, Direktor zu Luckau 209. 
Dr. Lehmus, Kirchenrath zu Ansbach 258. Lehndoff, 
Dokt. d. Med. zu Camen 6ez. Leibnig, Roth zu Dorpat 
427. Leißnig, Dragonerlieuten. zu Oels 298. Lejeune⸗ 
Derichlet , Doftdirektor zu Aachen sr. Lemm, Hofſchau⸗ 


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foleler au Berlin 218. £eng von Höfften, ‚Kanımerrard 
nria 


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9 Leopold, Privatgelehrier zu Dreſsden ro v. Leprieur, 
Muͤnzdirektor au Münden 2. v. Zerber, Altſchulideiß 


ji Danover 1299. Lindemann, Dokt. d. Rechte zu Luͤne⸗ 
urg sız. Lindenban, Juſtizrath zu Hadersleben I 


bie,. Hoffänger gu Münden se. Dr. KR, Superin⸗ 


pforrer zu Sriedrihöhaven 13. von Majer, Ritter zu 
Padua sss. Frhr. v. Maltig, Sehriftſteller zu Dresden 
209.8. v. Maltitz, Obriſt zu Magdeburg ses. Freiherr 


Sdaufol⸗ierin su Leipsig-313. de Darses, profeff. zu 
n fpieterin 3 Endorf, Paſtot zu Sdınin m 
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67. M. Mehnert, Privatgelebrier z. Leipzig 1215. Mebr, 


Dir. 3. Wachſeldorf 1. Medren Lehrer 3. Köln ı9o0.. 


Dr. Meier, Ratbsbuchdrucker £ Bremen so. Meinete, 
Poſtverwalter 3. Harburg u. Srör. v. Mellin, Erbfäger 
5 Ufele orı. Erbr. von Diengen, General z. Das 1218 

. Merklein, Ehirurgienmajor 3. Krembelang ioı2. Wepig, 
Mai. 4 Egweibuit 97 Metzler, Schoͤff zu Frankf. a/D. 
. Meurer, Pred. 3. Gruͤnberg 72. Meyer, Amtmann 
Bleckede 1285. Meyer, Kamerariud 3. Burtebude aoe, 


eyer, Dberkieut. zu Dredden 11. Meyer, Dberfattor 


3. Hanover se. Dr. Meyer, Kreiöphnfifus 3. Nauen os. 
Kane Kanmerkaffirer 3. Didenburg ne | Meyer, Ant 
aſſeſſ. Verden ss7. Meyer, Kantor z. Volmerdingſen 
60. Meyer v. Schauenfee z. Luzern ıs17. D. v. Meyers 
feld, Prof. 5. Marburg 10» Melzer, Pfr. 3. Glatz 1517. 
"Micheel, Sekret, g..Schmerin 6os. Michels, Großhänds 
ler z. Roftod cıg._ Mielte, Geb. Degierungdras z. Kbs 
nigsberg 1190. Mieb, Pfr. 3. Beuli ex. Millied, Prise 
vatledrer 3. Boigenburg 9 [be 247. Mirus, Univerſi⸗ 
taͤtsſekret. z. Leipzig 43. Mitſchelen, Finanzkanmerſekret. 
Reutfingen 751., Dr.. Möllenthiel, Appeliationsrath g. 

— 2 408. Moͤltgen, Doktor d. Medic. z. Köln es,’ 
Modemann, Rheder z. Hamburg 1090. Mokroß, Pfr. $.: 
Lublinig 42. v. Moltke, Konferenzrath zu Wallde 17, 
Monowoͤti, Pred. z. Zodenteeg so. Moriz, Reg. Gekret. 
z. Koͤnigsberg se. Moriz⸗Eichborn, Geh. Kommerzien. 
rar z. Bresſau 234, Mozer, Subrekt. 3. Schwerin 167. 
Mrongowius, Apothek. z. Lauenburg 9. Mühle, Schule 
ledr. 3» Heidersborf se, Mühlendohr, Organiſt zu Die» 
lingen 90.. Mäbler, Lehrer ın Pofen o.. Wräller, Gen. 
&uperintendent 3. Aurich ce. Müller, Major 3. Bartens: 
fein ıor0. Müller, Dbergrubenfleiger 3. Clausthal 1218. 
Mäller, Pred. z. Dobberzin jess. Müller, Pfr. 3. Ducch⸗ 
baufen- 75. Müller, Amtdadjunftus 3. Sranktenhaufen: 682. 


Müller, Doft. d. Med. z. Hadersleben 104. M. Müller, 
Superintendent gu Kirchbayn 291. Müller, Hofrath a. 


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Teingig 119. Müller, Organiſt 4. Leipzig ro. D.. Müller, 
Redakteur 5. Münden 101. Müller, Pfr. z. Dierglogau 
110%. Müller, Pfr. 3. Oberzell ss Mäller, Subrekt. z. 
Stendal 861. Müller, Stallmeiſt. z. Weimar 337. Mills 
fer, Maler 3. Wunftorf 1174. Dr. Münd, Prof. z. Tuͤ⸗ 
bingen 250. v. Münd:Bellingbaufen, Geb. Hofrath 3. 
Wien 373. Munchmeyer, Landratb 3. Verden 550. Mügel, 
Geb: Sekretär z. Berlin sm. Mülert, Amtsaffeflor. 3. 
Lingen 1006 v. Muffinan, Geheimerath z. Münden ’sıs. 
Nagel, Direft. 3. Danzig 304. Nadfi, Pal. z. Wingens 
Dorf 356. Nafle, Buchdruckereibeſitzer b Soeſt 700. Dr. 
Nees v. Eſenbeck, Prof. z. Bonn 308. Nehrhoff v. Hol⸗ 
derberg, Major z. Laubegaſt 1292. Neidhardt, Kanzlei⸗ 
rath z. Schleitz 6585. D. Neſtler, Hoftath z. Ingermanns 
Iand .or2.. v. Netwitz, Reg. Sekret. z. Gumbinnen 1248. 
Nettmann, Kaufmann z. Muͤhlendorf 1255. Neuendorff, 
Archidiakonus z. Brandenburg ges. Neuhaus, Rentmeiſt. 
3. Dffelten 165. Neumann, Paſtor z. Borin 957. Neu⸗ 
mann, Pred. z. Neufadt:Eberöwalde su. Frhr. v. Ne⸗ 
veu, Oberforſtmeiſt. z. Offenburg 92. Niedlich, Profeſſ. 
. Berlin 255. Nitzſch, Prof. z. Halle ıore. Noack, Pfr. z. 
— 419. Noͤlting, Major zu Bremen ses. 
ofte, Doft. d. Med. z. Nordheim 204, D. Norrmann, 
Hofrath z. Roftod 41. Nosky, Paſt. 3. YWingendorf 1258. 
v. Dedheim, Gen. Maj. z. Münden 73. Debler, Pat. 
„ Dippoldiswalde ss. Deblerd, Reg. Sekret. 3. Bres⸗ 

u £96. Delöner, Stadtricht. z. Schömberg ass. v. Dergen, 

“ Zandratb 3. Brunn 487. v. Dergen, Staatsminiſter $. 
-Meuftreliß 138. von Dergen, Domina j: Rıbnig som. 
Dffendäufer, Operat. 3. Berlin goo. Dr. v. Orff, ‚Ober 
medicinalratb z. Münden 269. Dertling,, Pred. z. Born⸗ 
bövd 390. Pabſt, Hauptmann 3. Zibin 1270. Paͤttzold, 
Drem. Lieut. 3. Laͤhn 10. Palm, Buchhaͤndl. 3. Erlan⸗ 
. gen 337. Pambuch, Pfarrer z. Prausnig 109. v. Pape, 
onfitorialdireftor 3. Hanover 57. _ Pappenbeimer, Ges 
meindevorftand z. Münden 11239. v- Palhwig, Grenadier⸗ 
bauptm. in Griechenland 1108. Paſſow, Pred. 3. Krafom _ 
235. Dr. Paucket, Dberarzt 3. Gatſchina 41. Pauckert, 
Dberamimann 3. Oppeln uh. Peters, Superintendent 
. Trebnig 257. Peterfen, Oberalter. 3. Damburg 299. 
Deterfen. Bärgermeift, 3. Heiligendafen.27, M. Mepeli 
& Warthau zz Pegold, Dberlehrer z. Schönau 824. 
‚Sreiberr v. Pfeils Scharfenftein, Major 3. Münden srı. 
Dfenninger, Altfedelmeifter 3. Stäfa soo. Pfiſter, preuß, 
Konful z. Malta 13:7. Marquis Piatti, Obrift A} Schönau 
45: Dieafa, Pfr. z. Kubom 745. .Piladfy, Kegierungd- 
ratb zu Liegniß 6oo. Pillmann, Konrekt. 3. Memel exe. 


XLIN 


v. Pirch, Sek.Lieuten. 3. na 1091. Mahn, Stadn 
fefret. 3. Plau sco. Plaßmann, Pfr. 3. Wffeln 52. Pla» 
tenauer, Doftor d. Medic. zu Neuftadt esı. v. Pleſſen, 
Schahrath z. Buͤſtedt is. v. Pleſſen, Geheimeraihspra. 
ſident z. Scwerin 158. Dr. Pletzer, Pred. zu Bremen 
241. Pleuger, Lehrer z. Melnerisbagen 1290. plinte, 
QOrganiſt z. Winfen 681. von Plön, Landfſchaftsraihe. 
Stargard 19a. Ploß, Kunſthaäͤndlerez. Leipzig 416. Di 
Privatgeledrter z. Altona 302. Poͤſchl, Weltprieker z. 
Wien 1245. Pobrt, Kalkulator z. Riga sg. Pomomig, 
Geb. Oberfinanzratd 3. Berlin 267. v. Ponikau, Kams 
merdireft. 3. Zeit 1230. Dr. v. Popp, Dberappellationdg 
gerichfödireft. z. Münden sıs. v. Porbeck, Bicepräfident 
. Kaſſel 295, v. Porembsky, Lieuten. 3. Rpbnicd 114. 
—28 Prof. z. Münden 471. Preus, Militärpenfion. 
Samburg 47. Prefier, Oberamtm. 3. Hirfcbberg cos. 
Öhrielipp, ubreft. 3. Anelam 1089. Priem, Kriegsrath 
. Berlin 919. v. Probft, Prem. Lieur. & Schwedt 1288. 
—* Oberlebrer z. Breslau 260. Graf v. Packler, 
Kanonikus z. Breslau 10982. Queeo Hofmaler z. Ho⸗ 
denfehmwangau 31. Dueitfd, Rektor 3. Freiburg 8% 
v. Duitrom, Oberſtlieut. 3. Severin go, Raabe, Gen. 
Ma. z. Dredden 145. Rabe, Maler z. Rom 1256.” Ras 
bin, Organiſt 3. Bredfau 323, Nadel, gußigfangeniß 3. 
uͤſtrow 429. von Radzivill, Flirſt Andreas Valentin, 
3. Dresden 1061... Rägener, Generalfuperint. 3. Hol 
minden 661. Rampf, Pfr. 3. Breslau 551.’ Dr. Ramds 
born, Schulratd 3. Altenburg 340. v. Random, Haupts 
mann 3. Berlin 724. Graf 3. Ranzau., Breitendurg, Gen. 
Kriegskommiſſ. 3. Hamburg 11. Rapps, Dir. 4 Erlen⸗ 
bach 706. Rauch, Pfr. 3. Alkersleben 180. Rauchfuß, 
Pred. 3. Radun sos. Redderſen, Senator z. Nordbein 
1160. Graf v. Rechberg u. Rothloͤwen, Gen. Lieuten. 9 
. Münden 886. de Rege, Guperintendent z. Potödam sıe, 
Rei, Paſt. 3. Wangten 1000. Reichard, Hofratb z. £os 
benftein 278. von Reihe, Oberamtm. 3. Liebenburg sog. 
Reichel, Kreisjufizratb 3. Kaſſel 120. Reichendach, 
Bibliothekar 3. Stuttgart 755. Reichert, Bürgermeift. 5. 
£andöberg 1051. Reimann, Major 3. Schwenfal 117. 
Kein, Schulteprer z. Cloppenburg 413, Reinecke, Pre, 


3. Blager 180. D. Keiner, Landgerichtdarzt 3. Münden 


1000. ‚Reindard, Pfr. z. Hilbeck 392, Reinhard, Hofe 
fdaufpieter 3. Münden 377. Graf v. Reindard, Staatd- 
rath und Pair von Sranfreih_3. Paris 379. Reindard, 
Pfr. 3. Städifeld 4141. Dr. Reinhardt, prakt. Arzt 2% 
Dresden st. Reinhold, Staatsraͤthin z. Kiel 1m. Rei⸗ 
ter, Dberftiudienrarh 3. Mainz ass. Frhr. v. NReigenftein 


Schweidnitz ıns: Nenner, Prem. Eisut. 3. Forſt 1107. 
enner, Dberamtm. 3. Lorenzberg cıo. Weuling, Stadt, 
yard 3. Stuttgart zoo. Neuß, verwittw. Sürftin 3. Greig 
1125. Neuter, Juſtizrath z. Berlin «oo. dv. Reuß, Ober. 
bibliothefar 3. Göttingen 360. Reutzel, Kataftergeometer 
Gießen srı. Repmann, Hauptmann & Berlin 326. 
heinbott, Gen. Superintendent 3. St. Petersburg 1241. 
beinwald, Doft. d. Chir. 3. Braunſchweig 7. bein. 
wald, Pfr. z. Nedaremd 735. Ribbentrop, Amtsaſſeſſ. & 
Münden ıı. Richarz, Gpmnaf. Eehrer 5. Aachen 1306. 
Richter, Privatgelehrier 3. Dreöden 1248. Dr. Ridier, 
EHE 3. Erlangen ız78. Rjchter, Kaufm. 3. Frankf. a/D.55. 
KRichter, Regierungsraiy zu Minden 68. Richter, Ba ' 
taillonsarzt zur Prertin 1007. Richter, Gerichtsdirektor zu 
- Stolpen 182e. Niedel, fandesdireftiondrath zu Weimarısa. 
ingelhardt, Landrichter zu Oſtrau os Ningeltaube, 
auptm. zu Breslau 1246. D. Rinna v. Sarenbach, ‚Hof. 
rt zu Wien so. Riſch zu Reifferſcheid, Huͤttenbe⸗ 
Ber zu Schleiden 34. Rodde, Valor zu Bargſtedt 
879. von Rode, Gebeimeratb zu Deflau os... Dr. 
Ödiger, Diakonus zu Holle 113. NRöller, Paſtor zu 
öffferödorf ase. Roͤſenberg, Magiflratör. zu Libau oo, 
KRöfite, Schaufpieler zu Didenburg 214. Dr. Roͤßler, 
uperintendent zu Merfeburg 107. Römer, Buchaͤnd⸗ 
er zu: Ödttingen 359. Roland, Legationsrath zu Ber 
fin 1308. NRola, Songertmeilter zu Dresden 191. Dr. 
Rommel, Generalfuperintendent zu Kafel 271. Roos, 
Oberſtlieut. zu Görlig 11711. Roos, ARajor a Reichers⸗ 
dorf 706. Dr. Roſcher, ſtreisphyfikus zu Genthin 66. 
Dr. Rofen, Profeffor zu London 1130._ Baron v. Rofen, 
Kollegienrath zu Reval 73. v. Roſenberg, Pfarrer zu 
Neiße 10: Roß, Kaufmann zu Duidburg Dr. 
Roßbach, praft. Arzt zu Brambach gs. Rothe, Generals 
aceis inſpektor eipzig 66. v. Rottenburg, General⸗ 
Lieutenant zu Weſel 261. Dr. Rudolph, prakt. Arzt zu 
Bangerbaufen 1295. v. Rudolpbi, Generallieut. zu Glo⸗ 
gen 20. v. Rudolphi, Generallieut. Y Weſendahl 795. 
Rüder, Buchhändier zu Berlin 20%. Rädenburg, Paftor 
u Minken 66. Rubland, Stabsarzt zu Riga ses. Dr. 
ulmann, Medicinalrath zu Wieöbaden 14. Rumann, 
Dverfilieut. zu Hanover 1010. Rump, Profeſſor gu Dres 
men 701. Nupe, Ratböberr zu Minden 352. Ruf, Kans 
- tor zu Werlin ısıs. Dr. Rutta, Domfapitular gu Wuͤrz⸗ 
burg .286. Saage, Geminardirektor. zu : Paradied 675 
Saal, Superintendent zu Großrudeßedt 344. D. Sachſe. 
Bärgermeifter zu Chemnig 1087, Sachen » Meiningen, 
£ouile Eleonore, Derzogin zu 172, v. Sack, Major zu 


‚ 


AuV 


perator zu Portenftein 194. Schatz, Juſtizr. zu Garz 1387. 
Schaumann, Dokt. d. Rechte zu Hanober so ih, Det 
0% 


Dale zu Neu:Ruppin so. v. Schlegel, Oberſt zu 
hmeig a67. Schlichthorſt, Kapitän zu Huckfeld 10. 


erlin 162. Dr. Schmeiſſer, Arzt zu Damburg 69. 
Schmiedel, Spmnafialdireftor gu Lomfynek zzı. von 


Sei zu Mariakirch gso. Dr. Schmidt, prakt, Arzt zu 


renzlau a5. Schwidt, Premierlieut. zu Epandau ar. 





xuvi | 
enberg, Hauptmann zu Sranffurt aD. we. Schnor- 
Seil, —E u Breslau 1202. TR Can, ar u 
eiſſe us. Schöne, Kantor zu WBärenftein ass. von 
Schönfeldt, DOberforftmeifter zu Merfeburg z:0. Schöns 
derr, Doft. d. Med. zu Weimar 1812. Schoͤps, Batail- 
lonsarzt zu Bredlan 1175. Dr. Scholz, Profeflor zu Bred» 
lau 48. Scholz, Paftor & Sarften 1229. Schorr, Pfar⸗ 
. rer zu Juͤchſen 143. v. Schoß, Oberfilieut. zu Gr. Glo⸗ 
gau 1085. M. Schott, Pfarrer zu Loffenau 666. Schra- 
der, Apotheker zu Berlin 444. v. Schramm, Tieutenant 
zu Bredlau 109. Schreiber, Schullehrer zu Konigswalde 
1325. Schreiner, Pfarrer zu Traben 403. Schröder, 
Garnifonauditeur zu Hameln 115. Schroͤder, Aposbefer 
au Hanover 449. Schröder, Amtmann zu Mänden 1203. 
chroͤder, Zolbeamter zu Riga 467. Schroͤder, Kanzlei. 
ratd_ zu Schwerin 1965. v. Schröter, Amtsbauptmann 
zu Helmsdorf 1219. Dr. Schubart, Dbrrmundarzt zu 
Bamburg 311. Dr. Schuderoff, Ged. Hofrath zu Alten: 
‚burg 330. Schüler, Rath zu Hildburghauſen oos. von 
Schüg, Geb. Oberfinanzrath zu Koͤln 179. Scqchͤtzendorff. 
Pfarrer zu Horrbaufen ss. Schufnedt, Kreidbaumeifter 
zu Mainz 785. Graf v. Schulendburg zu London as. v. 
d. Schulenburg, NRittmeifter zu Neuftadt ss. Dr. Schultz, 
Hofrath zu Neubrandenburg 227. GSchulg, Plapmajor 
zu Braunfchweig 249. Schulge, Paſtor zu Ievenftedt 391. 
Schulz, Regierungsrat zu_Merfeburg 1276. Schulz, 
Lieutenant zu Wefel as. Schulze, Oberfteuerrard zu 
_ Linden 1300. v. Schulzendeim, Generalfteut. zu Stock— 
bolm 103. Schumader, Sceiftfieller zu Danzig 166. 
Squſter, Domänenrath Fu Kirchberg 758. Schwäris, Pas» 
fior zu Stroppen 370. Schwarz, Dokt. d. Med. zu Ers 
furt sıg. . Dr. Schwarz, Gebheim. Kirchenrath zu Heidel: 
berg 139.- von Shmargburg. Sonderebaufen. Guͤnther 
Friedrich Carl, Fürft_ 155. Schweigerd, Bughaͤndler zu 
Wien 729. Mag. Schweitzer, Lehrer zu Leipzig ısı6. 
Schwyzer, Statthalter/zu Luzern 490. Seel, Revifionds 
rath zu Niederfelterd soo. Seelmayr, Profeflor zu Dils 
lingen 475. v. Seelſtrang. Rittmeifer zu Gtriene 1900. 
Graf v. Seher:Thoß zu Bitſchin 1079. Seifert, Schul⸗ 
Ichrer zu Neudorf as. Geiler, Rendant zu Königsberg 
736% Geipel, Senior zu Neumalterddorf 123. Semper, 
" Dberförfter zu Conradswaldau 1192. Dr. Sengebuſch, Ju⸗ 
ſtizkanzleiadöokat zu Ratzehurg 35. Geyer, Oberförfter 
zu Montau 1112. Gevin, Lehrer zu Weißenftein ses. Dr. 
Sichert, Dekan zu Auerbach 105. Dr. Sickel, Hofrath 
wu feipzig 113. Dr. v. Siedmogrodzfi, Profeffor zu 
eoffen. ar. Mag. Sieghard, Desperprediger zu Leip⸗ 


on — -.- 


- 


XLVII 


8:68. Dr. Giemerting, praft. Arzt zu Stralſund 245, 

r. v. Sienen, Spndifuß zu Damdurg 49. Gigmund, 
Buchhändler zu Klagenfurt a. Pfr. Simon, su Meden- 
bad 173. D. Simon, Reg. Arzt zu Rieſendurg eı. Sin⸗ 
tenid‘, Pfarrer zu Großfhdnau 87. Boron von Sal zu 
Jungferndorf 10. Soͤffner. Vicedirektor zu Neiffe 66, 
Göhnden, Lehrer zu Mübldeim 102%. v. SolmdBraune 
feld, Fuͤrſt Wildelm zu Braunfels 75._ Sommer, Pafor 
zu Boigtödorf 707. Sondershauſen, Rand. d. Theol. zu 


" u Dr. Spangenberg, Prof. zu Albano oe. 
ar 


Spener, r zu Herren » Suljpad 366. Gtaf von 
Spiegel zum Diefenberg: Hanzleben, Gefandter zu Mün⸗ 
den soı. Dr. Spiro, Advofat zu Frankfurt a/M. 278. 
v. Spörfen, Priorin z. Kloſter Luͤne s8s. Springer, Pros 
feffor 3. Mergentheim cn. dv. Btadeiverg, Freih. z. SEt. 
Petersburg 777. v. Stadl⸗Pfeilhalten, Apotheker z. Augs⸗ 
burg 746. Stahr, Paſtor zu Pawellau 1801. M. BStange, 
Pfarrer z. Weißig 127. Stark, Landkommiffaͤr But⸗ 
teitäde- 919. Dr. Stark, Geb. Hofrath u. Profeſſor 2. 
Jena 378. . Saar, Kaufmann 3. Aachen ses. Dr. Gtas 
venbagen, prakt. Arzt 5. Züllichau 1017. &tegmann, Prie 
Yargelehrter 3. Augsburg 115. : Stegemann, Oberland» 

erichtöafleffor_ 3. Swinemünde 1095. Gtein, Euratuß 3. 

otbenburg a. d. T. 168. Freih. v. Stein, Kammerb. 


% Großkochberg ars. dv. Steiner, Banquier 3. Wien sıe. 


na Amtsrath zu Bernburg 1000. Gteinmann, 
Stadtrathspraͤſident zu St. Gallen 13. 9. Steinmeg, 
Geherallieut. 3. Potsdam ae. Dr. Stellmacher, Rath $- 
Heldburg cos. dv. Stephani, Fieimiertieur. z. Ratibor 1187. _ 
Dr, Steudel, Profeffor z. Xäbingen 833. v. Gtielau, 
Lieut. ** Riga 3. M. Gtieber, Prof. z. Ansbach 698. 
Dr. v. Stieler, Oberſtabsarzt zu Würzburg 1115. Stier, 
gute zu Reifen g22. - Stod, Major zu Arolien 3. ©. 
tockmaper, Generallieut. 3. Stuttgart 376. Gtodmäper, 
Dverfinangratd. 3. Stuttgart ss. Gtölzel, Kupferftecher 
. Dredden 140. Gtöver, Sefret. 3. Riga 730. v. Stol⸗ 
Berge Gedern, Yrinzeffin Guftavine 3. Sigmaringen 901+ 
Dr. Stoſch, prakt. art zu Berlin 1128. Graf’v. Etrach⸗ 
wis, Kämmerer zu Wien seo. Dr. v. Straub, Kammer⸗ 
rot 3. Schleiz 159. Streitwolf, Muſiker z. Göttingen St, 
Streſow, NRarböberr 3. Riga ss. Gträder, Landrentmeis 
fer 3. Lingen so. Grau v. Struve . —I 07. Stu⸗ 
enrauch, Zandraih z. Deetz aas- Stuber, Ho muſttze £ 
Zubmigstuf ** a Srubal rabigerihtarath 3 ar 
au a. DON pnagel, Regieruñgsp j 
lin 237. Stuͤnzner, Negierungsr. 3 Srantrurt ajD.1200 


v. GStrzer, Staatsratd im: Münden. 286 - v.-Stumpe,. 
SOberfſt 3. Hellbronn. so, Sturm, Balor 3. Stein Kun. 
endorf 837. Sudendorf, gahor z. Dadbergen 16 v. 
ufger, Generalmajor zu Uldaffenburg.ase. Gufemibl, 
Nosariud z. Möbel ııs. v. Sudner, Reichs⸗ u: Gtaatds. 
rath 3. Münden 57. von Spdow, Major z. Brieg 365, 
Dr. de Zailleg, Lehrer 3. Münden 473. Tannenberg, Or⸗ 
ganift z. Groitkau 468: Teichert, Doft. d. Med. z. Stol⸗ 
en 133. Teichgräber, Dberamimann 3. Warmbrunn 1093. 
eihmann, Brobft zu Oels 1161. Dr. Temler, Privasdos 
cent 4 Jena 1356. Dr. Thär, prakt. Arzt. z. Berlin 84. 
av 


— — Bres lau ss. ©. Thiefenhaufen, Major z. 
bame, Maler 3. Breslau 7377. Dr. Tbormeyer, Gymna⸗ 


nus, Prof. 3. Bremen 84. Triebel, — — T qas. 


Twele z. Quedlinburg gro, Tzaſchmann, Paſtor z. Sa⸗ 


an sag. Uhlhorn, Mechanjkus Grevenbroich 308. v. 


rims 645 Dr. Varjes, Landchirurgüs z. Hemmendorf 
Baser,. Juſtſtonm —**— 181. Dateri, 


” 


er %.D abrü —18 — v. eh 94 era 
febu ra, tum v. &ı Imerai 
— nes. Dölder,“ En berlin 77h, u 
Br Steuerinipektor'g. Mänden.ısor. M. Vogel, Palor 
u Chrifliannadt 397. ©. Dead, Malor ;. erlin 1515. 
Baar, Regierunger. J. Srankfürt o/D. 116. Vogel, 
'ebrer * aan ierfeld 0. Dr. dv. Vogel, Bed. Mebdicinofe 
ratb ER 53., Vogt, Paftor 5. Halver 17. Bot, 
Kt FR Sitbsurgbaufen — Major 
—9 — 546. , Dooß, Lebrer z. Borrkune ı Mid 
tr, Privatgeledrter 3. Hamburg 76. - Dr. F ner, vr 
fe for 3 Srepfing sı9. jagner, Kandidat 3. Halle 
ger, Domfapitular 3. Rottenburg a/N. 205; el 
baum, Gdriftgteßer 1. Welmar 218. Waldraff, Rath 
Haigerlod ose. Waltder, Stadtfaufreftor z. Tarnomig 
#1. Dr. Walg, Regimentöar; N Pois dam c32. v. ans 
jenheim, Kammerh. 3. Siebleben os. dv. Warnftedf, 
Samarıb. . Traventdal 26. . Warttig, Piarrer de Steft 
Dr. Beber, ußigfangtefabuatss zu Ro) 
Weber, ER d. Mebdic.. 4, Saweidnig 174. ne Bu 


Regierunger.. br Stettin Fat 


pub zu Düffeldor "ws. von, Weeh,. Hauptmann ya 

then 1043. Wegener, ——— a ibau_ 417; 

v. Vegeen Major ı. reßlau a9g. Dr, Weidig, Pfürs 
lol, Seivimarn IR Sangen 


"uf berglern * ei, 
fen eidinger, Kaufmann 3. 
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ell, ugeeibefiger.g. Matt 
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Celle abo. Wengel, © Gedeim. | 
Wenzel, Major 3. Frankfurt Fi 
ſarter 9. Dalbert 747. ©. Wei 
logau 236. Werkmeifter, Lande 
Werner, Major 3. Dannenberg 


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Med. g. Plauen 1295. Werner, Kanonikus 3. Stade 1206. 
Wefemann, Kaufmann 3. Nienburg so. ethoff,_ Pas 
& 3. Herne 111% . Widmann, Senator zu Roftod iso, 
intendahl, Generalfafleibreiber A hgnoder 2. Wis 

Aura, Juftigeard 3. Ratibor os. Wieffermann, Pfarrer - 
4. Lengerid 122. Wieland, Magifter 3. Dreöden soı. 
> — Generalmajor 3. Bredlau 104. Wie⸗ 

inger, Gymnaliatprofefl. 3: Zeobfhüg 1153.  Wiggerd, - 
jaftor z. Altendagen 1sı. dv. Wilamomig, Major z. Gas 
om 1320. Wild, Dokt, d: Med. Pt 1292. d. Wils 
Kia, Deemierlieut, 8: güben sos. iligmann, Major 3. 
Hiefpberg na. Windpreht, Whderantiquar zu Aus 
burg 229. -Wipprecht, Rektor 3. Adorf 1zos. MBitting, 
—8 3. Hanover ars. Wigendorf, Kaffirer 3. Leide 
si rs D Winleben, Dberlieutenant 3. ‚Dresden 367. 
v. Wigleden, Staatöminifter bi Berlin osı. Woplfart, 
Aeebiger 3. Gehen ze. Wodlleben, Referendar 3. Vers 

In 684  Woite, Gurdbefiger, auf, Reimannäfeldr, ca, 

LESE 


Woldennaa olff, 
Kreiöpppfitt f, Pahor 
% —8 ‚Hamburg 
SL FA v. Wrede, 
ftin_ Soj „Rittmels 
ter 3. Zalei mberg 374. 
auf, 8 ® an 
jaftor 3 in}. 
edt 756+ Blau. 282, 
von Wurm 341. von 
Zabuesnig Juſizdirek · 
tor zu Lieg: Eiegen 887. 
eißig, Dol Ir. Zenker, 
ofraih U. alfupeeint, 
u Gandert Duedlins 
urg 77. 1 n 3. Onas 
denberg sr 1109. Zims 
mermann, : ge femeier, 
fe u 8 Itenb. 114, 


DER, Rapısuıne gu omwı au un anne, Dbtehe 
ut, s. ——— 





—— — 


Erſte Abtheilung. 


Theile vollfiändigere, theils figzirte 
_ Kebensbefhreibungen. 


M. Metzolog 16. Sabre. - 1 —— 


.n 


» 


Nachtrag 


einiger im Jahr 1836 Verſtorbenen. 





* 1, Hans Heine. Rubolph Fode, 
Dr. med. u. ausübenber Arzt zu Trittau, in Hoͤlſtein; 
Beb. den 15. Aug. 17733 get. den 17. Jan. 1836. 


ode war zu Celle im Hannoverſchen geboren, bezeg 
nad dinkaͤnglicher Vorbereitung auf Säulen Die Unis 


verfität, um fi den medicinifchen Wiffenfchaften iu. 


widmen und wurde i. 3. 1798 zu Göttingen Doctor der 


Medicin und Chirurgie. Er ließ ſich nun ald Arzt zu 


Mdun im Herzogthum Lauenburg nieder, oa aber fon 
4800 nad Trittau im Holfeinifhen, mo er bi ji feinem 
Tode verblieb. Er binterfieh ald Witwe Karoline, geb, 
Stuhr, mit der er erſt feit einigen Jadren verbeirathet 
war. — Seine Inauguraldiſſertation, das Einzige, was 


von ihm erſchien, bat den Titel: De abdominis vulne- _ 


ribus. Goettingae 1798. 
&rempdorf. - DH. Schröder. 


* 2. Charlotte Philippine Eleonora Augufte 
Freiin von Boineburg⸗Lengsfeld, geborene 
v. Oheimb, 


Gattin des kurheſſ. Geh. Regierungbraths, Zehen, d. Bolneburg « 
| Eengöfeld in Weilar iim Weimar.) ; 


geb. am 11. Aug. 1767, get. am 21. Sau, 1856, ) 


Sie war zu Enzen ın der Gtafſchaft Schaumburg: 


Eippe, auf Dem Rittergut ihres Vaters geboren und die 


ochter Don Albrecht Chrift. von Odeimb, Erbberr auf 
Enzen, Helpenfen und Rinteln, deſſ. Generaltieutenant 


4 | | Srelin v. Boineburg⸗Lengsfeld. 


der Savallerie, Gouverneur der Feſtung Rinteln, Cura⸗ 
tor der dafigen Univerfität und Ritter der hdeſſ. Orden, 
. und von Sophie Sriederite Henrietse Gräfin von Mellin 
aus der Herrſchaft Fahnerow in.preuß. Pommern, Erbin 
- des Rittergutd Sädhemmern ohnweit preußiſch Minden, 
Ibrem Vater, der fih Durch feine hetvorſtechenden mis 
fisdrifhen Eigenſchaften, vereint mir den edelſten Ge 
-finnungen, die Kiebe und Achtung feined Zürften, feiner 
Gameraden und aller, die ibn Eannten, in dem Grade 
erworben hatte, daß fein Andenken noch lange nach feis 
nem Tode fortiebte, und der 66 Jahre in den Kriegen 
von 4734 bi6 1763 dem Haufe Selen gegen Sranfreich 
diente, worin er fieben ehrenvolle Wunden Ernie, war 
fie an Hergenöghte und moralifher Characterſtaͤrke doͤchſt 
bnlid. — don ald Kind war Wodlthun ihr ein 
befeligendes Gefuͤhl, daber verwandte fie ibr .erfpars 
sed Taſchengeld, um verwaiſte Kinder in die Schule 
su ſchicken, und fie fühlte ſich gluͤcklich, wenn fie ei⸗ 
. nen Tbeil ihrer Sreifiunden dazu verwenden fonnte, am 
für arme finder Kleidungdftüde zu verfertigen. ie 
fie an geiftiger Schöndeir zunahm, [ theilte ſich biefer 
Abglany ihrem Körper mit, fo daß der berühmte Maler 
Tiſchdein, der ihre Eltern porträtirte, von ihrer Geſichts⸗ 
bildung fd ergriffen wurde, daß er. im 12. Jahre ihres 
Alters fie malte, um bei einem allegorifhen Gemälde 
ald Bild der Sanfimuth fie darzuftelen. Sie verlebte 
ihre Jugendzeit bid zum J. 4783 mit ihren drei Schwe⸗ 
ftern im elterliden Haufe, wo das glücklichſte Familien. 
feben berrfchte, unter der forgfältigften Erjiebung einer 
bodgedildeten Mutter. Im 16. Jodr ihred Alters vers 
möhite fie id mit dem Sreiberrn Carl v. Hanftein, beff. 
Regierungsrath in Rinteln; aber nur vier en ſollte 
die glückliche Ede dauern, indem ein Nervenfchlag ihn 
“ von ihrer Seite riß. — Nach 1ljährigem Witmenftand . 
vermäblte fle fih am 25, Febr. 1785 mit dem heſſ. Juſtiz⸗ 
cart, dem Meihöfreiberrn Chriſtoph Ernfi Albrecht Abr, 
v. BSoineburg, Mitherr zu Genpefeld, Herda, Attenburg 
und Gelöberg. In Uhrer glädlihen Ehe, in welcher fie 
ihrem: Gemapl 16 Kinder geber, worunter 42 Söhne 
und 4 Töchter waren, genöß fie das feltene Gluͤck8 
Söhne und A Töchter erwachfen zu feben. Ihr Giück 
war vollkommen, ald alle Söhne in Staatödienften. fich 
befanden und fieben davon aus Neigung und ihrem 
Wunſche gemäß die militärtfche Laufbahn "ergriffen, ehren. 
‚vol die Kriege vom 3. 1806 bid 1815 mitmachten und 


Brclin v. Boineburg» Bengsfeld. 6 


Einer biß zum 8. ®. Generalmajor md Brigadier 
emporfomang, ‚aber Ale in den verfchiedenen Denken 
worin fie fi befanden, von ihren ürften mit dem 
Kammerberrntitel begnadigt wurden. El Sodne und 
gmei Töchter fah fie glüädlih und Randesmägig verdels 
zatdet, wodurd 4 Großmutter von.20 Enkeln und En, 
£elinnen ward, Um 25. Febr. 1835 feierte fie im ſtiden 
jamilienkreis ihrer Kinder ihre goldene Dermäplungd. 
jeler. — Gaf 51 Jadre dauerte dieſes glädlihe Samiliene 
‚band, wo fie ald treuefte Gattin dad Leben idres fo fehr 
-geliebten Mannes foralam pflegte, wo fie al& die zärt- 
ihfte Mutter raftlos für dad Wodl ihrer Kinder und 
Enkel forgte, wo fie als unveränderlide Sreundin aller 
ihrer Sefannten mwirfte_und mo_fie alen Bedrängten 
nad Kräften mit Troſt, Rath und That beizuſteden fuchte. 
aldi. I. 1836, am 12. Januar, ibr Gemabl erkrankte, 
defien Pflege fie mit der größten Gemiflenbaftigfeit bes 
forgte, ermedte dieled in Ihr eine folhe Beforgniß für - 
deflen Leben, daß fie, kaum von einem böfartigen Krampfe 
buften genefen, von demfelben wieder befallen wurde 
und eine. dazu getretene Zungenentzändung ibr Zeben 
nach einem fan fOmergendfofen, Kranfenlager endete. — 


Seltene ‚Denentaht >, Nttlihed Zart 
gefühl und de uslicte ım diefe edle Srau 
. aud._ Ohne den Un dung zu befigen, 
der fo oft der mweib og hut, mar fie 
‚Kennerin und Sreun in der Natur und 
Kunft und ihr feine: er ungezwungener 
Anand, wie ihr uberziges MWefen, 
mit weldem fie ebeı n Umgangöfreifen 


No frei und angenehm zu bemegen, al6 bei den unters 
gesrneigen Perfonen, felbft Dienfiboten, in edeifter 
eife ſid populär zu machen wußte, verfammelte nicht 
6108 in der Bläthe ihrer Tugend, fondern bis zu ihrem 
böchften Alter einen Kreis der reinen Bemunderer und . 
Verehrer um fie ber. Ihr ganzes Leben mar Wohlthun, 
in dem ſgoͤnen Act weibl gen ©inne, daß fie nicht 
bloß den Armen, namentlich ihren Gerictöuntergebenen, 
fünfzig Zabre bindurd eine wahre belfende Mutter war, 
fondern aud, daß fie für ibren edlen Gatten, fär ibre 
sahlreihe Familie allen Srennden der Welt, auch den 
unfQuldigten, mit Zuft und Liebe gern ensfagte felbt 
auf Spaferaängen und im Reifewagen (ohne daß fie es 
bei der Woblhabenpeit ihred Haufes nötbig'gebabt) mit 
häuslichen Arbeiten fid ununterbroden befpäftigte und 


+ 


— Brefin v. Boineburg⸗VLengsfeld. 


Dabei allejeit übt war, Jeden, der ihr Haus beſuchte 
mit der en ee Bean Dilaent Die 3 ts 


daben. In ihren ſpaͤtern Zabren (im Jahr 1819) ward 
ihr noch das 


Tode — mit folder Liebe zur Sache, mit fo unermüds 
lidem Streben, zu rathen und au helfen, mo fie Fonnte, 
bag ihr nit nur der fortaefeßte Beifall der böcdfen 
Berhägerin aller diefer wobhlthaͤtigen Anftalten zu Theil 
‚ wurde, fondern aud die aufrichtigfte einerfennung und 
‚ Xiebe_ aller derer, die zu jenen vielfach woblthätigen 
Zweden theils mitwirkten,, theils fonft ſolche Beltrebun. 
gr für menſchliches Wohl, vorzüglich in Rettung und 
efferung verwabrlofter Kinder zc. 2c. zu fihägen wiſſen. 


, . 
*238. 6. W. v. Brodes, 
e. din. Oderſtlieutenant a. D. zu Itedoe j 
geboren im Bebr. 1756, geſt. den 81. Jan. 1866 


jamburg iR mwahriheintih di 
m — — an er_eh 
eis berähmten amburaifeen id 
roded (farb 1747). Wann er in 
treten, if und nicht bekannt. € 
elben bl6 zum Dbent heutenanı, nal 
eine Entla| In r lebte dann ; 
Idren-zu Kiel und under in Jgeboe, von wo er eis 
sine Sabre ger feinem Tode nad dem nahen Münker 
te jo in der legten Zeit A er jedoch wieder bei 
jeinem I egerfopn au Sgeboe, wo er einige ze 
e volendetem 80. Lebensjahre dark, e war biß au 
feinen legten Tagen ein überaus räRiger Greis und 
wußte täglich einen Gpeslergang von einigen Stunde 
In, wenn er ſig mwobl befinden follte. Dabei war 





San biß qufegt fh, 1 YA R, % er ſig fogar wenige 


jededt dr ah hie er um —9 Erſaubniß an, bie 
Sanı nigin won Dänemark Äberreihen ju 
dürfen, was ihm auc gewährt wurde. ZAr feinen Zanded- 

10) degte er 8 ie gröte Unbänglidkeit und die 

jeburtörage Dei eiben, 38 wie andere denfeiden detref⸗ 
ſende Sehe, be In Immer Mein und trug dan 
feine —— mi Ärm. Seine belben Töchter wurden 
on amei Gebrüder Sauma er verbeiratbet, von denen 
der ältere an der. Sarchnig an Domfanle angehelt, 5 der 
jüngere aber Rector ber Suse ule 3 dedee it. Ein 
ob des Ledten erhielt air von al, — rlaupniß au aur pe den 
unfe ded Großvater den Namen öhumagır. 

n feiner Gattin Igor 9. Br._in den legten en 
Beten Sie Aberte ae ln Er war er und — 
von Perfon und in feinen Bewegungen fehr 
Im Drud erfhien von Ihm: —X für Dub weibilge 





se. 09. Eggers. 


(lehrt. — ib. d. arch, Holtſcen Gutes 
a I Ban, & * RE —XR 
en. — . 
Cempdort. “ D. 9. Schröder, 


* 4. Heinrich Peter v. Eggers *), 
®. dän. Gtatöratd zu Kopendagen; 
web. den 29. Dec. 1751, ge. den 19. März 1886. 


Der 1798 auf dem Schloffe Rankau in der glei 
gamigen GSraffbaft als Fönigl. dan. Conferenzratd un! 
Adminiftrator verforbene Heinrich Friedrich von Sggers 
Binterließ vier Söhne, melde alle anfehnliche Aemter im 
Baterlande bekleidet haben und aud ald Gäriftteller 
Defannt gewordeg find. Der berübmtefte wurde der 1813 


verkorbei ‚eiderrnftand erhobene Oberptäfdent 
von Kiel irich Detlev von Cagerd, der au 
als Poly r ‚Der ältee von den 4 Brüdern 
and der ı febende war aber unfer Heigrisd 
Peter vi welder zu Segeberg in Holkein 
g ven | tudirte_die Rechte und wurde 1776 

olontdı n Departement des Generalgoſtamts 


u Kopel.uun.., -..9 Canzleifecretär und 1781 auch 
matıh Im Erpeditionseompkoir DafelbR, 1794 wirtlicper: 
nzeleiratd und Gecretär, 1801 fupernumerdrer Director 
des Generalpoſtamis, 4802 wirkliber Zuftizrasd, bald 
darauf dritter Director und 1809 daniſcher Portmeifter in’ 

amburg. Nach mehreren Jahren ward er Etaisrath, 
jegte aber wegen Alterfhwäce endlich fein Amt nieder 
und, privatifirte Dann erft in Stiel, in der legten Zeit 
au Stopenhagen, wo er in dem boden Alter von mehr 
ald 84 Jadren aus dem Leben ging. Er _binterließ eine 

Witwe und fünf Kinder, von denen 4 Töchter. — Er 

mar ein guter Mathematiter und feine fehriftkellerifhen 

Wrbeiten find folgende: *Forklaring af den Schulziske 

Methode, at finde Längden til Söes, i Sammenligning med 

den nu brugelige Distancemaaling mellem Maane 0g Stier» 

ner, In der Din. Minerva. 1789. Dec, — On Grön- 
lands Oesterbygds sande Beliggenhed. Diefe Abhandlung 
wurde 4792 von der dänifhen Iandwirthfhaftlihen Ge⸗ 

feüſchaft mit ihrer 3. goldenen Medaille belohnt und im 

4. Bande ihrer Preiöfchriften, (Kopend. 1794) abgedrudt, 


Eine 


PERF Über ihn ſ. Im vorlg. Sadrg. d. M, Metr, 





Geyſer. — Si 9 ' 


Der Df. gab fie nadder au dent aus unter bem 
Kitel: Weber die wahre Lage des alten Oſtgroͤnlands. 
Kiel 1704. m. 2 Karten. 


Erempdorf. D. H. Schröder. | 
* 5, Andreas Johann Juſtus Genfer, 


Dr. med, et chir. u. pract. Art gu Kiel; 
geb. den 14. Sun. 1779, geft. den 21. Mär; 1886. 


adurc ein menſchenſcheues Weſen an, das fich nachher 
feinen unierf, 


ae . 
Kiel belegenen Kirchdorfe Borkau, nad einigen jahren 
aber wiederum nach Kiel. Erf einige “Sabre vor feinem 


Erempdorf.- . D. H. Schröder. 
* 6. Kaspar Dieterich Gleiß; 


- Bin. daͤn. Major u. Zollverwalter zu Neuſtadt in Holfteins 
Pr Tu den * Apr. 1776, geſt. den 80. 33 mo (Rei 
' eiß wurde. su Cismar im Herzogthum Holſtein 
eboren. Er widmete fich dem —A ward als 
remierlieutenant angeftellt, ward bierauf Capitaͤn, 1816 


‚mit dem- Character als Major verabfchieder und lebte 
- Bann in Reinfeld. Im J. 1824 wurde er zum Raths⸗ 


verwandten in Ploͤn beftellt und endlich im Mai 1831 zum 
Zollverwalter in Neufladt. Hier verlor er am 22. Sept. 
1832 feine Gattin, Sophia Wilhelmine, A Garlieb. 
Er fiberlebte fie nur 33 Jahr und dinterließ ſieben ver⸗ 
waiſte Kinder, — Er hat drucken laſſen? *Geographi⸗ 


30 Jebſen. 
ihung des dän, Staats, don Cheodor GIi 
a rakt aus dem Dänifchen. "S. gie 
. Altona. — Seine von ibm 18% auf Subfeription ano 
efündigte: „Dänemarkö Geſchichte im 19. Jahrbundert“ . 


a aungienen, Dr. 9. Schröder, 
* 7. Chriftoph Heinrich Jebſen, 


Conrector der Geyhrtenfſchule zu Gluͤcſtadt ; 
@eboren den 18. Dec. 1777, geſtorben den 80. März 1886. 


Als Sohn unbemittelter Eltern ward Zebfen zu 
Hufum im Herzogthum Schleöwig geboren. Auf der 
dortigen Gelehrtenf@ule vorgebildet, fiudirte er feit 1796 
u Kiel Theologie und mar bier unter andern auch Ger 
hilfe des rühmlichlt bekannten. Bibliothetard_und Pros 
. eflord Berend Kordes *), deſſen Speimürbigeß Wefen auf 
Zebfen Einfluß gebabt zu baben fdeint. r wurde 1804 
u Glühtadt eramMirt und nod_im felbigen Jahr an 
rer dafigen Gelehrtenichule ais Colaborator 'angeftellt, 
Schon 1802 ward er Conrector und Diefed it er bis an 
in Ende geblieben, Zwar fuchte er bäufig um eine 
redigerſtelle an, allein niemald glüdtte ed ihm, zur Wahl 
u tommen oder vom sonig angeRellt zu werden. Biel 
guid daran mögen wohl feine fehr freien Religionde 
anſichten — jein. Als Lehrer hatte J. einen anges 
nehmen Vortrag; aber feine Stenntniffe gingen nit tief. 
Dabei befaß er eine ungemeine Sertigfelt Im Gcimpfen 
und entfremdete_fih dadurch wanchem feiner Schüler. 
Als ein Vorzug feiner Lehrmethode aber muß gerähmst 
werben, daß er immer auf einen rein»Deutfhen Gtyl 
drang und es durchaus nicht leiden Eonnte, daß derfelbe 
dur aus fremden Sprachen entlednte Wörter entftellt 
wurde. Go durfte man 3. B. nicht Armee fagen, fons 


dern Heer, nit Coloniſt "  Pflanzbäirger. Daber 
werden auch die wenigen ungsproben aus dem 
Zateinifden Die datt Ten, als _trefli ges 
f&ägt. —, Don Character seht, ja Körrifh und 
ein Seind jeder böffchen € igeeit; dabei aber ein 
munterer Geſellſchafter @ _. _ ındheit war nicht Die 


fetete und befonders in den legten Jahren mußte er 
iöwellen DVierteljahre lang dir Stunden ausfetzen. 
Er kam daher aud 1833 um feine Entlaffung ein, aber 
—_— 


, 9 Defien Wiograpbie f. Im . Mebrolog Tadıg. 1. ©. 78, 


Go. 


nad felner Benefung- nahm er das Geſuq juräd, | 
ra dad Sihulcollegium fehr mänfhte, daß u abget 
möge. Dadurd entitanden denn mande Mißpelligkei: 
— demfelden und Zebfen, die erft mit feinem To 
er endlih an der rutmaferfugt erfolgte, beend 
wurden. Er binterließ_eine Witwe und vier Söhne 
dürftigen Umfdnden. Don den Söhnen ift der ltı 
jest Zifhler, der zweite Chirurg, der dritte Aporpek 
gebülfe und der vierte Terns die Gemärzkandlung. 
war von angenehmer Geftalt und in jlingern Jahren ſch 
u nennen, — e Sgriften find: Was If Sreu 
ſchaft und melden Werth bat fie? Probe einer Web 
kenne von Gicero'd Dialog üb. die Sreundf&aft. Sit 
tadt 1809. — Dorrede des Tit. Lidiug zu feiner rd 
GBefgihte und Zacitus Annalen 1. Bud, Cap. 1— 
überfegt. In den Glüdftädter Schulprogrammen t 
4811 u. 1812, — Sebfen mider Behrens, ein Derm 
nungd» und Berwäbrungöfihreiben an die Schlesw 
Holfteiner._ Glädit. 1818. — Don der Anwendung | 
ıft auf die — beil, &cı 





ion. E. Rede v. D. v. Cömar 
überf. u. mit einer Beilage geg. Pı 
fige Bemit, hegleitet, Ebend. 4818. 
ıder Elaus Harnis Lutheridum und mı 
jeboe. 1820. — Dffened Schreiben 
örshens Über den Religiondunterri 
fqufen, Salesw. 1323_ — Die v 
gebören dem bekannten Thefenftreit 
"pur Derbpeit aus. — Tebien n 


Dre 9. Schröder. 
* 8, Johann Friedrich Jock *), 


Odergerichtaad docat u. Actusziud zu Kiely 
gel.-1. 3. 1:87, geft, d. 17. Apr. 1886. 


u Bien, mo fein 1885 zu Kiel als Fön. dänifd 
Eonflerlatans FROH Georg_Sod ‘ 
damals Guperintendent des proteftantifchen Confitoriun 
war, wurde unfer Joh, $r, god geboren. an 3. 17 
Fam er. mit dem Vvater na Kiel und mäblte in t 
Golge, dur forgfäftige Schulbildung vorbereitet, a 


2 Eine kur . im vorig. dd 
©. FR, ng Furie Dtotip über ihn f. im vorig. Jahrg. d. N. Ne 
*=) Deflen Biograpbie f. im M. Weteolog Jahrs. 1% ©. Tu 





16 Ketelhodt. 


wieſen war. Ein zweiter ‚Bauptart feiner diplomatifhen 
Tpärigkeit mar der Beitrist zur großen Alliance ER en 
Sranfreih_zu Srankfurt aM. 1813 und die Adin on 
- zum beutfgen Bunde bei dem Congreg in Wien 1816. 
Ba diefen Gelegenheiten war, unfer Derforbener der 
Abgeordnete des rudolRädter Särftenthums und die welt, 
biktorifhe Wichtigkeit jener Verhandlung ift wohl der 
befte Beweiß, was Derfelde vermochte und welhes Bere 
trauen er genoß, daß gerade ihm dieſe Gefcäfte über, 
tragen wurden. Ebenfo bewerfitelligte er 1816 die Bes 
frelung von dem vormaligen RP oheitöverhältniffen 
in.Berlin. Seine bedeutendfte Schöpfung, für das ne 
Iand aber if wohl unftreitig_ die iandſchaftliche Ver⸗ 
faffung; weiche ganz fein Werk und _melder, wenn fie 
aucp_anderen neuerlichen dergleichen Infituten nit gang 
ur Seite zu ftellen fein folte, doch unbedingt das zum 
Borgöglieen Ruhme gereiht, daß fie eine von denjenigen 
war, welche am Zrübeten und unfered Willens die erfie 
nad der großer . meimarifhen ind Leben getreten find. 
Uußerdem ift fait AUeb entweder unmittelbar oder doch 
mittelbar von ihm audgegangen, was feit 1785 in dem, 
rudolNädter Sürftentdum in NRüdfiht auf Zegislationds, 
Zinange, Adminifirationd-, FJuſtiz - und Polizeimefen ꝛc. 
geiheben, und fo ift er In der et mehr oder weniger 
vorzugdmeife der eigentliche Schöpfer der während diefer 
Zeit in diefer Beziehung In jenem Sürftenthum fättgefuns 


denen Berbältniffe und zwar theil$ allein, theild unter der . " 


Autorität feines Vaters und theild unter Mitwirkung des 


‚ Sebeimenratd Imig. Noc ift zu gedenken, daß , 
er wäbrend D auch mis dem fürftt. Hofe med⸗ 
tere bedeuten‘ madte, wie namentlid mit dem 
Sürften Ludw in bie Schweiz, naı rankrei 
und Stalien. ib. feiner Samilienverbältnifle ii 
no zu ermäl t er 1792 fi mit Sräulein Caros 
Tine dhrite ” b, einer Tochter ded Hofmarfbal 
v. Kycebuſch rg vermaͤbite in welcher ehelihen 
Derdindung ‘ ar Reiner Defcendenz zu erfreuen 


batte, Dagege rd den edien Geift und das Ger 
märd feiner Gassen Geweinſchaft feiner (feaetonmen, 
ded_Gräufein Louife von Imhof, nahmals vereblichte 
». Holleben, dad gröötmdgliane bäuslihe Gläd_geneß, 
‚ fo daß man feaen ann, daß mit dem Tode diefer vor 
trefflihen Zebendgefährtin auch feine Kraft wie mit einem 
Sölage ‚gelähmt mar. In feinen lehten Tagen war 
mitbin feine einzige Erbeiterung die ‚liebevolle Theil 


® 


Hans Graf zu Rantzau⸗Breitenburg. 17 


. nahme „feiner entfernteren Verwandten und die Sreude, 
in des Bruderd Kindern feine mwärdigen Nachfolger zu 
erkennen. Gewiß, durch den Verflorbenen bat Särft und 
Materland einen Mann verloren, wie Zeit und Kalente 
nicht leicht einen zweiten und zu bieten vermögen !! 
Audolftadt. Julius Edermein. 


* 11. Hans Graf zu Ranpau: Breitenburg, 
kön. dän. Generalkriegs commiſſaͤr; 
"geboren I. J. 1765, gell. den 24. Apr. 1896. 


Graf Hand war der aͤlteſte Sohn des Reichsgrafen 
Sriedrich zu Ranhau und wurde auf dem Schloffe Brei 
tenburg in der Herrſchaft gleiches Namens in Holkein 

eboren. Nach dem am 24. Juli 1806 erfolgten Tode 
eined Vaters bätte er, als der aͤlteſte feiner Brüder, 
aud Befiger der Serribcht werden follen; allein in Ders 
anlaflung von DBerbältniffen, woräber dad Nädere uns 
unbekannt if wurde gerade der jüngfte Bruder, der 
etige Eön. dän. geheime Staatöminifter und Oberſchenk. 

rat Konrad zu Rantzau, Indaber der Herrſchaft Breis 
tenburg. Natürlich mußte Graf Hand Ab dadurch fehr 
beleidigt fühlen und er fol auch einen Schwur getdan 
baben,, nie wieder dad Schloß Breitenburg zu betreten, 
einen Schmur, den er auch, fo viel wir wien gebalten 


N 


dat. Er mäplte den reigend gelegenen Landfig Luifen 


berg in der Naͤde des dolſteiniſchen Fleckens Kelling- 
ufen zu feiner Wohnung und verliebte bier die beiten 
ahre feines Lebens. Am 12. Decbr. 1815 ernannte ibn 
Der König von Dänemark wum Oeneral» Kriegscommiflär. 
n den legten Jadren feines Lebens wohnte er in der 
dhe von Hamburg und in dieſer Stadt flarb_er am 
oben genannten Tage, in einem Alter von 71 Jahren. 


Seine Gemahlin, ausgezeihnet durch Scoͤnheit und, 


Liebenswärdigkeit, war eine Tochter des ebemal. Eönigl. 
dan. Staatdminifterd von Scheel. Sie farb lange vor 
idrem Gemahl, nachdem fie ibm Drei Töchter geſchenkt 
hatte, welche ihren Vater überleben. Die ältefte, Luife, 
iR Eonventualin im proteftansifden adlichen Sräuleinfhift 
zu Veterfen in Holftein, die zweite, Erneftine, ift mit 
dem Dichter Theodor von Kobbe, die jüngfte, Sophie, 
mir einem Bruder deffelben vermählt. — Seine Leiche 


ward von Hamburg nach Breitenburg geführt und in der 


dortigen Schloßkapelle beigefeßt: 
dert w geſes 


D. H. Schroͤder. 
Rt. Nekroloq. 18. Jabeg. 2 





18 a 
* 12, VDetten v. Buchwald *), 


#, dan. geheimer Gonferenzrath, Beſitzer des adl. Gutes Neudorf 
in Holſtein: 
“ geb. 1. I. 1767, gef. den 7. Maiis6. . 
Enntſproſſen aud einem der aͤlteſten adlichen Geſchlech⸗ 
ter Holfteind, wurde Detlev v. Buchwaldt, nachdem er 
fid auf der Univerfität mürbig dazu vorbereitet hatte, 
i. 3. 1799 ald Amtmann des Amtes Ciömar im Holſtein 
mit dem Titel eines koͤn. daͤn. Kammerherrn angefelt, 
Nachdem er diefed Amt einige Fahre. zur Zufriedenheit 
feines Zandeöberrn verwaltet hatte, erbielt. er eine ein» 
-trögtiere Stelle, indem er zum Amtmann der bolfteinis 
fen -Aemter Kiel und Bordeöbelm ernannt wurde, naͤm⸗ 
‚ki i. 3. 180%. Nach einer Reide von Jahren ward er 
endlid Amtmann der boffteinifden Aemter Plön und 
Ahrensboek und. als ſolcher erdielt er am 4. Aug. 1820, 
bei der Vermaͤblung der aͤlteſten Tochter feined Könige, 
den Titel eined geheimen Gonferenzratbd. Nachdem er 
früher das adlihe Gut Seedorf in Holftein befeffen und 
diefed an den Fürften von Schwarzburg- Rudolkadt vers 
kauft batte, Fam er in den Belig der adlichen Güter 
Grafau und Neudorf in Holftein. Einige Jahre vor 
feinem Tode zog er ſich von den Gefhäften zuräd und. 
widmete nun feine ganze Zeit der Verſchoͤnerung feines 
Gutes Neudorf, fo daß: felbiged, bereitd von der Natur 
reichlich ausgeftattet, Durch Des Beſitzers verſchoͤnernde 
Fa hervorgehoben, eines der lieblihften und anmu⸗ 
tbigfen Pläge Holſteins wurde. Befonderd audgezeichner 
it der im hoben und ſchoͤnen Styl angelegte Park Neus 
dorfd. ©. B. farb ald Witwer im 68. Lebensjahre und 
Binterfieß Kinder und Schwiegerfinder... 
Erempdorf. D.. H. Schröder. - 


* 413, Friedrich Adolph Graf von Holftein 
zu Holfteinburg *), 


Tin. daͤniſcher Kammerherr u. Mitglied der Rothſchilder Stände 
verfommlung, zu Holſteinburg in Dänemark; 
. geb. US. geſt. d. 21. Mai 1886. 
Don den Lebensumſtaͤnden dieſes für alles Wahre 
und Gute begeifterten Manneß I und nur befannt, Daß 
er am 23. Januar 1812 vom König, von Dänemark zum 


Ei — Motiz uͤber ihn . im vorig: Jahrgange d. Tetr. 


©. 083, tr. , 
8 Bine kurze ıc. S. 1028. Ne. he. 





Kindt. ' 19 


Stammıerderrn und 1834 zum Mitglied der Notdfdilder 
Staͤndeverſammlung ernannt wurde, Fi ber Bluͤthe 
feiner Jahte wurde er Dur ein Nervenfieber bingeraft. 
n betrauerten Vaterland und König nicht minder, als 
eine Wirwe, Wildelmine, geb. Gräfin v. Reventlow, feine 
Soͤhne und feine Pflegefühne. Er mar ausgezeichnet Dur 
edle fromme Gefinnung und gemeinnägige Wirkfamfeit. — 
Seine ſchriftſtelleriſchen Arbeiten And, fo viel und bes 
kannt geworden „ folgende: Weber die Mittel u. Wege, 
eine verſchwundene DBolfövertretung wieder berzuftellen. 
Sin den Kieler Blättern Bd.-5. 9.2. (1817). — Bu 
merkungen zu Nr. 16 im erftien Bande: Gollte ed wirk. 
li gut fein, ſtatt der Geldabgaben ‚Kormtieferungen ein, 
treten zu laften? In Sald’d Rantsbürgerlidem Magazin - 
Bd. % (1822). — Gräkernes Sag i Daumark. Kjöbh. 
1827. — Bidrag til Danmarks Krönike for 1828. Slagelse 
1829. — Svar til Mönster paa Hans Spörgsmaal ; Skalde 
de virkelig hos os väre gjört for meget for den inb. Un- 
dervisning. Slagelse 1829. — Om de Danske raadgivendo 
Provindsialständers Väsen og Värd. Slagelse 1881. 
Srempdorf. - D. 9. Schröder. 


* 14. Ferdinand Ludwig Friedrich Kindt *), 


Doctor d.. Died. u. Privatdocent derfelben zu Kiels 
geb. i. 5, 181 . „ gefl. den 28. Mai 1836, 

Eutin war Kindes Geburtsort und fein Vater, Hein 
ri Hugo, Hofapotheker daſelbſt. Er beſuchte die daſige 
Gelehrtenſchüle und widmete ſich auf der Univerfitdt den 
miedicinifden Wiſſenſchaften. Im J. 1833 ward, er zu 
- Kiel Doctor der Medicin und faßte den Entfehluß, fi 
dem afademifchen Lehrfache zu widmen. Er bielt daber 
feit Michaelis ſ. 3. auf gedachter Univerfitdt Vorleſun⸗ 

en, die nicht ohne Beifall blieben. Aber K. mar von 
indgeit an ſchwaͤchlich und erlag bald den wiſſenſchaft 
fihen Unftrengungen. Bald nah Anfang des J. 1896 
unbeilbar erkranfend, ließ er fih nad Eutin in dad 
Vaterdaus bringen, wo er am oben genannten Tage 
verſchied. Zwei Monate vorber, nämlich am 26. Märs, 
parte ibm feine geliebte Gattin. Karoline Amalie, eine 
ochter ded 1831 verftorbenen, in gefegnetem- Andenken 
Benenden Kieler. Profefferd der Medirin: Adolph Ftiedr. 


Lders **), einen. Sohn geboren, der aber noch Vor dem 
®. ) Eins turge Not über idn f. im votig. Sahrgangerd. Tele, 
°.) Defien Biogr. f. im W. Nekr. Jahrg. 9. ©. ru 





. 


20 Steinmann. 


Vater wieder aus dem Leben ging, Seiner Mutter ging 
der Tod des teuren Lebendgetährten fo fehr zu genen 
daß auch Re bald_in eine Krankpeit verfiel und bereits 
am —*2— 1836 ihm ind Grab folgte. Auch fie ſtarb 
u Eutin, betrauert von Schwiegereltern und den Ges 
chwiſtern des Gatten. — Außer feiner Inauguraldiſſer⸗ 
tation baben wir von ihm eine Abhand ung in Pfaſfs 
Mittbeilungen Jahrg. 81885. 9.1.2, S. 8—72: - 
„Dad erfte Athmen.“ 

Eremppdorf, D. 9. Schröter... 


* 15. Hanns Joachim Steinmann, 
Bewefener Gtadtratdepräfttent zu St. Gallens 
»1 geboren den 11. März 1769, geftorben den 5. Juni 1836. 5 
Sein Großvater, gleiches Namens, war Bürger 
meifter der vormaligen Republit der Stadt St. Gallen 
und farb 1.5. 1792 als der ältefte Mann In der Bürger 
ö Zu. ‚Der mittlere feiner drei Söhne, Kaspar, 


das ameite don neun Kindern derfelben und (ner erften 
Gatti n_ widniete 
er fib dem Berufe feined Water, der Babrifation 9. 


Um fe geräufeh 
mit ihm verbundene Gattin ihm eine Kinder gebar. In 


fihen Ernfte fe wie mit regem Bes 
dürfnig für eine feiner Anlagen, ais 
ibm der genofli ggbaten batte, ließ 
ihn ſich am lieb ckhieden und in den 
Stunden der D re fih im Geräufge 
der Welt verlo: dad Herz durd au 
gemäblte geetär, 1, Genuß der fhönen 
jatur auf einfa tonnte ihn häufiger 
feinen Siudlen ebfte Xecthre war Die 





N 8 indeln. Die &: dazu werd 
BE TREE rn 
md up! 


Steinmen. 21 


religidſe. Nachgerade würden feine Talente und Kennt⸗ 
niſſe auch feinen Mitbärgern bemerkbar und dieſe fingen 
an, ihn mit Öffentliben Aemtern zu befleiden. Kann es 
nicht geldugnet werden,. daß zu folden in Republifen 
mitunter auch blos der Beglterte und Müffige gelangt, 
dem die wahren Eigenfchaften eined Staatsdieners übri⸗ 
gend abgeben, fo ift dies doch wenigftend bei unferm 

t. nicht der Fall geweſen. Seine dußere Lage war 
allerdings der Annahme Öffentlicher Stellen aünftig, aber 
noch mehr befähigten ibn dazu Talente, Bildung und 
fein ganzer Charafter. Er befaß eine vorzüglide Vers 
Randeöftärfe, Daber ein klares, beſtimmtes, gründliche, 
siefgebendes Urtheil, zugleich auch ein trefliches Ges 
daͤchtniß. Sein Willen wer Eräftig und durchaus für 
Wahrheit und Recht entiwieden; fein Charakter bieder, 
offen, frei, wahr und ernft, für Mange, allzuernſt; fein 

eden und Thun befonnen und grundfäglich; fein ganzes 
Weſen anipruhdlod, doch von gebaltener Kraft Durch» 

Drungen; fein Umgang fein, gefällig und freundlich, Doc 
Immer auf der Grundlage tiefen Ernfted. Sein Leben 
war unbefcholten und zeigte in Allem den Chriſten, dem 
Die Vervollkommnung feiner felbft Die erfte Ungelegenbeit 
war. Sein Ueußeres — dab wir den Umriß noch volls 
enden — mar bingepen nicht befonderd anfpredend und 
machte blos den Eindrud von filler, innerer Wurde. 

ie Melanchthon trug_er -den Kopf nad der einen 
Schulter hin geneigt. Sein Körperbau war, bei gedoͤ⸗ 
- riger Länge, zart und ließ Fein hohes Alter erwarten. 
Schon I. T. 1808 ernannte der damalige Gemeinderath 
feiner Vaterſtadt ihn zum Mitgliede der Bürger» Armen 
commiffion, fodann i. J. 1808 an die Stelle feined eben 
verfiorbenen Schwiegervaters zum Verwalter des Breftens 
amtes (der bürgerliben Krankenanſtalt). Im folgenden 
Sabre berief ihn die Bürgerverfammlung St. Gallens in 
Den Gemeinderatb und damit begann feine Wirkſamkeit 
als Magiftrat feiner Baterftadt, worin er nabe an 25 Jahre 
ununterbrochen ausgebalten bat. Er fing dabei gar bald 
. an, nicht blod die Stelle eined Gemeinderathsmitglieds 
einfach zu befleiden, fondern ließ fid auch in Die mans 
nichigltistten Geſchaäftscommiſſionen und zu bedeutenden 
Nebenſtellen erwählen. So übernahm er i. 3. 1810 die 
Damals gefchaffene Stelle eined Adminiftratord des neuen 
Waiſenbauſes, trat 1812 der Gemeindekirchenvorfteber-, 
ſchaft bei, ward 1814 Mitglied des großen Raths des 
Cantons St. Salen, i. 3. 1815 Infpector der vadiani. 


23 Steinyann, 


en Bihliotdek und in ‚gleigen Jahre Steuereinnehmer 

r den Bezirk St. Gallen, Sein Unfehen wuchs, weil 
nicht durch dußern Glanz bewirkt, langfam, aber defto 
fiherer. — Bei der Einführung der neuen Derfaflung 
im Ganton St, Gallen i. 3. 1816 ward er abermald in 
Den Cantondrath 'gemäblt. Auch die Haupiſtadt erbielt 
damald eine veränderte Einrichtung, zum Theil — auß 
Rükfiht auf die, freilich vor bald zwei Decennten er⸗ 
folgte Einbuße fruͤderer Selbfiftändigfeit — mit einigen 
Vorredten vor den übrigen Cantonstheilen. An die Stelle 
des bisherigen Gemeinderatbd trat ein Stadtrath. St. 
wurde Mitglied deffelben und mit großer Mebrheit_Übere 
"trugen ibm den 17. Mai 1816 feine Mitbürger die Stelle 
des erften Proͤſidenten. In diefer Eigenfdaft ward er 
nachder mehrere Male beſtaͤtigt und Vverbarrte in Ihr, 
jährlih mit einem Eollegen abwechſelnd, bid zum Späte 
jahr 1831, d. b. bis zu einer abermaligen Verfaſſungs⸗ 
reform. Nebenbei übernahm er auch noch das Präfidium 
der Bibliothek, ließ ib im J. 1817 zum Mitgliede des 
Cohulrande erwäblen, deflen Präfidium idm im J. 1828, 
bertragen wurde, und trat im J. 1829 in den evange⸗ 
liſchen Tentral⸗ und Kirchenrath ded Cantond, In allen. 
diefen Beamtungen, die begreiflich faft alle feine Zeit 
in Anſpruch nahmen, mwirfte er mit der uneigennügigiten 
Hingebung, ne milfenbaftigfeit, Bünftlichfeit und Treue — 
unterftägt von der Kraft feiner religidfen Brundfäge, 
Seinen Mitbürgern fand er mit Rath und That un⸗ 
ermüber bei und mo ihm nod& ein Moment übrig blieb, 
da midmete er ibn am fiebfien einem gemeinnügigen 
melde. So fibernahm er das Präfidium in einer buͤrger⸗ 
lichen Alterdcaffe, das Eaffleramt der Bibelgefeufnaft . 
und mand’ anderes von untergeordnnetem Belang. Gern 
“ wohnte er au den Derfammlungen der Befanggefells 
(daft bei. Ergab fi bei irgend einem Anlaſſe die Ger 
- fegenbeit zu einem Öffentfihen näglihen Worte, fo vers 
ftand er ed befonderd, dieſe auf's refiane zu benugen. 
Seine Reden obſchon nit durch ſch 
gezeichnet, geflelen überaus mobi und drangen tief, meil 
He fo gang Ibn gaben, feinen patriorifchen und religidfen 
Sinn. zeigten und ſehr £örnig und gedankenreich waren, 
mitunter auch poetiſches Element enthielten. Goldene 
Worte ſprach er bei Erdfinung des neuen Waifenbaufed 
und der reorganifirten Maͤdcbenſchulen. Als im’ Spät -- 
jahr 2880 ein Derfaffungsrath für den Kanton St. Gallen ' 
gewählt wurde, trat St. auch In henfelben ein, zog fi 


nen DBortrag außs 


- 


Ley. | Tg 


dann aber von ißtigen Öffentliden Benmtungen gurdd, 
weil er, zwar noch nit Yie Meinung feiner Mitbärger 
über ſich, wohl aber feine Araft eiwas wanken fah. Aüch 
darin iegte er ſich ald der Gewiſſenhafte. Nur einige 
weniger bedeutende Stellen hatte er noch beibehalten. 
m Spätjähr 1895 entwidelte ſich dann bei ibm die 
ruſtwaſſerſucht und bald ſad er ich nur noch auf feine 
Stube beſchraͤnkt. Im Mai 1836 mußte er wegen Eng 
bräftigkeit drei volle Wochen im Krankenſeſſel binbringen. 
©eine Zeiden endeten am oben genannten Zage in einem 
fanften Hinübergange, den er dur Winken gen Himmel 
den Seinen andentete. Seine Mitbärger bejeigten ihre. 
CTheilnahme in zadlreichen Zeidendegleite und der Dekan 
Scheitlin forieb: „Drei orte an den veretwinten 
8 Steinmang, geweſenen Gemeindevorfteber. —— 
eriefung. St. Gallen 1837. 8.“ — wit ©t.'5 Bildni 
als Vignette. 
Gernet. 


* 16, Salomon Jakob Levy, 
Doctor der Med. und Ghirurgie und Arzt in Altona; 
geb. d. di. Ban: 1799, geb. d. 2% Sant Hd. ' 


war der Sodn ifreelitifder Eltern und u 


. . 29 

Sriedrichfladt im Herzogthume Schledwig geboren. Er 
ſtudirte ſeit 2820 zu Kiel Medirig und Chirurgie und 
ward 4822 dort Doctor derfelben. Er übte nun in Als 


tona die medicinifhe Prarid aus und wurde befonderd 


einen Glaubensgenoſſen, vorzüglich den minder Wohl 
dabenden ein bülfreiger Enget, da feine Vermoͤgens⸗ 
umfände es ihm erlaubten, letztere unentgeldlich zu bes 
dandeln. Er war ein ftiller, zur Schwermutd geneigter 
Mann und blieb Daher unverbeiratbet. Seine Mutter 
Emilie, geborene Meyer, führte feine Hausbaltung und 
mußte leider zu bald feinen Verluſt betrauern. Er farb 
piöglih in der Naht des oben ermähnten Tags. — 
Seine Snauguraldiffertation bat den Titel: Introductio 


. iu commentationem de asphyxia, sivo morto apparente, 


Liliae 1822. 


Crempdorf. D. 9. Schröder. 


Ro, 


.. 


2 c | 
17. Friedrich v. Moltke *), 
thu. dan. Seh. Coaferenzrath u. Ritter vom Elephanten⸗Orden, 
zu Waude auf Seeland; 
. ged. 1. 3. 1758, geft. Anfangs Julius 1886 "°)5 
v. Moltfe war feit 1782 Ammann über Dad Amt 


Bratöberg, in Norwegen, feit_ 1789 Stiftsamtmann zu 
Edrifkiandfand, feit 1790 zu Aggerhuus⸗Stiſt, fpäter 


: erfier Deputirter in der Seneraljolllammer, ward 1800 


räfident der daͤn. Ganzelei zu Kopenbagen, 1804 Prä 
dent ber Generalzoffammer, 1810 Bedeimer Staats⸗ 


minifter, 1811 Ritter vom Elepbantenorden. Er trat 1814 


außer Zunction, ward jedoch Director bei der Derefunds 
Bolltammer und nahm feinen Aufenthalt in Jütland, mo 
er 1316 Stiftsamtmann von Yalborg wurde, welches 
Amt er, Kraͤnklichkeit halber, mehrere Jahre vor feinen 
Tode niederlegte, fo wie ſpaͤter auch dad Directorat der 
Sund;Zollfammer. — Er mar febr gebildet und im 
Umgang angenehm und zeichnete Ach in amtlicher Bes 
ziehung durch Dienftwilligkeit und Ziberafität aus. 


* 18. Georg Ludw. Fr. v. Gusmann Pr), 


ebn. dan. Etatsrath, Syndicus u. erfier Stadtferretär zu Witone, 
Abgeordneter für den holſteiniſchen Landtag; 


neb. 1. S. 1771, gefl. d. 18. Juli 1886. 


Ueber Die einzelnen Zebendverbältniffe dieſes aus⸗ 
geielansten Mannes if und nichts Naͤberes bekamt. 
ur dad wiflen wir, daß er 1834 von Altorla zum bs 
eordneten für den holſteiniſchen Landtag ermählt wurbe, 
& ftarb im 65. Lebensjahre plöglich und unerwartet. Er 


. war ausgezeichnet durh unerfhütterliche Rechtſchaffendeit, 


raſtloſe Tdaͤtigkeit und Arbeitöliebe, verbunden mit gruͤnd⸗ 
licher Kenmniß aller Sorderungen feined Amtes und einer 
liebenswärdigen Humanitaͤt in ihrer Anwendung. Die 

anze Stadt betrauerte feinen Verluſt, wie feine Samilie. 
& war der erfte, Der von den 1835 zu einem Landtage 
verfammelt gewefenen hoffteinifhen Stände-Abgeordnneten 


durch den Tod abgerufen wurde. Ein Sreund, gleiche 


) Eine Burge Notiz über ihn f. im vorigen Jadrgang d. Rekr. 
Nr. 1 


5 Rad) dem Altonaer MMercuriuß. " 
© er —* kurze Notiz üder ihn €. im vorigen Jahrg. d. Nekr. 


“ 





| 


v. Bluͤcher. — Bargum. 886 


alls ein Mitglied jener Verſammlung, ſagt unter an- - 
derm im einem Nachruf, den er ibm widmete 9), von 
unferm ©.: „Auch er (wie Heim **) in Berlin), hatte kei⸗ 
nen Feind. Wie au feine Anfichten fein mochten, das 
Gute, dad Rechte, fo wie er ed erkannt, war fein Ziel, 
Redctſchaffenheit der Stempel feiner Handlungen. 
Erempdorf. ' . PD. H. Schroͤder. 


* 19. Cuno Bolfrath v. Blücher, 


Lin. din. Oberfi zu Schleöwig; 


— Ende des 18. Jabrhunderte y ——ã —— 
7 


Crempdorf. 


* 20. Chriſtian Thomas Bargum, 
Untergerichts advoeat u. Notarius zu Leck im ſchleswigſchen Amte 
Sondern; on 


Witwe Karoline Dorothea, nebſt 2 Kindern 


geb. i. J. 1806, geſt. Anfangs Auguſt 1836. 


. . Sein Date», Chriſtian Thomas, war zuerſt ſeit 1792 
aſtor zu Enge in der Probſtei Tondern im Schleswig⸗ 
ben und lebt noch jetzt als Paſtor zu Raepſtedt in ders 
ſelben Probfei. "Unfer Chriſtian Thomas, fein jüngfler 
Sohn und überhaupt das jüngfte feiner vier Kinder, 
befuchte, um fish dem Gelebrtenftande zu widmen, die 
Siensburger Schule und ſtudirte dann 5 Jabre in Kiel 
die Rechte, wo er ſich die Liebe ſeiner Commilitonen in | 
bobem Grade erwarb. Nach beflandenem Amtsexamen 
murde er zum Untergerichtöadvocaten ernannt, und erhielt 
bald darauf auch Die Erlaubnik, Notariatögefchäfte zu 


*) Sm Igehder Wochenblatt 1886.’ Nr. 81. 
°) Defien Biogr, ſ. N. Nelr, 12. Jahrg. ©. 106. _ 





26 Wendt, . 


treiben. Anfangs wodhnte er in der ſleswigſch 

ufum, einige zehre vor —X Code ee * er ang 

em Kirchdorfe Schon in $lendburg hatte er fi 
mit einer Demoifelle Adami, die ibm an Gabren weit 
überlegen war, verlarasen, und dieſe heirathete er auch, 
Tobald es feine Umftände erlaubten. Sie mußte ihn nur 
au bald verlieren ,. ben er (don im 32. Lebensjahr an 
Der Schmwindfuht farb, nachdem er erft Vater eines 
Kindes geworden war, — Er mar ein durchaus veatichaf 
fener Mam und wegen geſelliger Tugenden ſehr beliebt. 

Crempdorf. D. H. Schroͤder. 


* 21. Johann Amadeus Wendt *), 
Dofrath u. Profeſſor der Aeſthetik und Geſchichte der Philoſophle, 
wie auch Mitgl. d. Societät d. Wiſſenſchaften au Göttingen; 
"geb, den 29 Sept. 1788, get. ben 15. Dct. 1836. 

- W. war ein Mann, der den Ruf einer, nad viels 
fachen Seiten gerichteten Thätigkeit in vollem Maaſe 
verdient, und wenn ihm dabei vorgeworfen wird, er 
babe überhaupt nur die Beſchaͤftigung, yagin feſtes Ziel 


derfelben vor Augen gehabt, To fo a6 weniger ge 
laͤugnet, als durch eine Hinweiſung a FR ebens 
werbältmiffe erläutert und in das red geſtellt 


werden. Seine Lernbegierde führte ihn fon Er den 
Willenfhaften zu, aber die ohrhintelt "reiner Eitern fieß 
‚ihn one binlänglie Ungerhügung, er mußte mehr den 
Merbältniffen an einen N elaungen rolgen r befucte 
als Ertraneud die Thomadfchule feiner aterftads — 
und empfing hier von Roſt und Reichenbach — 
Bildung, von dem —x des Gewandhaus⸗ 
concertes unentgelbiich | te in der practifcben und 
tbeorerifhen Muflt. San bierdurch wurde Die ins 
neigung zur Aefiderif begr nder und ed wäre zu wün 
ewefen, daß er ſidd dieſer Richtung ganz eberlarfen 
Bätte- Allein feine Eltern und feine VBerbäftniffe rierhen 
gem Studium: der whenionie und wirklich begann er 
iefe. Laufbahn 1801. Daß er dabei nicht Aber das Ge⸗ 
woͤhnliche dinauskam, Läßt ſich Teicht ermeifen , und eini e 
Verſuche zu predigen befundeten, wie die Ganz een 
fo” eigentlid der Drt feiner Berufsthätigkeit fi. ıı 
ungleich größerm Eifer hatte er dagegen den Borlefungen 


e. ‚alte kurge Notlg übe ide f. Im vorigen Acdes. des Mekr. 


Wendt. 27 


m den ee und nur verwandte Dice Iplinen 
fommte er cultiviren, namentlich. bei feinem Winter 
aufenthalt in Dredden, Mufit und Poeſie. Dann bezo 
, er mit feinem Zoͤglinge die Unverfdt um. fab id no 
einmal zu einer ibm fern liegenden Thätigkeit, zum 
Studium der Reewiitenfdaft, genoͤthigt. ein * 
ling datte dieſe Wiſſenſchaft zum Beruf ermählt un 
3. mußte Dabei die Reperitionen leiten. Im J. 1807 
gab er diefe Stellung auf bereitese fib von nun an 
rubig auf die academifche Laufbahn vor und babilitirte 
& 1808 zu Leipzig. Außerordentlicher Profeſſor wurde 
er 1811, ien —* Vorleſungen über Religions⸗ 
pbilo opdie und v»pilofopbifhe Redisledre, und vers 
e damit mannichfache andere Arbeiten. So wurde 
er Praͤfes einer pfpologifhen Socierät, arbeitete aͤſthe⸗ 
nie und biftorife Artikel für dad Eonverfationslericon 
aus und. Aedte alfo nach doͤchſt abweichenden Richtungen, 
die entweder nicht volkommen oder nur in einem genialen 
Geiſte vereinigt werden koͤnnen. Auch Die im 9% 1816 
erlangte ordentliche Profeſſur lenkte feine Tätigkeit 
nit auf Diefen einen Punct. Er murde Nebacteur des 
Leipziger Kunſtblatts von 1817— 18, ferner des Taſchen⸗ 
buchs zum gefelligen Dergnügen, au erſchienen Auffäge 
von ihm im jorgenblatt, in der Zeitun g für die elegante 
et, in der £eipzi Nger und Berliner mufikalifpen Zeitung. 
abei hielt er orlefun en über Pf ipwolog ie, Fo 
Mefideti und Ketigionspbilo — — ja ſogar Zweck. 
es ar und Zufunft der Maurerei. Im 
elf er den Titel eines großberzogl. deffen» 
—ã— Hofraths, Nach dem Tode Bouterweks **) 
wurde er 1829 zu der durch Diefen erledi ten 
Arofeflur berufen und verpflichtete Ad zu Bortr 
der Aeſthetik und — der Dbifofopbie, Zweige b 
Ppitofopdie, die nurs Wenige mit einander vereinigen, 





® . e . 1] o » 9, 
2, Defen Moon. 12, Sabya- od I, et. ©, 


BB Meendt. 


und noch Wenigere mit Gluͤck. Bouterwek batte Die 
Möglichkeit gezeigt und W. war ihm darin nachgefolgt, 
allein nah Wendt’d Tode find dieſe beiden Disciplinen, 
wie ed nöthig mar, wieder getrennt. Der Ruf, welcher 
W. voraudgegangen war, zog ihm mehr Juhdrer herbei, 
ala feine Dortr ge ſelbſt und eb konnte Darum nur 
beträbend für ihn, nicht auffallend erfheinen, wenn ſich 
Die Anzahf feiner Zuhörer bald verminderte. Aus Der 
Serne hatte man nur fein Geiftiged kennen gelernt und 
ſchaͤren mäüflen, weil ed f&ägendwerth war; jedt Tab 
man ſeine Acußerlichkeit und vergaß darüber das Wahre. 
r war fleiner, ſchwaͤchlicher Statur, zeigte bei feinen 
Vorträgen mebr_ Unrube ald Lebbaftigkeit und fprach 
mit alzu fichtdarer Anftrengung. Solche Aeußerlichkeiten 
jgüten nun zwar bei der ernſten Wilfenf&aft gar nicht in 
. Betracht gejogen werden, allein es bleibt beim Sollen 
fo lange der Menſch ein finnlihes Werfen bleibt. Dazu 
Tom Dann no, daß W. feiner Schule angehörte und 
nit Ruhe und Muße fand, oder auch zu mild Dachte, um 
ein eigened Spftem aufzubauen. Er koͤnnte daher weder 
. Die Anhänger fremder Schulen anzieden, noch einen Kreis 
eigner Schüler um fi verfammeln. Die ae war zu 
bewegt und dur große Gegenfäge zu aufgereist, ald 
Daß ein Eklekticismus hätte Anklang finden Fünnen. Wo 
Aues aufgeregt if, bört man nicht gern die rubigen 
Stimmen. Im äußern und innern Kriege gilt leider 
nur zu oft Neutralität den ftreitenden Parteien ald Seinds 
feligkeit, immer wenigſtens ald ein Zeichen von Schwäde. 
Er datıe es fi) zum Zielpunct feines Strebend gemadt, 
Dad Zeben mit der Schule zu vermitteln, weil er ſad, wie 
‚weit beide ſich in neuerer Zeit von einander entfernten. 
Die Schule von _den lebendigern Geiftern, meinte er, 
. unterliegt dem Vorwurfe, daß fe fih felbft vernebelt . 
und verfümmert in mefenlofen Abfractionen, während 
bem bewegten Leben mit vollem Rechte Zerriffendeit und 
Sdeenlofigfeit vorgeworfen wird. Darum fonnten fi) 
denn auch, feiner Anſicht nach, beide nicht eher vereinigen, 
al& bis aud beiden das feindlihe Element ausgeſchieden 
fel und es verdient Anerkennung und Danf, daß er 
dieſe Ausſcheidung ſtets beforderte. Daß er Dabei fremdes 
Leben und Denken mehr aufzufaſſen ſtrebte, als mit eignen 
Syſtemen hervorzutreten —*2 begreift ſich und es 
iſt nur zu bedauern, daß dies nicht immer von ſeinen 
Beurtheilern berädfihtigt it. — Als Schriftſteller war er 
außerordeutlich thaͤtig und es erſchienen von ibm, außer 


J Weandt. 20 


einer Menge groͤßerer und kleinerer —— -De fan- 
damento et origine dominii 1808. Durch Vertheidigung 
dieſer Abhandlung habilitirte er ſich in Leipzig. — De 
confinio po&seos epicae atque historiae 1811, Programm 
au dem Antritt der außerordentliden Profeffur Mm Zeips 
zig. — Grundzüge der phil. Rechtslehre; zum Gebrauch 
Bei Vorlefungen. Leipzig 1811. Auch in Diefem Werfe 
fiept man, mie forgfam W. Leben und Schule zu vere 
einigen firebte.” Die practifbe Anſicht ſchien ihm une 
wiſſenſchaftlich, die wiſſenſchaftliche unfrugibar und darum 
Verſchmelzung nöthig. Die Idee ded Nechtd entmidelt 
er philoſophiſch, um für die Rechtswiſſenſchaft ein Grunde 
rincip zu gewinnen und bleibt bei diefer Abftraction 
ob immer auf practifhem ‚Boden fieben oder kehrt 
wenigftend ftetd dahin zurück. Hätte er nur die Idee 
ded Redts ſchaͤrfer umgränzt, wäre er mit Dem Licht 
Der Philoſophie bis zu den legten, nod immer dunflen 
Gruͤnden Ddiefer Idee binabgefiegen , fo müßte man 
Elagen, daß Dies Buch nicht allgemeiner benugt wird. — 
Ueber ben Gebraud der. Pſychologie bei der Bibel« 
“ erflärung 1816. Diefe Abhandlung fchrieb er ald einen 
Beitrag zu der Laufiger Predigergefelfchafl. — De re- 
rum principiis secundum Pythagoraeos 1827. Ein Antrittds 
programm zu der ordentliden Profeffur, welche er 1814 
erhielt. Weber denfelben Gegenſtand, erfolgte ein Auffag’ 
in den Berl. Jahrbuͤchern 1828. Stuͤck 38 Doch hat 
er dieſen ſchwierigen Gegenftand nicht mit Gluͤck bes. 
arbeitet. Reinhold in Jena gab eine befondere Schrift: 
Beiträge zur. Erläuterung der Pythagor. Metapbpfik, 
Jena 1877, gegen die Anfichten 28.8 heraus. Zugleich 
traten die Schriften berühmter Zeitgenoffen hervor, welche 
die Aufmerkfamfeit auf ſich berüberzogen. Vorzuͤglich 
ind bier zu nennen, Ritter, Diffin, Brandis. — Taͤſchen⸗ 
buch zum gefeligen Vergnügen 18%21— 25. Die geachtet⸗ 
ſten Schrififteller unterlügten ihn bei diefen Unternebs 
mungen und traten dadurd mit ibm in nähere Beruͤh⸗ 
rung. — Roſſini's Leben und Arbeiten, Leipzig 18%. 
Sn diefer Schrift bewährte er feine_tiefern Kenntniffe 
der Mufif, da er dad Innere der Roflinifchen Werke 
darzulegen firebt. — Ueber Zwed, Mittel, Gegenwart 
und zukun t der Maurerei. Leipzig 1823. — Tenne 
mannd Grundriß der Geſchichte der Philofophie. 3. Aufl. 
1820. 4. Aufl. 1825. Diefe hoͤchſt ſgaͤtzbare Arbeit ver 
. dient Die dankbarſte Beachtung und bat fie wirklich ges 
funden. Sie das nicht allein in kurzer Zeit mehrere 








39 Wendt. 
Auflagen erfebt, ſondern iſt durch Ueberſetzungen in die 
meiſten neuern Sprachen uͤberge angen namentlich in 
das Franzoͤſifche, Engtiſche nnd Stallenifhe. Das jum 
Orundg tegende Tennemannfde Werk dat zwar großen» 
tbeild den Stoff geliefert, allein es bedurfte Berichtis 
gungen und einer bequemern Sorm. " Beides har W. 
geleiftet. Die Beurtdeilung der nenern Spiteme genägt 
mar nicht überall, afein fie fanden dem Verfaſſer noch 
n der Zeit zu nahe, ald daß er fie hätte klar uͤberblicken 
koͤnnen. Einige, wie 3. B. dad Herbartſche, lagen ibm 
Dagegen in der Richtung zu fern und er Fonnte daher 
nicht mit der noͤthigen Sicherheit ihren Gang zeichnen. 
‚ Uber wer die Schwierigkeiten Fennt, die mit der Ges 
f&ichte der Philoſophie verfnüpft find, wird Died nicht 
zu doc onfdblagen. Mit Herausgabe ber größern Tennes 
mannfchen Geſchichte der Philofopdie befhäftigte er ſich 


gleichfals. — De ratione, quae inter religionem et 
hilosophiam intercedit 1829. Programm beim Antritz 
r Profeffur zu Göttingen. — Ueber die Haupt 


erioden der ſchoͤnen Kunſt oder die Zunft im Laufe der 
eltgeſchichte dargeftellt. Leipzig 1831. Die dee des 
Merfs ift ſchoͤn und groß; mit der Ausführung, meil es 
ihm noch an Vorarbeiten gemangelt habe, wollte Wendt 
ent nicht recht zufrieden fein. Doc fand es vielfeitig 
nflang. Eine Weberfegung in dad Schwediſche (Be- 
traktelser öfver den sköna Konstens Hufwud perioder. 
Oefversätning af C. A. Bagge. Stockholm 1885.) zeugt 
Bavon. — Steuer deutfcher Muſenalmanach. In Leipzig 
begonnen, fortgefegt in Söttingen, dann aber unter der 
Beitung Chamiflo’d und G. Schwab’. Wendt hat nur 
wenig eigne Productionen geliefert, allein die Auswahl 
Ber aufgenommenen Gedichte zeugt von einem feinen 
Gefchmack und richtigem Tact. Bei der nicht ganz uns 
egrändeten Klage, mit Schiller und Göthe*) fei die 
joefle zu Grabe gegangen, mußte eine ſolche Erſcheinung 
Doppelt erfreuen. Wer in die Klage undedingt eine 
Rimmte, ſchlage nur W.s Mufenalmanad duf und er 
wird feine Meinung modiflciren. Daß übrigens au in 
Diefem Werke die allgemeine Tendenz Wendt's, zu ver 
föbnen., erfannt werden kann, davon überzeugt der erfte 
Blick. Das lyriſche Element tritt in neuerer Zeit aus 
unferer Literatur fat ganz zuräd_und man fiebt „mit 
Bedauern die entfundene Kluft. W. trägt ein Werfftäd 


°) Deffen Biogr. f. Im 10. Jadıg. des N. Nete. ©. 197, 


N 





Behrmam. . st 


perbei, fle aubzufällen und er hat es nicht ohne Nuten 
ethan. — In den letzten Fahren feined Lebens ber 
Kodttigte ſich W. mit Ausarbeitung einer allgemeinen 
efidetif, die aber unvollender geblieben und deren 
Seransgabe faum zu boffen ik. In feinen häuslichen 
- Berbältniffen erſchien Wendt ald ein durchaus achtungs⸗ 
werther und liebensmwärdiger Mann. Ein frommer und 
in der Schule der Erfahrung gereifter Sinn geb ſich 
überall fund. Vermaͤhlt war er mit Henriette Soͤlitzſch. 
der Tochter eined Beamten zu Zeipsig, melde noch 
egenwärtig zu Göttingen mwohndaft ift. Die einzige, 
Dinterlaffene Tochter ift mit einem englifden Schrift, 
fteller, Sohn Kemble, vermäble und lebt in London, 
Sie iR Erbin von ded Vaters feinem, gebildeten Beifte. 
Wendt ftarb_an einer Nervenlädmung. — Uußer den 
enannten Werfen gab er noch heraus: Weibhgefchenf 
der Univerfität zuͤ Leipzig bei ihrer 4. Sdcularteier den 
4. Dec. 1809, dargebraht von der aͤſthet. Geſellſch. ꝛtc. 
keipzig 1800. — Die Religion an ſich und in ihrem 
Verdaͤitniſſe für Wiſſenſchaft, Kunſt, Leben und zu den 


pofltiven Sormen derfelben. Sulzbach 1818. — Jod. 


giramger, der Möndh vom Libanon, ein dramatiſches 
edicht. 9. ſehr verand. Aufl. mit e. Vorrede. Leip 


- 


4817, — Ueber den gegenwärtigen Zuftand der Dank | 


befonders in Deutfchland. Göttingen 1836. — Eieferte. 


viele Beitr. zu Fournalen u. andern Schriften. 
* 22. Heinrich Behrmann, 


Tin. din. Canzleirath zu Altona; 
geb. den 6. Zr, 1770, neſt. den 2. Det. 1836. 


In dem Dorfe Garftedt, Kirchfpield Quickborn, in 
ver dolſteiniſchen Herrſchaft Pinneberg, erblidte B. dag 
Licht der Welt. Er wurde zum Gelehrten gebildet auf 
dem academifden Gymnaſium zu Altona und fudirte 
dann 3 Tahre zu Jena Theologſe. Im J. 1802 Fam er 
nad Kopenhagen ünd wurde Lehrer an dem Erziehungs» 
infitute von C. J. R. Chrikiani zu Veſterbroe bei 
Kopendagen. Dierauf wurde er 1806 Adjunct und 1810 
Dberlehrer an der. Kathedralſchule zu Rothſchild, 181% 
aber Ardivarius bei-der Schledw., » Haft. : £auenb. Canzlei 
zu Kopenhagen mit dem Titel Canzleirath. Da er fi 
die daͤniſche Geſchichtze zum Sanpritubluin erwäblt und 
fd bereits durch Schriften ald. trefflichen Geſchichts 


forfiper bewaͤhrt hatte; ſo ward er auch von der koͤnigt. 


52 « Wendel. 
Geſellſchaft für vaterländiiche Geſhichte und Sprache 
und von der ffandinav. Kiteraturgefelt&aft in Kopenbagen 
zum Mlitglied erwählt, wie er denn fon zu Jena Din 
glied der dertigen lateiniſchen Geſellſchaft geworden war. 
ei beranndbendem Alter erbielt er auf Anſuchen am 
10. November 1829 die Entlaffung von feinem Amt in. 
Kopendagen und begab fih nun als WPrivatgelehrter 
nach Altona, wo er am oben genannten Tage an der 
Waflerfucht verfbied. Er binterlieg ein Kind. — Seine 
Echrifien find: Geſchichte König Chriſtian ded Zweiten. 
Ar Th. Kopenh. und Lelpz. 1805. — Haandbog i den 
tydske prosa: iske Litteratur. Kjöbenh. 1808. — An 
‚ den sidste pavelige Legats Joh. Aug. Arcemboldi Ophold 
og Forhold i Danmark under Kong Christian II: In den 
“ Spriften der ffandin. Literaturgefelfhaft von 1810. — 
Udsigt af den almindige Verdens Historie i 5 Tabeller. 
Kjöbenh. 1811. — Christian den andens fängsels-og Be- - 
- frielses-Historie, efter Documenter udarbeidet. Kjöbenh. 
1812. (Erfhien zuerſt ald Sculprogr.) — Om nogle 
fremmede Troppers Ophold her i Danmark under Kong 
Christian JI., og derer og Kongens Forhold mod hin- 
anden, efter Documenter udarbeidet, som et Indbydel. 
seskrift til den offentlige September- Examen. Kjöbenh. 
1812. — Kurze Darftellung des politifchen Verhaltens 
Dänemarks in den legten Jahren. Kopend. und- Altona 
4813. Dänifh 1814. — Geſchichte Chriſtian I. und 
feined Gefäugniffed. Kopend. 1813 u. 14. 2 Thle. — 
Grundris til Roeskilde Domkirkes og dens Monumenters 
Historie og Beskrivelse, med Kobbere. Kjöbh. 1815. — 
“Kong Christian II. Historie. 3 Del. Med Kongeris Portrait. 
Kjöbh. 1817. Außerdem lieferte er Beiträge zum Neuen 
inifhen Magazin und zu dem Archiv. für Staatd» und 
irdengefhichte. Sein im Novbr. 1834 angefindigter: 
Bericht über die Verbandlungen der legten Schlesw.⸗ 
Hoff. Landtagscommiſſion in den Jahren 1711 u. 4712, 
nn Driginalurfunden, ift. nicht erjchienen. | 
empdorf. D. 9. Shröber.. 


* 23, Johann Georg Zriedrih Wendel, . 
‚Buchdrudereibefiger u. Stadthauptmann zu Nendöburg in .Dolftein; 
geb. 1. 3. 1793, geſt. d. 29. Deck. 1836. 

Der Geburtdort, fo wie die frühern Lebendverhäft- 
niffe dieſes Mannes, der fi um Nensdburg fehr ver, 
diens gemacht bar und alſo bier wobl einen Kleinen 


Lorengen. ‚88 


+ 24. Caͤſar Eduard —8 gorengen, 
Doctor der Philoſophie zu Oldesloe in Holfteiny 
geb. i. 3, 1807, set. den 10. Nov, 1886. 


Diefer für die Wiſſenſchaften zu früh verſtorbene 
junge Gelehrte war ein Sohn des Juſtizraths, Dr. med. 
und Apothekers Friedrich Auguſt — in der bols 
ſteinſchen Stadt Oldesloe. Da er. frühzeitig viele Tas 
iente zeigte und feine Eltern fehr vermögend wären, 
Ba wurde er dem Gelebrtenflande gewidmet. Auf der 

ule gewann er die Philologie lieb und fegte auf 
8 Uniberhtät die De Befadtigung mit perfel n fort. 
Zu Antan er er zu Goͤttingen „pacor 
der Doilofepdie, ber ſchwaͤchlich von Jugend auf, ef tlas 

MR. Rekrolog. 15. Jahrg. 8 ,-. 


BE. ee "Huber. j 


. er, Ind. Baterband zurädgekehrt, am oben genannten 

Tage der Schwindſucht. — Seine Inauguraldiſſertation 
(Göttingae 1834.) handelt: De rebus Atheriensium Pericle 
potissimum duce gestis. 


Crempdorf. D. H. Sdroͤder. 
* 25. David Chriſtoph Huber, 


Pfarrex zu St. Leondard, Zuchthausprediger und Schulrath In 
St. Ballen, Mitglied des wiflenfchaftl. Wereind, des Bibliothek⸗ 
sallegiumd und der Huͤlfsgeſellſchaft dafelbft, fo wie der Predigers 
witwencafle der evangel. Gantondgeiftlicykeitz 
. deboren dan 8. März 1777, geftorben den 5. Dec. 1886. 


Er wurde in ©. Gallen geboren, das dritte der 
Stinder in der zahlreichen Samilie des ſanetgalliſchen 
Prediger Chriſtian Huber. In den Schulen zeichnete 
er ſich nicht ausz blos im Singen zeigte auch er das 
althergebrachte Talent feiner Samille, Nach vollendeten 
Schuljahren wollte er ſich dem Buchbinderhandmwerfe, 
widmen; allein fein Obeim, der angefebene Btadtpfarrer 
G. 8, Scherrer, wänfdte, daß er ſich dem geiftlihen 
Stande zuwenden möchte, in welchem er in ununters 
brocener Reide fünf Ahnen zaͤhlte. Nach dem i. 3. 1794 
erfolgten Hinſcheiden feines Vaters mahm_ genannter 
Obeim ihn in fein Haus auf. Seinen Studiencurs 
machte er ganz in dem academifhen Spmnafium feiner 
Vaterſtadt, welches damald auch einen Lehrſtuhl tar 
die Theologie datte. Da er aber nie Neigung für 
feinen Beruf gernann, fo feiftete er in den Studien nur 
das Nötdigfte, doch dieſes gewiſſenhaft. Daneben gab 
er fid mit Muſik ab, bildete ein Eleined Studenten⸗ 
conzert für Serenaden und vicarirte einige Zeit in den - 
Sefangkaufen des Gymnaſiums. Auch nahm-er zu Ans 
fang 1798 die Stelle eined Eantord in der franzoͤſiſchen 
Kirche, etwas fpäter zugleich diejenige in der. deutſchen 
Haupteirche (&. Lauren;) an. Am 26. Apr. 1799 befland 
er fein thevlogifches Eramen und ward bieranfam 8. Mai 
um geiftlihen Stand eingeweiht. Unterm 29. uni 
effelven Jahrs erhielt er die Bergpfarre Tegerſchen 
im Tokenburg, drei dis vier Stunden von feiner Vater 
adt entfernt, Dad Predigen machte ihm. anfänglicy 
übe, ward ihm aber bald fehr geläufig und er pflegte 
von.da an ſmmer nur nach bloßen Schematiömen vor 
qzutragen. Seiner Gemeine gehörte er mit aller Treue 
und fteter Dienffertigkeit an. Vergeblich war feine 


+ 


\ 


Huber. ' 85 


Bemähung, dad neue Kirchengeſangouch S. Gatten 
auch in Tegerfhen einzuführen. Gegen Ende 1799 hatte 
er ſich mit Eliſabeth ZoNikofer von Attenklingen, von 
©. Gallen, verehelidt. Im Januar 1801 farb ihm 
Defe feine Gattin und er verehelichte ſich zum zweiten 
Mal, im Sept. 1801, mit Maria Barbara, einer Tochter 
des Rathsherrn Kaltfamidt von Lindau. In gleitbem 
Monat berief ihn der Schulraih von ©. Salen In feine 
Baterftadt zurüd, indem er iym die Lehrerſtelle an der 
Finften Slaffe des Gymmaſiums (eigentlich eine Real— 
fhule) Abertrug, womit auch ein Antheil an der Pfarre 
Zinfebühi *%) verbunden war. Zugleid ward er zum 
Katechet in ©; Leonhard gewählt und bald darauf 
auch zum.-Befangiehrer, Zu Anfang des Jahrs 1804 
vertaufßte er Die Koredifation zu S. Leonhard mit der» 
jenigen am Xinfebähl. Freiwillig trat er bei der neuen 
Schuleinrichtung im Sräbjahr 1805 aus feiner Realſchule 
und tie ih die zweite Primarfchule gefallen. Doch im 
naͤmlichen Jahre verließ er mit einigen feiner Eollegen 
die Vaterſtadt wieder._ Die Bantondregierung batte ibn, 
auf dad Gefuc der. Gemeine bin, am 10. Juni zum 
Pfarrer zu Bernang im Rdeinthal, erwählt. In der 
(vönen, fruchtbaren Gegend verlebse er angenehme Jahre 
im Schooße feiner anwachfenden- Familie und der -ihn 
um feiner Rechtlichkeit, Dienſtbefliſſendeit und Amtstreue 
wilien edrenden Gemeine. Seine Amisgensſſen wählten 
ibn im Aug. 1809 zum Actuar des Eapiteld Rheintbal; 
auch war er zur Einführung des ſanctgalliſchen Befang» 
buqhs ſehr thaͤtig. Gleichwohl ließ er ſich, auf Betrieb 
feines Obdeims, Decan Scherrer, gern wieder nach 
S. Gallen zurückberufen, namentlich um der ſich mehten⸗ 
den Bedärtniffe feiner Familie pihen. Der Gemeinde⸗ 
rath äbertrug ibm unterm 25. Mai 1813 Die zweite Pfarre 
fiede zu ©. Zeondard. Den 6. Juli ward er Mitglied 
des Eraminationcollegiumsd und folgenden Tags Actuar 
derfeiden. Mehrere fleinere Stellen übergehen wir, 
Den 3. Yuguft 1815- übertrug der Schulratb ibm Die 
dritte und’ vierte Primarfhule am (fogenannten) Gym⸗ 
nefium. Dabei blieb er gleiamoh! in feiner Marrſtelle. 
Als trener und tächtiger Wefpäftämann ſah er ich noch 
obenein bald zu diefer, bald zu jener kleinern Beamtung 


° Ailteltir kin in der Bannmelle &. Gallen! , feit 1584 u8 
u. farrel Gedoch nur unter dem Titel von "Pfarrastbeitung) 
e en. * 

8* 

6 


- 


6.0000 Huber. 


geiogen — fo im I. 1816 zum Yetarlat der -Bpnobe, 
& apiteld 


. R. 
©. Magnuskirche, im Maͤrz 1822 Regiftrator in Der Stadts 


x . 


1 v ü 
Derftand und feine Krenge Rechtlichkeit machte 
fi fi F eo ch ten 


mar 
Stadtbidliothek. Dies blieb er bis 188, in melden 


mit allen idm obliegenden neuen Einrichtungen. Im 
Sommer ded leutgenannten Jahrs ward er von der 
©tadtbärgerverfammlung auch zum Mitgliede des Schul, 
raths ernannt. Seit einigen Jahren batten feine Kräfte 
ein wenig zu wanfen angefangen und er hatte namentlich 

nit rheumatifchen Uebeln zu kämpfen. Gegen Ende 
Nov. 1836 ward er von der Lungenentzündung befallen 

und die Entleerung eines Zungengefhwärd bradte ibn 
in große Gefahr; auch entkräftete ibn Sieber. Nach einem 
geringen Anfceln von Beflerwerden führte der Ausbruch 
eined zweiten Zungengefpmärd in _der Nacht vom 4. auf 
den 5, Decbr. einen tödtliden Stidfuß herbei, Sein 


v. Warnſtedt. 8” 


. Ende war ibm und jedermann unermartet, da er 
jeachtet bene Störungen, I feiner Sermbgeit, 


mmarhin ein Mann 1m fain nam 


* 26, Zriedr. Xemil Georg v. Warnſtedt *), 
tn. dän. Rammerherr, Dberlandivege s Inſpector in Hoiſtein und 
Witten vom Dannebrog, zu Traventdals 
geboren 1. 3. 179. , geforden d. 10. Dec. 1896. 


., „Weber den Geburtdort und die Jugendverhaͤltniſſe 
diefeß für Holkein „ ‚früh in der Blüthe feiner Jahre 
verforbenen Manned find wir miht unserridtet, Er 
murde bald nad) vollendeten Studien zum Fün. —8 
Kammerjunker ernannt und erhielt I... 1824 das Amt 


eu. ae tur Botie über ide f. Im vorig. Jahegange d. Metz. 


40 Briefe. | 


1 diſchen Ge dichte. Er RKarh im 69. Alterdjahre und 
ah: von 20 Kindern Bee Söhne. Einer ln 


ebt in Schweden, ein gweiter, Gufan Mdolpd mit- 


Namen, ik Auditeur beim Leibregiment der Königin von 
Dänemark, welches in Gluͤckſtadt garnifonirt. — 8.8 
ſchriftſtelleriſche Zeiftungen find folgende: Adelaide. Ein 
Gedicht in 7 Sefängen. Gotha 1815. — Dichtungen. 
Schleswig 1822. — Untterblickeit. Ein Gedidt in 
2 Gefängen. Altona 188. — Das gerettete Malta. 
Ein epifhes Gedicht in 22 Gefängen. 2 Thle. Altona. 
ichte Nr Be 

.] und in. 


4820, Halemd Irene, zum Morgenblatt, zum Taſchen⸗ 
buch Eidore, zu Winfried Nordiſchem Mufenalmanadh, 





1837. 


29. Karl Ferdinand Friefe, 
Staatsſecretaͤr u. Chefs Präfident der koͤnigl. Bank su Berlins: 
geb, den 23. Juli 1770, geft. den 5. (&.) San. 1837 *). 
Sein Vater, der Amtsrath und Begegainague des 
i. J. 1797. 


„ königl. Domönenamtd Riefenburg war, farb 
Sriete’d Geburtdort it jedoch nic Runen fondern 


4 


dad adlige Gut Kanten, wo feine Mutter idre Eltern. 
deren Eigenthum Died war, damald eben befucht hatte, 
F. genoß nie Schulunterrit, fondern wurde mit ſeinem 
Jüngern Bruder ganı im elterlichen peut Tä und von 
Haüslehrern gebildes und. es iR ein rühmliches Zeugniß 


®) Mac ders Preuß. Staatbzeitung 1687, Fr. 89 u. 40 





Sriefe. | 4 


Der Tagdordnung wer. Die a EN je 
eined Ge ⸗ 


20 J re alt, in den Zn⸗ataduenß als Auscultator bei 
der em Oberlandesgericht 
in Marienwerder. Er entwickelte bier fräb eine Bent e 


uftizcommiflarien gemähft wurden. Ihnen lag diejenige 
Eorefege ob: Side damdid ob den Kriegs⸗ umd 


‘ 


ren, doch durch 


42 Frieſe. 


Domänentanmern vorbehalten mar. Die Verhaͤltni 

jener Zeit waren der Beförderung fähiger junger Männer 
jefonders guͤnſtig, In den großen Ermerbungen, meide 
dem preußifhen Staate in den Jahren 1793 und 1795 
suflelen, einer Bodenfläde von 1842 geogr. Duadrat 
meilen, von mehr ald 2 Millionen Menſchen bewohnt, 


- mußte Zuftigpolizei und Finanzverwaltung ganz neu ges 


ſchaffen und das Perfonal dazu aus den Beamten Der 
alten Provinzen entnommen werden, wodurch überall 
Stelten erledigt wurden. Die Geſchaftskenntniß und 
Dienfitreue ded Aſſiſtenzraths 8. Eonnten bierbei nicht 
überfeben werden und er wurde desdalb [don im 

26. Zebentjahre 1796 zum Kriegs- und Domänenrath 
und zweiten Zuftitiariud bei der meftpreuß. Kammer zu 
Marienmwerder befördert. Schon um diefe Zeit begannen 
in den oͤſtlichen Provinzen des preußifden Staatd Ders’ 
änderungen in der Verwaltung bervorzutreten, welchen 
weſentlich diefelden Anfihten und Ueberzeugungen jum 
Grunde lagen, die nah dem Frieden zu Tilſit einen 
gänzlihen Umſchwung der Polizei- und Sinanzgefengebung 
m preuß. Staate bemirkten, Der Sreiberr v. Schrötter, 


| entfproffen aus einer Bamilie, die im Beftge beträchtlicher 


Samiliengüter mar, batte ſich von früheſter Tugend an 
dem Mititärdienfte gewidmet, war darin durch alle Grade 
is um Stabsofficier gekiegen und ftand zulegt als 
itglied in der Abtbeilung bed Oberkriegscollegiums 
r Die Cavallerie, als er plöglich zur Kameralvermaltung 
erging, als Dberpräfident nad Preußen gefandt un 
wenige Sabre Dacder sum Staatöminifter im Generals 
Disectoriun und Chef der ſechs Kriegs⸗ und Domänen» 
kammern zu Königöberg, Gumbinnen, Marienmwerder, 


- Qromberg, Plozk und Bialiftod pefoͤrdert wurde. Schröt« 
ter ermaad die Bedfirfniffe diefer großen Landestheile 


nad) dem, mad ein ausgebreiteter Umgang mit den ans 
gefebenften Gutsbeſitzern, hoͤhern Militär- und Civil⸗ 
eamten und eigne Anſicht ibn gelehrt hatten und er 
fühlte in fid den Muth und die Kraft, dieſen Bedürf⸗ 
en almälig forsfchreitend abzubelfen. Seine Gehuͤlfen 
rad waren Männer aus den Samilien theild der ans 
ebnlichſten Gutsbeſitzer, theild der Generalpächter der 
weitſchidtigen Domänen der Provinz, arößtentheild in 
derfeiven. felbft gebildet und wenn auch jünger an Jab⸗ 
re £ebensverbältniffe mit dem Zuftande 
der Landwirtbfchaft und der Landleute aus eigener Anſicht 
befannt. Noch im legten Jahrzehend des achtzehnten 


vo 


[4 


Frieſe. | 48 


⸗ 


gegen Zablung in überfeeifhen Waaren” und baarem 


| Der preußifße Landwirth batte vor dem polnifchen vors 


Mbfag abzuwarten. Hierin lag : n großer Reiz dard 
u u erzeugen u 


fen aud idren Bergwerken zu beziehen; diefe febr all» 
emeinen Bedürfniffe mußten demnach großentbeild aus 
en Oftfeebäfen entnommen werben; aber auch bier tra 
ten der vortheilbafteften Derforgung der kaufmoͤnniſchen 
Waarenlager dad Galzmonopol des Staats und bie 
Auflagen auf fchwedifhes Eiſen zu Gunſten des obe 
sieh ben und auf nordifchen. Hering wu Bunften be} 
mder entgegen. Auch Zuder, Kaffee und Tabak unter 
lagen fo dohen Einfubrabgaben oder doch wenigftend fh 
Iöftigen Controlen für die Durdfuhr, Daß auch darin 
die preußifde Kaufmaunnſchaſt die Mitbewerbung der 
von der Natur ſonſt wenig begänfigten curiſchen Häfen 


2N “ 4 


44 Brief. R 


ien gefördert werden. Zunaͤchſt ward in der 
ermaltung der Ueberzeugung Raum ge⸗ 


durch langjährige, folgerechte Arbeit ergeugten Veredlung 
des Bodens mangelt. Demgemaͤß war 

zdn der Domänenländereien, als Annaͤherung auf 
ie Eigentbumdyerleibung, möglich bingemirft, Da des 
ren volltändige Ver ngerung damald noch unflatthaft 
war. Endlid ward auch erfannt, wie gemeinſchaͤdlich 
alle Bannrechte Dadurch werden, Daß der Zwang zwiſchen 


® 
x 


Frife | 45 


Berechtigten und Verp ichteten das Maas für die Lei⸗ 


einander fordern können; ein Maas, das dauernd nur 
der Mitbemerbung fo — 
e 


beträchtlich: der Handel ging lebhaft. England entnahm 
ri — von KB ven . ob 
zahlte dafür bode Preife, Holland 
und Schweden braudten noch jährlid Roggen, das 
füdlide Spanien Bauholz. Die Zufubr aus den vor⸗ 
mals polniſchen Provinzen war anfepntich : nad) der Auf⸗ 
Iöfung des polniſchen Reichs trat 
jelpen eine größere Regſamkeit zu wirtbfchaftliden Ver⸗ 


ch m 
mit Leichtigkeit anſebnliche Geldremen zur Abloͤſung von 
— 


zu bezeichnen, in welcher auch der Kriegs⸗ und Domdnens 
rath k thaͤtig mitumirten veranlaßt war. Er that died 


er 
auch aus dem Militärdienk zur Bewirthſchaftung feines 
Ritterguts, dann zur Zandratbfielle, ferner zur Direction 
der Röndifhen Seuerfocietät und endlich zur Kamerale 
verwaltung übergegangen, ald Bräfident erft der Kriegs⸗ 
und Domdnenfammer zu Warienwerder, dann ald ge 
meinfchaftlicher Bräfident der Kammern zu Koͤnigsber 
und Gumbinnen, der thaͤtigſte Befoͤrderer der vorfeben 
beſchriebenen Unternehmungen war. äriefe’d Leikungen 
als Mitglied der weftpreußifchen Kammer erwarben ibm. 


SR. Netr 11. Jahrg. S. R2. 


46 Briefe 


endlich auch den Beifall des Staatöminifterd v. Schröter 
in lolchem Maafe, dab er ihn unter feiner unmittelbaren 
geitung nad Berlin berief und ihm Berträge im preuß. 
Departement des Gengraldirectoriums übertrug. Hier 
empfing er unterm 26. Septbr. 1805 die Beftallung ald 
Geheimer Kriegs. und Domaͤnenraih. Als der Minifter 
von Scroͤtter In Folge der Unfälle im Spätherbfte des 
ahres 1806 Berlin verließ, erhielt 5. Befehl, ibn nach . 
reußen zu begleiten. Er blieb dort leid in der Naͤde 
eines Chefs und hatte Den mefentlidften Antheil an den 
nordnungen, welche während der nädftfolgenden hoͤcht 
ſchwierigen Zeit von demfelben auögingen. Der Friede 
n Tilſit vom 9. Juli 1807 traf die große Maffe der 
ation um fo fchmerzlidher, als fie bis Dabin in dem 
Borräden der franzölifhen Heere nur vorüdergebende 
Erfolge gefeben, dauernde Folgen deſſelben von foldem 
Umfange jedoch keineswegs geaburt batte, 1% der großen 
Medrzahl lebte fortan das Gefühl: es müfle jede noch 
vorhandene Kraft aufgeboten werden, um die weſemliche 
verlorene Selpfitändigkeis wiederum zu erringen und 


! 


- kein Dpfer fei zu theuer, Fein Mittel zu bedenklich, 


wenn es zu dieſem Zwecke führe. Hiermit ſchwanden 
Die Hinderniffe, welche bisder noch einer volltändigeren 
Anwendung der Weberzeugungen entgegenfonden , die 
ſchon feit einem Jahrzehend in dem’ irtungöfreife des 
Miniſters von Schrötter leitende waren. Es trat hinzu, 
Daß Dftpreußen unmittelbar nach dem Tilſiter Srieden 
vereinzelt ftand, weil die franzöf. Verwaltung weſtwaͤrts 
der Weichfel vorer® noch fortdauerte: die befondern 
Bedärfniffe Diefer Provinz traten daher Aberwiegend vor 
und ihr Zuſtand erleihterte wichtige Fortſchritte. In 
Dfipreußen machte nie, wie vormald größtentbeild im 
Deutſchland, die Luft erbuntertbänig: das ift, Niemand 
ward daſelbſt Erbunterthan des Grundherrn, weil er ſich 
auf feiner Befigung niederlieg. Nur allein durch Geburt 
ward: die Erbuntertbänigfeit fortgepflanzt und da die 
Peſt von 17410 die Dörfer befonders entvoͤlkert batte und 
ein febr großer Theil: der jegigen Landbewodner aus 
Abkoͤmmlingen fremder und einbeimifher Anzöglinge bes 
ftebt, fo befanden ſich uͤberall viel freie Leute unter den 
Srbuntertbanen. Ueberall haste ſchon Friedrich Wilbelm I. 
im 3. 4722 die Erbunterthaͤnigkeit auf ſeinen oſtpreuß. 
Domänengütern aufgehoben, mozu fat drei Viertheile 
Litthauens und auch fehr beträchtliche Laͤndereten in den 
übrigen Theilen Oftpreußens gehörten. Der Unterfchied 


‚def 47 


gwifden freien tınd erbunterthänigen Landbemohnern trag 
deshalb dier um To fchärfer vor und die Nachtbeile, 
welche dem Grundherrn ſelbſt aus diefem DBerbältni 
erwuchſen, waren fo einleudtend, daß ſchon bei Bes 
arbeitung des oftpreußifden Provinzialrechis die Stimme 
für Aufpebung der Erbunterthänigkeit fat überwiegend 
murde. Oſtpreußen batte feine Fabriken von einiger 
Erpeblickeit: es befand daber kein Provinzialintereffe, 
den Eingang fremder Fabrikate zu befchränten und volle 
panel reideit erſchien Daher bier unbedenklicyer, als 
n 


irgend einem andern Theile des preußiſchen Gtaat$, - 


Daher ward auch wirklig ſchon in jener träben Zeit die 
Einfuhr aller fremden Fabrikate oſtwaͤrts der Weichfef 
gegen eine. Steuer von nur einem Zwoͤlftheile des Werth6 
pe attet, während fie weſtwaͤrts der Weichfel erft mit 
em Anfange des Jahres 1819 in Zolge des Gefenes 
vom 26. Mai 1818 erlaubt werden konnte. So bes 
günftigte der Zuftand von Dftpreugen in diefen zwei 
wihtigen Beziehungen und wohl noch in vielen minder 
Blar dervortretenden die neue Regierung der Gefeßs 
gebung, melde ſich von dort aus feit 1807 Über den 
ganzen Staat verbreitete. So lange der Sig der Res 

erung deflelben in Oftpreugen verblieb und ein befons 

eres en herum beftand, war der Sreiberr 
v. Schrötter dierdei ſehr weſentlich thänig und Zriefem 
übertrug fein Dertrauen eine fehr wirkfame Theilnahme. 
In Oftpreußen ward ſchon I. J. 1808 der Mühlenzwang 


nbabern der Bauergüter auf den Domänen daß volle 
igenthum ihrer Döfe verliehen, der Zunftzwang in dem 
ewerbe der Bäder und Schlädter abgelel und der 


" eine angemeffene Entfhädigung aufgehoben, deñ 


Verkehr auf den Wochenmaͤrkten der Städte von den 


bisherigen Beſchraͤnkungen befreit. Beſonders verdienſtlich 
Efbeint Frieſe's Antheil an den mwidtigen organiſchen 
efegen, melde in den beiden Testen Monaten des 
Jahres 1808 den Hausbalt der Städte und die Vers 
daͤltniſſe der oberften Verwaltungsbehoͤrden ganz neu 
gefaltet haben: namentlich alfo an der Städteordnung 
vom 19. November, dem Publicandum wegen veränderter 
. Derfaflung der oberften Staatähebörde vom 16. Dechr., 
er Juſtruction für die Dberpräfidenten vom 23., der 
rordnung wegen veränderter Einrihtung der Previnjials 
polizei und Sinanzbehörden vom 26. und der Geſchaͤfts 
inftruction, gleichfaus vom 26. des vorkenannten Monats. 
In Solge dirfer Sefege wurden für Die'innere Verwaltung 


* 


46 5 Fricke. 


des ganzen Stagts drei Minifterien, des Innern, der 
Sufis Has der Sinanzen erriäätet. Das erſte derfelben 


erdielt der Graf Dohna⸗Schlo Itten 4 früher Gebeimer 
Sinanzrath im Departement ded Staatöminifterd v. Schröts 


ser, es enthielt 4 Abtheilungen, für Polizei, Gewerbe, 
Unterricht und Gefeggebung; bei der erften, welcher der 


Minifter felbft_unmittelbar vorftand, ward 5. als erfter 
vortragender Rath mit dem Character ald Staatsrath 
unterm 6. Dec, 1808 angeftellt. Im Dechr. 1809 ward 
der Sitz der Regierung wieder nach Berlin verlegt und 
Sriefe kehrte nun auch babin durüd: Befonders wichtig 
dienen damals zwei organiihe Geſetze, wodurch Die 


Verfaſſung der ländlichen Gemeinen feitgekellt und eine 


algemeine Derpflidtung zum Militaͤrdienſt eingeführt 
werden follte. Zum erften entwarf 5. im Auftrage des 
Grafen au Dohna eine ländlihe Communalordnung ; die 
Schwierigkeit, ein felbfifändiged Gemeinwefen mit der 
Beachtung der grundberrlihen Rechte zu vereinigen, if 


indeß vielfach wiederholter Verſuche ungeachtet bis jegt 


unaufloͤslich geblieben. Auch die Verkandlungen wegen 
Einführung der allgemeinen Mititdrpflichtigkeit, woran 
Sriefe, ald Abgeordneter des Minikeriumd ded Innern, 
einen ebrenbaften Antheil nahm, gedieben erft fpdter 
ur Reife und ed trat Diefelbe erft durch das Geſetz vom’ 
& Sept, 1814 voltändig ind Leben. Weberbaupt [dien 
das Bedürfniß Diefer däftern Zeit eine größere Einheit 
der Anfihten und entſchiednere Richtung der VBermwaltun 

au fordern, als Die für einen rubigern Zeitraum ber» 
nete Vertheilung der Geſchaͤfte vorerſt gewähren Eonnte, 
Der König ftellte-daher mitteld Gabinetsordre vom 6. “In 

1210 den Sreiherrn, nachmald Zürften von Hardenbe 

ald Staatöfanzler an die Spige der Verwaltung. Die 
Minifterien, der_Zinanzen und bald nachher auch des - 
Innern loͤſten ſich nun in ihre einzelnen Abtheilungen 
auf, melden Gebeime Staatöräthe unter der oberiten 
Zeitung des Staatskanzlers norflanden. Zriefe blieb in 
feiner Stellung bei der Abtbeilung für die allgemeine 
Polizei und zeichnete, fo ftetö dur folgerechtes Bes 
barren auf den Grundfägen aus, in deren Entwidelung 
die Derwaltung mit wechfelndem Erfolge fortf&ritt. Im 
Yinerfennung feiner Zuverläffigkeit und Thaͤtigkelt ward 
8. von dem Staatöfanzler unterm 22. Oct. 4813 beauf⸗ 
tragt, der Behörde ald Mitglied beizutreten, welche 


*) Deffen Biogr. f. Im 9. Sabıg. des N, Nett. ©, 294 





" rief 49 


nach dem Siege bei Leipzig gu gemeinfamen Verwaltung 
der von den verbänbeten Heeren eroberten Länder uns 
ter der Zeitung ded Staatöminifterd Freiherrn v. Stein *) 
befellt wurde. Diefe Bebörde Begleitete Die vorruͤckenden 
Heere nach Sranfreih und bid Paris. Dafelpft erfolgte 
zwar nad dem Abfchluffe des Friedens vom 30. Mai 
4814 wegen der Verwaltung der eroberten Provinzen 
weſtwaͤrts des Rheins eine Vereinbarung, vermöge wel⸗ 
her zwiſchen dem Meere und der Maad Großbritannien, 
zmifhen der Maad und Moſel Preußen, zwifden der 
Mofel und dem Rhein Deftreih die befondere Dermals 
tung übernahm, während Sachſen insbefondere unter 
uff. Verwaltung fand: bis Aber dad Schidfal diefer 
Länder auf dem Congreß entfcieden fein wuͤrde. In⸗ 
deffen konnte die voufändige Auflöfung der gemeinfhafte 
lihen Verwaltungsbedoͤrde auch erft in Wien vollzogen 
werden, wobin Daher au F. den Sreiderrn von Stein 
begleitete. Rußland hiberwies die Verwaltung von Sach⸗ 
fen an Preußen, in Folge der Verhandlungen über die 
Entfgädigung, deffelben für den bei weiten größten 
Theil feiner in den Jahren-1703 und 1795 erworbenen 
Provinzen, welcher jegt unter ruff. Herrfchaft blieb und 
mit den Ermerbungen Deſtreichs i. 3. 1783 zur Bildun 
des neuen Königreihd Polen verwendet wurde. Sriefe 
erbielt num bereit? am 28. Det. 1814 den Auftrag, fid 
von Wien nad Dresden zu begeben und bei der preuß. 
Dermaltung, welder der Generallieutenant von Gaudi 
als Souverneur vorftand, die £eitung-der Finanzgefchäfte 
zu übernehmen. Nachdem am 18. Mai 1815 ein Vertrag 
ifhen ‚Preußen und Sachſen abgeſchloſſen und die 
Önigt. ſaͤchſ. Regierung im Juni wieder in den Beſitz 


Des ihe verbliebenen Gebiets gefeht worden war, trat - 


eine Friedensvollziehungscommiſſion in Dresden zuſam⸗ 
men, deren ſehr ſchwieriges Geſchaͤft es war, audzus 
fondern, was an Rechten und Pfüchten, Vermoͤgen und 
Schulden des Staats, der einzelnen Kreiſe ünd der 
verſchiedenen oͤffentlichen Anſtalten mit den abgetretenen 
ächſ. Landestheilen an Preußen übergegangen und von 
emſelben beziehungsmweife gi benugen und zu vertreten 
wäre. Sriefe, welcher die Verbältniffe des Landes durch 
feinen „gorermänten Antheil an der Verwaltung deis 
ſelben Fennen gelernt hatte, nahm In Auftrag des Sürften 


don Qardenberg einen vorzäglih mwirkfamen Antheil an. 


°) Deſſen Biographie f. im N. Metrolog Jahrg. 9. S. 57% 
N, Roktelog 15. Johrs. ——6264 


- 





s Ä 
den Berhandlungen diefer Commiſſion und verließ Dreöden 


erſt. fpdt i. J. 1817,. nachdem die Grundfäge feſtgeſtellt 
waren, wonach die Auseinanderfegung auch tür. die⸗ 


— 


jenigen Gegenſtaͤnde bewirkt werden pure, worüber bis 
Dabin noch Eein vollfländiger Abſchlu 


zu erlangen war. 
Die Hauptconvention iR erft am 28. Auguft 1819 ab» 
gefbloffen und ald Undang zu der Geſetzſammlung für 
ie Eönigl. greußifgen Staaten amtlich befannt gemacht 
worden. . Während F. foldergeftalt außer Berlin mit 
befondern Aufträgen befchäftige war, batten ſich die 
innern Berwaltungsverbätltnifle fehr weſentlich verändert. 
Durch den am 30. Mai in Paris abgefchloflenen Srieden, 
war die Wiederderfielung des preuß. Staats in den 


‚Zufand vor dem Krigge vom Jahr 1806 außer Zweifel 


gefent: Die Minifier bedurften um fo mehr einer bems 


‚gemäßen Ausdehnung .und Befegung, ald die Außern 


Berbältniffe den Staatökanzler vorerft noch Überwiegend 
beſchaͤftigten. Der König erließ daher bierouf gerichtete 


Anordnungen bereits unterm 3. Juni 1814 und ernannte 


namentlich wieder einen Minifter des Innern, unter 
deffen Leitung, nad einer fernern Be immung vom 
14. Det. deffelden Jahres, Zriefe der erften und dritten 
Abrdeilung dieſes Minifteriumd ald Director vorfteden 
foute. Allein er trat niemald wirklich in dieſes Geſchaͤſts⸗ 
verbäftniß, indem idm bei der Zurüdkunft aus Dresden 


- ein ganz anderer Wirfungdfreis, unmittelbar Dem Staats⸗ 


fanzler untergeordnet angewiefen wurde. Durh die _ 
Berordnung vom A. Dechr. 1817 ward Die Auffiht über 

den Handel, die Fabriken und dad Baumefen von dem 
Sinanzminifterium getrennt und als ein felbkftändiges 
Minifterium dem Grafen von Bülow.*), biöber Zinanss 
minißer, übertragen.” Der Stantöminifter von Klewi 
erbielt bagenen ie Zeitung der, Sinanzangelegenbeiten, 
worin die Nothwendigkeit, ein den Staatöbedärfniffen 
enhgended Eteuerfpftem aufzuftellen, Damals gebietend 
ervortrat. Die von ihm bisder verwalteten Gefchäfte, 


. dad Staatsſecretariat, mit dem Dorfige bei der Ober 


v 


eraminationdcommiffton für die Sinanz» und Polizels 
verwaltung und das Prafidium bei der königlihen Bank 
und im Minifterium des Schatzes gingen dagegen an 9. 
über. Allein auch in diefem Wirkungskreiſe ward im 
I 1810 eine fernere Trennung der Geſchaͤfte notbwendig, 

as Mintfterium ded Schaged hatte zu jener Zeit eine 


 Deffen Biographie Ems. Nekrolog Jahrg. 3. S. 871.. 





i 


Briefe st 


janz ſcwierige Aufgabe zu Iöfen: die Mittel zur Bes 
Rrekun der Sraarkansgahen foßten berbeigefchaft un 
den und große Rüdftände waren zu tilgen, m —X die 
damaligen Einnahmen nicpt einmal den laufenden Bedarf 
einbrabten. Inmitten diefer Deriegenheit mar glei» 
wohl ein georbneter Zuftand mwenigitend vorzubereiten, 
der Betrag der PH AN fezuftellen und dad Bere 
trauen zu wecken, dab die Regierung ihren DVerpflid« 
tungen Bonfändig gu engen vermöge. Diefe wichtigen 
Aufgaben find glädlid jedoh erft einige Jahre 4 ter 
geiök worden: Sriefe verftand, mie nothwendig ed fei, 
in folden Zeiten mit ganger ‚Kraft auf einen Gegenfand 
u wirken. Er erdat und erhielt die Entbindung von 
dem Prifidium im Schagminifterium bereitd am 11. Jan. 
4819 und fonute feitdem bid and Ende feines Lebens 
der :Auffibt über die Hauptbant in Berlin und ihre 
Nebenbanfen in den Provinzen alle die ERR und Kraft 
nwidmen, melde dad Staatöfecretarlat nibt in Anfprud 
nabm._Die Bank hatte jwar bereits im Jahr 1810 ein 
neued Gefchäft begonnen, jedoch nur gegen Niederlegung 
befonderer Unterpfändergelder, aus den gerictlihen ‚Des 


pofitorien entnommen, Erft e der_ Verordnung 
vom 3. April 4815 hörte d dere Sicerftellung 
auf und e6 ges daß neue feitdem aud ohne 
diefelbe volled Vertrauen, ı doraud entftandene 
Derpflibtung forgfam und orfommend erfüllt 
murde, ber ihr Altered G ‚it 1766 war nad 
aiersigjäbrigem glüdlihen 5 plöglih durd die 
Unfälle unterbroden morder der preuß. Staat 


te NE nur die 
Rüdieblung der ihr bid dahin anvertrauten Sapirale, 
fonderm felbft glich. 


Hundert Zinfen auf deren —— ud keniat, fons 
fi 





2 u Frieſe. 


idren Glaͤubigern aus dem aͤltern Geſchaͤft gerecht gu 
werden, beftanden zunaͤchſt in dem Einziehen ihrer auss 
ſtehenden Sorberungen aus jenem Zeitraume; fodann aus 
Dem Gewinne, weichen fie jäbrlid durch ihre laufenden 
Geſchaͤfte machte und der jet nicht wie vormals, ald - 
Ueberſchuß Au Staatöfaffe eingezogen, fondern zur Zile - 
gung der Älteren Schulden verwendet werden mußte, ' 
endlih aus Zufchiffen des Staats, welcher vermöge 
feiner Gemwäprleiftung für die der Bank anvertrauten 
Stapitale_den. etwa noch bleibenden Ausfall zu deden 
batte. Es kann hier nicht erörtert werden, in welchem 
Umfange von jedem einzelnen dieſer Mittel Gebraud 

emacht wurde. Offenkundige Thatſache ift jedoch, daß, 
o wie nah und nad die Mittel Dazu gewonnen werden 
konnten, auch für Die Altern Einlagen erft die laufende 
Verzinſung, dann die Zablung der rädftändigen Zinfen 
und endlich aud die Rüdgabe der Kapitale ſelbſt auf Vers 
fangen der Gläubiger eintrat. — Obwohl F. nidt, wie 
fein Vorgänger im Ötaatdfecretariate zum Staatsminiſter 
erklärt worden war, fo batte er doch dieſem gleih Sig 
und Stimme im Staatdöminifterium und fchied erft aus 
demfelben, ald er von dem Präfidium ded Schagminiftes 
riums entbunden wurde. Seitdem befchränkten fich feine 
Geſchaͤfte als Staatöfecretär auf den Staatsrath und 
‚ die DObereraminationdcommiffion. Wohl it ein Protofoll 

nur Darftellung des Geſchedenen und ed fheint daher 
zur glädlihen Zührung eines Protokolls nur Die Gabe 
zu gebören, ſchnell und treu aufzufaflen. Aber der 
Protokouführer in einer beratbenden Verſammlung foll 
und kann auch nicht-einerfeitd jede vorgefommene Aeuße⸗ 
rung wörtlich niederſchreiben: andererfeitd genügt es aber 
auch nit, daß blos die gefaßten Beichläffe forgfältig 
- aufgezeichnet werden. - Es kommt vielmehr darauf an, 
vollfommen klar und überfihtlich -Darzuftellen, welde 
° Gründe wefentlih im alle der Meinungsverſchiedenheit 
dieſe veranlaßt haben... Wer von diefem Wefentlichen 
- alles Zufällige ſcharf abfondern und im bleibenden 

ſchriftlichen Ausdrude befimmt wiedergeben will, maß 
im muͤndlichen dem Kinde des Augenblid nicht leicht 
im gleiber Vollendung erſcheint: der bedarf ſelbſt einer 
fehr grändlien Kenntniß der Sachen und das wahrlich 
nicht gemeine Aermögen,, jeben Begriff mit Worten rein 
und Elar darzuftellen. Es ift eine Stimme darüber, daß 
F. beide Eigenfchatten in bodem Maafe befaß und es ift 
durch die ehrendaftenen Zeugniſſe anerfannt, was er 


Briefe, 53 


damit geleiftet dat. Frieſe hat neben der Achtung und 
dem Dertrauen, welche der natürlihe Lohn bewährter 
Derdienfte find, auch der dußern Auszeichnungen nicht 
entbebrt, welche die landeöderrlihe Gnade verleiht. Als 
am Tage des Abſcluſſes des erften Parifer Sriedend, am 
30. Mai 1814, zuerſt eiferne Kreuze am weißen Bande 
vertbeilt wurden, war F. unter der Anzabl derer, melde 
Diefed Andenfen an jenem glorreihen Tag empfingen. 
Nach dem Abſchluſſe des zweiten Parifer Sriedend und 
der Rüdfehr na Berlin erhielt er am 17. Zan. 1816 
den rothen Adlerorden dritter Klaſſe. ierauf folgte 
nach Beendigung feiner Theilnahme an den Befchäften der 
Yußeinanderfegungscommifflon gu Dresden am 17. Jan. 
4818 die Verleihum der 2. Klaffe diefed Ordens und 
endlich empfing_er den Stern dazu am 48. an. 4831. 
zn Folge der Theilnabme an den Verhandlungen mit- 
nd und Polen ward. F. auch i. J. 1819 der Eaiferf. 
ruf. St. Annenorden Zr Klaffe und 1. I. 1830 der Fön. 
polnifde St. Stanidlaudorden Ar Klaſſe verlieben. — 
In gliuͤcklicher Thaͤtigkeit, ſreundlichen Amts⸗ und haͤus⸗ 
lihen Verhaͤltniſſen lebend, geehrt und geliebt, batte 
5: das 66. Lebensjahr in Gefundheit und ohne andere 
Anzeihen der berannabenden Altersſchwaͤche, als einiger 
Abnahme ded Geboͤrs überfäritten und noch im Herbie 
des J. 1886 eine genußreiche Reife an den Rhein und 
Dur Weftpdalen unternommen. Niemand ahnte feinen 
ſchnellen Verluſt, ald er im November dfter und ſtaͤrker 
al8 früher wohl zuweilen über Kopfſchmerzen Elagte, 
Dieſes Uebel nahm im December ſchnell zu und mar mit 
einer Abfpannung und Enterdftung- verbunden, melche 
ibn bemog, feine Entlaffung von den Gefoäften als 
Staatöfecretär und VBorfigender bei der Dbereraminationds 
commiffion nachzuſuchen, Die der König Ihm unterm 18. 
und 24. December’ unter huldreicher Anerkennung feiner 
treuen und wirkſamen Dienſtleiſtungen bemilligte. Die 
rührenden Beweife der boben Achtung und Theilnahme, 
melde 8. bei diefem Anlaß erhielt, erheiterten zwar die 
letzten Tage feined Lebend, konnten aber doc nicht 
“bie fchnellen Fortſchritte des Uebeld hemmen, das fich 
raͤthſelhaft verborgen in ihm entwidelte und am Abende 
des oden genannten Tags feinen Tod herbeiführte. Die 
Zeihenöffnung ergab, daß ein Theil des großen Ger 
birnd an der untern innern Släde in eine Maſſe von 
Blut und Eiter audgeartet war und_durd den Druch. 
weichen fie aushbte,. diefe heftigen Kopfſchmerzen und 


J 


— 





Tu - Albenti. 


