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Full text of "Zeitschrift für Instrumentenkunde"

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ZEITSCHRIFT 

x» '-/■'S. 


INSTRUMENTENKUNDE. 

Organ 

MiltliBOMeeii aui lem sesnnten SeUete 1er visseiiscliafflicliei Tecluit. 


.dt» Hiti.irkt>i>i 

der zweiten (technischen) Abtheilung der PhjBikaliscfa - Techniachen Reicfasfmstalt 


E. Abbe in Jena, Fr, Arzberger in Wien, C. M. r. Banemreind in München, W. Foergter in 
Berlin, R. Fness in' Berlin, H. HaenBch in Berlin, R. Helmert in Potsdam, W. Jordan in 
Hannover, H. Kronecker in Bern, A. Knndt in Berlin, H. Landolt in Berlin, T. t. Lan; 
in Wien, S> T. Merz in München, 6> Neamafer in Hamburg, J. A. Repsold in Hamburg, 
A. Rneprecht in Wien, F. Tiefen in Berlin. 


edaktion: Dr. A.Westpliftl in Berlin 


Zwölfter Jahrgang 1892. 


Berlin. 

Verlag von Julius 


Inhaltsverzelchniss. 


^ 


Seit« 

Das Aspirationspsychrometer. Von R. Assmann 1 

Bemerkungen über die elektromotorische Kraft des Clark -Elementes. Von St. Lindeck 12 

lieber die elektromotorische Kraft des Normalelementes von Fleming. Von St Lindeck 17 

Eine freie Hemmung mit vollkommen unabhängiger und freier Unruhe oder Pendel. Von 

D. Appel 19. 164 

Photometrische Untersuchungen. Von 0. Lummer u. E. Brodhun 41. 132 

Neue Messinstrumente und Hilfseinrichtungen für die Werkstatt. Von K. Friedrieh 50. 228. 408 

Ueber den Gebrauch der Aräometer. Von Fr, Mal y 61 

Ueber die Herstellung eines Flächenbolometers. Von 0. Lummer n. F. Kurlbanm . . . 81 

Ueber einen Interferenzrefraktor. Von L. Mach 89 

Ueber die Herstellung von reinem Platin. Von F. Myliusu. F. Foerster 93 

Waagebalken, Befestigung der Axen und Justirungsvorrichtungen für Präzisionswaagen. 

Von P. Schnitze 97 

Beiträge zur Kenntniss der elektromotorischen Kraft des Clark^schen Normalelementes. 

Von K. Kahle 117 

Eilipsograph. Von F. Schromm 139 

Einige Bemerkungen über Teleskope. Von H. Schroeder 153 

Zur Geschichte der Distanzmessnng und Tachymetrie. Von Hammer 155 

Einrichtung der Spalten an Polarisationsphotometem , um auch ohne Achromatisirung der 

Kalkspathprismen vollständige Achromasie der Grenzlinie zu erhalten. Von S. Czapski 161 

Eine neue Vorrichtung zum schnellen Wechseln von Mikroskopobjektiven. Von H. Boas 162 
Methode und Apparat zur Bestimmung von Brennweiten (Fokometer) nach Abbe. Von 

S. Czapski 185 

Zusatz zu der Mittheilung „ Ueber verschiedene Arten selbthätiger Stromunterbrecher und 

deren Verwendung«*. Von V. Dvofäk 197 

Der Einfluss des Kugelgestaltfehlers des Objektivs auf Winkelmessungen mit Femrohren. 

Von H. KrüsB 199 

Ueber einige neuere Waagenkonstruktionen der Firma J. Nemetz. Von B. Pensky . . . 221 

Der Photochronograph des Georgetown College Observatory. Von 0. Knopf 242 

Ueber die Messung hoher Temperaturen. Von L. Holborn u. W. Wien 257. 296 

Ueber den Einfluss der Luft auf den Widerstand des Quecksilbers. Von M. Laas . . . . 267 

Ueber die Ausdehnungskoeffizienten einiger Glassorten. Von M. Th lesen u. K. Scheel. 293 

Ueber einige von Prof. Abbe konstruirte Messapparate fiu" Physiker. Von C. Pulfrich . 307 

Zur Einführung einheitlicher Gewinde in die Feintechnik 329 

Ueber die Vergleichbarkeit polarimetrischer Messungen. Von F. Lippich 383 

Thermometrische Mittheilungen. Von B. Walter 842 

Neues System einer leichten Kompassrose. Von P. J. Kaiser 350 

Ueber neuere Spektroskopkonstruktionen. Von J. Scheiner 365 

Ueber ein neues abgekürztes Femrohr. Von R. Steinheil 374. 418 

Spiegelelektrometer für hohe Spannungen. Von A. Heydweiller 377 


rV IflHALTBySBZBICmnfiS. 

Seite 

Dr. L. Loewenherz f 401 

Venrendung der flässigen Kohlensäure zur Herstellung hochgradiger Quecksilberthermometer. 

Von A. Mahlke 402 

Eine magnetische Waage und deren Gebrauch. Von H. E. J. 6. du Bois 404 

F. Hoppe-Seyler's kolorimetrische Doppelpipette. Von E. Albrecht 417 


(Original-) Mittheilnngen. 

lieber Nircllirstative. Von W. Jordan 21 

Die internationale elektrotechnische Ausstellung zu* Frankfurt a. M 22. 63. 99 

Ein Intensiynatronbrenner. Von H. E. J. 6. du Bois 165 

Naturforscherversammlung in Nürnberg 167. 281 

Ausstellung amerikanischer astronomischer Instrumente in Chicago 247 

Mathematische Ausstellung in Nürnberg 247 

Vierter Deutscher Mechanikertag in München 281. 316 

Notiz über Reinigung des Quecksilbers. Von W. Jaeger 354 

Zirkeleinsatz für Winkeldrittelung und Winkelkonstruktion. Von Hermes 381 

Ueber einige Versuche betreffend die Widerstandsfähigkeit des Aluminiums gegen Wasser. 

Von F. Göpel 419 

Eeferate. 

Beschreibung des am Eiffelthurm angebrachten Manometers von 300 m Länge 25 

Ueber den Angriff von Glas durch Wasser und eine elektrische Methode zur Bestimmung 

desselben 26 

Ueber das Ansteigen des Eispunktes bei Quecksilberthermometem aus Jenaer Normalglas II 27 

Eine einfache Modifikation der Poggendorff'schen Spiegelablesung 28 

Zur Praps der Gefriermethode 28 

Apparat zur Erläuterung des Druckes eines ruhenden schweren Körpers 29 

Kurvepmesser 29 

Das Plesiometer 30 

Neuer Heberextraktionsapparat aus Glas 30 

Eine neue Konstruktion für Mikroskope 68 

Ueber eine automatische Sprengersche Pumpe 69 

Praktische Lös)ing des Problems des herausragenden Fadens beim Thermometer, unter An- 
wendung eines . Korrektionsrohres 69 

Apparat zur experimentellen Herleitung des Begriffs des Trägheitsmomentes 72 

Apparat zur Untersuchung des schiefen Falls und der Reibung 72 

Ein Gnonom mit Aequatorealsonnenuhr 73 

Eine neue Filterpresse für Laboratoriumsversuche 73 

Das Pendel als Waage 103 

Ueber die Leistung eines kleinen Instruments 104 

Vorschlag für eine neue Form des Quecksilberbarometers 105 

Ueber djpn Gebrauch von Flussspath in optischen Instrumenten 106 

Eine neue Modifikation des Abbe*schen Z eichen apparates 106 

Ein einfficheß Mittel, um die Zentrirung von Mikroskopobjektiven zu berichtigen 107 

Ueber eine neue Anwendung des Lunge*schen Gasvolumcters 108 

Neues Präzisionswaagen- System für beschleunigte Wägungen 108 

Zur Messung der magnetischen Inklination 141 

Das Schnittaufklcbemikrotom 144 

Ein neuer Kaliapparat zur Benutzung bei Elementaranalyscn 146 

Iluet's Anemometer 146 

Spektographische Studien 167 

Ueber die Löslichkeit einiger Gläser in kaltem Wasser 168 

Ein neuer Apparat zum Zeichnen schwacher Vergrösserungen 170 

Neuer Mareograph 171 

Die dioptrischen Bedingungen der Messung von Axenwinkcin mittels des Polarisations- 
mikroskops 172 

Die Messung von Linsen 207 


Inhaltbvbrzeichnibs. V 

Seite 

lieber ein neues Normalbarometer 209 

Foncaulfsches Pendel und Apparat zur Objektivprojektion des Foucauli'schen Pendelversuches 211 

Ueber einen neuen transportablen Lothapparat mit Stahldraht 211 

Einfache absolute Elektrometer für Vorlesungszwecke 212 

Ueber die Konstruktion von Platinthermometem 213 

Neuer Kreiselapparat 248 

Torsionspendel 248 

Neuer gyroskopischer Apparat 249 

Ein neuer Trockenapparat für die Elementaranalysc 250 

Ein Apparat zur experimentellen Behandlung der Lehre vom Trägheitsmomente 282 

Zur Messung osmotischer Drucke 282 

Neue Form des Kupferoxyd-Elementes von Lalande 283 

Einstellungslineal für gasometrische Arbeiten 284 

Studien über die Schwingungsgesetze der Stimmgabel und über die elektromagnetische Anregung 284 

Ein neuer Gaskühler für das Laboratorium 285 

Ueber konvergente und divergente dioptrische Systeme 285 

Einige Vorlesungsversuche über die Diffusion der Gase 285 

Ueber Kundt*sche Klangfiguren 286 

Apparat zur raschen Filtration organischer Flüssigkeiten mit Hilfe flüssiger Kohlensäure . 286 

Einige Sätze über die Vereinigung der heteronomen Strahlen 287 

Bürettenschwimmer 287 

Ein Universalbathometcr 287 

Heber für ätzende Flüssigkeiten, heisse Laugen und Säuren 288 

Ueber ein neues Refraktometer 288 

Ein Heberbarometer, welches für mittleren Luftdruck dem Einflüsse der Temperatur nicht 

unterworfen ist 316 

Argandlampe für Spektralbeobachtungen 317 

Ein neues Kondensationshygrometer 318 

Ein elektrischer Wellenmesser. 318 

Ueber eine neue Form des Umkehrthermometers für Meeres temperaturen 319 

Neue Apparate der Firma Hartmann & Braun zur Messung sehr grosser und sehr kleiner 

Widerstände 320 

Ein einfacher Heber zum Angiessen 320 

Bestimmung der Abberationskonstanten mit einem sechszölligen Clark*schen Acquatoreal 

neuer Konstruktion 321 

Das freischwingende Pendel als Normalmaass der Zeit 321 

Reagenzrohr zur Hervorbringung von Zonenreaktionen 322 

Beiträge zur theoretischen und rechnerischen Behandlung der Ausgleichung periodischer 

Schraubenfehler • 323 

Elektroskop 323 

Ein neues photographisches Photometer zur Bestimmung von Stcmgrössen 323 

Eine neue Gasglühlampe 356 

Eine elektro-mechanische Luftpumpe 356 

Ein neues Instrument zur Bestimmung von Dampfspannungen bei niedrigen Temperaturen 357 

Universalbrenner 358 

Einfacher Rheostat 358 

Rückschlagventil für Wasserstrahlluftpumpcn 359 

Drehstrommotor für Vorlesungszwecke 359 

Fortschritte in der physikalischen Chemie 382 

Geschwindigkeitsmesser für Geschosse 386 

Kohlensäurebestimmungsapparat mit automatischem Säurezufluss 386 

Vorschlag zu einem neuen Altazimuth 386 

Ein Kolorimeter für Rübensäfte 387 

Einfacher Apparat zum Verdampfen im Vakuum 388 

Apparat zur Bestimmung von Ausdehnungskoeffizienten 388 

Ueber den Einfluss der Zusammensetzung des Glases der Objektträger und Deckgläscheu 

auf die Haltbarkeit mikroskopischer Objekte 388 


VI iNRALTBYEBZSICimlSS. 

Seite 

Differential- und Waagegalyanoroeter 389 

Apparat zur Gewinnung der in Wasser absorbirten Gase, durcb Kombination der Quecksilber- 
pumpe mit der Entwicklung durch Auskochen 389 

Aperiodisches Elektrometer 390 

lieber die Verwendung der Zentrifuge bei analytischen und mikroskopischen Arbeiten . . 390 

Apparate für fraktionirte Destillation 391 

Ein neuer selbthätiger Filtrirapparat 391 

Feld- und Grubenkompass 392 

Metallener Innen-Eückschlusskühler 392 

Eine einfache Kühl- und Extraktionsvorrichtung 392 

Einige Laboratoriumsapparate 393 

Ueber die Bestimmung der mittleren Dichte der Erde und der Gravitationskonstante mittels 

der gewöhnlichen Waage 422 

Ueber den gegenwärtigen Zustand der Aktinometrie 427 

Optische Registrirmethode zur Bestimmung der Beschleunigung durch die Schwere .... 429 

Ein Vorlesungsversuch, die Effusion der Gase betreffend 429 

Apparat zur Demonstration der stehenden Wellen 429 

Absorptionsapparat zur Bestimmung des Schwefels im Eisen 430 

Absolute Härtemessungen 430 

Brenner mit Sicherheitsvorrichtung gegen Explosionsgefahr beim zufälligen Erlöschen der Flamme 430 

Ein Schulgalvanometer 431 

Verbesserte Gaspipette 432 

Reichert^s neuer Zeichenapparat 432 

Ein Spiritusbunsenbrenner 432 

Apparat zur raschen Stcrilisirung und zur Konservirung organischer Flüssigkeiten .... 433 

Die Ring-Noniusbürette 433 

Eine Vorrichtung zum Heissfiltrircn 433 

Neue Wägebürette 434 

Vorlesungselektrodynamometer 434 

Neu erschienene Bücher .... 31. 74. 109. 147. 175. 199. 214. 251. 289. 324. 360. 394. 435 

Vereins- und Fersonennachrichten. 

Deutsche Gesellschaft für Mechanik und Optik, Abtheilung Berlin: 

Sitzung vom 6. Oktober 1891 32 

„ 3. November 1891 32 

„ « 23. November 1891 32 

« „ 1. Dezember 1891 33 

Generalversammlung vom 12. Januar 1892 75 

Sitzung vom 2. Februar 1892 110 

„ „ 1. März 1892 148 

„ 15. März 1892 179 

„ 4. Oktober 1892 436 

„ 18. „ 1892 436 

„ „ 15. November 1892 436 

Verein deutscher Glasinstrumenten Fabrikanten 75 

Verein Berliner Mechaniker 111. 214 

Jubiläum Reichel-Haensch .• 179 

Professor K. H. öchellbach f 253 

Karl Bamberg f 253 

Die Bamberg*8che Werkstatt 290 

Fatentsohau. 

Neuerung an Kalorimetern 33 

Entfernungsmesser ohne Latte 34 

Ein Araeomcter für die Bestimmung des Zuckergehalts von Harn. — Photographische 


LnuLTsvERZBiorniss. Vn 

Seite 

Kamera für biegsame Platten. — Plattenwechselyorrichtnng an photographischer 
Kamera. — Maschinen -Axbeitsmesser 35 

Kegelschnittzirkel. — Elektrischer Temperatur-Messapparat. — Vorrichtung zum Entfernen 

der Umhüllung von Leitungsdrähten 36 

Elektrische Hauptuhr zum Betrieb von Nebenuhren durch Induktionsströme. — Elektrischer 

Kompass mit Kursyerzeichner. — Fluidkompass mit elektrischer Einrichtung .... 37 

Ruhende Ankerhemmung. — Zeigermetallthermometer. — Entfernungsmesser mit Latte. — ' 

Doppelfemrohr mit einstellbarem Azenabstand 38 

Vorrichtung zum Senkrechthängen eines Instrument- oder Absteckstabes. — Apparat zur 
Bestimmung von Höhenunterschieden nach Art der Schlauchwaage. — Mutterschlüssel 
mit selbthätig verstellbarer Maulweite. — Brillen- oder Kneifergestell. — Absteck- 
j^eräth zum Zeichnen von Karten und dergl 39 

Ein Femsprecher mit zwei, zwischen den beiderseitigen Kernenden eines oder mehrerer 
Elektromagnete und den entsprechenden Polenden äusserer Magnete angeordneten 
SchaUplatten 76 

Registrirender Geschwindigkeitsmesser mit zwangläufiger Bewegung. — Kolorimeter ... 77 

Elektrische Nebenuhr mit Schlagwerk 78 

Photographische Kamera mit Plattenwechselvorrichtung. — Vorrichtung an photographischer 

Kamera zur Verhinderung einer mehrmaligen Belichtung der Platten 79 

Plattenwechselvorrichtung für photographische Kassetten mit ausziehbarem , mit einem Balg 

umgebenen Plattenkasten 111 

Messschraubenlehre mit Lochmessvorrichtung. — Gefassmanometer. — Probenehmer für 
Flüssigkeiten. — Apparat zur Darstellung von Planetenschleifeu. — Vorrichtung zum 
selbthätigen Messen von Flüssigkeiten 112 

Photographische Kamera mit verstellbarem Objektivkasten. — Wärmeregler, welcher auf 
der Ausdehnung von Flüssigkeiten beruht. — Entfernungsmesser, aus einem Doppel- 
fernrohr gebildet 113 

Vorrichtung zum Messen oder Ansetzen von Entfernungen und Winkeln. — Zirkel zum 
Anreissen der Mitte zwischen zwei Punkten. — Elektrischer Umdrehungsanzeiger. — 
Thermoelektrische Säule. — Verstellbarer Schraubenschlüssel 114 

Vorrichtung an Kopfschrauben zum Schutze gegen unbefugtes Lösen. — Zusammenlegbarer 
Zirkel zur Bestimmung von Entfernungen auf Karten. — Schraubensicherung mit 
Nasenstift zwischen Bolzen und Mutter. — Stroboskopischer Apparat (Schnellseher^. — 
Ausschalter 115 

Kugellager mit auf gesonderten Rollbahnen geführten Kugeln 116 

Werkzeug zum Ausbohren von Hohlkugeln. — Vorrichtung zur Herstellung von Lichtpausen. 

— Quecksilber-Kompensationspendel. — Doppelfemrohr mit Kompass 149 

Aneroidbarometer. — Vorrichtung zum Anzeigen der Druckunterschiede in zwei gesonderten 
Luftrohrleitungen. — Einsteilvorrichtung für photographische Objektive. — Apparat 
zum Zeichnen nach der Natur. — Vorrichtung zur Erzeugung von Magnesium-Blitzlicht 150 

Ladevorrichtung für Magnesium-Blitzlichtlampen. — Vorrichtung ztmi Reguliren von Uhren 
auf elektrischem Wege. — Galvanisches Element mit einer positiven Polplatte, die 
aus zwei Leitern erster Klasse besteht. — Differential -Dampfspannungsthermometer 
mit Einrichtung zum Femmelden der Temperatur 151 

Stativ mit zusammenschiebbaren Schenkeln. — Verstellbarer Temperaturmelder. _. Brillen- 

gesteU 152 

Stellbares Stichmaass mit Messschraube 179 

Chronometer mit an der Unrahaxe befestigter Auslösungsfeder. — Vorrichtung zum Ver- 
langsamen und Anhalten der Bewegung der Zeigemadel elektrischer Messgeräthe. — 
Mikrophon-Schallplatte. — Anschlussende für elektrische Leitungsschnüre. — Wasser- 
tiefenmesser. — Senkloth mit Vorrichtung zur selbthätigen Angabe von seichtem 
Fahrwasser 180 

Rennspindelartiges Bohrgeräth für einschneidige Bohrer. — Eine mit einem Polirstahl kom- 
binirte Fräse. — Vorrichtung zum Messen von Linsen. ~ Kompensationsplattenther- 
mometer. — Vorrichtung zum schnellen Auswerfen der Röhren aus Polarisationsapparaten 181 

Elektrizitätsmesser. — Elektrizitätszähler. — Augenglas für Farbenblinde. — Schutz- und 

Beleuchtungsspiegel für Drehbänke und Hobelmaschinen 182 


Vin Inhaltsybrzxichkibs. 

Seite 
Gewindekluppe. — Neuerung an Phonographen. — Objektiyverschluss für photographische 
Apparate. — HandschleifVorrichtung für Spiralbohrer. — Elektrischer Eompass mit 

Kursverzeichner 183 

Elektrische Ausschaltvorrichtung. — Zweikammer-Trockenelement. — Ein- und Ausschalte- 
vorrichtung für Glühlampen. - Vorrichtung zur Verhinderung des Lockems von 
Glühlampen. — Abänderung an dem durch Patent No. 40119 geschützten Mikrophon. 

— Verstellbarer Parallelschraubstock. — Verfahren zur Herstellung von Glimmer- 
platten für photographische Zwecke 215 

Einfüssiges Stockstativ für photographische Apparate. — Theilvorrichtung für Fräsemaschinen. 

— Verfahren und Vorrichtung zum Härten ebener und plattenförmiger Körper, wie 
Sägeblätter, Maschinenmesser und dergl. — Verfahren zum Schärfen von Feilen. — 
Elektrische Bogenlampe. — Zusammenlegbare photographische Kamera 216 

Vorrichtung zur Verbindung isolirter elektrischer Leitungsdrähte. — Elektrischer Sammler. 

— Trockenelement. — Verschlossenes galvanisches Element zur Erzeugung gleich- 
bleibender elektrischer Ströme. — Mikrophongeber. — Messvorrichtung zur Bestimmung 

des Augenbrechzustandes mit der Schattenprobe ohne Rechnung 217 

Reibungskuppelung für elektrische Bogenlampen. — Glühlampenhalter. — Vorrichtung an 
photographischer Kamera zum Wechseln der Platten. — Fräsevorrichtung zur Her- 
stellung von Spiralbohrem mit zunehmender Steigung der Bohmuten 218 

Vorrichtung zum Halten zweier zu verlöthenden Rohrenden. — Elektrische Wärm- und 

Heizvorrichtung 253 

Galvanisches Element. — Kohlenhalter für Bogenlampen. — Elektrizitätszähler. — Schublehre 

mit selbthätiger Feststellvorrichtung. — Vorrichtung zum Schätzen von Entfernungen 254 

Vorrichtung zur Erzeugung von Wärme mittels elektrischen Lichtbogens für Löth- und 
Schweisszwecke. — Spazierstock mit Spur- und Ueberhöhungsmesser. — Vorrichtung 
zum Aufziehen hochstehender oder -hängender Uhren. — Hygrometer. — Waage 
mit Differentiallaufgewiehten 255 

Stereoskop mit Einrichtuug zur leichten Auswechselung der Bilder. — Löthrohr 290 

Bohr- und Fräsemaschine. — Verstellbarer Schraubstock. — Gewindeschneidekluppe. — Vor- 
richtung zum Zentriren von Wellen, Zapfen und dergl 291 

Flügelrad- Wassermesser. — Universal- Werkzeugmaschine. — Winkelhebelwaage. — Arbeits- 
messer. — Federklemme für elektrische Leitungen 325 

Vorrichtung zur telephonischen Wiedergabe von Schallkurven. — Hülse an Drillbohrern zur 
Vermeidung des todten Ganges, von aussen verstellbar. — Fräse zur Erzielung 
riffelfreier Bohrungen. — Konstantes galvanisches Element. — Vorrichtung zum 
selbthätigen Aufzeichnen chemischer Untersuchungen 326 

Selbthätiger Flüssigkeitsmesser. — Selbthätige Tischbewegungsvorrichtung für den dreh- 
baren Support von Universal-Fräsemaschinen. — Ovalwerk 361 

Selbthätige Waage. — Senkel. — Entlastungsvorrichtung an Brückenwaagen. — Probenehmer. 

— Magnesium-Blitzlichtlampe 362 

Entfernungsmesser. — Kugelfräsemaschine 363 

Einrichtung zur selbständigen Aus- und Einrückung eines Schaltrohres an Werkzeugmaschinen. 

— Sackwaage mit drehbarer Lastschale. — Pantograph zum Zeichnen von ebenen 

und körperlichen Gegenständen. — Rechenschieber 395 

Elektromagnetischer, in die Leitung ein- und ausschaltbarer Stromzeiger. — Verfahren und 
Vorrichtung «ur Bestimmung der in einer Substanz entlialtenen Menge eines flüchtigen 

Bestandtheiles. — Rechenlehrmittel. — Schraffirapparat 396 

Gewindeschneidekluppe. — Verfahren zur Befestigung von Zierknöpfen auf Metallröhren. — 
Geräth zur Messung elektrischer Ströme durch Wärmedehnung von Stromleitern. — 

Zerlegbarer Fuss für elektrische Glühlampen. — Rechenmaschine 397 

Stromregler mit unter veränderlichem Druck stehenden Widerständen. — Brillenfeder. — 

Schublehre mit Zeigerwerk. — Opernglas. — Thermometer 398 

Photometer für elektrische Glühlampen. — Schranbensicherung mit federnden Zinken . . . 399 
Elektrizitätszähler für Drehstromanlagen. — Werkzeug zum Abdrehen oder auch zum Ab- 
drehen und Gewindeanschneiden. — Biegsames Rohr aus äusseren und inneren, 
drehbar verkuppelten Rohrstücken. — Laufgewicht mit aushebbarer S<;)ineide. — 
Druckknopfumschalter mit Kronschaltrad 437 


Imbaltbvbbzsichhibb. IX 

Seite 

Vorrichtung zur unmittelbaren Uebertragung eines Scbaubildes in beliebigem Maassstab 
auf die Zeichnungsebenc. — Oberschalige Neigungswaage. — Schraffirlineal. — 
Analysirverfahren und Apparat für Alkohol und andere Flüssigkeiten oder zu ver- 
flüssigende Stoffe 438 

VoiTichtung zur Verhinderung des Lockems von Glühlampen. -- Elektrische Bogenlampen. 

— Dickenmesser, besonders für Dampfkesselwände 439 

Ftür die Werkstatt. 

Grafton's verbessertes Bohrwerkzeug 39 

Werkzeughalter 40 

Eeichers Zylinderschleifkluppe 79 

Neuer Stichelhalter von A. Fabra 116 

Schlüsselmaul für Muttern verschiedener Grösse 152 

Schraubenschlüssel mit Selbsteinstellung. — Neuerung an Benzin- und Spirituslampen. . . 184 

Einfache und doppelte oder entlastete Kanonenbohrer nach C. Reichel 218 

Reichers Zylinderfutter und Zylinderwinkel 219 

Gewindeschneideeisen amerikanischen Systems 256 

lieber das Ansetzen von Beizen zur Metallfärbung 292 

Ezzenterscheere. — Aluminiumloth nebst Flussmittel 327 

Kluppe zum Schneiden von Holzgewinden 328 

Verstellbarer Reitstock 363 

Dochtlose Löthlampe mit Spiritusverdampfung. — Bohrknarre 364 

Neues amerikanisches Bohrfutter 399 

Leicht transportabler englischer Rohrschneideapparat. — Spirograph 400 

Amerikanischer Rohrschlüssel 439 

Vorrichtung zum Biegen von Röhren 440 

Berichtigning 80. 440 


Zeitschrift für Instmmentenkimde. 

BedaktUms 'Kuratorium : 
Geb. Reg.-R. Prof. Dr. H. Landolt, H. Haengoh^ Direktor Dr. L. Loewenhon, 

T*raltB*B4«r. B«i«ltB«r. I«krlftftkr«r. 


Redaktion: Dr. A. Westphal in Berlin. 


XII. Jahrgang. Januar ISOS. Erstes Heft. 


Das Aspirationspsychrometer. 

Von Dr. Richard Assmann in Berlin. 

Der vom Verfasser im Jahre 1886 erfundene, später in Verbindung mit dem 
Ingenieur Bartsch von Sigsfeld konstruktiv verbesserte Apparat, welcher den 
Namen „Aspirationspsychrometer" führt, hat den Zweck, die wahre Temperatur 
und Feuchtigkeit der Luft ohne weitere Vorkehrungen allenthalben bestimmen zu 
können. Mit der Erreichung dieses Zweckes würde der für die Beurtheilung des 
Werthes der entsprechenden meteorologischen Aufzeichnungen so wichtige, zur Zeit 
noch fehlende Normalapparat gefunden sein. Ausserdem aber würde die Ge- 
winnung einwurfsfreier Werthe in den Regionen stärkster Sonnenstrahlung, also 
in den Tropen und den höheren Atmosphärenschichten ermöglicht werden. 

Die Zwecke des Apparates sollen erreicht werden durch die übliche Ver- 
bindung eines „trocknen" und eines „befeuchteten" Thermometers; das erste 
liefert die Werthe der Lufttemperatur, aus der Differenz der Stände beider In- 
strumente wird, wie bei dem bekannten August'schen Psychrometer, der Wasser- 
dampfgehalt der Luft ermittelt. 

Für die Bestimmung der wahren Lufttemperatur, oder wenigstens „einer für 
alle praktischen Bedürfnisse ausreichenden möglichst grossen Annäherung an 
dieselbe" mussten folgende Bedingungen erfüllt werden. 

Das Thermometer musste geschützt werden: 

1. vor dem Einfluss der strahlenden Wärme, direkter sowie reflektirter Ein- 

strahlung und der Ausstrahlung; 

2. vor der Zuleitung und Zuführung von Wärme seitens aller anderen Körper 

als der zu untersuchenden atmosphärischen Luft; 

3. vor der Benetzung durch Niederschläge. 

Zu 1. Die Strahlungseinflüsse werden bei unserem Apparate ferngehalten 
durch Einschluss des Thormometergefässes in zwei gleichaxige vernickelte Messing- 
rohre, welche aussen und innen Hochglaiizpolitur besitzen. 

Zu 2. Um die Leitung und Zuführung* von Wärme zu dem Thermometer 
, möglichst zu verringern, erhielten die in 1 genannton beiden Umhüllungsrohre 

a) thunlichst kleine Massen und Oberflächen, 

b) eine thermische Isolirung sowohl von einander, als auch von dem übrigen 

Körper des Apparates durch Einschaltung eines schlechten Wärmeleiters. 
Hiemach kann nur noch von den Unilitillungsrohren und der von 
ihnen umschlossenen Luft Wärme zugeleitet oder zugeführt werden, 
weshalb 

c) diese Luft beständig und mit einer derartigen Geschwindigkeit erneuert 

wird, dass dieselbe mit den Oberflächen der Umhüllungsrohre nur wäh- 
rend einer möglichst kurzen Zeit in Berührung kommt. 

1 


AsBHAira, AspINATKHISParCimOltETBB. Zoncnan 


Zu 3. Der Schutz gegen Benetzung des Thermometergeftlases war durcli 
die UmhüIIungsröliren in 1 ohne Weiteres erreicht. 

Der durch die vorgenannten Maassnahmen hervorgerufene thermische Vor- 
gang stellt sieh nun folgen dermaassen dar. Betrachten wir zunächst diesen Vor- 
gang bei noch nicht eingeleiteter Luftbewegung im Innern der Hüllrohre, so erhelft, 
dass das Äussere Hüllrohr (c der Figurl 
von der Sonnenstrahlung, welcher der 
ganze Ap[)arat frei ausgesetzt wird, sowie 
von der reflektirtcn Wärmestrahlung der 
Umgebung und des Krdbodens ein Quan- 
tum Wärme erhält, welches, der Ab- 
sorption s- und Emissionsfähigkeit des 
poliiten Metalls entsprechend, dessen 
Temperatur über die der umgehenden 
Luft erhöht. 

Der Betrag dieser Temperaturer- 
höhungwird deshalb einverhältnissmässig 
geringer sein, weil Metalle an sich schon 
wenig Wärme absorbiren, ausserdem 
aber durch die Hochglanz pol itur ein 
beträclitlicher Theil der zugestrahlten 
Wärme reflektirt wird. 

Da Metalle adiatherman sind, kann 
die an der äusseren Oberöftchc absor- 
birte Wärme nur durch Leitung den 
inneren Schichten und der inneren Ober- 
fläche des Hüllrohrcs mitgetheilt werden. 
Von hieraus strahlt dieselbe durch den 
zwischen der äusseren und inneren Röhre 
hetindliehen zylindrischen Luftraum auf 
die äussere OberHäohc der inneren Rühret, 
wird hier zu einem Theile absorbirt und 
musG so auch die Temi)eratur der letz- 
teren um einen gewissi'n Betrag erhöhen. 
Da das äussere Rohr in den Elfenbein- 
ring d eingesehraubt, das innere an dem 
letzteren durch vier feine Schrauben c be- 
festigt ist, findet eine unmittelbare Ueber- 
leitung von Wärme von dem äusseren auf 
das innere Rohr nur in sehr beschränk- 
tem Maasse statt. 

Die durch Leitung der inneren Oberfläche des Innenrohres zugebrachte 
Wärme strahlt von hier abermals aus und kann nun ohne Weiteres das Thermo- 
metergefäss treffen und erwärmen. 

Da man ohne Zweifel die äusserst geringe Erwärmung der inneren Röhre 
und des Thermometergefässcs durch Leitung vermittels der im äusseren und 
inneren Ilohlzylinder befindlichen Luft praktisch vernachlässigen darf, bleibt nur 
noch die Erörterung der Wärmezuführuug übrig. 



ZwOlfti r Jahrgaig. Januar 1892. AsSMANN, AspiratiONSPBYCHROMKTER. 


Die äussere Hüllröhre strahlt nicht nur Wärme nach innen aus, sondern 
giebt auch Wärme an die ihr anliegende Luftschicht ab, welche hierdurch zum 
Aufwärtssteigen veranlasst wird und, ohne mit dem Thermometerge fasse in Berüh- 
rung zu kommen — siehe die Figur — in das zentrale Aspirationsrohr g tritt und 
von dort aus den oberen Oeffnungen des Apparates bei w entweicht. Zugleich 
wird aber die hierdurch eingeleitete natürliche Ventilation einen steten Ersatz der 
abgeflossenen Luft bewirken, welche der nächsten Umgebung der unteren Oeffnungen, 
also der freien, thermisch nicht beeinflussten Atmosphäre entnommen wird. Es 
leuchtet ein, dass hierdurch nicht nur der äusseren Umhüllung, sondern auch dem 
inneren Rohre fortgesetzt Wärme entzogen wird. 

Das innere Hüllrolir erhält keinerlei leuchtende Strahlung, sondern auss 
schliesslich dunkle Wärmestrahlen vom äusseren Hüllrohre und vom Erdboden 
aus. An seiner Innenseite wird demnach ebenfalls ein schwächerer Strom höher 
temperirter Luft aufwärts sich bewegen und dabei wärmere Luft aus den unter- 
halb des Thermometergefässes gelegenen Partien an dieses selbst heranführen; 
hierdurch müsste also der Stand des Thermometers über die wahre Lufttemperatur 
erhöht werden. 

Je kürzer aber das unterhalb des Thermometergefässes befindliche Rohr- 
stück ist und je kürzere Zeit die in aufsteigender Bewegung befindliche Luft mit 
den Hüllrohren, der alleinigen schädlichen Wärmequelle, in Berührung bleibt, um 
so geringer wird die Erwärmung der Luft ausfallen und um so weniger kann der 
Thermometerstand erhöht werden. 

Aus der Betrachtung dieser thermischen Vorgänge mussten sich als weitere 
Konstruktionsprinzipien folgende ergeben: 

L Die thunlichste Verkürzung des Weges, auf welchem die Luft Wärme 

aufnehmen kann; 
2. die Erzielung einer massenhaften Lufterneuerung auf dem Wege künst- 
licher Ventilation. 

Zu L Der Verkürzung der das Thermometergefäss überragenden Hüllrohre 
ist eine Grenze gesetzt durch deren weitere Aufgabe, den von der Umgebung 
und dem Erdboden ausgehenden reflektirten Wärmestrahlen den Zutritt zum 
Thermometergefässe thunlichst zu verwehren. Würde man also die Umhüllungen 
etwa nur bis zur Höhe des unteren Thermomcterendcs reichen lassen, so würde das 
Gefäss des letzteren reflektirte Strahlung von einem erheblich grösseren Stücke der Erd- 
oberfläche erhalten als in demB'alle, in welchem die Uniliüllungen das Gefäss überragen. 

Unter Berücksichtigung dieser Erwägungen wurde experimentell ermittelt, 
dass man dem das Thermometergefäss überragenden Stücke der Hüllrohre eine 
Länge von 2 cm geben müsse, um den beiden oben erörterten Anforderungen 
möglichst gerecht zu werden. 

Bei diesen Dimensionen kann die Seitenwand eines zylindrischen Thermo- 
metergefässes von 4 bis 4,5 mm Durchmesser und 10 bis 12 mm Länge bei einer 
Weite des Hüllrohres von 1 cm unter Einfallswinkeln von nur h bis 7° direkt getroffen 
werden, während man den an der Spitze des Gefilsses liegenden Theil seiner 
Oberfläche, welcher unter steileren Winkeln bestralilt wird, wegen seiner Kleinheit 
wohl unberücksichtigt lassen darf. 

Zu 2. Für das Prinzip der massenhaften Lufterneuerung konnte nur die 
Aspiration in Frage kommen, da allein bei dieser eine vorgängige Berührung der zu 
untersuchenden Luft mitthermisch verschiedenartigen Körpern vermieden werden kann. 


Assmann, Aspirationspsychromrter. Zkitbchrift für Ikitbumektekkükdb. 


Zahlreiche Versuche ergaben als die bequemste und vollkommen aus- 
reichende Form des Aspirators den Zentrifugalaspirator oder Exhaustor, welcher 
die zwischen zwei schnell rotirenden Scheiben befindliche Luft an deren Peripherie 
ausschleudert und aus einer zentralen, die Drehungsaxe umgebenden Oeflfhung 
der Scheiben die entsprechende Luftmenge aspirirt. 

In der Figur ist in t ein Laufwerk eingeschlossen , welches den mit einander 
durch vier Rippen verbundenen gekrümmten Aspiratorscheiben r und r' eine 
mittlere Umdrehungsgeschwindigkeit von 20 in der Sekunde ertheilt. Der Durch- 
messer der Scheiben beträgt 8,4 cmy ihre Entfernung von einander an der Peri- 
pherie 2,7 mm. Bei einem vollen Ablaufe des Laufwerkes, welcher etwa 12 Minuten 
währt, macht die Aspiratorscheibe gegen 14 000 Umdrehungen. Die untere Scheibe 
ist bei q ringförmig glatt abgeschnitten; der hierdurch entstandene scharfe, durch- 
aus ebene Rand befindet sich in unmittelbarer Nähe des festen Mittelrohres g, 
so dass zwischen diesem und der unteren Scheibe nur ein ganz schmaler ring- 
förmiger Spalt oflfen bleibt. 

Die Drehungsaxe der Exhaustorscheiben bildet die Welle p; dieselbe stellt 
in ihrem oberen Theile einen Neuner-Trieb dar, in welchen das Laufwerk ein- 
greift; ihr unterer Zapfen steht in einem vertieften Lager, welches im oberen 
Theile des Mittelrohres durch drei starke, aber schmale Stützen getragen wird. 
Mittels eines Gewindes lässt sich das Lager sowohl in seiner Höhenstellung ändern, 
als auch gänzlich aus den Stützen entfernen. 

Das grade Mittelrohr g stellt die Verbindung der Aspirationsvorrichtung 
mit den Hüllrohren der Thermometer her. Es spaltet sich an seinem unteren 
Ende in zwei ebensoweite gebogene Schenkel, welche je einen eingeschraubten 
starken Elfenbeinring d tragen. Die obere Decke dieser beiden Röhrenschenkel 
ist durchbohrt und lässt durch die Oeffnungen die unteren Theile der beiden 
Thermometer ein. An den Elfenbeinringen sind in der Mitte die 5 cm langen, 
1 cw im Durchmesser haltenden inneren Hüllrohre mittels vier feiner, nur 0,6 mm 
starker Schrauben l befestigt; in den unteren freien Rand der Ringe sind die 
4,5 cm langen, 17,5 mw im Durchmesser haltenden äusseren Hüllrohrc eingeschraubt. 
Die untere OefFnung derselben ist in sanfter Biegung trichterförmig erweitert und 
besitzt in Folge dessen einen Durchmesser von 2,5 cm; die äussere Röhre über- 
ragt die innere um 2 mm. Die Wandstärke der Hüllrohre ist 0,5 mm. 

Die zylindrischen Thermometergefösse a haben einen Durchmesser von 4 
bis 4,5 mm, eine Länge von 10 bis 12 mm, die Thermometer sind in Ys^ getheilt. 
Ihre obere Befestigung finden dieselben in zwei kräftigen Stützen l, welche am 
oberen Ende des Mittelrohres festsitzen. Zur Sicherung der Thermometer, welche 
sich beiderseits neben dem Mittelrohre befinden, dienen die Messingstangen «, 
welche an dem Gussstück f mit je zwei Schrauben befestigt und, durch die 
oberen Seitenstützen hindurchragend, mittels Schraubenmuttern angezogen sind, 
wodurch sowohl eine feste Verbindung des ganzen Apparates erreicht, als auch 
das Herausfallen der Thermometer bei zufUUigen Umkehrungen des Apparates 
verhindert wird. 

Betrachten wir nun die durch die kontinuirliche Luftströmung modifizirten 
thermischen Vorgänge in dem Apparate. 

Zunächst ist nicht zu bezweifeln, dass die unter dem Einflüsse der Strah- 
lung erfolgende Erwärmung des äusseren Zylinders eine erheblich geringere wer- 
den muss, da von dessen innerer Wandung fortgesetzt Wärme an die in kräftigem 


ZwSlfter Jahrgsiig. Jannar 1892. AssiTAirN, AspuuLTlONSPSTCnBOMETSR. 5 


Strome vorbeipassirende Luft abgegeben wird, zumal die fortwährende Erneuerung 
der Luft eine Verringerung der thermischen Differenz zwischen beiden ausschliesst. 
In Folge der guten Wärmeleitung des Metalls wird auf diese Weise auch der 
ganzen Masse des Hüllrohres Wärme entzogen. 

Zunächst wird hierdurch der Betrag der dunkeln Wärmestrahlung von 
dessen innerer Oberfläche auf die äussere des Innenrohres erheblich verkleinert 
werden. Das Innenrohr selbst aber erleidet an seinen beiden Oberflächen, aussen 
und innen, Wärmeverluste durch den kräftigen Luftstrom, so dass der von dessen 
innerer Oberfläclie ausgehende ,. das Thermometer treffende Strahlungsbetrag ein 
80 kleiner wird, dass er für praktische Zwecke vernachlässigt werden kann. 
Dem ThermometergefUsse selbst wird aber wiederum fortgesetzt durch den Luft- 
strom Wärme entzogen, so dass der Strahlungseinfluss in seinen Angaben nicht 
mehr zu erkennen isf. So erscheint die Annahme gerechtfertigt, dass, obwohl 
theoretisch die Strahlungserwärmung vollkommen niemals zu beseitigen ist, man 
doch deren £influss durch konsequente Wärmeentziehung praktisch unwirksam 
machen kann. 

Von nicht geringerer Wichtigkeit ist die Kenntniss der durch den Luft- 
strom bewirkten Modifikation in der Wärmezuführung, 

Da, wie wir oben sahen, die im äusseren Hohlzylinder bewegte Luft mit 
dem Thermometer nicht in Berührung kommt, haben wir nur die im inneren 
Rohre strömende zu betrachten. 

Hierzu ist die Kenntniss derjenigen Zeit wichtig, während welcher ein 
Lufttheilchen mit demjenigen Theile der inneren Rohroberfläche, welcher unterhalb 
des Thermometergefässes liegt, in Berührung bleibt, und im Stande ist, Wärme 
aufzunehmen. 

Die fragliche Strecke reicht also vom unteren Rande des Innenrohres bis 
zum oberen des Thermometergefässes und hat rund eine Länge von 3 cm. Nehmen 
wir unter Berücksichtigung der, wie ermittelt wurde, im unteren Theile 2,24, neben 
dem Gefässe 2,40 m in der Sekunde betragenden Strömungsgeschwindigkeit und der 
verschiedenen Länge beider Strecken im Mittel 2,30 m in der Sekunde an, so 
drückt uns der Bruch 2^% ^ 77 denjenigen Bruchtheil einer Sekunde, 7??, aus, 
während welches jede horizontale Luftschicht in Berührung mit dem ganzen 3 cm 
langen Flächenstücke des inneren Rohres ist. Und zwar gilt dies in aller Strenge 
nur von derjenigen Luftschicht, welche der Rohroberfläche unmittelbar anliegt, 
während die zentral gelegenen nur durch Leitung Wärme aufnehmen können. 

Es dürfte hiernach (Mnleuchten, dass der Erwärmungsbetrag der das Ther- 
mometer umspülenden Luft selbst im ungünstigsten Falle nur ein minimaler wer- 
den kann. Thermoelektrische Untersuchungen haben ferner den unmittelbaren 
Beweis geliefert, djiss die Temperatur des Innenrohres in der That unter gewöhn- 
lichen Verhältnissen als derjenigen der Luft gleich angesehen werden kann. 

Von prinzipiellem Werthe ist aber noch die Kenntniss desjenigen Temperatur- 
überschusses über die Lufttemperatur, welchen die äussere Umhüllung unter dem 
Einflüsse stärkster Sonnenbestrahlung annimmt. 

Hierauf bezügliche, unter stärkster Strahlungsintensität in der Höhe von 
2500 m auf dem vSäntisgipfel angestellte Untersuchungen mittels Fettsäuren von 
bekannten Schmelz- und Erstarrungspunkten ergaben, dass bei im Gange befind- 
licher Aspiration ein Temperaturüberschuss von 3^ in keinem Falle erreicht wurde. 

Hiernach erscheint der Schluss zulässig, dass die Temperatur des inneren 


ß Assmann, Aspirattonspsychbombtbb. Zbitschrwt für IvBTRVURSTKSKvtmu. 

HtiUrohres derjenigen der freien Atmosphäre sehr nahe liegen werde, so dass eine 
Wärmeabgabe desselben an die vorbeiströmende Luft kaum noch erfolgen kann. 
Ertheilt man dem äusseren HüUrohrc mittels wärmeren Wassers, oder in 
einer anderen Weise eine erheblich über der Lufttemperatur liegende Eigentem- 
peratur, so kann man, wie zahlreiche Experimente zweifellos dargethan haben, 
bis zu einem Wärmeüberschusse von 35° über der Lufttemperatur gehen, ehe man 
bei stattfindender normaler Aspiration das eingeschlossene Thermometer um 0,1° 
seinen Stand gegen ein daneben befindliches analoges, aber nicht künstlich er- 
wärmtes Instrument erhöhen sieht. 

Wenn man selbst kleine Wirkungsunterschiede, welche aus der Verschie- 
denheit der Wellen einer leuchtenden und einer nicht leuchtenden Wärmequelle 
hervorgehen sollen, zugiebt, so kann man trotzdem wohl mit aller Bestimmtheit 
den für die Zuverlässigkeit des Apparates beweisenden Schluss ziehen, 

dass ein Temperaturüberschuss der Aussenhülle über die Luft- 
temperatur von weniger als »■J° vollkommen wirkungslos bleiben 
muss, wenn ein eben solcher von 30° noch ohne Einfluss bleibt 
und dass das Aspirationsthermometer demnach als für das prak- 
tische Bedürfniss unabhängig von der Sonnenstrahlung zu be- 
zeichnen ist. 
Zur Erhärtung dieser Thatsache lässt sich leicht experimentell nachweisen, 
dass zwei gleiche, dicht bei einander befindliche Apparate, deren einer im vollen 
Sonnenscheine hängt, während der andere von einem kleinen und ausreichend weit 
entfernten Körper, z. B. einem handbreiten Pappschirme, dauernd beschattet wird, 
identische Angaben liefern, sobald man simultane Ablesungen beider ausführt. 
Bei der grossen Empfindlichkeit der Thermometer muss man hierbei sorgfältig 
vermeiden, denselben eine abnorme Wärmequelle von unten her, wo die Luft in 
die Rohre eintritt, nahe zu bringen; gegen seitlich einwirkende Wärme ist der 
Apparat selbstverständlich völlig unempfindlich. 

Von Wichtigkeit ist ferner noch die Frage, innerhalb welcher Grenzen die 
Strömungsgeschwindigkeit der Luft schwanken darf, ohne dass die Angaben des 
Instrumentes unzuverlässig werden. Zahlreiche Experimente haben als Thatsachen 
festgestellt, dass sich 

1. bei einer Verminderung auf 1,6 m in der Sekunde in starker Sonnen- 
strahlung eine Differenz von etwa 0,05° gegenüber normal aspirirten 
Apparaten zeigte und dass 

2. eine Vermehrung der Geschwindigkeit bis über 5 m in der Sekunde einen 
erkennenswerthen Einfluss nicht ausübte. 

Aus der letzteren Thatsache geht unzweifelhaft hervor, dass ein Luftstrom von 
über 2wi in derSekundeGeschwindigkeitvoUständig ausreichend ist, um dem Apparate 
nahezu ebensoviel Wärme zu entziehen, als ihm durch Strahlung in derselben Zeit 
zugeführt wird. Andererseits erhellt dieNothwendigkeit, eine Verringerung der Strom- 
geschwindigkeit unter die Grenze von 1,7 m in der Sekunde sicher auszuschliessen. 

Ueber die Wirkungsweise des beschriebenen Apparates wurden zahlreiche 
Experimente angestellt, welche an einer anderen Stelle einer eingehenden Dar- 
stellung unterzogen werden sollen, während hier nur die für die Kenntniss der 
Theorie und der Leistungen des Apparates wichtigsten Angaben Platz finden sollen. 

Die Fundamentalfrage ist ohne Zweifel die auf die Kenntniss des Betrages 
und der Wirkungsweise der Lufterneuerung gerichtete. 


^wSIfker Jahrgang. Janaar 1891 AssVARH, A8PIIU.TION8P8rCHBOllETEK. 


Mittels eines einfachen durch von Sigsfeld angegebenen Verfahrens kann 
die durch den Apparat thatsächlich in Bewegung gesetzte Luftmenge unmittelbar 
gemessen werden, indem man denselben in einen grösseren Glaszylinder luftdicht 
einsetzt und mittels einer Seifenhaut das freie Ende des Zylinders absperrt. 
Sind des letzteren Wandungen überall mit Seifenwasser benetzt, so folgt die 
Seifeuliaut der durch den Aspirator bewirkten Luftentleerung des Zylinders. 

Hat man so die Menge der in der Zeiteinheit bewegten Luftmasse ermittelt, 
so bedarf es nur der Kenntniss der in Frage kommenden Querschnitte des Appa- 
rates, um die an jeder Stelle stattfindende Strömungsgeschwindigkeit zu kennen. 

Für unsern Zweck kommt vornehmlich der Querschnitt des Luftraumes in 
der Höhe der Thermometergefässe in Frage. Unter Zugrundelegung der oben 
angegebenen Maasse beträgt derselbe an dieser Stelle 208 qmm, bei dem für zwei 
Tiiermometer eingerichteten Apparate also zusammen 416 qmm. Bewegt der Aspi- 
rator, wie die Prüfung mit der Seifenhaut lehrt, durchschnittlich in einer Sekunde 
1 Liter Luft durch den Apparat, so wird die Strömungsgeschwindigkeit in dem 
genannten Querschnitte durch den Quotienten ^®"^^°74i« = ^^4 m in der Sekunde 
ohne weiteres gegeben. 

Mit dieser Geschwindigkeit von 2,4 m erfolgt also die Luftbewegung an den 
Thermometerge fassen und den drei Oberflächen der Umhüllungsrohre vorbei, da 
bei der sorgfältig vermiedenen Anbringung von „Luftschleusen" und der mit der 
Bahn der strömenden Lufttheile überall möglichst zusammenfallenden Richtung 
der begrenzenden Flächen kein Grund für eine ungleiche Vertheilung der Luft- 
menge vorliegt. Allein im oberen Theile des inneren Hüllrohres findet eine Ver- 
engerung des Stromweges durch das axial stehende Thermometergefäss statt, da 
unterhalb desselben der Querschnitt um etwa 16 qmm^ den Querschnitt des Ge- 
fässes, bei beiden also um 32 qmm grösser ist. Hierdurch stellt sich die Strom- 
geschwindigkeit im unteren Theile des Innenrohres auf 2,24 ni in der Sekunde, 
ist also nur um 0,16 w = 6^3 7« kleiner als an den Gefässen. Durch die mit 
einer abgerundeten Spitze beginnende, alhnälig sich erweiternde Gestalt des 
unteren Thermometerendes aber wird die Ablenkung der Lufttheilchen von ihrer 
gradlinigen Bahn eine solche, dass jeder Stoss und damit die Entstehung von 
Luftwirbeln vermieden wird. Die Wichtigkeit derartiger Anschmiegungen an die 
vorhandene Strömungsrichtung ist genügend bekannt. Aus demselben Grunde ist 
auch dem äusseren Hüllrohre eine trompetenförmige Erweiterung gegeben worden, 
um das Entstehen von hemmenden Wirbeln bei dem Eintritte der Luft zu vermeiden. 

Wir bezeichneten in der Einleitung als ferneren Zweck des Apparates 
die Ermittlung des Wasserdampfgehaltes der Luft, zu welchem Zwecke derselbe 
zwei zu einem Psychrometer vereinigte Thermometer enthält, von welchen das 
eine mit einer befeuchteten Musselinumhüllung versehen wird. 

Aus den Untersuchungen Sworykin's und Grossmann's ist der Einfluss 
bekannt, welchen die Geschwindigkeit der Luftbewegung auf die Angaben des 
^feuchten" Thermometers und somit auch auf die des ganzen Psychrometers ausübt. 
Den gewöhnlichen Psychrometertafeln ist eine Geschwindigkeit von 0,8 m in der 
Sekunde zu Grunde gelegt, während ohne Zweifel die thatsächlichen Geschwindig- 
keiten ausserordentlich häufig hiervon abweichen. Die üblichen Aufstellungen der 
Psychrometer in Hütten oder Gehäusen verringern sicherlich die Geschwindigkeit 
der Luftbewegung in den meisten Fällen erheblich, was vornehmlich deshalb von 
erheblichem Einflüsse auf die Korrektheit der Resultate ist, weil die Abweichungen 


AsSMANir, AsPlBATlONSPSTCHBOifBTEB. ZEITSCHRIFT pftR FmTHinffinrnnncrKDie. 


der Psych rometerwerthe bei Geschwindigkeiten unter 0,8 m in der Sekunde ausser- 
ordentlich schnell wachsen. Das Fehlen einer konstanten Ventilation verleiht 
deshalb in erster Linie der Psychrometrie die ihr zur Zeit noch anhaftende 
Unsicherheit und mangelnde Vergleichbarkeit der Beobachtungen. 

Unser Apparat erscheint daher vermöge seiner konstanten Luftstrom- 
geschwindigkeit ganz besonders geeignet, um diesem Grundfehler der Psychro- 
metrie erfolgreich entgegenzutreten. 

Anderseits leuchtet ein, dass man wegen der erheblich stärkeren Ventilation 
von 2,1 bis 2,4 m in der Sekunde Geschwindigkeit die für den Werth von 0,8 m 
in der Sekunde berechneten Psychrometertafeln nicht in Verwendung nehmen darf. 

Aus vergleichenden Beobachtungen hat Dr. Sprung eine sehr einfache 
Formel abgeleitet, nach welcher man die dem Aspirationspsychrometer ent- 
sprechenden Werthe der Dampfspannung und relativen Feuchtigkeit unmittelbar 
aus einer Tabelle des Druckes gesättigten Wasserdampfes ermitteln kann. Hier- 
nach ist, wenn man mit f die gesuchte Dampfspannung, mit f' die der Temperatur 
des feuchten Thermometers t' entsprechende Dampfspannung, mit h den Barometer- 
stand bezeichnet: 

Ftlr Barometerstände, welche sich nicht erheblich von Ibbmm entfernen, hat man 
also von derjenigen Dampfspannung, welche dem Stande des feuchten Thermo- 
meters entspricht, die halbe psychrometrische Differenz in Abzug zu bringen, um 
die wahre Dampfspannung zu erhalten. Bei abweichendem Luftdrucke hat man 
noch eine Korrektion anzubringen, welche leicht den in jeder Psychrometertafel 
vorhandenen entsprechenden Tabellen zu entnehmen ist. 

Obwohl die Untersuchungen über diese Frage noch nicht ganz abgeschlossen 
sind, so kann man doch schon jetzt sicher sein, mittels des Aspirationspsychro- 
meters nach dieser Methode erheblich zuverlässigere Werthe zu erhalten als mit 
dem gewöhnlichen unventilirten Psychrometer, 

Die im Obigen kurz dargelegten Konstruktionsprinzipien des Aspirations- 
psychrometers zeigen, dass von der Erftillung gewisser Fundamentalbedingungen 
das sichere Funktioniren des Apparates ganz wesentlich abhängt. Es erscheint 
deshalb unerlässlich, jeden einzelnen Apparat einer strengen methodischen Prüfung 
zu unterwerfen, ehe er in die Hände der Beobachter gegeben wird. Eine solche 
wird vom Verfasser dieses Berichtes mit aller Sorgfalt ausgeführt, die Resultate 
derselben werden in einem besonderen Zertifikate verzeichnet, welches jedem 
Apparate beigegeben wird. 

Aus demselben Grunde kann derselbe auch keineilei Verantwortung für 
die Leistungen solcher Apparate übernehmen, welche aus einer anderen Werk- 
statt, als der von R. Fuess in Berlin hervorgegangen sind. 

. Diese Prüfung bezieht sich auf die Ermittlung der Maasse der Thermo- 
metergefässe und Luftraumquerschnitte des Apparates an den kritischen Stellen, 
exakte Messung der Luftstromgeschwindigkeiten an denselben und Angabe der 
„nutzbaren Ablaufszeit" des Apparates, bei welcher ein Sinken der Ventilations- 
grösse unter den Werth von 1,7 w in der Sekunde Geschwindigkeit nicht eintritt. 

Um irrthümliche Anwendungen des Aspirationspsychrometers zu vermeiden, 
sei hier zum Schluss noch eine zusammenfassende Gebrauchanweisung gegeben, bei 
deren sorgfUltiger Berücksichtigung man mit Sicherheit unter allen Umständen im 


ZwQlfUr Jalixg»n|r. Januar 1802. AsSMANN, AsPlBATlONBPflTCHBOMRTER. 


Stande ist, selbst unter den ungünstigsten Verhältnissen die wahre Temperatur und 
Feuchtigkeit der Luft zu bestimmen. 

Gebrauchsanweisung für das Assmann'sche Aspirationspsychrometer, 

konstruirt von R. Fuess. 

1. Das Aspirationspsychrometer ist allerorts ohne jede weitere Vorrichtung 
und Beschirmung anwendbar; es misst die Temperatur und Feuchtigkeit derjenigen 
Luft, welche sich in der nächsten Umgebung der unteren HüllrohröfFnungen be- 
findet. Aus diesem Grunde ist es sorgfältig zu vermeiden, abnorm temperirte 
Körper in die Nähe dieser unteren Oeflfnungen zu bringen; bei der grossen 
Empfindlichkeit des Apparates sind schon geringfügige Temperaturabweichungen, 
wie dieselben z. B. durch Körpertheile des Beobachters, oder durch eine besonnte 
Tischplatte erzeugt werden, genügend, um die Angaben der Thermometer zu 
fälschen. Andererseits ist jede thermische Einwirkung von der Seite her voll- 
ständig ausgeschlossen. 

2. Die Aufhängung des Apparates geschieht im Freien, wenn es sich um 
Ermittlung der ^klimatischen" Temperatur und Feuchtigkeit der Luft handelt, 
und zwar in der Weise, dass man denselben an einer von der Sonne beschienenen 
Stelle, fern von Gebäuden und schattengebenden grösseren Gegenständen mittels 
des beigegebenen Schraubdornes h an einem dünnen Pfahle oder Baume in Augen- 
höhe derartig befestigt, dass ein thermischer Einfluss vom letzteren aus nicht er- 
folgen kann. Bei schwachem Winde und starker Sonnenstrahlung wird man daher 
gut thun, den Apparat an der dem Winde zugekehrten (Luv-) Seite des Pfahles 
oder Baumes anzubringen. Auf Reisen kann man zweckmässiger Weise einen 
kräftigen Alpenstock hierzu verwenden, welcher fest in den Boden gestossen wird. 
Wo die Anwendung eines solchen ausgeschlossen ist, kann man auch den Apparat 
mit der möglichst weit vom Körper abgestreckten Hand, aber stets dem Winde 
entgegen, halten. Es empfiehlt sich, hierbei dem Apparate eine kleine Neigung zu 
geben, so dass die unteren Oeffnungen gegen den Wind gekehrt sind. 

Handelt es sich um die Ermittlung anderer Temperatur- und Feuchtig- 
keitsverhältnisse, z. B. in der untersten, dem Boden nahen Luftschicht, oder in 
einer Höhle, oder in der Nähe einer besonnten Hauswand u. s. w., so muss sich 
die Anbringung des Apparates nach den gegebenen Bedingungen richten. 

3. Mittels der beigegebenen Befeuchtungsvorrichtung i führt man von unten 
her dem mit Musselin in einfacher, überall glatt anliegender Lage umwickelten 
Thermometer Wasser zu. 

Zu diesem Zwecke öffnet man mit der rechten Hand den Quetschhahn des 
mit reinem Regen- oder destillirtem Wasser gefüllten Befeuchtungsgefässes , drückt, 
bei aufrechter Stellung desselben, mit der linken Hand den Gummiball leicht zu- 
sammen, bis das Wasser in der Glasröhre zu einer etwas unterhalb der Oeffnung 
der letzteren angebrachten Strichmarke angestiegen ist, und lässt dann den Quetsch- 
hahn sich wieder schliessen, wodurch die Wassersäule in der Röhre abgesperrt 
wird. Nun führt man das Glasrohr von unten her in das innere Hüllrohr, welches 
das „feuchte" Thermometer umgiebt, so weit als möglich ein, bis man sicher ist, 
dass sich die Musselinhülle in dem bei dieser Stellung sie umgebenden Wasser 
vollgesogen hat, öflfnet dann, ohne das Rohr herauszuziehen, den Quetschhahn 
wieder, wodurch das überflüssige Befeuchtungswasser vom Musselin entfernt wird, 
und entfernt das Glasrohr aus der Hüllröhre. 


10 AsSMAinr, AbPIBATIONBPSTCHHOIIBTEB. ZRrrSCHRirr für iHBTRUlrtirPESKITHDK. 


Wegen der durcli die Aspiration bewirkten starken Verdunstung ist bei 
trockener Luft eine neue Befeuchtung nach 15 bis 20 Minuten vorzunehmen. Ab- 
lesungen des feuchten Thermometers dürfen im Sommer frühestens nach 2, im 
Winter nach 5 Minuten vorgenommen werden. 

4. Der Uhrschlüssel des Laufwerkes ist so lange „rechts herum" zu drehen, 
bis die Feder vollständig aufgezogen ist. Man lasse denselben auf seinem Platze 
sitzen, da so durch einen überfassenden Rand das Eindringen von Staub und 
Regen in das Laufwerk verhindert wird. 

Hat der Apparat schon vorher eine der Lufttemperatur naheliegende Eigen- 
temperatur gehabt, wenn er z. B. an einem beschatteten Ort ein der Nähe auf- 
bewahrt wurde, so kann man 2 Minuten nach dem ersten Aufziehen des Lauf- 
werkes die ersten Ablesungen vornehmen. Hat der Apparat dagegen unventilirt 
in starker Sonnenstrahlung gehangen, oder hat er in einem anders temperirten 
Räume eine erheblich abweichende Temperatur angenommen, so muss zunächst 
durch einige Probeablesungen ermittelt werden, ob eine weitere Aenderung der 
Thermometerstände nicht mehr stattfindet. 

Hält man das Laufwerk zum Zwecke fortgesetzter Ablesungen dauernd im 
Gange, so fällt natürlich die Zeit des „Abwartens" bei dem trocknen Thermometer 
gänzlich fort; für das „feuchte" siehe die Vorschrift unter No. 2. In diesem Falle 
ist das Laufwerk vor Beendigung derjenigen Zeit wieder vollständig aufzuziehen, 
welche in dem beigegebenen Zertifikate als „nutzbare Zeit des Ablaufes" angegeben 
ist. Bemerkt man eine nennenswerthe Verringerung der Umdrehungsgeschwindig- 
keit der Aspiratorscheiben, welche sich auch durch ein merkbares Tieferwerden 
des durch die Scheiben erzeugten singenden Tones verräth, so ist das Laufwerk 
unter allen Umständen wieder neu aufzuziehen, ehe man Ablesungen vornimmt. 

5. Bei stärkerem Winde (etwa von der Stärke 3 bis 4 der Beaufort-Skale 
an) umgebe man den Exhaustorspalt mit der beigegebenen „Windschutz -Vor- 
richtung" Ä, welche man derartig aufschiebt, dass das weitere, offene Ende derselben 
in der Richtung der austretenden Luft zu liegen kommt. Findet die Scheiben- 
drehung für den vor dem Apparate stehenden Beobachter in dem Sinne von rechts 
nach links statt, so muss die grosse Oeffnung des Windschutzringes links zu liegen 
kommen. Die eine Wandung der Windschutzrinne ist etwas breiter als die 
andere; dieselbe soll unten zu liegen kommen und etwas über den Rand des 
„Apparatkopfes" überfassen. 

6. Es ist von Wichtigkeit, dass die Hochglanzpolitur des Apparates mög- 
lichst in allen Theilen, besonders aber an den Hüllrohren der Thermometer- 
gefässe erhalten bleibe. Durch Abreiben mit einem weichen Lederlappen, im 
Nothfall unter Zuhilfenahme einer sogenannten „Putzpomade", ist dies leicht zu 
bewerkstelligen. Niemals putze man indess mit scharfen Substanzen, welche die 
Vernickelung angreifen. 

7. Da Elfenbein in feuchter Luft stets etwas aufquillt, drehe man die 
beiden Ringe, welche die Hüllrohre tragen, nicht fest an; zur gelegentlichen 
Reinigung der inneren Oberflächen sind die Hüllrohre abzuschrauben. 

8. Um die Thermometer zu entfernen, z, B. zum Zwecke der Neuumwick- 
lung des „feuchten" Instrumentes, schraubt man zunächst den „Kopf" des Apparates, 
darauf die beiden seitlichen Deckmuttern an dem oberen Querbalken ab; hierauf 
lassen sich die Thermometer leicht nach oben hinausziehen. 

9. Das Laufwerk hält sich lange Zeit hindurch in gutem Gange, da es 


Zwölfler Jahrptng. Jannar 1892. AsBlTARN, AbpirationSPSTCHROMBTER. 11 

gegen Staub geschützt ist. Vor dem Rosten muss man dasselbe indess gut zu 
bewahren suchen, indem man bei Regenwetter den Uhrschlüssel, welcher die obere 
OefFnung deckt, stecken lässt und indem man in längeren Zwischenpausen die 
Radzapfen gut einölt. Um dies auszuführen, schraubt man die am Rande des 
„Kopfes" sitzenden sechs kleinen Halteschrauben heraus — wohlgemerkt nur dann, 
wenn das Laufwerk gänzlich abgelaufen ist — hebt dann die Kappe und ebenso das 
Laufwerk ab, welches leicht auseinander zu nehmen ist. Die Lager der Aspi- 
ratorscheiben reinigt man mittels eines zugespitzten Zündhölzchens. 

10. Die Injektorvorrichtung m ist dazu bestimmt, um in Fällen von etwa 
eintretender Beschädigung des Laufwerkes als Aushülfe zu dienen. Das gebogene 
Ansatzrohr für den Gummischlauch wird fest in das Rohrstück zwischen den beiden 
Hüllröhren gesteckt, die Gummibirne des Gebläses mit der Hand in einem solchen 
Tempo zusammengedrückt, dass das umstrickte Reservoir gespannt bleibt; auf 
diese Weise wird durch Mitreissen der im Mittelrohre befindlichen Luft ein kon- 
stanter Luftstrom im Apparate erzielt, welcher annähernd die gleiche Geschwindigkeit 
hat, wie der durch den Federkraft -Aspirator erzeugte. Wünscht man aus irgend 
einem Grunde eine Verstärkung der Aspiration, so erreicht man dies durch gleich- 
zeitige Anwendung des Laufwerkes und des Injektors; die Geschwindigkeit des 
Luftstromes erreicht dann 3,0 m in der Sekunde. 

11. Das Aspirationspsychrometer ist nicht zum dauernden Aufenthalt im 
Freien bestimmt, da Politur und Laufwerk Vorrichtung unter den atmosphärischen 
Einflüssen leiden würden. Man bewahrt den Apparat, wenn thunlich, in einem 
ungeheizten Räume auf, um während des Winters den häufigen Thaubeschlag zu 
vermeiden, welcher beim Transport aus kälterer Luft in ein warmes Zimmer stets 
entsteht. 

12. Bei Temperaturen unter 0° tritt, wie bei jedem Psychrometer, zuweilen 
Ueberkaltung des Wassers im Musselin des feuchten Thermometers an Stelle der 
Eisbildung ein; man erkennt dies daran, dass das Quecksilber beim Sinken am 
Gefrierpunkte nicht Halt macht, sondern schnell unter denselben sinkt. Nach 
kürzerer oder längerer Zeit erfolgt dann die Eisbildung plötzlich, was sich durch ein 
Emporschnellen des Quecksilbers auf den Gefrierpunkt kenntlich macht. Hiernach 
muss man, da das Wiedersinken langsam vor sich geht, sorgfältig den Eintritt 
des tiefsten Standes abwarten, was durch einige Probeablesungen zu kontroliren 
ist. Bleibt das Wasser länger als 5 Minuten nach der Befeuchtung überkaltet, 
dann kann man, falls der Stand des Quecksilbers konstant geworden ist, den- 
selben als den richtigen annehmen. 

13. Für grössere Reisen, zumal in den Tropen, ist eine Anzahl von Reserve- 
theilen nothwendig, welche auch in einer besonderen „Tropenausrüstung" ge- 
liefert werden. Alle Theile des Laufwerkes, besonders auch die Uhrfeder selbst, 
sind sorgfältig geölt zu erhalten. Zwei in Blechkapseln eingelöthete Reserve- 
Federtrommeln und zwei Befeuchtungsvorrichtungen werden beigegeben. Die 
Kautschukkörper bewahrt man am besten in Blechkapseln auf, welche Ammoniak- 
dämpfe enthalten. Um das Eindringen von Insekten und Staub zu vermeiden, 
verschliesse man das Instrument nach dem Gebrauche stets sorgfältig in seinem 
Futterale. 

14. Man vermeide, Kautschuk mit polirten Metallkörpern zusammen auf- 
zubewahren, da die Politur der letzteren leicht hierunter leidet. Der Windschutz- 
ring soll in dem Reisefutterale in dem Seitentäschchen des Hauptraumes, die 


12 LmDiCK, Clabk-Eleioent. Zcmcmipr rOm Imitko mmi ■jiimMa> i 


Befeuchtungsvorrichtung und das Injektorgebläsc in der unteren aufschlagbaren 
Kapsel ihren Platz finden. 

Die bisher in allen KJimaten in Gebrauch genommenen Apparate haben 
sich vorzüglich bewährt und gut erhalten; trotzdem legt der Verfasser dieser An- 
leitung grossen Werth darauf, von den Erfahrungen, welche jeder Besitzer eines 
Aspirationspsychrometers mit demselben macht, Kenntniss zu erhalten. 

Es wird demnach dringend gebeten, von Zeit zu Zeit Berichte hierüber an 
dessen Adresse, Berlin W, Schinkelplatz 6, gelangen zu lassen. 


Bemerkungen über die elektromotorische Kraft des Clark -Elements. 

Von 
Dr. St. UndeelK in Cliarlottenbarg. 

(MittheiluDg ans der Physikalisch -Technischen Reichsanstalt.) 

Die Kompensationsmethode zur Messung von Stromstärken und Spannungen 
setzt genau bekannte Widerstände und ein hinreichend konstantes und leicht her- 
stellbares Normal für die elektromotorische Kraft voraus. Wenn diese beiden 
Voraussetzungen erfüllt sind, ist die Methode den sonst gebräuchlichen Mess- 
anordnungen, bei welchen der Ausschlag eines Galvanometers beobachtet wird, 
durch ihre Empfindlichkeit, die wie bei allen Nullmethoden nur von der Leistungs- 
fähigkeit der verwandten Instrumente abhängt, bei Weitem überlegen. Die Ge- 
nauigkeit der mit ihr zu erzielenden Resultate ist durch die Genauigkeit der 
Bestimmung einer elektromotorischen Kraft in legalen Volt bedingt, sofern man 
sich auf die Konstanz dieser Grösse verlassen kann. 

Die Methode hat den grossen Vortheil, dass in ihre Ergebnisse der jeweilige 
Werth magnetischer Konstanten nicht eingeht und somit die Nothwendigkeit häu- 
figer Aichungen der Normalinstrumente nicht vorliegt. Zur Prüfung technischer 
Strom- und Spannungsmesser, wie überhaupt zu allen genauen Messungen von 
Stromstärken und Spannungen, hat sie sich in der Reichsanstalt gut bewährt. 

In dieser Zeitschrift 1690 S. 6, US und 425 ist die Konstruktion der Wider- 
standssätze und Einzelwiderstände, welche bei diesen Messungen zur Verwendung 
gelangen, ausführlich beschrieben. Die Abgleichung derselben kann mit einer 
Genauigkeit ausgeführt werden, welche die Anforderungen der Technik bedeutend 
übersteigt; nicht ausgenommen hiervon sind Widerstände von sehr kleinem Betrag 
(bis zu 0,0001 Ohm abwärts), wie sie bei der Messung hoher Stromstärken als 
Abzweigwiderstände benutzt werden. 

Als Normal für die elektromotorische Kraft ist eine grosse Anzahl besonders 
zu diesem Zweck konstruirter galvanischer Elemente empfohlen worden. Von 
einigen derselben, z. B. dem Kalomelelement, haben wiederholte Beobachtungen 
gezeigt, dass es sich durch grosse Konstanz auszeichnet. Für die Reichsanstalt 
war es indessen zunächst geboten, diejenigen Normalelemente in Betracht zu ziehen, 
deren Eigenschaften durch ausführliche Messungsreihen schon genügend ermittelt 
waren und die bereits praktische Verwendung in ausgedehnterem Maasse gefunden 
haben. Zu diesen Elementen ist in erster Linie das Quecksilbersulfat -Element von 
Clark zu rechnen, welches auf Grund der Vorarbeiten von der Reichsanstalt 
vorläufig allein zur Beglaubigung zugelassen wurde. 


Zwölfter Jahrgang. Januar 1892. LiNDKCK, Clark-Element. 13 


Von einem für die Technik bestimmten Normalelement muss, abgesehen 
von den schon erwähnten Bedingungen, verlangt werden, dass es durch den 
Transport nicht leidet. Wiewohl nun die Einrichtung der nach Angabe der Reichs- 
anstalt bis jetzt hergestellten Clark- Elemente im Hinblick auf diese Forderung 
gegenüber der sonst üblichen Form nicht unbeträchtliche Aenderungen aufweist, 
ist trotzdem die elektromotorische Kraft derselben, wie zahlreiche Messungen mit 
dem Silbervoltameter ergeben haben, in guter Uebereinstimmung mit den zuver- 
lässigsten der bisher über diesen Gegenstand angestellten Beobachtungen. Die 
eingehenden Untersuchungen über dieses Element, welche sich namentlich auch 
auf die Konstanz der elektromotorischen Kraft während längerer Zeiträume be- 
ziehen, sind indessen noch nicht völlig abgeschlossen; über ihre Ergebnisse wird 
später ausführlich berichtet werden. 

Der Zweck der vorliegenden Mittheilung ist es, zu zeigen, dass die in der 
Litteratur für die elektromotorische Kraft des Clark -Elements mitgetheilten 
Werthe, die scheinbar nicht unbeträchtlich von einander abweichen, recht gut 
übereinstimmen, wenn man sie auf dieselbe Einheit bezieht. 

Das Quecksilbersulfat-Element wurde im Jahre 1874 von Latimer Clark ^) 
vorgeschlagen. Es besteht bekanntlich aus reinem Zink, konzentrirter Zink- 
sulfatlösung und reinem Quecksilber, welches mit einer Paste aus schwefel- 
saurem Quecksilberoxydul und konzentrirter Zinksulfatlösung bedeckt ist. Die 
ursprünglichen Vorschriften von Clark für die Herstellung der Elemente sind noch 
in den meisten Lehrbüchern zu finden. Lord Rayleigh^) hat indessen später vor- 
gezogen, die Paste bei der Herstellung nicht zu kochen, wie Clark es vorschreibt; 
durch das Erwärmen der Paste kann sich nämlich leicht Oxydsalz bilden, dessen 
Vorhandensein die elektromotorische Kraft merklich beeinflusst. Clark bestimmte 
die letztere nach der Kompensationsmethode und zwar maass er die Stromstärke 
in absolutem Maasse bei einer Versuchsreihe mit einem Elektrodynamometer, bei 
einer zweiten mit einer Sinusbussole. Der Strom wurde dabei so regulirt, dass 
die Spannung an den Klemmen der zur vStromstärkemessung dienenden Apparate 
gerade durch die elektromotorische Kraft des Normalelements kompensirt wurde. 
Wenn der Widerstand der beiden Apparate bekannt war, so konnte die elektro- 
motorische Kraft des Elements in absolutem Maasse angegeben werden. Die Ver- 
suchsreihe mit dem Elektrodynamometer lieferte als Mittelwerth 1,4573 Volt bei 
15,5°, während aus den Messungen mit der Sinusbussole der Werth 1,4562 Volt 
bei derselben Temperatur folgte. Bei der Schwierigkeit solcher absoluten Messungen, 
die zu einer Zeit angestellt wurden, als auf diesem Gebiet noch nicht sehr viele 
Erfahrungen vorlagen, ist es erklärlich, dass die Zahlen in der ersten Beobach- 
tungsreihe bis zu 0,013 Volt von einander abweichen; die Beobachtungen mit der 
Sinusbussole zeigen dagegen eine bedeutend bessere Uebereinstimmung. Ferner 
gehen in die Werthe für die elektromotorische Kraft die Widerstände des Dynamo- 
meters und der Sinusbussole ein , deren Temperatur nicht genau anzugeben ist. Der 
von Clark gegebene Mittelwerth für die elektromotorische Kraft seines Elements 

1,457 Volt bei 15,5 ° 

ist somit in der letzten Stelle um einige Einheiten unsicher. Die relativen Messungen 
an einer grossen Anzahl von Elementen zeigten indess schon die gute Ueberein- 


1) Phil. Trans. 164. S. 1, (1874). 
^ Phü. Trans. 176. S. 781 (1885). 


12 LnVDICK, ClABK-KlEMBNT. ZsiTBCHKIFT für iHSTRmnUfTKKKÜKDS. 


Befeuchtungsvorrichtung und das Injektorgebläse in der unteren aufschlagbaren 
Kapsel ihren Platz finden. 

Die bisher in allen KJimaten in Gebrauch genommenen Apparate haben 
sich vorzüglich bewährt und gut erhalten; trotzdem legt der Verfasser dieser An- 
leitung grossen Werth darauf, von den Erfahrungen, welche jeder Besitzer eines 
Aspirationspsychrometers mit demselben macht, Kenntniss zu erhalten. 

Es wird demnach dringend gebeten, von Zeit zu Zeit Berichte hierüber an 
dessen Adresse, Berlin W, Schinkelplatz 6, gelangen zu lassen. 


Bemerkungen über die elektromotorische Kraft des Clark-Elements. 

Von 
Dr. St. JLlndeelK in Charlottenbarg. 

(MittheiluDg ans der Physikalisch -Technischen Reichsanstalt.) 

Die Kompensationsmethode zur Messung von Stromstärken und Spannungen 
setzt genau bekannte Widerstände und ein hinreichend konstantes und leicht her- 
stellbares Normal für die elektromotorische Kraft voraus. Wenn diese beiden 
Voraussetzungen erfttUt sind, ist die Methode den sonst gebräuchlichen Mess- 
anordnungen, bei welchen der Ausschlag eines Galvanometers beobachtet wird, 
durch ihre Empfindlichkeit, die wie bei allen Nullmethoden nur von der Leistungs- 
fähigkeit der verwandten Instrumente abhängt, bei Weitem überlegen. Die Ge- 
nauigkeit der mit ihr zu erzielenden Resultate ist durch die Genauigkeit der 
Bestimmung einer elektromotorischen Kraft in legalen Volt bedingt, sofern man 
sich auf die Konstanz dieser Grösse verlassen kann. 

Die Methode hat den grossen Vortheil, dass in ihre Ergebnisse der jeweilige 
Werth magnetischer Konstanten nicht eingeht und somit die Nothwendigkeit häu- 
figer Aichungen der Normalinstrumente nicht vorliegt. Zur Prüfung technischer 
Strom- und Spannungsmesser, wie überhaupt zu allen genauen Messungen von 
Stromstärken und Spannungen, hat sie sich in der Reichsanstalt gut bewährt. 

In dieser Zeitschrift 1890 S. ö, 113 und 4J25 ist die Konstruktion der Wider- 
standssätze und Einzelwiderstände, welche bei diesen Messungen zur Verwendung 
gelangen, ausführlich beschrieben. Die Abgleichung derselben kann mit einer 
Genauigkeit ausgeführt werden, welche die Anforderungen der Technik bedeutend 
übersteigt; nicht ausgenommen hiervon sind Widerstände von sehr kleinem Betrag 
(bis zu 0,0001 Ohm abwärts), wie sie bei der Messung hoher Stromstärken als 
Abzweigwiderstände benutzt werden. 

Als Normal für die elektromotorische Kraft ist eine grosse Anzahl besonders 
zu diesem Zweck konstruirter galvanischer Elemente empfohlen worden. Von 
einigen derselben, z, B, dem Kalomelelement, haben wiederholte Beobachtungen 
gezeigt, dass es sich durch grosse Konstanz auszeichnet. Für die Reichsanstalt 
war es indessen zunächst geboten, diejenigen Normalelemente in Betracht zu ziehen, 
deren Eigenschaften durch ausführliche Messungsreihen schon genügend ermittelt 
waren und die bereits praktische Verwendung in ausgedehnterem Maasse gefunden 
haben. Zu diesen Elementen ist in erster Linie das Quecksilbersulfat -Element von 
Clark zu rechnen, welches auf Grund der Vorarbeiten von der Reichsanstalt 
vorläufig allein zur Beglaubigung zugelassen wurde. 


Zwölfter Jahrgang. Janaar 1892. LiNDECR, Clark-Element. 13 


Von einem für die Technik bestimmten Normalelement muss, abgesehen 
von den schon erwähnten Bedingungen, verlangt werden, dass es durch den 
Transport nicht leidet. Wiewohl nun die Einrichtung der nach Angabe der Reichs- 
anstalt bis jetzt hergestellten Clark -Elemente im Hinblick auf diese Forderung 
gegenüber der sonst üblichen Form nicht unbeträchtliche Aenderungen aufweist, 
ist trotzdem die elektromotorische Kraft derselben, wie zahlreiche Messungen mit 
dem Silbervoltameter ergeben haben, in guter Uebereinstimmung mit den zuver- 
lässigsten der bisher über diesen Gegenstand angestellten Beobachtungen. Die 
eingehenden Untersuchungen über dieses Element, welche sich namentlich auch 
auf die Eonstanz der elektromotorischen Kraft während längerer Zeiträume be- 
ziehen, sind indessen noch nicht völlig abgeschlossen; über ihre Ergebnisse wird 
später ausführlich berichtet werden. 

Der Zweck der vorliegenden Mittheilung ist es, zu zeigen, dass die in der 
Litteratur für die elektromotorische Kraft des Clark -Elements mitgetheilten 
Werthe, die scheinbar nicht unbeträchtlich von einander abweichen, recht gut 
übereinstimmen, wenn man sie auf dieselbe Einheit bezieht. 

Das Quecksilbersulfat-Element wurde im Jahre 1874 von Latimer Clark^) 
vorgeschlagen. Es besteht bekanntlich aus reinem Zink, konzentrirter Zink- 
sulfatlösung und reinem Quecksilber, welches mit einer Paste aus schwefel- 
saurem Quecksilberoxydul und konzentrirter Zinksulfatlösung bedeckt ist. Die 
ursprünglichen Vorschriften von Clark für die Herstellung der Elemente sind noch 
in den meisten Lehrbüchern zu finden. Lord Rayleigh^) hat indessen später vor- 
gezogen, die Paste bei der Herstellung nicht zu kochen, wie Clark es vorschreibt; 
durch das Erwärmen der Paste kann sich nämlich leicht Oxydsalz bilden, dessen 
Vorhandensein die elektromotorische Kraft merklich beeinflusst. Clark bestimmte 
die letztere nach der Kompensationsmethode und zwar maass er die Stromstärke 
in absolutem Maasse bei einer Versuchsreihe mit einem Elektrodynamometer, bei 
einer zweiten mit einer Sinusbussole. Der Strom wurde dabei so regulirt, dass 
die Spannung an den Klemmen der zur vStromstärkemessung dienenden Apparate 
gerade durch die elektromotorische Kraft des Normalelements kompensirt wurde. 
Wenn der Widerstand der beiden Apparate bekannt war, so konnte die elektro- 
motorische Kraft des Elements in absolutem Maasse angegeben werden. Die Ver- 
suchsreihe mit dem Elektrodynamometer lieferte als Mittelwerth 1,4573 Volt bei 
15,5°, während aus den Messungen mit der Sinusbussole der Werth 1,4562 Volt 
bei derselben Temperatur folgte. Bei der Schwierigkeit solcher absoluten Messungen, 
die zu einer Zeit angestellt wurden, als auf diesem Gebiet noch nicht sehr viele 
Erfahrungen vorlagen, ist es erklärlich, dass die Zahlen in der ersten Beobach- 
tungsreihe bis zu 0,013 Volt von einander abweichen; die Beobachtungen mit der 
Sinusbussole zeigen dagegen eine bedeutend bessere Uebereinstimmung. Ferner 
gehen in die Werthe für die elektromotorische Kraft die Widerstände des Dynamo- 
meters und der Sinusbussole ein, deren Temperatur nicht genau anzugeben ist. Der 
von Clark gegebene Mittelwerth für die elektromotorische Kraft seines Elements 

1,457 Volt bei 15,5° 

ist somit in der letzten Stelle um einige Einheiten unsicher. Die relativen Messungen 
an einer grossen Anzahl von Elementen zeigten indess schon die gute Ueberein- 


1) Phü, Trans, 164. Ä i. (1874). 

2) Phü. Trans. 176. Ä 781 (1885). 


14 Lindeck ) Clabk-Klrhent. Zeitschrift für Ikstroiibntexxuvde. 


Stimmung verschiedener, in derselben Weise hergestellter Elemente, da die nach 
der Kompensationsmethode ermittelten Abweichungen von je zweien 0,001 Volt selten 
übersteigen. Dem Werth 1,457 Volt liegt die Annahme zu Grunde, dass die im 
Auftrage der British Association fo7' the advancement of science in den Jahren 1863 und 
1864 reproduzirte Einheit des Widerstandes {B. A. Einheit) das theoretische Ohm 
(10^ 0. G. S. Einheiten) darstellt. 

Im Jahre 1881 wurde indessen von Lord Rayleigh und Schuster und 
dann von Lord Rayleigh^) allein nachgewiesen, dass die British Association {B. A,) 
Einheit um etwa 1,3 % kleiner als das theoretische Ohm ist. Die obige Angabe von 
Clark bezieht sich somit auf B, A.Volt, 

Die sorgfältigsten Versuche über das Clark -Element rühren von Lord 
Rayleigh und Mrs. Sidgwick her.^) Die absolute elektromotorische Kraft der 
Elemente wurde nach der Kompensationsmethode mit dem Silbervoltameter er- 
mittelt; dabei wurde der von Rayleigh gefundene Werth für das elektrochemische 
Aequivalent des Silbers zu Grunde gelegt, der bekanntlich mit dem Werth von 
F. und W. Kohlrausch bis auf einige Zehntausendstel übereinstimmt. Es wurden 
im Ganzen an mehr als 100 Elementen Messungen vorgenommen und zur Feststellung 
einer etwa vorhandenen Veränderlichkeit der elektromotorischen Kraft mit der Zeit 
272 Jahre hindurch fortgesetzt. Wegen der Einzelheiten der Versuchsanordnung 
und der für das Clark-Element sehr günstigen Ergebnisse muss auf die Original- 
arbeiten verwiesen werden. 

Rayleigh giebt als Mittelwerth für die elektromotorische Kraft des Normal- 
elements 

1,454 B. A. Volt bei 15° C, 

also einen um 0,003 Volt kleineren Werth als Clark. Da nach den Messungen des- 
selben Beobachters 

1 B, A. Einheit = 0,9867 theoretische Ohm 

ist, so folgt für die obige Grösse auch 

1,435 theoi'etische Volt bei 15° C. 

Beide Werthe theilt Rayleigh als Schlussergebniss seiner umfangreichen Arbeiten mit. 

Bei der Umrechnung der in England üblichen Einheiten für Widerstand 
und Spannung in die durch den Pariser Kongress vom Jahre 1884 festgesetzten 
ist Folgendes zu beachten. 

Das in England nach dem zweiten Pariser Kongress fakultativ zugelassene 
legale Ohm^) wurde mit Hilfe der damals vorliegenden Bestimmungen von Ray- 
leigh und Mascart, Nerville und Beivoit über den spezifischen Widerstand 
des Quecksilbers in B, A. Einheiten so definirt, dass man 

1 legales Ohm = 1,0112 B, A, Einheiten 

setzte. Zahlreiche spätere Bestimmungen haben indessen ergeben, dass der in 
B.A.Einheiten ausgedrückte Widerstand einer Quecksilbersäule von 106 rm Länge 
und 1 qfn)n Querschnitt bei 0° um 0,0005 kleiner ist, als damals angenommen 
wurde. Trotzdem ist diese Beziehung bis zu Anfang 1891 in England von dem 
Electrical Stawlards Comynittee of the British Association zur Grundlage ihrer Angaben 
gemacht worden. Streng genommen bestehen also unter dem Namen des legalen 

1) IM. Tram. 173. S. 06 1. {lS8i>). 

2) IfiiL Trans, 775. S. 41h {ISS4) und IM. Trans. J7H. S. 781. (1885). 

3) Vgl. ülazebrook, The Electrician 27. S. 615. (1891.) 


Zwölfter Jahrgang. Januar 1892. LiNDECK , Clabk-Elememt. 15 


Ohm zwei verschiedene Einheiten, deren eine in bekannter Weise durch den 
Widerstand einer Quecksilbersäule von 106 cm Länge und 1 qmm Querschnitt bei 
0°, während die andere durch eine gewisse Beziehung zur Einheit der British 
Association delinirt ist. Bei der Vergleichung der Resultate von elektrischen Prä- 
zisionsmessungen muss die erwähnte Korrektion, die für technische Messungen 
ohne Belang ist, jedenfalls berticksichtigt werden. Das wahre Verhältniss zwischen 
dem von dem Pariser Kongress des Jahres 1884 angenommenen legalen Ohm 
und der B, A, Einheit wird mit einer Genauigkeit von etwa 0,0001 durch die Be- 
ziehung 

1 legales Ohm = 1,0107 B, A. Einheit 
festgelegt.^) 

Nach diesen Bemerkungen ist somit die elektromotorische Kraft des Clark- 
Elementes nach den Bestimmungen von Lord Rayleigh: 

^^ = 1,4386 legaU Volt bei 15°. 

Legt man das Mittel der von Rayleigh und F. und W. Kohlrausch für das elektro- 
chemische Aequivalent des Silbers gefundenen Zahlen zu Grunde [1 Ampere ist 
danach die Stromstärke, welche in der Stunde 4,025 ^r Silber niederschlägt], so 
findet man endlich unter Vernachlässigung der vierten, unsicheren Dezimale für 
die elektromotorische Kraft des Clark-Elementes: 

1,438 legale Volt bei 15°. 

Ausser den Werthen von Clark und Rayleigh liegen noch einige andere 
auf Beobachtungen beruhende Angaben über die elektromotorische Kraft des 
Quecksilbersulfat-Elements vor. Ich unterlasse es jedoch, dieselben mit Ausnahme 
der Bestimmung von v. Ettingshausen, hier zu berücksichtigen, da sie aus 
wenigen Messungen gelegentlich anderer Untersuchungen erhalten wurden und 
nicht den Anspruch erheben, als Beiträge zur genauen Ermittlung der elektro- 
motorischen Kraft des Normalelements betrachtet zu werden. 

V. Ettingshausen^) findet 1,433 theoretische Volt bei 15,5°. Reduzirt man 
diese Zahl auf 15° und drückt sie in denselben Maasseinheiten aus wie den obigen 
Werth von Rayleigh, so erhält man 1,436 legale Volt, Wie man sieht, sind beide 
Resultate in befriedigender Uebereinstimmung mit einander. 

Nach den zahlreichen bisher in der Reichsanstalt ausgeführten absoluten 
Bestimmungen, über welche, wie oben erwähnt, bald ausführlich berichtet werden 
soll, dürfte der mittlere Werth für die elektromotorische Kraft des Clark- 
Elementes bei 15° zwischen den von Rayleigh und Ettingshausen gemachten 
Angaben liegen. 

Nach vorstehenden Darlegungen erklären sich die verschiedenen in der 
Litteratur zu findenden Werthe ohne Mühe. 

Die meisten Lehrbücher (Kohlrausch, Wiedemann, Mascart und 
Joubert, Everett) geben den Rayleigh' sehen Werth 1,435 theoretische 


1) Neuerdings vollzieht sich in England die Einführung eines neuen Ohmwerthes (Vgl. 
The Electrician 1891. S. 490), welcher in der Absicht, die praktische Einheit des Widerstandes dem 
theoretischen Werth möglichst anzupassen, als der Widerstand einer Quecksilbersäule von 106,3 cm 
Länge und 1 «/wm Querschnitt bei 0° definirt wird. Da sich der Werth für das Volt natürlich 
ebenfalls um 0,3% ändert, so wird man in Zukunft das Fehlen einer international giltigen lieber- 
einkunft über die elektrischen Grundmaasse noch mehr vermissen als bisher. 

2) 2kitschr. für Elektrotechnik 2. S. 484, (1884). 


16 LlVOECK, ClABK- Clement. ZkiTSCRHIFT für lygTRUMESTEXKÜUDK. 

Volt bei 15 Grad, der für den praktischen Gebrauch jedenfalls durch 1,438 
legale Volt ersetzt werden muss. In Kittler 's Handbuch der Elektrotechnik findet 
sich die Zahl 1,442 Volt bei 15°, die auch in die früheren Auflagen von 
Uppenborn's Kalender übernommen worden war; sie ist durch Reduktion 
des ungenauen Werthes von Latimer Clark (1,457 B, A. Volt) unter der An- 
nahme erhalten, dass 1 legales Ohm gleich 1,0106 B, A. Einheiten ist (anstatt 
1,0107, wie aus den neueren Messungen folgt). Würden die zwischen 1,433 bis 
1,442 Volt bei 15° liegenden Litteraturangaben auf verschiedenen absoluten Be- 
stimmungen beruhen , so wäre das Clark-Element kaum geeignet als Normal der 
elektromotorischen Kraft zu dienen. In Wirklichkeit stimmen aber, wie wir 
gesehen haben, nach den nöthigen Reduktionen die Werthe ganz gut mit ein- 
ander überein. 

Für den Temperaturkoeffizienten des Clark -Elements sind von einzelnen 
Beobachtern Werthe gefunden worden, welche nur die Hälfte der von Rayleigh 
und Anderen ermittelten Zahlen (etwa 0,001 Volt Abnahme der elektromotorischen 
Kraft für 1° Temperaturerhöhung) betragen. Zum Theil wenigstens kann dieser 
Mangel an Uebereinstimmung in der folgenden Weise erklärt werden. In mancher 
Hinsicht mag es vortheilhaft erscheinen, die Abmessungen der Elemente grösser 
zu wählen, als dies Lord Rayleigh gethan hat. Sobald aber das Zink in diesen 
grösseren Elementen vertikal angeordnet ist, befindet es sich bei einer Erwärmung 
des Elements in Schichten verschieden konzentrirter Zinksulfatlösung. Am Boden 
des Geftlsses, wo die Lösung mit Zinkvitriolkrystallen in Berührung ist, wird 
sich eine für die höhere Temperatur gesättigte Lösung bilden, während die oberen 
Schichten sehr lange Zeit eine geringere Dichte behalten. Da nun die elektro- 
motorische Kraft des Clark-Elements mit abnehmender Konzentration zunimmt, 
so muss oflfenbar der negative Temperaturkoeffizient des Elements zu klein aus- 
fallen, wenn man es nicht sehr lange Zeit auf konstanter höherer Temperatur hält. 
Sorgt man aber dafür, dass die Zinksulfatlösung nicht nur rasch die äussere 
Temperatur annimmt, sondern auch das Zink sich seiner ganzen Ausdehnung nach 
in einer für diese Temperatur konzentrirten Lösung befindet, so hat der an sich 
ziemlich grosse Temperaturkoeffizient von etwa —0,001 Volt keinen nachtheiligen 
Einfluss auf die Genauigkeit der Messungen. Bei den von der Reichsanstalt bisher 
ausgegebenen Elementen erlaubt ein in die Lösung tauchendes Thermometer die 
Temperatur derselben genau zu bestimmen; ferner ist der elektromotorisch wirk- 
same Theil des Zinks horizontal gelß.gert. 

Jedenfalls erfüllt das Clark-Element die Anforderungen, welche man an 
ein derartiges Normal stellen kann, am besten von den bisher ausführlich unter- 
suchten Normalelementen, da sich mit Hilfe desselben Messungen von Stromstärken 
und Spannungen auf etwa 0,001 genau ausführen lassen. 

Will man bei der einzelnen Messung das Clark-Element selbst nicht zu 
Grunde legen, so lässt es sich als Ersatz für die zeitraubenden Messungen mit 
dem Silbervoltanieter zur Aichung von Normalinstrumentcn benutzen. Da die 
Physikalisch -Technische Reichsanstalt die Prüfung von Clark- Elementen gegen 
eine geringe Gebühr übernimmt, so kann jeder Elektriker sich leicht von der 
Richtigkeit seiner Normale vergewissern. 


ZwOlftw Jahrgang. Janaar 1892. LiNDBCK, FlEMINO-Elembnt. 17 


Ueber die elektromotorische Kraft des Normalelements von Fleming. 

Vott 
Dr. St. lilndeck in Gharlottenburg. 

(Mittheilung aus der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt.) 

Wie C. L. Weber^) kürzlich mit Recht hervorgehoben hat, ist der Werth, 
welcher bisher für das Normal-Daniell von Fleming*) gegolten hat, ganz erheblich 
unrichtig. Das Element besteht aus reinem, amalgamirtem Zink, aus frisch mit einer 
Kupferhaut galvanisch überzogenem Kupfer und aus Lösungen von Zinksulfat 
und Kupfersulfat von näher anzugebender Konzentration. 
Bei Verwendung von 

CwÄO* -Lösung vom spez. Gewicht 1,200 bei 15° 
und ZnSO' ^ „ „ „ 1,200 „ „ 

findet Fleming als Mittel aus etwa 50 Messungen die elektromotorische Kraft: 

1,102 theoretische also 1,104 legale^) Volt 
Für Cu SO* -Lösung vom spez. Gewicht 1,100 bei 15° 

und ZnSO* „ „ „ „ 1,400 „ „ 

ergab sich 

1,072 theoretische also 1,074 legale Volt, 

Voller*) benutzte nach Angaben, welche im Centralblatt für Elektrotechnik^) 
mitgetheilt waren, 

Kupfersulfatlösung vom spez. Gewicht 1,102 bei 19,5° 
und Zinksulfatlösung „ „ „ 1,196„„ 

und erhielt als elektromotorische Kraft im Mittel: 

1,075 legale Volt bei 18°. 
Die in der Arbeit von Voller hervorgehobene nahe üebereinstimmung mit dem 
Werthe 1,072 von Fleming ist also nur eine scheinbare^ da sich der letztere Werth 
auf eine ganz andere Konzentration bezieht. C. L. Weber hat aus dem Ausschlag 
eines geaichten Spiegelgalvanometers den Werth 1,10 Volt bei 17° für die von 
Voller benutzte Kombination von Lösungen abgeleitet, eine Zahl, die ich durch 
eigene Versuche bestätigt gefunden habe. 

