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Full text of "Zeitschrift für Instrumentenkunde"

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Q 


Soiot, 

ZEITSCHRIFT 

INSTRUHENTENKUNDE. 

Organ 

Hittlieiliiiigeii m im gesäumten fieMe der wisseoscttalllictiea Tecimil, 

Herausgegeben 

E. Abbe in Jena, Fr. Arzber^r in Wien, C. Bamberg in Berlin, C. M. t. Banemfelnd in 
München, W. Foerster in Berlin, B. Fness in Berlin, H. Haensch in Berlin, E. Hartnack in 
Potsdam, W> Jordan in Hannover, H. Kronecker in Bern, A. Knndt in Strassbnrg i. E., 
H. Landolt in Berlin, T> t. Lang in Wien, L. Loewemberz in Berlin, S. t. Hect in München, 
6. Nenina;er in Hamburg, J. A. Bepsold in Hamburg, A. Bneprecht in Wien, S. Schellbach 
in Berlin, F. Tletjen in Berlin. 


Redaction: Dr. A. Leman nnd Dr. A^Weatphal in Berlin. 


Siebenter Jahrgang 188 7. 


Berlin. 

von Julius Spring 
1867. 


Inhalts -Verzeichniss. 


Seite 
Das Fransen- Spectroskop, ein Apparat zur Herstellang von Interferenzerscheinungen im 

Spectrnm und zur Messung der Gangunterschiede von Lichtstrahlen. Von W. Zenker 1 

Der selbstregistrirende Pegel zu Travemünde. Von W. Seibt 7 

Ueber ein neues Anemometer nach Geh. Rath Dr. Siemens. Von A. Koepsel . .. . 14 

Ein neues Totalreflectrometer. Von C. Pul{rich 16. 55. 392 

Ueber den Bau und Gebrauch wissenschaftlicher Wagen. Von G. Schwirkus. . 41. 83. 412 
Mittheilungen aus dem physiologischen Institut der Universität Rostock i. M. Von H. We s t i en 52 
Modification der Mach* sehen optischen Kammer und des Bunsen'schen Photometers, um 

sie zur Demonstration geeigneter zu machen. Von B. Kolbe 77 

Ein Beitrag zur Theorie der Fadendistanzmesser. Von F. L orber 89 

Ueber die mechanische Auflösung der Po theno tischen Aufgabe und den doppelten Spiegel- 

goniographen yon C. Pott. Von £. Gelcich 93 

Versuche mit einem Reitz-Deutschbein*schen Aneroid. Von Hammer 98 

Festbericht über die Gedenkfeier zur hundertjährigen Wiederkehr des Geburtstages Josef 

Fraunhofer*s am 6. März 1887 im Berliner Rathanse 113 

Ueber eine neue Form yon Photometem. Von W. Grosse 129 

Ueber die elastische Nachwirkung beim Federbarometer. Von C. Reinhertz . . . 153. 189 
Registrirapparat mit Centrifugalpendel-Reguliruug yon Fecker & Co. in Wetzlar. Von 

E. y. Rebeur-Paschwitz 171 

Lupenapparat für entomologische Zwecke. Von H. C. Vogel 173 

Ein einfacher Apparat zur Destillation des Quecksilbers im Vacuum. Von B. Nebel . . 175 
Zur Geschichte der Entwicklung der mechanischen Kunst. Von L. Loewenherz. . . . 208 

Repetitions-Spectrometer und Goniometer. Von H. Krüss 215 

Ueber Femrohrobjectiye. Von C.^Moser 225. 308 

Ueber eine neue, einfache Form des photographischen Sonnenscheinautographen. Von 

J. Maurer 238 

Apparat mit mechanischer Auslösung zur Messung der Reactionszeit auf Gehörseindrücke. 

Von H. Heele 241 

Der selbstregistrirende Fluthmesser von R. Fuess. Von J. Asmus 243 

Ueber die Verwendung des Diamanten in der Präcisions-Mechanik. Von H. Schroeder 261. 339 

Ein Spectrometer yerbesserter Construction. Von A. Raps 269 

Untersuchungen über Isolationsmittel gegen strahlende Wärme. Von J. Scheiner . . . 271 
Neuere Sphärometer zar Messung der Krümmung von Linsenflächen. Von S. Czapski . . 297 

Mittheilungen über Vorlesungsapparate. Von C. Bohn 301 

Ein optischer Universalapparat. Von V. L. Rosenberg 323 

Die Widerstandsschraube, ein neuer Rheostat Von Th. W. Engelmann 333 

Keilphotometer mit Typendruck- Apparat Von E. v. Gothard 347 

Ueber die Pendeluhr Galüei's. Von W. C. L. y. Schaik 350. 428 

Bericht über die ersten zehn Geschäftsjahre der Deutschen Gesellschaft für Mechanik und 

Optik 369 

Ueber einige neue Anwendungen ebener Spiegel. Von A. Beck 380 


IV Inhalts -Verzbichniss. 


Seite 

Gewinnaog von vollkommen reinem Quecksilber. Von C. Bohn 389 

Das Gresichtsfeld des Galilei*schcn Femrohres Von S. Czapski 409 

Ein neuer Tiefenmesser. Von J. M. Weeren 419 

Zur Geschichte der seismographischen Instrumente. Von E. Gelcich 422 

Kleinere (Original-) Mitteilungen. 

Bleistiftsschärfer für Registrirapparate. Von A. Leman 28 

Die freie Schwerkrafthemmung der Normal-Stem-Uhr zu Princeton N. J. Von D. Appel . 29 

Hilfsvorrichtung für das Mikroskopiren bei Lampenlicht. Von C. Troester 65 

lieber neue Fortschritte in dem farbenempfindlichen photographischen Verfahren. Von 

H. W. Vogel 99 

Hydrometrischer Flügel. Von T. Ertel & Sohn 144 

Neuer Messtisch. Von T. Ertel & Sohn 179 

Ausstellung wissenschaftlicher Instrumente, Apparate und Präparate auf der 60. Versamm- 
lung deutscher Naturforscher und Aerzte zu Wiesbaden im September 1887 181. 247. 397. 428 

Das Präcisionsreisszeug. Von J. Lehrke 218 

Belative Preise der Rohglasplatten für Fernrohrobjective nebst einem Vorschlage zu deren 

systematischer Normirung. Von E. Tornow 247 

Neues Patent-LÖthrohr. Von Fa. Mix & Genest 286 

Fusspunktcurvenzeichner für die Ellipse. Von R. Kleemann 354 

Schreib- Apparat für Theilungs-Bezifferung. Von A. Repsold & Söhne 396 

Beferate. 

Apparat zur volumetrischen Stickstoffbestimmung 31 

lieber den Zusammenhang zwischen elastischer und thermischer Nachwirkung des Glases . 31 
Bestimmung der Constante für die elektromagnetische Drehung der Polarisationsebene des 

Natriumlichtes in Schwefelkohlenstoff 32 

lieber die Anfertigung von Objectiven für Präcisionsinstrumente 35 

Ein Photometrirstativ für Glühlampen 35 

Die Verwendung von Spiralfedern in Messinstrumenten und die Genauigkeit der mit Spiral- 
federn arbeitenden Galvanometer 36 

Geschossgeschwindigkeitsmessung 66 

yeber ein einfaches Local Variometer für erdmagnetische Horizontalintensität 66 

Apparat für Tensionsbestimmungen 67 

Potentialverstärker für Messungen 67 

Methode zur Collimirung Newton*scher Reflectoren 68 

lieber den 36 zölligen Refractor des Lick-Observatoriums 69 

lieber ein neues Ahrens'sches (Doppel-) Prisma 70 

Praktische Methode zur Ausführung Nico r scher und Foucault* scher Prismen 70 

Bestimmung der Schwingungszahl von Tönen mit Hilfe manometrischer Flammen .... 71 

Physikalische Demonstrationsapparate 71, 147 

lieber Herstellung und Prüfung von Teleskop -Objectiven und Spiegeln 101 

Drahtbandrheostat 105 

Hydraulisches Reactionsrad 105 

lieber eine neue Methode zur absoluten Messung der strahlenden Wärme und ein Instrument 

für die Registrirung der Sonnenstrahlung 106 

Bemerkungen zu dem Referate: »lieber Herstellung und Prüfung von Teleskop-Objectiven 

und Spiegeln«« 146 

Wasserschöpfer mit Tiefseethermometer 147 

Eine Wheatstone'sche Brücke für Luft- oder Wasserströme zu Demonstrationszwecken • 148 

Verwendung intermittirenden Lichtes zur Messung schneller Bewegungen 148 

lieber ein neues Galvanometer 182 

Absolutes Elektrodynamometer 182 

lieber einen Universal-Spectral-Apparat für qualitative und quantitative chemische Analyse 182 

lieber Freihandinstrumente zum Nivelliren und Höhenmessen 183 

Grundsätze für die Construction von Fest igkeits-Prüfungs- Apparaten für Papier .... 219 


Inhalts -Verzeichniss. 


Seite 

Apparat zur Bestimmung des Hämoglobingehaltes des Blates '220 

Die Mikrometerbewegung an den neuen Zeiss* sehen Stativen 221 

Verbindung der .Eisenconstructionen eines Hauses mit dem Blitzableiter . 222 

Das Passagen- Mikrometer 249 

Eine neue Normal-Sinus-Bnssole 251 

Untersuchung über Nadelinclinatorien 252 

Ausflussspitze für Büretten 254 

Constanter Gasentwicklungs- Apparat ... 254 

Gasentwicklungs-Apparat für die gasometrische Analyse 255 

Wasserluftpumpe 255 

Neue Gasbürette 255 

Forstiches Messinstrument 256 

lieber ein neues Polarisationsmikroskop 287 

Projectirtes Halbprisma-Spectroskop und Universal-Stem-Spectroskop 288 

Universalumschalter für elektrochemische Untersuchungen 289 

Der Auxanograph, ein Apparat zur Skizzirung von kleinen naturhistorischen Objecten . . 290 

Ueber eine Abänderung des Kohlrausch'schen Sinusinductors. . 291 

Gasolingebläse und Muffelofen 292 

Der magnetische Bifilar-Theodolit 326 

Stroboskopische Methode zur Yergleichung der Schwingungsdauer zweier Stimmgabeln oder 

zweier Pendel . . > 327 

Spannungs-Anzejger ^ 328* 

Galvanometer für Wechselströme 329 

Glashähne mit schräger Bohrung 329 

Fehler bei Bestimmung der Schwingungsdauer von Magneten und ihr Einfluss auf absolute 

Messungen der HorizontaMntensität des Erdmagnetismus . 358 

Eine verbesserte Form des Ew Inguschen Seismographen 359 

Ueber das Dampfcalorimeter 360 

Absolutes Elektrodjnamometer 361 

Thermoregulator 362 

Apparat zur Ausführung elektroljtischer Arbeiten 362 

Verbessertes Prisma k vision directe 399 

Ueber die Selbstregistrirung der Intensität der Sonnenstrahlung 400 

Ueber ein elektrisches Pendel 402 

Ueber ein neues Elektrometermodell 402 

Ein neues Stativ von M. Wolz in Bonn 402 

Objective Darstellung der wahren Gestalt einer schwingenden Saite 403 

Beobachtungen mit der Toepler*schen magnetischen Wage 435 

Ein Luftthermo- und Luftbarometer 438 

Ueber ein transportables Barometer 439 

Apparat zur fractionirten Destillation unter vermindertem Druck 440 

Neuerung am Tellurium 440 

Neu erschienene Bücher 38. 72. 108. 148. 185. 222. 256. 292. 329. 363. 403. 441 

Vereinsnachrichten. 

Deutsche Gesellschaft für Mechanik und Optik: 

Sitzung vom 7. December 1886 38 

Jahresbericht über das Vereinsjahr 1886 . . . - • 73 

Sitzung vom 4. und 18. Januar 1887 73. 74 

» 1. und 15. Februar 1887 108. 109 

^ 1. und 15. März 1887 149 

5. und 19. April und 3. Mai 1887 185. 186 

r 17. Mai 1887 257 

« 20. September und 4. October 1887 365 

« 18. October und 8. November 1887 406 

. 8. und 22. November 1887 . 442 




"? 


VI Inhalts -Verzeichniss. 


Seite 
Verein Berliner Mechaniker: 

Bericht über das nennte Gleschäfitsjahr 150 

Berliner Zweigyerein der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft: 

Jahresbericht über das dritte Vereinsjahr 1886 150 

Patentschau. 

Indicator für Geschwindigkeitsmesser. — Selbstthätig wirkende Wärmeregaliryorrichtung . 39 

Neuerung an Thermometern. — Neuerung an galvanischen Elementen. — Apparat zum 
Anzeigen und Aufzeichnen von Druckänderungen. — Constante galvanische Batterie. 
— Pantelegraph. — Control- und Alarm-Thermometer mit Registrirvorrichtung ... 40 

Messzirkel mit einem durch Schnurtrieb bewegten Zeiger. — Neuerung an Thermometern. — 

Gegliederter Dom zum Winden und Biegen von Röhren 74 

Yerschlussvorrichtung für galvanische Elemente. — Elektricitätszähler und Eneigiemesser. — 
Signal-Barometer, ein Instrument zum Signalisiren der Barometerschwankungen und 
der damit in Verbindung stehenden Exhalation von Grubengasen in den Steinkohlen- 
gruben 75 

Verfahren zur Entfernung des Glühspanes, bezw. zur Verhütung der Bildung desselben an 
Stahl- oder Eisendraht beim Weichmachen desselben. — Herstellung positiver Elek- 
troden für galvanische Elemente. — Galvanisches Element. — Verfahren, Eisenwaaren 
mit einer widerstandsföhigen Schicht von Silber-Zinn-Legirangen zu versehen ... 76 

Wasserwage mit Vorrichtung zur Höhenmessung. — Zeicheninstrument. — Stromwähler mit 

Doppelkurbely Theilkreis und Indicator. — Apparat zum Messen von Seetiefen. . . 110 

Festigkeitsprüfer für Papier. — Verfahren und Apparat zur barometrischen Messung der 
Verdunstung nebst selbstthätigem Registrirapparat. — Differentialinductor, Apparat 
zum Messen elektrischer Widerstände 111 

Neuerung an elektrischen Thermometern 112 

Maschine zum Schneiden oder Schleifen von sphärischen oder sphäroidischen Rotations- 
flächen. — Anordnung des Eisenkernes bei elektrischen Messapparaten. — Instru- 
ment zur Veranschaulichung und Berechnung sphärischer Dreiecke 151 

Instrument zur kartographischen Bestimmung des Weges eines auf horizontaler Fläche sich 

bewegenden Gegenstandes 152 

Wasserwage für Horizontal- und Verticalmessungen. — Quetschverschluss für Schläuche. — 
Apparat zur Bestimmung der Triebkraft des Herzeus und zur graphischen Darstellung 
der Pulswelle des menschlichen Körpers 187 

Neuerung an Doppelbarometem. — Palladium-Legirung. — Bohrverfahren für conische 

Löcher zur Befestigung von Stiften und Stiftschrauben durch Aufspreizen .... 188 

Cycloidenschreiber 222 

Rechenapparat 223 

Chamierloser Zirkel. — Mittel zur Verhütung der Wirkungen des remanenten Magnetismus 257 

Vorrichtung zum elektrischen Betriebe der Ventile einer Luftpumpe. — Neuerung an Appa- 
raten zur Messung von Elektricität 258 

Zweitheilige Schraubenmutter mit entgegenwirkenden Schrauben zur Vermeidung des todten 
Ganges. — Apparat zur Messung der durch den Blutdruck erzeugten Arterienspan- 
nung. (Sphygmo - Manometer.) — Geschwindigkeitsmesser. — Selbstthätiges Hebel- 
spannherz für Drehbänke 259 

Zirkelgelenk. — Zerlegbare Feile. — Entfernungsmesser. — Elektromagnetisches Zeiger- 
werk, um die Temperatur in entfernten Räumen erkennen zu können 260 

Selbstregistrirender Pegel. — Entfernungsmesser. — Schiffscompass mit selbstthätiger Com- 

pensation 293 

Aperiodischer Strom- und Spannungsmesser. — Thermometer mit elastischer Metallkugel. — 

Theodolit 294 

Neuerung an Schraubstockbacken. — Zerlegbares Stativ für geodätische und photographische 
Instrumente. — Schiffscompass. — Apparat zum Markiren mikroskopischer Object- 
theile. — Doppel-Objectivlinsen mit gemeinschaftlichem Sehfelde 295 

Apparat zur volumetrischen Bestimmung absorbirbarer Gase 296 

Elektrischer Strom- und Spannungsmesser. — Neuerung an selbstthätigen Stromunterbrechern 330 


Inhalts - Verzeichmiss. VI I 


Seite 
Apparat zur Erkennung des Kofaleneäuregehaltes der Laft. — Neuerung an Yertical-Gal- 

vanometem. — Apparat zum Messen der Farbenstarke von durchsichtigen Körpern . d31 

Instrument zur Bestimmung von Fehlern in der Strahlenbrechung des Auges 332 

Neuerung an Metallthermometem. — Apparat zur Messung der Cohäsionskraft von Flüssig- 
keiten 366 

Gasbürette. — Einstellvorrichtung an Zugfernrohren. — Quecksilberluftpumpe 367 

Luftthermometer. — Quecksilber-Barometer 368 

Federzirkel mit Schnellstellung. — Zugfestigkeitspriifer 406 

Stählernes Flässigkeits-Thermometer. — Volumenmesser für lebende Wesen 407 

Neuerungen an Messapparaten für elektrische Strome 408 

Combinirte Schub- und Schraubenlehre 442 

Rechenmaschine. — Zählwerk. — Metallthermometer 443 

Elektrische Anzeigevorrichtung für veränderliche physikalische Grössen. — Bechenapparat. 
*— Nullstellung für Schalträderwerke mit Sperrhebel. — Neuerung an Beflectometem. 
— Theilvorrichtung für die Endecken an Maassstäben. — Elektrischer Apparat zum 
Prüfen der Luft auf die Gegenwart von Grubengas und anderen verbrennlichen Gasen 

und Dämpfen 444 

Für die Werkstatt. 

Hinterschnittene Gewinde. — Verzinnen von Gusseisen 40 

Hinterbohrte Löcher. — Bohren von Glas 76 

Ersatz des Oeles beim Schleifen und Schärfen feiner Werkzeuge. — Färben des Eisens . 112 

Hart gewordenen Kautschuk zu erweichen 152 

Gravirmaschine für Rohre und andere gekrümmte Flächen. — Säurefeste Bronze .... 188 

Härtemittel 223 

Bronciren von Zinn. — Anstriche für Metall 260 

Neue Feilen 296 

Absprengen von Glasröhren 332 

Beisszange mit auswechselbaren Backen 368 

Metallgravirungen mittels Elektricität 408 

Leichte Versilberung. — Mattätzen von Glas 444 

Beriohtigimgen 76. 332 


Zeitschrift für Instrumentenkunde 

Redactions - Cura torium : 
Geb. Reg.-K. Prof. Dr. H* Landolt^ B« Fness^ Reg.-Kath Dr. L. Loewenherz^ 

Vuriltaender. Boltitaer. Schriftf flhrer. 


Eedaction : Dr. A. Leman und Dr. A. Westphal in Berlin. 


VII. Jahrgang. Januar 1887. Erstes Heft. 


Das Fransen -Spectroskop, ein Apparat zur Herstellung von Inter- 
ferenzerscheinungen im Spectrum und zur Messung der Gangunter- 

scMede von Lichtstralilen. 

Von 
Dr. W.. Zenker in Berlin. 

Das Princip, welches dem von mir beschriebenen Strobomikrometer zu Grunde 
liegt (s. diese Zeitschr. 1885 S. Ibis 10) — zwei gegen einander rechtwinklig polarisirte 
Lichtstrahlen durch Einschaltung eines Circularisators zu einem einzigen linear 
schwingenden Strahle zu vereinigen, dessen Schwingungsrichtung von dem Gang- 
unterschiede der beiden Componenten abhängt, — dies Princip lässt sich auch 
anwenden zur Hervorbringung von Fransen, welche denjenigen durchaus ähnlich 
sehen, die aus der Interferenz parallel schwingender Lichtstrahlen entstehen, sich 
aber von ihnen dadurch unterscheiden, dass sie durch eine Drehung des Analysator- 
Nicols nicht in ihrer Intensität, sondern in ihrem Ort verändert werden. Der im 
Folgenden beschriebene Apparat gestattet, beide Arten von Erscheinungen in Ver- 
bindung mit dem Spectrum hervorzubringen und kann daher sowohl zu Demonstra- 
tionen, wie zu feineren Messungen eine sehr mannigfaltige Verwendung finden. 

Die Grundlage desselben ist ein Spectroskop mit Spalt, Collimator, 
Prismenkörper und Fernrohr, letzteres entweder mit horizontaler oder verticaler 
Bewegung, Hier sei der Hauptschnitt des Spectroskopes vertical angenommen, / 

wobei also der Spalt und somit auch die Drehaxe des Fernrohres horizontal liegt, 
im Spectrum aber die Farben in verticaler Richtung einander folgen. Die schema- 
tische Skizze auf Seite 3 stellt einen horizontalen Durchschnitt durch die Axe 
des Apparates dar; der Prismenkörper D (ä vision directe) ist nicht mit durchschnitten. 

Vor dem Hauptspalt bei S, durch welchen die Schnittebene der Figur hin- 
durch gehend gedacht ist, ist rechtwinklig zu demselben noch ein zweiter ver- 
stellbarer Spalt angeordnet, dessen Schneiden denjenigen des Hauptspaltes mög- 
lichst nahe gehen , so dass bei Feinstellung beider Spalte der Eintritt des Lichtes 
in den Apparat wie durch eine enge rechteckige Oefftiung geschieht. Man sieht 
dann im Spectroskop ein lineares Spectrum natürlichenLichtes, welchem man 
durch weiteres OefFnen des verticalen Spaltes grössere Breite geben kann. 

Dasselbe kann auch durch eine Cylinderlinse Z, welche zwischen Spalt 
und CoUimatorlinse verschiebbar und leicht entfernbar eingesetzt ist, erreicht 
werden. Diese Linse ist im verticalen Durchschnitt biplan, im horizontalen plan- 
concav, so dass also, wo durch Zusammentreten der Strahlen in der Vcrticalebene 
das Spectrum entsteht, in horizontaler Ebene die Strahlen noch unvereinigt sind. 
Im monochromatischen Lichte ist das Bild des Spaltloches daher dort eine horizon- 


Zenker, Fransen -Spectrobkop. ZBirscBmirr rüu Jsmu uuvtMAViv m, 


tale Linie und das Spectrnm erhält dadurch eine gewisse Breite, welche wächst, 
wenn man die Cylinderlinse Z in der Richtung zur Collima torlinse C hin verschiebt, 
dagegen abnimmt bei einem Verschieben der Cylinderlinse nach dem Spalte zu. 
Würde sie diesem unmittelbar anliegen, so würde das Spectrum wieder linear sein. 

1) Das unter Anwendung der Cylinderlinse verbreiterte Spectrum unterscheidet 
sich jedoch wesentlich von dem durch den linearen Spalt hervorgebrachten. Es 
ist seiner Länge nach durchzogen von Beugungsfransen, die durchaus denjenigen 
entsprechen, welche auf einem weissen Schirm gesehen werden, mittels dessen man 
das durch einen engen Spalt in einen dunklen Raum eingetretene Licht auffängt. 
In der Mitte, von wo aus die Wege zu den beiden Rändern des Spaltes gleich 
sind, erscheint Helligkeit; ebenso da, von wo die beiden Wege um eine gerade 
Zahl von Wellenlängen differiren. Von wo aus aber die Wege zu den Rändern 
des Spaltes um eine ungerade Zahl von Wellenlängen unterschieden sind, da 
entstehen dunkle Auslöschungsstreifen. Die Fransen liegen daher in gerader 
Proportion um so näher an einander, je kürzer die Lichtwellen sind, also je näher 
die interferirenden Strahlen dem violetten oder ultravioletten Ende des Spectrums 
liegen. Sie verändern aber ihre Breite, wenn man die Breite des Spaltes verändert, 
indem bei Verengerung desselben die Breite der Fransen in umgekehrter Pro- 
portion wächst. Nimmt man den Prismenkörper D aus dem Apparate fort, so 
fallen die Fransen aller verschiedenen Farben über einander, so dass nur die 
helle Mittelfranse deutlich bleibt und weiss mit bunten Rändern erscheint, die 
seitlichen Fransen aber bald verschwimmen. Durch die spectrale Zerlegung des 
weissen Lichtes wird dem abgeholfen, indem nun jedes Fransensystem aus mono- 
chromatischem Lichte entsteht. Man sieht daher bei gehöriger Helligkeit eine 
weit grössere Anzahl dieser Fransen. Das durch den Spalt eintretende Licht muss 
an jeder Stelle desselben identisch (etwa directes Sonnenlicht) sein; man darf also 
nicht etwa ein Sonnenbildchen auf dem Spalte entwerfen, da in einem solchen 
Bildchen von Stelle zu Stelle die Lichtwellen aus ganz verschiedenen, weit 
getrennten Lichtquellen kommen. 

2) Die unmittelbare Annäherung der Cylinderlinse an die Spalte wird durch 
einen Blenden - Schieber B verhindert, der — im Sinne der Lichtbewegung 
gesprochen — sich in nächster Nähe hinter den Spalten befindet. In diesem Schieber 
befinden sich eine Reihe kreisförmiger Oeffnungen, die sich durch Verstellen des- 
selben nach einander in die Axe des CoUimatorrohres bringen lassen und in welche 
verschiedene Platten eingesetzt sind, um die beabsichtigten Erscheinungen hervor- 
zubringen. Schaltet man z. B. ein dünnes Deckgläschen dort so ein, dass es 
nur die eine Hälfte der Oeffnung bedeckt und zwar diejenige, welche nach der 
Seite der brechbareren Strahlen im Spectrum liegt, so sieht man in dem letzteren 
diebekannten eigentlichen Talbot'schen Streifen, für deren Entstehung Stokes 
eine genaue Erklärung gegeben und welche Esselbach zur Messung der Wellen- 
längen im ultravioletten Theile des Spectrums angewandt hat. 

Beide soeben erwähnten Erscheinungen, welche sowohl im unpolarisirten 
wie in einem beliebig polarisirten Lichte auftreten, können auch einander durch- 
kreuzen, ohne darum auf einander einzuwirken. 

3) Die folgenden Erscheinungen erfordern die Anwendung polarisirten 
Lichtes, welches durch Einschieben eines Rohres mit Beleuchtungslinse und 
Polarisator P in das Ansatzrohr vor den Spalten hervorgebracht wird. Die 
Polarisationsrichtung ist am Besten einem der Spalte parallel. Schiebt man nun 


SMnnlar Jitigu«. Jnur 18S7. Zeskbs, Frahbdi- Sfectroikop, 9 

durch den erwähnten Schieber eine Blende ein, in welcher sieh ein parallel der 
Axe geschnittenes Quarzplättchen beöndet, dessen Axe den rechten Winkel, 
den die beiden Spalt^ bilden , halbirt , so wird das ans letzteren tretende 
Strahlenbündel in zwei gleich intensive, senkrecht zu einander polarisirte zerlegt. 
Beide treten aus der Quarzplatte mit einem Gangunterachied, welcher der Dicke 
der Platte proportional ist. Betrachtet man sie durch einen Analysator Ä, dessen 
Polarisationsebene zu derjenigen des Polaris.-itors parallel oder senkrecht steht, so 
kommen von beiden Strahlensystemen nur die der Polarisationsebene des Analy- 
sators parallelen Componenten zur Geltung. Diese geben Auslöschungen in den- 
jenigen Lichtarten, deren Gang unterschied in beiden Strahl ensystemen eine halbe 
Wellenlänge oder ein ungerades Vielfaches davon beträgt, während in denjenigen 
Lichtarten, deren Gangunterschied in ganzen Wellenlängen ausdrückbar ist, die 
Amplituden sich addiren. Es erscheinen daher Streifen im Spectmm, ähnlich den 
Talbot'schen, mit welchem Namen sie denn auch meist (z. B. im Lehrbuche von 



Pouillet-MüUer) ohne Rücksicht auf die specielle Art der Entstehung bezeichnet 
werden. Vielleicht könnte man sie als polarisirte Talbot'sche Streifen 
unterscheiden. 

Dreht man das Analysator-Nicol um 90°, so sieht raan die Interferenzen 
jener Strahlencomponenten , welche in der ersten Stellung des Analysators aus- 
gelöscht worden waren. Diese Streifen liegen gegen die vorigen um eine halbe 
Fransenbreite verschoben. Beobachtet man aber während der Drehung des Nicols 
die allmälig vor sich gehenden Veränderungen des Bildes, so sieht man die Talbot'- 
sehen Streifen zwar auf derselben Stelle bleiben, aber schwächer und schwächer 
werden, bis sie bei 45" Drehung völlig verschwunden sind. Bei noch weiterer 
Drehung zeigen sich dann die neuen, um eine halben Fransenbreite verschobenen, 
Talbot'schen Streifen, anfangs unklar, dann immer kräftiger hervortretend. Die 
theoretische Erklärung dieser Erscheinungen übergehe ich als bekannt. 

4) Eine andere Art von Interferenzen erhält man, wenn man eine Blende 
einschaltet, in welcher hinter einander zwei Kalkspath -Spaltplättchen ange- 
bracht sind. Dieselben müssen von gleicher Dicke sein, unter einander einen 
Winkel von 00°, gegen die .Spalte aber Winkel von 45" bilden. Dann treten 
die durch die Kalkspathplatten gehenden Lichtstrahlen, da sie in der einen ordent- 
liche , in der anderen ausserordentliche Strahlen sind , ohne G an gnnter schied 
hervor; dagegen so, als ob sie in gleicher Intensität von zwei getrennten Licht- 
punkten ausgingen. In der That, schaltet man die Cylinderlinse ans, so sieht 
man bei punktförmigem Spalt zwei Spectra parallel neben einander, um eine 
Strecke von einander getrennt, welche etwa einem Siebentel der Gesammtdicke 


Zekkeb, Fransen- Spkotroskop. ZBrrscnRirT füb Ikstrumbktbxkusdk. 


beider Kalkspathplättchen gleich ist. Man kann dies Verhältniss zu einer 
photometrischen Vergleichung beider Spectra benutzen, bei welcher die 
Intensitätsbestimmung — wie in dem Glan'schen Spectrophotometer — durch die 
am Theilkreise T ablesbare Stellung des Analysators gegeben ist. Für manche 
Untersuchungen dürften die Verhältnisse hier sehr günstig liegen. 

Bleibt aber die Cylinderlinse eingeschaltet und giebt man der Polarisations- 
ebene des Analysators wieder die horizontale oder verticale Stellung, so entsteht in 
der Ebene des Spectrums ein System von Interferenzfransen, herrührend von 
den horizontalen, beziehungsweise verticalen, Componentcn der von den beiden 
Spaltbildern ausgehenden Strahlen. Diese geben — ganz wie im unpolarisirten 
Lichte — Auslöschungen, wo die von den beiden Bildern ausgehenden Strahlen 
einen Gangunterschied von einer halben Wellenlänge oder einem ungeraden Viel- 
fachen davon haben; ihre Amplituden addiren sich dagegen, wo dieser Gang- 
unterschied in ganzen Wellenlängen ausdrückbar ist. Die Fransen gehen daher 
dem Spectrum parallel, wenn auch nach der brechbareren Seite hin etwas 
convergirend, entsprechend der dorthin sich verkürzenden Wellenlänge der Strahlen. 

Auch in diesem Falle bewirkt die Drehung des Analysators A um 90° eine 
Verschiebung der Fransen um eine halbe Fransenbreite, auch in diesem Falle 
verschwinden die Fransen völlig bei der Mittelstellung des Analysators in 45°^). 

Diese Methode der Fransenerzeugung (durch Kalkspathplatten) hat anderen 
Methoden gegenüber zwar den Nachtheil, nur im polarisirten Lichte stattfinden zu 
können, dagegen den Vortheil, dass man in jeder beliebigen Entfernung ein grosses 
Interferejizfeld findet und ferner, dass man die beiden Lichtquellen durch Anwendung 
sehr dünner Kalkspathplatten oder geeigneter Combinationen einander ausser- 
ordentlich nahe bringen kann, so nahe, dass die Entfernung der Mittellinien beider 
Spaltbilder nur einen Bruchtheil der Spaltbreite ausmacht. Der Apparat giebt 
daher schon bei sehr massiger Länge breite, wohl erkennbare Interferenzfransen. 

Die Breite der Fransen wächst noch, wenn man die Cylinderlinse aus einer 
Stellung nahe dem Spalt in eine solche nahe der Collimatoriinse führt. Dasselbe 
ist auch bei den unter 4) besprochenen Interferenzerscheinungen der Fall. 

5) Die Entstehung der in den beiden vorhergehenden Abschnitten beschrie- 
benen Interferenzerscheinungen kann man auch noch anders auffassen. 

Durch das Zusammentreten der beiden rechtwinklig zu einander schwin- 
genden Wellensysteme in der Ebene des Spectrums müssen nämlich dort überall 
combinirte Schwingungen entstehen, deren Gestalt im Allgemeinen eine elliptische 
ist. Nur in zwei Fällen finden Ausnahmen statt: wenn die zu combinirenden 
Schwingungen in gleicher Phase sind und wenn die eine um Y4 Wellenlänge 
gegen die anderen verzögert ist. Im ersteren Falle, wo beide Componenten gleich- 
zeitig die Ruhelage passiren, wird die resultirende Schwingung eine geradlinige, 
welche die Diagonale eines aus den beiden Componenten zu bildenden Parallelo- 
gramms bildet. Wo also, wie hier, beide Componenten einander gleich sind, halbirt 
die Schwingungsrichtung der Resultante den rechten Winkel der Schwingungs- 
richtungen beider Componenten. Beträgt dagegen der Gangunterschied der Com- 
ponenten Y4 Wellenlänge, so resultirt eine kreisförmige Scliwingung. Zwischen 


1) Wenn diese Fransen oder die polarisirton Talhot'sclien Streifen dem Anp^e schon sielitbar 
werden ohne Analysator -Nicol, so ist dies ein Zeichen, dass die Polarisationsebenen der einge- 
schalteten Krystallplatten nicht genau 45"* gegen die Pohirisationsebene des Polarisators geneigt sind. 


Siebenter Jahrgang. Januar 1887. Zenker, FbanSEN - SpkctroSKOP. 


diesen beiden Fällen bilden die resultirenden elliptischen Schwingungen der übrigen 
Strahlen die Uebergänge. Die Axen der Ellipsen halbiren stets den Winkel der 
componirenden Schwingungsrichtungen, liegen also parallel den oben erwähnten, 
geradlinigen Resultanten. Die Summe der Quadrate der Axen ist stets gleich der 
Summe der Quadrate der componirenden Amplituden. Daher zeigt sich bei correcter 
Stellung der Krystalle dem blossen Auge in diesem Spectrum kein Helligkeits- 
unterschied. 

Werden dagegen diese Strahlen durch ein Nicol betrachtet, so werden sie 
je nach der Stellung desselben zu ihrer Schwingungsellipse eine wechselnde Hellig- 
keit zeigen. Constant bleibt nur die Helligkeit der circular schwingenden Strahlen, 
und dieselbe Helligkeit zeigen alle Strahlen, wenn das Nicol der Schwingungs- 
richtung von einer der Componenten parallel steht. Dies ist der Moment der 
45° -Stellung, in welcher, wie erwähnt, die ganze Fransenerscheinung verschwindet. 

Auf der einen Seite der circular schwingenden Strahlen folgen nun solche, 
deren Schwingungsellipse aufgerichtet ist, auf der anderen solche, deren Schwingungs- 
ellipse waagerecht liegt. Je nachdem nun das analysirende Nicol gedreht wird, 
müssen bald die einen an Helligkeit zunehmen und die anderen abnehmen, bald 
umgekehrt. Die Extreme bilden stets die Strahlen mit linearer Schwingung, von 
denen bei senkrechter Stellung des Analysators der eine die volle Intensitätssumme 
beider Componenten, der andere die Intensität zeigen muss. Fasst man einen 
bestimmten Punkt ins Auge, so findet man die Helligkeiten, welche derselbe 
während der Drehung des Analysators zeigt, immer proportional dem Quadrate des 
Durchmessers,, welchen in der jedesmaligen Richtung die Schwingungsellipse des 
Strahles hat. 

Die soeben gegebene Darstellung der Interferenzerscheinung ist die richtigere, 
wenn das Analysator-Nicol seinen Platz erst hinter der Ebene des Spectrumbildes 
hat. Wenn dagegen der Analysator etwa unmittelbar bei den Dispersionsprismen 
angebracht wäre, so würde die oben zuerst unter 3) und 4) gegebene einfachere 
Darstellung auch die correctere sein. 

6) Das Verhalten der beschriebenen Interferenzstreifen (Längsfransen und 
Talbot'sche Streifen) verändert sich — wie ich schon Eingangs erwähnt habe — 
wesentlich, wenn in den Gang der Strahlen ein Circularisator, z.B. ein Viertel- 
undulations-Glimmerblättchen, eingeschaltet wird. Dasselbe muss hinter den Blenden 
und den etwa Untersuchungs halber bei K einzuschaltenden Kry stallplatten, aber vor 
dem Analysator stehen, also in dem Räume, der auch die Dispersionsprismen ent- 
hält. In der Figur ist dasselbe in einer Fassung in einen dicht hinter dem Prismen- 
satz zwischen diesem und dem Objectiv des Beobachtungsfernrohres ange- 
brachten Falz O einschieb bar gedacht. 

Treten nun, aus den Blenden kommend, die Strahlen an das Plättchen, 
dessen Polarisationsebenen parallel und rechtwinklig zu denjenigen des Polarisators 
stehen müssen, so zerfällt jeder Strahl in zwei gleich intensive, senkrecht zu ein- 
ander schwingende Componenten. Von diesen erleidet die eine beim Durchgang 
durch die Glimmerplatte eine um eine Vicrtelwellenlänge grössere Verzögerung als 
die andere. Die Folge ist, dass von den aus dem Kalkspath, beziehungsweise 
Quarz, tretenden beiden Strahlensystemen das eine nunmehr rechts circular, das 
andere links circular schwingt. Wo aber beide Circularschwingungen gleich- 
zeitig auftreten, da setzen sie sich wiederum zu einer linearen 
Schwingung zusammen. Diese lineare Schwingung ist mit der im Polarisator 


8 Seibt, Pegel. ZBmcHsirT wür iKSTKUHsimsKXDSDK. 


General Baeyer, der damalige Präsident des Königlichen Geodätischen 
Institutes , welchem an der Vermehrung zuverlässig arbeitender Registrirpegel an der 
Ostseeküste sehr viel gelegen war, sagte bereitwillig zu und beauftragte den Ver- 
fasser, sich des Projectes anzunehmen und dem Senate nicht nur bei Construction 
des Apparates, sondern auch während seines Baues und bei Aufstellung desselben, 
sowie s])äter auch bei Reduction seiner Aufzeichnungen zur Hand zu bleiben. 

Nachdem mit Herrn Bauinspector Rehder eine Verständigung dahin erzielt 
worden war, dass es sich für die Construction des zu etablirenden Pegels empfehle, 
im Principe an der Bauart des seit dem Jahre 1870 zu Swinemtinde im Gange 
befindlichen Apparates des Königlichen Geodätischen Institutes ^) festzuhalten, 
wurden an Ort und Stelle diejenigen ersten Messungen vorgenommen, welche sich 
zur Ermittelung der günstigsten Dimensionen des Apparates als erforderlich er- 
wiesen. Darauf trat der Verfasser mit dem Mechaniker Herrn Kavel zu Berlin 
in Verbindung und setzte in Gemeinschaft mit diesem alle Einzelheiten so fest, 
dass noch im Herbst 1884 mit der Anfertigung des Pegels begonnen werden konnte. — 

Die Construction des Travemünder Apparates weicht von derjenigen des 
früher für Swinemünde von Herrn Civilingenieur Veitmeyer construirten und eben- 
falls von Herrn Kavel erbauten in mehreren Punkten ab. Während der letztere in 
einer Verjüngung von rund 1 : 4,4 arbeitet und für jeden Tag einen neuen Bogen 
Papier erfordert, zeichnet der Travemünder Apparat die Wasserstände in einer 
mehr als doppelt so starken Verjüngung auf und macht die Auswechselung der 
Bögen nur jeden zweiten Tag nöthig. Diese Abweichungen ergeben sich einerseits 
als Consequenz des Umstandes^ dass für Travemünde ein ungleich grösserer Wasser- 
wechsel zu registriren bleibt als für Swinemünde, dass also die Beibehaltung des 
Swinemünder Reductionsverhältnisses zu einer übermässigen Höhe des Registrir- 
cylinders geführt haben würde ; andererseits hatte sich durch die Erfahrung heraus- 
gestellt, dass die reellen Aenderungen im Wasserstande der Ostsee auch bei 
langsamerem Vorrücken des Zeichenstiftes noch zu unzweideutigem Ausdrucke 
zu gelangen vermögen. 

Eine weitere Abweichung gegen die Swinemünder Construction besteht 
darin, dass dem Travemünder Apparate ein in verjüngtem Maasse hergestellter 
Scalenpegel beigegeben ist, an welchem der jeweilige Wasserstand unmittelbar 
abgelesen werden kann. Ferner hat die Vorrichtung zur Constantenbestimmung 
eine solche Anordnung erfahren, dass dieselbe in äusserst einfacher Weise zu hand- 
haben ist und bei ihrer dauernden Befestigung am Apparate gleichzeitig einen sicheren 
Schutz für den sonst frei herabhängenden Schwimmerdraht abzugeben vermag. 

Es gereicht mir zur Freude, hier hervorheben zu können, dass Herr Kavel 
bei Anfertigung des Apparates den vielen auf die Vervollkommnung desselben 
abzielenden Wünschen des * Verfassers in entgegenkommendster Weise zu ent- 
spredien bestrebt war. Bei der folgenden speciellen Beschreibung des in seinen 
einzelnen Theilen auf das Sauberste ausgeführten Apparates wird aus der Mit- 
theilung der Ergebnisse, zu welchen die zur Bestimmung des Verjüngungscoefficienten 
angestellten Beobachtungen geführt haben, entnommen werden können, dass der 
in Rücksicht auf seinen Zweck eine ebenso massive vde compacte Bauart zeigende 
Pegel in Bezug auf genaues Functioniren allen billigen wissenschaftlichen und * 
damit auch allen Ansprüchen der Praxis vollauf Genüge zu leisten vermag. 


Vgl. „Das Mittelwasser der Ostsee bei Swinemünde". Von Wilhelm Seibt. Berlin. 1881. S. 3. 


SiabgolM JiklfUg. Jui 


Die Ablieferung des fertigen Apparates erfolgte ini Frühjahr 1885, und seine 
Aufstellung konnte, nachdem inzwischen vom Herrn Bauinspector Rehder die 
nöthigen Brunnen arbeiten sowie der Erweiterungsbau des zur Aufnahme des Pegels 
bestimmten Lootsenpavillons zur Ausführung gebracht worden waren, im Sommer 
1885 in Gegenwart des eben Genannten und des Verfassers durch Herrn Mechaniker 
Kavel bewirkt werden. 

Der complete Apparat, mit allen seinen Haupt-, Neben- und Befestigungs- 
theilen, aber ohne Verpackungs- und Transportkosten, hat einen Kostenaufwand 
von etwa 1750 Mark verursacht. — 

Der eigentliche Apparat befindet sich über einem in Backsteinen gemauerten 
Brunnen in einem von der Wachtstube des Lootsenpavillons abgeschlossenen hellen 
Baume, woselbst er auf einer, durch einge- 
mauerte Console getragenen starken eisernen 
Tischplatte mittels Bolzen und Schrauben 
unverrückbar befestigt ist. Nebenstehende 
Figur gicbt eine schematische Skizze des 
Aufbaues desselben. 

Ein Schwimmer S von Kupferblech , 
welcher, durch ein an dem Drahte N an- 
greifendes Gegengewicht balancirt, an einem 
Silber plattirten , 0,9 mm dicken Kupfer- 
drahte im Wasser des Brunnens hängt, 
setzt mittels eines verjüngenden Getriebes G 
bei der durch das Steigen und Fallen 
der Ostsee bewirkten Veränderung seiner 
Höhenlage eine metallene, an einem cylin- 
drischen Führungsstabe F befestigte und 
ebenfalls durch ein an dem Drahte K 
angreifendes Gegengewicht balancirte Zahn- 
stange in eine auf- und niedergehende 
Bewegung. Der Führungsstab F ist in 
dem nicht mitgezeichneten Gerüst oben 
und unten durch je drei Leitrollen sicher, 
aber möglichst frei von schädlicher Rei- ^ . 

bung geführt. Der senkrecht stehende, 
0,5 m im Umfange haltende Registrircy- 
linder erfährt durch ein Uhrwerk in je 
48 Stunden eine einmalige Umdrehung; er dient zur Aufnahme des alle zwei Tage 
neu aufzuspannenden Registrirbogens , auf welchen der an der oben erwähnten 
Führungsatange F angeklemmte Curvenstift n eine aus der verticalen Bewegung 
der Zahnstange und der horizontalen Drehung des Registrircy linders resultirende 
Linie, die Wassers tandscur ve , zeichnet. Am unbeweglichen Theile des Apparates 
befindet eicli der feststehende Basisstift b, welcher auf den sich um seine Axe 
drehenden, mit dem Registrirbogen überspannten Cylinder die Basislinie schreibt. 
, Die Bleistifte, welche hierbei zur Verwendung kommen, befinden sich in 
MetallhUlsen und werden durch regulirbare Federn mit iliren Spitzen sanft gegen 
die Papierflache gedrückt. Bei der äusserst geringen Abnutzung, welche die 


Zenker, Fbaxbex-Spectroskop. ZEirBcmurr rü« ixsTsrmxmnanrDK. 


angenommenen Schwingungsrichtung parallel , wenn beide Strahlensysteme bei ihrer 
Vereinigung in gleicher Phase sind; sie wird aber gedreht, wenn die Phase des 
einen Strahles derjenigen des anderen voraneilt, und zwar wird sie gedreht im 
Sinne der Circulation des voraneilenden Strahles. Der Gangunterschied von 
einer Wellenlänge bewirkt eine Drehung der resultirenden Polarisations- 
ebene um 180°, und jeder Theil einer Wellenlänge bewirkt eine verhältnissmässige 
Drehung. Diese Thatsache liegt auch der Constraction meines Strobomikrometers 
zu Orunde, in welchem jedoch kein Spectrum entworfen wird, und daher die 
Verhältnisse etwas veränderte sind. 

7) Welche Erscheinungen zeigen sich nun im Gesichti>folde des Instrumentes 
bei Einschaltung des Circularisators? Polarisator und Analysator seien als parallel 
stehend angenommen. Ob das Spectrum nur Längsfransen oder Talbot'sche Streifen 
zeige, jedenfalls waren die Gangunterschiede der beiden interferirenden Strahlen 
überall, wo ein Maximum der Helligkeit auftrat, in ganzen Wellenlängen aus- 
drückbar. An denselben Stellen ist daher nach Einschaltung des Glimmerblättchens 
die resultirende Polarisationsebene parallel derjenigen des Analysators; diese 
Stellen erscheinen daher wiederum hell. Wo dagegen in den Interferenzbildem 
ohne Glimmerblättchen Auslöschungsstreifen vorkamen, da weicht der Gangunter- 
schied der beiden interferirenden Strahlen um eine halbe Wellenlänge von den 
obigen Gangunterschieden ab. Nach Einschaltung des Glimmerblättchens muss 
daher hier die resultirende Polarisationsebene um 90° gegen die vorige gedreht 
sein und diese Stellen müssen daher, durch den Analysator betrachtet, dunkel 
erscheinen. 

Die Erscheinung ist also bei paralleler Stellung von Polarisator und Analy- 
sator mit dem Circularisator dieselbe wie ohne denselben; aber die Helligkeits- 
unterscliiede beruhen nicht mehr auf der Verschiedenheit der resultirenden Intensität 
gleichschwingender Lichtstrahlen, sondern auf der Verschiedenheit der resultirenden 
Polarisationsrichtung bei gleicher Intensität der Strahlen. Zwischen dem hellen 
Streifen und dem Auslöschungsstreifen finden wir (mit Glimmerblättchen) alle ver- 
schiedenen Polarisationsrichtungen, die in einem Quadranten Platz haben. 

Dies bedingt den Unterschied der Erscheinungen, welche eintreten, wenn 
wir den Analysator drehen. Die Linie, welche ursprünglich das Maximum der 
Helligkeit hatte, nimmt an Helligkeit ab, aber eine andere, deren resultirende 
Polarisationsrichtung nun derjenigen des Analysators parallel ist, zeigt jetzt das 
Maximum der Helligkeit, welches bei weiterer Drehung wieder weiter wandert und 
welches sich nach 90°-Drehung da befindet, wo zuvor ein Auslöschungsstreifen 
war. Ebenso wandern die Auslöschungsstreifen und diese sowohl wie die hellen 
Streifen treten immer nach 180°-Drehung an die Stelle ihres gleichartigen Nacli- 
barstreifcns. Man kann daher durch Drehen des Analysators jede belie- 
bige Stelle des Gesichtsfeldes zur Mittellinie eines Talbot 'sehen Streifens 
oder einer Längsfranse machen, ohne dass die Kraft der Zeichnung von 
Stelle zu Stelle wechselte. Auch die Mittelstellung des Analysators auf 45° macht 
darin keinen Unterschied, während sie in der Anordnung ohne Glimmerblättchen 
(s. oben) das gänzliche Verschwinden der Interferenzfransen bewirkte. 

8) Ist nun die Mittellinie einer Franse genau auf das Fadenkreuz (bei F 
in der Figur) gestellt, und schaltet man dann bei K eine zu untersuchende Kry stall- 
platte ein, welche auch ihrerseits einen Gangunterschied der durchgehenden Strahlen 
bewirkt, so muss dies durch eine Verschiebung der betreffenden Franse erkennbar 


Siebenter Jahrgang. Januar 1887. SeIBT, PkOEL. 


werden. Um aber den durch die eingeschaltete Platte bewirkten Gangunterschied 
zu bestimmen, hat man nur durch Drehen des Analysators die Franse in ihre 
frühere Stellung zurückzuführen und kann dann aus der erforderlich gewesenen 
und am Theilkreise T abgelesenen Drehung mit grösster Genauigkeit den Gang- 
unterschied in Bruchtheilen einer Wellenlänge angeben. 

Auch die Zählung der ganzen Wellenlängen ist bei den Längsfransen aus- 
führbar, wenn man von derjenigen Franse ausgeht, in welcher der Gangunterschied 
gleich Null ist, und diese auf das Fadenkreuz stellt. Jede Veränderung des 
Gangunterschiedes durch Krystallplättchen hat, in Wellenlängen der brechbareren 
Strahlen ausgedrüxjkt, einen höheren Werth, als wenn man sie in Wellenlängen 
der Strahlen aus dem weniger brechbaren Theile des Spectrums ausdrückt. Trifft 
also der verticale Ocularfaden an irgend einer Stelle des Spectrums mit der Mittel- 
linie einer Franse zusammen, welche nicht dem Gangunterschied entspricht, so 
muss er sowohl in den brechbareren wie in den weniger brechbaren Strahlen davon 
abweichen, so dass also die Franse von ihm schief durchschnitten wird. Erst 
wenn man soweit mit dem Femrohr, welches für diesen Zweck auch nach der 
Seite hin drehbar eingerichtet werden muss, gefolgt ist, dass der verticale Ocular- 
faden durch alle Farben hindurch die Mitte der geradeaus sichtbaren Franse 
bildet, erst dann ist man sicher, die Centralfranse wiedergefunden zu haben. 

Die Messung des Bruchtheiles der Wellenlängen muss natürlich vorangehen 
und ist in den meisten Fällen wohl das Wichtigere. Oft kann man auch aus der 
Verschiedenheit der Ablesung in den verschiedenen Theilen des Spectrums auf die 
Zahl der ganzen Wellenlängen, die man ergänzen muss, schliessen. Jedenfalls ist 
es von besonderem Vortheil bei diesem Apparat, die Messungen schnell hinter- 
einander in Wellenlängen verschiedener Spectralstrahlen vornehmen zu können. 

Ausser dieser Hauptbestinmiung des Apparats hat derselbe noch eine viel- 
fältige Anwendbarkeit sowohl zu wissenschaftlichen Untersuchungen wie zu Demon- 
strationen. Das Spectrum und die verschiedenen Formen der Polarisation und 
der Interferenz sind das Gebiet derselben. Ich beabsichtige, die Leistungsfähigkeit 
des Apparates noch durch damit auszuführende Untersuchungen klarzulegen. 


Der selbstregistrirende Pegel zu Travemünde. 

Von 
Prof. Dr. W. Selbt» Assistent am Kgl. Qeod&ti sehen Institat in Berlin. 

Angeregt durch die Ergebnisse, zu welchen das Königliche Geodätische 
Institut durch die Discussion der Swinemünder Ostseewasserstandsbeobachtungen 
gelangt war, glückte es dem Herrn Bauinspector Rehder, den Senat der Freien- 
und Hansestadt Lübeck unter Hinweis auf die Perspective, welche sich durch 
Weiterverfolgung des Gegenstandes für Travemünde, sowohl der wissenschaftlichen 
Forschung, als auch dem praktischen Interesse der Traveschifffahrt eröffnen müsse, 
für die Aufstellung eines selbstregistrirenden Pegels zu Travemünde zu gewinnen. 

Der Senat warf eine Summe von etwa 3000 Mark für dieses Project aus und 
wandte sich im Jahre 1884 behufs Realisirung desselben mit dem Gesuche an 
das Königliche Geodätische Institut, den Bau des Pegels zu leiten und für seine 
Aufstellung und Ingangsetzung die Anordnungen zu übernehmen. 


B Seibt, Pegel. Zsitsohkxft rüR IssTBVinBirrKKKüXDx. 

General Baeyer, der damalige Präsident des Königlichen Geodätischen 
Institutes, welchem an der Vermehrung zuverlässig arbeitender Registrirpegel an der 
Ostseeküste sehr viel gelegen war, sagte bereitwillig zu und beauftragte den Ver- 
fasser, sich des Projectes anzunehmen und dem Senate nicht nur bei Construction 
des Apparates, sondern auch während seines Baues und bei Aufstellung desselben, 
sowie später auch bei Reduction seiner Aufzeichnungen zur Hand zu bleiben. 

Nachdem mit Herrn Bauinspector Rehder eine Verständigung dahin erzielt 
worden war, dass es sich für die Construction des zu etablirenden Pegels empfehle, 
im Principe an der Bauart des seit dem Jahre 1870 zu Swinemünde im Gange 
befindlichen Apparates des Königlichen Geodätischen Institutes^) festzuhalten, 
wurden an Ort und Stelle diejenigen ersten Messungen vorgenommen, welche sich 
zur Ermittelung der günstigsten Dimensionen des Apparates als erforderlich er- 
wiesen. Darauf trat der Verfasser mit dem Mechaniker Herrn Kavel zu Berlin 
in Verbindung und setzte in Gemeinschaft mit diesem alle Einzelheiten so fest, 
dass noch im Herbst 1884 mit der Anfertigung des Pegels begonnen werden konnte. — 

Die Construction des Travemünder Apparates weicht von derjenigen des 
früher für Swinemünde von Herrn Civilingenieur Veitmeyer construirten und eben- 
falls von Herrn Kavel erbauten in mehreren Punkten ab. Während der letztere in 
einer Verjüngung von rund 1 : 4,4 arbeitet und für jeden Tag einen neuen Bogen 
Papier erfordert, zeichnet der Travemünder Apparat die Wasserstände in einer 
mehr als doppelt so starken Verjüngung auf und macht die Auswechselung der 
Bögen nur jeden zweiten Tag nöthig. Diese Abweichungen ergeben sich einerseits 
als Consequenz des Umstandes, dass für Travemünde ein ungleich grösserer Wasser- 
wechsel zu registriren bleibt als für Swinemünde, dass also die Beibehaltung des 
Swinemünder Reductionsverhältnisses zu einer übermässigen Höhe des Registrir- 
cylinders geführt haben würde ; andererseits hatte sich durch die Erfahrung heraus- 
gestellt, dass die reellen Aenderungen im Wasserstande der Ostsee auch bei 
langsamerem Vorrücken des Zeichenstiftes noch zu unzweideutigem Ausdrucke 
zu gelangen vermögen. 

Eine weitere Abweichung gegen die Swinemtlnder Construction besteht 
darin, dass dem Travemünder Apparate ein in verjüngtem Maasse hergestellter 
Scalenpegel beigegeben ist, an welchem der jeweilige Wasserstand unmittelbar 
abgelesen werden kann. Ferner hat die Vorrichtung zur Constantenbestimmung 
eine solche Anordnung erfahren, dass dieselbe in äusserst einfacher Weise zu hand- 
haben ist und bei ihrer dauernden Befestigung am Apparate gleichzeitig einen sicheren 
Schutz für den sonst frei herabhängenden Schwimmerdraht abzugeben vermag. 

Es gereicht mir zur Freude, hier hervorheben zu können, dass Herr Kavel 
bei Anfertigung des Apparates den vielen auf die Vervollkommnung desselben 
abzielenden Wünschen des ' Verfassers in entgegenkommendster Weise zu ent- 
spredien bestrebt war. Bei der folgenden speciellen Beschreibung des in seinen 
einzelnen Theilen auf das Sauberste ausgeführten Apparates wird aus der Mit- 
theilung der Ergebnisse, zu welchen die zur Bestimmung des Verjüngungscoefficienten 
angestellten Beobachtungen geführt haben, entnommen werden können, dass der 
in Rücksicht auf seinen Zweck eine ebenso massive wie compacte Bauart zeigende 
Pegel in Bezug auf genaues Functioniren allen billigen wissenschaftlichen und ' 
damit auch allen Ansprüchen der Praxis vollauf Genüge zu leisten vermag. 


i) Vgl. „Das Mittelwasser der Ostsee bei Swinemünde*. Von Wilhelm Seibt. Berlin. 1881. S. 3. 


BlilMBtar Jihiiug. Jui 


Skibt, Peoel. 


Die Ablieferung des fertigen Apparates erfolgte im Frühjahr 1885, und seine 
Aufstellung konnte, nachdem inzwischen vom Herrn Bauinspector Rehder die 
nöthigen Bruniienarbeiten sowie der Erweiterungsbau des zur Aufnahme des Pegels 
bestimmten Lootsenpavillons zur Ausführung gebracht worden waren, im Sommer 
1885 in Gegenwart des eben Genannten und des Verfassers durch Herrn Mechaniker 
Kave! bewirkt werden. 

Der complete Apparat, mit allen seineu Haupt-, Neben- und Befestigungs- 
theilen, aber ohne Verpackungs- und Transportkosten, hat einen Kostenaufwand 
von etwa 1750 Mark verursacht. — 

Der eigentliche Apparat befindet sich über einem in Backsteinen gemauerten 
Brunnen in einem von der Wachtstube des Lootsenpavillons abgeschlossenen hellen 
Räume, woselbst er auf einer, durch einge- 
mauerte Console getragenen starken eisernen 
Tischplatte mittels Bolzen und Schrauben 
unverrückbar befestigt ist. Nebenstehende 
Figur giebt eine scbematische Skizze des 
Aufbaues desselben. 

Ein Schwimmer S von Kupferblech, 
welcher, durch ein an dem Dralite N an- 
greifendes Gegengewicht balancirt, an einem 
silberplattirten , 0,9 mm dicken Kupfer- 
drahte im Wasser des Brunnens hängt, 
setzt mittels eines verjüngenden Getriebes G 
bei der durch das Steigen und Fallen 
der Ostsee bewirkten Veränderung seiner 
Höhenlage eine metallene, an einem cylin- 
drischen Führungsstabe F befestigte und 
ebenfalls durch ein an dem Drahte K 
angreifendes Gegengewicht balancirte Zahn- 
stange in eine auf- und niedergehende 
Bewegung. Der Führungsstah F ist in 
dem nicht mitgezeichneten Gerüst oben 
und unten durch je drei Leitrollen sicher, 
aber möglichst frei von schädlicher Rei- 
bung geführt. Der senkrecht stehende, 
0,5 m im Umfange haltende Registrircy- 
linder erfährt durch ein Uhrwerk in je 
48 Stunden eine einmalige Umdrehung; er dient zur Aufnahme des alle zwei Tage 
neu aufzuspannenden Registrirbogens, auf welchen der an der oben erwähnten 
Führungsstauge F angeklemmte Curvenstift a eine ans der verticalen Bewegung 
der Zahnstange und der horizontalen Drehung des Rcgistrircy linders resultirende 
Linie, die Wasserstandscurve, zeichnet. Am unbeweglichen Theile des Apparates 
befindet sich der feststehende Basisstift b, welcher auf den sich um seine Axe 
drehenden, mit dem Registrirbogen überspannten Cylinder die Basislinie schreibt. 
. Die Bleistifte, welche hierbei zur Verwendung kommen, befinden sich in 
MetaUhülsen und werden durch regulirbare Federn mit ihren Spitzen sanft gegen 
die Papierflftche gedrückt. Bei der äusserst geringen Abnutzung, welche die 


10 Seibt, Peoel. ZBiTBOHBirr fOb Inbtbumsktbkkdyds. 

möglichst hart zu wählenden Stifte (A. W. Faber HHHHHH) zu erleiden haben, 
wird sich ein Spitzen derselben, das stets centrisch erfolgen muss, verhältnissmässig 
selten, jedenfalls nicht vor Ablauf einer Woche als nothwendig erweisen. — 

Das conische Rad, welches lose auf der horizontalen, von der seitlich auf der 
Tischplatte placirten Uhr in Umdrehung versetzten Triebwelle steckt und mit dem 
Getriebe des Untersatzes für den Registrircylinder in Eingriff steht, lässt sich durch 
eine Druckschraube mit der Triebwelle verbrems(?n; bei geklemmter Welle gestattet 
dann eine Mikrometerschraube das genaue Einstellen des Registrircylinders gegen den 
Curvenstift a in Bezug auf die dem Registrirbogen gegebene Zeiteintheilung. 

Um die Unterbrechung der Aufzeichnungen beim Neuaufspannen eines 
Bogens auf ein Minimum herabzudrücken, steht ein zweiter Cy linder zur Verfügung; 
derselbe ist während des Ganges des Apparates so vorzubereiten, dass er im ge- 
gebenen Momente gegen denjenigen, welcher auf seinem Bogen die zweitägige 
Wasserstandscurve aufgenommen hat, ausgewechselt werden kann. Zu dieser 
Vorbereitung des zweiten Cylinders gehört ausser dem in einfacher Weise zu be- 
werkstelligenden Aufspannen des neuen Bogens auch das Versehen des letzteren 
mit der vorhin erwähnten Zeiteintheilung. Hierzu dient ein bockartiger hölzerner 
Untersatz, in dessen Lager der Cylinder mit seinen beiden Zapfen horizontal 
eingelegt werden kann; eine gezahnte Scheibe mit Sperrfedervorrichtung macht 
es m()glich, den Cylinder unter einem eisernen Lineal auf je Y48 der Peripherie fest- 
zuhalten. Die hierbei mit Bleistift auf den Registrirbogen gezogenen Längslinien ent- 
sprechen dann in ihren etwa 10 mm betragenden Abständen der Zeitdauer von einer 
Stunde, so dass sich vom Registrirbogen bei richtig erfolgter Einstellung die jeweilige, 
zu einem gegebenen Punkte der Wasserstandscurve gehörige Beobachtungszeit mit 
Sicherheit bis auf etwa eine halbe Minute genau ohne Weiteres entnehmen lässt. — 

Die Ermittlung des genauen Werthes für den dem Apparate eigenthüm- 
lichen Verjüngungscoefficienten v, von dessen möglichster Gleichheit bei allen 
Stellungen des Curvenstiftes vor Allem die Genauigkeit der registrirten Wasser- 
stände abhängt, ist vor Aufstellung des Apparates in der folgenden Weise in der 
Werkstatt des Mechanikers von Herrn Kavel und mir vorgenommen worden. 

Senkrecht unter dem hochgewundenen Gegengewichte des Schwimmers kam 
ein eiserner Bolzen mit halbkugelförmigem Kopfe unverrückbar zur Befestigung. 
Nachdem auf den letzteren ein Holzstab mit abgerundeten Stahlenden, vertical 
eingerichtet, zur Aufstellung gelangt war, wurde zunächst durch Drehen des 
Schwimmerrades das Gegengewicht herabgelassen, und dieses an einem bestimmten, 
vorher markirten Punkte seiner unteren Fläche mit dem oberen Ende des Stabes 
in sanfte Berührung gebracht. Bei dieser augenblicklichen Stellung aller beweg- 
lichen Theile des Apparates erfolgte eine kurze Drehung des vom Uhrwerke aus- 
geschalteten , nicht mit Papier überzogenen Registrircylinders zu dem Zwecke, von 
dem angefederten, für diese Versuche aus Stahl gefertigten Curvenstifte auf jenen 
eine scharfe horizontale Linie einreissen zu lassen. Hierauf wurde der Stab weg- 
genommen, und das Gegengewicht durch Weiterdrehung des Schwimmerrades bis 
auf den Bolzen herabgelassen, welcher vorher dem Stabe als Stützpunkt gedient 
hatte. Bei dieser neuen Stellung aller beweglichen Theile des Apparates riss der 
Curvenstift eine zweite Linie in das Metall des Registrircylinders ein. Durch 
das Klemmen des Curvenstiftes auf verschiedene Stellen der ihn tragenden Zahn- 
stange und durch Wiederholen der eben beschriebenen sonstigen Manipulationen 
konnte eine Reihe völlig von einander unabhängiger Beobachtungen erhalten werden, 


Siebenter Jahrgang. Januar 1887. Seibt, Peoel. 11 


welche sich über den ganzen Mechanismus erstreckten. Aus dem Verhältnisse der 
bekannten Länge des angewendeten Ilolzstabes zu den aufs Genaueste bestimmten 
Abständen der paarweise auf den Cylinder eingerissenen Linien ergab sich im 
Mittel als Werth für den Verjüngungscoefficienten: 

V -- 9,9 2GÜ zt 0,002. 

Die dem Mechanismus des Apparates anhaftenden Unregelmässigkeiten 
kommen in den Abweichungen der Abstände der paarweise auf den Registrir- 
cylinder eingerissenen Linien zum mcssbareu Ausdruck. Wenn wir annehmen, 
dass hier der mechanischen Fehlerquelle gegenüber die Beobachtungen selbst mit 
absoluter Genauigkeit erfolgten, dann erhalten wir in der mittleren Abweichung der 
gemessenen Abstände: 

m ^— d O,!.*) mm 

denjenigen Werth, um welchen wir jeden vom Curvenstift markirten Punkt der 

Wasserstandscurve, also jede Wasserstandsordinate t/, als vom unvollkommenen 

Mechanismus des Apparates herrührend, fehlerhaft zu betrachten haben. Für 

die mit dem Verjüngungscoefficienten reducirte Wasserstandsordinate Y ergiebt sich 

dann der Ausdruck: 

Y =^ (yzL 0,15 mm) (i.' rL 0,002). 

Setzen wir in dieser Gleichung für y seinen Durchschnittswerth mit 300 mm, 
dann erhalten wir für die reducirte Wasserstandsordinate Y und als Maass für die 
Genauigkeit, mit welcher der Apparat arbeitet, den durchschnittlichen mittleren Fehler: 


Mr = f(300 . 0,002)*^ + (9,9260 . 0,15)'^ = dz 1,0 mm. 

Die Vorrichtung, welche dem Apparate zur Bestimmung derjenigen Con- 
stanten C beigegeben ist, welche zu F, der mit dem Verjüngungscoefficienten 
multiplicirten Wasserstandsordinate y hinzugefügt werden muss, um den ihr ent- 
sprechenden, auf den Basisstift bezogenen Wasserstand Wbj zu erhalten^), besteht im 
Wesentlichen aus einer von der unteren Kopffläche bis zu ihren am Fussende an- 
gesetzten stumpfen Spitzen 1100,0 mm langen Metcallröhre R, welcher auf der einen 
Längsseite die Wandung so genommen wurde, dass es möglich ist, sie über den 
Schwimmerdraht und über einen Theil des Schwimmerrades zu ziehen. Bei dieser senk- 
rechten Lage wird die durch eine Oeffnung der Tischplatte gesteckte Röhre mit der 
unteren Fläche ihres vorspringenden Kopfes auf einer Klemmplatte zur Auflage 
gebracht und hier unter Anwendung einer Druckschraube unverrückbar festgehalten*. 
Beim Gebrauche wird nun der Schwimmer durch Drehen des Schwimmerrades 
so lange heraufgewunden, bis seine ebene Kopffläche gegen die drei Fussspitzen 
der Constantenröhre stösst. Bei dieser Schwimmerlage lässt man von dem ent- 
sprechend in die Höhe gegangenen Curvenstifte und gleichzeitig von dem in seiner 
festen Lage verbliebenen Basisstifte auf den vom Uhrwerke ausgeschalteten Cylinder 
Linien ziehen. In dem reducirten gegenseitigen Abstände der letzteren wird dann 
diejenige Grösse vyc= Yc erhalten, um welche der Schwimmer sinken müsste, wenn 
der Curvenstift in gleiche Höhe mit dem Basisstift gebracht würde. 

Wenn in der obigen schematischen Darstellung (S. 9). 
unter a die Lage des Curvenstiftes im Augenblicke der Constantenbestimmung, 
„ h „ „ des feststehenden Basisstiftes, 


') ^gh «I^as MittclwRSder der Ostsee bei Swinemüiide". Seite 4. 


12 Seibt, Pegel. ZsiTscHarFT pOr Ixsthdmextemkukdr . 

unter c die obere Fläche der Kleramplatte bezw. die untere Fläche des Kopfes 

der Constantenröhre E, 
„ d die obere Kopffläche des bis zum Anstoss an die Constantenröhre hoch- 
gewundenen Schwimmers 5, 
„ € die Einsinkungslinie des Schwimmers bei eingehängtem Gegengewichte, 
„ c' die Lage der Einsinkungslinie e bei y = 
verstanden wird, dann finden wir die vorerwähnte Constante : 
C = bc (dem Abstände des Basisstiftes von der oberen Fläche der Klemm- 
platte = 121,1mm), 
-h cd (der Länge der Constantenröhre von der unteren Kopffläche bis zu 

ihren drei Fussspitzen = 1100,0 mm), 
-f de (dem Abstand der oberen Kopffläche des Schwimmers bis zur Einsinkungs- 
linie e desselben = 42,7 mm ^), 
-{- ce' (Yc = vj/c = dem reducirten Abstände des Carvenstiftes vom Basisstifte 
im Augenblick der Constantenbestimmung) 
und den auf den Basisstift bezogenen Wasserstand: 

w = Y—a 

Da die Abstände hc und cd mit einer Genauigkeit bestimmt sind, welche 
die Grenze von d_ 0,1mm nicht überschreitet, der Abstand de nach den angestellten 
Beobachtungen höchstens um it 0,5 mm unsicher ist, und der mittlere Fehler für 
Yc, wenn für Yc sein angenäherter Werth von 600 mm gesetzt wird, sich aus 


Mr^ = y(G00 . 0,002)2 ^ (9^9200 . 0,15)2 ^ ^ j^g n^^i 
ergiebt, so finden wir für C den mittleren Fehler: 

MC = 1/(0,1)2 4- (0,1)2 ^ (0,5)2 ^ (i,8)"2"= ± 1,9 mm 

und endlich für den auf den Basisstift des Apparates bezogenen, von einem Punkte 
der aufgezeichneten Curve abgeleiteten Wasserstand Wb den mittleren Fehler 

Mw, = f(T;6)2 + (1,9)2.-= ± 2,5 mm. 

Unter Zugrundelegung des für den Verjüngungscoefficienten ermittelten wahr- 
scheinlichsten Werthes ist die auf der Breitseite der Zahnstange hergestellte Theilung 
zur Ausführung gebracht worden. Dieselbe gestattet den augenblicklichen Wasser- 
stand an einem mit Nonienvorrichtung versehenen festen, aber corrigirbaren Index J 


^) Nach den Veröffentlichungen der Commission zur wissenschaftlichen Untersuchung der 
deutschen Meere stellen sich die Salzverhältnisse der Ostsee bei Travemünde, d. h. eine ziemliche 
Strecke in die Bucht hinaus, wie folgt: 

Durchschnittlicher Salzgehalt aus 10 jähriger Beobachtung: 

für Oberflächenwasser 1,38 % 

für Wasser aus einer Tiefe von 9,1 in 1,49 % 

Der höchste Salzgehalt wurde beobachtet: 

für Oberflächenwasser : Sept. 1883 2,19% 

für Wasser aus 9,1 m Tiefe : Aug. 1875 2,29 % 

Der niedrigste Salzgehalt wurde beobachtet: 

für Oberflächenwasser: März 1881 0,21 % 

für Wasser aus 9,1m Tiefe: Mai 1878 0,85% 

Da nun der selbstregistrirende Pegel im Hafen von Travemünde liegt und im vorliegenden 
Falle wohl nur Oberflächenwasser in Betracht gezogen zu werden braucht, so ist dem Wasser, 
welches bei den zur Bestimmung der £insinkungstiefe des vom Gegengewichte balancirtcn Schwimmers 
augestellten Beobachtungen angewendet wurde, ein mittlerer Salzgehalt von etwa 1 % gegeben worden. 


n" 


Siebenter Jahrgang. Januar 1887. Seibt, Pegel. 13 

unmittelbar bis auf einzelne Millimeter abzulesen^); die Beobachtungen beziehen sich 
auf denjenigen festen Punkt, für welchen die Einstellung der getheilten Zahnstange 
bzw. des corrigirbaren Index bei Ingangsetzung des Apparates erfolgte. 

Der mittlere Fehler einer an dieser verjüngten Pegelscale gemachten Wasser- 
standsablesung ist dann dem mittleren Fehler einer von einem Curvenpunkte ab- 
geleiteten Wasserstandsbeobachtung gleich, wenn entweder der Nullpunkt der 
Pegelscale mit dem Basisstifte des Apparates zusammenfällt, oder wenn der zwischen 
ihnen bestehende Höhenunterschied als fehlerfreie Constante, d. h. als Normalwerth 
gilt. Ist dagegen jener Höhenunterschied das Ergebniss einer besonderen Messung, 
dann vergrössert sich der für TF^ vorhin berechnete mittlere Fehler um den mittleren 
Fehler jener nivellitischen Bestimmung. 

Aus praktischen, in dem Interesse der Traveschifffahrt liegenden Gründen 
entspricht gegenwärtig der Nullpunkt des verjüngten Scalenpegels dem Nullpunkt 
des bisherigen, unmittelbar in der Trave aufgestellten gewöhnlichen Pegels. Da 
nun die Höhendifferenz zwischen dem Basisstifte des Apparates und diesem Pegel- 
nullpunkte bei Justirung des Apparates als Normalwerth eingeführt wurde, so hat 
nach dem vorhin Gesagten auch der am verjüngten Scalenpegel abgelesene, sich 
auf die normale Lage des alten Nullpunktes des Trave-Pegels beziehende Wasser- 
stand TF- den mittleren Fehler. 

Mwq = dl 2,5 mm. 

Bei den bisherigen Betrachtungen wurde vorausgesetzt, dass das Abgreifen 
der Wasserstandsordinate y nahezu fehlerfrei, wenigstens im Vergleich zu der 
aus der Unvollkommenheit des Mechanismus fliessenden Fehlerquelle, erfolgen kann. 
Es ist dies auch wirklich der Fall, so lange die Ordinatenbestimmung entweder 
unmittelbar vom Registrircylinder oder vom aufgespannten Registrirbogen unmittel- 
bar bei oder wenigstens ganz kurze Zeit nach der vom Curvenstift erfolgten Auf- 
zeichnung vorgenommen wird. Der Registrirbogen hat aber durch Aufsaugen 
von Feuchtigkeit unter Umständen so wesentliche Aenderungen seiner Grössenver- 
hältnisse zu erleiden, dass auf diese bei Bestimmung des Wasserstandes durch- 
aus Rücksicht genommen werden muss;- der vom Cylinder genommene Bogen 
schrumpft bei längerer Aufbewahrung im geheizten Räume für 0,5 m bis zu 
5 mm (im Maximum) zusammen, und es ist leicht ersichtlich, dcass, wenn die Re- 
duction der Aufzeichnungen nicht sofort nach erfolgter Auswechselung des Cylinders 
an der Beobachtungsstelle, sondern erst nach einer, wenn auch kurzen Aufbe- 
wahrung erfolgt, eine Nichtbeachtung dieses Umstandes die reducirten Wasserstands- 
beobachtungen erheblich falsch erscheinen lassen könnte. 

Um diese Fehlerquelle thunlichst wirkungslos zu machen, wird beim Auf- 
spannen und beim Abnehmen des Bogens ein bestimmtes Maass (0,5 m) auf dem- 
selben abgestochen. Wenn nun zu der Zeit, zu welcher eine Ordinate abgegriffen 
werden soll, der Abstand jener abgestochenen Punkte aufs Neue bestimmt wird, so 
ist aus dem Verhältniss, in welchem ein Eingehen des Papieres für jene 500 mm 
stattfand, leicht diejenige Correction zu finden, welche der abgegriffenen Ordinate 


^) Diese Eiiiriclitiing ist von der Construction des bereits in den vierziger Jahren zu Trave- 
Dfiünde etablirten ^schwimmenden Pegels** herübergenommen. Bei letzterem bewegt sich die Scale 
ebenfalls an einem Index vorbei, an welchem der jeweilige Wasserstand dirert abgelesen werden 
kann. — Auch bei den von Herrn R. Fuess im Jahre 1881 für das Kaiserliche Hydrographische 
Amt erbauten Registrirpegeln begegnen wir einer ähnlichen Anordnung. 


14 KöPSEL, Anemometer. ZKirscHiorr für Ikstruventekkünde. 

hinzugefügt werden muss, um dieselbe vom Einflüsse der Einschrumpfung des 
Papieres zu befreien. 

War das ursprünglich abgestochene Stück = m , das Ergebniss der Nach- 
messung aber = Wj, bezeichnen wir femer die abgegriffene Wasserstandsordinate 
mit y und die verbesserte mit y^, dann ist: 

v{m^:m) = V {y : y^. 

Setzen wir nun die ' verbesserte und reducirte Wasserstandsordinate vy^ = Y^ , 
so wird: 

log V -f log-^ -f log y = log Ti . 

Nach Zusammenziehung der beiden ersten Glieder zu log v^ und Herrichtung 
einer Tafel mit dem Argument m — wt^ , erhalten wir dann in bequemer Weise : 

und hiermit den wahrscheinlichsten, aus der abgegriffenen, verbesserten und redu- 

cirten Wasserstandsordinate abgeleiteten Wasserstand in Bezug auf den Basisstift 

des Apparates: 

Wb=v,y-a 

Soll der Wasserstand auf einen andern Punkt, als wie hier angenommen, auf den 
Basisstift des Apparates bezogen werden, dann muss der Höhenunterschied zwischen 
dem Basisstift und dem neuen Nullpunkt ermittelt und der rechten Seite der 
Gleichung entsprechend hinzugefügt werden. 


Ueber ein neues Anemometer nach Oeli.-Ratli Dr. W. Siemens. 

Von 
Dr. A. Köpsel in Berlin. 

Auf der zu Ehren der 50. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte 
zu Berlin veranstalteten Ausstellung wissenschaftlicher Instrumente befand sich 
unter den zahlreichen Messapparaten, welche die Firma Siemens & Halske zur Aus- 
stellung gebracht hatte, ein von Geh. Reg.-Rath W. Siemens angegebenes Anemo- 
meter, welches auf einem bis dahin noch nicht angewendeten Princip beruht. Es ist 
hierbei das Saugphänomen zur Messung der Windgeschwindigkeit benutzt; ja noch 
mehr, es kann mit diesem Apparat auch die mittlere Windgeschwindigkeit während 
einer bestimmten Zeit registrirt und zugleich die Windrichtung, welche in jedem 
Augenblicke herrscht, bestimmt werden. 

Der Apparat hat folgende Einrichtung: Ein in Cubikcentimeter getheilter 
Messcylinder C ist oben durch eine Metallplatte D luftdicht verschlossen; letztere 
hat zwei Oeffnungen, in deren eine ein Messingrohr S mit fein auslaufender 
Spitze eingeschliffen ist; in die andere ist ein zweimal rechtwinklig gebogenes 
Heberrohr ü eingekittet, welches an dem in den Cylinder hineinreichenden Schenkel 
mit Messingfedern versehen ist, die ein kleines Becherglas B mit Tülle halten; 
der andere Schenkel taucht in ein grösseres GefilssG mit Petroleum, dessen Niveau 
dadurch constant gehalten wird, dass ihm aus einem darüber befindlichen Gefäss B 
mit feiner Oeffnung fortwährend Petroleum zugeführt wird, dessen Ueberschuss ab- 
tropft. Diese Vorrichtung erwies sich zweckmässiger als das Mari ott ersehe Ge- 
fäss, bei dessen Anwendung es wegen der bei der Blasenbildung auftretenden 
Capillarkräfte nicht möglich war, eine Constanz des Niveaus zu erzielen. 


ffitbantn Jikigtuf. Juiw 1887. Könn., AitehOkiter. 


Als Flüssigkeit wurde das Petroleum deshalb gewählt, weil es leichter ab- 
tropft als Wasser und weniger verdampft als audere, vielleicht sonst auch ge- 
eignete Flüssigkeiten. 

Die feine Spitze S ist durch ein seitliches Rohr K mittels Kautschuk schlauch 
mit einem Manometer M verbunden, dessen Röhre r nur eine kleine Neigung gegen 
die Horizontale hat; unten ist an dieselbe ein weites Gefäss m angeschmolzen, welches 
mit gefärbtem Petroleum gefüllt ist; ein in dieses letztere einscnkbarer Kolben k 
dient zur Regulirung des Nullpunktes. 

iSoIl der Apparat in Thätigkeit treten, so wird zunächst durch Saugen die 
Luft im Cylinder C verdünnt, infolge dessen das kleine, innen befindbche Becher- 
glas gefüllt wird. Nun wird das Niveau des letzteren durch Verschieben des äusseren 


Gefässes G so eingestellt, das» die geringste Luftverdünnung im Cylinder ein Ab- 
tropfen der Flüssigkeit in denselben bewirkt. Wird jetzt mittels eines seitwärts von 
der Spitze rechtwinklig dazu aufgestellten Rohres L ein Luftstrom über dieselbe hin- 
weggeleitet, so tropft die Flüssigkeit in Folge der hierdurch im Cylinder herbeige- 
führten Luftverdünnung von der Tülle des Bechcrglascs B in den Cylinder und die 


16 PüLPRICH, ToTALREFLECTOMElEB. ZkiTSCHRIFT FÜ« IxSTRCUBKTE5KU2rDR. 


Menge der abgetropften Flüssigkeit ist ein Maass für die mittlere Windgeschwindig- 
keit. Würde anstatt eines weiteren Heberrolires ein Capillarrohr zur Verbindung 
beider Bassins benutzt, so würde die Menge der abgetropften Flüssigkeit nicht der 
mittleren Windgeschwindigkeit, sondern der Summe der Windenergie proportional sein. 

Durch die Verdünnung der Luft steigt gleichzeitig im Manometerrohre r 
die Flüssigkeit bis zu einer bestimmten Höhe, welche, wenn Gleichgewicht ein- 
getreten ist, an einer quadratisch steigenden Scale direct die Geschwindigkeit des 
Windes abzulesen gestattet. 

Der Apparat zur Bestimmung der Windrichtung besteht aus vier recht- 
winklig umgebogenen Röhren w, o, s, w, deren OefFnungen nach den vier Himmels- 
richtungen zeigen; je zwei gegenüberliegende sind mit den Mündungen aV, a"c" 
zweier ebenso eingerichteten Manometer M' jM% wie das oben beschriebene, durch 
Kautschukschläuche verbunden. Der Nullpunkt dieser Manometer liegt in der 
Mitte der Röhren r^jV^' und die vier Enden der Scalen sind mit den Anfangs- 
buchstaben der vier Himmelsrichtungen bezeichnet. Kommt nun der Wind aus 
einer Richtung, nach der eine solche Oeffnung zeigt, so wird er in dieser eine 
Verdichtung, in der gegenüberliegenden eine Verdünnung der Luft hervorrufen. 
Erstere wirkt auf der einen, letztere auf der andern Seite eines der Manometer; die 
Flüssigkeitssäule wird also von der Mitte (Nullpunkt) bei passender Verbindung 
nach der Seite hingeschoben werden, welche mit dem Buchstaben bezeichnet ist, 
der die Himmelsrichtung darstellt, aus welcher der Wind kommt. An den beiden 
anderen Oeffnungen, welche je um 90** von dieser Richtung verschieden sind, be- 
wirkt der Luftstrom, da er an diesen mit gleicher Geschwindigkeit vorbeistreicht, 
zwei gleiche Verdünnungen, welche an den beiden Enden des andern Manometers 
angreifen, in Folge wovon dieses seinen Nullpunkt unverändert beibehält. Wie eine 
einfache Ueberlegung lehrt, giebt der Apparat auch die Zwischenrichtungen durch mehr 
oder minder grosse Verschiebung der Flüssigkeitssäulen in beiden Manometern an. 

Zur Demonstration ist dieser Apparat mit einem drehbaren Zuführungsrohr 
]J mit breiter Oeffnung für den Wind versehen, welches ebenso wie das Zu- 
führungsrohr L des Registrirapparates bei. der Anwendung für meteorologische 
Zwecke fortfallen würde. 

Zum Schluss sei noch erwähnt, dass Herr Prof. v. Bezold zuerst den Vor- 
schlag machte , durch abtropfende Flüssigkeitsmengen die Windstärke zu registriren 
und dass mit diesem Apparat der erste Versuch gemacht ist, diesen Vorschlag 
zu verwirklichen. 


Ein neues Totalreflectometer. 

Von 
Dr. €. PnlfVlch in Bonn. (I. MittheÜnng). 

Das Princip des Instrumentes beruht auf der Anwendung eines geraden, 
vertical gestellten und drehbaren Glascylinders, dessen Mantel und obere Grund- 
fläche gut geschliffen und polirt sind. Das beobachtende Auge sieht durch den 
Mantel nach der oberen Fläche, auf welche das Object zu liegen kommt. 

Die Bedingung für das Zustandekommen der Totalreflexion besteht darin, 
dass das Brechungsvermögen des Glascylinders grösser ist als dasjenige des 
Objectes. Sofern nämlich ein Bündel homogener Lichtstrahlen von unten her unter 


Siebenter Jahrgang. Januar 1887. PcLFRICH, ToTALRBFLECTOMETER. 17 

einem bestimmten Einfallswinkel auf das Object fällt (Fig. 1), bietet sich dem auf 
unendlich accommodirten Auge der Beginn der Totalreflexion als eine scharfe hori- 
zontalliegende Grenze dar zwischen einem hell und einem weniger hell erleuchteten 
Gesichtsfelde. Deutlicher tritt diese Grenze auf bei streifend in das Object ein- 
fallenden Lichtstrahlen. Denn denkt man sich in Fig. 1 von rechts oben die Licht- 
strahlen Gy a, h in das Object eintreten, so wird jetzt ein an der Stelle des Pfeiles 
betindliches Auge nur partiell gebrochene Strahlen erblicken, die mit G abschliessen, 
sofern die Strahlen 1 und 2 fortfallen, a und b zum Theil gebrochen, zum Theil in 
das Object reflectirt werden. Durch den Contrast vollkommener Dunkelheit gegen 
die untere, wenn auch nur weniger hell erleuchtete Gesichtshälfte tritt die Grenze 
sehr deutlich hervor. Jeder Strahl in Fig. 1 ist als Repräsentant eines Systems 
paralleler Lichtstrahlen zu betrachten, dessen Querschnitt durch die Grösse der 
Objectfläche und den Grenzwinkel s bestimmt ist. 

Ich bemerke vorab, dass bei meinen Beobachtungen von einer Verzerrung 
der Grenze durch die Brechung der Strahlen an der Mantelfläche des Cylinders 
nichts zu sehen war. Die bei Natriumlicht -Beleuchtung auftretende Grenzcurve 
ist sowohl mit blossem Auge als auch mit dem auf Unendlich eingestellten Fernrohre 
sichtbar. Im ersten Falle ist man durch Hin- und Herbewegen des Kopfes im 
Stande, einen grossen Theil der in sich geschlossenen Grenzcurve zu überschauen. 
Mit Fernrohr erkennt man nur eine geringe Krümmung des Grenzcurvenstückes, 
kann aber durch Drehen des Cylinders die geschlossenen Grenzcurven am Auge 
vorbeiführen. 

Beim Drehen des Cylinders aber wird die Grenze sich für verschiedene 
Objecte verschieden verhalten. Für isotrope Körper wird sie ihre Lage nicht 
ändern und deshalb dem Auge immer an derselben Stelle erscheinen. Ftlr doppelt- 
brechende Medien hingegen lässt die Beobachtung die Zahl der Grenzcurven, deren 
Neigung gegen die Horizontale, sowie continuirliche Aenderungen, zeitweilige Ver- 
schmelzung oder Durchschneidung derselben klar erkennen. 

Es sei N der Brechungsindex des Cylinders, n der zu bestimmende des 
Objectes. Der unter dem Grenzwinkel s vom Object aus in den Cy linder ein- 
tretende Grenzstrahl (G) treffe unter dem Winkel i' die verticale Mantelfläche und 
verlasse dieselbe unter dem Austrittswinkel i. Sofern nur N bekannt, i aber 
gemessen werden kann, schreibt sich mittels der Beziehungen: 

■KT • • -i • «i sini 

N &in s = n, sms = cosi', sm t* = ^^ 

N 
einfach : 

n = Yn^ — sin^z. 

Für Flüssigkeiten dienen geringe Mengen , die zweckmässig in aufgekittete 
Glasröhren gegossen werden; feste Körper werden unter Beifügung eines Flüssig- 
keitstropfens, dessen Brechungsindex 91 grösser als n sein muss, auf die obere 
Fläche einfach aufgelegt; die Flüssigkeitsschicht hat, sofern die Objectfläche 
parallel zur Planfläche des Cylinders ist, keinen Einfluss auf den austretenden 
Lichtstrahl, und es kann 51 grösser, gleich und kleiner als N sein. 

Die theoretische Grenze der Brauchbarkeit des Glascylinders erstreckt 
sich auf Austrittswinkel von bis 90°. Die praktische wird natürlich enger be- 
messen sein. Unser Glascy linder wird somit für Objecte zu verwenden sein, 
deren Brechungsindices zwischen annähernd N und einem Werte w liegen, der sich 

2 


18 PULFBICH, ToTALKEFLECTOlfETER. ZsiTSORBIFT fOr iNSTBUMENTCHKÜirDK. 

bestimmt zu n= ^N^ — 1. Ftlr Objecte mit stärkerem Brechungsvermögen als N 
wird man zu einem Cylinder von höherer Brechbarkeit greifen müssen, und bei 
solchen mit niedrigerem als n entsprechend heruntergehen. 

Dasselbe lässt sich auch durch successives Einfüllen von Flüssigkeiten ver- 
schiedener Brechbarkeit in einen gescldiffenen Hohlcylinder erreichen. Versuche 
und Messungen, welche ich in dieser Richtung mit einer käuflichen, aber unge- 
schliffenen Glasröhre anstellte, haben speciell für Kalkspath parallel der Axe ver- 
hältnissmässig recht günstige Resultate ergeben. Diese Versuche waren die eigent- 
lichen Vorversuche, und es wurde erst, nachdem dieselben gelungen, mit dem 
Schleifen des Cylinders begonnen. 

Die Anwendbarkeit des Apparates erstreckt sich ferner auf Voll- und Hohl- 
kegel. Das Totalreflectometer gestattet den Messungen jeden Grad der Genauigkeit 
zu geben und ist für homogenes und weisses Licht brauchbar. Während ich mich 
in der gegenwärtigen Mittheilung auf Beobachtungen mit Natriumlicht beschränken 
werde, soll in einer demnächst folgenden zweiten Mittheihmg die Anwendbarkeit 
des Apparates auf weisses Licht demonstrirt werden. 

Hiermit ist im Wesentlichen die Theorie des Totalreflectometers klar gelegt. 
Die Anfertigung des Instrumentes, mit welchem die mitgetheilten Versuche aus- 
geführt wurden, habe ich dem Mechaniker Herrn Max Wolz zu Bonn übertragen. 
Derselbe hat auch die Herstellung weiterer Apparate übernommen. — 

Die Einrichtung des Instrumentes ist folgende: 

Durch einen Dreifuss mit Stellschrauben geht eine verticale Stahlaxe -4, 
ein Doppelconus, welcher die Drehung des auf einer Centrirvorrichtung (in Fig. 1 
im Schnitt gezeichnet) ruhenden Glascylinders ermöglicht. Ein unten angebrachter 
Horizontal -Theilkreis gestattet die Grösse der Drehungen, bei Kry stallflächen also 
die sogenannten Azimuthe der Einfallsebene auf einzelne Minuten genau zu bestimmen. 
Auf dem Dreifuss erhebt sich schräg ansteigend ein Bock, der in der Höhe der 
oberen Cy linderfläche, excentrisch zur Cylinderaxe die Lager für eine horizontal 
liegende Axe mit Femrohr, Verticalkreis, Klemme und Mikrometerschraube trägt. 
Die Axe hat die Form eines Bügels und trägt in der Mitte, dem Cylinder genau 
gegenüber, das Objectiv des Fernrohres. Die Objectivöffhung beträgt 18 mm bei 
einer Brennweite von 10 cm und einer 8 bis 10 maligen Vergrösserung. Die Excen- 
tricität der Lager ist durch den Gang der an der Mantelfläche gebrochenen Licht- 
strahlen bedingt. Sie beträgt bei dem Apparat 2/3 des Radius des Cylinders und 
ist besonders deshalb so stark gewählt, um mit dem Femrohrobjectiv möglichst 
weit unter den Cylinder zu kommen und so die Messung von grösseren Winkeln i 
zu ermöglichen. Die am Verticalkreis angebrachten Nonien geben einzelne Minuten 
direct an, gestatten aber noch die Schätzung von halben und drittel Minuten^). 

Zur Vermeidung der Unbequemlichkeit bei Messungen mit geradem Fem- 
rohre ist dasselbe gebrochen. (Die mitgetheilten Beobachtungen sind mit gerad- 
sichtigem Fernrohr ausgeführt.) Ein total reflectirendes Prisma sendet die Licht- 
strahlen stets in horizontaler Richtung ins Auge. Dadm'ch wird die Beobachtung 
sehr vereinfacht. Ein weiterer Vortheil besteht darin, dass das zur Untersuchung 
der Polarisationsrichtung dienende Nicol mit Theilkreis von dem Femrohre getrennt 

1) Leider war ich bei dem Instrument , mit welchem die weiter unten beschriebenen Ver- 
suche ausgeführt wurden, auf einen Kreis mit nur einem Nonius und 10' Ablesung beschränkt. 
Derselbe Hess indess noch eine Schätzung von 2 — 3' zu. — Eine Totalansicht eines der neu her- 
gestellten Instrumente soll in der nächsten Nummer mitgethcilt werden. 


81et«tel Jihigug. Jsunu 1887. PliI-pmcH, ToTALBEI^BCTOHETBII. 19 

werden und deshalb zu Erschüttei-ungen des ganzen Systems keinen Änlass geben 
kann. Man erleichtert auf diese Weise die Auffindung der Grenzcurven bei Kry- 
stallßächen ganz ausserordentlich. 

Sainintliclie Einstellungen und Ablesungen geschehen von der Vorderseite 
des Apparates; der Beobachter braucht deshalb weder seinen noch den Platz des 
IiiBtiTimentes zu verändern. Die Beleuchtung erfolgt von der dem Fernrohr abge- 
wandten Seite. Die Stellschrauben leisten bei der 
Regulirung der Beleuchtung vorzügliche Dienste. 
Klemmvorrichtungen nnd Mikrometerschrauben liegen 
auf der abgewandten Seite des Apparates und lassen , 

sich vom Beobachtungssitz aus leicht erreichen. .^^ 

Der Anfertigung des Centrirapparates, sofern TM 

die Cylinderaxe mit der verticalen Stahlaxe 
zusammenfallen muss, ist ganz besondere Sorgfalt 
zu Theil geworden. Vier verticale Schrauben v v (in 
der Figur 1 sind nur zwei davon sichtbar) wirken 
in Verbindung mit einer Stahlkugel nach Art der 
Kugelgelenke; hierdurch wird die Cylinderaxe pa- 
rallel zur Drehungsaxe Ä des Apparates gestellt. 
Vier darüber liegende horizontale Schrauben h h 
drücken auf den conischen Ansatz der den Cylinder Fig. i. 

tragenden Platte, welche letztere auf der ringförmigen Erhöhung der mittleren 
Platte aufruht. Hierdurch ist man im Stande, die Cylinderaxe parallel mit sich 
selbst zu verschieben; gleichzeitig wird das ganze System zusammengepresst. 

Der Apparat wirkt leicht, sicher und ist äusserst stabil. Der Glascylinder 
ist mit schwarzem Kitt mit der oberen Platte fest verbunden. Er bleibt nach 
seiner Orientirung in fester Verbindung mit dem Centrirapparat und wird behufs 
Ersetzung durch einen Cylinder von anderem Brechungsvermögen mit Hülse und 
Vorrichtung einfach von der Axe A abgehoben. Er kann aber jederzeit wieder 
aufgesetzt werden, ohne dass die Orientirung auch nur das Geringste gelitten 
hätte. Ueber die Erkennungs weise einer gelungenen Orientirung soll nachher be- 
richtet werden. 

Die Beleuchtungsvorrichtung für reflectirtes Licht besteht aus einem Spiegel 
und einem schmalen rechtwinkligen Rahraen, der mit stark durchscheinendem Papier 
{eventuell geölt) beklebt ist und hinter dem Cylinder in den Dreifuss eingesteckt 
werden kann. Statt der Anwendung eines solchen Schirmes, wie er auch bei Kohl- 
rausch üblich ist, ziehe ich indess vor, die Lichtstrahlen durch eine Linse auf 
der Fläche zu vereinigen. In den meisten Fällen wird man jedoch zu streifend 
einfallenden Lichtstrahlen greifen, insbesondere wenn man es mit verticalen Be- 
grenzungsflächen des Objectes zu thun hat. (Vergl. S. 21). 

Von Blend Vorrichtungen wird nur ein dicht vor dem Objectiv des Femrohres 
angebrachter Verticalspalt, dessen Mitte genau der Axe des Cylindcrs gegenüber- 
steht, von Vortheil sein. Ich habe indess auch diesen bei meinen Beobachtungen 
fortgelassen; derselbe ist auch so lange zu entbehren, als man es mit hori- 
zontalen Grenzcurven zu thun hat. Nur bei stark gegen die Horizontale geneigten 
Curven, wie sie für Azimuthe zwischen und 90" bei Kalkspath und Arragonit bei- 
spielsweise auftreten, ist in Folge der eigenthümlichen Wirkungsweise der Mantel- 
fläche der Spalt anzuwenden. Ohne den Spalt ist die Grenzcurve mehr oder 


20 PULPRICH, TOTALREFLECTOMETER. ZeiTSCHBIFT FÜR TkSTRUHEKTEKKÜXDE. 

weniger verwaschen, mit blossem Auge indess auch ohne Spalt scharf sichtbar; ihre 
Lage ist indess an die Stellung des Auges geknüpft. 

Der bei meinen Beobachtungen benutzte Glascylinder wurde auf Be- 
stellung von der Firma Schott und Genossen in Jena geliefert. Es ist die 
in dem neu erschienenen Katalog S. 14 mit der Nummer 0. 41 versehene Glassorte 
„Schweres Silicat -Flint". Geschliffen und polirt wurde derselbe in der mechanischen 
Werkstatt des Herrn Wolz. Ich bin mir nicht bewasst, dass in der Optik jemals 
diese oder ähnliche Anforderungen an die Technik gestellt worden wären; die 
Bedenken, welche der Güte des herzustellenden Cylinders entgegengebracht wurden, 
waren deshalb keine geringe. Das, was erreicht wurde, hat meine Erwartungen 
jedoch weit übertroffen. Die obere Fläche ist vollkommen eben und hat im Ver- 
gleich mit Prismen aus dem Physikalischen Institute die Prüfung mit Probeglas 
und Fernrohr sehr wohl bestanden. Die Fläche liegt ferner genau senkrecht zur 
Axe des Cylinders, und was die Mantelfläche angeht, so ist dieselbe vollkommen 
kreisförmig im Querschnitt und gerade. Nicht nur dass der Cylinder auf der 
Drehbank alle dem Mechaniker und Optiker zu Gebote stehenden Prüfungsmethoden 
zur Genüge ausgehalten hat, hat auch seine spätere optische Untersuchung bei 
den Beobachtungen selbst zur beständigen Controle über seine Güte und zur 
Bestätigung der Brauchbarkeit gedient. Die Grössenverhältnisse des fertigen Glas- 
cylinders: Höhe 31mm, Durchmesser 38 mm, sind auch bei den neu hergestellten 
Cylindern ungefähr beibehalten worden. 

Um den Glascylinder zu orientiren, und zunächst die obere Fläche 
senkrecht zur Drehungsaxe zu stellen, bringt man das Fernrohr unter möglichst 
grossem Winkel gegen die Fläche und beobachtet das Spiegelbild etwa der 
Dachleiste eines entfernteren Hauses. Durch zweckmässige Benutzung der vier 
verticalen Correctionsschrauben kann man es schnell dazu bringen, dass beim 
Drehen der Verticalaxe das Bild keine Verschiebung gegen das Fadenkreuz er- 
leidet. Die Empfindlichkeit dieser Methode lässt sich noch beträchtlich steigern, 
wenn man den Horizontalfaden des Fadenkreuzes und das Bild der sich von dem 
hellen Himmel scharf abhebenden Kante unter einem spitzen Winkel zu einander 
stellt und den schmalen Lichtkeil beobachtet. Diese Methode führt schnell zum 
Ziel, und leistet jedenfalls ebensoviel als wenn man mit Benutzung eines Gauss'- 
schen Oculares arbeitet. Es steht indess nichts im Wege, letzere Controle nach- 
träglich anzuwenden und zwar mittels eines auf das Ocular schräg aufgesetzten 
Glasplättchens, das nachher wieder abzunehmen ist. Die jetzige Lage des Fern- 
rohres giebt zugleich den Anfangspunkt der um 90*^ vermehrten Winkel i. 

Um zu erkennen, ob die Axe des Cylinders mit der Drehungsaxe zusammen- 
fällt, bedient man sich zweckmässig eines feinen, an den Bock angeklebten 
Zeigers und beobachtet den Lichtspalt zwischen diesem und dem Mantel. Man 
kann so schon zu einer ziemlichen Genauigkeit gelangen. Um die Orientirung 
zu einer vollkommenen zu machen, bringt man dicht hinter dem Cylinder eine 
Nadel an und beobachtet durch den Cylinder das Schlagen der Nadelspitze. 

Es versteht sich von selbst, dass die beiden geschilderten Correctionen 
alternirend erfolgen müssen, um schliesslich zu einer vollkommenen Orientirung zu 
gelangen. Insbesondere ist auch Rücksicht auf die Nachwirkungserscheinungen zu 
nehmen. Wichtig für die spätere Beobachtung ist die genaue Lage der Plan- 
fläche. Ist dieselbe nicht genau senkrecht zui* Axe, so macht sich dies bei der 
Behandlung isotroper Medien durch eine kleine parallele Verschiebung der Grenze 


Siebenter Jahrgang. Jannar 1887. PuLFRICH, Totalreflectometsb. 21 


bemerkbar, sobald man die Verticalaxe dreht. Für die Berechnung des Breehungs- 
index freilich fällt der Einfluss dieses Fehlers heraus, wenn man das Mittel der 
um 180° auseinanderliegenden höchsten und niedrigsten Lagen nimmt. 

Die Prüfung des Cylinders war eine doppelte. Zur Untersuchung diente 
ein kleines optisches Probeglas (rund) von etwa Gmm Durchmesser (»=1,5136). Das- 
selbe wurde unter Zugabe eines Tropfens Cassiaöl (»=1,58) auf die Mitte der 
Planfläche gelegt. Man thut gut, hierbei nur sehr wenig Flüssigkeit anzuwenden 
und mit Fliesspapier die seitwärts hervortretende Flüssigkeit aufzusaugen, weil man 
sonst nicht sicher ist, ob die untere Fläche des Objectes wirklich parallel zur 
Planfläche des Cylinders ist. Zur Beleuchtung diente das homogene Licht der 
Natriumflamme. Vor der Flamme, welche etwa 1 m entfernt stand, war ein Schirm 
angebracht mit etwa fingerbreitem Ausschnitt. Die durch die Oeffnung hindurch 
gelangenden Strahlen wurden durch eine grössere Linse auf der oberen Fläche des 
Cylinders wieder vereinigt, und so die verticalen Begrenzungsflächen des Objectes 
beleuchtet. Kurze Zeit nach dem Auflegen (zur Ausgleichung von Temperaturdiffe- 
renzen) erschien die horizontale Grenze haarscharf und zeigte bei einer vollständigen 
Umdrehung des Cylinders nicht die geringste Wanderung nach oben oder unten. 

Es bedarf wohl nur des Hinweises, dass die Reinigung des Objectes sowohl 
wie der Cy linderfläche eine äusserst sorgsame sein muss.^) Schon ein kleines 
Staubtheilchen kann die aufgelegte Fläche in eine mehr oder weniger schiefe Lage 
bringen, woraus mit Noth wendigkeit die Bewegung der Grenze folgt. Ueber das 
Vorhandensein von derartigen störenden Einflüssen giebt also die Beobachtung 
bei einmal orientirtem Cylinder sofort Aufschluss. 

Die zweite Prüfung bezieht sich auf die. Güte des Mantels. Es war zu 
befürchten, dass der Cylinder nicht genau gerade, wohl rund, aber von ab- 
wechselndem Durchmesser sei. Ist letzteres aber der Fall, so muss der Grenz- 
strahl auch unter veränderlichen Austrittswinkeln den Mantel verlassen, sofern 
eben bei einem Verschieben der kleinen Glasplatte der Strahl den Mantel an ver- 
schiedenen Stellen trifft. Der Cylinder hat auch diese Probe sehr wohl bestanden. 
Wurde das Fadenkreuz auf die Grenzlinie eingestellt und das Probegläschen vor- 
sichtig auf der Oberfläche hin und her verschoben, so war auch hier keine Be- 
wegung der Grenze sichtbar. Die Schärfe der Qi'enze bei grösseren, die ganze 
obere Fläche bedeckenden Objecten (Flüssigkeiten, grosse Prismenflächen) war 
ebenfalls ein Prüfungsmittel für den Mantel. — 

Zur Bestimmung des Brechungsindex N des Glascylinders^) wurde 
ein im Physikalischen Institut befindliches grosses (Stein h ei Tsches) Prisma auf 
die mittels Monobromnaphtalin benetzte Oberfläche gelegt. Der Brechungsindex 
des Prismas war durch vielseitige und genaue spectrometrische Messungen hin- 
länglich bekannt zu «=1,61812. Die Messung des Austrittswinkels i ergab als 
Mittel aus einer Reihe von Beobachtungen, bei welchen stets andere Theile des 
Kreises benutzt wurden, den Werth i = 34°43', woraus sich ableitet: 

Ni, = 1,7151. 

Genau derselbe Werth ergab sich bei Benutzung von Quarz und Kalk- 
spathpräparaten , deren Indices ja mit grosser Genauigkeit bekannt sind. 


1) Hierzu empfiehlt sich am Besten alte, reine Leinewand. 

2) Zu jedem Cylinder der neu hergestellten Instrumente ist ein von derselbch Glassortc 
geschliffenes Prisma beigefugt. 


22 


PULFBICH, ToTALREFLECTOMETEB. ZEITßCHRIFT FÜR IXBTRÜlfKHTENKTTXOK. 


Aus der Uebereinstimmung dieser bei verschiedenen Austrittswinkeln für 
Nß gefundenen Wertbe lässt sich schliessen, dass merkliche locale Unregelmässig- 
keiten in der Mantelfläche des Cylinders nicht vorhanden sind. Ich habe indess 
den Cylinder nochmals sowohl dui'ch Rechnung als auch durch mechanische Hilfs- 
mittel auf seine genaue Cy linderform geprüft, da die Vermuthung nahe lag, dass 
der Cylinder nicht vollkommen gerade, sondern etwas conisch verlaufe. Nehmen 
wir für Nß einen um einige Einheiten der vierten Decimale abweichenden Werth als 
richtig an, so lässt sich der der Differenz entsprechende Oeffnungswinkel des Kegels 
berechnen. Die ausgeführte Rechnung hat aber zu einer Dickendifferenz an dem 
oberen und unteren Ende geführt, die in auffallender Weise würde zu Tage getreten 
sein und die selbst ein ziemlich grober Taster nachzuweisen im Stande ist. Ich 
nehme deshalb den angegebenen Werth Nj) =- 1,7151 als für den Glaskörper streng 
giltig an. Derselbe ist den Messungen zu Grunde gelegt. 

Beobachtungen und Messungen. — Da es mir gegenwärtig nur darum 
zu thun ist, die allgemeine Anwendbarkeit meines Apparates auf feste und flüssige, 
isotrope und anisotrope Medien zu demonstriren, so werde ich mich darauf 
beschränken, nur einige wenige Messungen mitzutheilen , die übrigens sämmtlich 
in wenigen Stunden ausgeführt wurden. Die untersuchten Flüssigkeiten sind mit 
Ausnahme von Terpentinöl diejenigen, welche ich in diesem Sommer^) bei meinen 
Beobachtungen mit dem Kohlrausch' sehen Totalreflectometer benutzt und für 
welche ich damals die Temperaturformeln gefunden habe: 

a-Monobromnaphtalin: w/, = 1,65850 — 0,00044 (t — 16°,2) 
Aethylenbromid: w/, = 1,53631 — 0,00055.5 {t — 22^,5). 

Die Neumessung hat nur sehr geringe Aenderungen ergeben. 

Da die Beobachtung mit streifend einfallendem Lichte wegen des Contrastes 
zwischen Hell und Dunkel zu grosse Vortheile bietet, wurde, um diese Methode 
auch bei Flüssigkeiten zu ermöglichen, eine Glasröhre aufgekittet, die beiderseits 
offen, zur Aufnahme von Flüssigkeit und Thermometer bestimmt ist. Hat man 
nur geringe Flüssigkeitsmengen zur Verfügung, so greift man zweckmässig zu 
möglichst engen Röhren. Die Entleerung geschieht mittels feiner Pipetten. 

In der folgenden Zusammenstellung der Flüssigkeiten ist die Ueberein- 
stimmung mit den auf spectrometrischem Wege gefundenen eine vollkommene. 


Flüssigkeit: 

Temp. 

(Geis.) 

• 

n 
beobachtet 

spectrometr. 

DifF. 

a-Monobromnaphtfll in 

13°,6 

25* 39' 

1,6597 

1,6596.4 

0.6 

Aethylenbromid 

15,8 
16,2 

49' 4' 
49° 5' 

1,5399.5 
1,5398.5 

1,5400.3 
1,5398.1 

4-0.8 
0.4 

Terpentinöl*) 

16,8 
16,0 
15,4 
15,0 

61" 23' 
61" 20' 

61" 18' 

1,4735 
1,4738.8 

1,4740 

1,4738.3 

— 


♦) Aenderung von Ud fui 1 " Gels. = 0,00047 nach Olds (Quincke). 


*) Pulfrich. Ueber die Totalreflexion an doppeltbrechenden Kry stallen. Neues Jahrb. für 
Min. u. 8. w. Der Aufsatz wird demnächst erscheinen. 


ffiatutar Jihr(iDg. Juur 1S8T, 


PoLTBtCB, TOT^IABFLSCTOMBTBB. 


Bezüglich der Beobachtungsfehler sei noch bemerkt, daas ein Fehler von 
1' in der Bestimmung von ; einen Maximalfehler von einer Einheit der vierten 
Decimale für n nach sich zielit. Wie aus der kleinen Fehlertabelle ersichtlich, 
nimmt der Einäuss auf n für grössere und kleinere Winkel als 50^ bedeutend ab. 
Unser Cylinder umfasst also Brechungsindices bis herunter zu 1,40. Mit einem 
Cylinder ^^j =^ 1,60 würden alle Flüssigkeiten geringerer Brechbarkeit (Wasser, 
Alkohol u. s. w.) der Messung zugänglich werden,') 
Fehlertabelle. 


i 

TCd 

Ai 

10» 

1,7062.9 

0,3 

SO- 

1,6806.5 

0.5 

SO" 

1,6406.0 

0,8 

40" 

1,6900.9 

0,9 

SO" 

1,5345.2 

1,0 

60= 

1,4804.0 

0,8 

70- 

1,4347.5 

0,5 

80- 

1,4041.8 

0,3 


Ausser einigen Glassorten, deren Brechungsindices ebenfalls bekannt waren, 
erstreckte sich die Beobachtung auf die verschiedensten Krystalle. Ein Blick in 
das Femrohr unter gleichzeitiger Drehung der Verticaiaxe genügte, um zu er- 
kennen, ob man es hier mit isotropen oder anisotropen, optisch ein- oder zwei- 
axigen Krystallen zu thun hat, und gab Aufschluss über die Lage der optischen 

'Aufgerollte Hantelflftche des Cylinders 


Qu„.{ 
Kitt 


Axe bezw, Mittellinie. Besonders instructiv und die Wirkungsweise des Apparates 
recht veranschaulichend war die Beobachtung an Quarz, dessen extreme Indices 
Bo nahe zusammen liegen, dass das Gesichtsfeld beide Grenzen umfasst. Fig. 2 
zeigt den aufgerollten Mantel des Cylinders und darin eingezeichnet die Grenzcur- 
ven für eine Quarzplatte parallel der Axe geschliffen^). Fig. 3 soll den Total- 
eindruck der Grenzcurven veranschaulichen, wie sich dieselben dem im Glase be- 

1) Da der Cylinder als solcher erst für anisotrope Medien von beaoDderem Vortheil ist, 
so thut für Flüssigkeiten ein Prisma von 00°, dessen eine Fläche horizontal liegt, genau dieselben 
Dienste. — Specicll zu diesem Zwecke lüsst eich das Instrument bedeutend einfacher herstellen 
nnd leistet so dem Chemiker, sofern es auf rasche und genaue Bestimmung von Brechungsindices 
von Flüssigkeiten ankommt, erhebliche Vortheile dem gewöhnlichen spectrometri sehen Verfahren 
gegenüber. — ') Der Deutlichkeit halber sind die horizontalen Dimensionen im Verbältuiss zu den 
Terticalen stark verkürzt gezeichnet. D. Bed. 


PtLFEIOH, ToTAEBm-BOTOKETBK. ZiiMemiirT rthi 


findlicli gedachten Auge vor einer unendlich ausgedehnten und ringsum beleuchteten 
Quarzplatte darbieten würden'). 

Die Platte war mittels Canadabalsam an ein Glasplättchen festgekittet. 

Durch Drehen der Vertiealaxe konnte man bei festgelegtem Femrohr das Wandern 

der Grenzcurve IIa, welche dem veränderlichen, extraordinären Htrahle des 

iK)' Quarzes entspricht, am Auge in continuirlicher 

Folge vorüberführen. Das in Fig. 2 eingezeichnete 

Oval Obezeichnct die ungeftlhre Grösse des Gesichfa- 

fcldes. Die Cnrve IIb entspricht dem ordinären 

Strahl und bleibt constant. 

0' IW Zugleich ergab die Prüfung mit dem Nicol 

das abwechselnde Verschwinden der beiden Grenzen 

bei Drehungen desselben um 90°. 

Ausser den Grenzcurven, welche dem Quarz 

eigentbümlich sind, traten noch auf: Die Grcnz- 

270" curven für Cassiaöl (7, « = 1,5822), für den Kitt 

F'«- 8- (in, n = 1,5404) und für das Glasplättchen (IV, n = 

1,5181). Bei dem benutzten Präparate lagen zufällig die verschiedenen Schichten 

in stetiger abnehmender Folge der Indices übereinander. Sämmtliche Grenzen 

traten sehr scharf hervor; das ganze Gesichtsfeld war von parallel zu den Grenzen 

verlaufenden Interferenz streifen durchzogen, oder besser von mehreren Systemen, 

deren erstes bei der Grenze / begann. Das Zusammenfallen der beiden Grenzen 

IIa und IIb für 0° und 180° war zugleich ein Beweis, dass die Quarzplatte 

genau parallel zur optischen Axe geschliffen war. 

Eine senkrecht zur optischen Axe geschliffene Platte zeigte zwei constant 
bleibende Curven, ausser IIb noch eine in der Höhe der Berge gelegene gerade 
Grenze. Für Quarzplatten, die unter einem bestimmten Winkel gegen die optische 
Axe geschliffen waren, trat wieder eine Veränderlichkeit im Sinne der Curve IIa 
ein, doch so, dass die Annäherung an IIb mit dem wachsenden Parallelismus der 
Ebene zur optischen Axe stets zunahm. Für unsere Quarzplatte parallel der 
Axe erhielt ich: 

ordinärer Strahl; i -■= 48° 16', n = 1,5442 
extraord. Strahl: t = 46° 40', b== 1,5532, 
während Rudberg die übereinstimmenden Zahlen 1,544IB und 1,55328 angiebt. 
Um spätere Wiederholungen dieser Versuche an Quarz, wie überhaupt bei 
Krystallen, zu erleichtern, sei noch bemerkt, dass die Präparate am Vortheil- 
haftesten in kreisrunden Platten zu verwenden sind; dieselben werden in die mit 
Flüssigkeit zum Theil gefüllte Glasrühre hineingelegt. Hat man es mit viereckigen 
Platten zu thun, so wird die Erscheinung für diejenigen Azimuthe, für welche 
die Lichtstrahlen auf eine solche Ecke fallen, etwas getrübt und man muss unter 
gleichzeitiger Benutzung der Stellschrauben den Apparat hin und her verschieben, 
um schliesslich durch Probiren die günstigste Beleuchtung herauszufinden. Bei 
kreisförmigen Platten fällt dieser Uebelstand, welchen die Beleuchtungsart des 
streifend einfallenden Lichtes mit sich führt, natürlich fort. 

Für eine senkrecht zur Mittellinie geschliffene Gipsplatte (t = 16°, 2) 
erhielt ich wieder zwei Grenzen, von denen die obere (y = 1, 5202) constant blieb, 


I) Vergl. SiSnarmout, Pogg. Ano. 97. S. 605. 1856. 


Siebenter Jahrgang. Jannar 1887. PcLFRiCH, Totalbeplectometer. 25 


die andere zwichen den Extremlagen ß = 1,5220 und a = 1,5200 hin und her 
wanderte. — Bei einer parallel zur optischen Axenebene geschliffenen Gips- 
platte wurde die ß entsprechende Grenze eine constante Gerade. Die andere Curve 
wanderte jetzt zwichen den Extremlagen a und y hin und her. Die Einstellung 
auf die vier Durchschnittspunkte mit ß und Ablesung am unteren Theilkreis ergaben 
für den optischen Axenwinkel direct 58°, denselben Werth, welchen V. v. Lang 
angiebt. Es ist hiermit die Anwendbarkeit des Apparates auch als Axenwinkel- 
messapparat für zweiaxige Kry stalle dargethan. 

Vorzüge des beschriebenen Totalreflectometers. — Aus dem Vor- 
stehenden ist zu erkennen, dass sich das beschriebene Instrument durch Einfachheit, 
Bequemlichkeit und Schnelligkeit der Messungen auszeichnet. Von Totalreflecto- 
metern sind bekannt und vorzugsweise im Gebrauche die der Herren F. Kohlrausch, 
E. Abbe, R. Fuess, E. Wiedemann, C. Feussner und Anderen. Statt eines aus- 
führlichen Vergleiches mit jedem einzelnen dieser Instrumente, hebe ich nur einige 
allgemeine Gesichtspunkte hervor. 

Zunächst ist das lästige Ankleben der Präparate an Drehvorrichtungen, 
was bei einigermaassen grossen Objecten immer etwas misslich ist, und deren be- 
sondere Orientirung fortgefallen. Das beliebig geformte Object wird mit seiner 
angeschliffenen Fläche auf die ein für alle Mal orientirte Planfläche des Cylinders 
aufgelegt. Da sich der Cy linder mitsammt dem Object dreht, so fällt ferner jedes 
Schleifen des Objectes an der Glasfläche weg. Bei dieser Manipulation erleidet 
in der Regel Prisma oder Object, je nach Härte, Schiffbruch. Es ist das ein für das 
beschriebene Totalreflectometer bei werthvollen Objecten nicht zu unterschätzender 
Vortheil. Im Vergleich mit dem Kohlrausch'schen Apparat bleibt die Stellung 
der Beleuchtungsflamme immer dieselbe; — eine einzige Messung genügt, um 
den gesuchten Brechungsindex zu finden. Eine für jeden Cy linder aufgestellte 
Tabelle oder eine am Verticalkreis angebrachte empirische Theilung würde den 
Gebrauch des Instrumentes noch mehr erleichtern. Gleichzeitig participirt das 
Instrument an dem Vortheil, der das Prismenverfahren vor dem Kohlrausch'schen 
auszeichnet, nämlich einen grösseren Theilkreis anwenden zu können und mit 
geringen Flüssigkeitsmengen auszukommen. Die Zahl der Fehlerquellen der 
Messungen ist eine sehr geringe. Zudem ist der Beobachter im Stande, dieselben 
während der Beobachtung beständig zu controliren und zu eliminiren. Vor allen 
Dingen aber lassen sich die Erscheinungen der Totalreflexion in continuirlicher Weise 
verfolgen, was in dieser einfachen und übersichtlichen Form bei keinem der bishe- 
rigen Totalreflectometer möglich ist. — 


Das dem beschriebenen Messinstrumente zu Grunde liegende Princip lässt 
sich auch leicht zur Herstellung einesDemonstrationsapparates verwenden, welcher 
die Erscheinungen der Grenzcurven der Totalreflexion an ein- und zweiaxigen Kry- 
stallen objectiv zur Anschauung bringt. Da diese Grenzcurven im innigsten Zu- 
sammenhange mit der Wellenfläche des Krystalles stehen und ein anschauliches 
Bild für die Lichtgeschwindigkeiten in der Krystallfläche selbst geben, so mag das 
Instrumentchen passend mit dem Namen Krystallrefractoskop bezeichnet werden. 

Fig. 4 giebt eine Skizze dieses Apparates^), der sich namentlich durch 
Einfachheit und Billigkeit der Herstellung auszeichnet, und darunter zur Hälfte 


1) Derselbe ist gleichfalls von Herrn Mechaniker M. Wolz in Bonn zu beziehen. 


, TOTAI.BEFI.ECTOIIETBB. 


ZcmoBurr rfls ImTRDiieirTKnnnn. 


ein Bild der an einem parallel der optischen Axe geschliffenen Kalkspathkry stall 
auftretenden Grenzcurvcn, welches natürlich hinter der durch die glänzenden 
Farben einen prachtvollen Anblick gewährenden Wirklichkeit weit zurückbleibt. 
Die Buchstaben r (roth) und v (violett) sind zur Verdeutlichung der Reihenfolge, 
in der die Farben in den Speetralcur\'en auftreten, beigesetzt, o und e bezeichnen 
die Art der Brechung als ordinäre und extraordinäre. 

ist eine auf drehbarem Stativ ruhende und zur Aufnahme einer stark- 
brechenden Flüssigkeit bestimmte Glasröhre. Das untere Ende derselben ist ver- 
schlossen, das obere senkrecht zur 
Axe abgeschliffen. Auf der aufge- 
kitteten dünnen Metallscheibe M 
mit kreisförmigem Ausschnitt in der 
Mitte ruht ebenfalls aufgekittet eine 
zweite Glasröhre ß, die oben durch 
einen Deckel D verschliessbar ist, 
Die zu untersuchende Kry st allplatte K 
bedockt die Oeffnung der Metall- 
scheibe M und ist ringsum von 
der stärker brechenden Flüssigkeit 
mngeben. Lassen wir nun, etwa 
von links her, Lichtstrahlen strei- 
fend in den Krystall eindringen, so 
projicirt sich ein beträchtliches 
Stück der Grenzcurve der Total- 
reflexion auf dem unter dem Ap- 
• parat angebrachten weissen Papier- 
schirm L. Das durch die Grösse 
der Oeffnung bedingte Lichtbündel 
tritt unter dem Grenzwinkel s in die 
Flüssigkeit ein und verlässt den 
Cylinder bei seinem Uebergang in 
Luft unter dem Austrittswinkel i. 
Beim Drehen des Apparates um seine 
vcrticale Axe ändert sich beständig 
die Lage des Grenzcurvenstückes, 
j welches bei Benutzung von Sonnen- 

Fig. 4. licht als breiter Farbenbogen sich 

darbietet, je nach dem Charakter der Krystalle und deren Flächen. 

Für Kalkspath parallel der Axe gescJitiffen erhielt ich unter Einfüllung von 
a-Monobromnaphtalin etwa fingerbreite und prachtvolle Spcctra von einer Curven- 
länge von ungefähr 30 bis 40 cm, wenn der die Erscheinung auffangende Schirm 
in einer Entfernung von etwa 20 bis 25 cm gehalten wurde. Die Erscheinung um- 
faaate etwa 40° der Totaicurve. 

Auf eine peinliche Verdunkelung des Beobachtungszimmers kommt es bei 
dieser Beleuchtungsart gar nicht an; es genügt, die Blendläden soweit zu schliessen, 
dass ein schmales Lichtbündel von Sonnenstrahlen die obere Röhre trifft. 

Das Experiment gelingt ebenso hübsch mit dem massiven Glascylinder. 
Die Erscheinung ist hier sehr rein. 



Siebenter Jahrgang. Jannar 1887. PüLFBiCH , ToTALREFLECTOMETER. 27 

Die in der Figur gezeichneten weiteren Apparattheile, wie Spiegel S und 
Metallplatte P, dienen dazu, die Grenzcurven in ihrer Totalität zu zeigen. Um 
von allen Seiten in den Krystall streifend einfallende Lichtstrahlen zu erhalten, ist 
die Messingplatte P auf der dem Krystall zugewanden Seite mit einem spiegeln- 
den Conus von etwa 45° Neigung versehen. Die Conusfläche ist auf galvano- 
plastischem Wege vernickelt und dann polirt. Ein Heliostat wirft die Sonnen- 
strahlen auf den Spiegel S. Der Deckel D sowie die Metallplatte halten falsches 
Licht von der Papierscheibe ab. 

Schärfe und Reinheit der Grenzcurven hängen natürlich von der Form 
der Krystallplatten und der Güte der unteren Cylinderröhre ab. Was die letztere 
betrifft, so genügt es für unseren Zweck, eine gut ausgewählte, blasenfreie Glas- 
röhre zu benutzen. Die Kry stalle sind am besten in kreisrunden, nicht zu 
dünnen Platten mit verticalen Begrenzungsflächen zu verwenden. Man vermeidet 
damit die bei unregelmässigen Krystallplatten auftretenden, durch Dispersion 
hervorgerufenen Farbencurven, welche die eigentliche Erscheinung der Grenzcurven 
verdecken und nichts mit diesen zu thun haben. 

Um die entgegengesetzte Polarisation der Grenzcurven zu demonstriren, 

hält man unter den Cylinder in den Gang der Lichtstrahlen ein Nicol. Man 

kann damit abwechelnd das ordinäre wie das extraordinäre Farbenbild zum 
Verschwinden bringen. 

Es erübrigt noch, einige Worte über die Spectra selbst zu sagen. Dieselben 
sind das Resultat von zwei Dispersionen, derjenigen der Flüssigkeit und der des 
Kry Stalles, sofern eben die Zu- oder Abnahme des Austrittswinkels i für Strahlen 
mit abnehmender Wellenlänge (X) durch die Gleichung: 


sin Ix = yA\2_^^a 

bedingt ist. Es kann deshalb vorkommen, dass i constant bleibt, oder auch, dass die 
Farbenfolge vollständig umgekehrt wird, wie ich letzteres für die meisten Flüssig- 
keiten bei Benutzung des massiven Glascylinders fand. 

Wir haben es hier mehr mit einem Farbenspiel zu thun, das seinen Ur- 
sprung der verschiedenen Lage der Grenzcurve der Totalreflexion für wechselnde 
Wellenlängen verdankt; ein eigentliches Spectrum mit Fraunhofer' sehen Linien 
stellt die Erscheinung nicht dar. Aber immerhin mag das beschriebene Instru- 
mentchen als ein Demonstrationsapparat gelten, der die Erscheinung der Krystall- 
refraction in leichter und übersichtlicher Weise erkennen lässt und sich dem 
hübschen „Experiment über Doppelbrechung" von D. S. Stroumbo^) zur Seite 
ordnet. Das von Senarmont^) schon vor 30 Jahren erstrebte Ziel, die Erscheinungen 
der Totalreflexion an Krystallen in ihrer Vollständigkeit überschauen zu können, 
ist somit durch das beschriebene Refractoskop erreicht worden. 

Bonn, Ende October 1886. 



1) Stroumbo, Compt. Rend. 101. S. 505. — Repertorium der Physik. 22. S. 58. 

2) de S^narmont. Pogg. Ann. 97. S. 605. 


ZrjnCHairr rtlr Ii 


Kleiaere (Orlgia«!-) MltthellnngeH. 

Bleistiftschärfer für Begistrirapparate. 

Von Uc. A. htmitm in Seilin. 

Das In der voraopegangeiien Abhandlung des Hm. Prof. Seibt besonders betonte 
Bedürfnis^, die zur Einzeicbnung der '\Vnsaers(andscur\-e und der Basislinie dienenden 
Bleistifte gut eentrisch anziispitzen , wiederhoil sich von Zeit zu Zeit bei allen Registrir- 
apparalen, die mit allmAlig sieh abnutzenden Schreibstiften aus Graphit oder Metall 
versehen sind. Wenn diesem Bedürfnisse nun zwar auch unter Zuhilfenahme einer fein 
aufgeschlagenen feile oder eines mit Schmit^lpapier überklebten schmalen Bretichens 
unschwer genügt werden kann, sn gehört doch immer eine gewisse, durch Uebung au 
erwerbende Handgeschicklichkeit dazu, auf diesem Wege nicht nur eine feine Spitze zu 
erzeugen, sondern diese auch mit der Axe des Stiftes zusammenfallen zu lassen- Der 
nachstehend abgebildele kleine Hilfsapparat verdankt seine Entstehung nun zwar nicht 
eigentlich der Absicht, obigen Zweck zu erfüllen, sondern wurde von mir versuchsweise 
nur hergestellt, um das am Zeichentische durch 
seine Häufigkeit lästige Anspitzen der Bleistifte 
möglichst bequem zu machen. Da derselbe bei 
etwa einjährigem unausgesetztem (lebrauch sich 
aber nicht allein dafür ganz vortrefflich bewährt 
I hat, sondern auch bei überaus einfacher Hand- 
habung das Centriren gewissennaassen automa- 
tisch bewirkt, so möchte ich glauben, dass der- 
selbe manchem Besitzer eines Registrirapparates 
der obigen Art recht willkommen sein dürfte. 
Das In Strumen tchen besteht im Wesentlichen aus zwei gleiclien, etwa 12 bis 15 cm langen 
und 2 cm dicken cylindriscben Walzen, deren Mantelflächen mit nicht zu feiner Schmirgel- 
le ine wand (von den im Handel gebrauch! iclien Sorten eignet sich die zweitgröbste 
Nummer am Besten) überklebt sind. Die Walzen liegen mit ihren Axen einander pa- 
rallel dicht nebeneinander, dürfen sich aber nicht vollständig beiiihren, sondern müssen 
einen schmalen Spalt von etwa V« mm Breite zwischen sich lassen. Ist ein solcher nicht 
vorhanden, so klemmt sich die feine Bleistiftspitze leicht zwischen den rauhen Flächen 
und bricht wiederholt ab. Auch ist erforderlich, dass die Flächen selbst nicht vollkommen 
starr sind, sondern eine, wenn auch nur geringe Spur von Elasticität besilzen. Bei dem 
von mir eigenhändig ganz aus Papier bezw. Pappe heimstellten Kxemplar ist dies dadurch 
erreiclit, dass die Walzen selbst in der durch die F'igur veranschaulichten Weise ziem- 
lich dünnwandig hohl hergestellt sind. Anfänglich wurden dieselben, nachdem ihre 
Enden zur Hervorbringung des erwähnten Zwischenraumes durch Um kl eben je eines 
schmalen Streifens Carlonpapier mit einem etwas über die Mantelflächen überstehenden 
Itande versehen worden waren, einfach durch einen um die beiderseits etwas vorstehenden 
zapfcnartigen F'nden ihrer Axen geschlungenen Faden mit einander verbunden, was auch 
für den eigentlichen Zweck völlig genügte; das Kästchen, worin sie jetzt gelagert sind, 
wurde erst später hinzugefügt, um das Graphitsch absei aufzunehmen und vor dem Ver- 
streutwerden zu bewahren. Die Zapfen sind in die viereckigen Einschnitte der kleinsten 
Seiten des Kästchens so fest eingedruckt, dass die Walzen nicht herausfallen und sich 
auch nicht drehen kiinnen. 

Beim Gebrauch wird der Bleistift in ziemlich schräger Richtung mit sanftem 
Druck zwischen den Walzen gestrichen und dabei zwischen dem haltenden Daumen und 
Zeigefinger fortwährend hin und her gewirbelt; solange der Scbmirgelübei'zug noch neu 
ist, empfiehlt es sich beim Streichen gegen die Spitze mit dem Druck ganz nachzu- 
lassen; bat sich dagegen der Ucbcrzug schon stark mit Graphit vollgesetzt, so ist es, wte 


Siebenter Jahrgang. Jannar 1887. Kleinebe Mittheilünoen. 29 

ich durch die Erfahrung belehrt worden bin, vortheilhafter, umgekehrt zu verfahren, d. h. 
nur beim Bewegen gegen die Spitze aufzudrücken. Nach längerem Gebrauch werden 
die Walzen herausgenommen, abgeklopft und in etwas gedrehter Lage wieder eingedrückt^ 
damit neue Stellen des Ueberzuges zur Wirkung kommen können. Ist die aufgeklebte 
Schmirgelleinewand von guter Qualität, so werden eigentlich nur die gröbsten Kömchen 
losgerissen und die schleifende Wirkung lässt nur in Folge des Vollsetzens der Zwischen- 
räume allmälig nach. Durch die Erschtitteningen beim Gebrauch neuer Stellen fällt aber 
allmälig das Graphitmehl aus den früher benutzten wieder heraus, so dass diese schein- 
bar abgenutzten Stellen später wieder ganz gut zum zweiten und dritten Male zu be- 
nutzen sind. Bei meinem Exemplar hat der Ueberzug trotz fast täglicher wiederholter 
Benutzung noch nicht erneuert zu werden brauchen. Will man die Walzen thunlichst 
schonen, so wird man ganz abgebrochene Bleistifte natürlich erst mit dem Messer etwas 
vorspitzen, durchaus erforderlich ist dies aber nicht. Nach geringer Uebung gelingt es 
auf diese Weise, sehr schlanke, genau conische und centrische Spitzen zu erzeugen; 
dieselben sind aber in der Oberfläche etwas rauh, daher nicht immer ganz nadelscharf 
und auch etwas leicht zerbrechlich. Ich pflege sie deshalb gewöhnlich vor dem Gebrauch 
noch durch wirbelndes Streichen auf einem Stück nicht ganz glatten Papieres, am 
Besten Druckpapier, rasch zu poliren, wodurch auch die Widerstandsfähigkeit gegen 
die Abnutzung beträchtlich vergrössert wird. 