Beräubung verurfadt hatte. - Seit dem 9.- Januar ruht 
Sriefe'd Nerblihe Hälle auf dem Dreifaltigkeitötirhhofe 
neben dem Grab einer vorangegangenen Tochter, unter 
freunpliden Umgebungen. Er war feit dem 2. Sebruar 
1796 fedr gluͤcklich verbeiratbet: die trauernde Witwe, 
drei bereitd im Staatsdienſt angeftellte Söhne und zwei 
Köchter haben ihn überlebt, Die Enkel, welche aus der 
Ehe einer zu Berlin verheiratdeten Tochter dervorgingen, 
erböbten_ befonderd die Sreuden feiner letzten Lebens/⸗ 
jahre. Frieſe verdiente glüdtih zu fein und war es 
mit fo wenigem Sufage von Widermärtigkeiten, ald der 
. Menſch immer bedarf, um dem Genufle der Sreuden 
„des Lebens feine Neudeit und Friſche zu bewahren, 


30. Joh. G. W. Alberti, 
Kaufmann zu Neu-Weißenſtein in Schlefien; 
geboren den 24. Oct. 1767, geſt. den 7. Jan. 1837 *)5 

Er war aus Damburg gebärtig, ein Schäler des 
beräbmten 3. ©. Buͤſch. Auf einer Geſcqaͤftsreiſe durch 
Schleſien erkannte A., wie bedeutend und einträgli 
der dortige Leinwandbandel werden mälle, wenn er au 
den Sefleln alter VBorurtbeile_ befrsit_ würde. Er unter 
nabm es, dieſe Aufgabe zu löfen, indem er fich, 1783 zu 
Neu s Weißenftein niederließ und feiner raſtloſen Thaͤtig⸗ 
- Beit ift ed gelungen, nit nur auf beffern Anbau un 
‚Bearbeitung des Flachſes und auf feinere dußere Zu 
bereitung der Leinwand mit großem Erfolg einzuwirken, 
[ondern auch dem ſchleſtſchen Leinwandhandel ſelbſt neue 
Bahnen nach fremden XBelttbeilen zu breden. Sein 
rößted Derdienft aber beftebt in der ihm eigenthäms 
ihen Erfindung der Flachsmaſchinenſpinnerei, melde 
er, troß langmwieriger vergebliden Verſuhe und un⸗ 
überfteiglih ſcheinender Hindernifle fo. großartig durch⸗ 
fübrte, Daß feine, von räftigen Söhnen fortgefegte Spinn⸗ 
fabrik nicht etwa, wie man fonft von dergleichen Unter 
nebmungen wäbnte, vielen dad Brod raubt, fondern 
underte von Arbeitern täglich befchäftigt und mittelbar 
aufenden Unterdalt verſchafft. — Der Verewigte war 
dabei ein gotteöfärchtiger, boͤchſt unterrichteter Mann, 
der ſich mit Sprachen und Wiffenfchaften bis in fein 
hohes Alter eifrig befäftigte, ein treffliher Samilien» . 
vater, ein wahrhaft edler Mann, dem insbefondere viele, 
feiner Derwandten ihr Gläd zu danken haben. 


*) Augem. Anzeig. 1897. Nr. 56, 


55 


31. Franz Zofeph Aloys Antony, 
Drokefipr u. Domorganift zu Mänfter; 
ged. d. 1. Sebr. 1790, geſt. d. 7. Jan. 1837 °). 


Antony wurde zu Mäniter geboren. Seine Eltern 


waren, der im J. 1832 verftorbene als theorerifher und ° ' 


ausübender Tonkünfler rüpmlihk, bekannte Domorganif 
zul Antony und die bereits im J. 1826 verftorbene 
ernardina, geb. Moͤllers, beide durch Rectſchaffenheit 
und frommen gottesfürchtigen Wandel ausgezeichnet, 
Nachdem der Knabe früh den gemöhnlihen Elementar. 
unterricht genoflen hatte, Fam er zur weitern Ausbildun 
in die damalige unter Zeitung des tüchtigen Rektor 
Diiva blühende Lamberti-Trivialſchule und bierauf in 
dad Paulinifde Gymnaſium. Schon fehr früh zeigte er 
entfhiedene Talente, nicht nur für die Mufif, worin 
er nachder fo ſehr fih auszeihnete, fondern auc für 
jeden Zweig der Schulwiſſenſchaften und in allen machte 
er, odgleih bei nur mäßigem Sleiße, recht glückliche 
Fortſchritte. Alle feine Zebrer erfannten ihn ald einen 
Knaben von univerfellen Talenten an, der in Allem, 
was er mit Ernft ergreifen werde‘, ſich mfrde auszeichnen 
Eönnen. Mit vorzäglicher Liebe ergab er fi von Kinds 
beit an der Muſik und fein natürlihes Talent in Ber. 
bindung mit der relihen Anleitung feined grändlicy 
gebildeten Vaters Tießen ibn ſchon in den Sinabenjahren 
eine höhft bedeutende ſowohl theoretifde als praftifche 
Ausbildung bierin gewinnen. Namentlih brachte er es 
auf dem Klavier und der DOrgel zu einer vollendeten 
ertigfeit, während er faft jedes andere nennenswerthe 
nftrument zu bebandeln mußte. Im J. 1808 "trat er 
n die pdilofo bifde Fakultaͤt der Univerfität zu Münfter, 
im folgenden Jahr in die theologiſche über, erbielt im 
Fahr 41813 die priefterliden Weihen und trat dann die 
Dermaltung einer Ihm ald Beneficium ſchon früber vers 
liebenen Vikarie der Zambertipfarrfirhe an. Zugleich 
übernahm er für einige Sabre einen Theil des Unterrichts 
in der Lamberti⸗Trivialſchule. Hier mußte er ald Geift 
licher dush Wort und That Öffentlid und im Stillen, 
vorzüglich als Beichtvater, die Sittlichkeit und Religide 
tät iu fördern; als Lehrer wußte er durch eine ver. 
nünftige mit Liebe gepaarte Strenge, ‚die. zwiſchen altem 


®) Weſtpdaͤl. Merkur 1887. Nr. 88. 


% 


- fih von dem berühmten Tonfän 


des Minikteriumd ausgezeichnet, 


566 Antony. 


Schuldespotiemus und lacherlichem Liberalismus die 
angemeſſene Mitte bielt, fo wie durch gediegenen Unter- 
riht, den boben Zweck der Pädagogik zu erreiben und 
fid die Liebe feiner Zöglinge zu erwerben... Im I. 1816 
wurde er mit Wahrnehmung einer der Hohenprieſter⸗ 
Rellen in der Domkirche beauftragt. _ Ungeachtet dieſer 
verfhiedenen Aemter fegte er feine muſikaliſchen Studien, 
vorzüglid in theoretiſcher Dinficht, unaudgefegt fort, 
ohne fi der Theologie zu entfremden, in welcher er 
durdaus zu Daufe war und den Liturgifchen Theil Der. 


felben,, wie wenige, kannte. Weberbaupt forgte er forte 


während für feine allfeitige Ausbildung. Dem Studium 
der fateinifhen Sprache, wozu er bauptfählich unter 


. dem treffliben Dliva einen tüdhtigen Grund gelegt hatte, 


widmete er vorzägliche Aufmerkjamkeit_und die bedeus 
tende Fa die_er in diefer Sprache erlangte 
und die u. a. in feinen Werken fich ausſpricht, befundete 
durch den darin ſich zeigenden Sinn für Klafficität fein 
[praplichee Talent, weiches übrigens auch in feiner 
elbſt erworbenen Vollendung des deusfchen Ausdrucks 
Deutfidy bervortritt, Auch mit der ſchoͤnen Literatur der 
Deutfden war er vertraut und während er in den Nature 
wiſſen ſchaften ſich recht gute Kenntniſſe erwarb, ließ er 
Die übrige für einen Gebildeten unferer Zeit nothwen⸗ 
bige ZTagedlekthre nicht außer Acht; indbeiondere biieb 
£eine . merkwürdige literärifhe Erſcheinung in feinen 
Lieblingöfächern Yon ihm ungefannt. Allgemein zenoß 
er bei einer folden Lebensrichiung in feinen nächiten 
Umgebungen und im Publifum die ungetheiltefte Achtung, 
als fein mufifalifder Ruf, den er unter andern durch 
zablreihe fehr_gefhägte, Gutachten, Durch _bäufiged Ap⸗ 
probiren von-Orgeln, Glocken u. ſ. w. jegt fo wie ſpaͤter⸗ 
din bewährte, dad Minifterium der Geiltlihen«, Unter 
richts, und Medicinalangele enheiten zu Berlin veran⸗ 
Yaßte, ihn den Sommer bes 3. 4819 dorthin zu berufen, 
mo er im perfönliden Umgange mit den Tonkuͤnſtlern 
der Hauptfiadt feine Ausbildung vervollkommnen follte, 
fid aber dieſen in wenigen Rüdfihten untergeordnet, 
in vielen glei), in einigen überlegen geigte und naments 
ſtler Profeffor Zelter ) 

eine glängende ſchriftliche Anerkennung feiner Sähigkeiten 
erbielt. Durch Die ebrenvollften Bemeife Der Achtung 
ehrte er im Herbſte 


N) Defleu-Wiogr. ſ. N. Nekr. 10. Jahrg. ©, 800. 


\ 





Anton. 67 


d. J. nach Münfter zuräd und Abernadm beim Anfange 
des neuen Schuljahrs, mit dem Charakter eined Pros 
feford, den Geſangunterricht am dafigen neuorganifirten 
Gymnaflum und dielt zugleich Vorleſungen über Kirchens 
mufl? an der Akademie. Ungefähr um dieſelbe Zeit ers 
bielt er, an der Stelle ded verftorbenen Ehordireftorß 


“ Barro, dad Chordireftorat der daſigen Domfirde, bei 


welcher Selegenbeit er feine biöderige Vikarie, mit wel⸗ 
er die Geelforge verbunden mar, gegen eine andere, 
ebenfalls in-der Zambertipfarrkirche, vertauſchte. Wie 
viel er in Diefem neuen Wirkungdfreife leiftete, melde 
roße Verdienſte er fih indbefondere um den san gefuns 
enen Kirchengeſang erwarb und mit welchem Liter er 
der muſikaliſchen Ausbildung, talentvoller junger Leute 
fi widmete, wiflen alle diejenigen, Die keinen Unters 
riht zu genießen dad Gluüͤck batten. Don feinen treffs 
liden Compofttionen find, außer einigen Bleinern Liedern 
und Liederfammlungen, vier Choralmeffen dur dem 
Druck bekannt geworden; viel trefflihes jener Art aber; 
» B. dab i. 3. 1820 componirte Lied „die Muſe,“ find 
eider nicht zum Drud gefommen, — freilid eine Ver⸗ 
Öffentlihung, die der Derfaffer ſelbſt nicht ſuchte. — 
Als Retultar feiner großen Kenntniffe und Belefenheit 
in der Eirhlichen und muſtkaliſchen Eiteratur erſchien im 
ahr 188 ein „Archaͤologiſch⸗Liturgiſches Lehrbuch des 
regorianifhen Kirchengeſangs, mit vorzüglicher Raͤck⸗ 
ſicht auf die Roͤmiſchen, tünfterfden und Ergzſtift⸗ 
Koͤlniſchen Gefangmeifen,“ ferner i. $. 1831: „Praxis 
65. Rituam ac Ceremoniarum, quibus in augustissima 
issae Sacrificio caeterisqgue per annum festivitatibus 
solemnioribus Ecclesia utitur, attendendo ad Ritum Ro- 
‘ manam et Monasteriensem etc. Beide Werke erſchienen 
je Münfter in der Eoppenrasbfigen Bub. u. Kunſthand⸗ 
ung. Ebendafelbft gab er im 3. 1892 deraus: „Ges 
ſchioͤtliche Datfeun der Eniedunſ u. Vervollkomm⸗ 
nung der Orgel, nebſt einigen ſpeciellen Nachrichten üb. 
einige berühmte Orgelwerke.“ — Wir erwoͤhnen noch, 
daß er i. 3: 1825 als ergbifhöfliher Sommiffarius zwei⸗ 
mal eine Reife nah Köln jur Unterfüchung des dortigen 
Süirchengefange und zur Anordnung der Inſtallations⸗ 
feierfichkeiten unternahm und im Sräbjahr 4833 eine 
Reife nah Trier, um im Auftrage des Domfapiteld 
Dafelbit die Reparatur refp. den Neubau der dortigen 


Domorgel anzuordnen; denn in der Kenntniß der Orgel 


und des Orgelbaues war er ganz vorzüglich ausgezeichnet. 


7 





58 ’ Antony, 


Auch übernahm er die Beforgung einer neuen Ayflage 
Des Breviariom Monasteriense. feider zeigten fi ‚bei 
ihm {don vor dem dreißigſten Jahre die Borboten jener 
| Rarfen Korpufenz, die mit den Jahren zunahm, befon- 
ders da er die ihm fo nöthige Bewegung werabfäumte 
| und die ibn, der fonk nichts weniger ald unthaͤtig war, 
ſelbſt dann niet, wenn er zu ruben fehlen, im Srübjahr _ 
4833, kurz nach feiner Rüdkehr von Trier, aufs Kranken⸗ 
lager warf, von dem er, geringere Unterbredyungen ab» 
gerechnet, nicht wieder erfiand. Daſſelbe Uebel hatte. ihn 

fhon im vorbergebenden Sabre bewogen, den Geſan 
unterricht im Gymnaſium aufzugeben und feine feitberis 
en Aemter im Dome mit der Durch feined Vaters Abs 
Ä eben erledigten Organiſtenſtelle zu vertauſchen. ein 
„ Uebelbefinden dußerte ſich ald eine ernſthafte Unterleibd. 
krankheit mit binpnretenber Waſſerſucht; doc ertrug er 
mit der größten Standbaftigfeit Die Idmerzlichften Leiden, 
faſt vier Sabre bindurh und beforgte Jona ‚In biefer 
Zeit die Heraudgabe eined lateiniſchen Gebetbuchs und 
eines Fleinern- liturgifchen für das größere Publikum bes 
mmten Werfö, fo wie eine neue verbeflerte Auflage 
ed dafigen Miffale, ein Unternehmen, das, fo wie die 
neue Audgabe des Breviariums, nur von Unmiffenden 
für eine -geringe Arbeit gehalten werden Tann. Auch 
einiged Handfcriftlide von großem Werthe vollendete - 
‘er, welches boffeptli dem Drude wird übergeben wer⸗ 
den, wenn auch feine übrigen Werke noch nicht die vers 
diente Verbreitung gefunden haben, Die Krankheit ers 
reichte in der letzien Hälfte des Jahrs 1836 ihre Hoͤhe; 
Der ganz geſchwaͤchte Körper vermochte nicht mehr zu 
widerfteden und der Tod erfolgte am oben genannten 
Tage. — Wer den Deremwigten Eannte, wird ihn achten 
und lieben. Laſſen fih an ibm Schwäden nicht ver 
»tennen, die er hatte, wie jeder fie bat, laffen ſich na⸗ 
mentlich eine gewiſſe Heftigfeit des Charakters und ein 
bid zum Eigenſinn oft audartended Beſtehen auf dem 
einmal gefoßten Entſchluſſe nicht verkennen, fo müſſen 
auf der andern Seite auch fein edler Charakter, Die 
yenfıen und jarten Seiten feines vortrefflichen Gemuͤths, 
eine zablreihen, dem Intereſſe Anderer gebrachten 
Dpfer, feine vielen im Stillen erzeigten Wohlthaten, 
ferner der Umfand, daß feine Heftigkeit oft aus Ges 
rechtigkeitöliebe und inniger Ueberzeugung von der Rich⸗ 
tigkeit feiner Anfichten entfprang, feine Wadrdeitsliebe, 
voͤr Allem aber. feine entfbiedene Feindſchaft gegen alle 


Schneider. 89 


Falſchdeit, Henchelei, Verfiellung und E:chmeicelel, ſo 
wie Jegen alled Scheinwirken, — leider bei.fo manchen 
Menſchen die Grundprincipien des Handelns — die vers 
diente Anerkennung finden. — Außer den genannten 
Werten erfbien nod von ihm: Iulavug fuͤr den Geſang⸗ 
unterricht, zunaͤchſt für Gymnaſien. Münfer 1822. — 
Manuale devotionis catholicae. Monasterii 1886. — Sym⸗ 
bolif der kathol. Kirchengebräude und Geremonien mis 
gefhichtl. Anmerkungen. Ebd. 1836. 


32. Franz Joſeph Schneider, 
' Mector an der Tathol. Sthule u. Kirche in Grünberg (Schleften); 
geb. den 3. San. 1776, geft. am 7. San. 1837 *). 


Er war der Sohn eined Kunftgdrinerd zu Schlama, 
wurde von feiner tugendhaften Mutter in Gottesfurcht 
erzogen, für welde er bis zu deren Tode eine befondere 
bern ide Neigung bethätigte, und empfing 8 Jahre alt 
einen erfien Elementarunterridt in Naumburg am Bober. 
Obgleich feine Eltern jn dem 2 Meile entfernten Reichenau 
wohnten, fo beſuchte er dennoch, nicht ſcheuend ſchlechtes 
Wetter und den beſchwerlicen Weg durch den Wald, 
taͤglich Schule und Kirche. Später wurde fein Bater als 
Kloſtergaͤrtner an dad Auguſtinerſtift nach Sagan berufen. 
Neigung und Gelegenbeit zum Studiren beflimmten bier 
feine Eltern, ihn dab dortige Opmnaflum, welches da 
mald einen bedeutenden Ruf hatte, beſuchen zu laflen. 
Durch Fleiß, Beſgeidendeit und guted Betragen erwarb 
er fi Die allgemeine Liebe und feine Eltern wie auch Die 
Lehrer, welche mit Sreuden feine: Sortichritte bemerften, " 
bemogen den Knaben fib dem geifliben Starde zu 
widmen. Schon batte er fa feine Gpmnafialfiudien 
vollendet und follte in kurzem fein Noviziat in einem 
entfernten Kloſter antreten, ald eine dem Süngling von 
einem feiner Lehrer unverfchulder zugefligte Beleidigung 
den erfteren veranlaßte, eine andere Laufbahn zu wählen. 
Derfelbe verließ daher dad Gymnaſium und widmete 
ſich dem Shulfad. In jeder Beziebung wohl vors 
bereitet und felbft in der Muſik mit guten Kenntniſſen 
verfeben, wozu er im Gonvictorium des Gpmnafiums 
binreihende Gelegenheit gehabt datte, trat unfer ©. 
i. 3. 1793 in dad Seminarlum zu Sagan ein und machte 
unter Anleitung waderer Zebrer ſolche Fortſchritte, daß 


®) Schleſ. Provinz. Blätter. 1887. Bebr. Heft. 





' 


- 


6° Schneider. 


er mit den beften Zeugniffen verfeben, die Anfala ver 
ließ. Nachdem er eine kurze Zeit Adjuvant in Walterbs - 
Dorf bei Sprottau gewefen, wurde er im J. 1795 ald 
Rector an die Schule und Kirche in Grünberg berufen, 
Der 19jädrige junge Mann batte bei dem Antritte feines 
Amtö- viel zu-kämpfen — und vieled gut zu machen, 
was fein a amener Dorgänger verfäumt, doch fand 
er von Seiten feiner Vorgeſetzten die Eräftigfte Unter» 
fläßung und vermittelft derſelben, fo wie durch eignen’ 
unverdroßnen Eifer gelang e8 ibm, die ihm anvertraute 
Säule, melde. damald blos aus einer Claſſe beftand, 
auf einen böbern Standpunct zu bringen. Die ihm eigne 
Gabe, die Herzen feiner Zöglinge zu gewinnen und io 
ihnen freundfich mitzutbeilen, waren ibm von vorz pe 
lichem Nugen und ſo wirkte denn der Dollendete in 
feinem (omierigen Berufe des Guten und Nägliden 
viel. Obgleich derfelbe in allen Elementarwiſſenſchaften 
einen Schülern binreihende Kenntniffe zu eigen machen 
onnte, fo wurden dieſe doch namentlid im Rechnen - 
immer febr thätig befunden. Ehrende Zeugniffe der ches 
maligen Schulendirection, fo wie der Fönigl. Regierung 
und die Liebe feiner Mitbürger waren der Lohn feine 
bönen Strebens. Ed wurde ihm daß feltene Gluͤck iu 
Thdeil, während feiner A2jährigen Amtsfuͤhrung Kinder 
und Entel feiner erften Schüler und Schälerinnen zu unter 
richten und unverdroffen vollzog er ſelbſt im fpätern 
Alter feine Pflihten. - Nur noch wenige Jahre von dem 
oldenen Amtöjubelfeh entfernt — hoffte unfer ©. diefe 
foöne Feier, im Kreife feiner Samilie und Sreunde noch 
u begeben, ald der Wille des Höchften es anders befchloß. 
ine Unterleiböfrankbeit, an welcher der Vollendete feit 
einigen Jahren periodifch gelitten, ſchwaͤchten feine Körpers 
Fräfte immier mehr und als diefe Krankheit ihn mehr 
als fonft heimfuchte „gedachte er fein Amt niederzulegen, 
in der Hoffnung, due er bei mehrerer Ruhe Geneſung 
von feinem Uebel finden werde. Doc umſonſt. Beine 
Krankheit wuchs und ſelbſt einige ſchmerzhafte Operationen, 
Denen er fib mit der größten Standhaftigkeit unterwarf, 
waren fruchtlog. 


33, Wilhelm, 
J Herzog in Baiern; 
ged. den 10. Nod. 1762, geſt. su Bamberg den 8. Yan. 1897 °). 


- Seine Eltern waren Jobann Dialgaraf von Birken: . 
“ feld» Selndaufen, Eurpfälzifher Generalfeldzeugmeifter 
und Eopbie, NRbeingräfin, von Salm und er wurde im 
Fürftenbaufe zu -Selnhaufen geboren. Nah dem Der 
laufe der erften Qugendjahre Fam er nah Mannheim, 
wo er ſich am Hofe des ihm befonders fremdlich gewo⸗ 
enen Kurfürften von der Pfalz, Karl Theodor, wiſſen⸗ 
chaftlich bildete und durch Sittlihfeit und Eingezogen» 
beit vorzüglich audzeichnere. Im 17. Lebensjahre trat er, 
nr katholiſchen Kirche Über und wandte fid (ner nach⸗ 
em er feine wiſſenſchaftliche Bildung auf der Univerſi⸗ 
tät Heidelberg fortgefegt und auf Reifen vollendet batte, 
der militärifhen Laufbahn zu. Im J. 1780 vermäblte 
‘er fid als furpfälzifher Generallieutenant und als Gou⸗ 
verneur von ip. mit Maria Anna, Prinzeffin von 
Zweibräden, der Schwefter des nachmaligen Königs 
Mor Joſeph I. **). Kurfürft Harl Theodor, der noch am 
legten December 1777 dem Baierfürften Mar Joſeph III. 
fuccedirte und dad Kurfürſtenthum Rheinpfalſ mit dem 
Kurfürſtenthum Baiern vereinigte, berief den Fürſten 
und Pfalzgrafen Wilhelm nah Baiern und wies Dem 
jungen Ehepaare dad NRefidenzgebäude in Landshut zur 
Wohnung an. Daſelbſt wurde dem fürkl. Ehepaar im 
J. 1784 am 6. Mai die Prinzeffin Marie Elif. Amalie, 
nachmalige Särfin von Wagram, und 1786 am 1. Aug. 
. Prinz Pins Auguf (t 3. Uug. 1837) geboren. Zwanz — 
Jahre lebte der Pfalzgraf Wilhelm in Landshut, glädli 
als Gatte und Vater und die Bewohner von Landshut 
erinnern fih noch mit inniger Anbänglickeit und Ehr⸗ 
furcht des Sürften,, der inzwifchen den Hausvertrag vom 
42. Dftbr. 1796 vorbereitete und eine des Hauptitägen 
war, daß Baiern nicht Durch. Umtaufch gegen Belgien 
an Defterreich fiel. Im J. 1709 blog er den Dertrag 
zu Gatſchina mit Rußlands Czaar Paul und übernahm 
nac) feiner Zurücdkunft aud Rußland das Kommando der 
baier. Armee, die ſich damals in der obern Pfalz mit 


*) Nach der Kirchenrede bei bem feierlichen Gottesdienſte für 
© ——— Hobeit 2c. Wilhelm Herzog in en Bamberg 1837 


onachrichten. | 
$) Deilen Blogt, I Im 3. Sadıg. des N. Net. S. 96% 





1 — m — — 
[4 
[2 
- 
. 


‚mit. den ibm gebührenden Felerlichkeiten ſtatt. 


. re 
GE, Wilhelm, Herzog in Baiern. 


dem Öfterreichifhen General Klenau verband, um gegen 
das franzdf. Korps unter Augereau zu. operiren. Nah 
wiederbergeftelltem $rieden EX: er mit feiner Samilie 
nab Münden und lebte dafelbit ald treuer Sreund und 
old weiſer Ratbgeber feines Eurfärkliden Schwagers, 
bis der Nppanagialvertrag vom, 12. Dft. 1803 ihm dad 

erzogthum Berg, unter baierifher DOberbobeit, als eine. 

ntfhäadigung für die im Luneviller Frieden erlittenen 


Derlufte überließ. Als aber i. 3. 1806 der eiferne Arm 


des damaligen Gemalthaberd von Sranfreid dad Herzog» 
tbum Berg dem baier. ©cepter entriß, um damit feinen 
Schwager, Prinzen Mürat, zu dotiren, wurde Herzog 
MWildelm durch eine angemwiefene jährlide Rente ent 


ſchaͤdigt und ließ ſich bierauf in Bawberg nieder, Dort 


wurde ibm die Freude, daß ibm am 4. Dec. 1808, aus 


der Ede feined Sohned, Piud Auguf, mit der Prinzeffin 


Amalie Louife Julie von Aremberg, der Enkel Maris 
milian geboren wurde, Auch wurde ibm bier das feltene 
Gluͤck, ed noch zu erleben, daß feine Nachkommenſchaft 
durch die Vermäblung feines Enkels mit der. koͤniglichen 
Prinzeffin Louife Wilhelmine von Baiern und Dur die - 
aus diefer Ehe entfproffenen Kinder, zubiig, Bilbelm 
und Thereſe Helene Karoline gefidert war. Getroſt ſad 
er feinem To engen und hatte ſchon bald nad Zus 
rüdlegung des fechzigften Lebensjahrs die Voranflalten zu 
feinem Tode getroffen. Mit der größten Ordnung, mit 
weicher er alles beforgte, ſchrieb er eigenhändig die 
Anordnungen im Betreff feiner Beerdigung nieder. Bon 
an des a raken Bebenßjahre an befeftigte 
ch bei ihm der. Entfchluß, die herzogl. Vorrechte, mit 
Einftimmung ded Herzogs Pins, in die Hände feines 
Entels nieberzute en. Don nun an wollte er nur fih | 
und feinem religiöfen Sinne leben. Als ibm beim An- 
tritt des Jabrs 1837 Gluͤck gewuͤnſcht wurde, entgegnete 
er: „Wünfden fie mir nit ein längeres Leben: ich 
wuͤnſche ed mir felbft nit; id fühle, daß ich ein alter 
Greis geworden bin, meine Sinne werden ſchwaͤcher und 
mein Geift verlangt wieder zu Gott zuruͤck.“ — Nicht 
fange. barıte er auf Erfüllung dieſes feined Wunſches: 


die Alteröfhwäche nahm zu und nad Empfangung der 


beil. Sterbefaframente verfdied er am oben genannten 
Tage. — Bein Leichenbegängniß’ fand am 13. yaner 
n der 


©edaltiandfapelle blieb der Von dem Domprobft Freiherr 


v. Leichenfeld eingefegnete Leihnam bis 10 Uhr Nachts 


- tboden 


1 


v⁊ 


Riſch zu Reifferſcheid. | 63 


ie Beifeßung in der berzogl. Samiliengruft erfolgte. — 
: Eeit fr ſich verband der & 


recht In feinen Urtdeilen und in feinen Handlungen, ſah 
der Verblidene bebarrli auf Die Geredtigfeit feiner 


34. Karl Theodor Riſch zu Reifferfcheid, 
Untös u. Düttenbefiter zu Schleiden (Rheinpreußen)s 
“96.1.9... 7, gef. d. 8. Ban. 1887 9% 


Jg diefem Manne bat die Eifel einen ihrer wacker⸗ 
ten Biedermänner, die landwirthſchaftliche Induftrie eine 
ihrer tdaͤtigſten Sörderer, der Eifelverein eine feiner feſten 
tägen verloren, Die Dereinöblätter befunden es, mit 
welchem Intereſſe, mit wei’ einer warmen Liebe er die 
ste Sache und den Fortgang der landmwirtbfdaftliden 
nduftrie in der Eifel gefördert und mit welcher Ges 
wiffenbaftigkeit und Genautgkeit er feine zur Bereiche⸗ 
rung der Agronomie unteraommenen Verſuche und Urs 
beiten audgeführt bat. Im Beſitze bedeutender Mittel 
war er bemüht, rings um ſich ber den Fortſchritt des 
Sarten» und Obſtbaues in einer bläbenden Schöpfung 
ind £eben zu rufen. Daber fand man in feinen Unlagen 
Blumen und Städte, die man vergeblich in ‚den Kunſt⸗ 
gaͤrten alädlierer Himmelöfrihe ſuchte. Diele Me 
be er bereisd aus, wenn fie in öffentlichen 
Blättern erft empfohlen wurden. Er war ein lebendes 
Mufterbild für feine Landsleute, deren Kräfte er auf 
jede Weife zu wecken und au entwideln firebte. Dabel 
war er befdeiden und anſpruchſslos und duldete gern 
fremde Meinungen und Unfichten, giewost er feinen 
Schatz von Kenntniffen nur durch Selbftbelehrung ges 
wonnen hatte und daher im eigentlichen Sinne Autos 
didaft mar. Seit der Wirkfamkeit des Eifelvereing 
datten feine gemeinnägigen Kulturbemähungen vorzäglich 
die Richtung auf Ader» und Wiefenbau genom en und 
dier ſchien ſich ihm ein bedeutendes Feld veröffner zu. 


°) Kölner‘ Beitung Er Rr. 22. 


64 Andrei. . 


beben., Der Umfang und bie Mannicfaltigkeit feiner 
m Sinne ded Dereind gemachten Unternehmungen bat 
sen. im Bezug auf Areals und Arbeitenausdebnung faft 
alle Bemühungen gleicher Art in der ganzen Provinz 


äberboten und. fie laflen fih nur mit jenen des Wereind - 


präfidenten_Sreiberrn v. Garnap, am Niederrhein, ver. 
gleiden. Die Zutterfräuter, namentlih: Luzerne, Eds - 
parſette, italienifhed Raigras, dann auch die Lupine 
und mehrere andere waren es, womit er viele Aecker 
auf feinem funfzehnhundert Morgen großen Gute zu 
gorpelt beſtelt datte. Die Befhäftigung mit diefen 
ulturanlagen und fpäter, als ibm die Krankheit den 
. Beſuch derfelben nicht ‚mehr gefiattete, die Nachrichten 
über den Fortgang derfelben mäcten dad Gluͤck feiner 
Tage aus. Als er ſelbſt feinen Garten und den naben 
Wiefenpark nicht mebr zu Fuß beſuchen durfte, Tieß_er 
fo in einem kleinen Wagen umherfahren, um des An- 
licks der ihm theuern felhft gepfisgten Pflanzen genießen 
u koͤnnen. Endlich batte aber die Krankheit den ur⸗ 
Dringtig fetten Körperbau untergraben und den %Xod 
eit Langem vorbereitet, welcher. daber auch obne Kampf 
am oben Henannten Tage erfolgte. Ein Gattin meint 
an feinem Örabe und zwei boffnungsvole Söhne treten 
in die Sußtapfen des wadern Waters. , 


* 35. M. Paul Chriſtian Andres, : 
Pfarrer zu Thalbürgel (im Weimarifchen) 5 
geboren den 7. Nov. 1766, geft. am 9. San. 1887. 


Andred war zu Leipzig geboren, wo fein Vater Lehrer 
an der Thomasſchule war und er nebſt feinem Bruder *), 
"dem nahmaligen Profeffor der Rechte und Dberappellas 
tionsrathe zu Jena, von dem Vater den erften Unterricht. 
empfing., Ein zarter Knabe ward er den Schülern der 
Thoͤmasſchule zugefellt, welche er nad Verlauf von beis 
nabe 14 jahren 1787 wit Der dortigen Univerfität ver 
tauſchte, um dem Studium der Theologie fich zu widmen. 
Außer andern befuchte er Die Vorlefungen eined Morus, 
Reitz, Rofenmäller, Keil, Bed und Burſcher. Nah Volle 
endung des Zrienniumd, im Jahr 1790, beftand er zu 
Dresden, unter Reinhard: dad Tandidateneramen; ein 
Jahr fpäter nach feines Vaters Ableben begab er fi 
nad Deflau als. £ehrer.an dem Baſedow'ſchen Inſtitut 


°) Deflen Biogr. ſ. im N. Nett. 2. Jahrg. &ı 117. 





= 


| Andrea. Ä 65 


und nad einem imeijäbrigen Aufenthalt dafelb nach 
Dresden ald Hauslehrer zu Dem damaligen Bräfidenten 
von Bärtner. Gm Jadr 1798 ward er ald Pfarrer 
nach Tautenburg mit Steudnig berufen, wo er fi am 
8. Septbr. 1799 mit Dorothea Eupbrofpne a ch aus 
Köfen verebelihte und mit diefer, einer fantten, liebes 
vollen, sreuen Gefäbrtin‘, einer treffliden Hausfrau und 
Mutter, zufrieden und aueia lebte; i. J. 1808 ward 
er nad Öroßheringen befördert und 1819 nad Thalbärgel 
-verfegt. Hier legte er die Lat des Amts i. J. 1832 auf 
Die Schultern des einzigen von 4 Kindern ibm gebliedes 
nen Eobnd; ‚bier befhlog er, mit dem Gedanken des 
Todes nice mihder vertraut, als ‚die Hoffnung der 
Wiedergenefung feſthaltend und feine gewohnte heitere 
Stimmung did zum legten Augenblide behauptend, an 
Brußmallerfuht und endlich erfolgtem Nervenfchlage 
na einem kurzen Krankenlager am oben genannten Tage 
jeine irdifche Laufbahn. Wabrſcheinlich würde er fchon 
fräber deren Ziel erreicht und der Erde feine Schuld 
“ bezahlt haben, da feine Bruſt ſchwach und fein Körper, 
der doch auch die Unftrengung mander Reife ertrug, 
etwad zart war, bätte er nicht an eine einfache Lebens⸗ 
weife und firenge Diät fi gemöhnt und Überdaupt auf 
die Erhalsung feiner Gefundbeit forgfältig Bedacht ges 
nommen. Kin bervorftedender Sug n feinem Eharäfter 
war Aufrichtigkeit und Freundlichkeit gepaart mit Gee 
fälligkeit und Liebe zum Frieden mit Jedermang Und 
Verſoͤhnlichkeit. Die Yectäre der Bücher und Journale 
verfdiedenen Indalts beſchaͤftigte ihn im eigentlichen 
Sinne des MWortd fa ununterbroden, befonders Die 
römifhen und franzoͤſiſchen Schriftfteller. Wie lebendiges 
Sintereffe an allen Erfcheinungen auf dem Gebiete Der 
iffenfchaft, fo begte er eine befondere Vorliebe für 
Selhihte. Dad Studium derfelben ward ihm durch ein 
ſehr treued Gedaͤchtniß, welches er bis in Die leßten 
Tage feines Lebens berab Dur feißiged Memoriren zu 
flärken bemüht war, ungemein erleichtert und mad irgend 
ibm merkwürdig erſchlen, von ihm excerpirt. Ehe große 
Belefenbeir und fhägdare Summe von Kenntniffen, feine 
pünctlihe Abmwartung feiner amtlihen Geſchaͤfte wird 
Seiner von denen, die ihn näher Fannten, ibm ab» 
(preden. — Dem Bublicum machte er ſich befannt durch 
die Schriften: De Jacobo Andreae Tbeologo saeculi, 
XVI celeberrimo, periculum historico-ecclesiasticum. Jenae 
1799. — De viris quibasdam doctis, a‘principibus magui , 
N. Netrolog. 16. Jahrg. 5‘ 


6“ Gruner. 


factis. Ibid. 1799. — Epistola gratul. locorum quorundam 
Homero-Virgilianorum, Specimen primum. lbid. 1804. — 
Specimen secundum. Ibid. 1814. — Morus, Gott als 
Geiſt überfegt und gemeinfaßlich dargeftellt mit Anmerk. 
8. Auf. 1817. — Cicero de .amicitia überfegt mit Ans 
merfungen,, fo wie Dur einige auf die Unterbaftung der 
Leſer berechnete Meine Auffäge in mehreren Zeitſchriften. 
. t 


36. Karl Friedrich Gerhard Gruner, 
k. ſaͤchſ. Kammerrath u. Ritter des kaiſerl. ruſſ. Wladimirordentß 
zu Leipzig; 
ged. den 10. März 1768, geſt. den 9. Jan. 1897 *), 


Er war der Sohn ded Doktor und Profefor der 
Theologie, Johann Sriedrih Gruner in Halle, erdielt 
den erften Unterriht dur Privatiebrer und befuchte 
dann daß Profeffor Semmlerſche, nachher vom Profeflor 
Trappe übernommene Inſtitut. Seinen Bater, welcher 
vorder Rektor des Gymnaſiums zu Koburg gemefen, 
dann ald Profeffor nach Jena befördert und von da nad 

alle berufen wurde, verlor er bereits 1778. Er ent 
Bloß fib nun zur Kaufmannſchaft, erfernte dieſe in 
Leipzig in dem Haufe Marc Antoine Dufour, Ponditios 
nirte. dann in zwei dafigen Häufern, erfangte_aber im 
abr 1705 dad Bürgerrecht Dafelbft und eröffnete mit 
eigen Sreunde Sommer, unter der Sirma: Sommer 
und Gruner, eine eigene Handlung zu Leipzig, welde 
‚er nach Sommerd Tode Karl Gruner firmirtes Bereiis 
im 3. 1798 midmete er jgine erfolgreichen Dienfte der 
Stadt Leipzig , indem er ald Deputirter bei dem Almoſen⸗ 
amt eintrat und übernahm im Jahr 1803 bei der neu 
errichteten Armenanftalt dad KHaffireramt. In eben Dies - 
fem Sabre (1809) wurde er zum Mitgliede ded Raths⸗ 
tollegiumd, 1807 zum Stadthauptmann, allo zur Mits 
beforgung der Damals eben fo draͤngenden ald beſchwer⸗ 
lihen Geſchaͤfte des Quartieramts, zugleich aber zum 
zweiten Deputirten bei der Einnahmeſtube und 1813 
um Baumeiſter und erfien Deputirten bei der Einnahme» 
. Rube ermählt. Dem Rechnungsweſen der Einnahmeſtube 
gab er num .eine andere, eine Elarere und fchnellere 
Ueberfiht gemährende Einriptung, batte biernähft von 
1807 an Die Doreperfbaft des Arbeitöhaufed für Frei⸗ 


willige mit übernommen, welche er, wie die vorerwaͤhnten 





°) Lelpz. Tageblatt 1837. Ne. 12, 


Weitzel. 67 


im J. 1813 ihm übertragenen Aemter, Bid zum J. 1830 
verwaltete. Nach feinem im J. 1830 erklärten Austritt 
aus dem Stadtrathe mählte ibn das Kollegium der 
Handlungsdeputirten zum Mitglied und die Wähler 
der Stadt Leipzig ald Deputirten zu Dem für 1898 aus⸗ 
geſchriebenen Landtage. Nur feine i. I. 1836 geſtiegene 
Kräntlihfeit Eonnte ibn vermögen, um Entlaffung von 
der Landſtandſchaft zu bitten, Die ibm aud in Biefer 
ginn vom Minifterium des Innern gewährt wurde. 
om Monat Dftober 1806 an, mo die Gefchäfte beim 
Ratdhauſe faſt unerträglich ſich bäuften, au durch die 
vielen an die Stadt Leipzig gebrachten Requifitionen und 
Geldverlegendbeiten fich täglich vermebren mußten, wurde 
feine Thaͤtigkeit ganz beſonders, and gewöhnlich mit 
dem beften Erfolge tür die Stadt Le Bj in Anſpruch 
enommen und bei den manderlei Ge dren und viels 
dltigen Derdrießlichkeiten, denen er zum Belten der 
Stade. feine Perfon ohne Furcht und Schonung feiner 
ſelbſt audfegte, fonnte ed bei den ibm ununterbrochen 
aufgetragenen DBerbandlungen mit den in dieſer Stadt 
vom J. 1806 dis 1815 wechſelnden fremden Behörden 
nur feiner Ein» und Umfidt, feinem rubigen, richtigen, 
praftifhen Blicke gelingen, diefe Bedörden fo zu bes 
dandein, daß, wenn von diefer Stadt die Uebel nit 
ganz abzuwenden waren, ſolche doch moͤglichſt gemildert 
wurden. Auch der koͤnigl. Familie widmere er immer 
bis an feinen Tod, insbefondere aber dem verflörbenen 
König Friedrich Auguf *) in-den 3. 1813 bis 1815 die 
unverbrüclichfte Furdtlofe Pflihttreue und Alle, die ihm 
näder fanden, ibn näber Eannten, werden feinen Ders 
dienten um Zeipzig, feiner Bereitwilligkeit, Sreunden 
werkthaͤtig zu dienen, gewiß ein gerechtes, freundliches 
Undenfen bewahren. 


37. Sohannes Weitzel, 
Dofrath und Bibliothetar zu Wiedbadenz 
geb. den 24. Oktoder 1771, gef. den 10. Januar 1887 **). 


In der Mitte des fhönen Rheingaues erhebt Aid 
ein ſſattlicher Hügel, von der-Ebene bi6 zur Hoͤhe bin- 
auf reid mit. eben bepflanzt und von den folgen Ge⸗ 
bäuden eined färklihen Pallaſtes gekrönt.” Näbern fi 


*) Deffen Biogr. f. im 14, Jahrg. des N. Nekr. ©. 878. ' 
°°) Yach: außerordentliche Weilage Aur Allgemeinen Beitung. 
1897. T. 67 — 78. Converſ. ⸗Lexikon N. 8: ds & . % Gr A. 


ss Wecitzel. 


ihm die Rheinſchiffe auf ihrer Fahrt zwiſchen Mainz 
und Binden, dann bemerkt man ſtets unter der Fleinen 
Bevölkerung eine freudige Bewegung und alle Blide 
find auf die fonnige Höhe hingeriotet, Der fröhliche 
Nuf: „das ift Der Johannisberg“ gebt von Mund zu 
Mund. Hier wurde Tobanned Weigel, einziger Sohn 
rechtlicher aber mittellöfer Eltern, geboren. Den Vater, 
einen armen Winzer, der obne alle Zeitung und willen 
ſchaftliche Bildung die Muſik und die Dichtkunſt lieb ge» 


- 


J 


wonnen batte und ſie uͤbte, verlor der Knabe, als er 


kaum vier Jahre ſeines Alters zählte und die Mutter 
mußte mit ibm auch die Ergiehbung feiner drei Schwe⸗ 
fiern übernehmen. Neben der fleigenden Laſt verminder- 
ten ſich Die Hülföquellen und ed murde für.die gute 
Srau eine fehmwierige Aufgabe die Heine Wirthſchaft in 
einiger Ordnung zu erdalten. Das kleine Beſitzthum 
war durch betrügeriſche Verwandte und durch die Hab⸗ 
ſucht armainziſcher Beamten zu Grunde gerichtet und 
die Samilie fam oft in barte Noth und mußte Mangel 
leiden an den erften Bedürfniffen des Lebens. So lernte 
“ der Knabde von der Wiege am North und Entbehrungen 

Bennen. gräbaeitig entwicelte fi unter diefen berben 
Verhaͤltniſſen eine gewiſſe Feſtigkeit des Willens, die bei 
der voranſchreitenden Reife des Geifted fi zu jener Cha⸗ 
‚ ,sakterfiärfe außbildere, die wir in fpdteren Tagen als 
eine befondere Zierde an dieſem Manne bewundern muß 
ten. Durch manderlei Vorfälle, wie fie fib auch im 


darmlofen Dafein der Tugend ereignen, wurde dem jun . 


gen WB. (don Stoff und DBeranlaffung gegeben, über 
inge Berradtungen anzuflellen, die diefem Alter fonfl 
fremd find. „Die ungen,“ fagt er in feinen Denfwürs 
Digkeiten, „die nicht mit mir auf: freundfchaftlihem Fuße 
fanden, nedten und verfolgten mic und die Alten trie, 
bens gerade wie die Jungen, wenn auch nicht auf dies 


feldbe Weife. Die Methode macht oft den ganzen Unter 


ied zwifhden dem Dummen und dem Slugen, dem 


& 
en und Bebilderen, dem Vornehmen und Gemeinen, . 


Drei Knaben waren vor andern meine geſchwornen Feinde. 
Unglädlider Weile befaßen fie mehr koͤrperliche Kraft 


und ih Fonnte mich weder vertbeidigen noch raͤchen. 


‚ Dad fonderbare Recht ging mir gewaltig durch den Kopf. 
Sragte Id meine Mutter, warum wir fo arm feien, dann 
befriedigte mich ihre Antwort keineswegs. Wollte ich 
oifen, warum man die Därftigen und’ Schwachen dudle, 
audle und verachte, dann wollte es mir auch durch bie 





Weigel. (37 


umſtaͤndlichſte Ergädlung nicht deutlich werden. Die er⸗ 
Ren marternden Zweifel, die meine Seele zerriffen, die 
eriten peinigenden Gefühle, die meine Bruf zufammens 
drüdten, bezogen fib auf die Ordnung der Dinge, in 
meicer es nad Vernunft und Rect unverdienter Reiche 
thum, unverdiente Edre und Uuszeihnung und unvers 

uldere Armuid, Schande und Crniedrigung geben 
ann. Id muß gefteben, daß mich Betrachtungen über 
diefen mißlihen Gegenftand fat an der Wiege empfane 
gen daben und mic mabrf&eintih bis zum Grabe bes 
gleiten werden. Gebr fräb fon fühlte id dunkel, was 
i& fpdter Elar erkannte.” - Diefe Gtele liefert, einen 
intereflanten Beitrag, wie jene Denkweife (bon in früs 
deſtem Alter angeregt war, Die ihn Durch das ganze Les 
ben begleitete und auf der fein ganzes Wirfen ruhte. 


od das jugendlid reine und friſche Gemäth in feiner 


Ziefe für redt und wahr erfannte, das fand mit den 
äußern Erfdeinungen oft im f&neidendften Widerfprud.- 
Mit finkern Zweifeln und mit unaufößficen Räthfeln 
kämpfend, 2 Eleinen Kreid gegenüber über 


den binau kühn zu erheben fuhte. Der 
Zwie ſpalt Ad Herz, der Kamp! mit ente 
gaenasle en, die fi mwechfelfeitig dens 

jemüthe varfen, hereitere ihm manche 
bittere © ie Zeit und das Alter,“ fagt 
®. in fei eiten an einer andern Stele, 
„bin id wie in mander andern fihe 
"ger und b yeilen, aber nicht viel gefcein 


er im So... 0... Mag die Kultur nod fo 
eifrig an und waſchen und foloriren, in entf&eidenden 
Yugenbliden, wo die angeborne Natur die Schränfen 
der angelernten Kunf durdbrit, tritt die Grundfarbe 
des Gharafterö, wenn nämlich eine vorhanden if, ges 
möbnlid bervor. Wie die äußern Aufände fid dem jus , 
endlichen Gemütbe böhn feindfelig gegenüberftellten, 
& mußte au) Vieles erdulder werden unter dem Drude 
er bäusliben-Verhältniffe. Die Mutter war von Na 
tur aus beftig, ibred Willens ‚gemiß und neben großer 
Srömmigfeit treng_bid zur 9 rte. Nur die Religion 
batte Gemalt äber fie und aus diefer Duelle fhöpfte fe 
Troſt und Stärkung in ihrem feidenvollen Leben, indem 
“le fa Uebermenfcliped getban und gelitten dat.’ Bon 
der guten Erziehung batte fie überaus ren: Bearite 
und in der Wabl der Mittel Fannte fie feine ängnlihen 
Räftfihten. Die unangenehmen Verhhrungen in und 


ſad und von 


® 

70 Weigel. on 
außer dem Haufe vermehrten in der Bruf des Kuaben 
eine gewifle Sebnſucht nad Unabbängigfeit. Der Be 
ſuch der Dorffhule wurde häufig umgangen und in den 
ſchatiigen Wäldern träumte er am liebiten von freien 
Wilden. W. war zehn Jahr alt geworden und ed wurde 
jest zur Rede gebracht, was einft aus ibm werden follte. 

as wollt ihr aus dem ſchwachgliederigen Buͤbchen 
machen? fagte ein verſtaͤndiger Nachbar; nur zum Schnei⸗ 
der ıft ed gur und fonft zu nichtd. Das war fo ziemlich 
die Meinung Aller, nur nicht die feinige: „In der Zeit, 
wo meine Fänftige Belimmung zum Schneider oft zur 
Sprache kam,“ erzäble W. von fi felbft, „ward. meine 
aͤlteſte Schweſter nach Mainz geſchickt. 39 begegnete 
ihr auf den Wege dahin in der Näbe ded Dorfes und 
bot mi ihr fogleid zur Begleitung an. Sie wollte es 
nicht zugeben, weil die Mutter nichts davon wußte und 
befonders, weil ich barfuß war. Um diefe Hindernifle 
aus dem Wege zu räumen, eilte id nah Haus. e 


"Mutter fand ih niht. Zum Ueberlegen war indeß feine 


eit, id nahm alfo meine Schuhe, eilte meiner Schwes _ 
er nad, holte fie glüdlih ein und folgte ihr aller Bes 
denklichkeiten und Widerfpräden ungeachtet die Schuhe 
in der Hand nah Mainz. Mein Anzug war nidt ſtaͤd⸗ 
tiſch und meine Schweher mochte fid maͤdchendaft des 
Bruders ein wenig fddmen. Ste ließ mid darum beie 
nabe am Eingange der Stadt, an dem Karmeliterklofter 
Reben, wo id fie erwarten follte. Aus Neugierde und 
Langerweile ging ich in die Kloſterkirche, wo gerade ein 
feierliches Höchamt gehalten wurde. Eine folde Prads 
batte ich nie gefeden. ' Die Mufif, der Aufzug der Geil 
lien, die reichgezierte Kirche, mo im woblriedhenden 
Dufte des Weibrauhd.taufend Kerzen brannten und die 
(don gepugte Welt, Alles fente mid in ein freudigeß 
. Eritaunen. Ih Fonnte mid nicht fatt feben und bören 
und war in einer Art Rauſch vor Veberrofchung und Ent 
süden. Gar wunderbare Ahnungen und Gefühle durchzo⸗ 
en meine Bruß. Eine unbeſtimmte Sehnſucht erfüllte 
e. In der Kirche konnte ich_nicht bleiben, fo bis ind 
nerfte war ich aufgeregt. Ich ſchlich mich leiſe fort 
und fegte mich der ganzen Länge nach auf die leinerne 
Zreppe vor der Kirchtbür, wo ib den Belang, Die Ors 
gel und die dbrigen Inſtrumente börte, aber Niemand 
iemand gefeben ward. Seltfame ‚freunds 
liche Bilder zogen an meiner träumenden Geele vorlber. 
Des Gedanke an meine Zukunft erfülte mid mit Weh⸗ 


Weigel. zu 1 1 


muth. Meine Hoffnungen und Wuͤnſche richteten ſich 
an dem großen und feierlichen Augenblick in die Höbe; 
ein Blid auf meine ausgeſtreckten nadten Süße und die 
Erinnerung an die Därftigkeit in der Heimat zogen fie 
aber wieder tief herab. In den ſchmerzlich fühen Kampfe 
fiegte dad Findlide Gemätb voll unverfiegbarer Hoffnuns 
gen. „Mein Gedaͤchtniß vergegenwärtigte mir, was i 
son Päpften gelefen oder gebört batte, die von der tiefe 
hen Stufe des geſellſchaftlichen Lebens dis zur doͤchſten 
Wuͤrde eines Stattbalterd Gottes auf Erden emporge⸗ 
ſtiegen waren. Stand nicht einmal ein Eräftiger Menſch 
an der Spitze der chriſtlichen Welt, der früber Schweine 
gehütet haste? Ich dachte an den fhmedifden, Karl 
und die Helden, deren Namen mir in den alten Büchern 
"meined Baterd-vorgefommen waren. Und dem berrlis 
den Triumphzug großer Männer follte sch unbemerkt in 
aller Demuth aus dunkler Kerne al6 Sqneider aufeben! 
Ich weinte, aber nicht vor Zorn, fondern vor Rührung 
und Sehnſucht. Die Umgebung batte mich weich ge. 
Rimat und ib wäre in Diefem Augenblid gern geflore 
ben.“ Diefer feierlide Augenblick beſtimmte feinen Ent» 
ſoluß für die Zukunft. Schneider wollte er um feinen 
Preid werden und bei der erſten Gelegenheit ſprach er. 
der Mutter den Fühnen Wunſch aus, zu Audiren. Die 
Bitte fand zwar fein geneigted Gebdr, aber den Schub 
meiſter des Dorfeb gewann er für dieſe Abſicht. Durch 
die Zuſage des unentgeldlichen Unterrichts ward das 
größte Hinderniß binweggerdumt und der gelehrte Mann 
begann fein frommes Wert. Zmei andere Knaben ver- 
mögender Eltern hatten fi) angef&loffen und wenn für 
die drei Schäler irgend ein Vorteil aud dieſem gelehr⸗ 
ten Unterricht bervorging für ihre Ausbildung, dann 
batten fie ihn bloß dem gegenfeitigen Werteifer zu ver⸗ 
danken. Als W. im zwölften Jahre das Gpmnafium 
be3og, war er. in allen Dingen des Wiflend noch weit 
zuruͤck. An deutſche Sprade, Rechtſchreibung, Geſchichte, 
Erdbeſchreibung. Naturgeſchichte und andere Dinge der 
rt batte man bei dem feitherigen Unterrichte gur nicht 
gedacht. Es möge genügen, nur mit flüchtigen Zhgen 
anzudeuten, melde Dindernifle aus dem Darge gerdumt 
werden mußten, wenn die vielfach unterdrüdte Kraft 
ſich muthig ihre Bahn Öffnen ſolte. In Bezug auf 
einen zweckm digen Unterricht war ZB. Gberauß unglüd- 
li geweſen. Er batte fa nie eigene Bücher oder taug- 
liche Lehrer und entbehrte überhaupt. aller Huͤlfsmittel, 


£ 


\ 


714 Weigel. 


ontmörtete id. Der Lehrer fab mich fcharf an. Solvens, 
fprad er, it einer, der bezahlt. Der bin ic, erwiederte 
1%, mit erzwungener Seftigkeit und fegte mid. Die Aus 
gen des Profeſſors lagen lange forfhend und tadelnd 
auf mir. Der Mann, mar ein harter Mönb und vers 
and mid niot. Was mir feine Neigung hätte gemin. 
nen fotlen, 309 mir feinen Haß zu!" Das Gilentium 
wurde vier Sabre lang redlicy bezahlt, obmohl «8 oft 
fhmer gebalten bat, die Mittel dazu aufzubringen, Auf 
die Lefthre murde jene Zeit verwendet, welche die Scul⸗ 
arbeiten übrig ließen, obwopl nad Art der Jugend alles 
in bunter Menge dem Geifte vorgeführt ward. Dur 
Ueberfegungen machte er auf biefe Art näbere Bekannte 
fat mit Roufleau und Helveriud, mit £ und Bole 
taire und Spinoza. Dadurch bereiteten | Igenreide 
Erfbütterungen in dem jugendfiden Ge "vor, die 
den frommen Glauben zu zerftören drobten die forge 
fame Mutter zuerft gewedt und den der te Untere 
richt befeftigt ¶ daite Der Skeptizismu lug feine 
Wurzeln und breitete fi aus. ber, „.....i do der 
Geift im wilden Zerfören gefiel, dann trat das Gemüth 
erhaltend und befänftigend ind_Mittel.“ Zünf Jahre 
waren auf, diefe Weife unter Studien und Uebungen 
für den Fünftigen Beruf dadin gegangen, ald W. vom 
Gpymnafium zur hoben Swule in Mainz Äbertrat. Ein 
heil der Reilen Anhöhe war — erſtiegen und ber 
Mur nicht abgefühlt. Der Gefihtökreiß hatte ſid dem 
wißbegierigen Yüngling um Vieles erweitert, -aber er 
mußte höber binauf, wollte er das Entzjidende der vol« 
fen Ausſicht genießen. Alle berechtigte zu den fönften. 
Hoffnungen für die künftigen Tage. Mit vielen trefflie " 
en Sünglingen ſgloß W. damals den Bund der Sreunds 
daft, ie meiften daben die Stürme der Zeit mit ° 
rigenommen und nur Wenige, mit denen er-auf dem 
gen Lebensweg vertrauten Umgang pflegte, baben fels 
nen Stern erölfhen feen. WS W. die Univerfitdt zu 
Mainz bezog, ftand diefe Anfalt in ihrem böcften Glanje 


- und unter tüchtigen Lehrern fegte er bier feine Studien 


fort. Damals bereiteten fib in der Haupſtadt Srank- 
reich8 die Ereigniffe vor, melde die Aufmerkfamkeit je⸗ 
des Denkenden feileln mußten. Mit dem Ausbrude der 
erſten Gaͤhrung nahm auch W. einen warmen Antheil 
an der Sache der franzöfifchen Nation und ed bem 

tigte fi dobe Begeifterung feines offenen Gemhthe, ſo 
lang die Tauſchung dauerte, daß die Bewegung im Sinn 


x 





Meigel. 75 


der Zugend und Fa ewigen Rechts geſchede. Dad Eine 
rüden der Sranzofen in Mainz unter Cuſtine 1792 uns 
terbrah die Studien des zmwanzigiäbrigen Zünglings,. 
der fib jegt in den Rheingau zurüdzog, von ba oder 
auf Das linke Rheinufer entflieben mußte, um den Ders 
folgungen ber Preußen zu entgeben, die er fib Dusch 
jugendliche Unvorfwigkeit sugerog’n hatte. Nah mans 
@erlei Hin» und Herzügen wurde befcloffen, die Stu⸗ 
dien auf einer deutfhen Univerfitdt fortzufegen. Im 
Epätjahr 1795 trat W. die Wanderung nah Jena an, 
wo er Schiller, Wieland, Goethe *) und Herder in der 
Naͤbe zu feben boffte, ein Gedanke, der ihn mit Der gan« 
sen Begeifterung der Tugend erfüllte. Dem Studium 
Der Fritifhen Philoſophie follte dort fein vorzäglichfted 
Beſtreben gewidmet fein, da er zu einer fogenannten 
Brodwiſſenſchaft Feine Innere, Luſt fühlte. Mit beiterer 
Dffenberzigfeit aeftebt es ſelbſt, Daß, troß der außdauern- 
. den Geduld und Der verdoppelten Anfirengungen, nur 
langfame Fortſchritte in der göttli gepriefenen Weis- 
beit gemacht wurden. Da die Fritifhe Philofophie dem 
ewporfirebenden Geiſt nicht zu feſſeln vermochte, fo ward 
"der Wunſch in ibm laut nad der Erwerbung pofitiver 
Kenntnifle und Fein Ort ſchien ibm dazu geeigneter als 
. Göttingen. Hier nahm er an den DVorträgen von Schloͤ⸗ 
kr und Spittler Theil, doc folgte er aud damald mehr . 
iner Neigung als den dringenden Erforderniffen einer 
fünftigen Beſtimmung. Mitten im Sige der Wiflen- 
fihaften, umringt von allen Hülfömitteln, gab id W. 
Der Ueberzeugung bin, daß er zum eigentliden Gelehr⸗ 
sen nicht geboren fei, einem Gefuͤhle, das er fterd in ſich 
etragen zu baben behauptet. Mit einem rafhen Ent 
dlus wurde die Laufbahn aufgegeben und fchon in den 
- Serbfiferien von 1796 die Reife nad der geliebten Heis 
moth angetreten, wo die Kampfheere fich noch Fampfge- 
röftet gegenüberftanden. Die unglädliden Borbedeus 
tungen für dad Vaterland erfüllten fein Herz mit ſchwe⸗ 
ren Sorgen. Im Sommer ded Jadrs 1797 trat W. 
eine Wanderung nad der Schweiz an. Er wollte Erho⸗ 
lung ſuchen in einer großen Natur, dort den Schmen 
getaͤuſchter Hoffnung beſchwichtigen, eine unbeflimmte 
Sebnfunt mildern, die feine ganze Gefühlsweiſe maͤch⸗ 
tig beberrſchte. Aber auch in Dem Alpenlande fond er 
nicht, was er fuchte und unbefriedigt kehrte er zurück 





*) Deffen Biogröpbie f. N. Neke. 10. Jahrg. ©. 197. 


76 Weitzel. 


nach der Heimath. Unter der gänzlich veränderten Lage 
der Dinge fühlte der junge, damals tünfundjman igiäds 
tige Mann lebbaft den Wunſch und dad Bed rfniß, dem 
geben eine tbätige Richtung zu geben und. Antdeil zu 
nehmen an den Ereigniflen, melde die Zeit ſtuͤrmiſch he⸗ 
wegten. Die eroberten Länder auf dem linken Rhein. 
ufer wurden gerade zu dieſer Zeit von der franzoͤſiſchen 
Regierung nad ihrem Syſtem organifirt und bei diefer 
Gelegendeit erbiest W. durch Empfeblung des vormialis 
en Mainzer Profeflord Hoffmann Ende 1798 zuerft eine 
telle al$ Comissaire du directoire executif ded Kantons 
Diterberg bei Kaiferslautern und Unfangd 1709 ward 
ihm die vafante Stelle eined Komiſſaͤrs dei der Muni⸗ 
gipalperwaltung ded Kantons Germersheim Übertragen. 
ine innere Luſt und eine Sreudigfeit des Gefühls, wie 
fie ſonſt felten fein mögen, begleiteten Den jungen Bes 
amten bejm Eintritt in den neuen Wirfungdfreid, wo er. 
dad Gute zu erfireben fuchte, fo weit ed die eigene Stel. 
fung und die Äußeren Berbältniffe erlaubten. egt aber 
- foh er dad Bild in der Nähe, das in der Gerne fo viele 
Blicke taͤuſchte. Rudige und aufmerffame Beobachtun⸗ 
gen fühlten allmälig den Enthuſiasmus feines Herzen, 
enn er erdlickte auch bier unter gleißneriidem Gemande 
die Willkür und den Ehrgeiz, die Habfuht und die ro» 
ben Leidenſchaften unter ie im engfien Bunde. Der 
Druck und der Jammer, der auf den unglüdlihen Be 
wohnern des Landes Laftete, das er Fannte und in Dem . 
er wirken follte, erfüllte feine Seele mit Abfcheu und- 
Unmillen. Ed bat fi aud jenen Tagen ein Aftenküd 
in feinem Nachlaß erbalten, dad darum merfwärdig_ ers 
fpeint, weil es Zeugniß gibt, daß er auf eigene Gefahr 
ben Muth batte, für Die Unterdrüdten das Wort zu Hape Ä 
ren. In diefem Schreiben an den Regierungdcomiflar 
in den vier Departementen wagt er ed mit eindringen 
der Sprache die Wunden des Landes zu ſchildern. Es 
it unbekannt, welde Wirfung diefe Doriiellung gehabt 
babe; gewiß iſt ed, daß fie ihrem Verfaſſer feindſelige 
. „©elinnungen erwedte unter einer jabireien Klafle von 
Menden, die ſich nicht frei fühlen Eonnten in ihrer 
Handlungdweife. Mitten unter den fi bäufenden Bee 
rufdarbeiten, mitten unter den Widermärtigfeiten, die 
von allen Seiten bereinftürmten, ſuchte W. dem oft ge⸗ 
drten Seelentrieden in literarifchen Def@äftigungen wies 
- der berzuftelen. ‚Seine Sefinnungen, Grundfäge und . 
Anfidten ſchrieb er in freien Stunden nieder, wo dem 





Weigel. 77 
umbdäfterten Genätbe Troſt und Erheiterung zum Be 
duͤrfniß ward. Schon auf dem Gymngaſium und wäh 
rend der Univerſitaͤtsjahre batte ſich W. in Beinen fchri 
ſtelleriſchen Arbeiten verſucht, denen er die Ehre des 
Drudd nicht zuerkannte. Wenn diefe ſchriftſtelleriſche 
- Epätigfeit früher eine artiftifhe Richtung - genommen 
batte, um Scaufpiele und Tragödien, um. Singfpiele 
oder Romane hervorzubringen, dann veränderte. ſie das 

abr 1791 und die raſche Entwidelung_der franzoͤſiſhen 

evolution fpdter in rein publiziftifche Tendenzen. Don 
biefer Zeit an Eonnte nichts mehr einen vorberrfdenden: 
Einfluß gewinnen auf diefen feltenen Geiſt, der jegt nur 
einem großen Gegenſtande zugewendet blieb: dem Welt⸗ 
ereigniife, von dem die Socialverbältnifle der Menfchen 
‚ abhängig find. Mit Mäßigung und edler Selpftbeberre 

fdung, mit Begeikerung und innerer Ueberzeugung bat 
er id einer mißliden Sache gewidmet, an der Diele 
geſcheidert find, Die nit von gleidem Talent und gleis 
&er Edarafterfiärke unterftügt waren. Seine erſte jegt 
felten gewordene Schrift „über die Beſtimmung ded Wien 
fen und Bürgers” blieb bei ihrem Erſcheinen unbeach⸗ 
tet, obgleich ruhftäde, die in fpätere Arbeiten des 
Verfaſſers Übergingen, mit Beifall begräßt worden find, 
- Bei der neuen DOrganifation ded Landes im Jahr 1800 
verlor W. feine Stelle als Öffentliber Beamter. Sie 
datte ibm vielen Verdruß und manden Kummer bereis 
tet und er mag von diefen Verdaͤltniſſen obne ſchmer 
lie Gefuͤhle Abſchied genommen baden. Es mar die 
drädendfte Periode feines Lebens, in der er fih dem 
meilen Zwang und den größten - Aufopferungen unters 
werfen mußte, obne dad Guie in dem Umfange bewirs 
fen zu können, wie ed in feinem Willen und in feinen 
Abſichten lag. Von der Außenwelt war_er wieder in 
ſich ſelbſt zurädgedrängt, aber die bittere Erfahrung hatte 
die ſchoͤnen Hoffnungen zerfört, indem er in den Pris . 
vatſtand zurädtrat. Dad Öffentlibe Leben vol Schein 
und Trug hatte fein forfchended Auge in der Nähe ges 
feben: feine” Herrlichkeiten konnten ihn nicht verloden, 
während er die Armfeligfeiten und den Jammer befeufs 
zen mußte. Diefe zwei verlörnen. Jahre zählte er unter 
Die Dpfer, die er einer guten Sache gebracht, der er 
fonft neben beffern Ausſichten fein Leben geweiht bätte. 
Eine -ungetrübte Heiterfeit und die Ruhe ded wahren 
ilofopden erbielten. ihn unter den damaligen Umftäns 
den aufrecht und er verlor feinen Augenblid das fichere 


. 





783: .. Meißel. , 
Mertrauen auf die Zukunft: Um ibn zu entſchadigen, 
vielleicht um. ihn klaglos zu ftellen, wurden ibm andere 
Unerbietungen gemacht, die er offen abzulehnen für gut fand. 
Mir feiner jungen Frau kehrte hierauf W. am Schluffe 
ded Jahrs 1800. nah dem Sobannidberge zu feiner 
Mutter und dann nach feinem geliebten Mainz zuruͤck, 
der Wiege‘ feiner Tugendboffnungen. Die Bahn war 
verfaffen, auf der Tauſende von vefchränften Fähigkeiten 
obne Mübe und Anftrengung zum glädliher Ziele ge 
‚fongen. Der frifde ungebeugte Muih und das Gelbft« 
vertrauen, die ſchon fo manches Hinderniß befeitigen bal« 
fen, follten auch jegt die einzigen Stützen fein, um der 
naͤchſten Zukunft freudigen Herzens entgegenzugeben. 
Bom Jahr 1801 an fehen wir W.'s ſchriftſtelleriſche 
Thaͤtigkeit ſich dur bedeutfame Leitungen entwideln. 
Zuerft redigirte er die Zeitfchrift „Egeria,“ in der er einen. 
umfaflenden Auffag über Die Urfachen großer Staatsre⸗ 
volntionen niederlegte.. Zu gleiher Zeit übernahm er 
Die Redaktion einer Zeitung, die Eigentbum ded Mains 
\ ker, Baifendaufee war und die fpäter unter Dem Namen 
er Mainzer Zeitung erf&ien. Bald lenkte ſtch die Auf 
merkſamkeit auf dieſes bisher wenig beachtete Blatt; der 
Abſatz vermehrte fid in Furzer Zeit und mit ibm flieg’ 
der Ruf des freimütbigen Redakteurs. Diefed war die 
eriode einer Wirkfamkeit, die mehr mit feinen Ans _ 

chten und Meinungen übereinfimmte nnd er fühlte 

ich — in dieſer Zeit heitern Lebensgenuſſes. An 
den oͤffentlichen Ereigniſſen nahm er fortwaäͤhrend den 
lebendigſten Antheil. Das Kaiſerreich erbob ſich auf den 
Truͤmmern der Jeubuut und Mainz erhielt unter den 
veraͤnderten Umſtaͤnden ein kaiſerliches Lyceum, deſſen 
Lehrerſtellen meiſt mit tüchtigen Männern beſetzt wur⸗ 
den. Durch feine dortigen Freunde dringend aufgefors 
dert, übernabm auch W. eine Profeffur bei der neuen 
Anftalt, obgleich er dem Ruf ungern folgte. Diefe Stelle. 
erforderte indeß mancherlei Anftrengungen und DBorbe- 
reitungen, befonderd da die Vorträge nah dem febr: 
plan in franzöfifger Sprache abgehalten werden muß« 
ten, mad eine befondere Urbung verlangte. Doch ge 
warn WB. zu dem neuen Berufe bald Neigung und Vor: 
kiebe, wobei er fib die Anhaͤnglichkeit der Schüler zu 
erwerben wußte. Es mochte um dad Jahr 1806 gewe⸗ 
fen fein, ald ihn Savary, nadmaliger Herzog von Ro» 
vigo, bei feinem damaligen Aufenthalt in Mainz zu ſich 
einladen ließ. Der Günftling des Kaiſers verlangte 


J 





Weitzel. a 79 


feine Mitwirkung, um die Stimmungen und die Gefin⸗ 
nungen in Deutſchland zu erforfhen. Glänzende Ber. 
fpredungen und dringende Vorſtellungen murden nicht 
gefpart, aber der Mann, der fein Vaterland liebte, fonnte 
es nicht über fih gewinnen, ald Werkzeug zu dienen bei 
den Entwürfen, die zu feinem Untergange bereitet wur⸗ 
den. Der General zeigte ibm den günftigen Augenblid 
- Hi der Sonne zu nähern, aber er vermochte feinen Zwe 
nicht zu erreichen, vous &tes trop allemand, fagte Savary 
beim Adſchied. Es mochte diefe deutfche Biederkeit den 
£aiferlihen Feldderrn höchlich befremder haben, der an 
ſolche Erſcheinungen allerdings nicht gemöhnt war. Bon 
dem Jahr 4807 an erweiterte fi fein literarifher Wir 
kungskreis durch den Beitritt zu der Redaktion der euros 
paͤiſchen Staatsrelationen, Die. Nif. Vogt, fein ebamalis 
ger Kehrer an der Mainzer Univerfität, au Kranffurt a. 
M. feit 1804 herausgab. Den guten Ruf, den diefe 
aan batte, verbanfte fie jum Theil der gemandten 
eder 28.8, der fie von diefem Augenblick an fräftig 
unterfiäßte. Manche Artifel der Mainzer Zeitung bate 
ten bereitd von Parid aus Neflamationen veranlaßt. 
Winfe und Warnungen, die auf den reiten Weg len⸗ 
- ten folten, wurden nidt in dem Umfang beadtet, wie 
ma es dringend wänfhte und Sean: Bon» St. Andre 
mußte endlich bie (wünends Hand zurücdzieben. Weigel 
verlor die Redaktion ded Blattes, fo fehr ihm aud der 
Praͤfekt durch freundliche Gefinnungen gewogen mar. 
Die Berbältniffe der Zeit wurden von jegt an düfterer 
‘und trüber; eine ernfte Stimme zog durch die Gemäther, 
die von finftern Ahnungen tief ergriffen waren. Die 
Gegenfdge wurden ſchaͤrfer und fchneidender, je weniger 
fie offen bervortraten. Mit dem Jahr 1810 verwandels 
ten fi die europdifhen Staatärelationen in das rbeis . 
nifhe Archiv, dad ald Monatöfchrift für Geſchichte und 
£iteratur befimmt fein ſollte. Mit NIE. Vogt blieb W. 
an der. Spitze der Redaktion und von feinem ausdauern» 
den Fleiß und feiner regen Theilnahme liefern die Hefte. 
dieſer mir großem Beifall aufgenommenen Zeitſchrift 
binlänglihe Belege. Meiftend waren ed Auffäge Über 
die Geſchichte der Zeit, die fo reich an großen Ereignifs 
(er war, die W. bier niederlegte, wovon Manches in die 
päter gefammelten Schriften überging, . Mit der Gens’ 
fur mußte freilid mander Kampf beflanden merden, 
deffen Ausgang bei den damaligen Zufländen nicht zwei⸗ 
feldaft fein konnte, da alles fireng beauffichtigt ward, 


80 J Weitzel. 


was mit politiſchen Tendenzen im Zufammenbang ſtand. 
Unter diefen Beſchaͤftigungen nahte dag Jahr 1813 und 
das Ungluͤck der franzöfiihen Waffen verkündete den 
gännlien Unftur; der feitherigen Verdaͤltniſſe. Die 
iebe zum Vaterland hatte ſich lebendig erhalten bei dem 
‚Manne, der einen fehönen Theil feines Lebens unter der 
Fremdderrſchaft verlebt hatte und er begrüßte jept aufs 
richtig. die neue Ordnung der Dinge. Während der pros 
viſoriſchen Regierung erbielt er die Mainzer Zeitung ald 
Eigenthum und er konnte jeßt wieder in der gemohnten 
Weiſe wirken. Dad Lyceum hatte fi während dieſer 
Ereigniffe aufgelöft, aber das zufriedene Gemüth mochte 
fid aud Äber diejen Verluſt getröfter baben. 3 die. 
damalige Epoche fallen mebrere geiftreihe und gediegene - 
Literarikhe Produktionen: Die Betrachtungen über einige 
der wichtigen Begebenheiten unferer Tage. — Deutfks 
lands Hoffnungen und die Denkſchrift von Napoleon 
Bonaparte. Auch bier zeigte der DVerfaffer, daß _er für 
fein Vaterland und die. Menfchbeit das Gute aufrichtig 
boffte und wuͤnſchte. Das meifte Aufſehen machte die 
Denkſchrift, von der in Kurzem zwei Auflagen vergrife - 
fen waren. Mit dem Erzderzog Karl batte W. während 
deſſen Aufenhalt in Mainz medrere Unterredungen, wos 
bei er fi die Achtung und die perfönlihde Gemogenzeit 
Diefed ausgezeichneten Sürften erwarb, Bei dem neu ers 
richteten Gymnaſium trat hierauf W. wieder in der Eis 
genidaft, als Profefor ein und fo ſchien über feinen 
erhältniffen von Neuem ein guter Stern aufiugeben. 
Diefer Zeit verdankt ‚die Novelle: Auguſt und Wildels 
mine ihre Entftebung. Noch, einmal follte ein Wechſel 
in feinen Öffentlihen und haͤuslichen Verbältniffen eins 
treten, diedmal aber nad eigenem Wunſch und nad eis 
gener Zuftimmung, wodurch er zugleich in einen Staat 
verſetzt wurde, der durch die Begebenheiten fein Vater 
land geworden war. Es vereinigten fi damals fehr 
vortbeilhafte Umftände, welche die Gründung eined oͤf⸗ 
fentliben Blattes in der Haupiftadt des Senathumd . 
Naffau begünſtigten. W. ergriff die gute Gelegenheit, 
die ſich Dacbot und vertaufchte feinen biöherigen Aufents 
baltsort mit dem. freundlihen Wiesbaden, mo er jest 
die von ihm neu gegründeten rheinifden Blätter redi⸗ 
irte._Die Heraudgabe diefer zeitung batte für Die ers 
fen Augenblife mit mandherlei chwierigkeiten zu 
aͤmpfen, die indeß durch Ausdauer und Gewandtheit 
aus dem Wege geräaͤumt wurden. Ohne bedeutende 


_ Weitzel. | 81. 


Mitarbeiter blieb W. allein die Seele des Unternedmens, 
dad gelingen mußte, fo lange er fi in freier Bahn be» 
wegen Eonntee Schon mit. dem Anfange des Jahrs 
4818 verbreiteten fi die rheinifhen Blätter in weiteren 
Kreifen und ed war gegrändete Hoffnung vorhanden, 
Daß fie bald die allgemeine Aufmerkfankeit auf ſich len» 
Ten würden, Nach den Karlöbader Beichläffen legte W. 
die Nedaftion nieder, weil er vorauszuſehen glaubte, 
dag dad Blatt fib unter den in Deutf&land eingetretes' 
nen Befchränfungen der Preile nit mehr würde balten 
tönnen. Mit diefem Blatt dörte für W. eine Einnadme 
auf, die ibm bereit ein forgenfreied Daſein geſichert 
batte. Im Jahr 1820 erbielt er die. Stelle eined Biblio. 
tbefard bei der öffentliben Bibliotdet zu Wieöbaden 
mit dem Hofrathstitel. en gebt 1819 erſchien von ihm 
die Eleine freimürbige Schrift: Hat Deutſchland eine 
Revolution, zu fürdten?t Die Muße, die ibm die neue 
Stelle gewährte, verwendete er zuerft auf Die Sammlung 
feiner zerftreuten Schriften, die in drei Bänden erſchie⸗ 
nen (1820, 1321). W. fonnte nie untbätig fein. Auf- 
einfamen Spaziergängen zeichnete er geroöpnlih in das 
Notizbuch mad er dachte und fo find Die meiſten Schrifs 
ten entfianden, Die wir von ihm beiden. So erſchien 
„das Merkwürdigfie aus meinem Leben und meiner Zeit" 
in den Jahren 1821 und 4322. Es ift ein reicher Schaf 
von Unfihten, Bemerfungen und Lebenderfabrungen hier 
niedergelegt, obwohl Diele Schrift nit als vollſtaͤndig 
und geſchloſſen betrachter ‚werden kann. Einige Jahre 
fpöter. beſchenkte feine thätige Feder die publiziſtiſche 

iteratur mit der gehalwollen Schrift: Europa in ſei⸗ 
nem gegenwärtigen Zuſtande. In dieſer Zeit nahm W. 
einen ſebr thaͤtigen AÄnideil an vielen Öffentlichen Blaͤt⸗ 
tern. Die aͤlgemeine Zeitung, die Blaͤtter für literaris _ 
fde Unterhaltung, die allgemeinen politifden Anna 
len u. ſ. w. enthalten (die erften bis zu den legten Ta⸗ 
gen feines Lebens) die zahlreichen Früchte ſeines uners 
müdlichen_&leißes.. Won 1825 bi8 1830 erfdienen die 
Rheinreife, die unvollender geblieben it; — Was fol 
man fernen? — Betrachtungen über Deutſchland; — 
. Napoleon dur Aid ſelbſt gerichtet. und Scherz und 
Era. Auch den Gabrbicern von Poͤlitz ſchloß er ſich 
bereitwillig an. Die Briefe vom Rhein und die ©e 
(dichte d. Staatswiſſenſchaft (2 Bde.) bilden die Schlyß- 
fteine_ feiner fiterariihen Wirkſamkeit. Unter allen feis 
nen Schriften legte erauf die zulegt genannte den meilten 

R. Nektolog. 15. Jahrg. == 6 





4: Gegyer. 


Urfaden im Rn 1824 ab officio advocati et procuratoris 
dur richterfihe Entfbeidung removirt worden mar, 
verließ er den Aufenthalt In Medlenburg und zog nad 
PBerpommern f 0 a —EXW— Bert rennen aulegt 
in Demmin er enl or einigen Jahren, naı 

Rageburg wandte und hier aud) feine Irdifde Laufbahn 


den frübern Jabren find von ibm einige Auffäge in ver» 
f&iedenen beferrikifgen "Zeitforiften erf&ienen; auch 
gab er in der jüngken Zeit noch befonderd heraus: Adel 
und Natur. Ein Notionalroman. Zwei Theile. Hamburg 
4828. — Hifvrifh.rehtlide Würdigung d. Einmifhun, 
Sriedrid des Großen in die befannte Rectöfade bei 
Müllerd Urnotd; aud für Nichtjuriften. Altona 1828. — 
Henn und Welt, Eine Sammlung von Dichtungen. 
2 Theile. Widmer 1833 — 1834. R 
Sauwerin. Sr. Bräffom. 


* 39, Auguſtin Andreas Geyer, . 
* Pfarrer in Banz im Herrſchaltsgerichte Bangs 
‚geboren den 17. Auguſt 1776, geft. ven 12. San. 1887. 


Er war_der Sohn eines fürkfih bambergifhen Ber 
amten zu Martt«Schorgaft und befuchte in Bamberg, 
um fid den Studien zu widmer, die dffentliben Schus 
fen. Noc vor Volendung derfelben trat er am 11. Juli 

4793 in die Benediktiner⸗ Abtei Banz, wo fih Männer 
befanden, die von regem Eifer, fid allfeitig auszubilden 
oder in einem Fache ſich audzuzeichnen, befeelt waren. 
pr Beifpiel wirkte vortreflih auf unfern G., der am. 
22. September 1798 zum Prieiter geweiht ward und im 
3. 41802 dad Umt eines Kanzleiafleflord und Gatriftand 
- erhielt. Schon in den erken Zadren. {eine Aufenthalts 
im Kloſter befdftigte er ſich in den Nebenkunden mit der 


Geyer. 88 


kunde und legte eine Petrefaktenſammlung an, woju der 
bode Berg und feine naͤchſte umgebung relplide Yu 


diefe Sammlung in dad Naturalienkabinet zu amberg- 
Öfe 


Außerdem, Daß zu diefem Zwecke die Umgegend genau 
durhfucht wurde, um Das offen Daliegende zu fammeln, 
wurden Öfterd große, Selfen gefpalten, wenn. ſich von 
außen Spuren von folden Werfteinerungen zeigten und 
was auf Diefe Weile theils in größeren, tbeild in klei⸗ 
neren Städen im Sommer gefammelt war, wurde waͤh⸗ 
rend des Winterd Durch den Meifel aus der harten Felſen⸗ 
mafle audgearbeitet und zulegt fo fein und zart mit der 
Nadel auögeftohen, dag man felbf die kleinſten Zähne 
Ber foffilen Thiere genau betrachten Fonnte. Das meifte 
erdienft um die Petrefaktenkunde bat ſich aber Geyer 
durh die Yuffindung des Ichtppofaurus eined großen 
Thiereß der Vorwelt erworben. Nach dem Zeugniffe 
der erfien Naturforfher finden fi in gan; Europa Peine 
Ichthyoſauren von der Größe und Dolländigkeit vor, 
wie es ©. aus grobem Zelfen mit unfäglier Mühe zur 
inftraftiven Anſchauung berausgemeifelt_ bat. Es ergin 
Daber. häufig von Seiten der Naturforfber an ibn Da 
Erfuden , wenigftend einen Oppsabguß von feinen Ich⸗ 
thyofaurud mitzutheilen, was er auch gern that und fo 
jwar, daß der Abguß faum von dem Originale zu untere 
ſcheiden ift. Dergleihen Gypsabgüſſe von dem Ichthpo⸗ 
ſaurus zieren die Petrefaftenfammlung des Grafen Stern. 
berg zu Prag, ded Hrn. v. Buch in Berlin u.a. — — 
Uneigenn Big, wie ©. allentbalben war, überließ er noch 
dei Lebzeiten feine beträchtliche Petrefaktenfammiung, 
mehrere taufend Gulden an Werth, Der herzoglichen 


“nur auf die nädhfte Um m von Banz fi beichränfen. 


— 


* 


86 Hanfing. 


Samilte, wit ber Behimmung, daß dieſelbe zum all 
gemeinen Nugen der Naturforiher fortwährend auf dem 
hloffe Banz aufbewahrt werde. Aber fein edles Stre⸗ 
ben wurde auch anerfannt. So ſchmuüͤckte ihn der Herzog 
. Wilhelm in Baiern *) mit einer großen gnidenen Mes 
palu und eben fo die naturforſchende Geſellſchaft zu 
ranffurt mit einer folden. Aus naben und fernen 
Zändern kamen Naturforſcher zahlreih nah Banz, um 
ihre .bidber gemachten Erfahrungen an der. tre lien 
dur& ©. angelegten Naruralienfammlung zu prüfen und 
benätigt zu finden oder um fig daſelbſt neue Aufſchlüſſe 
zu verſgaffen und den Kreis ihrer Kenntniſſe zu erwei⸗ 
tern, Allen war Geyer ein bereitwilliger Führer. Un⸗ 
tadelhaft in feinem prieſterlichen Wandel, benahm er 
ſich offen und gerade, anſpruchslos und liebevoll gegen 
Fepermann. Er binterließ ſehr wenig; denn feine Wohle 
. Ihätigfeit und die Liebe zur Wiffenfchaft nahmen fein 
anzes Pfarreinfommen in Anſpruch. Als Diftriftde 
(Oulentnfpettr war er nicht an feinem Platz und er 
uchte darum bei der F, Regiegierung um Enthebung von 
dieſer Stelle nad. Innig liebte er feine Sreunde; fein 
Hausweſen führten feine nähften Anverwandten und viel 
verdankt idm fein Neffe Geyer, der fich zur Zeit auf der 
Univerfität. in Münden befindet. Wenige Monate vor 
feinem Tode bat er den Herzog Marimilian um bie 
Entbindung von der Pfarrei, welcher Bund ibm mit 
Zufiderung von freier Wohnung und Hol; aus dem 
berzogl. Walde gewährt wurde. ©. wollte. jedoch ind 
nade Staͤdichen Staffelftein ziehen und da feine alten 
Tage in Rube zubringen. Ehe aber die Beftätigung 
fam, erkrankte er und war trog aller ärztliden Bemßs 
bungen des D, Kirchner zu Bamberg nit zu retten. , 
Bamberg. Bu ‚©. U. Thiem. 


* 40, Bernhard Heinrich Karl Hanſing, 
erſter Prediger in Barel Im Herzoathum Oldenburg, Mitvorftcher 
des dortigen Waifenhaufed u. Mitglied des geifilihen Kollegiums 

der Derrfhaft Varelz 
Beb. %. 16. März 1765, geft, d. 12. Ian. 1837. 
Er wurde zu Varel in der erften Pfarrwohnung ges 
boren, in denfelben Haufe, ee din 
Vater, Karl Heinrid Honfing, welcher ald Konfikorial« 


* Deſſen Biogr. ſ. in dieſem Jahrg. des N. Rekr. S. 6% 





+ 





Hanfing. ” 


affeffor und erfter Prediger zu Gengmarden in der He 
a Knipdaufen gehenden il, ar damals Hal 
prediger des erften Predigerd in Varel und mit Magd 
Eleonore, geborenen Spike 'verbeiratdet. Saon fr 
entdedte diefer mehr ald gemöhnlie Anlagen in’ fein« 
einigen Sodne (der Töchter batte er mehrere) und übı 
jab denfelden Dader eig, feinem Schwiegervater, de 
jamaligen Schreibmeifter Spille un der latein. Schu 
zu Oldenburg, Hier in dem, Haufe feiner Großeltei 
erhielt er, während er diefe Eule befuchte, nid nı 
feine wiffenfoaftlide Bildung, fondern «8 wurde au 
in ihm, der Grund zu jenem frommen Sinne gelegt, dı 
” ganzed Leben bindurd auszeichnete und ih 
wodl befonderd beftimmte, ho dem theolog 
dium zu widmen, Im I. 1783 bejog er di 
! ID alle, wo er die berühmten Theologe 
Nöfelt, Knapp, Niemeyer u. a. m. und de 
en Ederdard hörte und wurde, nahdem eı 
ron T NRüdkedr ind Vaterland fein Eramen ebren 
vo befanden barte, i. 3. 1787 zum Kantor und erſte 
£ebrer an der Schule zu BVarel ernannt. Hier lernt 
er unter feinen Schülerinnen die ennen, mit welder e 
Ki am 25. Oft. 1792, den Bund der Ehe eingina 
driftine Sophie v. Harten, ältefte Tochter eined Wein 
bändierd in Varel. Weil der ige erſte Predige: 
in Darei häufig Eränfelte und der Hülfe bedurfte, pre 
digte er für denfelden unausgefegt ein ganzes Jahr Yang 
indem er dabei fein Kantoratögeibäft mahrnahm , tbeilt 
gu eigner Uebung, tbeild aud Gefdligfeit gegen diefer 
von ibm geadteten Mann und erwarb fi dadurch fol. 
den Beifall, daß er, ald derfelbe farb und der zweit 
Prediger die ihm angetragene Stelle des erſten Predi. 
gerd —X ‚am 2. Juli 1792 von dem letztwerſtorbe 
nen Grafen Bentind *) zum erften ‚hrebiger in Varel 
berufen wurde, melder Stege er feitdem treulich vor⸗ 
Rand, biß Eörperlide Schwäche und Kränklicpkeit ed ihm 
urmöglid machten, fie länger zu verwalten und er ta 
ber mebrere Jahre lang fid der Hülfe eines jüngeren 
®Predigerd bedienen mußte. Es .Foftete aber viel Ueber 
redung von Seiten feiner Freunde und anderer ehren. 
wertber Männer, mit-meliden er in beRändiger miflen- 
[baftlihen Verbindung lebte, ihn zur Annahme diefed 
ufs zu bewegen, da er mit einer hoben Idee von der 
_— 


Y Deffen Blograpbie f. im W. Mekrolog Jadız. 18. ©. 306 


- 


ss Hanſing. | 
hrde und Vortreßlichkeit des geiſtlichen Standes er· 
il war und fih einer Stelle Pig einer fo anſehnlichen 


mit verdboppelten Kräften, um fi des in ihn gefegten 
indem er 


geben ſuchte, legte aber auch Dadurch wohl hauptiie ie 
Bag Alter nicht verließ, fondern vielmehr mit den 


neue Richtung gegeben hatte. ‚ganling wurde mit den 
Denkers befannt und ers 
fannte_bald das UngenÄgende feined frühern philoſophi⸗ 
(den Studiums, beionderd rüdfibtlid des Gluͤckſel 
eitöprincipd in der Moral. Er fab aber auch ein, weis 
&er wichtigen Einfiuß die Schriften Kantd, befonders 
die Wiederderfielung des Sittengefeges in feiner Würde, 
auf die Audlegung des Chriſtenthum geninnen mußten 
und von der Zeit mar fein eifrigfted Bemuben, dem 
ariftlihen Glauben, den _er hegte, rationell zu begrün- 
den und fich fein eigned Syſtem zu bilden. Es EFoftete 
ihm indeß anfangd nit wenig Mühe, die damald ganz. 
neue Lehrweiſe Kants zu faffen und noch größere Mühe, 
die Anwendung davon auf das Chriſtenthüm zu machen, 
Eden diefed Studium der Kantiſchen Schriften trug 
aver unftreitig zu der Sründlichkeit bei, die ſelbſt feinen 
populären Dorträgen eigen war, fe wie fie feinem Nach⸗ 
enten hber dad Ehriftentbum felbft eine eigenthämliche 
Richtung gab, fo daß man ihn in allen feinen Vorträgen 
fofort wieder erkannte. Zu diefer Grändlichkeit im Dens 
ten, die bewirfte, daß man fih bei dem Anhören feiner 
Vorträge völlig befriedigt und gaͤnzlich äberzengt fählte 
von der Wahrheit, melde zu empfehlen er fih vor⸗ 
gefegt hatte, kam noch feine Senialisät binze, um allen 
feinen: Reden ein böhere® Intereſſe zu geben; denn es 





Hanfing. 83 


waren jederzeit die intereſſanteſten Materien, bie er zum 
Segenftande der Erbauung wählte und eben fo inter 
effant war die Art und Weife, wie er fie behandelte und 
porirüg. Er concipirte, obwohl er frei redete, eine jede 
feiner Reden, auch die Belegenbeitäreden, wörtlich und 
bielt fie auch fo, mobei ibm fein gutes Gedaͤchtniß zu 
Hülfe kam und bei dem Vortrage chriſtlicer Wahrheiten 
nügten. ibm auch feine gemiß nicht gewoͤhnlichen dußern 
und innern Rednertalente, denn mit einem Weußern, 
durch welded ſchon fein Auftreten ehriwärdig erfchien, 
mit einem ausdrucksvollen Geſichte, welches jedesmal 
Den Gedanken feiner Seele entfprady, verband er eine 
fonore, wohlklingende Stimme, eine große Ruhe und 
Gemeflendeit in_der Aktion, eine richtige Geberden⸗ 
fprade,- ein aͤußerſt feined Gefuͤhl für dad jepeömat 
Schickliche und Zeitgemäße, eine außerordentliche Ge⸗ 
mandtheit in der Sprade und einen blühenden an, 
fo wie ihm denn auch eine große Kenntniß des menſch⸗ 
lien Herzens und die Geſchicklichkeit eigen mar, ſei⸗ 
ner Rede nicht allein Fuͤlle und Lieblichkeit, ſondern 
au, fo_oft er wollte und es Noth that, Kraft und 
Nachdruck zu geben. Was aber infonderheit Dazu beitrug, 
feinen Reden die außerordentlide Autmerkfamkeit und 
das faft ungetheilte Sjntereffe zu geben, fo daß in der 
fpätern Zett feines amtlichen Wirkens, mo er nur felten 
mehr die Kanzel betreten fonnte, man ed gewiffermaafen 
als ein Geh betrachtete, wenn man ibn bören konnte, 
das war wohl der Umfland, daß der Glaube, den er An⸗ 
dern verkündigte, in dem Innerſten feiner frommen Seele 
wohnte und Daß die Wahrdeit, die er feinen Unvertrauten 
empfabl, dad Princip feines eignen Denkens und Handelns 
war. Denn unftreitig war er durch feinen fittliden Ehas 
sakter und feine ungebeudelte Gottesfurcht nod weit ehr⸗ 
würdiger als durch feine Kenntniffe und fein Rednertalent. 
Er war ein, frommer Diener Gottes in Wort und Wans 
del, ein aufrichtiger Veredrer feines Herrn. Eifer für 
feinen Beruf, firenge Rechtſchaffendeit und felbk Libe⸗ 
ralität der Sefinnung, Wodlmollen und Menfhenfreunds 
lichkeit, feine Berädfihtigung und Vermeidung deffen, 
was Andern unangenehm fein und fie Erdnfen konnte, ° 

rted Gefühl für Ehre, aber auch ſittlicher Ernft und 
Krenge Wahrbeitdliebe zeichneten - ibn in ſehr bobem 
Grade aus und nod Mancher der Teglebenden wird ſich 

mir Ruͤhrung des freundlichen Greiſes erinnern, der, um 
Undern angenehm zu fein, gern ‚Die eigene Noth ver⸗ 


90 . Sanfing, 


benen zu Bränfen. Eine von ibm im 9. 
peut Bepbeinigung über die ehelichen En 


Drudioriften übergegangen man di 
Wahrheit diefer Befgeinigun nd ver 
dacrin machen wollen. Aber var, wie 
unfere Leſer bier feben, nicht mad bes 
geugen konnte, wozu nicht fei Beifims 
mung gab und er hätte gemiß. er Welt 
bewogen werden Eönnen, die; n, wenn 
er ſolges nit feinem Amte jeglaubt 
bätte. Denn lieb Eonnte ed fein, 
es auöftelten zu müflen, Da e - _ .... ...., U bes 
greifen, daß er deshalb, obwodl unverdienter Weiſe. 
vielfod würde in An den; aber er 
j0g ed vor, fic lieber. n, als feiner 
Bir Ciwad zu ver fi daräber 

ingft bei dem großbe IDenburg. ges 
rechtfertigt. enn | ‚ deren In⸗ 
terefien die Wahrheit ntgegenftebt, 
fortfabren, folde dur el zu beftreis 
ten, wenn dabei aud t bleibt, den 
Ebarakier des Verftorl zit zu ftels 
Ien, nah dem Grunt „verlöumde 
nur dreift, e8 wird do ‚en bleiben, “ 


fo kann man nar Mitleid mit denen fühlen, Die ſich Feiner 

befleren Waffen bedienen können und fie ihrer felbft ge⸗ 

wählten und woblverdienten Schmac Überlaflen. " Gene 

Beideinigung wäre, in dem von ihnen angenommenen 

all ja ein Derbreden oemekn; aber ein Mann, der 

fein Leben Img, obwohl im efäht feiner Schmwadbeit, 
8 


em Guten nachgeſtrebt bat, der wird nicht fo leicht nush 


anfing. 9 


am Abend feines Lebens m einem Verbrechen dingeriſ⸗ 
n und am wenigſten iſt dies anzunehmen, wenn gar 
. „tein denkbarer Grund zur Begehung eines ſolchen Ver» 
bredend nachgewiefen werden kann. _ Denn der Verſtor⸗ 
bene war weder in dem Grad abhängig von dem leBt- 
verforbenen Grafen, daß er deſſen Gunſt, geſetzt, ſolches 
waͤre gefordert, auf Koſten feined Gewiſſens bätte er⸗ 
kaufen muͤſſen, noch war er überall dem Ehrgeiz oder 
Dem Eigennutz fo zugänglich, daß man von Diefer Geite 
ibn hätte locken und firren fönnen, wenn man ed auch 
daͤtte verfuchen wollen und wenn überdies feine Lage fo 
ewefen, daß er eine Verbeflerung derſelben bätte wäne 
hen mällen. Er har vielmehr_ bei vielen Belegenheis 
ten Dur die That bemiefen, daB er feine Stellung als 
Lehrer und GSeelforger au Mitgliedern der gräflichen 
Familie gegenüber fehr wobdl erkannte und zu bebaupten 
wußte und gewiß hat er bie Ectung diefer Familie mit 
& ins Grab genommen. Manche heitere aber auch 
mance betrübende Schickſale hat er in feinem Leben ers 
fahren. Er erreichte ein Alter von 72 Jahren und blieb 
bis an fein Ende im vollen Beſitz feiner Geiſteskraͤfte; 
er ſah nicht nur alle feine noch lebenden Kinder verforgt 

. fondern ſah auch noch Kinder feiner Kinder. Von dre 
- Söhnen, welde ihm blieben, iR der eine Prediger, der 
andere Kaufmann, der dritte Landwirth; die einzige Tode . 
ter it einem Prediger verbeirarhet. Uber auch des Bes 
trübenden traf ihn viel, denn feiner Kraͤnklichkeit, die 
idm fein Amt erfchwerte und ihn fremder Hälfe bedürfe - 
tig machte, nit zu erwähnen, verlor er feine erfie Gat⸗ 
‚tin am 12. Mai 1840 auf eine fo plögliche als unerwars 
sere Weife, begrub .drei feiner Slinder und aud feine . 
weite Sattin, Ehriftine Sriederife, geb. Beder, Witwe 
ed Kaufmanns Harkfen_ in Rodenkirchen, mit welcher 
er am 24. Yuguft 1813 fib verehlidt batte, ging ibm 
im Tod voran. Diefe zweite Ehe war Einderlod. Aber 
fo wie Niemand ich befle darauf verftand, auch bei den 


erfchätterndftien Zrauertällen feine Standhaftigkeit und . 


feinen chriſtlichen Sinn ju-bewähren und fi Aber Die 
nfechtungen der Erde auf den Fluͤgeln des Glaubens 
zu erbeben, fo bat gewiß Niemand die Woblthaten des 
Hoͤchſten mit einem danfbarern Sinn bingenommen, als 
er. Es war Grundfag bei ihm, das Unabänderlide mit ‘ 
Sehigkelt und Würde zu tregen und Die unfchuldigen. 

reuden, Die ihm am Lebenswege blübten, mit erkennt 
licher Seele zu pflüden und zu genießen, in feiner Lage 


2a Norrmann. 


den Muth zu verlieren und*auch unter beſchwerlichen 

Leiden und heftigen Schmerzenöfällen den Höchkten_ zu 

preifen. — So friedlih mie fein eben, war au fein 

Ende, denn die Ruhe und Sreudigfeit der Geele, ja die 

beitre Laune verließ ihn auch in den legten Augenbliden 

nicht. So fann der nicht fterben, deſſen Seele dad Ders 
brechen eines falfhen Zeugniffes belaitet. 


* 41. Gerhard Philipp Heinrich Norrmann, 
großherzog!. mecklenbe⸗ ſchwer. Hofrath, Dr. der Philofopbie und 
Drofefior der Geſchichte u. Staatswiſſenſchaften on der Univerfität 
zu zu Roſtock; 
“geb. den 24. Febr. 1958, gefl, den 13, Ian, 18375 


. Sein Bater, welcher aud Schweden ſlammte, mar 
einer Profeffion nah ein Buchbinder, ein in feinem 
ade fehr geſchickter, nieht ungebildeter Mann und we 
en ſeines jovialen Sinnes und feiner großen Rechtliche 
eit in Hamburg allgemein beliebt und geadter. Er - 
hatte eine zahlreiche Familie und von acht Geſchwiſtern 
war Philipp der dltefte, der ſchon ald kleiner Knabe, 
obgleich von zarter Körperbildung und ſchwaͤchlicher Ge» 
undheit, durch große Lebbaftigfeit des Geiſtes, unerfätt- 
ide Wißbegierde und ein flarfed Gedachtniß ſich aus⸗ 
eichnete. Unter den Büchern, welchen den zehnjährigen 
naben befonderd anzogen, nahmen Reifebefchreibungen, 
: fo wie die Geſchichte von Robinfon Krufos den erften 
lag ein, die er mit großer Emſigkeit durchlas und mo» 
Durch vielleicht fon früh der erfte Keim der Neigung 
r fpätere diſtoriſche und geograpbifche Studien in die 
unge Seele gepflanzt wurde. Dem Vater entgingen 
ie Anlagen und Neigungen feined Sohnes nidt und 
wenn er glei fräber ihn für fein Geſchaͤft beſtimmt 
datte, fo wurde ed doc jet fein ſehnlichſter Wunfch, 
ihn Theologie ſtudiren zu laſſen und er Dachte es ſich 
ald das größte Süd, feinen Sohn dereinft, vielleicht al 
grediger in Hamburg, die Kanzel, befteigen zu feben. 
nn er gegen die Mutter, eine fanfte und geſcheide 
Frau, ‘feine Wänfce und Hoffnungen laut werden ließ, 
fo pflegte dieſe freilih zu laͤcheln und ihm entgegen zu 
ellen: ob es nicht befler fei, den Knaben bei gereiften 
ahren felbt wählen zu laflen. Doc der Vater ließ 
ch nidt irre machen und beſchloß, feinen Sobn dem 
ohanneum zu Äbergeben, mo er in die unterſte Klaſſe 
Aufgenommen wurde. Dieſe Anftalt, weiche fid- in neue 


% 


* 


Norman. 


rer Zeit eines großen Rufes erfreut, befand ich dam | 
nicht in einer fo guten Verfaffung. Während er bi 
mit allem Eifer eines lernbegierigen Knaben in den «| 
ten Sprachen , welde nad der Sitte der damaligen 3ı | 
den größten Theil ded Gumnafialunterrihtd ausmachte 
fi auszubilden ftrebte, fo wurde doch dadurch nie felı 
(don früh erwachte Neigung für Gefchichte ımd Ge 
srapbie zuräcdgedrängt und er benutzte jede. Gelegenhe 
und jede freie Stunde zum Leſen geſchichtlicher, geogr: 
phiſcher und naturbiftorifeher Schriften, verwandte Ffeir- 
‚Erfparniffe, ſich Bücher in diefen Faͤchern eigenthämtii| 
anzuſchaffen und oft wurden Werke diefer Art ungebunı 
den aus des Vaters Werkftatt genommen und des Nacht 
Durchgelefen. So wuchs der Knabe zur Sreude feine 
Eltern beran und machte in Sprachen und Wiſſenſchafte 
safche Fortſchritte; doch ſchon früh follte er Lurch bäul 
fie Zeiden und barte Unglüdsfälle, weiche feine Eiter 
trafen und mwodurd fie außer Stand gefegt wurden, di 
Kofen feiner mweitern Ausbildung zu beftreiten, ſchwe 
epräft werden. Dies alles konnte jedoch jegt nicht meh 
Beinen Entſchluß, ſich den Willenfbaften zu widmen 
wanfend machen und er ſuchte nun Durch eigne Anftren 
gung zu erwerben, mad feine Eltern ihm nicht meh 
geben Eonnten. Mit feinem funfjebnten Jahre began: 
er Unterricht zu ertheilen und es gelang Im, fi durc 
feine Sewiffenhaftigfeit, feinen Elaren Bortrag und ſei 
gefitteted Betragen fo beliebt zu machen, daß er bald i 
einige der erfien Häufer en urgs, theils um Fleiner 
Knaben zu unterriten, tbeild um fie bei ihren Schu! 
arbeiten zu beauffihtigen, eingeführt wurde, Die Zei 
welche Ihm auf diefe Weife geraubt wurde, fuchte de 
beranwachfende STüngling, der jegt ſhon Die. Mange 
baftigkeit ded Unterrichts, den er in ber Schule geno| 
erkannte und. dem jede Halbheit zuwider war, dur« 
yerdoppelten Sleiß und durch anbaltendes Arbeiten bi 
dt in die Nacht, wobei er fih durch den Genuß ftarfe 
affees munter erbielt, möglihf wieder einzuboler 
Diefe häufigen Nachtwachen wirkten jedoch naciheill 
auf feine Geſundheit und mwabrfheinlid lag in ihne 
und dem angewandten Reizmittel die Veranlaſſung 3 
feiner fpätern Schlaflofigkeit und feinem gereisten G 
fundheitözufand , ohne Zweifel aber wurde durch fie ei 
faulichtes Nervenfieber,- woran: der thätige „üngling | 
feinem achtzehnten Lebendjahre gefährlich erkrankte un 
wovon er erft nach einem halben Jahre genas, berbe 


S 


- 9 Norrmann. 


„geführt. Der Verluſt aller Hauptbaare, melde.er nie 
vollftändig wieder erhielt, war die Solge diefer fdiberen 
Kranfdeit und er mußte ald Schüler, wenn glei von 
jer Mode bei nt eine Perhde tragen, die er in den 
jenten zehn Lebengiahren mit einem fdwarzen Käppden 
vertaufhte. Endlich bergeftelt, datte wifienfhaftliced 
Streben neuen geil für ihn und er gar nicht nur feine 
" Vorbereitung für das afademifhe Studium mit aller 
Zebendigkeit feines Geiſtes fort, fondern unterzog ſich 
aud mit unverdroffenem Eifer den Verpflichtungen , die 
er ald Lehrer oder Auffeber, jüngerer Schüler übernom» 
men batte, um ſich fon jegt einige Mittel für feine 
tünftige Subfiftenz auf der Univerfirät zu erfparen, da 
er auf bedeutende Unterfügung von ©eiten feiner Eltern 
nicht rechnen durfte. Je näher er aber feinem Ziele 
rüdıe, defto größere Abneigung ermacte in ihm & en 
den Beruf, worlr ihn fein Vater beftimmt date. Biel» 
leicht mochte der Züngling fi ſelbſt der Brände diefer 
Abneigung nicht Elar bereußt fein, vielleicht aber wurde 
je dur den Zwang, melden der Vater ihm auflegte, 
jeden Sonntag Bor» und Naymittags die Kirde iu 
fuden, bervorgerufen ; doc d’- *-:°-9- anna nun 
felben machte den Vater bc! 
er für den Augenblid. Im 3. 
Klafte des Zohanneumd, um ı 
nannte Opmnafium in Hambu' 
mwifhen Schule und Univerfitdi 
it war ed, ald er die Bekan 
ded Stifter der berühmten Hai 
eines Manned, der von großem @........ -—. -... —... 
gen, des jungen Norrmann wurde und der ihn vielleicht 
in einem Entfdluffe, das Studium der Theologie mit 
dem, der Jurispruden; und Gefdichte zu_ vertaufcen, 
deftärkte, jeden Sag aber feiner Vorliebe für Gelbihte 
und Geograpbie nicpt wenig Vorſchub leiſtete Dur die 
Ausficht,, weiche er ihm eröffnete, ihn nad Vollendung 
feiner afademifden Studien fofort ald Zehrer bei der 
Handlungsakademie anzuftellen. - Norrmann hatte no 
‚einen barten Kampf mit dem Vater zu beiteben; endlich 
gelanı ed ibm, deffen Einwilligung zu dem veränderten 
ebeneplane zu erdalten um fe ging er Michaelis 1775 
freudigen Mutds zur Univerfität nad Bprtingen ab. — 
ier foffen dem Tünglinge reihlide Queen, feinen . 
urſt nad Wiſſenſchaft zu Killen und er lag mit _regem 
Eifer dem Studium der Jurisprudenz, der Siaais. 





Noremann. 9% 


und wänfcte (don damals feinen Eintritt fi Lehrer in 
di blungsafademie; N. jedod Tehnte di 
Bee Antrab noch Beil w ve ulm he 





Bar — und nur die Sehnſucht, eine Familie au 
degrüni 


*) Die Biogr. 
‚Die Biogr. 
r) Defien Bioar 





f. it 9. Stete. Yadrö, 10. ©. 76. 
. tem ©. Nele. Yadrgı, 3 
EHRE 





> 


6 . " Norrmann. 


£onnte Ihn bekimimen,-fie_im Jahr 1782 mit der Stelle 
eined Subfonreftord am Johanneum zu vertauſchen. — 
Schon am 23. März verbeiratbete er ſich mit Betty 
Dennenberg (+ 1827) aud Hamburg. — Der neue Wire 
kungskreis, in welchen N. getreten war, nahm faft alle 
Kraft in Anfprud, fo daß er nur wenig Zeit für eigne 
Studien übrig bebielt; durch Anftrengung jedoch und 


- weife Benupung feiner Zeit, ward ed ihm möglich, fi 


auch als Schrifiſteller bekannt zu machen und es folgte 
bald der ſchon 1. J. 1782 erſchienenen Schrift: „Kurze 
Geſchichte der älteſten teut. Nationalverfaffung u. ſ. w.“ 
Das bedeutende Werk: „Seograpbifch-biftor. Handbuch 
der Länder», Völker: u. Staatenfunde u. f. w. 3 Bde. 

785—88. Died Werk, welches feinen literarifhen Ruf 


1 
vdegrundete, deſſen er ſich dis and Ende ſeines Lebens 
erfrente, Ienfte auch die Aufmerkſamkeit des damaligen 


erzogs von Medienburgs Schwerin, Sriedrich Sranz *), 
a ibn, als derfelbe im %. 1789 die Neftaurarion der 
Univerfitdt zu Roſtock beſchloſſen hatte und nad tüchti⸗ 
gen Lehrern fib, umſah. NoS in demfelben Jahr erging 
an N. der eben fo anerfennende , ald ehrenvolle Ruf zu 
einer Profeflur der Geſchichte und Staatswiſſenſchaften 


an der Univerfitdt zu Roſtock, mit Verleibung des Hof 


— 


rathtitels. So ſchwer ihm auch die Trennung von 
der geliebten Vaterſtadt wurde, wo er zu ſo vielen 
Jugend⸗ und Univerfitätöfreunden und geledrten Mäns 
nern aller Faͤcher in den glüdlihften Beziebungen ftand, 
o gebot doch die Rüdfiht auf feine Samilie, die (dom 
rei Toͤcter zählte, den Ruf anzunchmen, da mit feiner 
piöherigen Stelle nur eine veſchraͤnkte Einnahme ver, 
bunden war und er durch Privatunterricht viele Zeit 
feinen Studien entzieben mußte. Seine Liebe und Uns 
pngtiafeit an feine Vaterftadt dauerte aber bid an. fein - 
ebensende fort und er war nicht glädlicher, ald wenn er 
feld eine Neife dadin machen konnte oder alte Freunde 
Bon dort ibn in Roſtock befudten. Der Samen der 
Trennung wurde jedo& gelindert durc die freundliden 
Derböltniffe, weldde ſich bald für ihn in Roftod geſtal⸗ 
teten. P.'s Wirkfamkeis daſelbſt befchränkte ſich nicht 
auf dad Lefen geſchichtliher, geographiſcher und ſtaats⸗ 
wiſſenſchaftlicher Kollenia, fondern er war auch ald 
Süriftftieller febr thaͤtig und bei feiner Ordnung und 
VPünktlichkeit in allen feinen Geſchaäften ward, ed ihm 
möglich, mehrere Eleinere Schriften und umfaffendere 


° Defien Blogr. f. in djefem Jahrg. DEIN. Nekr. unterm 1. Febr. 


Norrmann. 97 
Werte rot hinter einander folgen zu laſſen. Außerdem ' 


d⸗ 
dern Orts zu Theil; denn als i I. 1704 der eine 


soßberiog von Medienburge 


niverfirät — n 
folder Wirkfamfeit fühlte N. ſich böhR giücktich, nice 


nen Korporasionen und Privatperfonen in Anſpruch ges 
nommen, infofern Gutachten von ibm im ſtaatswiſſenſchaft⸗ 


M. Rekrolog. 15. Sobre, - 7 





98 Norrmann. 


dad Slüd, dad er in feiner Famille genoß, durch maı 
darte Shidfalöfhläge geträdt. € PH er Sie 
vierte Tochter im 12. Jahre und dann die ‚dritte im 
+ 47. Jahre ihred Alters. Dazu Fam, daß feine ältete 
Tochler von einer bartnädigen Augenkrankbeit befallen 
wurde, wovon fie erft nad) jahrelanger forgfältiger Piiege 
gend. Sm 9. 1825 farb feine feit 1824 an den Sohn 
jeined Jugendfreunded und nachderigen Schwager, den 
. Kaufmann 9. Donnenberg in Hamburg verbeirathete 
hänge Tochter und ibr folgte im 3. 4827 feine Gattin. 
Durd folde und ähnlihe traurige Ereigniffe wurden 
die legten Lebensjahre N.’8 geträbt und feine frühere - 
Heiterkeit fien ibn zu verlaflen.. Dazu fam nod, daß 
er, der von Jugend auf kurzfichtig gemeien mar und 
f&on_1. 3. 1818 dad eine Auge verloren hatte, jegt au 
die Sebkraft. ded. zweiten, momit er biöber noch obne 
ride den, feinen Drud datte lefen fönnen,. Immer 
medr ſgwinden fab und nicht mehr nad gewohnter 
Weife. ſich mit allen neuern Werken, die über feine 
Wiflenfhaften erfbienen und die ibm —— von den 
Buchhändiern zugefdidt werden mußten, bekannt machen 
tonnte und nun I em ihm fchon früber ft ‚vergebend 
angebotenen Borlefen von Kindern und Enkein gendthigt 
mar; dad Schreiben jedoch ſetzte er bid wenige a vor 


> fab dem 
trivandten 
ı oben ges 
!r, MODOR 
n Dofratd: 


Norrmann. 99 


iſt. mar von kleiner und magerer Koͤrpergeſtalt; 
die Züge ſeines Geſichts waren durch eine dohe Stirn 


auf das Leben ſehte, war er be, klar und ſtets eigen⸗ 
uͤmlich ft ihm die puͤnktlichſte 
ür dad Hochſte und 


on 

Leuten feined Alters pftegte er wohl zu fagen: Die 
icht, ſi p mic. Seine 

egendvole Wirkfamkeit ald Lehrer lebt in einer großen 
nzabl tächtiger Schuler fort und maß er ald Schrift⸗ 
eller für die Wiffenfchaft geleitet, davon geven außer 
en fon oben genannten nachſtehende Werke das befte 
eugniß: Geographiſch nett. Darftelfung d. Schweizer⸗ 
andes, in b Ind. Ruͤckſicht auf oöpilal: Beſchaffendeit, 
rodufte, SIndufrie, Handel und Staatswirthfcaft, 
amb. 1785. — Geograpbifh-fatiftifhe Ueberſicht der 
mmtlichen bolländifhen Beſtzungen in Oft» und Wer» 
bien nad er 9 N oſto 4 * pr 1 
rungen von Joh. Georg Buͤſch, vormals Profeffor in 
ambur . 57 Bd. beraudg, ıc. Damb. 180%. — Anton 
r. Baͤſchings kuragefaßte orbereitung zur europdifchen 
nder» u. Staatenfunde, nebit einer Ratiftifchen Ueher⸗ 
fidt des jegigen Europa. Sechſte, nad des Dertaffert 


‘ 
‘ 


100 Trerihe. . 


Tode völlig umgearbeitete Ausgabe. Herausgegeben ıc. 
dend. 1802. — Ueber Widmer: —ea— deren 
enutzung in Altern Zeiten, ein Beitrag zur mecklenb. 
andelögefhichte. Rektoratsprogramm. 3 Ubtbeilungen. 
oſtock 1803 — 1804. — DVolfändiged Wörterbuch der 

Produkten⸗ u. Waarenfunde od. : Gottfr. Ehrift. Bohn’d 

woblerfabrner Kaufmann, neu ausgearbeitet von ©. P. 
. Norrmann. 2 Bd. Hamburg 1805 —1807. — I: ©, 
üfch’d theoretiſch⸗ praktiſche Darkellung der Handlung 

in ihren mannidfaltigen Beidäften. 3. verm. und verb. 

Aufl., mit Einfdaltungen und Nacträgen v. ©. r $- 

Norrmann. 2 Bd. Hamb. 1808. —. Vorrede zu J. 9. 

Preuendorf’d Geſchichte der Stiftöfänder des ebemaligen 

Bisthdums Ratzebürg. Roftod 1833. — Mebrere Auffäge 

u. Recenfionen in der deutſchen allgemeinen Bibliotbe 

den Sörtinger gelehrten Anzeigen, der Jenaiſchen Litztg. 

n. f. w. Sein Bildniß befinder fih_vor dem 51. Bdr. 

der „neuen deut. allgem. Bibliothek” und etwas aͤhn⸗ 

tier auch vor den „allgemeinen geographifhen Ephe⸗ 
meriden,“ 1811. Aug. Heft. _ 


* 42. Johann Heinrich Friedrich Freriche, 
Dof: und Sarnifonprediger und Gonfiftorialaffeffor zu Oldenburg: 
geb, den 1. Februar 1805, geſt. den 14. San. 1887. . 


Sein Vater, Diedrih Anton Frerichs, mar zweiter 
rediger zu Schortens in der Herrfchaft ever, ald Dies 
ſer Sonn ihm geboren wurde und wurde im fahr 1808 
als einziger Prediger nah Heppend in derfelben Herr 
ſchaft verfegt, wo er im J. 1813 Hard. Er hatte in dem 
Sohne die Zur zum geiſtlichen Beruf [don damals ee 
weckt, denn in mäßigen Stunden pflegte er dem 5 biß- 
Bjährigen Knaben biblifhe Geſchichten zu, erzählen und 
ipn Iehrreihe Sprüche nachſprechen zu laffen, melde 
derfelbe leicht bebielt und nachber oftmald im Spiele 
ar Derwunderung vieler Erwachfenen in Sorm_ einer 
Rede pathetiſch vorug- Seine Mutter, eine Tochter 
des verfiorbenen Paftord Reuter zu Sullenftade zog nad 
‚beendigtem Gnadenjahr mit ibrem einzigen Sobn und 
einer güngenn Tochter nach ever, wo er nun die Öffente 
‘ide Schule beſuchte und nach dem im elterlichen Haufe 
bereisd erhaltenen Elementarunterrict . in die. Provife 
zialfdufe aufgenommen wurde, in Deren: verfchiedenen 
Rlaſſen er bi zum gang ür Univerfität den Untere 
riht in den gewoͤhnlichen Borbereitungswiſſenſchaften 


N 


Zrerlchs. 


gänoh, Nebenbei trieb er indeß auch mange ande 
ienftände, in melden an jener mit Lebrmittelt 
Bürttig audgeftatteten Anfalt Rein Unterricht e 
wird. Dahin gehörte “ " “eichnen und die eng 


befonder& aber die fra ve Sprache, die er 
Zeitung feined Odeims 'r, damald Lehrer a 
vierten Klaſſe diefer S früh zu fernen beganı 
bald mit’ ziemlider ge : forad. Im den | 
Sahren lernte er mit Mitfhhlern aud di 
Tienifde Sprade obne _.... eines Lehrers. Do 


lichen Verirrungen bewadrten ihn die mätterlice | 
dung und feine edleren Neigungen ; gleiaes © 
nad Ausbildung und gleiches Geläht für Sittenrei 
verband ihn mit einigen Wenigen durch vertran 
Umgang. Unter alen Mitfhälern galt er für auöge 
net dur& feinen dellen Kopf und feinen regen € 
befonderd befaß er die Gabe und den Drang, alled 
lernte und Gedachte lebendig und eindringlich mit $ 
ten darzuftellen. Aus diefem Grund gai 
Sefundaner mit glädlihem Erfolg oft 10 und. ı 
Schülern Privarunterriht und fürzte ſich dadurı 
fi die zur Erbolungen nötbige Zeit algufehr ab, 
feipterte aber Doc feiner Mutter die Befreitung 
dur ipn mit den Jadren fid mebrenden häusli 
Vebürfniffe. Zur Begreitung der Koften des Unix 
söröftudiumd würden ihm aber denno& Die Mittel 


fehlt haben, fie nicht durch Hülfe freundi 
Gönner derb : worden. Befonderd gätig beze 
üb gegen id eund feines Vaters, der nun 
verftorbene $ 'mffen zu Wadwarden, damals 
u Sandel. & und vielfeitig vorbereitet, fo 
aber 8. in Ir 1824_dur Univerfität abgeben, 
nah nad ! > nad Verlauf eined Jahre von 


nad Jena. u. .. fpäter felbk urtbeilte, dragte 
QAufentdalt in Halle ihm für Wiffenſchaft und Leben 
nen bedeutenden Gewinn. Der Rationaliömus fi 
noch re&t in feiner Sonnenhöbe; $. war fein myftil 
Sonderling und hörte daber bei Gefeniuß, Wegihe 
und Gerlap; die beiden legteren fdägte er befond 
obne jedoc mit ihnen in näbere Berkindung zu tre 
Die densagogif gewordene Burſchenſdaft, büßte fı 
für idre titanifhen Entwürfe auf den Selungen, 
Ueberrefte derfelben waren verfprengt oder bielten 
(on im Derborgenen. ®. blieb daher afademifı 

jerbindumgen fern, trieb nur mit einigen. näber 


108. Frerichs. 


freundeten daB Studium der engl. und ital. Space (id 


e 

ifton, Taſſo ꝛc.) und ſetzte für ſich das Studium — | 
ranzoͤſiſchen und der Gefwichte fort. Anders ward dies 
is Jena, wo die Örtliben Umgebungen, die Lebensfors 
men der Studenten und die Vorträge der Lehrer mehr 
belebend und ‚befriedigend auf ibn einmwirften. Durch 
Ludend geiftreihe Darſtellung gereist, ließ er Leine von 
deſſen geſchidtlichen Vorlefungen unbenugt. Füͤr feine: 
tbeologifhe Ausbildung mar ihm die Theilnahme an 
einer vom damaligen Privatdocenten Gebfer „peleiteten 
tbeologifhen Gefellfchaft, deren 8 bis 10 Mitglieder 
ſich dur Ausarbeitungen und Beursheilungen meiftens 
eregetifher, doch auch praftifher Arbeiten, tbeild in 
lateinifder, theild in deutſcher Sprade übten, von gro 
ßem Gewinn. Einen entfdiedenen Einfluß auf feine. 
tbeofogifhe ‚Anfiht und Beiteörihtung gewann indes 
Baumgarten: Grufiud. Unter den Aufpicien dieſes geifts 
vollen, gelehrten und treffliben Mannes, welcher dad 
ungemöbnlide Talent. und das höhere Streben bei $. 
ſchaͤtzen gelernt hatte, verfuchte er fih nach den gründs 
lien VBorftudien an Der Beantwortung Der von der _ 
‚gbeotogifnen Fakultaͤt aufgeftellten Preiöfrage „über die 
Zebre Abaͤlards“ und feine Arbeit wurde ruͤhmlichſt ges 
Erdnt. Die Preidfchrift erfchien zu Tena im Winter 1827 
gedrudt unter dem Titel: Commentatio theologico - cri- . 
tica de P. Abaelardi doctrina dogmatica et moruli und 
it den Manen feines im Sommer 1826 verfiorbenen Goͤn⸗ 
nerd Minffen als Erſtlingsgabe Der Dankbarkeit gewid⸗ 
met. Außer dem Gewinn an wiflenfchaftlider Bildung, 
an Ehre und Sreude, verfchaffte - ihm diefe Arbeit auch 

- die. Mittel ju einer Reife durch Thüringen und Srane 
fen, auf welcher er unter andern auch in Baireutb, kurz 
vor deffen Ende 3. Paul *) befuchte. Auch die Sreuden 
neh beitern Studentenlebens verfhmäbte er nit und 
ein Umgang war auch von denen: gefucht, die feines 
robfinnd und darmloſen Wiges ſich gern erfreuten. 
an), im Kontraft mit Diefem beitern Jugendleben fand 
die Einfachheit und Zurädgezogenbeit, in welcher er die 
beiden folgenden Fahre von Dftern 1827 an ald Candis 
dar in ever bei feiner Mutter und feiner Schweiter 
verliebte. Nach ruhmlich beftandenem Eramen mußte er 
vor allen Dingen auf eine Verſorgung denken. Zu eis 
ner Lehrerſtelle an. einer Öffentliden Schule war weder 


Pr Deflen Biograpbie'f. N. Nekr. 8. Jahrg. ©. 1086, 


Frerichs. 103 
ia Divenburg noch in Fever Ausfiht, da mehrere ältere 
- Sandidaten da waren und er fuchte daher baldmoͤglichſt 
durch Privatunterricht in Thätigkeit zu kommen. Seine 
ee bewährte ſich volkommen, denn er befam bald 
o viele Schäfer, daß er für den Bedarf im Haufe feie 
ner Mutter binlänglihe Mittel erwarb, Im gefelligen 
Leben beſchraͤnkte er ſich freilich fehr, aber defto mannich⸗ 
faltiger und reger war feine Geifteöthätigfeit. Außer 
dem Studium der alten und neueren Sprahen der Ges 
(dichte und der neueſten Literatur, wozu fein Unterricht 
ibm Anlaß gab, trieb er immerfort die theologiſchen Wiſſen⸗ 
f@aften und machte ſich mit den Schriften mancher neuern 
Theologen genauer bekannt. Tür die geiftlihe Praxis 
hatte er ſich noch wenig vorbereiten koͤnnen, ald er ſchon 
. Im März 1829 zur zweiten Präfung nad Didenburg be 
rufen und bald darauf zum Paftor auf der Infel Wan— 
geroge ernannt wurde. Um Sonntag Gantate trat er 
km erſten Mal vor feiner Bleinen Gemeinde mit dem 

orfag auf, Chriſtum ald Grund der Kirche und Mittels 
unft des Lebens in allen Verhältniffen darzufteller und _ 
n feiner —— und der Steillung zu feiner Ge⸗ 
meinde feinem Vorbilde Minſſen nachzüſtreben. Man 
muß geſtehen, Daß ibm Died auf Zbangeroge in.den 
Jahren, die er dort verlebte, fo weit die Umſtaͤnde e 
äuließen, gelang. . Nur wenige Uebelwollende und Uns 
verſtaͤndige haben ibm Verdruß gemacht: im Ganzen ge, 
noß er die größte Liebe und das unbedingteſte Vertrauen. 
Es dielt bei vielen Inſutanern (Quer und bei einigen 
war es ger unmöglich, fie von groben Vorurtheilen und. 
falfden Rechtsvorſtelungen in Betreff Des gemeinſchaft 
lien Grundeigenthums ihrer Inſel und.ded Strandes 
zu beilen; die Autorität der Kirche kann da nicht Durchs 
dringen, wo dad irdifche SIntereffe die Seelen ganz ers 
fhßt, wenn es auch an aͤußerlichen Beweiſen ber Ehrfurcht 
vor Gott und feinem Wort, wie bei dieſem Inſelbewob⸗ 
nern, keineswegs feblt. Dur umfichtigen Rath land er 
ihnen im Derlegenbeiten bei, durch Sürbitten und Ges 
ar bei den Behörden fuchte er ihnen Schonung und 

achſicht zu bewirken, übernahm die Gefchäftsführung 
und Verwaltung einer Naclaflenfhaft für Unmändige 
und ſuchte dDradende Armuth durch eigene Unterfläguns 
gen und durch Färfprade und Verwendung bei Bemit⸗ 
telten in und außer der Gemeinde von dem Eilande ab» 
sumenden. So mar er nicht nur in geiftlihen, fondern 
auch in weltlichen Dingen ein Vermittler bei Dielen. 


104 Frerichs. 


Die meiſte Hoffnung Adrigend, Menſchen für das beffere 


Leben zu gewinnen, fegte F., wie wohl alle Prediger, auf 
die Tugend. Daber nahm er fib mit Eifer und Dors 
Liebe des Jugendunterrichts af, befuchte faſt täglich die 
Schule und unterrichtete oder gab Anleitung zum Uns 
terricht. Auch in feinem Hanfe forgte er für die Erzies 


ung und den Unterricht mehrerer, ibm dübergebener - 
inder, häufig ſolcher, für welche man diefen abgefons 


Derten Aufentdalt wählte, um fie den Zerfirenungen zu 


entzieden, weiche in der Heimath fie dem Sleiße abwen- 
Dig machten. Diefer häusliche Unterricht noͤthigte ihn, 


Das Studium der alten Spraden fortzufegen, er dran 


in den Geiſt der alten Slaffifer immer’ tiefer. ein, abe 
'er vermißte in ihnen den einzig wahren Grund alle Leo. 
e 


bens und die erlöfende und erleuchtende Kraft des evan⸗ 
gelifhen Worts. Zu einer immer ‚völligeren Hingabe 
an den inhalt des Chriſtenthums trug befonderd die 
Befhbäftigung mit Schleiermader *) ‚bei. Der Geift Dies 
ſes tiefen. und ſcharfen Denkers, deſſen Schriften er 
außer denen von Herder und Goethe **) befonders eife 
rig lad, batte ihn gewaltig ergriffen und obwohl er nicht 
in alle Slaubendanfichten deſſelben einzugehen vermochte, 


‚fo blieb derfelbe doch nit ohne Einfluß auf feine Denke 


M 


nicht au 


und vielleicht aud auf feine Predigtweife. Seine Pres 


digten blieben nämlich nicht fo allgemein faßlib und ° 


auf dad praftifche Leben anwendbar, wie anfangd. Haupt⸗ 
ſaͤchlich war died der Fall, wenn er in der Badezeit feine 
eigne Gemeinde faft ganz verlor und er vor Badegaͤſten 


‚aus verfchiedenen Ländern und größern Städten pres 
Digte. Unwillkürlich wurde dann fein Geift durd die _ 


umgebung in einen böhern Schwung gefegt. — Es kann 
a 


infel- den Prediger Derfelben in eine anregende und 
unterbaltende Derbindung mit der Welt fegt, wie fie 
den Wodlſtand und die äußere Bildung der Inſulaner 
erböht; zugleich aber treten. dadurch auch mande fremd⸗ 


artige Neigungen in das barmlofe Nahbarleben ftörend 


ein und erfchweren bie Wirkfamkeit des Predigerd, Mit 
Der altfriefifden Sitte verliert ſich auch die altfriefifche 
Sprache immer mehr von der Inſel. Was davon fi 
noch erhalten hatte, ſuchte F. zuſammenzutragen, um e 





° Bi i f\ N Nekr. 12. re .©. 126. “ 
len — 1. N. Nekr, 10. Sabıa. ©. 197. 


[3 


iffallen, daß die Anmwefendeit der Sremden wah⸗ 
send der jaͤhrlichen zweimonatlichen Badezeit auf der 








5  Freriche,. 105 


in.einem Idiotſton herauszugeben. Zugleich gedachte - 
er ſprachliche Vergleichungen mit den Reſten Se Alte 
frieſiſchen im Satenlande und in Weſtfriesland nebft eis 
ner geſchichtlichen Nachweiſung der Veränderungen feit 
der Zeit des Afegbabuhs damit. zu verbinden und fur . 
dirte zu dieſem Zweck frieifche Literatur und Geſchichte. 
Leider war Diefer Plan für die ihm vergoͤnnte Muße 
viel zu weit greifend und die Wrbeit iſt kaum als bes 
gonnen anzufcben, aus Den ungeordneten Materialien 
wird ein Sreund des Derewigten and Licht fördern, was 
daraus zu gewinnen moͤglich fein wird. F. hatte fchon 
auf Wangeroge die Arbeit gänzlid ruhen laflen, da er 
in dem legten Tabr dort von einem andauernden för. 
peslihen Uebel geble t wurde. Dad Seebad, Undern 
ein Born neuer Lebendkraft, hatte, wahrſcheinlich durch 
zu lange fortgefegten Gebrauch, ohne daß dabei die 
nötbige Ruhe genoflen wurde, fein ganzee Nervenſpſtem 
geſchwaͤcht; bei der geringſten geiſtigen Anſtrengung qudla 
sen ibn die heftigſten Sopfihmergen und der 'söfe Däös 
mon der Hppochondrie veriolgte ihn furchtbar einen gan⸗ 
zen Winter bindurd. rüber ſchon hatte man dad Kon⸗ 
reftorat in Jever ihm übertragen wollen und durd die 
in der Badezeit gewonnenen Bekanntſchaften hatten fich 
ihm Ausſichten zu einer wärdigeren Stellung in einem 
temden Staat eröffnet; jept mußte er ſehnlichſt eine 
Verfegung wänfhen und glücklicherweiſe hatte er zwi⸗ 
fen zwei Stellen zu wählen: dem erledigten Stonreftos 
rat an der Schule zu ever und der Pfarre zu Oſtern⸗ 
burg, einer Vorſtadt von Didenburg. Weil jene Stelle 
viele Arbeit und geringe Befoldung verhieß und 3. lie 
ber in einem geiftliden Amte zu bleiben wünfdte, fo 
wurde er im Juli 1834 Pafor zu Ofternburg. 1 
zweite Studium feiner Öffentlichen Wirkfamkeit begann, 
ein kärzeres und für ibn minder erfreufides: er trat in 
eine gang andere Zebenöftellung, eine reichere Sülle von 
Lebendgenuß und Thätigkeit bot fi ibm dar, aber auch 
eine bisher ibm unbekannte Schwierigkeit. Oſternburg 
iſt eine Gemeinde, in der ſchwerlich Jemand, der nicht 
an Körper und Geift im boͤchſten Grade feſt ik, feinem 

farramte. volled Genäge keiften fann und wird. Eins 
ae, ſchlichte Landbauern, Dorfbewohner, zum Theil 
Handwerker mit ſtaͤdtiſchen Neigungen und Sitten, fein 
gebildete Hof» und Staatöbeamte bilden eine Gemeinde; 
wie foll.er die durch Predigen und Beſuche für die 
Kirche gewinnen, wie um den Altar erhalten? Wie im 


| 106 . | Frerichs. 


der Verwaltung kirchlicher Angelegendeiten , die ihm ob , - 
fiegt und zugleich im Beieliaen ben allen Anftoß ver: 
meiden? Bor allen Dingen (ah Sr. die Nothwendigkeit 
ein, daß vor dem Geilligen und Höheren, vor der 
reinen Lehre des Evangeliums fi noch mehr Ehrfurcht 
verbreiten muͤſſe. Die Mittel zu dieſem Zwecke befaß er 
- wobl: inniged Gefuͤhl und bobe Begeifterung, Tiefe und 
Reichthum der Gedanken, Lebendigkeit der Phantaſie und 
- Kraft und, feurigen Glanz der Rede — alles dieſes 
mußte er jederzeit aufzubieten fuden, um auf dem 
Höbenpunfte zu bleiben, auf Dem er viele modern 
ventende Wufgeklärte einmal gewonnen hatte und an 
den Duell des evangeliſchen Worts wieder beranzuzieben 
- boffte und dad koſtete ibm manchmal große Anftrengung. 
Zeit und Siräfte wurden nicht minder in Anſpruch genom⸗ 
men durch die übergroße Anzabl verarmter und dürftiger 
Zeute; allerlei Beſuche und langgefpunnene Vorſtellün⸗ 
gen zerriffen ibm oft feine Morgenftunden und am Mad» 
mittage riefen amtliche Berrichtüngen ibn vom Hauſe ab. 
Sollte er aber an der Prüfung der Kandidaten Theil 
nebmen, meiget Geſchaͤft ihm Tür die Folge auch über, 
tragen war, fo durfte er feine Fortbildung in theologi⸗ 
fe Erkenntniß nicht verfäumen. Bei feinem Intereſſe 


, 


r die Literatur Fonnte er die Gelegenheit nie uns 
enupt laffen, dur die Nähe einer Buchhandlung und 
Theilnahme an mehreren Leſecirkeln fi mit den litera- 
rifhen Erfdeinungen der Gegenwart befannt zu machen. 
Schriften von Tholuck, Harmd u. a. nabmen ihn in 
Anſpruch: Strauß und-Möbler fegten ibn in Bewegung, 
aber er ergriff ihre Entſtehung und Tendenz und fürchtete 
nichts, fondern bielt fie für Srritamente des Glaubens 
in unferer flirde, Zu einem Dauptfudium gebörten bei 
ibm die katechetiſchen Lehrbücher und Leitfaden für den 
Neligiondunterriht. Auf Wangeroge batte er nach dem 
bannoverfchen Landeskatechismus unterrichtet, im Herzog⸗ 
tdum Dldenburg ift feit 1798 ein Lehrbuch eingeführt, 
weiches ihm durchaus nicht zufagte, darum nabm er 
u feinem Konfirmandenunterrichte blog Zutberd Kleinen 

atechismus. Zu einer Rechtfertigung feines vielleicht 
zu abinrechenden Urtheild von feinen Amtöbrüdern auf 
peforbert, batte er eine durchgedende Kritik des olden⸗ 

urgifhen Lebrbuchs und die Einrichtung eines andern 
Entwurfs verfprochen, aber fein Studium aller Schrif⸗ 
ten über diefen Begenftand führte ihn dahin, daß ibm’ 
keins dieſer Bücher zu einem allgemeinen Landeskatechis⸗ 





Pi 


Frerichs. 107 


mus genugte. Sein reges Intereſſe am Unterrichts⸗ 
weſen ward von der Behoͤrde anerkannt, darum wurde 


er zum Mitglied einer. zur Verbeſſerung des Volksfhuß 


weſens niedergefegten Kommiffion ernannt und die übri⸗ 
gen Mitglieder derfelben willen fein treitendes Urtbeif, 
Keinen lebendigen Eifer und feine unverdroffene Mühe 
hoch zu rühmen. Bei folhen Gelegenheiten und fa nur 
in amtliben DBerbältniffen trat er in Berbindung mit 
der Stadt; geſellſchaftliche Anfpräche mußte er dort, wie 
zu Ofternburg faſt ganz unbefriedigt laffen, da ed ibm 
on Zeit und Neigung dazu fehlte. Das haͤusliche Leben 
in einem kleinen Kreife mit feiner Mutter und feiner 
Schweſter ſchaͤtzte er über alle Gefellfchaften und feinem 
einfaben, geraden Sinne fagte der Fonventionelle Zwang 
größerer Gefelifdaften nicht zu. Dabei war.er jedoch keines⸗ 
wegs gleichgültig gegen menſchliche Zufidnde außer ſeinem 
Haufe und gegen feine Gemeinde; vielmehr beobachtete 
gr jedergeit den Hoͤheſtand politifder und moralifcher 
Kultur im Großen, wie im Kleinen. Insbeſondere aber 


belt er fih auch für verbunden, auf Die religidfe Bil» . 


ung der höheren Stände den ‚Einfluß auszuüben, zu 
Dem man feine Zäbigfeit und feine Thaͤtigkeit in Ans 
fprub nahm. Er erfonnte we) ‚ wie gerade den böher 
Gebildeten ein hriftfich » religiöfer und kirchlicher Sinn 


North tbue, da alle geiftige Deredlung des Volks von 


oben ausgehen _mäülle. Darum batte er ſchon in den 
erften Jahren Kindern einiger Glieder feiner Gemeinde 
and höheren Ständen Privatfiunden in der Religion 
ertheilt und trug. Fein Bedenken, auch an der um 
Michaelis 1835 für Töchter angefebener Samilien neus 
errichteten Edcilienfhule den Religiondunterricht_ zu Übers 
nebmen. Hieraus erwuchs ibm jedoch bitterer Verdruß. 


Weil er nämlich wegen feiner je zuweilen wiederkehren- 


‚ den förperliden Plage und der großen Anftrengung mit 
welcher er immer auf den Sonntag fid vorbereitete, 
manchmal, freilich jegt nicht Öfterer ald aud im vorigen 


Sabre, Predigt und Kinderlehre. in der Kirche audfegen 


mußte, fo gab jener Unterricht Anlaß: zur Unzufriedenheit 
eines Theild feiner Gemeinde, die es zur foͤrmlichen 
Erklärung fommen ließ. Ungeachtet nun ein urfachlicher 
Zufammenbang zmifcyen feiner Arbeit außer der Gemeinde 
und feiner Gefhäftöunfähigkeit in derſelben durchaus 
nicht flattfand, fo wurde doch, felbi von einzelnen ges 


achteten Maͤ ine. Handlungsweiſe gemißdeutet, 
chieten Maͤnnern feine. Han 2 fe_ 9 Be 


„ald wenn er feinen Kindern dad Brod nähme. 


% 


r 





108 Mirus. " 


Deutung und Neid trafen ihm nicht minder, als er um 
Michaelid 1836 dem an ihn ergangenen ehrenvollen Ruf 
pe einer doͤhern Stellung und angemeſſeneren Wirkſam⸗ 
keit folgte. Er ſchied von Oſternburg mit dem „Schmer 
im Unvollendeten“ und trat in der Eigenfchaft eine 
of» und ‚Garnifonpredigerd und Aſſeſſors beim Konſi⸗ 
orium zu Oldenburg in. eine Stelle ein, die er nach ſei⸗ 
nem Alter in feiner Weife hätte ſuchen Eönnen, die er 
aber einzunebmen berufen und genöthigt war. Seinen 
. fegendreihen Unterriht an der Cäcilienfhule, wozu auch 
Der Religiondunterricht in den hoͤhern Klaſſen des Gym⸗ 
naſiums gefommen mar, fegte er fort und begann mit 
 Breudigkeit feine Geſchaͤfte, aber noch hatte er nicht ald 
Hofprediger die Kanzel betreten, als er im Dechr. 1836 
von einem beftigen Bluthuſten befallen wurde und nad 
einer Krankheit von einigen Wochen verſchied, für feine 
eingebbrigen und Sreunde, feine Schüler und Verehrer, 
a tür das Kollegium, deſſen Mitglied er kaum gemors 
en war und für daß ganye Land ein tief betrauerter 
Verluf. Ein ehrendes Gefolge zeigte die große Theile 
nabme, ald man am 20. Tan. ihn zu Grabe trug und in - 
wenigen’ aber x altvollen Worten ſprach der Geheime 
Kirdenrand D. Boͤckel folde am Grabe aus. Eine Aus 
wahl aud feinen Predigten befindet ſich unter der Preſſe. 