Zu den in der Reichsanstalt angestellten Messungen wurde ein von Eber- 
mayer in München bezogenes Fleming- Element benutzt, dessen elektromotorische 
Kraft bei verschiedener Konzentration der Lösungen nach dem Kompensations- 
verfahren bestimmt wurde. Als Normal diente dabei ein mehrfach mit dem Silber- 
voltameter kontrolirtes Clark- Element. Bei den Messungen, bei welchen eine 
Aenderung der elektromotorischen Kraft von 0,0001 Volt bequem beobachtet werden 
konnte, ist jedenfalls eine Genauigkeit von 0,001 der zu messenden Grösse erreicht 
worden. Nach Fleming giebt das Normalelement die besten Resultate bei 
Verwendung von reinem, amalgamirtem Zink und Kupfer, welches frisch mit einer 
Kupferhaut überzogen ist; bei den endgiltigen Messungen benutzte ich stets die 
Elektroden in dieser Beschaffenheit. 


1) Elektrotechnische Zeitschrift 1891. Ä 18L 

2) PfiiL Mag, V. 20. S, 126, (1885). 

^) Die Angaben von Fleming müssen zur Umrechnung auf legale VoU mit dem Verhältniss 

*.^- multiplizirt werden. 

<) ZerUralölatt für Elektrotechnik 10. S. 684. (1888). 
5) Zentralblatt für Elektrotechnik 8. S. 711 (1886.) 


18 


LmDKCK, Flemiho - Elemeht. ZsiTSCHsirr FÜR IxsTaumsTBinnTHDK. 


Amalgamirtes und unamalgamirtes Zink verhalten sich nur dann in Zink- 
vitriollöBong elektromotorisch gleich werthig, wenn man mit vollkommen reinem, 
galvanisch niedergeschlagenem Zink arbeitet und die Lösung auf's Sorgfältigste 
neutralisirt. Bildet man dagegen ein galvanisches Element aus chemisch reinem 
Zink des Handels in amalgamirtem und solchem in unamalgamirtem Zustand und 
Zinkvitriollösung, so kann man mit der Zeit veränderliche elektromotorische Kräfte 
bis zu einigen Hundertstel Volt beobachten und zwar vertritt das amalgamirte 
Zink die Stelle des positiven Metalls. Unamalgamirtes, blank geschabtes Zink ver- 
hält sich noch etwas elektronegativer als ein Zinkstab, welchen man durch Eintauchen 
in verdünnte Schwefelsäure und nachheriges Abspülen in destillirtem Wasser gereinigt 
hat. Amalgamirte Zinkstäbe, die aus verschieden reinem Metall hergestellt sind, 
unterscheiden sich dagegen nur sehr wenig ^) in ihrem elektromotorischen Ver- 
halten, da Verunreinigungen durch positivere Metalle als Zink in der Regel nicht 
vorhanden sind. Bei den von mir angestellten Versuchen wurden sieben Stäbe aus 
Zink von verschiedener Herkunft und Reinheit benutzt, unter welchen sich eine 
besonders sorgfältig gereinigte Sorte befand. Ebenso ergaben verschiedene Kupfer- 
elektroden, die aus zwei Kupfersorten hergestellt waren, keinen merklichen Unter- 
schied in der elektromotorischen Kraft; sie wurden häufig frisch verkupfert und 
dabei stets möglichst rasch aus dem galvanischen Bad in das Element gebracht, 
nachdem sie vorher mit destillirtem Wasser abgespült waren. Die einige Male 
neu bereiteten Lösungen von Zinksulfat und Kupfersulfat brachte ich mit Hilfe 
eines empfindlichen Aräometers auf die unten verzeichneten Dichten. Um die 
Diffusion der Lösungen in einander auszuschliessen, wurde die Flüssigkeit der 
Trennungsschicht häufig entfernt. 

In der nachfolgenden Tafel sind die für verschiedene Kombinationen von 
Lösungen beobachteten elektromotorischen Kräfte aufgeführt; zum Vergleich mit 
den von mir erhaltenen Ergebnissen sind die von anderen Beobachtern gefundenen 
(auf legale Volt umgerechneten) Werthe beigefügt. Die eingeklammerten Zahlen 
bedeuten die Zahl von Messungen, aus welchen die nebenstehenden Mittelwerthe für 
die elektromotorische Kraft berechnet sind. Wegen der Kleinheit des Temperatur- 
koeffizienten des Daniell-Elements war es nicht nöthig, die Beobsichtungeu auf 
eine gemeinschaftliche Temperatur umzurechnen. Die von mir beobachteten Werthe 
beziehen sich auf eine Temperatur von 18 bis 20°. 


Spezifisch. Gewicht 

Elektromotorische 

Kraft in 

(legalen) Volt 

Beobachter 

ZnSO* 

CuSCH 


1,200 

1,200 

1,104 (etwa 50) 

1,104 

1,106 (29) 

Fleming 

Rayleigh-') 

L. 

1,200 

n 

1,100 

1,075 (14) 
1,10 (9) 
1,101 (31) 

Voller 

Weber 

L. 

1,400 

1,100 

1» 

1,074 — 1,083 
1,087 (40) 

Fleming 
L. 


») Vgl. Swinbume, The EUcincian 1891, S. 500. 
2) FhiL Tram. 176. S. 800. 


Zwölfter Jahrgang. Janaar 1892. Afpel, Freie Hemmung. 19 


Für die erste Kombination von Lösungen, die eigentlich als Fleming'sches 
Normalelement bezeichnet werden muss, stimmen also die vorhandenen Beobach- 
tungen gut mit einander überein. Für Lösungen vom spezifischen Gewicht 1,2 
bezw. 1,1 weicht der von Voller erhaltene Werth um 2,3 % von dem von Weber 
und mir gefundenen ab. Wahrscheinlich rührt diese Abweichung daher, dass Herr 
Voller, wie er mir mitzutheilen die Güte hatte, unamalgamirtes Zink als Elektrode 
verwandte. Die elektromotorische Kraft kann dann in üebereinstimmung mit von 
mir angestellten Beobachtungen um 2 bis 3 51» geringer ausfallen wie bei Ver- 
wendung von amalgamirtem Zink, und zwar wird, wie schon oben erwähnt ist, 
der durch das Amalgamiren hervorgerufene Unterschied um so geringer sein, je 
•reiner die verwandte Zinksorte war. Für die letzte Kombination schliesslich giebt 
Fleming den Werth (1,072 theoretische j also) Ifil 4 legale Volt'^ bei der Bestimmung 
des Temperaturkoeffizienten dieses Elements wird indessen auch ein Werth 1,083 
Volt^) mitgetheilt, der dem von mir beobachteten wesentlich näher liegt. Gerade 
bei einem mit diesen Lösungen zusammengesetzten Element sind die Werthe der 
elektromotorischen Kraft recht konstant, so dass der Unterschied beider Resultate 
schwer zu erklären ist. 

Ich habe es unterlassen, die einzelnen Versuchsergebnisse ausführlich mit- 
zutheilen, da das Fleming-Element dem Clark-Element an Konstanz bei Weitem 
nicht gleichkommt. Die elektromotorische Kraft ändert sich nach dem Zusammen- 
setzen in wenigen Minuten oft um 0,001 bis 0,002, so dass der Vortheil des sehr 
kleinen Temperaturkoeffizienten kaum in Betracht kommt. Ebenso sind kleine 
Aenderungen in der Dichtigkeit der Lösungen von geringerem Einfluss als diese 
zufälligen Aenderungen. 


Eine freie Hemmung mit vollkommen unabhängiger und freier 

Unruhe oder FendeL 

Von 
Mecbaniker 1>. Appel in Cleveland, Ohio, ü. S. A. 

Als ich mich Anfangs des Jahres 1884 aus Liebhaberei mit Studien über 
freie Hemmungen beschäftigte, führten mich meine Untersuchungen am 10. März 
desselben Jahres auf eine neue Hemmung mit vollkommen unabhängiger und 
freier Unruhe oder Pendel und mit beliebig grosser Schwingungsweite. Die Kraft- 
übertragung auf die Unruhe oder Pendel erfolgt bei diesem neuen Prinzip nicht 
direkt, sondern durch Vermittlung der Spirale (oder der Pendelfeder), welche 
nicht am Uhrgehäuse, sondern am Anker befestigt ist und, im geeigneten Moment 
von diesem entgegengesetzt der Unruhe oder Pendelschwingung hin und her be- 
wegt, die Spannung der Spirale oder der Pendelfeder erhöht und hierdurch der 
Unruhe oder dem Pendel einen Impuls ertheilt. Dieses lässt sich auf verschiedenen 
Wegen erzielen, je nachdem die Hemmung auf Chronometer, Pendeluhren oder 
wie in dem zu beschreibenden Fall als Regulator für Triebwerke, z. B. bei kleineren 
Aequatorealen oder Heliostaten u. s. w. Anwendung finden soll; für letzteren Zweck 
ist die neue Hemmung so konstruirt, dass sie mit Leichtigkeit noch einen be- 
deutenden Kraftüberschuss zu bewältigen vermag, ohne dass ihre Funktion als 

1) a. a. 0. Ä 136, 

2* 


20 Apfel, Fbbis UBMMCiRa. ZurrgOBEirT rO« IitTBDHcmKHL-si»: 

exakter Zeitmesser dadurch beeinäusEt würde. Diese schwere Probe hat das theilweise 
in der Abbildung mit der neuen Hemmung dargestellte und nach Sternzeit regulirte 
Uhrwerk im Juni 1890 an einem vierzöUigen Aequatoreal von Warner & Swassy 
erfolgreich bestanden. 

Das angewandte Uhrwerk war eine „Loth-Thomas''-Uhr mit achttägigem 
Gang, gewöhnlicher Ankerhemmung und mit Viertelsekunden- Unruhe. Das Werk 
wurde für stärkere Eraftäusserung und für die neue Hemmnng entsprechend abge- 
ändert und auf die einfachste Art mit dem unteren Ende der Polaraxe des Aequa- 
toreals verbunden. Um schliesslich einen entsprechenden und möglichst gleich- 
förmigen Druck der Triebfedern zu erzielen und das Werk vor unnützer Abnutzung 
zu bewahren, wurden die Bodenräder mit Sperren versehen, welche bei jedesmaligem 
Aufziehen nur eine anderthalbstflndige Laufzeit gestatten. Es ist jedoch besser, 
Uhrwerke mit Gewicht- anstatt Federtrieb zu verwenden, — 

Die Hemmung ist nach einem meiner Modelle vom Jahre 1887 konstruirt; 
das Steigrad besteht hier aus zwei, fest 
mit einander verbundenen Theilen, dem 
grossen sechszähnigen Ruherad Ä mit je 
drei Zähnen auf jeder Seite und dem 
kleinen dreizähnigen Heberad A', wovon 
der eine Zahn durch die Axe ver- 
deckt ist. — 

Die Ankeraxe, welche als eine 
FortsetzungderUnruheaxezubetracbten 
und in der Abbildung verdeckt ist, trägt 
zwei fest mit einanderverbundene Anker, 
wovon der eine C C' die Auslösung des 
Ruherades und der andere DD' während 
der Drehung desselben durch ä' die Hebung bezw. die Anspannung der Spirale be- 
wirkt, deren freies Ende an einer Verlängerung E des Hebeankers DD' befestigt ist. 
Es sei hier noch erwähnt, dass an der Stelle des früheren Steigrades noch 
ein Rad mit 48 Zähnen und einem sechszähnigen Getriebe, zwischen dem neuen 
Steigrad und dem Rekundenzeigerrad , eingeschaltet werden musste, um das Vor- 
eilen der Uhr, welches durch das neue, nur sechszfihnige Steigrad verursacht wurde, 
wieder zu korrigiren. 

Die Figur stellt die Hemmung dar in dem Moment, in welchem sich die 
Unruhe B in der Richtung eines Uhrzeigers bewegt und soeben ihre Ruhelage 
passirt hat. Die wachsende Spannung der Spiralfeder F bewirkt nun im nächsten 
Moment die Befreiung des Ruherades Ä durch den Auslöseanker C; in diesem 
Augenblick wird durth die Drehung des Steigerades der längere Arm des Hebe- 
ankers D' durch den unteren Stift des Heberades A' nach rechts geschoben und 
die Spannung der Spiralfeder erhöht; inzwischen schwingt die Unruhe vollends 
aus und bewirkt, njichdcm sie ihre Ruhelage in entgegengesetzter Richtung eines 
Uhrzeigers passirt hat, in gleicher Weise die Auslösung des Ruherades durch den 
in der Abbildung fast verdeckten Ankerarm Cund verursacht in demselben Moment 
durch das Heberad a' die Bewegung des oberen kürzeren Ankerarms D' nach 
links. Die Hemmung hal nun wieder dieselbe Stellung wie in der Abbildung und 
sobald die Unruhe von ihrer Schwingung nach links zurückgekehrt und ihre Ruhelage 
passirt hat, sind wir wieder an dcnisclbcn Punkte angelangt, mit welchem wir 


ZwdifUr Jihrgug. Juiiu isss. KtiniERS HiTTHnLmam. 21 

die ErkläruD}!; begonnen haben. Dasselbe Spiel wiederholt sich bei jeder Doppel- 
schwinguiig, ohne dasa die Unruhe durch das Räderwerk beeinflusat oder während 
ihres Ausschwingens durch die Hemmung gestört würde.') 


Kleinere (Original-) Mitthellnngen. 

Veber NirellirstatiTe. 


PiOf. Dr. 

Die Anordnung der Stative für Nivellirinstrumente verlangt deswegen eine besondere 
Ueberlegung, weil beim Nivelliren, im Gegensalz zum Winkel messen, die Aufstellungen 
ungemein zahlreich sind, so dass 50 bis 100 Aufstellungen an einem Tage nichts 
seltenes sind. Eiue kleine Erleichterung oder Zeitersparung beim Aufstellen eines 
NiTclIirstatives fällt daher bedeutend ins Gewicht nnd kann das Schlussergebniss wesent- 
lich beeinflussen , namentlich auch insofern , als ein glatter und rascher Verlauf des 
Nivellirverfahrens im ganzen von Einfluss auf das Maass systematischer kleiner Fehler 
ist nnd auf die Wabracbeinüchkeit, dass solche beim Hin- ' und Kücknivelüren sich 
aufheben . 

Für die Wahl des Nivellirinstrnmentes ist es nun ein wesentlicher Unterschied, 
ob man auf ebener fester Landstrasse oder auf dem Schotterweg einer Eisenbahn 
oder sonst auf un regelmässigem Lande nirellirt. Auf Landstrassen und in StJidten habe 
ich das von der trigonometrischen Abtheilung unserer Landesaufnahme übernommene 
Verfahren der Stativanfstellung angewandt und vortrefflich erprobt gefunden, nämlich 
auf der Platte eines gewöhnlichen Statives eine schwach empfindliche Dosenlibelle 
anzubringen, welche durch Rücken der Stativbeine nahezn zum Einspielen gebracht wird, 
was die Gehilfen rasch mit wenigen Handgrifien lernen Der Nivellirende selbst hat 
dann nur noch wenige Griffe an den Stellschrauben des Nivellirinstrumentes selbst 
anzuwenden, da ja durch das Kücken der Stativbeine bereits Alles nahezu horizontal 


Nach diesem Verfahren habe ich 1881 in Baden und 188G bis 1887 viele und 
genaue Nivellirungen gemacht, und dabei durch Ausbilden jener einfachen Handgriffe 
bei befriedigender Genauigkeit zugleich grosse Nivellirge- 
schwindigkeit erzielt. Dagegen auf Eisenbahnen lässt sich 
das nicht machen, weil jedes Stativbein in dem grob- 
steinigen Schotter einen festen Platz erlangen muss und nur 
in grossen Sätzen, aber nicht stetig bewegt werden kann. 

Um diesem Uebelstande abzuhelfen, hat Herr Mecha- 
niker Randhagen in Hannover uns das in Fig. 1 darge- 
stellte Stativ hergestellt, bei welchem nach dem Festtreten 
oder Festsetzen der drei Stativfussspitzen, in jeder Stativ- 
beinlÄnge noch eine Verlängerung oder Verkürzung vor- 
genommen werden kann durch Schlitzbewegung mit gegen- 
wirkender Spiralfeder. Hiermit wird an einem, zweien 
oder auch an allen dreien Beinen so lange gedrückt oder Fig- i- 

gezogen, bis die Dosenlibelle L oben auf dem Stativkopfe einspielt. 

1) Der beschriebeneu Hemmung liegt dasselbe Priuzip zu Grunde wie dem in dem D. It. 
P. No. 50739 {a. d. Ztaihr. 1891. S. 37) von Riefler in München angewendeten. Nacb der oliigen 
Mittheilung, sowie nach früheren , der Redaktion liereits verjähren gegebenen Nacli richten dürfte 
Herrn Appel die Priorität der Auwcndung des Prinzipes, den Impuls nicht unmittelbar den starren 
Theilen der schwingenden Unruhe, sondern diesen durch die Spirale (,bezw. die Fendelaufhöngung) 
KU ertheilen, gebühren. O. llcd. 


. ^ Klufkri HiTTiuTLiniciiv> 

Eine zweite Konstniktion zu dem fraglichen Zwecke zeigt Fig. 2, welche nach 
Mittheilung des rianzösichcn Enlincssuiigs- Ingenieurs Lalleiunnd für unsere Sammlung 
von Medianikev Bortliölniy in l'aria angeachafft 
wurde (und oben für unsere Zwecke mit dem Auf- 
satzstück D versehen ist). Das Wesen dieser 
Konstniktifln bestellt darin, dasa der ganze Ober- 
theil B gegen das eigentliche Stativ A durch ein 
Kugelgelenk verstellbar gemacht iat, welches mit 
der Zentralschraube C regiert und dann festgestellt 
wird , wenn die Dosenlibelle L nahezu einspielt. 
Endlich zeigt Fig. 3 eine schon seit Jahi-en 
von uns geplante und durch Verhandlungen niit 
Herrn Mechaniker Randhagen zur Ausführung 
gebrachte Konstruktion nach dem System der 
Cardani'schen Aufhängung. Es war zuerst be- 
absichtigt, die Unlerlagsplatte B des Niveliir- 
instrumentes in loser Cardani'scher Aufliängung 
'^' gegen das eigentliche Stativ A pendeln und durch 

ein unten angehängtes starkes Gewicht einspielen „ 

zu lassen, worauf das Feststellen durch die Kurbel K 
erfolgen sollte. Der Erfolg war aber nicht günstig, 
und deshalb brachten wir statt des Zentralgew ich tes 
eine Einstellung durch drei grobe Stellschrauben S, 
mit der Dosenlibelle L, in Anwendung. Diese 
Schrauben iS haben doppelte Gänge mit einer wirk- 
samen Ganghöhe von 5 mm; es genügen daher nur 
wenige Umdrehungen, um auch eine ganz erhebliche 
Neigung der Platte B rasch auszugleichen. Beim 
Nivelliren selbst hatte ich einen Assistenten zum 
Ablesen der Li bell entheile am Instrumente; mit 
diesem Assistenten war ich bald so eingearbeitet, 
daas wir, nach Festtreten der Stativheine, ohne 
Rücksicht auf die Neigung der Platte A, ge- 
meinsam die drei groben Schrauben iS* in Angrifi ^"f- ^' 
nahmen, bis die Blase bei L einspielte, worauf ei-st das eigentliche Nivellirinstrument, 
das auf B aufgesetzt ist, in Wirksamkeit trat. Die Handgriffe mit den drei groben 
Schrauben S (welche nach Einspielen von L alle drei scharf pressen müssen) waren bald 
so mechanisch eingeUht, dass wir bei einem mittleren Nivellirfehler von 2mm auf Ihn 
auf der Eisenbahn eine Geschwindigkeit von l,r( Am für eine Stunde erreichten. Diese 
Konstruktion Fig. 3 hat sich von den dreien, Ftg. 1, 2, 3, bei unseren Versneben am 
besten bewahrt, Uebrigens könnte auch das Kugelgelenk von Fig. 2 mit den di-ei groben 
Schrauben S von Fig. 3 konstruirt werden. 
Hannover, G. November 1891. 


Sie internatioiiale elektroteohniBohe Anutellimg zu FranUort a. M. 
Von einem erBchGpfonden Bericht über die filr die Entwicklung der Elektrotechnik 
bedeutungsvolle intomalionale elektrotechnische Ausstellung zu Frankfurt a. M., nniss an 
dieser Stelle abgesehen werden, da der grösate Theil der Ausstellungsgogenstjtndc deu 
Zielen dieser Zeitschrift fei-n liegt. Es kann sich hier nur um eine Besprochung derjenigen 
Instrumente und Apparate handeln, welche in das Gebiet der wissenschatUichen und 


Zwölfter JfthrgftD^. Juin»rl892. KlbiHBRB MimiBILüKOKEr. 23 

techüischen Messkunde fallen, oder für die Technik der Feinmechanik Bedeutung haben. 
Wir wollen im Folgenden zunächst einen kurzen Ueberblick über diesen Theil der Aus- 
stellung geben und dann auf einige besondere Gruppen näher eingehen. 

Die Physikalisch -Technische Keichsanstalt hatte eine Anzahl der nach 
ihren eigenen Konstruktionen ausgeführten Apparate zur Ausstellung gebracht. Ausserdem 
gaben eine Anzahl von Kurven die Resultate einiger von der Anstalt ausgeführten Unter- 
suchungen wieder, z.B. Über da^ Verhalten verschiedener Materialien in Bezug auf elektrischen 
Widerstand bei verschiedenen Temperaturen, sowie das magnetische Verhalten von Eisen, 
Stahlsorten und Legirungen. 

Die reichhaltige und durch bequeme Vorführung der Objekte ausgezeichnete Aus- 
stellung der Firma Siemens & Halske behalten wir einer besonderen Betrachtung vor. 

Die Apparate von Professor Hertz zum Nachweis der Reflexion, Brechung und 
Polarisation elektrischer Strahlen, welche von der technischen Hochschule zu Karlsruhe 
ausgestellt waren, sind zwar bekannt, doch würde bei der grossen Bedeutung derselben 
unser Bericht unvollständig sein, wenn wir sie nicht kurz skizzirten. Die Apparate be- 
stehen aus zwei parabolischen Hohlspiegeln; in der Brennebene des einen derselben be- 
findet sich der die Schwingungen erregende Leiter. Ein grosses Asphaltprisma dient dazu, 
den aus dem Hohlspiegel tretenden elektrischen Strahl zu brechen. Ein Drahtgitter zum 
Zwecke des Nachweises der Polarisation elektrischer Strahlen sowie ein Apparat zum 
Nachweise der Induktion durch dielektrische Verschiebung vervollständigte die Sammlung. 

Das optische Institut von A. Krüss in Hamburg hatte eine Anzahl seiner Instrumente 
vorgeführt. Photometerköpfe verschiedener Konstruktion, eine Hef ner-Lampe mit optischem 
Flammenmaass nach Krüss (das Bild der Flamme erscheint auf einer matten, getheilten 
Glasscheibe), Stative für Glühlampen zum Photometriren, um die Lampe in jeder Lage 
messen zu können, ein Spektrophotometer nach Vierordt. u. s. w. 

G. A. Schnitze in Berlin zeigte ein Femthermometer, sowie einen Fem Wasserstands- 
anzeiger mit Moenich'schem Femmessinduktor. Der letztere ist unseren Lesern bekannt 
(vgl, diese Zeitschr. 1889. S, 122) und es bleibt nur zu erwähnen, dass der Zeiger 
eines Metallthermometers mit der Axe der drehbaren Spule verbunden ist Bei dem 
Wasserstandsanzeiger wird in der bei diesen Apparaten üblichen Weisö die jeweilige 
Wasserhöhe auf die Lage der Spule übertragen. 

Die Firma Pintscb in Berlin hatte eine Gülcher Thermosänle zur Erzeugung von 
Elektrizität durch direkte Wärmeumsetzung vorgefiihrt. Die Säule besteht aus einer 
Reihe hintereinandergeschalteter Antimon - Nickel - Elemente. Durch Gasflämmchen wird 
eine Erhitzung der Löthstellen herbeigeführt, während zur Abkühlung des Antimontheiles 
an demselben ein flaches Kupferblech befestigt ist, welches gleichzeitig zur leitenden 
Verbindung mit dem Nickel des nächsten Elementes dient. Die Säulen, welche in 
verschiedenen Grössen gebaut werden, besitzen eine elektromotorische Kraft von 3,6 
bezw. 1,8 Volt und gestatten bei einem äusseren Widerstände von 0,4 Q eine Strom- 
entnahme von 4,5 Ampere. In einer Zeichnung war die Konstruktion einer Thermosäule 
für eine Spannung von 80 Volt und für Erhitzung mittels Kohle dargestellt. 

Elster & G eitel in Wolffenbüttel hatten eine Anzahl lichtelektrischer Vakuumzellen 
ausgestellt. Um das Verhalten dieser Zellen vorzuführen, war eine mit Kalium gefüllte in 
einer lichtdichten Metallkapsel eingeschlossen. Die Kaliumoberfläche stand mit dem 
positiven Pol einer Trockensäule (abwechselnd aufgeschichtetes Gold- und Silberpapier) 
in Verbindung; an eine in die Zelle eingeschmolzene Elektrode war der negative Pol 
angelegt. Oeffnet man die Kapsel, so dass Licht auf die Zelle fällt, so findet eine Ent- 
ladung der Trockensäule statt, die an einem Aluminiumelektroskop bemerkbar wird. 

Zur Demonstration von Induktionsströmen , die in Metallmassen durch Bewegung in 
einem magnetischen Felde erzeugt werden, dient ein von Prof. von Wal tenhofen -Wien 
konstmirtes Induktionspendel. Dasselbe besteht aus einem Elektromagneten und einem 
zwischen den Polen desselben schwingenden, aus einem kräftigen Kupferstücke berge- 


24 Rlvinerb MiTTHnLUHOSH. ZBiTSOHRirr rOR Ikstrdmshtckkvkdk. 


stellten Pendel. Wird das letztere in Schwingungen versetzt, so gelangt es bei Erregung 
des Elektromagneten in kurzer Zeit zum Stillstand. — Derselbe Gelehrte hatte noch eine 
elektromagnetische Differentialwaage vorgeführt; dieselbe beruht auf der Wahrnehmung, 
dass das Anwachsen des Magnetismus eines durch einen elektrischen Strom magnetisirten 
Eisenstückes nicht proportional der Stromstärke, sondern je nach Form des magnetisirten 
Theiles verschieden erfolgt. Der Apparat besteht aus einem Waagebalken, an dessen 
einem Ende sich ein Eisenrohr befindet, während am andern ein Eisenstab hängt. Die 
beiden Eisenstücke ragen im Ruhezustand der Waage gleich tief, etwa mit einem Drittel 
ihrer Länge in je ein Solenoid, welche beide hintereinander geschaltet sind und die 
gleichen Wicklungsverhältnisse besitzen. Wird ein schwacher Strom in die Spulen ge- 
sendet, so findet eine Einziehung des Eisenrohres statt, die so lange andauert, bis bei 
Steigerung des Stromes eine bestimmte Stromstärke erreicht ist, bei welcher der Eisen- 
stab gleich stark und im weiteren Verlaufe kräftiger mngnetisirt wird. Es werden sich 
bei graphischer Darstellung der Magnetisirung von Rohr und Stab zwei sich schneidende 
Kurven ergeben. 

Um Störungen von Taschenuhren durch magnetische Beeinflussung, besonders in 
der Nähe von Dynamomaschinen, vorzubeugen, ist man bemüht gewesen, die besonders 
geflihrdeten , bisher aus Stahl angefertigten Theile, aus anderen Metallen herzustellen. 
Am besten haben sich hierzu das Palladium und einige Legirungen dieses Metalles geeignet 
gezeigt. Die Hauptschwierigkeit lag in der Herstellung der Kompensationsunruhe; diese 
Schwierigkeit ist jedoch gehoben und auf der Ausstellung waren sogenannte „unmagnetische^ 
Uhren ausgesellt von Schlesicky und von Dr. 0. May in Frankfurt a. M. — An dieser 
Stelle möge ein kleiner Apparat zum Entmagnetisiren von Taschenuhren erwähnt werden. 
Derselbe besteht aus einem Stahlmagneten, der sich in rasche Rotation versetzen lässt. Man 
bringt den magnetisirten Theil in die Nähe eines Poles und entfernt ihn sodann unter fort- 
währendem Polwechsel, bis eine Einwirkung nicht mehr stattfindet. Ein anderer dem 
gleichen Zwecke dienender Apparat besteht aus einer Spule, deren Hohlraum zur Auf- 
nahme einer Uhr eingerichtet ist; durch die Spule wird ein Wechselstrom gesendet, 
während dessen Dauer die Uhr langsam herausgezogen wird. Auf solchem oder ähn- 
lichem Wege lassen sich magnetisch gewordene Uhren wieder auf einige Zeit in Stand setzen; 
das Veifahren wird jedoch meist immer ein unvollkommenes bleiben. 

Dr. C. Fröhlich -Aschaffenburg hatte einen Seismographen mit elektrischer Registrir- 
Vorrichtung ausgestellt, über welchen bereits in dieser Zeitsckr, 1888. jS.i^i berichtet worden ist. 

Eine grosse Anzahl ihrer registrirenden , den verschiedensten Zwecken dienenden 
Mess-, Kontrol- und Zählapparaten waren von der Firma RicJiard Frires-Vaiis zur Aus- 
stellung gebracht worden; dieselben haben bereits mehrfach in dieser Zeitschrift aus- 
führlich Erwähnung und Würdigung gefunden. 

Neben einer Anzahl von Unterrichtsapparaten, verschiedenen Handdynamomaschinen, 
Glühlampen zur Demonstration derselben, kleiner Bogenlampen u. s. w., war die Firma 
C. E. Fein -Stuttgart mit einer Reihe ihrer medizinischen Apparate vertreten^ unter 
Anderen mit einem grossen stationären Apparat zur Erzeugung galvanischer und faradischer 
Ströme; den elektrischen Strom lieferte eine aus 60 Braunsteinzylinderelementen be- 
stehende Batterie; die zur Schaltung bez. Aenderung des Stromes erforderlichen Apparate 
bestanden aus einem Kurbelstromwähler , Rheostate, Stromwender, Induktionsapparat mit 
Unterbrecher, Milliamperemeter mit veränderlicher Empfindlichkeit. Weiter zeigte dieselbe 
Firma noch einen Apparat zur Ausleuchtung von Geschützrohren, bestehend aus ver- 
schiedenen Glühlampen, dazu verschiedene Halter und Spiegel, 

Peyer, Favarger & Cie. in Neuenburg (Nachf. von M. Hipp) hatten ebenfalls eine 
Anzahl von Registrirapparaten neben einigen anderen Präzisionsinstrumenten ausgestellt; 
unter Anderm sei ein Geschwindigkeitsmesser für Eisenbahnen erwähnt, bei welchen die 
höchst erreichte Geschwindigkeit durch einen Zeiger markirt wird , der zur Kontrole stehen 
bleibt und nur bei Oeffhen des Instrumentes zurückgedreht werden kann; der Apparat be- 


Zwölfter Jahrgang. Janaar 1892. Rbfebatb. 25 


sitzt feiner eine elektrische Kontaktvorrichtung zum Signalisiren bei Ueberschreitung der 
normalen Schnelligkeit. 

Das elektrotechnische Institut von Braunschweig in Frankfurt hatte insbesondere 
eine grössere Anzahl von elektromedizinischen Apparaten vorgeführt; Apparate für Gal- 
vanisation, Faradisation , Galvanokaustik waren in zweierlei Ausführung vertreten, ent- 
weder zum Anschluss an elektrische Lichtleitungen oder zum Betriebe mit Elementen oder 
tragbaren Akkumulatoren eingerichtet. Induktionsapparate mit getheilten Wickhingen zur 
Vornahme verechiedener Schaltungen , sowie die dazu gehörigen Stromunterbrecher zeigte 
dieselbe Firma in verschiedenen Konstruktionen. Ein pendelartiger Unterbrecher erlaubt 
die Anzahl der Unterbrechungen in der Minute innerhalb 25 und 2000 beliebig zu 
verändern. Das Pendel wird durch einen Elektromagneten in Bewegung erhalten. — 
Ein walzenförmiger Unterbrecher erhält seinen Antrieb durch ein Uhrwerk. Die Ueber- 
tragung der Bewegung findet mittels einer Friktionsscheibe statt, an deren Fläche recht- 
winklig ein mit der Walze verbundenes Rädchen angreift und den je nach seiner verschieb- 
hai*en Stellung in der Nähe der Axe oder der Peripherie der Scheibe eine verschiedene 
Geschwindigkeit ertheilt werden kann. — Eine Influenzmaschine derselben Firma, zum 
Betrieb mittels Elektromotor eingerichtet, dient zur Franklinisation. Erwähnt seien endlich 
noch Elektroden verschiedenster Foi-m, sowie Apparate zur Beleuchtung innerer Körpertheile. 

Die Firma Reiniger, Gebbert & Schall in Erlangen hatte ebenfalls in 
grösserer Zahl elektromedizinische Apparate ausgestellt; eine Anzahl stationärer Batterie- 
schränke, sowie transportable Batterien mit den erforderlichen Schaltvorrichtungen für 
die Elemente, sowie den Zwischenapparaten für die verschiedenen Zwecke, femer Gal- 
vanometer für ärztliche Zwecke mit horizontaler oder vertikaler Skale. Eine für medi- 
zinische Zwecke sehr praktische Form von Widerständen besitzt die Fabrik in ihren 
Graphitrheostaten ; dieselben bestehen aus Graphitstäbchen, auf welchen Schleiffedem an- 
gebracht sind, die als Kontakte dienen. 

Mit elektro-medizinischen Apparaten waren femer Blänsdorf Nachf. -Frank- 
furt a. M., Weich mann -München und J. Brän dl i- Basel vertreten. Die erstere Firma 
zeigte Batterien für Galvanisation, Faradisation, Galvanokaustik und innere Körperbeleuchtung, 
die Fiiina Weichmann verschiedene Batterien, Induktionsapparate nebst Zubehör und 
Galvanometern, während J. Brän dl i neben einer Batterie für konstante Ströme, ein 
als Normalinduktionsapparat bezeichnetes Instrument ausgestellt hatte; dasselbe ist mit 
verstellbarem Unterbrecher besonderer Konstruktion versehen, auf dessen Einrichtung in 
dieser Zeitschrift später näher eingegangen werden soll. — E. Albrecht in Tübingen 
hatte einige galvanokaustische Apparate verschiedener Konstruktion vorgeführt, sowie 
eine Batterie nach Angabe von Prof. Bruns. — Dr. B rose -Berlin zeigte Apparate zur 
Erzeugung aller vom Arzte benöth igten Stromstärken mittels des Beleuchtangsgleichstromes. 

Zahnärztliche Apparate waren von Schäfer & Mo ntanus- Frankfurt und 
E. Simonis-Berlin in je einem vollständig eingerichteten Operationszimmer ausgestellt. 
Zu erwähnen sind hiervon die mit Elektromotor betriebenen Bohr und Schleifmaschinen, 
sowie einige Mundbeleuchtungs- und galvanokaustische Apparate. 

Die Firma M er? -München hatte neben verschiedenen Arbeiterschutzmitteln, einer 
neuen Elementfüllung, dem „Graphiton," Glimmer in verschiedener Form, als dünne Platten 
zur Verwendung für Membrane, als Isolirmaterial, sowie als Spiegel, Scheiben und Glocken 
für elektrisches Licht ausgestellt. (Fortsetzung folgt.) 


Referate. 

Besohreibnng des am Eiffelthnrm angebrachten Manometers von SOO m Länge. 

Von L. Cailletet. Jaurn, de Phys, IL lO. S, 268. {1891,) 
Verfasser hat den Eiffelthurm benutzt, um an ihm ein überall zugängliches Mano- 
meter von 300 m Länge für einen Druck von 400 Atmosphären, anzubringen. Die 


26 RsnoiATS. ' ZuTScnnirr rOs IvsntcimrnuncDXD*- 


Einrichtung desselben ist die folgende. Das Manometerrohr von 4,5 7nm innerem Durch- 
messer ist von weichem Stahl und steht mit einem unten befindlichen Quecksilbergefäss 
in Verbindung. Aus letzterem kann mit Hilfe einer hydraulischen Pumpe das Quecksilber 
in das Stahlrohr gepresst werden. An dem Kohr sind in Abständen von 3 w Hähne 
angebracht, welche dasselbe mit über 3 m hohen vertikalen Glasröhren in Verbindung 
setzen können. Hinter diesen befinden sich Maassstäbe zum Ablesen der Quecksilberkuppe 
aus gefirnisstem Holz. Letzteres wurde dem Metall wegen seiner ünveränderlichkeit gegen 
metereologische Einflüsse in Kichtung der Faser vorgezogen. Da das Manometer wegen 
der Gestalt des Thumies nicht in vertikaler Richtung hinaufgeführt werden konnte, liegen 
die Maassstäbe nicht über einander. Der Anschluss zweier auf einander folgender Maass- 
stäbe wurde deshalb mit einem kommunizirenden, mit Wasser gefüllten Glasrohr und zur 
Kontrole mit einem durch eine Wasserwaage horizontal gelegten Lineal bestimmt. Zur 
weiteren Kontrole wurden die vertikalen Abstände bestimmter Marken am Manometerrohr 
durch geodätische Messungen festgestellt. 

Wenn nun ein bestimmter Druck hergestellt werden soll, welcher in den Bereich 
eines gewissen Glasrohrs fällt, so wird dieses mit dem Manometerrohr in Verbindung gesetzt 
und das Quecksilber in dem Manometer emporgetrieben, bis es auch das Glasrohr bis zu 
der beabsichtigten Stelle füllt. Um dies mit der gewünschten Schnelligkeit und Genauigkeit 
bewirken zu können, ist nnten am Quecksilbergefäss ein Federmanometer angebracht, welches 
zwei Theilungen trägt, wovon eine den Druck in Atmosphären anzeigt, während die Zahlen 
der anderen den Hähnen am Manometer entsprechen. Ist das Quecksilber soweit gestiegen, 
so kann man es zurücktreiben, indem man Wasser aus der Pumpe in einen graduirten 
Zylinder austreten lässt, der die Menge des herausgelassenen Wassers anzeigt. Natürlich 
müssen an dem Apparat zwei Beobachter beschäftigt sein, der eine unten an der Pumpe, 
der andere bei der Quecksilberkuppe. Beide stehen durch Telephon in Verbindung. 

Von den Korrektionen, welche zur Erzielung des genauen Werthes des Druckes 
nöthig sind, ist diejenige die schwierigste, welche durch die ungleiche Temperatur des 
Quecksilbers nöthig wird. Um die letztere zu bestimmen, dienen registrirende Thermo- 
meter und Widerstandsmessungen, welche am Telcphondraht vorgenommen werden. 
Die Aenderung der Thurmhöhe mit derjenigen der Temperatur beeinflusst das Ergebniss nicht 
erheblich, da eine Aenderung der Temperatur um 30 die Höhe nur um 1 dm, also 
etwa um Vanoo ihres Werthes vermehrt oder vermindert. E. Br. 


lieber den Angriff von Glas durch Wasser nnd eine elektrische Methode 

zur Bestimmung desselben. 
Vm E. Pfeifer. Wied, Ann, 44. S. 239, {189 J). 

Nach den Versuchen von F. Kohlrausch über die Leitfähigkeit der Elektrolyte 
in wässriger Lösung ist es bekannt, dass man durch Bestimmung des Loitungsvermögens 
sehr kleine Verunreinigungen im Wasser mit grosser Schärfe ermitteln kann. Auf die 
Möglichkeit, das Leitungsvermögen von Wasser, welches mit Glasoberflächen in Berührung 
war, zu einer Beurtheilung der Angriffsfahigkeit der letzteren zu benutzen, hat der Verfasser 
bereits früher hingewiesen. Indem er nunmehr das Ziel verfolgt, auf solche Weise zu einem 
genauen, zahlenmässigen Vergleiche verschiedener Gläser zu gelangen, hat er zunächst sein 
Augenmerk auf das nähere Studium des Angriffs von Wasser auf Glas überhaupt gerichtet. 
Die dabei angewandte Methode ist die folgende: Glaszylinder, deren Oberflächen genau 
gemessen sind, werden in Porzellangefässen mit gewogenen Wassermengen bei genau be- 
stimmter Temperatur andauernd in Berührung gelassen; dabei nimmt das Leitungsvermögen 
des Wassers einen wesentlich höheren Werth an, als es beim Stehen in Porzellangefässen 
allein erhält. Die sich so ergebende Zunahme des Leitungsvermögens ist ein direktes 
Maass der Angi*eifbarkeit des Glases durch das Wasser, da diese, wenigstens bei niederer 
Temperatur, so gut wie ausschliesslich auf der Alkaliabgabe des Glases beniht, und die 


Zwölfter JfthrgftBg. Januar 1892. Rbferatb. 27 


Zunahme der letzteren der Zunahme der Leitfähigkeit proportional ist. Die Versuche, 
welche mit aller, bei der ausserordentlichen Empfindlichkeit der Methode unerlässlichen 
Sorgfalt angestellt wurden, ergaben zunächst für die Temperaturen von 10°, 20° und 30° 
in der ersten Zeit der Berührung des Glases mit Wasser eine verhältnissmässig starke 
Löslichkeit desselben ; diese nimmt jedoch rasch ab und geht, nachdem sie zunächst noch 
kleinen Schwankungen unterlegen ist, schliesslich in einen Werth über, welcher sich sehr 
lange konstant erhält. Nur bei einer Versuchsreihe von 30° konnte vom 310. Tage der 
Einwirkung des Wassers an ein langsames Sinken der Löslichkeit des Glases wahrgenommen 
werden; diese schliessliche Abnahme schien dem Verfasser mit einer sich bemerklich 
machenden Zerstörung der Oberfläche zeitlich zusammenzufallen. Die Löslichkeit des 
Glases ist in sehr hohem Grade von der Temperatur abhängig; für eine bestimmte 
■Temperatur wird sie vermindert, wenn das Glas vorher mit Wasser von höherer Tem- 
peratur genügend lange Zeit in Berührung war; je höher diese Temperatur ist, um so 
grösser ist die Verminderung der Löslichkeit des Glases; durch andauernde Behandlung 
des Glases mit Wasser von niederer Temperatur wird seine Löslichkeit für eine höhere 
Temperatur jedoch nicht wesentlich geändert. Verfasser hat nur eine einzige Glassoi-te 
untersucht; die von ihm mit dieser gewonnenen Ergebnisse stimmen, wie man sieht, mit 
denjenigen überein, zu denen Mylius und Foerster (diese Zeitschrift 189L S. Sil) in 
einer gleichzeitig mit der vorliegenden fertig gestellten Arbeit gelangten. Die Resultate 
der letzteren unterscheiden sich von denen des Verfassers dadurch, dass die von jenen 
angewandte Methode gestattet, die vom Glase gelösten Alkalimengen direkt in dem 
Gewicht der ihnen äquivalenten Mengen Natron oder Kali anzugeben. Der Grössen- 
Ordnung nach die vom Glase abgegebenen Alkaliniengen zu schätzen, gestattet auch die 
elektrische Methode, wenn man in Betracht zieht, dass auf Quecksilber von als Ein- 
heit bezogen, die Leitfähigkeit von normaler Kalilauge = 220. 10~', diejenige von normaler 
Natronlange = 200. 10""' zu setzen ist. Auf diese Weise wurde ermittelt, dass von dem 
vom Verfasser angewandten Glase, welches im Wesentlichen 65,21^ <Si Oj, 12,23% CaO^ 
17,37% A^tts und 1,80% K^ 0, ausser kleinen Mengen von Fe^ Os, Al^ 0«, Ph und Mn 
enthielt, auf 1 qcm Oberfläche bei 20° in 1 Stunde 1 bis 2 Millionstel Milligramme sich 
auflösen, wenn die Löslichkeit ihren konstanten Werth erreicht hat. Der Grössenordnung 
nach stimmt auch dieses Resultat mit den Ergebnissen von Mylius und Foerster überein. 
Es sei schliesslich noch bemerkt, dass das elektrische Leitungsvermögen von Wasser, 
welches mit Glas in Berührung ist, nur so lange ein direktes Maass für die Löslichkeit 
des Glases sein kann, als sich fast ausschliesslich Alkali auflöst; sobald die entstandene 
Alkalilösung auch Kieselsäure aufnimmt, welche dann mit dem gelösten Alkali zu einem 
Silikat zusammentritt, hört die Proportionalität zwischen Leitungsvermögen und der 
Menge gelöster Glassubstanz auf, da eine Alkalisilikatlösung schwächer leitet als eine 
Lösung, welche dieselbe Menge an freiem Alkali enthält. Eine nennenswerthe Lösung 
der Kieselsäure wird aber nur bei ziemlich niederer Temperatur (bei 20 etwa)* vermieden, 
in anderen Fällen kann sie recht beträchtlich werden. F, 

lieber das Ansteigen des Eispunktes bei Qnecksilbeithennometem aus Jenaischem 

Normalglas n. 
Von F. All ihn. Zeitschr. f. analyt. Chemie. 29. S. 381. (1890,) 
Der Verfasser hat seine früheren Versuche über die Eispunktserhebung der Thermo- 
meter aus Jenaer Glas nach längerem Liegen (Zeitschr. f, anal, Chemie, 28. S. 435) fortgesetzt. 
Während nach dreijährigem Liegen ein Anstieg des Eispunktes von 0,03° eingetreten war, 
bewirkte ein weiteres Jahr nur noch ein Ansteigen von etwa 0,01 

Ferner untersuchte Verf. die Eispunktserhebung der Jenaer Thermometer durch 
längeres Erhitzen auf hohe Temperatur. In Uebereinstimmung mit den Versuchen von 
Wiebe findet er, dass bei einer öfter wiederholten Erwämmng auf etwa 300 zunächst 
eine starke Erhebung des Eispunktes eintritt, die bei jeder folgenden Erwärmung immer 


28 


Referate. 


ZbITSOHRIFT FÜB iNSTBUlfCNTKITKÜKOB. 


scbwächer wird. Das Jenaer Glas verhält sich hierbei etwa doppelt so günstig als das 
gewöhnliche Thüringer Thermometerglas. Es empfiehlt sich deshalb, die neu angefertigten 
Thermometer vor Herstellung der Skale 30 Stunden auf etwa 300° zu erhitzen, um den 
Eispunkt von vornherein zu heben, worauf auch, schon Wiebe hingewiesen hatte. 

E. Br. 

Eine eisfaohe Modifikation der PoggendorfiTschen Spiegelablesimg. 
Notiz von H. E. J. G. du Bois aus Haag. Wied, Ann, 38. S, 494. (1^89.) 
Der Verfasser schlägt eine nahe liegende Modifikation der Foggendorff* sehen Spiegel- 
ablesung für solche Fälle vor, wo es nicht bequem ist, das Femrohr bei der Skale 
aufzustellen, z. B. wenn man den Spiegel, dessen Drehung bestimmt werden soll, selbst 

mit der Hand in Bewegung 
setzen niuss und zu dem 
Zweck das Ferarohr in der 
Nähedesselben habenmöchte. 
Wenn in nebenstehender 
Figur Ä, den Spiegel, ÄÄ 
die Skale, F' das Femrohr 
in der gewöhnlichen An- 
ordnung bedeutet , so bringt 
der Verfasser einen zweiten 
Spiegel bei 5* an. Wird 
dann das Ferarohr in F 
aufgestellt, wo 2^ so gewählt 
ist, dass sein Spiegelbild 
in Bezug auf S^ in F' liegt, 
so wird die Berechnung einer 
Winkeldrehung von St genau 
wie früher vor sich gehen 
müssen. Dasselbe ist der 
Fall, wenn man F in Rich- 
tung seiner Axe verschiebt, 
es etwa ganz nahe an S^ 
nach Fl heranbringt. Man hat dann noch den Vortheil, dass man bei einem gegebenen 
Femrohr die Skale fast doppelt so weit wie früher von Si entfernen kann, wodurch 
die Empfindlichkeit nahe verdoppelt wird. 

Der Spiegel S^ kann am Femrohr selbst angebracht sein; er muss natürlich über 
der Ebene der Figur liegen, wenn die Mitte von Ä A nicht durch ihn verdeckt werden 
soll. Es ist einleuchtend, dass nach dieser Methode, wenn S^ geeignet gerichtet ist, das 
Fernrohr an jedem beliebigen Orte des Beobachtungsraumes aufgestellt werden kann. 

E. Br. 

Zur Praxis der Oefiiermethode. 
Von E. Bechmann. Zeitschr, f. physik. Chemie, 7. S. 823, {1891) 
An dem vor einigen Jahren {Zeitschr. f. physik, Chemie. 2. S, 638 u. 715.) vom Verf. 
angegebenen Apparat zur Bestimmung des Gefrierpunktes von Lösungen wurden im Laufe 
der Zeit noch einige Abändemngen und Ergänzungen angebracht, die in der vorliegenden 
Abhandlung mitgetheilt werden. Wenn nämlich das angewandte Lösungsmittel der zu 
untersuchenden Substanz hygroskopisch ist, so muss man dafür sorgen, dass die Luft- 
feuchtigkeit keine Fehler vemrsacht, da durch Wasseraufnahme der Gefrierpunkt um 
einige Zentigrade falsch werden kann. Diese Fehlerquelle ist hei dem beschriebenen 
Apparat dadurch vermieden, dass während des Versuchs ein Strom trockner Luft durch 
denselben geleitet wird. 



Es werden sodann einige Gefrierpunktsbestimmnngen in Phenol (Erslamingspunkt 
40 bis 42°) und NapLtalin (Schmelzpunkt 79 bis 70) mitgetLeilt, um zvi zeigen, dass der 
Apparat auch fiir höher schmelzende Lösungsmittel geeignet ist. Die Versuche beziehen 
sich auf Napbtalin und Benzoesäure in Phenol als Lösungsmittel und auf eine Lösung 
von Autbracen in Kaphtalin. ' Zum Schlüsse sind noch einige Bemerkungen über das 
Eintragen der Substanz in das Lösungsmittel und das Einleiten des Erstarrens zugeffigt. 
Das Letztere geschieht durch den „Impfstift", einen Stift, der aus Krystallen der be- 
treffenden Substanz besteht, und mit dem man nach Erreichung der Erstarrungstemperatur 
die Flüssigkeit in Berührung bringt. E. Br. 

Apparat zur ErUntenuig den Druokes eissB ruhenden Hhwerea Körpers. 
FffB 0. Reichel. Zdtschr. f. d. j>hys. u. ehem. VnUrr. 4. S. 290. (JSül.) 
Der Appai'at soll den Nachweis ermöglichen, dass der Druck oder Zug, den ein 
ruhender fester Körper auf den ihn unterstützenden, in Bezug auf die Erde rahenden, 
festen Körper ausübt, auf dieselben sehr kleinen Antriebe zurückgeführt werden kann, 
durch die man die Einwirkung 
der Erde auf einen nicht unter- 
stützten Körper zu erklären 
pflegt. 

An der lothrechten Zunge 
eines Waagebalkens ist eine 
kreisförmige Scheibe recht- 
winklig zur Längsaxe der letz 
teren befestigt. Gegen ihre 
Mitte strömt unter rechtem 
Winkel und unter gleichbleiben- 
dem Drucke ein Wasserstrahl, 
dessen Einwirkung durch eine 
•tn den Waagebalken gehängte 
Masse m ausgeglichen wird. 
Der Aufhängepunkt und der 
Mittelpunkt der Scheibe haben 

von dem Drehpunkt der Waage gleichen Abstaud. Nach Entfernung der Waage fliesst 
der Wasserstrahl parallel einer Zinktafel, die in Qiiadratzentimete.r eingelbeilt ist. Sie 
gestattet die Koordinaten mehrerer Punkte der Aiisflussparabel abzulesen und daraus die 
Ausflussgeschwindigkeit v des Wasserstrahls zu berechnen. Bestimmt man ferner durch 
Wägung die Wassermenge, die wülirend einer bestimmten Zeit ausströmt, so kann man 
die Wasserma3se w bei-echnen, die während einer Sekunde mit der Geschwindigkeit t' auf 
die Scheibe einwirkte. Es ergiebt sich nun aus den liechnungen und den Versuchen, 
daaa der Stoss {w. v) des gegen die Scheibe strömenden Wassrrs so gross ist wie der Dnick 
(m. g) des Gegengewichts. H. H. M. 

KorrenmeBger. 
Vm Kahle-Endler. Zeitschr. f. Vennes&uiigswifscii. -40. S. 217. {Ja9]). 
Der hier beschriebene einfache Apparat besteht aus einem in einer Gabel ge- 
lagerten Fabrrfidchen von 100 m«i Umfang, welches auf der Fläche nahe dem Rande 
eine Eintheilung trägt. An der dem Xnllstrich entsprechenden Stelle ist die Theüebene 
mit einem Einschnitt versehen, dessen eine Begrenzungsflächc senkrecht in die Radebene 
schneidet, während die andere Flüche scliräg verläuft. In diesen Einschnitt schnappt bei 
jeder Umdrehung des Rades ein leicht federnder, an der Gabel befestigter Zahn ein und 
macht so dem Gefühl wie dem Gehör die Zahl der beim Abfahren vollendeteu Um- 


80 Referate. Zkitschrift fük Ihstrüukktekkvbds. 


drehtingen und damit die Anzahl der gemessenen Dezimeter erkennbar. Zu dieser Grösse 
tritt bei Messungen noch die an der Theilung abzulesende Anzahl von Millimetern hinzu. 
Für genauere Zwecke wird es noch erfoi-derlich , die Reduktion dieser Ablesungen auf 
wahre Millimeter durch Abfahren von Strecken bekannter Länge zu bestimmen. I\ 

DaB Plesiometer. 

Von E. Luschin v. Ebengreuth. Oesterreich. Zeitschrift für Berg- w. Hüttenwesen, 

S9. S. 509. (1891.) 

Unter dem gesuchten und ohne die gegebene nähere Worterklärung (Annähenings- 
incsscr) den meisten Lesern wohl unverständlichen Namen „Plesiometer" wird Einrichtung 
und Gebrauch eines Instrumentes beschrieben, das als „Visirkompass'' oder „Diopter- 
bussole*^ seit Beginn des vorigen Jahrhunderts bei Feldmesser- und Markscheidearbeiten 
allgemein im Gebrauche ist und sich in ähnlicher Form und Einrichtung in den ver- 
breitetsten Lehrbüchern der praktischen Geometrie und Markscheidekunst (beispielsweise 
bei Nicolaus Voigtel (1714), August Beyer (1749), Julius Weisbach (1859), 
Liebenam (1876) und Brathuhn (1884) abgebildet und beschrieben findet. Am aus- 
führlichsten ist die vielseitige Anwendbarkeit dieses altbekannten Instrumentes wohl in 
der Zeitschrift für das Berg- Hütten- und Salinenwesen im preussischen Staate Bd. IX. 1861 
von dem älteren Brathuhn in einer Abhandlung y^ Beschreibung eines Visirapparates zur 
Messung horizontaler Winkel mit dem Qrtibenkompass^ erörtert und insbesondere auch auf 
die Vorzüge hingewiesen worden, welche die Zugmessung in ablenkendem Gebirge mit 
diesem Visirinstrument gegenüber dem Ziehen mit Kreuzschnüren und dem Doppelhänge- 
zeug bietet. 

Zu der vorliegenden neuen (?) Konstruktion mag noch bemerkt werden, dass die 
Anwendung von Dioptern bei Grubenmessungen grosse Unbequemlichkeit bietet, da, wie 
der Verfasser selbst sagt, das Visiren mit Dioptern in der Grube nur möglich ist, „wenn 
der Gehilfe eine Lampe über dem Haupte des Visirenden hält'' und mit derselben den 
innen versilberten Theil> des Objektivdiopters beleuchtet. Die Anwendung eines kleinen 
Fernrohrs oder Linsendiopters ist auch sonst wegen der grossen Visirschärfe und Hellig- 
keit des Fernrohrbildes den veralteten Diopterflügeln entschieden vorzuziehen und das um 
so njehr, als sich mit einem kippbaren Visirrohr ein Höhenbogen zum Messen der Neigungs- 
winkel in einfacher Weise verbinden lässt. M, Seh. 

Nener HeberextraktionBapparat atus Glas. 

Von J. T. Willard und G. H. Failyer. Chem. Netvs. 64. 194. 

Von dem Soxhl et' sehen Extraktionsapparat unterscheidet sich der von den Ver- 
f«ssern beschriebene Apparat durch grössere Einfachheit der Konstruktion. Der mittlere 
Theil desselben, in welchem die Extraktion stattfinden soll, steht nach unten mit 
dem die Extraktionsflüssigkeit enthaltenden Kochkolben, nach oben mit dem Kühlrohr 
durch SchliflB in Verbindung. Das Mittelstück trägt seitlich nach unten, gleich- 
sam wie eine Tasche, ein röhrenförmiges Ansatzstück, in welches die zu extrahirende 
Substanz, in Fliesspapier gepackt, gebracht wird. Auf dem Grunde dieses Gefässtheiles 
mündet der kürzere Ann eines Hebers, dessen längerer Arm durch das Mittelrohr hinab 
bis in die Kochflasche reicht. Die aus dieser sich entwickelnden Dämpfe werden im 
Kühlrohr verdichtet; das untere Ende des letzteren ist so ausgezogen, dass die zurück- 
tropfende Extraktionsflüssigkeit auf die in der Seitentasche des Apparates befindliche 
zu extrahirende Substanz fliesst. Hat die Flüssigkeit Über der letzteren eine gewisse 
Höhe erreicht, so tritt der Heber in Wirksamkeit. Derselbe hat mit Ausnahme einer 
geringen Erweiterung an der Biegungsstelle höchstens 2 mm lichte Weite; in Folge der 
Kapillarität steigt daher die Flüssigkeit im Heber eher bis an die Biegung, als bis sie 
den Kand des eigentlichen Extrahirgefässes erreicht; dieses wird dadurch rasch entleert 


Zwölfter Jahrgsng. J&naar 1892. Neu ERSCHIENENE BÖCHER. 31 


und aus dem Külilrohr aufs Nene gefüllt; dies Spiel wiederholt sich in regelmässiger 
Aufeinanderfolge mit grosser Sicherheit. Der Apparat wird meist in massigen Dimensionen 
gehalten, etwa so, dass der Inhalt der Kochflasche 100 cmi beträgt; doch kann er ge- 
legentlich auch grösser ausgeführt und auch dann noch mit Vortheil verwendet werden. 

F. 


Neu erschienene Buelier. 

J. Violle, Lehrbuch der Physik. Deutsche Ausgabe von Dr. E. Guralich, Dr. L. Holborn, 
Dr. W.Jäger, Dr. D. Kreichgauer, Dr. St. Lindeck, Assistenten an der Physi- 
kalisch-Technischen Keichsanstalt. Verlag von J. Springer. Berlin. I. Band. 
b Lieferungen k M. 2,00. 

Dies Werk, welches in Frankreich schon vor seiner Vollendung eine grosse Ver- 
breitung gefunden hat, wird aus vier Theilen bestehen: I. Mechanik, IL Akustik und 
Optik, III. Wärme, IV. Elektrizität und Magnetismus. Von diesen sind im Original 
zwei Bände, die „Mechanik" und die „Akustik" erschienen, während die „Optik" sich 
im Druck befindet. Die Eeichhaltigkeit des Inhalts und die fesselnde Darstellung, 
besonders bei der Beschreibung der historischen Entwicklung wissenschaftlicher Probleme 
sind besondere Vorzüge dieses Lehrbuches, so dass dasselbe eine willkommene Er- 
gänzung der auf diesem Gebiete bereits vorhandenen Werke bildet. Viele Abbildungen 
unterstützen die klare Beschreibung der Apparate und Versuche. Auf das praktische 
Bedürfniss und die Forderungen der Technik wird mehr, wie sonst in Lehrbüchern 
üblich, Kücksicht genommen; auch bilden zahlreiche Tabellen und eingehende Literatur- 
angaben eine sehr schätzenswerthe Beigabe des Buches. Bei den theoretischen Betrachtungen 
wird nur das für das Verständniss der Versuche und Probleme Nöthige berücksichtigt; 
doch ist dabei die Kenntniss der höheren Mathematik vorausgesetzt. 

Die beiden Bände dos ersten Theils erscheinen in je 5 Lieferungen (etwa 30 Bogen). 
Vom ersten Bande: „Allgemeine Mechanik und Mechanik der festen Körper" liegen bis 
jetzt 4 Liefeiningen vor. Als Einleitung enthalten dieselben „Die Wahrscheinlichkeits- 
rechnung und die Methode der kleinsten Quadrate", welche durch Beispiele eingehend 
erläutert wird. Dann folgt im ersten Abschnitt: „Allgemeine Gesetze und Eigenschaften 
der Materie" zunächst ein Kapitel über „Allgemeine Mechanik", enthaltend die „Kinematik", 
„Statik" und „Dynamik" von Punkten und Systemen mit den allgemeinen Sätzen über 
Kraft, Energie, Potential u. s. w. Das zweite Kapitel behandelt die „Schwere" und die 
dazu gehörigen Erscheinungen und Apparate: Fallmaschinen, Pendel und seine Anwendung, 
Waage und endlich die allgemeine Gravitation, die Veränderung der Schwere mit Breite 
und Höhe, die Lothabweichung, die Dichte der Erde u. s. w. Im dritten Kapitel werden 
die allgemeinen Eigenschaften der Materie besprochen: Undurchdringlichkeit, Ausdehnung, 
Kompressibilität, Theilbarkeit und im Anschluss daran die verschiedenen Messgeräthe: 
Nonius, Messkeil, Komparator, Kathetometer, Theilmaschine u. s. w. Der zweite Abschnitt 
„Haupteigenschaften der festen Körper" beginnt in der vierten Lieferung; das erste Kapitel 
behandelt die Struktur der Körper, die Krystallsyst^me u. dergl. Das zweite die Theorie 
und die Versuche der Elektrizitätslehre. Den Schluss dieses Abschnittes wird die fünfte 
Lieferung des ersten Bandes bilden. (Inzwischen erschienen. D. Red.) 

Nach dem Inhal tsverzeichniss des Prospekts wird der zweite Band, der auch im 
Laufe dieses Jahres erscheinen soll, die Mechanik der festen und gasförmigen Körper 
enthalten. E. Br, 

Generalregister der Jahrgänge I bis X (1881 bis 1890) der Zeitschrift ftlr Instminenten- 
knnde. Von Dr. A. Westphal. Berlin, Julius Springer. M. 4,00. 
Das soeben erschienene General register für die ersten zehn Jahrgänge dieser 

Zeitschrift dürfte unseren Lesern eine willkommene Unterstützung bei dem lästigen Suchen 


32 Vereins- und Personennacrbichten. Zbitsohrift für iKBTRciatvTKKKuimK. 


und Zeit raubenden Nachschlagen nach früheren Arbeiten bieten. Das Generalregister 
ist auf Grund vollständiger Neubearbeitung der einzelnen Jahresregister nach einem 
einheitlichen Plane zusammengestellt, welcher das Aufsuchen wesentlich erleichtert. Der 
Preis ist bei dem Umfange des Registers (76 Seiten) und bei der mit seiner Aufstellung 
verbundenen umfangreichen Arbeit ein geringer zu nennen. 


E. Heinemaim. Ueber theimische Nachwirkung von Zinkstäben. Lyck. M. 1,50. 
V. Legros. Elements de photogramm^trie. Paris. M. 4,50. 

F. E. Liesegang. Handbuch des praktischen Photographen. 1043 S. mit 315 Abbildungen. 

Düsseldorf. M. 15,00. 
H. W. Vogel. Handbuch der Photographie. Theil IV: Photographische Kunstlehre oder 

die künstlerischen Gesetze der Lichtbildnerei. 
C. Fletsch. Katechismus der Feldniesskunst. 5. Auflage. Leipzig. J.J.Weber, M. 1,50. 
H. Fourtier. L'astrophotographie. Paris. M. 1,50. 
J. M. Eder. Die photographischen Objektive, ihre Eigenschaften und Prüfung. Halle. M.6,00. 

G. Kapp. Elektrische Kraftübertragung. Deutsche Ausgabe. Dr. L. Holborn und Dr. 

K. Kahle. Berlin. Julius Springer. M. 7,00. 
J. Roberts. Handbook of weights and measures, Dublin. M. 4,80. 


Vereins- und Personennachrlchten. 

Deutsche Gesellschaft für Mechanik und Optik. Abtheilung Berlin. 

Sitzung vom 6. Oktober 1891. 

Herr Haensch jun. führt ein Spektralphotometer nach Lummer-Brodhun vor, 
dessen Besehreibung in dieser Zeitschrift demnächst veröffentlicht werden soll. — Herr 
Stückrath empfiehlt die Beck' sehe Härteraasse, mit welcher er in seiner Werkstatt 
hervorragende Resultate erzielt hat. (Vgl. hierüber: Vereinshlatt der Deutschen Gesellschaft 
für Mechanik und Optik. No, 8,) 

Die Versammlung wählt zu Vertretern der Abtheilung Berlin in den Vorstand der 
Deutschen Gesellschaft für Mechanik und Optik die Herren Kommerzienrath Doerffel, 
Handke, Raabe und Stückrath. Endlich wird beschlossen, Herrn von Helmholtz 
bei der Feier seines 70. Geburtstages einen Farben mischapparat zu Überreichen. 

Sitzung vom 3. November 1891. 

Herr Handke berichtet, dass am vorhergegangenen Tage die Herren Haensch 
und Stückrath sowie er selbst Herrn von Helmholtz einen Farbenmischapparat mit 
einer Ansprache überreicht haben, in welcher die Verdienste des Jubilars um die Ent- 
wicklung der Mechanik gefeiert wurden; derselbe habe sichtlich erfreut gedankt und 
hinzugefügt, dass ihm dieses Geschenk um so erwünschter sei, als er in nächster Zeit 
sich wiederum mit Untersuchungen über Farben zu beschäftigen gedenke. (Der Apparat 
wird in einer der nächsten Nummern dieser Zeitschrift ausführlich beschrieben werden. 
D. Red.) Darauf spricht Herr Blaschke über H. von Helmholtz und sein Wirken. 

Sitzung vom 23. November 1891. 

Herr Dr. Lind eck spricht über elektrische Kraftübertragung mit besonderer 
Berücksichtigung der Anlage Lauffen- Frankfurt a. M. Der Vortragende beleuchtet die 
Vor- und Nachtheile des Betriebes mit Gleichstrom und mit Wechselstrom, erläutert 
das Wesen des Mehrphasenstroms und giebt eine Darstellung der bei oben genannter 
Uebertragung angewandten Einrichtungen. 


Zw5lft«r JthTgMg. HwULT 1892. Patbntbchau. 33 


Hierauf wird über die Betheiligung an der Weltausstellung in Chicago berathen. 
Herr Kommerzienrath Doerffel theilt mit, dass er Namens der Gesellschaft mit dem 
Kommissar des Deutschen Reichs, Herrn Geh.-Rath Wermuth, über diese Frage ver- 
handelt habe; derselbe wolle zur Vermeidung von Unregelmässigkeiten, wie sie in Mel- 
bourne im Jahre 1884 vorgekommen seien, eine Versicherung der Ausstellungsgegenstände 
gegen Unfälle auf dem Transport und gegen Diebstahl bewirken; er sei femer bereit, 
eine Eeihe von Firmen, welche von der amerikanischen Regierung empfohlen seien , 
behufs Wahl eines geschäftlichen Vertreters zu nennen, falls die Gesellschaft einen solchen 
nicht unter den dortigen Fachgenossen finde. Der Vortragende wies femer darauf hin, 
dass eine Betheiligung an der geplanten Weltausstellung sowohl mit Rücksicht auf 
den Export nach Nord- und Süd- Amerika, sowie Ostasien, als auch wegen des Er- 
scheinens der englischen und französischen Konkurrenz geboten sei. Es seien bedeutende 
Transport- und Zoll-Erleichterungen gewährt; die ausgestellten Gegenstände würden auf 
zwei Jahre geschützt sein, so dass während dieser Zeit ihre Patentirung in den Vereinigten 
Staaten ermöglicht sei. Die deutsche Regierung wünsche bis zum Anfange des nächsten 
Jahres einen Ueberblick über die voraussichtliche Betheiligung zu erhalten, und 
ersuche daher, vorläufige Erklärungen hierüber ihr bis dahin zukommen zu lassen. 
Schliesslich gab der Vortragende an der Hand von Skizzen und Zeichnungen einen 
Ueberblick über die geplanten Baulichkeiten. Herr Direktor Dr. Loewenherz theilte 
mit, dass der Vorstand der Gesellschaft die von dem Herrn Reichskommissar gebotenen 
Garantien für genügend erachtet habe und gemäss dem vom diesjährigen Mechanikertage 
gefassten Beschlüsse eine Gesammtausstellung der deutschen Mechaniker und Optiker 
vorbereiten werde; in kürzester Frist werde ein Rundschreiben mit der Aufiorderung zur 
Betheiligung und zu vorläufiger Anmeldung versandt werden. (Ist inzwischen geschehen. 
D. Red.) Herr Regierungs- Assessor Richter fordert als Vertreter des Herrn Reichs- 
kommissars zur Betheiligung unter Hinweis auf die Wichtigkeit der Ausstellung auf; 
die Regierung der Vereinigten Staaten käme den Wünschen der deutschen ausserordentlich 
weit entgegen; so sei vor Kurzem zugestanden worden, dass auch die Ausstellung von 
dort patentirten Gegenständen nicht als Verletzung der amerikanischen Patentgesetze 
angesehen werden solle; Platzmiethe werde auch in dem vom Deutschen Reiche zu 
errichtenden Gebäude nicht erhoben werden. — Die Versammlung beschliesst, die Be- 
schickung der Weltausstellung in Chicago zu empfehlen. 

Sitzung vom 1. Dezember 1891. 

Nach einigen technischen Mittheilungen der Herren Sprenger und Grimm 
werden mit der Vorbereitung der nächsten Vorstandswahlen betraut die Herren Doerffer, 
Grimm, Haensch jun., Seidel und Thate, mit der Revision der Kasse die Herren 
Himmler und Krüger. BL 


Patentschau. 

A. Patentanmeldungen. 
Auszüge aus den beim K. Patentainte ausgelegten PatentanmelduDgen. Berichterstatter: Patentanwalt 

A. Barezynski in Berlin W., Fotsdamerstr. 128. 
Neuerung an Kalorimetern. Von M. Arnd in Aachen. A. 2887. HI. Kl. 42. Einspruchsfrist 
vom 26. November 1891 bis 31. Januar 1892.*) 

Den Gegenstand der Neuerung bildet die in das Heizrohr // eingesetzte leicht auszieh- 
bare Verbrennungskammer K. Dieselbe gestattet in Folge ihrer Gesammtkonstruktion während 
des Versuchs eine bequeme Beobachtung des Feuers und sorgfaltige Bedienung desselben zum 
Zwecke reiner und rauchfreier Verbrennung des zu prüfenden Brennstoffes. 

^) Etwaige nach Ablauf der Einspruchsfrist beim Patentamte eingehende Beschwerden werden zwar 
dem Einsender gegenüber formell zurückgewiesen, doch kommt der materielle Inhalt des Einspruchs in der 
etwa 4 Wochen nach Ablauf der Einspruchsfrist stattfindenden Sprnchsitzung zur Erwägung. 

3 


34 


Patentschau. 


ZbiTSCUBUT FÜK iMBTBDMSHTSHKXntDE. 


wyyyyy/yyy////yy/yyy^^^^^ 



Nach beendetem Versuch wird die Kammer K ausgezogen und es kann sodann das Heiz- 
rohr H des Kalorimeters zunächst von anhaftendem Russ u. s. w. gereinigt werden. Im Weiteren 

aber können in der auf 
einen Versuchstisch geleg- 
ten Kammer K die für die 
Ermittlung desHeizwerthes 
wichtigen Bückstände des 
verbrannten Stoffes mit 
grösster Genauigkeit fest- 
gestellt werden. 

Beansprucht wird das 
Patent auf ein zur Be- 
stimmung des Heizwerthes 
von Brennstoffen dienendes 
Kalorimeter mit auszieh- 
barer, aus Treppenrost R 
und dem Luftkanal C be- 
stehender Verbrennungs- 
kammer K^ bei welcher 
der Luftzutritt durch den 
Rost mittels des verstell- 
baren Schiebers S regulirt 
wird, der Luftzutritt durch 
den Kanal C vermittels 
des Ventils V. 

EntfBrnongsnesser ohne Latte. Von J. Groll in Amberg. G. 6904. in. Kl. 42. Einspruchsfrist 
vom 26. November 1891 bis 31. Januar 1892. 

Will man die unbekannte Entfernung eines Gegenstandes messen, 
so richtet man das Femrohr E (Fig. 1 u. 2) durch geeignete Stellung 
des Apparates so auf diesen Punkt, dass derselbe in der Femrohr- 
aze , also im Schnittpunkt des Fadenkreuzes liegt und es erscheint 
im Gesichtsfelde des Femrohrs links neben dem Gegenstande 
das durch zweimalige Zurückwerfung am oberen und unteren 
Spiegel entstandene Bild des Punktes, und zwar wird das Bild 
des Punktes (Gegenstandes) bei einer ganz bestimmten Ent- 
fernung desselben links horizontal neben dem Gegenstande, bei 
einer kleineren bezw. grösseren Entfernung desselben aber links 
unter bozw. über dem Gegenstande gesehen. Fig. 3 stellt das 
Gesichtsfeld des Femrohres dar. Q ist der im Schnittpunkte des » 
Fadenkreuzes liegende Punkt (Gegenstand), G^ ist das Bild eines 
näheren, Q^ das eines entfernteren Punktes (Gegenstandes) als jener 
ist, dessen Bild G^ gerade horizontal neben (7, dem Punkte (Gegen- 
stände) selbst liegt. Dadurch, dass der mit der Alhidade / fest 
verbundene Einsatzring // des Fadenkreuzes mit diesem und mit der 
Alhidade bis zu ^/g einer vollen Umdrehung um die Fernrohraze 
drehbar ist, lässt sich der mit QG^ zusammenfallende Faden in die 
Stellung GG^ oder GG^ drehen, also Winkel G^GG^ oder G^GG^ an 
der Krebtheilung von ablesen, wenn die Stellung 
des Fadenkreuzes für den Fall, dass der eine 
Faden horizontal steht, fixirt ist, indem etwa für 
diesen Fall die Alhidade auf 0^ zeigt. Aus diesem 
Winkel, welchen die Verbindungslinie von Gegen- 
stand und Bild mit der durch die Femrohraxe 
gehenden Horizontalen einschliesst, und zugleich 
aus vier Konstanten lässt sich die Entfernung des 
Gegenstandes berechnen. 
Der Patentanspruch lautet auf einen Entfernungsmesser ohne Latte, bestehend aus einem 




:ö: 



1 



KA 


V 



V 


Fig. 1. 


Fig. 8. 


Fig. 2. 


ZwiUlta Jikifinc- huur IStt. 



mit drebbarem Fadenkreui versehenen Fernrohr, dessen GeBichtsfeld zum Theil dnrch wd gleich- 
schenklig-recht winkligcB Pmm& mit total reflcktirender HypotenusenSüche verdeckt ist, und einem 
Spiegel, der auf einem zum Femrohr senkrecht stehenden Stattvrohr von geniaser Länge derart 
angebracht ist, dass seine Ebene mit der durch Stativrohr und Femrohr gelegten einen Winkel 
von etwas mehr als 90° eiusehlieBst, wahrend die Schnittlinie beider Ebenen einen Winkel von 
etwas fiber 45° bildet. Im Fernrohr wird das zweimal gespiegelte Bild, je nach der Entfernung, 
seitlich, Über, neben oder unter dem anviairteu Punkt gesehen und der Winkel, den die das 
Spiegelbild mit dem direkt gesehenen Punkt verbindende Linie mit dem Horizontal fadeu bildet, 
kann durch Drehen des Fadenkreuzes gemessen werden. 
Ein Araeomtter fBr die Bestlmmuig des Zuckergehalts von Harn. Von Dr. med. J. Schütz in 

Frankfurt a. M. Seh. 7514. UL Kl. 42. Einsprnchsfnst Tom 26. November 1891 bis 

31. Jannar 1892. 

Der Patentanspruch lautet auf ein zur Ermittlung des spezifischen Gewichtes und des 
Zuckergehaltes von Harn dienendes Araeoraeter, bestehend aus einer Glasflasche mit derartig 
empirisch getheiltem Hals, dass, nachdem die Flasche mit dem zu untersuchenden Harn bis zu 
einer bestimmten Marke gefüllt ist, die Flasche beim Eintauchen in Wasser das spezifische Gewicht 
des Hams am Halse ablesen lässt und der Gehalt an Zucker nach Vergährung desselben auf 
gleiche Weise ermittelt werden kann. 

B. Ertheilte Patente. 
Photographlsohe Kamera für biegsame Platten. Von Ch. Whitney in Chicago, V. St. A. Vom 
4. April 1890. Nr. 56697. KI. 57. 

An der Kamera E ist seitlich ein besonderer, erforderlicheufalls abnehmbarer Sammel- 
raum R angebracht In diesen Baum wird das bereits 
belichtete Negativpapier C über- 
geführt und vermittels einer 
Sebneidevorrichtung F zerschnit- 
ten. Der Antrieb der Schneide- 
TOrricbtung erfolgt durch ein von 
der Transpottwalze bethätigtes "*' '" 

Hebelwerfa oder Zahnradgetriebe. Der Verschluss für das Objektiv 
besteht ans einer mit Oeflnungen versehenen 
Scheibe D (Hg. 2), die von einer Feder l be- 
wegt wird. Das Spannen der letzteren wird mittels einer Schubstange w 
nnd eines Hebeb h bewirkt. 

PlatteaweohBelvorriobtang aa photographlsohen Kamera. Von H. A. Wier 
in Upper Norwood, London. Vom 9. August 189A Nr. 56707. Kl. 57. 
Die Ueberfühmng der belichteten Platten D ans dem EiponimugB* 
räum in den durch eine verschiebbare Platte von diesem getrennten Ab- 
legeraum wird in der Weise bewirkt, dass zunächst die vordere Platte 
. durch Anheben eines schie- 
berariigen Kahmens K so 
weit emporgehoben wird, 
dass sie von der Transport- 
walze H und Transport- 
band Q erfasst werden kann, 
worauf sie nach Lockerung 
der Schraube als letzte in 
den Ablegeraum geführt wird. 

Hasohjnen-Arbeltsmessflr. Von C. Kruse in Berlin. 
Vom 3. Juli 1890. Nr. 56618. Kl. 42. 
Die treibende lose Scheibe drückt mit 
ihren Knaggen g auf den kurzen Arm eines bei / 
an der getriebenen festen Scheibe S gelagerten 
Hebels f, der mit der Mesefeder * verbunden ist 
und unter Spannung dieser Feder gemäss der 
Hierbei tritt die Nase m des Hebels / mehr oder 


»ig. 2. 



Kraftabgabe mehr oder minder ausschlägt. 


36 


PATKarscHAtr. 


ZBrraCRKIFT FÜR IvSTRUlfBirrEirKtrVDS. 


weniger über den Grund o der Scheibenrinne hinaus, auf welchem die Rolle q eines Schalt* 
hebeis;; ruht, der das Zählwerk^ yermittels der Theiler^« antreibt. Wächst die Umdrehungs- 
zahl der Scheibe S^ so wächst auch die Zahl der minutlichen Schaltungen, und die Schalt- 
weito nimmt mit der Grösse der übertragenen Kraft ab und zu. 

KegeisohnittzJrkel. Von C. Hildebrandt in Braunschweig. Vom 17. Juni 1890. Nr. 56560. Kl. 42. 

Der Kegelschnitt -Zirkel beruht auf folgenden beiden bekannten Sätzen: 1. Jeder Um- 
drehungskegel wird Yon einer Ebene je nach ihrer Lage in einem Kreise, einer Ellipse, Pa- 
rabel oder Hyperbel geschnitten. 2. Beschreibt man in dem Kegel diejenigen beiden Kugeln, 
die Kegel und Schnittebene zugleich berühren, so sind ihre Berührungspunkte in der Ebene 
identisch mit den Brennpunkten des betreffenden Kegelschnittes. Stellt in Fig. 1 A B die den 

Rotationskegel ^J?C schneidende 
Ebene und M den Mittelpunkt 
einer der beiden einbeschriebenen 
Kugeln dar, so ist F der eine 
Brennpunkt des Kegelschnitts. 
Femer ist C if die Axe des 
Kegels und MF=MD. 

Setzt man nun den Fuss a 
des Zirkels yermittels der SpitzeF 
in den einen Brennpunkt der zu 
zeichnenden Kurre ein, hält ihn 
in dieser Stellung fest und führt die ein Ganzes 
bildenden, bei g stellbar verbundenen Glieder t/ 

um den Bolzen c als Ro- 

tationsaxe herum, so be- 
schreibt der in t leicht 
verschiebbare Zeichenstift 
k den Mantel eines Um- 
drehungskegels, dessen Axe Fig. 1. 
zusammenfällt mit der Axe des Bolzens e. Das untere Ende B des 
Zeichenstiftes beschreibt folglich bei voller Umdrehung auf der ebenen 
Zeichenfläche einen Kegelschnitt, dessen einer Brennpunkt^ 
da MF=MD ist, durch den Punkt F dargestellt wird, 
und dessen grosse Axe == A B ist. Je nach der Stellung 
des mit dem Fuss a durch ein Gelenk b verbundenen Bolzens c 
ist dieser Kegelschnitt eine Parabel, eine Ellipse, eine 
Hyperbel oder ein Kreis; vergl. die Fig. 2 bis 4. 





Fig, 3. 



Fig. 4. 


Elektrischer Temperatur- MessapparaL Von Hartmann & ^^^-^ 

Braun in Bockenheim - Frankfurt a. M. Vom ^-^ 
29. Juli 1891. Nr. 56633. Kl. 42. 

Dieser Wärmemesser beruht auf der Wiederstandsänderung 
eines Elektrizitätsleiters mit der Temperatur. Im Gegensatz zu 
anderen, ähnliche Zwecke verfolgenden Anordnungen sind hier zwei 
Widerstände W und R, die gleichzeitig der zu messenden Temperatur 
ausgesetzt werden und beide möglichst aus demselben homogenen 
Material — am besten einem reinen Metall von hohem Temperatur- 
koeffizienten — bestehen, so geschaltet, dass für die Empfindlichkeit 
der Messung die Summe der Temperaturkoeffizienten der beiden 
Leiter in Betracht kommt. In ganz ähnlicher Weise kann man auch unter Benutzung der 
Wheatstone*schen Brückenschaltung die Empfindlichkeit eines Widerstandsthermometers ver- 
doppeln, wenn man nicht etwa zwei nebeneinander liegende, sondern zwei einander gegenüber- 
liegende Brückenzweige für das Thermometer in Anspruch nimmt. 

Vorrichtung zun Entfernen der Unbiillung von Leitungsdrähten. Von O. May in Frankfurt a. M. 
Vom 18. November 1890. Nr. 56650. Kl. 21. 

Ein mit einer Rinne c versehener Block b ist mit einem beweglichen Messer a, dessen 



KuBHInJibrgHiE. JnnrlSS!. 



brüchig wird. Die federn Je Verbindung 
Schrftubeiifeder / oder i 



Schneide in der Längsrichtung der Kinne steht, derart federnd verbunden, daes beim Nieder- 
drücken des Messers gegen den Draht während 
des Durchziehens desselben durch die Kinne die 
Drahtumhiillung der Länge nach aufguschnitien 
wird. Es soll durch diese Vorrichtung ennögiicht 
irerden, die Isolirhülle bequem und schnell Toiti 
Drahte zu entfernen, ohne mit dem Messer einen 
Schnitt quer zur Längsrichtung des Drahtes zu 
führen, wodurch letzlerer leicht geritzt und dahi 
zwischen Block £ und Messer a kann durch ei 
federnden Metailatreifen /' bewirkt werden. 
EJBktrlschfl Hauptuhr lum Betrlab von Nebenuhren 
durah lnduktlansgtrame.VonN.Prokhoroff 
und N. Fahlberg A Kiew. Nr. 56653. 
Kl. 83. 

Mit der durch einen besonderen Motor 
(Gewicht oder Feder) gedrehten Induktionarolle a 
ist ein doppelarmiger Hebel d verbunden, der 
durch den Eingriff in ein dem eigentlichen Räder- 
werk der Hanptuhr zugefügtes Bad f in gleichen 
Zeitabschnitten freigegeben wird, wobei ein In- 
duktionsstrom in die Leitung gesandt wird. Nach 
einer halben Umdrehung wird der Hebel wieder ge- 
hemmt Ein unter Einwirkiug einer Spiralfeder 
stehender Hebel e Tängt den Hebel d, beror er 
eine halbe Umdrehung vollendet hat, zu dem 
Zwecke ab, einen atossfreien Eingriff seines 

Endes in das Zahnrad / herbeizuführen. 
Elektrischer Kompass mit Kartverzelohner. Von J. Ritter 
von Peichl in Fiume. Vom 22. August 1890. 
Nr. 56519. KI. 42. 

Die Magnetnadel (Fig. 1) trägt einen mit einem 
Pole einer galvani- 
Fig. I. sehen Batterie ver- 

bundenen Kontaktarm a, während an der Kompassbüchse zw« 
Kontakistücke X als Enden vom anderen Pole abgehender 
Zweigleitungen sitzen. Jede Zweigleitung enthält einen Elek- 
tromagneten £ (Fig> 2), durch dessen Ankerhebel ein Wende- 
getriebe verstellt wird, um die Welle C nach Jeder Heratellung 
eines Eontaktes zwischen a und X derart mit einem Gewichts- 
oder sonstigen Motor zu kuppeln, dass diese Welle in dem der 
Schiffsdrehung entgegengesetzten Sinne gedreht und dadurch 
der Kontakt wieder aufgehoben wird. Auf diese Weise wird 
der Kompass zur neueriichen Funktion bereit gestellt. Um 
den gesteuerten Kurs zu verzeichnen, ist mit der Welle C eine 
Walze M ver- 
bunden, längs 
welcher ein 
Schreibstift i 
mit gleich- 
massiger Ge- 
schwindigkeit 
fortbewegt wird. 
Fluldkompass mit dektrlscher Einrichtung. Von 
J. Ritter von Peichl in Fiume. Vom 
22. August 1890. Nr. 5T277. Kl. 42. 
Dieser Fluidkompass ist gekennzeichnet durch einen glockenfüruiigen , leicht drehbaren 



Fig. 2. 


rOi LiiTiiniurrurKi; 


SchwimmerVi', welcher die in der Flüssigkeit liegenden McLgnetnsdellsmellen A' und ausserhalb 
der Flüssigkeit einen leitenden Arm a trügt. Dieser Arm spielt derart zwischen zncl am Deckel 
des Flüssigkeitsbuh alters befestigten Kootaktstücken A, dass derselbe bei 
einer Kursänderung des Schiffes mit einem der Kon taktstücke in Be- 
rührung kommt. Hierdurch wird der Strom gegeben, der zu einer entfernt 
liegenden Anzeigevorrichtung geleilet wird. Die beschriebene Einrichtnug 
der Theile des Kompasses ermogücht die vortheilhafte Anordnung der 
beiden Kontakte (i,A in der Horizontal ebene der Nadel. 


L Beriin. Vom I 


Sep- 


Ruhend« Ankcrtiemmung. Von Gebr. Me 
tember 1890. Nr. 56814. Kl. 83. 

Um dem Pendel bei einem Hlu- und Hergang nur einmal einen 
Anstoss zu ertheiien und dadurch einen geregelteren Gang der Uhr 
herbeizuführen, ist der Anker der Graham'sthen Hemmung derart abge- 
ändert, dass nur eine Klaue Hebuugefläche und fiuhefläche zugleich be- 
sitzt, die andere dagegen nur eine Ruhefläche ca. Das Pendel empfängt 
seinen Anstoss mittelbar, indem bei der Hebung das an der Ankeraxe 
befestigt« Gewicht gehoben wird, und dieses sodann, wenn der jeweils wirkende Steigradzahn 
von der Hebungsfläche £ (f abgeleitet, dnrch den bei m einseitig anliegenden Mitnehmer (Anker- 
gabel) auf das Pendel druckt. 

Zeiger - Hetalltbirmiimettr. Von C. Admiraal in Rjp, Nord - Holland. Vom 10. Juli 189a 

Nr. 56865. Kl. 42. 

Das ans den Metallstrwfen A, B, C, D, E, F und G, ff, J, K, L, M, N bestehende 
System ist an seinem einen Ende an einem Winkel w befestigt, welcher auf die Rückwand des 
Gehäuses geschraubt ist; das andere Ende des Systems wirkt, 
indem es sich ausdehnt oder zusammenzieht, auf einen Bügel b, 
welcher seinerseits im Punkte p auf einen Hebel h k einwirkt. 
Das Ende h dieses Hebels ist durch einen dünnen Streifen Band- 
stahl l am Gehäuse befestigt, während das andere Ende k, 
welches einen Zahnradsektor z trägt, ein kleines Zahnrädcliei: 
in Drehung versetzen kann. Auf der Aie dieses Zahnrädchens x 
ist der Zeiger y befestigt, welcher auf einer Skale die Tempe- 
ratur anzeigt. 

EitftrnunganesaBr nlt Latts. Von A. Barr in Glasgow tmd 
. W. Strond inLeeds, 

England. VomSl.Sep- 
tember 1890. Nr. 57027. Kl. 42. 
Ein mit einem Fadenkreuz ausgerÜBteteB Femrohr r 
trägt in passender Weise ein bewegliches Prisma, welches 
vor dos Femrohr gebracht, das Bild der Skalenlatte S um 
ein bestimmtes Maass ablenkt. Um die Entfernung lu er- 
mitteln, wird vorerst eine Ablesung ohne Prisma gemacht, 
sodann wird das Prisma eingeschaltet und zum zweiten Mal an der Latte abgelesen. Aus dem 
Unterschied der beiden Ablesungen ergicbt sich die gesuchte Entfernung. 

Das Ablenkungsprisma kann auch so angeordnet sein, dass es nur die Hälfte des 
Objektivs bedeckt, in welchem Falle es einer Bewegung des Prismas nicht bedarf. 

Doppelfarnrohr mit alnstellbarem Axenabstand. Von Firma G. Rodenstock in München, Vom 

5. August 1890. Nr. 57407. Kl. 42. 

Das Doppelfemrohr ist so eingerichtet, dass seine 
beiden Theile a um die Äie d gegen einander bewegt und 
1 jeder Lage festgestellt werden können. Dies kann dnrch 
/ Klemmschrauben, Schnappfedem u. dergl. geschehen. In der 
Figur dient dazu eine Feder f, welche mit einem Sperrstift 
versehen ist, der in eines der Löcher e greift. Die Feder ist 
an dem einen Halbtheil, die Löcher sind im anderen Halb'lieil des Fernrohres augebracht. 




ZwOlft«r Jahrgang. Jannur 1892. 


Firn DIB Werkstatt. 


39 




Vorrichtung zun Senkreobthängen eines instrument- oder Absteeicstabes. Von Gögler in Strassburg, 
Elsass. Vom 20. Dezember 1890. Nr. 57438. Kl. 42. 

Der Stab s oder ein Stativ gebränchlicher Art ist mit einem Kreuzgelenk versehen, 
an welchem zwei Klemmhebel angeordnet sind, zwischen denen der senkrecht 

zu hängende Stab so befestigt wird, dass er sich vermöge 
seines Eigengewichtes lothrecht stellt. 

Apparat zur Bestimmung von HShenunterschieden nach Art 
der Schlauobwaage. Von W. Seibt und R. Fuess in 
Berlin. Vom 22. Oktober 1890. Nr. 57718. Kl. 42. 
Die beiden Theile der Schlauchwaage sind je auf einem 
Maassstab A verschiebbar und mit einer mikrometrischen 
Vorrichtung M (Ablesemikroskop oder dergl.^ versehen , ver- 
mittels welcher die genaue Einstellung von C B auf A er- 
folgt. Hierbei muss M auf die Kuppe oder eine Marke des in G befindlichen 
Schwimmers gerichtet sein. Der Höhenunterschied wird dann an A ermittelt. 

MutterschlQssel mit selbthätig versteilbarer Maulweite. Von F. Laesecke in 
Leipzig. Vom 14. September 1890. Nr. 57355. 
Die Backen a 
und h werden durch 
die Gelenkverbin- 
dung c und Geheim Oeflnen bezw. Schliessen 
der Zange parallel von bezw. gegen ein- 
ander bewegt, um Muttern verschiedener 
Grösse zu fassen. 

Brillen- oder Kneifergestell. Von N. La- 
zarus in London. Vom 11. De- 
zember 1890. Nr. 57828. 

Damit verschieden grosse Gläser in eine Brille oder ein 
Kneifergestell passen, ist dasselbe zu einer federnden Schleife 
gebogen, oder es trägt, an betreffender Stelle aufgeschnitten, 
eine aufgelöthete Feder, die entweder aus einem Stück (Fig. 1) 
oder zwei solchen (Fig. 2) besteht. Das Gestell drückt daher 
^^^' ^' *"'«• 2* federnd auf das eingesetzte Glas. 

Absteckgerätb zum Zeichnen von Karten und dergl. Von H. Fried el 

in Düsseldorf. Vom 3. Februar 1891. Nr. 57890. Kl. 42. 

Die Einrichtung soll die Abstecknadel beweglicher als 
bei den bekannten Apparaten machen und gleichzeitig gestatten, 
die eingestochenen Punkte zu sehen. Zu dem Zwecke ist die Fuss- 
platte d dieses Instruments mit einem Doppelnonius versehen und 
trägt an der einen Seite eine vertikal stehende Säule ß, welche 
als Führung für die Hülse f dient. Diese ist mit einem Ansatz g 
versehen, an welchem die Nadel i durch die Schrauben h und q 
befestigt ist. Die Nadel ist messerartig geformt und bildet unten 
eine vertikal stehende Schneide, vermittels welcher das Einstellen ^^ Li ' ' C 
an der Eintheilung sehr genau erfolgen kann. Die Nadel wird 
durch eine Spiralfeder hochgehoben und gleichzeitig auch gegen die Justirschraube j> gedrückt. 






JUl 



Für die l¥erkstaU. 

6rafton's verbessertes Bohrwerkzeug. Engl. Mechanic and World of Science. 53. S, 541. (1891.) 
Das a, a. 0. beschriebene Werkzeug dient zum Ausarbeiten von runden Löchern auf 
eine beliebige eckige Form. Dasselbe besteht aus einem mit einer Spindel rotirenden zangeu- 
artigen Instrument, dessen freistehende kürzeren Arme die Schneidemesser tragen, während die 
längeren der Spindel zugewendeten, stets durch Federn nach aussen gepressten Arme an ihren 
Enden mit kugeligen Röllchen versehen sind. Diese bewegen sich während der Drehung der 


Fü> tax Wbbkitatt. ttmcmttrt rfl* ImwnmrTnnt 


Spindel ]SngB der InnenwaDd eines fextetebenden Fa^nringea, deasen Form der Gestalt des zu 

erzeugenden Loches aiigepasst ist. Durch die dadurch veranlast^te radiale VerBtelluug der Kolleu- 
urme wird eine entsprechende Verstellung der Schneidemesser gegen die Axe der Spindel bevrirkt. 
In der nebenstehenden Figur ist A die in die Bohrspindel einzusetzende Spindel, welche 
an ihrem freien Ende geschlitzt ist, uud den Zapfen der Zange Z aufnimmt, deren fr^e Enden 
die Messer ü' tragen. Auf A ist der Mitnehmer B befestigt, 
welcher die Anne der Zange Z zwingt, an der Rotation der 
Spindel tbeilznnehmen, zugleich aber eine radiale Bewegung der- 
selben ermöglicht. Eine solche wird dadurch hervorgerufen, dass 
die Röllchen r r, die auf den Enden der Zangenarme Z sitzcD, 
mittels des Druckes von zwei Federn u stets gegen die inneren 
Wände eines Bohrringes D geprusst werden, welcher an der 
Rotation der Spindel nicht Theil nimmt, sondern auf einem auf 
der Spindel A drehbaren, gegen Verschiebungen in der Richtung 
der Spindelaie durch einen Stellring E, gegen Drehung durch 
einen festen Arm fi gesicherten Zwischenstücke F befestigt ist. 
Entsprechend der Gestalt des üohrringes D treten die Messer Z' 
während der Rotation mehr oder weniger aus der Spindel heraus und 
erzeugen so ein der Form des Bohrringes D entsprechendes Loch. 
Das beschriebene Werkzeug dient sonach lediglich zur 
Ausarbeitung derjenigen Theile des polygonalen Loches, welche 
ausserhalb des einbe ach rieb enen Kreises liegen, wenn man vorher 
ein Loch von der Grösse dieses Kreises bohrt. Zur Führung 
des Werkzeuges dient dann ein vor den Schneiden befindlicher, 
an der Spindel sitzender Zapfen. Da dann bei der Fertigstellung 
des eckigen Loches nnr noch verhältnissmässig wenig Arbeit 
und zwar lediglich durch einen dem Bohren mit einem Zapfen- 
bohrer entsprechenden Schneidepro zess und nicht etwa durch seitliches Schaben zu leisten ist, 
so arbeitet das Werkzeug schnell und ohne dass die hei anderen Werkzeugen zu gleichen Zwecken 
meist sehr erheblichen Seitenstösse auf die Spindel hier auftreten könnten. P. 

WerkMUBhalter. Nach Haycr. Lulmtrit- u. Gemer/w6laci. 23. S. 418. IS'Ji. 

Die in der nebenstehenden Figur dargestellte, von der Parker &. Knight Comp, in 
Baltimore hergestellte Einrichtung soll dazu dienen, dem Drehstahl auch während des Drehens 
eine veränderte Lage geben und namentlich die Höhenlage der Schneide verändern zu können. Die 
Vorrichtung wird mit der in der Figur pnnktirt angedeuteten Fläche auf den Supportechlitten 
gespannt und trägt in den Fortsätzen eines Armes A die mit Handrädern versehenen Schrauben 
SS'. Die Grundplatte enthält eine zylindrische HÖhlungifi, in welche ein mit Arm versehener 
Zjlinderabschnitt H eingelegt ist; die obere Fläche des- 
selben bildet die Auflage für den Drehstahl , der mittels 
einer Druckschraube C festgespannt wird. Letztere durch- 
setzt einen an einer aufrechten Platte von H befestigten 
Kloben, ß ist mittels eines zur Zylinderfläche a a konaiialeu 
(in der Figur punktirt angedeuteten) Zapfens in der auf- 
rechten Platte des Körpers A dreh- und mittels einer Mutter 
klemmbar. Durch Verstellung der Schrauben S und S' 
wird B in seinem zylindrischen Lager a a und mit seinem 
Zapfen in dessen Lager gedreht und dadurch die Schneide 
des berausragenden Werkzeuges sowohl geneigt als ihre 
Höhenlage verändert. 
Die Handhabung des Halters fiir genaue Einstellung des Stichels in die passende Höhe 
ist bequem. Dagegen ist die zylindrische LagurflSche n a überflüssig, da einerseits der Üreh- 
zapfen zum Fcstspannen nicht entbehrt werden und andercrseils nicht angenommen werden kann, 
dass der drehbare Theil /f, wenn sein Zapfen gut passt, anch zugleich sicher in der zylindrischen 
Schaale ita ruht. /'. 