Bei dieser Gelegenheit will ich noch ein Paar Worte über die Bleistifte selbst 
hinzufügen. Die ohne Holzfassung, gewöhnlich in Schächtelchen zu einem halben oder 
ganzen Dutzend käuflichen sogenannten Min es, die in Scliraubhülscn eingeschraubt werden, 
sind im Material weit schlechter als die Graphitkeme der gewöhnlichen holzgefassten 
Bleistifte bester Qualität. Dies liegt wahrscheinlich an einem stärkeren Zusatz von Binde- 
mittel, den die ersteren der grösseren Haltbarkeit wegen bekommen, der sich aber beim 
Gebrauche durch eine gewisse Zähigkeit sehr störend bemerklich macht, namentlich bei 
den härteren Nummern beim Zeichnen auf Kollenpapier. Bei einiger • Vorsicht gelingt 
es aber sehr gut, aus den Holzbleistiften den Graphitkem , ohne ihn dabei zu zerbrechen, 
herauszuschälen. Man kann ihn dann ebenfalls in der Schraubhülse, die einerseits das 
lästige Anschneiden des Holzes erspart und andrerseits auch kurze Stückchen noch 
einzuspannen gestattet, weiter verwenden. Bei den guten Bleistiften ist er zwar selbst 
sechskantig, doch hindert dies durchaus nicht, ihn ganz festzuschrauben. 


Die freie Schwerkraft-Hemmung der Normal-Stern-Ülir zuPrincetonN. J. 

Von Mechaniker D. Appel in CleTeland» Ohio U. S. A. 

Vor einigen Jahren Hess Prof. C. A. Young an einer für das Princeton-Ohsen'atm^y 
bestimmten Stern -Uhr nach seinen Angaben von der Howard Clock Co. eine sehr inge- 
niöse Schwerkraft-Hemmung ausführen, welche so genau functionirt, dass die Uhr seit 
ihrer Aufstellung als Grundlage aller astronomischen Arbeiten dient. Die nachfolgende 
Beschreibung bezieht sich nur auf die Hemmung. Der Zweck der kunstreichen Einrich- 
tung ist, dem Pendel in der Mitte seines Schwingungsbogens durch die Schwere 
allein, unabhängig vom Räderwerk, einen Antrieb zu ertheilen, so dass es während des 
Restes seiner Schwingung absolut frei ist von allem Widerstand und jeder Störung. 

Die beigefügte Figur beabsichtigt weniger die Einzelheiten der Construction , als 
vielmehr das Princip der Hemmung darzustellen. Sie ist der Deutlichkeit wegen nur 
schematisch gezeichnet und der besten Form der einzelnen Theile ist keine besondere 
Aufmerksamkeit geschenkt worden. Es ist vorausgesetzt, dass sich der Beobachter hinter 
der Uhr befindet. 

In der gezeichneten Stellung arretirt der Sperrhebel B J8, drehbar bei &, das 
Hemmungsrad J., welches für jeden Antrieb einen vollen Umlauf macht, bei o, und ist 


30 


Kleinere Mittheilukoen. 


Zeitsohhipt rüB Inbtruukntekxdndx. 


selbst gefangen und vor dem Herabfallen gesichert bei g durch den Vorfallhebel CC\ 
welcher sehr empfindlich bei c gelagert ist und sich gegen den justirbaren Stift a lehnt. 
Das Pendel R ist dargestellt, wie es sich von der Linken her der Verticalen 
nähert. Der Auslöser V^ ganz ähnlich der Sperrklinke des gewöhnlichen Chronometers, 
ist eben im Begriffe, das obere Ende des Vorfallhebels zu berühren. Indem sich das 
Pendel noch weiter bewegt, schiebt der Auslöser den Vorfallhebel nach rechts und 



t>=ft 


■W rar- 


q Cl TJ 



gleitet darauf über ihn hinweg, so dass derselbe völlig frei wird; bevor dies jedoch ge- 
schieht, wird der Sperrhebel B* B bei g ausgelöst und fällt, theilweise durch das Ge- 
wicht -B' entlastet, auf den festen Stift m. 

Indem er fällt, nimmt er den Antriebhebel DD, drehbar bei d und belastet mit 
dem Gewicht L, mit sich. Inzwischen hat sich der Winkel S^ am Arme X durch die 
Schraube q justirt, so weit nach rechts bewegt, dass das untere Ende des Antriebhebels 
während des Fallens zur Linken von S herabsinkend, eben passiren kann; sobald nun die 
Schraube p von dem Stein am unteren Ende des festen Trägers E^ gegen den sie sich 
bislang stützte, abgleitet, wird das untere Ende des Antriebhebels augenblicklich unter 
der Wirkung des Gewichtes L nach rechts gehen und gegen S di-ückend dem Pendel 
einen Stoss oder Antrieb ertheilen, welcher so lange dauert, bis der Antriebhebel sich 
gegen die Schraube r lehnt. 

Im Augenblick der Befreiung von p wird der Zahn des Hemmungsrades bei o aus- 
gelöst und das Rad beginnt seinen Umlauf. Der Windflttgel WW ist so justirt und seine 
Form so gewählt, dass der Umlauf nahezu Vs Secunden dauert. 

Indem sich das Rad dreht, senkt der Kurbelzapfen i noch für einen Augenblick 
die Kurbelstange k und mit ihr den Stift e am unteren Ende. Dieser Stift greift unter 
den Antriebhebel DD\ sobald inzwischen der Antrieb beendet ist, beginnt der Stift e 
sich zu heben und auf das Ende des Hebels DD zu wirken. Er wird zuerst L heben, 
bis p genügend zurückgezogen ist, um E zu passii*en; dann erreicht e den Vorsprung t 
am Sperrhebel B'B^ wirkt gleichzeitig auf diesen und hebt B^ B, den Antriebhebel, 
und die an diesem hängenden Theile noch weiter mitnehmend, bis etwas über die an- 
gegebene Stellung hinaus, um dem Vorfallhebel C^C zu gestatten, durch die Wirkung 
des Gewichtes C seine Stellung wieder einzunehmen. Wenn der Kurbelzapfen i seinen 
oberen todten Punkt passirt hat, wird JB'JB sanft herabgelassen auf den Ruhestein m und 


Siebenter Jahrgang. Januar 1887. Referate. 31 

V = 

das Hemmungsrad wird weiter laufen, bis sein Arretirzahn wieder in die Stellung ge- 
bracht ist wie in der Figur. 

Der Hebel H^hH führt das untei-e Ende der Kurbelstange Ä:, und das Gewicht H^ 
ist so justirt, dass seine Wirkung fast der während der beiden halben Umläufe des Hemmungs- 
rades aufgewandten Arbeit gleichkommt. 

Indem das Pendel nach links zurückkehrt, gleitet der Auslöser ü über das 
äusserste Ende des Vorfallhebels ohne merklichen Widerstand und der Kreis ist voll- 
endet. Das Pendel ist demnach während seiner ganzen Schwingung vollkommen frei, 
ausgenommen den einen Augenblick, wenn es die Ruhelage passirt. 


Referate. 

Apparat znr volumetrischeii Stickstoffbestimmung. 

Von A. Sonnenschein. Zeitschr, f, analytische Chemie, 25, 8, 371, 

Zum Auffangen des Stickstoffes bei Stickstoffbestimmungen nach Dumas schlägt 
der Verfasser ein calibrirtes U-Rohr vor, dessen Schenkel dicht nebeneinander liegen 
und dessen nach unten gekehrte Mündungen in eine kleine, mit einer Handhabe ver- 
sehenen Schale tauchen. Die kleine Schale steht in einer grösseren, die mit Natron- 
lauge gefüllt ist. In dem einen, 15 mm weiten Schenkel treten die aus dem Verbrennungs- 
rohr kommenden Gase ein. Das Ende des anderen, 8 mm weiten Schenkels ist etwas 
umgebogen; in die Oeffnung wird eine Pipette eingesetzt, um das U-Rohr mit Natron- 
lauge zu füllen oder die bei Beginn der Analyse oben sich ansammelnde Luft abzusaugen. 

Wgsch, 

Ueber den Zusammenhang zwischen elastischer und thermischer Nachwirkung des Glases. 

Von Dr. G. Weidmann. Wied. Annal, N, F, 29. S, 214, 

Verf. theilt nach kurzer Literaturübersicht zunächst die Untersuchungen mit, die 
er an einer Reihe äusserst verschiedener Glassorten aus dem Glastechnischen Laborato- 
rium zu Jena über den qualitativen Zusammenhang zwischen elastischer und thermischer 
Nachwirkung angestellt hat. Dazu wurden die nach Biegung während einer Belastungs- 
dauer von 10 Min. hervorgebrachten Nachwirkungsdefonnationen einerseits unter einander 
verglichen, andererseits mit den durch die Kaiserl. Normal-Aichungs-Commission bestimmten 
Maximaldepressionen des Nullpunktes an Thermometern aus denselben Glassorten; letztere 
bildeten das Maass für die thermische Nachwirkung. Durch Einführung einer von Herrn 
Prof. Abbe gelegentlich benutzten Definition der elastischen Nachwirkung als eines Quotien- 
ten, nämlich als ^die zu einer bestimmten Zeit nach dem Entspannen noch verbleibende 
Entfernung von der ursprünglichen Gleichgewichtslage, dividirt durch die anfängliche Ent- 
fernung von derselben" ergaben sich zunächst für die elastische Nachwirkung nach Bie- 
gung folgende Gesetze: 1) Die elastische Nachwirkung nach Biegung ist bei gleicher 
Belastungsdauer und constanter Temperatur unabhängig a) von der Grösse der vorange- 
gangenen Biegung , b) von den Dimensionen des benutzten Materiales. 2) Die elastische 
Nachwirkung des Glases nimmt mit erhöhter Temperatur ab. 

Femer ergab sich, dass alle Glassorten von geringer thermischer Nachwirkung, d. h. 
solche, bei denen die Maximaldepression des Nullpunktes der aus ihnen hergestellten 
Thermometer die Grösse von 0,1*^ nicht übersteigt, auch geringe elastische Nachwirkung, 
oder — sofern diese grosse Anfangsbeträge zeigt — doch rasch verlaufende elastische 
Nachwirkung haben. Andererseits zeigten Gläser mit grosser thermischer Nachwirkung auch 
sehr langsam verlaufende elastische. Damit war der Zusammenhang zwischen elastischer 
und tliermischer Nachwirkung nachgewiesen: Elastisch gutes bezw. schlechtes Glas ist 
auch thermisch gutes bzw. schlechtes und umgekehrt. Zugleich gestatteten die erhaltenen 
Resultate auch einen Schluss auf die Abhängigkeit der elastischen Nachwirkung von der 


chemischen Zusammen setznng. Kali -Natronglas hat viel erheblichere und langsamer 
verlaufende elastische (wie auch themiisclie) Nachwirkung als reines Kali hzw. Natronglas, 
doch scheint die elastische Nachwirkung bei reinem Kaliglas geringer zu sein als bei 
reinem Natronglas. 

Um auch quantitative Vergloichharkeit beider Nachwirkungen zu ermöglichen, wollte 
Verf. die an sehr empfindlichen Thermometern durch Krhitzen des Thermomelera hen'or- 
gehrachte tliennische Nachwirkung mit der durch Druck mit Hilfe des Piezometers auf die 
QuecksilhersJiule des offenen l'hemiometers und damit auf das Quecksilhcrgefäss hervor- 
gerufenen elastischen Nachwirkung vergleichen. Wenn auch trotz der Feinheit dieser 
Methode die angestellten Versuche nicht zu dem gewünschten Resultate führten, so ergaben 
sie doch ein für die elastische Nachwirkung interessantes Kesultat. Sie machten es wahr- 
scheinlich, dass die elastische Nachwirkung nach verschiedenartiger Deformation (Biegung, 
Drack, Torsinn) unter denselben Bedingungen nahezu gleich ist. — Zum Schluss prüft 
Verf. noch die Formeln der elastischen Nachwirkung von F. Kohlrausch undBoltzmann 
durch Anwendung auf die erhaltenen Resultate. Wdn. 

Beatimmimg der Conatante fttr die elektxomagnetiiohe Drehung der PolariiatioiuebeDe 
des NatrinnüicbteB in SchwefelkoblenstoC 

Von Dr. A. Koepsel. Ann. d. Pkys. u. Chem. .V. F. 26. S. 456. 
(Vom Verfasser eingesandt.) 

Da die Bestimmungen , welche bisher von dieser Oonstante gemacitt worden waren, 
noch nicht genügende U ehe Einstimmung zeigten , so unternahm Verf. auf Wunsch des 
Herrn Geheimrath v. Helmhol tz eine neue Bestimmung derselben und zwar durch directe 
Verglciclmng mit dem Silhervoltameter. 

Der hierbei verwendete Apparat war ein Lippich'sches Halbschatten -Polarimeter, 
welches in der optischen Werkstatt von Fr. Schmidt & Haensch angefertigt wurde und 
dessen Kiniiclitung folgende war: 

An zwei starken Metalljilatten MM, die durch vier massive Messingstangen S von 
ungefähr 1,5 cm Durchmesser und Im Länge verbunden waren, war einerseits der Po- 
larisator P, andererseits der Analysator A mit dem Theilkreis befestigt, welch letstere.r 
gestattet, die Drehungen mittels Nonius und Lupe bis auf 0,01° abzulesen. 


;-BC3- ^-l^-D 


I 


Der Polisator P war folgen dermaassen constniirt. In der Fassungsröhre desselben 
befanden sich zwei Glan'ache Prismen hintereinander liegend, 0, Ö; das eine von bei- 
den war seitlich verschoben, und zwar so, dass seine Endfläche diejenige des anderen, 
dessen Ljtngsaxe mit der Röhrenaxe zusammenfiel, zur Hälfte deckte; letzteres war 
drehbar um seine Längsaxe , durch welche Einrichtung eine variable Neigung der 


Siebenter Jahrgang. Janaar 1887. Referate. 33 

Hauptschnittebenen ermöglicht wurde. Hierdurch erreicht man den Vortheil einer ver- 
änderlichen Empfindlichkeit. Ferner enthielt die Fassungsröhre ein Linsensystem LL^ 
welches bestimmt war, die einfallenden Lichtstrahlen parallel zu richten, sowie zwei seit- 
lich verschiebbare Diaphragmen D, deren eines mit einer Platte von doppeltchromsaurem 
Kali versehen war, um, wenn nöthig, das Licht dadurch homogener zu machen. Als 
Analysator diente ebenfalls ein Glan'sches Prisma G«, mit einem Galilci'schen Femrolir F, 

Für die genaue Kenntniss dieser und ähnlicher Apparate verweise ich auf die 
Abhandlungen von F. Lippich: lieber ein Halbschattenpolarimeter^) und: lieber pola- 
ristrobometriche Methoden^), und von H. Landolt: Neuerungen an Polaristrobometem.^) 

Die beiden Röhren, welche das optische System enthielten, gingen durch die 
Metallplatten MM hindurch und ragten auf den inneren Seiten derselben noch drei bis 
vier Centimeter darüber hinaus; hier waren sie schräg abgeschnitten, so dass auf die 
dadurch gebildeten cylindrischen Theile C die Röhre, welche den Schwefelkohlenstoff 
enthielt, mit ihren Enden aufgelegt werden konnte. Die aufschraubbaren Deckel B der 
letzteren hatten einen ebenso grossen Durchmesser wie die Oeffnung der Fassungsröhre 
des optischen Systems, so dass die Axe der Röhre mit der des optischen Systems 
zusammenfiel. 

Die Röhre selbst war aus Messing angefertigt, 1 m lang und ihrer ganzen Länge 
nach von einem weiteren Messingrohr umgeben, welches zur Wassei-spülung diente; die- 
ses hatte an den Enden je zwei Ansätze T,^, von denen die einen T zum Zu- und 
Abfluss des Wassers dienten, die anderen, etwas weiteren f, zur Aufnahme von Thermo- 
metern bestimmt waren, welche die Temperatur des Kühlwassers anzeigen sollten. An 
den Enden war die Röhre sorgfältig senkrecht zur Axe abgeschliffen, und an diese 
SchliffQächen wurden mittels der aufschraubbaren Deckel B dünne planparallele Glas- 
platten mit Hilfe von Gummiringen nicht zu fest angepresst. Ausserdem trug die Röhre 
am Ende einen ebenfalls verschraubbaren trichterförmigen Ansatz J7, welcher durch die 
Spülröhre hindurch mit dem innersten Hohlraum in Verbindung stand. Dieser Ansatz 
hatte eretens den Zweck, etwa bei der Füllung zurückgebliebene Blasen durch Nachfüllen 
zu beseitigen , und zweitens ein etwaiges Springen der Röhre , durch Ausdehnung des Schwe- 
felkohlenstoffes , zu verhüten, indem über der Flüssigkeitsoberfläche im Trichter immer noch 
eine Luftblase sich befand, deren Luft also bei zu starker Ausdehnung des Schwefelkohlen- 
stoffes nur ein wenig comprimirt wurde. 

Zur Erzeugung des Natriumlichtes, welches bei hoher Empfindlichkeit des Appa- 
rates eine bedeutende Intensität haben muss, diente die L an dol tische Natriumlampe, deren 
genaue Beschreibung man in dieser Zeitschrift 1884 S. 390 findet. Diese Lampe hat sich als 
sehr zweckmässig, bequem und zuverlässig erwiesen. 

Die Drahtrolle, welche zur Erzeugung eines intensiven magnetischen Feldes dienen 
sollte, wurde nach meinen Angaben von dem Mechaniker des hiesigen physikalischen Insti- 
tutes auf das Sorgfältigste gewickelt. Sie erhielt 5250 Windungen zweier 1 mm starken 
Drähte, welche parallel nebeneinander gewickelt wurden. Der Draht war sorgfältig mit Seide 
übersponnen und wurde vor dem Wickeln noch mit Schellackfimiss überzogen, und zwar 
so, dass dieser Ueberzug beim Aufwickeln schon völlig trocken war. Auf diese Weise 
wurde eine besondere Isolirung der einzelnen Lagen, etwa durch zwischengelegtes Papier 
oder Guttapercha, unnöthig, und es wurde dadurch erreicht, auf einen möglichst kleinen 
Raum möglichst viel Windungen mit minimalem Widerstände zu bringen; auch erlangt man 
hierdurch den Vortheil, dass der Ausdruck für den Correctionsfactor eine einfachere Form 
erhält , indem auf die Einheit der Länge der Rolle nahe ebenso viel Windungen kommen , wie 
auf die des Durchmessers. 


1) F. Lippich, Naturwiss. Jahrb. „Lotos". N. F. 2. Prag 1880. Diese Zeitschr. 1882 S. 167. 
«) F. Lippich, Wien. Ber. 1882 Febr. -Heft, 1885 Mai -Heft. Diese Zeitschr. 1886 S. 144. 
B) H. Landoldt, diene Zeitschr. 1883 S. 121. Beibl. z. Wied. Ann. 7. S. 863. 

8 


34: Referate. ZEirscHRirr für iNBTBtTicKNTXKKirsrDc- 

W<* Endscheiben der Rolle waren kreisrunde Platten aus Buchsbaumholz von solchem 
Durchmesser, daf^s, wenn sie auf den oben erv^^ähnten Stangen /Sauflagen, die Axe der Röhre 
mit deijem^n der Bolle zusammenfiel. Der innere Durchmesser der letzteren war so gewälilt, 
dast die Bolle das Spülrohr eng umschloss; um nun die gefüllte Röhre durch die Oefifoung 
dt*r R<»lle hindurchzubringen, war der eine der Deckel B bis auf die Grösse des Durch- 
uiesMTs: der Oeflfnung etwas conisch abgedreht; das abgedrehte Stück wurde durch einen 
abnehmbaren, innen conischen Ring ergänzt, welcher nachtrSglich wieder aufgesetzt wurde. 
Aufe demselben Grunde waren die Tuben an der Spülröhre in letztere eingeschliffen und 
konnten also ebenfalls mit Leichtigkeit entfernt werden. 

Da die Rolle ein ziemlich beträchtliches Gewicht hatte , so wurde , um die Durchbie- 
gung der Messingstangen und eine dadurch herbeigeführte Verschiebung der Axen des bpti- 
Mrhen Systems und Durchbiegung der Messingröhre zu verhindern, in der Mitte unter der Rolle 
eine durch Schraube verstellbare Stütze angebracht. 

Zum Messen der Stromstärke diente das Silbervoltameter Po ggend orff scher Form 
mit Platintiegeln und cylindrischen Anoden aus chemisch reinem Silber. Die Gewichtsbe- 
stimmungen geschahen mit einer Schickert' sehen Waage und einem Quarzgewichtssatz, 
dessen 50-Grammstück von der Kaiserlichen Normal- Aichungscommission geaicht war. Die 
Temperaturbestimmungen wurden mit einem Fuess' sehen Normal-Thermometer und die Zeit- 
bestimmungen mit einer gut gehenden Taschenulir gemacht, welche von Zeit zu Zeit mit einer 
Normaluhr verglichen wurde. 

Die grösste Schwierigkeit, welche zu überwinden war, bestand darin, die Schlieren- 
bildung des Schwefelkohlenstoffes zu verhindern, die sich schon bei Temperaturdifferenzen 
von unter 0,1° C. störend bemerkbar machte. Am zweckmässigsten fand Verf. eine Wasser- 
spülung mit Wasser von Zimmertemperatur, wobei die Differenz zwischen Wasser- und Zim- 
mertemperatur möglichst klein gemacht und ausserdem die Spülröhre dicht mit Watte umhüllt 
werden musste. Die Erwärmung durch die Drahtrolle war unbedeutend. 

Der Correctionsfactor des Apparates ergab sich zu: 

C= 0,99772, 

so dass, wenn R die durch den Strom J hervorgebrachte Drehung bezeichnet und a die 
durch die Stromeinheit einer der N Windungen bewirkte Drehung eines unendlich langen 
Lichtstrahles ist, _ 


4tnJNC 


Es wurden im Ganzen 22 Versuche gemacht und eine angestellte Fehlerrechnung er- 
gab als wahrscheinlichen Fehler des Resultates : 

Aü) = 0,025t. 

Als Endresultat der Constante für die Drehung der Polarisationsebene eines unendlich langen 
Strahles von Natriumlicht in Schwefelkohlenstoff für die Einheit des magnetischen Feldes bei 
180 C. fand Verf.: 

a = 0',0419913 zb 0',0000078 t. 

Lord Rayleigh fand für dieselbe Temperatur a = 0,042002, Beide Angaben weichen um 
0,025% von einander ab. 

Bezüglich der mit dem Silbervoltameter erhaltenen Resultate verweist Verf. auf die 
Abhandlung in Wied, Ann. N, F, 26, S.475 „lieber die Genauigkeit des Silbervoltameters". 

Ueber die Anfertignxig von Objeotiven Ar PräoiaionsinBtmmente. 

Von L. Laurent. Compt Rend. 102. S. 545 

In dieser neuen Publication (vergl. Über die früheren diese Zeitschrift 1883 
S. 292. 1885 S. 322.) bringt der Verf. für deutsche Leser weniger des Neuen als in den 
früheren; die hier mitgetheilten Methoden, ebenso wie die meisten früheren, sind für 


Siebenter Jftbrgtng. Janaar 1887. Repbbate. 35 


Objective bestimmt, die das mittlere Maass nicht tiberschreiten, Objeotive für Präcisions- 
instramente, wie der Verf. selbst angiebt. Wenn man indess berücksichtigt, dass alle 
diese Mittheilungen keine blossen Vorschläge sind, sondern Hesultate der Praxis, welche 
die Probe der Anwendbarkeit im Werkstattsgebrauch überstanden haben und dass sie 
sämmtlich auf das lobenswerthe Ziel hinstreben, die praktische Optik auf möglichst festen 
rationellen Boden zu stellen und alles Probiren aus ihr zu entfernen, so wird man die 
rückhaltlosen Mittheilungen des rühmlichst bekannten Verfassers mit Dank begrüssen. 
Verfasser bespricht in der vorliegenden Abhandlung die Methoden, nach denen 1. die 
genaue Sphäricitüt und 2. die Centrirung der Linseniläche zu prüfen sind. Was ersteren 
Punkt betrifft, so ist seine Methode die Fraunhofer'sche, d. h. die der Newton' sehen 
(nicht Fi zeau' sehen) Ringe. Die besondere Anordnung, die er zu diesem Zwecke triffst, 
hat den Eff*ect, dass man die vorhandenen Fehler in ihrer wahren Grösse sieht. Dies 
dürfte aber kaum nöthig sein. Es genügt, die aufeinandergelegten Linsen mit blossem 
Auge zu betrachten. Man sieht auch dann, an welcher Stelle Fehler vorhanden sind, in 
welchem Sinne sie liegen und von welcher Grösse sie ungefähr sind; man erkennt endlich 
ebenso sicher das Freisein von Gestaltfehlem. Für die Praxis ist dies hinreichend. 
Die Laurent' sehe Anordnung kommt im Wesentlichen mit derjenigen von Prof. Abbe über- 
ein, welche Ref. in dieser Zeitschrift 1885 S. 149 besprochen hat. 

Die Methode, nach der Laurent die Centrirung prüft, scheint Ref. nicht sehr 
glücklich disponirt zu sein. Verf. legt die auf der einen Seite polirte, auf der anderen 
Seite geschliffene und am Rande vorläufig rundgedrehte Linse schräg auf einen geeignet 
gebauten Schemel. Mit dem Rande stützt sie sich gegen zwei Pflöcke; mit der Fläche 
liegt sie auf drei Kuppen auf. Eine Elfenbeinspitze liegt der anderen Fläche mit ganz 
schwachem Drucke an und ist durch einen Winkelhebel mit einem Spiegel in Verbindung. 
Letzterer wird durch ein Femrohr mit Gauss'schem Ocular beobachtet. Lässt man die 
Linse um ihre eigene Axe rotiren, so sieht man im Femrohr an der Bewegung des re- 
flectirten Fadenkreuzes , an welcher Stelle Centrirungsfehler in der Linse vorhanden, und 
von welcher Grösse dieselben sind. Einen Mangel des Apparates erblickt Ref. erstens in 
der unsicheren Lagerung der Linse, namentlich aber darin, dass von der Prüfung der 
Centrirung bis zu ihrer Correction jedesmal der weite Weg liegt, dass man die Linse 
auf die Drehbank zu bringen hat. In Deutschland verfährt man darin rationeller, indem 
man die Linse direct, während sie auf der Drehbank aufgefuttert ist, gegen diese centrirt, dann 
erst abdreht, und diesen Prozess eventuell wiederholt, bis kein Fehler mehr sichtbar ist. 

Zur Prüfung des fertigen Objectivs will sich Verf. seines „Focometers** mit bestem 
Erfolge bedient haben, d. h. der Methode der Autocollimation. Cz. 

Ein Photometrintativ ftir Oltthlampen. 
Von Dr. C. Heim. Elektrotechn, Zeitschr. 7. S. 384, 

Verfasser theilt die Construction eines Stativs mit, das in einfacher Weise die 
zu photometrirenden Glühlampen auf der Photometerbank anzubringen gestattet und der 
Bedingung entspricht, die Lampe so bewegen zu können, dass die Ebene des Kohlenfadens 
jede beliebige Neigung zur Axe des Photometers erhalten kann und letztere die Faden- 
ebene dabei stets in einem und demselben Punkte der den Faden in zwei symmetrische 
Hälften theilenden Mittellinie, etwa in der Mitte derselben schneidet. 

Ein mit Blei beschwertes Fussbrett, das in die Photometerbank passt, trägt eine 
Messinghülse, in welcher ein cylindrisches Rohr vertical verschoben und in beliebiger 
Stellung festgeschraubt werden kann. Das Rohr endigt oben in ein vertical durchbohrtes 
Messingstück, mit welchem ein horizontaler Theilkreis fest verbunden ist; in die Durch- 
bohrung passt ein kleiner drehbarer und mittels einer Schraube festklemmbarer Zapfen, 
der oberhalb des Kreises ein conisches Stück trägt, mit welchem einerseits ein auf der 
Theilung spielender Zeiger, andererseits ein nach oben gekrümmter Arm verlöthet ist. 
An dem oberen Ende dieses Armes ist in derselben Weise wie beim Horizontalkreise 

3* 


36 Referate. ZEirscHRiTT für tssTaxntKSTEXKxnxoti . 

eine horizontale Messinghülse und mit dieser fest verbunden der Verticalkreis angebracht; 
durch die Bohrung der Messinghülse geht ein drehbarer und in beliebiger Stellung fest- 
klemmbarer Zapfen, der an seinem äusseren Ende den über der Theilung des Vertical- 
kreises spielenden Zeiger und an seinem inneren Ende einen verticalen Stab trägt, 
mit welchem die verschiebbare Fassung für die zu photometrirende Glühlampe verbunden 
ist. Die Lampe kann also zunächst in verticaler Richtung um den Verticalkreis bewegt 
werden und ist dann noch mit diesem und dem . ihn tragenden bogenförmigen Arm um 
den Horizontalkreis drehbar. Ist dann die Lampe so in ihrer Fassung justirt, dass die 
oben definirte Mitte der Fadenebene in dem Schnittpunkte der auf den Mitten der Theil- 
kreise errichteten Normalen sich befindet und dieser Punkt durch verticale Verschiebung 
des den Horizontalkreis tragenden Rohres in die Photometeraxe gebracht, so sieht man 
leicht, dass die oben erwähnte Bedingung erfüllt ist. — Die Theilkreise tragen eine grobe 
Theilung von 5 zu 5°, oder von 10 zu 10°. Der die Lampe haltende Arm muss ent- 
weder in mehreren Exemplaren vorhanden sein, deren jedes eine der verschieden vor- 
kommenden Lampenfassungen trägt, oder er muss so eingerichtet sein, dass verschiedene 
Fassungen auf ihm befestigt werden können. 

Das Stativ hat sich nach Angabe des Verfassers beim Gebrauch im elektro- 
technischen Laboratorium der Hochschule zu Hannover als praktisch erwiesen und wird 
vom Mechaniker Walther des genannten Laboratoriums angefertigt. W. 

BeBtimmnng der Brennweite einer Concavlinse mittels des zneammengesetzten Hikroskopes. 

Von Dr. W. P seh ei dl. Sitzh, d. kaiserl. Äkad, der Wissensch. Juli 1886, 94. S. 66. 

m 

Der Verf. verfährt in der Weise, dass er diejenige Lage eines Objectes ennittelt, in 
welcher die betreffende Concavlinse ein Bild von der halben Grösse desselben entwirft. 
Die Entfernung von Bild und Object ist dann gleich der halben Brennweite, wenn man 
von der Dicke der Linse absieht. — Ref. glaubt , dass die vorgeschlagene Methode nach 
keiner Richtung hin Vorzüge zu gewähren scheint vor der allbekannten, am Besten eben- 
falls unter Anwendung eines Mikroskopes auszuführenden, die Entfernung der Linse von 
dem Bilde eines sehr entfernten Objectes direct durch Einstellung auf beide zu messen. 
Im Gegenth.eil ist letztere Methode sogar mit weniger Hilfsmitteln, durch eine geringere 
Zahl und durch leichtere Manipulationen bei mindestens gleicher Genauigkeit ausführbar. 
Mangelhaft, theoretisch wie praktisch, sind freilich beide Verfahren. Cz. 

Die Verwendung von Spiralfedern in Messinstnunenten und die Genauigkeit der mit 

Spiralfedern arbeitenden Galvanometer. 

Von Prof. W. Kohlrausch. Elektrotechn. Zeitschr. 8. S, 823. 

Gegen die Verwendung elastischer Federn in Galvanometern hat man häufig das 
Bedenken geäussert, dass dieselben durch Temperatureinflüsse, Zeit und Gebrauch de- 
formirt und hierdurch erhebliche Aenderungen der Kräfte bedingt würden. Im Gegen- 
satz hierzu beweist Verfasser auf Grund zahlreicher Versuche, dass, wenn man sich mit 
einer Genauigkeit von 0,5 bis 1,0% zufrieden erkläre, der Verwendung von Spiralfedern 
in Messinstrumenten, welche für die Praxis bestimmt sind, nicht nur keine Bedenken 
entgegenstehen, sondern dass die mit Spiralfedern arbeitenden Instrumente bis jetzt allen 
anderen an Zuverlässigkeit überlegen sind. 

Es werden zunächst Versuche mitgetheilt, welche an der Messingspirale einer 

J o 11 y 'sehen Federwaage im Strassburger physikalischen Institut vorgenommen sind und 

deren Resultate dem Verfasser von Herrn Prof. Kundt zur Verfügung gestellt wurden. 

5 Die Messungen an dieser Feder, im Ganzen 140 Bestimmungen, erstrecken sich über 

sieben Jahre; es wurde die Verlängerung gemessen, welche durch die Belastung von 1 g 
bewirkt wurde. Das Gesammtmittel aller Messungen ist 71,11 mm; das Mittel der ereten 
sieben Halbjahre ergiebt 71,15, das der zweiten 71,07; der wahrscheinliche Fehler der 
einzelnen Halbjahresmittel ist 0,16 J. 


Siebenter Jahrgang. Januar 1887. Hefebate. 37 


Sodann wurde der Einfluss dauernder Deformation auf Spiralfedern untersucht. Zu 
diesem Zwecke wurde die Feder (Platinsilber) eines Siemens'schen Torsionsgalvanometers 
um 100 Theilstriche (200°) tordirt. Nach 70 Stunden hatte sich die Ruhelage erst um 
0,25 Theilstriche, d. h. 0,25% geändert. Ein Siemens' sches Dynamometer für starke 
Ströme ergab unter ähnlichen Umständen die doppelte Aendening. Verf. hat femer 
Federn, wie sie in den Federgalvanometem von Hartmann & Braun in Frankfurt a. M. 
verwendet werden, einer ähnlichen Pnifung unterzogen. Sieben Federa aus Stahldraht 
und zwei aus hartem Neüsilberdraht (Drahtstärke etwa 0,6 mm, Durchmesser der Spirale 
12mm, Anzahl der Windungen 50 bis 100) wurden mit Gewichten von 50 bis 200 g 
dauernd belastet und dadurch Verlängerungen von etwa 50 bis 200 mm erzielt. Die 
Ruhelage (Einstellung ohne Belastung) auf je 100 mm Verlängerung der belasteten Federn 
umgerechnet, fand sich bei den Stahlfedern nach fünftägiger Belastung 0,4 bis 0,5 mm, 
nach 70tägiger Belastung etwa 1mm, bei den Neusilberfedem 1,4 bezw. 4 mm. Nach- 
dem dann die Federn 12 Tage unbelastet gestanden hatten, war die Aendening für 
Stahl auf 0,4 mm, für Neusilber auf 3,5 mm zurückgegangen. Das Maximum der 
Aendening schien nach 70 Tagen für Stahl schon sehr nahe, für Neusilber aber noch 
nicht erreicht zu sein, so dass also Stahldrahtfcdem den Neusilberdrahtfedem vorzuziehen 
sind. — Genau dieselben Aendeningen wie die Ruhelagen zeigten nun auch die Ein- 
stellungen der belasteten Federn. Es wird daher die durch eine bestimmte Belastung 
bewirkte Verlängerung der Spiralfedern bei Stahl und bei Neusilber durch lang an- 
dauernde Verlängerungen nicht geändert. 

Um femer den Einfluss oft wiederholter Deformation einer Spiralfeder kennen 
zu lernen, hat Verf. mit Hilfe eines kleinen Wassermotors eine Stahldrahtspirale von 
90 Windungen und den oben erwähnten Dimensionen 200 mal in jeder Minute auf 
225 mm gespannt und auf 85 mm entspannt, während die Feder ohne Einwirkung äusserer 
Kräfte eine Länge von 60 mm hatte. 80 000 Spannungen bewirkten weder in der 
Ruhelage, noch in der etwa 90 mm betragenden Verlängerung für 100 g Belastung eine 
messbare Aendening. Eine ähnlich behandelte Neusilberfeder blieb gleichfalls unverändert. 

Der Einfluss der Temj)eraturänderung auf Spiralfedern wurde endlich in folgender 
Weise gepiüft. Von zwei benachbarten Zimmern wurde das eine auf 5° abgekühlt, das 
andere auf 40° erwärmt. Die Angaben dreier Siemens'scher Torsionsgalvanometer wurden 
nun mit den relativ auf 0,03 5li zuverlässigen Angaben eines Spiegelgalvanometers ver- 
glichen, während die Torsionsgalvanometer abwechselnd in das kalte und das warme 
Zimmer gestellt wurden. Es ergab sich, dass für je 10° Temperaturerhöhung die An- 
gaben der Torsionsgalvanometer im Mittel um 0,1% grösser wurden. — Femer wurden 
je drei Spiralfedern aus Stahl und Neusilber abwechselnd bei 5° und 40° mit den 
gleichen Gewichten belastet und die zugehörigen Verlängeningen abgelesen. — Letztere 
zeigten eine Vergrösserung bei höherer Temperatur, welche im Mittel für 10° bei den 
drei Stahlfedern übereinstimmend 0,23mm, bei den drei Neusilberfedem ebenso über- 
einstimmend 0,43 mm für 10 mm Verlängerung betnig. Die Einstellung der unbelasteten 
Stahlfedern änderte sich für 10° um etwa 0,1 mm, die der unbelasteten Neusilberfedem 
um etwa 0,4 mm. 

Aus den angegebenen Versuchsresultaten zieht Verf. folgende Schlüsse: Die Ver- 
wendung der Deformation von Spiralfedern aus geeigneten Drahtsorten als Maassstab für 
die in Galvanometern in Folge der Ströme auftretenden Kräfte ist zulässig. Bleibt man 
der Elasticitätsgrenze der Federn fem, so entstehen weder durch die Ijänge der Zeit 
noch durch den Gebrauch merkliche Aendeningen der Federconstanten. Um die even- 
tuellen geringen Aendeningen der Ruhelage unschädlich zu machen, genügt eine geringe 
Verschiebung oder Drehung der Scale gegen den festen Punkt der Feder, oder umge- 
kehrt. Aendeningen in Folge von Tempcratui-schwankungen sind zu klein, um in Frage 
zu kommen. Allen Arten als constant angesehener magnetischer Felder, welche bisher 
in den für die Praxis bestimmten Instrumenten verwendet wurden und innerhalb deren 


38 VeREINSNACHRICBTEN. ZeiTSCRIUIT FÜB iKSTBÜlfKKTXKKUXrDB. 


die beweglichen Theile der Instrumente sich unter Einwirkuug der zu messenden Kräfte 
einstellen, ist die Spiralfeder an Zuverlässigkeit überlegen. 

An der Hand dieser Resultate discutirt Verf. dann schliesslich das Functioniren 
des Torsionsgalvanometers und des Dynamometers für starke Ströme von Siemens, so- 
wie des Federgalvanometers von Hartmann & Braun. W, 


Neu erschienene Bücher. . 

Handbuch der physiologiBchen Optik. Von H. v. Helmholtz. Zweite umgearbeitete Auf- 
lage. 2. u. 3. Lieferung. Hamburg und Leipzig, L. Voss. Preis jeder Lief. M. 3,00. 

Von dem vorliegenden wichtigen Werke, dessen erstes Heft wir im vorigen Jahr- 
gange dieser Zeitschrift S. 73 angekündigt haben, sind inzwischen zwei weitere Liefe- 
rungen erschienen. In diesen beiden Heften wird der erste Abschnitt, die Dioptrik des 
Auges beendet und der zweite, welcher die Lehre von den Gesichtsempfindungen behandelt, 
begonnen. Das ganze Werk wird in zehn Heften fertig vorliegen. W. 


L. de Wecker et J. Masseion. Echelle m^trique pour mesurer Tacuit^ visuelle, le sens 
chromatique et le sens lumineux. 2. ^dit. 64 S. mit Tableaux und Album von 
6 Tafeln. Paris, Doin. 8 frs. 

J. Klemencic. Untersuchungen über das Verhältniss zwischen dem elektrostatischen und 
elektromagnetischen Maasssystem IL 23 S. Wien, Gerold. M. 0,50. 

P. Wagner. Anleitung zum Ausrechnen der Zähnezahl, welche die Räder haben müssen, 
um Gewinde nach allen vorkommenden Maassen und Drehbankconstnictionen 
schneiden zu können, nebst mehreren Tabellen. 32 S. mit 1 Taf. Köln, Theissing. 
M. 0,80. 

0. Dnmonty M. Leblanc et E. LaMdoy^re. Dictionnaire th^orique et pratique d'Electricit^ 
et du Magn^tisme. Paris 1886. In 20 Heften ä M. 0,80. 

0. Fennel. Die Wagner-Fennerschen Tachymeter. Berlin, Springer. M. 2,00. 

A. Gkirbini. Manuale par la tecnica modema del microscopio. Verona. Frcs. 6,00. 

G. Bilfinger. Die Zeitmesser der antiken Völker. Programm des Eberhard -Ludwig -Gymna- 
siums in Stuttgart. 78 S. M. 1,00. 

A, Lande. La Photographie instantan^e. Paris. M. 2,60. 

Th. Malosse. Calorim^trie et Thermom^trie. Montpellier. M. 2,50. 

H. Seeliger. lieber den Einfluss dioptrischer Fehler des Auges auf das Eesultat asti'O- 
nomischer Messungen. 40 S. München, Franz. M. 1,20. 

E. Eöhrig. Technologisches Wörterbuch. Deutsch -englisch -französisch. Wiesbaden. M. 10,00. 

Th. V. Oppolzer. lieber die astronomische Refraction. 52 S. Wien, Gerold. M. 2,60. 

J. Hann. Bemerkungen zur tägl. Oscillation des Barometers. 14 S. Ebenda. M. 0,30. 


Ter ein snaclirlchteii. 

Deutsche Gesellschaft fOr Mechanik und Optik. Sitzung vom 7. December 1886. Vor- 
sitzender: Herr Fuess. 

Der Vorsitzende giebt einen Bericht über seine und des Herrn C. Bamberg 
Thätigkeit als Vertreter der Gesellschaft bei den Berathungen über die Gründung der 
physikalisch -technischen Keichsanstalt. lieber die Art und Weise, in welcher die neue 
Anstalt geplant ist, sind den Mitgliedern Mittheilungen zugegangen. Der Vorsitzende 
giebt hierzu noch mannigfache Erläuterungen. — In der sich an den Vortrag an- 
schliessenden Discussion, an der sich ausser dem Vorsitzenden die Herren Klein, 
Haensch, Dr. Pernet, Seidel und Färber betlieiligen , wird die Organisation der 
Anstalt und ihre Gliederung in zwei Abtheilungen besprochen. Die Bedeutung der 


Sltbntar JiliTgaiig. Juur tS81. P*TGNTarHAC. 39 

ersten, wissenschaftlichen Abtheilung für physikalische Forschung wird hervorgehoben 
und betont, dass ihre Arbeiten mittelbar auch die Ziele der PrJicisionsmechanik und 
Technik fördern würden ; eine directe Fördening ihrer Bestrebungen habe aber die prSci- 
s ionstechnische Kunst von der zweiten, technischen Abtheihmg zu em'artcn, vorausgesetzt, 
dass ihre Leitung mit den Zielen nnd Aufgaben der Technik aufs Innigste vertraut sei; 
die technische Abtheilung würde feiner nur dann gedeihlich arbeiten können, wenn sie 
in steter Verbindung mit der Praxis bliebe nnd wenn alle Wünsche der Mechaniker und 
Techniker, welche ein allgemeines Interesse verdienen, verständni ssvolles Entgegenkommen 
fünden. Der Vorsitzende und die Mitglieder der Gesellschaft bringen nach dieser Richtung 
der neuen Reicbsanstalt hoShungsvolles Vertrauen entgegen. 

Zu Mitgliedern der Wahlvorbereitungs-Commission werden sodann die Herren 
Färber, Dürfer, Dr. Rohrbeck, Seidel und Grimm, zu Mitgliedern der Decliarge- 
Conimission die Herren Oochtus und Klein gewählt. Der Schriftführer: Blankenimrg. 


Patentschaa. 


izilge aus dem Patentblatt. 

H, W, Sehlotfeldt in Kjcl. No. 36096 


Besprochungen und An 
■■dicatsr fOr GeBohwIndiBkeltsmeBur. Von 

11. August 1885. 

Der Schwimmer jt taucht mit seinem unteren Ende iu Quecksilber q 
ein. Die Rohre r und r* stehen mit irgend einem bekannten Apparat iu Ver- 
bindung, der die zu messende Bewegung empfängt und bei r drückend, bei r" 
saugend wirkt. Die Druckdifferenzen werden durch den Auftrieb von k ausge- 
glichen. Um bei gleicher Geschwindigkeit, aber verschieden grosser Bewegung 
der Autriebstange o des Zeigorwcrkes eine und dieselbe Scale verwenden zu 
können, ist die Länge des HebelsA, durch welchen das Zahnradsegnicut s an- 
getrieben wird, sowie die Coulisse p einstellbar. 

■ StlbBtHiätlg wirkende Wlmeregillrvtrrlohtung. 

Von S. Kocherthaler inEmsbach, Würt- 
temberg. N0.3G358 vom 29. November 1885. 
Der Apparat ist in der Weise construirt, 
dass' beim Ueberscbreiten eines bestimmten 
Temperaturgrades Quecksilber mittels ge- 
spannter Dämpfe durch das Rohr D und das ~ 
darin dicht verscbli essbare Rohr E in einen 
mit .E verbundenen und in der Höhe verstell- 
baren Behälter J" eintritt und den Schwimmer Q 
hebt. Dieser wirkt auf den Doppelhebel M, 
die Schnur und den Hebel d, mittele dessen 
der Wärmezutritt in den zu erwärmenden 
Raum regulirt wird. 
Dieser Apparat steht in Verbindung mit einer Vor- 
richtung, durch welche in bestimmten Zeitabschnitten eine be- 
liebige Steigerung der Temperatur herbeigeführt wird. Zu dem 
Zwecke sitzt an dem Behälter F, welcher durch das Gewicht L 
bestandig nach oben gezogen wird, eine Nase N, welche gegen 
einen an der drehbaren Weile iT befestigten Anschlag J drückt. 
Durch ein Uhrwerk wird nun Welle K mit einer bestimmten 
Winkelgeschwindigkeit gedreht, wobei der Anschlag J die 
Nase S loslässt, ^o dass der Behälter F jetzt bis zum nächsten 
Auschlflge Ji in die Höhe geht, durch welchen er an einer 
Weiterbewegung gehindert wird. Analog wirken die Anschläge J^ und J". Das periodische Auf- 
steigen des Behälters F von Anschlag zu Anschlag fuhrt die beabsichtigte Temperaturerhöhung 
in den bestimmten Zeitz wischeniäumen herbei. 



Meaemi » Thermanetern. Von C. C. Fmncke hi Mflgilcbnrg. No. 06476 vom 9. Oct. I88l>. 
Din tlienniimctrisehc Flüssigkeit, ibreii Volum eiiänderuiift die Temperatur 
bc'^^tilnnlen soll , füllt gniix ein Thf nanmcttTgeflisti , wclclies ann dem gewellten 
Messiii);- oder Stahlrohr/*, dem nntcn offenen Cyliiidcr y mit den Flaiitsciieii g* und 
der durch die Aiisdehiiuiig voii f bewcgieu Verse hhiai^schuibe h gebildet wird. 
Heuaniig u galvanischfln Elemnten- Von C. Uai'Miicrjr. in AUinz. No. 3TT58 vom 
H. Ajiril IfWi;. 

Die Erfindung besteht in der Verwendung von Zinkoxj'd als ZuHHtz zu einer 
Erregiingsniassc für Troekenelemente, welche aus (Üpsiiiilvcr und erregenden Salscn 
znsammcngemispht i.it. (Vgl. Patent No. ääliil). Die Wirkung diedcs Zusatzes be- 
steht in der Anflockerung der an sich scliweren und harten Masse, ohne den inneren 
Widerstand su erhöhen. (P. 1). 1864;. No. 48). 

Apparat hm Anzeigen und Anfieiohnen von Druokänderangen. Von A. Shedlock iu 

Jersey und Ch. ü. Singer in New- York. No. 37."i78 vom 23. Februar 1886, 

Die Pajiicrtrommel , auf welche die Aendcningen des Druekes (von Dampf 

n. dergl.) aufgezeichnet «erden, ist als Mutter einer vcrticHlen, steÜgängigeii 

Hchraobens!pindel ausgebildet, und bewegt sieh auf der letzteren dnrcli ihr Eigengewicht nach 

abwärts. ilHSU. Xo. 411.) 

Cnnntnnta gaWanltehe Batterie, ^'on M. Sappey in Paris. No. 37777 vom I.Januar 188G. (1886. No. .OU.) 
Pantelegraph. Von L. Hiipfner in llerlin. No. 3T575 vom (i. Januar 188ti. Ein Pantograph mit 

elektrischer Uebert ragung. (1H8G. No. SO.) 
Central- nad Alarm -Tliernwmeler mit Registrir-Verrlchtmg. Von C. F. W. Doehring in Leipzig. 
No. 3747« vom 1«. Februar IWfJ. 

Dif^C;< Thermometer meldet die L'ebersch reitungen der höehsten und die der niedrigsten 
zuliisäigen Temperatur und zeichnet zugleich auf, wie oft und wie lange dies geschehen ist. 
(IWMi;. No. iA}.j 


Für die Werkstatt. 

Hintenchnltteae Gewinde. The horological Journal. ISSG. November. S. 3!l. 

Bei Herstellung von Platincnstiitzen ist es nicht möglicli, die üewinde, welche in die 
Platinen geschraubt werden, bis gniiz an deii Ansatz auszuschneiden. Dadurch wird es dann 
niithig, die Oewindelöchcr xa versenken, wodurch die haltende Gcwindelünge vermindert wird. 

An obiger Stelle theilt J. Meen in. Edinburgh ein von der Genfer Uhrmaeherschule 
adoptirtes Verfahren znr Herstellung soleher Stützen mit, bei denen die Gewinde bis hinter den 
Ansatz ausgeschnitten sind. Das Verfahren, welches jenen Uebelstand vermeidet, dürfte auch 
manchem unserer Fachgcnosseu von Interesse und in vielen Füllen nützlich sein. 

Mau ' nimmt einen Draht von etwas grösserem Durch- 
die verlangte Stüt/e (Schraubenkopf oder dergl.), 
t den Gcwiudcznpfen an und sclmeidet Gewinde bis zum 
Ausatz. Alsdann dreht man etwas hinter dem Ansatz den 
Körper mit einer Hohlkehle verlaufend auf die richtige Stärke 
(wie in Fig, 1), hümmert den stehenbleibenden scharfen Kand 
rundum bis auf den gleichen Durclunesser über den Ansatz 
und dreht den Ansatz laufend nach (wie Fig. 2), Man kauu 
1 das Gewinde bis zum Ansatz einschrauben, ohne dao Ue- 
^'*" *■ windeloch versenken zu müssen. P. 

Verlinnen ven Giisaeieen. Revue ehronom^trique. 1886. October-Heft. S. 186. 

Zum Ueberziehcn von Gegenständen aus Gusseisen wird eine ii>sung von 89 Th. Zinn, 
6 Th. Nickel und fi Th. Eisen in Salzsäure empfohlen. Der L'cberzug soll auf dem Gi 
sehr fest haften, auch weisser und härter sein als Zinn. 



Zeitschrift für Instrumentenkunde 

Redactums - Curatorium : 
Geb. Reg.-R. Prof. Dr. H. Landolt^ B« Fness, Reg.-Rath Dr. L. Loewenherz^ 

YorsitBender. Belsltaer. Bobriftffihrer. 


Redaction: Dr. A. Leman und Dr. A. Westphal in Berlin. 


Vn. Jahrgang. Feliruar 188T. Zweites Heft. 


üeber den Bau und Gebrauch wissenscliaftliclier Wagen. 

Von 
Dr. O. ScIlwlrlLiui in Berlin. 

Die grossen an wissenschaftlichen Wagen wahrnehmbaren Verschiedenhei- 
ten der Ausführung lassen es als eine interessante Aufgabe erscheinen, die an 
jeden einzelnen Theil einer solchen Wage zu stellenden Anforderungen zu präci- 
siren und daraufhin ein vergleichendes Urtheil über den grösseren oder geringeren 
Werth der Ausführungen, und wo es Noth thut, auch Verbesserungsvorschläge zu 
begründen. Hierbei wird es allerdings nöthig sein, auf die Fehlerquellen einzugehen, 
aus deren Zusammenwirken der Gesammtfehler des Wägungsresultates hervorgeht. 
Einige dieser Fehlerquellen kommen nur bei den allergenauesten Wägungsarbeiteu 
in Betracht und interessiren deshalb fast nur den Metrologen von Fach; andere 
sind wieder ebensowohl für das grosse mit wissenschaftlichen Wagen arbeitende 
Publicum als für alle Wagenverfertiger von Wichtigkeit, weil sie beim Gebrauche 
wie bei der Herstellung jeder feineren Wage in Frage kommen können. Dennoch 
wird es zulässig sein, sie alle in gleicher Weise und nebeneinander zu behandeln, 
wenn dabei ihre relative Wichtigkeit, d, h. ihr Einfluss im Vergleich zu der von 
der Wage oder Wägung beanspruchten Genauigkeit, zur Genüge erkennbar ge- 
macht wird. Am Besten geschieht dies durch Rechnungsbeispiele, welche daher im 
Folgenden öfter angewandt werden sollen, und zwar indem in der Regel die Wage 
für 1 kg Belastung sowie die Annahme zu Grunde gelegt wird, dass bei Kilogramm- 
wägungen wenn möglich auch noch Fehler von 0,001 mg ausgeschlossen bleiben 
sollen. Diese Annahme hat den Vortheil, noch den allergrössten vorkommenden 
Genauigkeitsanforderungen zu entsprechen — nach den heutigen Leistungen feinster 
Wagen sind Fehler solcher Grösse in der That nicht mehr zu vernachlässigen 
— ohne die Nutzanwendung auf geringere Genauigkeiten zu hindern, mit denen 
man die gemachte Fehlerangabe ja durch eine kleine Umrechnung leicht in Ver- 
gleich stellen kann. 

Die von wissenschaftlichen Wagen und Wägungen beanspruchten Genauig- 
keiten sind verschiedener, als es auf den ersten Blick scheint. Wenn man sich 
der Wage, wie dies neuerdings zunehmend versucht wird, zur genauesten Ermittlung 
physikalischer Constanten bedient, darf der Preis der Wage, die Dauer der Wä- 
gung oder der Vorbereitungen dazu keine Rolle spielen, sobald eine Schmälerung 
beider die gewünschte Genauigkeit nicht erreichen Hesse. Der Chemiker dagegen 
braucht innerhalb ziemlich weiter Belastungsgrenzen eine zwar geringere, aber 
möglichst gleichmässige Genauigkeit bei möglichst kurzer Wägungsdauer. Es 
kann also bei der einen Wage von dem Aufspüren und der Vermeidung selbst des 


42 ScHWiRKüf, Waoeh. Zeitschrift wtn lynsi 


kleinsten Fehlers unter Umständen der ganze Erfolg der Wägung abhängen, während 
bei der anderen Wage praktische Rücksichten bezw. die specielle Bestimmung der 
Wage die Ausserachtlassung gewisser weniger erheblichen Fehlerquellen geradezu 
geboten erscheinen lassen können. Der Kenner wird indess das für ihn Brauchbare 
und Bcrücksichtigenswerthe leicht herausfinden. 

Auf die eigentliche Theorie der Wage braucht bei der Behandlung der vor- 
bezeichneten Aufgabe nur insoweit eingegangen zu werden, als eine genauere De- 
finition gewisser Begriffe, z. B. der Empfindlichkeit, nöthig sein wird; das Wesent- 
lichste wird als bekannt vorausgesetzt werden dürfen. Dagegen werden einige 
Hilfseinrichtungen, z. B. die Reiterverschiebung, die Spiegel-Scalenablesung u. dergl., 
auch theoretisch etwas näher zu behandeln sein, um die Grenzen ihrer Anwend- 
barkeit für Wägungen mit entsprechender Genauigkeit festzustellen. 

Die einzelnen Theile der Wage sollen für sich besprochen und dabei mit 
demjenigen Theile, welcher am Wenigsten die Kenntniss der anderen voraussetzt 
und sozusagen von selbst zuerst zur Kritik einladet, nämlich mit der äusseren 
Umhüllung, der Anfang gemacht werden. 

I. Das Umschlussgehäuse. 

Bei der Frage nach der besten Beschaffenheit des Umschlussgehäuses (Kastens) 
ist zunächst zu unterscheiden zwischen Wagen, bei deren Anwendung die Hand 
des Beobachters in den Kasten eingeführt werden muss und die Ablesung aus 
unmittelbarer Nähe geschieht, und solchen, bei denen beides vermieden werden 
kann. Die Störungen der Beobachtung durch die Einwirkungen der Wärme des 
Beobachters sind unzweifelhaft die grösste Fehlerquelle bei Wagen; unter sonst 
gleichen Umständen arbeitet eine feinere Wage, wenn sie aus der Entfernung bedient 
und beobachtet wird, erfahrungsmässig 3 bis 5 mal besser, als wenn dies nicht der 
Fall ist. Die Ursachen dieser Erscheinung, auf welche wir gleich etwas näher 
eingehen wollen, weil sie auch noch bei anderen Wagentheilen wesentlich in Betracht 
kommen, liegen nahe genug. 

Von einer normal -warmen Hand steigt in Luft von gewöhnlicher Zimmer- 
temperatur (19° C.) beständig ein warmer Luftstrom auf, welcher nicht viel weniger 
als 0,1 m Geschwindigkeit (pro See.) besitzt. Man kann sich hiervon leicht über- 
zeugen, wenn man z. B. im ruhigen Zimmer die Hand vorsichtig unter eine ruhende 
Rauchwolke schiebt. Vergleicht man nun hiermit die Thatsache, dass der Wider- 
stand der Luft bereits bei der Dämpfung der gewöhnlichen Schwingungen der 
Wage einen merklichen Antheil hat, wiewohl diese Schwingungen nur mit einer 
durchschnittlichen Geschwindigkeit von Bruchtheilen eines Millimeters stattfinden, 
und dass dieser Widerstand bei stärkerer Eigenbewegung der Luft erheblich, 
nämlich auch bei so kleinen Geschwindigkeiten mindestens nicht schwächer als die 
relative Geschwindigkeit selbst^) wächst, so dürfte erhellen, welche Verschiebungen 


^) Eine zuverlässige Foimel für den Widerstand der Luft bei so kleinen Bewegungen 
scheint noch nicht bekannt zu sein; vielleicht würde die Beobachtung einer Vacuumwage bei 
verschiedenen Drucken und unter Variation der Form und Grösse der Wagschalen gutes Material 
zur Ermittlung einer solchen liefern können. Sicher ist, dass die höheren Potenzen kleinster, 
nur nach Millimetern zu messender Geschwindigkeiten (man rechnet unter gewöhnlichen Um- 
ständen nach dem Quadrat, das aber bei sehr grossen Geschwindigkeiten nicht mehr ausreicht), 
falls sie in der Formel überhaupt auftreten, von verschwindendem Einflüsse sind, dass also der 
grösste Theil des Widerstandes auf Rechnung der inneren und äusseren Reibung der Luft zu 
setzen ist. 


Siebenter Jahrg&ng. Febrnar 1887. Sc HWiKKU S, Waobv. 43 

der Gleichgewichtslage der Wage aus dieser Ursache selbst dann noch möglich sind, 
wenn, wie dies seitens aufmerksamer Beobachter geschieht, erst in einer bis zwei 
Minuten nach Schluss des Kastens abgelesen wird. Denn wenn auch der von der 
Hand ausgehende Luftstrom nach deren Entfernung in der Hauptsache bald auf- 
hört, so hat er doch Gehänge und Schalen etwas erwärmt, und diese erzeugen dann 
für sich solange Strömungen, bis sie die empfangene Wärme wieder abgegeben haben. 
Ferner sammelt sich unter der Decke des Kastens wärmere Luft an, welche bei 
jeder neuen Einführung der Hand umgerührt wird und alle Theile der Wage 
schädlich beeinflusst. 

Neben den rein mechanischen Wirkungen solcher Temperaturstörungen 
kommen noch die Folgen verschiedener Ausdehnungen durch ungleiche Erwärmung 
in Betracht; ein Temperaturunterschied der beiden Balkenhälften von nur 0,01° C 
bringt bereits eine Aenderung des Hebelverhältnisses um 0,00000018, also z. B. bei 
1 kg Belastung eine Aenderung der Gleichgewichtslage um 0,18 mg hervor, während 
die Innehaltung einer Fehlergrenze von 0,001 mg sogar eine Uebereinstimmung 
der Temperaturen beider Balkenhälften innerhalb 0,00005° C voraussetzt. End- 
lich bildet sich um erwärmte Gehänge und Belastungen eine Sphäre wärmerer, 
also specifisch leichterer Luft, in welcher beide einen geringeren Auftrieb erleiden 
und schwerer \) erscheinen, als es sonst der Fall sein würde. Die hervorgebrachten 
Störungen sind also von dreierlei Art. Dass sie zum Theil einander entgegen- 
wirken (die erste der zweiten und dritten), also abwechselnd überwiegen, ist 
keineswegs ein Vortheil, denn die damit verbundene Unbeständigkeit der Wage 
ist zwar an sich geringer, aber regelloser und durch die Anordnung der Beobach- 
tungen schwieriger zu eliminiren, als bei gleichartiger Wirkung der Einzelstörungen. 

Für die Kästen von Wagen, welche in der beschriebenen Weise der Ein- 
wirkung der Wärme des Beobachters ausgesetzt sind, empfehlen sich deshalb 
folgende Regeln zur Beachtung: 

1. Der Kasten sei über dem Balken nicht zu niedrig, damit sich unter 

seiner Decke eine Schicht wärmere Luft ansammeln kann, ohne den 
Balken gleich zu beeinflussen, 

2. er lasse sich jedesmal bis zur Decke öffnen, damit die unter dieser an- 

gesammelte wärmere Luft soviel als möglich entweichen kann. 
Die Erfahrung bestätigt, dass Wagen, deren Kästen diesen Anforderungen 
genügen, vor anderen wesentliche Vorzüge bieten. Am Besten sind hohe Kästen 
mit bis zur Decke desselben reichenden Flügelthüren. Zwischen solchen Thüren 
pflegt man, um die Ablesung der Scale nicht zu hindern, einen Glasstreifen stehen 
zu lassen. Allerdings bleibt alsdann nicht die ganze Vorderseite der Wage frei, 
wie bei den verbreiteteren Schiebethüren ; vielleicht liegt die geringere Beliebtheit 
der Flügelthüren an diesem Umstände. Indess ist der letztere, besonders bei 
schmalen Streifen, wohl ein nur eingebildeter Nachtheil, denn die Flügelthüren 
lassen bei sonst guter Raumausnutzung immer noch eine Oeffnung frei , welche weit 
breiter als die Schale, also jedenfalls ausreichend ist. Uebrigens bietet es auch 
keine Schwierigkeit, die Thüren ohne Zwischenstreifen über die ganze Vorder- 
seite gehen zu lassen, nämlich wenn die eine Thür vor der Scale über letztere 


*) Schon Gauss hat das scheinbar paradoxe Schwererwerden eines erwärmten Gewichtes 

beobachtet und als Ursache die obige daran erkannt, dass die Erscheinung bereits eintrat, bevor 

der Balken merklich hatte miterwärmt werden können. Vergl. Briefwechsel zwischen Gauss und 

Schumacher 3 S. 275. 

4* 


U ScHWiRKUS, Waoeit. ZBiTsoBiuirr PUR lK8TRüinimnun>B. 


hinwegreicht, z. B. grösser ist oder bei gleicher Grösse eine den Blick auf die Scale 
freilassende, etwa halbkreisförmige Erweiterung trägt, welche in eine entsprechende 
Aussparung der andern Thür hineinreicht. Man kann auch in den Mittelrahmen 
der einen Thür eine Ablesungslinse einfügen, welche bei passender Brennweite 
den Kopf entfernter zu halten gestattet, und so den Nutzen der Einrichtung steigert. 

Die vorerwähnten aufwärts beweglichen Schiebethüren werden vielleicht 
auch noch wegen ihrer Billigkeit vorgezogen, Sie gehen entweder mit Reibung, 
wobei sie Gegengewichte tragen, welche an Schnüren oder Ketten an der Hinter- 
seite des Kastens herabhängen, oder sie werden durch einen beim Aufziehen selbst- 
thätig eiligreifenden, von aussen zu lösenden Sperrzalm in der Aufzugsstellung 
erhalten. Schiebethüren klemmen leicht, wobei die Wage kippen kann; ferner 
fällt bei ersterer Art die Schnur oder Kette leicht von ihren Rollen oder reisst, 
bei der zweiten kann die Thür dem Unvorsichtigen leicht entfallen. Die Gegen- 
gewichte sind, falls nicht abnehmbar, beim Transport der Wage störend. Um 
Unzuträglichkeiten dieser Art auch ohne jedesmalige Beihilfe des Mechanikers 
nach Möglichkeit begegnen zu können, sollten alle Theile einer solchen Thür bequem 
zugänglich, die Gegengewichte abnehmbar und die Schnüre oder Ketten leicht 
durch neue zu ersetzen sein. 

Bezüglich der Ausdehnung des Kastens in die Breite und Tiefe bleibt nur 
zu bemerken, dass nicht nur für die Wägungsobjecte, sondern bei feineren Wagen 
auch zur Aufstellung einer Ablesungslinse und eines Hohlspiegels, mit welchem 
die Scale beleuchtet werden kann, Raum vorhanden sein sollte. 

Was nun die Wagen anlangt, in deren Kasten der Beobachter die Hand 
überhaupt nicht einzuführen braucht — der Kopf des Beobachters lässt sich durch 
Anwendung optischer Hilfsmittel immer genügend entfernt halten — , so sind dies 
entweder sehr kleine, bei denen die anzuwendende (entsprechend lange) Pincette 
schon von aussen bis auf die Schale reicht, oder es sind Wagen, welche durch 
Hilfseinrichtungen ohne Oefftien des Kastens und aus grösserer Entfernung be- 
dient und beobachtet werden können. In beiden Fällen kann der Kasten so klein 
sein, als es die sonstigen Rücksichten gestatten. 

Im Uebrigen sollten nicht nur die beiden Seitenwände, sondern namentlich 
auch die Decke des Kastens zum Oefinen eingerichtet sein. Wenn auch die 
eigentlichen Reinigungen, Justirungen u. dergl. immer dem Mechaniker überlassen 
bleiben sollten, welcher an die Zugänglichkeit der Wage keine besonderen An- 
sprüche stellt, so hat doch manchmal auch der Beobachter im Kasten zu thun 
und sollte dann seine Geschicklichkeit auf keine zu harte Probe gestellt sehen. 
Wenn z. B. behufs anderweitiger Aufstellung der Wage Schalen und Gehänge 
abgenommen werden sollen, wenn ein herabgefallener Reiter anzuhängen, ein 
Spinnfaden oder ein eingedrungenes Inscct zu entfernen, ein sperriges Object zu 
wägen ist, so soll dies Alles möglich sein, ohne dass in Folge erschwerten Ope- 
rirens im Kastenraum Schaden an der Wage selbst entstehen kann. Auch die 
im Kasten liegenden Theile der Arretirung sollen soweit zugänglich sein, dass 
sie nöthigenfalls leicht geschmiert oder anderweitig eingestellt werden können. 

Der Kasten besteht in der Regel aus Glas und Holz, seltener werden 
Metallkästen auf Marmor- oder Glasplatte angewendet. Bei hölzernen Kästen ist 
zu beachten, dass das Holz nicht ausdünstet; namentlich Nussbauraholz scheint, 
wie ein von der hiesigen Normal-Aichungs-Conunission beobachteter Fall beweist, 
leicht saure Gase zu entwickeln. Falls an den Wänden des Kastens Hilfseiu- 


SiMbenter Jahrgang. Febrnar 1887. ScHWIRKUS , Wagex. 45 

richtungen angebracht sind, welche eine bestimmte Lage zur Wage einhalten 
sollen (Pendelzeiger, Theile der Arretirung, Einrichtungen zur Dämpfung der Schwin- 
gungen^) u. dergl.), ist möglichste Sicherung gegen Verspannungen nothwendig. 

Die vorgenannte Normal -Aichungs-Commission lässt neuerdings die Kästen 
ihrer feineren Wagen, soweit sie nicht Vacuumwagen sind, durchweg in Ueber- 
einstimmung mit den vorstehenden Grundsätzen, und zwar in regelmässig sechs- 
seitiger Form aus Metall und Glas ausführen. Die Vorderseite ist dem Balken 
parallel, die beiden Nachbarseiten bilden die bis zur Decke reichenden Flügel- 
thtlren und bieten ihrer schrägen Lage wegen einen besonders bequemen Zugang 
zu den Schalen. Da die Wagen mit sogenanntem Transporteur, d. h. mit einer 
um die Mittelsäule rotirenden Einrichtung zur Vertauschung der Belastungen aus- 
gestattet werden, so ist der von ihnen selbst beanspruchte Raum von kreisförmiger 
Grundfläche, wozu die polygonale Kastenform besonders gut passt. 

Für die gleichfalls hierher gehörigen Recipienten der Vacuumwagen eignet 
sich Glas besser als Metall, sowohl wegen seiner Durchsichtigkeit und Dichtheit, 
als auch weil die in Metallglocken einzusetzenden Glasscheiben mehr Dichtungs- 
oder Verkittungsflächen erfordern. Zur Zeit sind gegossene Glocken billiger und 
besser durchsichtig, als die nur mit vielen Blasen herstellbaren geblasenen Glocken; 
am Einfachsten ist die Herstellung von Glocken ohne Decke, welche letztere dann 
von einer aufgeschliffenen Messingplatte gebildet wird. Diese Platte ist (zur Dichtung 
mit Fett u. s.w.2)blos aufzuschleifen, da Kitt leicht abplatzt. Die Glocke soll breite Schliff- 
flächen und mindestens 6 bis 7 mm Wandstärke besitzen, letzteres, damit sie nicht 
nur den äusseren Luftdruck aushält, sondern auch bei Acnderungen des inneren 
oder äusseren Druckes sich nicht deformirt, weil dies zu scheinbaren Verschiebungen 
des Scalennullpunktes während der Wägung führen kann. Durch die Glockenwand 
ist keine Ablesung möglich; es wird am Besten eine horizontale starke Platte j^qs 
optischem Glase (gewöhnliches Spiegelglas ist nicht optisch rein genug) auf eine 
entsprechende Oeffnung im Scheitel des Deckels aufgeschliffen, durch welche hindurch 
mit Hilfe eines am Balken angebrachten Spiegels oder Prismas die Ablesung mit 
Femrohr und Scale (Näheres darüber beim Capitel „Ablesung") erfolgen kann. 
Ist Deckel und Bodenplatte gegossen, so darf der Guss nicht porös sein, weil 
selbst mikroskopisch feine Poren leicht die ganze Wand durchdringen und zu 
Undichtheiten Anlass geben. Am Sichersten ist es, diese Theile ausser den Schliff- 
flächen so gut als möglich zu verzinnen. Dosenlibellen sind, wegen der Gefahr des 
Herausdringens von Aether im Vacuum, aussen anzubringen. Das Lufteinlassrohr 
muss die einströmende Luft vertheilen, damit die kleinen Zulagegewichte (Reiter) 
nicht herabge})lasen werden. Die Abdichtung der durch die Grundplatte führenden, 
zum Betriebe des Mechanismus der Wage dienenden Stopfen geschieht nach dem 
Vorschlage Stückrath's^) statt durch Fett besser mittels auf Drahtspiralen gezogener, 
über die Welle geschobener und einerseits auf der Welle, andererseits über der 
Bohrung der Grundplatte verschnürter Schläuche, welche der Welle den zu ihrer 
Bewegung erforderlichen Spielraum dadurch gewähren, dass sie sich so weit als 
nöthig tordiren. 


^) Z. B. die nach Art sogenannter Luftbuffer eingerichteten Schwingungsdämpfer nach 
Arzberger. Liebig's Annalen 178 S. 382. 

2) Statt des Säure und Dämpfe bildenden Fettes besser Vaseline (mit Wachs), möglicher- 
weise auch Glycerin mit Gelatine. 

^) Ber. über d. wissenschaftl. Apparate a. d. Berliner Gewerbeausstellung 1879. S. 190. 


46 SCHWIRKUS, Wagen. ZbiTSCHRIFT fOr IirSTBCMENTSXKUllDB. 

n. Reiter und Zulagegewichte. 

Unter den Einrichtungen, welche dazu dienen, die Gewichtsdifferenz zweier 
Wägungsobjecte für den Fall festzustellen, dass diese Differenz zu gross ist, um 
durch den Aussclüag der Wage allein bestimmt zu werden, ist diejenige zur Ver- 
schiebung eines Reiters auf einer mit dem Balken verbundenen Scale die ver- 
breitetste. Unzweifelhaft ist diese Einrichtung auch die bequemste und für die 
meisten Fälle ihrer Anwendung von völlig ausreichender Genauigkeit. Nur für 
die allerfeinsten Anwendungen der Wage stehen ihr gewisse Bedenken entgegen, 
welche neuerdings theilweise zu ihrer Ausschliessung bei solchen geführt haben. 

Der Reitereinrichtung werden indess vielfach Vorwürfe gemacht, welche 
sie nicht verdient. So ist z. B. eine gewisse Ungenauigkeit der Begrenzung des 
Hebelarmes des Reiters allerdings vorhanden, da die Lagerung eines Drahtes in 
einer Kerbe oder auf dem glatten Balkenrücken naturgemäss keine so scharf 
bestimmte und unveränderliche sein kann, wie etwa die des Gehänges auf der 
Schneide. Bei dem geringen Gewicht des Reiters ist dies aber von entsprechend 
geringem Einfluss. Selbst wenn sich z. B. ein Reiter von 20 mg auf dem 300 mm 
langen Balken einer Kilogrammwage bis zu 0,2 mm unsicher einstellen sollte, so 
beträgt die grösste aus dieser Ursache mögliche Verschiedenheit zweier unter sonst 
gleichen Bedingungen angestellten Wägungen ®.^/i5o von 20 mg, oder 0,03 mg, der 
wahrscheinliche Fehler aber nur etwa 0,006 mg, d. h. eine Grösse, welche gegen 
die Fehler einer unter gewöhnlichen Umständen beobachteten Kilogrammwage ver- 
schwindet. 

Ebenso ist es unrichtig, dass das Reiterlineal in der Ebene der drei 
Schneiden liegen müsse, wenn die Verschiebung des Reiters nicht eine Aenderung 
der Empfindlichkeit nach sich ziehen solle. In Wahrheit genügt es, wie wir gleich 
sehen werden, wenn das Reiterlineal dieser Ebene parallel ist; in welchem Ab- 
stände, ist gleichgiltig. 

Wie es scheint, gründet sich die entgegengesetzte Ansicht darauf, dass 
der Reiter, wenn er aus der Mittellage, wo er keines Gegengewichtes bedarf, ver- 
schoben wird, durch ein auf eine Endschneide wirkendes Gegengewicht auf- 
gewogen werden muss, wenn die Wage wieder einspielen soll. Befindet sich nun 
der Reiter ausserhalb, z. B. über der Ebene der Schneiden, so haben Reiter und 
Gegengewicht ihren gemeinsamen Schwerpunkt auch über der Mittelaxe und be- 
wirken also scheinbar eine um so stärkere Hebung des Gesammtschwerpunktes 
der Wage, je weiter der Reiter verschoben, je grösser also auch das Gegen- 
gewicht ist. 

Indess wird hier übersehen, dass bei einem der Sclmeidenebene parallelen 
Reiterlineale der gemeinsame Schwerpunkt von Reiter und Gegengewicht sich der 
Mittelaxe (in welcher der Einfachheit halber der Schwerpunkt der nicht mit 
Reiter behafteten Wage angenommen werden kann), um so mehr nähert, als der 
Reiter verschoben wird, und zwar derart, dass das Moment beider in Bezug auf 
die Mittelaxe unverändert bleibt. Verschiebt man z. B. den Reiter aus der Mittel- 
stellung bis senkrecht über die eine Endschneide, so muss die andere um ein ihm ge- 
rade gleiches Gegengewicht beschwert werden. Reiter und Gegengewicht zusammen 
sind dann allerdings so schwer wie zwei Reiter, sie wirken aber auch bloss im 
halben Abstände, weil ihr gemeinsamer Schwerpunkt auf der Mitte ihrer Ver- 
bindungslinie liegt, welche den früheren Abstand gerade halbirt. Sie üben also 
dieselbe Wirkung aus wie vorher der Reiter allein in der Mittelstellung. Wird 


Siebenter Jahrgang. Febrnar 1887. 


ScHwiBKus, Wagen. 


47 


der Reiter nur halb so weit verschoben, so sind Reiter und Gegengewicht zwar 
gleich IY2 Reitern, ihre Verbindungslinie trennt aber, wie man sich durch Auf- 
zeichnung der betreffenden Linien leicht überzeugen kann, vom Abstände nur ein 
Drittel ab, sodass das ^2 fache des Reiters im ^/s fachen Abstände, d. h. wieder 
der Einheit gleich wirkt u. s. f. Nur wenn das Reiterlineal einen Winkel mit der 
Schneidenebene bildet, bleiben diese Beziehungen nicht mehr erhalten. 

Hiermit ist indess unsere Behauptung noch nicht ganz bewiesen, denn die 
Empfindlichkeit muss auch unverändert bleiben, wenn der Reiter nicht durch 
ein Gegengewicht ausgeglichen, sondern die Wage in der durch die Verschiebung 
des Reiters bewirkten schiefen Stellung gebraucht wird. Dieser Beweis würde 
aber geführt sein, wenn gezeigt werden kann, dass ein Zulagegewicht p, auf die 
eine Schale eines um den Winkel ß gegen die Mittellage geneigten Balkens ge- 
bracht, einen und denselben Ausschlagswinkel a hervorbringt, gleichviel ob die 
Schiefstellung des Balkens durch eine Belastung g der Wage, oder durch Ver- 
schiebung eines Reiters hervorgebracht worden war. 

Um diesen Beweis zu führen, und zugleich den Einfluss der etwaigen 
Neigung des Lineales ziffemmässig zu bestimmen, denken wir uns auf dem in neben- 
stehender Figur darge- 
stellten, zur Schneiden- 
ebene SS um den Winkel y 
geneigten Reiterlineale RB' 
einen Reiter vom Gewicht 
R aus der Mittelstellung R 
nach jR' verschoben. Der 
Ort des Schwerpunktes aller 
übrigen Massen der Wage 
sei 3f, der Ort des durch 
den Reiter in seiner Stel- 
lung R erhöhten Gesammt- 
schwerpunktes von Wage 
und Reiter Q. Dieser Ort Q 
rückt nun durch die Ver- 
schiebung des Reiters parallel zu REf nach Q' und zwar, weil sich nach den 
Gesetzen der Statik Q'MiQ'R'^ ebenso verhalten muss wie QMiQR, Bezeichnen 
wir nun den Abstand CQ mit l, CQ' mit 1% C^mita, den Winkel QCQ' mit ß, und 
nennen die in Q bezw. Q' concentrirte Gesammtmasse der Wage gleichfalls Q, so ist 
ersichtlich, dass bei der Mittelstellung des Reiters das Moment der Wage Qlj nach 
der Verschiebung des Reiters aber, bei welcher sich der Balken um den Winkel ß 
schief stellt, Ql' ist. 

Im ersten Falle ist zur Erzielung dieser Schiefstellung, wie erwähnt, ein 
Zulagegewicht ^ aufzulegen, für das die Gleichgewichtsbedingung gilt: 

g a cos ß = QZ sin ß, oder p' = — tg ß. 

Wird jetzt eine Zulage p hinzugefügt, welche einen weiteren Ausschlag a 

hervorbringt, so ist: 

{ff •^P)a cos (a -f ß) = Ql sin (a -h ß), 

woraus sich durch Emsetzen des vorhin gefundenen Werthes für g ergiebt: 



-'-/ . ,-— a— 


\ 


\ 


\ 


\ 




s 


I 

I 


1) i» = ^'[tg(a + ß)-tgß] 


48 ScBWiBXUB, Waokv. ZcirtcRurr rOm IxmtuinxTBHnniDa. 


=B 


Im zweiten Falle ist die Schiefstellung durch Verschiebung des Reiters R 
hervorgebracht; fügt man ein Zulagegewicht q hinzu ^ welches gleichfalls einen 
weiteren Ausschlag a erzeugt^ so ist q bestimmt durch die Gleichung: 

2) qa cos (a -|- ß) = QV sin a. 

Aus 1) und 2) folgt aber: 

P^ ^[tg(«4-ß) — tgß] C08(tt-f P) 

q 2' sin a 

oder nach entsprechender Vereinfachung: 

^^ g " rcosß' 

Zieht man nun CP± CQ' so ist Z QCPr=y und 
einerseits : CP •= l cos y , 

andrerseits : CP = V cos (ß -f y), 

,, cos (ß -}- T) 7 

woraus: V = ^ l 

cos Y 

und durch Einführung in 3): 

4) ^ = ^ ^ = 1 — tff ß tff Y 

^ q cos ß cos Y o r o I 

erhalten wird. 

Hieraus folgt unmittelbar, dass im Specialfalle, wo y = 0, das Reiterlineal 
also der Schneidenebene parallel ist, p gleich g, d. h. ein Ausschlag der Wage um den 
Winkel a von dem nämlichen Uebergewicht hervorgebracht wird, gleichviel in 
welcher Stellung der Reiter und in welcher Neigung der Balken sich auch befinde. 

Was nun die grösste Veränderung der Empfindlichkeit anlangt, welche 
durch die Verschiebung eines Reiters auf geneigtem Lineale entstehen kann, so 
zeigt die vorstehende Formel, dass dieselbe einerseits von dem Winkel ß, dessen 
Werth durch das Gewicht des Reiters und die Grösse der Empfindlichkeit selbst 
bedingt wird, andrerseits von der Neigung y des Lineales abhängt. Schreibt 
man die Formel 4): 

^ = tgßtgY, 

SO giebt ^^^, also auch tg ß tg y direct die Veränderung der Empfindlichkeit in 

Bruchtheilen dieser selbst an. 

Der Winkel ß kann nun insbesondere dann sehr gross werden, wenn 
die Empfindlichkeit der Wage gross ist. Ob die Wage in der sehr schiefen 
Stellung des Balkens, welche ihm entspricht, ohne Zulage auf der andern Seite 
gebraucht werden soll oder überhaupt kann, kommt dabei nicht in Betracht, 
denn auch wenn der Reiter in seiner äussersten Stellung mit Hilfe einer (um p) 
vermehrten Belastung der andern Seite aufgewogen wird, welche die Zunge gerade 
zur Scale zurückführt, tritt genau dieselbe störende Aenderung der Empfindlich- 
keit ein. 

Ein geneigtes Lineal wird nun stets vom Balken selbst gebildet und senkt sich 
daher den Endschneiden zu; als ungünstigster Fall werde angenommen, dass es, 
wie dies noch häufig vorkommt, bis in die Ebene der Schneiden reiche und kurz 
vor der Endschneide, über welche es ja in diesem Falle nicht hinwegreichen kann, 
aufhört, etwa im Abstände ü,8a von der Mittelschneide. Der grösste vorkommende 


Siebenter Jakrgsng. Februar 1887. ScHWiRKUS, Wagen. 49 

, I ■II I I ■»■■-■ - .1 I ■ ■ ■■^ ,. I ■ I ■ ^» ,.»_—■ ^ _«.i^ ■■■■■ »^ »^^m ■ ■ — ■ , w — — — 

Winkel ß tritt alsdann ein, wenn der Eeiter auf das Ende des Lineales gesetzt 
wird, und ergiebt sich aus der Gleichung: 

0,8aJBco8ß= Q/sinß, d. h. es wird tgß = 0,8^E. 

(Als Moment der Wage ist hierin kurz Ql angenommen; genauer wäre es M mul- 
tiplicirt mit dem Arm MC, welcher Unterschied hier aber ohne Einfluss ist.) Zur 
Bestimmung von Ql benutzt man den Empfindlichkeitswinkel 9, um welchen die 
Wage ihre Gleichgewichtslage ändert, wenn die Belastung einer Seite um die 
Gewichtseinheit (1 mg) vermehrt wird, denn es ist 

Ql sin 9 = 1 mg a cos <p, 
oder: ^^ =tg<p. 

Man erhält also tg ß = 0,8 R tg 9, und daher die neue Formel : 

^ = 0,8Etg9tgY. 

Würde somit bei der früher erwähnten Kilogrammwage eine Zulage von 5 mg 
einen Ausschlag von 1° (oder bei etwa 250 mm Zungenlänge 4,4 mm der Scale) 
hervorbringen, wie dies etwa mittleren Verhältnissen entspricht, so wäre 9 = 0,2°, 
tg 9 = 0,00349 und 

?^^ = 0,00279 Etgy. 

Ein Reiter von 20 mg würde also selbst für den von uns angenommenen 
ungünstigsten Fall, dass das Lineal bis in die Schneidenebene lüneinreicht, 
auf einem um 10° geneigten Lineale (tg 10° = 0,176) im Maximum erst eine 
Aenderung der Empfindlichkeit von 0,010 oder 1%, und auf einem um 20° ge- 
neigten Lineale (tg 20° = 0,364), das aber praktisch kaum noch verwendbar ist, 
von 0,020 oder 2% hervorbringen können, d. h. nur Schwankungen, welche unter 
gewöhnlichen Umständen noch unmerklich bleiben. 

Bei den allerfeinsten Kilogrammwagen pflegt man dagegen mit mindestens fünf- 
mal grösseren Empfindlichkeiten zu arbeiten; solche Wagen würden also unter sonst 
gleichen Umständen auch fünfmal grössere Veränderungen der Empfindlichkeit als 
vorhin erleiden, während noch nicht einmal die letzteren zulässig wären. Bei diesen 
Wagen würde also ein mehr als fünfmal kleinerer Reiter, oder, da die Verwendung 
eines so kleinen Reiters kaum noch Zweck hätte, eine mehr als fünfmal geringere 
Neigung des Lineales oder endlich, bei zweckmässigster Anordnung, eine mehr als fünf- 
malige Verminderung desProductes beider erforderlich sein, wenn die mögliche Aende- 
rung der Empfindlichkeit auf Bruch theile eines Procentes eingeschränkt bleiben soll. 
Dem würde indess z. B. ein 4 mg - Reiter auf einem um 5 ° geneigten Lineale 
noch entsprechen; man erhielte das Fünffache von Vao • Vio oder ^/s des vorhin für 
10° genannten Werthes (da man unbedenklich die Tangenten dieser kleinen Winkel 
letzteren selbst proportional setzen kann), also nur eine höchstmögliche Aenderung 
der Empfindlichkeit von ^8 1« Die Anwendung nicht zu schräger Lineale kann daher 
selbst bei ziemlich weit gesteigerter Empfindlichkeit noch zulässig bleiben. 

Wir ziehen hieraus die Lehre, dass die Anordnung eines besonderen Reiter- 
lineales in der Ebene der Schneiden überflüssig ist, so lange der Balken selbst als 
zu dieser Ebene paralleles oder nicht allzu geneigtes Lineal benutzt werden kann. 
Letzteres ist aber immer möglich, denn wie wir später sehen werden, ist eine nach 
oben so spitz zulaufende Form des Balkens, dass sie der Verwendung des letzteren 
als Lineal hinderlich ist, keineswegs vorth eilhaft oder zur Erreichung der damit 


50 ScHWiRKUS) Wagen. Zbitschrift rlin Ikstrumxhtbnkdvdh. 


erstrebten Zwecke unumgänglich. Solche besonderen Lineale, welche die Trägheit 
des Balkens unnütz vermehren und die Mittelschneide excentrisch belasten, sollten 
daher am Besten ganz vermieden werden. 

Wenn wir übrigens vorhin bewiesen haben, dass bei zur Schneidenebene pa- 
rallelen Linealen, gleichviel wie gross ihr Abstand von jener ist, mit der Verschiebung 
des Reiters überhaupt keine Aenderung der Empfindlichkeit eintritt, so wurde da- 
bei selbstverständlich vorausgesetzt, dass der Reiter, als ein zur Gesammtmasse Q 
der Wage gehöriger Theil, niemals abgenommen wird. Wenn letzteres indess 
dennoch geschieht und in Folge dessen der Schwerpunkt der Wage nach M sinkt, 
also die Empfindlichkeit sich vermindert, so kann hieraus ein Grund gegen die 
Brauchbarkeit der Einrichtung nicht abgeleitet werden, da eben nur fehlerhafte 
Benutzung vorliegt. Uebrigens sind die damit verbundenen Fehler keinesfalls gross. 
Bei der vorhin erwähnten Kilogrammwage von gewöhnlicher Empfindlichkeit z. B. 
ergiebt sich das Moment Ql aus der Formel Ql = «/tgcp zu ungefähr 42970 Milli- 
metermilligramm. Wird also ein vorher irrthümlich abgehobener 20 mg- Reiter 
im Abstände x senkrecht über die Mittelaxe gesetzt, so hat dies die Wirkung, 
dass sich das Moment der Wage um 20 a; vermindert, wodurch sich die Empfind- 


lichkeit um den j^^ ten Theil vergrössert. Es wird also erst für x = 65 mm, d. h. 


42 97U 


bei einer an Reiter tragenden Balken kaum noch möglichen Höhe, eine Aenderung 
der Empfindlichkeit von 3 % , unter gewöhnlichen Umständen aber nur eine solche 
von kaum 1% eintreten können, was um so weniger ins Gewicht fällt, als man 
den Reiter fast immer braucht und daher nur selten zu dem Fehler Gelegenheit hat. 

Die bisher erörterten Fehler lassen sich nicht nur, wie wir gesehen haben, 
unter gewöhnlichen Umständen in fast immer unschädlichen Grenzen halten, sondern 
sie stehen auch bei den feinsten Wägungen einer allerdings beschränkten An- 
wendung des Reiters nicht entgegen, nämlich derjenigen zur Tarirung. Der 
Reiter, mit welchem nur tarirt wird, behält während der Wägung seinen Platz, 
unterliegt also obigen Fehlerquellen überhaupt nicht. Wenn dennoch bei den feinsten 
Wägungen auch auf die in anderer Beziehung so bequeme Tarirung mittels Reiter 
verzichtet wird, so trägt daran folgende, bisher nicht erwähnte Fehlerquelle Schuld. 

Wir hatten in Uebereinstimmung mit der auch sonst üblichen Anschauung 
die stillschweigende Voraussetzung gemacht, dass der Reiter immer senkrecht 
hängt, also um seine Unterstützungslinie sich ohne Reibung dreht. Denn nur für 
diesen Fall ist es zulässig, an Stelle des Schwerpunktes, dessen Hebelarm für 
das Moment des Reiters maassgebend ist, den Unterstützungspunkt zu setzen, weil 
nur dann der Hebelarm des letzteren mit dem des Schwerpunktes zusammenfällt. 
Genauer hätte man daher auch nicht den Einfluss der Neigung des Lineales, 
sondern der Verschiebungslinie des Schwerpunktes untersuchen müssen. Offenbar 
erfüllt nun der Reiter die erwähnte Voraussetzung nicht, vielmehr wird er inner- 
halb kleinerer Neigungen des Balkens seine Stellung gegen diesen garnicht verändern 
und bei grösseren sich nur so weit senkrecht stellen, als es die Reibung erlaubt. 
Es ist also im Allgemeinen weder zulässig, den Reiter immer senkrecht, noch ihn 
als mit dem Balken starr verbunden anzunehmen. Das Bedenkliche liegt indess 
weniger in diesem Unterschiede selbst, als in der Art, wie der Reiter seine wahre 
relative Bewegung gegen den Balken ausführt. Er wird nämlich im Laufe der 
Schwingung erst festsitzen, dann plötzlich umkippend über die Senkrechte hinaus- 
schwingen, nach einigen Eigenschwingungen wieder festsitzen u. s. f. Es entsteht 
also nicht nur eine gewisse Unsicherheit in der Begrenzung des Hebelarmes des 


Siebenter Jahrgang. Febmar 1887. ScHWiBKUB, Wagen. 51 

Reiters, sondern auch eine schädliche Unregelmässigkeit der Schwingungen der 
Wage, welche die übliche Bestimmung der Gleichgewichtslage durch Ablesung einiger 
Schwingungen zum mindesten sehr unsicher macht. 

Nimmt man z. B. an, dass an der vorerwähnten Wage der 20 mg-Reiter seinen 
Schwerpunkt 4 mm unter dem UnterstiLtzungspunkte habe — etwas darunter ist 
er stets, weil sich der Reiter sonst nicht sicher aufrecht hält — , so würde der grösste 
Unterschied zwischen der immer senkrechten und der gegen den Balken unver- 
änderten Stellung des Reiters bei einem Maximalausschlage von 3° einem Gewichts- 
unterschiede von 20 ^3^ oder 0,028 mg entsprechen. Um diesen Betrag bliebe, 
falls man nicht etwa auf die Endlage des Reiters besonders Acht hat und sie in 
Rechnung zieht, einerseits das Wägungsergebniss unsicher, andrerseits genügt der 
ihm entsprechende Stoss — denn die stattfindende plötzliche Vermehrung des 
Momentes wirkt wie ein solcher — , um bei grösserer Empfindlichkeit (z. B. von 
1° pro mg) und mittlerer Zungenlänge (250 mm) einen plötzlichen Schwingungs- 
zuwachs von doppelt so viel Bruchtheilen des Grades oder mindestens einem halben 
Millimeter an der Scale hervorzubringen, was natürlich ganz unzulässig ist. Kleinere 
und besser geformte Reiter wären allerdings weniger schädlich, doch hätten kleinere 
Reiter auch kaum praktischen Zweck. 

Wir kommen also zu folgenden Ergebnissen: Bei den feinsten Wägungen ist 
die Anwendung eines Reiters von solchem Gewicht, dass man davon wirklich Nutzen 
hätte, in der That weder zur Gewichtsbestimmung noch zur Tarirung anzurathen. 
Dagegen ist unter gewöhnlichen Umständen die Anwendung des Reiters von geeig- 
netem Gewicht und günstiger Form nicht nur unbedenklich, sondern sogar in 
grösserem Umfange zulässig, als vielfach angenommen wird. Insbesondere be- 
dingen hochliegende, aber der Schneidenebene parallele Lineale gar keine, schräge 
Lineale im Wesentlichen keine grösseren Fehler, als sie der Einrichtung aus 
anderen Gründen bereits anhaften. Die Anordnung eines besonderen Reiterlineales 
sollte und kann man stets vermeiden. 

Man fertigt die Reiter aus Platin-, Silber- oder Aluminiumdraht in Hufeisen- 
form mit oben angebogener Schlinge; ihre Verschiebung geschieht mittels eines 
in die Schlinge greifenden Hakens, der sich an einem dem Balken parallel laufen- 
den, durch die Wand des Gehäuses reichenden und von aussen verstellbaren 
und drehbaren Metallstabe befindet. Der grosse Werth der Reiterverschiebung 
beruht daher zum grossen Theil auch darauf, dass sie das Oeffnen des Kastens 
einschränkt. Zu empfehlen ist es, die Beine des Reiters an den Enden etwas 
aus der Ebene des übrigen Theiles, und zwar einander entgegengesetzt, heraus 
zu biegen, damit der Reiter im Liegen leicht mit der Pincette gefasst werden 
kann. Von obigen drei Materialien kommt Silber wegen seiner leichten Oxydir- 
barkeit immer mehr ausser Gebrauch, wogegen die Anwendung des Aluminiums, 
dessen Luftbeständigkeit der des Platins gleichfalls, wenn auch weniger nach- 
steht, namentlich für kleinere Reiter immer mehr zunimmt, weil die aus ihm ge- 
fertigten Reiter wegen des Unterschiedes im specifischen Gewicht etwa neunmal 
grösser bezw. stärker ausfallen als gleich schwere Platinreiter. 

Als Ersatz des Reiterlineales diente früher häufig der sogenannte Präcisions- 
bogen, ein mit dem Balken horizontal verbundener getheilter Halbkreis, auf welchem 
als Schiebegewicht ein horizontal drehbarer Zeiger spielt. Da bei dieser Einrichtung 
gleiche Verschiebungen nicht gleichen Uebergcwichten entsprechen, wird sie heute 
wohl kaum noch angewandt. (Fortsetzung folgt.) 


Wfstib!», HrmiKn.(;iniEif. Ztmauarr rt 


Hittheilungen aus dem physiologischem Institute der Universität 
Bestock L HC 

CDBtoi gid Bofm«cbuik«r H. Weallea in BoiUsk. 
Fortsetzung. (Siebe Jahrg. 1885. S. 196). 

12. Ophthalmometerplattenmodell nach Prof. Aubert. 
Das Modell (Fig. 1) hat den Zweck, zu zeigen, wie die Ablenkung der Licht- 
strahlen durch planparallcle Cllasplatten erfolgt, welche in der Anordnung wie beim 
Helmholtz'achen Ophthalmometer einen Winkel mit einander 
bilden. Jede Platte ist für sieb in dem anf demStänder£ befestig- 
ten Rahmen ÄA um eine verticale Axe B, B drehbar und zeigt 
den dahinter befindlichen verticalen Stab C ungebrochen, 
wenn die Glasplatten parallel zu einander in einer gemein- 
samen Ebene stehen. Dreht man allmälig mittels des Knopfes 
B die eine Glasplatte um ihre Axe, so wird der Stab immer 
mehr dislocirt, je grösser der Winkel wird, welchen die Platte 
mit der anderen bildet; dreht man, wie es beim Ophthal- 
mometer geschieht, die beiden Platten nach entgegengesetzter 
Richtung, so werden die Bilder des Stabes um die doppelte 
*'■' '" Grösse dislocirt nnd der Stab erscheint dann der Art, dass 

die linke Kante des einen mit der rechten Kante des andern Bildes eine ununter- 
brochene Linie bildet. 

13. Zwerchfellstativ nach Prof. Aubert. 
Dasselbe ist dazu construirt, nach Eröffnung der Bauchhöhle und Frei- 
Icgung des Zwerchfelles die Bauclideckcn und den Processus xiphoideus zu fixiren, 
80 dass das Zwerchfell in seiner ganzen 
Ausbreitung übersehen werden kann und 
man nicht genöthigt ist, die sehr empfind- 
lichen Bauchwandungen anzufassen oder 
auch nur zu berühren. Auf dem Lud- 
wig'schen Kaninchenbrette werden zu 
beiden Seiten des Thieres ungefähr in 
der Höhe des Zwerchfelles die beiden 
Stahlstangen A und -4' (Fig. 2) mittels der 
an ihnen befestigten Seh raub zwingen B 
und B' festgeschraubt und durch den mit 
zwei Klemmvorrichtungen G und C' ver- 
sehenen gerillten Messingstab D ver- 
bunden. Der kurze Doppelhaken E wird 
mit dem einen Ende in den Processus xiphoideus eingehakt und mit dem an- 
deren über die gerillte Quci-stange, ungefähr in deren Mitte gehängt, wo er ver- 
möge der Rillung an einer Verschiebung gehindert wird. Darauf wird die Stange 
D HO hoch geschoben, dass der Processus xiphoideus genügend angespannt ist. 
Die beiden verstellbaren Doppelhaken FnndF' dienen zum Halten der Baueh- 
dei'ken; sie werden zunächst in letztere eingehakt, und erst nachdem die Ein- 


8i«toiit»r Jilipg«ii[. PebniH 1B8J. WebTIFN, MirTHEILÜHOEK. 53 

BtelluDg des mittleren Hakens ausgeführt ist, vermöge ihres Schlitzes und ihrer 
Verschiebung auf der gerillten Stange nach beiden Seiten hin so adjustirt, dass 
die Bauchdecken massig gespannt sind; eine zu grosse Spannung dislocirt das 
Zwerchfell und behindert seine Bewegungen, eine zu schwache beeinträchtigt die 
Beobachtungen. Das Zwerchfellstativ erleichtert die Demonstration der Zwerch- 
fell sbewegungen in Vorlesungen, ist aber auch sehr geeignet, die Contraction 
der Zwerchfellsmnskulatur direct zu beobachten und z. B. die Differenzen der- 
selben bei Reizung des N. vagvs und des A', laryngeus superior zu sehen und zu 
demonstriren. 

14. Augenbewegungsmodell nach Prof, Aubert. 

Das Modell besteht aus der denBulbus darstellenden Halbkugel X (Fig.3), welche 
sich in der Pfanne B nach allen Richtungen hin bewegen lässt. An der Halb- 
kugel Ä sind da, wo die Augen- 
muskeln an den Bulbus angesetzt 
sind, Stahlbandstreifen, welche 
die Augenmuskel vorstellen, be- 
festigt. 

Die beiden Stahlbandstreifen, 
welche den M. rectiis medialis und 
den jl/. rectus lateralis vorstellen, 
sind darch die Spiralfeder!) ver- 
bunden, diejenigen Stahlband- 
streifen, welche den Af. rectas si/jk- 
rior und den M. rectus inferior dar- 
stellen, durch die Spiralfeder E. 

Erstore ist in der horizontalen, '''«■ *■ 

letztere in der verticalen Auskerbung der Kugel F eingelegt. Hierdurch wird 
zugleich die Halbkugel Ä in der Pfanne B gehalten. Die den M. obliqum inferior 
und den M. oUiquus superior repräsentirenden Stahlbandstreifen tragen an ihren Enden 
kleine Spiralfedern, und zwar ist die Spiralfeder des ersteren an dem Säulchen H, 
diejenige des letzteren an dem Anne J befestigt. Durch einfaches Anziehen an 
einem der Stahlbandstreifen lässt sich die Wirkung des betreffenden Augenmuskels 
zeigen; ebenso lässt sich die combinirte Wirkung der graden und schiefen 
Augenmuskeln durch Bewegung der Halbhohlkugel in einem der Meridiane 
demonstriren. 

Femer ist bei G ein Charnier angebracht, welches gestattet, die Stange K 
sammt der mit Einkerbungen versehenen Kugel F nebst Muskeln seitlich bis zu 
einem Anschlage in dem Halter M zu bewegen, um den Muskeln diejenige Richtung 
zu geben, welche sie bei ihrem natürlichen Ansätze in der Augenhöhle haben. 
Ausserdem ist der Bulbus mit einem in ihm festen rechtwinkligen Coordinaten- 
system verschen, welches bei der Ruhestellung des Auges mit einem im Räume 
festen zusammenfallt. Bei Bewegungen des Bulbus sieht man dann, in welcher 
Weise die beiden Coordinatcnsystome sich gegen einander verschieben, und wie 
gross der Winkel ist, welchen die im Bulbus festen gegen die im Räume festen 
Coordinatenaxen bilden. Das letztere System kann um ein Charnier C am Fusse 
desselben umgeklappt und dann wieder eingestellt werden, damit es die Bewe- 
gungen des Bulbus nicht beeinträchtigt. 


54 Wkbtieii, Mit 


15. Myographion zum Aufzcictnen von Hubhöhen, 

Der Apparat wird im Rostocker physiologischen Institute dazu henutzt, die 

Hubhfihen zu registriren, welche bei Elektrotomusversuchen von dem Muakel 

geleistet werden und dient also zu demselben 

Zwecke, wie die berusste Glasplatte bei Pflüg er 's 

Untersuchungen über den Elektrotomus. 

Auf der oberenSeite einer Parallelkiemrae^) ist 
cineMcssingplatte B (Fig. 4) aufgeschraubt, welche 
an ihrem einen Ende die vertieale Axe C trägt. 
Auf letzterer steckt der an seiner unteren Seite 
mit einem Wurmrade E versehene Sehreihcy- 
linder D; in dieses Rad E greift eine Schraube 
ohne Ende ein, die sich in den Axenlagem FF 
durch die Kurbel G drehen lasst. Die Axenlager 
FF sind auf einer um die Ansatzsch raube H 
horizontal beweglichen Querschiene L befestigt, 
welche durch die Spiralfeder J stets nach der 
Axe C herangezogen wird, wodurch die Schraube 
^*' *' ohne Ende immer sanft an das Zahnrad E ge- 

drückt und jeder todte Gang im Eingriff beseitigt wird. 

Soll der Cylinder D mit Schreib- oder Glanzpapier tunspannt werden, so 
drückt man die die Axenlager tragende Schiene L von dem Zahnrade weg und 
kann dann den Cylinder sammt letzterem von der Axe abheben. Nach dem Wieder- 
aufsetzen bringt die Feder J die Schraube mit dem Wurmrade wieder in Eingriff. 
Legtman am Pflüger'schen Myographion die amMuskelende angebrachteSchreib- 
feder an die Papierfläche an, so erhält man leicht dieMarey'sche!m&r(ea(i'o« toera/e, in- 
dem man durch viertel, halbe, dreiviertel oder ganze Kurbelumdrehung den Cylinder 
kleinere oder grössere Strecken an dem Schreibstift vorbeibewegt. Die Hubhöhen des 
Muskels sind dann alle neben einander geschrieben und lassen sich leicht vergleichen, 
16. Verbesserte Universalklemme nach H. Westien. 
Die im Jahrg. 1885 dieser Zeitschrift in ihrer Construction und vielfachen 
Anwendungen näher beschriebene Universal klemme hat inzwischen noch eine Vor- 
besserung erfahren, wodurch nicht allein ihre Her- 
stellung etwas erleichtert, sondern auch das Gebiet 
■'i ihrer Anwendbarkeit noch beträchtlich erweitert 
' 3 worden ist. Sie gestattet durch eine einzige Schrauben- 
drehung einen Retortcnhalter oder einen Gegenstand, 
der mit einer behebigen (runden, ovalen, dreikan- 
tigen, quadratischen oder flachen) Stange versehen ist, 
an einem Stative oder an einer Tischplatte sicher zu 
. . fixiren. Die Stativstange kann je nach der Grösse 

' "" -' der verwandten Klemme von 2 bis 9 mm oder von 5 bis 

^'*- *■ 13mm oder von 7 bis 15mm variiren und kann eben- 

falls im Querschnitt rund, oval, dreikantig, quadratisch oder flach sein. Die Con- 
struction ist folgende ; Auf dem mit einem hakenförmigen Kopf versehenen Bolzen A 
{Fig. 5) befindet sich dicHohlscheibeB, dasKlemmstückCund die Flügelmutter D nebst 


') Vgl. diese ZeitBchr. 1884 S. 80. 


Siebenter Jahrgang. Febmar 1887. Pulfbicr, Totalbeflectovbteb. 55 

* 

Unterlegscheibe. Die Mutter D hat ihr zugehöriges Gewinde auf dem Bolzenende und 
presst beim Anziehen einerseits das Klemmstück G und die Hohlscheibe B gegen ein- 
ander, wodurch die in die winkelförmige Auskerbung des Klemmstückes gesteckte 
Stange H geklemmt wird, anderseits aber auch den Bolzenkopf sowohl als auch 
die Hohlscheibe gegen die Stativstange J, so dass zugleich diese und die Stange H 
in unveränderlicher Weise gegen einander fixirt werden. (Fortsetzung folgt.) 


Das Totalreflectometer und seine Verwendbarkeit für weisses Licht. 

Von 
Dr. €. Pnlft-lrb in Bonn. (U. Mittheilang). 

Die hübschen Resultate, welche das im Anschluss an meine erste Mittheilung 
in dieser Zeitschrift S. 16 bis 27 beschriebene Instrumentchen, dasKrystallrefracto- 
skop bei Benutzung von Sonnenlicht ergeben, haben in mir den Gedanken wach- 
gerufen, die Anwendbarkeit des Totalreflectometers auch auf weisses Licht auszudehnen. 

Im Gegensatz zu der scharfen Grenzlinie zwischen hell und dunkel bei Be- 
leuchtung mittels der Natriumflamme, tritt bekanntlich für weisses Licht ein glänzendes 
farbiges Band auf, welches Newton den „blauen Bogen" genannt hat. Hält man da- 
ran fest, dass, wie bereits hervorgehoben, dasselbe kein eigentliches Spectrum ist, 
sondern seinen Ursprung lediglich der verschiedenen Lage der Grenzlinie für ver- 
schiedene Farben verdankt, so ist klar, dass jede einzelne Grenzcurve in Folge der 
Uebereinanderlagerung der Farben sich der Wahrnehmbarkeit entzieht. Nur das 
Spectroskop bietet deshalb die Möglichkeit, die Grenzcurven für jede einzelne Farbe 
sichtbar und der Messung zugänglich zu machen. 

Die Herren Mach und Arbes haben vor Kurzem^) in ihren „Versuchen 
über totale Reflexion und anomale Dispersion** die spectrale Auflösung dieses Farben- 
gemisches in eleganter Weise zu einer bequemen und übersichtlichen objectiven 
Darstellung der anomalen Dispersion verwandt, nach dem „Princip der Kreuzung 
einer anomalen Totalreflexion und einer normalen Brechung". 

Das mir gesteckte Ziel habe ich durch Anwendung eines einfachen Spectro- 
skopes mit gerader Durchsicht und einer mit diesem fest verbundenen Scale erreicht. 
Ueber die Einzelheit der Einrichtung soll nachher berichtet werden. Ich will jedoch 
vorab bemerken, dass dieselbe Anwendung natürlich auch für andere Totalreflectometer 
gilt. Was beispielsweise das Kohlrausch 'sehe angeht, so lasse man zunächst das 
Fadenkreuz mit der Grenzlinie, welche sich bei Beleuchtung mittels Natriumlichtes ^) 
zeigt, zusammenfallen. Hierauf werde hinter die Natriumflamme behufs Beleuchtung 
mit weissem Licht ein Argandbrenner gestellt, und nun der Ocularauszug des Fern- 
rohres entfernt. Ein vorgehaltenes Taschenspectroskop, dessen Spalt horizontal liegt 
und möglichst mit der früheren Lage des Fadenkreuzes zusammenfällt, zeigt dann 
eine scharfe Grenzcurve, welche das Spectrum schräg durchzieht bezw. abschneidet. 
Soll diese in allen Theilen des Spectrums gleichmässig scharf hervortreten, so muss 


1) Rep. der Physik. 22, S. 31. 1886. Vergl. auch Mach und Osnobischin, Anz. der Wien. 
Akad. 1875. — 2) Auch bei dem Kohlrau seh 'sehen Totalreflectometer stelle ich die Flamme ver- 
hältnissmässig weit vom Apparate auf. Die Strahlen werden durch eine Linse auf der Krystall- 
platte vereinigt. Dadurch erzielt man neben einer grossen Helligkeit, in Folge deren die Grenze 
besonders bei streifendem Lichteintritt sehr gut sichtbar wird, dasselbe wie bei Benutzung eines 
transparenten Schirmes, indem die diffuse Beleuchtung hier durch solche Lichtstrahlen bewirkt 
wird, welche unter möglichst verschiedenen Einfallswinkeln auffallen. 


PülPWCH, ToTAI.REPLECTOKBrBB. ttmCWOWT ri 


die Acliromasie des Pernrohrobjectiva eine möglichst rollkommene sein. Die gleich- 
zeitige Anwendung von homogenem Lichte der im Bunsen'schen Brenner verflüchtigten 
Salze hat zur Folge, dass sich die zugehörigen Spectrallinien als horizontale und 
durch die Grenze einseitig abgeschnittene Geraden bemerkbar machen. Ein vor 
dem Spalt befindlicher Querfaden erscheint als eine das Spectrum vertical durch- 
ziehende dunkle Linie ^ dieselbe vertritt bei der Messung den Vcrticalfaden des Faden- 
kreuzes und wird auf den Durchschnitt von Spectrallinie und Grenze eingestellt. 
Ersetzt man deshalb das kleine Femröhrchen des Kohlrausch'schen Total- 
reflectometers durch ein grösseres, wie das bei meinen Beobachtungen mit diesem 
Instrument über die Totalreflexion an Kalkspath') wirklich geschah, und sorgt für 
eine genügend feste Verbindung des Spectroskopes mit dem ganzen Instrumente, 
so ist ersichtlich, dass das Kohlrausch'sche Totalreflectometer sich durch diese 
Zugabe zu einem brauchbareren Messinstrument gestaltet und sehr viel mehr damit 
erreicht werden kann als ohne dieselbe. 

Ich bemerke noch, dass die Ausrüstung des im hiesigen physikalischen Institut 
befindlichen Kohlrauach'schen Totalreflectometers mit einem kleinen Tasehenspectro- 
skop in der beschriebenen Weise definitiv ausgeführt worden ist und mit dem 
so abgeänderten Apparat gegenwärtig Messungen ausgeführt werden, über deren 
Ergebniss spUter geeigneten Ortes bcrii'htet werden soll. 

Kehren wir indcss zu unserem Instrument zurück! An der Stelle, wo die 

durch die Objectivlinse in das Femrohr eintretenden Strahlen sieb vereinigen, also 

dort, wo sich früher das Fadenkreuz befand, liegt jetzt der horizontal oder vertical 

gestellte Spalt eines geradsichtigen Spectroskopes. Der Spalt selbst ist, nachdem 

der ganze Apparat zusammengesetzt ist, von aussen 

leicht durch Drehen der runden Spaltplatte zu öffnen 

bezw. zu verengern, ebenso wie das an den Browning' 

sehen Taschenspectroskopen der Fall ist. Vor dem 

Spalt ist ein Querfaden angebracht. 

Hinter dem Spalt befinden sich zwei Linsen von 
kurzer Brennweite, ein sog. Ramsden'schcs Ocular, 
und ein aus drei Prismen zusammengesetzter Prismen- 
satz. Die Dispersion ist so gewählt, dass das ganze 
Gesichtsfeld ausgenutzt wird. Die letzte Prismenfläehe 
wirkt gleichzeitig als Spiegel für eine hinter einer 
Lupe befindliche photograpbirte Scale. Die Beleuch- 
tung der Scale erfolgt bequem durch einen seitwärts 
auf dem Tische ausgebreiteten Papierbogen. Nachdem 
einmal durch Einzeichnen der bekannten Spectral- und 
Sonnenlinien die Wellenlängen der einzelnen Scalen- 
tlieile (20 bis 30 auf das ganze Spectrum) bekannt und 
fixirt sind, bietet die Scale den grossen Vorzug, jede 
künstliche homogene Lichtquelle zu ersetzen. 
*''«-^ Bei den gegenwärtig von Herrn Wolz hcrge- 

Bleltten Instrumenten ist bei Anfertigung der Fernrohre bereits auf die Ersetzbar- 
keit des Ocularrohres durch das beschriebene Spectroskop Rücksicht genommen. 
Ist das letztere eingeschoben, so steht es nur um ein Geringes über der Ebene des 


•) Neues Jahrb. fdr Min. Beil. Bd. V. 


«cb«t«r Jahrgug. Fabnur 1887, PoT-FBiCR, ToTALBeFI.ECTOinm. S7 

verticaten Theilkreisea hervor. Der nach einer Photographie ausgeführte Holz- 
schnitt Fig. 5 zeigt den ganzen Apparat, jedoch ohne das Speetroskop. Die Be- 
deutung der einzelnen in der Figur sichtbaren Theile ist nach dem Früheren wohl 
ohne Weiteres deutlich. 

An dem Versuchsinstrument, mit welchem die in meiner ersten Mittheilung 
beschriebenen Beobachtungen ausgeführt worden sind, konnte die Anbringung eines 
kleinen Pariser Taschenspectroskopea verhältnissmässig leicht bewerkstelligt werden. 
Auf den Vortheil einer Scale musste ich freilieb bei meinen Beobachtungen verzichten. 

Um den Gesammteindrück der Erscheinung zu veranschanlichen, welche 
sich mit diesem so eingerichteten Apparate darbot, sind in den Figuren 6 und 7 
die beobachteten Effecte für unsere schon mehrfach erwähnte Quarzplatte und eine 
Qnan (+). Kalkapath (— ). 


Ralkspathplatte , beide parallel der Axe geschliffen, fixirt. Die beiden unteren 
Curven entsprechen dem ordentlichen und ausserordentlichen Spectrum der Kry- 
stalle. Der Doppelpfeil soll die Lage der kurzen Diagonale des vorgehaltenen 
Nicols angeben, bei welcher Stellung die bezeichnete Grenze sichtbar war. Die 
von der FlüssigkeitsBchicht zwischen Cylinder und Objectplatte herrührende obere 
Grenze tritt besonders schön bei Benutzung einer aufgekitteten Glasröhre auf, da 
dadurch der streifende Eintritt in die FlüssigkeitsBchicht wesentlich erleichtert wird. 

Die früher erwähnten Interferenz streifen durchziehen als dunkle Bauden 
das Spectrum unterhalb dieser Grenze. Dass letztere das Farbenspectrum in an- 
derer Richtung abschneidet als die Krystallcurven, hat seinen Grund in der über- 
wiegenden Dispersion der Flüssigkeit gegenüber derjenigen des Cylinders, sofern 
die Beziehung: sinii=y.Vi^ — -Hi* vorliegt. 

Interessant in dieser Richtung verhält sich Cassiaöl. Wie aus Fig. 6 er- 
sichtlich, sind für alle Farben die Anstrittswinkel nahezu gleich. Entzieht man 
dem Oel durch Verdunsten einen Theil seiner aetherischen Bestandtheile, so geht 
das blaue Ende der Curve in die Höhe. Setzt man Aether zu, so ntthert sich das 
Aussehen dem der Grenzcurve für Quarz. 


58 PuLFBICHi TOTALBEFLBCTOIIETSB. ZkiTSCHIUTT FÜR iNBTRUMEimanCÜHDE. 

• 

Setzte ich der in der aufgekitteten Glasröhre befindlichen Flüssigkeit (a-Mono- 
bromnaphtalin z. B.) alkoholische Cyaninlösung zu, so war die Erscheinung der ano- 
malen Dispersion sehr klar ausgesprochen. Die alkoholische Lösung (n=l,36) für 
sich allein war mit dem Glascylinder nicht zu erreichen. 

In Fig. 7 zeichnet sich die Grenzcurve für a-Monobromnaphtalin dadurch 
aus, dass sie die ordentliche Kalkspathcurve im Orange scharf abschneidet. Ober- 
halb derselben ist von einer Fortsetzung der Kalkspathcurve nichts mehr zu sehen. 
Denn hier ist der Fall eingetreten, dass »ix? der ordentliche Brechungsindex des 
Kalkspathes, grösser ist als der Brechungsindex der Flüssigkeit und deshalb keine 
Totalreflexion mehr möglich ist^). Durch Erhöhung der Zimmertemperatur wandert 
die Curve nach unten, der Durchschnittspunkt rückt dem Blau zu. 

Was die Wanderung der ausserordentlichen Grenzcurve bei verändertem 
Azimuthe betrifft, so bot sich bezüglich Quarz, parallel der Axe geschliffen, wieder 
die ähnliche Erscheinung, wie ich sie früher bei homogenem Natriumlicht ohne 
Benutzung des Spectroskop-Oculares gesehen und beschrieben habe. Die untere 
in Fig. 6 mit o bezeichnete Curve bleibt constant, wohingegen sich die obere, e, 
parallel mit sich selbst verschiebt und für den Fall, dass die optische Axe in die 
Einfallsebene fällt, mit o sich vereinigt. 

Einen etwas anderen Charakter hat die Erscheinung bei horizontal ge- 
stelltem Spalte. Der Querfaden erscheint jetzt vertical. Die beiden Grenzen liegen 
horizontal, parallel zu den Spectrallinien. 

Auch bei Gips umfasst das Gesichtsfeld die drei Extremcurven des zwei- 
axigen Krystalles (vergl. I. Mittheilung S. 25) und hier macht sich besonders das 
gegenseitige Durchschneiden der beiden Grenzcurven für eine parallel zur 
optischen Axenebene gelegte Ebene sehr elegant. Da nach den Beobachtungen des 
Herrn V. v. Lang der optische Axenwinkel sich für verschiedene Farben ver- 
schieden verhält, eine Erscheinung, die man als Dispersion der optischen Axen be- 
zeichnet, so leuchtet ein, dass man mit dem Apparat diese Dispersion direct messen 
kann, falls man nur eine die optische Axenebene enthaltende Fläche vor sich hat. 
Bei Gips ist diese Abweichung etwas gering, auffallend stark hingegen bei Seignette- 
salz und einigen anderen Krystallen^). 

Was Kalkspath angeht, so waren die Extremgrenzcurven sehr scharf aus- 
geprägt. Da indess bei der starken Doppelbrechung des Kalkspathes stark gegen 
die Horizontale geneigte Grenzcurven an der Mantelfläche des Cy linders zm* 
Brechung gelangen, so war die genaue Beobachtung der Grenzcurve in den Mittel- 
lagen nur durch Anbringung eines Spaltes vor dem Objectiv mit symmetrisch sich 
bewegenden Schneiden möglich. Letzterer in Verbindung mit dem Spectroskop- 
spalt schwächt zwar die Lichtmengen einigermaassen, lässt aber die Grenzcurve 
selbst in allen Mittellagen scharf hervortreten. Ohne diese Schutzvorrichtung, 
welche aus dem Mantel ein schmales verticales Flächenelement herausgreift, bleibt 
die Grenze verschwommen und verwaschen auch bei homogenem Lichte ohne 
Spectroskop"). Ich bemerke ausdrücklich, dass für Quarz, wo die Brechungs- 
indices so nahe zusammenliegen, ohne Benutzung des Spaltes nur eine sehr geringe 


1) Vergl. I. Mittheilung S. 17. a - Monobromnaphtalin hat eine etwa 2 bis 3 mal stärkere 
Dispersion als Kalkspath. 

2) Brookit, Glauberit, Bleizucker und andere; vergl. Müller- Pouillet- Pfaundler 
Lehrb. der Physik. IL 1879. S. 188. — ») Groth, Physikal. Krystallographie. 2. Aufl. 1885. S. 112. 
Ueber diese und verwandte Dinge soll später geeigneten Ortes berichtet werden. 


Siebenter Jahrgang. Febrnar 1887. PüLFBiCH, T0TAI.SEFLECTOMBTEB. 59 

Verwaschung für die Mittellagen zu bemerken war. Indess ist auch hier der Ein- 
flus^ des Spaltes nicht zu verkennen^). * 

In gewisser Beziehung hat das Undeutlichwerden der mittleren Grenzcurven- 
stücke, den Spalt vor dem Objectiv dabei fortgedacht, einen Vorzug, sofern die 
Lage der Hauptgrenzcurven sich durch das Maximum der Schärfe auszeichnet, 
zumal da hier gleichzeitig der Sinn der Bewegung der Curve sich meist ändert. 
Im Allgemeinen begnügt man sich mit der Bestimmung der Extremindices. Sollten 
zur Prüfung einer Theorie auch die Mittellagen der Grenzcurven messend verfolgt 
werden, so ist von dem Spalt vor dem Objectiv Gebrauch zu machen. 

Von einer Bestimmung des Neigungswinkels der Grenzlinie gegen die 
Horizontale, wie solches von mir bei Natriumlicht und einem mit drehbarem Faden- 
kreuz eingerichteten Ocular des Kohlrausch'schen Totalreflectometers behufs Prüfung 
der Theorie ausgeführt worden ist^), kann hier natürlich nur in beschränkter Weise 
die Rede sein. * 

Dies ist zwar ein Nachtheil dem Kohlrausch'schen- und Prismenverfahren 
gegenüber, bei denen man es mit planen Austrittsflächen zu thun hat; er wird aber 
durch weit grössere Vortheile aufgehoben. Nachdem einmal die Neigung der Grenz- 
linie unter möglichst verschiedenen Verhältnissen theoretisch wie experimentell be- 
handelt worden ist, und ferner aber mit blossem Auge auch bei Natriumlicht- 
Beleuchtung die haarscharfe Curve in allen ihren Lagen beobachtet werden 
kann, dürfte eine weitere Bestimmung des Neigungswinkels kein grösseres Interesse 
mehr beanspruchen, da man sich doch in Zukunft wohl damit begnügen wird, die 
Lichtgeschwindigkeiten der den Krystall unter verschiedenen Azimuthen durch- 
setzenden Strahlen zu messen; letzteres ist, wie oben ausgeführt, mit meinem 
Instrument möglich. 

Die im Folgenden mitgetheilten Messungen beziehen sich auf eine grössere 
Reihe ein- und zweiaxiger Krystalle; dieselben stammen meist aus dem optischen 
Institut des Herrn Steeg. Ausser einigen farblosen sind auch mehrere kleine, 
dichroitische Krystallwürfel und zum Schluss noch einige natürliche Flächen 
von Krystallen untersucht worden. 

Zur Bestimmung des Brechungsindex des auf dem Cylinder liegenden Ob- 
jectes lässt man den Querfaden (Fig. 6) mit dem Durchschnittspunkt der be- 
treffenden Spectrallinie und der Grenze zusammenfallen und liest am Theilkreise 
ab* Da nun aber durch Anbringung des Spectroskopes die Einstellung mit Gauss' 

1) Vergl. hierüber Mittheilung I. S. 19. — Ein einfacher Versuch, der mit geringen 
Hilfsmitteln ausführbar ist, möge die Wirkungsweise kugelförmig gewölbter Oberflächen auf die 
Grenzstrahlen bezw. Grenzcurven einigermaassen veranschaulichen. Man lege eine planconvexe 
Linse (Beleuchtungslinse) auf einen weissen Papierbogen. Von hier fallen unter den Einfalls- 
winkeln von bis 90° auf die untere Planfläche Lichtstrahlen auf, die in das Glas (n = 1,51) ein- 
dringen, aber mit dem Grenzwinkel « = 41°,5 abschliesseu. Ein direct über der Linse befindliches 
Ange wird daher den ganzen Untergrund erleuchtet sehen. Sobald aber der Beobachter in einer 
mehr geneigten Richtung gegen die Horizontale nach der Linse hinsieht, zeigt sich eine gerade, 
horixon talliegen de, scharfe Grenze, die senkrecht zur Beobachtungsrichtung verläuft und bei 
einigermaassen grösseren Linsen einen farbigen Saum hat. Das mit der Grenze beginnende Gebiet 
vollständiger Dunkelheit (sofern nicht Reflexe die Erscheinung stören) schiebt sich, während der 
Beobachter den Kopf stetig senkt, vom Rande anfangend, schliesslich über die ganze Linse 
hinweg. Die Construction bestätigt den Vorgang. Die Grenze verschwindet, sobald man den 
Zwischenraum zwischen Glasfläche und Papier mit Wasser ausfüllt. — Die Grenze ist nur mit 
blossem Auge sichtbar, nicht aber mit dem auf unendlich eingestellten Femrohr, da die jedes- 
malige Lage der Grenze an die Stellung des Auges geknüpft . ist. — *^) Pu 1fr ich, N. Jahrb. 1. c. 


60 


PüLFBICHy TOTALBEFLECTOMSTER. ZEITBOHXirr FÜK IhSTBÜ MBB T I U I K UKDB. 


schem Ocular nnmöglich geworden ist, so ist man zur Bestimmung des Null- 
punktes auf einen kleinen Umweg angewiesen. Man berechnet unter Zugrunde- 
legung des Brechungsindex Nß des Cylinders und des bekannten Brechungsindex 
n/> für den ordentlichen Strahl beispielsweise von Quarz den Winkel i und stellt 
den Querfaden auf den Durchschnitt der Natriumlinie mit der Grenze ein. Die 
Subtraction des Winkels i von der Ablesung am Theilkreise giebt so den Null- 
punkt für alle übrigen Einstellungen. — Man kann indess auch das Femrohr 
auf die andere Seite des Cylinders bringen und durch entgegengesetzte Beleuchtung 
den Winkel 180** -h 2 t messen. Auf diese Weise gelangt man ebenfalls zum Null- 
punkt. 

Dieser Nullpunkt hat somit für alle Messungen, welche mit demselben Cy- 
linder ausgeführt werden, eine constante Lage. Man ist also im Stande, mit 
einer einzigen Einstellung den Brechungsindex zu finden. 

Verzichtet man darauf, eine empirische Theilung am Theilkreise anzubringen, 
welche den Brechungsindex sofort angiebt, ferner auf die Anwendung einer fertigen 
Tabelle , so geschieht die Berechnung wieder nach der bequemen Formel : 

worin N^ den Brechungsindex des Cylinders für diejenige Farbe (X) bedeutet, für 
welche die Messung des Winkels i erfolgte. 

Unter Voraussetzung der Mascart 'sehen Zahlen für Quarz, sowie der be- 
kannten Brechungindices eines bereits früher erwähnten Glasprismas wurden für 
die sieben in der Tabelle zusammengestellten Spectrallinien folgende Werthe erhalten: 

Brechungsindices des Cylinders.^) 


Spectral- 
Tiinien. 

Wellenlänge. 

N. 

(Ä) Kao, 

0,7601 

1,7020 

Li 

0,6705 

1,7070 

(C) Ho, 

0,6562 

1,7083 

(D) Na 

0,5889 

1,7151 

Tl 

0,5349 

1,7228 

(F) flß 

0,4861 

1,7324 

CsoL 

0,4587 

1,7406 


Die fünf Linien Eiia, Li, ^a, Tl und Csa wurden durch Verflüchtigen der betreflFenden 
Salze in der Flamme des Bunsen'schen Brenners erzielt. Die Flamme stand wieder 
etwa 1 m weit vom Apparat entfernt hinter einem Schirm mit nicht zu grosser Oeff- 
nung. Durch einen hinter dem Bunsen' sehen aufgestellten Argandbrenner wurde 
gleichzeitig weisses Licht in die Krystallplatte gesandt. 

Zur Erzeugung des WasserstoflFspectrums bediente ich mich einer G ei ss- 
ler 'sehen Longitudinalröhre, die ebenfalls in einer Entfernung von 1 m be- 
festigt war und deren Licht durch eine Linse auf der Platte vereinigt wurde. 
Das Resultat war ein recht glänzendes Wasserstoffspectnim; indess habe ich 
nur zeitweise die violette Linie Bß in Rücksicht gezogen. Auf Anwendung von 
Sonnenlicht musste ich der anhaltenden trüben Witterung wegen einstweilen ver- 
zichten. 


1) Leider ist durch ein Versehen des Verf. in Fig. 2 der I. Mitth. S. 28 irrthümlich für 
Nß der Werth 1,7153 angegeben, während im Text überall die richtige Zahl 1,7151 steht. — Auch 
muss es S. 21 heissen: 34» 39' statt 34» 43'. 


Siebenter Jahrgang. Febmar 1887. 


PULFRIOH, TOTALBEFLECTOMSTEB. 


61 


Die Spectrallinien der obigen Zusammenstellung sind gleichmässig über das 
Spectrum verbreitet. Li^ erleichtert wegen der Nähe an H^ die Beurtheilung des 
Fehlereinflusses. 

Man sieht aus den folgenden Tabellen: 

Quarz parallel der Aze (Fig. 6) 
I ' Ausserordentlicher Strahl < — ►. 


Linie. 

9 

% 

n 

Diff. gegen 
Mascart. 

Eao, 

46° 36' 

1,5391 

0.8 

U 

47 12 

1,5413 


B<t 

47 21 

1,5418 

+ 0.8 

Na 

48 16 

1,5442 

4- 0.3 

Tl 

49 22 

1,5467 

— 

Csa 

50 46 
52 3 

1,5496 
1,5517 

-1- 0.6 


• 

M. 

Diff. gegen 

• 

#i 

Mascart. 

44° 58' 

1,5483 

1.8 

45 36 

1,5503 

— 

45 44 

1,5509 

4- 0.5 

46 39 

1,5533 

+ 0.8 

47 43 

1,5559 

— 

48 58 

1,5591 

— 1.3 


— 

— 



Kalksp 

ath parallel der Aze (Fig. 

7.) 



Linie. 

• 

n 

Differenz gegen 
Kudberg. Mascart. 

a -Monobromnaphta- 
lin. — Zimmertem- 

Li 

Na 

25° 37' 
25 2 

1,6513 
1,6621 

— 

— 

peratur 10° C. 

Tl 

24 33 

1,6722 

— 

— 

Kalkspath 
ord. Strahl 

Durchschnitt 
Na 

250 28' 
25 54 

1,6585 

0.0 

0.4 

I 

Tl 

26 48 

1,6625 


— 

H^ 

27 59 

1,6677 

-1- 3.2 

-1- 2.4 

Kalkspath 

Li 

570 32' 
57 39 

1,4839 

1,4848 

2.5 

0.6 

extraord. Strahl 

Na 

58 48 

1,4865 

— 1.5 

— 0.5 

^ ^ 

Tl 

60 11 

61 57 

1,4884 
1,4907 

-4- 0.4 

+ 1.4 


dass selbst eventuelle Fehler bis zu 5' in der Bestimmung von i den Brechungs- 
index n erst bis zu 3 Einheiten in der 4. Decimale unsicher machen. Bedenkt 
man, dass ich mit meinem Theilkreis 10' direct ablesen, 2 bis 3' noch schätzen konnte, 
dass aber bei den neu gebauten Instrumenten 1' direct ablesbar, halbe und drittel 
Minuten noch bequem zu schätzen sind, und berücksichtigt femer, dass die erwähnten 
Fehlergrössen nur für die verhältnissmässig ungünstigste Lage des Femrohres 
(z==etwa45®) gelten^), für grössere und kleinere Austrittswinkel sich bedeutend 
vermindern, so leuchtet ein, dass unsere Methode die 5. Dec. mit Leichtigkeit 
sicher zu stellen im Stande ist. In dieser Hinsicht wetteifert der Apparat selbst 
mit einem besseren Spectrometer. 

Natürlich ist Bedingung, dass der Index des Glascylinders für alle Farben 
mit ausreichender Schärfe bekannt sein muss, was aber durch spectrometrische 
Bestimmung mit dem beigefügten Prisma leicht erzielt werden kann ,* im Uebrigen 
bei. der Messung selbst beständige Controle erfährt. 


i) Vgl. die Fehlerrechnung S. 23, I. Mittheilung. 


62 


PuLFRICH , T^ftT AT.itgg T.iefi'my ■■^'pew. ZsiTSORRlFT vOtL IxSTKülCUrrui E VHDS. 


Ausser Quarz und Kalkspath wurden noch folgende wasserklare Krystalle 
untersucht: 

1. a) Eine rechteckige Gipsplatte zum Erwärmen senkrecht zur Mittel- 
linie geschliffen. 
b) Eine runde Gipsplatte^ parallel zur optischen Axenebene geschliffen 
(vergl. S. 7). 

2) Arragonit von Böhmen. 

3) Apophyllit von Tyrol. 

4) Baryt von England. 

5) Phenakit vom Ural. 

6) Glimmerplättchen. 

Wie man aus den Tabellen erkennt, waren für Arragonit ß und y und für 
Phenakit o mit Monobromnaphtalin, welches ich für Indices bis herauf zu 1,65 
als eine sehr angenehme und handliche Flüssigkeit empfehlen kann, die fraglichen 
Grenzcurven nicht zu erreichen. Die von Herrn Abbe für höhere Indices vor- 
geschlagene Substanz, Arsenbromür (N'p (24°) = 1,781) ist „oberhalb 20 bis 28° 
eine fast farblose, ölige, nicht flüchtige, chemisch anscheinend indifferente" Flüssig- 
keit. Unterhalb der bezeichneten Temperatur erstarrt die etwas röthlich gefärbte 
Flüssigkeit zu einer weissen krystallinischen Masse. Leider habe ich keine bessere 
Flüssigkeit ausfindig machen können, die sich durch einen so hohen Brechungs- 
index auszeichnet, ohne an anderen Uebelständen zu leiden. Bei Arsenbromür 
ist das Arbeiten mit einer giftigen Flüssigkeit in einem stark eingeheizten Zimmer 
gerade nicht angenehm. Ich habe schliesslich Phosphor in Schwefelkohlenstoff 
(N = 1,71) für Arragonit ß und y verwandt. Die Grenzen erschienen indess nicht 
recht scharf, was wohl durch die Verdunstung des Schwefelkohlenstoffes am 
Rande und die dadurch bedingte ungleiche Aenderung der Schicht seine Er- 
klärung findet. 