* 43. Chriftion Ernft Mirus, 
Univerfitätöfetretär zu Leipzig: 
ned. den 22. Zuli 1781, geft. den 14. San, 1387. 


Er war zu Schneeberg im Königreich Sadfen ges 
‚boren, bezog 19 Jahr alt die Univerfität fe 
ura ftudirte und fodann einige Zeit ald Notar lebte. 
m Jahr 1808 (den 5. Apr.) befam.er bei dem dortigen 
niverſitaͤtsgericht eine Anſtellung als Regiftrator,, einige 
eit fpdter wurde er Altuar und den 5. April 1839. 
etretär der Univerfität. — Mirus war ein freundlider 
uvorfommender Mann von mehr großem Körperbau und 
choͤnen regelmäßigen Geſichtszuͤgen, er verband eine 
reine Yumanitdt, Rechtlichkeit und Thätigkeit mit gt 
Diegenen Kenntniffen und ward mit dem fchmeichelhaftes 
fen Zutrauen von Hoben und Niedern beedrt. Daß er. 
16 in jedem ſcwierigen Balle dieſes Zutrauend würdig 
ewies und es ſich aud zu erhalten wußte, darüber 
berrfpt nur eine Stimme, Dr. 3: 


. 
» 





ipzig, wo er 


® 


4 \ 


* 44, Wilhelmine Vahl, 
oroßherzogl. mediendburg = ſchwerinſche Hofſchauſpielerin; 
ed. den 27. Apr. 1818, gef. zu Neuftrelig den 14. Januar 189 


Sie war zu Naumburg an der Saale geboren, 
"November 1834 zur Geſeliſchaft nad Ludwigsfuf | 
fommen und am 3. Dechr. deffelden Jahrs zum erfi 
Mal daſelbſt aufgetreten. Ihre Gefundbeit war fc 
ſeit dem Winter 1835 fehr leidend und um. ungeRört i | 
voͤllige Geneſung abzuwarten, batte fie ih nad Ne 
- Rrelig zur Mutter begeben, wo _fie leider in dem ne: 
gedr jugendlichen Alter von 19 Jahren verfhied. — Ti 
erewigte befaß eine richtige Anſicht von der Wichtigt 
der Kunſt, welcher fie ihr Leben gewidmet batte: || 
udirte unermädet und mit reger Zuft, nahm fietd ge: 
elehrung und Zurechtweiſung auf der Bahn, die fi 
in Thaliend Gebiete wandelte, an und erwedte ſch 
gleich als Anfängerin die beften Hoffnungen von ibrei 
choͤnen, auffirebenden Talente. Zweite und dritte Liei 
aberinnen, fo wie Soubretten fpielte fie bereitd m 
eben fo vieler Einfiht ald Gewandtheit und Liebeni 
wärdigfeit; im Gefange madte_fie erfreufiche Fortfchriti 
und namentlich würde fie ald Sängerin einft eine gemi 
nicht unbedeutende Kunſtſtufe erreiht baben; denn m 
roßer Vorliebe und raftlofem Fleiße lag fie gerade dei 
Studium ber Geſangskunſt ob und die Naturgabe ein 
biegfamen, bellen und angenehmen Stimme bezeug! 
Durdaud ihren Beruf dazu. 
Schwerin. Sr. Bruͤſſow. 


45. Dr. Gotthilf Glafewalb, - 

Juſtizrath u. Juſtizkommiſſaͤr zu Naumburg a, d. Saale; 

geboren d. 9. Jan. 1778, geft. d. 16. San. 1837 3j. 

Er wurde zu Wiederau bei Herzberg, wo fein Vatı 
Prediger war, geboren und ob er gleich von Jugen 
auf Feinen fehr fetten Körper batte, fo fonnte er do: 
durch feine regelmäßige Lebensart das höbere Alter e 
reiben. Beine erfte wiſſenſchaftliche Bildung erbielt ı 
auf dem Gymnaſium zu Torgau und bezog im J. 171 
die Univerfirdt Wittenberg, wo er fih dem Siudiu 
der Rechtswiſſenſchaft mit ſolchem Eifer und -Erfol; 


hd) Naumburger Kreisblatt 1837. Nr. 6, 


/ 


110. Glaſewald. 


widmete, daß er, als er Wittenberg j. J. 1796 verließ, 
son der dafigen Juriſtenfakultaͤt bei -feiner Prüfung die 
damalige erſte Cenfur, maxime dignus, erhielt. Nachdem 
er als ſaͤchſ. Advokat immatrifulirt worden war, über: 
nahm er die Stadifchreiberftelle zu Dahme. Hier ſchon 

ichnete er ſich durch feine Kenntniffe und Rechtlichkeit 
o aus, daß. ihm die Verwaltung mehrerer Gerichtsſtellen 
in der daſigen Gegend Übertragen wurde und er eine 
bedeutende Praxis befam. Bei dem Jubiläum der Unis 
verfität Wittenberg i. 3: 1802 wurde ibm die juriftifshe 
Doktorwuͤrde ertheilt. Aber der Wirfungsfreis zu Dahme 
war für fein Willen und feine Talente zu klein und er 
ließ ſich daher bei Dem nad Der Theilung Sachſens im 

. 1816 errichteten‘ Dberlandeögerichte zu Naumburg als 
Juſtizkommiſſaͤr anftelen. Auch bier erwarb er fih all 
gemeines Zutrauen und den Beifall feiner Vorgeſetzten, 
weshalb er im J. 1833 zum Juſtizrath ernannt wurde, 
zu Drud find nar einige wenige, mit dem Buchftaden _ 

„ bezeichnete Auffäge in der juriſtiſchen Zeitung von 
ihm erſchienen; in den Alten Über die Durch ihn geführt, 
‚sen Prozeffe finder fin aber eine Menge Muſterſchriften 
son ihm, welche feine innige Kenntniß ſowohl des preuß. 
als ſaͤchſiſchen Rechts, feinen praktiſchen Blick und fein 
Zalent der lichtvollen Darſtellung befunden. Sein Sinn 
für Recht war fo flarf und lebbaft, daB er, wenn er 
einmal in der Weberzeugung von der Rechtlichkeit des 
Anſpruchs die Ausführung deffelben äbernommen hatte, 
feine Mühe und ſelbſt eigne Koſten nicht fcheute, um 


u ihn geltend zu machen und die ibm vorſchwebende “Idee 


ded Rechts zu realifiren. Zugleih war er ein frommer 
Menſch, ein Achter Chriſt. Auch Übte er die Tugend - 
ber Bopfebän keit, wie Alles, was er that, im Stillen 
und odne Geraͤuſch, Infonderheit gegen ſtudirende Juͤng⸗ 
linge und für Manchen ſorgte er wie ein leiblider Da- 
ter. Er hatte Feinen eigentlichen Feind, wohl aber Durch 
. feine Anſpruchsloſigkeit und dadurch, daß et felbft feine 
größte Sreude darin fand, Andern eine Zreude zu Mas 
hen, uͤberall ſich Freunde erworben, An feinen genauern 
Sreunden aber Ding er mit feltener Treue und Innigkeit. 
Am 31. Mai 1803 hatte er ſich mit der dritten Tochter 
des Diakonus Bed zu Liebenwerda verbeiratbet, welde 
er jegt ale Witwe, mit 4. Kindern, 8 Töchtern und . 
#4 Sohne, binterläßt. , | 








111 


+ 46. Friedrich Ernſt v. Germar, 
großh. f. weimariſcher Werſt und Kammerherr ıc. zu Weimarz 
geb. den W. Okët. 1773, geſt. am 17. San. 1837. 


Wenn wahre Herzendgüte, Liebe und Aufopferung 
für die Geinigen, unbefledte Treue zu Fuͤrſt und Vater⸗ 
fand während einer mehr denn 40jährigen ebrenvollen 
-  @ienfizeit, in welche die für dad mweimarifhe Militär 
vdoͤchſte Glanzepoche fälr, große Menſchenfreundlichkeit 
und Fuͤrſorge für feine Untergebenen nebſt ausgezeichneter 
Brapbeit ald- Soldat und rudige Ergebung bei einer 
Menge Unfällen, Bitterfeiten und den für ein Daterderz 
wohl daͤrteſten Präfungen auf ein ebrenmertbes Andenken 

erechte Anſpruche baben, fo verdient ſolches in-vollem 
aafe der Dberft von Germar. Er war zu Weimar 
geboren, einziger Sohn des in mweimarifchen Dienften 
geitanbenen Dberflieutenants und Kammerherrn v. G. 
usgeruͤſtet mit einer damals forgfältigen Eriedung kam 
er ſchon fruͤh in dad Pageninftitut zu Weimar und lernte 
Dann die Jaͤgerei zu Berfa a/I. Er trar bierauf im 
J. 1790 ald Fabndrich in das berzoglih weimar. Jager⸗ 
bataillon, avancirte am -45. Juni 1792 zum Geconds 
lieutenant und wohnte mit dieſem Korps im Jahr 1998 
dem Feldzug am Niederrhein gegen die Sranzofen und 
dabei dem biutigen Gefecht bei Wetzlar, an welchem 
Died Bataillon bei der Wegnapme des Dorfes Altenbur 
und der Befegung der Höhe von Altſtaͤdten den wirfe 
famften Antheil nabm, bei. Während der darauf für 
das weimar. Militär folgenden Sriedendjahre wurde idus 
"41801 ald Kapitän der bode Auftrag zu Theil, den Erbe 
un Kari Sriedrihd von Sachen. Weimar, jagen 
berzog , u den ſechswoͤchentlichen militäriihen 
Uebungen ded in Halberftadt garnifonirenden preußifchen 
anfanterieregimentd zu begleiten. Beim Ausbruche des 
Kriegd zwiſchen Preußen und Frankreich im Jahr 1806 
marſchirie er mit dem weimar. Scharfſchuͤtzendataillon 
ins Feld, avancirte kurz hierauf zum Major und wohnte 
dann mit gedachtem Bataillon .in dem in dieſem Jahre 
zwiſchen Preußen und Frankreich begonnenen Krieg am 
14. Dftober der Schlacht bei Auerſtaͤdt, fo wie auf dem 
darauf erfolgten ſchwierigen Rüdzuge der preußifchen 
Urmeerefte unter -den Befehlen des Generallieutenants 
von Blücher am 16. diefed Monard dem Gefechte bei 
Greußen und am 17. dem bei Nordhaufen bei. Er über 


ro 





yo 


12 v. Germar. 

nahm bierauf in Magdeburg, in Folge der Krankheit 
und Verwundung der: zwei Älteren Staböofficiere, dad 
Kommando über dad dur Unfälle mancherlei Art bes 
reits geihwächte Bataillon, dedte, ald der Arriergarde 
ugetbeilt, ungusgeſetzt den eben fo unbeilvollen als 
enfwürdigen Rüdzug der von mehreren franzöf. Armee⸗ 
forps - verfolgten preuß. Armee bid unweit Luͤbeck mit 


‚und befand mit feinem Botaillon am 28. die Gefechte 


bei Locben, fo wie am 1. Novbr. bei Waren, in welchen 
[egtern er mit ’erfierem durch die Wegnayme "eined von 
den Sranzofen an einem See gelegenen befegten Dorfs 
noch weſeniliche Dienfte feiftete. Endlih mit Demfelben 


.auf hoͤchſten Befehl, unter rühmlichſter Anerfennung- der 


peleiferen Dienfte fowohl ‚von Seiten ded Generals 
jeutenantd von Blücher, ald aud feiner preuß. Waffen 
gefährten, in dad Vaterland zurückkehrend, rettete er 
noch auf dem Ruͤckmarſch durd einen rafden Entſchluß 
dad Bataillon von der von Seiten ded Marfball Soult 
om 5. Nov. vorbabenden ſchimpflichen Entmaffnung und 


. Zebrte fo, nad den fo ſchweren und damals fo Vieles 
auflöfenden Verbängniffen, mit Ehren nebf den noch 
aus 8 Dfficieren und 289 Unterofficderen "und Gemeinen 


beftebenden Trümmern feined Bataillond am: 17. Novbr. 
nah Weimar zuruͤck. In Folge des im December 1806 


‚von den gefammten Herzogthuͤmern zu Sachen erfolgten 


Beitritts zum Rheinbunde und der gemeinſchaftlichen 
ſchleunigſten Stellung eines 2,800 Mann. ftarfen Infan⸗ 
terieregimentd marfchirte er mit feinem Bataillon am 
5. März 1807 von Weimar ab, um nun an den Ufern 
der Oſtſee an dem fo biutigen Kampfe Theil zu nebmen, 
wohnte bierauf vom 23. Apr. bid zum 3. Juli der Blodis 
rung und Belagerung der Dur den Major, nachmali—⸗ 
gen Seldmarfdall von Gneifenau *), fe beidenmütdig 
vertheidigten Seftung Colberg bei und befegte nach einen 

drei und ein dalbmonatlichen Lager vor Diefer Veſte mit 
feinem Bataillon, der befürchteten ſchwed. und englifchen 
Zandungen wegen, die Inſel Ufedom, wo in Solge der 


- audgelandenen langwierigen Strapazen und Entbehruns 


gen Nervenfieber und Rubrfranfpeiten unter feinem Bas 
taillon ausbrachen und eine nicht unbedeutende Anzahl 
der Mannſchaft binwegrafften.. So fehrte er mit den 
ſelben, welches durch des Kriegs Unfälle ſehr geſchwaͤcht 
worden war, am 8. December 1807 wieder nad Weimar 


°, Deifen Biogr. f. im N. Netr. 9. Jabıy. ©. 765, 





® 


\ . Sermor. i13 


Koneingente Be der 
da mit der großen franzöf. Armee aber Regen urg na 


5 eine wei dberiegen ee Baht derfeiben bei dem leden 


m . Salzburg gut wo er am 26. dieſes Monats 
eintraf. r wurd hr m ned feinen Bataillon von 
Seiten des Marfchall Lefebre, degeg von Dauiig, bie 
eben fo ebrenvolle —X fi wierige Sehimmung u beit, 
Fi Avantgarden⸗Tete feined aus Baiern und Der Divie 
Bon Rouper zufammengefeßten — bei einer nun 


wieberbo ten yervebitton nad, zu bilden. ier 
er an der Spitze ſeines 3 —8 ele⸗ 
hen. dei allen Entbeprun ngen Tin ‚and Ausdauer 
beweifen._ Naddem ndmlid uptkorpo odne 








an mit er⸗ 
De lun oler durch das Gin o fedr 
* ng waren, iger fie a von bem da fe ja 
"Bataillon en „berenl * 

eier idren fo n Ste 


RR. Retzolog. 2. Seh. 


114 u, Germar. 


mar großen Verluſten faſt allein Fämpfenden Batailluns 
— —288 * au Bere der darauf 
folgende Tag für das bereitö geihmäcte und blos feinen 
eigenen Xrätten fo mie alen Entbehrungen preid geges 
bene bergogl. fächf. Regiment dur‘ feine auögezeichnet 
brave Wertbeidigung der errangenen wichtigen Pofitionen 
jegen die fo große und höcft erbitterte Hebermadt der 
roler war, (0 trug der Major v. ©. dur feine 
mb lichRe Ausdauer au deffen Rubm nod. wefentlidy bei. 
ihrend nämlih ein Theil des am 5. Augun vom 
morgen bis zum Mittag gam eine mehr denn dreifache 


ereitd feit anderthalb Tagen Reine Lebend- 


mittel und nur noch wenige Tafhenmunition_batte und . 


Die verfprodene Hülfe nicht erhielt, feine Stellungen 
Re Ten einen Weg 


b 
% mit einem 
0 
n angeſtuten 
ıen ihren Kräfe 
Kprolern 
und ununtere 


felb_odne 
äude in Brand 
mußten. Der 
sundet worden 
Mann ftarfen 
Befangenfdaft 
6 1809 wieder 


Ihre run > 
re heil behält 


Noſſen u. ſ. m. 


en Rüdzugslinie abget nitten war, außer» " 


Was wir bier mittbeilen, find die einfechen Er n 
—2 een, And — no Kran ern 


ch 
v. Germar, nachdem er am 13. Febr. 1810 zum Oberſt 





1810 
wohnte er dem Gefecht bei Granollerd bei und 308 1a 
pa ei 


perufung ſaͤmmtlicher deutfden Truppen in ihr Vater⸗ 
land un irte am ſ 


Wiederherſtellung naͤchſt Gott dem wackern Dr. ra, 
ne 


begrüßten die treuen. Srieger aufd berzlihkte und fie 
wurden auf Kofen der Bärgerfchaft mit einem glänzenden 
Mittagsmap! Bel 


©einigen. — Uber Diefe Rube jone nicht von langer 
N 


Gelangte am 7. März in Hamburg an. Der Dberfi v. ©. 
war wieder ganz bergeftellt und trieb während ded Mar» 
(ae Scherz und Spaß mit feinen Umge ngen. Seine 

fein Pfeiſchen 


Das Regiment war ſchon früher dahin marſzntt· 


x 


116 v. Germar. 


rauchen konnte. Das leichte Bataillon, vas Obriſt v & 
führte, beftand aus. 21 Dfficieren und 891 Unterofficie 
Soldaten. Dom 7. März bid zum 14. Juni war 
| deſſen Dewohner alled aufs 
boten der fächf. Truppen ihren Aufentha 


u | ag. Auch die Einwohner Stralſunds befreundeten ſich 


Marodeurd und verfprengte. Goldatenhaufen in dem 
Iten die Kunde von dem Rüde 


nende Dörfer. Am 4. December gegen Abend rürte das 


Keferdeforpd in dad Städtchen Dömiane ein, Kaum 


Dberft war der erſte zu Pferd und an feiner Seite wurde 
4 verwundet, Nach einigen Chargen 

m Galopp davon. Beide Theile 

gäblten mehrere aamunbeies doch nur wenige Tode. 


zug auf. 
retirirenden Keoionnen ereilten den 9. December Abends 
‚ ®ilne. Alle Ordnung war aufgelöft. Hunger, Kälte 
und Sroft hatte auch die zältte des 3. Bataillond waffen⸗ 
unfähig gemacht. Den 10. Dechr,, nachdem die Stadt 


t angenehm zu 


ilna wurde nun angetreten. Die 


⸗ 


v. Germar. 117 


er von feindlichen Brandgranaten be egriht mu wurde, 8 


te der Augwatſg. Ueberalt Bran 
derung. er Marſchall Nep batte das PR aber 
mtl, fetirirende Sruppen übernommen. Die fo» 
onne wurde vom Thor aud auf Schußmweite von Kofaten. 
fhdwärmen begleitet und am Stommoer Berge wurben 
uf des Marfı uns Beten fämmtlihe Wagen verbrannt, 
uch Die Equ des 9. Bataillons ging in in Slemmen 
auf und Die Kriegötafe wurde g ändert. 
iment, bei feinem Ausmarſe Wilna nur no 900 
ann art, wurde von ru her Kavallerie attaguirt 


fnoe: da Bataillon theild — IAI ii N ge . 


ngen; das 1. und 3 vor 
—1* 


era halfen i m Wi e treuen Kameraden * pe 
weren Loft des e8 entledigen und fo ereilten 
e Ueberrefte des aufselöhen Bataltlond Kowno. Der 
yugeirorene Niemen wurde überfchritten und am 8. Der, 
igsberg erreicht. Dad 3. Bataillon befand no aus 
Kon 


berg auf — — g, wo bie retirirende Kolonne am 44. Jan. 


igde 


„A 


118 %. Germar. 


‚Höfelt nod_eine Menge waere Streiter au — 
die. —— Nein Anderer Truppen zu Aue R 
ment vereinigt. Der Obrit verließ die Geinigen ni 
und obne daB er ein Kommando hatte, begleitete er bei 
jedem Ausfall die enden Waffenfaͤhl⸗ en, wie_ein Vater 
ine Kinder. Nab einer ment iden Selagerung 

— — — der General Gouverneur von 
HR in Sc 8 Fr Bridenen Run ee an Lebent⸗ 
KH iſſen jed rt %) um jefagung durch 


Inger 

Shine &peit ae früdern Seftanded berabgefhwm: @mohen 
war, engen due Er — eben und 
deren vermeigerte, 
fid mit Aller ern auf Gnade ud Ungnade iu et» 
geben. Um 12, December zogen laut getroffener Lebere 
einfunft mit ben dee alle beutfden Truppen aus 

ea: ar Ihren 9 —R 












denn fen. einige Woden — — VR 
mußte” er von Neuem Auftregen and gegen 
1 marfciren. Aber ed w 
— der na 
nem Ein 
» Pferde 
als. un! 
en, ma 
ih gets 
tterften 1 
r 
b von ' 
e a 
vure) Fat den Mittbeltungen de& Yauptmuange m, Diziag (fehe 


— — ne IM Spare Ku —8 
A ge ge 


dv. Germar. 119 


* bilden arten Aida ep 35 2 


fonte er fe ein Sämert denn Napoleo 
— der guet Eiba —53 — 2 um Au 
Trie en riefen aufs Nı 
— Dort bei ee ie | Ye Ben 1 cm 
weimer. Batei 


marfdirten ven efe Kruppen Sin Bela 9 "and nal 
am 45. d. M. in der Gegend von Koblenz und Neuwieß 
uß. — raf Kleiſt 
eekorps fie ugeieit wurden, 
mußten. Am 1: übe 
ı die shäringer Origape 5 
mederiandiſchen Gebiete Kan⸗ 
wir bie meimar. — 
voriuen fo wie bei der 


Mpntmedy, 

Zar _ ife, bei der nd 
Kaen eret mi sa MN ie ein \ 

jeebefehld wurde am 4. —— —A 

Brigade in ihre Deimath entlafen in der tan und 
Enge ae — — 

era Sina 2 
verbienktmedaille_erbalten, in 30. Jan. 1816 





fein Gebähtn chiniß ab, did endlid nad einem Amoratliden 


‚er, aber fir Der, nahmen feine Zebenögeilter, befonder& 
harten Krankenlager am oben genannten Ti 


Bak Bub das Zui un der Men; vor; 
9 — ibm —* Bene nr 





— DeRen Blgr. bi 1. Bra Nele. ©. 185. 


Dreub. 


Rn f& geleitete Rem 
— ur ae an ze Kran 

if v. mg, AA 4 R 12 Adjutant ne 

jeö Trofted und Gel hen. — Verdeirathet 

war 0, ©. mit ga — Wagner aus Wien, 








Sordar vleitigt vu wild war." " 
wi w - gr. A. Reimann. 
Friedrich Johann Martin Preus, 
RUNtErpenfiondr zu Yamburgs 
geboren. den 10, Dec. 1786, geft, den 17. San, 1897 9). 
io 
un, Gi Bm are aid nt 
wurde im flebenjährigen — von den Schw 77 
‚ fangen und nad Ghweden tranbpertirt, ranglonirie 


2 leer A a ha Retrolog Jadıg. 6. ©, 466. 





PP 


Preus. 121 


deſelbſt, begab ſich auf ein Schiff, litt Schiffbruch und 
trieb ſich au dem Bra de —1— u 
er die Beflnnung verlor; ald er erwachte, fand er 
an die daͤniſche Küſte geworfen, unter Menfchen, die 
ihn ind geben zurüczubringen bemäbt waren. ad fels 
ner Geneſung nahm er Dienfte unter der daͤniſchen Ars 


tillerie, Rand bei derfelben fieben Jahre und avancirte 


sum Feldwebel. Er verbeiratbete fi und ward. Vater 


feB: Korps kam er unter das 128. renbhie MNegiment, 
mit welchem er nah Rußland marfı 
. rödgetedrt, lebte er in Damburg als Dollmetſcher. 
abr 1813 meldete er jur -YUufnabme unter bie 
eiwilligen Kämpfer ber anfratifpen Legion, wurde 
aber abgemwieien, da er damals ſchon 79 Jahr alt war. 
Died konnte ibn jedoch nicht abbalten und er meldete 
ch aufs Neue und zwar unter der reitenden Artillerie, 
dem er nur 60 Jabr alt de fein vorgab, worauf er 
dann aufgenommen wurde. Auch fein Sobn folgte feinen 
Beiſpiel, blieb aber im Felde. Nach feiner Heimkehr 
arbeitete er am Baubofe, fpäter wurde er Dförtner am 


Walſenhauſe, entfagte aber diefer Stelle, weil fie ibm 


y rubig war und lebte feitbem yon feiner Penfion und 
er Unterftögung braver Bürger. or zwei Jahren 
feierte der Wirt pm König von England, Marr, fein 
undertjähriged Geburtsjublldum. Bor 12 Jahren ver⸗ 

iratbete er fi) zum zweiten Mal und vor 5 Jahren 
nehm er noch eine Urenkelin gu Ace und verpflegte 
dieſes Kind, welches nunmehr das achte Jahr feines 
Alters erreiht bat. Er Rarb, wie oben erwähnt, in 

amburg und brachte fein Alter auf hundert und zwei 
abr einen Monat und fieden Tage. Die Garnifon, im 

erein ‚mit dem hanſeatiſchen Kampfgenoſſen, ließ ihm 
am 24. an. ein militaͤriſches Leidenbegängniß zu Theil 
werden. Die binterbliebene. Witwe jab die irdiſchen 
Reſte dieſes alten preußiſchen Heldenſohns, fein Vater 


wer Major in Friedrichs des Eimzigen Heeren, der Erde 


übergeben. 


. 8 , 


L 


fange ümher, bis 
& 


‘ 


123 


48. Dr. Franz Paul Scholz, 
penſ. Profefior in Dredlau ; 
„geb. den 8. Auguſt 1772, geft. den m San. 18879. 





N Sälef. Prod, BL. 1887. 6: Heft. 


von Sienen. 128 


9 1819 — 35. — Der beiehrende audvater, 4 Due. 
Yresian und Feipig 18% — Pa 
Almadt ober under der Natur (deitfhrift). Wrede 

fan 1825 — . 


* 49. Jalob Albrecht von Sienen, 
Dortor der Rechte und erfter Sonditus In demdurgn 
geb. d. 25. Zuni. 1768, gef d. 17. Sam. 1887, 


Dad Geſchlecht der von Gienen iR, eind der ausge · 
jeidmesten in dem Sreiftante Hamburgs; feit FJahrhuns 
erten haben Mitglieder befielben ‚Die bedeutenden 
Eprenkellen in n bemfelen bekleidet. Der Vater unſers 
v. ©. bieß gleioiale zur Albrecht, war Senator in 
Hamburg und als ihm Diefer Sodn geboren ward, Amts 
mann in NRigebättel; ade Mutter N jaulina Conras. 
Bine Stedelmann. die Zeit Ye — Der 
waltung ‚abgelaufen Bar, — der, Bater nah Ham⸗ 





id ad u jotaten 

au — Um feine "enfgenfenntuig und Erfal 
au erweitern, unternahm er im folgenden Jahre in 
Bedketung feine® Bruders, Johanned, eined ng teten 
eine eier ae Reife ud Deutfei und 

(ah im — die Krönung dranz U. *), die legte eines 





Dehen Biographie f. N. Reit. 14. Jabtpı ©: PT: 


\ 


- ten war ibm eigen: er mutbeie fih die gr 


«< 


124 v.. Sienen. 


deuiſchen Kaiferd. Nicht lange nad feiner Ruͤgkehr, 
Bart iur ein fruͤhes und fcltenes. luͤck zu Theil: er 
ward an Nikolaus Matfens Stelle im Tabr 1794 in 


vathun ‚ndmlid im Jahr 1820, wo er die Tochter ker 
ein 


amtliches Leben war ein für den Staat feg 


mit der et Dabei verfuhr, nicht. tadeln, fondern ben 

ann ehren, der mit der größten Oeniffenbaktigfent 

Uem zu wehren fuchte, wad Der Fleinen glaͤcklichen Res 
gubut Nachtheil hätte bringen können, aber das mit 

orſicht ausgeſprochene freie Wort nicht hemmmte. Raſt⸗ 
loſe Thaͤtigkeit, die puͤnktlichſte Abwartung feine: Pflich⸗ 
oͤßten Anſtren⸗ 
gungen in der Arbeit zu tief in die Nacht hinein 
und ertrug fie. Er war in hobem Grade mäßig in allen 
Genüffen; die reich befegte Tafel, an der er oft feine 
Steunde bemirthete, batte für ihn felbft keinen Rei; 
der Glanz, in dem er, feiner Stellung gemäß, lebte, 
blieb von feinem Arbeitszimmer, in welchem er bie 
meifte Zeit zubrachte, fern; hohe Nechtlichkeit, Tiebends 
würdige Freundlichkeit, die aber der amtlichen Strenge 
feinen Abbruch that, bezeichnete fein Weſen. Er ers 


freute fib, trotz aller Anftrengungen, einer trefffichen 


ü 
Gefundheit, bis luffe des Jahrs 1896 hef⸗ 
ah Onleibiihes — a — ed 
feine Amtsgeſchaͤfte bis zum Tag vor-feinem Tod; ein 
Schlagfiuß endete fein Leben. on 


⸗ 


— 


ensreiches 
bei den 


pfweh einſtellte; dennoch verſah er- 


- 


125 


* 50. Dr. Joh. David Weigel, 
Quartus emeritud an der Thomasſchule zu Leipzigs 
sed. den 26. Nov. 1768, geſt. den 17. Januar 1837. 


Er wurde zu Zſchocken, ohnweit Schneeberg im fächf. 
- Erggebirge Deu atanr ein Dater gleiches A nad 
feine Mutter, Johanne Neubert, AD vom Feldbau nähre 
ten, mit dem ſich aud ihr Sohn von Tugend auf be⸗ 
f&dftigen und nadder, troß feiner großen Neigung zum . 
©tudiren, dad Schneiderbandwerk erlernen mußte. Na 

überflandenen Zehrjabren und nachdem er bereitd ba 
neungebnte Lebensjahr erreicht hatte, zeigte Rh glück⸗ 
licherweiſe aur Ausfährung feines leb 

gofnun ‚ indem einer feiner Derwandten, der als 


unentgelbfich ertheilte, einen vorzuͤglichen Gönner fand. 
Nach geend 


—kı — - B. E. — 


126 


“51. Albrecht Johann Friedrich Becker, 
Prediger zu Rittermannödagen, dei Maeldin, im Großperzogtbum 
Medienburg : Schwerin; 
geb. im I. 1778, gefl. den 19. Januar 1837. 


ins feinem alt und ſchwaq seinordenen "Baier ald Ge 
lie un dereinftiger Nacfol or beigegeben DE 
in den Cheftand trat er zuerft den Sept. 1810 mit 
rie a a mine © Springborn, einer ale des ver. 
anna Inn! tom und nach deren frübzeitigem 
bleben 38 er zum zweiten Mal mit feiner jegt 
interlaffenen Witwe, Wilhelmine, geb, an melde 
jeide Eden aber Einderlos blieben. Er verſchied na& 
einem acttägigen Krankenlager, nachdem er beinahe 
88 Japre lang mit mufterhafter Sorgfalt und Pünktlid- 
Seit im Pfarramte daſe libſt geı —5 dbatte. Im Drud ers 
gie, von ihm: Drei ten zum dritten Jubelfelte 
a uermation, für fein € Oemeinde abgedrudt. Ob. 


Sqwerin. Sr. Brüfom. 


127 


® 52, €. A. Plaßmann, 
" Plarter in Affeln, Dibges Paderdora z 
ueb. ben 24. Mai 1789, geſt. den 19. Januar 1897. 
i * 
Sein Dyeim, der 2 1 neh eben Na 


beritiät zu bei a aburg Rubirte er 
Theologie, mo unter en dern oben und mus feine 
Hoden ı — und, kehrte 4811 von da ais Prieker nad) 
ae u aurd im Amte zu unterfiägen. 
feines Dbeimd die Pfarre 
pas ward ie Zebendende ftudirte und 
lad derfelbe un ur bie Zweige feined Bes 
‚ fondern ältere und neuere Ders 
feuns und G tanded und Die 8. Das 
62 ward ei er Seetforge wahre 
fter Dater und share feineh 
Heißes und. "€ in Yinck irkungößreife 
elonderd untı ınd heranwadfenden Zus 


gend und Dem xedrern. 
Bamberg G. A. Thiem. 


* 53. Dr. Samuel Gottlieb von Vogel, 
großdergopt. mediendurgs ſchwerinlſcher Geb. Dedicinatratd, Leibe 
rat und Profeffor der Medien zu Moftod, Mister einiger Drden 

und Witglied und Ehrenmitglied vieler gelehtten Vereine; 

* den 14, Maͤrz 1760, geſt. den 19. Ian. 1837. 

20 tzoſelbſt fein Beten, vers 
deirander Le Martha ——ã—n mann, ein wenig bes 
wittelter Veen arit und ter von 5 Kindern 
war," Gel feiner Geburt bekam der Vater den 
Ruf ald ref er Akademie zu Göttingen, Er PA 

feiner. le dabin und auf der dortigen Sc 


Sr er für die aa fenf@atten suche, Er 
erfaßte fie as dem ee ie und ben fo fhnel, 
daß er fon unterm 


3 re, unter dem —& eines — 
der Univerfität Göttingen mmarritulire werden 
Founte- Nah einem 7rjährigen Studium erhielt_er, 
unter Murrapd Proreftorat Und dem Dekanat feines Das 
vers, unterm Dicht. 1771 Bi HER 


128 v. Bogel. 


xis befcjäftigte. Unterm 4. Auguft 18 Inc ward’ er zum 


fi 

Londphpjitus des Fürkenthums vom f Y 
weer vi ledrich — ‚Medienburg: ne —— und 
jerm 20. Jan. 1783 verlieh ibm der Kurtürft von 
Sarnen ud dus eundeh) itat ded eringrpums Lauen · 
Im Sabr ft 784 ward er berufen, an der Univers 

Fig au. Paris dem Lehrkupl der — — 
mwelder durch den Tod des berübmten Tiſſot erledigt 
war; er lehnte aber aus Barerlandöliebe diefen Ruf ab 
und empfing dafür von dem König von Sagland, den 
»fmebifuß unterm 8 Novbr. 1784, 


verfitdt nahme Yin Ruf an un Berband 
mit fein ! au bier dis zu feinem Tode die 
‚ Yusübun. inifhen Prarid. Um 24. Jun. 1796 
verkeirati mit Dorothea Catharina, einer Tode 
ser ded 5 avon a u au [x rom, welde 
er din » und der Sera 
am 14. 5, . „etrennt, wurde. — 3. Julius 


I name” Ton der —W zum Zeibmedifus und 
Reine | ur ai Vvadeatt in eebade u I Gaberan au 
und V. IM} ih in diefer-Stelung um diefe bocmii 

tige En biß auf Die legte Zeit die größten Verdienfte 
erworben. Unterm 10. Dechr. 1815 empfing er vom 
Großberzog das Patent ald Geheimer Webieinatrard und 
unterm 18. Sebr. 1830 ward Fi von demfelben zum ors - 
dentliden tgliede. der dafigen Mebicinalcommiffion 
— Die audgezeihneten Verdienke, welche er fi 
in diefer, geraumen um die Biffenfpaft und um 
die Menfodeit erwarb, verſcha ten ihm einen auögebreis 
teten Ruf und in und außer 1, in der ganzen ges 
febrten Welt Fannte man feinen 9 men, erfannte_ {ein 
Derdienk und erkannte ed durch mohlverdiente Ehren 


jen zu nußen. &o ward er nah und nach 
renmitglied der Kofoder medienburgifben Iandwirthe 
ſchaftlichen Geſelſchaft, odentlihed Mitglied der cor⸗ 
refponbdirenden Sstelicaft der Pharma; le und drztliben 
wu Kaflel, ordentliches Mitglied ber Kos 
den Roder medienburgi en Societä® der Phpfik, correſpon ⸗ 


u} Den 8 Biogr. f. in dief, Jahrg. d. N. Reit. unters 1. Fehr. 


:begeugungen an, die zu Teicer, Zeit den Zwed baten, 
fein fe & 


v. Bogel. 120 


direndes Mitglied der Societaͤten der Pharmazie, ſo 
wie der mediciniſchen Schule zu Paris, Edrenmitglied 
der phnfifch- medicinifhen Socierit zu Erkangen, cor 


refpondirended Mitglied der literarifhen Gomitdr der - 
kaiſerlichen menfhenliebenden Gefeufhaft zu St. Peterd - 


burg, odentlihed Mitglied des Roſtocker patriotiſchen 
Vereins, correfpondirendes Mitglied der Akademie der 
Wiſſenſchaften zu Münden, correfpondirendesg Mitglied 
der medicinifchs hirurgifhen Societaͤt zu Berlin, Ehren. 
mitglied des Apothekervereins im noͤrdlichen Deutſch⸗ 
land, ordentliches Mitglied der koͤnigl. Societaͤt der 
Wiſſenſchaften zu Goͤttingen und Ehrenmitglied des Vers 
eins für die Heilkunde in Preußen. Die ausgezeichnetſte 
Ainerbenn ung feines Verdienſtes erhielt- er aber von der 
faif.. Geſellſchaft der Naturforfcher zu Erlangen durch 
die Worte des ibm am 1. Dft. 1808 eingefandten Mits 
gliedsdiplomd: Eruditio Tua in persoratandis natarae 
operibus admirandis, studium, et praeclara Tua de exco- 
lenda et amplificanda medicina, tam thaoretica quam 
practica, merita, non nobis solum sed toti orbi literario 
cognita perspectaque jam exsistunt. Esto igitur ex me- 
rito nunc quoque noster! Esto academiae caesareae na» 
turae cariosorum .decus et augmentum, macte- virtute Tua 
et industrial Am 30. Dec. 1821 begingen feine Kolle⸗ 
gen in Roftod feierlich fein 5Ojäbriged Doktorjubildum. 
r empfing zu dieſem feſtlichen Tage, unter Bergmannd 
VProrektorat und Blumenbachs Dekanat, die Gluͤckwuͤnſche 
der Univerfitdt zu Oöttingen und ein erneuerted Doktor 
Diplom und fein Landesherr ſchrieb ihm: „Ich bin Ih⸗— 
nen aufrichtig ergeben. Cie haben während der langen 
eit, daß Sie in Medlenburg wohnen, mir und dem 
aterlande die erſprießlichſten Dienfte geleitet. Ems 
pfangen Sie meinen aufridtigen und treu gemeinten.. 
GSluückwunſch zum morgenden Jubeltag. Bott erbatte 
Sie nod ferner zum allgemeinen Nugen fo vieler Leis 
denden. Erhalten Sie mir ferner Ihre Freundſchaft 
und fein Sie feſt überzeugt, dag ich mit der unwandels 
barſten Werthſchaͤtzung ſtets Ihr gesreuer Freund fein 
werde.” Unterm 1. Det, 1823 eihielt er vom Koͤnig 
—— Wilhelm von Preußen ein eigenhaͤndiges Hand⸗ 
chreiben, welches ihm den rothen Adlerorden dritter 
Klaſſe brachte; im Auguſt des Jahrs 1832 aber ward er 
vom Foniß von Baiern in den Adelſtand erboben und. 
die Königin felbft ſchmuͤckte ibn mit den Inkonien des 
Civilverdienſtordens der baleriſchen Krone. Seine Kor⸗ 
M, Nekrolog. 16. Zabra 9 


2 


\ 
ii 


150° - v. Vogel. 


reſpondenz war die ausgebreitetſte, die man ſich denken 
kann und ruͤhrend find die Beweife der Liebe und der 
Dankbarkeit, welche er von allen Geiten empfing und 
die fein ſchriftlicher Nachlaß ergibt, in welchem fi viele . 
fache Briefe der audgezeichnetften, zum Theil fürftlicher 
Berfanen namentlib auch ſaͤmmtlicher Mitglieder 
eines Flirſtendaufes, vor allen aber deß verſtorbenen 
Großherzogs finden, voll der freundlichſten Huld und 
des feſteſten Vertrauens. Der ebrmärdige_Greid er⸗ 
krankte im Anfang des Jahrs 1837 an der Grippe und 
feine Körperfräfte reiten nit mehr zu, um dieſer 
Krankpeit zu mwiderfieben. Er ſad daB ein, ging gefaßt 
dem Tod entgegen und bebielt dad volle Bewußtſein 


bis faſt zur Sterbefiunde, die nach einem Euren - 
V. war 


Kampfe am oben genannten Tage eintrat, — 

ein redlicher Mann, ein liebendwärdiger Greiß, ein.treuer 
Sreund und feinem Fürſten und Vaterland ergeben bis 
in den Tod. Eingedrungen in die innerfien Tiefen feis 
ner Wiffenfchafe, leitete er Ausgezeichneted als Arzt, als 


Lehrer und ald Schriftſteller; verfcamäbete aber nie, von. - 


Andern zu Iernen und widmete der Willenfbaft feine 
anßrenguingen mit jugendlicher Geiſteskraft bis an das 
Ende. Uneigennägig_balf er gern dem Zeidenden, mo 
er ihn auch fand. — Bildniffe von ibm find: Vor 9: 
G. Maſius's medic. Kalender f. Aerzte und Nichtärzte 
Koſtock 1813). — Vor Ruſt's Mag. für Heilk. Bd. 9. 
1821. — Auch einzeln in Duartformat, Fec. A. A. Tisch- 
bein 1831, Berlin bei Reimer. — Im Drud erſchienen 
von ibm folgende Schriften: Diss. inaug. de litophago 
et polyphago Ilfeldae nuper mortuo ac disserto. Gotting. 
1771. (Daffelbe deutſch Berl. 1781.) — Verſuch einiger- 
Sanbbne D. praf, Mrneimifenfeat. 6 T0L. Grenbel 
uch d. pra neiwiſſenſchaft. 6. Thl. Sten 
1781 — 1816. N. Aufl 4816 — 21. — Unterricht für 
Eltern u. Erzieder, wie dad unglaublich gemeine Kafter 
der zerfiörenden Selbſtbefleckung am fiberken zu entdek⸗ 
ten, zu verhhten und zu beilen. Ebend. 1786. 2te verm. 
Aufl. 1789. (Wurde ind Holländifhe u. Dänifhe über 
feßt.) — Diatribe medico-politica de causis, quäre tot 
submersi in vitam non revocentur. Hamb. 3790. (Erſchien 
daf. 1791 auch deutſch u. wurde ind Holländifche über 
fegt.) — Kurze Anleitung zum grändliden Studium D. 
Ursneiwiffenfhaft. Stendal 1791. — Ueb. d. Nugen u. 
Gebraud d. Seebaͤder. Ebend. 1704. — Dad Kranten 
Examen. Epend. 1796. — Zur Nachricht und Belehrung 


dv. Carlowitz. 151 


f. d. Yadegäfe in Doberan, i. 3. 1793. Rofod 1790. — 
Weber die Seekuren in Doberan im I. 1798, für Ehnfs 
tige Badegäfte. Ebend. 1799 — Unnglen de Seebabes 
u Doberan vom Sommer 1799. Ebend. 1800. — Neue 

nnalen d. Seebades zu Doberan v. 1808 — 12. Ebd, - 
1804 — 13. — Einige anthropologiihe und medie. Ers 
fabrungen. Ebd. 1805. — Kleine Schriften zur polulds 
ren Medicin. 3 Bdchn. Berlin 1814. — Boderegeln ıc. . 
Stendal 1817. N. Q. 1822. — Handb. ; ridtigen Kennt⸗ 
niß und Senugung d. Seebadeanſtalt zu Doberan. Eh. 
1819. — Allgem. Diagnof. Unterfuhungen 2 Tble. Ebd. 
1824 u. 1831. — Ein Beitrag 3. Lehre von d. gerichtßs 
ärztlichen Zurechnungsfäbigkeit. Zte verb. Aufl. Ebend. 
"4825. — Beweis d. unfdädlihen u. beilfamen Wirkun 
gen ded Badend im Winter. Berlin 188. Summa. 
riſche Zuſammenſtellungen d. ſammtlichen Geſichtspunkte, 
worauf d. Phyſiker in ihrem Wirkungskreſſe ipr Augen. 
merk zu richten daben. Roſtock und Gährom 1832. — 
Meticinifhe Beobachtungen und Memorabilien aus der 
Erfabrung. Stendal 1834. — Ueberfegte: R. U. Dogel 
Kleine med. Schriften, a. d. Latein m, UAnmerk, 2 Tdle. 
Lemgo 1778. — ac. Curtis Reiſe nach der Barbarei im, 

. 1801; a. d. Engl. m. Anm. Roft. 1804. — Gab ders . 
.aus: 9. 8. Löffler Vermiſchte Auffäge u. f. w. Mit 
Dorrede, Zufögen u. Bemerk. Stendal 1801. — Hatte 
Antheil an einer Tnaugnraldiffertation von A. g. eller 
u. lieferte Beiträge zu Baldingerd N. Magaz. f. Yerste, 
um Dannov. Maga, zur Berliner Monatöfchrift, zu 

iters chir. Viblioshek, zu d. MecklenbSchwerin. Has 
lender ıc. ıc. und ſchrieb die Vorrede zu —8 Herm. 
Becker Verſuch einer Rohrungsmittelkunde (Ötend. 1810 
u. 1822) u. zu Joſ. Roſſi, Ueber die Art und Weife d. 
Todes d. hochf. Kronprinzen 9. Schweden. 

Roſtock. Crull. 


54. “Karl Adolph v. Carlowitz, 


Eönigl, preußiſcher Generallieutenont u. Gouverneur von Breslau, 


Ritter mehrerer Orden; 
geboren den 21. Juli 174, geſt. am 20. San. 1897 , 
v. Carlowig ſtammt aud einem alten fächl. Geſchlecht 
und wurde auf dem väterlihen Gute a het 
dorf bei Sreiberg im ſaͤchſ. Erzgebirge geboren. Sein 


*) Hresi. Beit, 1837. Nr. 97. 9% - 


— 


“a2 9. Canlowit. 


mac jett die dogſten Staatsämter im Königreid Sade 
[en un! 


übrigen europäifhen Staaten ge 

lied Otüd h Goer 34 

feiner Der 1" fügen. Er vei 
it einer Or 


109 fi . 
Mehr ald tandwiribfebaftfiden Seröäftipungen, die idm 
weniger zufagten, lebte er bier den Wi 


jene Bildung au erwerben, wel 
Finen Umgang fo iedtreich und interefant machte, Er 


war —* beliebte Sammelplag für Männer, weige Geil 

und Gemüth oder Kenntniffe und Kunftfertigkeiten über 
das Aurägliche erbeben. Diefe, nur geifiiger Thätigkeit 
gewidmere Mufe murde dur bie große Ummälzung, 


igten, rel Dr 
lien rare Rd von Neuem dem Kriegsbienke ku 


v. Carlowitz. 135 


widmen. Er irat 1809 ald Rittmeifter wieder in Dienk, 
wurde Adjutant des Generallieutenants von Zeihmiß, 
welcher die Stavallerie des ſaͤchſ. Kontingents komman⸗ 
dirte, was zur frangöf. Armee ſtieß und machte in diefem 
Derbältniß den Krieg 1809 gegen Defterreib mit. Die 
ſaͤchſ. Truppen, dem Korps des Marſchalls Bernadotte . 
einverleibt, nabuen Theildan den Gefechten von Linz, 
. Amftädten und an ber Schladt von Wagram. — v. 8. 
erbieft für Außzeichnung in dieſer Schlacht den ſaͤchſ. 
Deinribsorden Sr Klaffe und hatte fi dad befondere 
utrauen des franzöf. Marſchalls, jetzigen Koͤnigs von 
chweden, erworben. In dad Vaterland zuruͤckgekehrt 
uns sum Major befördert, gab ihm fein König einen 
pro en Beweis bed Mertrauend in feine die gemöhn, 
jchen Sormen des Dienfted überfchreitende militärifche 
Bildung, indem er dem ehemaligen Kavalleriſten, die 
Sormation des damals zuerft in Sachfen errichteten Jaͤger⸗ 
bataillond übertrug. Nachdem er fich dieſes Auftrags 
entledigt, erbielt er dad Kommande über daffelbe, wel 
ed er, mittlerweile zum Oberften avancirt, noch im 
L 1813 führte, wo er mit dem Bataillon in Torgau in 
arnifon ftand, ald der unerwartete Ausgang des denke 
würdigen Feldzugs in Rußland Sachſen zum Striegd« 
ſchauplatz für die efrelung Deutſchlands machte. — Die 
alliirten Heere zogen in Dresden ein, überfchritten die 
Elbe und befegten faſt ganz Sachſen. v. €. gehörte zu 
denjenigen Sachen, deren deutſches Herz die Befreiung 
ihres Vaterlands von der glänzenden, franzöf. Knecht» 
[daft berbeimfinfchte und melde glaubten, Die Stunde 
er Sreiheir nabe beran. — In Dresden batte Kaiſer 
Alexander bald den für alles Gute und Edle empfäng- 
lichen, tiefgebildeten Mann erfannt, er beebhrte ihn mit 
feinem Bertrauen und fendete idn mit Aufträgen an den 
König von Sachſen nah Prag, melde das Anſchließen 
deffeiden an die gemeinfame Sache bezwecken follten. 
Als aber die traurige Wendung der Dinge nad) der 
Sclacht bei Lügen, den Beitritt Sachfend verbinderte, 
- bat v. C., fompromittirt in den Augen des franzoͤſiſchen 
Gewaltbabers, feinen moblmollenden König um den 
Abfchied. Er begab fid bierauf, anfang in daß öfter. 
reihifche, dann in das Verbündete Hauptquartier und 
machte dort in der Nähe des Kaiſers Wlerander, der 
feine ausgebreiteren militärifden Kenntniffe zu benugen . 
verftand,, die Schlacht yon Baugen mit.’ Er trat nun 
als General in ruff. Dienfte und ald nah der Schlacht 


134 v. Carlowitz. 


un Leipgig In Dresden ein rufl. Gorwernement für Des 
Königreihd Sachſen unter dem Fürſten Repnin errichtes 
wurde, trat er in daſſelbe als Solvernementärath und 
Chef des Kriegsdepartements. Als folder leitete er die 
- Erridtung ded Banners der freiwilligen Sadfen, au 
deffen Spige als kaiſerl. rufl. Generalmajor er fobann 
J dem 5. deutſchen Bundeskorps, unter dem Kommando 

es Herzogs von Sachſen⸗Koburg, ftieß, mit welchem er 
der Blokade von Dlainz i. J. 1814 beimohnte. — Nach⸗ 
dem durd den Parifer Srieden auch Mainz gefallen, 
wurde er von dem Kaiſer Alerander nad Paris berufen 
und folgte demfelben auch zum Kongreß nah Wien. 
Sein intimed Verbältnig mit dem Minifter 9. Stein *), 
der v. C. fehr ſchaͤtzte, hatte weſentlich Dazu beigetragen, 
{dm das Vertrauen des ruf. Monarchen zu gewinnen, 
Als ſich ihm aber im Laufe ded Miener Kongrefles die 
Gelegenbeit dazu darbot, verließ er, mit dem Faiferli 
ruf. St. Annenorden ir Klaffe gefhmädt, den ruflifchen 
Dienſt und tras mit befonderer Vorliebe in preußifche 
Militaͤrdienſte. — Die plöglide Ruͤckkehr Napoleons nad) 
Sranfreih befhleunigte das Ende des Kongreffed und. 
v. C. ging als Bevollmädtigter feined neuen Derrn in 
das Hauptquartier der kaiſerl öfter. Armee, melde fi 
unter dem General Grafen Srimont **) in Stalien zus 
fanımenzog. In dieſem Verhaͤltniß machte er den Geld» 
au von 1815 im füdlichen Sranfreih mit. Nach der 
Nüdkehr ded Öfterr. Heers aus Frankreich wurde er 1815 
im Dftober Inſpekteur der Landwehr in einem Theile 
der neu erworbenen ſaͤchſiſchen Provinzen und batte fein 
Standquartier anfangd in Halle, fpÄäter in Merfeburg. 
Er genoß dad befondere Vertrauen und Wohlmollen des 
tommandirenden Generald Grafen Kleiſt v. Nollendorf *) 
und der Aufenthalt in Halle verfcaffte ibm durch den 
geitigen Verkehr mit den ausgezeichnetften Gelehrten Der 

niverfitdt eine feinen Meinungen: entfprechende Bes 
nugung feiner Muſeſtunden. 1821 wurde er zum erften 
Kommandanten von Magdeburg, in welcher Stellung 
er den 30. März 1822 zum Generallieutenant avancirse 
und 1924 zum Vicegouverneur von Mainz ernannt. In 
beiden Verhältniffen erwarb er id nicht nur die Zufrie 
denheit feines ihm ftetö gemogenen Königs, fondern auch 


— . . 
yeſſe Bloge. f. R. Rekr. Jahrs. © gm 


52 - - —- L- -i5 


- 


v. Carlowitz. 1838 


die Liebe md Andängfichkeit Der Truppen und die Docs 
adtung und Verehrung der Eipilbehörden und der Ein 
wohner in den vielfeitigen Berübrungen mit ibnen. Als 
daber i. J. 1829 dad Gounernement von Mainz vertrags⸗ 
mößig an Delterreih Überging’ und damit fein Berbältniß 
als Vicegouverneur aufbörte, ernannte ihn der König, in 
Binerfennung feiner treuen und mwärdigen Dienfte zu dem 
Eprenpoften ald Gouverneur der Haupt» und Refidenze 
ads Breslau, — mährend die Verleihung ded Groß 
Breuzes des kaiſerlich Öfterr. Ordens der eifernen Krone 
und des großberzogl. befl. Ludwigordens, bie ihm vo 

den auswärtigen Mächten, gu melden er in jener Stel 
lung in Berbältniffen geſtanden batte, gezollte Uneffen. 
“nung bezeichnete. Der König belobnte feine Verdienſte 


—mit dem roshen Adlerorden Ar Klaſſe. Die mwürdige 


Mufe, welche v. €. in feinem neuen Berbältniffe fand, 
benugte er zur Rüdkehr zu feinen Lieblingsbeſchaͤftigun⸗ 
gen, den Wiſſenſchaften. Mit aufmerffamen und erfabs 
renem Blicke verfolgte er die gefchichtliden Entwicke⸗ 
kungen der Zeit, Feine beachtenswerthe Erſcheinung in 
irgend einem Gebiet der menſchlichen Thaͤtigkeit ging 
unbemerkt und ungemärdigs an ibm vorüber und mer 
das Gluͤck hatte, in irgend einem geifligen Verkehr mit 
ihm zu fieben, wird felten ihn verlaffen baben, obne 
von ihm neue intereflante Bemerfungen als Ausbeute 
Davon zu tragen und Die vielfeitige gelebhrte Bildung 
des anſpruchsloſen Mannes zu bewundern. von pe en 
das Ende des Sommerd 1836 wurde €. von der er⸗ 
ſucht defallen, welche Anfangs ſchneller ſeinem Leben ein 
Ende zu machen drohte, fpdter aber durch den Anſchein 
der Befferung viele feiner Freunde mit der — 
dauernder Wiederherſtelung erfuͤllte. Dieſelbe Hoff⸗ 
nung ſchien auch ihn zu taͤuſchen, der im Anfange ‚der 
Stanfheit mis würdevoller Saffung ſich auf fein Lebens⸗ 
ende vorbereites batte. Noch am Abend ded 20. Tan. 
war er beiter und geiprähig und empfing den Beluc 
mebrerer Freunde, mit denen er ich auf gewohnte Weile 
unserbielt. Nah 10 Uhr in der Nacht wurde er ploͤtzlich 
unwobl und ungendtet aller durch den Wächter ſo⸗ 
ara berbeigefchafften Hülfe war_er im Zeitraum einer 

iertelftunde ſanft entichlafen. Seine irdifhen Webers 
reſte wurden am 24. Morgend auf dem dafigen Garnifon- 
kirchhofe mit allen militaͤriſchen Ehrenbezeugungen feier- 
lid) beigefegt, dann aber auf Anordnung feined Sohns. 
des herzogl. fachfen- koburg. Kammesberrn und Geſchaͤfts⸗ 


» 


4185 0. Richter. - 


traͤgers am k. faͤchſ. Hofe, nach der Samiliengruft.In Groß: 
Hartmannddorf abgeführt: — Die Grundzüge feined Cha» 
rafter6 waren Biederkeit, Milde, dode Uneigenmägigkeit 
und eine aus der Seele Fommende Sreundlichfeit gegen 
an. Wer je in. feiner Umgebung gelebt, — denn 
eine große Anſpruchsloſigkeit erforderte zu feiner vollen 
Würdigung medr ald eine blos Fonventionell « gefellfchafte 
liche Berührung — wird ebenfomwohl von Dem Reichthum 
und der Fülle feined Gemuths als von der Tiefe feiner 
ainfihten und feined fcharf beobachtenden Geifted ergriffen 
worden fein. 


55. Garl Ludwig Richter, 


Kaufmann zu Frankfurt a. 6. O. 
ged. den 4. Zul. 1766, geft. den 20. San. 897% 


Er war der Sohn eined armen Landpredigerd im 
MWellmig bei Neu-Zelle. In ſtiller ländlicher Einſam⸗ 
keit unter großen Entbehrungen. durch den frommen- 
Sinn des Hauſes erzogen, bildere fi in ihm fruͤh die 
Liebe zu einem einfamen, naturgemäßen ‘und veligiöfen 
Leben. Der Vater, parriardalii in Sitte und Leben, 
ernft und flreng, unterrichtete die finder felbft, deren er 
eilf hatte. Bei feinem Tod lebten ihrer noch fieben, 5 Kna⸗ 
ben und 2 Maͤdchen; unfer R. gehörte zu den jängften 
Kindern. Einer der älteren Söhne, Samuel Friedrich R., 
erbielt dad Pfarramt des Vaters und wurde Dadurch Die 
Stäge der Mutter und: der DVerforger feiner jüngeren 

.Geſchwiſter. Nachdem unfer R. noch eine Zeit fang im 
elterliden Haufe von feinem 10 Jahre dAlteren Bruder 
Unterridt und ‚Unterhalt erbalten hatte, wurde er mit 
feinem Bruder Wilhelm, der ald penf. Rektor und Gym» 
nafiaiprofeffor in Guben lebt, aufs Gymnaſium nad 
Buben gebradht. Hier fand er, ein _armer Sinabe und 
Cdorſchuler, ald Koftgänger feinen Tiſch bei wohlthätie 
gen Menſchen und fang vor den Thüren. Diefem Chor 
gefang verdankte er feine große Liebe zur Muſik, die ihn 

urch das ganze Leben begleitete und ihm eine Duelle 
reihen Genuſſes wurde., Er fpielte die Geige, auf wel⸗ 
her er fid noch einige Tage vor feinem Tod, ald er 
nieht mehr fingen Fonnte, die Melodie eines alten Cho⸗ 
rals vorfpielte, Er fehlte nicht Teicht in einem Konzert 
und war dad Weiter irgend erträglid, fo verfäumte er 





*) Brankfurter patriotifched Mochenblatt: 1887. Mir. 6 





_ Richter. 187 
Beine Wachparade, der Mufit wegen. In den Konzer⸗ 
ten fuchte er fib die einfanften Plaͤzchen, ſprach mit 
Heinem und war ganz Ohr. Gern hätte er Theologie 
gudien, aber wegen feiner großen Armuth gab er auf den 
ath feines dlteren Bruders dieſen Entihluß auf und 
ing in feinem isten Jahr als Lehrling in Die Eckholdt⸗ 
—* Handlung zu Frankfurt a. d. D., in dad Haus, das 
sg Jahr fang der Schauplag feined Wirkens geweſen 
Mt. Bei der beſchraͤnkten Lage, in weicher fi Die Hands 
fung befand, batte der junge Richter ald Lehrling -eine 
febr beſchwerliche und Npäterhin ald Diener feine glän« 
gende Stellung. Nach dem Zod feines Principald, der 
en 1. Sebruar 1796 farb, führte R. dad Gefchäft der 
Witwe zwei Jahr dindurd mit großer Treue und felte 
ner Uneigennügigfeit fort, bid fi diefelbe mit dem 
Kaufmann Albrecht wieder ebelid verband. Diefer 
ſchenkte dem bewährten und treu erfundenen Diener fein 
volled Vertrauen und überließ ihm die Leitung des gan⸗ 
‚sen Geſchaͤfts, das id bis zu Albredtd Tode, der nach 
5 Sahren einer gluͤcklichen Che erfolgte, bedeutend ges 
boben hatte, R. verheirathete fih nun am 13. Oftober 
4805 mit der Witwe und ward ein gemiffenhafter Vater 
der Kinder, die fie.ibm zuführte. Sie batte aud der 
erſten Ehe .einen Sohn, Der jegt noch im Haufe lebt, 
und aus der.zweiten Ehe eine Tochter, die an den Kaufe 
mann Schmußler verbeiratbet,.und einen Sobn, der Come 
miffiondrath und Kaufmann in Berlin if. Ihrem drit 
ten Gatten gebar fie zwei Söhne, von welchen der di» 
tefte nunmehr der Handlung vorfteht und der jüngere 
Kandidat des Predigtamid ift. Nach einer fehr glüdli« 
en und zufriedenen Ehe von 213 Tahren ftarb ibm feine 
Srau den 283. April und fein Leben mard feit der Zeit 
noch einfamer und ftiller, bis er felbft fein müdes Darm 
sur Nude legte und nach einem Furzen Krankenlager ft 
und fanft verfchied. — Wenn-man dad Leben des Wien. 
fden nad feinen dußern Erſcheinungen beurtbeilen will, 
fo würde R.'s Leben als ſehr unbedeutend und freuden- 
leer erſcheinen; denn er hatte fih von der Welt und 
allen gefellfcattligyen Streifen ganz zurückgezogen und 
war nur Wenigen bekannt. Die Stille war Dad Ele 
ment feined Lebens. Er har außer Guben und Muͤnche⸗ 
berg nie eine Stadt gefehen und mie lieb er die erftere 
auch batte, fo har er fie doch ſeit feinen Schuljahren 
nidyt wieder beſuddt, obgleich dort zwei feiner Brüder 
wohnten. Nur dreimal bar er ſoit 1779 Beine Landrei⸗ 


138 Sqneider. 


fen und zwar hach feinem Geburtaort Wellmig aus Pie 
tät gemacht. Dabei war er doch in feiner Einfamkeit 
und im bäudlihen Leben Fehr glädlih und fa ern 
mit gi gefinnten Sreunden, die ihn in den benpfune 
den befupten, über die Erfceinungen des Taged. Seine 
Lektüre war immer ernfen Sndaltd, am liebften Er⸗ 
bauungdblicher. Der Sonntag war ihm ein, beiligen 
Tag und nit nur in der Kirche, fondern auch im Haufe 
und Herzen mar ihm geuntäatio su Muthe. Wie ver 
borgen und einfah auc fein Leben war, fo bat er bo 
im Stilen fehr viel Gute -gewirkt. Er mar wohlth 
tig augen die Armen, bälfreih für milde Suttungen, 
. unterflägte arme Schüler und Studirende und mie! 
feine Bitte für wirkliche Rotd zuräd._ ber von dem 
Auen durfte Niemand reden und der Dank machte ihn 
ängflib. Untreue Leute entließ er auß feinem Dienft 
ohne —X und felbft wo der Betrug arg und offene 
kundig tar, Elagte er nicht. — Als Kaufmann war’ er 
von entf&iedener Regtiſcaffenden verläffigfeit und 
Erfahrung, ald Bürger treu umd pänktlid In feinen Vers 
Kunden, nit ohne Teilnahme für die Öffentliche 
od fahrt. 


56. Dr. Johann Chriſtian Jakob Schneider, 
Hofzath und Kreiöphuftus zu Grefeld; 
‚geb. den 7. Nov. 1767, geſt. den 22. Jan. 1887 9). 


Er war. du Dinsloden, wofelbt fein Vater koͤnigl. 
reuß. Landjäger und orflaffenrendant war, geboren, 
and im 3. 1786, dur eine tüchtige Syulbifdung, vor- 

bereitet, die Univerfität Duißburg und fpöterhin Göttine 
gen und widmete Ach mit Eifer und FuR dem Studium 
er Medicin._ Nachdem er 1790 zum T " _ 
und am 7. September 1791 zu Berlin 
Arıt approbirt worden war, begann er 
tige Zaufbahn und erwarb fi bald 
gezeichneten Kenntniffe, dur feinen, fi 
tigen Blick fo wie durch feinen umgäng 
das allgemeine Zutrauen und die Liebe ı 
ner mitblrger, Im Jahr 1806 zum Arı 
ernannt, erkannte dad damalige .Franzb| 
ment außerdem feine Verdienke um die 
bandlung des im Jahr 1809 und 4810 


*) Rad Beitungtnachridten- 





Ä v. Sutner. - 139 
der Umgegend herrſcheyden bößartigen Tpphus und um 
Bie Eimfüßrung und Verbreitung der Schutzblatterim⸗ 
pfung dur die Derleidung einer Medaille an. Nah 

er Wiedereroberung der diedfeitigen Provinzen befld« 
tigte dad Generdigouvernement ihn in feinem Amt, more 
auf er im Mai 1817 zum Kreisphyſikus ernannt und im 
November deſſelben Jahrs von dem König den Charak⸗ 
“ser ald Hofrtath erbielt. Seitden wirkte er in feiner 
fehr ausgedehnten Praxis, die fi meilenweit über dig 
Hanze Umgegend erſtreckte, unauögefegt tbatig, pflichttrem 
und mit dem gluͤcklichſten Erfolg. tets uneigennüßig 
und anfopfetnd für das allgemeine Wohl, nahm er aus 
Ber feinen vielen Berufsgeſchäften während einer langen 
Reihe von geben als beigeordneter Bürgermeifter und 
fpäter ald Stadirath an der Verwaltung der Gemeinde: 
angrlegenbeiten Crefelds unmittelbaren Antheil und flife 
tete fi beionderd auch dadurd ein unvergaͤngliches Ans 
denken, daß er im Jahr 1828 an der neuerrichteten Hand» 
werferfranfenanftalt Die Arztlihe Behandlung unentgeld» 
li übernahm, wodurch dad Sortbeftehen und die wodl⸗ 
thärige Wirkſamkeit derfelben erſt begründet wurde, Nab . 
und nad fühlte er jedod nach einem Leben voller Mür 

en und Arbeit dad beranannabende Wlter und er fa 
‚ich nad einer Stüge um, die_er auch an feinem boffe 
nungöyvollen Sohn, dem Dr. Sriedrih Schneider fand. 
Aber leider wurden feine legten Lebensjahre _durd eine 
Unterfubung geträbt, die über jenen megen Theilnahme 
an burſchenſchaftlichen Verbindungen verhängt wurde 
und befümmmert um daß ungewiffe idfal des Sobne, 
dem er die Sorge für feine zahlreiche Samilie anders, 
trauen mußte, befhloß er fein Leben, daß er in Deiters, 


keit und Hupe hätte enden mögen. 


57. Georg Karl von Sutner, 
Reichſs⸗ und Staatsrath, Vorſtand der Staatsſchuldentilgungs⸗ 
commiſſion in Muͤnchen 
geb. den 80. (81.) Dätcher 1763, geſt. den 23. Januar 1837 °). 
Er war der Sohn eines bürgerlichen Bortenmachers, 
Eorbinian Sutner zu Münden. Nach vollendetem 
Rechtsſtudium auf der Univerfität zu Ingolftadt, mo ibm 
mit größter Auszeichnung das Diplom ald graduirter Li⸗ 
centiatder Rechte d. 241. Tulius 4785 zugefertigt wurde, 


*) Nach einer gebrudten Rede. ' ’ 


140 ! , v. Sutner. 


trat er nad aurhcoeicnter Praxis bei dem Eurfärftlidhen 


genbgerict in Dachau im Jahr 1786 als innerer Rath 
des Münchner Magiltratd in das Öffentliche Geſchaͤftsle⸗ 
ben, Im folgenden Jahr erhob ihn Kusfürß Karl Theo⸗ 

r dur Diplom vom 27. Sebruar in den Adelftand. 


“ Srüdgeitig traf S, ald innern Stadtrath ein traurigeß 


@reigniß, das mächtig und fehr fuͤhlbar auf ihn einwirfte: 
es war Die Ungnade des Kurfürſten Karl Theodor gegen 
den Magiftrat; aber bald wurde ©. durch erneute Huld 


des Kurtärften erfreut, indeni er durch Dekret vom 21. 


Mai 1792 dem Stadifpndifus von Barth ald ſtaͤdtiſcher 
Archivar, Dann am 21. April 1797 als Mitfpndifus beigeges 
ben wurde, nadhdem er früber dur Diplom vom 13. Juni 
4792 zum Faif. Notar ernannt worden war. Seine ım 


ahr 1804 erfolgte Ernennung zum Bürgermeifter der . 


aupt⸗ und Refidenzfiadt München erwarb ihm ein foldy’ 
ebrenvolled Vertrauen, daß er von den Verordneten der 


ſechſten außerordentliden Verordneten des Bürgerftands 
gewaͤhlt und zu den von der Staatsregierung angeord⸗ 
neten Vorbereitungen zu einem Landtag als berathendes 


Mitglied zugezogen wurde. In feinem Wirkungskreis 


. ld innerer Magiftrartrard, Spndikus und Bürgermeis 


- 


er batte derfelde fib fo ausgezeichnete Verdienſte um 
ad Wohl der Bürgerſchaft erworben, daß er der Gen 


fammtheit unbegrenztes Vertrauen genoß und jeder ein, 


gelne_Bürger in Ibm minder den firengen Richter 
und Vorgeſetzten, ald den freundliden theilnehmenden 
Ratbgeber, den forgfamen wohlmollenden Vater, yon 
welchem in jedem Bedrängniß Rath und Hälfe in in) 
Marten war, edrte. Im Jahr 4805 wurde ©. landichafts 
licher Dberauff@iagßeinnepmer und trat fodann nad) der 
im Jahr 1806 erfolgten Aufdfung der frühern Municis 
palverfaffungen im Jahr 1807 ald Dberauffcbläger in den 


- unmittelbaren Fönigl. Staatsdienſt. Noch ſchneller als 


wie fruͤher als magiſtratiſches Mitglied war fein Empors 
ſchwingen in diefem neuen Gefchäftöfreife von Stufe 
u Stufe. Den 1. September 1808 wurde er zum Rath 


er Steuer» und Domänenfeftion im Eönigl. taatömie _ 
er 


nnifterium der Finanzen, den 17. September 1814 zum 
Morftand der Stantöfchufldentilgungdcommiffion, den 12. 


- April 1817 zum Minifterialratd und den 15. Okt, .1819 
zum Staatsrath im ordentlichen Die mit Belbedat- “ 


tung der Stelle ald Vorſtand der Schuldentilgungdcom«- 


. miflion, befdrdert und den 46. Mai 41823 zum Reich» 


damaligen LZandfchaft in Baiern am 6: Juli 1804 zum 


- 


1 


v. Sutner. 141 


rath efnannt. — ©. befaß_ dad Vertrauen des verſtorbe. 
nen Königs Marimilian Gofepb *) und des jegt regies _ 
renden Königs in fo bobem Grade, daß die genannten 
Beförderungsdekrete Sutnerd befondere Gefhidlichkeir, 
Sachkenntniß, Treue und Anhaͤnglichkeit für König und 
Vaterland ald Hauptmotive feiner fo rafhen und gläns 
senden Laufbahn ausſprechen. Im Jahr 1810 ‚wurde er 
ald Mitglied der zur Uebernabme des Landes Salzburg 
befiimmten Hofcommiffion dahin abgeordnet und am 
8. December 1834 ernannte ihn der König zum Gprud)e 
mann bei dem Bundesſchiedsgericht von Seite Der Krone 
Baiern. Schon am 20. Auguft 1811 erhielt er das Kite 
terkreuz des Civilverdienftordend und am 16. Dft. 1820 
die Commandeurinfignien deffelben. — Der Krieg ift die 
furdtbarfte Geißel der Völker. Seit dem Jahr 1796 
war Baiern der Tummelplag von Hunderttaufenden der 
verbändeten und feindliden Heere. Der Zudtlofigfeis 
der erfteren, fo wie der Rache der Tegteren wurde Baiern, 
dieſes fonft fo gluͤckliche mit reicher Segendfülle von der 
Narur beglinfiigte Land mit nicht zu erfchwingenden For⸗ 
derungen unter Plimderungen, Berbeerungen und Greueln 
aller Art preisgegeben. Diefe Unglüdöperiode für Baiern, 
währte unter kurzen Zwiſchenraͤumen Dis zum Jahr 1809 
verbängnißfämer fort. Da warf die Staat regierung 
ipren Blick auf S., nabm deflen geſchaͤfisgewandte Ers 
fabrungen zur thätigen Theilnahme in Anſpruch und er 
nannte ihn zum Vorſtande der Requifitionscommilfion 
welcher Aufforderung berfelbe in der Art entfprach, ba 
der verftorbene König unter dem 11. März 1810 fih bes 
mogen fand, demfelben inöbefondere ‚über die bei dieſer 
Enmmijfion_ bewiefene_außerordentlihe Thaͤtigkeit und 
deſſen guedmäßiges Benehmen unter DVorbebalt befon» 
derer Belobnung die allerhoͤchſte Zufriedendeit zu erken⸗ 
nen zu geben. Die Akademie der Willenfhaften batte 
durch Diplom vom 15. December 1795 ©. ald außerorts 
. dentlihes Mitglied der diſtoriſchen Klaſſe in diefen Ge⸗ 
lebrtenverein aufgenommen, Wermöge erneuerten Dis 
plomd vom 1. Mai 1807. wurde er in diefer Eigenfchaft 
von dem verfiorbenen König Marimilien Joſeph und 
den 9. Zuni 1827 von dem jegt regierenden Koͤnig bes 
Rötigt. Der baierifhe Geſchichtſchreiber Zſchokke, indem 
er von den peitvollen, gelehrsen und vorurtheilöfreien 
Männern fpricht, welche aus der gluͤcklichen Regierungs⸗ 


Deſſen Biographie ſ. N. Nekr. 8. Jahrg. S. ICH 


4 


142 v. Sutner. 


gegiode des Kurfürden Maximillen Jofepd IIT. nod zu 
eb Kurfürften, Karl Tpeodord Zeiten rubmmärdig fort, 
wirkten, fagt Über Sutner: „Da rettete Georg Sut. 
nerb, des Bürgermeifters von Münden freier Blick man- 
eb Dentmärdige, dad dem Moder der Bergeffendeit 
zu Theil geworden wäre.“ Deffelben Leitungen in dem 
unmittelbaren Staatöbienfte, befonderd ald_ Borftand 
der Siuldentilgungscommiffion ibertrafen ale Erwar 
tungen. Ihm war e& vorbehalten, den Beweis zu lie 
fern, daß“ ein Mann von Kenntniffen , feftem unerfcpäts 
terlihen Charofter der Dann von Millionen fei. Er 
erwarb ſich dad unbegrenzte Vertrauen feines Könige, 
der ganzen Nation und ded Auslandes. Das bairifie 
Säuldenmwefen hatte im Jahr 1543 mit einem Anlehen 
von 600,000 fl. begonnen, welches mittelft einer Trank 
fteuer hatte gerilgt werden follen, die aber in der Kolge 
ald ein derzoglihes Kammergut, jedoch immerhin als 
ein unter landfcaftliher Adminikration Kedender Til« 
ungsfond bebandelt wurde. Die Schulden mehrten 
, je nach den Zeitverbäftmiffen, in welche Baiern’ und 
feine Regenten verwidelt wurden, befonder6 während 
8 dreißigiäbrigen Krieg6 und bei den großen Bedräng» 
niffen unter Kurfärk Marimilion Emanuel und Kurfärk 
Karl Albrecht, nadmaligem Kaifer Karl VIL., dann in 
den Theurungsjahren 1774 und 1772, wo die Hand des 
Schigfals unaufdalrfam (dwer und verdängnigvoll über 
= Immer neue Fonds wurden zur Tile 
infung außgemittelt, fo daß na dem 

ten Marimilian Jo EN 111. deffen Re 

arl Theodor von 





dv. Sutner. 143 


Staatsſchuld zu einer Geſammtſumme von 118,230,004 fi. 

kr. Und doch harte fi, als in den Jahren 1813 und 
1814 ib das ſo lange unter fich ſelbſt entgweite Deutſch⸗ 
land nad fo vieljährigen gemadten Erfahrungen zum 
vereinten Kampf erbob, ungeachtet der ungebeuerften 
Anforderungen für Schaffung einer neuen Armee mit 
allem Kriegdmaterial, bi8 Ende September 1814 die 
Staatsſchuld im Adminiftratiomege um 9,314,303 fl. ver⸗ 
mindert. Gegenbringend und alles belebend beglädte 
König Merimilian Joſeph I. fein Volk mit der Verfafs 
fungsurfunde und ein neued pelinifoee feben begann 
tür Beiern, ſchnell und Überall wohlthaͤtig wirfend, fo 
auch für die baierifde Staatsſchuld. Im Jahr, 1819 
wurde über die Größe derſelben zum erften Mal öffent 
liche Nachweiſung ‚gegeben und die Stände ded Reichs 
erfannten einen Schuldenftand an von 98,699,152 fl. 15 Er. 
4 D..an Kapital, von 2,051,430 fl. 20 fr. 1 H. an Zins⸗ 
rädftänden, von 3,719.664 fl. 64 Er. jährlichen Zinsbedarf, 
Nah dem Budger für die zweite Sinanzperiode hatte 
fib hingegen dad Bedürfniß um 9,881,013 fl. höber ger 
ftellt, da an Penfionen des Civil: und Militäretard, dann 
der Sekularifirung, neuerdings beiläufig 31 Millionen - 
Gulden zur Ueberweiſung vorbehalten waren. Ungeach⸗ 
tet der vielen und weſentlichen Derbefferungen war dad 
Schidfal der baieriſchen Staatsſchuld nichtd weniger als 
erfreulih. Drei ſchwere Unbilden in zwei verſchiedenen 
Zeitperioden haben auf den Sortgang des Staatsſchul⸗ 
denweſens dradend eingewirkt und daffelbe empfindlich 
berährt: die Kreditoren von 16 Millionen, die Amor 
fitationdfaffe von Penflonen von mehr ald 5 Millionen und 
die na ſchiedsrichterlichem Erkenntniß des Bußrägalges 
richts von Selle im Hanoverſchen an Baiern äberbärs 
dete rheinptälzifde Staatöfhuld Lit. D von beildufig 
vier Millionen Gulden. . Die alten baierifchen Finanz⸗ 


144 v. Sutner. 


‚waren, als die überfganntehen Wände je ermedi his 
ten. Im Glanz idres eigenen und des Staates Kredit 
erſchieñ fie in ihrem eigenen Kreife felbfitbätig und ſelbſt⸗ 
wirkend, da ed fib um Die Ausführung böberer über den 
gewöhnlichen mechaniſchen Verwaliungsorganismus bins 
auöftrebender Plane handelte. Die Erdfinung von bag» 
ren Anlehen (bündbarer Schuld) machte die Zurückbe⸗ 
sahlung von vielen Millionen ſchwer verzinslicher Kapis 
talien möglid. Anfangs gegen 5 Prozent, dann gegen 
4, jet nur noch zu 35 Prozent wurde das Vertrauen 
des Publikums in fo hohem Grade gewonnen, daß def» 
fen Anerbietungen zulegt vielfältig nicht mehr angenom⸗ 
men werden fonnten. Dur Umſchreibung der ditern 
Schuld wurden die Gläubiger für die Liquidät ihrer 
Sorderungen fiber geſtellt und durch die feR ganz durchs 
geführte Mobilifirung. der gefammten Staatsſchüld kam 

ie gröstmögtihte infachheit in Die Verwaltung. Das 
dur wurde die Aufhebung von vier Spezialfaffen, fo 
ie die Verminderung Des Perfonald_in allen Zweigen 
der Adminiſtration möglid., Die Öftentlihen Biditer. 
‚haben Die Vernichtung von vielen Millionen der Staatd» 
papiere von Zeit zu Zeit angefündigt; das allgemeine 

nleben, Dad zuletzt geswungene £otterieanleben find mit 
mebrerern andern bedeutenden Schuldenlaften aus der Liſte 
des Budgerd verfhmwunden. Dad Rechnungswefen, abs - 
weichend von dem übrigen finanziellen, gewann eine folde 
Seftigfeit, daß ſelbſt daß Fritifche Auge einer firengen Re⸗ 
vifon wenig zu erinnern vermag und wie ein Räderwerf 
in einander greifend, controlirt ed fih von ſich felbk, 
ſteht fer und felbfikändig da. Ungetheilt war immer, - 

in die Anerkennung der Stände ded Reichs und des 

inanzminifterlumd_und die Staatsſchuldentilgungscom⸗ 
milfion erntete auf eine glänzende Weife den ſchoͤnſten 
Lohn für alled edle Streben und Wirken. Es kann bier 
bei nicht verfchwiegen werden, dab Männer von Geift 
und Oemandibeil . zur Unterfiäßung gipient baden, 
wie er diefed felbft bei der feierliden Gelegenheit ſei⸗ 
ned fiebenzigjährigen Geburtätagd ausgeſprochen hat, als 
ihn feine Untergebenen- durch eine ſchoͤne rührende Denk 
fehrift zu ehren fuchten, welche mit den Unterfchriften des 
gefammten Perfonald der Staatöfchuldentilgungdcommils 
fon in Münden der Haupt» und Penfiondamprtifationd. 
faffe, Dann der Spezialfalfen von Augsburg, Nürnberg, 
Bamberg, Regendburg und Würzburg verfehen war. 
Dieſe Stantsdiener liebten ihren Vorgefegten mie ihren 


v, Suter, 74 


Vater und legten ſteis vertrauumgsvoll ihr Schickſel in 
ſeine Hände. Vielen, ſedr Vielen bat er das zeitliche 
Sluͤck begränder und ſeine legten. Anſtrengungen fuͤr fie, 
vier — von Anſtellungen waren feine legte 
Beſchaͤftigung. — ©. ald Staatsrath im ordentlichen 
Dienk trat auch den 18. November 1825 in den für ge⸗ 
miſchte Rechtsſachen angeordneten Staatsratbausfduß 
als Mitglied ein und wurde als ſolches auch zur naͤm⸗ 
lien Belt für das koͤnigliche Staatdrathäcomite ernannt. 
Yue dſeſe Stellen bekleidete er zur volkommenſten aller 


ibm gefegten Zuirauens in gie bopem Grade würdig 
efretär dat’ er 

ehr 4831 im Drud erfchienenen Protofollen, worin mit 
eolaffhna der Namen der Reichsraͤthe ihre abgegebe: 

‚ den 


nebenbei indem 
.ter fon fruͤhzeiti 


‚rarifhed Wirken durch mehrere hiſtori Abbandluns 
i ’ ——— 


erkor ibn zum Rathgeber und Spezialvormund bei der 
fegenpeit ti die nachgelaſſenen 
N. Nekrolog. 15, Zabte 10 





16 u 
@ringen and Primeffinne: 1098 von Lendten- 
berg ®). Der Deteran de — den mei, Marimie 
ae raf von Preifing fi — auf ©.3 Redistenninffe 
und Biederkeit unbedingted Vertrauen m genannte ib n 
sum rer feined leüten Willens; 
igtigfeit, da eb Die Dub öRdeiDung. _ 
oe [8 von dem Sideicommiß ‘eineö_großen Wermbgend 
und bedeutender Gier mit Siem u jenden ana ine" 
tin en galt. - Am 26. Decem! ‚Hatte ©. ein 
ige Dienftiahr erfält. elle Geier im e 
B —F feiner- tbeuern Lieden wollte ©. diefen feſti dm 
Tag begehen, konnte, — nicht dindern. daß idm- vo 
ehrendften Theunadme wur 
— 
ei u erfüllter 
Ivenen_Gemätbe belodnender 


58. Georg Wilh. — Beigel, 
Oderbidllothekar und Grheimer Letzationsrath zu Dredden, 
Pros den 25, @ept. 1758, geſt. den 26. Jan. 1837 *). 


mar zu Spi In Franken 
ren und batte Säule: zu 
indehelm, Diet, anregenden 
Unterriöt erhalten dreifenakter 
nit Dankbarkeit (el ltorf und 
yu:Zeipzig_Rudirt, k und war 
4786 Nẽe Legationd| © getreten, 
Der. Eönigl, fühl. hugerbei 
are er dort fl iens feine! 
Er —X angen Ent⸗ 
& ungen at. Durch 
—XR ven \ m, zu der 





— EAN en nm 


Betgel. ar 


Dameld Rumforf' gebörte, wurde ©. in feiner Ne 
den eraften Wiffenidaften beftärft und felbR — if, 
die er liebte, wurde bei ibm, einem ſchulgerechten Kontras 
unttiken, eine Aufgabe matbematifder Beredhnung. 
in Nachlaß muß mancerlei Proben davon enthalte: 
deren- eine dur einen Mufikfreund in Warfcau,, 
langer Weigerung. Beigel’$, 1808 zum Drude befördert 
ward. 4802 kehrte ©., den die Mündner Akademie ıu 
ihrem Mitgliede gewählt batte, als Tegationdrarh nad 
Dredden zuräd, ward 1804 geheimer erpedirender Ser 
Sretär im Departement des Yuswärtigenr-" " ” 
ber dem König auf feinen durd die Zei 
jeigeführsen Reifen; ward 1810 geheimer 
und nec_vor dem Ausbruche der großen 
am 13. Sanur 1813, nad des erfen 
Dakdorf Tode, Dterbibliosbefar. Como] 
old in Dredden erfehte ihn 1802 und 
Breuer, der :bih zu feinem Tode mit 1 
Yierät ibm ergeben blieb. Der Kommifl 
und Gewichte zugetbeilt, fand er auch in feinem neuen 
Berufe wielfade Veranlafung, die in Münden mit Er⸗ 
folg und Eifer betriebenen marbematifhen Unterfuhuns 
.gen wieder aufzunehmen und fein Apparat für bie 773 
naueften Befimmungen der Sranbardgeiiäte und Maafe 
dürfte die Aufmerfiamteit der Sreunde der Wiffenfdant 
in vorzäglibem Grade verdienen, fo wie aud_feine 
Bibliotbek_dur& erlefene KT befonder& im Driens 
salifhen, Ach auszeichnete. HÖAR gewiflenhaft in feinem 
Berufe, fab er durch eine früh eintretende Schwäde deb- 
Gedächtniffes fchon feit 4824 id vielfältig gedinderts 
Da fie dadurd ic dußerte, daß ihm mitten im Ges 
fpräde der Seaufntigte Ausbruck ſich verfagte, fo ver 
mied er lieber alles Gefpräd , befonderd mit Fremden. 
und flüchtete fih mwobl ‚wenn er ihre Abfichten ahnete, 
ig die entfernteren Säle, mo er, in Zedler6 Univerfale 
Teriton umberfucend , dem drädenden Mebel neue Nade 
rung gab. Diele Kraukdeit der geifigen Orgam® bei € 
nem ſonſ nie geflörten Wopibefinden der bioß, Förpers 
tigen, machte die Derfegung in den Nubelland am 
41. Nov. 1828 nöthig, da bei dem fteigenden Zudrange 
zur Vibliorpek jugendliche Kräfte au ihrer. Zeitung ‚nat 
wendig waren. Doch aud die ebrenvpl — 
Mufe war feiner, Aurkenun nicht förderlid. Das Uebel 
nahm zu und felbkt die — Pflege elner nad 
Sachſen gekommenen Schweher, melde ia,ber Mate 


148 Beigel. 


damit verbundene Schwierigkeit im Sprechen, die, wie 
bei Kant, der völligen Geiſtesſchwaͤche verandging, viel⸗ 
u 


u entfagen. Er hatte in den fegten Jahren feiner. Thaͤ⸗ 
ek arhinedeifche FH Ve lmet durde 


| | 140 
* 59, 8. ©, Grotefend, “ 


Generalfuserintentend zu Clausthal am Harz; 
geboren den 8. März 1766, geftorben den 28. Ian. 199. 


Grotefend wurde zu Münden geboren und erhielt 
feine erfie Bildung auf dem dortigen Oymnafium. Auf feine 
Srziehung fonnte nur wenig Sleiß verwandt werden , da 
fein Bater, ein. undemittelter Schuhmacher, nar mit, 
Anſtrengung für die noͤthigſten Bedürfniffe feiner. vier 
Kinder zu forgen im Stande war. Der größte Schaf, 
melden ihm feine Eltern zu geben vermocten, mar 
anleitung zu einem 'frommen, tätigen Leben. Wein 
gerade bierburh ward feine ganze Kraft angeregı und 
le mehr er fid ihrer bewußt wurde, deſto lebbafter ſtieg 
n ihm der Gedanfe auf, in Göttingen eine weitere 
Ausbildung ge ſuchen. Zwar ſchien die Ausſführung ei⸗ 
ned folchen 


vÄäterfihen Freund an dem Geheimen Sußigran Zerpe 
eb und der 


boratur zu Ilfeld an, welche idm Durch Heyne's Der 
mittlung angetragen war. Hier, am koͤn. Paͤdagogium 


150: | Siviefen. 


wir dod fo of bei ihnen sermifte, ‚Ein größerer Wir. 
fungsfreid wurde ihm % J. 1803 durch einen Ruf. nad 
Lengleéen, in der Göttinger Inſpektion, wo er fortan 
ale Pfarrer fungirte. Hier tand er Gelegendeit, die 
fammelten Schaͤtze theologiſchen Wiſſens und Glaus 
8 anzuwenden und mit welchem guten Erfolg er dies 
- hd, Davon willen die Mitglieder feiner Gemeine nach 
ent rühmlich zu reden. Durch ſelbſtſtaͤndiges Forſchen 
war. die Theologie Leben in ibm geworben und dieſes 
£eben, wie es ın feinen Predigten hervortrat, ging über 
> in dad Gemätb der Hörer.. Doc fhon im Jahr 1808. 
wurde. er nach Clausthal verfegt, wo er ald Archidiafos 
nus bie 1819 thaͤtig war. Wuch bier erfüllte er die. 
Mfichten des Prediger und Seelforgerd mit gewiſſen- 
Dafter Treue, allein nebenbei nahm er auch einen trügern 
Geſchaͤftszweſg mieder auf, Er übernahm naͤmli 
der Bergichule und am Lyceum den matbematifchen und. 
. gronfaliien Unterricht. Seine Neigung, aber auch Die 
‚ bedrängten‘ Beiten bewogen ihn zu dieſem Schritt, den, 
. er thun mußte, um fär feine säbfreiche Samilie im er⸗ 
forderlichen Maafe forgen zu können. Wie fehr er Dies 
fen m perfiebenen Gefchäften. gewachſen war, bezeugt der. 
‚daß er auch an an aan © egebnkften. ſtets 
ir Mn ndei nahm, - . 1819 wur Super . 
intendent zu Bifhorn. Fat Fircene er einen Prediger, 
verein, arbeitete unermüder an Verbeſſerung des Schul⸗ 
wefen⸗ und ſchrieb ein Merk über Kanzelberedtſamfeit. 
Endlich wurde ibm, 4824, die Beneralfuperintendentur 
u Clausthal Übertragen, wy fein. Wirken zeigte, daß 
eine Erfahrung vermehrt, aber feine Kraftenoch nice. 
verminders war. “Auch in der gelebrten. Zbertogie‘ ar⸗ 
beitete er unabläffie fort und fand eincathbbmliche An⸗ 
erfennung von onen der theologif@aw;r&akfultät am. 
- Oöttingen, welche ihm 1830, bei Gelegenbeit des Jubel⸗ 
feſtes der Augsbur iſchen Konfefüon, das Doftordiplom - 
Eberreig di. er rien war G ‚mit ber Gogter bed | 
’ reftord am koͤnigl. agogium zu Ilfe eißner, 
und febte mit ir in einer gläd sen Ehe. Er felb bſi 


ie Kinder überging. "Samieneien —* er dader 
nur in der legten Zeit ſeines Lebens follte er ſie 
| erfahren. “Erin älterer Sohn *), ein Schwiegerfohn und 


*) Deffen Wiege, f. im 14 Jabtg. dab N. Nele. ©. 198, 


® 





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2 * 











Don. 11491 


eine Battin wurden In kurzer Belt von feiner Seite 
urch den Tod binmeggenommen und wie rubig und 
driſtlich er auch dieſe barten Schläge des Schickſald 
duldete, fo unterlag er ibnen doch 14 Wochen nach dem 
Kode der Lebendgefährtin. — Un Schriften binterlaffen 
bat er, außer jenem oben erwähnten Werke, nur einige 
grebigien, die in Zimmermannd Sammlung Theil 4, 
. 406 fi. und Tb. 2, ©. 446 zu finden. Ferner vero 
. anftaltete er. eine Sammlung religidfer Lieder zu einem 
neuen Darzgefangbuche, wobei idn der Buperintendens 
Dr. Dfann unterflüßte. 


Göttingen. . W. Fricke. 


© 60, Heinrich Meyer, 

Kantor, Deganiſt, Käfer und Schullehrer zu Bolmerdingfen del 
Winden, Indaber des alig. Chrenzeichens:; | 
ged. %& 3. 1798, geft. d, 80. Yan, 1887, 


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Er 
®uten anbielten und briftlid erzogen. Im letzten Frei⸗ 


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jänoften (6.) Kindes an einem Zungenfchlage.. An ihm 
verlor feine Familie einen hraven Ehegatten und Vater 
‚und die Gemeine einen dußerk treuen und thötigen Lehrer. 


Dielingen. | j Arndt. 


* 





18% | 


61. Ferdinand Laube, 
ESchullehrer zu Goldbeck bei Bublig (Pommern) 
geboren den 25. Febr. 1806, geftorben ben 1. Febr. 1887 *% 


Er wurde gu Goldbed geboren und genoß den Ele 
mentarunterricht bei feinem Vater, dem Ddafigen Käfter 
und Schullehrer. Schon in feiner zarten Kindheit fühlte 
er den Trieb zum Lebrfach. Er blieb diefem Gedanken 
immer treu und fuchte jede Gelegenheit zu benußen ſich 
sum Dienft im Zebrfache vorzubereiten. Im Jahr 1823 
irat er. in das Fönigl. Seminar zu Ködlin, wo er ſich 
Dura feinen Fleiß und fein Betragen die Liebe und 
Achtung aller feiner Lehrer erwarb, fo daß ibm bei feiner 
Entlaffung Oftern 1825 dad Zeugniß Nr. 1. ertbeilt wer⸗ 


en Eonnte. Als Wirfungdfreis wurde ibm nun die 


chule feined Waters überwiefen. Er wirfte ald Lehrer 
mit unermüdetem Eifer und fein großer Sleiß und feine 
Freundlichkeit erwarben ibm die Liebe der Kinder und 


durch dieſe wurde ihm die Liebe der Eltern. Aber - 


auch von der Obrigkeit und feinen nächften Vorgeſetzten 
wurde fein Sleiß anerkannt. Seinen alten Eltern mar 
er eine treue Stage und blieb unverheiratbet, um biefe 
und feine Geſchwiſter unterKügen zu Eönnen. Seinen 
Sreunden war er ein treuer Sreund und kam jedem feis 
ner Amtsgenoſſen mit Liebe entgegen. Aber feine Ans 
ſtrengungen flanden nicht im Einflang mit feinem ſchwa⸗ 
‚wen Körper und nahdem fein Vater kurze Zeit. vor ibm 
eftorben war, erlag er am oben genannten Tage einen 
erdenfieber, Der ni 


6% Friedrich Franz, 
Großherzog von Medlenburg= Schwerin ; 


geb. d. 10. Dec. 1766, geſt. d. 1. Febr. 1887 **), 
Dad Haus Mecklenburg verliert die glaubwürdigen 


Spuren feiner erlauchten Abkunft viel ſpaͤter, als irgend 


ein andered der deutſchen, ja der europdiichen Fuͤrſten⸗ 
äufer. Zu diefem, ſchon an ſich merkwürdigen grauen 
lterthume tritt ein Umſtand hinzu, der ihm ein noch 





— — — 
. eut. egen m o vo n 
lexikon der neueſten Beit —— a ⸗ 


arrer Brenning bielt Die Leichenrede. 


* 





⸗ 


— ’ 


Fr. Franz, Großherz. v. Mecdlenb.⸗Schwerin. 153 


weit doͤheres Intereſſe leiht. So weit naͤmlich die Ge⸗ 
ſchichte hinaufreicht, bis zu den Tagen des großen Karls, 
‚finder fie den edlen Stamm auf demſelben Boden, feſt⸗ 
ereurjellt in der Liebe derſelben Völker und diefe mit 
emfelben guten Rechte beherrſchend; dad Achte Bild 
der wadrſten jungfräulichen Zegitimität. Aus dem fönig« 
finden Blute der Obotritenherrfcer entiprungen, bat 
jener Stamm nie und nirgends die Anforderungen ver 
äugnet, welche fein altſlaviſcher Urfprung (Slawa bes 
deutet Ruhm) au machen ‚berechtigt war. In die Reide 
der deutfchen Würftenhäufer eingetreten (ſeit 1170), iR 
er durch die Jahrhunderte‘ fortgewachſen, gefegnet und 
Segnungen verbreitend und die volle Bläthe, in welcher 
er noch beute Daflebt, gewahrt den fpdıen Enkeln- die 
freudige und gerectfertigte Zukunftsausſicht Ihrer Väter. 
Drei und dreißig Geſchlechtsfolgen, alle geſchichtlich, Die 
meiften auch urkundlich belegt, waren vorübergegangen, 
als in der vier_und dreißigſten Friedrich Franz geboren 
wurde. Seine Eltern waren der gerion £udmwig (geb. 
den 6. Auguf 1725; geft. den 412. Sept. 1778), einziger 
Bruder des Damals regierenden Herzogs Friedrich, und 
Charlotte Sophie, Tochter des Herzogs von Sachſen⸗ 
Koburg » Saalfeld (geb. den 24. 
2. Aug. 1810). Friedrich Sranz ‚blieb der einzige Sohn 
- und fomit rubten bei der Kinderloſigkeit feines Oheims 
von der zarteften Tugend an Hoffnungen feined Haufes 
wie feined Landes auf ihm, Die nit geräufht worden 
find. Früh entwidelten fih in dem lebendigen, jedem 
guten und ſchoͤnen Eindrude zugänglichen Prinzen ſchoͤne 
igenfchaften des Kopfes und des berzeng und auf eine 
forgfame , vorbereitende Erziebung unter den Augen der 
fürſtl. Eltern folgte ein fat füntjäbriger Aufenthalt in 
der Schweiz, wo er von 1766— 1768 in Laufanne, dann 
bis 1771 in Genf, unter der Sührung des Kammerberrn 
v. Ufedom, feine wiſſenſchaftliche Ausbildung fortfegte - 
und vollendete. Im September 1771 nah Mecklenburg 
urädgefehrt, lebte er an dem flillen und einfachen Hofe 
heines Oheims, wurde ſehr früb zu den Gefchäften ers 
zogen und unter Anleitung ded Herzogs Friedrich bald 
mit ihrem eigenthümlichen Gange und zugleich mit der 
Geſchichte und Verfaſſung des Landes aufs Innigſte 
. vertraut, welches er dereinſt zu beherrſchen heſtimmt war. 
Schon aus jenen Juͤnglingstagen ſchreibt fi die feltene, 
regelmäßige Thätigkeit ber, die nie .auffbob, nie von 
einem-Rage für den andern borgte, wo. es das Wodl 


- 


eptbr. 1731; gef, den - 


154. Br. Bram, an v. Mediend: » Schwerin. 


ngland u. ſ. w. Neue reiche Schaͤtze an "Kenntniffen, 
Erinnerungen, Welt» und Menfchenerfabrung maren 
der Gewinn Diefer Reifen, während das fuͤrſtliche Paar 
überali das ſchoͤnſte Andenken, das an ſich tete urädo 
Mr Den 10 vollendeten Mann ger er zo be er⸗ 


= U Kr eadurg vor. Seit de 


verpfaͤndet, für die ae Ren, einer g. I men Eu 
aiſerlichen Erecution. 


jur —A "le aber arg SR ich nie zur 


ieberabtretung ver eben wöllen le einen 
ode begann, Sriebrich Stanz Indlidere 1 Unterband ungen 
mit‘ dem König Sriedrich «, der 


Blugenblid war erfßienen, de — PR yon wu ke 
ihn zu ergreifen, Dur eine Reife nad Berlin (Dechr, 
1786) feRünalyn und die fi) entgegenkellenden Hinder⸗ 
niffe auf die Teichtefte —2 zu befeitigen. Aut dieſe 
Weife kam (dom am 4787 eine Tondention a 
Stande, — gegen ein Dbter von 672,000 Thaler 


% 


&r. Franz, Großderg. v: Medlend.⸗Schetin. 155 


ia Bold eine der fchmerzlichftien Wunden des Landes 
beifte. Zugleid wurden mebrere Orenzirrungen beia 


. See die uralte Erbverbräderung mit dem preußifchen 


auſe erneuert und beftätige und im uni deſſelben 

ors erfolgte die Zurüdgabe der Aemter nebft ihrer 
völligen Räumung von den preuß. Truppen. Als eine 
mittelbare Folge dieſes glädlichen Ereigniffes war es zu 
. betrachten, daß Friedrich Kranz fich 1783 entfhloß, mit 
den Generalftaaten der vereinigten Niederlande oder im 
Grunde mit dem Erbfartbalter, Schwager des Königs 
son Preußen, einen Subfdientraftat abzuſchließen. 
überließ anfangs auf drei Jahr, Die fpdter auf eben fo 
viele. verlängert wurden, dem niederlaͤndiſchen Dientte 
ein Infonterieregiment gegen eine jährliche Subfidie von 
80,000 Thalern boländ, Courant. Als die Sranzofen 
unter Pichegru im Jabr 1794 in die Niederlande eine 
Drangen, bildete dad Regiment, vom Generaintajor 
von Glaͤer befebligt, einen Theil der Befagung von 
Maſtricht, wurde, al® die Feſtung Fapitulirte (3. Nov.), 
in die ehrenvolle Kapitulation eingelhloflen und kehrte 
im San. 1796 nah Medienburg zuräd. Die Ueberſchuͤſſe 
und Erfparnifle, melde dieſer potisif® unabmeidlich ges 
machte Subfidientraktat abwarf, wurden außer andern 
wobltbätigen Verwendungen zum Beften des Landes dazu 

braugt, um. bie urfprüngliden Domänen des fuͤrſtl. 
Ganfet mir einbeimifden. neuen Erwerbungen zu vers 
mehren, In dad Tadr feines Abſchluſſes fiel eine anders 
Begebendeit von bobem Intereſſe für alle innern Ben 
bältnife Mecklenburgs. der Erbvergleih mit Roſiock. 
Diefe, erfie ‚und wichtigſte Stadt des Landes mar ſeit 
Den älteften ‚Zeiten von ihren Zandesberren mit einer 
Fuͤlle von Pripilegien und Sreipeiten begnadigt morden: 
welche bei befimmterer Entwidlung der Landesbodei 
vom Ende des funfzehnten Tahrhundertd an mit den 
nothwendigſten Bedingungen derſelben nur zu oft in 
- Widerfireit gerietben. Wiederhofte Derträge batten die 


Daraus erwachſenden Irrungen und Mißverfiändnifle wohl - 


auf eine kurze Friſt aus dem Geſichtskreiſe gerädt, aber 
wie grändlich gehoben. innere Zwiftigkeiten ber Stadt, 
Bad Einſchreiten der Landesherrſchaft berbeifübrend, war 
ren. dann von. beiden Theilen auf eine Weiſe benugs 
worden, bie ſelbſt nach f&einbarer Beilegung, in biefer | 
felbt im Voraus den Samen: neuer Streitigkeiten bes 

wahren ließ. So erzeugte ſich auf die Länge ein gegen 

feitiged Mißtrauen, dad fih nur zu ofs nicht blös für 
" . 


156 Br. Bean; Gtoßhetz. d. Mectenb. Schwerim. 


dieſe fpeciellen Verbäftniffe, fondern für DaB ganze Land 


ald. verderblid oder mindeſtens als Körend erwiefen hatte. 
Auch unter der Regierung ded Herzogs Sriedrich waren 
aus mehreren Deranlaffungen ſolche Irrungen entfianden. 


um Theil Die Afademie betreffend, deren Patronat ſeit | 
drer Stiftung 1419 die Stadt mit_den Herz pen theilte, 


batte Herzog Sriedrich Diefe nach Bügom ver eg! (1760) 
und da die Stadt gleichwohl auch fortfuhr, ihre Pros 
fefluren zu beſetzen, — es ſeitdem, wenn gleich nicht 
—— faktiſch, zwei Univerſitaͤten im Lande, 

indurd ge enen kommiffarifchen Unterfuchungen und 
erleben. Hk ed war Fa Y erften 


Regentenhandlungen feined Nachfolger geweien, den - 


"abgebrochenen Faden derfelben. wieder aufzunehmen. Von 
‚beiden Seiten wurde jetzt nachgelaſſen, un rei am 
meiſten und willigſten von Seiten des edlen Fuͤrſt 

Den nah dem Uugenblide verlangte, wo eine aufridtige 


Verſoͤhnung die feßten Spuren innerer langlaftender _ 


Zwietracht verwifhen folte. Dad J. 1788 bradte ihn 
durch Den Abſchluß des grundgefeglihen neuen Erb⸗ 
vergleichs herbei. Die Seele dieſes Vertrags war die 
von Seiten der Stadt zum erfien Mal aͤberall und rein 
erfolgende Anerkennung der Zandeöhoheit in allen ihren 
Yusflüffen. Wo diefe nit im Wege ftanden, wurden 
Die Altern Verträge, Privilegien und Sreiheiten nicht 
allein beſtaͤtigt, fondern felbft durch mehrere befondere 
Gnadenerweiſungen noch vermehrt, unter meiden bie 
verfprochene Zurücdverlegung der Univerfifät einen. vor⸗ 
sägliben Sa einnahm. Nachdem die Stadt dierdurch 
von den aufrichtigen landesvaͤterlichen Geſinnungen gegen 
fr aufs Donnändige übergeugt fein konnte, bei oß 

r. Sranz dad fegensreiche Werk in ihren eignen Mauern 
zu vollenden. Don feiner Gemahlin begleitet, hielt er 
am 8. Mai 1788 feinen feierliben Einzug in ihre Mauern 
und am 12. erfolgte die eben fo feierliche Vollziehung und 
Auswechslung des Erbvergleihd. Erſt am 33. Mai bes 
endigte die berzogliche Äbreiſe eine Reihe_von Feſten 
und Tenbenbeheugungen über eine fo außerordentlide und 
langerfehnte Begebenheit und ed bat wahrlich nicht in 
Den wohlwollenden, gerechten und gütigen Abfichten des 

erzogs gelegen, fondern in dem fpätern gewaltigen 

mſchwung aller bertebenden Derbäftniffe, wie in der 
ſchon damals vorausgefebenen Natur der meilten Ver⸗ 
träge, wenn in der solge zumeilen neue Schatten äber 


en, ' 


1 


edrich fiach, ohne den Ausgang der viele Jahre 


Fi. Era, Großherz. v. Mecklenb.⸗Schwerin. 157 


rank⸗ 
egen⸗ 
neten 


und 
didaun⸗ Dafür zu erwirken. Allein Die Aufl n des 


diefe Ange 
beit abermals weiter binaud. Die troß einer nelen 





188 Ir. Stanz, Großherz. d. Mecklend. Schwerin. 


aus England erregten Anfangs Befürchtungen unter den 
niedern Volksklaſſen und führten endlich in den Städten 
Roſtock (29. October 1800), Güfrem und Schwerin zu 
Bewegungen, die in den beiden erſtern in Gewelt⸗ 


thätigfetten ausarteten und namentlich in Süftrom nur 


durch Wlutvergießen gedämpft werden konnten. Die 
zwedmäßigen Maasregeln des Herzogs fiellten jedoch 
{one die gefeglihe Ordnung Her; bie Aufräbrer wurden 

eftraft und zum Beſten der wirklich Hältsbebärftigen 
in den Landſtaͤdten LAN «1 aan elegt, aus 
welchen das Korn theits unentgelblih, theils zu vedeu— 
tend berabgefegten Preifen verkauft, ward. Aehmiche 
Mandregein der landesvaͤterlichen Sürforge fanden auch 
in den fpätern tbeuern Sahren bid 1805 flatt. Dad erfie 
gab des neuen Tadrbundertd bracdte freilich unäcR 

urch die gaͤnzliche Abtretung des linken Rheinuterd an 
Frankreich im Luneviller-Srieden (9. Sehr. 1801), für 
Medienburg den Verluſt aller Anfprühe auf die Straß 
burgifchen Kanonikate mit id. Allein der Reichöfriedend, 
exefuriondhauptreceß (23. Rov. 180%), wie Der Reihe 
deputationdreceß (25. Sehr. 1808) entſchaͤdigten dafür auf 
eine binreichende Weile. Der Herzog trat die Halbinfel 

rimalt an Luͤbeck ab und erbielt bageoen die Luͤbeckiſchen 

ofpitaldörfer in den Aemtern dow und Grevis— 


mäblen, wie auf der Inſel Poel, nebſt einer inmere " 


mährenden Rente aus der Rheinfhifffartddoktroi von 
40,000 fi. Außerdem wurden ihm noch die ſaͤmmtlichen 
Gäter der im Lande befegenen mittelbaren Klöfter, Augd- 


burgifder Konfeffion, zu freier Verf uberlaſſen. 
—A als dieſe Entſchaͤdigung De Mende Faden | 


Orenzausgleihungen mit den Nachbarflanten . war die 
dald darauf erfolgende unterpfändlide Erwerbung der 
Stadt und Herrſchaft Wismar, die feit: dem Osnabrücker 
Srieden (1648) im eigenthümlichen Befige der. Krone 


Schweden gewefen und gehörte, obgleih in feinem. 


gene nur noch ein chatten feiner banfeatifchen 
(üthe fortlebte, unfreitig zu den edeiften, "verloren 
egangenen Steinen’ aud Mecklenburgs Fuͤrſtenkrone. 
&n eben diefem Fahre ($. Mai 1809) geicbaben-von Sei⸗ 
ten des Kaiſers von Rußland und der damaligen fran« 
zoͤſiſchen Regierung Anträge bei der Reichöverfammlung 
zu Regensburg, die Uebetragung der Kurmärde und ver 
Damit verbundenen Vorzüge auf das Haus Peglenongg 
Sdwerin betreffend. Allein erſt einer ſpaͤteren glüd» 
licheren Zeit war ed aufbehalten, demſelben unter einer 





Br. Franz, Großherz. d. Medind.: Schwerin. 459 


andern Benennung feine angeRammten Rechte auf einen. 
töniglihen Rang wirklich purädiugeben. Mäder rückten 
indefien auch für Medlendurg Deränderungen, melde 
einen allgemeinen Umſturz drohten. Der Kampf zwi⸗ 
ſchen Sranfreih und der Dritten Eoalition, 1805, führte 
durch das abermalige Erliegen Oeſtreichs den Abſchluß 
bed Rheinbundes herbei (12. Tuli 1806) und diefer Die 
völlige Auföfung der deutſchen Neichöverfaffung. Am 
6..Auguft legte der Kaiſer Franz *) die uralte Krone nie» 
ber und der Herzog fand ib, Durch Die Damit verfnäpfte 
Entbindung von allen bisherigen Reichöpflichten in die 
Reine der fouveränen Särften surüdgenelt, Er datte 
freilid an dem legten Kriege Leinen Untbeil genommen, 
‚allein 15,000 Ruſſen, die unter Tolfoi in Pommern gE 
Sander waren und ſchwediſche Truppen, von ihrem K0s 
nige Guſtav Adolph IV. angeführt, waren im Derbi 1805 
durch Medlenburg ind Hanoveriſche gezogen und die 
legtern rückten noch einmal im Auguſt 1806 gegen DaB 
Lauenburgifibe vor. Jbre Derpflegung wurde ſowodl 
von ruffticher als ſchwediſcher Seite bezahlt, fie zu ver, 
mweigern Rand nicht in der Macht des 3338 aleiche 
wohl mußten dieſe Vorgänge demnaͤchſt als Vorwand Dies 
nen, um Medienburg in die Kataſtrophe des Jabre 1800 
u verwickeln. Seit dem Antritt feiner Renierung war 
riedrich A unablaͤſſig auf die Verso 


and eined großen Theils feiner Untertbanen 
5 ne berührte, nämlich der bäuerlichen 


liche Unterrichtöan alten für Hebammen zu Roftod_und 
Schwerin; durch Yufmunterung der Beamten zur Anle⸗ 


e. Auch batte.der Herzog die Genugthuung, daß 
bald die hen rl : i : 


9 Deſſen Biograpbie ſ. N. Nekr. FR Sahrg. ©. 227. a 


+ 


*⁊ 


160 Br. Franz, Großherz. d. Mecklenb.⸗ Schwerin. 


befiger unaufgefordert diefe Einrichtung auf ihren Be , 
figungen einführten, wodurch eine fpätere gänzlide Um⸗ 
gefaltung aller baͤuerlichen Verhaͤuniſſe vorbereiter warb.. 
Die inländifhe Induſtrie, beionderd in Verarbeitu 

der Wolle, eined der wictigften einheimifhen Kandeds - 
produfte, zu deren Veredlung der Derzog ſchon 1792 

alle Domanialpächter aufgemuntert batte, erbielt nicht 
allein Steuer» und ZoUbefreiungen, fondern felbft bes 
deutende baare Unterfiügungen aus einem Dafür au 
audgebende rohe Wolle gelegten Impoſte. Webnliche 
wurde eiger Menge von andern Sabrifunternebmungen 
bewilligt, der Beförderung der Bienenzuct, der Eintüh- 
rung der Hundtſchen feuerfeken und mobifeilen Baumes 


methode u. f. w. Bedeutende Berbeflerungen erbiels - 


die Rechtsverfaſſung; ſeit 1785 waren alle Gerichte an» 
ewieſen, uͤber die Anzahl und den Stand aller Inqui⸗ 
tionen monatlid einzuberichten; eine Verordnung von 
3802 ſchaͤrfte Menſchlichkeit und Mäßigung bei den Zuͤch⸗ 
tigungen von DVerbredyern ein. Dad Duellmandat und 
die Notariastsordnung von 1786; die Konftitutien gegen 
die Ungebäührlichfeiten unter Sachmaltern und Schrift 
feiern 1792, ein neued Kriegsrecht und die vorgeſchrie⸗ 
ene ftrenge Prüfung ſaͤmmtlicher Juſtizbeamten vor einem 
der böhern Landeögerichte, 1796; endlich eine Deklarators 
verordnung über die ebneverbältniffe,, bei dem flarfen 
Süterbandel nothwendig geworden, waren grändliche Abe 
pälfen von eben fo vielen, zum Theil verjährten Miß« 
raͤuchen und Uebelſtaͤnden. Daneben beftdtigte und be. 
förderte der Herzog eine Menge gemeinnügiger und 
wohlthätiger Anftalten & B. fon 1785 eine Rädtife 
Brandve erungdgefellf aft, die Urmenordnungen zu 
Schwerin, Grabow und Rokod; eine Stiftung zur Ere 
siehung unbemittelter Töchter landesherrlicher Bedienten, 
aus dem Teftamente der verftorbenen Herzogin Louiſe 
Sriederife, Bemablin feined Odeims, 1793, einen Aktien, 


plan zur Schiffbarmadung der Elde und Geufung des 


großen Märinfeed in _Demfelben Jahre, welcher die Vers. 
indung durch die Elbe. mit der Oſtſee beamerkte; ein 
böhft wichtiges, noch jent beachtenswerthes Unterneb⸗ 
men, deſſen Ausführung leider durch die Zeitumſtaͤnde 
hingusgeſchoben if. Kür die Witwen Der derzogl. Die 
nerſchaft forgt feit 1797 eine eigne trefflich berechnete 
MWitwenfaffe, deren etwaiged Deficit der Herzog unbe 
ſchadet eines jährlichen beträdhtliden Zuſchuſſes große 
mätbig übertragen wollte. Die Anlegung des Seebades 
gu Doberan, feit 1793, des erften in Deutfchland, ver: 


ern auch für den Woplftand und die Bildung Mecklen⸗ 
durgs von den entſchiedenſten Solgen acmefen if. ine 


ranz 

l (bft die iſchen &laubendgenofien t aus. 
— ei her en beit ft. fo 
dat fie in ihrer ſchoͤnen vom Herzog erbauten und do⸗ 


tung ded Herzogs in der friebgrftoneten eit Me 
rien zei den Frankreich und 
Preußen mar erklärt, Die verbängnißvolen Schlachten 


Monarchie für. lieben trauervolle Jahre entfdieden; ab 
no ee die Größe —8 Undeils Fe 
fe 


und Sürftinnen, unter jenen der Deriog Bon —— 7 
eider kurze Fre 


©) Deſſen Biograpdie ſ. N. Nekr. 6. Zadrg. &. 465. 
. Rektolog 18. Jahro. 11 


162 Fr. Franz, Großherz. v. Medienb.: Schwerin. 


ter v. Sinn und dem Herzog von Braunfhmweig - 
Deis von verfhiedenen Seiten be über die ae je" 


om nad (1. November); ein Gefeht bei dem Dorfe 
us Dir Preußen muß: die —R 


ia die vom Seinde (dom befepte Elbe zu jerinnen, 


‚age bei Rathfau gefangen gemaht wurde. Schon 
Kap wenig Tagen men die drei franzöfiihen FH 
pesabtteilum en mit den ‚Rriegögefangenen aus der: Züs 


platte Zand auf dem Hins und Pe von Sreunden 
jenteren ein fürs 


und Konten, in ber kurzen Zeit vom Oftober 1806 bib 
gum Sebruar 1807 auf die ungeheure Gumme von 
-7,217,917 Zbalern. In einzelnen, größeren und Kleines 
ren Wbrbeilungen drangen die Pländerer felbk in die 
Eleinfte und entlegenke Hätte und gäglich wer dur 
‚miliges Hingeben aller Habe ih und die Beinen. vor 
Mißdendlung und Mord zu fhügen verkand, Erf feit 
‚dem 11. November fette ein Zagsbefebl ded Marias 
Spult aUmälig Diefen Zufand ab, r nn 
aid eine nöthige Erholung, afd &nre 

daten Ju neuen Siegen betrachtet datı 

Sriebri Sranzens empfand bei Diefen 

tertbanen, aber augle & au mie fü 

Sürften Vaterliebe für feine Kinder n 

dem Opfer fließen, weldes (don 

der Erbprinz driedrich Ludwig dur fe 

fin bri mußte, dem fein Vater mi _ __....... 
um die Neutralität Mediendurgs anerkannt wu erhalten. 
ulein auch diele Dpier waren vergebens; am 28, No 





' 


Br. Franz, Großherz. v. Mediend.: Schwerim. 168 


vember erfolgte Durch den Diviſtonsgeneral Michaud die 
förmlide Be Beraretfung und der Gefandte Bourienne 
r 


eine natärliche Soige der Neutrafitäteverlegung von 1805; 


©tralfund feitdem Gtreifpartieen bis nad Roſtock und 
bis dDiht vor Schwerin auszufenden anfing und franzde 
ſiſche Poſten, Lazarethe und Transporte wegnabm. Je— 
doch machte der am 18. April vom Marſchall Brune 
abgeſchloſſene Waffenſtillſtand dieſen Streifereien und 
den durch fie geweckten Befuͤrchtungen bald ein Eude. 
Inzwiſchen erfolgte der Waffenſtiuſtand von TUR: und 


Pr - 


: 164 Sr. Franz, Großherz. v. Mecklenb.⸗ Schwerin, 


bei der perfönliden Zuſammenkunft der beiden Staifer 
auf dem Niemen (27. Quniud) wurde die Wiederberfel 
füng des Herzogd als Präliminarbedingung des wirklis 
chen Friedens verabredet. Ein ruſſiſcher Kourier über 
brachte bereitd am 5. Julius ein Schreiben ſeines Mos 
narchen mit diefer froben Kunde nad Altona. Die 
franzöflfche eng wurde aufgelöh_und am. 11. Ju⸗ 
ilus bielt der Herzog feinen feierliden Einzug in Schwer» 
rin._ Die Durchzüge dauerten freilich noch fort; ganz 
Mecklenburg wurde ſelbſt noch einmal auf eine kürze 
Zeit befeßt; den San ei druͤckte fortwährend die Sperre 
egen England und Schweden, die immer mehr finken- 
den Preife der Produfte bei den fleigenden Laſten ver- 
derbten große und Kleine Orundeigentpämer und bereis 
tere einen völligen Umfelag euer, eider auf die Spitze 
etriedenen Vermoͤgensverh dunle vor, welder die Ein . , 
Fhprung eines mehrmals modificirten Indultes noͤthig 


ofern trat eine Erleichterung ein, daß die franzoͤſiſchen 
& ; he 


{ indefend 80 
au binnen mindeften * gedren nad Ordnun ener 


auf beinaliden Bereinbarungen mit den Ständen volle 
g aus der Erbpring mit binugee 
ügtem Derfprechen, daB bis zu gänzlihem Abtrag aller 


[ Ainftigen Erfolge di tet. des 
BYRÄ EHI A —— 
Dftober 1818 


- reren Zeiten, welche vom März 1813 bis 


to 
eine Sifirung der Kapitalzablungen unabwendbar mache 
0) Deffen Biograpbie ſ. MR. Nerr. u. Jadeg. S. 096 + 


v 


no 


Fr. Frauz, Großherz. v. Medlenb.⸗Sqhwerin. 166 
ten, die Mecklenburgiſchen Staatöpapiere ſich faſt immer, 


den Befagungen zum neuen Kampf gen Defterreich 


Pommern urü und übernahm aufs Reue die Bewas 
chun der 


Aemter mit Reiterei belegt. Unter ſolchen täglich. uner⸗ 
traͤglicher und uͤbermuͤthiger vorſchreitenden Bedruüͤckun⸗ 
gen fonnte der neue Gewaltſtreich, die naͤchſten Nachbar:  . 
änder und Städte Medienburgd dem fogenennten gro⸗ 


ren. In Diefen trüben Tagen mochte nur Bertrauen 
auf den Himmel den edlen Fürſten und feine feidenden 
Unterthanen aufrecht erhalten. Die dcr. religidfe Zeit 
anſicht des Erftern ſprach ſich im Jabr 4814 wiederholt 
in Verordnungen äber die Heilighaltung der Sonn. und 
‚ Sefttage aus: in Aufforderungen an alle Staatsdiener 

Dur fleißigen Kirchenbeſuch und den Genuß ded Nachts 
mald nicht nur das Öffentliche Bekenntniß eigner Relis 
joſitaͤt abzulegen, fondern auch durch ihr Beifpiel die 

rigen Landedeinwohner zu aͤhnlichen Gefinnungen zu 
ermuntern; endlid durch Eirculare an die Guperinten» 
denten, ihre Prediger vor Entfernung von den pofitiden 
Lehren des geoffendarten Chriſtenthums zu warnen und 
fie aufzufordern, durch einen erbaulichen, mufterbaften: 





166 "Er. Franz, Großherz. v. Medienb. : Schrorrin, 


Wandel ihren Gemeindegliedern zur Nachfolge vorzu⸗ 
feuchten und id eine praftify » religiöfe Amisführung 
engelegen fein zu laſſen. er Sina, welder auf Dies " 
fen und andern unmittelbaren Erläffen des Herzogs 
ſprach, wurde in feiner Dofmung auf Hülfe von oben 
wohl noch eine kurze Weile geprätt, aber nicht getaͤuſcht. 
Mocte ein franzoͤſiſches Lager der Divifion Friant vor 
Roſtock (6. September bid 15. December 1811) die La⸗ 
ften des Landes noch drücender machen, eine neue Doua⸗ 
enfette längs Der ſchwediſch⸗ pommerſchen und- preußie 
Sen Grenze von Ribnig did Dömis (23. Dftober) dem 
Handel die legten Saugadern abſchneiden; mochten Die 
nod immer fintenden Preife_die Güterfiger, ſelbſt Die 
wobldabendften der Verzweiflung nabe bringen, welche 
. alle mweife und milde Rettungsverſuche der Regierun 
abzumenden nit im Stande waren, nahmen endli 
die Rärffien fremden Durchmaͤrſche feit dem März 1813 
das leute Mark des Landed dadin und mußte das haͤr⸗ 
‚tete aller Opfer, der Auszug des berzogliden Kontin⸗ 
gentd zum Heere, welches Rußland bedrohte, noch erft 
ebracht werden (12. März) — die Morgenrötbe der Be⸗ 
Teiung 309 unermwarter nade berauf.: Das große Trauer⸗ 
fpiel des ruſſiſchen Seldzugd war beendigt; dad Med 
lenburgiſche Kontingent, dad bei medreren Öelegenbeir 
ten mit großer Aydzeichnung gefochten batte, ſchlief bie 
auf wenige Gerettete in dem Falten Norden, der zu 
einem großen- Grabe geworden fhien. Seit dem Tas - 
nuar 1813 zeigten fib auch in Medienburg einzelne hald⸗ 
erftarrte Schatten ald Zeugen des nehaltenen göttliben - 





Gerichts; im Sebruar die erften Koſacken als Vorboten - 


einer neuen Zeit. Die legten franzöfifhen und ſaͤchſi⸗ 
. fden Truppen, gefolgt von den zitternden, einft. fo ffes 
ben’ Douanierd, brachen aus Roſtock auf und om 10. 
März wurden die Reſte des deimgekehrten Kontingent 
der herzoglichen Verfügung urückgegeben. Auch Ham⸗ 
burg wurde geraͤumt, die ruſſiſche Vorhut unter Tetten⸗ 
born drang von Berlin. aus durch Medienburg an die 
Elbe und nur mähfam entfam Morand mit. den Garni» 
‚fonen aus Pommern durch dad Land eilend über dieſen 
Strom. Da zauderte Friedrich Sranz nicht länger, wie. 
untntfbieden auch die Zukunftsloofe noch fliegen mode 
ten, wie furcdtbar dad noch immer mögliche Mißlingen 
gerät fein mwärde. Er fandte den Minifter Freiberrn 
von Pleffen am 46. März nad Berlin, von da in daß 
ruſſiſche Hauptquartier zu Kaliſch ab, die Feſſeln des 


gr. Franz, Großherz v. Medlenb.⸗ Schwerin. 167 
Sontinentalfptemd wurden zerfprengt. und fchon am 


25. März erfolgte die feierlibe Losſagung vom Rhein 


bunde. Die anerfennende Geſchichte wird nie vergeflen, 
daß Friedrich Franz der legte deutſche Zürft war, der 


ch dem verbaßten Joche beugte, der erfle, der, als noch 


led auf dem Spiele ftand, ibm ſtolz und muthig ent 
fagte. An jenem denfwärdigen Tage rief er feine_Uns 
tertbanen in Eräftigen, vertrauenden Worten zu den Wale 
fen, theils zu der Linie, tbeild um gel freiwillige Jaͤ⸗ 
pgtregimenter zu Pferd und: zu Fuß zu bilden. Vor⸗ 
dufig zog bereitd am 27. März die Grenadiergarde uns 


ter dem damaligen Major, nachberigen Generalmajor . 


-von Bord aus Ludwigsluſt nah Hamburg, wo diefe aus⸗ 
.erlefene Truppe ſich namentlid am 41. und 18. Mai 
auf der Inſel Wildelmöburg in den glänzendfien Ge⸗ 
fechten der Ehre würdig zeigte, die Leibhüt ihres Für⸗ 
ken zu bilden. Dem Bertrauen deffelben entfprad aber 
auch ein treued, begeifterted Volk; Tünglinge aus allen 
Ständen eilten, —9 unter die freien Fahnen zu ſtellen, 
am 1. Mai fhmwuren die beiden vollzaͤbligen Jaͤgerregi⸗ 
menter zu ihnen, am 8. Eonnte dad Infanterieregimens 
zum Heere ded Srafen v.Walmoden an der Elbe abgehen. 
Die Prinzen des berzogl. Hauſes leuchteten vor; ſchon 
diente Prinz Karl old fruſſiſcher Generallieutenant in den 


verbändeten Heeren, Prinz Adolph eine ald DVolontär .. 
e 


zu Walmoden, Prinz Guſtav, aus opel derbeigeeitt, 
trat bei den Jaͤgern zu Pferd ein. Auch an vater 
laͤndiſchen andern Opfern feblte ed nicht, das eigne 
berzögl. Silbergeräspe ward in die Münze gefhidt und 
u Quldenftäden ausgeprägt, mit der Infhrift: Dem 

aterlande. Leider entfpraden die anfänglichen: Nefuls 


tate des Feldzugs auch an der Niederelbe nicht den erſten 


offnungen. Aus der Umgegend des wieder gerdumten 

amburgs mußten die medlenburg. Truppen fi mit 
ibren Verbündeten auf den vaoterländifhen Boden zus 
rüdzieben (29. Mai) und der Baffenkiltend vom 5. Juni. 
bis 16. Auguft brachte eine den Tapfern unwillkommene 
und doch In ihren goigen fo beilbringende Ruhe au 
bier bervor, Während derfelben wurde der ſchon früher 
angekündigte Landſturm völlig organifirt, die mecklenburg. 
Truppen fließen zu den Schweden unter Vegeſack und 
der Kronprinz von Schweden übernahm den Dberbefebl der- 
verbündeten Heere zur Dertbeidigung des deutſchen 
Nordens. Den däußerfien rechten Fluͤgel dieſer Nord⸗ 

armee befehligte unter ihm Walmoden, da aber der 


x 
⁊ 


⸗ 


Rn 


% 


168 Fr. Franz, Großherz. v. Medienb.: Schwerin.” 


Beeabauen deffelben nad Auffündigung des Waffen⸗ 
URandes kaum aus 20,000 Mann beitand, während ber 
gegenäberftehende Davouf mit den Dänen faft 50,000 
Böhlte, fo mußte fid Walmoden feit dem 17. Auguf 
zurückziehen, freilich unter befdndigen Gefechten und 
Schriit für Schritt dem Feinde Areitig machend. So 

onnte Davouſt am 19. N Boisnburg, am 22. zu Witten, 

arg und am 28. Auguſt zu Schwerin einzieben, wo er 
ge in Furgfichtigem Uebermuthe, wie ein andrer Wald» 

ein, fofort als gebietenden Herrn verfändigte und an 
‚den dortigen See gelebnt eine fefte Stellung see. Zu 

einer Beobachtung blieb, da auch Girard aus Magde⸗ 
burg borgebroden und Walmoden diefem mit dem größs 
ten Theile feiner Truppen entgegengezogen war, nur 
Tettenborn mit etwa 5000 Mann zuräd. Da ibm aber die 


‚ Kofaden von aller Verbindung abf&hnitten und Mecklen⸗ 


burg feinen Verrätber kannte, fo verharrte er, obne die 
wahre Lage der Dinge u ahnden, rubig in feiner Stel 
fung und begnä te de en Seneral Zoifon nad Wismar 
u Pnden. iefed wurde freilich nach wiederholten Ges 
echten mit Vegeſack am 24. Aug. befept, allein die von 


‚MRofto vorrödenden Schweden und Medlenburger biele 


‚ten durch ein glänzendes Gefecht bei Retſchow, unweit 
Kröpdin, Die Sranzofen und Dänen vom Eindringen in 
legtere Stadt gluͤcklich zuruck (28. Aug.) Auch Walmos 
den war indeſſen ygurädgefehrt und bereitete fi vor, 
angriffeweife au Werke zu geben, unterftäügt von der am 
29. Aug., unter perfönlihem Dberbefebl des Erbprinzen, 
um aftiven Dienft aufgerufenen erften Klafle des Lande 

urmd, ald plöglid Davouſt auf die Kunde vom Schei⸗ 
stern aller andern Unternebmungen gegen Berlin _und von 
den Unfällen feined Kaiferd in Sclelien von Schwerin 
aufbrad) (2. Sept.) und Über Gadebuſch an die Gtednig 

urädeilte. Der Dersog und die berzogl. Samilie, die 
—* waͤhrend dieſer Vorgaͤnge mit der Landesregierung 
zuerſt nach Roſtock, dann nach Stralſund begeben hatten 
(77. Aug), kehrten am 8. Septibr. nach erſterer Stadt, 


im December nach Schwerin zuräd. Der ermanenie 


Stamm bed Landſturms erfier Klaſſe, 4000 Mann Rark, 
in eine Landwehr von ſechs Bataillonen umgebildet, 
Diente unter dem Erbprinzen im Felde fort und ver 
folgte, af6 die Sranzofen (12. Nov.) aus die Stellung 
an der Stecknit verlirßen, fie mit den 

über die Grenzen Mecklenbürgs binaud. Auch an dem 
jegt folgenden Feldzug in Holfein und Schleöwig gegen 


brigen Truppen 





Br. Franz, Großherz. v. Meclenb.⸗Schwerin. 160 


zo 
durg de Brigade, den Eröpringen an ihrer Sole, mit 
ie 


Staatsklugheit des Herzogs keineöwegs die ndthige Er: 
Vtikpen Beziehungen. Er Tandte 


nun beendigten ent ſprach der deren durch Aus⸗ 
r 

medallle aus. An einem beilblauen: Bande mis einer 

geiben_ und rothen Einfaffung, im Knopfloche getragen; 

zeigt fie auf der Vorderſeite ein aufgerichtete anntes 


Jede zght 1813; auf der Ruͤckſeite die Inſchrift: Mecklen⸗ 
urgd Streitern, mit dem bergool: Namendzuge FF; die 
‚die Abrigen Krieger in 


‘ 


. MWlrde (27. Mai) der böbdere, 


- 


170 zr. Franz, Großherz. v. Midtenb.: Schwerin. 


und. die ed endlich durch ihre entfchloffene Vereinig 

Dabin brachten, daß die Übrigen Staaten, früdere in 
ſprüche aufgebend, mit ihnen als einer Macht zus unters 
bandeln fi bequemen mußten. WUein deſſenungeachtet 
and der Kongreß auf dem Punfte, ſich ohne ein gäns 
iges Refultat aufzulöfen, als die Nachriht von der 
Landung Napoleons (22. märı 1815) zur Befinnung und 
ſchnellen Erledigung der wichtigen Differenzen den Ans 
trieb gab. Der Herzog trat alsbald dem von den vier 
großen Mächten erneuerten Bändniffe von Chaumont bei 
. (Wien, 27. April) und dem Haufe Medlenburg wurde 
von diefen durch die Zuerkennung der großer fiden . 
£önigl. Rang verlieben, 
‚der dem uralten Regentenbaufe unter Deutfchlands $ürs 
fen gebährte. Die Annahme diefer Würde erfolgte von 
Seiten ded nunmehrigen Großberioge am 17. Juni, fo 
wie am 30, die großberzogl. Ratififation der deutſchen 
Bundesafte. Inzwiſchen batte auch er feine neuen Rüs 
 Rungen vollendet und abermald zogen, vom Erbgroßs 
berzoge geführt, ſechs medlenburgifhe Bataillone dem . 
Meine zu nach Frankreich, wo fie fih dem preußiſchen 
Armeekorps des General von Kleiſt y) und zwar der 
Diviſion „peilen, Qomburg anſchloſſen (8. Juli), Sie 
kehrten erſt im December ind Vaterland zuruck, mit ibe 

nen die früher meggeführten und jegt reElamirten Ge⸗ 
mälde und andere Kunſtſchaͤtze aus Schwerin und Lud⸗ 
wigsluſt. Noch in demfelben Jahre traf Sr. Sranz eine 
Dereinbarung mit dem Großherzoge von Strelig über 
die DVerbältniffe ihrer Fünftigen, gemeinfamen Theile 
nahme am deutſchen Bundestage. Auch mit den übrigen, 
wahren Intereſſen feines Volks fi anbaltend befchäftis 
- sigen zu Eönnen, batte Sr. Franz durch den dauernden 
Sriedenöftand jegt die von, feinem Herzen Sangerfebnte 
Möglichkeit erlangt. Die längft von ibm angeregte und 
vorbereitete Aufbebung der‘ feibeigenfhaft und Guts⸗ 
untertbänigkeit (18. Januar 1820) wird ihre Wirkungen 
auf fpäte Jahrhunderte erfireden und den Namen ihred 
Urdebers in ibnen unvergeßlid theuer erbalten. Iſt 
glei der endliche Zweck Derfelben, die Bildung eines 
nicht blos nadt-freien,. fondern auch mit Brundeigen 
abum angefeffenen Bauernflanded in den Gütern der 
itterſchaft zur Stunde immer noch nicht erreicht, fe 
bat doc der. Großherzog durch die Derpachtungen in 


) Deſſen Bioge, f. im R. Sek. 1. Zadrg. S. 155. 


feit 4818 finder bei dem gro 


* 


Fr. Franz, Großherz. v. Mecklenb.-Schwerin. 171 


feinen Domänen den Weg vorgezeihnet, auf melden 

rider oder. fpäter feine menſchenfreundlichen und ſtaats⸗ 

weifen Abſichten ibre Dermirfli@ung finden muͤſſen. Die 

Rechtspflege Mecklenburgs erbielt in 

ibn eine zeitgemäße, völige Umgeftaltung. Schon 1812 

mar ein einened Kriminalfollegium zu Buͤtzow gegründet, 
Eben). Regierungsfollegiuns 

feine Gerichtsverwaltung weiter flatt; dag 

das Lahid in drei große Jürisdiktionsbezirke für die Juſtiz⸗ 


. Banzleien zu Schwerin, Roſtock und Güſtrow getbeilt, 


N 


‚Krauerfällen lag die Veranla 


. von denen Die leßtere, nach Aufhebung des -Dortigen 


vormaligen Dof» und Landgerichts, neu errichter ward; 
die feierliche Eröffnung des beiden großberzogl. Häufern 
gemeinfchaftlihen Dberappellationdgerichtd zu Parchim 
erfolgte am 4. Dftober 1818 und 1821 vollendete eine 
verbeilerte Einribiung fdämmtlider Patrimonialgerichte 
den Kreis diefer Wiedergeburt. Bon ‚andern gemeine 
nügigen Einridtungen erwähnen wir nur der Bildung 
einer berittenen Gensd’armerie 18123; der Gründung ei 
ner Domanialbrandfafle 1815; ded Steuer: und Polizei⸗ 
follegiums zu Guͤſtrow 1816; des Ländarbeitöhaufed Das 
ſelbſt 1817; der Behdtigung des patriotifden Vereins 
nach dem erweiterten Zwede der vormaligen Landmirtds 
Kohlen an, auf Veredlung der Produfte und auf 

stlihe Bildung der Urbeiter des Landbaued gerichtet 
4817, der Unordnung eines jährliden Wollmarkts in 


Guͤſtrow, eine Einribtung, die Ab bald fo wichtig 


und folgenreih erwies, daß fpäter auch Boizenburg 
und Grabow zwei Buttermärfte erbielten; ferner: Die 
landesherrliche Beſtaͤtigung des ritterfchaftlihen Credit⸗ 


dieſer Zeit durch 


egen wurde 


vereind 1818; die Verordnung wegen Anlegung von 


Hopotbekenbuchern für jedes Hauptgüt des Landes 1819; 
die Eonfirmirten Sparkaſſen zu Schwerin und Roſto 
und endli eine durchgreifende Derbefferung ded Lands 
f&dufmwefend in den Domänen 183. Schmerzlich gee 
troften wurde dad Daterberz des Großberzogs durch den 
Verluſt zweier Söhne binnen Furzer Friſt. Der Erbs 
großbergog Sriedrihd Ludwig, Vater der Herzogin von 
rleand, farb am 29. November 1849, der Derzog 
Adolph am 8. Mai 1821. Zunaͤchſt wohl in Dielen 
ung, daß der Broßbersog 
am 23. Tuni 1821 (an eben dem Tage, an welchem 
su Dreöden die eniMi fabrtdafte in feinem - Namen 
voſlzogen ward) ein doͤchſt umfichtiged Haudgefeg für alle 
Fünftigen Succeffionsfälle erließ, unter Beſtimmungen 


für die Volljährigkeit, wie für. die Abfindung und Ber 


172 Br. Branz, Großherz. v. Mediend.: Schwerin. 


© B - az 
rm beruhigt. ‚Um 24. April "1835 feierte der "Größe 
form berätigg, „Am 24. AppllTseng feisne der Cr 
en Solgen eines 
Sron; war von 
beten —X 
llen feinen Bes 
die größte Bäte 
rau gefpraden, 
zu Ludwigsluf, 
nen Doberan zu. 
>» Wiflenfoaften, 
ı einem bewun · 

' Sammlung ine , 
ıf verdankt nur - 
von ibm .meift 
Idein fein en 
liebe, diefe er 
ittenden war der 


N 1 


“ 


Sieghard. 173 
tritt zu ihm verſchloſſen und jeder feiner Unterthanen 
ern das beruhigende Gefühl in der Bruſt, es ne 
ihm fein Unrecht gefheben, dem der gütige, menſchliche 
Landeövater, auf erbobene Klage, nicht abbelfen werde, 
Darum aber war der Großberzog auch von feinem Volke 
eliedt und angebetet, mit einer Allgemeinheit und 
abrheit,. die felten gefunden werden mag und von 
welcher die ruͤhrendſten Beweiſe vorhanden find. 


* 63. M. Karl Auguft Benjamin Sieghard, 
Veſperprediger an der Univerfitätätirche zu Leipzig; 
geb. d. 14. DEE. 179, geft. d. 1. Febr. 1837. 