Zeitschrift fllr Instruraentenkuiide. 


BedakHonS' Kuratorium: 
Geh. Reg.-R. Prof. Dr. H. Landoll, K. Haanseh, 


Direktor Dr. L. LMWOnlieni 


TvrsllaaBisr. 


BsUllasr. 


Redaktion: Dr. A. Westphal in Berlin. 


XII. Jahrgang. 


Februar 1S02. 


Zweites Heft. 


Photometrisohe üntersuoliungen. 

Von 
Dr. O. I<aninier nnd Dr. C Brodlinii. 

(Mittheilung ans der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt.) 
TV\ Die photometrischen Apparate der Reichsanstalt für den technischen Oebranch. 

Bei den bisherigen photometrischen Mittheilungen legten wir den Schwerpunkt 
auf die Beschreibung der neuen Methoden und erläuterten dieselben an Abbil- 
dungen, welche nach den in der Werkstatt der Reichsanstalt hergestellten Ver- 
suchsapparaten gefertigt waren. Genügten diese Apparate vollkommen für unsere 
Versuche, so sollten sie doch keineswegs der Technik als Muster zur Nachahmung 
dienen. Nachdem daher die Methoden genügend erprobt waren, wurde die Ein- 
richtung der Photometer für den Gebrauch des Praktikers ins Auge gefasst. Ein 
für letzteren geeignetes Instrument muss bei möglichster Billigkeit dauerhaft und 
stets gebrauchbereit sein. Es war daher unser Bestreben, die bei den Versuchs- 
apparaten jedesmal nothwendigen Einstellungen der einzelnen Theile des Photo- 
metergehäuses zu vermeiden und die leichte Verstellbarkeit derselben unmöglich 
zu machen. Hierzu traten wir in Verbindung mit der Firma Franz Schmidt & 
Haensch, welche die optischen Würfel der früheren Photometer geliefert hatte; 
ihr gelang es auch, die Justirung schon durch die Art der mechanischen Bear- 
beitung zu sichern, sodass das Photometer zum Gebrauch fertig die Werkstatt 
verlässt und keine beweglichen Theile mehr enthält; die Einzelheiten dieser Ein- 
richtung beschreibt der erste Abschnitt dieser Mittheilung. 

unsere Aufmerksamkeit richtete sich femer auf die Verwirklichung des 
Kontrastprinzips in einer übersichtlicheren Form, sodass auch ungeübtere Be- 
obachter sich desselben bedienen können. Durch diese verbesserte Anordnung 
des Kontrastwürfels wurde erreicht, dass an demselben Photometer gleichzeitig 
beide Kriterien, sowohl das des Verschwindens wie das des gleichen Kon- 
trastes, auftreten. Davon handelt der zweite Abschnitt der heutigen Mittheilung, 
an den sich eine kurze Besprechung des Werthes beider photometrischen Kriterien 
im Fall der Vergleichung verschiedengefärbten Lichtes anschliesst. Im dritten 
Abschnitte geben wir an der Hand einer Abbildung die Beschreibung der neuen 
von oben genannter Firma ausgeführten Photometerbank. 

Da die Kenntniss der früheren Ahhandlungen im Wesentlichen vorausgesetzt 
werden muss, werden im Folgenden nur die zum Verständniss nothwendigen 
Einzelheiten wiederholt. 

1. Mechanische Justirung des Photometergehäuses. 

Zum Gebrauch unseres Photometecs auf gerader Photometerbank war die 
in Fig. 1 (vgl. Mese Zeitschr. 1389. S, 44.) skizzirte Anordnung gewählt. Lothrecht 
zur Axe der Photometerbank steht der Schirm iÄ, welcher gar kein Licht hindurch 


42 


LumfEB u. Bbodhun, Photometbb. ZsmcHxifT rliu LusTBumirKiKini». 



lässt und dessen beide Seiten von den Lichtquellen n bezw. m erleuchtet werden. 

Das diffuse, von den Schirmseiten X 
und l ausgehende Licht fällt auf die 
Spiegel e bezw. f, welche es senkrecht 
auf die Kathetenflächen c b und dp der 
Prismen B und Ä werfen. Der Be- 
obachter bei blickt durch die Lupe w 
senkrecht zu ac und stellt scharf auf 
die Fläche arsb ein. Der Schirm i/c, 
die Spiegel e und f, der Würfel AB 
und das Okularrohr o w sitzen im Photo- 
metergehäuse, welches in gewisser Weise 
/ (siehe Fig. 12 a. S. 49) auf dem Schlitten 

/^ der Photometerbank befestigt ist. 

Fig. 1. Einerseits hat man die im Gehäuse 

befindlichen Theile, andererseits die Stellung des Gehäuses auf der Bank zu justiren. 

Das Gehäuse ist in sich justirt, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind: 

1. Die Ebene der Berührungsfläche rs (bezw. der Hypotenusenfläche ah des 

Prismas B) muss zusammenfallen mit der Ebene ik des Schirmes (oder ge- 
nauer ausgedrückt mit dessen Mittelebene). Wird die gemeinschaftliche 
Ebene als Symmetrieebene bezeichnet, so muss 

2. die Umdrehungsaxe des Gehäuses in der Symmetrieebene liegen und 

3. durch die Mitte der Berührungsfläche rs und des Schirmes ik gehen. 

4. Die Kanten der Prismen A und B sollen senkrecht zur Umdrehungsaxe 

und parallel zur Symmetrieebene sein, während 

5. die Spiegelebenen parallel zur Symmetrieebene liegen sollen, so dass 

6. die vier Mittelpunkte der Spiegel, der Fläche rs und des Schirmes ik in 

einer zur Symmetrieebene senkrechten Ebene liegen und ein Quadrat 
bilden. Diese Mittelpunktsebene (der Hauptschnitt) soll enthalten 

7. die Okularaxe, die auf der Kathetenfläche ac des Prismas B senkrecht steht. 
Bei der früher beschriebenen Konstruktion wurden diese Bedingungen nach 

der mechanischen Herstellung erfüllt (Photom. Unters, I, Diese Zeitschr. 1889, S. 45), 
Dazu waren die Theile im Gehäuse beweglich und die Spiegel noch ausserdem um 
zwei zu einander senkrechte Axen drehbar angebracht. Diese Justirung war 
langwierig und unbequem, ausserdem aber leicht zerstörbar, da die zur Korrektion 
dienenden Schrauben aus dem Gehäuse hervorragten. Beide Uebelstände werden 
vermieden bei der von Herrn Haensch erdachten und ausgeführten Konstruktion 
(siehe Abbildung des Photometers in Fig. 2), deren Methode wir an Fig. 3 er- 
läutern wollen. 

Die Papierebene sei die Ebene des Hauptschnittes; sie enthält also die Um- 
drehungsaxe uz und steht senkrecht auf der Symmetrieebene. 

Von der letzteren geht Herr Haensch bei der Herstellung des Gehäuses 
aus; indem er sie durch die Berührungsfläche zweier etwa 6 mm dicken Metall- 
platten y und t von 16 cm Länge und 6 cw Höhe darstellt. Beide Platten werden 
fest mit einander verankert und auf der Drehbank so montirt, dass die Um- 
drehungsaxe in ihrer Berührungsfläche liegt. Hierauf dreht man rechts und links 
soviel ab, dass nur je ein zylindrischer Zapfen stehen bleibt; die Axe dieser 
Zapfen wird die Umdrehungsaxe u z des Gehäuses. Da sie in der Symmetrieebene 


ZwaUlw Jabnuf ' f »bni» IStS. 


LuiOCRR D. BlODBinr, PlIOTOmTBR. 


liegt, so ist Bedingung 2 erfüllt Um die für den Schirm ik (Fig. 2 u. 3) und die 
Prismenkombination AB nothwendigen Koiilräame herzustellen, trennt man die 
Platten y und l von einander und fräst zunächst bei i^ gleichviel aus beiden Platten, 
bis die Fassung des Schirmes mit geringer Reibung in die entstandene Oefbung 
hineinpasst. Es ßlllt 
dann die Mittelebene 
des Schirmes mit der 
Symmetrieebene zu- 
sammen. Dabei kann 
leicht dafür gesorgt 
werden, dass sein 
Mittelp un k t nach dem 
Einstecken auf der 
Axe u z liegt. Ausser- 
dem werden beide 
Platten y und t bei cc' 
uaddd' konisch durch- 
bohrt, damit der Schirm 
von beiden Seiten Licht 
empfangen kann. 

E^ soll nun in dib 
BerühnuLgsfläche der 

Platten auch die Berührungsebene der Prismenkombinatton AB bezw. die Hypo- 
tenuBenääcbe des Prismas B fallen. Dazu wird ans den Platten y und t bei hh' 
bezw. gg ein Stück von rechteckigem G-rundriss ausgeschnitten, welches sich 



ebenfalls , von , der äusseren zur inneren Fläche verjüngt; den Ausschnitt der 
Platte t auf der Symmetrieebene wälilt man etwas grösser als die Hypotenusen- 
fläcbe des Prismas B, deij entsprechenden Ausschnitt der Platte y etwas kleiner. 


44 Lummbb u. Bbodhüh, Photombteb. ZBirscHHirr rOs Ixbtruiisxteiikukdb. 

Man kann also Prisma B an die vorspringenden Ränder der Platte y anlegen, 
wodurch seine Hypotenusenfläche in die Symmetrieebene fällt. Um den Prismen 
die richtige Lage zu geben, sind die rechteckigen Ausschnitte gg' und hh' so gelegt, 
dass ihre Ränder parallel bezw. senkrecht zur Axe uz laufen, während ihre Mittel- 
punkte auf letzterer liegen. Man orientirt demnach das Prisma B beim Einlegen 
nach den Rändern der Ausschnitte und presst es fest gegen die Platte y. Dazu dient 
die bewegliche Vertikaischiene v des in Fig. 2 sichtbaren Rahmens, Welche durch 
zwei Schrauben angezogen werden kann. Das zweite Prisma Ä (Fig. 3) ist stets auf 
seiner Hypotenusenfläche am Rande kugelförmig abgeschliffen. Mit seiner ebenen 
Fläche r s kann es also gegen Prisma B mittels der zweiten Vertikalschiene v' (in 
Fig. 2 unsichtbar) so gepresst werden, dass seine Kanten die gewünschte Lage 
haben. Dadurch sind dann die Bedingungen 1 , 3 und 4 erfüllt. Da man beim 
Beobachten auf die Fläche rs einstellt, so dient der Rand der abgeschliffenen Hypo- 
tenusenfläche des Prismas-^ als Begrenzung des Sehfeldes, falls man den freien 
Theil der Hypotenusenfläche des Prismas B mit mattem Asphaltlack bestreicht. Das- 
selbe wird also in jedem Falle ausserordentlich scharf und zwar elliptisch begrenzt 
erscheinen. Je nachdem der Würfel beim Gleichheits- oder Kontrastphotometer Ver- 
wendung findet, wird die ebene Flächers von Prisma ^ verschieden .behandelt. 
Im Folgenden wollen wir der Einfachheit wegen die Abrundung des Prismas Ä 
ausser Acht lassen. 

Zur Mchtigen Lagerung der Spiegel e und f dienen zwei hufeisenförmige | — i 
Metallbügel (C u. C' Fig. 2); der Bügel C' ist senkrecht auf die Metallplatte y und 
der Bügel C senkrecht auf t geschraubt. Jeder derselben wird mit der zu- 
gehörigen Metallplatte auf der Planscheibe der Drehbank montirt und am freien 
Ende parallel zur Plattenebene abgedreht und zwar solange, bis die Entfernung 
zwischen der auf der Planscheibe liegenden Fläche der Platte und dem freien 
Ende des Bügels gleich ist dem halben Abstand (S) der Mittelpunkte des Schirmes ik 
und der Würfelfläche r s. Gehen die Symmetrieaxen der Bügel durch die Mitte 
des Abstandes 8 und werden die Spiegel auf den Endflächen der Bügel befestigt, 
so sind damit auch die Bedingungen 5 und 6 erfüllt. In der Mitte der Bügel stehen 
die vertikalen Blenden x, welche so nahe an die Spiegel heranreichen, wie es der 
in Fig. 3 punktirt gezeichnete Strahlongang erlaubt. Es bleibt also nur noch das 
Okularrohr zu montiren. Dazu befestigt man an der unteren Fläche des Platten- 
paares y t den Boden des Gehäuses ) an diesem und an den Seitenflächen von y t 
dagegen die Seitenwände des Gehäuses. Von diesen ist der Theil Ws des Gehäuses 
parallel zur Kathetenfläche ac (Fig. 1) des Prismas B und unter 45° geneigt gegen 
die Wand W. Man braucht also nur. das Okularrohr senkrecht auf Ws so zu be- 
festigen, dass seine Axe auf die Mitte des Würfels gerichtet ist, um die letzte 
Bedingung (7) zu erfüllen. 

Der Deckel des Gehäuses, sowie die beim Nichtgebrauch vor die Oeffnungen 
desselben zu klappenden Platten D und D' schützen das Photometer vor Verstaubung. 

Das derartig in sich justirte Gehäuse wird mittels der Zapfen von yt in die 
Pfannen des Metallbügels E (Fig. 2) drehbar gelagert. An dem Metallbügel sitzt 
ein Stahlrohr, dessen Axe durch die Schirmmitte geht und senkrecht zur Um- 
drehungsaxe u z des Gehäuses steht. Dass das Gehäuse die beim Beobachten 
nothwendige Lage einnimmt, bei der die Stalilrohraxe durch die Schirmebene geht, 
dafür sorgt ebenfalls der Mechaniker. In den beiden um 180^ verschiedenen 
Lagen wird nämlich da^ Gehäuse durch eine Feder F des Bügels E (Fig. 2) fest- 


ZvOfUr jAkrgmBg. Fe^ratflSBZ. LciOfEB ü. BbodhüS, PhotombtiB. .45 

^-- ■- ■— ■ ■ ■■■■■_■, ^M» -■ „ — — ■■-■■- ^-— i.... -.1 ■^■l !■■■ ■■IM^I. -^^^^^^»^»^M . _ _ --. ^ -^ 

gehalten, so zwar, dass . dasselbe mittels leichten Druckes aus einer Lage in die 
andere gedreht werden kann. Jetzt ist der Beobachter leicht im Stande, das 
Gehäuse auf der Photometerbank zu orientiren, d. h. die Verbindungslinie der 
Lichtquellen durch die Mitte des Schirmes zu legen und auf die Schirmebene 
senkrecht zu stellen. Dazu zentrirt man zwei Hefnerlampen auf ihren Tellern 
(vergl. Fig. 12) und macht ihre Höhenabstände von der Bank einander gleich; 
es läuft dann die Verbindungslinie der Flammenzentren zur Bankaxe parallel. 
Jetzt klappt man die am Qehäuse befindlichen Schutzplatten (D und D') vor die 
Oeffhungen desselben. Diese Schutzplatten sind in der Mitte durchbohrt und mit 
Glasplatten bedeckt, auf denen je. ein undurchsichtiges Kreuz eingeätzt ist. Die 
Mittelpunkte der Kreuze liegen auf dem Loth durch die Schirmmitte. Von diesen 
Figuren wird von den beiden Flammen je ein Schattenbild auf jeder Schirmebene 
entworfen. Koinzidiren die Mitten der Schattenbilder mit dem Mittelpunkte des 
Schirmes, so ist die gewünschte Justirung erreicht. 

Es hat sich nun gezeigt, dass bei den meisten Photometem trotz der ge- 
nauesten Justirung eine Einseitigkeit vorhanden ist. Die Einstellungen in den 
beiden Lagen des Gehäuses weichen also von einander ab und zwar steigt die 
Differenz manchmal bis zu 3%. . Sie kann verschiedene Ursachen haben. Sie kann 
von der Ungleichseitigkeit der beiden Schirmseiten oder der Spiegel herrühren. 
Es kann, aber auch sein, dass der optische Würfel die Verschiedenheit bedingt, 
insofern etwa an den totalreflektirenden Stellen r (Fig. 6 a. S. 46) ioiehr Licht ver- 
loren geht als an den Stellen l, welche durchsichtig sind. Den Schirm kann man 
durch Umdrehen leicht auf seinen Einfluss untersuchen. Leider ist Gips nicht immer 
auf beiden Seiten gleichwerthig herzustellen, wenn er auch ausserordentlich diffus 
leuchtet und undurchsichtig ist; auch erleiden die Gipsflächen leicht Aenderungen 
durch Verunreinigung. Es wurde daher versucht, mattgeschliffene Porzellanplatten 
zu verwenden. Die Versuche sind noch nicht abgeschlossen, ebensowenig die- 
jenigen über den Verlust des Lichtes bei der Totalreflexion. Da die Spiegel stets 
aus einem Stücke geschnitten werden, also als gleichwerthig anzusehen sind, so 
glaubten wir indirekt jene Frage lösen zu können. Prüft man nämlich verschie- 
dene Photometer, bestimmt die Einseitigkeit des Schirmes, dann die des Photometers 
und setzt die beiden Spiegel als gleich wirkend voraus, so kommt die Differenz 
der gefundenen Einseitigkeiten einzig und allein auf Rechnung des Würfels. Wäre 
dies richtig, so hätte diese Differenz stets dasselbe Zeichen haben müssen. Das 
war bei etwa 30 imtersuchten Photometern aber nicht der Fall. Es müssen also 
direkte Versuche mit dem Würfel angestellt werden, um seine Gleichseitigkeit 
bezw. die Grösse seiner Einseitigkeit festzustellen. 

In der Abbildung des Photometers (Fig. 2) ist am Bügel desselben ein 
Gradbogen O gezeichnet, welcher jede Neigung des Schirmes gegen die Axe der 
Photometerbank zu messen erlaubt. Die EJemmschraube K hält das Gehäuse in 
einer beliebig geneigten Lage fest. Mit Hilfe dieser Einrichtung^) kann man ohne 
Hilfsspiegel die Lichtstärke einer Lichtquelle unter einem beliebigen Aüsstrahlungs- 
winkel messen, indem man die letztere so aufstellt, dass ^ie aus der gewünschten 
Richtung Licht auf das Photometer wirft, und darauf dem Schirm eine solche 
Neigung giebt, dass ihn die Lichtstrahlen aus beiden zu vergleichenden Licht- 
quellen unter demselben Winkel treffen. Die photometrische Gleichheit wird durch 

1) Diese schon früher am Bunsen-Rüdorf fachen Photometer verwandte Einrichtung 
ist für unser Photometer von Herrn Dr. .Wedding zuerst gebraucht worden. 


46 LmatEB n. BnoDinnf, FnoTomTsa. Zirwcmirr t6» Iottbommtmbuiu«, 

Aendernng der Entfernang der VergleichBlichtquelle vom Photometer hergeBteI]t. 
Um solche Versuche zu ermöglichen, sind die SeitenwSDde und der'Deckel des 
PhotometergehäuBes in entsprechender Weise ausgesclinitten (b. Fig. 2). 

2. Verwerthung des Kontrastprinzips für technische Zwecke. 

In der Abhandlung über das Kontrastphotometer (Photom. Vntersvchunge* II. 

Diese Zeitsckr. 1889. S. 461) ist ausführlich beschrieben worden, wie man den 

optischen Warfel umwandelt, um das Kontrastprinzip als photometrisches 

Kriterium zu verwerthen. Statt anf das Verschwinden eines Feldes in einem 

anderen zu achten, beurtheilt man beim Kontrastprinzip das gleichstarke Hervor* 

treten zweier Felder gegen ihre Umgebung, Dazu wird die Berührungsebene rs 

T der Prismen in die vier Felder I, 2, 3 und 4 {Fig. 4) eingetheilt, von 

denen 1 and 3 total reäektiren, dagegen 2 und 4 alles Licht bin- 

durchlassen. Hervorgerufen wird der Kontrast durch Bedecken 

der halben KathetenSächen gb nnd mc in Fig. 5 mit Gtlasplatten. 

Hierdurch werden die Felder 3 und 2 um gleichviel (etwa B%) 

gegen 1 und 4 geschwächt. Im Momente der Einstellung soll der 

j. Kontrast zwischen den Feldern 2 nnd I gleich demjenigen zwischen 

'"■ *■ 3 und 4 sein (Fig. 4). 

Bei dieser früher angewandten Herstellungsart des Kontrastwürfels ist vor 
allem ein Umstand sehr störend; das ist die Trennungslinie T T* (Fig. 4) zwischen 
den Feldern 1 und 4 bezw. 2 und 3. Eigentlich treten deren zwei anf, welche 
man aber leicht zur Deckung bringen kann. Sie rühren davon her, dass man beim 
Akkomodiren auf die Ebene a b (Fig. 5) durch Feld 2 hindurch die mittlere Kante 
der Glasplatte bei gb und an Feld 3 die gespiegelte Kante der Glasplatte bei mc 
sieht. Beeinflussen dieselben auch keineswegs die Genauigkeit 
der Einstellung auf gleichen Kontrast, so verwirren sie doch 
einen ungeübten nnd stören einen geübten Beobachter. Ohne es 
zu wollen, vergleichen erstere oft genug die Helligkeit der be- 
nachbarten Felder 2 und 3 oder 1 und 4, anstatt auf die 
gleiche Helligkeitsdifferenz des Feldes 2 gegen 1 und des 
Feldes 3 gegen 4 einzustellen. Bei Einstellang auf gleiche 
'''»■ *■ Helligkeit zweier Felder vermindert aber ein dunkler oder 

heller Zwischenraum zwischen den Feldern die Einstellungsempfindlichkeit bedeutend. 
Gelingt es, dies stOrende Uoment fortzuschaffen, so sind dadurch zwei Vortheile 
gewonnen. Erstens wird das Kontrastpbänomen Übersichtlicher and reiner, zweitens 
kann man gleichzeitig auf gleichen Kontrast und auf gleiche Helligkeit (Ver- 
schwinden) einstellen. Man erreicht dieses Ziel einfach durch eine andere Ein- 
theilimg des Gesichtsfeldes, d. h. indem man auf der Hypotenusenflttche des 
Prismas A eine von der früheren abweichende Figur einätzt. 
Diese Fläche werde wie folgt behandelt. Man beklebt die in 
Fig. 6 mit l, und 2, bezeichneten Stellen mit geeignet geschnittenen, 
dünnen Kupferblechen und nimmt an den schraffirten Stellen r, 
und r, mittels Sandstrahlgebläses (siehe Näheres in der oben 
angef. Abhandlung 11.) die oberste Glasschicht fort. Dann presst 
f <!■ *• man die Hypotenusenäächen beider Prismen innig aneinander, bis 

an allen polirten Stellen I der Würfel vollständig durchsichtig geworden ist. Dies ge- 
lingt immer, wenn vorher beide Prismenflächen anf einander abgeschliffen worden sind. 



ZwalttarJmhtfUf. FabmulBM. LdiORB D. BsOBrnnt, PhOTOMBTIB. 47 

Bei der in Fig. 3 gezeichneten Lage des Würfels Ä B findet dann an den 
Feldern r Totalreflexion statt, sie erhalten ihr Licht von rechts; bei den Feldern l 
geht dagegen anffallendes Licht durch den Würfel hindurch, sie erhalten also ihr 
Licht von links. Sind beide Lichtantheile gleich gross, so erscheint im Moment 
der Einstellung das Sehfeld gleichmässig hell. Bringen wir aber jetzt in geeigneter 
Weise Glasplatten am Würfel an, so ändert das Sehfeld sein Aussebn; es treten hei 
der gleichen Stellang des Pliotometers die Felder r, nnd i, gleich stark gegen ihre 
Umgebung^, nnd vt hervor, wie dies in Fig. 8 skizzirt ist. Von einer Tren- 
nnngslinie zwischen den Feldern /, und r, ist aber nichts zu sehen; es er- 
scheint vielmehr die ganze Umgebung der geschwächten Felder (r, und {,) wie eine 
zusammenhängeude gleich hell tenchlende Fläche. Dabei sind die Helligkeiten von 
l, und Ti gleich; ebenso diejenigen von i, und r„ Je nach der Grösse des Kontrastes 
nnterscheiden sich beide Helligkeiten um verschieden grosse Beträge. Alles dies 
findet aber nur im Momente der Einstellung statt; dieselbe werde als Nulllage be- 
zeichnet. In jeder anderen Lage des Photoraetera erscheinen die vier Felder in 
auderem Helligkeitsverhältniss zu einander. Nie aber sind die Kanten der den 
Kontraut erzeugenden Glasplatten sichtbar. Die Erklärung j 

hierfür ist leicht aus Fig. 7 zu ersehen. In ihr bedeuten 
wiederum die Stellen r die reÖektirenden, / die durchsichtigen 
Tbeile der Berührungsfläche beider Prismen. Im Durchschnitt , 
gezeichnet erhalten wir scheinbar sechs Felder, weil hier 
zwei mittlere und zwei äussere Theile von r» und k vorhanden 
sind; dazwischen liegen die Kontrastfelder r, nnd l,. Es 
soll r, durch die Glasplatte m,c und /, durch die Platte g b ^'«- ^■ 

geschwächt werden, ohne dass r, und /i beeinänsst and ohne dass die Kanten der 
Platten gesehen werden. Dies ist der Fall, wenn die Platten so stehen, dass das 
Loth mm' 2_ad durch die Mitte des nicht reflektirenden mittleren Feldes l, 
geht und das Loth gg' xac auf das undurchsichtige mittlere Feld r, trifft. 
Da die Axe des Okularrohres senkrecht auf der Mitte der Fläche ac steht, so 
laufen bei genügender Entfernung des Auges von der Lupe (etwa 11cm) alle 
Sehlinien nahe senkrecht zur Fläche ac des Würfels; hier interessirt uns nur die 
Mitte des Sehfeldes und für diese gilt die aufgestellte Behauptung vollkommen. 
Solche von m und g ausgehende Strahlen mm' und gg' gelangen aber nicht ins 
Auge; es können demnach die Kanten der Glasplatten nicht gesehen werden; 




V\f. 8. Flg. ». Plg. TO. Flg. II. 

andererseits lassen letztere die Felder r, nnd /, in ihrer Helligkeit ungeändert und 
schwächen nur r, bezw. !,, wie oben verlangt wnrde. Es muss demnach bei 
gleicher Stärke des von rechts und links kommenden Lichtes in der Nnlllage die 
in Fig. 8 skizzirte Erscheinung auftreten, wo t^ und r, ohne Trennungslinie in 
einander übergehen. In den Figuren 9 bis 11 ist dargestellt, wie sich das Seh- 


48 Lmons u. BBODHinr, PHOTOMsmu ZKmcanajT »0« bnrsuiiuvuuiuiua 


feld ändert, wenn man aus der NolUage (Fig. 8) mit dem Photometer nach rechts 
geht. Bei einem solchen Wandern wird jedenfalls r^ heller, l^ dunkler; bedeaten 
die Bachstaben gleichzeitig die Grösse der Helligkeit, so wird also r« > h. Da 
nnn stets rj>ri und zwar r» — r, = i, — It = Konst. (etwa 8%), so müssen sich 
die Helligkeiten von n und k nähern, die von r, und ix dagegen entfernen. 
Es geht also Fig. 8 über in Fig. 9, bis in Fig. 10 Feld rt = /, und r,-Z, = l6% ge- 
worden ist. In dieser Stellung erscheint die linke Hälfte des Sehfeldes als eine 
ganz gleichmässig leuchtende Fläche, während der Kontrast der beiden Felder der 
rechten Seite sich verdoppelt hat. Da bei weiterer Verschiebung des Photometers 
der Sinn der Helligkeitsänderung der gleiche und r« — n stets konstant bleibt, so 
wird von jetzt an Z, dunkler als n und r, — Zi > 16% (Fig. 11). Noch ehe aber 
diese Stellung erreicht ist, kehrt man mit dem Photometer um und geht durch 
die Nulllage nach links. Bei dem Wandern nach links vertauschen sich nur die 
Rollen der rechten und linken Hälfte des Sehfeldes. . Man erhält also in diesem 
Falle die Veränderungen des Sehfeldes, indem man die Figuren 9 bis 11 von 
der Rückseite des Papieres her anblickt und die Indizes der Buchstaben vertauscht 

Je kleiner die Differenz rj — ri = Z« — h ist, um so näher rücken die beiden 
Stellungen des Photometers, bei denen man umkehrt (Fig. 10) und um so grösser 
ist die Einstellungsempfindlichkeit; ist der Kontrast so klein geworden (etwa 2%), 
dass er nur mit Mühe wahrnehmbar wird, so nimmt freilich die Empfindlichkeit 
wieder ab. 

Da bei der beschriebenen Herstellung des Kontrastwürfels die Trennungs- 
linie zwischen If und r, (Fig. 8) vollständig verschwindet, so kann neben dem 
Kontrastprinzip ebensogut die Einstellung auf gleiche Helligkeit dieser beiden 
Felder (Z, und ra), d.h. das Verschwinden der Grenzlinie zwischen /, und r„ 
als photometrisches Kriterium benutzt werden. Dabei ist durch das gleichzeitige 
Auftreten beider Kriterien eine Entscheidung über deren relative Empfindlichkeit 
gestattet. Trotzdem der Kontrast in Folge der einfachen Glasplatten ziemlich 
gross (etwa 8%) ist, überwiegt denn och. die Genauigkeit des Kontrastprinzips, 
zumal die meisten Beobachter mit diesem Prinzip mehr vertraut sind als mit dem 
Einstellen auf Verschwinden bezw. gleiche Helligkeit. Die bisher gebrauchten 
Glasplatten sind an die betreffende Fläche des Würfels angelegt; sie können also 
ebenso wie der Würfel selbst leicht von Staub befreit werden. Wollte man den Kon-: 
trast kleiner als 8% nfiachen und damit die Genauigkeit der Messung steigern, so 
würde dies nach unseren Erfahrungen ein Nachtheil für die Praxis sein. Abgesehen 
davon, dass das Erkennen des Kontrastes und damit auch das Einstellen für un- 
geübte Beobachter sehr viel schwieriger ist, bedarf die Verwirklichung eines 
Kontrastes unter 8} eines Glasplattenapparates, welcher die Einfachheit und Un- 
veränderlichkeit des Photometers vermindert. In der Abhandlung über das Kon- 
trastphotometer {diese Zeitsthr, 1889. S. 463) ist eine Glasplattenvorrichtung be- 
schrieben, mittels welcher man einfach durch Drehen eines Hebels jeden beliebigen 
brauchbaren Kontrast erzeugen kann. Einfachere Methoden zur Herstellung 
geringer Kontraste haben noch nicht zum Ziele geführt, werden aber an- 
gestrebt. 

Ehe wir zur Beschreibung der Photometerbank übergehen, wollen wir noch 
kurz auf die bei Vergleichung verschieden gefärbten Lichtes auftretende Erscheinung 
hinweisen. 

Da die Felder r nur Licht von rechts, die Felder / aber nur Licht von 


SMIftar JakipBg. ?«hn»18W. LoMKiB o . BkODKinr , PaoTOiBm. 49 

iinks erhalten, bo tritt keine Kompensation der zn vergleichenden Lichter ein, wie 
etwa beim Bnnsen'schen Photometer. Vielmehr zeigen die Felder genau die 
Farben der beiden Lichter, ganz wie beim Photometer von L. Weber in der 
ursprünglichen Form (ohne unseren optieeheo Würfel). Da das Aage aber nicht 
imstande ist, die Helligkeit verschieden gefärbter Felder zu vergleicheli , so 
muse man für solche Falle nach nenen Kriterien suchen. Bei geringer Färbungs- 
differenz, wie sie etwa bei Vergleiehnng einer Hefnerlampe mit einer weiss 
brennenden Glühlampe vorkommt, bietet sich nun ein solches in unserem Photo- 
meter von selbst dar und zwar da, wo die gleiche Helligkeit zweier Felder beob- 
achtet wird. In Folge der scharf zusammenstossenden Felder'Vs und /a (Fig. 9 
bis 11) sollte man vermnthen, dass bei verschiedener Färbung der Lichtquellen 
auch im Moment der Gleichheit der von rechts und linke kommenden Lichtantheile 
beide Felder scharf getrennt seien; leuchtet doch diis eine Töthlich, das andere 
bläulich. Dem ist jedoch nicht so. Vielmehr gehen bei einer gewissen Stellung 
des Photometers die verschieden gefärbten Felder ru und h kontinnirlich in 
einander über, die Grenze wird unscharf trotz der Farbendifferenz; es bietet 
sich also auch hier etwas Aehnliches dar wie hei gleichgefärbteu Lichtquellen, 
wo man auf Verschwinden der Grenze einstellt. Dass dieses Kriterium auch 
genau ist, haben viele Einstellungen ergeben. Der mittlere Fehler ist derselbe 
wie bei gleichgefärbten Lichtem. Dass dieses Kriterium bei geringer Färbungs- 
differenz aber auch richtig zu sein scheint, geht ans der Uebereiusttmmung hervor, 
welche die Einstellnngen verschiedener Beobachter zeigen. 

Auch ein farbenblindes Auge stellt bei geringer Färbungsdifferenz der 
Felder ri und /j wie ein normales Auge ein. Weichen die Farben beider Felder 


Fif. la. 
sehr von einander ab, so tritt das geoanote Kriterium nicht mehr auf; eine 
etwaige Einstellung ist ausserdem verschieden für verschiedene Farbenempfin- 
dougen. Beim Kontrast wirkt die angleiche Färbung der Felder r, und l, gegen 
/, und I-, störend auf die Einstellung ein. Um daher in diesem Falle das Auf- 
treten der Kontra stersch ei Dung zu vermeiden, sind die Glasplatten herauszunehmen. 
Hierdurch wird bewirkt, dass im Moment der Einstellung auch die Grenzen der 
Felder r, und l, verschwinden, Sodass bei gleicher Färbung das ganze Sehfeld als 
gleichmässig helle Ellipse erscheint. 


50 Fbiedbicb, HbiOhbl*s MikbomstbstaStir. ZsrraoHRiFT rUn InTRUMnmnnnm«. 

3. Photometerbank. 
In Figur 12 (S. 49) ist die Photometerbank (durch untergelegte Klötze ist sie 
der besseren Anschauung wegen schief gestellt) wiedergegeben, wie sie nach 
unseren Angaben von der Firma Fr. Schmidt & Haensch geliefert wird. 
Statt der früher benutzten Stahlschienen werden Stahlrohre gebraucht, wie sie zu 
den Reifen der Zweiräder dienen. Die über 2 m langen Stahlrohre, deren Durch- 
messer etwa 3,5 cm und deren Abstand etwa 12,5 cm beträgt, sind auf dem aus Guss- 
eisen bestehenden Gestell HH gelagert. Wie die Figur zeigt, hat das Gestell auch noch 
in der Mitte eine Stütze, um die Durchbiegung der Rohre zu vermeiden. Mittels 
der Stellschrauben S kann trotz der fünf Unterstützungspunkte die Bank sicher 
aufgestellt und leicht horizontirt werden. Auf den Stahlrohren rollen die Wagen, 
jeder vermittels vier Rollen; die dadurch erzielte Bewegung ist bei sicherer 
Führung eine ausserordentlich leichte. Auch jetzt können die Wagen von einem 
Ende der Bank bis zum anderen bewegt und an jeder Stelle mittels einer Schraube P 
festgeklemmt werden. Jeder Wagen trägt einen Nonius bezw. eine Marke, welche 
über einer auf der äusseren Seitenfläche der einen Schiene eingeätzten Millimeter- 
skale gleitet. Auf Verlangen wird auch nur der mittlere Theil des Rohres in 
Millimeter, der übrige in Zentimeter eingetheilt. Die Wagen sind wie früher aus 
viereckigen Metallplatten, etwa von der Breite der Bank, hergestellt, in der Mitte 
vertikal durchbohrt und mit einer starken Hülse versehen; in dieser lässt sich 
durch Zahn und Trieb ein Stahlrohr auf- und abbewegen, welches zur Aufnahme 
von Photometergehäuse, Kerzenhalter und Lampentischchen dient. Diese Stahlrohre 
können in jeder Höhe festgeklemmt werden. Ist diese Bank in mancher Hinsicht 
einfacher gehalten als die von uns früher beschriebene, so zeichnet sie sich bei 
grösserer Länge durch solidere und gefälligere Konstruktion vortheilhaft aus. 


Neue Messinstrumente und Hilfseinrichtungen für die Werkstatt. 

Von 
Mechaniker K. Friedricb in Berlin. 

1. Der ReicheTsche Mikrometertaster. 

In Nr. 5 des Vereinshlattes der Deutschen Gesellschaft für Mechanik und Optik ist 
in einem Artikel „lieber die Verwendung von feinen Messinstrumenten in der 
Werkstatt** eines kleinen Apparates Erwähnung geschehen, der für eine sehr genaue 
und zuverlässige Ausmessung von Zylindern, nach der Anleitung und den Kon- 
struktionsmethoden des Herrn C. Reichel, vom Verfasser konstruirt wurde. 
In Anbetracht der Wichtigkeit eines solchen Instrumentes für die Werkstatts- 
messungen soll dasselbe an dieser Stelle eingehend beschrieben und auf seine 
Genauigkeitsgrenzen hin untersucht werden. 

Wie in dem angeführten Artikel erwähnt ist, hat die Herstellung der 
zur Einführung in die deutsche Feintechnik bestimmten Normalgewindebohrer 
den Anlass zur Ausführung dieses Apparates gegeben, da die für einige derselben 
nothwendig erachtete Genauigkeit (0,001 mm) mit einem der im Handel käuflichen 
sogenannten Mikrometertaster nicht nachzuweisen und einzuhalten war; die Fehler 
dieser Apparate waren in Folge schlechter Konstruktion oder mangelhafter Aus- 
führung mitunter grösser als die angebliche Genauigkeit der Ablesung. Von 
diesen käuflichen Messmitteln kommen hauptsächlich drei Arten in Frage, der in 
den feinmechanischen Werkstätten vielbenutzte Zehnteltaster, die Mikrometer- 
schraube und die Schlatter-Lehre. 


ZwQlfl«r JahrgiBg. Febnmr 1898, FmEDBiOH, Reichsl's Mikbometebtasteb. 51 

Der Zehnteltaster besteht aus einem um ein Gelenk drehbaren Zeiger, der 
an seinem unteren kurzen Hebelarm eine in der Axe liegende Fläche besitzen 
soll, die sich an eine ebenfalls in der Gelenkaxe liegende zweite ebene Fläche 
des Gestelles in der Nulllage aYischliesst. Die Messung geschieht also dadurch, 
dass man den Zeiger um die Gelcnkaxe dreht, den zu messenden Körper zwischen 
die ebenen Endflächen legt und nun die Angabe des langen Zeigerarmes auf einer 
am Gestell angebrachten empirischen Theilung abliest. Diese Theilung giebt bei 
den käuflichen Tastern 0,1 mm an, und es wäre deshalb nothwendig, durch An- 
ordnung von Ftihlhebeln die Empfindlichkeit der Angaben erheblich zu vergrössern. 
Es leuchtet indess ein, dass die messenden Endflächen ausserhalb der Nullstellung 
nicht mehr parallel mit einander sind, sondern einen spitzen oder stumpfen Winkel 
bilden, je nachdem der zu messende Zylinder einen geringeren oder grösseren 
Durchmesser besitzt, und dass in Folge dessen nicht mehr der Durchmesser, sondern 
eine Sehne gemessen wird. Bezeichnet man den Durchmesser des Zylinders (Fig. 1) 
mit Ä Bj den Drehpunkt des Zeigers mit 0, die Länge der Tasterschenkel G und 
OD mit ly und den von ihnen eingeschlossenen Winkel mit y? so wird 
man nicht AB sondern CD messen, d. i. diejenige Sehne, welche die \ / 

Berührungspunkte der beiden Tangenten C und OD^l verbindet. \o/ 

Während AB gemessen werden soll, findet man CD = 2 Z sin y/2, ^ 

woraus zugleich ersichtlich ist, dass der Messungsfehler mit zu- q/^Is^ 
nehmender Neigung der Schenkel zu einander, also beim Messen A\---^'-'jB 
dickerer Zylinder wachsen muss, da l eine konstante Grösse ist. Dieser V_^ 
prinzipielle Fehler verhindert von vornherein eine Benutzung dieses ** 

Tasters; ausserdem aber würde die Unsicherheit, welche die Einführung eines 
gewöhnlichen Gelenkes und die Herstellung einer empirischen Theilung mit sich 
bringen, kaum eine feinere Angabe als 0,1 mm zulassen. 

Das zweite Messwerkzeug, die Mikrometerschraube, ist theoretisch ein- 
wandsfrei, verlangt dagegen eine überaus genaue Ausführung und entspricht 
ausserdem einer Anforderung nicht, die weiter unten erläutert werden soll. Die 
Messung wird hier durch eine Mikrometerschraube von bekannter Steigung be- 
wirkt, deren Kopf mit einer Theilung versehen ist, und die am andern Ende eine 
ebene, rechtwinklig zur Axe gelegene Fläche trägt; dieser Fläche gegenüber be- 
findet sich eine zweite in der Axenrichtung verstellbare, gegen welche der zu 
messende Zylinder gelegt wird. Es ist klar, dass beide Flächen unbedingt recht- 
winklig zur Schraubenaxe und vollkommen eben sein müssen, dass die Schraube 
vollkommen frei von periodischen Umdrehungs- und fortschreitenden Fehlern und 
ebenso die Theilung fehlerfrei sein muss. Wenn sich auch Schraube und Theilung 
mit genügender Genauigkeit herstellen lassen, so bietet doch die Aufgabe, zwei 
Flächen vollkommen eben, einander parallel und rechtwinklig zu einer bestimmten 
Axe zu machen, fast unüberwindliche Schwierigkeiten, welche die Verwendbarkeit 
eines derartigen im Handel käuflichen Instruments für feine Messungen fraglich 
erscheinen lassen. 

Der dritte von den oben angeführten Tastern ist die in neuerer Zeit in den 
Handel eingeführte Schlatter-Lehre. Es wjrd hier ein prismatischer Körper von 
rechteckigem Querschnitt in einer ihn umschliessenden Hülse verschoben und da- 
durch seine Stirnfläche an den zu messenden Gegenstand gelegt. Als Anschlag 
für die Messung dient die Fläche einer mit Gegenmutter am Gestell sitzenden 
Schraube. Die Bewegung des Prismas wird durch Zeiger auf einer Kreistheilung 


53 F]IISS>BIOHy KbICHXL's MmOMBTBRTASTBB. Zsmcimirr fOr lOTTHD maTMKUMD g. 

angezeigt. Dieses kleine Instrument; das für gröbere Messungen wegen seiner 
Empfindlichkeit vortrefflich ist, schliesst ebenfalls so viel Fehler in sich, z. B. in 
der prismatischen Führung; in der Bewegungsübertragung; in den AnlageflächQU; 
dass seine Verwendung für feine Messungen ausgeschlossen ist. 

Immerhin wären diese letzten beiden Instrumente nach vorzüglicher Aus- 
führung geeignet, zu feinen Messungen verwendet zu werden, wenn nicht noch 
ein anderer schwerwiegender Mangel in Betracht käme : Sie gestatten nicht einen 
zwangfreien Anschluss an das zu untersuchende Stück und die Messung wäre 
daher sehr abhängig von dem Gefühl des Messenden, der die Schraube oder das Prisma 
leichter oder schwerer gegen den zu messenden Zylinder anstellen und dadurch 
unkontrolirbare Resultate erhalten würde. 

Nach diesen Ausführungen wird es nöthig sein, die Bedingungen für die 
Konstruktion des in Frage stehenden Apparates aufzustellen und auf ihre Verwirk- 
lichung hin zu prüfen. Diese Bedingungen sind: 

1. Vollkommen zwangfreie Anordnung an das ins Drehbankfutter gespannte 

Arbeitsstück und möglichst geringes Gewicht. 

2. Möglichkeit der stets zuverlässigen Messung von 0,001 mm und daher: 

3. Genaue Korrektur des Nullpunktes. 

4. Fehlerfreiheit der Schraube. 

5. Fehlerfreiheit der Theilung. 

6. Ausschluss der Willkür beim Druck auf das zu messende Stück. 

7. Möglichkeit, Durchmesser von 0,5 mm bis 10 mm zu bestimmen. 

8. Beschränkung der Abmessungen auf das Geringste nach Maassgabe der 

Raumverhältnisse an der Drehbank. 

Zu 1. Zur freien Anordnung an das Arbeitsstück ist das Instrument im 
kardanischen Gelenk über der Spindelaxe der Drehbank mit Gegengewicht an 
Rollen aufgehängt, so dass es für den Gebrauch heruntergelassen und über den 
zu messenden Zylinder gestreift werden kann. Das Gewicht ist sehr gering, da 
möglichst viele Theile aus Aluminium hergestellt sind. 

Zu 2., 3., 4., 5., 6. Die Herstellung und Regulirung der Gewinde und der 
Theilungen ist in der Präzisionsmechanik soweit ausgebildet, dass die dabei ge- 
machten Fehler innerhalb der vierten Dezimalstelle liegen. Für die genaue 
Korrektur des Nullpunktes konnte eine Einrichtung gefunden werden, die gleich- 
zeitig jedwede TVillkür des Druckes auf das zu messende Stück ausschliesst; sie 
wird bei der Beschreibung des Instrumentes näher besprochen werden. 

Zu . 7. und 8. Diese beiden letzten Bedingungen sind fast am Schwierigsten 
zu erfüllen, da sie die Gesammtmaasse auf ein sehr Geringes hinabdrängen, so 
dass bei der Kleinheit der einzelnen Theile die Schwierigkeit ihrer korrekten 
Herstellung sehr gesteigert wird. 

Gehen wir jetzt zur Beschreibung des Apparates über: 

Der Mikrometertaster (Fig. 2) besteht aus einem, in kardanischem Gelenk D 
hängenden zylindrischen Hauptkörper Ä aus Messing, der in etwa einem Viertel 
seiner Länge mit einer prismatischen Erweiterung versehen ist. Diese ist in recht- 
winklig zu einander und zur Zylinderaxe liegenden Richtungen durchbrochen, 
um einerseits den zu messenden Zylinder C durchzulassen, andrerseits Platz zu 
schaffen für den Träger des „Null-Anschlages^^ Das G-elenkstück G dieses Null- 
Anschlages, der nach Bedingung 1 und 6 eine freie Anordnung an das Arbeits- 
stück zulassen muss, besteht aus einer fein polirten, durchsichtigen planparallelen 


Zwolftw Jmhtfug. F«bniu IBM. Fbuduch, Reichbl's Miehomktkbtabtbb. 53 

oder plankonvexen Linse eines harten Steines, etwa Beryll, Amethyst oder Topas, 
die in einer um zwei winzige harteStahlkugeInK'drehbarenFaBsmigÄ(Fig.3u.4)8itzt. 
Die Lager für die Axe der Faseung liegen in dem dieselbe umschliessenden Gelenk- 
stück G ans Altuninium, das sich 
um eine zweite Kagelaxe N dreht, 
so zwar, dass beide Axen sieh in 
derselben normal zu der vertikal 
hängendenlnstrumentenaxe liegen- 
den Ebene im rechten Winkel 
schneiden, wie in Fig3 ersichtlich 
ist, wo durch das Trichtergesenk W 
und die als verstellbares Lager 
für die Kagelaxe der Steinlinscn- 
fassung H dienende Trichttr- 
schraube P die Lage der Axen 
angegeben wird. Ein durch Rippe 
befestigter Arm dieses Gelenk- 
Stückes reicht durch eine Durch- 
brechung der prismatischen Erwei- 
temng hindurch und trägt einen 
Stahlstift E, der einen in dem 
Gestell B und dem daselbst auf- 
geschraubten Bock ü aus Alu- 
minium in Kugeln gelagerten 
Zeiger Z in Bewegung versetzt. 
Die MaaBSverhältnisse sind so 
gewählt, dass sowohl bei dem 
Gelenkstück , wie beim Zeiger 
sich die Hebellängen verhalten *■'*■ ^ 

wie 1 : 10, worunter bei dem Gelenkstück die Entfeniuug der Drehaxe von der 
Instrumentenaxe einerseits und dem Stift E andererseits verstanden ist. Diese 
Anordnung, welche demnach eine Empfindlichkeit von 1 : 100 besitzt, hat den Zweck, 
die UnverSnderlichkeit des Nullpunktes festzustellen; der Ge- 
brauch derselben soll weiter unten besprochen werden. Die 
Messung der Dnrchmesser wird bewerkstelligt mittels Mikro- 
meterschranbe 3f von 0,5 mm Steigung, die einen in 50 Theile 
getheilten Kopf trägt und ihre Umdrehungen an einem an 
den Hanpttheil Ä geschraubten Glasindex J anzeigt. Die 
Rändchcnmutter B ermöglicht die Korrektur des. Theilkopfes 
in Bezng auf den Nullpunkt. Gelagert ist die Schraube im 
Hauptkörper A und tr^t an ihrem im Innern desselben 
steckenden Ende eine harte Kugel. Durch ein Zwischenstück K 
aas gehärtetem Stahl, welches mit einem Trichter an der ' 

Kugel liegt und am andern Ende ebenfalls eine Kugel trägt, ''' 

wird die Bewegung der Schraube auf einen Zylinder S aus Achat übertragen, dessen 
normal zur Axe liegende Endfläche die Messung bewerkstelligt. Das Zwischenstück K 
— ein harter Stahlkörper mit Kugeln oder Trichtern an beiden Enden oder beides 
kombinirt — ist ein von ßeichel angewendetes wichtiges Konstruktionselement und 



54 FbISDSICH, ReICHEL^B MiKBOHETEBTASTEB. ZbiTSCHBITT für iKBTBDlOUrmiKUjrDB. 


hat die Bestimmung, Zwang zu vermeiden, der bei der Bewegung zweier möglichen- 
falls zu einander geneigter Axen, hier der Schrauben- und Zylinderaxe, entstehen 
könnte. Die Messung wird also nicht durch die Schraube unmittelbar ausgeführt, 
sondern durch einen harten Steinzylinder vermittelt; da dieser an der Drehung 
der Schraube nicht Theil nimmt und eine grössere Härte als der zu messende 
Körper besitzt, so ist seine Messfläche der Abnutzung nicht unterworfen. Der 
Hauptkörper ist zwischen dem Zylinder und Schraubenlager mit einer winzigen 
Bohrung versehen, um den inneren Hohlraum mit der Luft in Verbindung zu 
setzen. Die Feder F, die an der hinteren Seite des Gestells B angeschraubt ist, 
sorgt für einen sicheren Anschluss der beiden Steinflächen. Die beiden messenden 
Flächen haben einen Durchmesser von 10 mniy die Zylinderlänge beträgt 30 mm, 
diejenige der Messschraube 28 mm. Die Gesammtlänge des Instruments ist in der 
äussersten Stellung 119 mm und von der Axe .V bis zum Ende des Haupt- 
körpers A 65 ww. 

Vor dem Gebrauch des Instruments ist es nothwendig, sich von der Sicher- 
heit der Gelenke zu überzeugen, den Nullpunkt, da ein fester Anschlag fehlt, was 
als ein besonderer Vortheil des Instrumentes betrachtet wird, zu bestimmen, und 
Trommel und Index darnach zu komgiren. Die Bestimmung des Nullpunktes 
geschieht in folgender Weise: man schraubt nach sorgfältiger Reinigung der 
Flächen, mittels der Mikrometerschraube den Steinzylinder vor, so dass er sich 
mit seiner ebenen Endfläche gegen die Steinlinse legt. Da diese gewissermaassen 
in einem kardanischen Gelenk sich dreht, d. h. nach Maassgabe zweier sich recht- 
winklig schneidenden Axen sich anordnen kann, so wird unbedingt bei Weiter- 
bewegung der Mikrometerschraube eine Stellung eintreten, in der sich beide Flächen 
ihrer ganzen Ausdehnung nach decken. Für diesen Moment giebt es ein über- 
aus empfindliches Merkzeichen. Wenn man nämlich durch die Oeffnung das 
Anschliessen der beiden messenden Flächen beobachtet, wird man, vorausgesetzt 
dass sie vollkommen eben sind, bemerken, dass sich in einem gewissen Augenblick 
Interferenzfarben bilden, die beim Weiterdrehen sofort verschwinden, um im nächsten 
Augenblick wieder zu erscheinen. Die Stellung zwischen beiden Erscheinungen 
ist die Nullstellung, da in diesem Fall nach den Interferenzgesetzen der An- 
schluss beider Platten ein vollkommener ist. 

Man fixirt diese Stellung dadurch, dass man am unteren Ende des Zeigers 
Z und damit koinzidirend auf dem Gestell B eine Strichmarke anbringt. .In der- 
selben Stellung werden sodann Index J und Theilkopf T auf ihren Nullpunkt 
gestellt und das Instrument ist zum Messen bereit. Die Operation der Messung 
selbst ist überaus einfach. Man dreht die Schraube 3/ soweit zurück, bis der zu 
messende Zylinder C zwischen den beiden Steinflächen Platz findet, schraubt 
dann die Mikrometerschraube vor bis zur Nullstellung, d. h. bis die beiden Marken 
am Zeiger und am Gestell sich wiederum decken, und liest sodann am Glasindex 
die ganzen Schraubenumdrehungen und auf dem Theilkopf die Unterabtheilungen 
ab. Der Index trägt eine Halbmillimetertheilung mit Bezifferung jedes zweiten 
Millimeters; der Theilkopf ist in 50 Theile getheilt und lässt also die direkte 
Ablesung von Hunderstel- und die bequeme Schätzung von Tausendstel-Millimetern zu. 

Angesichts dieser hohen Empfindlichkeit, die, wie aus der Schilderung der 
Konstruktion ersichtlich, nach der Theorie noch gesteigert werden könnte, dürfte 
es am Platze sein zu untersuchen, ob nicht Konstruktions-, oder in der Konstruktix)n 
begründete Arbeitsmängel vorhanden sind, welche UnZuverlässigkeiten undMessungs- 


ZwoUtor Jahigui:. Vebraar 1898. Fbiedbich , Rbichel's Mixrombtebtaster. 55 


fehler hervorrufen könnten, die sich gröber als die Empfindlichkeit der Angabe 
erweisen. Es möge diese Untersuchung eingehend durchgeführt werden, da das 
Instrument in Folge seiner bequemen Handhabung mit Vortheil für Messungen 
auch ausserhalb der Werkstatt benutzt werden dürfte, für welchen Zweck sich 
möglichen Falles eine Aenderung in der Aufhängung oder Aufstellung als nöthig 
erweisen würde. 

Fehlerquellen können vorhanden sein in der Messschraube, deren Lagerung, 
in der Theilung des Kopfes und der Stellung des Index; in der Form und der 
Lagerung des Steinzylinders, der Lage desselben zur Messschraube und der Ver- 
bindung mit derselben; in der Lage und Form der Zylinderendfläche; in der Form 
und Lagerung der Steinlinse, der Lagerung des die Linse tragenden Gelenk- 
stückes und dessen Verbindung mit dem Zeiger; in der Bestimmung des NulK 
punktes und schliesslich in dem Temperatureinfluss. Eine Anzahl dieser Fehler- 
quellen ist bei den anfangs angeführten Konstruktionen und bei den Instrumenten, 
die für stationäre Messungen Verwendung finden, ebenfalls vorhanden und lässt 
sich mit derselben Sicherheit umgehen, oder nicht umgehen, wie bei diesen; so 
die Fehler der Schraube, der Lagerung, der Theilung, des Index u. s. w. Die 
Schraube lässt sich nach dem in dieser Zeitschrift 1881, S. 14y 51, ?3 von Reich el 
veröffentlichten und in der Zwischenzeit noch verbesserten Verfahren in für die 
benöthigte Genauigkeit fehlerfrei zu nennender Vollkommenheit erzeugen und 
reguliren. Für die Lagerung der Schraube ist eine gutgepasste Mutter die ge- 
eignetste, welche als Länge den doppelten Durchmesser hat und in der Mutter 
auf etwa Ye ausgespart ist. (Siehe Figur.) Zur Beseitigung des Spielraums kann 
eine Vorrichtung angebracht werden, vielleicht in der Gestalt einer durch drei 
Schrauben justirbaren Gegenmutter. Jedenfalls darf bei der Messung die Schraube 
nur in einem bestimmten Sinne gedreht werden, um etwa vorhandenen Spielraum 
auszuschliessen ; bei der Theilung des Kopfes kommen dieselben Fehler in Betracht, 
die sich auch anderweitig bemerkbar machen, Exzentrizitätsfehler und dergl., 
deren Fortfall eine gute Theilmaschine verbürgt. Die Stellung des Indexstriches 
muss parallel zur Schraubenaxe liegen, da bei einer Neigung gegen dieselbe je 
nach ihrer Lage eine nach dem Nullstrich hin zu- oder abnehmender Fehler ein- 
treten würde. 

Weit schwieriger als diese Fehlerquellen sind diejenigen, welche die An- 
wendung des Steinzylinders mit sich führt, zu überwinden. Zunächst ist es noth- 
wendig, dass der Zylinder auch überall kreisförmigen Querschnitt hat und ebenso 
der ihn umschliessende Hohlzylinder, und dass die Querschnitte in beiden Fällen 
überall denselben Durchmesser haben. Sind diese Bedingungen nicht erfüllt, so 
würde eine willkürliche Neigung der Zylinderaxe eintreten können; jedoch lassen 
sich diese Bedingungen durch korrekte Arbeit erfüllen, dadurch, dass man den 
Hohlzylinder durchweinen vorzüglichen Kolben ausschleift und den Stein, nach- 
dem man ihn zylindrisch mit dem Diamant vorgedreht hat, vermittels der in 
diesem Heft, S» 79 beschriebenen Schleifkluppe nachschleift. Erfahrungsmässig 
halten sich nach dieser Operation die Fehler in sehr niedrigen Grenzen, innerhalb 
der fünften Dezimalstelle, so dass sie für den vorliegenden Fall vernachlässigt 
werden können. Die Lage des Zylinders in Bezug auf die Schraube müsste 
eine derartige sein, dass beide Axen ohne Weiteres in einander fallen. Dies ist 
jedoch keineswegs durch die Arbeit zu erreichen und ein beim Vorarbeiten durch 
Fehlerhaftigkeit der Spindel oder der Supportführung an der Drehbank einge- 


56 FlUKDRICH , RkICUBL*8 MlKBOMlCTKHTABTRH. ZKITSCHUrT WUm LH I KUMMHI ■■■!■■» »- 


führter Fehler in der Axenlage kann möglichenfalls beim Aasschleifen sich noch 
vergrössem. Schneiden sich auf diese Weise die Axen des Zylinders und der 
Messschraube, so wird, falls die Schraube unmittelbar auf den Zylinder vortreibend 
wirkt, ein starker Zwang in die Verbindung hineingebracht werden, der dann eine 
starke Abnutzung des Zylinderlagers und eine Unsicherheit durch periodische 
Schiefstellung seiner Axe während einer Schraubenumdrehung bedingt. Dass hier- 
durch, vorausgesetzt dass selbst die Endfläche des Steins korrekt ist, starke 
Messungsfehler verursacht werden können, ist ohne weiteres klar. Um dem ab- 
zuhelfen, ist das Zwischenstück K eingeführt, welches mit einem Trichter an 
der Kugel der Schraube und mit einer Kugel in einem Gesenk des Steines liegt. 
Schneiden sich in der That die Axen, so wird bei der Bewegung der Schraube 
die Axe des Kugelstücks einen Kegelmantel beschreiben, ohne dass auf die 
Schraube oder den Steinzylinder ein Zwang ausgeübt würde, und der Zylinder 
wird um den wirklichen Betrag der Schraubensteigung vorschreiten. Allerdini^s 
liegt dabei auch die Endfläche des Steines schief zur Schraubenaxe , jedoch ist 
darin kein Fehler begründet, da sich nach dieser Fläche die zweite Ebene, die 
Steinlinse anordnet. Ein weiteres Bedenken könnte erhoben werden gegen eine 
willkürliche Drehung des Steins um seine Axe bei der Drehung der Schraube; 
aber diese Drehung würde keinerlei Fehler im Gefolge haben können, ob die 
Axe schief steht oder nicht, falls die Endfläche eben und normal zum Zylinder 
liegt. Hier wird also die Korrektheit der Arbeit für eine Fehlerlosigkeit bürgen 
müssen und wird es auch können, da die normale Lage der Fläche und ihre 
Planität, wenn auch schwierig, sich erreichen und durch empfindliche Prüfmittel 
sich kontroliren lässt. Die ebene Form beider messenden Flächen ist eine der 
Hauptbedingungen für die Fehlerfreiheit des Instruments. Aber wenn sich schon 
die Endfläche des Steinzylinders den strengsten Anforderungen entsprechend her- 
stellen lässt, so sind bei der Verfertigung der Steinlinse keine weiteren Schwierig- 
keiten vorhanden, da die erschwerende Bedingung einer normalen Lage zu irgend 
einer Axe in Wiegfall kommt. 

Eine weiter zu untersuchende Frage ist es, ob die für sich fertig geschliffene 
Linsenfläche in Bezug auf die Kugelaxe P der Stahlfassung H eine bestimmte 
Lage haben muss. Eine kurze Betrachtung wird auch darüber Aufschluss geben. 
Auf den ersten Blick erscheint die Einrichtung einwandsfrei, wenn die Steinebene 
in der Axe selbst liegt. Aber neben der praktischen Schwierigkeit der Anordnung 
hätte man auch kein Merkzeichen für diese Lage, und man ist genöthigt, die 
Fläche aus der Axe heraustreten zu lassen. Sie kann in diesem Falle parallel 
oder schief zu derselben liegen. Betrachtet man zunächst den ersten Fall, so 
wird man ohne Weiteres einsehen, dass diese Lage, sobald sie eine konstante 
bleibt, keinen Fehler bedingen kann, weil sicherlich in einef bestimmten Stellang, 
die bei jeder Messung wieder erreicht werden muss, der Nullstellung, die Fläche 
mit der Zylinderfläche zusammenfallen muss und dass ihre ausseraxiale Lage nar 
einen Einfluss auf die Lage des nach ihr korrigirten Nullpunktes am Gestell B ausüben 
kann. Die nämlichen Verhältnisse liegen, wie weiterhin einleuchtet, bei einer schiefen 
Lage der Fläche vor. In diesem 'Falle allerdings wird sich das Instrument nur für 
Messungen von Körpern eignen, die wirklich parallele Begrenzungen haben; denn 
bei Einführung z. B. eines Kegels zwischen die messenden Flächen, der sich eben- 
falls an die Zylinderfläche anlegen würde und dem sich die Linsenfläche gerade 
so anschlösse wie dem Zylinder, würde diese letztere eine auf einem Kegelmantel, 


ZwHlfttr Jihrguf. Fabrnu ISeZ. FkUdBICH, RMCHn.'« HmoHETEBTASTEB. 57 

dessen Axe die Eugelaxe der StahlfasHung bildet, liegende Bewegung ausführen 
und anrichtige Äbleenngen ergeben. Diese Betrachtnng ist indess eine mtlssige, 
da das Instrament lediglich für die Ausmessung von Körpern mit pArallelen Be- 
grenzungen konstruirt ist und auf seine Brauchbarkeit nur für diesen Fall unter- 
sucht wird. Aus Gründen ausserlicher Art wird man natürlich die Linseniläche 
möglichst parallel der Axe in die Fassung H kitten. 

Auch die Lage der Axen P und K (Fig. 4) zu einander kann eine willkürliche 
sein. Der bei der Betrachtung einfachste, für die Herstellung aber schwierigste Fall 
ist deijenige, in welchem beide Axen in derselben Ebene liegen und sich recht- 
winklig schneiden. Die rechtwinklige Lage ist, wie ohne Weiteres klar liegt, 
nicht unbedingt nßthig, da sich die Fläche auch um eine schief liegende Axe 
frei anordnen kann, nach der die Lage bedingenden Zylinderendfläche. Für die 
Untersuchung der Nothwendigkeit , dass beide Axen in derselben Ebene liegen, 
kommen dieselben Erwägungen in Betracht wie bei der Lage der Linseafläche 

zur Axe F. Auch hier ist ohne c 

Einführung eines Fehlers die Lage ^^^S? 

in verschiedenen Ebenen möglich. * 

Aas demselben Grunde erklärt ; 
sich die Fehlerlosigkeit einer 
schiefen Lage der Axe N zur 
Endfläche des Stein zy lind era. 

Nimmt man bei schiefer Lage von N die Lage der Linsenfläche in der Nullstellung 
als fest an, so würde dieselbe, in paralleler Richtung zu N betrachtet, bei einer 
Neigung einen Kegelmantel beschreiben, also eine Neigung zur Zylinderendfläche 
besitzen. Dieser Fehler ist eliminirt durch die Einführung der eine freie An- 
ordnung zulassenden Axe P. 

Es wäre weiterhin denkbar, dass eine Unparallelität zwischen der Zeiger- 
axe und N einen Fehler in die Messung einführen kiSnnte. Bei der Bewegung 
des Oelenkstückes B um N und hei der dabei erzeugten Bewegung des Zeigers 
um seine Axe gleitet der Stii^ £ in dem Schlitz des Zeigers in der Richtung 
seiner Länge, da ja die Kreisbewegungen Beider sehr verschiedene Radien haben. 
Hierbei wird einerseits das Hebelverhältniss am Zeiger verändert, so dass die 
Empfindlichkeit seiner Angaben eine mit zunehmender Neigung geringere wird, 
andererseits tritt, falls eine Neigung der Zeigeraxe zu der des Gelenkstückes vor- 
handen ist, auch eine Verschiebung der Berührungsstelle in der Axeurichtung des 
Stiftes ein. Steht nun der Stift nicht parallel zu N, so tritt unbedingt in der 
Zeigerbewegung eine Verzögerung oder Beschleunigung ein, d. h. die Empfindlich- 
keit verändert sich. Dieser Fall ist durch die Arbeit niemals ganz zu beseitigen, 
hat aber auch für die Messuugsresultate gar keinen oder einen sehr geringen, 
innerhalb der Genauigkeitsgrenzen liegenden Werth. Bei der Bestimmung des 
Nullpunktes ist dieser Fall ebenfalls vorhanden gewesen, und da ja bei der 
Messting nicht die Bewegung des Zeigers, sondern seine endgiltige Nullstellung 
in Betracht gezogen wird, die, falls nicht Einflüsse der Temperatur oder 
anderer Art sich geltend machen sollten, stets dieselbe bleibt, so fällt dieser Fall 
von selbst heraus. Aus ebendemselben Grunde würde auch jeder andere in der 
Anordnung des beweglichen Nullpunktes noch vorhandene konstante Fehler un- 
schädlich werden, wenn nur in der Nullstellung selbst die beiden messenden 
Flächen sich vollkommen gedeckt haben. 


58 Fbibdbich, Rbichsl*8 BilK&OMBTmiTASTEU. Zeitschrift fOb lusTBmiBVi^xKDVDB. 


Es ist demnaeh auch noch zu untersuchen, ob die Empfindlichkeit der 
Methode für die Bestimmung des Nullpunktes für diejenige des Instrumentes aus- 
reicht. Wie weiter oben bemerkt ist, beruht die Prüfung auf der Beobachtung der Inter- 
ferenzfarben und deren Verschwinden. Es ist eine bekannte Thatsache, die in der 
praktischen Optik bei der Feststellung der vollkommenen Uebereinstimmung zweier 
Flächen im ausgedehntesten Maasse benutzt wird, dass dieselben vollkommen die 
gleiche Gestalt haben und sich vollkommen decken, wenn sie beim Daraufsehen eine 
gleichmässig unbestimmt graue Färbung zeigen. Der geringste Unterschied in 
der Form und Lage der Flächen zu einander veranlasst die Entstehung der so- 
genannten „Farben dünner Blättchen", die ihren Grund in der Interferenz der 
Lichtwellen haben. Betrachtet man zwei gegen einander in sehr kleinem Winkel 
geneigte ebene Glasplatten in monochromatischem Lichte, so bemerkt man je nach 
Grösse des Winkels in geringerer oder grösserer Entfernung eine Anzahl neben 
einander liegender heller oder dunkler Streifen, die nach den Interferenzgesetzen 
an den Stellen entstehen, wo die PhasendiflTerenz der auf der vorderen 
Fläche des von den Platten eingeschlossenen Luftkeiles auffallenden und der 
von der hinteren Fläche reflektirten Strahlen ^4 bezw. Y2 Wellenlänge und 
ein Vielfaches derselben beträgt. Es mögen bei dieser Untersuchung die 
hellen Streifen in Betracht gezogen werden, deren Beobachtung durch die 
Oeffiiung bequemer ist als die der dunklen. Die Dicke des Luftkeils an der 
Stelle des ersten hellen Streifens beträgt nach Messungen von Newton, Fr esnel, 
Fraunhofer ebenfalls % der Wellenlänge. Verwendet man zur Beobachtung 
rothes Licht, so wird, wenn man die von Fraunhofer für die im Roth des 
Spektrums liegende Linie C ermittelte^) Wellenlänge von 0,656 (i (Miki'on) in 
Rechnung zieht, die Dicke am ersten hellen Streifen 0,164 |i betragen. Entsteht 
der erste helle Streifen dicht am Rande der messenden Flächen, so würde der 
bei der Nullstellung gemachte Fehler, da man stets nahe dem Mittelpunkte der Flächen 
messen wird, einen Betrag von 0,082 |i erreichen, der bei der von dem Instrumente 
verlangten Empfindlichkeit von Einheiten der dritten Dezimalstelle gänzlich ausser 
Acht gelassen werden kann. Nun aber ist es nach den beim Gebrauche des Instruments 
gemachten Erfahrungen sehr leicht möglich, die genaue Deckung beider Flächen 
dadurch zu erlangen, dass man einmal den ersten hellen Streifen am rechten 
Rande, sodann am linken Rande erscheinen lässt, in beiden Fällen die Einstellung 
der Trommel merkt und dieselbe nunmehr auf das Mittel beider Ablesungen ein- 
stellt, wobei man natürlich wieder auf die Drehung der Schraube in stets gleichem 
Sinne zu achten hat. Diese Genauigkeit in der Feststellung des Nullpunktes 
genügt sicherlich der Empfindlichkeit des Instruments, vorausgesetzt, dass sie 
nicht durch Unsicherheit in der Zeigeranordnung verringert wird. Nimmt man 
die Strichdicke der Nullmarken zu 0,03 mm an, bei welchem Betrage die Ablesung 
mit blossem Auge bequem ist, so wird man bei der Koinzidenz beider Striche 
einen üblichen Einstellungsfehler von 0,05 mm der Strichstärke, hier also 0,0015 mm 
machen. Wenn die Angabe des Zeigers aber das Hundertfache derjenigen der 
messenden Flächen beträgt, so ist der Einstellungsfehler nunmehr 0,000015 mm 
gross. Dieser Betrag dürfte aber bei weitem zu klein angenommen sein, da ge- 
wisse, ohne Weiteres nicht zu umgehende prinzipielle Inkorrektheiten in der An- 


1) Fraunhofer, Denkschriften der Münchener Akademie aus dem Jahre 1823. Gilberts 
Annalen. Bd. 74. 


ZwOlfker Saürgang. Februar 1892. Fribdrich, Rbichsl's Mikbokbtbbtastkb. 59 


ordDung der Bewegungsübertragung des Geleukstückes auf den Zeiger sich be- 
merkbar machen. Der Stift E besteht aus Stahl und würde, falls man den Zeiger 
aus einem weicheren Material verfertigt, bei unausgesetzter Einwirkung auf den- 
selben einen Eindruck verursachen und mit der Zeit die Ablesung fehlerhaft machen. 
Aus diesem Grunde ist bei dem Instrument der Zeiger aus dünnem Stahlblech 
angefertigt. Aber auch hierdurch ist nicht eine vollkommene Fehlerfreiheit erreicht, 
sondern vielmehr eine neue Fehlerquelle in die Messung eingeführt; da der An- 
griffspunkt des Stiftes E an den Hebel in verhältnissmässig grosser Entfernung 
von seiner Befestigung am Gelenkstücke liegt, so kann eine Torsion der Verbindung 
eintreten, besonders dann, wenn das Gewicht des Zeigers einen verhältnissmässig 
bedeutenden Werth erhält. lieber die Grösse des Werthes dieser Torsion liegen 
dem Verfasser keine Erfahrungen vor; es lässt sich aber wohl annehmen, dass 
bei den Abmessungen des Stiftes und der geringen Masse des Zeigers die durch 
die Torsion verursachten Fehler einen unterhalb der Genauigkeitsgrenze des In- 
struments liegenden Werth besitzen. Auch die Sicherheit der Axen P und N 
und derjenigen des Zeigers Z wird einen Einfluss auf das Messungsresultat aus- 
üben. Jedoch ist diese Sicherheit bei der Verwendung von Kugelaxen die denkbar 
grösste, da sich mit grösster Feinheit jeder Spielraum bei der Justirung der Axen 
entfernen lässt. 

Es möge nun auch Rücksicht genommen werden auf einen Fehler, der sich 
einschleichen könnte, selbst wenn die Nullstellung mit denkbarster Genauigkeit 
erreicht ist und sämmtliche Fehler aus allen übrigen Theilen herausgeschafft sind. 
Dieser Fall liegt in dem anfangs schon besprochenen Spielraum der Messschraube 
in ihrem Lager. Ist dieser Spielraum in der That vorhanden, so würde bei zwei- 
mal hinter einander erfolgenden Einstellungen des Nullpunktes die Trommel eine 
andere Ablesung ergeben können, wenn die Schraube in dem einen Fall gegen 
die vom Messenden aus linke und im andern Fall gegen die rechte Lagerwandung 
gelegt ist. Es würde hierin derselbe Nachtheil liegen wie in einer Exzentrizität 
des Kopfes, und man wird angewiesen sein, den Spielraum, wenn möglich, gänzlich 
zu beseitigen durch die erwähnte Vorrichtung, und stets für sorgfältige Reinigung 
und Oelung der Schraube zu sorgen.^) 

Es erübrigt nun noch, den Einfluss der Temperatur auf das Messungsre- 
sultat zu beleuchten und die für den Gebrauch des Instruments sich ergebenden 
Schlussfolgerungen zu ziehen. Bestimmt man den Nullpunkt in oben angegebener 
Weise bei sehr verschiedenen Temperaturen, so werden der Theorie nach die 
Trommeleinstellungen verschiedene sein, und zwar hat diejenige bei höherer Tem- 
peratur erhaltene einen negativen Werth, wenn man die erste gleich Null setzt; 
der aus Messing bestehende Hauptkörper hat sich ausgedehnt, dabei den Zylinder 
und die Schraube mitgenommen, die man somit über den Nulistrich der Trommel 
hinaus drehen muss, um wiederum die Koinzidenz der Striche an B zu erreichen. 
Es wird hierbei nicht der ganze Betrag der Ausdehnung in Rechnung gehen, sondern 
nur die Differenz derselben mit derjenigen an der Schraube, die aus Stahl ge- 
fertigt ist. Dieser Betrag hat bei einer Temperaturveränderung um 10° für die 
in Betracht zu ziehende Länge des Hauptkörpers bis zur Axe N den Werth von 
0,0000789 mm, kann also auf das Messungsresultat selbst keinen Einfluss ausüben; 


*) Vgl. hierüber Knorre, Untersuchungen über Schrawbenmikrometer^ diese Zeitschrift 1891, 

S. 41 und 83. 

5* 


60 Fbixdrich, Reichkl's Mikbombtbbtastbb. ZKmcHRxrr rtht iKSTRUMKsmEKKüVDK. 


da aber die Temperaturveränderungen, denen das Messinstrument beim Messen 
selbst und auch in der Ruhe ausgesetzt ist, in weit engeren Grenzen liegen, so 
wird selbst dieser an sich schon unbedeutende Fehler noch verkleinert. Nichts 
destoweniger wird man gut thun, jede Erwärmung des Hauptkörpers bei der 
Operation des Messens zu vermeiden. 

Für den Gebrauch des Reicherschen Mikrometertasters hat sich in Folge 
der Untersuchungen tlber seine Fehlerquellen und der beim Messen gemachten 
Erfahrungen eine gewisse Folge von Manipulationen als zweckmässig herausgestellt, 
deren Einhaltung die möglichste Sicherheit des Messungsresultates verbürgt. Sie 
mögen zum Schlüsse hier angeführt werden: 

Vor dem Beginn einer Anzahl von Messungsreihen wird das Instrument 
auf seine Zuverlässigkeit untersucht, vornehmlich der Gang der Schraube, 
Befestigung des Index und der Trommel und die Sicherheit sämmtlicher 
Gelenke geprüft. 

Vor jeder Reihe von Messungen wird eine neue Bestimmung des Null- 
punktes vorgenommen und die Stellung der Trommel und der Nullmarke 
an B darnach korrigirt oder der sich möglichenfalls ergebende Fehler für 
alle folgenden Messungen in Rechnung gezogen. Für die Bestimmung des 
Nullpunktes in oben angeführter Weise ist es nöthig, die messenden Flächen 
sorgfältig von Staub oder Fett zu befreien; erfahrungsmässig gelingt dies 
am Besten mit Stanniol, welches man um eine Pinzette legt und mehrmals 
durch frisches ersetzt. Für die Beobachtung der Streifen eignet sich ein 
rubinrothes Glas, welches man mittels Lupenfassung in's Auge klemmt. 
Um das Freisein von zufälligen Fehlem festzustellen, wird die Null- 
bestimmung mehrmals in Zwischenräumen hintereinander ausgeführt; man 
erhält dabei gleichzeitig Aufschluss über die Zuverlässigkeit der Angaben, 
, die stets in engsten Grenzen übereinstimmten. 

Beim Messen wird das Instrument am kardanischen Gelenk D mit der 
linken Hand gefasst und mit der rechten Hand die Schraube gedreht. 
Eine Berührung des Hauptkörpers muss vermieden werden, um in der Zeit 
der Messung die Temperatur möglichst auf demselben Stande zu erhalten. 
Demgemäss ist es auch zweckmässig, die Zeit der Messung möglichst zu 
verkürzen, ohne jedoch durch Uebereilung andere Unsicherheiten ein- 
zuführen. 

Die Schraube wird stets in demselben Sinne, am Einfachsten „rechts" 
gedreht. Nach Ueberschreiten der Nullstellung dreht man um ein Ueber- 
flüssiges zurück und stellt von Neuem durch „Rechtsdrehung" ein. 
Die Messungen sind natürlich relativ und beziehen sich auf das Verhältniss 
der Schraubensteigung zum Normalmaass. 

Eine Reihe von Vergleichungen zwischen Messungsergebnissen dieses In- 
strumentes mit denen eines anderen für stationären Gebrauch konstruirten ergab 
eine weitgehende Zuverlässigkeit desselben. Die Unsicherheit der Messung lag in 
jedem Falle innerhalb der Grenzen von 2 |i. 


Ueber den Qebrauoh der Aräometer. 

Von 
Fr. Halt in Wien. 

Die tinter gewöhnliehen Umständen mit einem Aräometer erreichbare Ge- 
nauigkeit hängt scheinbar von der Natur der Flüssigkeit ab, in welcher die Ver- 
senkungen vor sich geheur Es ist eine feststehende Thatsache, dass die Vergleichung 
zweier Aräometer in gewissen Flüssigkeiten, z^ B. hochgradigem Spiritus, befrie- 
digende Resultate liefert, während eine Uebereinstimmung der Angaben der 
Instrumente in anderen Flüssigkeiten, z. B. schwachem Spiritus ,^ Wasser u^ a.^ 
namentlich bei niedrigen Temperaturen trotz einer vorhergehenden sorgfältigem 
Reinigung derselben nicht zu erzielen ist. Noch grösser zeigen sich die Ab- 
weichungen, wenn ein solches Instrument direkt aus hydrostatischen Wägungen 
bestimmt werden soll und im erhöhten Maasse bei sehr dünnen Spindeln. Es 
tritt hier gewöhnlich die Erscheinung zu Tage, dass das Instrument momentan 
zur Ruhe gelangt und die an der Spindel gehobene Flüssigkeit gegen diese scharf 
begrenzt erscheint und einen grossen Randwinkel bildet, während im hochgradigen 
Spiritus das Instrument allmälig ausschwingt und der gehobene Flüssigkeitsspiegel 
gegen die Spindel fast tangential verläuft. 

Dieser Umstand veranlasste die E. Normal-Aichungs-Eommission in Berlin 
zu umfassenden Untersuchungen, um bei d^r Bestimmung der Alkoholometemormale 
den erwünschten Grad der Genauigkeit zu erreichen (Metronomische Beiträge 6 und 7). 
Und wenn auch die k. k. Normal- Aichungs-Kommission in Wien bei der Herstellung 
der Normalsaccharometer und bei der Etalonirung der Alkoholometemormale auf 
einem einfacheren Wege^) zu sehr befriedigenden Resultaten gelangt ist, erscheint 
es doch von allgemeinem Interesse , ein Verfahren kennen zu lernen, welches eine 
Genauigkeit in der Bestimmung zulässt, die wohl zu genaueren Vergleichungen 
hinreicht, insbesondere aber wegen seiner ausserordentlichen Einfachheit beim 
Gebrauche des Aräometers in der Praxis zur Erhebung des Gehaltes oder der 
Dichte einer Flüssigkeit angewendet zu werden geeignet erscheint. 

Wie man sofort sehen wird, ist die in den Angaben eines Aräometers 
erreichbare Genauigkeit nicht von der Natur der Flüssigkeit, in welche dasselbe 
versenkt wird, sondern lediglich von dem Zustand der Spindel abhängig. Damit 
soll nicht gesagt sein, dass die ungleiche Kapillarattraktion bei verschiedenen 
Flüssigkeiten nicht zur Geltung kommen soll. 

Die Spindel ist im allgemeinen mit einer, wenn auch noch so minimalen 
Fettschicht überzogen, welche bei Flüssigkeiten, die Fette lösen, die Eapillar- 
attraktion nicht beeinträchtigt; daher die günstigen Ergebnisse in Alkohol, Mineral- 
ölen u. 8. w. Bei Flüssigkeiten, welche Fette nicht lösen, lässt diese Fettschicht die 
Kapillarattraktion nicht vollends zur Geltung kommen und die Instrumente tauchen 
zu wenig ein, und zwar bald mehr bald weniger, je nach der Beschaffenheit 
des Fettes. 

Diese Fettschicht lässt sich auf eine sehr einfache Weise beseitigen. Das 
Verfahren besteht darin, dass man die Spindel des Aräometers, nachdem dasselbe 
von der ihm anhaftenden auffälligen Unreinlichkeit befreit worden ist, mit einem 
reinen mit Wasser angefeuchteten, jedoch nicht nassen Leinwandlappen abreibt 
und hierauf die zurückgebliebene Feuchtigkeit verdunsten lässt. 


1) Die Instrumente wurden, nachdem sie gereinigt worden sind, durch 10 bis 14 Tage 
hindurch unter Wasser verwahrt, bevor mit ihnen die Beobachtungen gemacht worden sind. 


62 


Malt, AalomiTEM. 


ZnrscHiovT f0k IvsTBUicnmtnEtfXDC 


Zur Beschleunigung der Verdunstung empfiehlt es sich, das Instrument in 
reinen Alkohol zu tauchen. 

Von der Richtigkeit des eben Gesagten kann man sich durch den folgenden 
Versuch überzeugen: Streicht man mit einem Stück Talg über eine Glasplatte, 
so kann die zurückgebliebene Fettspur durch Daraufdrücken eines feuchten Lein- 
wandlappens fast vollständig beseitigt werden, während ein trockener Leinwand- 
lappen dieselbe kaum verändert. 

Zur Beleuchtung der auf diese Art erreichbaren Genauigkeit seien zwei 
Beobachtungsreihen in destillirtem Wasser, die eine nahe bei 6** C, die andere 
nahe bei 17° C. angeführt, welche der Verfasser mit einem Aräometer, welches 
Dichten bei Null Grad giebt, in der Weise gemacht hat, dass er die der Spindel 
nach dem Abreiben anhaftende Feuchtigkeit unmittelbar verdunsten Hess. 

Die Skale des Instrumentes reicht von 0,9750 bis 1,0250 und ist nach 
0,0002 getheilt. Ein solcher Theil hat in der Nähe von 1 eine Länge von 1,09 mm. 

Die Reduktion auf Null erfolgte unter der Annahme einer mittleren ku- 
bischen Ausdehnung für Glas ^ (x) = 0,000024 für 1" C. Die Dichte des Wassers D-^ 
ist den Ännalen der Physik u. Chemie K F. 44. S. 172 entnommen. 

In der folgenden Zusammenstellung ist x die Temperatur des Wassers nach 
der Wasserstoffthermometerskale, l die Ablesung am Aräometer, Dz die Dichte des 
Wassers bei x° C. und //(l + 4^ W) ^i® beobachtete Dichte. Die nächste Spalte 
enthält den Unterschied zwischen der beobachteten und der faktischen Dichte des 
Wassers oder die Korrektion der Spindel mit umgekehrten Zeichen //(l -j- ^ (xj) — D-^ 
und in der letzten Spalte sind die Abweichungen vom Mittel angeführt. 


Temperatur 

Ablesung 

/ 

Dichte des 

^ n 

Abweichung 

n. Cels. 

Yon oben 
/ 

Wassers 

vom 

X 

1 + +(T) 

H-*W ' 

Mittel 
6. Dez. 

4,51 

1,00031 

1,000202 

0,999994 

0,000208 

-i-85 

5,45 

21 

079 

980 

099 

24 

6,09 

17 

024 

962 

062 

— 61 

6,39 

21 

057 

963 

094 

-29 

6,64 

20 

041 

939 

102 

-21 

6,88 

21 

042 

933 

109 

— 14 

7,03 

1,00026 

1,000091 

927 

164 

4-41 

17,40 

0,99931 

0,998892 

736 

156 

+ 33 

17,56 

27 

849 

707 

142 

+ 19 

17,65 

28 

856 

691 

165 

4-42 

17,66 

20 

776 

689 

087 

— 36 

17,64 

0,99920 

0,998777 

0,999693 

0,000084 

-39 


Mittel 0,000123 

Aus diesen 12 Beobachtungen ergiebt sich der wahrscheinliche Fehler einer 

Beobachtung: 

r = it 0,000029 = d: 0,16 mm. 

Eine grössere Genauigkeit weisen die Metronomischen Beiträge auch nicht auf. 
Man findet z. B. in No. 7 S. 33 für die Spindel Ä (für Gewichtsprozente) aus den 
13 Ia der Nähe von Null gemachten Beobachtungen: 

r -= rb 0,22 mm, 


Zw(nft«r Jalirfuig. febniarlSM. KxBlNKBB BfiTTHSlLtircirar. 6S 

oder aus den 16 Beobachtungen in der Nähe von 11 {: 

r = ± 0,15 mm. 
Schliesslich ist noch die Bemerkung am Platze, dass ein Aräometer ganz 
unbrauchbare Resultate liefert, wenn es mit einem vollständig trockenen, noch so 
reinen Lappen abgewischt wird, mochte es auch vorher völlig rein gewesen sein. 


Kleinere (Original-) Mittheilnngen. 

Die internationale elektroteohnisohe Ausstellung zu Frankflirt a. M. 

(Fortsetzung.) 

Die Firma Hartmann & Braun hatte in einer besonderen Halle ihre wissen- 
schaftlichen und technischen Apparate zur Ausstellung gebracht. Das Gebäude war in 
einen Ausstellungsraum und in ein vollständig eingerichtetes Laboratorium getheilt; im 
letzteren waren die Instrumente derart aufgestellt und verbunden, dass sie sofort in Ge- 
brauch genommen werden konnten. Die bedeutsamsten und neuesten der Apparate mögen 
im Nachstehenden kurz betrachtet werden. 

Das von der Firma ausgestellte Telethermometer dient der Femregistrirung 
von Temperaturen. Die betretenden Räume werden durch elektrische Leitungen mit 
der Messstelle verbunden. Die Uebertragung der Temperatur beruht auf dem Prinzip 
der Veränderung des elektrischen Widerstandes von Metallen mit der Temperatur. Die 
eigentlichen Temperaturmesser des Apparates bestehen aus Drahtspiralen, die an dem be- 
treffenden Orte zwischen die Leitung geschaltet sind. An der Zentralstelle findet nun bei 
Ausführung einer Messung die Bestimmung des jeweiligen Widerstandes statt und an einer 
am Instrument befindlichen Skale kann die dem elektrischen Widerstände entsprechende 
Temperatur direkt abgelesen werden. Die Widerstandsmessung erfolgt nach der Difierential- 
messmethode; zwei von gleicher Stromquelle gespeiste Ströme wirken auf ein Galvanometer 
in eptgegengesetzt gerichteten , an Zahl gleichen Windungen ein. Das Galvanometer wird 
in Folge dessen seine Nullstellung beibehalten, sobald die beiden Stromstärken vollkommen 
gleich sind. Die Theile des Telethermometers sind nun so geschaltet, dass der zur Tem- 
peraturbestimmung dienende Widerstandsdraht in dem einen Stromkreise liegt, während 
in den zweiten ein veränderlicher Widerstand geschaltet ist, dessen einzelne Zuschalt- 
stücke einer Temperaturveränderung von 2^ entsprechen. Die Handhabung des Apparates 
ist folgende: In der Mitte einer Skalenscheibe befindet sich ein Kurbelknopf, welcher 
die Verbindung von Batterie und Leitung ermittelt. Bei Drehung desselben erfolgt die 
Einschaltung der Zusatzwiderstände für je 2°, was so lange fortzusetzen ist, bis der 
Zeiger des Galvanometers, der bei dem Stromschluss ausschlug, seine Ruhelage wieder 
angenommen hat. Ein Zeiger auf der Skalenscheibe gestattet das direkte Ablesen der dem 
Widerstände entsprechenden Temperatur. Ohne weitere Umänderung lässt sich vor- 
stehender Apparat mit einer beliebigen Anzahl Leitungen nacheinander verbinden, was 
durch einen entsprechenden Umschalter bewerkstelligt wird. Für die Genauigkeit der ge- 
sammten Einrichtung ist es vortheilhaft, dass die Widerstände des Messapparates aus 
Materialien mit kleinen Temperaturkoeffizienten hergestellt sind; für den zu messenden 
Widerstand wählt man Eisen. 

Das elektrische Pyrometer ist ein dem vorbeschriebenen ähnliches Wärmemess- 
instrument, auf dem gleichen Prinzip, der Veränderung des elektrischen Widerstandes 
eines Drahtes mit der Temperatur, beruhend; dasselbe gestattet Temperaturen bis 1000 
zu messen. Ein hermetisch verschlossenes Eisenrohr trägt im Innern eine Platinhülse, in 
welcher sich auf Chamotte gelagert der zur Messung dienende Platindraht befindet, dessen 
Enden nach aussen geführt und zum Anschluss an die Leitung entsprechend befestigt 


64 tCr^Tme»» MiTTHEiLimGili. ZxvtBoasajn FÜR UnTsmcBmancusDi. 


sind. Die Widerstandsmessung erfolgt mittels WHeatstone^scber Messbrücke unter Ver- 
wendung eines Telephons. Der einfacheren Handhabung wegen ist der Messdraht der 
zugehörigen Brücke auf der Peripherie einer runden drehbaren Scheibe befestigt und eine 
neben demselben angebrachte empirisch bestimmte Skale gestattet das direkte Ablesen der 
Temperatur. 

Das Torsionsgalvanometer ist für direkte Ablesung gebaut und unterscheidet 
sich von anderen derartigen Instrumenten durch die Form des Magneten und dessen An- 
ordnung zu den wirkenden Spulen. Der in Form eines nicht ganz geschlossenen Ringes 
ausgefühii;e Magnet aus Stahlrohr ist zur Erreichung möglichster Konstanz durch ein 
Eisenstück fast vollständig geschlossen und bewegt sich horizontal drehbar mit je einer 
Hälfte in einem Solenoid. Die Anordnung des Magneten zu den Spulen ist so gewählt, 
dass eine grössere Verschiebung beider Theile zu einander gestattet ist, ohne die Kräfte- 
wirkung auf einander wesentlich dabei zu ändern. Die Aufhängung des Magneten ge- 
schieht an einem Kokonfaden und eine Torsionsfeder dient dazu, dem Drehungsmomente 
des Stromes entgegen zu wirken. Ein Paar am Magneten befestigte AluminiumflQgel 
wirken als Luftdämpfung. 

Das Torsionselektrodjnamometer ist nach dem gleichen Prinzip wie das 
vorstehende Instrument gebaut An Stelle des Stahlmagneten ist eine Spule von gleicher 
Form wie dieser gesetzt; dieselbe ist jedoch hier festgelegt, während das Doppelsolenoid 
dem Drehungsmoment des Stromes folgt. Das Solenoid, an einem Kokonfaden aufge- 
hängt, erhält den Strom durch zwei Spiralfedern, deren Torsiouskraft gleichzeitig als 
Gegenkraft wirkt. Das Instrument wird ausgeführt als Strom-, Spannungs- und Wattmesser 
und unterscheidet sich demgemäss in seiner Wicklung. 

Die rasche Art der Aufstellung, welche das Deprez-D^ ArsonvaVsche Galvano- 
meter durch seine Unabhängigkeit vom magnetischen Meridian, sowie durch die Führung 
der beweglichen Spule innerhalb des magnetischen Feldes gestattet, giebt dem Instrument 
einen nicht zu unterschätzenden Vortheil. Gegenüber den bisherigen Konstruktionen hat 
die Firma einige Aenderungen an diesem Instrument eingeführt. Das Galvanometer besitzt 
sechs kräftige Stahlmagnete, deren gleichnamige Pole durch ein Polstück verbunden 
werden. Dieses Polstück, sowie die Vertheilung der Magnete dient zur Erzielung eines 
der Grösse der sich bewegenden Spule entsprechenden möglichst homogenen Feldes. Die 
letztere wird von einem dünnen Metalldrahte, welcher gleichzeitig zur Stromzuführung 
benutzt wird, getragen, während von unten, zum Festhalten des Drehpunktes dienend, 
ein Kokonfaden durch eine Feder angespannt ist. Die weitere Stromleitung zur Spule 
geschieht durch eine dünne, die Bewegung kaum beeinflussende, seitlich befestigte Spiral- 
feder. Die Instrumente werden eingerichtet mit Gradeintheilung und Zeigerablesung, oder 
werden auch für Femrohrablesung mit einem Spiegel versehen. Als Differentialgalvanometer 
erhält die Spule zwei gleiche Wicklungen und entsprechend vier Stromzuleitangen. Ein 
solches Galvanometer wird bei dem vorerwähnten TeletLermometer verwendet 

Im Laboratorium waren eine grössere Anzahl von Spiegelgalvanometem nebst den 
zugehörigen Femrohren mit Stativen verschiedener Konstruktion und den verschiedenen 
Anfordemngen entsprechend auf freien Steinpfeilem aufgestellt. Erwähnt mögen hierbei 
ausser einer Anzahl grösserer Spiegelgalvanometer noch ein Spiegelgalvanometer mit Fem- 
rohrablesung werden, bei welchem letzteres mit dem Instrument durch einen drehbaren 
ausbalanzirten Metall arm verbunden war. 

Zu sofort vorzunehmenden Messungen hatte die Fiima sämmtliche von ihr gebauten 
Alien von Messbrücken messbereit aufgestellt. 

Die Universalmessbrücke für Galvanometer oder Telephon mit direkter Ablesung 
und zugehörigen Vergleichswiderständen gestattet die Ausführung von Widers tandsmessungen 
mit der für die Praxis erforderlichen Genauigkeit. Zur Erzeugung des Wechselstromes 
bei Messung von Elektrolyten u. s. w. mittels Telephon dient ein kleiner auf der Brücke 
mit angebrachter Induktionsapparat. Eine Brücke zum Messen kleiner Widerstände 


ZwSUler JAhrgsnf. Febniurl892. Kledibbb MittbSILüRGXN. 65 

(Beleuchtungskohlen, Materialien) besitzt ausser einem 500 mm langen Messdrahte mit 
Schleifkontakt und einem Verzweigungsrheostaten Klemmvorrichtungen, die auf einer 
Theilung verschiebbar sind, um das zu messende Material auf genaue Länge einklemmen 
zu können. In dem von der Firma gebauten Nipp old tischen Blitzableiteruntersuchungs- 
apparat befindet sich eine kleine Telephonbrücke sehr handlicher Form, die dem Zwecke 
des Messens von Uebergangswiderständen bei Blitzableitern Genüge leistet. Messdraht 
und Vergleichswiderstand sind in der Dose des Telephons mit untergebracht. Durch 
Drehen einer Scheibe, die als Rückwand des letzteren dient und mit Theilung versehen 
ist, wird das Verschieben des Schleifkontaktes bewirkt. — Bei der Walzenmessbrücke 
nach Kohlrausch ist der Messdraht auf einer mit Gewinde versehenen drehbaren Marmor- 
walze aufgewunden. Als Kontakt dient ein an seinem Bande eingedrehtes, seitlich auf 
seiner Axe verschiebbares Rädchen, welches auf dem Messdrahte läuft. Die Stellung 
des Rädchens auf seiner Axe, sowie die an einem Theilkreise ablesbare ausgeführte 
Drehung der Walze gestattet das Bestimmen der beiden Messdrahttheile. — Es waren weiter 
noch ausgestellt eine Wheatstone^sche Brücke mit 1 m langem Messdraht, sowie die 
durch geeignete Zusammenstellungen von Widerständen auf gemeinschaftlichen Hartgummi- 
platten hergestellten Stöpselmessbrücken mit an den entsprechenden Stellen angebrachten 
Anschlussklemmen und Stromschlüssel für Batterie und Galvanometerzweig. 

Die von Hartmann & Braun nach eigener Konstruktion gefertigten Spannungs- 
und Strommesser waj'en in allen zur Zeit eingeführten Grössen ausgestellt. Zur Kontrole 
der Spannung in elektrischen Anlagen baut die Firma Voltmeter mit Kontaktvorrichtung, 
welch' letztere in Thätigkeit tritt und mittels eines Relais akustische oder optische 
Signale giebt, sobald die Spannung unter die normale sinkt oder sie übersteigt. Einem 
ähnlichen Zwecke dient auch das Differential Voltmeter, welches zwei getrennte Solenoide 
mit einem gemeinschaftlichen Eisenkern besitzt. Dieses Instrument soll an solchen 
Stellen Verwendung finden, wo es erforderlich ist, zwei Stromkreise mit möglichst 
gleicher Spannung zu erhalten (z. B. im Dreileitersystem oder bei Parallelschaltung von 
Dynamomaschinen). Jedes Soleno'id wirkt der Spannung seines Stromkreises entspi'echend 
auf den Eisenkern und sucht den letzteren entgegengesetzt zu bewegen. Wirken beide 
Soleno'ide unter gleicher Spannung, so bleibt der Eisenkern in Ruhe. Ist eine Differenz 
in den Spanimngen vorhanden, so wird die vom Kern ausgeführte Bewegung auf einen 
Zeiger übertragen, welcher, über einer Skale sich bewegend, nach dieser oder jener Seite 
dem Stromkreise mit höherer Spannung entsprechend ausschlägt und die Differenz in Volt 
abzulesen gestattet. 