D 


D 


D 


D 


D 


1) Gips (t=14o) (+) 


Linie. 

OL A > 

»<-^ 


U 

1,5172 

1,5190 

1,5260 

Ha 

1,5184* 

1,5203* 

1,5273* 

Na 

1,5200 

1,5220 

1,5292 

Tl 

1,5221 

1,5246 

1,5315 

Hf 

1,5268* 

1,5288* 

1,5357* 


Nach Angström (19°): 


1,5206 


1,5227 


Nach V. V. Lang (16,8°): 


1,5207 


1,5228 


Nach Quincke: 


1,5201 


1,5230 


Nach F. Kohlrausch (26°): 


1,5183 
1,5198 


1,5206 
1,5216 


Nach W. Kohlrausch: 


1,5190 


1,5211 


1,5297 

1,5305 

1,5294 

1,5280 
1,5289 

1,5285 


2) Arragonit von Böhmen ( — ). 


Linie. 

a 

ß ._> 

Y ^— > 

Li 
Na 
Tl 

1,5272 
1,5300 
1,5325 

1,6766 
1,6816 
1,6856 

1,6809 
1,6860 
1,6908 


Nach Budberg: 


D 


1,53013 


1,68157 


1,68589 


3) Apophyllit von Tyrol ( — ): 


Linie. 



e -ir — ♦■ 

Li 
Na 
Tl 

1,5369 
1,5404 
1,5429 

1,5340 
1,5379 
1,5405 


Nach F. Kohlrausch für Ap. ( + ): 


D 


1,5343 


1,5369 


Nach Des Cloizeaux für Ap. (Nalsöe) (-f-) 


D 


1,5317 


1,5331 


Sieb«nt6r Jtktfguig. Febrour 1887. Pulfrich, Totalbeflectometer. 


63 


4) Baryt von England (-}-). 


5) Phenakit vom Ural ( — ): 


Linie. 

tt 4 >■ 

ß4-> 

i k 
Y . 

Li 
Na 
Tl 

1,6334 
1,6368 
1,6398 

1,6344 
1,6379 
1,6411 

1,6450 
1,6486 
1,6520 


Tiinie. 

▲ 



T 

e^ 

Li 

Na 
Tl 

1,6703 

1,6495 
1,6527 
1,6555 


Nach Heusser für Schwerspath, Engl.: 


Nach Grailich für Ph. (-[-); 


D 


1,63630 


1,63745 


1,64797 


D 


1,6544 


1,6703 



6) Glimmerplättchen 

(-). 

Linie. 

a 

P4-> 

Y -^— > 

Li 
Na 
Tl 

1,5566 

i,5aoi 

1,5635 

1,5899 
1,5936 
1,5967 

1,5943 
1,5977 
1,6005 


Nach Kohlrausch: 


Na 1,5609 


1,5941 


Nach Matthiessen: 


Na 1,5692 


1,6049 


1,5997 


1,6117 


Zum Vergleich habe ich auch Messungen anderer Beobachter hinzuge- 
fügt. In Folge der Verschiedenheiten und der Fundorte der Krystalle variiren 
die Brechungsindices oft beträchtlich. 

Den Bestimmungen für Hg^unAHa bei Gips und Topas lege ich kein grosses 
Gewicht bei. Dieselben sind offenbar zu gross geworden. 

Die Messungen an gefärbten Krystallen beziehen sich auf: 

7) Topas röthlich. 

8) „ von Brasilien (weingelb). 

9) Penn in (grünroth). 

10) Turmalin (röthlich) von Kärnthen. 

11) „ (grün) von Sibirien. 

12) Cordierit (blau). 

Die Beobachtung war selbst bei dem ordentlichen Spectrum von Turmalin 
trotz der starken Absorption ^) und der kleinen, etwa Y4 qcm grossen Fläche 
eine verhältnissmässig günstige. Die Grenzen waren im gelb -grünen Theil noch 
ziemlich scharf, zeigten aber dem Roth und Blau zu Verwaschungen. Insbesondere 
auch bei Pennin waren in Folge der sehr starken Absorption die Grenzen ver- 
schwommen, aber immerhin noch deutlich sichtbar. Der den einzelnen Beo- 
bachtungen beigesetzte Stern deutet eine Ungenauigkeit der Einstellung in Folge 
dieses Umstandes an. Gerade in Hinsicht der Untersuchung gefärbter Objecto 
möchte ich noch auf eine Thatsache aufmerksam machen, die bisher noch nicht 
hervorgehoben worden ist. 

Zu dem grossen Vortheil der Methode, eine erhebliche Menge Licht in den 
Krystall senden zu können, gesellt sich noch ein zweiter, der nicht weniger wichtig 
ist. Bekanntlich hat man es bei der Beobachtungsweise mit streifend einfallendem 

^) Vergl. Pulfrich, Absorption in dichroitischen Krystallen, Wiedem. Ann. 14« S. 129. 


64 


PüLfRICH, ToTALBEFLBCTOlfETBR. ZbiTBCHBIFT TÜR IVSTSÜlflEamraüVDB. 


7) Topas (röthlich) (-f ). 


10) Turm all n v. Kärnthen (röthlich) (— ). 


Linie. 

a •< — ► 

ß .-> 


Li 

1,6257 

1,6274 

1,6338 

Sa 

1,6260* 

1,6280* 

1,6351* 

Na 

1,6288 

1,6303 

1,6369 

Tl 

1,6310 


1,6390 

Hf 

1,6363* 

1,6375* 

1,6437* 


Linie. 



e ^ — ■► 

Li 
Na 
Tl 

1,6304* 

1,6345 

1,6374 

1,6083* 

1,6124 

1,6146 


11) Turmalin v. Sibirien (grün). 


Nach Feussner: 


D 


1,6156 


1,6181 


1,6251 


Nach Rudbepg f. Topas von Brasilien (weiss) 


D 


1,61161 


1,61375 


1,62109 


8) Topas von Brasilien (weingelb) (+). 


Linie. 



• e 

Li 
Na 
Tl 

1,6389* 

1,6425 

1,6449* 

1,6185 
1,6220 
1,6240* 


Linie. 

OL ^ > 

ß ^-> 

4i 
Y 

Li 

Na 
Tl 

1,6275 
1,6305 
1,6330 

1,6291 
1,6325 
1,6351 

1,6356 
1,6387 
1,6416 


Nach Des Cloizeaiix für T. (farblos); 


D 


1,6366 


1,6193 


9) Penn in (grün 

-roth) (— ). 

Linie. 



T 

6 < — > 

Li 

Na 
Tl 

1,5922 
1,5956 
1,5992 

1,5816 
1,5854 
1,5902 



12) Cordierit (blau) (-f). 

Linie. 

a 4 — > 

ß ^-> 

Y 

Li 

Na 
Tl 

1,5384 

1,5401 

1,5427 
1,5438 
1,5468 


Nach Des Cloizeaux: 


orange 


1,535 


1,541 


1,546 


Lichte im Gegensatz zu der Beleuchtungsart mit reflectirtem Lichte mit dem schroffen 
Gegensatz zwischen Hell und Dunkel zu thun. Der hell erleuchtete Theil des Ge- 
sichtsfeldes verdankt seinen Ursprung den vom Object in den Cy linder partiell ge- 
brochenen Strahlen. Dieselben werden aber (was bei dem reflectirten Lichte nicht 
der Fall ist,) wie aus der folgenden kleinen Zusammenstellung ersichtlich ist, 
auf einen sehr kleinen Winkelraum zusammengefasst. ^) Bei der Berechnung 

sin(i + ß) = yi^^ — n^sin (90° — a) sind die beiden Werthe ND=l,71bl und 
«2>= 1,01812 zu Grunde gelegt. Man sieht zugleich, dass es auf einen absolut genauen 


a 

ß 

0« 16' 

0' 

10" 

30 



44 

45 

1 

39 

1 — 

2 

53 

1 30 

6 

34 

2 

11 

40 


Einfallswinkel von 00° nicht ankommt. — Mit Rücksicht auf diesen Punkt will ich noch 
erwähnen, dass der obere Rand des auf der Platte vereinigten Lichtfleckes , oder 
die obere Kante der Platte selbst sich im Gesichtsfeld als zweite und oft scharfe 
Grenze (diesmal oben hell und unten dunkel) darstellt, die aber mit der eigent- 
lichen Grenzcurve nichts zu thun hat. Zwischen beiden liegt das der beleuchteten 
Fläche entsprechende Lichtband. 


Siebenter Jahrgang. Febmar 1887. Ki«EnrEBE Mittheilunoen. 65 

' ■ ■■-■—■■■ I ■ 1,1 ^m^^^ ■■■■ ■■■ ^- ■■■ .^^ ■■! ^.. ■ - ■ . 

Schliesslich habe ich noch einigeBeobachtungenanden natürlichen Flächen 
folgender Kry stalle ausgeführt: 

1) Schwefelsaures Kobalt-Nickel (roth-braun). 

2) „ Nickeloxydul-Kali (grün). 

3) „ „ -Ammoniak (grün). 

Die Krystalle sind Eigenthum des chemischen Institutes zu Bonn. Hr. Prof. 
Zincke in Marburg ist Präparator derselben. 

Bei allen Flächen konnte ich die dem Krystall eigenthümlichen Grenzcurven 
erkennen. In Folge der zum Theil starken Färbung trat der Absorptionsstreifen 
kräftig hervor. Das würde indess die Messung für das durchgehende Licht wenig 
behindert haben , wenn nur nicht die Mehrzahl der im Uebrigen sehr hübsch aus- 
gebildeten Krystallindividuen für meine Zwecke etwas mangelhafte Flächen besessen 
hätte. Oft besteht eine solche grössere Fläche aus mehreren kleinen, die unter nahezu 
180® aneinanderstossen. Beim Drehen des Cylinders giebt dann jede dieser Einzel- 
flächen ihre charakteristische Grenzcurve, die aber in Folge der geneigten Lage 
der Fläche gegen die Cylinderfläche stets an anderer Stelle sich zeigen und deshalb 
den Beobachter zweifelhaft lassen, welche Curven die richtigen sind. 

Das Nicol musste, wenn die Grens^^e deutlich erscheinen sollte, oft so ge- 
halten werden, dass die kurze Diagonale bald senkrecht, bald horizontal, bald 
in einer mehr geneigten Lage sich befand, entsprechend der Lage der natürlichen 
Fläche zur optischen Axenebene. 

Eine Fläche bei 1) war etwas besser ausgebildet. Entsprechend den drei 
übereinander liegenden Grenzen erhielt ich für ^^ die drei Werthe 1,4941, 1,4916, 
1,4788. Zwischen ähnlichen Grössen bewegten sich die Bestimmungen an 2) und 3) — 
Für den Index eines „in der Ebene der optischen Axe liegenden und polarisirten 
Strahles" giebt S^narmont^) für Kali und Kobalt 1,469—1,462, für Nickel-Kali 
1,492 — 1,489 und für Nickel-Ammoniak 1,498—1,500 an. 

Bonn, Mitte December 1886. 


Kleinere (Original-) Mittliellangen. 

Hilüsvorriclitung für das Mikroskopiren bei Lampenliclit. 

Von BoBsant C. Troester in Biesenbnrgi Westpr. 

Jeder Mikroskopiker wird die Mängel der künstlichen Beleuchtung beim Arbeiten em- 
pfunden haben, trotzdem aber zuweilen genöthigt gewesen sein, zum Lampenlicht seine Zu- 
flucht zu nehmen. Dieses Licht unterscheidet sich von dem zur mikroskopischen Beobachtung 
angenehmsten, diffusen Tageslicht zumeist durch die Farbe und durch die Richtung der Strahlen, 
welche den Spiegel treffen. Diese sind nämlich nahezu parallel und daher treten im mikro- 
skopischen Bilde sehr störende Interferenzerscheinungen auf. Um diese Fehler zu beseitigen, 
bediene ich mich einer Platte von schwach blaugefärbtem Glase , welche auf einer Seite matt 
geschliffen ist und in die Oeffhung des Mikroskoptisches eingesetzt wird, so dass der Spiegel 
bezw. Condensor auf der mattgeschliffenen Fläche ein Bild der Lichtflamme erzeugt. 

Der Erfolg ist sehr befriedigend, besonders bei schwachen und mittleren Vergrösse- 
rungen. Bei Anwendung der schwächsten Systeme ist natürlich Sorge zu tragen, dass nicht 
ausser dem Bilde des Objectes ein störendes Bild der mattgeschliffenen Glasplatte auftritt. 


^) S^narmont, Pogg. Ann. 80« S. 64. 


66 Referate. Zbitsohrift für iMSTRVMBirrBmnTXDB. 


Referate. 

GtoBohossgesohwindigkeits - MeBSung. 

Ton A. und V. Fl am ach e. Engineering. 1886. 42. S. 652. 

Im Jahrgange 1884 dieser Zeitschrift S. 431 hatten wir einen von J. G. Ben ton 
angegebenen Apparat zum Messen von Geschossgeschwindigkeiten erwähnt, der auf folgendem 
Principe beruhte: In der Geschossrichtung sind zwei mit sehr feinen Drähten überspannte 
Rahmen angebracht; das Geschoss zerreisst beim Passiren der beiden Rahmen die feinen 
Drähte, unterbricht hierdurch einen elektrischen Strom und löst nach einander zwei Pendel 
aus, die dann in entgegengesetzter Richtung über einem getheilten Gradbogen schwingen; 
der Punkt , in welchem sich die beiden Pendel begegnen , wird auf dem Gradbogen fixirt 
und aus seiner Entfernung vom Nullpunkte auf die Zeit geschlossen , welche das Geschoss 
gebraucht hat, um von einem Rahmen zum anderen zu gelangen. 

Das Princip des vorliegenden Apparates ist ein ganz ähnliches; nur werden die 
Momente, in denen das Geschoss die Rahmen passirt, mittels des elektrischen Stroms direct 
auf den Registrirstreifen eines Chronographen übertragen. Die Uebersetzung des auf diese 
Weise auf dem Streifen markirten Intervalles in absolute Zeit geschieht nun aber nicht in 
der gewöhnlichen Weise durch Verbindung des Chronographen mit einer astronomisch be- 
stimmten Uhr, wie man der Einfachheit wegen erwarten sollte, sondern der Gang des Re- 
gistrirstreifens wird durch einen besonderen Apparat bestimmt. Derselbe besteht aus einer 
an beiden Seiten verschlossenen und luftleer gemachten gläsernen Röhre ; in dieser ist oben 
ein mit einer elektrischen Batterie verbundener Elektromagnet angeordnet, dessen Anker 
bei geschlossenem Strom eine kleine eiserne Kugel anzieht. Wird der Strom unterbrochen, 
so fällt die Kugel auf ein 30 cm unter dem Anker angebrachtes Elfenbeinplättchen hesab; 
unter letzterem ist eine Spiralfeder, welche durch das Gewicht der Kugel m edei 'g ediü ckt 
wird und hierdurch einen zweiten Stromkreis schliesst; beide Momente, das Unterbrechen 
des einen und das Schliessen des anderen Stromkreises, werden nun auf dem Registrir- 
streifen des Chronographen markirt. Vorausgesetzt, dass die Entfernung zwischen Anker 
und Elfenbeinplatte unverändert bleibt, was durch eine Compensationsvorrichtung garantirt 
sein soll, muss für einen und denselben Ort auch die Zeit stets dieselbe bleiben, welche 
die Kugel zum Durchfallen dieser Entfernung braucht und daher muss bei gleichmässigem 
Gange des Chronometers auch diese Zeit stets durch dasselbe Intervall auf dem Streifen 
dargestellt werden; durch Vergleichung dieses Intervalles mit einem anderen wird man daher 
das letztere in absolute Zeit übersetzen können. 

Die Verfasser nehmen für ihren Apparat eine ganz excessive theoretische Genauig- 
keit , V894000 Secunden , in Anspruch , bezüglich deren wir nur die Bemerkung der Zeitschrift 
für Elektrotechnik 1884, S. 594^ über die Genauigkeit des Eingangs erwähnten Ben ton' 
sehen Apparates, „dass sie für jede derartige Erfindung zutreffend sein soll,'' wieder- 
holen wollen. W. 

üeber ein einfaches Localvariometer Air erdmagnetische Horizontalintensität. 

Von Prof. Dr. F. Kohlrausch. Wied. Ann. N. F. 29. S. 47. 199. 

Eine Messingsäule, die auf einem mit Stellschrauben versehenen Dreifuss aufge- 
baut ist, trägt an ihrem oberen Ende eine Dose mit einer gut spielenden, 8 cm langen, 
leichten Magnetnadel ; auf dieser Säule ist an einer Hülse eine Kreisscheibe verschiebbar, 
die festgeklemmt werden kann. Die Hülse trägt eine zweite mit einer Trommeltheilnng 
versehene, um dieselbe drehbare Scheibe, auf welcher ein 10 cm langer, 15 cm dicker 
Magnetstab durch drei Schräubchen befestigt ist. Der Magnet ist in der Mitte durchlocht, 
um über die Säule geschoben werden zu können , an dieser Stelle aber entsprechend verdickt; 
die feste Scheibe ist mit zwei verstellbaren, die bewegliche mit einem festen Atischlag 
versehen. Beim Gebrauch wird die untere Scheibe in einer solchen Höhe festgeklemmt, 


Siebenter Jahrgang. Februar 1987. Referate. 67 

dass die Wirkung des Magneten auf die Nadel diejenige des Erdmagnetismus um ein Ge- 
ringes tiberwiegt, die bewegliche Scheibe femer so gedreht, dass der Nullpunkt ihrer 
Theilung mit einer nach Norden liegenden Marke der festen Scheibe zusammenfällt und 
der ganze Apparat so orientirt, dass die Nadel sich parallel dem Magnetstab, natürlich 
in umgekehrter Richtung einstellt. 

Dann werden auf der unteren Scheibe die beiden Anschläge symmetrisch zu beiden 
Seiten des Nullpunktes unter einem beliebigen, nieht zu grossen Winkel festgestellt, die 
obere Scheibe bis an einen derselben gedreht und das ganze bewegliche System soweit 
gehoben, bis die Magnetnadel eine gegen den Meridian nahezu senkrechte Richtung hat; 
eine Drehung der Scheibe bis zum andern Anschlag bewirkt eine Drehung der Nadel um 
nahezu 180®. Wenn H und W die Horizontalintensitäten an zwei Orten sind, pi undjpa 
die zugehörigen Abweichungen des einen Poles der Nadel bei einer Lage des Magnetstabes, 
pi' und ^' die des entgegengesetzten Poles bei der anderen Lage sind, so ergiebt eine 

leichte Rechnung — j=— = R \(p2 — p^') — (Pi — i?i'>)l» wo J2, der Reductionsftkotor des 

Apparates, gleich 0,004 beziehungsweise 0,005 wird, wenn man die Anschläge in Bogen- 
abständen von 24,7° bez. 29,9° befestigt. L, 

k 

Apparat Air Tensionsbestimmimgen. 

Von G. W. A. Kahlbaum. Chem. Berichte, 19. S. 2954. 

Die Anordnung löst eine der hauptsächlichsten Aufgaben, die bei Tensionsbestim- 
mungen in Betracht kommen, nämlich die Temperatur der ganzen, die Barometer umge- 
benden Wassersäule auf gleicher Temperatur zu erhalten. Zur Erwärmung der Barometer- 
röhren dient ein von Wasser durchström ter allseits geschlossener Kasten von je 18 cm Länge 
und Breite, 40 cm Höhe; die vordere und hintere Wand werden von Spiegelglasscheiben 
gebildet, welche zwischen einem Messingrahmen und einer Gummipackung durch Flügel- 
schrauben festgehalten werden; alle anderen Wände sind aus Kupfer. Durch die hierfür 
am Boden angebrachten Tubulaturen können zwei Barometerröhren eingeschoben werden; 
drei Tubulaturen an der Decke dienen zur Einführung von Thermometern. Je eine weitere 
Tubulatur am Boden und an der Decke ist durch Kupferröhren mit den correspondirenden 
Tubulaturen eines zur Erwärmung des Wassers dienenden Weissblechcylinders von 25 cm 
Durchmesser und 75 cm Höhe verbunden. Die Flammengase streichen durch ein den Cy- 
linder axial durchsetzendes Rohr, gehen von dort in einen den Cylinder umhüllenden Mantel 
und von hier durch einen Schlot ins Freie. Das erwärmte Wasser geht in bekannter Weise 
durch die obere Kupferröhre in den viereckigen Kasten und durch die untere zurück. Der 
Weissblechcylinder hat femer einen Wasserablaufhahn, einen Wasserstandszeiger und zwei 
Tubulaturen an der Decke , die eine zur Aufnahme eines Thermoregulators und eines Thermo- 
meters, die andere für ein bis fast an den Boden reichendes Glasrohr, durch das mittels 
eines Wasserstromgebläses Luft eingepresst werden kann, imi die Wassercirculation zu 
befördern. Dass dieser Apparat eine ganz gleichmässige Temperatur in dem zum Erwärmen 
der Barometerröhren dienenden Kasten erzielen lässt, zeigte der Verfasser, indem er den- 
selben durch einen gleich grossen Kupferkasten ersetzte, der in verschiedenen Höhen und 
an verschiedenen Seiten sechs Thermometer hatte , deren Angaben genügend übereinstimmten. 

Wgsch, 

Potentialverstärker Air Hessiingen. 

Von W. Hallwachs. Wüd. Ann. N. F. 29. S. 300. 

Um eine stählerne Axe ist mittels einer Rotationsvorrichtung und einer Trans- ^ 
mission aus Messingdraht an Speichen aus Hartgummi ein Messingrohr drehbar, welches 
durch zwei diametral gegenüberliegende Schlitze in zwei von einander isolirte Theile ge- 
trennt ist. Bei seiner Drehung geht das Rohr zwischen zwei zur Erde abgeleiteten Halb- 
cylindem hindurch, von denen der eine am Fussbrett des Apparates, der andere an der 



68 Referate. Zeitsohbiit rtfn Inbtbuieektskkvxde. 

Axe befestigt ist. Jeder Theil des rotirenden Rohres streicht mit zwei Ansätzen an eine 
zur Elektricitätsquelle bezw. zum Elektrometer führende Feder aus Neusilberblech. Der 
ganze Apparat ist in einem zur Erde abgeleiteten Kasten von Messingblech eingeschlossen, 
um ihn vor äusseren elektrischen Einflüssen zu schützen. Die Wirkungsweise ist leicht 
ersichtlich; man hat es mit einer sich schnell wiederholenden Wirkung des Condensators 
zu thun, durch welche das Potential einer schwachen elektrischen Ladung multiplicirt wird, 
so dass es auch mit einem Elektrometer von grosser Capacität gemessen werden kann. L, 

Methode znr CoUimimng Ifewton'soher Eefleotoren. 

7on E. J. Spitta. The Ohservatary. 1886. S. 439. 

Um die zu besprechende Methode anwenden zu können, ist in den Tubus des Re- 
flectors dem Ocular r genau gegenüber (s. d. Fig.) ein Loch von etwa 1 4 mm Durchmesser 
gebohrt. In dasselbe wird eine planconvexe Linse p eingesetzt und hinter dieser die Lampe l 
angebracht. Femer ist in der Mitte des kleinen Spiegels s in der Ausdehnung eines Kreises 

von ungefähr 1 mm Durchmesser die Sil- 
berbelegung von der Glasfläche entfernt, 
so dass die von der Lampe kommenden 
Strahlen theilweise durch den Spiegel 
hindurch gehen können. Dieselben werden 
dann, weil sie nicht von einem einzigen 
leuchtenden Punkte, sondern von einer 
leuchtenden Fläche, der Flamme, her- 
kommen, nicht in paralleler, sondern, 
soweit dies die Oeffiiung des Licht- 
kegels zulässt, in allen möglichen Richtungen durch die Oeffhung o in der Spiegelbe- 
legung hindurchgehen , so dass ein vor dieser befindliches Auge den Eindruck einer kleinen 
leuchtenden Fläche erhalten würde. 

In die Ocularröhre schiebt man, nachdem man den Ocularkopf zu diesem Zweck 
für einen Augenblick abgenommen hat, einen Tubus, an dessen vorderem, dem Femrohr 
zugekehrten Ende sich eine concav-convexe Linse q befindet, deren Oeffiiung etwa gleich 
25 mm und deren Brennweite ungefähr gleich dem Durchmesser des Reflectors ist. 

Die Strahlen, welche nun von dem kleinen leuchtenden Kreis o auf die Linse q 
fallen, werden zum Theil durch das Glas hindurchgehen und zur Erhellung des Gesichts- 
feldes dienen; sie scheinen zwar, da o innerhalb der Brennweite von q liegt, nach dem 
Durchtritt durch q von einem nach jenseits o liegenden virtuellen Bilde der Oeffnung 
herzukommen, von diesem aber wird der Beobachter Nichts wahrnehmen, weil es eben 
nicht innerhalb der Brennweite des Oculares liegt. Der andere Theil der von o kom- 
menden Strahlen wird an den beiden Flächen von q eine Reflexion erleiden, es werden 
daher zwei Spiegelbilder der Oefihung o entstehen. . Da dieselben aber nahe hinter ein- 
ander liegen, so werden die nach dem Spiegel s reflectirten Strahlen von einem einzigen 
Bilde herzukommen scheinen, so dass wir daher der Kürze wegen nur von einem Spiegel- 
bilde reden können. 

Von dem Spiegel s werden die Strahlen des Spiegelbildes nach S und von da 
wieder zurück nach s reflcctirt. Hätte sich das Spiegelbild im Focus von S befunden, so 
würden die von S nach s reflectirten Strahlen parallel gehen; da es sich jedoch zwischen 
dem Spiegel S und seinem Focus befindet, so werden die Strahlen bei ihrer Reflexion 
von S nach s etwas divergiren. Nachdem sie endlich wieder von s nach q reflectirt und 
durch diese Linse convcrgent gemacht sind, liefern sie ein durch das Ocular r zu be- 
trachtendes Bild der Oefinung o. Volle Deutlichkeit giebt man demselben, indem man 
während der Beobachtung die Hand in die Oeffhung des Reflectors einführt und den mit 
q verbundenen Tubus etwas in die Ocularröhre hinein- oder herausschiebt. Ist das In- 
stmment vollkommen justirt, so muss das Bild in die Mitte des Gesichtsfeldes fallen. 


Siebenter Jahrgang. Februar 1887. Referate. 69 

Um ZU probiren, ob die Linse q gut centrirt ist, was ein wesentliches Erfordemiss 
bei Anwendung der Methode ist, schlägt der Verfasser vor, den Polarstem zu beobachten, 
während die Linse q sich im Femrohr befindet, und dabei mit der durch die Oeffhung 
des Reflectors eingeführten Hand den Tubus zu drehen. Das Bild des Polarsterns darf 
hierbei seine Stellung im Gesichtsfeld nicht ändern. 

Ein besonders günstiges Urtheil über die erwähnte Methode sind wir gerade nicht 
in der Lage zu fällen. Eine Beseitigung oder Bestimmung des Collimationsfehlers, 
die man nach der Ueberschrift als Zweck des Verfahrens ansehen könnte, wird dadurch 
natürlich nicht ermöglicht; dazu ist ein Umlegen des Instrumentes erforderlich. Man er- 
reicht durch die Spitta'sche Methode nichts weiter als eine Justirung des kleinen Spiegels, 
die man durch Anwendung eines Gauss 'sehen Oculars bedeutend einfacher bewerk- 
stelligen kann. Kn. 

üeber den 36 -zölligen Refractor des Lick- Observatoriums. 
Vm Prof. C. A. Young. Engl Mech, 44, S. 149. 

Dieser grösste aller existirenden Refractoren, (0,96 m Oeffiiung und 18,5 m Brenn- 
weite), auf dessen Leistungen Astronomen wie Optiker gleich gespannt sind, ist nach Young 
in seinem optischen Theile, der von Clark &sons in Boston herrührt, nahezu vollendet. 
Die Glasmasse wurde von Feil in Paris geliefert; der nach aussen gelegenen Crownlinse 
ist eine fast gleichschenklig convexe, der Flintlinse eine nahezu planconcave Gestalt er- 
theilt worden; zwischen beiden ist ein Abstand von angeblich 175(?)mm. Das Objectiv 
befindet sich in einer provisorischen Montirung, derselben, welche seiner Zeit auch dem 
Pulkowaer 81 cm -Objectiv diente und damals gleich für die Aufnahme auch dieses grösseren 
eingerichtet worden war. Natürlich sind die Dimensionen aller Montirungsstücke ganz 
colossale. Der Pfeiler ist eine 10 m hohe gemauerte Pyramide; die Polaraxe hat etwa 
30 cm Durchmesser und 4 m Länge; die Declinationsaxe etwa dieselben Maasse. Der 
Tubus , ein riesiger Cylinder von Kesselblech , ist über 1 m weit und fast 20 m lang. So 
macht das Instrument schon äusserlich einen imposanten Eindruck. Diese Angaben gelten 
für die provisorische Montirung Clark's. Die definitive, welche von Warner & Swasey 
in Cleveland geliefert wird, muss aber natürlich ziemlich dieselben Dimensionen erhalten. 
— Die Prüfung der optischen Qualität, die Verf. in Verbindung mit einigen anderen 
hervorragenden Astronomen, wie Pickering und Langley, vornahm, ergab ein sehr 
günstiges Eesultat, soweit bei hellem Mondschein, ziemlich schlechter Beschaffenheit der 
Atmosphäre und überhaupt nach den Beobachtungen einer einzigen Nacht ein Urtheil ge- 
fällt werden konnte. 

So wurde der Doppelstem y Coronas (Entfernung Y4") bequem aufgelöst (die theo- 
retische Grenze des Auflösungsvermögens bei diesem Objectiv ist etwa ^/i^')', der von 
Winnecke entdeckte Begleiter von a Lyrae war auch ohne Verdeckung des Haupts temes 
deutlich sichtbar; ein von Hm. A. G. Clark jun. entdeckter Begleiter von a Herculis 
desgleichen nach Verdeckung des Hauptstemes; Nebel litten anscheinend unter dem 
Mondlicht. 

Es war projectirt, das Instrument mit noch einer zweiten Crownlinse auszustatten, 
welche in Verbindung mit derselben Flintlinse für die photographisch wirksamen Licht- 
strahlen beste Correction herstellen sollte. Als aber Clark die schlecht gekühlte und stark 
gespannte Scheibe auf Andringen des Glaslieferanten zu schleifen begann, zei*sprang sie 
geradezu. Trotzdem wird an diesem (dem Ref. etwas absonderlich scheinenden) Project 
festgehalten. 

Die ganze Schleif- und Polirarbeit soll noch nicht ein volles Jahr in Anspruch 
genommen haben — gewiss eine erstaunliche Leistung. Der Verfertiger war nur noch 
mit einigen äussersten Feinheiten der Correction beschäftigt. Innerhalb eines weiteren 
Jahres soll der Bau des gesammten Observatoriums vollendet sein. C?. 


70 Referate. Zb i t b c hriw ' für Instrümcntehküiidb. 

üeber ein neneB Ahrens'sches (Doppel-) Pruma. 

Von S. P. Thompson. Phü, Mag, 7. 21» S. 478. 

Die Neuheit dieser Construction ist sehr zweifelhaft, da sie auch in dem von 
E. Bertrand 1884 beschriebenen Polarisationsprisma angewandt ist. (S. d. Referat in dies. 
Zeitschr. 1885. S. 30). lieber die Zusammensetzung und Wirkung dieses Prismas hat 
bereits Dr. H. Schröder im vorigen Jahrgang d. Zeitschr. S. 310 sich eingehend geäussert, 
so dass Ref. sich auf folgende kurze Bemerkungen beschränken kann. 

Die Endflächen und die optische Axe stehen senkrecht gegen die Längskanten. 
Von der Mitte der einen Endfläche gehen symmetrisch zwei mit Balsam erfüllte Schnitt- 
flächen aus, in welche der Lichtstrahl unter 74° einfällt. Es ist daher gleichsam ein 
doppeltes Prisma, bei welchem die beiden Mittelstücke vereinigt bleiben. Ref. schlägt 
daher die Bezeichnutig ^Doppelprisma" vor. Der durch diese Construction zu gewinnende 
Vortheil besteht darin, dass mit Venvendung von wenig Kalkspath die Polarisation über 
eine grosse Fläche ausgedehnt werden kann. Der Polarisationswinkel ist ebenso gross 
wie derjenige jedes einzelnen Prismas. Ein Nachtheil ist es, dass da, wo die beiden 
Schnittflächen zusammenkommen, eine dunkle Linie im Gesichtsfelde entsteht. Das Prisma 
kann deswegen nur als Polarisator, nicht als Analysator vortheilhaft angewandt werden. 
Die Länge des Probeprismas war 27 mm bei 17,5 mm quadratischem Querschnitt. Z. 

PraktiBcIie Methode zur AuBÜUinmg Ificorscher und Foucaiilf Boher Prismen. 

Von L. Laurent. Compt Bend. 102. S, 1012. 

Die Methode des Verf., die vornehmlich bei kleinen Prismen gute Dienste leisten 
soll, besteht darin, dass er die Prismen nicht einzeln, sondern dutzendweise auf einmal 
herstellt, indem er sich hierzu eines Normalexemplares und einer mechanischen Einrichtung 
bedient , die in Folgendem besteht. Zwölf einander völlig gleiche Messingstücke sind so 
gearbeitet, dass zwei Flächen derselben genau den Winkel mit einander bilden, welchen 
Endfläche und innere Fläche der zu arbeitenden Halbprismen zu einander haben sollen; 
mit einer dieser Flächen werden die zwölf Stücke an einer Messingplatte fest verschraubt. 
Im Uebrigen sind die Messingstücke so ausgearbeitet, dass ein nach den Spaltungsflächen 
hergerichtetes Halbprisma von Kalkspath sicher darin gelagert und verkittet werden kann. 
Zunächst geschieht dies mit einem Normalprisma und zwar derart, dass Endfläche und 
innere Fläche desselben parallel zu den entsprechenden Flächen des Messingstückes ge- 
lagert werden; die Parallelität wird mittels eines gleichfalls auf der erwähnten Platte ver- 
schraubten Spiegels und eines Collimationsfemrohres controlirt. Nachdem das Normal- 
Halbprisma so gelagert ist, werden die zu bearbeitenden Stücke in die übrigen Messing- 
klötze eingekittet und nun alle zusammen gleichzeitig nach der vom Verf. angegebenen 
Methode der AutocoUimation geschliffen, während ununterbrochen die Parallelität der mehr- 
fach erwähnten Flächen mittels des Spiegels und des Collimationsfemrohres controlirt wird. 

Als Vortheile dieser Bearbeitungsweise führt Laurent an: 1. Die Ersetzung des 
Anlegegoniometers durch eine sichrere und einfachere Controle der Neigungen. 2. Den 
Umstand, dass als Richtschnur für die nöthigen Neigungen die natürlichen Spaltungsflächen 
der Längsseiten des Prismas genommen sind, welche im späteren Gebrauche des Prismas 
am Wenigsten der Abnutzung unterliegen , daher eventuell auch wieder als Richtschnur beim 
Aufpoliren der Endflächen benutzt werden können. 

Herr B. Halle in Potsdam nimmt neuerdings für sich in Anspruch, dass ihm jene 
Methode nicht nur seit 1 1 Jahren bekannt sei , sondern dass auch seit dieser Zeit sämmt- 
liehe Prismenconstructionen in seiner Werkstatt danach ausgeführt werden. Er schreibt 
seiner eigenen Methode noch erhebliche Vorzüge gegenüber der Laurent' sehen zu, ohne die- 
selben jedoch zu beschreiben. Herr Halle würde alle Interessenten sehr zu Danke verpflichten, 
wenn er dies thun wollte; im Uebrigen hatten wir ja schon bei der Besprechung früherer 
Laurent' scher Publicationen von optischen Arbeitsmethoden wiederholt darauf hingewiesen, 
dass dieselben dem deutschen Fachmanne kaum etwas Neues bieten. Cz, 


Sie1)eiit«T Jahrgang. Febraar 1887. 


Referate. 


71 


Bestiinmimg der Sohwingnngszahl von Tönen mit Hilfe manometriBoher Flammen. 

Von E. Doumer. Compt Rend, 103. S. 340. 

Verf. bat zur Bestimmung der Schwingungszahl von Tönen manometrische Flammen 
photographirt. Er benutzt zu diesem Zwecke eine transversal verlängerte photographische 
Kammer, in deren Innerem sich ein Schlitten zur Aufnahme des die empfindliche Platte 
tragenden Rahmens befindet; der Schlitten kann entweder automatisch oder von Hand 
vor dem Objectiv vorbeigeführt werden. Die Pointirung geschieht durch Verstellen des 
Objectivs oder besser durch Verschiebung der manometrischen Flammen. Als Objectiv 
empfiehlt Verfasser, ein solches von sehr kurzer Brennweite zu wählen; die Flammen 
müssen möglichst intensiv sein. Es werden gleichzeitig zwei Flammen photographirt, 
von denen die eine durch einen Ton von bekannter Schwingungszahl bedient wird, 
während die andere durch den zu untersuchenden Ton in Bewegung gesetzt wird. Man 
erhält dann zwei parallele Curven, aus deren Vergleichung die Anzahl der Schwin- 
gungen des untersuchten Tones bestimmt wird. Die folgenden Resultate mögen eine 
Vorstellung von dem Werth der Methode geben: 


Ton. 

Anzahl der S 
Nach der Theorie. 

chwingningen. 
Gemessen. 

c 

256 


256,20 

d 

288 


287,88 

g 

768 


767,10 

c 

1024 


1022,50 

e 

1280 


1280,00 


Verf. hat bisher nur Töne untersucht, welche innerhalb der menschlichen Stimme 
liegen, oder dieselbe nicht viel Übersteigen. Er glaubt jedoch, dass das Verfahren auch 
auf sehr tiefe und sehr hohe Töne anwendbar sei. W. 

Physikalisohe DemonBtrationsapparate. 

Zeitschr, z. Ford, d, physik, Unterrichts. 1886. Heft 4 und 5. 

Prof. O. Strack in Karlsruhe beschreibt einen Apparat zur Bestimmung der Stand- 
festigkeit eines Körpers. Der Apparat besteht aus einem quadratischen, durch Zwischen- 
wände in acht würfelförmige Hohlräume zerlegbaren Rahmen, dessen einzelne Abthei- 
lungen mit Vollwürfeln ausgefüllt werden können. Dadurch lassen sich zahlreiche Com- 
binationen hinsichtlich der Körperform und der Lage des Schwerpunktes verwirklichen. Es 
werden die Begriffe des Standfestigkeitsmomentes, der statischen und dynamischen Stand- 
festigkeit unterschieden und Anweisung zur experimentellen Controle der theoretischen 
Formeln gegeben. — Oberlehrer Wronsky beschreibt einige Vorrichtungen zur Demon- 
stration der Druckfortpflanzung in Flüssigkeiten. — A. Benecke giebt einen Apparat 
zum Nachweise des Luftdruckes an, bestehend aus einem 10 bis 15 cm weiten Gummi- 
sehlauch, der an beiden Enden durch Metallplatten verschlossen ist; die Platten lassen sich 
erst dann von einander ziehen, wenn durch Lüftung eines Gummistopfens in der einen 
Platte die Luft Zutritt erhält. — J. Kr ist in Wien empfiehlt das Dreb bei' sehe (besser 
Galilei' sehe) Thermoskop für Schulversuche. — C. Baur bespricht das Bolometer. (Wied. 
Aim. 19. 1883). — G. Lindner beschreibt einen Heber mit Quecksilber -Manometer am 
Knie. — A. Benecke giebt als Verbesserung für Projectionsapparate die Verwendung eines 
Petroleum -Duplexbrenners an; von demselben Verf. rührt eine praktische Form des Säulen- 
elektrometers mit senkrecht gestellten Säulen her. — Oberlehrer Eich 1er veranschaulicht 
die Gesetze der Reflexion an sphärischen Hohlspiegeln durch ein verschiebbares Parallelo- 
gramm aus Metallstäben, das sich über einer dazu passenden Figur hin und her be- 
wegen lässt. -P«^' 


72 Neu erschienene Bücher. Zbitschkift püb iNSTRqinBirrBHKuiiDK. 


\ 


IVeu erschienene Bficlier. 

Die Wagner -Fennerschen Taohymeter des mathem.-meoh. Institnts von O. Fennel in 
Kassel. 2. Aufl. Berlin, Julius Springer in Comm. 

Die vorliegende, in zweiter Auflage erschienene Monographie bespricht die vom 
Ingenieur C. Wagner construirten Tachymeter. Dieselben gehören bekanntlich zu denjenigen 
Tachymeter -Typen, bei welchen mittels der durch das distanzmessende Femrohr ermittelten 
schiefen Entfernung und eines Projectionsapparates direct die horizontale Entfernung und 
der Höhenunterschied bezw. die Meereshöhe am Instrument abgelesen werden kann. Zu 
diesem Behufe ist am Femrohr parallel zur optischen Axe ein Maassstab angebracht, dessen 
Nullpunkt in der Kippebene des Femrohres liegt; an diesem Maassstab wird die ermittelte 
schiefe Entfernung mittels Nonius aufgetragen und an den so bestimmten Punkt der eigentliche 
Projectionsapparat, bestehend aus verticalem und horizontalem getheiltem Maassstab, an- 
geschoben, an welchem nun Entfernung und Höhe abgelesen werden. Die Distanzmessung 
erfolgt mittels geneigter Latte, welche durch den Lattenträger mit Hilfe eines Diopters senk- 
recht zum visirenden Femrohr gestellt wird. Instrumente dieser Art sind von Fr. Kreuter 
und C. Wagner construirt; die Kreuter sehen Tachymeter werden von T. Ertel & Sohn 
in München, die Wagnerischen von O. Fennel in Kassel ausgeführt. Beide Instrumente 
sind ungefähr zu derselben Zeit und trotz ihrer grossen Aehnlichkeit, soweit es Referent 
bekannt ist, unabhängig von einander angegeben worden, so dass die Frage nach der 
Priorität schwer zu entscheiden ist. Das Kreuter'sche Instrument ist im Jahre 1874 
entstanden und in einer im Jahre 1875 erschienenen Brochüre beschrieben, während eine 
Beschreibung des Wagnerischen Tachymeters erst im Jahre 1876 veröffentlicht worden 
ist, so dass also nach literarischem Brauch ersterer Construction die Priorität zukommen 
würde; dem steht jedoch entgegen, dass nach glaubwürdiger Mittheilung Instrumente der 
Wagnerischen Constmction bereits im Jahre 1867 gebaut worden sind. — Beide Con- 
structionen haben seitens der Geodäten keine sehr günstige Aufnahme erfahren; so hält 
z. B. Jordan (Handbuch der Vermessungskunde Bd-l. S, 610) u. A. das Schiefstellen der Latte 
für bedenklich; Bohn (Landmessung S.46?) schliesst sich diesem Urtheil an und macht 
noch darauf aufmerksam, dass sich jede Ungenauigkeit der Ablesungen oder Einstellungen 
mit der grossen Verjüngungszahl der Maassstäbe multiplicire. Nach den zahlreichen, der 
vorliegenden Monographie beigegebenen Anerkennungsschreiben scheinen jedoch die Wagner- 
FenneF sehen Instrumente, mit denen wir es hier zu thun haben, sich in der Praxis recht 
gut bewährt zu haben, besonders für Forst- und Eisenbahn -Aufnahmen. 

Die Brochüre giebt nach einem Ueberblick über die Tachymeter und die Tachymetrie 
die Theorie des Projectionsapparates; sodann folgen Beschreibungen der verschiedenen 
Instrumentformen und Anleitungen zur Behandlung derselben; es sind dies die Tachymeter 
mit Repetitionskreis , die Tachymeter mit Bussole und das Tachygraphometer. Letzteres 
zeigt die Verbindung des gewöhnlichen Tachymeters mit einem Messtisch ; der horizontale 
Maassstab des Projectionsapparates hat hier eine Vorrichtung, durch welche mittels eines 
Stiftes die horizontale Entfernung direct in die Messtischplatte eingestochen wird. In 
einem ferneren Abschnitt ist die Aufstellung der Latte besprochen, dann folgen Gutachten 
über die Leistungsfähigkeit der Instmmente; in einem Anhange sind endlich die Formeln 
entwickelt, welche in den früheren Abschnitten als bekannt vorausgesetzt waren. TT. 


J, H. Eder. Ueber einige praktische Methoden zur Photographie des Spectrums in seinen 

verschiedenen Bezirken mit sensibilisirten Bromsilberplatten. 26 S. m. 2 Taf. Wien, 

Gerold. M. 1,00. 
E. Hering. Ueber Newtons Gesetz der Farbenmischung, 92 S. Leipzig, Freytag. 

M. 1,50. 
E. Lominel. Die Beugungserscheinungen geradlinig begrenzter Schirme. 135 S. mit 

18 Taf. München, Franz. M. 4,50. 


Siebenter Jahrgang. Febrnar 1887. YEBElNSNACHBIGBTElf. 73 

F. MeiseL Geometrische Optik, eine mathematisclie Behandlung der einfachsten Erschei- 

nungen auf dem Gebiete der Lehre vom Lichte. 171 S. mit Atlas von 5 Taf. 
Halle, Schmidt. M. 6,00. 

W. A. Shenstone. The Methods of Glass Blowing for the use of physical and che- 

mical students. 86 S. London, Eivingtons. 1 sh. 6 d. 
Ct Gänge. Lehrbuch der angewandten Optik in der Chemie. 463 S. mit 24 Spectral- 

tafeln. Braunschweig, Vieweg. M. 18,00. 
A. Miller. Der primäre und secundäre Elasticitätsmodul und die thermische Constante des 

letzteren. 54 S. mit 2 Tafeln. München, Franz. M. 1,80. 
P. Saint -Martin. Du pluviom^tre et son Installation. 16 S. mit Figuren. Pau, Ribaut. 

G. Weidmann. lieber den Zusammenhang zwischen elastischer und thermischer Nachwirkung 

des Glases. Inauguraldissertation. 38 S. mit 1 Tafel. Jena. 
L. Bnrmester. Lehrbuch der Kinematik. 1. Band: Die ebene Bewegung. 2. Lieferung 
(S. 257 bis 560 mit Atlas von 18 lith. Tafeln). Leipzig, Felix. M. 18,00. 


Tereinsnacliricliteii. 

Deutsche OeseÜBChaft für Mechanik und Optik. Jahresbericht über das Vereins- 
jähr 1886. 

Die Deutsche Gesellschaft für Mechanik und Optik hat im verflossenen Jahre ihr 
Ziel, Hebung und wissenschaftliche Vertiefung der präcisionsmechanischen Technik, För- 
derang des coUegialischen Verkehres unter den deutschen Mechanikern auf technischem und 
geselligem Gebiete, rüstig weiter verfolgt. — An den Vorberathungen für die Errichtung 
einer physikalisch -technischen Eeichsanstalt haben als Vertreter der Gesellschaft auch im 
vergangenen Jahre wie bisher die Herren Bamberg und Fuess Theil genommen. Die Ge- 
sellschaft darf einereeits wohl hierin eine Anerkennung ihrer bisherigen Thätigkeit seitens 
der hohen Reichsregierung sehen , andererseits aber schöpft die Gesellschaft hieraus die frohe 
Hoffnung, dass die Wünsche der Präcisionstechniker seitens der neuen Reichsanstalt ge- 
bührende Berücksichtigung finden werden und dass namentlich die technische Abtheilung 
sich zu einer kräftigen Stütze der vaterländischen Industrie entwickeln werde. — Die ge- 
legentlich der diesjährigen Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte veranstaltete 
Ausstellung wissenschaftlicher Instramente, Apparate und Präparate bot den hiesigen Mit- 
gliedern eine willkommene Veranlassung, die auswärtigen Fachgenossen zu begrüssen und 
mit ihnen wissenschaftlichen und geselligen Verkehr zu pflegen. 

Im vergangenen Jahre fanden 15 Versammlungen statt; in 12 Sitzungen wurden 
wissenschaftliche Vorträge gehalten , während drei Versammlungen der Besprechung wichtiger 
geschäftlicher Angelegenheiten gewidmet waren. Ausserdem hielt der Vorstand zahlreiche 
Sitzungen ab. Besonders anregend wirkten die Discussionen über kleinere technische Fragen. 
Den Herren Gelehrten und Technikern , welche den Verein durch Vorträge unterstützt haben, 
sagt der Vorstand an dieser Stelle verbindlichsten Dank. 

Die Gesellschaft tritt in das neue Vereinsjahr mit 195 Mitgliedern, wovon 132 hiesige 
und 63 auswärtige Mitglieder. 

Sitzung vom 4. Januar 1887. Vorsitzender: Herr Fuess. 

Nach Verlesung des Jahresberichtes und nachdem die Versammlung auf Vorschlag 
der Kassenrevisoren dem Kassirer Decharge ertheilt hat, findet unter Vorsitz der Wahlvor- 
bereitungs-Commission die Neuwahl des Vorstandes für 1887 statt. Die Herren Bam- 
berg und Sprenger haben eine Neuwahl als Vorsitzender bezw. Kassirer abgelehnt. Ge- 
wählt werden die Herren H. Haensch (Berlin S., Stallschreiberstr. 4) als erster, R. Fuess 
(Berlin SW. , Alte Jakobstr. 108) als zweiter, P. Stückrath als dritter Vorsitzender, 
G. Polack (Berlin W., Steglitzerstr. 49) als Schatzmeister, E. Goette (Berlin W., Mark- 

6 


grafenstr. 34) als Archivar. Zu Beisitzern wurden gewfihlt die Herren Bamberg, Kandke 
und Dr. Bohrbeck. 

Die auswärtigen Herren Mitglieder werden ersucht, sich in allgemeinen Angelegen- 
heiten an den ei'Sten Vorsitzenden, in Kassensachen an den Schatzmeister und in Ange- 
legenheiten der Bibliothek und der Versendung der Zeitschrift an den Archivar zu wenden. 
Sitzung Tom 18. Januar 1887. Vorsitzender: Herr Fuess. 

Herr H. Haenscb führte unter interessanten Demonstrationen und Experimenten 
ein Exemplar der Paalzow'schen optischen Bank vor. Als Leuchtquelle diente ein Linne- 
mann'scher Brenner mit Zirkonlicht. (Vgl. diese Zcitschr. 1886, S. 179,) 

Sodann folgte eine Bespreehimg über die vom Vorstande vorgeschlagene Gedenk- 
feier des lOOjÄlirigen Geburtstages Fraunhofer's am 6. März d. J. Die Gesellschaft be- 
grüsst den Vorschlag ft-eudigst, beauftragt einstimmig den Vorstand mit den nötbigen Vor- 
bereitungen und bewilligt die erforderlichen Mittel, Der Schriftftihrer: Blanket^ttrg. 


isprei 


.hung 


PatentscIiaD. 

L und Auszüge aus d 


1 Patentblatt. 


MeBBzirkel mit einem darch Schnurtrieb bewegten Zeiger. Von J. Förstige in Bersenbrück, Han- 
nover. No. 37247 vom 13. März 1886. 

Die Schnur b setzt beim OcfFncn des Zirkels die mit einer 
Scale versehene Rolle r, sowie das Federballs a in Bewegung. 
Das Ablesen der Zirkelöffnung an r geschieht mittels eines Nonins. 
Beim Zusammenlegen des Zirkels wickelt die gespannte Feder die 
Schnur selbstfhätig auf. 




Neuerimg an Thermoaietern. Von Schaffe: 
Bnckau — Magdeburg. No. 37362 
Die Ausdehnung der Flüs- 
sigkeit wird auf zwei dicht über 
einander gelagerte, gleich geformte 

dünne Metaltplatten c' und c^ übertragen. Der Raum zwischen 

diesen Platten c* und c^ ist äusserst gering bemessen, so dass 

nur eine sehr geringe Menge Flüssigkeit nötbig ist, um den- 
selben auszufüllen. Durch ein Rohr b, welches sich an die 

durchbohrte nniere Platte c* aiischliesst, steht der Baum zwischen 

c* und c^ mit dem der Würmeqnelle ausgesetzten Flüssigkeits. 

behälter a in Verbindung. Von der oberen Platte c' wird die 

Plattenausdehnung durch eine beliebige Vorrichtung def auf ein 

Zeigerwerk übertragen. Das ganze System ofte'c* ist mittels 

einer unter der Platte c' befindlichen Schraube in das äussere 

MctaHsluck h ein f^c schraubt, so dass die Ausdehnung des Metall- 

rohres b ohne dirccten Einfluss auf die Zeige rstelluig bleibt 

GaBÜederter Dem lum Winden und Biegen von Rühren. Von 

G. Round in Smethwick, Stafford, England. No.37007 

vom 12. März 188«. 

Der aus dem starren Theile a und den auf irgend eine Weise mit einander gelenkig 
verbundenen Gliedern c bestehende Dorn wird in die zu biegende oder zu windende Rühre hinein- 


^^^^^^ 


geschoben und dann so fcatgebalfen, dass die zu bearbeitende Röhre sich auf eine Trommel anf- 
wickcln kann, wührcnd sie über den Dom hinwcgglcitet 


(I Wirpulg. Febnu 


VersohluMvorrlolityng für galvaalich« Elimentt. Von A. Friedlacnder in Berlin. No. 36794 
vom 5. Februar 1886. 

Die eine Elektrode a bildet den Behälter für die Flüssigkeit. An dem 
Deckel k befindet sich ein Stab von isolirendeni Material, auf welehcin die 
positive Elektrode c befestigt ist, und desBen oberes Ende als Conus k mit 
Auskehlung i ausgebildet ist. Durch einen Oiimmiring l, welcher sich sowohl 
in die Auskehlung t der Stange e als in diejenige b des Behälters a legt, 
wird ein dichter Verschluss des Elementes bewirkt. 


Von P. Nordm 


1 Hannover. No. 


ElektrIcitätsiShier und Energiemesser. 
36879 vom 7. Januar 1886. 
Auf einer Grundplatte befinden sich zwei parallel geschaltete Sole- 

noide AA' mit zwei Eisenkernen oder zwei ebenfalls parallel geschalteten 

Kemspuleu BB', die derart fest mit 
*> einander verbunden sind, dasB wenn 

der eine Kern in das Innere seines 

Solenoides eich hineinbewegt, der 

andere aus dem seinigen heraustritt. 

Sobald irgend einer der beiden seine 

EndstcUung erreicht hat, legt er einen 

Umschalter um, welcher alsdann einen 

Widersland D entweder in den Kreis 
des einen oder des anderen der Solenoide einschaltet. 
Diese schwingenden Bewegungen des Umschalters werden 
auf ein Zählwerk übertragen, und die Anzahl der erfolgten 
Um gehaltungen giebt die verbrauchte Elek tri citätsm enge 
an. Der Widerstand kann auch als Elektromagnet aus- 
gebildet werden, dessen Anker E durch seine Bewegungen 
ein Zählwerk treibt. 

Will man die elektrische Energie messen , welche 
in einem Theile der Stromkreise verbraucht wird, so wird 
bei der oben beschriebenen Einrichtung noch ein beweg- 
licher Anschlag F für den Anker E angeordnet, welcher 
durch die (jegeuwirkung der Feder G und einer im Neben- 
Echlnss zu dem zu messenden Stromkreise liegenden 
Spule H beeinflusst wird. Dieser Anschlag F wirkt 
nun in der Weise auf den Anker E, dass je nach der 
Stärke des Siromos der Ausschlag des letzteren veränderlich 
ist, mithin die Grösse der Verschiebung des Zählwerkes 
dnrchdieBewegungdes Ankers von der Stärke des Stromes 
in dem Nebcnsehluss abhängig gemacht ist. 

SIsnal-Barometer, ein Instrument zum Signallslren der BarometerschwankunBen und der damit !■ Ver- 
bindung stehenden Exhalatten von finibengasen In den Stelnkohiengruben. Von R. Ritter 

von Walchcr-Uysdal in Teschen, Oesterrcich. No, 3718i vom 18. August 188r>. 

Das Instrument beruht auf dem Umstände, dass ein bestimmter Zusammenhang zwischen 
den Schwankungen des Luftdruckes in der Kohlengrube und der Exhalation von Grubengasen 
aus der Kohle existirt und besteht demgemäss ans einem Barometer, welches durch elektro- 
magnetische Auslöse Vorrichtungen mit einem Läutewerk derart verbunden ist, dass jedes Fallen 
des Barometers um 1 mm innerhalb 8 Stunden durch einen Glockenschtag angezeigt wird. Beim 
Steigen des Barometers während dieser Zeit und der damit zusammenhängenden Vermindemng 
der Gflscxhaiation werden die durch vorherigen Barometerfall in Tliätigkeit gesetzte Signal Vorrich- 
tungen durch einen elienfnlls elektromagnetischen Auslösemechanismus in ihre Normallage zurück- 
geführt, so dass die dem vorangegangenen Fallen des Barometers entsprechenden Signale dann 
nach Ablauf der 8 Stunden nicjit gegeben werden. Das Läutewerk ist mit einer Stnfensehcibe ver- 
sehen, welche in Folge der vom fallenden Barometer hervorgerufenen Stromschlüsse durch elektro- 
magnetische Bew cgungs Vorrichtungen derart eingestellt wird, dass die der Stellung dieser Stuf en- 

6* 



76 Für DDE Werkstatt. ZEmcmurr für brsTRUiniarrEXKüXDa. 


Bcheibe entsprechende Anzahl von Schlägen des Läutewerkes der Anzahl von Millimetern entspricht, 
um welche das Barometer gesunken ist. 

Verfahren zur Entfernung des Glühspanes, bezw. zur Verhütung der Bildung desselben an Stahl- oder 
Eisendraht beim Weiohmachen desselben. Von G. Printz jun. in Aachen. No. 37998 vom 
8. April 1880. 

Der Draht wird unter Luftzutritt geglüht, nachdem man denselben mit einem Ueberzugo 
aus Borax oder anderen sauren borsauren Alkalien oder den Cyanverbindungen der SchwermetaJle 
versehen hat. (P.-B. 1887. No. 1.) 

Herstellung positiver Eleiitroden für galvanische Elemente. Von S. W. Maquaj in London. No. 37933 
vom 11. März 1886. (1887. No. 1.) 

Galvanisches Element. Von H. Aron in Berlin. No. 38220 vom 30. Juni 1886. (1887. No. 1). 

Verfahren, Elsenwaaren mit einer widerstandsfähigen Schicht von Siiber-Zinn-Legirungen zu versehen. 

Von J. Brandt in Berlin. No. 37950 vom 1. November 1885. (1887. No. 1.) 


Für die l¥erkstatt. 

Hinterbohrte Löcher. Original -Mittheilung. Um Löcher im vollen Metall von einer gewissen Tiefe 
ab grösser zu bohren als am Anfange, was unter Umständen z. B. beim Gewindeschneiden u. s. w. 
envünscht ist, kann man die bekannte Thatsache verwenden, dass durch einen Bohrer, dessen 
Spitze nicht in der Axe liegt, ein Loch erzeugt wird, dessen Durchmesser grösser als die Breite 
des Bohrers ist, weil dieser dann beim Schneiden um die wirkliche Spitze und nicht um die eigent- 
liche Axe rotirt. 

Man bohrt nämlich mit einem richtig geschliffenen Bohrer das Loch so tief, als man es 
von kleinerem Durchmesser wünscht und setzt alsdann die Arbeit mit einem Bohrer von der- 
selben Breite fort, dessen Spitze jedoch um die halbe gewünschte Differenz der Lochdurchmesser 
ausserhalb der Mitte liegt. Ist diese Differenz bedeutend, so erreicht man den Zweck am Sichersten, 
indem man die kürzere Schneide nicht schärft. Dass dieser zweite Bohrer besonders an der Seite 
der längeren Schneide keine seitliche Führung haben darf, vielmehr die entsprechende Flanke 
stark ausgeschweift sein muss, ist selbstverständlich. Bei Beginn des Weiterbohreus mit diesem 
Bohrer gehe man nicht zu schnell vor, bis die Spitze des letzteren in die Spur der Spitze des 
ersten Bohrers gelaugt ist. P. 

Bohren von Glas. Revue chronom^trique. 1886. October-Heft. S. 185. 

Zum Bohren von Glas mittels eines schnell rotirenden stählernen Bohrers, welcher mit 
Terpentin angefeuchtet ist, wird ein Zusatz von Oxalsäure oder Zwiebelsaft zum Terpentin 
empfohlen. — Ref. möchte diese Zusätze für nicht besonders wesentlich halten. Viel wesentlicher für 
eine schnelle Ausführung dieser Arbeit dürfte es sein, dass man den Bohrer bei möglichst 
niedriger Temperatur härtet, ihn glashart verwendet und ihn nicht zu schnell rotiren lässt, sowie 
besonders dafür sorgt, dass er keinen Moment trocken (ohne Terpentin) läuft. Uebrigens lässt 
sich Glas auch gut unter Anwendung von Petroleum bohren, wenngleich dabei eine der wesent- 
lichsten Wirkungen des Terpentins, die durch seine leichte Verdampfung bewirkte Kühlung des 
Werkzeuges, geringer ist. 

Um das Ausspringen der Lochkanten beim Beginn zu verhüten, thut man gut, zuerst 
mit einer glasharten dreikantigen Stahlspitze eine Senkung anzubohren, welche etwas grösser 
ist, als der Durchmesser des zu bohrenden Loches, und dann erst mit dem Lochbohrer die Arbeit 
fortzusetzen. Um das Ausbröckeln und eventuell Springen beim Durchbohren einer Glasplatte 
zu verhüten, kittet man natürlich gegen die hintere Fläche ein Stück Glas dicht an. P. 


Bericlittgaiig. 

S. 14. lies' den Namen des Verfassers der Abhandlung: „Ueber ein neues Anemometer** Dr. A. Koepsel 

statt Dr. A. Köpsel. 
S. 34, Z. 10 von unten lies; a = 0', 0419913 diO', 0000078 statt a = 0',0419913zL0', 0000078 1. 


Nftchdmck verboten. 

I 


Verliftg Tun Julius Springer in Uerlin N. — Druck von OuaUv Lange JeUt Otto Lange in Berlin MW. 


I 


Zeitschrift für Instrumentenkimde 

Redaciions - Curatorium : 
Geh. Reg.-R. Prof. Dr. H. Landolt^ B. Fness^ Reg.-Rath Dr. L. Loewenkerz^ 

YorBitscndcr. Beiiitscr. Behriftf ülirer. 


Eedaction: Dr. A. Leman und Dr. A. Westphal in Berlin. 


VII. Jahrgang. MSrz 1887. Drittes Heft. 


Modification der Mach'schen optischen Kammer und des Bunsen'schen 
Fhotometers, um sie zu Demonstrationen geeigneter zu machen. 

Von 
Bmno Kolbe in St. Petenbarg. 

I. E. Mach's optische Kammer. 

Dieser zur Demonstration der Brechung des Lichtes in Linsen vorzüglich 
geeignete Apparat, den auch Pfaundler^) empfiehlt, besteht bekanntlich in einem 
länglichen Holzkasten, dessen eine End- und beide Seitenflächen aus Glas bestehen. 
Vor ersterer ist ein Gitter angebracht, durch welches Sonnenlicht in den Kasten 
fällt. Wird dieser mit Rauch gefüllt, so ist der Gang der Lichtstrahlen deutlich 
sichtbar. Werden in den Kasten Linsen eingestellt, so kann man die Brechung 
des Lichtes sehr anschaulich vorführen, ohne dass es nöthig wäre, das Audito- 
rium zu verdunkeln, was für manche Schulen, die kein besonderes physikalisches 
Cabinet besitzen, ein grosser Vorzug ist. Durch Anwendung farbiger Gläser tritt die 
Kreuzung der Lichtstrahlen noch schöner hervor. Mit rothem und blauem Glase 
lässt sich auch die chromatische Aberration zeigen. 

Durch geringe Modificationen lässt sich dieser noch zu wenig ^j beachtete 
Apparat wesentlich bequemer und leistungsfähiger machen, sodass man mit dem- 
selben, wenigstens bei populären Demonstrationen, die wichtigsten Linsengesetze 
und die Reflexion an sphärischen Spiegeln vorführen kann , wozu sonst die weniger 
instructive optische Bank bpnutzt werden müsste. 

Die von mir vervollständigte Mach'sche optische Kammer hat folgende Ein- 
richtung, die sich beim Gebrauche gut bewährt hat. 

Der aus schwarzpolirten Bilderleisten hergestellte Kasten (Fig. 1 a. f. S.) ist (innen) 
75 cm lang, 17 cm breit und 20 cm hoch. Die eine Endfläche ist mit Spiegelglas 
versehen, während in den Deckel und in beide Längsseiten gutes Fensterglas ein- 
gesetzt ist. Der Boden und die andere Endfläche bestehen aus 15 mm dicken Brettchen. 
Im Inneren ist das Holzwerk des Kastens matt geschwärzt. Vor dem Spiegelglase 
am Ende befindet sich zu beiden Seiten (aussen) ein Falz, in welchen nach Be- 
darf gröbere oder feinere Gitter aus dickem schwarzem Bristolcarton eingeschoben 
werden. Die Höhe der Gitter beträgt etwas mehr als der Durchmesser der Linsen- 
fassung (115 mm). Als zweckmässigste horizontale Breite der Gitter ergab sich 


1) Pfaundler: Lehrbuch der Physik und Meteorologie. 1879. Bd. II. 1. S. 127. 

^ Selbst in den vollständigsten Lehrbüchern der Physik habe ich (ausgenommen bei 
Pfaundler) die Mach'sche optische Kammer nicht erwähnt gefunden. Auch Wein hold (in seinen 
trefflichen „physikalischen Demonstrationen" (1881) sowie in der „Vorschule der Experimental- 
physik** (1883) übergeht den Apparat. 


78 KOLBB, OpT. KaUHED. ZElTSCHHirr fCb iKenUHIKTIBiKt-liDt. 

durch Versuche, für Sonnenschein 30 bis 40 mm, während die Höhe der Lücken, 
die gleich derjenigen der Zwischenräume genommen wurde, sich nach der mittleren 
Entfernung der Zuschauer richten muss. Je näher die Zuschauer herantreten können, 
um so feiner kann das Gitter genommen werden (hia 2 mm), und um so eleganter 
ist die Erscheinung. Nur ist, je enger das Gitter genommen wird, umsomchr darauf 


zu achten, dass die Blicklinie horizontal ist, da sonst die Zwischenräume zwischen 
den Lichtstrahlen verschwommen erscheinen. Als zweckmässige Hülie (Breite) der 
Lücken fand ich 5 bis 6 mm. 

Auf dem Boden des Kastens sind drei Holzschienen parallel zur Längs- 
richtung angeschraubt, zwischen denen zwei Holzleisten 5,5''), deren Ha ndgriflfe 
durch die Hblzwand hervorragen , hin- and herbewegt werden können. — Nahe am 
Ende (zur Spiegelplatte zu) ist auf jedem Schieber ein schwarzes Holzbänkchen 
befestigt, das die Stützleisten überragt und dessen Füsschen den Boden des Kastens 
streifen. Auf diesen Bänkchen sind die Rühren E,R' angebracht, in welche der 
cylindrische Stiel der Linsenfassung hezw, der sphärischen Spiegel hineinp.asst, sodass 
die optischen Axcn der Linsen zusammenfallen. Durch ein Gummiröhrchcn g wird 
Rauch eingeblasen. Mit dieser modificirten Mach'schen Kammer läset sich u. a. Fol- 
gendes demonstriren : 

1. Reflexion an sphärischen Sfiicgeln. 

Das gröbere Gitter a (Fig. ]) wird eingeschoben, der Concav- bezw. der Con- 
vexspiegel wird in B' eingestellt und der Schieber S' halb herausgezogen. Beim 
Hohlspiegel sieht man eine prachtvolle Katakaustica, besonders, wenn man farbige 
Glasscheiben, die passend in einem Rahmen c befestigt sind, vor das Gitter stellt, 
durch welches Sonnenlicht eintritt. Für diesen Zweck sehr geeignete sphärische 
Spiegel erhält man einfach durch Versilberung der einen Seite von grossen Uhr- 
gläsern. Meine Spiegel haben einen Durchmesser von 138 mm und einen Krüm- 
mungsradius von pj = — 139,3 und pj = + 139,8. 

2. Brechung des Lichtes in Linsen. 

Der Glasdeekel wird mit schwarzem Carton bedeckt, ebenso die den Zu- 
schauern abgekehrte Seitenfläche, was auch für das vorhergehende Experiment zu 
. Diese Seitenfläche ist nur deshalb aus Glas, weil man dann nach 


') Ilci Anwcudung nnr zweier Linsen (bcKW. einer Linse und eines Holilttpicgds, ti. w. n.) 
würde ein fester Stiindcr und ein Scliicbcr genügen. V.s int jedotli bcincmer, bei gcsi'lilossencm 
Knetcti, buiilc Linsensländor verschieben zu künnen. 


SieTw^nter Jahrgang. H&rz 18S7. KoLBE j OpT. Kamheb. 79 


Bequemlichkeit das Licht von rechts oder von links einfallen lassen kann. Der Glas- 
deckel gestattet dem Exp crimen tirenden eine leichtere Controle und ist nicht ab- 
solut nöthig. In JB wird eine Biconvexlinse und in JJ' entweder eine zweite Bicon- 
vexlinse von etwas geringerer Brennweite, oder eine Biconcavlinse (von mög- 
lichst derselben negativen Brennweite) eingestellt. Durch langsames Aus- und Ein- 
schieben des Schiebers 5' erhält man ein sehr anschauliches Bild, besonders durch 
Vorsetzen der farbigen Gläser vor das Gitter, da sich dann die Kreuzung der 
Lichtstrahlen leichter verfolgen lässt. Meine Linsen haben einen Durchmesser von 
1 10 mm und einen Focus von f^ r= -|-295 mm, und f^-= — 295 mm. Die zweite Sammel- 
linse hat einen Focus /j = +200 mm. (Natürlich sind auch kleinere Linsen anwendbar.) 

3. Demonstration der chromatischen Aberration. 
Ein feineres Gitter (Spaltbreite 3 mm) wird eingeschoben , der Rahmen mit 
den farbigen Gläsern so davor aufgestellt, dass die eine Hälfte des Gitters mit 
rothem, die andere mit blauem Glase bedeckt ist. (Ein zwischen beiden ange- 
ordneter, schmaler weisser Glasstreifen befindet sich also vor dem mittleren Spalt. 
Die feine weisse Linie im Rauche markirt die optische Axe). Der Schieber S' wird 
herausgezogen, sodass die Sammellinse in JB allein wirkt. Will man die Differenz 
der Brennweiten der rothen und der blauen Strahlen messen, so steckt man in JJ' 
einen schmalen Streifen von weissem Carton und stellt ihn in den Focus ein. Der 
zugehörige Schieber 5' ist in Millimeter getheilt, was eine bequeme angenäherte 
Messung gestattet. Dieser Schieber 5' ist oben mit Millimeterpapier No. 106 
(Schleicher & SchüU in Düren) beklebt. Ein kleiner Index an der festen Wand 
(aussen) gestattet eine leichte Ablesung. 

4. Demonstration der sphärischen Aberration. 
Ein Gitter, das in der Mitte drei und am Rande je zwei Spalte hat, b (Fig. 1), 
wird eingeschoben. Vor die Mitte wird ein grünes Glas gehalten. Die weissen Rand- 
strahlen haben einen merklich kürzeren Focus. 

5. Brechung des Lichtes im Prisma. 

Das Gitter wird durch eine volle Cartonscheibe ersetzt. — Der schwarze 
Carton, welcher das Glas des Deckels bedeckt, hat unweit des Randes, wo die 
Gitter sich befinden, parallel der kurzen Kante des Deckels, einen Spalt von 3 mm 
Breite und 40 bis 50 mm Länge. In JR' wird ein Flintglas- (besser Strass- oder 
Kohlenstoff-) Prisma mit der brechenden Kante horizontal befestigt. Ein kleiner, 
auf den Deckel gestellter Spiegel (versilbertes mikroskopisches Deckglas) reflectirt 
die horizontal ankommenden Sonnenstrahlen schräg nach unten durch den Spalt 
auf das Prisma, welches so gedreht wird, dass die brechende Kante unten ist und 
daher das austretende, divergente farbige Strahlenbündel der Längsrichtung des 
Kastens entlang fallen kann. Bei diesem Experiment darf nur wenig Rauch im 
Kasten sein. Lässt man das Spectrum entlang einem weissen (verticalen) Carton 
fallen, so erscheint es sehr intensiv. 

Da die beschriebene optische Kammer nicht gut geeignet ist, die Reflexion 
an Planspiegeln zu demonstriren, so construirte ich nach demselben Princip einen 

Reflexionsapparat, 
der die Vorzüge der Mach' sehen Kammer mit denen des instructiven TyndalT 
sehen Apparates ^) vereinigt und dabei keine Verdunkelung des Auditoriums erfordert. 


1) John Tyndall: Six lectures on Light. London 1875. S. 11. 


80 KoLBE, OpT. Kammer. Zeitschrift für Ixsthümektexruxok. 



Ein aussen schwarz lackirter, innen matt geschwärzter Holzkasten von 80 cm 
Breite, 50 cm Höhe^) und etwa 5 cm Tiefe (Fig. 2) ist vorn mit einem Glasdeckel und 

seitlich wieder mit einem Röhrchen g zum Ein- 
blasen von Rauch versehen. Auf die innere 
Hinterwand ist ein dieselbe ausfüllendes Stück 
von schwarzem Bristolcarton befestigt, auf 
welchem ein in ganze Grade getheilter Halb- 
kreis (Radius = 37 cm) mit Goldtusche ge- 
zeichnet ist (zur Fixirung wurde der Carton 
nach dem Trocknen mit verdünnter weisser 
Politur überzogen). Im Mittelpunkte ist eine 
^'»' ^' hohle Axe durch die Hinterwand geführt und 

aussen daran ein Knopf zum Drehen angebracht. An das innere Ende der Axe 
ist eine 4 mm dicke runde Messingplatte gelöthet, welche genau im Drehungs- 
mittclpunkt eine axiale Bohrung hat, in welche ein Gewinde geschnitten ist.^) 
An die Platte ist ein Zeiger aus starkem Neusilberblech (spitz zulaufend, an der 
Basis 4 mm breit), von 27 cm Länge, mit Schrauben befestigt. Ein kleiner Spiegel R 
(versilbertes mikroskopisches Deckglas) von 40 mm Länge und Breite, der in einem 
Messingrahmen befestigt ist, wird in das Gewinde eingeschraubt und so gestellt, 
dass das Spiegelbild des Zeigers mit dem Zeiger selbst in einer Geraden zu 
liegen scheint. In der Höhe der Drehungsaxe (entsprechend 0° und 180° der 
Kreistheilung) befindet sich in jeder Seitenwand ein horizontaler Spalt S und S* 
von 3 mm Höhe und etwa 45 mm Länge. Durch ein kleines Gummiröhrchen wird 
Rauch in den Kasten geblasen. Zwei entgegengesetzt liegende Spalte sind be- 
quemer als ein einziger, da man von der Richtung des einfallenden Sonnenlichtes 
unabhängiger ist, auch ist die Benutzung des bei 180° befindlichen Spaltes bei An- 
wendung eines Prismas (s. w. u.) zweckmässiger. 

Mit diesem Reflexionsapparat kann man sehr anschaulich folgende Versuche 
einer grösseren Anzahl von Personen gleichzeitig vorführen: 

1. Demonstration des Reflexionsgesetzes. 
Durch den Spalt links (bei 0°) lassen wir Sonnenlicht eintreten. Hierbei 
ist darauf zu achten, dass der im Rauche als scharfes weisses Band sichtbare ein- 
fallende Strahl genau auf die Mitte des Spiegels fällt, dessen reflectirende Fläche in 
die Drehungsaxe fallen muss. Durch Drehung des Spiegels ergiebt sich ohne Weiteres, 
dass der Einfallswinkel gleich dem Ausfallswinkel ist. Um die richtige Lage des ein- 
fallenden Strahles bequem einstellen zu können, ist der ganze Kasten durch die 
Stellschraube B um eine horizontale Axe stellbar. 

2. Totale Reflexion (am Prisma). 
Statt des Spiegels B setzen wir ein Strassprisma ein und drehen dasselbe, 
bis totale Reflexion eintritt. Ist das Prisma am freien Ende matt geschlifi'en, so 
wird das Experiment besonders anschaulich, da man dann auch im Prisma selbst 
den Gang der total reflectirten Strahlen verfolgen kann. Ein Flintglasprisma ist 
natürlich auch brauchbar, ebenso ein passend gefasstes Schwefelkohlenstofiprisma. 
Im Querschnitt sollte das Prisma mindestens 40 mm Kantenlänge haben. 

1) Für Schulzwecke genügt eine Breite von 60 und eine Höhe von 40 cm. Alsdann braucht 
der Zeiger (und der Radius des getheilten Kreises) nur 27 cm zu betragen. 

ä) Bequemer ist es, wenn die Drehungsaxe des Spiegels (und des Prismas) conisch geformt 
ist und mit leichtem Druck in die gleichfalls conischc Ocffnung hineinpasst. 


Siebenter Jahrgang. Marx 1887. KoLBE, pHOTOMETER. 81 


3. Brechung des Lichtes im Prisma. 

Zweckmässig lassen wir jetzt den Strahl durch den Spalt S' bei 180° ein- 
fallen, da dann der Ablenkungswinkel unmittelbar abgelesen werden kann. Wie 
bereits oben bemerkt worden, darf bei diesem Versuch nur wenig Rauch im 
Kasten sein. Sehr deutlich lässt sich das Minimum der Ablenkung zeigen. Das 
austretende farbige Strahlenbündel wird besonders gut sichtbar, wenn mandenKasten 
so dreht, dass die Strahlen die innere Glasfläche des Deckels streifen.^) 


Vor mehreren Jahren hat Herr W. A. Rosenberg in Petersburg einen op- 
tischen Apparat^) construirt, der mit Hilfe von Cylindergläsern auf einer weissen 
Fläche den Gang der Lichtstrahlen in vorzüglicher Weise objectiv sichtbar macht. 
In neuerer Zeit hat Rosenberg seinen „optischen Universalapparat" derart ver- 
bessert, dass man mit demselben auch bei Lampenlicht die wichtigsten optischen 
Erscheinungen vollständig vorfüliren kann. — Bei Sonnenlicht oder bei elektri- 
schem Bogenlicht ist die Erscheinung an der optischen Kammer von Mach oder 
an meinem Reflexionsapparat kaum weniger elegant (besonders in einem verdunkelten 
Zimmer). Letztere Apparate haben den Vorzug grosser Einfachheit; so dass n^an 
sie selbst herstellen und die bereits vorhandenen Linsen und Prismen benutzen kann. 

Selbstverständlich kann man anstatt des Sonnenlichtes auch elektrisches Bogen- 
licht oder Drummond'sches Kalklicht anwenden, dessen Strahlen durch einen Pro- 
jectionsapparat parallel gemacht sind. Petroleum -Lampenlicht ist weniger zweck- 
mässig, da es schwer in genügender Lichtstärke (30 bis 40 Meterkerzen) im Pro- 
jectionsapparate verwendbar ist; auch sind die Strahlen, besonders die brechbareren, 
immerhin so lichtschwach, dass das Auditorium verdunkelt werden muss, wodurch 
ein grosser Vorzug der Apparate verloren geht. 


n. Modification des Bunsen'schen Photometers. 

Das Bunsen 'sehe, sogenannte Fettfleck-Photometer liefert bekanntlich sehr 
genaue Resultate. Zur Demonstration, besonders in Mittelschulen, ist es aber wenig 
geeignet, da es kostspielig ist, und Gas, sowie einen besonderen Apparat zur Re- 
gulirung des Gasdruckes erfordert. Daher kann eine leicht herstellbare, sehr trans- 
portable Modification desselben ein gewisses Interesse beanspruchen, wenngleich 
wenig wesentlich Neues daran vorkommt. 

Statt der kleinen Gasflamme im Inneren des Photometers habe ich eine Ben- 
zinkerze benutzt, wie es auch Web er ^) bei seinem zu anderen Zwecken construirten 
Photometer gethan. Um das mühsame Reguliren der Flamme möglichst zu ver- 
meiden, ist die Benzinkerze in einem besonderen Gehäuse A angebracht, welches 
im Rohre B, wo der Schirm sich befindet, mittels eines Triebes aus- und einge- 
schoben werden kann. Das Kerzengehäuse A ist zum Schirme zu mit einer guten 
Spiegelglasplatte geschlossen, um den Schirm vor Kohlenstaub zu schützen. Be- 
nutzt ist ein Töpl er 'scher Schirm, welcher statt des Fettfleckes ein weisses Papier 


^) Befestigt man dicht hinter dem Spiegel (oder Prisma) einen weissen Carton, sodass die 
Lichtstrahlen die weisse Fläche streifen, so ist die Erscheinung so deutlich, dass man sie auch 
mit Hilfe von Kerzenlicht demonstriren kann. 

2) W. L. Rosenberg: „Neue optische Apparate'*. St. Petersburg 1877 (russisch). 

8) L. Weber: Mittheilungen über einen photometrischen Apparat. Wied. Ann. d. Phys. 
und Chemie 1883. 


KOLBE, PhOTOMBTKB. 


mit einer kreisförmigen OefFnung (von etwa 15 mm Durchmesser) hat, welches 
von beiden Seiten mit feinem durchscheinenden Papier bedeckt ist. Sehr ge- 
eignet ist, wie ich nach vielen Versuchen erkannte, weisses Papier No. 50 von 
Schleicher & Schüll in Düren in die Mitte, und Pauspapier No, 106 zu beiden Seiten. 

Letzteres wird stramm auf 
Ringe von schwarzem Car- 
ton gezogen und dicht auf 
das passend ausgesclmittene 
Papier No. 50 gelegt, und 
die Ränder beider Ringe be- 
klebt. — Seitlich hat das 
äussere Rohr (worin der 
Schirm sich befindet) einen 
Arm a, der ein Sehrohr und 
einen drehbaren Spiegel s 
(grosses versilbertes mikro- 
skopisches Deckglas) trägt, 
durch welchen man den 
Fig. 3. Schirm beobachtet. AmEnde 

des Annes befindet sich ein schwarzer Schirm S, um das Licht der zu unter- 
suchenden Lampe vom Auge abzuhalten. — Der Schirm des Photometers wird also 
von einer unverrückbaren Stellung aus beobachtet, was die Genauigkeit der 
Ablesung so wesentlich erhöht, dass diese Methode nur w^nig hinter der Vergleichung 
beider Schirmseiten durch Spiegel oder totalreflectirende Prismen zurückbleibt.- — 
Beim Nichtgebrauche schützt ein passender Deckel, welcher vorn auf das Rohr B 
gesetzt wird, den Schirm vor Staub. 

Das Photometer kann auf einem Ständer befestigt werden, der einen schweren 
FuBS hat und eine Leiste aus hartem Holz trägt, auf welchem eine Scale aufge- 
tragen ist; letztere gestattet, die Lichtstärke der untersuchten Lampen direct in 
Meterkerzen abzulesen, wenn die Normalkerze N in der Entfernung von 20 cm 
aufgestellt wurde. Die Leiste hat eine flache Rinne, in welche Millimeter- 
papier aufgeleimt ist. Die Centimeter sind am oberen Rande mit Tusche markirt, 
während der untere Rand die Photometerscale (a. d. Tabelle am Schluss) enthält. 
Nach der Eintheilung wurde das Papier lackirt. Damit der Scalenstab nicht un- 
gebührlich lang ist, besteht derselbe ans einem fest am Ständer befestigten Theile 
von 110 cm Länge (entsprechend 30 Meterkerzen, was zu Demonstrationen völlig 
ausreicht) und einem auf einem besonderen Fuss befindlichen zweiten Stück ^) von 
gleicher Länge (bis 121 Meterkerzen reichend), welches durch zwei Stifte, die genau in 
zwei Lücher am Ende des festen Stückes hineinpassen, mit diesem verbunden wird. 
Eine bewegliche Stütze T dient zur Unterstützung der Verbindungsstelle. Die zu unter- 
suchende Lampe L wird auf den runden Holzteller des mit einer Marke versehenen 
Schiobers gesetzt, der einen etwas vorstehenden Rand und drei flache Rinnen hat, 
die vom Centrum zur Peripherie gehen und gleiche Winkel mit einander bilden. 
Wird nur der feste Theil der Photometerscale benutzt, so wird die bewegliche 
Stütze, die eine Gabel hat, in welche die Holzleiste zu liegen kommt, an das freie 
Ende des Stabes geschoben, um dieses zu unterstützen. Das Photonieter selbst 

') Für Schiitzwcckc UbcrhAujit iiirlit ortorderiich. 


Sitibenter Jahrgang. M&rz 1887. 


ScHwiRKüs, Wagen. 


83 


kann in dem hohlen Ständer höher und tiefer gestellt, mitlün jeder Lampe ange- 
passt werden. 

Um den Ständer mit der Photometerscale zugleich auch für andere, etwa 
zu demonstrirende Photometer anwenden zu können, brachte ich den Leuchter für 
die Normalkerze an einem drehbaren Arme von 20 cm Länge an. Ersetzen wir 
das beschriebene Photometer durch ein Lambert'sches^) (Rumford'sches genannt) 
oder ein Ritchie'sches, so brauchen wir nur den Arm des Leuchters passend zu 
drehen und sind sicher, dass die Normalflamme in jedem Falle gleich weit vom 
Schirme entfernt ist. 

Die Photometerscale ist auf das Millimeterpapier des Stabes nach folgender, 
von mir neu berechneten Tabelle aufgetragen. 

Photo mcter-Tabelle. 
Für eine Entfernung der Normalkerze e = 20cm, J5J = Entfernung der zu 
untersuchenden Flamme (in Centimetern) , J" = Lichtstärke der zu untersuchenden 
Flamme (in Normal -Meterkerzen). 


E 

J 

1 

E 

J 

E 

J 

E 

J 

E 

J 

E 

J 

E 

J 

6,32 

0,1 

20,00 

1 

66,33 

11 

91,65 

21 

111,35 

31 

128,06 

41 

148,32 

55 

8,94 

0,2 

28,28 

2 

69,28 

12 

93,81 

22 

113,14 

32 

129,61 

42 

154,92 

60 

10,95 

0,3 

34.64 

3 

72,11 

13 

95,92 

23 

114,89 

33 

131,15 

43 

161,24 

65 

12,63 

0,4 

40,00 

4 

74,83 

14 

97,98 

24 

116,62 

84 

132,66 

44 

167,33 

70 

I4,U 

0,5 

44,72 

5 

77,45 

15 

100,00 

25 

118,32 

35 

134,16 

45 

173,20 

75 

15,49 

0,6 

48,99 

6 

80,00 

16 

101,98 

26 

120,00 

36 

135,65 

46 

178.88 

80 

16J3 

0,7 

52,91 

7 

82,46 

17 

103,92 

27 

121,65 

37 

137,11 

47 

184,39 

85 

17,89 

0,8 

56,57 

8 

84,85 

18 

105,83 

28 

123,29 

38 

138,56 

48 

189,74 

90 

18,96 

0,9 

60,00 

9 

87,18 

19 

107,70 

29 

124,90 

39 

140,00 

49 

194,93 

95 

20,00 

1,0 

63,24 

10 

S9,44 

20 

109,54 

30 

126,49 

40 

141,42 

50 

200,00 

100 


Die in Vorstehendem beschriebenen Apparate werden von dem Mechaniker 
und Optiker 0. Richter in Petersburg und dem Universitätsmechaniker P. Schnitze 
in Dorpat in solider Ausführung hergestellt. 

St. Petersburg, im October 1886. 


Ueber den Bau und Gebrauch wissenschaftliclier Wagen. 

Von 
Dr. G. Schwlrkas in Berlin. 

(Fortsetzung.) 

In denjenigen Fällen, in denen Reiter nicht mehr anwendbar sind, muss 
man sich entweder der üblichen Milligramm- und Bruchmilligrammgewichte aus 
Blech, oder anzuhängender Drahtgewichtc bedienen. Erstere können bis zu der 
Kleinheit, in der sie noch gebraucht werden — mindestens bis 0,05 mg herab — 


1) Lambert: Photometria sivc de mensura et gradibus Inmiiiis, colonim et umbrae. 
Augustae vendelicorum 1760. Als besonderer Apparat hergestellt von Rumford (Philos. Transact. 
LXXXIV, S. 67), verbessert u. A. von Bert in- Sans (Annalcs d'IIygiene 1882, Janv.-Fevr.) Sehr 
viel genauer wird die Ablesung, wenn man als schattenwerfenden Körper ein durchbrochenes Gitter 
anwendet. (Verf. in v. Graefc's Archiv für Opht. 1884, II, S. 23.) 


84 ScKWiRkrs, Wagen. ZEirsciraiFT für Ik8tbdwentk5kuki>ie. 


nur aus feinst ausgewalztem Aluminiumblech so hergestellt werden, dass sie Fläche 
für eine einfache Bezeichnung, eine aufgebogene Ecke zum Anfassen und trotz- 
dem den erforderlichen Rest innerer Festigkeit besitzen. Dennoch bleiben sie 
von grösster Vergänglichkeit, bedingen wegen der Schwierigkeit ihrer Hantirung 
langiBs Oeffnen des Kastens und unterliegen ungeachtet der an sich nicht geringen 
Haltbarkeit des Aluminiums wegen ihrer verhältnissmässig sehr grossen Oberfäche 
der Oxydationsgefahr. 

Anhängegewichte aus Draht sind mit diesen Uebelständen weniger behaftet 
und bieten dazu den grossen Vortheil, dass sie bei geeigneter (am besten Hufeisen-) 
Form mittels eines Mechanismus sehr sicher und ohne OefFnen des Gehäuses an das 
Gehänge angehängt werden können. Es wird daher von ihnen besonders zu feinsten 
Wägungen zunehmend Gebrauch gemacht. 

Um ihre Anzahl auf das kleinste Maass zurückzuführen, stuft man sie zweck- 
mässig nicht nach der gewöhnlichen Gewichtsseale ab, sondern wählt eineReihe, welche 
weniger Glieder erfordert. Als solche kommen zunächst in Betracht die bekannte Reihe: 

1, 2, 4, 8, lü, 32 . . . ., 

d. h. die Potenzen von 2, und die von Stahlberger^) vorgeschlagene, noch rascher 
wachsende Reihe: 

1, 3, 9, 27, 81 ... . 

der Potenzen von 3. Die erste Reihe giebt alle ganzen Zahlen durch blosse Sum- 
mation einzelner Glieder, was daraus folgt, dass jedes ihrer Glieder Eins mehr als 
die Summe aller vorangegangenen ist. Wenn nämlich die Summe aller Glieder bis 
zum n*®° noch nicht zui* Darstellung einer gegebenen Zahl ausreicht, kann man an 
ihre Stelle das (w -f- 1)*® Glied setzen und zur Darstellung des etwa fehlenden Restes 
wieder mit den ersten Gliedern beginnen. Die zweite Reihe giebt dagegen alle ganzen 
Zahlen theils durch Summation, theils durch Subtraction ihrer einzelnen Glieder; es 
beträgt nämlich jedes Glied Eins mehr als die doppelte Summe der vorangegangenen. 
Wenn daher die Summe der ersten n Glieder die gegebene Zahl noch nicht darstellt, 
giebt das (w -f 1)*® Glied, vermindert um diese Summe, die nächstfolgende Zahl, 
und indem der Subtrahend allmälig wieder verkleinert wird , alle weiteren Zahlen bis 
zum (n-f 1)*®" Glicde selbst. Beide Reihen erschöpfen zugleich mit der Darstellung 
aller ganzen Zahlen auch alle möglichen Combinationen, stellen also, jede in ihrer 
Art, den denkbar günstigsten Fall dar. Für Gewichtsätze, deren Stücke beliebig 
auf die eine oder die andere Schale gebracht werden können, bedingt offenbar die 
zweite Reihe die geringste Anzahl von Stücken. Sollten die Gewichte aber wie im 
vorliegenden Falle mittels mechanischer Vorrichtungen an die Schalen gehängt werden, 
so kann man nicht jedes Stück auf jeder Schale verwenden, weil dies den Mecha- 
nismus zu sehr compliciren würde. Die zweite Reihe müsste daher, zur Ermög- 
lichung der Subtractionen, doppelt, auf jeder Seite der Wage einmal, vorhanden 
sein, wogegen es bei der ersten genügt, den Balken auf der einen Seite um den 
Betrag des letzten Gliedes (k^) schwerer zu machen, um durch allmäliges Zulegen 
ihrer Glieder auf der anderen Seite alle ganzen Zahlen von — /r„ bis /f„ — 1 zu er- 
halten. Hierdurch neigt sich, wie die Vergleichung lehrt, der Vortheil in unserem 
Specialfalle auf Seite der ersten Reihe. Die sechs ersten Glieder derselben geben z. B. 
alle Zahlen von — 32 bis. -f 31, wofür von der zweiten Reihe vier Glieder doppelt, 
also acht anzuwenden wären. D«ss dabei die Wage nur einspielt, wenn das letzte 


^) Cju-Fs Hoi)ertoriiiin. 5. S. 10. 


Siebenter Jalirgang. MiLra 1867< SoHWiRSUS, WaOEN. 85 


Glied aufliegt, bedingt freilich, dass Erleichterungen der Schale (d. h. die früheren 
negativen Zulagen) um so grössere Umstellungen erfordern, je kleiner der auszu- 
gleichende Gewichtsbetrag ist, entschädigt für diese Unbequemlichkeit aber einiger- 
maassen dadurch, dass nur positive Zulagen zu notiren sind, was die beim No- 
tiren von Zulagen so leicht vorkommenden Irrthümer einschränkt und die Rech- 
nung erleichtert. 

Um indess dennoch in der gewöhnlichen Weise positive und negative Zu- 
lagen machen zu können, müssen wir die beiden — offenbar vorhandenen — un- 
gleichen Reihen aufsuchen, deren Benutzung auf den beiden Seiten der Wage zu 
gleich günstigen Ergebnissen führt. Diese Reihen sind dadurch definirt, dass der 
kleinste, mit einem (dem n*®°) Gliede herstellbare Werth (bestehend aus ihm allein, 
ohne Hinzufügung anderer Glieder der Reihe ^ aber vermindert um die n — 1 ersten 
Glieder der negativen Reihe) um Eins grösser sein muss, als der grösste mit dem 
n — iten Gliede herstellbare Werth (bestehend aus der Summe der ersten n — 1 
Glieder ohne Verminderung durch ein Glied der negativen Reihe) ujid umgekehrt. 
Sei daher die positive Reihe die der ä, die negative die der /, so muss für die 
positive Reihe sein: 

K — (^1 -f- fe •+ . . . ^n-i) = (Äi -f fe -f- . . . äTh^i) H-l. 
Für die negative hat man die k mit l und die Vorzeichen zu vertauschen; 
ausserdem müssen die k links bis zum m**° gehen, da die Glieder der zweiten Reihe 
ihrem Zahlenbetrage nach über die Glieder der ersten von gleicher Ordnungszahl 
hinausreichen; man erhält: 

— ln-\-{h -ffeH-. . 'kn) = — (h-hh-h . . .^i-i) — 1. 
Die Addition beider Gleichungen ergiebt zunächst In =^ 2Ä„; setzt man diesen 
Werth in die erste Gleichung ein, so wird: 

kn — 2 {kl -t- fe -f . . . k^_^ = {kl -f- /r2 -4 . . . /Cn-j) + 1 
oder 

Ä„ = 3 (Äi -} Ä2 -f- . . . Än-i) H- 1. 

Aus der letzten Gleichung lassen sich jetzt die ä: als die Reihe der Potenzen 
von 4 oder, was dasselbe ist, der geraden Potenzen von 2 ausrechnen, sodann 
ergiebt die Beziehung Z„ = 2 Ä„ die l als die Reihe der mit 2 multiplicirten geraden 
oder, was dasselbe ist, der ungeraden Potenzen von 2, d. h. man erhält die po- 
sitive Reihe 1, 4, 16, 64, . . ., die negative Reihe — 2, — 8, — 32, . . . Beide 
Reihen enthalten zusammen wieder sämmtliche Potenzen von 2; der Unterschied 
gegen früher besteht nur darin, dass die Glieder abwechselnd der einen und der 
anderen Seite der Wage zugetheilt sind. In entsprechender Form geschrieben: 

. . • ., 16, 4, 1 J, o, «32, .... 
lässt sie leicht erkennen, dass der Erfolg erreicht ist, nur mit der Einschränkung, 
dass man bei gleicher Gliederzahl auf beiden Seiten nicht mehr gleich weit reicht, 
was früher bis auf eine Einheit der Fall war. Wollte man auch hier durch ent- 
sprechende Tarirung des Balkens die Gleichheit herstellen, so würde der besondere 
Vorzug dieser Reihe, dass man zu den kleinsten Zulagen auch nur die kleinsten 
Gewichte verwendet, wieder verloren gehen. Dass jede Hälfte für sich rascher 
wächst als die Reihe der Potenzen von 3, bleibt dagegen bestehen. 

Dies erledigt zunächst die Frage der besten Darstellung der ganzen Milli- 
gramme, genügt jedoch noch nicht für die Bruchtheile eines Milligrammes. Hier 
entsteht die Schwierigkeit, dass Anhängegewichte nicht gut unter ^4 mg, zweck- 
mässig sogar nicht unter Y^J ^^^S Schwere ausführbar sind. Kleinere Gewichts- 


86 ScHWiBKUS, Wagen. ZsiTscmarr fOr Isstrumbxtskkuxi»«. 


grossen können somit nur als Differenzen je zweier Gewichte dargestellt werden. 
Es ist nun klar, dass man ohne den eben erwähnten Uebelstand die einfachste 
Lösung erhielte, wenn man für die ganzen Milligramme die letzte nach den po- 
sitiven Potenzen von 2 fortschreitende Reihe bestehen liesse, für die Bruchmilligramme 
aber dieselbe Reihe rückwärts nach negativen Potenzen von 2, also in der Form: 

111 

y « • ■ • . 

2 4 8 
verlängerte. Denn diese Reihe giebt alle Vielfachen ihres letzten (kleinsten) Gliedes, 
weil, wenn sie gleichnamig gemacht wird, ihre Zähler wieder in der Reihe 1, 2, 
4, 8 ... . erscheinen. 

Denkt man sich ferner diese Bruchmilligramme Y2, V* • • • • ^^^ für alle Mal 
mit einem ganzen Milligramm verbunden, welches aber stets der andern Schale 
der Wage hinzugefügt wird, so ist dies dasselbe, als ob man die Grössen 1 — Y«, 
1 — Y4 . . . ., d. h. die Ergänzungen obiger Brüche zu Eins als Zulagen be- 
nutzte. Diese Grössen geben offenbar ebenfalls alle Vielfachen des vorigen kleinsten 
Bruches, nur, je nach Umständen, vermehrt oder vermindert um so viel ganze 
Milligramme, als Bruchmilligramm -Stücke Tierwendet sind. Da man aber im Stande 
ist, jede beliebige Anzahl ganzer Milligramme durch entsprechende Vermehrung 
oder Verminderung der Vollmilligramm-Stücke wieder auszugleichen, so müssen auch 
diese neuen Bruchmilligramme die Eigenschaft haben, alle Vielfachen des vorigen 
kleinsten Bruches, und zwar in derselben günstigen Weise wie die früheren, dar- 
zustellen. Dazu bieten sie den Vortheil, dass ihre Grösse durchweg zwischen Y2 
und 1 liegt, dass sie also auch die Anforderungen an ihre Herstellbarkeit erfüllen. 
Ebenso und vielleicht mit noch grösserem Vortheil kann man die Brüche um ein oder 
mehrere ganze Milligramme vermehren, was die Gewichte widerstandsfähiger macht. 

Es könnte als ein Nachtheil erscheinen, dass die vorstehende Abstufung 
nicht nach decimalen Untereinheiten Yio? Yzo? ^' dergl. fortschreitet. Indess lassen 
sich so kleine Gewichte erfahrungsmässig doch nicht ganz genau nach diesen Einheiten 
justiren; schon das Zehntelmilligrammstück beträgt manchmal näher Y^ ^^^^ Vii 
als Yio nig. Man muss deshalb doch immer den wii-klichen Werth auf 0,001 oder 
gar 0,0001 mg genau bestimmen und mit den erhaltenen regellosen drei- bis vier- 
stelligen Zahlen arbeiten, gleichviel ob der Nominalwerth ein an sich bequemer ist 
oder nicht. Es kann sogar im Gegentheil ein an sich unbequemer Nominalwerth vor- 
thcilhafter sein, nämlich wenn er die Stückzahl der Gewichte zu verringern erlaubt, 
weil damit auch die Anzahl der nöthigen Additionen oder Subtractionen der ihnen 
entsprechenden langen Bruchziffern eingeschränkt wird. 

In dieser Beziehung liegen nun die Vortheile unserer Reihe auf der Hand. 
Begnügt man sich mit halben Milligrammen, so besteht überhaupt kein Unterschied; 
wählt man Viertelmilligramme, so kann man das Bruchstück Y* nach Belieben bei- 
behalten oder auf Zehntel abrunden; im letzteren Falle erfolgt dann nur die Aus- 
gleichung nicht bis auf Y*? sondern je nach Umständen bis auf 0,2 oder 0,3, was 
gleichgiltig ist. Mit ähnlicher Wirkung könnte noch das Achtel auf das Zehntel 
abgerundet werden. Wollte man statt dessen eine wirkliche Zehntel- oder Zwanzigstel- 
Abstufung herstellen, so würde man dies nur mit Hilfe der Sechzehntel- oder Zwei- 
unddreissigstel-Glieder unter Aenderung der Nenner in 10 bezw. 20 thun können, 
da schon eine einzige Combination mehr den Uebergang in die nächst kleinere Stufe 
erfordert. Dies hiesse einen recht fragwürdigen Vortheil mit Vermehrung der Stücke 
erkaufen, ist also ebensowenig wie die vorerwähnten Abrundungen gut zu heissen. 


Siebenter Jahi^ang. M&n 1887. 


SOHWIRKUB, WaOKW. 


87 


Die Darstellung noch kleinerer Gewichtsgrössen als Vw^S bliebe zur Zeit wegen 
der unvermeidlichen Ungenauigkeit der Justirung ziemlich illusorisch und wird da- 
her besser unterlassen. 

Zum Gebrauche wird jedes Gehänge der Wage mit einem Rechen ver- 
sehen, über dessen einzelnen Zinken die Gewichte an senkrecht verschiebbaren 
Stäben derart angehängt sind, dass sie bei der Senkung des Stabes frei an der 
Zinke hängen bleiben, bei der Hebung dagegen wieder mit nach oben genommen 
werden. Am Einfachsten und zugleich Zweckmässigsten ist es, die Stäbe mit 
Reibung direct durch die Kastendecke gehen zu lassen, über welcher sie Knöpfe 
zum Auf- und Niederziehen tragen; die Mitwirkung der Hand geschieht dann an 
unschädlichster Stelle. 

Schwierig ist die äussere Unterscheidung solcher Anhängegewichte, da blosse 
Verschiedenheiten der Gestalt bei so dünnem Draht vergänglich sind. Theilweise 
Vergoldung, welche aber die Justirung erschwert, bei den grösseren auch Ab- 
plattung eines oder beider Enden müssen im Wesentlichen genügen. Beim Ge- 
brauche bedient man sich zweckmässig einer Tafel, in welche die Combinationen 
zur Darstellung der einzelnen Gewichtsgi'össen eingetragen sind, z. B. für die Reihe 


• • • • 16^ 4^ 1 

20 
17 


iS y Oy Ö^ . • • • 

24 

18 


worin die Vollmilligramme fett gedruckt, von den Bruchmilligrammen nur die Zäliler 
angegeben sind, folgende Combinationen der Sechzehntel auf der rechten Seite: 


Sech- 

Combination 

• 
• 

xehniel 

4 

1 

20 

17 

18 

24 

2 

8 

1 




—17 

18 




2 


-1 



18 




3 


-1 

-20 

-17 


24 

2 


4 



—20 



24 



5 



-20 

—17 

.18 

24 



6 


-1 

-20 


18 

24 



7 




-17 


24 



8 


-1 




24 




Sech- 

Combination 

m 
• 


zehnte! 

4 

1 

20 

17 

18 

24 

2 

8 

9 


-1 


-17 

18 

24 



10 

-4 




18 

24 

2 


11 

-4 

-1 

-20 

-17 




8 

12 



—20 




2 


13 



-20 

—17 

18 


2 


14 


-1 

-20 


18 


2 


15 




—17 



2 


16 


-1 





2 



Da die Combinationen der Bruchgewichte für alle positiven und negativen 
unächten Brüche dieselben sind, ist diese Tafel nur um die Combinationen für die 
ganzen Milligramme zu vervollständigen. Fünf Glieder auf jeder Seite werden 
meist genügen; zu den feinsten Wägungen wird man etwa wählen für Wagen bis zu 

1 g Belastung die Glieder ^Yie bis 32 mg 


10 

100 

1000 

10 000 


r) 


n 


n 


71 


n 


n 


n 


n 


n 


T) 


7) 


Vb « 

(54 

74 r, 

128 

72 r, 

256 

1 , 

512 


7) 


7) 


77 


Der Gedanke, durch Anwendung von Anhängegewichten der vorstehenden 
Art das Oeffnen des Kastens zu vermeiden und die Gewichte dabei so abzustufen, 
dass alle Zulagen, zu deren Verkörperung Drahtgewichte zu gross sind, durch 
ihre Diflferenzen gebildet werden können, rührt von Arzberger^) her. Zur Zeit 
der betreffenden Veröffentlichung war Aluminium noch nicht in Gebrauch-, sein 


1) Dingler'g Journal. Bd. 219. 


88 SCHWIRKUB, Wagen. ZBirSCHRrfr für iHSTRÜlOEXTESrKUN'DR. 


kleinstes Gewicht betrug daher 10 mg, wie es aus Platin noch gut herstellbar ist. 
Das grösste Gewicht war 20 mg, und zwischen diesen beiden waren zur Darstellung 
aller ganzen Milligramme bis zu 35 Gewichte zu 11, 13 und 16 mg eingeschaltet. 
Die nämlichen fünf Stücke befanden sich auf der anderen Wagenseite. Wenn diese 
erste Auswahl von 10 Stücken noch nicht sehr ökonomisch erscheint — wir würden 
von 1 anfangend mit den 10 Stücken 1 bis 512 mg Gewichtsunterschiede bis zu 
1023 mg ausgleichen können — so hatte dazu die Rücksicht bestimmt, dass keine 
Combination mehr als 3 Stücke erfordern sollte. 

Die Anwendung solcher Anhängegewichte ist ganz besonders zu Wägungen 
auf kleineren Wagen zu empfehlen. In dem wichtigen, z. B. an metrologischen 
Instituten vorkommenden Falle, dass auch Normalgewichte unter 1 mg gehalten 
werden müssen, bedarf es für diese nur gleicher Form und Abstufung, damit so- 
wohl ihre Bestimmung als auch die Ableitung der Gebrauchsgewichte aus ihnen 
ganz ohne Oefftien des Kastens, ebenso rasch als genau, erfolgen kann, was um 
so werthvoUer ist, als bei den dazu dienenden kleinsten Wagen mechanische Ein- 
richtungen zur Vertauschung der Wägungsobjecte nicht mehr anwendbar sind. Ferner 
erfordern so abgestufte Gewichte weniger Bedingungsglcichungen bei der Prüfung 
und bleiben weit haltbarer und beständiger als die Zehntel- und Hundertel-Milligramme 
in Blattform, von denen man nie sicher ist, ob sie sich in Folge Anfassens mit der 
Pincette oder Oxydation nicht verändert haben. Man spart also die bei der Blatt- 
form so häufige und störende Erneuerung bezw. Neubestimmung der Gewichte; 
die erste Bestimmung ist genauer bei grösster Kürze und man besitzt nach der- 
selben Gewichte, auf welche man sich längere Zeit verlassen kann. 

Kleinste Gewichte in Blattform sollten niemals, wie es geschieht, in Kästen 
mit Sammet- oder Lederfutter aufbewahrt werden, in welchen sie leicht verstauben 
und hängenbleiben, sondern in Platten aus hartem Holz mit flachen, sauber aus- 
gedrehten Vertiefungen zur Aufnahme je eines Stückes, mit einer Glasplatte als Deckel. 
Eine gute Form kleinster Blattgewichte ist das Rechteck 2:1, wenn von demselben 
etwa ein Drittel an der schmalen Seite zum Anfassen senkrecht aufgebogen wird. Be- 
zeichnungen sind am Deutlichsten, wenn sie nicht eingeschlagen, sondern erhaben 
ausgeprägt werden. 

Bei Vacuumwagen ist die Anwendung von Anhängegewichten oder mindestens 
mechanisch auflegbaren Gewichten in Stab form unvermeidlich, doch würde eine 
Beschreibung der verschiedenen Ausführungen des dazu nöthigen Mechanismus 
zu weit führen.^) Den Vorzug unter den letzteren verdienen diejenigen, welche 
die wenigsten Durchbohrungen des Gehäuses erfordern, die grösste Sicherheit 
gegen das Herabfallen, Beschädigen oder Verwechseln der Gewichte und gegen 
Fehlbewegungen bieten und am Zuverlässigsten (ohne unnütze Spielräume oder 
todten Gang) arbeiten. Die schwereren Stücke (von mehr als 9 mg) ordnet man 
möglichst senkrecht unter der Schneide an, damit sie der Schale beim Auflegen 
kein merkliches Uebergewicht geben. Bei Vacuumwagen ist es besonders wichtig, 
mit möglichst wenig Gewichten auszukommen, da es meist an Raum fehlt. Man 
wählte daher bisher die Abstufung nach Potenzen von 3 mit besonderer Vorliebe; 
noch besser würde man natürlich mit der oben behandelten Reihe fahren. 

(Fortsetzung folgt.) 

1) 8. u. R. die Constnictionen von Bunge und von Stückrath in den Berichten über 
die wiBHcnschnftl. Apparate auf der Londoner Ausstellung i. J. 1870 S. 2*29 und auf der Berliner 
Gewerbeausatellung i. J. 1879 S. 190. 


Siebenter Jahrgang. Mlri 1887. Lorber, Distanzuesser. 89 


Ein Beitrag zur Theorie der Fadendistanzmesser. 

Von 
F. I«orber , o. tf. Professor a. d. k. k. Bergakademie in Leoben. 

Aus der Theorie des Reichenb ach 'sehen Distanzmessers ist bekannt, dass 
die horizonta/le Projection der in der Richtung der Mittel visur gelegenen Entfernung 
zwischen dem vorderen Brennpunkte (anallaktischen Punkte) und der vertical ge- 
stellten Latte aus der Gleichung 

1) D = CLcoB^h 

gefunden wird, wo C die Constante des Distanzmessers, L den zwischen den beiden 
äusseren Fäden abgelesenen Lattenabschnitt und h den Höhen- oder Tiefenwinkel 
der Visur über dem Mittelfaden bedeutet. 

Die Gleichung 1) ist unter der Voraussetzung zu Stande gekommen, dass das 
Bild des Lattenabschnittes L genau zwischen den Distanzmesserfäden eingeschlossen 
ist; diese Voraussetzung kann aber, weil die Fadenebene senkrecht zur optischen 
Axe des Objectives steht, bei verticaler Latte nur in dem besonderen Falle erfüllt 
werden, wenn die Mittelvisur horizontal ist. 

Ist diese aber gegen den Horizont geneigt, so kann erstens das Bild der ver- 
ticalen Latte nicht in die Ebene der Fäden fallen, und zweitens kann die Bildgrösse 
des über die beiden äusseren Fäden gesehenen Lattenabschnittes nicht dem Abstände 
dieser Fäden gleich sein; es werden also im Allgemeinen Abweichungen von den in 
der Theorie gemachten Annahmen auftreten, über welche bei der Ableitung der 
Gleichung zumeist rasch hinweggegangen wird. 

Wenn dies auch im Hinblicke auf den Umstand, dass die erwähnten Ab- 
weichungen unter normalen Verhältnissen keinen fühlbaren Einfluss auf die Messungs- 
resultate ausüben, vollkommen gerechtfertigt 
erscheint, so dürften doch die Grössen der Ab- 
weichungen und die sich hieraus etwa erge- 
benden Schlussfolgerungen von Interesse sein. 

In der beistehenden schematischen Figur 
sei L das Objectiv, Fi und F2 dessen Brenn- 
punkte, ö, p und u die drei Horizontalfäden, 
welche der Einfachheit halber in gleichen Ab- 
ständen von einander: po=pu=h/2 angenom- 
men werden sollen. 

Wird unter Voraussetzung der Verwen- 
dung eines Oculares nach dem Principe von 
Ramsden zunächst auf Grund der Gleichung 
für die Sammellinse der Gegenstandspunkt P, 
welcher dem Bildpunkte p entspricht, con- 

struirt, so ergiebt sich dann sehr einfach das ^^ 

Bild mpn des verticalen Lattenabschnittes MPN. Dieses Bild schliesst mit ou einen 
Winkel x ein, der, an und für sich zwar von geringerem Interesse, doch von Wichtig- 
keit für die Ermittlung der Grösse mn und der Entfernung der Bildpunkte ni und n 
von den Fäden u und ist. 

Aus dem Dreiecke pmO folgt: 

2) . . . mO :pO = sin Opm: sin pmO = co&x: cos (ß — x), 
da Z0i?m = 90°— x und Z/?wO = 90° — (ß — x) ist. 



90 LORBER, D18TANZME88BB. ZEITSCHHirr FÜK IXBTRUlfBKTKKKÜKDB. 

Nach der Gleichung für die Sammellinse ist: 

wo a die Gegenstandsweite, a die Bildweite und f die Brennweite der Linse, bezw. 
der Linsencombination bedeutet. 

Setzt man also pO = a und F^P = d, so ist P= d~\' f und daher: 

d 
und weiter wird, wenn OM=dy und mO = ol^ gesetzt wird, aus: 

1 1 1 


djcosß a^cosß /■' 


Fiiljrt man die Werthe von pO und mO in 2) ein, so erhält man: 

, ' ? — ^: ^ ^ , — ^^cosx: cos(ß — x\ 

nud f(f+Al^(-J^^ (cosß + sinßtgx), 

woraus man nach entsprechenden Vereinfachungen findet: 

Aus dem Dreiecke OPlf ergiebt sich: 

OM: OP=d^:f-\-d=cosh: cos {h 4- ß) 

und d^ cos ß — (/"-f- eQ ^ ^Zj tgÄ sin ß, 

wo h den Winkel bedeutet, den die Visirlinie über den Mittelfaden OP mit der Hori- 
zontalen OH bildet, womit aus Gleichung 3) schliesslich: 

4) tgX = -^tgÄ 

erhalten wird. 

Viel schneller und einfacher gelangt man zu diesem Ausdrucke, wenn man 
auf die aus der Figur ersichtlichen geometrischen Beziehungen zwischen dem Gegen- 
stande und dem zugehörigen Bilde Rücksicht nimmt. Vor Allem ist zu ersehen, dass 
der Gegenstandspunkt U auch dem Bilde angehören und dass der unendlich ferne 
Punkt Q des Gegenstandes sein Bild in q haben muss. 

Weiter findet man sofort die Richtung des Bildes, wenn man berücksichtigt, 
dass der Gegenstandspunkt 12, welcher in der Brennpunktsebene F^ sich befindet, sein 
Bild in unendlicher Entfernung, und zwar im Hauptstrahle RO hat; es muss also RO 
parallel zu mn sein und man erhält demnach aus den Dreiecken mRF^ und F^RP: 

f== jRFj tg X und d = RF^ tgÄ, 
folglich tgx = -^tg Ä, wie oben abgeleitet wurde. 

Wollte man auf die Horizontaldistanz übergehen, so hätte man nur d = 


COSÄ 

einzusetzen, womit 

5) ... tg X = -^ sin A oder x (in Minuten) = 3438 — sin h 
erhalten wird. 


Siebenter Jahrgang. If&rz 1887. Lorbeb, Dibtanzmebseb. 91 


Die Bildgrösse und die Entfernungen der Bildpunkte von den Fäden (« o und 
mu) findet man aus den Dreiecken npo und ump und zwar auf folgende Weise: 

po:pn = smonp : sinpon 

pu :pm = ^murnp : sin pum 

Zo?Ji? = 90° — (ß-fx); Zi?on = 90° -f-ß; Zwwj? = 90° — (x— ß); Zi?mw=90°— ß; 

pu== po =-^\ p7i = B2] pm=:Bi] 
P h cosß , ^ 6 cos ß . 


2 cos(ß4-x)' 2 cos(x— ß)' 


Bi -f- J52 = J3 = Y cos 


P [cos (a: -f ß) cos (x — ß) J 


= 6 1 


cos X — sin X tg X tg^^ 
oder hinreichend genau: 

6) B = -±-=b(l + ^). 

cos X \ 2 / 

Zur Ermittlung dör Abstände no und mu hat man: 

2?(} : no '-= cos (ß 4- x) : sin x 
pu : mu = cos (x — ß) : sin x 


6 sin X 6 sin x 

no = -7^ 7 — -tt; mw = 


und femer: 


2 cos(x-j-ß)' 2 cos(x— ß) 

6tgx 6tgx /- . . o i.' \ 

^"- 2cosß(l-ltgßtgx) ==2To^(^-^^gP^g^) 

^«d mw = 5^ ^M^^_^ = |i&4(2-tgßtgx), 

2cosß(l-|-tgßtgx) 2cosß^ &r ö y» 

wofür man genau genug: 

n\ b , bx 

7) wo = mw = e =-2-tgx = -g- 

setzen kann. 

Aus den Gleichungen 4), 5), 6) und 7) ist nun zu entnehmen, dass bei denselben 
Werthen von f und b der Winkel x um so grösser wird, je grösser der Winkel ä und 
je kleiner die Distanz ist, dass femer das Bild mn stets grösser ist als der Abstand 
der beiden Fäden und zwar um so grösser, je grösser der Winkel x ist, und dass 
endlich die Entfernungen der beiden Bildpunkte von den Fäden gleichfalls um so 
grösser werden, je grösser x ist, sowie dass sie, streng genommen, nicht einander 
gleich sind, sondern dass für Höhen visuren no grösser ist als mw, während für Tiefen- 
visuren das Gegentheil eintritt. 

Um die praktische Bedeutung der Grössen selbst würdigen zu können, muss 
man Zahlenwerthe aufstellen; so erhält man für /"= 300 mm, 6 = 3 mm, also C = 100 
und für ä = 45° nachstehende Werthe: 

D = 10 m : tgx = 0,0212; x=7S';B — b = 0,000674 mm; e = 0,032 mm 
D = 100 m : tg X = 0,0021; x = 7,3'; 5 — 5 = 0,000007 mm; e = 0,003 mm. 

Hieraus ist zu ersehen, dass die Bildgrösse unter allen Umständen mit der 
Entfernung der beiden Fäden übereinstimmend betrachtet werden kann und dass 
also dadurch, dass man die Bildgrösse beständig gleich b annimmt, ein un- 
günstiger Einfluss auf die Messresultate nicht ausgeübt wird. Hingegen ist aber die 
für eine richtige Visur nothwendige Einstellung des Fadenkreuzes in die Bildebene 
unmöglich; wenn der Mittelfaden in die Bildebene gebracht wird, so stehen noch 
immer die beiden äusseren Fäden und zwar zu verschiedenen Seiten um nahe gleich- 


92 LORBEB, DlSTAXZMESSEH. ZEITBCHKirT fPk IxsTRTMKSTCTKCXDB. 


viel von der Bildebene ab und daher ist, streng genommen, eine vollständig genaue 
Pointirung ausgeschlossen. Inwieweit sich dies jedoch in der Praxis fühlbar machen 
wird, kann man beurtheilen, wenn man die Genauigkeit berücksichtigt, mit welcher 
man überhaupt das Fadenkreuz in die Bildebene einzustellen vermag. Nach den 
Untersuchungen von Tinter^) ist der mittlere Fehler einer Einstellung |i = 0,93/r mm, 
wo V die Vergrösserung des Femrohres bedeutet. 

Nimmt man für die gewöhnlichen Verhältnisse bei den Distanzmessern r mit 
ungefähr 24 an, so wird n== 0,04 nmi und mit Bezug hierauf ist wohl leicht zu ersehen, 
dass die Abweichung der Bildpunkte von den Fäden bei den in Rede stehenden Ver- 
hältnissen höchstens bei sehr kleinen Distanzen und bei sehr grossen Neigungen 
störend und daher auf die Genauigkeit der Ablesung Einfluss nehmend wirken 
könnte und dass nur für den Fall, wo die Entfernung b der beiden Fäden grösser 
als oben angenommen würde, diese Störung nicht auf die Extreme allein beschränkt 
bliebe; ein grösserer Fadenabstand, welcher bei der gleichen Brennweite eine kleinere 
Constante und bei der gleichen Constanten eine grössere Brennweite bedingen würde, 
ist aber schon aus anderen Gründen ausgeschlossen. 

Wenn nun von den behandelten Abweichungen in theoretischer und im All- 
gemeinen auch in praktischer Beziehung ein Einfluss nicht ausgeübt wird, so kann 
man die Theorie des Distanzmessers noch auf einem andern, von dem gewöhnlich 
«'infreMrhiagenen abweichenden Wege ableiten, indem man unmittelbar die Be- 
ziehungen zwischen dem Lattenabschnitte MN und dem zugehörigen Bilde mn be- 
tra<,'htf,'t. 

Aus den Dreiecken yfOP und mOp findet man: 

PM: PO = sin ß : sin (Ä -\- ß) 

pm : i? = sin ß : cos (ß — x), 
w^^rau»^ 

H' PO = d -\- f = Li cos h cotg ß — Zi sin A 

UJJ<I 

'1/ .,,.... pO = ij} = Bi cos X cotg ß -f -Bi sin x 
fci<}j ^j'iiMti^ wenn Py[=^L^ gesetzt wird. 

iS'tzt man in 9; den aus der Linsengleichung folgenden Werth von lo =^LS-~-L^ 
ejjj uijd behtimmt dann cotg ß, so erhält man: 

und durch Einsetzung desselben in Gleichung 8): 

{d-{ f)^ 7.1 sin Ä -^ Li cos Ä tg X ---. hL(/^:Jl^.''^\ 

^ - " fZ 5i cos X 

Erwägt man, dass nach 4)'tga: =^ / ^g ^ *^^> s^ wird weiter : 

/ 1 , rs , T ' 1. . T f • 7 Lxf(f-\-d) cos h 

(d -i-f)-^- Li sm h -f- Li J- sm h ^-- -^-^V' ^ — 

^ d dBiCOtix 

oder schliesslich : 

L f 
10) d -^ T^-^^ cosÄ — Lisin7<. 

' ^i cos X 

Aehnlich erhält man aus den Dreiecken POA" und pO\i\ 
^) SitzuDgübcrichte der k. Akad. der Wisscnsch. 1881. 


siebenter Jahrgang. M&rz 1887. Gelcich , Pothenot*8Che Aufgabe. 93 


11) d= -^' COS Ä H- Lg sin Ä 

^ Bi cos X 

und wenn berücksichtigt wird, dass Bi = B% = ^ gesetzt werden darf, wird: 


und 


woraus 


2 cosx 
d=^ -t L\ cos Ä — Li sin Ä = 2 CLi cos h — Li sin h 



<i = ~ X2 cos Ä + Lg sin Ä = 2 CL2 cos h -\- L2 sin Ä, 

sin A 


12) d^CLcosh—(^^^~^^sh 

erhalten wird^). 

Da nunLj — L^ =^-tgh und -^— sin h == j— sin Ä tg ä ist und selbst für 

ungünstige Fälle (L == 2 m, C = 100, h = 45°) der letztere Ausdruck erst die Grösse 
von 3,5 mm erreicht, so kann man unbedenklich für die Distanz d bloss das erste 
Glied allein in Rechnung ziehen und demnach schliesslich 

d = GL cos Ä 
setzen. 

Es braucht wohl nicht besonders bemerkt zu werden, dass die vorstehenden Be- 
trachtungen auch auf den Distanzmesser nach Porro, auf den Universaldistanzmesser 
und den logarithmischen Distanzmesser von Starke ausgedehnt werden können. 


Ueber die mechanische Auflösung der Pothenot'schen Aufgabe und 

den doppelten Spiegelgoniographen von C. Pott 

Von 
Prof. C Geldela in Lossinpiccolo. 

Die unter obigem Namen bekannte mathematische Aufgabe, die Lage eines 
Punktes d zu bestimmen aus den zwei, bezw. drei Winkeln, welche die von d 
nach drei gegebenen Punkten a, 6, c gezogenen Strahlen da, dby de miteinander bilden, 
hat sowohl für nautische als auch geometrische Zwecke eine nicht unwichtige 
praktische Bedeutung. Denkt man sich nämlich auf dem Felde die drei durch 
weithin sichtbare Signale markirten Punkte Ä, B^ Cund beispielsweise auf der Zeichen- 
platte eines Messtisches ein dem Dreiecke -4 BC ähnliches, abc, in beliebiger Lage 
gegeben, so kann man einerseits nach Messung der Winkel ADBy ADC oder BDC 
an einem beliebigen vierten Stationspunkte D unmittelbar mit Hilfe der obigen 
Aufgabe den dem Punkte D im Felde auf der Messtischplatte entsprechenden d 
construiren, d. h. also die ganze Feldaufnahme ausführen, ohne dazu einer Orien- 
tirung des Messtisches überhaupt zu bedürfen, andererseits aber auch unter Um- 
kehrung der Aufgabe nach vorheriger Annahme bezw. Bestimmung von d das Dreieck 
abc nach dem im Felde liegenden ABC orientiren. 

Die Lösung der Pothenot'schen Aufgabe auf geometrischem Wege ist an sich 
einfach, aber namentlich in der umgekehrten Form zeitraubend und ungenau; es 
hat daher nicht an Versuchen gefehlt, dieselbe direct durch mechanische Vorrich- 
tungen schnell und sicher zu bewerkstelligen. Ueber das historische Moment dieses 


1) Wird die Elimination von Bi und B^ aus 10) und 11) in Verbindung mit Bi -f B^ 
—^ vorgenommen, so ergiebt sich : (f = ~ L cos ä — \{Li — Zg) sin h ^ sin *hh 


8 


94 Gblcich, Pothewot*8Che Aufgabe. Zritbchhift fök IsvnxnramatKvnmK. 


Problems gab bereits Wey er in den Annalen der Hydrographie einige Nachrichten^), 
welchen wir folgende kurze Angaben entnehmen: 

„Mechanische Constmctionen für die Pothenot'sche Aufgabe finden sich schon 
(ausser der ungefähren, unter gewissen Umständen genügenden Oricntirung des 
Messtisches durch die Magnetnadel) nach Vorschlägen von Lambert (1765) und 
Brander. (1772). Der Brander'sche Stangenzirkel für diesen Zweck bestand aus 
zwei mit verschiebbaren Stiften versehenen Linealen, die um ihren gemeinsamen 
Endpunkt drehbar waren, um damit ein Dreieck, ähnlich dem auf dem Felde ge- 
gebenen , einzustellen. Darauf wurde dies so eingestellte Dreieck auf den Schenkeln 
der vom angenommenen Standpunkte aus construirten Winkel bis zur Ueberein- 
stimmung verschoben, und somit hatte man nun alle vier Punkte zugleich auf dem 
Messtische, also in der Voraussetzung, dass noch kein Punkt daselbst vorhanden 
war. In gleicher Weise konnte man auch einen Handzirkel mit drei Spitzen dazu 
verwenden, wenn diese Spitzen dem gegebenen Dreiecke ähnlich eingestellt wurden. 
Endlich diente nach Müller*s Vorschlag jedes, dem gegebenen Dreiecke ähnliche, 
etwa aus Papier geschnittene Dreieck zu demselben Zwecke, und durch die Wahl 
der Dimensionen des ausgeschnittenen Dreiecks hatte man den Maassstab der Karte 
festgesetzt. Im Fall aber die drei gegebenen Punkte schon auf dem Messtische 
vorlagen, konnte das sehr einfache Verfahren angewandt werden, welches Müller 
vorschlug, nämlich die beiden Winkel am Stationspunkte auf durchsichtigem Papier 
zu construiren, und dasselbe dann über dem gegebenen Dreiecke zu verschieben, 
bis die Schenkel der Winkel durch die drei gegebenen Punkte gehen. Dasselbe 
Verfahren wurde später oft wiederholt und auch in der neuesten Zeit em- 
pfohlen. Ausserdem bedient man sich des schon von M. A. Pictet beschriebenen 
Instrumentes (Bibl. britann., Vol. 32, Geneve 1806 S. 110: Sur un appareü geodesique), 
welches aus einem Halbkreise besteht, mit dem ein festes und zwei um seinen Mittel- 
punkt bewegliche Lineale verbunden sind (V. Swinden Geom., Jena 1884 y S, 321 und 
Poggendorf, Biogr. Handwörterhich , IL, S. 445), Aehnlich ist das von Benzenberg be- 
schriebene Verfahren (Handlnich der angewandten Geometrie , Düsseldorf 1813) , einen Stangen- 
zirkel mit drei Stäben zu gebrauche*^ , welche um ihren gemeinschaftlichen Endpunkt 
drehbar sind, wobei, nach erfolgtei Uebereinstimmung der Winkelstellung mit den 
Richtungen durch die drei gegebenen Punkte, ein Stich mit der Nadel durch den 
Drehpunkt den gesuchten Ort in der Karte liefert. Man hat dies Instrument als 
Doppeltransporteur, Station Pointer, Rapporteur ä alidades doubles 
u. s. 'w, benannt. Bauernfeind's Einschneidezirkel ist ein neuer Apparat 
(München 1877) zu diesem Zweck." 

Die Erfindung des letzteren^) beruht auf der Umkehrung des geometrischen 
Satzes, dass in einem Kreise alle auf dem nämlichen Bogen stehenden Peripherie- 
winkel einander gleich sind. Es wird demnach auch der Scheitel eines festen 
Winkels, dessen Schenkel an den Endpunkten einer Sehne hingleiten, einen Kreis 
beschreiben, und da, wenn drei Punkte gegeben sind, immer einer als Scheitel 
dieses Winkels angesehen werden kann, während die Verbindung der beiden anderen 
als Sehne erscheint, so folgt von selbst, dass die Lösung der Aufgabe: durch drei 


1) Construction zu einer Küstcnanfnahme im Vorbeifahren, unabhängig von der Strömung 
und Fahrtmessung; nebst Beiträgen zur Geschichte der geometrischen Auflösungen der sogenannten 
Pothenofschen Aufgabe. Von Prof. Dr. G. D. E. Weyer in Kiel. Annalen der Ilydr. Berlin 1882. 
Heft IX. 

«) Abhandl, der 11. Cl. der K. Akad. der Wissenschaften zu München. XI. Bd. 1. Abthg. 


Siobeoter Jalurgug. Mftn 1887. Gelcich, Pothbnot'sche Aufgabe. 95 

gegebene Punkte einen Kreis zu legen, leicht darauf zurückgeführt werden kann: 
über einer gegebenen Sehne einen Kreisbogen zu beschreiben, welcher einen be- 
stimmten Peripheriewinkei fasst. Dieser Idee entsprechend, besteht der in Rede 
stehende Apparat aus einem Zirkel, der in horizontaler Lage gebraucht wird, und 
dessen Schenkel sich auf jeden Winkel einstellen lassen. Die beiden Schenkel sind 
mikrometrisch einstellbar und können nach Auslösung der durch Eingriff in einen 
Zahnbogen die Feinstellung bewirkenden unendlichen Schraube durch grobe Drehung 
in alle möglichen Lagen von 0** bis 250° Oeffhung gebracht werden. Jeder Schenkel 
ist femer mit einem Diopter zum Einvisiren der Signale auf dem Felde versehen. 
Das Ocular ist für beide Visuren gemeinsam und befindet sich im Drehungspunkt 
des Zirkels. Die Visirebenen der beiden Schenkel schneiden sich in der Axe des 
unten in eine feine Spitze p ausgehenden Zirkelzapfens und jede läuft in dem Ab- 
stände einer halben Nadeldicke der anliegenden inneren Kante der Schenkel parallel. 

Zum Einschneidezirkel gehören noch zwei Anschlagnadeln, welche in den 
Endpunkten der Sehne, worüber der Kreis mit gegebenen Peripheriewinkel zu be- 
schreiben ist, eingesteckt werden, damit an ihnen die Zirkelschenkel hingleiten 
und sich drehen können. 

Die mechanische Lösung der Aufgabe mit diesem Apparate geschieht nun 
wie folgt. Der Messtisch, welcher das dem im Felde liegenden Dreieck ABC ähnliche 
Bilddreieck ahc enthält, wird über dem Punkte D des Feldes horizontal aufgestellt 
und dieser Punkt mit der Lothgabel auf den Messtisch nach df übertragen. Auf 
df stellt man die Zirkelspitze p, und stellt mit der Mikrometerschraube die Diopter 
genau auf Ä und B ein. Damit ist der erste Winkel ÄDB gemessen. Befestigt 
man in a und b die Anschlagnadeln, so kann man mit dem Zirkel , indem man die 
Schenkel sanft an a und b andrückt, einen Kreis beschreiben, auf dem die richtige 
Projection von D liegen muss. Misst man hierauf in gleicher Weise den Winkel BCD 
und beschreibt über bc den Kreis, so giebt der Schnitt der beiden Kreise den ge- 
suchten Punkt d und damit das Viereck abcdy welches dem Viereck ÄBCD ähnlich ist. 

Will man auch den Messtisch in Bezug auf D centriren und nach ABC orien- 
tiren, so braucht man nur den eben gefundenen Punkt d in das Loth von D und 
irgend eine der Richtungen da, dbj de in die entsprechende Verticalebene DÄy 
DB, DC zu bringen. 

Wäre der Punkt D auf dem Felde nur näherungsweise gegeben und seine 
endgiltige Festsetzung dem Geometer überlassen, so würde dieser nach der Bestimmung 
von d die Kippregel an da anlegen, den Messtisch drehen, bis da mit DA zusammen- 
fällt, und schliesslich den Punkt d auf das Feld hinablothen. 

Vor etwa zehn Jahren hat Constantin Pott, damaliger Linienschiffsfähnrich 
in der österreichischen Kriegsmarine, der bei Küstenaufnahmen vielfach thätig war, 
seinen doppelten Spiegelgoniographen erfunden^). Dieseslnstrument ist ein Reflexions- 
instrument, welches die Messung zweier Winkel auf einmal gestattet, es bildet das- 
selbe also eine Art Doppelsextanten. Vom geschichtlichen Standpunkt muss hier 
bemerkt werden, dass Doppelsextanten bei der Londoner internationalen Ausstellung 
vom Jahre 1876 zu sehen waren, worüber wir in Jordan's „Grundzüge der astro- 
nomischen Orts- und Zeitbestimmung" folgendes erfuhren. Diese Instrumente be- 
standen aus zwei gewissermaassen übereinander gelagerten Sextanten mit einem 
gemeinsamen Fernrohr. Diesen gegenüber standen zwei feste Spiegel mit einem 


1) Mitth. aus dem Geb. des Seewesens. 1877. S. 195. 
^ 8* 


Grzu;icH, SraoELOonoasArB. TtmcnnrT rtlm ImatnarrtmtiD*. 