Er war su Sreiberg im Königreich) Sagen, wo feilt 
Vater Zeichenkedrer und Maler bei- der 
war, geboren, genoß feine Bildung auf der daſigen 
Schule und bezog Im Jabr 1821 die Univerfität Leipzig, 
um, nach Dem Wunfde feiner Eltern, Theologie zu 
udiren. Nach Beendigung feiner mit Fleiß und Sorci⸗ 
alt betriebenen Studien ward er Magier, 1828 Veſpei⸗ 
prediger zu Leipzig und etwas fpdter Prediger in derm 
Rath orte Goplid bei Leipzig und Mitglied des Prediger⸗ 
vereind an der Nikolaifirche leuterer Stadt... Da jedoch 
bierdurch weder feine Bedärfniffe: no fein Sinn flir 
Tätigkeit vollkommen befriedigt wurden, fo übernahm 
er uͤderdies noch die Lehrerſtelle an mehreren namdaftın 
Sinfituten und ließ fo Feine Gelegenheit vorüber, voo 
er..mit feinen Kräften nügen Fonnte. m Jahr 1835 
(27. Sept.) verheirathete er ſich mit der geilen Toch ter 
des Paſtor —— Benjamin Ireſo zu Studendain bei 
Torgau. Aber nicht lange ſolte er fein neubegründe tes 
bauslided GIäd genießen: er. erkrankte in Folge eimer 
Serältung und am oben genannten Tage wurde £r feiner 
Gattin, die einige Wochen nad, feinem Tode ein Mıids 
chen gebar, entriffen. — Sieghaßd war ein Mann von 
angenehmen Aeußern und batte einen ſchmaͤchtigen Ian 
gen Körper, eine fonore Stimme und fdöne Augen und 
- verband mit dieſen dußerliben Vorzuͤgen einen kindlich 
frommen und. ftetd regen Sinn für alled Wahre und. 
Schöne. Als Prediger leiftete er feinen Pflichten treulich 
‚Senüge und erwarb. fi dadurch die Liebe feiner Cie 
meinen und die Achtung feiner Vorgeſetzten. Seine Muſe⸗ 
flunden wande er der Malerei, für die er ein ſcoͤnes 
Talent und Begeikterung befaß, zu und er würde Ad 


ergafademie 


, 174 X Korn. 


dieſer Kunſt ſicher ganz ergeben haben, waͤre id freie 
Wadhl feined Berufs zugeftanden worden. Dt 
rn 3 — 


64. Julius Korn, 
Buchhändler zu Breslau; 
geb. den 80. Maͤrz 1799, geſt. den 8. Bebruar 1837 *). 


«Er mar in Bredlau geboren und feinem Dater, Job. 
(Bottl. Korn **), welcher die unter der Firma des Groß 
“Yaterd, Wild. Gottl. Korn, beftebende Handlung mit 
audgedehnter Druderei in den blühendſten Zuftand ges 
bracht batte, lag Alles daran, in feinem Sohn einen 
würdigen Bewahrer und Erbalter des fo ſchoͤn Begrän» 
Beten zu. erziehen. Er gab ihm deshalb eine fehr ſorg⸗ 
fältige Erziebung, nad deren Vollendung unfer K. m 
feinem 15. Sabre in die Dandlung feines Waters ein. 
titat. Zu feiner weitern Ausbildung ging er nah 3 Jad⸗ 
ren nad Frankfurt af. und arbeitc:e dort in der Ans 
dredfden Buchhandlung, deren gegenwärtiger Mitbefiger 
$ireb8 einige Jahre in der Korn'ſchen Buchhandlung ge 
‚anden und ſich mir dem Derftorbenen eng verbunden 
hutte. Dort verlebte er zwei Jahre und benugte die ſich 
Um Ddarbietende Gelegenheit, Bekanntſchaften mit den 
Gelehrten und Kanſtlern, welde der Bundestag nad 
Diefem Sig deutſcher Wiſſenſchaft berbeiion, anzufnüpfen, 
Sierauf febrte er nah Breslau zuräd, diente fein Milis 
tärjahr ab, befand: fein Dfficierexamen und trat dann, 
un den Gang der franzoͤſiſchen Buchdaͤndlergeſchaͤfte ken⸗ 
nein zu lernen, in die Dandlung von Boflange in Paris 
ein, wo er ein Jahr blieb. 4828 trat idm fein Vater, 
der fi der Zeitung und Beauffidtigung feiner bedeuten« 
derı Grundbefigungen ausſchließlich bingeben. mußte, die 
Biichdandlung und Druderei ad. Eine der erfien Uns 
ternebmungen des neuen Handlungschefs war die Er 
werbung des Eigenthums der ſchleſiſchen Provinzial⸗ 
blcitter und des Damit verbundenen ſchleſiſchen Literatur⸗ 
binttd,. auch unternahm er kaſt gleichzeitig die Heraus 
gabe der vom aefeflar Geheimen ‚Dofrarh Dr. Weber 
redigirten ſchleſiſchen landwirthſchaftlichen Monatdfdrift, 


worlche drei Jahre lang in feinem Verlage blieb. Durch 


beide periodiſche Blätter ſuchte er die Rabile Beihyäf- 


— — — 


Boͤrſenbl. f. d. Buchhbt. 1887. Nr. 81. - 
eo) Deſſen Biographie ſ. in diefem Jahrg. unternr 83. Aug. 











Rothe. . 4175 


tigung feiner Druderei zu erweitern, machte aber auch 
viele andere Verlagsunternebmungen und bemabrte durch 
eine Reide polniſcher Scriften, dur‘ mande wiſſen⸗ 
ſchaftliche Werke in deutſcher Sprache, fo wie durch die 
Pflege und Erweiterung der auf Schlefien berechneten 
Unternebmungen dem väterliden Verlage den mohlbes 

:grändeten Ruf. Auch der vom Großvater und Vater 
treu gepflegten, zu den aͤlteſten politifchen Blättern ges 
börigen ſchleſiſchen Zeitung widmete er gleibe Sorg⸗ 
falt, obſchon ibm dieſes Inſtitut nicht als Eigenthum 
überlaffen worden war. Am 4. DEtober 1826 batte er 
ſich mit Cecilie Bertha Sreiin von Kospoth verdeirathet, 
aus welger Ede ibm 5 Söpne und eine Tochter gebos 
ren murden, die Ihn alle überlebten. Im Jahr 1895 
wurde er zum unbefoldeten Stadtrath erwählt und les 
fiete als folder der Stadtgemeinde, welcher er ange _ 
hörte, uneigennägige Dienfte. Eine vernadläffigte rs 
fältung zog ihm nach einem G6tägigen Kranfenlager am 
oben genahten Tage den Tod zu. Am 6. deſſelben Mo» 

.nats wurde feine Hüle in die Samiliengruft des Yäter- 
lichen Zandfiged Oswitz beigefegt. 


* 65. Theophilus Friedrich Rothe, 
- Tönigt fächl. Generalaccisinſpektor und iuriſtiſcher Gpecialabläs 
fungstommiflär, Gerichtsdirektor und Rechtskonſulent zu Leipzigs 


achern gebrauden konnte und ibm Zeit zu wilfenichafts 
figer ausbildung ließ. Ein vorjägücher Yu nift, der 


176 7 Rother 


Valor Lippmann in Erdmannsdorf, bereitete ihn wäh: 
rend derfelben zur Univerfität vor. Und in der’ Tdat 
Eonnte R. ſchon in feinem 21. Jahre, ohne andermweiten 
Unterricht zu bedürfen, diefelbe in Leipzig bezieden, tüch⸗ 
tig vorbereitet in Gymnaſialwiſſenſchaften und in feinen 
eiftigen Studium der Reqtswiſſenſchaft bedeutend bes 
vorzũgt durch die bereits erlangte praftifhe Uebung. 
‚Der Ordinarius Biener und Profeſſor Ehrhard, in defs 





en Relatorium er fi außzeichnete, übten unter feinen. 


Lehrern damald und für die Solgezeit den bedeutendften 
- Einfluß auf ibn aus. Don äußeren Mitteln war R. als 
Student ſehr entblößt und häufig ſchrieb er in der Nacht 
Kollegiendefte für Andere ab, um ſich nur zu erhalten, 
fungirte aud längere Zeit als Hülföfekretär bei der 
Kreigdeputation in Linn. mo er Selegenbeit hatte, 
feine vorzuͤgliche praftifche Befähigung, zu zeigen und 
dadurch mehrere ausgezeichnete Männer für fi zu ge 
winnen. Denn kaum hatte er zu Dftern 1808 fein Abis 
turienteneramen bei der Quriftenfafuftdt beftanden, fo 
wurde er aud ſchon zur Sertigung der Probefchriften zur 
Erlangung der Advofatur admittirg und wegen deren 
vorzügliher Anfertigung vier Wochen nach Einreihun 
derfeiben als Advofat immatrifulirt. Zwei Jahre arbei» 
tete R. nun bei dem Accidinfpektor Hafe, einem damals 
beräbmten Praktiker in Leipzig und ſibernahm nach defe 
fen Tode den grö sen Theil der Geſchaͤfte und Gerich 
 verwaltungen Deflelben. Jetzt ſchwang er fi bald zu 
einem der geſuchteſten Anwälte Xeirzigd empor und 
um dad “jahr 1817 ward er Konſulent der Dafigen Kom» 
munrepräfentanten und erlangte fo ſelbſt Einfluß bei 
"Rath und Buürgerſchaft. Als Gerihtödireftor verwal⸗ 
tete er theils kürzere Zeit, theild bid zu feinem Tode Die 
Gerichte zu Stoͤneritz. Gautzſch. Großpoͤßna, Plaußig und 
. Larſchena, nachdem er bereitd im Jahr 1811 zum koͤnigl. 
Generalacciſsinſpektor in Markrannſtaͤdt ernannt worden 
war, weldem Poſten er gerod von Leipzig aus vorftand. 
Ununterbroden der Ausübung der Rechtswiſſenſchaft fich 
weihend, wurde bierin eine Veränderung blos durch dad 
Aufdören feines Verhaͤltniſſes zur Kommun Leipzig, In 
olge der. Aufbebung der Communrepräfentantfchaft, im 
abr 1830 herbeigeführt und nad Criaffung des Ge⸗ 
etzes Aber Ublöfungen und Gemeindeitötheilungen im 
abr 1832 durch feine Ernennung zum jurififchen Spe⸗ 
cialfommifldr in mehr als 20 ‚Anseinanderfennngöges 
ſchaͤften. Eine durgpdringende Schärfe der Urtheildtraft, 


— 


Rothe. 


melde im Moment fi der verwickeliſten Derbi 
bemädhtigte und felten den wahren —A— 
fehlte, verbunden mit großer Gediegenheit der 4 
niffe, Geiſtesgewandtheit und rafhem Arbeitstalent 
nete R. ald Gefhäftömann aus. Dader bemegti 


in Abtöfungefachen namentli der eigenthuͤmlichen & 


lüdlide Ebe führte, war er in mannichface . j 
Dnafılie — dafelbft —e— 
Koͤrperkraft unterlag, wohl in Golge der Raten nameı 


m, Ketrolog. Ab, Zahtgı 


178 Soͤffner. u 
lich geitioen Aufregung einer Halbjährigen zehrenden 
Kran beit. . 


* 66. Karl Soͤffner, ” 
Wicedirektor des Fuͤrſtenthumgerichts zu Neiße; - 
Deboren den 25. Dec. 1775, geflorben den 8 Bebr, 1897. 


Shffner,, geboren zu Seitf im Buhrauer Sreife 
Niederi&lefiend, war der Sohn -ded daſigen fürftliden 
©riftöziergärtnerd Berndard Söffner. In der Elementars 
ſdule feines Geburtdorts empfing er den erften Unter 
it und wurde von feinen Eltern im 41: Jahre auf 
das katholifche Gymnaſium nah Groß: Glogau gebraht, 
von wo_er die Hogſchule der Leopoldina zu Grestan 
berog. Don Jugend auf die Muft leidenfdaftlih lies 
bend, fand er dort Belegenpeit, je mufitalifhes Talent 
fo vortheilpaft auszubilden, daB er felbr in jener Zeit 
auf der Dioline fid in Stoncerten hören laffen Eonnte, 
Zebbaft regte ich in ihm der Wunfd, die Redtömiflene 
f&aft zu ftudiren, obwohl feine Eitern wänfhten, daß 
er den geifliden Stand erwählen moͤgte indem ibre 
mn ntserhäftniffe bei mehreren Kindern e8 nicht 

idn In einer andern Berufdwahl gehörig zu 
Unfer ©. datte fid jedo& durch fein fdones 
und freundlides befheidenes Weſen ſchon 
unde erworben, daß es ihm Dur deren 
ı möglid wurde, nad) einem zweijährigen 
in Bredlau, faft obne "Unterflägung von 
n, die Sriedrib8«Univerfität zu Halle bes 
nen. ler verlebte er eine fehr ängenehme 
ine Bildung und muſikaliſche Sertigkeit ihm - 
wg. den angefehenften Familien verfcpaffte und 
er fd dad Autrauen feiner Profefloren in fo hohem 
Srade erwarb, dag man ihm dad Amt als Bibliothekar 
übertrug. Saft zu Ende feiner Studienzeit reifte er nach 
Zauchſiddt, um fi dem Kürkbifchof Tofepd zu Hodenlohes 
Waldenburg und Bartenftein, welder fid dort ald Bates 
-gaft befand, vorzufellen, welce-Aufmertfamkeit derfelde 
Feundtig aufnadm und für ihn in der Sol forgen 
verfprad., ©» magte bierauf binnen ſede Wocen in 
Bredlau dab Außkultstoreramen und wurde ald Außs 
fultator dem Oberamtöratd Grafen von Haugwig zur 
Ausbildung, übergeben, welcher fih mit vieler Liebe und 
befonderer Güte [einer annadm. AS v. Haugwig bald 
darauf zum färkbiihöf. Generaldirektor ernannt, wurde, 


Ssgffner. 179 


datte Soͤffner Gelegendeit, wieder mit dem Fuͤrſtbiſchof 
zuſammenzutreffen, wobei dieſer ihn auf die großmfitbigfte 
Weiſe unterKügte und feiner fernern Fuͤrſorge verficherte, 
fobald er fih für dad Richteramt fähig gemadt haben 
würde. ©. legte binnen 14 Jahre fein zweite Cramen 
urüd und der Fuͤrſt ſtellte idn 1798 in feiner Refidenzs 
habt Neiffe ald Senator bei dem Magiſtraiskolleglum und 
als Affeflor dei der Juftizdeputation an. Im J. 1804 
wurde er zum Rath ernannt, fo wie au zum Mitglied 
and Mitdirigenten bei dem Hofrichteramte, 4809 ver⸗ 
beiratbete er ſich mit Untonie, Tochter des k. k. Haupts 
mann don Richter zu Drepburg. mit welcher er beinahe 
21 Tabr in einer böhR glädliben Ehe verlebte, aus 
welcher ibm nur eine einzige Tochter geboren wurde, 
Als 1810 die ſaͤmmtlichen GStiftögäter kularifrr und 
die geiſtlichen Behörden unter die unmitteldare Fönigl. 
Verwaltung geftellt wurden, befam ©. die Stelle eines 
erften Affeflord bei dem neu gebildeten koͤnigl. Stadts 
geriöt; 1818 wurde ihm dad Direktorium diefed Gerichts 

bertragen, 1813 murde er zum koͤniglichen Juſtizrath 
und Commissarius perpetuns für die Kreife Neiſſe und 
Grottkau ernannt und 1822 bei der Bildung des jegigen 
Eönigl. Särftentbumgerihtd, zu Neiſſe „als DBicedirektor 
angetelit, Bei der bäufigen Kraͤnklichkeit des erfien 
Direktor des koͤnigl. Sürttentbumgerichtd verwaltete er 
auch deffen Poften mit und fand, als derſelbe ih im 
Mai 1835 von allen Geſchaͤften zuruckzog, dem genannten 
Gerichte bid April 1836 ganz allein vor. Durch feine 


auf diefe Weife fo uͤberhaͤufien Geſchaͤfte, da_er nd u 


außerdem 2 Gerihtsämter verwaltete und im Juni 

zum Praͤſes der Dberbofpitaltommiffion ernannt worden 

war, litt feine Gefundbeit bedeutend. Stets bereit, 

Andern zu beifen, faft täglich von Rathſuchenden, Wels 
e 


+ 


* 


Pr} 


180 Hirfel, | 
j in, a mde thätige Menſchenliebe und 
—* —— urn die Haupnge u. Eharakterb. 
* 67, Dr. Joſeph Hirfchel, 
Arzt zu Große Slogaus 
geboren den A. Okt. 1758, gefl. den 4. Febr. 1887. 


ndenfen dem Verſtorbenen bis in die fpäteften zadıe 
ogik, 

etaphyfik und matbematifche und phyoſikaliſche dor 
uck. Mit großem 


‚Iefungen bei den Prof. Reufch und Bud, 


tomie, Pbofiofogie, Pathologie u. f. mw. und gedadte 


| Botanik, Zoologie ıc. Den 16. Juli 1787 war der 
Brom 


otion und er verließ Koͤnigsberg mit trüb» 
£ D Achtung, die ibm, die 
Wahrhaftigkeit. ſeines Charaktere ſchon 


Hirfchel, 8 


demals. bei Allen erwarben, die ihn kannten, um Ach zu 
Wilna niebergufaffen , mo er fi, ebenfo wie fpdter 
in Ledezie mehrere Jahre aufhielt. Dod waren ibm in 
beiden Städten die Zeitumfände nicht günfig und ſo 
entfchloß er id, den Bitten mebrerer angefebener Sreunde 
nachzugeben und feinen Wohnort nah Gneſen im nach⸗ 
maligen Südpreußen zu verlegen, in welchem Ort er 
vo Jot 1794 bis 1814, die erſten drei Jahr als Kreide 
oh us und fpäter ald Arzt bei dem dortigen geiftfichen 
apitel, in einer ſehr audgebreiteten, mübhevollen Praxis 
lebe, bei der ibm feine große Sertigkeit in der deutfchen, 
franzöfifhen, lateiniſchen und polnifhen Sprache fehr 
u tasten fam. Seine rafllofe Thaͤtigkeit, die gewiſſen⸗ 
afte Ausübung feiner Berufspflichten, Teine_berzliche 
Theilnahme an jedem Leiden, Die große Menfhene 
freundfichkeit, Die ihn nie einen Unterfchied des Standes 
beachten ließ und dad Wohlwollen, dad fon aus feinen 
db dem Kranten Troſt 


fremde Leiden & mildern, mehrere jahre nicht achtetes 


feinen Wohnfig in Groß⸗Glogau, mo er bis 1 einens - 
Tode blieb. War fein mediciniſcher Zairtungt! 


* 


a Riten 


eich. Er interefirte bis in den Iehten Zeiten feines 
jafeind iebbaſt für Arch LIU die ge in ihrem Sort« 
breiten, in den verſchiedenen Zweigen der Kunſt und 
. Wiffenfdaft bervorbradte und srog dem, daß feine 
Forperlihen Leiden mir jedem Jahre zunahmen und ibm 
‚nur zu oft den Zebendgenuß verfümmerten, waren und 
bfieben _wiflenfbaftlide Studien ‚und Arbeiten feine 
tiebfte Beldäftigung, wovon mehrere Hunderte von 
Bogen, die, von feiner Hand befarieben, vieled "ents 
halten, mad ihm in. der langen Zeit feines Wirkend bee 
mertenswertb erfhien, zeugen Fönnen. Nachdem der 
erewigte feit langer Zeit mit manderlei " " 
ämpft, worunter namentlih ein ſortwaͤhre 
faufen und Klingen gehdrte, das ibn 48% 
‚nicht wieder verließ, an das er ſich jedod gı 
tellte fi Im Jan. 1899 ein inneres Brufts 
ibei ein, dad ihn in den Wintermonaten 
uälte, in der wärmeren genresieit war etı A38 
in dem, näcitfolgenden Winter aber mit verdoppelter 
rinaͤckigkeli — bis das Uebel am 13. Sept. 
na einer Erfältung fo boc ftieg, daß er dad Bett 
ten mußte und nah einem 21 wödentliden Krankene 
kager, wo ihn die fürdterlihten Schmerzen quälten, 
am oben genannten Zage verfcied. — Der Veritorbene 
war 2 Mal verheirathet. Seine erfte Grau und & Kinder 
aus diefer Ehe verlor er in ganz Furzer Zeit nad) eins 
ander am Nervenfieber. Beine jegt nod lebende zweite 
Gattin A KR —— pemeinen v5 ihm —X 
iebevouften, trefflihtem Gatten und Vater, deſſen ganze‘ 
Streben es war, die Seinigen zu begläden! 


68, Wilhelm Eduard Richter, _ 
t. preuß, Wegierungörath in Mindenz 
geb, den 25, Sulf 1804, Heft, am 4, Bebr, 1837 *). 

Er wurde in Polen, wo fein Vater dgmald Mitglied 
der füdbpreuß, Regierung (Landesjurizkolegium) mar, 
peperen, folgte nad der großen Kataftropde vom J. 1806 
im folgenden Jahr feinem Vater nad Potsdam, wohin 
lenterer ald Stadtgerichtödirektor yerfegt ward. Eine ihn 
dort in feinem 5. AlterSjabre befallene febensgefährlide 
Kranfpeit, melde 9 Monate andielt, legte den Grund 
u-feiner nahmaligen Gruſtfchwche, wie au dem noch 


N Rai Beltungänaäriäten, 





Richter. 183 
uernden Eranfhaften Leiden feiner Mutter, geb, 
Wille, deren mit beifpiellofer Aufopferung ihm gewids 
mete forgfältige Dficge er damals feine Lebenderbhaltun 
verbanfte. Der große Wedcſel der politifchen Sreignife 
der J. 1813 bid 1816 veranlaßte, daß er nad einander 
in den verfchiedenen Anftalten au Potsdam, Prenzlau 
und Halberftadt feine Gymnaſialbildung empfangen mußte, 
biö der Beruf feinen Dater ald Regierungsdirektor nad) 
Breslau führte, wo er feine Bildung auf dem Friedrichs⸗ 
ymnafium vollendete. Mit. dem Zeugniß der unbedingten 
eife Nr. 1, bezog er am 1. Dft. 1822 die Univerfität 
zu Breslau und fudirte Die Rechte drei Jahr lang mit 
roftlofem Sleiß. Am 14. Sept. 1825, beim Föniglichen. 
Dberlandesgerihte zu Bredlau für den Juſtizdienſt ges 
prüft, ging er, nad der Ernennung feined Vaters zum 
Dräfidenten-der Regierung zu Minden, zum Oberlandes⸗ 
gericht nach Paderborn über, arbeitete dann vom 25. Nov, 
1825 bid April 1827 hei dem Eönigl. Land» und Stadt⸗ 
gericht in Minden und ward fodann an das fün. Obere. 
landesgericht zu Dalberfladt verfegt. Dort am 38. Dit. 
1827 zum Referendarius ernannt, befand er Ende 1890 
dad dritte Examen mit Audzeihnung, wurde auf kurze 
Zeit als Kammergerichtsaſſeſſor angeflellt und am 17. Apr. 
4831 der Eönigl. Regierung zu Minden Bebufs feines 
Vebergangd zum Verwaltüngsdienſt überwieſen. Am 
419. September 1831 ward er zum Megierungdaffeflor 
und am 22. Tanuar 1834 zum Regierungsrath bei 
diefem Kouegium von dem König ernannt. Schon 
am 14. Sebruar. 1832 hatte er ſich mit Emma Ganger 
ebeli verbunden, die. ibm zwei Töchter fchenkte, wo⸗ 
von die ditere ibn fieben Monate vor feinem Tode (am 
4. juli 1836) in die Ewigkeit voranging. — Beder, der 
ibn näber Fannte, weiß, mad er ald liebender Sobn, 
als treuer Batte und Vater den Seinigen war, iſt Zeuge. 
gewefen von der Zärtlichkeit, die er gegen feine Mutter, 
von der liebevollen Eprerbietung, die er gegen feinen 
Dater begte und zugleich von der achtungswerthen Feſtig⸗ 
Seit im Kollegium, wenn ed galt, feine Veberzeugung 
auszuſprechen; Zeuge der feltenen bingebenden Liebe, 
womit er Stau und Kinder, Sreunde und Mitbräder 
umfing, Sein Amt verwaltete er mit gemwißlenbafter 
Treue und unermädetem Sieipe bid noch wenige Tage 
vor feinem Tode; wahre Keligidfität befeelte ibn, mit 
unermüdeter Wohlthätigfeit hat er die Thränen ber 
Armen getrocknet und redlich geholfen, wo er Konnte, 


und die Civils und Militärbehörden ſchloſſen fid dem 
Leichenzug an. on 


* 69, Johann Gottfried Schmeiffer, 
- Doktor der Medicin zu Hamdurg; 
geb. den 24. Juni 1767. gefk, den 5. Bebr. 1837 9. " 


Er war der Sohn eined Predigerd und Rektors zu 
ndreadberg am Harz, erfernte die Pharmacie und übte 


e in Braunfhweig, Damburg und London, wohin er, 


mit Kenntniffen in der — Chemie, Anatomie, Php⸗ 
fiologie, Mineralogie und Botanik audgerüftet, von 
Jamburg mit Empfehlungen an. Sir Joſepd Banks 

iſte. Durd ihn machte er die perſonliche Bekanntfchaft 
verſchiedener engliſcher Naturforfher, genoß in der 
Botanit den Unterridt von Dr. I. 8. Smith, in 
der Angtomie von I. Hunter, beſuchte die wiſſenſchaft⸗ 
lichen Infitute Londond, ward auf Banfd und des 
Herzog von Leedd Empfehlung zum Fellow der royal 


‘ Society erwählt, dann Mitglied der Linuneau und Medi-. 


cal Society, befdäftigte fid mit chemiſchen Unterfuchuns 


gen. fo mie mit biltorifden Arbeiten und bielt Vor . 
e 


fungen fiber Mineralogie und Chemie in englifcher 
Sprade, Er lernte den berühmten (jegigen Sreiberrn) 
Asp. v. Voght kennen, bereifte in deflen Geſellſchaft Die 
merkwuͤrdigſten Gegenden Englands, Schottlands und 
rfands und widmete fib in Edinburg dem Studium 
tiner Lieblingdmiffenfchaften, wurde Mitglied der dor⸗ 


tigen royal Society und. befam dad Bürgerrecht von 


ontrofe. Er verlebte Darauf dei dem Freiderrn v. Dead 
gar deſſen Landſtelle Flottbek an der Elbe, woſelbſt Dies 


r ein chemiſches Laboratorium bauen ließ, einige Jahre 


md ÄKbte die Chemie und beſonders — — 
Später reiſte er mit Sieveking nach Parid, eine Reife, 
die für ihn in wiſſenſchaftliher Hinficht reich an Aus⸗ 
Beute. war. Er wurde Mitglied der Parifer Societe phi- 


Jomatigue. Mit Voght durchreiſte er Deutſchland, dann 


— — 


e ! na Spatmittdeilangen un) gübters Ceiſcan.domnen. 


—— 

















®s 


mit Büfch den Sarg, Hanover, Böttingen und Braun. 
ſchweig. Mebrere geledrte naturwiſſenſchaftliche und an» 
dere Gefelifchaften ernannten ihn zum Ehrenmitglied, 
das ©. H. Sanitätälollegium in Kiel zum Adjunften; 
von Helmſtaͤdt erbielt er nach ausgeſteüter Differtation 
Dad Diplom ald Dr. medicinae. Im Beſitz einer Apo⸗ 
. sbefe lebte er mehrere Jahre in Altona und befdäftigte 
fh mit den Naturwiſſenſchaften, der Ehemie ıc., worin 
er auch Unterricht ertbeilte. Bei feiner Zurädtunft von 
einer Reife nah Kopenhagen wählte er Hamburg zum 
Qufentbaltdorte, prafticirte dort und bielt Borlefungen 
über dad im allgemeinen Leben Unmwendbare der Phöſik 
und Edemie. Er farb nad längerer Kraͤnklichkeit und 
Abnadıme der Kräfte am oben genannten Tage. — Geine 
Schriften und Auffäge find: Einige Derfuhe mit des 
biogififirter Salzfäure. gi" Crell's chemiſchen Annas 
en 1789. Bd. 2. St. 7. r. 5. ©. 39 — 44 u. ©t. 8 
r. 6. ©. 133 — 139. — Analysis of the Angustura 
bark für 9. F. Brande in London. Ja Experimental 
and observations on the Angustura bark. London 1791. 
2. edit.. 1798, — Description of Killburn wells, and 
. analysis öf their water. In Philosophical Transactions 
for the year 1792. Vol. 82, Part. 1. p. 115—27. — De- 
scription of an Instrament for ascertaining the specific 
gravities of fluids (Araeometer). In denfelden für 1798, 
ol. 83. Part. 2. p. 164—67. M. 1 K. Auch befonders 
gedrudt. London 4703; Ddeutfb im Magazin für dad 
Neueſte aus der Phyſik und Naturgeſchichte Band 9. 
©t. 2. ©. 97— 102. — Experiments on, and analysis of 
the magnetic sand, found in: country of Cornwall, and 
called by Wr. Gregor: Wenakanite (Ktanium). In Crells 
chemical Journal transl. from the German with occasional 
additians. Vol. $. London 1793. p. 252 — 59. — Account 
of a mineral substance, called. strontionite , in which are 
- exhibited its external, physical and chemical characters. 
In Philosophical transactions für 1794. Vol. 84. Part. 2. 
p, 418— 395. — Syllabus of lectures on mineralogy. Lond. 
1794. — A system of mineralogy, formed chieiy on the 
plan of Cronstedt. Vol. 2. London 1794 u. 95. Mit 
5 Xpfrn. — Chemico-physiological observations on planta 
by (J. Jac.) v. Usslar; transl. from the German with ad« 
ditions, Edinburgh 1795. — New chemical and mineralo- 
— —A u. * London 1797. — 
eitsäge zur"näbern Kenntniß des gegenwärtigen Zu⸗ 
flandes der Wiflenfchaften in Frankreich. 3.Tdie. Hamb. 


186° - _ Brundwig:- 


4797 u. 98. — Handbuch zu feinen Vorleſungen über 


Die im allgemeinen Leben anmwendbaren Kenntniffe und 
Erfahrungen aus der Phyſik u. Chemie. 1. Tb. Hamb. 
41831. M. 8 lithograph. Blättern. — Verſchiedene Kleine 
Aufſaͤtze in Zeitfhriftien. - | 


* 70, Zriedric Franz Wilhelm Brunswig, 
‚Doktor der Beterinärkunde zu Roſtock; 
geb. im Jahr 1808, geſt. den 7. Februar 1887. 


Es war fein Wohnort Roſtock auch der Drt feiner 
Geburt und er auf der, großen Stadtſchule diefer feiner 
Vaterſtadt für_die fpätere Laufbahn gebildet worden. 
Nachdem er auf den Veterindranktalten zu Schwerin und 
Berlin fid der Thierheilfunde gewidmer hatte, begann 
er-zu Rofod tie Ausübung feiner Kunft und machte fich 
bald durch Sefhiclihkeit und Gelingen der Kuren in 
derfelben fomobl in der Stadt, wie in der Umgegend 
bekannt, fo daß er immer fehr gefucht ward und ſich nur 
felgen der Rube und Erbolung dingeben fonnte. Den 
48. Juli 1831 _promovirte er darauf bei der Roſtockſchen 
medicinifden Sakultät, unter des Geheimen Medicinals 
raths und Proreftord ©. G. von Dogel *) Dekanat ald 
Doktor der Veterinaͤrkunde und ward faft gleichzeitig 
auch von der pbilomarifhen Geſellſchaft daſelbſt und 
Dem medienb. patriotifden Verein als ordentliches Mits 
glied aufgenommen. Der Deremwigte zeigte ſich ſtets als 
ein anfprudslofer, redlicher Mann. Er ftarb an einem bef- 
tigen Wervenfieber am oben genannten Tage, im eben 
ent vollendeten 33. Zebendjahre. Aus feiner im J. 1890 
geſchloſſenen Ebe mit Sriederide, geb. Krey, einer Toch⸗ 
ter des am 6. Dft. 1826 in. Roſtock verſtorbenen Doktors 
der Theologie und Palord am St. Petri Tod. Bern 
dard Kreye*) daben ihn, außer feiner Gattin, drei Hin. 
Der überlebt. — Seine farifinellerifpen Arbeiten, foviel 
fie und befannt geworden, befchränfen fi auf folgende, 
einen und denfelben Gegenſtand betreffende Abbandluns 


en: Weber die fichere Heilung der Kolif ded Pferdes. - 


oftod 1831. (IR au feine Tnauguraldiffertation.) — 
Berichtigung, in Betreff ded in Nr. 612 empfohlenen 


Mittels zur_Heilung der Kolit oder Darmgidt der 
Pferde, im Schwerinih. Sr. Abendblatte 1831, Nr. 614. 
Schwerin. . * r. Bruͤſſ 


Fr. Bruͤſſow. 


J ) Deſſen Biographis ſ. in dieſem Sahrg.d. N. Nekr. ©. 127. 
or) Deien Biograpbie fı Re Melt, 4 Sabre: ©. 10id | 


v 











187 


* 71. Dr. Karl Chriftian Kohlfchütter, 

königl. ſaͤchſ. Geheimer Kabinetsrath, auch Hof⸗ und Juſtizrath, 
Ritter des koͤnigl. ſaͤchſ. Civilverdienſtordens und des Ordens der 
baieriſchen Krone zu Dresden; J 


geb, den 14. Juni 1769, geſt. den 9. Februar 1837. 


Er ward „ Dreöden geboren. Sein Vater Karl 
Chriſtian Kobiiwärter, über deffen Herkunft nichts Si⸗ 


ch 
iſtlichen ſaͤchſiſhen Hofkommiſſarius. Dieſer 
ſtarb zu früh, als daß er auf Fines Sohnes Erziehung 
und Bildung einen weſentlichen Einfuß hätte ausüben 
fönnen. Die Mutter, Chriſtiane Dorothee, Tochter des 
Kammerraths und Kaufmanns Lippold, der anfangs der 
Principal, fpdter der Kompagnon von 8.8 Vater war, 
verbeiraidete ſich im Jahr 1769 zum zweiten Mal mit 
Sriedrih Ernſt Mplius, kurfünt. fäbf. Floßkommiſſarius 
in Preafd, einem kleinen Städiden an der Elbe zwi⸗ 
fen Torgau und Wittenberg, wodurd K. in Wahrbeit 
einen zweiten Vater erhielt. Den erfien Unterricht dere 
Danfte K. einem gewiflen Böhm und dem Pfarrer Klauß⸗ 
niger in Pretzſch, unter deren Zeitung er febr_gute Sorte 
ſchritte machte, fo daß er im Srübjahr des Jabrs 1778 
auf Die. Fürſtenſchule nah Grimma gebradt merden 
konnte. Mußte er glei anfangs einen ziemlich tiefen 
Platz einnehnien, fo zeichnete er fi doc bald fo auß, 
Daß er immer ſchon nah Verlauf eined Jadrs in eine 
öbere Kaffe und alſo nach der Frühlingsprüfung des 
aded 4781 nah Prima verfegt wurde. Nachdem er 
bei der Geier des Schulfeſtes im J. 1783, am 300. Jabre 
nad Luthers Geburt, eine lateinifbe Rede über dad 
Thema: summa omnia fuisse in Luthero, quaecungue ab 


= 


eo requiras, qui sivo in religione,, sive in literarum stu- 
diis nonnulla emendandi -provinciam suscipere audeat, 
gehalten und dabei die zur Univerfität abgebenden Mite 
chüler im Namen der Zurückbleibenden beglückwünſcht 

.  batte, folgte er im Februar 1784 den vorangegangenen 
Sreunden auf die Univerfität nach, nachdem ihn feine 
febrer wit großen Lobe und der beften Hoffnung ent» 
laſſen hatten. Er bezog nun bie Univerfität Wittenberg, 
um ih dem Studium der Gurisprudenz zu widmen. 
Neben den rechtswiſſenſchaftlichen Vorlefungen von Geis 
ler, Wieland, Klügel, Hommel und Zrante hefuchte er 





BB Roblfehltten 


auch die Hißorifhen Vorleſungen Schrocks und die phi⸗ 
loſophiſchen Gottl. Ernſt Schulze’ und mit befonderer 
Morliebe die Reinhard's, wie er aud an den von letz⸗ 
terem geleiteten Disputirkbungen eifrigen Anıbeil nahm. 
Dier Enhpfte ſich zuerſt die engere ‚Derbindung mit dem 
roßen Theologen, welcher auf K.'s ganze Zukunft, auf 
fein äußered, aber auch auf fein geiflige6 und insbeſon⸗ 
ere auf fein religiöfes Leben den bedeutendften und fee 
gensreichſten Einfluß ausgeübt dat. Im J. 1787 fried 
er feine erfte in dad Staatsrecht einſchlagende Abhand⸗ 
- fung: de jure standi in comitiis provincialibus. Viteberg. 
- 4787, Die er feinem Stiefoater widmete und unter dem - 
Praͤſidium des Dr. J. Ehr. Franfe am 9. Dftober vertheie 
Digte. Am 17. April ded folgenden Jahrs befand er 
das examen pro candidatura und die Darüber auögeftelle 
sen Zeugniffe bemiefen, daß auch feine afademifchen Stu⸗ 
dien keine unfruchtbaren geweſen waren. Eine Srucht 
feiner pbilofopdifdden Studien war die Abhandlung: de 
‘ jare jurundo credulitatis secundam praecepta philosopho= 
ram de prohabili judicium, die er im Juli deffelden 
Jahrs zur erfien Jadresfeier Der unter Schulze's Lei⸗ 
sung beftebenden Geſellſchaft herausgab und dur melde 
er zugleich von dieſer Geſellſchaft Abſchied nahm. Dur 
Verleihung eined Eurfürfliden Stipendium ward es 
dem jungen Mann moͤglich, die naͤchſtfolgenden Jahre aus⸗ 
chließlich zur Vorbereitung auf dad akademiſche Lehramt zu 
enugen. Nach fiderftiandenem Rigoroseam vertheidigte 
r zur Erlangung der juriſtiſchen Doftorwürde am 9. 
uni 4791 feine & nauguralbiffertation: de efiectn prin- 
eipii juris naturalis in jure civili und zwar obne Präfed. 
Nanddem er auch feine zur Erlangung der advokatoriſchen 
Prarid nötbigen Probearbeiten gefertigt harte, welche 
nach Nefkript vom 29. Aug. 1792 für gut und tüdhtig 
. Befunden murden, begann er nun fein Wirken ald alas 
Demifcher Lehrer, zunaͤchſt ald Privardocent der Rechts⸗ 
wiſſenſchaft. Er las über Propädeutif und Encyelopds 
Die der Nechtömwiflenfchaft, über Naturrecht, ſaͤchſtſches 
Drivatredt und römifhed Recht. Außerdem ſteute er 
Eraminatoria über verfchiedene Theile der Rechtswiſſen⸗ 
ſchaft an. Endlich bildere fi unter feiner Zeitung die 
societas juris humanioris, deren Iweck Uebung im Latei⸗ 
niſchſchreiben und Dißputiren Aber mannichfache Gegen⸗ 
Rände aus dem Gebiet Ver Rechtögelehrfamkeit_ war. 
u Ihren Mitgliedern geben auch der Graf von Einſie⸗ 
el, welcher ſpaͤter ald Kabinetöminifter 8.5 unmittel 


— 





Kohlſchutter. 189 


barer Vorgeſetzter ward. Wei der Öffentlichen Deripele 
Bioune ihrer Thefen und Difertationen wädlten ihn bie 
©tutirenden oft zu ihrem Bräfe. Zumellen verfaßte 
er auch feloft die unter feinem Präfdium von Refpondens 
ten zu vertbeidigenden Schriften: fo im Jahr 1792: di 
<ausis contemti jaris jurandi und im Jahr 1799 com- 
mentatio juris publiei universalis de’ fine societatis civi- 
Hi, Endlich ik wohl aud feine Abhandlung de intere 
pretstione dubia legis saxonicae, qua hypothecaram taei- 
teram valor anno hujus saeculi tricesimo quarto rostita- 


fen 1795 gab er ald Programm zu feirlen Borles 












8.8 akademiſcher Wirkungékreis immer mehr erweitert 
und er übte einen in vieler Hinſicht ver Eine 


ug auf feine Zubdrer aus._ In Wnerkenntnig feiner 

jerdienfte ward er durd = Dftober 1795 
„voegen feiner gründlichen A und inScrife 
ten und ®orlefungen ern Tfiteit“ zum 
Supernumeraraſſeſſor bei I tät und unter 
dem 29. Zuli dee folgen Brofeflor des 
fähffden Redtö ernannt. ‚derikde Thäs 
MH in diefer Zeit beje ne Söriftens 
” 


ropädeutit, Encpklopädi ogie der pofle 

jenf&aft. ı ‚r.beraußgeges 
ben. Zeipsig 1797“ und m r den Begriff 
die von 


iebe begonnenen Werks unmdglid und nur der erfie 
Theil erfchien im Jahr 1800 zu ir: 





iu verbinden mußte, fo mußten diefelben für die miffene 
Yarüge Ausbildung der Wrudirenden fehr förderlid 


10  Kohlfchltter. 


feinem gefammten Einfluß auf die afademifche Jugend, 
Denn dur Die Ungemefienheit feiner DVorlefungen zu 


Den Bedärfniffen der Zeit und den Kortfchritten-der - 


MWiſſenſchaft, durch die Erbauung derfelben auf philoſo⸗ 
phifchem Grunde, dur ‘die Lebendigkeit feines freien 

ortragd, der ſich an furze Diktate anſchloß, aber au 
durch die Humanität feiner dußeren und gefelligen Er 
ſcheinung zog er die Geier und die Derzen feiner zahl 


reichen Fubdrer an und machte das, wad man damals 


noch größtentheild trockne Wiffenfchaft nannte, zu einer 
Duelle der lauterſten SKennmiffe und Genüſſe. Daß 
dauslihe Glüd feines ganzen fpäteren Lebens begrüns 
Dete 8. in diefer Zeit durch feine am 12. Oktober 1796 
geſchloſſene ebelibe Verbindung mit Epriftiane Louife 
“ Srepfig. der jüngſten Tochter ded Dr. Kreyſig, Arztes 


“ und Befigerd der Apotheke zu Eilenburg. Zwei Jabre - 


nach feiner Verdeirathung ging er’ in ganz neue Bes 
rufsverbälmifle über, indem er am Ende ded Jahre 1798 
Wittenberg mit feinem Geburtsort vertaufbte. Bon 
Reindard im Auftrag des Oberkonſiſtoriums befragt, ob 
er fid wohl ensfaließen werde, als Gupernumerarrath 
dieſes Kollegiums nach Dresden zu geben und von eben 
.demfelben auf die Ausſichten aufmerffam gemadt, weiche 
ſich durd die Unnabme dieſer Stelle für jbn eröffnen 
wärden, enfchloß er fi, um diefelne anzubaiten. Durch 
Kabinetöreftripe vom 30. Aug. erfolgte feine. Ernennung 
jur 2ten Supernumeraroberfonfiforiairatbsftelle. Gleiche 
eitig ergingen an ibn aus Dem Appellationsgericht ans 
Fange indirefte, fpäter Direkte und dringende Auffordes 
zungen, um eine in Diefem Kollegium erledigte wirkliche 
Narhöfelle anzudalten, denen er aber, da er fi nicht 
um zwei verfhiedene Stellen zugleich bewerben wollte 
und fi von der Untbunfickeit einer. Kombination beie 
der Yemter überzeugt batte, nicht nahfomnien zu Därfen 
glaubte. Nachdem feine für das Dberfonfifterium gefers 


tigten Probefchriften approbirt worden waren und den 


Beifall dieſes Kollegiume in bobem Grad erhalten hats 
ten, ging K. von S 

am 18, December eintraf und im Januar 1799 fein neues 
Amt um fo freudiger antrat, da es ihn, wie er felbft bet 
‚ feiner Einführung tn Daffelbe fagte, in das enge Verbältmiß 
eined gemeinfchaftlihen Wirfungsfreifes mit dem Manne 
ſtellte, dem er die Bildung feined Geiſtes faft einzig verbanfte 
und defien Vorlefungen, die Er drei Jahre lang täglich 
Sefucht, der den erken Strahl eined helleren Lichts in 


ittenberg nad Dredden ab, wo er 


, 





Kohlſchuͤtter. 191 


- feiner Seele hervorgerufen hatte. Don der ibm gelafs 
ſenen Sreibeit, neben feinen Amte juriſtiſche Praris zu 
treiben, madte er Gebrauch; zu literarifhen Arbeiten 
blieb ibm aber von jegt an menig Zeit. Doc ſchried 
er damald eine Abhandlung Aber die Srage: „num ex 
jare Protestantiam ecclesiastico ii, qui adulterii commissi 
conrvicti sunt, norarum nuptiaram veniam impetrare som- 

er necesse habeant?“ Nur kurze Zeir bekleidete K. 
Biefes Amt, denn fon am 24. Mai 1800 wurde ihm 
die Stelle eined Hof» und Juſtiztaths auf dem ' ges 
febrien Latere der Landesregierung verliehen, nachdem 
er von diefem Kollegium primo loco zu derfelben denos 
mimirt worden war. Wäre dieſe Anſtellung in-der Lan⸗ 
Deöregierung nicht erfolgt, fo würde K. wahrſcheinlich 
Dreöden wieder verlaflen und die akademiſche Laufbahn 


von Neuem betreten baben. Man fuchte nämlich für 


die Univerfität Jena einen Professor juris ord., wobei 
dad baupsfählide Augenmerk auf einen tächtigen Urs 
theilsſprecher geridter war, der praktiſche Kollegia lehre 
und ‚in die Proreftorardreibe mit vintreten, vorzäglich 
ober für die Dikaſterien Hofgeridt, Schöͤppenſtuhl und 
Safuftät, arbeiten folte. Der Gebeime Kath Voigt in 
Weimar, deffen Aufmerkfamfeis auf K. gelenkt worden 
war, batte bewirkt, daß er von der Univerfität primo 
loco denominirt wurde, nachdem fib aud der Gotbais 
ſche Hof mit diefer Wahl einverkanden erflärt batte. 
Da fid aber bald darauf 8.8 DVerfegung in die Landes⸗ 
regierung entfchied, fo bfieb Die Sache ohne weitere Fol⸗ 
‚gen. In dem Kollegium derfandesregierung bearbeitete 
F. im Jahr 1801 einen „Entwurf zu einem wegen Be 
flrafung alter Einpräche, gefäbrlider Angriffe und Ges 
waltehätigfeiten, die in der Abfihr zu fteblen und gu 
rauben begangen werden, zu publicirenden Mandate,“ 
Durd welches der Ungemißbeit ein Ende gemacht wer 
den ſollte, vermöge welcher diefe DBerbredien von vers 
ſchiedenen Difafterien ganz verſchieden beurtheilt wur⸗ 
den. 8.8 Entwurf fdlug mildere Strafen vor, welche 
nach der Unficht des Kollegiums verfhärft wurden. Er 
drang auf Einſchraͤnkung der Todesſtrafe — nur durch 
dad Schwert — auf wenige‘ Säle und verlangte Die ges 


ſetzliche Feſtſtellung folder Strafen, welche wirklid zur - 


Erecution kämen, während durch die Androhung bärtes 
rer nicht in Unwendung kommenden Strafen dad Ans 
feben der Gefege leide. Auch erklärte er ſich bierbei 
gegen lebenslaͤngliche Zuchthausſtrafe und für einen ers 


® 





192 Kohiſchutter. 


Ken und zweiten Brad derſelben. Im Jahr 1904 ward 
ibm die Ausarbeitung einer‘verbeflerten Gelindeordnung 
übertragen. Dad Schidfal fo vieler legislativen Arbeis 
sen aus jener Zeit theilend, find beide Entwürfe nicht 
wirklich ind Leben getreten, -wenn fie au, namentlich 
der fegtere, bei ſpäteren Bearbeitungen derfelben Ges 
genftände die verdiente Beruͤckſictigung gefunden haben. . 
Unter dem 20. Juni 1805 wurde K. zum Mitglied einer 
Kommiffion ernannt, welche die zweckmaͤßigen und wirks 
famen Mittel zur Verminderung der damaligen aufers 
ordentlihen Theuerung und zu Erleichterung des bereit - 
eingetretenen und noch zu beforgenden Nothſtands in 
Beratung nehmen, die für dienlich erachteten Vorkeh⸗ 
sungen veraniafen und bei dem geb. Ronfilio beantras 
gen follte. Als Mitglied dieſer Kommiffion gab K. ein 
„ohnmaasgeblihed Gutachten Über die Urfadyen der Died 
jährigen außerordentlichen Getreidetheuerung und über 

ie Mittel, aͤdnlichen Borfallendeiten für die Zukunft 
möglihft vorzubeugen“ ab, welded bei dem Bericht 
an dab geh. Konfilium zu Grunde gelegt ward. N. er⸗ 
Bannte jedoch, daß die Aufgabe, welche der Kommiſſion 
geſtellt war, hiermit nocd Feineömwegs gelök feis indem 
·nicht blos die in jenem Jahr eingetretene außerordente 
lie Kalamität, fondern dauptfählid die beunruhigende 
Chbatſache, daß die Getreidepreife feit -obngefäbr 6 Jah⸗ 
sen immer böber gefliegen waren, zu den ernftelten Uns’ 
terfuhungen über die Urſachen dieſer Erſcheinung und 
über die Mittel, ihr zu begegnen, aufforderten. Un der 

Vollendung diefer zweiten umiallenderen Unterfuhung 
wurde er jedoch durch feine nun_erfolgende Berufung 
in das geb. Kabinet verhindert, Dur diefe Berufbars 
beiten war K. auf den Gedanken geführt worden, die 
Refultate feines Nachdenkens über Diefe Ungelegenbeig 
auch dem größern Publikum mitzusdeilen. Er legte dies 
felben_ zwar in einer im December 1805 in Form eines 
Sendſchreibens an den -Juftizkommilfariud Walftorff in 
Halle — deffen „Scherflein zur Verminderung. der Brods 
noth meiner Mitbärger Halle 1805” ihn vorzugdmeife 
angefproden batte — vertaßten Schrift nieder, entfchloß 
Ach aber elödann nicht, fie dem Drud zu übergeben. 
.. Die Berdienfte, welche ſich K. ald Mitglied der ermähns 
ten Kommiffion erworben batte, erkannte Die „Geſell⸗ 
(daft der Bolksfreunde in Marienberg zur Vorbeugung 
der Nosb und Verminderung gewmeinſchaͤdlicher Vörur⸗ 
theile“ dadurch an, daß fie ibn „aus inniger Dankbar⸗ 


“© 





Kohlſchuͤtter. 198 


feit und Verehrung“ am 10. Mai 1306 zu ihrem Ehren. 
mitglied, once Als Mitglied der anbenglerng 
erbielt X. au den Auftrag, neben dem Appellation; 
raid Dr. Sled die Redaktion der im Zadr 1805 erichies 
nenen zweiten Fortſegung, des Codicis Augustei zu bes 
forgen, an der er aud thätigen und, wirkſamen Antheii 
nabm. Endlid wurde er durd Reftript vom 21. Juli 
3803, nebft dem Appellationeranp Dr. Sriedrid Wibert 
Symidt, der damaligen Gefegtommilfion zum Behuf 
der Fünftigen Arbeiten bei Durdgebung, der von den 
—V und Ditaferien, Saı font zu amaten: 
en Erinnerungen über den im Jadr 1803 erfdienenen 
Entwurf einer neuen Gerihtöordnung und zu der ende. 






lien Einrichtung der legteren als Ref eben, 
Q18 folder hatte er mar „Mouita' üb murf 
einer neuen Gerihtöordnung für die | nde* 
auögearbeitet: der Entwurf blieb aber ff db 
ruhen. \ zug in diefer durch die manı ı Bes 
rufdarbeiten in Unfpruh_ genommenen ch 
ern und mit der alten Liebe zu rein igen 

efhäftigungen zuräd. Daber ſchri— _. 1802 
eine Abhandlung: „ex quibus princi controversiae 


matrimoniales Catholicorum in Consistoriis evangelicis 
decidendao sint,““ melde bei der Gäfularfeier der Wite 
tenberger Univerfität im Jahr 1802 als Inauguraldiflers 
tation von Chr. Ir. Kregiämar erfhienen if. Wuc Hes 
ferte er gis Mitarbeiter der im Jahr 1803 begrändeten 
„neuen Leipziger eiteramgeitung in den Jahten 1808 
bis 1806_eine Neibe von Recenlionen Über wichtige ju⸗ 
rißifde Werke. Gegen dad Ende des Jahrö 1806 eı 
Öffnete fih_für K. ein neuer, -umfaffenderer und elnfuße 
reiherer MWirkungdfreiß, indem er Dur Refkript vom 
8. December zum Gebeimen Kobinetöfekretär im Domes 
'iedepartement ded geb. Kabinets, welchem damals der 
abinetöminifter Grat von Hopfgarten vorkand, ernannt 
ward, fo jedoch, daß ihm fein Play und die Anciennes 
tät beider. Landedregierung verblieb. Diefer Pohen 
war bei der damaligen DBerfaflung, nad melder alle . 


}äden, nu der dumm Staatöverwaltung im geb. Kar 
inet ded Köni en liefen und alle Zweige ders 
felben von dori oberften Impuls erhielten, von 
nicht geringer t. Sübrte er au — meil der 
Dortrag bei di durd den Kabinetöminifter ge 
dad — im reg Gefhäftögange, von meldem 


ei der in die 2 fehr Rrengen Denkungsweife 
WE. Rekrolos. 18, Jadta 13 


1a Kohlfhlten + 


des Konigs Friedrich Augut nur_feften Ausnahmen 


gemacht wurden, nicht oft zur perfönliden Berührung 
mit Senterem, fo gelangte do feine Angelegendeit zur 
Entfaltung des Königs, die nicht Yon dem betreffen» 
den Kabineröfekretär voüſtaͤndig vorbereitet und autadts 
lich bearbeitet worden wäre und eben Die puͤnktliche Ge⸗ 
‚ wiffenvaftigfeit, mit der der König auf die beftebenden 
Gefhäitsformen bielt, befimmte ibn ad, den Arbeiten 
feined Kabinets ftetd die forgfäftinfte Beachtung zu wid: 
men. Cd kam dader in der That nicht wenig darauf 
-an, daß die Stellen der erpedirenden Kabinetsfekretaͤre 
fid in den Händen von Männern befanden, welche mit 
ründlider Rechts⸗ und Gefepfenntniß und gedie ner 
Gefhäftsbifdun ‚fo viel Unabhängigkeit des Charakters 
und Sreimürbigkeit der Sefinnung verbanden, daß ihre 
Arbeiten nicht der bloße Nabpal fremder Eingebun 
werden fonnten, fondern fih dem König ald dad Nefuls 
Tas einer ſelbſtſtaͤndigen, auf gignem Grunde beruhenden 
Anſicht darſtellten. Von diefer Seite batte K. die Be 
flimmung des ihm Äbertragnen Amtes aufgefaßt; er hatte, 
mie er ch bei einer fpäteren Gelegendeit felbft_aud« 
druͤckte, bei deffen Antritte ſich angelobt, mit feſtem 
Sinn darüber zu machen, daß ed nicht durch feine Schuld 
unter die Würde (einer perfaſſungs maͤßigen Beftimmung 
berabfinfes und daß es ihm mit diefem DVorfag beifiger 
Ernft war, daß. feine amtliche Stelung-tär ihn nur fo 
fange Werth hatte, ald er fie in feinem Sinn mit Eh» 
ren bebaupten zu Fönnen glaubte, dafür bat er feitdem 
unter ſchwierigen Berbälmiffen Überzeugende Beweife 
egeben, 8.8 Geſchaͤftskreis im gebeimen Kabinet um. 


— 


te die geſammte Juſtiz- und Polizeiverwaltung, mit 


adeorift der Angelegenbeiten der Wniverfitäten und 
chulen und der en Shoheitd» und Gemerbefa- 
Den, die wichtigſten Geſchaͤfte der innern Verwaltung 
gingen daher durch feine Hände; doppelt michtig in 
jener ſturmbewegten Zeit, die allen DBerbältniffen ihr 
Gepraͤge aufdrädte und auf die inneren ‚ingelegenbeiten 
der deutfpen Staaten, des, Königreih® Sachſen ganz 
befonderd, fo vielfach und erfütternd zurückwirtte. Bes 
kanntlich war ed der aufangeborner Geiſtesrichtung eben» 
fowobl, wie ayf ſelbſt gemonnener Ueberzeugung beru⸗ 
bende Grundfag des Königs Sriedrih Auguſt, fih von 
dem Strudel der Zeit nicht fortreißen zu laflen, fondern 


7 Deffen Biographte f. N, Nekr. 5. Jahrg. ©, 449, 
⸗ — 











Kohlſchütter. 196 
dem andringenden Strome der Neuerungen, auch wenn 


er, wie in der Zeit von 1806 — 1812 zumeik, auf Be 


. grändung monardifdher Allgemalt binwied, ein Spſtem 
Befonnener Beharrlichkeit und Aufrechihaltung des Bes 
ſtehenden entgegenzufegen und Die, in feiner Anſicht 
dur Erfahrung bewährten Sormen der Landesverfafe 
fung in ihren Grundlagen unvderfehrt zu erdalten. Wenn 
ed ihm aber gelang, diejed Syſtem mit Konfequenz dur 
zuführen, wenn in einer Zeit, wo Gewalt dad Looſungs⸗ 
wort (0 vieler Regierungen ward, doc in der ſaͤchſiſchen 
Staaröverwaltung, fo großen Verſuchungen gegenüber, 
der Geiſt der Serechtigfeit, der Weidheit und Mäßigu 
vorberrſchend blieb, fo gebührt K., dem der “Kabinet 
minifer Graf von Hopfigarten fein unbedingtes Vers 
trauen fchenkte und dem auch dad des Königs in vollem 
Manfe zu Theil ward, das Verdienſt, Die Abficht des 
legteren richtig verſtanden und zu ihrer Verwirklichung 
in feiner Spbäre werfihätig und aus innerer Ueberzeu⸗ 
gung mitgewirkt zu daben. Dafür zeugt die bobe Ach⸗ 
tung, mit der fein Name im ganzen Lande genanns 
wurde und die Öffentlihe Meinung, welche ibm einen 
febr bedeutenden Einfluß auf die Geſchaͤfte beimaas, 
er rubige Gang feines Eebend wurde in diefer Periode 
durch den Ausbruch des oͤſtreichiſchen Kriegs i. J. 1809 
unterbrochen, welcher die Entfernung des Koͤnigs Friedrich 
Auguſt anfangs nach Leipzig und ſpaͤter nach Frank⸗ 
furt a. M. zur Folge hatte, wohin ibn K. mit einem 
Theileder gebeimen Kabinetscanzlei begleitete. Mit 
dem — 1813 begann für Sachſen jene Reihe politi⸗ 
(ae nglädsfälle, welche dad Land bis in dad innerſte 
ebensmark vermundeten. K. mußte nit nur feiner 
amtliden Stellung nad von diefen Ereignilten unmits 
telbarer ald Andere berührt werden, feine Anbänglichfeit 
an König_und Vaterland war au fo warm und innig, 
fe batte ſich fo feſt und unaufloͤslich mit feinem ganzen 
efen verſchwiſtert, daß fie ibn das Öffentliche Ungläd, 
mie das eigne, ja tiefer, als diefed, tüblen ließ. Die 
trübe Zeit- von 1813 — 1815 bezeichnete daber einen 
Wendepuntt in K.'s Leben; feine guten Tage lagen vom 
da an hinter ibm. Schon im Februar des Jahts 1818 
mußte ft. bei der Annäherung der verbündeten Heere 
dem König nah Plauen, von da nach Regendburg und 
Prag folgen und Die Seinigeu mitten unter den Gefab- 


ren des Siriegs in Dredden zurüdlaflen. In Sreiberg 


‚ Marb der Kabinetöminiker Graf von. Dopfigarten, ein 





196 " Kohlſchutte. 


ſo blieb ſeine ganze 
Thaͤtigkeit darauf gerichtet, e viel an ibm war, dad Uns 
gemister deſchwoͤren zu beiten, welqes nun über das 


ihr angeibanen Unrechts rege za erhalten ſuchten. Das 
ehr IB1a, ford die & —8 


n 
ſchen beiten geribmet: Ein im März des J. 1814 
geſchriebener Aufſatz war dazu beftimmt, den König Sried« 
sid Auguſt gegen die Vorwarfe einer unbezwingbaren 


“- 





Kohlfgütter. 197 


- Anbänglichkeit an den gemeinfamen Beinb, einer bes 
darrliden Feindſchaft gegen ‘die wider Napoleon ver 
bändeten Mächte und ded Verratds an der deutſchen 
Sache zu vertheidigen, gegen Berwärfe, welche demiels 

“ben von dem Fuͤrſten Repnin in der Anrede an die ſaͤchſ. 
Bebörde in Dresden vom 40. December 41813 und in. 
der Schrift: „ein Wort über das Derbältnig des ſaͤchſ. 
Kabinets zu den hoben Verbündeten Mächten im Fruüh⸗ 
jahr und Sommer 1813“ gemacht worden waren. Im 
zu 1814 beſchloß der König, durch eine Vertheidigun 
eined biöberigen politiſchen Benehmend das Intereſſe 
Europad far die Erbaltung feiner heiligen Redte und- 
für die gegrändeten Anſpruͤche feined Volks in Anſpruch 
u nehmen. K. wurde mit der Abfaffung dieſer Denk» 
N hrift beauftragt, welche in franzöfifcber Weberfegung 
unter dem Titel: „Exposde de la marche politique da 
Roi de Saxe‘“ den vier verbündeten Mächten und meh⸗ 

- Teren andern Höfen mitgerheilt wurde. K. fuchte darin 
Durch eine treue und vollſtaͤndige Darlegung des Gan⸗ 
ges und der Gründe des von dem Könige Bir dem J. 
4807 und namentlid im Srubjahr und Sommer 1818 
beobachteten politifden Beriehmend und feined Verhälte 
niſſes gegen die verbündeten. Mächte die Ueberzeugung 
bervorzurufen, daß er nie Dergrößerungd» oder Unter⸗ 
Drüdungsabfihten gebegt: habe, nie von der Bahn des 

Rechts und der redlichen Öffenbeit abgersichen fei, und 
Daß die Schritte, Die man, ibm zum Vorwurfe machte, 
durch eine unabweisliche Nothwendigkeit geboten gewe⸗ 
fen ſeien. Die Hoffnung, welche K. In einer andern klei⸗ 
nen Schrift *) ausſprach, daß jene Rechtfertigung des 
Königs den Augen der Welt zu feiner Zeit werde vor⸗ 
elegt werden, damit die Wahrheit des dort Geſagten 

der allen Zweifel erhoben werden Eönne, ift dadurch in. 
Erfüllung gegangen, daß das franöffar Eremplar in _ 
Klübers Acten des Wiener Kongreſſes Bd. VII. ©. 201 
ff. abgedrudt worden if: Auch ik ein Theil ihres In⸗ 
balts wörtlich in eine bald zu ermähnende Fleine Schrift 

8.8 „acten» und tbatenmäpige Widerlegung ꝛc.“ Übers 

gegangen. zu Spätberbft deſſelben Jahrs wurde K. 

der ſchon früber bei dem ruſſiſchen Gouvernement vers 

geblih um die Erlaubniß angefuht hatte, fi zum Kb» - 
nige begeben zu dürfen, ſelbſt nah Berlin beichieden, 


„9,908 der König von Sachlen dieſem Bande entfogt?” f- 
unten, . 2 \ 


198: > Kohlſchutter. 


um d in der Nide von. Zriebrihäfelde aufnbalten. 
Seldkt in Berlin fheuete er die Gefahr nicht, jmei 
sen in die Wagfchale der fähffhen Sade Ban, 


en gem Saqfen und defien König gerichteten Fluge 
wit, .— d 


ter dem Zitel: „Blide 
fein Volk und deren be 
f&ienen war. Gegen d 
acten, und tbatınöpige 
fien Unmabrdeiten un! 
Sarift: Blide 1c.“ entL_.. 





Ü 
großer Wichtigkeit, wie_fie_denn von PAY *) in feis 
ner Gefbihte des preuß. Staated Bd. 3. ©. 224_und 
315 f.,_ald Queile benußt, von Heeren in der 4. Aufl, 
feiner Befcichte des europdiihen Gtaatenfpftemd bei 
der Milderung feineö in der 3. Aufl. diefed Werks über 
Sacdfend Politik außgefprogenen Urtdeil gebraucht, 
von Pölig_aber niht bloß für fein im Jahr 4817 ers 
fwienened Tafhenbud- der fächf. Gefdibte und in feie 
ner; „Regierung Friedrich Auguftd“ vielfacy benugt und 
bier (Bd. IL. e. 173 Anm.) an die Spige der in jener 
Zeit für Sachfen erfhienenen wirighen Siugfäriften 
geftellt, fondern aud in dad von ihm fortgefegte Diplos 
magifbe Archiv von Lüderd aufgenommen worden if. 
8.8 übrige Thätigkeit_in Berlin war hauptfählid dar» 
auf gerichtet, Die, Gegenvorfellungen vorzubereiten, 
melde dem Kongrefle zu Wien, wegen der dem König 
von Sachfen angefonnenen Territorialceffion_ gemacht 
werden fönnten. Als ſich der König auf die Einladung 


9 Defien Biograpdie ſ. N, Nekr, 6. Jahrg. S. #78. 





Kohlſchuͤtter. 199 


des A fer von Deftreih von Berlin nach Prefburg be 
- gab, folgte ihm auch K. dabin. Diefer verließ Eerlin. 
am 22. Sebruar und traf, über Srankfurt a. d. O. Bred- 
lau, Olmütz, Bränn und Wien gebend, am 5. März in 
Preßburg ein, Die Kataſtrophe, die Ääber Sachſen ver 
hängt war, näherte ſich jegt ihrer Entwidelung; die von 
Dem Kongrefle wegen der Theilung des Landes gefaßten 
Beſchluͤſſe wurden dem Könige bald nad feiner Ankunft 
in Preßburg zur Annahme vorgelegt. Es iſt nicht unbes -. 
kannt geblieben def fi unter den Umgebungen des Koͤ⸗ 

nigs von Sachſen über das Verfahren, welches von ibm 
Dem Kongreſſe gegenüber zu beobachten fei, Damals zwei 
entgegengefegte Anfichten gebilder hatten. Während Die 
. Einen id zu der Meinung befannten, Daß,.um aus dem 
Schiffbruch des Staats zu retten, was fi noc retten 
loffe und um wenigftend im Einzelnen erträglige Be 
dingungen zu erhalten, Nächgiebigfeit gegen die geftells 
‘ten Sorderungen im Ganzen zuträglich fei; daß man ſich 
durd allzu beharrliches und unbeug amed Widerftreben 
in einen ungleiden und Daber unmeifen Kampf mit der 
Uebermacht der Derbältniffe einlaflen werde, blieben die, 
Andern der Anficht treu, daß unerſchütterliches Feſthal⸗ 
ten an feinem guten Recht die weifere, jeden Falls Die 
ded Koͤnigs wuͤrdigere Politik ſei; fei es, daß fie auf 
den Techrel ‘der Ereigniffe rechneten oder Daß fie glaubs 
ten, der Kongreß werde, ebe er zu offenbarer Gewalt 
ſchreite, zu vermittelnden Bedingungen ſich berbeilaffen 
oder dag ſich endlich mit Stanz I. tröftlen wollten: nous 
avons tout perdu hors l’honneur. K. gebörte für feine 
Merfon auf das Entfbiedenfte der legteren Anſicht an 
und wenn er fi befceiden mußte und gern beſchied, 
Daß er dem Mittelpunfte der Derbanbiungen, die ſich 
nur immerbalb der höheren dipfomatifchen Kreife beweg- 
ten, zu fern fiebe, um ‘die eigentliche Kage der Verpält. 
niffe und was biernah zu hoffen und zu fürchten fei, 
ganz zu Überfeben, fo hielt er fi wenigſtens für ver, 
. pflichtet, dem Spſtem, das er vertrat, fo weit feine uns 
tergeordnete Stellung es ibm verftattete, Durch alle in. 
feinem Bereiche liegende Mittel und obne Rüdfit uf * 
die fuͤr idn damit verbundenen perfönlichen Inconvenien⸗ 
in. gehörige Drtögeltung zu verfhaften. Der Gang 
er Ereignifle hat darüber anders eniſchieden und e 

mußte vielleicht fo fein. Allein auch diejenigen, die in 
der Anſicht, zu der St. fi) befannte, nur die Selbſttau⸗ 
(dung eines patriosifhen Gemüths erbliden, werden 


1 


200.  Kohlfchütter, 


wenigftend ber &hrenbaftigkeit der Motive, Die ihn Tel 
teten, ihre Anerkennung nicht verfagen koͤnnen. Webris 
gend war 8.5 Thätigkeit in dieſer Zeit durch Vorbe⸗ 
reitung der durch die Zerſtückelung Sachſens in der Lan» 
deövermaltung nöthig werdenden Veränderungen und 
durch Vorarbeiten für den Wiener Srieden vom 18. Mai 
pieltach in Anfprub genommen und der Abſchluß der 
Verhandlungen überrafchte ibn, noch ehe er den Plan 
eined Ausfugd nach Peſth batte ausführen fönnen; die 
legte Woche wurde der Beſichtigung Wiens gemidmer. 
08 Patent, durch welches der am 7. Juni nah Sach⸗ 
en zurücdkebrende König feine Sachſen begrüßte, bat K. 
n dem Abdruck deſſelben 


terland erworben batte, wurden dadurch aner nt, 


per rinzeffin Amalie von Baiern ernannt.) K.'s Ges 
häftsfreiß blieb auch von da an ein fehr ausgebreite⸗ 











. Kohlſchuütter. 201 
“ verebrten Büren angebörte, seigte fi bald, 
das Maas feiner Kräfte — fei und er Ag 
jerwohnt, der Erfüllung feines Berufd jede. perfönliche 
üdfiht bintanzufegen, den Gefcdätten feines Amtes 
au jegt no mit der äußerften Unfirengung vorzuftehen 
go befrebte , ee Eonnte ed do nur mit längern Untere 
rechungen gefheben, die theild dur den Befuh der 
BWäder, theild Dur beftigere Strankbeitöfäle berbeis 
geführt_waren. Schon feit dem 9. 1828 war er daher 
eined Theils feiner Arbeiten entboben morden; vom - 
Winter 1829 — 1830 an mußte für die interimiſtiſche 
Wermaltung feines Amtes Sorge getragen werden und 
als nad Eintritt der Verfalungsurfunde vom 4. Sept. 
4831. bei Einrihtung der Miniferialdepartements dab 
eheime Kabinet am 1. Dechr. 1831 aufgelök ward und 
89 Funktionen 9 biermie erledigten, wurde ihm dur 
Refeript vom 43. November 4831 in Anerkennung feiner 
jroßen und vielfaden Derdienfte ein feinem biöherigen 
Gevalte gleihkommende® Wartegeld, melde fpäter in 
Penfion verwandelt ward, mit dem Vorbehalte bemilligt, 
von feinen gründlichen Kenntniffen und feiner bewährten 
Gefdäftsertahrung in vorfommenden Fällen aud ferner 
ebrauch zu machen. Und biermit fhHeßt fi denn R.E 
jentlihe, dem Wohle ded Könige und feiner Mid 
bürger auöfcließlih gemwidmere, an Mäbe und Arbeit 
reihe, aber eben darum Löftlihe Laufbahn. Don dem, 
was er während derfelben gearbeitet und gefeiftet bat, was 
dur feine ummittelbare oder mittelbare Einwirkung in . 
Wert aefent: gethan oder verbütet wurde, dat bier nur 
der Eleinke Theil erwähnt werden können. IR «6 über 
baupt dad Fo08 der meiften Stoatödiener, dag dogſten 
nur idre nähfen Vorgefepten und Kollegen Den Moabs. 
tab ibrer Zeitungen und ihre Verdienkes befigen, daß 
je aber aud auf fichtbare, bleibende Refultate ibres 
Wirkend nur in feltenen Fallen rechnen dhrfen und ſich 
darauf gefaßt halten mäflen, das, maß fie getban und 
gewirkt baben, fon unter ihrem nächRen Nachfolger 
„ vermifcht und vergefien zu fehen:, fo_eniging x. diefem 


2008 um fo weniger, ald T Zeben6 in 
eine Zeit, des plöglien Un Verdaͤliniſfe 
und Anſchten fiel, die für Di — uns 
vorangegangenen Periode der ſchichte nicht 
weniger, als günflig war. I eſſen Die Zeit 
niet mer fo fern, mo mar m wird, 


man der neuen Ordnung der er den Krhmte 





202 = Koblfchütter. 


. mern der alten Verhaͤſtniſſe emporgekiegen ik, mit Auf 
riptigfeit und aud Ueberzeugung gugetban fein fann, 
obne Aber alles dasjenige den Stab zu brechen, was in- 
einer fräberen und fo lange fegensreichen Regierung, 
wenn aud unter dem Banner anderer politifden An⸗ 
ßoig und Grundſaͤtze, geſchebden if; ja, daß der Sei 
: der Geredtigfeit und Mäßigung, die Achtung für bie . 
Rorifded Recht und der Sinn für Geſetzlichkeit, Ord⸗ 


“gung und Sparſamkeit, womit die Regierung Friedrich 


Auguüſis die ſaͤhſ. Verwaltung durchdrungen bat, unter 
den Sätern, die das ſaͤchſ. Volk au den Stürmen der 
Zeit gerettet bat, nicht die legte Stelle einnimmt und 
ein Erbtheil bilder, dad auch mir unferen Söhnen un⸗ 
verfehrt überliefern follten. Wer fi aber zu Diefer An⸗ 
‘ fit bekennt, der wird unter den Männern, die in den 
erſten Devennien diefed Tabrhunderss in Sachen in Öfs 
fentlihen Aemtern wirkten, auch $.'8 Semshmip in 
Edren halten. 8.8 Eintritt ind. praktiſche Leben fe mit 
den erften Jahren der franzoͤſiſchen Revolution zufammen 
und, wie alle edleren und freieren Gemütder, wurde 
auch er anfangs mädtig von der geifigen Bewegung 
ergriffen, Die jened Ereigniß und Die daran fi Enüpfene 
den Hoffnungen einer befleren Zukunft auch in Deutſch⸗ 
Jand bervorriefen. Mehrere feiner damaligen literarifchen 
. Erzeugnifle, fo wie Aeußerungen in Privatbriefen iegen 
für diefe Geiſtesrichtung Zeugniß ab. Wenn aber feine ' 
HN durch die Ausartung des franzöf, Sreiheitds 
ſchwindels ebr bald umgefiimmt wurde, bo führte ibn 
fein Eintritt_in die Öffentliden Geſchaͤfte und die nähere 
Bekanntſchaft mit den wirklichen Zebendverbältniffen nad 
und nad einer entgegengefegten politiſchen Anficht zu, - 
in deren Folge er fi immer enger dem Grundfage de 
diſtoriſchen Rechts anſchloß, ohne ihm jedod mit Rarrer 
Einfeitigkeit anzubängen. Sein politiihed Glaubens⸗ 
bekenntniß faßte er bißweilen in den befannten Worten 
Dope’s zufammen: „let fools contend on forms of go- 
vernment; . the best administred i the best,” daB er 
namentlib auf die ſaͤchſ. Verhältniffe anwendete und 
aus feinem Standpunkt auch um fo eber anwenden 
konnte, ald er fi bewußt war, nach beften Sträften dazu 
beigetragen Du haben, daß Sachen, wie ed der Wille 
des Königs Friedrich Auguſt war, nad unmwandelbaren 
Grundfägen der Gerechtigkeit und des Wohlmollend 
regiert würde, die in ihren praftifchen Folgen die Uns 
volllommenheiten der beftebenden Verfaſſüng bi6 zu 


\ 





Kohlſchuͤtter. 203 


. einem gemiffen Vunkt ausgleichen und vergeflen machen 
Eonnıen *) Jedoch war Fine Ynbängli eit an diefe 
Verfaflung weit entfernt, in einen trägen Optimismus 
auszuarten; vielmehr waren ibm die den öffentlichen 
ufänden Saghſens anflebenden Gebrechen nur zu gut 
efannt und Niemand bat ed tiefer und fhmenlider 
‚empfunden als er, daß fi eben in Solge jener Gebrechen 
‚dad Land in den entfheidenden Zeitpunkten nicht auf 
die Höhe moralifder Energie und Epannfraft jü erbeben 
vermochte, dur welche im WVölkerieben, mie in dem 
der Einzelnen -Hülfe und Rettung in Eritifden Momen- 
ten allein bedingt iR. Unter folden Umitänden Eonnte 
freilih „der durch dad Jahr 1830 namenilich auch in 
Sochſen berbeigefübrte Wechfel der Dinge, in deſſen 
Folge er ald Greid fo vieled wieder zeritören ſah, gu 
deſſen Aufbau er ald Mann ſelbſt witgemirft hatte, feiner 
Denk: und Sinnesweiſe nipt zufagen und was von dem 
Sreifenalter Aberbaupt gilt: „aedepol senectus multa, 
quae non vult, videt,“ Dad mußte er an dem feinigen 
vorzugsweiſe erfabren. Wenn er ſich aber über die neuen 
Verdaͤltniſſe oft mit Härte und Bitterkeit dußerte, fo 
lag doo der Grund zum großen Theil in der durch 
körperliche Leiden veranlaßten Verſtimmung des Ges 
mätds, Die. ibm Manches in einem andern und ſchwaͤr⸗ 
zeren Licht erfcheinen ließ, als es der Soll geweien fein 
würde, "wenn er ſelhſt nod mis voller Ruͤſtigkeit des 
Geiſtes in die Beichäfte haͤtte eingreifen können. Daß 
Weſen und Thun 8.5 als Geſchaäftsmann und Staats⸗ 
Diener, ſelbſt der Bildungeotuß den er eingeſchlagen 
batte, um fid für die Geſchaͤfte vorzubereiten, war 
von ſolcher Art, daB er wodl verdient, dem jüngeren 
Geſchlechte bierin als Voͤrbild bingefellt zu werden, 
Bon feinen Schuljabren her von dem Geiſte der Flaffio 
fen Schriftſteller des Altertbumd durchdrungen, deren 
Zeftäre er noch in ſpaͤtern Jahren als Die Würze feiner 
Mufehunden betrachtete, datten ernſte pbilofopbifche 
Studien auf der Univerfität den Blick (eines eiſtes 
geſchaͤrft, feine Lebensanſichten gelaͤutert. Seine uns 
mittelbare Vorbereitung für dad Geſqhͤftsleben beruhte 


*) Man fehe die Vorrede zu ber Zern 
Wiedergeburt. Ein Sendſchreiben an S. Maj. den König Friedrich 
Auguſt. Maing 1:14. Gin im Jahr aBın gelhriebener Auffag,, in 
welchem er die in der genannten Schri 
prüfte, gab KR. Belegenbeit, feine, Anfihten über diefen Punkt, 
enen er auch fpäter Iren blieb, weiter auszuführen, 





204 Kohlſchuͤtter. 


auf ber Grundlage einer gediegnen uhd_unfaffenden 
Juriftifeh sciviliftifden Bildung, die er, in Ermangelung 
eined bedeutenderen Andaltepunkted unter feinen Zebrern, 
ei allein ſich felbk verdankte und durch mmebrjäprige 
beilnabme an den Arbeiten eined Spruckolleg uns 
und felbß eine za lang durch fahmwalterifde — ft 
ur praftifhen Anfhauung erhoben hatte. Nictödeftos 
meniger war feine Richtung Feine einfeitig jurififche. 
peieimebr betrachtete er, feit ihm dur feine Anftelung 
in der Landesregierung und im Kadinet ein ermeiterter 
Wirfungsfreid eröffnet war, da6_OStudium der politio 
den Wiflenfhaften im weitetten Sinne und deren nuße 
ae Anwendung auf dad wirkliche Leben als feine daupi⸗ 
blickte aufgehe und mie ed fein Grundfag war, daß 
der wiffenfchafilich gebildete Gef&äftömang in der Forte 
8 Geiſtes nie Ri Reder “+ 8 
upt mit den geifigen d 
dindung blieb, fo entg 
ebiete feine der wicti 
Irbeiten trugen daher 
Sründlikeit, dad C 
digen Behandungd» un 
4 wor fein Styl rein 
zedrängt, ſonen auf t 
— — sur de eine Arbeitfamf 
und nur dur die firengfte Regelmäf 
- ordnung und Zeiteinthellung wurde 
Iange feine Kraft nod ungelbmädt | 
geret eriften Anforderungen, an fein 
ie Wage u balten. Die Tugend | 
eigennüßigkeit und Arengen Pflichtt 
unter den Beamten deutfher Staa — 
Erſcheinung, daß fie bier beſonders hervorgehoben zu 
werden verdiente; aber nicht Überall begegnet man, 
gumal in unferer den dußeren Dingen vorderrfend 
‚Ipgewendeten Zeit und in einer Gtellung, die dem 
Elan und der Eitelkeit manche Nahrung bieten Eonnte, 
jener Befdeiben eit und Anfprucelofigfeit, jener über 
allen äußeren Schein erhabenen Einfachheit der Gef 
nung, die 8. fein ganze& Leben bindur& aan Bor 
efegte, wie gegen Üntergebene bebauptete und die um 
[7 anerfennungswertber it, ald fe ihn niemal$ abbielt 
auch dem böder Geftellten gegenüber da mit Nachdru 
und Beſtimmtheit aufzutreten, wo ihn Ehre und Gerufs⸗ 
pflicpt dazu aufforderien. Hier befonder& zeigte ſich der 


Kohlſchutter. 205 


Einfluß der tief religidfen, von aller Srömmelei - und 
Scheinheiligkeit freien Sefinnung, Die K. von Kindheit 
on in ſich aufgenommen, die er durch den vertrauten 
Umgang mit Reinhard und die ftete Beichdftigung mit 
deſſen Schriften befeftigt hatie und Die feinem ganzen 
Wefen, wie feiner dußeren Wirkſamkeit die Höhere Weide 
gab. Diefen Öffentliden Tugenden entſprach die Würde 
und Haltung feines, Privarlebend. Die Gewiſſenhaftig⸗ 
keit und Strenge gegen fi felbft, die Rechtlichkeit und 
Treue in jeder Ruͤckſicht, die Willendfeftigkeit und daß 
Woblwollen, welches er dort bewährte, drüdte auch 
feinem gefammten übrigen Verhalten das Bepräge des 
Edeln und Würdevolien auf, Abgeſehen Davon, daß er 
feit einer langen Reihe von Jahren Mitglied der Ges 
ſellſchaft zu Rath und That und fpdter des Mendelfohns 
vereins war und Überhaupt die Wobltbärigkeitsanftalten 
des Landes und Dreddend nah feinen Kräften unters 
fügte, fo würde des Guten, das er getban, vieled ge= 
tühmt werden müflen, wenn bier der Drt fein Lönnte, 
dad an das Licht zu ziehen, was er im Stillen gewirkt 
pat. Einfach in feiner äußeren Erfheinung, mehr wort» 
arg aid mittheilend and überhaupt zum Ernfte geſtimmt, 
‚war er doch ein Sreund ungeimungener Gefelligkeit und 
mußte fib in den Jahren der Kraft und Gefundheit in 
Dem" Kreiſe von Freunden oder in dem feiner Samilie 
auch unter dem Drude der Geſchaͤſte heiter zu erbalten 
und durch feine Gegenwart einen wohlthuenden Einfluß 
auf feine Umgebungen auszuüben. Seine befte Erbolung 
fand er in dem Shoofe der fhönen Natur, der er al 
entbufiafifher Freund zugethan war und in dem Kreife- 
feiner Samilie. Hier wältete er als liebevoller, aber 
ftrenger Hausvater und ließ ſich die Erziehung feiner 
Stinder, Die er fortwährend felbft leitete und_auf das 
forgfamfte beauffichtigte, mit unermädlidem Eifer ans» 
gelegen fein. So wudfen ihm zwei Töchter und vier 
Söhne heran, von denen er die erfteren gluͤcklich ver 
beirathet, Die letzteren aber und zwar ben aͤlteſten als 
Regierungdratb bei der kön.. Kreiödireftion zu Zwidau, 
den zweiten als praftifchen Arzt, den Dritten ald Gans 
Didaten der Rechte, den vierten ald Prediger. bei der 
reformirten Gemeinde in Dreöden zurückließ. Seit feis 
nem Zurädtritte von den Öffentliben Gefhäften lebte 
er — da auch Die meiften feiner engeren Sreunde ihm 
vorangegangen waren — in fliller Zurüdgesogenbeit, auf 
den Kreis feiner Samilie und näderen Verwandten bes 


’ 


06 2) 


ſchraͤnkt. Gewoͤhnt an rege Thätigfeit konnte er. ſich mit 
der ibm auf ebrenvolle Weife zu Theil gemordnen und 
"ihm fo nöthigen Nude nie ganz befreunden und dieſer 
Zwiefpalt feiner Wuͤnſche und feiner Kräfte veranfaßte 
nicht felten eine bittre und unzufriedne Gemüthsſtimmung, 
die den Abend feined Lebens auf unerfreuliche geile 
truͤbte. Wenn glei) in den legten Jahren immer ſchlimme 

Tage mit. befferen mwechlelten, ja bisweilen fogar die 


‚alte a und Munterkeit wiederfebren zu wollen fchien, 


[e ließ ſich doch wohl nicht verfennen, daß dies nur die 
ten freundliden Blide einer binter Wolfen unters 

edenden Synne waren. Die am Unfange des J. 1837 
in Dreöden berrfddßende Brippe ergriff aub ibn und warf 
ibn am 4. Februar auf das Krankenlager. Sein Körper 
war zu ſchwach, um die Krankheit zu Üüberfieben. Das 
Bemußtfein ſchwand, er fchlief allmaͤlig ein und verſchied 


‘am oben genannten Tage. Am Morgen des 13. Febr, 


wurde er auf dem Eliadfirdbofe in der Gruft feiner 
Vater in der Stille beigefegt. Außer den Eöhnen und 
Derwandten, die feinem Sarge gefolgt waren, batten 
f6 die dankbaren Mitglieder der ehemaligen Kabinetd- 
anzlei an feiner Nubeftätte eingefunden, um ihrem alten - 
Vorgefegten die legte Ehre zu erweifen. Sein Neffe, 
der Hofprediger Dr. Srande ſprach an feinem Grabe. 


72. Chriſtian Zriedrih Meurer, 
eriter Prediger zu Grünberg in Schlefienz 
geboren d. 12. San. 1700, get. d. 9. Febr. 1837 *). 


Meurer, geboren su Goͤßnitz im Herzogthum Alten. 
burg, zeigte früh einen regen Geiſt, der leicht die Zeffeln 
äußeren Druds ertrug und vollendete unter demfelben 

ine Gpmnafialbildung zu Altenburg. Auf der Univen 

tde Jena Audirte er Theologie, worauf er in einem 

(ter von 21 Jahren in Solge der Empfeblung des Prof. 
Schubert zu ben Daudlehrer in Schönheide ward. 
©päter (1815) übernahm er eine Hauslehrerſtelle bei Dem 
Grafen zu Dobna in Mallmitz bei Sprottau, an deſſen 
Familie er fih fo innig gebunden fühlte, daß er Vers 
f&iedene Berufungen ind Pfarramt ausſchlug und auch 


. einen glänzenden Antrag nach Bredlau ablehnte. Im 


zum 1819 nahm er den Ruf ald zweiter Prediger in 
rünberg an, mo er in der Solge zum erften Prediger 


— — — — 





> 9% Schlef. Provinzialblaͤtter 1837. 





+ 


ſenſchaften als in der 


Bocergt. | 207 


befördert wurde und die befondere Liebe feiner Ges 
meinde genoß. Tiefer Scharffinn, Ruhe und Befonnen 
beit, Elare Auffaſſung alled Geiſtigen und Menſchlichen 
war das Charofteritifhe feined ganzen Lebens. Außs 
ezeichnete Gaben hatte er empfangen, aber immer und 
Überall war Die Derberrlihung des Namens Jeſu Gegen⸗ 
and feiner Sehnſucht und feined Strebens. Im Monat 
uguf 4836 verfiel er in ſchwere Krankheit, von der er 


nicht mehr genad. — Gedruckt befigen wir außer einzel 


nen Predigten von ibm: Auswahl and meinen Predigten. 
4. Zieferung. Glogau 1824, — Die Lehre v. d. Wieder 


- febn in der Emigfeit, aus der Schrift entwidelt und 


dargeßtellt in vier Predigten. Glogau 1835. — Unter 
dem Namen Paul Muretus perdftentlihte er: Noth⸗ 
und Sreudenfbäffe eines Theologen, den Theologen des 
49. Tahrh. gewidmet. 1 —2. Salve. Blogau- 1822 —23. — 
Anonym eridien von ihm: der Verirte 2c. Blogau 1824. 


73. Chriftion Gottlob Auguft Bergt, 
Drganift in Bautzen; 
geboren den 17. Juni 1772, geflorben den 10. Febr. 1887 *). 


Er wurde zu Dederan im fächf. Erzgebirge geboren, 
wo fein Vater Stadimufitud war. Gebr früh zeigten 
Ab in ibm große Talente fowohl zur Tonkunſt als zu 
Spraden. Der Vater befimmte ihn daber zum Theo⸗ 
(ogen, wozu der Knabe auch fehr viel Neigung offen⸗ 
barte. 3784 wurde er auf die Kreuzſchule nach Dresden 
eſchickt, mo er unter dem Rektor Dipe und dem Kantor 

einlig ſich fedr neidig erwies, doch mehr in den Wiſ⸗ 

) ontunft, in welcher er fi mehr 
praftifch ald Klavier» und Violinfpieler hervortbat. 1791 
besog er die Univerfitdt zu Leipzig, blieb dem Studium 
der Theologie fo treu, daß er fib 1794 eraminiren laffen 
konnte, worauf er eine Hauslehrerſtelle beim Paftor 
Schmidt in Schönfeld bei Leipzig bekam. Unterdeſſen 
war feine Liebe zur Tonkunſt märbtiger in ibm erwacht; 
Schicht *5) und Müller, die beiden Kantoren an der 


Tpomadfchule, halfen ihm in der Kompofition auf, ein-- 


eißiged Beſuchen der Leipziger Koncerte und Opern, 
Hi ein ah fQanlicer Aagang mit 8. Eau m) 


:*) AHg. mufitalifche Seitun 1837. Ne. 28. 
—33 Deffen Bot. Dr 1. gahrg. des N. Nekr. Sn. 


N 





WB >. Best. 


segten verſchiedenariige Kompoſitionsverſuche auf, in - 
Denen man bald einen fehr boffnungdvollen Tonfeger 
erkannte, fo daß er fih der Muſik ausſchließlich widmete, 
‚odne dabei die Wiſſenſchaften sarı zu vernadläffigen. 
Unter andern batte er ſich im DOrgelipiel fo fehr gebildet, - 
als in der Setzkunſt. Schon 1801 wurden. von ibm ei» 
nige Ktlavierfonaren, Lieder, dad erfie Heft feiner Ter⸗ 
este und ein kleines Intermezzo für eine Perfon, das 
taͤndchen, gedruckt und meiſt wohl aufgenommen. — 
41802 erbielt gr_bereitd einen Ruf nad Budiffin ald Or⸗ 
anift an die Stelle Stallmannd. Hier machte er fi 
ald dur fein vortrefflihed Drgelfpiel, durch Fleiß, 
Rechtlichkeit, Gefälligkeit, gebildetes, angenehmes, ges» 
feliges Betragen fo beliebt, Daß er aud ald Diunk, 
ehrer am dortigen Seminar angeftelt wurde. Treu und 
unermüdlich bat er bier außerordentli viel Gutes, auch 
als Privarlebrer gewirkt. Die fräbefen Morgenftunden 
waren der Kompoſition gewidmet, die übrigen feinens 
Unterriht bid zum Mittagdmahl, dad er in der Regel 
in den Haufern feiner Sreunde einnabm. Die ganze 
Stadt und Umgegend war idm befreundet und die Kiebe 
feiner Schäfer zu ihm war fo groß, als der Segen ſei⸗ 
ned Wirkens. Den größten Theil Des Nachmittags brachte - 
er in der Natur und fait jeden Ubend auf dem Raths⸗ 
keller mit gefelligem SKartenfpiel beiter und launig zu 
bid an fein Ende. Sein Leben batte alfo nichtd bervors 
Recbendes und mar vielmehr fo bürgerlih einfab und - 
rechtlich, wie dad Leben der meiſten deuiſchen Gelehrten 
und Künftler, aber au fo nugreih und freundlich, als 
wönfdenswertb. Er ſtarb am Schlage. Ald Komponif 
bat er fich in früberen Zeiten in einigen Konzerten und 
‚Spmpbonien verfuht, war aber im Ganzen Doch mehr 
für Sefangwerfe, etwa einige Sonaten u. dal. für das 
Dianoforte-ausgenommen. In feinen Spmpbonien ding 
er iu feſt am Alteinfaden, obne die Fortſchritte Der 
zeit zu beachten, die er für Webertreibung bielt, Diefe 
rt Werke machten daber auch Wenig Blüd. Mebr 
bon griff er als Tbeaterfomponift in feinen früheren 
eiten ein. — Außer dem angegebenen Intermezzy 
&rieb er: „Der Geburtötag ded Dichters,“ LZiederfpiel 
von Treitzſchke, in der Dichtung zu, bürgerlid und zu 
audgedehnt, in der Muſik oft nicht innig genug. — „Laura 
und Sernando,“ Operette von Bretzner; die Mufit bat 
manches Treffliche, IR nur nicht charakteriſtiſch und leicht⸗ 
fertig genug, wie die meiſten feiner Theaterarbeiten. — 


J 





Bailer. 209 


‚EiR gegen Lift,” von Bretzner, Operette, gefdnet ſich 
Badurp aus, daß Alles gefurgen wird, alfo ohne allen 
gefproönen Dialog; Vieles iſt fehr humoriſtiſch, doch 
m Ganzen rioch weniger dyaraftervoll, ald Die vorige 
Oper. — Sein „Rübezahl,“ Ermin und Elmira,“ „daß 


.. Mitgefühl" cLiederfpiel), „die Wunderkur“ enthalten 


faͤmmtlich viel Schönes, ohne daß dieſes Fach fein Vor⸗ 
zfiglihed genannt werden-fann. Weit mehr befcäftigte 
er ſich mit Kirchenkompoſitionen, tbeild feined Amted, 
theild der bäufigen Anregungen benachbarter Kantoren 
wegen, denen er eis uneigennüßig zu Dienften war, 
Es ift außerordentlich, wie viel Slirchenwerfe der ver⸗ 
hiedenften Art B. Eomponirte. Diele Diefer Arbeiten 
nd fehr beliebt, Jeider aber die meiſten nicht gedrudt. 
4832 gab er noch eine Eleine Schrift heraus; Etwas 
zum Choral und deffen Zubehör. Ein aphoriſtiſch⸗jovial 
gebaltened Lehrbuch für feine Seminariften. Unter fein 
oradiglichhe gebören feine Terzerten mit Begleitung des 
ianoforte, van denen 8 Hefte erfcienen find. Sind 
e auch nicht alle im meifterlih Vollendeten völlig gleich, 
was nirgends gefunden- wird, fo find fie Do alle vor⸗ 
trefflih übend und gefellig unterhaltend. — Ein von ibm 
binterlaffened Werk unter dem Titel: „Briefwechfel 
eined »alten und jungen Schufmeifterö über allerhand 
Muſikaliſches“ erſchlen bei Birr in Zittau, deffen Ders - 
ausgabe M. Hering daſelbſt beforgt bat. 


* 74. Joſeph Hailer, 
Sudkuſtos und Benefiziat zu St. Lorenz in Augkburg; 
geb, den 4. Juli 1770, geftorben ben i0. Bebr. 1897. 


Fruͤhzeitig entwidelten ſich bei ihm Anlagen zur Muſik, 
Die durch forgfältige Sortbildung fo auögebildet wurden 
Daß er Marianer und Rektor beim vorigen Domfapite 
ward. Den alten-und kraͤnklichen Sudkuſtos Bock unters 
“ Rüpte er thätig in feinem Ymt und gab fi dabei alle 

Mühe, fih mit. den Vorfcriften des Ritus gründlich 
befannt zu machen, die Abweichungen von demfelben, 
Die fih während der legten langen Nicditbefegung des 
Bisthums langfam und faft unbemerft eingefchlichen 
hatten, zu erſpaͤhen und fie, fo viel feine Stellung ers» 
laubte, zu befeitigen. — Ein befonderer ihn auszeich⸗ 
nender Zug feined Eharafterd mar feine Woblthätigkeit 
nicht nur gegen die Seinigen, fondern auch gegen Ans 
dere. Beſonders bemerkenswerth if, daß er den Öfterr. 

M, Detrolog. 16, Sch» 1% 


210 Hofmann. 
Gefangenen, die in die größte Notd periegt waren, bes 
tröchtliche Unterftügungen zuftießen ließ. Sehr oft ſetzte 
er bei der Rettung der unglädlihen Opfer des Kriegs 
ich ſelbſt augenſcheinliher Lebensgefahr aus. — Seine” 
Muieftunden bradte er mit Betrachtung der Natur, mit 
pbyſikaliſchen Verſuchen und fogar mit Berfertigung der 
bay erforderlichen .Inftrumente zu, fo wie mit frommer 
Xettäre. Im Umgange war er fehr gemärhlih und im⸗ 
mer beſcheiden. | 
Bamberg. G. A. Thiem. 


* 75. . Albrecht Anton Adolph Hofmann, 
berzogi. Toburg, wirklicher Geheimerath, des herzogl. ſaͤchſiſchen 
Erneftinifhen Haudortend Komthur, gu Koburg; 
geboren den 24. Sept. 1758, geftorben den 11. Febr. 1887. 


a au Meiningen geboren und der jüngfie Sohn des 
wirklichen Gebeimenraths Johann Heinr- Hofmann und 
feiner Gattin Jeanette Chrifiiane Karoline geb. Sreiin 
‘von Stein, erbielt er die erforderliche wiſſenſchaftliche 
Vorbildung auf Dem Gymnaſium zu Sloburg, fludirte in - 


den Jadren 1778 — 1780 die Rectswiſſenſchaft auf den 


Univerfitäten gu Jena und Teippig und wurde im Ans 
fange des J. 1781 zum Hofadvofaten ernannt. Noc im: 
Demfelben Jadre trat er in herzogliche Dienfte als 
fefretär bei dem herzogl. Hofamte, murde im folgenden 
Fahre zum Rath_und Amtsadjunftud in Koburg, 1784 
sur deräoglichen Bcheimen Kanzlei in Saalfeld mit Sit 
und Stipime und dem Prädikat Kegationsrath befördert. 
Im Jadr 1788 wurde, ibm wegen feiner mit vieler Ge⸗ 
chicklichkeit und Treue geleifteten Dienfte die Erpeftanz 
auf die erſte Ratböftelle «bei der gedachten Gebeimen 
‚Kanzlei verlieben. Im J. 1701 wurde er zum Hofrath. 
1796 zum wirklichen Gebeimen Hofrath ernannt und im 
J. 1799 ibm mittelſt eined doͤchſt ehrenvollen Handbillets 
des Landesherrn das Geheimerathspatent ertheilt. Bei 
der Organiſation der Staatseinrichtungen im Herzogthum 
Koburg» Saalfeld zu Anfang dieſes Jahrhunderts wurde 
ihm die Landeshauptmannſchaft im Fuͤrſtenthum Saalfeld 

bertragen. Im J. 1808 erhielt er den Ruf ald Kanzler 
und Chef der Juftizdeputation der berzoglichen Landes 
regierung nach Koburg, 1806 die Ernennung zum Prä« 


fidenten_des damals errichteten Oberappellationdgerichtd, 


nach defien Wiederaufbebung im Jahr 1808 aber zum 
rähdenien der berzogl. Landesregierung, in weldem 


x 


4 


‚Hofmann. it 
wichtigen und In der damaligen Zeit befonderd ſchweren 
Amt er dis zum Jahr 1822 verblieb, mo ihn das Ders 
trauen feined Zürften auf feine befondere Anbänglichfeit, 
auf feine umfaflende Gefhäftöfenntnig und erprobte 
Dienfttreue zur geltung der Geſchaͤfte und zum Prö- 
fidium bei dem Landeöminifterium berief. & mär fo 

idlih, den ibn fo hoch ehrenden Erwartungen in dies 
er Stellung volfommen zu entfpreden und wurde im 
J Fa um wirklichen und vorfigenden Geheimenrary 
im Landeöminifterium beftdtigt, im Jahr 1825 mit dem. 
Ehrenprädilat Ercellenz und im 3. 1893 mit dem Roms 
tburfreug ded neu errichteten berzoglicen Sgmetinifgen 
Hauserdend geihmüdt: Dom I. 1828-an nöthigten ihn 
zunehihended Alter und Kränklicpkeit,. fid bon der thäs 
tigen Theilnapme an den Staatögeihäften mehr und 
mehr zurädzugieben, aber er erfreute fi fortwährend 
des vollten Vertrauens feines Shrften und aller mit feis 
ner boden Gtellung verbundenen Vorzüge. — Solche 
Lebensumfände, ſoiche rafde Erfolge deuten unabmeid, 
li auf ausgezeichnete Anlagen und deren trefilie Vers 
wendung bin. ber ed find in dem Wefen diefed Mans 
ned einige Zhge, melde fein ganze Leben Durhdrangen 
‚und die wir deöbatb anführen müflen: möglichfte Sreis 
jaltung von MPartheilichkeit und Leidenfdart, reinfte 
umanität, dieſes waren bie Haupszäge feines edlen 
rakterd. Das edle den, daß. ihm befeelse, Reüte ip 
mittelft der feinen Sitte, die feine Perfönlichkeit zierte, 
durch ungemeine Milde in Gebebrde und Sprade in 
alten Verhältniffen auf eine fg mobltpuende Weiſe dar, 
dag ed ald ein Gh erfbien, ihm amugebbren, 17,1 
nade zu fieben, ja! unter eben au fein. Dom Gerdid 
begünftigt ,_fdon in den erften Mannsjahren im höheren 
Amt un jorgefeßter, gab er dem Befehle ſtets die 
Form des Wunſches, der freundlihen Bitte und wirfte 
auf diefe Weife erfolgreicher, ais durch Strenge. Ihm . 
u Liebe ward auch der Unfleißige emfig und Feiner war 
14 verdärtet, daß er dm länger dätte mißfallen mögen. 
‚An der Spige der Dbeı “ " ” ""yehbrde ded Landes 


in den Zadren des Stı glicher Bedtän; mis 
eigte er, neben dem 9  Menfcenfreunde, 
ie Ruhe und die Eu Irnen Mannes ers 
dielt_und ftärfte daß trauen und belebte 
die — auf beſſen Rarhe trug er die 
bemädrte Meinung mit r_ Klarheit af Ber 


ſcheidendeit vor und wi asigung ‚und Klug · 


212 Mächter. 


deit auch miderfirebende Elemente zum guten Zwede zu 
einen. Zu den boͤchſten Ehren befördert, Die dem Ders 
dient im Vaterland blühen, beihätigte er fortwährend 
die liebendmwärdigfte Anſpruchsloſigkeit und liebte nichts 
mebr, als Die Verdienfte Anderer anzuerkengen und zu 
ehren. Unvergleichlich gütig und liebevoll in dem Ver⸗ 
bältniß ded Familienvaterd, ded Verwandten, des Freun⸗ 
des und Beratherd, hatte er herzliche Theilnahme für 
jeden, wie fern er ibm auch ſtehen mochte -und Bereit, 
milligfeit zu unterkügen und näglih zu fein. Im ge⸗ 
felligen Umgange liebte er Wig und heiteren Scherz, ließ 
- aber beide nur mit Anmuth walten und mit der zarte» 
- ften Ruͤckſicht auf die Gefühle deser, mit denen er um⸗ 
ging. Aber fein fo nügliched Streben und Wirken fand 
auch die reichſte Anerkennung. Drei auf einander fol 
gende Landes» und Dienfiherrn hegten gleihe huldvolle 

uneigung zu H., mürdigten ihn ibred beglüdenden 
Dertrauend und Umgangs und Hohe. und Niedere ver 
einigten fi in dem Gefühl Der Achtung, der Verehrung 
und Liebe. zu ihm. 


*-76, Georg Philipp Ludwig Bernhard 
Wächter (genannt Veit Weber), | 
Privatgelebrter zu Hamburg; 
geb. den W. November 1768, geft. den 11. Februar 1887. 


"+ Sein Bater, Zobann Leonhard Wächter, war Dias 
fonus in Uelgen und ein ſehr geachteter Neliondlebrer;. 
feine Mutter, Henriette Eleonore Sriderife, geb. Deftes 
reich. Unſer W. — von vier Kindern das dritte — ers 

bielt außer dem Unterricht des Vaters feine erfte Bil. 
Dung auf ber Ueltzner Stadifhule und ward zum Sol. 
Datenftand befiimmt, da der Vater, bei geringem amtlis 
en Einkommen, nit die Mittel befaß, den Sohn ftu- 
Diren zu laffen, und deſſen Pathe, ein höherer Dfficier, 
in der Hanoverfhen Armee, verſprochen batte, ihm fort« 
qubelfen. Als aber der Dater im Jahr 1776 zum Dia⸗ 
onud an der Michaelökirde zu Hamburg ermwählt ward, 
fonnte der Wunfd, daß der Sohn fib den Studien- 
widmen möge, erfüllt werden,. und unfer W. betrat als 
achtzehnjaͤhriger „üngling die Sekunde des Hamburgi⸗ 
fen Tobanneumd und beaog: 21 Jahr alt, mit ebrenden 
Zeugniffen entlaffen, die Göttinger Hochſchule, mo er 
fih den theologiſchen Studien widmete, ſich aber außer 


Wächter. 218 


dem mit befonderer Vorliebe mit altdeutſcher Kunft und 
fiteratur befchäftigte._ Dort bradte er drei Jahr zu; 
die ihm bis in das ſpaͤteſte Alter ‚Die angenebmiten und 
ungeträbteften Erinnerungen gemährten, ſchrieb auch 
Manches unter dem Namen Daining. Bier mar ed, mo 
er Bürger, Meyer (in Brehmftädt), Hudtmwalder, Bars 
- tel8 (in Hamburg) und-fo vielen andern berühmt gemors 
denen Männern bekannt und befreundet wurde. Blrs 
er, der deutſche Dichter, war ed, der dad affleimende 
alent W.'s pflegte und ermunterte. Auf fein Zureden 
wurden die erften „Sagen der Vorzeit“ nad Berlin an 
‚ Maurer gefandt und anonym beraudgegeben. Was W. 
mit ibnen bezwecken wollte, iR Eeinem Kenner deutſcher 
Fiteratur zweifelhaft: dem Upweſen der empfindfamen, 
fentimentalen Romane follte gefteuert werden. Das Uns 
ternehmen erregte verdiented Aufſehen und erlangte gros 
fen Beifall; 1787 erfien unter dem Pfeudonamen Veit - 
Weber, den er von jenem alten Dichter des 15. Jahr⸗ 
hunderts, der in den Reihen der Schweizer föcht und 
fie durch feine Schlahtgefänge anfeuerte, entiehnte, der 
„erſte Band der Sagen der Vorzeit,“ dem bit 1298 ſechs 
andere Bände folgten, Von Göttingen im Jahr 1786 
beimgefehrt und ald Kandidat des Predigsamtd in Hame 
burg eraminirt, ggb er Unterricht in der Religion und 
den Schulmiffenfdaften, predigte aud oft, und zwar mit 
Beifall, ohne daß ed ihm gelang, ein geiftlihed Amt zu 
- erbalten, was ſich vielleiht aus der zu offenen Gerads 
heit feines Charakters erklären läßt, war bei feinen Schh» 
lern und bei Sreunden ſehr beliebt und führte im Haufe 
des Vaters ein glückliches Leben, dad durch feine Vers 
Iobung mit einem liebendwärbigen Mädchen, Marie 
- Meyer (geb, A774) noch mehr an Reiz gewann. Eben 
fand er im Begriff, feinen Beruf zu ändern und fi 
der Jurisprudenz zuzumenden, ald ihn der harte Schlag 
traf, feine geliebte Braut Durch den Tod zu verlieren. 
Nur das Zureden feines Vaters und feined treuen Freun⸗ 
des Sohrenfrüger vermochte dieſe Wunde, obwohl lang» 
fam und fchwer, zu beilen; Lebendfrifhe und Lebensluſt 
gewann er erft wieder dur einen laͤngern Aufenthalt 
auf der Aumühle in dem lieblichen Sachſenwalde bei 
feinem Sreunde Bätde. Er folgte nunmehr einer Ein- 
ladung nach Berlin, mo ibm Ausſicht zu einer Profeflur 
am Gräuenklofter eröffnet war. Aber ed war die be 
rüchtigte Wölnerfde Periode, man wollte auch ibn für 
Myſticismus und Pietismus gewinnen. W. durchſchaute 


1 Wächter 


erjen 


Aukere Bene aus, mwodurd er fi freilih die — — 
andi⸗ 


eine Kopfwunde eı iment ward aber bald 
darauf aufgelöß, u nad Hamburg zurüd. 
Sn diefe Ei faul a der „Holsihnitte ,” 
erfter Theil, enthal rt des Bruders Gram⸗ 
falbus“ (1793), un n,“ deren erfter Theil 
‚Srändung der 2 amburgd“ (1794) ents 
Hät. Dies iR.a wo er feine Reifen 
na ber, Scneh, u en nag London Untere 
nabm. Seine Eltern verlor er in den Jahren 4797 und 


Lehrerd nicht mehr zu verlaflen. bin im Züneburs 
gifden geboren,“ f&reibt er in einer eigenhändigen din⸗ 
terlaffenen Notiz, „aber Hamburg ein DBaterland. 


wäbrt, ald Mann nügen zu können. Wäre mein Valer 
. länger im £üneburgifcpen geblieben, id m’ "7". 


Yambur a 
meine infbarkeit nicht befler au jeigeı 


E 
3 
8 
= 


Wächter. 215. 


Leitungen blieb iym jeht zwar wenig Muße, d leb 
er 1804 feinen „Wilhelm Fell“ der — * 2 En 
lerſche berausfem, doch von WB. gleich anfangs nicht für 
die Bühne beſtimmt wurde. Hamburgs Unglüuͤck, durch 
den Uſurpator Frankreichs herbeigeführt, begann 14806 
und erreichte den doͤchſſen Gipfel 1813 und 1814. W.S 
Antdeil an den Seitereigniffen fonnte nur im Sinn der - 
Greipeit fein. Als die Ruffen unter dem Fühn vordrin⸗ 
genden Zettenborn im Srübjahr 1818 in Hamburg ein» 
sogen, hbernadm W. fogleih dad Kommando einer Kom. 
EHE der er einen Theil feiner Schäler „von der 
ulbant,” wie er fagte, zuführte und ward unter dem. 
Damaligen Chef des Bürgermilitärd, dem Dr. von Heß, - 
Major. Nah Yunöfung der Bürgergarde trennte fid 
W. zulegt von feinen Kampfgenoſſen, flüchtete vor den 
surädfehrenden Sranzofen nach Altona und Febrte fur 
vor Begihn der eigentlichen Belagerung nach Voigt 
aufe zuruͤck. Test begann fein inniges und genaues. 
erbältniß zu Repſold %), dem um Hamburg bochver« 
dienten Dberfprigenmeifter. Bei ihm übernahm er wäh» 
rend der Belagerung eine Adjutantenftelle und bewirkte 
in jener trüben Zeit Diel_des Guten und Erfprießfiden . 
zur Belebung des Bürgerfinnd und des gefunfenen Ver⸗ 
trauend auf eine beflere Zukunft. Und die Erinnerung 
an jene undeilvolle Zeit gehörte den ‚liebften, die W. 
fi) zurädrief, da er nie Die Hofnu der endliden Er 
rettung aufgab und fo viel an Ihm lag, diefelbe berbeis 
führen balf. Einen Theil feiner Erinnerung batte er in 
feinen Papieren niedergelegt, die fpäter die Materialien 
zu den von ihm wiederholt vor zahlreichen Zuhörern 
gehaltenen Dorfefungen Aber Hamburgifhe Geſchichte 
wurden. Als bald nachher Voigt durch den . General 
. Berg eine Anftellung als Profeffor in Riga’ erbielt, Gbers 
nahm W. die biöhder mit ihm gemeinfcaftlich geleitete 
Zebranftalt allein und erfüllte feinen Beruf mit gemifs 
ſenhafter Treue zum Gegen für Viele, oft mit großen 
Aufopferungen, bei Denen fein uneigennügiger Sinn ihn 
nie auf pecunidren Vortheil fehen ließ, den er je eige 
nem Schaden nur zu, fehr. vernachläffigte, Ais ſein 
. Sreund ihn verlaffen, fühlte er erſt recht, daß er einfam 
im Leben daftehe; nicht Die angeftrengtefte Arbeit — er 
gab in der Woche 42 Stunden Unterriht — vermochte 
: Ibm über Die Leere, die er ins häudlichen Leben fühlte,  - 


°) Deſſen Biographie ſ. N. Nekr. 8. Jahrg. ©. Sb: 





216 „Wächter. 


‚yinme nubelfen. Da faßte er noch in feinem 50. Jahre 
ven Entihluß, ſich zu verbeiratben. Im Jahr 1821 vers 
ebelicte er ſich mit der. Witwe Friderite Moltrecht, geb. 
Preller_und fand fo Gelegenheit, der Werforger, der 
zweite Vater der Kinder einer feiner geliebteften Sreunde 
du_merden. Denn feine Gattin führte ibm aus ibrer 
erften Ede fünf Kinder zu, deren treuer Vater und 
Sreund er ward und bis an fein Ende blieb. Er felbk 
word no Vater von drei Kindern, in- denen er fein 


Zebensgläd fand. ber bald ellten ſich bei abnehmen. 


der Srequenz feiner Schüle, drädende Sorgen ein; ja, 
na einigen Jahren fab er-fih genöthigt, Die Lehrans 
Kalt u ‚bließen’ und durd rivatunterriet und gebale 
tene orlefungen ih und die Geinigen zu ernähren, 
wozu noc in Den legten Jahren ein Eleined Amt an der 
Stadtbibliothek, das ihm Äbertragen ward, Seitrug. © 
- führte er fein mäbevoled Leben fort, zwar Erdftig und 
ungefdmäht am Geift, gekärkt und erquidt durch hause 
lied Glüd, dur) die Sreundfoaft ” iner Sreunde und 
Qundeöbrüder — er gebörte Dem nde der Freimau⸗ 
rer.an —, aber niedergebeugt dure 'n Kampf mit de 
jern-DVerbältniffen, bid der Todes 1 ihn in ein befs 
jereö_Senfeitd, binäberführte. Wa 3.8 Charakter ane 
etrifft, fo zeichnete Ihn’ vor Allem -... böchfte Keartide 
eit im beiten und fönfen Sinn Ddiefes Worte au 
hr Tebte und. farb er, ihr verdanfte er feine bbchfen 
Innern Sreuden, für fie war ihm fein Opfer zu theuer. 
Eine große Zahl von einzelnen Digen aus feinem Leben 
ließen fid anführen, um diefen Örundton feined Char 
rakter$ zu ermeifen. Die bhöcfte, Rectlichkeit war ed, 
wenn er, ald er nod im vorgerädteren Alter um eine 
Öffentliche Lebrfiele (Ca gu bewerben ermuntert ward, 
unter fiherer Ausficht Diefelbe zu erlangen, zurädtrat und 
offen geſtand, feine Kenntniffe in den alten Spraden 
„reihen nicht mehr bin; die höchfte Nectlichkeit war eb, - 
wenn er. die. ihm angetragene einträglide Redaktion eine: 
poliifgen Blattd ablehnte, weil er fich nicht föhig fühle 
in einem Sinn zu ſgreiben, der feinen Anfihten gemil 
oft widerfprechen mäfle. Diefes Pfichtgefäbl, diefe Ehre 
Tichfeit des deutfchen Mannes leitete ihn fiberall. DO 
bat er fib_durd Die Geradbeit feines Sinnd und fels 
ner Rede Geinde gemacht; oft ward für Schrofbeit ımd 
igenfinn gehalten und auß, geben, mad im Grunde 
arsheit de& Gefübld, Sefee dendeit und Minderache 
tung feineg Werks mar, Nie wolte er A und feine 


- 


Wächter. on 217 


Anſicht geltend machen; die Sache ſelbſt ſollte für Aa 
ſprechen. Strenge gegen ſich, war er dennoch mild 
und mohlmollend. gegen Andere und der Verkannte, der 
Derfolgte fand gewit in ibm einen Dertbeidiger. Das 
gewöhnliche Leben mit feinen taufendfaden Anſprüchen 
würdigte er wenig, zu wenig auch Dann noch, als er für 
Weib und Kinder zu forgen hatte. Daber die Noth und 
©orge für leiblichen Unterdalt; daher zumeilen Die aus 
enblicklich gedrüdte Stimmung, die aber auch eben fo 
—* ſchwand, wenn ein Freund, ein Bruder ibm nahte 
oder wenn er in feine Forſchungen vertieft, durch irgend 
ein diſtoriſches Dofument, durch ein Buch wieder in 
ideale Leben binein gehoben ward. — Ald Schrififteller 
bat W. einen bedeutenden Einfluß auf die deutfche Lie _ 
teratur gehabt. Als Goethe *) dem durch die Tentimens 
talen Romane, vorzüglich den Siegwart, erſchlafften Zeit, 
alter durch feinen (GbR von Berlichingen eine neue Wen, - 
dung gegeben batte, da betrat W. fühn, nach einem fols 
ben Vorgänger, diefelbe Laufbahn und wahrlich mit 
Gluͤck. Seine „Sagen der Vorzeit“ trugen zur Kräftie 
gun des Sinnd, zur Wiedergeburt des deutſchen Sinnd 
. dei. Seine Schuld war ed nicht, wenn eine Fluth von - 
Ritterromanen, deren Verfaſſer ihr Vorbild verkehrt aufs 
gefaßt hatten, von nun an Deutfchland uüͤberſchwemmte. 
. hatte tiefe Kenntniß der deutfhen Vorzeit aus gründe 
lichen Studien gefaöpft er wendete fie mit Erfolg an; 
aber zur Steuer der Wahrheit muß gefagt werden, daß 
er in Einer, immer wiederkehrenden Manier befangen 
war und daß die vier leuten Bände feiner Sagen an 
ermädehder Trodenbeit leiden. In den „Holzſchnitten“ 
findet fid die gruͤndlichſte Zeihnung der Formen und 
Gebräuce jener Zeit; aber fie leiden an Härte und Uns 
ebenbeiten und intereffiren nicht fortwährend bei der 
ſtets wiederholten Darftellung der Srevel und Nieders 
trächtigkeiten der Moͤnche. Sein „Wilhelm Tell“ iR ein 
mwadered Merk durch gediegene ‚Charakterifif der dans 
Deinden Perfonen; aber weder ift das Versmaas rein 
und ‚eben behandelt, noch - eignet es fich bei feinen rhes 
torifhen Auswuͤchſen je für die Bühne, für die es auch 
von: W. felbft, wie —* erwähnt, nie beſtimmt war. 
offentlich hat ſich noch manches Treffliche in feinem 
literarifchen Nachlaſſe gefunden und wird dem Publie 
. tum nicht vorenthalten werden. - 


“ ®) Deifen Biograpbie 1. N. Nekr. 10. Jahrg. ©. 157, 


218 ’ | . —W — 


* 77. Johann Chriftlan. Bieger, 
Pachtamtmann zu Quedlinburg 5 
-geb. im Sahr 1760, geft. den 11. Sebruar 1837. 


Don früher Tugend an betrieb er feinen Beruf in ° 
feiner Baterftadt Quedlinburg mit der größten umfict 
und Thätigfeit, wodurd er im böbern Alter eine jo 
audgezeichnete Geſchaͤftskenntniß und Gewandtheit ſich 
erworben hatte, daß er durch beides nicht nur ſeinen 
Standesgenoſſen, fondern ſelbſt ſeinen Mitbürgern man- 
nicfaltige nüglihe Dienfte leiften konnte. Gräber war 
er Eönigl. Pachter der Domäne Muͤnzenberg; fpäter bes 
trieb er wieder fein eigenes Geſchaͤft, welches der bes 
jahrte Greis nachber feinen Kindern übergab und ſich 

r Ruhe ſetzte. Bon da an lebte er nur feiner Gattin, 
einen Slindern, Verwandten und Freunden und den 
Vebungen der Religion, an welcher er bis kurz vor feis 


nem Tode Den bieibendften Antdeil nahm. Hauptzüge - 


feined Charafterd. waren Sottvertrauen und Demuth ge 
en Gott, erworben durch mancde Prüfungen des es 
‚ bens und Dankbarkeit für fo vieles fangene Gute. 
Anſpruchſloſe Sreundlichkeit und Sefätligfeit gegen feine 
. Mitbräder , treue, £iebe gegen die Seinigen: und gegen 
feine Sreunde. machte ihn Dielen werth, die fein Anden 
gen fegnen. Seine Gattin, Juliane Margerethe geborne - 
authendig, mit welcher er 23 Zahr eine glädlide Che 
führte, folgte ihm, ald fein Zeichnam noch .nicht einmal 
der Erde übergeben: war. Arendt 
/ rendt. 


| * 78. Dr. Joh. Sr. Boͤnig, 
koͤnigl. Hanoverſcher Hofmedikus, auch Berg: und Stadtphyſikus 
zu Belletfeld; 
geb. im 3. 1761, geſt. ben 12. Februar 1837. 


. Bönig war zu Sieverähaufen im. Hildesheimfchen 
geboren, woſelbſt fein. Dater ald Forſtmann lebte. Nach 
em er auf dem Gymnafium zu Göttingen und Ofterode 
Die nöthige Schulbildung erhalten, begab er id im I. 
4782 nad Söttingen, um Theologie zu fludiren. Neun - 
abre lang hatte er diefem Sach fib gewidmet und zu⸗ 
egt eine Rektorſtelle in Uslar bekleidet, als die ungüns 
figen Ausſichten für_fein fernered Fortkommen ihn vers 
anlaßten, dem von Jugend auf genährten Wunfch zum 


. . 
Fur [4 


v Boͤnig. | or, 219 


Studium ber Naturwiſſenſchaften zu millfabren. Er 
begab _fih daher im Jahr 1791 abermald nach der Unis 
verfität. Böttingen und erlangte 1793 dafelbft die medi⸗ 
einifhe Doftorwärde, Nachdem er darauf in Zauterberg 
feine praftifhe Laufbahn begonnen und fodann währen 
eined einjährigen Aufenthalts in London feine vielfeitis 
en gediegenen Kenntniſſe meientlih bereichert hatte, 
{mb er in Elbingerode einen neuen aͤrztlichen Wirkungs⸗ 
-freid. Von dort fam er im Jahr 1803 nach Zelerfeld, 
woſelbſt er das Bergnbpfifat 34 Jabr lang mit großer 
Umfidt und Gewiſſenhaftigkeit bekfeidere ımd im. Tape. 
4835 zum Hofmedifud ernannt wurde. Sein Eräftiger 
Körper erlag einer feit Jahren langſam entwidelten 
Brufmaflerfucht und fein reger Geift und unermädlicher 
Eifer bewährte fib bi8 an. fein Ende, denn noch am 
Tage vor feinem Tode ſah man ihn umringt von Kran⸗ 
ken, denen er Derordnungen gab. — Boͤnig war ein 
Mann voU Geift und Gemuͤth uhd von einer feltenen 
Charakterfeſtigkeit. Er gebörte zu den wenigen Mens 
ſchen, die in einem gerdufchlofen, flilen Wirken ihr gaue - 
sed Lebendgläd finden. Bern von aller Ruhmſucht und 
andern niedrigen Abfichten, war ibm dad eigne Bewußte . 
fein der einzig genägende Lohn, für die vielen und 
großen Opfer, die fein mübevoller Beruf täglid von: 
ba forderte. Esse non videri“ war fein Wablfpruch, 
deſſen er in feinem praftifhen Wirken ſtets eingedene 
blieb. Wen Sreundf&aftöbande an ihn Eetteten, der fand 
in ihm den väterliben Rathgeber, den hingebenden 
Sreund, der mit eigener Selbfiverleugnung dem Sreunde 
Alles brachte. Wer ald LZeidender ſich ibm nabte, der 
fand in ibm den forgfamen unermüdlich thätigen Arzt, 
ben voll mwohlmollender Theilnahme fletd bereitwilligen. 
gelier in der Noth, dem, wo es dad Gute galt, Fein 
pfer zu groß ſchien. Wer als Stollege ihm nabe ftand, 
der bemunderte in ibm den feharfen Diagnoftifer, der 
fand in ihm Den Arzt und Menfcen HEILER der, frei 
von allen: ſelbſtiſchen Rüdlihten, dad Edle und Wahre 
niemald aud den Augen verlor. — Er ſchrieb: Etwas 
sur Empfehlung der Kubpodenimpfung, im R. Hanor 
berihen Magazin. Jahrgang 10. 1800. St. 43. ©. 800 - 
1) ®, ” , 





220 Birne. 


- 79. Dr. Ludwig Boͤrne, 
5 Sqriftſteller gu Paris; 
ged. 1. 3. 1784, geft. den 12. (13.) Bebr. 1887 9. 
Er war zu Srankfurt af. geboren, mo fein Vater, 

Er Barıd, Kankturn ei (Adi rieb. Zu einer willen» 
Waftlipen Laufbahn beftimmt, erhielt er den vorbergis 
tenden Unterriht in der Penfionsanftalt des [4 
ger =») zu @ießen, nad defien " — — 

orpat der Statiftifer Erome***) | 
nabm. Ad DBekenner des mof 
Staatödienft auögefhloffen, fol 
wiffenfaft widmen. Nachdem ı 
den Augen des auögezeichneten 
Berlin ftubirt hatte, bezog er die 
er feine medieinifden Studien fo 
gorifäreiten auf der betretenen $ 

mftände ungeachtet trat ©. doı 

fi ed, weil er der Medicin üb 

eſchmag abzugeminnen vermodt 
um dieſe zu (1807) neue Yu 

olitifhen Veränderungen darbo , 

tellung der Juden, in mehreren deutſchen Staaten 
wenigftend, einen bedeutenden Einfluß hatten. B. beiog 
die Hodfaule au Heidelberg, wo er vornehmlih den 
Staatöwiflenfhaften oblag. Don hier ging er 1808 nad 
Gießen und un — ſenes Studium mit aus⸗ 
geseihnetem Erfolge fort. In fgine Vaterſiadt Srankfurt 
surüduete rt, ward B. von dem damaligen Größbetzoge 
von Sranffurt im Vermwaltungsfad an helle und verfad 
mehrere Jahre bindurc die freili feinem eigenthüme 
liden Streben wohl nur wenig entipredenden Geſchäfte 
eined Wktuarius bei -der Policeidireftion. Die ‚großen 
Ereigniffe der Jahre 1813 und 1814 fegten niht_blo& 
dem fernern Sortfcreiten B.’8 auf der betretenen Bahn 
des praftiihen ©taatölebend plöglid ein Ziel, fondern 
er ward au) von Den neuen Behdrden ded zu feiner alten 
Steipeit wieder gelangten Srankfurt von feiner Stelle 
mir einem Rupegehalt entlaffen, Don nun an erſt Fonnte 





9) Rad dem Konverf. : Yerikon der neueften Beit u. Eiteratur; 

der Thittemadtbjeitun — Fir er infer Planet 1837, 

1; den liter, u. Brit, Blättern ber Börfenballe 1887. Nr. 13575 

rankfurter Welegraph 1897. Nr. 24; Ludwig Wörne in feinem 

irken ıc. von Berd. Dadhaus. Zittau u. BT 
er. ©. 









Di fe im 2, 1 2 Fi 
3 len idlog im abrg: de N Fr 


Birne. j 2a 


3.5 Geift, aller äußern Beffeln entledigt, jenen boben 
Aufſchwung nehmen, der ihn als politifden Schriftſteller 
audzeichnet. Er machte ſich der literarifhden Welt als 
Medakteur ded Sranffurter „Staatd» Riftretto‘,“ durch 
die Herausgabe der „Zeitfhmwingen“ und fpäterbin der 
„Wage“ bekannt. Sanden aber diefe Erzeugniffe eines 
nur Sreibeit im edelſten Sinne des Wortd erftrebenden 
Geiſtes viel Beifall, fo zogen ihm diefelben auch mans 
cherlei Unannehmlicfeiten von Geiten derjenigen zu, 
Die darin nur Ummälzungöpläne zu einer Zeit gewahren 
wollten, mo obnebin der demagogiſche Unbpid feinen 
Spuf in fo vielen Köpfen trieb. So entzog ibm die 
roßberzoglich beffifhe Regierung, auf Betrieb des bei’ 
erfelben angeflellten Gefandten einer großen deutſchen 
Macht, das_tär die zu Dffenbab gedrudten „Zeit⸗ 
ſchwingen“ ertheilte Privilegium; nicht lange Darauf aber 
ward B. fogar, auf Erfuhen eben dieſes Geſandten, in 
“ feiner Vaterſtadt Srankfurt verhaftet. und megen an» 
gefchuldigter Theilnahme an Verbreitung einer demago⸗ 
ifhen Flugſchrift in peinlide Unterfuhung gezogen, 
Deren Ergebniß jedoch feine vollfommene Unfhuld erwies. 
Wie foft jeder junge Schriftfteller, übte er zuerft feine 
Kraft an Theaterfritifen und feine Zeitfhrift „Die Wage“ 
machte ihn ‚den Schaufpielern furchtbar. Er fehrieb fie 
fo gewandt, feine Appersuß waren fo neu, der Wit 
»arin fo glänzend und natürlich und die Schreibart fo 
forreft und originell, Daß er bald Damit großes Auffehen 
erregte. Es war etwas Neues zu damaliger Zeit und 
miirde es auch wohl noch in der unfrigen fein, auf diefe 
Weiſe übers Theater zu fehreiben. Dabei’ befaß er den 
Mutb, feine oft fhneidenden Behauptungen gebdrig zu 
unserftäüßen. Einft beim Nachhaufegeben aud dem Theater 
murde er von einem eiteln Kunftjänger angefallen, der 
fid durch einen Ausſpruch in feiner Zeitfchrift verlegt 
glaubte, Er hatte einen Regenfchirm in der gand und 7 
machte Miene, ibn auf Kopf und Rüden. des Eleinen 
ſchwaͤchlichen Recenfenten mit berkulifher Kraft tanzen 
zu laffen; diefer aber zog kaltdlütig ein geladened Piſtol 
aus der Taſche und fagte: „Wenn Sie fih nicht fü» 
gleich aus dem Staube machen, fü .....* Weiter 
datte er .nicht nötbig zu fprechen, denn fein Ungreifer _ 
war fon im vollen Zauf und lächelnd konnte unfer 
Recenfent feine Waffe einſtecken und des Weges fürbaß' 
ieden. — Einf kommt ein fremder Schaufpieler nad 
rankfurt; er macht dem gefürchteten Theaterkritiker eine 





. 222%. Birne. 


Bifite und bitter idn, über fein und feiner Tram Gafl- . 
fpiel doch Tieber zu ſchweigen, wenn .er nichts Guͤnſtiges 
egen könne. Das Gaftfpiel beginnt und im der nächiten 
‚Nummer der Wage erzählt B., um mad ihn der Schaus 
fpieler gebeten babe und: ſetzt hinzu: „Ich fchmeige 
denn alfo biermit.“ Diefe. Perfönlichkeit trug nit 
wenig dazu bei, den Schaufpielern Achtung vor feinen 
Kritiken einzufloͤßen und wenn fie gleich Feine Nahrung 
für ihr Geſchaͤft daraus fogen, fo ließen fie ed doch — 
gegen ihre ſonſtige Gewohndeit — geſcheben, daß ein 
eiftyeiher Mann feine Bemerkungen und Sarkasmen 
Äber-ihr Treiben ausſchüttete. Er hatte aber dabei Feine 
andere Abficht, als feinen Wig glänzen zu laſſen, und 
da die Schaufpieler einen Körper bildeten, auf den man 
ungsftraft die ſchaͤrfſten Pfeife fliegen laſſen durfte, fo 
‚wäblte er fie und machte fi Die boßhafte Sreude, fie 
recht zu jerfleifchen. So entfchuldigte er feibft fein Treis 
ben. Spaͤter ald die Zeiten ſich geändert hatten-, vers 
wandelte er fein Ziel; viele Pfeile feines Geſchoſſes aber 
prallten ab und verwundeten ihn ſelbſt tief, — fein 
‚Charakter erfwien jedoch in einer ſchoͤnern Beleuch⸗ 
tung. — Im J. 1817 verließ B. mit dem Moſaismus 
feinen fruͤhern Namen Baruch und nahm den evangelis 
(den Glauben und fpätern Namen Boͤrne an. Deſſen 
ungeachtet erſchou es nachmald von allen Seiten ber, 
bald flüfternd, bald fchreiend unter höhnenden Finger⸗ 
zeigen: „ein Jude, ein Jude!“ Und wenn die um 
eſchlachteten und unbeholfenen Seinde Boͤrne's ſich zu - 
mach fühlten. dem berſtenden Wig mit gleicher Gabe 
u begegnen, fo bot das morſche Lärmpeichen des 14. Jahr⸗ 
Dundertö „ein Jude“ ihrer Tölpeibaftigkeit ein will: 
Eommened Schutzdach. Dad vermehrte die Reizbarkeit 
des obnebin Fränfelnden Mannes noch mehr; er, der 
Gebildetfie unter den neuern- politifchen Schrifiſtellern, 


⁊ 


"er, der edelſte und feſteſte Charakter unter dem Chamaͤ— 


leonfarbigen Haufen fab fi oft von den unwiſſendſten 
Paraſiten der andern Partei verböhnt und. beſchimpft, 
verkannt und verläumdet. Died made feinen Griffel 
fpigig, feine Worte fhneidend und feine Sprache bid« 
weilen fo ſtachelnd. Seit dem 5. 1822 lebte B. fat in 
aͤnzlicher Zuruckgezogenheit von allem literarifhen Ver⸗ 
kehr, tbeild in Parid, theils in Sranffurt_und Hamburg, 
bid er endlich durch die Herausgabe feiner „ Geſammel⸗ 
ten Schriften” (10 Bde. Hamburg 1829 — 31) ein neueß 
Lebenszeichen von fich gab. Tritt fchon in den frübern 





Bänden diefer SGanımiung DB. Tndtoidualität und fein 
ubjeftived Streben in vähtigen gen unverkenukar 
ervor, fo liefern die „Briefe aus Paris“ (2 Bände, 
amburg 1831), die auch den 9. und 10. Band der 
ammlung bifden, ein vollendeted Bild des Mannes. 
Gm September 1830 ging er wieder nach Paris, um nte 
nad Deutſchland zurüdzufehren. Aber er hörte nicht auf 
ein Deutſcher zu fein, er war ed Durch und durch. Wenn 
er Frankreich verebrte,. fo datte dad nür den Grund, 
daß er Srankreihd bedurfte, fein großes. Herz mußte ſich 
an dem Rubm, der Thatkraft und der vorangefcrittenen . 
Givilifation, die dort weniger im Zufammenbeng, als 
in großen Granitbrudiftüden anzutreffen find, erholen. 
Boͤrne ſog neue Lebenskraft aud den unbedeutendften 
Detaild der neuften frandl- Geſchiote, er verfolgte Die 
Chronik des Tags in den Zeitichriften mit forgfamen 
Augen, ließ ſich Die alltägliden Vorfälle der Hauptſtadt 
erjäblen — Alles aud dem Grund, um felbk in feiner . 
Zurädgegogenheit inmitten jener raflofen Thdtigkeit von 
Varis zu bleiben und unter dem großen Schutt des 
. Beltägemäptb wenigſtens ein Koͤrnchen Volkscharakter 
und Volkswuͤrde zu Anden. Boͤrne verehrte Fraͤnkreich, 
aber er liebte Deutſchland, er liebte es wie Seine rau; 
fein ſchoͤnes dunfles Auge erglänzte in ſehnſuͤchtigen 
Erinnerungen, lenkte ſich dad Geſpraͤch auf den Taunus 
und die Nheingegenden. Sranfreic war 3, eine Werke 
fiatt feined Geiſtes, Deutfehland war ihm eine Erholung: 
man Eonnte ibm nicht genug von Frankfurt erzählen und: 
wie Diefer oder Jener lebe, ob noch Alles beim Alten 
fei u. fe w. Sam er doch einß mit einer Srankfars 


. .. ter Semmel nad Haufe. „Da hab’ ich wir ein Srankfurter 


Broͤdchen gebolt.” Frankfurt aber konnte ibm feine 
yeimath bleiben, Frankreich hatte ibm eine Stelle in . 
einem Herzen eingerdumt. Die literarifche Richtung 
Deutfhlands verfolgte er mit forgfamen Bliden, er war 
in ſtetem Rapport mit ihr, aber er bedauerte nur, Daß 
er alles fo fpdt erbalte und zur Einſicht nicht. . Er 
begann nun auch eine Zeitfchrift „Balance,“ in-der er 
eine Bermittelung franzdfiiber und deutfcher Zufände . 
einleiten wollte. Aber Dad Unternehmen fceiterte, weil 
er zu ſtolz war, um ed mit dem gehörigen franzoͤſiſchen 
Pomp anzufündigen, durchaus aber nicht an dem Mangel 
franzöf. Intereffen. Denn B. war vielleiht der einzige 
Deutſche, der den Geiſt der franzdf. Literatur in feiner 
Tiefe erfaßte, ohne fi von der momentanen zufälligen 


t 


Oberflaͤche Irre Führen zu laſſen. Rabpail, ein geiftreicher 
Sranzofe, der auch in der wiſſenſchaftlichen Welt eine 
Stelle einnimmt, druͤckte an B.8 Grabe fein Erſtaunen 
aus, daß ein Ausländer wie Boͤrne in der franzdfifchen 
Sprache babe’ Arbeiten liefern. fönnen, die nit nur in 
Bezug auf den inhalt, fondern aud in Bezug auf die 
Form Meifterwerke der franzöf. Literatur feien. Er vers 
gli ihn mit P. 2. Courrier und .fagte, daß, wenn er 
in Derfen geſchrieben, er der Beranger feines. Volkes 
ewefen fein würde. — In den lehten Jahren wuchs 
ein. Groll immer mehr und mehr, der Groll über eine 
Welt, die nicht nah feinem Sinne frei fein wollte, und 
nagte ibm an der Leber wie jener alte Geier, von dem 
die Griechen erzäbften, und tödtete ibn. B. wär von 
Haud aus ſchwaͤchlich und litt am Unterleibe und von da 
aud an gereisten Nerven; zur Sommerzeit mußte er 
Bäder beſuchen und febte zulegt in Auteuif bei Paris 
einfam und zurhdgezogen, noch mehr vereinfamt durch 
feine Schwerbörigkeit. Sein langed Unmohlfein batte 
dnn zum Hypochoñnder gemadt und feine Bibliotdef bes 
ftand zum Theil aud medicinifchen Werken. Unter allen 
Heilarten der Medicin, Die er nach und nach durch⸗ 
egangen, war er der Waflerfur ‘am: längften treu ge 

ieben. Ob ed ibm genugt oder gefchadet haben mag, 
wenn dad ſchwaͤchliche, gebrechlide Männden, das ſich, 
bevor ed zu diefer Kur äberging durch Slanell vor jedem 
Luͤftchen ſchuͤhte, auf einmal nun-Waffer trank, fi den 
ganzen Leib Sommer und Winter nur mit kaltem Waſſer 
wuſch und Abends beim Schlafengeben ſich ein naffes 
-Tuch auf den Hopf legte, mögen Die Aerzte entfcheiden. - 
Erft in den legten drei Wochen Fonnten B.'s Sreunde 
ibn bewegen, Arztliben Rath anzunehmen, D. Gidel, 
der mit Ihm feit lange in freundf&aftlicpen DBerbinduns 
gen ſtayd, bebandelte ihn von da an bis zu feinem Ende 
und in den legten Tagen wurden noch mehrere andere 
erste zur Konfultation binzugerufen. 3. fcheint jedoch 
hierin mehr feinen Sreunden nachgegeben, old feine Ans. 
ten über die Medicin und ihre Adepten gedndert_ zu 
baben, denn er fprach bis zum legten Augenblide fehr 
off die Ueberzeugung aus, Daß er fterben werde. Mit 
der hoͤchſten Seelenrupe, mit ftoifher Ergebenbeit jap 
er feinem Zod entgegen. Bid auf die legten Augenblide 
war er Herr und Meifter feines Elaren Verſtandes und 
noch in den letzten Tagen zeigte er, daß ihn ſelbſt feine 
. tee Satpre nicht verlaffen. Am Rage vor feinem Tode 


x 


. Bm. 38 


feagte Ihn fein Arzt Sickel: ob er etwa einen ſchlecht 
— babe? And feine Antwort war: ee enten 


wie, die deutfche Literatur!" — B.'s Landsmann, der 
‚junge Arzt Dr. Hörle aus Frankfurt, machte die ledt 


Nacht bei ihm. B. fpra in diefer Nacht noch fehr vie 
und alles, mad er fagte, befundete die ungetrübte Klar⸗ 
beit feines Geiſtes. Am andern Morgen, den Tage, an 


welchem er um 10 Uhr Abends flarb, fiellten ſich Selüfte 


bei ibm ein, wie fie oft Die Vorboten ded Todes find, 
Er wurde nun immer ſchwaͤcher, zwei Stunden vor fein - 
nem Tode wurde er endlich wieder beffer, fühlte ſich auf 
der Bruft erleichtert, aber das Licht fladferte nur noch 
einmal auf, um dann ſtill und langiam zu verlöfchen. 
Strauß und feine Gattin, bei weldden Boͤrne wohnte, 
D. Hörle und fein Diener, der ehrliche Konrad (Ulric), 
von dem B. oft in feinen Briefen und in feinen legten 


- Werken ſprach, fanden um den Hinfhlummernden und 


bielten jeden Athemzug zurüd, um nicht einen von den 
legten ihres Sreundes zu verlieren. In dieſem Augens 
blicke fiel der Lichtſchirn, den man, um dem Sterbenden 
Schatten zu geben, vord Licht geflellt, ohne Daß Jemand 
fib in der Stube gerührt bätte, um und vom Kamin 


berab und ed durchfuhr alle Anmefende ein innerer 


Schauer. Sein Leichenbegängnig dad bei fchlechtem 


- Wetter, was gar traurig paßte zu einem traurig aus⸗ 


[5 


erungenen £eben, fattfand, war würdig und feierlich. 
in Paar Hundert Deutſche und mehrere franz. Schrifte 
fteller hatten fi in feiner Wohnung, verfammelt und 
von bier aus ging der Zug Über die Boulevardd dem 
ere. Lachaiſe zu. Rährend war ed, den alten treuen 
onrad *) allein vor allen andern dem Leihenwagen 


= folgen zu feben. Der folgende Zug befand zum Teil. 
au 


Schrififtellern, Kaufleuten und vielleiht 100 Ars. 
beitern: Boͤrne war immer ein bülfreider Freund aller 
Armuth gewefen. An feinem Grabe Tpraden Venedy 
Börli aus Sranffurt und NRaspail, früher Redakteur des 
Reformatuer. — B. rubt auf franzöf. Boden, wie der 
gefallene Held auf feinem Edild, denn er hat Sranfs, 


reichs Größe und Rechte bid an feinen Tod vertheidigt. 