Unter den Ausstellungsgegenständen befanden sich femer noch eine Anzahl anderer 
wissenschaftlicher Instrumente, von denen einige noch Erwähnung finden sollen. Von 
den von der Firma ausgestellten S ehalt apparaten für elektrische Betriebe mögen eine 
Anzahl Zellenzuschalter filr Akkumulatoren verschiedener Konsti-uktion für einfache 
Zuschaltung durch Handbetrieb, für momentane durch Federübertragung und für automa- 
tische bei Aenderung der Spannung in Thätigkeit tretende Zuschaltung eingerichtet, sowie 
verschiedene bei zu hoher oder zu niederer Stromstärke automatisch wirkende Ausschalter 
Erwähnung finden. 

Die wissenschaftliche Sonderausstellung der Firma Siemens & Halske erregte 
das besondere Interresse des Besuchers. Die Ausstellung zerfiel in mehrere Unter- 
abtheilungen, die wir in Nachfolgendem zu schildern versuchen wollen. 

Der von der Hauptmaschinenhalle kommende Strom wurde als Betriebskraft für 
zwei Elektromotoren verwendet, welche vermittels Riemen zwei Dynamomaschinen anzu- 
treiben hatten. Diese letzteren dienten einerseits dem Maschinenmesszimmer als Mess- 
objekte und andererseits zum Laden einer Akkumulatorenbatterie. Die Batterie, aus 32 
Doppelzellen bestehend^ war mit einer grösseren Anzahl von Schal tappai*aten ausgerüstet. 
Um die Schaltungen den Bedürfnissen entsprechend möglichst verändern zu können, 
war ein Walzenumschalter angebracht, welcher sechs Kombinationen auszuführen ge- 


66 KuontBB mJTTBKSLXn&KK. ZkiTSGBKIFT tOs IlSTEÜlUMTUKÜMDM» 

stattete. Für den sicheren Betrieb dienten der jeweiligen Schaltnng Keclinung tragende 
automatische Ausschalter. Ein automatischer Einschalter bewirkte den stets richtigen Pol- 
anschluss beim Laden der Batterie. Dieser Einschalter bestand aus einer Wippe mit 
kreuzweise verbundenen Quecksilbemäpfen. Bei stromloser Leitung wurde die Wippe 
durch Federn ausserhalb der seitlichen Quecksilbemäpfe gehalten. Das automatische 
Umlegen erfolgte durch zwei Elektromagnete, die ein an der Wippe angebrachtes Eisen- 
stück bei Stromschluss anzogen und das Umlegen nach der einen oder andern Seite be- 
wirkten, je nach Richtung des einzuschaltenden Maschinenstromes. Derjenige Theil der 
Sonderausstellung, für welche hauptsächlich die Akkumulatorenbatterie bestimmt war, 
stellte ein Aichzimmer dar. Hier wurde das Aichen oder Herstellen der Skalen für die 
von der Firma gefertigten Volt- und Amperemesser vorgeführt. Für beide Gattungen 
wurden die Ausschläge mit Hilfe des Siemens^schen Torsionsgalvanometers ge- 
messen. Für Spannungsmessungen erhält das letztere entsprechenden Vorschaltwiderstand, 
für Stromstärkemessungen entsprechende Abzweigwiderstände. Beide Arten dieser Wider- 
stände sind so bemessen, dass die Torsion des Instrumentes direkt die Spannung, be- 
ziehentlich Stromstärke unter Berücksichtigung der Dezimalen abzulesen gestattet. Der 
zu aichende Strom- oder Spannungsmesser erhält zunächst eine Skale mit Gradtheilung. 
Aus den vom Zeiger angegebenen Theilstrichen, sowie aus den am Torsionsgalvanometer ab- 
gelesenen Stromstärken oder Spannungen , welche durch Widerstände entsprechend gesteigert 
werden können, wird eine Kurve für das Instrument gezeichnet und aus dieser werden die 
Winkel abgenommen, welche der gewünschten Eintheilung entsprechen. Vermittels eines 
Transporteurs findet sodann die Uebertragung auf das für das Instrument bestimmte 
Skalenblatt statt. 

Als Widerstände für die Stromregulirung werden verschiedene Konstruktionen an- 
gewendet. Vor Allem ist iiir eine möglichst geringe Temperaturerhöhung Sorge zu 
tragen, da mit der Temperaturschwankung auch Widerstandsveränderungen eintreten 
und durch diese wieder eine Rückwirkung auf den Strom erfolgt. Der zur Strom- 
regulirung dienende Höhrenwiderstand aus Manganin gestattet einen Temperaturanstieg 
bis höchstens zur Temperatur des siedenden Wassers zu messen, was bei dem verwendeten 
Material nur unbedeutende Widerstandsveränderungen hervorbrin^. Die Einrichtung ist 
folgende. Um einen runden Wasserbehälter von 1 m Höhe sind die aus Röhren mit 
verschieden grossem Durchmesser bestehenden Widerstände angeordnet. Dieselben stehen 
mit ihren unteren Enden in kommunizirender Verbindung, während die oberen nach dem 
Behälter zurückgebogenen Enden das siedende Wasser in denselben zurückführen. 

Je zwei aufeinanderfolgende Röhren sind leitend fest verbunden, wähi*end eine 
weitere Verbindung der Paare durch Klauen bewerkstelligt wird, die bei Aufwärtsschieben 
das Einschalten von Widerstand herbeiführen. 

Zur Erzeugung höherer Spannungen, als die Batterie zu entwickeln vermag, dient 
ein Gleichstrom transformator, bestehend aus zwei kleinen Dynamomaschinen , deren Anker 
auf einer Welle befestigt sind und verschiedene Wickelungen besitzen. Die Umsetzung 
erfolgt von 65 auf 1000 Volt. Die eine als Motor laufende Maschine erhält einen 
Strom unter 65 Volt Spannung, während die zweite Maschine einen solchen anter einer 
Spannung von 1000 Volt erzeugt. 

In derselben Abtheilung wurde an kleinen Motoren die Bestimmung des Wirkungs- 
grades eines Elektromotors vorgeführt. Dies kann erfolgen entweder unter Anwendung 
eines Bremszaumes, wobei die dem Motor zugeführte elektrische Energie zu messen ist, 
oder auch vermittels eines Arbeitsdynamometers, als welches die Firma das von v. Hefner- 
Alteneck konstruirte Riemendynamometer verwendet , oder endlich drittens durch Messen 
der in einem zweiten Motor von bekanntem Wirkungsgrade erzeugten elektrischen Energie, 
sowie Messen der elektrischen Energie, welche der zu prüfende Motor einem von ihm getriebenen 
Motor mit bekannter Energie zuführt. Das Zählen der Umdrehungen findet mittels einer 
an der Axe angebrachten Schraube ohne Ende statt und wird auf elektrischem Wege 


Zwtflfler Jahrguff. Febnar 1892. Klbiitbbb MiTTHKlLtTHOSN. 67 


registrirt. Nach je 50 UmdreHungen des Motors giebt das durch die Schraube augetriebene 
Bädcheu Kontakt und der geschlossene Stromkreis bewirkt auf dem Papierstreifen eines 
elektrischen Chronographen einen Punkt; der Apparat besitzt nebeneinander zwei Schreib- 
hebel, die durch zwei in gesonderten Stromkreisen liegende Elektromagnete in Bewegung 
gesetzt werden. Der Stromkreis für den zweiten Magneten wird von einem Pendel inner- 
halb bestimmter Zeitintervalle geschlossen und hierbei wird mittels des zweiten Hebelarmes 
eine zweite Punktreihe parallel der ersten auf dem Papierstreifen gedruckt. Aus dem 
Yerhältniss der beiden Punktreihen lässt sich leicht die Umdrehungszahl für die Zeiteinheit 
bestimmen, sobald die Schwingungsdauer des Pendels festgestellt ist. 

Die von Siemens & Halske konstruirten Bogenlampen wurden in geeigneter 
Weise vorgeführt. Die Lichtbogen waren durch rothe Scheiben verdeckt, was ein Be- 
obachten ohne weiteren Augenschutz gestattet, während der Eegulirungsmechanismus frei 
gelegt war. Die Eegulirung der Lampen lässt sich auf verschiedene Weise erreichen 
und je nach Schaltung wird die eine oder andere mehr Vortheile bieten. Die Hegulirung 
kann erfolgen nach der Stromstärke oder der Spannung, oder auch nach Stromstärke und 
Spannung, welche gemeinschaftlich bei Veränderung in den Mechanismus eingreifen. 
Für die meisten Zwecke ist es erwünscht, den Brennpunkt an derselben Stelle zu er- 
halten und dementsprechend findet die Eegulirung der Bewegung der Kohlen statt. 

In einer weiteren Unterabtheilung wurden Kabelmessungen, sowie Prüfungen der 
erforderlichen Messinstrumente nebst den zugehörigen Apparaten vorgeführt. Jedes Kabel 
muss, ehe es dem Betrieb übergeben wird, einer Prüfung auf seine Isolationsfähigkeit 
vorgenommen werden ; auch die einzelnen Löthstellen müssen einer genauen Untersuchung 
unterzogen werden, ob die hergestellte Isolation den Anforderungen entspricht. Das 
Messzimmer enthielt die entsprechenden Apparate für die Messung der Maschinen. Strom- 
und Spannungsmessung erfolgt mit dem Torsionsgalvanometer und den hierzu erforderlichen 
Vorschaltwiderständen und Nebenschlusswiderständen. Diesen Nebenschluswiderständen 
ist ein möglichst grosser Querschnitt zu geben, da ein Fehler des Nebenschlusses einen 
um so grösseren am Instrument bewirkt. Man verwendet hierzu gewöhnlich starke flexible 
Kabel von Kupfer oder neuerdings besser Abzweigewiderstände aus Metalllegirungen mit 
sehr geringen Temperaturkoeffizienten. 

In einem besonderen Laboratorium waren die für feinere Messungen bestimmten 
Instrumente, sowie die zum Prüfen der Gebrauchsinstrumente nöthigen Apparate ausgestellt. 
So befand sich in vollständiger Zusammenstellung daselbst ein Apparat zur Prüfung des 
Torsionsgalvanometers unter Benutzung eines Normalelementes von Clark, dessen konstante 
elektromotorische Kraft mit Hilfe einer andern Stromquelle kompensirt wird. Mehrere 
andere Apparate, z. B. die hier ausgestellten Elektrizitätszähler, ein Apparat zur Unter- 
suchung von Eisensorten in Bezug auf sein magnetisches Verhalten sollen in Gemein- 
schaft mit ähnlichen Apparaten anderer Firmen erwähnt werden. 

Hier waren femer eine Anzahl von Galvanometern für technische Zwecke, wie 
auch solche für die feinsten wissenschaftlichen Untersuchungen bestimmte vorhanden. 
Als neues Instrument ist das astatische Torsionselektrodynamometer zu erwähnen. Es 
soll einen Ersatz für das Torsionsgalvanometer bieten, ohne einen Stahlmagneten zu be- 
sitzen, welcher durch äussere Beeinflussungen seine Konstante leicht ändern kann und 
das öftere Prüfen dieser Instrumente erforderlich macht. — Widerstände waren in den 
meist gebräuchlichen Formen aufgestellt. Es mögen ausser den bekannten Stöpsel- 
widerständen noch einige Einheiten erwähnt sein. Eine Quecksilbereinheit, bestehend 
aus einer spiralisch gewundenen Glasröhre, welche mit Quecksilber gefüllt wird und einen 
genau bestimmten Widerstand besitzt. Elektrische Widerstandseinheiten aus Metall zur 
Aufstellung in Luft oder Flüssigkeiten waren gleichfalls ausgestellt. Ferner sind hier 
eine Eeihe von Messbrücken verschiedenster Konstruktion zu erwähnen. 

Ausser den zu den vorerwähnten Gattungen gehörigen Apparaten hatte die Firma 
noch mehrere speziellen Zwecken dienende Apparate ausgestellt. Unter andern eine 


Thermosäule zum Messen der Sonnenwärme. Ein Selenphotometer, bei welchem die Eigen- 
schaft des Selens, sein Leitungsvermögen je nach der Intensität des Lichtes, dem es 
ausgesetzt wird, zu verändern, Verwendung findet. 

In einer besonderen Dunkelkammer fand die Vorführung der Schwingungskurven 
statt. Zunächst wurden die Bewegungen einer Telephonmembran mit Hilfe der tanzenden 
Flammen nach König vorgeführt. Es wird zu diesem Zwecke ein Beutelchen einerseits 
mit der Membran und andererseits mit der Hülle des Telephons verbunden, derartig 
dass die Bewegungen der Membran den Hohlraum des Beutels verändern. In dem 
letzteren wird durch ein seitliches Rohr Gas eingeführt, welches durch ein senkrecht 
zur Membran am Beutel angebrachtes Köhrchen ausströmen kann und daselbst zur Unter- 
haltung einer Flamme dient. Wird die Membran in Schwingungen versetzt, so wirkt 
der jeweilige Druckuiiterschied , der dadurch in dem Beutel erzeugt wird, auf die Höhe 
der Flamme. Mit Hilfe eines rotirenden Spiegels lässt sich die Flamme als Linie dar- 
stellen und es zeigen sich die entsprechenden Kurven. Zur Vorführung der akustischen 
Schwingungskurven nach Frölich ist auf eine Membran, welche die Töne empfängt, ein 
Spiegel gekittet, welcher den Strahl einer Projektionslampe auf einen rotirenden Spiegel 
wirft , von wo derselbe nach einem grossen transparenten Schirm gelangt und hierselbst bei 
ruhiger Membran als gerade Linie, bei Bewegung derselben als Kurve erscheint. Zur 
Erzeugung der elektrischen Schwingungskurven war der die Bewegung übertragende Spiegel 
an der Membran eines Telephons befestigt. Um die Schwingungen vorführen zu können, 
muss die Drehung des Spiegels in gleichem Takt oder in harmonischem Verhältniss mit dem 
schwingenden Körper stattfinden, und um dies zu erreichen, war hier der rotirende Spiegel 
mit einem Wechselstrommotor verbunden und die Schwingungen wurden von dem in den 
Motor geleiteten Wechselstrom erzeugt. Die auf diese Weise hergestellte Einrichtung 
lieferte ein klares Bild von den einti-etenden Verschiebungen, Verzögerungen und Um- 
bildungen der Stromkurven bei Induktion einer Spule mit oder ohne Eisenkern, Ladung 
eines Kabels, Phasenverschiebung u. s. w. (Schluss folgt.) 


Referate. 

Eine neue Konstruktion für Mikroskope. 

Von Dr. Ad. Leu dl. Zeitschr, f. toissenschaftl. Mikroskopie, «• S, 281. {189 L) 
Verfasser bemerkt zwar im Eingange seiner Abhandlung selbst unter Berufung 
auf V. Mohl, dass die gesteigerte Vergrösserung nicht auch zur erhöhten Erkenntniss 
der Details führe. Der Inhalt seiner Abhandlung steht aber im Widerspruch mit diesem 
an die Spitze derselben gestellten, durch Erfalirung und Theorie gleichmässig bestätigten 
Satze. Der Zweck seiner Konstruktion ist nur der, die Vergrösserung des Mikroskops 
zu steigern. Er erreicht denselben in sehr einfacher und naheliegender Weise, ohne die 
Einzelvergrösserung des Objektivs oder Okulars übermässig zu steigern, indem er das von 
einem der gewöhnlichen Objektive gelieferte Bild mit einem zweiten Mikroskop, das auf 
den Tubus des ersten aufgesetzt ist, betrachtet. Der Mechanismus der Zusammenstellung 
bedarf keiner näheren Erläuterung. Die Rohre werden nach dem Vo]*schlage des Ver- 
fassers einfach in einander gesteckt. Auf diese Weise erreicht Verf. natürlich bequem 
Vergrösserungen von 8 bis 10 Tausend. Seine Behauptung, dass durch diese Ueberver- 
grösserung die Lichtstärke nicht nachtheilig beeinflusst werde, steht im Widerspruch mit 
Allem , was Theorie und Erfahrung bis jetzt gelehrt haben. Die Enthüllungen , die ihm 
ein solches Mikroskop Über die streitige Struktur der feineren Diatomeen geliefert hat, 
werden daher die meisten Mikroskopiker nur mit dem grössten Misstrauen aufnehmen. 
So hohe Vergrösserungszifiem , als sie Verf. mit seinem zusammengesetzten Mikroskope 
erzielt, sind auch vor ihm schon, z. B. durch Photographie bei grosser Kameralänge, 


ZwOlAer Jalirgmng. Febrnar 1892. 


Rkfkrate. 


69 



erreicht worden. Die Erfahrung hat aher his jetzt gelehrt, dass hereits hei der gewöhn- 
lichen Einrichtung Ohjektive von allzu kurzer Brennweite, wie es das von ihm ange- 
wandte 1/20 ist, in Verbindung mit mittleren Okularen leere Uebervergrösserungen er- 
gaben, sodass solche Bilder eher weniger als mehr zeigen wie die gewöhnlich benutzten. 
Die Einzelheiten, die man bei solchen Vergrösserungen an gewissen Objekten zu erkennen 
vermeint, sind anerkanntermaassen reine Phantome, die keinen Eückschluss auf die 
wirklichen Verhältnisse zulassen. Es darf daher wohl angenommen werden, dass die 
hier vorgeschlagene Konstruktion keine Nachahmer noch Benutzer finden wird. 

üeber eine antomatisohe Sprengersohe Pumpe. 
Von H. L. Wells. Cheni, Ber, 24. S, 1037. {1891.) 

Die selbthätige Wirkung geschieht durch den in der Figur gezeichneten Queck- 
silberheber, welcher unter Benutzung des Druckes der Wasserleitung das aus der Sprengei- 
schen Pumpe abfliessende Quecksilber in das obere Gefäss zurückbringt. 

Durch den Stopfen der Flasche F ragen in das Innere drei Glas- 
rohre A^ By C, von denen das eine A mit der Wasserleitung, das zweite G 
mit dem unteren Quecksilbergefäss M in Verbindung steht. In dem 
dritten Glasrohr B soll das Quecksilber gehoben werden C trägt unten 
ein Ventil F, welches sich öffnet, wenn ein Ueberdrack vom Gefäss M 
her wirkt, sich aber schliesst, wenn in der entgegengesetzten Eichtung 
Ueberdruck herrscht. Hierzu schlägt der Vei*f asser ein gewöhnliches 
Bunsen^sches Ventil (einen der Axe parallelen Schlitz in einen Gummi- 
schlauch) oder die folgende ähnliche Einrichtung vor, welche einen 
stärkeren Druck aushalten soll. In ein dünnwandiges Glasrohr wird in 
Bichtung der Axe eine längliche Oeffnung geschliffen und dann ein 
geschlitzer Gummischlauch derartig darüber gezogen, dass beide Oeffnungen 
übereinander liegen. 

Soll der Apparat in Thätigkeit gesetzt werden, so lässt man zu- 
nächst das Wasser langsam durch das Kohr B laufen und giesst dann in 
das Gefäss M Quecksilber. Letzteres wird nun durch das Ventil V 
fliessen und so lange in B steigen, bis sich V durch den Druck des 
Wassers und ausgeflossenen Quecksilbers schliesst. Dann wird, wenn 
die Rohrweite von B nicht zu gross ist, das Quecksilber, welches in B 
steht, durch den Wasserdruck gehoben und aus B herausgetrieben werden. 
Hierauf beginnt das Spiel von neuem. 

Das aus dem Apparat herausgetriebene Wasser und Quecksilber 
wird zunächst in ein gemeinsames Gefäss geführt. Aus diesem fliesst das f\ 
Wasser durch eine obere Oeffiiung ab, während das Quecksilber 
durch eine untere Oeffhung in die SprengeTsche Pumpe geleitet wird. 

Unangenehm ist die beständige Berührung des Quecksilbers mit dem Wasser, 
durch welche bisweilen Wassertheilchen mit in die Pumpe geführt werden. 

Der Verfasser beschreibt unter genauer Angabe der Dimensionen die SprengeTsche 
Pumpe mit der angeführten Vorrichtung, welche in seinem Laboratorium in Thätigkeit ist. 

E. Br. 

Praktisohe Lösung des Problems des herausragenden Fadens beim Thermometer, unter 

Anwendung eines Korrektionsrohres. 
Von Ch. Ed. Guillaume. 
Nach einem vom Herrn Verfasser übersandten Sonderabdruck. 
Die Theilung eines Quecksilberthermometers entspricht der Annahme , dass dasselbe 
bei der Benutzung mindestens bis zum Ende des Quecksilberfadens in das Medium ein- 
gesenkt sei, dessen Temperatur man bestimmen will. Da es nun häufig vorkommt, dass 



70 Referate. ZsiTscmuFT fük Ikstbcicxittehkusde. 


man einen Theil des Fadens aus dem Medium herausragen lassen muss, so versucht man 
hierfür eine Korrektion anzubringen. Eine solche Korrektion ist keineswegs zu vernach- 
lässigen, denn bei der Temperatur von 300 bis 350°, mit welcher der Chemiker sehr 
häufig zu thun hat, kann dieselbe leicht 15 bis 20° betragen! 

Der allgemeine Ausdruck für diese Korrektion c ist bekanntlich: 

c = wa (T — t), 

wobei n diejenige Anzahl von Graden bezeichnet, welche der Temperatur des Mediums 
nicht ausgesetzt ist; a den relativen Ausdehnungskoeffizienten des Quecksilbers in Glas, 
T die Temperatur des Mediums, t die mittlere Temperatur des herausragenden Fadens, 

1 /"* 
d. h. T=^— / tdxj 


-/' 


wo ^ = f{x) die Temperatur als Funktion des Abstandes x vom Anfangspunkte des heraus- 
ragenden Fadens darstellt. 

Die Hauptschwierigkeit für die Anwendung dieser Formel besteht in der Feststel- 
lung der Funktion f{x), weshalb man sich bisher mit näherungsweisen Bestimmungen der 
Korrektion begnügt hat. Kegnault und später Kopp setzten für x die Temperatur der 
umgebenden Luft, aber spätere Untersuchungen von Mousson, Wüllner, Holtzmann, 
Thorpe, Mills, Thiesen haben gezeigt, dass die so berechnete Korrektion zu gross ist.^) 

Nach vergeblichen Versuchen, allgemein brauchbare Methoden zur Bestimmung 
von T zu finden, ist Verfasser zur folgenden praktischen Lösung des vorliegenden 
Problems gelangt. (Ein ähnliches Hilfsmittel ist von Crova bei seinem Pyrometer an- 
gewandt worden). 

Mit dem Thermometer zugleich wird ein blosses, ebenso langes Eohr unter genau 
gleichen Bedingungen in das Medium eingetaucht und zwar derartig, dass die darin ent- 
haltene Quecksilbersäule um dasselbe Stück hervorragt wie der Faden des Thermometers. 
Dieses ^ Korrektionsrohr ^ (tige correctrice) muss in vollkommen eingetauchtem Zustande 
mit einer richtigen Theilung versehen sein, welche natürlich nur einen sehr kleinen Raum 
einnimmt, da die Verlängerung für 1° weniger als Yioooo der Länge des Fadens beträgt. 
„Alsdann ist die Korrektion c gegeben durch die Differenz der Ablesungen 
am Thermometer und am Eohre, multiplizirt mit dem Verhältniss der Grad- 
längen bei dem Bohre und dem Thermometer.^ Die Rechnung kann in zwei 
Annäherungen ausgeführt werden. Es erscheint dem Referenten nicht überflüssig, für 
diesen Satz eine exakte Ableitung zu geben. 

Bezeichnet man mit L diejenige Länge, welche das Thermometer annehmen 
würde, wenn das gesammte Quecksilber des Gefässes in einer Verlängerung seines Rohres 
untergebracht würde und mit r die Länge des herausragenden Theiles der Quecksilber- 
säule (welche nach Voraussetzung bei beiden Vorrichtungen gleich ist), so stellt für eine 
von Null Grad ausgehende Erwärmung LaT-\- rax die als Länge ausgedrückte Ausdeh- 
nung dar. 

Die Länge eines Grades ist (L -\- r)oL] folglich ist der (fehlerhafte) Stand T' dieses 
Thermometers : 


1) T' = 


LT+rz 


Der richtige Stand ist T, derjenige nämlich, in welchen dieser Ausdruck für x = J* 
übergeht. 

Die Differenz beider, T — T\ ist die gesuchte Korrektion c; demnach 

2) c=T_^^Jp. 


^) Es sei hier auch auf die in dieser Zeitschrift 1890, Ä i53 kürzlich von E. Rimbach 
veröffentlichte Abhandlung verwiesen. 


ZwOlfUr Jabfgug. Februar 1892. Rbfbrate. 71 


Für den Stand i* des Rohres ohne Gefäss, dessen Gesammtlänge l-\-r sein möge, 
gilt ein ganz analoger Ausdruck wie für T , nämlich: 

hieraus folgt: rx-= (l + r)t' —IT, und wenn dieses in dem vorstehenden Ausdruck 2) ftir c 
substituirt wird, nach gehöriger Zusammenziehung: 

4) c = (^-^')^^ 

Damit ist obiger Satz bewiesen, denn der Faktor von T —t ist nichts anderes, als das 
Verhältniss der Gradlängen bei beiden Vorrichtungen. In erster Annäherung kann 
hierin T' für T gesetzt werden; dagegen, wird t von T im Allgemeinen bedeutend 
abweichen. 

Wenn beispielsweise bei einem Thermometer die Länge eines Grades 2 mm beträgt, 
so ergiebt sich dafür: 

^ + '- = 1=0,^55 = 12900 mm. 

Dieses Thermometer sei in eine Flüssigkeit von T=300^ derartig eingesenkt, 
dass von dem Quecksilberfaden r = 500 mm herausragen. 

Bei dem Korrektionsrohre ist ebenso r = 500 mm] femer werde: / = 200 mm an- 
genommen, so dass r 4- ^ = 700 mm ist. 

Die Ablesung am Korrektionsrohre betrage: ^'=100^; alsdann berechnet sich 
nach 4) die Korrektion zu: 

c = (300- 100) j|gg= 10,9°, 

SO dass das Thermometer in der That nicht 300 , sondern: 

r' = 300 -10,9 = 289,1° 
angiebt. 

In Wirklichkeit ist ja zunächst nicht 2\ sondern nur T bekannt; nimmt man in 4) 
T' für T, so erhält man zuerst: 

700 

c = (287,4- 100) jl^= 10,2°, 

und hiermit als ersten Näherungswerth: r = 299,3°. Die Wiederholung des Verfahrens 
liefert dann aber schon: T= 299,9° anstatt 300. 

Die Hauptsache ist hierbei eben, dass man den Mittelwerth x der Temperatur 
des herausragenden Fadens nicht zu kennen braucht. 

Will man indessen zur Kontrole des Beispiels die Korrektion auch nach der 
gebräuchlichen, eingangs angegebenen Formel berechnen, so ist erst x zu ermitteln, etwa 
aus 3), wonach: 

X = - . 

r 

Bei unserem Beispiele ergiebt sich daraus: 

700 . 100 — 200 . 299,9 ^^ ^o 
^ = 5ÖÖ --^Ofi . 

Da nun dem r von 500 mm bei einer Gradlänge von 2 mm ein n = 250° ent- 
spricht, so folgt aus jener Formel die Korrektion: 

c = 250 . 0,000155 (300 - 20) = 10,85° 
wie oben. 

Die Hauptschwierigkeit bei der praktischen Durchführung der hübschen Methode 
mag darin bestehen, dass die Ablesung des Korrektionsrohres bei der Kleinheit seiner 
Grade nur ungenau ausfallen kann. Verfasser theilt indessen zwei Versuchsreihen mit, 
deren Ergebnisse zu befriedigen scheinen. 


T^ Referate. Zbitscrrift füb iKBTBUMxrmKuxDB. 


Uebrigens geht aus der yorstehenden Betrachtung hervor, dass es keineswegs nothwendig 
ist, als tige correctrice ein blosses Rohr zu verwenden. Man kann sich auch eines richtigen 
Tliermometers bedienen ; es kommt nur darauf an , dass die ideale Länge desselben (/ -h r) 
wesentlich kleiner sei ab diejenige (Z H- r) des Hauptthermometers. Nimmt man z. B. 
in dem obigen Beispiele {/-*- n/(L -h r) == Vß ^^^ ^^ ^** ^*^ Nebenthermometer eine Gradlänge 
von y^, mm und kann somit noch ziemlich bequem abgelesen werden. Der Stand desselben 
würde abdasin naeh 3j: t = 245,7^ betragen. Berechnet man nun die Korrektion c nach 
4y, indeui man wie TOffher T' = 289,1° für T setzt, so kommt c = 8,7° und somit 
T - 207, H^i wendet man mit diesem Werthe die Formel 4) noch einmal an, so erhält 
man c — 10,4^, wa« anch noch wesentlich zu wenig ist. Erst die zweite bis dritte 
Wi««ieriu^ln«^ flilnt za einem genügend genauen Werthe der Korrektion. Da aber die 
K«veehniviH^ MM:h der Formel 4) sehr einfach ist, so braucht man die Wiederholungen 
nieht xa sek«««». Sprung, 

Jyftirif tmg e xp e rim entellen Herleitung des BegrifiB des Trägheitsmomentes. 
V^m M. K'/ppe. Zeitschrift f. d, phys. u, ehem. Unterr. 5, S, 8. (1891,) 
F'^rv \*^*'}fUsfi nnd doch festes Holzlineal von 1 m Länge hat in der Mitte eine 
r>*>\*'^hrvsn/-'frft^« di^ in einen aufgesetzten hohlen Holzzjlinder von 1,8 cm Durchmesser 
f\\\\^ .n '^m n\*'h ein Stahlhtitchen befindet. Mittels des Hütchens schwebt das Lineal 
;tn«^ »-*>4»7 ^*;k/.^'pitze. Seine obere Fläche ist nach beiden Seiten abgeschrägt, damit der 
i^\* r »i^cft^juA Mitne Bewegung möglichst wenig beeinflusst. Ein um den oberen Theil 
i4^!t y,\»/xrAj /,tAtsm mehrmals herumgewickelter Faden führt wagerecht zu einer leicht dreh- 
\'^'*-A jf/../^ nnd trägt an dem frei lothrecht herabhängenden Ende einen 1,5 p schweren 
;;:: ^^ ^ä, ^U:n Gewichte (1 bis 10 g) gehängt werden können. Auf das 120 p schwere 
;^H.*^. .H ^füt Reihe flacher Bleiringe, im Gesammtgewicht von 400 p aufgesetzt. Sie 
. ^^r M^ *^'itt*a' Seite aufgeschnitten, so dass man sie, ohne den gespannten Faden zu ent- 
\%>**,^ . tjtu dan Holzzylinder legen oder nach geeigneten Stellen des Lineals verschieben 
jTkrA's, <Ui« ZU diesem Zweck mit einer Zentimetertheilung versehen ist. Die gleichförmig 
«<»^^.f.>;vfii^e Drehung des Lineals, die durch das an dem Faden hängende Grewicht 
u*'ff^ff^*^rtjfen wird, kann auf zwei Arten untersucht werden. Entweder bringt man an 
t^vii^fiu Kodpunkten zwei leichte nach unten gerichtete Zeiger an und legt unter das die 
>rif^i]tysizAi tragende Stativ eine Kreisscheibe von 1 m Durchmesser, deren Umfang in 
jtf() yWiche Theile getheilt ist, und beobachtet, nachdem die Bewegung bei einem be- 
t.i'iiiiUiUsji Schlag eines Sekundenpendels begonnen hat, den Ort des einen Zeigers für 
)«9d«fij folgenden Schlag. Oder man beobachtet die Zeitpunkte, in denen das Lineal jedesmal 
dun:h Beine mittels eines lothrechten Stabes markirte Anfangslage hindurchgeht. Die 
|^we;rang des Lineals ist abhängig von der Vertheilung der Bleimassen auf dem Lineal, 
ufid man kann durch eine Reihe von Versuchen nachweisen, dass eine Masse m im Ab- 
Ktajjde / von der Mitte des Lineals ohne Aenderung der Bewegung ersetzt werden kann 
durch eine Masse m /' im Abstände 1. Mittels des Apparates lassen sich auch die (je- 
hf*.ize des physischen Pendels herleiten. Befestigt man an den Enden des Lineals zwei 
federnde Bügel, in die lothrecht abwärts hängende Kartonblätter (10 rmX 10 rm) einge- 
Fpannt sind, so kann man zeigen, dass der Luftwiderstand angenähert dem Quadrat der 
Geschwindigkeit proportional ist. Auch zum Nachweise der akustischen Anziehung lässt 
pich das drehbare Lineal verwerthen. JET. H,-M, 

Apparat nr üntersuohimg des sohieftn Falls nnd der Reibung. 

Von O, Reichel. Zeitschrift f, d. phys. u. chem, Vnterr, ö. S, 14. (Ls91), 

Zwei 119 cm lange und 9 cm breite Spiegelglas- (abgehobelte MetalL) Platten 

sind, mit ihren längeren Kanten aneinander lehnend, auf einem Holzbrett so festgekittet, 

dass sie eine dachförmige Schiene für einen 2,52 kg schweren Schlitten bilden, der aus 

mit Paraffin getränktem Eichenholz gefertigt ist und mit vier den Seitenkanten parallelen 


ZwWin HhtgMag, Februar 1898L RsnnuLTB« 79 


1^1^ mi^ihä 


zylindrischen Messingleisten auf der Schiene aufliegt. Der Schlitten trägt eine mit einer 
Schreibspitze versehene Stimmgabel und einen flachen Blechkasten zur Aufnahme eines 
Viertel-Sekunden schlagenden Metronoms. Die Schwingungsebene seines Pendels steht 
rechtwinklig zur Schienenrichtung. An dem Pendel ist eine Schreibvorrichtung derart 
befestigt, dass die Schreibspitze bei der nach der Seite der Stimmgabel hingerichteten 
grössten Elongation des Pendels senkrecht über die Schreibspitze der Stimmgabel zu 
liegen kommt. An dem Brett der Schiene ist mittels eines Ständers eine berusste, 60 cm 
lange und 5,5 cm breite Glasplatte so befestigt, dass bei einer Bewegung des Schlittens 
die Schreibvorrichtungen die Schläge des Metronoms und die Schwingungen der Stimm- 
gabel aufzeichnen. Mittels eines Kniebretts kann die Schiene schräg gestellt werden. 
Der Apparat kann benutzt werden zur Zählung der Stimmgabelschwingungen, zur Unter- 
suchung der gleitenden Bewegung längs der schiefen Ebene und der Heibung bei wage- 
rechter Bewegung mit und ohne Belastung des Schlittens. H. H,'M. 

Ein Gnomon mit Aeqnatorealsonnennhr. 

Von A. Hof 1er. Zeitschrift f. d. phys, u, ehem. Unterr. 6. 5. i. (1891.) 

In die obere Fläche eines 90 cm hohen Steinsockels ist eine gusseiseme Platte 
mit drei Armen eingelassen. Durch ihre Enden gehen Stellschrauben, die nach aufwärts 
gerichtet sind und den aus vier T-Eisen von 1 m Länge angefeitigten Kahmen der Gnomon- 
platte tragen. Diese besteht aus weissem Marmor oder besser noch aus Gussglas, dessen 
Unterseite mit Asphaltlack angestrichen und dessen Oberseite matt geschlifien ist. Als 
schattenwerfende Körper dienen je nach der Klarheit des Tages Blättchen mit Oeffnungen 
von 0,5 mmy 1 mm und 1,5 mm Durchmesser, die in eine grössere, zwischen zwei Stäben 
verschiebbare Platte eingesetzt werden. Diese Stäbe sind oben und unten durch Quer- 
stangen fest miteinander verbunden und an dem unteren Querstab befindet sich ein 16 cm 
langer- sehr schwach konischer Zapfen , mit dem der Schatten werf er an der Unterkonstruktion 
der Platte befestigt wird. Zu Zeichnungen und Messungen auf der Gnomonplatte dient ein 
in Zentimeter getheiltes Lineal, das mittels eines Ringes um den erwähnten Zapfen drehbar 
ist und eine verschiebbare Schreibvorrichtung trägt. Man kann mit Hilfe eines Stativs 
das Lineal auch in der Eichtung der Weltaxe aufstellen und eine Blechscheibe von 20 cm 
Hadius darauf stecken, die an ihrem Eande eine Theilung trägt, so dass sie als Aequatoreal- 
Sonnenuhr benutzt werden kann. Um noch die Deklination der Sonne ablesen zu können, 
lässt sich um den Mittelpunkt der Scheibe ein Blechstreifen, der an ihrem Rande recht- 
winklig aufgebogen ist, in den jeweiligen Schatten des Lineals drehen. Beide Theile 
des Streifens sind in Zentimeter eingetheilt. Auf das Lineal wird als Schattenwerfer 
ein Blechstreifen aufgesteckt, dessen Ränder auf der Längsrichtung des Lineals senkrecht 
stehen. Die Handhabung des Apparates ist a. a. O., die didaktische Verwerthung aber 
im Programm des Gymnasiums der K. K. Theresianischen Akademie in Wien 1890 ausführ- 
lich beschrieben. H. H.-M» 

Eine neue Filtexpresse Air Laboratorinmversnohe. 

Von L. Lefranc. Journal de Fhys. Eletn. 7. S. 2^. (189L) 

Der Apparat ist, damit er von Säuren nicht angegriflen wird, aus Ebonit gefertigt; 
er kann übrigens auch aus einem anderen Stoffe (Bronze, Gusseisen, Zinn u. s. w.) her- 
gestellt werden. Das Filter ist in eine Kapsel eingeschlossen, die aus drei Theilen besteht, 
den beiden kreisförmigen Seitenstücken und einem Ringstück. Die Seitentheile sind auf 
ihren Innenflächen mit Rinnen versehen, welche die filtrirte Flüssigkeit zu den Ausfluss- 
ö£fhungen hinleiten. Durch eine Durchbohrung des Ringstückes fliesst die zu filtrirende 
Masse in die Filterkammer, die von den auf die beiden Seiten des Ringstückes gelegten 
Filtern gebildet wird. Die drei Theile der Kapsel, zwischen denen Ringe aus weichem 

Kautschuk liegen, werden durch drei Flügelschrauben wasserdicht aneinander befestigt. 

6 


74 Nbu ERSGBiBirEinE BüCHBR. ZBiTSGHsnrT fOr branüHumnam». 


Die Durchbobning des Kingstückes ist durch einen Kautscbukschlauch mit einem Trichter 
verbunden, der mittels einer an einem Ständer befestigten Klemme bis zu einer Höbe 
von 2 m gehoben werden kann , und in den die zu filtrirende Mischung eingegossen wird. 
Durch Verbindung der Presse mit einer Gay-Lussac' sehen Pumpe und einer Luftpumpe 
kann man die Filtration sehr stark beschleunigen. Die Filterfläche beträgt 1 qdm. Der 
Apparat kann von der Firma Fribourg & Hesse in Paris bezogen werden. 

H. H-M. 


Neu erscMenene Bficher, 

Fabrikshygiene. Darstellung der neuesten Vorrichtungen und Einrichtungen für Arbeiter- 
schutz und Wohlfahrt. Von Max Kraft, o. 0. Professor an der k. k. technischen 
Hochschule in Brunn. Wien 1891. Spielhagen & Scheurig. 
In einer Zeit, welcher der Grundsatz: „Der Fabrikant ist seinen Arbeitern mehr 
schuldig als nur den Lohn^ der Allgemeinheit mehr und mehr zum Bewusstsein kommt, 
in der von Seiten des Staates einem rationellen Arbeiterschutz die Wege bereitet werden 
und durch Umgestaltung des Fabriken-Inspektorats die Nothwendigkeit der durchgängigen 
Beseitigung aller Leben und Gesundheit gefährdenden Einrichtungen näher gerückt wird, 
ist jede Vervollständigung und Bereicherung der noch etwas späriichen Spezi allitteratur 
auf diesen Gebieten willkommen zu heissen. Vornehmlich dürfte ein Buch, welches dem 
obigen Titel gerecht wird, mit Freuden zu begrüssen sein. Ein solches würde zunächst 
die allen Arten gewerblicher Betriebe in geschlossenen Käumen gemeinsamen Gesichts- 
punkte zu behandeln haben — allgemeine Fabrikshygiene. Die Mittel zur Beseitigung 
und Verminderung der bestimmten Betriebsgattungen eigenthümlichen Gefahren in 
hygienischer Beziehung würden nach diesen Betrieben gesondert zu behandeln sein. Das 
Letztere gilt auch bezüglich der Schutz- und Sicherheits Vorrichtungen. Soll ein Buch 
zu einer unmittelbaren Information der zur Herstellung zweckentsprechender Sicherheits- 
einrichtungen verpflichteten Gewerbetreibenden brauchbar sein, so muss es die für den 
betreffenden Geschäftszweig erforderlichen Schutzmaassregeln zusammenfassend erörtern und 
zeigen, mit welchen Mitteln diese Forderungen im Allgemeinen erfüllt werden können 
und wie sie in einzelnen Fällen in besonders mustergiltiger Weise erfüllt worden sind. 
Wenn dann noch diejenigen gesetzlichen Bestimmungen an passender Stelle hinzugefügt 
werden, aus denen der Gewerbetreibende einen zuverlässigen Anhalt über das findet, 
was er zum Schutze und zur Wohlfahrt seiner Arbeiter und zur Sicherung seines Betriebes 
zu leisten verpflichtet ist, so wäre das eine zweckmässige Vervollständigung. 

Das vorliegende Buch ist nicht, wie man nach seinem Titel vielleicht erwarten 
dürfte, ein Informationsbuch in diesem Sinne. In seinem technischen Theil enthält es 
vielmehr im Wesentlichen die Beschreibung von Konstruktionsausfiihningen, wie sie Verf. 
den verschiedenen technischen Zeitschriften entnommen oder auf Ausstellungen vorgefunden 
hat. Eine organische Verbindung derselben untereinander und eine selbständige Kritik 
ihrer Brauchbarkeit ist nur selten versucht worden. Wie wenig bei dieser Art der Be- 
handlung gerade die wichtigsten Theile zur Geltung kommen, mag ein Beispiel darthun. 
Der Haupttitel Fabrikshygiene lässt vermuthen, dass dieser auch ein wesentlicher 
Theil des Werkes gewidmet sei. Von den 627 Seiten des Buches füllt nun der erste 
Hauptabschnitt y^Fabrikshygiene^ 33 Seiten, und zwar Lüftungsvorrichtungen 13 S., 
Heizung 1 S., Beleuchtung IY4 S. u. s. f. Wenn auch später unter ^Schutz- und 
Sicherheits Vorrichtungen^ eine grössere Zahl von Einrichtungen zur Verbesserung der 
hygienischen Verhältnisse in den Fabrikräumen gewisser Betriebe, wie z.'B. Kespirations- 
und Entstaubungsapparate aufgeführt werden, so dürften die angeführten Seitenzahlen 
zum mindesten die geringe Zweckmässigkeit der getroffenen Eintheilung darthun. Gar 
nicht in den Rahmen des Buches scheinen uns die statistischen Angaben zu passen. 
Solche dürften wohl nur in periodischen Schriften einen richtigen Ort finden. Es 


Zwölfter Jahrgang. Februar 1892. Vebbinb- und PebsonBNMACHBICHTKM. 75 


kann wenig Zweck haben, hier die Angaben über die Statistik der Krankenver- 
sicherung der Arbeiter im deutschen Reiche für 1887 zu finden, während bezüglich 
anderer Bezirke und anderer Verhältnisse ganz andere Zeiträume genommen sind. Die 
Statistik erhält ihren Hauptwerth dadurch, dass man die Entwicklung gewisser Ver- 
hältnisse aus ihrem fortlaufend nach einheitlichen Normen aufgestellten Zahlenmaterial 
erkennt; einzelne Angaben, die man etwa in der Joumallitteratur gefunden hat, aus ihrem 
Zusammenhange gelöst, lassen nichts erkennen. Am auffälligsten erweisen dies die 
Notizen über Arbeitseinstellungen. Welchen Nutzen kann es haben, hier die Anzahl der 
Arbeitseinstellungen in Frankreich von 1874 bis 1885, ihre Motive und die Vertheilung 
auf die verschiedenen Monate im Jahre aufgeführt zu finden , wenn nicht die entsprechenden 
Daten für andere Länder gegenübergestellt werden können. Hier sind auf 8 Seiten die 
verschiedenartigsten meist gänzlich unzusammenhängenden und unvollkommenen Notizen 
gegeben. 

Alles in Allem haben wir hier eine recht reichhaltige, wenn auch nicht voll- 
ständige Materialsammlung vor uns, welche dem Vei*fasser eines dem Titel entsprechenden 
Buches wohl von Nutzen sein kann. 

Auch dem Unternehmer, welcher zur Herstellung von Sicherheitsvorrichtungen im 
eigenen Betriebe schreiten will , wird das Buch in vielen Fällen von Nutzen sein können, 
wo er für seine Anlagen aus der grossen Zahl der beschriebenen Konstruktionsausführungen 
nach entsprechenden Beispielen sucht. Pensky. 


F. C. Brainard. The sextant and other reflecting mathematical instrutnents, New- York. M. 2,50. 
E. ClailBsen. Die Kleinmotoren und die Kraftübertragung von einer Zentralen, ihi*e wirth- 

schaftliche Bedeutung für das Kleingewerbe, ihre Konstruktion und Kosten. 

Berlin. M. 3,00. 
J. Epstein. Einfuhrung in das elektrotechnische Maasssjstem. Frankfurt a. M. M. 0,80. 


Vereins- und Personennachrichten. 

Deutsche Oesellschaft fttr Keohanik und Optik. Abtheilung Berlin. Generalversammlung 

vom 12. Januar 1892. 

Nach Verlesung des Jahresberichtes (vgl. Vereinshlatt No. 10) und Entlastung des 
Schatzmeisters werden in den Vorstand gewählt als 

1. Vorsitzender: Herr H. Haensch 

2. „ 5) P- Stückrath 

3. „ ji Direktor Dr. Loewenherz 

1. Schriftführer: ,, A. Baumann 

2. ^ 99 A. Blaschke 
Schatzmeister: „ W. Handke 
Archivar: „ E. Goette 
Beisitzer: „ C. Haabe 

„ 99 1^' Sickert 

„ „ Dr. A. Westphal 

^ 99 ^' Krüger. 

Der Schriftführer: Blaschke. 

Verein deutscher Olasinstrnmenten-Fabrikanten. 

Der während der vorigjährigen Tagung des deutschen Mechanikertages begründete 

Verein hat sich zur Herausgabe von Mittheilungen entschlossen, die in zwanglosen Heften 

erscheinen sollen. Die erste Nummer dieser Mittheilungen ist vor einigen Wochen aus- 

6* 


76 


Patehtschau. 


gegeben worden nnd macht mit ihrem reichhaltigen Inhalt einen guten Einbrach. Die 
Mittheäungen sollen fortlaufend Äaszfige und Heferate ans der Fachlitteratur bringen, soweit 
die Fabrikation von Glasinstrumenten in Frage kommt; vor Allem sollen sie den tech- 
nischen und wirthscfaaftlichen Interessen der Vereinsmitglieder dienen. Dem jungen Vereine 
nnd seinem Oigane wtinschen wir bestes Gedeihen. 


Patentacha«. 

Ä. Patentanmeldungen. 
AuMÜge VOM den beim X. PaleDtimta insgelegten FateDtanmeldDUgeD. Berichtcratitter: Patenlutwtlt 
A. Barcirnaki in Berlin W., Patsdameratr. 128. 
Ell Ferisprecher mit zwei, zwischen den beiderseitigen Kernenden eines oder Mehrerer ElektromaBnete 
und den antsprechBnden Polanden äusserer Magnete angeordneten Sohaltptatten. Von A. T. 
Collier in St. Albons, England. C. 3755. Il./Sl. Einspruchsfrist vom 31. Dezember 
1891 bis 29. Februar 1892"). 


Der mittlere Kern F ist mit der Spule G in ein ringförmiges Gehäuse A eingelegt, 
welches zugleich beiderseits das Auflager für die Schallplatteu Bli bildet. Durch die Deckel CG, 
die zur Befestigung der letzteren an jeder Seite, unter Bildung von Lufträumen K aufgesetzt 
sind, treten die Polstücke EE eines äusseren Hufeisenmagneten D bis nahe vor die Mitte der 

Schallplatten RB hindurch. Das Gehäuse .i4 
ist bei der inneren Anlagefläche der Schall- 
platten mit einer Aiisdiehung oder Aus- 
sparung zu dem Zwecke versehen, dass 
riugformige SchaJlräume M entstehen, 
welche in Verkehr mit einem gemeinsamen 
kraterförmigen Schalltrichter J durch kurze 
Kanäle H, wie aus den Figuren 1 u. 3 er- 
sichtlich, gebracht sind. 

Wie in Figur 2 dargestellt, kann der 
schmiedeeiserne weiche Kern mit radialen 
Einschnitten, die bis nahe zur Mitte gehen, 
ausgeführt sein, um die Bildung Foucault' 
scher Ströme zu vermindern. Jene Ein- 
schnitte sind entweder als Luftzwischen- 
räume unausgcfüllt zu lassen oder mit einem 
geeigneten Isolirmaterial , beispielsweise 
Schellak auszufüllen. Das Gehäuaematerial 
ist zweckmässig Ebonit, wiewohl sich auch 
Holz, Celluloid und dergl. brauchbar er- 

I Die Befestigung des zugleich als Hand- 

griff dienenden Magneten D erfolgt bei- 
läufig nach Figur I mittels eines U-förmigen 
durch das Gehäuse hindurchgehenden 
Ankers f mit einem durch eine Schraube 
anzuziehenden Jochstück a. 
Beansprucht wird das Patent auf: Eiu Telephon mit zwei den beiderseitigen Kern- 
endigungen eines eiu- oder mehrfachen Elektromagneten gegeu übergestellten Schallplatten Bli, 
bei deren zugekehrten lunenseilcu das die Spule oder Spulen G umsch Hess endo Gehäuse A den 

'1 Etwaige nach Ablanf der EinapmchBrriBl beim Fatenlimle eingehende Beschwerden werden iwar 
dem Einsender gegenüber formell iarilclige*i«gen , doch kommt der materielle Inhalt des Einapracha in der 
etwa i Wochen nscb Ablint der Einapracha Frist stattBndendeu SprnchaiUaDg lar Erwignng. 



Zwölfter Jahrgang. Februar 1892. 


Patentbchau. 


77 



durch Kanäle H zum Schalltrichter J leitenden Schallraum bildet, und ausserhalb welcher in 
Gegenüberstellung zu den Enden der evtl. mit Einschnitten zu versehenden Elektromagnetkerne F, 
Magnetpole D angeordnet sind. 

Reflistrirender Geschwindigkeitsmesser mit zwangläuflger Bewegung. Zusatz zu dem Patente No. 36799. 

Von E. Hausshälterin Dresden. H. 11318 III./42. Einspruchsfrist vom 4. Januar bis 

4. März 1892. 

Der Apparat bezweckt die Messung der von Lokomotiven zurückgelegten Wegstrecken 
bezw. Geschwindigkeiten. Die Registrirung wird dadurch bewirkt, dass bei jeder Drehung der 
Welle A die auf letzterer sitzende Nase 16 dem Hebel 15 einen Impuls ertheilt, wodurch unter 
Vermittlung des Sperrzahnes 12 das Sperrrad 9 
um einen Zahn weiter gedreht wird. Mit 
dieser Drehung ist gleichaeitig ein Drehen 
der Hubscheibe 8 verbunden, welche nach 
und nach den Hammer 4 auf den höchsten 
Punkt der unrunden Scheibe 8 bringt. Sowie 
die Kante der Nase 6 über die Kante der un- 
runden Scheibe .hinweggelangt ist, kommt 
Feder 7 zur Wirkung, Nase 6 fällt auf den 
tiefsten Punkt der Hubscheibe 8^ wodurch 
der Hammer 4 nach vom verschoben wird; 
letzterer bewegt entgegen der Wirkung der 
Feder 22 den Arm 20 gegen die Platte 17. 
Gleichzeitig mit dieser Verdrehung des 
Armes 20 erfolgt ein Heranbewegen des 
die Spitze 24 tragenden Armes 21 gegen den 
Papierstreifen und damit ein Einstechen der 
Spitze in das Papier nach Durchlaufen eines 
Weges von je 0,5 km. Da sich Welle A 
beständig weiter dreht und dadurch auch 
Rad 9 bei jeder Drehung dieser Welle um 
einen Zahn weitergedreht wird, so gelangt 
unter gleichzeitiger Drehung der Hubscheibe 8 
allmälig Nase 6 vom tiefsten Punkte ge- 
nannter Hubscheibe auf den höchsten 
Punkt, worauf sich der beschriebene Vor- 
gang wiederholt. 

Beansprucht wird an dem durch 
das Patent No. 36799 geschützten registriren- 
den Geschwindigkeitsmesser das Patentrecht 
auf eine von der zu messenden Maschine an- 
getriebene Hubscheibe 8^ welche einen Hammer 4 
allmälig zurückschiebt und nach einmaliger 
Umdrehung der Hubscheibenwelle plötzlich 
gegen einen drehbaren Arm 20 stossen lässt, 
der bei seiner Schwingung einen Spitzenarm 

21^24 dreht; durch letztere werden auf dem Papierstreifen Stiche gemacht, die das Ende be- 
stimmter Weglängen (z. B. 0,5 kni) darstellen und aus deren Anzahl die von der Maschine 
durchlaufenen Strecken berechnet werden. 

Kolorlmeter. Von W. .Gallenkamp in Berlin. G. 6858. ni./42. Einspruchsfrist vom 31. De- 
zember 1891 bis 29. Februar 1892. 

Auf die Mittelwand eines Doppeltroges M wird vom eine prismatische Laufschiene S auf- 
geschraubt, an welcher sich vermittels der Fühiimgen / und /' der Beobachtungsapparat B ver- 
schieben und vermittels der Schraube «, welche die eine Führung /' durchbohrt, festklemmen 
lässt. Der Beobachtungsapparat B hat den Zweck, die in den durch die breite Schiene ge- 
trennten Trögen sichtbaren Theile des Gesichtsfeldes behufs besserer Vergleichung derselben zur 
unmittelbaren Berührung zu bringen. Er enthält in bekannter Weise zwei Prismen P^ und P^t 
die in einer scharfen Kante sich berühren und durch doppelte innere Spiegelung den gedachten 



"o — 11 z rr."-" :r^rb 


Zweck eifällen. Dieselben aind in einem Geh&nse befestigt, das vom ane aofKuschraabeiide ver- 
schiebbare Lnpe trSgt, welche aof die BerübrangBkante der PriBinen eiugeateilt wird, während 
auf der andern Seite das Gesichtsfeld begrenzt 
wird durch zwei in die Hinterwand von B ein- 
geschnittene Oeffunngen. Statt der Lupe o kann 
man auch ein kleines geradsichtiges Spektroskop 
einschieben, dessen Spalt auf der Berähningsk ante 
der Prismen aufliegt und senkrecht zu derselben 
steht, in welcher Lage es durch eine geeignete 
Schlitzfübrung jedesmal leicht einiuschieben ist. 
Diese Anordnung gestattet die Vergleichung der 
Helligkeit in den versuch) e denen Spektralgebieten 
vorzunehmen, was in manchenFäJlen wesentlich ist 
Die Laufechiene <S tragt zugleich eine Skale, 
die den Zwischeuraam zwischen dem Punkt, an 
welchem die GlastrÖge (innen) gleiche Dicke be- 
sitzen, und demjenigen, an welchem die Dicke des 
einen (No. I) gleich Null ist, in 100 Theile tbeilt 
Der Beobachtungsapparat trägt an der oberen 
Kante einen kleinen Index J, welcher auf der 
Skale den Prozentgehalt der farbigen Lösung 
abzulesen gestattet. Die Skale beginnt ebenso 
hoch über jenen beiden Punkten gleicher und ver- 
schwindender Dicke, als die Indexmarke Über der 
Mitte jener beiden OeSiiungen in der Hinterwand 
von li liegt, die das Gesichtsfeld begrenzen. 

Der ganze Apparat wird von einem drei- 
beinigen Eisenfuss F getragen, mit dem er 
durch eine Mefisingsäule von für die beiiueme 
Beobachtung genügender Höhe verbunden ist. 
Beansprucht wird das Patentrecht auf ein 
Kolorimeter, gekennzeichnet durch zwei neben- 
einander angeordnete Glaströge, von denen der 
eine paratlelepipedisch, der andere keilförmig ist, 
sowie durch eine vor diesen längs einer Skale 
verschiebbare Lupe oder Spektroskop, welche ein 
gleichzeitiges Durchsehen durch beide mit gefärbten Flüssigkeiten gefüllte Glaskörper gestattet, so- 
dass nach Einstellung gleicher Farben intens! tat der Prozentgehalt an färbender Substanz an der Skale 
direkt abgelesen werden kann. 



B. Ertfaeilte Patente. 


EliktriiDlie Nebenahr nit Schlagwerk. Von der f 
Vom 28. Oktober 1890. Nr. 58010. 


M^t^ d'horlogerie in Breitenbach, Schweiz. 

Die periodischen Anziehungen des 
Ankers Ceines zur Nebenuhr gehörigen Elektro- 
magneten li setzen das Schaltrad J in stess- 
weise Umdrehung. Diese Umdrehungen werden 
dem Zeigerwerk und durch dieses der Welle L 
des Pederhauses eines Schlagwerkes behufs 
Aufziehens der im Federhause befindlichen 
Feder mitgetheüt. Das Schaltrad J ist femer 
mit einem Ausrückann iV versehen, der nach 
jeder Stunde einen mit Feder U und Haken S 
verbundenen Hebelarm T trifft. Hierdurch 
wird der Hakeu .S aus dem Stiftenkreis v eines 
am Federhause befestigten Schlagrades K ans- 
ispauutu Feder das Schlagrad R und somit den 


ZwMftn JtkgtD» t*\nn 1M& Füm oa WaaiBr^Tl. 79 

Phrtflgraphledie Kamtri M PltttMwecbtclvarrloIrtiinf. Von E. Wünsche in Dresdcu. Vom 

8. Novbr. 1890. Nr. 57138. 

Auf dem mit Ewd Oefiiluagen e and /versehenen Deckel 
der Kamera ist ein Schieber g angeordnet, in welchem eine 
Kassette i befestigt ist. In letztere wird durch Umwenden der 
Kamera die vordere der Platten a übergeführt. Nach Ver- 
, schieben der Kassette bezw. des Schiebers wird die Platte durch 
die Ocffnung / als letzte in die Kamera Burückgeführt. Das 
Zusammenpressen und Lockern der Platten wird mittels eines 
federnd und zuriickziehbar angeordneten Querbalkens i: bewirkt. 

Vorrichtung sn photagraphlioher Kantra »r Verhliideruno einer 
nebrmallgfln Betlobtung der Platten. Von K. Kriigener 

in Bockenheim bei Frankfurt a- M. Vom 24. Angnst 1890. Nr. 57161. 

An der Decke der Kamera ist ein 
Kronrad to angeordnet, dessen Zahne einen 
federnden Drücker D und einen federnd in 
der Kamera angeordneten Hebel /i gleichzeitig 
beeinflnssen. Der Drücker U drückt bei seinem 
Niedergange die vordere Platte /' nieder, so 
dass diese auf den Boden der Kamera falleu 
kann, wo sie von Blattfedern / gehalten wird. 
Der Hebel h löst gleichzeitig eine an dem 
Objekt ivverschlnss angebrachte federnde Sperr- 
klinke « aus, greift jedoch nach jeder üe- 
licbtuDg wieder in dieselbe ein, so dass ein 
ferneres OetTuen des Verschlnsses nur dann 

möglich ist, wenn vorher das Kronrad um einen Zahn weiter gedreht worden ist. Ein an der 
Axe w des Kroniades befestigter Zeiger 2 zeigt die Anzahl der belichteten Platten an. 


Ffir die Werkstatt. 

Rolcberi ZyllBderaoblelfkluppe. Mitgetheih von K. Friedrich. 

Ein wichtiges Konstruktionsetement für den Bau mathematischer Instrumente ist der 
Zylinder, allerdings nur dann, wenn seine Form die möglichst vollkommenste ist. Die eodgiltige 
Fertigstellung des Zjlindprs nach dem vorläufigen Abdrehen geschieht allgemein durch Schleifen 
mit einer mehr oder minder guten , Schlei fkluppe". Ein den feinsten Zwecken genügendes Werk- 
zeug dieser Art, das sich beim Gebrauche in der Werkstatt überaus gut bewährt bat, sowohl 
hinsichtlich der Korrektheit in der erzeugten Form als der Schnelligkeit bei der Vollendung der 
Arbeit, ist von Herrn C. Reichel konstruirt worden und soll in Folgendem beschrieben werden. 

Die meisten älteren Schleif kluppen leiden an dem Mangel einer sicheren Axe und Zustell- 
vorrichtung, sowie an einer zu geringeu Breite. Die Aie muse unbedingt parallel zu derjenigen 
des zu schleifenden Zylinders liegen und auch bei dem Verengem oder Erweitem der schleifenden 
Backen in derselben Lage erhalten werden, sodass diese stets in Zylindermänteln liegen. Die 
ZustellvorrichtuDg muss bequem zu bandhaben sein und jeden Spielraum bei der fortschreitenden 
Arbeit von vornherein ausschliessen. Die Breite der Kluppe muss so gewählt werden, dass gute 
Führung vorhanden ist und dass das willkürliche „Kippen" vermieden wird. Diesen Konstniktions- 
bedingungen ist bei der Reichel'schen Kluppe in folgender Weise entsprochen worden. 

Zwei fast vollkommen gleiche Theile A nnd H (s. Figur) aus sogenanntem Stahlguas, die 
durch Bippen gegen Durchbiegung geschützt sind, lassen sich um eine gemeinsame Axe gegen 
einander neigen. Diese Axe ist zum Zwecke der Korrektur gegen die Zylinderaie aus zwei gleich 
grossen Kugeln gebildet, die an den Schrauben O nnd l)' im oberen Theile A sitzen nnd im 
Trichter £ nnd Trieb terschlitz £' im unteren Tbeile Ü gelagert sind. Der Trichterschlitz ge- 
stattet der zweiten Kugel, sieb frei anzuordnen, was bei Verwendung zweier Trichter nicht 
möglich ist, da bei der Korrektur dar Kugel&xe die zweite Kugel eine Bewegung iu ihrer Richtung 


ausführt. Als Sicfaernng gegen das Ausein an derf allen der beiden Haupttheile dieut eine Zwinge F, 
deren untere Schraube mit einer Kngel im unteren Theile gelagert ist, ho zwar, dasa sie an- 
nähernd in der Aze der beiden Kugeln an /> und D' liegt, wührend die obere Schraube O' mit 

einer Kugel in einem Trichtergesenk des 
oberen Theiles steht Diese komgirb&re 
Axenanordnung lässt eine ewangfreie und 
sichere Drehung zu. Die Neigung der 
Theile A und ß gegeneinander heim Ver- 
stellen der Backen nährend der Schleif- 
arbeit gcecliieht durch die am anderen 
Ende an gebrachte Seh rauben Verbindung//, 
deren Axe mit IJ und D' ein gleichschenk- 
" liges Dreieck bildet- Die Schraube / 

mit aechakantigem Kopf geht atreng im Gewinde des oberen Theiles und stützt sich in 
einer Kugelgeeenkplatte K, die sich auf dem Untertheile frei anordnen kann. Durch J 
hindurch reicht mit starkem Spielraum eine Schraube L, die sich um zwei Kngeln JU und S 
dreht, von denen M in J und N ia H gelagert iet; die Gegenmutter ü hält N nährend der Be- 
wegung der Schraube ateta iu demaelben Abstände.') Es leuchtet ohne Weiteres dn, dass hei 
Drehung der Schraube J die Haupttheile A und B gegen einander geneigt werden, ohne dasa 
Spielraum in niialer Bicbtung oder ^waug eintreten könnte. An Stelle des gewöhnlich ver- 
wendeten losen Schmirgels werden hier Schmirgel steine S, S', B" verwendet, die den lu 
schleifenden Zylinder umgeben und gegen einander versetzt in A und JJ mittels Schellack oder 
Gips eiugekittet sind, so daas die beiden im Untertheile hetindlichcn aus Gründen der Abnutzung 
nur etwa 90° auseinander stehen. Vor dem Gebrauch werden aie mit dem Diamanten zylindriach 
ausgedreht. Anstatt dieser Steine lassen sich auch im Durchmeaaer gegenUber Uewiudebacken 
anbringen, so dass die Kluppe auch /um Nachschneiden langer Gewinde Verwendung finden kann. 
Für den Gebrauch der Kluppe, die, wie nochmals auadrückhch betont werden möge, für 
ganz feine Arbeiten, z. B. für Zylinder an Theilmaachinen, Kompatatoren u. s. w. verwendet 
werden soll, ist es, wie schon bemerkt, uothwcndig, die Drehaxe D Jj' parallel zur Zylinderaxe 
auszurichten, da audemfHlls die Schmirgelateine S S' S" heim Zustellen nicht mehr in Zylinder-, 
sondern in Kcgelmöutclu schleifen würden. Die Ausrichtung geschieht am beaten mittela der 
Aufsatzlibelle, indem man 11 fest aufstellt und den zur Aufnahme der Schmirgelsteine dienenden 
Hohlzylinder der Axe nach horizontirt. Nunmehr stellt man so lange an D oder />', bis die 
mittels ebenem Zwischenatück in den an A befindlichen liohlzylinder eingelegte Libelle beim 
Umlegen des Obertlieilea A um 180° — so daaa 1) in E' und Ir in f zu liegen kommt — den 
gleichen Blasenstand zeigt. Zu diesem Zwecke müssen natürlich Trichter und Trichterschiita in 
Bezug auf die Zylinderaie dieselbe Tiefe und denselben Trichterwinkel haben, 

Mitderaelben Kluppe sind in der Ueicbel'scLcn Werkstatt gut gearbeitete Stahlzylinder 
von 80U mm Longe und bi mm Durchmesser in zwei bis fünf Stunden feingeschlifiien worden , so dasts 
aie nach dem „Faden taste r~, der noch die Dicke eines echten Goldblattea (Ü,Ü002 r;iui) augiebt, 
keine Fehler zeigten. Fr. 


UerichUcuBC* 

In der Abhandlung; Zur Konstruktion des Babinet'sehen Kompenaatora im 
Dezemberhefte vorigen Jahres ist Folgendes zu berichtigcn: 

S. 441 fehlt als Fusanote: JJcnn^, Gölliager Narhrk-hten i881. S. 373. 
, 443 Z. 2 V. o. lies: erituglea statt erzeugenden. 
„ 443 , 13 „ u. „ dieae , die. 

, 443 „ 1 , „ ., (i« , jene. 

'j Zu dieser Anordnung hat eine indere von llinialeriilntb Dr. t. Steinheil iu Hliucheo i. Z, 
sngewendele Einrichtung Anlasi gegeben, bei der iber gerade ilie vorliegenJen Vortheile nicht vorhandtii 
lind. Anitall der Kngeln M, N und A betlnden aieh dort ebene Anaitie und susteritem paaat die Schnnba L 
fast Toilkommen, Bodasa starker Aieniwang in der Verbindnog rarhandeD ist 


Zeitschrift für Instrumentenkunde. 


Bedaktioni 'Kuratorium: 
Geh. Beg.-R. Prof. Dr. H. Landolt, H. Haensch, 


B«laltB«r. 


Direktor Dr. Lt LoowoBborzi 

••kririrthr*r. 


Kedaktion: Dr. A. Wettphal in Berlin. 


Xn. Jahrgang. 


Man ISO». 


Drittes Heft. 


Ueber die Herstellung eines Flächenbolometers. 

Von 
Dr. O. I«aiiiiii«r und Dr. F. Knrlbaain. 

(Mittheilung aus der Physikalisch-Teclmischen Beichsanstalt.) 

Das von Svanberg aufgestellte bolometrische Prinzip wurde unabhängig 
von ihm 30 Jahre später durch L angle y wieder entdeckt und zu einer sehr hohen 
Leistungsfähigkeit entwickelt. Erst an seine Arbeiten schliessen sich daher eine 
Reihe hervorragender bolometrischer Untersuchungen an. 

An das für unsere Zwecke konstruirte Bolometer mussten ganz besondere 
Anforderungen gestellt werden, welche mit den bisher gefertigten Bolometern 
nicht erfüllt werden können. Das Bolometer sollte nämlich ähnlich dem Photo- 
meter direkt die Strahlungen zweier Licht- bezw. Wärmequellen, z. B. zweier 
Glühlampen, mit einander vergleichen. Dabei war eine so grosse Empfindlichkeit 
erwünscht, dass beim Einschalten von Alaun zwischen das Bolometer und die Glüh- 
lampen, wodurch fast alle dunklen Wärmestrahlen absorbirt werden, das 
Strahlungsverhältniss der beiden Lichtquellen mit eben derselben prozentischen 
Genauigkeit bolometrirt wie photometrirt^) werden kann. Gelang dieses, so 
konnte daran gedacht werden, die Lichtstrahlung einer Flamme direkt mit der 
Strahlung einer konstanten Wärmequelle zu vergleichen, und die Lichteinheit 
auf eine absolute Wärmestrahlungseinheit zurückzuführen. 

Um diese Versuche ausführen zu können, bedarf man eines ausserordentlich 
empfindlichen Flächenbolometers, dessen verschiedene Zweige paarweise und 
gleichzeitig von verschiedenen Strahlungsquellen bestrahlt werden können. Wir 
werden im Folgenden ausführlicher auf die Bedingungen eingehen, welche ein 
Bolometer von der verlangten Eigenschaft erfüllen muss, und eine neue Kon- 
struktionsmethode beschreiben, mittels deren das gesteckte Ziel erreicht wurde. 

Prinzip des Bolometers. 

Das bolometrische Prinzip besteht darin , die Intensität einer Strahlung durch 
die Widerstandsänderung zu messen, welche ein bestrahlter metallischer Leiter erfährt. 
Zur Messung der Widerstandsänderung benutzt man die bekannte Anordnung 
der Wheatstone'schen Brücke, wie sie in Fig. 1 (a. f. S.) skizzirt ist; der Strom 
der Akkumulatorenbatterie B tritt bei a in die aus den vier Widerstandszweigen 
1, 2, 3 und 4 bestehende Wh eatstonesche Brücke, spaltet sich hier in zwei Theile, 
von denen der eine längs acb, der andere längs adh geht und kehrt von h vereinigt 
nach B zurück. Die Punkte c und d sind duixh das Galvanometer G mit einander 


1) Das Kontrastphotometer nach Lummer-Brodhun ergiebt bei 10 Einstellungen einen 
mittleren Fehler einer Beobachtung von Vi« (^g^* ^^^^ Zeitschrift i889, S. 49), 



82 LülOIEB U. KUBLBAUM , FLACHENBOLOMBTi^Il. ZEITSCHRIFT FÜB IXSTBUMBXTKHKCXDB. 

verbunden; cd ist der Galvanometerzweig, welcher fortan kurz der „Steg*^ ge- 
nannt werde. Im Hauptkreise bei TT befindet sich ein variabler Widerstand; ebenso 
möge eine Vorrichtung (Rheochord rr siehe Fig. 7 a. S. 87) da sein, um das Verhältniss 
zweier Brückenwiderstände um einen geringen Betrag ändern zu können. Ver- 
halten sich dann die Widerstände ri, r«, u und u der 
vier Brückenzweige 1, 2, 3 und 4 so, dass ri/r, = r,/r4 
ist, so fliesst durch den Steg cef, also auch durch das 
Galvanometer kein Strom. Wird durch irgend welchen 
Einfluss, z. B. durch Erwärmung obiges Verhältniss ge- 
stört, so tritt im Stege ein Strom auf, welcher durch den 
Ausschlag d^r Galvanometernadel angezeigt wird. Beim 
bolometrischen Prinzip bewirkt die Bestrahlung eines 
^^*" ^' Zweiges die Widerstandsänderung und damit den Gal- 

vanometerausschlag. Diese Widerstandsänderung kann am genauesten gemessen 
werden, wenn jeder Zweig der Wheatstone'schen Brücke den Widerstand des 
Galvanometers hat. Es werde diese Bedingung als erfüllt vorausgesetzt. 
Versteht man unter Bolometer stets nur denjenigen Theil des Wider- 
standes der Wheatstone'schen Brücke, welcher bestrahlt werden kann, so zerfällt 
also der Widerstand einer bolometrischen Messvorrichtung im Wesentlichen in das 
Galvanometer, das Bolometer und die Hilfswiderstände (Rheochord u. s. w.). 
Man kann die Strahlung einer Lichtquelle messen, indem man nur einen 
der vier Zweige bestrahlen lässt; den doppelten Effekt erhält man durch gleich- 
zeitige Bestrahlung der beiden Widerstände 2 und 3 oder 1 und 4. Will man 
zwei Strahlungen mit einander vergleichen, so setzt man am besten das eine 
Paar 2 und 3 der einen und gleichzeitig das andere Paar 1 und 4 der anderen 
Strahlungsquelle aus. Diese Anordnung ist die von uns gewählte; es gehören in 
diesem Falle alle vier Zweige der Brücke zum Bolometer. 

Wir wollen zunächst untersuchen, wovon die Grösse des Ausschlags am 
Galvanometer abhängt, um hieraus die Bedingungen abzuleiten, welche für die 
Konstruktion des Bolometers maassgebend sind. Es hängt dieser Ausschlag von 
der Wirkungsgrösse der Strahlungsquelle, von der Empfindlichkeit des benutzten 
Galvanometers und von der Leistung des Bolometers ab. Wird die Betrachtung 
für eine bestimmte Strahlungsquelle angestellt, so ist ihre Wirkungsgrösse kon- 
stant zu setzen. Dasselbe sei der Fall in Bezug auf die Empfindlichkeit des 
Galvanometers; auch diese sei bei unseren Betrachtungen konstant. 

Es bleibt dann der Ausschlag nur noch abhängig von der Leistung des 
benutzten Bolometers. Diese gipfelt darin, dass bei einer Strahlung im Stege ein 
grösstmöglicher Strom entstehe; für den oben angeführten Fall, dass jeder der 
vier Zweige den Widerstand des Galvanometers besitzt, ergiebt sich die Grösse 
dieses Stegstromes t aus der bekannten Gleichung: 

Ja 

in welcher J die Intensität des Hauptstroms und a eine kleine prozentische Wider- 
standsänderung in einem der vier Zweige bedeutet. Es wächst also % mit den 
Grössen J und a. Hieraus folgt zunächst die Bedingung: 

1. Die Intensität des Hauptstromes werde ein Maximum. 
Aus der Diskussion der Grösse a, welche in unserer ausführlichen Mittheilung 
in Wüd, Ann. durchgeführt ist, ergeben sich dann noch folgende Bedingungen, 


ZwtfUUr Jalurgaog. Mftni 1892. LuMMBB U. Kurlbaum , FlIchbmbolombtbb. 83 


welche sich nur auf die Eigenschaften des Bolometers beziehen. Hiernach muss 
ebenfalls ein Maximum werden: 

2. Der Temperatui*koeffizient des benutzten Metalles. 

3. Der Absoi^ptionskoeffizient der bestrahlten Fläche. 

4. Der bestrahlte Theil des Bolometerwiderstandes und bei gegebenem Metall: 

5. das Verhältniss der Gesammtoberfläche zur Masse des Bolometers. 
Während ein Minimum werde: 

6. das Emissionsvermögen der Gesammtoberfläche des Bolometers. 

Als Bedingung 7 ist dann noch die für die Ausnutzung des Stromes % 
maassgebende Forderung aufzustellen, es soll 

7. der Widerstand des Galvanometers und somit auch der Widerstand jedes 

Bolometerzweiges (laut Festsetzung S. 82) möglichst gross genommen 
werden. 

Während die unter 2 genannte Bedingung von geringer Tragweite ist, insofern 
der Temperaturkoeffizient von den in Frage kommenden Metallen nicht sehr ver- 
schieden ist, kann man den Bedingungen 3 und 6 bestens genügen, indem man 
für das Bolometer blanke Metallbleche wählt, deren bestrahlte Oberfläche berusst 
wird, während ihre nicht bestrahlten Flächen blank bleiben. Das Material darf 
sich also nicht oxydiren. 

Zu den übrig bleibenden Bedingungen 1, 4, 5 und 7, welche sich auf die Wider- 
standsänderungen und somit auf die Grösse des Ausschlags beziehen, kommen 
noch einige nicht weniger wichtige hinzu, welche sich auf die Eonstanz der Aus- 
schläge beziehen und sich erst beim praktischen Arbeiten mit dem Bolometer 
herausstellen. Gerade bei unseren Versuchen kommt es nicht so sehr auf die 
Grösse der Ausschläge an als vielmehr auf die Genauigkeit, mit welcher 
ein Ausschlag, also auch eine Strahlung, gemessen werden kann. Unter „Ge- 
nauigkeit^ werde verstanden das Verhältniss des Ausschlages zur mittleren 
Abweichung mehrerer Ausschläge. Diese Grösse hängt ab von der Ruhelage 
des benutzten Galvanometers bei geöffnetem und geschlossenem Strom einerseits 
und dem Verlauf des Ausschlags andrerseits. 

Der Verlauf des Ausschlags bezw. die Zeit desselben ist lediglich durch 
die „Trägheit" des Bolometers bedingt. Um einen präzisen Umkehrpunkt am 
Ende des Ausschlags zu erhalten, muss die einer Strahlung entsprechende 
Temperaturerhöhung bezw. Widerstandsänderung des Bolometers in kürzerer Zeit 
beendet sein, als das Galvanometer zu einem Ausschlag braucht. Die Trägheit 
hängt aber hauptsächlich vom Verhältniss der Oberfläche zur Masse ab, welches 
möglichst gross werden muss. 

Wichtige Folgerungen ergeben sich ferner aus der Abhängigkeit der Ge- 
nauigkeit des Ausschlags von der fiuhelage des Galvanometers. Was die Ruhelage 
bei geöffnetem Strome betrifft, so werde dieselbe als konstant und tadellos 
vorausgee^tzt, hängt sie doch lediglich von der Beschaffenheit des Galvanometers 
ab, dessen nähere Eigenschaften wir hier unerörtert lassen. Umsomehr interessirt 
uns die Ruhelage des Galvanometers bei geschlossenem Strom, deren Eonstanz 
unter obiger AäBahme nur durch die Beschaffenheit der Bolometerwiderstände 
bedingt ist; in unserem Fall sind es deren vier. 

Wir betrachten den Fall, dass die Brücke vollkommen abgeglichen sei und 
demnach kein Strom durch das Galvanometer fliesst. Dieser Zustand werde als 
die „Gleichgewichtslage" des Bolometers bezeichnet. Diese Gleichgewichtslage 

7* 


84 LUMMEB U. KURLBAUM, FlÄCH£NB0L01IKT1s,R. ZEITSCHRIFT FÜK IXBTRUMEKTEKKCKDE. 


muss konstant sein und darf nur durch die zu messende Strahlung selbst gestört 
werden. Bei einer Wh eats ton e'schen Brücke^ welche aus äusserst diLnnen, von 
einem grösstmöglichen Strom durchflossenen Metallstreifen besteht, stehen der 
Bedingung von der Eonstanz der Gleichgewichtslage mancherlei Schwierigkeiten 
entgegen. 

Dieselben ergeben sich bei Erörterung der Faktoren, welche den Bolometer- 
widerstand beeinflussen. Da sich der Widerstand mit der Temperatur ändert, so 
müssen erstens alle Widerstände den gleichen Temperaturkoeffizienten haben, 
damit die Gleichgewichtslage trotz der schwankenden Zimmertemperatur konstant 
bleibt. Eine weit wichtigere Störungsursache bildet jedoch die in so dünnen 
Metallen erzeugte Stromwärme und die damit verbundenen Luftströmungen längs 
der Bolometerstreifen. Diese Störungsursache ist unvermeidlich, soll doch die 
Intensität des Hauptstromes ein Maximum sein. Macht man den Hauptstrom für 
ein gegebenes Bolometer zu stark, so sind die durch die Luftströmungen ein- 
tretenden Widerstandsschwankungen so gross, dass ein Beobachten unmöglich 
wird. Man muss daher die Stromstärke derart beschränken, dass die Gleichge- 
wichtslage des Bolometers konstant bleibt. Es bleibt also nur noch übrig, den 
Luftströmungen einen möglichst regelmässigen Verlauf vorzuschreiben. 

Neben dieser eigentlich sekundären Wirkung der Stromwärme bringt dieselbe 
noch folgende Störung mit sich. Da eine Aenderung der Stromintensität J im 
Hauptkreise (z. B. Schliessen und Oeffnen oder inkonstante Elemente) auch eine 
Aenderung der Stromwärme erzeugt, so muss der Gleichgewichtszustand gestört 
werden, wenn die vier Bolometerzweige nicht in jeder Beziehung iden- 
tisch sind. Dauert doch in solchem Falle (z. B. bei verschieden dicken Blechen) 
das Ansteigen bezw. die Abnahme der Temperatur in den verschieden beschaffenen 
Zweigen verschieden lange. 

Wir haben somit folgende Bedingungen gefunden, welche ein für unseren 
Zweck geeignetes Bolometer erfüllen soll, bei dem sowohl die Grösse des Aus- 
schlags als die Genauigkeit desselben ein Maximum werde. 

1. Die vier Zweige seien in -jeder Beziehung identisch. 

2. Das Verhältniss der Oberfläche zur Masse (bei gegebenem Material) sei 

möglichst gross; ebenso 

3. der Widerstand, 

4. der nutzbare Theil des Bolometerwiderstandes und 

5. der anwendbare Strom. 

Mängel der bisherigen Herstellungsmethoden. 

Bisher verwandte man meist die käuflichen Drähte und Bleche, um Bolo- 
meterwiderstände herzustellen. Gegen die Benutzung von Drähten spricht im 
Allgemeinen der Umstand, dass bei ihnen das Verhältniss von Oberfläche zur 
Masse relativ klein ist. Hierdurch erhält das Bolometer ausser der geringen 
Empfindlichkeit eine gewisse Trägheit, d. h. die Galvanometernadel wandert 
nur träge und langsam der Ruhelage zu. Bei einem aus den käufliolu^n dünnsten 
Drähten von 0,06 min Dicke gefertigten Bolometer braucht die Nadel etwa 
100 Sekunden, ehe sie ihren Ausschlag beendet hat. Aber auch die dünnsten 
nach der Wollaston'schen Aetzmethode herstellbaren Platindrähte von weniger 
als 0,01 mm Dicke scheinen nicht zu genügen; wenigstens hat man dieselben vor 
der Benutzung noch zu Blechen ausgcjhämmert. Gewiss erhält man auf solche 


EirflflN Jtkrpaf. litjni§ai. Liimmbb o. Kdblb&dh, FiJLcaBHaoLOHrrBB. 85 

Weise aasserordeatlich dünne Platinbleche; es dürfte aber unmöglich sein , mittels 
derselben Bolometer, insbesondere Fläcbenbolometer herzustellen, deren vier Zweige 
die von ans verlangten Eigenschaften erfüllen. Derselbe Einwurf ist gegen die 
Anwendang der käuflichen Bleche zu macheu. Das sogenannte Qoldblatt ist viel- 
fach durchlöchert und ungleich dick. Das käufliche Stanniol hinwiederum ist 
nicht dünn genug. Selbst wenn man aber geeignete dünnste Bleche zur Ver- 
fügung hätte, 80 würde die schwierige Hantirung mit denselben die Erreichung 
unseres Zieles vereiteln. Alle Schwierigkeiten werden Überwunden durch die im 
Folgenden beschriebene Herstellongsmethode. Sie erlaubt gleichgnt die gewünschten 
Linear- wie Flächenbolometer in relativ bequemer Weise zu verfertigen, indem 
man die Bolometerwiderstände gleichmässig aus ziemlich dicken Platins über blechen 
auf der Tbeilmaschine zurechtschneidet, diese getheilten Bleche montirt und hierauf 
das Silber abätzt. 

Methode der Herstellung. 
Man schweisst ein Platinblech auf ein 10 mal so dickes Silberblech und 
schickt beide durch geeignete Walzen, welche die Gtesammtdicke nach und nach 
verringern. Ist letztere klein, so mnss das Platinsilberblecb zwischen Kupfer- 
blechen gewalzt werden. Bei diesem Verfahren bleibt das Verhältniss der Dicken 
der einzelnen Metalle Platin und Silber nahe ungeändert. Wird von Zeit zu Zeit 
das durch die Walzen geschickte Blech wieder im Holzkoblenfeuer geglüht, so 
kann man Platinsilberbleche von beliebiger Dünne herstellen. Bei einer Dicke 
von Yem ""» lässt sich das Platinsilberblecb noch leicht vom Kupferblech loslösen; 
bei geringerer Dicke presst sich auch das Kupfer mit den anderen Metallen schwer 
ablösbar zusammen. Jedenfalls aber kann man durch Abätzen, sei es des Silbers 
allein, sei es des Kapfers und Silbers, Platinbleche herstellen, deren Dicke weniger 
als Ysooo mm beträgt. Bei einer Dicke von Yiscw mm sind die so erhaltenen Platin- 
bleche noch kohärent und von gl eich massiger Dicke. Geht letztere unter 
eine Wellenlänge (Vaooo mm), so treten im Blech kleine Löcher auf, wodurch 
dasselbe für schmale Streifen unbrauchbar wird. Aber auch mit den besten 
dünnen Blechen ist, wie schon vorher erwähnt wurde, nichts anzufangen, da sie 
nicht in die geeignete Form zerschnitten und nur schwer montirt werden können. 
Wir operiren darum mit dem Platinsilberblecb, noch ehe dasselbe 
geätzt worden ist. Zunächst bestimmt mau die Dicke des Platins, welche nach 
unseren Erfahrungen Yi^oo mm betragen darf. Dazu wägt man ein vom Silber 
befreites Probestück eben und berechnet hieraus und aus den Dimensionen und 
dem spezifischen Gewicht die Dicke. Bei einiger Erfahrung kann man mit 
Kenntnise der Gewichte der Einzelbleche vor dem Walzen und ans den Dimeu- 
siouen des Platinsilberbleches nach dem Walzen genügend genau 
die Dicke jedes der beiden Metalle bestimmen und so schon beim 
Walzen die Dicke reguliren, also auch jede gewünschte Dicke 
erreichen. 

Die aus dem Kupfer genommenen Platinsilberbleche werden 
mittels Kanadabalsams auf ebener Glasplatte befestigt und auf der I 

Tbeilmaschine so ausgeschnitten, dass ein gemäss Fig. 2 zusammen- " '^'v- ^• 
hängendes schmales aber langes Band übrig bleibt. In unserem Falle beträgt die 
Länge eines Vertikalstreifens etwa 32 mm, die Breite eines Streifens I mm und der 
Zwischenraum zwischen 2 Streifen 1,5 mm; die Gesammtlänge a ti also etwa 380 mm, 
da im Ganzen 12 Vertikalstreifen auf einen Bolometerzweig kommen. Fig. ^ stellt 


86 Lmaras d. RDB(,BAim, FüoBsnoLOiivnw. 

einea solchen in halber natürlicher Grösse vor. An den Enden bei a and b sind 
grössere Fischen stehen gelassen, am an diese die Leitungsdrähte fär den elek- 
triechen Strom befestigen za können. 

Man wählt natürlich beim Walzen die Platinsilbermassen so, dass aas dem 
endgiltigen dünnen Platinsilberstreifen eine grössere Anzahl Bolometerzweige ge- 
theitt werden kann. Nach der Theilong montirt man dieselben aof kleinen 
Schieferrahm en . 

Die Figuren 3 and 4, welche eine Vorder- nnd Rückansicht des Rahmens 
darstellen, veranschanlichen die Art dieser Befestigang. In Fig. 3 ist cdki die 
Oefibiug des Rahmens, welche sich bei cd und ik nach der nnteren Flache des 
Rahmens zu erweitert, wie es in Fig. 4 sichtbar ist. Da der 
Strom hintereinander die Vertikalatreifen darchlaafen soll, eo 
müssen die Enden m derselben von einander isolirt sein. Der 
Rahmen besteht danun ans Schiefer; an den Ecken desselben 
ist bei u> and w' je ein Kapferblech befestigt, an welches die 
Lappen a und b gelöthet werden. Vorher klebt man die Enden m 
and m' am Rahmen fest and giebt, noch ehe der Klebstoff trocknet, 
'' den einzelnen Streifen die gewünschte Lage. Nachdem das Anf- 

kleben nnd Anlöthen geschehen, bestreicht man diejenigen Stellen des Metalles, 
welche beim Aetzen erhalten bleiben sollen , mit säurefestem Zaponlack. Es 
sind dies die Enden m bis zar Kante cd nnd diejenigen m' bi» zur Kante tk, 
aOBserdem die LOthstellen mit den Knpferblechen w bezw. w und den an letzteren 
sitzenden Znleitungsdrähten. Von der Säure kOfinen demnach nur die in Fig. 4 
sichtbaren Stellen des Platinsilberbleches angegriffen werden. Das Aetzen ge- 
schieht mittels verdünnter Salpetersäure, von welcher das Metall 
doreh Waschen mit Wasser gereinigt wird. Dabei moss na- 
türlich die Säure und vor allem das Wasser in das Oef^ss be- 
hutsam hinein- uod heransgehebert und darauf geachtet werden, 
dass die Metallstreifen vertikal stehen. Läset sich solch Bolo- 
meterzweig noch vor dem Aetzen leicht sowohl ans der Säure 
als auch aus dem Wasser nehmen, so ist nach dem Abätzen 
"'' *' des Silbers die äusserste Vorsicht geboten. Ist das Platinblech 

nur noch etwa Yu«, mm dick, so zerreisst es wegen der Kapillarkraft der Wasser- 
oberfifiche leicht, wenn man es aus dem Wasser zu nehmen versucht; letzteres 
moss darum behatsam abgehebert werden. 

Nach dem Aetzen ist das Gitter aber auch gegen stärkere Luftstösse zu 
schützen, dagegen kann es im geschlossenen Glaskasten kräftig erschüttert werden, 
ohne zu zerreissen, da das Gewicht der Platin streifen ausserordentlich gering ist. 
Nachdem derart eine ganze Anzahl, von Bolometerzweigen hergestellt ist, misst 
man deren Widerstände und wählt diejenigen vier Zweige aus, deren Widerstände 
einander am nächsten kommen. Diese Zweige werden sodann auf der za be- 
strahlenden Seite berusst, während sie auf der anderen Seite blank bleiben. Bei 
unseren ersten Versuchen stellte sich die anliebsame Thatsache heraus, dasa 
der Widerstand des Platinstreifens nach dem BemsseD kleiner geworden war, 
woran lediglich die mit der Berossung verbundene Erhitzung Schuld hatte. 
Ausserdem lieferten die gewöhnlichen Bernssungsmethoden viel zu grobe Nieder- 
schläge. Um diese Nachtheile zu beseitigen, wurde folgendes Verfahren einge- 
schlagen. Die durch den Schutzmantel p (Fig. ö) vor Luftströmungen geschätzte 


2«nfiw Jihrfug. ViiiiiK. LuHxn u. Kdubadv, EVlcHMreoMiBm. 87 

klein« Flamme eines Petroleamlämpchene { erzeugt den Rosb, welcher dnroh das 
Glasrohr r gezwungen wird, fadenförmig nach oben zu steigen, wo er durch die 
OefFanng o eines horizontalen Kapferbleches auf die zu beruBsende Stelle trifft. 
Während man durch Verschieben der CMasröhre r 
längs der vertikalen Schiene v die Starke des Russ- 
stromes und damit die Feinheit des Rnsses beliebig 
variiren kann, dient das Kupferblech q dazu, den 
Bnss seiner Hitze zu beraohen. In der That ge- 
lingt es, die Rnssschicht so fein niederzaschlagen, 
dasB dieselbe Löcher von '/lo "im Ourcbmeaser offen 
lässt und scharf mit den Rändern der Streifen 
abschneidet ; andrerseits ändert diese kalte Be- 
rnsBon^ den Widerstand des Platinstreifens fast 
gamicht. Um die nicht za bestrahlende Seite des 
letzteren blank zu erbalten, deckt man auf die- 
selbe im Abstand von 0,5 mm eine Metallplatte und 
f^rt die andere zn bestrahlende Seite über der 
Oeffnong o solange hin nnd her, bis alle Streifen 
genflgend geschwärzt sind. 

Die nochmals auf ihren Widerstand geprüften 
vier Zweige werden hierauf zum Bolometer ver- 

einigt. Der Widerstand jedes Zweiges unseres Bolometers beträgt 60 Ohm. Sind 
die Lichtquellen nicht sehr ausgedehnt, so kann das Bolometer die in Fig. 6 
sichtbare Form erhalten. In ihr sind im Holzrahmen Ä die beiden Zweige 2 
und 3, im Holzrahmen h' das an- 
dere Paar 1 und 4 angebracht; 
damit man die Stellung der 
Schieferrahmen bezw. der Gitter 
sieht, sind in Fig. 6 der Holz- 
rahmen und die beiden Schiefer- 
r&hmchen abgebrochen gezeichnet. 
Die letzteren stehen so, dass die 
Streifen des einen Gitters die 
Intervalle des anderen decken, 
man senkrecht aof die 

Mitteder ^''■•' 

Gitterfläche blickt. Die beiden Paare 2,3 und 1,4 sind 
bei g durch eine berusste Rupferplatte getrennt; dieselbe 
soll weder Wärmestrahlung reÜektiren noch hindurch- 
lassen. Die Stellen s bedeuten Oeffnungen für einen be- 
quemen Weg der Luftströmungen. 

Bei K,, K,i und Kt sind für die Stromznleitangen 
drei Klemmen; ebenso sitzen auf der entgegengesetzten 
Seite des Fussbrettes noch zwei Klemmen, £, , und Kt„ 
welche in Fig. 6 nicht sichtbar sind. Das Schema der 
Schaltung und Stromzufuhr geht aus Fig. 7 hervor. Die 
hg.i. Klemmen K, und K^, sind nicht direkt mit dem einen 

Pol der Batterie B verbunden; zwischen ihnen ist ein Rheoohord r r' eingeschaltet, 



88 


LumiBB ü. Kdblbacm, FlIchbnboloiistkb. ZcirsoRRirr fOr iKSTRumarinnTirDit.. 


um die kleinen unvermeidlichen Ungleichheiten zwischen den Bolometerwiderständen 
ausgleichen zu können. Dieser Rheochordwiderstand ist in der Skizze 1 der 
Wheatstone*schen Brücke nicht gezeichnet, sondern nur im Text erwähnt worden; 
im Uebrigen ist die Anordnung beider Skizzen übereinstimmend und hierdurch 
der Verlauf des Stromes in Fig. 7 ersichtlich. 

Gebrauch des Bolometers. 

Zunächst prüft man das gegen äussere Luftströmungen gut geschützte Bolo- 
meter auf die Konstanz seiner Gleichgewichtslage. Bleibt dieselbe bei Schwan- 
kungen der Zimmertemperatur konstant, so ist der Temperaturkoeffizient aller vier 
Zweige der gleiche. Es war dies bei unserem Bolometer für ein Temperaturin- 
tervall von mehreren Graden erfüllt. 

Dass die Beschaffenheit aller vier Zweige die gleiche ist, geht aus der um- 
geänderten Gleichgewichtslage bei einer Schwankung des Hauptstromes J hervor. 
Der für die genauesten Messungen brauchbare Strom darf hierbei die Höhe von 
0,04 Ampere erreichen; es ist die dann eintretende Querschnittsbelastung die vierzig- 
fache des in der Praxis bei dicken Wiederständen gestatteten; dass dieses mög- 
lich ist, liegt an dem ausserordentlich günstigen Verhältniss der Oberfläche zur 
Masse. Was die Trägheit des Bolometers betrifft, so ist die durch eine Strahlungs- 
qtielle bedingte Widerstandsänderung in weniger als vier Sekunden beendet. Das 
Galvanometer mit der Schwingungsdauer von vier Sekunden zeigt nämlich am Ende 
des Ausschlages einen deutlichen Umkehrpunkt ^ und pendelt um seine Ruhelage 
herum, ohne im Sinne des Ausschlages wesentlich weiter zu wandern. Die geringe 
Trägheit unseres Bolometers wird ausser durch die geringe Dicke der Bolometer- 
streifens hauptsächlich dadurch bedingt, dass die Stellen m bez. m* (Fig. 3), 
welche am Schiefer angeklebt sind und bei der Bestrahlung an der Widerstands- 
änderung nicht sofort theilnehmen, einen ungefUhr 70mal grösseren elektrischen 
Querschnitt besitzen als die nutzbaren Stellen. Erstens haben sie eine etwa 10 
fache Dicke, insofern sie aus Platin und Silber bestehn, andererseits ist die Leitungs- 
fähigkeit des Silbers etwa die siebenfache von der des Platins. 

Genauigkeit und Empfindlichkeit. 
Zur Prüfung der Genauigkeit der Strahlungsmessungen wurde folgender 
Versuch gemacht, welcher eine ziemlich konstante Strahlungsquelle voraussetzt. 
Eine kleine Glühlampe, welche von Akkumulatoren gespeist wurde und deren 
Gesammtstrahlung ungefUhr gleich der von drei Kerzen oder vier Hefnerlichtern ist, 
bestrahlte zwei Zweige des Bolometers, deren Entfernung von der Glühlampe 
1 m betrug. Zwischen Glühlampe und Bolometer war ein Fallbrett eingeschaltet, 
welches ein Loch für die Bestrahlung abwechselnd öffnete und verschloss. Hier- 
durch wurden folgende Ausschläge erzielt: 


Ruhelage 

Umkehrpunkt 

Grösse des 

Abweichung 
vom Mittd^ 

vor dem Oeffnen 

nach dem Oeffiien 

Ausschlags in mm 

700,6 

285,8 

414,7 

-0,1 

0,7 

5,6 

5,1 

-t- 8 

0,2 

5,8 

4,9 

-1- 1 

0,3 

5,8 

4,5 

- 3 

0,8 

5,8 

4,5 

3 

0,2 

5,5 

4,7 

- 1 

0,4 

5,5 

4,9 

+ 1 

0,8 

6,0 

4,8 



0,9 

6,2 

4,7 

- 1 

701,0 

286,2 

414,8 

0,0 


Mittel 414,8 


Zwölfter Jahrgtag. Hin 1892. Mach, Intbrfbremzrbfraktob* 89 


Bei diesen Versuchen besass das Galvanometer eine Empfindlichkeit von 
1,5 . 10""® Amp. Der von der Batterie kommende Hauptstrom betrug 0,006 Amp., 
der Umkehrpunkt trat nach einer Bestrahlung von 8 Sek. ein. 

Wie man sieht, ist die Gleichgewichtslage sowohl des Galvanometers wie 
des Bolometers eine gute, da die Ruhelage während der Beobachtungsreihe, welche 
etwa 10 Minuten in Anspruch nahm, nicht aus dem Intervall eines Millimeters 
herausgetreten ist. Die Abweichungen vom Mittel sind stets kleiner als 0,1 J 
geblieben. Will man aus den Resultaten einen wahrscheinlichen Fehler des Re- 
sultats berechnen, so ergiebt sich dieser gleich 0,01 %, Die dem Ausschlag ent- 
sprechende Temperaturerhöhung eines Bolometerzweiges ist gleich 0,15° Celsius. 
Ein Hefnerlicht bringt im gleichen Abstand eine solche von 0,038 ° hervor. Es 
sei erwähnt, dass die Strahlung eines Hefnerlichtes noch mit derselben Genauigkeit 
gemessen werden kann. Den in der Einleitung erwähnten Zweck haben wir hiermit 
erreicht und glauben in dem Bolometer einen Apparat zu besitzen, welcher unseren 
Anforderungen vollkommen genügt. 