Zwischenraum für directe Strahlen. Den beiden übereinander liegenden kleinen 
Spiegeln entsprachen zwei getrennte bewegliche Spiegel mit zugehörigen Alhidaden 
und Thcilkreiscn. Man kann mit dieser Einrichtung zwei Winkel auf cinnial messen, 
es ist aber in der Beschreibung nicht angegeben, ob das Instrument auch zur 
mechanischen Lösung der Potlienot'schen Aufgabe dienen konnte. Ausserdem sagt 
Jordan, dass bei der Winkelmcssung die gleichzeitige Bewegung der beiden Alhi- 
daden, um alle drei Bilder im Femrohr zur Dockung zu bringen, etwas schwierig 
ausfiel. Beim Spiegelgoniograplien von Pott erfolgt die Winkelmessung in einfachster 
Weise und der Apparat ist eben für die Lösung-der Pothenot'schen Aufgabe bestimmt. 
Die Figur 1 stellt das Instrument von Pott in perspectivischcr Ansicht dar. 
Dasselbe besteht aus einem Mittellineal Ä und den in dem Zirkelcharnier d dreh- 
baren Linealen B, B'. Der Drehungsmittclpunkt bildet den gemeinsamen Schnitt- 
punkt der geraden Kante 
des Mittellineales A und 
der inneren abgeschrägten 
Kanten von B und B', and 
ist durchbohrt, so dass 
man durch dieses Loch 
mit einer dem Instrument 
beigegebenen Piquimadel 
den gemeinsamen Schnitt- 
punkt der drei Lineal-, 
kanten auf der Unterlage 
markiren kann. 

Das Mittellineal ist mit 
dem getheilten Kreise K 
fest verbunden; der Mittelpunkt des Kreises ftlllt mit d zusammen. Die Lineale B 
und B' sind jedes mit einer Führungsleiste und einem Nonius versehen. Rückwärts 
vom Chamier ist das Mittellineal zu einen Fernrohrträger gestaltet, worauf ein Fem- 
oder Diopterrohr F eingeschraubt werden kann. 

Auf der oberen Fläche der beweglichen Lineale, in deren Mittellinie, ist je 
ein Zapfen z und z" angebracht, der um seine verticate Axe drehbar and mit einer 
Durchbohrung, zur Aufnahme der cylindrischen Führungs Stangen ( und (', versehen 
ist. Die Führungsstangen t, l' sind an den Trägem der grossen (beweglichen) Spiegel 
S und S' befestigt, die sich zu beiden Seiten des Fernrohres befinden. Einer dieser 
Spiegel ist um die eigene Höhe höher über der Instrumenten ebene als der andere 
angeordnet. Wie man leicht einsieht, ist die Drehung der grossen Spiegel durch die 
Bewegung der Führung sstangen ((' und daher durch die Drehung der Lineale BS* be- 
dingt. Die Axen zz" stehen vorn? ebensoweit ab alsdicDrehaxcn der grossenSpiegel SS'. 
In dem Gehäuse G sind zwei kleine Spiegel übereinauder fest und derart 
angebracht, dasa der eine derselben, das Spiegelbild von S, der andere jenes von 
S auffängt und parallel zur Instrumenten -Mittellinie, gegen das Fernrohr reflectirt. 
Zu diesem Zwecke ist das Gehäuse O auf der Fernrohrseite entsprechend ausge- 
schnitten. Zwischen beiden Spiegeln ist ein freier Zwischenraum, welcher die Durch- 
sicht gestattet. Entsprechend dem Zwischenräume zwischen den beiden kleinen 
Spiegeln ist das Gehäuse auch auf der vorderen Seite mit einem schmäleren Aus- 
schnitt versehen. Die Axe des Fernrohres steht gleich hoch von der Instrumenten- 
ebene, wie die Mitte dieses Ausschnittes. 


Siftbentfir Jahrgang. Mira 1887. 


Gelcicr, Spieoelooniookapr. 


97 


Jeder grosse Spiegel steht zu dem ihm zugehörigen kleinen parallel, sobald 
die Seitenlineale auf Null eingestellt sind. Um die kleinen Spiegel bezüglich ihres 
Parallelismus mit den grossen, bei den Nullstellungen der Seitenalhidaden, sowie 
auch bezüglich ihrer verticalen Lage berichtigen zu können, sind die nöthigen 
(yorrectionsschrauben vorhanden. Der Knopf r dient nur zum Erfassen des Instru- 
mentes. Um bei Beobachtungen das Instrument in der Hand halten zu können, 
ist demselben eine Handhabe H beigegeben, die man an- und abschrauben kann. 
e und e' sind Klemmschrauben zum Fixiren der Führungsstangen nach erfolgter 
Einstellung. 

Die Beobachtung der horizontalen Winkel geschieht wie beim Sextanten. Man 
visirt, das Instrument horizontal haltend, durch den Spalt zwischen den kleinen 
Spiegeln hindurch gegen das mittlere der drei Objecte und bringt, indem man die 
Lineale B und B^ nach einander dreht, die durch S und S' gegen die im Gehäuse 
G liegenden Spiegel und von diesen in das Fernrohr reflectirten Bilder der rechts 
und links liegenden Objecte mit dem direct gesehenen in Deckung, worauf die Li- 
neale festgeklemmt werden. Letztere bilden alsdann mit dem Mittellineal die von den 
Visirlinien eingeschlossenen Winkel, wie aus nachstehender Betrachtung hervorgeht. 

Es sei in Fig. 2 s der Durchschnitt des kleinen Spiegels mit der Papierebene, 
SS derjenige des einen der beiden grossen Spiegel in der Nullstellung, S'ä' die 
Stellung desselben, in welcher ein in der Richtung Rb einfallender Lichtstrahl durch 
die Reflexion am drehbaren und am festen Spiegel den Weg RbsÄ nimmt. Der 
Winkel RAB, den die Visirstrahlen nach den Objecten B und B beim Auge Ä ein- 
schliessen, sei w, so ist bekanntlich w = 2 y« Ist zb die Führungsstange in der Null- 
stellung, /b die Richtung derselben, wenn der 
Spiegel die Lage 5' 5' annimmt, so hat man con- 
structionshalber, weil Z zbS=Z.z'bS* ist, /_zbz^ = 
/_ SbS^ = y. Nun ist zdz' der zum Peripherie- 
winkel zbz' = y zugehörige Centriwinkel, daher 
Z zdz' = 2 Y = w = BAB. Ist also z der Null- 
punkt der Theilung, so giebt die Ablesung bei z' 
und demnach auch die Ablesung der Nonien (Fig. 1) 
den von den Visirlinien eingeschlossenen Winkel. 
Beim Instrumente findet eine kleine Abweichung 
von der typischen Darstellung der Figur 2 statt; 
die Axe des Zapfens, durch welche die Führungs- 
stange geführt ist, befindet sich nämlich aus con- 
structiven RücliLsichten nicht in der Kante des 
drehbaren Lineales, sondern neben derselben, 
also, wenn das Lineal die Nullstellung einnimmt, in z^ anstatt in z. Dieses ändert 
jedoch die Theorie nicht. Es wird nämlich die Kante des drehbaren Lineales den- 
selben Winkel wie früher beschreiben, wobei der Punkt z^ (die Zapfenaxe) nach zi' 
gelangt, also den Bogenz^z^' beschreibt. Es findet aber dann zwischen den Winkeln 
z^dz/ und z^bz/ ebenfalls das Verhältniss 2: 1 statt. 

Hat man durch die Beobachtung die zwei Pothenot'schen Winkel eingestellt, 
so hat man nur mehr das Instrument am Messtisch zu verschieben, bis die be- 
treffenden Linealkanten alle drei auf einmal die beobachteten Objecte tangiren. 
Man steckt dai\n durch die Oeffnung d die Piquirnadel und erhält so den Punkt 
auf dem Messtisch markirt. 



Fig. 2. 


98 HaMHER, ÄNEBOroyERSUCHE. ZKITSCRRIfT pOs lK8TRinnsSTKK1CLin>K. 

Ein anderer Offizier der österreichischen Kriegsmarine, dessen Name mir 
nicht mehr erinnerlich ist, hat neuerdings die Lösung mit der Pausleinwand in einer 
besseren Art durchgeführt. Derselbe bedient sich einer kleinen Tafel aus einer eigens 
präparirten durchsichtigen Masse, worauf Bleistiftstriche aufgetragen und mit Wasser 
wieder weggelöscht werden können. An einer Stelle dieser Tafel befindet sich eine 
Oefinung in welche ein ganz kleiner Stift hineinpasst, der sich auf der unteren Fläche 
eines Diopterlineals und genau in der verticalen Visirebene dieses letzteren befindet. 
Beim Winkelmessen wird das Lineal entsprechend aufgepasst, sodann visirt man die 
drei Objecte an und bezeichnet die Visirlinien durch Bleistriche. Die übrige Ver- 
wendung des einfachen Apparates ist einleuchtend genug. 


Versuche mit einem Beitz-Deutsohbein'sohen Aneroid. 

Von 
Prof. Hammer in Statt gart. 

Versuchsmessungen, welche zur Beurtheilung der Genauigkeit des Reitz'schen 
Aneroides angestellt wurden, sind bis jetzt nur sehr wenige veröffentlicht worden 
und die Resultate derselben stehen unter einander in starkem Widerspruch. 

Eine von Herrn Professor Jordan ausgeführte Interpolationsmessimg (vgl. 
Zeitschr. für Vermessungswesen 1873, S. 372) mit 261 m Höhenunterschied ergab für 
das benutzte Reitz'sche Instrument im Vergleich mit zwei anderen, gleichzeitig ver- 
wendeten Aneroiden (Naudet und Goldschmid) ein ungünstiges Resultat; indessen 
war jenes Instrument das erste von Deutschbein angefertigte und die erwähnte Messung 
fand bald nach Fertigstellung des Aneroides statt. Andererseits hat Reitz selbst die 
von ihm construirten Instrumente bei Aufnahmen um Hamburg zur Bestimmung der 
Höhenpunkte für 1 m-Curven benutzt, musste also sicher sein, mit seinen Aneroiden 
eine Genauigkeit erreichen zu können, welche über die anderer Aneroide weit 
hinausreicht. 

Die nachstehenden Genauigkei tsversuche, über welche bereits anderweit (Zeit- 
schrift für Verm. 1887, S. 20) unter Vorlegung des ganzen Zahlenmaterials berichtet 
wurde, bieten vielleicht als Beitrag zur Würdigung der Reitz -Deutschbein 'sehen 
Instrumente einiges Interesse. 

Die Messungen sind im August 1886 mit dem Aneroid No. 40 angestellt. Die 
Wärmecorrection des letzteren beträgt für Zunahme der Instrument -Temperatur 
um 1® C. -f- 1,7 der zu schätzenden Zehntel eines Scalentheiles; Die Messungen sind 
reine Interpolationsmessungen zwischen je zwei nivellirten Höhenpunkten auf kurzen 
Strecken (bis 600 m) mit Höhenunterschieden bis 80 m, wobei die Höhen der auf- 
genommenen Zwischenpunkte ebenfalls durch Nivellement bekannt waren. Alle 
Strecken sind rasch begangen, mit Ausnahme von 9; die Schwankungen der Innen- 
temperatur des gut geschützten Instrumentes blieben daher bei den Messungen 
1 bis 6 und 8 unter 1°, bei den Messungen 7, 9 bis 11 betrugen sie 1 bis 2*^. 

Die Resultate der Messungen sind in nebenstehender Tabelle zusammengestellt: 

Als Gesammtresultat ergiebt sich demnach, dass man bei Interpolationen bis 
zu einer halben Stunde Zwischenzeit und bei Höhenunterschieden bis zu 
80m mit dem oben genannten Aneroid No. 40 die interpolirten Höhen mit einem 
mittleren Fehler von it0,4m erhalten kann. 

Es ist dabei noch zu bemerken, dass die Art der Luftdruckschwankungen 
während der Zeit der Messungen etwa mittleren Verhältnissen entsprochen haben 


Si0beot«r Jahrgmog. Mirz 1887. 


Kleinebe Mittheilunoen. 


99 


mag; bei einigen Versuchen, und zwar gerade denjenigen, die in obiger Zusammen- 
stellung die grössten Fehler aufweisen (No. 3, 8, 11) waren sogar die meteoro- 
logischen Umstände ziemlich ungünstig. Wenn man trotzdem den ganzen oben 
gefundenen Höhenfehler von d. 0,4 m dem Instrument zur Last legt, so zeigt sich, 
dass man mit dem Aneroid No. 40 kleinere Veränderungen des Luftdruckes mit einem 
mittleren Fehler von 0,03 bis 0,04 mm zu bestimmen im Stande ist. 


No. 

Tiänge 

der 
Strecke. 

m. 

Höhen- 
untersch. 

m. 

Zahl der 
interpol. 
Punkte. 

Zeit. 
Minuten. 

Mittlerer 

Fehler eines 

interpol. 

Punktes. 

1 

400 

17 

3 

10 

±0,4 

2 

400 

17 

3 

11 

0,2ör 

3 

400 

17 

3 

9 

0,6 

4 

250 

31 

4 

13 

0,2 

5 

500 

41 

4 

13 

0,4 

6 

600 

45 

5 

12 

0,45 

7 

GOO 

45 

5 

17 

0,3 

8 

400 

48 

5 

16 

0,7 

9 

600 

78 

5 

33 

0,35 

10 

600 

78 

4 

22 

0,3 

11 

600 

78 

5 

19 

0,65 


Die Versuche ergeben also, dass für kleine Höhenunterschiede das benutzte 
Deutschb ein'sche Instrument anderen Aneroiden bedeutend überlegen ist, dass da- 
her in der That durch die Reitz'sche Construction einer einfachen, (im Gegensatz zu 
Naudet) massigen Uebersetzung der Dosendeckel -Bewegung und rein optischer 
Verschärfung der Ablesung, nicht mechanischer (Golds chmid) oder mechanisch-opti- 
scher (Weilenmann, ohne Uebersetzung) ein Fortschritt gemacht ist. Auch die 
mehrfach beanstandete Spiralfeder der Reitz-Deutschbein' sehen Aneroide 
scheint der vorzüglichen Brauchkarkeit dieser Instrumente für gewisse Zwecke nicht 
nothwendig Eintrag zu thun. 

Stuttgart, 9. Februar 1887. 


Kleinere (Original-) Allttliellnngen. 

Ueber neue Fortschritte in dem farbenempflndlichen photographischen 

Verfahren. 

Von Prof. Dr. H. W. Toff«! in Berlin. 

Es ist mir in letzter Zeit im Verein mit Hm. Obernetter in München gelungen, 
farbenempfindliche Platten zu fertigen, welche im Gegensatz zu den bisherigen doppelt 
so empfindlich sind als gewöhnliche Platten und welche keines gelben Strahlenfilters -mehr 
bedürfen. Dieses gelang uns durch Anwendung eines äusserst kräftig wirkenden optischen 
Sensibilisators. 

Unter „optischen Sensibilisatoren" verstehe ich Farbstoffe, welche gewisse Stellen 
des Spectrums kräftig absorbiren und im Stande sind, Chlorsilber und Bromsilber für das 
absorbirte Licht photographisch empfindlich zu machen. 

So absorbirt das Chinolinroth das Gelbgrün zwischen D und E und das Grün «wischen 
E und fc, das Cyanin das Orange zwischen D und C, Platten mit beiden Stoffen gefärbt 
— wie ich sie vor zwei Jahren unter dem Namen „Azalinplatten'' in die Pfaxis einführte 


^ • 4 


100 KumnuB MirrsBiuniom. Zuncnrar wO» luiavHuimuuauB. 

— zeigen sich dementsprechend gelb- nnd rothempfindlich bis C, während gewöhnliche Platten 
nur bis wenig Über Ji* hinaus empfindlich sind. Siehe die untenstehende Figur, wo die 
Wirkung des Sonnenspec tnims auf gedachte Platten durch Intens! tfttscun'en dargestellt ist. 

Indess ist die Wirkung des Blau , vei^lichen mit der des Gelb doch noch immer 
zn stark. Deshalb ist zur Herab mindening des ersleren noch eine gelbe Scheibe als 
Strahlenfilter näthig. Nnn machte ich bereits vor zwei Jahren darauf aufmerksam, dass die 
Verbindungen der Flnorcsceinderivate (Eosine) mit Silber viel stKrker gelb senaibilisiren 
als die Farbstoffe für sich allein. Diese Beobachtung führt« mich auf Prftparirung Bosin- 
Silber enthaltender photographischer Gelatineplatten, welche auch ohne Strahlenfilter farben- 
tonrichtige Bilder geben , und zwar nach einem so einfachen Verfahren , dass es mit Zuver- 
sicht von jedem Amateur ausgeübt werden kann. 

Es genügt, einen Eosinfarbstofi (am ZweckmKssigsten erscheint das von Eder zu- 
erst vereuchte Jodeosin oder Erythrosin) im VerbSltniss 1 zu 2000 bis 4000 in Wasser 
zu ISsen, eine äquivalente Menge Silbemitrat (auf 1 Farbstoff etwa 1 Nitrat, in 10 Wasser 
gelöst) hinzuzusetzen, den sich bildenden Niederschlag mit '/ioq des Plllssigkeitsvolumens 
an Ammoniak zu lösen und in dieser Lösung gewöhnliche Gelatineplatten des Handels eine 
Minute zn baden, dann zu trocknen. 

Diese Platten stehen zwar, wie ans Spectralphotograpbien ersichtlich, den Azalinplat- 
ten in Rothempfindlichkeit nach , sind ihnen aber in Bezug auf Gelbempfindlicbkeit weit 
überlegen. In der That liegt das Maximum der Empfindlichkeit, ähnlich wie bei unserer Ketz- 
hant, im Gelb. Dieselben geben nun auch ohne gelbes Strahlenfiiter Aufnahmen in richtigem oder 
doch annähernd richtigem Tonwerth. Zur Veranschaulichung geben wir hier statt der im Holz- 
schnitt nicht genügend deutlich wiederzugebenden Spectralphotograpbien nach diesen construirte 
Wirkungscurven für ein Ordinatenaystem von Frannbofer'scben Linien nach der Artin des 
Verfassers „praktischer Spectralanalyse irdischer Stoffe"^) ausgeführten Spectralzeichnungen. 
Wiiknn^ovrvflD reiner nnd geftibter BrOmsUberpIattui. 
Spectrallinien: C D Eb F Gl. Bclichtungs«it: 

Uc wohnliche 
Briiinsilberplattc 2 Secunden. 

Aznlinplattc. 2 , 

EoBinBÜberplntte. 1 , 

Namentlich bei Aufnahme von blauem, theilweise bewölktem Himmel, grUnem Laub- 
werk und Rasen und der in blauen Duft eingehüllten Feme in Landschaften (die in ge- 
wöhnlichen Platten ganz verschleiert erscheint), tritt die Ueberlegcnheit der neuen Platten 
und zwar ohne Strahlenfilter sehr schön hervor. 

Gleich wirkungsvoll bat sich aber die Eosinsilherplatte auch bei mikrophotogra- 
pbischen Aufnahmen farbiger Objecte (z. B. geätzten und farbig angelassenen Eisenproben, 
die ich Hrn. Geheimrath Wedding verdanke) gezeigt; ebenso hei Aufnahme von Stern- 
bildern. So wurden in einer Nacht mit einer statinnKren photographischen Doppel 
zwei Sternbilder de^ Orion in einer Expositionszeit von einer halben Stunde anfgenc 
einmal mit gewöhnlicher nnd das andere Mal mit Erythrosin -Silberplatte. Das Resultat 
war, dass die gewöhnliche Platte nur TtS, die andere dagegen 110 Stembahnen aufzeichnete. 
Dabei zeigten die Bahnen verschiedener Sterne (z. B. Rigel) in beiden Platten aufiallende 
Intensit^tsunterschiede, die nur darauf zurückzuführen sind, dass die betreffenden Sterne 
reicher an schwach brechbaren Strahlen sind, die in der gewöhnlichen Platte nicht zur 
Wirkung gelangen. Für die geplante Aufnahme des gestirnten Himmels dürften nach 
diesen Erfahrungen die neuen Platten jedenfalls von Wichtigkeit «'erden. 


1) Berlin bei Oppenheim. 


SMteati» Jfthrgug. Mirz 1887. Referate. 101 


Referate. 

Heber HerateUnng und Frttfang von Teleskop -Objectiven und Spiegeln. 

Fo» Howard Grubb. Nature. 34* S, 85, 

In dieser Abbandlung giebt der rübmlicbst bekannte Verf. den Inbalt einer vor 
der Boyal Institution in London gehaltenen Vorlesung wieder. Es dürfte nicht nur die 
engeren Fachgenossen Grubb' s auf dem Gebiete der Optik, sondern auch weitere 
Kreise der Gelehrten und Mechaniker interessiren , nach welchen Methoden der Erbauer 
des Wiener 27zölligen (= 0,674 m) Refractors, des Melboumer Spiegels von 1,22 m 
Oeffhung und anderer Riesen -Instrumente verfahren ist. 

Wir wollen darum auf die Mittheilungen desselben etwas näher eingehen, um so 
mehr, als nicht gar zu oft dem Publicum derartige offene Mittheilungen dargeboten werden, 
vielmehr in der praktischen Optik wie in keinem anderen Gebiete der Technik der Brauch 
geübt wird, alle Manipulationen und Methoden mit dem Nimbus des Geheimniss vollen 
zu umgeben. Es wäre sehr dankenswerth , wenn auch andere hervorragende Optiker sich 
zu derartigen Mittheilungen entschliessen wollten, aus denen eine nähere Einsicht in 
ihre Arbeitsmethode zu gewinnen wäre. 

Nach einer kurzen Uebersicht über die Geschichte der Glasschmelzkunst, die 
unsem Lesern nach den Untersuchungen von Dr. Loewenherz (Diese Zeitschr. 1882, 
S. 275) nichts Neues bietet, geht Grubb auf die Sache selbst ein. 

Vor der eigentlichen Bearbeitung des Glases ist dasselbe zunächst auf seine 
Brauchbarkeit zu prüfen. Das Glas gelangt in die Hände des Optikers in Form von 
viereckigen Platten oder kreisrunden Scheiben, für Objective bestimmtes Glas meist in 
letzterer Gestalt. In Anbetracht der grossen Arbeit, die in einem fertig polirten Ob- 
jectiv enthalten ist, wird man alle Sorgfalt auf die vorherige Prüfung des Glases 
selbst verwenden, damit jene Mühe nicht vergebens auf ein fehlerhaftes Material ver- 
wendet werde. Dazu ist nöthig, dass die Scheiben von der breiten Seite roh anpolirt 
sind; das Anpoliren von Facetten an den schmalen Seiten der Scheiben lässt, wie der 
Verf. sehr richtig bemerkt, eine ausgiebige Prüfung nicht zu. Es sind dann drei Arten 
von Fehlem zu betrachten: 

1. Allgemeine Reinheit des Glases, d. h. Freisein desselben von Bläschen, Körnern 
Flecken u. s. w. Fehler dieser Art werden ohne Weiteres gesehen; sie sind aus 
diesem Grunde und wegen ihres geringen thatsächlichen Einflusses auf die Bild- 
güte die wenigst gefährlichen — wie u. A. auch Steinheil (S. diese Zeitschr. 1885, 
S. 135) hervorgehoben hat. Leider legen selbst Gelehrte gerade auf die Abwesenheit 
solcher „Schönheits^- Fehler ein besonderes Gewicht. Allerdings treten Bläschen, Stein- 
chen und dergl. beim Anblick zumal eines fertig polirten Objectivs sehr deutlich her- 
vor. In Wahrheit aber ist der durch ein geringes Maass solcher Fehler verursachte 
wirkliche Schaden des Bildes durch kein Mittel zu erkennen, sowohl bei den grossen 
Refractoren, als auch bei kleineren Femrohren, sowie Operngläsern, photographischen 
Objectiven und anderen optischen Apparaten, nur das Mikroskop macht hiervon eine 
Ausnahme. Die Antipathie gegen kleine Defecte dieser Art ist daher eine durchaus unbe- 
rechtigte, erschwert dem Glasfabrikanten sowie dem Optiker oft die rechtzeitige Liefe- 
rung bestellter grösserer Instramente und trägt nicht wenig zur Vertheuerang derselben 
bei. ^Objective sind nicht zum Daraufsehen, sondern zum Durchsehen", — an 
diesen Ausspruch Fraunhofer' s, eines doch gewiss sachverständigen und competenten Be- 
urtheilers, kann nicht oft genug erinnert werden. 

2. Ein weit schwerer zu erkennender und viel schädlicherer Fehler der Glasmasse 
ist es, wenn dieselbe Schlieren, namentlich die verwaschenen, sogenannten Wellen 
enthält, d. h. wenn sie nicht homogen ist. Grabb prüft das Glas auf diesen „Fehler" 
hin nach einer Methode, die im Princip mit der Foucault' sehen, die Sphäricität con- 
caver Oberflächen zu controliren, übereinstimmt. Ein demselben Zweck dienendes 


I(l2 Bemua«, Ibsmxbvt vfis u^iMUMAa 


Arrau|C^iii«^ut von Prof. Abbe, wfleLet Bidi melir der T^pler'Bclicai MeÜKide der ScUieren- 
Un^biwtLtuu^ ÄUM.*LliebJ?t , jyt vom Referenteii in dieser Zeitschrift l^^^» S. 117. Lesekrieben 
Morden. Kiii ^«^übter J^^bacLter kouuut woLl «aeli c*hue «Ile weiteren Appaimtie znin 
/Aal, iudt^iu er die zu uiiterKuebeude Glasplatte . Linter welche ein kleines FliauBchai 
^i'jiliiht i.^t, uuinr iortwäiirejudeui Drehen mit der Lupe betrachtet. 

}}. KudlicL dajf da« Giab keine Spannan«:^ehler haben, d. h. es mnss «mt ^[i^nhlt 
bem. Im*'*: wird mit Jiilfe deb Polariekopet? efkaunt. Kleine Scheiben hält man einlach 
zw'iM'L«^ dab uuit eiik««ii PoLaHbkop bewafioete An^ nnd eine polaiisirende Flache, 
etwa ejue j^^^ju die Sehrieh tuu^ unter etwa 35^ |^?enei^te, p<*lirte Plane T<m schwaixem 
i/lat>e. Kb ^eiiüjft aJjer nieht. wie Gnibb angiebt, die Scheibe durch die Facetten, 
idi/j dureh die Ti^^e hiudurch zu vibiren, sondent man muss sie auch Ton der breiten 
S^'itAf avi durcbmubteru. Die Kifaihrung hat dies dem Ref. als durchaus nothwendi^ «wiesen. 

Für Spiegel empfiehlt Veif, eine Comp^>siton, die nur weni«r von der Newton'schen 
abw^i4:Lt. irotx. aller inzwjbchen gemachten Versuche und Vorschläge, nämlich 4 Atome 
liu^/f*:r uih 1 At^^ui Ziun, in Gewicht)»theilen: 252 Kupfer, 117.8 Zinn. 

liat man bi<;h der Güte de?» Hateriales versichert, so ist das nächste, die Berechnung 
dtrr Krtiiiiiiiuij^en , welche man den Liu^n geben mnss, damit das Objectiv die richtige 
Jireiiü weite haf#e und ehroiuatisjch und spliärisch richtig corrigirt sei. Grabb vertritt hierin 
4^9i euipirifci^hen Htandpunkt; er sagt ungefähr Folgendes: 

^[>ie Gleicimngeu für den Achroma tismus — damit können aber nur die Näherangs- 
^t-lt'hnti^yn geiJieiiit Mfin — seien mit den geringsten mathematischen Mitteln zu losen. 
)S'HJt Alf. AuHielfung der K[»liäri«clicn Al>erration betreffe, so gebe es hierüber zwar viele 
*r\uy:f\n'w\t*. L'iitemuchungen von 31atbematikern , und jeder gebe sich den Anschein, als 
Sti%\f*'. er fWr die Afifliebung des genannten Fehlers eine noch vollkonmienere Methode ent- 
/h'/kt äU n^'iiie VorgÄngcr, Für den Praktiker aber seien diese mathematischen Be- 
»pftliMfipr^'f! , »o viel er wishc, ohne Nutzen gewesen, denn einerseits habe für den Praktiker 
*'\%9 ^i/'bl#-ier den (lelieiinniHsvollen über jenen Untersuchungen gelegen, — derselbe Vor- 
^firf; dt'U \U'f. mit mehr Kecht einem Tlieil der Praktiker in Bezug auf ihre technischen 
M<'tli/f<b'f* %uM'\ii'M zu kiUmv.u glaubt — , andererseits gründeten sich jene theoretischen 
I fih'f-:iii'liMii^«'ri auf die Voraussetzung vollkommen sphärischer Flächen, eine 
Vfffftitr.*.4'tzmtif^ die nie »treng zu eri'üllen sei, während eine minimale Abweichung von 
jbf di'M (*orr<'<'tioii»iziihtÄnd de» Objectivs schon wesentlich ändere.** — Es seien dem Kef. 
lijii jiftrtr Wolle hierzu gentatti^t. Der erstere Vorwurf ist nicht ganz unberechtigt. Eine 
gitdni«'kt vorlieprende mAtlieiiitttiMche Untersuchung ist zwar an sieb nicht so unzugänglich 
nnd viTbirtileiert, wie eine optinche Werkstatt, in deren Innerstes Niemand hineingelassen 
wird; aber man kann in der Tliat nicht von einem praktischen Optiker, der Mühe genug 
mit di*r tecliiiiheheri Hcite heiner Kunnt hat, verlangen, dass er sich in die abstracten 
matiu'MMitit!4'lM«n Auhnihnnigeri eines (irunert, Littrow, Hansen, Scheibner u. A. ver- 
tuti'i»., Mail miib» auch iiiehrereii dieHer inathematischcn Optiker den Vorwurf machen, 
dabb bji^ ihre riitemiichfiri^eii nicht auf wirklich vorhandenes Glas gerichtet und so dem 
J'niktikiir Gelegenheit gi'^ehen haben, die KcHultate der Theorie zu erproben, den Vor- 
wurf, dubb hie zum (jehnittch für den Praktiker nicht wenigstens präciso directe Kechnungs- 
Viii'bchrirteii, mU'.r ditb Wcneiitliche ihres (iedankeiigangeH kurz und leicht verständlich 
HUbgiülrüclit iiied«trgeh*.gt Imheii. Ein Holcher Vorwurt* trifft, wie gesagt, viele matlie- 
matich-oplincliH Hchi'irtntfiljer, aher keincHwegH Alle. Barlow, llerschel, Seidel, 
11. A. bind iUiV l'iHnlb auf Jede nWigliche Welse entgegengekommen und berühmte Optiker 
wie Fraiuihorfjr, J'razmowhkl, Hchriider, Stolnhoil, Foucault, Martin, Henry 
fii:h vitrmiithe, auch Alv. Clark; Imhen hlch der lliltV der Theorie auf das Ausgiebigste 
und zwuv uU'.Ui zu ihrem Hchaden hedlent. 

Uiunlt fallt aiu'h iler ameltn Vor\*urf, dann die Filichen nie genau sphärisch herzu- 
btelhui bci«!ii. Gc.Hibb ibt letztere Aufgahe, namentlich hei sehr gixissen Dimensionen der 
LiiibtiM, eine aiit*bcrbt bchuicrige und erfurdert die ganze Hingabe eines kunstgewandten 


SielMitOT Jakrgwg, Mftn 1887. Referatb. 103 

Praktikers; gewiss ist es richtig, dass „Objective nicht auf dem Papiere gemacht werden''. 
Ref. hält auch nach seinen Erfahrungen die Arbeit der Ausführung eines grossen Femrohr- 
Objectives in ihrer Art für erheblich zeitraubender und mühseliger, als es die genaueste 
Berechnung sein kann; aber er ist der Meinung, dass das Arbeiten nach Rechnungsvor- 
schriften doch das Rationellere sei und dass ihm die Zukunft gehöre; denn erstens ist offenbar, 
dass selbst im Falle der Unmöglichkeit, genau sphärische Flächen heraustellen , der Optiker 
doch dem definitiven Correctionszustande des Objectivs, allemal viel näher sein wird, wenn er 
von vornherein richtige Radien gemacht hat, als wenn er solche ausgeführt hat, mit denen 
überhaupt nur durch eine erhebliche Abweichung von der strengen Kugelform jener 
Correctionszustand zu erreichen ist. Solche richtige Radien müssen freilich auf Grund 
genauer spectrometrischer Bestimmung der verwendeten Glasarten, sowie genauer Be- 
rücksichtigung aller Distanzen, Linsendicken, Lufthiatus, Grösse der Oeffnung u. s. w. 
gewonnen sein. Ist der Optiker im Besitze solcher zuverlässlicher Radien für sein 
Objectiv, so kann er nunmehr alle Mühe darauf verwenden, sie richtig und vollkommen 
auszuführen. Er kann sich empfindlicher Hilfsmittel bedienen, mittels derer er den ab- 
soluten Grössenbetrag der Krümmung und die strenge Kugelgestalt sehr genau controliren 
kann; er kann diese Controle jeden Augenblick in seinem Arbeitszimmer, bei jedem 
Wetter und Klima, anstellen, er weiss sofort, an welcher der vier Flächen die Schuld 
liegt, er ist niemals im Zweifel über den Sinn einer Abweichung, nie in Gefahr, sein 
Objectiv verschlechtert, oder gar verdorben statt verbessert zu haben, Schwierigkeiten 
und Gefahren der empiristischen Methode, die Grubb selbst sehr anschaulich schildert. 
Für den nach Rechnungen arbeitenden Künstler ist die Beobachtung von Probeobjecten 
mit dem fertig polirten Objectiv nicht ein Hilfsmittel zur definitiven Correction, sondern 
nur die letzte Vergewisserung, dass nirgends bei der Arbeit ein Versehen vorgekommen 
ist. Gerade der Schleier des Geheimnissvollen, der nach Grubb's eigenem Geständniss 
über der Arbeit des empirischen Optikers ruhen bleibt, selbst wenn er die genaueste Aus- 
kunft über jeden einzelnen Handgriff giebt, wenn er gestattet, dass man ihn jahrelang 
in seiner Arbeit beobachte, gerade dieser Schleier fällt von der Arbeit des rationellen 
Optikers. Den Character der Kunst, auf den Grubb mit Recht bei der technischen 
Optik Gewicht legt, behält die Arbeit des Letzteren immer bei, aber sie ist dem Gebiete 
des willkürlichen Versuchens entrissen, sie ist bei jedem kleinsten Schritte vollkommen 
zielbewust, eine wirkliche mathematische Kunst. 

Der Gewinn, der durch- mathematisch -technisches Arbeiten in Bezug auf die Zeit- 
dauer der Arbeit erhalten wird, scheint mir über jeden Zweifel. Unzweifelhaft ist femer dieser 
Vorzug, dass der empirische Künstler von den vier Freiheiten, die er in den vier Flächen 
eines Objectivs hat, eigentlich nur drei benutzen kann, zur Erfüllung der drei noth- 
wendigsten Bedingungen: Brennweite, Achromasie und Aplanasie für eine Farbe in der 
Axe. Von jeder vierten (oder mit Hinzuziehung der Dickenwahl) fünften Bedingung, die 
er durch bestimmte Wahl aller vier Flächen erfüllen könnte, — welches diese Bedingung 
auch sei , — wird er sich stets mehr oder weniger weit entfernen. — Nun ist das übliche 
Objectiv der Fraunhofer'schen Form in Bezug auf die Erfüllung oder Nichterfüllung anderer 
Bedingungen als der drei genannten, nicht sehr empfindlich gegen kleine Radienändeningen. 
Stellt man sich aber die Aufgabe, noch eine Bedingung mehr und diese möglichst genau 
zu erfüllen, z, B. die Herstellung eines über das gewöhnliche Maass grossen scharfen 
Gesichtsfeldes, oder andere, so ist man sofort genöthigt, alle vier Radien und eventuell 
auch die Dicken genau einzuhalten und es würde nichts nützen, wenn man von der vor- 
geschriebenen Form einmal abgewichen ist, durch geschickte Politur den einen Fehler 
wieder zu compensiren, da hierbei der andere, auf den es ebensosehr ankommt, voll- 
ständig uncorrigirt bliebe oder gar verschlimmert würde. Ja, es giebt Constructionen 
wie z. B. die sogenannte Gauss' sehen, bei denen eine kleine Abweichung von dem ab- 
soluten Werth der einzelnen Radiien reichlich ebenso schädlich ist, wie bei anderen 
Constructionen ein kleiner Fehler in der Gestalt der Fläche selbst. Solche Constnictionen 


XII4k Rrferatk. ZcrrscHsiFT für IvMTKUinccvuKuaos. 


itttrwm fiicüi lome Zweifel mir durch eine von der Theorie unterstützte Technik ausführen 
mic Bxud mcr Ttm ^laer solchen ausgeführt worden. 

Dittii mnkrk njrh dieser Abschweifung zu unserem Gegenstande: Herr Grubb also 
ricuun tat4i Wi der CVmstmction seiner Objective bis zu 10 Zoll, wie er sagt, einfach 
uwiki dttti I>4£tieii^ velcbe die Glaslieferanten Feil und Chance selbst in die Hand geben, 
und vnldUe jaadb atniytT Angalie für kleine Dimensionen auch vollkommen genügend seien. 
Vtm noch p<w&beren Objcjctiven schneide er ein Prisma direct von der Scheibe ab und be- 
siiuuue BreehuBg und Dispereion selbst. 9, Die Curven könnten dann aus einem beliebigen 
Handbueh entuouuiien werden^. Dass der Verf. unter solchen Umständen Objective, selbst 
wenn Me geji^i naeh ^theoretischer'^ Vorschrift ausgeführt sind, unvollkommen findet, kann 
Kiemand wundem. 

Die Operationen, die nun mit den voruntersuchten Glasscheiben nach getroffener 
Wahl der Cur>'en vorzunehmen sind, theilt Grubb in 5 Rubriken: 1) Grobschleifen, 2) Fein- 
schleifen, 3) Centriren, 4) Poliren, 5) figuring and testing, womit er das oben erwähnte 
Gestaltgeben nach Tatonnement meint. In diesen Ausführungen des erfahrenen Verf. ist 
noch manches Interessante enthalten; manche Mittheilungen findet der Leser auch 
anderwärts, wir wollen daher nicht zu ausführlich hierauf eingehen. Das Schleifen 
erfolgt in Schalen aus Messing oder Gusseisen (bei grösseren Stücken nur von letzterem 
Material), welche nach einer Blechlehre annähernd auf den richtigen Kadius gehöhlt oder 
gewölbt sind. Als Schleifmaterial dient zum Grobschleifen Sand, zum Feinschleifen 
Schmirgel von verschiedener, und successive immer grösserer Feinheit. Verf. geht auf 
das Wessen des Schleifprocesses ein, und erklärt, warum die Schleifschale aus weicherem 
Material bestehen muss, das Schleifmittel aber aus härterem, mindestens gleich hartem 
als das Glas selbst. Die Schleifschalen sind mittels eines can ihnen befindlichen Heftes 
auf eine um die Verticale rotirende Drehbank aufgefuttert; das Glasstück wird mit der 
Hand über die Schale hin geführt, und Sache der Geschicklichkeit des Arbeiters ist es, 
durch geeignetes Drücken und Loslassen die bearbeitete Fläche nach Bedürfniss, sei es 
als Ganzes, flacher oder convexer zu machen, sei es in ihren einzelnen Zonen, vom Rand 
bis zur Mitte abzuflachen oder zu wölben, um schliesslich möglichste Kugelgestalt und 
diese von der richtigen Krümmung zu erzielen. Das Schleifmaterial darf nur in 
dünnen feuchten Schichten auf die Schleifschale aufgetragen werden. Kleine Grübchen 
(nach dem Vorgange Lassells?) in den Schalen dienen zur Aufnahme gröberer mitunter- 
gelaufener Kömchen und zur gleichmässigen Vertheilung des Schleif materi als überhaupt. 
Die Krümmung der Fläche wird mittels eines Schraubensphärometers gemessen, eine nicht 
sehr glücklich gewählte Einrichtung. 

Die Politur erfolgt mittels einer geeigneten Maschine, einer Modification der von 
Lasseil angegebenen. Hierbei ist die fertig geschliffene Linse selbst auf die Axe der 
verticalen Drehbank aufgefuttert und ein geeigneter Mechanismus führt das PolirstÜck 
in möglichst vielen verschiedenen Richtungen darüber hin. Als Polirmittel benutzt Grubb 
Eisenoxyd, wie die meisten Optiker, auf Pech; auch er findet die Politur mit Tuch 
und Papier nur zu niederen Zwecken hinreichend, wofür sie auch auf dem Oontinent 
allein verwendet wird. Wegen der Art, wie Grubb Zonen in ein Objectiv hinein oder 
aus demselben herauspolirt, mag auf das Original verwiesen werden. Eine äussere 
Probe, wie solche Foucault vorgeschlagen und Martin vervollkommnet hat, in einfacherer 
Form auch Laurent (Compt. Rend. 100. S. 103, diese Zeitschr. 1885 S. 322) in Gebrauch 
genommen hat, wendet Grubb auf die genaue Gestalt der Oberflächen nicht an; er beurtheilt 
die Flächen nach denen des schliesslichen Bildes, wobei immer erst eine genaue Ueber- 
legung darüber entscheidet, nn welcher Fläche der Fehler liegt, und worin er besteht. 

Ueber die Oentrirung macht Verf. keine Angaben. Die Bemerkungen über den 
Einfluss der Linsendicke auf die Grösse der Verbiegung der Linse sind irrthümlich. 
Beide Grössen sind einander umgekehrt und nicht direct proportional. Jedermann weiss, 
dass eine dünne Glasplatte von *M)i) mm Durchmesser sich mehr durchbiegt, als eine 
dicke von gleichem Durchmesser. 


Siebenter Jahrgang. Mftrz 1887. Refebate. 105 


Auf die Gefahr, die im Verbiegen der Linsen überhaupt liegt, ist sehr treffend 
aufmerksam gemacht und bemerkt, zu welcher Vorsicht dieser Umstand beim Auffiittem der 
Linse während der Politur und beim nachherigen Fassen dei'selben nöthigt. Lagerung der Linse 
in einem Quecksilberbade während der Politur gelang dem Verf. nicht recht. Der Ein- 
fluss der Verbiegungen auf das Bild ist nicht so gering, als es nach den Ausführungen 
Gnibb's scheinen möchte, denn weder existirt zu jeder convexen Fläche eine gleich stark 
concave, noch verbiegen diese sich im gleichen Grade, noch endlich ist der optische Ein- 
fluss gleicher Verbiegungen selbst an gleich gekrümmten Flächen der gleiche. 

Die Herstellung ebener Spiegel erklärt Verf. für nicht schwieriger als die irgend 
welcher gekrümmter Flächen. Der Einfluss der Biegung auf einen Teleskopspiegel ist 
grösser als der auf ein Objectiv, weil bei ersterem die Verbiegung durch gar keine ent- 
sprechende einer zweiten Fläche compensirt wird. 

Die fünfte Procedur, das figuring and testing erfordert nach Grubb durchschnittlich drei 
Viertel der Gesammtarbeit. Er schildert anschaulich das mühselige, die Geduld oft auf die 
härteste Probe stellende dieser Arbeit. Wir haben uns hierüber schon oben ausgesprochen. 

Als Lichtquellen dienen natürliche oder künstliche Sterne. Um zwei der vor- 
nehmlichsten Arbeitshindemisse zu beseitigen, 1) den Temperatur- und. Feuchtigkeits Wechsel 
in der Werkstatt — der das Poliren so erschwert, und 2) die Unruhe der Atmosphäre — 
bei der Prüfung, — will Grubb die Polirarbeit in einem unterirdischen Räume vornehmen 
und von ihr aus einen 100 m langen Tunnel bauen, an dessen Ende ein künstlicher 
Stern sich befinden soll. Der Tunnel soll mit besonderen Vorrichtungen versehen sein, 
um die Luft in ihnf zu erneuern und sie überhaupt möglichst gleichförmig zu machen. 

Ob statt dieser äusserst kostspieligen Einrichtung nicht die Prüfung der Objective 
nach dem Collimationsprincipe rationeller wäre , — mittels eines genügend grossen , vertical 
hängenden Planspiegels lässt man das Bild der im Focus angebrachten, künstlich be- 
leuchteten Probeobjecte reflectiren, ähnlich wie Laurent (diese Zeitschr. 1885, S. 322) 
vorgeschlagen hat, — will Ref. vorläufig dahingestellt sein lassen. 

Optiker, welche ihre Objective selbst empirisch corrigiren, mögen wegen mancher 
interessanter Mittheilungen über diese Arbeit auf das Original verwiesen werden. (Vgl. 
auch Naturw.'Techn, Rundschau IL S. 19. Sirius 20. 7.) Cz, 

Drahtbaadrheostat. 

Von A. Grosse. Wied. Ann. N. F. 29. S. 674. 

Ein mit einem Messingdraht von 0,15 mm Stärke in Schraubenwindungen umwickelter 
Baumwollfaden ist so zu einem Bande verwebt, dass die einzelnen Draht Windungen von 
einander isolirt sind, dass jedoch in der Mitte des Bandes in seiner ganzen Länge ein 
metallischer Streifen verbleibt. Dieses Band ist, in einer Büchse von Hartgummi einge- 
schlossen, auf eine metallene Axe gewickelt, die eine Polklemme trägt, reicht durch 
einen Schlitz aus der Büchse heraus und geht dort über ein ebenfalls mit einer Polklemme 
versehenes Contacträdchen. Für Widerstände bis zu 1000 Ohm reichen 4 m eines solchen 
2 cm breiten Bandes aus; fiir grössere Widerstände werden 6 m eines 4 cm breiten Bandes 
verwendet, und zwar in der Weise, dass es mit je einem Ende an eine Holztrommel be- 
festigt ist, mit der metallenen Axe der einen leitend verbunden; diese Trommeln werden 
in entgegengesetzter Richtung gedreht. Ein Contacträdchen berührt den freiliegenden Streifen 

des Bandes und bildet so die zweite Elektrode des Rheostaten. L. 

» 

HydranÜBohes Eeactionsrad. 

Von Beuf und Ducretet. Joum. de Phys. Hern. 2. S. 35. 

Der von Beuf angegebene und von Ducretet construirte Apparat ist ein modi- 
ficirtes Segner'sches Wasserrad. In der Axe eines cylindrischen , mit Wasser zu füllenden 
Gefässes befindet sich ein Stab; über diesen ist eine Glasröhre geschoben, die mit einem 
oberen Ansatzstück auf einer Spitze am Ende des Stabes schwebt. Von diesem Ansatz- 


106 Referate. ZEnncimipr für IxBrurmEs-mKusoE. 

stück gehen zwei rechtwinklig umgebogene Röhren vertical nach unten und endigen in 
Kugeln, die mit je einer Oefinung versehen sind. Die beiden Röhren wirken als Heber 
und werden durch zwei ebensolche neben ihnen laufende Röhren angesaugt, die in den 
Kugeln endigen und sich oben zu einem kurzen Saugrohr vereinigen. Saugt man an diesem, 
während man die OefFnungen der Kugeln mit je einem Finger verschliesst, so füllen sich 
die Heber und der Apparat setzt sich in Umdrehung. Pe, 

üeber eine neue Methode zur absoluten Messung der strahlenden Wärme und ein In- 
strument ftir die Begistrirong der Sonnenstrahlnng. 

Von Knut Angström. Nova acta regiae Societatis scientiarum Upsalensis. Vol. XIIL 1886. 

Die Messung und Feststellung der absoluten Intensität der Sonnenstrahlung, d, h. 
derjenigen Wärmemenge, welche in der Zeiteinheit auf die Flächeneinheit bei senkrechter 
Bestrahlung von der Sonne übergeht, ist seit den Zeiten Pouillet's ein wiederholt ver- 
suchtes, beliebtes Problem gewesen, für dessen Lösung eine ganze Reihe von Beobachtungs- 
methoden erdacht und Messapparate construirt worden sind. Das von K. Angström aus- 
gearbeitete Verfahren, die Stärke der Sonnenstrahlung in absolutem Maasse zu bestimmen, 
ist deswegen bemerkenswerth , weil hier während der Beobachtung die Dispositionen so ge- 
troffen sind , dass man von dem Einflüsse der fortwährend wirksamen Abkühlung in Folge 
äusserer Wärmeleitung, d. h. von der während der Einsti'ahlung von dem Aktinometer an 
die Umgebung von constanter Temperatur abgegebenen Wärmemenge sozusagen ganz un- 
ab häng ig ist. — Angström's Instniment, über das wir hier kurz berichten, besteht aus 
zwei kreisförmigen Kupferplatten von etwa 30 mm Durchmesser und eitler Dicke von 5 mm, 
welche einander so ähnlich als möglich gemacht sind; die vorderen, der Strahlung aus- 
gesetzten absorbirenden Flächen, mit galvanoplastischem Kupfer und Platinschwarz belegt, 
werden leicht berusst; die übrigen Flächen sind platinirt und gut polirt. Von der hinteren 
Seite der Scheibe her wird je ein Thennoelement (Kupfer -Neusilber) bis in deren Mitte 
eingeführt, dessen Kupferdräht« zu einem Galvanometer führen, während der Neusilber^ 
draht von einer Platte zur anderen geht. Die Ausschläge des letzteren (von einer be- 
stimmten Ruhelage aus) sind dann bekanntlich von dem Temperaturunterschiede der beiden 
Platten abhängig. Auf einem besonderen Gestelle montirt, können diese Platten mit Hilfe 
zweier Schrauben und einer Visirvorrichtung stets so orientirt werden , dass die Strahlung 
der Wärmequelle senkrecht auf sie fällt. Den Apparat schützt ein doppelter, beweglicher 
Lichtschirm, welcher mittels einer kleinen Kurbel so gedreht wird, dass eine der calo- 
rimetrischen Platten stets im Schatten steht, wenn die andere bestrahlt wird. Hat nun 
bei der Bestrahlung der einen Kupferscheibe der Galvanometermagnet eine ganz bestimmte, 
durch Femrohr , Spiegel und Scale zu beobachtende Deviation aus der Ruhe- oder Null- 
lage angenommen, so wird diese Scheibe beschattet, im selben Momente aber die andere 
der (senkrechten) Strahlung so lange ausgesetzt, bis derselbe Ausschlag auf der anderen 
Seite erreicht ist ; war die Temperaturdifferenz zwischen beiden Scheibe^ vorher -h Ä** , so 
wird sie jetzt bei dieser zweiten Operation, entsprechend demselben Ausschag, aber auf 
der entgegengesetzten Seite, — Ä° sein. Ist dann T die Zeit, welche verfliesst, bis die 
Nadel von jener bestimmten Ausweichung links zur selben Ausweichung rechts gelangt, 
so zeigt eine einfache Ueberlegung, dass, sobald die Erkaltungscoefficienten der Kupfer- 
platten sehr nahe gleich sind und die Temperaturdifferenz k nicht gross gewählt wird, man 
für die Bestimmung der Intensität s der Bestrahlung die einfache Formel hat: 

WO Mc der Wasserwerth und F die Grösse der der Strahlung ausgesetzten Flächen ist; 
man ist also unabhängig von dem durch Wärmeabgabe an die Umgebung (von constÄUter 
Temperatur) erfolgenden AVärmeverluste des Aktinometers. Langley erreichte bei seinen 
Messungen über das Maass der Sonnenstrahlung denselben Effect bekanntlich dadurch^), 

1) Vgl. die Abhandlung des Referenten in dieser Zeitschrift 1886, S. 240. 


Siebonier Jahrgang, lltre 1887. 


Refebate. 


107 


dass er den Gang des bestrahlten Thermometers in bestimmten Zeitmomenten verfolgte, 
dabei aber das Thermometer um soviel unter die Temperatur der Doppelhülle seines Appa- 
rates abkühlte, dass es während der ersten Hälfte des Versuches ungefähr ebensoviel Wärme 
von der Doppelhülle bekam, als e^ während der zweiten Hälfte an sie ausstrahlte. 

Notirt man sich verschiedene successive aufeinanderfolgende Stellungen des Galvano- 
magneten, etwa von 50 zu 50 Scalentheilen je links und rechts von der Euhelage nebst den 
zugehörigen Zeiten, so lassen sich die Beobachtungen ohne Mühe vervielfältigen, wie fol- 
gendes Beispiel aus dem Beobachtungsprotokoll ergiebt: 


Abweichung 
in Scalenth. 

Notirte Zeit. 

Zeitintervall tlir 
die Abweichung 

von der 


von 50 Scalen- 

Ruhelage. 

links rechts 

theilen. 

I. Serie 150 

l\33™ 9" 

35™ 11' 

T— 40^7 

100 

33 27 

34 48 

40,5 

50 

33 44 

34 24 

40,0 

n. Serie 150 

37 28 

39 29 

40,3 

100 

37 46 

39 6 

40,0 

50 

38 4 

38 45 

41,0 
Mittel: T— 40,4 


Da bei diesem Instrumente eine TemperaturdifFerenz von 0°,0195 zwischen den 
calorimetrischen Platten einen Galvanometerausschlag von 1 Sealentheil bedingt, so wird 
Ä= 50.0<',0195 mit T = (40,4:60) Minuten, 3/c = 3,039, 2^=7,162. Demnach re- 
sultirt für die Strahlungsstärke nach der obigen Formel 

2 (50 . 0.0195) 3,039 / 60 


5 = 


7,162 


{^) = i'25c*»-' 


wenn das Absorptionsvermögen der berussten receptirenden Flächen gleich der Einheit ge- 
nommen wird. Angström's Instrument zur continuirlichen Registrirung der Sonnen- 
strahlung besteht aus einem Differential thermometer, das auf einer verticalen Axe ruht. 
Die beiden gleichen mit Luft gefüllten Kugeln desselben bestehen aus Kupfer (äusserer 
Durchmesser etwa 40 , innerer etwa 34 mm) ; ungefähr in der Mitte der sie verbindenden 
schwach gebogenen Röhre ist ein Quecksilberindex angebracht, der durch einen einge- 
schmolzenen Platindraht mit einem Elektromagneten in leitende Verbindung gebracht ist. 
Zu beiden Seiten des Qnecksilberindex, in geringer Entfernung von dessen Enden, befindet 
sich ein zweiter und dritter Platindraht, die zum nämlichen Elektromagneten führen. Scheint 
nun die Sonne, so erwärmt sich die eine der Strahlung ausgesetzte Kugel, die Luft in ihr' 
dehnt sich aus und schiebt den Index etwa bis zum Contact mit dem einen seitlichen Platin- 
drahte , wodurch der Strom geschlossen wird, der Elektromagnet daher in Thätigkeit tritt und 
dadurch eine halbe Rotation des Differentialthermometers d. h. also eine Vertauschung der 
Kugeln bewirkt. Kommt nun die zweite Kugel zur Bestrahlung, so weicht der Index auf 
die andere Seite zurück und geräth mit dem anderen seitlichen Drahte in Contact; der Strom 
schliesst sich wieder und eine neue Rotation erfolgt. Da die Zeit, welche zwischen zwei 
solchen Bewegungen des Apparates verfliesst, umgekehrt proportional der betreffenden Strah- 
lungsstärke ist, so kann, da die Zeit und die Rotationen sich automatisch auf einem Cy- 
linder aufzeichnen , mit Hilfe der Construction des Apparates ohne Mühe die Sonnenstrahlung, 
deren täglicher Gang u. s. w. aus dem bezüglichen Diagramme entnommen werden. 

J, Maurer, 


108 Neu ebbc hi k wewk Bücher. ZErrscHBirr pur IsmBüimrxsnnnrefE. 


IVen erschienene Bücher. 

Elektricität und HagnetiBimui im Alterthmn. Von Dr. Alfred Ritter von Urbanitzky. 
Elektrotechnische Bibliothek. Bd. XXXIV. Wien, Hartleben. 

Im vorliegenden Werkchen sind die Beobachtungen der Alten tibef die Eigen- 
schaften der Magnete und des Bernsteins, über das Nordlicht, den Blitz und das Elms- 
feuer, sowie ihre Theorien zur Erklärung aller dieser Erscheinungen unter Anführung zahl- 
reicher Belegstellen zusammengestellt. Trotz der häufigen Wiederholungen, die sich aus 
der Schwierigkeit und Neuheit des Stoffes erklären, bietet das Buch dem Leser, der sich 
für die Elektricitätslehre interessirt, angenehme Unterhaltung und Anregung. Wenn der 
Verfasser aber in der VoiTede betont, dass die Kenntniss des Wissensstandes der Alten 
auch auf diesem Gebiete der menschlichen Thätigkeit von sachlichem Nutzen für uns ist, 
insofern das moderne Wissen auf dem der Alten begründet ist , so scheint der Inhalt des Buches 
selbst diese Anschauung nicht zu bestätigen. L, 

Die Laboratorien der Elektrotechnik nnd deren neuere Hüfiuipparate. Von August Neu- 
mayer. Elektrotechnische Bibliothek. Bd. XXXIII. Wien, Hartleben. 

Die für elektrotechnische Laboratorien wichtigsten Apparate , ihre Aufstellung, Be- 
nutzung und theilweise ihre Herstellung werden eingehend besprochen und Vorschläge für 
einzelne Neuconstnictionen gemacht. Das Buch entspricht in Bezug auf Correctheit der 
Ausdnicksweise nicht allen Anforderungen; wenn man selbst von den vielen süddeutschen 
Provincialismen absieht, bleibt noch eine grosse Anzahl von Incorrectheiten der Sprache 
zu rügen. L. 

T. W. Jeans. Lives of Electricians : Tyndall, Wheatstone and Morse, London. M. 6,30. 
R. O^rard. Trait^ pratique de micrographie appliqu^e k la botanique, k la Zoologie, k 

rhygiene et aux recherches cliniques. Avec 280 figures et 40 planches. Paris, 

Dein. Eres. 18,00. 
L. Oaachard« Compensation du compas Thomson. Paris, Gauthier- Villars. Frca. 1,75. 
R. Colson. La Photographie sans objectif. Paris, Gauthier- Villars. Frcs. 1,75. 
Th. dn Honcel. Le T<^l^phone. 5. ^dit' Paris, Hachette. Frcs. 2,25. 
E. Braner. Die Construction der Wage nach wissenschaftlichen Grundsätzen und nach 

Maassgabo ihres Specialzweckes. Weimar. M. 5,00. 
C. Pietsch. Katechismus der Nivellirkunst. Leipzig. M. 2,00. 
K. Skibinski. Der Integrator des Prof. Zmurko in seiner Wirkungsweise und praktischen 

Verwendung. Wien. M. 3,20. 
E. Oerland. Die Anwendung der Elektricität bei registrirenden Apparaten. Wien, 

A. Hartleben. M. 3,00. 
C. JeUnek. Psychrometer -Tafeln für das hunderttheilige Thermometer nach H. Wild's 

Tafeln bearbeitet. Leipzig. M. 3,00. 
Ch. Monrlon. Les t^l^phones usuels. Paris. M. 4,50. 


Verelnsnaclirlehten. 

Dentsche OeseÜBchaft ftr Mechanik nnd Optik. Sitzung vom 1. Februar 1887. Vor- 
sitzender: IleiT Fucss. 

Der Abend war einer Besprechung über die Vorschriften zur Verhütung von Un- 
fällen in den Betrieben der Berufsgenossenschaft für Feinmechanik gewidmet. Herr Rei- 
mann, Schriftführer der Beruf sgcnossenschaft , beantwortet die zahlreichen Anfragen der Mit- 
glieder über die bisherige Praxis in der Handhabung der gesetzlichen Vorschriften. Eine 
längere Discussion entspinnt sich über die Frage, ob der Leiter eines Betriebes dem Ge- 
setze gegenüber genügend gesichert sei , wenn der Bevollmächtigte der Berufsgenossenschaft 


siebenter Jekrguf. Min 1887. VBBBlMSNACBBlCHnai. 109 


die in seinem Betriebe eingeführten Sicherbeitsvomchtongen als genügende anerkannt habe. 
Der Herr Referent beantwortet diese Frage in bejahendem Sinne. Der Verlauf der Be- 
sprechung, an die sich in späteren Sitzungen noch andere anreihen sollen, zeigt, dass die 
Ansichten Über die Handhabung der gesetzlichen Vorschriften noch nicht genügend geklärt 
sind, und dass sich eine feste Praxis erst nach längerer Zeit herausbilden wird. 

Die Frage eines Mitgliedes nach der besten Methode des Abdrehens von Schmirgel- 
scheiben ruft eine anregende Discussion hervor. Die Herren Fu es s und Seidel schleifen 
die Scheiben mit Schmirgel ab; Herr Bamberg dreht sie mit Diamant, HerrKabe mit 
Gasrohr bei ganz langsamem Gange ab; Herr Färber meint, dass die feineren Schmirgel- 
scheiben mit Ziegelstein und Wasser abgeschliffen und später polirt werden, namentlich 
finde dies in der Fabrikation von Reisszeugen statt. 

Sitzung vom 15. Februar 1887. Vorsitzender: Herr Fuess. 

Die reichhaltige Tagesordnung, welche mehrere technische Mittheilungen in Aus- 
sicht stellte, hatte die Mitglieder der Gesellschaft zu zahlreichem Erscheinen veranlasst. — 
Herr Voss führte einen Apparat zur Condensirung des Rauches vor und demonstrirte gleich- 
zeitig die Wirkung desselben. In einen mit Rauch gefüllten Glascylinder wurde ein elek- 
trischer Strom eingeführt und durch den Einfluss desselben der Rauch an der Cylinder- 
wand ziemlich rasch in Form von Kohlenstaub niedergeschlagen. Als Elektricitätserreger 
diente eine grosse Influenzmaschine. Das Princip des Apparates ist in englischen Berg- 
werken bereits praktisch angewandt worden. 

Herr Dr. Rohrbeck macht Mittheilungen über verschiedene neue Thermoregulatoren. 
Auf den Inhalt des Vortrages soll hier nicht näher eingegangen werden, da ein eingehendes 
Referat über diese Apparate in dieser Zeitschrift demnächst veröffentlicht werden soll. 

Herr Haentzschel führt einen Apparat zum Abdrehen von Schleifsteinen vor. An 
der supportartigen Vorlage befindet sich ein federharter beweglicher Trichter, welcher sich 
beim «Gebrauch immer von Neuem schärft. Die Vorrichtung ist für kleinere Betriebe zu 
complicirt und kostspielig; bei Dampfbetrieb scheint man jedoch damit befriedigende Er- 
fahrungen gemacht zu haben. 

Im Auftrage des Herrn Haensch wird eine englische Pincette vorgezeigt. Dieselbe 
offiiet sich durch Druck an ihrer hinteren, mit Heft versehenen Verlängerurg und eignet 
sich besonders zum Ergreifen von kleinen Gegenständen, als: optischen Linsen, Rubin- 
Steinlöchem u. dergl. 

Der Vorsitzende, Herr Fuess, zeigt Stahlrohren vor, die für den Kleinbetrieb insofern 
von Wichtigkeit sind, als sie jetzt in kleineren Abschnitten zu haben sind; beim Härten 
zeigt sich der Stahl allerdings noch ungleich, doch wird man bei Bedarf auch besten Werk- 
zeugstahl hierzu nehmen; der Vortragende führt femer Platinröhrchen von 1 mm Durch- 
messer und 0,5 mm innerer Weite vor, auch Stahlröhren mit Bleiüberzug, die nach An- 
gaben von Herrn Dr. Pernet von Mechaniker Golaz in Paris, me St Jaques 282 ange- 
fertigt werden. 

Der Vorsitzende macht dann femer einige Mittheilungen Über die Fraunhofer -Feier. 
Das Comit^ hat sich unter dem Ehrenpräsidium des Geh. Regierungsrath Prof. Dr. von Helm- 
holtz constituirt und besteht aus den Herren C. Bamberg, Commercienrath P. Dorf fei, 
Geh. Regierungsrath Prof. Dr. Förster, R. Fuess, Stadtrath Halske, Prof. Dr. Hart- 
nack, H. Haensch, Regierungsrath Dr. Loewenherz und Dr. Westphal. Die Feier 
findet am 6. März, Mittags 12 Uhr im Festsaale des Berliner Rathhauses statt. Nach der 
Feier versammeln sich die Theilnehmer zu einem Festessen. — (Die Feier hat inzwischen 
stattgefunden und einen erhebenden Verlauf genommen. Einen eingehenden Bericht über 
dieselbe finden unsere Leser im nächsten Heft dieser Zeitschrift. D. Red.) 

Der Schriftführer: Blankevihurg. 


9 


102 Kefebate. Zeitschsift für Ikstbumbstxnkucdb. 


Arrangement von Prof. Abbe, welches sich mehr der Txip 1er' sehen Methode der Schlieren- 
beobachtung anschliesst, ist vom Referenten in dieser Zeitschrift (1885 S. 117) beschrieben 
worden. Ein geübter Beobachter kommt wohl auch ohne alle weiteren Apparate zum 
Ziel, indem er die zu untersuchende Glasplatte, hinter welche ein kleines Flämmchen 
gestellt ist, unter fortwährendem Drehen mit der Lupe betrachtet. 

3. Endlich darf das Glas keine Spannungsfehler haben, d. h. es muss gut gekühlt 
sein. Dies wird mit Hilfe des Polariskopes erkannt. Kleine Scheiben hält man einfach 
zwischen das mit einem Polariskop bewaffnete Auge und eine polarisirende Fläche, 
etwa eine gegen die Sehrichtung unter etwa 35° geneigte, polirte Platte von schwarzem 
Glase. Es genügt aber nicht, wie Grubb angiebt, die Scheibe durch die Facetten, 
also durch die Tiefe hindurch zu visiren, sondern man muss sie auch von der breiten 
Seite aus durchmustern. Die Erfahrung hat dies dem Ref. als durchaus nothwendig erwiesen. 

Für Spiegel empfiehlt Verf. eine Compositon, die nur wenig von der Newton'schen 
abweicht, trotz aller inzwischen gemachten Versuche und Vorschläge, nämlich 4 Atome 
Kupfer mit 1 Atom Zinn, in Gewichtstheilen : 252 Kupfer, 117,8 Zinn. 

Hat man sich der Güte des Materiales vei*sichert, so ist das nächste, die Berechnung 
der Krümmungen, welche man den Linsen geben muss, damit das Objectiv die richtige 
Brennweite habe und chromatisch und sphärisch richtig corrigirt sei. Grubb vertritt hierin 
den empirischen Standpunkt; er sagt ungefähr Folgendes: 

„Die Gleichungen für den Achromatismus — damit können aber nur die Näherungs- 
gleichungen gemeint sein — seien mit den geringsten mathematischen Mitteln zu lösen. 
Was die Aufhebung der sphärischen Aberration betreffe, so gebe es hierüber zwar viele 
eingehende Untersuchungen von Mathematikern, und jeder gebe sich den Anschein, als 
habe er für die Aufhebung des genannten Fehlers eine noch vollkommenere Methode ent- 
deckt als seine Vorgänger. Für den Praktiker aber seien diese mathematischen Be- 
mühungen , so viel er wisse , ohne Nutzen gewesen, denn einerseits habe für den Praktiker 
ein Schleier des Geheimnissvollen über jenen Untersuchungen gelegen, — derselbe Vor- 
wurf, den Ref. mit mehr Recht einem Theil der Praktiker in Bezug auf ihre technischen 
Methoden machen zu können glaubt — , andererseits gründeten sich jene theoretischen 
Untersuchungen auf die Voraussetzung vollkommen sphärischer Flächen, eine 
Voraussetzung, die nie streng zu erfüllen sei, während eine minimale Abweichung von 
ihr den Correctionszustand des Objectivs schon wesentlich ändere." — Es seien dem Ref. 
ein paar Worte hierzu gestattet. Der erstere Vorwurf ist nicht ganz unberechtigt. Eine 
gedruckt vorliegende mathematische Untersuchung ist zwar an sich nicht so unzugänglich 
und verschleiert, wie eine optische Werkstatt, in deren Innerstes Niemand hineingelassen 
wird; aber man kann in der That nicht von einem praktischen Optiker, der Mühe genug 
mit der technischen Seite seiner Kunst hat, verlangen, dass er sich in die abstracten 
mathematischen Ausführungen eines Grunert, Littrow, Hansen, Scheibner u. A. ver- 
tiefe. Man müss auch mehreren dieser mathematischen Optiker den Voi-^'urf machen, 
dass sie ihre Untersuchungen nicht auf wirklich vorhandenes Glas gerichtet und so dem 
Praktiker Gelegenheit gegeben haben, die Resultate der Theorie zu erproben, den Vor- 
wurf, dass sie zum Gebrauch für den Praktiker nicht wenigstens präcise directe Rechnungs- 
vorschriften, oder das Wesentliche ihres Gedankenganges kurz und leicht verständlich 
ausgedrückt niedergelegt haben. Ein solcher Vorwurf trifft, wie gesagt, viele mathe- 
matich- optische Schriftsteller, aber keineswegs Alle. Barlow, Herschel, Seidel, 
u. A. sind der Praxis auf jede mögliche Weise entgegengekommen und berühmte Optiker 
wie Fraunhofer, Prazmowski, Schröder, Steinheil, Foucault, Martin, Henry 
(ich vermuthe, auch Alv. Clark) haben sich der Hilfe der Theorie auf das Ausgiebigste 
und zwar nicht zu ihrem Schaden bedient. 

Damit fällt auch der zweite Vorwurf, dass die Flächen nie genau sphärisch herzu- 
stellen seien. Gewiss ist letztere Aufgabe, namentlich bei sehr grossen Dimensionen der 
Linsen, eine äusserst schwierige und erfordert die ganze Hingabe eines kunstgewandten 


siebenter J&hrffftBg. Mftn 1887. Refsratb. 103 

Praktikers; gewiss ist es richtig, dass „Objective nicht auf dem Papiere gemacht werden". 
Ref. hält auch nach seinen Erfahrungen die Arbeit der Ausführung eines grossen Femrohr- 
Objectives in ihrer Art für erheblich zeitraubender und mühseliger, als es die genaueste 
Berechnung sein kann; aber er ist der Meinung, dass das Arbeiten nach Rechmingsvor- 
schriften doch das Rationellere sei und dass ihm die Zukunft gehöre ; denn erstens ist offenbar, 
dass selbst im Falle der Unmöglichkeit, genau sphärische Flächen herzustellen, der Optiker 
doch dem definitiven Correctionszustande des Objectivs, allemal viel näher sein wird, wenn er 
von vornherein richtige Radien gemacht hat, als wenn er solche ausgeführt hat, mit denen 
überhaupt nur durch eine erhebliche Abweichung von der strengen Kugelform jener 
Correctionszustand zu erreichen ist. Solche richtige Radien müssen freilich auf Grund 
genauer spectrometrischer Bestimmung der verwendeten Glasarten, sowie genauer Be- 
rücksichtigung aller Distanzen, Linsendicken, Lufthiatus, Grösse der Oeffnung u. s. w. 
gewonnen sein. Ist der Optiker im Besitze solcher zuverlässlicher Radien für sein 
Objectiv, so kann er nunmehr alle Mühe darauf verwenden, sie richtig und vollkommen 
auszuführen. Er kann sich empfindlicher Hilfsmittel bedienen, mittels derer er den ab- 
soluten Grössenbetrag der Krümmung und die strenge Kugelgestalt sehr genau controliren 
kann; er kann diese Controle jeden Augenblick in seinem Arbeitszimmer, bei jedem 
Wetter und Klima, anstellen, er weiss sofort, an welcher der vier Flächen die Schuld 
liegt, er ist niemals im Zweifel über den Sinn einer Abweichung, nie in Gefahr, sein 
Objectiv verschlechtert, oder gar verdorben statt verbessert zu haben, Schwierigkeiten 
und Gefahren der empiristischen Methode, die Grubb selbst sehr anschaulich schildert. 
Für den nach Rechnungen arbeitenden Künstler ist die Beobachtung von Probeobjecten 
mit dem fertig polirten Objectiv nicht ein Hilfsmittel zur definitiven Correction, sondern 
nur die letzte Vergewisserung, dass nirgends bei der Arbeit ein Versehen vorgekommen 
ist. Gerade der Schleier des Geheimnissvollen, der nach Grubb's eigenem Geständniss 
über der Arbeit des empirischen Optikers ruhen bleibt, selbst wenn er die genaueste Aus- 
kunft über jeden einzelnen Handgriff giebt, wenn er gestattet, dass man ihn jahrelang 
in seiner Arbeit beobachte, gerade dieser Schleier fällt von der Arbeit des rationellen 
Optikers. Den Character der Kunst, auf den Grubb mit Recht bei der technischen 
Optik Gewicht legt, behält die Arbeit des Letzteren immer bei, aber sie ist dem Gebiete 
des willkürlichen Versuchens entrissen, sie ist bei jedem kleinsten Schritte vollkommen 
zielbewust, eine wirkliche mathematische Kunst. 

Der Gewinn, der durch -mathematisch -technisches Arbeiten in Bezug auf die Zeit- 
dauer der Arbeit erhalten wird, scheint mir über jeden Zweifel. Unzweifelhaft ist femer dieser 
Vorzug, dass der empirische Künstler von den vier Freiheiten, die er in den vier Flächen 
eines Objectivs hat, eigentlich nur drei benutzen kann, zur Erfüllung der drei noth- 
wendigsten Bedingungen: Brennweite, Achromasie und Aplanasie für eine Farbe in der 
Axe. Von jeder vierten (oder mit Hinzuziehung der Dickenwahl) fünften Bedingung, die 
er durch bestimmte Wahl aller vier Flächen erfüllen könnte, — welches diese Bedingung 
auch sei , — wird er sich stets mehr oder weniger weit entfernen. — Nun ist das übliche 
Objectiv der Fraunhofer'schen Form in Bezug auf die Erfüllung oder Nichterfüllung anderer 
Bedingungen als der drei genannten , nicht sehr empfindlich gegen kleine Radienändeningen. 
Stellt man sich aber die Aufgabe, noch eine Bedingung mehr und diese möglichst genau 
zu erfüllen, z. B. die Herstellung eines über das gewöhnliche Maass grossen scharfen 
Gesichtsfeldes, oder andere, so ist man sofort genöthigt, alle vier Radien und eventuell 
auch die Dicken genau einzuhalten tind es würde nichts nützen, wenn man von der vor- 
geschriebenen Form einmal abgewichen ist, durch geschickte Politur den einen Fehler 
wieder zu compensiren, da hierbei der andere, auf den es ebensosehr ankommt, voll- 
ständig uncorrigirt bliebe oder gar verschlimmert würde. Ja, es giebt Constructionen 
wie z. B. die sogenannte Gauss' sehen, bei denen eine kleine Abweichung von dem ab- 
soluten Werth der einzelnen Radiien reichlich ebenso schädlich ist, wie bei anderen 
Constructionen ein kleiner Fehler in der Gestalt der Fläche selbst. Solche Constnictionen 


104 Rkferatk. ZKirscHRirr pOr IvsTKUMnrBinnnrDc. 


lassen sich ohne Zweifel nur durch eine von der Theorie unterstützte Technik ausführen 
und sind nur von einer solchen ausgeführt worden. 

Doch zurück nach dieser Abschweifung zu unserem Gegenstande: Herr Grubb also 
richtet sich bei der Construction seiner Objective bis zu 10 Zoll, wie er sagt, einfach 
nach den Daten, welche die Glaslieferanten Feil und Chance selbst in die Hand geben, 
und welche nach seiner Angabe für kleine Dimensionen auch vollkommen genügend seien. 
Von noch grösseren Objectiven schneide er ein Prisma direct von der Scheibe ab und be- 
stimme Brechung und Dispersion selbst. «Die Curven könnten dann aus einem beliebigen 
Handbuch entnommen werden''. Dass der Verf. unter solchen Umständen Objective, selbst 
wenn sie genau nach „theoretischer" Vorschrift ausgeführt sind, unvollkommen findet, kann 
Niemand wundem. 

Die Operationen, die nun mit den voruntersuchten Glasscheiben nach getroffener 
Wahl der Curven vorzunehmen sind, theilt Grubb in 5 Rubriken: 1) Grobschleifen, 2) Fein- 
schleifen, 3) Centriren, 4) Poliren, 5) figuring and testing, womit er das oben erwähnte 
Gestaltgeben nach Tatonnement meint. In diesen Ausführungen des erfahrenen Verf. ist 
noch manches Interessante enthalten; manche Mittheilungen findet der Leser auch 
anderwärts, wir wollen daher nicht zu ausführlich hierauf eingehen. Das Schleifen 
erfolgt in Schalen aus Messing oder Gusseisen (bei grösseren Stücken nur von letzterem 
Material), welche nach einer Blechlehre annähernd auf den richtigen Radius gehöhlt oder 
gewölbt sind. Als Schleifmaterial dient zum Grobschleifen Sand, zum Feinschleifen 
Schmirgel von verschiedener, und successive immer grösserer Feinheit. Verf. geht auf 
das Wessen des Schleifprocesses ein, und erklärt, warum die Schleifschale aus weicherem 
Material bestehen muss, das Schleifmittel aber aus härterem, mindestens gleich hartem 
als das Glas selbst. Die Schleifschalen sind mittels eines an ihnen befindlichen Heftes 
auf eine um die Verticale rotirende Drehbank aufgefuttert; das Glasstück wird mit der 
Hand über die Schale hin geführt, und Sache der Geschicklichkeit des Arbeiters ist es, 
durch geeignetes Drücken und Loslassen die bearbeitete Fläche nach Bedürfniss, sei es 
als Ganzes, flacher oder convexer zu machen, sei es in ihren einzelnen Zonen, vom Rand 
bis zur Mitte abzuflachen oder zu wölben, um schliesslich möglichste Kugelgestalt und 
diese von der richtigen Krümmung zu erzielen. Das Schleifmaterial darf nur in 
dünneu feuchten Schichten auf die Schleifschale aufgetragen werden. Kleine Grübchen 
(nach dem Vorgange Lasseils?) in den Schalen dienen zur Aufnahme gröberer mitunter- 
gelaufeuer Kömchen und zur gleichmässigen Vertheilung des Schleifmaterials überhaupt. 
Die Krümmung der Fläche wird mittels eines Schraubensphärometers gemessen, eine nicht 
sehr glücklich gewählte Finrichtung. 

Die Politur erfolgt mittels einer geeigneten Maschine, einer Modification der von 
Lassell angegebenen. Hierbei ist die fertig geschliffene Linse selbst auf die Axe der 
verticalen Drehbank aufgefuttert und ein geeigneter Mechanismus führt das Polirstück 
in möglichst vielen verschiedenen Richtungen darüber hin. Als Polirmittel benutzt Grabb 
Eisenoxyd, wie die meisten Optiker, auf Pech; auch er findet die Politur mit Tuch 
und Papier nur zu niederen Zwecken hinreichend, wofür sie auch auf dem Continent 
allein verwendet wird. Wegen der Art, wie Grabb Zonen in ein Objectiv hinein oder 
aus demselben herauspolirt, mag auf das Original verwiesen werden. Eine äussere 
Probe, wie solche Foucault vorgeschlagen und Martin vervollkommnet hat, in einfacherer 
Fonn auch Laurent (Compt. Rend. 100. S. 103, diese Zeitschr. 1885 S. 322) in Gebrauch 
genommen hat, wendet Grubb auf die genaue Gestalt der Oberflächen nicht an; er beurtheilt 
die Flächen nach denen des schliesslichen Bildes, wobei immer erst eine genaue Ueber- 
legiing darüber entscheidet, an welcher Fläche der Fehler liegt, und worin er besteht. 
Ueber die Centrirung macht Verf. keine Angaben. Die Bemerkungen über den 
Einfluss der Liusendicke auf die Grösse der Verbiegung der Linse sind irrthümlich. 
Beide Grössen sind einander umgekehrt und nicht direct proportional. Jedermann weiss, 
dass eine dünne Glasplatte von 300 mm Durchmesser sich mehr durchbiegt, als eine 
dicke von gleichem Durchmesser. 


Sivbentar Jahrgtag. Utrz 1887. Rbfebate. 105 


Auf die Gefahr, die im Verbiegen der Linsen überhaupt liegt, ist sehr treffend 
aufmerksam gemacht und bemerkt, zu welcher Vorsicht dieser Umstand beim AuflPiittem der 
Linse während der Politur und beim nachherigen Fassen dereelben nöthigt. Lagerung der Linse 
in einem Quecksilberbade während der Politur gelang dem Verf. nicht recht. Der Ein- 
fluss der Verbiegungen auf das Bild ist nicht so gering, als es nach den Ausführungen 
Grubb's scheinen möchte, denn weder existirt zu jeder convexen Fläche eine gleich stark 
concave, noch verbiegen diese sich im gleichen Grade, noch endlich ist der optische Ein- 
fluss gleicher Verbiegungen selbst an gleich gekrümmten Flächen der gleiche. 

Die Herstellung ebener Spiegel erklärt Verf. für nicht schwieriger als die irgend 
welcher gekrümmter Flächen. Der Einfluss der Biegung auf einen Teleskopspiegel ist 
grösser als der auf ein Objectiv, weil bei ersterem die Verbiegung durch gar keine ent- 
sprechende einer zweiten Fläche compensirt wird. 

Die fünfte Procedur, das figuring and testing erfordert nach Grubb durchschnittlich drei 
Viertel der Gesammtarbeit. Er schildert anschaulich das mühselige, die Geduld oft auf die 
härteste Probe stellende dieser Arbeit. Wir haben uns hierüber schon oben ausgesprochen. 

Als Lichtquellen dienen natürliche oder künstliche Sterne. Um zwei der vor- 
nehmlichsten Arbeitshindemisse zu beseitigen, 1) den Temperatur- und. Feuchtigkeitswechsel 
in der Werkstatt — der das Poliren so erschwert, und 2) die Unruhe der Atmosphäre — 
bei der Prüfung, — will Grubb die Polirarbeit in einem unterirdischen Kaume vornehmen 
und von ihr aus einen 100 m langen Tunnel bauen, an dessen Ende ein künstlicher 
Stern sich befinden soll. Der Tunnel soll mit besonderen Vorrichtungen versehen sein, 
um die Luft in ihnf zu erneuern und sie überhaupt möglichst gleichförmig zu machen. 

Ob statt dieser äusserst kostspieligen Einrichtung nicht die Prüfung der Objective 
nach dem CoUimationsprincipe rationeller wäre, — mittels eines genügend grossen, vertical 
hängenden Planspiegels lässt man das Bild der im Focus angebrachten, künstlich be- 
leuchteten Probeobjecte reflectiren, ähnlich wie Laurent (diese Zeitschr. 1885, S. 322) 
vorgeschlagen hat, — will Kef. vorläufig dahingestellt sein lassen. 

Optiker, welche ihre Objective selbst empirisch corrigiren, mögen wegen mancher 
interessanter Mittheilungen über diese Arbeit auf das Original verwiesen werden. (Vgl. 
auch Naturw, - Techn. Rundschau IL S, 19. Sirius 20. 7.) Cz. 

Brahtbandrheostat. 

Von A. Grosse. Wied. Ann. N. F. 29. S. 674. 

Ein mit einem Messingdraht von 0,15 mm Stärke in Schraubenwindungen umwickelter 
Baumwollfaden ist so zu einem Bande verwebt, dass die einzelnen Drahtwindungen von 
einander isolirt sind, dass jedoch in der Mitte des Bandes in seiner ganzen Länge ein 
metallischer Streifen verbleibt. Dieses Band ist, in einer Büchse von Hartgummi einge- 
schlossen, auf eine metallene Axe gewickelt, die eine Polklemme trägt, reicht durch 
einen Schlitz aus der Büchse heraus und geht dort über ein ebenfalls mit einer Polklemme 
versehenes Contacträdchen. Für Widerstände bis zu 1000 Ohm reichen 4 m eines solchen 
2 cm breiten Bandes aus ; für grössere Widerstände werden 6 m eines 4 cm breiten Bandes 
verwendet, und zwar in der Weise, dass es mit je einem Ende an eine Holztrommel be- 
festigt ist, mit der metallenen Axe der einen leitend verbunden; diese Trommeln werden 
in entgegengesetzter Richtung gedreht. Ein Contacträdchen berührt den freiliegenden Streifen 
des Bandes und bildet so die zweite Elektrode des Kheostaten. L. 

Hydranlisohes Reactionsrad. 

Von Beuf und Ducretet. Jaurn, de Phys. elem. 2. S. 35. 

Der von Beuf angegebene und von Ducretet construirte Apparat ist ein modi- 
ficirtes Segner'sches Wasserrad. In der Axe eines cylindrischen , mit Wasser zu füllenden 
Gefässes befindet sich ein Stab; über diesen ist eine Glasröhre geschoben, die mit einem 
oberen Ansatzstück auf einer Spitze am Ende des Stabes schwebt. Von diesem Ansatz- 


106 KeFERATB. ZBITSCHBirr FÜB iNSTBDlfSXTENXUarDC. 

stück gehen zwei rechtwinklig umgehogene Röhren vertical nach unten und endigen in 
Kugeln, die mit je einer OeflFhung versehen sind. Die beiden Röhren wirken als Heber 
und werden durch zwei ebensolche neben ihnen laufende Röhren angesaugt, die in den 
Kugeln endigen und sich oben zu einem kurzen Saugrohr vereinigen. Saugt man an diesem, 
während man die Oeffnungen der Kugeln mit je einem Finger verschliesst, so füllen sich 
die Heber und der Apparat setzt sich in Umdrehung. Fe, 

üeber eine neue Methode zur absoluten Messung der strahlenden Wärme und ein In- 
strument fta die Registrirnng der Sonnenstrahlung. 

Ton Knut Angström. Nova acta regiae Sodetatis scientiarum Upsalensis^ Vol. XIIL 1886. 

Die Messung und Feststellung der absoluten Intensität der Sonnenstrahlung, d, h. 
derjenigen Wärmemenge, welche in der Zeiteinheit auf die Flächeneinheit bei senkrechter 
Bestrahlung von der Sonne übergeht, ist seit den Zeiten Pouillet's ein wiederholt ver- 
suchtes, beliebtes Problem gewesen, für dessen Lösung eine ganze Reihe von Beobachtungs- 
methoden erdacht und Messapparate construirt worden sind. Das von K. Angström aus- 
gearbeitete Verfahren, die Stärke der Sonnenstrahlung in absolutem Maasse zu bestimmen, 
ist deswegen bemerkenswerth , weil hier während der Beobachtung die Dispositionen so ge- 
troffen sind , dass man von dem Einflüsse der fortwährend wirksamen Abkühlung in Folge 
äusserer Wärmeleitung, d. h. von der während der £insti*ahlung von dem Aktinometer an 
die Umgebung von constanter Temperatur abgegebenen Wärmemenge sozusagen ganz un- 
abhängig ist. — Angström's Instniment, über das wir hier kurz berichten, besteht aus 
zwei kreisförmigen Kupferplatten von etwa 30 mm Durchmesser und eifter Dicke von 5 mm, 
welche einander so ähnlich als möglich gemacht sind; die vorderen, der Strahlung aus- 
gesetzten absorbirenden Flächen, mit galvanoplastischem Kupfer und Platinschwarz belegt, 
werden leicht berusst; die übrigen Flächen sind platinirt und gut polirt. Von der hinteren 
Seite der Scheibe her wird je ein Thennoelement (Kupfer -Neusilber) bis in deren Mitte 
eingeführt, dessen Kupferdrähte zu einem Galvanometer führen, während der Neusilber- 
draht von einer Platte zur anderen geht. Die Ausschläge des letzteren (von einer be- 
stimmten Ruhelage aus) sind dann bekanntlich von dem Temperaturunterschiede der beiden 
I^latten abhängig. Auf einem besonderen Gestelle montirt, können diese Platten mit Hilfe 
zweier Schrauben und einer Visirvorrichtung stets so orientirt werden , dass die Strahlung 
der Wäimequelle senkrecht auf sie fällt. Den Apparat schützt ein doppelter , beweglicher 
liichtschirm , welcher mittels einer kleinen Kurbel so gedreht wird, dass eine der calo- 
rimetrischen Platten stets im Schatten steht, wenn die andere bestrahlt wird. Hat nun 
bei der Bestrahlung der einen Kupferscheibe der Galvanometermagnet eine ganz bestimmte, 
durch Femrohr , Spiegel und Scale zu beobachtende Deviation aus der Ruhe- oder Null- 
lage angenommen, so wird diese Scheibe beschattet, im selben Momente aber die andere 
der (senkrechten) Strahlung so lange ausgesetzt, bis derselbe Ausschlag auf der anderen 
Seite erreicht ist ; war die Temperaturdifferenz zwischen beiden Scheibe^ vorher -h Ä° , so 
wird sie jetzt bei dieser zweiten Operation, entsprechend demselben Ausschag, aber auf 
der entgegengesetzten Seite, - — k^ sein. Ist dann T die Zeit, welche verfliesst, bis die 
Nadel von jener bestimmten Ausweichung links zur selben Ausweichung rechts gelangt, 
so zeigt eine einfache Ueberlegung, dass, sobald die Erkaltungscoefficienten der Kupfer- 
platten sehr nahe gleich sind und die Temperaturdifferenz k nicht gross gewählt wird, man 
für die Bestimmung der Intensität s der Bestrahlung die einfache Formel hat: 

sF=Mc(^)k, 

wo Mc der Wasserwerth und F die Grösse der der Strahlung ausgesetzten Flächen ist; 
man ist also unabhängig von dem durch Wärmeabgabe an die Umgebung (von constÄUtcr 
Temperatur) erfolgenden Wärmeverluste des Aktinometers. Langley erreichte bei seinen 
Messungen über das Maass der Sonnenstrahlung denselben Effect bekanntlich dadurch^), 

^) Vgl. die Abhandlung des Referenten in dieser Zeitschrift 1886, S. 240. 


SSebooter Jahrgang, lltn 1887. 


Referate. 


107 


dass er den Gang des bestrahlten Thermometers in bestimmten Zeitmomenten verfolgte, 
dabei aber das Thermometer um soviel unter die Temperatur der Doppelhülle seines Appa- 
rates abkühlte, dass es während der ersten Hälfte des Versuches ungefähr ebensoviel Wärme 
von der Doppelhülle bekam, als e^ während der zweiten Hälfte an sie ausstrahlte. 

Notirt man sich verschiedene successive aufeinanderfolgende Stellungen des Galvano- 
magneten, etwa von 50 zu 50 Scalentheilen je links und rechts von der Ruhelage nebst den 
zugehörigen Zeiten, so lassen sich die Beobachtungen ohne Mühe vervielfältigen, wie fol- 
gendes Beispiel aus dem Beobachtungsprotokoll ergiebt: 


Abweichung 

in Scalenth. 

von der 

Ruhelage. 

Notirte ! 
links 

Zeit, 
rechts 

Zeitintervall für 
die Abweichung 
von 50 Scalen- 
theilen. 

I. Serie 150 

l\33"* 9' 

35™ 11* 

T— 40^7 

100 

33 27 

34 48 

40,5 

50 

33 44 

34 24 

40,0 

I. Serie 150 

37 28 

39 29 

40,3 

100 

37 46 

39 6 

40,0 

50 

38 4 

38 45 

41,0 

• 



Mittel: T— 40,4 


Da bei diesem Instrumente eine Temperaturdifferenz von 0°,0195 zwischen den 
calorimetrischen Platten einen Galvanometerausschlag von 1 Sealentheil bedingt, so wird 
Ä = 50 . 0°,0195 mit T = (40,4 : 60) Minuten, Mc = 3,039, F == 7,162. Demnach re- 
sultirt für die Strahlungsstärke nach der obigen Formel 

2(50.0.0195)3,039 / 60 


5 = 


7,162 


(S) = l'25Cal.. 


wenn das Absorptionsvermögen der berussten receptirenden Flächen gleich der Einheit ge- 
nommen wird. Angström's Instrument zur continuirlichen Registrirung der Sonnen- 
strahlung besteht aus einem Differentialthermometer, das auf einer verticalen Axe ruht. 
Die beiden gleichen mit Luft gefüllten Kugeln desselben bestehen aus Kupfer (äusserer 
Durchmesser etwa 40 , innerer etwa 34 mm) ; ungefähr in der Mitte der sie verbindenden 
schwach gebogenen Röhre ist ein Quecksilberindex angebracht, der durch einen einge- 
schmolzenen Platindraht mit einem Elektromagneten in leitende Verbindung gebracht ist. 
Zu beiden Seiten des Qnecksilberindex , in geringer Entfernung von dessen Enden, befindet 
sich ein zweiter und dritter Platindraht, die zum nämlichen Elektromagneten führen. Scheint 
nun die Sonne, so erwärmt sich die eine der Strahlung ausgesetzte Kugel, die Luft in ihr* 
dehnt sich aus und schiebt den Index etwa bis zum Contact mit dem einen seitlichen Platin- 
drahte , wodurch der Strom geschlossen wird, der Elektromagnet daher in Thätigkeit tritt und 
dadurch eine halbe Rotation des Differentialthermometers d. h. also eine Vertauschung der 
Kugeln bewirkt. Kommt nun die zweite Kugel zur Bestrahlung, so weicht der Index auf 
die andere Seite zurück und geräth mit dem anderen seitlichen Drahte in Contact; der Strom 
schliesst sich wieder und eine neue Rotation erfolgt. Da die Zeit, welche zwischen zwei 
solchen Bewegungen des Apparates verfliesst, umgekehrt proportional der betreffenden Strah- 
lungsstärke ist, so kann, da die Zeit und die Rotationen sich automatisch auf einem Cy- 
linder aufzeichnen, mit Hilfe der Construction des Apparates ohne Mühe die Sonnenstrahlung, 
deren täglicher Gang u. s. w. aus dem bezüglichen Diagramme entnommen werden. 

J, Maurer, 


108 Neu ebbchieneve Bücher. ZKirscHBirr pur IvwmmiKwnanann^. 


IVen erscUenene Bücher. 

Elektricität und HagnetiBiniui im Alterthmn. Von Dr. Alfred Ritter von Urbanitzky. 
Elektrotechnische Bibliothek. Bd. XXXIV. Wien , Hartleben. 

Im vorliegenden Werkclien sind die Beobachtungen der Alten über die Eigen- 
schaften der Magnete und des Bernsteins, über das Nordlicht, den Blitz und das Elms- 
feuer, sowie ihre Theorien zur Erkl&rung aller dieser Erscheinungen unter Anführung zahl- 
reicher Belegstellen zusammengestellt. Trotz der häufigen Wiederholungen, die sich aus 
der Schwierigkeit und N'euheit des Stoffes erklären, bietet das Buch dem Leser, der sich 
für die Elektricitätslehre interessirt, angenehme Unterhaltung und Anregung. Wenn der 
Verfasser aber in der Von-ede betont, dass die Kenntniss des Wissensstandes der Alten 
auch auf diesem Gebiete der menschlichen Thätigkeit von sachlichem Nutzen für uns ist, 
insofern das moderne Wissen auf dem der Alten begründet ist, so scheint der Inhalt des Baches 
selbst diese Anschauung nicht zu bestätigen. L. 

Die Laboratorien der Elektrotechnik nnd deren neuere Hüfiuipparate. Von August Neu- 
mayer. Elektrotechnische Bibliothek. Bd. XXXIII. Wien, Hartleben. 

Die für elektrotechnische Laboratorien wichtigsten Apparate, ihre Aufstellung, Be- 
nutzung und theilweise ihre Herstellung werden eingehend besprochen nnd Vorschläge für 
einzelne Neuconstnictionen gemacht. Das Buch entspricht in Bezug auf Correctheit der 
Ausdnicksweise nicht allen Anforderungen; wenn man selbst von den vielen süddeutschen 
Provincialismen absieht, bleibt noch eine grosse Anzahl von Incorrectheiten der Sprache 
zu rügen. L, 

T. W. Jeans. Lives of Electricians : Tyndall, Wheatstone and Morse, London. M. 6,30. 
R. O^rard. Trait(^ pratique de micrographie appliqu^e k la botanique, k la Zoologie, k 

rhygiene et aux recherches cliniques. Avec 280 ügures et 40 planches. Paris, 

Doin. Frcs. 18,00. 
L. Ckiaohard, Compensation du compas Thomson. Paris, Gauthier- Villars. Frcs. 1,75. 
R. Colflon. La Photographie sans objectif. Paris, Gauthier- Villars. Frcs. 1,75. 
Th. dn Moncel. Le T<^16phone. 5. 6dit. Paris, Hachette. Frcs. 2,25. 
E. Braner. Die Construction der Wage nach wissenschaftlichen Grundsätzen und nach 

Maassgabe ihres Specialzweckes. Weimar. M. 5,00. 
C. PietBCh. Katechismus der Nivellirkunst. Leipzig. M. 2,00. 
K. Skibinski. Der Integrator des Prof. Zmurko in seiner Wirkungsweise und praktischen 

Verwendung. Wien. M. 3,20. 
E. Oerland. Die Anwendung der Elektricität bei registrirenden Apparaten. Wien, 

A. Hartleben. M. 3,00. 
C. Jelinek. Psychrometer -Tafeln für das hunderttheilige Thermometer nach H. Wild's 

Tafeln bearbeitet. Leipzig. M. 3,00. 
Ch. Monrlont Les t^l6phones usuels. Paris. M. 4,50. 


Vereinsnachrichten. 

Dentsche Gesellschaft Ar Mechanik nnd Optik. Sitzung vom 1. Februar 1887. Vor- 
sitzender: HeiT Fuess. 

Der Abend war einer Besprechung über die Vorschriften zur Verhütung von Un- 
fällen in den Betrieben der Berufsgenossenschaft für Feinmechanik gewidmet. Herr Kei- 
mann, Schriftführer der Berufsgenossenschaft, beantwortet die zahlreichen Anfragen der Hit- 
glieder über die bisherige Praxis in der Handhabung der gesetzlichen Vorschriften. Eine 
längere Discussion entspinnt sich über die Frage, ob der Leiter eines Betriebes dem Ge- 
setze gegenüber genügend gesichert sei , wenn der Bevollmächtigte der Berufsgenossenschaft 


Stobentor Jakrguf. Mftn 1887. VBRBlMfiHACHBlCHnai. 109 

die in seinem Betriebe eingeführten Sicherfaeitsvorrichtungen als genügende anerkannt habe. 
Der Herr Referent beantwortet diese Frage in bejahendem Sinne. Der Verlauf der Be- 
sprechung, an die sich in späteren Sitzungen noch andere anreihen sollen, zeigt, dass die 
Ansichten Über die Handhabung der gesetzlichen Vorschriften noch nicht genügend geklärt 
sind, und dass sich eine feste Praxis erst nach l&ngerer Zeit herausbilden wird. 

Die Frage eines Mitgliedes nach der besten Methode des Abdrehens von Schmirgel- 
scheiben ruft eine anregende Discussion hervor. Die Herren Fuess und Seidel schleifen 
die Scheiben mit Schmirgel ab; Herr Bamberg dreht sie mit Diamant, Herr Eabe mit 
Gasrohr bei ganz langsamem Gange ab; Herr Färber meint, dass die feineren Schmirgel- 
scheiben mit Ziegelstein und Wasser abgeschliffen und später polirt werden, namentlich 
finde dies in der Fabrikation von Reisszeugen statt. 

Sitzung vom 15. Februar 1887. Vorsitzender: Herr Fuess. 

Die reichhaltige Tagesordnung, welche mehrere technische Mittheilungen in Aus- 
sicht stellte, hatte die Mitglieder der Gesellschaft zu zahlreichem Erscheinen veranlasst. — 
Herr Voss führte einen Apparat zur Condensirung des Rauches vor und demonstrirte gleich- 
zeitig die Wirkung desselben. In einen mit Rauch gefüllten Glascy linder wurde ein elek- 
trischer Strom eingeführt und durch den Einfluss desselben der Rauch an der Cy linder- 
wand ziemlich rasch in Form von Kohlenstaub niedergeschlagen. Als Elektricitätserreger 
diente eine grosse Influenzmaschine. Das Princip des Apparates ist in englischen Berg- 
werken bereits praktisch angewandt worden. 

Herr Dr. Rohrbeck macht Mittheilungen Über verschiedene neue Thermoregulatoren. 
Auf den Inhalt des Vortrages soll hier nicht näher eingegangen werden, da ein eingehendes 
Referat Über diese Apparate in dieser Zeitschrift demnächst veröffentlicht werden soll. 

Herr Haentzschel führt einen Apparat zum Abdrehen von Schleifsteinen vor. An 
der supportartigen Vorlage befindet sich ein federharter beweglicher Trichter, welcher sich 
beim «Gebrauch immer von Neuem schärft. Die Vorrichtung ist für kleinere Betriebe zu 
complicirt und kostspielig; bei Dampfbetrieb scheint man jedoch damit befriedigende Er- 
fahrungen gemacht zu haben. 

Im Auftrage des Herrn Haensch wird eine englische Pincette vorgezeigt. Dieselbe 
öffnet sich durch Druck an ihrer hinteren, mit Heft versehenen Verlängerurg und eignet 
sich besonders zum Ergreifen von kleinen Gegenständen, als: optischen Linsen, Rubin- 
Steinlöchem u. dergl. 

Der Vorsitzende, Herr Fuess, zeigt Stahlröhren vor, die für den Kleinbetrieb insofern 
von Wichtigkeit sind, als sie jetzt in kleineren Abschnitten zu haben sind; beim Härten 
zeigt sich der Stahl allerdings noch ungleich, doch wird man bei Bedarf auch besten Werk- 
zeugstahl hierzu nehmen; der Vortragende fuhrt femer Platinröhrchen von 1 mm Durch- 
messer und 0,5 mm innerer Weite vor, auch Stahlröhren mit Bleiüberzug, die nach An- 
gaben von Herrn Dr. Pernet von Mechaniker Golaz in Paris, nie St Jaques 282 ange- 
fertigt werden. 

Der Vorsitzende macht dann femer einige Mittheilungen Über die Fraunhofer -Feier. 
Das Comit^ hat sich unter dem Ehrenpräsidium des Geh. Regierungsrath Prof. Dr. von Helm- 
holtz constituirt und besteht aus den Herren C. Bamberg, Commercienrath P. Dorf fei. 
Geh. Regierangsrath Prof. Dr. Förster, R. Fuess, Stadtrath Halske, Prof. Dr. Hart- 
nack, H. Haensch, Regierungsrath Dr. Loewenherz und Dr. Westphal. Die Feier 
findet am 6. März, Mittags 12 Uhr im Festsaale des Berliner Rathhauses statt. Nach der 
Feier versammeln sich die Theilnehmer zu einem Festessen. — (Die Feier hat inzwischen 
stattgefunden und einen erhebenden Verlauf genommen. Einen eingehenden Bericht über 
dieselbe finden unsere Leser im nächsten Heft dieser Zeitschrift. D. Red.) 

Der Schriftführer: Blankeiümrg, 


9 


PftteMtseliäii. 

und AnszUge aus d 


atentbUtt. 
lith, E. und Ch. H. Wai 


Besprechungci 

Waiserwag« nit Voirlchtanfl zar HSbenneaaunn. Von Ch. G. Sm 
WashiDgton. No. 37867 vom 30. Miirz 1886. 
UiD den Höheuwiokel eines Gegeustandcs 
zu bestimmen, wird diesem die vordere Seite der 
Waseerwage »ugewendet. Nfan lässt zuerst durch 

Stellen der um L (Fig. 1) drehbaren Platten if bezw. ,' 

M' mittels des Schiebers S dus Bild durch die Ocff- I 
irang oberhalb der Platte M-' auf den Spiegel H 
fallen, so dasB das Bild durch den Schlitz . 
I J gesellen wird. Hierauf stellt man den ; 
I Schieber S so lange, bis die durch die ' 
schnitte B der auf der Platte U an- 
gebrachten Stege P auf den Spiegel fal- 

.'iideu Lichtstrahlen des Objectes durch "*■ '• 

F'g 2. den Schlitz J sichtbar sind. Auf der an der vorderen Fläche des Prismas angebrachten 
Scale T (Fig. 2) kann man den Höhcnwinkel, unter welchen das Object zu dem BeobachtungB- 
punkte liegt, ablesen. 

ZtlchenlHBtTHiieaL Von W. F. B. Massey-Mainwaring in London. No. 37732 vom 2L April 1886. 

Bei diesem Instrumente zeichnet oder schreibt man mit einer Graph ilscheibe a, 
welche auf einem Stift b' des Halters b drehbar angeordnet ist. Durch eine Feder f 
wird die Scheibe in ihrer Lage gesichert. Zum Anschärfen dient eine auf dem Halter b 
verschiebbare Hülse tf. l>er Ansatz c an derselben ist mit einem entsprechenden Aas- 
schnitt versehen, der an die Graphitscheibe, unter gleichzeitiger Umdrehung derselben, 
gepresst wird. Im Linern des Halters ist auf einem Stift d eine Anzahl Beservo- 
Echeibeu aufgereiht. 



StnmwShIer mit 


^ooöooo^^ 


Doppelkarbel, Thullkrels und iBdIealor. Von Fa. Reiniger, 
t & Schall in Erlangen. No. 37786 vom 20. März 1886. 

Eine der Anzahl der Elemente einer 
Batterie entsprechende Anzahl Contact- 
" knöpfe 1 bis 30 ist je mit dem negativen 

Pole der einzelnen Elemente verbunden, 
während ein Contaclknopf o mit dem positiven Polo des 
ersten Elementes verbunden ist. Ucber diesen Knöpfen be- 
wegen sich zwei um eine gemeinsame Axe drehbare , von 
einander isolirte Kurbeln A und B, deren erstcre mit 
einem Theilkreis C, und deren andere mit einem In- 
dicator E verhundeu ist. Die Kurbel B sieht durch 
einen Ring F und eine auf diesem schleifende Feder D 
mit dem negativen Foldraht J und dieK|irbcI A dureh 
die Drehaxe Q mit dem positiven Poldraht S in Ver- 
bindung. Steht jede Kurbel genau auf der Mitte eines 
Contactknopfes, so zeigt der Indicator E an den Theil- 
slrichen des Theilkrcises C direct an, wie viele Elemente 
zwischen den Kurbeln ein gesell alt et sind. Diese Ein- 
richtung gestattet die beliebige Auswahl einer Anzahl 
Elemente am Anfang, am Ende oder ans der Mitte der Batterie und also eine gleichmässigere Ab- 
nutzung aller Elemente. 

Apparat zum Neasen von Seellcfen. Von W. Thomson in Glasgow. No. 37879 vom 2. Mai 1880. 
Die eigentliche Mesa Vorrichtung besteht aus einem Cylinder mit einem darin leicht be- 
weglichen Kolbeu, welcher mit einer bei der Verschiebung des Kolbens sich spannenden Schrauben- 
feder verbunden ist. Diese Vorrichtung wird au den Draht der Lothmaschine angehüngt und 



^WiUr J^rgu«. Min ISST. P^TEirraciuD. 111 

mittels dieser tertedkt,' Hierbei ve^Uebt sich der Kolben unter AiiBpaiinung der Feder in einem - 
dem WasBeidruck entsprechenden Maasee, und zugleich ein auf die Kolbenstange aufgeschobener 
Bing, der in seiner Endatellung durch Keibung festgehalten wird und die Grösse der Verschiebung 
ftn einer auf der Kolbenstange angebrachten Scale erkennen lässt 

Um die schädlichen Wirkungen des beim Aufsetzen anf den Grund erfolgenden Stosses 
abzuhalten, wird dae Instrument in eine Hülse eingesenkt, welche mittels einer Feder im Innern 
des „Senkers" aufgehängt ist Letzterer besteht aus c'tier fiir deu Zutritt des WaBsera offenen 
Röhre aus verzinktem Eisen, welche am unteren Ende mit einem Bleigewicht belastet ist. Um den 
das Instrument tragenden Draht am Ueberspringen über die Ränder der Trommel zu verhindern, 
ist letztere von einem cylindrischen Blechgehäuse umgeben, von welchem auB schiefe Ebenen 
bildende Blattfedern sich mit ihren Enden leicht aof die Innenseite der Trommclflantecbe 
auflegen. 

Featlgkeitsprüfer fDr Papier. Von G.' Rehse in Berlin. No. 37577 vom 14. Febmar 1886. 

Das zu prüfende Papier p wird zwischen dem Gylinder r nnd der 
Kappe 6 mittels der Schraube c festgeklemmt, und hierauf durch die Schraube s 
die Feder f geepannt, welche den Kolben k gegen das Papier drückt Zur 
Ermittlung des ausgeübten Druckes sind am üylinder r und an t Scalen an- 
gebracht, welchä die Bewegung von s zu messen gestatten. Der Cylinder hat 
einen Ansschnitt, der den Kolben sichtbar macht; neben dem Ausschnitt be- 
findet sich eine Scale, an welcher, um die Dehnung zu ermitteln, die Stelhmg 
des Kolbens vor und nach einer solchen abgelesen werden soll. 

Vcrfidirei und Apparat zur bartmetNachen Messiing der Verdanstyao 
Bebst scIbsltNStigcn Reglstrirapiiarat Von D. A. Bonino in 
Ivrea, Italien. No. 3TT02 vom 24. März 1886. 
Die verdunstende Flüssigkeit wird durch den Druck der Atmo- 
sphäre aus dem Gefass A in den aus porösem Material hergestellten 
Hohlkörper B gedrückt und die Menge der durch diesen Hohlkörper 
verdunsteten Flüssigkeit an der Abnahme der Flüssigkeit in A ge- 
messen. A ist zu diesem Zweck mit einer Scale versehen. Der 
Feuchtigkeitsgehalt der den Hohlkörper umgebenden Luft wird die 
Verdunstung in entsprechendem Maasse beeinflussen; möglichenfalls 
kann hierdurch das Niveau in A auch steigen. Die selbstthätige 

Regislrirung geschieht in der Weise, dass in den Flüssigkeitsbeh älter A ein Schwimmer 
gebracht wird, welcher mit einem Schreibstift verbunden ist , der einerseits dem Schwimmer 
folgen kann und andererseits durch ein Uhrwerk in gleichmässige Drehuug um eine senk- 
recht stehende Papiertrommel versetzt wird und auf dieser ein Diagramm aufzeichnet. 


Das Instrument dient als Ersatz des Difierentialgalvanomet«rs zum Abgleichen 
elektrischer Widerstände und besteht aus einer primären und einer secundären Drafat- - 
spule, ähnlich wie ein gewöhnlicher Inductionsapparat, aber mit dem Unterschied, dass die pri' 
märe Rolle aus zwei isolirten, gleich langen und gleichen Widerstand bietenden Drähten gebildet 
wird, welche unmittelbar neben einander laufend gewickelt sind. 

Verzweigt man nun einen in schnellem Tempo fortwährend unterbrochenen Strom derart, 
dass die beiden ZwcigstrÖme je einen der beiden abzugleichenden Widerstände und dann je eine 
der zwei Wicklungen der primären Spirale in einander entgegengesetzter Richtung durchstreifen 
müssen, 'SO werden in der secundären Spule so lange fortdauernd InductionsstrÖme erzeugt, als 
die beiden primären Ströme einander an Intensität ungleich sind. Dies letztere wird stets der Fall 
sein, so lange die abzugleichenden Widerstände noch verschiedene Grössen besitzen. Die Stärke 
dieser InductionsstrÖme, welche durch ein Telephon leicht wahrnehmbar gemacht werden können, 
hängt -von der Differenz der beiden Widerstände ab. Sobald aber diese einander gleich gemacht 
sind, verschwindet der-T<H) im Telephtm. Letzteres kann -auch direct als Differentialinductor ein- 
gerichtet werden, indem die secundäre Wicklung durch den Eisenkern des Telephons ersetzt wird. 
(Vgl. diese Zeitschr. 188G,. S. 388.) 


112 Für DIB Wbrkbtatt. Zsitscbuft füb ImtBüiisirrcjrKüirDB . 

_ ■ I - — _ - - _ ■ ■ I - — - ■ - ■ ^^-^^^^— . 

Neuerung an elektrisehen Tbernometern. Von Fa. Proessdorf & Koch in Leipzig. No. 37921 
vom 6. Juni 1886. 

In die Leitungsdrähte , die bei den einzehien Graden des Thermometers angebracht sind, 
werden elektromagnetisch bewegte Schreib Vorrichtungen eingeschaltet, welche auf einem Papierstreifen, 
der durch ein Uhrwerk gleichmässig bewegt wird, Zeichen machen. Auf der Minutenzeigeraxe 
dieses Uhrwerks sitzt ein an seinem Umfange mit einer Anzahl Contactfedem versehenes Rad; 
die Contactfedem schleifen nach einander über die isolirten Enden der genannten Leitungsdrähte. 
Wenn zu der Zeit, wo eine Contactfeder ein Drahtende berührt, der Stromkreis beim Thermo- 
meter geschlossen ist, wird die zugehörige Schreibvorrichtung bewegt und an einer bestimmten 
Stelle des Papierstreifens das Zeichen gemacht. In dieser Weise kommt eine Figur zu Stande, 
welche ein Bild von den Wärmeschwankungen giebt 


Für die TFerlLstatt. 

Ersatz des Oelee beim Schleifen und Schärfen feiner Werkzeuge. Mittheilung des bayrischen 
Gewerbemuseums zu Nüraberg. 1886 S. 166. (Nach den „Industrieblättem.") 
Als Ersatz des Oeles beim Schleifen und Schärfen feiner Werkzeuge wird eine Mischung 
von Glycerin und Alkohol als vortheilhaft empfohlen, und zwar bei Werkzeugen mit grosser 
Oberfläche eine Mischung von 3 Thcilen Glycerin auf 1 Theil Alkohol; bei kleinerem Werkzeug 
kann reines Glycerin verwandt werden. Die Manipulation des Schleifens soll hierdurch weniger 
unsauber werden. 

Beferent möchte hieran einige Bemerkungen knüpfen: In erster Linie dient beim 
Schleifen jeder Art die angewendete Flüssigkeit zur Verhinderung der Anfüllung der Poren mit 
dem abgeschliffenen Material, und es kann nicht oft genug auf diese Wirkung hingewiesen 
werden gegenüber der Thatsache, dass besonders auf Abziehsteinen für feinere Werkzeuge in 
den Werkstätten, wo ein solcher Stein meist gemeinschaftlich benutzt wird, sehr häufig trocken 
geschliffen und damit die Wirksamkeit des Steines ungemein herabgesetzt wird. Gregenüber solcher 
falschen Behandlung ist im Allgemeinen die Anwendung jeder verwendbaren Flüssigkeit zu 
empfehlen. Was aber den angegebenen Vorzug der Anwendung von Glycerin in Bezug auf 
Sauberkeit betrifft, so muss dieser für den Werksta,ttsbetrieb ohne Weiteres als nicht zutreffend 
bezeichnet werden, denn eine Berührung mit dieser Flüssigkeit macht, ganz abgesehen von dem 
unbehaglich klebrigen Gefähl, welches Glycerin verurikcht, eine jedesmalige Reinigung der Hände 
durch Waschen schon deshalb erforderlich, weil die Eigenschaft des Glycerins, Wasser aus der 
Luft anzuziehen, und die meist vorhandene Verunreinigung mit Säurespuren bei Berührung der 
Werkzeuge und Arbeitsstücke schädlich sein muss, was bei Oel nicht der Fall ist. 

Die Verwendung des Oeles bei Oelsteinen (Levantiner, Arkansas oder Mississippi) wirkt 
aber allem Anschein nach auch verbessernd auf die Wirksamkeit derselben, indem es die Steine 
völlig durchzieht und das scheinbare Korn derselben verfeinert. In dieser Hinsicht ist bei neuen 
Steinen die ausschliessliche Anwendung von Oel — und zwar wegen der grösseren Luftbeständig- 
keit am Besten Mineralöl — anzuempfehlen, während mau später, wenn der Stein durchtränkt 
erscheint, am Vortheilhaftesten Petroleum zum Schleifen verwendet, welches man thunlichst jedes- 
mal nach der Operation abwischt, um stets einen sauberen, gut greifenden Stein zu behalten. P. 

Färben dee Eieene. Mitth. d. Bayr. Gewerbemusenms zu Nürnberg 1886 S. 165 aus der Bau- 
gewerkszeitung. 

1. Legt man blanke Eisentheile in ein Gemisch einer Lösung von 120 g unterschweflig- 
sauren Natriums in 1 Liter Wasser und einer Lösung von 35 g essigsauren Bleies und erhitzt 
bis zum Sieden, so erhalten dieselben ein Aussehen, als wären sie blau angelassen. 

2. Bringt man eine Mischung aus 3 Theilen Hyperschwefelnatrium mit 1 Theil essigsaurem 
Blei in gelöstem Zustande auf eine blanke Eisenflächo und erhitzt dieselbe, so lagert sich auf ihr 
eine Schicht Schwefelblei ab, durch welche die Metallfläche in verschiedenen Tönen gefärbt 
erscheint. 

3. Taucht man kleine Gegenstände von Schmiede- oder Gusseisen in geschmolzenen 
Schwefel, dem etwas Russ beigemengt ist, so bildet sich ein Ueberzug von Schwefeleisen, welcher 
durch Abreiben eine schöne Politur erhält P. 


Nsehdroek rerbolea. 


TflrlAg Ton Jsliiu Bprliif«? i& Berlla N. — Drnok Ton OmUt lASf« J«lst Otto Lsof« 1& B«rUa VW. 


Zeitschrift fttr Instriimentenkimde. 

Medactiona - Curatoriam : 
. 6«b. It«g.-R. Prof. Dr. H. Landolf,- B, Fness, Reg.-Rath Dr. L. Loewenben^ 


Redaction: Dr. A. Leman und Dr. A. Westphal in Berlin. 
Vn. Jahrgang. April 188T. V 


Approximavit sidera. 


Josef Fraunhofer. 


Kwk *!»■ KH'aatlck «n J. Srherffb H«1t luclultteu tvd F. Wtouer In Baili». 

.)inf.H.:i.h -iUlti'KlT..li.'. T.MI. 


114 Fraukhofbb-Feicr. Zxmcinurr pOk XvsTBüimTBVKOirDB. 


Festberleht 

ttber 
die Gedenkfeier ssur hundertjährigen Wiederkehr des Geburtstages 

Josef Fraunhofep's 

am 6. Kän 1887 im Berliner Baihhanae. 

Veranstaltet von der Deutschen Gesellschaft für Mechanik und Optik. 

Zu Ehren der hundertjährigen Wiederkehr des Geburtstages Josef Fr aun- 
hofer's hatte die Deutsche Gesellschaft für Mechanik und Optik in dank- 
barer Erinnerung an die Verdienste des grossen Mannes um die Entwicklung der 
praktischen und theoretischen Optik eine Gedenkfeier veranstaltet, welche unter 
dem Ehrenpräsidium des Herrn Geh. Kegierungsraths Prof. Dr. H. von Helmholtz 
durch einen von genannter Gesellschaft erwählten Festausschuss, bestehend aus den 
Herren C. Bamberg, Commercienrath und Hof-Optiker P. Dörffel, Geh. Regierungs- 
rath Prof. Dr. W. Foerster, R. Fuess, H. Haensch, Stadtrath a. D. J. G. Halske, 
Prof. Dr. Hartnack, Regierungsrath Dr. L. Loewenherz und Dr. A, Westphal 
vorbereitet war. 

Die Feier fand Sonntag den 6. März 1887 im Festsaal des Berliner Rath- 
hauses statt, welcher zu diesem Zwecke von den städtischen Behörden in gewohntem 
Entgegenkommen zur Verfügung gestellt war. Die Hinterwand des prächtigen Saales 
war durch einen kostbaren Blumenflor geschmückt, der sich um die Büste Fraun- 
hofer's gruppirte. Eine zahlreiche Versammlung hatte der Einladung des Fest- 
ausschusses Folge geleistet. Es waren erschienen die Herren Minister vonBötticher, 
von Gossler, von Scholz und Staatssecretär Dr. von Stephan, Staatssecretär 
Herzog, Unterstaatssecretär Lucanus, Ministerialdirector Greif f. Geh. Regierungs- 
rath Althoff, ferner als Vertreter des Heimatlandes Fraunhofer's der bayerische Ge- 
sandte Graf von Lerchen feld-Köfe ring und der bayerische Militärbevollmächtigte 
Generalmajor von Xylander, femer Mitglieder der städtischen Verwaltung, Mit- 
glieder der Akademie der Wissenschaften, Professoren und Docenten der hiesigen 
Hochschulen, Officiere des Generalstabes, an ihrer Spitze der Chef der Landesaufnahme 
Generalmajor Golz, Directoren und Lehrer der höheren Lehranstalten, Mitglieder der 
hiesigen gelehrten und technischen Vereine und Gesellschaften, die Mitglieder der 
Deutschen Gesellschaft für Mechanik und Optik, u. A. m. Ein beson^ders erfreuliches 
Interesse für die Bedeutung des Festes bezeugten mehrere auswärtige Mechaniker 
und Optiker durch ihr Erscheinen, die Herren Dencker-Hamburg, Hempel- Paris, 
Hildebrand-Freiberg i. S., Dr. H. Krüss-Hamburg, Richter-Petersburg, Sar- 
tor ius- Göttingen, von Voigtlaender-Braunschweig und Dr. R. Zeiss-Jena, Der 
berufenste Vertreter der praktischen und theoretischen Optik, Herr Prof. Abbe, 
war leider am Erscheinen verhindert. 

Der Festact wurde durch folgenden von Ed. v. Schenk im Jahre 1831 auf 
Fraunhofer gedichteten Hymnus eingeleitet, der von dem Eönigl. Musikdirector 
Herrn E. Schultz zu dem vorliegenden Zwecke in Musik gesetzt war und von dem 
unter seiner Leitung stehenden Gesangverein Caecilia vorzüglich ausgeftLhrt wurde: 


SieWntor Jahrgaag. April 1887. 


Fbaunhofbb - Fsxkb. 


116 


Ein hoher Geist hat diesen Leib bewohnt, 
Ein Geist, der jetzt in seiner Heimath thront. 
Denn seine Heimath war die Erde nicht, 
Die Stemenwelt war's nnd das ew*ge Licht. 
Ein Adler, der sich auf zur Sonne schwang, 
Und ihres Lichts Geheimnisse durchdrang. 
Die Sterne folgten seinem mächtigen Kuf , 
Dem zaubervollen Glase, das er schuf. 
Entrissen hat er sie der alten Nacht, 
Getheih, verdoppelt und uns nah gebracht. 
Der hinter Sternen ruh*nde Nebelflor 


Erhellte sich, gehorchend seinem Rohr, 
Und Hess in jenen Flammenschooss ihn sehn. 
Wo dort sich Sonnen bilden und vergehn. 
Er beugte, spaltete und maass den Strahl, 
Verband, zerstreut' ihn nach Gesetz und Wahl. 
Er hielt das Licht des Sirius gebannt. 
Der Wega Schimmer spielt in seiner Hand. 
Und während so sein Ruhm die Welt durchzog. 
Sich immer mehrend über Meere flog; 
Blieb' still er, sanft demüthig wie ein Kind, 
Voll Herzenseinfalt und stets fromm gesinnt. 


Nach Beendigung des Festgesanges begrüssteHerrH. vonHelmhoItz die Ver- 
sammlung mit folgender Ansprache: 


Hochverehrte Versammlung! 

„Mir ist der ehrenvolle Auftrag zu Theil geworden, Sie, die Sie in so zahl- 
reicher Versammlung Ihre Theilnahme an dem heutigen Festtage kund gegeben 
haben, im Namen des Festausschusses zu bewillkommnen, und gleichzeitig den 
städtischen Behörden den Dank auszusprechen für die Einräumung dieses ersten 
und prächtigsten Festsaales der Stadt. Was wir feiern, ist in der That ein Ge- 
dächtnisstag des deutschen Bürgerthums, auf den dasselbe mit Stolz hinzuweisen 
Veranlassung hat. Unter den verschiedenen Richtungen bürgerlicher Arbeit nimmt 
in gewissem Sinne die Kunst der praktischen Mechanik eine hervorragende Stellung 
ein, wenn auch nicht durch die Grösse der Geldsummen, die sie in Bewegung 
setzt, — darin steht sie ja vielen anderen Zweigen gewerblicher Thätigkeit, nament- 
lich auch ihrer nächsten etwas handfesteren Schwester, der Maschinenbaukunst, 
bei weitem nach, — auch nicht durch ihre Verbindung mit den schönen Künsten, in 
der ihr die Mutter, aus der beide hervorgegangen, die Schlosserei, längst zuvor- 
gekommen war, und nun wieder neues Emporblühen verspricht. Wohl aber steht 
die Mechanik obenan in dem Streben nach der höchsten Genauigkeit, Sauberkeit 
und Zuverlässigkeit ihrer Arbeit, und durch den Aufwand von Nachdenken und 
Ueberlegung, den jedes neue Werk derselben fordert. Ich selbst bin einer, der 
aus langer Erfahrung Zeugniss dafür ablegen kann, wie hoch diese ersten und 
höchsten Tugenden bürgerlicher Arbeit bei den leitenden Mechanikern gesteigert 
sind, wie man Meister, die in dieser Beziehung die höchste Achtung verdienen, 
nicht nur in jeder Universitätsstadt Deutschands, sondern auch in mancher mittel- 
grossen Stadt ohne Universität, immer wieder findet, meist stille, wortkarge, über- 
legsame Männer, wenig geneigt, sich hervorzudrängen, in rastloser Arbeit und 
feinster Vollendung ihrer Werke grössere Freude findend, als im Gelderwerb, der 
noch in kurz zurückliegenden Zeiten zum grossen Theil recht sparsam w^r, und 
auch wohl jetzt noch mehr an der fabrikmässigen Verfertigung vieler Copien des- 
selben Instrumentes, als an den eigentlichen Originalarbeiten haftet. 

Wer nicht selbst an diesen Arbeiten, wenigstens Rath empfangend und 
Rath gebend, Theil genommen hat, macht sich kaum einen Begriff von der Ge- 
nauigkeit der Arbeit und der verwickelten Ueberlegung, die nöthig ist, um zum 
Ziele zu gelangen. Ich bitte um Verzeihung, wenn ich einem so allgemeinen Thema 
gegenüber öfter von meinen eigenen Erlebnissen rede. Aber von dem, was man 
selbst erfahrnen und wobei man mitgearbeitet hat, kann man sicherer und bestimmter 

10* 


116 Fradhhofbb - Feibr. Zcitsohsift röB IsiTSüimrTKincüXDs. 


reden, und doch auch bei den Hörern mehr Vertrauen in Anspruch nehmen , als 
wenn man nur aus Büchern oder nach den Erzählungen Anderer berichtet. Ein 
wenig wird ein jeder Physiker Dilettant in der praktischen Mechanik sein müssen. 
Ich selbst war gewöhnt, und habe diese Gewohnheit sehr nützlich gefunden, wenn 
ich ganz neue Wege der Untersuchung einschlagen wollte, mir Modelle der erfor- 
derlichen Instrumente, freilich zerbrechlich und aus schlechtem Material vorläufig 
zusammengeflickt, herzustellen, die wenigstens so weit reichten, dass ich die ersten 
Spuren des erwarteten Erfolges wahrnahm und die wichtigsten Hindemisse kennen 
lernte, die ihn vereiteln konnten. Dabei lernte ich aus eigener Erfahrung beur- 
theilen, welch schwierige Ueberlegungen bei solchen neuen Sachen gewöhnlich dem 
Mechaniker zugemuthet werden; z.B. darüber, welche Theile sehr genau gearbeitet 
sein müssen, welche sehr fest, welche dagegen loser sein dürfen. Und erst wenn 
ich mit meinen eigenen theoretischen Ueberlegungen und vorläufigen Versuchen 
fertig war, trat ich in Berathung mit dem Mechaniker, der meine Modelle in Stahl 
und Messing übersetzen sollte. Nun kamen erst die schwierigeren Fragen. 

Dem Laien erscheint ein dickes Stück Messing, Stahl oder Ölas als ein 
Körper von unzweifelhafter Festigkeit und unveränderlicher Form. So lange es 
bei Abmessung eines Meters auf ein Millimeter mehr oder weniger, also auf ein 
Tausendtel der Länge nicht ankommt, oder bei Messung eines Winkels nicht auf 
Winkelminuten, d. h. auf die Grössen, die ein gutes Auge in der Ferne noch 
eben unterscheiden kann, so kann man die Festigkeit jener Körper schon 
gelten lassen. Wenn aber die Hunderttausendtel- oder Milliontel der Länge 
in Betracht kommen, die Winkelsecunden oder gar ihre Zehntel im Erfolge sich 
zu erkennen geben, dann wird Alles, was fest schien, elastisch, giebt selbst leisem 
Drucke nach, dehnt sich und verzieht sich durch die Wärme der Hand. Ein 
grosses Meridianfernrohr auf meterdicjcem Mauerpfeiler stehend, wendet sich, wenn 
Sie den Finger gegen den Pfeiler stützen. Bei der starken Vergrösserang des 
Instrumentes sehen Sie die Verschiebung an dem Gesichtsobject, auf das es ge- 
richtet ist, ganz deutlich. Machen Sie bei einer geodätischen Messung einer Strecke 
von 100 Külometer den Fehler von einem Tausendtel, so ist dies ein Streifen von 
100 m Breite, schon ein werthvoUes Ackerfeld. Lassen sie also an dem ersten 
Maassstab, mit dem Sie die Grunddistanz, von der Sie ausgehen, messen, oder an 
Ihren Winkelmessinstrumenten, mit denen Sie das Verhältniss der grösseren Ent- 
fernungen zur Grunddistanz ermitteln, einen entsprechenden Fehler zu, so giebt 
das schon erhebliche Verschiebungen im ländlichen Eigenthum. Wollen wir uns 
aber gar einen Begriff bilden von unserem Weltsystem, den ungeheuren Entfer- 
nungen der Sonne, der Planeten, der nächsten Fixsterne, so müssen wir die Ge- 
nauigkeit unserer Instrumente auch entsprechend weiter treiben. 

Ausser der natürlichen und gesetzmässigen Nachgiebigkeit der sogenannten 
festen Körper gegen Schwere, Druck und Temperatur kommen nun noch die un- 
regelmässigen und nicht vorherzusehenden Spannungen der Metallstücke in Betracht, 
die vom Gusse herrühren. Sie bewirken oft genug noch sehr bemerkbare Form- 
änderungen, wenn man nachträglich Einschnitte in die Masse macht, Querschnitte 
ausführt, oder erhebliche Theile wegnimmt. Selbst der Umstand, dass ein Theil einer 
abzudrehenden Metallmasse oder einer zu schleifenden Linse durch Berührung mit 
der Hand oder durch Reiben wärmer geworden ist während des Drehens, kann 
Unregelmässigkeiten der Form bedingen, die bei starken Vergrösserungen und 
grosser Feinheit der Messungen sichtbar werden. Der Regel nach ist also bei allen 


Slisbenter Jahrgang. April 1887. Friukhofer - Feieb. 117 

Constmctionen, WO es auf sehr grosse Feinheit ankommt, eine sorgfältige Ueber- 
legung auch betreffs der Ordnung, in der die einzelnen Flächen und Theile aus- 
zuführen sind, nothwendig. 

In dieser Beziehung habe ich viel von den Mechanikern, mit denen ich Rath 
hielt, gelernt. Wie weit auch der Physiker, der die Idee des Instrumentes ent- 
worfen hat, diese nach Seite der speciellen Ausführung überlegt haben mag, 
ein Theil dieser Ueberlegungen bleibt immer übrig, welchen nur der vollenden 
kann, der das Material selbst zu bearbeiten gewöhnt ist und die Methoden der 
Bearbeitung aus praktischer Erfahrung kennt. Und gerade von diesem Theile der 
Ueberlegung hängt es ab, welcher Grad der Feinheit in den Messungen wird er- 
reicht werden können. 

Was wären Physik und Astronomie, was wäre unsere Vorstellung vom Welt- 
gebäude und von unserer Atmosphäre, wo wären die Fernrohre, die elektrischen 
Telegraphen, das elektrische Licht , was wäre aus der Seefahrt und den Landver- 
messungen geworden, wenn nicht die intelligente Hilfe der praktischen Mechanik 
immer bereit gewesen wäre. 

Diese Klasse von Bürgern nun, die in ihrer stillen Weise die besten Tugenden 
deutschen Bürgerthums bewahren und bethätigen, begeht heute den Gedächtnisstag 
eines der ersten und berühmtesten Männer, den sie zu den Ilirigen zu rechnen be- 
rechtigt sind, der, aufsteigend aus den ärmlichsten Verhältnissen, durch eigene 
Kraft und Fleiss unter schweren Hemmnissen sich emporgearbeitet hat zum Inhaber 
der ihrer Zeit berühmtesten optischen Werkstatt der Erde und wissenschaftliche 
Entdeckungen gemacht hat, die unsere Kenntnisse vom Weltgebäude in einer nie 
vorher geahnten Weise ausgedehnt haben, und deren Vervollständigung noch jetzt 
eine grosse Zahl von Astronomen, Physikern und Chemikern beschäftigt. 

Fraunhofer ist ganz auf dem Boden des Handwerks und zwar aus den küm- 
merlichsten Verhältnissen emporgewachsen. Zehnter Sohn eines armen Glasers aus 
Straubing in Bayern , früh verwaist , dann als Lehrling ohne Lehrgeld von einem 
Spiegelmacher in München aufgenommen, d. h. nach damaliger Sitte hauptsächlich 
als Laufbursche und Hausknecht verwendet, kaum des Lesens kundig. Und doch 
war. sein Sinn diesem Handwerk zugewendet. Nach dem Einstürz des Hauses seines 
Meisters, als er glücklich unter den Trümmern wieder ausgegraben ist, und als ihn 
Herr von Utzschneider im Auftrag des mitleidigen Königs fragt, was er werden 
möchte und wozu er das Geldgeschenk des Königs verwenden möchte, kennt er nur 
den Wunsch, ein tüchtiger Brillenmacher zu werden. Und in diesem Sinne ver- 
wendet er sein Geld, im richtigen Sinne kühn — er kauft sich eine Glasschleif- 
maschine — in allen anderen Beziehungen höchst sparsam. Zugleich sieht er ein, 
dass er sich unterrichten müsse; zur Feiertagsschule verschafft er sich Zutritt, und 
da er im Hause des Meisters nicht lesen darf, weil dieser kein Licht im Schlaf- 
zimmer duldet und seine Studien auf Feiertagsstunden im Freien angewiesen sind, 
macht er sich mit einem Theile des königlichen Geschenkes frei von dem Rest seiner 
Lehrzeit und sucht sich selbst als Glas- und Metallschleifer einzurichten. Immer 
unter allen Hindernissen hat er nur ein Ziel vor Augen, zunächst die höchsten 
Stufen in seinem Handwerk zu erreichen, die er kennt, und für die feinste Arbeit, 
die in diesem Kreise liegt, sich fähig zu machen. 

Der ernsthafte und lernbegierige junge Mensch hatte die Aufmerksamkeit 
Utzschneider's gefesselt. Da dieser inzwischen die Salinenverwaltung verlassen 
und mit Reichenbach und Liebherr ein optisch -mechanisches Institut eingerichtet 


118 FftAUNHOFEB-FEIBB. ZKITBClIBirr VÜK iMmtl 

hatte, gedaohte er des armen Glaserlehrlings und zog ihn 1806 für die Ansffihrang 
der optischen Arbeiten herbei. 

Hier war nun Fraunhofer an seinem rechten Platze; nun hatte er ungehinderte 
ebene Bahn vor sich und er zeichnete sich schnell so aus, dass schon nach drei Jahren 
ihm die Leitung der ganzen optischen Abtheilung des Institutes übertragen wurde. 