Seine letzte Schrift, fein Teſtament, wie eb: feine 


. Sreunde nannten, „Memel, der &ransofenfrefler“ if 


gegen Dienzel gerichtet, der wiederholt auf ibn los⸗ 
getreten war; er hatte ihn für krank erflärt, für einen 


*,S. Briefe Bo. 1. S. 80 - 
NR, dekrolog 16. Jahrg. 15 


226 | Borne. 


groben Fanatiker, far einen demokratiſchen Cyniker; er 
hatte ihn mit dem Füͤrſten Puͤckler paralleliſtrt und den 
Fuͤrſten über den Juden geſetzt; er batte ihn vor der 
From ded deutſchen Volkes den Degen.‘ ded Schrift 
ſſellers zu zerbrechen gefucht und ibm‘ dad Recht abs 
geſprochen, nocd ferner der Cato⸗Cenſor jened Volkes 
zu fein. Dafür gab ihm Boͤrne bier die Antwort. Das 
ganze Schriftwen iR im Gefühl oder aud nur in der 
unerfannten Ahnung, daß es fein .legte& fein werde, 
gef mrieben; denn fo ſagt er unter andern: „Es-komme 
ein waderer Mann, der mich ablöfe und für mein Vater 
lond Das Wort führe, ich werde ibn ald meinen Erretter, 
ald meinen Wohlthäter begrüßen. Ich bin müde wie 
ein Jagdpund — — —.“ Er bat in Demfelben mit feinen 
Gegnern und der ganzen Welt abgerechnet und die 
Regnung gefchloffen. Es derrfht in ibm, wenn auch 
3.8 Eigenthämlichkeiten bervortreten,, ein ganz anderes 
Weſen, ald in allem, was er fon geſchrieben hat. Er 
it ernfter, rubiger und feine Satpre if meiſt cher weh» 
müthig als bitter gu nennen. Dann aber bat er in dem 
. felden Elarer als ſonſt je’ gefagt, was er gewollt, oder 
eſſer, was er nit will und warum er eben mit Diefem 
negativen Refultste deflen, was er nicht will, zufrieden 
und nur died verlangt. — B. war Flein von Geftalt und 
bager, fein Geſicht durchaus nicht einnehmend. Es 
prägten ſich Leiden darin aus und Die Haltung des 
Körpers beftätigte dieſe Vorausſetzung. Die Sarde war 
fapl, erdig; Die Lippen entfärbt; die Haare duͤnn, 
ſchwarz; das ſchoͤne dunkle Auge ſchwimmend; die Nafe 
nicht groß, doch etwas geſenkt und zu beiten Seiten 
der eingefallenen Wangen fproßte ein ſpaͤrlicher Baden» 
bart in perpendifuldrer Richtung. Seine Kleidung war 
von feinem Stoffe, wurde aber nadläffig getragen und 
in der That war diefer vertrodnete, gefrämmte Körper 
auch nicht dazu gemacht, Die Kunſt ded Schneiders her 
‚ausjufordern. Sein Kopf war gemöhntid zur Erde ges 
büdt, als wenn er etwad Verlornes ſuche, fein Bened- 
men fhächtern, verlegen. — B. it derjenige Schrift 
fteller, der die Dinge richtiger einſab, als er fie ſchrieb, 
der alles in und neben fi) verläugnete, um eklatant 
nad einem Punft binzumwirken. Geit Dem Jahr 1830 
ſchrieb er nur, um für jeden Preis Die Revolution zum 
entſchloſſenſten, ruͤckſichisloſeſten Handeln aufzuftachein, 
die Schriftitellerei an, fie als literarifde Beſchoͤftigung 
war ihm ganz gleichgültig, es aͤrgerte ihn, wenn fein 


Börne 227 


Styl, fein Talent gelobt wurde, er wollte Reine Bücher 
(reiben, fondern Zhaten. Darin beruhte fein Aerger 
gegen eine und Aehnliche, welche ſich außer für den 

toff, der unter ihrer Seder war, auch für den literaris 
(den Reiz deſſelben, des Ausdrucks, der Form inter. 
effirten und Die zunddf und am Ende Literaten fein 
wollten. Er verlangte, daß Jeder Tribun fei, wie er, 


daß er nicht mit Rüdfiht auf die Literatur ſchreibe, ſon. 


dern nur mit Rüdficht auf den Krieg. Nicht das Buch, 
fonpern der Auffag war feine Sorm und er fchrieb den 
beften und mwirkfamften , den wir vielleicht in der deut: 
fen Literatur befeflen haben. Er bornirte ſich und feis 
nen Stoff gewaltfam und abfihtlih zu einem Keil, um 


dad Intereſſe auf einen einzigen Punkt, auf den Haß, 


‚auf die That zufammenzudrängen, den Umfang. den 
breiten Bereich des Gedankenganges, welder Rüdfichten, 
Einſchraͤnkungen mit fid bradte, ignorirte er abſichilich 
um die fehlagende Wirkung nicht zu ſchwaͤchen nur eine 
kleine naive Einfheltung oder fo etwad Aebnliches gab 
er biöweilen dazu, um für feine eingemweibten Leſer ans 
zudeuten, daß er wohl eine größere Ausdehnung des 
- angedeuteten Feldes Penne, daB er ed aber gar nicht für 
nöthig halte, Died zu beachten. Er wollte den Krieg 
gewinnen in der begonnenen Confequenz des Zeldzugs, 
auch um den Preis der Wahrheit, welche ſich während 
des Kampfes anders geftellt haben moͤchte. Diefe Bes 
ſchraͤnkung feiner ſelbſt, Died abfichtlihe Borniren Eönnte 
unter feinem Namendausdrude „Börnen“ ein eigens 
carafterifirendes Wort abgeben. — Unermeßlich iſt der 
Einfluß, den 3. auf die deutſche Tugend audgeübt dat. 
Seit Schiller it wohl fein Autor mit ſolchem Enthus 
ſiasmus gelefen worden, ald Börne mit feinem Haß und 
Spott und feiner foblagenden Profa. Wed Sintereffe, 
alle Entwidelung war der gerelisen Qugend von Heut 
zu Morgen geftelt, was nit dahin paßte, wurde vers 
böbmt oder ignorirt, die ganze Welt mit ihren taufend 


Möglichkeiten ward in wenig Sormeln gedrängt, Schiller, 


fogar -mit feinem Gedanfenliberalidmus ward als Ideo⸗ 
loge überfprungen, Götbe *) als breit, furchtſam, als 
Sklave der Rückſichten und des Herkommens geſchmaͤht, 
der abſolute, ſchnell handelnde Ultraliberalismus übers 
ritt wie eine Kavaleriecharge der Weltgeſchichte alles 
Uebrige und Börne mit feiner ſcharfen Profa und bes 


*) Deffen Biogr. ſ. im 10. Sahrg, des N. Bet. ©, in. 





fer) 


X 


ME: Boͤrne. J 


ſtechenden Nathrlichkeit war der eigentliche Held deſſel⸗ 
en. Wäre er damals geftorben, die kraͤnkhaft auf 
pereate Zugend haͤtte ſeine Leiche fo entſetzlich feiern 


koͤnnen, wie ed die franzoͤſiſche mit Lamarque gethan. 
Aber die Zeit wollte nicht auf einem einzelnen Füßwege 


erfüllt fein, die Gef&ichte machte ihren breiten Umfang 
wieder geltend. B., der dies vielleiht fehr wohl einfad, 


- Denn er war ein fcharffinniger Mann „ wollte von feinem 


ſchmalen Zugang in die Weltentwidelung durchaus nit 
affen, weil er ihn deutlich eine kurze Weile in Wahrheit 
offen geſehen hatte, er rıef daſſelbe Sriegdgefchrei immer 
fort, ſtets ingrimmiger, je weniger Erfolg ſich zeigte, 
und fo fam’d, daß feine-fpätern Briefe aus Parid ge» 
ringe Theilnahme fanden, ‘daß feine letzten faum von 
feinen wärmften Sreunden aufgefuht wurden, ja daß die 
Literatur nicht einmal Notiz davon nahm. Dad ift nicht 
blos auf dad Verbot Ju ſchieben, Denn auch die träbern 
Bände waren verboten, es liegt in dem. Gebheimniffe der 
biftorifehen Entwidelung, weiche fid nit auf einen 
einzigen Pfad beſchraͤnken laͤßt. Auf einen einzigen Pfad 
datte Börne aber. feinen Willen und feider au fein 
Talent geſtellt. Er bornirte fih darauf, daß die Zeit 
eine afute Siranfbeit fei, Die eine gewaltfome Kur heilen 
mäffe, alled Andere gab er gegen ih und gegen andere 
- für Zeitverluft aus und fo unterdrädte er fi felbfit, fo - 
ſchrieb er tief in den Srieden binein_nur mit der be 
fchränfenden Rüdfiht auf eine große Schlabt und vers 
lor darüber die Welt und die Welt verlor ihn. . Sein 
Geiſt an fih war keineswegs fo befchränft, er hatte die 
Rude und Klarbeit, jede einzelne Richtung forgfältig 
und mit Bezug aufd Allgemeine zu würdigen, er dat —9 
in dieſer Eigenſchaft den kleinen bedaglichen Artikel, den 
Keinen Sag in unfrer Titeratur Fultivirt, er verfchloß 
ih unglücklich felbft die mannichfaltige Entwidelung der . 
Welt, meil er fid burd Geburt und Berbältniß zur 
Uebernabme eined Amtes beftimmen.ließ, was ihn toͤdtete. 
Denn feit fieven Jahren wollte er nichtd weiter fein, 
als Volfötribun und wenn er über ein Gedicht fchrieb, 
o that er’d in Diefer Eigenichaft, und wenn ihn eiwas 
avon Unabhängiged freute, fo bar er fih ſelbſt um 
Entſchuldigung. Er mar als Jude geboren, der Parias 
ftempel ward auf eine Bruft gedrüdt, in welcher dad 
feinſt fühlende Herz flug, was Empfindung und Ein 
drud bis aufs Haͤrchen zu (palten wußte. Cmancipation, 
Schonung und alles ähnliche Zugeländniß war ibm, wie 


IN 


Boͤrne. | 229 ° 


jedem. Eräftigen Gemütd eine Beleidigung, ein ſolches 
_  witt dad nicht gefchenft haben, was ſich von ſelbſt ver- 
ſtedt; fo kam der Widerfpruch gegen eine Welt früß 
in fein Herz, welche die Anfprüde der Einzelnen nur in 
großen, groben Zügen befriedigen kann, melde der 
menſchlichen Unvollfommendeit gemäß dad Einzelne oft 
verlegen muß, um Dad Ganze zu balten. Die Juden 
gaffe in Srankfurt, die Geringſchaͤzung, mit welcher 
alles mit Juden Zufammenhängende dort Bebandelt wird, 
vergaß er nie und Srankfurt mit feinem Kaſino und 
feinen Patriziern bat den Grundftof alles Biftes in B. 
elegt, wad ihn verzehrte. Denn wenn er nicht von 
ugend auf die Nothwendigkeit empfunden bätte, mit 
a. und Kampf fid geltend zu machen, fo märe er 
vielleicht nicht Dabei geblieben, Die Fragen, der Welt auf 
eine Spige gewaltfam zu drängen und krampfhaft mit 
Verläugnung des eignen Dranges darauf feſt zu halten, 
Denn feine Seele war weich, er war einer der beften, 
edeiften Menſchen, die gelebt haben. Schmerzlich war 
es zuzuſehen, wie er fi abfihtlih verarmte, um fletd 
auf dem Standpunfte der augenblidlihen Schlacht zu 
bleiben, und die Art wie er in den letzten “jahren lebte, 
trug noch viel dazu bei, daß er nicht mehr aus feis 
nem verzauberten Kreife heraus Fönnte. Es war nicht 
mehr zu boffen, daß er fid auf ein rein. Eiteraris 
ſches Feld retten, das lediglich Politiſche auf ſich bes 
ruben laffen und foldergefalt feinem Scarffinn und 
Talent eine neue unbefangene Bahn gewinnen werde, 
Er batte ſich gu febr mit Herz und Kraft in den 
Gegner feftgefhlungen und da ibm des Gegners Herz 
entihlüpfte und er in der biftorifch » verfteinernden 
Sorm Flammern blieb, fo konnte er nur fiegen oder 
ſterben. Wer fiegt gegen die Geſchichte? Er_ farb, 

. Er binterläßt eine große Anzadl Sreunde und Seinde, 
denn wer ibn aus feinen Schriften kannte, mochte ſich 
nicht gleichguͤltig gegen ihn verhalten; er it wie Marie 
Stuart viel gebaßt und viel geliebt worden, weil ers in 
all feinen Adfihten auf Tod und Leben abgefehen hatte . 
und jede Vermittelung tödtete. Es wäre thöricht, von 
den Dertheidigern des Beitebenden ein anderes als ein 
fireng feindliches Verbältniß erwarten zu wollen, obwohl 
gu erwarten ftand, daß er im Tall eined wirklichen Kriegs 
und Siegs mit den eigentliben Radikalen nit in Har⸗ 
monie geblieben wäre; er fagt vieles blos, um einen 
—Ausbruch zu geitigen und war im Hintergrunde viel 


1} 


. 230 Boͤrne. 


xuckſichtsvoller, als ſein Wort. Obwodl jegt in ihm der 

auptführer des deutſchen Radikalismus verſtorben iſt, 
d hatte' er doch, wahrſcheinlich bei einer wirklich außs - 
brechenden Revolution das Loos eines Girondiſten ge⸗ 
dabt und waͤre Feineömege ein Marat geworden, wie 
Diele fagen nit einmal ein Robeöpierre, mit dem er 
“auf den erfien Anblick die meiſte Aehnlichkeit batte. Nie 

bat ein Schriftſteller dergeftalt einem Kriegäplan zu 


Dienſten fein eigentlichſtes Weſen geopfert, wie B., er 


.Zahdl if Elein und verme 


bat und oft an die Sage erinnert, daß Robespierre ges 
meint babe, über die vielen Opfer, die er unter die 
Buillotine (dicken muͤſſe. Freilich läßt fi) darüber nichts 
ermutben, fein Menfc ift fo berechenbar, B. bätte viels 
eiht auch geweint und unter Thränen zur Guillotine 
efendet. Die Sreunde, welche er binterläßt, zerfalen 
In drei Abtheilungen. Diejenigen, welche auf ſeine 
Worte ſchwoͤren, find theild aus der Heimatb geflächter, 
ideils dur die Verbältniffe niedergedalten, tbeild übers 
bokt, verwirrt durch die neuen Kulturwendungen, eine 
Macht find fie in Feiner Weife mehr und die, welchen 
gibt eigene ſchoͤpferiſche Macht zu Hülfe kommt, fteben 
ſich ab und werden alte Puppen, mie einft die Deutfch 
thümler, Serner dirienigen, welde ihn mit Einfchräns 
fung bifterif@-wehfeinden Norbmendigkeit würdigen; Die 
if klein u idet es meiſt über ibn zu reden. 
ndlih Diejenigen, melde fein Talent obne Rüdficht 
auf feine Polisit ſchaͤßen; die Zadl derer ift febr grob, 
aber die meiften diefer Art find nichr eben auf Gründe 
und Unterfuhung bedadt, nod weniger fchreiben fie 
ſelbſt. Das eigentlich literarifche Talent it vor den Lei⸗ 
denſchaften no& immer wenig in Srage gefonmen. Daß. 
kiterarifhe Talent B.'s war Fehr groß: er bat die Nai⸗ 
verät Des Gedankens und Ausdrudd fo geltend gemacht 
und fo reizend gefaßt, wie fein Schrifiſteller vor und 
nach ibm. , Der eigentliche Auffag it durch ihn zur größ- 
‚ ten Mannichfaltigkeit gefaltet und audgebildet worden: 
aus einer natürlich erwachſenen Bildung, aus einer innis 
gen Theilnahme an der Seele Jean Pauls *) vor Allem, 
"am Herzen Schillerd, am einfahen Ausdrucke Goethes, 
aus einem regen Verkehr mit der fchnellen Sprade und 
. Saffung Frankreichs, in deſſen Entwidelung er frühzei⸗ 
11q bineinwuc$, bildete a leicht und obne Anftrengung 
feine Schriftfiellerei und fein Styl. Die naive Dar 


——— — — 


°) Deſſen Biographie f. N. Nekr. 8. Jahrg. ©. 186. 


Boͤrne. 231 
AReaung, welde nihts beim Zefer voraudfent, als Auf⸗ 


merkfamfeit, melde mit den ad von 
Humor gefärbt, melde mit ig_eineß 
im Hintergrunde feſt rubendeı IR und 
Öfterd noch mit einer Wendı ven Ge 
danfend in die unbefangene, Yauung 
- ded einfaben Menfenverftar it fein 
Werk in unferer Literatur un enihu⸗ 
Raftifd gepriefen worden, dd neiftene . 
an der £evendfrage unferer Zei 1 Dies 
kümmert und indeflen dien b.. -.. zen. er Srage 
niet, feine Politik, die fo ericätterlih in unfere Meis 


nung geſchlagen bat und an der er geftorben ift, dürfte 
und bierbei nicht fümmern, auch wenn fie nicht ais biftos 
rifded Moment vorüber wäre, feine Verunglimpfungen 
Deutfhlandd,. welcde aus dem Irrihum Rammten, eine 
organiide Entwikelung nit zu verfennen und die vers 
iedenften ‚Völker nad einem allgemeinen Schema zu 
modeln und zu richten, feine Schimpfworte baben die 
DVerftändigern nie abfolut verftanden, fie waren immer 
nur Mittel, die Sglacht um jeden Preid zu entzänden. 
Man rechne fie mit andern Seblern feiner gemwaltfamen 
palitifhen Stellung zu, man werfe fie mit in fein Grab; 
er od verföhnt ja und mir wollen über ihn binauß 
aur den innerliben Menfhen und dad Talent reiten, 
mad und obne Nädfiht auf Polisit von ©. geblieben 
iR. Ein fo eigenthämlie f@lagendeg Talent für die 
foriftlihe Darftelung dat weder Deutfhland, noch Franke 
rei, nod England gehabt. Sieht man von der polts 
tifpen Abfiht D’Eonelfher Reden ab und betrachtet fie 
old reine Produkte eines Talents, was dur dad bloße 
Wort ein Ziel erreihen wid, fo wird_man darin am ers 
len ein Seitentüd zu 8.’ Talent finden und D'Coms 
nel bat noch dad lebendiger wirkende gefprodene Wort 
voraus, er hat ein ganzes Land zum Binzergrunde, der 
Augenblid war fein; der‘ Sehrififteller aber, mwelder 
“nicht einmal im Journale von Heute bad Gefrige ber - 
riet, muß dad Önterefle erft wieder intereffant machen. 
ied verand ®. am beften. Dafhr batte er ein Koms. 
pofitionstalent;- in dieſer Richtung muß ihm ftetd Wür« 
digung bleiben. Db ed dafür ausreicte, eine größere 
Sorm zu erfüllen, eine eigenstige Kunftform zu erreichen 
im Bolen und Weiteren, das bat er nie gegeigt, viel» 
leicht nit gekannt, vielleicht aud nur darum nicht ges 
fannt, weil ihn, das Nächfte zu leidenfpaftlich bethei- 


282 Arevyßig. 


ligte, vielleicht weil ibm die größere Erfindung gebra 
oder "bie poetifhe Senugfamfeit abging, fi Mn 
teten Zuftänden und Derdältniffen zu erfüllen. Er felbk 
fagte darüber: „id Fann Fein Buch machen, nur Blät- 
ser ſchreiben und auf einander legen. 


* 80, Dr. Carl Traugoft Kreyßig, 
weit. koͤnigl. fächfifcher Juſtizrath zu Dresden; 
geb. den 21. Oktober 1786, geſt. ben 12. Februar 1887. 


Krepßigs Geburtsort iſt Chemnig, wo fein Vater, 
Jodann Gottlieb Kreyßig, Archidiakönus am der Jako⸗ 
 bifirde war. Bid zum Jahr 1795 genoß er den Unter⸗ 
richt des fpdterhin ald Lehrer und juletzt ald Neftor an 
der Landesſchule zu Meißen angeftellten Profefford Koͤ⸗ 
ig, nachder auf Furze Zeit des Paftord Claus in Schön. 
melde und beſuchte dann 4 Jadre lang dad Lyceum zu 
Chemnitz unter Rothe und Leſſing. Da aber daſſelbe 
bei dem zunehmenden Alter diefer Lehrer in Verfall ges 
rietb, fo bezog er [on im “uni 1800, wo er noch nicht 
volle 14 Jahr alt war, auf Anratben feined “Bruders, 
des jenigen zweiten Profefford an der Landesſchule zu 

eißen, M. Kreyßig, der damals feine philologiſchen 


und antiquarifhen Studien in Leipzig fortjeßte, die das 


ge Univerfisät, wohnte dort 3 Jahr fang mit diefem 
einen Bruder zufammen und betrieb unter feiner Leis 
tung die. alten Sprachen, mit dem Vorbaben, fi der 
Rechtswiſſenſchaft zu widmen. Geine Lehrer waren in 
der Philologie Raabe, Berk und Hermann, in der Pbis 
Iofophie Seidlig, Carus, Gutjahr und Plattner, in der 
Geſchichte Weife und Wieland, in der Jurisprudenz ges 
nannter Weife, Rau, Müller, Erhard, Biener, Kees und 
Junghdans, vorzüglich aber Zerbe und Hübner, mit 
elchen er in_eine engere Verbindung getreten mar. 
nter Junghans disputirte er im Jahr 4805 Über freis 
tige Rechtsſaͤtze, worauf er fi. bei der Quriftenfafultät 
zu Leipzig dem Examen pro praxi et candidatura unters 
warf.. Nadıdem er Notariud geworden war, kehrte er 
‚in feine Vaterſtadt zuräf, wo er im Stadigerit feine 
praftifde Laufbahn begann. Im Jahr 41807 ward er 
gur juritifchen Praxis zugeloffen und ald Aktuarius bei 


en Gerichten zu Neukirchen bei Chemnitz angeftellt; ein - 


Ant, welches er bid-zu Ende des Jahrs 1816 befleidete, 
Am 22. Mai 1817 erlangte er nad Vertheidigung feis 
ner Didputatign; de auctorum et commentatorum verbis 





«Kreyfig. Ä 233 


in Digestorum interpretatione distinguendis Observationes 
auf der Univerfitädt Leipzig die juriftifde Doktorwuͤrde. 
Hier war ed, mo er zuerfi eine Fuͤlle von Beledrfamkeit, 
die fi) insbefondere auf dad von ihm mit unabläffigem 
Eifer betriebene Studium der alten Sprachen grändete 
und einen ungemeinen Scharffinn difentlid an den Ta 
legte. Nicht genug, daß er feine neben feinen praktis 
fden Geſchaͤften ausgearbeitete Diöpusation ohne Praͤ⸗ 
ſes veriheidigte, fo 309 au deren Indalt und deſſen 
Wichtigkeit für Die Hermeneutik die Aufmerkfamfeit der 
vorzuͤglichſten Civiliſten unfered deutſchen Daterlands 
auf ſich. Auch in dem Rigorosum zeichnete er ſich doͤchſt 
ehrenvoll and. Don dieſer Zeit an fegte er feine advo⸗ 
tatorifde Prarid_in Chemnig fort, bis er vermöge Res 
fEriptd vom 47. Juni 1820 ald Mitglied des koͤniglichen 
Appellationdgerits nad Dredden berufen wurde. Waͤh⸗ 
rend er bei. der Tdeilnahme an den Arbeiten dieſes Kols 
legiumd unermädere Thätigfeit_ und die gemiffenbaftefte 
Berufötreue bewies und von feinen erworbenen Kennt⸗ 
niſſen den gemeinnägigfien Gebrauch machte, unterließ 
er nicht, dad liebgemonnene Studium der gelebrten Ju⸗ 
riöprudenz, befonderd im Fache des römifhen Rechts, 
mit Eifer zu betreiben. Als er vermöge Dekreis vom 
18. November 1826 einer Deputation jur Entwerfun 
eines die bei Dem biöberigen Progebverfahren in Civil» 
ſachen bemerften Mängel und in daffelbe eingefchliches 
nen Mißbraͤuche abftellenden, insbeſondere Ah Verhuͤtung 
des Verſchleifs der Prozeſſe geeigneren Geſetzes beige⸗ 
geben wurde, wendete er, wiewodl ohne feinen Berufs⸗ 
arbeiten im-Appellationdgericht Abbruch zu thun, feine 
eiftigen Unftrengungen dem Iegidlativen Fach in Dies . 
em Theile der praktiſchen Rechtswiſſenſchaft zu. Er 
wurde im Jadr 1831 in den zu Folge der Verfaſſungs⸗ 
urkunde errichteten Staatsrath berufen und blieb thaͤti⸗ 
ges Mitglied des Appellationsgerichts. bis er durch Mi⸗ 
niſterialverordnung vom 9. April 1835 bei der zu Ende 
des gedachten Monats erfolgten Auflöfung dieſes Stolles 
giums mit dem Ehorafter und Prädikat eined Gehei— 
men Juſtizraths für die Gefeggebung in dad Juſtizmi⸗ 
niſterium verfegt wurde. Mit dem innigften Bedauern 
. foben ibn damals feine Kollegen, deren Liebe und Hoc» 
achtung er ſich durch feine Humanitdt und Biederkeit,. 
der alle Anmaafung fremd war, aus dem Slreife ſchei⸗ 
den, worin er den mit ihnen gemeinſchaftlich guet 
haste. und-zu welchem ſie bei der Drganifation des Ober⸗ 


* 


‚bung nichts geboten, ald der fehr beſchraͤnkte U 


ſikunterricht zu ertbeilen, namentlih au 


BE. Shreitwal. 


appellationsgerichtö wieder vereimigt werden follten. Seit⸗ 
dem_arbeitete er im Juſtizminiſterium hauptſaͤchlich an 
der Revifion der Erl. Proc. Drdn. und mehrern einzelnen 
in den Eivifproceß einfhlagenden Geſehen; auch nahm er 
an den Geſchaͤften der Pruͤfungskommiſſton thätigen Ans 
tdeil und: noch kurz vor feinen Ende wurde er zur Bes 
sarhung‘der Kammern Über ein neues Geſetz wegen des 
Derfaprens in &ivilfachen, Die nicht über 20 Thaler bes 
tragen, als koͤniglicher Kommiſſar berufen. Doc die 
mufterbafte Thätigfeit, womit er fein Amt verwaltete, 
fand.“ in feiner Eörperliden Kraft nur_eine mangelbafte 
Unterüßung, indem er feit einigen Jahren mit einer 
fteten Kraͤnklichkeit zu kaͤmpfen batte, welche ibn in den 
Sommermonaten der beiden lenten Jahre in Salzbrunn 
Die Hertellung feiner Gefunddeit zu ſuchen nötbigte, 
Die Kur blieb zwar nicht ohne Erfolg, Doc fanfen feine. 


phyſiſchen Siräfte im Kaufe des Winterd 4836 immer 


mehr ,-fo daß er zuleht auf dad Siranfenlager geworfen 
ward und am obengenannten Tage an_der Bruſtwaſſer⸗ 
puat verfhied, deweint von feiner Gattin und vier 
Kindern, 


*. 81 Sohann ‚Heinrich Gottlieb Steeitwolf, 
 Mufiter und Inſtrumentmacher zu Göttingen; 
- geb. den 7. November 1779, geft. den 14. Februar 1837. 


Geboren zu Göttingen und unter bärftigen Verbäft- 
niffen erzogen, wurde ibm zu feiner en neri 
terricht 

in der Pfarrſchule ſeiner Vaterſtadt und ſogleich nach 
der Konfirmation, im 45. Sabre, kam er zu dem Stadt 
mufifud Täger in Die Lehre, wo er ſich mit den verſchie⸗ 
benarsigften Inſtrumenten befcäftigen mußte, mit Bor 
Siebe .aber behandelte er Dad Violoncell. Nach vollen 
derer Lehrzeit erhielt er -die Stelle’ eined Gelliften in 
Dem akademiſchen Orcheſter und fing ugteig an, Mu⸗ 
der damals dus 

Berft beliebt gewordenen Guitarre, wodurd er fich feis 
nen Unterbalt erwarb. Wie denfend und felbftihätig er 
aber mar, zeigte. fih ihon in diefer Zeit. Niemand batte 
ibm Anmweifung im Guitarrefpielen gegeben, wie übers 
haupt diefer Zweig des Mufilunterrihts damald in 


Deutſchland noch ſebr mangelhaft Dar ano leiftete 


er Tüchtiged Darin und verbefferte durch Nachdenken. und 
Mebung den gemwöhnlihen Fingerſatz. Als Guitarr⸗ 





Streitwoff. 285 


und Geſanglehrer war er allgemein 
idm wohnte eine eigentbämlidhe, ſchoöͤpferiſche Kraft, die 
ihn niemald. bei dem Hergebrachten Reben ließ. Was 
feinem Blick dargeboten wurde, betrachtete er mit dem 
Auge eined Denferd und mo er Mangel fand, fühlte er 
einen unwiderſtehlichen Drang zu beflern und zu ver 
vollfommnen. So maren denn ſtets die muſikaliſchen 
Inſtrumente Gegenſtand feiner Detrabtung und im J. 
41809 Fam er auf den Sedanfen, eine Floͤte zu verfer. 
sigen. Dad Werf gelang gleichfalls odne Anweifung 
und St. bef&äftigte id nun 3 Tahre hindurch unermäs 
det mit Dertertigung von Floͤten. greitic blieb die 
erfie Slöte unverfauft; allein er vergaß die Öfonomifchen 
Berbältniffe, mo die Kunſt ibm Erfaß gab und bald 
glüdte ed ibm auch in der erfern Rüdficht beffer. Er 
verfertigte von neuem zwei Flöten und verkaufte fie nad) 
Elberfeld für den nachher Fefinebenden Preid von 16 Thas 
lern. Die Genauigkeit in der Arbeit und die Reinheit 
tm Zone madte feine Flöten, fo mie fie befannt wurs 
den, beliebt und geſucht. Mit den. Sortfaritten in feis 
ner Kunft wuchs nun ‚aber die Einfiht in die Schwies 
nigfeiten und die Weberzeugung, daß Nachdenken ohne 
iffenfchaft nirgends völlig ausreiche. Darum, obgleich 
ſchon Familienvaser, nahm er 1814 eine Matrifel und 
beſuchte die Univerfitäe feiner Vaterſtadt, um fid wife 
fenfchaftlih auszubilden. Er börte Mathematik, Che⸗ 
mie und alles, was fonft nur irgend einen Beaug auf 
feine Kunft hatte und lernte noch mit jugendlicher Xeiche 
tigkeit und mir dem Eifer des gereiften und einſichts⸗ 
vollen Mannes. Dabei dernahläffigte er fein Geſchaͤft 
durchaus nicht, ſondern begann nun auch Klarinetten zu 
verfertigen und vervollfommnete dieſes Inſtrument nad 
dem Mufter der Iwan Mällerfhen in mander Ruͤckſicht. 


gefuat. Aber in‘ 


Nachdem ihm dieſes geplüdt batte, entfchloß er fich, fein 


Geſchaͤft weiter auszudehnen und alle nur mögliche Blas⸗ 
inftirumente von Holz; zu verfertigen. Auch bierin fand 
er bedeutenden Abſad, da fie von Allen, wegen ihrer 
feibten Anfprade und ihrer Reindeit gefucht wurden. 


Wegen ded großen Abſatzes mußte er jegt viele Arbeis . 


ter ſowohl in ald außer dem Haufe befäftigen, vers 
fäumte aber bei aller Geſchicklichkeit einzelner Indivi⸗ 
duen nie, die Hauptarbeiten, wie # ®. dad Bobren, ſelbſt 
su beforgen. Schon jegt nahm er unter den Inſtrument⸗ 
machern einen ebrenvollen Pla ein; allein böber ho⸗ 
ben ihn bald einige mit Scharffinn auögefonnene und 


⸗ 


- 


. al8 die haͤuslichen. Die Söhne in 


. 


BE +. Steeitwolf. 


Dabei nuͤtzliche Erfindungen. Hierbin gedört 1. B. daB 
im Jahr 1820 erfundene dhromatifhe Baßhorn, welches 
als eine willfommene Erfcheinnung, befonderd für Mis 


litaͤrmuſik begräßt und von dem damals in Hildesheim 


‚flependen infanterieregiment angefauft wurde. In den 
naͤchſten Jahren befchäftigte er fi noch immer mit Ber 
beflerungen dieſes Inſtruments, dann aber mit einer 
neuen ndung, welche 188 an das Licht trat und Die 
unter dem Namen Baßklarinette bekannt geworben iſt. 
Das erſte Exemplar wurde an den verſtorbenen Fuͤrſten 
von Sondershauſen *), den Goͤnner unſeres St. ver 
kauft, der es gleichfalls zur Militaͤrmuſik beſtimmte. zum 

"der 


J ehr 1835 endlich glaubte er feine Erfindung zu 


m möglihen Volfommenheit_gebradt zu baben und 
fandte ein vorsüglid fchöned Eremplar :auf_ die Kunſt« 
ausftellung nach Hanover. An einem folden Orte Fonnte 
er am leichteften boffen, dad richtig würdigende Stenners 
auge zu finden und täufchte ſich bierin auch nit. Die 
Baͤßklarinette wurde zu einem nicht unbedeutenden Preife 
für das. Muſikchor des berzogl. Braunfhmeigifhen Gres 
nadierbataillond angefauft und der Gewerbverein des 
Königreihd Honover Überfandte ibm für die Erfindun 
eine filberne Preismedaille. Auch für -Droefermufit 
wurde Dad Baßhorn wie die Baßflarinette bald ange— 
mwandt und diefe Doppelte Anwendung rettet St.'s Er⸗ 
findungen aus der Klaſſe der Inſtrumente, welche in 
neuerer Zeit erfunden, aber mehr eine ©pielerei ald 


Inſtrumente fuͤr die Deffentlihfeit zu nennen find. So 


war fein Öffentliches Wirken hoͤchſt nuͤtzlich und .ein Zeugs 
niß für feinen denkenden Geiſt; aber Gleiches darf von 
feinem Wirken. in dem engern Kreife des Familienlebens 
geruͤhmt werden. Schon fräd, im Jahr 1801, verheira⸗ 
tbete er fid mit der Tochter eined Göttinger Bürgers, 
Kayfer, und ſah im Laufe der Zeit Diefe Ehe durch 2 
Söhne und 2. Toͤchter verfhönert. Mit der größten 
£iebe ding er an den Seinen, mit unermädeter Thaͤtig⸗ 
keit forgte er für fie und fuchte wenig andere Freuden 
eine muſikaliſche 
Melt bineinjuzieden, gewährte ihm ftetd neue Sreuden 
und auch andere junge Leute mochte er gern in ihren 
muſikaliſchen Beftrebungen unterftägen. Go verfammelte 
er wöchentlich in feinem Haufe ein kleines Duartet, an 
dem die Söhne bald mitwirkfend Theil nahmen und 


*) Deffen Biogr. f. in dieſ. Jahrg. d. N. Nekr. unterm 22. Apr. 


Streitwolf. 287 


zeigte ſich auch ſonſt gefaͤllig. Seine Stelle im akade⸗ 
miſchen Orcheſter aber gab er 1821 wegen zunehmender 
Schwaͤchlichkeit auf; er litt ſchon früb an Bruſtbeſchwer⸗ 
den, welche ibm dad Handhaben der Bladinftruntente 
ungemein erfämwerten. In feinen Mußeſtunden unters 
bielt er ſich gewöhnlich mit Ausfinnen und Dervorbringen 
von Berbefferungen an allerlei Gegenſtaͤnden. Er konnte 
nicht ein Spielzeug in die Hand nehmen, ohne ed mit 
feiner Betrachtung zu_durddringen und zu verbeffern. 
Im Umgange mar er freundlich und zuvorfommend, im 
Veſpraͤch febr lebhaft und fetd mit Gegenfländen be⸗ 
foäftigt, melde in der gewöhnlichen Alltagskonverſa⸗ 
sion feltener beräbrt zu merden pflegen. Vorzüglich gern 
ſprach er Aber tbeoldgifhe Gegenftände und zeigte bier 
Dur Ausdrud und Urtbeil eine Bekanntſchaft mit_der 
. Wiffenfchaft, die man font nur bei Leuten von ga 
antrifft. a, noch in feinem legten Lebensjahre befchäte 
tigte er ſich mit Aſtronomie fo eifrig und gründlich, ald 
ob er fie zu feinem Beruf machen wollte. Die Bewes 
gung der Geftirne war ibm ein Gegenfand der größten 
Bewunderung und die Berechnung Diefer Bewegun 
immer neue Sreude. Man mußte ibn in feiner Welt - 
betrachten und man batte ihn liebgewonnen. Auch fein 
Aeußeres machte einen vortbeilbaften Eindrud; denn, 
mochte er auch gebeugt eindergeben von dem Drud der 
Sorgen und Grübeleien und des Fürperlichen Unmohls 
- feind, fo machte doch der Geiſt, welcher vorzüglich auß 
dem Auge ſcharf und glänzend bervorblidte, feine Er⸗ 
ſcheinung intereffant. Er war das Bild eines denfene 
den Künſtlers. Wie aber dad Glück feltener dem zus 
Nlaͤchelt, welder ſchon ein bobed, geiſtiges Erbtheil Davon 
getragen bat, fo war ed auch nicht febr- freigiebig gegen 
unfern St. In feinen jängern Jahren batte er mit 
mannichfachen dußern Hinderniffen zu kämpfen; in der 
- fpätern Zeit drädte ihn far beftändiged Unmohlfein zu 
Boden. Ga, ed war ihm noch der derbe Schmerz bes 


”) Deflen Miograpbie ſ. N. Nekr. 16. Jahrg. ©, 878. - 


1 


. * 
€ ı 


238 Hoff. — Kluͤber. 


der Schweiz, aus Jerſey u. f. w. bei dem jüngerır St. 
emacht: find und die auf die eingelieferten Arbeiten ers 
ofgten belobenden Schreiben- zeugen von der Tüchtig⸗ 
feit des Sohns und machen den Verluft des Vaters für 
die mufifalifhe Welt weniger fühlbar.. 
Goͤttingen. | | Dr. Fricke. 


* 82, Johann Heinrih Hoff, | 
Dr. phil. und Kollaborator am Gymnaſium zu Aurid) ; 
geb. den 5. December 1806, geft. den 15. Februar 1837. 


Hof wurde zu Zauterberg am Harze geboren, mo 
fein Bater Suhrmann war.. In der Schule zeigte er 
noch wenig Anlagen, fpäter aber, ald der jegige Paſtor 
Primarius Schläger in Hameln, damald Paftor in Lau⸗ 
terg, fich feiner angahm und er, um fih zum Schulleb⸗ 
rer zu bilden, fi Privatunterricht in Spraden von dem 
Keftor Winßel ertdeilen ließ, entfaltete ſich fein Geiſt 
aufs Schönfte. Nach vollendetem 15. Jahre befuchte er 
dad Gymnaſium in Nordhaufen und bezog dann die 
Univerfudt Göttingen, um Ppilofogie zu ſtudiren. Dar« 
auf lebte er eine Zeitlang zu Hameln in Dem Haufe feir 
ned Goͤnners Schläger, bid er ald Kollaborasor an dad 
BGymnaſium nad Aurih kam. Saum zum Dr. phil. von 

Tübingen aus ernannt, ftarb_er nach 2tägiger Krankheit. 
Mit ihm, der über Kleinaſien feit längerer Zeit fam« 
melte, find für die Philologie viele Erwartungen verlos 
ven gegangen. H. war von Perfon fehr Flein und zart 
gebaut. oo | 

Dielingen. Arendt. 


83. Johann -Ludwig Klüber, 
koͤnigl. preuß. Staats⸗ u. Kabinetörath in Brantfurt a. M.; 
geb. am 10. Nov. 1762, geſt. d. 16. Febr. 1837 °) 


Klüder war zu Thann bei Fulda geboren, begahn 
feine Laufbahn 1786 als Profeflor der Rechte zu Erlans 
.gen und wendete ſich früb der Bearbeitung des deutſchen 
Staatsrechtd zu. Als geheimer Referendar nach Karls⸗ 
rube berufen, ward er feit 1804 auch in dad praßtifch« 
politifde Geſchaͤftsleben eingeführt, wurde zwar 1807 


‘ 


*) Mac) dem Konverfationsleriton der neueften Beit und Lites 
ratur, den literarifchen u. kritiſchen Blättern der Börfenhalle 1837. 
Wr. 1858 — 69 u. des Hamburg. Abendzeitung 1887. Ars 76. 








Kluͤber. 239 


als erſter Profeffor der Rechte in Heidelberg angeſtellt, 


kam aber ſchon 1808 als Staatd, und Kabinetsrath mies 
der nah Karlsruhbe. Seitdem ließ er feinen. früder 
rechtswiſſenſchaftlichen Schriften andere Leiftungen folgen, 


.. welche verdiente Anerfennung fanden, wie fein „Lehr⸗ 


begriff der Referirkunſt.“ Erlangen 1808. — „Lehrbuch 
der Kryptographik.“ Ebd. 1809 und „dad Poftwelen in 
Deutfhland, wie ed war, ift und fein koͤnnte.“ Ebend. 
41811. Bei der Eröffnung des Wiener Kongreſſes erbielt 
er Urlaub von feinem of ‚und lebte während der gans 
zen Dauer deſſelben in Wien, mo er Durch dltere und 
neuere freundfchaftliche, Literarifde und politiſche Vers 
bindungen Gelegenheit erbielt, Vieles zu beobachten, zu: 
befpreden, zu beratben und zu fammeln. Als er zu 
Anfang 1815 fid in dem Beſitz eined anfehnliven, blos 
für. feinen Privatgebrauch gefammelten Vorraths fab, 
ward er zu dem Ehrfchluffe, die Verhandlungen des 
Kongreffed zu fammeln, durch Die Erwägung gefuͤhrt, 
daß ſchwerlich ein Privatmann fo viele und fo menig 
mangelhafte Mittheilungen dem Publifum vorzulegen 
im Stande ‘fein und wohl fein Hof je eine gedrudte 
Sammlung der Kongreßaften veranftalten werde, zumal 
da feiner, den Wiener Hof ausgenommen, im Belige fo 
vieler Urkunden fei, ald er. So entftand Die fär Die 
Geſchichte eines denkwürdigen Zeitabfchnittd bochwichtige 
“und reichhaltige Sammlung: „Akten des Wiener Kon⸗ 
greffes in den 3. 1814 und 1815,“ wovon noch in den - 
“legten Monaten der Verſammlung die erften drei Hefte 

(Erlangen 1815) erſchienen; doch hielten ihn Brände der 
Klugheit ‘ab, in diefen Heften Protokolle mitzutheilen 
und ſchon damals ſich ald Herausgeber zu nennen, um 
nicht eine vielleicht nachtheilige Aufmerklamfeit auf den 
Urdeber einer ſolchen während der Dauer. des Kon» 
grefied gedrudten Sammlung zu ziehen. Sein Beftreben 
ei der Herausgabe der Aktenflüde mar darauf gerichtet, 

einen_ richtigen Tert zu liefern und zu dieſem Zwecke 
wurden mehrere Abfchriften forgfältig vergliden. Als 
die Sammlung mit dem achten Bande (1819) ſchloß, 
gab er die DVerfiherung, daß fie_ nicht ein Aftentäd 
enthalte, das feine Amtöverbältniffe ibm verſchafft hit: 
ten, feines, dad nicht auf redlichem Weg in feinen 
Bein gefommen, nichts, wodurd er Dertrauen ges 
taͤuſcht oder eine Amtöpflicht blosgeſtellt, aber auch nicht‘ 
eine Urkunde, die itgend ein Hof ibm zur Befannts 
machung mitgetheilt hätte, obgleich ihm von bochgeftelle ' 


- _ 


r 


240 =. Kluͤber. 


ten Staatsmaͤnnern die Mittheilung fehlender Akten: 
" füde, namentlich derjenigen, die zu den Verhandlungen 
“ über die polnifh-fähfiihe Frage gehören, war ver, 
rohen worden. Don den beiden wichtigſten Akten- 
“Hüden, dem „Acte final da congres de Vienne“ und der 
Deutfhen Bundedafte veranflaltete. er- einen befondern . 
Abdrud (2. Aufl., Erlangen 1818), der ſowodl durd 
kritiſche Berichtigung des Terted, ald durch eigne Zus 
gaben vor dem in den „Alten“ befindlichen Abdrud fi 
audzeichnet und durch Nachweiſung der Verbandlungen 
über die einzelnen Beſtimmungen der Bundesafre für 
die Entſtehungsgeſchichte derfelben wichtig if. In der 
„Meberficht der diplomatifhen Verbandlungen ded-Wies 
ner Kongreſſes“ (8 Abtheil., Frantf. a / Ho. 1816) gab 
er eine Geſchichte des Ganges der Verhandlungen und 
mehrere Abhandlungen und Berichte Über einzelne die 
deutſchen Angelegendeiten betreffende Gegenftände. Dur 
feine vielfältigen Erfahrungen und ald Augenzeuge der 
Eniſtehung des neuen Söderativfoftems war Kluͤber vor 
Andern berufen, dad Bundesſtaaisrecht ſyſtematiſch dar⸗ 
ußelen, wie ed fein „Oeffentliches Recht des deutſchen 
undes und der Bundesſtaaten“ (Frankf. a/M. 1817) 
etban bat, dad 1822 in der zweiten und 1831 in der 
dritten vieffach verbeflerten Ausgabe erſchienen iſt. Dies 
ſes treffliche Werk if eben fo .fehr durch gute Ans 
. srdnang, grändlihe Erörterung und erläuternde Rüd; 
blicke auf die flaatsrechtliben Verbhältniffe des deutfchen 
Reichs und das ehemalige Kerritorialflaatsredt, als 
. durch freimüthige Anerkennung der. Rechte der Völker 
ausgezeichnet. Klüber and an der Spitze der deutſchen 
Staatsrechtslehrer, aber er war Fein Hofpubliciſt und vers 
band mit den Vorzuͤgen der alten publiciftifhden Schule 
‚ ein Flared Verſtaͤndniß der Zeitforderungen... An- diefeg - 
- Werk Ichloß fid feine „Duellenfammiung für dag Öffent- 
liche Recht des deutfhen Bundes“ (3. Aufl., Erlangen 
41830), während er zugleih das europdifche Völkerrecht: 
in feinem „Droit des gens modernes de l’Europe” (2 Bde,, 
Stuttgart 41819, deutfh ebendafelbft 1821) bearbeitete, 
K. hatte bereitd feit 1814 Einladungen zum Eintritt in. . 
den preuß. Staatödienft erhalten und trat endlich 4817 
ald geheimer Legationdratb unter dem Staatskanzler 
von Hardenberg, deffen Gunft und Sreundfcaft er feit 
vielen Jahren genoflen batte, in das Minifterium der 
außwärtigen Angelegenheiten. Er war feitdem bei meb- 
reren politiſchen Verhandlungen in Sranffurt a / M., 


— 





Kluͤber. 24. 


eseröburg und Aachen bei dem Stongrefie thätie. 
um aber war N zweite Ausgabe feines —26 
Rechts des deutſchen Bundes“ erſchienen, als das Buch 
und er ſelbſt Gegenſtand volitiſcher Verkeßgerung wurden, 
Es erfolgten offene und verdeckte Angriffe, zuerſt von 
dem naſſaͤuiſchen Miniſter v. Marſchall *), der eine foͤrm⸗ 
Uüche Denunciation, wiewohl damals ohne Erfolg, in 
Berlin gegen ihn anbrachte. Spaͤter aber nach Haͤrden⸗ 
berg's Tode ging auch vo Berlin eine, Verfolgung 
gegen ibn aus; es ward allen Reöeälehrern auf den 
preußiſchen Univerfitäten verboten, fein Buch bei ihren 
Dorlefungen kum Grunde zu legen und ohne feine Der» 
theidigung und Rechtfertigung zu bören, wurde während 
‚feiner amtlichen Abweſenheit eine ter fuhung in Berlin 
groen ihn geführt. Nah neun Monaten erfolgte 1823 
‚Die Entſcheidung, welde der Miniften Graf v. Bernftorff 
K. mittbeilte. Es ward ibm darin unter Anderm vor 
eworfen, er babe den Grundfag aufgeftelt, DaB bei 
den in dem pofitiven Staatdrecht dad natürfide und 
allgemeine. Staatörecht als Hülföquelle gelte und zeige 
durchgaͤngig die entichiedenite Vorliebe für die gemiſq 
ten eglerangöverfaffungen, einiger Bundesländer, 00, 
leid Die neuere Geſezgebung des deutihen Bundes 
efanntlih unter der thätigften "Mitwirfung Preußens 
Dabin gerichtes geweſen fei, den demofratifchen Prins 
‚cipien entgegenzumwirfen, melde man den in einer noch 
lange zu beflagenden Epoche faſt allgemeiner politifhen 
Derwirrung mit fo großer Webereilung gefifteten Ver⸗ 
faffungen zum Grunde gelegt habe. In dem minifteriels 
Sen Ausfpruche wurden K.'s angeblihe Verſchuldungen 
-nur einer Verkehrtheit feiner publiciſtiſchen Urtheildfraft 
zur Zaft gelegt; wer ihn Eenne, bieß es, werde nicht 
zmeifeln, Daß er in der Darftelung feined Spfiemd nach 
einer Meberzeugung zu. Werke gegangen fei, aber der 
ichtkenner mülle_eben in der Mangelhaftigkeit feiner 
Einfiht eine böfe Abſicht erkennen. Kläber fand das ihn 
verdammende Urtbeil ſowohl für feine amtliche, als 
publiciſtiſch⸗literariſche Stellung zu demuͤthigend. als da 
er einen siugenblid gezögert hätte, feine Entlaflung au — 
dem preußiſchen Staatsdienſte zu ſuchen, die ihm endlich 
nach vier Monaten auf wiederholte Bitten gewaͤhrt 
‚wurde. ‚Seit diefer Zeit lebte er beinahe forttwährend 
‚in Frankfurt a/M., Immmer fammelnd, .arbeitend, bes 
lehrend. Eine preußifche Verordnung von 1323, welde 


*) Deffen Biographie & N. Neer. 18. Jabra. ©. 62 " 
N. Xetrolog. 18. Jahrg. 16 


UM Ntüber, 


das Reqht der Entſcheidung Aller Streitfragen fiber den 
Einn, die Anwendbarkeit und Gültigkeit von Staats⸗ 
verträgen dem Richteramt entzieht und dem Minifterium 
der auswaͤrtigen Ungelegenbeiten yusignet, veranlaßte 
ipn, in feiner Schrift? „Die Selbfiftändigkeit des Richter, 
amtd und die Unabhän gigfelt feiner Urideile im Rechts. 
“ fpreden“ (Sranffurt a/M. 1892), den Grundfag fener 
Werordnung freimätbig zu prüfen. Diefer folgteri dann 
noch mebrere Monograpbien, auch gefammelte Abhand⸗ 
fungen u. f. w. Kluͤber ftand im 75 Jahre ald er Rarb. 
Dodch ſchrieb er noch bis in dieſes hohe Alter eine jus 


gendliche und ſchoͤne Handſchrift. Ungeachtet des von 


ibm geopferten Gebaltd, floſſen ibm noch dinreichende 
Mittel eined forgenfreien und bequemen Lebens. Wis 
ſenſchaftlich inmitten der Parteien ſtebend, würdigte ihn 
jede nach ſeinem Verdienſt und fo ſehr er ſich Den libe⸗ 
ralen Intereſſen, nawentlich der Sache der Preßfreiheit 
mit Hand und Mund güͤnſtig zeigte, fo theilte doch auch 
dieſelbe Hand und derfelde Mund biftorifh gliedernd 
und ohne die Eleinfte "Untreue an jenen Angelſternen, 
namentlich feined finkenden Lebens Refponfa über Suc⸗ 
ceffionsfragen und andere pofitive Dinge an durchlauch⸗ 
tige Häufer_ mit. _ Seine legte Krankheit dauerte nur 
furz._Der Tod näberte fi ibm leicht und fill. Der 
von Karlörude auf die Nachricht von dem bedenfliden 
- Unmohlfein des Vaters berbeieilende Sohn fand ihn 
nicht mehr am Leben. — Unflreitig war X. der tächtiafte 
und ehrlichſte unferer gegenwärtigen Publicifien, obne 
: darum zu den fogenannten politiihen Ideologen zu ges 
bören, melde für die Öffentlihe Meinung nur gewiſſe 
Lieblingsanfidten der Zeit oder gemwifler Kreife oder 
“ihrer ſelbſt, wo nicht als recht und nothwendig, doch 
als bewegende Thatſachen dinſtellen und verküunden. Er 
vdoörte noch weniger zu denjenigen Redid: und Ge⸗ 
— — Die aus dem Gewirre des Tages ſich 
uruͤckzogen unter die Denkmaͤler und Ueberreſte der ges 
‚[eufgartligen Geſtaltungen fräberer Zeit und an deren: 
iederaufbau arbeiten oder Daran verzweifelnd, Fluch 
den Beſtehenden und Geißelung dem anderd denkenden 
Geſolechte dropen. Das eigenthuͤmliche Geld K.’5 war 
zunaͤchſt das diplomatiſche Recht, worunter wir dier das 
. urfundlide oder berfömmliche, durch Urkunden, Ders 
- bandlungen und lebendige Zeugen fireng erweisliche 
Recht verkeben, Es war vor Wllem die Elare nadte 
Tdatſache des beſtedenden Rechts, deren diſtoriſche Wei⸗ 
fung ibn deſchaͤftigte. Inſofern gehörte er mit einigen 


Kiäber, \ 243 
Benigen no mm Stamm der Älter, vormald add 


ur allein fogenannten Publiciften.Deutfplands und 
Halı — er und Pätter an; Selle fibertraf er 


It durch größere Kritit und Schärfe deb 
il erö war er weit entfernt von allen biftos 
ifd ven und Nebelgefalten, denen fi Pätter 
9 b»_ Aufgenommen batte er dagegen in 
id n Sriedrid Karl v. Mofer und Schlöger 
eing iptung einer politifgen Verwaltungs 


Eritt. —.. ... 
gi fi geblieben; doc verkündete er fie nur da ai 





ad. Sean. 
mit Aumerf., 






1790: — Neue 
tur d. deusfhen Staatdrebtd, ald Fortſetzung der 
tterifhen. Ebendaf. 1791. (Muh unter dem. Titel: 


‘ Fin . / _ 
244 Klauͤher. 
hurg nachgedruckt und Gen; fuͤllte damit einen ganzen 
Stomitialbericht.) —  Isagoge in elementa juris publici, 
yo utuntur nobiles immediati.in Imperio Rom. Germ., _ 
Ibid. 1798. — *Dad neue Lit, od. Kafatter Friedens⸗ 
kongreßausſichten. Raſtatt (eigentl. Nuͤrnberg) im Januar 
4798. — Einleitung zu einem neuen Lehrbegriff d. deut. 
Staatsrechts. Erlang. 1808. — Web. Einführung, Rang, 
Erzämter, Titel, Wappenzeiben u. Wartſchilde d. neuen 
Kurfärkten. Ebend. 1808. — * Das Okkupationsrecht ded 
fandesherrl. Fiskus, im Verhaͤltniß au den Beflgungen, 
Renten u. Rechten, welde den fekularifirten, ald Ent» 
. +fchädigung gegebenen geiſtlichen Stiftungen in fremdem 
Gebiete zugeftanden, rechtlich geprüft von Dr. J. L. K. 
Epd. 1804. — Kompendium der Mnemonik od. Erinnes 
rungswiſſenſchaft aud dem Unfange des 17. Jahrh., von 
Lampredt Schenkel u. Martin Sommer; auß d. Latein. 
it Borrede und Anmerk. Ebend. 1804. — Ehrerbietige 
Borfelung an die hochloͤbl. unmittelbare Reichsriner⸗ 
ſchaft, von einem Mitgliede derfelben. Tanuar 1805. 
(SOhne Drudort). — Neber den ſtaqtswirthſchaftl. Werth 
d. Papiergeldes in dent. Neichöländern. Tübingen 1808. 
(Au in den europdiſch. Annalen 1805. p. 9.) — Mein 
Kontingent zur Geſchichte d. Sedächmißhbungen in den 
eriten Jabren des 16. Saͤkulums für die Beſitzer von 
Schenkels und Sommerd Kompendium der Mnemonik. 
Nürnb. 41805: — *Essui sur lOrdre de Malte ou de St. 
Jean et sur ses rapports avec l’Allemagne en gendral et 
avec le Brisgau en particulier, Basle 1806. — Baden bei 
Raſtatt. Mit 4 Kofrtaf. Zübingen 1807. N. U. 1811. — 
Staatsrecht d. Rheinbundes. Lehrbegriff. Ebd. 1808. — 
Die Sternwarte_zu Mannheim, beicrieben von ihrem 
Murator, dem Staat» und Kabinetisrath Klüber. Mit 
einer abbildung der Sternwarte in Steindrud. Mannd. 
4811. — *Das Lehnfolgerecht d. Samilie von dem Sinefe 
bed zu zylfen auf die Grafſch. Hoorn. Sranff. u. Lpig. 
41815. — Staatsarchiv d. deut. Bundes. 2 Bde. Erlang. 
1816— 17. — Gab heraus: C. ©. Arndt ſib. d. Urfprung 
u. die verfchiedenartige Verwandtſchaft der europaͤiſcheñ 
Spraden u. f. m. Sranff, a/M. 1818. — - * Anweifung 
ur Erbauung und Behandlung ruff. Stubendfen ur 
rwaͤrmung der Menſchenwohnungen auf ruff. Art, Mit. . 
gelonungen in Steindrud. Ebd. 1819. — -Europdifdes 
oͤlkerrecht. 2 Bde. Stuttgart 1821—22, — *Neuefte 
Einrihtung des fatbol, Kirchenweſens in den k. gen. 
Staaten oder paͤpſti. Bulle 9. 16. Juli 1831 u. fönigl. 


r . 


Treviranus. 245. 


Sanktion derfelben, mit einer Einleitun ichtl. und 
erlduternden Inhalts, Stankfurt a, an gedio: Das 
Muͤnzweſen in Deutfhland nach feinem jegigen Zuftand. 
Stutig. 1829. — Abhandlungen und Beobachtungen für 
Geſchichtskunde, Staats⸗ u. Rechtswiſſenſchaften. 2 Bde. 
Srantf. 1830 — 34. — Sortfegung der Duellenfammlung 
zu dem Öffentliden Rechte ded deut. Bundes. Erlangen . 
1833. — Senealog. Staatshandbuch 66. Jahrg. 2 Abth. 
Sranffurt a/M. 1834. — Pragmatifhe Geſchichte der 
nationalen u. polit. Wiedergeburt Griedenlands, bis zu 
dem Regierungdantriste des Koͤnigs Otto. Frankf. a / M. 
1835. — Die eheliche Abſtammung des fürſtlichen Häuſes 
Loͤwenſtein⸗Werthheim von d. Kurfürften Friedrich dem 
Siegreichen von der Pfalz und deflen Nachfolgerecht in 
: den Stammländern d. Haufes Wittelsbach, a. d. Liter. 
Nachlaſſe d. Verfaſſers. Heraudg. von D. I. Muͤhlens. 
ranff. a/M. 1838. — Außerdem lieferte er Beiträge zu 
oſſelts wiſſenſchaftlichem Magazin, zu den Rheinifhen 
tantdanzeigen, zur Neuen Berlin. Monatöfcprift, zum 
Morgenblats, zur Allgem. Zeitung u. a. 3. 


84. Gottfried Reinhold Treviranus, 


peattifcher Arzt und Profeflor der Medicin und Mathemathik am 
Lyceum in Bremen; 


geb. den 4. Bebruar, 1776, geſt. den 16. Bebruar 1837 °), 


. Zreviranus war zu Bremen geboren. Seine Vor 
fabren vaͤterlicherſeits hatten ſich theild dem geiftlichen, 
‚tbeild dem Kaufmannsſtande gewidmet und früber am 
Mpein, ſeit etwa einem Jahrhündert aber im nördlichen 
Deutfhland gelebt. Er war dad Ältefte von acht Ges 
fhmiftern, ‚deren nur drei ihn überlebt baben, nämlich 
Ludolf Chriſtian, jene Profelor der ‚Botanik zu Bonn, 
feinem Bruder auf dem Wege der Naturforfhung vers 
trauter Begleiter, Ludwig Georg, Dirigent einer Mas 
ichinenfabrik zu Blansko in Mähren und eine unverbei« 
sarbete Schweſter. Unfer X. befuhte vom Jahr 1782 
bis 1791 dad Gymnaſium zu Bremen. Schon von Zus ' 
gend auf zeigte er große Bebarrlihfeit in feinen Stu⸗ 
dien. Der Kaufmanndftand, Dem er fib, der Eltern 
Wunſch gemäß, bätte widmen follen, war für ihn ohne 
eig, Dagegen waren Phufif und Mathematik die Fächer, 


. , 
*) Nach der außerörpentlidden Wellage 3. allgem. Beitung 1837. 
Ru ver > age 3. als | 


— 


246 " Treviranus. 


welche feiner Neigung am meiſten entſprachen und in 
der Mathematik batte er e& ener er dad Gpmnafium 
verließ, 6 weit gebracht, daß feine £ebrer ihn alt ‚gleide 
Stufe mit_fid Relten. Die vorberrfhende Richiung 
auf realed Wiflen war e&, maß ibn befimmte, fi der 
Medichn zu widmen. In Göttingen betrieb er diefe 
Studien in den Jahren 1793 bis 1796 mit jenem in sand % 


er 

an nn Seite 1 en Die audhbende —— mit ‚een 
er felbk 

teren Jahren nicht zu bewegen war, fie aufzu, en. Ne 

widmete baber —5— ni {2 


‚ türe, die ded Abendi feiner Schriften 
ii So lebte ” J der Stille, beſe⸗ 
J von feiner Wiffenfdaft e lang und noı 
sehn Tage vor feinem Tı Krankenbe| F e 
und beforgte die Korrektur saifen 
weiche ibm au Beenbigen ni int war. 86 
jahr 1797, 
jematit u 





. Zreviranus. ZZ 247 


mals noch beftend. Ri, eben diefem ar ab er den 
erften und im Jahr 1799 den zweiten Theil feiner „Phys 
ologifhen Fragmente“ beraud. Man erkennt aus dies 
er Schrift, daß ibn damals die durd die Entdeckungen 
des Galvanismus und durd Humboldts Forſchungen 
angeregten Unterfudungen über die allgemeine Keizdars 
keit ſehr beſchaͤftigten. Im Zufammenhang damit Rellte 
er eine Reide von Verſuchen an Äber den Einfluß des 
alvanifhen Agens und einiger chemiſchen Mittel_anf 
as vegetabilifhe Zeben, fo wie über die Einwirkung 
ded Opiums und der Belladonna auf die Zungen der 
Umppibien. (Dom Erfolge diefer Verſuche berichtete 
er im Jahr 1800 in dem von Pfaff und Scheel heraus⸗ 
gegebenen nordifhen Arie für Naturs und Arzneiwiſ⸗ 
enfcaft, Band 1, Stüd 2.) Inzwiſchen hatte er ſchon 
von feiner akademifchen Studienzeit an fib mit der 
dee eined größeren Werks getragen, dad, von Hallerd 
Slementen der Phyſiologie au gebend, den Gewinn und 
die veränderte Geſtali, melde die Willenfbaft vom Les 
ben angenommen batte, darftellen follte. Died war die 
„Biologie oder Philofopdie der lebenden Natur“ — ein 
Berk, deſſen Werth von den Zeitgenoffen ebrenvoll an» 
erfannt wurde und welches auf die Geſtalt der Willen. 
faft in mannidhfaltiger Weile eingewirkt dat. Die 
usarbeitung des Werks zog ibn in manche Damit ver. 
Enäpfte Unterfuhungen, Deren Refultete von ihm in 
verfdiedenen Sammlungen niedergelegt worden find. 
Hierher gebören feine fhägbaren Arbeiten, Die Phyſio⸗ 
logie der Inſekten und Site betreffend (welche anfang» 
1i® in den Unnalen der Wetterauer Geſellſchaft für die 
Naturkunde, Band 8, dann vermehrt in dem zweiten 
Bande der vermifhten Schriften anatomifchen und php⸗ 
ologifhen Indalts aufgenommen wurden, die er vom 
ahr 1816 an mit feinem Bruder herauszugeben ange 
‚fangen bat). Seine, fhönen Unterfuhungen über den. 
innern Bau der Arachniden wurden im Jahr 1812 durch 
die phyſikaliſch⸗mediciniſche Sefeufchaft zu Erlangen zum 
Druf befördert. In der oben erwähnten Sammlung 
von Abbandlungen anatomifhen und phyſiologiſchen In⸗ 
halıd, melde im Jahr 1821 mit dem vierten Ban) ges 
ſchloſſen wurde, rühren die meiſten Wrbeiten von ihm 
ber. In allen bewährt ſich der rubige, gemwiflenbafte, 
anfpruchßlofe Forſcher. Die zablreihen Zeichnungen, ja 
fogar die Kupferſtiche zu Diefen Arbeiten verfertigte T. 
groͤßtentheils ſelbſt. Auch bei viner Abhandlung do pro- 


N 


48 Treviranus. | 
anguini encephalo (im vierten Bande der Commentar. 


oc. Reg. scient., setting.) find Die Zeichnungen und der _ 


ortrefflihe Stich der Tafeln feine Arbeit. Er war der 
Reinung, daß nur der Andtom felber die von ibm ges 
ındenen Thatſachen, zumal wenn er dabei ded Mikros 


kops bedurfte, richtig mit Bleiftift und Nadel darzuftels 


en vermöge. Dom Jahr 1824 an gab er mit feinem 


reunde, dem auögezeichneten Zootomen Tiedemann, die 
zeitſchrift für Phpfiofogie beraus, wovon. bid jegt fünf 


zaͤnde I N Saft jedes Stuͤck enthält eine 
der mehrere Abhandlungen von ihm. Die Phyſiologie 


er Sinne, eines der fchwierigften Kapitel der Biologie, _ 


sard von ibm ſtets mit Vorliebe verfolgt. Die Reſul⸗ 


te feiner Unterfuhungen wurden in den „Beiträgen . 


ur Anatomie und Phyfiologie der Sinneswerkzeuge“ 
iederfegt, deren erſtes Heft im Jadr 4828 erſcien. 
Jier handelte er die allgemeinen Gefege der Strablens 
rechung im Auge des Menfchen und der Thiere mathe 
satifh ab, er gab Die gnenaueften Dimenfionen deb 
nenſchlichen und gemiller bieraugen, ftelte die Ders 
Altnißzablen Über die Nefraktion der durchſichtigen Theile 
ed Auges, wie fie ſich aus den Verſuchen von Hawksbee, 
Nonro, Young, Brewſter u. U. ergeben, zufammen und 
erfolgte die Erfheinungen und die innern Prozeffe des 
5ebend dur ale Thierklaffen bindurd. Die Mängel 
ı der biöberigen Theorie des Sehens war er bemüht 
urch genauere Befimmung der Gefege der Strahlen⸗ 
rehung im Auge und in Folge deflen durch eine Reihe 
erwidelter und mühſamer Rechnungen zu befeitigen. 
nter fo vielen und großen konkreten Studien verlor 
brigend X. die generellen Unfichten nicht aus dem Ge⸗ 
hriöfreiß, und wenn ed jedem audgezeihneten Kopf 
oth thut, fih von. Zeit zu Zeit die Ermerbungen der 
Biffenfhaften wieder aurechtzulegen , u barmonifiren, 
ie fehr mußte ed ihm Bedärfnig werden, eine allge» 
eine Weberfiht ded ganzen biologiſchen Gebietd_nach 
inen Grundideen zu entwerfen, da fein thätiged Leben 
ht hinreihen konnte, dem erſten Entwurf getreu, die 
Biologie“ zu Ende zu führen. Diefer innern Anfördes 
ing gu genügen, verfaßte X. (1831 bis 98) die „Gefege 
ıd Erſcheinüngen des organifchen Lebens,“ ein Bud, 
elches einerfeitd als gedrängter Auszug aus dem groͤ⸗ 
ren Vorläufer gelten, andrerfeitd die im raſchen Sort 
reiten begriffene Wiſſenſchaft bis auf Die neueften Zeis 


n fortführen ſollte, da feit Erſcheinung des erfien Ban 


N 


— sen u SE Senne . A — . 


Treviranus. 249 


fe - 
des des etfteren dreißig Sabre verfloſſen waren. Hier 
wurde denn auch nicht br ehre > 
denen er den legten Band der Biologie gewidmet hatte, 
fondern auch die Jümierigen gepieel vom Nervenfpftem 
und feinem Verhaͤltniß zum phyſiſchen Leben Überbaupt, 
vom geifigen Leben in feinen Beziehungen zum koͤrper⸗ 
liden-in der Sinnenwelt, fo wie. Die Lehren von der 
eugung, vom perlodifhen MWechfel in. den Zebenser. 
heinungen (Waden Und Schlaf), von SKonftitution, 
Temperament, Gefundpeit, Srankdeit — abgebandelt, 
Was aber dem Entwurf des Werks gemäß bier nur 
kurz betraddtet werden Fonnte, Das beabfichtigte er im 
einer beftmweife unter dem Titel von „Beiträgen zur Auf 


Elärung der Geſetze und Erfheinungen des organifhen 


Lebens erfheinenden Schrift weiter zu entwideln. Das 


von erf&ienen jedoch nur zwei Hefte. Don dem drite - 


ten dieſer Hefte erlebte er den vollendeten Abdruck nicht 
mebr. ine nervoͤſe Bruftentzändung_ machte feinem 
thätigen Leben ſanft und ſchmerzlos ein Ende. Bei einer 
großen Reizbarkeit der Lungen, welche durch jeden Wite 
terungdmechfel leicht afficirt wurden, ſad T. feinen Tod 
feit Jahren als nahe an; doch blieb Die Tpätigkeit ſei⸗ 
ned Geiſtes während diefer Erankhaften Stimmung ſtets 
die ndmliche. Als er einige Wochen vor feinem Ende 
ein Ausfenen des Pulfed um den vierten und fiebenten 
Shlag, verbunden mit Erfäwerung des Athems, wahre, 
nahm, fehrieb er es auf Rechnung Der Anftrengang beim 
Kupferſtechen Cer hatte eben noch zu dem unvollendeten 
Hette feiner Beiträge vier Tafeln eigenhändig geftochen) 
und glaubte Durch ruhiges Derdalten dad Uebel befeitis 
gen zu koͤnnen. Doch leider war die Stunde gekom⸗ 
men, Da Deutfchland einen feiner trefflichiten Naturfor⸗ 
fer follte ſcheiden feben! — T. hatte die Bildung und 

ichtung feines Geifted von den Alten empfangen, des 


sen er viele gelefen. Er liebte die Natur in ihren ftils _ 


fen Wirkungen und das, mozu_der Umgang mit ihr ans 
regt, die Unabhängigkeit, über Alles. Sin der Näbe von 


Bremen deſaß er ein Eleined Landgut, wohin er fich ges 


meiniglich für einen der Sommermonate zurädhog, um 
ganz der Wilfenfhaft zu leben. Hier war es auch, mo 
er gern die Dichter und Philoſophen laß, von denen er 
Heiterkeit und Berubigung als Lohn für angeftrengte 
wiſſenſchaftliche Thaͤtigkeit empfing. T. war in einem 
mäßigen Wirkungöfreis ein glüdlicher Arzt, der eined 
unbedingten Verirauens genoß; er war ein treuer, zu⸗ 


. 


08 die Lehre von den Sinnen, 





tet dadurch die verwirrende Mannichfa 


- 


250 Treviranus. 


verlaͤſſiger Freund, ein anuge und beſorgter Haus- 
vater, ein achtungswuͤrdiger Bürger. Er war ein Mann 
Des deutſchen Herzend, des offenen, Elaren Auges und 
ehörte gu denjenigen Köpfen, die nicht von der Ober: 
Lie, ie, vielmehr aus der Tiefe ſchöpften. Seine 
Sschriften fegen, um richtig gefaßt und volftändig bes 
nußt zu werden, einen tätigen Verſtand, eine vielfeitige 
. Vorbildung und eine Ruhe und Stille des Gemätbe 
voraus, wie fle in unferen Zeiten, unter dem Drange 
- großer Ereigniffe, eben nicht leicht gewonnen und erhale 
ten werden. Dennoch bat T. in feinem Baserland einen 
großen Wirkungskreis gehabt. Er hat, obgleich niemals 
niverfitäxlehrer und in einer Handelöftads anfälfig (die 
swar durch reihe wiſſenſchafiliche Bildung ibrer Bewoh⸗ 
ner außgezeichnet ift, aber außerhalb_der Mittelpuntte 
literarifhen Verkehrs Liegt), dennoch Diele belehrt! Es 
gibt wohl feinen Sau des deutſchen Vaterlands, in wel⸗ 
em man nicht irgend eine feiner gewichtigen Schriften zu 
dem literarifhen Schaf eined Arzted, eined Pharmaceu⸗ 
ten oder Landwirths zählte, wo fie nicht in Stunden rue 
biger Muße mit Vorliebe und Erfolg gelfen würde, 
Wir finden in diefem Schriftſteller einen Ernft, eine Uns 
ſicht der Betrachtung. eine Ausdehnung von Kenntniffen 
nach jeder Seite hin, daß wir ihn nie aus der Hand 
legen, ohne die Uebergeugung, eine tüchtige Natur, ein - 
klaſſiſch gebildeter, mohlgefinnter Mann, ein Mann, dem 
ed vor Alem um Wahrbeit zu thun fei, babe zu und. 
eredet. Hier it Fein-Scillern, fein Schwanken der 
egriffe, fein Haſchen nah Weberredung durch ſchoͤne 
Worte, fondern Alles gewillenbaft, treu, ungejchmintt, 
der Wiſſenſchaft zu Liebe. T. war einer von jenen Na- 
turforjcbern, denen es nit ſowodl um ein Syftem, als 
um die mÖglicne Naͤherung an die Wahrheit zu thun 
it. Seine Unterfuhung gebt meiftend den analptiſchen 
Weg; von allgemeinen Begriffen, von “ideen fteigt fie 
um ‚einzelnen Sau herab; fie bringt dad Licht einer bd« 
eren geifioen Anſchauung mit Ab in dad Helldunkel, 
8 bunte Sarbenfpiel der Sri@einungen und erleuch⸗ 
tigkeit. Diefen. 
Bang nahm T. fowohl, wenn ed ihm, wie in feiner 
„Biologie,“ um Bewältigung und Bliederung des ges 
fammien Materiald zu thuñ war, als wenn er, das Mefs 
"lm fie fobanı Dur Den Winfel at mia epenıeiner Kun: 
| rch den Pinfel mir nicht gemeiner Kun 
fertigkeit zu Ariren. Wir glauben damit die Keibe von 


‘in da 


. 
- . 


Treviranus. 281 
Naturforſchern dezelchnet zu daben, gu der er zu zadlen war 
und in welcher er einen hoben Rang einnabm. Er gehörte 
. iu den beafifigenden Naturforfcern, zu denen, weide 
mit einer alädliden ‚Divinitiondgabe ausgeräftet, jenes 
Divinum derausjufiblen verKeben, worin Die Bedeutung, 
die Seele jedes Naturwefend mirkfam erſcheint. Die⸗ 
fen Natur: ordern iſt die Natur nit finnlod, nicht 
automasif&; ihnen gibt es fein Leben, das nicht befeelt 
märe. Sie erkennen, dab die Angeln, um melde 
die Thatdandlungen, Die Gef&ichten des Lebens drepen 
— meit entfernt, in irgend einer Weife mit einem Mer 
@&anismud vergliden werden zu. können — vielmehr jede 


Winalogie diefer Art von fi weiſen. T. holte Aberdied - " 


die egeiti ung der Natur niht von einer Weliſeele 
ber. Eben [A wie Leibnig, Newton und Kant glaubte - 
er nicht daran, daß die Dinge in der Natur etwa glei» 
fam von dem Haug diefer Durch die Sapplung dinfade 
senden Weltfeete in Odem und Bewegung, verfegt wärs 
den. „Mit der Vorausfegung einer Weltfeele,“ fagt 
er feldft, „if entweder alled individuelle geiftige Dafein 
aufgehoben oder man ift gejmungen, außer Diefem Prins 
eip nod ein befondereö für jedeö einzelne Leben anzu. 
nehmen. In beiden Sällen gi jene Hypotheſe Feine 
leichtere Erklärung, als die Urnahme defen, der in jes 
dem individuellen Leben Wirkungen eined für ſich befter 
denden Princips fiebt.“ Er war vielmehr von der innie 
“ daß bie richtige Nature 
9..immer auf Die Roth⸗ 
elleß geiftiges Sein, fü» 
anzunehmen. Cr vers 
der andern, daß „alle 
‘& @innebeindräde der» 
einander und gegen die 
ar, daß Studien, melde 
ı, au einen ſittligen 
ne berubigende, befelis" 
gende Kraft äußern mußten, fomodl auf den Mann felbft, 
al auf diejenigen, weiche fie unter des Scrififellerd 
Wnfeitung wiederholten. Bon diefem Gefihtöpunft aus 
gauden wir fagen zu bfirfen, Daß bie Zeftäre von €. 
hriften feinem Publikum nit blo8 in der Sphäre 
. bed Verftande, fondern guch im der doͤdern ded GemütbE 
genugt habe; und da Ideen und philofopbifde Uebers 
jeugungen obfon unmerklih, doc febr bald in weitere 
reife dindurchdringen, auch dort wod thätig And, wo 


252 Treviranus. 


durch dad Medium mannichfacher Perſonlichkelt mo· 
keine worden, fo ſtehen wir nit an, dieſen Schrifte . 
fteller wegen feiner allgemein wohlthaͤtigen Wirkſamkeit 
au preifen. er verſucht dat das große Material in id 
aufzunehmen und I verarbeiten, welches T. in den. ſech 
Bänden feiner „Biologie” wis polphiſtoriſcher Gelehr⸗ 
amfeit niedergelegt bat, wird und bierin beiſtimmen. 
nd biefer Ddem einer höbern, geiftigen und-begeiftio 
- genden Naturanficht, der 5 durch alle Schrif⸗ 
ten dieſes ausgezeichneten gorlaer webt, macht die 
Mängel im Einzelnen vergeflen, welche Schriften diefer 
Art, befonderd wenn fie (wie ed mit Denen X. der Sa 
war) langſam erſcheinen, in unfern Zeiten an fi tragen 
. müflen, jeg wo alle Zweige der Naturwiſſenſchaft mit 
jo großem ifer, mit fo gewaltigen Hülfsmitteln und fo 
“ Überrafbenden Erfolgen Eultivirt werden. Dad erwähnte 
Grreben, jede Unterſuchung auf eine böhere Einheit zu⸗ 
rüdzufäbren, it ein Verdienſt der Schriften T. welches 
e mit den beften äbnlichen in unferer Literatur tbeilen. 
n Rüdfiht auf den gemäßigten, ungeſchminkten Ton, 
auf die die Phantafie zügelnde, ruhige Haltung laſſen 
ie fi mit manchen verwandten Erfdpeinungen.-der enge 
ifhen Literatur vergleiben. Man fühlt, daß dieſer 
Shriftfteller die. Vorſcheiften eines Baco kannte, daß er 
bemüht war, ibnen zu_folgen. T. hatte ſich eine bobe 


Aufgabe gelegt: „die Geſchichte des organifchen LZebend“ - . 


nach feinen Erſcheinungen und Gefegen darzuftellen. Es 
beißt Died nicht weniger, ald Anfang und Ende unfers 
menſchlichen Wiffend von natärliden Dingen. Die fein - 
en. Sdden der Pbilofopbie, wie die ſtaͤrkſten Leitſeile 
er Erfabrung follten bier in Einer Hand gehalten, da 
Mpiterlum des Centrum und die finnermüdende Une 
endlichfeit an der Peripderie aller Erfheinungen ſollten 
glei® mädtig und ietig gefaßt und dar elelt werben. 
or T. lag die Phyſiologie, feit Hallers unferblichen 
Arbeiten zu dem Rang einer Wiſſenſcaft erboben, wie 
e nun, durch die Entdedungen in der antiphlogiftifchen 
bemie feit Zavoifier, in der Phyſik, befonders dur 


Balvani und Bolta, in der Botanik feit Linne und Zufe - 


fien, in der Zoologie feit Buffon, Vicz D’Arir und Hun⸗ 
ter, in der Mineralogie und Geolgie beit Werner bereis 
chert, eine neue Geſtalt erhalten follte. Das Beftreben, 
alle diefe Faͤcher in Beziebung auf ihren oberften Ges 
gentand den Menſchen und auf dad Leben, daß diefer 

efer der irdifden Schöpfung von fih aus abwärts 


4 


j Trreviranus. 268 


zu erkennen und zu begreifen dat, zu vereinen, fie in 
ein organifched Ganze zu bringen: Died mar ed, mas vor 
8, Geiſt ſcwebte; ein Unternehmen, eben fo Fühn ald 
bei gluͤcklichem Erfolg lob end. Gerade ald T. auf den ' 
Schauplatz trat, mar in Deutſchland jene Richtung, über 
Die Natur zu fpekuliren, Tebendig geworden, welche man, 
mit einem ziemlich unbefimmten Begriffe die Nasurphis 
loſophie gu nennen pflegt. Es ift arafterifif für T. 
Beiftesanlage und Thätigkeit, Daß er fi der naturphilos 
fophifhen Schule even fo wenig zugefellte, als U. v. 
Humboldt, mit dem er in mancher Beziehung, befonders 
auf. Univerfalität und Forſchungsweiſe, vergliden wer⸗ 
den mag, den er au in feinen Schriften gern ald Ge⸗ 
währdömann anführe. Er blieb ſtets dem Empirismus 
zugethan, dielt ed aber für Pflicht, die Erfahrung in 
iprer moͤglichſt vollen Ausdehnung zur Baſis zu nehmen. 
Eben deshalb war ed ibm, wie allen denen, die viel 
wiſſen, nit leicht, in irgend einem Gegenftand der Nas 
turforfhung zu einem Abſchluß zu Fommen, fich ald be« 
friedigt zu erklären. Mit den hier angedeuteten Geſin⸗ 
nungen unternahm er fein größtes Werk „die Biologie.” 
Gerade Deshalb aber mar ed natürlich, Daß er den weit 
und breit gefaßten Plan _cder unter Anderm auch Die 
Geſetze der Verbreitung der organifhen Weſen auf der 
Erde umfaßt), bei der täglich ind Ungebeure gefteigerten 
Zunahme unferer Erfahrungen fiber die Ericheinungen 
Des organiſchen Lebens in allen Streifen der Schöpfung, 
ald die Kräfte des Einzelnen überfteigend, nicht auszü⸗ 
führen vermochte, Davon ftand er alfo ab, indem er 
jenes Werk nur in Beyiehung :auf das phyſiſche Leben, 
audführte. Jedoch bat er in dem fpätern_ Werk („Die 
Erſcheinungen und Gefege des .organifchen Lebend') auch 
viele Blicke auf das andere, geiftige Gebiet niedergelegt. 
Diefes Bud, die audgezeitigte Frücht eines vierzigjädrie 
en redlichen Naturſtudiums, gibt feinem DVerfafler einen 
log unter den trefflichſten Phyſiologen unferd Volks. 
Doch ift ed nur ein geringer Theil deflen, mad der Mann 
‚gelsiet hat! T. war fo glücklich organifirt, Daß es ihm 
eben fo leicht ward, fih aus der Sülle ungeordneter- 
Thatſachen zu allgemeinen. Begriffen zu erbeben, fich mit 
den fchwierigften Problemen des fondernden und glie- 
dernden Verſtands in der Unterfuchung unferer geiftigen 
Funktionen oder in verwidelten Rechnungen zu beſchaͤf⸗ 
tigen, ald der feinen Organifation eined Thiers nachzu⸗ 
ſpuͤren undimit Meſſer und Mikroſkop Sorfhungen über 





264 Blilunner. 


gwhieriſche Gewede, über Nerven» und Aderverlauf oder 
über die Entwicke ung eined kaum fibtbaren Eies An 
ftellen. Diele DVielfeitigfeit it eine feltne Gabe! Nur 
ju oft bemerken wir, daß ein NRaturforfcher, gemandt und 
erfahren in der Auffaſſung eined -Fonfreten, wenn auch 
noch fo ſchwer wahrnehmbaren Saftumd, aller Weide ent⸗ 
bebrt, um die aufgefundene Blüche au Durd die Wärme 
einer bödern Kenntniß, einer generalifirenden Geiſtes 
thätigkeit zu befruchten, zur Reife u bringen. och 
häufiger aber erſcheinen in unſerer ſpſtemreichen und des⸗ 
dalb an unbefangener Erkenntniß armen Zeit jene Nas. 
turkundigen, die ed niemals mit Sorfchen zu thun haben. 
wollen, Die, ohne nur einmal den Sinn mit irgend einer 
bedeutfomen fontreten Naturanſchauung erfüllt zu baben, 
recht vieled aus Büchern wiflen, aber nichts aus dem 
ewig wahren Buch der Natur. Solche Kundige kennen 
die Zreuden und die Schmerzen des NWaturforfcherd, 
welche eben in der Schwierigkeit des Forſchungsgeſchaͤfto 
liegen, nur vom Hbrenfagen; aber fie werden nur um 
defto leichter und fiderer mit Allem tertig, fie entfiegeln, 
mit Salomo’d King jedes Geheimniß und bringen -ein 
Spftem zur Welt, dad, in feiner anmaßlichen Selbſtbe⸗ 
friedigung, die Menſchenweisheit mit der des Sehöpferd 
ſelbſt verwechſelt. T. gebörte zu feiner von biefen beis 
den Klaffen; er war ein Naturforſcher Im wahren Sinn 
des MWortd, er war ed mit ganzer Seele und ganzem. 
Gemuͤth und eben. weil ein ganzer Menſch in feinen 
Studien lebendig war, brachte er ed zu einer rübmtichen 
- Wirkfamfeit. — Außer den genannten felbfidiändigen Wer- 
den lieferte X. noch viele. Beiträge zu periodifchen 
Schriften. 
* 85. Johann Gottlieb Bluͤmner, 


B. preuß. Hofrat u. Salarienkafienrendans am Dberlandeögericht 
u su Bredlau; 


_ geboren den 10. Mai 1768, geft. den 17. Febr. 1837. 


Er war der Sohn des Stadtwundarztes Blämmer 
in Streblen, der nachber wegen mebrfader Unannehm⸗ 
lichkeiten im Betreff feined Haufed die Stelle eines 
Xceifeeinnehmers in Mänfterberg annahm, woſelbit auch 
fein Sohn in der daſigen Stadtſchule den erften Unter 
richt genoß. Nachdem er die erſten Unfangsgrände in 
der lateiniſchen Sprache erlernt hatte, wurde er zu ſei⸗ 
nem Großvater nah Strehlen gegeben, um an dem. 


( * 





Bluͤmner. 266 


Unterricht eines Kandidaten der Theologie Theil zu 
“nehmen. Don feinem 12. Jahr an befuchte er 4 Jahre 
bindurd dad Gymnaſium zu Hirfäberg und gelangte bis 
in die zweite Klaſſe deſſelden. Leider mußte er wegen 
Mangel an nöthiger Unterftügung die Idee zu ſtudiren 
aufgeben, da fein Dater außer ibm noch 5 Kinder von 
.. feinem geringen Gehalte zu erndhren hatte. Selbft 
während jener 4 Sabre batte ſich B. Durch Unterrichts 
geben, befonderd_ in der franzüf. Sprache, fortbelfen 
müflen. Er ſad ſich daher genötbigt nah einem baldigen 
Unterfommen au fireben und fo wurde er 1779 Super, 
numerarius bei dem Accifeamt in Münfterberg nnd nad) 
44 Jahr Acciſekommis in Kartſchen in Dberfchlefien. In 
dem Tahr 1783 wurden viele Beamte, weil fie nicht im 
Militär gedient batten, von Friedrich II. aus dem Etat 
- geitriden. Daſſelbe Schidfal erfuhr aub B., was ihn 
um fo mebr fchmerzte, da kaum 14 Tage vorber der 
Generalinfpeftor de Roux und der Provinzialinfpektor 
Sgdmieder bei der Reviſion des Accifeamtd ibm wegen 
‚feiner Dienftfährung viele Lobederhebungen und Hoff 
nung zu einer baldigen Verbeſſerung feiner zage gemiadt 
hatten. Er ließ fid ein Atteſt von der Accifedirektion 
zu Neiffe über feine Dienfführung und den Grund feiner 
Entlaffung geben und reife dann mit feinem Vater zu 
dem damaligen Juſtizminiſter Sreiherrn v. Danfelmann *), 
welchen fein Vater aus den SKinderjahren ber kannte. 
Von diefem wurde er bald ald Kanzleiaſſiſtent angeftellt, - 
nahdem er feine Wiederanftelung bei der Accife ab» 
gelehnt_batte. Die Accifedirektion hatte ihm nämlich in 
einem Schreiben befannt gemacht, daß in Hinficht feiner 
- ein Verſehen vorgefgllen ſei. Er fei ein Dfficiantenfohn 
und des Könige Wille fei, diefe beizubehalten und möge 
. idR in die Stellen ihrer Bäter einräden zu laſſen. Im 
J. 1790 wurde er Minifterialtegiftrator und verlor dur 
den.bald nachher erfolgten Austritt bed Juſtizminiſters 
aus feinem Amt einen gewichtigen Gönner. Im I. 1798 
perbeirarbete er ſich mit der Tochter des Bäderäiteften 
Ruͤhl zu Breslau, mit welcher er bid an fein Lebensende 
"eine ehr glüdlihe Ehe führte. Im J. 1800 wurde er 
Dberamitöregierungsvorfehußrendant, welche Stelle er bis 
41809 befteidere, wo ibm die Stelle eines Rendanten der 
mit der Vorſchußkaſſe zu kombinirenden Salarlenkaſſe 
- Übertragen wurde, In Diefer Stellung blieb er nun bis 


% Deflen Biogt. ſ. im N. Meter. 6, Jadrg. S. 0 


‘256 ' Hlümner. 
4829 , geabtet ſowohl von feinen Vorgeſetzten, ald au 
von allen übrigen Amtsgenoſſen. Obne jemals nach Aus⸗ 
eihnungen zu Areben, wurde ibm Doc im J. 1824 auf 
den Vorſchlag des Damaligen Chefpräfidenten v. Falken⸗ 
aufen *) von dem Könige der Charakter als Eöniglicher 
ofrath verliehen. Die legten Jahre feiner amtlichen 
telung follten aber nicht fo ungetrübt voräbergehen. ' 
Der neue Kaflenkurator, der Damalige Dberlandes; 
erichtörath Starke, ſchien ihm fehr feindlich geſinnt zu 
fin, was ibm feinen Poſten, dem er früher mit fo vieler. 
iebe vorgeſtanden batte, ſehr verbitterte, bis er endlich, 
nab Erdufdung mancder Unannebmlichkeit im J. 1829, 
nachdem er 49 Tahre Beamer gewefen war, penfionirt 
wurde. So febr. ihn auch die Härte, womit man ibn 
auf feine alten. Tage von Oben berab bebandelte, bes 
träbte,, fo geneß er doch die Genugtbuung, Daß fein 
Nachfolger bewies, daß nicht Jedes dei einer fo großen . 
Berantwortlichkeit fo viele Jahre hindurch wie er einem 
ſolchen Poften vorkeden koͤnne. Nachdem fein erfter . 
Schmerz vorüber, lebte er im Streife feiner Samilie 
‚völlig wieder auf. Er wurde immer beiterer und fühlte 
fie m bäußlichen Leben viel gihdtider, als es früber. 
gr Fall geweſen war. Don feinen 6 Kindern waren ihm 
nur 2 übrig geblieben, die 4 andern waren ibm fon 
frübzeitig Durch den Tod entriffen worden. Aber aud 
feine einzige noch am Leben "gebliebene Tochter, feit 
41828 mit den Gymnaſiallebrer Dr. Wagner verbeiratber, 
fpied vor ibm aus dieſem Leben und nur fein Sohn, 
approbirter Arzt zu Bredlau, und feine Gattin überleben 
ihn. — Der Hauptzug feined Charafterd war Ernft und 
Ruhe, dabei war er freundlih und Seutfelig gegen 
Sebermann, ‚oegen Seden gefällig, felbft wenn ed die 
rößten Opfer koſtete. Zroß feines Ernfted ſcherzte er 
ehr gern und entfaltete dabei vielen Wit, ohne zu ver. 
legen. Er ſchloß ſich fhmer an Jemanden an, war aber 
für Jeden ugen lich und wußte in den ſchrecklichſten 
Momenten ſeine Faſſung zu behaupten. 


....°) Deffen Biographie ſ. I. Melt, 18. Jadıg. ©. 655, 








267 


-86. - M. Benjamin Ferdinand Herrmann, 
Halter jubil. u. Bitter des rothen Adlerordens, zu Markersdorf in 
der Dberlaufis; . 


geboren d. &. Mat 1757, geft. d. 17. Febr. 1837 e). 


Geboren zu Bifhoffömerda in Sachen, wo fein Ba- 
ter Prediger war, bereitete er fi auf den Lyceum zu 
Löbau, mo fein Vater fpäter dad Primariat übernahm, 
für die Hochſchule vor, die er 1777 in Wittenberg bezog. 
Nachdem er nur wenige Zabre ald Hauslehrer gewirkt 
datte, erdielt er 1783 den Ruf ald Katechet und Diako» 
nus nad) Löbau. Seinen Bemühungen bauptfählich ver» 
danft die Cfräder nad Löbau eingepfarrte) Gemeinde 
Nieder. Runerödorf die Bearändung eined eigenen Kirchen⸗ 
ſyſtems, welchem er zugleih als Seelforger vorftand, 
Died wear freilid Für ihn mit großen Beſchwerden ver. 
Enäpft, die auch, nachdem er fie lange Zeit mit großer 
Belbfiverläugnung ertragen batte, endlich den Wunfch 
noch einem rubigern Wirkungskreis in ibm erweckten, 
welcher ibm 1804 in Markersdorf j" Theil ward. Hier 
an der „großen Heerfiraße, die aud Sachſens Hauptitadt 
durch Markerödorf in das Herz Schlefiend führte, batte 
- er unter ‚den Drarigfalen des Befreiungsfriegd viel zu 
dulden; ja fein Name bat feld auf den Blättern der 
ðefdichte dieſes Kriegs eine Stelle gefunden, da 85 
der Ortöprediger war, der am 18. Aug. 1813 zu Goͤrlitz 
aus Napoleons Hand die Summe von 1000 Thalern 
in Gold empfing, mit dem Auftrag, an der Stelle in 
Markerödorf, mo die drei franzöf. Generale: Düroe, 
Kirchner und La Bruyere durch eine ruff. Kanonenfugel 
todtlich verwunder wurden, dem Erfterem (duc de Friaul) 
ein _feinerned Monument errichten zu lalfen **. ‚Anz 
4. Januar 1833 feierte 9 im ſtillen trauten Kreiſe der 
Seinen fein 50 jähriges Amtsjubiläum, bei welder Ges 
legendeit er manche erfreulihe Beweiſe verbienter Ans 
erfennung erbielt._Der König verlieh ihm den rothen 
Adlerorden ar Klaſſe. Er batte dad feltene Glüͤck, bis 


2 


°) Augemeine Kirchenzeitung 1837. Str. 0%. 

„nad te due Biefen In Mentioen burggdnge 
nei argeftellten eftan | n 

der Aindet fein Sr. 14 des „ MWegweilerd ” (Görlig bet Dein * 8 


*. Rekrolog. B. Jahrg. = 7 





258 Sintenis. 


on feinen Tod. eine ununterbrodhene man moͤgte fagen — 
eiferne Gefundbeit gu genießen und fein Pfarramt faſt 
did. zu dem fetten Athemzuge fraft: und fegendvoll zu 
verwalten. Noch am 10. Zebruar bielt er die Paſſions⸗ 
predigt. Mit diefem Tage fing er an Mu fränkeln, ohne 
do dadurch ganz außer Tätigkeit gelegt zu fein. Am 
46. Zebr. verfpärte er eine größere Abnahme der Kräfte, 
fegte fi aber mit gewohnter Heiterkeit zu Bette. Fruͤh 
8 Udr — am oben genannten Tage — erhob er ih felbf. 
Köändig und odne Stüge vom Lager und trat in, fein 
Wohnzimmer ein, wo ein Lungenſchlag fein Leben ſchnell 
und fanft beendigte. Zur Erfüllung feines 80. Jabr6 
febiten nur nod 24 Monate. Die innigfe Zuneigung 
einer nicht unbedeutenden Gemeinde, die ibn wie einen 
Pater liebte, folgte ibm ind Grab. — Herrmann war 
allen pietikifchen Unmefen vom ganzen Herzen enticie- 
den abhold und ein Freund ded rationellen Bibelchriſten⸗ 
sbumd. Er war unbeftritten einer ber gediegenften und 
verdienteften lauſihiſchen Geiſtlichen. Bon allem Erſchei⸗ 
nungen auf tbeologifhem und kirchlichen Gebiete nadm 
‘er Roitz und fuchte nod_in feinem böchften Alter mit 
der Zeit fortzufgreiten. Sein Haupifireben war dahin 
erichtet die Ihm anvertraute Gemeinde vor allem flarren 
oamatismus zu bewahren und zur wahren Glaubens» 


. D 


einigkeit emporzubeben. 


87. Karl Friedrich Sintenis, 
Pfarrer zu Großſchoͤnau (Laufik); 





geb. den 28. Sept. 1767, geſt. am 17. Febr. 1837 *)- eo. 


Er war in Torgau geboren, wo fein Vater M. Karl 
Heinrid Sintenid, damald Konrektor (nahber Direfror 
in Zittau): wer. Seine Mutter bieg Sopbdie Friederike 
geborene Werner. Auf dem Lyceum in. Torgas und von 

7782 an auf dem Zittaner Gymnaſium unterrichtet bezog 
er 1788 die Univerfitdt Wittenberg, wo Reindard, Titt⸗ 
mann, Schrödh, Hiller, Igbnichen und Dresde fein 
tebrer waren. Rad feiner Ruͤckkehr von der Univerfitds - 

jebie er ald Haußlebrer in Zittau längere Zeit im Hadfe 
908 damaligen Stadtrichterd Geiffert, bis er 1709 ben 

Auf ind Pfarramı nad Spigkunnerödorf erbielt, von mo 
er 1809 nad Großſchonau berufen wurde. DBerheiratbet 
hat er ſich im Jahr 1799 mit Sobanna Charlotte, einer 


N . 
N, Lauf. Magas Hft. 2. 1837. 





Augufta Freiin v. Golbfein. 259° 


KTochter Traugott Willkomms, damaligen Zucht» und 
Walſendausverwalters in Zittau, welche 1818 farb. Gem 
Sohn aus giefer Ede, Guſtav Eduard, geb. 1800, flarb 
45 aid ſaͤchſ. Artillerielientenant. Im Herbfie 1818 
verheiranbete er fich wieder mit Srau Henriette Wilbels 
mine, der Wittwe des Diafonus Schlinzige in Göda 
und Tochter des Paftor prim. Scheele in Samenz, welde 
er ald Wittwe dinterläßt. Seinen 3 Stieffindern wear er, 
wie feinen eigenen 3 Kindern ein liebender Vater und 
in feinem Umte war er bid wenige Wochen vor feinem 
Tode thätig. Bruftleiden und Geſchwulſt binderten ihn, . 
feit November 1836, an der gewohnten Thätigfeit und 
führten am oben genannten Tage fein Zebensende herbei. 


88. Angufta Freiin v. Goldſtein, geborene 
| v. Wallenrodt, 
Schriftfiellerin zu Breslau; 
geh. den %. Webr. 1764, geft. den 18. Bebr. 1897 ). 


Sie war zu Bredlau geboren, wo ihr Dater, Gott⸗ 
ed Ernſt v. Wallenrodt, ald koͤnigl. preuß. Major bei 
. dem Küraffierregiment, damals v. labrendorf , land. 
pre Mutter, Jobanne Iſabelle Eleonore v. Wallenrodt 

eb. Sreiin von Koppp, ift ald Schriftfiellerin bekannt. 
| ie verlor ihren Vater im noch nicht vollendeten 12, 
Jabre und mit diefem_Derlufte hörte der gruͤndlichſte 
nterriht in allen wiſſenſchaftlichen Dingen die nicht 
die weibliche Faſſungskraft überfleigen, aut. Im I. 1791 
‚verbeiratbete fie fi gear mit einem_redliden Mann, 
aber unter fo ungänfligen VBerbältmiffen, daß Re ihn 
ſelbſt zur Scheidung bewegte. Durch fonderbare Ereigs 
niſſe gelätet, nahm fie dann auf furze Zeit den Namen‘ 
Föiſch an. Im 3. 41808 verbeiräthete fie id mit dem 
eiderrn von Goldſtein in Sachſen. Der Verluſt alles 
.Bermögend mar die Klippe, an der die häusliche Zu. 
‚friedenbeit feiterte, Beide-Ehegatten lebten nach med» 
‚teren Jahren fon getrennt, gr in Sadfen, fie im 
‚preußifben Staate, von einer Penfion, die fie von der 
nade ded Königs erbielt und ziwar erft zu Ziebenfelde 
bei Soldin in der Neumark, wo fie die Sriedung der 
weibliden Jugend in einer ihr Dur Freundſchaft fehr 


Ra Schindels Schriftfiellerinnenieriton. F 





260 Auguſta Freitm v. Goldſtein. 


ellen u. berg, 
n fremden Büchern aufgenommen, jedoch nicht unter 
ihrem Namen und die (don bemerften Verbhättniffe hiel⸗ 
. ten fie ab, Die Sache näher zu unterfuden. Seit dem 
Tod ihrer einzigen Tochter ift, außer. ibrer Vorrede zu 
deren-Gedichten, nur ein Werk no von ihr im Drud er. 
fdienen. Zwar hatte fie fpäterhin, um ihren Geiſt wieder 
an andere Befhäftigungen, ald dad -Nahbängen feiner 
Schwermuth; er bnen, einige ihr aufgetragene Leber 
. dramatifer Werke übernommen, aber 


-erfien literariſchen Verſuch, x mar und Klaire, feßte 
Be er DTanien var, ß ru den En nannte De Ra al 
-Bertoflerin jenes Werks. — Ihre Schriften iind: Koll» 
mar 4. Rlaire. eine —** Oele, 

4791-1793. —. *Weldnagtskoͤrbchen für die Jugend. 
ambarg 179. — Eine Sammlung tbeild dialogifirter 
eſchichten, theild Erzählungen. Roltod 1708. — *Dasb 

Mädchen Wunderbold. Berl. 1808. — Der Traum und 

dad Erwachen, ein Sragment aus d. wirkl. 

in e. Samml. poet. u. diſtoriſcher Aufſ. mehr. beliebter 





Lang. 261 
;d. 1809.) — Sarben d. 


Särift. &b bunten Erdeniebend. 
Eine — v. Enaͤbi. u. fragment. Gemiliengem, 
Liegnig 1827. 


* 89, Dr. Alexander Lang, 
ord. Profeffor der Rechte an der Univerfität Erlangen; 
geboren d. 6. März 1806, geſtorben d. 18. Behr, 1837. 


Er war der aͤlteſte Sohn des färklid Thurn und 
Zarifben Hofz, ZJufizs und Domänenratbd Tang in 
Negendburg. erbielt auf dem Gpmnafium feiner Vaters 
tadt feine Schulbildung, bezog im J. 1824 Die Univer 
tät Erlangen und begab ſich von da im I. 1826 nad 
elberberg, wo er ein Jahr verweilte. Nachdem er Rd 





‚ein balbed Jahr in Münden auf feine Didputation vor» 
bereitet batte, Habilitirte er Ad "88 in Erlangen 
und murde 1892 außerordentlid 394, ordentli 
rofeffor der Rechte dafelbft. m wer ibm dad 
sach bes Vroceſſes übertrager r_ hatte er mit 
großer Liebe aud Kirdenreit ı ıd war dadurch 
veranlaßt worden, eine Ueberfe Corpus juris ca- 
nonici zu beginnen, deren For ar feinen Tod 
unterbrohen wurde. Mit dem Streben in ſej⸗ 


ner Fachwiſſenſchaft vereinigte -._ .... wg'ggmeinee mufle 
taliſches Talent, melde er dur viele Kompofitionen, 
von denen ein Theil auch ind Publifum gekommen it 
und ald autübender Künftfer auf dem Klaviere beil 

tigte. Die Ausbildung dieſes Talents fand die günkige 
fen Berrätmilie in feinem elterliden Baufe; denn der 
noch lebende Vater it einer der feinken Kenner der Mufik 
und leitete die mufitalifpe Erziehung feiner drei Kinder. 
Ein Hausfreund, Anton Brei 'hder der Prämen- 
fratenferabteil Marchtall_angeb: tig, in Regensburg als 
Mufitlebrer lebend, beforgte den Klavierunterrit mit 
einem Geifte, wie ed von einem tiefen Senner Der 
Mufit, einem entdufiakifhen Sreunde derfelden und 
einem vielfeitig_ gebildeten, Manne voraußzufegen it. 
Braig fand an der Sri eined damald dur eminente 
Talente blübenden Mufitvereind in Hegensburg und der 
Junge %. wurde bald zur thätigen Theilnabme an dem» 
felben befäbigt. Das große mufllalifhe Talens, eine 
feine gefef&aftliche Bildung und eiferner Sleiß in ſti 
nem Sad erwarben ihm in ee den Zutritt in 
Toibauts a ‚und_da$ bejondere Dertrauen_dieled 
Ren. In Erlangen Riftete er dann 1.9. 1835 





* J — 


en Naraen 
— en —7 — gi a Kor bebeusen! 
Br gebe fhr une beeinträdtigte feinen brennens 
den Eifer für I Studium der Zurisprudenz, daß er 
mit geibendaft, liebte, nidt im geringken. — Er war 
der treue, eifrighe Lehrer, einer Der thätigten Mes 
ferenten beim and ce Dre und arbeitete EM einer 
Undaltfamkeit und einem rang e, der, feines AN 
Konkitution bald fhddlih werd ;en mußte. 
des fummarifhen Procefie, feine legte Sue, Ion . 
faft san porn Drud vollendet vor und verdient nad) dem Ui 
kompetenter Richter bald der Deflenslichkeit über: 
geben in werden. 


90. Dr..Georg Büchner, 
Privatdocent der Naturwiſſenſchaften zu Buͤrich ; 
geboren den 17. OEL. 1818, geftorben den 19. Bebr. 1887 *). 
: Bhner, der Sohn eines aı 
Darmftadt, mutde zu Goddeldu be 
Nachdem er das Somnaftum diefer 
mete er fib zu Straßburg vom $ 
zuauf fedann vom Dftober 
Mitte des I. 1833 dem Studium 1 





sum Derbk 1834 verweilte. Fe ha begab er . abers 
u in fein. elterfihed Haus nad Darmfladt, wo er 

fortwährend mit Naturwiflenfdaften, fo wie mit Pbilo- 
fopdie ſich befhäftigte und zugleich im Wuftrage feines 


Na) der Böriaer Beitung 1897. 





Büchner. 268 


Daterö anatomiſche Vorleſungen dielt. zu Der letgten 
Zeit feines Aufenthalts — wurde B. mit vielen 


andern Juͤnglingen ſeines Sinns und Alters, in die“ 


politiſchen Bewegungen jener Zeit verwickelt. Der gegen 
ibn eingeleiteten Unterfuhung entzog er fi im Mär 
41835 durch feine Abreife nad. Straßburg. Dier gab er 
entſchie den die praktiſche Medicin auf und widmete ſich 
"mit raſtloſem Eifer dem Studium der neueren Philofos 
pbie. Befonderd tief drang er in die Lehren von Kar⸗ 
ieſius und Spinoza ein. Kine gleide Thätigkeit, die 
ibn bäufig feine Arbeiten Bid tief in die Nas fortſegen 
ließ, wendete er auf die Naturwiflenfchaften. Im Der, 

1835 begann er die Vorarbeiten für feine Abhandlung: 
„Sur le syst&me nerveux du barbeau,” welder er. die 
Ernennung zum korreipondirenden Mitgliede der nature 
forfdenden Sefellfhaft zu Straßburg verdankte. Durch 


Einfendung derfelben Abdandiung an die philofophifcye 


" Safultät zu Zürich erwarb er fi die philofopbifche Doktor⸗ 

‘ würde. Bon den außgejeiänetfen Kennern der Natur 
wiſſenſchaften iſt dieſe Schrift für eine meiherhafte Ars 
beit erklärt worden, die zu den doͤchſten Erwartungen 
berechtige. Gleich bedeutend Lündigte er fi durch feine 
Probevorlefung und feine afademifhen DBorträge über 
vergleichende Anatomie an der Hochſchule zu Züri an, 
wobin er fi am 18. Oktbr. de& J. 1836 zu bleibenden 
Aufenthalte begeben hatte. Uber nicht bloß die Natur, 
auch dad reiche innere Leben der Menfcen, ihre Leiden. 


ſchaften und Neigungen, ihre Schwächen und Tugenden . 


sogen ihn mädtig an und mad er mit fharfem Blick aufe 
getaßt, geſtaltete ſich feinem produftiven Geile zu poe⸗ 
diſchen Schöpfungen. Beſonders hatte ihn dad große 


rama Der, neueren Zeit, die franöfii@e: Revolution 


ebbaft ergriffen. Er ſtüdirte gründlich die Geſchichte 
derſelben und bemaͤchtigte ſich eines ihrer bedeutendſten 
Stoffe. In politiſche ünterſüchungen verwickelt, unter 
mannichfachen Störungen und Beſdaͤftigungen verſchie⸗ 
dener Art, ‚vollendete er in wenigen Wochen, waͤhrend 
feine8 letzten Aufentdalts zu Darmfadt, fein. dramatis 
ches Werk: „Dantond Tod; dramatiſche Bilder aus 
er Zeis der Schreckensherrſchaft.“ Einer der ſtrengſten 
und geiſtvollſten Kritiker Deutſchlands bezeichnete dleſes 
Drama -ald das Werk des Genie's und dries ſich glüde 
ih, der Erſte zu fein, welcher das deutſche Publifum 
auf den fo hervorragenden. Geiſt aufmerkfam made. In 


4 


‘ . 


Straßburg gab fodann B. fehr gelungene Ueberfegungen . 


\ 


f + 


264? * Büchner. 


Dramen Vikte 18 Lufregia un 
—A deraub. gu en ey A N 


“ zu vollendete er ein im Manufkript vorliegendeß, 
u 


Mfpiel, Zeonce und Lena, voll Geit, Wig und keder 
Laune. Außerdem Ainder — unter feinen binterlafenen 
Süriften ein beinade vollendete Drama, fo mie dab 


Sragment einer Novelle, 'n Zebendtage 
des fo bedeutenden al8 v erd Lenz zum 
Segemtande at. Der fo je Mann war 
mit zu viel Thatkraft an B er bei der 
jün ten Bewegung im ® ne_beffere zu⸗ 
unft zu verbeißen f&ien ‚ Rube bätte 
verbarren follen. Dur ten Geik auf 
eine beitere_Höde geftelli jen in feinen 


te "m zii r 
En & 


der Genius if überall zu Haufe. In Zürich hätte er 
eine zweite za getun en; Ddatür bürgte die Ans 


FU während einee Aufenthalts in 


wölbte Stirn_fchien noch lange feinem umfaflenden Geiſt 
eine fibere Stätte zu fein. Dod woqte er felbk ein 
Dorgetähl feines. früheren KA ed haben. Wenigkend 
vergleicht er in einem binterlaflenen Tagebuce den du 
and feiner Seele mit einem Herbftabend und fließt 
feine Bemerkung mit den Worten: „I fühle Leinen 
Edel, feinen Ueberdruß; aber ich bin müde, fehr müde. 
Der Herr (denke mir Ruhe!“ — An 2. Gebr. mußte er 
fi su Berte een. dad er vpn jegt an nur für weni 
Yugenblide verließ, Trot der Sorgfalt der Kerite un! 


NS 


altbere_Sorsferitte und bildete ſich 
Shervenficher aus, dem er erlag. 


91, Ernſt Häusler, 
Direktor des evangelifchen Muſikchors in Augöburgz 
geb,-umd I. 1760, geſt. am 20. Jedr. 1837 9). 
Er wurde in Stuttgart geboren und if ein Zöglin 


der ehemaligen berzogliden Karlöfchule daſelbſt. Um 
J. 41784 verließ er fein Vaterland, um eine muſikaliſche 


dei Gene feiner Breunde machte die unanf» 
der Mege feiner Kreu — * * deingen 


Reiſe zu machen, auf welcher er ſich nicht obne Beifall . 


an mebrern gürkendöfen und felbit an denen in Wien 
- und Berlin hören ließ. Endlih fam er auch nad) Donau⸗ 
efdingen, wo er vom Särften von Färftenberg eine Ans 
ellung ald Hofmuſikus erhielt und einige Jahre in defs 
en Dienften verweilte, bis er 1791 durch glänzende. Ders 
prehungen nad Züri in der Schweiz gelodt wurde, 
Der glänzte er nun nie nur ald Dirtuod auf dem 
ioloncell, fondern auch ald angenehmer und ausdrudd« 
voller Sopranfänger in den dafigen Eoncerten und obs» 
gleia er ald Sänger das Vefondere hatte, daß er gleich 
en fpanifden Sängern, weiche vor länger ald 200 
ahren den Sopran in der d pſtlichen Kapelle zu bes 
egen pflegten, durchaus fillulirte, fo batte.er ed do 
dur angewandten Fleiß fo weit gebracht, daß er au 
dierin durch feine Kunft Auffeben erregte. Der. Mangel 
einer guten Stimme zwang ibn, zu dieſem Notbbeheife 
feine Zuflucht zu nebmen. gusteig zog er für das dafige 
: Koncert drei brauchbare Sängerinnen. Im Jahr 4797 
kehrte er wieder in fein Vaterland zuräd und ließ fi 
vor dem berzogl. Hof in Stuttgart, } ) 
wie als Violoncelliſt, mit vielem Beifall hören. Bon 
da wandte er ſich ald Mufiklehrer nad Augsburg, wo 


er um 1802 die Stelle ald Direktor des evangeliſchen 


Muſikchors erbielt. — Bon feinen Kompofltioden für Die 
Kammer und dad Koncert, faft ſaͤmmtlich in einem an- 
FR N: und fließenden Style gefchrieben, 
nd die be 
4 Divertiffement, „Echo“ betitelt, für dad Violoncell; 
4 Koncertino für die Violine; 4 Koncert für die Sibte, 
4 koncertirendes Sextett für 2 Violinen, 2 Hörner, 
Bratſche und Violoncell; Schillers Todtenfeier (Han: 


o) Schiling’s Univ.: Lexikon der Tonkunſt ıc. ui.S. 515 


owohl ald Sänger ' 


.. 


eutendfien: 4 Koncert, 2 Koncertino’d und 





266* von Miven. 


me, 41807 im Klavietau 'oekoden); 6 Dukite 
für 2 Sopranſtimmen ie este des Pianoforte; 
6 Sammlungen von Kanzonetten mit. Begleitung dee 
Pianoforte oder der Quitarre; 3 Arien für den Sopran 
‚mit Begleitung des Orcheſters oder Pianoforte; 6 Samm⸗ 
lungen Lieder mit Begleitung des Pionoforte , Huldigungs⸗ 
lied zum Regierungsjubeltefte des Königs Marimilien 
ofeph *)- von Baiern. Alle diefe Werke find meiſtens 
bei Gombart in Augsburg und bei Andre in Offenbach 
berausgekommen. | 


* 92, Franz Anton Freiherr von Neveu, 
großberzogtich dadiſcher Kammerherr und Dberforftmeifter, Ritter 
des Bähringer Lömenordens ıc., Grundherr in Windſchleg, Zaſtler, 

" Dietenbad) und Rain, zu Offenburg; 
"geb. den 8, April 1781, geft. den 20. Bebruay 1887. 

Offenburg in _ der zu dem ehemaligen Border. Def 
reich gehörenden Landvogtei Ortenau, welche jegt einen 
Theil ded Großberzogtbumd Baden ausmacht, mar der 
Geburtsort des Verewigten. Seine Gamilie, aus Frank⸗ 
ei ſſammend, war fon feit mehrern Jahrhunderten . 

I Suͤddeutſchland anlälfig und Die Mitglieder derfels 

en gebörten bis zur Auflöfung des deütſchen Reichs 
der unmittelbaren freien Keichöritterfhaft Kanton Orte» 
nau an. ‚Sein Vater, Kranz Konrad Freiderr von Ne 
ven, kurfürſtlich Mainziſcher Kammerberr ıc., obgleich 
der jüngere von 4 Brüdern, hatte die Guͤter, melde theild 
im Breidgau, theild in der Ortenau lagen, übernommen, 
da feine Altern Brüder böhere geihlide Würden bekleie 
Deten oder dem Ritterorden der Zobanniter angehörten. 
. Die Mutter des Hingeſchiedenen war Elifaberha Auguſta, 
elin von Eberkein, Tochter der Furpfälzifhen Bebeimen 
aths, Zreiderrn von Eberftein. Unſer v. N. war der 
aAlteſte von 3 Geſchwiſtern; fein Bruder trat im Laufe der 
abre in’ die oͤſtreichiſde Diplomatie und flarb im 37. J. 
eines Lebens, als kaiſ. koͤnigl. Botſchafter in Brafilien. 
eine noch lebende Schweſter if an den großherz. badi⸗ 
ben Sammerberrn Grafen von Hennin vermädlt. Der 
Verewigte erbielt den- erfien Unterricht durch Privatleh⸗ 
rer im elterliden Haus. Gm Jahr 1792 wurde er uns 
ser die Zahl der Edelfnaben des damaligen Kurfürften 
von Mainz aufgenommen, wo er feine Er iebung und 
wiſſenſchaftliche Bildung erhalten follte und in biefer 
Eigenſchaft wohnte er der Krönung des legten deutſchen 


e) Deflen Biographie f. N. Nekr. 8. Jahrg. ©. 968. 





von. even. 267. 
Keifürd bei. Bald nachher marf Frankreichs Revotntion 


Die Brandfodel in die glärliden Gefilde ded Rheine 


gaus und loͤſte alle feit Jahrdunderten geordneten Were 
ältniffe auf; auch die Eurmainzifhen Edelfnaben Fehr 
sen zu ibren Samilien zuräd und fo vereinigte ſich v. N. 
wieder mit den Seinen, welde durch die Ereigniffe des 
Kriegd nah Mannheim, Konſtanz und Münden geiles 
dert wurden., Während Diefer ganzen Zeit erhie 


ker ges . 
meinſchaftlich mit feinem Bruder die forgfdiı — 


bung und wiſſenſchaftliche Bildung durch Privatunter⸗ 
sicht und feine Eltern und Lehrer machten ed. ih zur. 
fit, die glädlihen Anlagen DES beranwachſenden 
naben auszubilden. Bor Allem zogen ihn Die Nature 
. wifenf&aften, Geſchichte und ‚Erbbeiigreibung an, wobei. 
idm fein treffliches Gedaͤchtniß fehr gus zu Statten Fam. 
Als die Samilie id im Jahr 1798 nah München bes 
b, beſuchte der Verewigte dad dortige Lyceum und 
ie eben errichtete Forſtſchule. wo er den Grund zu dem 
Beruf legte, dem er in der Solge mit fo viel Liebe und 


Eifer zugethan war. Im Dftober 1798 verlor er feinen 


Vater. Seine Mutter, welde ſich nun in der Sremde 


"einfam fühlte, verlieg im Sommer 1799 mit ihren Kine J 


dern Baierns Hauptſtadt und waͤhlte Heidelberg zu ide 
rem Aufenthalt, wo ibr ein Bruder lebte und wo die 
Söhne nun reif zur Univerfität_ihre Studien fortfegen 
fonnten. . Unfer 9. N. widmete id nun feinem Lieblings» 
fudium, der Forſtwiſſenſchaft und. börte auf der dortigen 
Hilton alle dahin einſchlagenden Faͤcher und deren 


ilfswiſſenſchaften mit unermüdetem Eifer und ſolchem 


leiß. daß er. (don im Spaͤtjahr 1800 im Stand mar, 
in dem damals mit Recht gerüͤhmten Forſtinſtitut des 
D:berforfimeifterd Sreiberrn von Draid. in Pforzheim feine 
ſowohl tdeorerifche als praftiifhe Ausbildung zu erbals 
ten, er ging auch aus dieſem Inſtitut, dem dad In⸗ und 
Ausland fo manden wadern Forſtmann verdankt, mit ſo 
ediegenen, gründlichen Kenntniffen bervor, Daß ibm 
(den im Jahr 4802 unter der damaligen erzberzoglich 
dſtreichiſchen Regierung dad Forſtamt Offenburg provi⸗ 
forifd anvertraut wurde. Im Gabr 1807 
unter der großherzoglich badifhen Regierung das Forſt⸗ 
amt Waldkirch, jedoch auch nur proviforifd Übertragen, 
gegen das Ende dieſes Jabrs wurde er zum großberz. 
badiſchen Forſtmeiſter in Dffenburg und zum Sammer. 
unfer, im Jahr 1808 aber zum Kaͤmmerherrn ernannt. 
m Sebruar 1809 vermaͤhlte er fi mis der Freiin Mas 


2 


wurde ihm 


= 


26 von Neveu. 


ria von Togaenbarh,- Tochter des großberzoglichen badis 
ſchen —6 Freiberrn von Toggenbach *), aus 
weicher Ehe zwei Söhne und vier Töchter erbläbten. 
- Der Derewigte lebte nun fortan mis feiner Bamilie in 
Dffendurg, welches der Nähe feiner Befigungen wegen 
für ihn der paflendfle Aufenthalt war, au hatte er Dieb 
freundlide Städtchen, an’ dad ihn fo viele Bande, ſo 
viele Jugenberinnerungen fnäpften, lieb gewonnen, bes 
fonderd da auch feine Mutter feit einer Keibe von Tabs 
ren dafelbk wohnte. Er verwaltete das dortige So 
amt bis zu feinem Tod mit einer Ach felbR aufopfern- - 
den Berufötreue und fol’ unausgeſetzter Anftrengung, 
daß feine obnedied nicht Sehr fee Gefundbeit augen- 
ſcheinlich darunter litt. So wie er aber ein eifriger, . 
unermädeter: Sorfmann wer, fo war er auch einer der 
Benntnißreidßen des badifchen Vaterlands und gewiß iR 
‚in feinem Geſchaͤftskreis Darüber nur eine Stimme: daB 
er fid in feinem Sad, um Staat und Bärger_große 
Derdienfte erworben bat, was auch von allen Seiten 
anerfannt wurde. Im Jahr 1820 wurde er zum Kitter 
Des Zädringer Loͤwenordens und im I. 1833 zum Ober⸗ 
fortmeifer ernannt. Seine audgezeichneten Kenntniffe 
n feinem Berufsfach, die genaue Kunde aller Waldun- 
gen in feinem Bezirk, fo wie dad Vertrauen, welches 
man von allen Seiten in feine Unparteilichkeit und firenge 
Gewiſſenhaftigkeit fegte, machte es ihm möglich, gemein⸗ 
rag mit den dortigen verdienftvollen Beamten einen 


Dank zu bemeifen ſuchte. Doc nicht allein als Fennte 
nißreicher, eifriger Sorfibeamter, nit allein durch feine 
Deivantugenben im SKreid_ feiner 


I. Kammer auf den Zandtagen von 1825 — 1828, 1831 

bis 33 und 35, wo er theild von dem Großherzog, theils 

Er war der fehen Ueberjeugung, daß dad. Gute nur alls 

mölig reife,‘ doch [eb er wohl ein i 

moͤglich ſei und dab desdalb der Adel auf manche wodl⸗ 
S. R. Rele. 5. Jahrg, ©. 98. | 


von Zychlinski. 269 


erworbene Anfpräcde verzichten muͤſſe, um das noch Moͤg⸗ 
liche erhalten zu koͤnnen. Demnad geboͤrte er der ſo 
oft verhoͤhnten richtigen Mitte an, die am Ende dennoch 
über jede Uebertreibung den Sieg davon trägt. In dies - 
fem Sinn war ſtets fein Wirken in der I. Kammer In 
Allem aber, was die neue Drganifation des Forſtweſens 
und die noͤthig gewordenen neuen Forſtgeſetze betrifft, 
war er ganz befonders thätig und Das Vertrauen, mels 
ches ſowohl die Regierung ald die Mitglieder der Kam 
mer in feine Kenntniſſe feßten, gab ibm großen Einfluß 
in diefen Ungelegendeiten, melden er ftetd zum Wohl 
des Banzen und zur Körderung der guten Sache benutzte. 
Am September 1836 farb feine hochbetagte Mutter nach 
langen Leiden. Diefer Verluſt, obgleich er ihn läng 
befürdten mußte, war für ihn fo ſchmerzlich, fo ergrei⸗ 
: fend, daß feine fon feit Tängerer Zeit fchmanfende Ges 
fundpeit Badurd neuerdings erfchättert wurde; täglich 
wurde die Abnahme feiner Kräfte mehr. und mehr ſicht⸗ 
bar und eine binzugefommene ſchwere Kranfheit brachte 


gen Sorfimänner der Umgegend, denen er £ebrer und 


Zönigt. ſaͤchſ. Major und Batatllondtommandent im Leibinfante: 
_ sieregiment, Ritter des koͤnigl. fähf. Militär St. Heinrichs oͤrdens 
und des franzöfiichen Ordens der Ehrenlegion zu Dresdenz 


geb. den 7. September 17%0, geft. den 20. Webruar 1837. 
Der Geburtsort des Verewigten iſt Goͤrlitz in der 
Dberlaufig, wo fein Vater, ein geborner Pole, aldı Haupt- 
. mann in Sarnifon fland. Beine Mutter war eine_ge 
borne von Edrenftein. Die Familie Z.s gehoͤrt au den aͤlte⸗ 


* Wird Schychlinski geſprochen. 


EN 


270. von Zychlinski. 


den und angeſedenſten Polens und ihre. Dermandticaft 
wit den Piaften, jo wie mit dem Daufe Dobenzollern if 
durch vorhandene Stammtafeln unzweifelhaft erwiefen. 
Unfer v. 3. Wurde im Jahr 1808 im Kadettendauſe zu 
Dresden aufgenommen, wo ſich feine geiſtigen und für. 
perlichen Eigenfchaften trefflid entmwidelten und im 9. 
1807 trat er, in einer für den jungen Krieger hoͤchſt gün- 
ſtigen tbatenreiden. Zeit, als Souslieutenant in dad Das 
malige Infanterieregiment „Prinz Sriedrih Auguf.” Uns 
geachtet feiner großen Jugend wurde er bald in nicht 
unmichtigen Ungelegenbeiten verwendet und war bereits 
im Jahr 41808 Plagfommandant zu Torgau, gewiß für 
einen jungen Dfficier im Alter von 18 Tabren eine große 
Auszeichnung. Als nun während des Marſches der Ars 


 .mee nad Deftreicd (1809) ſelbſtſtaͤndige Schuͤtzenbatait⸗ 


fone gebildet wurden, trat v. 3. in eined. derſelben und’ 
glei im Anfang diefed Feldzugs betraf ihn ein febr uns 
angenebmed Ereigniß, das, da fein Benehmen dabei ihn 
aratterifirt, bier Erwähnung verdient. Bei dem be 
kannten mangelhaften Derpflegungsfoßem ber Sranzofen 
gras oft die Nothwendigkeit ein, Me uißtiondfommandos 
aus den Lagern zu fenden, um den Bedarf der Truppen, 
biömeilen nicht obne Anwendung von Gemalt, herbeizu⸗ 
ſchaffen. Diefe Aufträge gebörten, indbefondere für:den 
Deutichen Dfficier in Deutfchland, zu den unangenehm» 
en. Dft kam ed Dabei zu den übelſten Auftritten, durch 
iderfeglicykeit der Bewohner und Habgier der Soldas 
ten herbeigeführt, indem die Segtern bei dieſen Gelegen» 
Beiten zumeilen vereinzelt nach den forgfältig verborgenen 
orrätden ſuchen mußten und es Fam oft vor, daß ſolche 
&inzelne, der Auffidt ihrer Obern entzogen, der Derfus 
chung nicht widerftanden, fid auc andere Gegenflände, 
namentlich der Bekleidung anzueignen, melde zu neb⸗ 
men fireng unterfagt ‚war. Aus dem Fager von Sieg⸗ 
bardöfirhen unweit Wien führte v. 3. ein folded Kom⸗ 
mando. Es mar eine zumeilen beobachtet Maasregel, 
Daß bei der Nüdkenr in dad Lager die Tornifter der 
Mannſchaft unterfucht wurden; ed geſchah auch Diedmal 
und mehrere geraubte Gegenftände wurden gefunden. 
War nun aub v. 3. nit die geringkte Schuld beizu⸗ 
meſſen, fo konnte ed doch nicht feblen, daß er für den 
Frevel feiner Soldaten büßen mußte. Er wurde arre 
tirt und fein Benehmen folte einer Unterfuhung unter 


worfen werden. Die Lage des jungen ehrliebenden Mans 


nes war um fo fohredlicher, ald unmittelbar nach jenem 
Ereigniß der Mari nah Wien angetreten —A und 


Yy 





von Zychlinski— m. 


man fhr die nächſten Tage -einer Schlacht erftgegen ab. 
Sein Bataillonskommandant batte ſich bereits ii 
bemäbt, für die Dauer der Schlacht die Entlaffung au 
dem Arxeſt für v. 3 zu bemwirfen, als diefer durch einen 
safden Entſchluß fich zu beifen wußte. Als Arreſtant 
feinem auf dem Marſch nach der Inſel Lobau begriffe 
nen Bataillon folgend, benugte er-nämlich.den Augen» 
blick, wo der Oberbefeblöbaber des Korps, Prinz von 
ontelorvo, der gegenwärtige König von Schweden, mit 
einem Stabe am Bataillone vorüberritt. v. 3. drängte 
ch bi6 zu dem Chef des Generaiftabd, dem damaligen 
DHberft von Gersdorf *), durch und beſchwor diefen, feine 
Entlaffung zu ermitteln.” Ponteforvo, in. defien Nähe 
dies vorging, wurde felbft Darauf aufmerfiam- und. be⸗ 
. willigte, ald er von dem Gegenſtand des Geſuchs unters 
richtet war, daſſelbe ſogleich unter den ſchmeichelhafte⸗ 
fien .Ausdrüden. Dad Bataillon „Megich,“” im weichem 
v. 3. fand, war einer franzöfifhen Divifion unter dem ' 
General Dupas zugesheilt und foct darauf in der 
Schlacht bei Wagram, getrennt von den übrigen ſaͤchſi⸗ 
"(en Korps. Das .genannte Bataillon zeichnete fih au 
eiden Schlachttagen rühmlichſt aud und verlor an Tod. 
ten und Verwundeten über die Hälfte feined Beſtandes. 
Auch unfer v. 3. befand fi unter den lehtern, indem 
er am 6. Zuli Mittags, nachdem die feindliden Linien 
bei Uderkiaa erflürmt waren, einen Stintenfhuß in daß 
tinfe Schienbein_erbalten hatte und würde, da in dem⸗ 
felven Augenblid die ganze Linie raſch zurädging, uns 
tebibar getangen worden fein, wenn_ibm nicht ein ſach⸗ 
(der Kavalleriſt fein Prerd*überlaflen bitte. So ent« 
am er der Gefangenſchaft und langte glaͤcklich in Wien 
an, wo er in einem franzoͤſiſchen Hofpital Aufnahme 
fand. Wie bekannt, waren die franzoöͤſiſchen Wundaͤrzte 
‘ fehr geneigt, ‚die Dermundeten auch ohne Noch zu. aMe 
utiren. Auch v. 3. follte. Diefer Operation untermors- 
werden und verbankte nur feiner entfchiedenen Weis 
erung die Erhaltung feines Beins. "Später wuͤthete 
er Tophus in diefem Hofpital; v. 3,8. beide Nachbarn 
arben daran und wahrſcheinlich wäre auch er von demfele . 
en Dabingerafft worden, hätte er nicht den Entſchluß ge 
- faßt, dad Hofpital zu verlaffen, Ay eine Wohnung zu 
mietben und von einem Privatarzt bebandeln zu ie, 
mas ibn rettete. So genas er und konnte nad) einigen 
Wochen zu feinem Bataillon abgeben, dad er in Preß 


Deffen Biograpbie ſ. N. Rete. 7. Jahrg. ©. 664. 


- 


212 von Zychlinski. 


burg antraf. Im Oktober deſſelben Jahrs zum Premier 
Nieutenent ernannt, Bedrte er zu Anfang. dei hrs 1810 
in dad Vaterland zuräd und murde bei der kurz darauf 
eintretenden Umgeftaltung des fähffden Heerd in das 
2. leidte Infanterieregimene verlegt, mit dem er im 3. 
4812 nad Rußland marfirte. Dort erbielt er in der 
Sgiaqcht von Podobna am 12. Auguf einen ziemlich bes 
deutenden Streiffhuß am Hals, verließ aber ungeachtet 
deftiger Schmerzen fein Regiment nit. Seine von ibm 
an diefem Tag, bemielene Tapferkeit fand au die ges 
bührende Unerfennung und murde durd den ibm er. 
theilten Militär St. HeinrihSorden belohnt. Befon. 
ders glänzend, aber in feinen Solgen höhR unglädli 
für ihn war dad Gefecht bei Biala 48. Dftober, mo 
er fib bei einer Abtheilung befand, melde die redıe 
Slante der Kuſſen m umgeben befimmt war. Diefer 
Abtdeilung mit wen! gen Shügen vorauseilend, erblidte 
er ganz unerwartet indem er am Rand eines. Gebölzes 
dinging, in feiner Nähe eine ruffifhe zmdlfpfündige Has 
"m abgeproßt hatte, um auf die jenfeitd 
aufgeRellte fände Meiterei zu feuern. 

riff brachte. fie in die Gewalt der braven . 
ie mit der ganzen ‚Belpannung und Bes 
’ —X Es if merkwürdig, daß 
yon allen denen, die im Lauf Diefed Zeld» 

Loerinderen — en Bu Bu 
!ced beim ug nicht zurüdgelaffen 
& gelangte nad Saafen und fiel er 


im Sabr 1814 bei Webergabe der Sehung Torgau wieder 


fen wurde. Au⸗ 


in ruffiide Hände, - Dad Gefecht war ſaſt beendigt, ais 
2. 3. von einer ‚glintentugel in da6 linfe Auge getrofe 
er der gänzlihen Bertörung deilelben 

batte diefe Verwundung für Ihn unendlide Leiden und 
einen frühen Tod zur Solge. Er kam in das Hofpinl 
u Warfdau, wo er längere Zeit im Zufand gänzliher 
rblindung zubringen mußte, da au dad redte Auge 
deftig angegriffen und fehr leidend war. Dennod fab 
er fib gegen Ende December fo weit bergeftellt, daß er 
wieder zum Regiment abgeben wollte, ald ihn, vermuth ⸗ 
Ni in date feiner erhaltenen Verwundung, erſt Gehirn« 
entzändung und darauf Nervenfieber, beides in febr do⸗ 
dem Grade, befiel. Ende Januar des Fahre 1813 räums 
ten die Verbündeten Warkhau; nur die (merken Ders, 
mundeten und Kranken blieben zurüd und aub v. Fr 
ja 


‚ folte nach dem Ausſpruch der ‚Werzte dieſes Sig 


von Zychlinski. 23 


mweilen. ‚Das ſaͤchſiſche Kotys war. bereit abmarfirt 


und die Ruſſen foüten Tags darauf einräden, aid v. 3. . 


der nicht immer feiner ganz bewußt war, in einem lid) 
sen Wugenblid erfuhr, was ihm bevorfiebe und er mar 
unbedingt entfhloffen, Warſchau zu verlaffen und dem 
öchffden Korps zu folgen, wovon er auch durch 
eine Vorſtellungen ara balten ließ. Ein Kamergd, der 
über einen offenen Schlitten verfügen Eonnte, gab feinen 
Bitten Gebdr_und nahm den ſchwerkranken v. 3 deſ⸗ 
fen baldigen Tod die Aerzte als ganz gemis er [ärten, 
mit fi. Segen alle Erwartung wirkte Die Kälte wohls 
Re r übe» und gefahruollen Reife ſeh b 

mehr en muͤhe⸗ und gefahr eiſe ſehr verbefs 
ſerte. g⸗ . erreichte glücklich in der, Naͤde von Katif 


nen Zuftand, welcher fi wäbrend einer. 


Das ſaͤchſiſche Hauptquartier, wo feine- Ankunft eben fo . 


große Sreude ald Verwunderung erregte. Der General 
Don Langenau überließ ihm nun feinen Wagen und fo ges 


langte er völlig hergeſtell nach Sachſen. Er befand ſich 
ierauf mehrere Monate in der Feſtung Torgau und 108 
f- 


ei der Revue, welche Napoleon am 10. Juli 1813 
Die dafigen Truppen bielt, Durch feine ſchwarze Binde 


über dem linken Auge die Aufmerkſamkeit des Kaiſers 


auf fi, welcher ibn über den Verluſt des Auges fragte 
und ihm, nachdem er den Hergang der Sache erfahren, 
fofort_den Orden der Ebrenlegion erteilte. Als nad 
Dem Waffenſtillſtand die Feindfeligkeiten wieder auöbras 
ben, erbielt v. 3. dad Kommando des aus gelernten Jaͤ⸗ 
gern beftebenden Feldjaͤgerkorps. Er führte ed mit ges 
wobhnter Auszeichnung in den unglüclien Schlachten 
von Broßbeeren, Dennewitz und Zeipzig, fo wie in meh⸗ 
reren bißigen Gefechten, welche nach dem Lebergang der 
Sachſen vor Torgau gegen die Sramofen ftatt fanden. 
Als zu Ende des Jahrs 1813 das Jaͤgerkorps zu einem 
Bataillon vermehrt wurde, fand v. 3. gerechte Anerken⸗ 
nung feined wahrhaft ausgezeichneten Benehmens in den 
verfioffenen Seldzägen durch Die Ernennung zum Haupt⸗ 


‘ 


“ 


mann in jenem Bataillon. Er batte zwar eben erfi Daß - 


23. Lebensjahr zurädgelegt, aber er war älter an Tha⸗ 
ten und Erfahrungen ald an Jahren. Troß feiner ſchwe⸗ 
ren Wunden und überfiandenen Krankheiten war v. 3. 
au diefer Zeit ein kräftig ſchoͤner Mann, allgemein ges 
iebt und geachtet mißsönnte ihm Niemand fein unges 
woͤhnlich ſchnelles Avancement. In den Seldzägen Der 
ahre 1814 und 1815 in den Niederlanden und im El⸗ 
aß zeichnete er ſich durch fein entfchloffenes und tapfe- 
N. Rekrolog 15. Jahrg. 18 | 


274 von Zychlinski. 


res Benehmen wieder vortheifhaft aus, doc datte dies 
feine befonderen Solgen für ibn. Leider batte er in dem 
letztern Jahre Das Ungläd mit: dem Pferd zu flärgen und 
opf zu verlegen. Seitdem vermebrte ſich der 
opffebmerz, der ibm von feiner Kopfwunde geblieben 
war, auf beunrubigende Weile. Dad Jaͤgerbataillon, in 
welchem er noch immer Band, erbielt Die Beſtimmung, 
bei der Decupationdarmee in Frankreich zu bleiben un 
marfhirte Demzufolge zu Ende des Jahrs 4815 in dab 
Norddepartement; v. 3. bing mit ganzer Seele an ſei⸗ 
ner Truppe, mit welcher er in mebreren blutigen Feld⸗ 
gen fo Vieles geleiftet und erfabren hatte. Als jedoch 
ein bejabrter Bater, der feit 1809 in den Rubeftand ge⸗ 
tretene Ober v. 3., immer binfälliger wurde und den 
Wunſch ausdrädte, in.feinen legten Tagen den Sohn 
um fi zu baben, entſchloß fich- diefer ſoß eich, dad große 
Opfer au bringen, feine Stelle in der leichten Infante⸗ 
tie oufzugeben und um eine andermeite Anftelung in 
Sachſen anzubalten, die er auch erbielt. Roc einige 
Monate Eonnte_er-die paidten bed Sobned treu erfuͤl 
(en, bis fein Vater Ende des Jadrs 4816 farb. Die 
Mutter verlor er dur den Tod im Jahr 1818. In 
dem Zufand des Sriedend war v. 3. tortwäbtend mit 
dem beften Erfolg bemuͤht, in allen Dienfizweigen nÄglic 
| u werden und ließ fi davon auch nicht abhalten, al 
ie immer beftiger werdenden Kopfſchmerzen und ans 
dere Beſchwerden ibm die Erfüllung feiner Pflichten fehr 
erichwerten. Befondere Erwähnung verdient, daß er es 
wor, der in Auftrag des gleich ihm raſtlos thätigen Ger 
nerald.von Le Eog *) im Tabr 1848 die erfte Abiheilung 
Baionettechter außbildete. Im Jahr 41824 werbeirarhese 
er fi mit der Tochter des Oberften und Unterfommans 
danten der Setung Königßein, v. Zeſchau +9. — Ald Satte 
und Dater bewies er ſich eben fo muſterhaft ald in.allen 
andern Lebendverbältniffen. Seine Ernennung zum Mas . 
jor erfolgte im Jahr 1825. Seine bereitd erwähnten 
-törperliden Leiden ſteigerten fid aber nun immer mebr 
und zwar bauptfächli durch eine Lähmung des rechten 
chenkels die er im Jahr 183 im Reiten. bei einer 
-Uebung befam und wodurch die fräbern Uebel noch mehr 
aufgeregt murden. Don da an ging ed fidhibar rüͤck⸗ 
märtd mit. feinem Eörperliben Zufand. Auch die Seh⸗ 
Eraft des rechten Ulıged ſchwand; heftige: oft wiederfeb- 


Deſſen Biographie f. N. Nekr. 6. Jahrg. ©. 586. 
.*), - — - -- - 1-88. 





von Zychlinstfi. 275 


rende Kongeftionen nad Bruſt und Kopf traten ein, die 
Kopfi [gmergen wurden immer färfer und verließen ihn 
nm jelten. Dennod mwolte er fortwährend thätig fein 
und verfiel, als er zulegt auf jede Beihäftigung verzich 
ten mußte, in tiefe wermüth. Alles ließ auf groi 
innere Zerfdrung der Köpforgane fließen, die $ te 
ded Geifted fingen an zu ſchwinden; mit f&lagähnlicen 
Zufäden, Augenentzändungen und andern Leiden hatte 
er beinahe unaudgefegt zu fämpfen. Er war dem Ers 
blinden nad, als ein Nervenfhlag am oben genannten 
Tage feinen Leiden ein Ziel fegte. Die Gection wurde 
vorgenommen, um die Ueberzeugung zu gewinnen 


ob 
jene Kugel, die vor beinabe 25 Fahren das finte_ Auge ° 


serftörte, fi im Kopf befinde. ie fand ſich nicht und 
iR, mie aud der Verſtorbene bemerkt “ " — 
denfaus abgeprallt. Über fie batte fı 
wirft; man fand bei Öbrigens Frankhal 
des Gehirns und fa gänzlicer Vertr 
nerven mehrere große durch jenen € 
©plitter der Yirnfale, der größte übı 
eine daͤutige Maffe grhlur im Gebirn 
ſelbſt zeigte feine Spur von DVerlegu 
sedenfall6 wieder ergänzt. Es war ui 
nad jener Verwundung hatte genefen u 
anfangs im Zuftand beinah vblliger 
können. Er_dinerließ eine Witwe n 
von feinen Gefcwiftern if nur eine 
ben, die ihn wenige Sabre. vor feinen 
. Berbindung mit einem würdigen Mann 
mar von der Natur Rörperlid und gei 
gänfigt und dad, mad man einen 
nennt. KRaftlofe Thätigkeit, hode Be 
Kriegerktand, ächted Chrgefüdl, Unternet 
- gie, verbunden mit einem ebien, ritte 
mahrhaft religiöfen Sinn, mit der größ 
keit und aufopfernber, dingebender So 
sergebenen bildeten die Hauptzüge & 
batte in einem ungemöbnli hoben 
raftlos verfolgenden, widrigen Gefcid ; 
eva) Aeih Dura rafden dab em! 
enden Eniſchluß aus den übelften Lage... 0- a:-u--- „——-- 
iebe und Achtung, deren er ſich fomobl don feinen Vor⸗ 
gefeüten AD ameraben u. Ki feinen stern 
erfreute, betbätigte fi a ingendfte bei fei e 
Digung. Die ten Stavkomdere, fo mie Dffilere, 


276 . von Gerning. 