Ueber einen Interferenzrefraktor. 

Von 
liOdwlff Hach in Prag. 

Der Jamin'sche Interferenzrefraktor besitzt in seiner gewöhnlichen Aus- 
führung ein relativ kleines Interferenzfeld, welches bei vielen Untersuchungen sich 
als unzureichend erweist. Eine Vergrösserung des Feldes lässt sich nur durch 
entsprechende Vergrösserung der Plattendimensionen erreichen, was mit ganz 
erheblichen technischen und materiellen Schwierigkeiten verbunden ist. Dieser 
Umstand veranlasste die Ausführung^) eines neuen Apparates, der auf folgendem 
Prinzipe beruht. Denkt man sich die Vorderfläche und die versilberte Rückfläche 
einer J am in'schen Platte durch eine Planplatte und einen Silberspiegel auf Glas 
ersetzt, und diese auf einem Stabe, jedes Stück für sich, drehbar und verschiebbar 
angebracht, so hat man eine Jamin'sche Platte von variabler Dicke, und kann 
durch Kombination dieser Vorrichtung mit einer zweiten genau gleichen die 
Jamin'schen Streifen herstellen, wobei noch durch Auseinanderschieben der Platten 
die Bündel beliebig weit getrennt werden können. 

Einen auf demselben Prinzipe beruhenden Apparat hat Herr Dr. Zehnder 
in dieser Zeitschrift 1891. S. 275 beschrieben, wobei jedoch zu bemerken ist, dass 
mein Apparat anderen Untersuchungen angepasst wurde, als sie Herr Dr. Zehnder 
im Auge hatte, weshalb auch meine Konstruktion von der seinigen verschieden 
ist. Dieser Umstand veranlasste die nachfolgende kleine Mittheilung, die ich lieber 
einer spätem Zeit vorbehalten hätte. 

Ein grosser Metallring D (Fig. 1 a. f. S.) trägt an seinen Durchmesserenden zwei 
konaxial gedrehte Axenzy linder, die in den auf der Marmorplatte Z7 montirten 
und durch Rippen versteiften Lagerträgern LL liegen. Der in jeder durch seine 
Drehungsaxe gehenden Ebene äquilibrirte Ring kann in irgend einer derselben 
durch Anziehen der Lagerschrauben fixirt werden. Zur Vermehrung der Steifheit 


^) Den hier beachriebenen Apparat hatte ich bereits Ende Juli 1891 in seinen Theilen 
fertiggestellt, konnte jedoch denselben wegen verspäteter Lieferung einer Werkzeugmaschine erst 
Anfang November 1891 ganz vollenden. — Vergl. die vorläufige Mittheilung im Anzeiger der Wiener 
Akademie vom 5. November 1891. 


90 Hack, tRTssnatnnwrRiETOa. 

desselben bei gleichzeitiger Verminderung des Eigengewicbtea wurde demselben 
der in Fig. 2 dargestellte Qaerschnitt gegeben. Entsprechend seinen Axen besitzt 
der Ring zwei rechteckige eingefraiste Flächen (Tiecbcben). Im Krenzungspnnkt 

der Rechtecksdiagonalen 
der Tischchen and senk- 
recht zur Fläche der- 
selben ist der Ring zylin- 
drisch durchbohrt. Die 
Tischflache besitzt drei 
unter 120° angebrachte 
Bohrungen , welche zor 
Aufnahme der stählernen 
Spitzschräubchen s s' s" 
(Fig. .3) des Statives S S" 
bestimmt sind; letzteres 
geht mit seinem röhren* 
förmigen Theile durch die 
schon erwähnte Bohrung 
ImnopdesRin- r\ /n 
B ges hindurch, \ / 

Fin. ''"'^ "^'^^ *° (y^ 

seinem unte- Fig. s. 
ren Ende mittels der Matter M und der Glockenfeder G mit den Spitzschrftnbchen 
in die zugehörigen Bohrungen hineingezogen. Das Stativ S S' ist im Inneren 
genau kegelförmig aasgedreht, und bildet den Träger des eingeschliffenen Zapfens K, 
der mit dem Prisma P, welches in der schematischen Zeichnung Fig. 3 im Quer- 
schnitte zu sehen ist, ein einziges Qussstttck bildet. 
Das im Querschnitte u- förmige Prisma ist an seiner 
oberen Seite offen und besitzt an den entsprechenden 
Stellen die Befestigungs- und Stellschrauben einer Röhren- 
Hbelle. Auf dem Prisma gleitet ein Schlitten, bestehend 
aus zwei keilförmigen Stücken ( und t' und der Platte K, 
i ^'welche durch sechs Stahlechraaben mit den Seitentbeilen 

verbunden ist. Eines der Seitenstücke ist kastenförmig 
ausgefraiet und dient (in Fig. 3 angedeutet) zur Aufnahme 
einer Stahlfeder, welche den Schlitten an das Prisma 
sanft anzieht, und zugleich mit Hilfe der Klemmschraube q 
zur Fixirung des Schlittens verwendet wird. In die PtatteW 
ist eine Säule eingeschraubt, welche ähnlich wte das 
.Stativ S ^ das Lager eines Kegels H bildet, der an seinem 
unteren Ende mittels einer Mutter und einer Lederscbeibe 
in seiner Lage fixirt wird. Der mit dem Kegel B aus 
^ '■ einem Gnssstücke bestehende Rahmen R R' besitzt zwei 

diametral gegenüber liegende Spitzenschräubcben b b', zwischen denen sich der 
den Spiegel oder die Planplatte tragende Rahmen p p' scbamierartig hin ond her 
bewegen lässt. Ein kleiner, zur Rabmenfiäche senkrecht aufgeschraubter Balken 
wird mittels einer unter demselben befindlichen Bogenfeder auf das konvex ge- 
schliffene Ende der Schraabe z gedrückt, mit welcher man den Rahmen um die 


Zwsuui Jibrcug. MmiSM. H*OB, IumnBBimxruKTos. 91 

oben erwähnte Spitzenaxe mikrometrisch drehen kann. Die Säule iBt an ihrem 
oberen Knde mit einer eingedrehten Hohlkehle u' versehen, in welcher sich eine 
aas zwei Stücken bestehende Ringklemme v (Fig. 4) bewegt, die mittels der 
Schraube Z geklemmt werden kann. Ein in den Rahmen B B' eingelassener 
zylindrischer Stahlstift wird mit einer an der Ringklemme angebrachten Feder 
an das Ende der Mikrometerechraube C angedrückt, vermittels welcher man dann 
den Rahmen mikrometrisch am die Axe des Kegels S (Fig. 3) drehen kann. Das 
Stativ S S" besitzt eine ganz Shnlieh gearbeitete Ringklemme zur eutspreclieaden 
Einstellung des Prismas P. Aaf jedem Prisma gleiten zwei Schieber, deren Ein- 
ricbtong erlaubt, die Platte bezw. 
den Spiegel am zwei za einander 
senkrechte Axen zu drehen. Ein 
Schlitten ist zum Zwecke einer Mikro- 
meterverschiebung auf dem Prisma 
mit einer HilfsTorrichtung verbunden. 
Dieselbe besteht aus einem kleineren, 
jedoch ganz ähnlich gebauten Schie- 
ber Y (Fig. 4), der mit einer Mikro- 
meterschraube g ausgestattet ist, an 
deren glashartes, konvex geschliffenes 
Ende (in der Figur durch die weiter 
unten beschriebene Stahlfeder f ver- 
deckt) der, eine ebenfalls glasharte, 
plangeschliffene Stahlscheibe tra- 
gende Schieber mittels der Spiral- 
federn rr' gepreast wird. Die Er- 
fahrung hat gelehrt, dass es nöthig 
ist, die, wenn auch nur mikrosko- 
piscben, Hebungen und Senkungen 
des Schiebers, bedingt durch den 
Rotationssinn der Hikrometer- 
schraube g, durch die Wirkung 
der nach abwärts drfickenden Feder/" 
möglichst zu verkleinern. Um die 
Platten in ihren Kahmen solide und 

ohne Pressung zu befestigen, habe Fig- *■ 

ich die letzteren genau auf die Plattengi-üsse ausgefeilt und zugleich die Rahmenstärke 
auf die Plattendicke heruntergeschliffen. Auf der einen Seite sind drei in die innere 
Rahmenliclitang etwas hineinragende Messingplättchen aa'a" (Fig. 3) aufgeschraubt, 
auf der anderen Seite in einer um 180° gedrehten Anordnung. Zwischen diesen beiden 
Punktsystemen wird die Platte fest und doch ohne schädliche Pressong fixirt. Vor 
der Aufstellung des Apparates ist es angezeigt, sich über die Fehler der Prismen 
zu instmiren, was man am besten dadurch erreicht, dass man den Spiegel und 
die Plauplatte des betreffenden Prismas anter 45° gegen die Prismenaxe stellt, 
und die beiden Bilder eines ein oder mehrere Kilometer weit entfernten Objektes 
in einem Femrohre zur Deckung bringt. Bei einer Schlittenverschiebung sollen 
die Bilder wenig oder gar nicht auseinanderweicben. Die Qiite der Spitzen- 
bewegaug kann man auf eine ganz ähnliche Weise einer Prüfung unterziehen. 


92 


Mach, iNTmVBBBKSBsnuLKTOR. ZsiTMHBirr rOm tummtMxrwiaajMDm 



Fig. 6. 


Vor der optischen Einstellung ist noch eine kleine mechanische Justirung nöthig. 
Zu diesem Zwecke stelll man zunächst den Ring mit Hilfe eines Lothes und eines 
rechtwinkligen Lineales annähernd horizontal, sodann werden mit denselben Hilfs- 
mitteln und den Stellschräubchen 8 «' 5" die Prismenoberseiten derart in eine 
Ebene gebracht, dass ein über dieselben gelegtes Lineal allenthalben gut aufliegt. 

Endlich werden mittels der Röhrenlibellen die 
Kegelaxen der Prismen genau vertikal gestellt, 
und damit sind die oberen Flächen der Prismen 
entsprechend der Empfindlichkeit der Libellen 
(1 ^ = 12") in eine Ebene gebracht.^) 

Vermittels zweier Stichmaasse werden dann 
die Prismen parallel und die Schlitten in gleiche 
Distanzen gestellt'). 

Bei der optischen Justirung stellt man, wenn 
Ä, B und ^1, Bi (Fig. 5) den Spiegel und die 
Platte je eines Prismas darstellen, zunächst Ai 
und B parallel, indem man Licht eines entfernten Objektes, z. B. eines Kirchthurmes, 
bei i, 1 einfallen lässt, und bei Oi die beiden Bilder desselben in einem Femrohre 
zur Koinzidenz bringt, bei welcher Operation die Platte A in* die in der Figur 
punktirte Lage gebracht wird. Auf analoge Weise stellt man B und A parallel, 
indem man Licht desselben Objektes bei 2j 2 einfallen lässt und bei Oj beobachtet, 

Ij und endlich Bx und Ax^ indem bei 5,5 Licht einfällt 
und in Ob die Bilder zur Koinzidenz gebracht werden. 
Stellt man nun vor den Apparat eine spaltenförmige 
Lichtquelle h (Fig. 6), so entwirft eine Linse m zwei 
durch Helligkeit hervorragende Bilder 1 und 2 dieser 
Lichtquelle, von welchen z. B. 2 mit dem Schirme T 
abgeblendet wird. Bild 1 wird mit dem Prisma unter- 
sucht, und die darin vorgefundenen Interferenzstreifen 
werden durch Handhabung der Mikrometerschrauben 
unter Verkleinerung des Gangunterschiedes entsprechend 
verbreitert \ 

Nach sorgfältiger Justirung des Apparates sieht man 
auch ohne Prisma und ohne Anwendung einer Natrium- 
flamme schöne farbige Interferenzstreifen im Felde. Ur- 
sprünglich verwendete ich an Stelle der einfachen Silber- 
spiegel an der Rückseite versilberte Planplatten von gleicher Dicke, bei welcher An- 
ordnung die Linse m nicht zwei, sondern eine ganze Reihe von Bildern grösserer 
Helligkeit entwirft. In diesem Falle ist die Abbiendung der entsprechenden Bündel 
eine sehr umständliche, weswegen ich obige Verbesserung erdachte. Endlich hatte 
ich vorher auch versucht, vier genau gleich dicke Platten zuerst paarweise, und 



# 



^ 


Fig. 6. 


1) Es wurde bereits bei der Werkstattsarbeit Sorge getragen , dass die Kegelaxen auf den 
Prismenoberflächen genau senkrecht stehen. Ich erreichte dies durch eine eigenthämliche Methode 
des Auffiittems auf Metall mittels Rose*s Metalllegirung. Vergl. (/lesc Zeitschrift 1891, S, 338. 

^) Desselben Einstellungsmittels bediente sich Dr. Zehn der. 

*) Dieses Mittels bedient sich Prof. E. Mach seit langer Zeit zur Einstellung der Inter- 
ferenzerscheinungen. Man verkleinert den Gangunterschied, indem man die Streifen gegen das 
violette Ende des Spektrums schiebt. Vergl. E. Mach, Optisch -akustische Versuche. Prag 1873. 


Zwölfter J»hrg»n«. ll&n 1892. Mylius u. Foebsteb, Hühstklluno von reinbm Platin. 93 


dann die Paare als Jamin'sche Platten einzustellen, was auch mit Hilfe des 
Prismas gelang. Bei dieser Anordnung hat man jedoch die verschiedenen Streifen- 
systeme , welche die einzelnen Plattenpaare miteinander erzeugen, alle zugleich 
im Felde, was so störend ist, dass diese Versuchsform wieder fallen gelassen 
wurde ^). Im Laufe der Versuche dürfte der Apparat wohl noch Modifikationen 
erfahren. 


Ueber die Herstellung von reinem Platin. 

Von 
Dr. F. BlyUiia und Dr. F. Foerster. 

(MittheiluDg aus der Physikalisch -Technischen Reichsanstalt.) 
Das Platin nimmt unter den Metallen, welche zu physikalischen Versuchen 
Verwendung finden, einen so hohen Rang ein, dass es von Wichtigkeit ist zu 
wissen, bis zu welchem Grade der Reinheit gegenwärtig dies Metall hergestellt 
werden kann. Die direkte Veranlassung zur Vornahme einer solchen Untersuchung 
waren die in der Physikalisch -Technischen Reichsanstalt ausgeführten Versuche 
über die Violle'sche Lichteinheit, zu welchen grössere Mengen reinen Platins ver- 
wendet werden sollten. 

Da das Platinerz neben dem Platin auch die übrigen Plalinmetalle: Iridium, 
Rhodium, Palladium, Ruthenium, Osmium, sowie Eisen und andere Schwermetalle 
enthält, so liegt die Möglichkeit vor, dass auch im gereinigten Platin diese Stoffe als 
Verunreinigung vorhanden sind. Thatsächlich bestehen die gebräuchlichen ^latin- 
geräthschaften aus unreinem Platin; wir fanden z. B. in einem Platintiegel von 
W. C. Heraeus in Hanau neben Platin folgende Bestandtheile : 

Iridium .... 2,56 pCt. 


Rhodium . . 

0,20 

Palladium . . 

Spur 

Ruthenium . . . 

0,02 

Eisen . . . . 

0,20 


n 


:7 

Das Iridium mischt man dem Platin absichtlich bei, um das Metall härter 
und haltbarer zu machen ; eine Legirung von neun Theilen Platin und einem Theil 
Iridium hat bekanntlich zur Herstellung der internationalen Urnormale des Meter 
und des Kilogramm gedient. 

Die analytische Untersuchung der für diesen Zweck hergestellten Legirungen 
geschab mit grosser Sorgfalt nach Methoden, welche französischen Ursprungs sind, 
und welche wir den Bemühungen von Sainte-Claire Deville und von Debray 
verdanken. Diese Methoden wurden im Auftrage des Coniite mternational des pmds 
et mesures für den genannten Zweck von Stas auf ihre Zuverlässigkeit geprüft. 
Ausführliche Berichte darüber finden sich in den Sitzungsberichten des Comites,-) 
sind aber in die deutsche Literatur nicht übergegangen. Die Metlioden von Deville 
und Stas sind die einzigen, welche man für die genaue analytische Trennung 
der Platinmetalle verwerthen kann, und auch wir haben sie bei unseren Versuchen 
benutzt. Nach diesen Methoden wird die Trennung des Platins von seinen Be- 

^) Vergl. Amtiger der Wiemr Akademie vom 5. November 1891. 
2^ Proct» verbaux des sciences de 1877, S, lol bix 206, 


94 Mylius u. Fokrstkr, Hkkbtkllung von keinbic Platin. ZBiTscuRurr pük Ixsmimm'KVKüKDB. 


gleitern durch Zusammenschmelzen des Materials mit reinem Blei bewirkt; das 
Platin und ein Theil der fremden Metalle, wie Palladium, Rhodium und Kupfer, 
löst sich in dem geschmolzenen Blei leicht auf, während das Iridium mit dem 
Ruthenium (und dem Eisen) darin unlöslich ist. Behandelt man den Regulus nach 
einander mit Salpetersäure und mit verdünntem Königswasser, so löst sich im 
ersteren wesentlich das Blei sowie vorhandenes Palladium und Kupfer, im letz- 
teren wesentlich das Platin und das Rhodium auf, während das Iridium und 
Ruthenium nebst dem grössten Theil des vorhandenen Eisens im Rückstande 
bleiben. Auf welche Weise die einzelnen Metalle in den drei Fraktionen auf- 
gefunden und bestimmt werden, kann hier nicht näher besprochen werden. Wir 
wollen nur anführen, dass die Schärfe und Zuverlässigkeit ihrer Methoden es 
Deville und Stas erlaubten, die Ergebnisse ihrer Analysen (prozentisch ausge- 
drückt) bis auf die vierte Dezimale anzugeben. 

Da die besprochenen analytischen Methoden immerhin sehr umständlich 
sind und nur demjenigen genügend sichere Ergebnisse liefern, welcher grosse 
üebung in ihrer Ausführung besitzt, so haben wir versucht, die Trennung des 
Platins von seinen Verunreinigungen dadurch zu bewerkstelligen, dass wir das 
Platin in irgend welcher Form verflüchtigten; es erschien nicht ausgeschlossen, 
dass man alsdann die Verunreinigungen im Destillationsrückstand finden würde. 
Flüchtige Platinverbindungen von verhältnissmässig einfacher Zusammensetzung, 
welche zu dem gedachten Zwecke verwerthet werden konnten, sind die von 
Schützenberger^) beschriebenen, bis jetzt aber wenig beachteten kohlenoxyd- 
haltigen Verbindungen des Platinchlorürs. Dieselbeii bilden sich leicht als Destilla- 
tionsprodukte, wenn Platin im Strome von Chlor und Kohlenoxyd auf 240 ^^ erhitzt wird. 

Wir haben durch eingebende Versuche festgestellt, dass diese einfache 
Methode zur Auffindung kleiner Mengen von Rhodium, Silber, Blei und Kupfer 
im Platin führen kann, dass sie aber versagt, wenn es sich um die Erkennung 
von Iridium, Palladium, Ruthenium, Osmium, Eisen und Gold handelt, weil diese 
Metalle in einem Strome von Chlor allein oder in einem solchen von Chlor und 
Kohlenoxyd bei der von uns innegehaltenen Versuchstemperatur flüchtig sind. 

Bei der Prüfung von metallischem Platin auf seine Reinheit hat sich also 
diese Methode, wenn auch in beschränktem Maasse, als nützlich erwiesen, und 
man wird zweckmässig zur Auffindung sehr kleiner Mengen von Verunreinigungen 
sich für gewisse Metalle der Deville-Stas'schen Methode, für andere des von uns 
vorgeschlagenen Verfahrens bedienen.^) 

Ein direktes Merkmal für die Reinheit eines Stoffes besitzt man nicht. Man 
kann daher auch die Reinheit eines Metalles nur indirekt erkennen, indem man 
die möglichen Verunreinigungen in Betracht zieht und sich von der Abwesenheit 
derselben nach Maassgabe der Empfindlichkeit der angewandten Reaktionen über- 
zeugt. Man ist dann zwar im Stande, dem Minimalgehalte der Substanz an dem 
reinen Metall einen zahlenmässigen Ausdruck zu geben, muss aber auf die Er- 
kenntniss, wie weit der wirkliche Gehalt an reinem Metall von diesem Minimal- 
gehalt entfernt ist, verzichten. 


*) Schützenberger. AnnaL de dum, et de phys. (4,) 15 S, 100 u, 21 Ä 350, S. a. Pallinger, 
Ber. d, D, c/tem, Oes. 24. S. 2291, Mylius und Foerster, ebenda 24. S. 2424 und F. Foenter, 
ebenda 24. S, 375t. 

1) Eine umfassende Mittheilung über diese Methoden erscheint gleichzeitig mit der vor- 
liegenden Abhandlung in den Berichten der DeuUchen Chemitchen QeteUichaft, 


Zwölfter Jalirgang. Min 1892. Mtlius U. Fobbstbb, HeBSTELLUNO VON BBINEM PLATIN. 95 

Wir haben uns nach den oben erwähnten Methoden ein Urtheil über die 
Schärfe und Sicherheit der Erkennbarkeit der Verunreinigungen im Platin ver- 
schafft; in Folgendem sind die kleinsten Mengen der einzelnen fremden Metalle 
angeführt, welche wir bei unseren Versuchen noch aufgefunden haben: 


Iridium 

. 0,003 pCt. 

Eisen . . 

. . 0,001 pCt. 

Rhodium 

. 0,004 „ 

Kupfer 

. . 0,002 „ 

Ruthenium 

. 0,005 „1) 

Blei . 

. . 0,002 „ 

Palladium . 

. 0,010 „ 

Silber . 

. . 0,002 „ 


Die Oesammtmenge der von uns noch aufgefundenen aus den genannten 
acht Metallen bestehenden Verunreinigungen des Platins beträgt somit etwa 0,03 pCt. 
Zieht man jedoch in Betracht, dass das Vorhandensein von einigen dieser Metalle, 
wie des Palladiums oder des Rutheniums — des letzteren zumal bei Abwesenheit 
von Iridium — sehr wenig wahrscheinlich ist, so sieht man, dass die geringste 
von uns nachgewiesene Menge von Verunreinigungen, wenn diese aus den sechs 
übrigen Metallen bestehen, 0,014 pCt. beträgt; es ist jedoch zu bemerken, dass wir 
die Nachweisbarkeit von Rhodium und von Eisen nicht bis zur äussersten Grenze 
verfolgt haben; die Auffindung dieser Metalle dürfte auch noch gelingen, wenn 
sie in geringerer Menge als der genannten vorkommen; ein Platin, in welchem 
man keine der erwähnten Metalle nachzuweisen vermag, kann daher höchstens 
0,01 pCt. dieser Verunreinigungen enthalten. 

Das reinste Platin, welches im Handel bisher vorkam, war das, welches 
die Firma Johnson & Matthey in London lieferte. Dieselbe hat auch auf Grund 
der Untersuchungen von Deville und Stas das Material für die Normalmeter 
und Normalkilogramme hergestellt. Die Reinigung des Platins geschah auch 
in diesem Falle durch Zusammenschmelzen des rohen Metalles mit Blei. Bis zu 
welchem Grade die Reinigung des Platins und des Iridiums in den Fabriken jener 
Firma durchgeführt wird, ergiebt sich am besten aus den von Tornöe*) mit- 
getheilten Analysen der Normalmeter und der Normalkilogramme; dieselben 
ergaben: 

1. Legirung der Kilogramme 2. Legirung der Strichmeter 

(März 1886). (März- April 1886). 

Iridium . . . 10,09 pCt. 
Platin . . . 89,90 „ 
Eisen . . . 0,01 „ 
Rhodium . . Spur 


Iridium . . 

. 10,10 pCt. 

Platin . 

O«7,ol j) 

Eisen . , 

. . Spur 

Rhodium 

• • 0,01 „ 


100,00 99,92 

3. Legirung der Endmeter (Mai 1889). 
Iridium .... 10,16 pCt. 
Platin .... 89,13 „ 
Eisen .... Spur 
Rhodium . . . Spur 

99,99 


1) Diese Zahl ist von Deville und Stas angegeben und unsererseits nicht durch besondere 
Versuche bestätigt worden. 

^ Tornöe: Travaux et fnemoires du Bureau international des poidi et metures, VIL 


96 MyLIUS U. FoERSTEB, HeBBTBLLUNO vom reinem PlATIK» ZbiTBCHRIPT VÜn iKSTRUMEKTESKUSOB. 


In einer Probe Platin, welche die Reichsanstalt im Sommer 1890 von der 
englischen Firma bezog, fanden wir: 

Platin .... 99,98 pCt. 
Rhodium . . . 0,01 ,, 
Silber .... 0,01 „ 

100,00 

Die Auffindung des kleinen Gehaltes an Silber wäre nach dem Deville- 
Stas 'sehen Verfahren kaum möglich gewesen. 

In Deutschland, wo die Verarbeitung der Platin erze auf nassem Wege üblich 
ist, war bisher kein reines Platin aus dem Handel zu erhalten. Das aus Hanau 
bezogene gereinigte Platin im Gewichte von 1,5 kg, welches zu den ersten vor- 
läufigen Schmelzversuchen im optischen Laboratorium der Physikalisch-Technischen 
Reichsanstalt gedient hatte, enthielt nach unseren Analysen : 


Platin . . . 

. 99,28 pCt. 

Iridium 

, . \}yÖ^ ^ 

Rhodium . . 

. 0,13 „ 

Ruthenium 

■ • 0,04 „ 

Eisen . . , 

. . 0,06 „ 

Kupfer . . , 

• 0,07 „ 


99,90 pCt. 

Die Hauptverunreinigung des deutschen Platins ist also Iridium. Die Firma 
W. C. Heraeus in Hanau ist den Bemühungen der Reichsanstalt um die Beschaffung 
reinen Platins bereitwilligst entgegen gekommen und hat es nicht an Versuchen 
fehlen lassen, Platinmetall herzustellen, welches von Iridium frei ist. Bis zu 
welchem Grade ihr dies gelungen ist, geht aus der Untersuchung einer Probe 
Platins hervor, welche bereits vor Jahresfrist von dort bezogen wurde. Man 
fand darin als hauptsächliche Verunreinigung 0,02 pCt. Iridium. In neuester Zeit 
gelingt die technische Ausscheidung des Iridiums aus dem Platin noch besser; 
in einer soeben aus Hanau erhaltenen Sendung von 40^ Platin haben wir zwar 
noch Iridium ebenso wie Eisen deutlich nachweisen können, allein ihre Menge war 
so gering, dass sie quantitativ nicht mehr bestimmbar war. Es können jetzt 
also thatsächlich beliebig grosse Mengen von Platin aus dem deutschen 
Handel bezogen werden, welche im technischen Sprachgebrauch als rein gelten 
können. Das Verfahren der Firma Heraeus hat vor dem englischen den grossen 
Vorzug, dass man das Platin behufs Reinigung nicht erst mit einem unedlen 
Metall, wie es das Blei ist, zu legiren braucht, dessen vollständige Entfernung 
immer eine ziemlich schwierige Aufgabe bleibt. 

Wenn man das käuflich als rein zu beziehende Platin als Ausgangsmaterial 
benutzt und zur weiteren Reinigung zuverlässige Methoden in Anwendung bringt, 
so kann man das Metall jedenfalls auf einen Grad der Reinheit bringen, welcher 
sich der absoluten Reinheit nähert. Eine solche Methode der Reinigung ist die- 
jenige, welche Herr Professor Finken er bei seinen Atomgewiclitsbestimmungen 
benutzt, aber noch nicht veröffentlicht hat; sie besteht nach gütiger persönlicher 
Angabe darin, dass man das Platin in sein Natriumdoppelchlorid überführt und 
diese Verbindung aus schwach alkalischer Lösung wiederholt vorsichtig um* 


ZwOlfUr JfthrgAiig. Mtr^l892. 


ScHULTzs, Waagen. 


97 


krystallisirt; aas den dabei erhaltenen orangerothen Erystallen lässt sich dann das 
reine Platin leicht dui'ch einen Reduktionsprozess metallisch abscheiden. In einer 
grösseren Menge Platinmetall, welche nach diesem Verfahren gewonnen worden 
war^ haben wir nach den angeführten Methoden keine metallischen Verunreinigungen 
nachweisen können. Wir dürfen nach dem oben Gesagten also sicher sein, dass 
das Material wenigstens 99,99 pCt. metallisches Platin enthielt. Mithin ergiebt es 
sich, dass das Platin zu denjenigen Metallen gehört, deren Reinigung ohne 
Schwierigkeit in sehr vollständiger Weise gelingt. 

Charlottenburg, den 15. Februar 1892. 


Waagebalken^ Befestigung der Axen und Justirungsvorriolitungen 

für Präzisionswaagen. 

Von 
P. SchnltBe« Univeraifcfttsmecbaniker in Dorpst 

Die verschiedenen Abhandlungen in dieser Zeitschrift über Theorie der 
Waage, Form des Balkens, sowie die verschiedenen Arten der Axenbefestigung 
und Justirungsvorrichtungen veranlassten mich zu praktischen Versuchen in dieser 
Richtung, deren Resultate ich hiermit dem Urtheile der Leser dieser Zeitschrift 
unterbreite. 

Die beigefügte Zeichnung stellt einen kurzarmigen Balken für eine Be- 
lastung von 100 g dar, jedoch habe ich auch langarmige Balken in derselben 
Form ausgeführt und beide Arten sowohl mit Stahlaxen als auch mit solchen von 
Karneol versehen. 

Die Anforderung an eine Präzisionswaage, Leichtigkeit des Balkens, ver- 
eint mit Widerstand gegen Durchbiegung, glaube ich durch die Form des Balkens 
erreicht zu haben, da der armirte Balken für 100 g Belastung nur 96 ^, der 




CT 





a 



für 1000 g sogar nur wenig über 200 g wiegt. Ausserdem gestattet die ge- 
wählte Form die Anfertigung aus hartgewalztem Blech und es können sechs Stück 
zu gleicher Zeit ausgearbeitet werden; namentlich ist die Anwendung der Fräse 
in ausgedehntem Maasse möglich. 


8 


98 ScHULTU) WaaobH. ZBiTSCBRirr tun iKSTRüMBirmrKTniDB. 


Die Befestigung und Justirungsvorrichtung [der Axen ist frei von jeder 
Spannung und gestattet^ jede Einstellung zu machen, ohne die bereits hergestellte 
zu beeinflussen. Die Zeichnung erläutert sämmtliche Eigen thümlichkeiten meiner 
Konstruktion hinreichend, so dass ich auf eine nähere Beschreibung verzichten kann. 

Beim Justiren verfahre ich in folgender Reihenfolge (die Axen werden fertig 
geschliffen und polirt bis auf die Grundfläche): 1. Die Mittelaxe wird eingesetzt 
und durch Nachschleifen der Grundfläche möglichst rechtwinklig zur'^Fläche des 
Balkens gemacht. Nun werden die Endaxen eingesetzt und durch Nachschleifen 
der Grundflächen dahingebracht, dass die Schneiden derselben parallel der Schneide 
der Mittelaxe stehen. Zur Kontrole dieser Einstellung dient eine genau ebene 
starke Spiegelglasplatte, welche so durchbrochen ist, dass die Mittelschneide auf- 
liegt, während die Endaxen frei durch die Erweiterungen durchgehen; durch Auf- 
legen von Spiegelstreifen über die Oeffnungen für die Endschneiden kann die 
Stellung derselben zur Mittelschneide sehr genau kontrolirt werden. Mittels der- 
selben Vorrichtung wird später die Stellung der Endschneiden in die Ebene der 
Mittelschneide vollführt, wozu die Schräubchen a und b dienen, welche die Drehung 
der Träger der Endaxen um die Schraube D bewirken. Diese Einstellung der 
Endaxen ist etwas zeitraubend und erfordert eine geschickte Hand und Geduld, 
belohnt sich aber durch die leichte und schnelle Vollendung der folgenden 
Justirungen. 

Die Parallelstellung der Endschneiden mit der Mittelschneide. 
Der Balken wird auf seinen Träger aufgelegt, möglichst empfindlich gemacht, 
auf die zu berichtigende Endschneide ein kleines Gehänge aufgelegt und die Zunge 
durch Anhängen von Gegengewichten auf die andere Endschneide zum Einspielen 
gebracht. Das Gehänge greift nur 3 mm weit über das Ende der Schneide. 
Hängt man nun das Gehänge abwechselnd auf das vordere und hintere Ende der 
zu justirenden Schneide, so kann man leicht und sicher durch Verstellen der 
Schräubchen e die Schneide so richten, dass die Einstellung der Zunge gleiche 
Werthe ergiebt. Die Schräubchen e bewirken eine Drehung der Schneide um 
die Axe E des Widerlagers der Schneide; dieses Widerlager ist so ausgearbeitet, 
dass nur dei jenige Theil die Schneide berührt, welcher den Stellschrauben gegenüber- 
liegt, was aus der Zeichnung nicht zu ersehen ist. Auf diese Weise wird jede 
Durchbiegung der Schneide durch festeres Anziehen der Schrauben verhindert. 
Nachdem beide Endschneiden parallel der Mittelschneide gemacht sind, wird der 
Balken nochmals auf die Platte aufgelegt und die Stellung der Endschneiden in 
die Ebene der Mittelschneide mittels der Stellschrauben a und b bewirkt. Diese 
Schrauben haben eine Ganghöhe von 0,2 mm und eine Verstellung derselben um 
einen Winkel von 12° macht daher nur 0,005 mm aus, da die Hebellängen der 
Endaxenträger sich wie 3 zu 4 verhalten. Da ferner die Drehungsaxe der beiden 
Träger nahezu in der Horizontalebene liegt, welche durch die drei Schneiden 
geht, so wird durch eine Verstellung der Endschneiden um 0,005 mm, namentlich 
wenn dieselbe bei beiden Endschneiden ausgeführt wird, keine Veränderung der 
Hebellängen hervorgebracht. Eine einfache Vorrichtung gestattet mir, diese Drehung 
recht genau zu vollführen. 

Das Gleichmachen der Hebellängen. Die Mittelaxe wird durch die 
beiden Stellschrauben d von 0,2 mm Ganghöhe , deren Köpfe gegen die Speichen 
des Balkens wirken, stets parallel zu sich selbst verstellt, und es wird jede Spannung 
vermieden, wenn die Verstellung stets so geschieht, dass nur der Kopf der zu 


Zwölfter Jfthrgang. Mirz 1892. Klrimkbe MlTTHKlLUNOBN. 99 


verstellenden Schraube gegen die Speiche anliegt , während der andere von seiner 
Speiche entfernt ist. Dies lässt sich sehr gut machen^ weil die Reibung zwischen 
dem Axenträger und dem umfassten Theil des Balkens so gross ist^ dass die 
Schrauben d bequem gelöst werden können , ohne Verstellung des Trägers be- 
fürchten zu müssen. 

Die Empfindlichkeit meiner Waagen richte ich gewöhnlich so her, dass sie 
in den Orenzen ihrer Tragkraft für 1mg 1 Skalentheil Aenderung der Gleich- 
gewichtsanlage angeben, so dass für genaue Wägungen der Gebrauch xlcs Reiterchens 
unnöthig wird. Ich kann aber diese Empfindlichkeit bei Waagen mit Karneolaxen 
bis auf 5 Skalentheile bringen, so dass noch 0,02 tn^ mit Genauigkeit abgelesen 
werden können; dies bezieht sich auf Waagen für 100^ Belastung. 

Schliesslich hebe ich noch hervor^ dass meine Waagen mit Karneolaxen 
Stahl nicht enthalten, sie sind nur aus platinirtem Messing und Neusilber her- 
gestellt, ein Vorzug, welcher die Anwendung in Laboratorien vortheilhaft macht. 

Eine Waage für 1000 g Belastung habe ich soeben konstruirt, deren Balken 
von derselben Form, wie der gezeichnete, aber mit einem Abstand der Schneiden 
von 260 mm versehen ist, so dass Schalen von, 110 mm Durchmesser frei spielen 
können; die Zungenlänge und die Skale ist so gewählt, dass jederseits 40 mm 
Spielraum für die Zunge vorhanden ist. Die Schalenarretirung und Beruhigung 
ist derart konstruirt, dass Drähte in Haken an der unteren Fläche der Schalen 
eingehängt und an denselben voluminöse Gegenstände in einem unterhalb der 
eigentlichen Waage angebrachten Glasschrank bequem aufgehängt werden können; 
die Arretirung und Beruhigung geschieht durch denselben Hebel, welcher die 
Arretirung des Balkens bewirkt. Ich hoffe mit dieser Konstruktion eine Konstanz 
und Empfindlichkeit herzustellen, welche auch weitgehenden Anforderungen genügt. 

Dorpat, im November 1891. 


Kleinere (Original-) MItthellungen. 

Die internationale elektroteohnisohe Ansstellang zu Frankfdrt a. M. 

(Schluss.) 

Wir wenden uns jetzt zu einer Besprechung der Elektrizitätszftbler, welche in 
der Ausstellung vertreten waren. Einer der zur Zeit verbreitetsten Zähler ist der von 
Prof. Dr. Aren konstmirte. Derselbe beruht, ¥ne unseren Lesern !]^bereit8 bekannt ist, 
auf der Einwirkung eines Solenoides auf ein magnetisches Pendel. Durch ein Differential- 
zählwerk wird direkt die Gangdifferenz einer auf diese Weise beeinflussten Pendel- 
uhr gegen eine zweite unbeeinflusste gezählt. Für Dreileitersystome erhält 'das Pendel 
an Stelle eines Magneten zwei und entsprechend zwei Spulen, von denen je eine einer 
Seite des Dreileitersystems angehört. In dieser Ausführung bildet der Zähler unter 
Benatzung eines Stahlmagneten nur einen ÄmpereBtundenmesser und ist für Wechselstrom 
nicht zu verwenden. Der Ersatz des Stahlmagneten durch eine Spule macht den Zähler 
auch für Wechselstrom verwendbar, (da in beiden Spulen die Stromrichtung im gleichen 
Zeitmomente wechselt, die Wirkung auf einander folglich dieselbe bleibt), sowie zum 
TTa^fetundenzäbler, wenn nämlich die Wirkung der oberen Spule der Spannung, die der 
unteren der Stromstärke proportional ist. 

Von Siemens & Halske waren zwei Zähler von gleicher Konstruktion ausge- 
stellt, der eine ein iimj^erestundcuzäbler, der andere ein TTaffetunden messen Das Prinzip 

des Zählers besteht darin, dass in regelmässigen Zeitintervallen die Ausschläge eines 

8* 


100 KXEINBBB MiTTHBILUNOBS. ZEITBCHBirr FÜB ISSTBÜMBS-nOSKUSD». 


Strommessers beziehentlich Dynamometers registrirt werden. Dies erfolgt durch ein 
Uhrwerk, welches jede Minute einen Hebelarm gegen den Zeiger eines Strommessers fuhrt. 
Dieser Hebel besitzt eine entsprechende Krümmung, um den von ihm zurückgelegten Weg 
proportional dem jeweiligen Zeigerausschlag zu machen. Eine entsprechende Vorrichtung 
überträgt die Bewegung des Hebels auf ein Zählwerk. 

Eine ähnliche Konstruktion besitzt einer der von Hartmann & Braun ausge- 
stellten Zähler. Nach je einer Minute werden bei demselben die Ausschläge eines 
Strommessers, dessen Ausschläge der jeweiligen Stromstärke proportional sind, auf den 
Nullpunkt geführt und der hierbei stattfindende Weg überträgt sich auf ein Zählwerk. 
Die Zurückfuhrung des Zeigers geschieht durch einen Elektromagneten, welcher minutlich 
gesehlossen wird. Das Aufziehen des den Schluss bewirkenden Uhrwerkes erfolgt eben- 
falls durch den erwähnten Elektromagneten. 

Ein zweiter von derselben Firma ausgestellter Elektiizitätszähler, Konstruktion 
Wilkens, beruht auf dem Prinzipe, dass eine drehbare Kupferscheibe von der Axe nach 
dem Umfange zu vom Strom durchflössen und zwischen die Pole eines kräftigen Magneten 
gebracht in Rotation versetzt wird, deren Geschwindigkeit proportional dem die Scheibe 
durchfliessenden Strom sein soll. Der Zähler besteht aus einem starken , im Nebenschluss 
liegenden Elektromagneten mit fast vollständiger Sättigung, zwischen dessen Polen eine 
Kupferscheibe leicht drehbar angeordnet ist. Mit der Axe der letzteren steht ein Zähl- 
werk in Verbindung, der Strom wird von der Axe nach der Scheibe geleitet und ein 
Quecksilbergefäss, in welches der Rand derselben taucht, dient zur Weiterleitung. 

Ein nach Cauderay-Frayer konstruirter Zähler dient zum Messen der verbrauch- 
ten elektrischen Leistung. Bei dieser Konstruktion findet die Uebertragung des Ausschlages 
eines Dynamometerzeigers statt. Je nach der Stellung dieses letzteren erfolgt in bestimmten 
Zeitintervallen ein längeres oder kürzeres Einrücken eines Zählwerkes in ein dauernd 
elektromagnetisch angetriebenes Uhrwerk. Die angetriebene vertikale Axe bewegt eine 
auf ihr verschiebbare Kurvenscheibe, welche durch eine Feder nach oben gedrückt ist. 
Ein Druck auf die Scheibe bewirkt das Einrücken eines an der unteren Seite derselben 
befestigten Sperrzahnes in ein mit dem Zählwerk in Verbindung stehendes Sperrrad. Die 
Bewegung der Scheibe wird mithin ebensolange auf das Zählwerk übertragen, als das 
erfolgte Niederdrücken andauert. Letzteres wird durch den Zeiger des Dynamo- 
meters vollzogen und die Kurvenscheibe bedingt die der Stellung des Zeigers entsprechende 
Zeit der Einschaltung des Zählwerkes. 

Zwei weitere Zähler, einer von der Firma Schucker t (System Hummel), der 
andere von der Firma Thomson-Houston ausgestellt, zählen zum Typus der Motor- 
zähler und sind in ihrer Konstioiktion einander sehr ähnlich. In einem magnetischen 
Felde, das durch einige starke für den Hauptstrom bestimmte Windungen gebildet wird, 
ist eine Anzahl Spulen drehbar angeordnet. Die Wicklung derselben besteht aus dünnem 
Draht; die Stromzuleitung erfolgt durch einen Kommutator und zwei Bürsten, welche gleich 
einem Spannungsmesser in der Anlage an den Hauptleitungen angebracht sind. Bei 
stromdurchflossener Leitung wird sich der drehbare Theil gleich dem Anker eines Elektro- 
motors in Drehungen setzen, die auf ein Zählwerk übertragen werden. Zur Erreichung 
einer Proportionalität, sowie gleichzeitig als Hemmung des gesamniten Werkes dient bei 
dem Zähler von Thomson-Houston eine Kupferscheibe, welche zwischen den Polen 
dreier Stahlmagnete sich drehend, auf gleicher Axe mit den drehenden Spulen befestigt 
ist. Die bei Rotation der Kupferscheibe durch die Stahlmagnete ei^zeugten Induktions- 
ströme bewirken die Hemmung. Im Zähler von Schuckert sind die Stahl mngnete durch 
einen Elektromagneten mit gegenüberliegendem Anker ersetzt. Die Anordnung ist eine 
etwas andere, an Stelle der starken Kupferscheibe ist ein schwächerer Metallring verwendet. 
In der Hauptmaschinenhalle war weiter noch ein von Einstein konstruirter 
i4m;)erestundenzähler ausgestellt. Bei demselben findet eine Uebertragung der Ausschläge 
eines Strommessers statt. Zu diesem Zwecke befindet sieh im Apparat ein Kegel, welcher 


• • • • ' 


SSwtflltW Jftlirgailg. MItS1891 KLBimBBB MiTTBSXLimOBH. 101 


durch ein elektromagnetisches Uhrwerk mit gleichförmiger Geschwindigkeit gedreht wird. 
Auf der Mantelfläche des Kegels läuft ein das Zählwerk antreibendes Ead, welches auf seiner 
Axe verschoben werden kann; die Uebertragung der Kegelbewegung auf das Zählwerk 
wird eine verschiedene sein, je nachdem das Triebrad nahe der Spitze oder nahe der 
Grundfläche angetrieben wird. Die Verschiebung bezw. Einstellung des Eades wird indirekt 
durch den Zeiger eines Strommessers bewirkt. Der vom Zeiger in entsprechender Weise 
hergestellte Schluss eines Stromkreises , in welchem eine von zwei entgegengesetzt wirkenden 
Spulen, die durch Einrücken von Sperrzähnen die Uebertragung von einem Uhrwerk 
ausführen lassen, eingeschaltet ist, dauert so lange an, bis die Einstellung erfolgt. Eine 
den Kontaktschlitten des Strommessers führende Kurve dient zur Herstellung der erforder- 
lichen Proportionalität zwischen dem Ausschlage desselben und der Veränderung des An- 
griffspunktes des Triebrades auf der Walzfläche des Kegels. 

Ist neben der Betriebsspannung auch die erforderliche Stromstärke während der ganzen 
Dauer des Betriebes stets die gleiche, wenn man geringe Schwankungen unberücksichtigt 
lässt, so wird es schliesslich auch genügen, die Zeit zu wissen, wie lange der Strom- 
verbrauch währt, um daraus die verbrauchte Menge zu bestimmen. Ein diesem Zwecke 
dienender Apparat ist der Zähler von Aubert. Ein Elektromagnet löst in demselben 
Augenblicke ein Uhrwerk aus, in welchem die Anlage einen Strom erhält, und arretirt 
durch Loslassen seines Ankers das Uhrwerk wieder, sobald der Strom unterbrochen wird. 

Von den zur Zeit gebräuchlichen elektrotechnischen Messinstrumenten waren die 
von der Weston Electrical Instrument Co, in Deutschland zum ersten Male ausgestellten 
Stärke- und Spannungsmesser in Konstruktion und Prinzip fast vollständig abweichend. 
Aehnlichen älteren Instnimenten gleich beruhen auch diese auf dem Prinzip des Deprez- 
D^ArsonvaTschen Galvanometers; dasselbe besteht bekanntlich in der Anordnung einer 
sich bewegenden Spule innerhalb des magnetischen Feldes eines kräftigen Stahlmagneten. 
Der Unterschied zwischen den Stärke- und Spannungsmessem , die in ihrem äusseren Aus- 
sehen und ihrer Anordnung einander fast völlig gleich sind, besteht nur in der Schaltung 
eines Widerstandes und der Art des letzteren. Die drehbare Spule ist zu klein, um den 
gesammten Widerstand, der für den Spannungsmesser erforderlich ist, aufnehmen zu können 
und man schaltet daher den noch übrigen Widerstand vor die drehbare Spule, die nur bis 
zu 60 Ohm aufnehmen kann. Im Strommesser gestattet die Spule wiederum nicht, den 
Gesammtstrom durch sie zu senden; man legt daher einen Nebenschluss zur Spule, der 
aber unter keiner Bedingung das Instrument beeinflussen darf; derselbe wird bifllar um den 
Stahlmagneten gelegt; man misst daher mit dem Instrumente nur einen Theil des Gesammt- 
stromes, in ähnlicher Weise, wie das Messen von starken Strömen mittels des Siemens^schen 
Torsionsgalvanometer stattfindet. Als Hauptbedingung für Tauglichkeit und Brauchbarkeit 
muss die möglichste Konstanz des Stahlmagneten gelten. Der Firma soll es gelungen sein, 
durch ein besonderes Bearbeitungsverfahren der Magnete sowie durch Wahl des Materials den 
gestellten Anforderungen gerecht zu werden. Die Konstniktion der Instrumente ist folgende. 
Der in besonderer Form gebogene Stahlmagnet ist liegend angeordnet und mit zwei Pol- 
schuhen versehen, zwischen denen sich eine zylindrische Bohrung befindet. In der letzteren 
ist ein zylindrischer Eisenkern mit etwas kleinerem Durchmesser befestigt, so dass ein 
Luftraum von 1 bis 2 mm verbleibt, innerhalb dessen die Spule sich bewegen kann. 
Diese besteht in den Spaimungsmessem aus einem Aluminiumrahmen, in den Strom- 
messern aus einem Kupferrahmen, auf welche die Drahtwindungen gewickelt sind. Ver- 
mittels zweier gehärteter StaLlspitzen, die in Steinen gelagert sind, wird die Reibung 
möglichst veimieden. Die Strom Zuführung erfolgt durch zwei Spiralfedern zu beiden 
Seiten der Spule, wodurch gleichzeitig ein der Strom Wirkung entgegen gerichtetes 
Drehungsmoment beigestellt wird. Der zur Ablesung des Ausschlages an einer Skale 
angebrachte Zeiger aus Aluminium ist durch ein Metallstück, in welches zur Justirung 
Schräubchen verschiedenen Gewichtes eingesetzt werden können, vollständig ausbalanzirt, 
so dass die Instrumente in jeder beliebigen Lage sich richtig einstellen und zu gebrauchen 


lOfi RLBIUBaB MlTTHEILONaBir. ZEITSCHRirr rÜK lHSTHOliKmua(ÜSD«. 


sind. Das geringe Gewicht des sich drehenden Theiles sowie das kräftige magnetische 
Feld, welches innerhalb der Spulenrahmen bei einer Lagen Veränderung desselben Induktions- 
ströme erzeugt, bedingt die aussergewöhnliche Aperiodizität der Instrumente. Zur möglichst 
genauen Ablesung und Vermeidung einer Parallaxe ist der Zeiger messerartig geformt nnd 
unterhalb der Skale ein Spiegel angebracht. Da die W es ton -Instrumente nur bei be- 
stimmter Stromrichtung ansprechen können, so werden die Spannungsmesser noch zumeist 
mit einem Umschalter ausgerüstet, um für den Fall falschen Polanschlusses nicht ein Pol- 
wechseln zu benöthigen. Ausserdem besitzen die Spannungsmesser noch einen Stromschlüssel, 
der sowohl für Moment- wie Dauerkontakt verwendet werden kann nnd entsprechend ein- 
gerichtet ist. Diese Instrumente werden mit besonderem Vortheil überall da zu ver- 
wenden sein, wo es gilt, Ströme, die plötzlichen Schwankungen unterworfen sind, zu 
messen; der Zeiger folgt fast momentan den Stromschwankungen. Die Spannungsmesser 
werden auch für zwei verschiedene Messbereiche hergestellt. Das Instrument erhält hierzu 
eine zweite Skale sowie eine Abzweigung vom Vorschaltwiderstand nebst einer dritten 
Anschlussklemme. 

Zum Schluss sollen noch einige zur Untersuchung von Eisensorten dienende 
Instrumente beschrieben werden. Die vielseitige Verwendung des Eisens in der Elektro- 
technik macht es erforderlich, dasselbe auf sein magnetisches Verhalten untersuchen zu 
können. Von Siemens & Halske sowie von Hartmann & Braun war je ein diesem 
Zwecke dienender Apparat ausgestellt. Ein dritter Apparat wurde auf dem Elektro- 
technikerkongress durch Herrn Dubois vorgeführt. 

Das Instrument von Siemens & Halske besteht aus zwei mit stärkerem Draht 
bewickelten Spulen, in deren Bohrungen (1 qcm) das zu piüfende Material eingeführt wird. 
Zwischen diesen beiden Spulen ist an einem Kokonfaden hängend eine dritte Spule aus 
dünnem Draht auf eine Kupferrolle aufgewickelt. Zwei Torsionsfedem dienen einerseits 
als Zuführung, und ermöglichen andererseits ein Zurückführen der Spule in die Nulllage 
durch Torsion; an einer Theilscheibe kann man den Torsionswinkel ablesen und die auf- 
gewendete Gegenkraft bestimmen. Die mittlere Spule erhält einen schwachen Strom, 
während in die äusseren ein regulirbarer Akkumulatorenstrom geleitet wird. Beide Ströme 
werden mit entsprechend genauen Instrumenten gemessen. Der mittleren Spule wird ein 
Drehnngsmoment ertheilt, welches um so stärker ist, je besser sich das untersuchte 
Material zum Magnetisiren eignet. 

Das von der Firma Hartmann & Braun ausgestellte Instrument gründet sich 
auf eine Eigenschaft des Wismuth. Dieses Metall ändert je nach der Stärke des 
Feldes, in welchem es sich befindet, seinen elektrischen Widerstand. Zum Messen 
magnetischer Felder findet dieses Material, welches dazu zu einer Spirale gewunden ist, 
schon seit längerer Zeit Verwendung. Die Spirale wird in das zu messende Feld gebracht 
und hierauf ihr Widerstand gemessen, wonach die Berechnung der Feldstärke unter 
Zuhilfenahme einer beigegebenen Kurve erfolgen konnte. Um die Verwendung der 
Eigenschaft der Wismut hspirale für die Untersuchung von Eisensorten zn ermöglichen, 
ist dem Instrument ein kräftiger u- förmiger Elektromagnet beigegeben. An dem einen 
Pole befindet sich, dem andern zugewendet, die Wismuthspirale. Zwischen diese und 
den zweiten Pol wird das zu messende Eisenstück von bestimmtem Querachnitt gebracht. 
Eine mechanische Vorrichtung gestattet, die Spirale fest auf das Materialstück zu pressen, 
um einen Luftraum zwischen diesem und der ersteren zu vermeiden. Der Elektromagnet 
erhält regulirbaren Strom einer konstanten Stromquelle. Der Widerstand giebt sodann 
den entsprechenden relativen Werth des Materials gegenüber einem anderen bereits be- 
stimmten. Zur P^rmittlung absoluter Werthe bedarf es noch eines Eisenstückes mit 
bekannter Konstante, sowie der Kenntniss des Verlaufes des Widerstandswerthes der 
Wismuthspirale. 

Der Apparat von Dubois beruht auf der Bestimmung des Abreissmomentes bei 


SwtfIfUr Jakxgtag. Ifin 189flL 


Rbfesats. 


108 


stattfindender Ma^etisirang. Das Instrument besitzt einen in Schneiden mhenden Waage- 
balken. Auf dem letzteren sind auf einer Theilung verschiebbar zwei Gewichtsstücke 
angeordnet. Ein Kontakt zeigt durch den Schluss eines Schellenstromkreises das erfolgte 
Abreissen des Balkens an. 

Wir beschliessen hiermit unseren Rundgang durch die Ausstellung, die, wie aus 
Vorstehendem ersichtlich ist, nicht nur auf technischem, sondern auch auf wissenschaft- 
lichem Gebiet manches werthvolle Neue gebracht hat. Schöne. 


Referate. 

Das Pendel als Waage. 
Van K. Fuchs. Repertorium d. Physik, 2H. S. 636. {1890) 

Verf. spricht die Meinung aus, dass für die genaue Bestimmung kleiner Gewichte 
das Pendel sehr geeignet sei und kommt am Schluss zu dem Vorschlage, dass die 
Fabrikanten von PrSzisionsgewichten aus einer solchen Verwendung des Pendels grosse 
Vortheile ziehen könnten, ^wenn sie für jedes Gewicht ein 
Spezialpendel konstruiren, für welches die Schwingungs- 
dauer des Normalgewichtes ein fUr allemal bestimmt wird. 
Man braucht letzteres dann weiter nicht mehr zu berühren.^ 

Die vom Verf. vorgeschlagene Anordnung besteht 
aus einem um eine Axe Di (Fig. 1) unterhalb des Schwer- 
punktes s drehbaren Stabe TT, welcher also für sich im 
labilen Gleichgewicht ist und durch Stifte am Umkippen 
verhindert werden müsste. Unterhalb der Drehaxe Di ist 
eine zweite Schneidenaxe D2 vorhanden, an welcher eine 
kleine Schale V hängt. In diese wird der zu wägende 
Körper und soviel (bekannte) Ergänzungsgewichte gelegt, dass 
der Schwerpunkt etwas unter die Mittelschneide fällt, das 
System also stabil wird und die Schwingungsdauer etwa 5 
bis 10 Sekunden beträgt. Um Eigenschwingungen zu um- 
gehen, kann man auch statt des Schälchens eine beiderseits an je einer Hängeschiene 
W\ W2 aufgehängte Brücke B verwenden (Fig. 2), deren sämmtliche Punkte gleiche Wege 
beschreiben, und auf welche die zu bestimmenden Massen P aufgesetzt werden 

Die Vorrichtung lässt sich dann ansehen als ein Pendel, bei welchem sich im 

Abstände l über und unter der Drehaxe die Masse Vs ^ befindet, während auf dessen 

' • •• 

untere Masse eine Kraft p vertikal nach unten wirkt. Dann ist die Schwingungsdauer 

^2 = TC* oder T = X — 

g P p 

Ermittelt man^mit Hilfe von drei verschiedenen genau bekannten Hilfsgewichten 
die Grössen X, m und p durch drei gesonderte Beobachtungsreihen, so kann man allerdings 
bei Belastung der Schale mit einer Masse g, welche sich zusammensetzen wird aus dem 
zu bestimmenden Gewicht und einem zur Vergi'össerung''der Schwingungsdauer auf einen 
passenden Betrag,' der zwischen 5 und 10 Sekunden liegen soll, hinzugefügten bekannten 
Gewichte, dieMasse q berechnen. Verf. leitet aus der Genauigkeit dieser Bestimmung, 

an einem von ihm zu Grunde gelegten Beispiele, bei welchem eine Schwingungsdauer 
von 7 Sek. für eine Maximalbelastung von 30 g angenommen ist, eine Genauigkeit der 
Gewichtsbestimmung von 0,3 mg ab, indem er die Genauigkeit der Zeitbestimmung zu 
0,01 Sek. annimmt. 



Flg. 1. 


104 ReFEBATS. ^KlTSOBRflrT WÜU XsSTBOlOUTSIKinroC. 


Der vorgeschlagenen Methode wohnt trotz der Umständlichkeit ihrer Durchführung 
auf den ersten Blick etwas Bestechendes insofern inne, als hier, wie Verf. ansiiihrt, die 
Massenbestimmnng auf eine Zeitbestimmung reduzirt wird, Zeitbestimmungen aber mit 
grosser Genauigkeit ausführbar sind. Die Empfehlung der Methode f(ir die Zwecke des 
Praktikers muss aber Bedenken erregen. In der Praxis, d. h. bei Herstellung von 
Gewichten, bedarf man solcher Methoden, welche unmittelbar, d. h. ohne Rechnung und 
in möglichst kurzer Zeit das gegen wärtig6 Verhältniss der Masse des zu justirenden 
Gewichtes zum Normalgewichte ergeben, und für diesen Zweck leistet die einfache 
Wägung nach Gauss^ Methode das Erforderliche in kürzester Zeit. Dies ist aber das 
wichtigste Moment, welches gegen die Brauchbarkeit der vorgeschlagenen Methode spricht, 
soweit es sich um die Herstellung, also um die Justirung und wiederholte Feststellung 
der gegenwärtig vorhandenenen Masse eines Stückes handelt. 

Aber auch für die Bestimmung fertiger Gewichte mit hoher Genauigkeit bietet 
die Methode nicht die Vortheile, welche ihr innezuwohnen scheinen. Denn da zur Er- 
zielung höherer Genauigkeit die Beobachtungszeit eine sehr grosse wird, gewinnen alle 
die unvermeidlichen Einflüsse, wie die Aenderung der Luftdichte und Temperatur sowie 
Luftströmungen eine viel höhere Bedeutung als bei der Wägung. So würden in dem 
angeführten Beispiel zur Bestimmung eines Gewichts von 20^ mit der Genauigkeit von 
0,01 mg unter der Annahme, dass die einzelne Schwingung mit einem Fehler von 0,3 Sek. 
bestimmbar sei, 900 Schwingungen in 1^/4 Stunden zu beobachten sein. Dass für eine 
solche Beobachtungszeit jene Einflüsse konstant bleiben, darf ebensowenig angenommen 
werden, wie dass die einmalige Bestimmung der Konstanten eines solchen Pendelinstru- 
mentes dauernd brauchbar bleibt. Zur Erreichung höherer Genauigkeiten wird es also 
auch hier erforderlich, einen Vergleich mit einem genau bekannten Normalgewichte aus- 
zuführen. Und dann kommen selbst die scheinbaren Vortheile der Methode gegenüber 
der Wägung in Fortfall. Zum Schluss sei darauf hingewiesen , dass auch die Erfordernisse 
fHr die Anwendung der Methode durchaus nicht einfache sind; denn ausser einem guten 
Sekundenpendel müssten mehrere Spezialpendel in sehr exakter Ausführung hergestellt 
werden und ein fester Aufhängungsort für dieselben zur Verfügung stehen. 

üeber die Leistung eines kleinen Ihstmments. 

Fön G. C. Co ms tock. The Sid&real Messenger 1891. S. 406. 

Bereits Struve hat darauf hingewiesen, dass kleine Instrumente verhältniss- 
massig genauere Besultate liefern als grosse. Dies bezieht sich natürlich nicht auf die 
relative optische Leistung kleiner und grosser Femrohre, sondern lediglich auf die Fähig- 
keit, genaue numerische Werthe bei Breiten-, Zeit-, Azimnth- und ähnlichen Bestimmungen 
zu liefern. Verf. macht nun einige Angaben, welche die oben ausgesprochene Ansicht 
bestätigen. Dieselben beziehen sich auf die Messungsergebnisse, welche er mit einem 
neuerdings für das Washburn Ohservatory von G. Bamberg in Berlin erworbenen Instrument 
bei Prüfung der damit erreichbaren Messungsgenauigkeit erzielt hat. Das Instrument hat 
Horizontal- und Vertikalkreis von je 175 mm; die Kreise sind in 10 Min. getheilt und 
mittels Mikrometermikroskopen auf 5 ablesbar. Das gebrochene Femrohr hat 36 mm 
Oeffnung und 378 mm Fokallänge bei 36facher Linearvergrössemng. Die ursprünglichen 
Spinnfäden ersetzte Verf. durch ein Glasmikrometer, dessen Striche mit Graphitpulver 
ausgefüllt wurden. Die so erhaltenen Linien sollen nach Verf. feiner als iigend ein ihm 
bisher vorgekommener Spinnfaden und letzteren in jeder Beziehung vorzuziehen sein. (?) 

Schon Foerster hatte aus sorgfältiger Untersuchung eines etwas kleineren In- 
struments von demselben Verfertiger festgestellt, dass der wahrscheinliche Fehler einer 
einzelnen Höhenbestimmung mittels eines fünfzölligen Instrumentes auf eine Bogensekunde 
reduzirt werden kann. Verf. hat in naher Uebereinstimmung damit gefunden, dass der 
wahrscheinliche Fehler einer einzelnen Zenithdistanzbestimmung, d. h. des Mittels aus 
den Lesungen rechts und links vom Kreise, nur ±l 0,08^^ beträgt. Die meisten Daten 


ZwSlfUr Jfthrgftng. Mirz 1802. 


RsFiiuTie. 


106 


über die Leistungen des Instrumentes hat Verf. durch Zeitbestimmungen nach Döllen's 
Methode gewonnen. Während die von Alb recht nach Beobachtungen an grösseren In- 
strumenten mit stärkerer Vergrösserung abgeleitete Formel für den wahrscheinlichen Fehler 
einer einzelnen Durchgangsbestimmung an einem Faden für die Verhältnisse des vor- 
liegenden Instrumentes fiir einen Stern nahe dem Aequator iL 0,113 als wahrschein- 
lichen Fehler ergeben würde, wurde derselbe thatsfichlich zu nur di 0,066" gefunden. 
Dies erklärt sich zum Theil daraus, dass die Stellung eines hellen Stei*nes in lichtstarken 
Femrohren nicht so sicher bestimmbar ist als die eines lichtschwächeren Sternbildes. 
Am schlagendsten wird die mit diesem kleinen Instrumente erreichbare Genauigkeit durch 
zahlreiche, in jeder Nacht aus Beobachtungen vei-schiedener Sterne ermittelten Uhrstände 
dargethan. Aus allen zwischen Juni und September 1891 so ermittelten Werthen ei'giebt 
sich der wahrecheinliche Fehler eines aus einem Stern bestimmten Uhrstandes zu zt 0,038", 
während für den dortigen Meridiankreis (4,8" von Repsold) unter Benutzung der Chrono- 
graphen der entsprechende Werth ±. 0,030 beträgt. Bei der Vergleichung dieser beiden 
Werthe ist jedoch zu berücksichtigen, dass hier die Eliminirung der Kollimation, von 
welcher die Genauigkeit der Zeitbestimmung abhängt, durch instrumenteile Mittel erreicht 
werden muss, während ihr Fehler bei dem kleinen Instrument durch Umlegen eliminirt 
wird. Jedenfalls weisen die angeftlhrten Fehlerwerthe in gleichem Maasse die hervor- 
ragende Qualität des in Kede stehenden Instrumentes wie die Vortheile der Aufstellung 
in dem Vertikal des Polarsternes nach. P, 


t7 



Vorschlag fftr eine neue Form des Qnecksilberbarometers. 
Von W. J. Waggener. Atneric. Jourv. of Snence. III, 4^. S. 387, (189J.) 
Das beistehend abgebildete Barometer ist im Grunde ein in sich selbst zurück- 
laufendes Glasrohr mit den beiden Erweiterungen B und C, von denen letztere als Gefäss 
des Barometers dient. S und S sind zwei Hähne, welche das Innere von C mit der 
Atmosphäre verbinden; S ist beim Gebrauche des Instrumentes ofien. x und y sind 
Verlängerungen der Röhren T und T nach dem Innern des Gefässes hin; ihre Mün- 
dungen und o' laufen nahe bei einander in der Mitte des Gefässes aus. 
Das Volumen des letzteren muss etwa vier mal so gross sein als dasjenige 
des Vakuums Vvy so dass die Oef&iungen oo' stets in Quecksilber ein- 
getaucht bleiben, welche Stellung man auch dem Instrumente geben möge. 
Die Manipulationen zur Füllung und Fertigstellung werden in Fol- 
gendem bestehen: 

1. Man lege das Barometer horizontal und fülle es vollkommen mit 

Quecksilber an. 

2. Man schliesse die Hähne und richte das Instrument auf. 

3. Man öfine den oberen Hahn S\ es Hiesst Quecksilber aus, indem j^ 

sich bei E das Toricelli'sche Vakuum bildet, während das 
Gefäss C gefüllt bleibt. 

4. Man schliesse die Hähne dicht ab und lasse das Barometer einige 

Zeit in der aufrechten, und dann in anderen Lagen, damit 
Reste von Luft und Feuchtigkeit sich im Vakuum ansammeln. 

5. Man lasse das Barometer, wie die Figur es darstellt, um die 

Gesichtslinie und in der Papierebene rotiren, damit alle im Vakuum 
angesammelte Luft und Feuchtigkeit in das Gefäss C gelange, 
von wo es nicht wieder in andere Theile des Innenrauraes zurückkehren kann. 

6. Man wiederhole die angegebenen Manipulationen in derselben Reihenfolge, bis das 

Vakuum in V so vollkommen ist wie möglich (wahrscheinlich braucht No. 1 nicht 
oft wiederholt zu werden). — 
Zweifellos würde der Apparat auch gut f unktioniren , wenn das Verbindungs- 
rolir T nicht vorhanden wäre; aber der vollständige Ring bietet augenscheinliche Vor- 



S' 


106 'Rkfkbatk: ZMnaoBkaft rHu IirsTBtfimnanLüvojL 


theile, indem z. B. die Röhren nur von kleinem Durchmesser zu sein brauchen, ohne 
dass sie das Fliessen des Quecksilbers und den Transport der Luftblasen zu sehr verhindern. 
Die Grundzüge dieser Konstruktion fielen dem Verf. vor einigen Jahren ein; 
durch andere Sachen abgelenkt, erinnerte er sich derselben beim Lesen einer Mittheilung 
über die von G. Guglielmo (Ätti della reale Äccad. äei lincei Äug. 1890) vorgeschlagene 
Methode, welche im Prinzipe auf dasselbe herauskommt, aber dem Verfasser weniger 
vollkommen zu sein scheint. Guglielmo erhebt den Anspruch, dass seine Methode bessere 
Resultate ergebe als das Auskochen des gewöhnlichen Barometers. Guglielmo's Methode 
besteht in der Zerlegung des Vakuums in zwei übereinander liegende Stücke, welche 
durch einen Hahn ohne Fett verbunden sind; zuerst bleibt dieser geschlossen und das 
Vakuum bildet sich darunter. Nun sammelt man darin durch wiederholtes Neigen und 
Aufrichten die Reste von Luft, welche dann in den oberen Raum getrieben werden, der 
nun wieder abgeschlossen wird. Sp, 

üeber den Oebranch von Flnssspath in optischen Ihstmmenten. 
Von S. P. Thompson. Fhil Mag, V. 31. S. 121. {1891) 

Durch die Anwendung des Flussspathes in den „apochromatischen^ Mikroskop- 
objektiven von Abbe und Zeiss^) ist die Aufmerksamkeit der Physiker und Optiker 
wieder auf dieses in mehreren Beziehungen so werthvolle Material gelenkt worden. Ausser 
den von Abbe a. a. 0. bereits her^'orgehobenen Anwendungen des Flussspathes, erstens 
zur Aufbebung des sekundären Spektrums in zusammengesetzten Systemen, zweitens als 
Ersatz für Kronglas in einfachen achromatischen Linsen (die dadurch bei gleichem Flint 
viel geringere Krümmungen und in Folge davon geringere chromatische Differenz der 
sphärischen Aberration bekommen), schlägt Verfasser eine dritte sehr naheliegende An- 
wendung dieses Materials vor, nämlich zur Konstruktion von Prismen mit gerader 
Durchsicht für spektroskopische Zwecke. Hier ist der Vortheil der, dass der Flnss- 
spath, an die Stelle des Kronglases gebracht, eine grössere Dispersion zur Folge hat. 
Ein geradsichtiger Prismensatz, bestehend in einem Flintprisma zwischen zwei Fluorit- 
prismen , hat eine ebenso grosse Dispersion wie ein fünffacher Prismensatz aus Kron-Flint 
und bietet einem solchen gegenüber immer noch die Vortheile grösserer Kürze und einer 
geringeren Zahl von zu bearbeitenden Flächen. 

Auf die Anregung des Hm. Ahrens, welcher jenes erste Prisma ausgeführt hatte, 
konstruirte Verf. einen Prismensatz, welcher gar kein Glas enthält, nämlich zwischen 
zwei Prismen von Flnssspath ein solches von Kalkspath. Das letztere ist nach einem 
früheren Vorschlage des Verf. so geschnitten, dass die krystallographische Axe senkrecht 
zur Sehlinie liegt. Diese Kombination wirkt also zugleich als Nikol und als gerad- 
sichtiges Prisma. Verf. macht am Schlüsse seiner Mittheilung noch auf die verschiedenen 
Färbungen aufmerksam, in welchen Flnssspath in der Natur vorkommt, namentlich die 
grünliche und rosa Färbung. Beide lassen sich bekanntlich erheblich mindern durch 
geringe Erwärmung der Krystalle, welche natürlich mit Vorsicht geschehen muss, damit 
dieselben nicht zerspringen, wozu sie sehr neigen. Ein misslicher und sehr zu beachtender 
Umstand ist, dass der Flnssspath sehr zur Zwillingsbildung bezw. zum Tneinanderwachsen 
neigt, dass in Folge dessen sehr viele Stücke Spannung und damit Doppelbrechung 
zeigen, was sie natürlich zur optischen Verwendung untauglich macht. Cz, 

Eine neue Modifikation des Abbe'schen Zeichenappairates. 
Von Dr. med. W. Bernhard. Zeitschr, f. mssenschaftl, Mikroskopie. 8» S. 291, (1891.) 
Bei allen Zeichenvorrichtungen, die dazu dienen, das mittels eines optischen 
Instrumentes gesehene Bild reell oder virtuell auf eine ausserhalb des Instrumentes be- 
findliche Fläche zu projiziren, um es auf diese Art zeichnen zu können, spielt eine sehr 
wesentliche Rolle das Helligkeitsverhältniss von Zeichnung und Bild. Bei dem bekannten 


1) S. ,,Abbe. Verwendung des Fluorits f. opt. Zwecke **. Diese Zeittckr, 1890. S. 1. 


ZwtflAw Jahi«aiig. Hin 1892. RkfbratB. 107 


von Zeiss hergestellten Abbe'sclien Apparat znm Zeichnen der mikroskopischen Bilder 
(welcher sich übrigens ebensogut bewfthrt hat zum Abzeichnen der mit einem Fernrohr 
sichtbaren Bilder), sind zur Abstufung der Helligkeit der Zeichenfiftche zwischen Prisma 
und Spiegel Rähmchen angebracht, in welche man Rauchgläser verschiedener Durch- 
lltssigkeit einzeln oder kombinirt einsetzen kann. Die Helligkeit des Bildes kann bei 
diesem, wie bei den andern Apparaten nur durch Verftnderung der Weite des Be- 
leuchtungskegels modifizirt werden, wenn man, wie gewöhnlich der Fall, die Helligkeit 
der Lichtquelle nicht ftndem kann. Diese Weite des Beleuchtungsk^els hat aber beim 
mikroskopischen Sehen im Grunde eine ganz andere Funktion. Es ist deshalb eine un- 
bequeme Hemmung in dem Gebrauche solcher Apparate, wenn man auf die Moderirung 
des Beleuchtungskegels für seinen eigentlichen Zweck verzichten muss, um sie für die 
Erreichung der richtigen Helligkeit zu benützen. Man würde zwar auch hier sich damit 
behelfen können , dass man in den Diaphragmenträger des Beleuchtungsapparates Eauchgläser 
einlegt; es darf aber gewiss als eine sehr glückliche Idee bezeichnet werden, dass Verf. die 
Abstufung der Helligkeit sowohl des Bildes als auch der Zeichenfiftche vervollständigte und be- 
quemer machte, indem er einerseits zwischen Prisma und Okular, andererseits zwischen Prisma 
und Spiegel eine Serie von Bauchgläsem einschaltete und zwar nach Art der Rekoss^schen 
Scheiben bei den neueren Augenspiegeln. An ersterer Stelle befindet sich eine solche 
Scheibe, an letzterer zwei, die einzeln oder kombinirt gebraucht bezw. zurückgeschlagen 
werden können. Die übrige Konstruktion und der Gebrauch des Apparates ei-fahren 
durch diese nützliche Neuerung keine Aenderung weiter. Dieselbe wird gewiss dazu bei- 
tragen , den Apparat noch mehr in Fachkreisen zu verbreiten , indem er eines der Haupt- 
erschweiiiisse in seinem Gebrauche beseitigt. Die Einschaltung einer drehbaren Scheibe 
mit Rauchgläsern zwischen Prisma und Spiegel, also nach der Zeichenfläche zu, hat nach 
einer Mittheilung von Henking (a. a. 0. S. 295) auch Winkel neuerdings vor- 
genommen. Cz. 

• 

Bn einÜBiches Mittel, um die Zentrinmg von Ifikroskopobjektiven zu berichtigen. 
Von C. I. A. Leroy. Gompt Bend Ji3. S. 689. (1891,) 

Ausser dem von den Verfertigem optischer Instrumente angewandten Verfahren,^ 
„welches besondere Einrichtungen erfordere^, kennt Verfasser nur diejenige Prüfung, bei 
welcher beobachtet wird, ob die Lage eines im Gesichtsfelde des Mikroskops erscheinenden 
Punktes sich ändert, während die Linsen des Objektives von einander geschraubt werden. 
Diese Prüfungsweise ist, wie er sehr richtig bemerkt, ganz illusorisch, weil sie voraus- 
setzt, dass die Gewinde der Linsen ihrerseits absolut zentrisch seien. 

Die vom Verfasser vorgeschlagene Methode beruht einerseits auf der bekannten 
Erscheinung, dass ein Linsensystem von einem dies- oder jenseits desselben gelegenen 
leuchtenden Punkte durch kombinirte Reflexionen und Brechungen zahlreiche Bilder ent- 
wirft. Es lassen sich andererseits die folgenden Sätze mathematisch beweisen: „Wenn 
die Oberflächen eines Objektives Rotationsflächen und untereinander zentrirt sind, dann 
liegen die katadioptrischen Bilder eines auf der Axe gelegenen Punktes alle auf dieser 
Axe. Wenn auch das Auge des Beobachters sich auf dieser Axe befindet, werden ihm 
diese Bilder genau übereinander liegend erscheinen. Wenn das Auge sich seitlich be- 
findet, werden dieselben in einer geraden Linie zu liegen scheinen. Die Bilder bilden 
auch dann eine gerade Linie , wenn die Verbindungslinie des Auges mit dem leuchtenden 
Punkte die Axe schneidet. Wenn jedoch eine der Flächen dezentrirt ist, so werden die 
von ihr herrührenden Bilder aus der gemeinsamen Linie der andern herausti-eten und auf 
diese Weise kenntlich werden.^ 

Zur Ausführung seiner Methode bedient sich Verfasser einer Lampe und eines 
ebenen Augenspiegels. Er hält das Objektiv in der Hand, die Okularseite gegen sich 
gerichtet, die Objektivseite von der es tragenden Hand beschattet. Er richtet nun das 
Licht gegen das Objektiv, wie znr Untersuchung eines Auges. Man findet leicht die- 


108 RBraiükTt. 2uTscudur9 w-tht IvatRüittmjncDsog 


jenige Stellang, bei welcher die Bilder wie oben angegeben aufeinander liegen oder sich 
in einer geraden Linie aneinander reihen, wenn das Objektiv gut zentrirt ist. Im andern 
Falle treten einige der Bilder aus der Linie heraus, sodass diese gebrochen erscheint. 
Im Grenefalle ist die Linie nicht grade eine gebrochene, sondern scheint nur gewisser- 
maassen weniger starr zu sein und gerade für die Wahrnehmung eines solchen Aussehens 
ist das Ange sehr empfindlich. Hierin ist nach der Meinung des Verfassers auch die 
Empfindlichkeit und der Werth der ganzen Methode begrtlndet. 

Um ganz sieher zu gehen, wiederholt man die Prüfung, nachdem man das Objektiv 
ein Stück nm seine Axe gedreht hat. 

Referent hat die oben beschriebene Methode schon vor einer Reihe von Jahren 
bei Femrohrobjektiven und anderen Systemen grösserer Oeffnung angewandt. Linsen- 
systeme von kleiner linearer Oeffnung werden bekanntlich in den deutschen Werkstätten 
meistens so auf ihre Zentrirung geprüft, dass man erst die oberste Linse allein anf einer 
gut laufenden Spindel in rasche Rotation versetzt und dabei beobachtet, ob das Reflex- 
bild irgend eines hellen Gegenstandes, z. B. des Fensters, gegenüber der Linse bezw. 
deren Fassung ruhig zu stehen scheint. Wenn dies konstatirt bezw. erreicht ist, wird 
die darauf folgende Linse mit ihrer richtigen Fassung auf die erste aufgeschraubt und 
in der gleichen Weise verfahren; und so fort mit den übrigen Linsen. Cz. 

üeber eine neue Anwendung des Lange'schen Oasvolumeten. 
Von J. A. Müller. Ann. de Chem. et de Phys TL 24. S. 570, {1891.) 
Der vom Verfasser vorgeschlagene Apparat hat den Zweck, dass man sich bei 
gasometrischen Bestimmungen, welche längere Zeit in Anspruch nehmen, von den während 
dieser Zeit etwa eintretenden Aenderungen im Barometerdruck und in der Temperatur 
unabhängig macht. Der Apparat soll besonders dann Anwendung finden, wenn man, 
wie bei der Dampfdichtebestimmung nach V. Meyer oder der Kohlensäurebestimmung nach 
Seh ei hier, die Gase, also hier Luft oder Stickstoff, zunächst Über Wasser auffangen 
muss. Dieselben werden in einem oben mit Hahn verschliessbaren Rohre gesammelt, 
welches unten mit einem mit Wasser gefüllten Niveaurohr kommunizirt ; die Wassermenge 
in letzterem kann durch eine einfache Vorrichtung vermehrt 'oder vermindert werden. 
Das zum obei*en Ende des Hahnrohres führende Rohr trägt seitlich ein mit Wasser ge- 
fülltes Manometerrohr, dessen offenes Ende mit einem dem Gasentwicklungsapparat in 
seinen Abmessungen möglichst gleichen, mit Luft gefüllten Apparat verbunden ist. Hat 
sich nun während der Bestimmung der Barometerdruck oder die äussei*e Temperatur ge- 
ändert, so zeigt sich, wenn das Wasser im Hahnrohr oder Niveaurohr gleich hoch steht, 
im Manometer eine Standänderung. Durch Heben oder Senken des Wasserspiegels im 
Niveaurohr wird diese wieder ausgeglichen und nun kann das aufgefangene Gas in das 
Lunge* sehe Gasvolumeter übertragen werden. F, 

Heues Präsiuonswaagen-System fftr beschleunigte Wägungen. 

Von V. Serrin. Compt rend, 112. S. 1299, (1891.) 

Während beim Wägen mit der üblichen Präzisionswaage kleine Gewichtsstücke 

bis zu 1 mg herunter und für die weiteren Unterabtheilungen Reitergewichte Verwendung 

finden, bezweckt das neue Waagensystem die Vermeidung kleinerer Gewichtsstücke als 

1 Dezigramm. Zugleich sollen die Wägungen selbst, welche nach der üblichen Wägungs- 
methode viel Zeit und Sorgfalt erfordern, erheblich vereinfacht und beschleunigt werden. 
Zu diesem Behufe wird an dem einen Balkenarme einer Waage das eine Ende einer 
äusserst feinen Kette befestigt, deren anderes Ende an einen Schieber angehängt ist, welcher 
sich an einer vertikalen mit Eintheilung versehenen Säule mittels eines ausserhalb des 
Waagekastens befindlichen Knopfes verschieben lässt. Die Säule ist in 100 Theile von 

2 mm Länge getheilt und die Verschiebung um ein solches Theilintervall entspricht einer 
Belastnngsänderung von 1 mg, so dass man mittels eines Nonius 0,1 mg oder auf Erfordern 


Zwölfter JakrgMg. M&rs 1892. Neu bbschzbmbnb Böohsb. 109 

noch kleinere Grössen ablesen kann. Die Kette bewirkt dabei zugleich eine erhebliche 
Dämpfung der Schwingungen des Balkens. Der Gewichtswerth eines Körpers wird 
ermittelt durch Hinzufügen der durch die Stellung des Schiebers auf der Säule an- 
gegebenen Anzahl von Zehntelmilligrammen zu dem Werthe der auf der einen Schale 
befindlichen Gewichtsstücke. 

Die Methode ist originell und dürfte für technische Wägungen mit Vortheil ver- 
wendbar sein; ob jedoch für Wägungsgenauigkeiten von 0,1 mg und darunter die Ketten 
in hinreichender Gleichartigkeit hergestellt und erhalten werden können, müsste durch 
die Erfahrung bewiesen werden, 

Uebrigens werden die Eingangs erwähnten Vortheile dadurch in Frage gestellt, 
dass nach unserer Quelle die Tarirung der zu bestimmenden Gewichte bis auf ungefähr 
Img erfolgen soll, wenn anders nicht ein Druckfehler vorliegt. Ausserdem aber tritt in der 
vorliegenden Mittheilung eine unrichtige Schätzung der Schwierigkeiten zu Tage, mit 
denen die Ausführung einer Präzisionswägung verbunden ist. Diese Schwierigkeiten 
liegen doch wahrlich nicht in der Bestimmung der augenblicklichen Gleichgewichtslage 
der üblichen Präzisionswaage. Da, wo es sich nur um die Bestimmung der letzteren 
bis auf Werthe von der Ordnung der Zehntelmilligramm handelt, kann die Wägungs- 
Operation an sich nur dann „zeitraubend und mühsam^ werden, wenn man Waagen von 
zu hoher Empfindlichkeit anwendet. Pensky, 


UTeu erscUenene Bacher. 

Die ührmacherkunst und die Behandlung der Präzisionsuhren. Von E. Gel eich, Direktor 

der K. K. nautischen Schule in Lussinpiccolo. 640 Seiten. Mit 249 Abbildungen. 

Wien, Pest, Leipzig. A. Hartleben's Verlag. M. 10,00. 

Vorliegendes Werk gehört einer jetzt zur Herausgabe gelangenden Sammlung 
mechanisch- technischer Werke an, die sich der allgemein bekannten chemisch-technischen 
und der elektro> technischen Bibliothek derselben Verlagsbandlung anschliessen soll. — 
Verfasser wendet sich mit seinem reichhaltigen Buche nicht an die Uhrmacher allein, 
sondern an alle die zahlreichen Fachkreise, denen eine Kenntniss des Uhrmechanismus 
in ihrem Beruf von Nutzen ist, z. B. Astronomen, Nautikern, Hydrographen, Forschungs- 
reisenden, Besitzern von Präzisionsuhren u. s. w. 

In den ersten Kapiteln werden die zur Zeitbestimmung nöthigen astronomischen 
Vorkenntnisse sowie die einfacheren Methoden der Zeitbestimmung durchgenommen; hierauf 
folgt die Erörterung einiger physikalischen Grundbegi'iffe und Gesetze, so des Parallelo- 
gramms der Kräfte, des Hebels, der schiefen Ebene, des Pendels u. s. w.; auch aus dem 
Gebiete des Magnetismus und der Elektrizität werden einige Grundlehren, die dem Uhr- 
macher bei der Entmagnetisirung magnetisch gewordener Uhren, sowie bei seinen galvano- 
plastischen Arbeiten (Versilbern und Vergolden) von Nutzen sind, auf etwa 10 Seiten 
vorgetragen. Bei der Behandlung dieser in die Uhrmacherkunst einschlagenden Disziplinen 
ist ja manches recht Wichtige nur ganz kurz abgemacht; vom Trägheitsmoment ist z. B. 
nur die Definition gegeben, immerhin wird es meist genügen, um den Leser einiger- 
maassen über den betreffenden Gegenstand zu orientiren, eventuell ihm auch verschiedenes 
damit in sachlichem Zusammenhang Stehende in's Gedächtniss zurückzurufen. Kaum für 
nöthig hätten wir dagegen die Hereinziehung der fundamentalsten optischen Gesetze ge- 
halten, weil sie nur durch den Umstand, dass die Uhrmacher sich häufig der Lupen 
bedienen müssen, veranlasst ist; auch der Pflege des Auges werden einige Worte gewidmet. 

Von praktischerer Bedeutung sind die folgenden recht ausführlichen Kapitel über 
die wichtigsten in der Uhrmacherei verwendeten Metalle und Edelsteine, wobei auch die 
in Deutschland und in Oesterreich geltenden gesetzlichen Vorschriften über den Feingehalt 
von Gold- und Silberwaaren aufgeführt sind, und das Kapitel über die Schmiermittel. 


110 VsBSlNS- UND PsBSONKNNACHBlCHTEiT. ZBiTtCBKirT FÜR IxeTKüicnrruncospk 


Der zweite Theil des Werkes giebt eine allgemeine Beschreibung der drei Uhren- 
Typen: Pendeluhr, Taschenuhr und Stutzuhr, während ein späterer, der vierte Theil 
eine detaillirte Beschreibung von Uhren verschiedener Konstruktion (z. B. verschiedener 
Hemmungen) liefert. 

Der wichtigste und auch umfangreichste Theil des Buches — 244 Seiten — ist 
der dritte, welcher die ^eigentliche Uhrmacherkunst^, d. h. die Theorie enthält. In flinf 
Abschnitten werden darin die Lehre von den Eingriffen, die bewegende Elraft des Uhr- 
werks, die Regulatoren der Bewegung, die Kompensation und die Hemmungen behandelt. 

Im fünften Theil ist von der Begulirung und Behandlung der Präzisionsuhren die 
Kede, im sechsten von der Verbindung der Uhr mit anderen Mechanismen (Schlagwerke, 
Repetiruhren , Kalenderwerke, Weckeruhren, Sekuudenschläger u. s. w.) und im siebenten 
Theil von den elektrischen und pneumatischen Uhren, worauf noch einige Tabellen folgen. 

Hervorzuheben ist die Wissenschaftlichkeit, mit welcher Verfasser die verschiedenen 
Vorrichtungen und Mechanismen erörtert und begründet, und die Anschaulichkeit, welche 
er einerseits durch zahlreiche Figuren, andererseits durch Beibringung vieler zahlenmässig 
durchgeführter Beispiele und Aufgaben zu erreichen sucht. Aus der grossen Menge von 
Konstruktionen der verschiedenen Uhrtheile, wie der Kompensation, der Hemmung, des 
Schlagwerkes u. s. w. wählt er die typischen zur Besprechung aus; immerhin ist es 
noch ein äusserst reiches Material, welches dem Leser geboten wird. 

Nicht Alles ist gleich leicht verständlich, und mancher Leser wird das eine oder 
das andere Kapitel überschlagen müssen, weil darin schon tiefere mathematische Kennt- 
nisse vorausgesetzt werden. Um in solchen Fällen Jedermann klar zu werden, hätte 
Verfasser in der Darstellung viel zu breit werden müssen. Hier muss der weniger vor- 
gebildete Leser auf die Ableitung verzichten und sich mit dem' Resultat begnügen. 
Mitunter, z. B. Seite 201, könnte jedoch der Text etwas klarer gehalten sein; dazu 
kommt hier noch, dass die zugehörige Figur 71 geometrisch nicht ganz richtig gezeichnet 
ist. Während nämlich die Kreisbogen B g und B t von gleicher Länge sein müssen , ist 
letzterer etwa anderthalb mal so lang als ersterer; auch stehen die Zykloidenbogen auf 
der Kreisperipherie nicht senkrecht, wie es der Fall sein sollte, sondern treffen unter 
spitzen Winkeln bis zu 30° auf sie! Diese Fehler finden sich noch bei mehreren 
Figuren vor. Für Epicykloide ist — allerdings nur in diesem Kapitel — fälschlich bald 
Epycykloide, bald Epycikloide geschrieben. Die Ludol fische Zahl tz ist auf S. 77, 
wohl nur in Folge eines Druckfehlers, gleich 3,14157 statt gleich 3,14159 angegeben. 

In einzelnen, meist nebensächlichen Dingen lässt sich an dem Buch wohl manches 
verbessern, als Ganzes genommen ist es ein empfehlenswerthes Werk, welches den Leser 
gewiss vollauf befriedigen wird. Kn. 


Vereins- und Persenennaehrlchten. 

Dentsche Oesellsehaft fftr Mechanik und Optik. Abtheilung^Berlin. 
Sitzung vom 2. Februar 1892. Vorsitzender: Herr H. Haensch. 

Herr Dr. A. Miethe sprach Über ein von ihm konstruirtes photographisches Tele- 
objektiv. Der Vortragende wies darauf hin, dass die Anforderungen mit Bezug auf 
Lichtstärke sowie Beseitigung der Aberrationen für die Photographie nicht so wesentlich 
seien wie bei den Fernrohrobjektiven; auch die Achromasie brauche nur für die chemisch 
wirksamen Strahlen erreicht zu sein. Hingegen sei ein grosses Gesichtsfeld und bei 
fernen Gegenständen genügende Bildgrösse nothwendig. Bis jetzt habe man auf 
drei Wegen zu diesem Ziele zu gelangen versucht, durch nachträgliche Vergrösserung 
des auf der Platte befindlichen Bildes, durch Anwendung grosser Brennweiten und durch 
Anbringung eines Femrohres vor der Kamera. Das erste Verfahren sei nur soweit an- 


Zweiter Jfthrgang. Mftfx 1892. 


PatbmtschaU. 


111 


wendbar, als das körnige Gefüge der lichtempfindlichen Schicht nicht störe, das zweite 
führe zu unpraktischen und theilweise unmöglichen Abmessungen der Kamera, das letzte 
aber sei zu verwerfen , weil der photographische Apparat unhandlich werde und ausserdem 
Femrohrobjektive nur für die in der Mitte des Gesichtsfeldes liegenden Strahlenbüschel 
korrigirt sein können. Der Vortragende hat die vorliegende Aufgabe durch eine Zu- 
sammenstellung von zwei Linsensystemen gelöst. Das vordere besteht aus einer konkav- 
konvexen Flintglaslinse und einer plankonvexen Kronglaslinse; das hintere aus einer 
bikonkaven Linse von Flintglas, einer plankonvexen von Kronglas und einer plankon- 
kaven von Flintglas. Die zusammengehörigen Linsen sind aneinander gekittet, eo dass 
Lichtrefiexe möglichst vermieden werden. Das konkave System hat eine kürzere Brenn- 
weite als das konvexe, beide sind gegeneinander verstellbar. Auf diese Weise kann man 
eine beliebige Länge der Kamera anwenden und die Vergrösserung in weiten Grenzen 
verändern. Der Vorti'agende zeigte dies an einem Apparate, welcher mit einem Objektive 
seiner Konstruktion versehen war; durch Vertauschung desselben gegen ein gewöhnliches 
Objektiv sowie durch Vorführung von Bildern desselben Gegenstandes, welche auf diese 
beiden Arten aufgenommen waren, führte er die Vortheile seiner Konstruktion vor Augen. 
Hierauf beschäftigte sich- die Versammlung mit einigen technischen und juristischen 
Fragen. Blaschke, Schriftführer. 

Verein Berliner Mechaniker. 

In der Sitzung am 3. Februar hielt Herr K. Friedrich einen Vortrag über die 
Reicher sehe Methode der Herstellung von Normalen für das Gewinde der deutschen 
Feinmechanik und Elektrotechnik. An der Hand von schematischen Zeichnungen, Ta- 
bellen und Vorlagen der bei der Herstellung verwendeten Werkzeuge und Messinstrumente 
erläuterte der Vortragende die Erzeugung der vorgeschriebenen Schraubensteigungen, ihre 
Regulirung und die Kopirung von Gewinden. Die Ausführung war wegen der grossen 
Masse des aus den Gewindegängen herauszunehmenden Materials und der in Folge dessen 
auftretenden starken Durchbiegung sehr schwierig; hierzu traten die sehr hoch gestellten 
Anforderungen an die Genauigkeit. Daher war es nöthig, einen besonderen Dickenmesser 
zu konstruiren, da die in der Messtechnik vorhandenen Mittel nicht ausreichten. (Vgl. 
über denselben diese Zeitschrift 189 J^, S, 50.) Der Vortragende erklärte die Konstruktion 
durch Skizzen und am Instrument selbst. Mit der Besprechung und Vorlage von Ge- 
windebohrern und Schneideisen schloss der Hedner seinen Vortrag, an den sich eine 
eingehende Diskussion über andere, der KeicheT sehen ähnliche Kopirmethoden und den 
Pistor & Martins' sehen Schraubenerzeugungs- und Kopirapparat knüpfte. 


Patentschau. 

Ertheilte Patente. 

Plattenwechselvorrichtung für photographische Kassetten mit ausziehbarem, mit einem Balg umgebenen 
Piattenicasten. Von R. Krügeucr in Bockenheim bei Frankfurt a. M. Vom 8. November 
1890. Nr. 57137. Kl. 57. 
Diese Vorrichtung ist für solche Kassetten be- 
stimmt , welche einen ausziehbaren und von einem Balg f- 
oder Beutel umgebenen Plattenkasten besitzen. Sie be- 
steht in der Anordnung einer Schiene e, welche beim 
Ausziehen des Plattenkasteus a aus der Kassette c die 
obere Platte zurückhält und auf den Boden der Kassette 
fallen läset. Beim Einschieben des Kastens in die Kassette wird sich die Platte unter die 
übrigen Platten schieben. 




HssMchraubeBlehre mit LochntitVKrIcbtiing. Von Sautter & Mesaner in Ascfaaffeubnrg. Vom 
7. Februar 1891. Nr. 58336. Kl. 47. 
^ Die Meesachrnubenlehre tr&gt eine mit der Schraube fest 

verbundene Scheibe A, die einen auf Cgieitenden Sr.hieberäin 
der Kicbtang der Schraubenaxe bewegt. Mit Schieber B ist eine 
Spitze D verbunden, die der Spitze E der Schrauben! ehre ent- 
gegengesetzt ist. Die Dicke von Körpern wird mittele der 
Schranbe, die Weite von Löchern mittels der beiden Spitzen in 
der Weise gemeseeu, daas man die ganzen Millimeter anf dem 
Schieber, die Theile auf der Scheibe abliest. 
Von Fr. Lux in Ludwigehafen a. Rhein. Vom 10. Fe- 
bruar 1891. Nr. 58337. Kl. 42. 

Das mit dem Schenkel B kommunizirende HauptgeräsH A ist mit 
Quecksilber gefüllt, w&hrend sich über diesem im Schenkel B und dessen 
Verjüngung C eine spezifisch leichte Flüssigkeit befindet Der bei D ein- 
tretende Gas- oder Dampfdruck hebt im Schenkel B das Quecksilber und 
mit diesem die leichte Flüssigkeit, deren Bewegung im verengten Theile C 
sich vergrÖBsert darstellt. 

Probenebner für Hlasigketten. Von Houemann u. L. Mejer in Hannover. 
Vom 22, November 1890. Nr. 58488. KI. 42. 

Die Vorrichtung hat den besonderen Zweck, aus einer Flüssigkeit 
mit spezifisch verachiedeu schweren Schichten Proben zu nehmen. Das 
oben offene und unten geschlossene Rohr ist au der Seite mit LQcbem 
versehen, die durch einen gelochten Schieber oder eben solche Röhre ge- 
öffnet und geschlossen werden könneu. 
Apparit iitr Darstellung voa Pianetenaofalalfea. Von Ed. Naumann in Konstantinopel. 

Vom 18. April 1890. Nr. 58775. Kl. 42. „ . ... 

■^ Zwei gegen einander 

geneigte, je eine Planeten- 
bahn darstellende Kreise ii 
und u' drehen sich in ^^^ 
gleichem Sinne mit ver- ^^ß 
Bchiedenen tieschwhidigkeiten. Ein 
mit Schreibstift X versehener Zeiger y 
ist durch die Bolzen ic ausiiehbu 
mit den beiden Kreisen verbunden, 
so dass beim Bewegen der Vor- 
richtung der Stift j: auf den das Himmelsgewölbe darstellenden Zylinder A diePlanetenschleifenzeichneL 
Vorrichtung lum aelbthätlgcn Meaaen von FIDuig- 
kaitd. Von K. Berend in Warschau. 
Vom 26. Oktober 1890. Nr. 57577. Kl. 42. 
Die abzumessende Flüssigkeit wird ver- 
mittels des Gnmmiballes /' aus der Flasche il 
durch das sich theilende Rohr L in das Qefkss £ 
gedrückt Das eine Rohr mundet am Boden 
des Oefasses E, das zweite, H, ist heberförmig 
gekrümmt und taucht mit seinem freien, spitzen 
Ende in das eigentliche MessgefÜss Q, das oben 
offen , unten durch einen Hahn n geschloasen 
ist. Der Ueberachuss der emporgedriiekten 
Flüssigkeit fltesst einerseits ans E durch den in 
den Boden desselben mündenden Theil der 
Röhre L, andererseits aus dem MesageflUa G 
durch den Heber // ab. Durch Oeffuen des 
Hahnes a wird die abgemessene Flüsngkeit 
durch b abgelassen. Diese Einrichtung wurde 
h bereits der deuUchen Uesellschart für Mechanik und Optik (Abtb. Berliut 
234.) 



iw/^//^^^^////w^^//M 



durch Herrn H. 

ia iwei Ausführungen vorgelegt (Vgl. dkae ZeiUchr. tS'Jt. 


Zwölfter J«hrgaDg. Man 1892. 


Patentschau. 


113 


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Pbotographlsche Kamera mit verstellbarem Objektivkasten. Von R. Stirn in Berlin. Vom 14. De- 
zember 1890. Nr. 57432. Kl. 57. 