Er aber hielt, ohne abzuirren, die eingeschlagene Bahn praktisch -optischer 
Aufgaben ein. Verbesserung der Schmelzungsprocesse des Glases, Befreiung der 
gewonnenen Glasstücke von ihren Fehlem, genaue Herstellung der verlangten Krüm- 
mungen der Linsen waren die Aufgaben, die zunächst vorlagen und welche um so 
vollständiger und feiner gelöst werden mussten, je grössere Teleskope man zu con- 
struiren, je mehr man die Reinheit und Genauigkeit ihrer Bilder steigern wollte. 
Eine Reihe neuer Methoden, die Fraunhofer damals erfand und durchführte, sind 
die Grundlage auch für die entsprechenden Bestrebungen der Folgezeit geblieben. 

Eine andere Aufgabe aber führte ihn weiter. Um sogenannte achromatische 
Femrohre herzustellen, d. h. solche, die die Grenzlinien zwischen hellen und dunklen 
Flächen nicht durch Säume von Regenbogenfarben entstellen und verwischen, musste 
man die dem Object zugekehrten Linsen der Fernrohre aus je zwei Linsen von ver- 
schiedenem Glase herstellen, aus sogenanntem Crownglas und dem bleihaltigen Flint- 
glas. Nachdem der berühmte Mathematiker Euler angegeben hatte, wie die Krüm- 
mungen beider Linsen den verschiedenen Brechungsverhältnissen anzupassen seien, 
hatte zuerst ein englischer Optiker JohnDollond 1757 dergleichen achromatische 
Teleskope zu Stande gebracht, daher sie noch lange im Handel als DoUonds be- 
zeichnet wurden. Aber um im Voraus die Krümmungen der Gläser berechnen zu 
können, welche die zusammengesetzte Linse von der Farbenzerstreuung befreien 
würden, musste man die Brechungsverhältnisse einer gewissen Anzahl der farbigen 
Strahlen kennen, die im Regenbogen wie in dem prismatischen Bilde einer schmalen 
Lichtquelle aus dem weissen Lichte der Sonne ausgeschieden werden. Die pris- 
matischen Bilder aber, die man bis dahin zu Stande gebracht hatte, waren breite 
farbige Streifen, zwar glänzender und reiner in ihren Farben als der Regenbogen, 
aber die Farben gingen wie in diesem in unmerklicher Abstufung in einander über. 
Man hatte nirgend eine scharfe Grenze, die man als festen Merkpunkt hätte be- 
nutzen können, um zum Zweck einer Winkelmessung ein Femrohr darauf einzu- 
stellen. Man konnte wohl erkennen, dass Flintglasprismen bei gleicher Ablenkung 
der Strahlen von der geraden Linie ein breiteres Spectrum gaben , aber eine genaue 
Zahl für das Breitenverhältniss des ganzen Bandes, oder gar seiner einzelnen Farben- 
streifen war nicht zu gewinnen. Man war also darauf angewiesen, aus einer An- 
zahl von Crownglas- und Flintglaslinsen diejenigen auszusuchen, welche zufällig 
gut zu einander passten, und sie zu verwenden. Aber das gefundene Verhältniss 
Hess sich schon nicht mehr gut auf zwei andere Glasstücke anwenden, da man nicht 
im Stande war, immer wieder genau dieselben Glasproben zu erzeugen. Bei kleinen 
billigen Linsen, von denen man leicht eine grosse Zahl schleifen konnte, kam man 
auf diese Weise zum Ziele. Für kostbare grosse Gläser, deren Scideifen grosse 
Zeit und Arbeit erfordei-te, war das aber nicht durchführbar. Für die ganz grossen 
Femrohre, wie sie der ältere Herschel construirte, blieb man also noch auf die 
übrigens unbequemen Spiegelteleskope angewiesen, in denen statt der Objectivlinsen 
grosse Hohlspiegel gebraucht wurden. 

Dieser Zustand der Dinge war für Fraunhofer die Veranlassung, zunächst 
sich bessere Prismen herzustellen, sorgfältiger gearbeitet und von grösserer Oeff- 


SiAbeafter - JakigM«« April 1887. . Fbadnhopjeb - Fbies. 119 

nung, als man sie vorher gehabt hatte , so dass er das prismatische Farbenfeld nicht 
nur mit blossem Auge^ sondern auch durch vergrössernde Femrohre untersuchen 
konnte. Er hatte im Spectrum des Lichtes von Alkohol und Oelflammen einen feinen 
hellen gelben Streifen schon wahrgenommen. Wir wissen jetzt, dass dieser Streifen 
eintritt, wenn am Docht oder m dem Brennmaterial Spuren von Kochsalz oder 
anderen Natronsalzen vorkommen. Möglicherweise konnte ja das Sonnenlicht in 
einem sorgfältig hergestellten Spectrum Aehnliches zeigen. In der That hatte der 
englische Physiker Wo 11 as ton Andeutungen einiger verwaschenen dunkleren Streifen 
darin schon gesehen. 

Als aber Fraunhofer mit seinem Apparat fertig war, enthüllte sich 
ein Reichthum und eine Feinheit der Erscheinung, auf die Niemand gefasst war. 
Das Sonnenspectrum war von unzähligen meist äusserst feinen, zum Theil auch 
stärkeren dunklen Linien durchzogen, die, in charakteristischer Weise gruppirt, 
immer leicht wiedererkannt werden konnten. Licht anderer Fixsterne zeigte an- 
dere Liniengruppen, Licht irdischer leuchtender Flammen meist keine. 

Zunächst hatte Fraunhofer hiermit in unverhofft glücklicherweise gefunden, 
was er gesucht; die nach ihm benannten dunklen Linien im Spectrum des von der 
Sonne ausgegangenen Lichtes gaben feste Merkzeichen in dem Farbenfelde von 
einer Feinheit, dass die allerschärfsten Messungen der Brechungsverhältnisse des 
Glases, aus dem das Prisma bestand, nun gemacht werden konnten; und am Rande 
der rohen Glasscheibe, aus der ein Fernrohrobjectiv. gemacht werden sollte, brauchte 
man nur noch zwei kleine gegen einander geneigte ebene Flächen anzuschleifen, 
die man wie Flächen eines Prismas zum Durchsehen benutzte, so konnte an dem 
Glasstück selbst, ehe man die Kugelflächen schliff, die Brechung der verschiedenen 
Farben gemessen und die Rechnung über die den Linsen zu gebende Form mit dem 
höchsten Grade von Genauigkeit ausgeführt werden. Seitdem ist der Sieg der grossen 
achromatischen Femrohre über die Spiegel entschieden. Die letzteren behalten ihren 
Vorzug mir noch, wo auch die dunklen Wärmestrahlungen untersucht werden sollen. 

Was aber Fraunhofer hier im Bestreben, die ihm gestellten praktischen Auf- 
gaben so gründlich als möglich zu lösen, erreicht hat, war etwas viel Grösseres, als 
nur ein Mittel, gute Femrohre zu machen. Zunächst erschien es freilich als ein 
Geheimniss, dessen Grund man nicht errathen konnte, so sehr es auch den Scharf- 
sinn aller Physiker zu der grössten Anstrengung aufregte. Der Schlüssel zu dieser 
Welt wurde freilich wieder fast ein halbes Jahrhundert später durch Robert Bunsen 
und Gustav Kirchhoff gefunden. Die vor uns lebten, dahinziehen sahen sie wohl 
die ewigen Sterne am Himmel, aber in unerreichbarer Feme. Man kannte ihre 
Wege, auch zum Theil ihre Abstände von uns. Aber dass man jemals etwas von 
der Natur der Stoffe, aus denen sie bestehen, würde wissen können, ohne die Dinge 
in der Hand zu haben, das war ein Gedanke, so hoffnungslos, dass wohl jeder, 
der ihn dachte, ihn auch sogleich als eine ausschweifende Phantasterei abwies. Und 
gerade dies sollte durch Fraunhofer' s Entdeckung in Erfüllung gehen. Die von 
Utz Schneider auf sein Grab gesetzte Inschrift: y^Äpproximavit sidera^, „Er hat 
uns die Gestirne nahe gebracht", fand noch einen ganz anderen Sinn als sein Freund 
damals ahnte. Die dunklen Linien, welche er in dem zum farbigen Spectrum aus- 
gebreiteten Licht der Sonne fand, entstehen, wie wir jetzt wissen, dadurch, dass 
m der Atmosphäre, die den glühenden Sonnenkörper umgiebt, Dämpfe uns wohl 
bekannter irdischer Substanzen verbreitet sind, und durch Untersuchung irdischer 
Flammen, welche Dämpfe von Metallsalzen enthalten j können wir ermitteln, von 


120 FslUNHOFKR-FKnER. ZciTfCiniVT VÜK ImI 

welchen Substanzen jene Liniengruppen herrühren. So finden sieh zwei nahe zu- 
sammenstehende Linien ; die in der goldgelben Flamme kochsalzhaltigen Alkohols 
als helle Linien vorkommen , im goldgelben Theil des Sonnenspectrums genau an 
derselben Stelle wieder. Andere Fixsterne enthalten in ihren Atmosphären andere 
Bestandtheile als die Sonne, und wir können das Vorkommen des Wasserstoffes, 
des eigenthümlichenGrundbestandtheils des Wassers, und des Stickstoffes, des Haupt- 
bestandtheiles unserer Atmosphäre, hinausverfolgen bis in die fernsten Nebelflecke, 
die aller Auflösung durch die mächtigsten Femrohre bisher spotten, ja wir können 
an dem Spectrum erkennen, dass deren Substanz wirklich zum Haupttheil noch 
in luftartigem Zustande ist. 

Nicht weniger freilich verdankt die Astronomie der auf der von ihm gelegten 
Grundlage fortgeschrittenen Kunst im Bau der Femrohre, die theils die Formen 
der Himmelskörper uns vollständiger kennen lehrten, theils eine Menge vorher un- 
bekannter sichtbar machten, aber auch erlaubten, die Messinstrumente mit viel hö^ 
heren Vergrösserungen auszurüsten und dementsprechend die Feinheit der Messungen 
zu steigern. Dieser Erfolg wendete Fraunhofer 's Aufmerksamkeit den optischen 
Erscheinungen in grösserer Ausdehnung zu. Er hatte in sinnreicher Weise Newton' s 
Entdeckung von den Farben dünner Blättchen, wie sie die allbekannten Seifen- 
blasen zeigen, zu benutzen gewusst, um die Krümmung geschliffener Linsenflächen 
der feinsten möglichen Prüfung zu unterwerfen. So kam er leider erst nahe vor 
dem Ende seines kurzen Lebens zu eigentlich wissenschaftlichen Untersuchungen 
hinüber d.h. zu Untersuchungen, die keinen unmittelbaren technischen Zweck vor 
sich hatten, sondern nur nach Vollständigkeit unserer optischen Kenntnisse strebten. 
Dass er durch eine Federfahne nach einem Licht blickend, Farbenerscheinungen, 
denen des Prismas ähnlich, sah, regte ihn an, die durch regelmässige ReihezL 
schmaler Spalte entstehenden Spectra^ in möglichst vollkommener Weise durch fein 
liniirte Glasplatten zu erzeugen. Er fand auch in diesen seine Liniensysteme wieder, 
und zwar hier unabhängig von dem wechselnden Brechungsvermögen der durch- 
sichtigen Substanzen geordnet. Daran schlössen sich Untersuchungen verwandter 
farbiger Erscheinungen, die die trübe Atmosphäre um Sonne und Mond erzeugt. 

Der arme Glaserlehrling, der sich einst, was er an Unterricht genossen, 
mühsam hatte selbst verschaffen und dem Schicksal abringen müssen, wurde 1817 
zum Mitglied der Akademie der Wissenschaften in München ernannt und war durch 
das ganze wissenschaftliche Europa gefeiert und berühmt. Die von ihm gegründete 
optische Werkstatt ist als eine der ersten und bedeutendsten Deutschlands zunächst 
durch seinen Assistenten Georg Merz weiter geführt worden, und blüht noch jetzt 
unter dessen Sohne Siegmund Merz. 

Unwillkürlich muss man bei ihm an einen andern grossen Physiker Europas 
denken, dessen Lebensbahn viel Aehnlichkeit mit der Fraunhofer's hatte, nämlich 
an Michael Farad ay. Auch er begann seine Laufbahn als ein armer Buchbinder- 
lehrling, ununterrichtet und mittellos. Auch er war darauf angewiesen, sich in 
Nebenstunden, und zwar anfangs aus den Büchern, die er binden sollte, selbst zu 
unterrichten. Auch er hatte von Anfang an das Ziel , dem er sein Leben widmete 
und in dem er das Höchste leisten sollte, fest vor Augen, wie durch eine Inspi- 
ration belelirt, auch er hatte denselben rastlosen Fleiss und die Treue in der Ar- 
beit, die die wahre Quelle der grossen Leistungen sind. Zu den wichtigsten Theüen 
der jetzigen Elektrotechnik hat er durch seine Entdeckung der durch Magnete her- 
vorgerufenen elektrischen Ströme die Grundlage gegeben. 


SMmAu MArnag' April 1887. FbaüNBOFBB -Fbibb. 121 

Ein Unterschied zwischen den beiden grossen Männern liegt aber darin, 
dass Fraunhofer auf dem Boden des Handwerks stehen blieb, von dem er aus- 
gegangen war. Er wünscht, ein guter Brillenmacher zu werden, wie er Utz- 
schneider im Beginn ihrer Bekanntschaft erklärte; freilich wurde er ein besserer 
Brillenmacher, als je vor ihm einer gelebt hatte; aber Glas zu bearbeiten und alle 
Vorzüge des Glases bis zu ihrer höchsten Vollendung herauszuarbeiten, blieb doch 
bis zu Ende das Hauptstreben seines Lebens ; der reine durchsichtige Stoff und die 
wunderbaren Bilder, die es zur Linse geschliffen zeigen kann, hatten seine Phan- 
tasie gefesselt, wie die Schönheit einer Geliebten, Auch seine wissenschaftlichen Ent- 
deckungen entspringen aus seinem Streben, die achromatischen Linsen zu höchster 
Vollkommenheit zu führen. Fraunhofer ist in dieser Beziehung das Vorbild, 
welches zeigt, zu welcher Höhe die Arbeit des Handwerkers führen kann, wenn der 
ganze Fleiss, die ganze Treue und der ganze Scharfsinn eines begabten Mannes daran 
gesetzt werden, um jeden Mangel zu beseitigen. 

BeiFaraday lag die Sache insofern anders, als die Buchbinderei ihm nur 
nebensächlich einen Anstoss gab und ihm das Leben fristete, bis sich der berühmte 
Chemiker Humphrey Davy seiner annahm. Ihn trieben keine praktischen Auf- 
gaben, sondern nur die Forschungslust. Nur wo sein Vaterland ihm Aufgaben stellte, 
zum Beispiel für die Beleuchtung der Leuchtthürme, und auch für die Bereitung 
optischen Glases, arbeitete er über technische Fragen. 

Diese letzteren Arbeiten wurden durch eine Mahnung des als Jurist und 
Politiker, wie als Forscher in der Lehre vom Licht gleich berühmten Sir David' 
Brewster hervorgerufen, welche deutlich zeigt, welchen Eindruck Fr aunhof er 's 
Arbeiten bei den urtheilsfähigsten Männern des Auslandes machten. Er hatte 
in Edinburgh Journal of Science, Heft 9 Struve's Bericht über Fraunhofer's für 
die Sternwarte vonDorpat geliefertes Femrohr übersetzen lassen, und schliesst: 
„Wir halten dafür, dass kein Engländer diese Beschreibung wird lesen können, 
ohne die Empfindung stechendsten Schmerzes, weil England seinen Vorrang in der 
Verfertigung der Achromate und die Regierung eine der Quellen ihrer Einkünfte 
verloren hat. Sie wird hiemach in wenig Jahren die Ueberlegenheit englischer 
Künstler im Verfertigen von Instrumenten mit weitgehender Theilung für feste Obser- 
vatorien nicht mehr zu behaupten vermögen. Wenn aber für wissenschaftliche 
Talente diese Quellen der Beschäftigung versiegen, so muss mit ihnen zugleich auch 
der wissenschaftliche Charakter des Landes verschwinden ; die britische Regierung 
wird aber, wenn es zu spät ist, ihr gänzliches Nichtbeachten der Pflege wissen- 
schaftlicher Anstalten Grossbritanniens beklagen. Sobald eine grosse Nation aufhört, 
in den Künsten Triumphe zu feiern, dann ist die Besorgniss nicht ungegründet, 
sie möchte auch aufhören durch die Waffen zu triumphiren". 

So der berühmte Engländer. Seine Mahnung war nicht fruchtlos ; in diesem 
Gebiete hat sich Grossbritannien aufgeraflft und vielleicht wieder den Vorrang ge- 
wonnen. Aber auch Deutschland ist thätig; wir haben schon gesicherte Aussicht 
auf weitere wichtige Vervollkommnungen des optischen Glases durch die von der 
Preussischen Regierung unterstützten Arbeiten der Herren Abbe und Schott in 
Jena gewonnen, und die Kaiserliche Reichsregierung hat, wie Sie alle wissen, 
einen noch viel umfassenderen Plan für Förderung der Mechanik dem Reichstage 
vorgelegt. 

Ihre schönste Wirkung aber wird diese Feier haben, wenn sie unsern jungen 
Mechanikern, — und nicht ihnen allein, denn derselbe Ruf ergeht an alle Rieh- 


122 FbIuhhofbb-I^bbb. Z ai ' w u iiim fr 'fOb hatnBo umk ' immuuui u. 

' • '■ ■ - 

ttingen des Handwerks, — an «dem Beispiel ihres grossen Qenossen, dessen wir 
heut gedenken, vor Augen legt, welches Ziel auch der ärmste unter ihnen erreichen 
kann, und dadurch ihre Hoffnung und ihr Vertrauen auf den endlichen Erfolg treuer 
und ausdauernder Arbeit belebt.*^ 

An die Rede des Herrn Ehrenpräsidenten schloss sich . folgende Rede des 
Herrn W. Foerster: 

„Als im Jahre 1801 zu München ein Hauseinsturz den Glaserlehrling Josef 
Fraunhofer und die Frau seines Lehrherm unter den Trümmern begrub, be- 
theiligte sieh an den Rettungsarbeiten auch Kurfürst Max Joseph, der spätere 
König Max I. Dem Geretteten wurde er sodann ein freundlicher Gönner imd 
Helfer , indem er zwar die Mühsale der Lehrzeit nicht unmittelbar von ihm nahm, 
aber ihm die Mittel zu hochstrebender Geistesbildung verschaffte. 

Merkwürdiger Weise hatte das Rettungswerk, bei welchem Max Joseph per- 
sönlich half, dem Tode einen jungen Menschen entrissen, der gerade für eine Reihe 
von besonderen Interessen und Bestrebungen dieses Fürsten von epochemachender 
Bedeutung werden sollte. 

Am heutigen Tage, an welchem die Naturforschung und die Technik der 
Welt und im Besonderen Deutschlands ihre Blicke dankbar nach München wenden, 
von wo ihnen zu Anfang dieses Jahrhunderts so helles und reines Licht erstrahlte, 
ziemt es uns, nicht blos der Wohlthaten, welche uns der Genius Fraunhofer's, aus 
dem Dunkel der Armuth zu den lichtesten Höhen menschlicher Vollendung empor- 
steigend, spendete^ sondern auch der Verdienste seines Königs um den damaligen 
Aufschwung der Mechanik und Optik zu gedenken. 

Um ihn hatte sich zu der Zeit, wo er sich in Fraunhofer einen bahnbrechenden 
optischen Forscher aus den Einsturztrümmern hervorholte, bereits ein Kreis von 
ausgezeichneten Männern zu sammeln begonnen. 

Der rastlos betriebsame, hochgesinnte Utzschneider, welchem Max Joseph 
auch die besondere Fürsorge für den jungen Fraunhofer ans Herz legte, der geniale 
Denker, Erfinder und Constructeur Reichenbach, und der geschickte Mechaniker 
und Uhrmacher Liebherr waren bereits am Werke, den Zustand der industrieUen 
Thätigkeit in Bayern und besonders des edelsten, im höchsten Sinne productiven 
Gewerbes, nämlich der Präcisionstechnik, welche auch ein Zweig der Kunst und 
der Wissenschaft ist, mit Max Joseph's thätiger Theilnahme zu heben. 

In Süddeutschland hatte die Präcisionstechnik schon viel ifrüher, nämlich im 
15. und 16. Jahrhundert, ja, bis in das 17. Jahrhundert hinein eine hohe Blüthe erreicht. 

Augsburg, Ulm und andere süddeutsche Städte, vor Allem aber Nürnberg, 
waren in jenen Jahrhunderten die Stätten weltberühmter Leisttmgen im Gebiete der 
Herstellung von feinen Messinstrumenten jeder Art gewesen, wovon ausser der ge- 
schichtlichen Tradition auch jetzt noch mehrere historische Sammlungen von In- 
strumenten merkwürdiges Zeugniss geben. 

Unzweifelhaft liegt auf diesem Gebiete menschlichen Schaffens auch nach 
neueren vergleichenden Erfahrungen eine besondere Begabung des deutschen Volkes 
vor. Ueberall, wo es sich darum handelt, Maassgebilde von grösstmöglicher Voll- 
kommenheit sowie überhaupt mathematische Idealgebilde in der Welt des Stoffes 
und der Kräfte trotz aller Gegenwirkungen der letzteren in der reinsten Weise zu 
verkörpern, überall in diesem Reiche der sogenannten strengen Kunst, die von der 
schönen Kunst so himmelweit verschieden erscheint und ihr im tiefsten Grunde so 


Sie^mter Jahigaiiff. April 1887. Fraünhofbb-Fbxbs. 123 

nahe verwandt ist, stehen der Arbeit der Männer und Frauen germanischen Stammes 
bedeutsame geistige Vorzüge zur Seite, während dieser Volksstamm an blosser 
Geschicklichkeit von anderen Nationen vielleicht übertroffen wird und, wie ich so- 
gleich zur Vermeidung des Vorwurfs nationaler Ueberhebung hinzufügen will, in 
den schönen Künsten sowie in den Wissenschaften keinesfalls entscheidende Vor- 
züge vor den anderen besitzt, in den schönen Künsten den Romanen und den Slaven 
an natürlicher Begabung sogar nachzustehen scheint. Die Vorzüge unseres Stammes 
auf dem Gebiete der strengen Kunst wurzeln aber wesentlich in der Verbindung 
seiner grossen Geduld und Ausdauer mit der Kraft und Nüchternheit seines Wahr- 
heitssinnes und seiner Kritik, und kaum ein leuchtenderes und vollendeteres Bei- 
spiel hierfür giebt es, als Josef Fraunhofer's Wirksamkeit in der Mechanik und Optik. 

Kurz vor der Zeit Reichenbach's und Fraunhofer's, nämlich in der letzten 
Hälfte des 18. Jahrhunderts, war in einem der alten Mittelpunkte der deutschen 
Technik, in Augsburg, durch den ausgezeichneten Mechaniker Brander an die alten 
Ueberlieferungen sinnreicher und kritischer Arbeit bereits wieder angeknüpft worden, 
aber seine Erfolge wurden durch die leitende Stellung eingeschränkt, welche in- 
zwischen seit dem im Beginne des 17. Jahrhunderts eingetretenen Niedergange 
deutschen Gewerbefleisses und Wohlstandes England besonders in der optischen 
Kunst errungen hatte. 

In den ersten Jahren des 17. Jahrhunderts war in den Niederlanden das 
Fernrohr erfunden worden. In Italien hatte dasselbe in den Händen Galilei' s die 
ersten glänzenden Anwendungen gefunden, jedoch erst unser Kepler hatte für dies 
neue Werkzeug des Geistes diejenige Gestalt erdacht, welche die späteren gross- 
artigen Vervollkommnungen desselben ermöglichte. 

Aber in demselben Zeitpunkte hatte jener Niedergang Deutschlands begonnen, 
welcher uns von einer wirksamen Betheiligung an dieser Vervollkommnung des 
Femrohres für lange Zeit ausschloss. Italienischen und niederländischen Forschern 
und Gelehrten waren im weiteren Verlaufe des 17. Jahrhunderts die bedeutendsten 
optischen Leistungen zu verdanken. 

Nur eine einzige deutsche Culturstätte, die Stadt Danzig, welche, von sla- 
vischen Ländern umgeben, von den Gräueln des dreissigj ährigen Krieges verhält- 
nissmässig wenig angetastet worden war, betheiligte sich durch ihren ausgezeich- 
neten Bürgermeister Hevel (Hevelcke) in glänzender Weise an der Entwicklung der 
Leistungen des Femrohres in der von Kepler erdachten Gestalt. Zunächst war 
die Vervollkommnung dieser Leistungen lediglich auf eine Steigerung der Länge 
des Femrohres angewiesen, und zwar hauptsächlich deshalb, weil nur bei Glaslinsen 
von sehr grosser Brennweite die bei jeder Lichtbrechung eintretende Zerlegung des 
Lichtes in verschiedenfarbige Elemente hinreichend geringen störenden Ein- 
fluss auf die Deutlichkeit der Abbildungen hatte, um die Anwendung stärkerer Ver- 
grösserungen zu ermöglichen. 

So kam es, dass Campani in Italien, Huyghens in den Niederlanden und 
Hevel in Danzig mit Femrohren arbeiten mussten, deren einige mehr als hundert 
Fuss Länge hatten, nur von hohen Baikonen aus mit Systemen von Takelwerk 
regierbar. Die Unvollkommenheiten und Schwierigkeiten dieses Zustandes, welche 
besonders nach Newton' s optischen Entdeckungen und Experimenten über die Zer- 
legung des Lichtes in eine grosse Reihe verschiedener Farbentöne in der wissen- 
schaftlichen Welt schärfer zum Bewusstsein kamen, veranlassten, in Verbindung 
mit Newton's aus einem verfehlten Experimente stammender Ansicht über die Un^ 


124 Fbaunhopse - Feder. Z u im au awr vük IxnsDMBmMKDxiMB. 


möglichkeit einer gründlichen Abhilfe jener Unvollkommenheiten, einen Stillstand 
in der weiteren Entwicklung des Linsen -Fernrohres und brachten von England aus 
das Hohlspiegel -Fernrohr, bei welchem keine Farbenzertreuung stattfindet, in den 
Vordergrund. 

Von da ab stand England mehr als ein Jahrhundert lang an der Spitze der 
optischen Leistungen und ist es bis in die neueste Zeit im Gebiete der Herstellung 
grosser Spiegel -Femrohre geblieben, zu deren Vervollkommnung gegen Ende des 
vorigen Jahrhunderts Wilhelm Herschel Entscheidendes beigetragen hatte. Aber 
auch für das Linsen -Femrohr brachten die Leistungen englischer Optiker geg^en 
die Mitte des 18. Jahrhunderts einen bedeutsamen Fortschritt zu Wege. Es war 
insbesondere Dollond', welcher, angeregt durch Euler's mathematische Forschung 
über die Farbenzerstreuung und durch den Hinweis auf die geringe Farbenzer- 
streuung in dem Brechungs- System des menschlichen Auges, es unternahm, durch 
Verbindung je einer Sammel- nnd Zerstreuungs- Linse aus verschiedenem Glasma- 
terial möglichst vollkommene und farbenreine Bilder zu erzeugen und dadurch den 
Irrthum Newton's entscheidend zu widerlegen. 

Die hierdurch erreichte wesentliche Verbesserung des Linsen -Femrohres, 
welches sich im Allgemeinen in Messinstrumente der verschiedensten Art viel günstiger 
einfügt als das Hohlspiegel -Femrohr, gab im 18. Jahrhundert der ganzen Präcisions- 
technik Englands das vorerwähnte grosse Uebergewicht. 

Fraunhofer war es, der das seit Kepler's Zeit von Deutschland Versäumte 
mit gewaltigem Aufschwünge wieder einbrachte. Mit ganz demselben Scharfblicke, 
mit welchem Kepler den, einer gründlichen theoretischen Erfassung noch ent- 
behrenden, unentwickelten Charakter des von Galilei zuerst nach dem H[immel 
gerichteten Femrohres erkannte und an die Stelle desselben eine auf tiefere Er- 
wägung des Problems begründete Einrichtung setzte, erfasste auch Fraunhofer das 
Problem der weiteren Verbesserung des Fernrohres hinsichtlich der Uebel der Farben- 
zerstreuung und der entsprechenden Lichtvergeudung in fundamentalster Weise. 

Nachdem Utzschneider und Reichenbach den zwanzigjährigen Jüngling in 
das von ihnen, mit regster Förderung von Seiten Max Josephs, begründete optisch- 
mechanische Institut aufgenommen hatten, eröffnete Fraunhofer sofort jene Reihe 
feinster und fruchtbarster Experimente über alle Probleme der praktischen Optik^ 
welche nach 19 Jahren unermüdlicher Arbeit und unvergleichlicher Erfolge nur durch 
seinen Tod beendet wurden. 

Damit beginnend, die Werkzeuge und das Material der praktischen Optik 
zu prüfen und sehr bald in entscheidendster Weise zu verbessern, wm'de er durch 
eine kritische Solidität und Folgerichtigkeit, die trotz der schlichten und knappen 
Sprache seiner Veröffentlichungen aufs Eindrucksvollste hervortritt, in die Grund- 
fragen der Lichttheorie hineingezogen, mn dort festen Boden für die Berech- 
nung und Herstellung solcher Linsensysteme zu gewinnen, welche das empfangene 
Licht mit dem geringsten Verlust und mit der günstigsten Gesammtwirkung der 
Netzhaut des Auges zuzuführen vermöchten. — In seinen Darlegungen über diese 
Forschungen erkennt man überall, dass er die tiefe Bedeutung ahnte, welche seine 
zum grössten Theile völlig neuen Wahrnehmungen auch für viele andere Probleme 
der Forschung ausserhalb der praktischen Optik hatten, aber er fühlte sich durch 
seine nächsten und dringlichsten Aufgaben verpflichtet, in der Verfolgung dieser 
herrlichen Ausblicke Maass zu halten und beschränkte sich also darauf, die Physiker 
auf dieselben hinzuweisen. 


Siebenter Jfthrgang. April 1887. FbAUNHOFER-Fez^B. 125 


Die Vervollkommnung des Linsen -Fernrohres durch einen Forscher und 
Künstler, welcher auf dem Wege zu diesem praktischen Ziele so mächtig in die 
Tiefen und Höhen des ganzen Forschungsgebietes drang, wie es der Herr Vor- 
redner geschildert hat, musste nattlrlich von nachhaltigster Wirkung sein. 

Noch ein halbes Jahrhundert nach Fraunhofer's Tode galt die von ihm em- 
porgebrachte optische Werkstatt in der ganzen wissenschaftlichen Welt als die 
vornehmste und leistungsfähigste, und, was noch mehr ist, die gesammte Technik 
des Linsen-Femrohres auch in den übrigen Werkstätten aller Länder arbeitete im 
Wesentlichen mit Fraunhofer's Mitteln und nach seinen Vorschriften. 

Es ist aber dabei nicht bloss das Münchener Fernrohr in allen Theilen der 
Erde zu hohem Ansehen gelangt, so dass es fast auf allen Sternwarten der Erde 
in stattlichen Exemplaren vertreten ist, sondern die gesammte mechanische und 
optische Kunst Deutschlands hat durch Fraunhofer's Arbeiten einen neuen Auf- 
schwung erfahren, dessen segensvolle Wirkungen noch fortdauern, so dass ganz 
Deutschland am heutigen Tage vollen Anlass hat, nicht bloss den ausserordentlichen 
Mann zu preisen, dessen Geisteskraft das gemeinsame Besitzthum der Menschheit 
an Einsicht und Macht gemehrt hat, sondern auch das Gedenken an einen Wohl- 
thäter im besonderen Sinne zu feiern. 

Wenden wir nun aber noch im Geiste Fraunhofer's einen Blick in die Zu- 
kunft und fragen wir, wie es mit der weiteren Entwicklung des von ihm mit so 
grosser Hingebung vervollkommneten Werkzeuges unserer Erkenntniss bestellt ist, 
so müssen wir auf den ersten Blick bekennen, dass die gesammte optische Kunst in 
dem frohen Besitze der Fraunhofer'schen Errungenschaften zu lange Zeit gesäumt 
hat, in demselben Geiste unablässigen systematischen Experimentes und strenger 
Gedankenentwicklung an der weiteren Erforschung und Verwirklichung der Grund- 
bedingungen noch höherer Leistungen zu arbeiten. 

Man ist den Schwierigkeiten, die sich weiteren Verfeinerungen und Ver- 
stärkungen der Fernrohrleistungeü auf dem Wege folgerichtiger Experimente, ins- 
besondere hinsichtlich der Aufsuchung noch geeigneteren Glasmaterials und noch 
vollständigerer Ausnützung aller Lichtwirkungen entgegenstellten, lange Zeit hin- 
durch ausgewichen und hat eine blosse Steigerung der Fernrohrwirkungen in ähn- 
licher Weise durch blosse Vergrösserung der Dimensionen erstrebt, wie das 17. Jahr- 
hundert durch Herstellung von 100 Fuss langen Fernrohren den damals unüber- 
windlich scheinenden Schwierigkeiten der Farbenzerstreuung aus dem Wege ging. 

Die aus Fräunhofer's Arbeiten hervorgegangene optische Werkstatt in München 
hat sich dieser einseitigen Entwicklung nur bis zu einer gewissen Grenze ange- 
schlossen, aber in England und Amerika sind ausgezeichnete Optiker bis in die 
neueste Zeit hinein in jener Richtung auf die Steigerung der Dimensionen der Fem- 
rohre immer weiter gegangen, und man muss zugestehen, dass dadurch viele höchst 
ansehnliche Forschungsergebnisse erzielt worden sind. 

Auf den Wegen aber, die Fraunhofer selbst entweder bereits mit Erfolg ein- 
geschlagen oder von deren versuchsweiser Beschreitung er belehrende Kunde hinter- 
lassen hat, ist sicherlich noch viel mehr an Reichthum und Feinheit der Licht- 
wirkung und an entsprechender Kraft des Eindringens in die Tiefen der Welter- 
scheinung zu gewinnen. 

Insbesondere nachdem die Photographie gerade auf astronomischem Gebiete 
die Möglichkeit eröfinet hat, die Wirkung einer Vergrösserung der Lichtmenge 
zu ersetzen und sogar unter Erreichung noch anderer Vortheile zu ersetzen durch 


126 FbAünhofeb - Feibb. ZsmcHBxvT fOb iMTBranrBinRnnx. 


die blosse Verlängerung der Dauer der Einwirkung einer kleineren Lichtmenge, 
hat eine weitere Vervollkommnung der Sauberkeit und Genauigkeit der Führung 
und Anordnung geringerer Lichtmengen zu scharfbegrenzter Bilderzeugung eine 
grössere Bedeutung nach vielen Seiten hin erlangt, als eine blosse Steigerung der 
Lichtfülle, wenn diese Steigerung, wie es bei den Kolossal -Femrohren auch in Folge 
der atmosphärischen Störungen eintritt, eher mit einer Verminderung als mit einer 
Vermehrung der Sicherheit und Feinheit in der Bilderzeugung verbunden ist. 

Die deutsche Wissenschaft und Technik hat nicht daran gezweifelt, aufweiche 
Seite sie sich in dieser Frage zu stellen hat, aber sie hatte es bisher ebensowenig 
wie die optische Forschung und Praxis anderer Länder (unter denen seit Fraun- 
hofer nur England unter Anregung von Stokes einen Anlauf zu tieferen Unter- 
suchungen dieser Art genommen hatte) vermocht, erhebliche Vervollkommnungen 
des optischen Materials über Fraunhofer's Leistungen hinaus zu erreichen, weil dies 
über die Kräfte und Mittel einzelner Forscher imd einzelner Werkstätten weit hin- 
ausging, denn jeder neue erhebliche Fortschritt auf diesen Gebieten verlangt viel 
umfassendere Arbeiten, als die vorangegangene Entwicklungsstufe erfordert hat. 

An dem heutigen Erinnerungstage aber dürfen wir dessen froh werden, dass 
seit einigen Jahren im echten Geiste Fraunhofer's und seiner Epoche durch zwei 
treffliche Männer in Jena unter erleuchtetem Beistande unserer Staatsregierung 
eine neue Stätte optischer Forschung und optischen Experimentes im Grossen ent- 
standen ist, von welcher wir alle mit Zuversicht einen erneuten Aufschwung der 
optischen Kunst erwarten. Zugleich ist ja am heutigen Gedenktage eines Meisters 
derjenigen Kunst, in welcher die Arbeit des deutschen Volkes Ausserordentliches 
zu leisten vermag, unsere Hoffiiung der Erfüllung nahe, dass das deutsche Reich 
fernerhin das Schicksal des Gedeihens dieser Arbeit nicht stossweise wirkenden, 
nur in säcularen Zeiträumen wiederkehrenden Ermannungen und Zusammenfassungen 
von Kräften überlassen, sondern für die Begründung und stetige Erhaltung eines, 
Kraft und Leben bis in die kleinste Werkstatt ausstrahlenden Vereinigungspunktes 
solcher experimentellen Forschungen und solcher Maassbestimmungen Sorge tragen 
wird, welche nicht bloss für die optische Kunst, sondern auf den mannigfal- 
tigsten Gebieten der Mechanik, des Ingenieurwesens, sowie der industriellen und 
Maschinentechnik für gediegene Arbeit und entsprechendes wirthschaftliches Ge- 
deihen Aller unumgänglich sind und des organisirenden Betriebes schon lange 
dringend bedürfen. 

Dass dieser neuen Gestaltung auch der Segen der entscheidenden Mitarbeit 
genialer Männer nicht fehlen wird, dafür bürgt uns ein Blick in die Geschichte, 
ein Blick auf Männer der Vergangenheit, wie Fraunhofer, und auf Männer der 
Gegenwart, welche diesem würdig zur Seite gestellt werden können." 

Hierauf folgte der Gesang der folgenden für das Fest gedichteten Ode: 

Kauh, wie des Bergstroms wilddnrchbranstes Felsbett, 
War Deine Jagend, Mühe nur und Arbeit, 
Aber Dein Genius bahnte Dir die Pfade 
Ewigen Ruhmes. 

Fest auf der Praxis ehrnem Fundamente 
Hast Du des Lichtes Theorie gegründet, 
Bis in die fernsten Lande trugst den Ruf Du 
Deutscher Mechanik. 


SMentor Jahrguf- April 1887. FRAuNHorsE-FKOBB. 127 


Nachdem das Lied verklungen war, erhob sich der Vorsitzende der Deutschen 
Gesellschaft für Mechanik und Optik Herr R. Fuess zu einer Mittheilung über 
die Begründung einer nach Fraunhofer genannten Stiftung zur Unterstützung junger 
Mechaniker und Optiker. Anschliessend an den letzten Vers des eben gesungenen 
Liedes richtete der Redner folgende Worte an die Festtheilnehmer: 

Hochverehrte Versammlung! 

^Das soeben gehörte Lied und die beredten Worte meiner Herren Vorredner 
haben uns das Leben und die Bedeutung des grossen Mannes, dessen Gedächtniss 
wir heute feiern, in lichtvoller Darstellung vorgeführt. Stolz, Verehrung und Freude 
erfüllt die Herzen von uns deutschen Mechanikern bei dem Gedanken — Fraun- 
hofer war einer der Unsrigen! 

Durch heisses Ringen mit der Noth des Lebens, durch harten Kampf mit den 
Schwierigkeiten der Technik drang er zum Gipfel der Vollendung. Dass er in 
diesem Streben seine Kraft verzehrt, sein Leben geopfert, um der Nachwelt die 
Früchte seines Schaffens in vollendeter Schönheit hinterlassen zu können, das erfüllt 
uns wohl mit Wehmuth, aber es sei für uns auch ein Sporn, ihm nach und immer 
nach zu streben. 

Welch ein Vorbild für uns und spätere Geschlechter! — Viele talent- 
volle Mechaniker des Li- und Auslandes sind seither, und insbesondere in den ersten 
Jahrzehnten nach Fraunhofer's Tode, bestrebt gewesen, dem grossen Meister nach- 
zufolgen und haben auf den von ihm geschaffenen Gnmdlagen erfolgreich weiter 
gearbeitet. . Und wie Viele mögen jetzt, angesichts des mächtigen Fortschrittes, den 
die: praktische Optik — für uns die höchste Stufe mechanischer Kunst — in der 
jüngsten Zeit errungen, und desiaen Bedeutung uns mein Herr Vorredner in so 
beredter Weise geschildert hat , wie Viele werden auf dem neu gewonnenen Funda- 
mente den Kampf mit dem spröden Elemente fortzuführen und seine geheimniss- 
vollen Wunder weiter zu entschleiern suchen! 

Wenn wir nun auf unsere heranwachsende Jugend blicken, so hoffen wir zu- 
versichtlich, dass sich bald eine Schaar zusammenfinden wird, die talentvoll ver- 
anlagt und in dem Hinblick, auf die grossen Vorbilder von regem Eifer erfüllt, 
ihre Kraft unserem edlen Berufe widmen möchte! — Werden aber die Kräfte und 
die Mittel manches Einzelnen unter dieser " Schaar ausreichen? — Wird der Eifer 
nicht erlahmen und der Ernst, den keine Mühe bleichen sollte, Stand halten in 
dem Kampfe, den der Genius Fraunhofer's siegreich bestand? Wer reicht dem 
Verzagenden die hilfreiche Hand in dem entscheidenden Augenblicke, wo es 
sich vielleicht darum handelt, ein emporstrebendes Talent in seiner richtigen Lauf- 
bahn zu erhalten und dem Lichte wieder zuzuführen? 

Ein wunderbarer Zufall rettete einst den armen Glaserlchrling vom Tode und 
ein Geschenk von 18 Dukaten legte den Grund zu seiner späteren Grösse. Der 
Name Fraunhofer mag darum auch eine Stiftung zieren, deren Begründung auf 
Anregung von Mitgliedern der Deutschen Gesellschaft für Mechanik imd Optik am 
heutigen Tage stattfinden und deren Aufgabe es sein soll, die helfende Hand dem 
strebsamen aber mittellosen Jünger der Kunst darzureichen. Aus den Mitteln 
der Fraunhofer- Stiftung sollen jungen Optikern und Mechanikern in ganz 
Deutschland Beihilfen zur weiteren theoretischen und praktischen Ausbildung 
gewährt werden. 


128 Fradhhofer-Feibb. ZzrrsciniiiT für ImTBümirtunhnrbK. 


Für beide Zwecke stehen den jungen Männern Heute ganz andere Wege offen 
als zur Zeit Fraunhofers. Für die praktische Ausbildung bieten sich zahlreiche 
wohleingerichtete und gut geleitete Lehrwerkstätten dar, in welchen die Methoden 
zur Herstellung der genauen Gestalt von optischen Körpern, sowie die Mittel zur 
allseitigen Prüfung derselben eine früher nicht geahnte Ausbildung und Verfeinerung 
erfahren haben. Gelingt es doch mit Hilfe dieser Messmittel, deren Ursprung 
theilweise noch auf Fraunhofer zurückzuführen ist, die Abweichung in der Gestalt 
von optischen Kugel- oder Planflächen bis auf das Hunderttausendtel eines Milli- 
meters erkennen zu lassen. Und diese Apparate, deren sinnreiche Construction 
sonst als^ technisches Fabrikgeheimniss sorgsam gehütet wurde, sind jetzt allgemein 
bekannt. Die theoretische Ausbildung wird durch die ausgezeichneten Leistungen 
unserer Lehranstalten wesentlich gefördert. — Der Hochherzigkeit und Bereitwillig- 
keit der Berliner Stadtverwaltung verdanken wir sogar eine eigene Fachschule für 
junge Mechaniker und Optiker, welche in Verbindung mit der hiesigen Handwerker- 
schule seit nahezu zwei Jahren besteht und für deren Begründung es mir eine Freude 
und HerzensbedürfnisB ist, den städtischen Behörden an dieser Stelle Dank sagen 
zu können. Wir hoffen, dass ähnliche Lehranstalten sehr bald auch an anderen Mittel- 
punkten der deutschen Mechanik erstehen werden. 

Die Fraunhofer-Stiftung soll nun dazu dienen, den unbemittelten strebsamen 
jungen Leuten einerseits die Thätigkeit in hervorragenden Werkstätten des In- und 
Auslandes, anderseits den Besuch von Lehranstalten der erwähnten Art zu ermög- 
lichen. — Die Verwaltung der Stiftung wird in den Händen einer Vereinigung 
hervorragender Mechaniker aus den verschiedensten Theilen des Reiches ruhen, 
sodass ihr allgemeiner nationaler Charakter deutlich hervortreten soll. 

Bei vorläufigen Anfragen in engeren Kreisen von Fachgenossen und Freunden 
unserer Kunst fand der Gedanke der Stiftung überaus freundliche Aufnahme; es 
ist bereits ein Kapitalstock von bald 1 1 000 Mark gesammelt und daneben sind noch 
laufende Jahresbeiträge von rund 400 Mark gezeichnet worden. 

Es drängt sich uns die Frage auf: Wird der Gedanke der Stiftung Wurzel 
fassen im Gemüthc weiterer Kreise? Wird auf dem Grundstein, der durch eine 
Reihe hochherziger Männer nun bereits gelegt ist, sich alsbald ein stolzer Bau 
erheben? Hochverehrte Anwesende! Im Hinblick auf diese Männer und auf Ihre 
zahlreiche Betheiligung an unserem Feste, für welche ich im Namen der Deutschen 
Gesellschaft für Mechanik und Optik Ihnen unseren tiefgefühltesten Dank sage, 
darf ich wohl mit freudiger Zuversicht diese Frage mit Ja beantworten." 

Die erhebende Feier schloss nach dieser Rede stimmungsvoll mit Vorführung 
der unsterblichen Beethoven'schen Composition: 

„Die Hinmiel rühmen des Ewigen Ehre!" 


SieiMnter Jahrgang. April 1887. GsoSBE, PäOTOMBTEB. 129 

Ueber eine neue Form von Fhotometem. 

Von 
Dr. W. Grosse in Vegeaaek (Bremen). 

Das Bedürfniss der Technik nach einem branchbaren, handlichen und nicht 
zu kostspieligen Photometer wird immer dringender, je heisser der Kampf zwischen 
den verschiedenen Beleuchtungs-Arten und -Systemen entbrennt. Es hat aber den 
Anschein, als ob dasselbe sehr schwer zu befriedigen sei. Gerade diejenigen Photo- 
meter, welche auf den strengsten wissenschaftlichen Principien basiren und eine 
recht handliehe Form bieten, die Polarisationsphotometer, deren es bereits mehrere 
recht gute und nicht so sehr theure giebt, haben in der Praxis wenig Freunde 
gefunden. Die Fachleute für Gas- und elektrische Beleuchtung messen vielmehr 
fast ausschliesslich mit dem Bunsen'schen Photometer oder Modificationen desselben 
und selbst bei grösseren wissenschaftlichen Unternehmungen hat man dasselbe viel- 
fach angewandt, obwohl man dessen Nachtheile kannte und die Unbequemlich- 
keit würdigte, welche durch das Erforderniss grösserer Räumlichkeiten herbeige- 
führt wurde. Die erstere Thatsache findet ihren Grund wohl hauptsächlich darin, 
dass dies Photometer einmal vorhanden oder sehr leicht zu beschaffen ist , andrer- 
seits aber auch in der Einfachheit und Klarheit des demselben zu Grunde liegenden 
Principes, welches selbst dem Laien Verständniss und die Möglichkeit sichert, leicht 
die Resultate selbst zu finden; die zweite dagegen wohl mehr darin, dass man eben 
für die Praxis arbeitete und nicht von in der Praxis üblichen principiell abwei- 
chende Methoden zur Anwendung bringen wollte, zumal sich die wesentlichsten Uebel- 
stände der Methode bei der entsprechend grösseren Anlage durch Zwischenschaltung 
von vermittelnden Lichtquellen vermeiden liessen. Freilich wird sich auch zeigen, 
dass die bisherigen Polarisationsphotometer noch recht complicirt sind und eine sub- 
tile Behandlung, wie sie nur ein geübter Fachnj^inn leisten können wird, erfordern. 
Da jedoch den Hauptbestandtheil derselben Prismen aus Kalkspath bilden, die immer 
handliche Constructionen gestatten, da fem er die Theorie dieser Prismen ziemlich 
vollkommen ausgebildet ist und jeder gute Optiker allen Anforderungen an die- 
selben Genüge leisten kann, so steht zu hoffen, dass es mit der Zeit dieser Art von 
Photometem gelingen wird, sich auch unter den Technikern mehr Freunde zu er- 
werben, als es bisher der Fall war. Ich setze dann allerdings voraus, dass alle 
Rechnung fortfällt, und dass jedem Apparat mit möglichst nur einer Constante eine 
Tabelle beigegeben ist, aus der sich der zu jedem Drehungswinkel gehörige Werth 
in Lichteinheiten sofort ablesen lässt. Die von mir in dieser Richtung begonnenen, 
aber noch nicht abgeschlossenen Versuche und Rechnungen lassen das Beste hoffen. 
Für wissenschaftliche Untersuchungen freilich würde sich der Apparat complicirter 
gestalten. Da kommt es ja auch meistens auf etwas Anderes an als auf die Auf- 
suchung der Beleuchtungsstärke oder des Verhältnisses der Leuchtkraft zweier 
Flammen. Und da der Einfluss aller einschlägigen Factoren hier jedenfalls gewissen- 
haft gemessen und erwogen werden muss, wird an und für sich der Gang der Unter- 
suchung ein schwerfälligerer sein können, und die Apparate werden constructiv 
subtiler und mechanisch complicirter sein müssen. Wollte man alle Nebentheile, 
die hier erforderlich werden, entweder, um die Genauigkeit zu erhöhen oder um 
eine grössere Vielseitigkeit der Anwendung, vielleicht zu Absorptions- oder spectro- 
photometrischen Untersuchungen, zu sichern, in einem wesentlich für die Praxis be- 
rechneten Apparate beibehalten, so würde das immer unpraktisch, hier aber geradezu 

tadelnswerth sein, weil zwei Umstände eine grössere Genauigkeit photometrischer 

11 


180 GSOBBK) PhOTOKETEB. ZKIT0GHBIFT pOr iHBTKVKBN'lJBRKUjrDB. 


Untersuchungen unmöglich machen. Der erste, immer giltige, wird dadurch in- 
volvirt, dass die letzte Instanz das Auge sein wird; der zweite, in der Praxis be- 
sonders schwerwiegende, beruht in der theoretischen Unmöglichkeit, Licht verschie- 
dener Färbung überhaupt physiologisch zu vergleichen. Wir werden sehen, wie 
wir die dadurch bedingten und einer objectiven Beurtheilung sich entziehenden Fehler 
verringern können. Ganz aus der Welt zu schaffen sind sie nicht und schon allein 
der Umstand, dass schliesslich das Auge sein Urtheil abgiebt, macht Messungen 
von mehr als auf etwa 1% Genauigkeit objectiv unmöglich. Dies muss bei der Con- 
struction von Photometem für die Technik erwogen werden. 

Was sonst noch zum Verständniss des Folgenden erforderlich ist, wird in 
einer kurzen, sachlichen Uebersicht über die wichtigsten Methoden und Principien 
der Photometrie hervortreten. Auch wird sich darin der Zusammenhang zwischen 
Versuch und Rechnung skizziren lassen, der zumal für das Verständniss der Po- 
larisationsphotometer von Werth sein dürfte, — Eine nicht gf^nz vollständige Ueber- 
sicht über die verschiedenen Methoden xmd Arten der bisherigen Apparate giebt 
Dr. W. Möller^), eine vollständigere, wenn auch nicht so gut gruppirt, findet sich in 
dem bereits in dieser Zeitschrift (1886, S. 289) besprochenen und auch bei diesem Auf- 
satze oft benutzten Werke von Dr. H. Krüss: „Die elektrotechnische Photometrie'' 
(Elektrotechn. Bibliothek von Hartleben Bd. 32). Dem Wesen nach verschieden 
sind von allen anderen die Photometer von Stevenson, Hähnlein, Simonoff und 
Weber. Diese wollen nfcht messen, wie viel Lichteinheiten an Stelle der zu prü- 
fenden Lichtquelle gesetzt werden müssen, um eine beleuchtete Fläche gleich hell 
erscheinen zu lassen, sondern wieviele nöthig sind, um irgend welche Objecte, wie 
Schriftzeichen, Liniensysteme und dergleichen in beiden Fällen gleich wahrnehmbar 
zu machen. Im ersten Falle wird die Flächenhelligkeit, im zweiten die den Ob- 
jecten verliehene Erkennbarkeit oder der Beleuchtungswerth gemessen. Dieser 
Ausdruck stammt von Siemens, ebenso wie der Ausspruch: „Ein richtiges Photo- 
meter sollte verschiedenartiges Licht dann als gleich angeben, wenn es uns in gleicher 
Weise entfernte Objecte erkennbar macht", durch welchen dieser Methode besonders 
der Technik gegenüber grosser Vorschub geleistet wird, da diese ja mit der ganzen 
künstlichen Beleuchtung den Zweck verfolgt, uns die Gegenstände leicht und mög- 
lichst im Detail erkennbar zu machen. Versuche in dieser Richtung sind uns, ausser 
den von L. Web er 2) veröffentlichten, nicht bekannt. 

Wir würden es für einen grossen Fortschritt halten, wenn es gelänge, die 
Anwendung der so einfachen Formel von Mace de Lepinay^): J= kB oder der 
von Weber: B=kJr für die Praxis zu sichern, welche den rechnimgsmässigen Zu- 
sammenhang herzustellen bestrebt- sind zwischen der Gesammthelligkeit J bezw. 
dem Beleuchtungswerth B und der Helligkeit eines monochromatischen Farbencom- 
plexes der Flamme und zwar mittels eines physiologisch beeinflussten Coefficienten Ä, 
der aus möglichst vielen Versuchen zu bestimmen ist. Dadurch würde der Fehler elimi- 
nirt werden, den die relative Messung ungleich gefärbter Lichtquellen mit sich bringt. 
Die Wissenschaft vergleicht dieselben, indem sie Spectra von ihnen entwirft, an 
möglichst vielen entsprechenden Stellen derselben vergleichende Messungen macht, 
die erhaltenen Wertlie graphisch aufzeichnet und den Inhalt der erhaltenen Flächen 
als Maass der Helligkeit nimmt. Crova machte nun zuerst darauf aufmerksam, 
dass für jede zwei Spectra eine Wellenlänge cxistiren müsse, für die das Verhältniss 


1) Elektr. Zeitachrift. 6. S. 370. — «) A. a. 0. S. 167. — >) A. a. 0. S. 168. 


Siebenter Jahrgang. April 1887. Grosse, Photomsteb. 131 


der Intensität der entsprechenden Farben zugleich das der Gesammthelligkeit sein 
würde. Leider ist, um diese Wellenlänge zu bestimmen, wenigstens einmal eine 
photoraetrische Totalvergleichung der beiden verschieden gefärbten Lichtquellen er- 
forderlich. Ausserdem ist dieser sogenannte neutrale Punkt im Spectrum für jedes 
Licht von anderer Gesammthelligkeit von Neuem zu bestimmen, da sich die Ver- 
theilung des Lichtes im Spectrum mit Aenderung der Helligkeit ebenfalls geändert 
haben wird. So wird auch dieser Versuch, die Schwierigkeit der Messung ungleich- 
farbiger Lichtquellen^) zu vermeiden, in der Praxis unbrauchbar, ausser da, wo 
man es nur mit Prüfung von Lampen desselben Modelles, also annähernd derselben 
Helligkeit, zu thon hat und es möge daher hinzugefügt sein, dass nach Crova das 
neutrale Licht erhalten wird, wenn es durch Eisenchlorid und Nickelchlorür in be- 
stimmtem Verhältniss gemischt hindurchgegangen ist. Die Anwendung der gewöhn- 
lichen gefärbten Gläser zur Erhaltung monochromatischen Lichtes hat man möglichst 
zu vermeiden wegen der in ihnen stattfindenden auswählenden Absorption. Will 
man nach der von Weber angegebenen Methode arbeiten, so könnte jedes einfache 
Photometer wohl daraufhin modificirt werden. Wir werden im Folgenden nur die 
Methode der Flächenhelligkeit zu Grunde legen. 


Für Lichtmessungen besitzen wir nicht ein den übrigen physikalischen ana- 
loges Maass, da die Theorie noch nicht soweit ausgebildet ist, dass nach einer aus 
der kinetischen Energie des Aethers abgeleiteten absoluten Einheit gemessen werden 
kann. Vielmehr hat man das Empfindungsvermögen des Auges als letzten Richter 
in diesen Fragen anzusehen. Wäre dieses ein vollkommener optischer oder physio- 
logischer Apparat, so Hesse sich wohl denken, wie das Auge selbst als Photometer 
wirken könnte. So hat Lambert Versuche .angestellt, nach welchen mit Abnahme 
der Lichtstärke die Grösse der Pupillenöffhung von 2,4 mm bis 6,8 mm Durchmesser 
oder von 4,5 qcm bis 36,3 qcra Flächeninhalt zunimmt. Da es aber bisher nicht ge- 
lungen ist, diese Aenderung durch eine mathematische Formel auszudrücken, was 
auch wohl kaum jemals in befriedigendem Maasse gelingen wird, so kann in dieser 
Weise das Auge selbst nicht als Photometer benutzt werden. Es Hesse sich aber 
noch ein anderer* Weg denken, die Empfindung direct zu einem Urtheil über die 
Lichtstärke zu benutzen, wenn es nämlich gelänge, das psychophysische, zuerst von 
Fechner begründete Gesetz, mathematisch so zu formulircn, dass darin die Grösse 
des Empfindungszuwachses als Function des Reizzuwachses, der durch die con- 
stante Unterschiedsempfindlichkeit sich bestimmen Hesse, ausgedrückt erschiene. Dies 
sind indessen heute alles noch Probleme, die praktisch erst gelöst werden müsstcn, 
ehe daran gedacht werden könnte, photometrische Methoden darauf zu gründen. 
Zeigen doch selbst die Messungen der UntierschiedsempfindHchkeit grosse Diffe- 
renzen 2) (nach Bouguer Yfl4, nach Volkmann Vioo, nach v. Helmhol tz Vie?). 
Aubert entdeckte sogar, wodurch das fragliche Gesetz noch mehr complicirt werden 
würde, eine Abnahme der Empfindlichkeit mit Abnahme der Helligkeit (vgl. Lippich), 
und Fechner suchte dieselbe zu erklären. 


') Besonders interessant sind auch die, besondere Fehlerquellen bildenden, pseudophoto- 

skopischen Erscheinungen, welche von L. Weber, Purkinje, Mac6 de Ldpinay und Nicati 

untersucht wurden. — *^) Vgl. Lippicli ; Uebcr polaristrobometr. Methoden. Aus dem XCI Bd. der 

Sitzungsberichte der Kaiser]. Akad. d. Wissensch. II. Abth., Maiheft. 1885. S. 1093. (35), wo 

auch ein Apparat zur Messung der-Uuterschiedsempfindlichkeit vorgeschlagen wird. 

11* 


132 GbOBBB) PhOTOMXTEB. ZUTBCBRirr 7ÜH IVflTRUmVTUnnJVDB. 


Bei dem jetzigen Stande der Wissenschaft kann somit das Auge selbst nickt 
unmittelbar zur Bestimmung des Maasses der Intensitätsdifferenz zweier verschie- 
dener Lichtquellen verwandt werden, sondern nur mittelbar zur Beurtheilung voll- 
kommener oder unvollkommener Gleichheit der Intensität. Hat man zwei ver- 
schieden starke Lichtquellen mit einander zu vergleichen, so muss man zu dem 
Mittel greifen, die Intensität der stärkeren in gewisser rechnungsmässig in Betracht 
zu ziehender Weise so lange abzuschwächen, bis die Gleichheit mit der anderen her- 
gestellt ist, und erst der Grad der erforderlichan Abschwächung giebt das Maass 
fär die Intensitätsdifferenz beider ab. Meistens zieht man vor, statt der directen 
Vergleichung der Lichtquellen selbst deren Beleuchtungseffect auf bestrahlte Flächen 
dem Auge als Beobachtungsobject darzubieten und in diesem Falle würde also ein 
Photometer die Aufgabe haben, die von zwei zu vergleichenden Lichtquellen beleuch- 
teten Flächen dem Auge so darzubieten, dass demselben, nachdem auf rechnungs- 
mässig controlirbarem Wege die Gleichheit der Flächenhelligkeit erlangt ist, die 
Beurtheilung der Gleichheit, welche während des Versuches in einem Durchgangs- 
moment eintreten wird, leicht fällt und so ein etwaiges physiologisches Fehlermo- 
ment das Resultat möglichst wenig beeinäusst. Nicht in allen Photometem jedoch 
werden die Lichtquellen ersetzt durch leuchtende Flächen, auf die sie in gleicher 
Weise wirken; in den älteren Instrumenten ist eine directe Vergleichung üblich, 
wobei die stärkere Quelle durch zwischengeschaltete Abschwächungsmittel, licht- 
absorbirende Schirme und dergl, auf die Intensität der schwächeren herabgestimmt 
wird. Die Abhandlung A. Crova's^) „Ueber die Anwendung lichtzerstreuender 
Schirme in der Photometrie" ist jedenfalls für den Optiker wichtig, da nicht jede Sorte 
Papieres oder mattgeschliffenen Glases sich hierzu eignet. Auch giebt Crova Merkmale 
dafür, dass ein Schirm lediglich diffuses und kein directes Licht ausstrahlt. Stärkeplatten 
scheinen von ihm vorgezogen zu werden ; doch erfordern sie sorgfältige Herstellung. 

Damit dem Auge die Beurtheilung der Gleichheit unter möglichst günstigen 
Verhältnissen dargeboten wird, muss es die zu vergleichenden Objecte, bestrahlte 
Flächen oder Lichtquellen, selbst mindestens gleichzeitig und unmittelbar neben- 
einander übersehen können. In den Polarisationsphotometern sind die zu beur- 
theilenden Flächen gewöhnlich durch die Kanten eines oder zweier totalreflectirender 
Glasprismen scharf getrennt, was sich als besonders bequem erweist. Die Gleich- 
heit der Flächenhelligkeit, welche allein das Auge zu beurtheilen hat, kann nun 
auf mancherlei Weise so erreicht werden, dass die Grösse der Schwächung des 
Lichtes — denn um eine solche handelt es sich stets — in Rechnung gebracht werden 
kann. Die physikalischen Gesetze, auf denen die Rechnung basirt, können hier 
nur kurz angedeutet werden. Einzelne Schwächungsmittel sind nicht wesentliche 
Theile der Apparate, sondern nur Hilfsmittel, so namentlich die Anwendung von Dis- 
persionslinsen, Rauchgläsern, rotirenden Scheiben, Drahtnetzen, veränderlichen 
Spalten u. s. w. Das Gesetz, auf welchem die Construction der ältesten Photometcr 
beruht, ist das, dass die Intensität einer leuchtenden Quelle in demselben Maasse 
abnimmt, wie das Quadrat der Zahl zunimmt, welche die Entfernung ausdrückt. 
Sind demnach zwei Flächen gleich beleuchtet und ihre Entfernungen von den Flammen 
J und J' bzw. d und d\ so ist J \ J* = ä^ : d*^. Eine Flamme, welche in dreifacher 
Entfernung eine Fläche ebenso beleuchtet, wie eine zweite in einfacher, ist neunmal 
so intensiv, als diese. Für sehr starke Lichtquellen wird die Anwendung dieser 


1) Ann. de chim. et phys. VI. G. S. 342. Ref. in dieser Zeitschr. 1886. S. 143. 


Siebenter Jahrgang- ^V^nl 1887. Grobse, Photometeb. 133 

Methode nicht nur unbequem, sondern auch ungenau wegen des Einflusses der Ab- 
sorption in der Luft, die schneller zunimmt, als die Entfernungen wachsen. Das 
Bunsen'sche Photometer beruht auf diesem Gesetz, ebenso z. B. das in England 
viel gebrauchte Rumford'sche^). Bei diesem würde allerdings streng genommen 
ein zweites Gesetz bei Verschiebung der stärkeren Lichtquelle in Rechnung gezogen 
werden müssen. Die Stärke der Bestrahlung einer Fläche hängt nämlich wesent- 
lich ab von dem Winkel der Einstrahlung. Trifft das Licht eine Fläche von be- 
stimmter Grösse oder wird es von einer leuchtenden Fläche von bestimmter Grösse 
ausgestrahlt, so wird die Beleuchtung um so schwächer, je kleiner der Winkel der 
Fläche mit den auffallenden bezw. austretenden Strahlen wird. Bezeichnet J die 
Stärke der Beleuchtung für senkrechtes Ausstrahlen oder Auffallen der Strahlen, 
und ist a der Äugehörige Strahlungswinkel, so ist die thatsächlich unter solchen 
Umständen stattfindende Stärke der Ein- oder Ausstrahlung gleich Jcosa. Die 
Begründung dieser beiden photometrischen Grundgesetze ist eine sehr einfache und 
findet sich in jedem Lehrbuche der Physik; zur praktischen Anwendung ist das 
letztere Gesetz jedoch wenig geeignet. Dieser Umstand hat bald dazu geführt, 
andere Mittel zur Schwächung des Lichtes oft in Verbindung mit dem ersten Ge- 
setz anzuwenden. Zunächst kann bei starken Quellen durch Anwendung von Linsen 
(Convexlinsen) das von der stärkeren Quelle kommende Licht in bestimmter Weise 
zerstreut imd über eine grössere Fläche ausgebreitet werden. Die Schwächung wird 
dann angenähert gemessen durch das Quadrat des Verhältnisses der Entfernungen 
von Bild und Object. Schwierig würde die Berücksichtigung der durch die Linse 
selbst verursachten Schwächung sein (Reflexion und Absorption). Von Pfaundler 
wurde vorgeschlagen und von Guthrie, Napoli und Hammerl^) versucht die An- 
wendung rotirender Scheiben. In diese werden Ausschnitte gemacht und durch 
vorher berechnete wechselnde Winkelgrösse derselben (vom Mittelpunkte aus ge- 
rechnet) oder durch Combination zweier Scheiben mit bestimmtem Ausschnittswinkel 
lässt sich die Grösse der Schwächung in Rechnung ziehen. Die von Hammerl an- 
gegebenen Versuchsreihen weisen gute Resultate auf, doch erscheint für die Tech- 
nik die Anbringung eines besonderen Rotationsmechanismus reichlich umständlich. 
Es wurde daher die Einschaltung fester, feiner Drahtnetze in den Gang der Strahlen 
vorgeschlagen, deren Schwächungscoefficient mit dem Mikroskop bestimmt wird. Nach 
einer Untersuchung von Langley^) sind jedoch hier Beugungserscheinungen mit im 
Spiel, deren Vorhandensein Rechnung und Beobachtung bedeutend complicirt. Der 
Vorschlag von Crova, dui'ch Verminderung der wirksamen Oeffnung eingeschalteter 
Objective messbare Schwächung zu erreichen, scheint nur in Stemphotometern zur 
Anwendung gekommen zu sein, während der auf ähnlichem Princip beruhende Vi e r- 
ordt'sche Spalt in Absorptionsphotometem namentlich eine wesentliche Rolle spielt. 
Die bereits von Zöllner in seinem Photometer und auch sonst vielfach zur Schwächung 
des Lichtes benutzten Rauchgläser können namentlich da wohl zur Anwendung kommen, 
wo es sich um Ausgleichung einer an der anderen Quelle vorgenommenen Schwächung 
handelt; jedoch eignen sie sich ebensowenig, wie andere absorbirende Medien (Hom- 
plattenphotometer) als Grundlage für directe photometrische Messungen. 


1) EL Zeitßchr. 4. 136. W. Thomson. Deutsche Beobachter halten es für ausgemacht, 
dass namentlich die Verschiedenheit der Färbung in den Lichtquellen beim Bunsen'schen Photo- 
meter weniger störend sei als bei irgend einem anderen , wogegen man nach Thomson (s. o.) dem 
Kumford'schen Schattenphotometer in England aus demselben Grunde den Vorzug zu geben scheint. 
— 3) Elektr. Zeitschr. 4; 262. — ») Diese Zeitschr. 1886. S. 30. 


134 Grosse, Photometkr. Zritbchkift tüh iKSTRüinBirrsincüKbB. 


Ganz anders steht es mit den Polarisationsprismen, die in Photometem sich 
immer steigender AnwendungsfUhigkeit erfreuen dürften. Der EinÜuss der Reflexion 
und Absorption zunächst lässt sich durch symmetrischen Aufbau der Photometer 
eliminiren. Sollte das nicht ganz möglich sein, so sind vielleicht die Messungen 
und Berechnungen in der Abhandlung des Verfassers „üeber Polarisationsprismen 
mit besonderer Berücksichtigung ihrer Anwendung in Photometern** ^) von Nutzen. 
Abgesehen hiervon^) bieten diese Prismen, besonders einige Formen derselben, ein 
hinlänglich genaues Mittel, als Grundlage bei der Berechnung der Stärke der 
Schwächung zu dienen, und zwar durch einfache Drehung um ihre Längsaxe. Eine 
kurze Betrachtung möge den hier angedeuteten Zusammenhang für die dem Gegen- 
stande ferner stehenden Leser näher präcisiren. Prismen aus Kalkspath (besonders 
häufig in Island, aber auch in Ändreasberg gefunden) bieten das bequemste und 
beste Mittel dar, aus natürlichem Lichte polarisirtes zu erhalten, d. h. solches, in 
welchem die senkrecht zur Strahlenrichtung vor sich gehenden Schwingungen der 
Aethertheilchen nicht mehr in allen durch den Strahl gelegten Ebenen, sondern 
nur in einer bestimmten, der Schwingungsebene, vor sich gehen. Alle Krystalle, 
mit Ausnahme derer des regulären Systems würden dasselbe leisten wie der Kalk- 
spath, doch wird fast ausschliesslich dieser benutzt wegen seiner Reinheit und der 
Grösse der Stücke^), in denen er gefunden wird. Er krystallisirt in Rhomboödern 
und die Verbindungslinie der beiden stumpfen Ecken desselben, oder eine ihr paral- 
lele Richtung ist in optischer Beziehung von besonderer Wichtigkeit; während 
nämlich ein in jeder anderen Richtung durchgehender Strahl sich in zwei theilt, 
ist diese hiervon ausgenommen. Sieht man demnach durch eine planparallele Platte 
dieses Krystalles nach einem Object, so sieht man von demselben im Allgemeinen zwei 
Bilder, das eine in der Richtung desselben, das andere so verschoben, dass es um 
das erste feste einen Kreis beschreibt, wenn die Platte vor dem Auge um die 
Strahlenriohtung als Axe gedreht wird. Betrachtet man beide Bilder durch eine 
zweite Platte, so würde man im Allgemeinen zwei Bilder erhalten, jedoch von 
wechselnder Helligkeit, wenn man eine der Platten dreht. In zwei durch eine 
Vierteldrehung unterschiedenen Lagen wird man nur noch zwei Bilder sehen, während 
die beiden anderen dunkler geworden und schliesslich verschwunden sind. Dieses 
Versch^dnden der Bilder nun erfolgt nach einem einfachen Gesetz. Von den beiden 
durch die erste Platte erzeugten Bildern ist nämlich das erste auf der Netzhaut 
erzeugt durch Strahlen, welche senkrecht zum Hauptschnitt, d. h. zu der durch 
Einfallsloth und Hauptaxe bestimmten Ebene, das zweite aber durch ausserordent- 
liche Wellen, deren zugehörige Aethertheilchen in dem Hauptschnitt ihre Schwin- 
gungen vollführen. Beide Bilder bilden gegen das Auge einen bestimmten, auch 
im günstigsten Falle (wenn die Platte parallel zur Hauptaxe geschnitten ist) nur 
wenige Grade umfassenden Winkel und liegen daher bei geringer Entfernung des 
Objectes theilweise übereinander. Dieses würde aber sehr störend sein, da man 
ja im Gesichtsfeld nur Schwingungen einer bestimmten Art haben will und es war 
daher ein grosser Fortschritt, als Nicol vor etwa 50 Jahren die Construction des 
nach ihm benannten Prismas angab, in welchem der ordentliche Strahl durch Total- 


^) 18b7. Clausthal, Grosse*sche Biichh. M. 1,(50. — 2) F. Lippich, Prag. Ueber pola- 
ristrobometrische Methoden. Aus dem LXXXV. Bd. der Sitziingsber. der Kais. Akad. der 
Wisscusch. 18^2. S. 2G0. — *•) Das grösste und reinste (von Tisley und Spill er angefertigte) 
Nicorsehe Prisma, welches von seinem Besitzer S))otti6woodo 187C in London ausgestellt 
wurde, hat i) cm im Durchmesser. 


Siebenter Jahrgang- April 1887. Grosbe, Photometeb. 135 

rcflexion völlig aus dem Gesichtsfelde geschafft wird. Auf dem Nicorschen Princip 
beruhen eine grosse Anzahl anderer Prismenformen, während die älteren nur eine 
möglichst grosse Trennung der beiden Strahlencomplexe bezwecken. Da es keine 
Form giebt, welche bei verhältnissmässig geringem Materialaufwand zugleich den 
Vortheil eines grossen Gesichtsfeldes, reiner Bilder und grosser Lichtstärke dar- 
bietet, so muss sich die Wahl der Prismenform nach einer oder mehreren der von 
ihr in jedem vorliegenden Falle zu erfüllenden Bedingungen richten. Hierbei sucht 
die oben citirte Abhandlung des Verfassers dem praktischen Optiker an die Hand 
zu gehen. — Malus und Wild haben nachgewiesen, dass abgesehen von Licht- 
verlusten durch Reflexion und Absorption die Gesammtintensität des auffallenden 
Lichtes sich völlig gleich auf beide Bilder vertheilt, so dass im günstigsten Falle 
die aus einem derartigen Prisma austretende Lichtmenge 30 bis 40% betragen wird. 
Denkißn wir uns nun eine leuchtende Fläche, durch ein NicoFsches Prisma be- 
obachtet, so erhält das Auge von ihr nur Strahlen, deren Aethertheilchen in einer 
bestimmten Richtung (im Hauptschnitt) ihre Schwingungen vollführen. Dann wird 
die Intensität des den Schwingungen entsprechenden Lichtes gemessen durch das 
Quadrat der Schwingungsamplitude a. Wird dann zwischen dieses erste Prisma 
und das Auge ein zweites eingeschoben, so wird es von der Lage seines Haupt- 
schnittes abhängen, ob diese ganze Schwingung, ein Theil derselben oder gar nichts 
hindurchgehen kann. Liegen beide Prismen völlig gleich, was sich äusserlich an 
der Lage der Schnitte erkennen lässt, so geht alles Licht hindurch. Bilden da- 
gegen die Hauptschnitte den Winkel 9 miteinander, so wird die Schwingungsam- 
plitude des austretenden Lichtes nur noch gleich a cos 9 sein. Da die Intensität 
proportional dem Quadrate der Amplitude ist, so wird ihr jetziger Werth auch 
nur noch Jcos^^ sein, wenn ihr ursprtlnglicher mit .7 bezeichnet wird. Demnach 
ist mit einer solchen Prismencombination und einer Ablese Vorrichtung für den Drehungs- 
winkel die Aufgabe lösbar, zwei an und für sich verschieden starke Lichtquellen 
gleicher Färbung für die Wahrnehmung gleich zu machen, ohne sie vom ursprüng- 
lichen festen Standpunkte zu entfernen, und nachher durch einfache Rechnung das 
wahre Verhältniss ihrer Intensitäten zu berechnen. 

Zenker hat in dieser Zeitschrift^) darauf hingewiesen, dass sich durch 
Combination mehrerer NicoFscher Prismen die Empfindlichkeit der Methode und 
damit die Genauigkeit der Messung bedeutend steigern lässt. Je nachdem man 
sehr starke Lichtquellen (z. B. elektrisches oder Magnesium-Licht) oder schwächere 
zu vergleichen wünscht, würde eine andere Combination anzuwenden sein, die sich 
durch einfache Betrachtungen bestimmen lässt. 

Wir besitzen nun bereits eine Reihe von Photometern, die auf dem Princip 
der Polarisation beruhen, das eine mag für diesen, das andere für jenen Zweck 
vortheilhafter im Gebrauch sein. Alle aber leiden an dem schon vorher erwähnten 
Mangel, den sie freilich mit den früheren Formen gemein haben, der aber weniger 
den Methoden selbst als der Unvollkommenheit unseres Sehorganes zuzuschreiben 
ist. Denn stets soll ja das Auge beurtheilen, ob die Gleichheit der Beleuchtung 
zweier verschiedener gleichzeitig gesehener Flächen oder der Lichtstärke zweier 
verschiedener Quellen eingetreten ist, und dieser Moment soll im Apparate fixirt 
werden. Beurtheilt wird diese Gleichheit durch das Auge. Bei der Bunsen'schen 
Methode zunächst wird gewöhnlich durch reflectirende stark geneigte Spiegel die 
Einrichtung getroffen, dass das Auge gleichzeitig die beiden beleuchteten Flächen 

i) 1884. S. 83. 


136 Grosse, Photometer. Zeitschrift vOb, Isstrumcntbmkükdb. 

überblickt. Die Lichtempfindungen werden zu den Nervencentren geleitet und im 
Bewusstsein vollzieht sich der Vorgang der Vergleichung. Setzen wir nun aber 
voraus, dass beide Flächen nicht genau dieselbe Färbung besitzen, was meistens 
der Fall ist, so wird durch diesen Umstand die Beurtheilung der Gleichheit 
in der Lichtstärke ausserordentlich erschwert und zwar um so mehr, je grösiser 
der Farbenunterschied ist, der sich physiologisch nicht völlig von dem Hellig- 
keitsunterschiede trennen lässt. Soll die Färbung beider Flächen gleich sein, 
so muss diese einerseits im reflectirten Sonnenlicht oder im homogenen Licht iden- 
tisch, andererseits aber noch die Bedingung erfüllt sein, dass die spectrale Zu- 
sammensetzung der zu vergleichenden Lichtquellen eine gleiche ist. Diese Bedin- 
gungen werden fast nie vollständig erfüllt sein können, was auch wohl für die 
Praxis nicht streng erforderlich ist, Wybauw^) schlug zuerst vor, die verschiedene 
Färbung zweier zu vergleichenden Lichtquellen dadurch theilweise auszugleichen, 
dass ein messbarer Bruchtheil der stärkeren Flamme auf die von der schwächeren 
beleuchtete Fläche geworfen wird. Krüss hat für dieses „Compensationsphoto- 
meter", dessen Form er noch etwas änderte, die mathematischen Beziehungen ab- 
geleitet. 2) Da diese aber für praktische Arbeiten zu complicirt sind, so werden 
einige Vernachlässigungen gemacht, in Folge deren sich die Berechnung so ein- 
fach gestaltet, dass das Verhältniss der Quadrate der Entfernungen beider Licht- 
quellen von dem Schirm nur noch mit einem für jedes Arrangement constanten 
Factor K multiplicirt zu werden braucht. Jedoch ist man dann in der Anordnung 
der Versuche gewissen Beschränkungen unterworfen, vor allem darin, dass die 
Compensation nicht beliebig weit getrieben werden kann. Jedenfalls wird die Idee, 
die Verschiedenheit der Färbungen in messbarer Weise zu compensiren, der Technik 
wichtige Dienste leisten können und gerade auf diesen Punkt glaubt der Verfasser 
bei Construction seines Photometeri? besonderen Werth legen zu müssen. Vier- 
ordt^) und Zöllner*) haben, um eine annähernde Identität der Färbung herzu- 
stellen, bei ihren Photometem die Anwendung von Rauchgläsern versucht, die eine 
gleichmässige Schwächung der verschiedenen Strahlen bewirken. Es muss dann 
allerdings die Absorptionsconstante derselben sehr genau bestimmt werden, immer- 
hin bleibt aber discutabel und subjectiv die Entscheidung, ob nun wirklich die 
Strahlen identische Zusammensetzung haben, wenn nicht geradezu, wovon später 
die Rede sein wird, ein Spectrum entworfen ist und nur correspondirende Elemente 
desselben verglichen werden. Nach den Untersuchungen Trannin's^) kommt noch 
Folgendes hinzu. Es giebt für jede Strahlengattung, für jede Intensität und für 
jedes beobachtende Auge einen Punkt, der dem Maximum der Genauigkeit einer 
Messung entspricht. Da nun die Rauchgläser sowohl die Strahlengattung, als auch 
die Intensität der einen Lichtquelle modificiren, die der anderen aber unverändert 
bleibt, oder in anderer Weise modificirt ist, so ist damit eine ungleiche Abweichung 
von dem Punkte des Maximums der Genauigkeit involvirt. — Das Auge ist also 
zur Vergleichung der Intensität zweier Quellen nur im Stande, wenn das Licht 
weiss oder die spectrale Zusammensetzung identisch ist. Zui* vollständigen Lösung 
einer photometrischen Aufgabe müsste man bestimmen können nach Trannin: 


1) Mösure et röpartition de röclairement. Bull, de la Soc. beige öloctr. IL, 78. 1886. 
— 2) Elektrot. Photometrie. S. 76. — ») Pogg. Ann. Bd. 140. (1870). S. 172. V. giebt hier auch 
Tabellen für die Absorption grüner Rauchgläser. Für die Kritik der Vicrordt'schen Methode vgl. 
Glan. VofTfr. Ann. N. F. 1. 0877). S. 3öl. — *) Zöllner, Cj esammelte Werke. — *) Mösures photo- 
nuUriciues dans les difFi'rcntcs rcgions du spectre. Journal de Phys. t. V. S. 297. (1876). 


Siebenter Jfthrgug. April 1887. Gbossb, Photomxter. 137 


1) Die Intensität der für jede Strahlung im Gesichtssinn auftretenden Em- 

pfindung als Function ihrer lebendigen Kraft und ihrer Wellenlänge. 

2) Die Intensität derGesammtempfindung, welche sich aus Theilempfindungen 

zusammensetzt, die verschiedenen Strahlengattungen zukommen. 

Das sind aber bisher von der Physiologie noch nicht gelöste Probleme und 
man muss sich daher darauf beschränken, bei verschiedenen Lichtquellen die In- 
tensität von Strahlen bestimmter Wellenlänge zu vergleichen, sobald man wissen- 
schaftlich brauchbare Resultate haben will. Mit Berücksichtigung dieses Umstandes 
sind nun Spectrophotometer construirt, die im Wesentlichen Spectrometer mit ein- 
geschalteten Polarisationsprismen sind. Sie zerfallen aber in zwei Gruppen durch 
die Einrichtung, welche im Apparat getroffen ist, um dem beobachtenden Auge 
die Beurtheilung der Gleichheit zu erleichtem und dadurch die Genauigkeit der 
Messung zu erhöhen. . Für jede Gruppe findet sich in Deutschland und Frankreich 
je eine gebräuchliche Form, auf deren Betrachtung wir uns beschränken möchten. 

In Deutschland sind das von Wild und Gl an, in Frankreich das von Tr annin 
und Crova die wichtigsten. Von den übrigen wäre wohl historisch das Zöllner'- 
sche noch besonders erwähnenswerth. Zöllner, der übrigens der erste war, welcher 
das Cosinusgesetz zu photometrischen Zwecken benutzte, construirte für seine astro- 
photometrischen Zwecke zwei Formen, die eine, um lediglich die Intensität des 
Sonnen- und Mondlichtes zu vergleichen, die andere, um im Fadenkreuz des Tele- 
skopes punktförmig erscheinende Gestirne photometrisch vergleichen zu können. Im 
ersten Falle werden die beiden Flächen durch Drehung der Polarisationsebene auf 
gleiche Intensität gebracht xmd unmittelbar nebeneinander verglichen, jedoch mit 
Hilfe einer dritten Lichtquelle, auf welche die Maasseinheit bezogen ist. Diese 
bestand anfangs aus einer Gasflamme von constanter, mittels Fernrohr und Faden- 
kreuz verglichener Höhe, später aus einer Petroleumlampe mit glattem Docht, deren 
gelbes Licht durch Kobaltglas auf weisse Farbe gebracht wurde.*) Dabei kamen 
noch besondere Rauchgläser zur Anwendung, um die Intensität des starken Sonnen- 
lichtes mildern zu können, natürlich in einem vorher wiederum photometrisch be- 
stimmten Verhältniss. Besser freilich lässt sich dieser Zweck wohl durch bestimmt 
gemessene Drehungen eingeschalteter Polarisationsprismen erreichen, da dann nicht 
nur die quantitative Messung genauer sein kann, sondern auch die qualitative Ver- 
änderung des Lichtes weniger stark ist. Das Licht der senkrecht zum Tubus be- 
findlichen Hilfsflamme ist dabei durch zwei Spiegel, deren letzterer das Gesichts- 
feld scharf halbirt und zugleich das Licht unter dem Brewst er 'sehen Winkel 
polarisirt in die Axe des Tubus reflectirt, während die andere Hälfte des Gesichts- 
feldes durch das Licht der zu vergleichenden leuchtenden Fläche ausgefüllt ist. 
Wir werden später sehen, dass in den übrigen Photometern, in denen man Pola- 
risation durch Spiegelung wegen der dadurch bedingten Fehlerquellen vermieden 
^hat, die Erzielung einer scharfen Trennungslinie*) der beiden zu vergleichenden 
Flächen ungleich mehr Schwierigkeit bietet, dass aber dort auch die Beurtheilung 
der Gleichheit meistens an und für sich eine exactere ist, da man nur Licht von 
annäiiemd derselben Wellenlänge vergleicht. 

Bei dem zweiten Astrophotometer, welches direct am Teleskop befestigt ist, 
wird das im Brennpunkt des Teleskopes befindliche punktförmige Sternenbild mit 

1) lieber Normal- und Vergleichslichtquellen ygl. Krüss, die elektrotechnische Photometrie. 
(Hartleben, Bd. XXXII.) — «) Diese Berührung der beleuchteten Flächen in einer Linie fand bereits 
in dem Foucau1t*schen Photometer statt. 


138 Gbosse, Photomster. ZBirsoHitnrr vOr Ikbtbukbmtshkusdb- 

den beiden von der Vergleichslämpe gelieferten, von der Vorder- und Rückseite 
eines Spiegels reflectirten, symmetrisch zum Hauptbilde liegenden Bildern ver- 
glichen, nachdem auch ihr Licht in dem Brennpunkt einer Linse punktförmig ge- 
sammelt und durch ein Nicol polarisirt ist. In dem Tubus des Femrohres befindet 
sich als Polarisator, ebensowohl wie im Ocular als Analysator, ebenfalls ein Nicol. — 
Jedenfalls würde vorzuziehen sein, auch im ersten Falle von der Polarisation durch 
Spiegelung abzusehen, da der in Folge der Abweichung der Polarisationsebenen 
der verschiedenen, auf die Spiegel fallenden Strahlen, von der Hauptpolarisations- 
ebene bedingte Fehler doch ziemlich bedeutend sein dürfte und ausserdem Gerad- 
sicht unter allen Umständen vorzuziehen ist. Für Polarisation und Ablenkung um 
90*^ des Lichtes der Hilfsquelle würde sich besonders ein Dove'sches Prisma eignen. 

Da dieses, in meiner bereits citirten Abhandlung ausführlicher besprochene 
Polarisationsprisma nur wenig bekannt ist (angefertigt ist es zuei*st von Herrn Lang- 
hoff in Berlin), so dürften darüber einige Worte hier am Platze sein. Es wurde 
von H. W. Dove 1864^) in Vorschlag gebracht und ist ein gleichschenklig recht- 
winkliges Prisma von Kalkspath, bei welchem die eine Kathetenfläche senkrecht, 
die andere parallel zur Hauptaxe liegt, so dass die Hypotenusenfläche sehr nahe 
mit der Spaltfläche des Rhomboöders zusammenfällt (nach Naumann ist der Winkel 
der Spaltfläche mit der Hauptaxe 45*^ 25' 22"). Für Geradsicht bietet das Prisma 
besonderen Vortheil bei Versuchen über strahlende Wärme, da es der empfind- 
lichen Kittschicht entbehrt; auch als fester Polarisator ist es zu empfehlen wegen 
seiner Lichtstärke und Billigkeit. Es ist, da das Prisma für Geradsicht einen un- 
brauchbaren Flankentheil hat, die Möglichkeit geboten, aus einem rechtwinkligen 
Kalkspathprisma, welches in der angegebenen Weise geschnitten ist, zwei brauch- 
bare Dove'sche Prismen zu erhalten, eines für Geradsicht, das andere mit Ab- 
lenkung von 90*^, für das sich in der Folge noch mehrere Anwendungen bieten 
werden. Die Hypotenuse gleich 100 gesetzt, beträgt die Höhe des ersten 26,43, 
die des zweiten 23,57. 

Die vier oben erwähnten Formen sind im Gegensatz zu dem Zöllner'schen Photo- 
meter mehr für terrestrische Intensität»- und Absorptions-Bestimmungen geeignet. Für 
ersteren Zweck werden die einzelnen spectralen Theile verschiedener Lichtquellen ver- 
glichen und, wenn man will, die Intensitäten graphisch über dem Spectrum auf- 
getragen. Die Flächen dieser graphischen Zeichnungen würden ein Bild von dem 
Verhältniss der Intensitäten geben. Im anderen Falle wird die Abhängigkeit der 
Absorption gefärbter Lösungen von der Dicke und Concentration der Schicht 
und die Uebereinstimmung mit der Theorie ebenfalls auf graphischem und rech- 
nungsmässigem Wege bestimmt. Endlich aber können, wie Crova gethan hat^), 
hohe Temperaturen mittels des Photometers bestimmt werden. Er sagt darüber 
etwa Folgendes: Zwei feste oder flüssige Körper j,ayant meme pauvair dürradiation** 
haben gleiche Temperaturen, wenn» ihre Spectra in der ganzen Ausdehnung identisch 
sind, d, h. wenn die Intensitäten aller Strahlen, welche sie zusammensetzen, streng 
gleich sind. Sind für eine angenommene Wellenlänge X der beiden betrachteten Quellen 
die Intensitäten gleich und etwa durch die Zahl 1000 ausgedrückt, so ist für eine 
andere Wellenlänge X diese Zahl grösser oder kleiner. Das Verhältniss dieser Zahlen 
betrachtet Crova dann als das Verhältniss der Temperaturen. In seinen Unter- 
suchungen nimmt er die B- und ^-Linie. (X = 673»* bzw. 523»*). 

1) Pogg. Ann. Bd. 122. S. 18. 456. — 2) Ann. do Chim. et de Pys. V. 22. ß. 538. M^- 
sure spectropbotom^trique des hautes teinpöratures par M. A. Crova. 


Siebenter Jelufuig. April 1887. GrOBBS, Photombtkr. 139 

Für die jetzt zu betrachtenden Photometer sind wichtig der Govi'sche und 
der Vier or dt 'sehe Spalt. Ersterer dient dazu^ von den durch das Zerstreuungs- 
prisma entworfenen Spectren nur die zur Betrachtung kommenden und einer be- 
stimmten Wellenlänge entsprechenden Theile auszuscheiden. 

Vierordt^) geht von der nur in sehr engen Grenzen und auch dann nur 
annähernd geltenden inversen Proportionalität von Intensität und Breite des Spaltes^) 
aus und modificirt demgemäss den Spalt des Spectralapparates in der Weise, dass 
derselbe genau halbirt und nur der eine Rand beiden Hälften gemeinsam ist, während 
der andere von zwei beweglichen Platten, einer oberen und einer unteren, gebildet 
wird. Die Intensitätsgleichheit wird dann durch Verstellen des Spaltes hergestellt. 
Sind die Intensitätsdifferenzen aber einigennaassen gross, wie es schon bei manchen 
stark absorbirenden Mitteln vorkommt, so wird nicht nur die Beurtheilung sehr 
wenig exact , sondern auch das Spectrum wegen der Breite des Spaltes unrein. In 
diesem Falle macht Vierordt von Rauchgläsern Gebrauch, die er in den Weg des 
direct gesehenen Lichtes stellt und deren Absorptionsconstanten vorher bestimmt 
sein müssen. 

Das Photometer Wild's^) gründet sich auf die Thatsache, dass gleiche Quan- 
titäten senkrecht zu einander polarisirten Lichtes, sobald sie nicht aus einem ein- 
zigen, nach einer Zwischenrichtung ganz oder theilweise polarisirten Strahlenbündel 
entstanden sind, nach ihrer Mischung sich verhalten, wie natürliches Licht. Mittels 
eines Polariskopes, welches nur im natürlichen Lichte farblos ist, im polarisirten 
Lichte dagegen Interferenzfarben zeigt, lässt sich also die durch Drehung ent- 
sprechend angebrachter Polarisationsprismen bewirkte Gleichheit zweier Bündel 
untersuchen und erkennen. Es mag hier gleich bemerkt werden, dass dies letztere 
doch nicht so leicht ist. Die Fixirung dieses Verschwindungspunktes der Interfe- 
renzfransen erfordert nicht nur grosse Geübtheit und Aufmerksamkeit des Be- 
obachters, sondern ermüdet auch die Retina des Auges derart, dass subjective 
Täuschungen bei längerer Dauer der Beobachtung nicht ausgeschlossen sind. Die 
Genauigkeit ist nach Wild Y500 bis Yiooo.*) Das Princip findet sich ausser von Wild 
noch angewendet von G. Krech (Progr. des Louisenstädtischen Gymnasiums 1883) 
zur Bestimmung der Abhängigkeit der Absorption von der Dicke der Schicht; 
ferner von W. Möller bei der photometrischen Untersuchung von Glühlampen 
verschiedener Systeme. Ich setze hier die Bekanntschaft mit dem Apparate, für 
welchen die Umwandlung in ein Spectrophotometer^) vorgesehen ist, voraus. Das 
unverkürzte Dove'sche Prisma würde sich hier dazu eignen, an Stelle der beiden 
mittleren, in den würfelförmigen Kasten, am hinteren Ende des Photometers ein- 
gefügten, rechtwinkligen Glasprismen, benutzt zu werden. Hier wird dann der 
darauf folgende Polarisator überflüssig. Dann müsste natürlich eine Drehung des 
Analysators erfolgen können. Auch die Mischung der beiden senkrecht zu ein- 

1) Pogg. Ann. Bd. 140. (1870). S. 172. Messung der Lichtabsorption durchsichtiger Medien 
mittels des Spectralapparates. — *) Krüss hat einen Doppelspalt mit symmetrischer Bewegung der 
Schneiden construirt, während diese bei Vierordt unsymmetrisch zur optischen Axe stattfindet, wo- 
durch unter Umständen erhebliche Fehler involvirt werden können, die von Vierordt praktisch, 
von Dietrich theoretisch festgestellt sind. — 8) Pogg.' Ann. Bd. 198. S. 193. (1863). — *) Die ab- 
solute Genauigkeit kann nie so gross sein, da Untersuchungen über die Unterschiedsempfindlich- 
keit des Auges gezeigt haben, dass das Maximum derselben (nach v. Helmholtz) 1/167 *" hellen 
Sommertagen und nur 1/150 bei directer Sonnenbeleuchtung ist. — ^) Uebcr die Umwandlung meines 
Photometers in ein Spectrophotometer von H. Wild (März 1883> Hier findet sich auch eine photo- 
graphische Abbildung des Apparates. (In den M^langes physiques et chimiques. XI). 


140 GrOBSE, PrOTOXETBR. ZrITBCHRIFT rÜF IiriTRÜMKNTKSKUVDB. 


ander polarisirten Bündel, welche bei Wild durch ein von parallelen Wänden be- 
grenztes Kalkspathrhomboöder erfolgt, liesse sich durch eine andere Combination 
ersetzen. Da jedoch die exacten Untersuchungen Wild's tlber das Gesetz, nach 
welchem sich ein vollständig polarisirter Lichtstrahl beim Durchgang in einen 
gewöhnlich und ungewöhnlich gebrochenen Strahl theilt, nur für eine von parallelen 
Flächen begrenzte Kry stallplatte gelten, so würde diese allerdings einfache Com- 
bination nicht ganz sichre, jedoch für die Praxis ausreichende Resultate geben. 
Jedenfalls wäre es zur Erhöhung der Klarheit und Reinheit der Bilder wünschens- 
werth, die grosse Reihe der vom Lichte zu durchsetzenden Mittel einzuschränken, 
wozu das Dove'ache Prisma eben Veranlassung geben kann. 

Die Trannin'sche *) Methode nähert sich der vorigen in Bezug auf das Mittel, 
dem Auge einen sicheren Anhaltspunkt zur Beurtheilung der eingetretenen Inten- 
BitätHglolcliheit zu geben, der Qlan'schen*) aber in Bezug auf die Art und Weise, 
die theilweisü Uebereinanderlagerung der von den verschiedenen Quellen entwor- 
fenen Spcctra durch ein doppeltbrechendes Prisma zu erzielen. Gerade der letztere 
UiUHtaiul giebt dem Trannin'schen Photometer einen entschiedenen Vorzug vor dem 
Wild'Mclien, denn die Mischung der beiden Strahlengattungen bei Wild erfordert 
eine praktisch sehr umständliche Anordnung der Theile und ist nur für einen sehr 
Hchmal(5n Streifen möglich. Ausserdem involvirt sie die Einfügung der vier recht- 
winkligen Glasprismen, um eine unmittelbare Berührung der Bilder zu erzielen. 
Die Reihenfolge der Theile ist demnach auch bei Trannin eine andere: 

Bei Wild: Polarisator, Spathrhomboßder, Doppelplatte, Analysator, Disper- 
sionsprisma. 

Bei Trannin: Polarisator (Foucault), Quarzplatte, WoUaston'sches Prisma, 
Analysator (Foucault), Dispersionsprisma. Die Strahlen sind hier, ehe sie auf den 
Polarisator gelangen, durch eine CoUimatorlinse parallel gemacht. 

Olan und Crova verzichten bei Construction ihrer Photometer auf die doppelt- 
brechende Platte, deren interferirende Wirkung dem Auge die Erkennung und 
Festhaltung des Momentes erleichtern soll, in welchem bei der Drehung des Po- 
larisationsprismas die Gleichheit der Bilder erreicht ist. In Bezug auf ihre Empfind- 
lichkeit sind beide Apparate, nebst einem Vorschlage zur Verbesserung, vergleichend 
besprochen von Dr. W. Zenker.*^) Der principielle Unterschied dieser Photometer 
liegt nicht in der Anordnung der Polarisationsprismen, durch welche ja die Em- 
pfindlichkeit bedingt ist, sondern in der Verschiedenheit der Methoden, durch welche 
die unmittelbare Berührung der spectralen, einander entsprechenden Theile hervor- 
gebracht wird. Eine solche Berührung ist aber für das Auge ein unbedingtes 
Erforderniss, wenn dasselbe mit der für wissenschaftliche Untersuchungen erforder- 
lichen Genauigkeit die Gleichheit der Litensität beurtheilen soll, welche eben dann 
eingetreten ist, wenn die beiden neben- bzw. übereinanderliegenden Spectra in 
eines verschmelzen. Crova hebt mit Recht hervor, dass diese Methode die Nerven 
ungleich weniger angreife als die andere, und da sie ausserdem die natürlichere 
ist und weniger Lichtverlust bedingt, so ist sie der früheren entschieden vorzuziehen. 
Wie wird nun aber diese unmittelbare Berührung der von zwei nicht in Berührung 
befindlichen Lichtquellen entworfenen Spectra am Besten und Einfachsten erreicht? 


1) M^sures pliotomötriques dans les diff^rentes r^gions du spectrc, par M. H. Trannin 
Journal de Pbys. t. V. S. 21)7. (1876). — S) Pogg. Ann. Neue Folge 1. S. 351. Ueber ein neues 
Photometer von Glan. — ^) Diese Zeitijchr. 1884. S. 83. 


Siebenter Jahrging. April 1887. Gbobbe, Photombtsb. 141 

Glan^) geht aus vom Vierordt'schen Spalt. Die beiden Hälften desselben 
trennt er durch einen parallelen schmalen Messingstreifen. Ein bewegbares und dreh- 
bares WoUaston'sches Prisma bringt dann das ordentliche Bild der einen und das 
ausserordentliche der anderen Spalthälfte zur Berührung. Diese Berührung findet 
aber wegen der im WoUaston'schen Prisma hervorgerufenen Dispersion für eine be- 
stimmte Stellung des Spaltes auch nur an einer bestimmten Stelle der Spectra statt. 
Bei Messungen müsste man also durch Längenänderung des mit dem Spalt ver- 
sehenen Collimatorfemrohres von Farbe zu Farbe einstellen. Da dies nicht nur ein 
sehr umständliches Verfahren ist, weil Verschiebungen von vielen Millimetern vorge- 
nommen werden müssen, sondern auch ein bei eigentlichen photometrischen Messungen 
fehlerhaftes, weil das dann anzubringende totalreflectirende Prisma, durch welches 
das Licht der zweiten Quelle in den Tubus des CoUimatorrohres geworfen wird, durch 
seine Ortsänderung die Constanz der Intensität dieser Quelle alterirt, so hat Gouy 
vorgeschlagen, diese successive Berührung der entsprechenden Theile der Spectra 
durch Verstellen eines statt der parallelen Messingplatte zwischen den Spalthälfton 
anzubringenden Messingkeiles zu erreichen. Ich habe (a. a. O.) gezeigt, dass man 
überhaupt die Dispersion vermeiden und also eine über die ganze Länge des Spectrums 
sich gleichzeitig erstreckende Berührung erzielen kann bei Anwendung eines in be- 
stimmter Weise angefertigten achromatischen Prismas statt des WoUaston'schen. — 
Noch eine andere im Versuch schwer zu rectificirende Fehlerquelle des Glan'schen 
Photometers, die ebenfalls die Anwendung des WoUaston' sehen Prismas mit sich 
bringt, wird von Ketteier und Pul fr ich gefunden. Das von Wild aufgestellte 
Gesetz über die Intensität der beiden Antheile eines Strahles gilt nämlich nur für 
vollkommene Durchsichtigkeit. Es ist also nicht ausgeschlossen und durch die oben 
erwähnten Versuche als sehr wahrscheinlich hingestellt, dass die Absorptionscoeffi- 
cienten des Kalkspathes für Strahlen von derselben Wellenlänge, wenn das Licht 
aus verschiedenen Quellen stammt oder die Wellen senkrecht zu einander polari- 
sirt sind, verschieden sind. Speciell vom mittleren Roth bis zum äussersten ergab 
sich, dass die obere Flammenpartie an den der Farbe entsprechenden längeren Wellen 
reicher war als die untere. Es kann dies auch daher rühren, dass eine Flamme 
nicht in allen ihren Querschnitten dieselbe spectrale Zusammensetzung und Inten- 
sität besitzt. Aber auch im Blau giebt es nach Crova*) Fehlerquellen, welche die 
Empfindlichkeit der Apparate vermindern: 

1) wegen der beträchtlichen Dispersion dieser Strahlen, 

2) wegen der Fluorescenz in den Prismen und Linsen, die über das ge- 

brochene Licht in dieser Gegend regelmässig ein diffuses Licht lagert, 

welches der Genauigkeit der Messung schadet^. 
Crova stellt daher die Messungen nur für die B- und JE?- Linie an, die fast 
complementär sind und daher für das Auge den Vortheil haben, dass nach Ab- 
stumpfung der Augennerven für die B- Linie die Empfindlichkeit gross ist für die 
JE?- Linie und umgekehrt. Ausserdem empfiehlt er -aus ähnlichen Gründen die An- 


') Pogg. Ann. 1877. Neue Folge I. S. 351. Theorie des Glan*schen Photometers nebst 
darnach gemachten Absorptionsbestimmungen findet sich in einer „Photometrische Untersuchungen* 
benannten Abhandlung von Ketteier und Pulfrich. Pogg. Ann. 1882. S. 337. — ^) Joum. de 
Phys. Bd. 8. 1875. Note sur les spectrom^tres. — 8) Hier mag die Bemerkung Platz finden , dass 
fiir Licht von verschiedener Wellenlänge die uns sonst unbekannte Function, durch welche die Ab- 
hängigkeit der Empfindungsstärke von der lebendigen Kraft der Aetherschwingungen bestimmt wird, 
jedenfalls verschieden ist. (Purkinje'sches Phänomen und Versuche von L. Weber.) 


142 


Grosse, Photometeb. 


ZErraCHMlT Fte IlVXBUMERTSXKinirDB. 


Wendung von Zerstreuangsprismcn in der Stellung der Minimalablenkung statt dsr 
häufig benutzten Combination ä vision directe. 

In einer Abhandlung „Etüde dßs observations des prismes et de leur influence 
sur les obserrations spectroscopiques" ^) sucht Crova durch theoretische Betrach- 
tungen die Bedingungen auf, welche für einen möglichst sicheren Gebrauch der 
Photometer erfüllt sein müssen und unter denen die Fehlerquellen der meisten 
dieser Instrumente vermieden werden. Zunächst sind wegen der im CoUimatorrohre 
zwischen Spalt und dispergirendem Prisma befindlichen Linse die im Spectrum dem 
Spalt entsprechenden Bilder gekrümmt. Weil femer die für das Minimum der Ab- 
lenkung geltende Formel nur für die im Hauptschnitt des Prismas liegenden Strahlen 
gilt, im übrigen aber modificirt ist, so ist die Krümmung der Streifen abhängig von 
der Brennweite der Linse und der Höhe des Spaltes und es ergiebt sich als For- 
derung: 1) Möglichst kurzer Spalt und ein Dispersionsprisma von geringer Höhe. 
2) Ein Collimator von grosser Brennweite und geringem Durchmesser, und ein Fem- 
rohr von grosser Brennweite. — Den im Glan'schen Photometer hervortretenden un- 
günstigen Umstand, dass die Nebeneinanderstellung der Spectra nur für eine be- 
schränkte Region stattfindet, kann man nach Crova vermeiden, wenn man vor die 
eine Hälfte des Spaltes ein total reflectirendes Prisma stellt und den trennenden 
Messingstreifen ganz fortlässt. Man muss dann allerdings den Spalt horizontal stellen, 
was wieder unbequem ist, da nun, um die verschiedenen Stellen des Spectrums ver- 
gleichen zu können, das Fernrohr in einer Verticalebene verschoben werden müsste 
und auch das Mikrometer von unten oder oben her schwer erhellt werden könnte. 
Ein noch schwerer wiegender Uebelstand würde aber sein, dass das auf das Prisma 
fallende geradlinig polarisirte Licht innerhalb desselben eine elliptische Polarisation 
erfahren würde, für welches die Cosinusformel nicht mehr die Intensität repräsen- 
tirt. Die Rechnung würde diesen Messungen schwer folgen können, da die Wellen- 
länge bei der elliptischen Polarisation als Variable auftritt. Zu bemerken ist, dass 
für Glas von Saint-Gobain (1,5) das rechtwinklige Prisma eine geringere ellip- 
tische Polarisation verursacht als das gleichseitige. 

Crova schlägt nun ein Doppelprisma vor, in welchem sich die Wirkung einer 
zweimaligen elliptischen Polarisation aufhebt. Construction und Wirkungsweise 
desselben sind aus Figur 1 ersichtlich. Es entsteht aus einem rechtwinkligen grossen 

Prisma durch Abschneiden des punktirten Theiles ahcdef, 
(Der Spalt ist 6 mm hoch, die Höhe des Prismas muss 
also nach der Bearbeitung 3 mm betragen.) Das Prisma 
dreht die Ebene der Polarisation um 90®, erfordert genau 
paralleles Licht, um eine scharfe Trennungslinie zu er- 
halten und eine sehr exacte Anfertigung in den Winkel- 
grössen seitens des Optikers. Was hier nun der vor dem 
Spalt befindliche Polarisator mit dem ganz geschickt er- 
sonnenen reflectirenden Prisma leistet, leistet das Dove' 
sehe Prisma für sich. Es polarisirt die Strahlen mit Ausschluss jeder elliptischen Po- 
larisation geradlinig, wirft die Strahlen der seitlich stehenden Lichtquelle in den 
Tubus des Collimators und giebt endlich eine genaue Berührungslinie beider Spectra. 
Zenker*) vergleicht das Crova'sche mit dem Glan'schen Photometer in Be- 
zug auf ihre Empfindlichkeit. Diese ist um so grösser, je grösser bei gleicher re- 



Fig. 1. 


»j AnnalcB^de Chim. et de Phys/^Sdr. 5. t. XXII. 1881, — «) Diese Zeitschrift 1884. S. 83. 


Siebeotei Jahrgang. April 1887. Grosse, Photometsb. 143 


lativer Veränderxmg der Intensität die erforderliche Drehung des beweglichen Prismas 
ist und hängt daher lediglich ab von der Anordnung der Prismen in den Appa- 
raten. Es zeigt sich., dass allerdings abnehmend mit grösseren Differenzen der 
Intensitäten der zu vergleichenden Lichtquellen unter allen Umständen das Photo- 
meter von Crova empfindlicher ist als das von Glan. Jedoch kann selbst die Em- 
pfindlichkeit des Crova'schen Apparates, der auch dadurch bevorzugt erscheint, 
dass die Intensität der schwächeren Quelle gar nicht alterirt wird, noch dadurch 
bedeutend erhöht werden, dass in der seitlichen Ansatzröhre statt zweier NicoF- 
schen Prismen drei angebracht werden, von denen nur das mittelste drehbar ist. 
Auch eine constante Abschwächung der stärkeren Lichtquelle erscheint praktischer 
erreicht zu werden durch derartige Combinationen von Polarisationsprismen als 
durch Rauchgläser. Hier würde namentlich das Dove'sche Prisma für Geradsicht 
wieder anwendbar sein, wobei die spiegelnde Wirkung und dadurch bedingte Ver- 
tauschung des Links und Rechts in den Bildern compensirt wird durch ein zweites 
Dove'sches Prisma, das in derselben Lage wie jenes, hinter demselben aufgestellt 
wird. Durch zwei solche hinter einander aufgestellten Dove'schen Prismen lässt 
sich eine vollkommene Geradsicht bei noch grösserer Divergenz der ordentlichen 
und ausserordentlichen Strahlen bewirken. Eine Drehung derselben ist aber, wo 
es, wie hier, auf Messungen ankommt, wegen der dadurch bedingten elliptischen 
Polarisation des Lichtes (abgesehen von der störenden Drehung des Bildes) nicht 
rathsam. 

Das rechtwinklige Dove'sche Prisma erscheint demnach besonders geeignet, 
in den Photometern benutzt zu werden, auch da besonders, wo bisher Reflexions- 
prismen aus Glas benutzt wurden. Das verkürzte Dove'sche Prisma für Geradsicht 
würde sich aber als Polarisator eignen, besonders für die mit einem Spalt ver- 
sehenen Apparate, weil sich stets eine Einstelluiig bewirken lässt, für welche die 
aus dem Spalt auf das Nicol fallenden Strahlen gar keine Ablenkung erfahren. 
Auch kann (Crova's Photometer) mittels desselben der Spalt für das Auge eine 
beliebige Drehung, speciell um 90° erfahren, wenn man das Prisma 45° um seine 
Axe dreht. Dass nicht die ausserordentlichen Strahlen störend in das Gesichtsfeld 
treten, lässt sich durch ein passend angebrachtes Diaphragma vermeiden. Ein 
anderer Vortheil ist der, dass in den symmetrisch aufgebauten Photometem, wo 
also die Strahlen beider Lichtquellen dieselben Prismen durchsetzen sollen, bei 
Anwendung von Do versehen Prismen die Veränderung, welche die Intensitäten und 
Qualitäten des Lichtes erleiden, weit geringere Differenzen haben wird als bei 
Anwendung von Prismen mit Kitt oder Luftschicht, denn schon eine geringe Trübung 
dieser Zwischenschicht kann bei der Beurtheilung der Gleichheit sehr ins Gewicht 
fallende Schwächung der Intensität und Veränderung der Färbung bewirken. 

Crova bezeichnet als bedeutenden Nachtheil der mit einer Kittschicht ver- 
sehenen Prismen, dass diese mit der Zeit Veränderungen erfahre und Störungen 
in den Bildern verursache und verlangt, dass diese Schicht häufiger erneuert werde. 
Dass zur Messung hoher Temperatui'en, überhaupt 
in Versuchen, bei denen der Polarisator einer be- 
deutenden Wärme ausgesetzt ist, das Dove'sche 
Prisma den übrigen Formen überlegen ist, hat Dove 
selbst hervorgehoben. Crova macht darauf aufmerk- 
sam und es führt ihn der Gedanke zur Construction ^^«' *• 
seines Doppelprismas, dass eine scharfe Trennungslinie der beiden zu vergleichenden 


144 




Fij. 3, 


Spectra stets am Besten durch die Kante eines Prismas zu erhalten sei, welche 
die Länge des Spaltes halbire. (Zöllner hat PoIarJBationsspiegel, deren Kante 
diese Linie giebt.) Eine Combination Dove' scher Priemen 
Icann da nun leicht die verschiedensten Zwecke erfüllen. 

Die Combination Fig. 2 enthält vier paarweise symme- 
trische Prismen und würde die Bilder oder Spectra von zwei 
von einander entfernten, also nicht benachbarten Quellen 
zur scharfen Berührung bringen können. Die ausserordeut- 
lichcu Bilder würden weit aus dem Gesichtsfelde fortgeschafft 
werden. 
Die Combination Fig. 3 besteht ans zwei Prismen, deren 
Lineardimensionen sich wie 1 : '2 verhalten und deren Anwen- 
dung bei der Zöllner'schen Methode besonders empfehlens- 
werth ist. 

Die Combination Fig. i zeigt, wie der Forderung genauer 
Geradsicht durch vier Dove'sehe Prismen entsprochen werden 
kann, die allerdings recht genau eingestellt sein müssen. Durch 
passende Orientirung der verschiedenen Eintrittsäächen kann 
auch hierbei wieder das ausserordentliche Bild weit ans dem 
Sehfelde geschafft werden. 

Die Fig. 5 enthält nun diejenige Combination, die nach 

den Ideen des Verfassers den wichtigsten Bestandtheil des 

neaen Photoraeters bilden soll. Herr B. Halle in Potsdam 

hat nach meinen Angaben eine solche angefertigt und es sollen 

in einem folgenden Aufsätze die bisherigen Resultate und die 

sich daran knüpfenden Vorschläge dargelegt werden. Da ein 

namhafter Berliner Mechaniker die constructive Durchbildung 

'''*■ *■ des Photometers zu übernehmen sich bereit erklärt hat, so hoffe 

ich, recht bald eine detftillirte Beschreibung des ganzen Apparates in dieser 

Zeitschrift geben zu können. 



Kleinere (Original-) MlUhellnngen. 

Hydrometrisclier Flügel mit optisclier und akustischer ZäMung der 
Umdrehungen. 


Der seit Jahren von uns angefertigte hydrometrische Flügel , als ConstructJon des 
Herrn Ingenieur O. Sendtner bekannt, hat auf Veranlflssung des Herrn Dr. I>echer eine 
Vorbessorung des Zählwerkes erfahren, durch welche nicht nur die Genauigkeit, sondern auch 
die Schnelligkeit und Sicherheit der Messung bedeutend gewonnen hat und wobei die Mühe 
der Messungsoperation wescntlloli verringert wird. 

Bisher geschah die Bestimmung der Umdrehungszahlen des Flügels durch ein Zshl- 
werk, welches wahrend einer vorausbestimmten Zeitdauer durch den ersteren in Bewegung 
gesetzt wurde. Diese Art der Zahlung hat in solchen Fällen, in welchen es sich um 
schnelle und sichere Messung handelt, gewisse Nachtlicile, indem erstens das ganze In- 
strument zu jeder Beobachtung ein- und wieder ausgehoben werden muss, um den Stand 
des Zählwerkes ablesen zu können , wobei der Flügel sammt Axe mehr oder weniger in 
Gefahr kommt, angestossen und verbogen zu werden, femer das Zfihlwerk für jede Be- 


BI«b«Bln Jikiini. April 1S8T. KLEntESE MiTTinn.tncoKR. 145 

obachtungsdauer auf einen gegebenen Zeitmoment ein- und wieder ausgerQckt werden muss 
und endlich die Zeitdauer einer Beobachtung sammt Ein- und Ausheben nebst Ablesung 
des Zählwerkes eine relativ grosse ist. Diese Xachtbeile werden vermieden, wenn die Art 
der Beobachtung dahin geändert wird, dass nicht die Anzahl der Umdrehungen des Flügels 
während einer bcstimmteu Zeitdauer (gewöhnlich 60 Secunden) gemessen wird, Eondem für 
eine gegebene gleichbleibende Zahl von FlUgelumdrehungen (5, 50 oder 100) die Zeitein- 
heiten (Secunden) durch einfaches ^Vblesen an einer Secundenuhr gezählt werden. Diese 
gleichbleibende Zahl von Umdrehungen des Flügels wird durch ein auf das Gehör wir- 
kendes Zeichen erkennbar, weshalb man diese Art der Zählung als akustische bezeichnet, 
während die Ablesungen am Zählwerk durch das Auge entsprechend als optische Zäh- 
lung unterschieden werden. Unsere neue Einrichtung des Zählwerkes gestattet sowohl die 
Anwendung der ersteren Zählung allein, wie jene beider Zahlungsarten zusammen. 

Durch die akustische Zählung werden folgende Vortheile erreicht. Zunächst braucht 
der Flügel nicht für jede einzelne Beobachtung zum Zweck der Ablesungen ein- und aus- 
gehoben zu werden, sondern bleibt für alle in gleicher Höhe liegenden Messungsstellen 
eingehängt und kommt dadurch na- 
mentlich in engen Messungsräumlieh- 
keiten bei reissendor Strömung seltener 
in Gefahr, verletzt zu werden, femer 
fällt das stets mangelhafte Ein* und 
Auslösen des Zählwerkes ganz weg 
und endlich wird die Zeitdauer der 
Beobachtung im Einzelnen sowohl , 
wie namentlich jene für die Gesammt- 
messung eines Querschnittes auf we- 
niger als die Hälfte jener rcducirt, 
welche bei Anwendung der bisherigen 
Zählungs weise auch bei sehr ge- 
schickter Handhabung noth wendig 
wird , wie durch ausgeführte Ver- 
gleichsmessungen bewiesen ist. Diese 
Vortheile fallen im Allgemeinen schon 
sehr ins Gewicht , ganz besonders 
aber bei Ermittlung des Nutze ffect es 
hydraulischer Motoren, insofern der 
erhebliche Zeitgewinn bei Bestim- 
mung der Wassermengen nicht allein 
die Sicherheit des Resultates an und 

für sich erhöht, sondern die Bcobaehler vor Ennüdung bewahrt und im Vergleich zur bis- 
herigen Messungsmethode Wiederholungen der ganzen Messung ermöglicht, aus welciien allein 
auf die Zuverlässigkeit und Genauigkeit des Kcsultates geschlossen werden kann. 

Die Einrichtungen des für Triebwerkskanalmcssungen ganz besonders geeigneten 
Hydrometers ist im Ganzen beibehalten. Auf einer 4 bis ft in langen Stange aus weichem 
geradegewachsenem Holz mit nahezu elliptischem (Querschnitte sind die drei Theile A. B, C 
desselben aufgesteckt und können je nach Bedarf beliebig verschoben und festgeklemmt 
werden. Der unterste Theil A enthält den Flügel sammt Zählwerk , der zweite B dient daau, 
der Stange am Messungssteg einen sichren Stützpunkt au verschaffen und die dritt«, obei-ste 
Hülse C ermöglicht durch Einschaltung einer Schnur oder eines geglühten Messingdrahtes d 
die Aus- und Einlösung des Zählwerkes vom Standpunkt des Beobachters aus. 

Der Flügel selbst setzt sich ans drei nach der Schraubenfläehe geformten, um die 
Axe symmetrisch vertheilten Armen zusammen, welche auf einen der Breite der Flügel- 
flächen entsprechenden Cylinder aufgesetzt sind. Dieser Cylindcr sitzt mit einer conisch 


146 ReFBBATE. ZkITSCHKIFT für iKBTRÜlCXBTBSilUirDS. 


gefonnten Höhlung auf der gleichfalls conischen Axe und nimmt durch die Reibung der 
aufeinander passenden Conusflächen diese bei der Kotation mit, solange sie nicht festge- 
halten wird. Eine kleine Kopfschraube mit parabolischem Querschnitt schützt den Flügel 
vor dem Herabgleiten nach vom. Auf der Axe sitzt in der Mitte ein Klauenkopf und 
hinter diesem eine unendliche Schraube. Ersterer ermöglicht die Feststellung der Axe, indem 
durch Nachlassen des von oben angezogenen Bügels h ein Klauenpaar eingreift und die Axe 
festhält, während der Flügel mit Ueberwindung der Reibung sich weiter dreht. Lässt man 
durch Aufziehen des Bügels b die Axe wieder frei, so. folgt diese vermöge der Reibung als- 
bald der Drehung des Flügels und seine Umdrehungen werden an der unter dem Zähl- 
rädchen liegenden Marke der Bezifferung entsprechend abgelesen. Dieses Zählrädchen be- 
sitzt 50 Zähne, entsprechend der Ganghöhe der unendlichen Schraube und macht eine ganze 
Umdrehung auf 50 des Flügels. Auf der Axe des Zählrädchens mit ihm fest verbunden sitzt 
eine nach der archimedischen Spirale geformte Scheibe, mittels welcher ein zwischen Aus- 
lösehebel und Stange liegender Hammer h so in Bewegung gesetzt wird, dass er sich lang- 
sam hebt und nach Vollendung der ganzen Umdrehung des Zählrädchens rasch gegen die 
Stange schlägt. Dieses bei normalen Verhältnissen sehr gut hörbare und für die an der Stange 
liegende Hand selbst fühlbare Zeichen erfolgt nun für je 50 Umdrehungen , solange der Aus- 
lösehebel angezogen bleibt. Die Auslösung geschieht von oben mit einer zwischen dem untern 
und obem Bügel k massig gespannten Schnur oder weichem Messingdraht rf. Der obere Bügel 
wird von Hand aufgezogen und in dieser Lage durch eine vorspringende Feder f festgehalten. 
Drückt man diese zurück, so fallen beide Bügel ab und das Zählwerk steht still. 

Das mittlere Hülsenstück mit Anschlag und einem Rollenpaar ist namentlich dann 
von Vortheil , wenn von einem festen Steg aus gemessen werden kann , wie meist bei Ka- 
nälen, indem der breite Anschlag eine seitliche Drehung unmöglich macht und die auf dem 
Steg aufliegenden Rollen eine weit sichrere Stellung der Flügelaxe in einer bestimmten Höhe 
ermöglichen als das Aufstellen der Stange in dem oft mit Schlamm, Wasserpflanzen, Sand 
oder Kies gefüllten Messungsprofil , welches meist ein Sinken der Stange während der 
Messung zur Folge hat. 

Die akustische Zählung kann zugleich mit der optischen verwendet werden, indem 
Anfangs- und Endstellung des Zählrädchens für eine Zeitdauer abgelesen und zur letzteren 
so oft 50 Einheiten addirt werden, als inzwischen akustische Zeichen gegeben wurden. 
Die Differenz beider Ablesungen ergiebt die Umdrehungen des Flügels für die bestimmte 
Zeitdauer. Diese Art der Zählung findet für sehr geringe Geschwindigkeiten Anwendung, 
sowie vorzugsweise bei der Coefficientenbestimmung, da sie eine upmittelbare Vergleichung 
von Umdrehungszahlen und Weglängen ermöglicht. 


Referate. 


Bemerkungen zu dem Referate „Ueber Henteilung und Prüfting von Teleskop -Objectiven 

und Spiegeln. Von Howard Orubb. Hature. 34. S. 86.'* 

Zu dem Referate auf S. 101 des vorigen Heftes sendet uns Herr Dr. H. Krüss 
die nachfolgende ergänzende Bemerkung, die wir ilires interessanten Inhaltes wegen unseren 
Lesern nicht vorenthalten wollen. Unser gesehätzter Mitarbeiter schreibt: „Im vorigen Heft 
dieser Zeitschrift findet sich in dem Referate über Howard Grubb's Aufsatz „Herstellung 
und Prüfung von Teleskop -Objectiven und Spiegeln^ die Vermuthung ausgesprochen, dass 
Alv. Clark sich bei Herstellung von Femrohr- Objectiven der Hilfe der Theorie auf das 
Ausgiebigste bediene. Auf (irund von Mittheilungen des Herrn Prof. C. A. Young in 
Princeton (New Jersey) an mich (datirt vom 29. November 1880) kann ich berichten, dass 
Clark in durchaus derselben empirischen Weise arbeitet wie Grubb. Die betreffende 
Stelle lautet: 


BMbntor Jskrguif. April 1887. Abfebate. 147 

„The Olarks, in making object-glasses, proceed in this manner, They sehet and form 
a sei of circtdar curves which toül give an approximate correction for spherical äberration and 
color, mthout trying for any very dose correction in this way, Äftenvards they grind locally 
one surface of each of the lenses in such a way as to make the correction complete hoth for 
cokr and spherical error. They test the objectglass continually before a plane mirror, until 
rays from a mintite arifice in the focal plane form the best possible focus at a point near tJie 
luminous orifice.*^ 

Wenn die Firma Clark in solcher empirischen Weise ihre grossen Objective her- 
stellt nnd dennoch die Leistung derselben eine gute ist, so gehört jedenfalls zur Ausführung 
dieser Methode eine sehr grosse praktische Erfahrung; selbst wenn diese aber wirklich vor- 
handen ist, glaube ich, dass die aufzuwendende Arbeitszeit durch vorherige exacte Be- 
rechnung der Krümmungsverhältnisse erheblich abgekürzt werden könnte. Allerdings be- 
haupten die Anhf(nger der empirischen Methode, dass sie durch dieselbe von der Kugel- 
gestalt abweichende Oberflächen schaffen, durch welche eine vollständigere Beseitigung der 
von der sphärischen Aberration herrührenden Fehler erreicht wird als durch die genaueste 
Rechnung, da bei letzterer noch Zwischenfehler für die nicht in Betracht gezogenen Ent- 
fernungen der AufFallspunkte der Lichtstrahlen auf das Objectiv von der Axe übrig bleiben. 
Ich möchte es jedoch dahingestellt sein lassen, ob durch die empirische Methode thatsächlicli 
geringere Fehlerreste erreicht werden als durch die exacte Rechnung." 

Physikalische Demonstrationsapparate. 
Zeitschr. z. Ford, d. physik. Unterrichts, 1886, Heft 7 bis 9. 

In Heft 7 beschreibt Herr Dr. Dronke ein Planetarium, das nach ähnlichem Princip 
wie das früher beschriebene Tellurium mit elliptischer Erdbahn construirt ist. Die Scheibe, 
welche den Himmclsäquator darstellt, ist um nahe 23^/^^ g^S^^ den Horizont geneigt; die 
Bahnen von Venus, Erde, Mslys sind durch Messingringe nachgebildet, deren relative Grösse 
und Neigung den wirklichen Verhältnissen annähernd entsprechen. Verschiebbare Kugeln 
stellen die Planeten vor. — Ein einfaches Winkelmessinstrument für Schüler, aus verstell- 
barer Scheibe und darauf drehbarem Diopter bestehend, wird von Herrn Dr. F. W. Fischer 
angegeben. 

Heft 8 enthält die Beschreibung eines Wasserzersetzungsapparates von A. Benecke; 
derselbe ist nach dem Princip des Hof mann' sehen Apparates eingerichtet und nur insofern 
modificirt, als Auffangeröhren, Trichterrohr und Elektroden durch einen Kautschukstopfen ge- 
führt sind, der die breite Oeffnung des niedrigen Zersetzungsgefässes verschliesst. 

Heft 9 bringt eine Reihe interessanter Mittheilungen aus der Experimentalphysik 
von Prof. Melde. Unter Anderem wird für den Laplac ersehen Versuch über die Um- 
kehrung der Spannungserscheinungen bei Flüssigkeiten, die sich in verschieden weiten com- 
municii*enden Röhren befinden, eine einfache Vorrichtung empfohlen; für Heberversuche 
und Nachweis der Dnickverhältnisse in Flüssigkeiten wird eine Verbindung von Trichtern 
und Gummirohr angegeben; zum Plateau'schen Versuch wird Petroleum statt Oel als höchst 
brauchbar bezeichnet. — Herr Dr. Noack beschreibt einen Apparat zur Verflüssigung von 
Chloräthyl, modiflcirt nach Hof mann und H. Schulze (Ber. d. Dtsch. ehem. Ges. 1879 
und 1880); femer ein für Demonstrationen geeignetes Luftthermoskop mit Quecksilberindex. 

Pe, 

Wasaenohöpfer mit Tiefiieethermometer. 

F<m Kapitän G. Run g. Meteorol. Zeitschr, S, (Zeitschr. d. Oest, Oes.f. Meteorol. 21.) S, 542. 

Das Instrument hat den Zweck, aus bestimmten Tiefen des Meeres Wasserproben 
heraufzuholen und gleichzeitig die Temperatur derselben Tiefen zu messen. — Der Apparat 
hat die Form einer gewöhnlichen Spritze, welche beim Versenken in die Tiefe mittels 
eines Bügels so an einer Klaue aufgehängt ist, dass die Spitze sich nach oben wendet 
und der Stempel der Spritze ganz in den Cylinder hineiugedrückt ist. Die Leine, an 

12* 


148 Neu sBBCBiEinEMS Bücheb. ZEmcBmtT fOb iHSTBmnctrmncuKD«. 

welcher der Apparat hinabgelassen wird, ist durch ein Loch der Klaue hindurchgezogen 
und endigt in dem Ring der Stempelstange; die Klaue ruht lose auf einem Knoten der 
Leine. Hat der Apparat die bestimmte Tiefe erreicht, so lässt man ein durchbohrtes Fall- 
gewicht die Leine hinabgleiten; sobald dieses an die Klaue stösst, lässt letztere den Bügel 
los, die Spritze kippt um und indem der Cylinder der Spritze wegen seiner Schwere jetzt 
den Stempel entlang hinuntergleitet, saugt sich die Spritze voll Wasser. Um nun gleich- 
zeitig die Temperatur dieser Wasserprobe zu bestimmen , ist im Innern der Stempelstange 
eines der bekannten Kipp - Thermometer von Negretti & Zambra enthalten; dasselbe be- 
findet sich beim Versenken des Apparates ausserhalb des Cylinders, während Löcher in 
der Stange dem Wasser erlauben, auf dasselbe einzuwirken. Beim Umkippen der Spritze 
kippt auch das Thermometer um und man erhält also nach dem Heraufziehen des Appa- 
rates die Temperatur der Wasserprobe zur Zeit der Entnahme derselben, wenn man nur 
mit dem Herablassen des Fallgewichtes genügend lange gewartet hat, damit das Thermo- 
meter die Temperatur des umgebenden Wassei*s annehmen konnte. W, 

Eine Wheatatone'ache Brtloke fbr Luft- oder Wassentröme zu Demonstrationszweoken, 

Von W. Holtz. Wied.Ann. N. F. 29. S. 675. 

Vier T- förmige Messingrohrstücke sind durch Kautschukschläuche so miteinander 
verbunden , dass sie einen Stromkreis für Wasser oder Luft mit einer Brücke bilden ; an 
zwei gegenüberliegenden Stellen des Kreises befindet sich der Zu- und Abfluss. In das 
KautHchukrohrstUck, welches die Brücke bildet, ist ein Glasrohr eingeschaltet, in dessen 
Mitt4; an einem Coconfaden ein leichtes Scheibchen hängt. Je nach dem Verhältniss der 
Widerbtäude in den einzelnen Theilen des Röhrensystems geht der Flüssigkeitsstrom analog 
dem elektriHchen Strom stärker oder schwächer oder überhaupt nicht durch die Brücke, 
wtiH au den Ausschlägen des Scheibchens zu erkennen ist. L, 

Verwendong intennittirenden Lichtes zur Messung schneller Bewegungen. 

Von G. Ilermite. Compt Bend. 103. S, 412, 

Um die Touren bei schnellen Rota,tionsbewegungen zu zählen , die unter dem Ein- 
fiuKH 80 Hchwacher Kräfte erfolgen, dass die Anwendung der gebräuchlichen Tourenzähler 
w(*gen des zu grossen Kraftverbrauches unthunlich oder wie etwa bei den Radiometern sogar 
unmöglich iwt, kann die intennittirende Beleuchtung durch eine Geissl er' sehe Röhre ver- 
wendet werden. Erforderlich ist dabei die vollständige Gleichmässigkeit der Stromunter- 
lirechungen im Inductor und die genaue Kenntniss ihrer Anzahl. Erstere erreicht man 
durch Verwendung eines constanten, nicht sehr starken Stromes. Um die Anzahl der 
Stromunterb rechungen zu finden, lässt man eine Pappscheibe, auf der eine Marke vor- 
zeic-lniet ist, durch ein Uhrwerk rotiren und beleuchtet sie durch die Geissler'sche Röhre. 
Wird der Strom t^mal in der Secunde unterbrochen und macht die Scheibe r Touren, 
so sieht man die Marke der Scheibe l == */,. mal auf dem von dieser beschriebenen Kreis- 
umfang. Ist auf diese Weise v bestimmt, so kann die Tourenzahl r eines beliebigen 
rotirenden Körpers bestimmt werden. L, 


Dien erschienene Bflcher. 

Geschichte des Königl. Prenss. Meteorologischen Institutes von seiner Grfindnng im Jahre 
1847 bis zn seiner Reorganisation im Jahre 1886. Von Dr. G. Hellmann. Mit 
Tafeln und 14 Holzschnitten. Berlin, A, Asher & Co. M. 4,00. 

Es lag nahe, den Zeitjmnkt der Reorganisation des Königl. Preuss. Meteorologischen 
Institutes zu benutzen, um die bisherige Wirksamkeit dieser Beliörde geschichtlich zu- 
sammeuzufasscni. Von der berufenen Hand des Herrn Verfassers liegt uns nunmehr ein 
solches Bild vor. 


Siebenter Jahrgang; April 1887. VerexnbnachbichtkK. 149 


In anziehender Weise wird die Geschichte der Entstehung des Institutes gegeben 
und dann seine bisherige Thätigkeit chronologisch geschildert. Hieran schliesst sich ein 
Verzeichniss der im Archiv vorhandenen Beobachtungs- Journale , die instnimentelle Aus- 
rüstung der Stationen, die Beobachtungsformulare, die Publicationen des Institutes von 
1847 bis 1885, endlich ein Verzeichniss der von den Beamten sowie von den auswärtigen 
Beobachtern veröffentlichten meteorologischen Arbeiten. — Für unsere Leser ist besonders 
der Theil von Interesse , welcher von der instrumentellen Ausrüstung der Stationen han- 
delt; es wird hier eine Uebersicht der Instrumente gegeben ,. welche von 1847 an bis zur 
Neuzeit vom Meteorologischen Institute benutzt worden sind. Wenn unsere Leser hierin 
auch wenig Neues finden dürften , so ist die Zusammenstellung jedoch und besonders manche 
historische Notiz von Interesse. W, 


Baule, Prof. Dr., Hepetitorium der niederen Geodäsie. München, Augustin. M. 1,20. 
H. Wild» Der magnetische Bifilar-Theodolith. St. Petersburg. M. 1,90. 
S. Th. Stein. Das Licht im Dienste wissenschaftlicher Forschung. 5. Heft. Halle, Knapp. M. 4,00. 
J* Ph. Herr, Lehrbuch der sphärischen Astronomie in ihrer Anwendung auf geographische 

Ortsbestimmung. Wien, Seidel & Sohn. M. 16,00. 
T. Schuchardt» Versuche mit dem Ehrhardf sehen Atmometer. Halle. 
C. A. Faul. A short treatise on levelling by vertical angles and the method of measuring 

distances by telescope and rod. New -York. M. 4,50. 


Terelnsnaclirtchten. 