Unteroffiiere und Gemeine von den verſchiedenſten Trup⸗ 
bentorpe und bohe Beamte und angelebene Männer des. 
Civil, begleiteten feine irdiſche Hille in größter — 
zur Rue. An feinem Grabe wurden von Kriegsgefahr⸗ 
ten und Andern Reden zu feinem Gedaͤchtniß gehalten 
und ein Bataillon ſeines Regiments gab während der 
Einfenfung eine dreimalige Ehrenfalve. . 

re en. 64 


94. Johann Iſaak Freiherr von Gerning, 
heſſ. Homburg. Geheimer Rath. zu Frankfurt a. Nʒ 
geb. den 14. November 1767, geſt. den 21. Februar 1837 °). 


erning, Sohn des Entomologen Hofrat ©. in 
Sranffurt a. M., wo fein Großvater und Oheim muͤt⸗ 
terlicher Seits Stadt Suibpeißen waren, fudirte am 
Gpmnafium daſelbſt, hierauf zu Jena und widmete fi 
befonderd der Geſchichte und der Staatömwiflenfchaft. Er 
verftand fieben Spraden; auch hatten Die Sammlungen 
feine Vaters in ibm gon A den regen Ginn für 
Natur und Kunſt erwedt. Entibeidend für den Gang 
feiner Bildung und feined Lebend wurde das J. 1700. 
Es waren ndmlid damals bei der Kaiſerwahl und Kroͤ⸗ 
nung Leopolds IT. der König und die Königin von Rea⸗ 
. gel gegenwärtig und wohnten im ©. Dan . Der leb⸗ 
daft auffirebende, ſchon mannichfacy gebildete, Tüngling 
gewann Die Zuunei ung des Monarchen und feiner geiſt⸗ 
reihen Gemahlin; he uden ihn nach Neapel ein, wohin 
er. den Weg, von Goethe **) Dazu veränlaft, dem er 
enthuſiaſtiſch anhing und deſſen Freundſchaft er erwor⸗ 
ben hatte, über Weimar nahm, nachdem er ſchon vorher 
die Schweiz, Holland, England und Frankreich durch⸗ 
wandert hatte, Während ſeines Aufenthalts in Italien 
’erwarb er ſich eine vertraute Bekanntfdaft:mit den Elafe 
fifhen Werfen der. bildenden Kunft, fo wie er in Nea 
pel bald das volle Vertrauen des Königs und der Kö» 
nigin gewann, weiche mit ihm in fortgefegtem Briefwech⸗ 
fel fand. Als er 1794 fi bei der Königin beurlaubte, 
äußerte fie fi über ihn im Kreiſe ihrer Samilie mit den 
Worten: E come mio figlio. Auch Acton war ihm gewo⸗ 
gen und fagte von ibm: E pieno di spirito, peino di 
talenti! Die Erfhlitterungen der franzoͤſiſchen Revolu⸗ 


t 





) Converſations⸗ Lexicon N. Folge. 
*’) Deſſen Biographie ſ. N. nn 10, Jahrg. ©. 197. 


von Gerning. 27 


"tion hatten damals ihre-Schwingungen and) Aber beide 
©icilien verbreitet; leider einen Acton und Gallo, 
melde den Einfluß auf die taatöangelegenhejten is 





ten, von verfdiedenen Anſichten aus. die 
Öenugtpuung, daß er den Erfolg ı eſagt 
batte, fo mie denn auc der neapoli von 
41796 zum Theil nad feinen Ideen de; 
worauf 1707 Neapeld ehrenvole Mitı tern 
friedlien Verhältniffen erfolgte. Gt urde 
er von Neapel auf den Kongreß naı ndt, 
Die Revolution machte aber immer ı ‚itte, 
an eine Außgleihung der polltifhen I A 
nungen war nit mehr zu denken i N 
ganz in die Stille des Privatlebend ‚un! 


und Wiflenfhaft ihn vielfad befhäftigten. Er wurde 
mad Weimar bingezogen- und eingeladen und brachte 
dafelbft bis 1802 jedeömal die Wintermonate zu. Dort 
ſchrieb er auf Anratben Goethes und Herderd feine bes 
jannte „Reife durch Deftreih und Stalien“ (8 Cd. 1803), 
dad Werk mannihfadher Bildung, ausgebreiteter Kennts 
niffe und reifen Urtheild. Auf diefe folgte fein klaſſi⸗ 
fded „Säkulargedidt” (Leipz. 1800 u. 1802). Nach dem 
Zode feines Vaterd wohnte er meiſt in Grankfurt, zum 
Theil aud in Homburg und Kronburg am Taunus. Im 
Jahr 1804 ernannte ihn der Landgraf von Heflen» Homs 


burg, der ihn f ertrauend märdigte, au 
feinem Geheim ertheilte ihm der Groß 
- berzog, von He de, worauf er. ihn auch 
4818 in den 8 ». Schon früher hatte 
er vom Kaifer ipfom erhalten. Im I. 
4816 ernannte f von Heffen» Homburg 
zu feinem Bun in Srankturt und 1818 
ging er alß dı ndter nad Zondon, wo 


er vom König von Großbritannien den Guelphenorden 
erdielt. Geine politiiden Befhäftigungen aber daben 
ihn niemald der Kunft und der Wiflenfdaft entfremdet, 
Außer einzelnen treflihen Gedichten in geiolättern, eis 
f&ienen von ihm: „Die Heilquellen am Taunus” (Zeipg. 
4813 u. 1814 mit Spfrn.), ein Gedicht, dad in der 4 
Daktifch »Iprifch smalerifhen Battung eine der erften Stel 
Ten bebauptet und fid eben ſowohl dur die Külle der 
Gedanken und ben Reiz der Darftelung, ald durch tech⸗ 
niſche Vollendung auszeichnet; „Dvibd exotifhe Gedichte” 
(4819), deren Berdienk von mehreren fritifcpen Blättern 
anerkannt wurde; „Die Rheingenden,“ ein zu London 


278 ‚Hhfele. 


1 jenened Pradtmwert, mit Bolorirten X 
2 38 — —— Beute und von —* 


bildeten zugänglich. - Seiner Vatertadt, zu deren politie 
fbem Anleserberki airtier 


verfehlungenen Verdaltniſſen. bat fi ſtets fein richtiger 
Bl irn eine Belterfabrung, fein redtliher Sinn und 
fein tbeilnebmended Gemäth bewährt. — Außer den gro 
nannten Werken find von ibm no erfhienen: Der 
Er neapelß Dde von Afton (Dbne Drudort und 


radjahr). — Srankfurts Erhaltung u. Rettung Frankf. 
1795. — —A— dend. 1796. — Kantate zur 
Dermäblungdfeier 


t feier Ihrer Pönigl. Hobeiten, des Kronprin 
en beider Sicilien u. d. Erzderzogin Kiementine von 

eſtreich im Jahr 1797 Dftend. .— *Ofiyje von 
Srenffurt a. (Srankf.) 1800. — Lieferte viele Beitr. 
au Archenholz Minerva, dem Genius der Zeit, zur Zeie 
tung f. d. elegante Welt, zum N. deutſchen eur, 
dem Goͤtting. ufenalmancdı, Boͤtngers Gried. Vaſen ⸗ 
gemälden u. ſ. w. 


95. Placidus Hoͤferle, 
tatholiſcher Pfarrer zu Frankfurt a. d. D.; 
geb. den 27. Bebruar 1781, geit. den 21. Februar 1837 *). 


Er war zu Sriedfand in Böhmen geboren, der Sohn 
eines Zeinwandhändiers, Fam in feinem zwölften Jahre 


— 


*) Brankfuxter patriotiſches Wochenblatt 1887. Ar. 9. 


⸗ 


Hoͤferle. | 279 


als Cdorknabe in das Ciſterzienſerkloſter zu Neuzelle und 
erhielt feine wiſſenſchaftliche Bildung in dem dortigen 
theologifhen Seminar. Ri Jahr 1805 legte er nad 
ebrenvoll überfiandenem Noviziat fein Moͤnchsgeluͤbde 
ab und erbielt wegen feines feißigen Studiumd der 
beologifden Wiflenidaften und megen feines Eiferd 
ür feinen Beruf bereits im Jahr 1807 zu Baugen von 
dem dortigen Biſchof die Priefterweihe. In demfelben- 
Jahr ward er auch Profeflor an Dem geiſtlichen Semi⸗ 
nar und zeigte feinen Schülern bei aller väterlichen 
Liebe einen ernften und Rrengen Sinn. Nah Aufhebun 
des Kloſters widmete ih D. in Killer Zurädgezogenbeit 
ausſchließend den theologiſchen Studien und Dem Kite 
chendienſt zu Neuzelle, bis ibm im Jahr 1818 nach Dem 
Tod des Pfarrerd Tietz von der Srankturter Negierung 
das Pfarramt bei der katholiſchen Kirche anvertraut 
wurde. Cr bat died Amt mit großer Treue und Gewiſ⸗ 
fenbaftigfeit verwaltet und für dad Wodl der Kirde wie 
für das Heil der Gemeinde beftend geſorgt. Ald Mit 
lied der Armendeputation bewies er eine väterliche Fürs’ 
orge für Die Armen und fehlte böchft felten und gewiß 
nur dann bei den Derfammlungen, wenn er durch Ber 
rufögelchäfte verbindert wurde. Eben fo thätig war er 
ald Mitvorfteber der Induſtrieſchule, wie er hberbaupt 
jede Gelegenbeit, die ihm zu nuͤtzlicher Wirkſamkeit dars 
eboten wurde, freudig ergriff. Der Verftorbene lebte 
id und bäuslih, obne die Freuden eines gefelligen 
Umgangs g verfhmäden. Mit den Geiſtlichen der evane 
geliſchen Kirche lebte er in Sreundicaft und gutem Ders 
nebmen und war fern von einem engberzigen, profelys 
tenfüßhtigen Konfeffionsgeit. Seine liebfle Erholung 
war die. Beichäftigung mit dem Weinbau, den er in_feis 
nem Eleinen Garten mit Einfiht und Gluͤck trieb. Wie 
fehr er geliebt und geachtet war, zeigte fein Begraͤbniß. 
Der Pater Abundus aus Neuzelle, der Pater Otto aus 
Geitwann und der Kaplan Suchp aus Neuzelle, ein 
Schüler ded Verfiorbenen, waren dazu nach Sranffurt ges 
kommen. Nachdem an der Gruft_die Brabliturgie ge 
halten und eine Motette unter Zeitung des Organiſt 
Siegert gefungen war, redete der Slaplan: Euchy von 
den Verdienſten des DVerfiorbenen nnd der @uperinten- 
dent Spieler beſchloß Die Zeierlihkeit mit einer Orab- 
rede, 


280 | 
* 96, Friedrich Karl Peter Schmidt, 


Juſtizkanzleiadvokat u. Notar zu Schwerins 
geb. i. 3. 1808, geft. d. 21. Fedr. 1837. 


- Er wurde zu Schwerin geboren und war unter drei 
Brüdern der aͤlteſte Sohn des daſelbſt am 13. Apr. 1834, 
50 jahr alt, verfiorbenen großberzoglichen . Hausvoigts 
Friedrich Wilhelm Schmidt und der Chriſtine Chriftiane 
Dorothea, ei . Mörder. Seine Eltern forgten ſchon 
früh aufs Sorgfältigfte für feine Bildung und während 
‘der Vater noch ald. Feldwebel bei dem Gardegrenadier 
bataillon zu Ludwigsluſt fand, genoß er im großelter- 
lichen pur feine erfte Erziebung, fo wie feine wiſſen- 
e 


Auf beiden bereitete er ſich mit treuem Eifer für feinen 
künftigen Beruf vor und benugte -befonderd in zen die 
Vorle ungen eines von Schröter Über die zut tutionen 
und Pandekten, eined_ Martin. über die Tdeorie des 
Civilproceſſes und das Kriminalrecht, Ortloff über Kirchen» 
regt, Scheidler über Naturrecht, Luden über Geſchichte ıc., 
fo wie er in Roſtock das Erbredt bei ffämmerer, den 
Sriminalproceß bei Raspe u. f. w. börte. Um Oſtern 
4832 abfolvirte er darauf feine Studien und wurde noch 
: in demfelben Zahre, nach einem ruͤhmlichſt befkandenen 
Eramen, unterm .26. Nov. als Advokat und Notar bei- 
der großher ogl. Juſtizkanzlei feiner Vaterſtadt vereidet. 
„Aber dieſe Laufbahn ſollte nur kurz fein; vier Jahre und 
einige _ Monate nur mar ed ibm verftattet zu wirken; 
doch fein Fleiß, feine Gefchiklicpkeit und fein durchaus 
‚rechtlicher biederer Sinn hatten ibm ſchon in dieſer kur⸗ 
sen Zeit großes Zutrauen erworben und vielfeitig wurde 
er daher in Anfprud genommen. Er entſchlief am Mors 
gen des oben genannten Tages an der Grippe und bin» 
augetretenen Kraͤmpfen. Mit ibm gingen ſchoͤne Hof 
‚nungen zu Grabe. — Was feinen Charakter anbetrifit, 
fo war Derzendgäte bei ibm vorberrfchend und fein, mo⸗ 
raliſcher Wandel untadelhaft. Die Grabrede bielt der 
per Beutler. 
Schwerin. = Fr Bruͤſſow. 





281 


97. „Karl Gottlieb Thiemann, 


Lektor der italieniſchen Sprache an der Univerfität und Lehrer an 
der Wilhelmöfchule zu Breslau; 


geb, den 18. December 1787, geft. den 21. Februar 1887 *).' 


' Thiemann, geboren zu Liebenau, befuchte bis zu fels 
nem 17. jahre die Dorfihule zu Wahlftatt, fodann bae 


vormalige Lyceum zu Jauer, mo er von 1804 bi 
ſich namentlih dem Sprahftudium widmete und durch 
Den Umgang mit gebildeten - Sranzofen und Stalienern 


fon Damalß eine Fertigkeit in der franzöflichen ımd . 


ttalienifden Sprache gewann, Im Jahr 1809 befuchte 


er Durh 2 Monate das evangeliſche Schulle rerfeminar '' 


zu Breslau und trat ‚Dann in derfelben Stadt als Pris 
vatlehres auf, in welcher Cigenſchaft er bis an feinen 
Tod verblieb. Seit 1849 leitete er eine in Verbindung 
mit feiner Gattin eingerichtete Privatſchule für Töchter 
ebildeter Samilien; ſeit 1821 ertheilte er auch den ges 
iorliben und gearaptiichen Unterriht in den obern 
Klaſſen der k. Wildelmsfhule zu Breslau, fo wie er 


feit 4822 bei der Univerfltdt Lektor der italienifhen _ 
Sprade war, Seine Stellung hatte ihn zur Abfaffung 
. nachfolgend genannter Schulbücher veranlaßt, nämlih: ' 


geittafeln der Weltgefchichte. 2. Aufl. Bredlau 1826. — 
oräbungen zur Srlernung der franı, Sprade f. Ans 
fänger Ebend. 18%. 8. Aufl. Ebend. 1835. — tal, 


Blümenleſe ıc. Ebend. 1826. — tal. Chreftomatie ıc. 


Ebend. 1877. — Cours de langue oder franz. u. deutſche 
Vebungdftide ꝛc. Ebend. 4885. — Außerdem: noch einige 
Eleinere Schriften und Mittdeilungen in Zeitſchriften. 


* 098, Karl Chriſtian Daniel Baurſchmidt, 
Superintendent u. Schloßprediger zu Oſterode a. H.; 
geb. den 27. Ian. 1762, geſt. den 22. Febr. 1087. 
Noch waren die Stürme ded_fiebenjährigen Kriegs 
nicht vorüber, ald B. zu Schleufingen, der Hauptſtadt 
des kurſaͤchſ. Antheils von Henneberg, das Licht der 
Welt erblickte. Sein Vater, Johann Siegmund Baurs 
f&midt, war damals Diakonus zu Schleufngen und feit 


vv 


; 8267 Paſtor zu Benshauſen und Ebertöhaufen, feine . 


) Schleſiſche Provinciatblätter 1837. 


[4 


289 Baurfhmidt. .. 


i (bft, als re Kür findere m den follte, 
e En Mr ai = —— Die. 
e eh, Fuge Zeit 


fine, A Lehrer und gemeatli in erbanfe er 
— — feine erſte Liebe zu aͤhnlichen Wißen ſchaften. 


lfe. en in feinem, 17. gehe war er Primus des 
Whleufinger Gymnaſiums. orzäglih in den dfteren 
Dpraden legte er bier einen fo guten Orund, daß ed 
ihm ſpaͤ — einem Zeitraume von 20 adeen, wo 
ion. ander io ftigungen ganz vom ©tudium der ale 
n Spraden a bgesogen gen batten, ‚noch möglich ıdar, mit 
der größten Geläufigkeit „Iteinitg zu fprechen. Oſtern 
1700 bezog er die Univerſitaͤt au eipiig, noch in tiefer 
a um den kurz AR erfolgten Tod feiner Mutter. 
Noch inniger, wo ch war, (hloß er fich feit 
: jener Zeit an feinen Alp an und eben dieſes innige 
Verdaͤltniß, an Dem feine Entfernung jemald wieder et⸗ 
was zu Idfen vermochte, bewabrte ihn gläklidh vor all’ 
den Verſuchun an feined akademiſchen Lebens. Auf dem 
Sebiete, der iffenf&aften waren in der Tdeologie Mo» 
rus Datbe feine baupıfähliien übrer; in der 
Doitofopbie —5— und Ss Son in der Philologie Erneſti 
und. Rei; hebiftorie hörte er bei Böhme, 
die — bei Er ber, Naturrecht bei Sammer, 
beutfes Siaatsrecht be ER: dad kanoniſche Recht 
i Hammel. Den rote or börte er Äber gelebrte 
—3 — und Dichtkunſt. Syriſch lernte er bei dem 
—— wie er es auch nicht unterließ, in der fran⸗ 
söf ben: und englifchen Sprade fi fortnäben. Später 
. erlernte er au noch die italienifche. Sprache. 
warb er ſich in Leipzig nicht allein ſehr plelſeliise— kon 


. Baurfchmidt, 283, 

dern aud in den meiſten Fa⸗ 

war, fo gründliche Kennmifie 

fodteröin felbk mit dem gl 

sicht ertheilen. konnte. Dem 

- rafterd nit minder audgezei 

Manne konnte na Beendigun 

dien eine gewuͤnſchte Hauslep: 

Herbſt 1782 fand ihm die Wa 

de6 D. Plattner nad Rußland ı 

Kreiöeuereinnehmer Weiße, d 

had Ziegenberg in der Wer 

drei Töchter des Barond ®». i 

Gedeimenrath& und ehemaliger 

£ondon zu geben. Er wählte 

Deutſchland zu bleiben, tbeilt 

ein mebriäbriggr Aufenthalt | 

mar, der die Öftere Musficht, 

können, ibm ‚darbot. Hier in 

Verbältnifle und viefade R 

Samilie auf deren weit entle_ J um . 

webrjähriger Aufenthalt in den glänzenden Städten 

Deutfclands und der Zutrist in die Ren Site 

der ibm in Xinerfennung feines perfönlihen Werid 

überall gern gefastet wurde, vermehrten feine Welt» und ., 

Menfhenkenntniß. Doch lernte er in folden Verbin⸗ 

"dungen den Menfcen zumeilt nur von feiner edieren 

und befleren Seite keñnen und um fo tiefer daher 

f&hmeriten und empörten ihn entgegengefegte Erfabruns 
ven, die feinem fpäteren Zehen genugfam aufbehalten 
lieben. Den größten Theil des J. 1784 brachte er in 

Sranffurt a/M. zu. Spaͤter wohnte er in derfelben 

Stadt zwei Kaiferfrönungen bei, Zeopold’s. It. und 
franz II. *), erfterer ald Eprenfefretär unter danoverſcher 
roteftion. 1786 vermweilte er ſechs Monate in Wien, 

wohnte hier der Supmafan Kaifer ERGTH 1. bei, 

arbeitete vielfah auf der Eaileri. Bibliothek und unters 

nahm von bier aus eine HÖKR intereflante Keife durch 

Ungarn biß beinahe an die türkifhe Grenze. Den Wine 

ter 1794 brachte er in Darmfadt zu. „Gap täglich,“ 

fagt er_in der Skige feined Zebendlaufs, „war id in 

biefer Zeit. mit meinen Elevinnen im Palafte bei der 
inzeffin Georg, wo dann auch die rin fin Zouife von 
edienburg» Strelig, nachderige Königin von Preußen 


*) Deffen Biest. T. Im 18. Zabıg. des MR, Nele. © 7. - 


284 Baurſchmidt. 


und deren Odiefter fammt ihrem Bruder an unferen 
Abendfpielen Theil nadmen.” Bon Darmftadt aus folgte 
er im Januar 4792 mit dem bofländifchen General Gras 


fen Curt von Calenberg,. Bruder der Frau von Diede, . 


feinem Principale nad) Regensburg, der inzwifchen einen 
Geſandtſchaftoͤpoſten feines Hofd am dortigen Reichs⸗ 
tag übernommen batte. Im Jahr 1789 war auch fein 
Vater nach einem. Aljährigen fchmerzhaften Krankenlager 
geRorben und unfer ®. wurde fon während deſſen 
ranfheit vom Sonfiftorium die Möglichkeit erdffnet, 
feines Vaters Stelle zu erhalten. Allein er 309 es vor, 
die Erziebung ſaͤmmtlicher Kinder der Diedeſchen das 
milie zu_ vollenden. Diefe Aufgabe folite er auch im 
vollſten Sinne, wenn gieid mit ieh entgegengefeßten 
Gefuͤhlen, Idfen. Die Eine feiner Elevinnen wurde Yon 
ihm zum Tode, die beiden anderen zur Konfirmation 
vorbereitet, wobei ed ibm vergoͤnnt wurde, auch den 
kirchlichen Akt der Konfirmation felbft verrichten zu duͤr⸗ 
fen, Die bei diefer Gelegenpeit gebaltenen kirchlichen 
Reden waren die erſten von ibm, die dem Druck übers 
. geben wurden. Bon diefem Zeitpunkt an leiftere er ſei⸗ 
nem Principale, gewiffermanfen mehr in der Eigenſchaft 
eined Privatfefretärd, ald der eines aan ebrert, febr 
- wichtige Dienfte und feine. früheren Ssudien in Leipzig 
in den Hoͤrſaͤlen eined Böhme, Sammt und Geeger 
kamen ihm hierbei trefflich zu Statten. Im Srübjahr 1794 
bediente man fich feiner, mit dem damaligen Standes⸗ 
herren 9. Muskau, Grafen v. Püdler, die ſehr wichtigen 
Srbfchaftdangelegendeiten Der Frau v. Diede, einer ges 
bornen Neichögräfin v. Calenberg, in Ordnung zu brin⸗ 
en und im Herbte deffelben Jahrs reifte er, ald Se⸗ 
retär der rdeinifhen Neichöritterfchaft mit dem Herrn 
v. Diede, ald Deputirter derfelben, nad Bonn, um dort 
mir dem Eaiferl. Gefandten zu negocliren. Bei der im 
Zufi 1796 für Regensburg derannahenden Gefahr durch 
die Franzoſen befand er fih ganz allein im dänifhen 
Gefandifchaftähotel und Alle ſuchte, wegen der damali⸗ 
gen Neutralität Daͤnemarks, feine Sch ie bei ibm in 
Sicherheit zu bringen. So groß mar felbft das öffent 
liche Vertrauen, deffen er genoß. Weber alled das ver, 
gaß er feinen fpäteren Beruf nit, obwohl ihm zu 
wiederboltenmalen mit der Soffnung act meichelt wurde, 
im diplomatiſchen Sad eine tete Anftelung zu finden. 
Häufig _predigte er zu Regensburg und allezeit in Gegen- 
“ wart der wmeilten und ſelbſt katholiſchen Reichstägs⸗ 


. 





Baurfchmidt. " 285 


efandten, wie er ein Gleiches auch bei [einer Anweſen⸗ 
delt in Wien, in der Kapelle des ſchwediſchen Befandten 
etban hatte. So groß auch der Beifall war, der feinen 
Dorträgen egollt wurde, fo galt ihm jedoch fchon da⸗ 
.. mald der Nuttzen ungleih mebr, den er durd felbige 
. Kiftete. Durd) fie. babnte er fih den Weg zu mehreren 
Kranken» und Sterbebeiten, wo fein Zufpruc verlangt 
wurde. Auch die Regendburger wänfdten ihn zu ihrem 
Pfarrer. Ganz eigene Rüdfichten indeß, fo wie das all - 
zugeringe Einfommen der ibm angetragenen Pfarrſtelle, 
'verwehrten ed ihm, Diefelbe anzunehmen. &o-nabere 
die Zeit, _wo er, um doch endlich eine gewilfe Verſor⸗ 
. gung au finden, fein geliebte Regendburg und den Kreis, 
dm dort fo theuer gewordener Sreunde und dad Diedes 
ſche Haus, in dem er 141 Jahr gluͤcklich gelebt hatte, 
verlaffen mußte. Er ging im $rübjabr 1798 nad Hano⸗ 
‚ver wohin er auf Antrag des Hofmarſchalls v., Löw als 
Xehrer an dem.neu zu errichtenden koͤnigl. Georgianum 
berufen worden war. Ein ganz veränderter und nicht 
ſehr angenehmer Wirfungsfreis erwartete ihn bier; denn 
-er fand meir fehr verwilderte Gemäther unter den Zoͤg⸗ 
lingen des Georgianums, an denen lange Zeit aller Fleiß 
und ale Liebe verſchwendet ſchienen. Mebrere Zöglinge 
waren feiner ganz befonderen Zeitung anvertraut, wie 
auch außerbalb des Beorgianumsd fein Unterricht glei® 
gelaän! ald gefucht wurde. So waren unter Anderen 
pie Sräfinnen von Lippe» Büdeburg feine Schülerinnen 
und ihrem Bruder, dem Erbgrafen, hielt er befondere 
Vorlefungen über Moral, Politif und Staatöredt. Uns . 
ter — Anſtrengungen des Geiſtes, von, denen 
oft erſt die ſpaͤte Mitternacht ihn abrief, erlag fein Koͤr⸗ 
er. Eine ſchwere Krankheit befiel ihn. Pprmont war 
eine Retterin. Sonſt war ſeine einzige und ſeine liebſte 
Erholung der Umgang in dem graͤflich Wallmodenſchen, 
Lippeſchen, Loͤwſchen und Steinbergſchen —8 Dank⸗ 
bar nannte er ſolche Außzeihnung oft noch in ſpaͤteren 
Jahren, dad legte Erbibeil feiner Regenöburger Sreunde 
und Gönner, "Während eined kurzen Aufenthalts auf 
dem graͤflich Wallmodeniden Gute Heinde im Fräh⸗ 
jabr 1798 fah er zum erftenmale feine künftige Lebens 
getährtin, eine Pflegetochter des dortigen Oberamtmanns 
"Geride, die ihm im Jahr 1801, ald er Pfarrer zu Hone 
wurde, dabin folgte. Hone ift vielleicht der naurigke 
und ablegenfte Drs in der ganzen großen Celler Sand », 
„Haider und Moorwäfe, Im ganzen Dorfe, ja bis auf 


286 Baurſchmidt. 


"wei, drei Stunden Wegs kein gebildeter Umgang und 
EloR diefer die längfte Zeit ded Jahrs wegen Moor 
und Ueberfhwermmungen nicht einmal erreibWär. Dazu 
‘Sam eine damals fo verwilderte Gemeinde, daß es 3.8. 
unter ihr gar nicht Unerbörted war, in der Kirche Kar- 
ten zu fpielen und die Branntweinflaſche umgeben zu 
faffen. Dahin ſah ſich B., mitten aus der großen Welt, 
in der er fo lange gelebt, nun mit einemmale verfegt. 
Lange Zeit mußte er jede Predigt, deren er mit den 
£eihenpredigten oft über 200 in einem Jahre zu balten 
batte, nachdem er fie niedergefchrieben,, völlig noch ein: 
mal umarbeiten, um fie nur feinen Bauern verftändlich 
”zu machen. Dazu, wie fchon angedeutet, gab es entſetz⸗ 
ich viel Unkraut audzuraufen, was denn oft anfangs, 
bei aller angewandten Bebutfamfeit, die roben Gemütber 
nicht wenig in Aufruhr brachte. So entſtand bei Ge 
legenbeit, ald er Die erfien Sommerfchulen einführen: 
wollte, ein förmlihed Komplot der ganzen Gemeinde 
egen ibn. Über er ließ fih dur alle ungänftigen Um» 
Kinde nicht entmutbigen, feßte mit rafilofem Eifer und 
iebe fein muthig begonnened Werk fort und batte Die 
Genugthuung, daß nach 40 Jahren feine Gemeinde durch 
feine Bemuͤhungen wie umgewandelt war und der ans 
fangd fo Verhaßte hatte eine Liebe gefunden, die noch 
bid in Die fpätefte Zeit auf die rübrendfie Weiſe ſich 
fund peb- Ald er im December 1810 vom Konfflorium 
auf die 4 Stunden entlegene Pfarre zu Leiferde verſetzt 
wurde‘, folgte die ganze Gemeinde, jung und alt, wie 
in einem langen Trauerzuge feinem Wagen nad. In 
Leiferde ftiftete er nit weniger Segen und auch diefe 
‚große Gemeinde gehörte bald zu den audgezeichnetften 
n der ganzen Gegend. Sp entfernt er fid immer von 
dem. eigentlich gefelligen Verkehr mit feinen Gemeinde 
liedern biett, fo nabe fand er jedem Einzelnen unter 
dnen, mo ed darauf anfam, mir Rath und. That beizu- 
fteben. Er war ganz berfelbe auf feinem Studirzimmer 
- und im täglichen Leben, der er auf der Kanzel war. 
Der Geiſt der lauterftien und innigfien Religioftät durch⸗ 
Drang, regelte und mweibte fein ganzes Leben. Weit ent: 
fernt, einem blinden Slauben zu buldigen, ſtand viel 
mebr_der, an den und um deswillen er glaubte, in eis 
ner Klarbeit vor feiner Seele, daß man es in Wahrbeit 
nur ein Glaubenslicht nennen konnte, dad Ihn erfälte' 
und womit er wieder Andern vorleuchtete. Fehlte doch 
‚auch feinem Glauben die Bewährung nicht, die aus der 








Baurſchmidt. . 887 


Anfechtung Fommt. ine vielbewegte Zeit und ein viel. 
bewegtes Leben hatten alle Gri@einungen Des Unglaubens 
an ibm vorübergeführt, er batte fie alle ſcharf ind Auge 
gefaßt und jeden Zweifel der firengftien Prüfung unter. 
worfen. Die Stunden, die fein Amt ihm frei ließ, 
widmete er den Wiſſenſchaften, der Eraledung feiner drei 
Stinder und ald Erholungsſtunden, feinen Blumen, von 
denen er meit und breit Die ſabnſte Flora datte. Uns 
beſchaͤftigt war er feinen Augenblid des Rogt, Werte 
von jeder Wiſſenſchaft waren in feiner Bibliothek zu 
finden, die nad und nad auf 2000 Bände anwuds. 
Auch widmete er feine Thätigleit Dem 1819 größtentheils 
auf feine Anregung geftifteten Predigerverein und unter 
feiner thaͤtigſten Antdeilnabme wurde auch der Grund zu 
einer Predigerwitwenkafle der Inſpektion gelegt, die jens 
fon die erfreulihken Refultate aufzumeifen hat. Sei» 
ner Sattin und feinen Kindern war er der liebevollſte 
Gatte, der zaͤrtlichſte Vater. Seine Erziehung war Liebe 
und zwedte nur auf Liebe ab. Als feine beiden. Söhne 
auf auswärtige Schulen gegangen waren und nur feine 
- einzige Tochter. zu Haufe zurkdblieb, widmete er mit 
dem glüdlihkten Erfolge die früher jenen geſchenkte Zeit 
im Dereine mit feiner Gattin der Bildung Junger Grauen» 
jimmer. Im Fahr 1828 erbielt er den Ruf ald Super 
ntendent und Schloßprediger zu Dfterode am Harz, 
‚ den er nur aus Ruͤckſichten auf feine Samilie: annahm. 
‚ Konnte er auch nicht mehr durch feurige Kraft, wie in 
- früberen Jadren, in feiner jegigen neuen Stellung wir 
fen und mußte er es auch antangd erfahren, wie viel 
ſchwerer dem bejahrtern Prediger die Herzen der Ges 
meinde ſich zumenden, fo wirkte er deſto mehr Durd den 
Geiſt der Sanftmuth, Demuth und Liebe, mit dem er 
wiſchen mande früher fehr zerriffene Verdaͤltniſſe ver» 
Whnend eintrat, Durch ‚jeine gereitten Erfahrungen , wo⸗ 
mit er jüngeren Amtsbruͤdern au nuͤtzen ſuchte, Durch fein 
ſchonendes Verfahren, womit er zrrende zurechtwies. 
durch feine Bexreitwilligkeit, nach Kräften, wo er nur 
irgend konnte, dem zu helfen, Durch feine Berufdtreue, 
worin er für Alle ein Mufer war und- gelang es ihm 
au) fo nicht allentpalben Liebe um Liebe zu ernten, ſo 
konnte doch bald die hoͤchſte Achtung, felbit von Seiten 
“ derer, die ibm nicht wohlwollten, ibm nicht. verfagt 
erden Ge ange I Alter 4 ohne N —78 en 
wer r ibn zuließ, verweilte er auch in 
gern noch in gefeligen. Cirein, die bald an fein Haus, 


⸗ 


x 


- mehr ihn. an fein 


2... Müblmnbohr. 


das immer ein fo gaſtfreies geweſen mar, ſich aufnäpften 
und man ſah ihn dann immer ald den. feinften und [ X 
wuͤrdigſten Geſellſchafter, der es gleich verſtand, laͤſtigen 
wang aus feiner Nähe zu. verbannen, als Scherz und 
robe Zaune in den Schranken des wahrhaft Schicklichen 
zu erbaften. Schon im Sommer 1831 beflel ihn indeß 
ein aͤußerſt fomerzpafted Vebel, was immer mehr und 
mmer band und er fühlte, wie al 
mälig unter den oft unerträgliden Schmerzen deffelben 


“feine Kräfte fhmwanden. Kür ibn, der immer fein Amt 


mit folder Gewiſſendaftigkeit verfeden, war es das haͤr⸗ 


‚ tefte Gefuͤhl, nicht mehr fo au können, wie er wollte, 


Zur Erieiterung feines Amtes wurde ihm nun fein 
jüngerer Sobn als Gehälfe beigegeben, in deffen Hände. 
er hnäter, als die Krankheit immer mehr zunabm, feine 
fämmtliden Geſchaͤfte niederlegte,. Er ranipe aber täglich 
mebr und mehr feine Kräfte ſchwinden, bis ibn am oben 
enannten Tage der Tod von feinen langen und ſchweren 
feiven befreite._Sein älterer Sohn ik Aſſeſſor supern. 
beim. Amte zu Dfterode, feine Tochter an den Pfarrer 
Schrader in Sranffurt a / M. verheiratber. Seine Battin 
überlebte ihn. W . 


* 99, Sohann Friedrich Mühlendohr, 
Organiſt, Küfter u. Schullehrer zu Dielingens 
geb. den 8. Aug. 1773, geſtorben den 22. Febr. 1897. 


Don rechtlichen Landleuten zu Spradow, Sirchfpiel 
Bünde, geboren. befuchte er Die dortige Schule und 
enoß fpäter Privatunterricht, war_mebrere Jahre Bes 
iente und bildete fi Dann in Dem Schullehrerſeminat; 

Minden zum QTugendiehrer. Im J. 1802 ward er Schu 
lebrer zu Moͤ bergen, Rircfpiel Holzhaufen, von wo er 
im Jahr 1819 nad Dielingen ald Organiſt, Küfter und 
Schüllehrer der 2. Klaffe-verfegt wurde. Im J. 48 
verheiratete er fi mit Marie Louiſe Zangemann aus 
Subdlingen, Grafſchaft Diepholz. Er batte viele harte 
Schickſals ſchlaͤge zu erdulden. So verlor er durch einen: 
Brand faft feine ganze Habe. Sein aͤlteſter Sohn ging 
nad Amerika und ar oleic nach feiner Ankunft an der 
Cholera im Staate Miſſouri. Das. ihm mitgegebene 


Bermögen ging verloren. Der 2. Sohn bat Theologie 


ſtudirt. Gutmäthigkeit, Ehrlichkeit und Rechtſchaffendeit 
waren Hauptzäge feines Charafterd. Dabei.war er von 
aͤchter Keligiefität befeelt, anſpruchslos und beſcheiden. 





v. Scheve. 289 
Seine Geſundheit war ſchon lange gerrättet und er bes. 


— deshalb faſt jeden Sommer den Geſunddrunnen. u 


Da überfiel ihn die Grippe und er erlag ib id r. 
Dielingen. Arendt. 


* 100. Adolf Friedrich v. Scheve, 
Praͤſident des koͤnigl. kurmaͤrk. Pupillenkollegiums zu Berlin; 
‚geb. den 27. Mai 1763, gef. den 2, Febr. 1837. 


Er war zu Strelig geboren Und der alteſte Son 
bed medlenb. ftrel. Geheimen Ratböpräfbenten A. F. 
. Sch. Nah beendigtem Gymnagſialkurſus begann er 
da Studium der Rechte zu Greifswalde und ſetzte es 
in Oöttingen fort. Um in Den preuß. Staatödienft treten 
u können, machte er zu Berlin ein Examen und kam 
| Bieranf old Referendar nah Coͤſslin, von wo er nach ei. 
nem Jadre nach — und dierauf von da nach Stettin 
verſegt wurde. Im J. 1782 wurde er Aſſiſtenzrath beim 
aber anbesgerigt zu Streblen und verheirathete fich im 
der Tochter des Dberftlieutenants und 
— Friedrich des Großen v. Lekow, nad>* 
dem er wobl 2 Jahr vorber zum Dberammdrash ernannt 
worden war. Im 3. 1786 ging er ald Aammerg erichtös - 
rath nach Berlin und ward hierauf 3, to mie de Ober⸗ 
konſiſtoriums und Oberſouitoꝑ ium wie auch des 
Armendirektoriums. Im J.1 bei der erſten Gränse 
dung des Friedrichſtifts, einer mohithätigen Anftalt zur 
Verpflegung und Erziehung armer verlaffener Kinder, 
ellte fein nenfehenfreundikbed Der} an an die Spitze 
erer, die Damald, in der Zeit der Noth, zur Nertung 
einer Zahl dem Eiende Preis gegebener naben und 
Mädchen sufammentraten und die | 
—* u Mitleid und Erbarmen mit ſegensre — Er⸗ 
dieſen — binleiteten. Dreiß 


X. —8* 25. Zahrg. 


4 


[d 


890 v. Harten. 


ber fein thaͤtiges Wirken fand auch. die Anerkennung 
feines Könige. Im J. 1815 erhielt er das eiferne Kreuz 
am Bande des Eivilverdienfordens, fpäterbin den rotben 
Abdlerorden Ir Klaffe und am 21, December 1824, bei 
der Seier feines _50jdhrigen Amtsjubildumd, den rotben 
Adlerorden 2r Klaſſe mit Eichenlaub und der Dinilter 
Mother überbradte ihm 1000 Rthlr. zur beliebigen Vers 
"wentung, von denen er 500 Rthlr. dem kurm. Pupillen» 
- Eolegium zum Fond der Erziebung armer Waifen und 
500 Rthir. dem Sriedrichäftifte gab. Dad Kammergericht 
und Pupilienfollegium ließen zur Geier dieſes Tagd feine 
Bäfte vom Brofefer Wichmann aus Fararifdem Marmor 
anfertigen, das Friedrichsſtift ibm zu Ehren eine eiferne 
Gedenktafel in ihrem Lokale aufite! 
- Bekannte brachten ibm viele Beweife der Achtung und Er⸗ 
ebenbeit dar. — Sch. mar ber liebevolle Satte, der 
‚Siebreihte Vorgeſetzte feiner Untergebenen, der Wohl- 
thärer feiner Gutbinſaſſen und den unbemittelten Kin- 
dern feined Bruderd ein zweiter Vater. 


* 101. Friedrich Rudolph v. Karten, 
Odergerichtsadvokat und geweſenes Mitglied bed Stabtgerichts 
(Senator) zu Oldenburg; 

geb. d. 7. Sept. 1776, geſt. d. 28. Febr. 1837, 


- Sein Vater mar der am 23. November 1830 als 
Kommerzienrath und zweiter Bürgermeifter zu Oldenburg 
verfiorbene Kaufmann Johann Wilhelm v. H., feine 
‘ Mutter Charlotte Margarethe, geb. Mafterbolt. Seine 
‚Sdulbildang erhielt er auf dem Gpmnafium feiner Vaters 
ſtadt und genoß außerdem noch Privatunterricht in man⸗ 
chen andern Wegenftänden der Bildung‘, wie z. B. in 
‚neueren Sprachen und in der Muſik, welcher letztern er 
mit großer Neigung zugethan war, die ibn während ſei⸗ 
nes ganzen Lebens nicht verließ, ſelbſt da nicht, ald er 
der Ausübung derfelben Cer batte ed auf der Slöte zu 
einer bei Dilettanten fonft, nicht gewöhnlichen Sertigkeit 
gehraan) megen Verluſts feiner Zähne entfagen mußte. 

it dem Ruf eines ſehr fleißigen und ordentliden Schñ⸗ 
-ferö verließ er um Oftern 1793 das, Spmnafium, um auf 
‚Der Univerfität. zu Sena die Rechte zu fiudiren. Um 
Oſtern 1797 ging er von Zena nad Göttingen, um dort 
-auch in praktiſchen Arbeiten fid) audsubilden und kehrte 
Dftern 1708 In feine Vaterſtadt zuruͤck. Nachdem er die 
Damals. gewöhnliche Probearbeit mit Beifall geliefert, 





ftellen und Sreunde und - 











v. Härten. 291 


wurde ihm die Advofatur- bei ben Untergerichten geRattet 


und er im Sommer 1708 beim — wie beim 


1801 die vorgefcpriebeng ftrengere Prüfung, beRand, melde 
er bt. went 


bie eintrögliperen Notariate zu bewerben, fute er Feine 

andere Stelle, ald die eines Advofaten beim Tribunal 

erſter Inſtanz in — — Bei der im Jahr 1814 ero 

folgten Wiederberftelung der Altern Verfaftung trat er 

aidt. nur in feine fräbern Stelien ald Üdvokat bei der 

Zuftiztanzlei und dem Konfitorium, wie bei dem Lands 
eriht und dem Magiftrate zu Oldenburg tieder ein, 
jondern wurde auch noch bei dem neuerrichteten Dbets 

appellationdgericht ald Advofat angeftellt:, Diefem feis 

nem Berufe widmete er fi aber auc) mit feltnem Eifer 

und unerfeütterlider Treue und ed war ihm meniger 

darum H tun, eine außgedebnte Praxis v Ren a 

our folde Gaben zu verhandeln, von 

tigkeit er fih Aberueugt dielt. Seine Red 

Drdnungsliebe gaben daher auch Deranlaffu 

anfehnlide Gef&äftsfüprungen und Güter 

nen aufgetragen wurden, denen er mit de 

tigkeit und demfelben Eifer fi unterzog, n 

rififden Praxis, odne diefe jedoch deöpalb 4 

Sm 3..1824 wurde er zum Beifiger ded.« 

oder zum gelehrten Ratböherrn (Senator) 

diefe Wahl, erbielt am. 17. März die Ben 

Zandeöherrn. Er hätte diefe Stelle niat.ı 

wenn er fi nicht durch das in diefer Wat 

dene Zutrauen geehrt gefühlt. und zugleich... zum. 

nig erhalten hätte, feine Praris_bei- den Dbergeriaten,. 

mit Ausnahme der vorher beim Stadtgetichte Verhandels 

ten Saden, fo. wie. beim Landgerite beibehalten zu - 

dürfen. Auch in diefem-Amte gab er Berveife der Rechts 

lichkeit, Zbätigkeit und Ordnungsliebe, die ibn al Ans 

zalı befeelten und er bekleidete e8 fo lange, bis vor 
infüprung. der neuen, Stadtordnting am Don. 1838 

J 1 


’ 


ihn’ als 


N 


298 Söhnden. = . 


die Stadt ihrer Gerichtöbarfeit mit Ausnahme der amt. 
lichen Kompetenz entſagte und das Stadigericht mit dem 
gandgerichte vereinigt wurde. Won da an widmete er- 
ſich wieder ganz feinen Advokatur⸗ und Dermaltungde 
eſchaͤften, worin ey jedoch leider oft durch Unpaßlich⸗ 
eiten unterbrodden wurde, bis endlich eine ernſtliche 
Krankheit ihn aufd Lager warf, von dem er nicht wieder 
erftand. Don Tugend auf batte er nur eine ſchwaͤchliche 
Geſundheit genoflen, aber früh durch mancherlei Leibes⸗ 


"übungen feinen Körper wu ftärken gefucht und durch forte 


Dauernde Anwendung Derfelben batte er ed dahin ges 
bracht, des er ſelbſt dei feinem, Ihn manchmal anhaltend 
an den Arbeitötifch feflelnden Fleiß zu einem Alter 
elangte, weiches die Hoffnung feiner fräbern Bekannten 
Übertraf, — Am 25. Sebr. 1806 hatte er ſich mit Wils 
peimine Eiliaberp "Sodanne Erdmann verbeirathet, die 

ittwe überlebt bat; aber von mehreren Kin 
dern ift ibm nur. eine Tochter geblieben, indem andere - 
bei den ſchoͤnſten Hoffnungen, vielleicht in Kofge einer 
erblichen Diöpofition, frühe dahin welkten. 


102. Daniel Soͤhnchen, — 
Lehrer an der evangel. Schule zu Mühlheim a. Rhein; 
geb. i. J..../ geſt. zu Köln d. 28. Febr. 1837 *). 


Soͤhnchen war der Sohn geringer, aber tugend- 
bafter Eltern, die noch leben, und zu Ründeroth im Ober- 
bergiſchen wohnen. Im väterliden Haufe und in der 
Schule. ſeinks Geburtsortd empfing er feine Erziehung 
und feinen erflen Unterricht. Nachdem er ſich binreibend 
vorbereitet hatte, trat er in dad Seminar zu Neu: Wied 


ein und Iernte dort fo fleißig, lebte auch fo untadelhaft, 


Daß ihm beim Austritt aus der Anftalt ein fehr gutes 
Beugniß ertheilt wurde. Aldbald ward er an die Schule 
nach Mubldeim berufen und widmete fih mit alem Eis 
fer feinem Beruf. Ein gaftrifhed Fieber warf ihn im 
Auguſt des J. 1836 auf das Strankenlager; die Krankheit 
ward bald nervös und endete in der Schwindfadt, an 


der er am oben genannten Tage verſchied. — ©. befaß 


einen von Natur fehr gefunden, ja fcharffinnigen Ders 


ſtand, den er, befonders Durch —— — tudien. 
e wa 


trefflich ausgebildet hatte. Seine Kenntni ren ge⸗ 
rade nicht die umfangreichſten und fie konnten ed auch 


*) Rach dem Sprecher oder AH, Weſtphäͤl. Ang. 1897, Nr. 19. 





noch nit fein, da-er fich eben erfi and dem Drude ſei- 
on frädern De af beraud» und emporgearbeitet 
und die edlen Srächte zu fammeln begonnen datie; allein 
fie erſtreckten fid Boch über den ganzen Kreis deſſen, was 
‚von einem Elementarlebrer gefordert wird und fie waren 
- Dabei fo geordnet und fo gründlich, daß er fie beim 
Unterridte mit voller Sicherheit und mit dem beiten 
Srfol anwenden konnte. In der Lehrmethode hatte er 
far die Meiſterſchaft erreiht. Weile mard von Ihm der 
Lehrſtoff nach den verfchiedenen Klaſſen gemädlt und 
vertheilt; luͤckenlos fchritt fein Unterricht von Stufe zu 
Stufe fort; Alles entwickelte fih nach einem mwobläbers 
dachten Plane und in feſter Ordnung und niemald machte 
er ſich des unfeligen Treibend derer ſchuldig, bie fich be 
ihrem_Unterricpte gehen laflen, bald Died, bald jene 
umfaflen, um ed wieder fortzumerfen und Die, wenn fie 
am Morgen in die Schule geben, nicht wiflen, bis wo⸗ 
bin fie am Abend mit ihren Schülern gekommen fein 
werden, Daber bingen Denn aud die, Kinder mit ges 
pannter Aufmerkſamkeit an feinen Lippen, Daber lernten 
e viel und Alles recht und daher, Dies ift dad Wich⸗ 
igfte, war der Gewinn an formaler Geißesbildung für 
fie fo ausgezeichnet groß._Der Fleiß und der Berufs 
eifer S.s kannte kaum Graͤnzen. Der wadere Mann 
war immer puͤnktlich auf feinem Poften, er bhehrte mit 
feuriger Sebenbigkeit und mit unermädeter Anſtrengung; 
er ließ e8 die Schüler Dur jeden Blick, durch jedes 
Wort und durd fein ganzes Weſen empfinden, wie fehr 
‚ihm fein Werd mit ibnen am Herzen liege. Un der 
Dafigen böhern Buͤrgerſchule ertdeilte er, obgleich die 
Zektionen, die, ibm in der Efementarfchule oblagen, an 
ſich ſchon ſchwierig waren und ipn um fo mehr angriffen, 
je ſchwaͤcher feine Bruk mar, unenitgeldlichen Unterricht 
und er that dies mit derſelden Aufopferungsfreudigkeit, 
mit der er an der Schule arbeitete, die ihn befoldete. 
Seine freie Zeit wandte er zur Fortfe ung feiner Stus 
dien und zur Erweiterung feiner wiffenfcpattlichen Kennt⸗ 
niſſe an, wobei er immer fein Amt und dad, was für 
Diefed wichtig war, zunaͤchſt im Auge hatte und nach der 
Regel verfubr: Non multa sed multam. Nur fpärliche, 
vielleicht nur allzu fpärlibe Erholungen goͤnnte er ſich 
und ſteis nur ſolche, Die eines Lehrers wärdig find. Ein 
£indlicher, unfouldiger und genügfamer Sinn war ibm 
in feltenem Grad eigen; er war aufridtig. und wahr, 
vedlih und treu in Wort und That; für feine Leber: 


294 | Beldig. 


kugeng, Für 7UeS, mas Str mıd ugenb bein. | 


rannte er- und wenn ed nötdig wa 

auch mit Nachdruck dafür; Befheidendeit und Demurb 
foamüdten ihn; feine Menſchenliede war ungefärbt und 
unverfätfht und feinen Eltern gab er dad Beifpiel der- 
rübrendften Pietät. | 


'103, Br. Friedrich Ludwig Weidig, 
Pfarrer in, Obergleen (Heſſen⸗ Darmflabt); 
geb. 1. 3. 1791, endete freiwillig au Darmſtadt am 28 Bebr. 1897). 


‚ fiudirte Theologie und widmete fib dem Squlfach. 
Et, —XE eine nftelung A Konrektor Zu er 


eften s Staffel "die dffentlide Aufmerkfamkeit 
f * ER — wo bereits ein aan 


acinte ſich das Volk deiter und vertrauend. Blos vor⸗ 
bergehend zog eine kalte Hagelwolke über das hoffnung⸗ 


u EN any kritiſche Wißtter der Börtenhalle Wr. 1360 
%r, Deflen Biogr, ſ. im N. Wett. 8, Jadrg. ©. 800: 


nen. 


Pur 
B Weidig. 206 


de: Di inte ettion 
—— 


felbft befi mpft und vom Militär bedroht, ging die Sahe 
- aus nit wie ein Licht, fondern wie ein wäRer läderlis 
er Traum, bei_dem nur dad ald bedeutfam und jelbk. 


ginug Aufbauten, oder auf der rg oder am 


lürkli di ii 
und ONet auf elnberptien amp Ihe 


nabım mehr in Anfprucd, ald der Thron geben wollte; 
J das d ft, 
der Khron — Er 13 —X — u Bartaaı 


Ä . —— 
296 Weidig. 


war unterdeſſen geiaken: "die Regierung des Inhus in 
anfreich batte von. den Principien, welche fie ges 
’ ffen, getrennt: überall Untergang der Volkspartei in 
dren kühnſten oder keckſten Borfehtern. Die Macht 
- fiegte. Das Geſetz fand ihr bereitd fertig zur Hand oder 
e konnte ed veranlaffen. W. fab nicht untdätig Dabei 
- au: er betrieb die Sendung eined Pofald an dei kraͤf⸗ 
tigen Sörderer der Prepfreibeit Welker in Karlsruh und. 
foprieb viel in oͤffentliche Blätter; indbefondere nahm 
man dies von der genauer Zeitung an. Und Alles uns 
enigeldlih. Der Mann in feinem 'Eifer dachte nicht 
Daran, eine Sache, welche ihm an fi fo lieb und werth 
war, noch außerdem fid nugbar zu machen. Umgekehrt 
wandte er, der Sparer an ſich ſelbſt, der frugale Mann, 
noch bedeutende Summen auf Anftbaffungen von Zeis 
tungen und befonderd die Unterftägung der Damald beis 
mathlos durdiwandernden Polen. Während des Lands 
tags 1832 — 33 waren auf die Anzeige einer auswärtis 
sen Behörde und ergangenen Minifterlalverfägung W.'s 
apiere polizeilich unterfudt und er ſelbſt in. polizei⸗ 
ide Haft genommen worden. Beine Gattin äberreichte 
bei der zweiten Kammer ‚eine Vorſtellung, die rechtwi⸗ 
drige Verhaftung ihred Ehegatten betreffend und Die 
Abgeordneten von Gagern, Hallwachs, Helmrich und von 
Buffe ſtellten in-Bezug auf dieſe Saͤche einen Antrag 
auf Berhmerbeiährung gegen Mißbrauch der Amtsge⸗ 
walt und DBerlegung des Art. 83 der Derfaflungdurs 
kunde ).“ Zwei Tage lang (1. und 2. Auguft 1893) 
dauerte Die Diskuſſion in der zweiten Kammer. Ede 
‘aber noch die Sache erledigt, war W. nach SOtägiger 
Haft dur. dad Gericht freigelaffen worden. Seine Ent» 
laffung aus der Haft und die naher erfolgende des 
ebenfalls gefänglid eingezogen geweſenen Apothbekers 
Trapp aus Friedberg erregten damals viele Freude in 
Der Provinz Oberdeſſen, der fie yundan angebörten: mas 
veranftaltete Sehe, Mädchen hberreichten Kraͤnze. An⸗ 
fange November 1833 wurde der in Darmftadt verfants 
melte Landtag aufgelök und mehrere Penfionirungen von 
Steatödienern, welche zur Oppofition gebört batten, ers 
folgten. Andere, fo nabm man an, ſchuͤtzte nur ihre Eis 
genfeafe als Mitglieder von Richterkollegien. W., der 
ein: politifche® Ereigniß in feinem größern oder kleinern 





*) „Kein Hefie darf anderd als In den durch dad Recht und 
Di defie beſtiminten Jaͤlen und Barınen — oder —2 


- 


. 


Bi 000789 


Daterand ohne Aufmerkſamkeit eutlieh, wandte hr auch 
Diefem mir Eifer zu, indem er eine Sekfeier für den 
sädkehrenden Dppofitionddeputirten don Buſſeck veran- 


Rotten balf und Ach für ein Medaillengeſchenk an die 


Mitglieder des aufgelöften: Landtags intereffirte. Eben 


fo lagen ibm auch wohl die neuen Wahlen am Herzen. . 


Diefe fanden unterdeflen im ganzen Lande flatt; 14 ges 
wählte freifinnige Staatödiener — alfo beinabe das Dritts 
tbeil der Kammer — erbielten feinen Urlaub; demunge⸗ 
achtet war Die große Mehrheit der neuen Abgeordneten 
wieder liberal audgefallen. Ende April 1834 trat der 
neue Zandtag zuſammen, bid dann, am 25. Oktober 1834 


auch feine Auflöfung erfolgte. Während Diefer Zeit mas. 
ren die Verhaͤltniſſe der Prefle im Großherzogthum Hefs ' 


fen um Diele fdmieriger geworden. Schon im Laufe 
des Jahrs 1883 hatte Die Staatdregierung die eingigen 
Dppotitionöblätter des Landed: den deutſchen Volksbo⸗ 
ten, den Beobachter in DHeflen bei Rhein und dad neue 
befiifhe Voltsblatt, obgleid alle drei unter Cenſur 9 
fanden, durch Entziehung der Eonceffion unterdrä 


Großherzogthum bradten: das in Speier erfcheinende 


alte heſſiſche Volksblatt und die Danauer Zeitung, wa⸗ 


ren verboten worden. Diefe Hemmungen nabmen im 
Zaufe der Zeit noch mehrfach zu, während Meinungen, 
welche der Dppofition entge engefebt waren, obne 
Schwierigkeit und in grellen Kar en fih Luft maden 
Eonnten. Anfangs. 1834 erſchienen auch bereitd mehrere 
rzeugnifle der geheimen Prefle, wodl mit durch jene 
erbältniffe veranlagt, da und dort im Publikum, drins 
gend auf Wahlen im liberolen Ginn u. dergl. Au 
noch nachher lad man bisweilen in den Zeitungen, da 
foide geheime Drude erſchienen feien. Die Polizei fahn⸗ 
ete darauf und verbieß Preife an den Entdeder. W. 
Sehrte unterdeflen nach wie vor ruhig im Städtchen Butz⸗ 
bad an feiner Schule. Nicht im Beſitz des erforderfis 
wen Eenfus, um Deputirter zu werden, wärde fonft bei 
feiner großen Popularität nichtd leichter als dieſes ges 
weſen fein. Die ganze jüngere Bevoͤlkerung Butzbachs 
gehörte zur Zahl feiner chuͤler. und was gleich bedeu⸗ 


> 1end war, actete und liebte ibn. Was Wunder alfo, 


Daß W. zu_jener Zeit, wie es ſcheint, die Uebereinſtim⸗ 
mung der ann. namentlich der politifen für ums» 
faffenber bielt, ald fie wirklid war, indem er den Maas⸗ 
Hab Busbacs, von ihm ſelbſt gefhnigt und gebildet, 


. 


ex 
Je 
- zwei cenfirte auswaͤrtige Blätter, welche viel über dad 


[2 


- J e 
295 Weidig. 


Maasſtab groͤßerer Strecken machte. Was Wunder 
er RENT pn on einem Drte ee und wirfte, 


| armen und abgelegenen oberheſſiſchen Dörfchen. 
päterbin Den Schuldienſt mit einer 


farräeue vertaufcht, aber vorerſt war Died noch nicht 
e 


pragmatif Eonnte vielmehr ald Pfarrer willkürlich ent⸗ 
affen werden. Alſo ein wichtiges Motiv, in einer fie 


mußte er nad Doergleen überziehen. Indeſſen tand er 
nfamfeit und in feinen neuen Wire 


. vernichtete_diefen Ruf; ea Berreeienkfiden 
u 


bin viele Spieler und Branntweintrinker, W. gemöpnte 
dieſe Unart ihnen ab. Auch viele arme Leute gab es in 


Bezirks, über jenen Umftand zum Bericht gefoıdert, 
Fhpere aus, mie bie Ein delt u frenge D - 


BI 


Meidig. 299 
Stiuteden umfing die beiden Eheleute, an deren Seite 


der Sohn, ein frifdaufßfädender 42jähriger Knabe, fand . 


und weiche die Ausſicht Hatten, ihren Samilientreid bald’ 
mit einem neuen Eprößfling vermebrt zu feben. Da, im 
April 1835, erfolgte W.’8 abermalige Verhaftung. Er 
war in der Zeit vorher politifch nicht ganz unangefoch⸗ 
ten geblieben, vielmehr hatte Die Gerichtsbehörde we⸗ 
en Ubfaffung und heimliher Verbreitung von Flug⸗ 
Pörifien gegen ihn inguirirt. Doc ſchlug er Died we⸗ 
nig an, e nunmehr erfolgte Verhaftung, polizeilich 
und unverfehend in der Nacht unternommen, ſchien die 
Solge neuer Sindicien zu fein. Man bradte W. Karl 
bewacht nah Sriedberg ind Gefängniß. Ungefähr um 
Diefelbe Zeit, da W. arretirt ward, erfolgte auch die Ges 
fangennedmung mehrerer Bekannten und Sreunde deſ—⸗ 
elben, wie man allgemein Damals im Publifum annahm, 
n Solge der Denunciation eines jungen Mames, d 
bereits in vertrauliher Kommunikatlon nad andern Gele 
ten din fi befunden haben foll, als er noch feinen bid» 


nachdem er mebrere Monate ebenfalld in Haft geweſen 
derfeiben entlaffen. Um Pfingſten 1835 erfolgte Br 


vernahm man außer dem Bemerkten menig Im Publifum. 
Don verbautere, RB, felen, weil-er ſich 


30  Beibig, . 


disciplin nicht "gehörig, füge und namentlich einmal aus 
feinem Genfer dinabgerufen babe,.tängere Zeit Ketten 
angelegt worden. Dann war auch die Rede davon, die 
Berzte, zum Gutachten aufgefordert, ob W. Schläge ver 
tragen könne, bätten ſich gegen diefe Möglichkeit ausge⸗ 
fproden; andere Aerzte, dad Gutachten begutachtend, 
bätten zwar jene Möglichkeit in dem Sinn zugegeben, 
Daß W. phyſiſch ftarf genug fei, Schläge audzubalten, 
aber bedenkliche Folgen für feinen Geiſt von einer Pros 
cedur- Diefer Art befärdter. Endlich erfubr man, W. 
babe bei biefer Kommiſſion, welche vierteljährig die Ge⸗ 
faͤngniſſe beſucht, große Beſchwerden gegen den Unter⸗ 
fudungsfommillär zu Protofoll zu geben angefangen, 
. weile aber fo ausführlich geworden feien, Daß der Vifs 
tationskommiſſar mit Genehmigung des Gießner Dofge. 
richts einen Wcceffiten mit deren dor rung beauftragt 
be: eine Einrichiung, welche anderwärtd Anſtand ges 
funden und fogar nicht ind Leben ‚gerreten fei. Alle 
dieſe Mittdeilungen und Erzählungen, welche noch in 
den Lauf ded Jahrs 1835 fallen, ſchienen eglaubigt. 
"Om. Bezug auf daß Letztere wurde dann fpäterhin bes 
Fannt, Das die Difitationsfommiffion zwar noch immer 
die politiſchen Befangenen befuce, aber nicht mehr ihre 
etwaigen Beſchwerden, in fofern fie ſich auf die gegen fie 
onbängigen Unterfubungen besögen, fondern nur in ſo⸗ 
weit fie die Koft u. dergl. berräfen, zu Protokoll nehmen 
dürfe. Bei den übrigen Gefangenen behielt man dage⸗ 
gen die biöherige Einridtung bei. Im Laufe des Jahrs 
4836 maren mebrere Perborredcenzgefuche und gelezt 
noch eine von W.’d Anwalt eingert chte Bitte, W. ge- 
fe Kaution. freizulaflen, von den Gerichten in den Vers 


— 


chiedenen Inſtanzen abgeidhlagen worden. - Da und dort 
im Lande datte die Auffindung verfiedter Papiere neuer⸗ 
dings ſtatt gehabt und am 15. Febr. 1837 waren wieder 
einige Arretirungen erfolgt. So kam der 28. Bebruar 
4837 berbei. -Da verbreitete ſich mit Bligeöfchnelle das 
Gerädt, W. fei am Morgen diefed Tages vom Gefan⸗ 
enmwärter in feinem Gefängniß verwundet gefunden more 
en und wirk a nahber geftorben. Die, Scherben einer 
erſchlagenen Waflerfiafhe hätten ihm zur Deffnung ber 

‚ Arterien an feinen Arm» und Fußgelenken und zur Durch⸗ 
chneidung des Halfed gedient. Die Nachridyt befkätigte Ach. 
Aus welchem Beweggrunde er dieſe That vollbracht, Darüber 
werden wir ſteis im Duntel bleiben, da und alle Auf⸗ 
ſoluͤſſe von feiner Seite fehlen; Tinte und Geber zum 


- 


“ 


. von Wienskowsky. 801 


Shreiben febfte ibm, er hatte nur Blut und den Finger. 
Nicht dad Bemwußtfein der Schuld braucht der Beweg⸗ 
rund gemwefen zu fein, edlere Motive fönnen und mer 
den ihn geleitet haben *). Am 25. Sebruar früb Moge 
gend 6 Udr wurde W.'s Zeihe auf einem anftändigen 
eichenwagen und in Begleitung einiger Polizeioffician» 
ten dem neuen Sriedbof in Darmftadt zugefährt. In der 
- Iangen Sargreibe, wie der Tag fie bringt, fand auch der 
feinige feine Stelle. Dad Vater unfer der Todtengrä> 
er lifpelte um die Gruft, Viel Theilnahme hatte W.'s 
Tod überall, erregt. Lächerlih ‚wäre ed behaupten zu 
mollen, daß nicht auch gemeine, deftig fhmäbende Stim⸗ 
. men bei diefer Selegenbeit laut geworden; Stimmen, 


u welche dad Zifhen der Schlange und der leibenhungris 


dnere Beurkundung menſchlicher Gefühle fehlt eben. 
aus nicht. In Butzbach, dem Geburts⸗ und früheren 
Wohnort W.’S, 16 Stunden von Darmfladt gelegen, war 
Die Nachricht in einem Moment befannt; allermärtd ers 
ſcholl darüber Jammer. Zwei Männer, ein diterer und 
“ein jüngerer, Beide ehemalige Schüler W.'s, machten 
ſich auf, um dem Leihenbegängniffe des verftorbenen 
Lehrers und Freundes beizuwöhnen; aber‘ er rubte ſchon 
in dem treuen Mutterfchooß der Erde, ald fie ankamen. 


104. Guſtav Anton von Wienskowsky, 
Generalmajor a. D. zu Breslau; 
ged. den 11. April 1766, geft. den 28. Februar 1887 **), 


Er war zu Vangerow bei. Neu» GSteftin. in Hinter» 
pommern geboren und begann feine militärifhe Lauf 
bahn durch den im STabr 1781 erfolgten Eintritt in das 
u Breslau garnifonirende Regiment Anbalt. In Dies 
em zum Zieutenant ernannt, machte er in demfelben Res 
iment die erfte franzöfifche Kampagne mit und zeichnete 
1 in mebreren Gefechten aus. In dieſen Feldzuͤgen 
ernte er in Frankfurt a / M. feine hinterlaſſene Gattin, 
eine geborne v. Frank kennen, mit welcher er feit dem 
Jahr 1796 in der gluͤcklichſten Ehe lebte. In dem Zeit 
raum von 1807 bis zum Ausbruch des Befreiungskriegs 
im Jahr 1813 Rand 9. W. nicht in aktiven Militaͤrver⸗ 


I: Hyäne aud) noch Über Gräbern bören laſſen. Aber 


*) Deral. die derlei Situationen Silvio Pellicos Gefaͤngniſſe 
— Beitung 1937, Nr, 68. * 


©. 





. 302 J von Wienskowsly. 


daltniſſen; in dieſem Jahr aber trat er wieder in die 
Reihe feiner alten Waffenbruͤder und führte ald -Koms 
mandeur eines Bataillond des 7. Referverenimentd (jegi- 

n 19. Infanterieregimentd) diefed in den Gefechten und 
Ehinbien.des Feldzugs von 1813 auf eine fo ausgezeichnete 
rt, Daß darüber Der bocgeasiete Deerfährer, unter deſſen 
Kommando er fand, fi fpäter gegen ibn dahin auds 
pen? „Ich werde niemald Ihr Benehmen im großen 
Sorten (bei Dresden), ferner am Tage der Kulmer 
Schlacht vergeflen, wo Ihr Bataillon redtd von, der 
 &hauffee im Stollenderter Walde aufgeflellt, dem reis 
Genten - Strome von. Feind und Freund. „Halt“ gebot 


- und die. Ruhe meiner Bataione aufrecht: erhielt.“ Als 


Fuͤhrer deſſelben Bataillons aber war er ed nr ald er 
am Tage ded 14. Sebruard 1844 in dem Gefecht bei 
Champeaubert allen Preußen ein Mufter des Wutb8, der 
Treue. und Aufopferung für König und, Vaterland vor 
Yugen ſtellte. Denn als dad zweite nreußifche Armees 
£forp& von der Uebermacht Napoleons aufs bärtefte ber 
drängt und beinab eingefchloflen war, erhielt der Gene: 
ral v. W. den Befehl, die Terme von Ehampeaubert zu 
beſetzen und den. Seind, es koſte, mad ed wolle, aufzubals ' 
gen, Damit die Truppen Zeit gewoͤnnen, den Wald von 
Etoges zu erreihen. Ruhmvoll und glänzend erfüllte 
‚ er diefen Auftrag. Der Seind erzwang den Durchmarſch 

nicht. eber, ald bis v. B., mit den Lehten feines braven 
Batailond an drei ſchweren Kopfwunden blutend gefals 
len, den Sieg nit mehr fireitig maden konnte. Mit 
Bewunderung erkannte felbit der Seind die Heldenthat 
on. Der: franzöfifhe Bericht enthielt über dieſes Ges 
feht die Worte, welche ſich auf den Verewigten ˖ bezo⸗ 
gen: „Nons crumes qu’au moins, il y aypit, plusieure 
milles hommes dans la forme, tandis qu’un. fuible batail- 
ion avoit soutenu cette defense vigoureuse. Le Comman- 
dant est le brave des braves.“ Des Verewigten wahre 
Derdienfte um den Staat blieben aud nicht unbeachtetz 
{don im Zahr 1843 zum: Mafor ernannt, ſchmückten feine 
' Bruft die Orden des eifernen Kreuzes erfter und zmeis ' 
ser Klafle und der St. Annenorden; im Jahr 1815. avdns 
eirte er zum Dberftlieutenant im Kaifer Sranz Örenadiers 
zegiment und, erbielt bald darauf. dad Kommando des 
23 anfanterieregimentd, welches er in der Sclacht von 

elle: Alliance füdrte und auch ald Dberft bis zu feiner 

tnennung zum zweiten Kommandanten don Neiffe [bei 
beffen Belagerung im Jahr 1806 er fih fon ausgezeich⸗ 


! . - 
{ 


Deckmann. 803 
get datte) bebielt.- Seit dem Jahr 1829 von dem Kö⸗ 


nig als Genralmajor in den woblverdienten Rubefand 


* 


verſetzt, verlebte er feine Tage ſtil und zuruͤckgezogen 


im Kreiſe feiner Familie, für die Erniehung feiner beio 


den Söhne wirkend, in Breslau. Eben fo bochachtungs⸗ 


werth mie als Srieger war er ald Menſch, als Gatte 
und Vater, ein treuer, redlicher, zum Helfen ſtets bereis 
ser Freund; voll dchter Menſchenfreundlichkeit und Hu⸗ 
manität, geliebt und hochgeſchaͤzt von allen, die. ihn 
gannten. . Unter zablreiher Begleitung, der tapfere Heer⸗ 
führer, unter deſſen Kommando er feine glaͤnzendſten 

affentbaten verrichtete, an der Spitze, wurde feine: irs 
ifee Däue am 26. Sehruar zu ihrer legten Ruheſtaͤtte 
geleitet. 


* 105. Chriſtian Gottlieb Dedimann, 


. Doktor der Medicin u. Chirurgie, ordentliher Profeſſor der Chi⸗ 


surgie und Anatomie zu Kiels 
. geb. den 8. April 1798, geſt. den 4. Februar 1837.’ 


Dedmann ward in. dem Städtchen Rendsburg ges 
boren, Sein Vater, ein, rechtfchaffener .aber eben, nicht 
bemittelter Schneidermeifter, Fonnte dem Sohne, der von 
frübfter Kindheit an, große Fuß ur Chirurgie und Mes 
Dicin dußerte, feine im Verhbaͤltniß zu feinen zahlreichen 
Geſchwiſtern —ã Erziehung oder nur eine mehr 
als gewöhnlide Schulbildung zu Theil werden faffen, 
fo daß diefer, kaum dem. Knabenalter entwachſen, fi 
um eine unterfte Chirurgenftelle bei dem in feiner Da» 
terftadt liegenden Militär bewerben mußte und auch 
gluͤcklich genus war, jene zu erlangen. Unter der Leis 
tung eined audgezeichneten Regimeniehirurgen und durch 
eigenes Talent, mit unermüdlidem Eifer verbunden, . 
brachte er ed bald dahin, Daß ihm die Erlaubniß: fein 
Regiment zu verlaflen und mit beibebaltenem Gehalt 
eine birurgifhen Studien auf der Landesuniverfität zu 
vollenden, ertbeilt wurde, worauf er, nach gurjem Aufe 


‚enthalt in Kiel, vom Jaht 1820 an die chirurgiſche Aka⸗ 


demie in Kopenhagen beſuchte und nad, wenigen abs 
ren in dem dortigen dirurgifhen Eramen den erften 
Charakter davontrug. Doc batte er fi nicht außfchlie 


Nlich der Chirurgie gewidmet, fondern. Die ganze M 


] Mebdicin 
wiſſenſchaftlich fudirt und gleichzeitig Durch. großen Fleiß 


‚in den früher verfäumten Schulmiffenfchaften ed fo weit 
gebracht, daß ibm kurze Beit nach dem erften Examen 


0 Dedmann. 
auch das medicriniſche Amtsexamen vor der Fakultät in 
‚Kopenbagen zu beſtehen möglich wurde und zwar nicht 
minder v 
erſten Charakter erlangte. Rachdem die mübe- und for 
genvolen Studienjahre fo glücklich überſtanden waren, 
verließ D. Kopenhagen und erwarb in Kiel durch 
Öffentliche DBertheidigung feiner - Differtation ,„Notaa 
guaedam chemici praecipue argumenti in aquas oph- 
thalmicas‘“‘ daß Doktordiplom. Saft von diefem Augens 
blick an begann dad Schickſal ibm freundlidhere Blicke 
zu zu werfen und.er, der noch vor Kurzem nicht fekten 
geiwungen war, um die noͤthigſten Bedärfnifle ſchwer zu 
ämpfen, erwarb fih von nun an obne Schwierigkeit 
feinen reichlichen Unterhalt. Aufgefordert von dem auds 
"gezeichneten Arie Guadicani *), der wegen boben Alters 
feiner andgebreiteten Praxid nicht mehe vorftehen Fonnte, 
ing Dedmann im Srhbling des Jahrs 1824 aid 
tzt nach Schleswig und erlangte bier, obgleich fein 
Gönner Quadicani nad) furzer Zeit farb, bald eine febr 
- einträglide Prarid, die Zuneigung feiner Mitbürger und 
Achtung der übrigen Aerzte Schleöwigs, Überdies aber 
die Liebe eined allgemein hochgeachteten Mädchens, ges 
borne Sranfe, das ihn bald zum gluüͤcklichen Ehemanne 
‚ machte. : Vorzäglic auf den Rath des ruͤhmlichſt vbekann⸗ 
‚sen Profeſſors Lüders **) wurde nad fünfjähriger Pris 
vatprarid D. als außerordentlicyer Dref or der Anatds 
mie und Chirurgie bei der Univerfität Kiel angeftellt und 
betrat_im Oktober 1829 dieſe edrenvolle Laufbahn mit 
dem Eifer und der Energie, die von je in allen feinen 
Unternehmungen ibn ausgezeichnet batten. Außer ‘den 
anatomiſchen Uebungen, Die feiner Zeitung (ald Profek; 
tor) anvertraut waren, bieft er Vorleſungen über Ana» 
tomie und Chirurgie, namentlich aber fuchte er auch das 
faſt ganz erloſchene allgemeinere Studium der Unthros 
ologie wieder zu beleben und gab zu dem Ende eine 
Peine Brofbäre „Studium anatomiae et physiologiae 
omnibus singularam artium cultoribas probat et ad prae- - 
lectiones “uthrophologicas invitat Dr. Deckmann.“ (Kil. 
1830.) beraud. Vorzuͤglich gefuht und Yyeichägt wären 
edoc fortwährend nur feine anatomifchen und chirurgi⸗ 
Eden Vorlefungen. Daß die Übrigen Died weniger wa» 
ren, lag vielleiht an feinem zu febr fürs Praktiſche 
geeigneten Talente, was freilich für jene Wiſſenſchaften 





® io A , . . F Ku 
21 Defien Biogreokie I. Retr. & Sarg. &. din. 


dmilich ald das früdere, indem er aud bier den. - 








Dedmann. 305 


nur hoͤchſt glüͤcklich audfiel, aber zugleih eine gewiſſe 
Shrenge und Ernftdaftigkeit erjeugte,-die ihn ge ee 
was nicht genau in den Grenzen jener lag, gleichgültig 
und achtlod machte. Aus dem Grunde-waren feine Bor» 
‚träge nur für ſolche Zuhörer recht nägli, die ähnlichen 
wiffeni&aftlihen Eifer, wie er felbft, Dafür mitbradhten, 
vermochten aber nicht Durch_befondere Annehmlickeiten 
Der Sprache und aͤhnliche Mittel, Die andere Lehrer ſich 
gern (und mir Recht) erlauben, laue Schüler zu feffeln 
und für die Wiſſenſchaft zu gewinnen. Größer und ſe⸗ 
endreicher wurde aber der Kreis feiner Thätigkeit, nach⸗ 
Dem er, zum ordentliden Profeflor im December 1833 
ernannt, Die unabhängige Zeitung des Sriedrihshofpitalg 
erbalten, welches nad feinem Vorfchlage von da an allein 
für chirurgiſche Kranke beſtimmt wurde und mo unter 
feiner tbetinepmenben Direktion zahlreiche Unglädliche 
en koͤſtlichen Berg der Gefundbeit wieder erlangten. 
Bis jegt hatte D. fih einer trefflihen Gefundpeit er 
freut, aber wahrfceinlih durch Gbermäßige geiftige Anz 
firengungen alle. Art (wobin außer manchem Aerger und 
Verdruß, den fein vielfeitiger Beruf ihm zuzog, befons 
ders der frühe Tod feiner Gattin, die ibm zwei Mad—⸗ 
chen zurädtieß, zu rechnen) feinen fat robuften Körpers 
bau fon untergraben und den Keim zu einer Krankheit 
gelegt, Die in wenigen Jahren ihn dem fihern Tod zus 
"führte. Schon im Sräbjahr 1833 wurde er von einem 
£ungenblutfturs befallen, der im folgenden Sabre von 
Neuem ſich einſtellte und fon damals durch feine Fol⸗ 
gesuftände ihn dem Grabe fo nahe brachte, daß die Aerzte 
an feinem Aufkommen zweifelten. Sehr ſchwach ſchleppte 
er fih noch bis zum. nächften Sommer bin,. obgleich er, 
fo meit ed möglich war, der Ausübung feiner Pflichten 
oblag und reifte Dann, befürchtend, daß der Winter i 
rauben Daterland ibm tödlich werden möge, im Herb 
4835 dem milderen Himmel Staliend zu, Eehrte aber von 
dort im folgenden Sommer ungenefen zurüd. Trotz der 
augenfälligten Schwäche ſugte er, noch jegt feinen Ges 
ſchaften vorzufteben, hielt Vorleſungen und leitete die 
Sirurgifche Klinik, in welcher noch Häufig Die alte Vor⸗ 
liebe für die praftifhe Chirurgie bervorleuchtete, wide 
- mete aber feine übrige Zeit allein der Erziehung feiner 
zaͤrtlich geliebten Töchter und farb, nachdem er nochmals 
einen Blutſturz erlitten, am oben genannten Tage. Seine 
Leiche wurde von Kollegen und Studirenden_ feierlidy 
sur Erde beflatiet und der Senat widmete ihm “ine 
- RM, Rekrolog, 16. Jahrg. 20 ' 


306 . Klin. 


lateiniſche Denkfarift: — Dos ausgezeichnetes Verdienſt 
war, daß er gam feinem Berufe lebte und daß er die 

en Beruf ganz beſonders in der praktiſchen Anleitung 

einer Schhler ſuchte. Er Hätte dem Lande ohne Zwei⸗ 
fel manchen brauchbaren Chirurgen geliefert. Wenn er 
auch nicht durch Genialität glänzte, fo war er doch durch 
Gruͤndlichkeit in feiner Wiſſenſchaft, praktiſche Leichtig⸗ 
keit und die doͤchſte Treue in der Erfüllung feiner price. 
ten audgezeihnet. Ein unabhängiges, freied Verfolgen 
feines Zwedd, Standbaftigkeit und ausdauernder Muth, 
‚Strenge gegen fih und Andere, nur gegen das bin» 
‚fhwindende Ende feines Lebens durch Milde und Ges 
Duld befchränft, waren die dervorſtechenden Eigenſchaf⸗ 
ten feines Charakters; durch fi war er geworben, was 
‘er war und dieſes Gefühl begleitete ihn ſtets, obne daß 


.e fie se überfchägt hätte. — Außer den genannten Wer 
a eferte er noch. Auffäte au verſchiedenen periodifchen 
riften. 


106. Samuel Gotthelf Klien, 
Pfarrer zu Klein: Baugen (Laufik) ; 
"geb. im J. 1766, geft. den 25. Februar 1837 ®). 


Klien wurde zu Geierswalde in der NiedersLaufig, 
wo fein Vater Prarrer war, geboren. Nachdem legte 
rer die Pfarre zu Klein-Baugen erhalten, Fam er eben⸗ 
falls mit demfelben dDabin, genoß den nöthigen Privat: 
-unterriht und Fam 1779 aut das opmnafum zu Budiſ⸗ 
wo er den Unterricht Demuth's, Petri’d, Faber's, 
Coberd und Roſt's benugte. Im Jadr 1787 bezog er die 
Univerſitaͤt Wittenberg, von welcher er nach drei Tabren 
wieder in die Heimath zurädfehrte, ald pauslebrer an 
mehreren Drten feine Thdtigfeit. zeigte, dann in Wil⸗ 
'tben als Hilföprediger angeſſellt und im Jahr 18083 feis . 
nem Vater unter Zuſicherung der Nachfolge adjungirt 
‘wurde, Dem er nach feinem im Jahr 1807 erfolgten Tod 
im Amte fuccedirte. Im Jahr 1810 —A er ſich 
mit der Tochter des Defonomieinfpektord Goltſch, zu 
Rottwitz bei Budiffin, mit welcher er in Einderlofer Ede 
lebte und die ibm der Tod 1816 entriß. Seine zweite 
Frau, die Ihn Überlebende Witwe, ift Die Tochter Des 
Dr. Fiſcher zu Stolpen, mit welcher er eine noch lebende 
Tochter erzeugte. — Der Verſtorbene genoß eine dauer 





"RR, Lauf, Magaz. Deft 2. 1897. 


Moldenhaar. | 307 


‚bafte Gefundbeit; nur eine Furje Zeit vor feinem Hin» 

‚fdeiden überfiel ibn Körperfhmäce, woran er am oben 

genannten Tage ſtarb. Er Hinterläßt den Rubm eines 

sieben! 7 mwadern Mannes, guten Gatten und treuen 
reundeß. _ 


* 107, Dtto Ludw. Friedr. Wolckenhaar, 
2, hannov. Hauptmann u. Kreideinnehmer zu Dameln; . 
geb. d. 12. San. 1757, geſt. d. 26. Bebr. 1887. 


Zu Dldenftädt, einem Dorfe_bei Uelzen im £üne 
burgıfhen, wo fein Dater ©, W. 


des tapfern Generals von dem Buſche, der im Karl 


par em ger en ergeben waren. Der Sau des Vaterlands 
a franzöf. Gewalt vermundete tief fein Gerz; groß war 





308 Locherer. R 


Gefaͤngniß erdulden und nur die treue Liebe feiner klu—⸗ 

en und mutbhigen Ehefrau, die flandhafte Fürſprache 
feiner angefebenen Sreunde in Danover und Die Milde 

ed damaligen franzöf. Generalgouverneurd, des jegigen 
Königs der Schweden, retteten ihm dad Leben. Sein 
treuer Eifer blieb nicht unbelobnt. Bald nachher erbielt 
er eine einträglide Derforgung im Civildienk und in 
den Zeiten der. mieDererrungenen Sreibeit vom fremden 
30 genoß er ald Oberſter des Hamelnſchen Landſturms 
noch € 


nmal die langenthehrte Freude, dem Daserlande 


für .die Zeit der Gefahr Schuß zu bereiten. Sein Her 
war voll Menfchenfreundlichkeit und groß if die Zah 
derer, denen er durch Rath und That wichtige Dienfte 
feiftete. Eben fo freundlich erwies er In auch in feinen 
daͤuslichen Verbältniffen. Er war 2 Mai verheirathet; 
uerft mit Sara Louife Harding, gebürtig aus Harburg; 
ann mit Johanne Dinriette Degener, gebärtig aus. 
Braunſchweig. Vier Kinder gingen ibm ſchön erwacfen 
im die Ewigkeit voran. Mit der zweiten Ehefrau über» 


“ -jeben ibn 6 Sinder, 3 Söhne im Dienfte des Staats 


und der Kirche und 3 verbeirathete Töchter, mit 14 Groß- 
findern. Er felbit_batte von feiner Kindheit an bis 
in fein hodes Greifenalter mit. manderlei Leiden und 
ſchweren Sorgen zu kämpfen; aber auch in den bängften 
Stunden feined Lebens fand er Ruhe im Glauben an 
die väterliche Fuͤrſorge Gottes, der feine ganze Seele 
erfüllte und im Vertrauen zu.den Geinigen und zu ſei⸗ 
nen Sreunden und weder Diefed Vertrauen noc jener 


Blauben haben ihn betrogen. 


108. Johann Nepomuk Locherer, 


Doktor der Theologie, Senior und ordentl. öffentlicher Profeſſor 
an der Tatbol.= theolog. Fakultät zu Gießen; 


geb. den 21. Aug. 1773, geſt. am.26. Febr. 1897 *). 


Locherer war zu Sreiburg im Breidgau geboren. Der 
Umſtand, daß er in einer der aͤlteſten deutſchen Muſen⸗ 
ftädte das Licht der Welt erblickte, ließ ihn den geringen 
Stand feiner undemittelten Eltern, in Beziehung auf 
wiſſenſchaftliche Ausbildung, nicht fo bart fühlen und 
ſchuͤzte ihn gegen Gefahren, upter melden fon fo 
mancher Bnnaevole Sängling vor feiner Entwickelung 


untergegangen iR; denn obgleich unter einem ärmlichen 
Nah: ‚„‚Irauerrede auf Locherer.“ Mainz 


- 











Locher. 809: 


Dache, lebte er doc ſtets unter väterlicher Aufſicht und 
der Wunſch, denen im After eine FE au werden, die 
jest fo liebevoll für ihn Das Wenige aufopferten, war 
dm ein Eräftiger Sporn, die ſich Darbietende Gelegen⸗ 
peit zu einer allfeitigen Bildung in ihrem ganzen Um 
ange mit Liebe zu nügen. Dennoch batte er bei jedem 
Schritte zu feiner Vervollfommnung mit manden Uns 
bequemlichfeiten und Dinberniffen zu kämpfen, melde 
mit der Armuth und Därftigkeit ungertrennlid verbunden 
find; aber weit davon entfernt, ibn niederzudrücken, 
trugen biefelben zu feiner fchnelleren Entwidelung für. 
dernd bei. Ohne Sreunde, ohne Empfehlung, ohne Ans 
“ feben mußte er aus fi ſelbſt, durch eigene Kraft wer⸗ 
den, mas er zu werden firebte; Achtung und Liebe wußte 
‚der talentvolle Juͤngling, koͤnne er Äh _nur dur an⸗ 
Re leiß, durch Beſcheidendeit, Sanftmuth und 
anſpruchloſes Weſen erwerben und es gelang ihm bald 
in einem fo boben Grade, daß diejenigen, die er als 
Schrer verehrte und hochſgdaͤtzte, ibn idrer Sreundfcaft 
würbdigten und bei jeder Gelegenheit ſich beeilten, ibm 
die rübrendften Beweife davon zu geben. Sein untadel» 
bafter Wandel, fein unermädeted Streben, dad bald 
mit dem berrlichfien Erfolge gekrönt ward, fand von 
vielen Seiten Anerkennung und erwarb ihm fchon ſehr 
frübe und ficherte ihm für die Zukunft die Sreundfcaft 
und Liebe mancher hochgeſtellten Perfonen. Schon in 
der erften Zeit feines oͤffentlichen Auftretens durfte er 
- den edlen Freiderrn v. Weſſenberg unter feine Sreunde 
äblen und batte fich der wohlwollenden Sefinnung und 
uneigung deffelben unvermindert bis zu feinem Tode 
zu erfreuen und vor allen war es der als Bifchof von 
Mainz verfiorbene Burg *), der ihn bis zu feinem Ende 
als Priefter, als Gelehrter, ald Sreund dochſchaͤtzte und 
liebte. - Es wäre mit Recht zu erwarten gemwefen, daß 
- der Berftorbene unter fo einfußreihen Goͤñnern bald zu 
angefebenen Stellen gelangte. . Aber was begehrenswerth 
iR in den Augen der Welt, was Diele nad ihren Bes 
riffen groß nennt, war nicht _dad Ziel feines Streben: 
eine pfarramtlichen und wiſſenſchaftlichen Bemuͤhungen 
um Beſten der Religion und der Kirche hatten ihm 
reunde erworben; aber ibm ſchien es unedel, diefe zu 
eigerinägigen zwecken zu mißbrauchen und ſie, einen ſo 
edlen Charakter aach Gebühr wuͤrdigend, wollten ihn nicht 
Dur Empfehlungen, die er nie ſuchte, eine fo ſeltene 


*) Deffen Biographie & RN. Nekr. 11. Jahrg. ©. 876. 
204 


310 = Locherer: 


Tugend verfümmern. Was der junge Prieſter einzig 
anftrebte, war ein eigener Wirkungskreis, mar eine Ge⸗ 
meinde, deren Wohl er ih ausſchließlich widmen Eonnte. 
Kaum mar er darum ein halbes Jahr in Grumingen als 
Pfarrvikar tbätig, ald er Die Pfarrei Wendeldheim Übers 
nabm, aus deren Ertrag er kaum dad Nothdürftigfte ers 


ſchwingen fonnte. Uber diefer Umftand, Der den ges 


zedtin en, einem angefebenen 
e 


wöhnlichen Menſchen zur gänzliden Thatlofigkeit herab» 
dDrädt, erhöhte. nur feinen Mur, entfiammie (einen Ei⸗ 
fer, verdoppelte ſeine Thaͤtigkeit. Ja in ſeiner Armuth 
eruͤbrigte er immer noch ſo viel, daß er die Duͤrftigkeit 
reichlich unterſtuͤhen konnte. Hierauf erdielt er die Hfar⸗ 
rei Seebronn und wurde von bier nach beinahe 7 Tab» 
ren -eined unermüdlichen und fegendreichen Wirkens nad 
orf am Oberrhein, vers 
st. Was ihn zu diefem neuen Wechfel bewog, war 
zum Theil der Wunfch, in feinem geliebten Brei aan zu 
mwirfen und mehreren feiner vertrouteften Tugendfr 
nabe zu fein, vorzüglich aber die Ruͤckſicht, Die notd⸗ 
mwendigen Hülfsmittel zu feinen wiſſenſchaftlichen Be⸗ 
Rrebungen bequemer ſich aneignen zu fönnen, mad ſo⸗ 
wohl durch die Naͤhe von Sreiburg, als auch Durch die 
befieren Einkünfte der Pfarrei nur möglib war. Die 
edrenvolle Ernennung als Stadtpfarrer nad Nottenbur 
am Nedar lehnte er entfchieden ab, nahm aber den fpd» 


ter (nad 25 Jäbriger Wirkfamfeis zu Jechtingen) an ihn ' 


ergangenen Ruf als Profeffor nah Gießen an, wo er 
rhltig auf dem Gebiete der Wiſſenſchaft bis an ſeinen 
Tod wirkte. — Als einen Hanptzweig feines priefterlichen 
Berufs betrachtete und behandelte er das Lehramt; er 
füllt von dem göttlichen Geile, der in den heiligen 


Schriften weht, ſelbſt gendhrt an dem Urquell des Le⸗ 
bens, innigft vertraut mit dem Geifte der Kirche und 


ihrer berrlihen Tnftitutionen, war Die Lehre Jeſu in 
ibm zu einem lebendigen Strome geworben, welcher den 

oden aller Herzen, die er berührte, heilſam befruchtete 
und überal! eine vielverfprechende. Ernte vorbereitete. 

icht ohne die gemiffendaftefte Vorbereitung, beftieg er 
den chriſtlichen Rednerſtuhl; die Gefühle, welche die er- 
dadenen Wahrheiten in ibm felbft bervorgebracht, erweckte 
er mit Wärme und Kraft der Rede, durch apoftolifche 
Salbung und Nabdrud in den Serien feiner Zudoͤrer. 
Befonderd waren Die Schulen feiner Gemeinden für ihn 
ein berrliher Wirkungskreis; er erachtete einen Tag nidt 


würdig been, wenn er nicht einige Stunden bei 


feinen geliebten Kleinen zugebracht hätte. In ihrer 


a 
. 4 


eunde ' 


Eunrabi. | Ä 811. 


de er felbR ein Kind und | 
Ka Org 
en Pflichten als Prief 


lien Gebeimniffe ob. An das Lager der Kranken brachte 


Augsb. 
9 db. Ravensb. 1824 — 33. — Kurze Pre igten üb. die 
irchenjahrs. 


109. Karl Gottfried Cunradi, 
Abvokat zu Camenz; 
geb. i. 3. 1783, geſt. am 27. Febr. 1887 °). 


Er wurde zu Camenz geboren, wo fein Vater Guͤr⸗ 
ger und Nadlermeifter war, fudirte auf dem Lyceum 


einer Daterfiadt, wie auf dem. Gymnaſium zu Budiffin, . 


trat als Artillerift in Eöniglich ſaͤchſ. Dienfte und da er 
aus biefen feinen ab(hieh genommen, verbeirathete er ſich 
und betrieb einen ißframbandel, kehrte aber dann 
wiederum zu den Wiflenf: fien zuräd und vollendete feine 
Studien auf der Univerität zu Leipzig, nach deren Be⸗ 
endigung er ſich ald Advokat in feiner Daierkadt niederließ. 


— 
FR Eaufe Magen Of 3.100. ©. 





32 — 


110. Franz Adolph Jacobi, 
Doktor der Medicin, Kreisphyſikus und Armenarzt zu Warendorf 
(Weftphalen);. 
geb. t. 3. 1766, geft. d. 27. Zebr. 1837. 9). 


u Warendorf geboren, genoß er den erfien Gym⸗ 
nafiolunterricht in feiner Vaterſtadt, bezog dann, um. 
Die Pharmacie und Arzneikunde zu fludiren , die Univere 
fitdt Mänfter, darauf das damals blühende ‚pelmpäbe 
und. zulegt dad durch feine großartigen- Heilanftalten 
beräbiite Wien. Nicht allein mit ausgezeichneten tbeos 
retifhen Kenntniffen gerüftet, fondern aud zum praftie 
fen Arzt in den Spitdiern der Kaiſerſtadt gebildet, 
ließ er 4 im Jahr 1790 ald Doktor der Medicin und 
Chirurgie in feiner Heimath nieder und erbielt.i. J. 1847, 
obſchon mehrere auögezeichnete Aerzte mit ibm konkur⸗ 
- rirten, die Anftelung als Kreisphyſikus in Warendorf, 
Die mannichfaltigen Arbeiten, welche fi ibm in dieſem 
- neuen Wirkungdfreife darboten, leiftete er zur völligen 
Zufriedenheit der. vorgeſegten Behörden mit der unerfchät 
terlichſten Rechtlichkeſt und mit feltener Einfachheit und 
Doch wiſſenſchaftlicher Klarheit in feinen Auffägen. Außer 
einigen zerfireuten : Abbandlungen in Gilbertd Annaten 
der Chemie und in den zabreeberihten des f. Medicinale 
kollegiums dat der Deriiorbene der gelehrten Welt keine 
Iiterarifchen Arbeiten geliefert; woran ihn eine beſchwer⸗ 
Iiche Landpraxis und dad Beftreben, Durch die Lektuͤre 
Der beften neuern Schriften mit den Fortſchritten der’ 
Chemie und Medicin Schritt ze balten, wodl gehindert 
baben. Bei. einer. regen Geiſtesthaͤtigkeit beſaß Tacobi 


Nationen zur Jiceſen ſeines Handelns. Unermüder 
in der Ausübung feiner Berufspflichten, echter Chriſt im 
Glauben und Wirken, war er der Wohlihaͤter Der Armen. 


.: 9 Weſtph. Merkur. 1887. Nr. 60. 





" Sinkeifen, W 818 


und bei Nacht wie bei Tage ſtets bereit, dieſen eben fo 
- wie den Bemittelten die Gelangte DB u leiten. Er 

“war 'uneigennügig und‘ befaß im boben Grade die dem 
Arzte ſo unentbebrlihe Geduld, den Undank, womit 
auch er fo oft gelohnt wurde, zu verfhmerzen. Er war 
freundlid und ieyiielis gegen “jeden, gefaͤllig, dienſt⸗ 
fertig und verträglich gegen feine Kollegen, deren Sreunds 
Schaft und Liebe ihm nicht fehlte. ALS guter Gatte und 
Vater, ald Mann von wenigen Bedärfniffen lebte er 
aufrieden und gluͤcklich im Eleinen Kteiſe der Seinigen. 
Durd die Beobadtung einer firengen Didt und Mäßig> 
keit in allen Senäflen brachte er bei einem ſchwachen 
Körperbau, trotz Öfterer, in feinen Berufögefchäften ſich 
augfaogener Gichtleiden, fein Leben bis zum 272. Sabre 
und ftarb ohne vorheriges Unmohlfein plöglicy am Nerven⸗ 
ſchlage. Was er als Arzt bei vielen Epidemien und 
namentlich in der legten Zeit geleitet, Darüber fpricht 
die einmütbige Stimme feiner ganzen Vaterſtadt, die 
Zabl der Armen, Die noch vor der Beerdigung feine 
irdiſche Hülle befuchten, Die Dienge, die_feiner Leiche 
folgte, die Thränen ded Dauks und der Rührung, die 
feinem Andenken floflen. 


* 111. Eduard Zinkeifen, 
derzogl. ſachſ. altenburg. Hauptmann, Auditenr und Bofabbokatz 
geboren d. 14. Sept, 1796, geftoxben d. 28. Jebr. 1897. 


-. _  Binteifen war der 3. Sobn des ehemal. Geheimen 
Kammerraths Karl Rudolph Zinfeifen zu Altenburg, ges 
-. noß feinen erften Unterricht durch Privatlehrer, dann auf 
dem Gymnaſium zu Altenburg unter der Zeitung Ded - 
treffliden Kirchen⸗ und Schulfaths Matthid *) und ſei⸗ 
ner achtungswerthen Gebälfen; folgte dann dem Aufrufe 
‚zur Dertheidigung des Vaterlands 41814 und 4815, wo 
er unter der Landwehr ald Lieutenant eintrat und die. 
Seldzäge nach Frankreich mitmagte, ging nach Beendi⸗ 
gung derfelben auf die Univerfität Jena und fpdter Leip⸗ 
sig (don Dftern 1816 bis Micpaelid 1818), wo er fich dem 
juriſtiſchen Studium widmete, wurde 1819 unter die Ude 
vofaten des. Zandeb aufgenommen, befam 1828 Die Stelle 

eined Auditeurd beim Zinienbatailon ©. Altenburg und 

"tugleich das Prädikat als Premierlteutenant, fo wie 1836 
das eines Hauptmannd, gewann bald eine anſehnliche 


—— — 


°) Defleu Diegraphie ſ. R. Retr. 18, Sabre. ©, 68, 








314 Dewora. 


juriffifche Praxis und berkam mehrere anfehnlide Ge⸗ 
richtſshaltereien. Er verheitathete ſich mit der einzigen 
Tochter des Geheimenraths Geutebruͤck in Altenburg, 
ſtarb —— an den Folgen der nicht gehörig abgewar⸗ 
teten Grippe und binterließ 7 unverforgte Kinder. 


* 112%. Viktor Joſeph Dewora, | 
Domtapitular, Dompfarrer u. Stadtdechant, Ritter des k. preuß. 
rothen Adlerordens Sr Klaſſe, Direktor des k. preuß. katholiſchen 
Schullehrerſeminariums fuͤr den Regierungsbezirk Trier, ſo wie 
Eoriefpondirended und Ehrenmitglied des großherzoglich badiſchen 
landwirthſchaftl. Vereins zu Ettlingen, zu Trier; 


geb. den 21. Juni 1574, geſt. 8. Maͤrz 18375 


Er war zu Hadamar geboren, erhielt feine frübere 
Bildung von feinem Dbeim, dem Erjefuiten Sranz Elar, 
fludirte nachher gu Kobleng und erbielt Im Herbit 1704 
als Primus der oberen philoſophiſchen Kiafle von dem 
Aurfürten und Erzdifchofe Klemens Wenzeslaus eine 
Greiftelle in dem Prieſterſeminar zu Trier. Weil aber 
gerade damals Dad linke Rheinufer von den Sranzofen 
erobert murde, fo Eonnte er feine Bildung zum seit 
- Iihen Stande, wozu er die.größte Vorliebe hatte, im 
Krier nicht erhalten. Er ging daber nad Mainz und da 

auch bier unter dem Getuͤmmel der Striegövölter: 

eine rubigen Stunden zum Studiren erwarten fließen, 
begab er io nach Wirzburg, wo er unter den Profeſ⸗ 
oren Wietener, Oberthuͤr, DOnpmus, Berg und. Seiler 
beologie ſtudirte, bei dem Profeffor Andres zur Homi⸗ 
letik, Katechetik und Pädagogik angeleiter und unter den 
Regenten Zeibed und Zirkel im Priefterfeminar zur Seel⸗ 
forge borgrüht wurde. Der erzbifhöfl. Trierifhe Generals 
vifar Be 3 befand Ah damals gerade ald Emigrant 
in Sulda und batte den Wunſch geäußert, daß die erg 
iftstrierifhen Kandidaten der Theologie unter feiner 
uffiht in Fulda ihre Studien vollenden und Die höhe 
ren Weiden empfangen möchten, als D. im Herbſt 1706 
ro in dad dafige Priefterfeminariam begab, wo er unter. 
en Regenten Schmitt und Kamp feine Ausbildung: 
um Geelforgeramte und am 28. ember 1797 von 
em Fuͤrſibiſchof Wdelbert IT. die Priefterweibe er 
bielt. ward zuerſt Behälfe in der großen Pfarrei 
Frickhofen, zwei Stunden von Hadamar, dann iu St. 


°) Deffen Biogr- fe WR. Neke.-3. Jahrg. &, 1A68: -: 





Dewora. Br; 
Goarshhanfen am Rhein, fadter zu Berl, © Stunden 


von Trier und zulegt in der Vorſtadt St. Mathias bei 
Xrier, wo der beinahe 80 jährige Prior des aufgelüften 
Benediftinerordend und Pfarrer Beder ipm im & 1807 
die Pfarrei refignirte und der Bifchof Mannap ihn bier 
auf am 1. Mai 1808 ald Pfarrer ernannte. } 

Trierifhen Regierungsdepartement keine Bildımgdanfalt 


für angebende Schullehrer erifirte, fo begann D. im. 


Herbie des 3. 1810 in feinem gerdumigen Pfarrhauſe 
eine Menge religiös gefinnter und untadelhafter Flngs 
finge und Männer um fi ber zu fammeln und dieſelben 
Dur Belehrung und Beifpiel für Dad wichtige Schul 
ledreramt vorzubereiten. Seine ruhm⸗ und fegenvollen 
Bemühungen fanden bald ungerheilten Beifall und er 
datte bei dem übernommenen ſchweren Geſgaͤfte ſowohl 
von Seite der ehemaligen franzöf., ald auch Der jegigen 
£önigl. preuß. Regierung ſich der Eräftigken Unterftägung 


p erfreuen. Hierdurch gelang es ihm bei raſtloſem eu 


er, der auch dann nicht ermüdete, wenn täglich 410 

12 Stunden Unterricht zu geben: war, vom “Jahr 1810 
bid 1828 ‚ungefähr 700 Schulledrer zu bilden, Die bei 
idren geiftliden und weltlichen Dberen ein ganz beſon⸗ 
deres Zutrauen genoffen und denen nun nicht allein im 
Lrierifhen Regierungdbezirke, fondern auch in manden 
Städten und vielen Dörtern benachbarter Provinzen Das 
wichtige Geſchaͤft der Erziehung und des Unterrichtö der 
Kinder anvertraut if. D. war nicht minder wachſam 
und immer bemüht für den Fortbeſtand diefer Anftalt im 
Regierungsbezirte Trier; denn als DaB preuß. Gouver⸗ 


nement mit dem Bedanfen umging, dieſelbe aufzuheben. 


und anderwärtd binzuverlegen oder fie mit dem Schul» 
lehrerfeminar zu Brühl zu_vereinigen, arbeitete er uns 


ermäbet, um fie in der Stadt Trier zu: erdalten. Als. 
i. J. 1834 das Trierifche Domkapitel_in Zolge der Bulle _ 


„de Salute animarum“ new organifirt wurde, erbielt 
D. ein Domlansnifat und würde von dem Bifchofe 
v. Hommer *) gum Domprediger und biidfl. geiſtlichen 
Rarde beftet, weichem Amt er unermüder bis zum J. 1834 





Deſſen Biograpbie ſ. im R. metrolog Sohrg. 14. ©. 116 


A| 


a in dem. 


- 


16 Dewora. 


te er feine Kräfte mebr und mehr fesinden, dis di 
gime ihn aufs Krankenlager iR — Zunge nos 
.% thätiged Leben endete. Der Pfarrkirche St. Mathia 

ei Trier bat gr 400 Thaler zum — einer Kaplanda 
iftung vermadht. Als feine Leiche am 6. März auf dem 
—X zu h. Matdiad beerdigt "wurde, Vegleiteren 
feine ehemaligen "Parrkinder von ©t. Marhiad, die - 
'andidaten des Schullehrerfeminariums und eine — 
Menge Bürger der Stadt dieſelbe zum Grabe. — €: 
ungemeined Talent mit gleihem Flei gepaart, zeichnete · 
Sniqi nur in feiner Kirche, fondern in der ganzen 
Amgeoend and. Sehr Eundig im geiftliben und welt 
Iipen Wiſſen, mie es feine Schriften bemeifen, ein 
Redner, nie €8 deren wenige gibt, ragte er im Lande 
dervor und genoß allgemein einer audge; eicneten Ads 
tung. Auch in den Tagen der Zr ga jalt er für einen 
Veifechter der guten und heiligen e der rg 
Er mar vielen ein treuer Führer auf der Bahn ded Heilß, 
ein gobltbäriger Menfcenfreund im allen Anliegen. — 
Seine Schriften find; Kreupwegsandacten od. Betraq⸗ 
sungen. über das Leiden und Sterben unfereß, ern 
ef Chrifti nad) den n gemöbnligen Stationen. 2. Auf. 
adamar 1805. Un nahen n um beil. Sakrament des 
itart Ebend. 1808, dacht 
jefu Eprifi od. üb. d. Testen Wo 
terbenden Heilands. Ebd, 1805, — 
indool£ gehalten. Ebd. 1806. — 
Tathol. Landleute. nach. dem Geifte 


Gier en —Xxa ale 
Fr Matbiad. Ebd. 1808. — 


Ebend. "Zinmör läge. 
Den en oe I ein. vis en er amı boden Narmends 


Someire 
en Ion an dad ?. €. Oufarenregiment & r0g Zofei 
5 8. 1. 1. NE Siem en dl die Ge RER 18 
Dhrigeiten d. Krierifpen Landes. u. an die vornehmfen 
Einwohner, wie auch an die Bärger der Stadt Trier 


L 


Dewora. | 317 


gehalten. Trier 1814, — Rädblid auf Die Jahre d. Zer⸗ 
—— und Samt t auf die beffere 3* ine 


A 1815. — dl üge von gefangenen Ruſſen zu 
* J. 1806. Ebd 2 Si — 


ufers Theil nebmen zu eng — ee 
Derrichtungen bei der Rn FRA: Ar Die g feikigen ꝛc. 
Hadamar 1815. 2. Aufl. 1821. — Vollſtaͤnd Darftellungen 
der monatl. Befhäftigungen ind. Gemüße- u. Küdens 
arten, den fleißigen und biedern Landleuten des preuß, 
Derjogtb. Nieders und prittelrdein gewidmet, Hadamar 
len; 1816. — Briefe u. Geſpraͤche veranlapt durch 
die Entführung ı u. Sefangenfchaftöreife des heil. Vaterßs 
Pius VII v. Rom nah Sawona. Ebd. 1816. — : Tgnas 
v. £ojola u, Sranz v. Xavier, od. die wahre Denk» und 
Sandiunpeme fe der Sefuiten. Ebd. 1816. — *Laͤndliche 
ieder nah fchon befänhten Melodien v. einem kathol. 
Geelforger für Tung und Alt im Volke beraudgegeben, 
um die vielen fhmugigen, Geift und Herz vergiftenden 
Baffenlieder zu verdrängen. Ebd. 1816. — Leftiondplan 
des Fönigl, duflehrerieminariums zu St. Matbiad bei 
Trier 1816. — Anleitung aur Redenfunf IR Stadt. und 
zenpfaulen. AN d. 1817. 4. verb. Aufl 1. 5. Yu 
1834. — Ehrlich währt am laͤngſten, Pi & eienlehrs, 1 
— f. die fleißige u. geſittete Jugend. € 
— Die meilten aleic und anti 
fautenden), Fer der Bedeutung und Abflammung na 
veri&iebenen —2 d. deut. Sprache, zum Gebrauche 
bei dem Diktirſchreiben in Schulen und un die Kinder 
teichte Site u. Perioden bilden zu lehren. Ebd. 1817. — 
zei Reden bei der feierlichen Vereidung der aud dem 
egierungöbezirfe von Trier in k. preuß. Militärbienfte 
etretenen Erſatzmannſchaft im Jahr 1817 unter freien 
Himmel t in Trier gehalten. Trier 4817. — Die M 
ber finde. Liebe. Ein Epriteniebr. u. —— 
d. fleißige u. gutgeſinnte Jugend . mar u. Koblenz 
Aa: ‚die- Barmberzigen. 


181 
‚ Ein RR re Sie 1817, — Der preu ſche 





‚318 Dewora. 


datenfreund. Ein 2 fär- Die nleden 
Bi end. BR und ern renlfär 


eine redigt bei Der feierlichen Dereidum der aud dem 
ge HEN h .. 


c. 181! 
But, hend. 1819. — —A — Praſge 


ugend. Ebend. 1820. 2, Auf. 4 — Hülföbud zum 
relären in douſg —A— bd. 1820. — 
Ser Schußgeift d. Kinder, en Erzählungsb. f. Elementars 
faulen. Ebend. 1820. — Die Kraft der u eligion, Ein 
briftente “ und —— Ebd. 4 ER uf. 
4833. Beifpiel_der werkihätigen —— Ein 
Shriienlpr, und rifungdge ia went. Ei od: 2. —8 
S28 — Naturbefcreib. menfdl. 8 f. d. Jugend. 
Koblenz 1821. — aturbefc f&hreibung ee —* für die 
jugend. A Hfte, Ebend. 1821—22. — Die fieben legten 
orte unfered am Sreuze kerbenden — ine 
Predigt am Charfreitage. Hadam. 1822. — Die Geinde 
and Freunde unfered am gene Ieibenden, u „Rerbenden 
Ertöfers in Reden an das Ehriftenvolt, Ebend. 1823. — 
Der Samilienkreis der Kinder mit — ächften Ums 
jebungen. Ein fehrreih umtertaltenbed Hiftoriend, für 
. katdol. Jugend. Koblenz 1824. 2. Auf. 1833, —_Die 
Dact des Gewiffene, in Büdle‘ " 
un d. Jugend, Dada amar u. Si R 
3. v 1833. — Gott fegnei ’ 
. Menfc f et, dad ai er. ernter } 
Jugend. Ebd. 1824. 2. Aufl, 1838. B 
< e. Ein PouRdnd. Seht, En g 


ai 
ü ienen). — . : Betr, 
Meat für een ide ae „ent eu San. 





Dewora. 810 


Hadam. 1825. — Betrabtungen, Gebete m. Zitaneien d, 
m zrägigen Befuce d. Srattonen in den Kiren des 
‚Bidrdums Trier, um Jubelablaß zu gewinnen. Koblenz 
1826. — Beil mies ». innehänberung  gehendbeflerung 


u. Befebrung., 1828. Lieblide Bilder v. Güte, . 


Sreundfaft, een u. Dankbarkeit, Ebd. 1828. — Lehre 
mine a lungen d. rechten Derbalten gegen 
felbk. . ii Die fanftmüthigen Menſchen. Ebd. 
188. — einer Spiegel deb rediten Derbaitene ns gegen 
die Thiere. In Er inder. €) 


blaungen für 
Sirenfieoe], r Ans Im Hi — 


—* ittenfpiegel ımd_ Landmann. 
ei . 1829. — ee Kur ® ao Sr. Heiligkeit d. 
arts x Rum —5— im Dom zu Trier. Ebendaf. 
183%. ‚reviergebet, win alle Farbolifhen 
Seinen a ah ibtet find, als eine uralte un! — 
maßlge urngiuns bef&rieben. Chendaf. 1832. — 
weicher Sprade haben d. erſten Glaubenöprediger u. 
erken Trierifhen — daß heil. Reßopfer Derrictet 
u. in welder fol es md jegt verrichtet werden? in 
Batecpet. Unterricht für d. Fathol. Slaubendgeno| er bet 
Bisthumd Trier. Ebd. 1883. — Die v. d. fardol. Kirhe 
vorgefchriebenen Eeremonien und Gebete bei Der felerl. 
Einweihung einer Kirde. Ebd. 1833. Zarte Fugende 
blüthen, ein Zefeb. f. Eleine Mädchen int in Eath. Elementare 
f&ulen. Ebd. 1893. — Sreundlide Bilder auß d. Leben 
edler Srauen und Mütter. Ebendaf. 1834. — Leuchtende 
Sterne auf d. Pilgermege zum bimm!. Vaterlande. Ebd, 
4885: — Des ehrwärd. Jobannes Gueng, En der 
— Fefu 2 eben. Dompredigerd zu Krier hinter 
iaflene Homilien Ab. die fonn » und fennägt ¶ Svangelien 
An gamien fat, Rirdeniahtd, berau: . Demoı 
Winertbeil. Ebendaf. 1834 und 9 
Elementarb. zum. Zefenlernen f. 
faulen. A —9— 29. au uf: € 
2r Kurf. 14. Id. 1835. — Nameı 
Iteben. Kleinen in katholiſch. A rg 
Ed. Tine Rede and Volk auf Die Kinraung 







des äfer, melde | in Steinbedd Miflerdäter 
gie a Zung im Bolf, 1 Bdcdn. aacrudı 
- feln 3. £efenfernen. — Bier Bilder, dai 
erfte Matdiad predigt den ohren; % Tale 
der i ab mird enthauptet; dad Dritte, Der heil. 
Dale x da, mo jegt ©t. Mathiad Nieht, den 
Ar _ » dad. nwierte, der beil. Euchariu⸗ Tanfer, 


820 - Side. 


da, mo jetzt St. Mathiad fteht, die er . 
Me —A Auffäge.in —XR 
im Sranff. Staaisriſtretto u. in d. zu € ı 
dield danzeiger. u legterm war von it ’ 
mötdige grändl. Iverlegung eines in B 
QAuddräden gegen Die ganze kathol. Ge \ 
Tand8 gerichteten Auffaged, dem mit T 

roteant. Dr. Gteindet in Sahfen” 

rad, daß jener Auffag auf Befedl d 
vernichtet und an defien Stelle ein a 
Keichdanzeigerd berauögeg. wurde, — 
v. 


„9. 1812, 1816-20. 


. 113. Dr. Johann Konrad Sickel, 
Ynigt, fäcf. Gofratt, Ritter d. Königt. fächf. Givilverdienftordenf, 
Appelationdgerihtöpräfident, Mitglied d. 2, ſaͤchſ. Staatsgerichts⸗ 
dofed wu. der deutfhen Gefelfjaft für Erforigung vaterländifger 
Sprache und Alterthuͤmer in Leipzig ; 
geb. den 6. Juni 1769, geſt. den 8. März 1837°). 


Er mar zu Zeipzig geboren und der Cohn eined ano 
gefehenen und bemittelten, doc) nicht unter die Reihen 
erften Rangs an feinem Wodnort ‚gesäblten Kaufmanne, 
der aber in den Jahren’ vorgerädt, nad dem Tod feie 
ned anbelßgeno jen und Awagers Adolph Richter, 
ald_die Konkurrenz größer, der Gewinn geringer und 
unficherer ward, dad Gefhäft niederlegte, mit feinem 
[don früher verheiratheten Sohn in einer Zamilie zus 
jammenlebse und 80 Jahre alt ftarb, ein Alter, dad au 
ie zulegt gänzlid erblindete Mutter, eine Tochter dei 
Im Sadr 1743 verftorbenen Profeflord Dr. Weiß, um vie 
1e8 Jünger al8, ihr Gemadl, ini Haufe ihred Sohns er« 
reichte. Ad feiner Eltern einziges Kind entbehrte er 
von feinen frühenten Lebensjahren an nichtd, mas nicht. 
nur feine Vorbereitung zu nadhmaliger wiffenfdaftlicher 
Bildung, an der aud wohl fein mütterliper. Obeim, der 
pi Zeipgig ald Arcidiafonus zu St. Nikolai verftorbene 

1a einigen berathenden Antheil gehabt ‚haben ni 
3 





Nach mehreren gedrudten Artikeln. 


Sickel. 821 


feiner Geſundheit willen, zuweilen das Gegentheil zu 
wuͤnſchen geweſen wäre. Bon zarten Alter an war M. 
‚Zunge *), geforben vor mehreren jahren ald emeritirter 
Konrektor an der Nikolaiſchule zu Leipzig, fein Führer 
und Lehrer, ein Mann von nit glänzenden neh 
ben,.aber von ernflem abgemeflenen und doc fanften 
Weſen und grammatiih doͤchſt taktfeſt, deffen Unterricht 
er weiter herangewachſen mit feinem Sreunde Dr. Bau 
mann (auf Trebfen und Steinbach) mehrere Jahre bin- 
Durch gemeinfhaftlich -genoffen. dat und durch Den er 


auf die Nikolaiſchule, wo ihm zur felbigen. Zeit Forbis -- 


gerd Unterricht Cund wohl allein) trefflich zu ſtatten kom⸗ 
men konnte, gut vorbereitet worden iſt. Im. 1786 verließ 
er die Nikolaifchule und bezog die Univerfitdt feiner Bar 
terftadt, wo er fich in den erften Jahren angelegentlich 
mit dem Studium des römifhen Rechts, unter Zeitung 
des Dr. Chr. ©. Richter, eines in der Elaffifchen Lite» 
ratur und den juriſtiſchen Antiquirdten mit feltener 
Gruͤndlichkeit bewanderten Lehrers, befchäftigte, ohne fi 

wie diefer durch einfeitige Liebhaberei Dafür der prakt 

fen Brauchbarkeit entfremden zu laffen. Während eines 
einjährigen Aufenthalt in Göttingen waren in ‚der 
Netöwiffenihatt Pütter, Böhmer, Kunde und Martens 
feine Lehrer; ganz befondern Sleiß widmete er aber uns 
ter Schlözer und Spittler Dem dort fo vorzüglich blaͤ⸗ 


benden Studium der Geſchichte, nabm Tbeil an Hey _ 
nend Vorlefungen hber roͤmiſche und griehifche Antiquis . 


täten und Archaͤologie und verfäumte auch nicht außer 
e 


den Vorlefungen von Blumenbach über Naturgefcichte. 


Lichtenbergs eben fo ergöglichen als nugbaren Unterricht 
in der Phyſik zu benugen, Mit der gründlichten mil 
ſenſchaftlichen Dorbildung auögeräftet, kehrte er, nach 
mufterbaft angewandten Unierteäiahten in feine Ba» 
terfiadt zuruͤck, mehr faſt noch 


gen er ſich der damaligen Univerſitaͤtskonſtitütion gemäß, 


nachdem er fon 4785, um einft der juriftifchen Safuls 


ch dem afademifchen als 
dem praktifhen Berufe zu widmen, entfchloffen, mweömes . 


t anzugebören, unter Richters Praͤſidium eine von ibm 


ſelbſt verfaßte Differtation de Neratio Prisco vertheidigt 
aeg ern in: der philoſophiſchen Fakultaͤt jum Me * 


ster legens babilitirte, bald hernach aber die juriſtiſche 


Doktorwuͤrde erwarb und unter andern üͤber mehrere 


Faͤcher der Geſchichte, in welcher er die umfaſſendſten 
” Deffen Biograpdie f: N. Nekr. 6. Jahrg. ©. = .. 





- 


Mm. Rekrolog 15. Fahrs. 





522 Sidel. 


— und gutem Muf ausgezeichnetiten in das Hat! 


rarh Möller, der ald älteher Bürgermeifter damais 
Angelegenheiten der ©tadt Zeipjig mit überwiegenden 


at er ten. DOffenbeit: zu: gefieben, 
daß dı elung beffer ald in. di en 
melde Hoftatho Zunghannd Tode den 
BVorfit u führen hatte, befunden habe. 

0 m das Gefallen Daran bleiben. 
18 ji E\ der Derdienftvolle Bürger 
meiſte ) farb, konnte er, der dazu noch 
nidt < ), mie ungern er e& auch fah, e8 
nicht dleſes Umt_ eingefegt gu. feben 


and ı B 
mann von nun an ein Jadr um& andere dad Reg 
peter Bigaral 6.9 Or. Tat ©. 


Sid 923 


ment Seipi, # u führen, um welde Stadt er N) 
laͤngſt die —X Verdienſte, namentlich Air? rd 
wefentlihen Antheil an der Begründung ihrer trefflichen 
° Qrmenanflalt, durch boͤchſt liberale Unterſtuͤgung der letz⸗ 
tern, wie nicht minder durch große Mildthätigkeit zus 
zeit der in den Gabren 4815 — 1817 eingetretenen 
heuerung erworben batte und auch während er Ä 
ermeifter war, namentlich Dusch Auflicht auf ihre Schu⸗ 
en und ©orge für erhöhten Gehalt der Lehrer de er⸗ 
werben fortfuhr. Wenn aber der Einſicht und Treue, 
womit er 8 Jahre hindurch Diefed Amt verwaltet unb 
der allgemeinen Verehrung und Liebe, die er während 
des größten Theild Diefer Zeit bei Der Leipziger Bürgers 
haft. genoflen hatte, Die in einer ſturmiſch aufgeregten 
eit urplöglich entitandenen Stimme nicht weiter ent 
prah; wenn der Würdigſten einer, Die jemals an Dice 
em Polen geſtanden hatten, bei allerdings nosdmendig 
gewordener Umdänderung einer von ihm felb für nicht 
weniger als fehlerfrei geachteten Kädtifhen Verfaſſung 
von Demfelben zu weichen gemöthigt ward; wenu ed den 
MWenigften einfiel und bei befchränfter Sachkenntniß auch 
nicht matt zu CherTegen. nes er. (elt F um 
ie a erfaffung zu popularifiren, getban und einge 
leitet und wie er —8 einer ——*— ſo * 


en nicht aus 
terung oder Feigheit und Geſtaͤndniß des, Unvermoͤgens 
enmädtig berlaffen, am 
w 


— 





324 Sicel. 


e 
ir entfernt von allem Anſpruch an Driginalität und 
Genialität, von aller düßerlich aberiprude nden Zebbhafs 
age der Bewegungen und Beftrebungen, nie ander& - 


darftellend als im Lichte des Gewoͤhnlichen und AU, 


täglichen, ging bei ihm alled von dem einzigen Beginnen 
aus, den firtlich rihtigen Weg zu wandeln. Aber für 
alles Mögliche, was er auf dieſem Weg und im Be 
‚wußtfein, es thun zu ſollen oder thun au dürfen, vornabm, - 
and ibm eine große Säle und Dieifeitigkeit nicht ges 
meiner Talente zu Gebote; und auch mo er auf eigene 
Leitungen Verzicht that oder. fib in der Soige davon‘ 
aͤnzlich zurädzog, wie mit der audübenden Muſik der 
all war, fehlte es ihm keineswegs für dergleiden an 
mpfänglichkeit und an einem fehr gebildeten Geſchmack. 
eine QArbeitfamkeit war fat. übermäßig zu nehnen und 
die größte Sreude war ed ihm, ald er es ald Appella- 
tiöndgerichtöpräfidene endlich dahin gebracht hatte, keine 


’ 
s 


Sicel. 826 


Meſte zu baden. Mit viel Luſt, ‚Liebe und Geſgiclig · 
keii bel ftigte er ſich auf An ländlichen gi 3 
Andenau, von dem er fräb dur Stadt.eilte, um da feine 
Werufögefaäfte ohne Unterbredung abzuthun und Moe 
in er Abends zurhckehrte, mit Zubereiten von Naturas 
lien, Ausſtopfen einer nis unanfehnlihen Sammlung 
von Vögeln und Wufftelen von Infekten. Im Wie 
ser diente ihm dad Drecfeln, in Dem er ſich Trüber bes 
‚beutende gertigfeit erworben hatte, nod. bei weiter vor⸗ 
gesücften Jahren zur Erholung und zu. einiger körper« 
iyen Bemegung, für die verfplebenartigken Gegen 
Könde war ibm Emptänglicpkeit verliehen, nad den ver⸗ 
-fpiedenartigken Ritungen bin war es ibm gegeben, 
‚eine Kräfte zu verfuden und allenthalben, mo ed ge 
had, mis eben fo bedarrlihem Eifer als Gluͤck zu ver 
uhen; aber fern von ihm mar dad Verlangen, Dies 
'enntli und geltend zu maden und nod weniger der 
nit felten_vorfommende Sebler, damit die wictigeren 
Dingen gehörende Zeit zu_verfplittern. Sein Beruf an 
‚jeder ibm angemwiefenen Stelle blieb immer das Gens 
irum, worin und von wo aus ich bei ihm alles bewegte 
und jede momentane Ausbeugung von dort war .nur bes 
Gimmt, ihn dur wohlthätige Zerfireuung zur baldigen 
ückfehr dabin zu ſtaͤkken. Befonnendeit und fefte Fus 
ige, galtung 1402 Ad in feinem ganzen Welen auß, 
odne doc jemals in Steifheit und vorne —-* == 
dalten außjuarten. eine Urtheile über I 
Dinge aus der Näbe und Gerne waren ni 
bitter und leidenfaftlih, fondern immer ı 
vg und fo abgegeben, daß daraus Die ftille V 
ald ob mohl Faum anderd geurtheilt werde 
vorlsudtete. Rubig und Faltblütig bat er aus der ihm. 
fo. geläufigen Menfden» und Völfergefdichte und aus 
eigener uneingenemmen Seobagtung dad Thun und 
reiben der Renſchen anfehen lernen; fo ernk und gen 
meflen er felbft fein geben gere elt, fo wenig verMonte 
er fi über unendlich viel —2 was in Ande⸗ 
rer Leben und Weſen vorkam, fonderlih befremdet und 
beunrupigt zu fühlen.. Gent und nicht leicht zu einiger 
Mbänderung zu benegen, befand er aber auf 3 
ihm aus Gründen gefaßten Mf@eibungen, Beldläflen _ 
und Mandregeln.. Bewiß wäre ed ein Wunder zu nen⸗ 
nen. gewefen, wenn er Damit immer Zufimmung und 
-Wiligung nicht nur derer, die die Sache anging (mas 
. da, wo eö.Rreitenden Partejen galt, obnedem unmögtid 


den von ' 


36 Sickel. 


war), ſondern —8 undarteiiſcder Beurtdeiler gefunden 
daͤtte; gewiß ein faſt eben fo zroßes Wunder, wenn das 
von ihm als unwiderruflich efatofene immer das Kid: 
tige — mad überhaupt der Er oig erft Eenntlid macht — 
gemefen wäre. Aber ©. beftand weder aud Eitelfeir, 
nod aus Herrichfucht, Eigenfinn und Selbfiverbärtung 
geaen eine richtigere Unficht, fondern aus Ueberzeugung, 


amit. dad Nechte und den Umftänden nad “Befte, ja _ 


einzig Suläffige zu thun, auf dem von ihm Befchloffenen 
und Ungeorbneten, au mo er fib Darin geirrt haben . 
mochte. So entfhieden übrigens in Amtdangelegenbeis 
sen und da, wo er Dafür die Berantwortung batte, fein 


Beſcheid und Beſchluß war, fo wenig madte er in der 


Unterhaltung über irgend eine Art von Gegenfiänden 
feine Deinung auf eine abfprechende Art geltend, fo 
gern geftattete er Undern eine freie Aeußerung der idrie 
gen. Und mo Geſetz und einmal fefiflebende Verord⸗ 


ñung auc feiner eigenen Anficht nicht entfprach, da_bielt 


er fich doch fireng an jene, davon überzeugt, daß der 
Hicter nicht Gefengeber, fondern nad dem gegebenen 
Geſetze zu ſprechen angemiefen fei._ Sührte fein Amt 
Die Verantaftung mit fi, Öffentlich ſprechen u muͤſſen, 
fo wurde das von ihm Aufgeſetzte nicht abge 


n efen, fon» 
dern mwörtlih treu mit folder Ungesiwungenbeit, daß 


mian ed für einen vom Moment eingegebenen freien Er⸗ 


au dätte halten mögen, gefproden — dem Außern Vor⸗ 
age nach fo unmanirt und prunflos, wie ed ein geld 
serter Geſchmack von dem gehbteften Kanzelredner zu 
erwarten vermochte, nur fo, Daß eine gewiſſe befcheidene 
Schuͤchterndeit ſich darin nicht verläugnere — Dem Ins 
balt nach fo gediegen und bündig, daß ed für volltän 
Big überzeugend und km andeln bewegend geachtet - 
werden mußte — der Spradabfaffung nad, wie unter 
andern eine gedrudte Rede, Die zur Fortgefeßten Untere 
Köpuug der Armenanftalt ermunterte, beweifen kann, fe 
umtabeldaft, fo entfernt von langweilender Breite und 
erzwungener Gedraͤngtheit, daß fie für ein Mufter des guten 
Styls gelten konnte, Die Unterbaltung mit ibm, ſowohl 
unter vier Augen, als in größerm Geſellſchaftskreiſe, war 
ne ungemein wohlthuende Darum, weil darin der freiefte 
edankenaustauſch ſtatt fand und von ihm eben fo willig, . 
was Andere gaben, aufgenommen, ald was feinerfeitd ent 


urückhaltung gegeben ward. Nicht in mindeften dar⸗ 
auf außgebend- “ feibR mit — Einfaͤllen 


Yen werden Eonnte, obne vornehme oder ſtilllaufchende 


Sickel. 327. 
jeltend qui mäden, verwies er doc zumellen aigt uns 
en —A fend und witzig von andern —X enes. 
& ſtreng feine Zeit eingerpeitt mar und fo angelegente 
Hi fie von ibm benugt_mard, fo gern nahm er do: 
zuweilen an gefelligen ergnägungen :beil und fal 
nicht felten bei ſich Gefeufatt. Eine wahrhaft änigma- 
siide Kunft der Zeiteii —8 damit aber auch eine 
ausnehmende Leichtigkelt und Sigerheit in juriffiſchen 
Arbeiten, genügt auf tiefe wiſſenſcaftiſche, aber nie.biß 
m —— Skeytici mus fi verirrende Groͤndliqh⸗ 
eit dar es Ihm allein möglid machen können, dab und 
no mandes andere, was theil6 jagen beräbrt, tbeils 
noch zu berähren Abrig if, mit feiner eben fo bemun» 
dernöwertpem ald ber höchten Adrung würdigen Ges 
[adtrenin 'elt zu vereinigen. Die £iberalität, die ſich 
a und in feiner geraen Lebensmelfe hervorihat, die dom 
peanfenden Lira \ 
‚äuterten Belhma 
feiner häuslichen « 
tigkeit, die fi et 
daß häusliche Lebt 
und in. der Stille 
meife, Ach immer | 
unterbroden verein! 
Fru⸗ 5 ber rubigent! 
ve Iote, ſig felbftiı 
in feiner gelammten 
ihn geitliches Gut 
‚nicht verfamäben, 1 
aufreiben ließ, al 
ergendfröpfichkeit 
reude bereitet un - 
gengefommen, jebiens, 


er Eifer, für en; be 
Iebt werden E in dhns 
sum Naturlebe n'®ein 
md Thun nid 8, eben 
darum nicıs © v8 und 
eben des wegen naud 

- beialler Rrenge terıwors 
. fen wat und ah ; 
nie der Ordau ad ber 
Uhr bervorträt. ver Ad 
felbR gebildet an fh 


in bilden förtf . [ nbeftere 


328 Sidel. 


eigen zu woßen, zur Erfdeinung kam. Aeußerlich kalt 
3 bel — Befonnendeit wohl nie fo leicht 
ſtuͤrmiſchen Affekten hingegeben, war. er, mo berber Bere - 
luft, beträbende Erinnerungen oder Theilnahme und Er⸗ 
£enntlichkeit bei ihm dergleichen bervorriefen, der tiefe 
ften Empfindungen fäbig. - Begleiten wir S. in das 
innerite Heiligthum feined Famlienlebens, fo erfcheins 
er.am edr» und liebensmwärdigften. Er richtete auf die 
wiſſenſchaftlichen Anlagen, Beftrebungen und. Zortfchritte. 
feiner Söhne von ihrem frähetten Lebendalter an, obne 
im mindeften ihre Booihen Kräfte außer Acht zu laffen, 
die umſichtigſte und bedarrlicfte Aufmerkfamkeit und 
ließ: ſich ihre Zeitung bis zu den. Schul» und Univerfis 
tatsjabren hoͤchſt angelegen fein, ja mit dem einen dere 
felben ftellte er im Laufe der akademiſchen Studien, mit 
ten im ®edränge von eigenen dhoͤchſt mannipfaltigen und 
anftrengenden Berufögefchäften bis tief in die Nacht bins 
ein, Repetitionen über juriftifhe-Dißciplinen an. Und 
Dennoch. war. feine. Zeit Durc jene Berufsarbeiten, die. 
arößtentbeild außer Dem Haufe feine perfönlihe Gegen. 
wart in Anſpruch nabmen, fo karg befchnitten, daß er an. 
den meiften Wocentagen, auch während. ded Winters, 
auf. dad Zufammenfpeifen mir feiner Samilie Des Mit 
tags Verzicht Teilen mußte und nur dad fi felten nebe 
men. ließ, den fpätern Abend der Mablzeit. und einer 
anfheiternden Unterhaltung mit den Geinigen zu wid⸗ 
men. Weit. entfernt aber davon, nur ern und angele⸗ 
gentli für feiner Kinder Bildung pu einer. auögezeiche 
neten Berufötüchtigkeit beforgt zu ſein, mar er es auch: 
nicht minder .für ihren unfchuldig froben. Zebendgenuß, 
ſuchte und mußte er diefen für fe sum Sporn des ano 
geftrengten. und jedes vorgenommene Gefchäft mit Liebe 
anfaffenden. Sleißed, zur Schußwehr gegen die Dergnüs. 
ungd. und Zerftreuungdfucht, bei welder : der zu end 
b viele Gefahren für ihre. fittlihe Unbet&oltenbeit dro⸗ 
en, zu machen. Nicht nur, daß ihnen mit der ‚größten 
£iberalität Mittel und Erlaubniß zu anfländigen Der 
—J ungen an Ort und Stelle. und zu gefeligen Reifen 
n fremde. Gegenden von ihm gewährt wurden; auf.alle 
Weiſe begünftigte_er auch ihren freundſchaftlichen Um⸗ 
gan mit jungen. Leuten, die er ſelbſt feines. Wohlgefal« 
lens würdig fand. Zu feiner Zebendordnung geboͤrte 
auch, daß er jeden Sonntag Vormittag den Goͤttesdienſt 
befuchte. — Als Sarifike er thätig Ar fein, erlaubten 
ihm feine audgebreiteten Geſchaͤfte nicht ; dach beweiſen 


“ . 


Stegmaun. 829 


ſeine akademiſchen Streitſchriſten: Do Npratis Prisco 
- Javoleno.‘‘ Lips. 1788: und „Diss. I. II. Dioclotianus et 
Mäximinianus, sive -de vita et constitutionibus- C. Aurelii 
. Valerii Diocletiani -et M. Aurelii Valerii 'Maximiani. 
Abid. 1792 — 93, die noch) jeßt ihren Werth bebaupten, 

daß er auch auf diefem Feide ſich ausgezeichnet baben 
mwärde. Außer diefen gelehrteren Streiiſchriften bat. er 
anonym ein Buch Aber .die Verfaſſung der Leipziger Urs 
wmenanfalt herausgegeben. | 


115. Karl. Joſeph Stegmann, 
Pridatgelehrter u. Redakteur d. allgemeinen Zeitung zu Augöbueg; 
geb. im Jahr 1767, geft. den 4. März 1887 °). 


Am 5. März d. 3. erſchien die- Allgemeine Zeitung 
zum erfienmal obne die. Unterfchrift ded Mannes, der vor 
32 STabren ihre Leitungen übernonmmen’ und dieſe auf 
eine Weiſe geführt hatte, daß ihr Ruf eind geworden 
war mit feinem Namen. Karl of. Stegmann. war ge» 
forben. Während er ermattet eingefhlummert war, 
legte ein leichter, fchmerzlofer Tod feine beruhigend (dr 
fende Hand auf das Leben, das ſeit Fahren mit den Ge 
brechen des Wlterd und langer Kraͤnklichkeit ſchwer ges 
ft hatte und nur durch die rege, den zufammenbree 
chenden Körper gleichſam mabläffig. erfrifhende Thaͤtig⸗ 
feis des Geiſtes zurädgehalten zu werden ſchien. Ende 
"fi aber mußte diefer Seit dem immer ungleicher: wer« 
denden Kampfe unterliegen und er konnte binübergeben 
mit dem Bemwußtfein, auf dem. weit umfaflenden Selde,. 
auf dem er fo lange zu wirken berufen war, aud jeden 
andern Kampf mit gleider Seelenrube aufgenommen, 
mis gleider -Befonnenbeit und Klarheit durchgekaͤmpfi 
u baden. Wer einen Augenblid zweifeln. könnte, wie 
chwer Die Aufgabe gewefen, im ſturmvollen Wechfel 
diefer 32 jahre derſelbe zu bleiben, der ſchaue zurlick, 
wie. viele in dieſer Zeit em eigenen Thun geſcheitert 
And, wie bundertfah der Nuf der Parteien. und ihre. 
Stellung ſich geöndert bat, um nach kurzer Herrfchaft 
sufammen.zu fallen und zu verſchwinden, ald wären fie 
nie gewefen. Und diefe Parteien fab der Hingefchiedene 
alle an fi voräbergeben, mit den großen Weltereignifs 
fen, deren lärmende Begleiter fie. waren. Dieſe Beglei- 





. au [\ ‘ “ j | 
8 Ph —2 — Zeitung 1837. Nr. 64 und 67 und Gonverfatisnde 


30. "H  &tegmanik 


ter, fe drodeen im bald, bald fchniel aten em, et 
an Den en & nieht —E 4— ndern 


nicht berbört, blick 
Beit, wo die Einen nicht mehr wärden droben, die Ans 


dern nicht mehr ſchmeicheln fönnen. Wie oft ſah er dieä. 
ed Spiel Rh wiederholen, ein unbefangener Betrachter, 


- Der immer weniger fib_von raſcher Uenderung dahinreis 
en laffen mochte, le däufiger er gefehen hatte, mie kurze 
Dauer jeder Einfeitigkeit oder Uebereilung gegeben fei, 

glei viel ob urfpränglic eine redlihe Gefinnung oder 

eine unrebliche ihr zu Brunde gelegen habe. — ©t., ger 
boren in Schlefien, ik zu Bredlau und Berlin au Schu⸗ 
en geweſen und hat zu Halle ſtudirt. Sein Vater ver 

Ior In dem großen Depperfhen Banferott zu Warſchau 

. fein ganzes Dermdgen; der Sohn mußte alfo dürch eigne 
Kraft fein Schickſal gränden. Er arbeitete in Berlinf 


eine Zeit lang- bei einer oͤffentlichen Vetwaltungsſtelle. 


Dann machte er eine Reiſe nach Itallen. Hier lebte er. 
gwei Jahre, dann dielt er fich ſechẽ Jabt In Der Schweiz 
auf, wo er, nad dem Jahr 1708,’ in Züri ein Sekte 
taͤrgeſchaͤft verſah. Damals erfedlenen von ihm, ohne 
feinen Namen und ohne Drudort, die noch jeßt (ebr 
angiebenden und lehrreichen „Sragimente Aber Itallen, 


feit mebreren 


wie Geſchenke genommen, bat Drden abgelehnt und iR 
eine irdiſchen 
Ueberreſte ii Erde beftattet, begleitet von allen Freun⸗ 
ftögenoffen und Urbeitern des außgedehnten 


eitung, zuerſt 
hi 9, juerft 


nen 
te mit lädelndem Ernſt hinaus in Die . 


- 


Stegmank. 831 


er, gleich Teinemi Verf. Vater 9), dem Deremtrten hr’alien 
Verbältniffen des Lebens mit Wort und That bewiefen 
dat. Ein Theil-der Setzer ded Inſtituts trug den Sarg 


während andere von ihnen einen ſcoͤnen Männerhor .. 


bildeten, der mit erofßien Srabgefang den Sarg umgab 
und an der Gruft fchilderte der Geiſtliche mit ergreitene 
den Worten. den Charakter und die Stellung des Das 
Dingegangenen. — Wenn Goerbe **) einmal fagte, feine 
Werke würden nie, was man fo nenne, populär werden 
und wenn ed erlaubt ift, Kleineres mit jenem Großen 
gu vergleiten. fo laͤßt ſich daſſelde Wort, auf das von 
St. geleitete Blatt anwenden. Schon feine Perfönliche 
keit ‘gab Die Ang dierzu. Er war ein Mann vol 
arten Verſtands, ſelten mittheilfam, meift wortfarg, 
eſonders gegen folche, die immer Ueberfluß an Worten 
aben. Jedem Schwatzen in den Tag binein, alfo audy 
sedem Kannegiehern von Grund der Seele abgeneigt, wie 
jedem eitlen Prunk bielt er alle jene Dinge, die Einem 
oft die Politik fo entleiden Fünnen, von ſich fern, fei’s 
mit des dm eignen ſchnell aufleuhtenden Sronie, fei’d 
mir pfoͤtzlich abbrebendem Schweigen. UWebrigens : bes 
faß er tür den gefelligen Umgang die gebildeten Formen 
und ſchloß, mo er irgend böheren Anklang oder gehei⸗ 
mered Verſtaͤndniß fand, mit Behaglichkeit die reichen 
Fundgruben feines Willens und Einer vielgepräften 
eiterfabrung auf. Diefelbe Stellung wuͤnſchte er auch 
dem Blatte, deflen Zeitung er übernommen hatte. Nie 
follte es einfeitigen Chorus machen mit irgend einer raſch 
auftauchenden ſdeinung der Gegenwart, ſondern es 
ſollte die Begebniſſe der Laͤnder und Voͤlker in leiden⸗ 
ſchaftsloſer Betractung begleiten, mie der Chor der grie⸗ 
Sifhen Tragddie. &o im voraus verzichtend auf die Aner⸗ 
kennung aller blind vorwärts, aller blind ruͤckwaͤrts Streben, 
den, appellirte er mit Refignation an die Zufunft, wenn die 
Parteien Der Gegenwart ibm ihren Beifall verfagten. Und 
felten dat er eine Diefer Appellationen verloren, mit denen 
er fich freilich nie an Die Menge und ihr Scherbengericht 
ewendet batte. Je mebr Blätter in Dentfihland ers 
anden, deſto mehr wänfchte er fi blos den Kreis der 
Gebildeten und Befonnenen zu erbalten, die auch ein 
balb angedeuteted Wort, die auch die Beredtfamkeit des 
Schweigens verfieden. Und er hatte mit dem ihm wur 
Seite Kebenden Sreunden und Gefchäftögenoffen "die 


Deffen | ER. meir. . 80. 
Defen Biogranie 1. Mar 1 Jahre © We 


2 





- Die Zefer der Allgemeinen Zeitung ſich um das Doppelte, 
‚ja. Dreifahe der Abonnentenzapl Der räderen 3 
: vermehrte. Diefer belohnende Rückblick auf das 


N .. 