Die Kamera ist mit einem verstellbaren Objektivkasten A versehen , um als Kamera für 

Stcreoskopaufnafamen , einzelne grössere Bilder (z. B. 
Kabinetbilder) und kleinere (z. B. Visitbilder) neben ein- 
ander zu dienen. 

Durch die Verschiebung des Objektivkastens wird 
das eine Objektiv in die Mittelaxe der Kamera . gerückt, 
die für Stereoskopaufiiahmen erforderliche Theilwand h 
in dem freien Raum des Plattenkastens B umgelegt, und 
gleichzeitig werden an beiden Seiten Blendplatten cund d 
selbthätig gehoben, welche die Platte im Kabinetformat 
begrenzen. Bei Aufnahmen in Visitenkartenformat treten 
die beiden Objektive nach einander in Wirkung, während 
der Objektivkasten die für die Stereoskopaufnahmen 
passende Lage hat; die Objektive sind deshalb ausser mit 
dem für Moment- und Zeitaufnahmen verwendbaren Ver- 
schluss noch mit besonderen Blendschiebem u und v versehen. 

Wärmeregler, wetciier auf der Ausdehnung von Flüssigkeiten be- 
ruht Von H. Rohrbeck in Berlin. Vom 21. No- 
vember 1890. Nr. 58015. Kl. 42. 
In dem (xefäss A und dem T-Rohr B befindet sich 

die bei C, D und E durch Quecksilber abgesperrte Flüssigkeit, 

die, wenn Hahn F geschlossen und Hahn Ö offen ist, bei H 

den Durchfluss des Gases absperren kann. Das genaue Ein- 
stellen auf eine bestimmte Temperatur findet bei geschlossenem 

Hahn Q statt, während Hahn F offen und der Theil A der zu « _ m 

regulirenden Temperatur ausgesetzt ist. Die gerade nöthige ^(KJU j^ 

Flüssigkeitsmenge füllt sich dann, vorausgesetzt dass sich 

davon genügend viel im Trichter J befindet, von selbst ein, l s= 

indem sie das Quecksilber in der Röhre K vor sich herschiebt 

und entweder aus / nach B oder umgekehrt tritt. Hat das 

Quecksilber die Röhre K ganz verlassen, so steigt die Flüssig- 
keit beim Uebergang des Kapillarrohrs in das erweiterte Ge- 

fäss in Tropfen durch das Quecksilber (in E oder J) empor. 

Entfernungsmesser, aus einem Doppelfernrohr gebildet. Von H. v. 

Krottnaurer in Berlin. Vom 29. August 1890. 

Nr. 57965. Kl. 42. 

In einem Doppelfemrohr AB erscheinen durch Ver- 
deckung der einander zugewendeten Halbkreisfiächen von einem entfernten Punkte zwei Bilder. 
Während man nun das eine Bild genau in die Sehaxe des einen Rohres stellt, weicht das andere 
von der zu ihm gehörigen Axe etwas ab und es gilt 
nun, diesen Abstand zu messen, um alsdann durch 
Multiplikation mit einer Konstanten oder durch einen 
Maassstab die Entfernung direkt zu erhalten. Um ge- 
nauere Zahlen zu bekommen, wird durch eine Schraube C 
und eine Zahnstange Z> ein Schieber vor das Glas des 
Rohres geschoben, in welchem Bild und Sehaxe nicht 
zusammen fallen. Hat der Schieber das Bild erreicht, 
so ist durch eine Friktionsscheibe E die Verschiebung 
vervielfältigt auf den eingetheilten Mantelrand eines 
stumpfen Kegels übertragen worden, so dass die Ent- 
fernung direkt abgelesen werden kann. Da verschiedene 
Augen sich verschieden verhalten, so stellt man das 
Instrument erst für das betreffende Auge vermittels der Schraube F ein, durch deren Bethätigung die 
Friktionsscheibe ihre Bewegung entweder mehr nach der Spitze oder mehr nach dem Rande des 
Kegels zu überträgt. — Die Konstruktion erscheint etwas problematisch. 





1 Glasgow, 
om 12. Ok- 


VarHchtmg zum Hessm oder Aiwtiea voi Eotrenmigtii und Winkelii. Von A. Barr 
Grafschaft Lanark, und W. Strond in Leeds, Grafschaft York, England, 
toher 1890. Nr. 58778. Kl. 42. 

Zirei optische Inatrumente A und B (Fig. 1) mit Doppel reflexionsprismeti 
werden in der Weise angewandt, dass an einem Ende der Grundlinie mittels 
des durch ein Prisma koirigir- 
harcn Prismeninstruments ein 
bestimmter Winkel OBA ab- 
gesteckt und das am andern 
Grundlinieneu de befindliche In- 
Btrument A (Fig. 2 nnd 3) durch 
Drehung eines Refraktionspris- 
mas .1/ für den der Entfernung 

3if :JIA jgg 2ielB entsprechenden Win- 

''"•^- ^'^-^ kel OAB eingestellt wird. Die '''«■^■ 

Winkelstellung des Prismas M wird an der Rtngskalc Q abgelesen und ergiebt auf diese Weise 
die Entfernung des beobachteten Objektes. 

Zirkel zum Aareiuen der Mitte iwleohea iwel Parkten. Von K. Oertel in Hamm i. W. Vom 
2. April 1891. Nr. 59032. Kl. 42. 

In Folge der Zahn Verbindung c bewegen sich die beiden Zirkel- 
Echenkel b b glcichmässig nach innen und aussen. Senkrecht zur Be- 
wegungsfläche beider ist der Anreissstift / beweglich angeordnet, ao 
dass er stets die durch die Schenkel b abgemessene Strecke in zwei 
gleiche Theile theilt. 




Elektrieoher UndrahungMHielger. Von Siemens & Halske in Berlin. 
Vom 19. Februar 1891. Nr. 59129. Kl. 21. 
Von der zu messenden Maschinen welle aus wird eine Magnct- 

maschine angetrieben, die eine Welle mit cizenirischen Scheiben dreht, 
auf denen Stromschlusshebel schleifen. Diese kommen bei der Drehung der Maschinenwelle 
nach einander mit dem Stromsammler der Magnetmaschiue in Berührung und senden zur Belhü- 
tigung der Anzeigevorrichtungen eine der Umdrehungsgeschwindigkeit der Maschinenwelle ent- 
sprechende Anzahl von Stromstössen durch die zu den verschiedenen Empfangsstationen fuhrenden 
Leitungen. 

TheraoelektrlBche Sinle. Von B. J. Giilchcr in Berlin. Vom 12. Oktober 1890. Nr. 59693. Kl. 31. 
Bei therm oelektrischen Säulen, die aus einer Anzahl um einen gemeinschaftlichen Heiz- 
räum angeordneter Elementenreihen bestehen, nimmt die elektromotorische Krait der einzelnen 
Reihen mit der Entfemong von der Wärmequelle all. Sind nun die inneren Widerstände der 
einzelnen Elemente aämmtlich gleich, so wird bei einer Vermehrung der Reihen über eine ge- 
wisse Anzahl hinaus die Nutzleistung der Säule, welche gleich ist dem Quadrate der elektro- 
motorischen Kraft derselben, dividirt durch ihren vierfachen inneren Widerstand, abnehmen, anstatt 
zu wachsen. Um diesen Uebelstand zu vermeiden und die Ausnutzung der Wärme des Heiz- 
raumes bis auf das Aeusserste zu ermöglichen, verringert der Erfinder den inneren Widerstand 
der Elementenreihen in demselben Maaase, wie die elektromotorische Kraft mit der Temperatur 
des Heizraumea abnimmt, indem er z. B. die Elemente mit wachsender Entfernung von der 
Wärmequelle höher werden lässt. 

Veratellbarar SohraubenedilDeseL Von Ang. Rohde in Gross -Königsdorf bei Köln. Vom 
9. April 1891. No. 60386. El. 47. 

Bei dem verstellbaren Schraubenschlüssel liegt die 
Mutter / der Spindel b innerhalb eines durchgehenden ScbliUei 
des einen Klemmbackenträgers A, der seinerieits wiederum von 
dem zweiten Klemmbacke nträger D vollständig umschlossen wird, 
während die Mutter / der Spindel h durch eine Bohrung des 
äusseren Klemm backeuträgers D hindurchgeht nnd diese Bohrung 
vollkommen schliesst, sodass Verunreinigungen von aussen nicht 
zur Spindel gelangen können und dieser ein guter Gang dauernd 
erhalten wird. 


ZwOIfUr Jahrgang. Ulrz 1892. 


Patbntschac. 


115 



Vorrichtung an Kopf^ohrauben zum Schutze gegen unbefugtes Lösen. Von Ad. Baumann in Berlin. 
Vom 20. Dezember 1890. Nr. 60130. Kl. 47. 

Auf die ausgedrehte oder ausgefräste, mit einem Schlitz versehene Oberfläche des 
Schraubenkopfes wird, nachdem die Schraube eingeschraubt ist, ein Plättchen aus weichem 
Metall aufgelegt, welches, nachdem ein Kontroistempel aufgeschlagen, den Schlitz zudeckt, so 
dass ein Lösen der Schraube ohne Verletzung des Stempels unmöglich ist. Der Schraubenkopf 
hat einen umgelegten Hand, welcher zur Aufnahme des Plättchens aus weichem Metall dient. 

Zusammenlegbarer Zirkel zur Bestimmung von Entfernungen auf Karten. 

Von Wilhelm Graf von Württemberg, Herzog von Urach in 
Berlin. Vom 16. Juni 1891. No. 60665. Kl. 42. 

Der eine Schenkel dieses Zirkels trägt einen drehbaren 
Stab c, auf dessen längerem Theil Maassthcilungen angeordnet sind, 
welche die dem Abstände der Zirkelspitzen entsprechenden Ent- 
fernungen angeben. Der kleinere Theil des Stabes c ist so einge- 
richtet, dass er beim Zusammenlegen des Zirkels dessen beide Spitzen 
und den Führungsstift d aufnimmt, auf welchem der Maassstab bei 
der Benutzung gleitet. (Vgl. di&te Zeitschr, 189L Ä 345.) 

Schranbensicherung mit Nasenstift zwischen Bolzen und INutter. Von CI. W.Richter in Hamburg. 
Vom 4. Januar 1891. No. 60353. KI. 47. 

Die Schraubensicherung besteht aus dem mit einer Nase n ver- 
sehenen Stift üy welcher in eine Bohrung m eingeführt wird, mit der 
die Mutter M und die Schraube S versehen sind. Bei letzterer geht 
die Bohrung nicht bis auf den Grund des Gewindes. Nach Drehen 
des Stiftes a fasst die Nase n in den Gewindegang der Schraube ein, 
um ein Entfernen des Stiftes aus der Bohrung zu verhindern. Man 
kann auch mehrere solcher Bohrungen anwenden, um die Sicherung 
an verschiedenen Stellen des Umfanges anbringen zu können. 

StroboskopIscher Apparat (Schnellseher). Von 0. Anschütz in Lissa. Vom 15. November 1890. 

No. 60285. Kl. 42. 

Bei diesem Apparat sind die für das Auge des Beobachters be- 
stimmten Schauöffnungen f nicht in der Trommelwandung, sondern im 
Bildstreifen e selbst und zwar zwischen je zwei Einzelbildern angebracht. 
Die Anzahl dieser Einzelbilder ist hierbei unabhängig von der Beschaffen- 
heit des den Bildstreifen haltenden Trommelmantels. Der Apparat besteht 
aus einem von dem Ständer a mittels der Arme c getragenen Ringe h^ 
an dessen Innenseite der Bildstreifen e durch Klemmen g gehalten wird. 
Der Hing h ist zu dem Zweck um ein Gelenk d drehbar angeordnet, um 
das Umlegen der Trommel und die Drehung des Bildstreifens in vertikalem 
Sinne zu ermöglichen. 

Ausschalter. Von J. A. K. Mc. Gregor und U. Wallach in New- York. Vom 29. Oktober 1890. 
No. 60206. Kl. 21. 

Der Ausschalter besitzt einen auf einer Schiene g zusammen mit einer Stromschluss- 
platte b* verstellbaren Schieber /. Bei Verschiebung desselben in einer Richtung werden die 
Stromschlussfedern dd* durch Anlaufflächen pp gehoben und fallen auf die 
Platte h' nieder, welche den Stromschluss herstellt. Bei Zurückstellung 
des Schiebers treten die die Brücke verlassenden Schlussfedem unter die 
Anlaufflächen und werden von diesen bis zur Einstellung des Schiebers in 
die Anfangslage nach unten gehalten. Bei einer in Zwischenstellungen 
etwa eintretenden Rückwärtsbewegung würden die Schlussfedem unter die 
Platte h* treten, deren isolircnde Unterlage den Stromschluss verhindert. 
— In derselben Weise wird ein Ausschalter ausgeführt, bei welchem in 
der einen Stellung die Brückenplatte b' die in zwei Federn endigende 
Hauptleitung kurz schliesst, während in der anderen Stellung eine Verbrauchsleitung an- 
geschlossen wird. 





Kagellagtr mH auf gesondertea RiriibthRn geflihrteB Kugeln. Von U. Uonard in Providence, 
Rhode Island V. St A. Vom 18. November 1890. No. 60317. Kl. 47. 
An Kugellagern mit zylindrischen Tragflächen werden Führungen fSr die Kageln an- 
geordnet, entweder in Form von Bingen, die gegen die Aie geneigt sind, oder von sehranben- 
förmig gewundenen Bändern, um jeder Kugel auf den Tragüächen ihre eigene ßollbahn vor- 
zuschreiben und dadurch das Einarbeiten von Killen zu 
vermeiden. Bei den schraubenförmig gewundenen BSndem 
wird auch eine in sich zurücklaufende schräge Rille / 
angebracht, in welche entweder eine mit der anderen 
Hülfte in der Lagerschale laufende Kugel oder ein im 
Lager oder der Welle befestigter Bolzen greift, um der 
Kugelfnhning eine in der Aienriehtung hin- und her- 
gehende Bewegung zu ertheilen und dadurch die oben 
genannte Wirkung zu verstärken. Der Querschnitt der Kugclftihrung kann femer in der Weise 
gestaltet werden, dass sie die Kugeln auch bei Abnahme der Welle noch frei in sich festhält. 


Für die IVerkstatt. 

Neiisr Stichellwiter von A. Fabra. Mitgetheilt von K. Friedrich. 

Im vorigen Jahrgange i/i'eeer ZeitBchr. S. 76 und 350 wurde über Drehstähle von neuen 
Formen berichtet. Es möge hier eines ähnlichen Werkzeuges Erwähnung geschehen, welches von 
A. Fabra zuerst angewendet, sich mehrere Jahre hindurch bei vielen Arbeiten gut bewährt hat. 
Ein Stück AtlasBtahl ^ (s. die Figur) ist zu einer Flansche Ji ausgeschmiedet, welche bearbeitet 
und mit einem Loch versehen ist. Durch dieses wird von unten her der Thuvm C gesteckt, der 
sich mit ränem Ansatz D in ein in B eingelassenes Gesenk legt und einen Schlitz £ zur Aufnahme 
eines kleinen Stichels trägt. Der Stichel G liegt auf einer über den Tliurm gestreiften nidit 
parallelen Scheibe F und wird durch die Schraube II mit vierkantigem Kopf oder Schnitt gegen 
den Halter A gedrückt, wobei gleichzeitig der Thurm gegen den Ansatz D gezogen wird. 

Die Unparaltelität der Scheibe F soll die Einstellung 
des Stichels zur Spindelaxe erleichtem, nachdem durch die Wahl 
der Abmessungen des Halters der Stichel schon auf etwa 0,5 mm 
genau eingestellt ist. Durch Drehung der Scheibe lässt sich der 
Stichel um ein Geringes beben oder senken, jedoch darf diese Kor- 
rektur keinen hohen Betrag haben, da andernfalls die Stichel winket, 
Anstellungg- und Schncidewinkel stark verändert werden. Die Neigung 
der oberen Fläche der Scheibe zur unteren darf nicht mehr ala 
a° betragen, d. i. bei einem Durehmesser der Scheibe von 20 mm 
ein Höhenunterschied von 1 »im; dabei sind die Grenzen des Anstellungswinkels auf 7 und Ib" 
angenommen. r 

Die vorliegende Anordnung eines S(jchelhalters hat dieselben Voraügc vor den üblichen 
Drehstählen wie alle derartigen Einrichtungen (vergl, diene ZeUfchr. 1S91. Ä .Wo), besitzt aber vor 
diesen den Vortheil , dass man dem arbeitenden Stichel dieselbe günstigste Form geben kann 
wie grossen Drehstählen, Mit Hilfe besonders geformter, gekröpfter und gebogener Stichel lässt 
sich dieser Halter wohl für alle denkbaren Arbeiten verwenden, besonders hat er sieh auch bei 
der Bearbeitung von Scheiben grösserer Durchmesser auf Vorder- und Rückseite bewährt, wozu 
ihn die Drehbarkeit des Thnrms C geeignet macht. Bei der Herstellung von neuen Sticheln fiir 
besondere Arbeiten hat man in erster iJnic auf gröeste Festigkeit Rücksicht zu nehmen und dart 
gewisse Grenzen in der Längenausdehnung nicht überschreiten, weil sonst durch Vibration des 
Stichels die erzeugte Fläche inkorrekt wird. Die von der Klemmschraube auf Durchbiegung 
beanspruchte Stelle des Stichels lässt man zweckmässig blau anlaufen; es könnt«, da der Stichel 
an dieser Stelle hohl liegt, bei Glashärte ein Bruch eintreten, der so vollkommen vermieden wird. 


Zeitschrift für Instrumentenkunde. 

Bedaktions -Kuratorium : 
Geh. Beg.-R. Prof. Dr. H. Landolt, H. Haensoli, Direktor Dr. L. Loewenhen, 

▼ oriita«B4«r. Beltitaer. ■•hrlftflkrav. 


Redaktion: Dr. A« Westphal in Berlin. 


Xn. Jahrgang. April 1802. Viertes Heft. 


Beiträge zur Eenntniss der elektromotorischen Kraft des Clark'schen 

Normalelementes. 

Von 
Dr. K. Kahle in Charlottenbarg. 

(Mittfaeilung aus der Physikalisch -Technischen Reichsanstalt.) 

I. 
Die Messungen der Spannung und Stärke elektrischer Ströme werden in 
der Technik gewöhnlich auf voltametrische Bestimmungen der Stromstärke zurück- 
geführt. Letztere sind jedoch sehr zeitraubend und erfordern gute Einrichtungen, 
wenn man zu zuverlässigen Ergebnissen gelangen will. Ein ungleich einfacherer 
Weg bietet sich, wenn man Normalelemente benutzt und mit der elektromoto- 
rischen Kraft derselben die zu messenden Spannungen und die Spannungsverluste, 
welche die zu messenden Ströme in bekannten Widerständen erleiden , vergleicht. 
Dieses Verfahren besitzt dabei zum mindesten dieselbe Genauigkeit wie eine 
unter ungünstigen Verhältnissen ausgeführte voltametrische Bestimmung der Span- 
nung und Stromstärke, da die elektromotorische Kraft guter Normalelemente auf 
0,001 ihres Betrages bekannt ist und bei vorsichtiger Behandlung der Elemente für 
lange Zeit denselben Werth beibehält. Als das zuverlässigste und am meisten unter- 
suchte unter den Normalelementen muss das Clark 'sehe Quecksilbersulfatelement 
gelten. In der Reichsanstalt werden schon seit Jahren sämmtliche Messungen der 
Stromstärke und Spannung auf die elektromotorische Kraft dieses Elementes 
zurückgeführt. Es ist hier demselben seit jeher grosse Aufmerksamkeit zugewandt 
worden, und es wurden Aenderungen an seiner Form vorgenommen, die es zum 
Versand geeignet und in seinen Eigenschaften beständiger machen sollten. Bei 
dieser im Wesentlichen von Herrn Dr. Feussner unter Verwerthung von vor- 
wiegend englischen Erfahrungen zusammengestellten Form ist einmal ein gebogener 
Zinkstab verwendet, dessen vertikaler Theil durch ein Glasrohr abgeschlossen 
ist, und dessen horizontaler Theil allein mit dem Zinksulfat in Berührung tritt 
und von Krystallen überdeckt ist; zum anderen enthält das Element eine Thon- 
zelle, welche ein amalgamirtes Platinblcch als positive Elektrode und das diese 
umgebende Quecksilberoxydulsulfat einschliesst. Die Vortheile dieser Anordnung 
liegen darin, dass das Zink stets mit konzentrirter Lösung in Berührung steht, 
und dass ein Uebertreten von Zink zum Quecksilber ausgeschlossen ist. Bei den 
so hergestellten Elementen zeigten sich jedoch bisweilen Abweichungen der elektro- 
motorischen Kraft vom normalen Werth, die in einigen Fällen 0,001 desselben 
überschritten. Eine Unsicherheit in der Bestimmung der Spannungen und Strom- 
stärken von 0,001 ihres Werthes ist indess für die Zwecke der Technik nicht be- 
denklich und dürfte bei voltametrischen Messungen, wenn sie nicht mit grosser 
Sorgfalt angestellt werden, stets vorhanden sein. 

10 


118 Kahle, Clabxelemeivt. ZEmcmtirT für lNSTRCMKFrEXKtm>K. 



Um in dem Clark'schen Elemente ein Normal für die Spannung zu 
schaffen, kommt es darauf an, die Ursachen dieser Abweichungen zu finden und zu 
beseitigen. Man vermuthete, dass sie ihren Grund in Verunreinigungen der bei der 
Zusammensetzung der Elemente benutzten Chemikalien haben , und schritt daher zu 
einer Untersuchung des Einflusses derselben auf die elektromotorische Kraft des 
Elementes. Dieselbe ist allerdings noch nicht in allen Theilen abgeschlossen, 
jedoch soweit vorgeschritten, dass über die Einwirkung dieser Verunreinigungen, 
soweit sie sich in der ersten Zeit nach der Zusammensetzung der Elemente geltend 
machen, berichtet werden kann. 

Um eine systematische Untersuchung der einzelnen Theile des Elementes 
durchftihren zu können, wurde wegen ihrer leichten Herstellbarkeit diejenige Form 

gewählt, welche zuerst von Lord Rayleigh^) angegeben und als 
H-Form bezeichnet wurde. Die nebenstehende Figur 1 stellt 
etwa in Ys der natürlichen Grösse ein solches Element dar, das 
in der unten näher zu beschreibenden Weise gefüllt ist. Das 
Gefäss desselben besteht aus zwei unten verschlossenen vertikalen 
Glasröhren, welche durch eine engere, horizontale Röhre verbunden 
sind. In den Böden der vertikalen Röhren sind Platindrähte ein- 
geschmolzen, die als Zuleitungen dienen. Derartige Gefässe sind 
'*«•!• von Alb. Geissler Ww. in Berlin zn beziehen. 

Gewöhnlich wurden die, Elemente in folgender Weise zusammengesetzt. In den 
einen der beiden vertikalen Schenkel wurde destillirtes Quecksilber, in den anderen 
ein Amalgam gefüllt, welches aus 90 Theilen Quecksilber und 10 Theilen Zink 
bestand. Das Amalgam ist bei gewöhnlicher Temperatur fest; es wurde heiss 
eingefüllt und erstarrte auf dem Boden der Röhre. Sodann wurde das Quecksilber 
mit einer Paste überdeckt, welche durch Zusammenreiben von schwefelsaurem 
Quecksilberoxydul mit Quecksilber und Zinksulfatkrystallen gewonnen war; die 
benutzten Krystalle waren mit konzentrirter Zinksulfatlösung angefeuchtet, sodass 
sie einen schwer flüssigen Brei bildeten. Das Amalgam und die Paste wurden 
vorsichtig eingefüllt, ohne dass eine Benetzung der Rohrwandungen stattfand. 
Hierauf wurden in beide Röhren einige Zinksulfatkrystalle gebracht, sodass sie 
die Paste und das Amalgam überdeckten, und sodann das Ganze mit konzen- 
trirter Zinksulfatlösung überschüttet. Zum Verschlusse der Elemente wurde die 
Lösung in beiden Röhren mit einer Schicht heissen Paraffins übergössen, nach 
dessen Erkalten ein dünner Kork aufgesetzt und auf denselben eine harzige Masse 
in heissflüssigem Zustande geschüttet, welche von ihrem Verfertiger „Heylit" genannt 
wird. Dieselbe legt sich nach dem Erkalten dicht an die Glaswandungen an und 
verhindert ein Austreten der Flüssigkeit. Die Paraffinschicht ist als vorläufiger 
Verschluss für das Element gewählt, weil zwischen Paraffin und Zinksulfat keine 
chemische Wirkung stattfindet; der Kork soll das Paraffin von dem heissen Harze 
trennen, da sonst jenes beim Einfüllen des letzteren schmelzen würde. 

Das Hauptaugenmerk wurde bei der Füllung der Elemente auf die Reinheit 
des Zinkes und des Zinksulfates verwandt. Es ist zwar auch von höchster Wich- 
tigkeit, dass das benutzte Quecksilber keine fremden Bestandtheile enthält, jedoch 
ist dasselbe leicht durch Destillation oder Elektrolyse in der nöthigen Reinheit zu 
beschaffen. Das im Handel käufliche Quecksilberoxydulsulfat weist ausser geringen 


V Pliil Tram. 175, S. 4iU (1884.) 


ZwSlAer JnhTgmg. April 1892. 


Kahle, Claskelsmbnt. 


119 


Spuren freier Säure keine Verunreinigungen auf; für die Herstellung der Elemente 
wurde es von C. A. F. Kalilbaum in Berlin bezogen. Das benutzte Zink wurde 
im chemischen Laboratorium der Beichsanstalt elektrolytisch gewonnen. Das Zink- 
sulfat wurde gleichfalls von Kahlbaum bezogen; es enthält meistens noch freie 
Säure und Eisensulfat. Um dasselbe zu reinigen, kann man es solange mit reinem 
Zink kochen, bis sich aus der kalten Lösung ein weisser Niederschlag von Zink- 
oxydhydrat absetzt. Bei diesem Verfahren wird auch das etwa beigemengte Eisen- 
sulfat in Eisenoxydhydrat verwandelt und fällt als gelbbrauner Niederschlag heraus. 
Die abfiltrirte Lösung besitzt die nöthige Reinheit für die Herstellung der Elemente. 
Das zur Füllung der hier untersuchten Elemente benutzte Zinksulfat ist von Herrn 
Dr. Mylius nach einem neuen, noch von ihm zu beschreibenden Verfahren von 
fremden Bestandtheilen gereinigt. An dieser Stelle ist noch zu erwähnen, dass 
die Herren Dr. Mylius, Dr. Foerster und Dr. Fromm in allen chemischen 
Fragen diese Untersuchungen durch Rath und That wesentlich gefördert haben. 

Zunächst wurde eine Reihe von Elementen mit möglichst reinen Chemikalien 
hergestellt und daneben eine Anzahl, in welchen das Zink oder das Zinksulfat 
durch geeignete Beimengungen verunreinigt waren. In Tafel 1 (a. S. 120) soll eine 
Uebersicht über diese verschiedenen Elemente und ihre besonderen Eigenthümlich- 
keiten gegeben werden. 

Die elektromotorische Kraft der auf diese Weise hergestellten Elemente 
wurde mit derjenigen einer Reihe älterer Elemente mit Thonzellen verglichen, 
welche hier zu verschiedenen Zeiten und mit verschiedenen Materialien zusammen- 
gesetzt waren. Die letzteren Elemente wurden wieder ständig unter einander 
verglichen. Da das Verhältniss der elektromotorischen Kräfte der einzelnen dieser 
Elemente zu einander nur äusserst geringen Schwankungen unterworfen war, die 
stets unter 0,0001 blieben, so ist anzunehmen, dass sich während der Dauer der 
Untersuchung auch der absolute Werth der elektromotorischen Kraft nicht ver- 
ändert hat. Die Vergleichung wurde im Wesentlichen nach dem Poggendorff- 
sehen Kompensations verfahren ausgeführt; die Versuchsanordnung wird durch die 
beistehende Figur 2 dargestellt. Die folgenden Bemerkungen mögen zur Erläu- 
terung derselben dienen. 

Ein Akkumulator A ist dauernd durch drei hintereinander geschaltete 
Widerstände geschlossen. Der erste derselben ist ein Dosenwiderstand D von 
10 Ohm aus Mangan-Nickel-Kupfer, der zweite ein j^ 

ausgespannter Nickelindraht M von 1 wi Länge i 1| 

und etwa 0,134 Ohm Widerstand und der dritte 
ein in beliebig kleinen Abstufungen regulirbarer y^->. 
Widerstand -R. Auf dem Messdraht ist ein Gleit- iW^ 
kontakt verschiebbar, dessen Abstand von dem 
einen Ende des Drahtes auf einer unter dem- 
selben angebrachten Millimetertheilung abgelesen 
werden kann. Der Gleitkontakt führt zum Gal- 
vanometer 6r, welches mit einem Umschalter ü 
verbunden ist. U wiederum ist mit demjenigen 
Ende der Widerstandsdose D verbunden, das 
nicht am Messdraht anliegt. Je nach der Stellung der Wippe des Umschalters 
kann das eine oder das andere der zu vergleichenden Elemente, Ei und JBa, in 
diesen Stromkreis eingeschaltet werden. Dem Galvanometer vorgeschaltet ist 

10* 



120 


Kahle, Clarkslexbnt. 


ZBITSCHRirr FÜR IsrSTRrMBXTBincCVDK. 


Tafel 1. 


Bezeiclinnng 
der Elemente 


Tag 

der Herstellung 

der Elemente 

Zusammensetzung 

Behandlung 

Sonstige 

des Zinkamalgams 

der Zinksulfatlösung 

Bemerkungen. 

25. Nov. 1891 

dOHg + lOZn 

Darck Kochen mit Zink 
gereinigt 

Die Hgt 50« . Paste enthalt 
mehr Hg i\B gewöhnlich. 

desgl. 

desgl. 

desgl. 

desgl. 

doBgl. 

desgl. 

desgl. 


23. Not. 1891 

desgl. 

desgl. 


26. Nov. 1891 

Stucke grannlirten Zinks in 
Quecksilber 

desgl. 

Die HfftS0i'V%ai9 wie 
bei Nr. 1. 

24. Nov. 1891 

90Hg + 10Zn 

desgl. 


desgl. 

desgl. 

desgl. 


5. Dez. 1891 

desgl. 

desgl. 


desgl. 

desgl. 

Nach der Methode des 
Uerrn Dr. Mylios gereinigt 


7. Dez 1891 

desgl. 

Ungereinigt 


desgl. 

desgl. 

desgl. 


11. Dez. 1891 

desgl. 

Nnch der Methode des 
Herrn Dr. Mylios gereinigt 


desgl. 

desgl. 

desgl. 

Die 179b AD« -Paste be- 

desgl. 

desgl. 

desgl. 

deckt beide Elektroden. 

16. Dez. 1891 

desgl. 

desgl. 


desgl. 

desgl. 

ddZnSO^^ + lFeSO^ 


desgl. 

desgl. 

desgl. 


21. Dez. 1891 

desgl. 

Nscb der Methode des 
Herrn Dr. Mylins gereinigt 


desgl. 

desgl. 

d9ZnS0^ + lMgS0^ 


desgl. 

desgl. 

desgl. 


desgl. 

90 Hg -f 9,9 Zn -f 0,1 Mg 

Nach der Methode des 
Herrn Dr. Mylias gereinigt 

Das Amalgam enthalt 

desgl. 

desgl. 

desgl. 

Termnthlich kein Mg. 

9. Januar 1892 

90 Hg + 9,5 Zn + 0,5 Mg 

desgl. 

Amalgam frisch bereitet. 

desgl. 

desgl. 

desgl. 

Amalgam rom 81. 12. 91. 

desgl. 

desgl. 

desgl. 

Amalgam frisch bereitet. 

desgl. 

desgl. 

desgl. 

Amalgam Tom 81. 12. 91. 

13. Januar 1892 

92,8 Hg + 7,2 Zn 

desgl. 

\ Das Amalgam wnrde 
1 durch elektrolytische 

desgl. 

desgl. 

desgl. 

f Ueberftthrnog ron Zn 
in Hg gewonnen. 

desgl. 

90//i^-flOZn(lT.KahlbiMi) 

desgl. 


desgl. 

desgl. 

desgl. 


desgl. 

90Hg + dfiZn + 0fiKa 

desgl. 


desgl. 

desgl. 

desgl. 


16. Januar 1892 

90 Hg -f 10 Zn (Ziokblnh) 

desgl. 


desgl. 

desgl. 

desgl. 


desgl. 

90% + 9,5 2/1 + 0,5 0/ 

desgl. 


desgl. 

desgl. 

F 

desgl. 

7. Februar 1892 

90 Hg + 9,5 Zn + 0,5 Fe 

desgl. 


desgl. 

desgl. 

desgl. 


desgl. 

90 Hg + 9,5 Zn + 0,5 n 

desgl. 


desgl. 

desgl. 

desgl. 


desgl. 

90 //(/ + 9,5 iTn + 0,5 /l« 

desgl. 


desgl. 

desgl. 

desgl. ' 

desgl. 

92,8 //(/+ 7,2 2n(elektroljl.) 

desgl. 



Nr. 


1 
2 
3 
4 
5 
6 
7 
8 
9 

10 
11 
12 
13 
14 
15 
16 
17 
18 
19 
20 
21 
22 
23 
24 
25 
26 
27 
28 
29 
30 
31 
» 32 

n 33 

. 34 

, 35 

. 36 

, 37 

. 38 

. 39 

« 40 

. 41 

«t **< 

« 43 


Zwölfter Jahrgmng. Aprfl 1892. Kahle , Clabkelkmsnt. 121 


ein Kommutator C und ferner, um die Empfindlichkeit des Galvanometers variiren 
zu können ; ein Kurbelrheostat K, 

Bei der Messung wird zunächst das eine der beiden Elemente eingeschaltet, 
der Schleifkontakt auf einen bestimmten Punkt der Skale eingestellt und durch 
Veränderung des Widerstandes R die Stromstärke im Kreise des Akkumulators 
so regulirt, dass beim Schliessen des abgezweigten Stromkreises das Galvano- 
meter keinen Ausschlag mehr zeigt. Sodann wird das andere Element eingeschaltet 
und der Schleifkontakt so lange verschoben, bis der Galvanometerkreiß wieder 
stromlos ist. Um festzustellen, dass sich während der Messung die Stromstärke im 
Akkumulatorkreise nicht geändert hat, wird nochmals das erste Element ein- 
geschaltet; befindet sich der Schleifkontakt an derselben Stelle wie bei der ersten 
Messung, so darf beim Schliessen des abgezweigten Stromkreises in demselben 
kein Strom entstehen. Bezeichnet €i bezw. e, die elektromotorische Kraft der zu 
vergleichenden Elemente in Volt, Ui bezw. «, die entsprechenden Abstände des 
Schleifkontakts von dem der Dose D zugekehrten Ende des Messdrahtes M in 
Millimetern, w den Widerstand der Dose und d denjenigen des Messdrahts in Ohm, 
dann gilt, wenn die oben aufgestellten Bedingungen erftdlt sind, die Formel: 

ei 10 -f- 0,001 fii d 

"e^ — to -f 0,001 fij d ' 

Hieraus folgt weiter: 

0,001 (fh — wa) ^ 


w 
1-f- 0,001 nj 


«1 — ^2= 2 — ^' 


w 


Das Verhältniss djw wurde zu 0,01337 bestimmt; die Temperatur der 
Widerstände d und w ist nicht weiter zu berücksichtigen, da eine Kenntniss der 
Differenz ei — Ci auf 0,001 ihres Werthes für alle Fälle genügt; günstiger ist es 
noch, wenn beide Widerstände aus gleichem Material hergestellt werden. 

Das benutzte Galvanometer war ein Thomson'sches und besass genügende 
Empfindlichkeit, um Differenzen zwischen den elektromotorischen Kräften der 
einzelnen Elemente von 0,00001 Volt bequem messen zu können. In dem Strom- 
kreise, welcher das Galvanometer und das zu untersuchende Element enthielt, 
traten keine thermoelektrischen Kräfte in Wirkung. Verschiedentlich wurde an 
Stelle des Elementes ein Draht eingefügt und, während der Akkumulatorstromkreis 
geöfinet war, der Galvanometerstromkreis kurz geschlossen; in keinem Falle zeigte 
das Galvanometer einen merklichen Ausschlag. 

Grosse Sorgfalt wurde auf die Bestimmung der Temperatur der Elemente 
gelegt, da eine Aenderung derselben um 1 ^ einer Aenderung der elektromotorischen 
Kraft um mehr als 0,001 Volt entspricht. Um von den Schwankungen der Zimmer- 
temperatur unabhängig zu sein, wurden die zu untersuchenden Elemente und die 
Normale in einen Kasten mit doppelten Holzwänden gesetzt, der oben mit heraus- 
nehmbaren Glasfenstern versehen war. Die Zuleitungen zu den Elementen waren 
durch die Wandungen des Kastens nach Aussen geführt; die Thermometer konnten 
durch die Fenster abgelesen werden. Anfangs standen die Elemente frei in diesem 
Kasten, und es wurde alsTemperatur derselben diejenige des umgebenden Luftraumes 
angenommen. Es zeigte sich jedoch im Laufe der Untersuchung, dass diese Anordnung 
für eine genaue Vergleichung der elektromotorischen Kräfte nicht genügt; die 
Elemente wurden daher später sammt den Normalen in Erdölbäder gestellt und als 


122 


ElAHLB, CLARKKLBlCBErT. 


ZBiTSCHKirr pOr Iwnanaarrmwnnant 


Temperatur diejenige der letzteren gesetzt. Die Thermometer waren stets so ange- 
ordnet, dass sie ohne Beeinflussung der Temperatur der Bäder abgelesen werden 
konnten. Die Messungen lieferten seitdem wesentlich gleichmässigere Ergebnisse. 
, Die in Tafel 2 mitgetheilten Zahlen beziehen sich auf diejenigen Elemente, 
bei deren Zusammensetzung nur reine Chemikalien verwendet wurden. Die auf- 
geführten Elemente wurden, wie aus Tafel 1 zu ersehen, zu verschiedenen Zeiten 
hergestellt; in Bezug auf die Zusammensetzung des Amalgams weisen Nr. 5, 27, 
28, 29 imd 30 kleine Abweichungen gegen die übrigen auf. Nr. 5 enthält als 
negative Elektrode Stücke reinen granulirten Zinkes, welche durch Quecksilber 
unter sich und mit der Zuleitung verbunden sind. Das in Nr. 27 und 28 ver- 
wandte Amalgam ist dadurch gewonnen, dass man Zink durch Elektrolyse in das 
Quecksilber überführte. Hierbei diente ein von Kahlbaum als Zink I be- 
zogener Zinkstab als Anode, reines Quecksilber als Kathode und reines Zink- 
sulfat als Elektrolyt. Das so gewonnene Amalgam war gleichfalls fest, ent- 
hielt jedoch nur 7,2 Theile Zink auf 92,8 Theile Quecksilber. Das Amalgam" in 
Nr. 29 und 30 ist durch Auflösung von 10 Theilen des Kahlbaum 'sehen Zink I 
in 90 Theilen Quecksilber gewonnen. Bezüglich der Zubereitung der Quecksilber- 
oxydulsulfatpaste ist noch zu erwähnen, dass die Menge des dem Sulfat bei- 
gemengten Quecksilbers ziemlich willkürlich gewählt wurde. Man fügte soviel 
hinzu, dass die Paste nach dem Verreiben mit Quecksilberkügelchen durchsetzt 
war. Bei den Elementen Nr. 1, 2 und 5 war der Paste soviel Quecksilber bei- 
gemengt, dass sie nach längerem Reiben ein graues Aussehen erhielt. 

In Tafel 2, welche die Ergebnisse dieser Messungen darstellt, sowie in den 
weiter unten eingefügten Tafeln 3, 4 und 5 ist für sämmtliche Elemente die Ab- 
weichung ihrer elektromotorischen Kraft von derjenigen des Elementes Nr. 72 mit 

Tafel 2. 
Elemente mit reinen Chemikalien. 


Tag 

T«Ep«- 
mtiir 

1 

Elektromotorisclie Kraft von Element Nr. 72, 

vermindert um diejenige der 

der 

IMHI 

d«r IIa- 


H- Elemente in hunderttausendstel Volt 


Beob- 

E«lt« 

iB erad 






achtuDg 

Nr. 2 

Nr. 4 

Nr. & 

Nr. 6 

Nr. 7 

Kr. 8 

Xr. 12 

Hr.» 

Nr. 18 

h.V 

Kr. 2S 

Kr.» 

Nr. SO 

1891 


1 













30. Dez. 

15,4 

— 

f21 

-f-17 

+27 

— 



+19 

+15 

+17 

— 

— 



— 

31. « 

15,5 

— 

4-29 

+21 

+30 

— 


+27 

+28 

+30 

— 





— 

1892 















2. Jan. 

14,2 

— 

-f25 

-fll 

+30 

— 



+15 

+11 

— 

— 




— 

4. r, 

15,6 

— 

-f82 

4-21 

+34 

— 



4-25 

+21 

— 

— 




— 

6. n 

16,4 


— 

— 


— 



4-25 



-hl7 

— 

— 



— 

8. , 

16,4 

— 

— 


— 

— 



+25 



+15 

— 





— 

10. ., i 

16,0 

— 


— 

— 

— 



+21 



+30 

— 



— 

— 

15. . , 

14,5 

— 

— 

— 

— 

— 



— 



— 

- 4 

- 4 

- 2 

— 2 

18. r 

13,3 

— 

— 


— 







— 

— 6 

- 4 

-10 

-10 

20. . 

13,8 



— 

— 

— 

— 

.— 



— 

+ 8 

+ 4 

+ 6 

+ 6 

22. , 

13,8 

— 


— 


— 



— 



— 

+ 8 

+ 2 

+ 6 

+ « 

27. „ 

17,4 

-fl5 

— 


— 

+19 

+ 6 

— e - 

— 

+18 

+10 

+13 

+18 

28. , 

14,5 , -f 25 

— 

— 

— 

+29 

+19 

+11 


— 




— 

— 

30. , 1, 

16,1 |i -f-17 
erichied«: -f-19 i 

-1-26 


— 

+17 

-f21 

+13 



4-27 

+ i' 

— 

— 

— 

Mittel der Ünt 

-hl8 , +30 4 22 4-15 ' 4-18 ' +18 , 

+ 2 

+ 3; 

+ 8 


Zwölfter Jalirgtuigr. April 1892. Kahlr , Clarkrlement. 123 


Thonzelle in hundertausendstel Volt mitgetheilt, und zwar ist die elektromotorische 
Kraft von Nr. 72 um diejenige der einzelnen H-Elemente vermindert worden. 
Die einer jeden Horizontalreihe vorangestellte Temperaturangabe bezieht sich 
sowohl auf Element Nr. 72 als auf die H-Elemente. Wenn auch nicht sämmtliche 
Elemente unmittelbar mit Nr. 72 verglichen wurden, sondern zum Theil mit 
anderen Normalen von derselben Ausführung wie Nr. 72, so wurden diese letzteren 
doch in jedem Falle wieder an Nr. 72 angeschlossen, so dass eine leichte Be- 
rechnung den Unterschied der elektromotorischen Kraft des betreffenden Elements 
gegen diejenige von Nr. 72 ergab. Die letzte Stelle der mitgetheilten Zahlen be- 
sitzt nicht mehr volle Zuverlässigkeit, besonders wenn die Elemente nicht un- 
mittelbar mit Element Nr. 72 verglichen wurden. Bei der Vergleichung von 
Elementen, die in getrennten Bädern stehen, muss man um die hunderttausendstel 
Volt angeben zu können, die Temperatur auf hundertstel Grade kennen und sicher 
sein, dass die Bäder in der Zeit vor der Beobachtung annähernd denselben 
Temperaturschwankungen unterworfen waren. Die letztere Stelle wurde dennoch 
mitgetheilt, um die Konstanz der Differenzen der elektromotorischen Kräfte der 
einzelnen H-Elemente, welche sich in demselben Bade, also auf gleicher Tempe- 
ratur befanden, zu beweisen. 

Tafel 2 enthält nur) diejenigen Messungsergebnisse, welche man fand, als 
die Elemente in Erdölbädern standen. Für einen Theil der Elemente sind daher 
nur Zahlen mitgetheilt, welche längere Zeit nach der Herstellung derselben ermittelt 
wurden, während für die Elemente Nr. 27 bis 30 nur Messungen vorliegen, die 
einige Tage nach ihrer Zusammensetzung stattfanden. Es zeigt sich zwischen den 
für die ersten neun und den für die letzten vier Elemente gefundenen Differenzen 
gegen Element Nr. 72 ein durchgehender Unterschied, der bei Berücksichtigung 
der für jedes Element gebildeten Mittel recht deutlich hervortritt. Es lässt sich 
dies wohl nur dadurch erklären, dass die Elemente kurz nach der Zusammensetzung 
eine höhere elektromotorische Kraft haben, eine Erscheinung, die auch schon 
Lord Rayleigh beobachtete. Im übrigen zeigen die einzelnen Gruppen der Ele- 
mente eine gute Uebereinstimmung unter einander. Die grösste Abweichung 
zwischen den ersten neun Elementen, die zu verschiedenen Zeiten hergestellt 
wurden, beträgt nur 0,000 15 Volt 

Wir gehen jetzt dazu über, den Einfluss von Beimengungen anderer Metalle 
im Amalgam auf die elektromotorische Kraft der Elemente zu betrachten. Die 
positiveren Metalle als Zink, welche zu diesem Zwecke dem Amalgam beigemengt 
wurden, waren Magnesium und Natrium. Die Einführung von Magnesium in das 
Amalgam bereitete anfangs Schwierigkeiten, da sich dasselbe auch bei starker 
Erwärmung nicht in Quecksilber zu lösen scheint. Die Elemente Nr. 21 und 22 
enthalten ein Zinkamalgam, welches im heiss flüssigen Zustande lange Zeit mit 
einigen Magnesiumstücken in Berührung stand, deren Gewicht ein Zehntel des im 
Amalgam enthaltenen Zinks betrug. Das Amalgam scheint aber nichts davon 
aufgenommen zu haben. Es gelang jedoch, 10 Theile einer Legirung aus 95 Theilen 
Zink und 5 Theilen Magnesium, welche in der Werkstatt der Reichsanstalt her- 
gestellt war, in 90 Theilen Quecksilber zu lösen. Das so gebildete Amalgam 
oxydirte schnell an der Luft und wurde inhomogen. Seine Verwendung in Ele- 
menten wurde dadurch erschwert, dass es bei Berührung mit Zinksulfatlösung 
eine lebhafte Zersetzung und starke Trübung der Flüssigkeit veranlasste. Diese 
Erscheinung ist auf eine Lösung des im Amalgam enthaltenen Magnesiums im 


124 


Kahlv, Claskbleiikmt. 


ZsiTBOHRirr r0R iKSTKUlinTEdiKUXDB. 


--r- 


Zinksulfat zurückzuführen; sie tritt auch auf, wenn man Magnesium allein mit 
Zinksulfat in Berührung bringt. Das so hergestellte Amalgam gelangte in den 
Elementen Nr. 23, 24, 25 und 26 zur Verwendung. Die Elemente wurden erst 
dann verschlossen, nachdem die Gasentwicklung aufgehört hatte. Nr. 23 und 25 
enthalten ein Amalgam, das sofort nach der Zubereitung heiss eingefüllt wurde, 
Nr. 24 und 26 ein solches, das schon neun Tage an der Luft gestanden hatte; die 
Oberfläche desselben war ganz verwittert, und nur der untere Theil, welcher noch 
metaUischen Glanz hatte, wurde zur Füllung benutzt. Das durch Natrium ver- 
unreinigte Amalgam, welches die Elemente Nr. 31 und 32 enthalten, wurde in 
ähnlicher Weise aus einer Legirung hergestellt, welche nach Angaben der Werk- 
statt 95 Theile Zink und 5 Theile Natrium enthalten soll; auch hier wurden 
10 Theile der Legirung in 90 Theilen Quecksilber gelöst. Das Amalgam rief 
gleichfalls in Berührung mit Zinksulfat Gasentwicklung hervor. Mit den für diese 
Elemente erhaltenen Ergebnissen sollen auch diejenigen zusammengestellt werden, 
welche man für die Elemente Nr. 33 und 34 fand. Diese Elemente enthalten ein 
Amalgam aus 90 Theilen Quecksilber und 10 Theilen eines im Handel käuflichen 
Zinkblechs, welches hier zu Werkstattsarbeiten Benutzung findet. Die Messungs- 
ergebnisse sind in der folgenden Tafel 3 mitgetheilt. Hier wie in Tafel 4 und 5 
beziehen sich die links stehenden Angaben über Beobachtungstag und Temperatur 
nur auf die ersten zwei Elemente, die entsprechenden Angaben für die übrigen 
Elemente sind rechts aufgeführt. 

Tafel 3. 
Elemente, deren Amalgam durch positive Metalle verunreinigt ist. 


Tag 

Ttap«- 

ruinr 

Elektromotorische Kraft von Element Nr. 72, vermindert um 

T«E|M- 

ntar 

d«r II«- 

Tag 

der 

iftittl 

der lie- 

diejenige der H- Elemente in hunderttausendstel Volt 

der 

Beob. 

Eeit« 
in Qrad 


ii erad 

Beob- 

achtung 

Hr. 21 

Nr. 22 

Nr.2S 

Mr. 24 

Nr.2& 

Nr. 26 

Nr. Sl 

Nr. S2 

Nr. SS 

Nr. S4 

achtung 

1891 













1892 

30. Dez. 

15,4 

4-19 

4-17 

-^27 

4-84 

4-587 

4-13 


— 

— 

— 

15,8 

13. Jan. 

31. . 

15,5 

-f 30 

-h80 

-86 

4-63 

-hl71 

4- 2 

— 

— 

— 

— 

15,0 

18. , 

1892 




-36 

4-30 

103 

4- 

— 

— 

— 


14,5 

14. . 

6. Jan. 

16,4 

4-21 

4-17 

-27 

4-10 

- 32 

- 8 

— 112 

-106 

- 8 

— 6 

14,2 

16. , 

8. , 

1G,4 

4-19 

4-17 

-61 

— 30 

- 75 

-32 

-110 

-106 

-15 

-17 

13,8, 

18. , 

10. , 

16,0 

+ 15 

4-18 

-27 

-f 21 

- 40 

4- 4 

- 98 

- 74 

-13 

-18 

13,8 

20. „ 





-27 

4-25 

- 40 

4- 4 

- 72 

- 59 

— 6 

- 4 

13,8 

22. , 





-23 

4-25 

- 40 

4-10 

- 13 

- 19 

— 

— 

14,2 

28. , 





-10 

-h38 

— 29 

4-21 

4- 17 

4- 17 

— 


15,8 

6. Febr. 


Nach Tafel 3 unterscheidet sich die elektromotorische Kraft von Nr. 21 und 22 
nicht merklich von derjenigen der Elemente, welche ausschliesslich Zink im Amalgam 
enthalten. Dies ist wohl darauf zurückzuführen, dass das Amalgam bei seiner 
Herstellung kein Magnesium aufgenommen hat. Die vier Elemente, die jeden- 
falls Magnesium im Amalgam enthalten, weisen grosse Abweichungen von einander 
auf; die elektromotorische Kraft der Elemente Nr. 23 und 26 unterliegt nur ge- 
ringen Schwankungen ; dagegen hat diejenige von Nr. 24, besonders aber diejenige 
von Nr. 25 an den verschiedenen Tagen stark von einander abweichende Werthe. 
Bei den beiden letzten Elementen ist die elektromotorische Kraft anfangs kleiner 
als diejenige von Element Nr. 72, steigt dann über diesen Werth, um später 
wieder zu sinken. Diese Schwankungen rühren von der starken chemischen 


ZwOlflOT Jahrgang. April 1892. 


Kahlk, Clabkblxmcnt. 


125 


Einwirkung des Zinksulfats auf das Magnesium her: einerseits werden unter 
diesen Umständen an der negativen Elektrode lokale elektromotorische Kräfte 
von wechselnder Grösse auftreten, andererseits wird auch der sich bildende 
Wasserstoff von Einfluss auf die elektromotorische Kraft sein. Bei den Ele- 
menten, deren Amalgam Natrium enthält, finden derartige Schwankungen der 
elektromotorischen Kraft nicht statt. Dieselbe ist anfangs erheblich grösser als 
diejenige des Elements Nr. 72, fällt aber allmälig auf den normalen Werth 
herab. Dieses Sinken der elektromotorischen Kraft lässt sich vielleicht durch 
die Annahme erklären, dass das Natrium an der Oberfläche allmälig vom Zink- 
sulfat gelöst wird und in der Lösung keinen Einfluss auf die elektromotorische 
Kraft der Elemente ausübt. Die Elemente Nr. 33 und 34, welche ein Amalgam 
aus 90 Theilen Quecksilber und 10 Theilen käuflichen Zinkblechs enthalten, haben 
eine etwas höhere elektromotorische Kraft als die unter Verwendung von reinem 
Zink hergestellten Elemente. 

Ob die Verunreinigung des Zinks durch negative Metalle von Einfluss auf 
die elektromotorische Kraft des Elementes ist, wurde an Elementen untersucht, 
bei denen Cadmium, Eisen, Blei oder Arsen dem Amalgam beigemengt war. 
Das Cadmium enthaltende Zinkamalgam wurde durch Lösung von 9,5 Theilen 
Zink und 0,5 Theilen Cadmium in 90 Theilen Quecksilber gewonnen. Für die 
Herstellung der übrigen Amalgame wurden hier verfertigte Zinklegirungen ver- 
wandt, welche auf 95 Theile Zink 5 Theile Eisen, Blei oder Arsen enthalten 
sollen. 10 Theile dieser Legirung wurden in jedem Falle in 90 Theilen Queck- 
silber gelöst. Die bei der Anfertigung der Amalgame verwendeten Zinklegirungen, 
welche in der Werkstatt der Reichsanstalt hergestellt sind, sollen noch einer 
genauen chemischen Analyse unterworfen werden, deren Ergebniss später mit- 
getheilt werden wird. 

Die folgende Tafel 4 enthält die Messungsergebnisse für die elektro- 
motorische Kraft der so hergestellten Elemente. Sie weicht bei den Elementen, 

Tafel 4. 
Elemente, deren Amalgam durch negative Metalle verunreinigt ist. 


Tag 

1 

Tem- 

Elektromotorische Kraft von Element Nr. 72, 

1 

Tem- 
peratur ; 

dAr 

Tag 

der 

peratur 

der 
EUemente 

vermindert um diejenige der H- Elemente 

der 

Beob- 

in hunderttausendstel Volt 

UCA 

Elemente 

Beob- 

achtung 

in Grad 


in Grad 

achtung 

Nr. 35 

Nr. 36 

Nr. 37 

Nr. 38 

Nr.39 

Nr. 40 

Nr. 41 

Nr. 42 

18d2 









1 


1892 

17. Jan. 

14,9 

-11 

- 8 

+ 17 

+ 17 

+ 17 

+ 17 

+ 17 

+ 17 

15,2 

8. Febr. 

18. „ 

13,3 

-21 

21 

4-17 

+ 19 

+ 17 

+ 19 

+ 19 

+ 19 

15,1 

21. . 

20. , 

13,8 

-13 

— 17 

4-34 

+ 34 

+ 32 

+ 36 

+ 38 

+ 36 

15,7 

28. „ 

22. , 

13,3 

- 2 

— 10 










welche im Amalgam Eisen ; Blei oder Arsen enthalten, von dem Betrage der reines 
Zink enthaltenden Elemente nicht ab; ein Zusatz von Cadmium zum Amalgam 
scheint hier die elektromotorische Kraft ftlr den Anfang um etwa 0,0003 Volt 
zu erhöhen. 

Um einen etwaigen Einfluss von Verunreinigungen der Zinksulfatlösung 
auf die elektromotorische Kraft der Elemente festzustellen,, setzte man dem 
Zinksolfat einmal Eisenoxydulsulfat und zum andern Magnesiumsulfat zu. Zu 


126 


Kahle, Clabuclbhkkt. 


Zbitschrii>t fÜk IxsTRcicRXTBinnjjrmt. 


diesem Zwecke wurden 99 Theile Zinksulfat und 1 Theil Eisenoxydulsulfat bezw. 
Magnesiumsulfat in destillirtem Wasser gelöst und die Lösung wurde soweit 
eingedampft, bis sich nach dem Erkalten Krystalle ausschieden; diese Kry stalle 
benutzte man an Stelle der mit reiner Zinksulfatlösung gewonnenen für die Be- 
reitung der Quecksilberoxydulsulfatpaste. Ebenso wurde die Paste und das 
Amalgam mit diesen Krystallen tiberdeckt und sodann die konzentrirte verunreinigte 
Lösung in die Elemente gefüllt. Das Zinksulfat der in Tafel 5 angeführten Ele- 
mente Nr. 16 und 17 ist durch Eisenoxydulsulfat verunreinigt und erhielt von 

Tafel 5. 
Elemente mit verunreinigter Zinksulfatlösung. 


Tag 

1 

Tem- 
peratur 

der 
Elemente 

Elektromotorische Kraft von Element Nr. 72, 

Tem- 
peratur 

der 
Elemente 

Tag 

der 

vermindert um diejenige der H- Elemente 

der 

Beob- 

in hunderttausendstel Volt 


Beob- 

achtung 

1 

in Grad 



in Grad 

achtung 

Nr. 10 

Nr. 11 

Nr. 16 

Nr. 17 

Nr. 19 

Nr. 20 

1891 








1 

1891 

7. Dez. 

16,1 

-t-61 

4-72 

-32 

— 30 

— 

— 

14,0 

19. Dez. 

9. . 

15,7 

-+-65 

+ 72 

-21 

-13 


— 

14,0 

20. , 

14. „ 

15,8 

-f42 

4-51 

-23 

19 

— 

— 

13,4 

21. . 

16. n 

15,5 

4-61 

4-72 

-19 

-15 

-34 

-26 

13,5 

22. , 



1 


4-11 

4-19 

-10 

8 

15,4 

30. « 


1 



4-17 

-+-19 

— 2 

4- 4 

15,5 

31. „ 
1892 


1 



-f 6 

4- 8 


— 

14,2 

2. Jan. 





4-16 

+ 16 

— 

— 

15,6 

4. . 





— 


- 4 

- 4 

16,5 

6. , 





— 

— 

- 4 

- 2 

16,4 

1 

8. , 


dem ausgeschiedenen Eisenoxydhydrat ein bräunliches Aussehen; in den Elementen 
Nr. 19 und 20 ist dem Zinksulfat Magnesiumsulfat beigemengt. Bei der Herstellung 
der Elemente Nr. 10 und 11 wurde Zinksulfat benutzt^ welches von Kahlbaum 
bezogen und hier einem Reinigungsverfahren nicht unterworfen wurde. Als haupt- 
sächlichste Verunreinigungen wurden hier freie Säure und Eisensulfat nachgewiesen. 
Die Vergleichungen dieser Elemente mit den Normalen führte zu den in Tafel 5 
mitgetheilten Ergebnissen. 

Bei Verwendung von ungereinigtem Zinksulfat ist also die elektromotorische 
Kraft der Elemente um etwa 0,0005 Volt kleiner als diejenige der Elemente^ 
welche reines Zinksulfat enthalten; es dürfte dieser Umstand auf die Gegenwart 
freier Säure zurückzuführen sein, welche, wie auch an anderen Elementen be- 
obachtet wurde, eine Erniedrigung der elektromotorischen Kraft bewirkt. Ein 
Zusatz von Eisenoxydulsulfat oder Magnesiumsulfat zum Zinksulfat in der an- 
gegebenen Menge hat anfangs eine geringe Erhöhung der elektromotorischen Kraft 
zur Folge; mit der Zeit nimmt die letztere jedoch einen Werth an, der sich von 
der elektromotorischen Kraft der mit reiner Zinksulfatlösung hergestellten Elemente 
um höchstens 0,0001 Volt unterscheidet. 

Es ist noch zu erwähnen, dass die Versuche, welche bisjetzt hier ausgeftlhrt 
wurden, um den etwaigen Einfluss des im Zinksulfat suspendirten Sauerstoffes auf 
die elektromotorische Kraft festzustellen, noch nicht zu ganz sicheren Ergebnissen 


ZwOlftor Jahrgavf . April 1898. Kahlb, ClaBKBLKHKMT. 127 


geführt haben. Es llisst sich aus denselben jedoch bereits entnehmen, dass ein 
solcher Einäuss, wenn er überhaupt stattfindet, nur sehr gering ist. Man hofft 
in einer späteren Veröffentlichung hierüber zuverlässige Mittheilungen machen 
zu können. 

Das Gesammtergebniss des bisher Gesagten lässt sich dahin zusammenfassen, 
dass von den Verunreinigungen des Zinkes nur diejenigen durch positivere Me- 
talle für die Clark'schen Elemente von wesentlichem Einfluss sind, und dass von 
den bisher dem Zinksulfat zugefügten Beimengungen nur freie Säure eine merkliche 
Veränderung der elektromotorischen Kraft bewirkt. Die Versuche über die Ver- 
unreinigungen des Zinksulfates sind jedoch noch nicht als abgeschlossen zu 
betrachten. Es wird noch der Einfluss einer stark basischen Lösung, sowie 
derjenige einer Vei'unreinigung durch Cadmiumsulfat und Bleisulfat zu ermitteln 
sein; das letztere Salz ist in geringen Mengen im Zinksulfat löslich und als 
häufige Beimengung des käuflichen Zinksulfats durch Untersuchungen im chemischen 
Laboratorium der Reichsanstalt nachgewiesen. 

Des Weiteren sollen noch die Ergebnisse von Messungen mitgetheilt werden, 
welche zur Ermittlung der Veränderlichkeit der elektromotorischen Kraft der 
Elemente mit der Temperatur angestellt wurden. Auch diese Messungen sind noch 
nicht zu Ende geführt; es wurden bisher nur einige Messungsreihen bei höherer 
Temperatur vorgenommen, welche von solchen bei Zimmertemperatur angestellten 
eingeschlossen waren. Da nun diese Veränderlichkeit der elektromotorischen Kraft 
nicht bei allen Temperaturen dieselbe ist, sondern, wie bereits von Lord Rayleigh^) 
nachgewiesen wurde, mit steigender Temperatur zunimmt, so sind, um zu sicheren 
Ergebnissen über den Temperaturkoeffizienten des Clark 'sehen Elementes zu 
gelangen, in verschiedenen Temperaturgebieten Messungen anzustellen. Die in den 
Tafeln 6 a. f. S. mitgetheilten Zahlen beweisen jedoch schon die gute Uebereinstimmung 
verschieden zusammengesetzter Elemente auch bei höheren Temperaturen, obwohl 
sie zu einer endgiltigen Festsetzung des Temperaturkoeffizienten nicht ausreichen 
können. Wurden Messungen bei Zimmertemperatur angestellt, so befanden sich 
die Elemente mit den Normalen, an die sie angeschlossen wurden, in dem bereits 
oben erwähnten verschlossenen Holzkasten. Behufs Vornahme der Messungen bei 
höherer Temperatur wurden die Elemente von der H -Form in einen Rohrbeck'schen 
Thermostaten gestellt; die Normale blieben jedoch stets in dem Holzkasten. Sämmt- 
liche Elemente, welche unter einander verglichen wurden, waren, wie auch bei 
den früheren Messungen, in Erdölbädern untergebracht, deren Temperatur als 
diejenige der Elemente angenommen wurde. Es zeigte sich, dass man erst sichere 
Messungsergebnisse für die elektromotorische Kraft der Elemente bei einer bestimmten 
Temperatur erhielt, wenn dieselben dieser Temperatur längere Zeit ausgesetzt 
waren. Es vergeht immer eine gewisse Zeit, bis die Zinksulfatlösung eine der 
betreffenden Temperatur entsprechende Konzentration angenommen hat. Daher 
wurde eine und dieselbe Temperatur längere Zeit möglichst konstant gehalten 
und erst dann zu einer anderen Temperatur übergegangen, wenn die Werthe, 
welche sich für die elektromotorische Kraft ergaben, an mehreren aufeinander 
folgenden Tagen keine wesentlichen Veränderungen zeigten. In den Tafeln 6 a, 
6b und 6c sind die Ergebnisse der Messungen, welche an drei verschiedenen 
Sätzen von Elementen vorgenommen wurden, zusammengestellt. 


») FhiL Tram, 176. 8. 181 (1886.) 


128 


Kahle, Clarkelbmbnt. 


ZBITSCHRirr pOr iKSTRUMBKTBVKyKDB. 


Die niitgetheilten Zahlen stellen die Abweichungen der elektromotorischen 
Kraft der einzelnen Elemente bei der betreffenden Temperatur von der elektro- 
motorischen Kraft des Elementes Nr. 72 bei 15° dar. Da bei den Vergleichungen 
die Temperatur des letzteren nicht immer 15° betrug, mussten die einzelnen 
Messungen auf diese Temperatur zurückgeführt werden. Es geschah dies unter 
der vorläufigen Annahme, dass bei diesem Elemente im Temperaturintervalle von 
13 bis 17° eine Zunahme der Temperatur um 1° einer Abnahme der elektromo- 
torischen Kraft um 0,0010 Volt entspricht. Diese Zahl ergiebt sich aus den Beob- 
achtungen von LordRayleigh und kommt dem wirklichen Temperaturkoeffizienten 
jedenfalls sehr nahe. Da die einzuführende Korrektion verhältnissmässig klein und 
bald positiv, bald negativ war, dürften wohl nur die hunderttausendstel VoH 
dadurch unsicher sein. 

Aus den angeführten Zahlen ergiebt sich eine vorzügliche Uebereinstimmung 
zwischen den einzelnen Elementen bei zwei um etwa 10° auseinanderliegenden 
Temperaturen; die Difl^erenzen der elektromotorischen Kräfte der einzelnen 
untersuchten Elemente, also die Unterschiede zwischen den einzelnen in 





Tafe 

1 6a. 





Tag 

der 

Beobachtung 

Temperatur 

der 

H- Elemente 

in Grad 

Elektromotorische Kraft von Element Nr. 72 bei 15^, 
vermindert um diejenige der H- Elemente in hundert- 
tausendstel Volt 


Nr. 4 

Nr. 5 

Nr. 6 

Nr. 15 

Nr. 16 

Nr. 17 


1891 
30. Dezember 
81. Dezember 

1892 
2. Januar . . 
4. Januar . . 

15,4 
15,5 

14,2 
15,6 

-^ 61 
-f 79 

- 55 
+ 92 

4- 57 
4- 71 

- 69 
-f 81 

4- 67 
4- 81 

- 50 
4- 96 

4- 55 
4- 73 

- 69 
-f 81 

4- 51 
4- 67 

- 74 
+ 75 

-+- 49 
4- 69 

- 72 

4- 75 

1 

Mittel 

15,2 

4- 44 

4- 35 

4- 49 

4- 35 

4- 30 

4- 30 

Reihe 1 

6. Januar . . 

8. Januar . . 

10. Januar . . 

27,8 
27,6 
27,6 

4-1598 
-hl633 
4-1645 

4-1594 
4-1627 
4-1640 

4-1585 
4-1625 
4-1644 

4-1591 
4-1623 
4-1636 

4-1589 
4-1625 
4-1634 

-M585 
4-1623 
4-1680 


Mittel 

27,5 

4-1626 

4-1621 

4- 1615 

4-1617 

4-1616 

4-1614 

Reihe 2 

13. Januar . . 

14. Januar . . 

15. Januar . . 

15,7 
15,1 
14,7 

4- 140 
4- 52 
4- 6 

4- 123 
4- 42 
- 12 

4- 185 
4- 77 

4- 7 

4- 120 
4- 39 
- 16 

4- 113 
4- 38 
- 19 

4- 111 
4- 31 
- 28 


Mittel 

15,2 

4- 64 

+ 48 

4- 90 

4- 45 

4- 40 

4- 37 

Reihe 8 

Mittel aus 
Reihe 1 und 3 

15,2 

4- 54 

-+- 42 

4- 70 

4- 40 

4- 35 

4- 84 

' Reihe 4 

L_ _ _ 

Reihe 2 weni- 
ger Reihe 4 

12,3 

1572 

1578 

1545 

1577 

1581 

1580 


Abnahme der 
riflchen Kraft 
tausendstel ^ 
Temperatur 

elektromoto- 
in hundert- 

«Tolt für 1« 

rzunahme 

128 

129 

126 

128 

129 

129 



den horizontalen Reihen mitgetheilten Zahlen zeigen nur 
weichungen von einander. Nur das Element Nr. 6 folgt, 
ersehen y den Temperaturveränderungen nicht so schnell wie 


äusserst geringe Ab- 
wie aus Tafel tia zu 
die übrigen Elemente^ 


Zwölfter Jahrgang. April 1892. 


Karlb, Clabkblbmevt. 


129 


scheint aber die gleichen Werthe wie diese nach einigen Tagen anzunehmen. 
Worauf diese Erscheinung beruht, ist zur Zeit nicht anzugeben. In Folge dieser 
guten Uebereinstimmung der Elemente bei verschiedenen Temperaturen ergeben 
sich in den einzelnen Tafeln auch nahezu dieselben Zahlen für die Abnahme der 




Ta 

fei 6 b. 



j 


Tag 

der 

Beobachtung 

Temperatur 

der 

H- Elemente 

in Grad 

Elektromotorische Kraft yon Element Nr. 72 bei 15^, 
▼ermindert um diejenige der H- Elemente in hundert- 
tausendstel Volt 

Nr. 18 

Nr. 19 

Nr. 20 

Nr. 21 

Nr. 22 


1891 

30. Dezember .... 

31. Dezember .... 

1 

15,7 
15,7 

-f 95 

-f- 106 

4- 69 

-f 82 

4- 70 
4- 80 

4- 97 
4- 106 

4- 95 

4- 106 


Mittel 15,7 

4- 101 

4- 76 

-h 76 

-i- 102 

4- 101 

Reihe 1. 

1892 

2. Januar 

3. Januar 

4. Januar 

1 

1 

28,4 
27,9 
28,3 

4-1755 
-i-1679 
+ 1748 

4-1730 
4-1648 
4-1717 

4-1726 
4-1650 
4-1717 

-t-1757 

4-1677 
4-1744 

H 1755 
4-1675 
4-1744 


Mittel 

28,2 

4-1728 

4-1703 

4-1702 

4-1726 

4-1725 

Reihe 2. 

6. Januar 

8. Januar 

10. Januar 

16,4 
16,4 
16,0 

4 165 
4- 163 
4- 116 

4- 152 
4- 152 
4- 95 

4- 152 
4- 150 
+ 95 

4- 169 
4- 167 
4- 118 

4- 175 
4- 165 
4- 118 


Mittel 

16,3 

4- 148 

4- 133 

4- 132 

+ 151 

4- 153 

Reihe 3. 

Mittel ans Reihe 
1 und 2 

16,0 

4- 125 

4- 105 

4- 104 

-h 127 

4- 127 

Reihe 4. 

Reihe 4 weniger 
Reihe 2 

12,2 

1581 

1576 

1576 

1577 

1576 


Abnahme der elekti 

Kraft in hunderttau 

für 1® Temperati 

romotorischen | 
sendstel Volt 
irzunahme 

129 

129 

129 

129 

129 






Ta 

fei 6c. 





Tag 

der 

Beobachtung 

Tempera- 

jturderH-, 

Elemente 

in Grad 

Elektromotorische Kraft von Element Nr. 72 bei 15°, vermindert um 
diejenige der H- Elemente in hunderttausendstel Volt 

Nr. 2 

Nr. 7 

Nr. 8 

Nr. 12 

Nr. 13 

Nr. 14 


1892 

27. Januar . . 

28. Januar . . 
30. Januar . . 

17,4 
14,9 
16,1 

4- 335 
4- 23 
4- 150 

4- 337 

4- 27 
4- 150 

-h 326 

4- 17 
4- 154 

H- 314 

4- 9 
-h 146 

4- 322 

4- 23 
4- 160 

4-320 

-f 21 
4- 160 


Mittel 

16,1 

4- 169 

4- 170 

4- 166 

4- 156 

4- 168 

4- 167 

Reihe 1. 

4. Februar . . 

1 

5. Februar . . i 

25,7 
' 26,0 

4-1366 
4-1408 

4-1368 
-1-1408 

4-1368 
4-1410 

4-1366 
4-1412 

4-1380 
4-1420 

4-1374 
4-1416 


Mittel 

25,8 

4-1387 

4-1388 

-hl389 

4-1388 

4-1400 

4-1395 

Reihe 2. 

Reihe 2 weni- 
ger ]{eihe 1 

9,7 

4- 1218 

4-1218 

4-1223 

4-1232 

-1-1232 

4-1228 


Abnahme der e: 
torischen Kraft 
derttausendstel 
1 ° Temperatni 

ektromo- 

in hun- 

Volt für 

rzunahme 

125 

125 

126 

127 

127 

125 



130 Kahle, CLABKSLEMSirr. ZKirscmtirr rdm UMTwuunm^vt^z, 


elektromotorischen Kraft bei Zunahme der Temperatur um einen Grad; nur 
Element Nr. 6 zeigt in Folge der oben erwähnten Eigenschaft eine erheblichere 
Abweichung. Die Unterschiede der in den einzelnen Tafeln gefundenen Temperatur- 
koeffizienten von einander sind leicht durch die Veränderlichkeit dieser Koeffizienten 
mit der Temperatur zu erklären. Die gefundenen Zahlen lassen darauf schliessen, 
dass dieselben mit steigender Temperatur zunehmen und bestätigen somit die Beob- 
achtungen von Lord Rayleigh. Um jedoch Bestimmtes hierüber aussagen zu können, 
müssen noch weitere Beobachtungen bei anderen Temperaturen angestellt werden. 

Die gute Uebereinstimmung zwischen den einzelnen Elementen wurde 
erhalten, trotzdem dieselben grosse Verschiedenheiten untereinander in der Art 
ihrer Zusammensetzung zeigen. Die Elemente Nr. 2, 4, 5, 6, 7, 8, 12, 15 und 18 
sind in der üblichen Weise mit reinen Chemikalien hergestellt. Bei den Elementen 
Nr. 13 und 14 sind beide Schenkel mit der Quecksilberoxydulsulfatpaste gefüllt; 
diese Elemente kommen also der ursprünglich von L. Clark^) angegebenen Form 
am nächsten. Derartige Elemente unterscheiden sich demnach weder im Betrage 
der elektromotorischen Kraft, noch in der Veränderlichkeit derselben mit der 
Temperatur von den Elementen, deren positive Elektrode allein mit der Paste in Be- 
rührung steht. Die Elemente Nr. 16 und 17 enthalten durch Eisenoxydulsulfat ver- 
unreinigte Zinksulfatlösung; in Nr. 19 und 20 enthält diese Lösung Magnesiumsulfat. 
Das Amalgam von Nr. 21 und 22 wurde längere Zeit in h eissflüssigem Zustande 
mit Magnesium verrührt. Alle diese Verschiedenheiten in der Herstellung hatten 
keinen Einfiuss auf die elektromotorische Kraft der Elemente und die Veränderlich- 
keit derselben mit der Temperatur. 

Es erübrigt noch einiges über den absoluten Werth der elektromotorischen 
Kraft der Elemente mitzutheilen. Derselbe wurde mehrfach an Element Nr. 72, 
das man der ganzen Untersuchung als Hauptnormal zu Grunde legte, bestimmt. 
Es wurde auch hierbei ein Kompensationsverfahren benutzt, das ähnlich dem- 
jenigen ist, welches Lord Rayleigh^) seinen Messungen der elektromotorischen 
Kraft des Clark'schen Elementes zu Grunde legte. Einen Widerstand aus Nickel- 
Mangan-Kupfer von nahezu 3 Ohm durchfloss ein Strom von solcher Stärke, dass 
ein an den Enden desselben anliegendes Element genau kompensirt war. Seine 
Stärke wurde vermittels eines in beliebig kleinen Abstufungen regulirbaren Wider- 
standes konstant gehalten und mit Hilfe zweier dem Widerstände vorgeschalteter 
Silbervoltameter gemessen. Die Dauer eines jeden Versuches betrug eine Stunde; 
die Stromstärke war etwa 0,5 Ampere, Eine genaue Beschreibung der Versuchsan- 
ordnung, sowie der einzelnen Messungen soll in einer späteren Veröffentlichung folgen. 
In Tafel 7 a. f. S. werden die Ergebnisse der einzelnen Versuche mitgetheilt. 

Der Berechnung der elektromotorischen Kraft aus der niedergeschlagenen 
Silbcrmenge liegt die Annahme zu Grunde, dass 1 Ohm = 1,06 S, E.^) ist und ein 
Strom von 1 Ampere Stärke beim Durchfliessen einer Lösung von salpctersaurem 
Silber in der Stunde 4,025 g Silber niederschlägt. Um die bei verschiedenen 
Temperaturen gemessenen elektromotorischen Kräfte auf diejenige bei 15° zurück- 
zuführen, ist vorläufig wiederum die Annahme gemacht, dass von 13 bis 17° die 


1) PhiL Tram. 164, S, 1, (1874,) 

2) Pfn'l. Trann, 175, S, 411, (1884,) 

^) Diese Definition gilt fiir das 1884 in Paris vereinbarte »legale Ohm*, welches gemäss 
den von der Keichsanstalt am 24. Mai 1889 erlassenen Bestimmungen über die Prüfung eloktrischcr 
Mcssgeräthe vorläufig auch den diesseitigen Arbeiten zu Grunde gelegt wird. 


Zwöirtnr Jabrffang. April 1892. 


Kahle, Clarkeleuext. 


131 


Abnahme der elektromotorischen Kraft für einen Grad Temperaturzunahme 

0,0010 Volt beträgt. 

Tafel 7. 


Tag 

Niedergeschlagene 

Silber- 

Tempera- 
tur des 

Elektro- 
motorische 

Elektro- 
motorische 

der 

menge in Gramm 

Elemen- 

Kraft inVolt 

Kraft 

Beobachtung 

1 



tes 
in Grad 

bei dieser 
Temperatur 

in Volt 

Tiegel 1 

Tiegel 2 

Mittel 

bei 15° 

1892 







4. Februar 

1,9274 

1,9272 

1,9273 

16,1 

1,4365 

1,4376 

6. Februar 

1,9289 

1,9287 

1,9288 

16,0 i 

1,4376 ' 

1,4386 

9. Februar 

1,9314 

1,9311 

1,9312 

14,4 ; 

1,4392 ' 

1,4386 

15. Februar 

1,9302 

1,9304 

1,9303 

14,2 1 

j 1,4387 ' 

1,4379 

26. Februar i 

1,9283 

1,9280 

1,9282 

' 15,4 

1 1,4371 

1,4375 

2. März 

1,9277 

1,9276 

1,9277 

1 
1 

15,6 

, 1,4367 

1,4378 


Aus den verschiedenen für die elektromotorische Kraft von Element Nr. 72 
gefundenen Werthen ergiebt sich als vorläufiges Mittel 

1,4379 Volt. 

Lord Rayleigh theilt als Mittel aus einer Reihe von Beobachtungen einen 
Werth mit, der in ^legale Volt" umgerechnet etwa 

1,438 Volt 
ergiebt. Die Uebereinstimmung zwischen den hier und von Lord Rayleigh ge- 
fundenen Werthen muss als zufriedenstellend bezeichnet werden. 

Die elektromotorische Kraft der H- Elemente, bei welchen reine Chemikalien 

verwendet wurden, war nach den oben mitgetheilten Tafeln im Mittel um etwa 

0,0002 Volt kleiner als die von Element Nr. 72; sie ist daher bei 15® zu 

1,4377 Volt 
zu setzen. 

Hiermit dürfte das erschöpft sein, was zur Zeit über die hier hergestellten 
Elemente zu sagen ist. Die Untersuchungen müssen in demselben Umfange fort- 
gesetzt werden, um ein Urtheil darüber zu gewinnen, ob vielleicht eine oder die 
andere Form der Elemente im Laufe der Zeit grössere Veränderungen der elektro- 
motorischen Kraft aufweisen wird. Für den augenblicklichen Zustand der Elemente 
haben die Untersuchungen günstige Ergebnisse zur Folge gehabt. 

Es muss jedoch vor der Ansicht gewarnt werden, dass man überall eine 
solche Uebereinstimmung erzielen kann. Die Schwierigkeit liegt, wie sich gezeigt 
hat, nicht in der Herstellung der Elemente; bei derselben wurde verhältnissmässig 
wenig Mühe verwendet und in einigen Fällen, ohne Schaden für die Elemente, 
die Materialien so gebraucht, wie sie tiberall leicht zu beziehen sind. Vor allem 
kommt es darauf an, dafür Sorge zu trap:en, dass die Temperatur, der die Elemente 
ausgesetzt sind, keinen grösseren Schwankungen unterworfen ist. Nur durch Ein- 
richtungen, welche während einer Mossungsreihe eine Konstanz der Temperatur 
bis auf 0,1 oder 0,2° verbürgten und während mehrerer Tage Schwankungen von 
mehr als 1° ausschlössen, konnte erreicht werden, dass die Abweichungen zwischen 
den elektromotorischen Kräften der einzelnen Elemente innerhalb 0,0001 Volt kon- 
stant blieben. Für die Technik wird es jederzeit genügen, Spannung und Ström- 
st:* rke auf 0,001 ihres Werthes zu bestimmen, und diese Genauigkeit wird man 
auch ohne grössere Hilfsmittel mit dem Clark'schen Elemente erreichen können, 
wenn es nicht zu plötzlichen und zu grossen Temperaturschwankungen ausgesetzt ist. 


132 LVMHER U. BrODHüIT, PhOTOMETBISCHK UnTERSUCMUNOKN. ZeiTSCBSOT für IxSTBCMEjrnCKKÜVPE. 


Pliotometrisclie UntersuoliungeiL 

Von 
Dr. O. I«ammer mid Dr. E. BrodhuB« 

(MittheiluDg aus der I. Abthlg. der Physikalisch -TechniBchen Reichsanstalt.) 

Y. lieber ein neues Spektralphotometer. 

Einleitung. 

Das Spektralphotometer unterscheidet sich dadurch von einem gewöhnlichen 
Photometer, dass es nicht die Gesammtheit aller Strahlen zweier Lichtquellen mit 
einander vergleicht, sondern deren einzelne farbige Bestandtheile. Dazu zerlegt 
man die von den Lichtquellen ausgehenden Strahlen auf geeignete Weise in ihre 
farbigen Bestandtheile und vergleicht nun die rothen Strahlen der einen Licht- 
quelle mit den rothen der anderen, die gelben mit den gelben u. s. w. Gewöhnlich 
bedient man sich zur Zerlegung des weissen Lichtes eines Spektralapparates, dessen 
Fernrohr an Stelle des Fadenkreuzes einen veränderlichen Spalt, Okularspalt, 
trägt, welcher aus dem in seiner Ebene entstehenden Spektrum eine gewisse 
Strahlengattung ausschneidet. Die gleichfarbigen Bestandtheile beider Spektren 
müssen nun in einer für die Vergleichung geeigneten Weise neben einander fallen. 
Dies kann man z. B. wie Vierordt dadurch erreichen, dass man die obere Hälfte 
des Kollimatorspaltes mit einem totalreflektirenden Prisma bedeckt. Lässt man 
dann auf letzteres die Strahlen der einen Lichtquelle R, auf die untere freie Spalt- 
hälfte die Strahlen der anderen Lichtquelle D auffallen, so erhält man in der 
Okularspaltebene zwei genau übereinanderliegende Spektren, von denen das obere 
nur Licht von R, das untere nur Licht von D enthält. Im Okularspalt selbst 
entstehen also zwei gleichfarbige Felder von im Allgemeinen verschiedener Hellig- 
keit, welche man durch das Okular vergrössert erblickt. Man bedarf nun weiter 
einer Vorrichtung, um die Helligkeiten der beiden Spektralfelder unabhängig von 
einander variiren zu können. Da die Helligkeit eines Spektrums ausser von der 
Intensität des auf den Spalt auffallenden Lichtes R oder D von der Weite des 
Kollimatorspaltes abhängt, so kann man dies durch eine Einrichtung erreichen, welche 
erlaubt, jede der beiden Hälften des Kollimatorspaltes für sich messbar zu er- 
weitern oder zu verengern (Vierordt'scher Spalt). Die Weiten dieser beiden Spalten, 
bei denen im Fernrohr die Helligkeit der beiden Spektralfelder die gleiche ist, 
sind ein Maass für die Intensitäten der verglichenen Strahlensorten beider Licht- 
quellen. Aus dem Gesagten geht hervor, dass ein Spektralphotometer in drei 
Hauptbestandtheile zerfallt: in die Messvorrichtung, die Vorrichtung zur Zerlegung 
des weissen Lichtes in seine farbigen Bestandtheile und die photometrische Einrichtung. 

Die verschiedenen Spektralphotometer unterscheiden sich von einander eines- 
theils in Bezug auf die Messvorrichtung, anderntheils durch die Art und Weise, 
wie die beiden zu vergleichenden Felder zur scharfen Berührung gebracht werden. 
Bekanntlich wird das Schätzen der Helligkeit zweier Felder sehr erschwert, wenn 
dieselben durch einen Zwischenraum getrennt sind. Nur da, wo die beiden Felder 
so scharf zusammenstossen, dass im Moment der Gleichheit die Trennungslinie 
verschwindet, wird die Empfindlichkeit des Auges gegen Helligkeitsunterschiede 
voll ausgenutzt (s. unsere Photom. Unters. J, diese Zeitschr. 1889 S, 41). Dass beim 
Vierordt 'sehen Spektralphotometer die Bilder der beiden Spalthälften wegen des 
vor der oberen Spalthälfte stehenden totalreflektirenden Prismas sich nicht be- 
rühren können, ist ohne Weiteres ersichtlich. Aber auch bei den anderen uns 


ZwBlfter Jatarfang. April 1892. LuMMEB U. Bbodhün y Protometbibcrb UmtbbBUCBUNOEN. 133 


bekannten Spektralphotometern hängt das Verschwinden der Trennungslinie mehr 
oder weniger vom Zufall ab. Ferner gestattet keins derselben statt der Ein» 
Stellung auf gleiche Helligkeit zweier Felder das Kontrastprinzip anzuwenden, 
welches nach unseren Versuchen (s. Photom. Untersuchungen IL Diese Zeitschr. 1889, 
S. 461) bei weitem empfindlicher ist. Es entstand somit die Frage, ob nicht auch 
das Eontrastprinzip der Spektralphotometrie dienlich gemacht werden konnte, 
zumal es sich besonders bei gleicher Färbung der Lichtquellen bewährt hatte. Wir 
versuchten daher, unsern aus zwei rechtwinkligen Glasprismen bestehenden optischen 
Würfel der Konstruktion eines Spektralphotometers zu Grunde zu legen. Gelang es, 
die Grenzen der Würfelfelder auch im spektralen Strahlengang zum Verschwinden zu 
bringen, so stand der Anwendung des Kontrastprinzips nichts im Wege. 

Ehe wir auf diese Frage eingehen, wollen wir noch kurz erwähnen, dass 
wir auch statt der bisherigen Messvorrichtungen eine beim Spektralphotometer 
bisher noch nicht gebrauchte Messmethode verwerthen. Es kommen unseres 
Wissens überhaupt nur drei Messungsarten in Betracht: Die verbesserte Vier- 
ordt'sche mittels eines bilateralen Spaltes, dann diejenige mittels NikoTscher 
Prismen (Glan, Glazebrook, Crova, Hüfner, Wild, König) und die neuer- 
dings von Kundt und Stenger eingeführte Methode, das Objektiv des Kollimators 
sektorenartig in messbarer Weise abzublenden. Bei unserem Apparate sind die 
bilateralen Spalte beibehalten; ausserdem aber erlaubt ein geeigneter Rotations- 
apparat das auf den Kollimatorspalt auffallende Licht zu schwächen, ohne die 
Spaltweite zu ändern. Das von Talbot zuerst gebrauchte Messprinzip beruht 
auf der schnellen Rotation eines sektorförmigen Ausschnitts zwischen Lichtquelle 
und Spalt. In der von uns konstruirten Form kann die Grösse des Ausschnitts, 
also auch die Lichtschwächung während der Rotation durch blosses Drehen einer 
Schraube beliebig und zwar messbar geändert werden. Die ausführliche Be- 
schreibung dieses Messapparates behalten wir uns für eine spätere Mittheilung vor. 

Bei dem Zweck, unsern optischen Prismen Würfel für ein Spektralphotometer 
zu verwerthen, war es nicht schwer, von vorn herein die möglichen Formen für 
die Konstruktion anzugeben; die eigentliche Schwierigkeit lag in der Be- 
dingung, die Grenzen der Würfelfelder zum Verschwinden zu bringen. Bei der 
schliesslichen Ausführung unseres Spektralphotomcters wählten wir daher diejenige 
Form, mittels der man nach den Vorversuchen glaubte, alle Anforderungen am 
bequemsten und leichtesten erfüllen zu können. Um die Anordnung der einzelnen 
Theile des Instrumentes kennen zu lehren, schicken wir die Beschreibung des- 
selben voraus. 

Beschreibung des Apparates. 

Fig. 1 zeigt eine perspektivische Ansicht des ganzen von Schmidt & 
Haensch in Berlin ausgeführten Instrumentes in Ve der wirklichen Grösse, Fig. 2 
einen Schnitt durch die optischen Axen der drei Rohre F, D und E, welche in 
einer horizontalen Ebene liegen mögen. Dabei liegen Prisma P und Fernrohr F 
anders als in Fig. 1 und zwar in der Lage, in welcher sie gewöhnlich gebraucht 
werden. Denkt man sich in Fig. 1 die beiden Säulen N und C mit ihrem Zubehör 
fort, so bilden die übrigen Theile ein gewöhnliches Spektrometer ohne Theilkreis. 
Auf dem gusseisernen Fussgestell G mit den drei Stellschrauben y ist die winkel- 
förmige Grundplatte mit den Schenkeln p und q fest aufgeschraubt; auf dieser 
erhebt sich in der Mitte des Gestells G ein starker Zapfen aus Stahl, welcher 

'ttussen konisch abgedreht ist und zwei übereinander liegende, um seine Axe 

11 


Lcmm r. Biooinni, PnoTonTBiacm UmucCBoam. 


drehbare Bocbsen trägt. An der imteren Buchse ist auf der eiaen Seite der das 
Femrohr F haltende Metallarm A und auf der entgegengesetzten das Gegen- 
gewicht K befestigt. Beide Bnchsen können mittels zweier Schranben (in Fig. 1 
ist davon nur die Schraube s der oberen Buchse sichtbar) mit dem Zapfen fest 
verbunden werden; von ihnen ist die untere in bekannter Weise durch die 
ringförmige Platte u entlastet, während die obere auf dem Ende des Zapfens auf- 
lagert. Zur Feinverschiebung des Fernrohrs dient die Mikrometervorrichtting M. 
Die obere Buchse trägt das Frismentisclicben T; daBselbe besteht aus drei kreis- 
runden konzentrischen Platten, deren oberste mittels einer Schraube um eine in 
ihr liegende Axe gedreht werden kann, während eine zweite Schraube die beiden 
obersten Platten gemeinsam um eine zu der ersten senkrechte Axe neigt, welche 


in der mittleren Platte Hegt. Die beiden Schranben bewegen sich in der mit 
der Tischchenbuchse fest verbundenen untersten der drei Platten. Auf der 
obersten sitzt noch eine Klammer k, mit welcher man das Prisma P auf dem 
Tischchen T festklemmen kann. 

Das Kollimatorrohr D wird von der Sänie H getragen, welche in den 
Schenkel q der Grundplatte fest eingeschraubt ist. Das Fernrohr F und das 
Spaltrohr D sind auf der oberen je zweier Platten v und w gelagert. Von diesen 
lässt sich die obere « mittels zweier Schrauben um eine horizontale zum Rohr 
senkrechte Axo gegen die untere Platte w neigen. Ausserdem kann das 
Femrohr gegen die obere Platte v durch die Schrauben i ein wenig um eine 
vertikale Axe gedreht werden. Beim Femrolir F wird die Platte w vom Endo 
des Armes A gebildet. 

Zu diesem eigentlichen Spektrometor kommen zwei Bestaodtheile neu 
hinzu, nämlich ein zweites Spaltrohr R und der Glaswürfel IT. Das entere 
wird von der Säule N getragen, welche auf dem Stück p der winkelfbnnigen 


ZwOlfttr JaliiYanr* April 1892. LuMMsa u. Bbodhttn, Photometribcrb Uktebbuchuvokn. 135 

Grundplatte befestigt ist. Die beiden Spaltrohre sind fast vollständig in gleicher 
Weise gebaut. Sie unterscheiden sich nur dadurch, dass sich das Rohr R mit- 
sammt den beiden Platten v und w um die Axe der Säule N drehen lässt. Ausser- 
dem ist nach der Festklemmung, welche durch die Schraube n geschieht, noch 
eine Feinverschiebung mittels der Mikrometerschraube m möglich. Beim Gebrauch 
steht das Rohr R senkrecht auf der Axe des Rohres D (Fig. 2). 

Das Femrohr trägt an Stelle des Fadenkreuzes eine Spaltvorrichtung. 
Dieselbe besteht aus zwei rechtwinklig sich kreuzenden Spalten, deren Weite 
durch die Schrauben x verändert werden kann. Die ganze Vorrichtung lässt 
sieb um dia Rohraxe drehen. Sämmtliche Spalte, auch die an den Rohren R 
und D sind bilateral verschiebbar; ihre Breite kann durch Trommelablesung 
bestimmt werden. Mit Hilfe der Schrauben z stellt man die Rohre auf unendlich 
ein. An jedem Rohrauszug befindet sich eine Millimetertheilung. 

Der Hauptbestandtheil des ganzen Instrumentes ist der Glaswürfel W, 
Derselbe besteht aus zwei rechtwinkligen gleichschenkligen Glasprismen, welche 
so an einander gelegt sind, dass sie einen genauen Kubus bilden. Zum Zusam- 
menpressen der beiden Prismen, bezw. zum Halten des Würfels dient der Rahmen V 
(in Fig. 1 theilweise abgebrochen), welcher mittels Bajonnetverschlnsses auf das 
Tischchen Q aufgesetzt werden kann. Letzteres ist ebenso wie das Tischchen T 
eingerichtet, gewährt aber durch eine doppelte Schlittenvorrichtung noch die 
Möglichkeit, den Glaswürfel mitsammt den drei ihn tragenden Platten in der 
Richtung des Rohres D wie in derjenigen des Rohres R zu verschieben. Ausser- 
dem ist eine kleine Drehung der ganzen Vorrichtung um eine vertikale Axe 

vorgesehen. 

Justirung des Apparates. 

Bei der Justirung des Apparates geht man aus von dem Prisma P und den 
beiden Rohren F und D und behandelt diese drei Theile für sich wie ein Spektro- 
meter. Bevor man den Würfel W aufsetzt, stellt man die beiden Rohre etwa mit 
Hilfe eines Gauss'schen Okulars auf unendlich und richtet das Prisma so, dass 
seine brechende Kante der ümdrehungsaxe des Fernrohrs parallel ist, stellt die 
Axen der Rohre zur Prismenkante senkrecht und den Spalt von D sowie den 
einen Okularspalt zur Prismenkante parallel. Zur Orientirung des Würfels W ent- 
fernt man das Prisma P, bringt den Okularspalt zur genauen Deckung mit dem 
Bild des Spaltes von D, setzt den Würfel auf und justirt denselben so, dass seine 
vordere Fläche zur gemeinsamen Axe von D und F senkrecht steht. Dies ge- 
schieht mit Hilfe des Gauss'schen Okulars nach Abbiendung des Kollimators D. 
Sind die Prismen gut gearbeitet und so an einander gefügt, dass sie einen genauen 
Kubus bilden, so fallen mit dem an der vorderen Fläche des Würfels erzeugten 
Spiegelbilde auch diejenigen Spiegelbilder zusammen, welche die hintere und die 
dem Rohre R zugewandte Fläche erzeugen. In solchem Falle wird dann das 
durch den Glaswürfel W hindurch betrachtete Spaltbild von D im Fernrohr deut- 
lich und an demselben Orte gesehen wie ohne Dazwischenkunft des Würfels. 

Jetzt dreht man nach Lösen der Schraube n in Fig. 1 das Rohr R aus der 

in Fig. 1 und 2 sichtbaren Stellung und richtet seine Rohraxe direkt gegen die 

Ümdrehungsaxe des Fernrohrs. Hierdurch ist man im Stande, das Fernrohr auch 

auf das Spaltrohr R einzustellen und letzteres zu justiren. Es ist justirt, wenn 

das im Fernrohr direkt gesehene Bild seines Spaltes deutlich und parallel zum 

Okularspalt gelegen erscheint. Dann liegen alle drei Rohraxen von F, D und R 

11* 


136 


LumOSB ü. BbODHUV, PhOTOMETBIBCHK UnTEBSUCHUNGEN. ZbiTSCHRIPT pur iKBTRUllTXTKKKmCDB. 


i 


in einer zur Prismenkante senkrechten Ebene. Sie bleiben es bei beliebiger 
Drehung von F und E, falls die Axe der Säule N, um welche sich E dreht, pa- 
rallel der Umdrehungsaxe von F ist; letztere Bedingung ist vom Mechaniker zu 
erfüllen. 

Hierauf dreht man das Rohr B in seine ursprüngliche Lage zurück 
und stellt das Fernrohr wieder auf den Spalt des Rohres D ein. Indem man jetzt 
den Würfel W um die gemeinsame Axe von F und D und das Spaltrohr -R mittels 
der Mikrometerschraube m um die Axe der Säule N dreht, bewirkt man, 
^ dass das an der Hypotenusenfläche p s ge- 

spiegelte Spaltbild von B mit dem Spaltbild 
von D bezw. dem Okularspalt zusammenfällt. 
Hierdurch ist erreicht, dass die Rohraxe 
von B senkrecht zur Rohraxe von D und 
zur Würfelfläche steht. 

Sind die Umdrehungsaxen von F und B 
nicht vollkommen parallel, so bildet die 
Richtung des Spaltbildes von B einen Winkel 
mit derjenigen des Spaltbildes von D bezw. 
dem Okularspalte von F. 

Um den Apparat gebrauchsbereit zu 
machen, setzt man das Prisma P wieder auf, 
dreht die Prismenbuchse sammt dem Prisma 
bis die durchgehenden Strahlen ein Minimum 
der Ablenkung erleiden und folgt mit dem 
Femrohr nach, als ob man das Spektrum 
beobachten wollte. Von der Richtigkeit 
der Justirung überzeugt man sich, indem 
man das entstandene Spektrum bei breitem 
Okularspalt beobachtet und abwechselnd B 
und D abblendet. Es darf sich hierbei die 
Lage des Spektrums nicht ändern. Noch 
genauer prüft man die Justirung, indem man 
gleichzeitig beide EoUimatorspalte mit Na- 
triumlicht oder wenn möglich mittels einer WasserslofFröhre erleuchtet. Die Jus- 
tirung ist richtig, wenn sich die gelben, bezw. gleichfarbigen Spaltbilder der gleich- 
weiten Spalte decken. 

Gebrauch des Apparates. 