Deutsche Oesellsohaft ftir Mechanik und Optik. Sitzung vom 1. März 1887. Vor- 
sitzender: Herr Fuess. 

Nach eingehenden Mittheilungen über die Vorbereitungen zu der wenige Tage nach 
der Sitzung stattfindenden Fraunhofer-Feier führt der Vorsitzende den Apparat von Campbell 
und Stokes zur Registrinmg der Dauer und Intensität des Sonnenscheins vor. Die Be- 
schreibung dieses Apparates findet der Leser in dieser Zeitschrift 1883 S. 301. 

Sitzung vom 15. März 1887. Vorsitzender: Herr Fuess. 

Herr Dr. A. König fesselte die Versammlung durch einen interessanten Vortrag 
über „das Gesetz von der Erhaltung der Kraft als Grundlage der modernen Naturauffassung". 
Der Inhalt des Vortrages liegt den Zielen dieser Zeitschrift leider zu fem, als dass an 
dieser Stelle darauf eingegangen werden könnte. 

Der Vorsitzende berichtet sodann über den Verlauf der Fraunhofer-Feier. (Vgl. den 
Festbericht an der Spitze dieses Heftes.) Die entstandenen, ziemlich beträchtlichen Kosten 
werden von der Versammlung debattelos bewilligt. (Auch ausserhalb Berlin' s ist der hundert- 
jährige Geburtstag Fraunhofer's vielfach gebührend gefeiert worden. Wir heben besonders 
die Feier in München hervor, welche unter Mitwirkung der städtischen und wissenschaft- 
lichen Behörden, sowie unter reger Theilnahme der hei-vorragenden Münchener Optiker und 
Mechaniker einen erhebenden Verlauf genommen hat, sowie die Festsitzung des Physi- 
kalischen Vereines in Frankfurt a. M., in welcher Herr E. Hartmann über die Entwicklung 
der optischen Glasschmelzkunst sprach und hierbei Gelegenheit nahm, dem glastechnischen 
Laboratorium in Jena, diesem im Geiste Fraunhofer's begründeten und geleiteten Institute, 
die wärmsten Wünsche für seine Zukunft auszusprechen. — D. Red.) 

Eine Anfrage, wie man weichen Stahl — es handelt sich um Marken für geo- 
dätische Zwecke, welche sich schwarz abheben müssen und kein Licht reflectiren dürfen, 
— schön matt und dauerhaft schwärzen könne, beantwortet Hen* Färber dahin, man möge 
den Stahl ebenso behandeln, wie man Messing schwarz brenne. 

Zur Erleichterung des Geschäftsganges bittet die Deutsche Gesellschaft für Mechanik 
und Optik ihre auswärtigen Herren Mitglieder wiederholt , sich in allgemeinen Angelegen- 


150 VxBxninrACiiBiCBTm. Zkrsobbut f0b IviTmDiurmxoiDs. 


heilen an den ersten Vorsitzenden, in Kassensachen an den Schatzmeister und in Ange- 
legenheiten der Bibliothek und der Versendung der Zeitschrift an den Archivar zu wenden. 
Die Namen der Vorstandsmitglieder bezw. die Adressen der oben genannten Vereinsbeamten 
mögen nachstehend noch einmal mitgetheilt werden: H. Haensch (Berlin S., Stallschreiber- 
strasse 4) erster, R. Fuess (Berlin SW., Alte Jakobstr. 108) zweiter, P. Stückrath 
dritter Voreitzender, L. Blankenburg erster, A. Baumann zweiter Schriftführer, G.Polack 
(Berlin W., Steglitzerstr. 49) Schatzmeister, E. Goette (Berlin W., Markgrafenstr. 34) 
Archivar, C. Bamberg, J. Färber, W. Handke und Dr. H. Bohrbeck Beisitzer. 

Der Schriftführer: Blankenburg. 
Verein Berliner Mechaniker. 

Bericht über das neunte Geschäftsjahr: Der Verein hat gegen das Vorjalir 
einen Rückgang in der Zahl der Mitglieder zu verzeichnen, da trotz der Annahme von 
22 neuen Mitgliedern die Anzahl auf 58 (gegen 63 im Vorjahre) herabgesunken ist. Der 
Grund des Rückganges liegt mehr in der Begründung eines neuen auf socialpolitischem 
Boden stehenden Fachvereines als in inneren Verhältnissen, da der Verein nach wie vor 
mit ernstem und anerkennenswerthera Streben an der wissenschaftlichen Weiterbildung seiner 
Mitglieder arbeitet, wie aus dem Nachstehenden hervorgeht. Im vergangenen Jahre haben 
36 ordentliche Vereinsversammlungen, 2 ordentliche und eine ausserordentliche Haupt\'er- 
sammlung, sowie 17 Vorstandssitzungen stattgefunden. In diesen Sitzungen sind 13 wissen- 
schaftliche Vorträge von Gelehrten, 6 von Vereinsmitgliedem gehalten worden, welchen 
sich noch zahlreiche kleinere Mittheilungen wissenschaftlichen und technischen Charakters 
anschlössen; ausserdem fanden 5 Excursionen zur Besichtigung wis<?enschaftlicher und ge- 
werblicher Anstalten statt. Die Bibliothek, die einen Werth von 1000 Mark besitzt, hat 
im vergangenen Jahre keine wesentliche Bereicherung erfahren, da der hierfür bisher ver- 
wendete Betrag zur Einrichtung eines neunmonatlichen Unterrichtscursus in der Mathematik 
verwendet wurde , an welchem die Mitglieder regen Antheil nahmen. — Wir wünschen dem 
wackeren und strebsamen Vereine im neuen Geschäftsjahre weiteres Gedeihen. 

Berliner Zweigverein der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft. 

Jahresbericht über das dritte Vereinsjahr 1886: Der Verein hat sich im 
vergangenen Jahre in erfreulicher Weise weiter entwickelt. Er tritt in das neue Vereins- 
jahr mit 105 Mitgliedern gegen 102 im Vorjahre. An den bestimmungsmässigen 8 Sitzungs- 
abenden wurden 14 wissenschaftliche Vorträge gehalten und kleinere Mittheilungen gemacht, 
an welche sich meistens eine rege Discussion schloss. Der Vorstand war im vergangenen 
Jahre unverändert derselbe wie früher, mit Ausnahme des Vorsitzenden, da an Stelle des 
nach den Satzungen ausscheidenden Geh. Oberregiemngsrath Dr. H. Thiel Herr Prof. 
Dr. V. Bezold trat. 

Dem Jahresbericht schliesst sich eine Mittheilung des Schriftführers Herrn Dr. H. Hell- 
mann über die auf seine Veranlassung vom Verein in und bei Berlin eingerichteten Regen- 
Ntationen an. Der Gegenstand Hegt im Ganzen den Zielen dieser Zeitschrift etwas fem; wir 
hcHchränken uns daher darauf, dem Bericht einige Bemerkungen über die Aufstellung von 
Regenmessern zu entnehmen. 

^Alle bisher bekannt gewordenen Erfahrungen weisen darauf hin, dass eine ganz 
freie, ringsum ungeschützte Aufstellung der Regenmesser in unserem Klima, namentlich 
für die Messung der winterlichen Niederschläge, sich deshalb als unzweckmässig erweist, 
weil f\vr alndann gewöhnlich lebhaftere Wind einerseits Wirbelbildungen um den Regenmesser 
hervorruft und dadurch das Hineinfallen der Niederschläge zum Theil verhindert, andrer- 
M4^tH d(*n liereits im Auifanggefäss gesammelten Schnee ans diesem oft wieder herausweht. 
Gerarh) dieHe letztere Erfahrung ist jüngst wieder bei den starken Schneegestöbern, welche 
H<*it t\v.m 20. Dei'oniber IHM allerwärts wiederholt aufgetreten sind, gemacht worden. In 
l^aiiz frei aufgeHt«^I]teii Hegenmesseni hat man oft nicht den zehnten Theil der wirklich ge- 
fallenen Niederncliläge gemessen. 


Siebenter Jahrgmng. April 1887. 


Patentschaü. 


151 


„Wie von Herrn Wild in Petersburg und vom Verfasser des Jahresberichtes bereits 
vor Jahren hervorgehoben worden ist, übt ein um den Eegenmesser gesetzter Schutzzaun 
von entsprechender Höhe die günstigste Wirkung in dieser Beziehung aus. 

„Wo also nicht schon ähnliche Verhältnisse die gleiche Wirkung erzielen, wie z. B. 
geräumige Höfe, Gartenzäune u. dergl., wird man von der bisher in allen Instructionen 
zu findenden Vorschrift, „den Regenmesser so frei als möglich zu cxponiren'', abgehen bezw. 
dieselbe dahin abändern müssen , dass ein auf freiem Terrain aufgestellter Regenmesser mit 
einem Schutzzaun zu umgeben ist, dessen Oberkante von der Auffangfläche des Regen- 
messers aus gesehen unter einem Winkel von etwa 20 bis 25° erscheint. Dadurch wird 
allerdings die Einrichtung eines dichtmaschigen Netzes von Regenstationen theurer zu stehen 
kommen, als man bisher annahm. Es wird der solide Schutzzaun wohl in allen Fällen 
mehr kosten, als der vollständige Regen- und Schneemesser selbst.'* 




Patentschaa. 

Besprechungen und Auszüge aus dem Patentblatt. 

Maschine zum Schneiden oder Schleifen von sphärischen oder sphäroidischen Rotationsflächen. Von Jos. 
und Jan. Fric in Prag. No. 36188 vom 20. Januar 1886. 

Das Werkzeug B rotirt um eine Axe, welche zu der 
Drehungsaxe C des zu bearbeitenden ebenfalls rotirenden Gegen- 
standes Ä geneigt ist, oder bei Rotations-Ellipsoiden, Paraboloiden 
und Hyperboloiden entsprechend curvenformig geführt wird. 

Anordnung des Eisenkernes bei elektrischen Messapparaten. Von Fa. 
Hartmann & Braun in Bockenheim — Frankfurt a. M. 
No. 36911 vom 26. Februar 1886. 
Um eine grössere Empfindlichkeit bei elektrischen Mess- 
instrumenten mit Solenold- 
wirkung zu erzielen, ver- 
wenden die Erfinder ein 
Eisenrohr, welches mit einem 
derartigen Einschnitt ver- 
sehen ist, dass für eine gewünschte Lage von Solenoid und Eisenrohr zu einander die Differenz 
der von beiden Solenoidpolen influeuzirten Eisenmassen eine maximale ist. 

Instrument zur Veranschaulichung und 
Berechnung sphärischer Dreiecke. 

Von C. Volbers in Hamburg. 

No. 36889 vom 13. April 1886. 
Auf der mit einem in der 
Figur verdeckten Handgriff ver- 
sehenen Platte P^ ist der halbkreis- 
förmige, in 180° getheilte Bügel R 
bei aa drehbar befestigt. In der 
Ebene der Axe aa ist die um b dreh- 
bare, in 360 getheilte Platte P an- 
gebracht, die die halbkreisförmige, 
um cc drehbare Platte P^ trägt. Mit 
Hilfe dieser drei Platten lassen sich 
sphärische Dreiecke darstellen, un- 
bekannte Stücke derselben bestim- 
men u. dgl. 



152 


Für die Werkstatt. 


Zeitschrift fOr Ixstrumbxtexkuxob . 


Instrument zur kartographiscben Bestimmung des Weges eines auf horizontaler Fliehe sich bewegenden 
Gegenstandes. Von H. G. J. Stang in Chi^istiania (Norwegen). No. 37912 vom 28. April 1886. 

Die Karte wird auf den Tisch B derart gelegt, dass die Axe des verticalen Drebzapfens 
/', um welchen das ganze Instrument in horizontalem Sinne drehbar ist, auf den Punkt der 

Karte trifft, der dem Beobachtungsorte ent- 
spricht. Man verfolgt nun mit Hilfe des Fem- 
rohres K den sich bewegenden Gegenstand, 
indem man hierbei das Fernrohr von dem 
die Stangen a und c- verbindenden, in der 
Nut h geführten Griff C aus um seine Axe o 
und das Instrument um den Zapfen P bewegt. 
Mit dem Femrohr ist das Zahnradsegment T 
fest verbunden, welches die Bewegungen des 
ersteren mittels der beiden Zahnräder t und t*^ 
auf die an letzterem befestigte Hülse h über- 
trägt. In derselben ist die mit c verbundene 
Stange a leicht beweglich geführt; die Stange c 

bewegt den mit einem 
Fadenkreuz versehenen 
Schlitten E, Dieses Fa- 
denkreuz nun zeigt auf 
der Karte, wo der durch 
das Fernrohr visirte, be- 
wegte Gegenstand sich 
befindet. Die Gestalt der 
Curve (Nut) h muss durch 
Rechnung oder auf empirischem Wege ermittelt werden. 





Ffir die IVerkstatt. 

Hart gewordenen Kautschuk zu erweichen. Kevue Chronometrique 1886 S. 235. 

Als ein sehr gutes Mittel, hart gewordenen Kautschuk zu erweichen, wird empfohlen, 
denselben mit einer dünnen Schicht Vaseline zu bedecken und vorsichtig über einer Spirituslampe 
zu erwärmen. Dies Verfahren wiederholt man nach einiger Zeit, sobald der erste Uoberzug von 
Vaseline gehörig eingezogen ist. Kautschuk, besonders der schwach vulcanisirte schwarze, soll 
dadurch seine ursprüngliche Elasticität wieder erhalten, vorausgesetzt, dass die Vcrändemng sich 
nicht schon so weit vorgeschritten zeigte, dass der Kautschuk brüchig war. 

In lieft II der Neuenten Erfindungen und Erfahrungen wird zum gleichen Zweck für dünnere 
Gummigegenstände (Gummiringe u. s. w.) das Einlegen derselben in verdünntes Ammoniak (1 Theil 
käufliches Ammoniak auf 2 Theile Wasser), je nach dem Grade der Verhärtung während der 
Dauer von 5 bis 30 Minuten empfohlen. 

Jedes der verschiedenen für den gleichen Zweck vorgeschlagenen Mittel kann nach An- 
sieht des Referenten der Natur der Sache nach nur eine schon eingetretene Oberflächenveränderung 
unschädlich machen. Solche Verändeningen treten durch directe Einwirkung von Licht und Luft 
ein. Für möglichst lange Conservirung der guten Eigenschaften des Gummis ist es demnach 
erforderlich, die Einwirkung von Licht und Luft soweit thunlich auszuschliessen. Neue Schläuche 
u. s. w. wird man demnach am Besten in Blechbüchsen aufbewahren , in welche man zweckmässig 
einen mit Benzin befeuchteten Wattebausch legt. Im Gebrauch befindliche Gummigegenstände 
wird man durch Einfetten haltbarer machen . können und für diesen Zweck empfiehlt sich natürlich 
am Meisten ein nicht oxydirbares (nicht ranzig werdendes) Fett, wie es Vaseline ist. P, 


Naehdruck yerboten. 


YflrUg von Julius Springer in Berlin N. — Druck Ton Oualav Lange Jetai Otto Lange in Berlin MW, 


Zeitschrift für Instrumeutenkunde 

Bedactions - Curatorium : 
Geh. Reg.-R. Prof. Dr. H* Landolt^ R. Fness^ Reg.-Rath Dr. L« Loewenherz, 

Yoriitsender. Beiiitser. Schriftfdlirflr. 


Eedaction: Dr. A. Leman and Dr. A. Westphal in Berlin. 


Vn. Jahrgang. Mai 1887, Fünftes Heft. 


ito^Mte 


Ueber die elastisclie Nachwirkung beim Federbarometer. 

Von 
C. üelohertB in Poppelsdorf bei Bonn. 

I. Vorbemerkungen. 

Ueber den Werth und die Verwendbarkeit der Federbarometer in der Wissen- 
schaft und Technik, über ihre Behandlung und die Bestimmung ihrer Constanten, 
ist, nachdem die Instrumente mehr und mehr in Gebrauch genommen wurden, eine 
umfangreiche Literatur entstanden. Während in der ersten Zeit die Urtheile über 
die Brauchbarkeit der Federbarometer sehr auseinandergingen, und einerseits eben 
so widersprechende Anforderungen an die Leistungen des Instrumentes gestellt, wie 
andrerseits . Angaben über die erreichbare Genauigkeit gemacht wurden , ist in 
Folge der bei der vielseitigen praktischen Verwendung der Instrumente gemachten 
Erfahrungen, demselben nach und nach die ihm gebührende Stellung, nämlich die 
eines Interpolationsinstrumentes, angewiesen worden. 

Die zuverlässigsten auf ausgedehnten Beobachtungsreihen und langjährigen 
Erfahrungen gegründeten Urtheile geben den Fehler einer Luftdruckbestimmung 
mittels eines gut construirten , sorgfältig behandelten und geprüften Instrumentes, 
einer der gebräuchlichen Constructionen (abgesehen vom Bourdon'schen Aneroid), 
zu 0,1 bis 0,2 mm an. Vogler^) leitet aus den Angaben von Bauernfeind, 
Schoder und Koppe den Fehler einer Höhenbestimmung zu 1,6 m ab. Obwohl nun 
diese Fehlerangaben eine vielen Anforderungen genügende Genauigkeit darlegen, 
so wird doch dem Aneroide immerhin noch ein gewisses Misstrauen entgegenge- 
bracht, und dieses hat auch seine Berechtigung, solange nicht für jede Ablesung die 
Innehaltung der angegebenen Fehlergrenzen unzweifelhaft verbürgt ist, und irgend- 
welche Ursachen die Zuverlässigkeit der Instrumentangaben uncontrolirbar beein- 
flussen können. 

Zur Umwandlung der Ablesung eines Federbarometers in die Angabe, welche 
ein Quecksilberbarometer, nach Anbringung der erforderlichen Reductionen, an 
seiner Stelle liefern würde, sind derselben drei Verbesserungen beizufügen: 

1. Die „Temperatur -Verbesserung", d. h. die Reduction der mit der 
Temperatur veränderlichen elastischen Kraft der zu dem Federsystem 
des Instrumentes verwendeten Metalle, sowie die Reduction der Spann- 
kraft der in der Büchse enthaltenen Luft auf eine Normal -Temperatur, 


1) Vogler, Entwerfen graphischer Tafeln, Seite 144. 

13 


154 ReINHERTZ, FeDEBB ABOMETER. ZEirSCHRDTr PUB iHBTRUimrTKinEDirDB. 


2. Die ^Theilungs-Verbeßserung**, d. h. die Umwandlung der Einthei- 

lung des betreffenden Instrumentes in die Millimetertheilung des Queck- 
silberbarometers, bezogen auf einen bestimmten Anfangspunkt und 

3. die sogenannte „Standverbesserung" zur Beseitigung des nach An- 

bringung der ersten beiden Grössen noch bleibenden Unterschiedes. 

Unter der Voraussetzung, dass die Temperatur- und Theilungs -Verbesserung 
bei dem Gebrauche des Instrumentes genau seinen thatsächlichen Eigenschaften ent- 
sprächen, würde dasselbe zur Messung von Druckunterschieden, bezw. nach Anbrin- 
gung der Stand -Verbesserung, des absoluten Luftdruckes anwendbar sein, wenn diese 
Stand-Verbesserung für die Zeit der Bestimmung eine constante Grösse wäre. 

Dies ist aber nicht der Fall, es zeigt sich vielmehr, dass dieselbe einer ge- 
wissen Veränderlichkeit unterworfen ist, und zwar sowohl einer dauernden als auch 
einer vorübergehenden, welche ihren Grund in einer Formänderung der elastischen 
Federn selbst bezw. in den bei Druckänderungen auftretenden elastischen Nach- 
wirkungen haben. 

Zur Ermittlung der Beziehungen dieser Veränderlichkeit sind von verschie- 
denen Seiten*) eine Anzahl zum Theil sehr umfangreicher Beobachtungsreihen und 
llnterHiichungen angestellt worden. Bei denselben wird die in Rede stehende Ver- 
änderlichkeit im Wesentlichen als eine Function der Zeit aufgefasst, und es tritt das 
lii'Mtn'ben hervor, ohne eine Trennung der beiden angeführten, die Standänderung 
li«'ding«?nden Ursachen, aus den Amplituden der zu Tages-, Monats- und Jahres- 
iiiitti'hi vereinigten Standverbesserungen, der bei den natürlichen Luftdruckschwan- 
knupi^'W beobacliteten Instrumente, nach Analogie des Chronometers, einen „Gang" 
iU*h Aneroides abzuleiten. Nur zwei Arbeiten, von Grassi^) und Kröber^) sind mir 
lii'liiinnt geworden, in denen die allein von der elastischen Nachwirkung herrühren- 
iU*u StHndilnderungen speciell behandelt sind. Grassi untersucht den Einfluss von 
Drucklinderungen auf den Stand des Aneroides unter der Luftpumpe, und stellt, 
ohne Rücksicht auf die Zeit, die Grösse der gefundenen Abweichungen („Sprünge") 
tilUtin als eine Function des vorhergegangenen Druckunterschiedes dar. Er vereinigt 
«eine Resultate in neun Sätzen, von denen der siebente das Abhängigkeitsverhältniss 
dor Grösse der Abweichung vom Druckunterschied zum Ausdruck bringt; derselbe 
lautet: ;,Die Grösse des Sprunges ist verschieden und proportional der Amplitude 
d<*r vorhergehenden Druckperiode." 

Kröber beobachtet direct die durch Druckänderungen unter der Luftpumpe 
entstehenden elastischen Nachwirkungen und verfolgt den Verlauf derselben nach 
Einstellung der Druckänderung bei einzelnen Versuchsreihen. Er kommt jedoch 
CSeite 331) zu dem Ausspruch: „Die elastische Nachwirkung überschreitet anfangs 
weit die Grenze des neuen Beharrungszustandes, erreicht einen Culminationspunkt 
und nähert sich dann allmälig rückwärts laufend dem ersteren wieder." Ein solcher 
V^erlauf der elastischen Nachwirkung stimmt aber nicht überein mit den sonstigen 
durch experimentelle Untersuchungen an verschiedenen elastischen Körpern über 
dieselbe gefundenen Resultaten. Obwohl nun als Ursache der, bei der Vergleiclumg 
von Aneroiden mit dem Quecksilberbarometer bei gewöhnlichem Luftdruck, bei 
Bergbesteigungen und Luftpumpenversuchen, beobachteten Abweichungen stets die 

') Sclircib<»r. Carl's Repertorium. IX. S. 193. — Jelinek. Carl's Repertoriuin. XUI. S. 54. 

- - WoiUMiiimiin. Viertcljahrssehrift der naturforsclienden Gesellschaft zu Zürich. Bd. 18. Seite 213. 

- -) (Ini'^rti. Kicerchc Bpcriinciitali etc. Koma 1875 und 1877. — ^) Kröber. Zeitschrift für Ver- 
mcssiingsweseii 1881. Seite 305. 


^ 


Siebenter Jahrgang. Mai 1887. KsiimEBTZ , Fbdebbabometeb. 155 


elastische Nachwirkung hingestellt wird, so findet sich doch in der Literatur keine 
specielle Behandlung des Gegenstandes, die einen Aufschluss über das Weseu der 
fraglichen Veränderlichkeit giebt. Es schien daher einiges Interesse, und als ein 
Beitrag zu Kenntniss und Ausbildung der für die Wissenschaft und Technik so 
wichtigen Instrumentgattung einigen Werth zu haben, den Einfluss der elastischen 
Nachwirkung auf die Angaben eines Federbarometers auf experimentellem Wege 
zu untersuchen. 


Das Federsystem dessen elastische Kraft bei den zur Zeit gebräuchlichen 
Aneroiden zur Messung der Druckdifferenzen benutzt wird, besteht aus einer nahezu 
luftleeren Büchse und einer sie spannenden kräftigen Blatt- oder Spiralfeder. Im 
ersteren Falle, der bei den Instrumenten nach dem System von Naudet und von 
Goldschmid in Anwendung ist, wirkt die spannende Blattfeder direct auf die 
Büchse ein und ihre Formänderungen werden entweder mittels eines Zeigerwerkes, 
mechanisch stark vergrössert, unmittelbar an einer getheilten Scale ablesbar gemacht 
(Naudet) oder in der Art gemessen, dass das federnde System durch eine Mikro- 
meterschraube mit getheilter Trommel auf eine durch einen festen Index bestimmte 
Normalstellung zurückgeführt wird (Goldschmid). Im zweiten Falle, bei System 
Reitz in Anwendung, wirkt die spannende Spiralfeder erst mittelbar durch einen 
Hebel mit starker Uebersetzung auf die Büchse ein. Der Hebel trägt an seinem 
freien Ende eine getheilte Scale, die durch ein Mikroskop abgelesen wird. Die Büchse 
ist zusammengesetzt aus zwei kreisrunden, federhart gewalzten Neusilberwellblechen, 
die auf einen kräftigen Ring aufgelöthet sind. Der Durchmesser der Büclisen der 
mittleren und grösseren Aneroide variirt zwischen 5,8 und 7,4 cm; auf den beiden 
Seitenflächen lastet demnach (ohne Berücksichtigung der inneren Luft) ein Di'uck 
von etwa 55 bis 90 kg. Bei dieser Zusammensetzung des Instrumentes muss die 
Veränderlichkeit der Stand -Verbesserung nothwendigerweise doppelter Art sein: 

1. eine langsame, unabhängig von den vorkommenden Druckschwankungen , 

2. eine in Folge dieser Druckschwankungen als elastische Nachwirkung 

auftretende. 

Diese letztere haftet dem Federsystem in seiner Eigenschaft als elastischer 
Körper an; sie muss, soweit sie überhaupt eine Regelmässigkeit zeigt, bei allen 
Instrumenten von gleicher Bauart einen innerhalb gewisser Grenzen ähnlichen Verlauf 
nehmen, während die zuerst genannte, langsam mit der Zeit vor sich gehende 
Aenderung, in Folge der Construction und Zusammensetzung jedem einzelnen In- 
strumente eigenthümlich sein wird, und nur für jedes einzelne Individuum aus 
längeren Vergleichungen mit einem Normal -Instrumente ermittelt werden kann. 

Die Ursachen, welche eine solche Veränderung hervorrufen, sind verschiedener 
Art, Bei dem stetig auf der Büchse ruhenden Druck von der angegebenen Grösse, 
der auf die ganze Fläche der Bleche gleichmässig wirkt, kann eine Deformiruug 
der eingepressten Rinnen nicht ausbleiben, da an den Rändern der starre Ring nicht 
nachgiebt, und in der Mitte die Zugkraft der starken Spannfeder angreift; die 
Wellen der Bleche werden sich in Folge dessen etwas abflachen. 

Wenn in den Wandungen der Büchse ein Fehler sein sollte, so wird Luft 
in das Innere eindringen und somit nicht nur den Temperaturcoefflcienten beein- 
flussen, sondern auch stetig zunehmend die Stand -Verbesserung ändern. Ferner 
wird auch die bei Montirung des Instrumentes dui'ch das Spannen von Feder und 

13* 


156 Beuihebtz, Federbarometbb. ZsiTscHBirT rOm fjamxntMarmMKUKDm. 


BttchBe entstehende elastische Nachwirkung noch sehr lange sich geltend machen , 
obgleich diese, sowie die beim Eindrücken der Rinnen in die Bleche und bei der 
sonstigen Znsammensetzung des Instrumentes entstehenden Spannungen, in der 
Werkstatt in der Regel durch wiederholtes starkes Erhitzen möglichst beseitigt 
werden. 

Diese Veränderlichkeit des Instrumentes (abgesehen von absichtlichen Ver- 
stellungen durch Anziehen der Regulirschraube) ist niemals zu vermeiden. Ein 
Instrument ist aber nur dann unbrauchbar, wenn diese Veränderlichkeit nicht 
innerhalb so enger Grenzen bleibt, dass sie mit Sicherheit zu ermitteln ist. Die 
bei der jahrelangen Verwendung von Aneroiden gesanmielten Erfahrungen haben 
ergeben, dass dieselbe ftir einen Zeitraum von mehreren Jahren bei guten Instrumenten 
in der Regel unter 1 bis höchstens 2 mm bleibt, so dass also diese Veränderlich- 
keit des Standes so gering ist, dass sie auf alle Interpolationsmessungen, vor Allem 
auf Höhenmessungen, ohne jeden Einfluss ist. 

Functionirt dagegen ein Federbarometer längere Zeit selbständig, z. B. als 
Stations-Instrument auf meteorologischen Stationen, so muss eben der Gang dieser 
Aenderung von Zeit zu Zeit bestimmt werden. Solche Instrumente werden mindestens 
mehrere Monate lang vorher sorgfältig zu beobachten sein, und wenn die fort- 
schreitende Aenderung von Bedeutung ist, so werden dadurch auch unzweifelhaft 
die relativen Angaben so unsicher werden, dass das Instrument für den bestinmiten 
Zweck als unbrauchbar erklärt werden muss. 

Ganz unabhängig von der bisher besprochenen fortschreitenden Aenderung 
ist dif? durch die Druckschwankungen, denen das Instrument ausgesetzt wird, ent- 
«tfihfnde elastische Nachwirkung, 

Nachdem Weber^) 1835 zum ersten Mal auf die elastische Nachwirkung 
finfuu*rkHfim machte und nach seinen Versuchen an Coconfäden eine theoretische 
Krklärun^ und eine Formel für dieselbe aufstellte, hat vornehmlich Kohlrausch*) 
d#rrj 0^'^i'TiHtand weiter verfolgt und entwickelt. Neben den späteren experimentellen 
Arbeiten, die im Wesentlichen Bestätigungen und Ergänzungen zu den von Eohl- 
r/iUMch gefundenen Resultaten liefern, sind theoretische Untersuchungen über das 
Wf'M'ti der elastischen Nachwirkung angestellt worden; eine allen bisher beobachteten 
I'j^eritliUnilichkeiten des Vorganges entsprechende Theorie giebt esjedoch noch nicht. 

Der Grundsatz der Elasticitätslehre: „Der augenblickliche Gleichgewichts- 
VAiHtand eines Körpers entspricht den augenblicklich auf ihn wirkenden Kräften" , 
berlarf in Folge der über die elastische Nachwirkung gefundenen Resultate insofern 
einer Beschränkung, als dieser, durch die in jedem Momente wirkende Kraft be- 
dingte Gleichgewichtszustand zwar eintreten wird, aber nicht sofort in dem Moment 
der Einwirkung, sondern erst nach Verlauf einer gewissen Zeit. 

In gleicher Weise modificirt sich auch der Satz über die Biegungselasticität, 
auf welcher die Ausnutzung der Federverbindung des Aneroides beruht: „Die Grösse 
d*'r Biegung ist den biegenden Kräften proportional", und imter der elastischen 
Na<'hivirkiuig, die hei einer Deformation dieses Federsystems auftritt, ist diejenige 
B«'W<'giirig zu verstehen, die diiHsellie in F'olge des durch die Formveränderimg 
h«'rvor^<*rureiM'n Ahst/iiMles seiner kleinsten Theilehen von ihrer, der momentan 
^iiki'iitU'Uf HMrthereri Kraft i-ntsprechenden (ileicligewichtslage, auszuführen hat. 

l)it'. h«'i Drurkanderungeii entHtehenden Deformationen der Büchse im Aneroid 

S l'<'|/g' Ann. ;U mimI di. >) TokK' Ann. 119, 12H, 158 und 160. 


Siebenter Jahrgang. Mai 1887. Reinhsrtz, Fedbbbaroiceteb. 157 

sind so gering, dass (bei dem doch immerhin complicirten Federsystem) nicht ohne 
Weiteres zu erwarten ist, dass die in Folge der Nachwirkungen eintretenden Stand- 
ändeningen eine Regelmässigkeit zeigen oder nicht unter anderen Einwirkungen 
verschwinden werden. Nach den Angaben von HartP) und Schwirkus^) und nach 
eigenen an einzelnen der untersuchten Instrumente vorgenommenen Messungen, 
kann bei den gebräuchlichen Instrumenten die Eigenbewegung der Büchse für 1 mm 
Quecksilbersäule auf durchschnittlich etwa 0,005 mm angenommen werden, so dass 
also bei den gewöhnlichen Schwankungen des Luftdruckes bis zu 30 mm nur 0,15 mm 
Bewegung der Büchse auftritt, bei 100 mm nur 0,5 mm. Wenn nun diese geringen 
Biegungen Nachwirkungen hervorrufen, die sich durch ein Gesetz darstellen lassen, 
so darf a priori behauptet werden , dass die Messung mit Hilfe der Elasticität einer 
hohen Genauigkeit und Ausbildung fähig sein muss. 

Die beim Aneroid vorkommenden Nachwirkungen sind doppelter Art: 

a) solche, die während einer Druckänderung und 

b) solche, die nach dem Einstellen derselben auftreten. 

Es handelt sich nunmehr darum, auf experimentellem Wege diese Nach- 
wirkungserscheinungen zu verfolgen und festzustellen: 

1. ob die beim Federbarometer auftretende elastische Nachwirkung einen 

regelmässigen und gesetzmässigen Verlauf nimmt, 

2. ob dieselbe sich durch eine der für andere elastische Körper als giltig 

befundenen Formeln darstellen lässt, 

3. in welchem Verhältniss die Grösse und die Art ihres Verlaufes „nach" 

Einstellung einer Druckänderuug zum vorhergehenden Druckunterschied 
und der Geschwindigkeit der vorgenommenen Druckänderung [Tempo] 
steht, 

4. in welcher Weise die „während" der Druckänderung sich zeigende 

Nachwirkung auftritt, und in welchem Verhältniss sie zur Geschwin- 
digkeit der Druckänderung [Tempo] steht, 

5. wie eine Temperaturänderung die elastische Nachwirkung beeinflusst, 

6. ob und in welchen Fällen eine Correction an den Instrumentangaben 

möglich, erforderlich bezw. zweckmässig erscheint. 

IL Apparate und Beobachtungsmethode. 

Die Beobachtungen wurden ausgeführt in der geodätischen Sammlung der 
landwirthschaftlichen Akademie zu Poppeisdorf mit Benutzung der in derselben 
befindlichen Instrumente und Vergleichsapparate, wozu der Conservator der Samm- 
lung, Herr Koll, seine Erlaubniss gütigst ertheilte. 

Die angestellten Beobachtungen sind Vergleichungen der Federbarometer 
mit dem Quecksilberbarometer und zwar: 

a) bei den gewöhnlichen Druckschwankungen der Atmosphäre im Winter 

1885/6 und 

b) bei künstlicher Druckänderung im Sommer 1886. 

1. Beobachtungen im Winter 1885/80. 

Dieselben wui'den angestellt, um zu untersuchen, in wie weit die elastische 
Nachwirkung sich bei den gewöhnlichen Luftdruckschwankungen geltend macht, 


1) Hartl: Praktische Anleitung zum Höhenmessen. Seite 41. — ^) Schwirkus: Zeitschrift 
für Instrumentenknnde 1888. Seite 89. 


158 ReINHEHTZ, FeDRBBAROICETRR. ZkiTBCHRIPT für IvaTRÜMXVTKXKÜVDS. 

und ob dieselbe von der fortschreitenden Aendemng und anderen Einflüssen zu 
trennen sei. 

Das zu allen Vergleichen benutzte Quecksilberbarometer ist ein Normal- 
baronicter^) No. 182 von Fuess (Berlin), Gefässheber mit 15 mm weiter Röhre und 
0,0') mm Nonienangabe. Das Instrument hängt in einem für dasselbe gebauten 
Schrank, der es vor Staub und Beschädigung schützen soll. An der inneren Wand 
des Kastens sind Papierstreifen befestigt, auf welche sich die Kuppen äusserst 
scharf projiciren und stets sehr sichere Einstellungen ergeben. In gleichen Ab- 
ständen über und unter dem inneren Thermometer sind an der Wand des Kastens 
in mit Quecksilber gefüllten Röhren, von derselben Weite, wie sie das Instrument 
in der betreffenden Höhe hat, Thermometer angebracht, die die Angabe des In- 
Htruineutthermomcters controliren sollen. Während der Beobachtungszeit wurde 
das Instrument mehrmals auf sein Vacuum hin geprüft; dasselbe fand sich stets 
unv<5rändcrt. Aus mehreron Beobachtungsreihen ergab sich der mittlere Fehler 
ein(*r Ablesung zu 0,02 mm. 

Die untersuchten Federbarometer sind: 

Zwei Instrumente von Naudet, ohne Nummer, 11cm Scalendurchmesser, 
IHSO ang(^kauft, beide nicht gegen Temperatur compensirt. 

Zwei Nivellir-Barometcr nach Goldschmid von Hottinger (Zürich) No. 3307 
und ;j;n3, ISSl angekauft. 

Zwei Instrumente von Bohne, (Berlin) No. 492 und 538, 1883 angekauft, 
1 1 (MH Scalendurcliniessor, beide gegen Temperatur durch Zusammensetzung des 
von der FtMlcr ausstehenden starren Armes compensirt^). Ein Instrument, System 
Keitz, von Deutschbein (Hamburg) No. 39, 1883 angekauft. Die Barometer 
hoINmi in Folgendem der Reihe nach bezeichnet werden mit: X. 5. und N. 4,, 0,5. 
und r;. f)., R 7. und B. S., R, 9, 

Die», Instrumente standen auf einem Tisch neben dem Normalbarometer mit 
ihren zug(*]ir)rigen Etuis in eigens für die Prüfung derselben angefertigten Kästen, 
HO dass dieselben nach Möglichkeit gegen Temperaturwechsel geschützt waren, 
und die unvernK^idlichen Schwankungen nur langsam eintreten konnten, also 
auch die inneren Thermometer die thatsächlich eintretenden Temperaturdifferenzen 
angegeben haben müssen. Die Ausführung der Vergleichungen geschah in der 
Wciise, dass zu(u\st das Normalbarometer abgelesen wurde, sodann der Reihe nach 
di(* einzelnen Instrumente und schliesslich wieder das Normalbarometer; die den 
einzelnen Instrumenten entsprechenden Angaben des Normalbarometers wurden 
zwischen die Anfangs- und Sehluss-Ablesung der Zeit nach interpolirt. 

2. Beobachtungen bei künstlicher Druckänderung. 

Dieselben wurden angestellt, um dasAbhängigkeitsverhältniss der auftretenden 
Nachwirkungen vom Druckunterschied und der Geschwindigkeit der Druckänderung 
zu ermitteln. Es wurden vier Instrumente untersucht und zwar: N,3.f B,8., G.5, 
und R, .9., so dass zugleich Instrumente verschiedener Construction verglichen werden 
konnten, insofern es überhaupt möglich ist, von einem Exemplar auf andere zu 
schliessen. Die Instrumente A^ ,V. und B, 8, bezw. O, 5. und R. 9. standen mit ihren 
Etuis in zwei für den vorliegenden Zweck construirten, luftdicht durch eine Glas- 

M liericht über die wissensch. Tnstriimente auf der Berliner Gewerbe- Au sst. 1879 Seite 221. 
— 2) Kbendaselbat S. 122. 


Siebenter Jahrgang. Mai 1887. Reinhertz, Federbarometer. 159 


platte verschlossenen, flachen Metallkästen zusammen. Die beiden Zeigerinstrumente 
wurden durch die Glasplatte abgelesen. Um den Kopf der Schraube des Gold- 
schmid'schen Instrumentes wurde ein Ring mit zwei diametral gegenüberstehenden 
Ansätzen geschraubt, welche von einer, durch eine in der Glasplatte angebrachte 
Stopfbüchse gehenden, mit Handhabe versehenen, Führung gefasst wurden. Die 
Ablesung geschah durch ein in der Kastenwand angebrachtes Fenster aus geschlif- 
fenem Glase mittels einer an einem Arm verschiebbar angebrachten Lupe. Ein 
der Ablesungsvorrichtung gegenüber an der inneren Kastenwand befestigtes Blatt 
Zeichenpapier lieferte ein vorzügliches, stets gleichmässiges, mattes Licht, so dass 
die Coincidenz der Fühlhebelmarken sehr scharf zu beobachten war. Für die Ab- 
lesung des Reitz'schen Instrumentes waren gegenüberliegend in der vorderen und 
hinteren Kastenwand zwei Fenster derart angebracht, dass die optische Axe des 
Mikroskopes des in den Kasten hineingestellten Instrumentes in die Verbindungs- 
linie dieser beiden Fenster fiel. Die Beleuchtung der Scale geschah durch die Licht- 
öffnung in der hinteren Kasten wand mittels eines mit Zeichenpapier beklebten Brett- 
chens, das in einem Rahmen um zwei Axen wie ein Heliotropenspiegel beweglich 
angebracht war, so dass das von einem Fenster auffallende Licht durch Drehung 
der Papierfläche auf die Beleuchtungslinse im Inneren des Instrumentes geworfen 
werden konnte. Das damit erhaltene matte Licht ermöglichte sehr sichere Ablesungen. 

Die besprochenen Metallbehälter standen in mit Tuch ausgeschlagenen Holz- 
kästen, so dass Temperaturwechsel im Zimmer nicht direct auf die Metallflächen 
und damit auf die Temperatur im Inneren der Kästen einwirken konnten. Beide 
Behälter waren durch Hahnen verschliessbar und standen durch Schlauchverbin- 
dungen gleichzeitig mit dem neben dem Arbeitstisch in seinem Kasten hängenden 
Normalbarometer und einem Regulator in Verbindung. Um die bei längerem Ar- 
beiten vor dem Normalbarometer durch die Körperwärme entstehende Temperatur- 
erhöhung möglichst zu vermeiden ? oder doch wenigstens ihr Einwirken gleichmässig 
zu machen, wurde das Instrument mit einer mehrfachen dicken Lage von Papier 
und Tuch umhüllt; am Nonienschieber war, um die in der Ablesungshöhe noch 
freibleibende Quecksilbersäule beim Einstellen vor Erwärmung durch den Athem 
zu schützen, ein Schirm angebracht, und das Thermometer wurde vor und nach 
jeder Einstellung durch eine in der Umhüllung befindliche Klappe abgelesen. So 
gelang es, die Temperaturschwankung des Instrumentes in ziemlich engen Grenzen 
zu halten. 

Die Druckänderungen wurden durch Verdünnen und Verdichten der Luft 
in einem Schwefelsäureballon hervorgerufen, die Verdünnungen mittels einer B uns e na- 
schen Wasserluftpumpe. Dieselbe ist nach den Angaben von Schreiber^) in ein- 
facher Weise aus Glasröhren und Gummischläuchen zusammengesetzt; das Bassin 
wird durch die Wasserleitung gespeist. Der Ballon stand mit einem Quecksilber- 
manometer und einem Regulator derart in Verbindung, dass die Spannungsänderungen 
der in dem Ballon eingeschlossenen Luft nur durch diesen Regulator auf die in 
den Kästen befindlichen Instrumente einwirken konnten, und die Grösse der Spannung 
durch das Manometer angegeben wurde. Der zu dem vorliegenden Zweck con- 
stmirte Regulator bestand aus einem luftdicht schliessenden Messingcylinder von 
4,5 cm Länge und 2,5 cm Durchmesser, der an einer Kopffläche und seinem Mantel 
mit je einem Hahn versehen war. Der Zutritt der Luft von dem an der Vorder- 


1) Schreiber, Handbuch der barom. Höhenmessungen. Seite 171. 


100 RkINHERTZ, FfiDERBAROMETER. ZziTSCHSirr rOR iBSTKUlfSirrKirKUKDB. 


fläche liegenden Hahn aus (der in Verbindung mit dem Ballon und dem Manometer 
stand); zu dem Inneren des Cy linders und dadurch mittels des seitlichen Hahnes 
zu den Instrumenten wurde vermittelt durch eine Schraube mit conischem Gewinde, 
welche durch die gegenüberliegende Schlussfläche des Cylinders hindurchgehend 
einen randirten Knopf und eine mit Theilung versehene Trommel trug. Durch ent- 
sprechende Regulirung des im Ballon erzeugten Ueberdruckes, der durch das Mano- 
meter angegeben wurde, sowie durch an der Theilung der Trommel abzulesende 
Bewegungen der Schraube wurde es möglich, jeäe beliebige Druckänderung mit 
Sicherheit herzustellen, indem der Ueberdruck sich durch das Schraubengewinde 
hindurchsaugend, den Untersuchungskästen mittheilte. 

3. Anordnung und Ausführung der Beobachtungen. 

Um die Abhängigkeit der Nachwirkungserscheinungen vom Druckunterschied 
und der Schnelligkeit der Druckänderung zu ennitteln, wurden die Beobachtungen 
derart angeordnet, dass einmal die Nachwirkungsgrössen verglichen werden konnten 
bei constanter Geschwindigkeit der Druckänderung und verschiedenen Druckunter- 
ßchieden, und das andere Mal bei constantem Druckunterschied und verschiedener 
Geschwindigkeit der Druck an derung, und zwar wurden vier verschiedene Druck- 
unterscliiede mit je vier verschiedenen Geschwindigkeiten beobachtet, so dass die 
Function viermal durch je vier Punkte bestimmt werden konnte. Für die Druck- 
unterschiede wurden 20, 40, 70 und 100 mm, und für die Geschwindigkeiten der 
Druckänderung (Tempo) 0,2, 0,5, 1,0 und 2,0 mm pro Minute durchlaufenes Inter- 
vall gewählt. Für die Wahl dieser Grössen war bestimmend, sowohl eine entsprechende 
Vertheilung innerhalb der untersuchten Intervalle zu erzielen, als auch den in der 
Praxis eintretenden Verhältnissen möglichst Rechnung zu tragen. Der Gang der 
Beobachtungen war der folgende: 

Nachdem die Instrumente mindestens einen Tag unter constantem Druck 
gelialten wordfin waren, wurde zunächst der durch vorher angestellte Versuche 
bestimnite Ueberdruck im Ballon hergestellt, und beim Aussaugen der Luft die 
Pumpe auf eine in gleicherweise ermittelte Geschwindigkeit gestellt, beim Zulassen 
der Luft ein den Ballon abschliessender, unter Wasserverschluss stehender Stopfen 
entsprechend gelüftet; dabei waren die Kästen durch den am Regulator befind- 
lichen Hahn vom Ballon abgeschlossen. Sodann wurden die Instrumente abgelesen, 
und die Ablesung des Normal l)arometers auf einen mit einem engen Quadratnetz 
bedruckten Bogen Schreibpapier, auf dem ein nach den Barometerständen als Ab- 
8ciss(»n und den Zeiten als Ordinaten eingetheiltes Coordinatensystem aufgetragen 
war, eingezeichnet. Der somit erhaltene Punkt wurde mit dem Punkt, der bei dem 
jeweiligen Tempo und Intervall nach Abschluss der Druckänderung erreicht werden 
musste, durch eine gerade Linie verbunden, und damit der Weg, den die Ab- 
lesungen durchlaufen mussten, vorgezeichnet. Um die Notirung der Zeiten zu 
erleichtern und Fehler zu vermeiden, wurde sodann bis zu einer runden Minuten- 
zahl (5 oder 10 Minuten) gewartet, und nachdem die getheilte Trommel des Regu- 
lators auf die ennittelte Ablesung eingestellt war, der Hahn geöffiiet. Während 
der Druckänderung wm'de von Zeit zu Zeit das Barometer abgelesen, der damit 
erhalt(*ne Punkt auf dem Bogen verzeichnet, und danach je nach Erforderlichkeit 
eine Unregelmässigkeit der Geschwindigkeit durch kleine Verstellungen des Regu- 
lators beseitigt. In dieser Weise gelang es, das vorgeschriebene Tempo soweit 


SUbenter Jahrgang. Mai 1887. Reinhebtz, Federbabometer. 161 

innezuhalten, dass Abweichungen der Ablesungen von der vorgezeichneten Linie 
über 1 mm selten vorkamen. Während der Druckänderung wurden die Instrumente 
alle Paar Minuten durch Klopfen auf die Deckel leise erschüttert. Um möglichst 
gleich bei Abschluss der Druck änderung eine Ablesung zu erbalten, wurde kui'z 
vorher die Beobachtung vorbereitet, die Kuppen des Normalbarometers nahe der 
zu erreichenden Ablesung eingestellt und die Schraube des Goldschmid'schen In- 
strumentes dicht an den Fühlhebel gebracht. In dem bestimmten Zeitmoment (der 
wie vorher bemerkt immer auf eine volle Minutenzahl fiel) wurde der Hahn abge- 
schlossen und sofort die Ablesung begonnen, indem zuerst das Normalbarometer, 
sodann der Reihe nach die Aneroide und zum Schluss wieder das Normalbaro- 
meter abgelesen wurde. Diese Vergleichungen wurden, wie die später mitzu- 
theilenden Beobachtungsreihen ergeben, in den ersten zehn Minuten mehrfach, später 
alle 5, 10 bezw. 20 Minuten ausgeführt. Nach drei bis vier Stunden wurde nur 
noch von Zeit zu Zeit abgelesen, und an den folgenden Tagen noch mehrere Ein- 
stellungen vorgenommen, die zur Ermittlung der zu erreichenden Ruhelage dienen 
sollten. In den ersten Stunden einer solchen Beobachtungsreihe wurden die Kuppen 
des Normalbarometcrs immer nahe ihrer Einstellung gehalten und das Instrument 
durch leises Klopfen an die Umhüllung erschüttert, da es sich zeigte, dass die 
Kuppen dabei ihre relative Höhe weniger änderten als bei jedesmaligem, vollständigem 
Zurückschrauben, und es in dem vorliegenden Falle besonders auf möglichst scharfe 
Ermittlung der sehr geringen Druckdifferenzen der ersten Beobachtungsstunden 
ankam. Die trotz der sorgfältigen Verhüllung sich der inneren Luft der Kästen 
mittheilenden Temperaturschwankungen im Zimmer veranlassten stets kleine Ver- 
stellungen des Regulators, um die Spannung der eingeschlossenen Luftmasse con- 
stant zu erhalten. Die Temperatur der Aneroide selbst änderte sich in den ersten 
Stunden immer nur um wenige Zehntel-Grade. Ueber Nacht waren jedoch Tem- 
peratur- und Druckänderungen niclit ganz zu vermeiden; durch die sorgfältige 
Umhüllung der Instrumente, sowie durch geeignete Stellungen des Regulators und 
des Ueberdruckes konnten diese Schwankungen aber nur allmälig sich den Instru- 
menten mittheilen. — 

Die Vergleichungen der Instrumente mit dem Normalbarometer während 
der Druckänderung geschahen in der gewöhnlichen, bei Bestimmung der Theilungs- 
Verbesserung üblichen Weise. Es wurde jedoch nm* immer eine, höchstens zwei 
Instrument- Ablesungen, zwischen je zwei Normalbarometereinstellungen interpolirt. 
Bei den schnelleren Aenderungen von 1,0 und 2,0 mm pro Minute war eine ge- 
nügend sichere Bestimmung bei Einstellung beider Kuppen nicht zu erzielen, es 
wurde daher gleich bei Beginn eine Einstellung mit beiden Kuppen gemacht, sodann 
die Hebeschraube unverändert in ihrer Lage gelassen und nur am oberen Schenkel 
abgelesen in der Weise, dass der Nonienschieber auf eine passende Stelle eingestellt 
und der Moment, indem die Kuppe die Visirlinie erreichte, notirt wurde, sodann 
das Aneroid abgelesen, der Schieber verstellt, wieder der Moment der Berührung 
notirt, der Nonius abgelesen und hiernach der entsprechende Barometerstand der 
Zeit nach interpolirt wurde. Nach Abschluss der Druckänderung wurden beide 
Kuppen eingestellt, dadurch ein etwaiges Nachgeben des Lederbeutels im Gefäss 
festgestellt und die Differenz verlheilt. Nach einiger Uebung gelang es, in dieser 
•Weise genügend sichere Ablesungen zu erhalten, für die Ermittlung von Theilungs- 
Verbesserungen sind jedoch diese Geschwindigkeiten für die Druckänderung nicht 
zu verwenden. 


162 ßEimiERTZ, Federbaroiceter. Zeitschrift pOr Ixstrdmkntbvkusdr. 

Die Vergleichungen während der Druckänderung wurden in der Regel nur 
bei dem Intervall 100 mm ausgeführt. Die Beobachtungsreihen für die Nachwirkung 
nach der Druckänderung wurden für jede einzelne der 16 verschiedenen Gruppen 
mehrere Male, mindestens aber einmal bei Druck-Zunahme und Abnahme angestellt. 
Es erübrigt noch zu erwähnen, dass bei dem Instrument Reitz, da seine Theilimg 
nur bis 710 mm Quecksilbersäule geht, auch nur ein Theil der Reihen ausführbar war. 

in. Ergebnisse der Beobachtungen. 

4. Das Auftreten der elastischen Nachwirkung bei den gewöhnlichen 

Luftdrucksch wankungen. 

Die für die einzelnen Instrumente giltigen Teinperatur- und Theilungs- Ver- 
besserungen wurden, obwohl dieselben aus früheren Ermittlungen bekannt waren, 
für den vorliegenden Zweck aufs Neue, bestimmt. Die Herstellung der Temperatur- 
unterschiede geschah im Winter durch Benutzung der Zimmerwärme und der gerade 
stattfindenden Lufttemperatur im Freien durch Oeffnen der Fenster. So wurden 
die Instrumente Temperaturunterschieden von 3 bis 25° C. ausgesetzt, die bei 
der sorgfältigen Verhüllung nur allmälig eintreten konnten. Zur Elimination der 
geringen während der Vergleichungen vorkommenden Druckschwankungen wurden 
die früher ermittelten Theilungs -Coefficienten verwendet. Die Bestimmung der 
Temperatur- Correction geschah auf graphischem Wege und die so erhaltenen 
Werthe wurden zur Reduction aller in dem Folgenden mitgetheilten Beobachtun- 
gen benutzt. 

Die Theilungs-Verbesserung wurde nach Anbringung dieser so bestimmten 
Temperatur -Correction aus geeigneten Gruppen der im Abschnitt 1 besprochenen 
Beobachtungen ebenfalls auf graphischem Wege abgeleitet in der Weise (vergl. 
Abschnitt 12), dass die in Folge der elastischen Nachwirkung eintretenden Abwei- 
chungen ohne Einfluss blieben. 

Nach Anbringung dieser Verbesserungen an den Federbarometerständen und 
nach Reduction des Normalbarometers auf 0° C. wurden, um die Abhängigkeit 
der Standverbesserung von dem Druckunterschied und der Zeitdauer verfolgen 
zu können, die Differenzen „red. Normalbarometer — red. Federbarometer" als 
Ordinaten zu den Zeiten als Abscissen aufgetragen. Die Curven zeigten Wellen, 
deren Beziehung zum Barometerstande sofort in die Augen fiel. Weit übersichtlicher 
trat jedoch diese Abhängigkeit hervor, wenn jene Differenzen zu den Barometer- 
ständen als Abscissen aufgetragen wurden. Der EinHuss der elastischen Nach- 
wirkung war überall zu erkennen; nach dem Aufhören einer Druckänderung und 
besonders nach einem Wendepunkte zeigten sich in gleicher Weise wie bei stärkeren 
Druckintervallen unter der Luftpumpe die Abweichungen in dem erwarteten Sinne. 
Ein Verhältniss der beobachteten „Sprünge" zu den sie hervorrufenden Druck- 
intervallen war nur insofern festzustellen, als grösseren Intervallen auch grössere 
Aenderungen der Standcorrection entsprachen, da die kleineren Nachwirkungen 
theils unter anderen Einflüssen (Temperatur) und den Beobachtungsfehleru verschwan- 
den. Ein Abweichen im entgegengesetzten Sinne der der Nachwirkung entsprechenden 
Aenderung kam nach grösseren Intervallen überhaupt nicht vor. 

Die folgenden Tabellen I. und II. geben auszugsweise den Verlauf der Stand- 
Verbesserung für zwei verschiedene, mehrere Tage andauernde Druckänderungen 
im Februar bezw. März 18B0 bei je vier Instrumenten an. Die Figuren 1 und 2 
liefern eine graphische Darstellung dieser Tabellen. 


Siebenter Jahrgang. Mai 1887. 


Reinhsrtz, Federbarometkr. 


163 


Tabelle I. 


Zeit. 

Ifittlere 

K 


K- 

-K 



Tem- 
perator. 

mm 





Datam. Stunde. 

N, 3, 

ö. 5. 

R, 7. 

Ä. 9. 

1SS6. 




-f 



-f 

Febr. 1 

9^ 5" 

10,0 

738,93 

0,62 

3,46 

1,20 

0,89 

2 

9 40 

11,0 

745,22 

0,67 

3,49 

1,12 

0,90 

4 

9 45 

11,0 

755,35 

0,54 

3,65 

1,10 

0,99 

7 

11 35 

10,0 

767,10 

0,57 

3,41 

],04 

1,05 

8 

9 35 

8,0 

774,87 

0,61 

3,66 

1,16 

0,98 

9 

9 45 

9,0 

774,44 

0,31 

3,84 

1,41 

0,72 

9 

11 55 

12,0 

773,58 

0,20 

3,95 

1,32 

0,94 

10 

3 30 

13,0 

763,43 

0,25 

3,60 

1,17 

0,64 

11 

10 40 

12,0 

758,49 

0,26 

3,69 

1,17 

0,58 


Tabelle n. 


Zeit. 


Mittlere 

K 


K' 

'K 


mde. 

Tem- 
peratur. 

n 

mm 


n 

n 

Datum. 

St« 

N. 4. 

ö. 6. 

B, 8. 

R. 9, 

1886. 





— . 


— 

-\- 

März 6 

11^ 

40" 

13,0 

743,54 

0,88 

2,31 

3,46 

0,79 

8 

9 

40 

8,0 

764,54 

0,76 

2,38 

3,42 

0,81 

9 

12 

00 

9,0 

768,48 

0,75 

2,50 

3,56 

0,83 

10 

10 

55 

9,0 

765,92 

0,94 

2,61 

3,55 

0,63 

11 

12 

45 

10,0 

765,55 

1,11 

2,58 

3,71 

0,44 

12 

12 

25 

10,0 

762,84 

1,18 

2,73 

3,81 

0,39 

13 

12 

20 

11,0 

764,38 

0,94 

2,56 

3,61 

0,16 

14 

4 

35 

9,0 

757,81 

1,11 

2,44 

3,73 

0,33 

15 

12 

05 

10,0 

752,15 

1,33 

2,44 

3,68 

0,19 

IG 

12 

05 

10,0 

751,23 

1,17 

2,45 

3,64 

0,42 

17 

9 

50 

10,0 

754,38 

1,10 

2,45 

3,73 

0,38 

17 

11 

50 

12,0 

754,36 

1,07 

2,45 

3,66 

0,50 


Es ist noch zu erwähnen, dass^für das Instrument Reitz, um^eine Verglei- 



Pig. 1. Fig. 2. 

chung zu ermöglichen, nach Ermittlung des Werthes der Scaleneinheit alle directen 
Ablesungen in Millimeter zu verwandeln waren. 


164 ReIITHERTZ, FSDEEBAROMETER. ZeITSOHSIFT für iHSTBUUEllTBKKinrDB. 


5. Die Nachwirkung bei künstlicher Druckänderung nach dem Auf- 
hören derselben. 

Bei Berechnung der nach den Ausführungen von Abschnitt 3 für die 16 Be- 
obachtungsgruppen erhaltenen Reihen wurde zunächst den Aneroideuangaben die (in 
Abschnitt 4 besprochene) Temperatur- Verbesserung beigelegt. Die Correctionen 
blieben bei den nur sehr geringen Temperaturschwankungen der ersten Stunden 
fast constant, so dass eine Verschiedenheit der Verbesserungen für die niederen 
Barometerstände gegenüber den zwischen 740 und 760 mm Barometerstand ermit- 
telten, ohne jeden Einfluss sein musste. 

Nach Ausführung der Reduction auf 0° C. wurden unter Berücksichtigung 
der an der betreftenden Stelle der Scale giltigen Theilungs -Verbesserung diejenigen 
Federbarometerstände: red. F!i abgeleitet, welche die Instrumente gezeigt haben 
würden, wenn das (auf 0° C. reducirte) Normalbarometer für die ganze Dauer der 
Reihe einen entsprechend gewählten, unveränderlichen Stand Bc gehabt hätte. 

Die Ausführung dieser Reduction gestaltete sich, wie aus dem sogleich mit- 
zutheilenden Beispiel ersichtlich ist, sehr einfach, da die Differenz d^ der Angaben 
des Normalbarometers ß^ gegen den gewählten Stand Bc immer innerhalb sehr enger 
Grenzen blieb, und die für jedes Instrumeiit giltigen Reductionswerthe : red. d^ 
aus zu dem Zweck für Zehntelmillimeter berechneten Verwandlungstäfelchen so- 
fort zu entnehmen waren. 

Zur Darlegung des Rechnungs Verfahrens möge das nebenstehende Beispiel 
dienen. Hierin enthält Spalte 1 die Beobachtungszeiten; 2 die Zeit in Minuten, die 
seit Schluss der Druckänderung verflossen ist; 3 und 4 die Ablesungen am Noimal- 
barometer für Temperatur und Barometerstand vor und nach der Ablesung der 
Aneroide; 6 die mit der Verbesserung der Spalte 5 auf 0°C. reducirten Normal- 
barometerstände J5°; Spalte 7 die Differenzen dn =Bc — Bn gegen den Stand Bc = 
652,00 mm; Spalte 8 und 9 die Ablesungen am Federbarometer und dessen Thermo- 
meter; 11 die mit der Correction von Spalte 10aufO°C. reducirten Ablesungen 
Fn't Spalte 12 die mit der bei 650 mm für B. 8, giltigen Theilungs- Verbesserung 
verwandelten Differenzen red. f/„ (die hier wegen ihi'er geringen Grösse unver- 
ändert bleiben); und endlich Spalte 13 die, dem constanten Normalbarometerstand 
5^=; 652,00 mm entsprechenden Aneroidstände red. F^l. 

Die Ablesungen am Nonnalbarometer vor und nach der Notirung der Ane- 
roide wurde gemittelt, wenn ihre Differenz unter 0,05 mm blieb; wenn dieselbe 
aber 0,05 mm und mehr betrug, oder sich eine stetige Aenderung zeigte, so wurden 
die den einzelnen Instrumenten entsprechenden Normalbarometerstände der Zeit 
nach interpolirt, wie bei /„ ^^ 2 Min. in dem folgenden Beispiel. Da in dem vor- 
liegenden Fall zur Zeit /„ — Min. noch keine Ablesung genommen werden 
konnte, so wurde dieselbe aus einer graphischen Darstellung der Werthe red. F^ als 
Ordinaten zu den Zeiten als Abscissen rückwärts ermittelt. 

Die für red. Fn gefundenen Werthe wurden, um eine übersichtlichere Ver- 
gleichung zu ermöglichen, auf den für den Moment der Druckeinstellung, ^„=0, 
erhaltenen Werth als Nullpunkt reducirt, und sodann die so gefundenen Grössen 
y,i auf Millimeterpapier als Ordinaten zu den Zeiten als Abscissen aufgetragen. 
In den Fällen, in denen die erste Ablesung nicht sofort bei der Druckeinstellung zu 
nehmen war , wurde in der soeben besprochenen Weise verfahren und der gefundene 
Werth für red. F^ in den später folgenden Tabellen durch Klammern kenntlich 
gemacht. 


siebenter Jahrg^ang. Mai 1887. 


Reinhertz, Federbarometer. 


165 


Die Curven zeigten mit Ausnahme einzelner Fälle, in denen Druckschwan- 
kungen während der Beobachtung nicht zu vermeiden gewesen waren, einen sehr 
regelmässigen Verlauf, besonders auffallend bei stärkeren Nachwirkungen. Die 
Abhängigkeit der y„ vom entsprechenden Druckintervall und dem Tempo trat sofort 
hervor, sowie auch die Verschiedenheit des Verhaltens der einzelnen Instrumente. 
Das Instrument 6r. 5. zeigte weitaus die kleinsten Nachwirkungen , sodann JB. 9., und 
endlich N, 3, und B, 8, zwar grössere, aber unter sich gleiche und regelmässiger 
verlaufende Nachwirkungen. 

ReductionsbeispieL 
Instrument: R 8. Tempo: 2,0 mm. Dracknnterschied : AF= — 100mm. 


Zeit. 

Min. 

Temp. 
des 

Nom.-B. 

^n 

Temp.- 
Ver- 
bess. 

* n 


Temp. 
des 

Feder- 
bar. 

Fn 

Temp.- 

Ver- 
besser. 


Red. 

Red. 

K 

1 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

8 

9 

10 

11 

12 

13 

Juni 17 

11^ 50° 




vor 
nach 


652,00 







[654,05] 

52 

2 

18,1 

653,^^ 

4-1,92 

651,53 

+ 0,47 

17,6 

653,30 

-h0,l8 

653,48 

-h0,47 

653,95 

55 

5 

18,2 

60 
65 

1,93 

70 

30 

17,6 

3,35 

18 

3,53 

30 

3,83 

12 00 

10 

18,2 

80 

82 

1^94 

87 

13 

17,7 

3,40 

18 

3,58 

13 

3,71 

05 

15 

18,2 

60 
55 

1,94 

63 

37 

17,7 

3,05 

18 

3,23 

37 

3,60 

10 

20 

18,2 

48 
50 

1,94 

55 

45 

17,7 

2,90 

18 

3,08 

45 

3,53 

20 

30 

18,1 

47 
52 

1,93 

57 

43 

17,7 

2,80 

18 

2,98 

43 

3,41 

30 

40 

18,1 

62 
65 

1,93 

70 

30 

17,7 

2,85 

18 

3,03 

30 

3,33 

40 

50 

18,0 

55 
55 

1,91 

64 

30 

17,8 

2,70 

18 

2,88 

36 

3,24 

50 

60 

18,0 

52 
55 

1,91 

63 

37 

17,8 

2,62 

18 

2,80 

37 

3,17 

1 00 

70 

18,0 

60 
60 

1,91 

69 

31 

17,9 

2,65 

18 

2,83 

31 

3,14 

10 

80 

18,0 

60 
60 

1,91 

69 

31 

17,9 

2,60 

18 

2,78 

31 

3,09 

55 

125 

17,8 

35 
42 

1,90 

48 

52 

18,0 

2,40 

18 

2,58 

52 

3,10 

2 10 

140 

17,9 

48 
50 

1,91 

58 

42 

18,0 

2,42 

18 

2,60 

42 

. 3,02 

30 

160 

18,0 

65 
70 

1,91 

76 

24 

18,0 

2,52 

18 

2,70 

24 

2,94 


Die Ruhelagen, denen die Instrumente in den einzelnen Fällen zustrebten, 
wurden aus dem mehrere Tage, mindestens einen Tag lang beobachteten Verlauf 
der Nachwirkung nach den die Werthe y,» darstellenden Curven abgeleitet. Obwohl 
nun die Annäherung an diese Ruhelage nicht schon nach einigen Tagen vor sich geht, 
vielmehr Wochen und Monate zur vollständigen Erreichung derselben erforderlich 
wären, so ist dieselbe doch nach ein bis zwei Tagen schon so nahe erreicht, dass 
aus den Curven auf den Endpunkt der Bewegung mit einiger Sicherheit geschlossen 


106 


Reuvhehtz , Fkderbabometer. 


Zbitbchbzft FÜB IjrSTBI 


werden kann. Die auf diese Weise abgeleiteten Werthe Xq für die Abstände von 
der Ruhelage zur Zeit ^»=0 zeigten für die verschiedenen Reihen derselben Gruppe 
eine sehr gute Uebereinstimmung. 

Eäne gewisse Willkür ist dieser Bestimmung nicht abzusprechen; sie liegt 
in der Natur der Sache begründet. Eine genauere Ermittlung durch Ausdehnung 

Tabelle III. Tabelle IV. 

Tempo : 2^0 mm. A F= 20 mm; Tempo : 2,0 mm. ^F=iO mm. 





5 

10 

15 

20 

25 

80 

40 

50 

65 

80 

90 

100 

110 

120 

130 

140 


732,80 
2,85 
2,79 
2,74 
2,80 
2,92 
8,00 
8,10 
2,97 
2,85 
2,67 
2,60 
2,54 
246 
2,35 
2,37 
2,39 


16,2 


16,3 


n 
^0 = 


735,28 

5,21 

5,12 

5,12 

5,11 

5,04 

5,06 

5,01 

5,04 

6,03 

5,04 

5,06 
5,10 

5,10 

5,06 

4,99 

4,97 


0,00 
07 
16 
16 
17 
24 
22 
27 
24 
25 
24 
22 
18 
18 
22 
29 
31 

0,45 


736,82 

75 
72 
75 
73 
77 
71 
77 
75 

73 

74 
72 
74 
76 
76 


0,00 

07 
10 
07 
09 
05 
11 
05 
07 

09 
08 
10 
08 
06 
06 
0,10 


^n 

< ' 

Mitt- 
lere 
Tem- 
perai 

red. Fl 

W9 

S, 

G.5, 



738,18 

20,7 

740,53 

0,00 

742,40 

0,00 

5 

8,16 

» 

0,65 

12 

44 

04 

10 

8,16 

j» 

0,70 

17 

— 

— 

15 

8,19 

n 

0,74 

21 

48 

08 

30 

8,27 

n 

0,89 

36 

48 

08 

40 

8,32 

y> 

0,89 

36 

49 

09 

50 

8,40 

» 

0,83 

30 

49 

09 

60 

8,43 

20,8 

0,87 

34 

43 

03 

70 

8,38 

n 

0,94 

41 

50 

10 

80 

8,34 

» 

0,93 

40 

52 

12 

90 

8,33 

1» 

0,89 

36 

54 

14 

100 

8,28 

n 

0,94 

41 

53 

13 

120 

8,20 

7t 

1,00 

47 

51 

11 

140 

8,05 

21,0 

1,07 

54 

53 

13 

160 

7,98 

^0- 

1,05 

52 

0,70 


0,16 




Tabelle V. 





Tabelle VI. 



Tempo: 2,€ 

> mm. A F= ' 

70 mm. 



Tempo: 2,0 

mm. A F— 100 mm. 



Mitt- 






Mitt- 




Bl 

lere 

B,8, 

Ö.5. 

t 

Ä^ 

lere 

B.8, 

Ö.5. 

n 

n 

Tem- 

, 



*•! 

""» 

Tem- 





perat. 

red. Fl 

Vh 

red. Fl 

Vn 



perat. 

^^^'K Vn 

red. Fl 

yn 



659,61 

15,4 

661,50 

0,00 

665,93 

0,00 



651,— 


[654,05J 

0,00 

[657,85] 

0,00 

2 

59,84 

» 

1,36 

14 

— 

— 

2 

53 

17,9 

653,95 

0,10 

657,75 

10 

5 

59,97 

yt 

1,23 

27 

77 

16 

5 

70 

1» 

3,83 

0,22 

76 

09 

10 

60,06 

15,5 

1,14 

36 

77 

16 

10 

87 

18,0 

3,71 

0,34 

74 

11 

15 

60,10 

n 

1,10 

40 

80 

13 

15 

63 

» 

3,60 

0,45 

66 

19 

20 

60,14 

» 

1,06 

44 

77 

16 

20 

55 

Ji 

3,53 

0,52 

68 

22 

80 

60,16 

yt 

1,01 

49 

75 

18 

30 

57 

18,1 

3,41 

0,64 

59 

26 

40 

60,17 

» 

0,98 

52 

74 

19 

40 

70 

» 

3,33 

0,72 

58 

27 

50 

60,05 

» 

1,00 

50 

66 

27 

50 

64 

» 

3,24 

0,81 

61 

24 

60 

60,00 

Ji 

1,00 

50 

71 

22 

60 

63 

j» 

3,17 

0,88 

61 

24 

70 

60,32 

15,6 

0,85 

65 

69 

24 

70 

69 

18,2 

3,14 

0,91 

59 

26 

80 

60,28 

n 

0,82 

68 

67 

26 

80 

69 

?> 

3,09 

0,96 

57 

28 

90 

60,23 

r> 

0,87 

63 

67 

26 

125 

48 

18,4 

3,10 

0,95 

61 

24 

100 

60,08 

1» 

0,82 

68 

64 

29 

140 

58 

y* 

3,02 

1,03 

58 

27 

120 

59,77 

m 

0,78 

72 

61 

32 

160 

76 

» 

2,94 

1,11 

63 

27 

140 

59,67 

15,7 

0,73 

77 

61 

32 



Jo = 


1,80 


0,40 

160 

59,70 

» 

0,70 

80 

66 

27 










:^o = 


1,40 


0,35 









siebenter Jahrgang. Mai 1887. 


Beimhertz, Fedebbarometeb. 


167 


der Beobachtung auf einen längeren Zeitraum zu erzielen , würde wenig Werth 
haben ; da einerseits der nach ein bis zwei Tagen noch bleibende Abstand und die 
Geschwindigkeit der Annäherung an die Ruhelage so klein sind, dass die diesen 
entsprechende Nachwirkungsbewegung unter anderen Einflüssen verschwinden wird, 
und andrerseits in Folge von Druckschwankungen und Temperatureinwirkungen 


Tabelle VII. 
Tempo: 1,0 mm. A F= 100 mm. 


Tabelle Vin. 
Tempo : 0^5 mm. A F= 100 mm. 


^n 


Mitt- 
lere 
Tem- 
perat. 

red. Fl 

Vn 

GA 
red. Fl 

.V« 



660,20 

17,6 

663,22 

0,00 

667,22 

0,00 

5 

48 

» 

3,02 

20 

7,15 

07 

8 

54 

n 

3,04 

18 

7,10 

12 

10 

57 

17,7 

3,01 

21 

7,14 

08 

15 

52 

« 

2,96 

26 

7,04 

18 

20 

45 

n 

2,92 

30 

7,03 

19 

25 

57 

» 

2,as 

39 

6,97 

25 

30 

61 

» 

2,79 

43 

7,03 

19 

35 

67 

17,9 

2,76 

46 

7,03 

19 

40 

67 

» 

2,76 

46 

7,02 

20 

45 

50 

T> 

2,74 

48 

7,07 

15 

50 

50 

J) 

2,74 

48 

6,97 

25 

60 

68 

18,0 

2,60 

62 

6,97 

25 

70 

68 

yt 

2,60 

62 

6,94 

28 

60 

70 

» 

2,58 

64 

6,98 

24 

90 

77 

18,2 

2,51 

71 

6,99 

23 

100 

79 

T> 

2,54 

68 

7,03 

19 

125 

87 

r> 

2,41 

81 

6,93 

29 

150 

87 

^0 

2,41 

81 
1,50 

6,90 

32 
0,35 


^« 

b: 

Mitt- 
lere 
Tem- 
perat. 

B.I 
red. Fl 


Q,t 
red. Fl 






[657,05] 

0,00 

[660,52] 

0,00 

1 

656,70 

20,5 

657,02 

03 

660,47 

05 

7 

75 

n 

6,87 

18 

— 


10 

75 

J» 

6,87 

18 

50 

02 

15 

70 

n 

6,82 

23 

49 

03 

20 

63 

20,6 

6,76 

29 

50 

02 

25 

63 

n 

6,74 

31 

43 

09 

30 

58 

n 

6,64 

41 

39 

13 

35 

61 

n 

6,61 

44 

44 

08 

40 

62 

y> 

6,60 

45 

41 

11 

50 

48 

n 

6,65 

40 

36 

16 

60 

53 

n 

6,59 

46 

37 

15 

70 

68 

» 

6,54 

51 

41 

11 

80 

64 

20,7 

6,53 

52 

34 

18 

90 

58 

v 

6,54 

51 

28 

24 

100 

44 

» 

6,49 

56 

29 

23 

120 

13 

20,8 

6,55 

50 

32 

20 

140 

53 

Tt 

6,39 

66 

33 

19 

160 

36 

20,9 

6,37 

68 

29 

23 



Ao- 


1,15 


0,25 


Tabelle IX. 
Tempo : 0,2 mm. A F= 100 mm. 


*n 

Bl 

Mitt- 
lere 
Tem- 
peret. 

red. Fl 

S. 

red. Fl 

5. 



653,80 

21,6 

655,41 

0,00 

659,43 

0,00 

5 

3,93 

r> 

5,28 

13 

39 

04 

10 

3,94 

n 

5,25 

16 

42 

Ol 

20 

4,00 

y> 

5,21 

20 



30 

4,02 

y> 

5,14 

27 

32 

11 

40 

3,92 

21,7 

5,14 

27 

34 

09 

50 

3,82 

yt 

5,09 

32 

30 

13 

60 

3,81 

n 

5,00 

41 

33 

10 

75 

3,75 

y> 

5,01 

40 

27 

16 

90 

3,61 

V 

5,05 

36 

37 

06 

100 

3,69 

21,8 

5,00 

41 

34 

09 

120 

3,52 

T> 

4,94 

47 

34 

09 

140 

3,44 

n 

4,87 

54 

28 

15 

160 

3,23 

9 

^0- 

4,93 

48 
0,95 

33 

10 
0,15 


168 


Beinhertz, Fedebbabometeb. 


Zextbchrot r0s Ihstkümbrtuijk uxds. ' 


eine absolute Ruhelage überhaupt niemals eintreten, dieselbe vielmehr stets um 
einen Mittelwerth schwanken wird. 

Da es zu weit führen und bei der Aehnlichkeit der einzelnen Reihen 
wenig Interesse bieten würde, das ganze direct gewonnene Beobachtungsmaterial 
raitzutheilen, so sind in den Tabellen III. bis XVI. für je ein Instrument der 


Tabelle X. 
Tempo : 2,0 mm. ^ F= 20 mm. 


^n 

< 

Tera- 

pent. 

des 

Intitr. 

R.9. 

^^^'K yn 



732,80 

16,2 

734,42 

0,00 

5 

2,85 

n 

31 

11 

10 

2,79 

» 

30 

12 

15 

2,74 

n 

29 

13 

20 

2,^0 

V 

29 

13 

25 

2,92 

n 

27 

15 

30 

3,00 

ri 

36 

06 

40 

3,10 

r> 

32 

10 

50 

2,97 

•) 

. 35 

07 

65 

2,S5 

16,3 

27 

15 

80 

2,67 

n 

31 

11 

90 

2,60 

» 

28 

14 

100 

2,54 

» 

24 

18 

110 

2,46 

n 

22 

20 

120 

2,:^5 

n 

24 

18 

180 

2,37 

« 

22 

20 

140 

2,39 


26 

16 

0,20 


Tabelle XII. 
Tempo: 2,0mm. AF-=70mm, 


*n 

n 

Tcm- 
p«rftt. 

dv8 

Iiidtr. 

R.9. 

red-n yn 



754,20 

24,7 

755,04 

0,00 

10 

20 

rt 

18 

14 

15 

25 

rt 

38 

34 

20 

31 

24,9 

36 

32 

30 

20 

25,0 

43 

39 

40 

14 

fl 

46 

42 

50 

11 

*> 

49 

45 

60 

08 

25,1 

52 

48 

70 

04 

« 

53 

49 

80 

02 

9^ 

55 

51 

90 

09 

m 

54 

50 

100 

30 

25,3 

60 

56 

120 

22 

25,5 

57 

53 

160 

02 

1 


59 

55 
0,90 


* Tabelle XI. 
Tempo : 2,0 mm. A F^= 40 mm. 


'« 

Bl 

Tem- 

perat. 

des 

Inatr. 

R,9, 

^^^'K yn 



738,18 

20,7 

739,82 

0,00 

5 

16 

» 

39,94 

12 

10 

16 

» 

39,98 

16 

15 

19 

,*r 

40,01 

19 

30 

27 

» 

40,03 

21 

40 

32 

n 

40,08 

26 

50 

40 

» 

40,10 

28 

60 

43 

20,8 

40,10 

28 

70 

38 

V 

40,11 

29 

80 

34 

r> 

40,12 

30 

90 

33 

» 

40,09 

27 

100 

28 

n 

40,11 

29 

120 

20 

n 

40,06 

24 

140 

05 

21,0 
^0- 

40,14 

32 
0,40 


Tabelle XIII. 
Tempo : 2,0 mm. A F= 100 mm, 


^ 

K 

Teio- 

perat. 

des 

lustr. 

R.i 
Teil Fl 

yn 





[749,75] 

0,00 

1,6 

749,42 

15,3 

749,81 

06 

5 

49,39 

» 

49,83 

08 

10 

49,44 

n 

49,88 

13 

15 

49,54 

w 

50,08 

33 

20 

49,58 

r> 

50,10 

35 

25 

49,62 

r» 

50,19 

44 

30 

49,67 

15,4 

50,24 

49 

42 

49,73 

*i 

50,25 

50 

50 

49,73 

15,6 

50,41 

66 

60 

49,80 

« 

50,40 

65 

70 

49,80 

15,H 

50,42 

67 

80 

49,81 

n 

50,55 

80 

{){) 

49,93 

16,0 

50,46 

71 

100 

50,01 

16,2 

50,55 

80 

120 

60,02 

»» 

50,53 

78 

140 

50,06 

16,5 

50,52 

77 
1,30 


Siebenter Jalirguig. Mai 1887. 


Reikhebtz, Fedebbabometer. 


169 


Tabelle XIV. TabeUe XV. Tabelle XVI. 

Tempo : 1,0 mm. A F== 100 mm. Tempo : 0^5 mm. A F= 100 mm. Tempo : 0,8 mm. A F=r 100 mm. 


^n 

K 

Tem- 

per&t 

des 

Instr. 

R9. 



776,56 

17,0 

779,84 

0,00 

5 

54 

» 

79,46 

12 

10 

55 

» 

79,51 

17 

15 

58 

» 

79,55 

21 

20 

58 

n 

79,62 

28 

30 

57 

» 

79,73 

39 

40 

59 

17,1 

79,77 

43 

50 

64 

» 

79,76 

42 

60 

62 

17,3 

79,78 

44 

70 

58 

» 

79,82 

48 

80 

56 

» 

79,90 

56 

90 

52 

» 

79,91 

57 

100 

52 

17,4 

79,94 

60 

120 

57 

17,6 

79,98 

64 

140 

55 

^0- 

80,00 

66^ 
1,20 


*n 

b: 

Tem- 

perat. 

des 

Instr. 

R, 9, 





[749,74J 

0,00 

2 

749,61 

22,5 

49,78 

04 

4 

9,61 

7) 

49,81 

07 

7 

9,61 

» 

49,82 

08 

10 

9,62 

» 

49,93 

19 

15 

9,63 

22,6 

49,96 

22 

20 

9,57 

» 

50,02 

28 

25 

9,60 

j) 

50,02 

28 

30 

9,60 

» 

50,02 

28 

35 

9,58 

n 

50,04 

30 

40 

9,54 

n 

50,08 

34 

50 

9,55 

7t 

50,07 

33 

60 

9,51 

n 

50,11 

37 

70 

9,46 

22,5 

50,15 

4L 

^80 

9,35 

» 

50,11 

37 

90 

9,28 

r> 

50,08 

84 

100 

9,25 

n 

50,09 

35 

145 

8,70 


50,23 

49 
1,00 




Tem- 


t 

5° 

permt. 

R.9, 

"n 

*^n 

des 




Instr. 

red. Fl 

yn 



763,43 

21,0 

765,52 

0,00 

5 

47 

V 

55 

03 

10 

47 

J) 

58 

06 

20 

51 

» 

71 

19 

30 

57 

» 

71 

19 

40 

60 

V 

72 

20 

50 > 

67 

» 

68 

16 

60 

74 

» 

74 

22 

70 

74 

» 

84 

32 

80 

85 

1» 

76 

24 

90 

86 

21,4 

79 

27 

100 

90 

1» 

77 

25 

120 

88 

21,6 

79 

27 

140 

86 

1» 
^0- 

79 

27 
0,70 


A F= 100 mm, Tempo = 0,2, 0,5, 1,0, 2,0 mm. Tempo = 2,0 mm, A F= 20, 40, 70 mm. 


50 Minoten 



Fiff. 8. 


Flg. 4. 


14 


170 Rbinhbbtz, Fedebbabometer. Zeitschrift füb iHSTBUMSFnsincDXDB. 


vorBchiiHlonon Constructionen, nämlich für B, 8., G, 5. und B, 9. die bei den Druck- 
intorvallen 100, 70, 40 und 20 mm mit dem Tempo 2,0 mm, sowie die bei 100 mm 
und don Tempi 1,0, 0,5 und 0,2 mm erhaltenen Reihen zusammengestellt, so dass 
dioMolbon die Beziehung der Nach wirkungsgrössen zum Druckimterschied und Tempo 
zum AuBdruck bringen. Da femer der Verlauf der elastischen Nachwirkung in den 
Beobachtungen der ersten Stunden sich am Deutlichsten ausprägt und dabei 
ihre wesentlichsten Eigenschaften zeigt, so sind in den Tabellen die Reihen 
auch nur bis zu 200 Minuten angegeben. Die Bezeichnungen sind dieselben wie 
in dem das Reohnungsverfahren darlegenden, früher mitgetheilten Beispiel. Es 
kommen nur noch die auf den Moment der Druckeinstellung reducirten Aneroid- 
stWndo yn, sowie die Abstände A'o von der Ruhelage zur Zeit tn = hinzu. Die 
Tabellen III. bis IX. bringen die Angaben für die Instrumente B. 8. und G. 5., 
Tabelle X. bis XYI. fttr-K. »^., das, da wie schon bemerkt seine Theilung nur bis 
710 mm reicht, nicht Inuwor gleichzeitig mit den anderen Barometern beobachtet 

werden konnte. 

Die FiguiH>« H und 4 auf voriger Seite geben eine Darstellung dieser 
Helhen» und «war Figur 3 für das Druckintervall 100 mm mit dem Tempo 0,2, 0,5, 
!,() unil a.O n\uu Vi^MV 4 für die Druckunterschiede 20, 40 und 70 mm mit dem 

Tetnpo y.U m\u 

pie AbhMugigkeit vom Intervall und Tempo wird im Abschnitt 7 speciell 

[^^^ dureh gloieho Druckunterschiede bei gleichem Tempo hervorgerufenen 
NMrb^vdKuhti^M^ waren für die beiden Zeiger-Aneroide N. 3. und B. 8. innerhalb der 
ilun^h l>iMok»rhwwukungen und Temperaturunterschiede möglichen Abweichungen 
»»IhfUub*! vi»llkoininea gleich. Die mit demselben Anfangspunkt aufgetragenen Cur- 
U'ii ituM'lio^^linitten nieh vielfach; eine Abhängigkeit von der Temperatur, war nicht 
fni"»^i«|'iMHti dnK*^K*^'* zeigte sich, dass die Ruhelage etwas schneller erreicht wurde 
h»H'l» lMu»^ki^'Mn«liine nln nach Druckabnahme. Der Verlauf der Nachwirkung war 
Ihilhtb Im Im^JiIom Kllllen in den ersten Stunden derselbe, die Verschiedenheit zeigte 
hlt^li M»}| ApHlMi* und war überhaupt im einzelnen Fall nicht zu erkennen, sondern 
».(ii IimI M^i bei Hetraehtung des gesammten Beobachtungsmateriales hervor. 
|:)|iifi |')(MMi'intK dioHor Erscheinung ergiebt sich einmal dadurch, dass ein con- 
MiMitWi hntrk bei niederen Barometerständen ohne beständige Beaufsichtigung 
fb»» A|<|MHMlMft tww Hebwer zu erhalten, und ferner eine ge^visse Verschieden- 
lihll^ dhi Im bhhbm FäUen auftretenden Nachwirkungsgrössen wohl zu erwarten 
nfM, dn bfij b/)heren Hnrometerständen die Feder stärker gespannt ist als bei 

Pw niii» für die beiden genannten Instrumente diese Abweichungen so gering 
wnU'ih '1^*^^ ^'^^ ''**' ^'*^"^ eingesehlagenen Beobachtungsverfahren von den durch 
't hHi\ii>iiiiHV und UruckHchwankungen herrührenden Beeinflussungen der Nachwir- 
ft ^M»i^ h\t lil »'lifie WniteroH KU trennen waren, so konnten sämmtliche Reihen innerhalb 
/|/^ ^ln^' Initn Hruppt^t al« gb^eh behandelt werden. Es wurden daher die in jedem 
Klhffthii^ Itt hlMlllltub'ndt^n Abwtände »i„ von der jeweiligen Ruhelage nach der 
tthUhi^ 't,i- • '^M Htt «I»K<*'^^'^**^ *"*^ M(uuit für a*„ erhaltenen Reihen innerhalb 
tihf rln/^lnnn (Iruppon geniitlelt, und diene Mittel der weiteren Rechnung zu 
/ ) M M M b • K ' • I ' *M ^ ' (Fortsetzung folgt.) 


SlibaaUr Jdifug. HiI IB8T. Rbbecs-Pabcbwite, RsaUTBiaiFFASAT. 171 

BeglBtrirapparat mit Centrifugiüpendel-Begulirm^ von Feoker & Co. 
in Wetzlar. 

Dr. E. V. B«bMir< PnacliwIlB in Sulmht. 

Auf der hiesigen Sternwarte sind seit etwa zwei Jahren zwei von der oben- 
genannten Fiima gelieferte Registrirapparate mit neuem patentirten Regulator im 
Gebranch, weiche sich bisher, von einigen geringfügigen leicht zu beseitigenden 
Mängeln, die sich anfangs herausstellten, abgesehen, recht gut bewährt und das 
lästige Geschäft des Abiesens der Streifen durch die Regelmässigkeit ihres Ganges 
sehr erleichtert haben. Der eine der beiden Apparate wurde neu geliefert, der 
andere aus einem älteren Fuess'seben Chronographen mit Pedertriebwerk umge- 


arbeitet. Die Aufzeichnung der Signale geschieht durch Stahlspitzen auf Papier- 
streifen; im Princip stimmen beide Apparate mit anderen existirendcn überein; 
die Anordnung derselben ist leicht aus den beigefügten Zeichnungen zu ersehen, von 
denen Fig. 1 eine perspectivische Ansicht des ganzen Apparates darstellt. 

Die Bewegung des Uhrwerkes wird in bekannter Weise durch ein Gewicht 
mit loser Rolle und Stahlkette ohne Ende bewirkt, zu deren Aufnahme der Um- 
fang des auf der Axe K sitzenden Rades dient. Der Aufzug mit dem Sperrrad 
befindet sich bei den hiesigen Apparaten, die auf kleinen 1,3 m hohen Tischen 
montirt sind, vom unterhalb der Tischplatte, bei Apparaten, die nur auf polirtem 


172 Rebeub-Paschwitz , Registbibapparat. Zeitschritt fOr Ihbtrumehtejtküsdk. 


Grundbrett stehen und mittels gusseisenier Träger an der Wand befestigt werden, 
an der vorderen Seite der Platte des Werkes. 

Wesentlich neu an dem Apparat ist die Regulatorvorrichtung, welche in fol- 
gender Weise angeordnet ist. Das letzte Getriebe des Uhrwerks trägt in der Mitte 
seiner Welle ein feingezahntes Kronrad 0, das eine vertical stehende Spindel durch 
das Trieb t in schnelle Umdrehung versetzt. Auf der oberen Seite des Uhrgehäuses, 
aus welchem die Spindel hervorragt, ist auf derselben ein Mitnehmerstück w befestigt, 
welches in einem radialen Schlitz das untere Ende des Pendels aufnimmt. Letzteres 
hat seinen Drehpunkt in einer genau senkrecht über der Spindel befindlichen Oeff- 
nung des auf dem Gehäuse aufgeschraubten Bügels D. Dasselbe besteht aus der 
Pendelstange. JB und dem verschiebbaren Gewicht G. Um der Pendelstange die 
bei der raschen Drehung erforderliche Elasticität zu geben, ist dieselbe aus zwei 
nebeneinander aufgewickelten Spiralfedern hergestellt, an deren Ende kurze Stahl- 
stäbchen angenietet sind, welche in die Oeffiiungen des Bügels und des Pendelge- 
wichtes passen. Bei dem älteren der beiden hiesigen Apparate haben statt der Spiral- 
feder dünne Stahlstangen Anwendung gefunden, welche jedoch anfangs oft brachen 
und darum oft erneuert werden mussten. Nach Fertigstellung besonders präparirter 
Stahlstangen ist indessen während des verflossenen Jahres nur einmal eine Erneuerung 
der Pendelstange erforderlich gewesen. Bei dem zweiten Apparat ist durch Anwendung 
der doppelten Spiralfeder diesem Uebelstande abgeholfen. Dieselbe kann nach unserer 
Erfahrung als unzerbrechlich und gegen Stösse unempfindlich bezeichnet werden. 

Wird durch das Triebwerk die Spindel mit dem Mitnehmer in Rotation ver- 
setzt (die Zahl der Umdrehungen in der Secunde beträgt G bis 9), so wird in Folge 
der dadurch hervorgerufenen Centrifugalkraft das Pendel nach Aussen gebogen und 
beschreibt eine kegelförmige Rotationsfläche. In dieser Fläche erleidet die Feder 
in jedem Augenblicke eine neue Biegung. Der von der Feder gegen diese Biegung 
ausgeübte Widerstand erheischt zu seiner Ueberwindung eine mechanische Arbeit, 
welche mit der Grösse des Weges, den jeder Punkt der Feder zurückzulegen hat, 
wächst. Nimmt nun in Folge einer Verringerung des Widerstandes in dem ge- 
triebenen Mechanismus die Geschwindigkeit der Rotation zu, so wird durch die 
wachsende Centrifugalkraft das Gewicht weiter hinausgeschleudert, die Feder wird 
stärker nach Aussen gebogen und es wächst der Widerstand, welchen dieselbe der 
Bewegung innerhalb der Rotationsfläche entgegenstellt. Dadurch wird die Schwankung 
in der Rotationsgeschwindigkeit wieder ausgeglichen. In ähnlicher Weise nimmt 
bei abnehmender Rotationsgeschwindigkeit auch der Widerstand der Feder gegen 
die von ihr auszuführende Bewegung ab, und es tritt auch hier ein Ausgleich ein. 

Diese Vorrichtung regelt den Gang des Uhrwerkes in sehr befriedigender 
und zuverlässiger Weise. Durch die Beifügimg einer zweiten Spiralfeder und eines 
leichteren Gewichtes ist die Möglichkeit gegeben, die Länge einer Secunde auf dem 
Streifen zwischen 10 und 15 Millimeter 'zu verändern. Beim Einsetzen der Spiral- 
feder ist darauf zu achten, dass dieselbe, wenn nicht durch den Mitnehmer seit- 
wärts gebogen, genau auf die Mitte der Spindel zeigt. 

Die Führungswalzer', welche auf dem einen Ende eines zweiarmigen Hebels H 
aufsitzt und durch Verzahnung von der Hauptwalze r mit in Umdrehung versetzt 
wird, wird durch die am anderen Ende des Hebels befestigte Spiralfeder s gegen 
r gedrückt. Die beiden Stirnseiten des Kastens sind durch geschliffene Glasplatten 
verschlossen, so dass das Uhrwerk vollständig sichtbar bleibt. 

Die elektrische Ein- und Auslösung des Uhrwerkes vom Standort des Be- 


Siebenter Jahrgang. Mal 1887. 


Vogel, Lupenappasat. 


173 


obachters erfolgt mittels Tasters mit Commutator und des an der Rückseite des 
Apparates angebrachten Magneten M mit polarisirtem Anker Ä, (Vergl. auch die 
Skizze Fig. 2, welche die Arretirungs -Vorrichtung von oben gesehen darstellt.) 
Durch den Commutator im Inneren des Tasters wird der elektrische Strom ab- 
wechselnd in entgegengesetzter Richtung durch die auf dem 
Magneten befindlichen Spulen geleitet, so dass der Anker 
in Folge des dadurch verursachten Polwechsels abwechselnd 
sich gegen den einen und den anderen Pol anlegt. Der mit 
dem Anker verbundene, um eine verticale Axe d dreh- 
bare Bügel A' arretirt, wenn er sich mit seinem halbkreis- 
förmigen Ende gegen eine oberhalb des Triebes t auf der 
Regulatorspindel befestigte Bremsscheibe B drückt, die Be- 
wegung des Uhrwerkes. Dieser Fall tritt ein, wenn der 
Anker am rechten Pol anliegt und in dieser Lage wird er 
durch den eigenen Magnetismus auch festgehalten, wenn 
kein Strom dui'ch die Spulen läuft. Liegt er gegen den 
linken Pol an, so ist die Bremsscheibe frei und das Uhrwerk 
setzt sich in Bewegung. Der Taster ist in eine runde Hart- 
gummihülse eingeschlossen, aus welcher nur zwei Stifte für 
den Commutator und die Herstellung des Stromschlusses 
hervorragen. Sämmtliche Leitungsschnüre sind durch eine 
Bohrung in den Taster eingeführt. Einer der hier aufgestellten Apparate besitzt 
ferner die Eim'ichtung, dass das Gewicht, kurz bevor es abgelaufen ist, durch den 
Druck auf einen federnden Stift einen elektrischen Strom schliesst, wobei der Be- 
obachter durch das Ertönen eines Läutewerkes aufmerksam gemacht wird. Der ältere 
Fuess'sche Chronograph wurde von Herrn F eck er auf Wunsch, statt wie sonst 
üblich, mit zwei Hebeln, mit dreien ausgestattet, von denen der mittlere die Uhr- 
signale markirt, so dass die gleichzeitige Benutzung desselben Apparates durch zwei 
Beobachter ermöglicht ist. 

Wie schon erwähnt, leistet der neue Regulator bei unseren Apparaten soviel, 
als man billiger Weise nur erwarten kann, und die Länge der Secundenintervalle 
kann bei Abwesenheit sonstiger Störungen für jede Lage des Gewichtes als constant 
bezeichnet werden. Die Form des Tasters, die von der sonst üblichen abweicht, 
hat sich als weniger bequem erwiesen, wobei freilich erwähnt werden möge, dass 
von der elektrischen Auslösung hier kein Gebrauch gemacht worden ist, 

Karlsruhe im Februar 1887. 



Fig. 2. 


Lupenapparat für entomologisolie Zwecke. 


Von 


Prof. H. C. Toffel in Potsdam. 

Vor einer längeren Reihe von Jahren vielfach mit der Untersuchung und 
Zeichnung kleiner Insecten beschäftigt, fühlte ich den Mangel eines geeigneten 
mikroskopischen Apparates für derartige Untersuchungen und construirte für meine 
Zwecke einen einfachen Lupenapparat, der es gestattete, mit grosser Leichtigkeit 
die zu untersuchenden Thiere in den verschiedensten Stellungen zu besichtigen. 
Ich habe diesen Apparat seit etwa 20 Jahren in Gebrauch und bin stets mit seinen 
Leistungen zufrieden gewesen. Dem Wunsch einiger entomologischer Freunde, den 


YoOKL, liDFENAF 


Apparat auch weiteren Kreisen bekannt zu machen, nachkoiDmend, gebe ich 
hier eine kurze Beschreibung desselben. ZtmSchst sei mir jedoch gestattet, auf die drei 
wesentliclien Vortheile aufmerksam zu machen, welche die Anwendung von Lupen 
für den gedachten Zweck, gegenüber der Anwendung eines zusammengesetzten 
Mikroskopes, mit sich bringt. Es ist in erster Linie die Lichtstärke za erwähnen, 
welche bei einer einfachen Lupe wesentlich grösser ist als bei einem zusammen- 
gesetzten Mikroskop. Dem Uebelstand lässt sich zwar beim Mikroskop durch ver- 
scliärfte Beleuchtung des Objectes von oben durch eine Linse oder ein Belenchtungs- 
prisma entgegenwirken; ist das Object aber dunkel gefärbt, stark gewölbt und 
glänzend, wie es die meisten kleinen Käfer sind, so bringt die starke einseitige 
Beleuchtung leicht störende Reflexe hervor. Ein weiterer Vortheil der Lnpe ist 
der grosse Gesichtswinkel, der besonders beim Präpariren von Insecten xmter Ver- 
grÖBserung sehr schätzenswerth ist, und drittens ist es, wiederum beim Präpariren, 
besonders von Wichtigkeit, dass bei einer Lape das Bild nicht verkehrt wie beim 
Mikroskop erscheint. 

Der Lupenapparat besteht aus einem festen hufeisenförmigen Fuss A (s. d. 
beistehenden Holzschnitt), auf welchem eine Messingsänle B anfgeschraubt ist. 
Diese trägt eine längliche Platte (Lor- 
gnettestück) C mit kreisförmigem conischen 
Ausschnitte versehen. Der Tisch T lässt 
sich mittels Trieb und Zahnstange längs 
der Säule auf und nieder bewegen, um 
die auf ihm befindlichen, zn untersuchen- 
den Objecto in den richtigen Abstand zur 
Lupe L zu bringen. Dem Apparate sind 
mehrere Lupen beigegeben, die in conische 
Hülsen von gleicher Grösse gefasst sind, 
welche wiederum in die kreisförmige co- 
nische OefFnung des erwähnten Lorgnette- 
stUckes C passen und mit Leichtigkeit aus- 
gewechselt werden können. 

Das "Wesentlichste an dem Lupen- 
apparat ist die Beweglichkeit des Tisch- 
chens T nach verschiedenen Richtungen 
hin. Der kleine Tisch besteht aus einer Korkplatte, auf welche die Insecten ge- 
steckt werden können. Diese Korkplatte ist in einen Messingring gefasst, der unter- 
halb des Tischträgers einen vorstehenden gekerbten Rand r besitzt. Durch diesen 
kann eine Drehung des Tisches und des auf letzterem beflndhchen Gegenstandes 
bewirkt werden, wodurch es möglich wird, das Object nach allen Richtungen hin 
anzusehen, ohne die Focal eins teil ung verändern zu müssen. Wird der zu unter- 
suchende Gegenstand m genau in die Verlängerung der Axo aa des Tischträgers 
gesteckt, so kann man, am Knopf ff drehend, eine Neigung des Objectes hervor- 
bringen und nach Belieben Kopf und Hintcrtheil, oder bei Drehung des Tischchens 
um einen rechten Winkel, linke und rechte Seite des Inscctes bequem besichtigen, 
ebenfalls ohne die Focal einstellung wesentlich verändern zu müssen. 

Dem Tisch kann noch eine seitliche Verschiebung in der Richtung der Drc- 
hungsaxe aa gegeben werden, welche ausser der Erleichterung bei der Einstellung 
des Objectes noch den Vortheil bietet, dass man, bei vorübergehender Verzichtleistang 


Siebenter Jalirgang. Mai 1887. Nebel, Qttecksilbebdrstillation. 175 


auf die Drehung des Tisches mittels des Ringes r, mehrere Insecten, die man zu ver- 
gleichen beabsichtigt, neben einander in die Richtung der Drehungsaxe (m stecken und 
nun durch Verschiebung der Axe die verschiedenen Thiere der Reihe nach in das Ge- 
sichtsfeld der Lupe bringen und auch zur besseren Besichtigung noch hin und her 
neigen kann. Dem Tisch kann also eine vierfache Bewegung ertheilt werden, auf 
und nieder, hin und her, er kann geneigt und gedreht werden. Ich bemerke nochmals, 
dass, um vortheilhaft alle diese Bewegungen auszunutzen, es nöthig ist, das zu 
untersuchende Object möglichst genau in die Mitte des Tisches und in gleiche 
Höhe mit der Axe aa zu bringen. 

Zum bequemen Aufstecken der Insecten lässt sich das Lorgnettestück C mit 
der Lupe zur Seite schlagen. Es ist auch noch zu erwähnen, dass an den vor- 
deren Enden des hufeisenförmigen Fusses sich je ein Loch befindet, um nach Be- 
lieben auf der einen oder anderen Seite eine Messingsäule D aufzustecken, welche 
eine einfache biconvexe Linse trägt, deren wesentliche Bestimmung die ist, die 
Objecte nach Befinden stärker zu beleuchten. Diese Linse, welche sich an der 
Säule auf und nieder schieben und drehen lässt, kann auch noch gute Dienste bei 
der Präparation grösserer Insecten leisten. Man stellt zu dem Zwecke die Linse 
so, dass ihre optische Axe vertical steht, schlägt das Lorgnettestück C zur Seite 
und stellt das Tischchen wegen der grossen Brennweite der Linse tief hinunter. 
Beim Präpariren unter der schwachen Beleuchtungslinse oder unter den stärkeren 
Lupen des Apparates ist es vortheilhaft, eine Platte von weissem Wachs auf dem 
Tischchen zu befestigen, die so stark ist, dass ihre Oberfläche nahe mit der Ver- 
längerung der Axe aa zusammenfällt. 

Um die vielseitige Verwendung des kleinen Apparates zu zeigen, erwähne ich 
noch, dass man leicht die Korkplatte, den eigentlichen Tisch, entfernen und nun 
auf den Ring des Tischchens durchsichtige Objecte auf oder zwischen Glasplatten 
legen kann, welche man von unten mit einem kleinen Spiegel oder einem kleinen 
Stück weissen Papieres beleuchtet. Gröbere mikroskopische Präparate, Trichinen und 
dergl. lassen sich auf diese Weise sehr gut beobachten. 

Die Anfertigung des Apparates habe ich Herrn Mechanikus 0. Töpfer in 
Potsdam übertragen. Dem Apparat, welcher in sehr solider und geschmackvoller 
Form bereits in mehreren Exemplaren ausgeführt worden ist, werden drei Lupen 
(Cylinderlupen) mit 7,8, 10,0 und 14,0 mm Brennweite, also mit 32, 25 und ISfacher 
Vergrösserung beigegeben. Inclusive Kasten und Beleuchtungslinse liefert Herr 
Töpfer den Apparat für den massigen Preis von 35 Mark. 


Ein einfaolier Apparat zur Destillation des Quecksilbers im Vaouum. 

Von 
Dr. B. Nebel in Stattgut. 

Der bisherige Quecksilber -Destillationsapparat des physikalischen Institutes 
der technischen Hochschule Stuttgart hatte, abgesehen von seiner grossen Zerbrech- 
lichkeit, eine Menge technischer Fehler, welche die Ursache waren, dass bei der 
geringsten Unaufmerksamkeit der Apparat gebrauchsunfähig wurde, weshalb er 
nur selten zur Verwendung kam. Bei der Construction des vorliegenden Apparates 
sollte die Zerbrechlichkeit auf ein Minimum reducirt, die Fehler beseitigt und die 
Leistungsfähigkeit bei selbstthätigem, continuirlichem Betriebe auf ein Maximum 
gesteigert werden. 


176 NebKL, QciCKBn.BEBDEHTn.LATION. 

Der vorliegende Apparat entspricht nanmehr allen Anforderungen und fanctio- 
nirt tadellos. Um aber nicht schon Dagewesenes zu wiederholen, hielt ich in der 
mir zu Gebot stellenden Literatur Umschau und fand auch einen, dem hier zu 
beschreibenden sehr ähnlichen Destillationsapparat von A. W. Wright'), dem jedoch 
mehrere Fehler anhaften, auf welche ich später zurückkommen werde. Dieser 
Wi'ight'sche Apparat ging aus demjenigen von Weber') hervor und besitzt dieselben 
VortheiledesvielcorapIicirterenApparatesvon Weinliold'}, dertheils vonBosseha*), 
theils von Weinhold ^) selbst mehrfache AbÄnderungen erfahren hat. — Was den Ap- 
parat von H. N. Morse") betrifft, so ist derselbe nicht sehr einfach, benutzt sechs 
Grasbrenner und lässt das gereinigte Quecksilber mit Eautschokstopfen in Berüh- 
rung, was gewiss nicht von Vortheil ist, zumal das Quecksilber sehr oft noch heiss ist. 
Auf einem Gestell von Rahmen schenk ein (vgl. Fig.) wird mittels vier Messing- 
klammem der ans einem Stück bestehende Glasapparat macegk befestigt. Das 6,5 mm 
weite Rohr IM endigt oben in ein weiteres Gefäss a, das einen mittleren Durchmesser 
von 42mm und eine Länge von 95 mm besitzt. Daran schliesst 
sich das 6,5 mm weite Rohr bcd, welches direct über a 
in einem spitzen Winkel umgebogen ist; zwischen d und e 
ist ein 1,3 mm weites Rohr, welches am unteren Ende die 
15 mm weite Kugel f, den 33 mm langen Schliff g und 
das 30 mm lange GlasgefiUs k mit dem Ausäusarohre trägt. 
Eine gewöhnliche, umgestürzte Säureflasche ji, welche 7 kg 
Quecksilber aufnehmen kann, wird von einem in Paraffin 
gekochten Kork abgeschlossen, welcher vorsichtshalber mit 
einem Draht an den Hals der Flasche angebunden ist. Die 
Flasche mht in zwei Holzringen, die sich in dem Schlitz tt 
so verschieben lassen, das» das Ende der Röhre n, welche 
5 mm weit ist nnd einen Glashahn o enthält, 20 bis 80 mm 
über dem unteren Ende der Röhre m eingestellt werden 
kann. Das Glasgeföss l, welches eine Länge von 110 mm, 
einen oberen Dorchmesser von 46 mm und einen unteren 
von 29 mm hat, sitzt in einem mit einem verticalen Schlitz 
versehenen Holzgeßiss, welches in dem verstellbaren Brett v 
eingelassen ist. Der Schlitz gestattet, das Quecksilber- 
niveau oontroliren, sowie die Röhren m und n richtig ein- 
stellen zu können. Ebenso ist der Bunsenbrenner q in 
ein verschiebbares Brett eingelassen ; der Kamin des Brenners 
ist durch Draht an dem Herabfallen gehindert. Dem Qlase k, 
eingelassen in einen Holzring, wird durch einen kleinen 
Gummischlanch das destillirte Quecksilber zugeführt, da- 
mit das Umherspritzen des Quecksilbers beim Herabfallen 
verhindert werde. Bei b ist eine Lage Asbestpappe, um 
r das Holz vor dem Verkohlen durch das heisse Glasrohr 
zu schützen. Der untere Theil von Gewiss a und die Einmttndungsstelle des 

') A. W. Wright, American Journid of Scienc« (3) XXII S. 479; ZeitechtUt fSt Inalm- 
mentenkunde 1882. S. 461. - Sj Leonhard Weber, Rep. d. Phys. 15. S. 52. 1879. — ») A. Wein- 
hold, Kep. d. Phya. 9. S. 69. 1873. — *) Bosscha, Catalogiie of the l.rf>an Collectioo, London 1876 
No. 2423. — «) A. Weinhold, Kep. d. Phys. 15. S. l. 1879. — •) H. N. Möwe, Amer. Chem. Jonni. 
7. 60. 1685; CfaenikeraeituDg 1885. S. 9G4. 


Siebenter Jalirgangr. Hai 1887. Nebel, Quecksilberdestillation. 177 


Rohres m in dasselbe sind zunächst mit Asbestpappe umgeben, welche im feuch- 
ten Zustand um das Glas gelegt wurde, damit sie dessen Gestalt annehme; 
dann folgt das Drahtgazenetz r, welches mit einem Draht an dem Querrahmen 
befestigt ist. Die Gefässe l, h und k sind durch hölzerne Deckel gegen Staub 
geschützt; u ist ein Glasrohr, welches in den SchliflF g luftdicht passt und oben 
wellenförmig sich verjüngt, um den mit der Luftpumpe verbundenen Schlauch 
aufzunehmen. — Die Höhendifferenz zwischen der Mitte vom GefÄss a und dem 
unteren Ende des Rohres n muss gleich dem mittleren Barometerstand des betref- 
fenden Ortes sein (für Stuttgart 740 mm); das Rohr de ist dagegen 850 mm lang. 

Will man den Apparat in Thätigkeit setzen, so nimmt man die Flasche p 
aus ihrem Gestell heraus und füllt sie mittels eines Trichters durch die Röhre n 
mit Quecksilber, oder man löst den Kork und hat somit ein bequemeres und 
schnelleres Füllen. Hierauf schliesst man den Glashahn o, stürzt die Flasche um 
und bringt sie wieder an ihren Platz, so dass sich nach Oeffnen des Hahnes das 
Gefäss l theilweise mit Quecksilber füllt. Nun wird das Rohr u mit dem Schlauch 
der Luftpumpe verbunden und dann u in den Schliff g eingesetzt. Sollte der Schliff 
nicht luftdicht abschliessen, so muss in das Gefäss h etwas reines Quecksilber ein- 
gegossen werden. Wird a luftleer gemacht, so steigt das Quecksilber in m und 
füllt a ungefähr bis zur Hälfte, worauf mit der Destillation begonnen wird. Ist 
die Kugel f mit destillirtem Quecksilber gefüllt, so gestattet man der Luft lang- 
sam den Zutritt durch die Pumpe, worauf sich das Rohr u sehr leicht entfernen lässt. 
Das Heberrohr def bildet dann gleichfalls ein Barometer. Der Querschnitt von de 
wurde aber so klein gewählt, dass nun cde als SprengeTsche Quecksilberluftpumpe 
wirkt, somit ahc während der Destillation stets luftleer gemacht wird. 

Kann der Apparat nicht so lange an der Luftpumpe bleiben, bis die kleine 
Kugel f sich mit destillirtem Quecksilber gefüllt hat, so muss man vor dem Aus- 
pumpen das Rohr fe mit reinem Quecksilber füllen. Das Abflussrohr am Gefäss A 
soll nicht zu eng gewählt werden, da sonst das Quecksilber nur dann ausfliesst, 
wenn der Ueberdruck des Quecksilbers in ä ein gewisses Maass erreicht hat, so 
dass nur eine zeitweise Entleerung von h stattfindet. — Der Apparat bedarf nun- 
mehr keiner weiteren Wartung; Morgens zündet man den Brenner an und Abends 
löscht man die Flamme. Ungefähr alle zwei Tage ist das Gefäss p wieder frisch 
zu füllen, was aber ohne jede Störung der Destillation vor sich geht. — Die Flammen- 
grösse ist so zu wählen, dass das Quecksilber in a nicht zum Sieden kommt, aber 
dem Siedepunkt möglichst nahe liegt. Die Erfahrung lehrt, dass, wenn a beinahe 
ganz gefüllt ist, das Quecksilber bei der gleichen Flammengrösse leichter zum 
Sieden gelangt, als wenn es nur den halben Raum einnimmt, ebenso wenn das Ge- 
fäss a bei der angegebenen Breite eine grössere Länge hat, als die angeführte ist, 
und somit mehr Quecksilber enthält. Der Apparat liefert, in den oben angegebenen 
Dimensionen ausgeführt, bei einer mittiefen Flammengrösse 5 bis 600 Gramm destil- 
lirtes Quecksilber pro Stunde. — 

Den Schliff g hätte man dadurch umgehen können, dass man das Rohr u 
direct an die Kugel f angeblasen und das Abflussrohr an der Kugel angebracht 
hätte, welch' letzteres man dann während des Auspumpens mit etwas Küiebwachs zu 
verschliessen hätte. Indessen wiegt diese kleine Erspamiss nicht die Festigkeit des 
Apparates in der anderen Form auf; denn der Schlauch, welcher den Apparat mit 
der Luftpumpe verbindet, ist meistens sehr steif und lässt sich besser in das Rohr u 
eindrücken, wenn letzteres frei vom Apparat ist. Der grösseren Haltbarkeit wegen 


178 Nkbel, Quecksilbeboestillation. ZnTscizBirr für laaTRüMBNTBUKinroB. 

kann man den rechten Rahmenschenkel unten etwas breiter machen, so dass fgh 
auf dem Holz befestigt wird, dann muss aber das Abflussrohr nach vom gehen. 

Verfügt man nur über Wasserstrahlluftpumpen, wie es z. B. in den meisten 
chemischen Laboratorien der Fall ist, so ist nach meinen hier angestellten Ver- 
suchen die gläserne Wasserstrahlluftpumpe der metallenen vorzuziehen, indessen 
genügt jede derartige Pumpe, wenn sie nicht gar zu schlecht functionirt, da das 
vollständige Auspumpen nachher bei der Destillation durch die am Apparat be- 
findliche Sprengersche Quecksilberluftpumpe besorgt wird. Sollte die Wasserstrahl- 
luftpumpe nicht stark genug wirken, so macht man das Gefäss l länger, füllt es 
ganz mit Quecksilber, so dass die HöhendiflFerenz von der Mitte des Gefässes a 
und dem Quecksilberspiegel ml der Leistungsfähigkeit der Pumpe entspricht. Das 
. Rohr I» soll bis zur Mündung in a ganz mit Quecksilber gefüllt sein, sonst findet 
keine Destillation nach dem Rohre hcd statt. 

Der Bogen fe soll womöglich halbkreisförmig sein, jedenfalls ist jede rasche 
Biegung sehr zu vermeiden, da bei dem Sprengerschen Auspumpprocess sich an 
der Biegung die Luftbläschen so stark festsetzen, dass das Quecksilber nicht mehr 
nach f gelangen kann, sondern allmälig das Rohr cde anfüllt. Abhilfe wird durch 
Erschütterung des Rohres geschaffen, jedoch ist es besser, die Biegung herauszu- 
schneiden und ein besser gebogenes Glas einzusetzen. 

Da der Apparat aus einem Stück besteht, so sind dadurch Schliffe, Hähne, 
Fett, Verbindungen mit Kautschukschläuchen und dergleichen mehr vermieden, was 
bei den bisherigen Apparaten, die nicht haltbarer waren als der vorliegende, als 
lästige Beigabe vorhanden war. 

Um das Geräusch und das damit verbundene Stossen, welches allerdings 
keinen Schaden bringt, bei dem Atifsteigen der Luft durch no nachjp zu vermeiden, 
wurde ein zweites engeres Rohr durch den Kork gesteckt, dessen eines Ende bis 
zum oberen Boden von 2? reicht, während das andere das Niveau des Quecksilbers 
in l angiebt, wobei das Rohr n bis zum Boden von l geführt werden kann. 

Abgesehen von der grossen Einfachheit, besitzt dieser Apparat den früheren 
gegenüber noch sonstige, bedeutende Vorzüge. Dadurch, dass das Rohr m seitlich in a 
mündet, kommt die Flamme nicht direct an die Anschmelzstelle, welche immer ein ge 
fährlicher Punkt ist; sodann ist in a stets Quecksilber, selbst wenn aus irgend einem 
Grunde kein Vacuum mehr vorhanden, d. h. in m kein Barometer mehr wäre, wodurch 
ein Schmelzen des Glases ausgeschlossen ist, weil in diesem Fall das im unteren Theil 
von a enthaltene Quecksilber bei der Destillation immer zurückfliesst und nicht nach 
hcd hinüberdestillirt. — Ist die Flamme seitlich, wie beim Wright'schen Apparat, so 
ist einmal die erwärmte Stelle sehr klein, sodann, wenn das Barometer sinkt, oder 
der Gasdruck zu gross wird, kommt die Flamme an das vom Quecksilber befreite Glas, 
es wird weich und wird vom äusseren Luftdruck, weil innen ein Vacuum vorhanden 
ist, eingedrückt. Hier ist man vom Gasdruck so zu sagen unabhängig, da Drahtnetz 
und Asbestpappe die Wärme gleichmässig vertheilen, ein Stossen des Quecksilbers 
somit kaum eintreten kann. 

Die Knickung h ist unmittelbar bei a, so dass nur äusserst wenig Queck- 
silber zurückfliesst, was beim Wright'schen Apparat nicht der Fall ist; dort ist zwischen 
a und h ein ziemlich langes Rohr. Wright hat zwischen h und c ein seitliches Rohr, 
das mit der Luftpumpe in Verbindung gesetzt und nachher zugeschmolzen M'ird; 
dies ist aber für die Reinigung u. s. w. gewiss umständlicher. An unserem frülieren 
Apparate war zwischen h und c ein Rohr mit Glashahn, das zur Luftpumpe führte. 


Siebenter Jahrgang. Mai 18S7. Klfjnere Mittheilukoen. 179 


Wurde nun bei der Destillation das Rohr heiss, so blieb der Hahn nicht mehr luft- 
dicht, deshalb wurde er immer weiter von bc entfernt, d. h. das Rohr für die Luft- 
pumpe immer länger gemacht, so dass der Apparat immer zerbrechlicher wurde 
und schliesslich doch nicht Luftleere bewahrte. Die Sprengersche Quecksilber- 
luftpumpe, die vorzüglich functionirt, fehlt bei dem Weber'schen Apparat, weshalb 
bei letzterem nach längerem Betrieb kein reines Vacuum mehr vorhanden ist; auch 
muss man bei ihm schon über eine ziemliche Menge reinen Quecksilbers verfügen, 
was bei unserem Apparat durchaus nicht der Fall ist. 

Will man den Apparat nicht mehr gebrauchen, so braucht man nur die Flamme 
zu löschen; man hat dann zwei Barometer, die verhältnissmässig wenig Quecksilber 
beanspruchen, zumal das Gefäss l mit Rücksicht hierauf unten verengt wurde. Um 
den Apparat behufs Reinigung auseinanderzunehmen, neigt man das Gestell lang- 
sam nach links, dann fliesst das Quecksilber sowohl aus m, als aus h. Die Reinigung 
selbst kann dann leicht durch Salpetersäure besorgt werden. 

Für ein tadelloses Destillat ist es rn^thsam , das zu destillirende Quecksilber 
zuerst einige Tage mit concentrirter Schwefelsäure zu behandeln. Die etwa 2 cm 
über dem Quecksilber stehende concentrirte Schwefelsäure wird zeitweise mit dem 
Quecksilber durchschüttelt, dann wäscht man das Quecksilber mit destillirtem Wasser, 
von welchem es wieder mit Filtrirpapier getrocknet wird. 

Um des Quecksilbers nicht verlustig zu werden, wenn aus irgend einem Anlass 
der Apparat entzwei gehen sollte, thut man gut daran, den Boden desselben mit 
Holz oder Pappe zu umgeben. Der Apparat ist so einfach gebaut, dass Jeder, 
der am Blastisch einige Uebung hat, sich ihn selbst herstellen kann, jedenfalls 
bietet er einem Glasbläser keinerlei Schwierigkeiten. Die Kosten dürften sich nach 
meinen Erfahrungen höchstens auf 15 Mark erstrecken. 

Was den Weinhold'schen Apparat betriflTt, so wird ihm nachgerühmt, dass 
er gut functionire und alle vier Stunden frisch gefüllt werden müsse; jedenfalls 
passt er bei seiner Complicirtheit nur in ein Laboratorium, wo ihm die nöthige 
Aufmerksamkeit von Sachverständigen geschenkt wird, keineswegs in Fabriken, 
wo der Apparat einem Arbeiter überlassen wird. Das meiste Quecksilber wird aber 
heutigen Tages bei der Glühlampenfabrication verwendet, und dabei ist es von grossem 
Werthe, einen Apparat für die Destillation zu besitzen, der einfach zu handhaben 
ist und möglichst geringer Wartung bedarf. 

Schliesslich möchte ich noch auf die elektrischen Entladungen aufmerksam 
machen, die namentlich im Dunkeln zeitweise in dem Rohre bcd mit grünem Lichte 
auftreten. Diese Erscheinungen sind wohl auf die Reibung der kleinen Quecksilber- 
kügelchen an den Glaswänden zurückzuführen. 

Stuttgart, Technische Hochschule, Februar 1887. 


Kleinere (Original-) Afltthellnngen. 

Neuer Messtiscli. 

Von T. Ertel A Hohn in HttnclieiL 

In Folge mehrfacher Anregung sowie wiederholter Anfragen und Bestellungen nahmen 
wir Veranlassung, der Construction des Messtisches neuerdings unter Beiziehung erfahrener 
Fachmänner unsere Sorgfalt zu widmen, um demselben jene Eigenschaften zu geben, welche 
durch seinen Gebrauch bedingt sind. Dieser verlangt in erster Linie eine rasche und sichere 
Aufstellung, Horizontalstellung und Orientirung des Tisches, Festigkeit und Dauer der ein- 
mal gewonnenen Stellung und massiges Gewicht des Ganzen; letztere Anforderung ist na- 


180 KunHEBS MlTTHEILDiraES. 


mentlich für alle FSlle des Gebrauches von Bedeutung, welche Läufigen Wechsel der Auf- 
stellung mit sich bringen. Die rasclie und sichere Aufstellung des Messtisches verlangt 
ein nicht zu schweres Stativ, dessen K<)pftheil fest mit den Beinen verbunden werden kann, 
ohne der leichten Ueweglichkeit derselben Eintrag zu thun, wie sie iin Hügel- oder Bei^- 
land nöthig ist. Die Horizontal Stellung des Tischblattes verlangt, dass zwei Kichtungen 
auf demselben möglichst unmittelbar in horizontale Lage gebracht werden können, was zu- 
nächst nShenings weise durch Eintreten der SUitivbeine in den Boden oder Verstellen der- 
selben geschieht und dann durch Anwendung von Stellschrauben; die Ürientirung des Tisch- 
blattes erfordert eine grobe und feine Horizontaldrehung, ausserdem eine beliebige Ver- 
schiebung des Tischblattes innerhalb mSsslger Ausdehnung, welche keine Aenderung in der 
Stellung des Statives oder in der Horizontal Stellung zur Folge haben soll; endlich müssen 
alle diese Bewegungen ebenso leicht herbeigeführt «Is aufgeh<)ben werden können und das 
Tischblatt soll für die Kippregeln eine ebene, horizontale und unverrückbare Unterlage ge- 
währen, welche durch zufällige äussere 
Einwirkungen, wie unabsichtlicher 
Druck oder Stoss gegen das Tisch- 
blatt oder einseitige Belastung des- 
selben beim Gebrauch der Kippregel 
nicht geändert werden kann. 

Der neue Messtisch besteht aus drei 
Theilen : dem Stativ , dem MittelstUck 
und dem Tlschblatt. — Das Stativ 
ist zusammengesetzt aus einem ring- 
förmigen Kopftheil mit drei flant- 
schenartigen Ansätzen, an welche 
sich die oberen Enden der durch- 
brochenen Stativbeine beiderseits an- 
legen. Ein Bolzen mit Schraube 
und Flügelmutter ermöglicht die leichte Drehung sowie die feste Verbindung zwischen 
Stativkopf und Stativbein, je nachdem die Flügelmutter angezogen oder gelöst wird. 

Der Stativkopf wird aus zwei Holzschiebten zusammengeleimt, in welchen die Faser 
nach verschiedenen Richtungen Iftnft, um das Werfen des Holzes zu vermeiden; durch diesen 
Kopf ragen drei Stellschrauben aa nach oben , deren Muttern in Form von sechsseitigen Prismen 
eingesetzt sind. Diese Stellschrauben werden gedreht durch die am unteren Ende aufge- 
steckten Köpfe, während auf jedes der oberen Enden ein Plättchen mit Kugelgelenk auf- 
gesprengt ist, welches sich leicht nach allen Seiten dreht und für die ebene Unterfläche 
des Mittelstückes einen Stützpunkt abgiebt, sowie eine beliebige Verschiebung desselben auf 
den drei PIfittchen zulässt, gleichviel wie diese Unterfläche gegen die Kopttiäche des Statives 
geneigt ist. 

Das MittelstUck besitzt zwei nach oben und unten gekehrte kreisförmige Flächen, eine 
untere scheibenförmige, mit welcher es auf den drei Stellschrauben liegt nnd eine obere ring- 
förmige, welche als Unterlage fUr einen gleich grossen zweiten King dient, der mit dem 
Tiscbblatt fest verbunden werden kann. Die Unterfläche ist durch acht Rippen, der obere 
Ring durch sechs Speichen hiiireichend verstärkt, um Verbiegungen unmöglich zu inachen. 
Rippen und Speichen vereinigen sich an einem cylinderformigen Kernstück von etwa 10 cm 
Durchmesser, das eine schalenförmige Füllung enthält. Dieses Kernstück ist in der Mitte 
seiner nur 4,5 cm betragenden Höhe auf 1 cm Breite cylindrisch abgedreht und um diese 
Cy linderfläche ein aus zwei Hälften zusammengeschraubter Klemmring r gelegt. Dureh einen 
radial nach aussen ragenden leierfSrmigen Arm nebst zwei Schrauben ist dieser Klemm- 
ring mit dem oberen King in Verbindung und ermöglicht die Feststellung sowie die grobe 
und feine horizontale Drehung des Tischblattes. Die grobe Drehung wird mit der durch 
den Arm greifenden Klemmschraube k gehemmt, indem durch Anziehen derselben ein vor- 


Siebenter Jahrgang. Mai 1887. Kleinere Mittreilunoen. 181 


gelegtes Plättchen radial gegen die abgedrehte Cylinderfläche des Kernstückes gedrückt wird. 
Die feine Horizontaldrehung ist durch zwei tangential zur äusseren Kingperipherie einander 
entgegenwirkende Schrauben ermöglicht, welche ihre Führung in je einem geschlitzten und 
durch ein Klemmschräubchen zusammengezogenen Gabeltheil des vorgenannten leierförmigen 
Armes erhalten. Diese beiden Schrauben fassen einen vom beweglichen King nach abwärts 
stehenden. Backen von beiden Seiten fest, so dass keine unabsichtliche Bewegung des Tisch- 
blattes möglich ist, wie bei Anwendung von Schraube und Feder, wobei letztere entweder 
mit der Zeit lahm wird oder durch zufälligen seitlichen Druck, wie er durch Anlegen an das 
weit ausladende Tischblatt nur zu häufig ent<5teht, tiberwunden wird und Fehler in der 
Orientirung mit sich bringt. Auf dem 25 cm im Durchmesser haltenden beweglichen King 
wird das Tischblatt durch drei über die Oberfläche desselben vorstehende Schrauben bby welche 
in ebenso viele in das Tiscliblatt eingelassene Muttern eingreifen, festgehalten und erhält 
dadurch eine weit vollkommenere Unterstützung, als mit Anwendung der in letzter Zeit 
bei den meisten Messtisch -Constructionen beliebten Horizontalführung mit Centralbtichse und 
Verticalaxe, welche stets der Stabilität des Tischblattes Eintrag that, da dessen Unter- 
stützung sich nahezu auf einen Punkt zusammenzog, wobei weder die Klemmen für die 
grobe noch die Mikrometerschrauben für die feine Horizontalbewegung auf die Dauer fehler- 
frei blieben, weil sich nur zu bald ein todter Gang einstellte. Zur Sicherung der Orien- 
tirung und zugleich zur Schonung der Horizontalfühningen sind am Führungsring zwei Ver- 
sicherungsklemmen w wieder eingeführt, welche bei längerer Dauer einer Aufstellung fest an- 
zuziehen sind. Die feste Verbindung des Mittelstückes mit dem Stativ wird erreicht durch 
Anziehen der Centralschraube. Dieselbe hängt von der schalenförmigen Füllung des Kern- 
stückes, durch diese und die Durchbrechung des Stativkopfes hindurchgreif end ,• frei nach 
abwärts und endigt unten mit einem kräftigen Gewinde. Eine von unten eingreifende Mutter 
ist in einen Griff g von der Form eines starken sechsseitigen Prismas eingelassen; durch 
Anziehen desselben wird eine federnde Messingscheibe gegen die Unterseite des Stativ- 
kopfes gepresst, wodurch das ganze Obertheil des Messtisches, welches auf den drei Stell- 
schrauben ruht, festgehalten wird. Wird die Feststellung aufgehoben, so lässt sich das 
ganze Mittelstück sammt dem Tischblatt beliebig verschieben und drehen, ohne merkliche 
Aendening für eine vorausgehend vorgenommene Horizontalstellung. Diese Verschiebung ist 
innerhalb einer Kreisfläche von 8 cm Durchmesser möglich, entsprechend der Grösse der 
Durchbrechung des Stativkopfes, so dass bei einigermaassen richtiger Aufstellung des Statives 
jede Orientirung des Tischblattes erreicht werden kann. Das Gesammtgewicht des Mess- 
tisches beträgt nur 9 kg. 


Ausstellung wissenscliaftliclier Instrumente, Apparate und Präparate. 

Gelegentlich der diesjährigen (60.) Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte 
wird wieder eine Ausstellung wissenschaftlicher Instrumente, Apparate und Präparate neue 
Erscheinungen auf diesem Gebiete vorführen. Die Ausstellung wird wissenschaftliche In- 
strumente aller Art umfassen, physikalische Apparate , mit besonderer Abtheilung für Mi- 
krologie, chemische Instrumente, Apparate für den naturwissenschaftlichen Unterricht, 
Hilfsmittel für Geographie und Anthropologie, medicinische und chirurgische Apparate 
u. dgl. — Die Ausstellung wird vom 18. bis 24. September d. J. in Wiesbaden statt- 
finden. Die Aussteller werden weder Platzmiethe, noch Beisteuer irgend einer Art zu 
leisten haben. Anfragen sind zu richten an den Vorsitzenden des Ausstellungscomit^s, 
Herren Dreyfus in Wiesbaden, Frankfurterstr. 44. Für Berlin fungirt als Delegirter 
des Comites Herr Dr. Lassar, Karlstrasse 19. 


182 £eFEBATE. ZeITSCHSIFT rÜB IVITBDMBrrSXKUKDS. 


Referate. 

üeber ein neues Oalvanometer. 

Von J. Kollert. Wüd. Ann. K F. 29. S. 491. 

Die Construction beruht auf demselben Princip wie die des Rosent harschen Mikro- 
galvanometera. Das magnetische System besteht aus zwei Sextanten einer kreisförmig ge- 
bogenen sehr dünnen Taschenuhrfeder, deren Mitten durch ein leichtes, 6 cm langes Stäbchen 
so verbunden sind, dass die ungleichmässigen Pole einander gegenüber stehen; über der 
Mitte dieses Stäbchens befindet sich zunächst der Glimmerflügel einer Töpler'schen Luft- 
dämpfung und darüber ein 0,3 mm dicker Spiegel von 2 cm Durchmesser; das ganze System 
hängt an einem 25 cm langen einfachen Coconfaden. Die Pole der Magnete liegen nahe 
den Mitten von vier Elfenbeinrollen, die mit je 4000 Windungen sogenannten Telephon- 
drahtes umwickelt sind. Der Radius der innersten Windungen ist 0,35 , derjenige der äussersten 
1,25 cm. Die Rollen sind an den Enden zweier um die Axe des Instrumentes drehbaren 
Stäbe befestigt, die man unter einem Winkel von etwa 72® gegen einander feststellt. Die 
StromzufUhning erfolgt durch Klemmen, die in zwei Gruppen zu je vier auf zwei Kreis- 
bogenstUckcn von Hartgummi befestigt sind. Zur Vermeidung von Störungen durch Luft- 
strömung ist clor die Magnete und die MultiplicatorroUen enthaltende Theil des Instrumentes 
von einem McHningrohr umschlossen. Das ganze Instrument ruht auf einem mit Stell- 
M'hrauben verHehonon Messingdreifuss und ist um einen Conus drehbar; ebenso ist der 
Hpirgol und das Spiegolgehäuse nach verschiedenen Seiten drehbar. Die Rechnung zeigt, 
(\nnn iiln Htrom von 10~* Amp. bei einem Scalenabstand von 13554 Scalentheilen einen 
Aunwhlnf^ von 1 Sealentheil geben muss. Der Versuch hat dies bestätigt. L, 

Absolutes Elektrodynamometer. 

Von H. Pellat. Compt Send. 104. S. 1189. 

innerhalb einer langen Rolle mit 10 Drahtschichten, deren Axe horizontal liegt, 
hWiigt concentrisch mit dieser eine kleine Rolle von einer einzigen Drahtschicht mit ver- 
♦ Iraler Axe an einem Wagebalken, der an seinem anderen Ende eine Schale trägt. Die 
Hrlinriden und Pfannen der Wage sind aus Achat, wie überhaupt alle magnetischen Sub- 
ttffitizen bei der Herstellung der Wage vermieden sind. Ein Strom, der durch beide Rollen 
j(<»lit, sucht die Axe der kleinen Rolle gegen die Verticalc zu neigen; aus dem Gewichte, 
mit welchem man zur Herstellung des Gleichgewichtes die Wage zu belasten hat, und den 
Ditnensioncn des Apparates ergiebt sich dann die Stromintensität in absolutem Maasse. 