Ber | ie haber. | 


- Seende,-jenen. gehifdeten Kreiß:fi fo-erfdeitern zu. fe 
' —— Zabl.der Ö an a feben, 


n 
leöten “fahren. um mehr ald dad Zehnfache flieg, Doch 


ahre 
age» 
wert gemährte ihm Sreude und Beruhigung bis in die 


= legten Stunden, in denen er, ei „Beginnender Siebenzi⸗ 


ger; von feinem reichdewegten Leben Abſchied nahm, fol⸗ 
end den Freunden und Mitarbeitern, die in den letzten 
abren ibm vorangegangen, einem Gentz“), Böttiger*?), 
(über +), Weigel }) und andern Ehrennamen der 


1D 
deutſchen Publiciſtik. Als die Sreunde an dad Bett des 


erblichenen traten, fanden ſie eine Karte des ſtillen 
eeres vor. ihm aufgeſchlagen. Er batte fie noch kurz 
vorber in der Hand, ehe dad file. Meer der Unendlich⸗ 


- Reit ihn aufgenommen... — Außer den Sragmenten über 


: * 


$ 


talien gab er noch einige anonyme, Schriften. und 


nu jeberfegungen heraus. 


116. Sohann Karl Sigmund Kiefhaber, 
8, daier. wirt. Rath, Doktor der Philof., Prof. honorar. an der 
ton. baierifher Ludwigs: Marimiliand - Univerfitär zu Münden, 
mehrerer gelehrten Geſellſch. u. hiſtor. Vereine Mitglied; 
geb. am 24. Apr. 1762, gef. d. 6: Mär 1837 +}). 


Er: war in der vormaligen kaiſerl. freien Rei Sftadt 


- Nürnberg geboren. Seine Eltern ‚waren: Joh. Konrad 


Stiefhaber, Gegenfchreiber der:zur Zeit der Reformation 
efularifirten Reichsſtadt⸗-Nuͤrnbergiſchen Kloferämter St. 
Jara und Pillenreutb, und Suſanna Barbara, auch von 


. Geburt eine Kiefdaber. Nach grändlichem. Elementar- 
unterricht von einigen Privatledrern befuchte.. er vom 


dianiſchen 
x angeftellten Profeſſoren; benügte zugleich den Unterricht 


. 1773 — 1779 die drei oberften Klaſſen des trefflichen 
pmnafiumd feiner Vaterſtadt; hörte bierauf 14 Jabr 
lang die Öffentlichen Dorlefungen der am Dortigen egia 
uditorium (einer Zpcealauflalt) oberherrlich 


geſchickter Privatlehrer im. Zeichnen, in.der Geomettie 


>) Deflen Biogr. ſ. im go. Jahrg. des N; Nele. ©; #7. 
5 Deſſen Biographie f., in dief. Jahrg. d. N. Nett. ©. 38. 
- FH) Rad) dem gelehrten Dänen im, Jahr 1884, von Xdolyl 
v. Schaden u. dem Korrefpondent yon u. für Deutschl. 1887; Ar, 101. 


N . » ° 





Kiefhaber. | 333: 


und in der franzoͤſtſchen Sprache und ethlelt von:feinen 
Vater Anleitung in Amtirungsgeſchaften. So vorberejtei 
bezog er am 27. Okt. 1780 die vaterlaͤndiſche Umverſitaͤt 
Altdorf, mo er bis zum 22. Sept. 1783 mit: erwünfchten 
Erfolge dem Rechtsſtudium oblag und zugleich dem 
Siudinm der Literatur, Geſchichte und Diplomatik mit- 
vieler Liebe anding; worin er den Umterricht des Pros 
feffor Will und des zu Nürnberg Iebenden Hofraths und 
Ritter 9. Siebenfeed benngte. Nach feinem Abgang vom: 
der Univerfität defuchte er verfchiedene deutſche Univer⸗ 

tdten, al Würzburg, Mainz, Gießen, Marburg und 

Öttingen’ und machte Überall ſchaͤrbare Befanntfehaften 
mit berädmren Gelehrten und Staatömännern, be 


monatlichen Aufenthalts bei feiner Mutter Bruder. die 
bet! e dnfehnliche Stadtbibliothek fleißig befuchte. Nach 
er 

— 3 — in der Amtsſtube ſeines Vaters, Worauf er 


vom 26. Dec. 1784 bis Lichtmeß 1700 bei einer Zinie der: 


Freihderrl. v. Stromerifchen Samilie in Nürnberg Sekre⸗ 
tor war. Der am 14. April 1790_erfolgte Tod feines: 


Vaters veranlaßte, daß er, da. deffen College, welcher ' 
wie er 30 Jahre zädlte, in feine Stelle vorrüdte, am’ 
25. gedachten Monats bie dritte "AUmtöflelle bei den’ oben- 
. erwähnten Kloflerämtern erhielt, welche er‘ bid zum 


J. 1803 bekleidete, wo ibm vermöge Subdeleg.⸗Kom⸗ 
miffiongdekrerö die Einrichtung der waldamtlichen Res 


iftratur und nad einem von Demfelben vorgefchriebenen - 


ane die ptoviſoriſche Verſehung der vogteilihen Ges: 
riptöbarfeit der beiden Waldänster übertragen wurde. 
In der Eigenſchaft eined waldamtlichen Lehenſekretars 
ging er dann bei der am 15. Sept. 1806 erfolgten Ueber⸗ 
gabe der freien Reichsſtadt Nürnderg an Die koͤnigliche 
Krone Baiernd Über, wobei er, in der Eigenſchaft als 
Mitglied vom Ausfſchuß des Beamtenftandes im Kolles 
ium des größern Raths, ald Mitzeuge anweſend war. 

on der nieder efegtem kön, Negierungdbehörte ward 
er dann bis zum & 1812 zu ler f 

e 


größtentheild Hiforifchen, diplomati Rederdirungds 


gefhäften ‚verwendet; ibm auch zugleich i. I. 1809 die - 


tele eined Sekretaͤrs der königi.- baier. proteftantifchen, 
theologiſchen und philologiſchen Präfungsfummitfion Aber» 
tragen. Im J. 41812 aber ward er zum koͤniglich baier. 
allgemeinen Reiggſarchiv ald erſter Adjunkt ernannt, Er 


‚ging daher, nachdem er- in ſeiner Vaterſtadt 560 Jahre 


n onderb: - 
auch in Frankfurt afM., wo er während: feines zwei⸗ 


ehr vielſeitigen, 


urucktunft in feine Vaterſtadt war er ein Jahr lang 


‘ 





"33 Sielhaber. 


ſeines Ledens unter — freudigen und: trauri 
Erfahrungen zuruͤckgelegt hatte, am „a uni R 
Jabhrs nad Münden ab und trat mit Freude und au 
vericht feinen. neuen Wirkun Frei en. obſchon ed ud 
bier. nicht an manderlei Pruͤfungen feblte.. Denn —* 
nicht vollen zwei zebren verlor er feine erſe Gatsin, 
welde die zweite ‘Tochter des Rektors er Peofeflors. 
M. Leondard Schenf am egid. ap naflum in Nürnberg 
mar, mit welcher er 24 — 0 je glüdlicer aber 
tinderlofer Ehe lebte; i. 

Gattin, eine geborne Srin *8X — mo ihr 
IängR verſtorbener Vater Wildmeifter und Kevierförfer - 
war. Go wie. er in feiner Baterfladt am 7: Gebr. 1798, 
als ordensliche& Mitglied in dem dortigen Pegnefifchen. 
Blumenorden; ald der diteften inter allen dermalen bes». 
ſtehenden deutfgen Gefelifopaften. und biforifben Ders 
einen (hr beuuhe open, vaterlaͤndiſche Gefchichte und 


e 
‚fifter Der ebenfalld: noch da ſelbſt befiebenden „Befehle 
art jur Beförderung % en fer Si ae 
welcher nach und .na retärd» 
ſtelle und 4 Jadre lang die Direfteräßele bekleidete, 
auch verfcbiedenen Komitden vorfand. Im Zahr 
ward er von der kurfuͤrſtl. ſaͤchſ. Leipziger Öfonomifden 
Geſellſchaft; zum. auslaͤndiſchen Ehrenmitglied und 
9 Dee. 1808 von der allgemeinen kameralißiſch⸗bkonv⸗ 
if en Gadetät in Erlangen um ordentlichen Mitgfied 
eswöblt, Als im Jadr 1815 der König die allgemeine 
Saßruttion übe über alle Archive, unter oberer Zeitung des 
iniſteriums der außmärtigen Angelegenheiten, einır 
Miniſterialarchivskommiſſion — wurde er ver⸗ 
mitteln Inſtruktion vom 160. Sept. gedachten Jahrs als 
Aſſeſſor mit einer beratbenden Stimme bei derteiben er⸗ 
nonnt, Am 4. Mai 1818 ward ibm wegen feiner biöber 
geleißeten Dienfte der Titel "eines wirklichen Raths zu. 
eit und am 18. Oftbr. 188 ertheilte ihm die —* — 
—3— Fakultaͤt in „Srlangen bie Doktorwärde. zn 
emfelben te ward er. nd in die: sielfhaft 
ältere deutſche Geſchichtskunde zur Bet sung einer 
Geſammtausgabe der Duellenföriften Deuter efenichte 
des Mittelalters zu Frankfurt a/ıR. aufgenommen und 
den 1. April 1828 mittelk Diplomsd von berzoglich 
naſſauiſchen Berein für neflauifche Altertgumäfuuude nd 
Ceſchiciclerſouns sum, Ehrenmitglied ernenei. Dermöge 


. Kiefbüber. | 3 


fü egifiraturgebätfen in Ge⸗ 
mäßbeit allerhöchken Auftrags w 
gebalten hatte. — K. war ein Mann von gründlichen 


no im Altes die alten .Kiaffiter, las die meuchen 
Schriften der Didier und duch fein auöpeneichneteß 
Gedachtniß wußte er über alles Gefragte die Harfe, 
beſtimmteſte und punktlichſte Auſskunft zu_geben.. ALS 
Sreund ſiedt der Derkorbene auf der böchken Stufe, 
"denn einen thätigern zu: allen guten Zweden bereitwitli« 
gern Maun, der nie ecmädere, Feinen. Gang, Beine Für⸗ 
bitte. u Behörden ſcheute, wenn es das Wohl eines 
gedrüdten Menſchen oder einer unglüͤcklichen Familie 
galt, wird man zumal in unſerm eggikifhen Zeitalter fo 
. leicht nicht finden. :Selbf: auch da murde Kieſhaber nicht 

müde, die Berſuche um Hülfe für Bedrängte fortzufenen, 
wenn er gleichwohl einſah, daß er mis. feinen wieder⸗ 
bolten Bitten äflig wurde; ‚wenn nur Hülfe dem. Su⸗ 
cdenden geworben, war- er: (don zufrieden. -. Seine Gafte 
freundfchaft und überhaupt die Aufnahme in feinem. Haus 
die er gegen Fremde und Bekannte bewies, wird Jedem, 
dem diefe Erfahrung zu Theil wurde, unvergeßlich fein. 
Als Chriſt - beurfundete er ſich durch fein- hobes Gott⸗ 
vertrauen, frohe Zuverſicht und unumſchraͤnkten Glauden 
on ein froͤhliches Wiederfehen in einer künftigen Welt. 
Nur war er abbold den jegt bersfchenden fanatifchen, 
beuchlerifben, religiöfen ‚Umtrieben. Sein redlicher, 
offener, biederer, durch nichts beftechliher Charakter, 
feine. Aufrichtigkeit, Theilgabme und zahllofe Dienftes, 
leitungen merden ibn gewiß immer in dem Andenken 
vieler Hunderte. erhalten. Kinderlos, fand er in dem 
daͤuslichen KHreife . feiner. Pflegetochter, einer liebens 
wuürdigen Nichte und deren: waderen Gatten die. forg» 

 fäftigfte. Pflege und Stäge. und. fo. fühlte er weder fein - 
Ulter noch manches Damit verbundene Gebrechen. Einige 
MWochen vor ſeinem Tode erkrankte er an.der Cholera, 


386 ö \ Atefhaber. 


von. der er. wieder —* aber ſeine Stunde war. ges 
kommen, —- er endete am oben genannten Tage. — 


©eine Scdriften fi” —" “prung d. Gemohnbeit‘ 
einander am Neuı e. mitzutbeilen. Ein 
Serſuch bei_dem rd. Altdorf‘ 1789. — 
e& Bronolog: Dengeid a von Stromer, 
x welche feit d. 13. | hat Nürnberg bi 
au gegermärdge | H ıgen ıc. Nürnberg am 
anbfgaft b. d fräpen 
Grabe, — v „rei 's 1. Rechene 
meifterd in Närnber — Der Beilagen 
der Materialien 3, Rärnb. Sıfäiari 1. Samml. Nr. I. 
BIS XII. 1709, 2. Samml. (KU XIV). 1794..— *Dem 


Uindenten Kaifer geopotos I ebeiligt, am Tage feiner 
Zodeöfeier in ‚Rärnberg, N beigefägter Befcreib. d 
Eranerceremonien, melde auf Abfterben eined jedesmal. 
Kaifers in der Hau; — Närnber; ae mern. 
Nürnberg: 1792: mit d.. Bilde des Kaifers. — Ey 
B @ronol. ergeichniß der feit dem Ant ng Siefet J 
er Reichſſadt Nürnberg and deren ER 
hend geweſenen Epidemien unter unenfben und 
Tdieren, Ebd: 1796. — Ueberfiht v. d. Deränberungenn, 
weiche ib feit 50 3, a d. diefigen Medieinafanka kalten 
greignen baben. Ebd. 1' — Hifor. «Diplom. Beſchreib 
d. Nürnb. — als Der I eine, Veitra, 5 zur 
deut. Spbragiftif,.m. 2 Kpfrtaf. onatl. 
Dior, „rar, zart. Anzelaen 3, Fein, I nenern Gefa. 
lärnbergd, 6 Jadrg. v. 3. 1797— 1802. Ebd. — Leben 
u. Berdienfe Georg Andr. Wil's, kaiferl: Hof- u. Pfall 
rafen, der WWeltweisbeir Doktord u. berfelben — 


mtl, Adren E7 Mit dem Bildniß Di rbenen. 
mente zut der St. vu trigiath 
. n 3. Yelın Seine Närnd. 1799. — *Infeuftion 


fd. Befusung d. Willifh. —D Bibliotbet. en. 
1800. — Repertorium d. Nürnb. Gpfb. u. Minzkunde. 
Ri einem Hauptregifter üb. d. Närnd. Mänzbeluft ungen, 
Dem no&, ein fleined Nebenreg. fiber die Sprüde oder 
Motti auf d. befcprieb. u. angetührten Münzen ;beigefägt 
wird, von d. Verfaſſer “eben De Rlingb lu Rigungen; I: 
Nac) deifen Tode herausgegeben. hend. be - 
v. d. Nugen u. der zweckmaß. — er öffentl. 
Bibliotbe en be N fondere et. 0 ehalten. bei 


mung oriſchen — —RVR—— 
Klhawinfcom zade an Hrn. Bei Sb, ‚Sriedr. 
- eifelhoh von Eolberg,. als derſelbe ar Grdu in Slife - 





Kiefhaber. 887 
Kin von Köniigöthat fi) vermählte, v. einem unde. 
. ©. für an den 28. Ma; 5 _ 

Denfmant der Al 0.00 dem —e— errn Ke 

ũ. Fiener, Rektor d ule } Si. Sebald in Diras 
u. — SA een Blumenerbens dafelor im 
Namen d. Gefellfe *Regifter über die . 
Berorbnung der Mn, ler € Stiftungs. u._ wohl 
thätigen Armen» und San jenanftalten unter einer alle 
gemeinen Direktion v. 3 Na ion ten d. ältern 

ei 


—A eidelgerl au 
trag 3 deut. 12 
— Ban der 501 br. 
'ond. Schenk, vormaligen 
ipianifden Sprnefum in 
enen Rede. Ebd. 1809, — 
zul in Baiern z. gemein» 
ulfehrer und Auffichte> 
Ioiänd. Benin 5 6 
3aiern. München 18; 
tto I. Ebendaf. ie - 
— — alt m 
erg im 16. Yapro, 
üreiben an um, eat, 
hr non ı € at —8 
egiftraturmiflenfpaft zum 
\ über —W 9 „im Rt, 


.n. Ebd, 

Vörrede 3. Regensb. Chronik, * u. ie —J — 
Farl Theod. Gemeiner, Eönigl. baier, —— 
u. Arı ivg ‚mit einem bio. u bibliograph. und, Write D ei 
verftord, Bern: ©, I—LVIII. Regendb, unds 
Hnien ‚einer Inleitung 3. Yrdivd. u. ea iſtraturwiffen⸗ 
9 m Gebrauch bei d. Zarlefungen, ‚üb. biefelbe an 
Pr —* baler. Ludwigs ——— hand » Univerfitdt in 
Münden 1827. terfuhung, ber Stage: 
a —8 "die Diamant blos ee biftor. Halföwiffeni. 
der behauptet fie ihren Einfluß ac ı noch auf andere 
ae, ne baer Bfateme 8. a alten im Sitzungs⸗ 
7 al er. Afademie d. Wiflenfb. d. 29. Novı 
— * Hiltt. Diplomat, ‚Srörterung 
ur 2 vedes 





. ' 
338 Kiefhaber. . 


der Frage: Wad if Von dem von Waldeckiſchen Eid: 
theilungöbrief v. 3. 1470 als d.. älteft. Privaturkunde in 
deutſcher Sprache zu halten? Ebd..1827. — Turnierbu 
erzogs Wilhelm IV. von Baiern von 1510—45. Ra 
einem gleichzeitigen Manuffript d. koͤnigl. Bibliothek I 
Münden treu im Steindrud nadgebilder von Theobald 
Klemens Senefelder mit ng begleitet von Fr. 
en 


— 1824. — 


Bortiegung u. Bolendung von. fir. 6—8. Heft. Ebend. 


en. In 
berdeutfchen und Bü 


urger Ziteraturzeitungen Reben 
theils Recenfionen-, tbeild ? k y 


rapbie. München 1828 — 1829. — In dem 1. Bd. der 
und Gruberfhen Encnklopädie finden fib nicht 


x 


117: Dr. Johannes 2efoinne, 
praktiſcher Arzt in Aachen und Ehrenmitglied mehrerer geleßrten 
Akademien u. Geſellſchaften; 

geb. den 11. Apr. 1757, geft. den 8 März 1897 *). 


Lefoinne ward zu Wachen geboren. Sein Vater, 
Thomas Lefoinne, war ebenfalld Arzt und datte, befons 


derö bei den bie Bäder Aachens befuchenden Sremden, 


eine Berühmtheit erlangt, welche man heut zu Tage eine 
europdifche nennen würde. Unfer Zefoinne machte in den 
Elementarwilfenichaften und alten Sprachen fo rafıhe Fort» 
es daß er ſchon im 9. Jahre nad Duisburg ge 
idt wurde, um dad dortige damals berühmte s 
naſium Fr befuchen, in welchem er pieid in einer der 
oberen Kiaffen feine Studien mit folhem Erfolge fort 
feute, daß er bereitd am 2. Novbr. 1771, alfo in einem: 
Alter von 144 Sjabren, bei der daſigen Univerfitär unter 
dem Reftorate ‚von Chrik, Arend Scherer als Studiosus 
medicinau immatrifulirt wurde. Er mar eifriger Schuͤler 
des beräbmten Leidenfrof, der ibn bald lieb zewann und 
id feine weitere Ausbildung befonderd angelegen fein. 
ed. Demnaͤchſt fiudirte er einige Fahre in Leyden, bes 
ſuchte mehrere Städte in den Niederlanden, kehrte Dann 


‚ nad Duiödurg zuräd und promovirte Dafelbft am 24. Juli 


4781, nachdem er eine Differtation: „De thermis aquis- 
granensibus  earuımque usa salubri vel noxio” ge[orieben 
hatte. Die praktiſche Laufbahn begann er in_ feiner Ges _ 
burtöftadt unter Leitung feines trefflichen Dater und 
erwarb fih in Eurer Zeit us eine Geſchicklichkeit 
und unermübete Sorgialt eine ſehr ausgedehnte Prasis, 
Dur feine Uneigen igfeit, feinen wahrhaft tugend» 
haften Wandel, edle Sefinnungen und Menſchenfreund⸗ 
lichkeit aber die innige Liebe und hohe Achtzung Aller,’ 
die ſich ihm naͤherten. — Zange Zeit bindurch mar er faß 
der eimige Armenarzt Aachens und bi6 gegen 1811. ſuch⸗ 
sen menigftens drei Wiertel der Kurgäfte bei ibm Ärzte 
tie Hätte, Eine ſolche anögebehnie Prarid mußte ihm: 
bei berannahendem Alter ums fo befchwerlicher fallen, als 

er ih nie entfpließen konnte, feine Patienten anders, 
als zu Fuß zu befuchen; von 1812 an bezog, er regel 
mäßig mit dem eintretenden Srüblinge fein fobnes Lands 
gut in bei Herve und kehrte erfi mis ber rauden 


N Nach der Aachenes Beitung 1897. tr. 61. 99 * 





340 efoinne. 
üd. Nah und nad 

2 irte noch bei 4 

a fe auf menige ihm bes 

7} and diejenigen Zeidenden, 
.® Wohnung nehladıen. _ 

« ', ‚wie der Körper, in den 

Rev ano „gründlier Mathematiker, 

u om. Pbofler; er trieb mit beionderer Liebe Bo- 

in 


form! 
I eis zu 

irn un e nat; Romane waren ihm ein Gräuel, 
aegen Ind er gern bei 


rien oft zur a nen ar ‚Er batte einen: fo 


nannten Faͤchern verfolgte. ‘er mit befonderm Interefle 
bis zu feiner fenten, Krankbeit. - In jüngern — 
mi 


elegant auszudräden und mi 


J di 
Kan feiner Kranfen vertraute er ‚viel auf die Seibkh Ife 
erägen fuchte; von berois 
3 von Sihen er er —8 
r Begner der Habnem 
eitun der Vaccine wirkte 


nidt, die Ihm dargebra Hi 
nehmen uni 
agen zu entgehen, zog er 


Trommdorff. 241 


in Landgut zuräd. Zwei autefen 
Be, neh, Bi re 


*118,. Dr. Joh. Bartholomäus Trommsdotff, 

Tönigl. vrenß. Geheime Yofcath und Doktor der Akadernie gemeins 

mügiger Biffenfhoften und wirklich korrefpondirended Eürenmite 

glied vieler Atad. u. Gocietäten ded Ins u. Außlanded gu Erfurtz 
geb. den 8. Mai 1770, geſt. den 8. Märy 1887. 


Sein Vater, ordentlicher Profeflor der Medicin an 
der ebemaligen Hobfaule zu Erfurt und zugleich Ya 
thefenbefiger, ließ feinen drei Söhnen, wovon der Eine 
der Pharmacie, der Andere der henlogie und. der 
Züngtte, beim Tode des MWaterd noch fehr jung, anfangs 

—— aber der Medicin 3 
widmete, eine Borglihe jiehung ertheilen und gab . 
den Pharmaceuten, deilen Leben wir bier au_fihildern 
daben, nac sehbrlger Vorbereitung zin ofaputbeker 

. 9. ©. Bucbol 13 

ald fingling ee unfer T. deutlid, was aus Ihm 
eink werden wärde; denn feine -Ziebkingsunterbaftungen 
waren wiffenkhaftlice, defonders hemai ſche Arbeiten und 


342 Zrommöbderff. 
m Männern. Er brannte wor 


1), um jene Zeit, ald er nah dem Tode feined 
Si denn der vöterti en Bnoideke (bernabı. 


e imme . J 
D unter den Pharmaceüte 
rmedfen, trug ‚die fi 

meine Anerkennung, bie 
n Gefelfihaften Deitide 
9 überfandten ibm ibre 
i gr um Biebieinatratp 
'ngs rudofftädtifchen Hofe 
ı wieder dem E.’preußle 
m. toar, ebrte der Koͤni 
eunſte 2 im J. 


Zrommbdorff. 348 


durch Ueberfendung ded Rinerrengs des rotden Adler 
orden dritter Klafle, Im Jahr wurde er Direktor 
der fönigl. preusiihen Akademie gemeinnägiger Wilfene 
(haften zu Erfurt und ald endlih am 1. Tiober 1834 
das Jubelſeſt feines funfzigjährigen Wirkend als Apos 
tbefer von den zablreihen Sreunden, Derebrern und 
Schülern ded Jubelfreifes auf_eine HÖhR wärdige Weiſe 
u Erfurt gefeiert wurde, empfing er von feinem Könige 

6 Ernennungddefret zum Eönigl. preuß. Geheimen Hofe 
rard. — Die demiſche und pharmaceutifche Literatur ift 
34 reid an Werfen, die aus Trommsdorffd fructbarer 

der floffen. Er befoß die Gabe_eined Flaren, poblge 
erdneten und leichtvertändlihen Vortrags in auögezeide 
netem Grade, fo daß feine Schriften immer und auch 
nod Au überaU gern eleſen find und er dat durg fie 
zur glider Kenntniffe und befonders zur 
miffenfbahtligen Beförderung der Pharmiacie ungemelg 
viel 


[1 ! 
vielen neuen Auflagen nicht in Anflag bringen, müffe 
er Hr tilfen Zebin u: 


gar und gor nicht; im Gegenspeil mwar_er den größten 


irbeiten in feinem Davor 
reihen qemiſchen Analı 
Mineralwäfler und Arzn 
rungen ber Bereitungdm 
fer Bröparate, welche ü 
find, den Elarften Bewei 
maltung feiner Apotdeke, 
gen Staat» und Magi 


teren Gefelicaft er von 
fionen und feldft größere Aı 
gebirge machte, € 
ten; au widmete er feit 
nen Greunden mande ©... -- .. un. 2 2. 
That unbegrel id, wo er die Zeit zu feinen vielen lite- 
rarifpen Brbeiten hernahm, benm er war inzwifchen aud 
Mitarbeiter an ‚Eiteraturzeitüngen. und felbk . Dichter, 





J 


3440 Zrommsdorff. 


wenigſtenẽ gad er im re 1821 zu Erfurt unter dem 
men DI Ar ilibald, Mirandens Schä 
ing.” Ein — in acht Geſaͤngen. heraus. 


bat auf bie napahmungömüirbige Weife gezeigt, wie viel 


zu leiften im Stande if, menn er mit feiner 
Bei ve u. Kausbälterifch umzugeben verſtedt. Er batte 


ie gluͤckliche Gabe alled mit Leichtigkeit aufzufaflen und 


zu Durdbliden und war an rafche deln gewoͤhn 
was er ‚Khrieh, floß ihm eben fo leicht aus ber so r 
afd feine Schreibart Bar und. bündig war, . Den Wife 


fenf aften brachte er unglaublich viele und gro : 8 * 


man mußte, beſonders in den legten Jahren, fein Labo⸗ 
satorium., feine chemiſchen und pby ralifen % arate, 
feine Bibliothek gefeden haben, um fage fünnen, 
daß mande Staatöregierung in ibren Ö ent icen Lehr⸗ 


anſtalten davon bdeſchaͤmt werden koͤnnte. Dabei war er 


ein Muſter von Biederkeit, Klugheit und Irdigteu. 
Herzensgüͤte und Beſcheidendeit des Sharakterd. — Die 
geliebte Gattin ging ihm im Mai 1836 in die Enigfeit 
Voran und fo war ed Faum anders zu erwarten, als daß 
T. den Schmerz ‚tree Verluſtes nicht lange mehr ertta« 

gen und ihr, mit der er 5 Töchter, Die ‚(don gluͤcklich 
verdeirathet find und einen Sohn, der in feine Füßta⸗ 


pen tritt, gezeugt, bald nachfolgen werde. Was er da 


nannten Dre 
vom Unfange des 47. bis zu Ende 


r 


mald faut voraus verfündete ik nur leider allzubald in 
Erfüllung gegangen. — Der Naturforfder von Martiuß 
bat ein Genus Der Amarantaceen nach ibm "Tromms- 
dorfha benannt. — Bildniffe von ibm finder man sc. J. 
8, Krerdiom 88, vor Berlin. Jahrb. f. Pharm. Sahrd. 
{Be bio .ODechs, sc. Rosmädler Lips. 1802, vor- 
rommödorft: zafaenh. f. Aerzte a. d. 3.1808. Steindr.. 
del. Jagemann, lithogr. Müller jun. Sur, 18%. Steindr. 
vor Arch. des Upotbefervereind Bd. 14. Lemgo 1825. 
Steindr, lithogr. R. Sdlicht, vor Geiger Magaz. für 
barım. . 1829. — Seine Schriften find: Allge⸗ 
meine Ueberfibt d. einfachen u. aufammengefenten Sale, 
Gotha u. Weimar 1789. — Chemiſche Zergliederung_d. 
ſtinkenden Aſands oder (ogenanngen Teufelsdrecks. 
turt 1789. — * Kurzes Handbuch d. Apothekerkunſt zu 
Gebrauch f. Lernende. Stettin 120, — Garl Aug. 
mann Ueber d. Hopfen ꝛc. u. B. Trommödorfi. 
mifche: Unterfußung eines Suclimaiers" aus dem f 3.5 
rünnen bei Erfurt. Erfurt 1792. — 
Ueberſicht der wichtigſten een in der Chemie 
48. Iabrbundertd. 


’ 





. 
— 


Trommsdorff. rt: 


Weimar 1702. — Eehrb.?. pparımaceutifßen-Erverimen« 
„ven ſt wm ebrauch für . 
Xerzte u. praktifhe Apotheker u. als Zeitfaden zu Vor-⸗ 


m 
Lavoiſier's, Ehaptal’8 ıc., mit den neueften Entdeckungen 
vermedrt. Hamburg 41803. — Dritte verb. Aufl. Hamb. 
und Altona 1811. — Chemiſche Neceptirkunf oder Tas 


fwenbud f. praftifhe Aerzte, weldhe beim Verordnen d. 


Arzneien Sebler in pbarmacentifher u. chemiſcher Hin⸗ 


fiht vermeiden wollen. Erfurt 1797. — Zweite verm, u. 
verb. Aufl. Ebend. 1798. — Dritte verm. u. umgearb. 
Aufl. Ebend. 1802. — Vierte ver. u. verb. Aufl. Ebd. 
1807. — Sünfte new bearbeitete Aufl. Ebend. 1826. — 
Handbuch der pharmaceutiſchen Waarenkunde, zum Ges 
beauch f. Aerzte, Upotbeker u. Droguiften, Ebd. 1799.— 

weite verb. Aufl. nebit einer Anleitung zur Prüfung d. 

cdtheit der fämmtlichen gbarmassutiiigen Präparate. 

bend. 1806. — Abdrud. Ebend. 1815. — Dritte verb. 
Auflage. Gptha 182. — Handbuch der semeinnäigften 
Kenntnifle für den Bürger u. Landmann. 2 Bde. Mainz 


u. Hamburg 1769. — Darftellung der Säuren, Altalien, - 


rden und Metalle; ihrer Verbindungen de Salzen und 
brer Wahlverwandtfchaften. Erfurt u. Gotha 1800. — 
weite Aufl. Ebend, 41806. — Spftematifched geuud 

+ gefammten Chemie, zur Erleichterung d. Selbſtſtu⸗ 
| Biffenfdaft. (Auch unter d. Titel: Die 
bemie im Felde d. Erfahrung.) 8 Bde. Erf, 1800 — 1807. 
weite verm. Aufl. Ebend. 1805 — 0. — Mit Ehr. 

rt. Buchholz: Zwei chemiſche Abhandlungen, ald, chemi⸗ 

he Unterfuhung einiger Soffilien ꝛc. und Verſuche zur 


v. Chr. Sr. bel. Ebd. 1801. — EChemifches Probier⸗ 
t den Eis, 


.— Zweite Aufl. Ebend. 1808. — Zufäße, Erldus 
terungen und Derbeflerungen zu dem pbarmacoTogifchen _ 
kerifon, oder medicinifch inurgligen Heilmittellebre, fe 
Nerzte, Wundärzte, Apotheker, Defonomen u. Thieräräte.. 
'ür die Beſitzer der erken Aufl, des erfien und zweiten 





346 Trommsõdorff. 


Bandes beſonders gedrudt. Mein u. Yamb. 1 (Des 
Eietendotn —* ig ur n gi Jon — 
fen Journ, 284.) — 
gemein verkändlice —S einfachen u. 
leichten dt, Salperer zu gereiten obne befondere Appas 
. rate und mit den — vn fiden, era en: 
Sir den Bürger und Yandmann. Ebendafelbit 1802. — 
ie abe betr iae oder Verf. einer tabellarifhen Dar. 
ung, Di . gefammten Pharmacie, zum Gebrauce b. 

6 u. 4. Vorbereitung f. biejeni, n, melde 21 
einem men unterwerfen wollen. Erfurs und Gotha 
2 Zmeite gang umgearbeitete fehr vermebrte Auf. 

Ehend. 1810, (Der DVerfafler erhielt vom ‚sale von 
Ed für vier Shrift_einen koſtbaren Brillant 
ring.) darmaceutiſche Nomenclaturrafel,: nah der 
neuen pre ifhen nharmacopbe, zur leictern, Verwands 
lung d. neuern Namen in di ditern u. umgekehrt, f. d. 
Ptnnchafen u erste der fämmtlihen E. preul taaten. 
= Abdrud (2. Ebd. 1806. — Tafbenb. f. 

erw Prarmareuen a. d. I. 4808. 4, 5. 

- 5. — Ehemifhe Unterfuhung einiger 

d. 1804. — Mit Epr. 8. Buchholz: Edem. 

. Gerinnungsart d. leihten Satjdivers . 
- Derfud einer allgemeinen Gefchidie d. 

. 4806. (Stand fon im vorbergehenden 

9. 41—3.) — Ueber die Darftellung d. reie 

e_aus den Galläpfeln, mit Hin auf 
Oaeibungsmerbobe, Ebd. 1: — Kal 

ie Kun d. Toilette f. die elegante Welt, 

Eine Anleitung zur Verfertigung umfablicer arfüms 
Sadnbeirsmitet 9 ‚Pulver, Pomaden, Shmin! en ar 

Ken, aromatifcher Bäder u. aller hierher gebörigen 

tel, welche dazu dienen, d D5 Sönbelt gu u erhöben, zu ers 
* halten od. berzuftellen jügemeines phare 
mnceutifchsbemifches WB Ka od. Entwidelung aller 
in d. Pharmacie u, Chemie ‚vorfommenden Lehren, Bes 
wife, Befchreibung d. Geräthichaften u. f. w.; fi Aerzte, 
Fa eker und Chemiker, ud unter dem Titel: Die 
Aporheferkunk in Ihrem ganzen Umfange, in alpbabetjs 


f&er Ordnung.) 4 Bde. Ebend. 1805. Supplemente 
[4 Don algemeinen Hiermaceinifö.hemifgen Wörters 
che. 2 Gotha 1821. 22. — Neue Pharmacopde, 


dem Gegenmärtien ufande der Arzneitunde u. Pdar 
macie angemeffen, Nebft einem Unbange, mwelder die 
ranzbnifae MilirPharmasopde empäle. Erf. u. Cote. 


\ Trommsdorff. 347 


weite Aufl. Ebd. 1811." Abdrud (2). Exd. 1815. — 
Sn s f. Yergte u. Apotheker, jum Nugen u. Ver 


2. Sid 
1, Deutſcher Be oder — Gars 
senfoal a bearbeitet von ronum6 dorf. Erfurt_1808.) 
Abdrud (2) Ebend. 1815. end. 1819. — 


rändii sn ‚ausäbun, : Wollen s, Seidene, Baummols 
jen« und Leinfärb färberei, ß 
ten und_zu bleien. Zum Unterriht_für fattunfabrie 


ung d. Mi 
meraliwafferß de6 —— I bei ra in ie 
men, An jeftellt bei den Quellen im Ling. 1819. Gr 
FR auß dem N. Journ. d. Pharmacie id. 4. Et. 1.) 
18%. — Die Mineralquellen von Kalfer» Srans 


— Ki "durd viele: Verſuche erläutert; für 
Itanten, Künftier 9 een. Er. 

bemii lie —7 — Aleriöbrunnene, eines m 

—X m (atioija» tobi —* eifenbaligen Minerale 


88. Buſch Y — —— 


348 Trommsdorff. 


ſſers im Selfethale am Harze und eine neue Analvſe 
des —— des Acc Babes. Ned einigen ösjte 
Ser. 10 ‚Bemerfunge in diefen Analpfen, von Curge. 
Beben beſchreibung Sr. Heinrich Bild - 
Tempo 15 — Die von ihm herauge benen. Zeitfchrife 
nd: Journal d. Pharmacie. 26 Bde. Leipzig 1703 
Bis 1817. — Ad Sortiegung: N. gjeurnel Id Pharmacie. 
Bde. Ebd. 1817 — 1834 — RMonatsſchrift jur Auf⸗ 
—38 ꝛc. 12 efte, +. Alto tona 1796. — Allgemeine chem. 
Bibliorhef. 9 in 5 Bde. Erfun rt 1805 — 9. — Al⸗ 
manach der Genfärie I Jahrg. 12 — 15. 4 Bde; Er 
furt 1807 — 10. (Die erfien 1 Zeche find von ©, 
ae Sabre. 
4-— 50. Belmar 1 29. frä erau ger 
ber waren Söttling bi 1803, —2 nn 18 u. Rud. 
Vrandes für 1819) — Auch Mitherausgeber: des N. 
allg. Journ. der Chemie, feir 1803 und ded Journ 
ar Phpſik und Wiineralogie, feit- 4806, d. Annalen 
mache, FAT d. Jahrg. 3. 1834, — Außerdem. gab 
” u beraus 486 ar. Sorquet, Heath in put. 
" "&emifche Abpand ungen ai aus dem F — 
Erfurt 1803 Ölterboff, ar — a 
Zandbu der e Runffätbere, ame verb. zul, | Chen. 
18. — Veberfegungen: 9. 3. n Mons.?. 
Arzneibuch, aus dem Fanigſ l. mit Aumert, ra u ie. 
Erfurt 1801. Ebd. 1802. 


der Pharm. Bd. 10. St. 1. Dans © 108 kung: 


Jouͤrn. 


Don Göldern). — Wit. ‚Hey Chemie Dilettenten ae 


Aus dem Englifhen mit Ainmerk Ebendafelbft 1808. — 
Ei Cavallo Handbuch der Erperimental- Naturiehre, 
A em Engl. mit Anmerk. 4 Bde. Ebend. 1804: bi6 
— De erreichifibe Pharmacopoͤe; aus dem Taten, 
nit Le Hnmerk Ebend. 1814. Zweite umgearb. Auf. Ere . 
furt, Gotha und Wien 4818. Auch Latein. Ebd. 1818. 
Dritte verb. Aufl. Ebd. 4821. Zateinifh: edit, alterna 
emendata, Ibid. 4821. — £. J. Thenard —— — dus 
chen. Analyfe; aud dem Sranzöf. mit Anmerf. Er 
4818, — Branthome Meberblid Der Chemie nach ihrem 
gegenwärtigen Zu Zufande; aus dem Franzoͤſ. mit Anmerf. 
€. Ehevreul zunleit, ur. Analpie or⸗ 
Sana us EI Fi dem ran öf. ei einigen. Anm. 


Samuel Parkes Chem. Eatechismus. 3. 
—8 nach der 10. und 44. engl, auf. egdet u. zum 
Theil umgearbeit. Weimar Aufl. iſt nicht 


von rcuumsderh. — Zufäte Sud eben Zu Garl 


Beer. 0.349 


Wilh. Juch Ideen 3. Zoochemie Th. 1. Erfurt 1808. — 
- Borrede zu & W. Fade Pharmaceut. — Leip⸗ 
sig 1815. Zweite Aufl. 1819. — Anmerkungen zu Par⸗ 
mentier Mittel, den Zuder zu ergänzen; aus d. Franz. 
von Ir. Trommödorft. Erfurt 1809 und zu A. P. Ors 
Pla Handbuch der medic. Chemie; aud dem Sranzdf. von 
Sr. Trommsdorff. 2 Bde. Ebd. 1819. 20. — Vorrede zu 
£. Sr. Bley Taſchenb. f. Aerzte u. Badereifende. Leip⸗ 
die 1831. — Vorrede zu Briſſows Anfangsgründen der 
aturgefchichte und Chemie der Mineralien überf. von 
Drechtler. — Vorrede zu Menfing, Zeichtfaßliche Ans 
keitung zu ßoͤchiometriſchen Rechnungen Erfurt 1819. — 
- £ieferte viele Beiträge zu periodifhen Schriften. 


119. Theodor Albert Becker, 
Buchhändler in Quedlinburgs 
ged. den 17. Sanuar 1807, geft. den 12. März 1837 *). 


Er war der einzige Sohn des noch ‚lebenden Paſtors 
u t. Aegidii in Duendlinburg, Dr. Albert Gerhard. 
ecker und wurde den Eltern einige Jahre fedter, nad)» 
Dem zwei andere Söhne „greio nad) ihrer Geburt ver⸗ 
ſtorben waren, geboren. Don den erften Lebendtagen an 
war er Elein und ſchwach und feine Erhaltung verlangte 
Deshalb eine umfihtige Pflege und Erziehung. Bid zu 
: feiner Konfirmation befuchte er die oͤffentlichen Schulen 
und das Gymnaſium feiner Baterftadt, wobei fein Vater 
ibm neben andern Kindern häuslichen Unterricht ertheilte. 
In der Hoffnung, daß durch Veränderung des Wohn⸗ 
ortö und der Zedranftalt dad Förperlihe und geiftige Le⸗ 
ben B.'s beſſer gedeiben werde, brade man ihn nad 
Halle auf die: — — gelehrte Schule. Aber es war 
ein unglücklicher Mi ei daß die Eltern ihn als Pens 
- . fiondr auf Die Anftalt felbft brachten, während er in_einem 
rivatbaufe freundficher geleitet und in ge io enem, 
ttlichen Kreiſe einer ſolchen Samilie dad ftille Vater - 
8 weniger vermißt haben würde. Unter deſer Um⸗ 
anden nahmen die Eltern ihn nach einem Jahre wie⸗ 
er zu fi und gaben ihn der -frübern Lehranftalt zuruͤck, 
auf welder er durch wackere Lehrer und unter Nachhälfe- 
eines ters eine allgemeine literariſche Bildung er⸗ 
ieft, auf Erlernung der alten und neuern Sopran und 
biftorifche und literariſche Kemtniſſe begründet” Wabh⸗ 


— — 
©) Rach der Harzzeitung Wr. 18. 1888. 


N . 





350 Beter: 


2 send Diefer Zeit reiſte fein Entſchiuß, id dem Buchen, 


> 


dei zu widmen. Mr erlernte ibn. zu Helmſtedt in Der 
Sledeifenfchen an: vervollfommnete Ach dann wei: 
ter in der Geſchaͤftsſuͤhrung in der Heinrichöhofenfcen 
Buchhandlung zu Megdeburg,. worauf er noch eine Zeit 
lang in Braunſchweig lebte und fid ſodann im RN 1830: 
ald Buchhändler zu Quedlinburg etablirte. it Der 
Sortimentös und Verlagsbuhbandlung verband er im’ 
ahr 1831, unter der ceitung eines Sreundeß, ber die 
uchdruderei erlernt batte, Die Anlegung einer neuen 
Buchdruckerei. Vom Anfang feines Etabliffementd als 
Verlagsbuchbaͤndler an machte er ed fid zum Grundfag, 
uptlählid Werke zu verlegen, durch melde die Wiſ 
enſchaft auf irgend eine Weile gefördert werden möchte. 
Dagegen wieß er jeden Antrag zuräd, Schriften zu ver 
legen, in welden Religion, Sittlidyfeit und Liebe zum 
Vaterlande verlet oder dad Eigenthum Anderer gefähr: 
det zu fein ſchien. Hierbei hatte er das für einen jun⸗ 
n Geſchaͤftsmann feltene Gläd, daß er gi Unfangs 

‚Sich des Raths und der vertrauensvollen Mitwirkung an 
erfannt würdiger und in der gelehrien Welt bereits 
rauhmlichſt bekannter Männer erfreuen fonnte. Seine 
legte Unternehmung, melde er bereitd Eränfelnd einlei- 
see, war die Zeitſchrift „Hercynia“ oder „Harzzeitung.“ 
zu deren Heraudgabe er. furz zuvor von der Regierung 
u Magdeburg die Erlaubniß erhalten hatte. Die Sorge 
ur den Beltand und Die Vervollkommnung eines fo gee 
meinnügigen Unternehmens, dad ibm vielladen Nutzen 
pi verfprechen fhien, die Opfer, welche er demfelben ges 
racht und die Anftrengungen, welche mit der pünktlihen 
Erfbeinung und Berfendung der erſten Städe der neuen 
Zeitung für_ibn verbunden waren, vermehrten feine [dom 
‚ gegen den Schluß des Jahrs hin bedeutende Kränflich 
eit und fo farb er ungeachtet der treueſten Bemühun⸗ 
gen feines Arzted, des ihm Yon Kindheit an befreundeten 
r. Schwalbe und der forgfamflen Pflege der Seinigen 
am oben genannten Tage an der Lungenſchwindſucht. — 
B. harte einen edlen Charakter. Jeder der ibn näher 
Eennen lernte, gewann ihn lieb, während aud er Allen 
mit aufrichtiger Gegenliebe ergeben geblieben ift und fi 
Dadurd ihre Liebe zu erhalten gefucht bat. Das größte 
She des Lebens fand er jedod In feiner Gattin, Lonife 
geb. Kragenftein. Sie war ed, die den ſchon feit einl- . 
en Jahren fränfelnden Gatten ermüuthigte, einen Theil 
Heiner Geſchaͤfte und Sorgen. ihm abnahm und in deren Um- 


‘ DO 


Scheven — Schmidt. 861 


‚ wie in den Beſchaͤfſtigungen mit feinen Kindern 
ri der Sreude an ihnen, er auch da noch ke 
fand, ald er geräufchvollern Geſellſchaften zu entfagen 
gendidigt war und ſich allein auf den Umgang mit jeis 
ner Familie, feinen Eltern und Verwandten beſchraͤnken 


mußte. 
120. 8. J. Scheven, 
Bandtath des Siegtreifes , Amtöjubilar u. Nitter d. rothen Adlers 
ordens in Dennef (Rheinpreußen); 


geb. den 14. Sept. 1766, geft. den 13. März 1837 *). 


Scheven in Hennef geboren, gelangte nach vollen» 
deten Studien frühzeitig. zu feiner erften Anftellung als 
kurfuͤrſtlich pfalzsbaterifher Schatzſchultheiß. Unter die 
mwäbrend 52 Fahren in ununterbrodener Reidenfolge von 
ihm befleideten Aemter des Staatsdienſtes gebören fer 
ner jene: ald Iandeöberrliher Advokat im ehemaligen 
Umte Blanfenberg, afs Lokalverwalter, Domänen » und 
Forſtrath und zulegt feit 1816 als kön. preuß. Eandrath. 
Durch feine vieljädrigen Erfabrungen und anhaltenden: - 
Studien in den verfiedenen Faͤchern der höbern Willen. 
chaften, befonders der Gefhichte und Mathematik, hatte 
ch der Verfiorbene einen reihen Schatz von Kenntniffen 
erworben, welche er in der größten Einfachheit, An⸗ 
ſpruchſs⸗ und Prunklofigkeit nur zum Wohl feiner Ders 
malteten und aller deren, die feined Raths und Bei- 
ſtands bedurften, anmendete. — Er war in der That ein 
Bater feines Kreifed, ein fanfter, guter und mufterbafter ' 
Vorgeſetzter, ein biederer, rechtichattener Geſchaͤſisfreund. 


* 121. Gabriel Schmidt, 


Privatmann zu Wienz 
. geb. i. J. 1762, geſt. d. 16. Maͤrz 1887. 


Zu Worms geboren, war er der Sohn unbemittelter 
Eltern. Er widmete ſich der Handlung und brachte eis - 
nen Theil feiner Jugend in Paris zu, wo _er mit vielen 
Perſonen, welde in der Revolution eine Role fpielten, 
in Beräbrung fam. Auch war er Mitglied mehrerer. 
Geſchwornengerichte. Auf feinen vielen Befchäftdreifen. 
lernte er in Wien die Tochter aus dem angefehenen 
Handlungshauſe Frank kennen und ‚beiratbete fie: In 


°) Koͤlniſche Beitung 189. Mr. 8. 


32 Wuieffermann. 


ris war er bereitö Mitglied eines dedeutenden Bes 
Dafis, welches jedoch dürch ungläckliche Verbälin 
ihm nur Kummer bereitete, fo daß er aus demfels 
srat und ed feinem Kompagnon überließ. Er errichtete 
dierauf in Wien eine Geidenkofffabrit, in welcher er 
Pd ehr viel leiftete, fo daß feine Seidenſtoffe den 
franzöf. Tehr aͤhnlich waren. Nach dem erfolgten Tode 
feiner Frau ließ er jedoch auch Dielen von ibm ergriffes 
nen Induſtriezweig ruhen und lebte-ald Privarmann- in 
Mien. Seine Srau harte ibm drei Kinder binterlaffen, 
Kofine, verbeirasdet an Herren v. Kalchberg und bereits 
i. I. 4885 geſtorben, Eduard, bei der 8. k. Hofkammer in 
Wien angekellt and Adolph, dermalen in Baiern anfäffig, - 
in den Adelſtand erhoben und mit Amalie Sreiin v. Habere 
mann, der Tochter des verſt. Generals v. Habermann *) 
vermaͤhlt. Schmerzlid_niedergedrädt von dem Tode 
feiner Tochter brachte Schmidt den Spätberbfi feine 
ebens auf verfhiedenen Reifen zu und unerwartet ergriff 
ipn am 11. Mär, 1837 in Wien, die Grippe und nahm, 
nachdem er ſtets der befien Geſundheit genoflen, einen 


drobenden Charakter an, fo daß er fon am ‚oben ges 


doch 
lichkeit 


‚nannten Tage in den Armen der Seinigen rudig ver 


ied. — Er war ein fehr verftändiger und von Herzen 
hd Mann ; unglütlierweife hatte er fih in die he 
Bungen der Holitit verirrt, aus welchen er unbefriedigt 
zuruckkehrte und nunmehr allem Beſtehenden den Krieg 
erklaͤrte. Dadurch verlor er nach und nach die richtige 


ruhige Anſicht der Welt und ſetzte ſich in einen Wider⸗ 


Bus, mis ihr, welchem fein geichäftBlofed Leben etwas 
törrigeö verlieh, fo Daß er bei vielem Verſtand und 
redlichem Herzen fib wenig Sreunde, erwarb. Eine in 
unferer Zeit feltene Sreimäthigfeit verdient an ihm jes 
geachtet zu werden, fo wie. die firenge Rede 
eined Charakters. . 


„+ 122. Johann Philipp Wieffermann, 
tathol. Pfarrer zu Lengerih (Weſtphalen); 

Beboren d. 18. Sept. 1749, geſtorben d. 16, März 1887, . 
zu Nede in der Obergrafſchaft Lingen erblidte er 
das Licht der Welt, ward den 24. uni 1774 in Rom 
zum Prieſter geweiht; war 2 Jahr 5 Monate Miffiondr 


% & N Nekr. 8. Sabre. @. 1640, 


Weiffermann. 853 


rovin; Bröningen, 7 Jaht 6 Monate 
Krimi jar zu Seth € in Denabrhäfgene Bann 6 


* Kaplan in Lengerid beftelt. In ß 
von 6000 Seelen war er, ein Dann von feltenen Gelfteds 
und Hergenögaben, von ebiegenen Gelehrfamteit, ein 
jroßer Plan! 09, vortrentie ebner, Meifter in Dare 
ellung und Schilderung, eifriger Lehrer und Berthels 
vv Wahrheit, feuriger Haller aler Unterdrädung, 
und frei in re und Wandel, ganz an 
feinem Plage. Er verwaltete dad Pfarramt in fonieris 
gen Säden nit Genehmigun des Paltors mit allgemels 

ybgle‘ 


nem Beifal ch der jüngfte Beiftliche, in 
Eritifhen A 'n, bei — — der Runcla⸗ 
nur, des € 18 2c., obne Titel, wirkh geifl. 
Math und ! er an dad Berliner Stabinet und 
an-den del zu bringenden Vorftelungen. — 
Don feinem nd Sreund Dverberg *) unterfägt, 


dradte er i.. _....... daß die Schulen, welche früher 
shit abgedankten Soldaten und Beamtendienern befegt 
waren, katholiſche Lehrer erdielten. Er war der geſuchte 
Beicytvater, felbt aus der Ferne, ja noch auf feinem 
Sterbebette. Er war der tüchtige Lehrer, Batdaeber, 


Katechet, Litu ‚ wie es wohl wenige in 
der ganzen T id der Armen, der Bes 
trüben, der ' Verfolgten. Nad dem 
Tode feine in_defen Stelte. 
Benn_gleid e aupstätp für Reli 
ion, Sreideit m ritterlich beftanden, fo 
joffen doch d er Pfarrei nicht fo tft 
und freundfid es ihm münfhte. 


‚bie Tu... - ft ka— J 

— — große, gute, Kanne han Bibi ande 
önes Sfarrleben endete mit‘der Erkuns 

Digung nad ten Pfarrkindern, u 


5 Deifen Biographie & R, Welt, 4 Jahr ©, 688. 





M. Nebeolog. 16. Sahts. 28 


2 . 
123, Chriſtoph Adam Dam, 


@tohtpfareer und erſter Prediger bei St. Leonhard in Stutteart / 
"geb. den 9. Det. 178, geſt. am 19. März 1887 *). ” 


farius zu Babenhaufen und 1785 Nepetent 
fen — au ibingen —— 
! H 


tigart ald .. .... bei @t. Leonhard verjegt wurde. 
Burg bie 1 indefangenheit dr, anal er De Ueber, 

ugung auf ur 
ED oed Yallen Du lifums gewonnen hatte, wurde er 
Benden Regierung dee Kbr 





6) Mac ber Klbemetnen Ricpenzeiting vo Mr 27. u, einem 


safe S deun sernahm, d pet: 


in einzelnen Erdrterpngen die dad Dogma bi 
Aa Kine ehe "der Stern au 


— — 6, abne Beibälfe von Kun und Zahlen 
—— ſdien — mil verfammelten ih auc Bi 
rer,. bie nicht der 
pie, die in ibm ibr Haupt erfannte, jai fr im 


und feine 
Bi überfab es um fo leichter, daß feine Predigten in 
an sn Den faul —X Raas ſiab ir en 
ad hei 
gina ve Berne Yrlameitim en In ihr aue und 
f brer führung an innerer Indeit en 'benmaa! 
fehlte, wi Mm auch dad Umufammendängende und, 
len immer ald raus eined vollen, von dem Ges 
de des Heiligen dur&drungenen Der; er erf&ien und. 
dur die ehem ge des Dernaa 1 wie durdy eine 
Kant gewandte Sprade aud ein Öußeres Sniereffe gea 
‚jndefen fanf er nicht felten, wenn’er, mad a 
Feiner feiner rebigten unterfaflen wurde, daB © 
amt gegen die moralif en DVerderbnilfe und die er —V 
—38 der Zeit übte, Bl ‚Sormen und Yusdräden 
in Daß Gemeine, ja in das 
Flaffe aber, weiße den bei T 
gut itorlumd ai — En 


den unermüdeten, a 
‚Kraft, immer mit, MM 
serrofenbgik bemöl ne glei 
Seetfütge ibte und im augen 
gun en, die er in feinem $ 
‚dem. Srnfte betriebenen 8 
ve dad von ihm. Öffentlich 
ielnen nahe zu bringen und 
n und zu ‚efrugten Arebte 
ode, ehrwärdige Befalt, 


Ind 
is 


Fe Dani, 


»alteämtiden Foſthme. mit’ dot eulenfm em dig 


gen ac und in feinem böcken Sinn aufe 


entbehrte Bendge au finden; wie er aud Auswärtigen 
den erbetenen Rath, und Troſt in bäufigen briefliden 
. Mintdeilungen gewährte und wie er in einer Menge 
£leiner, zum Theil nur aus wenigen Blättern beftehen. 
den Süriften feinen ubörern, zumal feinen Konfir⸗ 
manden bleibende Denkmable der ertbeilten Lehre und 
Ermahnung barbot — fo erfheint_er ais ein treuer Are 


beiter ‚von feltener Kraft m Ader 
der Kirche und der Andli dem, ber 
den Werth eines auf die a £ebend 
lebendig anerkennt, die und in 
mandem auch wohl das 1 'n. Und 
Biel Eindra® wird au n “feines 
ilded, Die feine dogma als die 
rigen erkannten und ma: und Tas 
deipafte in feiner Weife i n, dod 
: Derjelbe bleiben, da e8 j. von 
der Diöparmonie der Theorien unabhängige 34 des 
Chriftenthums war, ‚der ſich durch ihn e Hi ftii „und 
iefed Geifed, 


. geradivcu ausfprad ‚und die Blätden 
landen, Hoffnung und Liebe fi Jedem feiner Zuhörer 
ergeben konnten, wenn er nur der Saat einen emptäug« 
Niopen Boden darbot. Jhre fthönfte Befdtigung fanden. 
aber feine‘ Lehren und Crmahnungen in feinem Leben, 
durch das er ein leuchtendes ‚Beifpiel jeder hriftlidhen 
Tugend, nmal der mitbigfien Ueberzeugungötreue, der 
anfprucplofeften Demuth, der gleichgältigften Entfagung 


, Dann. . 857 


aller finnliden Benäffe, der ſtillen Ergebung In die I 

Auch 7 dunkeln und dorni ren Den Gore und er 
aufopnferndften, alles Zeitliche gering achtenden Wohl⸗ 
tdaͤtigkeit für die Seinen geworden iſt. — Mitten in 
feiner Thaͤtigkeit -überfiel ibn feine letzte Krankdeit,. die 
old Satarrbalfieber anfänglich nit bedeutend fcdien, 


"Doch bedenklier wurde, ald ſchmerzliche Harndeſchwer⸗ 


‚den fib dazu gefelten. Unter abwechfelnden Beſorg⸗ 
niſſen und Hoffnungen ſank die Hülle des edlen Geiſtes 
ufammen und er entflob, nachdem D. die legten zwei 
age an einen Haldübel ſprachlos gugebract batte, am - 
‚oben genannten age aus feiner irdi (hen Behauſun Here 
j Eau abr 1798 verbeirathete er ſich hin Chriſtiane Marie . 
‚£ouife. Sinner (+ 117), melde ibm 2 Kinder gedar von 
denen nur noch ein Sohn, Der dem Berufe des Vaters 
: fich gewidmet hat, lebt. — Seine Schriften find: Anleit. 
2. Srifl. Nacdenken f. junge Leute. Tüb. 18... 2. Aufl, 
4822. — Meine Bel enntniffe * meine Deipflihtung en. 
Ebd. 1808. 3. Aufl. 1828. Dad nbthloke für Diet: 
‚boten. Stuttg. 180, — —5*— und smmunionbuo. 
‚Stuttgart 1810. 2. Aufl. 1815. 3. Aufl 
Dentwärd fe aus d. frübern Gef, Seh: Ch. 11. 
— mir: ih bin ein € Chriſt! Ebd 2. Aufl. 1818. 
BS. Aufl. 1830, — *Winfe zur 8 en Abendfeier des 
Kommuniontagee f. Ehriften von Nachdenken u. Gefühl, - 
Erd. 1812. — Die fchönfte Diorgenfunde, 2, auf. 
1813. — —* Spr J ur Degrlnbung deb erften 
Relloioneunterite u. A um endiglernen n Schulen. 
‚2. Aufl. Edend. 1814. — Chriftl. Sonntagdblätter eines 
Landpredigerk on feine Gemeinde. 3 Blätter. Ebd. 1816, 
4819 u. 1836. — Die Elemente, ein Seit. Item Ng8« 
‚blatt. ei. 1816. — Glaube, Liebe, Hof nun end. 
41816. — Der Menſch Jeſus ehriftuß, meine Weisheit, 
‚meine Serehtigfeit ıc. Ebend. 1816. — Werder wadte 
‚ganze Menſchen. Werdet w are Shrifen. Ebd. 1816. — 
5 h aͤlteſte — * das ditefte Gebet und 
das Altefte Gefen der Chriften, od. euchere $ Setehen 
j mh den en Da — dargeſteüit. € 1817. 2. 
urch Leiden zur Herrlichkeit. Ebend. Peg 
2% Tetige Hoffnung des Wieder In in jenem Sehen, 
Ebd. — Evangel.:hrifl. Blaͤtter. um zweiten 
Mal au 5. Hoffnung aus eſtreut. 5 Hfte. Ebd 2 bi 
in. — Die Abendmahl feler junger Ehriften. 3. F 
b. 1822, 5. Aufl. 1834. adruf an meine a Pin - 

Befegeiikaan beim Segianen eined neuen sed 


# 





3 Kran. j \ 
— win —* Beheben ers 
Situtt⸗ 







Mk u un Zebren für ar finder. 

pr — Soatkörner auf Hoffnung und 

Id. 1883. — Die Jungen I Niger bein 

——— End, 1 —— 

ir 

ader. Ebd. 3 — Die 9 ung 

iR} 8. leben, BUNG Weg 3. Gortedg mei af in 

18 Corikus, Ebd. 1823. — Yuöwal DL mein it. [7 

leder 3. Gebr. vi Singäbungen, [9 Se rderu 
fanften;, ; einkimmigen Ki Rirdengefa fange, & Samml; 


noneen u, Angedenken f. 
\ Befang, Ebb, 1829, 


85. — Die füngen 
—— 
Aden dn 


"* 124. Andreas Daniel Krauß,. 
Bautnfekfor amd Sebrer des Zeichnens uud Stelaſchnitis on der 
Akademie der hildenden Künfke in Kaſſelz 
geb: du 25. Mehr. 17OB. aeft. d. 49, Därp 1857, 

ein von nicht wohlhabenden Eitern geboren — 
die he debt noch und-nährt Ach redlich von Spinnen 


Bm" .880 


id einem Beinen andel — befugt er di 
Er pH HH das ebene fe 


— ige wich gie anvertraut und er ward ai 
— ange! Er ach, Be ae 
döndifden Verfai an war er Maurer» und 


G feined Be 7 Vertra —8 ernedenden 


ebung Sum —E kiarer Umficht un großer 
ten der 


DIR = 


So ’ \ Rubfaht, FE 


er V &e. wolue dewſelt en anß dem Zege.geden, 
a —— Degen 
daß er dei darauf feinen Geiñ aufgab: Yen 


125. Otto Chriftian Friedrich Aubfahl; 5 
Bidliotdetar u. Prof. am Kabetteninfiitut in Berlins 
gebe d. 10. Aug, 1768, geſt. d. 19. März 1897 ). 


Kupfapl wurde ald d der weiten 
fein Daterd Jod. Adar 'e, einem - Dot 
ei Dranienburg, geborı Fr Prediger mat, 
Der Bater und der regt tr Nikolai waren’ 
8.3 erfte Kebrer. MB fi t u Stipendien 
eröffnete, brachten ihn di Realfhule 


nad Berlin. Hier hatte er fei em O0 eim ar ne u 
verdanfen. er der erften ed er Ben ale fan a 
in bie’ dritte Klaffe des ee de aber nz 
— au einem einem Stipendium immer mehr verſchwau⸗ 
ing zum grauen Siefer über, wo im 
der ai — au uni, der nipeftor en 
dent) feines Barerd — ae inblerfben, == 





und nachher ein Schindlerfi Sripem! di 
Ais im A 1782 Ben — ie —— 8 


106 er Die ungenbeile Yatung ftier ‚Kommilitonen, \ 
— Hr 1791 Kies di f 
Beer in be Gates Gemeinen gepreniar ba an“ 


felben Sabre feine Eleven Ins fadettenkorps Htaten, er ⸗ 
dielt er ſelbſt, auf Verwenden ſeines Principald, am 
46. Dec. 1791, eine haare (int bei diefer Antal und 


—— 
WER @ellge Du den Berl Badelbten 198, fer 9 


5 ‘ 
Rupfahl, 661 


uutertidt in der Diunirenattonan 


wi 
Stein *), Profefor Sıhyer wi ur 
ft. 
fammte Korrefpondenz mit den aut 
‚au fübren, in den wößentlihen Si 
ren und die Refultate der Berdar 
seurd der von ber Ben haft erf 
mitzutheilen. - Der unglüdlibe Kri_. -.. _-- —— 
Geteulaft auf, doch find die meifien iörer Mitglieder 
4a der Fünftigen Zeit bedeutende Männer aäemurben, 
Als bei der Wiedergeburt des Staats eine Militärerge 
minationdtommiffton,, die nachberige DObereraminationds 
tommiffion, errichtet wurde, ward X. am 24. Mai’180d 
zum Mitglied derfelben ernannt und ihm die Präfung 
In der deutfhen Sprade, fpäterhin in der Gewichte, 
übertragen, in weldbem Amie er bid zum Ende, Teineb 
Zeben& mobl über 0009 junge Militärs geprüft und durch 
feine Treue dad Woblmolen feiner hohen Vorgeſehien 
id erworben bat, wie auch ald ein Zeichen deflelben, 
ibm, vom König im Jahr 1836 der rothe Adlerorden:viere 
ser Kaffe ertbeilt worden iR. Bei der Errihtung der 
allgemeinen Kriegsſchule im Tahr 4810 erinnerte ſich der 
Chef derfelben, Senerallieutenant von Scharnhorft,: der 
früheren Dienke_R.8 und er wurde ald Sekretär bei 
der Otudiendireftion der allgemeinen Kriegefhufe ange» 
Reit. Nun war auch feine äußere Lage ſo x et, daß 
er, obſchon ins zmweiundvierzigfte Jahr vorgerädt, daran 
denfen tonnte, fein bändlihes Gl zu gründen. Am 
44. Sebruar 1814 verheiratdete er fich mit Berida There 
bufp, welhe Epe kinderlos blieb. In der denkwärdis 
gen Zeit dei Ro 18 4818 zeigte fi auh N. tbdtig und _ 
wurde Anfang um Hauptmann, fpäterbin zum Batails- 
Tonöchef des In Berlin organifirten Landfturmg ernannt. 
Bei der zunehmenden Alteröfpwäce des Protefford und 
Bibliordefar Wippel ***) vom Kadettenforpd wurden St. 
vom damaligen Kommandeur der Anftaft, Generalmajor. 





!. ‘ 
v . 14 ._ 


se? 0 Rubfabk | 


yon oranfe 7 Die — des Bipifotpefard fider- 

feit W ‚vom Rovenber 1894 

an. Pech Amt ſelbſt I u Zu a 4835 —5 
auf ſein Anſuchen, nachdem er — 

lang das en der Srubiendirektion bei der ale 

meinen Krie verwalter hatte, dieſes Amts ent⸗ 

der Generalmajor v. tr De auf Ai Ans 


En Men, m —* dankbar erörben on rin, 
85 u feben, wie unter feine Ki eichen — 
au er — von D Aue “r) ir rte, 
we 


‚wo feine Däter kb er aweihundert © abre lan Das 
van — — redigt ae Sein ne 


| am zu Dem dur ine 

ide F 5 x eBrigen dm, binzu, daß alle 
ben in dem geſchwächten 

alten — So en her et 


\ len * Satin. Des und viele HE: Kine u 


ifolaitird of ihre legte Kubeftätte fa 9* — ‚Er war. 
wiſſenhafter, erhiter und milder £eprer, ein lieben. 
in ein uneigennägiger Arbeiter, ein bienfifertie 


ger ser amisginoſe. ein liebender Gatte. 


u * EEE Er Bu Jahrg. © Sk 








N s868 
126. Joleph Apolllnat Honorat d. Lheobold, 
Gmeralmajor in Stuttgart, Kommandeur 1. Kiafſe ded Miitäks 

\ ’ verdienflotdend ıc. j 
geb. den 8. April 1778, geft, den-19. Mär 17 y. - : 


*) Anggmeine Beitung 1961. Hr. 108, 108, 106. 


nun nme ann ni 


” “ " B 
36" von Theobald. . 
mit feltener Oewandtpeit und Reinheit andındräden tor, 


amt 


Dauptquartier beordert, von mo 
Des preußifchen Stiege wieder ein 
ded damaligen mwärtembergifhen St 
MWildelm *) (Bruder des verkorbe 
fungirte, Im Seldzug gear Pr... 2. anne 
E und war er Chef ded —— See 
neralfab$, ftieg zum Obriftlieutenant und Obrilt auf und 
erbielt dab Kitterkreu, ded eärtembergifäen Militärper, 
bienfordend, das nah mährend ded Zaufß.ded Friegs 
in rafoper &olge mit dem Kommandenrfreuz zweiter Klalle 
vertauit ‚wurde, Nach dem Seldzug ward ihm aufg 


- “ 
IS N Wehe, 3. Jadtg. ©, M. 


5 Truppen, auf deffen 


- 


don Theobald. 866 


‚ tragen, ein geldbienftregfenem für die märtembergifdyen 
othwendigkeit er. zuerſt aufmerk⸗ 
ſam gemacht hatte, zu entwerfen, welches, von der dierzu 
niedergefegten Kommiſſion in allen Theilen genehmigt, 
alsbald geſetzliche Kraft erhielt. Im Jahr 1808, mo dad 
würtembergiibe Arnieekorp abermals mobil‘ gemacht 
ward, avancirte er zum Generalmajor und Generalguars 
tiermeifter, wie auch zum Chef des corps des guides. 
Doch am bedeutendften follte für ion der Feldzug von 
4809 werden. Neben Beibebaltung feiner übrigen Share 
n batte er, kaum über. 36 Jahr alt und der Mehrzapf 
einer Mitgenerale in der Dauer der Dienftzeis bedeus . 
tend untergeordnet, ald Generaladjutant und unmittele 
barer Kommiffär feines Königs bei dem Kommandanten 
des würtembergifden Armeekorps, die ſchwierige Pflicht, 
die Selbfitändigkeit diefed Korps und die Autonomie 
fine? Souveraͤns in deflen Innern Angelegenheiten den _ 
nzoͤſiſchen geldherrn ‚gegenüber zu mahren ‚und bier 
über mit dem König eine unmittelbare ausſchließliche 
Korrefpondenz zu unterhalten. Gleich beim Ausmarſch 
war dieſe Stellung v. 8.8 von dem Ffommandirenden 
franzöfifhen General Vandamme fehr übel vermerkt, 
eine diesfalls vorgebrachte Remonftration jedoch von Koͤ⸗ 
nig Friedrich mit Feſtigkeit zurüdgewiefen worden. Auch 
Napoleon ſelbſt enthielt ſich nicht, bei einer fpätern Ges 
legenpeit fein Mißfallen über ein ſolches Amt eines wuͤr⸗ 
tembergifchen Offiziers durch ein: paar zornige Worte 
Deutlich zu erkennen u geben, Dachte jedoch Elug oder 
großartig nug, dad Verdienſt an’ demjenigen, der das 
mt bekleidete, anzuerkennen und ernannte v. T. noch 
im Zauf des Nriegd zum Mitglied der. Ehrenlegion. 
. Meberhaupt entledigte fich dieſer feiner Obliegenbeit, die - 
der wöürtembergifhen Generalitdt gegenüber vielleicht 
eben fo viel Sflugbeit und Zartfinn erforderte, als in 
Berug auf den franzöfifchen Machtdaber mit ausgezeich⸗ 
netem- Takt und zur volkommenen Zufriedenheit feined 
Monarcen, der ihn nach der Schlacht bei Linz mit einem 
Ehrenfäbel belohnte und bald darauf zum Kommandeur 
erſter Klaffe des Militärverdienftordend ernannte. Nach 
dem Feldzug erbielt v. T. neben: feinen bisher bekleide⸗ 
ten Stellen noch dad. Prafidiunm des Straßen. und Bräf: 
fenbaudepartementd in Wärtemberg und‘ ward einige 
Zeit fpäter zum wirkliden Staatörath erhoben. Weber 
Died fungirte er, feiner auögezeichneten matbematifchen 
Kenntniſſe wegen, in den Jähren :4840:umd.1814 al f. 


ı 





* 


366 von Aheobald. 


Jegigen sönige yon Würtemberg, deſſen Gunſt er ſich ‚dus 


«u Belbäte 
ten die offizielle Korrefpondenz feined hoben Begleitess. 
it dem König j beforgen. bon. in Preußen und 


en Untheif zu nehmen, eine Reihe von Jahren: in laͤnd⸗ 
icher Surbdtargogenbeit lebte, aus welcher er. nur im: 


ran aktiſche 
ötigfeit ergaben ſich jene. Jahre Der Iändlihen Muße 
A re At 5 eier dgen, 


— —— — — 


0) Dein Siogravdio ſF. R. Neke- Jabeg. © 646 





.» 


von Theobalb. 80 


Ki Agtren fam. In der Philofopbie war © — ſein 


kdrung ſprach und w 
LA 


teln das Leben. In der Staatswirthſcha | 

richtiger audgedrädt in der Theorie des Geldumlaufs 
wurden feine ‚tiefen Ideen von den gewichtigſten Auto⸗ 
risöten ‚anerfannt und ihm unter Anderm von dem bes 
kannten franzdf. Miniterpräfidenten Villele für ein zur 
gefandted Memoire Über Vereinfachung des Penſions⸗ 
weſens ein ſehr ſchmeichelhdaftes Schreiben zugerheilt. 
a Bezug auf feine allgemeine Denkweiſe ſei bier. nur 
noch bemerkt, Daß er, der während Napoleons Macht. 
der unverbiendete. und unbeſtechliche Durchſchauer feiner 
die Sreiheit Europas gefährdenden Herrſchfucht gemefen, 

’ der erklärtefte Bemwunderer des gefallenen Helden wurd 
edoch blos Der Bemunderer feiner Kraft und feined 

-  Seldderrngenied, das er feit Caͤſar unvergleihbar in der 
Gedichte erklärte, nicht feined Geiſted im allgemeinen. 





r 


&68 von, Theobald. 


Napoleons Mangel an Idealitaͤt, fein, mern a 


rn 


| | | groß» 
artiger und durch. eine ſchopferiſche Phantafie überklei. 
dee Materialidömus ie 'n Fa etd einen erfläte 


: ten Öeguer. Alſo vorbereitet betrat v. T. im Jahr 18 


non der Stadt Ehlingen zu ihrem. Abgeordneten bei d 
£onftisuirenden. Verſammlung Würtembergd gewählt, die 


garlamentarifee Laufbahn und wurde ſofort von den 


andftänden zu einem ‘der fieben Kommiſſaͤre ernannt, 
welche mit dem Deputirten der Regierung in -unmittel 
bare Verbandkung zu treten hatten. Nach Beendigung 
dieſes Landtags ward v. T. von der Stadt EBlingen 
für fih und feine Nachkommen mit dem Bürgerrecht bes 


‚ehrt und für die folgende Landtagsperiode, 1820 bis 1826, 
‚abermals. zum Abgeordneten erwählt: Auf dieſem wie 


auf dem folgenden Landtag (1826 — 1832), auf welchem 


er ald Ubgeordneter des Oberamts Tettnang erfbien. | 


bethätigte er fi ald eines ‚der eifrigften und vielſeitigſt 
gebildeten Mitglieder. Seine Bemühungen, eine Berfors . 
gungdanfalı für die Hinterbliebenen ſaͤmmtlicher Staats⸗ 
iener durch die Hälfte der beimfallenden Penfionen zu 
begründen, feine orfhläge für eine von Staatswegen 
u errichtende Verſitherungskaſſe, über. die Verminderung 
ed Staatsaufwands, Aber eine Modifikation des Rekru⸗ 


| tirungsgeſetzes zeigten ihn als eben. fo gewandten Red» 


ner, wie ald aͤchten Sreund des Volks. Eben fo ange 
legen verwendete ſich v. X. auf jenem Landtag, feinem 

an für allgemeine Humanität gemäß, für die Emanciyas 
tion der Juden und erwarb fi, dadurch von Seite der 
achtbarſten in Stuttgart anfäfligen Befenner. des Mofaide . 


- muß die angelegenften Dankbezeugungen. Gleicher Dank 


jufegen, ein Projekt, dad der Händifche Ausſchuß 
n 


d. Europ: Annal. von 1811; an d 


wurde ihm auf fehriftlihem Wege von. einigen Gemein⸗ 
devorſtehern au Theil, ald er dem. Vorſchlag gemacht 
hatte, die Zinſen der Staatsfhuld auf 4 Procent ve 
päter 
irkſamkeit brachte. Auch ſprach er beftig gegen Die 
Todesſtrafe. Neben jener parlamentarifden Shätigfei 
und Schon vor derfelben dußerte fih die literariſche 
Wirkſamkeit v. T.'s fo vielfeitig und vielfach, dag uns 
ier nur geſtattet fein kann, Diefelbe nach ‚ihren äußere 
en Umrilfen anzudeuten. — Seine meilten Schriften . 
ind anonym erſchienen und wir nennen von ihnen: Dis 
forifcher Gedanke üb. d. Deripeidigungöfrieg, im 7. ©t. 
efe Abhandlung erin» 
nerte fin der Verſtorbene mit befonderer Befriedigung, 


igdem der Aufſatz ganz diefelbe Principien aufftelte, 


‘ 
0 





> den Landwehr! 


‘von Theobald. 20.360 


die Später Rogniat im 13. und 14. Kapitel Der conside-. 
ration sur Part de guerre- auöfprad. — Der Volkb- 
krieg, ein ſtrategiſcher Verſuch im Nogember oder De 
&emberheft der europdifhen Annalen von 1819. — Milie 
tärifhe Beſchreibung ded Sowarzwaldes aus d. Fran. 
des General$ v. Ouelleminot, mit einem von 9. T. uns. 
mittelbar herrährenden Anbang über die Vertheibigung 
von Schwaben, Stuttg. 1815. — Strategifde Studien. 
Ebend. 1817. — Bemerkungen äder d. Feldzug v. 1796 
in Deutfland im 1., 3. u. 6. St. d. europdiiden Ans 
nalen von 1817, eine Schrift, d. unter dem militärifhen 
Yublifum bedeutende Aufmerkfamkeit erregte; aud fie 
iR den dem, Verf. damald no nicht bekannten Grund» 
an Rogniate ganz, ensfbre end. — Entwurf einer 
Ü . 





jegdordnung f. nigr. Würtemb. Stuttg. 1817. — 
je Yegion in Deutfhland. Ebend. 1818. — Die redte 
MWebrverfaffung. 1819, ein Verf. d. gegion Rogniats mit 
Fokem in Einklang zu bringen. — Ueber 
d. Bedeutung von Mannheim u. Ulm in dem Vertheis 
* Digungdfpftem v. Deutfchland. Ebend.-1819. — Die kon⸗ 
firutionele Staatöverwaltung od. Gpftem.d. brittifher 
taatövermaltung dv. Karl Dupin; aus d. Sranzdf. mit 
jablreichen Anmerkungen. 4823, obne Drudort. — Be 
bihte Napoleons u. d. großen Armee von Segär auß 
jem Sranzdf. Ebd. 1825; „c’etnit ä moi A vons traduire‘t 
forieb ihm der Verf. diefer. Meberfegung, „vos couleurs 
sont plus vives, vos expressions plus nerveuses que les 
miennes. De nos denz ouvrages c’est d present le mien 
jni est la copie, le votre est devenu le modele.“ Wenn 
Biere Worte au nur Ausdruck der Höflichkeit find und 
" Die etwa zu Grunde fiegende Wahrheit mehr dem Cha⸗ 
rakter unferer Sprade an fi, ald der Kunſt des Ueber⸗ 
feßerd zu Gute kommt, fo bemeifen fie wenigftens, mit 
melhem Dank der geiftreihe Segür " —" "" 
feelenvermandten Deutf&en aufnahn 
ten Urfachen der materiellen Erfcei 
ums von Sir Richard Philipps. 
arbeitet von Theobald u. Profeijor $ 
VouNdndiged Handb. der praft. N 
Say; aus dem Zranzdf. Ebend. 182 i 
sitel in das feit einigen Jahren un 
Rottek und Welfer erf&einende € h 
militärifhen, bald ſiaatsdi onomilde zu. B 
Wffekurangen, Kongrevefhe Raketen I. ſ. m. Noöͤtdias 
M. Metrolog. 16. Jahr. , .» 2% 


! 


370 von Zheobald. . 


iſt ed, gie noch zu demerfen, daß eine unter dem Namen 
v. 8.5 .erfhienene Weberfegung von Walter Scottd 
Napoleon, die wegen mehrfacher DBerKöße gegen den 
Sinn des Driginats getadelt wurde, mit geringer Aus; 
nahme wicht von Theobald feldft, fondern von einem ſchon 
vor Jahren verftorbenen jungen Mann berräßrt, welchem 
jener im Drange parfamentarifger Geſchaͤfte die faum 
begonnene Arbeit übergeben hatte und fofort dur ‚die 
eben genhrinten Gründe verhindert blieb, Die Lebertras 
ung mit der urferift enau zu vergleihen. — Die aus⸗ 
jriianeiten militaͤriſchen Schriftfieler unferer Zeit, det 
ranzoͤſiſche General Pelet, der ruffiide General Jomini, 
fanden mit dem Verſtorbenen in fortwährender Korre⸗ 
Ponder und beehrten ihn mit Zufenduug ihrer verſchie, 
nen Werfe. — v. T, batte fid im Jahr 1804 mit 
eanette, Freiin von Hfgel vermählt, welche ibm zwei 
oͤchter und einen nunmehr in oͤſtreichiſchen Kriegsdien⸗ 
Ren ſtehenden Sohn gebar. Die eine Tochter ging ibm 
vor nabe drei Gahren in die Ewigkeit voran und Der 
Schmerz um dieſes durch bobe Talente ausgezeichnete 
Lieblingskind, verbunden mit einer feit dem ruffifchen 
Feldzuge juridgebliebenen Schwäche ded Adominalners 
venſpſtems, ſcheinen feinen am oben genannten ag an 
einer Unterleibölähmung fchnell und. unvermuther einge: 
tretenen Tod langfam vorbereitet zu baben.- Zwar batte 
er den Berkuft mit männlicher Kefignation getragen und 
fogar vermieden, die Verſtorbene nur zu nennen, allein die 
m auf jeinem leuten Strankenlager entfhlüäpften Worte 
igten nur zu deutlich, wie nahe fie feinem dergen fort« 
rend geblieben war und mie Innig er an eine fort⸗ 
Dauernde eelehberädrung mit beristben glaubte. Ueber: 
aupt war die Dem oberflaͤchlichen Beobachter entgehende 
emäthötiefe eines der bezeichnenden Merkmale bei T. 
ber vielleicht Durch feine Undeachtung dußerlicher 
Religionsſymbole manden Beurtheilern auffiel und def 
fen bei verſhiedenen Gelegenheiten in diefem Sinn ges 
äußerte Unfiht Manchen mwodt ſchroff und kalt fcien, 
- war innerlich vom lebendigften Glauben an eine Alled 
lenkende Vorfehung Durhdrungen und wenn auf irgend 
jemand, paßte auf ihn dad tiefinnige Wort Schillers: 
„Welche eligien ich befenne? feine von allen, die Du 
mir nennft! Und warum Feine? Aus Religion!“ Eben 
o fe glaubte v. T. an eine fortfchreitende Entwicke⸗ 
ung der Menfchheit zum Beffern und ed war rührend, 


von Theobald. 871. 


Due RE orolnoung 1° since eine calare Orden 
" el 
anfah. Ein folder Mann mußte, denn, als Ki Iso 
Yadren eine Regierung in Sranfrei fiel, je ſich fi 
unglüdlider Berbiendung den Rockſchriu ven "Ren er 
deit zum an gefent zu baden ſchien, natürkid im 


‚werfen ergriffen werden; nie aber fam idm Der Geda: Danke 


als fet N diefem Kegierangtmeäfet die Zeit der Ro 
pubrit für Grantrekd oder gar für Europa angekündigt 
nad die räftige Antwort, womit er einen Schmwärmer 
diefes Ofaubens jurechtwies, bat, fo viel wir miffen, eine 
chtũche Notorisät erdalten. Er bielt eine — 
Eranisoernfung dei dem en on —T— var 


—— 


. treme, bie er in e Bun, Brade ale gl 5 


Yon oben genannten Seren ſind noch aı ana 
DYaupimomente d. Kriegöfunft, — en —383 
m. ſieter Rüdfit a. d._Kriegögei®i 
gart 1809. — Die Kunſt der — —E 

nad d. Leſten Queüen frei bearbeitet. Ebend. 1820. — 
*lcher Mitttärfgf * von 
Des Baron von nit Ben 
tunf, 22. überfeht 3 eneraim 

Ebend. is 


Bilter? Döer Bert. Ab. d. | 
mie der- gegentärtige Sutter 
Daunon; a. d. gran. u. T. @ 
Die Lehre von den Zeitrenten, 
renten. Ebend. 1823. Pek 
Korn eigen Yet! 
d. Erpeditionen von Reape 
überf. 1 90. Eben! 


372 


* 127. M. Chriſtian Friedrich Stange, 
Dfarrer zu Welßig bei Dresden; - 
ged. den 9. Dec. 1768, geſt. den 20. März 1837. ' 


Er war fi Hoyerswerda in der jetzt koͤniglich preu⸗ 
‚si en Dberlaufiß geboren. Seinen Vater, den Rektor 
er dortigen Stadif faule, I Sr. — Stange, 
—* er im December 1800 durch Tod; feine Mut⸗ 
ter war eine en — — —— CKo 
ter aus Stoll Sarz. ° achtjaͤhriger Knabe 
‚wurde St. von ° einem Dater ur 2 Dreöden: gebract 
und war un de ER 6 Iehre lang, Sapeltnabe in. der 
evangeliigen © — paͤten Jahren figen 
8 d hertiäten hate dieſer früben und trefi 
Seien gübungen, indem er oft von feinen jabirei 
Indern wegen. feines ausgezeichneten Geſangs 
alle wurde, n Dreöden aus begab fich At. H 
bie ehrenfufe PH bei Naumburg, wurde am 7. Ma 
"4790 auf der Univerfität Leipzig inffribirt und 
er —D A Jahre und 2 Monate Theolo gie ſtudirt 
beſtand er am 1. Dftober 1794 vor dem Sberfanf * 
zu Dresden dad Kandidatenexamen und ertheilte nun 
zunaͤchſt den Kindern ded Major von Sp und anderer 
—— Familien in Eilendurg Unterr Doch ſchon 
im. Jahr 1800 wendete er fi, een mit einem. en 
pfeb enden — des Damafigen Superiniendent 
€. ©. Heinrich; in Eilenburg, nachdem er. 1798 die 
giſterwuͤrde erlangt hatte, wiederum. nach Dresden, wo 
er aundan. in vornehmen Häufern Unterricht, ertheilte, 
em 28 vuhe 1803 aber ſchon die Stelle eines Ai A 
rerö bei. dem adeligen Kadettenkorps und im- 

‘an su der Würde eines Adjunkts ber gedachtem Kor 
erboben wurde, welches Lehreramt er mis gemwiffenbafte ? 
nktlichkeit verwaltete, bis er im September 1806 alı 

arrer zu Weißig bei Dreöden Yocirt wurde und dieſes 
mt noch im November deſſelben Tabrö_ antrat: 3m 
‚Fahr 1808 verheirathete ſich St. mit der jängften 
ver. bee anön; 1 — — — Ve «Stein. 
ad um 
dien und eb. ollen: —— Ge andere Süd 
einer Ehe wur Ge aber ‚nur allzubald geträbt, indem er 
en frübzeitigen Tod zweier u und einer Tochter 
au betrauern batte und der jängke Sohn (jet Stud. theol. 
su Leipzig), auf den un die Eltern ihre einzige Hoff⸗ 


Stange. 373 . 


nung febten, dierch anbaftende und bedeutende Krankheit 
in frübetter Kindbeit fehr viel leiden mußte. ragen wir 
nun auch nach den Sreuden, die ihm in feinem Samfliene 
Seben zu Tbeil würden, fo nimmt unter andern die Aus⸗ 
bildung feined einzigen Sohns, der er fih mit allem ‚Eifer 
ganz allein unterzog, wohl eine der eriten Stellen ein und 
außerdem: gereihte es ihm auch zur innigiten. Sreude, 


daß er die Erziedung ded Alteten Sohn (jetigen Po 


ftord- zu Schwarzrollen und Taͤtſchwitz bei pooer werda) 
feines ‚gindigen, noch zu Hoperswerda ald Fön. Beanter 
lebenden: Bruders von der zarteften Kindheit an übere 
nebmen und- ihn für die gelehrte Schule ebenfalls ſelbſt 
Vorbereiten: Eonnte. Sinden wir alſo den Verewigten 
auf der einen Seite in feinem Samilienleben ſtets thätig 
und beforgt für dad Wodl feiner Verwandten, fo koͤn⸗ 
nen fir ihn auch auf der andern in feinem amtliden 
Wirkungskreiſe gan in eben diefer Art beobachten und 
Darftellen. ‘Denn wie er fih im Allgemeinen, im raten 
Eifer fürd Chriſtenthum, ald einer Der gemiffenhafteiten 
gehrer in Kirche und Schule durch feinen aͤcht proteſtan⸗ 
tifhen Unterricht, bei dem ibm vorzüglich Reinbard als 
Mufter vorfhmebte, vor Vielen feiner Zeitgenoffen aus⸗ 
jeihneie. fo bat er fid auch durch feine umermädese 

bätigkeit noch manches befondere Verdienſt und man⸗ 
ches dankbare Herz erworben. Denn_er hair fo_gern, 
wo er nur die North Leidender und Bedrüdter in der 
Nähe und Ferne irgendwie erleichtern konnte. So batte- 
er denn auch, um menigftend ein Beifpiel_anzuführen, 
Die große Freude, nach. den fchweren Kriegdjahren, als. 
von allen Seiten ber Hülferufe und befonders aud dem 
Erjgebirge Bitten der Unglüdlicden gehört wurden, dur 
fein Wort nicht nur in einem fehr großen Theile Sad» 


ſens, fondern felbf in einigen Städten Preußens, Die 


Serien der vom Gefhid weniger bart Betroffenen für 
das Ungfüd jener armen Bebirgsbewohner zu gewinnen 
und durch fehr bedeutende Summen, die er an die ver - 
fbiedenen bülfßbedärftigen Ortſchaften einfandte, ihre - 
Noth bedeutend zu mildern. Und wie gern fammelte er 
no in feinen legten Jahren für das Dreddner Taubs 
fummentnftitut, wie war er bemüht und felten obne . 
gänftigen Erfolg, Sreunde für die Miſſions- und. Bibeb 
geſellſchaft und aͤbnliche wohlthaͤtige Zwecke zu gewin⸗ 
nen! Auch im engern Kreiſe zeigte ſich dieſer fein edler 
Sinn. Denn, obwohl er nie Vermoͤgen befaß p unter» 
Rögte er bo@ -manded : hälfsbebärftige Glieb feiner 


m 





. —3 Glaſer: 
— 


ie, — u 2 mußte aber rad 
Er a6 teilen, in feinen redlien ben 


nr oft And annlgfad verkanng zu werden. 
Baia ihren lebte er mebr nur in feinen —XR 
—5— u Kreid zurbdgepegen, wozu er ſich cud 
nde Körperfhwäde veranlagt — 
2 br A rt rper und Geitt außer im Zahr 4823 
band — 5a ac —e— nz ame 
e unerwartet am oben genannte e dur 
‚ einen Nervenfhlag. — Beine & ai iften fi: Unter 


utunft mutdig 
B getroß ent; eacn feben me Bean Eine ‚Predigt über 


Dfevat 
est Eher etaab Selns Re ind. 3m re du 38 


— kurzen Au: ag 
Bir Panne ernfte , wohlgel, erbiß bean 
gedichte von ihm w.-einiged auß » Frangöf. Ueberfegue. b 


* 128, Andreas Friedr. Gottlieb Glafer, - 
Doktor der Tdeotogie w. Wagifter der Philofopbie, aroßhersonith 
wmedtendutgefteliäfäee Konfltoriatratd , Guperintendent und Pol: 

prediger zu Meuftrelid s 

geb, den 11. März 1702, geft, ben 21. März 1887: 
n zu Schwäbifh . Hall, einem märtem- 
ven np KocderAuß, wo,. wie verlautet, 





’ — vorgebildet und zut um Dienfe 
ie un 
» iag bier_in dem sorolog! ia. Stifte 


Glaſer. 875 


und. Auimerkſamkrit in ber Sartfineue weit erregte: Im 
J. 1798 zum Magiſter der nbilnfopbie promovirt mandte 
er fih fodann AG} Helmfiddt und uͤbernahm dafelbft. im 

ahr 1800 dad Diafonat am St. Gtepban, wurde aber 
on Daneben 1804, bei, feiner Vorliebe für ein afaden: 

: miles Lehramt, auch zum vierten ordentlichen Profeſſor 

er Theologie an der Dafigen Univerfitdt berufen und im 

kiober 1806, ald am Stiftungsfeſte diefer Hodſdule. 
honoris causa zum Doktor der Gottesgelahrtheit ereirt, 
Den 3. Mai 1809, nad dem Tode ded Konfiftprialrarhs 
D.2.©. —8R erdien er endlich von dem verſtorbenen 
Großherzoge Karl den Ruf als Kogſiſtorialrath, Super⸗ 
intendent und Hofprediger nad Neuſtrelitz und wurde 

in dieſen Aemtern dort den 14. Mai deſſelben J 
feierlichſt inſtalirt. Sn allen denſelben diente der Hin⸗ 
eſchiedene dem Staat und der Kirde mit großer Treue, 
Befoidliäti und reichem Erfol pe beinade 2O Jabre 

ng. Er war überhaupt, fo vielfach er auch verkannt 
worden if, ein Mann von ausgegeihneter Gelehrſamkeit 
und ein bumaner Eraminator. Won ibm fonnte man ia 
einem — immer gründliden — Eramen mohl mehr ler⸗ 
nen, ald in einem balbjährigen Vortrage fo mancher 
—A der polone. | ndem wir bier nur dad 

Wichtigſte von allen dem, was er ald Dirigent des 

Konſiſtoriums und des Dperfchulfonegiums, Superinten⸗ 
dent ꝛc. geleiſtet, hervorheben wollen, maden wir zu⸗ 

aͤchſt auf den nee aufmerkfam, den er auf die, befs 
{re und zwedmäßigere Einrichtung der proßerzogfichen 
ildungsanſtalt für Käfer und Landſchulledrer und des 
sen bernab im J. 9 erfolgten Verlegung von Neu⸗ 
firelig nad dem 834. zu Mirow, fo wie der ver 
befferten Schuleinridtung des ganzen Landes gebabt hat. 
Even fo beachtungswerth if daß, mas er in -geiftlichen 
und firhliden Angelegendeiten getban; was er ald Aka⸗ 
demifer genügt bat, Te b beforänten wir und Ad? auzu⸗ 
führen, Sa die tbeolegifchen D ieciphi inen ,. über welche 
er Borlefungen gedalten., Baunıf Ali find die. Ereaete 
des N. Teſtaments, Kirchenge ii te, Dogmatik u. ſ. w. 
Neben feinen tbeoiogiicen ennnniflen heſaß er. eine 
vielfeitige Bildung, weide er auf. feinen weiten 
Reifen und durd feine bielanen, Verbindunge en mit 
lehrten Männern erworben batte. Er ſprach un chrieh 
ollaͤndiſch und Eusliſch eben fo fertig und Den 
und befaß ni ewoͤhnliche Kenntnifle in. der Natur» und 
Erdfunde, — ein Ted erfolgte nach Jaugen Koͤrper⸗ 





nn 


ne daͤuslichen Verhaͤltniffe anlau de 
vo WER ei a ; te N an . 


“ Töchter, von- ‚denen die —* ta ed. un Si 
ar fine , feit dem 26. Sept. 1825 an den Paſtor J 
pie zu — a, und BR ine 


8. d 5. Aniitel der 1 einen —7 — Ir 
en 26 

7— Chr. Denn: Aus dem Holländ. or rn u 

BE h Gef. d 5* —2* in d. luth. emeinde 


erer auf — u. auf die —EW 
— 1808. ray 2. Theil 


von ai, Fosoe, "Aus d, ei gl über. rt Anmerk. 
v. H· K de, 8 Bde. zen jig 18068. — £epte 
Konkrmatiendtee und Abſchie eböpredigt ıc. Helmſtaͤdt 
1309, = Antrittöprebigt. in Nerſrelig über Joh. 4, a. 


Bandhauer. 877 


in d. Moftirde am erſt. Pfingfitäge 1000 gehakten. Nen⸗ 
brandend. 1809. — Gedächtniipred. auf vuB am 19. Juli 
4810 zu Hobenzierig, erfulgte böchftfelige Abſterben Ihro 
Maiett. d. regier. Kön. Louiſe 9. Preußen, am 6. Sonns 
tage nach Trinit. üb. ob. 14, 23 —29, in der Schloße 
fire zu Neuftrelig gebalten. Neuftrelig 1810. — Eins 
weibungäpredigt bei d. Wiedereröffnung d. Marienkirche 
su Sriedland üb. 1. B. d. Kön. 8, 2780, d. 14. Jan. 
1810 gehalten. Neubrandenb. 1810. — De Joanne Baptista, 
insigni virtutum, quae doctorem 'evangelii ornant exem- 
plari, quale imprimis Joannis cap. 1, 19 — 28 delincatur.; 
Neastrelitz 1811. — Gedaͤchtnißpredigt auf d. hochbetrübte 
Ableben Sr. kön. H. des allerdurchl. Großderzogs Karl 
Ludw. Friedr. v. Recklenb.⸗Strelig. Neuftrelig 1817. — 
Meprere Auffäge in Hended Archiv f. d. neue Kirchen⸗ 
eſchichte, Band 4, 5 u. 6, in den Rintelfchen theolog. 
nnalen u. ſ. w. 


Schwerin, Sr. Brüffen. | 
* 129. Gottfried Bandhauer, 


Baurath außer Dienft, in Roßlau (Anhalt s Köthen); 
geb. d. 22. März 1791, geft. d. 22. Mär; 1837. 


Er flammte von geringen Eltern, Ternte dad Zimmer, 
mannshandwerk und zeichnete ſich ſchon früh dur viele 
inlagen, namentlich ſolche aus, welde in Deiebung 
auf Dad nachher von ibm gewählte Berufsgeſchaͤft ſtan— 
den. Im Tadr 1809 ging er ald Gefell feines erlernten: 
Dandwerfd auf die Wanderſchaft und feine Reifen vers 
mebrten und. erweiterten die vielfach von ihm erworbe⸗ 
nen SKenntniffe. Bon 41814 an fludirte B. unter dem 
Oberbaurathe Moller in Darmfadt Architektur, wurde‘ 
bier für die N 1816, 1817 und zum Theil 1818 interimi⸗ 
ſtiſch und als Lebrer an der Baufchule angeitellt und 1818 
Distarius zu Döffeldorf, mo er die große Slavalleries 
kaſerne in der Neuftadt ausgeführt bat. In dieſer ſei⸗ 
ner Stellung ward er dem nun verewigten Herzog von 
Köthen *), dem Borgänger des jegt regierenden Serooß, > 
befannt und jener ftelite ihn 1820 ald Baukondukteur 
in feinen Dienften an. Im I. 1822 ward er zum Baus’ 
infpeftor und 1824 zum Baurath befördert. Den meiſten 
Ruf fbien B. anfänglid durd den Bau'der Ketten.’ 
brüde bei Nienburg an der Saale zu gewinnen. Man 


ey Defien Blograpbie fı' N. Nekr. 8. Jabrs. Sc 





378 | Bandhauer. 
war gefpauntiauf dieſe im nördliden Deus Siöher 
——ã Erſcheinung. Diele zweilelton edoch am 
ucklichen Erfolg; mau beforgte und man ſpoͤtielte. Nach 
eendigung des Baues ließ B. eine große Laſt, welcher 
r. voranritt, über die Brüde fahren. Die damalige, 
gt vermittwete, Herzogin von Anbalt: Köthen befand 
& zum Beſuch in dem anmutbig gelegenen ünd ſchoͤn 
geihmüdten berzogl. Schloffe zu Nienburg a, d. Saale, 
wo fie Öfterd mit ihrem berzogl. Gemahle weilte. Der 
geriop erfreute an jenem verbängnißvollen Tage feine 
Gemahlin Dusch einen Beſuch. Die Buͤrgerſchaft batte 
befhloffen einen Beweis ihrer Anbänglichfeit an das 
regierende Haus zu geben und bradte dem Herzog und 
Ber Herzogin in einem Sadelaufzug ibr Lebeboch. Der 
Yktuarius Nagel in Nienburg batte den Bedanfen, es 
mäfle einen ſchoͤnen Unblid gewähren, wenn man fid 
auf die Kettenbrüde begebe und von dort die Fackeln in 
Die Saale leuchteten. Der Rat ward angenommen. 
Eine fehr große Menge Menſchen eilte auf die Brüde, 
Die nun völlig angeſuͤlt war und mehrere Mufici ber 
nnen auf derfelben zu fpielen. Bald Darauf, als die 
ruͤcke betreten wurde, brach pldatie die linke Hälfte 
und alle, die auf dieſer ſtanden, Härzten in den Fluß, 
egen alle, die auf der rechten Hälfte ſich befanden, 
00 eich ih retteten. Der erfte berabitärzende Balken zers. 
f metterte ben Kopf des Aktuarius Nagel, welcher une 
ewußt den Rath zu den Umftänden feines Todes pe 
ben batte.. Die Mufici flärzten noch blafend in die 
* — Das Krachen der züſammenſtürzenden halben 
Bruͤcke droͤhnte durch gen Nienburg, womit fi in dem⸗ 
felben Augenblide dad _gränzenlofe Webe. und Jammer⸗ 
eſchrei der Verunglüdten verband. Es war ein Dunkler 
bend und die Sadeln verlofden theils im Strom tbeils 
leuchteten fie nicht vöDig binein in das unüberfehbare 
Elend. Vierzig und einige Leihen wurden nach und 
nad aud dem Hufe gesogen. Die Zahl der Berftäns 
melten war noch weit größer. Wenige Kamilien maren 
ganz von dem Ungläd verſchont; Alle fuchten Die Ihri⸗ 
gen. Sehr viele von den Herabgeftüriten wurden ges 
rettet, zum Theil von fremden Schiffern, zum heil. 
von Eindeimif In z. B. dem Kaufmann Pichier, ein 
anderer. Theil ſchwamm auf Bretern bis nah ‚dem eine 
sunde Aromabiwärts entfernten Wedlig. .An einem 
age wurden nachher die Ertrunfenen begraben und nur 
einige waren damals noch nicht aufgefunden. B. befand 


t ' 


Dimly. 2709 


Ed: su: jener Zeit in Körben. Ueder Die AMatruftion 
des Baues bat er ' nachher in einer Shrift zu ven 
iheidigen gefuht: dem nicht binreihend guten Eifen 
ik die Schuld des Bruchs beizumeſſen geſtrebt worden. 
pdterdin erbauete B. in Kdiden Die katholiſche Kirche 
und bei Diefem Baue verloren Durch den Einftun eines 
Geruͤſtes mebrere Arbeiter ihr Leben. Seine Bertheidis 
gung ging dahin, daß er nicht die Einzelnheiten dieſes 
aues zu leiten gehabt babe. Seit geraumer Zeit war er _ 
sußer Dienft und privatifirte in Roßlau. Einige Jahre 
por feinem Tode gerieth er wegen eined von ihm. in den 
Aullgemeinen Anzeiger der Dentichen gelieferten Uuffages, 





Anzeiper der Deutfhen mit Bejiebung auf die willen 

ſchaftlihe Tüchtigkeis des Mannes unterfligt ward, if 

vicht in Erfällung gegangen. — Seine Werke find: Drei 
e 


in Koͤthen. . 1836. — Ein Beitrag zur bärgerl. und 
La Fi od. 1826. — Verdhandl. üb. d. rtitifbe 


Erläuterungen zu Diefem Werke. Ebd. 1828. — “cpeoris 
der Gemälde und Kettenlinien. Ebd. 1881. 
Dr. M. Schmidihanmer. 


* 130. Karl Guſtav Himly, 
fofrath, ordentti. Drofeffor der Heilkunſt u. Direktor ded akadem. 
Hoſpitals auf der Univerfität Goͤttingen; Ritter des Guelphens : 
ordens; ordentkiches Mitglied vieler gelehrten Societäten und 
Akademien; 
geb. den 80. Apr. 1772, geſt. 22. März 1897; 


Himly verlebte feine Tugend in feiner Geburtsſtadt 


u Braunfaweig unter ſehr olädliden Verbiltniffen, die 


Inn gefiatteren, Alles zu: erlernen, was er zu feiner Aus⸗ 
bildung nöthig zu baden glaubte. Die nicht genug zu 
lebende Anſtalt, welche zur Dorbildung der Medien 
Studirenden in Braunſchweig errichtet IR, zaͤhlte auch ibn 
feit dem J. 1790 unter ihre Schüler, Während feines 
weijaͤbrigen Aufentdalts in derfelben waren beionderd 
die anatomifch » chirurgiſchen Studien, feine Hauptbeſchaͤt⸗ 











80 . . Himly. - 


nebmen und Die; gr 
sen Männer fremder Länder in Perſon kennen und wärs 


Ben Bemühungen, immer Neues zu dem ſchon bedeuten 
en Schape feiner Kenntniſſe bingirfigemzu fönnen, hielten . 


ihn jedoch nior ab, alsprattiſcher Arzt aufzutreten und 





- 


auch andern jungen Männern bad Studiym der Arzmeis 


wiſſenſchaft zu erleichtern. Seine Bemuͤhungen ygin 


dader vorzüglid darauf, hinand, an dem großen Kranken⸗ 
daufe feiner Vaterſtadt eine mediciniſch⸗chirurgiſche Kft- 
nie einzurichten, was ibm auch endlich nad) mandyen nicht 
zu überwinden ſcheinenden Hinderniffen gelang... Bi8 
um J. 1801. blieb er in dieſer feiner Stellung, beſtaͤn⸗ 
big -Darauf bedacht der feidenden Menſchheit überhaupt, 
wie auch indbefondere feinem Vaterlande fo viel gu nügen, 
ald nur irgend in feinen Kräften fand. Fuͤr letzteres zız 
forgen, war ihm noc befonderd ald Mitglied des her 
ogligen. Dberfanitätötollegiumd möglih. Etwas ver. 
jeden von dem in Braunſchweig war fein Wirkungss - 
reid in Jena, wo in dem genannten J. 1801 die durch 
Hufelands*) Abgang erledigte Stelle Dur) ihn wiederum 
erfent wurde. Als Profeſſor der Arzneikunde und Mits 
Direktor der Klinik mußte naͤmlich feine Thätigkeit ber 
fonders auf die Medicin und bie beoretiien Studien 
gerichtet fein, da fein früberer Wirkungsfreis ſich mehr 
auf die Prarid und die Chirurgie, bezog. Durch feine , 
Derfegung nach Jena wurde indeß. feine fon früber im. 
Söttingen und Braunfchweig begonnene literarifde Thaͤ⸗ 
tigkeit keineswegs aufgehoben, ja nicht einmal untere 
brocden, ‚vielmehr vollendete er bier das wichtige und 
befonderd beachtungsmwertbe Werk, welches zu Bremen. 
i. I: 4801 unter folgendem Titel herausfam: Ophthal⸗ 
mologifhe Beobachtungen und Unterfudungen oder Beis 
träge zur richtigen Kenntniß und Bebandlung der Augen 
im gefunden und franfen Zufande. Nicht allein, in 
Deutichland, fondern auch im Ausland erregte dieſe 
Schrift Auffeben und überall orte man den Wunſch, 
dag fie. doch recht bald den Nichtdeutfchen durch eine 
Allen  verftändlide Weberfegung. Kladnglicer gemacht 
würde, Schon I. 3. 1802 wurde dieſer Wunfch erfüllt, 
indem ein gewiſſer Ehlers einen Theil ded Werks über. 
feßte und unter dem Zitel: Himly de la paralysie .de. 
Piris oocasionnde par une application locale de la bella- 
donna zu Parid herausgab. Migbiligen mußte 9. frei⸗ 
lid, daß Der Ueberfeger hier ald Heilmittel: die Bella⸗ 
donna empfabl, da er doch das extractum hyoscyami an- 
peratben weil erftered Mittel unfiherer und mande. 
ebelſtaͤnde mit fi führend, ftatt de von ihm vorzugs⸗ 


- weife empfohlenen und angewandten Hposcyamudertraftd 


Deſſen Biographie f. im RK Nekrolog Jahrs. 14. S. 590: . . 


Simly. 


Be eafan. anregte und ihrer eigesen Vorſchung Aber 
tieß, was wohl mander Andere für ſud abgemadt hätte, 
eine Vorträge am Strankenbette und das fpecielle Gin. 
geben in jeden einzelnen Fall wird ald vorzuͤglich inter. 
effant. und. Iehrreih von.allen gefdildert, welde das 
Gluͤck batten, ihnen beimohnen zu’ können. . Die Zapf 
feiner Schüler mar, wie [don bemerkt, immer ſehr bee 
Deutend und nahm felbf in den Jahren, wo die Unis 
verfität Goͤttingen am wenigfien befucht war, wie. in den 
£friegerifchen Jahren von 1809, ‚und 4810 nicht viel ab, 
denn es wurden noch immer über bündert Klinifer gen - 
ghlt. In den Zeiten des Friedens und der Blütbe 
— ſtieg jedoch dieſe Zahl auf Dad Doppelte und _ 
e. 


‚Dialy. 885 
iner. Gefcpiclichkeit Ries au narhrliger Wi 
fen en bei der Staat: —XR non 2 
mer al& eifriger Patriot und ald treuer Anhänger 
’ Ouelphenbaufed gezeigt datte. Seine Verdienfie erhiels 
ten deöhalb zu wiederholten Malen Öffentliche Anerken« 
nung. So wurde er unter andern 1814 als erſtes Mite 
glied der Univerfitdt_bei der Ebnigl. Poligeitommiffen 
— [9 ihm ſin . 1820 6 ang Senrg N Be 
uelpbenorden verlieben. ebrenvoll_und edel 
Betrug er fi während j“--- "ren den Böttingern 


ewig unvergeßlihen Ta von 4831. dern 
dielt er fid von jeder ı ‚heilnahme an den 
Unruben, mit tiefem © ‚wie fo mander 
Süngling und Mann dı Boftmung bethört 
und bingerifien durch 1 iniger Schwindels 
töpfe, ſich auf Die u Weife_in_Hdndet 
miſchien, don denen fie no‘ Einſicht dat» 

. ten. Erf als fih die 8 ı Ende nadte und 
bei einigen nichtemärd: der Gedanke aufs 

. fliegen war, Göttinge ‚en gelehren Belt 
—9— Ehe 11 rauben, der immer den Kubm der Unis 
verfität erhalten wird, — erft bier trat er. Öffentlich auf, 


deden augenblidligen Tod drodend, der es wagen würde 
ie frevelnde Hand nah dem ‚Beillerbume der Wiſſen⸗ 
f&aft, nad der Bibliothek auszufireden. Enthufasmus 
erregte fein Beifpiel.. Yunderte von Studirenden und. ' 
Bürgern drängten ſid um dad Gebäude, jeden Theil, 
ja jedes Senfter mit Ansalidger Sorgfalt eobadtend. 
Die Unmöglichkeit. ded Erfolgs.und vielleicht auh das 
wieder erwacpte Gewiſſen fchredte jeht Jeden. zuräd, der 
aur irgend einen ſoigen Gedanken gehabt haben mochte 
und es wurde nicht Der geringfte Verſuch gemagt, mels 
der jened Gerüdt behdtigt hätte. Mache. wollten baber 
9. tadeln, indem fie ihm den Vormurf der Voreifi; fen 
machten. Doch mer. fanı diefed mit einigem Rechte 
Befer der That vorgebeugt und den Gedanken daran 
fdon.im.Keime. erit, als fie zur mirkliden . Bode 
jehung kommen laſſen mad. jedesmal unberedenbare 
Kasıpeile mit fi bringk. — 9. erfreute fi anfdeinend 
immer ber beften Gefundbeit und war bid an fein Ende 
‚Res heiter und frod. ümgeben von einer zahlreichen 
blägenden Samitie,. Die dem Vater dpnlid fhon früh 
anfingen, dem Staate ihre Dienfte zu widmen; ads 
geltatiet mit. fo: viel Blädsgätern, daß. er sallfonsmen " 
muabhängig von der Welt und ihren. Jufäigkeiten war; 
M. Wetiolog. 15. Jabra, 25 


888 Bunſen. 


feiner treu und eifrig geleitteren Dienke, Aden 
Ha des — für den Yedıs befördert, 
a8 im Jahr 1826 das appelletionsgeriat für den Iſar⸗ 
kreis von Münden nad Landöput verfegt wurde, Tollte 
er als, Präfident bapin folgen, aber feiner Bitte ent 
fprebend ernannte ihn ber König, mit Beibehaltung 
jeines biöherigen Rangd, zum zweiten Aräfidenten v 
berappellationdgerihtd. In diefer Stellung wurde er 
auch zum Staaisrath im außerordentliden Dienkt ers 
nannt und ihm der Titel „Excelleng“ verlieben. Dod — 
ed war ibm no eine andere Stufe der Ehre und des 
— vorbehalten, indem er zum Staatdrath im or» 
dentlichen Dienft ernannt wurde, melde Stelle er bis 
u feinem Code bekleidete. Schon vor vielen Jahren 
han der König ihn mit dem Kitterfreuge de&-balerifpen 
Nöilserbienkordene 90 dmüct und fügte ſpäter dad 
Kommandeurfreug dieſes Ordens dinzu. In der legten 
Zeit berief ihn dad Vertrauen der adeligen Qutäbefger 
mit Gerihiöbarfeit im Iſarkreis in die, Deputirtens 
taumer der Ständeverfai 
{eine er wirken: feine: 
ungenleiden ein Ende. 
Feidnamı auf dem ihm 
iefeßt. dinterfäßt nı 
. Zudwig, Lieutenant im k 
Sodann von Sachen. — 
nen treuen Gatten und 2 
„ menf&enfreundliden Be 
den beten Hern und 
- einen ihrer wärmften B 
werthuolle Gemäldefamm 
lied und duleht Vorſta 
[0 ‚wie Mitglied der da 
‚sen. — Seine Sgriſten 


iftor. Dele. € 
Sale EN 


* 132, Dr. Ghriftian Bunfen, 
Profeflor der Philofophie u. Unterbibliothefar in Gottingen; 
ged. den 1. Apr. 1770, geft. den 24. (25) Maͤrz 1897. 

Zu Srankfurt a/R. erbligte Bunfen dad Licht der 
Welt, Nachdem er den erften. Unterricht in une 


\ 


Freiherr v. Schele. 889 


anſtalten feiner Vaterſtadt erhalten und Bir raſtloſen 
Steig fhnelle Sortforitte in feiner wiflenf&aftlihen Bil- 


dung gemadt hatte, eröffnete er 4787 feine afademifche 


Laufbahn in Göttingen. Dort widmete er fid bid zum 


9. 1791 zifpen und Dbifologifen Studien. Ein 
Zeiſilich zu bekleiden, lag nicht in dem Bereiche 
Feiner J ; er bielt daher, nachdem er 4795 Setkre⸗ 
tör und abre fpäter Kuſtos der Göttinger Univer« 
firätöbit geworden war (an der Bearbeitung des 
wiffenfd n Katalogd diefer Bibliothek nahm er 
thätigen De dort als Privardocent Vorlefungen 
über Ar. und über die Kulturgefhichte der Deuts 


ur Reformasion, fpäterhin auch Aber pbufiihe 
je, über die — deutſchen A — 

des mündlihen Vortrags und über die ſialieniſche 
und fpanifhe Sprahe. Durch Dertpeidigung feiner 
Differtation: . Do eo, guod ad veterum Scandinavioranı 
poesin et mythologiam eflingendam formendamqne effioe-* 
Fit coelo terraeque natara (Gotting. 1798.) erwarb er fi 
den Grad eined Doftors der. Bol ofopdie. Außerordents 
rd er 4805 umd 1814 or⸗ 


ehramt gönnte, zu einigen 
Brbeiten Re a ‚efonderd zu Meberfegungen aus 


* 133. Auguſt Georg Freiherr v. Schele, 
‚oroßbergogl; oldenburg. Kommerjunker und Regierungöfekretär zu 
Didenburg; 

‚geboren den 27. Ott. 1807, geitorben den 24. März 1897. 


v. Sgele wurde ih Eutin geboren, no fein Vater. 
gubnig Augur Werner Ernſt ülbrecht Sreiderr dv. ©, 
damald Schloßhauptmann war. Seine Mutter ift die 

‚ nodp lebende Dberhofmeifterin am gorbenval, oldenb,; 

pre, Grau Charlotte v. &., geb. Gräfin v. Bothmer. 
18 zum fiebenten Jahre biled er im väterlichen fe 

- und kam dann zu einem Obelm in Werpbalen, mit deſ⸗ 

— oa Fan 
rde. 
245 Opmnaflum N Rinteln und ging nach zwei ehren 


506 Freiderr d. Sale . 
di - 
ze fe — 55 Burke 


und — Shan Studium zum len 
ins ka und auc bier Arebte er darg eifrigen und 
gudalenden Steig nad der Erreihung fein 
chem er Binde einer heftigen Entzändungöfrankpeit 
erlegen wäre, nach welcher feine fräber Eräftige ‚Befunde 
been nie ganz wieder bergelellt worden ni ga er 
4828 nad Didenburg, wo damald (dom feit 
2 — —A feine Mutter lebte, In der eriten 
Prüfung, der er i. J. 1829 fi unterzog; bekam er den 
peiten Gbarafter wit aa Hude mung, und, erbielt Darauf 
En Gefuce ie — —8— 118 aicceſſin beim. 
te Zöningen — den © ven zu üben. Bm 
. Januar 4880 wurde er um Garrbantor bei biefem 
fait ernannt und am 20. Juli 1831 in derfeiben Dali, 
- tät zum Umte, Banderfefee verfegt, auch fpäter auf 
fan, ‚zeit dem te elbenburg beigesrdneh m 3. 1893 
unterwarf er fid der Yauptprüfung, wodurd ihm aber. 
wald der zweite —88 mir Auszeichnung gu Theil 
wurde und am 18. Januar 48933 murde er Darauf aum- . 
anehen "Getretär —* der Begierung zu Oldenburg und 
ums Sekretär des Militärfollegiumd dafelbR ernannt, 
DEt. 1894 wurde ber Titel eined Kammerjunferd' 
ibm YGeloele t. Durd anhaltende ante gungen 
und einen leiß, welcher ‚die Bedärfniffe des 
be Blagtete, "ner fein „Sehumdbeistjußund Di 


n Fund — 
dns in de 





* es 


Barby. 


£eitungen,, wurden ud Die erben 1 den def 28* 
nungen von dem berecht und feine 

tigkeit im Dienße dee ou an wirken —28 wenn 
nſcht fo fruͤd feine Laufbahn abgefchnitten worden wäre. 


* 134. Johann Heinrich Chriſtian Barby, 
Profeſſor am Friedrich⸗ Wilhelms⸗Gymnafium zu Berlins 
geb. den 12. Nov. 1766, geſtorben den 25. Maͤrz 1887. 


. 1 &rmöleben im —— alberſtadt war der * 
burtſort Barby’. Den febran — feiner Vaterſtan 
verdanfte er feine wiſſenſchaftli 
fortgefegten Studium der diterm © en hatte bie 
ee — viel Reiz , für ihn. Bereitd im 
1790 war er zu Berlin Mitglied ded Seminare für 
geichne Schulen geworden. In den J. 1794 — 1797 
gleidete er die Stelle eineb — an dem ein. 
vum rot gium der em und d J 797 erbob I 
sum 
gymnaſi 
— Pr nl, al ode den le eines ahtigen 
mannd und ‚geachteten — en —2 . 


< lut 
Fabeln u. Pi um ; Sei, für die Jugen . 
4708. — Ku: 


um nr ie Philologie der iehen u. en J 


Ar Th. Ebd. 1305. — Sophoclis Philaotetes, cum com- 
mentario. perpetao, Ibid. 1805. — Sophoclis Autigona cuuz 
commsntario perpetuo Ibid. 1806. — Sophoclis Oedipus 
Rex, cum commentaria perpetuo. Ibid. 4807. — Dvids 
Metamorphoſen im Auszug für Schulen, von G. 8. J. 
Geidel, neu  beforat, von Barby. Ebd. 1814. (Dies Werk 
als &h 5 9. Namen d. frübern Herausgebers 
ebalten; au Auszug iR nach einem ganı andern Plane. 
gemacht.) — Auxelius Viotor, d ülustribu urbia 


se Gellern — Baͤhr. 
Zum Gebrau = ulen, mit einem vol. | 

aa eben eiönide verfeben, Gun Zara: 

. Zena. | Dr. Heinri Döring, 


000. * 135. Gellern, “ 
8 preuß. Sauptmann u. Kantonbeamter zu Hausberge bei Minden, 
Nitter ded rothen Adlerordend; 


geb. i. % ...., geſt. d. 27. März 1887. 


Gellern war der Sohn ded Schullehrers Gellern zu 
Kodtenhaufen bei Minden, trat. am 30, Tan. 1786 ald 
meiner Soldat in dad Regiment von Walde und 
sbwang ſich durch ‚feine perfänlihen Verdienfte endlich 
id zum Hauptmann empor. Am 30. Tan. 4836 feierte 
er fein 5 jäbriged Dienkjubiläum und erhielt viele Be⸗ 
weife der allgemeinen Liebe und Achtung. Durch eine 
langjährige ausdauernde Amtsführung im. Civil zeichnete 
er A nicht weniger aus. Auf feinem, oft nicht dornen⸗ 
ofen Wege leitete ihn fein Vertrauen auf Gott. Die 
gleich G. nad feiner imponirenden Geftalt und feinem 
efunden Ausfeben ein Erdftiger Greid zu nennen war, 
o ließ er fi Dennoch einige Jahre vor feinem Tode . 
»on feinen Dienſtgeſchaͤften entbinden, um ruhiger leben 
u. koͤnnen. Er farb in der Kirche während des Gotteds 
ienſtes am Sclagftuffe. Ein Sohn if Gerichtsamtmann 
au Peterödagen. | Arendt, 


* 136. Gottfried Heinrich Bähr, 
Wundarzt zu Alt: Döbern (Regbz. Frankf.); 
geboren den 22. Sept. 1756, geſtorben im März 1837, 


. Baͤdr ward geboren zu Radeberg bei Dreöden, fo 
fein Vater Kantor und zweiter Lehrer an. der Stadt⸗ 
fhule war_ und das dltefte unter 10 Kindern. Nach 
feiner. Konfirmation ward er (1772) zu einem Stadt 
irurgus in Dredden in die Lehre gethan und i. I. 1775 
losgeſprochen, blieb jedoch in dielem Verhaͤltniſſe no 
3 Tahre, um den Zehrkunden im damaligen kurfuͤrſtli 
chſ. Collegio medico-chirurgico beigumohnen. In dent 
darauf folgenden Sabre nahm er, nad vorbergegangener 
‚pehfung bei jenem Kollegium , im Eurfürklic fachlichen 
avallerieregimente Prinz Albrecht als Kompagniechirur⸗ 
ante und hatte feine Garnifon in der Stadt 
benau. Daſelbſt verbeisathete er ſich mit Johanne 


. Bimmetbh 398 


Karoline. Behnke, des Licentiaten Behnke in Galan dl 
seften Tochter, welche ibm nur ein. Kind, einen Sohn 
gedar, der ihnen nach einem Sabre ſchon durch den Tod 
wieder entriffen ward. Nachdem er 95 Jahre, während 
weicher Zeit er abermald auf ein Jahr im mediciniſch⸗ 
chirurgiſchen Kollegium in Dresden feine Kenntniſſe ers 
weiterte, gedient und einen ebrenvollen Abſchied vom 
Negiment erhalten hatte, wurde er durch Begänftigung 
der. medicinifhen Sakultät_in Wittenberg von dem Kreid» 
Hpnfitus D. Meyer in Luckau als Wundarzt geprüft und 
ließ ſich im 3. 1786 zu Altdöbern nieder. FA 1789 
beftand er nach fleißiger Vorbereitung in -Wittenberg vor 
der mediciniſchen Safultdt ein Eramen für. die innere 
Praxis und betrieb nun folche auch mir Gluͤck. Mit der 
= größten Gewiſſenhaftigkeit und Treue erfüllte er feinen 
eruf.und bebandelte unzählige Arme und Nothleidende 
nicht nur unentgeltlih, fondern verfab fie auch, trotz 
des Mangeld an eignem Vermögen, mit den nötbigen 
Arzneimitteln. In den Striegdjahren pflegte und: wartete. 
er ärztlich, ohne alle-Entfhädigung, verwundete ſaͤchſ., 
franzöf. und -preuß. Militärö und "bei Dem derrfchenden 
‚Nervenfieber i. 3. 1813 leitete er. viele Dienfte und ließ 
ſich ſelbſt dur die fchmerzlichften ertagrun en des ro⸗ 
heſten Undanks in feiner Pflicht- und Berufstreue nicht 
dren. Sein verdienſtliches Wirken blieb auch den dos 
en Staatsbehoͤrden nicht unbekannt. Im I. 1830, bei 
Gelegenheit feines Amtsjubildums, dad unter herzlichen 
Theilnahme vieler dankbarer Verehrer ded Jubelpaars 
kirchlich gefeiert ward, ließ ihm der König Dad allgemeine 
Ehrenzeihen Gberreihen. Nachdem. feine Lebensgefaͤhr⸗ 
tin am 22. Juni 1883 geitorben war, folgte er ihr, nachdem 
er mit der größten Seelenrube fein Haus beftellt hatte, 
am oben genannten Tage in Folge eines Bruiframpfs. : 


* 137. Benjamin Chriftoph Gimmerthal, 
u Konſiſtorialrath u. Dberpfarrer zu Greußen; 
geboren den 10. Okt. 1769, geflorben. den 8. Apr. 1837. 


Er war geboren zu Clingen, einem Marktfieden, bei 
Greußen, mo fein Vater ald Kantor und Knabenſchul⸗ 
lehrer angefellt war, aber ein Paar Jahre nah _der Ger 

. burt ſeines Sohns ald Prediger nach Jecha bei Sonders⸗ 
baufen befördert wurde. Erzögen wurde er in Dem Haufe 
feiner Großmutter und Tante mätterlier Seitd, Die ihn 

Jaͤrtlich liebte und ihm den Verluſt der Mutter, die 


1 
* 








594 Gimmerthal. 
kei einer Geburt. an den Folgen der Riederfunft 
parte zu erſetzen fuepte. Den erken Unterricht 
n den Unfangdgründen der dertſchen und lateiniſchen 
‚&prade, in. der Religion, im Rechnen und Schr 
ertbeilte ihm ber Lehrer an der Knabenfchuie zu Elingen 
und von feinem 12. Fahre an befuchte er von Elingen aus 
Die Stadtfhule zu Greußen. * Jahr 7 beivg 
er. die Univerfität Jena, um Theo —V zu Audiren: Hier 
befudte er na bie 1) Srichudn, Vorleſungen eines 
—— ia —R odueorieen 
—c eines u d and ee 
beräbmter gehrer der Unis, um 2 —8 für 


nur au verf t bei. Na ei Bra feiner © akade⸗ 
aterland zuruͤck und 


die Fand ifie. des De im — v. Weife aufgeno 
wurde. WIE Kandidat — er feine theulogt = 


| — Dem denn un. waren Andi et 
Fer gekra 


Gimmenhal. . 805 
wurde. Nachdem er 4 Brei \ ' 
"gen EHRE Huhn fesmteig um * 


—— durch feine Reli tenßnerträge fo wie 12 


iigkeit und freundliched Betragen im Umgange die al« 
“gemeine Liebe — einer neuen Gemeinden 
jebte er f ps und Der 





iffenfchaft_und nahm am dem Ines je⸗ 
den feiner Gemeindeglieder den jantgften 

itheil Heller Geinesblid, U ee, Arenge 
Rectfcaffenbeit, zuvorfommende eſchri⸗ 
dehen raftlofe Thatigkeit, file & und ädte 
Religiofitdt waren unverfennbare ( en bed. Der» 
Rorbenen. Mit diefem Charakter ı ugleich die 


L 

feltene Gabe: großer Leutfeligkeit und der freundlichken 
ud ‚gefätisnen Mirtheilung. Er war ein Sreund der 
Gefelligeit und feine Gaſtfreundſchaft in der ganzen: 
Umgrgend bekannt. Aud als Prediger widmete er, übe 
ge id feine Amnsgeſchaͤfte einen großen Theil feiner Zeit 
"in Qufprud nahmen, feine Mufekunden der Bekannt» 
(ort mit den neueften und feägbarftien Werken im Ges 
iete Der Thebtogie und anderer Willenicaften. BIS, 
:peolog bing er nicht Reif an dem alten Lebripkene,. 
dutdigte aber nit fogleid jeder neu auftauchenden Lehre 
und Meinung; er pflegte vielmehr jede neue Unfit eis 
ner genauen und ırfen Prüfung 3 unterwerfen und 
aus der ſieten Süße deffen, mad die Zeit bringt, nyr' 
das 7 entnebmen, was mit feinem gefunden DVerflande, 
mit den Auöfpräden der Schrift übereihfimmte ımd was 
er ald wahr, gut und nänlid erfannt haste. Er Eannte 
den boden Wert und Nugen des Audtaufpas der Ideen) 
und Anfihten und deshalb umterrebere er aa gem wit. 
nifenfelie gebildeten Männern über Begenhände aus 
Be jeologie und andern Willenf&aften, über merk 
nohrdige Iterarifche Erſcheinungen und äder Die wichtige: 
ten ngelegendeiten und Ereigniffe feiner Zeit. Bon 
tur zur Heiterkeit und Sröhlikeis geflimmt, nahm 

er gem Untheil “ HR le Angerer. rn eh 
seter, wenn aud nidt eben willen! id gebildeter 
Verfonen und mußte durch feine heitere Kane, durch· 


396 v. Dergen. 


ergöglihe Weife zu unter! 
Sa die dr men 16 tan zu_überfchre en oder 


bebörbe, ald au der Gemeinde‘ 
Sein däusliged Gläcd wurde durd mehrfache traurige 


18 
it Ergebung und Gtanddaftigfeit erg, — die fo 
ihfahen und harten Schläge ded Schidfals, bis er 


* 138, Auguft Otto Ernfl, v. Dergen, 
roßberzogl. mediend. = ftreligfier Staatsminiſter u. Regierungs ⸗ 
amd Rammerpräfident gu Neuftzelig, Ritter ded k. preuß. rothen 
Wlerordend Ir Klaffe u. Großkreuz des Kurheffifhen DOrbens vom 
goldenen Löwen, Ehrenmitglied ded medienb. patriot. Vereins, 

des Vereins für mediend. Geſchichte u. Alterthumdtunde 2c.; 
geb, d. 11. Sept. 1777, get. zu Berlin d. 8, Apr, 1887. 


». Derge te, auß ei lten adelige 
— welges Urtunden vom 43200 dat). Sn 


v. Deren. 397 


die ‚(&merinfak, auf 0990 und in bie argaiifar, 
auf ve te. aus der letztern, na 18. Fahre 


und 
ran, te m eri0g Gunan Adolph von BE - 
en’ 


Süftrom, Kun 


Anftellung und. Fl die eier Kotelow, fie ow und 


Gr. Miltzow, hatten ak Kinder, Eh fieben den 


und eine Tochter, in deren Reihefolge er dad vierte 
war und. auf dem Gute Klockow dei Sriediand geboren 
ward. Sein Vater ſtarb zu Neubrandenburg den 13. Okt. 

4796, die Mutter aber et fpäterbin. Er. beftimmte fi) 
durd eigene Nei ung und durch den Willen feiner Eis 


tern son früh für eine wiflenfchaftlihe Ausbildung, ums 
ſich durch ſie 


für den Dienſt des Vaterlands tuͤchtig zu 

macen. Nachdem er die Tage der Kindheit und * 
gend im Daterbaufe verlebt hatte, bezog er, mit Vor⸗ 
nntniffen wohl. derfeberr, bie. Univerfität Göttingen, mo 
auch vormals fein Vater den Rechtsſtudien o gelegen 


dhatte. r beſchaͤftigte er ſich vorzüglich mit den. Stu⸗ 


dien des allgemeinen und. vaterfändifchen :Rechtd ‚und 
der deuten Geſchichte und Staatöverfaflung, worin. er 
ſchon in der Velwanb einen guten Grund gelegt daite. 


+ 


\ 











x 


nötbiet, um dort darqh die aͤrztliche Behandlung dei 
een D. Ruf —— en Bade auf es 


berkellung zu finden. Man hatte dazu allgemein volle 


‚Hoffnung, ald durch ein doch deklagenswerihes Ereigniß 


dieſelbe vereitelt und fein Tod beichleunigt warb. Er 
hatte nämlich dort das Ungläd, ſich; durch ein Sohlen» 
been, Dad zu. Einrduderungen gebraucht worden war 
und deffen Flammen, während er fi in giefem Augen 
biic eben ohne Bedienung befand, feine Kleidungsſtücke 
ergriffen, auf das empfindlichfte am ganzen. Körper zu 


‚verbrennen. Hierzu gefellte fich bald die Hautniaflerfucht 
- und. ſo verfied er denn am oben: genannten Tag in. 


einem Alter yon noch nicht vollendeten 60 Jahren. Seine 
Leiche wurde von Berlin nad Neuftrelig gebracht und 


‚am 7. :April dafelbit: unter großen Seierfichkeiten ‚beie 


x 


vermaͤhlt mit Charlotte -Sopbie. Albertine 9. Jasmund 


geſetzt 9. — Außgezeichnet, wie. er ald Staarödiener 
und Menſch war, zeigte er ih auch in feinen häuslichen 
BDerbhälmifen. Schon am 8. Mai 1800: hatte er ſich 

ed. zu Kaſſel am 20. Aug. 1780), der einzigen Tochter 
es. ehemali en kurheſſ. Shpellationdgericht präfidenten, 

veimenrathe und Kammerherrn Ludw. Hellmuth Heinr. 
y. Jasmund **), der i. J. 1806 ald ©taatöminifter in 
tönigi. märtemb. Dienke trat und im J. 4825 mit Tod 


gogegangen if. Bertrauen und Liebe. bezeichnete Dielen - 


und, der auch durch Die Geburt -eined Sohnes begiädt 
wurde. Die Gattin felbft verlor er. jedocy Leider ſchon 
am 12. Tan. 1818 am Nervenfieber,, Derfelben Krankheit, 


in welder fie wenige Woden juvor ibren einzigen fie 


preußifher Major. des 
mwittenberger Kreiſes, Karl v. Jasmund) treu gepflegt 
hatte, die aber für fie tödtlich wurde. in. einem Alter 


...*) &, Reden am Garge des Hrn. Stastäminifterd v. Derben, 
euftreliß gehalten am 7. Aprif 

, mpffer und dem if ediger 

ON, Reuftzerig 1857 umd. Todtenfeier ‚an der Gruit, 2 ze ve 
. 1. e Ury- . on S..8-. h + I 
Hierin on 5, — Brelheten v. Dlätmer, Srafkerzogl. 
1.5, N. Nekr. 8. Jahrs. SG. 1620, rt 


\ 


- - 
. 


\ Schwarz. 401 


der do; en gegez die ibr- fomep Ihr eigenied 
Benson als aud die Stellung Kr Wenns gaben, 
Die ‚Sreundfcpaft und dad befondere und theilnehmende 
Bodimollen der Königin Louife von Preußen. So ges 
dörte fie denn unter andern au zu den engern Un. 
jebungen der Königin, als diefe ibren jetzten Befn 
Bi ihrem Vater abfattete, von welchem fie (nach ihrem 
am, 19. Zuli 1810 zu Hobenzierig, dem bergogl, Fun, 
foloffe bei Meukrelit erfolgtem Ableben) nun als Leide 
zu ihren trauernden Unterthanen zurückfedren follte und 
es war ein befondered Zeidhen ber ‚Hodastung, das’ihr 
der fönigl. Wirtwer fomohl als ber tiefbetrübte Vater 
bemieh, daß fie von beiden den Auftrag erbielt, die 
fönigl. Leide am 25. Juli bid an die preuß. Gränge zu 
‚hegleiten und fie dort dem £önigl. golane zu über 
‚geben *). Späterdin (1814) folgte fie auch ihrem Ges 
mable nad Wien zu dem dortigen Kongreß und fab bier 
ebenfalld einen Cirfel um ſich verfammelt, in melden 
(& Die zum heil angefehenfen und auögezeichneiften 
;önner jenes Vereind gehelen. j 
Schwerin. , Gr. Bruͤſſow. 


139, Dr. Friedr. Heine. Chriſt. Schwarz, 
Geh. Kirchenrath u. Profeffor der Theologie an der Univerfität zu 
Velvelderg,, Kommandeur des großhersogl. badiſchen Ordens vom 
Bähringer Söwen und Ritter ded preufifchen rothen Adlerordend 

Be Kiaffes u 
geboren den 80. Mal 1766, geft. den 8. Apr. 1837 *"). 
Er mar ber Sohn des 1738 ald Infpektor Gun 
intendent) in Aldfeld im Hefffhen verktorbenen ©., der 
( früher in Gießen, wo er Proiefor war, als ei 
ribeidiger der ‚Drthodorie gegen Tsinen damaligen 
Kollegen Bahrdt bekannt gemacht hat. Des Daterd 
firenger Kirchenglaube und ber Mutter. Erömmigfeis 








„Stotgenbtatte,"’ Sahtı 
Saitab Diele ten eb 


bei Y 
ann) 
breren Auflanen —2 
——— 
Die Königin Lerite det 
»» Heuefien Beit u. biteratut 
ge 


408 a Schwarz. 


8 
©. Studienzeit fiel gerade in jene Zeit ded lebdaften 
uftlärung und des neuen Erwachens 


erriien, Seine Abfiht war auf die 


Schwarz. 8 
etweitente. - BZagloich hatte er fi durch mehrere shesto- 
giſche und paͤdagogiſche Schriften befahnt gemadt. Als 

Karl Sriedrid son Baden die Univerfitdt zu Heidelberg: 

neu urganifirte, wurde er, bei feiner befannten Vorliebe 

‚für ortbodore Theologen, leicht für ©. eingenommen, 

fo dag diefer als ordentliher Profeffor der Theologie 

‚4804 dahin berufen wurde, nachdem fur; zuvor fein 

Sreund Friedrich Creuzer als Profeffor der Philologie 

daſelbſt angeſtellt worden und fein Schwiegervater Jungs 

Stilling ſchon früber nah Heidelberg gejogen war und: 

dad Vertrauen Karl Friedrichs erworben hatte, In dies 
fer Stellung wirkte ©. feitdem als atabemifcber Lehrer 
und ald Vorſteher des paͤdagogiſchen Seminard, Er 
wurde 1807, von der tbeologifchen Fakultaͤt zu Heidels 
berg zum Doktor der Theologie ernannt. Zu der 1824 


.. "in Baden eingefädrten kirchlichen Union der beiden pros 


tefantifhen Konfeffignen wirkte er mit, indem er als 
Iutberifher Abgeordneter neben Daub *) ald reformirten 
Abgeordneten der Univerfität zuerft der vorbereitenden 


I 


uſammenkunft in Sinsheim und dann der Generals . 


ynode in Karlörube beiwohnte. Seine ſchriftſtelleriſche 
Tpätigfeit bar ſich hauptſaͤchlich nad zwei Seiten bin 
erichtet, nach der theologifhen und paͤdagogiſchen. In 
Dem Gebiete der Theologie hat fi ©. weniger in der 


Sphäre der eigentlich gelehrten und wiſſenſchaftlichen, 


als vielmehr in der populär philofophirenden und prak⸗ 
tifhen Theologie bewegt. Dadin gebören einige feiner. 