Man ersetzt das homogene Licht durch die zu vergleichenden weissen 
Lichtquellen, etwa von hinten beleuchtete Milchglasplatten, entfernt das Okular 
des Fernrohrs und bringt das Auge direkt an den Okularspalt, welchem man in 
horizontaler wie in vertikaler Richtung eine geeignete Breite gegeben hat. Das 
Auge erblickt dann die ganze Hypotenusenfläche des Würfels W in einer und 
derselben Farbe erleuchtet, gleichviel welche Stellen dieser Fläche reflektirend 
oder durchsichtig sind. Dreht man das Rohr F mittels der Mikrometervorrieh- 
tung M (Fig. 1), so ändert sich die Färbung der Würfelfelder; dieselbe durch- 
läuft alle Spektralfarben von Roth zum Violett oder umgekehrt, je nachdem die 
Schraube M in der einen oder anderen Richtung gedreht wird. 



Fig. 2. 


Zwölfter Jahri^Mg. Aprin892. LuMMER U. BfiODHUN, PhOTOMETRISCHE UntEESDCHUNOBN. 137 


Um die Ränder der einzelnen Würfelfelder deutlich zu erkennen^ stellt 
man das Auge mit Hilfe des Fernrohrobjektivs als Lupe möglichst scharf auf 
die Hypotenusenfläche des Würfels, eventuell unter Benutzung eines geeigneten 
Augenglases ein. Aus der gleichen Helligkeit der reflektirenden und durch- 
sichtigen Würfelfelder schliesst man auf das Intensitätsverhältniss der farbigen 
Bestandtheile der Lichtquellen vor den Spalten. Indem man diese Einstellung 
bei verschiedener Stellung des Rohres F wiederholt und auf eine geeignete Weise 
die Farbe bestimmt, bei welcher beobachtet wurde, erhält man das Intensitäts- 
verhältniss der beiden Lichtquellen für jede Spektralfarbe. 

• 

Genauigkeit der Einstellung. 

Um bei der Vergleichung der Helligkeit zweier Felder die Empfindlichkeit 
des Auges gegen Helligkeitsunterschiede voll auszunutzen, muss, wie schon 
anfangs erwähnt, die Grenzlinie zwischen den Feldern möglichst scharf sein und 
im Moment der Einstellung verschwinden. 

Was die Schärfe der Kontur eines Würfelfeldes betrifft, so hängt dieselbe 
hier nicht allein von der Güte der mechanischen Ausführung ab; bei der früher aus- 
führlich beschriebenen Beschaffenheit des Glaswürfels W stossen die verschiedenen 
spiegelnden und durchsichtigen Felder mit absolut scharfen Rändern zusammen. 
Indem man diese Felder aber durch das Prisma P hierdurch betrachtet, wird die 
Schärfe der Ränder in Folge der astigmatischen Brechung im Prisma stets ver- 
mindert. Nur wenn die abbildenden Strahlenkegel eng genug sind und symmetrisch 
nahe der brechenden Kante das Prisma durchsetzen , bleibt deren Homozen- 
trizität auch nach der Brechung nahe erhalten. In der That erblickt man bei 
Beachtung dieser Vorsichtsmaassregel alle Grenzlinien scharf und deutlich, 
welches auch deren Gestalt ist, falls man nur dafür sorgt, dass möglichst 
homogenes Licht ins Auge gelangt. Dies erreicht man am besten, indem 
man die Kollimatorspalte mit homogenem Natriumlichte beleuchtet. 

Bei Beleuchtung der Spalte mit weissem Lichte schneidet der Okularspalt eine 
schmale Stelle aus dem Spektrum aus; die ins Auge gelangenden Strahlen sind also 
im Allgemeinen nicht homogen. Ist doch das Spektrum nur eine Reihe von Spalt- 
bildem, entsprechend den verschiedenen vom Spalt ausgehenden Lichtsorten. Das 
weisse Licht sendet deren unendlich viele aus; jeder einzelnen entspricht ein Spaltbild, 
aus deren Uebereinander- bezw. Nebeneinanderlagerung das Spektrum entsteht. 
Letzteres ist also um so reiner, je enger der Kollimatorspalt gemacht wird. Aber 
selbst bei sehr engem Kollimatorspalt ist das durch den Okularspalt ins Auge 
gelangende Licht noch von verschiedener Färbung, sodass man erst durch genügende 
Verengerung des Okularspaltes das erreicht, was man bei homogener Spalt- 
beleuchtung ohne Weiteres erhält. Macht man die Kollimatorspalte und den 
Okularspalt genügend eng, so müssten auch bei Anwendung weissen Lichtes die 
Grenzlinien der Würfelfelder scharf erscheinen, welches auch deren Richtung und 
Gestalt ist. Der Verwirklichung dieses Experimentes stehen zwei Hindernisse im 
Wege. Erstens nimmt die Helligkeit des Sehfeldes ab, sowohl wenn der Kolli- 
matorspalt, als auch wenn der Okularspalt enger gemacht wird. Zweitens treten 
bei zu engem Okularspalt Beugungserscheinungen auf, welche bewirken, dass die 
Grenzlinien verschwommen und undeutlich erscheinen. Man ist also gezwungen, 
mit Spalten von endlicher Oeffnung zu beobachten, d. h. in nicht homogenem 
Licht, also in Mischfarbenlicht. In solchem Lichte erscheint aber dem 


138 Lüman u. Bbodhün, Photombtribchb UimaBUCHüHorar. ZBrnomtirr füb IvBTBCMBVTunnnrDB. 


beobachtenden Ange die Grenzlinie nur dann scharf und deutlich, 
wenn deren Richtung horizontal bezw. senkrecht zur brechenden Kante 
des Prismas verläuft. Bei jeder anderen Richtung wird die Grenzlinie ver- 
waschen gesehen und zwar begleitet von einem farbigen Saume. 

Der Grund für diese Erscheinung liegt in der Thatsache, dass das Bild 
eines Würfelfeldes an ganz verschiedener Stelle gesehen wird, je nachdem man 
das Würfelfeld bezw. den Spalt des beleuchtenden Kollimators mit Natrium- oder 
Lithiumleucht erleuchtet, wenn man dafür sorgt, dass das austretende Licht stets 
durch den feststehenden Okularspalt gelangt. Dabei erscheint in beiden Fallen das 
ganze Würfelfeld deutlich umgrenzt, das gelbe Bild liegt aber näher der Prismen- 
kante als das rothe, so zwar, dass die horizontalen Grenzlinien in sich, die ver- 
tikalen parallel zu sich verschoben erscheinen. Dringt also gleichzeitig gelbes 
und rothes Licht ins Auge, so erscheint das Würfelfeld doppelt; da wo sich 
beide Bilder decken, tritt die Mischfarbe von Roth und Gelb auf, da wo die 
einzelnen Bilder sichtbar sind, ist ihre Färbung roth oder gelb. Bei Anwendung 
weissen Lichtes entstehen soviel einzelne Bilder, als verschiedenfarbige Licht- 
sorten ins Auge gelangen. Alle diese Bilder überlagern sich nach der oben 
angegebenen Regel und erzeugen ein Gesammtbild, dessen nicht horizontale 
Ränder um so verschwommener und mit um so breiteren farbigen Säumen er- 
scheinen, je grösser die Färbungsdifferenz der wirksamen Strahlen ist. Diese 
Differenz ist wesentlich abhängig von der Breite des Kollimatorspaltes. 

Das Resultat ergiebt also als wesentliche Bedingung, dass bei unserem 
Spektralphotometer die zu vergleichenden Würfelfelder in einer horizontalen, 
d. h. auf der Prismenkante senkrechten Grenzlinie zusammenstossen 
müssen. Denn nur die horizontalen Grenzlinien erscheinen bei jeder Spaltbreite 
scharf und verschwinden in dem Falle, dass die zusammenstossen den reflek- 
tirenden und durchsichtigen Felder gleich hell sind. 

Hiermit sind alle Bedingungen erfüllt, um auch das Kontrastprinzip 
erfolgreich als photometrisches Kriterium anzuwenden. Dazu theilt man die 
Hypotenusenfläche qmhg (Fig. 3) des Prismas Ä (Fig. 2) in die Felder n, r^, di 
und (I,, sodass im Würfel die Felder r spiegeln, die Felder d durchsichtig sind. Die 

7A Trennungslinien zwischen r und d sind einander parallel und 
stehen senkrecht zu den Kanten qg und mh des Prismas Ä 
und somit nach der Justirung des Würfels senkrecht zur 
Prismenkante von P. Bei gleicher Helligkeit der Felder r 
und d erscheint die Hypotenusenfläche wie eine gleichmässig 
leuchtende Fläche; von den Trennungslinien ist selbst bei 
^^^' ^ grosser Helligkeit kaum eine Spur wahrzunehmen. Bringt 

man aber an den Würfelflächen ss' und sp' (Fig. 2), welche dem Rohre D 
und R zugewandt sind, in der von uns früher beschriebenen Weise^) je zwei 
planparallele und schlierenfreie Glasplatten an, so bewirkt man, dass einerseits 
die Grenze p s zwischen den gleichhellen mittleren Feldern r, und d, verschwindet 
und andrerseits die beiden Felder ri und di um den gleichen Betrag gegenüber r« 
und df kontrastiren. 

Wie viel schwieriger die Herstellung eines reinen Gleichheits- und Kon- 
trastprinzips mittels unseres Würfels im spektralen Strahlengang ist, im Vergleich 

^) Fhotmn. üntertuchungm II und 1 F, dien Zeitschr. 1889 S, 461 und 1892 S. 4L 


da 





Zwölfter Jahrfang. April 1892. ScHBOMM, Eli.IP80ORAPH. 139 


zur Benatzung diffusen Lichtes, wie es bei unseren gewöhnlichen Photometern ge- 
braucht wird, erhellt aus der Thatsache, dass die Kontrast -Glasplatten plan- 
parallel und schlierenfrei sein müssen. Jede Schliere macht sich störend bemerk- 
bar, sei es, dass sie in den Glasplatten oder im Würfel selbst auftritt. Sind die 
Glasplatten aber an verschiedenen Stellen ungleich dick, so ist die Wirkung die 
gleiche, als ob für die einzelnen Punkte der verschiedenen Würfelfelder die Spalte der 
Rohre B bezw. D eine von einander verschiedene Stellung hätten. Das Gesichts- 
feld wird also ungleichmässig gefUrbt erscheinen, und die Bedingungen für eine 
genaue photometrische Messung werden nur annähernd erfüllt sein. Da wir noch 
nicht im Besitz einwurfsfreier Glasplatten sind, geben wir heute nur die Resultate 
wieder, welche mittels EinsteUung auf gleiche Helligkeit bezw. Verschwinden der 
Grenzlinie gewonnen sind. Um die genügende Helligkeit des Gesichtsfeldes zu 
erhalten, wurden die Milchglasplatten vor den Spaltrohren durch GltLhlampen von 
etwa 50 Hefnerlichtern erhellt, welche mittels Akkumulatoren gespeist wurden. 
Bei einer Reihe von 20 Einstellungen beträgt die grösste Abweichung vom Mittel 
etwa 1 %, der mittlere Fehler einer Einstellung aber unter 0,5 %. 

Nach den bei unseren gewöhnlichen Photometem gemachten Erfahrungen 
steigt bei Anwendung des Kontrastprinzips die Empfindlichkeit auf das Doppelte, 
so dass das beschriebene Spektralphotometer unseren gewöhnlichen Photometern 
an Genauigkeit nicht nachsteht. 


Ellipsograpli. 

Von 
Fnuui SclirOHini» Profeasor an der Wiedner Oberraalflchole in Wien. 

Die Konstruktion dieses Apparates beruht auf dem Lehrsatze: „Bewegt 
sich eine Strecke mit ihren Endpunkten längs zweier nicht paralleler Geraden, 
so beschreibt jeder Punkt, der mit der Strecke zu einem starren System verbunden 
wird und in einer Ebene parallel zu den beiden Leitlinien verbleibt, eine Ellipse.^ 

Bisher wurden bei dieser Konstruktion Schienenführungen angewendet, 
welche eine verhältnissmässig grosse Reibung verursachen und hiermit sowohl die 
Präzision als auch die Handhabung des Apparates sehr beeinträchtigen. Herr 
E. Ritter von Arbter, k. u. k. Generalmajor, hat daher bei der Kon- 
struktion seines Eilipsographen eine dieser Schienenführungen durch eine Kreis- 
führung ersetzt, indem der Halbirungspunkt der fortgleitenden Strecke längs 
zweier senkrecht zu einander stehenden Leitlinien einen Kreis beschreibt, dessen 
Ebene parallel zu diesen zwei Leitlinien ist. Projizirt man sowohl die fortgleitende 
Strecke als auch beide Leitlinien auf die Ebene dieses Kreises, so ist der Schnitt- 
punkt der Projektionen beider Leitlinien der Mittelpunkt, und die Projektion der 
fortgleitenden Strecke gleich dem Durchmesser des Kreises. An diesem Apparate 
gleitet also ein nach Millimetern getheilter Stab mit einem Punkte längs einer 
Schienenführung und ein zweiter Punkt desselben wird durch eine um einen fixen 
Punkt der geradlinigen Führung drehbare Kurbel in der Peripherie eines Kreises 
geführt, dessen Halbmesser gleich der Entfernung obiger zwei Punkte am getheilten 
Stabe ist. 

Bei der Konstruktion der Ellipse ergeben sich aber an den beiden End- 
punkten einer Axe todte Punkte, durch welche die Präzision der Kurve etwas 
leidet. Hingegen ist dieser Apparat für die Konstruktion der Pleuel -Kurven be- 



Fif. 1. 


140 SoHBOim, Ellimoomaph. ZimaniiirT rOa IimiiiHaraintinm, 

sonders geeignet. (Eine ÄbhaDcHnng über diese Karven ist im 34. JahreäterichU 
der WUdner OberreakchuU in Wien, 1889, enthalten.) 

An vorliegendem Ellipsograplien werden die geradlinigen Führnngen darch 
Anwendung des Peaucellier'schen Meebanismos aosgefOhrt. 

Vier gleich lange Stabe eind an ihren Enden durch Gelenke, um die sie 
sich sehr leicht drehn, zn einem Rhombus ABCSf verbunden; an zwei diagonal 
gegenüberliegenden Ecken Ä und desselben sind vom Punkte 
F ans zwei gleich lange bewegliche Stäbe befestigt. Der 
Pankt F, der als Scheitel bezeichnet wird, liegt alsdann auf 
der Verbindungslinie der beiden E^onkte B und M, der so- 
genannten Pole; setzt man femer BJ'=p, und MF=p, 
AF^C F = l und bezeichnet man die Länge einer Seite des 
Rhombus mit a, so lässt sich leicht zeigen, dass zwischen 
diesen vier Grössen die Relation pp, = /' — «" besteht, das 
Produkt der Längen der beiden Radien p und pi ist gleich einer Konstanten, die 
Sylvester als Modul des Systems bezeichnet. Beschreibt daher, wenn man sich 

den Scheitel des Mechanis- 
mus F festhält, der Pol B 
irgend eine Kurve, so wird 
der Pol M ihre Inverse in 
Bezug auf F beschreiben, 
der Apparat verwirklicht 
also die sogenannte Trans- 
formation durch reziproke 
Radien. Setzt man den 
/ X ^ ^ / Pol B durch einen Stab BE 

l / / ~- mit einem festen Punkte E 

,'■" "■ --„.^^ in Verbindung und lässt 

' ./ . --^ B tun E einen Kreis be- 

/ "~~- - — ' schreiben, so wird, da die 

"«• *■ InverseeinesKreiseswieder 

ein Kreis ist, auch der Pol M einen Kreis beschreiben. (Näheres hierüber in 
der Dissertation: „Ueber die Erzeugung von Kurven vierter Ordnung durch Bewegunga- 
mechaniarnua von Fr. Dingeldey, Leipzig 1885.") 

Setzt man schliesslich FE = d und BE = r, so lautet die Gleichung des 
vom Punkte 3f beschriebenen Kreises, bezogen auf das rechtwinklige Axen- 
system ¥ F X: 

(r'_d»)(x' + v') + ii<ii{i'-s') = (;' -iV- ... I), 
oder: 

In dem speziellen Falle r = d geht die Gleichung des Kreises in die Gleichung 
einer Geraden über: 


*- 27^ '>■ 

Bei der Herstellung dieses Mechanismus bereitet die Gleichheit der Strecken 
AB, BC, CM und A M, ebenso jene der Strecken AF und CF an der Dreli- 
bank keine Schwierigkeiten. Es kommt also nur darauf an, auch die Gleichheit 


2w6lfter imkrgaag. April 1898. RsriBATS. 141 


der Strecken B E und E F zu erreichen. Aber selbst wenn diese zwei Dimen- 
sionen um 7,00 ihrer Länge von einander verschieden wären, so weicht der vom 
Punkte M beschriebene Kreisbogen wenig von der Geraden ab. Nimmt man für 
d=r = 5=100 mm und 1 = 212 mm an, und würden d und r um 1mm von ein- 
ander verschieden sein, so würden die Radien der vom Punkte M beschriebenen 
Kreisbögen 31,84m oder 32,16m sein, je nachdem r%d wäre. Der höchste und 
der tiefste Punkt hätte dann von der Tangente im Halbirungspunkte des Bogen s 
eine Abweichung um 0,5 mm, was selbst für eine Ellipse mit den Axen von 60 
und 90 cm von keinem merkbaren Einflüsse sein kann. 

Am 12. Dezember 1891 ist ein EUipsograph im Nieder -Oesterr. Ingenieur- 
und Architekten -Vereine ausgestellt worden, bei welchem der Peaucellier'sche 
Mechanismus für die Gradführungen angebracht war. Es wurde mit diesem 
Instrumente (Fig. 2) eine Ellipse mit den Axenlängen von 40 und 60 cm sofort 
mit der Reissfeder am quadrirten Millimeterpapiere gezogen, und es zeigten die 
berechneten Ordinaten von 44 Punkten der Ellipse, verglichen mit jenen am Milli- 
meterpapiere abgelesenen nahezu eine vollständige Uebereinstimmung, da selbst 
kleine Bruchtheile eines Millimeters noch übereinstimmten. 

Bei diesem Apparate sind nun die beiden Gradführungen so übereinander 
angeordnet, dass sich die Pole, welche die senkrecht zu einander stehenden Leit- 
linien beschreiben, in Ebenen parallel zur Zeichnungsfläche bewegen. Beide Pole 
sind durch einen verschiebbaren Maassstab verbunden, an welchem entweder die 
Summe oder die Differenz der Halbaxen der zu beschreibenden Ellipse einzu- 
stellen ist. Unterhalb beider Gradführungen ist noch ein paralleler Maassstab 
angebracht, der sich mit dem vorigen in einer Ebene senkrecht zur Zeichnungs- 
fläche befindet. 

An diesem Maassstabe wird entweder eine der Halbaxen, oder in anderem 
Falle die halbe kleine Axe mit dem beschreibenden Stifte (oder Reissfeder) ein- 
gestellt. Die Reissfeder besitzt die Konstruktion eines Nullenzirkels, und der 
Bleistift wird durch eine Spiralfeder zur Zeichnungsfläche gedrückt. Werden beide 
Pole über einander gestellt, dann kommt der beschreibende Stift über den Mittel- 
punkt der darzustellenden Ellipse zu stehen und die Richtung ei^er Axe ist durch 
eine am Apparate angebrachte Marke angegeben. 


Referate. 

Zur Messung der magnetisohen Inklination. 
7on C. L.Weber. Sitzwngsber. der math.-phys. Klasse der k,h. Akademie der Wiss. 1891, Heftl. 

Der Verfasser beschreibt eine Methode der Inklinationsbestimmang, die ihrer Ein- 
fachheit wegen grosse Beachtung verdient. Der Grundgedanke derselben ist folgender: 

Ein um einen horizontalen Durchmesser als Axe (Schneide) leicht beweglicher 
Stromkreis wird durch Verschiebung des Schwerpunktes in eine solche Lage gebracht, 
dass seine Axe mit dem Horizont einen Winkel y einschliesst, der etwas grösser ist als 
die zu beobachtende Inklination. Bringt man die Schwingungsebene dieses Stromkreises 
in die zum magnetischen Meridian senkrechte Lage und leitet einen Strom in solcher 
Richtung durch, dass das nach abwärts zeigende Ende der Axe ein Nordpol wird, so 
entsteht ein Drehungsmoment von der Grösse: 

Vficos Y, 
wenn V die Vertikalintensität, f die Windungsflfiche, / die Stromstärke und y den er- 
wähnten Neigungswinkel bezeichnet. 


142 


Dreht man d«D Stromkreis um eine vertikale Axe, bis Beine Schwingnngsebene 
in den magnetisclien Meridian zu liegen kommt, nnd das Nordende der magneüscben 
Axe nach Norden gekehrt ist, so tritt zu dem früheren Drehnngsmomente noch das von 
der Horizontalintensität herrilbrende hinzu, das durch den Ausdruck 

— Hfi sin Y 
gegeben ist. 

In einer Zwisclienlage, welche vom magnetischen Meridian um dea Winkel n ab- 
weicht, ist somit das Drehungsmoment: 

R=Vfi cos Y — H /" ( sin y cos V. 

Hat man "( > J gewählt, so ist auch 

F/'icosY^H/'isinY')- 

Dann kann aber immer ein Werth von a ermittelt werden, dass Hfi^nfmsa 
= V fiiMSf wird, oder also, dass R = o wird. In diesem Azimut wird beim Durchgänge 
des Stromes durch den Stromkreis kein Drehungsmoment vorbanden sein; der ohne Strom 
in einer bestimmten Ruhelage befindliche Stromkreis wird beim Schliessen des Stromes 
keinen Ausscldag zeigen. Dann ist also: 

B = V fi cos Y — Hfi sin Y cos« — o, 
woraus folgt: ^, 

^=tang/=UngYcoSfl. 

Um die Inklination J zu erhalten , hat man daher nur die beiden Winkel y und a zu meaaen. 
Um die angeführte Methode durch Versuche zn erprohen, bediente sich Herr Weber 
eines improvlsirten Instrumentes, welches er aus der bei seinen früheren Versnchen') be- 
nutzten Waage durch Entfernung des 
Waagebalkens und ZnfUgung eines Hori- 
sontalkreises herstellen Hess. Die we- 
sentlichsten Bestaudtbeile dieses Instm- 
mentes sind folgende. In dem Dreifnsse 
ist in einem konischen Zapfenlager eine 
vertikale S&ule drehbar, auf deren 
oberem Ende isolirt zwei Iridlumplatten 
als Lager angebracht und. Mit der 
S&nle fest verbunden ist der Horizontal- 
kreis, dessen Nonien am Dreifhsse fest- 
gemacht sind. Die Säule kann durch 
eine Arretirvorrichtnng festgeklemmt 
werden. Auf die Iridiumlagerplatten 
wird mittels einer Schneide ein Strom- 
kreis aufgesetzt, dessen Radius etwa 
10 cm beträgt und der ans 500 Win- 
dungen besteht. Derselbe ist mittels 
einiger radial angeordneten Streben an 
einem quadratischen Messingrahmen be- 
festigt, der auf seiner oberen Seite nach innen zu die Schneide trägt. 

Die Schneide des Stromkreises ist ebenfalls ans Iridium verfertigt, vom Rahmen 
isolirt und um den Strom au- nnd abzuführen in zwei Theile getrennt, welche durch 

1) Ist nämlich y > /, so folgt sin f > sin /, 

//siiiT> HeinJ oder, da UeiaJ^^ l'cos/, 
flamT> CcosJ. 
Andererseite coa f *i cos J 

Vcoay<::VcoaJ, daher 1'cost<: I'cos J^ //ainr. 
^) Siehe darüber das Referat: .Drei neue Methoden zur Beatimmung der magnetischen 
Inklination. « Üiae Zeittckr. 1889. S. 102- 


ZwSlfUr JihifMBg. April 1892. Rbhoutb. 143 


dünne Drähte mit den Windungen verbunden sind. Die StromzufUhrung geschieht also 
von den Lageiii zur Schneide und von dieser zu den Windungen, was sich nach Herrn 
Weber's Ausspruch sehr gut bewährt. Das Gewicht des Stromkreises rauss selbstver- 
ständlich so gering als möglich sein. 

Mit der vertikalen Säule ist ein Femrohr fest verbunden, welches eine kurze 
Skale, etwa 0,25 m von der Schneide trägt. lieber den Stromkreis und die vertikale 
Säule kann ein Schutzkasten gelegt werden, um gegen Luftströmungen zu schützen. Die 
Figur a. S. 142 giebt ein Bild des Instrumentes. 

Mit dem die Schneiden tragenden Messingrahmen ist ein Spiegel I verbunden, 
der in der Ruhelage des Stromkreises fast vertikal steht. Ein zweiter Spiegel II ist 
am Rahmen des Stromkreises angebracht und zwar liegt seine Ebene parallel der 
Windungsebene. Diese beiden Spiegel dienen zum Beobachten und Justiren des Strom- 
kreises. 

Zunächst werden die Ebenen der beiden Spiegel parallel der Schneide justirt. 
Dieses kann in folgender Weise geschehen. Man befestigt an dem Messingrähmchen des 
Stromkreises einen dritten Spiegel und justirt denselben so, dass seine Normale parallel 
ist der Schneide, was daran erkannt wird, dass bei schwingendem Stromkreise das Spiegel- 
bild einer festen Marke sich nicht bewegt. Ist dies geschehen, so richtet man irgend 
eine Visirlinie (zwei Lothfäden) so, dass sie senki*echt zur Ebene dieses Hilfsspiegels 
steht; dreht man das Instrument um genaue 180 , so muss jetzt die Visirlinie auch auf 
den Spiegeln / und // senkrecht stehen , widrigenfalls sie so lange verstellt werden müssen, 
bis dies eintritt. 

Die zweite Justirungsoperation besteht darin, dass man den Spiegel II parallel 
zur mittleren Windungsebene stellt. Zu diesem Behufe hängt man den Stromkreis an 
einem Draht auf, der den Strom zuführt, während ein als Dämpfer in eine Flüssigkeit 
getauchter Draht die zweite Leitung bildet. Beim Durchgang des Stromes stellt sich 
die Axe des Stromkreises in den magnetischen Meridian, welche Stellung mittels eines 
Femrohrs beobachtet werden kann. Hängt man den Stromkreis um, so lässt sich der 
Kollimationsfehler der Spiegel bestimmen oder ganz beseitigen. Es ist wohl selbstver- 
ständlich, dass die Torsionswirkung des Aufhängedrahtes vorerst sorgfältig beseitigt 
werden muss. 

Schliesslich ist noch der Neigungswinkel der Spiegel I und II zu bestimmen. 
Dies kann genau so geschehen, wie man den brechenden Winkel eines Prismas auf 
einem Goniometer bestimmt. 

Bringt man den Stromkreis auf die Lager des Instrumentes und neigt ihn durch 
passende Belastung so lange, bis man in einem horizontal gestellten Femrohr das von 
Spiegel I reflektirte Fadenkreuz mit dem Fadenkreuz selbst zur Deckung bringt, so steht 
der Spiegel I genau vertikal. Der im Ablesefernrohr erscheinende Theilstrich der Skale 
entspricht dann der vertikalen Stellung des Spiegels I und der Winkel zwischen den 
Spiegeln J und II entspricht der Neigung y ^^i" magnetischen Axe des Stromkreises. 
Hat sich die Ruhelage des Stromkreises aus irgend einem Grunde geändert, so kann 
diese Aenderung an der Skale bestimmt und als Korrektion an f in Rechnung gebracht 
werden. 

Herr Weber hat bei seinen Versuchen eine Batterie ganz kleiner Grove-Elemente 
(30 Stück) verwandt. Durch Einschalten einer Quecksilberwippe war es möglich, den 
Stromkreis beliebig zu schliessen und zu öfinen. 

Die Beobachtung der Inklination wird in folgender Weise ausgeführt. Man stellt 
zunächst die Schwingungsebene . des Stromkreises nahezu in den magnetischen Meridian 
und untersucht, ob beim Stromschluss in einer bestimmten Richtung der bewegliche 
Stromkreis nach grösseren oder nach kleineren Skalentheilen ausschlägt. Dann dreht 
man die Schwingungsebene um einen grösseren Winkel (etwa 20°) nach einer Seite, 
8. B. nach Ost, bis der Ausschlag in entgegengesetzter Richtung erfolgt; darauf wird 


144 * Rkperatk. ZBrnoHun* r0R IiitTKüMsmurKiniDB 


nach der Grösse der erfolgten Ablenkung zurückgedreht und so fort, bis man das 
Azimuth , welchem der Ausschlag Null zugehört, in ein Intervall von 5 bis 10 Minuten 
eingeschlossen hat; die zuletzt beobachtete Ruhelage wird ebenfalls notirt. 

In ganz gleicher Weise erfolgen die Einstellungen auf der anderen Seite des 
Meridians. Aus den auf beiden Seiten erhaltenen Azimutaleinstellungen und den ent- 
spi*echenden Ruhelagen, welche sich etwas ändern, lassen sich die Winkel a und y ^6~ 
stimmen. So hat Herr W^eber am 23. Juli 1890 von 3*» 25»" bis 4^6™ p. m. folgende 
Beobachtungen ausgeführt. 

Azimut 177° 45' ISl*' 45' 177° 30' 152° 15' 177° 15' 152° 15' 176° 55' 
Ruhelage 82,4 82,05 81,65 81,6 81,5 81,45 81,2 

(1) (2) (3) (4) (5) (6) (7) 

Um für 2 Azimute in Ost und West denselben Winkel y zu haben, interpolirte 
Herr Weber linear zwischen zwei auf einander folgenden Einstellungen auf derselben 
Seite, z. B. Ost, ein Azimut, welches dem in der Zwischenzeit beobachteten y entspricht. 

Bedeuten die mit (1), (3), (5) und (7) bezeichneten Beobachtungen die auf der 
Ostseite bestimmten Werthe des Azimuts und der Ruhelage, so giebt das Mittel aus 
(1) und (3) = 177° 38' einen Werth (2'), der mit (2) verbunden wird. In ähnlicher 
Weise erhält man aus (3) und (5) einen Werth (4'), aus (5) und (7) (6'). Man kann 
noch weiter für das Mittel aus (2) und (4), das mit (3') bezeichnet werden soll, ganz 
entsprechend als zugehörigen Werth auf der Ostseite den Werth (3) nehmen u. s. w. Die 
nachstehende kleine Tabelle enthält die aus obigen Beobachtungen in der angegebenen 
Weise abgeleiteten Werthe des Azimuths und der Ruhelage. 

Azimut 


No. 

Ruhelage 

Ost 

West 


a 


Y 

Inklination 

(2),(2') 

82,05 

177° 38' 

151° 45' 

12^ 

' 56,'5 

66' 

' 33' 40" 

66° 1' 7 " 

(3).(3') 

81,65 

177 30 

152 13 

12 

38,5 

66 

31 55 

66 51 

(4),(4') 

81,6 

177 25 

152 15 

12 

35,0 

66 

31 42 

66 53 

(5),(5') 

81,5 

177 15 

152 15 

12 

3o;o 

66 

31 17 

66 53 

(6),(6') 

81,45 

177 12 

152 15 

12 

28,5 

66 

31 4 

66 47. 


Der Werth y betrug 66° 36' 24" bei der Ruhelage 82,7; die angeführten Werthe 
sind der jeweiligen Ruhelage entsprechend berechnet worden. 

Herr Weber macht ausdrücklich darauf aufmerksam, dass die hier angeftlhrten 
Werthe der Inklination nicht als absolute betrachtet werden dürfen, da sie durch den 
Eisengehalt des Instrumentes und andere Lokaleinflüsse gefälscht sind. Am Schlüsse 
seiner Abhandlung entwickelt der Herr Verfasser einige Formeln, durch welche er be- 
gründet, wainim er den Neigungswinkel y grösser als die beobachtete Inklination gewählt 
hat und beschreibt Methoden, nach welchen man den Winkel y indirekt bestimmen kann. 
Die hier entwickelte Methode zur Messung der Inklination besitzt so grosse Vortbeile, 
dass ich Herrn Weber vollkommen beipflichte, wenn er sie der Beachtung empfiehlt und 
der Meinung Ausdruck giebt, „dass es sich sehr wohl lohnen würde, das Verfahren mit 
Hilfe eines zweckmässig gebauten Apparates weiter zu studiren und auszuarbeiten^. 

J. Lizftar. 

Das Sohnittanfklebemikrotom. 

Yon Prof. H. Strasser. Zeitschr. f. wissensch, ^f^kroskopie, 7. S, 289* (1890.) 

Der Verfasser erörtert zunächst die geometrischen Verhältnisse, von denen die 
Schnittbildnng und namentlich die Form , welche der Schnitt nach seiner Abtrennung an- 
nimmt, abhängig ist und erwähnt die Methoden, mittels deren die Krümmung — das Ein- 
rollen — der Schnitte, sei es verhindert, sei es nachträglich beseitigt wird; ersteres geschieht 
durch Wahl einer weicheren Einbettungsmasse, letzteres durch Anwendung sogenannter 
Schnittstrecker. Sodann beschreibt Verf. unter Darlegung des Entwicklungsganges die von 
ihm konstruirte Einrichtung, welche dazu dient, nicht nur den abgetrennten Schnitt glatt tu 


Zwölfter Jabrging. April 1892. Rkfebate. 145 



Jwi:!- 



erhalten , sondern denselben im Moment seiner Entstehung sofort auf ein als provisorischer 
Objektträger dienendes Papierband aufzukleben und ihn zunächst allen Fährlichkeiten zu 
entziehen, denen sonst lose Schnitte bei ihrer weiteren Behandlung behufs Uebertragung 
auf den Objektträger ausgesetzt sind. 

Das dem Schnittaufklebemikrotom zu Grunde liegende Prinzip wird durch neben- 
stehende Figur schematisch erläutert. Bei der Bildung des Schnittes bewegt sich mit 
dem Messer M zugleich eine Rolle W über das Objekt hin. Durch diese Holle wird ein 
unter ihr liegendes Papierband, das von 
einer zweiten Rolle P kommend durch 
einen klemmbaren Steg K festgehalten wird, 
nahe in der oberen Ebene des Objektes aus- 
gespannt. Das freie Ende des Papierbandes 
wird von einer Klammer k erfasst und durch 
eine über die Rolle r geführte Zugschnur 
angespannt. Ist die Unterseite des Papier- 
bandes mit einem Klebestofi versehen, so 
haftet der Schnitt im Augenblick der Abtrennung an demselben fest. Damit nun bei 
der Rückfühiiing des Messers in seine Anfangslage die Rolle W nicht ebenfalls zurück 
geht und so den aufgeklebten Schnitt auf die Schnittfläche und das Messer niederdrückt, 
war die Einrichtung so zu treffen, dass die Rolle W nicht mit dem Mcsserschlitten in 
fester Verbindung steht, sondern auf einem besonderen Walzenschlitten angebracht wird; 
dieser wird bei der Schnittbewegung des Messerschlittens von letzterem mit verschoben, 
bleibt dagegen beim Rückgange des Messerschlittens zunächst still stehen. 

Nach diesem Prinzip sind die beiden a. a. O. näher beschriebenen Instrumente 
konstruirt. Dieselben charaktirisiren sich als Schlittenmikrotome mit den erwähnten beiden 
Schlitten, für Messer und Walze, bei denen die Hebung des Objektes mittels Mikro- 
meterschraube bewirkt wird. Bei der Handhabung der Mikrotome wird nach Herstellung 
jedes Schnittes und Zurückziehung des Messerschlittens in seine Anfangsstellung das Papier- 
band um ein entsprechendes Stück durch die Klammer A; hindurch gezogen, und dann 
der Walzenschlitten mit seinem Anschlage gegen den Messerschlitten geschoben ehe man 
den neuen Schnitt abtrennt. Um den Druck der Walze auf das Objekt reguliren zu 
können, ist deren Axe in einem Bügel gelagert, welcher an einem federnden mittels 
Schraube justirbaren Arm sitzt. 

Bei Instrumenten, welche die Schrägestellung des Messers gegen die Zugrichtung 
gestatten sollen, ist auch die Schrägestellung der Walze parallel, und des Papierstreifens 
senkrecht zur Messerschneide erforderlich. Dies allein genügt jedoch nicht, um jede Zerrung 
des Schnittes auszuschliesscn. Es musste vielmehr dafür gesorgt werden, dass die Walze 
lediglich auf dem Papierstreifen abrollt, nicht aber zugleich in der Richtung der Messer- 
schlittenführung darauf gleitet. Um dies zu erreichen, ist die Walze auf der längeren 
parallel zur Messerschneide, also schräg zur Messerführung gestellten Walzenaxe der Länge 
nach verschiebbar und wird durch eine parallel dem Papierbande laufende Gleitschiene 
gezwungen, eine entsprechende Verschiebung auszuführen, so dass auf dem Papierbande 
eine reine Rollbewegung stattfindet. Nach der Beschreibung der erwähnten Konstruktions- 
ausführungen für quere und schräge Messerstellung erörtert Verf. den Gang der Justirung 
und der Arbeit mit den Instrumenten und hebt sodann die wesentlichsten Vorzüge des 
neuen Verfahrens hervor. Dieses bietet, abgesehen von der so wichtigen Sicherung der 
gewonnenen Schnitte bis zur weiteren Behandlung, namentlich bei grösseren Objekten auch 
bezüglich der Gleichartigkeit der gewonnenen Schnitte insofern nicht unerhebliche Vor- 
tlieile dar, als man die bei solchen Objekten im gewöhnlichen Verfahren störendste Fehler- 
ursache, die Biegung der Messerschneide, ganz wesentlich verringern kann. Einmal erlaubt 
dies Verfahren die Verwendung weicherer Paraffinsoi-ten zur Einbettung, wodurch die 
biegende Kraft verringert wird; dann aber ist es mit Rücksicht auf die sofort nach der 


146 BsrnuTB. 


Lostrennting erfolgende Abhebung des Schnittes möglich, den Messerrücken gegen die beim 
gewöhnlichen Verfahren zulässigen Formen ganz erheblich zu verstärken nnd dadurch gegen 
Biegungen Überhaupt widerstandsfähiger zu machen. 

Die Herstellung und den Vertrieb seiner Schnittaiifklebe-Mikrotome hat Verf. der 
Firma Ä. Meyer & Co. in Enge-Zürich Übertragen. Pensky. 

Ein n«n«r Kaliapparat sur Benutzung bei ElMnentaranalyMn. 
Von Alfred Delisle. Chem. Ber. 24. S. 3?1. (1891.) 
Der in der n oben sieh enden Figur in etwa halber wirklicher Grösse dargestellte Apparat 
besteht aus einer Flasche, in welche einerseits das Gaasid^nnigsrobr a eingeschmolzen 
ist, wlfiirend in einen Tubulus das U-förmig gebogene 
Kalirohr R mittels Schliffes gasdicht eingesetzt wird. 
) Das Hohr a^ in dessen freies Ende die dem Ver- 
brennungsofen entströmenden Gase eingeleitet werden, 
mit der Kugel K zur Aufnahme etwa zurück- 
tretender Lauge versehen. Ausserdem sind an dasselbe 
tellerartige Kappen T von nahe dem Durchmesser der 
Flasche angeblasen, welche, nach anten ofFene flache 
Trichter bildend, die zuerst aufsteigenden Gase ab- 
fangen, so dass sich die Lange in drei durch zwei 
\ Luftkissen von einander getrennte Schichten theilt 
V Dadurch wird die Waschung der Verbrennungsgase eine 
dreifache. Von dem Kaliröhrchen R wird der auf- 
steigende Theil mit Chlorkaicium oder Natronkalk, der 
absteigende Theil mit Kalistückchen gefüllt Die Kali- 
lauge soll nach der Füllung (ohne die Luftkissen, welche 
sich erst bei der Einleitung der Verbrennung bilden) 
etwa 3 mm über der oberen Kappe stehen. Der Apparat 
hat den Vorzug bequemer Handhabung bezüglich der Füllung und Keinigung, wiegt ge- 
füllt etwa 65 g und wird von der Firma C. Heinz in Aachen zu müssigem Preise ge- 
liefert. Wgsch. 

Hnet'i Anemometer. 

(Zur Geschichte der Anemometer.) 

Von W. J. Lewis. Nature. 43. S. 323. (1891.) 

In dieser kurzen historischen Notiz lenkt Verf. die Aufmerksamkeit auf das von 
P. D. Huet zu Beginn des vorigen Jahrhunderts erfundene Anemometer, Um nachzu- 
weisen, dass dasselbe als ein Vorläufer von Lind's Winddruck- Anemometer (mit U-ftirmigem 
Wassermanometer) zu betrachten sei, stellt er die Abbildungen beider (vgl. die Figuren) 
zusammen. Der Umstand, dass in dem Abschnitt ,. Ajiewometers" in der Encf/clojiaedia 
Britannica zwar die Bestrebungen mehrerer wissenschaftlichen Mftnnur in dieser Hichtung 
angeführt sind, nicht aber (weder hier noch anderswo) die Hnet'scbe Erfindung, ver- 
anlasst den Verf. zu dieser Mittheilung. 

Huet's Beschreibung lautet ungefähr folgendermaassen : 

„Wir haben uns neuerdings mit Erfolg bemüht, die Eigenschaften der Luft fest- 
zustellen: ihre Temperatur, ihre Feuchtigkeit und ihr Gewicht vermöge des Thermo nieters, 
Hygrometers und des Barometers, welches eine Luftwaago ist. Aber wir haben noch nicht 
daran gedacht, den Wind zu wSgen! Ich machte dem vortrefflichen englischen Mechaniker 
Hubin darüber eine Andeutung; er lachte und meinte, es sei wohl leicht zu erdenken, 
aber unmöglich auszuführen. Dann gab ich ihm eine Beschreibung, und nun war er so 
zufrieden gestellt, dass er mich mit der Absiebt vorlicss, das Instrument baldmöglichst 
herzustellen. Leider vereitelte der Tod seine Pläne. — Hier ist die kurze Beechrwbnng: 


XwflIlUr ]>hriu(. April 18«. 


Bas InBlrnment beeteht ans einem Trichter von weissem Eisenblech, ABC {Fig. 1), 
in Form einer Mönchskappe, welche sich verengt und erst nach unten und dann wieder 
nach oben umbiegt {C D E F K). Wir füllen das Rohr von C bis F mit Quecksilber, 
nnd schichten Über F etwas Wasser darauf, dessen Steigen und Fallen an einigen Marken 

auf dem Theile FQ des Kohres erkannt wird; denn der auf 

die Mündung A B wirkende Wind drückt die Quecksilberober- 

SKche bei C herab und hebt sie bei F. — Bei L ist die eiserne 

Stange H, welche das Rohr trägt, 

derartig einem Piedestal NO ein- 

getilgt, dass sie durch die Wind- 
fahne M gedreht werden kann." 
Wie der Erfinder das Instrument 

schildert, sieht es sehr nach Spiel- 
zeug aus, und wenn man es so dem 

Winde aussetzen wollte, würde es 

alsbald in Stücke gehen. Das 

Trichterrohr ist bei / zu schwach 

gestützt, und die Windfahne M viel 

zu klein, um das Ganze zu drehen. 

Besonders in diesen beiden Punkten 

stellt das Lind'sche Anemometer 

(Fig. 2) eine Verbesserung dar; man 

darf aber nicht vergessen, dass 

ict's Erfindung niemals probiit 

; oder auch nur ausgefühi't wurde, 

sonst würden diese Mängel entschieden p^^ ^ 

bemerkt und abgestellt worden sein. 

P. D, Huet wurde 1630 zu Caen geboren. Er war Autor mehrerer Werke, 

Lehrer des Danphin (1670) und Bischof von Avranches. Er starb zu Paris im Jahre 

1721. Das Werk, welchem obige Beschreibung und Skizze entnommen sind, trägt den 

Titel: Huetiana; oh I'ensees diverses de M. Hiiet, Eveque d'Avranches {Amsterdam 1723). 

Lind's Anemometer wurde im Jahre 1775 erfunden. Sp. 



fiewL erBchleBCBe Bücher. 

Theorie der partiellen Differenttalgleichimgen enter Ordnung. Von Dr. M. P. Mansion. 
Deutsche Ausgabe von H. Maser. Berlin. Julius Springer 
Das vorliegende Werk ist im Wesentlichen die Uebersetzung einer im Jahre 1873 
von der Belgischen AJcademie derWüsenscIuiften gekrönten Zeilschrift, die indoss entsprechend 
den Erweiterungen, welche die Theorie der partiellen Differentialgleichungen erfahren hat, 
seitens des Verfassers durch zahlreiche Zusätze vermehrt worden ist. Die vorliegende 
deutsche Ausgabe wird daher auch dem Kenner des französischen Originals, das übrigens 
im Buchhandel längst vei^riffen ist, von Werth sein. Das Mansion'sche Buch giebt 
eine ausfilhrliche und wohlgeordnete Entwicklung der Methoden zur Auflösung der partiellen 
Differentialgleichungen ereter Ordnung, so dass denjenigen, welche dieses f[ir Geometrie, 
Mechanik nnd mathematische Physik so überaus wichtige Gebiet studiren wollen, ein in 
sich abgeschlossenes vollständiges Material geboten wird. Nach einer Einleitung über die 
Entstehung der partiellen Dlflerentialgleichungon werden im ersten Buche die Arbeiten 
von Lagrange nnd PI äff auseinandergesetzt und durch zahlreiche Beispiele veranschaulicht. 
Das zweite Buch bringt die Untersuchungen von Jacobi mit einer Vereinfachung von 
Clebsch, forner die Methoden von Bour, Korkino, Boole und Mayer. Das dritte Buch 


148 Vebsinb- xthd PsBSOinBiniACHRXCHTBir. ZiiTscRHiPr FÜB IsranüimrnarxuitDc. 


endlich giebt die Darstellung der C au chy^ sehen und Li ersehen Methoden. In zahlreichen 
Anmerkungen ist auf die Quellen Bezug genommen. Zur Ergänzung in funktionen- 
theoretischer Hinsicht ist im Anhang I eine Abhandlung von Frau von KowaleTski aus 
CrelWs Journal. 80. Zur Theorie der partiellen Differentialgleichungen beigefügt, in welcher 
die Frage der Existenz des allgemeinen Integrals behandelt wird. Anhang II giebt die 
Uebersetzung der werthvollen Jmschenetskj^schen Arbeit aus Gfrunert's Archiv j welche 
für die Differentialgleichungen zweiter Ordnung fast dieselbe Bedeutung hat wie die 
M an sio nasche Uebersicht für diejenigen erster Ordnung. Anhang III enthfilt die 
Uebersetzung eines kleineren Aufsatzes von Darboux, gleichfalls über die partiellen 
Differentialgleichungen zweiter Ordnung. Den Schluss bildet ein soigf^ltiges, ausführ- 
liches Autorenverzeichniss. — Man darf Herrn Maser Dank wissen, dass er die stattliche 
Sammlung von mathematischen Meisterwerken, welche uns seine rege und umsichtige 
Thatigkeit seit einer Beihe von Jahren vermittelt hat, unablässig zu vermehren 
bcmtlht ist. Kr. 


J. Oray, Les machines ilectriques ä influence, Traduit par O, Pellissier. Paris. M. ^,20. 
T. Schwartze. Telephon, Mikrophon, und Eadiophon, mit besonderer Rücksicht auf ihre 

Anwendung in der Praxis bearbeitet. 3. Aufl. Wien. M. 3,00. 
H. Ombb. The construction of telescopic ohjectglasses for the international Photographie 

survey of the heavens, Dublin. {Transact Royal Soc.) M. 1,50. 
H. Blesdnger. Die elektrische Beleuchtung industrieller Anlagen, einschliesslich aller 

Theile in Theorie und Praxis, für Nicht -Elektrotechniker. Kiel. M. 2,70. 


Vereins- und Persenennaehrleliteii. 

Deutsche Gesellschaft für Mechanik und Optik. Abtheilung Berlin. Sitzung vom 1. März 

1892. Vorsitzender: Herr Haensch. 

Herr F. S. Archen hold-Halensee sprach über die Nebelfleckenforschnng vor 
und nach Einführung der spektroskopisch -photographischen Beobachtungsmethoden. Die 
Kant-Laplace'sche Hypothese über die Entstehung des Sonnensystems finde, so führte 
der Kedner aus, eine wesentliche Stütze in den Ersclieinungsf oimen , welche die Nebel- 
flecken bieten. Gerade die Photographie habe in den letzten Jahren hierin bahnbrechendes 
geleistet, indem sie zur Entdeckung von Nebelflecken geführt habe, die selbst mit den 
stärksten Femrohren sehr schwer zu erkennen seien und indem sie die inneren Strukturen 
der bekannten grossen Nebel in viel schärferer Weise wiedergab, als es der Beobachter 
im Stande sei. Redner wies nach, dass beim Photographiren von Nebelflecken grosse 
Objektive mit grosser Brennweite minder werthvoll seien als kleine, bei denen das Ver- 
hältniss von Oeflnung zur Brennweite möglichst gross sei und zeigte eine Anzahl von 
Bildern vor, die er mit einem gewöhnlichen Portrait-Objektive aufgenommen hat. Er 
erläuterte femer an Projektionen von Diapositiven die einzelnen Phasen der Wehenbildung, 
wie sie uns die Nebelflecken zeigen, so das Zerreissen des Nebels, das Abtrennen eines 
Kinges, die Kembildung u. s. w.; auch führte der Vortragende Gebilde vor, deren Aus- 
sehen auf elektrische Kichtkräfte schliessen lassen. Im zweiten Theile des Vortrages 
wurde unter Vorfühmng von Experimenten die chemische Zusammensetzung und die 
Bewegung der Nebelflecken besprochen, wie sie die Spektroskopie erkennen lehrt und auf 
die noch grosse Zahl der angedeuteten Linien in dem Nebolspektrum hingewiesen. Die 
Anwesenheit von Stickstofl* und Wasserstoff in den planctarischen und unregelmässigen 
Nebeln seien mit Sicherheit nachgewiesen und das Vorhandensein der Da -Linie wahr- 
scheinlich gemacht. 


ZwOlftor Jakrf»Bg. April 1892. 


Patsntschau« 


149 


Nach dem mit grossem Beifall aufgenommenen Vortrage wurde auf eine Anregung 
des Herrn Direktor Dr. Loewenherz, welcher über eine Unterredung mit Herrn Direktor 
Jessen berichtete, die geplante Umwandlung des halbjährigen Kursus der Fachschule in 
einen jährigen besprochen. Die Versammlung war nicht für eine solche Veränderung; 
die Einsetzung eines technischen Beirathes für die Schule wurde von verschiedenen 
Seiten gewünscht. Der Schriftführer: Blaschke. 





Fig. 1. 


Fig. 2. 


Patentscltav. 

Ertheilte Patente. 

Werkzeug zum Auebebren von HohlkHOOln. Von Maschinenfabrik Esslingen in Esslingen. Vom 
3. Februar 1891. Nr. 60081. Kl. 49. 
In der Bohrstange B ist die Scheibe 5* dreh- 
bar augeordnet Letztere trägt das Bohrmesser K 
und wird von der zu einem Stemrade R ausgebil- 
deten Schraubenmutter und Stange L nebst Schub- 
stange S ruckweise bei jeder Umdrehung von B 
gedreht 

Vorrlolitmo z«r Herttelluno vou Llohtpaoson. Von C. Prött in Hagen. Vom 17. Februar 1891. 
Nr. 59820. Kl. 57. 

Diese Vorrichtung besteht aus 
einer biegsamen, elastischen Platte 
(Fig. 1), der mittels der Spannschraube B 
eine beliebigeKrümmung gegeben werden 
kann, um die Zeichnung und das Pause- 
papier zu spannen. Das Festklemmen 
der letzteren auf die Platte wird mittels 
der umlegbaren Schienen c (Fig. 2) bewirkt, welche mit ihren Lagern a6 an der Platte A ver- 
schiebbar sind. 

QlOOksllber-KOMpeneafkNispendel. Von S. Riefler in München. Vom 20. März 1891. Nr. 60059. Kl. 83. 

Die Hauptmasse des Pendels besteht aus einer schweren Linse; als Pendelstab ist ein 
auf beträchtliche Höhe mit Quecksilber gefälltes dünnwandiges Rohr (am besten aus Stahl) an- 
gewendet Während die Wirkung des Grab am 'sehen Kompensationspeudels darauf beruht, dass 
der Schwerpunkt der Schwingungsmasse (des Quecksilbers) bei jeder Temperatur annähernd auf 
derselben Höhe bleibt, gleicht hier die Wirkung der Kompensation dem Einfluss, welchen ein 
Zulagegewicht auf die Schwingungsdauer eines Pendels ausübt. Nimmt die Temperatur zu, so 
sinkt der Schwerpunkt der Pendellinse etwas herab, und das Pendel wird in Folge dessen lang- 
samer schwingen; allein gleichzeitig steigt das Quecksilber im Rohr, und der kleine Quecksilber- 
zy linder, um welchen die Säule erhöht worden ist, wirkt als ein Zulagegewicht und beschleunigt 
die Schwingungen. In Folge der Vcrtheilung einer geringen Quecksilbermenge auf eine grosse 
Länge haben sowohl die Ungleichheiten der Temperatur in den unteren und oberen Luftschichten, 
als auch plötzlichen Temperaturschwaukuugeu nur einen kleinen £iniluss. Femer erfordert dieses 
Pendel nur etwa V5 soviel Quecksilber als das Graham^sche. 

Da die Kompensation von dem Gewicht der Pendelmasse abhängig ist, so lässt sich 
durch dessen Vermehrung oder Verminderung ohne Aenderung der Quecksilbermengo die Kom- 
pensation berichtigen. 

Deppelferarobr Mit Konpass. Von Ed. G. King in San Francisco, Kalifornien, V. St A. Vom 

13. Januar 1891. Nr. 59123. Kl. 42. 

An Doppelfemrohren wird, um Zapfen D drehbar, ein mit 
Feststellvorrichtung ausgerüsteter Kompass Km der Weise angebracht, 
dass der Kompass waagrecht eingestellt werden kann und die gemein- 
same Sehaze der beiden Rohre hierbei genau in die Schwingungsebene 
der Kompassaxe fallt Die Einrichtung dient dazu, um bei freihändigen 
Beobachtungen die Magnetnadel in ihrer jeweiligen Stellung feststellen 

und die entsprechende Richtung alsdann zu beliebiger Zeit ablesen zu können. 

IS 



_ AatnMdbkrMiettr. Von Dennert & Pape in Altona. Vom 37. Januar 1891. 

Nr. 6912t Kl. 42. 

Der in bekannter Weise von dem Barometer beth&tigte Hebel tl tr&gt 
eine Hülse g, die durch die Feder f gegen die den Zeiger / tragende Spindel k 
gedrängt wird und mit ihrer Spitze h in eine schraubenförmige Nnt i der- 
selben eingreift. In Folge der auf- oder abwärta gehenden Bewegung des 
Hebels d musa die Spindel k und somit auch der Zeiger / eine Kreisbewegung 
ausführen and die betreffenden Luftdrucke anzeigen. 
Vtrriohtiiag zun Anzulgea der Druckunl«r»eh)eda In 
zwei geasndarten Liftrthrleitungei. Von H. 
W. Schlotfeldt m Kiel. Vom 9, Novbr. 
1890. Nr. 69355. Kl. 42. 
Mit den beiden gesonderten bei a ange- 
schlossenen Luftroh rieitun gen sind Ewei dmck- 
meBsende Federn f (Plattenfedem, ßourdonfedem 
11. dcrgl.) in Verbindung gebracht, die beide, aber 
jede der anderen entgegenwirkend, einen und denselben Hebel H des 
Zeigerwerkes beeinflnasen, so dass dieser stets von der dem grösseren 
Dmck ausgesetzten Fed<:r in einem Maasse bewegt wird, welches dem 
Drucküberschuss entspringt 

Einstillvarrlohtuig für photographluhs Objektive. Von Ernst 
Gundlach in Hochester N.Y., V. St A. Vom 3. De- 
wimber 1890. Nr. 59271. Kl. 57. 

Zum Einstellen der Blendenöffnung und gleichEoitigero 
Nähern oder Entfernen der Linsen A und ß sind mit dem 
zum EiDBl«1lBQ der Blendenöffnung dienenden Ringe Ewei 
mit rechts- und linksgängigem Gewinde versehene Rohre e 
und g verbunden. Diese fassen über die mit entsprechenden 
Gewinden verseheneu, auf bezw. in festen Rohren h und c 
gleitenden Linsenträger rn und i. 



n Kamseu, Kauton Schaffhauseii, Schweiz. 



Apparat im Zelohaan nach der Natur. Von J. Schwer! 
Vom 4. Oktober 1890. Nr. 68972. Kl. 42. 
Der Apparat hat die Form einer Schachtel und 

ist zum Zusammenlegen eingerichtet Beim Zeichnen wird 

die mit einem Spiegel A ausgerüstete Schiehlade C aus- 
gezogen, festgestellt und der Spiegel R aufgesetzt, wie 

die Zeichnung zeigt. Der Pantograph P oder ein sogen. 

Uummibandzeichner wird nun so angebracht, dass er sich 

zwischen Spiegel und Schachtel bewegen kann. Hierauf 

nimmt der Zeichner den Apparat auf die Kniee oder legt 

ihn irgendwo auf, sieht in den Spiegel A, in welchem er 

das Bild des Spiegels R mit dem Bilde des zu seichnenden 

Objektes erblickt, ebenso das Bild der Afaeehspitze des Pantographen 

Absehspitze auf den Gegenstand. Er fasst den Bleistift und führt mit diesem auf dem unter- 
legten Papier so umher, dass die genannte Absehspitze die Kon- 
turen des Gegenstandes umschreibt Man zeichnet auf diese 
Weise ein perspektivisclies Bild des Gegenstandes. 
' Die Patentschrift enthält noch eine zweite Ausführungsform, 

hei welcher der Apparat in senkrechter Lage benutzt wird und 
der Spiegel R fortfällt. 

Vorrloiitung zur Erzngang voa Magnulan-BlltlilcliL Von L. Habel 
I in GSrlitB. Vom 20. Juni 1890. Nr. 68825. KL 57. 

Diese Vorrichtung hat mit der im Patent Nr. 54433 
beschriebenen (vergl. ilieiie Xeibw^lir. ili9l, & 'JOl) das gemein, 

dass sich das Magnesium pul vcr vor seinem Eintritt in die Zündllamine mit Benzingas mischt 

Die Ucberfiihrung des Pulvers aus dem Behälter A unter das Aiisblaserohr ( und du Luft- 


ZwStfUrJakrgMiv. April 1992. 


Patemtbchaü. 


161 




bezw. GasznftihruTigsrohT t wird mittels einer drehbareD Trommel/' mit U- förmigen Bohrungen m 
bewirkt. Um ein Mischen des Pulvers mit dem durch das Bohr t zugefährten Benzingas her- 
beizuführen, ist dem Ausblaserohr k eine geringere Weite gegeben als der Bohrung m. 

Ladevorrichtung für MagnesiuM-BlItzlampeii. Von der Firma Ramspeck &Knoblich in Hamburg. 

Vom 16. April 1891. Nr. 59282. Kl. 57. 

Der Magnesiumbehälter P ist um ein zylindrisches, mit einem Druck- 
lufterzeuger verbundenes Rohr R - drehbar. In dem oberen Theil des letzteren 
sind Vertiefungen i zur Aufnahme des Magnesiumpulvers angebracht, die durch 
Oeffnungen x mit dem Innern des Rohres in Verbindung stehen, so dass ein in 
dem Rohr R herbeigeführter Ueberdruck das Magnesiumpulver in die Flamme a 
schleudert. 

Vorrichtung zun Reguiiren von Uhren auf eloktrlschem Wogo. Von L. y. Orth in 
Bcriin. Vom 22. November 1890. Nr. 59454. Kl. 83. 

Die zu regulirende Uhr ist so eingerichtet, 
dass sie stets etwas vorgeht. Auf ihrer Minuten- 
welle ist eine Scheibe b befestigt, die mit ihrem Einschnitt c in 
einem bestimmten Zeitpunkte, etwa wenn die zu regulirende Uhr 
auf 12 Uhr zeigt, genau dem Haken d des Ankerhebels h gegen- 
über steht. Um diese Zeit schliesst die Normaluhr den Strom- 
kreis des Elektromagneten 6 und unterbricht ihn, wenn sie selbst 
(die Normaluhr) genau 12 Uhr angiebt. Während des Strom- 
schlusses hält der Elektromagnet seinen Anker h angezogen, und 
dessen aufwärts gerichteter Arm greift somit in das Steigrad s 
ein und hält dadurch die Uhr bis zur Stromunterbrechung auf. 
Das Pendel schwingt inzwischen weiter, ohne die Uhr zu 
beeinflussen. 

fialvanioohes Element mit einor positivon Polplatte, die aus zwei Leitern erster Klasse besteht. Von 
Auguste de M^ritens in Paris. Vom 9. Dezember 1890. Nr. 59677. Kl. 21. 
Der negative Pol dieses Elementes, bei welchem als Erregerflüssigkeit verdünnte Schwefel- 
säure und Salpetersäure oder verdünnte Schwefelsäure allein verwendet wird, be> 
steht aus einer Zinkplatte, der positive Pol dagegen aus einem in sich geschlossenen 
Doppelelement von Blei -Aluminium, Blei -Platin oder Blei -Kohle. Der entstehende 
Wasserstoflf wird dazu verbraucht, das unter Einwirkung der Salpetersäure auf der 
Bleiplatte sich bildende Bleiozydul zu reduziren, so dass eine Polarisation des 
Elementes verhindert wird. 

Wird verdünnte Schwefelsäure allein als Erregerflüssigkeit benutzt, so dass 
also kein Bleioxydul entsteht, so wird der frei werdende Wasserstoff an dem posi- 
tiven Theile des Doppelelements, dem Aluminium, dem Platin oder der Kohle, sich 

ansammeln und das Blei freilassen. Eine Polarisation 
tritt also nicht ein. 

DHTorentJal-Danpfipannnngsthornomoter mit Einrichtung zun Fornmoldon 
der Tomporttur. Von H. Hartl in Reichenberg i. B. Vom 
2. Mai 1891. Nr. 59682. Kl. 42. 

Eine U- förmig gebogene, verschlossene Glasröhre Ö ist an 
ihren Enden zu Kugeln erweitert und bis etwa zur halben Höhe mit 
Quecksilber getlillt. Während über dem Quecksilber auf der einen 
Seite komprimirte Luft abgesperrt ist , befindet sich auf der anderen 
Seite , auf dem Quecksilber schwimmend , ein Tropfen a von Alkohol 
oder Aether. Bei jeder Temperaturveränderung ändert sich die 
Spannung in dem mit gesättigten Dämpfen erfüllten Räume mehr, 
als in dem mit Luft gefüllten. Es findet daher eine Verschiebung 
des Quecksilbers nach der Seite hin statt, wo der geringere Druck 
herrscht. In Folge dessen legt sich die wie ein Waagebalken auf- 
gehängte U- Röhre nach einer Seite hin um, oder das Quecksilber 
steigt in dem einen Rohr in die Höhe, wenn die U- Röhre un- 
beweglich ist In beiden Fällen wird die betreffende Bewegung nach dem bekannten Prinzip 
der Wheatstone'scheu Brücke in die Feme übertragen. 




ZimcBMin Hhi Im» 


SlaUv all nunmflMhMbircn SohtRkeln. Von Westpbal & Etzold in Leipiig-ReaiiDits. Vom 

18. Januar 1891. Nr. 597«, Kl. 43. 

Die Beine sind auB mehreren teleekopifcb in einander verschiebbaren Tbeilen gebildet, 
welche mittela koniacher Gewindestücke g verbunden werden. £b genügt daher eine 
ganz kurze Drehung, nm die Verbindung herzustellen. Die beiden obersten Schenkel- 
tbeile sind zwar in einander verschiebbar, aber nicht drehbar angeordnet and mit 
einer Stellvorrichtung versehen, nm die Schenkel versckieden lang 


Verttellbuw Tanp«ritinieM«-. Von Tb. Weisser in Vöbrenbacfa, 

Baden. Vom 11. VOxz. 1891. Nr. 59766. Kl. 42. 

Das U- förmige, zum Theil mit Quecksilber gef&Ute Glurobrp 
ist an aetuem kürzeren Schenkel geschlossen, so dass daselbst ein gewisses 
Quantum Luft abgesperrt üt. In den offenen Schenkel ragt ein MetaJlrohr x 
hinein, das sich durch ein Zahnrad h und eine Zahnstange t verschieden hoch 
stellen liest Steigt nun bei wechselnder Temperatur durch die Ausdehnung der 
geschlossenen Luft das Quecksilber im offenen Schenkel, ho wird es endlich das 
auf une gewisse Temperatur eingestellte Rohr z berähreu und einen elektrischen 
Strom Bchliessen, wodurch vermittels eines Läutewerkes dieses Eintreffen in die 
Feme gemeldet wird. Um auf ähnliche Weise das Erreichen einer unteren 
Temperatnrgrenze in die Feme zu melden, bt in dem Bohr ; ein leichtes Bein- 
stängelchen k beweglich angebracht, das unten in ein auf dem Quecksilber 
schwimmendes Plättcben n endigt. Sinkt bei abnehmender Temperatur das Queck- 
silber im offenen Schenkel, so folgt ihm das Plättchen « und bewirkt im ge- 
eigneten Augenblick zwischen in und a einen Slromscbluss, wodurch ebenfalls 
ein Läutewerk in der Feme bethätigt wird. 


BrHItnietML Von Tb. A. Will 


Reading, Pennsj'lv., V. St. A. Vom 13. Hai 1891. 
Nr. Ö976T. Kl. 42. 
Die Konstruktion dieses Brilleugeetelles zielt auf 
grosse Billigkeit ab. Die Fassung der Glaser bat die 
in Fig. I dargestellte Form. Auf die Drahtenden a wird 
das aus Blech durch Stanzung erzeugt« Schamientäck, 
"'>' '* "■' '' Fig. 2, aufgeschoben, und sodann werden die vor- 

stehendcu Kanten der Lappen d mittels irgend eines geeigneten Werkzeuges umgebogen. 



Ilayr. Iiiilastr'ie- «. OeieerhthlnU 


Pflr die Werkstatt. 

SehlUsHlnwl fUr HirtlBrn verachisdeier firine. Von Lagrcllc 
23. S. 464 {iS'Jl) aus Revue indattrkUe. 

Passt ein Schlüssel nicht ganz genau an eine Mutter, ist er nur eine Kleinigkeit weiter 
als der Abstand der Huttemflächen , so werden beim Anziehen oder Lösen einer Mutter immer 
nur zwei Linien der Maulaeite arbeiten. Dieser Umstand ist hier benutzt 
Die Maulseiten sind (s. die Figur) nicht wie gewöhnlich parallel, sondern 
schräg zu einander und die eine ist mit Zähneu versehen. Fttbrt man eine 
Mutter in das Maul ein, so wird sie jo nach ihrer Grösse mehr oder weniger 
^^ tief in dasselbe eindringen. Dreht man den Schlüssel so, dass die Sache 

■^ j'^^ Maniseite vorwärts geht, so wird diese wie die Sei'e eines gewöhn liehen 
1 \ Schlüssels arbeiten, von der anderen Seite wird ein Zahn die Mutter packen und 

%-^ J mitnehmen. FQr fein bearbeitete Muttern ist dieser Schlüssel freilich nicht ge- 
eignet, für rohe Muttern aber dürfte er ein bequemes Werkzeug sein und für 
etwa sechs Grössen genügen. Auch als Rohiscblüesel soll er gut verwendbar 
sein und starke Beanspruchung aushalten, wenn man das Maul ans hartem, zähem 
Stahl herstellt (Vergl. die Notizen über ähnliche Vorrichtungen, ilitte Xtitichr. 1888 & 444, 
1889 8. 80 und 1891 S. 386.) 



Zeitschrift fllr Instrumentenkunde. 

Redaktiana 'Kuratorium: 
Geb. Rcg.-R. Prof. Dr. If, Landolt, H. HaenBch, • Direktor Dr. L. Loewenberzi 

▼ •rsilavBdar. Bei^ltaer. ««hrlftfVhrar. 


Kedaktion: Dr. A. Westphal in Berlin. 


Xn. Jahrgang. Mal 189». Fünftes Heft. 


Einige Bemerkungen über Teleskope. 

Von 
Dr. Ha§ro Bchroeder in London. 

I. Bekanntlich ist sehr Vieles über die möglichst vollkommene Auf- 
hebung der sphärischen Abweichung in Doppelobjektiven für astro- 
nomische Fernrohre geschrieben; es scheint aber Niemand eingefallen zu sein, 
einen Weg zur gänzlichen Beseitigung derselben (wenigstens für einen Lichtstrahl 
von einer bestimmten Wellenlänge absolut genau und für die Strahlen anderer 
Wellenlängen sehr nahe) anzugeben, wie ich ihn mit Erfolg bei den meisten 
grossen Objektiven, welche ich angefertigt, angewandt habe. Veröffentlicht habe 
ich niemals Etwas hierüber, nur einmal mit Prof. Quincke vor vielen Jahren 
darüber korrespondirt. 

Mein Verfahren besteht darin, drei Flächen meiner Objektive streng 
sphärisch herzustellen und der 4*®° Fläche (meist der letzten dem Okular zuge- 
kehrten) eine passende, nicht sphärische Kurve zu ertheilen, welche die Reste 
höherer Ordnung für die Mitte des Sehfeldes auf Null bringt. Man kann dies 
nun auf verschiedene Weise ausführen. Die technisch am leichtesten durchzu- 
führende Art ist die, dass man einen kleinen Rest der sphärischen Ueber- 
korrektion (für die ganze Fläche) in der Rechnung lässt, unter der Voraussetzung, 
dass die 4** Fläche sphärisch sei. Es ist dann leicht, die Differenzen zwischen 
der unbekannten Kurvbe und der sphärischen in absolutem Maass für eine Anzahl 
Zonen des Objektivs durch Rechnung zu finden und praktisch mit Hilfe meiner 
Polirmaschine unter Kontrole meines Fühlspiegels auszuführen, indem man direkt 
nur die Differenz misst, welche mein Fühlhebel bis auf Y20 X angiebt. 

Ein anderer Vortheil ist noch mit dieser Methode verbunden, dass man mit 
Erfolg auch Konstruktionen anwenden kann (die anderweitige Vortheile .bieten), 
welche man unter Beschränkung auf rein sphärische Flächen wegen des ihnen 
anhaftenden Fehlerrestes höherer Ordnung nicht hätte ausführen können. Kon- 
troliren lässt sich die so erreichte vollkommene Aufhebung leicht dadurch, dass 
man das Objektiv vor einem Planspiegel (event. einem Quecksilberhorizont) in Auto- 
kollimation (sog.FoucauIt'sche Probe) ^) untersucht. Im Fall der vollkommenen 
Aufhebung fUhrt die Grenze zwischen Hell und Dunkel wie ein Blitz über die 
ganze Fläche bei der geringsten Verstellung der Schneiden. Wendet man hierzu 
monochromatisches Licht verschiedener Farben an, so kann man natürlich auch 
solche Fehler kontroliren! 

Will man diese Probe noch mehr verschärfen, so kann man meine Methode 
der potenzirten Autokollimation anwenden, welche darin besteht, dass man den 


*) Vgl. Recueil des travaux scientißques de Leon Foucault. Paris. Gauthier Villars 1878. S. 232, 

Memoire sur la conttruction des telescopes en verre urgente, 

13 


154 ScHROEDEB, TuLEBIOFH. 


Lichtkegel kurz vor seiner Spitze durcli eiuen kleineu Planspiegel auJRlngt, welcher 
dem grossen Planspiegel parallel gerichtet ist und auf solche Weise die Fehlerrosle 
moltiplizirt , bevor der Lichtkegel das Auge des Beobachters erreicht. Von der 
Feinheit dieser Probe kann man sich nur einen Bogriff machen, wenn man sie 
gesehen hat. 

So weit mir bekannt geworden ist, wendet übrigens Alvan Clark ein ganz 
ähnliches Prinzip auf rein empirischem Wege an, und es ist einem Sachkenner 
dadurch leicht erklärlich, dass gute grosse Objektive, welche nach allen 
Regeln der Wissenschaft hergestellt sind, sich aber auf rein sphärische Flächen 
beschränken, wie die Untersuchung mit dem Probeglas solche liefert, nicht 
konkurrenzfähig sind! 

Vorstehendes zeigt Übrigens, wie sehr der spekulirende Theoretiker Gefahr 
läuft, den Boden der Wirklichkeit unter den Füssen zu verlieren, wie z. B. u. A. 
Herr Moritz Mittentzwei, welcher in seiner Abhandlung in Nr. 3397 der Astro- 
iiomischen Nachrichten derartige irrige Behauptungen aufstellt, die nur dazii geeignet 
sind, das astronomische Publikum über die Qualität meiner Objektive irrezuleiten! 

II. Um das absolute Quantum der sphärischen Aberration von vornherein 
auf ein Minimum für kleinere Objektive zu bringen, bei welchen sich die An- 
wendung des Verfahrens von I. nicht lohnen würde, habe ich mit Erfolg eine 
Konstruktion angewandt, die ich nirgends beschrieben finde. 

Anstatt wie Ealer früher vorgeschlagen, die Kronlinse ins Minimum der 
sphärischen Aberration zu stellen und dann durch Rechnung die Form der Flint- 
linse zu suchen, stelle ich das ganze Objektiv in das Minimum der sphärischen 
Aberration! Besonders vortheilhaft zeigt sich diese Konstruktion unter An- 
wendung der neuen Gläser von Schott & Gen., z. B. Krön No. 16 mit FÜnt 
No. 65. Die Innenflächen werden bei solchem Objektive fast gleich und liegen 
(was ein grosser Vortheil ist) am Rande auf, wodurch die Stanniolplättchen 
erspart werden und zwar in je dem Falle, es mag Krön oder Flint voranstehen. Auch 
kann der Sinusbedingung bei diesem Objektiv genUgt werden, was nicht gut 
möglich ist, wenn man Ealer's oben erwähnte Konstruktion anwendet. Bei Euler's 
Form werden die Reste der sphärischen Aberration {bei Anwendung rein 
sphärischer Flächen) sehr gross, bei meiner Konstruktion, zumal mit Gläsern wie 
No. 16 und No. 65, sehr klein! 

Diese Gläser haben noch den Vortheil „Wind und Wetter" vertragen 
zu können. 

III. Neue Konstruktion der Sucher für grosse Teleskope: Es 
'ist für den Beobachter, zumal für astrophysikalische Arbeiten srfr angenehm, das 

Sucherokular unmittelbar neben dem Okular 
des Reflektors zu haben. Folgende Eiurichtung 
schlage ich für diesen Zweck vor: 

In a (Fig. 1} befindet sich der Objcktlv- 
spiegel des Reflektors, in b der Fangspiegel 
(Plan-), event. ein dreiseitiges Prisma für Total- 
reflektion, in c das Okular. Nun ist der Haupt- 
tubuB bei li entsprechend dm-chbohrt und trägt 
Sucherobjektiv befindet sich gleichfalls ein unter 
E totalreflektircnde Prisma e, so justirt, dass die 
Is mit dem um 90" abgelenkten axialen Strahl 


Zwölfter Jalurgaag. Mai 1892. Hammkb, Tachyhstrib. 155 

des Suchers parallel ist. In f befindet sich das Sucherokular mit gleicher Her- 
vorragung und in passender Augen distanz vom Teleskopokular c, so dass man 
event. (bei nicht zu unbequemer Lage des Teleskops) mit beiden Augen zugleich 
das Feld des Suchers und das des Teleskops betrachten kann, um irgend ein 
schwieriges Objekt in die Mitte des Teleskopfeldes zu bringen. 

Diese Einrichtung lässt natürlich noch mancherlei Abänderung in den 
Details zu, wozu u. A. gehören wtlrde, dass man behufs Erweiterung des Sucherfeldes 
das Prisma e vom Okular aus kontrolirbar sowohl um die Sucheraxe drehen, als 
auch etwas neigen kann. Man kann auf solche Weise leicht ein Feld von der 
Grösse vieler Quad^atgrade absuchen. 

Fig. 2 stellt eine ähnliche Vorrichtung für den Sucher eines Refraktors 
dar, bei welcher die Einrichtung getroffen ist, dass der Beobachter (ganz nach 
seinem Willen) entweder das Bild des grossen 
Refraktorobjektivs oder das vom Sucherobjektiv 
erzeugte Bild unter Anwendung desselben 
Okulars und Fadennetzes betrachten kann. 
In dieser schematischen Skizze sieht man in 
a das Objektiv des Refraktors, in h dessen ^^•-' 

Okular (das zugleich als Sucherokular dient), in ß das Fadennetz, in c am durch- 
bohrten Tubus das Sucherobjektiv, in d entweder einen Planspiegel unter 45^ 
geneigt, oder ein totalreflektirendes Prisma. Der unter 45 ^^ geneigte Planspiegel e, 
welcher von dem gekrümmten Arm f nebst Griff getragen wird, kann mit Hilfe 
dieses Arms in das Sehfeld des Refraktors gebracht werden, um das Bild des 
Suchers im Okular erscheinen zu lassen, und gleichfalls daraus entfernt werden. 
Ein Anschlag sichert seine Justirung. Der unter 45° von e reflektirte axiale 
Strahl des Okulars h durchsticht die Mitte des Sucherobjektivs c und wird durch 
das Spiegelprisma d der Hauptaxe des Refraktors parallel reflektirt. 




Zur Oescliichte der Distanzmessung und Tachymetrie. ^) 

Von 
Prof. Kammer in Stuttgart 

In der Zeitschr.f. Vermessungswesen, 18. S. 426 {1889) habe ich darauf hingewiesen, 
dass man nicht so bestimmt, wie es bei uns immer geschieht, Reichenbach als 
den Erfinder, oder vielmehr als den ersten Erfinder des nach ihm benannten 
Entfernungsmessers angeben dürfe. Die dort ausgesprochene Absicht einer be- 
sonderen Mittheil ag hierüber sollen die folgenden Zeilen verwirklichen; ich füge 
auch gleich eine geschichtliche Bemerkung über das zweite Prinzip der „Distanz- 
messung" an, welches neben dem sog. Reichenba ch'schen für die Geodäsie im 
engeren Sinne allein in Betracht kommt. 

Die Notiz Jordan's (Handbuch, 3. Anfl,y II S. 5ö6): „Der Fadendistanz- 
messer wurde, wie es scheint, am Anfang dieses Jahrhunderts von Reichenbach 
in München oder von Porro in Mailand erfunden" ( — vgl. auch a. a. 0. S. 654, 
§176; es wird dort die Mittheilung von Steppes in der Zeitschr. d. Hannov. Ing.- 
u, Ärch.'Ver. 1884 S. 456 wiederholt, nach der im Jahre 1813 die ersten Reichen- 


*) Der erste Theil dieser Notiz ist bereits in der 2^Uschrift für \ ermessungswesen 20, 

S. 295 (1891) erschienen und wird mit Genehmigung der Redaktion genannter Zeitschrift zum 

besseren Yerständniss des zweiten Theiles hier wieder abgedruckt. D. Red. 

13* 


156 HaMMEB, TaCHYMETRIE. ZElTSCHJUrr für IlfSTRÜllBKTBKKÜlfDE. 


b ach 'sehen Distanzmesser, nach zweijähriger Erprobung der Vortheile des In- 
struments, dem Gebrauch übergeben wurden, man hätte also etwa 1810 als Jahr 
der Reichenbach'schen Erfindung anzusehen — ) giebt v. Bauernfeind Ver- 
anlassung zu folgenden Bemerkungen {Elemente 7. Aufl, I S, 417): „Dieser Zweifel 
war unserer schon im Jahre 1856 ausgesprochenen bestimmten Behauptung gegen- 
über, dass Reichenbach der Erfinder des Fadendistanzmessers sei, kaum mehr 
erlaubt . . ."; es handelt sich dabei für v. Bauernfeind ;, wesentlich nur darum, 
die Münchener Erfindung gegen die um mehrere Jahrzehnte später erfolgte italienische 
Verbesserung des Distanzfernrohrs in Schutz zu nehmen". Allerdings kam erst 
durch die Kommission, welche im Auftrag des französischen Ministeriums der 
öffentlichen Arbeiten die eigenthümlichen Instrumente Porro's zu begutachten 
hatte, 1849 Kunde von der italienischen Tachymetrie in weitere Kreise; Porro 
selbst hat sogar erst drei Jahre später seine Instrumente und Methoden ausführlich 
beschrieben-, aber die „Reichenbach'sche" Distanzmessung selbst war damals 
in Piemont „seit mehr als 20 Jahren mit grossem Erfolg eingeführt", im Memorial 
du Depot de la Gverre, Tome IV. {Anvee 1826, Paris 1828) wird ausdrücklich hervor- 
gehoben, dass ein ^Ingenieur italien" vor mehreren Jahren die nicht neue Idee 
der Mikrometerdistanzmessung in die Praxis eingeführt habe. So gross also ist 
der Zeitunterschied zwischen Reichenbach und Porro nicht. Ich will übrigens 
hier nicht weiter auf die Verdienste Porro's und seiner Nachfolger in Italien und 
Frankreich um die Tachymetrie eingehen, sondern im Folgenden nur zeigen, dass 
weder Reichenbach noch Porro die (erste) Erfindung des Fadendistanzmessers 
zuzuschreiben ist, sondern, soweit mir bis jetzt bekannt, dem schon in der ein- 
gangs angeführten Stelle genannten Engländer Green; der vorsichtige Ausdruck 
Jordan 's war durchaus gerechtfertigt. 

William Green, ein englischer Optiker und Mechaniker hat schon in den 70er 
Jahren des vorigen Jahrhunderts entfernungsmessende Fernrohre hergestellt 
und sein Verfahren der Distanzmessung in der Schrift: „DescripHon and Vse of an 
ImprovedReflecting andRefracting Telescope and Scalesfor Surveying, London 1778" beschrieben.^) 
Er hat sowohl Reflektoren als Refraktoren zur Distanzmessung eingerichtet durch 
Ausspannung der zwei festen Distanzfäden und Ablesung an diesen Fäden auf einer 
Latte; seiner Latte gab Green die Länge von 20 ZmÄrs(= 4,023 m)^), bei 4 Zoll(= 10 nn) 
Breite; die Lattentheilung ging bis auf 7io ^*«ä (2,01 cm). Die Latte war, wie 
damals üblich, nicht zum Selbstablesen eingerichtet, sondern es wurden zwei Ziel- 
marken an der Latte auf die Fäden eingewiesen und sodann das Lattenstück 
durch den Lattenträger abgelesen. Green sagt, man messe so die Tangente oder 
Sehne, welche je nach der Entfernung der Latte dem kleinen konstanten Winkel 
entspreche, der durch die zwei festen Marken im Fokus des Femrohrs gegeben 
sei. „Diese Methode ist sehr natürlich und einfach und wird bald in der Praxis 
üblich und damit immer mehr vervollkommnet werden." 


1) Ich miiss hier und im Folgenden, da es mir trotz aller Bemühungen nicht möglich 
war, dass äusserst selten gewordene Green* sehe Original zu erhalten , nach Stanley, Surveyi/ig 
aml I^cdiiiig Jinttrumenta ^ Ijondon 1890 (und briefl. Mitth. von Stanley vom 10. März 1891) zitiren, 
wo einige wörtliche Auszüge aus der Schrift Green 's gegeben sind. Ich bemerke übrigens, 
dass ich den wesentlichen Inhalt dieser Zeilen schon in einem Vortrage im Württemb. Verein fiir 
Hau künde (gedruckt Juli 1886) mitgetheilt habe. 

2) 20 links sind ^6 von 1 chain^ dem schon zu Anfang des 17. Jahrhunderts durch Gunter 
(den Erfinder des Rechenstabs) in England eingeführten und seitdem stets im Gebrauch befind- 
lichen Feldlängeimiaass; 1 rhain — 66 fcet = 20,1166 m wird in 100 links zerlegt. 


ZwffirUr Jahr^aag. Hai 1892. HimiEB, TiCHrMBTRlB. 157 


Mit Vorliebe bracLte Green seine entfernungsmessenden Refraktoren (die 
Reflektoren wurden bald aufgegeben) am Theodolit, nicht an der Kippregel an, 
und mit vollem BewuBstsein der Tragweite seiner Erfindung vergleicht er das 
neue Verfahren mit dem sonst damals meist üblichen der unmittelbaren und aus- 
schliesslichen Längenmessung (^lineare Konstruktion^) für die Stückmessung. Das 
Instrument ist etwa in der Mitte des aufzunehmenden Feldes aufzustellen-, „der 
Lattenträger hat sich auf jeden Eckpunkt der Grenzlinien des Feldes zu begeben 
und dort die Latte senkrecht zur Ziellinie des Teleskops aufzustellen . . ." (die 
Distanzfäden konnten übrigens, durch Drehung des Fernrohres um seine Zielaxe 
um 90°, horizontal und vertikal, im letzteren Falle also bei horizontal gelegter 
Latte, benutzt werden). „Nachdem alle Entfernungen und ebenso alle Winkel 
zwischen je zwei Visuren am Theodolit abgelesen sind, kann man die Aufnahme 
in der gewöhnlichen Art» d. h. mit dem Noniusprotraktor und Maassstab auf- 
tragen. . . . Der Feldmesser sieht ein, wie einfach der Flächeninhalt des Feldes 
trigonometrisch bestimmt werden kann, da^ (in jedem der entstehenden Dreiecke) 
„zwei Seiten und der zwischenliegende Winkel gegeben sind. . . . Ich zweifle 
nicht daran, dass man im Ganzen finden wird, die teleskopische Methode^ (der 
Längenmessung im Vergleich mit der Kettenmessung) „sei nicht nur bequem, 
genau und überall anwendbar, sondern durchaus unentbehrlich" (sie habe „neccssity 
itself to recommend rt"). „So kann ein Feldmesser in weniger als zwei Stunden alle 
Abmessungen eines ganz unregelmässigen Feldes erhalten, selbst wenn es 80 oder 
100 acres gross und durch 20 oder 30 ungleiche Seiten begrenzt ist." 

Green, der übrigens andeutet, dass er auf den Rath von Fachleuten hin 
zu seiner Erfindung gekommen sei, theilt auch schon die Resultate von Versuchs- 
messungen mit, welche über die Genauigkeit seiner Lattendistanzmessung Auf- 
schluss geben; er findet, dass die thatsächlich erreichbare Genauigkeit über die 
Grenze hinausgehe, die theoretisch zu erwarten sei, wegen mehrerer der Methode 
eigenthümlicher und von ihr untrennbarer Vorzüge. 

Green spricht ferner ausdrücklich davon, dass die Methode der Distanz- 
messung auch für die Höhenmessungen ausgenutzt werden müsse, „da man Entfernung 
und Neigung zu gleicher Zeit erhalten kann." 

Er hat endlich neben seinem Mikrometer mit festen Distanzfäden auch 
schon eine Einrichtung angegeben, welche die Möglichkeit gewährt, den einen 
Faden etwas zu verschieben; im Okular des Fernrohrs befinden sich zwei feine 
Glasplättchen, deren jedes einen „Faden" trägt und die mit derjenigen Seite, auf 
welcher diese Linie eingerissen ist, unmittelbar aneinanderliegen, so dass die 
beiden Fäden in derselben Bildebene sich befinden. Von diesen beiden Glas- 
plättchen ist nun das eine durch eine feine Schraube verschiebbar. Man 
kann diese Einrichtung benutzen, um den Abstand der Fäden zu rektifiziren; es 
war aber auch nur noch ein kleiner Schritt zum zweiten Prinzip der Lattendistanz- 
messung: konstanter Lattenabschnitt, Messung des mit der Entfernung sich ver- 
ändernden Parallaxenwinkels durch die Mikrometerschraube, welches dem oben 
besprochenen Green' sehen oder Reichenbach 'sehen: konstanter mikrometrischer 
Winkel, Messung des mit der Entfernung variablen Lattenabschnitts koordinirt 
gegenübersteht. 

Mit den vorstehenden Zeilen will ich selbstverständlich durchaus nichts an 
den grossen Verdiensten Reichenbach 's um Distanzmessung und Tachymetrie 
abbrechen oder der bayrischen „Ueberzeugung" entgegentreten; ich kann aber 


158 Hammer, Tachtmetrik. ZEiTiamirr rt* tsBTKxniMmsKVMoM. 


auch hier nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, dass Reichenbach im letzten 
Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts mehrere Jahre lang (als Pensionär des Kur 
fürsten Carl Theodor) sich in England aufhielt und also mindestens die Möglich- 
keit vorliegt, dass er die Erfindung Green's gekannt habe. Irgend eine eigene 
Mittheilung des genialen und vielseitigen Konstrukteurs, der im Verein mit den 
unvergleichlichen Münchener Optikern und Mechanikern so Ausserordentliches für 
den astronomischen und geodätischen Messapparat geleistet hat, in welcher er die 
Erfindung des Faden distanzmessers für sich in Anspruch nehmen würde, scheint 
nicht vorzuliegen. 

Herr Professor Vogler hat schon mehrfach darauf aufmerksam gemacht 
(Graph. Tafeln , S. 148, ferner erst kürzlich in der Zeitschr, für Yermessungswesen 20, 
S. 145)y dass man die vorhin erwähnte zweite Art der Distanzmessung, wenigstens 
in der für die Praxis des Nivellirens benutzbaren Form der Schraubenmessung 
des kleinen Winkels, Hogrewe zuzuschreiben habe, nicht wie es gewöhnlich ge- 
schieht, Stampfer (z. B. von Bauernfeind, I, S. 417: „Diese letzteren Instru- 
mente gingen von Professor Stampfer in Wien aus, der sie zuerst in dem 1839 
erschienenen Buche „Anleitung zum Gebrauch des verbesserten Nivellirinstruments" 
beschrieb"). Es ist nun vielleicht nicht ohne Interesse, dass sich die praktische 
Anwendung dieser Distanz- und Höhenmessung schon etwas vor Hogrewe nach- 
weisen lässt (wann zuerst?). Professor Tralles in Bern gebrauchte 1797 zum 
Nivelliren einer Basisstrecke bei Walperswyl (vgl. Allgem, geogr. Ephemeriden, herausgeg, 
von V. Zach, Bd. I, 1798, S. 274) ein Nivellirinstrument, dessen Zielaxe er absicht- 
lich nicht genau parallel zur Libellenaxe zu machen suchte, da er es für sicherer 
hält, „ein kleines, aber zu beobachtendes e" (Winkel zwischen Zielaxe und Libellen- 
axe) „zuzulassen, als durch Versuche die Kollimationslinie des Fernrohrs der 
Libelle parallel zu machen und dann horizontal zu stellen". Für diese Nivellirung 
mit konstant unter e geneigter Ziellinie erhielt er aus einem Instrumentenstand- 
punkt C zwischen den Wechselpunkten A und 5, deren Höhenunterschied bestimmt 
werden sollte, wenn in A bezw. B die vom Instrument einzuweisenden Stabzeichen 
(Lattenschieber) in den Höhen /*, bezw. g über A und B gefunden und wenn die 
Entfernungen GA = a, CB = h gemessen wurden, den Ausdruck: 

2 1 2 

A^Br=g^f+{a--h)ige^ ^- ; 

das letzte Glied, die Korrektion für Erdkrümmung ist , wie das Hauptglied selbst, 
um so kleiner, je weniger a und h verschieden sind (Nivelliren aus der Mitte) und 
ebenso kommt auch bei den damals genommenen zwar langen, aber wenig ver- 
schiedenen Vor- und Rückblicken die Refraktion nicht in Betracht, so dass sie 
Tralles nicht in seine Formel aufnahm. „Da wo man", fährt nun Tralles fort, 
„einzig die Nivellirung zum Zweck hat, kann man ohne unmittelbare Messung der 
Entfernungen wie a und b die Sache verrichten, wenn das Fernrohr zum Nivelliren 
zugleich die Einrichtung hat, die nie fehlen sollte, kleine Winkel mit Genauigkeit 
zu messen" (hier kann nur eine Mikrometerschraube gemeint sein, die auch für 
andere Zwecke schon längst als Messschraube eingeführt war). „In diesem Fall 
nämlich kann man aus dem Winkelwerth einer bestimmten Entfernung 
auf den Stäben in A oder B die Entfernung genau genug herleiten." 


Zwölfter Jabrgang. Kai 1892. Ha»imer, TACHTldSTlinc. 159 

yKachtrag.' 

Aus Anlass der VerofFentlicliung der vorstehenden Notiz sind mir mehrere Briefe 
mit dankenswerthen und mir z. Th. neuen Hinweisen u. s. f. zugekommen In einem 
dieser Briefe (von Herrn Kataster-Ingenieur Bojardo in Rom) wird die Erfindung 
des ^Fadendistanzmessers" dem Mechaniker W. Green abgesprochen und Mou- 
tanari zugeschrieben. Herr Bojardo hat mich dabei auf die Schrift von Prof. 
P. Riccardi (an der Universität Bologna) „Cenni sulla Storia äella Geodesia in Italia'^ 
aufmerksam gemacht, die mir bisher nicht bekannt geworden war, und mich 
ferner auf die Ausführungen S. 278 und 279 der „Istrummti e Metodi moderni di 
Geometria applicata" von Salmoiraghi verwiesen, die mir bei der Benutzung dieses 
Werks seither ebenfalls entgangen waren. 

Bekanntlich hat man lange Zeit dem verdienten Astronomen Geminiano 
Montanari aus Modena überhaupt die Einführung des Fadenkreuzes und Faden- 
mikrometers im Femrohr zugeschrieben; es haben aber Morin, Auzout und der 
treffliche Picard in Frankreich schon früher als Montanari durch das Faden- 
kreuz das Teleskop zum Messfernrohr gemacht, ja es darf jetzt als ausgemacht 
gelten, dass auch ihnen nicht das Verdienst der ersten (wenn schon der unab- 
hängigen) Einführung zukommt: William Gascoigne hat schon etwa 1640 (er 
fiel, 24iährig, als Anhänger CromwelTs in der Schlacht bei Marston Moor 1644) 
vollständige Fadenmikrometer in seine Fernrohre eingezogen und sie zu Messung 
kleiner Winkel am Himmel verwendet. Dass er von seiner Erfindung auch schon 
geodätischen Gebrauch gemacht habe, scheint nicht nachweisbar. Wenn also 
Salmoiraghi sagt (a.a.O. S. 278) „Nella seconda metä del secolo XVII Vitaliano Ge- 
miniano Montanari propose pel primo, eravamo come ci e noto nei primordi delU invemione 
del cannocchiale (1609), Vmo di un eannocchiale nel cui campo fossero tesi dei sottüissimi 
filif sensibilmente lontani, per misurare le distanze intercedenti fra ü cannocchiale stesso e una 
stadia gradtiata, dedacendola della misura di qnelia porzione di essa stadia la cui iminagine 
cadeva tra i fili stessi" j so ist es nicht zutreffend, wenn mit dem ersten Theil dieses 
Satzes Montanari als der Erfinder des Fadenmikrometers überhaupt bezeichnet 
sein soll, und der zweite Theil des Satzes ist jedenfalls unzutreffend insofern, als 
bei Montanari nicht die Rode von einer getheilten Latte ist, sondern von zwei 
festen Punkten auf einer Latte ^); es wird nicht bei konstantem, durch zwei 
feste Fäden gegebenem mikrometrischen Winkel der mit der Entfernung variable 
Lattenabschnitt abgelesen, sondern bei konstantem Lattenstück wird der mit 
der Entfernung sich verändernde mikrometrische Winkel bestimmt und zwar mit 
Hilfe des Fadenmikrometers: Montanari's Erfindung gehört also nicht zu den 
Distanzmessern IIb, sondern IIa meiner Eintheilung (vgl. Zeitschr. f. Verm. 20. S, 194 
{1891), Der auf den oben zitirten folgende Satz Salmoiraghi's: „&' i sempre 
creduto che l'invenzione fosse dovtita alV inglese William Green il quäle fece Videntica pro- 
posta nel 1769" ist also irrthümlich und nur durch ungenaue Kenntniss der Erfin- 
dung Green 's erklärlich (auch wäre für die angegebene Jahreszahl ein Nachweis 
erwünscht!); Riccardi, dem Salmoiraghi folgt, drückt (nachdem er seinerseits 
„il telemetro del Porro" unrichtigerweise nur y,una riprodtizione de quello del Montanari"" 
genannt hat) die Sache besser so aus, dass er darauf aufmerksam macht, „come 
sia hen facile il passagio del suo" (i. e. del Montanari) „di^tanziometro alla stadia diWiU 

^) Die Originalschrift Montanari's: „La Iheüa diottrica del dottore Geminiano Montanari 
modenese'' (zuerst 1674 in 4*^ zu Bologna, dann 1680 in 12 ^^ zu Venedig erschienen) habe ich leider 
nicht einsehen können, ich war vielmehr im Obigen auf das Citat bei Ricc'ärdi angewiesen. 


160 Hammer, Tachtmetris. ZnrfCHiurr Fi*n InTBüinomsKüvos. 


liatn Green^, Dies ist richtig, aber es ist ein wesentlicher Fortschritt von IIa (in 
der damals vorhandenen Form des Fadenmikrometers statt des Schraubenmikro- 
meters) zu IIb und dieser Fortschritt scheint zuerst von Green gemacht worden 
zu sein. 

Meine Ansicht über die Erfindung unserer heutigen wichtigsten Form des 
Distanzmessers habe ich also noch keine Veranlassung zu ändern; ich habe 
tibrigens an dem in der Anmerkung zum Titel genannten Ort den Beisatz „soweit mir 
bis jetzt bekannt" nicht unterlassen, weil ich es immer noch für auffallend halte, 
dass der eben genannte Fortschritt nicht früher als im letzten Viertel des vorigen 
Jahrhunderts gemacht worden sein soll. 

üebrigens ist auch die in den vorstehenden Zeilen angedeutete Zurück- 
versetzung der Anwendung eines Fadenmikrometers als eines ersten brauchbaren 
Distanzmessers IIa wohl interessant und unbekannt genug, um eine Uebersetzung 
der in Betracht kommenden Abschnitte aus Montan ari (nach dem Citat bei 
Riccardi} zu rechtfertigen. Montanari betont zunächst, dass für viele Anwen- 
dungen ein Instrument nützlich sei, das von einem einzigen Standpunkt aus Ent- 
fernungen zu messen gestatte — bekanntlich lassen sich die Versuche zur Her- 
stellung eines brauchbaren Entfernungsmessers dieser Art weit über das „Panto- 
metrüm Paceccianum" , das nach dem wenig kritischen jüngeren Tob. Mayer immer 
als Anfang gilt (s. z. B. Jordan , Eandtmch Bd, II, S,586) zurückverfolgen — ; die 
Messung kleiner Dreiecke sei nämlich im Feld durch Messungshindemisse oft 
genug erschwert oder unmöglich gemacht; seine Erfindung gestatte in solchen 
Fällen die Aufnahme von Plänen und die Bestimmung von Höhenunterschieden 
ohne Trigonometrie. „In der Okularröhre des Femrohrs ist ein rechteckiges 
Kästchen angebracht, welches ein Netz von gleichabständigen, horizontal aus- 
gespannten Haaren enthält; jedes fünfte von diesen ist stärker. Dieses Fadennetz 
tbeilt die Bilder der mit dem Fernrohr betrachteten Gegenstände; man kann bei 
festliegendem Fernrohr ablesen, über das wie Vielfache des konstanten Abstands 
zweier Fäden und den wievielten Theil eines solchen Abstands (durch das Auge 
leicht zu schätzen) das Bild eines bestimmten Gegenstandes sich erstreckt. Um 
also die Entfernung eines Objekts zu bestimmen, muss man dessen Höhe oder 
Länge, oder die Grösse eines ausgezeichneten Theils desselben messen, z. B. die 
Höhe einer Säule, eines Fensters und dergl.; wenn sich an dem Ort, dessen Ent- 
fernung zu bestimmen ist, kein brauchbarer Gegenstand befindet, so muss man 
eine Latte daselbst aufstellen, an deren Enden, um diese leichter 
sichtbar zu machen, zwei Stücke weisses Papier befestigt sind, und 
nun den Abstand dieser beiden Papierstücke messen. Multiplizirt man diesen 
Abstand mit der Konstanten des Fernrohrs („numero del cannocchuUe"), einer 
Zahl, die auf dem Kästchen des Fadennetzes eingravirt ist und die sich 
für ein und dasselbe Fernrohr und für alle beliebigen Entfernungen nicht ver- 
ändert^ wohl aber für verschiedene Femrohre verschieden ist, so hat man im 
Fernrohr nur noch sorgfältig abzulesen {„notar heiie con diligenza^!), wie viel Faden- 
abstände das Bild dieses Lattenstücks (oder des sonst genommenen Gegenstandes) 
einnimmt; dividirt man mit dieser Zahl in das vorhin erhaltene Produkt, so erhält 
man die gesuchte Entfernung vollständig richtig" {„perfettamente giusta*'). 