L, 

üeber einen üniversalspectralapparat ftr qualitative nnd quantitative chemische Analyse. 

Von G. Krüss. Berichte d, Deutschen Chernischen Gesellschaft. 19» S, 2739, 

Der Krüss' sehe Universalspectralapparat, der sowohl zur Anstellung einfacher Beo- 
bachtungen, wie zur Anstellung genauer Messungen, zu qualitativen wie zu quantitativen 
Analysen dienen soll, hat im Wesentlichen die von Kirchhoff und Bunsen angegebene 
C^onstruction, weist jedoch eine Reihe von bedeutenden Verbesserungen auf, die seine An- 
wendbarkeit für sehr verschiedene Zwecke ermöglichen. — Das Collimatorrohr mit dem 
Spalt besitzt keinen Auszug, die (aus Platin gefertigten und sehr fein geschliffenen) 
Schneiden des Spaltes sind genau im Brennpunkt des Objectivs und der brechenden Kante 
des Prismas parallel orientirt, so dass dem Beobachter die Einstellung des Spaltes erspart 
bleibt. Für qualitative Analysen wird ein einfacher, für quantitative ein Doppclspalt be- 
nutzt, und zwar geschieht die Oeffhung des Spaltes symmetrisch zur optischen Axe. 
In Folge dieser Anordnung behalten sämmtliche Theile des Spectrums bei verschiedenen Spalt- 
weiten die nämliche mittlere Lage zur Axe, während sie sich bei einseitiger Oeffnung des 
Spaltes einseitig verbreitem; durch Anwendung des symmetrischen Doppelspaltes wird die 
Vierord tische Methode, die Helligkeit eines bestimmten Spectralbezirkes einer Lichtquelle 


81«beiit«r Jahrgang. Mai 1887. Refebatb. 183 


mit derjenigen desselben Bezirkes einer andern Lichtquelle zu vergleichen, vollkommen 
einwurfsfrei. Der einfache Spalt ist mit einem Vergleichsprisma versehen. Die Spalt- 
breite ist sowohl bei dem einfachen wie bei dem Doppelspalt durch eine die Oeffnung 
des Spaltes vermittelnde Mikrometerschraube mit getheilter Trommel genau messbar und so 
weit zu verringern, dass schon bei Anwendung eines nur schwach zerstreuenden Prismas 
von 60° die D-Lmie deutlich doppelt erscheint. — Der Apparat besitzt; femer zwei Prismen: 
ein einfaches, schwach dispergirendes Flintglasprisma von 60° und ein stark dispergirendes • 
Rutherford -Prisma mit automatischer Einstellung auf das Minimum der Ablenkung. Dureh 
eine einfache Vorrichtung kann bei Bewegung des Beobachtungsfemrohres gleichzeitig auto- 
matisch die Einstellung jedes der beiden Prismen in das Minimum der Ablenkung für 
jede beobachtete Spectralregion bewirkt werden. (Vgl. diese Zeitschr. 1885, S. 181. 232.) 
— Das Scalenrohr trägt genau im Brennpunkt seines Objectivs die photographirte Scale 
fest angebracht und durch keinen Auszug verrtickbar. Die Mitte der D- Linie fällt (wie 
bei Lecoq) genau mit dem Theilstrich 100 zusammen. Das Beobachtungsfemrohr be- 
sitzt eine etwa siebenmalige Vergrösserung. Besondere Erwähnung verdienen die am Fem- 
rohr selbst befindlichen Messvorrichtungen. Eine Mikrometerschraube mit getheilter Trommel 
bewegt das Femrohr um die verticale Axe des Instrumentes , und zwar wird die Verschiebung 
des Femrohres nicht wie bei andern Spectroskopen auf dem horizontalen Theilkreise ab- 
gelesen, sondern an einer Theilung, die sich an der Stirnseite des Femrohrträgers befindet, 
so dass der Beobachter direct nach der Theilung blickt. Eine zweite Mikrometerschraube 
mit getheilter Trommel macht das Fadenkreuz für sich allein beweglich; das Verhältniss 
der Ganghöhen der beiden Mikrometerschrauben zu einander, ebenso wie zu den Theilen der 
Scale ist bekannt, so dass die Beobachtungen auf verschiedene Weise controlirt werden 
können. Das Fadenkreuz bewegt sich in einem Schieber, der in der Focalebene des Oculares 
steht; in demselben Ocularschieber befindet sich ein Vierordt' scher Ocularspalt, der zum 
Herausschneiden eines schmalen, möglichst homogenes Licht enthaltenden Spectralbezirkes 
und zum Abblenden der nicht benützten Theile des Spectrums bei quantitativen Analysen 
dient; er findet bei allen genauen Messungen sowie bei der Beobachtung lichtschwacher 
Erscheinungen Anwendung. B, 

üeber Freihand-Instnunente zum NiveUiren und Höhenwinkelmessen. 
Von Prof. Dr. W. Jordan. Zeitschrift für Vermessungswesen, !€• S, 2. 

Die Benutzung kleinerer Messinstrumente, welche ohne Anwendung eines Stativs 
in freier Hand gebraucht werden, ist in Deutschland noch nicht sehr verbreitet, obwohl 
sie für Messungen untergeordneter Art recht wohl empfohlen werden kann. Verfasser hat 
seit längerer Zeit Erfahrungen über den Gebrauch derartiger Instrumente gesammelt und 
theilt dieselben, unter Vorlegung von Versuchsmessungen, mit. 

Zunächst wird das Taschennivellirinstrument von R. Wagner (vgl. diese Zeitschr. 
1882, S. 229) besprochen. Dasselbe wird von einem Femrohr gebildet, das an einem 
Griff von freier Hand gehalten wird. In der Wandung des Fernrohres ist seitwärts, pa- 
rallel zur Absehenslinie, eine Libelle und ihr gegenüber ein Planspiegel angebracht; an 
dieser Stelle ist der Tubus durchbohrt und die Bohrung mit Glas bedeckt, um Licht ein- 
zulassen. Unmittelbar neben der eigentlichen Ocularlinse des Femrohres befindet sich eine 
zweite, planconvexe Linse. Bringt man nun das Auge an den Durchschnittspunkt der 
Axe dieser letzteren Linse mit der optischen Axe des Femrohres, so sieht man die im 
Gesichtsfelde erscheinenden Objecte (Fadenkreuz, Nivellirlatte) neben dem Bilde der Li- 
belle; man kann also die Ablesung im Momente des Einspielens der Libelle bewirken. Der 
Ocularauszug ist nur wenig verstellbar; die Einstellung des Bildes erfolgt durch einen 
Objectivauszug, der je nach der Vergrösserung mittels Hand, oder durch einen drehbaren 
Ring oder durch ein Getriebe verstellbar ist. — Diesem Instrument reiht sich Bohne's 
Tascheninstrument au; dasselbe besteht aus einem cardanisch aufgehängten pendelnden 
Galilei 'sehen Femrohre mit horizontaler Ziellinie. Das concave Ocular desselben ist durch- 


184 Refebatb. ZsirscBBiiT F0B Ixmi 


bohrt nnd trägt in der Bohning eine kleine Convexlinse, so dass man ein innen ange- 
brachtes Fadennetz oder eine Scale gleichzeitig mit einem entfernten Zielpunkte sehen kann. 
— Mit Instrumenten dieser Art hat Verf. Versuchsmessungen vorgenommen und mit beiden 
Instrumenten nahe dieselben Resultate erreicht; als mittleren Fehler eines Nivellements von 
100 m Länge, mit zwei Aufstellungen und 25 m Zielw6ite, erhielt er 8,55 cm, als mittleren 
Fehler eines Nivellements auf 1 km Länge 27 cm; das Kilometer konnte in 47 Minuten 
fertig nivellirt werden. Prof. Hammer hatte früher mit einem Wagner'schen Instrumente 
(Zeitschr. für Vermessungswesen 15» S. 522) bessere Resultate erreicht, doch darf nicht 
unerwähnt bleiben, dass bei Prof. Jordan's Messungen die Nebenumstände ungünstiger waren. 
Es folgen dann die Besprechungen einiger freihändig zu gebrauchender Höhen- 
winkelmesser. Der Zugmai er 'sehe, von Mech. Si ekler in Karlsruhe nach Angaben des 
Verf. modificirte Höhenwinkelmesser (vgl. Zeitschr. für Vermessungswesen 1. S. 213 und 
8. S. 114. 344) besteht aus einem kreisförmigen Gehäuse, in welchem ein getheilter Kreis- 
bogen um einen centrisch angebrachten Zapfen schwingt; das Gewicht des Kreisbogens ist 
so contrebalancirt, dass der zum Nullpunkt der Theilung gehörige Radius sich stets hori- 
zontal — oder doch in einer bestimmten Neigung — stellt. Die cylindrische Wand des 
Gehäuses ist mit einem Ocularspalte und einer diesem diametral gegenüber liegenden Ziel- 
marke versehen; an dieser vorbei schwingt der Kreisbogen, dessen auf einer Kegelfläche 
aufgetragene Theilung von dem Ocularspalte aus bequem abgelesen werden kann ; die Theilung 
giebt ganze Grade; Zehntel werden geschätzt; zur Beleuchtung der Theilung dient eine 
am" Deckel des Gehäuses angebrachte und mit Glasfenster verschlossene Oeffiinng. Die 
Schwingungen des Kreisbogens können durch einen Knopf arretirt werden. Um den Bogen 
beliebig stark oder schwach schwingen zu lassen, hat Verf. noch eine zweite, mittels Schieber 
verschliessbare Oeffnung am Gehäusedeckel anbringen lassen; während also die rechte Hand 
den Apparat hält, kann die linke in das Innere hineingreifen und den Kreisbogen nach 
Belieben anhalten oder schwingen lassen. Aus 10 Doppelmessungen hat Verf. früher für 
dieses Instrument, einen mittleren Messungsfehler von =b 4 abgeleitet, eine Genauigkeit, 
welche er durch langen Gebrauch bestätigt gefunden hat. — Eine Modification dieses Appa- 
rates ist vom Mechanikes Randhagen in Hannover ausgeführt worden. Der getheilte Kreis- 
bogen ist an die dem Beobachter zugewandte Seite der cylindrischen Kapsel verlegt und 
letztere von einem Visirrohr durchsetzt worden, neben dessen Ocularspalt sich eine Lupe 
zur Ablesung der Theilung befindet. Die Anbringung der Lupe gestattet jede beliebige 
Dimension des Instrumentes, während die frühere Form, bei welcher die Theilung mit 
blossem Auge abgelesen wird, höchstens eine Länge von 15 cm haben kann. Die Genauig- 
keit der modificirten Form ist dieselbe wie die des älteren Apparates. — Neuerdings hat 
Herr Randhagen nach Angaben des Verf. das Instrument zu einem Prismen -Höheilmesser 
umgestaltet; die Kapsel verlängert sich in ein kleines Femrohr, in welchem sowohl der 
Zielpunkt, als auch mit Hilfe eines Prismas die Theilung erscheint; mit dem so verän- 
derten Apparat sind indess noch keine Messungen vorgenommen worden. — Tesdorpf's 
Höhenmesser verwirklicht folgenden, bereits mehrfach verwertheten Gedanken. Ein mit 
Ocularvorrichtung und Fadenkreuz versehenes Rohr hat im Inneren vom einen Spiegel, 
auf welchen durch eine Oeffnung des Tubus das Bild einer oben angebrachten Libelle 
föllt; der Spiegel nimmt die linke Hälfte des Rohres ein, so dass im Gesichtsfelde links 
die Libelle und rechts der Zielpunkt erscheint. Die Libelle ist mit einem getheilten Kreis- 
bogen verbunden, der sich an einem Nonius oder Index vorbei bewegt, und im Moment, 
wo die Blase einspielt, durch eine Bremsschraube arretirt werden kann; Verf. hält jedoch 
für besser, den Bogen nicht zn arretiren, sondern ihn mit etwas Reibung sich bewegen 
zu lassen, so dass er in der kurzen Zeit vom Zielen bis zum Ablesen als fix angesehen 
werden kann. Als mittleren Messungsfehler leitet Verf. für dieses Instmment eine Ge- 
nauigkeit von it 7' ab. — Im Wesentlichen auf demselben Principe beruht das Hydro- 
statoskop von F. H. Reitz (diese Zeitschrift 1885, S. 87), welches den Seemann bei der 
Messung von Höhenwinkeln von der Benutzung eines Horizontes frei machen will ; bei dem- 
selben wird gleichfalls das Bild einer Libelle durch einen Spiegel in das Ocular reflectirt. 


BlelwDtor Jihrguig. M«i 1887. Neu ERBCBiDrERB BÜCHBB. 185 


Die eben bescliriebeneii Instrumente von Sickler, Eandbagen und Tesdorpf em- 
pfiehlt nun Verf. zur Messung von Höhenwinkeln in Verbindung mit Bandzügen von etwa 
20 m Streckenlänge, deren einzelne Azimute mit einer Stockbussole gemessen werden; 
in jeder einzelnen Strecke soll der Höhenwinkel hin und her gemessen und dadurch so- 
wohl der Indexfehler eliminirt, als auch dem Einschleichen grober Fehler vorgebeugt werden. 
Eine Anzahl von Messungen dieser Art wird mitgetheilt, im Ganzen 25 Messungen mit 
13 km Gesammtlänge und 1957 m Gesammthöhe, aus welchen ein Fehler der Höhenmessung 
von etwa 5 cm pro Bandlänge von 20 m abgeleitet wird, ein für Messungen dieser Art 
recht günstiges Eesultat. 

Verfasser fasst seine Erfahrungen in folgende Schlüsse zusammen: Für das eigent- 
liche Nivelliren, d. h. Ablesen mit nur horizontalen Ziellinien an verticalen Latten, bringt 
die Freihand -Messung gegenüber der Stativmessung keinerlei Gewinn, nicht einmal an Zeit, 
^^^<^g^i^ ist die freihändige Höhenwinkelmessung mit dem Stahlband als Lfingenmesser ein 
wirksames Hilfsmittel der Horizontalcurven- Aufnahme in nicht ganz freiem Felde. W, 


Itfen erseldenene Bfieher. 

KateohismuB der NivellirkuiiBt Von Dr. 0. Fletsch. Leipzig, J. J. Weber. M. 2,00. 

Das vorliegende Werkchen bildet ein Bändchen der von der oben genannten Ver- 
lagshandlung herausgegebenen „Hlustrirten Katechismen" , welche in populärer Darstellung 
Belehrungen aus dem Gebiete der Wissenschaft, Kunst und Gewerbe bringen; nach eng- 
lischem Vorbilde wird in Fragen und Antworten ein bestimmtes Wissensgebiet behandelt. 
Der Katechismus derNivellirkunst giebt in dieser Weise eine orientirende Uebersicht 
über das Gebiet des Höhenmessens, ohne Anspruch auf wissenschaftliche Gründlichkeit 
zu machen. Von diesem Standpunkte aus betrachtet mag das Buch für den Laien, der 
sich über das Nivelliren oder einzelne dasselbe betreffende Fragen rasch orientiren will, gute 
Dienste leisten. Die gebräuchlichen Instrumente und ihre Handhabung, sowohl für das 
geometrische wie für das trigonometrische Nivellement — jedoch ohne die Freihand -Instru- 
mente — sind an der Hand guter Abbildungen recht anschaulich geschildert; auch das ba- 
rometrische Höhenniessen wird kurz behandelt. W. 


F. Cantoni. Igroscopi, igrometri, umidita atmosferica. Milano. L. 1,50. 
E. Selenka. Die elektrische Projectionslampe. Erlangen, Sitz. -Ber. d. Physik. Gesellsch. 
M. 0,50. 

Verelnsnaelirleliteit. 

Deutsche Gesellschaft ftkr Mechanik und Optik. Sitzung vom 5. April 1887. Vor- 
sitzender: HeiT Haensch. 

Herr Dr. Filter hielt einen instructiven Vortrag über die erste Hilfe bei Unglücks- 
fällen, mit besonderer Berücksichtigung der Unfallsvorschriften für die Betriebe der Fein- 
mechanik. 

Sitzung vom 19. April 1887. Vorsitzender: Herr Fuess. 

Herr Ingenieur A. Martens, Vorsteher der Königl. mechanisch-technischen Ver- 
suchsanstalt, sprach über Festigkeitsprüfungen und die hierzu benutzten Ma- 
schinen und Apparate. Bei den Festigkeitsprüfungsmaschinen unterscheidet der Vor- 
tragende drei Ilaupttheile: 1. den Antrieb, 2. den kraftmessenden Theil, 3. den die Form- 
veränderung messenden Theil. Die beiden ersten Theile bilden in der Regel das eigent- 
liche Wesen der Maschine, während der dritte Theil meist völlig für sich besteht. — 
Bei den selbstthätigen Maschinen pflegt der Antrieb durch Maschinenkraft (Riementrieb 
oder Pumpwerk) zu erfolgen und in einzelnen Fällen durch die Maschine selbst so geregelt 

16 


186 VEBXmSNACRRICHTEW. ZsiTSCHHirr FÜR IlTSTRÜMBHTKirKüirDB. 


ZU werden, dass die Arbeit nach bestimmten Gesetzen geleistet wird. Der Antrieb besteht 
gewöhnlich aus einem durch Wasserdruck hewegten Kolben oder eine Schraube und besitzt 
die nöthigen Angriffswerkzeuge für die Aufnahme des Probekörpers. — Der kraftmessende 
Theil ist entweder als Hebelwage mit Gewichtsbelastung bezw. als Federwage construirt, 
oder die durch den Antrieb erzeugte Kraft wird in einen Flüssigkeitsdruck umgesetzt, 
welcher durch eine Manometervorrichtung gemessen wird; am Meisten ist die Hebelwago 
mit Belastung durch Aufsatz- oder Laufgewichte, oder durch beide gemeinsam vertreten. — 
Der die Formänderung messende Theil ist meistens als Hebelzeigerwerk ausgebildet , oder 
es sind optische Messmethoden zu Hilfe genommen. — Der Vortragende ging sodann dazu 
über, einzelne Constructionsformen zu besprechen. Bei dem Apparat von Emery werden 
zur Kraftmessung hydraulische Kissen verwendet, welche aus mehreren starken Dosen mit 
leicht beweglichen Deckeln bestehen; der durch den Probekörper in diesen Kissen erzeugte 
Fltissigkeitsdruck wird durch lange enge Rohrleitungen auf ähnliche kleinere Kissen über- 
tragen, deren Deckel mit einem Wagebalken in Verbindung stehen, dessen Schneiden 
durch Blattfedergelenke ersetzt sind. Gegen den Emery' sehen Apparat sind von Schwirkus 
(diese Zeitschr. 1884 S. 261) Bedenken erhoben worden. — Die Maschine von Pohl- 
meyer bewirkt den Antrieb durch einen Presscylinder, welcher durch einen Dnickerzeuger 
gespeist wird; das andere Ende des Probestabes greift an ein dreifaches Hehelsystem an, 
dessen letzter Zug auf eine Neigungswage übertragen wird; der Ausschlag der letzteren 
giebt die ausgeübte Kraft an. — Mohr & Federhaff, deren Maschinen meistens und 
sehr vortheilhaft mit einem Schraubenantriebe arbeiten, wenden die gewöhnliche Wage 
mit einem Laufgewicht an. Das Laufgewicht wird von Hand durch eine besondere Vor- 
richtung und ohne wesentlich schädliche Beeinflussung des Gewichtsmomentes bewegt. Der 
Vortragende ist der Ansicht, dass die Thätigkeit des Beobachters von der Manipulation 
an der Wage ganz in Anspruch genommen wird, so dass ihm für die Verfolgung der 
Vorgänge am Probeobjecte selbst kaum Zeit bleiben dürfte. — Bei der Maschine von 
Fairbanks & Co. geschieht, um dieselbe selbstthätig zu machen, die Verschiebung des 
Laufgewichtes durch den Probestab selbst. Der Antrieb wird durch zwei von der Trans- 
mission aus mit mehreren Geschwindigkeiten bewegbare Schrauben bewirkt, welche an 
dem etwas complicirten Maschinengestell gelagert sind. Die Stützen für das Widerlager 
des Probestabes sind von einer nach Art der Centesimalwagcn von mehreren Hebeln ge- 
stützten Plattform getragen. Das Hebelsystem ist ein vierfaches mit 10 Hebeln und 
nicht weniger als 31 Schneiden. — In dem neuen von der Kgl. mechanisch-technischen 
Versuchsstation benutzten Apparate hat der kraftmessende Theil nur einen Hebel mit einer 
Uebersetzung von 1:250. Es wird mit mechanisch bewegten Aufsatzgewichten gearbeitet, 
wobei 9 einzelne Gewichtsstücke, welche einer Belastung des Stabes von je 1000 kg ent- 
sprechen, und 5 einzelne Gewichte von je 10000 kg Belastungswirkung zu besonderen 
Sätzen über einander vereinigt sind. Die Belastung des Stabes kann nach und nach um 
je 1000 kg erhöht werden. Die Verlängerung des Probeobjectes wird durch besondere 
Spiegelapparate gemessen. — Zum Schlüsse ladet der Herr Vortragende zu einer Besichtigung 
der Versuchsstation ein. Die Gesellschaft wird dieser Einladung nach den Sommerferien 
dankend nachkommen. 

Sitzung vom 3. Mai 1887. Voi-sitzender: Herr Fuess. 

Hen* Regierungsrath Dr. Loewenherz hält, unter Vorfühning von Experimenten, 
einen Vortrag über die Unfälle bei IVroleumlampen und die von der K. Normal-Aichungs- 
Commission auf diesem Gebiete gemachten Studien. 

Betreffs der gelegentlich der diesjährigen Naturforscher- Versammlung in Wiesbaden 
vom 18. bis 23. September stattfindenden Ausstellung macht der Vorsitzende die Mittheilung 
dass eine officielle Betheiligung der Gesellschaft nicht geschehen könne. Herr P. Dorf fei 
lässt durch Herrn Färber erklären, dass er die Ausstellung besuchen werde und gern 
erbötig sei, die Interessen der Berliner Aussteller wahrzunehmen. 


Uflbant« Jftbi^uiff. 


Herr P. Stlickn 
vorbehalten wirf. 


B Werkzeuge vor, deren nfilier« Besprechung 
Der Schriftführer: Blankenburff. 




Patentschan. 

Besprechungen und Auszüge aus dem Patentblatt. 
WaiMrwsge für Horlzontnl- und VertloBlnBitiiageB. Von G. Falter & Sohn in München. No. 3T8T1 

Das mit Schrauben / zur Einstellung der Libelle b 
verBehcno Winkelstück a wird fiir Horizontalmcssungen 
in die eine, für Verticalraessuiigen in die andere Grenz- 
lago gebracht und iu diesen Lagen durch die federnden 
Klinken d und e festgehalten. 

Quettobyersobiaai für SaMIiMbe. Von J. Riedel in Berlin. 
No. 37667 vom 18. März 1886. 

Der mit zwei Fingern ausführbare VerschluHB des 
zwischen Haken oder Ringen □ b bczw. runden Ausschnitten 
lagernden Schlauches wird mittelbar durch Umknicken 

oder Biegen desselben erzielt, und die Feststellung beim Verschluss 

erfolgt selhstthätig nnd in verschiedenen Durchlass weiten. Die nach 

entgegengesetzter Richtung drehbaren Haken oder Ringe ab sind 

durch Zahngesperre os in verschiedener Schlussweite stellbar. In 

einer Abänderung sind die um c drehbaren Haken durch Parallel- 

Echieber mit Gesperre ersetzt. 

Apparat zur BeaHmmVBg der Triebkraft des HerzeRS md zur graphfachea 
Daratttfung dar Pulawalle des mensohllohen KSrpers. Von 

Th. Nehlmeyer in Hannover. No. 37847 vom G. Febmar 1886. 

Die durch den Pulsscblng mittels der federnden l'latte a bewegte Fliissigkeit (Quecksilber) 
übertrügt diese durch den Kolben d auf die Stange e. Letzlere wirkt vermöge ihrer Reibung an 
der Zcigerscheibe / auf den Zeiger i, bo dass dieser 
auf dem Zifferblatt, welches ausserdem mit Secunden' 
und Minutenzeiger verseilen ist, stossweise fortschreitet 
und die Stiirke der Blutwello aus der Grösse der 
Zeigerbewegung bezw. dem Unterschiede der Secnndeo- 
und Pulsbewegung ersichtlich macht. 

Um ein völlig zuverlässiges Bild von der Stärke 
der Blutwellen und deren Zahl in einer gewissen Zeit 
geben zu können, wird durch das Uhrwerk zugleich 
ein Papierstreifen wi an dem Schreibstift der Stange k 
vnrbeibewegt, welche mit der Kolbenstange e durch 
die Führungsstange g verbunden ist. 

Die in Fig. 1 dargeBtelltc Vorrichtung nop zum 
Andrücken der Pulsstelle des Armes gegen die 
federnde Platte a kann 
abgeändert werden. 
NachFig.2bestehtdiese 
Vorrichtung aus dem 
I auf und ab beweglichen 

Träger u, der mittels 
der Stange r und des 
Hebels q verstellt wird, 
wobei das Sperrseg- 
ment u* die feste Lage 
des Armes sichert. 

FIf. I. rig.1!. 



188 FÜB DIK WeBKBTATT. ZeITBCBHXFT rÜB iNSTRUKKKTEXKinrDE. 

Neuerung an Doppelbarometern. Von G. F. 0. Günther in Hamburg. No. 37706 vom 25. April 1886* 

Die beiden Federn / für die Gehäuse o der zwei Barometer sind an einem gemeinschaft^ 
liehen Rahmen R angebracht, der an drei Punkten mit der Grundplatte B in Verbindung steht, 

und welcher durch die in gleichem Abstände 
f-^''^ff6f^Sg^s^ von beiden Instrumenten befindliche Stell- 

j j sclu-aube </, dem dritten Pimkt, von der Aussen- 
seite des Gehäuses aus gehoben und gesenkt 
werden kann, um die im Uebrigen überein- 
stimmend justirten Instrumente der Höhenlage 
des Ortes gemäss gleichzeitig einstellen zu können. 

Palladium- Leglrung. Von Ch. A. Paillard in Genf. No. 38445 vom 11. Mai 1886. 

Eine nicht magnetische und nicht oxydationsfähige Legirung, die hauptsächlich zur Fa- 
brication von ührentheilen Verwendung finden soll, wird aus Palladium, Kupfer und Stahl oder 
Palladium, Kupfer und Nickel hergestellt. Zumischung kleiner Mengen von Rhodium, Gold, Silber 
und Platin soll die erforderlichen Eigenschaften erhöhen. (P. B. 1887. No. 10.) 

Bohrverfahren für conische Löcher zur Befestigung von Stiften und Stiftschrauben durch Aufsprelzen. 

Von J. P. Schmidt in Berlin. No. 38340 vom 13. Februar 1886. 

Nach diesem Verfahren werden nach innen zu erweiterte Löcher, welche zur Befestigung 
von Stiften und Stiftschrauben mittels Auseinanderspreizens durch eingesteckte conische Stifte 
dienen sollen , angefertigt. Diese Löcher werden mittels eines gewöhnlichen Bohrers hergestellt, 
der eine gegen seine Axe excentrische Spitze besitzt. Dieselbe legt sich gegen die Fläche des 
Grundkegels des cylindrisch vorgebohrten Loches an, drängt in Folge ihrer excentrischen Lage 
die einzige Schneidkante des Bohrers gegen die Wand des cylindrisch vorgebohrten Loches und 
schneidet in Folge dessen bei der Drehung einen der Steigung der Schneidkante entsprechenden 
Kegel heraus. (Vergl. auch die Werkstattnotiz auf S. 76 des laufenden Jahrganges dieser Zeit- 
schrift.) (1887. No. 12.) 

Für die UTerkstatt. 

Gravirmaschlne fflr Rohre und andere gekrümmte Flächen. (Original-Mittheilung). 

Die hiesige Firma Lisser und Benecke stellt zu massigem Preise eine recht compen- 
diöse und leistungsfähige Vorrichtung her, welche Copien von einer ebenen Schablone nicht nur 
wieder auf ebene, sondern auch auf gekrümmte Oberflächen , wie sie Rohre, Säulen und ähnliche 
Instrumenten theile darbieten, auch breitere Caniicsse, Medaillons u. s. w. zu übertragen gestattet 
und daher für manche Zwecke des Mechanikers von Werth erscheint. Die Maschine setzt sich zusammen 
aus einem auf einem Fussbrett stehenden festen säulenartigen Ständer, welcher an seinem Kopfende 
die Einspannvorrichtung für den zu gravirenden Köi*per* trägt, und aus einer eigenthümlichen Storch- 
schnabelvorrichtung. Letztere besteht aus einer starken cylindrischen Stange, die in einer an dem Stän- 
der befestigten cardanischen Aufhängung vertical herabhängt. Ihr unteres Ende bildet den Führungs- 
stift, welcher auf der am Fusse des Ständers auf dem Grundbrett ruhenden Metallschablone ge- 
fühlt wird; oben trägt sie verstellbar ein zweites cardanisches Ringsystem, von dem ein horizon- 
taler Arm ausgeht, an dessen freiem Ende der auf dem Werkstück arbeitende Stichel eingespannt 
wird. Die freie Beweglichkeit dieses Armes gestattet nun den Krümmungen der Fläche des Arbeits- 
stückes zu folgen, wobei in Folge der Verkleinerung, welche sich durch leicht zu bewirkende Ver- 
änderung in der Entfernung der beiden cardanischen Ringsysteme in für die Praxis ganz genügen- 
den Grenzen variiren lässt, eine merkliche Verzerrung nicht eintritt. — Die Firma, deren Güte 
wir diese Mittheilung verdanken, rühmt noch besonders die schnelle und saubere Arbeit der 
Maschine. Ln, 

Säurefeste Bronce. Neueste Erfindungen und Erfahrungen. 1887. S. 233 aus „Metallarbeiter"'. 

Nach dem „Metallarbeiter'* ist eine in Oesterreich patentirte Broncelcgirimg aus 15 Th. 
Kupfer, 2,34 Th. Zinn, 1,82 Th. Blei imd 1 Th. Antimon sehr widerstHudsfähig gegen Säuren und 
Alkalien und an Stelle von Hartgummi und Porzellan zu chemischen Geräthschaften , Pumpen u. s. w. 
zu verwenden. P» 


Maehdmek Torbotea. 


TerUg TOB Julia« Bpriofer in Berlin N. «> Ornek Ton OuUt htM$9 JetsI Otto Lanf« in Berlin MW. 


Zeitschrift für Instrument^nkunde. 

Bedactions - Curatorium : 
Geh. Reg.-R. Prof. Dr. H, Landolt^ R« Fness, Reg.-Rath Dr. L. Loewenherz^ 

Vorsltaander. Beltltaer. Behriftfttlirar. 


Eedaction: Dr. A. Leman und Dr. A. Westphal in Berlin. 


Vn. Jahrgang. Juni ISST. Sechstes Heft. 


Ueber die elastische Nachwirkimg beim Federbarometer. 

Von 
C. llelnberta In Poppeisdorf bei Bonn. 

(Schluss.) 

IV. Vergleichung der Beobachtungsresultate mit der Theorie. 
6. Darstellung der beobachteten Nachwirkungsreihen nach den Formeln 

von Kohlrausch. 

Kohlrausch^) hat ausgehend von der durch Weber^) gegebenen Erklärung, 
welche die elastische Nachwirkung als eine Drehung der Molecule um Elasticität- 
axen aufFasst, nach Einführung eines Molecularwiderstandes W die Formeln auf- 
gestellt: 

I. - 


n. - 


— =aa— ^ mit dem Integral: x — Ce i-n* 


und mit der Annahme w = 1 : 


j— - OL-— mit dem Integral: x --5- • 



Darin ist x der zur Zeit t vorhandene Abstand von der Ruhelage; C, a und 
m bezw. c und a sind die der Grösse der Nachwirkung und der Geschwindigkeit 
ihres Verlaufes entsprechenden und für den einzelnen Fall zu bestimmenden Con- 
stanten. 

Öurch diese Formeln Hessen sich alle beobachteten Dehnungs-, Torsions- 
und Biegungsnachwirkungen mit genügendem Anschluss darstellen. 

Es fragt sich nun, ob auch die hier vorliegenden Nachwirkungen des elastischen 
Federsystems im Aneroid, welche durch allmälig mit verschiedenen Geschwindig- 
keiten fortschreitende Druckänderungen hervorgerufen, und bei constant gehaltenem 
Druck durch Vergleichungen mit einem Quecksilberbarometer beobachtet sind , sich 
durch die angegebenen Formeln zum Ausdruck bringen lassen. 

Die Nachwirkungen, welche zur Aufstellung derselben führten, waren durch 
plötzlich vorgenommene Deformationen hervorgerufen worden; um nun die vor- 
liegenden Beobachtungen von der Verschiedenheit der Erzeugung der Nachwirkung 
unabhängig zu machen und in einfacher Weise eine Vergleichung ihrer Grössen 
zu ermöglichen, muss an Stelle der während einer bestimmten Zeit stetig einwirken- 
den Kraft, eine ihr der Wirkung nach gleiche, momentan auftretende substituirt 
werden, derart, dass die Nachwirkungen als durch im Zeitmoment ^ = vor- 
genommene Deformationen entstanden aufzufassen sind. 


1) Pogg. Ami. 119. S. 349 und 128 S. 9. — -') Pogg. Ann. 54. 

16 


190 Reikhebtz, Federbarometer. Zeitbcbbift füb Ikstrümbktekkühdk. 


Die Anwendung der Formeln wurde auf die für die Instrumente N. 3. und 
B, 8. (nach den Ausführungen am Schlüsse des vorigen Abschnittes) zu Mitteln zu- 
sammengefassten Beobachtungen für Xn beschränkt, da dieselben wegen der 
grösseren Anzahl der in ihnen vereinigten Reihen eine zuverlässigere Darstellung 
des Verlaufes boten, und wegen der relativen Grösse der Nachwirkungswerthe eine 
sichrere Vergleichung zuliessen, als dies für die einzelnen direct beobachteten Reihen 
möglich war. 

Für die Ausführung der Rechnung wurde in erster Linie die einfache 
Formel II: x = ^/^ä gewählt. Kohlrausch ^) hat gezeigt, dass sich mit derselben aus 
den Beobachtungen für spätere Zeiten mit genügender Sicherheit auf die ersten 
Zeiten zurückrechnen lässt und dass der Einwand, dass zur Zeit ^^=0 der Abstand 
x= oo ist, praktisch hinfällig ist. Der bei einem Theil der Beobachtungsreihen 
angestellte Versuch ergab jedoch, dass die mit den nach der Methode der kleinsten 
Quadrate ermittelten Constanten c und a berechneten Werthe x« nur bei den Nach- 
wirkungen mit grösseren Anfangsgeschwindigkeiten einen genügenden Anschluss 
an die Beobachtungen zeigten, bei kleineren in den ersten 50 Minuten dieselben 
überschritten und sich erst später anschlössen. Der weitere Versuch, durch Hinzu- 
fügung einer Constanten zur Zeit einen besseren Anschluss zu erreichen, wurde 
als nicht zweckentsprechend aufgegeben, da wegen der Beziehung dieser Zeit- 
Constanten zu dem Geschwindigkeitsexponenten a eine directe Vergleichung der 
Nachwirkungen sich nicht so einfach gestaltete als bei Innchaltung der Zeit ^^-0 
für den Moment der Druckeinstellung. Aus diesen Gründen wurde der unter I 

angegebenenen Formel x = Ce~ der Vorzug gegeben. Bei Ableitung der 
Näherungswerthe für die Constanten 0, a und m fand sich, dass für die ersten 
lOOMinuten die Constantembei allen 16 Gruppen um den Werthm = 0,5 schwankte 2); 
daher wurde von der geringen Abnahme des Werthes m mit dem Zeitverlauf ab- 
gesehen und der Formel die Gestalt gegeben: 


X 


^aST 


Die damit nach Berechnung der Constanten G und a nach der Methode der 
kleinsten Quadrate abgeleiteten Werthe für x» zeigten, besonders für die ersten 
Zeiten , eine weit bessere Uebereinstimmung mit der Beobachtung als die nach der 
Formel 11 ermittelten. Die folgenden Tabellen XVII bis XX geben je für ein 
Tempo mit den vier Druckunterschieden in Spalte 1 unter tn, die nach Schluss 
der Druckeinstellung verlaufene Zeit, in Spalte 2 unter X/j, die in der am Schluss 
von Abschnitt 5 angegebenen Weise abgeleiteten mittleren Abstände von der Ruhe- 
lage, in Spalte 3 die mit den unter jeder Tabelle (nebst ihren mittleren Fehlern) 
angeführten Constanten C und a berechneten Abstände x«, und endlich in 
Spalte 4 die übrigbleibenden Fehler v„. Dieselben zeigen, dass die Uebereinstim- 
mung eine sehr gute ist. 

Der Umstand, dass in einzelnen Fällen der Anschluss für die späteren Zeiten 
etwas weniger sicher ist, kann ebensowohl in wirklichen Abweichungen als auch 
darin begründet sein, dass die Constante m nur innerhalb der ersten 100 Minuten 
zu 0,5 gefunden wurde, und für die späteren Zeiten sich ein kleinerer Werth ergeben 
haben würde. Es sei noch erwähnt, dass für die Instrumente G.5, und B.9, aus 
einigen Reihen näherungsweise die Constanten abgeleitet wurden; der Anschluss 


^^E^' Ann. 158 S. 365. — 3; Kohlrausch fand für Glasfaden m -=0,25. Pogg. Ann. 119, S.3Ö4. 


Siebenter Jahrgang. Jani 1887. 


Beinhertz, Federbarometer. 


191 








Tabelle XVII. 

Tempo: 2,0 

mm. 







A Fr- 100 mm. 


AF- 

- 70 mm. 

i 

1 
1 


= 40 mm. 


1 
1 

AF= 

= 20 mm. 

^« 

K 

•^1 

f 

N 

^n 

K 

-^n 

^'r 

*^ii 

^n 

^n 

K 

''n 

^n 



1,75 




1 

' 

1,30 






0,80 






0,45 



2 

1,65 

1,61 

— ( 

3,04 

, 2 

1,22 

1,17 

— 0:05 ' 

5 

70 

0,65 

— 

0,05 

5 

37 

0,34 

-0,03 

5 

1,50 

1,51 

+ 

1 

! 5 

1,13 

1,09 

— 

4 

10 

60 

60 




10 

29 

32 

± 3 

10 

1,42 

1,40 

— 

2 

1 10 

1,05 

1,03 


2. 

15 

52 

57 

+ 

5 

15 

29 

30 

± l 

15 

1,80 

1,32 

+ 

2 

15 

0,93 

0,96 


3 

30 

45 

50 

— 

5i 

20 

28 

29 

-f 1 

20 

1,23 

1,26 

-h 

3 

20 

o,as 

0,92 

-f- 

4 

40 

43 

47 

-f 

4 

25 

28 

27 

- 1 

25 

1,17 

1,20 

-f 

3 

30 

0,81 

0,85 

-4 

4 

50 

47 

44 


3 

30 

26 

26 



30 

1,15 

1,15 




40 

0,75 

0,79 

1 

1 

4 

60 

43 

42 


1' 

40 

25 

25 



40 

1,07 

1,08 

-f- 

1 

50 

0,73 

0,75 

H- 

21 

70 

40 

40 




50 

23 

23 



50 

0,97 

1,01 

4- 

4 

60 

0,73 

0,71 

— 

2 

80 

40 

38 

— 

2 

60 

21 

22 

-f 1 

60 

0,94 

0,96 

— 

2 

70 

0,68 

0,67 


1 

90 

43 

36 


7 

80 

19 

20 

4- 1 

70 

0,90 

0,91 


1 

80 

0,60 

0,65 


5! 

100 

39 

35 


4 

90 

19 

19 



80 

0,88 

0,87 


1 

90 

0,61 

0,62 

+ 

l; 

120 

35 

32 


3 

120 

17 

17 



100 

0,85 

0,80 

— 

5 

100 

0,65 

0,60 

— 

5 1 140 

28 

30 

r 

2 

140 

16 

16 



120 

0,74 

0,74 




,120 

0,58 

0,55 


3 

160 

25 

28 

.. _ 

3 

180 

15 

14 

— 1 

140 

0,69 

0,69 




1140 

0,55 

0,52 


3 





1 
1 





160 

0,65 

0,64 

— 

1 

160 

0,49 

0,48 

— 

1 





, 





ISO 

0,60 

0,60 




180 

1 

0,45 

0,46 



1 





1 
1 





C=l,81 d: 0,021 



t -1,30 zh 0,031 


C^ 

0,78 

±0,04 

6 

1 
1 

C — 

0,41 

± 0,016 

a—( 

),082 d 

i0,0OJ 

.9 


a — 

0,078 

dbO,0(: 

m 


a^ 

0,081 

±0,00 

78 

1 

1 

a 

0,080 ± 0,0058 


Tabelle XVIII. Tempo; 1^0 mm. 


A F— 100 mm. 


AF— 70 mm. 



AF= 

= 40 mm. 



AF— 

20 mm. 

^n 

^« 

^n 

V 

ra 

^n 

K 

xn 

^'n 

'„ 

K 

^n 

^n 

^n 

K 

^n 

^« 



1,50 






1,20 



1 



0,70 






0,40 



2 

1,45 

1,45 

0,00 

5 

1,06 

1,06 


0,00, 

5 

57 

0,58 

-fO,Ol 

5 

35 

0,35 

0,00 

5 

1,34 

1,37 

-1- 

3 

10 

1,01 

1,01 


0, 

10 

55 

54 

— 

1 

10 

32 

32 



7 

1,34 

1,33 


1 

15 

0,96 

0,97 

d- 

1; 

15 

51 

50 

— 

1 

15 

30 

30 



10 

1,31 

1,29 


2 

20 

0,93 

0,94 


1 

20 

46 

47 

— 

1 

20 

28 

29 

+ 1 

15 

1,26 

1,23 

— 

3 

30 

0,91 

0,89 


2 

30 

42 

43 

± 

1 

30 

28 

26 

- 2 

20 

1,20 

1,18 


2, 

1 

40 

0,85 

0,85 




4Q 

42^ 

40 


2 

40 

25 

24 

- 1 

25 

1,12 

1,14 

4- 

2! 

50 

0,82 

0,81 


1 

50 

36 

37 

+ 

1 

50 

22 

23 

4- 1 

30 

1,08 

1,10 

1 

1 

2 

60 

0,80 

0,78 

— 

2 

1 

70 

37 

33 


4 

60 

21 

21 



35 

1,03 

1,07 

-1- 

4 

70 

0,74 

0,76 

-f- 

2 

80 

34 

31 


3 

70 

20 

20 



40 

1,02 

1,04 

H- 

2 

80 

0,71 

0,73 

± 

2 

90 

35 

30 


5 

90 

20 

18 

— 2 

50 

1,00 

0,99 

— 

1 

90 

0,72 

0,71 


1 

100 

31 

28 


3 

100 

18 

18 



60 

0,94 

0,95 

-f 

1 

100 

0,73 

0,69 

— 

4 

120 

25 

26 

.+ 

1 

120 

15 

16 

+ 1 

70 

0,91 

0,91 




120 

0,65 

0,66 

» 

1 

150 

20 

23 

+ 

3 

140 

15 

15 



80 

0,85 

0,87 

+ 

2 

140 

0,66 

0,62 


4 

180 

17 

20 

+ 

3 

160 

12 

14 

± 2 

90 

0,83 

0,84 

+ 

1 

160 

0,62 

0,58 


4 

200 

14 

19 

+ 

5 





100 

0,82 

0,81 


1 





1 










120 

0,76 

0,76 




1 















150 

0,71 

0,70 

— 

1 















160 

0,70 

0,68 


2 




• 











180 

0,64 

0,65 

-h 

1 















C-\ 

,59 d 

- 0,013 


C- 1,20 ±0,02 

{3 


r— 

0,72 

±0,0^ 

[6 


(7 — 

0,42 

±0,C 

113 

a— C 

>,067 d 

b 0,001 

1 


a — 

0,055 

±0,0C 

126 


a — 

0,094 

±0,01 

Ol 


a — 

0,087 

±0,0 

052 


IG* 


192 


Keinhebtz, Federbarometer. 


ZeITSCHKIFT FÜB iKSTHCMBSTKITKUin». 




Tabelle XIX. 

Tempo 

: 0,5 mm. 





A F — 100 mm. 



^F= 

- 70 mm. 



AF— 40 mm. 


AF— 20 mm. 

'n 

K 

^n 

*^« 

'« 

K 

•^« 

''n 

'« 

^« 

^« 

1 

*n 

K 

•^n 

^n 



1,25 






0,95 






0,55 






0,35 



2 

1,17 

1,16 

— 0,01 

5 

88 

0,90 

H-0,02 

5 

50 

0,53 

4- 0,03 1 

5 

32 

29 

'Z-k 

0,30 

-0,02 

5 

1,11 

1,10 

— 

1 

10 

84 

85 

+ 

1 

10 

47 

48 

4- 

1 

10 

28 

— 1 

7 

1,08 

1,08 




20 

81 

78 

— 

3 

15 

47 

45 

— 

2 

20 

22 

25 

± 1 

10 

1,04 

1,05 

-h 

1 

30 

74 

72 

— 

2 

20 

44 

43 


1 

30 


23 

± 1 

15 

1,02 

1,00 

— 

2 

40 

67 

68 

4- 

li 

30 

41 

39 

— 

2 

40 

18 

22 

-h 4 

20 

0,97 

0,97 




50 

65 

65 




40 

36 

36 




50 

19 

21 

4- 2 

25 

0,94 

0,94 




60 

61 

62 

-h 

1 

50 

33 

33 




60 

21 

20 

- 1 

30 

0,91 

0,91 




70 

58 

60 

-f- 

2 , 60 

29 

31 

4- 

2 

' 70 

22 

19 

- 3 

35 

0,89 

0,89 


oi 

80 

55 

57 

4- 

2 

80 

28 

28 




1 80 

21 

18 

— 3 

40 

0,86 

0,87 

+ 

1 

90 

47 

55 

-1- 

8,j 90 

26 

27 

4- 

1 

100 

15 

17 

-f- 2 

50 

0,82 

0,83 

-h 

1 

100 

47 

53 

-h 

6 |100 

25 

25 




120 

20 

16 

— 4 

60 

0,79 

0,80 

-\- 

1 

120 

48 

50 


2 

120 

24 

23 


1 

140 

12 

15 

4- 3 

70 

0,77 

0,77 




140 

50 

47 

— 

'^i 




1 

.180 

12 

13 

+ 1 

80 

0,73 

0,74 

-h 

1 

160 

46 

45 


1 





. 





90 

0,70 

0,72 

-f 

2 

180 

38 

42 

+ 

4; 






1 




100 

0,70 

0,70 








1 

1 






1 

1 




120 

0,65 

0,66 

+ 

1 










1 

1 
1 




140 

0,55 

0,63 

-f- 

8 















160 

0,55 

0,60 

-f 

5 





1 










180 

0,55 

0,57 

-h 

2 





1 










C— 1 

[,26 d 

1 0,01S 



C— 

1,05 

± 0,039 


C - 

0,65 ±0,01 

19 


c- 

0,35 ±0,033 

a — 0,059 =fc 0,0024 


a — 

0,068 

dz 0,0052 


a 

0,094 ± 0,0055 


a — 

0,074 ±0,0131 



Ta 

belle XX. 

Tempo : 

0,2 mm. 




AF— 100mn\. 


ÜF= 

= 70 mm. 

1 

HF — 40 mm. 

Af — 20 mm. 

^n 

K 

*n 

""n 

^» 

K 

•^n 

1 

*n 

K 

^n 

1 

'n 

K 

•^« 

'\ 



0,90 



1 



0,75 



1 

0,45 



1 

1 



0,25 



5 

81 

0,84 

+ 0,03 

10 

69 

0,69 

0,00 

5 

41 

0,43 

4- 0,02 ' 

10 

24 

0,22 

-0,02 

10 

79 

80 

•4- 

1 

15 

66 

67 

4- 

1 

10 

39 

40 

4- 

1 

15 

21 

20 

— 1 

20 

73 

74 

+ 

1 

20 

64 

64 




15 

40 

39 

— 

1 

20 

19 

19 



30 

70 

70 




30 

60 

62 

4- 

2 

20 

33 

37 

4- 

4' 

30 

19 

18 

- 1 

40 

68 

67 


1 

40 

61 

59 

• 


21' 30 

34 

35 

± 

i: 

40 

14 

16 

4- 2 

50 

66 

64 


2 

50 

60 

57 

— 

3 

40 

32 

33 

4- 

1' 

50 

10 

15 

4- 5 

60 

62 

61 

— 

1 

60 

57 

55 

— 

2 

50 

30 

31 

4- 

1 

60 

10 

14 

-h 4 

70 

55 

58 

-h 

3 

80 

55 

52 

— 

3 ! 60 

30 

30 




70 

10 

14 

4- 4 

80 

55 

57 

+ 

2 

90 

51 

50 


li; 70 

32 

28 


4 

80 

12 

13 

4 1 

90 

54 

56 

-t- 

2 

100 

44 

49 

4- 

5 

80 

30 

27 

— 

3 

100 

12 

12 



100 

54 

54 

-f 



120 

45 

47 

-h 

2 1 90 

27 

26 

— 

1 

120 

13 

11 

- 2 

120 

52 

51 


1 

140 

46 

45 

— 

1 llOO 

29 

25 

— 

4' 

140 

12 

10 

— 2 

140 

46 

49 

+ 

3 

160 

43 

43 


O; 120 

22 

24 

4- 

2 

160 

14 

09 

- 5 

160 

45 

47 

-f- 

2 





140 

16 

22 

4- 

6 





180 

39 

45 

+ 

6 





!l60 

15 

21 

4- 

6 

1 













' 180 

14 

20 

4- 

6 

1 




C— 0,95 ±0,023 


C- 

0,81 

±0,026. 

1 

0,50 d 0,039 


1 

ir- 

0,29 ±0,044 

a — { 

[),056z 

b 0,001 

24 


a --r- 

0,050 

d:0,0( 

)28 


a — 

0,068 

±0,01 

L19 


rt ^= 

0,091 

:L 0,( 

V22 


zeigte sich auch hier genügend. Von einer Weiterftihrung der Rechnung wurde 
Abstand genommen, da die auf graphischem Wege ermittelten Werthe das sogleich 
zu besprechende Abhängigkeitsverhultniss genügend sicher zu erkennen gaben. 


Siebenter Jahrgang. Jnni 1887. 


Reinhkrtz , Federbaboueter. 


193 


7. Die Abhängigkeit der beobachteten Nachwirkungsgrössen, sowie der 
Constanten C und a vom Druckintervall und Tempo. 

Zur Darlegung der Abhängigkeit der in Folge der Nachwirkung in bestimmten 
Zeiten durchlaufenen Wege, möge zunächst auf die in den Tabellen EEI bis XVI 

Tabelle XXI. 


Tempo. 

1 

1 

1 

R8. 

X i'' 

^^0 ''o 

^0 

,5. 

„100 
•^0 

^0 

.9. 

2,100 

0,2 

100 

0,95 

0,45 

0,15 

0,12 

0,70 

0,26 

0,5 

ti 

1,15 

0,55 

0,25 

0,20 

1,00 

0,40 

1,0 

« 

1,50 

0,72 

0,35 

0,25 

1,20 

0,60 

2,0 

fi 

1,80 

1,00 

0,40 

0,26 

1,30 

0,79 

rt 

70 

1,40 

0,68 

0,35 

0,26 

0,90 

0,53 

n 

40 

0,70 

0,45 

0,16 

0,14 

0,40 

0,29 

« 

20 

0,45* 

0,25 

0,10 

0,09 

0,20 

0,18 


mitgetheilten directen Beobachtungen zurückgegangen werden. In der vorstehenden 
Tabelle XXI sind nach den Tabellen III bis XVI und den Curven in Figur 3 und 4 
für die Instrumente B. 8., (r. 5. und B, 9. die dort angegebenen, aus den einzelnen 
Beobachtungsreihen abgeleiteten Abstände X^ von der Ruhelage, sowie die in den 

Druckunterschied A F, Tempo. 



Fig. ö. 

Zeiten von bis 100 Minuten in Folge der Nachwirkung durchlaufenen (graphisch 
ermittelten), Wege yj°° zusammengestellt. 

Sodann sind, um diese Beziehungen graphisch zum Ausdruck zu bringen, 
die in der Tabelle enthaltenen Werthe für Xq und y]^^ in der Figur 5 a als Ordinaten 
zu den Druckintervallen und in Figur 5 b zu dem Tempo als AbscisseA aufgetragen. 
Es zeigt sich, dass die Grösse der Nachwirkmig mit dem Druckintervall wächst, 
und dass sich näherungsweise die Abhängigkeit durch eine lineare Function dar- 
stellen lässt; es giebt sich allerdings eine geringe Verzögerung des Zunehmens 


FEDKKBAKOMrreB. 


ZuifLHurr rC« limm 


mit wu<!JiMiiml(!iii Unickintcn-all Cwi« auch bti d('n später mitzntheilenden voll- 
Nttlii<liK<'ii (iruy]n:u) Im^hoihIcd* b«i ß. .5, zn erkf-nnen. 

Dil? DfirNtüllutig dftr Figur Sb zeigt dapt'igcn für die Abhängigkeit der Nach- 
wirkung vom Ti!ni|)0 fhei dem Druckintervall 100 mm; auegeprägt ein mit waclisen- 
dcni Tcnipii verzi^gcrt(^M Zunelimen. 

Die Tiihelli! XXII enthalt eine Zusammenatellung der in den Tabellen XVII 
bin XX entlinitiinen ('»nHtiinten C und a, Howic der Uebersiclit halber in der 
iintorNtttii Abtiietlung die Mittel aus allen bei den einzelnen Reihen beobachteten Tempe- 

Tabelle XXI I. 



Dnickintervall in mm 


■Icmpo. 

•20 

40 1 70 

100 



0,2 

0,29 

0,50 

0,81 

0,95 

0,6 

0,35 

0,65 

1,05 

1,26 

1,0 

0,42 

0,72 

1,20 

1,59 

2,0 

0,41 

0,78 

1,30 

1,81 



0,2 

0,091 

0,068 

0,050 

0,056 

0,5 

0,074 

0,094 

0,068 

0.059 

1,0 

0,087 

0,004 

0,056 

0,067 

2,0 

0,080 

0,081 

0,078 

0,082 


Mittlere Tompcraturon. 

0,2 

25 

24 

21 

22 

0,6 

21 

22 

22 

21 

1,0 

18 

19 

20 

17 

2,0 

10 

21 

20 

17 


raturcn. In gleicher Weise wie für die dirccten Beobachtungen sind die Beziehungen 
der ConetantenC zu Druckintervall undTempo in den Figuren (iabezw. Ob dargestellt. 
Aus denselben geht licrvor, diiss die Constante C mit dem Druckuntei'schied wächst 
und zwar mit einer gewissen Verzögening und ferner, dass die Grösse dieser Ver- 


Druck unterschied A F. Tempo. 



r,(. «. F«. j. 

it wachsendem Tempo abnimmt, so das:^ innerhalb der (.irenzeii ijii mm 
für das Tempo 2,0 mm die Function geradlinig ei'scheint. Wenn nun 


Siebenter Jahrgang. Jnni 1887. 


Reinhebtz, Federbaromet^b. 


195 


auch, wie aus Abschnitt 9 hervorgehen wird, durch die Annahme, dass die eintreten- 
den Ruhelagen proportional den Luftdrucken sind, eine Verzögerung des Zunehmens 
mit wachsendem Intervall bedingt wird, so kann doch, wenn es sich allein um 
einen Ausdruck für die Abhängigkeit vom Intervall innerhalb desselben Tempos 
handelt, niiherungsweise die Nachwirkung direct proportional dem Druckunterschied 
gesetzt werden , zumal die beobachteten Unterschiede nur 80 mm (zwischen 
20 und 100 mm) umfassen. Figur 6b giebt wie bei den directen Beobachtungen 
der Figur 5 b für die Abhängigkeit der Constanten C vom Tempo (bei demselben 
Intervall) eine dem mit wachsendem Tempo verzögertem Zunehmen entsprechende 
Curve. 

Dementsprechend wäre allgemein die Beziehung der Constanten C zum 
Druckunterschied und Tempo durch die Gleichung einer Fläche zweiten Grades 
zum Ausdruck zu bringen. Da jedoch die der Rechnung zu Grunde liegenden 
Reihen aus Beobachtungen für nur zwei Instrumente abgeleitet sind, ferner, 
wie aus den Tabellen XVII bis XX hervorgeht, sich die Constanten C durch- 
schnittlich mit einem mittleren Fehler von 0,03 mm bestimmt haben, und endlich 
in Folge der unvermeidlichen Druckschwankungen und Temperatureinflüsse feh- 
lerhaft bestimmte Ruhelagen direct auf die Constanten G einwirken (abgesehen 
von andern den Verlauf der Nachwirkung beeinträchtigenden Ursachen) so ist 
vor der Hand von der Aufstellung jener Gleichung Abstand genommen, und 
das Abhängigkeits-Verhältniss in der obigen Isoplethen- Tafel (Fig. 7) mit den 
beiden Argumenten „Tempo" als Abscisse und „Druckunterschied" als Ordinate 
graphisch dargestellt. 

Die in der Tabelle XXII zusammengestellten Werthe für die Constanten a, 
welche die Geschwindigkeit der Annäherung an die zu erreichende Ruhelage zum 
Ausdruck bringen, zeigen nur wenig Regelmässigkeit. Eine Zusammenfassung der 
einzelnen Werthe zu Mitteln nach Tempo und Druckunterschied lässt jedoch ein 
Zunehmen von a mit wachsendem Tempo und ein Abnehmen mit wachsendem Druck- 
unterschied erkennen. Dementsprechend ist unter Zugrundelegung einer linearen 
Beziehung für beide Argumente der Ausdruck abgeleitet worden: 

an = 0,0551+ 0,0067 T-f- 0,000301 (100 — AP), 

worin T das Tempo und ^F den Druckunterschied bedeutet. 

Die danach berechneten Werthe für a sind in der folgenden Tabelle XXIII 
zusammengestellt. 

Tabelle XXm. 


Tempo. 

20 

4 

40 

70 

100 mm. 

0,2 
0,5 
1,0 
2,0 

0,0804 
0,0825 
0,0858 
0,0925 

0,0744 
0,0765 
0,0798 
0,0865 

0,0654 
0,0675 
0,0708 
0,0775 

0,0564 
0,0585 
0,0617 
0,0685 


Aus derselben geht hervor, dass Nachwirkungen, die durch Druckänderungen 
mit langsamem Tempo hervorgerufen sind , langsamer verschwinden als solche mit 
schnellerem Tempo, und dass ferner bei grösseren Druckunterschieden die Nach- 
wirkungsbewegung langsamer verläuft als bei kleineren. 


196 


ReIMHEBTZ, F&DSBBABOUKTKB. 


ZsiTscnRirr für Insthümcxtkvkuxdb. 


8. Der Verlauf der Nachwirkung während einer Druckänderung. 

Es ist eine bekannte Thatsache, dass in Folge der elastischen Nächwirkung die Be- 
stimmung der Theilungs -Verbesserung grössere Werthe für positive Coefficienten er- 
giebt bei langsamerem Durchlaufen der Scale als bei schnellerem, und umgekehrt in 
entsprechendem Sinne für negative Coefficienten kleinere Werthe. In Fig. 8 sind bei- 
spielsweise die bei einmaligem Durxjlüaufen der Scale mit den verschiedenen Ge- 
schwindigkeiten erhaltenen Differenzen: Normalbarometer (auf 0° C. red.) — Feder- 
barometer (auf 0° C. red.) für die beiden Instrumente N. S. und B. 8. derart dargestellt, 
dass die den einzelnen Reihen entsprechenden Linienztige an denselben Anfangspunkt 
Ä angetragen sind; an denselben ist der Einfluss der elastischen Nachwirkung deut- 
lich zu erkennen. An die Endpunkte E der Curven sind die entsprechenden Werthe 
der Constapten C nach Tabelle XXII. angetragen und ergeben damit die Ruhe- 
lage B, welche in den einzelnen Fällen erreicht werden muss, mit ziemlicher Ueber- 
einstimmung. 

Nach dem für die Biegungselasticität giltigen Gesetz : „Die Grösse der Bie- 
gung ist den biegenden Kräften proportional" müssten abgesehen von Temperatur- 
einflüssen (also bei constanterTemperatui') und in der Ablesungsvorrichtung begründet 
liegenden Einwirkungen die Theilungs -Verbesserungen linear sein, wenn nicht die 
elastische Nachwirkung sie beeinflusste. 

Abweichungen von dieser ideellen Geraden durch die Ablesungsvorrichtung 
entstehen bei den Zeiger-Instrumenten hauptsächlich durch Unregelmässigkeiten der 



Fig. 8. 


Kettenglieder, bei den Goldschmid'schen Instrumenten durch periodische und fort- 
schreitende Schraubenfehler; bei den Instrumenten des Systems Reitz können die- 
selben nur durch Schwankungen des Mikroskopes während einer Beobachtungsreihe 
hervorgerufen werden. So z. B. wird die Ausbiegung der Theilungslinie bei 680 mm 
beim Instrument B,6. in einer Unregelmässigkeit der Kettenglieder ihren Grund haben. 


Siebenter Jfthig»Dg. Jani 1887. Reinhertz, FedbbbaBOIRTEB. 197 


Die während einer stetig vor sich gehenden Formänderung auftretenden 
Nachwirkungen sind bei den experimentellen Untersuchungen über dieselbe an keiner 
mir bekannt gewordenen Stelle behandelt, sondern alle Beobachtungen beziehen sich 
auf durch plötzliche bezw. sehr schnell ausgeführte Deformationen erzeugte Nach- 
wirkungscrscheinungen. Jene ersteren sind aber für das Aneroid die wichtigsten. 
Während bei allen durch momentane Krafteinwirkungen hervorgerufenen Nach- 
wirkungen die zu erreichende Ruhelage eine constante ist, und die Geschwindigkeit 
der Annäherung an dieselbe mit der Zeit stetig abnimmt, so ist bei einer stetig 
wachsenden Kraftein Wirkung die jedem Moment der Wirkung entsprechende und 
zu erreichende Ruhelage eine Function der Zeit und der Grösse der Kraft, und 
die Geschwindigkeit der Annäherung an diesen fortschreitenden Gleichgewichts- 
zustand muss mit der Zeit zunehmen. In dem Moment, in dem eine solche stetige 
Krafteinwirkung aufhört , ändert sich demnach der Sinn der Geschwindigkeit der 
Nach Wirkungsbewegung, die während der Kraftein Wirkung stetig wachsende wird 
zu einer stetig abnehmenden. 

Der Weg, den das freie Ende eines einer stetig fortschreitenden Formän- 
derung unterworfenen elastischen Körpers in der ersten Zeiteinheit nach seiner Ent- 
fernung aus der Ruhelage ausführt, setzt sich zusammen: 

1. aus dem Weg w, den dasselbe durch die in diesem Zeitmoment wirkende 

äussere Kraft durchläuft und 

2. dem Weg w, den es in Folge der während dieses Zeitmomentes auf- 

tretenden elastischen Nachwirkung zurücklegt. 

In der zweiten Zeiteinheit wird wieder derselbe Weg w-\-n durchlaufen und 
dazu noch der Weg, welcher der durch die Deformation des ersten Zeitmomentes 
hervorgerufenen Nachwirkung entspricht. Demnach werden vom Moment des Be- 
ginnes der Formänderung an gerechnet die pro Zeiteinheit durchlaufenen Wege stetig 
zunehmen, und der ganze Weg eine an die Richtung des ersten Zeitmomentes als 
Tangente beschriebene convexe Curve bilden. 

Wenn nun, unter der Annahme, dass die elastische Formveränderung in 
eine momentane und eine durch Nachwirkung entstehende zu trennen ist, das Ver- 
bal tniss bekannt wäre, in welchem der in jeder Zeiteinheit allein in Folge der Druck- 
änderung durchlaufene Weg zu dieser Aenderung steht, so würde „unter der Annahme 
linearer Uebertragung durch die Ablesevorrichtung" aus den Vergleichungen der 
Aneroide mit dem Normalbarometer der in Folge der elastischen Nachwirkung 
während der Bewegung zurückgelegte Weg ermittelt und durch eine entsprechende 
Function dargestellt werden können. Das Verhältniss dieser momentan eintretenden 
Biegung zur Druckdifferenz ist nun aber nicht bekannt, dagegen lässt sich für die 
Geschwindigkeit, mit welcher die Nachwirkungsbewegung während einer bestimmten 
Reihe von Zeitmomenten auftritt, ein Ausdruck gewinnen, dessen Integral den Ver- 
lauf der Nachwirkung darstellen muss. 

Wenn es nämlich erlaubt ist, die Geschwindigkeit, welche die Nachwirkung 
in der ersten Zeiteinheit nach Einstellung der Druckperiode hat, gleich der zu 
setzen, welche sie in der letzten Zeiteinheit vor der Einstellung hatte, so lässt sich 
die Beschleunigung der Nachwirkungsbewegung bei den vorliegenden Beobachtungen 
für dasselbe Tempo an vier Stellen bestimmen, nämlich nach Durchlaufen eines Inter- 
valles von 20, 40, 70 und 100 mm. Die in diesen Zeiteinheiten vorhandenen Ge- 
schwindigkeiten der Nachwirkungsbewegung finden sich aus der im Abschnitt 6 
unter I. angegebenen Differentialgleichung durch Einsetzen der entsprechenden 


198 RSIKHERTZ, FeDEBBABOMETEB. ZBITSCRRIffT rÜK ImSTHUMKIITXVKUVDS. 

1. ^^^ -— ' ~ 

Constanten in dieselbe. Mit Einführung der in der Tabelle XXII angegebenen 
Werthe für C und der in Tabelle XXIII zusammengestellten, in der dort angege- 
benen Weise ausgeglichenen Werthe für a, ergeben sich unter Zugrundelegung einer 
Function von der Form v = x -{-yt-{- zt^, wo t die Zeit der Dauer der Druckän- 
derung bis zum Moment ihrer Einstellung bedeutet, für die Geschwindigkeiten der 
Nachwirkungsbewegung bei den verschiedenen Tempi die folgenden Ausdrücke: 

Tempo 2,0: ^ =^- v --= 0,00169 -f- 0,001712 t - 0,00001208 t^ 

„ 1,0: „ „ = 0,00550 -h 0,000604 ^-0,00000198 t^ 

„ 0,5: „ „ = 0,00182 -f 0,0003206 t - 0,000000776 t^ 

„ 0,2: „ „ -= 0,00172 -f 0,0000992 t - 0,000000104 1^ 

Damit ergeben sich die am Schluss des Intervalles 100 mm in Folge der elastischen 
Nachwirkung durchlaufenen Wege zu: 


Tempo 2,0 

. 1,0 

« 0,5 

„ 0,2 


X = 1,720 mm 

X ^ 2,910 mm 

X = 4,712 mm 

X = 7,165 mm. 


Trüge man diese Werthe in der Figur 8 von den Endpunkten E der den 
verschiedenen Tempi entsprechenden Curven graphisch nach oben an, so ftlnde 
sich für jedes Tempo ein anderer Punkt, dessen Abstand von ^^r bei allen Tempi 
gleichmässig erhaltenen Ruhelage B den Weg darstellen würde, der in Folge der 
elastischen Nachwirkung in den einzelnen Fällen überhaupt zu durchlaufen wäre. 
(Der Versuch, die Geschwindigkeit der Nach Wirkungsbewegung durch eine Ex- 
ponentialfunction darzustellen, führte zu ähnlichen Ergebnissen.) 

Da nach dem Elasticitätsgesetz bei gleich grossen Deformationen ohne Rück- 
sicht auf die Geschwindigkeit ihres Verlaufes, der Abstand der ursprünglichen 
von der zukünftigen Gleichgewichtslage eine constante sein muss, so liegt die Ver- 
muthung nahe, dass dementsprechend auch die Grösse der dabei auftretenden Nach- 
wirkungsbewegungen constant wäre, derart, dass während der kürzeren Zeitdauer 
einer schneller eintretenden Deformation nur ein kleinerer Theil der Nachwirkung 
verliefe als bei der längeren Dauer einer langsam vor sich gehenden Gestaltän- 
derung, und der Rest bis zur Erreichung der gemeinsamen Ruhelage. Anderer- 
seits ist es aber auch, wie es nach den oben erhaltenen Werthen den Anschein 
gewinnt, nicht unmöglich, dass die Grösse der von der Entfernung aus der anfäng- 
lichen bis zur Erreichung der endlichen Gleichgewichtslage überhaupt auftretenden 
Nachwirkung nicht allein eine Function der Grösse der Gestaltänderung, sondern 
auch der Geschwindigkeit ihres Eintretens ist, so dass also die elastische Form- 
veränderung nicht ohne Weiteres in eine der äusseren Krafteinwirkung proportio- 
nale, fortschreitende und eine in Folge der Nachwirkung eintretende Bewegung 
zu trennen ist. Diese Frage kann aus den vorliegenden Beobachtungen nicht ent- 
schieden werden. Vor Allem ist die Bestimmung der Geschwindigkeiten der Nach- 
wirkungsbewegung für die erste Minute insofern eine sehr unsichere, als es nicht 
verbürgt ist, dass die Formel den Vorgang in den ersten Zeiten genügend sicher 
darstellt. Sodann wird die Annahme, dass die Geschwindigkeit der Bewegung im 
letzten Zeitmoment der Krafteinwirkung und im ersten nach dem Aufhören die- 
selbe ist, nicht aufrecht zu erhalten sein, da, wie später mitgetheilt werden wird, 
eine vorhandene Nachwirkung langsamer vorläuft unter ft)rtdauernder Wirkung 
einer in demselben Sinne auftretenden Kraft als bei der Ruhe. Es müsste mit 


Siebeutor Jahrgang. Jani 1887. 


Heinhertz, Federbakometisr. 


199 


Rücksicht hierauf in die für die Geschwindigkeit der Nachwirkungsbewegung an- 
gegebenen Gleichungen noch ein weiteres Glied eingeführt werden, das als eine 
Function des Tempo diese Verzögerung berücksichtigte. 

Wie dem auch sei, nach dem Vorstehenden sind folgende für die Feder- 
barometer wichtigen Thats<aehen festzustellen: 

1. Die Theilungs -Verbesserung ist (abgesehen von etwaigen in der Ablese- 

Vorrichtung begründeten Einflüssen) in Folge der elastischen Nach- 
wirkung durch eine Curve darzustellen, die sich mit ihrer convexen 
Seite an eine an den Anfangspunkt gezogene Tangente anlehnt. 

2. Der Ausdruck für diese Curve (also das Maass ihrer Krümmung) muss 

die durch die Beschleunigung der Nachwirkungsbewegung für das vor- 
liegende Instrument, Druckintervall und Tempo, bedingte Form haben. 

3. Die Theilungs -Verbesserung ist von dem jeweiligen Anfangspunkt des 

Druckintervalles abhängig. 

4. Die bei Druckzunahme und Abnahme mit demselben Anfangs- und End- 

punkt und demselben Tempo erhaltenen Theilungslinien sind einander 
nicht parallel, sondern ähnliche, mit ihren concaven Seiten einander 
zugewandte Curven, wie die nachstehende Figur 9 schematisch dar- 
stellt: 

Theilungs- Verb, und Nach- 
wirkung während der Be- 
wegung. 


Nachwirkung nach der Be- 
wegung. 



^F 


Fig. 9. 


Um einen für alle Druckintervalle und Tempi genügenden Ausdruck für die 
Theilungslinie zu erhalten, müsste die Curve entweder auf die gerade Linie be- 
zogen werden, welche die Bewegung durchlaufen würde, wenn während derselben 
keine Nachwirkung, oder auf die Linie, welche beschrieben würde, wenn die ganze 
überhaupt vorkommende Nachwirkung auftreten würde. In Fig. 9 entspricht ae 
dem thatsächlich durchlaufenen, ah dem Wege, der beschrieben würde, wenn gar 
keine Nachwirkung, aB demjenigen, wenn die ganze Nachwirkung während der 
Bewegung auftreten würde. Bei der Annahme, dass die nach beliebigen Druck- 
änderungen endlich eintretenden Ruhelagen proportional diesen Druckänderungen 
sind, stellt die Gerade aB zugleich die Verbindungslinie dieser Ruhelagen dar. 
Die Stücke eB, e* B* . . . bezeichnen die Grössen der Nachwirkung, die bei Ein- 
stellung der Druckänderung von diesem Moment bis zur Erreichung der Ruhelagen 
zu durchlaufen sein würden, d. h. den Werth der Constanten G\ die Verzögerung 
ihres Zunehmens mit wachsendem Druckuuterschied entspricht dem für diese Con- 
stanten gefundenen Verhältniss (vgl. Abschn. 7), und den bei schnellerem Tempo 
flacher werdenden Theilungscurven (Fig. 8) die gestrecktere Form der Curven für 
die schnelleren Tempi in Fig. 6 a. 

Die Lage der Geraden ah ist aus Vergleichungen mit dem Normalbarometer 
direct nicht zu bestimmen, wohl aber die Curve ae und die Lage der Punkte B, 
Die Verbindungslinie dieser Punkte würde somit die „wahre Theilungslinie'' dar- 
stellen , auf welche alle mit einem beliebigen Tempo durchlaufenen Intervalle nach 


200 


ReINBERTZ, FeDEBBABOMETER. ZETTSCHBErT FÜB lN8TRÜinSXTENKUin>B. 


Ei'mittlung der Constanten zu reduciren wären. Eine solche Darstellung ^nirde 
jedoch für eine praktische Ausführung nicht zweckmässig sein, es muss daher ver- 
langt werden, dass die Nachwirkungen so gering sind, dass dieselben in einfacherer 
Weise berücksichtigt werden können. Ich komme hierauf später zurück. 

V. Die Beeinflussung der Nachwirkung durch äussere Einwirkungen. 

9. Der Einfluss von Druckschwankungen auf den Verlauf der Nach- 
wirkung. 

Während der Ausführung der Beobachtungen zeigte sich in vielen Fällen 
eine auffallende Beeinflussung des Verlaufes der Nachwirkung durch die nicht zu 
vermeidenden Druckschwankungen. Es hatte den Anschein, als wenn bei Druck- 
schwankung in dem Sinne des vorhergegangenen Intervalles die Nachwirkung an 
Geschwindigkeit abnähme und im entgegengesetzten Falle zunähme. Da es nicht 
unmöglich war, dass solche Abweichungen bei den Zeiger-Instrumenten und den 
vorkommenden nur sehr geringen Schwankungen von einer Trägheit des Mecha- 
nismus herrühren konnten, so musste diese Beeinflussung an der Hand von Be- 
obachtungen speciell untersucht werden. 

Zwei solcher Beobachtungsreihen sind in den folgenden Tabellen XXIV und 
XXV zusammengestellt: 


Tabelle XXIV. 
A F=: — 70 mm — 10 mm. 


Tabelle XXV. 
A F= — 70 mm + 10 mm. 


t^ 

Ff 

Mittlere 

red. 

n 

n 

n 

Temperat' 

R8, 

N, 3. 



671,04 

19,8 

666,80 

665,25 

5 

71,33 


6,68 

5,17 

10 

69,68 


6,60 

5,02 

15 

8,52 


6,60 

5,02 

20 

7,50 


6,57 

4,99 

25 

6,35 


6,48 

4,86 

30 

5,48 


6,58 

4,83 

35 

4,77 


6,50 

4,84 

40 

4,03 


6,55 

4,70 

45 

3,28 


6,45 

4,78 

50 

2,44 


6,33 

4,72 

55 

1,96 


6,29 

4,63 

60 

2,29 


6,35 

4,71 

65 

2,24 


6,22 

4,55 

70 

2,14 


6,20 

4,55 

80 

2,15 


6,17 

4,49 

90 

2,15 


6,14 

4,44 

100 

2,10 


6,17 

4,49 

110 

2,10 


6,14 

4,45 

120 

2,03 


6,16 

4,47 

140 

1,93 


6,10 

4,40 

1585 

2,60 


5,92 

4,17 


t 

If 

Mittlere 

red. 

^ n 

n 

n 

Temperat. 

B.H. 

N,3. 



675,94 

22,0 

681,93 

680,11 " 

5 

76,12 


1,75 

79,93 

10 

77,43 


1,56 

9,82 

15 

78,29 


1,47 

9,67 

20 

79,26 


1,46 

9,66 

25 

80,24 


1,40 

9,62 

30 

81,07 


1,20 

9,39 

35 

82,10 


1,17 

9,36 

40 

82,— 


— 


45 

83,74 . 


1,22 

9,37 

50 

84,70 


1,01 

9,22 

55 

85,69 


1,01 

9,23 

60 

86,09 


0,99 

9,31 

65 

86,37 


i,n 

— 

70 

86,55 


1,12 

9,31 

80 

86,74 


1,13 

9,22 

90 

86,45 


1,12 

9,20 

100 

86,41 


1,16 

9,19 

110 

86,37 


1,16 

9,13 

120 

86,31 


1,10 

9,13 

140 

86,02 


1,11 

9,17 

160 

85,80 


1,09 

9,14 

180 

83,53 


0,91 

9,03 

1010 

88,58 


0,60 

8,87 


In beiden Fällen ist die erste Nachwirkung durch eine Verminderung des 
Druckes um 70 mm mit dem Tempo 2,0 mm hervorgerufen worden. Nachdem 
diese Nachwirkung fünf Minuten angedauert hat, ist in dem erstercn Fall (Tabelle 


Siebenter Jahrgang. Jnni 1887. 


Reinhertz, Fedbrbarometer. 


201 


XXIV) die Verdünnung um 10 mm mit dem Tempo 0,2 mm fortgesetzt, in dem 
anderen Fall (Tabelle XXV) dagegen der Druck in derselben Weise vermehrt, und 
der Verlauf der Nachwirkung während dieser Zeit von fünf zu fünf Minuten be- 
obachtet. Die aus diesen Reihen ebenso wie früher abgeleiteten Aneroidstände 

AF= — 70mm — 20mm. A F= — 70 mm + 20 mm. 



075 680 685 

682,5 
1,5 

G81,0 
0^ 

J 

GSOfi 

9,5 

679,0 

"tüt^i:;:::::; 

1 1 1 1 

....4.. .f.... 




f 1 1 



r >j t t 

1 f . 1 



*" ^^'sl ' 

• II« 



— *.... — « — »..^^ 

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* 1 1 1 

1 _^ 

1111 

■ 1 I 1 1 1 1 

•*%- 

1 • 1 1 

\ \ \ \ \ \ \ 


Fig. 10. 


Fig. 11. 


red. F^y die bei constanter Stellung des Normalbarometers eingetreten sein würden, 
sind in den Figuren 10 und 11 als Ordinaten zu den Normalbarometerständen auf- 
getragen. Da die Herstellung der Coincidenz der Fühlhebelmarken am Goldschmid'- 
schen Instrument bei einer Druckänderung von 0,2 mm pro Minute eine für den 

Tabelle XXVI. 
A F^ — 70 mm — 3 mm -f- 7 mm. 


/ 

Ä^ 

Mittlere 


^ed. ^ 


^n 

^n 

Temper. 

Ö.5. 

B.S. 

K3, 



651,97 

23,0 

656,67 

652,78 

650,98 

5 

52,15 


59 

2,57 

50,80 

7 

52,20 


58 

2,52 

50,75 

10 

52,30 


47 

2,46 

50,65 

15 

51,24 


62 

2,51 

50,70 

20 

50,27 


55 

2,51 

50,62 

25 

49,46 


58 

2,42 

50,49 

30 

48,93 


58 

2,44 

50,50 

35 

49,50 


55 

2,21 

50,35 

40 

50,31 


61 

2,14 

50,33 

45 

51,17 


47 

2,02 

50,22 

50 

51,80 


44 

1,97 

50,16 

55 

52,77 


33 

1,93 

50,13 

60 

53,32 


29 

1,87 

50,12 

70 

54,00 


16 

1,78 

50,07 

80 

54,62 


09 

1,72 

50,11 

100 

55,21 


17 

1,71 

50,06 

120 

55,04 


08 

1,68 

49,92 

315 

56,85 


— 

1,50 

49,80 

1010 

56,16 


03 

1,20 

49,39 


vorliegenden Fall zu grosse Unsicherheit zeigte, mussten die Ablesungen des In- 
strumentes eingestellt werden; die Mittheilung für dies Instrument beschränkt sich 
daher auf die später anzuführende Reihe. 


202 


Reinrertz, Fedebbabometer. 


ZEITBCHBirr fOb iKBTRDmUTEVKinrDB. 


l>5M 


6ö3p 


Die Darstellung der Figuren 10 und 11 zeigt sofort, dass bei Druckänderung 
in dem Sinne der Nachwirkung die in gleichen Zeiten durchlaufenen Wege kleiner, 
bei Druckänderungen im entgegengesetzten Sinne grösser ausfallen. In der Zeit 
von der 5*''° bis zur 55**" Minute ist im ersteren Fall der Weg im Mittel um 0,25 mm 
kleiner als im zweiten. 

Eine solche Verschiedenheit kann ihre Ursache nicht allein in einer Träg- 
heit des Mechanismus haben, zumal dieselbe durch Beklopfen der Deckel möglichst 
beseitigt wurde, sondern sie muss vielmehr eine Folge der Druckänderung sein. 
Die obenstehende Tabelle XXVI giebt den Verlauf einer Nachwirkung unter 
dem Einfluss wechselnder Druckschwankungen. Das die Nachwirkung hervor- 
rufende Druckintervall ist wieder wie bei den vorhergehenden Reihen 70 mm 
mit dem Tempo 2,0 mm. 

Zuerst ist der Druck 10 Minuten lang constant erhalten, die Nachwirkung 

verläuft in der gewöhnlichen Weise, dann ist in demselben Sinne in langsamem 

Tempo 15 Minuten lang die Druckverminderung fortgesetzt, die Nachwirkung ver- 

AF= — 70mm — 3mm {7mm. zögert sofort ihre Geschwindigkeit, endlich (von 

der 30*®° Minute an) ist eine Druckzunahme vor- 
genommen, die Nachwirkung nimmt sofort eine 
grössere Geschwindigkeit an, eine weit grössere 
als sie bei constantem Druck zu dieser Zeit ihres 
Verlaufes haben würde. 

Figur 12 liefert eine graphische Darstellung 
dieses Verlaufes bei den drei Instrumenten G. 5., 
B. 8. und N, 3. Die in den Tabellen XXIV bis 
XXVI mitgetheilten Reihen zeigen zunächst, wie 
stark die nicht zu vermeidenden kleinen Schwan- 
kungen die Nachwirkung beeinflussen und dem- 
entsprechend auch auf die Bestimmung der Con- 
stanten einwirken, so dass dieselben mit einiger 
Sicherheit nur aus den Mitteln einer grösseren An- 
zahl von Beobachtungsreihen, wie in dem vorlie- 
genden Falle geschehen, abgeleitet werden können. 
Eine Beeinflussung der Nachwirkungsbewe- 
gung durch Schwankungen der äusseren Ruhelage 
konnte nicht überraschen, da bei experimentellen 
Untersuchungen über die elastische Nachwirkung 
mehrfach auf die Abhängigkeit ihres Verlaufes von Bewegungen und Erschütterungen 
hingewiesen worden ist, und ferner Braun ^) den Einfluss von elastischen Formän- 
derungen auf eine vorhandene Nachwirkung direct untersucht und dabei eine Regel- 
mässigkeit der Einwirkung gefunden hat. 

Es wurde daher bei den Versuchen vor jeder Ablesung auf die Glasplatten 
der Kästen gleichmässig geklopft, um sowold, wie bei der Ablesung von Aneroiden 
zur Beseitigung der Trägheit der Hebelübersetzung erforderlich ist, diese Fehler 
zu vermeiden, als auch um den Einfluss der Erschütterungen gleichmässig 

zu machen. 

Es hat den Anschein, als ob die Einwirkung einer äusseren Kraft im Sinne 
der Nachwirkungsbewegung die Energie der dieselbe hervorrufenden Molecular- 

1) Pogg. Ann. 159 S. 389. 



2,5 


652,0 


1,5 


651,0 


Fi^. 12. 


Siebenter Jahrgang. Juni 1887. 


Reinhebtz, Fedbrbarometbr. 


203 


bewegung abschwäche, eine Einwirkung im entgegengesetzten Sinn dieselbe ver- 
stärke. Diese Verzögerung der Nachwirkungsgeschwindigkeit giebt der, die Be- 
wegung während des mit stetiger Geschwindigkeit durchlaufenen Druckintervalles 
darstellenden Curve eine andere Form. Die Abhängigkeit dieser Verzögerung vom 
Tempo würde durch Beobachtung einer bekannten Nachwirkung unter dem Einfluss 
von Druckänderungen mit verschiedener Geschwindigkeit zu ermitteln sein. Es ist 
jedoch vor der Hand von der Ausführung dieser Beobachtungen Abstand genommen, 
da die Erlangung eines brauchbaren Resultates ohne vorherige Kenntniss des Tempe- 
ratureinflusses auf die Nachwirkung zweifelhaft erschien und ferner bei schnellerem 
Durchlaufen eines Intervalles die Ablesungen sehr unsicher werden. 

Es erübrigt nur noch hervorzuheben , dass Unregelmässigkeiten in der Ge- 
schwindigkeit der Druckänderung direct auf den Verlauf der Nachwirkung und 
damit auf die Theilungslinie einwirken, so dass bei Ermittlung der Theilungs- 
verbesserung eine möglichst stetige Druckvariation erstrebt werden muss, femer 
dass bei einem Druckwechsel, also beim Uebergang von zunehmendem zu abnehmen- 
dem Druck oder umgekehrt, die Nachwirkungsbewegungen am Stärksten hervor- 
treten, weit stärker als beim Uebergang von zu- oder abnehmendem Druck zu 
constantem. 

10. Die Superposition. 

Um festzustellen, in wie weit die von Kohlrausch ^) zuerst beobachtete Er- 
scheinung der Superposition sich beim Federbarometer verfolgen liesse, sind einige 
Versuche angestellt worden, von denen die folgende Tabelle XXVII eine Reihe 
für die Instrumente G, 5., B, 8,, Ä. 9. und N. 3, enthält. 

Tabelle XXVII. 
AF-- ^ 100 mm— 20 mm. 


/ 

r^ |. Mittlere 


red. 

n 


s 

w jTemper. 

G.r), 

RH. 

R.9. 

N. 3. 



756,37 24,0 

748,92 

747,16 

745,55 

743,62 

5 

6,24 


8,97 

7,29 

5,68 

3,75 

10 

6,10 ■ 

9,04 

7,43 

5,66 

3,89 

15 

5,99 ,j 

8,98 

7,51 

5,70 

3,97 

20 

5,90 


8,98 

7,58 

5,79 

4,04 

30 

736,37 


9,04 

7,91 

6,04 

4,39 

35 

6,23 


9,03 

7,80 

5,98 

4,40 

40 

6,11 


8,95 

7,77 

5,97 

4,45 

45 

6,03 , 


8,94 

7,83 

5,95 

4,50 

50 

6,01 : 


8,89 

7,82 

5,91 

4,42 

55 

5,92 ; 


8,96 

7,85 

5,93 

4,36 

60 

5,84 i! 

9,00 

7,82 

5,94 

4,39 

70 

5,71 


9,03 

7,77 

5,94 

4,45 

80 

5,72 [ 


9,00 

7,81 

5,96 

4,46 

100 

5,79 


9,03 

7,84 

5,99 

4,44 

150 

5,49 


9,06 

7,81 

5,99 

4,31 

180 

5,36 , 


8,95 

7,82 

5,99 

4,37 

950 

4,85 1 


9,15 

7,93 

6,13 

4,48 


Die erste Druckänderung betrug 100 mm mit dem Tempo 2,0 mm, der regel- 
mässige Verlauf dieser Nachwirkung wurde 20 Minuten lang beobachtet, sodann 


i) Pogg. Ann. 158 S. 371. 


204 


REnmEHTZ, FeDBRBABOMETEB. ZEmCUKIFT FÜH brSTBVMSXTBVKÜXDB 


eine Druckänderung von 20 mm wieder mit dem Tempo 2,0 mm im entgegenge- 
setzten Sinne der ersten vorgpnommen. 

In Figur 13 ist der Verlauf der dadurch hervorgerufenen Nachwirkungs- 
bewegungen dargestellt. Nach Mittheilung der zweiten Druckänderung wirkt bei 
den Instrumenten G,5.j B.8. und B. 9, zuerst diese zweite Deformation ein, bis 
schliesslich wieder die erste überwiegt, bei N. 3. läuft zunächst die erste Nach- 
wirkung weiter, bis sie eine Zeit lang von der zweiten tiberholt wird und endlich 

wieder auftritt. Eine Eigenthümlichkeit 
für das Instrument ist dieser Verlauf 
übrigens nicht, die folgende Tabelle 
XXVni enthält eine durch dieselben 
Deformationen hervorgebrachte Nach- 
wirkung. Wie die Darstellung in Figur 
14 zeigt, ist der Vorgang analog dem 


A F= -}" 100 mm — 20 mm. 


735.0 5,5 73(sO 6^5 756^ 6. 5 


749.0 


746,0 



748,0 


■' 7,5 




744p 


764,0 


3,5 


75r s0 761 jO 


783.0 


n 


A 


> • . « - 




s. 


f. 


• » 


• t 
- ■ « • • 
« I * 


It)ö^ 


Fig. 13. Fig. 14. 

der übrigen Instrumente im ersten FaU. Es wird überhaupt der durch mehrere 
sich superponirende Nachwirkungen bedingte Verlauf derselben nicht allein von 

TabeUe XXVIH. 


^n 

K 

1 

Mittlere 

iV. 3, 

Temperat. 

red. i^ 



782,95 22,2 

763,14 

5 

82,92 


3,24 

10 

82,88 


3,32 

15 

82,90 


3,35 

20 

82,86 


3,42 

30 

761,25 


4,04 

35 

61,30 


4,00 

40 

61,24 


3,91 

45 

61,11 


3,86 

50 

61,15 !' 

3,78 

60 

61,18 L 

3,79 

70 

61,18 ;| 

3,79 

90 

61,15 


3,82 

110 

61,16 


3,86 

130 

61,15 


3,86 

150 

61,04 

3,92 

170 

60,94 


3,97 

190 

60,89 


4,15 

1070 

54,75 


4,17 

1570 

54,93 j 


4,31 


den vorgenommenen Druck änderungcn jibhängen, sondern hauptsächlich auch 
von der Temperatur und den kleinen Schwankungen, die nach Einstellung 


8ieb«nier Jahrgug. Juni 1887. BsormEBTS , Fbbebbaboicetbb. 206 

der Druckändernng noch eintreten. Bei der hier vorgenommenen Combination der 
Deformationen überwiegt in den meisten FäUen in der ersten Zeit die Nachwirkung 
der letzten Formänderung. Ganz aufzuheben ist eine Nachwirkung durch eine ihr 
entgegengesetzte nicht, sondern es wird, wenn auch zeitweilig ein Stillstand der Be- 
wegung eintritt, durch Temperatureinfltlsse, Druckschwankungen und Erschütte- 
rungen der noch nicht verlaufene Rest wieder hervortreten und sich durch Schwan- 
kungen der scheinbar erreichten Ruhelage geltend machen. 

11. Der Einfluss der Temperatur auf die Nachwirkung. 

Bei dem bedeutenden Einfluss, den die Temperatur auf die elastische Nach- 
wirkung ausübt^), war zu erwarten, dass derselbe sich in ähnlicher Weise beim 
Federbarometer zeigen würde. Da die Beobachtung der Wärmeeinwirkung auf 
Nachwirkungen von bekanntem Verlauf besonders geeignet erschien, einigen Auf- 
schluss über die Art eines Temperatureinflusses auf die Aneroidangaben überhaupt 
zu erhalten, so waren in die Ergebnisse dieser Versuche besondere Hoffnungen zu 
setzen, zumal dieselben mit den vonHartl^) angestellten Beobachtungen über den Ein- 
fluss der Wärme auf die Elasticität der Spannfedern einer Vergleichung unterzogen 
werden konnten. Von vornherein war jedoch diesen Versuchen nur eine relative 
Bedeutung beizulegen, da bei den durch entsprechende Metallzusammensetzung 
des Hebel Werkes mehr oder weniger compensirten Instrumenten eine directe Be- 
obachtung der Grösse der Einwirkung nicht möglich ist, sowie die Spannung der in 
der Büchse enthaltenen Luft nicht bekannt, ihre Veränderlichkeit mit der Tempe- 
ratur aber nicht zu vernachlässigen ist. — Wie schon früher hervorgehoben wurde, 
war eine Abhängigkeit von der Temperatur der bei den verschiedenen beobachteten 
Wärmegraden (zwischen 15 und 25° C.) erhaltenen Nachwirkungen weder direct 
zu erkennen, noch von den anderen Einflüssen (Druckschwankungen) zu trennen, 
so dass dieselbe für die vorliegenden Beobachtungen ausser Betracht bleiben musste. 

Die Versuche, eine bekannte Nachwirkung bei stärkeren Temperaturwechseln 
zu verfolgen, mussten als unausführbar aufgegeben werden, da die Instrument- 
theimometer diesen Wechseln nicht schnell genug folgten, ferner bei Beobachtungen 
der Nachwirkung in den abgeschlossenen Kästen die in Folge des Temperatur- 
wechsels eintretenden starken Druckschwankungen erst durch die Instrumente selbst 
erkennbar worden, bevor sie durch den Regulator beseitigt werden konnten, und 
endlich auch bei Beobachtung der Nachwirkung bei gewöhnlichem Luftdruck sich 
zeigte, dass die durch stärkere Temperaturwechsel entstehenden Aenderungen des 
Standes derart waren, dass dieselben nicht der Wärmeeinwirkung zugeschrieben 
werden mussten, sondern vielmehr dem Umstände, dass die durch den Temperatur- 
wechsel während der Dauer der Abkülilung oder Erwärmung fortwährend ent- 
stehende Spannungsänderung der im Inneren des Instrumentraumes enthaltenen 
Luft, sich nicht schnell genug mit der äusseren Luft ausgleichen konnte, und somit 
eine andere Spannung im Innern des Instrumentes als im Zimmer stattfand. Es wurde 
daher vor der Hand von der Fortführung dieser Versuche Abstand genommen. 

12. Schlussbemerkungen. 

In Folge der verschiedenen die elastische Nachwirkung beeinflussenden äus- 
seren Einwirkungen, wie Superposition, Temperatur und Druckschwankungen, wird 
dieselbe zu einem so complicirten Vorgange, dass es weder möglich noch zweck- 

1) Kohlrausch. Pogg. Ann. 128 und 158. Schröder. Wied. Ann. Bd. 28. S. 369. — 

8) Hartl. Mittheil. d. k. k. militär. geogr. Inst. 1882 und 1885. 

17 


206 RmiHEBTS, Fkdkbbabometeb. Zwamcarnnr rfK IxaTKinuuTKBKUBi»«* 


massig sein dürfte, bei der praktischen Verwerthnng des Aneroids und den regel- 
los auf einander folgenden Druckschwanknngen eine directe Correction mit Hilfe 
der ermittelten Constanten anzubringen. Dagegen sind aber die Einwirkungen der 
elastischen Nachwirkung auf die Angaben des Instrumentes so bedeutend, dass 
dieselbe nicht unberücksichtigt gelassen werden darf, wenn die volle Leistungs- 
fähigkeit des Federbarometers ausgenutzt werden soll. Die Beobachtungen über 
den Verlauf der Standverbesserung bei dem gewöhnlichen Luftdruck zeigen, dass 
die grössten Abweichungen in Folge der elastischen Nachwirkung entstehen, es 
lässt sich ihr Elinfluss in nahezu allen Fällen erkennen. Druckunterschiede von 
20 bis 40 TTim oder rund Höhenunterschiede von 200 bis 400 m, von denen je 100 m 
in 50, 20 oder 10 Minuten (entsprechend dem Tempo 0,2, 0,5 oder 1,0 mm) zurück- 
gelegt werden, rufen, wie aus den Tabellen XVH bis XX hervorgeht, in einer 
Stunde nach Einstellung der Druckänderung Nachwirkungen von 0,15 bis 0,33 mm 
hervor. Nach Durchlaufen eines Druckunterschiedes von 20 nmi mit dem Tempo 
0,2, 0,5 und 1,0 mm sind die Abstände von der Ruhelage, also die Constanten C 
nach Tabelle XXH: 0,29, 0,35 bezw. 0,42 mm. 

Nach dem näherungsweise abgeleiteten Ausdruck für die Abhängigkeit der 
Constanten C vom Druckunterschied und Tempo (Abschnitt 7) ergiebt sich bei der in 
der Tabelle I dargestellten, bei den gewöhnlichen Luftdruckschwankungen entstande- 
nen Nachwirkung der Werth für C zu 0,37 mm in Uebereinstinmiung mit dem thatsäch- 
lich eingetretenen Sprung. Alles dies führt zu dem Schlüsse, dass die durch die elasti- 
sche Nachwirkung entstehenden Abweichungen nicht in das Gebiet der zufälligen 
Fehler gehören, sondern dass ihr Einfluss systematisch berücksichtigt werden muss. 

Wie schon bemerkt, würde es weder möglich noch zweckmässig sein, eine 
allen Anforderungen der Praxis entsprechende Correction rechnerisch mit Hilfe 
der ermittelten Constanten abzuleiten, sondern es würde vielmehr eine auf empi- 
rischem Wege ermittelte Verbesserung den Vorzug verdienen, die, um den Verlauf 
der die Nachwirkung verursachenden Drucksclnvankungen bequem verfolgen zu 
können, an den gi'aphisch aufgetragenen Beobachtungen anzubringen sein würde. 
Ich beabsichtige, in einer späteren Arbeit hierauf zurückzukommen, um den Ver- 
such zu machen, die gefundenen Resultate an der Hand weiteren Beobachtungs- 
materiales zu verwerthen. 

Die Anbringung einer solchen Verbesserung für die elastische Nachwirkung 
würde besonders bei den Angaben der Stationsbarometer, welche die jeweilig statt- 
findenden kleineren oder grösseren Schwankungen des Luftdruckes anzugeben haben, 
nicht zu umgehen sein. In allen Fällen jedoch, in denen es möglich ist, in an- 
derer Weise die Beobachtungen von dem Einfluss der Nachwirkung zu befreien, 
muss dieser Weg vorgezogen werden. Eine solche Elimination ist aber in einfacher 
Weise möglich, sowohl bei der Bestimmung der Instrument- Constanten als auch 
innerhalb gewisser Grenzen bei der Höhenmessung. 

Die Ermittlung der Theilungs -Verbesserung bei den gewöhnlichen Druck- 
schwankungen der Athmosphäre ist ihrer Natur nach grösseren ZuföUigkeiten aus- 
gesetzt, als eine solche bei künstlicher Druckänderung, aber bei entsprechender 
Anordnung ist dieselbe sehr wohl geeignet, brauchbare Resultate zu geben. Grössere, 
gleichmässig einige Tage lang fortschreitende Druckänderungen kommen im Winter 
oft genug vor, so dass es sich nur darum handelt, dieselben zu benutzen, und 
während der Dauer einer solchen Druckänderung möglichst oft Vergleichungen 
vorzunehmen, um den Gang der Druckschwankung mit der Zeit feststellen zu können. 


Siebenter Jehrgaog. Jnni 1887. Redthebts, Fedbrbjlbombtsb. 207 


Eine graphische Darstellung solcher Vergleichungen wird den Verlauf der Theilungs- 
Verbesserung mit entsprechender Sicherheit verfolgen und die Einflüsse der elastischen 
Nachwirkung vermeiden lassen, indem nur die bei fortschreitender Druckänderung 
erhaltenen Linienzüge zur Bestimmung herangezogen werden. In ähnlicher Weise 
ist bei Ermittlung der Temperatur -Verbesserung zu verfahren. 

Weit sichrere Resultate werden natürlicherweise Vergleichungen bei künst- 
licher Druckänderung ergeben, da es dabei leichter ist, die Temperatur möglichst 
constant zu halten und den Gang der Druckänderung bei geeignet construirten 
Versuchsapparaten vollständig zu reguliren, so dass auch der Einfluss der während 
der Druckänderung auftretenden und, wie früher näher besprochen, mit dem Tempo 
veränderlichen Nachwirkung in Rücksicht gezogen werden kann. Es wird sich 
empfehlen, die Druckänderung von verschiedenen Anfangspunkten aus mit mehreren 
verschiedenen Geschwindigkeiten (etwa zwischen den Grenzen 0,2 mm bis höchstens 
1,0 mm pro Minute) vorzunehmen, die damit erhaltenen Theilungslinien in ähnlicher 
Weise wie in Figur 8 aufzutragen und für jeden einzelnen Fall die für die ent- 
sprechende Stelle der Scale giltige Verbesserung aus der mit Unterabtheilungen 
zu versehenden graphischen Darstellung sofort zu entnehmen. 

Um den Einfluss der elastischen Nachwirkung bei der Ausführung von Höhen- 
messungen zu eliminiren, muss bei der Aufnahme nach einem bestimmten Princip 
verfahren werden. Die angestellten Beobachtungen haben gezeigt, dass der Ver- 
lauf derselben am rcgelmässigsten und am sichersten zu verfolgen ist, wenn der 
Druck constant bleibt, oder eine Druckänderung in gleichem Sinne stetig fort- 
schreitet, und dass ein Wechsel sofort eine Aenderung im Verlauf der Nachwir- 
kungsbewegung hervorruft. Dementsprechend ist bei der Höhenmessung entweder 
möglichst in der Horizontalen oder in Profilen zu arbeiten, besonders aber sind 
Druckwechsel zu vermeiden, und dieselben nach Möglichkeit auf Anschlusspunkte 
zu verlegen. Vor allen Dingen ist wesentlich, dass man sich über die bei der 
gerade vorliegenden Terraingestaltung zu erwartenden Druckdiff'erenzen und die 
damit zusammenhängenden Nachwirkungen eine Vorstellung machen kann, um da- 
nach das Messungsverfahren anzuordnen. Bei Innehaltung dieser zur Elimination 
der elastischen Nachwirkung aufgestellten Gesichtspunkte werden nach irgend einem 
der drei hauptsächlichsten Verfahren, sei es nun Interpolation nach der Zeit und 
der Höhe bei gegebenen Fixpunkten, oder Interpolation nach der Zeit durch Rück- 
kehr auf vorher besuchte Punkte, oder endlich Reduction auf ein Standbarometer, 
mit guten Instrumenten Resultate erhalten werden, die nicht wesentlich hinter der 
bei dem Princip der barometrischen Höhenmessung überhaupt zu erreichenden 
Genauigkeit zurückbleiben. 

Es muss jedoch erstrebt werden, die Zuverlässigkeit der Instrumentangaben 
soweit zu steigern, dass sie diese überhaupt mögliche Sicherheit vollständig aus- 
zunutzen gestatten. Bei genauer Kenntniss der durch die Nachwirkung und Tem- 
peratureinflüsse entstehenden Eigenbewegungen des elastischen Federsystems wird 
es möglich sein, bei geeigneter Construction ^) aus dem Aneroid auch für das Labo- 
ratorium ein Differentialinstrument auszubilden, das fähig ist, für kürzere Zeit- 
räume kleine Spannungsänderungen sicher und zuverlässig anzugeben. 

Poppeisdorf, Landwirthschaftliche Akademie. December 1880. 


1) Kohlrausch, üeber ein Variationsbarometer. Pogg. Ann. 150. — Röntgen, üeber ein 

Aneroidbarometer mit Spiegelablesung. Wied. Ann. 4. S. 305. 

17* 


208 LoBWEHHEBz, Mecranisohe Kunst. z«tsohxift fOb inmi 

Zur (Jesohiolite der Entwicklung der meolianisolien Kunst. 

Von 
Dr. li. Itoewenhem in Berlin. 

(Fortsetzung Yom vorigen Jahrgang S. 419.) 

2. Die Repsold'sche Werkstatt in Hamburg. 

Diejenige Werkstatt, welche neben den Mtinchenem zuerst den Ruf der 
deutschen Mechanik in der wissenschaftlichen Welt begründet hat, verdankt ihre 
Entstehung keinem geschulten Mechaniker; nur aus Liebhaberei, ähnlich wie wir 
es noch bei dem älteren Pistor in Berlin sehen werden, hat sich ihr Begründer 
der Herstellung wissenschaftlicher Instrumente zugewandt. Dabei ist diese Werk- 
statt zu einem eigentlich geschäftlichen Betrieb auf dem Gebiete der mechanischen 
Kunst erst zu einer Zeit übergegangen, als ihre Erzeugnisse schon viele Jahre lang 
sich weithin einen Namen erworben hatten. 

Johann Georg Repsold^) entstammte einer Predigerfamilie ausdemStader 
Land und wurde am 19. Sept. 1770 im Dorfe Wremen an der Wesermündung 
geboren. Auch er war vom Vater zum Theologen bestimmt, doch fehlte ihm 
ede Neigung zu diesem Beruf; dagegen zeigte er schon früh grosses Interesse für 
Jmechanische Constructionen. Der väterliche Plan wurde aufgegeben und der junge 
Mann kam nach Cuxhaven zu dem Wasserbaudirector Weltmann, dem er an- 
fangs untergeordnete Dienste leistete, bis er ihm später, bei zunehmenden Kennt- 
nissen, in seinen amtlichen Obliegenheiten zur Hand ging. Im Jahre 1797 erhielt 
Repsold in Hamburg eine bescheidene SteDe als städtischer Beamter zur Ueber- 
wachung der Strombauten und SchifFfahrtszeicheu. Von der sehr geringen Ein- 
nahme dieser Stelle erübrigte er noch so viel, um sich Werkzeuge für seine mecha- 
nischen Arbeiten anzuschaffen, und lag nunmehr diesen in seinen Mussestunden 
mit gi'ossem Eifer ob, obwohl ihm jede Anleitung dazu fehlte. Bald darauf trat er 
als Gehilfe dem Spritzenmeister (Leiter der Feuerwehr) Schar ff zur Seite und 
wurde 1799 zu seinem Nachfolger bestellt, heirathete auch dessen Tochter. In der 
Amtswohnung, die er nunmehr bezog, hatte er Raum und Gelegenheit, seiner Lieb- 
haberei für mechanische Arbeiten ungestörter nachzugehen. Bestimmend für die 
Richtung derselben auf astronomische Instrumente wurde der freundschaftliche Ver- 
kehr, der sich zwischen ihm und Dr. Kaspar Horner aus Zürich entwickelte. 
Letzterer kam auf Empfehlung des bekannten Astronomen Zach zu Gotha (auf 
dem Seeberge) 1799 nach Hamburg, um Vermessungen der Weser-, Elbe- und 
Eider-Mündungen zu übernehmen, welche ihn bis 1801 beschäftigten. Er wohnte 
in Repsold's Hause und theilte dessen Liebhaberei; sobald sie freie Zeit hatten, arbei- 
teten sie gemeinschaftlich in der Werkstatt an einem Sextanten, später an einem 
Universalinstrument. 

Doch waren die Arbeiten, welche das Amt bei der Feuerwehr mit sich brachte, 
nicht gering. Die beiden Spritzenmeister der Stadt hatten sowohl die neuen Spritzen 


1) Die folgenden Mittheiinngcn verdanke ich vorzugsweise der Freundlichkeit des Herrn 
Joh. A. Repsold. Die Angaben über Job. Georg Repsold sind — zum grossen Tbeil wörtlich — 
den von genanntem Herrn herausgegebenen „Nachrichten über die Familie R. und insbesondere 
über J. G. R., Hamburg 1884'^ entnommen; die Mittheilungen über Ad. R. sind von Herrn Joh. 
A. R. in liebenswürdigster Weise für den vorliegenden Zweck aufgesetzt und mir zur Verfügung 
gestellt worden. Ueber Georg R., dessen Thätigkeit im Aichwesen mir aus eigener Erfahrung 
wohl bekannt ist, hat mir sein Sohn, Herr Aichmeister F. L. Repsold , weitere schätzcnswerthe 
Angaben zugesandt. 


Siebenter Jalirgang. Juni 1887. LoBWENHBRZ , MECHAiasCHE KüNBT. 209 

und sonstiges Löschger äth zu liefern, als auch alle Reparaturen auszuführen; dazu 
kamen ausser der Leitung der Löscharbeiten und der Beaufsichtigung einer Löschmann- 
schaft von fast 800 Mann mancherlei Verwaltungsgeschäfte, für welche keine beson- 
deren Beamten angestellt waren. Indessen fand Repsold in den nächsten Jahren 
Zeit zur Herstellung eines kleinen Durchgangsinstrumentes ^), welches Homer auf 
seine Reise um die Erde unter Krusenstern mitnahm. 

Anfang 1802 richtete er in einem kleinen von der Stadt ihm bewilligten 
früheren Artilleriegebäude auf der jetzigen Eibhöhe eine besondere Sternwarte ein. 
Er rüstete sie mit einem Meridiankreise mit achtfüssigem (2,6 m) Femrohr und einer 
später (1810) an Bessel verkauften Pendeluhr eigener Arbeit aus. Das Objectiv 
des Fernrohres hatte er selbst aus englischem Glase geschliffen, welches sich aber 
als mangelhaft erwies.^) Er ging nunmehr daran, in einem Kalkofen selbst Glas 
zu schmelzen und stellte u. a. einen massiven FlintglaskegeP) „von 5 Zoll (13,5 cm) 
Dicke und 8 Zoll (22 cm) Länge" her. Die Versuche mit solchen besseren Gläsern 
erwiesen, dass auch Mängel in der Form der Objective an ihrer ungenügenden 
Wirkung Schuld waren; hierauf wandte er sich an Gauss, der vieUeicht hieraus 
zuerst zu seinen epochemachenden Untersuchungen über die Anordnung von Linsen- 
systemen angeregt wurde. Die Arbeiten an den Objectiven zogen sich bis 1811 
hin, doch wurde der Meridiankreis inzwischen von Repsold, sowie von Schumacher 
zu Beobachtungen benutzt. Letzterer ist zuerst bei dieser Gelegenheit jenem näher 
getreten; beide waren von da an in engster Freundschaft verbunden. 

Im Frühjahr 1812 zwangen die unruhigen politischen Zustände in Hamburg; 
die sämmtlichen Instrumente von der Sternwarte zu entfernen, und diese selbst 
wurde bald auf Anordnung des französischen Commandanten wegen Aenderung 
der städtischen Befestigungen beseitigt. Die Jahre 1813 und 1814 brachten schwere 
Zeiten für Hamburg und auch Repsold hatte darunter zu leiden. Als die Fran- 
zosen im März 1813 abgezogen, war er vielfach für Sicherheitsmaassregeln zum 
Schutze der Stadt thätig, er hielt es deshalb für rathsam, als die Franzosen wieder 
einrückten, Hamburg zu verlassen, konnte jedoch bald zurückkehren und behielt 
auch den Befehl über die Feuerwehr. Es gelang ihm sogar, seine Spritzenmann- 
schaften in dem strengen Winter 1813/14 vor der Ausweisung zu bewahren, die 
sonst aUe diejenigen traf, welche ihren Hausstand für die Wintermonate nicht ge- 
nügend verproviantiren konnten. 

An wissenschaftliche Arbeiten war um jene Zeit nicht zu denkeil. Diese 
begannen erst wieder nach dem gänzlichen Aufhören der Fremdherrschaft. Im 
Jahre 1815 ging Repsold daran, den Meridiankreis, welchen Gauss für Göttingen an- 
kaufte, aufs Neue in Stand zu setzen. Die Ablieferung erfolgte erst 1818, da 
noch einige Aenderungen, besonders die Neutheilung des Kreises, erforderlich waren* 
Diese Arbeiten machten ihm bei der unsicheren Aufstellung in einem der unteren 
Räume seines Hauses und den ungenügenden Hilfsmitteln ausserordentliche Mühe ; über- 
triebene Anstrengung schädigte dabei seine Gesundheit und schwächte seine Augen. 
Auch nahmen viele gleichzeitige gröbere Arbeiten für Leuchtapparate u. dergl. ihn 
stark in Anspruch, konnten aber nicht abgewiesen werden, weil die Erhaltung 


1) Benzenberg erwähnt in einem Schreiben vom Oct. 1801 an Gilbert (G.*8 Annalen 
Bd. IX S. 373) dieses Instrumentes von 8 Zoll (22 cm) Axenlänge imd 27facher Vergrösserung und 
betont bereits damals, dass Repsold „mit den ersten englischen Künstlern wetteifert". — 2) Vergl. 
auch Gilbert's Annalen XI S. 264, Brief Benzenberg*s vom Mai 1802. — ») Nach einem Schreiben 
Benzenberg's vom 3. Mai 1803, GUbert's Annalen XIY S. 253. 


210 LoswKNHERZ, Mechamibchb Ruhst. ZKrtscmurr fük IvmniaarmKUSDs. 

der Werkstatt gerade auf dem Ertrage ans diesen gröberen Arbeiten bemhte. Er 
besorgte persönlich die Anfstelinng des Meridiankreises in Göttingen. Von hier 
ans nnternahm er dann in Begleitung seines ältesten Sohnes Georg eine Erholungs- 
reise nach München, wo er zu Reichenbach in freundschaftliche Beziehungen 
trat, und weiter nach Zürich, um mit Horner einen Ausflug in die Schweiz zu machen. 

Im Jahre 1819 reiste er mit Schumacher, der einen für die Holsteinischen 
Gradmessungen bestimmten Zenithsector aus Green wich abholen wollte, über Paris 
nach London. Ueber das, was er dort an astronomischen Instrumenten und an 
englischen mechanischen Werkstätten gesehen hat, spricht er sich wenig befriedigt 
aus. TjDie Einrichtung der (Green wicher) Sternwarte", schreibt er, „hat mir so 
„wenig gefallen, wie die grossen schwer zu bewegenden Instrumente. Icli glaube, 
„dass man mit viel kleineren Instrumenten, wenn sie vortheilhafter eingerichtet sind, 
„mehr leisten kann". 

Im folgenden Jahre wurde in der Werkstatt der Basismessapparat für Schu- 
macher fertiggestellt und Repsold selbst betheiligte sich an der Messung der Basis 
bei Braake. Um dieselbe Zeit wurde von ihm in Gemeinschaft mit mehreren gleich- 
gesinnten Männern die Gründung einer städtischen Sternwarte in Hamburg ange- 
regt. Der Bau war 1825 vollendet. Dagegen gelang es seinen und Schumacher's 
Bemühungen nicht, Gauss' Berufung an die neue Sternwarte zu ermöglichen. 

Die verschiedenartigsten Arbeiten beschäftigten Repsold in diesen Jahren, 1821 
bis 1825. FtLr seine Werkstatt baute er eine Cylinderbohrmaschine, eine schwere 
Ziehbank, eine Längentheilmaschine von 3 Fuss (97 cm) und eine grosse Wage eigen- 
thümlicher Construction. Auch eine kleine Dampfmaschine wurde ausgeführt. Als 
allgemeiner bekannt gewordene Arbeit aus dieser Zeit ist der für Bessel herge- 
stellte Pendelapparat (1825) zu nennen. Auch wurden Pläne für die Instrumente 
der neuen Hamburger Sternwarte entworfen; Ende 1825 nennt Repsold in einem Brief 
an Horner als beabsichtigte Neuerung an dem Meridiankreise die Einrichtung zum 
Vertauschen von Objectiv und Ocular für Biegungsbestimmungen. Doch wurde das 
Durchgangsinstrument zuerst zur Ausführung gebracht und im März 1829 wurden 
die ersten Beobachtungen mit demselben von Peters angestellt. 

Im Jahre 1826 machte Repsold eine zweite Reise nach München und der Schweiz, 
diesmal in Begleitung seines Sohnes Adolf. Nach seiner Rückkehr beschäftigte er 
sich anhaltend mit Theilungsarbeiten , sowohl mit Herstellung genauer Unterab- 
theilungen von Längenmaassen, als mit Vorbereitungen zur Theilung der schon in 
den Jahren 1818 bis 1820 begonnenen aber noch imvollendet gebliebenen 472 füssigen 
(1,5 m) Kreistheilmaschine. Er ging an die Herstellung der Muttertheilung und führte 
hierbei die ersten Fühlniveaus ein, nachdem sich die von Reichenbach für diesen 
Zweck angewandten FühlhebeF) ihm als imzureichend erwiesen hatten. Die Theil- 
arbeiten geschahen in einem Zimmer der Sternwarte, um vor Erschütterungen ge- 
schützt zu sein. Doch war die Vollendung dieses Werkes ihm nicht vergönnt, die 
Theilung wurde später von seinem Sohne Adolf zu Ende geführt; die Maschine 
aber ist noch jetzt das Hauptstück der Repsold'schen Werkstatt. 

Am 14. Januar 1830 setzte ein jäher Tod des Meisters unermüdlichem Schaffen 
ein Ende. Er befand sich im geselligen Kreise, als ihm die Meldung eines grösseren 
Brandes überbracht wurde. Mit dem Worten: „Auf Wiedersehen, lieber Vetter*)" 
trennte er sich von seinem Freunde Schumacher, der ebenfalls anwesend war, 

1) Diese Zeitschrift 1882. S. 456. — «; Diese Worte hat Schumacher durch eine Medaille 
bewahrt. 


Siebenter Jahrgang. Jani 1887. LoEWENHERZ , Mechanische Kunst. 21 1 


und eilte zur Brandstätte. Während er hier mit Anordnungen für Löschung be- 
schäftigt war, stürzte der steinerne Giebel des brennenden Hauses ein und traf 
ihn tödtlich. 

Repsold's Charakter war fest und gerade, wie es seiner Entwicklung aus eigener 
Kraft entsprach. Streng gegen sich selbst, war er es auch gegen Andere, und im 
Lobe fast zu karg, doch voll Herzensgüte und frei von kleinlicher Gesinnung; in 
seinen Arbeiten war er beharrlich, erfinderisch und stets die höchsten Leistungen 
anstrebend. Mit Geldangelegenheiten befasste er sich nicht gern, seine brave Gattin 
trat aber hier für ihn ein und sorgte für das sparsame Zusammenhalten der Ein- 
nahmen. Vor der Sternwarte in Hamburg ist seinem Andenken ein Denkmal er- 
richtet worden. 

Von den drei ihn überlebenden Söhnen wurden die beiden ältesten 
Georg, geb. 1804, und Adolf, geb. 1806, in der väterlichen Werkstatt als Mecha- 
niker ausgebildet. Der Aeltere blieb jedoch zunächst nicht bei diesem Fache, er 
übernahm schon im Alter von 21 Jahren das Geschäft seines Schwiegervaters, 
welches die Einrichtung von Wasserleitungen und Heizapparaten, die Ausführung 
von Dachdeckerarbeiten und anderen baulichen Anlagen umfasste. 

Der jüngere Bruder, Adolf, widmete sich dagegen ganz dem Berufe des 
Vaters; wenige Jahre nach seinem Eintritt als Lehrling in die Werkstatt war er 
schon dessen bester Mitarbeiter geworden. Nachdem er 1826 die Münchener 
Werkstätten kennen gelernt hatte, war sein grösster Wunsch, sich dort zu seiner 
weiteren Ausbildung einige Jahre aufzuhalten. Doch kam dieser Plan nicht zur 
Ausführung, da der Vater sich mehr und mehr an die zuverlässige Hilfe des Sohnes 
gewöhnt hatte und ihn nicht ziehen lassen wollte. 

Adolf war inzwischen dem Vater auch in seiner amtlichen Thätigkeit eines 
Oberspritzenmeisters (Leiter der Feuerwehr) zur Seite getreten und 1827 wurde 
er demselben von Amts wegen als Gehilfe beigegeben. Als sein Vater 1830 ums 
Leben gekommen war, wurde er zum Spritzenmeister ernannt. Diese Anstellung 
machte es ihm, der sonst ohne Mittel war, möglich, die Arbeiten der väterlichen 
Werkstatt in der bisherigen, nunmehr von ihm bezogenen Amtswohnung fort- 
zuführen. Nach einiger Zeit vereinigte sich sein Bruder Georg mit ihm zu diesem 
Zwecke und unter der Firma A. & G. Repsold haben dann die beiden Brüder 
bis zum Jahre 1867 zusammengearbeitet. Georg wurde indessen durch sein eigenes 
bautechnisches Geschäft, das er bis 1865 fortbetrieb, sowie später durch seine 
Thätigkeit im Aichwesen, in welches er 1843 mit derEmennimg zum hamburgischen 
Justirbeamten eintrat, vielfach abgehalten. Er besorgte hauptsächlich den geschäft- 
lichen Theil des Betriebes, während die Construction der Instrumente und die 
Leitung der Arbeiten in der Werkstatt grösstentheils Adolf zufielen. Doch betheiligte 
Georg, soweit seine Zeit es gestattete, sich auch an der VoUendimg der Instrumente 
und zwar vorzugsweise solcher, die sich auf Maass und Gewicht bezogen. Georg's 
Thätigkeit auf den verschiedenen Gebieten der Technik hatte sich grosser Aner- 
kennung zu erfreuen. So wurde er nach dem grossen Brande von Hamburg 1842 
an die Spitze einer städtischen Commission zur Begutachtung gewerblicher An- 
lagen, einschliesslich der Dampfkessel, gestellt. Später, 1865, nahm er als Vertreter 
der drei Hansestädte in Frankfurt a. M. an den Berathungen über Einführung ge- 
meinsamen Maasses und Gewichtes in den deutschen Bundesstaaten Theil. Ebenso 
wurde er zu den Verhandlungen abgeordnet, welche behufs Feststellung der Aus- 
führungsbestimmungen der Maass- und Gewichtsordnung für den Norddeutschen 


212 LOSWENHEBZ , MECaANISCHE KüNBT. ZEITBCHSirr TÜR ISSTBUMXXTSHKDIIDK. 


Bnnd Anfang 1869 in Berlin stattfanden. Im weiteren Verfolg zum Mitglied der 
neu gegründeten Normal -Aichimgs-Commission ernannt, hat er derselben bis zu 
seinem Tode angehört; an der Ausarbeitung der Aich Vorschriften, sowie an deren 
weiterer Fortbildung und Vervollkommnung hat er stets eifrigen imd kundigen 
Antheil genommen. Als praktischer Aichungsbeamter ->- er wurde 1869 Aichungs- 
inspector der Stadt Hamburg — war er nach Kräften bemüht, die Durchführung der 
Aichvorschriften zu sichern. Dabei hatte er viele Schwierigkeiten zu bestehen, um 
in der alten Handelsstadt Hamburg die dort festgewurzelten Gewohnheiten im 
Maass- und Gewichtswesen zu bekämpfen und den Anforderungen der neuen Zeit 
Geltung zu verschaffen. 

Mit Rücksicht auf sein hohes Alter (81 Jahre) und eine eben überwundene 
schwere Krankheit beabsichtigte der hochverdiente Mann mit dem 1. October 1885 
sich aus der Aichpraxis zurückzuziehen; doch einen Tag, bevor seine Pensionirung 
in Kraft treten soUte, endete sein arbeitsreiches Leben. 

Adolf Repsold, zu welchem wir nunmehr zurückkehren, hat sich früh als Me- 
chaniker Geltung verschafft. Schon 1832 schreibt Schumacher, welcher den Söhnen 
seines Freundes mit Rath und Fürsprache in liebenswürdiger Weise zur Seite stand, 
über ihn an Gauss: „Ich möchte, dass Sie dabei die Hilfe des jungen Repsold hätten, 
der schon jetzt den Vater nicht vermissen lässt". Die ersten Arbeiten, welche, 
noch zu des Vaters Lebzeiten bestellt, in der Werkstatt vollendet wurden, waren 
ein kleines Passageninstrument für B es sei imd ein 9füssiges (2,9 m) für Edin bürg, 
dessen Aufstellung im Herbst 1831 erfolgte. Gleichzeitig wurde ein Leuchtthurm- 
Lampenapparat für Wangeroog angefertigt. Es folgten Wagen, Längenmessvor- 
richtungen und ein Paar kleinere Fernrohre parallak tisch?? Aufstellung, 1833 wurde 
dann der Meridiankreis für die Hamburger Sternwarte, 1834 der für die Pulko- 
waer Sternwarte besteUt, und damit trat die Nothwendigkeit, die grosse Kreis- 
theilmaschine zu vollenden, in den Vordergrund. Adolf fand es nöthig, die 
Theilungsarbeit neu zu beginnen, behielt aber das von dem Vater angewandte 
Verfahren der aUmäligen Eintheilung bei. Auf dem Kreise wurden der Reisser- 
werkträger mit zwei festen Anschlägen und ein zweiter Schlitten mit zwei Fühl- 
niveaus abwechselnd fortbewegt, nachdem der Abstand der letzteren für das Ein- 
heitsintervall der Fortbewegung möglichst scharf berichtigt worden war. Das erste 
Intervall war 30*^. Durch ein gleiches Verfahren wurde dann jedes 30°-Intervall 
in kleinere (vermuthlich erst in 10°, dann in 1°-Intervalle u. s. w.) zerlegt, bis der 
ganze Umkreis durchweg von 2' zu 2' getheilt war. 

Bei dem 1836 vollendeten Meridiankreise für Hamburg wurde der Träger 
der vier Mikroskope auf der Axe drehbar ausgeführt; bei dem Pulkowaer Meridian- 
kreise wurde dagegen die Befestigung der Mikroskope am Pfeiler (wie am Göt- 
tinger Instrument) wieder aufgenommen. Gleichzeitig mit dem Meridiankreise 
wurde auch das Passageninstrument im ersten Vertical für Pulkowa vollendet (1838); 
bei demselben wiu'de zum ersten Male die Biegung der Axe durch innere Hebel 
aufgehoben; das Instrument zeichnet sich auch aus durch die bequeme Umlege- 
vorrichtung. 

Ende 1836 kam Steinheil nach Hamburg, um für die baierische Regierung 
ein Kilogramm aus Bergkrystall und gläserne Meterstäbe ausführen zu lassen. 
Während seines mehrmonatlichen Aufenthaltes bildete sich ein lebhafter, freund- 
schaftlicher Verkehr zwischen ihm und Adolf Repsold. 

Des Letzteren erstes grösseres parallaktisches Instrument war das Aequa- 


Siebenter Jehrgtng. Jani 1887. Loswenherz , Mechanische Kunst. 213 

toreal für Christiania. Die Construction desselben wich wesentlich von der in München 
üblichen ab, indem er eine streng durchgeführte Gewichtsauf hebung der De- 
clinationsaxe, eine von der Uhrbewegung unabhängige Rectascensions-Feinstellung, 
mikroskopische Kreisablesungen und Metallfernrohr annahm, um das Instrument für 
Ortsbestimmungen durch Kreisablesungen geeignet zu machen. Es wurde 1839 
begonnen und 1841 vollendet. 

Noch in demselben Jahre konnte der Königsberger Meridiankreis abgeliefert 
werden. Repsold reiste Ende 1841 izur Aufstellung hinüber. Der mehrwöchentliche 
Aufenthalt im BesseFschen Hause regte ihn auf das Lebhafteste und Nachhaltigste 
an; er benutzte ihn auch zu einer eingehenden Erörterung der Construction des 
kurz vorher bestellten Heliometers für Oxford. 

Inzwischen war durch die Bestellung von Prismenkreisen (für Schumacher, 
Gauss u. a.) und magnetischen Apparaten (Inclinatorium und Magnetometer für 
Gauss und Weber) auch für Arbeiten in kleinerem Maassstabe gesorgt. Daneben 
wurden indess auch Dampfkessel hergestellt. 

Der Entwurf des Oxforder Heliometers, welcher sich von den bisherigen 
Constructionen weit entfernte, namentlich durch Einführung der Cylinderführung 
der Objectivhälftcn, Ablesung der Scalen derselben vom Ocular aus und Drehung 
des ganzen Rohres in Position, war kaum begonnen, als diese, wie viele andere 
Arbeiten, durch den grossen Brand von Hamburg, vom 5. bis 8. Mai 1842, für längere 
Zeit unterbrochen wurden. Adolf Repsold war in diesen Tagen vielfach in Lebens- 
gefahr und fast unausgesetzt den aufreibendsten Strapazen unterworfen; auch 
der andere Bruder Georg betheiligte sich mit grosser Hingebung an der Bekämpfung 
der Feuerbrunst. Nachdem weitere immittelbare Gefahr für die Stadt abgewendet 
war, nahmen die Folgen dieses Ereignisses Adolf noch für Monate fast gänzlich 
in Anspruch. Im Herbst war es ihm dann Erholung und ein grosser Genuss, mit 
den drei Brüdern Weber (Ernst Heinrich, Wilhelm und Eduard) eine Fussreise 
durch den Harz zu machen. Der grosse Brand gab übrigens Veranlassung zur 
Erfindung der rotirenden Spritze (als Repsold'sche Pumpe bekanntes Kapselrad), mit 
der ein überraschender Nutzeffect erzielt wurde. Solche Spritzen wurden in den 
folgenden Jahren in grosser Zahl ausgeführt; später hörte die Nachfrage auf, be- 
sonders wohl deshalb, weil die Brüder es unterliessen, für eine fabrikmässige Her- 
stellung der neuen Spritzen zu sorgen, die sich freilich mit den feinen Arbeiten 
der Werkstatt schwer vereinigen liess. 

Bei Wiederaufnahme der astronomischen Arbeiten stand das Heliometer in 
erster Linie; aber die grossen Schwierigkeiten der neuen Construction, sowie ein 
Unfall mit dem Objectiv verzögerte die Vollendung sehr; schliesslich wurde auch 
der Kuppelbau nicht rechtzeitig fertig und erst 1849 konnte das Heliometer in 
Oxford aufgestellt werden. Die Beleuchtung der Objectivschieberscalen durch 
elektrisches Licht (glühende Platindrähte) wurde auf den Vorschlag SteinheiFs 
eingeführt. 

Es sei hier noch eines ganz andersartigen Vorschlages Steinheils aus dieser 
Zeit erwähnt. Als 1845 nach Mahler's Tode das früher Fraunhofer'sche optische 
Institut in München zur Regelung der verschiedenen Ansprüche verkauft werden 
sollte, forderte er Adolf Repsold auf, dasselbe in Gemeinschaft mit ihm zu 
erwerben. Jener war aber in Hamburg zu fest gebunden, um auf den Vorschlag ein- 
gehen zu können. 

Zwei Meridiankreise, ähnlich dem Pulkowaer^ für Moskau und Kasan, wurden 


214 LOBWSHHBRZ, MeCTAHISCHB KüXST. ZkiTSCHBIVT fOx IXSTKl 


1846 fertig. Nach einer Reihe kleinerer Arbeiten (Universalinstrumente, kleiner 
Meridiankreis für Anapolis, anch einige Sextanten) folgte der Meridiankreis für 
Madrid, zu dessen AufsteUnng Repsold Elnde 1854 reiste, hin über Paris, zurück 
über England, um Johnson in Oxford zu besuchen. 

Nach Hause zurückgekehrt, liess er Pläne für den Neubau einer Werkstatt 
ausführen, die er im Laufe des Sommers 1855 errichtete und zwar auf eigenem 
Grunde; das Amtsgebäude war baufällig geworden und reichte nicht mehr aus. 
Im Frühjahr 1856 fand die Uebersiedlung statt. Ein 8füssiger (2,6 m) Refractor 
für Lissabon und das Aequatoreal für Gotha mit Gewichts -Aufhebung und -Aus- 
gleichung nach Hansen waren die Instrumente, welche in diesen Räumen zuerst (1860) 
fertig wurden. Auch eine Anzahl von Höhenkreisen, wie sie in den russischen 
Vermessungen vielfach verwendet werden, und Universalinstrumenteu wurden in 
diesem und den folgenden Jahren hergestellt. 

Adolf wurde, nachdem er 1856 zum Oberspritzenmeister ernannt worden 
war, von seinen Amtsgeschäften fortdauernd sehr in Anspruch genommen, da schon 
seit 1842 beabsichtigte, von den städtischen Behörden aber bisher nicht genehmigte 
durchgreifende Umgestaltungen im Löschwesen nun durchgeführt wurden. Er 
konnte daher nur einen kleinen Theil seiner Zeit der Werkstatt zuwenden, wo er 
sich seit Ende 1859 grossentheils durch seinen ältesten Sohn Johann Adolf ver- 
treten liess. Die Arbeiten dort behielten aber stets sein besonderes Interesse. Der 
Sohn wurde 1862 Mitglied der Firma. 

Unter den Instrumenten, welche in den nächsten Jahren vollendet wurden, 
sind hervorzuheben das 7 füssige (2,3 m) Passageninstrument für alle Verticale, welches 
auf W. Struve's Vorschlag als vervollkommnete Wiederholung des Passageninstru- 
ments fttr den ersten Vertical in Pulkowa für die neue Sternwarte in Lissabon aus- 
geführt wurde (1863) und das 21 füssige (6,8 m) Aequatoreal für dieselbe Stern- 
warte (1865), an kleineren Instrumenten Reversionspendel -Apparate (für Zürich 
und St. Petersburg) , ein Comparator für Strich- und Endmaasse mit Mikroskopen 
und Fühlniveaus für Dresden u. a. m. Es folgte 1867 das 97» füssige (3,1 m) 
Aequatoreal für Hamburg, an dem die von Hansen für das Gothaer Aequatoreal 
vorgeschlagenen Contrabalancirungen in vervollkommneter Weise zur Ausführung 
gelangten. 

Im Frühjahr 1867, als Georg aus der Leitung der Werkstatt ausschied, trat 
Adolfs dritter Sohn Oscar in dieselbe ein. Unter der Firma A. Repsold & Söhne 
setzte der Vater dann mit seinen beiden Söhnen die Arbeiten fort. Doch konnte er 
auch jetzt nur zeitweilig nach Wunsch in der Werkstatt thätig sein. Fortgesetzte 
Aenderungen in den Löscheinrichtungen brachten ihm viel zeitraubende Arbeit. 
Er empfand sein Amt mehr und mehr als eine Last, war auch den körperlichen 
Anstrengungen, die es gelegentlich mit sich brachte, bei allmälig auftretender 
Kränklichkeit nicht mehr gewachsen und entschloss sich deshalb Ende 1870 sein Amt 
niederzulegen. 

Inzwischen waren in Arbeit gewesen zwei Basismessapparate mit mikro- 
skopischem Anschluss der in Eisenrohren gelagerten Messstangen (für Java und 
Lissabon), Meridiankreise, tragbare Passageninstrumente mit Azimutal-Drehung und 
schneller Umlegung, eine Längen-Theilmaschine für die Normal- Aichungs-Commission 
in Berlin, ein grösserer Reversions-Pendelapparat für das Central-Bureau der Euro- 
päischen Gradmessung u. a. m. 

Adolf Repsold erwartete mit Ungeduld die Zeit, wo er sich wieder ganz seiner 


Siebenter Jahrgang. Jani 1887. KrüSS, Repetitions-Spectrometer. 216 


Lieblingsthätigkeit würde widmen können; doch sollte dieser Wunsch ihm nicht 
in Erfüllung gehen. Seine Kränklichkeit nahm anhaltend zu; der Winter auf 1871 
brachte ihm schwere Leiden, von denen er am 13. März durch einen Herzschlag 
erlöst wurde. 


Repetitions-Spectrometer und Goniometer. 

Von 
Dr. H. Krttss in Hamburg. 

Das im Nachfolgenden zu beschreibende, im optischen Institut von A. Krüss 
in Hamburg construirte Instrument vereinigt die Vortheile der Spectrometer von 
Meyerstein und v. Lang in sich und gestattet ausserdem das Repetiren der 
Messung von Linienabständen im Spectrum und von Winkeln. Seine Anordnung 
in Bezug auf letzteren Punkt lehnt sich an eine Construction an, welche von Stein- 
heil seinen Goniometern gegeben wird. 