Derfciedenes gefchrieben hat. Schon 1793 gab er „Die 


* 
9 


of Denkart zuruͤck und diefe ift in feiner fpätern 
—A der Moral „Evan elite » dritliche thiß“- 


— 


m Vortheil für die wife 


93. R. U. 





Be J Schwarz. 


en Supernaturnliönind- And and eb 
nige ee) —XI e Schriften gearbeitet: „Die Lehre des 
" range iums aus den Urkunden dargeftellt" ( eidelderg. 
„Sciagraphia dogmatices christianae“ (Ebd. ) 
Fr —* he rarbeitung: goreden der chriſtl⸗⸗ 
proteſtant. Dogmatik” (Ebd. Als eifriger Ver⸗ 
fechter einer mon. peitifäe Kefigionsanfce bewies 
&. außerdem durch die in den J. 1824— 1827 von 
m berauögegebenen heben er Theologie und 
theol. Nachrichten,“ welche als Sortfegung der Er achler⸗ 
De tbeologifden Annalen erſchienen. a feinen _tbevs- 
logifhen Shriften, ebenfalls von praftifhem Inhalte, 
ed Br außerdem: „Der riftlide a eg in- 
feinem moralifchen Dafein u. Wirken“ (2:8 Gießen 
Die Kirche in dieſer Zeit“ 44 Hefte, 
either 1817); „Katechetik, oder Anleitung zu dem’ 
nterricht der Jugend im Epriftentpum “ (Gießen 4818). 
ae oder als in der Theologie war ©.’8 ſchrift⸗ 
ſſtelleriſche Thätigkeit in der Pädag oa, © Hier wird er 
unbeftritten zu den beften Schrifiſtellern gezäblt und- 
offenbar hat er auch dieſem Gegenſtande ſchoñ von feiner | 
Qugend an feine beften Kräfte gewidmet. Er ift_bier - 
nicht blos Theoretiter und wiſſenſchaftlicher getden. 
ondern er bat felbft fange Zeit praktiſch gewirkt D 
eine —— A Che, Sein deugert 1 bie qilere 


Er jepungslehre® 
8 1835). —ã bat * im un: 


reihen "Soritien gerasee Gegenftände abgeband eit: 
„Grundriß einer Theorie der Mädcenerziehung“ (Jena 
4r08); „Briefe, dad Prediger: u. —A be⸗ 
treffend⸗ (Gießen 1793); „Die Beftimmung d. Menſchen, 
in Briefen an erziehende $rauen“ —5— 1802); —— 
der Pädagogik u. Didaktik“ CHeidelb. 1805); Nachtrag 
Daun; „run der Lehre von dem Sähulnefen“ (Ebd. "- 
IT). Aufl. erſchien unter dem Titel: „Lehrbuch 
der —5 unterrichtslehre“ (Ebd. 1817); ale “ 
Schulen“ ( 4 19; ‚gaarteflungen aus dem ete: 
der En — V r war ein Mann voll: 
enfridtiger, —*8 icher — am Wohl und: 
Wen Anderer, ein Chriſt in Sefinnung und That. War: 
auch feine theologiſche Richtung keine ren na millenfhaftr 
le. ondern ehr eine biftorifch»gemäthlidhe,, auf das 
ide und Erbayliche gerichtete, fo mwirfte er damit 
yrr eben ald praktifcher a a viel Segen; denn 
©. meinte. es redlich und ernft und feine Derfönlickeit 








Schwan. \ 406 


war Liebe und odfwollen, Er gehörte, menn man 
mil, zu ben. Bietißen im edelften. Sinne des Worte, 
die da fromm find aus Wahrheit oder meil fie es wirke 
ic inwendig find, Die, fern von Verkeherungsſucht und 
elotifdem Eifer, au in Andersdenkenden den “Chriften 
nd Bruder anerkennen, die, nicht eingerannt in Zieblingd» 
‚meinungen, ein Odr für den Wiederfprud und abwei> 
«ende Anfihten baden, die ibren Glauben an die ders 
‚fbnende Kraft des Griöfertode6 durd Liebe und That 
'deurfunden. Sein Leben war von vielen darten Prä 
‚fungen beimgefucht: Uber er Kämpfe im Glauben und 
‚war treu_biß in den Tod. — Außer den genannten 
‚Werfen ind um Im noch —— Pre 


Im "öribe und d. — d. Hrn. R. ‘=. Brodreid, 
piarrers zu geidpeden, Zurg Sriedberg 1797. — PeRae 


Zus Methr nn in —A 
Bremen 180 ebrbächer b. dem 
baudl, Unter Bießen 1804. — 
rer Unten oder Elementars 
auterriät d RI. Konfeffionen. 
Eh. ß 9. Seminariumd, 
auf der Uni Univ jelberg 4807. * 
BVerfuch e. n proteftantil 
BDrediger» un ven, 2 Eheile, 


Ein Germania ine —— Hd ae Ei 
rifffreude, a efferer Zeiten. Predigt. Ebd. 
1818. — Gemein! —X 3.2. © ner G.vAureh 
u. C. 4. Schellenverg: Sreimäth. I Geha % d, allgem, 
Deut. —A 2c. 10 Bde. Dark 41819 — 30. — 
Unfere Dasionalbildung, — a (Aus den Dara 
Seinen. 2 — Grunds 

SR Keven I Teher Bla Kir Chrfenn 
ad Leben in feine: je, oder © riftene 
m und Erziehung in irer Eine Zeipzig_1836. — 
usb. f. gebilbene | Ehriken. Heidelb. 4836. OBefonders 
br. a. d. evangel. »hrifl. Et) Daum, f i. 
Sehenbmeibei, 3. Aufl. Ebd. 1897. Außerdem lieferte 
Er KR Kecenflonen und Adbandiungen au aetelgen 





406 ’ 
* 140. Chriſtian Ernſt Stoͤlzel, 


Rupferftccher u, Lehrer on der Kunſtakademie zu Dredden ; 
geb, d. 10. Zebr. 1792, geſt. d. 4. Ans. 1837. 
Er war der Sohn des Kupferſtechers und Profefford 
Chriſtian Friedrich Stöhel zu Dredden. Gein Vater 
ertbeilte iym fo wie feinem Bruder und feiner Schwe⸗ 
Kter deu erfien Schulunterricht ;_feine Geſchwiſter faßten 
ſchnell, er jedoch hatte mehr Ernfi und Eifer. Diefer 


| Unterricht war ziemlich. unregrimäßig, weil ded Vaters 


Arbeiten. ibm nicht genug Zeit zur ernſten Betreibung 
deſſelben ließen, lernte er leidlich ſchreiben, rech⸗ 
nen, Beograpbie, eiwas Geometrie, . etwas Franzoͤſiſch 
und ziemlich Geſchichte der. Griechen und Römer, ver 
bunden mit allgemeiner Weltgeſchichte ynd Religion. 
pe feinem 15. :Sjapre foltte er. nun das Tiſchlerhandwerk 
erhen, allein ſchon feit dem 10, Jahre jeigte er große 
Neigung zur Kusft, zeichnete alles ab, was ihm vorkam 
und malte aled an, was fi anmalen ließ, Kupfer 
Ride und Bilderbücher waren feine größte Freude, Dan 


erwachte die Neigung, felbfi etwas au ſchaffen, er zeich⸗ 
nete Biel, malte .e gesin am Liedften A u 


Sriegöfcenen, wodurch er nad und nach eine ziemliche 
Uebung in Handhabung der Waflerfarben erlangte. Au 
wang ibn Die Nosd, ſchon Damald um wenig Geld. für 

uch» und Kunſthaͤndler zu koloriren. Im 16. Jabr 
endlich faßte er. den: Entſchluß Rupferſtecher zu wer en. 
Dad Mecheniſche der Hunft kannte er genau, braudte & 
alfo bios, zu Üben und Iernte es ſchneli. Zuerſt ach er 
eine Verus nach Galzius, dann: eine Grau mit einem 
Kinde nad Yreißier, Dann nah Seifert eine Statue 

d 


eine todte Eleopatea, od eine halbe Sigur nad. Bervic, 


päter eine Vignene nach einem 


die adenge: mb jmar —* 
ihm Unterricht in der Perſpektive ertheilte. Im 47. abs 
befußhte er Die Winterabende den Gypsſaal und im 
18. Jahre die Antifenfabinete, Bis dabin hatte er ſchon 
vielerlei geſtochen, vielerlei gezeichnet, zum Theil auch 


Stöfel, 407 


fomponirt und viel nad kolorirt. Eine (were Krank, 
eit im 3. 1812— 1813, die Damatigen ſchweren Zeiten 
und der Bannerzug, welpen eri. 3. 4813 und 1814 mit 
made , Eofteten ihm beinahe 3 Jahre, welde der Kunſt 
daft ganz verloren einen Bald darauf zeichnete er die 
beit, Cärilia nad Carlo Dolce in der Dreddner Gallerie, 
mit, der Abſicht; dieled Bild zu Neben. Diefe Arbeit 
mußte jedoch liegen. bleiben, weil Sertigung yon Bücher» 
fkupfern feine ganze Zeit in —XR nahmen, auch ad 
er einige Situationöplatten zu Tebmannd Werke, welde 
unter die ausgezeichnettten Mrbeiten dieſer Urt gebören. 
in diefer Zeit überfrel den jungen Künftler eine fhwere 
"Dopocondrie und. Augeyfrankheit. Zmar, wurde w 
ugenäbel bald gebohen, allein fein Gemüth blieb dä, 
ier, bis er am 25. Auguft 1822 eine Reife zu Zuß nad 
tom. antrat und geRärkt an Geit und Körper dort ans 
om, Seine erfe Belhäftigung mar eine ‚plante au 
Seiler Naturlepre des Menfchen, welde Arbeit er noch 
in Dresden übernommen batte. Die damalige Richtung 
der neuen deusfhen Kunf in Rom ſprach auch ©. an; 
er Rudirte mit Cifer die alten 
fine anatomiſche Platie been! 
ichtung vier Platten heraus 
Dräger, eine beil. Katharine 
na Thorwaldfen und einen 
Biefole, Inſwiſchen richtete € 
ein aröbere Ziel; er beganı 
- pbaeld ‚Krönung der Maria- iı 
Belanung im uftrage feined 
“Vechbändler Arnold in Dresl 
und der Umgegend -fertigte .ı 
tier Studien, fompankte .| 
vote dabei den Stio feiner 
18 er 1. 3. 1828 (den 15. M 
er vorder zum Mitgliede de 
Künfte- zu Perugia ernaunk wı 
zurüdgefebrt, Ka er nun zw 
ac oft unterbroden durd 
fähfifhen Kunfverein zur B 
wurde er bei der Dredbner 
Künfte ald Zeichnenlehrer ange 
Amt mit der größten Gorgfi 
Herbft ‘1882 zur vollen Zufri 
roge Platte nach dael u 
jahre nur Eleinen Platten, u 








408 Säcsolzel. 


verein, worunter ſich deſonders die heit. Elifabery na 
| 8: Nöfe anne Indeſſen. nahmen die —— 
‚Kräfte immer mehr und Mehr ab, eine nad Prag, 
ter nach Münden zur Wiederderſtelung feiner ges . 
Dwächten Geſundheit unternommene Reife blieb ohne 


Beder gearbeitet. Er zeithnete 
ie menſchliche a Auf’ dem Kupfer arbeitete er 


intereffante Bemerfungen enthalten, Er bildete mit dem’ 
di Gitua⸗ 


| 
haͤngend, die Bruſt eingefallen. “feine Art ſich auszu⸗ 


eden. Auf feine Kleidung bielt 


J 
| Lern 


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| oo "409 
8 141. ¶gohann Heinrich Weinharh, 


evangel. Pfarzer zu Städtfelb bei Eifenad; 
geboren d. 18. (19. Okt. 1753, geftorben d. 5. Apr. 1897. 


Sein Vater war ein. Leinweber zu DBolterode im 
Kirchſpiel Jita, zum Fürſtenthum Eifenach ‚gehörig. In 
Diefem Doͤrfchen berrfhte ein ſtilles, faſt patriarchalifches 
Leben und ein .religidfer Sinn. Dies batte auf Den 
talentvollen Knaben: einen fegnenden Einfluß. Stchon in 
feinem 5: Sabre, als. er an der Blatternfrankheit: ges - 
äbrlich .darniedergelegen, batte er eine Merwandte am 
fein Bett gerufen und leife ihr geklagt: „Ach, lies 
gar id wollte ein Pfarrer ‚werden und muß nur 
erben!“ Mber er farb nicht und erreichte fein Ziet, 
nachdem er auf dem Gpmnafium zu Eiſenech und anf 
der Univerſitaͤt zu Jena — mo er Durch den damaligen 
Direktor Walch zum Mitgliede. der latein. Geſellſchaft 
ernannt wurde — und fpäter zu Leipzig mit bebarrlichene 


Eifer demfelben zugeftrebt; denn im Fahr 1781 wurde 


er vom Generalfuperintendent Küchler zu Eiſenach ale 

Piarter in Städtfeld eingeführt. Dort verliebte er freu⸗ 

Dige und traurige Tage, geliebt von den Seinen, denen 

er ein redlider Verforger, geachtet .von den Sraunden; 

Denen EN wegen feiner hoben Bildung und freundliches 
iede 

er er länger als ein: halbes Sakulum nit blos Pre⸗ 


diger und Seelforger, der er Bater und Helfer war 


it den drei. Gattinnen, die er nach einander geehelihe 
und die vor ihm geftorben find, batte er zehn Finden. 
geiengt, deren Erziehung ihm Gelegenheit gab, ficy mit 
em lnterrichte junger Engländer zu befchäftigen, die 
zer lang. in a ide a und Deraend». 
nabhrung gefunden n. jahr enoß er das 
Itene Gluͤck, fein Amtdiubiläum zu feiern und wurde 


‚bei diefer Gelegenbeit mit der filbernen Derdientmedaille 


des nroßberzol. Haufe geſchmuͤckt. Erft 1836 fing er 
merklich an zu Eränfeln und entichlief endlich am oben 
genannten Tag in Dem feltenen Alter von 84 Jahren. : 


* 142. Eduard Ferdinand Geifeler, 
Doktor der Medicin u. ton. preuß. Medicinalrath gu Danzig: 
geb. in Stettin am 20. Sept. 1781, geſt. d. 6. Apr. 1837. 

Er war von 5 Geſchwiſtern der dritte in der Neibes 


felge und der Vater, Theodor. Beifeler, ein angeſehener 


4 


eit ſtets tbeuer, verehrt von der Gemeinde, wel-⸗ 


410 Geiſeler. 


irger und woblbabender Kaufmann in Stettin, ver⸗ 
ee nice, feinen Kindern einen guten Unterricht und 
eine anftändige Erziehung geben zu laflen. Er fand ed, 
aus Grhnden, die nit bierber debören, angemeflen, 
unfern G. nam den zurüdgelegten erfien Stinderjahren ind 
roßmätterliene Haus. vÄterlier Seite nach Pommern« 
irgardt zur weiteren Erziedung -zu bringen, woſelbt 
gr die Schule und das dortige Gymnafium befuchte und 
nac.zuricgelegtem 14. Jahre nab Stettin zurädtebrte, 
©. folte nun nah dem Wünſche feines Vaters fi dem 
KBaufacde ‚widmen, allein feine Neigung für-Pharmacie . 
war überwiegend. und er Fam desdal tern 1797 in die 
Biselmann’fbe Apsibeke zu Stettin ais Zehrling.. Er 
ergriff feine Wiffenfcaft mit foldem Eifer, daß er fon 
ba feinem AyLebrjahre Defektarius wurde, fonditionirte 
feit -DRern 1802 im ber Hofapötbefe feiner Vaterftadt 
ind ging im. September defielben Jahrs ald Gebälfe in _ 
Salaponbrte no Kepenbagen. Aber: er fand bier 
einen großen Gewinn für Bereiderung, feiner. Kennt 
aifle; zwar vermehrte er fein bereits mit. vielem -Sleiß 
angelegteß Herbarium viram mit fhönen nordiſchen Oflens 
und Erpptogamien, aber font ſhrach idn dad Ges 
äft au wenig an, ‚weil ed mehr fabrik» und. bandelds 
artig. ald wiſſenſcafilich betrieben wurde, indem 3. B. 
mehr denn 100,000 Slafhen Kau d’Cologne, Räuders 
und Zabnpugoer, Regliſe ıc. verpadt und an die Indiens 
sabrer abgejeht wurden. Cr feßte-daber den Entfhluß, 
ie Pharmacie zu verlaffen und. die Arzneimiffenfcaften 
e Audiren.. 3u dieſem Behufe vervoltommnete er feine 
vereitd_ gründlich ‚erworbenen Kennthifle in der lateinis 
am Sara *4 —XR — mer ie an 
mald no ale Kollegia in Kopenhagen in Diefer Sprache 
geisten wurden. .Er befugte hun De Wostefungen einee 


Uifen, Babi, £ n und 'Stefend. Zür fein 
Studium der Bor er bies viel Nahrung bei 
Badi, der eine audı nd fehr reichhaltige Pflanzen» 
fammlung being. 4804 verließ er Kopendagen 
und ‚feßte_feine n QÖttingen bei. Wriöberg, 
Richter, Strobmeı elin_ und Blumenbach fort. 
Der um diefe Zeit ne Fleberlehre und phpfiolos 
giigen Sariften ii m Ruf_gefommene Profellor 

eil os idn im H nad Halle. Hier [bloß er 


id fehr bald am Curt Sprengel an, wozu die gemein. 
ie Liebbaberei. der Born Deranlaffung "mar. 
re Follegia bei. Medel,. Gren und Keil und befuchte 


‘ 


8 ‚unter ded Legtern: Zeitung ftebende Klinikum fehr 
Feißig und mit großem Nugen. Als nad der Schlacht 
bei Jena au Halle (18. Oft. 1806) an: die Franzoſen 
überging , in Folge deſſen die Univerfität aufgehoben 
wurde und ſaͤmmtliche Stadirende in’ 48 Stunden die 
Stadt verlaffen mußten, reifte ©. uͤber Leipzig und Dres» 
den zu feiner ältern Schwefter nach Berlin. Da er bier 
Mufe Hatte und Hülfömittel fand; fo entſchloß er fi, 
‚bier fein Specimen inaugurale, unser dem Titel: „Cro- 
tonis monographia” zu ſchreiben, eine Arbeit, Die er mit 
großer Liebe und vielem Fleiß unternahm und awsführte 
und melde auch ein ihr gebfihrendes, rühmliches An⸗ 
erkenntniß fand. Nach Beendigung derfelden kehrte er 
im Anfange des Monard März 4807 nad Halle zurüd, 
um bier zu promoviren; denn wenn gleich Die Univerfis 
tät in fo fern nicht mehr eriftirte, als feit dem Dftobder 
4806 feine Studenten’ geduldet wurden, fo waren doch 
noch beinahe fämmtliche Profefforen dort anwefend, auf 
eine Reorganifation der Univerfität hoffend, weiche fort 
während ofademifhe Würden ertheilten. Nachdem er 
nun am 20. März 1807 dad Doftordiplom: erlangt batte, 
begab er fi nach Göttingen, verheimlichte feine bereitd 
erbaltene Doßtorwürde und ließ ih am’ 2. Mai 1807 
aufs Neue dafeibk immatrikuliren, um_noc. Kollegia zu 
bören und bad Klinikum ju befuchen. Im Oftober 1807 
ging er nah Berlin 3 ‚ um bier die große Staats⸗ 
prüfung zu moden. Am 7. Apr. 1808 .beendigie er den 
anatomifhen Kurſus unter Knape und am 27. April 
machte er Dad große Eramen unter Formey, Rudolphi 
‚und Heder. Noch ohne Eptſchluß, wo er dh als prafs 
tiſcher Arzt Elnftig: niederfaffen wollte, befuchte er feine 
Eltern und Berwandte in Stettin, Smwinemünde und 
Bomm.s Stargardt und kam dann auch am 14. Sepibr. 
4808 nad) Danzig, um bier feinen Altern Bruder und 
feine jüngere verdeirathete weſter zu befuchen. Sehr 
bald nach feiner Ankunft dafelbft wurde er von einem 
bösartigen Nervenßeber befallen und genaß durch Die 
gare Pflege im brüderfihen Haufe, doch nur (ehr langſam. 

ieleiht gab died Veranlaſſung, in Danzig. da Die 
Berhältniffe, in denen fein Bruder und fein Schwager, 
die dier eine gemeinfihaftlihe Handlung batten und in 
ſehr enger Derbinbung mit den damals Hier anweienden 
tranzöf. Civil⸗ und Militärbehörden ftanden, länger zu 
verweilen, da er unter folchen Umſtaͤnden febr- bald eine 
recht gute Praxis erhielt, Als fein Schwager Audrieul 


= Geiſele. 411 


J 


412 Geiſeler. 


im. 1841 nach Parid zog (fein Bender hatte Dane 
— deriaffen), ‚fo ‚made derfelde zuvor &i 
chenkung von 20.000 ken an das daſige Stadt 

Iaareid,, mit der Bedingung, daß unfer ©. na dem 

Tode des damals noch lebenden Dberarjted an dem kiben, 

Profeflor D- Blech, welcher im Sommer 1812 Rarb „in 

der nämlihen Qualität und mit, e!-— tn et 

peit angeftellt werden follte. Nun 
. ‚für. immer in Danzig zu bleil 
mer, als er feit vier Jadren-ald j 
Motlih mit Dr. Bed :dnd — 
ebgewomien datte, indem er bier | 
der nit unbedeutenden Anftalt, in 


n franzöf. Milteäntagaretyen angemteur, 
ır-WBiedereinnahme von Danzig _durd 
Januar 184 thätig - 

13 erwarb er fih v 

und feine Behandlı 

imden Nerven» oder 

w.welder allein 8 

tarbön. Da die m 





— ems — er bie erſten See —X 


| Geiſeler. 418 
dieſes Soſtems bis an fein Ende, wandte es aber nur 
deee an, deun er war unbefangen genug, wohl 
Anzufeben, daß das Ganze noch nicht feitftebe, Daher er 
dieſe Kurart nicht überall, und unbedingt anmandte. — 
Als im Juli 1816 die Eöniglihe Regierung von Wels. 


preußen zu Danzig ihren Sin nahm, murde er bei dem 


Damit in Berbindung ſtehenden mMepieina'follegium zum 
zweiten Medicinalrath erwaͤhlt, in welcher Eigenſchaft 
er auch ſpaͤter, als daſſelbe im Januar 1881 in eine 
Medieinalexaminationskommiſſion umgeſchaffen wurde, 
bis an fein Ende ſehr thaͤtig mitwirkie. Das aͤrztliche 
Geſchaͤft im Stadtlazareth trieb er dadei immerfort, wie 
von Anfang an, mit großer Vorliebe und regem Eifer, 
indem er dadurch einen Schatz von Erfahrungen zu ſam⸗ 
meln befliffen war und meinte, daß man nur in Kranken- 
bäufern reine medicinifhe Erfahrungen und Beobachtun⸗ 
gen zu machen im Stande fei. Seine Öfteren gichtifchen 
Beſchwerden, die fi ſo fehr erweiternde Privatpraris, 
die weite Entfernung diefer Kranfenanflalt von dem» 
jenigen Theile der Stadt, mo er feine meiſten Sranfen 
u beforgen hatte und endlich ein. gewifler Verdruß, daß 
einer ‚feiner Anträge und Wuͤnſche zur Verbeſſerung 
und Erweiterung der ibm anvertrauten Anftalt von den 
Behörden beachtet wurde, Eonnten Ihn nur bewegen, - 
im Jahr 1826 von derſelben ganz abzutreten und feine 
ganze Zeit der Privatprarid zu widmen. — Al am. 
29. Mai 1831 in einem benadhbarten Dorfe von Danzig ' 
die afiatifche Cholera ausbrach, wurde er mit dem Kreis 
phyſikus und noch ein Paar Aerzten deputirt, Diefe 
Krankheit zu. unterfuchen und zu begutachten und als 
diefelbe fehr ſchnell um ſich griff, bielt man für notd» 
‚wendig, eine. befondere Cholerafanitdtsfommifflen zu or- 
ganifiren, von. der er ebenfalld Mitglied wurde. Ein 
im I. 1832 nad Berlin zu feinen Tugendfreunden und 
Bekannten v. Gräfe, Wagner, Biepler, Hufeland *), 
Ruf, Horn, Wolfart **) u. m. A. unternommene Reife 
hatie tür feine Gefundpeit die erfprießlichiten Folgen. 
Doch nach einigen Gabıen: fanden fh feine £eiden mies ' 
der ein und warfen ibn am 19. Nov. 1836 auf ein bar» 
ted Krankenlager, daß er erft nad) faſt 2 Monaten wie: 
der verließ, bergeftellt Durch treue Pflege und Die forg- 
fame Behandlung des Regimentsarztes Dr. Sinogomiß. 








. F 3 J 
„,Deiten Biographie f. R. Nele, 14. Jabrs. ©. 5 


414 \ Seifeler, 


Aber feine Genefung war nur Schein; fein auter Dr 
mor war. verloren gegangen und biigte nur telten auf; - 
fretd eranfider und verdrüßlich, nicht wie fonft wirken zu 
Lönnen, Mangel der Theilnahwe an Dem, was ibn fonft 
fehr intereflirte, Ubfpannung und Unfähigkeit, irgend ei⸗ 
wos fein Zach Betreffendes vorzunehmen, oft Mangel 
an Werten oder-verfebrster Ausdrnd für dab, was er la 
gen wollte, Mangel au Gedaͤchtniß, fogar zumeilen eine 
auffallende Art ſich zu benebmen, ließen feine Bekannten 
nur zu ſehr fürchten, daß ein naher Sturm bevorftände, 
welcher denn auch am 17. März 1837 bei einem feiner 
Patienten wirklich eintrat, wo er ſtarr und befinnungd» 
08 fiten blieb. Nachdem er ſich erbolt hatte, war er 
doch im Stande nah Haufe zu geben. Bon nun aber 
Flegte er befonderd über den Kopf, die Schmerzen in 
demfelben ſtiegen bis zur größten Heftigkeit und er erlag, 
nachdem fid noch andere Leiden binzugefellt hatten, am 
oben genannten Tage. Bei der Sektion fand man große 
Anomalien Im Gehirn und Hirnſchaͤdel: eine bedeutende - 
Verwachſung des erftern mit dem leßtern, Auftreibung 
des Schädeld nad innen, die aufd Gehirn gedrädt das 
ben mußten, Anſammlungen von Waffer und bin und 
wieder etwas Eiter und ſiellenweiſe Verbärtung der Ges 
irnmaffe ſelbſt. Seine Leiche wurde nad 6 Tagen obne. 
epränge, unter Begleitung faͤmmtlicher Medieinaiperfos 
nen, aller derer, die ibn ald Arzt. Denugs batten und 
vielen weinenden Armen, denen er unentgeldlih Hälfe 
geleifter hatte, zur. Erde befattet, — Als Arzt war ©. 
wahrhaft audgezeichnet und genoß allgemeines Vertrauen 
und Achtung. Er befaß einen ſcharfen Verſtand, ſchneüe 
Auffaſſungsgabe, ein vortreffliches Gedaͤchtniß und eine 
feltene Beobadtungsgabe, Diefe Eigenſchaften, vereint 
mit feiner Rude und großen Befonnenbeit, machten ihn 
zu einem febr glädlihen und vorziglichen Diegnofiiker; 
‘er war in feineg Prognofen fiber, in feinem Heilverfabs. 
ren einfach, gab wenig Medicin und feine Recepte wa⸗ 
sen kurz, aber £rdftig, Er war febr thätig und feibig, 
lad fehr viel und ſchrieb viel nieder, theild eigene Beobech⸗ 
tungen and Erfabrungen, theild Notizen aus dem Gele 
fenen, tbeild eigene Anſichten über die aufgeſtelten Theo» 
rieen und, Befanntummdungen. Den Beweis Dafür lies 
fert die große Maſſe der dinterlaffenen Papiere. Außer 
dem Studium der Medicin befaäftigte er fih nod viel 
mit den Naturwiſſenſchaften, vorzugeweife mit Chemie 
-und Botanif. Nebenher ftand er noch in einem großen 


Geiſeler. u ı 5 


Briefwechſel. ſomohl mit fernen Verwandeen; aid mit feir 
nen auswärtigen Sreunden. — Als Sdriftſteller in er nie 

Denia aufgetreten, jedoch geht aus den Konzepten feiner 
' iefe, wie aus den an ibn gerichteten Berichten hervor, 
daß er allerdings Mittheilungen in die medicinifchen Zeit. 
ſchriften an Rult, v. Gräfe, Horn, Wagner und Wolfart in. 
Berlin, an Radius in Leipzig, an Hartlaub in Braune - 
fhweig und.an Stapf in Naumburg gemacht bat, immer 
mit der Bemerkung, Daß er es den Deraußdgebern anheim⸗ 
flelle, davon zu benugen, mas und mie fie es für gera> 
then bielten, dabei ihn aber nie zu nennen, allenfaus 
dad Benuste mit der Chiffer: G....r an bezeichnen. 
Audgearbeitete Auffäge find nicht unter feinen Papieren 
vorgefunden worden, nur Entwürfe, Sragmente, einzeine- 
Gedanken, melde vorzugdweife den Magnetismus, den’ 
Weichſelzopf und die trochomatiſchen Krankheiten über 
baupt, auf deren Studium-er viel Fleiß verwandte, bie 
Eholera, den Geſichtsſhmerz und die Homöopathie bes- 
treffen. Auch außer feinen vielen Senntniffen in den 
medizinifchen und naturdiſtoriſchen Willenibaften war 
er fein Sremdling in andern Zweigen des Willens, nur. 
mußte alles rein fcientivifh tein. In dad Gebiet der. 
Ppantafie verkieg er fi ſelten; für Poeſie und Muſik 
mar er wenig empfaͤnglich; dad Theater befuchte er nur 
anf Stunden, blos zu feiner Erbofung, weniger die Vor⸗ 
zuge ded Stuͤcks und der Spielenden beachtend. Kür 
Malerei und Sfulptur hatte er zwar mehr Liebhaberei, 
doch ohne Kenner zu fein, bei Den Delgemdiden und- 
Aupferftiden, die er befaß oder fih anſchaffte, fah er 
immer mehr auf den Gegenftand, ald auf die Fänftleri- 
fe Ausfuͤhrun Veen: Alles, womit er fich beſchaͤf⸗ 
tige, mußte feine Intelligenz in Anfpruch nehmen. — 
Als Menſch war ©. Hd achtungswerth, von feftens 
. Charakter, in hohem Grade rechtlich und aufrichtig, fonnte 
er feine Ungerechtigkeit oder Zweizüngigkeit leiden und 
ſprach ſich darüber frei und often, ganz ruͤckſichtslos, oft 
fogar derb aus. Er war treu und zuverlaͤſfig; was er 
verſprach, bielt er unter alten Umftänden, forderte daſ⸗ 
felbe aber auch von Andern, befonderd von feinen Pa- 
tienten firenge Befolgung feiner Vorſchriften; Eamen: fie . 
denen nit nad), fo gab ed wohl manden Zank und fo: 
gar völlige Entzweiung. Er erfüllte feine Pflichten ſehr 
laͤcklich und war in allen feinen Geſchaͤften, zumeilen 
ogar bis zur Peinlichkeit, ordentlih. Sehr Ordnung 
liebend war auch fein ganzes Leben, ſtets fehr geregelt 


5 . Geiſeler. 


umd abg 2 ®. war hie verdeiratder, aber fein 
nd von Srauen, mit denen er ſich gern unterbielt.. 
‚Ein Haus zu machen und Samilienvater zu werden, hätte: 
feine Rude und Ordnungsliebe geſtoͤrt; überdies beſaß 
se manche Eigenheiten, von Denen er ſich loszumachen 
ſchwer haͤtte Aberwinden koͤnnen und die dann doch ſtoͤ⸗ 
rend geworden wären. Zu dieſen feinen Eigenheiten 
ebörte es nnter andern, daß er nur fehr ungern außer 
einem Haufe bei guten Sreunden und Bekanmen irgend 
etwas genoß, wohl aber war er Dabei, wenn auf gemein. 
ſdaftliche Koften in Bafdäufern 2c. gezehrt wurde, Auf 
merkſamkeiten, die ihm ermwiefen wurden, nahm er in der 
Megel kalt auf, ignorirte fie entweder ganz oder fuchte 
fobald als möglich ſich der dadurch entfebenden Ber: 
bindfichkeit auf irgend eine, Weife au entledigen; er 
mußte fordern und bezablen können. Das Haus des Res: 
ferenten war beinahe Dad einzige, mo er woͤchentlich, oft 
mehrmald, eins und audging; er fonnte fommen und ge - 
den, wenn er wollte, forderte.er etwas, fo wurbe es ibm 
ereicht, angeboten mußte nichts werden und fo war es 
Im recht. Er war von Natur freundli, batte ſtets 
eine heitere Miene, guten umor ‚und oft einen ſehr 
treffenden Wit und obwohl fekten ganz ohne. Schmerzen, 
o war ed Doch auffallend, dag er bid an fein. Ende ein. 
riſches, gefundes rothed Ausfehen, ein lebhaftes dunkles. 
Auge und eine gehörige Körperfülle behielt. Als ein 
Eharafterzug verdient noch bemerkt zu werden, Daß er 
mitleidig gegen Arme war und gern und reidhlic gab 
an :folche, die ed verdienten; Dagegen ' hart gegen dieje⸗ 
nigen ſich zeigte, Die ihn befiürmten oder gar getaͤuſcht 
batten.. Er war oft mebr freigebig, ald ed angebrecht war. 
Er liebte in feiner Kleidung wie in. feinem Douögerätbe 
Die Reinlichkeit und Sauberfeit beinahe. bis gu Eleganz und 
alles, was angeſchafft wurde, mußte fehr gut fein, ohne Da» 
bei auf den Preis zu feben. Auch ſeine Dandleute undalle - 
Diejenigen, deren Dienfte er in Anſpruch nahm, belohnte : 
er reichlich, verlangte Dagegen .aber auch eine fehr. treue 
und pünktlide Erfüllung ibrer Obliegenheiten. Wie⸗ 
‚wohl er fehr einfam und frugal lebte, zwar gern und 
ut aß, oe aber beinahe nichts als Waller und 
ilch trank, fo brauchte er Doch für feine ganze Lebens⸗ 
weife verbältnigmäßig fehr viel. — Außer einer ſehr gu 
ten und zum Theil Forbaren Buͤcherſammlung, mehreren - 
phofifalifchen Inftrumenten, einer Gemälde » und Kupfer 
fammiung u. ſ. w. bet,er ein baares Vermögen: 
binterlaffen, wovon er nötbigenfalld hätte eanı unat* 





. Schorr. MT 
'feben Ebnnen! eine Erben find ein jängerer Brus 
4 der. GQutöbefiger .von Zoßen if, eine ditere Schwe⸗ 
fter, die Witwe Haager, welbe im Staͤdtchen Zoßen bei 
. Berlin wohnt und ‚mebrere Geſchwiſter Kinder, von des 
nen einige in der Umgegend von Berlin und Porddam 
wohnen, andere weit ab, in Neu: Drleans, Montpellier 
und Köln, | Dr. 9. 


* 143. Sohann Andreas Schorr, 
Dfarrer zu Juͤchſen und Neubrunn dei Meiningen ; 
"geb. 5 19. Febr. 1:61, gef. d. 6. April 1837. 


Sein Bater, Johann Kaspar Schorr, war herzoglich 
—— koburg. Kommercienrath, Freiſaſſe und Beßtzer 
ed Schrickels- oder Doktorhofes, wie auch Mitnachbar 
u Juͤchſen; ſeine Muster, Maria Eliſabethe eine geb. 
ad. Schon in den .erfien jahren feines Lebens zog 
er mit feinen Eiten nah Bundorf in den Haßbergen 
wo fein Vater Das Rittergut des Sreiberrn von Trude 
feß gepachtet hatte. Dort befuchte_er die Schule - bis 
ur Konfirmation, worauf ihm fein Vater in der Mufi, 
er lateiniſchen Sprache und andern zu einer wiſſen— 
ſchaftlichen "Laufbahn vorbereitenden Gegenftänden Pris 
Datunterricht ertheilen ließ, bid er DRS Lyceum zu Mei» 
ningen befuden fonnte. Mit_den zum Studium ber 
Theologie nötbigen Vorkenntniſſen ausgerüfet, bezog er 
Die Univerfität Erlangen in den Jahren 1779 bis 1788, 
worauf er nach dem vor dem berzogliden Konfitorium 
p Meiningen woblbeſtandenen Eramen unter Die Bl 
er Predigtamtskandidaten 2 wurde. r 
verlebte ſodann einige Zeit bei ſeinen Eltern, bis er die 
Stelle eines Hauslebrers bei dem damaligen Amtmann 
Petri zu Schwarza antrat. In dieſen angenehmen Ver⸗ 
haͤltniſſen blieb er, bis er am 41. Mai 1787 den Antrag 
als Subſtitut des Pfarrerd Chriſtian Nathanael Wagner 
zu Juͤchſen erbielt und bald darauf fein Amt daſelbſt 
ausrot. Nach dem kurze Zeit darauf erfolgten Tode fer - 
ned Vorfahren wurde er auf Anfuden der beiden Ger 
meinden Süchfen und Reubrunn ald wirklicher Pfarrer 
betätigt und eingeführt. Im Jahr 1791 (2. Gebr.) vers 
beirasdete er fib mit Johanne Tufine Sondermann 
(4.1832), der zweiten Tochter zweiter Ehe des vormalis 
gen Syndikus der reichöfreien Ritterſchaft an der Baus 
nad, Sodann Philipp Sondermann zu Rügbeim in gratis 
ken, Aus diefer Ehe entfproßten ihm 4 Töchter und 
N, Rekrolog. 15. Sch. - RT 


r* 


‚ „ arbeitet, beſteht 


418 Schorr. 


2 Söhne, von-denen der ältere. alb Student der Thes⸗ 
logie im Januar 1814 zu Sjena’farb. Im (jahr 1818, 
als ihm Die Superintendentenflelle zu Waſungen anges 
tragen wurde, beide Pfarrgemeinden aber dringend 
wänfchten , daß er fie nicht werlaffen möchte, benuste er 
diefe Gelegenbeit, das ibm und auch vielen Gemeinde 
gliedern längft verbaßte Beichtgeld in eine fire Abgabe‘ 
aus den Gemeindekaflen zu verwandeln. Die Abnahme 
feiner Kräfte füdlend, dewog idn feine Liebe zu den ihm 
und feiner Sübrung Unvertrauten, fi auf eigene Koſten 
einen Sobn Franz Gottfried ald Umtögehälfen zu er 
itten, damit fein vorgerädted Alter Feine 3— 
gung in ſeinem ihm ſtets wichtigen und deiligen Beruf 
öeruürſachen moͤchte; in den legten drei Jahren aber uͤber⸗ 
ließ er die Verwaltung des Pfarramtd_ feinem Sohn 
ganz. Obgleich in feinem Wirkungöfreife ald Prediger 
und Seelſorger bei dee Gemeinden vielfach beichäftigt, 
ing er doch in wiſſenſchaftlicher Bildung mit der Zeit 
ort, befonders in der theologiſchen Literatur. Aber auch 
außer feinen geiftlihen Berufsverrichtungen Rand er ſei⸗ 
nen Pfarrkindern in den menniafaitigken Lebenöverbälte 
niffen ſtets mit Rath und That zur Seite und fie ſchaͤß 
ten und ehrten ibn als ihren treueften Sreund, ja wie 
einen liebenden Vater. Die Stunden feiner ländlichen 
Muße benugte er auf eine febr wärdige und gemeinnäg- 
lie Weile. Eine-von ibm verfaßte Dorfbefchreibung 
und Dorfchröonik von Düchfen und Neubrunn, nad der 
Unordnung des "damaligen berzogliden Konfitoriums 
 (befonderd nab der dee des aüsgezeichnet gelehrten 
und raftlod thätigen räfidenten Ludwig Heim) audge- 
bt in zwei Solianten und if eine Mufter- 
arbeit, weöhalb er auch ein befondere® Belobungsdekrer 
erhielt. Den größten Fleiß und die gemiffenhaftefte Sorg⸗ 
falt verwendete er auf den Unterricht der Konfirmanden; 
auch wirkte er durch fein eigenes Beiſpiel viel auf dad 
äußere gefittete, wohlanftändige Betragen feiner Gemein⸗ 
peglieber. Schon fein anfebnlicher, großer und ſtarker 
K rperbau Höfen Mhun ein. Am 5. April 1837, ald 
er eben fein Bette verlaflen batte, ſonk er, von einem 
Nervenſchlag an der linken .Seite gelöhmt, dewußtlos 
nieder und obgleich die Arztliden Vorkehrungen einen 
gemänfaren Erfolg zu daben ſchienen, konnten. fie doch 
ie Genefung nicht bemwirfen. Er unterlag der erlitte: 
nen Erfoätterung am folgenden- Tage. 


Meiningen. Dr. 3. €. Idling. 





419 


144. Dr. Johann Georg Lippert, 
Symnafialprofeflor zu Hof; 
geb. den 18. Juli 1801, gefl. den 8. April 1887 ). 


Lippert war zu Wunfiedel geboren, wo er auch die 

e ulbildung erbielt. Er ging darauf an bie Siu⸗ 
dienanſtalt zu Regensburg und bezog nach ſechsjaͤhrigem 
Aufenthalt Die Univerſitaͤt Leipzig. Hier befugie er neben 
tbeologifßen und andern wiflenfhaftliden Vorleſungen 
auch die pᷣbilologiſchen Kollegien Hermann’d; Bed’s und 
Spohn's und verließ erſt nad drei Jahren Leipzig, um 
feine Studien in rlangen fortzufegen. Nach vollendes 


rnberg im Juni 1824 berufen wurde. Im J. 18293 
batte er auch die theologifche Aufnahmepräfung in_ And 


bunden worden waren. Im ar 

der Univerfitär Erlangen die Würde eined Doftors der 
Ppilofophie erworben. — Die Stunden, weldeer von 
feinen Amtdarbeiten eräbrigen konnte, verwendete er eiß⸗ 


——— — 


Naqh den Jahresbericht v. d. koͤnigl. S a. d. la⸗ 
teinifüen Sale Bot im Stubleniabe Ibis Ar 167. m 


⸗ 





422 ° | Raabe. 


ng& Sebruar 1814 war fie durch feine Bemühungen in 
en Stand gelegt, in ſalagfertigem Zufand den Mari 
nach Stanfreid antreten zu. können. Fuͤr feine Leiſtun⸗ 
en im Jahr 1814, Die er befonderd bei der Einſchlie⸗ 
bung und Befchießung der Feſtung Maubeuge Entwidelte, 
ard er mit dem’ kaiſ. ruff. St, Unnenorden 2. Klaſſe 
belohnt. Auch an dem zweiten Feldzug gegen Frank⸗ 
teid im Jahr 1815 nabm er Theil. Das war und das 
leiſtete der Derewigte ald Militär in den Zeiten, wo ihn 
‚fein Beruf auf das biurgedüngte Feld der Sclachten 
rief. Allein auch in der Zeit des Friedens raflete er 
nicht und mit unerfchätter| ger Ebdtigkeit verwendete 
er feine ganze Kraft auf die era kom mnung der ibm 
anvertrauten Ware. Noch Eurz vor feinem Ende fand 
er dafuͤr die erfreulichke Anerkennung durch die ibm 
von dem Kaifer von Rußland ertheilte Dekoration Deb . 
St. Sianidlausordend 2. Klaſſe. Betrachten mir ihn 
nun ald Menih, fo finden wir, daß babe Biederkeit, 
enge Gereatigkeiisliche und unermädlide Sorgfalt 
r dad Won feiner Untergebenen ihn zierten. de 
‚ugenden von ibm waren unverbrädlide Treue gegen 
feinen König und unauslöfchbare Liebe zu feinem 
terlande, die er namentlich in dem für Die ſaͤchſ. Armee 
fo verbangnißvollen Jadr 1814 rübmliht an den Tag 
‚ legte. Glänzende Anerbietungen wurden ibm vor der 
Theiiung der fächf. Armee von mehreren Seiten gemadt, 


aber offen _erflärte er, daß er feinem König und Herrn 


. is dem Eide der Treue verpfliter fei und nur dann 


in fremde Dienfte zu treten fid entſchließen könnte, wenn 
fein König ibm zu erfennen geben foute, daß er feiner. 
Dienfte nicht weiter bedürfe, Darum werd ibm aber 
auch die Actung- und dad unbedingte Vertrauen feiner 
Untergebenen ins böchften Grade zu Theil. Wie groß 
die Verehrung war, die fi der Deremigte allgemein 
erworben batte, bewied fi bei feiner Beerdigung. Der 
von dem Brigadier Generalmajor von Haufen geführte 
Leichenco nducı befand aud 4 Geſchuͤtzen und 3 Linienba⸗ 
tai Uonen, außerdem folgte noch eine gablreihe Menge, 
R. binterlößt nebk feiner Batıin 6 zum Theil noch Um 
verfo ıgte Kinder. - . 


und lernte eifrig unter der Anleitung des dortigen 


423 


* 146. Band Ernſt Bütemeifter, 


Dperamimann Zu Diepholz im Koͤnigreich Danover, Ritter des 
Buelphenordend und Doktor der Rechte; ’ 


. geb. den 24. Auguſt 1780, geft. den 10. April 1897. 


Der Baer ded Mannes, deffen Leben wir bier au 
flizziren beabfichsigen, war Prediger in dem hanoverſchen 


Dorfe Wulften unweit Zorıb el. batte früber der graͤß⸗ 


lih 9. Hardenbergſchen Familie feine Dienfte als Haube 
lehrer gewidmet und flarb bereitö menige Jahre na der 
Geburt Hand Ernſt's, diefen und Deflen jüngere Schwe⸗ 
fier der Dilege einer forglamen Mutter binterlaffend. 
Die Mutter, geb. von Hattorff, wohnte Darauf mit 
den beiden Kindern zwei Jabre in dem benadbarten 
Sieden Nörten, worauf fie der Bruder des Baterd, ders 
: geitiger Prediger in dem naben Dorf Bähle, in fein 

sr aus aufnahm, wo biefer trefflihe und mild« 

efinnte Mann den Unterricht der Kinder perſoͤnlich be 


ſorgte (1756). Der fievenjährige Krieg fiel in diefe Zeit 
md früh lernte an einfeben, Gas es a 


Seinden des Daterlandd umgeben zu fein. 1766 bezog 
’ 


unfer B. die lateinifhe Schule zu Zellerfeld am ga 
€ 


tors Retberg. Da während deß fein Oheim von Bäble 
nad) eriberg verfent wurde, fo fonnte fi) dieſer des 
mis edlem Ehrgeiz fortſtrebenden Juͤnglings noch Eräfe 


tiger annehmen und Leßterer bezog Denn auch 1760 die - 


ttinofde Akademie, woſelbſt er unter den Aufpicien 
von Selhomw, Böhmer, Pärter, Schlöger, Bedmann ꝛc. 
bid 1773 die Rechte ſtudirte und auch die Hörfäle Hol» 
mannd, Aprers und Beckmanns (des Dekonomen) fleißig 
deſuchte. Er ſchloß hier innine Freundſchaft mit dem 
Dichter Hoͤlty, welcher ibn in die Geſellſchaft jener Dich 
terverbräderung feiner Kommilitonen einführte, welche 
ipäter ihre Namen in unferer Literatur binreidend mas 
nifeſtirt haben. Jeder Ddiefer bochbegabten Sjänglinge 
ing zwar im Fruͤhlingsſonnenſchein der afademifchen 
eipess feinen eigenen Weg, aber Ale waren in der 


Verehrung für Klopflod und für den hoben Geift, den - | 


idealen Schwung der Klopſtockſchen Poeſie derzlich und 
enthuſiaſtiſch vereinigt und infotern bier von Schule Die 
Nede fein kann, bildeten fie gemiffermaafen den Foyer 
der Klopkodihen Schule, welcher auch B. getreulich 
und immerdar zugethan blieb, ſo daß fein gutes Ge⸗ 


t 





“ mebr unter d 


424 | Bütemeifter. j F 


daͤchtniß ihm lange Stellen aus der Meſſiade aufbewahrte, . 
die er mit Feuer und Salbung manchmal recitirte. Nach 
abſolvirten Studien und einem Aufenthalt im Haufe, 
Des Dnfeld wurde B. im Jadr 1774 eraminirt und bei 
dem Amt Brunftein als Auditgr angeftellt, wofelbft er 
ſich das Wodlwollen des dortigen erften Beamten, 
Reichshofraths v. Hugo nachhaltig erwarb. 4779 ward 
er zum Zitularamtöfchreiber ebendafelb und 1780 zum 
Supernumeraramtöfihreiber für dad Amt Uslar ernannt, 
wo er denn bei wenig Gehalt und viel Arbeit einige 
Jahre zubrachte. 1788 ging er in boriger Eigenfchaft 
und zu leich als Hofkornfſchreiber nad Celle, mo ſich der 
Frei feiner Bekannten und Sreunde fehr vermehrte und - 
mo er auch noch In den Nebenflunden mit der franzöfis 
ſchen und italienifden Sprache fi beſchaͤftigte. Auch 
wurde er Tier zum Zuctbausfommiflär ad interim bee 
feut und man wußte nun fon, Daß man in B. einen 
tüchtigen, ‚grundredliden und unermädlichen Wrbeiter 
befaß. 1786 wurde er ald zweiter Beamter an dad Amt 
yoya verſetzt, verbeirardete fid mit Friedericke Luiſe 
odemann, der Tochter des Amtmanns £. zu Oldenſtadt 
und dieſe feine Gattin, mit welcher er 20 Jahre in zu⸗ 
friedener She lebte, gebar ibm im Laufe diefer Jahre 
ſechs Toͤchter, welche ihn fänımtli überlebt haben. Er 
genoß die Daterfreude, vier feiner Kinder gluͤcklich ver⸗ 
-beirander zu ſehen; einer der unvermäblten Toͤchter aber 
wurde die ſchoͤne Beftimmung zu Theil, die forgfame 
Pftegerin Des Vater am Spätabend feiner Tage zu wer. 
den. In Hoya nun verlebte 3. ftille, glüdlide und ar. 
beitpolle Jabre. 41792 wurde er nach Diepholz ald zwei⸗ 
ter Beamter berufen’ und 1799 daſelbſt zum Ammann 
ernannt. Hier entwickelte er jene Thätigkeit, wel 
eigentlid” den Kern feines Dienftberufd "bildete und die 
gen der Art war, wie Seine Redlichkeit und Milde ſich 
Diefeide in einem dur langen Srieden beglädten Lande 
nur wänfhen mochte. Aber ſchon Elang das Oenöe der 
franzöf. Revolution, wie das Grollen eines fernen furcht⸗ 
baren: Donners, berüber in die norddeutſche Frieden⸗ 
ſtile. Die Zeit der franzoͤſ. Invaſion von 1808 bis 1813 
war vorzüglih Drangvoll für Dad Grenzamt Diepbolz, 
fo daß wohl fanerlia ein Ort des hanoverſchen Landeb 
eſen Verhaͤltniſſen gelitten bat, als dieſer 
weitlaͤuftige, über 20,000 Einwohner zaͤblende Bezirk. 
Anfangs befuͤrchtete man, auf dieſen weiten Sandebenen 
ein Dacapo der Schlachtentheater zu erblidden, Die fchon 





‘ 


auch feines Deieigen die Achtung un 


und bezeichneten i 


Siegers bielten und 


franzoͤſiſchen Occupation für 


Ditemeifter. 25 

oft im Vorzeit auf Diefen unabfebbaren 1— 
be — * en  naateh ren Dar 

einrüdenden Sranofen brandſchatzten und marodirten 

ren Eintritt in das Panenenkche das 

dur, Daß fie ein Bauernhaus anftedten. Unſer 3. batte 


weder Tag nob Nacht Ruhe. Die Generdie Mortier, 
Berthier und Bernadotte — fo wie früber Feldmarſchall 


-* Graf Walmoden — lagen längere Zeit bei ibm im 


Duartier; fein Haus_war Jabıe bindurd der Sammel» 
plag faft aller militdrifhen Notabilitaͤten, welche der 
Krieg von dorther in Bewegung ſetzte und mancher his 
forifche Name wäre zu nennen, wollten wir bie Krieg 
machtbaber Alle bezeichnen, welche Damald in das zur 
Beamtenwohnung dienende alte Diepbölzer Grafenſchloß 
den Einzug des für jent ‘ohne Blutvergießen nabenden 

einguartierungsmeife oft längere 
Zeit bei dem ftetd loyalen und zu jeder Aufopferun 
willigen Hauswirthe vermeilten. Daß von Geiten be 
Letztern große Dpfer von Zeit, Rube und Dermögen zu 


bringen waren, verſteht ſich von feld. 1804 betrauerte 
B. den Rod feiner einzigen Schweſter Eleonore, der 


Gattin ded auch als Schhriftfteller und Dichter bekannten 
Amtmannd 3. U. Weppen zu Wideröbaufen. Da ©. 


ſich durch ein würdevolled, uneigennügiged und, wo es, 


mie bei faR allen franzöffchen Offizieren, anwendbar mar, 

d Zuneigung der 
fremden Armeechefs zu erwerben wußte, fo gelang ed 
idm faſt immer, die Letztern für das Wohl von Diep⸗ 
Holz günftig zu Rimmen und unzählige Male wandte er 
durch mutbige Fuͤrſprache von Den feiner Sorge anver- 


:trauten Amtseinwohnern unberechenbaren Schaden und 


große Striegöwebe ab, ein Hauptzug feiner amtlichen 
irkſamkeit, welcer auch fpäter nach der Reſtauration 
von feinen Vorgeſetzten in ehrenden Ausdruͤcen aner⸗ 
kannt wurde. Aber nicht nur eine Schule der That und 
amtlicher Energie und Ausdauer, fondern auch mannich⸗ 
facher Zeiden und Enbebrung wurden die Tage der 

. Geine Liebe fürd Va⸗ 
terlaud und feine Achtdeutfche treue Anhänglichkeit für 


dad angeſtammte Fuͤrſtenhaus mußte darte Prüfungen bes 


fieben! Die auf eine Militärdefporie abzwedenden fran- 
söflfhen Einrichtungen und Verordnungen verlegten tief 
die Milde feines Wefend, Die Idamfofe geheime Polis 
zei befümmerte den gerad » und edeidenfenden alten 


Staatödiener unfägli und bier befonders fäblte er zur . 


426 Bhtemeifer. 
. gteih mir fo manchem deutſchen Herzen in tiefem Schmerz, 
wie empörend es fei, wenn geldaierige Renegaten und 
ebriofe Schurken und Horcher, Denen feile Schergen 
auf dem Zuße nachfolgten, felb in Die Penetralien der 
Häufer eindrangen und den deutſchen Mann, der unter 
dem Schuß der Karen der befümmerten Bruft Luft made, 
vor die fhonungslofen Tribunafe der Zwangsherrſcher 
. fbleppten. Dennod war andrerfeiss B. auch nit der 
Mann, der einfeitig und philiterbaft, verfannt bütte, 
dag mandes Alte ald morfd und verjäßrt vor Dem droͤh⸗ 
nenden Zußtritte der maͤchtig bemegien neuen Zeit von 
ſelbſt in ſich zufammenfinten mußte. Geleiter dürch Er» 
fabrung, belehrt durch wieljährige Gefhäftdroutine ers 
fannte fein richtiger Verfiand fogleich, daß jegt der Zeit⸗ 
geit mit eiferner Stimme ein unabmeisvar Neues Diftire 
und mit eben fo fiderer ald feiner Diftinktiondgabe ſah 
der vielgepräfte Mann Deutlich ein, Daß unter den juns 
en polisifhen Ideen und Snftisutionen fid mandes 
ute bervoridue, welches unberechenbar in Die ferneren 
- Sapre fortwirken und auch das fociale Leben nachhaltig 
Ä umgealten möfle und werde. — Bekanntlich war die 
Graͤfſchaft Diepholz dazumal ein Theil des fogenannten 
Koͤnigreichs Werppaten, erfuhr aber bald darauf Die-lcis 
Dige Standederböbung, zu einer yroving Dei franzöfifben. 
‚ Kaiferreih8 umgemodelt zu werden. B. verlor in Folge 
deffen 1810 alle feine fräderen Bedienungen, wurde aber 
gur Dankbarkeit — weſtpbaͤliſcher Maire obne Gehalt, 
Es war Napoleoniſches Princip, Die Staatsdiener, ans 
ſtatt mit Geld, mir Ehre zu falariren. Die fchlauerem 
Beamten überfegten ſich dieſe Ehre Dur: VBedrädung, 
Einfluß, Prunffuct und dadurch. Daß fie kriechend gegen 
Dornebme und Vorgeſetzte, hart und unmenſchlich ges 
gen Untergebene und Niedere, dad Recht an den Meift- 
-bietenden verkauften: und Diefe Theorie rentirte fi 
famddgut* für fie, folten wir denken! 3. verkant 
Biefe Kunſt nicht und nur.die innere Ehre, das reine 
Bewußtſein des Ehrenmannd wear ibm: unverdußerli 
und heilig. Bei ſolchen Orundfägen konnte ed nicht 
feplen, daß damals die Bekümmerniß um dad Nothwen⸗ 
Dige und die träbe Frage, wie er tür fi und für die 
Seinigen dad Erfprieglihkte beforgen möge, feine altern» 
den Tage verbäfern mußte, denn von jeber gehörte er 
u denen, welche ſichs in der Welt batten fauer werden 
affen. 1814 wurde er Eailerlider Maire, 1842 Perceps 
teur, legte aber no vor dem Schluß der Ufurparion 


‘ 


Bütemeifter, 427 


auch Diefe ſpaͤtern Aemter nieder. Nun erfcbien Der 
deißerfebnte Tag der Befreiung aus jahrelangen Ketten 
durch die deutihen, englifben und ruffiiden Waffen 
und erfälte B., welcher in feine vorige Stelle ald ers 
ker Beamter zu Diepholz wieder eingefegt wurde, mit 
der hoͤchſten Sreude des Patrioten. Auch begannen von 
jegt an für idn wieder ſchoͤne Zeiten frob» getrofer Bes 
ruföthätigkeit. 1821 ward er zum Dberamtmann ernannt 
und feierte 1822 fein SOjähriges Jubelfeſt als Diepdols 
‚zer Beamter. 1824 beging er, unter berzlider Theis 
nabme der Amtdeinwohner, (die ibn ihren Vater nann⸗ 
ten) fein funfsigiäbrigee Dienftjubildum und wurde mit 
dem Ritterkreuze ded Guelphenordens beebrt, wie ihm 
denn auch gleiageitig von der Univerfität Goͤttingen das 
Ehrendiplom old Doktor der Rechte übermittelt wurde. 
Und noch 13 Qahre lebte er, in jängfter Zeit Senior der 
-danoverihen “Beamten, allverebrt, il und raſtlos thaͤ⸗ 
tig, taͤglich 6 bis 8 Stunden feinen Beruftzarbeiten ob⸗ 
liegend, in voller Geiſteſskraft und auch koͤrperlich nur 
wenig geſtoͤrt, bi6 ind dode Alter, ein gefegneter Greis 
im vourn Sinn des Wortd. — B. mar von bober, da- 
gerer, aber kraͤftiger Gefalt, feine Erſcheinung war edre 
würdig und in gebildeten Kreifen insbefondere charakte- 
rifirte ihn eine gewille anmutbige Beweglichkeit, die ſei⸗ 
aer Gegenwart etwas Behogliches und Jugendliched mits 
tbeilte. Wo er war, da.verbreitere er Sried’ und Freude 
um fih ber und fein 40 Jahre von ibm bewohntes Zim⸗ 
mer mochte feinen Lieben ald ein Killer Kempel, ein vom 
guten Geiſt gebeiligter Drt erſcheinen. Sein Herz war 
ewig ofen für jeden reinmenfchlichen Eindrud, fein eds 
ler Wille ſtets auf dad Bute, Schöne und Beglädende 

erichtet: "und wenn man von diefem feltenen Menſchen 
agen kann, daB er in feinem fangen Leben willentlich 
ewih niemals irgend einem nfbmenben und füblenden 

efen webe getban bat, fo gebürte er dafür auch zu den 
Wenigen, Über Deren Achten Werth es nur Eine Stimme 
gab und gibt. Sein fhöner, fantter Tod wear der eines 
von Gott Begnadigten. Und wäre darin nicht ſchon bie 
nieden bober Segen für dohe Treue und &hte zu erken⸗ 
nen? Mit Nachdenken “wollen wir dieſe Bejrachtung 
verfolgen; eingeben! wollen mir fein des ſchoͤnen Ge⸗ 
müthe, welches in Der Sreude Anderer die eigene hoͤchſte 
ſuchte und fand. — Der ernfte Genius nabte leife dem 
kaum frönfeladen Breife; es ſchien, der Tod ſelbſt babe 
Ehrfurcht vor dem reinen Sterbenden, über deſſen Uns 





— 


428 m Jeniſch. 


sig ſich beitered Lächeln -ergoß, ald wolle er ſagen: es 
IR gut vollbradt! Und fo wurde ihm die Auflöfung im 

voͤchſten Lebensalter zu Theil, die einzige, die nichts‘ Ges 
waltfames hat. Die Lebenduhr ftand fill, weil ihre Ges 
wichte rein abgelaufen waren. Aber der Derklärte 
ſchlummerte nur: er war, — er ift nicht todt. 

' Dr. Friedrich Weppen 


* 147. Karl Friedrich v. Jeniſch, 
Befiter der v. Jeniſch⸗ u. Stage'ſchen Verlagshandlung zu Augdburg; 
. geb. d. 29. Juni 1771, geft. d. 11. Apr. 1897. . 
Er war zu Winterbach. im Königreih Würtemberg 


auf dem Gute feined Vaters, Franz Karl v. Zenifch, 


koͤnigl. Oberfoͤrſters Ddafelbft, geboren. Seine Mutter 
war eine geborne v. Ebendberger aus Waiblingen. Im 
Genuß einer tätigen Erziehung im elterliden Haufe, 


"fo wie des vorbereitenden Unterrihtö Dur einen Hof - 


meifter, erreichte er dad ſechſte Jahr und bezog ſodann 
mit feinem Altern Bruder Ferdinand Dad Gymnaſium 
su Schorndorf. Unermädlicher Fleiß, von trefflichen na» 
sürlichen Anlagen unterftügt, bob in mehrern Klaſſen ihn 
auf den erften Platz. Aus befonderer Vorliebe für- den 
Wirkungdfreis eines‘ Buchhaͤndlers, trat er in einem. 
Nter von 14 Jadren in die C. H. Stage'ſche Buch⸗ 
bandlung in Augsburg in die Lehre und bewährte nun 
die Weite feines Innern Berufd durch eine fo raftlofe, 
geiwäfeförbernde, umfichtige Thaͤtigkeit, Daß er nad 
em ausdrädlichen Willen feines fie woblmollend ans 
erfennenden Prinzipald nach deſſen Tode, mit Um⸗ 
gebung Älterer Gebülfen und ungeachtet der erft vor ei» 
nigen Jahren beendigten Lehrzeit, Gef näftsführer der 
andlung wurde. Kin fo auszeichnended Dertrauen 
uchte er, von dem edien Ehrgeize befeelt, ſich deſſelben 
würdig zu zeigen, durch Die dankbarſte Dingebung zu 
vergelten 'und das Glück Erbnte auch feine Mühen in 
einer viel fchmwierigeren Zeit, wo dem Bucdbandel die 
peblreipen Betriebsquellen unferer Tage noch nicht ges 
net waren, mit dem günftigfien Erfolge, fo zwar, da 
Die von ibm geleitete Buchhandlung, namentlich au 
durch feine perſoͤnliche Rechtlichkeit, ſich bald in Die 
Rethe derjenigen emporſchwang, die den erfien Rang 
in Deutichland behaupten. Er war ed auch, der zuerſt in 
Deutfchland die ſchoͤnen Tafpenwörterbücher in mehreren 
Spraden einführte, welche auch jept noch, nach _fieg - 
reidem Kampfe mit vielfahen Nachdrücken und Nach⸗ 


x 


mm un 


. Jeniſch. | ‚429 


admungen, einen ehrenvollen Plag in der deutſchen Li⸗ 
seratur einnehmen. Das Jadr 1806 bedrohte ibn mit ' 
einem ſchrecklichen Geſchicke. Der Buchhändier Tobann, 
Philipp Palm in Nürnberg verfendere im Srübjahr 1806 
eine an fi gebaltlofe SIugferift unter dem Titels 
n Deutfchland in feiner tieflten Erniedrigung,,* Die aber 
Napoleond Tyrannei und das druͤckende Schalten und 
Walten der franzöf. Truppen in Baiern mit der Wahr« 
beit eined empdrten Herzens ſchilderte, an die Stagefche, 
Buchhandlung in Augsburg, jedob, nah Palms Be—⸗ 
tbeuerung bis zum letzten Hauche feines Lebens , nur als 
ehnen Speditionsartifel, deffen Inhalt er nicht kannte. 
Bon der Stage’ihen Buchhandlung murde jene‘ Slug- 
ſchrift einem Geiftlichen ald Neuigkeit zugeſtellt, in defz 
fen Haufe fie franzoͤſiſche Dfficiere, welche deutſch vers 
ſtanden, zufaͤllig zu feben befamen und fie_ald hoch⸗ 
verrätberifg wahrheintid der franzoͤſiſchen Regierung 
anzeigten.. Angeflagt der Verbreitung dieſer Stugfchrift, 
wurde v. J. von franzöf. Gensd’armen verhaftet, — 
wie Palm in Nürnberg — und in einem wohlverwahrten 
Wagen, unter militärifder Bedeckung von ſechs Mann, 
nuch Braunau geführt, um von der faifer!. franzöfifhen ' 
außerordentliben Militaͤrkommiſſion daſelbſt gerichter zu 
werden. Da fuͤgte es ſich, daß der Zug auf dem — 
von Augsburg dahin dem eben von Muͤnchen zuräd- 
fehrenden damaligen koͤnigl. Polizeidireftor von Augds 
burg, . Sreiberrn von Andriän begegnete, einem der 
achtungswuürdigſten Stearsbeamten und bochberzigften 
Menſchenfreunde, zur Zeit Generalkommiſſaͤr und Res 
gierungepräf ent vom Obermainfreid. Er kannte den 
efangenen, tele ibn ald Bürger von Augsburg unter 
feinen Schuß und zwang die Bedefung dur die Ges 
malt des Wortd und des perfönlihen Muths, ibn nad 
Münden, anftatt nah “Braunau zu führen. Nur dar 
Durch wurde er vom. Tode, der Aber ihn ausgefproden -' 
war, gerettet, indem der König Morimilian zofen *) 
feine Auslieferung ftandhaft verweigerte. Von ſechs 
auderfebenen Opfern fiel nur der unglüdlide Palm ie 
Braunau» v. J. brachte im J. 1813, nah dem Tode 


‚der Stagefden Wittwe, die Buchhandlung und das 


Haus eigenthämlih an ſich und fügte der alten Firma 
einen Ramen bei. Sein Berlag umfoßte Ddeutfihe, 


franzoͤſiſche italieniſche und englifhe Werke und zwar 


Deſſen Biographie f. im N. Nerrolog Jahrg. 3: S. 98. 


s 


% 

480 Harſeim. 
nicht immer Artikel, die auf dedentenden zweiteltofen 
Ubfan berechnet waren, ſondern auch Werke, die er zus 
nachſt in patriotiſchem Sinne verlegte, obgleich er nur ein 
Kleines Yublifum erwarten durfte Er war zweimal 
verbeiratbet und hinterließ drei Söhne und zwei Toͤch⸗ 
ter. Bereitd im Jahr 4830 übergab er feinem älteken 
Sodne Karl einen Theil feines Geſchaͤfts und bebieft 

wur den Berlag für fi, melden er unter der Firma: 
nd. Jeniſch⸗ und Stage'ſche Verlagshandlung“ did am 

fein Ende forsführte und jäbrlih mit einigen neuen 
Werken vermebrie. Auch diefe Berlagdhandiung: if erbs 
eigentbuͤmlich änergegangen auf den eben genannten dis 
teſten Sohn nah dem am oben genannten Tage ſchneu 
und unvermuthet erfolgten Tode unferd v. I. — Dekan 
Geuder hielt die Grabrede. 


* 448. Dr. Auguft Rinaldo Harfeim, 
farrer In Reutenthal (im Weimarifchen)z 
geb. den 25. Juni 1806 , geſt. den 12. Apr. 1897. 


eine Eltern waren Ber im Jahr 1821 zu Stadt 
Buͤrgel im Weimarifhen verfiorbene Pfarrer und Ad» 
junft Wilhelm Auguft Gottfried Harfeim und Johdanna 
Elifaberh Wilhelmine, geborne Hochdanz aus Weimar. 
Das Licht der Welt. erblickte er in Jenapriesnitz, unmeit 
zem und hatte 6 Geſchwiſter. eine Snabenbildung, 
o wie den erftien Unterricht, empfing er im Daterbaufe 
‚aus welchem er nad der Konfirmation auf Die Schule 
zu Eifenberg aberaing, ‚melde er, 16 Jabre alt, mit 
dem Opymnafium zu Weimar vertauſchte, fogleich. in die 
erfie Stlaffe deffeiben eintretend. Hier erwarb er fich 
turch feinen regen. wiſſenſchaftlichen Eifer, durch fein 
unbeſchottenes Leben und Durch feine Befcheidenbeit bei 
Xehrern und Schülern gleiche Achtung und Liebe. und 
zeichnete fich fo auß, daß er nicht allein das vom Herzog 
Wildelm Ernk für die 12: fegigten, tähigften und ges 
ſittetſten Primaner gefiftete Stipendium, ſondern auch 
eine der Prämien erhielt, welche jaährlich an die 3 von 
Hholinen derſelben vertheilt zu werden pflegem Grund⸗ 
fi vorbereitet ging er ald Brimus des Gymnaſiums auf 
Die Univerfitdt Jena ab, Kudirte bier mit größtem Fleiße 
Theologie und Phtlologie und beſtand fein Kandidaten," 
eramıen mit Auszeichnung. Da Unentf&lofienheit einer: 
‘ feiner hervorſtechenden Ebarafterzäge wor, fo konnte cr , 
ſich lange nicht entſcheiden, ob er Geiſtlicher odes Echter 


- 


Harfeim. 431 
werben weilte, bi endlich feine. überwiegende Reigun 
ur Philologie und günfige Ausſichten, melde et ne 
Danoverfen u baben „giaubie. ibn für dos Lehramt 

entf&ieden. Sein ernf 

Rimmte ibn, fib den Grad eined Doktord der Philos 
jopdie zu erwerben. Allein da fowohl jene Ausfichten 

Hanoverfden, ald auch die von ihm gedegten Hoffe 
nungen auf Erlangung einer Stelle am Spmnaflum zu 

Weimar fehli@lugen. To Febrte er zur Theologie —X 
und ergriff, um eine Anſtellung in einem geiſtlichen Amte 
abzuwarten, das Hauslebrergefhäft, welches ihm aber, 
weil er ein beſſerer Lehrer als Erzieher war, nicht zu⸗ 


ſagte und bald wieder von ihm aufgegeben wurde. Hier⸗ 
auf privatifirte er einige Zeit in Tena, bid er i. 3. 1895 


Bemüben um ein ſolches bes - 


‚ ald Pfarrer in Leutenthal, unweit Weimar, angeſtellt 


wurde, wo er fih nit allein durch feine religidfen 
Vorträge, fondern aud durch feine ſpeciele Seellorge, 
fo wie durch feinen muflerhaften Wandel die unges 
theilte Achtung und Liebe feiner Gemeinde erwarb. Hier 
verheirathete er ih im folgenden Jahre mit einer Koch» 
ter des ebemaligen Guftigratbd Große in Naumburg und 
fübrte mit ibr eine doͤchſt glüdlihe Ede, welche aber 
kaum nad Jahresfriſt durch den Tod ſchon wieder ges 
trennt wurde. Dbgleih naͤmlich H. bei allem Mangel 
an einem Eräftigen Ausſedn und_bei feiner mehr als 
mistelmäßigen , ziemlih bagern Statur von ber Natur 
mit einer guten Gefundbdeit begabt war, fo batte Diefe 
doch durch feinen Aufenthalt als Hauslehrer an den 
feuchten Ufern der Wefer merflib gelitten. Denn er 
murde haufig vom falten Sieber betallen, welches auf 
fein Nervenſyſtem den nachtheiligſten Einfluß dAußerte. 
Eine empfindlibe Erkältung ſchlug A dabin und ging. 
in ein: Schleimfieber über, weiches am oben genannten 
Tage fein. Leben endete. Das viele Gute, welches er. 
während feiner kurzen Amtöfäbrung ald Geiſtlicher ſtif⸗ 
tete, macht feinen früben Tod zwiefach bedanerlich. Uber 
auch die Wiſſenfchaft verlor an ihm einen eifrigen Der 
edrer und fädigen Kopf, wie_er ſelbſt ſchon im J. 1820 
dur eine zu Jena im Drude von ibm erfchienene Ab» 
dandlung Aber Die Srage: „Qaid conciliam Spirense ad 
Sacrorum emendationem valuerit ?” auf daß Deutliche 
beurfunder bat. — H. befaß einen Flaren und durch⸗ 
bringenen Verſtand, welcher dad Geräbl volftändig be- 
derrſchte. Daher war auch feine religiöfe Denkart Die 
rationaliſtiſche im edeln Sinne des Wortt. Im. praftis 


— 





| 432 ‚ » ⁊ Heuſinger. 
{ben Leben aber erſchien er ſtets als ein. gemüthuoller 
Hi liebensw —X nat —— Suite mit ebler 
Begeiſterung ergriff und daber in jedem Kreiſe, in wel⸗ 
Dem er lebte und wirkte, ſchmerzlich vermißt wird. 


f ® b. “ Saal, , 
Dfarrer in Dberweimar. 


* 149, Johann Heinrich Gottlieb Heufinger, 
ehemal. Profeſſor am Kabettenhaufe zu Dresden; 
geb. d. 1. Aug. 1766, geft.-d. 13. Apr. 1837 *). 
Er war zu Römpild im Hennebergifchen Meiningen 
geboren, wo fein Vater Diakonud war. Nachdem er 
auf den Schulen zu Meiningen und Soburg einen foli- 
den Grund für weitere Ausbildung gelegt batte, bezog 
er. im Jahr 1787 die Univerfidt zu dene um fi Dem 
Studium der Theologie zu weihen. Bald aber ‚verließ 
er diefe Sakultät und widmete fid ausſchließlich dem 
Studium der Philofopbie. Im Tabr 1789 nahm er Die 
Stelle eines Haudleprerd bei einem Handelöherrn Gate» 
mon in Ronneburg an. Don da mendete er fi) 1798 
nach Dreöden, wo er Privatunterricht ertheilte und fi 
auch verheiratbete, begab fic aber alddann 17097 nad 
Eifenady und leitete daſelbſt im Vereine mit Andre **) ein 
Erziehungdinftitut.. - Dresden zog ibn jedoch fchon im 
folgenden Jahre wieder an fi und er verließ ed auch 
feitdem nicht wieder. Als privatifirender Gelehrter bier 
lebend, arbeitete er mehrere Schriften für Schule und 
Leben aud, bielt vor gebildeten Streifen viel befuchte 
Borlefungen über Philofophie und beſchaͤftigte ſich mit 
Erziehung und Unterriht von Knaben geachteter Fami⸗ 
lien. «&o wirkte er eben fo nüglih ald anſpruchslos 
und. verheirathete fi nach dem Ableben feiner erken 
Gattin im 3. 1800 zum zweiten Mal. Eine Anftellung 
ald Bücerauftionator von 1801 bis 1807 fagte ibm mes 
iger zu. Er gab diefe Stelle anf und trat im letzt⸗ 
genannten Jabre als Lehrer beim Kadettenkorps, 1808. _ 
eim Pagenbaufe und 1810 in die Milttärafademie ein: 
Sür ‚den Unterricht ſowohl an letzterm Inſtitute, wo er 
Geſchichte, Geographie, Eneyflopädie und deutſche 
Sprache lehrte, als auch bei dem Stadettenforps, wo 
idm fpäter der Titel als Profeffor ertheilt ward und als 
Religionslehrer beim Pagenkorps thätig, außerbeni noch 


) Nach der Leipz. Zeitung 1887 u. rivatmittheilungen. 
ee) Deſſen —* fe N. Nee. 8 Jahra. ©. 687. . 


| ‚Heufinger. 48 


in ſeinem Haufe bei Penflondren und andern Knaben 
wirkfam, ward ihm das Lob eines zweckmaͤßigen Unter; 
richis ſowodl, ald ciner Ahr paͤdagogiſchen Haltung zu 
Theil und nur feinen immer mebr vorrhfenden Jahren 
war ed zuzuſchreiben, daß er im Jahr 1881 ehrenvoll 
emeritirt wurde, Er war ein treuer Unbänger feines 
Königd und in den verbängnißvollen Zahren 1813 und . 


4814 nädrte er feiner Schüler Liebe zu ihrem redt- 


[ 


mäßigen Herrn auf alle möglide Weife. Seine jlveite 
Gattin war ibm bereits Voraudgegangen, als er in den 
Armen feiner beiden ihn treupfirgenden Toͤchter fanfı 
entſchlief. Dad Gebiet, dad er ald Schriftſteller ums 
faßte, war reid. Denn er behandelte in feinen Schrif⸗ 
ten Aeſthetik, Erziehungskunde, Geographie, Mathema 
tie und Geſchichte und zeigte in allen einen eben fo ges 
übten Blick ald gefammelte Kenntniſſe. Beſonders was 
ren es aber Beograpbie und Encyflopädie, womit er 
ſich em liebſten befoätigte und Die er auch in den vors 
genannten koͤnigl. Inſtituten nebſt der deuiſchen Sprache 
vortrug. Seine legte, für praktiſche Anwendbarkeit ſehr 
ſchaͤgbare Arbeit war „Die Allgemeine Geſchichte, ein 
Lehrbuch für Jeden, welcher dieſe Wiffenfhaft in ihrer 
Allgemeinheit und ihren Hauptibeilen Fennen lernen will, 
befonderd aber für dad Bedürfniß der Lehrer und Lebres 
rinnen eingerichtet.“ (3 Abtheil. Dresden und Leipzig.) 
Dann war er noch und bis zu feinem Ende, mit einer 
Encyklopaͤdie der Wiffenfhaften, nad einer von ideas - 
eigenthümlichen Unordnung, befhäftigt. Seine Schrifs 
sen find: Mit C. K. Andre: Ulrich Flaming; ejn lebr. 


reiches Leſebuch f. Kinder, welche gern d. Geſchichte ers 


lernen möchten. Braunſchw. 1790. — Gutwills Spazier⸗ 
gaͤnge mir feinem Wildelm, für junge Leſer beraus. 
gegeben.: Zittau u. Lpzg. 1792. — Beitr. z. Berichtigung 
einiger Begriffe über Erziehung und Erziehungskunſt. 
Halle 1794. — Verſuch eines Lehrbuchs der. Erziehungs, 
Funft. £pig. 1794. — Verſuch e. Encyklopädie d. Philos 
fopbie, verbunden mit einer praft, Anleitung 3. d. Stu⸗ 
dium d. krit. Philof., vorzügl. auf Univerfitdten. 2 Thle. 
Weimar 1796. — Rouſſeaus Glaubensbekenntniß. Neu⸗ 
frelig 1796. — *Erzählungen in Stillen! Manier und 
bit. Jena 1796. — Handb. d. Aeſthetik, od. Grund 


| füge . Beurtdeilung d. Werfe e. jeden ſchoͤnen Kunſt. 
2 ‘Bde. 


Gotha 1797 — 1800. — Ueber d. Benußung des 
bei Kindern fo thaͤtigen Triebes beſchäftigt zu fein. Ebd. 
1797. 2. unveränd. Ausg. Ebend. 1799. — Die Zamilie 

N. Nelrolog. 15. Jahrg. ! 28 





43& Henuſinger. 


Werthheim; e. theoret.⸗praktiſche Anleit. z. einer regel⸗ 
maß. Erziehung der Kinder, vorzägl. von dem 6. bis in 
das 14. Jahr. 5 Bde. Ebd. 1798 — 1809. — Die Kreuz⸗ 
züge; ein angenehmes u. inlipee Leſeb. f. d. Tugend. 
Dortmund 1799. — Web. daß ideal.» atheiltifhe Syſtem 
d. Hrn. Prof. Fichte in Jena. Dresd. u. Gotha 1799. — 
Meine Antwort auf Herrn Fibre’ Ermwiederung meiner 
Einwürfe gegen feine Religionstheorie. Gotha 1800. — 
Sodann Traugott Plantd Handb. e. voll. Erdbeſchreib. 
u. Geſchichte Polpnefiend od. d. fünften Erdtheils; fort 


gefeßt von Th. Sr. Ehrmann und 3. H. 8. Heufinger, - 


Hr u. letzter Bd.: Mittel» u..Oftpolpnefien. Leipzig und 
Gera 1799. — Handatlad Über alle befannte Länder des 
Erdbodend. Gotha 1810. —*Beleuchtung e. gegenwärtig 
in. Dredden cirfulirenden Screibend. Oſchatz 1315. Nach- 


gedr. zu Wien 1815. (Ward in Sachfen vom Generals. 


gouvernement bei 100 Rıhlr. Strafe verboten.) — *Aufs 
ruf e. Teutſchen an d. Sadfen. 1815. — Die Geſchichte 
d. Europder, aus dem mweltbürgerl. Geſichtspunkte dars 
— gefeit. Gotha 1835. — Die Elementargeograpbie, oder 

d. Topographie d. Erdbodend, als Grundlage jeder be 

fondern Geograpdie dargeſt. u. zum Schul, und Selbfi- 
ebrauche eingerichtet. Nebſt Atlas. Dresd, 1826. 2. Aufl, 
kpzg. 1834. — Beſuche bei. Todten u. Lebenden. Leipzig 
1834. — Bildungsbuch f. junge Männer bei ihrem Eıns 
tritt in die Welt. Verfaßt yon J. ©, Wenzel. 9. verb. 
u. verm. Aufl. v. Heufinger. 2 Bde. Ebd. 1834. Now 
einige andere Schriften. : Zur allgem. biftor. Taſchen⸗ 
bivfiothek für Jedermann lieferte er (1826) dag 3. und 
4. Bdchn. (die Geſchichte Englands von 3. Bodin), fo 
wie dad 17. u. 18. Bdoqhn. (die Geſchichte d. Kreuzuͤge. 
Nah dem Sranz. d. Hrn. v. Saint; Maurice). In der 
Teutſchen Monatöfrift, Schmid’ Magazin f. Pſycho⸗ 
logie u. deffen Journal f. Moralität, dem Allgemeinen 
Anzeiger, dem Allgemeinen Jahrb. der Univerfitdten, 
den von 2. ‚penninge beraußgegebenen Refultaten, Be» 
merfungen, Niethammers philofopbifhem Journal, der 
Leipziger geledrten Zeitung ıc. finden ſich Auffäge und 
Necenfionen von id . , 


1 








) ) 


Bu — 485 
* 150. Sebaſtian Scharnagel, | 


Maler u. Beichneniehrer an der k. Studienanftalt, der Tanbiwirtdr " 
fchaftlihen und Gewerböfhule, an dem E. Schullehrerſeminar und 
dem englifhen Fräuieininftitute zu Bamberg, Witglied mehrerer 
‚ Vereine; >. 
‚geboren den 4. Mai 1791, geitorben den 13. Apr. 1837. 


In feiner Jugend beſuchte Sch. die Zeihnungs: 
fhule in Bamberg. und zeichnete fih fo gut auß, daß 
der damalige Benerallommifldr v. Stengel *), der nicht 


. allein ein -febr großer Kunſtkenner und SKunftfammier, 


fondern auch ausübender Künftler' war, ein befonderes . 
Augenmerk auf Ihn richtete. Er brachte ed dahin, daß 
unferm Sch. von dem Zeichnungdledrer Beibel die hd» 
bere Ausbildung: in, der freien Dandzeihnung ertbeilt . 
‚wurde. Hierauf widmete fib Sch. unter J. Dorn’d 
Anleitung mit großem Eifer der Malerei und brachte es 
darin innerhalb eines Jahrs fo weit, daß er ſich fbon 
1811 nah München auf die Akademie begeben könnte, 
wo der damalige Direktor Dillis und Prof. Schwab ihn 
Durch befondered Wohlwollen ehrfen. Als Hiftorienmaler 
daıte er eine befondere Vorliebe für Bataillenſtuͤcke; darum 

wdirte er au mit bemunderungsmwärdiger Bedarrlichkeit 

ie Anatomie der Pferde und die Temperamente der ver. 
fwiedenen Rasen, König Marimilian von Baiern **), 
‚aufmerffam auf den Fleiß und das Talent Sch's, übers 
trug ibm 1813 die Fertigung eined Gemaͤldes, das den 
Moment enthält, mie die Jungfrau von Orleans, aus 
der Gefangenſchaft entfprungen, das Kommando der 
Sranzofen in der Schlacht übernimmt. Diefed Gemälde . 
bare ſich mir Recht deffelden Beifaud zu erfreuen, mie 
andere feiner Sclachtenſtuücke und Scenen aus dem fes 
ben der Jungfrau von Orleans. 4815 kehrte Sch. nad) 
Bamberg zurüd und erbielt bald nad feiner Ruͤckkehr 
vom veritorbenen Herzog Wilhelm ***) den ehrenvollen 
Auftrag, mebrere Gemälde für fein Schloß Banz zu 
fertigen. Beſondern Beifall erbielt dad Bild, weiches 
den Herzog mit feinem Stallmeiſter und Gefolge zu 
Pferde, im ‚Hintergrunde Banz, darftellt. Er fertigte 
auch einige große Altarblätter und mehrere andere Ges 
mälde fomopi für Kirchen ald Kunftliebhaber. Au find 


”) Deſſen Bioar. f, im 2. Jahrg. des N. Nekr. ©. 676. 
., Deſſen Biographie f. in dief. Jahrg. d. nn ©: 61, 


“ ne J 
436 . . Koppe. ) y 
mehrere Lithograpbien, Gegenden‘ um Bamberg Dars 
ſellend, von ihm. Da fein Unterricht im Zeichnen glück⸗ 
-fiden Erfolg harte, fo widmete er fi dem Lehrfach und 
war. hierin unverdroſſen und unermädet thätig bis zu 
feinem Tode. In den Yerienzeiten machte er meiftens 
Reifen, befuchte Deflerreib, Böhmen, Sadfen, Die 
Schweiz, um die Kunffchäge diefer Länder näher ken⸗ 
nen zu fernen. Er legte eine Münzlammlung an und 
war bemüht, die Bamberger und Würzburger Münzen . 
zur ziemlichen Vollſtaͤndigkeit zu bringen. — Er blieb une 
verbeiratdet; fein nicht unbeträchtliches Vermögen wollte 
er den milden Stiftungen jumenden und feine Muͤnzen⸗ 
fammlung zum allgemeinen Gebrauche für Kunftfenner, 
beſtimmen: allein leider traf ihn ein Nervenfalag, wels 
er günzlide Beſinnungsloſigkeit zur Folge batte. Alle 
Vorſchriften, welche Huteland in feiner Mafrobiotif gab,- 
beobachtete er aufs Genaueſte. So legte er nie, zurüd- 
tehrend von Befuchen oder von Dienfigefhäften, den 
Rock ab, bevor er ihn nicht mit Papier abgerieben hatte; 
denn er glaubte, ed bänge fi an Demfelben immer ein 
Miadma. — Er war fireng religiös und durd feinen in 
jeder Begiebung ausgezeichneten Charakter nicht nur bei 
beinen Zöglingen, jondern auch Allgemein beliebt. 
Bamberg. ©. A. Thiem. 


151. Dr. Karl Wilhelm Koppe, 


Sch. Negierungsratb, ehem. preuß. Generalconfuf in Mexiko, 
Mitgi. d. Minifteriumd d. audwärt. Angelegenheiten zu Berlin; 


geb. den 6. Juli 1777, geft. den 17. April 1837 *). 


-Beboren zu Göttingen, hatte er das Ungläd, in eis 
nem Alter von 13 Jahren feinen Vater zu verlieren — 
einen allgermein geachteten Geiflihen, welcher 1790 als 
Hanoverſcher Seneralfuperintendent und Konſiſtotialrath 
zu Hanover Rarb. Mit ungemeinen Fähigkeiten ausgefat- 
tet, hatte der Jüngling ſchon in einem Alter von 16 Jade 
ren feine Schulſtüdien beendigt und’ nahdem er auch 
die Univerfitässlaufbabn zurückgelegt batte, ernannte die 
Univerfität zu Helmftädt ihn in einem Alter von 20 Jad⸗ 
ren zum Doftor der Rechte. Als ſolcher fand er feine 

Herſte Anftelung im Staatödienft als Garnifongauditeur 
zu Hameln und in diefer. Eigenfchaft verband er id 
mit feiner noch: lebenden Gattin, die ſeitdem alle feine 


°), Ylgem. preuß. Staats zeitung. 


* 


- 





’ 


N 


N 


Koppe. | 457 


Schickſale redlich getheilt bat. Diefe doben mis der ' 
Dceupation des damaligen KHurfürfentyums Hanover 
durch die Sranzofen an. Geßte jedoch die gaͤnzliche Auf. 
Iöfung des hanoverfhen Militärs, die eine nordwendige 
Kolge dDiefer Occupation war, den jungen Samilienvater ' 
in eime nicht geringe Verlegenbeit, fo wurde Diefe eini— 
ermaafen dadurch gemildert, Daß der Seldmarfhall von - 
SB allmoden ibn. zuñaͤchſt als feinen Privasfetretär mit 
fi auf feine Guͤter und, nicht lange darauf, nach Bücke⸗ 


burg nabm, wo der Feldmarſchalf, ald Vormund des 
jungen Sürften, die Angelegenheiten des Landes leitete. 
In Büdeburg machte K. die erſte Bekanntfchaft des nach 


Dem Hintritt des Herrn von Struenſee zum preußifchen 
Staatsminiſter und Chef des Accifes, Zoll» und Fabri⸗ 
fendepartementd ernannten Sreiherrn vom GStein.*), der. 
befanntlih ein Schwiegerſohn des Feldmarſchalls Walls 
moden war. Durhdrungen von der Brauchbarkeit K.'s, 
gewann der neue Minifter ihn für_den Eintritt in den 
preußifhen Staatsdienſt und nah Verlauf von wenigen 
Monaten fungirte K. zu Berlin ald Affeffor bei der füs 
niglichen Bank und Seebandlung, nit odne von feinem, 
Norgefegten für andere eben fo wichtige Dienfte in An» 
ſpruch genommen zu werden, Died geſchah in dem vers 
hängnißvollen Zahr 1806. Im Jahr 1807 verließ Herr 
vom Stein den preußifhen Dienft und K. faßte auch 
dieſen Entſchluß, meil ibm Alles daran gelegen war, 
nicht in dem Licht eined. nur mit ſich ſelbſt befoäftigten 
Beamten zu erfcheinen. Der Sriede von Tilfit beendigte 
diefe peinlibe Lage. Als Premierminifter nach Könige 
berg (dem damaligen Wohnfig der Regierung) berufen, 
begab Herr vom Stein fib dorthin, ibm folgte K., in 
deſſen Klugbeit der Minifter ein unbedingtes Dertrauen 
zu fegen begonnen batte. Diefed DBertrauen war auch 
die Veranlaffung, daß K. bald darauf mit geheimen’ Aufe 
trägen nach Deütſchland abgefertigt wurde. Gleich nah 
feiner Anfunft in Berlin aber wurde er auf Anordnung 
der franzoͤſiſchen Polizei gefangen genommen und nad 
Sranfreich geführt, wo er ein Jahr lang auf dem Fort 


de Joux an der Grenze der Schweiz unter Entbebrun« 


gen alter Art in firengftem Gewahrfam gehalten wurde, 
bi8 nad der Vermäblung des franzöfifhen Kaiſers mit‘ 
Maria Louiſe feine Derfegung nad Dijon erfolgte, mo’ 
er. das nächfte Jahr (1810) unter, minder harten Bedin- 


VDeſſen Biograpbie f. N. Mekr. 9. Jahrg. ©. 12. ' 











"440 Wenzel. 
Dieſes wich erſt im Juli des Tohr&:1836, doch war die 
Ausſicht, welche hierdurch auf völlige Wiederherſtellung 
gewonnen wurde, nur allzu ſOnell vorübergedend; denn 
65 im November traten Ruͤckfaͤlle ein und nach einem 
fünfmonatlichen Leiden endigte er feine mühſelige Laufe 
bahn mit einer Standhaftigkeit und Ergebung, die, 
Bewunderung verdient, Die Tugend Diefed achtda⸗ 
ren Manned offenbarte fi aber auch darin, daß er. 
ſelbſt in der Periode feined zunehmenden Verfalls, nicht 
aufbörte, fid nüßlih zu machen; dies geſchah durch eine 
Neibe lehrreicher Aufiäge in der Staatszeitung, worin 
er Auffhluß gab über die Fortſchritte des Handels in 
fämmtliden europdifhen und nicht» europdifden Staa⸗ 
ten. Nie verfannt, wird fein Verdienſt unftreitig um 
fo allgemeiner gerübmt werden, je mebr die naͤchſte Zus 
Funft, der Wirklichkeit nach, den Wuͤnſchen entſpricht, 
‚ die er bid zum legten Athemzug für Preußen genährt 
dat. — Seine Exriften find: Die Stimme eines preuß. 
Staatsbürgers in d. widtigften Angelegenheiten unferer 
Zeit. Köln 1815. — Bemerkungen üb. Berfaffung. Hamm ' 
41816. — Briefe in d. Heimath gefchrieben, zwifchen Dfs 
tober 1829 u. 1830 mährend einer Reife über Sranfreich, 
England u. d. vereinigten Staaten v. Nordamerika na - 
‚Merito. Stuttg. 1835. — Mexikaniſche Zuftände in den 
abren 1830 — 1832. '2 Bde. Ebend. 1896 <- 1837. — 
ußerdem finden fi mehrere Aufläge von ihm im has 
noverfhen Magazin, 


1832. Johann Samud Wenzel, 
Löniglich preußlfcher Major zu Frankfurt an der Ober; 
geb. den 24 Dec. 1759, geft. den 17. April 1837 *). 


Wenzel wurde zu Zuͤllichau geboren und verlebte 
auch bier feine erften Zugendjahre. Saum 15 Tahre alt, 


. trat er am 16. Februar 1774 in das dorf garnifonirende 


Snfanterieregiment v. Arnftedt (nachher v. Natalid) eim, 
avancirte nad einiger Zeit zum Gefreiten, Ipäter zung 
Korporal und murde 1781 zum wirklichen Faͤhnrich ers 
nannt. Bald nah dem Regierungdantritt Friedrich Wils 

elms II. (1787) wurde dad Regiment von Natalid nad) 

urg verfegt, Dort aufgeloͤſt und an Die Regimenter ber 
Magdeburger Inſpektion zur Bildung der dritten Ba» 
taillone vertheilt. Ein günfiges: Geſchick führte W. 


— et ⸗ - 
*) Sranffirter patriotifhes Wochendlatt: 1837. Nr. 17. 


N 


‘ 
\ 


Wenzel.‘ Mi 


zum dritten Bataillon ded Regimenis ‘Herzog v. Braun⸗ 
fweig. Im folgenden Jahr 1788 zum Sekondelieute, 
nant befördert, erhielt er nad menigen Jabren den 18. 
Sebruar 1794 Dad Patent ald Premierlieutenant und 
murde noch im Laufe defielben Jahrs (den 8, Zuli) als 
Stapitän von der Armee und Plakmajor nah Magdes 
burg verfegt. Mit gewohnter Pflichttreue fland er Dies 
fem Pofen bis Ende des Jadré 1801 vor und wurde, 
nachdem er zum Major von. der Armee avancirt ‘war, 
von dem Mönig ald Kommandeur und Kompagniechef 
"ind dritte Bataillon des Sjnfanterieregimentd Alt» von 
£arifch nach Eroffen verfept. Im Unglücksjahr 1806 be- 
fand ſich W. bei dem Beſatzungékorps der Feſtung Stet⸗ 
tin und ald dieſe Feſte in Feindes Hand gerietb, traf 
auch ibn dad berbe Schickſal, franzoͤſiſcher Gefangener 
zu werden. Auf ſein Ehrenwort entlaſſen, begab er ſich 
nach Frankfurt a. d. O. und lebte dort als Privatmann,. 
bis er in Folge des Tilſiter Friedens als Etappenfoms 

mandant nad Ziebingen berufen wurde. Vier Jahre 

ſtand er dieſem ſchwierigen Amt vor, aber Krankheit 

noͤrhdigte ihn, auf Entbindung. von ſeinen Geſchaͤften ans . 

zutragen. Nach feiner Ablöfung, Ende Auguft ded Jahrs 

4809, kehrte er nach Frankfurt zuräd und füblte ſich durch 

die gewonnene Rube bald wieder fo gefräftigt, daß er : 

aufd Neue feine Dienfte dem Staate widmen fonnte und 
fo am 14. September 1810 die Stelle eined Waſſer⸗ und 
Zollinfpektord übernahm. Als indeß im Jahr 1813 Preu⸗ 
gen Sranfreid den Krieg erklärte, erhielt er vom Milis 
tärgouvernement zu Berlin den Befehl, fein Eivilamt 
niederzulegen, um die Militär» und Oberlazarethkom— 
mandantur in Sranffurt zu übernehmen. Nah Abfchlies 
ßung des erften Parifer Friedens kehrte er in feine früs 
dere Stellung zuräd, wurde alddann 1816 als Zolldirek- 
tor nad Neubaus am Friedrich-⸗Wilhelmsgraben verfeßt 

‚und verwaltete, obgleih ſchon in vorgerädtem Alter, 
mit jugendlicher Kraft dieſes Amt, bis ihn im 3. 1827 
fein Alter noͤthigte, ins Privatleben zurückzufehren. Drei 
3 früder, im Jabr 1824, beging der Vollendete feine 
unfzigjäbrige Dienfjubelfeier, die von Selten des Koͤ⸗ 
nigs dur Verleihung des rothen Adlerordens dritter 
Klaſſe ihm verſchoͤnert wurde. In größter Stille und 
Eingezogenheit verfloſſen ihm die wenigen Fahre, die er 
in Srankkurt, geliebt ud geachtet von Allen, zubrachte, 
bis ihn wenige Monde vor feinem Hintritt der barte - 
Schlag traf, Teinen boffnungövollen Enkel, den Zieutes - 








442. Ancillon. 
nant W., auf eine jedes Bemüth tief vwersegende und 
empdrende Weife zu verlieren *), Mit welder Erges 
bung er auc die bittere Erfahrung trug, fo wirbte do‘. - 
diefer UnfaU auf feinen. durd vieljäbriged Wirken anges 
gräffenen Körper böchft nactbeilig ein. Er £ränfelte feit 
jener_Zeit mehr ald fonk und verfied® am oben aenanns 
ten Tage: Er hatte ale feine näcften ingehörigen übers 
lebt. Seine Srau, eine Tochter ded Majors v. Jeeger, 
im Urnfedifwen Kegimens,. war 1825 zu. Neubaus ges 
fiörben. Der einzige Sohn aus diefer Ede, Hauptmann 
im Sngenieurforps,. folgte nad einigen Jahren feiner 
Mutter. — Die Hauptzlige feines Charakter waren Bier 
derfeit, firtfier Ernit, Befpeidenpeit, große Pficpttreue 
und ein beiterer Sinn. B 


153. Jean Pierre Frederic Ancillon, 
wirelichet Gehelmer Rath, Stoatsſekretaͤr für die auswärtigen 
Angelegenheiten und Chef des Lönigl. Departements für die Anger 
legenbeitenn des Bürfenthumd Neufcatel und Walangin, Ritter 
ded-roihen Adlerordend Ir Alaffe mit Eichenlaub, Ze Kioffe mit 
Stern und Eicenlaub und Ir Klaffe, Ritter des eifernen Kreuzes 
2x Aoffe am weißen Bande, -ded ruff. St. Annenotdend Ir Kiaffe, 
Kommanvdeur de& Lönigl. ſhwed. Nordfternordend u. des Turfüchll. 
heſſ. Cöwenordend, Großkreuz des Givilverdienftordend der baier. 
Krone, Ritter des kdnigi. poin. Stanislaubordens. Mitglied med⸗ 

derer nelehrten Gefelfhaften, zu Berlin; 
geb. den 80. April 1767; geſt. den 19. April 1887 "9. 


. Ancillon. ward geboren zu. Berlin, wo fein Bater 
ouis Frederic Uncıllon) Prediger bei der franzdfiihen 
Kolonie war. Deflen Vater (Cdarled Uncillon), ein 
Redtegeledrter, der in Mep,. zur Zeit des Widerrufs 
des Editts von Nantes, lebte, war feinem Vater, dem 
Ministre dp Saiot Evangile, David Ancilon, nad Berlin 
gefolgt. und bier zuerft mit_der Zeitung der Kolonieges 
richte beauftragt, dann zum Ambafladeratd und. Hiforide 
graphen des Königs ernannt und zum Chef der franide 


’ or. Aler. d. Arne 
Nedt Sie, von ihm eine 
unde ı und töbtete ihn deds 
halb durch einen Piftolens 
u as am 25. April 1887 
in & 

% 1887 Nr. 81, Allgem. 


Preu bi. 1837 Sr. 100, Ges 


Ancitlon. 448 


filben Erziebungsanſtalten befördert: worden. Wille dieſe 
“ Mitglieder der Samilie haben ſich Dur ſchriftſtelleriſche 


Arbeiten und eine feltene Wirkſamkeit in ıdren Anırd 


verbältniffen ausgezeichnet, Unter: den Augen, feines 
geitreihen Vater — gewann U. eine deſon⸗ 
ere Dorliebe für biftorifhe Korfbungen und diefe ftei- 
gerte ſich nod’mehr, ald er nach einer Damald zur theo⸗ 
ogiſchen Ausbildung ald unerläßlih angefebenen Reife 
nad Genf, Paris beſuchte. mo Lie Revolution im Aus: 
breden begriffen war. . A. wohnte den erflen Scenen 
diefed ungebeuern Dramad hei, Dad nah 45 Jahren, 
Ueberraſchungen und Kataftropben aller Art, der eigentlichen 
£öfung noch entgegenfiedt. In dem durdaud Deutfoen, 
d. h. tiefen Gemüfh des jungen NReifenden Eonnten Diefe 
Belehrungen durch den ewigen Uebergang in. die Extreme 
nichts andere, als einen tiefen. Eindrud. binterlaflen und 
. gerade fie find böchſt wahrſcheinlich die Veranlaſſung ges 
mwefen, daß A. ſich mit allem Eifer daran machte, Die 
Wurzeln des Uebels zu erfpäben, an Dem ibm augen ' 
fbeinlia Die menſchliche Geſellſchaft zu leiden ſchien. 
Derdältniffe bradten ihn mit Maler du Pan, zuſammen 
und durch ihn wurde dem Verblichenen ein Blick in, das, 
innere Treiben der Parseien geflatset, der ihn ganz die 
Sache erkennen lebrte, welche jene gleisnerifhen Mens 


fben, unter dem Dedimantel der Menfdenliebe und dem - 


Köder der unausfährbaren „Menfchenrete," eigentlich 
verfocdten. Sein klarer Beift mußte den Abgrund ers ' 
fennen, dem ſolches Treiben nur zuführen konnte, zu: 
lei aber, daß mit Gewalt gegen daffelde nicht anzus- 


ämpfen ift und daß man nur durch Seftbaltung des '- 


Nectd. und unbeugfame Feftigkeit gegen ale Anfdmpfe 
ded Böfen dem Uebel entgegenzumirken vermag, So 
leitete ibn die Erfahrung in die Bahn der Mäßigung 
und einer feltenen Bleichheit, die man oft ald Willen» 
fofigkeit und Schwaͤche verfhrien bat, ohne zu berüds 
fibtigen, daß mehr Charaferftärfe dazu gebbrt, um, troß 
aller Unreizungen, mäßig und fe zu bleiben und durch 
Ausdauer dad vorgetedie Ziel zu erreichen, ald mit der 
Macht und unbefümmert über die Solgen, genen den 
Unverftand anzufämpfen. U. wurde bei feiner Rüdkehr 
als Ministre du St. Evangile bei der Sriedrichd: Werder 
fen Kirche angeftelt und. bafd. darauf, im Fahr. 1791, 
zur Sinfennung des ehelichen. Bundes des Herrn v. 9. 
und der Frau v. K. nah Rdeinsberg befwieden,, ein. 
Umſtand, der dervorgehoben werden muß, weil feine 


x 





dar Prinz Heinrich, 


+ 


444 Ancillon. 


ganze gaufbaln, vielleicht, durch denfelben beftimme 
murde. Bid dabin hatte er fid nämlich nur den Ruf 
eines beredten Kanzelredners erworben, doch bätte es 
lange dauern koͤnnen, ehe diefe Rednergabe, welche der 
Derfiorbene in fo bobem Grade befaß, höheren Orts bes 
Fannt geworden wäre; der Einfegnungdrede wohnte aber 

Bruder Stiedrid des Großen, bei, 
nad menigen Minuten fand fi der ergraute Held fo 
innig bewegt, daß er, zudem jungen Redner hingezo⸗ 
gen, ibm nicht allein mwoblwollender Gönner ward, fone 
dern ibm fogar in feine, intimfte Geſellſchaft zuließ. 9. 
vereinre gaͤmlich in feiner Stanzelberedtfamkeit Eigen. 
f&afren, die ihn vielleicht doͤher ftellen, ald Die berähms 
teften franzöfifhen Kanzelredner, Bourdaloue und Maf- 
filon,, ja Bofuer nit ausgenommen. Seine Sprade 
war boͤchſt nemählt, fein Vortrag mohflingend und ers 
greifend, feine Art, der Darftelung ſcheindar gany ungee 
ünftelt, daher ungemein Klar; mas aber alled Übertraf, 
mar daß rege Gemüth, dad den Zuhörer bis ins zjunerke 
ergriff, ihn fortriß und eine Ueberzeugung wedte, die 
nur durch innere Klarheit und Nebergengung ded Rede 
nerd felbft erzielt werden Fann. Died, unterlügt von 
feiner wärdigen und imponirenden Perfönlichkeit, fo wie 


- von. den gemüthliden Zügen feines Antliges, dad leben. 


Dig fpredende Augen noch ausdrucksvoller machten, 
fonnte die Wirfung nicht verfeblen. Auch iſt es nicht 


zu leugnen, daß feine Wirffamfeit als Geelforger vom - 


doͤchſten Segen begleitet war und Viele noch heute dans 
fend fo mancher Rede fid erinnern, die ihrem Streben 
zum Guten Die Ribtung gab. So oft er fprad, war 
Die freifih an fi nit große Kirche fo Abermäßig ge: 
füllt, daß man aus Vorſicht Nothträger einzuziehen io 


- veranlaßt ſah. Doch genligte diefer Thaͤtigkeitskreis mes 


der dem Staate, der Ihn nun fennen gelernt, noch idm 
feld" und fo wurde ihm der ebrenvolle Auftrag, in der 
Academie militaire, einer Schule, aus mwelder Preußen 


feine Feldderrn und Diplomaten bervorgeben laſſen 


molite, einen Lebrſtudl als Profeffor der Geſchichte ein. 
aunebmen. zume mehr drängten fi inzwiſchen fiber 
Europa die ‚Ereigniffe, Immer Elarer traten bervor die 
Eonfequenten Solgen der großen in Sranfreih von ibm 
Audirten Ummälzung. A. fühlte nun auch dad Beduͤrf⸗ 
niß, auch mit der Feder dem Böfen zu begegnen und 
im Zahr 1794 trat er daher als Schriftſteller in eine 
neue Laufbahn, Die ihm fo große Erfolge, zugleich aber 


N 





Ancillon. | 445 
auch die Dornenfrone bringen follte, melde fie nur des 
nen bietet, deren Befirebungen beilfam und auf die 


Dauer der Zeit berechner find. Sein blübender a, 


erregte eine allgemeine. Aufmerkfamkeit, die Gruͤndli 

keit feiner Audeinanderfegungen überzeugte und fomit 
war jedes Werk, dad er der Deffentlichkeit übergab, der 
Gegenſtand vielfaher Prüfungen, die der Wahrheit immer 
mehr Bahn braben. Der Baron Dacier in Paris ſieht 
fid in feinem Bericht über die Sortfchritte der Geihichte 
und der Literatur feit 1789 an den Kaifer der Sranzofen 
41808 (20. Sebr.) zu folgendem EingeRändniß gezwungen: 
„Ancillon fegs die Ketie fort, deffen erfier Ring £eibnig 
war. Ein wärdiger Erbe eined fo großen Namens, zeigt 
er durc fein Beifpiel, daß der Zwed Der wahren Phi⸗ 
Iofoppie dahin gebt, Die Wahrheiten zu vervielfältigen, 
nit fie zu zerfiören; daß fie ihre Hauptfraft aus dem 


Verein ded Gemuͤths mit den Grundfägen [höpft und 


. 


Daß fie gern ihre erftien Eingeweihten unter den erbabene 
Ken Geiſtern ſuht.“ So fanden A.'s Beftrebungen die 
ihnen nicht allein zufommende, fondern Die der Menfch- 


beit fo beilfame allgemeine Anerkennung. Eine fo merke . . 


wärdige Erfcheinung mußte _befondern Grund haben und 
Diefer ift nicht fchwer aufjufinden, wenn mau weiß, daß 
Dem bewährten Manne nie die Perfon, immer nur die 


. Sache bei allen feinen Audeinanderfegungen vorſchwebte; 


daß daher eine eigene Milde, auch wo er tadeln mußte, 
obmaltete; daß Niemand bereitwilliger, auch in den, wad 
er allgemein verwarf, dad Gute anerfannte, daß er, uns 
eigennügig im doͤchſten Grade, zugleich in feinen Anſich⸗ 
ten die unbeſcraͤnkteſte Selbiftändigkeit bewahrte und 
daß ihm daher nie der bitterite Neid einen unedlen Bes 
weggrund unterzufchieben vermochte. Wo es dennoch 
verſucht wurde, bat oftmals das Schickſal es gemollt, 
Daß gleich die That feine Vertheidigung uͤbernahm und 


‚ wenige Menfchen haben daher wie er nur ihren Dertiens 


ften die Auszeichnungen zu verdanken gebabt, melde ihn 
auffubten. Schon feit dem Jahr 1803 war er zum 
Hifloriographen des preuß. Staats ernannt worden und 
im Jahr 1804 erwählte ibn die Akademie zu ihrem Mit⸗ 
glied in der pbllofopbifchen Klaffe, deren Sekretär er 
von 1804 bid 1814 war, wo ibn Äberbäufte Gefchäfte, 
mie gleich erfihtlid werden jol, zum Niederlegen leß 
terer Stelle noͤthigten. Don 1803 bid 1805 gab er in 
Berlin fein großed Werk heraus: ‘,, Tableau des revolu- 
tions du Systäme politigue de l’Europe depuis la fiu du 


‘ 


[ 


416 Ancillon. 


uinziôme siele,“ dad unbedenklich eine ber bdedeutend⸗ 
den Emanationen der Zeit ift, an welcher mehrfache, un. 
. ter den Augen des Verſaſſers nötbhig gewordene Ausga⸗ 
ben die Theilnahme der Mitwelt. befunderen, dad aber 
Acillond Namen auf die ſpaͤteſte Nachwelt bringen wird. 
Merfmwärbig genug batten die zu dem Werfe nörbigen 
Studien in Uncillon die, auch in der tiefiten Unglüds«. 
periode Preußens, nie fchmanfend gewordene lieber» 
zeugung geweckt, es müfle und werde dereinft anders 
werden. Er bewies aber in demfelben einen fo ricti- 
gen und tief eindringenden Blick in die’ Gebrechen der 
. menfblihen Geſellſchaft, eine fo Flare Einfiht in Alles, 
was Notd thut, um die ihr geſchlagenen Wunden zu 
deilen, eine fo ‚nnige Veberzeugung , auf Thatfacden ges 
gründet, daß nit Inſtitutionen die Wohlfabrt der Voͤl⸗ 
er gründen können, fondern allein die zum Handeln 
berutenen Menfchen, deren lebendes Eingreifen dad heil. 
fame Sortfpreiten auf der Bahn der Erfenntniß und des 
Recdhts zu allen Zeiten fefftelite, daß das Staatsober⸗ 
baupt, den überau nur dad Wohl feiner Völker befeelt 
und der fterd mir bewundernswürdigem Taft das Richtige 
zu erfennen weiß, aud freiem Antrieb und auf Ver—⸗ 
anlaffung der hochfeligen Sönigin, ibn für den Mann 
erfannte, Der. adein die Erziehung des Thronerben zum 
Heil feiner Unterthanen leiten Fönne, zu der er dabder 
Uncillon im Jahr 1810 berief und der diefer, bid zum 
Jahr 1818 vorftand. Hier tritt ein Abſchnitt in feinem 
£eben ein, der und den Verewigten in ganz neuen Der. 
bäftniffen.zeigt und feine ganze Kraft in Anfpruch nahm, 
- weshalb er denn auch aus feiner flilen und fegend- 
reiden Wirkfamfeit bervortrat, um die Weltbübne zu 
befchreiten. Mcillon fühlte ganz die Wichtigkeit feines 
neuen Berufd und die ungeheure Verantwortung, Die er 
übernabm. Der Berfafler des Emil war in der Praris 
gefcheitert; U. lag ob, durch die Thar zu bemweifen, daß ' 
feine Theorie auf richtigen Praͤmiſſen ruhete and daß feine 
Lehren nicht leere Hirngefpinnfte, mie die des berühmten 
Genfers, waren. Er fühlte zugleich, daß die Solgen 
feines Wirkens für Millionen noch in die ſpaͤteſte Nach- 
elt hinausreichen würden und daber die Ergebniſſe der 
Olgezeit von der Entwickelung der NRegententugenden 
feines erdabenen Zoͤglings ungertrennlich waren. Ancillon 
umfaßte den ibin anpertrauten Sönigsfohn mit der gan— 
- zen Liebe, deren fein Herz in fo unerihminglidem Grade 
fähig war, er lehrte ihn den Menfchen lieben und ach 


“. 








Anddon. 447 


ten und fand einen empfaͤnglichen Boden für ben aus⸗ 
geftreuten Samen. Die natärlide Folge konnte nicht 
ausbleiden, daB naͤmlich Das Herz feines Zoͤglings ſich 
Dem befonderd zumendete, der ibn für Die Liebe zum 
Menſchen fo empfängli gemacht hatte. Auch gefaltete 
fd die Zuneigung und -da8 Vertrauen des E:;chhlers 
bald zur Freundſchaft des Mannes und wahrlih ehrend 
‘Shr beide fo innig verwandte Gemäther war ed, den 


Tpronerben Preußens feinen bejahrten Erzieder auf dem 


Sterbebeite pflegen, der legten Ruhe Übergeben und mit 
vermeintem Angefihte die erfte Fan vou Fühler Erde 
auf den Verbdlichenen merfen zu jeben. Die durch dies 
Berhaͤltniß natärlicd eingeleitete nähere Berährung mit 
dem Stönige mußte Dazu beitragen, bie vielfeitige 
Brauchbarkeit und die Grändlikeit der Anfidten des 
Derbiidenen um fo mehr erfennen zu laffen,. als fie in 
der Mäßigung des Monarden Anklang fanden; daher 
feden wir auch fon 1814, während feine Stellung zum 
Thronerben fortdauert, 4. zum mirfliden Geheimen 
egationsrathe bei dem Minifterium der audmärtigen 
Angelegenbeiten ernennen, wo er bald einen großen Eins 
Auf aushbte, der mit jeder Stunde um fo mebr zunahm, 
ald ihn, bei feiner feltenen Uneigennägigfeit und Frei⸗ 
muͤthigkeit, dad aligemeinfte Dertrauen umgab, wenn 


lei jene Zeit gerade die war, wo er am meilten den _ 


ngriffen der zügellofen Prefle ausgeſetzt war, denen 
er jedoch, wie ſchon gefagt, nur Thaten entgegenfegte. 
Der verfiorbene Staatdfanzler Fürſt Hardenberg . hatte 
den ganzen Werth A.'s erkannt und diefem befonders 
wurde daher die Aufficht Aber das Treiben der Zeit ans 
vertraut. Don A. ging, nach der boben Einfibt des 
Monarchen, die weife nachſichtige Milde theilmeife aus, 
die die auswärtigen Verbäitniffe Preußens leitete und 
dad Derföhnende aller Maasregeln, melde die allmälige 
Berudigung der Gemäther zum Reſultate hatte. Eben 
o war er ed, deſſen viel benupte Feder, die unter den 
chwierigſten Verbältniffen, ale Reibungen und Spal⸗ 
tungen durch richtige Vermittlung zu befeitigen mußte. 


Die fpäter eingetretene Krankheit ded Minifterd Grafen“ 


v. Bernftorff *) erweiterte A.'s faftiſche Befugniſſe, ohne 
‚im Gange ber Politik etwas zu dndern, eben weil der 

Chef mir vollen Vertrauen feinen Rath beebrte und 
mitbin in allen Maasregeln bie größte Einheit Herrfchte. 





4) Deſſen Biographie fı im N. Welrolog Jadrg. 18. ©, 880. 


448 \ . Antillon. 

So wurde denn der Definitine Uebergang des Porte⸗ 
feuilles in die Haͤnde des nunmebrigen Miniſters A. fo. 
natuüͤrlich eingeleitet, daß jener nicht in den Geſchaften 
bemerkbar war. Aber auch bierbei bewährte der Ver: 
blichene feine feltene-Anfprucstofigkeit, feine Gewiflen- 
baftigfeit und feine Uneigennügigfeit. Was Andere ald 
eine ebrende Auszeichnung für den Minifter mit Eifer zu 
erfireben fuchen, dad lehnte A., als mit feiner jegigen 
Stellung nicht, mehr vereinbar, ab. Er legte nämlich 
fein wiſſenſchaftliches Amt, als wirkliches Mitglied der 
Akademie, nieder, um nunmehr ganz und ausſcließlich 
ſich der praftifhen Wirkfamfeit zu widmen. Auch waren 
Die Ereigniffe allerdings von der Art, feine große This 
tigkeit in Anſpruch zu nebmen. Welchen Antbeil er an 


Der Führung der europdifhen Angelegenheiten genoms , . 


men, wie febr feine feſten und Doch milden Anſichten, 
feine ſtets weiſe Mäßigung zur Erhaltung des europdi- 
fden Sriedens beitrugeu, gehört der Geſchichte an und 
muß daher bier übergangen werden. Doch darf nicht 
verſchwiegen bleiben, daß Die ehrende Anerkennung ſei⸗ 
ner Derdienfte, welde A. von feinem verehrten Könige, 
wie von allen Seiten zu Theil wurde, durchaus den 
Menſchen in ibm nie veränderte und daß er, trog feiner 
boben Würden, trog feined großen Einfluffes, troß aller. 
Umftände, die fonft wohl auf die Stimmung des Man« 
ned Emfluß haben, ſtets der warme, tbeilnebmende, at» 
ſpruchsloſe Freund feiner Sreunde blieb, fletd ein nad» 
üchtövoller, gerechter Vorgefegter, weßmwegen auch Die 
Thränen, die an feinem Grabe floffen, Die des auf» 
riotigen Schmerzed um feinen Verluſt geweſen find. 
Wie wenig er aber auch feine Anfichten zu Ändern ver 
anlaßt wurde, wie bebarrlicy er feine Ueberzeugung feft- 
bielt, bemeifen feine legten Werke, die er, fo zu_fagen, 
als ein Vermaͤctniß und ald Nefultat feiner Leben 
erfahrung der Nachwelt wenige Jahre vorber und glei» 
fam als Schluß feiner literorifhen Thätigkeit übergab, 
naͤmlich die „BPensdes“ und das in 2 Bänden, der legte 
1831 (2.:Aufl. 2 Bde, 1838), erfchienene größere Werk: 
„Meber die Vermittelung der Ertreme in den Meinun- 
gen,“ womit er den Schläfel zu feinen Beltrebungen 
niedergelegt bat und morin er entwidelt, wie er das 
‚verfübnende Prinzip mit dem-nöthigen Kampfe gegen 
dad Böfe zu vereinen bemäbt warı — A.'s Privatleben . 
bieret noch ein böbered Bild. der innigſten Gemütd« 
lichkeit, die ſich fon in ſo dohen Grade in feinem 


Antillon. "449 


ntlihen Leben, wie In feinen Schriften, ausſpricht, dar. 
e idm in ber fluͤhtigſten Unterdaltung, im ſchnellſten 
ſederſchreiben von ſelbſt und ungeſucht Die treffendften, 
anziebendften Antitheſen entfielen, eben fo ‚bildete auch) 
fein nur von Wenigen richtig gewürdigter perfönlidyer . 
Charakter aͤhnliche Gegenfäge. _ Mit einem unerfchätters 
liden, ‚man mödte fagen, eifernen Willen verband er 
die Weichheit des Herzend eines Kindes. Er mußte fi 
Zwang anthun, um bei der Erzählung irgend eined Uns 
luͤcks, der Schilderung der Lage irgend eined hart Bes 
Brängien feine Thraͤnen zurädzubalten; wogegen man, 
wenn etwa von einer Pflihtverlegung die Rede war, 
oft von der Strenge feines Urtheils üherrafcht wurde. ' 
Bei feinem Achtung gebietenden Ueußeren, feiner hoben 
faft athletiſchen Geſtalt, feinem wäürdevollen Benehmen 
erfhien er Manchen ald got, und bohmättig, Gene 
altung galt indeſſen hlos feiner. amtliben Stellung. 
m beitern Kreiſe feiner Zreunde oder bei den ihnen -, 
begegnenden Zidermärtigfeiten zeigte er fi ganz anders 
und Sremde, die nur den Gtaatömann in ihm fennen 
lernten, wärben fi gewiß niht wenig gewundert baben, 
wenn fie ihm bier in trauliden Geſpraͤchen zugebört 
hätten. Bei dem überwiegenden Hang feiner Seele zum 
Wohlthun und ihrer nie verfiegenden EmpfänglichFeit 
für die Drangfale Anderer, bei Der großartigen Einfach⸗ 
eit der in feinen politifhen, gefbichtliben, und philo⸗ 
opbifhen Schriften niebergelegten Anſichten, bei dem 
nt und der boden Wichtigkeit feiner tägliden Bes 
fhöitigungen bätte man meinen folen, daß er auch 
wohl nur an äbnliden Unterhaltungen gern Theil nehme. 
Und Doc dat e6 vielleicht wenige Märmer gegeben ‚Des. 
nen in foldem Maafe wie ihm die gluͤcklichſten Zu⸗ 
fammenftelungen, die ſcharfſinnigſten Unterſcheidungen, 
die finnreichften, Einfäße, kurz alle Waffen des anjie 
bendften, treffendftien Witzes augenblidlid zu Gebote. 
ftanden. Bei dem Allen dat A. nicht ein einziges Mal 
in feinem Leben von diefen Waffen gegen. die Tadler 
feiner Schriften, wie leicht aud foldes ihm geweſen 
wäre, Gebrauch gemacht. Dies bing mit einem anderen 
Gegenfag in A.'s Charakter zufammen. Er liedte es 
nit, von fib reden zu laffen und Andere mir fich zu 
bef@äftigen und wenn er aud, aus Grundfag, in feinen 
Sariften feinen Namen nicht verfchwieg, ſo vermied er 
es doc fletd, für feine Perfon Aufleben zu erregen und 
die Öffentlihe Aufmerkſainkeit auf ſich zu sieben. Auch 
N, Netroloq. B. Jahrg. 29 


460 Anrillon. 


dar er niemald eine Befoͤrderung oder Auszeichnun 
für ſich nachgeſucht; mehrere. aber hat er abgelehnt und 
mo er ihnen nit ausweichen Ponnte, da ſchien er jedes 
mal in idnen weniger eine dußere Ehrenbejeugung, ald 
die Anerkennung einer Prlichterfüllung zu erblicken. Nie 
war eine Epur von Groll, noch weniger von Haß in 
feiner Seele zu finden, Dagegen mar Die Sreundichaft 
ihm fterd und unter allen Umfländen beilig. Er mar 
.für feine Untergebenen ein zugleich milder und gerecter 
Chef, weißer von ihnen die gemiflendaftefte Erfälung 
ihrer Pflichten verlangte, der aber au die Treue, den 
Dienſteifer, den guten Willen ſowohl in den unteren, 
old in den böheren Stufen zu erfennen und zu erdalten 
mußte. Der Nepotiömus war ihm bis in Die tieffte Seel 
zumider, fo daß feine Verwandten und Sreunde niemal 
amtlich von ihm bevorzugt wurden. In den Staats- 
ausgaben befleißigte er fi der Sparfamfeit, mad feinen 

eringen Gegenfaß zu feiner perſoͤnlichen Sreigebigkeit 
-hildere. Auch diefe Erſcheinung finder ihre Loͤſung in 
dem bereitd getbanen Ausſpruche, daß er nicht id, ſon⸗ 
dern Anderen lebte. Obgleich er feinen Luxus weiter 
kannte, ald denjenigen, den feine Mildthaͤtigkeit ibm 
zuzog, fo bielt er doc auf Eleganı, bei welcer indeflen 
fweniger der innere Werth, als der Gefhmad vorberr. 
fen follte und auch wirklich vorderrſchte. Fuͤr die ibm 
von der arbeitenden Klaffe geleifteten Dientte zahlte er 
immer mehr, als den gewöhnlichen oder verlangten Kohn 
und das von ihm ererbte beſcheidene Vermögen, das 
mean bei feiner amtliben Einnahme, bei_der grundfäg« 
lichen Beihränfung feiner perfönliden Ausgaben, no 
mebr aber bei den vielen Unterflügungen, die er den 
Empfängern oft unbewußt gewährte, für bedeutend dal⸗ 
ten mußte, bat fi nad feinem Tode, eben in Folge 
feiner großen Sreigebigfeit, vermindert gefunden. Plnft- 
Hier Gehorfam gegen die Staatäbehörde und genaue 
Befolgung der gefeglihen Ordnung, andererfeitd aber 
Eräftige Dertheidigung derſelben, wo fie irgend bedroht 
fein möchte, betrachtete A. als durchaus unerläßlide 
Pflichten, weßhalb denn auch feine politifden Anfiten, 
befonders in früberer Zeit, oft gemißdeuter und falſch. 
ausgelegt worden find. Wenn 4. der fete, unerſchüt⸗ 
terliche, entfchiedene Verfechter der beftebenden Ordnung 
war, fo erwied er fih nicht minder ald_der fefte, uns 
.erfchätterliche,, entſchiedene Sreund und Beförderer der 
Freiheit, wenn fie nur auf gefeßlichem Wege nachgeſucht 


\ 
” 


- 


Ancillon, 451 


warde. Das Eraebniß diefer Gegenfäde und Charakter 
zuͤge, denen fi nod leicht andere dinzufügen ließen, 
mußte in dem bochgeflellten Mann ein Gleichgewicht der 
Anſichten und Sefinnungen bervorbringen , welches kaum 
erklärti fein würde, daͤtten ſich feine fo ſehr uͤber das 
gewöhnliche Maas erbebenden geiftigen Bäbigkeiten ein- 

In in ibm vorgefunden. Eihes blieb indeflen in ibm 
bie zu feinem legten Lebenshauche vormaltend, nämlich 
da6 feltene ‚Herz über den feltenen Geil. Was aber 
fein Herz führte und leitete, war dad religidfe Gefäpt, 
der ledendige, ergreifende Gedanke, daß jeder Menfch, 
ſo gering er in der großen gefelfcaftlihen Verkettung 

auch erfheinen mag, immer als ein von der Borfehung 
in allgütiger Abſicht der Erde anvertrautes Weſen bes 
trachter werden mäüfle, deflen Seele einer höheren Aus 
kunft entgegengebt, in weicher ein Jeder von und Res 
chenſchaft fiber feine Thaten ablegen wird. Auch in ſei⸗ 
nen letztwilligen Verfügungen ift ſich A. treu geblieben: 
anſpruchslos und ſtill follte feine Hülle, zu den Süßen 
feiner Eltern, der Erde übergeben werden. Sein Wille 
in geſchehen, doch durfte da die Liebe nicht zurückbleiben 
und fie bat auf dem Slirmbofe Diejenigen zuſammenge⸗ 
fährt, Die im Sepränge der Welt nicht fo frei ihren 
Thränen hätten den Lauf laſſen können. — U. war dreis 
mal vermählt, das erſte Mal mit Marie Henriette Baus 
douin, dad zweite Mal mit Louiſe Ferdinandine Molier& 
und feit dem J. 1836 mit Marie Slora, Marquife von 
Derquignieuf, Hofdame im Haag, die Ihn überlebt hat. 
Eine Rachkommenſchaft foute Ihn nicht zu Theil werden, 
was ibn oft auf Dad Schmerzlifte berübrte. — Geine 
Süriften find: Disconrs prononcd à Rheinsberg en pre- 
sence de 5. A. R. Mgr. le Prince Henri, pour la bend- 
diotion du mariage de Mr. d’A... et de Mme deK... 
Berlin 1791. — Sermons sur l’amour de la patrie, pro- 
nonces dans le Temple du Werder, ä l’occasion des 
erdnemens politiques actuels. Ibid. 1798. (Bon dieſen 
Predigten, melde zwei an der Zahl waren, betraf die 
eine den Sieg bei Pirmafen® und die andere: Sur les 
caracteres de l’amoar de la patrie, iſt in den weiter un» 
ten angefäbrten, i. 3. 1818 erſchienenen 2 Bänden pre: 
Digten wieder abgedrudt worden.) — Oraison funebre 
de 8. A. R. le Prince Louis de Prusse. Ibid. 1797. — 
Melanges de Politique et de Philosophie morale. Ente 
baftend: Aphorismes de droit naturel ot de politique, 

und: Pensdes detachdes sur toutes sortes de sujets de 
29 * 





\ 


462 Ancillon. 


Philorophie morale. Ibid. 1801. — Considerations gdud- 
rales sur l’Histoire, ou Introduction & l’Histoire des re- 
solutions da Systeme politique de l’Europe pendant les 
trois derniers sidcles. Ibid. 18041. — Sermon sur le Jubil6 
seculaire de la Monarchie prussienne, pronouce dans la 
temple du Werder le 1er Janvier. Ibid. 1801.. — Dis- 
cours prononce & l’occasion de Jubild. de Mr. Erman, 
Conseiller intime au Consistoire superieur et Pasteur de 
P’Eglise da Werder. Ibid. 1804. — Discours prononod au 
Chäteau de Belle-Vue devant. leurs Altesses Royales le 
Prince et la Princesse Ferdinand de Prusse, à l’occasion 
de leur Jubild de cinguante uns de mariage, le 27 Sep- 
tembre. Jbid. 1805. — Essai sur les grands Caractöres. 
Lu & la seance publique de l’Arademie Royale des Scien- 
ces et Belles-Lettres de Prusse, le 7 Aoüt. 1306. Ibid. 
1806. —'Melunges de Litterature et de Philosophie. Paris 
41809. 2 Bände. — Oraison funebre de Louise, Reine de 
Prusse. Berlin 1810. — Eloge .historique de J. B. Mériau, 
* Secretaire perpdtuel de l’Acaddmie des Sciences de Prusse. 
Lu dans l’assemblee publique du 24 Janrier 1810. Et 
Precis de ses M&moires, Ibid. 1810. — Einige akadem. 
Gelegenbeirsfapriften: Denkſchrift auf Ernſt Ferdinand 
Klein, vorgelefen am S. Juli 1812 in d. Öffentl. Sigung 

der k. Akademie der Wiſſenſchaften. — Etwas über. die 
‚Vpilofopbie d. Geſetzgebung, in derfelben Akademie bei 
elegenheit der Aufnahme d. Hrn. v. Sapignp in die 

-felbe, vorgelefen. — Weber wahre Größe, vorgelefen in 

der Öffentl. Sigung d. benannten Akademie am 24. Jan. 
4812, 3. Geier d. Geburtstags Sriedrih UI. Ebd. 1815. — 

Ein Bd. — Ueber Souveränität und Staatöverfaff. Ein 
Derfub zur Berichtigung einiger polit. Grundbegriffe. 
End. 1815. 2. Aufl. 1816. — Essais philosophigues, ou 
nouveaux Melanges de Litterature et de Philosopliie, Damit 
verbunden find: Klemens de Philosophie, ou Tableau 
analytique des developpemeus du moi humain. Paris et 
"Geneve 1817. 2 Bde. — Sermons de Frederio Ancillon, 
prononces dans l’Eglise refugieo de Berlin. Berlin 1818. 

- 2 Bde. — eb. d. Staatswiſſenſchaft. Enthaltend: der 
—— RR d. Staats; die Sorm d. Staatd; Die bewegenden 
sincipien des Staats. Ebendaf. 1820. — Ueber Glau⸗ 
ben u. Wiffen in d. Philoſophie. Ebend. 1824. — Nou- 
veaux Essais de Politique et de Philosophie, Angehaͤngt: 
Principes de droit politigue sar le but, les formes et les 
vessorts da gouvernement. Paris 1824. 2 Bde. — Ueb. d. 
Geiſt der Otaatöverfaffungen und. deſſen EinAuß auf die 


n 
S 


- 


v. Erdelyi. 466 


Oefeßgebung. Berlin 1625. — Essals de Philosophie, de 
Politique et de Litterature. 4 Vol. Paris 1832. (Entbals 
ten die in den Melanges de Litterature et de Philosophie, 
den Essais philosophiques und den Nouveaux Essais de 
Politique et de Philosophie befindl. Zuffäge von Neuem 
durqogeſehen und verbeflert.) — Die zwe fi ßten amt. 
iden Reifen, die er im Begleitung feines ehemaligen 
Zoͤglings unternadm, waren Die Feldzuͤge von 1813 und 
4814. Am 20. Septbr. 41828 trat er ald Begleiter des 
‘“ Kronprinzen Die Reife nach Stalien bis Neapel an. Er 
datte eine ausfuͤhrliche Befchreibung Diefer leßteren ans 
efangen, wurde aber an der Sortfegung derfelben durch 
berbäufte Geſchaͤfte gehindert. Die Beſgreibung feiner 
Neifen in den I. 1813 und 1814 fand fi hingegen in 
feinem Nachlaß in einem doͤchſt anziebenden und lehr 
“ reihen Briefwechſel mit feiner erften Gattin vor. Dies 
fer für die Gefhichte jener bewegten denfmwärdigen Zeit 
fo koſtbare Schatz hat aber leider, fo wie feine ganze 
Privatkorreſpondenz nach des Verewigten ausdrücklichen 
. Willen den Flammen geopfert werden müffen. Außer⸗ 
dem lieferte er Beiträge zum Journal litteraire de Berlin. 


* 154. Dr. Michael v. Erdelyi, 
der Arzneikunde Doktor, ordentl. Prof. der Anatomie u. Phyflo⸗ 
logie am k. k. Ihierarzmeiinflitute zu Wien, Mitglied der meditin. 
Batultät daf. u. mehrerer gelehrten Geſellſchaften; 


geb. d. 9. Zuni 1782, geſt. d. 21. Apr. 1837. 


Wien if fein Geburtöort. Sein Vater Sranz Sof 
v. Erdelyi war Doftor der Heilfunde und dem ungart- 
ſchen Adel einverleibt, feine Mutter, Marie Anna, eine 
geborene Permittinger. Den erften Unterricht erbielt er 
1.5. 1792 in der Joſephſtaͤdter Hauptſchule, vollendete 
in den J. 1793 — 1795 feinen Gymnaſialkurſus und bes 
ann das Studium der Philofopdie im J. 1798 an der 
. f. Univerfirdt zu Wien, mo er von dem Prof. Tran, 
Döttler und v. Megburg den Unterricht in der Mathes 
matif und Phyſik, von X. ©. Larpe in der theoretifchen 
und praftifhen Pbilofoppie, von Jofeph Mayer in der 
Naturgeſchichte und von Sr. Hammer in der Philologie ' 
erhielt. Nach glücklich zurüdgelegten Öffentlihen Prüs 
fungen und erbaltenen guten Sortgangszeugniffen. begann 
er i. 3. 1801 das drztlide Studium, das er i. J. 1814 
beendigte und am 8. Quni 4813 die medicinifche Doktor 
würde ſich erward. Durd die oberftien mediciniſch⸗ 


* ’ 


[2 





454 9 Erdelyi. nn 


irurgifden Studienbebdrden hatte der Kaifer (yon I 
‘ onen, daß das RP Thierar —X 
der Univerſitaͤt vereinigt werde und dieſes fo widtige und 
für Dad Studium der Thierheilkunde in der öſterreichi⸗ 


ſchen Monarchie doͤchſt günftige Ereigniß ließ eine bedeu⸗ 


I 
* 


tende Erweiterung dieſer Lebranſtalt boffen. Da nun 
eben zu diefer Zeit der Profeflor H. 5. B. Vietz, E.'s 
£ebrer der medicinifhen Polizei» und gerichtliden Arznei⸗ 


kunde, Direktor diefed Inſtituts war, fo faßte E. den 


Entſhluß, Ad mit alem Eifer auf dieſe in alle Öfos 
nomiſchen Staatöverhältniffe eingreifende Wiſſenſchaft zu 
legen und erbielt au i. J. 4811 die Stelle eines E, E, 
Penfiondrd. Durch volle’drei Jahre unterzog er fie den 
angeftrengteften Studien Diefer weit umfaflenden Wiſſen⸗ 
fdaft und zwar mit foldem Erfolge, daß ibm i. 7. 1814 
die Eorreperitionen Über Die Anatomie und Phyſſologie 
übertragen wurden, Nun betrieb er mit noch erböbterem 
Eifer diefed Studium und indbefonderg die Zootomie 
und Zoophyfiologie, daher er auch i. I. 1818 die Lehr⸗ 
kanzel der Anatomie und Phpfiologie der Hausthiere er» 


-bielt, welcher Stelle er bis zu feinem am oben genann⸗ 


ten Tag erfolgten Tode vorfiand. Sein Hang zur daͤus⸗ 
lichen Ruhe und Ordnung bewog ihn, fi im Jahr 1828 
eine Gattin, geborene Dion zu wählen, — Ald Schrift: 
Keller finden wir ihn ſchon feir dem 3. 1813 thätig, wo 
er feine Schrift: „Weber d. Drüfentrankbeit, den Rot 
u. Wurm des Pferdes" herausgab, von der i. I. 1894 
eine 2. Auflage erfhien, Im J. 1819 erſchien; „Grund⸗ 
linien der Knochenlehre d. Pferdes mit Berückſichtigung 
der Abweichungen bei den, übrigen Haudfäugerhieren. * 


Mit 3 Kupfertaf., das Zabnalter darſtellend; davon ers 


f&ien i. J. 1834 eine 2. Auflage. In den J. 1819—20 
gab er feine „Srundlinien Der Eingeweidelebre, Gefäß. 
und Nervenlehre der Hausſaͤugethiere u. befonderd bes 

ferdes beraus, Eine 2. Aufl. I. 3. 1831. Sodann ers 
bien „Verſuch einer Soopboliolag e des Pferdes u. der 
übrigen Haußfäugetbiere“ i. 3. 1820 und eine 2. Aufl. 
im “fahr 1830. Diefed Werk wurde befonders von den 
meiften größern Thierbeils und Unterrichtdanftalten des 
Audlandes als Ledrbuch benugt, Im nr 1827 erſchien 
feine „Beſgreibung der einzelnen Geſtäte des dfterr, 
Kaiferflaated, nebſt Bemerfungen über gurmwiehauät, 
Schafzucht und Defonomic.“ Gm Jahr 1829 folgte „die 
Muskellehre“ und aud dierpon wurde eine 2. Auf. im 
3. 1837 noͤthig. Im J. 1831 erſchienen feine „Beiträge 


% 


Günther, Fuͤrſt v. Schwatzburg · Sonderäpaufen. 466 


re Beurtheilung d. fdußeren Umriſſe oder des fogenann. 
en Erterieurd beim Pferde, nebſt Berückſitigung der: 
Kacen deffelden. Dann über die Haut, Baare, Zarben” 
und Abweichungen beim Pferde, mis einer kolorirten 
Aupfertafel; dann eine Die des f. k. Thierarzneis 
inſtituts in Wien und mit einer litbograph. Tafel, Die 
meberiiäe Beſchlagsmaſchine darftellend.” Hierauf ers 
bien i⸗J. 1882 die von ihm veranfaltete „Umarbeitung 
der Parhologie u. Therapie“ von Waldinger in 2 Bdn. 

ndlih i. J. 1835 „Anleitung zur Pflanzenfenntnig od. 

otanif für den Landwirth und Thierarzt, Aerzte und 
Wundaͤrzte,“ 2 Theile mit 2 Steindrudtafeln. Außer 
dem lieferte er zahlreiche auffäge zu den medicin. Tadrs 
bädern des k. k. Öfterr. Staaıd. Einen großen Antheil 
endlich nahm der Abgeſchiedene noch Überdie an der 
Bereicherung des über 3000 Nummern ſtarken anatomiſch⸗ 
pbpſiologiſch⸗ und pathologiſchen Mufeumd an dieſer 
Lehranſtalt, welches von jedem Kenner tbeild der Reich⸗ 
baltipfeit, theild der Seltenheit wegen der daſelbſt auf 
geftellten_ Präparate mit größter Aufmerkſamkeit befeben 
wird. Endlich wurde ihm auch im Jahr 1828 die Außs 
eihnung zu Theil, ſich zum Mitgliede des landwirth⸗ 
fHantioen Dereind des Großherzogthums Baden und 
in Jahr 1829 zum Mitgliede der ſchweizeriſchen Eid» 
genoſſenſchaft ernannt zu ſehen. 

A. 2 Buchmüller. 

Doktor der Medichn u. Prof, 


155. Gimther Frievrih Carl, 
Fuͤrſt von Schwarzburg = Sonderöhaufen; 


geb. den 5. Dee. 1760, geft. auf dem Sagbfchloß „, zum Pofſen“ bei 
Sonderähaufen den 22. April 1897 %). 


Er war der aͤlteſte Sohn des Fuͤrſten Chriſtian Guͤn⸗ 
tber und feiner Gemahlin Charlotte Wildelmine, Prin⸗ 
zeffin von Anhalt - Bernburg. Sein Körper war Fräfs 
H" aber feine geifinen Anlagen wurden ganz vernach⸗ 
löffigt, denn feine Erziehung geſchad — gelinde ausge⸗ 
drüdt — obne alle Sorgfalt. In jenen Tagen hielt 
man e6 freilich für dinreichend, wenn ein Prinz, befon- 
ders der Erfigeborne, deſſen Karriere ſich von felbk 


gi Nach dem Regentenalmangch, bem Gonverfationdlericon der 
neueſten Beit.u. Literatur-u: d. Daneov, Beitung. 1887. Nr. 118 


% 


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2 0 


456 Guͤmther, Fuͤrſt v. Schwarzburg⸗ Sondershauſen. 


nachte, in den gewöhnlichen Dingen unterrichtet wars 
enn das Regieren war damals, wo Staatöfonftitutios 
nen, Volksvertretung, Budget, Civilliſten und dergleichen 
aus neuerer Zeit herporgegangene Wörter und Begriffe 
unbekannte Laute waren, Fein ſchweres Geſchaͤft. Der 
Prinz wuchs auf, ſich meiſtens ſelbſt äberlaffen, umgeben 
von hyerfonen, die eben nicht geeignet waren, feine Aus⸗ 


vildung zu fördern, feiner Denfungdart eine gute Rich⸗ 


tung zu geben. Nur in fi felbf gebildeten und eben 
nit gebildeten Cirkeln bemegte er fi, mas fein gane 
zes Leben hindurch ibm anbing. _ Denn unter höbern, 

unter geiſtigen Menſchen gefiel ed ibm nie, wenn ed 
ibm auch an richtigen Blick und ſcharfer Urtdeilskraft 
nicht fehlte, welche berrlihe Naturgaben bei- forgfältiger 
Ausbildung ihn hoöchſt anziedend hätten machen Fünnen. 
Außerhalb Landes gefiel er fi eben fo wenig, daber er 
ſich auch niemald meiter ald bid Leipzig entfernt bat. 
Nur im Umgang mit Einwohnern feines Wohnfiges fühlte 
er fih behaglich, Dunte Jeden und genirte fich dabei eben: 
fo menig, als er verlangte, Daß Andere ſich geniren ſoll⸗ 
ten, Eın ſolches Benehmen eined Erbprinzen mußte in 
jener Zeit. dem großen Haufen gefallen, um fo mehr, da 
der Vater fireng auf Etiquerte und fürftlide Hoheit bielt. 
SHerablaffend benahm fid diefer zwar immer, wie man 
damals freundlich ertheilte Blicke gegen Niedere nannte, 
Dobei aber ſtets fehr gemeflen. Sein Hof umgab Glanz, 
erhöht durch eine zablreihe Familie, von drei Prinzen, 


« „Drei Prinzeffinnen und der Samilie feines Bruders, die, 


at even fo ſtark, auch in Sondershaufen lebte. Aber 
Alles das fagte dem Erbprinzen nicht zu. Er entfernte’ 
fih gern von dem Hofe des Vaters, der mißtrauifh und 
eingenommen gegen ihn war nnd lebte mehr für ſich. 
Bald nach feiner Konfirmation wählte er zu feiner Wob⸗ 
nung ein in der Nähe ded Schloſſes liegendes Gartens 
dans und zog nachber auf ein Eleined Landgut in ber 
Nähe von Sonderdhaufen, Scerfen genannt, beflen 
laͤndliche Einfachdeit und Einfamkeit freilid einem an 
Blanz und Weichlichfeit gemöhnten Prinzen nit ges 
nügt baben wärde, dem unfrigen aber eben deswegen 
gufagte, Da er daſelbſt, von den väterlichen Kritiken ente 
fernt, Spielraum für feine aus Gef&äftdlofigfeit ent, 
fpringenden Neigungen fand. Bei dem fpärliden Sabre 
ebalte, der ihm von feinem Öfonomifhen Vater audgee - 
eat worden mwar,'gerietb er oft in Derlegenbeis und 
wurde dadurch mit den Sorgen befannt, die einen. Pri⸗ 








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Bünther, Flirſt v. Schwarzburgs Sonbeishaufen. 257 
vatmann oft dDrüden, wenn die Einnadme nicht zur Deb 
tung der wirtbfchaftlihen Bedürfniffe zureichen wiu. 
©o, ehelos und ungenirt ind beſte Mannsalter eingerüdkt, 
fam er zur ‚Resierung im J. 1794. Seine erfien Maade 
regeln erwedten günilige Erwartungen, da er die Miße 
brauche, die unter der vorigen Regierung fo viele Bee 
ſchwerden veranlaßt hatten, foglei® aufbob. Während 
grüher durch den Hofjuden Herz offenfundig der ſchamlo⸗ 
fefte Aemterhandel war getrieben worden, zeigte der Fark 
gleih beim Untrist fe