Mit dem Dreifusse A (Fig. a. f. S.) ist der Träger B für das CoUimatorrohr C 
fest verbunden; letzteres kann durch zwei Schrauben a an beiden Seiten des 
Trägers so eingestellt werden, dass seine optische Axe durch die Axe des Theilkreises 
geht; um es senkrecht zu dieser Axe zu stellen, kann es durch die Stellschraube h 
um eine durch die Schrauben a gehende horizontale Axe bewegt werden. 

Femer sind mit dem Dreifusse A fest verbunden die innen und aussen ent- 
gegengesetzt conische Büchse D, sowie die eiserne Säule E. Auf den äusseren 
Conus von D ist die Hülse F aufgeschliffen, mit welcher der Fernrohrträger O 
verbunden ist. Auf demselben ist das Beobachtungsfernrohr H durch zwei Schrau- 
ben c und eine dritte d in gleicher Weise justirbar befestigt wie das CoUimatorrohr C 
auf dem Träger 5; diese Einrichtung ist dieselbe wie bei dem v. L angesehen 
Spectrometer. Das Beobachtungsfernrohr H ist um die ganze Axe des Instrumentes 
drehbar mit Ausnahme des Raumes, welcher von dem fest mit dem Dreifusse ver- 
bundenen CoUimatorträger 5 eingenommen wird. Mit Hilfe einer den Ringe zusammen- 
ziehenden Klemmschraube kann das Beobachtungsfernrohr mit dem Stativ bezw. 
dem Stücke B fest verbunden und durch die Mikrometerschraube e' fein einge- 
stellt werden. 

In der conischen Ausbohrung des Stückes D bewegt sich der hohle Zapfen J". 
Auf demselben durch Schrauben befestigt ist der aus vier Armen LL bestehende 
Träger für den Theilkreis MM, Um das obere cylindrische Ende des Zapfens J 
ist ein Ellemmring f gelegt, welcher durch eine Klemmschraube angezogen werden 
kann, so dass dann der Theilkreis mit dem Beobachtungsfernrohre verbunden ist, 
während die Mikrometers^chraube f die feine Einstellung beider gegeneinander er- 
möglicht. Ist in diesem FaUe gleichzeitig auch die Klemmschraube des Ringes e 
angezogen, so ist der Theilkreis durch den Träger G auch mit dem Stativ fest 
verbunden. 

Die eiserne Säule E bildet an ihrem oberen Ende einen conischen Zapfen, 
auf welchem sich die Büchse N dreht und diese trägt den mit vier Nonien ver- 
sehenen Nonienkreis PF. Durch die Schraube g kann der Nonienkreis an den Zapfend 
geklemmt, also ganz fest mit dem Stativ verbunden werden. Andererseits können 
die Nonien auch durch die am Ringe ä wirkende Klemmschraube mit dem Theilkreise 
verbunden und mit diesem um die Axe des Instrumentes gedreht werden; durch 
die Mikrometerschraube ä' wird die feine Einstellung zwischen Nonien und Theil- 


21S Emüse, Bbpbtttioics-Spbctbokrtbb. ZinwRsirr »da IiimnuiTuium«. 

kreis besorgt. Sind die EUemmschrauben g und e offen, die Ringe f nnd Ä dagegen 
geklentmt, so kann d»s BeobaclitungsfemroHr mit Tbellkreis, Nonienkreis nnd dem 
auf letzterem stehenden Prismentische S um die Inetrumentenaxe bewegt werden. 
Der schwere, mit Blei ausgegossene, Prismentisch B steht wie bei dem 
Meyerstein'schen Spectrometer auf drei Stellschrauben k auf dem Nonienkreise P, 
jedoch stehen die Scliranben in einer centrisch in den Kreis eingedrehten Rille, 
so dass der Tisch B immer centrisch bleibt; er macht alle Drehungen des Kreises P 
mit, kann aber zur ersten Orientirung auch unabhängig von demselben gedreht 
werden. Der Prismentisch kann auch, wie bei dem v, Lang'schen Instrumente 
auf eine Verlängerung der Säule E aufgesteckt nnd auf dieser in der Höhe ver- 
schoben, sowie zu krystallographißchen Arbeiten ähnlich wie bei dem Faess'schen 
Reflexions-Goniometer mit Centrirvorrichtungen für Krystalle versehen werden. — 


Die Berichtigung des Instrumentes ist sehr einfach. Der Spalt S ist un- 
mittelbar fest in der richtigen Entfernung der Brennweite des Collimatorobjectives 
von letzterem angebracht ; dadurch fällt also das Einstellen des Spaltes in den Brenn- 
punkt des Collimatorobjectives mit Hilfe des zuvor auf unendliche Enfemung ein- 
gestellten Be ob achtungsfemr obres vollkommen fort und es kann an der ein für 
alle Mal richtigen Einstellung nichts durch Zufall oder Unvorsichtigkeit verändert 
werden. 

Die Senkrechtstellong der optischen Axe des Boobachtungsrohres H auf seine 
Umdrehungsaxe geschieht nach der bekannten Gauss'schen Methode mit Zuhilfe- 
nahme einer auf den Prismentisch gestellten planparallelen Glasplatte und eines 
dem Instrumente beigegebenen Gauss'schen Ocnlares unter Benutzung der Mikro- 
meterschranbe d. Ist diese Berichtigung geschehen, so muss das CoUimatorrohr C 
ebenfalls senkrecht zur Instrumenten axe gestellt werden. Zu diesem Zwecke löst 
man di& den Spalt S festhaltende kleine Schraube s ein wenig; dann kann man 
den ganzen Spalt drehen, so dass die Spaltöffnung horizontal zu stehen kommt 
nnd den horizontalen Durchmesser des Collimatorrohres bildet. Blickt man non 


Siebenter Jahrgang. Jnni 1887. ErÜBB, Repetitions-Speotbometer. 217 


durch das um 180 Grad vom CoUimatorrohr entfernte Beobachtungsrohr, so muss 
das Bild des horizontalen Spaltes das Fadenkreuz mitten durchschneiden; ist dieses 
nicht der Fall, so kann solches mit Hilfe der Stellschraube 6 herbeigeffihrt werden. 

Der Spalt S gestattet bei gelöster Schraube s eine Drehung um 180 Grad. 
Hat man nun bei senkrechter Stellung des Spaltes das Fadenkreuz des Beobachtungs- 
femrohres auf den Spalt eingestellt und dreht sodann den Spalt um 180 Grad, 
so muss die Einstellung richtig bleiben, wenn die Mittellinie des Spaltes die optische 
Axe des Collimatorobjectives wirklich durchschneidet. Ist letzteres nicht der Fall, 
so ist nach Drehung des Spaltes um 180 Grad sein Bild natürlich aus dem Schnitt- 
punkte des Fadenkreuzes seitwärts gertickt. Es können dann zur Berichtigung 
dieses Fehlers die Schrauben gelöst werden, welche den Spalt mit seiner Grund- 
platte verbinden und der ganze Spalt auf dieser Grundplatte verschoben werden. 
Ob diese Berichtigung (welche tibrigens schon vor dem Entlassen des Instrumentes 
aus der Werkstatt erfolgen soll) noch nöthig ist, muss natürlich vor der vor- 
stehend beschriebenen Senkrechtstellung des Spaltrohres auf die Instrumentenaxe 
untersucht werden. 

Die Art der Benutzung des Instrumentes ist dieselbe wie bei dem v. Lang' sehen 
Spectrometer, nur dass hier Repetition möglich ist. 

Bei Messung der Ablenkung eines Lichtstrahles durch Spiegelung oder 
Brechung wird der Nonienkreis P durch die Schraube g festgeklemmt, nachdem 
vorher das Prisma, die Platte oder der Kry stall auf dem Prismentisch in üblicher 
Weise aufgesteUt ist. Der Theilkreis wird durch die Klemmschraube f mit dem 
Beobachtungsfernrohre H verbunden und zuerst auf den directen, sodann auf den 
abgelenkten Strahl eingestellt (oder in umgekehrter Reihenfolge). Die Einstellung 
auf den directen Strahl muss nattirlich vor Aufstellung des Objectes erfolgen oder 
nach Fortnahme desselben, so dass hier Repetitionen der Messungen ausgeschlossen 
sind. Die feine Einstellung erfolgt nach Anziehen der Klemme e durch die Mikro- 
meterschraube e\ Soll das Prisma vorher ins Minimum der Ablenkung gestellt 
werden, so geschieht solches natürlich mit gelöster Schraube ^ , oder wenn bereits 
die Richtung des directen Strahles bestimmt ist und in Folge dessen der Nonien- 
kreis nicht mehr gedreht werden darf, durch Drehen das Prismentisches oder auch 
des Prismas allein. 

Bei Messung von Linienabständen im Spectrum wird bei festgeklemmten 
Nonienkreis das Beobachtungsfernrohr mit dem Theilkreise bewegt und nach Lösung 
der beide mit einander verbindenden Klemme f allein zurückgedreht, so dass hier 
Repetitionen stattfinden können. 

SoUen Winkel an Prismen oder Krystallen gemessen werden, so werden 
diese, beziehungsweise das Beobachtungsfernrohr erst wie üblich so eingestellt, dass 
ein Spiegelbild des Spaltes das Fadenkreuz deckt, und sodann die Klemmen e 
und f angezogen, so dass Fernrohr und Theilkreis fest mit dem Stativ verbunden 
sind. Hierauf wird der Nonienkreis mit dem Prismentisch gedreht, bis das Spiegelbild 
an der zweiten Fläche wieder im Fadenkreuz eingestellt ist. Die feine EinsteUung 
kann hier nach Anziehen der Klemme h durch die Mikrometerschraube ä ' bewirkt 
werden. Zur Wiederholung der Messung löst man nun die Fernrohr und Theilkreis 
verbindende Klemme /"und dreht den Theilkreis mit dem Nonienkreis in die Anfangs- 
stellung zurück , hierbei zur feinen Einstellung nach Wiederanziehen der Ellemme f 
die Mikrometerschraube /*' benutzend. 

Das im Obigen beschriebene Instrument hat vor dem Meyerstein'scheu 


318 






Speotrometer den Vortheil, dass die zwei Theilkreise desselben dorch einen ein- 
zigen ersetzt sind, sowie dass zu allen Arbeiten das Beobachtnngsfemrohr in seinen 
Lagern bleibt und nicht mit verschiedenen Trägern verbunden zu werden braucht, 
welche beiden Vorzüge auch das Spectrometer von V. v. Lang besitzt; vor dem 
letzteren zeichnet sich das beschriebene Instrument dadurch aus, dass der Theilkreis 
nicht fest mit dem B eoba chtungs fem r obre verbunden und in Folge dessen das Re- 
pctitions verfahren möglich ist. 


Kleinere (Original-) Mltthellnngen. 

Das Präcisions-Rei^uetig. 

Von Ludmemr 3. L«hrke in CuHt. 

Das Präcisionereisszeug besteht aus einer 2 bis 4 cm langen cylinderförmigen Metall- 
öder Homlupe von 1 bis 2inii]iper VergrÖssenmg, mit 2 bis 3 em Durchmesser, anderen 
Mftntel eine Vorrichtung zum Einschieben und Befestigen einer Copimadel, eines Stell- 
zirkels u. 3. w. vorhanden ist, sowie aus den einzuschiehenden Keisszeugsbestandtheilen. 

Wfthrend jetzt der Baumeister bei der Verwendung des Millimeterpapieres Lupe und 
Nadel getrennt handhaben muss, während der Landmesser beim Gebrauche eines prisma- 
tischen Maassstabcs das Kartirea an feinen Theilungen höchstens nachtrSglich mit dem 
I auf seine Richtigkeit hin prüfen und die Stichpunkte mit der Nadel 
zu berichtigen d. h. von Neuem 
mit unbewaffiietem Auge einzu- 
stechen versucht, während der Gra- 
veur den Grahstichel schräg in der 
einen und die Lnpe in der anderen 
Hand halten oder unter einer auf 
drei Füssen stehenden grossen Lupe 
arlieiten muss, ist durch eine feste 
Verbindung der Lupe und der Nadel 
U.S.W, die Möglichkeit gegeben, mit 
einer Hand direct mit und unter der 
Glaslinse zu zeichnen. In neben- 
stehender Figur ist eine derartige 
Glas schrSg eingesetzt ist, damit 
:inB weitere 
, da die höchst einfache Einrichtung aus der Zeichnung 
nur, dass der etwas hervorragende Slift s neben dem 
. das Herunterfallen des auf einer geneigten Zeichen- 
II verhindern. 

m wird ein kleiner Stellzirkel b, welcher Längen bis 
zu 2 cm fasst, zur Auftragimg paralleler Breiten, zur Anfertigung verjüngter MaassstÄbe 
u. s. w. willkommen sein, wenn derselbe an Stelle der Nadel eingeschoben wird; desgleichen 
wird bei der Berechnung von Querprofilen auf graphischem Wege, zur Ablesung von Par- 
ze) lenbreiten , zwecks Flächenberechnnng oder Kartenrevisionen, ein 3 cm langes Elfen- 
lieinmaassstAbchen feiner Theiinng von prismatischer Form c unter einer Lupe B gute Dienste 
thun können, nur muss hier das Glas rechtwinklig zur Cylinderaxe stehen. 

Für Zeichner dürfte eine Parallelziehfeder (ähnlich der Fiffur b) die mehrere Striche 
gleichzeitig mit feinster Einstellung parallel giebt, oder eine Zeichenfeder, mit welcher 
die kleinsten Siguaturen (z. B. Grenzsteine) und Zahlen Schriften sauber und exact zur Dar- 



Lupe im Durchschnitt dargestellt, A, bei welcher di 
die Nadelspitze a im Brennpunkt liegt und das Gesichtsfeld erweitert 
Erklärung dürfte äberflüssig sei: 
deutlich hervorgeht. Bemerkt i 
Glase deshalb anzubringen ist, 
fläche ruhenden Instrumentehen! 
Architekten und Ingenic 


Siebenter Jahrg&ng. Juni 1887. Referate. 219 


Stellung kommen , die ähnlich wie die Nadel a zu befestigen ist und bei welcher der Cylinder 
zugleich als Federhalter dient, eine langersehnte Erleichterung bieten. 

So wird man noch eine ganze Reihe von Instrumenten mit der Lupe verbinden können ; 
z. B. werden Naturforscher ein kleines Messer oder eine Druckscheere unter dem Glase recht 
gut zu verwenden wissen. 

Um Verletzungen durch das Instnimentchen zu vermeiden, lege man stets den Cy- 
linder um; ausserdem empfiehlt es sich, auf den äusseren Mantel der Fassung, welche zweck- 
mässig schwarz lackirt wird, weisse Warnungspfeile in der Richtung der Instrumenten- 
spitzen anzubringen , da sonst die Augen durch unvorsichtige Handhabung leicht gefährdet 
werden. 


Referate. 

Chrundsätze ftr die Constniotion von Festigkeitsprttftmgs- Apparaten ftr Papier. 

Von Ing. A. Märten s. Papierzeitung 1886, No, 40. 

Nachdem auf Beschluss des Königl. Preuss. Staatsministeriums die Behörden angewiesen 
worden sind, in Zukunft nur solches Papier für den amtlichen Verkehr zu verwenden, das 
bestimmten Anforderungen bezüglich seiner Dimensionen, Dehnbarkeit, Festigkeit u. s. w. 
entspricht, ist die Papierindustrie mehr wie früher gezwungen, sich von der Güte und Zu- 
verlässigkeit ihres Fabrikates zu tiberzeugen. Nun giebt es aber nach Verf. unter den vor- 
handenen Prtifungsapparaten keinen, der in Bezug auf Billigkeit, Zweckmässigkeit und Zu 
verlässigkeit den Interessenten zur allgemeinen Verwendung als Controlapparat empfohlen 
werden könnte. Verfasser, welcher in seiner amtlichen Thätigkeit als Vorsteher der me- 
chanisch-technischen Versuchsanstalt in Charlottenburg den Gegenstand zu untersuchen 
hatte , macht daher die Mechaniker auf diesen Umstand aufmerksam und theilt die Grund- 
sätze mit, nach welchen derartige Prtifungsapparate zu construiren sind. 

Um für alle praktischen Bedürfnisse auszureichen, muss der Apparat zur Unter- 
suchung von Probestreifen von 50 bis 250 mm Länge eingerichtet sein. Diese Streifen 
sind erstens einer Kraftmessung, zweitens einer Dehnungsmessung zu unterziehen. — 
Für die Kraftmessung werden folgende Grundsätze aufgestellt: die Kraft, sowie die Rei- 
bungswiderstände, welche zufolge der Constniction des Apparates noch Einfluss auf die 
Messung haben können, müssen bis auf 1 bis 1,5 5o genau gemessen werden können. Der 
kraftmessende Theil des Apparates muss jederzeit leicht und zuverlässig untersucht werden 
können, vielleicht durch angehängte oder aufgesetzte Gewichte. Eine Kraftleistung des 
Apparates bis zu 25 kg genügt den gewöhnlichen Bedürfnissen der Praxis. Die Bestimmung 
bezw. die Ablesung der stattgefundenen Kraftäusserung muss mindestens bis auf 0,01 der 
zum Zerreissen des Probestreifens erforderlichen Kraft geschehen. Die Zunahme der Be- 
lastung des Streifens muss ohne Sprung stetig geschehen, um eine vorzeitige Zerstörung 
des Streifens zu verhindern. Die bis zum Bruch des Probestreifena erreichte grösste Kraft- 
leistung muss an einer Scale abgelesen werden können. Von einer automatischen Registrirung 
des Resultates ist zunächst abzusehen. — Für die Messung der Dehnbarkeit werden fol- 
gende Grundsätze entwickelt. Die Dehnung kann bei Anwendung sorgfältig ausgeführter 
Einspannvorrichtungen durch die Messung der gegenseitigen Verschiebung derselben erfolgen. 
Diese Verschiebung wird am Besten an einer Scale abgelesen, die einerseits nach Milli- 
metern, andererseits nach Procenten der Dehnung, bezogen auf einen normalen Probe- 
streifen von 180 mm Länge, getheilt ist. Wünschenswerth ist, dass bei Beginn der Prü- 
fung die Länge des Probestreifens zwischen den Einspannstücken abgelesen werden kann. 
Die Einspannstücke dürfen den Streifen in keiner Weise beschädigen; sie müssen ein 
völlig gerades Einspannen des Streifens gestatten, so dass seine Mittellinie mit der Kraft- 
mittellinie des Apparates zusammenfällt; es darf kein Gleiten des Streifens in den Backen 
der Einspannvorrichtung stattfinden; die Schliessung und Oeffiiung der Einspannbacken 


220 Referats. ZsiTBOHBirr fOb InTBUiavTcMKuiDB. 

muss schnell und sicher, wenn möglich durch einen einzigen Griff, stattfinden. — Zu be- 
achten ist noch, dass alle diejenigen Theile, welche durch das plötzliche Aufhören der 
Kraftäusserung im Streifen beim Bruch desselben heftigen Erschütterungen ausgesetzt sind, 
mit Sicherheitsvorkehrungen versehen werden müssen. W, 

Apparate zur Bestimmimg des Hämoglobingehaltes des Blutes. 

7(WiH6nocque. Compt Rend. 103. S, 817. (Vgl. auch: Notice surrhematoscope d'Henocqiie. 

Monographie. Paris, G. Masson.) 

Zur Bestimmung des Hämoglobingehaltes des Blutes werden meist Blutlösungen 
untersucht. Verf. benutzt zu diesem Zwecke das unvermischte Blut und bedient sich einer 
Vorrichtung, die er Hematoskop nennt und die in ähnlicher Form schon früher zur Unter- 
suchung anderer Flüssigkeiten Verwendung gefunden hat. — Zwei gewöhnliche Glasplatten 
werden so zusammengestellt, dass sie sich an der einen Seite bertihrei^ während sie an 
der anderen um 300 Mikron — in den oben angegebenen Quellen ist irrthümlich 30 Mikron 
angegeben, ein Irrthum, der auch in eine deutsche Fachzeitschrift übergegangen ist — 
von einander abstehen; dies ist dadurch erreicht, dass an der unteren Platte Messing- 
fassungen befestigt sind, in welche die obere mit etwas Reibung eingeschoben wird. Der 
so gebildete keilförmige hohle Raum wird mit einigen Tropfen des zu untersuchenden Blutes 
gefüllt und da die Dicke der Schicht von bis 0,3 mm wächst, <?o variirt auch die Fär- 
bung der Flüssigkeit vom hellsten bis zum intensivsten dunklen Roth; der prismatische 
Raum ist seiner ganzen Längenausdelmung nach durch eine auf der oberen Platte ange- 
brachte Millimetertheilung in 60 Theile getheilt, so dass die Dicke der Schicht pro Milli- 
meter um 5 Mikron wächst; man hat also für eine bestimmte Lage die Angabe der Milli- 
meterscale nur mit 5 zu multipliciren , um die Dicke der Schicht an der betreffenden Stelle 
zu erhalten. Bei der Untersuchung wird der Glaskeil auf eine weisse Emailleplatte ge- 
bracht, welche gleichfalls eine Millimetertheilung (von 1 bis 60) trägt, auf welche der Glas- 
keil so gelegt wird, dass die Endpunkte coincidiren; ausserdem ist noch eine empirische 
Scale aufgetragen, welche in Procenten den Hämoglobingelialt pro 100 Gramm angiebt. 
Man betrachtet nun durch das im Glaskeil befindliche Blut diese letztere Scale; je nach 
der Qualität und dem Hämoglobingehalte des Blutes wird die empirische Scale schwächer 
und schwächer durchscheinen, bis die Blutschicht bei einer bestimmten Dicke undurch- 
sichtig wird. Man ermittelt dann aus der Millimetertheilung die Dicke dieser Schicht und 
erhält aus der zuletzt sichtbar gewesenen Zahl der empirischen Scale den Hämoglobin- 
gehalt des Blutes in Procenten pro 100 Gramm. Die Vorrichtung kann bei diffusem Tages- 
licht als auch bei künstlicher Beleuchtung angewendet werden; letztere, welche auch 
Gebr. Mittelstrass bei einer ähnlichen zur Milchuntersuchung dienenden Vorrichtung ver- 
wenden, ist wohl vorzuziehen, da die Intensität des diffusen Tageslichtes variirt und die 
Durchscheinungsfähigkeit der Flüssigkeit doch auch von der Intensität des Lichtes abhängt. 

Zur spectroskopischen Untersuchung des Blutes wird die beschriebene Vorrichtung 
in mehreren Modificationen mit einem Spectroskop verbunden. Verf. hat zu diesem Zwecke 
den Optiker Herrn E. Lutz in Paris zur Construction mehrerer Hematospectroskqpe veran- 
lasst, die an sich nichts Neues bieten, deren (Construction aber doch kurz erwähnt werden soll. 
In der einfachsten Form wird ein Spectroskop ä vision directe auf einen der beschriebenen 
Glaskeile gerichtet; letzterer ruht auf einer Platte, die mittels Hülse und Klemmschraube an 
beliebiger Stelle eines cylindrischen Stativs festgeklemmt werden kann; der Glaskeil liegt 
lose auf der Platte und kann an passender Stelle durch zwei Federn festgehalten werden; die 
Platte hat eine centrische Durchbohrung, durch welche von einetn unten angebrachten Spiegel 
Licht auf den Keil fällt und die zu untersuchende Flüssigkeit durchdringt; das Spectroskop 
ist an demselben cylindrischen Stativ befestigt, welcher den Glaskeil trägt. In einer späteren 
Form des Apparates ist das Spectroskop um ein Chamier di-ehbar gemacht, so dass es sowohl 
vertical auf den Glaskeil , als auch horizontal auf eine in einem Glascylinder befindliche Con- 
trolflüssigkeit gerichtet werden kann; letzterer Cylinder ist am Fusse des Instrumentes auf 


8iebMit« Jtkqnc. 'ml 1S87. Bkfsratb. 221 

einem Schlitten angebracht nnd kann innerhalb gewisser Grenzen dem Spectroskop genShert 
und von ihm entfernt werden, Eine dritte, für Laboratorien und Unterrichtszwecke geeignete 
Moditication erlaubt dem Spectroskop jede beliebige Neigung einzunehmen; ausserdem kann 
dasselbe längs des Olaskeilcs mikromelriscb verschoben werden und endlich wird im Gesichts- 
felde des Speetroskopes ein Vergleichsspectrum entworfen. — Wie weit sieh die beschriebenen 
Instrumente in der Praxis bewähren werden , entzieht sich noch dem Urtheil , docli ist zu hoffen, 
dass der Verf. weite reMittheiKnigenhteriiber der wissenschaftlichen Weh nicht vorenthalten wird, 

W. 

Sie Hikrometflrbewegniig an den neneien Zeiu'aolien Btativen. 

Vim Dr. S. Czapski. Zeitschr. f. wissenschaftl. Mikroskopie. 3. S. 207. 

In den letzten .Jahren sind mehrfach Constnicfionen veröffentlicht worden, welche 
die Verbesserung der Feinliewegung des Tubus von Hfikroskopen anstrebten. Auch die 
Zeiss'sche Werkstatt bat nach dieser Kichtung bin Versuche angestellt. Das Resultat 
derselben ist eine Constniction, die nach längerer Erprobung im inncm Werkstattge- 
hrauch nunmehr für die grösseren Stative in Anwen- 
düng gebracht winl; eine kurze lleschreibung dieser 
Constniction wird ftir unsere I.eser von Interesse sein. 

Ein dreiseitiges massives l'risma C ist mit dem 
Objecttisch fest vcrscltraubt; an ihm führt sich ein 
entsprechend ausgebohrtes HoblprismaB, das* seinerseits 
mit dem Tubusträger A in festem Zusammenhange stellt. 
Die Vollkommenheit der Führung wird durcli eiue 
Mcssiuglamelle D venuiftelt, welche mittels eines Stiftes 
an dem Ilohlprisma befestigt ist und die dritte, federnde 
Innenseite dieses letzteren bihict. Das ei-sterwShnte 
massive l'risma ist an seinem oberen Ende auf eine 
Länge von etwa V.t mm stark abgekantet, das Ilohl- 
prisma B an der entsprechenden Stelle cylindri^cb aus- 
gehöhlt, so dass in dem so gebildeten Zwisclienmum 
für eine Spiralfeder l'lutz gewonnen ist. Die'.e Feder 
stützt sich unten gegen die dui-ch die Aushöhlung 
entstatulencn dienen Segmeute des llohlprisinas; von 
oben wird sie durch den vorstehenden Kand einer in 
das massive l'risma eingesehraubten l'latte E zu- 
sammengehalfo.-!!. Das Ilohlpristna selbst ist oben durch 
ein Messingstilek F geschlossen, in welchem sieh die 
Mikrometerschraube lieliiidet. Letztere hat oben einen 
glockenfiinnigi-n Kopf; an ihrem unteren Ende ist hie 
durch eine kleine Gegenuuittcr davor geschützt, einmal 
aus Versehen ganz herausgedreht zu wei-den; dieses 
untere Ende der Schraubenspindel ist halbkugelig ab- 

geniudet und stützt sich gegen die eben abgeschliffene < Hie ifl nebe eines glasharten Stahl- 
cylinders, der in die im massiven l'risma eingeschraubte Platte E fest eingelassen ist. 
Der Spielraum für die Bewegung der Kchraulie ist mir .^ mm, was für alle praktischen 
Zwecke geniigen dürfte. — Eine an der Kückwaud des Ilohlprismas angebrachte Klemm- 
schraube K dient dazu, das Prisma in belielüger Lage, z. B. beim Transport, festzu- 
klemmen und so den Schraubeumeehanismus gegen gewaltsinne Einwirkungen zu schützen. 

Der Ap^iarat functionirt in folgender Weise: Die Mikrometerschratibe bleibt bei 
ihrer Drehung an derselben Stelle, gegen das massive Prisma gestützt. Die Mikrometer- 
mutter dagegen gleitet über die Schraube hin und hebt oder senkt den fest mit ihr ver- 
bundenen Tubnsträger. Das Eigengewicht des letzteren wirkt der Hebung entgegen^und 


222 Neu ebbchxemknb Bücreb. Zsitschbift tür iNsnDimrrBKKDirDB. 


vertritt die Stelle der sonst meist angewandten starken Spiralfeder. Die schwache Spiral- 
feder des Apparates fimctionirt in gleichem Sinne wie das Eigengewicht des Tubusträgers 
und dient dazu, letzteres zu ersetzen, wenn der Obertheil des Mikroskopes horizontal 
gestellt ist. Damit einer rechtsseitigen Drehung des Schraubenkopfes eine Senkung des 
Tubus entspreche, hat die Mikrometei-schraube ein linkes Gewinde. W. 

Yerbindimg der Eisenoonstraotionen eines Hanaes mit dem Blitzableiter. 

Coniptes Bendus. 103. S. 1109, 

Auf Anfrage des französischen Cultusministere bei der Akademie der Wissenschaften, 
ob es nöthig sei, die in einem Hause vorhandenen gi'össeren metallenen Constructionen, 
wie eiserne Träger, eiserne Treppen, Gas- und Wasserleitungsröhren u. s. w. mit dem Blitz- 
ableiter in leitende Verbindung zu setzen, was oft nicht ohne bedeutende Kosten möglich 
sei, hat sich eine zur Prüfung dieser Frage gebildete Commission bejahend ausgesprochen. 
Anderenfalls könne ein Blitzableiter leicht gefährlich werden; gäbe es auf einem Gebäude 
mehrere Blitzableiter, so seien die Eisenmassen womöglich mit mehreren der nächstbe- 
findlichen zu verbinden. Vorausgesetzt sei , dass der Blitzableiter selbst sich in untadel- 
haftem Zustand befinde und dass das Grundwasser, mit dem er in Verbindung stehe, im 
Laufe des Jahres nie verschwinde. Kn, 


HTeu erselilenene Bfieher. 

Vierstellige Logarithmisch- Trigonometrisohe Tafeln. Von Prof. Dr. Th. Wittstein. Zweite 

Aufl. 20 S. Hannover, Hahn. 

Dass viei-stellige Logarithmen eine noch viel weitere Anwendung vei'dienen, als sie 
jetzt erfahren, ist sclion von mehreren competenten Rechneni hervorgehoben worden. 

Die vorliegende kleine Sammlung von Tafeln zeichnet sich vor manchen anderen 
z. B. der B rem ik er' sehen durch den unvergleichlich viel besseren Druck aus. In der 
neuen Auflage ist wie in der Bremiker' sehen Tafel die nachahmcnswerthe Einrichtung ge- 
troffen worden, ausser den Logarithmen der Zahlen 10 bis DO (mit zweistelliger Haupt-Man- 
tisse) noch eine Tafel der Logarithmen von 100 bis 180 (mit dreiziff'riger Mantisse) beizufügen, 
so dass die TiOgarithmen dieser Zahlen, welche wegen der grossen Differenzen sonst sehr un- 
sicher sind, nun mit derselben (3enauigkeit und selbst geringerer Mühe abgelesen werden 
können, als die der höheren Zehner, 80 bis 00. Ausserdem sind Proportional -Täf eichen hin- 
zugefügt worden. Cz, 

W. Behrens. Tabellen zum Gebrauch bei mikroskopischen Arbeiten. Braunschweig. 
H. Bruhn. M. 2,40. 

C. Jelinek. Psycln-ometer- Tafeln für das hunderttheilige Thennometer. Leipzig. Engel- 
mann. M. 3,00. 

E. van AubeL Quelques mots sur la transparence du platine, et des miroirs de fer, nickel, 
cobalt obtenus par relectrolyse. Bruxelles. M. 0,00. 


Pmtentschmu. 

Besprechungen und Auszüge aus dem Patentblatt. 
Cycloidenschreiber. Von F. Schäffcr in Eiscuach. No. 38024 vom 6. Juli 1886. 

Wird der Kegel c mittels des Schiebers A an dem durch eine Feder angedrückten Lineal » 
entlang gerollt, so zeichnet der im Arm m befcvstigte Schreibstift n die Cycloidc auf. Der 
obere Kegeldrchzapfen, welcher in dem Steg h befestigt ist, der die an dem Schieber h be- 
festigten Säulchcn g und f (Fig. 2) mit einander verbindet, ist nämlich mit dem durch h 


Terstellbaren Kiirbelzapfen k verBehen, der den Ann m bewegt, und der letztere ist mittels des 
um die Aze des Säulchens / beweglichen Lenkers i parallel geführt. Der Lenker i ist in gleicher 



Weise verstellbar, wie t. Die Art der Einsteltong 

ist aus der Zeichnung leicht ersicIitliGh. „ , 

RcetieMpiMrat von Ph. Claudel in V^coui, Frankreich. No. 37922 vom 25. Juni 1886. 

Der Apparat beateht aiiB dem quadrillirten Quadrat D HJj und dem um d drehbaren Lineal F, 
welches in der jeweiligen Stellung durch Beibung festgehalten wird. Hierzu dient die Schleif- 
feder r, welche gegen den mit dem Stütsarm O versehenen Bogen E drückt. Mit Hilfe dieses 
Apparates sollen Multiplicationen, Divisionen u. dergl. ausgeführt, trigonometrische Functionen 
bestimmt werden u. «. m. Die Rgnr zeigt die Stellung des Lineales für Multiplicationen mit dem 


Factor ä (das Product wird auf /'J// abgelesen), und für die Ablesung der trigonometrischenFunctionen 
des Winkels von 37°. (Vergl. die Kl. Mitth. auf S. 163 des Jahrganges 1Ö85 dieser Zeitschrift) 

Ffir die Workstatt. 

HirtMltUI. Von Fr. Kick. Technische Blätter. 1886. S. 169. 

Mittel Eum Scliweissen und Härten von Stahl werden häufig mitgetheilt, gewöhnlich je- 
doch, gewissermaassen als Geheimmittel, ohne Angabe der Zusammensetzung. Verfasser hat an der 


2^ FüB DIE Werkstatt. ZBrnciiBirr füb Ihstsi 

■ '■ - ... 

oben angegebenen Stelle einige Mittel , sowie deren Zusammensetzung angegeben , über die einige 
Notizen nicht ohne Interesse sein werden. 

Beim Schweissen kommt es darauf an, die beim Glühen oxydirten Oberflächen rein metal- 
lisch aneinander zu fügen; dies geschieht durch das Dazwischenbringen von Substanzen, welche 
sich mit dem entstandenen Oxyde (Eisenoxydoxydul) zu einer leichtflüssigen Schlacke verbinden, 
die dann durch Hammerschläge herausgepresst wird. — Beim Härten dagegen' hat jedes Mittel 
den Zweck, einerseits die durch längeres Glühen unter Zutritt des Sauerstofltes der Luft eintre- 
tende stärkere Oxydation und Entkohlung der Oberfläche zu verhindern oder gar eine weitere 
Aufnahme von Kohlenstoff zu vermitteln , andrerseits die Art und Geschwindigkeit der Abkühlung 
— meist durch die Härteflüssigkeit — zu regeln. 

Da unsere Fachgenossen im Allgemeinen mit dem Schweissen wenig zu thun haben , würde 
eine Aufzählung der hierauf bezüglichen Mittel zu weit führen und es muss in dieser Hinsicht auf 
die angeführte Stelle verwiesen werden. 

Die Mittel zum Härten von Stahl bestehen sämmtlich der Hauptsache nach aus Sub- 
stanzen, welche die Kohlung des Stahls erhalten und erhöhen, nämlich organischen Substanzen 
(Fette, Harze, Klauenpulver, Homspäne) oder. Blutlaugensalz, einzelne mit Beimengimgen von 
Salpeter und Salmiak, wohl um die Mittel am Stahl bis zum Ablöschen festzuhalten oder durch 
Verdampfung (Salmiak) die Oxydation zu vermindern. Dazu treten noch bei einigen Härtewasser- 
mischungen, welche aus Lösungen verschiedener Salze bestehen. Ueber die Vorzüge dieser zu- 
sammengesetzten vor den längst angewendeten einfachsten Mitteln fehlen Mittheilungen aus der 
Erfahrung. 

In den Werkstätten für Feinmechanik wird zur Herstellung von Werkzeugen, Drehstählen 
und anderen Gegenständen, die durchweg hart sein müssen, Gussstahl guter Qualität verarbeitet 
und die Härtung in Holzkohlenfeuer vorgenommen, so dass bei richtiger Handhabung des Pochers 
oder Gebläses, sowie der Kohlenpackung, vor allem aber bei Vermeidung zu hoher oder un- 
gleicher Erwärmung eine gute Härtung auch ohne Härtemittel in reinem Wasser erzielt werden 
kann. Die Erfahrung jedes Werkstattinhabers aber lehrt, dass von vielen ausübenden Mechanikern 
in den genannten Punkten grobe Fehler gemacht werden und dass besonders Drehstähle, von 
deren Härte und Zähigkeit die quantitative Leistung an der Drehbank in hohem Grade abhängt, 
oft mehr oder weniger, besonders an den Spitzen verbrannt sind und, um überhaupt benutzbar 
zu sein, stark angelassen werden müssen. Man kann aber Stähle, welche bei der, der betreffenden 
Stahlsorte zukommenden niedrigsten Härtetemperatur gehärtet sind, glashart verwenden. Sie 
haben in diesem Zustande einen sehr hohen Grad von Festigkeit und Zähigkeit. Ein sehr ein- 
faches Mittel, um eine gleichmässige Glashärte bei möglichst niederer Härtetemperatur zu erzielen, 
den Stahl vor Oxydation, Entkohlung und erheblich ungleicher Erwärmung verschiedener Theile 
zu schützen, lässt zugleich ohne Weiteres erkennen, ob und wie weit die völlige Härtung statt- 
gefunden hat. Das Mittel ist vom Ref. namentlich auch beim Härten feinerer Werkzeuge mit 
Spitzen und Erhöhungen, wie Gewindebohrer u. s. w. mit stets gutem Erfolge angewendet und 
besteht in der Umhüllung des zu härtenden Gegenstandes mit einem dickflüssigen Brei von grobem 
Roggenmehl und Kochsalz. Man taucht die Gegenstände hinein und ei*wärmt sie über der Lampe, 
bis sich eine Ibraune Kruste bildet. Bringt man sie dann in Kohl^nfeuer, so werden die hervor- 
ragenden Ecken , Spitzen und Schneiden durch den schlecht leitenden porösen , aber fest haftenden 
Ueberzug gegen zu schnelle und hohe Erwärmung sowie gegen Oxydation und Entkohlung ge- 
schützt. Das Ablöschen erfolgt in einer starken Kochsalzlösung und der Stahl erscheint, soweit 
die Härtung reicht, weissgrau, der Ueberzug ist hier abgesprungen. Schneidewerkzeuge kann 
man nach gehöriger Schärfung ohne Weiteres in Gebrauch nehmen. Gewindebohrer, die im All- 
gemeinen sehr stark beansprucht werden, lässt man schwach an. 

Selbstredend sind bei Härtung von Gegenständen, bei welchen es weniger auf hohe 
Härte als auf grosse Elasticität ankommt (Federn u. s. w.), sowie bei Härtung sehr dünner Gegen- 
stände ändert Methoden der Erwärmung und des Ablöschens (Ablnrennen in Gel, Abkühlen in 
Oel u. s. w.) am Platze, besonders da, wo es sich nicht um Härtung grösserer Mengen handelt. 
Für die Härtung einer grösseren Zahl kleiner Gegenstände würde immer das Einsetzen derselben 
in geschlossene Büchsen mit Kohlenpulver oder Lederkohle vorzuziehen sein. P. 


Nachdruck t erboten. 


Verlag von Julius Springer in Berlin N. — Druck von Outtav Lange Jetat Otto Lange in Berlin NW. 


Zeitschrift fllr Instrumentenkunde 

Redactuma - Cura torium : 
Geh. Reg.-R. Prof. Dr. H» Landolt^ R» Fuess^ Reg.-Rath Dr. L. Loewenherz^ 

Vortitaender. Belaitser. Bchrlftfflhrer. 


Eedaction: Dr. A. Leman und Dr. A. Westphal in Berlin. 


VII. Jahrgang. Juli 1887. Siebentes Heft. 


Ueber Pernrolirobjective. 

Von 
Ingenieur C Moser in Berlin. 

In Fachschriften erscheinen von Zeit zu Zeit Publicationen, durch welche 
neue Constructionen von Fernrohrobjectiven vorgeschlagen werden. In den meisten 
Fällen stellen sich diese neuen Constructionen als schon früher gemachte Vorschläge 
heraus*), die in Folge von irgend welchen denselben anhaftenden Mängeln sich 
nicht in der praktischen Optik eingebürgert haben. Es wird daher nicht überflüssig 
sein, die hauptsächlichsten im Laufe der Zeit gemachten Vorschläge zusammenzustellen 
und eine Prüfung der so bestimmten Objectivconstructionen auf ihre wesentlichen 
Eigenschaften zu ermöglichen. Indem dies in nachstehendem Aufsatz geschieht, 
werden zugleich dem Optiker die Mittel geboten, für irgend welche Gläser sowohl 
ieden dieser Constructionstypen zu reconstruiren, als auch ganz neue beliebig viele 
Einzellinsen enthaltende Formen zu errechnen, welche durch die jeweilige Wahl 
der Bedingungen, denen genügt werden soll, bestimmt sind. 

Die mathematische Natur der Aufgabe, einen Constructionstypus zu bestimmen, 
erfordert eine Gleichheit der Anzahl der disponiblen Elemente und der Anzahl der 
zu erfüllenden Bedingungen. Es sind zunächst diese disponiblen Elemente und 
die zu erfüllenden Bedingungen näher ins Auge zu fassen. 

Die dem Optiker zur Verfügung stehenden Elemente sind von dreierlei 
Art, nämlich: 

1. die Linsenradien, 

2. die Oerter der brechenden Flächen, d. i. Linsendicken und Abstände, 

3. die Linsensubstanzen. 

Den grössten Spielraum in der Wahl gestatten die Linsenradien, welche alle 
beliebigen Werthe zwischen — oo und +oo annehmen können. Nur die in sehr 
grosser Nähe von gelegenen Werthe gestatten keine Verwerthung in der Praxis, 
da sie unter sonst gleichen Umständen zu kleine Linsendurchmesser, also zu geringe 
Helligkeit der Bilder mit sich füliren würden. Man hat als kürzesten zulässigen 
Radius den Werth Y15 der Brennweite des Objectivs eingeführt, doch dürfte in 
den meisten Fällen sich ein solcher Radius schon als zu kurz erweisen, und es 
lässt sich mit allgemeiner Giltigkeit keine derartige Verhältnisszahl für die Zulässig- 
keit eines Radius festsetzen. Vielmehr ist in jedem speciellen Falle nach erfolgter 
Bestimmung der Radien noch eine besondere Untersuchung zur Festsetzung der 
grössten zulässigen Linsendurchmesser erforderlich. 


^) Vergl. das Referat im Septemberheft d. vorigen Jahrg. dieser Zeitschr. 1886. S. 317. 

19 


226 Mober, FEBmOHBOBJECriTB. ZciTSCHRIFT fOb IXSTBUlfKiraWKUKDB. 


Viel beschränkter ist der Spielraum in der Wahl der Dicken und Abstände. 
Diese müssen zunächst immer positives Vorzeichen haben, denn die einzelnen 
brechenden Flächen müssen im Sinne der Fortbewegung des Lichtes aufeinander- 
folgen. Sieht man ferner von dem dialy tischen Objectiv ab, welches in Nach- 
stehendem nicht berührt werden wird, so sind ausserdem aus mehrfachen, hier 
nicht näher zu erörternden Gründen die zur Verfügung stehenden Dicken und Ab- 
stände nur kleine. Dieselben können beim Fernrohrobjectiv eine Ordnung tiefer 
als die Durchmesser oder zwei Ordnungen tiefer als die Radien vorausgesetzt werden. 
Da nun in den strengen dioptrischen Formeln, welche die Eigenschaften des Ob- 
jectivs bestimmen, Radien und Dicken neben einander in gleichen Potenzen auf- 
treten, so folgt, dass beim Fernrohrobjectiv auf diese Eigenschaften in erster Linie 
nur durch die Radien eingewirkt werden kann. 

Die Wahl der Linsensubstanzen ist gleichbedeutend mit einer Wahl der 
Brechungs- und Dispersionsverhältnisse. Hier ist das Intervall, innerhalb dessen 
gewählt werden kann, ebenfalls ein sehr beschränktes. Zieht man als Linsensubstanz 
bloss optische Gläser in Betracht, so kann nach dem Jenaer Katalog der Brechungs- 
index für den hellsten Strahl jeden beliebigen Werth zwischen -hl,5 und 4-2,0 an- 
nehmen. Ist einmal dieser Brechungsindex fixirt, so ist nochmals ein weit kleinerer 
Spielraum in der Wahl des Brechungsindex für eine zweite Farbe gestattet. Ist 
auch dieser bestinmit, so ist abermals ein kleineres Intervall für die Wahl des 
Brechungsindex einer dritten Farbe und hiernach endlich ein wieder kleineres 
Intervall für die Wahl des Brechungsindex einer vierten Farbe vorhanden. Durch 
die Brechungsindices von vier Farben oder durch die vier Constanten einer ent- 
sprechenden Dispersionsformel aber ergeben sich die Brechungsverhältnisse aller 
übrigen Farben bei einem optischen Glase als Function der Wellenlänge mit einer 
Genauigkeit bis zu annähernd einer Einheit der fünften Decimale, und es darf an- 
genommen werden, dass unter dieser Grenze liegende Differenzen in den Brechungs- 
verhältnissen die Eigenschaften des Fernrohrobjectivs nicht mehr in praktisch 
wahnichmbarer Weise beeinflussen. Man kann also sagen, dass mit jeder Glasart 
vier willkürliche Grössen in den Brechungsverhältnissen eingeführt werden, und 
wenn der optische Rechner und der Glasschmelzer einander Hand in Hand arbeiten, 
so können diese vier Grössen innerhalb der angegebenen Intervalle als vollständig 
disponibel betrachtet werden. Ausserdem aber führt, wie oben erörtert wurde, 
jede Linse zwei disponible Grössen in den Radien und zwei dispomble Grössen in 
den Scheitelörtern mit sich, also zusammen acht veränderliche Grössen für jede 
Linse oder 8 k veränderliche Grössen für ein System von k Linsen. Zwei Objectiv- 
systeme von je k Linsen können sich also in 8 Ä von einander unabhängigen Be- 
dingungen von einander unterscheiden. Natürlich ist hierdurch nicht gesagt, dass 
ein aus k Linsen bestehendes System thatsächlich auch die Erfüllung von 8 k be- 
liebig formulirten Bedingungen gestatte, denn dies würde erfordern, dass auch ne- 
gative Dicken und für jedes Glas für vier Farben beliebig zwischen — cxd und 
4 CO gelegene Brechungsindices gewählt werden könnten. Es folgt daraus, dass 
in der Praxis die Erfüllimg von 8 k Bedingungen im Allgemeinen mehr als k Lin- 
sen erfordert. 

Nach den vorstehenden Erörterungen ist es für die Berechnung eines Linsen- 
systems nicht angezeigt, die Brechungsverhältnisse und Dicken in allgemeiner Weise 
als Unbekannte einzuführen, deren Bestimmung auf analytischem Wege angestrebt 
wird, denn ein derartiges Verfahren würde auf unmögliche Werthe für diese Grössen 


Siebenter Jalugang. Jali 1887. ^08EB, FERNBOHBOBJECTlve. 227 

führen. Vielmehr wird der Rechner nur die Radien in allgemeiner Weise als Un- 
bekannte betrachten und die Zahl der zu erfüllenden Bedingungen von vornherein 
nur gleich der Zahl der Radien setzen. Wird dann diese Rechnung unter Zugrunde- 
legung verschiedener im Bereiche der Möglichkeit liegender Dicken und Brechungs- 
verhältnisse wiederholt, und werden die jedesmal bestimmten Linsencombinationen 
auf ihre Beziehungen zu weiteren Bedingungsgleichungen untersucht, so können auf 
indirectem Wege die Brechungsverhältnisse und Dicken ermittelt werden, welche 
eine Erfüllung dieser weiteren Bedingungen ermöglichen. 

Was nun die an das Linsensystem gestellten Bedingungen selbst anbelangt, 
so sind dieselben wieder von verschiedener Art, nämlich: 

1. fundamentale auf Bild ort und Bildgrösse bezügliche, 

2. für die Vollkommenheit des Bildes wesentliche, 

3. zur Erreichung technischer Vortheile dienende und unwesentliche Be- 

dingungen. 

Indem wir nun dazu schreiten, die verschiedenen Bedingungen zu präcisiren 
und die ihrer Erfüllung entsprechenden Gleichungen anzusetzen, werden wir zunächst 
die Linsendicken und Abstände als verschwindend klein betrachten. Der Annahme 
kleiner endlicher Dicken gegenüber entsteht hierdurch keine Einbusse an dispo- 
niblen Elementen im Verhältniss zu den unerlässlichen fundamentalen und für die 
Bildvollkommenheit wesentlichen Bedingungen, da auch die Anzahl dieser Be- 
dingungen eine entsprechend kleinere wird. Dagegen gewinnt auf diese Weise die 
Rechnung sehr erheblich an Bequemlichkeit und Ueb ersichtlichkeit, und wir werden 
später sehen, in welcher Weise den mit den endlichen Dicken hinzutretenden weiteren 
Bedingungen, deren Erfüllung erforderlich wird, durch Wahl der Dicken Rechnung 
zu tragen ist und welche Modificationen die für verschwindende Dicken bestimmten 
Radien erleiden müssen, um den für bestimmte endliche Dicken geltenden Be- 
dingungsgleichungen zu entsprechen. 

Bekanntlich schliesst die Kenntniss der Fundamentaleigenschaften eines 
Linsensystems drei Bedingungen in sich, als welche zweckmässig die Bestimmung 
der Lage des einen Brennpunktes und der beiden Hauptpunkte gewählt werden. 
Beim astronomischen Femrohrobjectiv, wo bloss die in der zweiten Brennebene 
liegenden Bilder in Frage kommen, genügen schon zwei Bedingungen, etwa die 
Fixirung der Lage des zweiten Brennpunktes und des zweiten Hauptpunktes. Ist 
insbesondere das Femrohrobjectiv ein System unendlich dünner in Contact befind- 
licher Linsen, so fallen jederzeit die Hauptpunkte mit dem Scheitel des Objeetivs 
zusammen und der Abstand des zweiten Brennpunktes vom Scheitel stellt die zweite 
Brennweite dar. 

Unterscheiden wir in der Reihenfolge, in welcher das Licht die einzelnen 
Linsen durchläuft, diese Linsen und die Bestimmungselemente derselben durch die 
Ordnungszeiger 1, 2, 3, u. s. w. (welche den betreflFenden Grössen unten rechts 
angefügt werden und aussagen, dass sich eine Grösse auf die erste, zweite, dritte, 
u. s. w. Linse bezieht) und bezeichnen wir mit: 

n den Brechungsindex der Linse für den hellsten Strahl, 

— den ersten Radius der Linse, 

r ' 

— - den zweiten Radius der Linse, 

-j die zweite Brennweite einer Einzellinse, 

19* 


228 Moser } Febnrorrobjectivk. ZcmcHBirT für Ihstki 

-j die zweite Brennweite des ganzen Objeetivs, 
so ist bekanntlich für das unendlich dünne Linsensystem: 

a) Z = (n-l)(r — r-), 

1) ^=2 l, 

in welche Summa tion für jede Einzellinse ein Glied mit entsprechendem Ordnungs- 
zeiger einzuführen ist. Die vorstehende Gleichung 1) stellt die auf die Funda- 
mentaleigenschaften des Objeetivs bezügliche Bedingung dar, deren Einführung 
in die Rechnung unerlässlich ist. 

Die Bedingungen, welch edie Vervollkommnung des Bildes bezwecken, zer- 
fallen in Bedingungen für die Aufhebung der chromatischen und Bedingungen 
für die Aufhebung der sphärischen Abweichung. 

Die chromatische Aberration für eine bestimmte (vom hellsten Strahl ver- 
schiedene) Farbe in Beziehung zum hellsten Strahl ist bestimmt, wenn das Linsen- 
system für diese neue Farbe ebenfalls in seinen Fundamentaleigenschaften be- 
stimmt ist. Dies erfordert beim unendlich dünnen Linsensystem die Erfüllung 
einer weiteren Bedingung. Ist n' der Brechungsindex für die zweite Farbe und 
wird nach Formel a) V mit nf ebenso gebildet wie l mit n und auch S V der S l 
entsprechend, so ist /"' = 2 i' die reciproke Brennweite für diese zweite Farbe und 
die chromatische Abweichung für diese Farbe verschwindet, wenn 

2) SZ — SZ' = 0. 

Die Aufliebung der chromatischen Abweichung für eine dritte Farbe des Brechungs- 
index n" erfordert in gleicher Weise die Erfüllung von 

3) SZ — SZ'' = 0, 

wenn ^l" conform mit SZ und /" mit w'' nach Formel a) gebildet wird. 

Die Aufhebung der chromatischen Abweichung für eine vierte Farbe würde 
die Erfüllung einer den vorstehenden analogen Gleichung erfordern, doch wird in 
der Praxis die Nothwendigkeit der Berücksichtigung einer weiteren Farbengleichung 
nicht leicht eintreten, da bei der strengen Vereinigung von drei zweckmässig ge- 
wählten Strahlen die noch bleibenden Abweichungsüberreste der andern Farben 
ziemlich unschädlich sein dürften. Zu bemerken ist jedoch, dass das Neben- 
einanderbestehen der Gleichungen 2) und 3) nicht mit allen beliebigen Glasarten, 
namentlich nicht bei ausschliesslicher Verwendung von Silicatgläsern möglich ist, 
wenn nicht die Einzellinsen sehr kurze Brennweiten oder die Radien sehr starke 
Krümmungen erhalten sollen, in welchem Falle eine praktische Verwerthung der 
errechneten Linsencombination ausgeschlossen ist. Dagegen ist die gleichzeitige 
Erfüllung der beiden Gleichungen mit ziemlich vielen der neuen Jenaer Gläser 
möglich, ohne dass der genannte Nachtheil in allzu starkem Maasse auftritt. Insbe- 
sondere führt bei einigen dieser Gläser schon eine binäre Linsencombination, welche 
der Bedingung 2) genügt, die Erfüllung der Bedingung 3) von selbst mit sich und 
daher kann bei der Anwendung solcher Gläser in dem erwähnten Falle von einer 
Einführung der Gleichung 3) in die Rechnung abgesehen werden. 

Schwieriger als es für die chromatische Abweichung der Fall war, gestaltet 
sich die Aufstellung der Bedingungsgleichungon für die Aufliebung der sphärischen 
Abweichung. Es ist hierzu nothwendig, die sj»härische Abweichung als Function der 
n, r, l darzustellen. Die allgemeine (d. i. zur Axe des Linsonsysteins windschiefe) 


Siebenter Jahrgang. Juli 1887. MoBEB, FernbohbobjeCTIVE. 229 

Lage des Lichtstrahles macht eine etwas weitläufige Bezeichnung nothwendig. Wir 
führen ein Coordinatensystem ein, bei welchem die Axe des Linsensystems mit der 
Axe der Coordinaten zusammenfällt; der Scheitel des Linsensystems bildet den An- 
fangspunkt in dieser Axe. Eine feste, aber ganz beliebig gelegene durch die Axe 
gehende Ebene gilt als Anfangsebene. Irgend ein Punkt P{x,y,cp) des Raumes 
ist alsdann durch drei Coordinaten bestimmt, nämlich: 

X = Abstand der durch den Punkt im Räume zur Axe 
senkrecht gelegten Ebene vom Anfangspunkte, 

y = directer Abstand des Punktes von der Axe, 

^ = Winkel, den y mit der Anfangsebene bildet. 
Irgend ein Lichtstrahl wird durch zwei seiner Punkte bestimmt und als 
solche wählen wir den Punkt P{x,y,0) in welchem er die Anfangsebene schneidet 
und den Punkt Q(0,Y],t];), in welchem er die durch den Anfangspunkt zur Axe 
senkrecht gelegte Ebene durchstösst. Endlich wird der Punkt P(x,y, 0) als leuch- 
tender Punkt d. i. Convergenzpunkt eines Bündels einfallender Strahlen ange- 
nommen. 

Nun sei P* (x*, y*, 0) der nach den Fundamentalgesetzen dioptrischer Systeme 
zu P(x,y,0) conjugirte Punkt, welcher mit diesem und der Axe immer in einer 
Ebene liegt. Der irgend einem einfallenden Strahl PQ entsprechende austretende 
Strahl wäre in der Bildebene frei von Abweichung, wenn er durch P* ginge. Dies 
ist im Allgemeinen nicht der Fall. Der Durchstosspunkt des austretenden Strahles 
mit der durch P* zur Axe senkrecht gehenden Ebene hat vielmehr von P* einen 
kleinen Abstand AiS», welcher die lineare Seitenabweichung heisst. Sind yj, oder der 
Abstand des Einfallspunktes von der Axe und ^ = ^/x, oder der anguläre Abstand 
des leuchtenden Punktes von der Axe kleine Grössen von der ersten Ordnung, 
so setzt sich A5 aus Grössen der dritten und höherer Ordnung zusammen, und 
die Glieder der dritten Ordnung bilden die sogenannte sphärische Abweichung 
erster Ordnung. Denkt man sich A5 in zwei zu einander senkrecht stehende 
Componenten AY und AZ zerlegt, von denen die erste parallel, die zweite senkrecht 
zu y gerichtet ist und wird zur Abkürzung: 

m = .-, und 

« — 1 ' 

Aj = Ai -f- li 
A3 — - Aj -|- tj 
A4 ■= A3 -f- (3 
u. s. w. u. s. w. 

gesetzt, so ist die sphärische Abweichung erster Ordnung bestimmt durch ^): 
A y = — ^ (y]« cos tpS A — yfi; (1 -f 2 cos« f^) HB -f y]^» cos ?J> SCJ 

A Z = 'l* [y]« sin (|;S A — 2y]«^ sin cp costp S5 + >J?' sin f^ SDJ , 


wo 

I 
I 


2X = Sa — - [426 — ßiy] + i [2SC — 3Sq, 


X ^ ^ ^ ^ x^ 


Sß = S5 — ^[SC — S/], 


*) Für die Begründung der nachstehenden Formel inuss auf des Verfassers Grundformeln 
der Dioptrik, Prag 1881 im Verlage der K. K. 0. Ges. der Wissenschaften, verwiesen werden. 


290 Moses ) Fernrohrobjective. ZcnHOHRirT wHb. iNSTRüusHTBinnTirDK. 


m ' 


und 


a = (3 — -^) Zr« — (3 m — 1) Z V — 4 (2 — ^) X ir 

-h mZ» -h (4w — 1) XZ« 4- (5 — -|-) X"Z, 

6 = (2 — -i-) Zr — w Z« — (3 — -^) X Z 

zu substituiren ist. Hier ist bei der Bildung der Summationen für jede Linse ein 
Glied einzuführen, wobei die Grössen n, r, Z, X den Ordnungszeiger der Linse er- 
halten müssen. 

Die Bedeutung der vorstehenden Formel besteht darin, dass die unter den 
Summationszeichen stehenden Grössen unabhängig von der Lage des leuchtenden 
Punktes und des einfallenden Lichtstrahles sind, und nur abhängig von den Be- 
stimmungselementen des Linsensystems. Kennt man somit für ein gegebenes System 
die Werthe dieser Summationen, so bestimmt sich mit grosser Leichtigkeit zu jedem 
einfallenden Strahl die Abweichung des entsprechenden austretenden Strahles. 

Es sollen nun einige specielle Fälle betrachtet werden. 

Liegt der leuchtende Punkt in der Axe , so ist y = zu setzen und es er- 
giebt sich für die Seitenabweichung: 

Dieser Werth verschwindet für jedes yj, d. i. für jeden einfallenden Strahl, wenn: 

4a) S^ = 0. 

Liegt der abzubildende Punkt in der Axe unendlich fern, so ist cc = 00, 
Yj; = und es folgt ^A = Sa; die Bedingung, dass der zweite Brennpunkt frei 
von sphärischer Abweichung erster Ordnung sei, ist somit: 

4) Sa = 0. 

Denkt man sich bei einem Objectiv, welches im zweiten Brennpunkt frei 
von sphärischer Abweichung (aplanatisch) ist, den leuchtenden Punkt von seiner 
unendlich fernen Lage aus nach dem Objectiv zu fortschreitend, so wird das Bild 
des leuchtenden Punktes nicht mehr abweichungsfrei sein; es wird vielmehr eine 
sogenannte sphärische Ueber- oder Untercorrection auftreten, je nachdem S^i einen 
negativen oder positiven Werth annimmt. An der Bildung des Werthes von SA 
wird nun zunächst das mit der ersten Potenz von Y, proportionale Glied hervor- 
ragenden Antheil nehmen; erst später wird auch das mit der zweiten Potenz dieser 
Grösse proportionale Glied erhebliche Beträge annehmen und zuletzt, d. i. wenn 
der leuchtende Punkt in grosser Nähe des Objectivs anlangt, wird dieses zweite 
Glied das erstere überwiegen. Verschwindet ausser Sa auch das mit der ersten 
Potenz von Yx proportionale Glied oder ist 

5) 4S6 — (SZ)«.= o, 

so ist das Objectiv auch für in der Axe näher als unendlich fem gelegene Punkte 
als nahezu abweichungsfrei zu betrachten. Verschwände ausserdem auch das von der 
zweiten Potenz von Yx abhängige Glied, oder wäre 

6) 2SC— 3SZ = 0, 


Siebenter Jahrgang. Jnli 1887. Moser, Fernrohrobjecttye. 231 

SO Würde das Objectiv für alle möglichen beliebig in der Axe gelegenen Punkte 
frei von sphärischer Abweichung erster Ordnung sein. Für die zur Verfügung 
stehenden Brechungsverhältnisse jedoch steht die vorstehende Gleichung 6) im Wider- 
spruch mit der Gleichung 2) und es ist daher das Nebeneinanderbestehen dieser 
beiden Gleichungen in der Praxis ausgeschlossen. 

Ermittelt man für ein gegebenes Linsensystem die numerischen Werthe der 
linker Hand vom Gleichheitszeichen stehenden Polynome der Gleichungen 4), -5), 6) 
und setzt mjin dieselben, welche im Allgemeinen von Null verschieden sein 
werden, in den Werth für ^Ä ein, so erhält man einen nach '/, quadratischen Aus- 
druck. Setzt man alsdann S^ = und löst die quadratische Gleichung nach x 
auf, so bestimmen die beiden Wurzeln zwei Lagen des leuchtenden Punktes, für 
welche die Abweichung in den Bildpunkten verschwindet. Irgend ein Linsensystem 
hat also (ausser dem Scheitel) zwei Paare von ciplanatischen Punkten, welche 
jedoch nicht immer reell sind. Ist bei einem Linsensystem ein Paar aplanatischer 
Punkte vorhanden (wie bei jedem astronomischen Fernrohrobjectiv, wo der unendlich 
ferne Punkt und der zweite Brennpunkt ein solches Paar bilden), so muss unter 
allen Umständen ein zweites reelles Paar solcher Punkte vorhanden sein. 

Für alle Punkte einer zur Axe senkrechten Ebene ist die Abweichung be- 
stimmt, wenn die vier Grössen S^, SJ?, SC, SD bekannt sind, wobei S^ die 
Abweichung für den Schnittpunkt der Ebene mit der Axe bestimmt. Ist ausser 

S^ = 
auch 

SJ? = 0, 

welche Bedingung für die unendlich ferne Lage der abzubildenden Ebene in 
7) S6-=0 

übergeht, so verschwindet in jeder die Seitenabweichung darstellenden Componente 
(in A Y sowohl als in A Z) das mit der ersten Potenz des Feldes proportionale Glied. 
Ist diese Bedingung bei einem Fernrohrobjectiv erfüllt, so kann dasselbe für alle 
in grosser Nähe der Axe gelegenen Bildpunkte als frei von Abweichung angesehen 
werden. 

Ist ausserdem 

8) SC=0, 

so verschwindet in A F das mit der zweiten Potenz des Feldes proportionale Glied. 
Ist endlich auch 

9) SD = 0, 

so verschwindet in A Z das mit der zweiten Potenz des Feldes proportionale Glied. 

Wären bei einem Objectiv gleichzeitig die vier Gleichungen G), 7), 8), 9) er- 
füllt, so würden alle Punkte der unendlich fernen Ebene abweichungsfrei abge- 
bildet werden. Es müss jedoch bemerkt werden, dass mit den zur Verfügung 
stehenden Brechungsverhältnissen die Erfüllung der Gleichungen 8) und 9) nicht gleich- 
zeitig mit der Erfüllung der Farbengleichungen 2) und 3) bestehen kann. Bei einem 
Objectiv, welches achromatisch sein soll, ist daher die Erfüllung von 8) und 9) 
ausgeschlossen. 

Durch Addition der Gleichungen G) und 8) erhält man: 

SC— s; = o. 

Dies ist aber die Bedingung, dass in dem Ausdruck für S5 das von der Lage 


232 MOSEA, FERlfHOHBOBJECTrVE. ZbiTSCHRIFT FÜR IsSTBUMEHTKlTKnilDB. 


der abzubildeuden Ebene abhängige Glied verschwinde. Diese Bedingung ist also 
keine von den bisher aufgestellten unabhängige. Daraus folgt aber, dass die 
Abweichungen AF, AZ für jede beliebig gelegene Bildebene verschwinden, sobald 
die sechs Bedingungen 4) bis 9) erfüllt sind. In diesem Falle könnte man von einer 
Aplanasie des Raumes reden. Nun ist aber leicht ersichtlich, dass die gleich- 
zeitige Erfüllung dieser Gleichungen die Bedingung: 

in sich schliesst und diese sagt aus, dass die Gesammtbrennweite des Linsensystems 
unendlich gross werde. In diesem Falle aber ist die Wirkung des Linsensystems 
die eines unendlich dünnen Parallelglases. Es ist also nicht möglich, mit einem 
unendlich dünnen Linsensystem eine vollständige Aplanasie des Raumes zu er- 
zielen, ohne dass die optische Wirkung des Systems gänzlich verschwindet. 

Die aplanatische Abbildung räumlicher Gebilde von geringer (streng ge- 
nommen von unendlich kleiner) Ausdehnung erfordert die gleichzeitige Erfüllung 
von 4), 5) und 7). Auch diese drei Gleichungen schliessen schon die obige Bedin- 
gung in sich, welche die Wirkung des Systems aufhebt. Der Optiker kann daher 
mit einem Objectiv entweder eine Reihe in der Axe gelegener benachbarter Punkte 
abweichungsfrei abbilden (Gleichung 5) oder aber Aplanasie für seitwärts der Axe 
gelegene und der Axe benachbarte Punkte einer zu derselben senkrecht stehenden 
Ebene herstellen (Gleichung 7). Eine Vereinigung beider Eigenschaften ist nicht 
möglich. 

Die Formel der Seite 229 verliert ihre Anwendbarkeit zur Bestimmung der 
Abweichung eines Bildpunktes , wenn dieser in der Scheitelebene liegt oder von der- 
selben einen nur kleinen Abstand hat. Denn in diesem Falle ist die Lage des durch 
die beiden in der Anfangsebene und in der Scheitelebene gelegenen Punkte be- 
stimmten Lichtstrahles entweder unbestimmt oder aber doch derart, dass die gemachte 
Voraussetzung, es bilde derselbe mit der Axe einen spitzen Winkel, im Allgemeinen 
nicht zulässig ist. Findet jedoch diese Voraussetzung für die die Abbildung be- 
wirkenden Lichtstrahlen statt, so kann die Abweichung für den kritisch gelegenen 
Bildpunkt aus den Abweichungen für zwei andere Punkte des Strahles ohne Schwie- 
rigkeit abgeleitet werden. Ein mit der Axe in einer Ebene liegender Strahl schneide 
vor dem Durchgang durch das System die Axe im Abstand x vom Anfangspunkt, 
die Scheitelebene im Abstand y) von der Axe, so erhält man nach Seite 229 für die 
Abweichung A5 des Durchstosspunktes des austretenden Strahles mit der zweiten 
Brennebene, wenn ^ = "^/.r, V/=^ ^ gesetzt wird: 

und in gleicher Weise findet man die Seitenabweichung A^i, die der austretende 
Strahl im Schnittpunkt mit der Axe hat, wenn ^^=0 gesetzt wird: 

Hiernach aber ist die Abweichung A5o, die der abgelenkte Strahl im Durchstoss- 
punkte mit der Scheitelebene hat: 

A^0= p^,A5— y, --,-A5x, 
F — X* r — a* ' 

oder, wenn die Substitution ausgeführt wird: 


Siebenter Jahrgang. Juli 1887. MoSEB, Fernrohrobjective. 233 


welcher Ausdruck von Sa unabhängig ist und somit andeutet, dass der Scheitel 
ein aplanatischer Punkt ist. 

Es müssen hier zwei besondere Arten von aplanatischen Punkten erwähnt 
werden, welche durch die Convergenzverhältnisse der in denselben zusammentreffen- 
den Strahlen charakterisirt sind, und deren Bedeutung zuerst von Herrn Professor 
Abbe erkannt wurde. Zwei aplanatische Punkte sollen liier aplanatische 
Bildpunkte genannt werden, wenn der Sinus, den der einfallende Strahl mit der 
Axe bildet, zum Sinus, den der austretende Strahl mit der Axe bildet, in con- 
stantem Verhältniss steht. Zwei aplanatische Punkte sollen dagegen Ortho- 
skop isc he Centra heissen, wenn dieses constante Verhältniss für die Tangenten 
der entsprechenden Winkel besteht. Im ersteren Falle haben ein- und austretendes 
Bündel in Bezug auf die Axe gleiches Sinus verhältniss, im letzteren Falle 
gleiches Tangenten verhältniss. 

Für den Sinus, den der eintretende und der austretende Strahl mit der Axe 
bildet, haben wir in unserer bisherigen Bezeichnungsweise die Ausdrücke: 

ig T) -4- A5 o 

J/^M^ ' J^M- (^ -f- A Soy ' 

Für das Verhältniss dieser beiden Grössen erhält man durch Reihenentwicklung 
bei Ausschluss der Glieder höherer Ordnung den Werth: 

^h /A5o 1 7j« 1 Yj«\| 

X \ \ ri 2x?'^2 x*2/(' 

und dieser ist constant, wenn der in die innere Klammer gesetzte Ausdruck ver- 
schwindet, d. i. wenn 

2 


= % j(SO= 




Durch Einführung dieses Werthes in den allgemeinen Ausdruck für A/So aber erhält man: 

st_l[sc — sq = 

als Bedingung dafür, dass dem Sinussatz genügt sei, und diese ist keine andere 

als die obenstehende: 

S5 = 0, 

welche für unendlich ferne Lage des leuchtenden Punktes in: 

7) 26 = 

übergeht, deren Erfüllung die Vernichtung des mit der ersten Potenz des Feldes 
proportionalen Gliedes der sphärischen Abweichung ausser der Axe mit 
sich führt. 

Was die Erzielung eines constanten Tangentenverhältnisses anbelangt, 
so ist ohne Weiteres einzusehen, dass dieselbe an die Erfüllung von 

^So = 

gebunden ist. Die Bedingung für das Vorhandensein eines Paares orthoskopischer 
Centra ist somit: 

26-(2o« — ^[20 — 32q = o, 

und wenn dieses Punktepaar durch den unendlich fernen Punkt und den zweiten 
Brennpunkt gebildet wird, vereinfacht sich die Gleichung in: 

10) 26 — (SO' = 0. 


234 MOBEB, FeBNBOHBOBJECTIVE. ZBITBCHRirT fOr IirBTBÜlCEHTKirKVirDS. 


Ist der Kreuzungspunkt der Hauptstrahlen mit der Axe ein orthosko- 
pisches Centrum, so ist ein Linsensystem im Stande, von einem ausgedehnten 
Object ein winkelrichtiges oder orthoskopisches Bild zu entwerfen, wenn 
die Abbildung durch ein sehr dünnes Strahlenbündel erfolgt, aber auch dann, 
wenn bei der durch ein dickeres Bündel bewirkten Abbildung die unver- 
meidliche Abweichung der Strahlen so vertheilt ist, dass der Schwerpunkt des 
Bildes in den Hauptstrahl zu liegen kommt. Bei dem unendlich dünnen Linsen- 
system ist nun unter allen Umständen der Scheitel ein orthoskopisches Centrum 
und der eben genannten Anforderung an die Vertheilung der unvermeidlichen Ab- 
weichungen wird beim Fernrohrobjectiv genügt, wenn die Gleichung 7) erfüllt ist, 
denn in diesem Falle verschwinden in den Abweichungscomponenten A Y, A Z alle 
Glieder mit Ausnahme des von der ersten Potenz von r) abhängigen, und da sich 
zu jedem yj ein entgegengesetztes findet, verthcilen sich die Abweichungen symme- 
trisch um den Hauptstrahl herum. Ein der Gleichung 7) genügendes Objectiv ent- 
spricht also gleichzeitig der Anforderung der besten Vereinigung der Lichtstrahlen 
für in der Nähe der Axe gelegene Bildpunkte und der Anforderung eines winkel- 
getreuen Bildes von endlicher Ausdehnung. In etwas allgemeinerer Form lässt 
sich folgende Beziehung aussprechen: Ist bei einem unendlich dünnen Linsen- 
system ein nicht mit dem Scheitel zusammenfallender Axenpunkt ein 
aplanatischer Bildpunkt, so sind die Bilder in der durch diesen Punkt 
zur Axe senkrecht liegenden Ebene orthoskopisch, wenn die Abbildung 
durch Bündel erfolgt, deren Hauptstrahlen durch den Scheitel gehen; ist 
dagegen der erstere Axenpunkt ein orthoskopisches Centrum, so nimmt 
der Scheitel die Eigenschaften eines aplanatischen Bildpunktes an und 
in der Scheitelebene gelegene Bilder sind orthoskopisch, wenn die Ab- 
bildung durch Strahlenkegel erfolgt, deren Hauptstrahlen durch den 
genannten Axenpunkt gehen. 

Sieht man vom Scheitel ab, so kann ein unendlich dünnes Linsensystem 
niemals zwei Paare von aplanatischen Bildpunkten, oder zwei Paare von ortho- 
skopischen Centren, oder ein Paar aplanatischer Bildpunkte und ein Paar ortho- 
skopischer Centra zugleich besitzen, es schliesst vielmehr das Vorhandensein eines 
Paares dieser ausgezeichneten Punkte die Möglichkeit des Bestehens eines weiteren 
Paares aus. 

Die vorstehend mitgetheilten Beziehungen lassen sich auf ein System von end- 
licher Dicke nicht direct übertragen, da hier die Eigenthümlichkeiten des Scheitels 
wegfallen. In der Abweichungscomponente A Y erscheint ausser den Gliedern der 
bisherigen Form ein weiteres von yj unabhängiges und mit ^ behaftetes Glied, 
woraus folgt, dass der im Axenabstand auf der ersten Fläche einfallende Strahl 
im Allgemeinen nicht abweichungsfrei ist. 

Die bisher aufgestellten Gleichungen für die Aufhebung der sphärischen 
Abweichung beziehen sich auf einen bestimmten Strahl und zwar in unserer Be- 
zeichnungsweise auf den hellsten Strahl. Ist diese Abweichung gehoben, so zeigt 
jeder andere Strahl immer noch eine sphärische Abweichung, die sogenannte chro- 
matische Differenz derselben. Ist die Abweichung für zwei Farben gehoben, so 
ist für jede dritte Farbe eine nunmehr kleinere Abweichungsdifferenz vorhanden 
u. s. w. Für die meisten Fälle der Praxis dürfte die Aufhebung der sphärischen 
Abweichung für drei zweckmässig gewählte Farben ausreichend sein. 

Werden die Sa', 26', SC, Sl>' mit Hilfe der n' und die Sa", St", SC", 


Siebenter Jahrgang. Juli 1887. Mober, Febnbohbobjective. 235 


2D" mit Hilfe der n" so gebildet wie nach den Formeln der Seite 230 die 
Sa, Sft, SO, SD mit Hilfe der n, so erhält man als Bedingung für das Ver- 
schwinden der sphärischen Abweichung in den neuen Farben zwei weitere Gruppen 
von Gleichungen, welche aus 4) bis 10) hervorgehen, wenn an Stelle der früheren 
die jeweilig entsprechenden neuen Summationen treten. Hierbei ergeben sich aber 
für jede Gruppe nur vier von den bisherigen unabhängige Bedingungen, nämlich: 

11) Sa —Sa' = 15) Sa — Sa'' =- 

12) S6 — S6' =0 16) Sft — S6" =0 

13) SC — SC = 17) SC — SC" = 

14) SD — SIK^O 18) SD — SD" = 0. 

Von diesen Gleichungen bedingen 11) und 15) die Vernichtung der chromatisch w 
Differenz der sphärischen Abweichung für den in der Axe gelegenen Bildpunkt. 
Das Hinzutreten von 12) und 16) entspricht der Aufhebung dieser Abweichung 
für andere dem ersten Punkte benachbarte in und ausser der Axe gelegene Bild- 
punkte. Die weitere Erfüllung von 13) und 17) würde die Aufhebung der Ab- 
weichung für alle in der Axe gelegenen Bildpunkte und endlich die fernere Hin- 
zuziehung von 14) und 18) die Aufhebung der in Frage stehenden Abweichung 
für alle Pimkte des Raumes veranlassen. 

Alle bis jetzt aufgestellten Gleichungen für die Aufhebung der sphärischen 
Abweichung und deren chromatischer Differenz bezogen sich auf die erste Ord- 
nung dieser Abweichung. In Bezug auf die Abweichung höherer Ordnung werden 
wir uns auf den in der Axe gelegenen Bildpunkt beschränken. Filr das Fern- 
rohrobjectiv sind wir hierzu berechtigt, insbesondere da sich schon die Abweichung 
erster Ordnung ausser der Axe oder wenigstens das mit dem Quadrat des Feldes 
proportionale Glied derselben nicht gleichzeitig mit der ErfiQlung der Farben- 
gleichung aufheben lässt. 

Die totale Seitenabweichung im zweiten Brennpunkte eines Objectivs lässt 
sich durch die Reihe: 

darstellen, wo 

X = -|-x*Sa 

die früher von uns ermittelte Abweichung erster Ordnung im zweiten Brennpunkte 
bestimmt, während y, Z u. s. w. Functionen der r, ;, n sind, welche die Abweichung 
höherer Ordnung bedingen. Die Aufhebung dieser Abweichung verlangt, dass 

19) y=0, 20) Z=0 

erfüllt sei. Soll die crstere dieser Bedingungen für eine weitere Farbe erfüllt sein, 
so folgt noch die Bedingung: 

21) y— y == 0, 

wobei y aus Y abzuleiten ist, indem n' an Stelle von n gesetzt wird. Von einer 
algebraischen Entwicklung von Y und Z als Functionen der r, l, n wird hier ab- 
gesehen, da diese Ausdrücke zu weitläufig werden. Wir müssen uns daher darauf 
beschränken, in vorkommenden Fällen die numerischen Beträge dieser Grössen zu 
ermitteln, am Besten durch scharfe trigonometrische Verfolgung des Weges einiger 
Lichtstrahlen durch das Linsensystem. 

Nachdem in den Gleichungen 2) bis 21) die Bedingungen für die Herstellung 
der Vollkommenheit des Bildes mitgetheilt worden, werden wir nun die Gleichungen 


236 MOBEB, FeBKBOHBOBJECTIYE. ZkXTSCHRIFT rÜB, ISBTHÜMKHTBirKUVDB. 

für eine Anzahl willkürlicher, in manchen Fällen durch die Anforderungen der 
Technik gerechtfertigter Bedingungen aufstellen. 

Hierher gehört vor allem die Bestimmung, dass der zweite Radius einer 
Linse gleich dem ersten Radius der nachfolgenden Linse sei, in welchem Falle ein 
ZuBammenkitten der betreffenden beiden Linsen möglich wird. 

Die Bedingung, dass der erste Radius der zweiten Linse mit dem zweiten 
Radius der ersten Linse zusammenfalle, ist: 

r, =r;, 
oder wenn, wie in den bisherigen Gleichungen immer geschehen, die r' eliminirt 
werden : 

22) r,— r.H-K— 1)/, = 0. 

Die Bedingung, dass der erste Radius der dritten Linse gleich dem zweiten 
Radius der zweiten Linse sei, ist: 

22') Vi — ra-h (mj — 1) ^a = u. s. w. 

Mitunter ist es erwünscht, dass eine bestimmte Linsenfläche eine Planfläche 
sei. Die erste Fläche der ersten Linse ist plan, wenn 

23) r» = 0. 

Die erste Fläche der zweiten Linse ist plan, wenn 

23') ra = u. s. w. 

Die zweite Fläche der ersten Linse ist plan, wenn 

24) r» — (mi — 1) Z| = 0. 

Die zweite Fläche der zweiten Linse ist plan, wenn 

24') r, — (wa — 1) /a = u. s. w. 

Eine Linse ist gleichschenklig, wenn ihre beiden Radien gleiche Grösse und 
entgegengesetztes Vorzeichen haben. Die erste Linse ist gleichschenklig, wenn 

25) 2ri — (wii — 1)Z, = 0. 

Die zweite Linse ist gleichschenklig, wenn 

25') 2 ra — (ma — 1) h = u. s. w. 

Noch müssen wir einiger specieller Bedingungen gedenken, welche bei 
einigen Optikern maassgebend für die Bestimmung des Objectivs waren, die jedoch 
von unserm Standpunkt aus als willkürlich gelten müssen. 

Soll die erste Linse für sich in ihrem zweiten Brennpunkt ein Minimum 
sphärischer Abweichung geben, so sind die Radien derselben bestimmt, wenn der 
Ausdruck für ai der Seite 230 nach Vi differenzirt, die entsprechende Ableitung gleich 
gesetzt wird. Man erhält: 

26) 2(3wi— 2)ri — (3mi — wi,)/i = 0. 

Die Bedingung, dass der eine Linse durchlaufende Lichtstrahl eine Mini- 
malablenkung erleiden soll, ist bekanntlich die, dass derselbe an den beiden 
Linsenflächen gleiche Winkel mit der Linse bilde. Diese Bedingung ist für die 
erste Linse erfüllt, wenn 

27) 2&i — Z; = 0. 

Die zweite Linse steht im Minimum der Ablenkung, wenn 

270 2b^ — ll —2X^2— ^A h = u. s. w. 

Soll dagegen der das ganze Objectivsystem (welches man sich aus einem 


Siebenter Jahrgang. Juli 1887. Mober, Fernbohbobjective. 237 

System elementarer Prismen zusammgesetzt denken kann) durchlaufende Strahl 
eine Minimalablenkung erleiden, so ist die Erfüllung der Bedingung: 

cvQ V cosa cosß cosY ^ 

28a) — ^ ^ . . . = 1 

^ cosai cosßi cosyi 

erforderlich, wenn a, ß, y • • • die Winkel des Strahles mit dem Loth vor der 
ersten, zweiten, dritten Brechung, ai, ßi, yi? • • • diese Winkel nach der ersten, 
zweiten, dritten Brechung bezeichnen. Führt man die bei Linsen gebräuchlichen 
Näherungswerthe dieser Winkel ein, so erhält man aus 28a) ohne Schwierigkeit 
als Bedingung dafür, dass das Linsensystem für den Lichtstrahl im Minimum der 
Abweichung stehe: 

28) 2Sfe — (SO' =0. 

Indem wir hiermit die Aufzählung der Bedingungen, die für die Bestimmung 
eines Objectivs maassgebend sein können, schliessen, ist zu bemerken, dass die 
Anzahl der auf die Bildvollkommenheit bezüglichen Gleichungen eine hinreichend 
grosse ist, um selbst für die Feststellung der Elemente eines mehrgliedrigen Linsen- 
systems zu genügen, so dass der Optiker, welcher eine möglichst hohe Leistung 
seines Objectivs anstrebt, nicht leicht in die Lage kommen wird, zu unwesent- 
lichen oder willkürlichen Bedingungen zu greifen. Es wird wiederholt, dass für 
die Aufstellung dieser Bedingungsgleichungen die Correction der Abweichung für 
drei Farben maassgebend war. Sollte sich jedoch in einem gegebenen Falle das 
Bedürfniss herausstellen, eine vierte Farbe zu berücksichtigen, so wird der Leser 
die neu hinzutretenden Bedingungsgleichungen im Anschluss an die aufgeführten 
ohne jede Schwierigkeit selbst aufzuschreiben im Stande sein. 

Was nun die eigentliche Berechnung eines Objectivs anbelangt, so wird 
der Rechner bei gegebenen Glasarten und wenn die Anzahl der Linsen gleich k 
sein soll, unter den mitgetheilten Gleichungen eine Anzahl von 2 k derselben aus- 
wählen und aus denselben die 2 k Unbekannten r, / ausrechnen. Die Aufgabe ist 
also auf die Auflösung von 2 k Gleichungen mit 2 k Unbekannten zurückgeführt 
und bietet keinerlei Schwierigkeiten, so lange nicht unter den gewählten Be- 
dingungsgleichungen eine oder mehrere der Gleichungen 10), 20), 21), welche von 
complicirter Form sind und von uns nicht entwickelt wurden, vorhanden sind. 
Mit Ausnahme dieser drei Gleichungen enthalten alle übrigen ausser den r und 
l keine unbekannten Grössen und da 4), 11) und 15) vom zweiten, alle übrigen 
aber vom ersten Grade sind, so führt die Aufgabe schliesslich auf die Auflösung 
einer Gleichung ersten, zweiten, vierten oder achten Grades, je nachdem keine, 
eine, zwei oder alle drei der Gleichungen 4), 11), 15) unter den gewählten vor- 
kommen. Sind jedoch unter den gewählten Bedingungen eine, zwei oder alle drei 
der Gleichungen 19), 20), 21) vorhanden, so muss von einer directen Auflösung 
abgesehen werden und der Rechner kann in diesem Falle zunächst eine, zwei oder 
drei der Grössen r oder l hypothetisch festsetzen und den Rest der r und l so be- 
stimmen, dass den übrigen Bedingungsgleichungen Genüge geleistet wird. Werden 
sodann die so bestimmten Objectivtypen auf ihr Verhältniss zu den in Frage 
stehenden Bedingungen 19), 20), 21) geprüft und wird die Rechnung unter Zu- 
grundelegung anderer Hypothesen wiederholt, so kann durch ein bekanntes Nähe- 
rungsverfahren nach einigen Versuchen die Form festgestellt werden, welche der 
ErftQlung aller der gewählten Bedingungsgleichungen entspricht. Li manchen Fällen, 
in denen der Optiker in der Wahl der Glassorten nicht beschränkt ist, wird es 
vortheilhaft sein, den verschiedenen Hypothesen verschiedene Brechungsverhältnisse 


234 Maübeb, So3niEaisCHKnArTO«UFH. ZarwaDarr rüm laRscMKsrmnnnnK 


fttatt der verHchiedenen r oder / zu Grunde zu legen, wodurch die Erfüllung einer 
groHKc-m Zahl von Bedingungsgieichungen ermöglicht wird. 

Sind einmal die zu erfüllenden Bedingungen bestimmt, so ist noch eine 
Willkür in der Aufeinanderfolge der einzelnen Glasarten vorhanden, welche in 
der Rechnung einer Vertauschung unter den Ordnungszeigem der w entspricht. 
So gestattet die Anwendung zweier Glasarten und zweier Linsen zwei Modificationen , 
die Anwendung dreier Glassorten und dreier Linsen aber sechs Modificationen in 
der Reihenfolge der Gläser u. s. w., wodurch im Allgemeinen eine vollständige 
Umgestaltung der äusseren Formen der Linsen bedingt ist. (^Schloss folgt.) 


üeber eine neue, einfEtche Form des photographischen Sonnenschein- 

autographen. 

VOD 

Dr. J. Mavrer in Zarich. 

Eh dürfte wohl hinlänglich bekannt sein, dass für die Registrirung der 
Sonfien»<'Jieindauer in der meteorologischen Praxis in letzter Zeit zwei Verfahren 
nebeneinander zur Verwendung gelangen. Bei dem einen bedient man sich be- 
hufn crmtinuiriicher Aufzeichnung des Sonnenscheines der Sonnenwärme, also des 
thermiMchen Effectes der strahlenden Energie (Apparat von Campbell-Stokes), 
bei (lern andern Verfahren zu demselben Zwecke aber des Sonnenlichtes hezw. der 
bekannten aktin ischen Wirkung der Sonnenstrahlung (Autograph von J. B. Jordan). 

Die Erfahrung hat gezeigt und meines Wissens J. B. Jordan zuerst daraui 
aufmerksam gemacht^), dass das zweite d. h. das photographische Verfahren 
der Sonnenschein-Registrirung gegenüber dem Campbell-Stokes'schen mit der Ku- 
gellinse^) in manchen Fällen im Vortheil ist. In der That, schon eine oberfläch- 
lic/lie Betrachtung zeigt ja, dass unter Umständen dünne Wolkenschleier, leichte 
Nebelwolken, u. s. w. die Brennwirkung der Kugellinse theilweise oder ganz auf- 
heben können, während doch noch heller „Sonnenschein" mit merklichem calorischem 
und physiologischem Effecte besteht, dass mit andern Worten „Brenndauer" und 
^ Sonnenscheindauer" nur bei vollem Sonnenschein, also an ganz heiteren Tagen, 
identisch sind. Kommt es ferner vor, dass der Cartonstreifen durch einen er- 
giebigen Gewitterregen stark durchnässt worden ist, und hat sich dabei vielleicht 
auch etwas Wasser auf der unteren vorstehenden Kante (Nut) der Kugelschale ange- 
sammelt, so wird bei wieder eintretendem Sonnenschein die Markirung nie sofort er- 
folgen, und wenn sie erfolgt, so geschieht es in etwas anderer Weise als auf dem 
trockenen Streifen. Beschlägt sich endlich die Glaskugel im Winter mit Rauhreif 
oder Eis, so kann auch da sehr wohl, falls der Beobachter nicht scharf controlirt, 
eine Viertel- bis halbe Stunde bei der Registrirung verloren gehen; und gerade 
in den Wintermonaten bei dem ohnehin nur spärlichen Sonnenschein ist ein solcher 
Verlust, namentlich für die Thalstationen wohl fühlbar. Auch ist es, wenn man 
nicht bloss auf vergleichende, sondern auf einigermaassen verlässliche absolute 
Angaben Gewicht legt, nicht gerade gleichgiltig, ob man in der totalen Sonnen- 
scheindauer eines bestimmten Zeitabschnittes, beispielsweise eines Jahres, volle hun- 
dert oder zweihundert Stuhden mehr oder weniger Sonnenschein erhält, nur darum, 

1) Quarterly Journal, XU. 1886. — ^ VergL diese Zeitschr. 1883 S. 301. 


siebenter Jahrgang. Juli 1887. Maurer, Sonnenbcheinautoorafr. 239 


weil die Leistungsfähigkeit bezw. Empfindlichkeit des gebrauchten Apparates 
nicht gerade auf der höchsten Stufe steht. Zu bemerken bleibt ferner noch, dass 
bei den gewöhnlichen Sonnenscheinautographen der Durchmesser des Brennpunkt- 
bildes etwa 1^2 nim beträgt; voller Sonnenschein von nur 4 bis 5 Secunden Dauer 
genügt, dasselbe hervorzubringen; auf dem Brenncarton überdeckt dieses Bildchen 
aber einen Raum von vollen 5 Minuten. Daraus ergiebt sich dann weiter die 
Folgerung, dass bei hohem Sonnenstande eine Beschattung des Apparates von un- 
gefilhr ebenso viel Minuten in der Registrirung vollkommen unbemerkbar sein 
wird, wie es in der That ja auch der efFective Versuch zeigt. Je nach der Intensität 
der Sonnenstrahlung, d. h. je nach der Beschaffenheit (Klarheit) der Atmosphäre und 
der Sonnenhöhe ändert sich natürlich dieses Verhältniss, indem bei Trübung der 
Atmosphäre und niedrigem Sonnenstande selbstverständlich auch der Durchmesser 
des Sonnenbildchens, das die Registrirung vermittelt, wieder ein anderer ist. In 
den Annalen des russischen physikalischen CentrcUobservatoriums, Jahrg, 1881 hat Herr Director 
Wild bereits ähnliche Bemerkungen über die Leistungsfähigkeit des Campbeirschen 
Heliographen geltend gemacht. 

Unter den mannigfachen Formen von Apparaten , basirend auf dem photo- 
graphischen Princip, wie sie in jüngster Zeit für die Registrirung der Sonnen- 
scheindauer construirt worden sind, hebe ich den einfachsten, den von Jordan 
angegebenen kurz hervor;^) er hat bereits auf einzelnen meteorologischen Stationen 
Verwendung gefunden. Der Autograph besteht aus einer cylindrischen Dunkel- 
kammer, die auf einer Grundplatte parallaktisch montirt ist; beim Gebrauch des 
Apparates liegt die Axe der Kammer im Meridian. Durch zwei gegenüberstehende 
schmale AdmissionsöfFnungen werden die Sonnenstrahlen in das Innere des Cylinders 
dirigirt und fallen dort auf lichtempfindliches mit einem Stundendiagramm ver- 
sehenes Papier; in Folge der täglichen Bewegung der Erde zeichnen die Sonnen- 
strahlen auf letzterem eine Curve, die sich durch eine blaue Linie markirt und 
durch Eintauchen in kaltes Wasser fixirt werden kann. Der eine östliche Spalt 
dient für die Strahlen von Sonnenaufgang bis Mittag, der gegenüberstehende 
(westliche) von Mittag bis Abend; die ganze Tagescurve besteht also aus zwei 
getrennten Stücken. Ueber dem Cylinder ist ein Schirm so befestigt, dass seine 
Enden die Sonnenstrahlen nach der Sonnenculmination abhalten, in den östlichen 
Spalt zu fallen, und sie in den gegenüberstehenden westlichen Spalt überleiten; 
der Schirm soll zugleich als Schutz gegen diffuses Licht und gegen Regen dienen. 

Dem mit der Geometrie descriptive Vertrauten ist klar, dass diese Form des 
photographischen Sonnenscheinautographen gewisse Mängel zeigen muss, die sich 
namentlich bei der genauen Ausmessung des bezüglichen Photogrammes fühlbar 
machen werden, was mir auch Herr Jordan brieflich bestätigte. Denn da die 
beiden Einlassöffnungen für die Sonnenstrahlen sich auf der Mantelfläche des Cy- 
linders befinden, und die in letzter Instanz zum Vorschein kommenden Curven 
geometrisch eben als die Durchdringung zweier Flächen aufgefasst werden 
können, von denen die eine die cylindrische Dunkelkammer ist, während die an- 
dere aus einem geraden Kreiskegel besteht, dessen Leitcurve der momentane 
Declinationßkreis der Sonne ist, und dessen Spitze in der einen oder andern Ad- 
missionsöffnung liegt , so wird bekannten Theoremen der darstellenden Geometrie 
zufolge das Product der Durchdringung eine bestimmte Raumcurve^) sein, deren 


1) Vergl. d. Ref. in dieser Zeitschr. 1886. S. 182. — 2) Curve 4. Ordnung mit Schleife. 


MaUSEB, SoKNENBCHEIHlDTOaSAPH. EuTHIBSIIT rOs Iimi 


beide Acste, ausgehend von den Spaltöffnungen, je nach der Jahreszeit, mehr oder 
weniger schief zu den Stundenlinien stehen. Befindet man sich nicht zufälliger 
Weise in der Nähe der beiden AcquJnoctien, wo die Curven aich geraden Linien 
nähern müssen (bei correcter Aufstellung) so wird durch die Krümmung der 
letzteren auch die genaue Orientining des Apparates erschwert; gerade in dieser 
Beziehung kann man es dem Beobachter nicht einfach genug machen. Zweifellos 
wäre es weit bequemer und von Vorthcil, wenn dem Autographen eine solche Form 
gegeben werden könnte, dass die Sonnenspur aus einer einzigen, continuirlicheii 
Curve bestünde, die in der Abwicklung als gerade Linie zum Vorschein kommen, 
also stets senkrecht zu den Stundenlinien des Photogrammes stehen würde. In 
einfachster Weise kann dies offenbar dadurch erreicht werden, dass man die 
beiden Einlassöffnungen in eine vereinigt und letztere in die Axo der cylindrischen 
Kammer verlegt. Die Durchdringungscui-ve reducirt sich dabei auf einen Kreis, 
dcssenEbene bei genauer parallak tischer Auf- 
stellung stets senkrecht zur CyÜnderaxe steht. 
Nach mehrfach in dieser Richtung ausge- 
führten Versuchen habe ich die nachstehend 
beschriebene Construction als die beste, weil 
einfachste, gefunden. (Vergl. die Fig.) 

Es wurde dabei nicht nur ;mf mög- 
lichste Bequemlichkeit und Sicherheit der Be- 
obachtung gesehen, sondern namentlich auch 
darauf ein Hauptaugenmerk gerichtet, die 
Heretellungskosten dieses Sonnenscheinauto- 
graphen derart herabsetzen, dass er auch in 
dieser Beziehung gegenüber ähnlieben Appa- 
raten in vortheilhaftester Weise excellirt, der Wirkungskreis dieses Instrumentes 
daher auch ein beträchtlich grösserer werden kann. Bezüglich der Beschreibung 
desselben, von dem die Figur eine pcrspectivischc Ansicht seiner Jiusseren Gestalt 
giebt, darf ich mich nach dem Vorausgegangenen kurz fassen. Der photograpliische 
Cylinder des neuen Autographen, parallel zur Polaraxe der Erde gestellt, ist hori- 
zontal abgeschnitten; der dadurch entstandene, durch eine dünne Metallplatte ge- 
deckte, elliptische Schnitt trägt in seiner Mitte für den Einlass des Sonnenstrahlen- 
bündels einen feinen Spalt, dessen Breite so bemessen ist, dass er Unterbrechungen 
der Sonnenseheindauer von einer Minute noch deutlich zum Ausdruck bringt ; der 
untere, circulare Theil des Cylinders ist durch einen mit Bayonnetverschluss versehe- 
nen Deckel gut abgeschlossen. Nachdem der lichtempfindlichcOarton eingelegt worden, 
wird das Oanze mit Hilfe der drei Fusssch rauben und einer Libelle horizontirt, 
und die mit NS bezeichnete Linie des elliptischen Schnittes, deren Orthogonal- 
Projection auf die Mittagsstundenlinie des Photogrammes filllt, dann in den Meridian 
gebracht, womit der Apparat zum Gebrauche fertig ist. Für den Ort der Auf- 
stellung des Instrumentes ist die Polhiihe anzugeben; doch gestattet der beigege- 
bene Gradbogen, letztere innerhalb eines kleinen Intervalles von f» bis 10" zu verstellen. 
Herr Th. Üsteri-Reinacher, in Zürich, hat sich die Mühe genommen, in 
zuvorkommendster Weise bei der Construction auf alle meine WUnschc einzugehen; 
diese Firma liefert den Sonnenscheinautographen in ebenso einfacher als hübscher 
Form und solider Ausführung. 


Siebenter Jahrgang. Jali 1887. Hkele, PhysioloO. Apbarat. 241 


Apparat mit mechanisclier Auslösung zur Messung der Reactionszeit 

auf Geliörseindrüoke. 


Von 
Mechaniker H. Heele in Berlin. 


Der nach Angaben von Herrn Dr. Loeb, Assistenten am physiologischen Insti- 
tut in Würzburg ausgeführte Apparat hat den Zweck, die Reactionszeit auf Gehörs- 
eindrücke, d. h. diejenige Zeit zu messen, welche verfliesst, bis ein von den 
Schallwellen auf die Gehörsherven ausgeübter Reiz sich nach dem Gehirn fort- 
pflanzt, dort als Ton zum Bewusstsein kommt und hierauf durch den Willen die 
motorischen Nerven in Thätigkeit gesetzt werden. Es handelt sich also darum, 
die beiden Momente zu fixiren, wo ein Schall entsteht und wo der Beobachter auf 
die Wahrnehmung desselben hin eine Bewegung auszuführen, etwa einen Taster 
niederzudrücken im Stande ist. Der wesentliche Vorzug dieses Instrumentes vor 
anderen, zu ähnlichem Zweck angewandten Einrichtungen besteht darin, dass die 
Auslösungen, auf die es hauptsächlich ankommt, auf rein mechanischem Wege bewirkt 
und daher die mit ihm erzielten graphischen Resultate von allen Fehlerquellen, 
welche anderen Methoden in grösserem oder geringerem Betrage anhaften, befreit 
und somit völlig einwurfsfrei werden. 

Der in der Figur a. f. S. abgebildete Apparat ruht auf drei Füssen, von 
denen zwei in kräftigen Schrauben bestehen, so dass man ihn mit Hilfe der auf 
dem Fussbrett befestigten Dosenlibelle l leicht horizontiren kann. An der mit 
Millimeterscale versehenen prismatischen Stange, welche sich links auf dem Fuss- 
brett erhebt, befindet sich auf einem in der Höhe verschiebbaren Stativchen ein 
horizontales Rohr r, in welches durch einen auf der Figur nicht gezeichneten 
Schlauch Luft geblasen wird. Vor der anderen Oeffnung des Rohres befindet 
sich eine horizontal liegende Scheere aus Hartgummi, deren Schenkel auf der dem 
Rohre abgewendeten Seite eine kleine metallene Kugel tragen. Durch die Schenkel 
der Scheere treten die Zuleitungsdrähte einer elektrischen Batterie. Dieselben 
enden innen in zwei abgerundete Spitzen, welche im geschlossenen Zustande der 
Scheere von der metallenen Kugel berührt werden, so dass also letztere den 
Strom schliesst. Durch den Luftstoss wird ein im Rohre befindlicher Holzkeil zwischen 
die Schenkel der Scheere hineingetrieben, die Kugel fällt herab und der elektrische 
Strom wird unterbrochen. Die Kugel schlägt auf die schräg gestellte Metallplatte 
p auf, prallt hier ab und wird in einem Säckchen S aufgefangen. Sowie der 
Beobachter aber die Kugel auf der Platte aufschlagen hört, drückt er auf den 
Taster t und die Zeit, welche zwischen den beiden Momenten, dem Auffallen der 
Kugel auf die Platte und dem Niederdrücken des Tasters t liegt, ist es nun, welche 
mechanisch fixirt und gemessen werden soll. 

Der elektrische Strom, welcher durch die Kugel geschlossen wird, solange 
sie auf den Backen der Scheere liegt, umfliesst die Schenkel des Elektromagneten 
m, welcher daher einen über seinen Polen an einem Hebelarm befestigten Anker 
dauernd anzieht. Wird durch das Herabfallen der Kugel der Strom unterbrochen, 
so geht der Anker in die Höhe. Dadurch wird eine in der Röhre q befindliche, 
seither in Spannung gehaltene Feder ausgelöst, welche nun dem rechteckigen 
Rahmen aa^ in welchem eine berusste Glasplatte eingesetzt ist, einen Stoss ertheilt, 
so dass er an den zur Führung dienenden Drähten b von der linken nach der 
rechten Seite des Apparates fliegt. Um den Rahmen am Zurückprallen zu hin- 
dern, ist an der Leiste c eine Schnappfeder d angebracht. Da jedoch, in Folge 

20 


242 Heelh, Pttvaioi-oo. AppiRAT. ZermoBHirr rta iKBTBDiiBirmriiDiii«. 

der Reibong der Drähte b in den Oesen des Rahmens die Gesell windigkeit des 
letzteren während seiner Bewegung von links nach rechts sich verlangsamen würde, 
so ist er durch eine über das Röllchen g laufende Schnur noch mit einer Gewicht- 
schale verbunden, die man so stark belastet, diiss durch die zunehmende Geschwin- 
digkeit, mit welcher sie zu fallen bestrebt ist, die eben besprochene Verzögerung 
aufgehoben wird, so dass also der Rahmen sich mit nahezu gleichmässiger Ge- 
schwindigkeit von links nach rechts bewegt. 

Vor dem Rahmen aa befindet sich die Stimmgabel /, welche auf fis gestimmt 
184 Schwingungen in der Secunde ma<:ht. Durch den Stift y am oberen Schenkel 
der Gabel werden diese Schwingungen in Fonn einer Wellenlinie auf der vorüber- 
fliegenden Glasplatte dargestellt. Damit die Ausschhigc der Gabel, nachdem sie 
angestrichen worden ist, nicht rasch abnehmen, liegt vor ihr ein Elektromagnet M, 
dessen Polschuhe nahe an die Schenkel der Stimmgabel von aussen herantreten. 


Die letzteren sind, um vom Magneten stärker beeinflusst werden zu können, mit 
Backen von weichem Eisen versehen. An der Backe des unteren Schenkels ist 
ein spitzes Stiftchen angebracht, welches bei jedem Ausschlage der Gabel das Queck- 
silber in dem Näpfchen n oder eine statt desselben angebrachte Feder berührt. 
Dadurch wird, ein elektrischer Strom geschlossen, welcher den Elektromagneten 
umkreist, dann durch die Stimmgabel nach der Klemmschraube k und von hier 
durch einen in der Figur nicht gezeichneten Leitungsdraht nach dem Element 
zurück geht. In Folge des in M hervorgerufenen Magnetismus werden die Schenkel 
der Stimmgabel von den Polschuhen angezogen und somit zu grösseren AusschlAgen 
gcnöthigt. Nach kurzer Zeit wird sich eine constantc Schwingungsamplitude her- 
gestellt haben, indem die magnetischen Impulse dem Luftwiderstand und den innereu 
die Bewegung hemmenden KrUften der Stimmgabel das Gleichgewicht halten. 


Siebtinter Jahr^ng. Jali 1887. AsMUS, Fluthitebsbr. 243 


Der Stift s endlich, welcher vertical über y die Glasplatte berührt, hat die 
Momente zu markiren, wo durch das Auffallen der Kugel der Schall entsteht und 
wo der Beobachter auf den Taster drückt. Es geschieht dies dadurch, dass der 
Stab «, an dem s festgeschraubt ist, in jedem dieser beiden Augenblicke um ein 
Stück in die Höhe geschnellt wird, so dass die horizontale Linie, welche der 
Schreibstift s auf dem vorüberschiessenden Schirm zeichnet, an den beiden Stellen 
eine Knickung erfilhrt. Der Mechanismus, welcher den Stab i in die Höhe schnellen 
lässt, hat folgende Einrichtung: Die schräge Platte j;, auf welche die Kugel auf- 
schlägt, sitzt an dem oberen horizontalen Arm eines um die Axe x drehbaren 
winkelförmigen Hebels und ist durch das Gegengewichtchen a/ ausbalancirt. 
Durch das Aufschlagen der Kugel wird dieser Arm nach unten gedrückt, der un- 
tere horizontale Arm w des Hebels also nach rechts hin bewegt. Um eine zweite 
horizontale Axe ist der Hebel v innerhalb enger durch die Schräubchen u be- 
stimmter Grenzen drehbar. So lange der Winkelhebel noch in der Ruhelage 
ist, wird v durch die kleine Feder e leise an iv gedrückt. Die Nase z am 
oberen Ende von v arretirt den Stab ?, während die starke Feder k ihn nach 
oben zu schnellen bestrebt ist. Beim Auffallen der Kugel auf die Platte p stösst 
nun der Arm w das untere Ende von v nach rechts, die Nase z lässt daher den 
Stab los und dieser fliegt in die Höhe. Er wird jedoch sehr bald in dieser Be- 
wegung gehemmt dadurch, dass die Nase <?' von einem auf der rechten Seite von 
i belindlichen Haken wieder gefangen wird. Dieser Haken sitzt an dem vertical 
stehenden Arm eines Winkelhebels, dessen anderer Arm der Taster t ist. Drückt 
daher der Beobachter auf den Taster, so wird der Stab «jetzt durch die Spann- 
kraft der Feder h weiter in der Höhe geschnellt werden. Das Schräubchen o, 
welches in den Stab i eingebohrt ist, verhindert durch Anschlagen an ein gleich- 
zeitig zur Führung von i dienendes Plättchen, dass der Stab unnöthig hoch fliegt. 

Um das Zeitintervall zu bestimmen, welches zwischen dem Auffallen der 
Kugel und dem Niederdrücken des Tasters verfliesst, hat man demnach nur die 
von der Stimmgabel geschriebenen Wellen zu zählen, welche unter dem Stück der 
von s gezeichneten Linie liegen, das von den beiden den successiven Bewegungen 
des Stabes entsprechenden Einknickungen begrenzt wird. 

Um die in den Rahmen eingesetzte Glasplatte, welche dann gleich als 
photographisches Negativ zur Vervielfältigung dienen kann, zu mehreren Versuchen 
benutzbar zu machen, ist der Balken T, welcher die Stimmgabel, das Quecksilber- 
näpfchen n und den Elektromagneten M trägt, längs der beiden Säulen N auf- 
und abschiebbar, ebenso lässt sich die Feder s längs des Stabes t verstellen. 

Der Apparat hat sich bei der Ausführung grösserer Versuchsreihen, über 
welche Herr Dr. Loeb demnächst an anderer Stelle berichten wird, durch die Con- 
stanz seiner Resultate trefflich bewährt. 


Der selbstregistrirende Flutlimesser von R. Fuess. 

Von 
J. Aiiinn8, Physiker im llydrogrraphischen Amt der K. Admiralitttt, in Berlin. 

In der im diesjährigen Januar-Hefte dieser Zeitschrift von Herni Prof. W. S e i b t 
veröffentlichten Mittheilung über den von ihm construirten selbstregistrirenden Pegel 
zu Travemünde wird S. 13 in einer Fussnote des von Herrn R. Fuess construirten 
kurze Erwähnung gethan. Einige in Folge dieser Notiz an die Redaction dieser 

20* 


244 


AsMUS, Fluthmesser. 


Zeitschrift für Ikstrumektrxkckdk. 




Zeitsclirift gerichtete Anfragen über den Fuess'schen Apparat veranlassten dieselbe, 
mich, der ich seit Jahren mit demselben amtlich zu thun habe, um eine nähere 
Beschreibung desselben zu bitten. Ich komme dieser Aufforderung gern nach und 
glaube, dass die nachfolgende Mittheilung nicht ohne Interesse sein wird, da bisher 
nur das Constructionsprincip des Apparates in einer Abhandlung des Herrn Kapitains 
z. See Hoffmann {Ann. d, Hydrogr, 1883 S, 263) kurz angegeben ist. 

Die beiden starken aus Metall gefertigten Gestelle 2^^ und (r, sowie die Pendel- 
uhr TJ sind auf einer starken eisernen Platte PP festgeschraubt. Die Platte wird 
über dem Schwimmerbrunnen so befestigt, dass die Unveränderlichkeit ihrer Lage 
möglichst gesichert ist und sich die Oeffnung in der Platte, durch welche die 
Schwimmerstange Z in den Brunnen geht, gerade über der Mitte desselben befindet. 
Der Schwimmerbrunnen steht durch eine horizontal gelegte Rohrleitung mit dem 
Meere in Verbindung und daher wechselt der Wasserstand im Brunnen in derselben 
Weise wie der des Meeres. Die Pendeluhr TJ dreht durch ein seitwärts vom Ziffer- 
blatt angebrachtes Zahnrad die horizontal gelagerte, mit Papier überspannte Walze 
W mit gleichförmiger Geschwindigkeit in 24 Stunden einmal um. Die Zapfenlager 

derselben befinden sich in 
p> dem Gestelle FF, Der auf 

der rechten Seite der Platte 
stehende Bock G enthält die 
Lager einer den beiden Rä- 
dern A und B gemeinschaft- 
lichen Axe. Die beiden Räder 
sind auf der Axe befestigt 
und können sich nui' mit 
dieser drehen. An den bei 
Arkona und Marienleuchte 
aufgestellten Apparaten ver- 
hält sich der Umfang bezw. 
die Zähnezahl des Rades B 
zu dem des Rades A wie 1 zu 5, an dem Fluthmesser auf der Insel Sylt wie 1 : 20, 
Auf dem aus Kupferblech gefertigten Schwimmer S ist eine nach metrischer 
Theilung gezahnte (eine Zahnbreite gleich 5 mm) messingene Stange Z von recht- 
eckigem Querschnitt befestigt, welche zwischen Rollen so geführt ist, dass sie 
keine seitlichen Bewegungen machen kann und sich mit möglichst wenig Reibung 
in verticaler Richtung bewegt. Die Zähne dieser Stange greifen in die des Rades A 
und versetzen dieses und mithin auch das Rad B in Drehung, sobald der Schwimmer <S, 
dem Steigen oder Fallen des Wasserspiegels folgend, seine Höhenlage ändert. Die 
rotircnde Bewegung der Räder wird durch die Stange IZ", deren Zähne in die des 
Rades B eingreifen, in eine geradlinige umgesetzt und letztere durch einen im 
Halter K befestigten Bleistift auf das Papier der Walze W gezeichnet. So ent- 
steht eine ununterbrochene Curve auf dem Papiere, welche die Schwankungen des 
Meeresspiegels verkleinert wiedergiebt und aus welcher für jede Zeit die Höhe des 
Wassers gefunden werden kann, wenn vorher die Höhen- und Stundenlinien auf 
dem Papier gezogen und der Wasserstand zu einer bestimmten Zeit angegeben ist. 
Die zwischen Frictionsrollen gleitende Zahnstange H ist ebenfalls nacli metri- 
schem Maasse gezahnt und ausserdem mit einer nach Centimetern fortschreitenden 
Theilung versehen, um sie eine beliebige Anzahl Centimeter nach links oder rechts 



Siebenter Jahrgang. Jnli 1887. AsMUB, Flcthmebser. 245 


verschieben zu können. Ein Gewicht C bewirkt ein fortwälirendes leichtes Andrücken 
ihrer Zähne an die des Rades B, so dass kein todter Gang entstehen kann. 

Die Schwimmerstange Z ist gleichfalls mit Centimetertheilung versehen, deren 
Anfang mit der Kreislinie zusammenfällt, bis zu welcher der Schwimmer eintaucht.^) 
Ein neben der Stange befestigter Nonius J gestattet eine directe Ablesung des 
jeweiligen Wasserstandes bis auf Millimeter. Die Zahnstange hängt an einer Schnur i), 
welche über eine an der Decke des Fluthmesserhauses angebrachte, auf Frictions- 
rollen gelagerte Scheibe läuft und ein Gegengewicht trägt. 

Das Registrirpapier hat die Form eines Hohlcylinders, dessen Durchmesser 
etwas grösser ist als derjenige der Walze W. Es wird über letztere, ohne vorher be- 
netzt zu werden, gestreift und dann mittels eines an der Walze befindlichen eisernen 
Lineales straff gespannt. Dieses Lineal ist etwas länger als der Papiercylinder und 
wird über denselben in einen Längsschlitz der Walze eingedrückt und hier be- 
festigt. Das Liniiren des Papieres geschieht in folgender Weise: Nachdem das 
Papier über die Walze gespannt ist, wird diese in ein hierzu angefertigtes Holz- 
gestell, auf welchem ein mit kleinen Einschnitten versehenes eisernes Lineal fest- 
geschraubt ist, gelegt und der an der Seite des Gestelles befindliche federnde Stift 
in eines der 24 Löcher, welche sich an der einen Seitenfläche der Walze befinden, 
gesteckt. Nun wird längs des Lineales mit einem gut zugespitzten Bleistift die 
erste Horizontallinie gezogen, dann die Walze gedreht, bis der Stift in das nächste 
Loch der Walze springt und somit den Ort für die zweite Linie angiebt. Ist auch 
diese gezogen, so wird die Walze weiter gedreht und nach jedem neuen Einspringen 
des Stiftes in eines der 24 Löcher eine neue Linie gezogen. Diese Linien werden 
hierauf mit der vollen Stundenzahl bezeichnet uud zwar 12 Uhr Mittags mit und 
12 Uhr Mittemacht mit 12. Nachdem dies geschehen, wird der Stift entfernt. 
Es sind nun noch die Höhenlinien zu zieTien, welche die Stundenlinien unter rechten 
Winkeln schneiden. Zu diesem Zwecke wird das Lineal um 180° gedreht, damit 
die andere, mit Einschnitten versehene Kante nach vorn kommt. In diese Ein- 
schnitte wird der Bleistift successive eingesetzt und nach jedesmaligem Einsetzen 
desselben die Walze einmal umgedreht. Man erhält so die Höhenlinien. Die Stunden- 
linien sind an den bei Arkona und Marienleuchte aufgestellten Apparaten 24,5 mm 
und die Höhenlinien 50 mm von einander entfernt. Drei an der Walze angebrachte 
Stiftchen, welche die Ecken eines rechtwinkligen Dreiecks bilden, durchsteclien 
das Papier und lassen erkennen, ob die Linien parallel beziehungsweise recht- 
winklig zur Walzenaxe gezogen sind. Zu jedem Apparate gehören zwei Walzen, 
welche abwechselnd in den Apparat eingesetzt werden. 

Sind die Wasserstandschwankungen während eines Tages nicht gross, wie 
dies in der Ostsee meistentheils der Fall ist, so haben mehrere Wasserstandscurvcu, 
gewöhnlich 3, zuweilen auch 4 oder 5, auf einem Registrirbogen Platz. Die Walzen 
werden dann nur alle 3 bis 5 Tage gewechselt, aber die Zahnstange if wird jeden 
Tag zu einer bestimmten Stunde um eine gewisse, von der Gestalt der schon auf- 
gezeichneten Curven abhängige Anzahl von Centimetern verschoben. Da dies nur 
um volle Centimeter möglich ist, kann man die Grösse der Verschiebung nach- 
träglich abmessen, indem man dabei das Eintrocknen des Papieres berücksichtigt. 


1) DieEintauchungstiefe des Schwimmers wird vorher in Wasser ermittelt, dessen spccifisclies 
Gewicht dem mittleren specifischen Gewichte des Seewassers bei der Fluthmesserstation ungeftihr gleich 
ist. Bei Arkona variirt das specifische Gewicht des Seewassers so wenig, dass die Eintauchungs- 
tiefe des Schwimmers sich nur innerhalb eines Millimeters ändert. 


246 Abmts, Flüthiiesseb. ZBmcHsirr rüs l3r8TKCifzsTEnuxi>B. 


Vor dem Herausnehmen der Walze aus ihren Lagern werden in das auf derselben 
befindliche Papier zwei Löcher, welche 400 mm von einander abstehen, mit einem 
hierzu gelieferten Maassstabe gestochen. Der Abstand dieser Löcher wird später 
bei Ermittlung der Wasserst<*indc nachgemessen, um die wegen des Eintrocknens 
des Papieres erforderlichen Correctionen der Wasserstände vornehmen zu können. 
Am Anfangs- und Endpunkte einer jeden Tagescurve wird der an der Zahnstange Z 
abgelesene Wasserstand, die Temperatur der Luft im Fluthmesserhause und im 
Brunnen, sowie die Temperatur des Wassers in letztcrem notirt. Durch Vcrglei- 
chung der aufgeschriebenen Wasserstände mit der Lage der ihnen entsprechenden 
Curvenpunkte lässt sich eine Controle ausüben. Aus den notirten Temperaturen 
kann der Fehler der Aufzeichnungen, welcher etwa durch Veränderung der Länge 
der Zahnstange Z entsteht, ermittelt werden. Der Fehler in den Aufzeichnungen, 
welcher durch Längen Veränderung der Stange JET während 24 Stunden in Folge der 
täglichen Temperaturschwankungen verursacht wird, ist selir unbedeutend und hat 
bei den Fluthmessern von Arkona und Marienleuchte nur die Grösse eines Milli- 
meters erreicht. 

Das Wechseln der Walzen ist sehr leicht zu bewerkstelligen. Der Bleistift- 
halter K wird um ein daran befindliches Gelenk zurückgeklappt, die Walze aus 
ihren Zapfenlagern genommen und die andere an ihre Stelle gelegt. Hierauf dreht 
man die letztere so lange, bis die auf dem Papiere verzeichnete Stundenlinie 
mit der von der Uhr angegebenen Zeit übereinstimmt. Dann wird der Halter 
vorsichtig abwärts gedreht und nachgesehen, ob die Spitze des Bleistiftes genau 
die Stundenlinie trifft. Ist dies nicht der Fall , so hebt man mit der einen Hand 
den Halter und dreht mit der andeni langsam die Walze, bis Linie und Bleistift- 
spitze genau zusammentreffen. Der Bleistift wird mittels einer besonderen Vor- 
richtung so zugespitzt, dass seine Spitze in der Bleistiftaxe Hegt. 

Die Ermittlung der stündlichen Wasserstände aus den auf dem Papier 
aufgezeichneten Curven geschieht im hydrographischen Amte. Das Abmessen 
wird mit einem schweren Lineal von Messing bewerkstelligt, dessen Kanten die 
reducirten Maassstäbe für die an der Ost- und an der Nordsee befindlichen Fluth- 
messer enthalten. Der Maassstab für die ersteren giebt eine directe Ablesung von 
5 mm. Die Zahl der Millimeter zwischen 5 und 10 wird geschätzt. Eine an 
dem Lineale angebrachte Vorrichtung gestattet nach der Ablesung der einzelnen 
Wasserstände sogleich die Correction für das Eintrocknen des Papieres an die 
Ablesung anzubringen. 

Bei der Construction dieser Fluthmesser wurde darauf Bedacht genommen, 
dass dieselben für entlegene Orte der Küste bestimmt sind und daher dauerhaft 
und bei möglichster Genauigkeit ihrer Regist rirungen so einfach in der Anordnung 
ihrer Theile sein müssen, dass ihre Bedienung den Wärtern ganz selbständig über- 
lassen werden kann. Die bei Arkona und Marienleuchte aufgestellten Apparate 
haben bereits mehr als fünf Jahre mit nur geringen L^nterbrechungen, welche 
das Reinigen der Uhren nothwendig machte, zui' vollen Zufriedenheit functionirt. 
Auch der Apparat, welcher sich auf der Insel Sylt befindet, entspricht allen an 
denselben gestellten Anforderungen. 


Siebenter Jahrgang. Juli 1887. KLEINERE MlTTHElLUNGEN. 247 


Kleinere (Original-) Mlttliellangen. 

Ausstellung wlssenschaftliclier Instrumente, Apparate und Präparate. 

Die wissenschaftliche Ausstellung, welche mit der im September d. J. in Wiesbaden 
tagenden 60. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte verbunden werden soll, ver- 
spricht äusserst interessant zu werden. Aus allen Theilen Deutschlands, Oesterreichs und 
der Schweiz sind bereits über 300 Anmeldungen zum grossen Theil ganz neuer Apparate und 
Instrumente eingelaufen. Als letzte Anmeldefrist ist nun endgiltig der 31. Juli definitiv 
festgesetzt. Die Adresse des Ausstellungs-Comit^s ist Frankfurterstrasse 44, Wiesbaden. 


Relative Preise der Rohglasplatten für Fernrohrobjective nebst einem 

Vorsclüage zu deren systematischer Normirung. 

Von E. Tomow in Frankfurt a. M. 

Käufeni und Verkäufen! optischer Gläser dürfte eine Vergleichung der Preise, wie sie 
von den bedeutendsten Firmen für kreisförmige Scheiben verschiedener Durchmesser notirt 
werden, nicht ohne Interesse sein. In beifolgender Tafel (a. f. S.) habe ich eine solche 
Zusammenstellung in gi-aphischer Form nach den Verzeichnissen der drei Firmen: 1) Schott 
und Gen. in Jena, 2) Feil p^re & Mantois in Paris, 3) Chance Brothers & Co. in 
Birmingham, angefertigt. 

Vergleichbar sind die Preise leicht, da sämmtliche Scheiben dieselbe Form haben 
nämlich etwa Yio des Durclunessers zur Dicke. Die horizontale Abscissenaxe der Tafel gicbt 
die Durchmesser der Scheibe in Centimetern, die Ordinalen stellen das Verhältniss des 
Preises der Scheibe zu ilirem Cubikinhalte dar, und zwar denjenigen Zahlen werth, welcher 
erhalten wird, wenn man den Preis, ausgedrückt in deutschen Reichspfennigen, dividirt 
durch die Anzahl von Cubikcentimetern, welche in der Scheibe enthalten sind, d. h. 
durch den Auscbnick Y40 nd^, wo d den Durchmesser bedeutet. Demnach geben also die an 
den Ordinalen der Curven abgelesenen Zahlen direct den Preis in Pfennigen an, welcher 
auf einen Cubikcentimeter Glas in der Scheibe von dem betr. Durchmesser entfällt. In den 
Preis- und Maassangaben der französischen, bezw. englischen Firma wurde 1 Fr. = 80 Pf., 
1 Lb. = 2040 Pf. und 1 Zoll engl. = 25,4 mm gerechnet. 

Ein Blick auf die Tafel lässt bei allen drei Firmen ein eigenthümlichcs Missverhält- 
niss zwischen den Preisen kleinerer und grösserer Scheiben erkennen. Beispielsweise stellt 
sich das Verhältniss der relativen Preise für Feils 108 mm zu seinem 270 mm Discus 
folgendennaassen : Die cubischen Inhalte dieser beiden Stücke verhalten sich wie 108^ zu 
270^, also wie 1 zu 15,455, während die absoluten Preise, 55 und 300 Francs, sich ver- 
halten wie 1 zu 5,455; die kleinere Scheibe ist demnach verhältnissmässig fast dreimal so 
theuer als die grössere, wie aus den Ordinalen der Tafel direct zu ersehen. 

Dass die jetzt bestehenden Preisnotirungen keine rationellen sind, geht am Klarsten 
aus folgender Betrachtung hervor: Ein Abnehmer braucht z, B. 15 Linsen von 10,8 cm 
Durchmesser. Diese kosten bei Feil 825 Francs; nimmt er jedoch die grosse Linse von 
27 cm Durchmesser und lässt 15 Stück k 10,8 cm daraus ramolliren, so zahlt er nur 
300 Francs = 36Y3^/o(!) Ueberdem wird der Glasschmelzer natürlich in solchem Falle nicht 
ohne Weiteres eine so werthvolle Scheibe von 27 cm zerschneiden, sondern verwendet 
kleinere Stücke und erzielt dadurch für sich noch gleichzeitig Vortheil. Aehnliches gilt in 
wenig gemildertem Maasse von Schotts Preisen und auch selbst von denen Chance's. 

Ich habe deshalb versucht durch Einzeichnung noch einer vierten mit ,,empfehlens- 
werth** bezeichneten Curve in der Tafel einen Vorchlag zu einer systematischeren Preis- 
normirung zur Anschauung zu bringen, welcher den obigen Uebelständen zu begegnen ge- 
eignet sein dürfte. Als Fixpunkte dieser Cui've wurden, wie ersichtlich, angenommen: 
Der allgemeine Durchschnittspreis für kleinere Scheiben, der Preis für 27 cm und der 
für 35 cm von Schott & Gen. , endlich der für 30 Zoll engl, von Chance Br. & Co. 


248 


Kleinere Mittheilungen. 


Zeitschrift füb iNSTBUMEHTEjrKüVDK. 



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Siebeoter Jahrgang. Joll 1887. 


Referate. 


249 


Die Aufbiegung am Anfang der von mir entworfenen Cur\'e ist bedingt durch die 
verhältnissmässig grösseren Formkosten kleinerer Stücke, die Unterbrechung bei 10 cm 
durch die Mehrkosten für Politur beider Planflächen der Grössen von 11 cm und darüber. 
Nachstehend findet man in der ersten Columne die Durchmesser der Scheiben, in der 
zweiten die Preise von Schott & Gen. und in der dritten Columne die Preise, wie sie die mit 
,,empfehlenswerth** bezeichnete Curve ergiebt. 


Durch- 
messer 

Pr 

Schott & 
Gen. 

eis 

empfehlens- 
werth 

Dm-ch- 
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Schott & 
Gen. 

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empfehlens- 
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Durch- 
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Preis 

Schott & empfehlens- 
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mm 

Mark 

Mark 

mm 

Mark 

Mark 

mm 

Mark 

Mark 

25 


0,21 

110 

44 

13,70 

300 

500 

446 

30 


0,28 

120 

50 

18,30 

350 

800 

800 

35 


0,39 

130 

56 

23,90 

400 

1600 

1360 

40 

0,5 

0,55 

140 

60 

30,60 

450 

— 

2200 

45 

0,8 

0,75 

150 

75 

38,70 

500 

4500 

3410 

50 

1,2 

1,00 

160 

90 

48 

550 


5060 

55 

1,6 

1,34 

170 

105 

59 

600 


7310 

60 

4 

1,76 

180 

120 

72 

' 650 


10300 

70 

6 

2,86 

200 

140 

103 

! 700 

— 

14100 

80 

10 

4,40 

220 

170 

144 

750 


19000 

90 

16 

6,40 

240 

220 

197 

800 


25300 

100 

25 

9,10 

270 

300 

300 

1 
1 

1 




Die drei genannten hervorragenden Fabrikanten optischer Gläser würden demnach 
ihren Kunden in dankenswerther Weise entgegenkommen und den Abschluss von Geschäften 
erleichtem, wenn sie aus vorstehenden Gründen eine Preis -Echellirung ähnlich der vor- 
geschlagenen herbeiführen möchten. 


Referate. 

Das Passagen-Mikrometer. 

Von Dr. C. Braun. Ber, d. Erzbischöflich Haynald^ sehen Observatorium zu Kalocsa in Ungarn 
über die daselbst in den ersten fünf Jahren (1879^1884) ausgeführt. Arbeiten, Münster 1886}) S. 163, 

Das Passagen-Mikrometer ist bereits im Jahre 1864 von Dr. C. Braun zu 
dem Zwecke angegeben worden, die persönliche Gleichung zu beseitigen. Der Apparat ist 
zwar bis jetzt nicht zur Ausfühning gelangt, hat aber doch inzwischen mancherlei Ver- 
besseningen in seiner Construction erfahren, so dass Verf. eine erneute ausführliche Be- 
schreibung für angezeigt hält, letzteres auch aus dem Grunde, weil der Apparat in verschie- 
denen Werken nicht ganz den Intentionen des Verf. entsprechend aufgefasst worden ist. 

Im Wesentlichen besteht der Apparat aus einem Uhrwerk, welches einen beweg- 
lichen Faden durch das Gesichtsfeld des Femrohres mit der Geschwindigkeit des Sternes 
hin durchführt. Da die scheinbare Bewegung dieses letzteren um so grösser ist, je näher er 
sich dem Aequator befindet , so muss der Gang des Uhnverkes mit Hilfe eines Regulators ver- 
schiedenen Geschwindigkeiten angepasst werden können. In der älteren Construction konnte 
die Geschwiudigkeit in den Grenzen 1 bis 3 variirt werden, so dass auch Sterne in der 
Nähe des Poles beobachtet werden konnten, in der neuereu Anordnung hält Verf. die Be- 
wegung des Fadens innerhalb der Grenzen der Geschwindigkeit, welche die Sterne von 
bis 63 Declination besitzen; der Apparat wird dadurch bedeutend weniger complicirt, 

1) Diese Berichte, welchen wir schon im vorigen Jahrgange dieser Zeitschrift, S. 401 eine 
kurze Notiz widmeten , enthalten mehrere beachtenswerthe Capitel aus dem Gebiete der Instnimenten- 
kundc, welchen wir nach und nach einzelne Referate widmen wollen. D. Red. 


250 ReFEBATE. ZBmOHBIFT rÜB LnTBUMBBTKjrKUiroe. 


auch ist in höheren Declinationen der Einfluss der persönlichen Gleichung von geringerem 
Belang. Die Aufgabe des Beobachters besteht nun darin, während Faden und Stern sich mit 
gleicher oder nahezu gleicher Ocschwindigkeit durch das Gesichtsfeld bewegen, letzteren 
mit dem Stern zur (,*oincidenz zu bringen, so dass er mit ihm in gemeinsamer Bewegung vor- 
anschreitet; der Beobachter hat also wesentlich den Faden auf einen relativ ruhenden Stern 
zu pointiren. Ist diese Coincidenz en-eicht, so wird durch Druck auf einen Taster der 
CV)ntactapparat einer Uhr in Thätigkeit gesetzt, so dass beim nächstfolgenden Secunden- 
schlag ein Strom geschlossen wird; dieser bleibt geschlossen und die folgenden Peudelschläge 
haben keinen Einfluss mehr. Durch den Strom wird ein kleiner Elektromagnet erregt und in 
demselben Moment durch eine geeignete Bremsung die Bewegung des Fadens arretirt, ohne 
dass jedoch das Uhrwerk selbst aufgehalten würde. Danach wird der Stand der Mikrometer- 
schraube abgelesen und man kennt somit den Abstand des Fadens vom Mittelfaden in einem 
vollkommen genau bestimmten Momente. — Ein Uebelstand des älteren Apparates lag darin, 
dass zwei Mikrometei*schrauben erforderlich und zwei Mikrometertrommeln abzulesen waren ; 
ferner musste durch das Einstellen des Fadens auf den Stern mittels der zweiten Mikrometer- 
schraube die erste Schraube longitudinal verschoben werden, wodurch der Eingidff mit dem 
Uhrwerke erschwert wurde; in der neuen Einrichtung konnte durch Anwendung der soge- 
nannten hidepedent motion eine einzige Mikrometerschraube von unveränderter Lage für aus- 
reichend erachtet werden und ferner ist durch Anordnung eines Typendruckwerkes das Ab- 
lesen während der Beoliachtung in Wegfall gekommen. Wir wollen im Folgenden die Ein- 
richtung des Apparates kurz skizziren. 

An dem Ocularende eines grösseren Meridian-Instrumentes ist seitlich der ganze Me- 
chanismus befestigt, während auf der entgegengesetzten Seite des Objectivkopfes ein Gegen- 
gewicht angebracht ist. Das Triebwerk, welches sich zwischen zwei grossen Platinen befindet, 
in denen die Zapfen der zahlreichen Wellen gelagert sind, wird durch eine grosse starke 
Feder angeregt; durch eine Kette wird die Kraft auf eine Schnecke und das mit ihr ver- 
bundene Kad übertragen und von hier mittels vier anderer in einander greifender Kader auf 
das Trieb des (Centrifugal-) Regulators übersetzt. Die cylindrisch abgedrehte Axe des letzteren 
hat in der Nähe des Getriebes ein kurzes Schraubengewinde , auf welches ein U-fönniger 
Bügel aufgeschraubt ist, der den (\'ntrifugalmassen zur Aufnahme dient. Auf dem cylin- 
drischen Tlieil der Welle sitzt ein leicht vei'schiebbares Ilöhrchen, das vom in einen kegel- 
stumpff önnigen Iting endigt und mit den Centrifugalniassen in Verbindung steht; die Be- 
wegung dieses Köhrchens geschieht parallel der Axe des Regulators. Wenn der Apparat in 
(iang kommt, bleibt der Regulator in der Ruhelage, bis die Geschwindigkeit auf 4 Rotationen 
pro 1 Secunde steigt ; dann entfernen sich die Massen von einander und gleichzeitig wird das 
Rölirchen nach links verschoben — der Centrifugalkraft wirken hierbei entweder Spiralfedern 
oder federnde Ringe entgegen, — bis bei der Geschwindigkeit von 9 Rotationen die extremste 
Stellung erreicht ist. Nun sitzt auf der linken Seite der Cylinderaxe ein zweites Röhrchen, 
das in einen hohlen Kegelstutz endigt, welcher den kegelförmigen Ring des ersten Röhrchens 
in sich aufnehmen kann. Dieses zweite Rölirchen ist mittels einer Schraube in einem Inter\'all 
von 1 1 mm verschiebbar; je nach der Stellung desselben richtet sich die Bewegung des ersten 
Köhrchens