Es wird also hier zweifellos, im Gegensatz zu Green, der parallaktische 
Winkel, oder gleich dessen tang, abgelesen bei gegebenem festem Lattenstück. 
Dieses Verfahren IIa ist bekanntlich lange bevor der jüngere Tob. Mayer und 


Zw6in«T JahigftBg. Mai 1892. CzAPSKI , SpALTS DER PoLARISATIONSPHOTOMETER. 


161 


Kästner, lange bevor Tralles (vgl. oben den ersten Abschnitt), Hogrewe u. A. die 
Schraubenmikrometer-Messung des diastimometrischen Winkels einführten, auf 
demselben Wege, denMontanari eingeschlagen hatte, durch die ausgezeichneten 
Glasmikrometer Brander's (Mitte des vorigen Jahrhunderts), die Lambert in einer 
eigenen Abhandlung erläutert hat, wesentlich gefördert worden. Man kann Weiteres 
über die Anwendung solcher Mikrometer nachlesen in einer interessanten Schrift von 
G. G. Schmidt (Prof. math. Giessen) „Vollständiger Unterricht über den Gehrauch der 
Mikrometer zur Bestimmung von Entfernungen auf der Erde" (Frankfurt 1795, in 8°); 
ich will hier nicht näher auf diese Schrift eingehen, deren Verfasser sich zur 
Aufgabe macht, „den Gebrauch des Mikrometers bei militärischen und geometrischen 
Aufnahmen — wo möglich — allgemeiner, als bisher zu machen"; es werden 
übrigens nur Fadenmikrometer (oder vielmehr Strich-Mikrometer auf Glas) be- 
handelt, allerdings z. Th. mit Benutzung einer konstanten Latten-Basis am End- 
punkt der zu messenden Entfernung (S. 21). 


Einrichtung der Spalten an Folarisationsphotometern^ um auch ohne 
Achromatisirung der Ealkspathprismen vollständige Achromasie der 

Grenzlinie zu erhalten. 

Von 
Dr. S. Gsapaki in Jena. 

Bei Photometern jeder Art ist es bekanntlich ein Haupterforderniss für die 
Genauigkeit der Resultate, dass die Flächen, deren Helligkeit miteinander ver- 
glichen werden soll, in einer scharfen Grenzlinie . aneinanderstossen und selbst- 
verständlich dürfen nicht gerade an dieser Grenzlinie störende Nebenerscheinungen 
die Vergleichung der Helligkeit der aneinanderstossenden Flächen erschweren. 

Bei den Polarisationsphotometern ist die Einrichtung meistens die, dass von 
zwei oder mehr am einen Ende des Apparats befindlichen, um einen gewissen 
Abstand d von einander entfernten Oeffiiungen a, 6 durch Doppelbrechung je zwei 
Bilder a^, a,, fco; h erzeugt werden (Fig. 1). Die Grösse der Doppelbrechung 
wird mit dem gegenseitigen Abstand der Oeffnungen in 
eine solche Beziehung gesetzt, dass dann in Folge der 
Doppelbrechung die Bilder a^ und h, gerade aneinander 
grenzen, wie in Fig. 1 dargestellt. 

Da mit der Brechung im Allgemeinen stets eine 
Dispersion verbunden ist, so hat sowohl die rechte Grenz- 
linie von Uo als die linke von b^ einen farbigen Saum und 
da femer das Zerstreuungsvermögen des Ealkspathes für 
den ordentlichen Strahl ein erheblich verschiedenes ist von 
dem für den ausserordentlichen Strahl, so ist es auf keine 
Weise möglich, gleichzeitig beide Grenzlinien zu achromatisiren. 
was man in dieser Richtung thun kann, ist, zur theilweisen Achromatisirung des 
Kalkspathprismas ein Flintglas zu benutzen, dessen Zerstreuungsvermögen zwischen 
dem des ordentlichen und des ausserordentlichen Strahles im Kalkspath liegt, 
sodann den ordentlichen und den ausserordentlichen Strahl um gleichviel nach 
entgegengesetzten Seiten abzulenken und die unvermeidliche Chromasie auf beide 
gleichmässig zu vertheilen. Ein Photometer dieser Einrichtung wurde im Sommer 
vorigen Jahres von der optischen Werkstatt von Karl Zeiss Herrn Prof. Hering 
in Prag geliefert. 





Fig. 1. 

Das Aeusscrste, 





16^ fioAS, OaJKKTlVWECHBtCB. ZeiTSCRKITT F^R iNBTftülfXSTnKinrüC. 

Es bleibt aber auch in diesem Falle ein primärer Farbensaum an der einen 
wie an der andern Grenzlinie bestehen, welcher das ürtheil über die erstrebte 
Gleichheit der Helligkeit in beiden Feldern erschwert. Es scheint mir nun, dass 
diese Farbensäume durch ein sehr einfaches Mittel beseitigt werden können, — auf 
welches, soviel ich habe finden können, noch Niemand verfallen ist, so nahe es 
auch liegt, — ohne dass man nöthig hätte, das Kalkspathprisma überhaupt zu 
achromatisiren. 

Wenn man nämlich, statt wie in Fig. 1 die OeflFnungen symmetrisch ein- 
ander gegenüber zu stellen, um durch Doppelbrechung das Aneinanderstossen der 
einander zugewandten Grenzlinien zu bewirken , diese Oeffnungen anordnet wie 
in Fig. 2, sodass die Grenzlinien in die Ebene der Doppelbrechung fallen, 
so wird bei entsprechender Anordnung der übrigen Theile durch die Doppelbrechung 
das ordentliche Bild Aq der einen Oeffnung über das ausserordentliche B^ der anderen 
Oeffnung geschoben und in den Grenzlinien, mit welchen die Oeffnungen auf diese 
Weise aneinanderstossen, treten durchaus keine Farbensäume auf, aus dem einfachen 

Grunde, weil in der Richtung senkrecht zu 
diesen Grenzlinien weder eine Ablenkung, 
noch eine Dispersion stattfindet. 

Man muss die Oeffnungen A, B (Fig. 2), 
wie eine leichte üeberlegung zeigt, bei gleichem 
Kalkspathprisma kleiner wählen oder näher 
aneinanderrücken als die Oeffnungen a, 6 (Fig. 1), 
um den richtigen Effekt zu erhalten. Aber 
da, wie schon erwähnt, bei dieser Einrichtung 
*>»• 2. gar keine Achroraatisirung des Kalkspath- 

prismas nöthig ist (mit welcher nothwendig auch immer ein erheblicher Theil seiner 
Ablenkungswirkung kompensirt wird), so kann man die Ablenkungswirkung durch 
Doppelbrechung hier erheblich stärker gestalten als im ersteren Falle, und auf 
diese Weise ohne Unbequemlichkeit sogar viel grössere und weiter von einander 
entfernte Oeffnungen verwenden als bei der jetzt üblichen Einrichtung. 

Wenn die untere Grenzlinie von B nicht genau in der Fortsetzung der 
oberen von A liegt, so kann durch eine geringe Drehung des Kalkspaths um die 
Sehrichtung der Fehler kompensirt werden. 

Die hier beschriebene Einrichtung kann bei allen Apparaten Anwendung 
finden, bei welchen in der angedeuteten Weise durch Doppelbrechung das An- 
einandergrenzen des ordentlichen und ausserordentlichen Bildes zweier Oeffnungen 
bewirkt wird. 


Eine neue Vorrichtung zum sclmellen Wechseln von Mikroskop- 
objektiven. 

Von 
K. Boas in Zttrich. 

Der Grund, welcher mich vor allem zur Konstruktion eines neuen Objektiv- 
wechslers bewog, war die Unanwendbarkeit der bisherigen derartigen Apparate 
an kleineren Mikroskopen, das heisst solchen, welche zur groben Einstellung nicht 
mit Schlittenführung des Tubus und Zahn und Trieb, sondern mit Schieb- 
hülse und darin auf- und abgleitendem Tubus versehen sind. Für derartige 
Instrumente, welche sich doch wohl auch einer sehr ausgedehnten Anwendung 



Zwinn« JikrnaS' Uni IBM. 80IB, OsJIKTIVWBCBSLtll. 163 

erfreuen, war früher nur der Nachet'sche Wechsler brauchbar, doch bat der- 
selbe, zumal in Deutschland, nie viel Anklang gefunden. 

Da nämlich bei den meisten Instrumenten der Zwischenraum zwischen dem 
Unterrande der SchiebbUlse und dem Tisch ein nur kleiner ist, so ist für solche 
Instrumente nur eine Wechselvorrichtung bequem anwendbar, deren ganzer 
Durchmesser kleiner oder höchstens ebenso gross als derjenige des Tubus ist, 
damit man sie sammt dem Tubus ungehindert durch die Sebiebhlllse hiudurch 
bewegen kann, was bei Objektiven, deren Messingfassung etwas lang und deren 
Brennweite gross ist, sogar nothweodig wird. Doch anch für grosse Instrumente 
ist der Gebrauch des neuen Wechslers bequem, namentlich 
gegenüber dem weit verbreiteten Revolver, welcher in Folge 
der gerade ausser Anwendung befindlichen Systeme, bei jeder 
an dem zu untersuchenden Präparate unter dem Mikroskope 
vorzunehmenden Manipulation, im höchsten Grade störend ist. 
Ausser dem Revolver finden noch zwei Apparate eine ausge- 
dehnte Anwendung, nämlich erstens der Zeiss'sclie Wechsler, 
dessen Gebrauch recht bequem ist und dann die Objektivzange, 
welche, wie ich glaube, von Secchi erfunden, dann lange 
in Vergessenheit gerathen und erst vor einigen Jahren von 
Fuess in Berlin wieder angefertigt und auch wohl recht be- 
liebt ist. Der Nachtheil dieser sonst so einfachen und darum 
recht praktischen Einrichtung liegt jedoch iu dem beim jedes- 
maligen Wechsel von Objektiven nothw endigen Heben des Tubus, 
ein Umstand, den man bei der Untersuchung oft als unan- 
genehme kStörung empfindet. Ich habe es mir also angelegen sein 
lassen, eine derartige Konstruktion zu treffen, welche erstens 
eine bequeme Anwendung an allen Mikroskopmodellcn gestattet, 
zweitens für beliebig viele Systeme verwendbar und drittens 
einen einfachen Wechsel ohne das lästige Heben des Tubus 
zulässt und dabei doch ein genügendes Festsitzen der Systeme 
bei vollkommenster einer Verschrauhung gleicher Zentrirung 
gewährleistet und ausserdem einfach ist, so dass seine An- 
schaffung nur mit geringen Kosten verknüpft ist. 

Die beistehende Abbildung zeigt den Wechsler in *ff, 
der wirklichen Grösse nebst dem für die einzelnen Objektive 
nöthigen Anschlus&ringe. Der eigentliche Wechsler a wird 
statt eines Systemes in der gewöhnlichen Weise durch An- 
schrauben am Tubus befestigt, während die zu benutzenden Objektive mit Än- 
schlnssringen h versehen werden, welche mit ihrem vorstehenden Rande in eine 
in die Schlussplatte S eingedrehte Rinne genau passen müssen. Diese Schlnss- 
platte ist nach einer Seite offen, um dort dem Hals des Anschlussringes den 
Durchgang zu gestatten. Eine im Innern des Hauptstückes angeschraubte hufeisen- 
förmige gebogene Stahlfeder f hat den Zweck, den eingeschobenen Ring mit 
sanfter Gewalt in die Rinne herabzudrücken. Die Schlussplatte wiederum ist 
durch vier Schrauben mit dem Hauptstück o fest verbunden und ausserdem noch 
mit einem gleichzeitig mit der vorerwähnten Rinne angedrehten Falz eingepasst, 
so dass durch die Verbindung eine genaue Zentrirung des Ringes mit dem daran 
geschraubten Objektiv zur Axe des Tubus mit grösster Genauigkeit gewährleistet 


I^P 


164 Boas, OBJSKTlVWBCBdLBS. ZuTiOHitif-r tük Ins'ntvumjnmsxvmM, 


wird. Beim Gebrauch bat man nur nötliig, das mit einem Ringe versehene Objektiv 
in den Wechsler von der Seite her einzuschieben; will man das Objektiv entfernen, 
so lässt es sich nach schwachem Hochdrücken mit Leichtigkeit wieder heraus- 
ziehen, ohne dass man nöthig hätte, an der Tubuseinstellung etwas zu verändern, 
vorausgesetzt, dass die Länge der Objektivfassung einigermaassen nach der Brenn- 
weite abgeglichen ist. Die Sorge, welche ich anfänglich hegte, dass durch den 
Zwischenraum zwischen Änschlussring und Hauptstück störendes seitliches Licht 
in den Tubus gelangen möchte, hat sich durch den Gebrauch als unbegründet 
herausgestellt; selbst wenn die Umgebung sehr hell erleuchtet ist, während man 
bei ziemlich dunklem Gesichtsfelde beobachtet, ist es nicht möglich, den geringsten 
Reflex wahrzunehmen. Ich habe einen solchen Apparat seit zwei Jahren im steten 
Gebrauch und trotzdem ich viel mikroskopirt habe, ist noch nicht der kleinste 
Fehler entstanden, sodass ich denselben mit gutem Rechte einer allgemeineren 
Benutzung anempfehlen kann. 


Bemerkung zu der Abhandlung: ,;Eme freie Hemmung mit vollkommen 
unabhängiger imd freier Unruhe oder Pendel. Von D. AppeL^^ 

Zu obiger Abhandlung bezw. zu der am Schlüsse derselben angehängten 
Bemerkung (Vgl. das diesjährige Januar -Heft dieser Zeitschr, S, 21) theilt uns Herr 
Gl. Riefler in München, unter Hinweis auf eine von ihm im Bayr. Industrie- u. 
Gewerheblait 22. S. US {1890) veröffentlichte Abhandlung freundlichst mit, dass ihm 
die Priorität des Prinzips „einer freien Hemmung mit vollkommen unabhängiger 
und freier Unruhe oder Pendel" gebühre. Die betreffende Stelle lautet: 

Die erste Konstruktion eines Echappements, bei welchem dieses 
Prinzip zur Anwendung kam, wurde von mir im Jahre 1869 gemacht und 
ein Modell davon während der Osterferien des genannten Jahres ausgeführt. 
Allein eine praktische Bedeutung konnte diese erste Konstruktion ebenso- 
wenig gewinnen wie eine ganze Anzahl anderer Konstruktionen, die ich 
im Laufe der Jahre ausführte, und zwar hauptsächlich deshalb, weil sie 
einerseits nicht mit der nöthigen Ruhe arbeiteten, andererseits aber viel 
zu komplizirt waren, und die Sicherheit des Funktionirens einer Uhr fast 
noch mehr als irgend einer anderen Maschine in hohem Grade von der 
Einfachheit der Konstruktion abhängig ist. 

„Erst zu Anfang vorigen Jahres (1889) ist es mir gelungen, die 
Konstruktion des nachfolgend beschriebenen Echappements zu finden, 
welches theoretisch vollkommen ist und gleichzeitig durch eine fast über- 
raschende Einfachheit sich auszeichnet. Ueberdies ist dasselbe auch ver- 
wendbar für Pendeluhren mit vollständig freiem Pendel." 
Hiernach gebührt die Priorität des Prinzips allerdings Herrn Riefler. 
Herrn Appel kommt aber trotzdem, unabhängig von Herrn Riefler, die Priorität 
der ersten für die Bewegung eines Aeqnatoreals geeigneten Verwerthung des 
Prinzips zu. 

Uebcr die Bemühungen anderer Techniker, das Prinzip praktisch auszu- 
führen, macht uns Herr Riefler noch folgende Mittheilungen: 

„Zu Anfang der 80er Jahre wurden, wie mir Herr L. A. G roselande, 
Professor an der Uhrmacherschule zu Genf, mittheilte, von diesem selbst, wie in 


ZvBlfler Jahryang. Mai 1892. KLEniERE MlTTHEILülfOEN. 165 


Besangon Versuche gemacht, dieses Prinzip für Unruhuhren zu verwerthen. In 
die gleiche Zeit dürften auch die Versuche fallen, welche hierüber (gleichfalls mit 
Unruhuhren) in Schweden sowie von Herrn M. Petersen in Altona gemacht 
worden sind." 

Von Herrn Appel, welcher die von Herrn Riefler beanspruchte Priorität 
anerkennt, sind uns im Anschluss hieran folgende Mittheilungen zugegangen: 

Die mit der von mir beschriebenen, nach Sternzeit regulirten Hemmung 
erzielten Resultate an dem Gange des betreflfenden 4zölligen Aequatoreals sind 
trotz des zu überwindenden Ueberschusses an Triebkraft ausgezeichnet. Das 
Uhrwerk hat während seiner Prüfung (als Triebwerk) so vortrefflich funktionirt, 
dass ein im Meridian in der Nähe des Aequators eingestellter Stern an beiden 
Seiten des Vertikalfadens kaum merkbare Lichtschwankungen zeigte. Diese 
Prüfungen habe ich an mehreren Abenden im Juni 1890 wiederholt und stets 
dieselben Resultate erzielt. — Ausser der beschriebenen Form habe ich noch zwei 
andere älmliche Konstruktionen mit drei Hebezähnen, ferner zwei Konstruktionen 
mit einfachem Steigrad mit 15 Zähnen, und auch eine mit einem Exzenter und 
mit einem Ruhezahn. Ueber mein elektrisches nach demselben Prinzip konstruirtes 
Pendel werde ich bald Mittheilung machen können." 

Berichtigend sei endlich erwähnt, dass es in derselben Abhandlung 

S. 20 Z. 3 von oben statt Swassy heissen muss Swasey, und 

„ „ „ 5 „ „ „ Loth-Thomas „ „ Seth- Thomas. 

Die Bedaktion, 


Kleinere (Original-) Mltthellungen. 

Ein Intensivnatronbrenner. 

Von Dr. H. E. J. Q. da Bois in Berlin. 

(Aus dem Physikalischea Institut der Universität.) 

Erst neuerdings hat man angefangen, sich von der traditionellen Salzperle und 
deren unmittelbaren Abänderungen^) loszusagen und auf Mittel zu sinnen, sich Natron- 
licht von grösserer Helligkeit zu verschaffen. Die landläufigen Anschauungen über das 
Glühen von Metalldämpfen erscheinen zwar durch neuere Versuche von Herrn E. Prings- 
heim^) im Grunde erschüttert. Trotzdem wird es für unsem jetzigen, rein prak- 
tischen Zweck in erster Linie auf die Erfüllung zweier Hauptbedingungen ankommen: 
Einmal höchste erreichbare Flammentemperatur, zweitens Anwesenheit der grösstmöglichen 
Menge aktiven Dampfes in der Flamme. Denn wenn es sich auch allgemein bestätigen 
sollte, dass die Temperatur als solche nicht die ihr bisher zugemuthete Hauptrolle spielt, 
so wäre in unserm Falle eine hochtemperirte Flamme schon mittelbar zur Erfüllung der 
zweiten Bedingung erforderlich. Man wird daher zunächst zur Knallgas- bezw. Sauerstoff- 
Leuchtgasflamme greifen; der zweiten Bedingung ist dadurch zu genügen, dass man eine 
grosse Menge Substanz pro Zeiteinheit zum Verdampfen bringt. 

Neben der Anwendung von Salzen ist hierzu diejenige metallischen Natriums 
empfohlen worden; auch ist von zerstäubten Salzlösungen {^^ Sprays^) Gebrauch gemacht. 


1) Literatur: Kays er, Lehrbuch der Spektralanalyse^ § 48^ Berlin i883. Edelmann, Neuere 
Apparate u. s. tr. 1, S, 72, Stuttgart 1882 (Hohlkegel aus Kohle, innen mit Gemisch des Salzes und 
Pikrinsäuren Ammoniaks bekleidet). Laspeyres, diese Zeitschrift 1882. S, 96 (Platindrahtnetze) 
Landolt, diese Zeitschr. 1884. S. 390 (Landolt-Muencke'scher Brenner). Fleisch l voq 
Marxow, Wied. Ann. 38. S. 175. (1889) (Bromnatriumperle). 

«) E. Pringsheim, Uled. Ann. 45. S. 428. {1892.) 


166 Kleinxbb Mitthsilunobn. ZEirscHiurr füx IssTRXJumsmm.VKDm, 



Das geschah u. A. durch Gouy^), welcher dabei fand, dass innerhalb gewisser Grenzen 
das Leucht vermögen der Flammen der Quadratwurzel aus der pro Zeiteinheit verbrauchten 
Salzmenge proportional sei; indessen dürfte der Giltigkeitsbereich dieses Satzes nur ein 
beschränkter sein. Ich habe mit Natriummetall sowohl wie mit liösungsstaub Versuche 
angestellt, bin aber zu den festen Salzen zurückgekehrt, da diese ein ungleich saubereres 

Arbeiten bei gi'össerer Helligkeit gestatten. Die schliesslich 
am zweckmässigsten befundene Anordnung möchte ich im 
Folgenden kurz beschreiben. 

Die benutzte Flamme war die eines Linnemann'schen 
Brenners; solche sind schon von dem Erfinder selbst sowie 
von verschiedenen anderen Forschern zum vorliegenden 
Zwecke benutzt, indem in üblicher Weise Salzperlen hinein- 
geführt wurden.^) Indessen ist dieses Verfahren bei längeren 
Beobachtungen wenig praktisch, da der Platindraht leicht 
schmilzt, die Perle jeden Augenblick erneuert werden muss 
und sich andere XJnzuträglichkeiten ergeben. Ich habe 
daher zunächst nach Herrn Lummer^) mit Natriumsalzen 
gefüllte Glasröhrchen angewandt, die in der aus der Figur 
ereichtlichen Weise in den heissesten Flammenquerschnitt 
li'i^halton wurden. Auch diese Methode bietet noch manche Nachtheile, sodass ich 
HohUeHsIich dazu kam. Stifte direkt aus den Salzen herzustellen. Dazu kann man sie 
ont weder in Formen giessen oder besser, fremde Bindemittel anwenden. 

Die besten Resultate erhält man mit solchen „Natronstiften'' von 0,4 cm Durch- 
uiesHor und 12 bis 15 cm Länge, die aus Natriumbicarbonat, Natriumbromid und Traganth 
in bestimmten Verhältnissen dargestellt werden. Diese sind bedeutend schlechtere Wärme- 
leiter als die gegossenen Salzstangen, schmelzen und verdampfen daher nur an der in der 
Flamme befindlichen äussersten Spitze. Der porös verkohlende Traganth trägt ver- 
nmthlich zur Reduktion der noch flüssigen Salze bei, die sich dann vollends in Dampf- 
forni vollzieht. Wegen des stark hygroskopischen Bromnatrinms sind diese Stifte in 
Hllchsen oder Gläsern zu verwaliren, am Besten über etwas ungelöschtem Kalkpnlver. 
Zum Einführen der Natronstifte in die Flamme dient eine Führung mit Zahn- 
gotriebe, welche vom Beobachter aus beliebiger Entfernung mittels eines langen Schlüssels 
regulirt wird.^) Zur Instandhaltung der grössten Helligkeit lässt man pro Minute ein bis zwei 
Zentimeter der Natronstifte verdampfen. Dieser erhebliche Materialverbrauch ist nach den 
vorausgeschickten allgemeinen Erörterungen conditio sine qua non und daher unumgänglich. 
Zur Beseitigung der aus der Flamme tretenden Dämpfe ist das Brennergehäuse mit einem 
runden Ansatz versehen, von dem aus es sich empfiehlt, ein Metallrohr von einigen Zen- 
timeter lichter Weite ins Freie, bezw. in einen Abzug zu leiten. 

Der weissglühende Kopf des Natronstiftes wird abgeblendet und die Flamme 
darüber leuchtet nun mit blendendem Glänze. Vor ihr (in der Figur links) befindet 
sich im Brennergehäuse ein etwa 0,7 cm breiter und 4 cm hoher Spalt, der nun mittels 
passender Dioptrik als Lichtquelle zu den verschiedensten Versuchen dienen kann. 

Das Emissionsspektrum des Natriumdampfes erscheint vollständig^); neben den 

1) Gouy, Ann. Chim, et pinjs. V, 18. S. ;>. {1819), Auch Ebert, Wied, Ann, 32. Ä 345. 
{1887); S. v. Arrhenius, Wied. Ann. 42. S. 19. {1891); E. Pringsheim, Witd.Ann. 45. S. 426. (1892.) 

2) Linnemann, Wien. Ber. 92. 2. Abtk, S. 1252. {1883.) Hennig, Götting. Nachr. AV. 13. 
S. 365. {1887.) Drude, Wied. Ann. 34. S. 490. (1888.) 

8) Luramer, Verh. physik. GcsellscL Berlin, 9. S. 36. {1890.) 

^) Man könnte auch ein Uhrwerk benutzen wie bei den Maguesiumbrcnnern. Der 
beschriebene Apparat wurde von Herrn Universitätsmechaniker Oehmke hicrselbst ausgeführt 
und kann nebst Natronstiften von ihm oder von der Firma Schmidt & Hacnsch bezogen 
werden. Demonstrirt wurde er der 2. Abth. d. Naturf Vers, zu Halle, 24. Sept. 1891. 

») Vgl. Kays er, a. a. 0. S. 304. 


Zvölfter'Jttbrgaog. Mai 1892. RefbXATE. 167 


ungeheuer vorherrschenden D- Linien erblickt man am deutlichsten das grüne und ein 
schwächeres rothes Linienpaar. Für die meisten Untersuchungen ist es daher nothwendig, 
das Licht durch absorbirende Körper noch möglichst zu reinigen^); ein absolut mono- 
chromatisches intensives Licht gehört eben zu den frommen Wünschen. 

Noch ist zu bemerken, dass man sich in Fällen, wo grosse Helligkeit nicht noth- 
wendig ist , mit Yortheil statt der Natronstifte gewöhnlicher dünner Stäbchen aus Natronglas 
bedient. Diese geben freilich bedeutend weniger Licht; dafür verdampfen sie um so 
langsamer. £s dürfte ein Leichtes sein, Salze anderer Metalle, wie Lithium, Thallium 
u. s. w. in ähnlicher Weise zu Stiften zu verarbeiten, falls dafür ein Bedürfniss entstände. 
Zum Schlüsse möchte ich auch an dieser Stelle dankend Herrn Prof. W. Spring in Lüttich er- 
wähnen; ihm verdanke ich Proben verschiedener Natriumsalzpulver, welche in seinem bekannten 
Kompressor^) unter 5000 Atm. Druck auch ohne Bindemittel zu massiven Zylindern wurden. 

30. März 1892. 


NatarforBcherverBammlimg in Nümberg vom 12. bis 16. Sept. d. J. 

Auf Anregung der Geschäftsführer der .65. Versammlung der Gesellschaft 
deutscher Naturforscher und Aerzte haben wir die Vorbereitungen für die Verhand- 
lungen der Abtheilung Nr. 32 (Instrumentenkunde) übeiiiommen und beehren uns hiermit, 
die Herren Vertreter des Faches zur Theilnahme an den Sitzungen ganz ergebenst einzuladen. 

Wir bitten, Vorträge und Demonstrationen frühzeitig — vor Ende Mai — bei 
dem unterzeichneten Einführenden anmelden zu wollen, da die allgemeinen Einladungen, 
welche Anfang Juli versendet werden, bereits eine vorläufige Uebersicht über die Ab- 
theilungs-Sitzungen bringen sollen. 

Der Einführende: Der Schriftführer: 

Dr. Hartwig, kgl. Reallehrer, Johann Trötsch, kgl. Keallehrer, 

Paniersplatz 17. Glockenhofstrasse 26. 


Referate. 

SpektrographiBche Studien. 

Von E. V. Gothard. Math. u. Naturw. Berichte aus Ungarn. Bd. IX. (1891.) 

(Auszugsweise vom Herrn Verfasser mitgetheilt.) 

Im ersten Abschnitt der Abhandlung sind diejenigen Instrumente beschrieben, 
welche Verfasser für seine Spektraluntersuchungen konstruirte und in der eigenen Werkstatt 
ausführte. Der kleinste Apparat, mit Quarzlinsen und Doppelspath- Prismen, ist für 
teleskopischen Gebrauch bestimmt, die Spektra der Fixsterne zu photographiren. Der 
mittlere ist mit einem Wernicke*schen Flüssigkeitsprisma versehen; er kann nur im 
Kabinet gebraucht werden für Aufnahmen des Sonnen-, Funken- und Köhren-Spektrums. 
Als Nebenapparate dienen ein kleiner Heliostat mit Uhrwerk, und feine Präzisionsstative 
für die Metallelektroden und für die Geissler'schen Röhren. Der grösste Apparat, mit 
einem Rowl and 'sehen Konkavgitter, ist im Bau begrifien. Verfasser beschreibt ferner 
sein Un i Versal messinstrument, mit welchem die Spektral- und astronomischen Photographien 
ausgemessen werden. Die Linienintervalle bezw. Sterndistanzen werden mit einer sehr 
feinen Millimetertheilung mit Hilfe zweier Mikroskope bestimmt. 

Femer sind die Verfahren erörtert , nach welchen die Geissler'schen Röhren mit 


1) Einige Rezepte seien hier zusammengestellt: Verdet, Oeuvres 1. S. 219 (K^Cr^O^-^- 
NiSO^y, Lippich, Wien. Her, 99. 2. Abtii. S. 695. {1890) {K^Cr^Oi-^- CuCk)', nach einer ge- 
fälligen mündlichen Mittheilung des Herrn Prof. Lippich erhält man mit Uransulfat noch bessere 
Resultate als mit Kupferchlorid, worüber demnächst des Nähern in dieser 2kitschrift berichtet 
werden soll; Uppenborn, Elektrotechn. Kalend. 1891^ S. 50 (FeCl^-i- NiCLi)'^ Kirschmann^ 
Mied. Beihl. 15. S. 420. (1891) (kombinirte Gelatinetafeln). 

2) W. Spring, Bulletin de CAcad. roy. de Belg. (2) 49. S. 344. {1680). 


168 Refebate. ZxrrscRBiTT für Isstbdmsktkxküsob 


einer Schu Herrschen Quecksilberluftpumpe hergestellt werden, ebenso die Einstellung 
und Anwendung des Spektrograpben bei verschiedenen Arbeiten. 

Der zweite Theil enthält die am Nitrogenspektrum angestellten Untersuchungen, 
mit dem mittleren Spektrographen ausgeführt. 

Die Abhandlung bildet die Fortsetzung einer ähnlichen Arbeit von Dr. B. Hassel - 
berg; um einen besseren Anschluss zu haben, wiederholt Verfasser die Hasselberg'schen 
Messungen an den zwei letzten Banden (v und o) und hat die Wellenlängen der Linien 
bis X = 365 bestimmt. Er untersuchte dabei die erste ultraviolette (4.) Cyanbande. Die 
Genauigkeit der Eesultate ist ganz befriedigend. Die Abmessungen der Cyanbande 
stimmen mit derjenigen von Kayser und Runge fast vollkommen. Die grösseren Ab- 
weichungen von den Hasselberg^schen Werthen finden ihre Erklärung in dem Umstände, 
dass Hasselberg das Angström'sche und Verfasser das Eowland'sche System zu 
Grunde gelegt hat; nach Reduktion auf dasselbe System kommen nur ganz geringe 
Differenzen in der dritten Dezimalstelle des {i|x vor. 

Ueber die Löslichkeit einiger Gläser in kaltem Wasser. 
Ton F. Kohlrausch. Wied. Ann. N. F. 44. S. 577 u. Chem. Ber. 24. S. 3560. {1S9L) 

Die Methode, nach welcher der Verfasser die Löslichkeit von Gläsern bestimmt, 
ist im Wesentlichen dieselbe, mit welcher auch Pfeiffer (vergl. diese Zeitschrift 1892. 
S, 26) gearbeitet hat. Die Aenderung, welche das elektrische Leitvermögen von Wasser 
erleidet, wenn dieses sich in Berührung mit Glas befindet, bildet ein Maass für die aus 
dem Glase in Lösung gehenden Bestand theile. Die Versuche werden zum kleineren Theil 
mit Flaschen — also mit messbaren Oberflächen — aus verschiedenen Gläsern angestellt, 
beziehen sich aber zumeist auf sehr feine Glaspulver. Hierdurch wird allerdings bezüglich 
der Grösse der wirkenden Oberfläche eine nicht zu unterschätzende Unsicherheit in die 
Versuche eingeführt; der Verfasser äussert sich daher über dieselben wie folgt: ^Streng 
messend sind die Versuche also nicht; =t SOJJ Fehler können der Vergleichung der Gläser 
anhaften. Aber es hat doch Interesse, zu sehen, wie sich bei schlechten Gläsern Leit- 
vermögen bilden, bei welchen im Liter Gramme gelöst sind, und wie andere Gläser über 
100 mal weniger abgeben.** 

Die Ergebnisse der Versuche erhellen am besteu aus der Wiedergabe der Uebersicht 
(a. f. S.), welche der Verfasser in den Berichten der deiit selten chemiscJien GeseUschaft zusammen- 
gestellt hat. Es handelt sich, wie man sieht, um eine Reihe von Hohlgläsern und von 
optischen Gläsern; die ersten Spalten enthalten die Zahlen für die Zusammensetzung der 
Gläser und zwar in Aequivalenten ausgedrückt; unter Alkali steht die Summe K^O -+- A"a|0, 
und die Menge von K^O ist mit kleinerer Schrift beigefügt« MO stellt die Summe der 
Metalloxyde von CaOj BaO^ ZnOy PbO nebst etwa vorhandenem AhO^^ MnO oder 
MgO dar, ein * bedeutet die Abwesenheit von Kalk; die in kleinerer Schrift gedruckte 
Spalte enthält die in den Gläsern vorhandene Menge an Znü. Will man aus den an- 
gegebenen Aequivalentzahlen |i zu der gewöhnlichen Angabe in Gewichtsprozenten p ge- 
langen, so bedient man sich der Formel p = ji A . 100/S ji il, wo A das Aequivalent- 
. gewicht des betreffenden Bestandtheils und 21 [x J. die Summe sämmtlicher |J. A bedeutet. 

Die Glaspulver wurden in der Weise behandelt, dass sie zuei-st 1 bis 1^2 Tage 
mit der 20 fachen Wassermenge ausgelaugt wurden; die dadurch dem Wasser ertheilten 
Leitvermögen finden sich unter A'o, sind wie alle übrigen bezogen auf Quecksilber und 
werden für 18° der Lösung angegeben und mit 10'** multiplizirt. Nach der ersten Be- 
handlung werden die Glaspulver dreimal je 8 Tage mit der 100 fachen Wassermenge in 
Berührung gelassen; die Summe der bei diesen drei Aufgüssen der Lösung ertheilten 
Leitvermögen, vermehrt um den fünften Theil von /Tq» steht unter Ä'; schliesslich findet 
sich unter Äqo ^as Leitvermögen, welches nach etwa halbjährigem Auslaugen mit 6 mal 
erneutem Wasser ein neuer Aufguss der 100 fachen Wassermenge in 8 TÄgen erhielt; 
das Verhältniss von koo zu den früher ertheilten Leitvermögen drückt ^e „Hartnäckig- 


Zwölfter Jahrgang. Mai 1892. 


Referate. 


169 


keit^ in der Lösliclikeit der Gläser aus. Durch Eindampfen einer Glaslösung von be- 
stimmtem Leitungsvermögen konnte der Verfasser diejenige Menge Glassubstanz ermitteln, 
welche diesem Leitungsvermögen entsprach, und gelangte so zu Faktoren, welche für die 
einzelnen Gläser zwar sehr verschieden waren, aber für jedes Glas eine angenäherte Be- 
rechnung der unter gewissen Umständen daraus gelösten Mengen gestatteten. Wo ein 
solcher Heduktionsfaktor bekanut ist, folgt in der letzten Spalte der Uebersicht noch 
eine Schätzung der während des halbjährigen Auslaugens von 1000 mg des Pulvers in 
Lösung gegangenen Gesammtmenge von Glassubstanz. 




Zasammensetzang naeh Aqaiyalent- 

Leitnngs- 

OelOcte 
Menge in 


Spes. 


Terh&Itnlasen 

T«rmOg6ii 

Prozenten 

Glaspul ver 

Oe- 
wieht 





der nr- 











sprtlng- 



Kali 

Alkftll 

ZnO 

MO 

91 O^ 

BtOt 

*o 

K 

it. 

fichen 
Menge 

Spez. Zink-Baryum-Krong]., Jena 

3.11 

t 

6.5 

7.7 

12.2 

* 28 1) 

66 

3.8 

120 

50 

8 


Schwerstes Baryum-Krongl., Jena 

3.52 

3.6 

3.6 

12 5 

*84 2) 

57 

5.4 

180 

80 

10 


Baryum-Eronglas , Jei\a .... 

2.87 

7.8 

11.8 

4.5 

*14,0 8) 

71 

8.1 

210 

130 

15 


Gewöbnl. Zink-Kronglas, Jena . 

2.64 

8.4 

14.8 

12.2 

*12.2 

72 

1.4 

270 

130 

7 


Bestes Flaschenglas 

2.44 

3.6 

13.3 


9.6*) 

77 



170 



Jenaer Normalglas 

2.59 

— 

14.5 

5.4 

14.8 ß) 

69 

1.8 

270 

180 

10 

2.0 

Englisch Kronglas, Jena. . . . 

2.50 

10 

15.2 


9.7 

74 

1.4 

380 

200 

80 


Bor.Silicium-Kronglas , Jena . . 

2.47 

7.1 

18.4 


* 0.9 0) 

75 

5.9 

490 

220 

8 


Thüringer Glas A, aus Gehlberg 

2.46 

2.7 

14.4 


9.4 7) 

76 


360 

220 

7 

2.7 

Böhmisches Kali-Glas 

2.37 

8.9 

10.3 


7.» 

82 


320 

230 

7 

7 

Thüringer Glas B 

2.52 

4.5 
9.5 

18.4 
17.7 

2.4 

18.4 8) 
10.4 

68 
71 

0.9 

440 
420 

230 
820 

40 
12 

3.5 

Feirs Kronglas, Jena 

2.53 


Thüringer Glas C 

2.46 

4.6 
4.0 

18.8 
18.1 


8.1») 
13.1W) 

73 
69 


730 
600 

420 
460 

50 
20 


« D 

2.48 

5 

Engl. Kronglas mit Baryt, Jena 

2.61 

11 

10.4 

1.7 

* 6.2") 

75 

2.4 

680 

570 

30 


Mittleres Flascb englas 

2.51 

3.5 

19.8 


12.6«) 

68 



640 



Thüringer Glas E 

2.48 

3.9 

1 

19.8 


9.6") 

71 


1200 

860 

60 


» » F 

2.45 

3.9 

21.4 


6.5") 

72 


2600 

2200 

200 

13 

Schlechte^ Flaschenglas .... 

2.48 

1.3 

21.6 


6.8«) 

72 



2300 



Kali-Kronglas, Jena 

2.72 

25 

26 

10.8 

•13.2") 

62 


7000 

6800 

500 

30 

Bleigläser: 










^ 


Schwerstes Flintglas, Jena . . . 

5.86 

— 

— 

■ 

* 49 

51 


5 

1 




Sehr schweres Flint, „ . . . 

4.51 

4.7 

4.7 


* 80 

65 


40 

9 




Gewöhnliches Flint, „ . . . 

3.59 

8.1 

8.9 


* 20 

71 


300 

100 

7 


Engl, leicht Flint, «... 

3.21 

7.4 

9.8 


*14.4 

76 


360 

130 

7 


Extra leicht Flint, „ . . . 

2.94 

6.6 

12.3 


*9.6 

78 


350 

190 

6 


Bleikrystallglas 

3.04 

11 

11.4 


♦11.6 

77 


800 

850 

30 


Gläser ohne Kieselsäure: 






P2O5 






Phosphat-Kronglas, Jena. . . . 

2.58 

15 

15 


* 23 1*0 

67 

5.0 

500 

820 

20 


Borat Flintglas, Jena 

2.77 

— 

4.1 

12.6 

♦29.6W) 


66 

1000 

1000 

60 

50 


Bei den Versuchen von Kohlrausch hat sich ebenso wie bei denen von Pfeiffer 
und von Mylius und Foerster (vergl. diese Zeitschrift 1891, S, Sit) gezeigt, dass die An- 
greifbarkeit der Gläser sehr rasch abnimmt; in Folge dessen lassen sich die meisten 
Gläser durch Behandlung mit kaltem Wasser, besser noch mit heissem Wasser wesentlich 


1) Dabei 10.0 BaO und 1.0 FbO. 
») 1.5 Al^O^. ^) 0.7 Al^O^. 

10) 1.7 Aim^ «) 4.2 BaO, 

^) 2.1 M^ ") 2.4 BaO. 


2) 21.0 BaO. 8) 9.5 BaO. <) 0.4 Al^O^. 

7) 0.4 Al^ Og. 8) 2.2 Ali Oq. ®) 0.3 Mg 0. 

12) 2.3 Al^O^: w) 1.1 Al^O^. 14) 1.3 Al^O^. 

17) 12 MgOj 11 Al^O^. 18) 7 PbO, 10 Al^O^. 

14 


widei'standsfälitger maclien. Ganz EcLlechte Gläser kann mau auf diese Weise, jeducb 
nur selir unvollkommen, verbessern; auch eine Beliaudlung mit Säuren führt in diesem 
Falle zu keinem günstigeren Ergebniss. Der Verfasser hat seine Versuche meist mit 
kaltem Wasser angestellt, docb hat er auch den bereits wiederholt beobachteten ausser- 
ordentlich grossen EinSnss der Temperatur auf die Löslichkeit des Glases dnrch seine 
Versuche bestätigt. 

Eine besondere Versuchsreihe wurde angestellt, um zu ermitteln, welche Be- 
ziehungen zwischen Hygroskopizität und Löslichkeit der Gläser vorhanden sind; es ergrab 
sich, dass im Allgemeinen ein Glas um so hygroskopischer ist, je leichter es vom Wasser 
angegriffen wird. 

Beztiglich des Libeüenglaseü wendet sich der Verfasser besonders gegen die häuHgo 
Anwendung des Bleikrystallglases ; am geeignetsten erscheinen ihm nach dieser Richtung 
gute Thüringer Gläser oder Jenaer Normalglas. Die vorbereiteten Rohren wird man zur 
Erhöhung ihrer Widere tan dsfäbigkeit zweckmässig längere Zeit hindurch kalt oder vielleicht 
besser massig warm in destillirlem , öfters erneuertem Wasser auswässern , vor der Füllung 
nachpoliren und noch einmal vielleicht einen Tag lang kalt wässern. — Bezüglich der 
weiteren Einzelheiten der umfangreichen Arbeit muss auf das Original verwiesen werden. 

.F. 
Ein neuer Apparat znm Zeichnen schwacher TergprAuernnfen. 
Y<m Dr. L. Edinger. Ztschr. f. tms. Mikroskopie. 8. S. 179. 1891. 
Da längeres Zeichnen mittels der gebräuchlichen, meist auf der Anwendung von 
Prismen beruhenden Zeich onapparate ermüdend ist, wendet man häufig das Skinplikou 
an, dessen Bilder zu diesem Behufe zweckmässig durch einen vorder projizirenden Linse 
geneigt aufgestellten Spiegel auf einer Tischplatte entworfen wird. Dem damit ver- 
bundeneu Uebelstande , dass in Folge der dann erforderlichen Einklemmung des Objektes 

in senkrechter Lage die leichte 
Verschiebbarkeit, welche nament- 
lich beim Aufnehmen von Schnitt- 
serien wünsch enswerth ist, sowie 
die schnelle Kontrolirbarkeit er- 
schwert wird, begegnete Verfasser 
durch Konstruktion des nebenstehend 
abgebildeten , die freie Bewegung 
des horizontal aufliegenden Objektes 
ermöglichenden Apparates. 

Derselbe besteht ans einer zu- 
gleich als Zeichentisch dienenden 
Holzplatte, auf welcher sich ein 
Ilolsstativ erhebt. Dieses trägt 
ein horizontales Rohr, welches bei A 
durch eine Sammellinse, bei B durch 
einen unter 4.''>'' geneigten Spiegel 
abgeschlossen wird. Durch.i4. werden 
die Strahlen einer passend aufge- 
stellten Lampe konvergent auf den Spiegel B gefübrt, durchleuchten das auf dem 
stellbaren Tischchen C aufliegende Objekt, von welchem mittels der ebenfalls stollbaren 
Lupe D ein reelles Bild auf der Zeichenfiftche entworfen wird. Durch Verstellen von 
C und V, sowie durch Wechsel der Lupe, deren dem Instrument mehrere beigegeben 
worden , können Vcrgrösserungen von 1 : 1 bis 1 : 20 aufgeuomrocn werden. Der Apparat, 
welclier sich bei längerer Erprobung gut bewährt hat, wird mit zwei beziehungsweise 
drei achromatischen Lupen zum Preise von 50 bezw. 60 Mark von E. Leita in Wetzlar 
geliefeit. rcnäcy. 


Zwölfter JakrgftBg. Mai 1892. 


Rbfbbjltk. 


171 


Neuer Mareograph. 
Von L. Fav6. Joum, de Fhys. IL 10. S. 404. 

Bei bjdrographisclien Aufnahmen, bei denen es sowohl auf das Studium der 
Amplitude der Gezeiten im Allgemeinen, als auf die Reduktion der gelotheten Meeres- 
tiefen auf das Niveau des Niedrigwassers, und daher auf die Bestimmung dieses Niveaus 
selbst ankommt, muss meistens von der Benutzung der einen festen Aufstellungsort er- 
fordernden registrirenden Fluthmesser abgesehen werden. Der Hydrograph ^ muss sich 
hier mit der vorübergehenden Aufstellung und Ablesung von Lattenpegeln begnügen. In 
dem an oben genannter Stelle beschriebenen Mareographen will Verf. den Hydrographen 
ein Mittel an die Hand geben, welches, von geringem Umfange, leicht beweglich 
und an Bord des Schiffes auf stellbar, die Bewegung des Wasserstandes innerhalb 
massiger Genauigkeitsgrenzen zu registriren vermag. Die Möglichkeit der Benutzung 
an Bord gestattet femer das Studium der Gezeiten auf hoher See, in weiter Ent- 
fernung von der Küste, ein Problem, das, wie Verf. entgangen zu sein scheint, 
innerhalb gewisser Grenzen bereits durch den Siemens'schen Wasserstandsmesser 
gelöst ist. 

Die Anordnung des Apparates ist folgende : Zwei Aneroidkapseln a a (Fig. 1) mit 
gewellten Wänden sind mit einer ihrer Wände an einem Rohr t befestigt, welches die Ver- 
bindung des Inneren der Kapseln mit dem Meer vermittelt. Steigt der Druck im Inneren 
der Kapseln, so dehnen sich ihre äusseren Wände aus, und diese Bewegung wird mittels 
der Verbindungsstücke 1 1 auf die Federn r r übertragen. Die Ausdehnung dieser Federn 
wird mit Hilfe der rechtwinklig gebogenen Messingrahmen m m den beiden Schreibfedern n 
mitgetheilt, die (in der Figur über einander lagern und) an ihren Enden die Schreib- 
spitzen pp tragen. Je nach dem im 
Inneren der Kapseln a a herrschenden 
Drucke nähern die beiden Schreib- 
spitzen pp sich oder entfernen sich 
von einander und registriren dem- 
entsprechend auf der durch das Uhr- 
werk h gedrehten , mit einer Masse von 
besonderer Zusammensetzung überzo- 
genen Glastafel v zwei Linien mit 
veränderlichen Intervallen. Die Ent- 
fernung der beiden Linien von einander 
giebt das Maass für den im Inneren der 
Kapseln herrschenden Druck , und daher auch für die Höhe des Wassers , welches über dem 
Apparate steht. Die Amplitude der Bewegung der Schreibspitzen ist nur gering-, sie beträgt 
für je 10 m Wassersäule 5 mm, so dass einem Steigen und Fallen des Wassers um 1 cm 
eine Bewegung der Schreibspitzen von nur 5 |i entspricht. Damit das Seewasser nicht 
in die Kapseln dringt und sie zum Oxydiren bringt, sind dieselben mit Petroleum gefüllt, 
welches von dem in dem Rohre t stehenden Wasser durch eine Membran getrennt ist. Das 
Ganze befindet sich in einem hermetisch verschlossenen Kasten, der von Bord aus auf den 
Meeresgrund versenkt wird. Bleibt das Schiff nicht an Ort und Stelle, so wird eine Boje 
verankert, an welcher das den Apparat tragende Tau verankert ist. Nachdem der Apparat 
wieder heraufgeholt ist, geschieht die Ablesung der registrirten Linien mit einem Mikroskop 
in Verbindung mit einer zweiten Glastafel , welche eine Zeiteintheilung trägt und auf die- 
jenige des Apparates aufgelegt wird. 

In der angegebenen Form ist der Apparat im Stande, Drucke bis zu 1 Atmosphäre 
auszuhalten; damit ist die Grenze der Tiefen, für welche der Apparat in dieser Form 
anwendbar ist, gegeben. Soll der Apparat auf hoher See, d. h. in beliebigen Tiefen, 
zur Anwendung kommen, so sind weitere Vorkehrungen zu treffen. Verf. schlägt zu 
diesem Zwecke folgende Anordnung vor. 

14* 


1 


I 





' y/-^'///^, -''^z'/:' 


Fig. 1. 


172 


KirKUTE. 


Der Apparat zeigt die Dmctdifferenzen zwisdien dem Inneren der Kapseln aa und 
dem Inneren des die ganze Mess Vorrichtung antnelimenden Kastens an. Der ganze Kasten b 
(Fig. 2) werde nun unter eine mit Luft gefüllte Glocke 
gestellt, nnd das Innere des Kastens b sowohl wie der 
Kapseln a a werde mittels dünner Bohren von passender 
LSnge mit dem oberen Tbeile der Glocke in Verbindung 
gebracht, und das Ganze auf den Meeresgrund versenkt. 
Der Druck nimmt hierbei im Inneren des Kastens wie in 
demjenigen der Kapseln um denselben Betrag zu und der 
Apparat bleibt auf dem KuUpunkte, in welcher Tiefe er 
sich auch befinde. Wenn man dann bei irgend eiuer Tiefe 
die Verbindung zwischen der Glocke und dem Inneren des 
Kastens b unterbricht, so bleibt von jetzt ab der Dmck im 
Inneren von b konstant, während er bei weiterem Sinken 
des Apparates noch zunimmt; das Instrument funktionirt von 
diesem Momente an, als ob die ganze über diesem Funkte 
beßndliche Wassersäule nicht esistirte. Auf dem Meeres- 
gründe angekommen registrirt es daher die Veränderungen 
in der Höhe des Wasserstandes, als wenn es sich in einer 
Tiefe befände, die der Wassersäule entspricht, welche, von 
dem oben bezeichneten Funkte an gerechnet, über dem 
Meeresgrunde steht. Der Verschluss des Kastens b geschieht 
auf automatischem Wege; in welcher Weise dies gedacht ist, 
geht aus Fig. 2 hervor. 
: soll bei bisherigen provisorischen Versuchen gut funktionirt haben. 

intsprechen wird. 



Der Appai 
Man wird indess abzuwarten haben , oh er allen Anforderungen der Praxis e 


Die dioptrischen fiedis^nngen der Kesanng von Axenwinkels mittels dei PolariBAtioni- 
mikrosfopB. 
Von S. Czapski. N. Jahrb. f. Mineraiogie, Geologie u. PaiaeontologU. 7. S. 306. (IS'Jl.) 
Vom Herrn Verfasser auszugsweise mitgetheüt. 
Sei S ein Mikroskopobjektiv, F seine hintere (obere) Brennebene. Ein Strahl, 
weither unter dem Winkel u gegen die Axe geneigt in dem unmittelbar vor der Frout- 
linse des Systems befindlichen Medium einfällt, wird so gebrochen, dass er F' in einer 
rt' Höhe /( schneidet, 

und die Axe in einer 
it Entfemungx'voni''', 

^h'' ^^'^^^^ ijT- „•— unter dem Winkel u 

J" — '~ f ^ — ^ "^ (in Luft). Sind dann 

und o' das in Bezug 
! auf iSaplanatiscbe 

' Fuuktpaar, d. h. 

sind es diejenigen Stellen der Axe, für welche das System „konigirt" ist, so gilt nach 
den Untersuchungen von Helmholtz') und Abbe^) die Beziehung: 



worin N das in o' und o bestehende lineare Vergrüsserungsverhältniss bedeutet. 

Diese Sinusbedingung ist nach den genannten Untersuchungen — neben der Auf- 

bebung der sphärischen Aberration — die hinreichende und nothwndige Bedingung der 

') Pogii. Ann. Juhdbd. S. .^57. (1874). 

') Mai SchuUc'a Ardi. f. mikr.Annt. 9. S. 413. {ISJ^.) Carl'e Äe;«T^ 16. 8.303. (/W/.l 


Zwölfter Jahrgang. Kai 189?. Refebat^. 173 

Aplanasie für die betreffende Licbtart, d. h. der Abbildung eines bei o zur Axe senk- 
rechten Flächenelements in ebensolches bei o . 

Da nun N für die der Axe ganz nahe bleibenden Strahlen nach der elementaren 
Theorie der optischen Bilder = x /f ist, worin f die Aequiyalentb renn weite des Systems S 
bedeutet, und da femer bei dem stets sehr kleinen Winkel u, sin u = tg u' = h' /x^ ge- 
setzt werden kann, so folgt schliesslich: 

h' . 1 h' 

w sin w = — =- : sm M = 


n f 

Trat der Strahl in die Immersionsflüssigkeit (oder Luft) vor dem System S aus 

einem Medium vom Index v ein, so war seine Neigung gegen die Axe in diesem w gemäss 

dem Brechungsgesetz: . . , 

V sin u = n sm u, also 

1 h' 

sin ü = 7- • 

V f 

Um u oder u zu erhalten, ist also zu messen n, bezw. v, f und A ; /"kann ent- 
weder nach bekannten (z. B. in Dippel, Das Mikroskop. 2, Aufl, Braunschweig 1882. 
S. 333 angegebenen) Methoden bestimmt oder indirekt aus Messungen bekannter Axen* 
Winkel in Substanzen von bekanntem Index berechnet werden. 

Um h zu messen, bedient man sich eines „ Hilfsmikroskops " (Amici-Bertrand'sches 
Hilfsobjektiv) gemäss folgender Erwägung: 

Die Spur eines einzelnen Strahls in der Ebene jP' ist natürlich nicht wahrzunehmen. 
Lässt man aber einen Büschel Strahlen unter dem Winkel u einfallen, so werden die- 
selben bei geringem Querschnitt des Büschels alle im Punkte E genügend homozentrisch 
vereinigt, ohne dass das Linsensystem S für so verlaufende Büschel besonders korrigirt 
zu sein brauchte, ergeben also dort einen Bildpunkt und dieser ist mit einem Mikro- 
metermikroskop ohne Weiteres auffassbar. Sein Abstand von der Axe, bezw. von einem 
andern analogen Bildpunkte ist also messbar. Damit wäre dann ä', oder — was das 
gewöhnliche ist — durch Messung beiderseits von der Axe: Äi-f-Ä2» gewonnen. 

Hierbei sind jedoch stillschweigend mehrere, keineswegs von selbst erfüllte, Vor- 
aussetzungen gemacht. Nämlich : 

1) Dass das System in Bezug auf zwei auf der Axe gelegene Punkte 
wirklich aplanatisch sei; denn nur dann gilt die Sinusbedingung zwischen ein- und 
austretenden Strahlen, nur dann kann man also bei Systemen grösserer Apertur aus h 
auf u ohne Weiteres einen Schluss ziehen. 

Objektive aus unachromatischen Linsen, die entsprechend unaplanatisch sind, können 
daher wohl dazu dienen, Axenbilder wahrzunehmen (wofern sie nur genügende Apertur 
besitzen), aber sie geben gewisseimaassen verzerrte Bilder der fraglichen Interferenz- 
erscheinungen. Sie wären daher zu Messungen nur dann tauglich, wenn die Beziehung 
zwischen den Neigungswinkeln der in das System von einem gewissen Divergenzpunkt 
ein- und der ihnen konjugirten austretenden Strahlen anderweitig bekannt wäre. Andern- 
falls sind, wie gesagt, ganz sorgfältig korrigirte Systeme erforderlich. (Wenn es sich darum 
handelt, Messungen für verschiedene Farben auszuführen, so muss das betreffende 
Objektiv sogar „apochromatisch" sein, d. h. es muss in ihm sphärische Korrektion und 
konstantes Sinusverhältniss für Strahlen verschiedener Wellenlänge herbeigeführt sein.) 

2) Es müssen die Strahlen, welche das beobachtete und gemessene 
Bild C hervorgebracht haben, vor der Brechung in S nahe am ersten apla- 
natischen Punkte o vorbei passirt sein. 

Zu diesem Zwecke wäre es das Nächstliegende, in o selbst eine enge Blende 
anzubringen. Dieser Anbringung werden aber meistens mechanische und andere Schwierig- 
keiten entgegenstehen. Man kommt jedoch zu genau demselben Kesultat, wenn man diese 
Blende an einer Stelle anbringt, die dem Punkte o in Bezug auf das Gesammtsystem 
(Mikroskop und Hilfsobjektiv) optisch konjugirt ist. Zu dem Mikrometer gelangen als- 
dann nur diejenigen Strahlen, welche vor S nahe «in o vorbeipassirt sind; die Messung 


If 4 ttsFEiiAtlE. tmmcmxrr ri*K XssTuvutsTKSKOuht. 


wird sich also nur auf diese beziehen, wie verlangt. Es muss daher das Hilfs objektiv 
(Amici'sche Linse) mit einem Diaphragma nahe ihrem hinteren Brennpunkte 
versehen sein, denn das Diaphragma muss in Bezug auf diese Linse allein konjugirt 
sein zu o'. Man kann aber — und je stärker das vorliegende Mikroskopobjektiv ist, mit 
desto besserem Rechte — o' als im Unendlichen liegend annehmen. Dann wäre der Ort 
der Blende des Hilfsobjektives deren hinterer Brennpunkt. Will man auf die spezielle 
Lage von o Rücksicht nehmen, so hat dies ebenfalls nicht die mindeste Schwierigkeit. Ein 
wahrnehmbarer Vortheil würde jedoch hieraus nach meinen Erfahrungen nicht entstehen. 

Hingegen bietet die Anbringung einer engen Blende in der wirklichen hinteren 
Brennebene des Hilfsobjektives einen wesentlichen Vortheil für die Erfüllung der dritten 
Anforderung, die an Messungen dieser Art zu stellen ist, nämlich 

3) Die Messung des Axenbildes muss wirklich in der hinteren Brenn- 
ebene des Mikroskopobjectives, in F\ geschehen. Dies war vorausgesetzt für die 
Ableitung der Formel: sinu = Ä'/v/'. Wenn die Messung des Axenbildes in einer 
andern Ebene geschähe , d. h. wenn man mit dem Hilfsmikroskop falsch einstellen würde, 
so würde man — auch bei richtiger Regulirung des Strahlenganges — durch eine zu o 
konjugirte Blende die Spur des Strahles Eo' in einer anderen Ebene beobachten, also eine 
zu grosse oder zu kleine Distanz von der Axe bezw. von einem anderen Punkte beobachten. 

Bei richtiger Regulirung des Strahlenganges mittels der Blende wäre dieser Fehler 
relativ gering, da Eo gegen die Axe stets sehi* schwach geneigt ist. Bei falscher oder 
ganz unterlassener Regulirung aber könnte derselbe sehr erheblich werden. Wenn z. B. 
das Hilfsobjektiv ohne Blenden, jedoch an der richtigen Stelle benutzt wird, so wirkt 
bei genügend voller Lichtzuführung durch den Kondensor seine eigene Fassung als Blende. 
Das der Messung unterliegende Bild ist dann formirt durch Strahlenbüschel, deren Axen 
durch die Mitte dieses Objektives gehen, also vor der Brechung in S durch einen 
von weit entfernten Punkt der Axe. Dadurch würde einerseits das Sinus verhältniss 
gänzlich aufgehoben und damit die Grundlage der Messung verlassen; andererseits würde, 
entsprechend der starken Neigung dieser Hauptstrahlen gegen die Axe (man hätte sich 
die skizzirte Figur in Bezug auf Objekt und Bild etwa umgekehrt zu denken), ein 
kleiner Einstellungsfehler, wie er fast unvermeidlich ist, auf das Axenbild schon einen 
ganz erheblichen Messungsfehler zur Folge haben. 

In der Praxis wird dieser Fehler zwar meist nicht mit seinem vollen Betrage zur 
Geltung kommen können , — aus anderweitigen Gründen — er bleibt aber stets bei dieser 
wie bei anderen mikrometrischen Messungen, einer der gefährlichsten. 

Und gerade diesen macht man völlig unschädlich, indem man die Blende genau 
im hinteren Brennpunkt des Hilfsobjektivs anbringt, dasselbe „telezentrisch^ macht. Die 
Strahlen, die das der Beobachtung unterliegende Bild entwerfen, sind dann allerdings 
vor der Brechung in S durch den vorderen Brennpunkt von S gegangen statt durch o. 
Aber dies hat, wie gesagt, bei Mikroskopobjektiven auf das Sinusverhältniss keinen merk- 
lichen Einfluss. Dafür tritt dann der günstige Umstand ein, dass die Hauptstrahlen der 
beobachteten Büschel sämmtlich parallel der Axe oo^ sind. Man mag also beobachten, 
in welcher Ebene man wolle, das Bild behält dieselbe Grösse, die Mitten der Zer- 
streuungskreise dieselbe Distanz von einander. 

In Wirklichkeit hat ein gegen die Axe des Systems schief einfallendes Büschel 
nicht einen, sondern zwei Brennpunkte, wegen des im Allgemeinen mit schiefer Brechung 
stets verbundenen Astimagmatismus. Die den verschiedenen Einfallswinkeln u ent- 
sprechenden Brennpunkte liegen auf je einer Rotationsfläche, welche die Brennebene F' 
der paraxialen Strahlen in ihrem gemeinsamen Scheitel auf der Axe berühren (wie in 
der Figur angedeutet). Dieser, durch Beobachtung geeigneter Axenbilder sehr leicht zu 
bestätigende, Umstand lässt es doppelt noth wendig erscheinen, die Messung des Axen- 
bildes von der Einstellung unabhängig zu machen. 


imtfifUr Uhrgmg, Vail803. Neu ERSÖHIEinsinc BücidEH. itä 


TXeu erschienene Bacher. 

Die Elemente der photographiflchen Optik. Von Dr. Hugo Schroeder. 220 S. Berlin 

1891. Kobert Oppenheim. M. 6,00. 

Das vorliegende Werk ist bei seinem Erscheinen in den zahlreichen mir zu Gesicht 
gekommenen Besprechungen mit ausserordentlicher Wärme begrüsst worden. Schon der 
Umstand, dass ein seit einem homerischen Menschenalter mitten in der Praxis stehender 
Mann, der fast stets sein eigner Rechner und Vorarbeiter zugleich war, sich entschloss, 
seine Kenntnisse und Erfahrungen der Oeffentlichkeit mitzutheilen , und zwar auf einem 
Gebiete, auf welchem früher mit ganz wenigen rühmlichen Ausnahmen, — und auch jetzt noch 
hier und da, — Susserste Geheimnisskrämerei die Parole war, musste diesem Werke, ähnlich 
wie dem vor einiger Zeit an dieser Stelle besprochenen SteinheiTschen^) von vornherein 
das Interesse und die Sympathie der Leser sichern. Ich möchte nun auch gleich von vorn- 
herein bemerken, dass ich nach aufmerksamer Lektüre der Schroeder'schen Darstellung auch 
meinerseits nur bekennen kann, dass sie die Erwartungen, mit denen ich sie auf Grund 
meiner Kenntniss der früheren Arbeiten und Leistungen des Autors, sowie mehrjährigen 
mit ihm über fachliche Gegenstände gepflogenen Briefwechsels zur Hand nahm, vollauf 
erfüllt hat. 

Wenn ich trotzdem und trotz der wiederholten Aufforderung des Verfassers und 
der lledaktion dieser Zeitschrift so lange gezögert habe, das Buch einer öffentlichen Be- 
sprechung zu unterziehen, so war hierbei hauptsächlich das Bedenken Schuld — und in 
noch erhöhtem Maasse — welches ich schon bei meiner Ankündigung von Steinheil 
und Voit's Handbuch der angewandten Optik erwähnte: Dass zwei Leute, die einiger- 
maassen selbständig auf demselben, mit der Praxis verknüpften, Gebiete arbeiten, 
fast stets in den Grundfragen wohl zu denselben, in zahlreichen Nebenfragen aber 
zu verschiedenen, oft zu diametral entgegengesetzten Ansichten gelangen. Auf rein 
theoretischem Gebiete, wo sich alles logisch und eindeutig beweisen lässt, ist dies natür- 
lich nicht der Fall ; auf diesem ist vielmehr umgekehrt schon oft die gelehrte Welt durch 
die völlige Uebereinstimmung der von verschiedenen Forschern gänzlich unabhängig von 
einander gefundenen Lösungen eines Problems überrascht worden. Auf dem Felde der 
Praxis aber — und auch auf dem der sich auf sie beziehenden Theorie — bleibt stets ein 
gewisser Spielraum für die Subjektivität. Hier giebt es nur selten etwas absolut Schlechtes, 
ebensowenig wie etwas absohit Gutes; wenigstens wird hier immer ein breites Grenz- 
gebiet vorhanden sein, auf welchem das Urtheil darüber, ob etwas, (z.B. ein Kechnungs- 
oder Prüfungsverfahren) brauchbar oder untauglich, zweckmässig oder unvortheilhaft, 
geschweige denn bequem oder unbequem sei , fast ganz von den Gewohnheiten , der Uebung, 
kurz dem individuellen Entwicklungsgange des Einzelnen abhängen oder wenigstens von 
ihnen stark beeinflusst sein. 

Bei demjenigen Gebiete der Optik, welches, über die Erörterung der eindeutig 
bestimmbaren Bildorte und Bildgrössen hinausgehend, von der Qualität der Bilder handelt, 
d. h. von den mathematischen bezw. rechnerischen und technischen Bedingungen, die 
für dieselbe maassgebend sind, liegt das subjektive Moment auf der Hand. Aber auch 
bei 'anderen Fragen ist ein solches vorhanden. 

Das Schroeder^ sehe Buch, bei der drastischen Deutlichkeit und Offenheit, mit 
welcher es sich über alle einschlägigen Fragen äussert, fordert nun in viel höherem 
Grade als das mehr akademisch gehaltene Werk von Stein heil und Voit denjenigen, 
welcher über diesen oder jenen Punkt andrer Meinung ist, zum Widerspruch heraus. In 
einem Dritten, welcher diese kritischen Bemerkungen liest, könnte durch sie leicht 
der Eindruck erweckt werden, dass man das Ganze weniger schätze, weil man im 
Einzelnen polemisirt, während es hier vielleicht umgekehrt heissen dürfte ^viel Kritik — 
viel Ehr.^ Denn an einer farblosen, trockenen Darstellung übt natürlich von aelbst 


1) Vgl ditse Ztitschr, ISÜL S. 380. 


176 :^7eü ERSCfilEKENE BüCHEft. ZEITSCHRirr FÜH LxSTRUHEirrnKUKDfi. 


Niemand eingehende Kritik — aus Langeweile, die sie erregt. Das Buch Schroeder s 
aber ist — für mich wenigstens — nichts weniger als langweilig gewesen. 

Vielleicht werde ich in der Absicht, mit welcher ich das Folgende vorbringe, 
weniger missverstanden , nachdem ich oben meinen Standpunkt näher erläutert habe. 
Denn ich würde andererseits glauben, mich eines Vergehens in gleicher Weise gegen 
die dem Autor gebührende Hochachtung, gegen die Leser dieser Zeitschrift und gegen 
mich selbst schuldig zu machen, wenn ich über alle Differenzpunkte leicht hinweg- 
gehend, schlechthin erklärte: ^Das Buch ist sehr interessant; Niemand wird es aus der 
Hand legen, ohne mannigfache Belehrung und Anregung daraus geschöpft zu haben^ und 
dergl. mehr. Das könnte man unbedenklich sagen, ohne einen Blick hineingeworfen 
zu haben — einfach auf den Namen des Autors hin, der auf dem Titelblatt steht. — 

Der Verfasser hat sein Werk, wie er mir privatim mittheilte, in den knapp be- 
messenen Mussestunden , welche ihm neben seiner beruflichen Thätigkeit übrig blieben, und 
noch dazu in verhältnissmässig sehr kurzer Frist fertigstellen müssen. Dies ist bei einer 
Beurtheilung der Darstellung von vornherein in Berücksichtigung zu ziehen. Man wird 
deshalb aus manchen Flüchtigkeiten im Ausdruck oder kleinen Versehen in den Kesultaten 
ihm keinen allzugrossen Vorwurf machen dürfen. 

Dr. H. Schroeder ist vielleicht — und das werden die Einen ihm als Vorzug, 
Andere aber bei dem Verfasser eines Lehrbuches doch vielleicht als einen Mangel an- 
rechnen — keine ^Schulmeistematur." Das ganze Werk trägt mehr den Charakter 
brieflicher Expektorationen über mehrere Kapitel der photographischen Optik — in 
systematisch geordneter Reihenfolge — als eines Lehrbuches, geschweige denn eines 
solchen für Anfänger; und als letzteres giebt es sich doch nach dem Titel und der Vor- 
rede ganz besonders aus. Ich glaube aber in der That, dass ein Anfänger kaum im 
Stande sein wird, auch wenn er Über die nöthigen elementaren Vorkenntnisse verfügt, 
aus den vorliegenden Darlegungen dasjenige zu lernen, w^as sie in Wirklichkeit ent- 
halten, während andrerseits Vorgeschrittene und nicht zum Mindesten die speziellen Fach- 
genossen des Verfassers seine Ausführungen grade wegen der Form, in welcher er sie 
giebt — und dann natürlich auch wegen ihres Inhaltes — zweifellos mit Interesse und 
Nutzen lesen werden. Das Buch ist eben, wie ich schon oben bemerkte, nichts weniger 
als akademisch gehalten. Es fehlt daher auch nicht an kleinen Abschweifungen vom 
Thema und Bemerkungen persönlichen Charakters, auf welche ich zum Theil noch 
zurückkommen werde. 

Um nun endlich auf den Inhalt selbst einzugehen, so muss ich gestehen, dass 
mir gleich beim Litteraturverzeichniss, welches dem Texte vorangestellt ist, und nicht 
weniger als 181 Nummern enthält, der zwiespältige Charakter entgegentrat, den ich auch 
anderen Abschnitten gegenüber fühlte. Dies Verzeichniss führt neben bekannteren Werken 
auch eine Anzahl solcher an, welche, trotz ihrer ganz hervorragenden Bedeutung für 
die Entwicklung der Optik, in neuerer Zeit merkwürdigerweise so gut wie ganz vergessen 
wurden. So aus älterer Zeit den j^Treatise^ von J. Harris (1775); aus dem Anfang 
und der Mitte dieses Jahrhunderts die jy Analytische Optik^ von Schleiermacher 
(1842), welche der Verfasser mit Hecht als ein „gross angelegtes Werk^ bezeichnet; das 
fast nirgends erwähnte und doch ganz vortreffliche Werk von Potter (1851); die Ab- 
handlungen von Stampfer in den Jahrb, des K. K. Polyt Instituts (iS^S — 4?9); die von 
Airy in den Camh, FhiL Trans. (1830) und die ebenfalls viel zu wenig gewürdigten und be- 
achteten Abhandlungen SeideTs in den Astr, Nachrichten aus dem Anfang der 50er Jahre. 
Diese und andere bekanntere Werke werden gebührend hervorgehoben und nach ihrer Be- 
deutung treffend gewürdigt. Dass in diesem Verzeichniss einige Werke von hervor- 
ragender Bedeutung nicht erwähnt oder nicht nach ihrem wahren Werthe gewürdigt sind, 
wie z. B.: Die Darstellung von Biet in der 3. Aufl. seiner y^ Astronomie physique^y das vor- 
treffliche Buch von Mossotti, die Abhandlungen von Maxwell und Matthiessen u. a. m. 
ist unerheblich, da dass Verzeichniss ja keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. 


2w6mer Jftbrgansr. Mai 1892. Nsu ERSCHIBNENB BüCHER. 177 


Dass aber umgekehrt aus der Zeit nach 1885 über 100 Abhandlungen aufgeführt sind, 
deren Inhalt zum Theil mit dem vorliegenden Thema nur in einem ganz entfernten Zu- 
sammenhang steht, — ich muss hierunter die meisten der von mir selbst verfassten Ab- 
handlungen rechnen; sodann aber auch diejenigen über die chemischen Eigenschaften der 
Gläser von den Herren Schott und Mylius, über die Einrichtung photographischer 
Kamera's, über die Eigenschaften von Platten, über „Luminescenz^, und auch diejenigen, 
welche ganz spezielle Untersuchungen über Femrohre und Mikroskope enthalten — das 
entspricht weder der Bedeutung der in diesen letzten sieben Jahren entstandenen Litteratur, 
noch ist mit einer solchen Aufzählung des Unbedeutenden und zum Theil ganz Nichtigen 
irgend Jemandem ein Dienst geleistet. — 

Im ersten Kapitel, In welchem dieElemente der geometrischenOptik auseinander- 
gesetzt werden, muss ich mich dem dort eingeführten Begriff der „optischen Arbeit" 
entschieden widersetzen. Einmal widerspricht der Begriff der Arbeit nach seiner dort 
gegebenen Definition (es wird die von einem Lichtstrahl bei einer Brechung erlittene 
Ablenkung als die optische Arbeit bezeichnet) dem in der mechanischen Physik ange- 
nommenen Begriffe einer Arbeit, wonach diese immer das Aequivalent aufgebrauchter 
Energie und z. B. in der Mechanik gleich dem Produkt einer Kraft und eines Weges 
ist. Ausserdem kann ich nicht im Mindesten finden, dass von diesem Begriffe irgend eine 
andere Anwendung gemacht sei als zu einer Modifikation des Ausdrucks. 

Ich kann sodann — und hier steht mir die grosse Autorität von Gauss zur 
Seite — die vom Verfasser wiederholt hervorgehobene Bedeutung des optischen Mittel- 
punktes bei zusammengesetzten Systemen ebenfalls nicht anerkennen. Bei einer einfachen 
Linse ist der (nach dem Verf. von Harris zuerst bemerkte) optische Mittelpunkt dadurch 
ausgezeichnet, dass er erstens auch für endliche Neigung der Strahlen konstant derselbe bleibt 
und dass er zweitens eindeutig ist: nämlich derjenige Punkt im Glase, dessen Konjugirte 
in Bezug auf die beiden Flächen der Linse nach der Luftseite hin die Hauptpunkte der 
Linse sind. Bei einem zusammengesetzten optischen System fallen beide Momente weg und als 
optischen Mittelpunkt paraxialer Strahlen kann man jeden Punkt der Axe wählen, welcher in 
Bezug auf den ihm vorangehenden Theil des Systems dem ersten Hauptpunkte, in Bezug 
auf den ihm nachfolgenden dem zweiten konjugirt ist. Die vom Verfasser angegebene Kon- 
struktion , in welcher die bei einem zusammengesetztem Systeme doch ganz nebensächlichen 
Stücke: erste und letzte Fläche des Systems benützt werden, ist meines Erachtens 
nicht haltbar. 

Auf S. 51 wäre richtig zu stellen, dass Prof. Abbe das Diaphragma eines 
optischen Apparates nicht mit der Pupille, sondern mit dessen Iris verglichen hat. 
Die Bilder dieser Iris bezeichnet Prof. Abbe in richtiger Analogie mit den beim Auge 
vorliegenden Verhältnissen als (Ein- und Austritts-) Pupille. Die betreffenden Auseinander- 
setzungen des Verfassers werden übrigens ohne weitere Erläuterung, zum Mindesten durch 
eine Figur, wohl kaum Jemandem verständlich sein, der mit der betreffenden Lehre 
nicht schon vorher bekannt war. 

Das zweite Kapitel behandelt die chromatische oder Farbenabweichung, 
das dritte die sphärische Aberration und die Anomalien schiefer Kegel, d. h. 
den Astigmatismus, die Wölbung, die Distortion und das sogenannte Coma (die sphärische 
Aberration höherer Ordnung im Hauptschnitt). Dieser letztere Fehler ist vielfach noch 
gar nicht oder wenig bekannt, wird deshalb vom Verfasser gebührend hervorgehoben. 
Im vierten Kapitel werden die perspektivischen Anomalien noch genauer durch- 
gegangen, im fünften die sogenannte „Beuguugsaberration" kurz duichgenommen, 
allerdings ohne dass hier auf die einschlägigen Untersuchungen von Abbe, Helmholtz 
und Kayleigh gebührend Rücksicht genommen wäre. Das sechste Kapitel handelt von 
der Lichtstärke, dem Bildfeld, Lichtfeld und der Fokustiefe. In einem Anhang 
zu demselben werden die optischen Bedingungen der Vergrösserungsapparate dar- 
gelegt. Das siebente Kapitel führt die Untersuchungsmethoden der photographischen 


178 Neu erscrieneke Süciieb. ZsiTScBitirr rfSn Issnuumimswktn^k. 


Linsen und die hierzu dienenden Apparate auf und ist natürlich von besonderem Interesse. 
Im achten Kapitel endlich folgt eine kurze Beschreibung der bemerkenswerthesten 
Linsensysteme für Photographie. Ich muss mich darauf beschränken, hier diese kurze 
Inhaltsangabe zu machen, da ein gleich ausführliches Eingehen auf Einzelheiten, wie 
oben, für die Leser kaum von Interesse sein dürfte. 

So interessant im Allgemeinen die Darlegungen, namentlich dieser beiden letzten 
Abschnitte sind , bei welchen der Veifasser aus dem reichen Quell seiner Erfahrung schöpfen 
konnte, so kann ich doch andrerseits die allgemeine Bemerkung nicht unterdrücken, dass er 
sich wohl manchmal in einem Irrthum befindet, wenn er Arbeiten, über welche er selbst schon 
einmal irgendwo eine kurze Notiz veröffentlicht oder sogar mit dem Urheber derselben 
persönlich gesprochen hat, auf diese Anregung zurückführt. In der Litteratur und 
mündlicher Unterhaltung mit Fachgenossen werden Jedem unzählige Anregungen ge- 
geben, von denen wohl immer nur «in sehr kleiner Theil wirklich fruchtbar wird. 
Es liegt hier dieselbe Verschwendung vor, welche die Natur auf dem physischen Gebiete 
mit der Ausstreuung von Keimen begeht; und auf dem geistigen Gebiete verhält es sich sogar 
meistens geradezu so, dass für die in Angriff genommene Bearbeitung einer Aufgabe 
schliesslich gar nicht die ursprüngliche Anregung das wirksame Motiv abgiebt, sondern 
dass dieses aus den viel dringlicheren später erwachsenen eigenen Bedürfnissen entstanden 
ist. Dies kann ich wenigstens in Bezug auf die hier in Jena ausgeführten Arbeiten 
mit aller Bestimmtheit versichern. Weder bei den auf die Feinkühlung des Glases ge- 
richteten Bemühungen der Herren Schott und Abbe, noch bei der Konstruktion der 
Tripleli oder Anastigmate hat Jemand im Entferntesten an die gleichgerichteten Bemühungen 
des Herrn Dr. Schroeder gedacht, sondern beide Arbeiten nahmen ihren Ursprung 
durchaus selbständig aus Beobachtungen^ Ueberlegungen und Bedürfnissen, welche erst 
unmittelbar vorher aufgetaucht waren; und auch im Verlaufe der Arbeiten selbst fielen 
Keinem die früheren Bemühungen oder Anregungen des Verf. eher ein, als bis er 
selbst — privatim oder öffentlich — auf dieselben hinwies. — 

In einem Nachtrag giebt Verfasser betreffs der Sinusbedinguhg die geschichliche 
Notiz, dass Biot in seiner Arbeit über die Theorie der terrestrischen Okulare bereits im 
.Tahre 1842 auf jene Bedingung gestossen sei durch das Bestreben, die Vergrösserung über 
das ganze Sehfeld konstant zu machen. Ich kann diese Priorität in keiner Weise zu- 
geben. Biot spricht erstens a. a. 0. gar nicht davon, dass das Verhältniss der Sinus 
innerhalb des ganzen Sehfeldes konstant sein müsse und er sagt feiner ausdrücklich, — 
gerade zwei Seiten nach der zitirten Stelle, — dass er nur von unendlich kleinen Winkeln 
spreche, bei welchen der Sinus der Tangente und dem Winkel selbst gleich gesetzt 
werden könne. Einem Manne wie Biot würde auch die grosse Bedeutung eines Theo- 
roms, wie es das Sinusgesetz ist, gewiss nicht entgangen sein und er würde nicht unter- 
lassen haben, sie gebührend hervorzuheben, jedenfalls aber doch, das Gesetz besonders zu 
beweisen, was a. a. 0. nirgends geschehen ist. Es dürfte also doch wohl dabei bleiben, wie 
ich gelegentlich {diese Zeiischr, 1888 S, 253) bemerkt habe, dass der erste Urheber 
dieses Gesetzes, wenn auch in versteckter Form, Gl aus ins war, seine jetzige Form und 
Bedeutung aber bekanntlich von Abbe und Helmholtz fast gleichzeitig und unabhängig von 
einander ausgesprochen worden ist. l)r, S, Czapski, 


Handbuch der physiologiBchen Optik. Von H. v. Helmholtz. Zweite umgearbeitete 
Auflage. Sechste Lieferung. Hamburg und Leipzig. L. Voss. M. 3,00. 
Die sechste Lieferung dieses wichtigen und keiner Empfehlung noch Besprechung 

bedürfenden Werkes ist soeben erschienen. Die Lieferung setzt den zweiten Abschnitt 

„Die Lehre von den (vesichtsempfindungen^ fort und behandelt in § 21 die 

^Intensität der liichtompiindungen^. 


£wOlft«r 3ATg»,ng, Uni 1891 


VEBBärS- UND t'EBSOlTBNVACRBICHTSir. 


179 


Phytikalische Bevne. Herausgegeben von L. Greetz. Stuttgart, J. Engelborn. Monats- 
zeitschrift. Vierteljährlich Mk. 8,00. 

Von dieser neuen Zeitschrift, deren Begründung mit dem Eingehen des ähnliche 
Ziele verfolgenden Eepertoriums der Physik zusammenfällt, liegen uns die ersten 
drei Hefte, in Stärke von je 128 Seiten, vor. Die Zeitschrift will eine Ergänzung 
zu Wiedemann's Annalen bilden; sie will die gesammten physikalischen Untersuchungen 
des -Auslandes, soweit sie von Werth und Bedeutung sind, vollinhaltlich in deutschen 
Uebersetzungen bringen. Dass dadurch manche in wenig verbreiteten ausländischen Zeit- 
schriften veröffentlichte Abhandlung dem deutschen Leserkreise leichter zugänglich wird, 
ist wohl zuzugeben. Die typographische Ausstattung lehnt sich vollkommen an die in 
Wiedemann's Annalen übliche an; die Figuren lassen zum Theil zu wünschen übrig. 


A. Polaz. Tratte de Photometrie industrielle, specialement appliquee ä Veclairage electrique, 

Paris. M. 7,80. 

B. y. Pioon. Les moteurs electriques ä champs magnetique toumant. Paris. M. 1,50. 

H. Axnbronn. Anleitung zur Benutzung des Polarisationsmikroskops bei histologischen 
Untersuchungen. Leipzig. J. H. Robolsky. M. 2,50. 


Vereins- und Persenennachrichten. 

Deutsche Oesellsohait für Mechanik und Optik. Abtheilung Berlin. Sitzung vom 

15. März 1892. Vorsitzender: Herr Stückrath. 

Herr A. Baumann führte den neuen Getreideprober vor, wie er jetzt von der 
K. Normal-Aichungskommission zur Aichung zugelassen ist. 

Herr Bunge zeigte den von ihm gebauten Profilzeichner, der zum Zeichnen der 
Profile von Eisenbahnschienen dient , um dadurch von Zeit zu Zeit die Abnutzung der- 
selben festzustellen. Der Schriftführer: Blaschke, 

Zur Feier des sechzig] ährigen Geburtstages der Herren H. Haensch und C. Hei che 1 
fand am 13. April ein von Fachgenossen, sowie Freunden der Mechanik und Optik sehr 
zahlreich besuchtes Festmahl statt. Herr Geheimrath Prof. Dr. Foerster feierte die 
Verdienste des Herrn Reichel um die Entwicklung der Präzisionsmechanik, Herr Direktor 
Dr. Loewenherz diejenigen des Herrn Haensch um die Vervollkommnung der tech- 
nischen Seite der wissenschaftlichen Optik und hob besonders auch seine Verdienste um 
die Deutsche Gesellschaft für Mechanik und Optik gebührend hervor. 


Patentschaa. 

Ertheilte Patente. 
Statibares Stichnaass mit Messschraube. Von Th. Esser in Mühlheim a. Rh. Vom 22. April 
1891. Nr. 60558. Kl. 42. 

Der auf der Messschraube c (Fig. 1) aufgeschraubte Theilkolbenzeiger b ist auf dem 
äusseren Umfange in 100 gleiche Theile getheilt und gestattet, an der Schnittkante e der mit MiUi- 

metertheilung versehenen Hülse a Vioo ^^'^ 
abzulesen, da das Gewinde c eine Steigung 
von 1 mm hat. Bei etwaiger Abnutzung der •^'• 
Kömerspitzen wird die innere Schraube f (s. 
Fig. 2) am Theilkolben gelöst, der Kolben 
festgehalten und die Schraubenspindel herausgeschraubt, bis das Maass wieder mit dem Original- 
kaliber stimmt. Hierauf wird der Zeigerkolben wieder mit der inneren kegelförmigen Schraube f 
festgestellt (Vgl. diete Zeüschr. 1891. S. 307.) 




Fig. 2. 


180 


PATEKTSCHAr. 


ZEtTSCHKiFT FÜK IkBTRÜMEXTSKKÜKOC 





ü- 


rli 


Chronometer mit an der Unruhaxe befestioter Auslosungsfeder. Von R. Lange in Glashütte. Vom 

17. Mai 1891. Nr. 60071. Kl. 83. 

Das Aaslösungsfederchen e ist nicht wie üblich an der Wippe, 
sondern mittels eines Klöbchens oder Fingers E an der Unruhaxe be- 
festigt und wirkt mit einer Wippe C zusammen, welche vom ein dreh- 
bares Klötzchen c mit einem verschiebbar befestigten Auslösestein a und 
an ihrem hinteren Ende den gegen die Gangradzähne sich anlegenden 
,rO _ Ruhestein o trägt. 

^SNs^ Vorrichtung zum Verlangsamen und Anhalten der Bewegung der Zelger- 

J Vr „3||e| elektrischer Messgeräthe. Von Ed. Westen in Newark, 

Q \A New- Jersey, V. St. A. Vom 11. November 1890. Nr. 60418. 

Kl. 21. 
Die Vorrichtung bezweckt eine ruhige Bewegung der 
Zeigemadel bei Messgeräthen. Durch das Niederdrücken des 
Knopfes c wird der Stromkreis durch das Instrument geschlossen. 
Der Ausschlag der beweglichen Spule A und somit der Zeiger- 
nadel B kann aber wegen der Reibung, welche zwischen dem 
Lederkissen b und der Scheibe a besteht, nur allmälig erfolgen« Beim weiteren Niederdrücken 
des Knopfes c wird dann die Reibung vollständig aufgehoben, sodass nun die Zeigemadel die 
dem elektrischen Strome entsprechende Stellung einnehmen kann. (Vgl. diese Zeitschr. 1891. S. 346.) 

Mikrophon -Schallplatte. Von E. Gwosdeff und A. Bunge in St. Petersburg. Vom 12. April 

1891. Nr. 60820. Kl. 21. 
;% Die Fasern der aus trocknem Tannenholz hergestellten Schallpli 

untereinander durch ein Querstück verbunden, an welchem das Kohle- 
Stromschlussstück befestigt ist. In Folge dessen werden auf dasselbe 
j:;^ ., die Schwingungen sämmtlicher Fasern übertragen. 

Anschlussende für elektrische Leitungsschntire. VonC. J.Vogel in Berlin. Vom 17. Juni 

1891. Nr. 60851. Kl. 21. 

In der durch die Verengung m der Hülse a gezogenen und von der Umhüllung e 
befreiten Leitungsschnur c wird ein Knoten d gebildet. Durch Festschrauben des 
Stöpsels b wird alsdann die stromleitende Verbindung hergestellt und zugleich der 
Knoten und die Umhüllung der Schnur festgeklemmt. 

Wassertiefenmesser. Von G. A. Rung in Kopenhagen. Vom 22. April 1891. Nr. 59398. Kl. 42. 
In der Kammer b wird die Luft während des Hinuntersenkens des Apparates durch den 
Wasserdruck zusammengedrückt. Diese Kammer steht in Verbindung mit der Mess- .^ 
kammer /i, in welcher ein bestimmter Rauminhalt der zusammengedrückten Luft durch 
geeignete Mittel von der Kammer h abgesperrt wird, sobald der Apparat den Punkt 
erreicht hat, dessen Entfernung von der Oberfläche des Wassers man sucht. Gleich- 
zeitig mit der Absperrung wird die Messkammer mit einem Messrohr / in Verbindung 
gesetzt, in welchem die zusammengedrückte Luft sich frei ausdehnt und dadurch, dem 
Mariotte'scheu Gesetze zufolge, an der entsprechenden Theilung angiebt, bis zu 
welcher Tiefe der Apparat versenkt gewesen ist. 

Senkloth mit Vorrichtung zur seibthätigen Angabe von seichtem Fahrwasser. Von Th. C. 

Knudsen und A. Nörholm in Kopenhagen. Vom 9. Mai 1891. Nr. 59G8d. Kl. 42. 

Das Senkloth a ist unterhalb des Schiffes an zwei Leinen b und c aufgehängt, 

^ von denen die letztere an einer Rolle e befestigt 

xJh ^ ist. Ein Gegengewicht, auf die Axe dieser Rolle 

~^^ wirkend, hält die Vorrichtung im Gleichgewicht 
^ und bewirkt eine Drehung der Rolle, wenn das 

Schiff über seichtere Stellen fährt, als der Ein- ^^ 
Stellung des Lothes entspricht, und dieses auf den Grund 
auftritt. Um den jeweiligen Stand des Lothes ermitteln 
zu können, wird eine geeignete Ablescvorrichtung angebracht, als welche die Patentschrift ein 
von jener Rollenaxe aus angetriebenes Räderwerk mit Zeigern beschreibt. ]>ie Patentschrift 
giebt auch eine geeignete Form des Senklothes au. 



^ 



Zwölfter JfthrgftDg. Mai 1802. 


Patbntschaü. 


181 




Rennspindelartiges Bohrgeräth fQr einschneidige Bohrer. Von A. Roth in Magdeburg. Vom 

15. April 1891. Nr. 60224. Kl. 49. 

Das Handbohrgeräth besteht aus einer Bohrstange B mit 
Schwungrad Ry übergeschobener Hülse // und Handgriff S, welche 
Theile derart zusammenarbeiten, dass beim Anziehen des Hand- 
griffes die Hülse vermittels der Schnüre eine Drehung erfährt, die durch 
ein Gesperre auf die Bohrstange übertragen wird , während das freie Zu- 
rückdrehen der Hülse und damit das Wiederaufrollen der Schnur 
beim Nachlassen des Handgriffes durch die vorher gespannte Feder 

bewirkt wird. 

Eine mit einem Poiirstahi konbinirte Fräse. 

Von Müller & Schweizer in Solo- 

thum. Vom 16. Mai 1891. Nr. 60226. 

Kl. 49. 

Die zylindrische Fräse B ist mit der Polirfläche B' versehen, 
welche die zylindrische Oberfläche des durch die Fräse B an einem sich 
drehenden Arbeitsstück A herausgefrästen Zapfens oder Anpasses A' nach 
Maassgabe des Vorrückens der Fräse B polirt. (Der praktische Werth 
der Einrichtung erscheint wegen der auftretenden Erschütterungen beim 
Fräsen einigermaasscn fraglich.) 

Vorrichtung zum Messen von Linsen. Von Geneva Optical Company in Chicago, Illinois, 

V. St. A. Vom 13. Februar 1891. Nr. 59636. Kl. 42. 

Die zu messende Linse wird auf die drei Stifte C gelegt, von denen der mittlere be- 
weglich ist, auf einen Arm des Radbogens // drückt und in Folge 
dessen die Zeigerwelle J dreht. Je nach der Krümmung der Linse ist 
die Verschiebung des Stiftes D und somit der Zeigerausschlag grösser 
oder kleiner. Behufs Berichtigung des Apparates ist das Zapfen- 
a ger F des Radbogens // verstellbar angeordnet. 

Kompensationsplattenthermometer. Von 0. Möller in Hamburg. Vom 

1. Mai 1891. Nr. 59764. Kl. 42. 

Die beiden Platten A und B sind aus 
zwei verschiedenen Metallplattcn zusammenge- 
löthet, so dass das eine Metali sich auf der 

Innenseite, das andere auf der Aussenseite befindet. Bei F sind beide 
Platten fest mit einander verbunden, während ihre freien 
Enden die Säulen a bezw. das Gelenkstück D tragen. 
a und D sind durch den rechtwinkligen, um C sich 
drehenden Hebel E mit einander verbunden. Findet nun 
eine Temperaturänderung statt, so krümmen sich die 
beiden Platten A und B nach innen oder nach aussen. ^ 
Der Hebel E muss sich dann in entsprechender Weise 
um C drehen und überträgt diese Bewegung mittels eines 
Flg. 1. Kettchens auf den Zeiger. 

Vorrichtung zum schnellen Auswerfen der Röhren aus Poiarlsationsapparaten. Von 

Joh. Bapt. C am m er er in Gröbers bei Halle 
a. S. Vom 30. Mai 1891. Nr. 59863. Kl. 42. 
Die im Schnitt gezeichnete Leitstange m wird 
mittels Schräubchen und zweier gabelförmiger, auf der 
Gleitstange lose gleitender Führungsaufsätze a auf den Rand der 
Rinne r des Polarisationsinstrumeutes aufgeschraubt. An der Stange in 
sind einerseits der Griff c, andererseits zwei bogenförmig gestaltete 
Auswerfer befestigt, während eine um die Stange m gewickelte Spiral- 
feder die Auswerfer b in die Höhlung der Rinne des Polarisationsinstruments drückt. Beim 
Polarisiren wird die Polarisationsröhre in gewöhnlicher Weise eingelegt. Sie kommt dann auf 
die beiden Auswerfer zu liegen, wird beim Niederdrücken des Griffes c ausgeworfen und gleitet 
in die den Griff c bethätigende Hand. 




I 




ElektrliraitBnesaer. Von derCie-anonjmecontii 
k gaz. Vom 23. Mai 1890. Nr. 60190. 



entate pouTlafabric&tiondea compteais 
Kl. 21. 

Bei dieeem ElektrizitätameSHer wird die 
Bewegung der Feder V eines Elektrodynamo- 
meters auf ein Zählwerk übertragen. Diese 
Uebertragung geschieht dadurch, daas ein mit 
der Axe t der Drehungefeder V verbundener 
Hebel durch eioe KurbelEtange U mit einem 
Hebel V^ gelenkig verbunden ist. Dieser 
Hebel U^ greift mittele eines Stiftes t^ in eine 
V'förmige Nut einer unter dem Dnick einer 
Feder stehenden Scheibe 7' ein. Hierbei wird 
die RÜckdrehnng der Scheibe durch einen An- 
schlagstift (• verhindert und der Reibnng«- 
stift (* durch einen Stift (' zur geeigneten 
Zeit hoch gehoben. Die Axe ! der DrebungS' 
feder 1" wird in regelmässigen Zeitabschnitten 
gespfinnt und freigegeben. Dies geschieht 
durch eine lösboreEuppelungjrpi, welche mit 
der Aie r des Zählwerks ver- und entkuppelt wird. Hierbei werden 
die von der Feder I'i beschriebenen Winkel und somit die verbrauchten 
El fk tri zitatsm engen genau nachgewiesen. 

EIvMrilllStSiahler. Von E. Grassot in Cambray, Frankreich. Vom 
12. April 1891. Nr. 60276. Kl. 21. 

Dieser Elektrizitätszitbler besteht aus einem elektrolytischen 
Bade A, welches eine Metalllösung enthält, einer Anode h und einer 
Kathode a aus demselben Metall wie das in der Lösung vorhandene. 
Beim Durchtluss des elektrischen Stromes wird das Metall der Anode h 
aal die Kathode a übergeführt. Entsprechend dem Stromverbrauch 
bewegt sieb der Draht b nach dem festen Ansatz C hin. Diese Be- 
wegung wird auf ein Zählwerk übertragen und so der Stromverbrauch 
ermittelt. (Vgl. <lie*e ZeiCtchr. JS91. S. 346.) 

AugenglM für Farbeibiind«. Von F. v. KamptE in Düsseldorf. Vom 
9. Januar 1891. Nr. 59782. Kl. 42. 

Hit einem Glase a , von welchem eine Seite eben ist, während die 
andere zwei oder mehr Facetten b, r, g hat, sind so- 
viele der jeweilig zu verbeaaemden Farbenblindheit ent- 
sprechende farbige Gläser verbunden, als Facetten vor- 
handen sind. Hinter jeder Facette befindet sich somit 
ein farbiges Glas. In Folge der prismatischen Wirkungen 
des Facetten gl ases erblickt der Farbenblinde gleich- 
zeitig die entsprechende Anzahl von entsprechend gefärbten Itildcm des tu prüfenden Gegen- 
standes. Das gleichzeitige Erscheinen des Bildes erleichtert ihm die nöihige Vergleichung. 
Schub- und BeleiOhtaigBSpitgel flir DrehUnkt und Hobelmaschlnin. Von K. Tryndler in Kaisers- 
lautem. Vom 24. Mai 1891. Nr. 60227. Kl. 49. 
Der zur Beleuchtung von Arbeitsflächen und zum Schutze 
der Augen des Arbeiters dienende Drehbank- und Hobel- 
maschinenspiegel besteht aus einem Doppetrahmen R, 
r Spiegeltafel S und einer Hartglastafel //, beide 
hintereinander stehend, femer aus einem an dem Itahmen ' 
' beweglichen Licht, dem Bügel B mit den Lochern / ' 
und n und der in diesen drehbaren Kugel A'. 

Dieser Gahmen kann in irgend einer beliebigen 
r Arbeitsfläche erforderlichen Stellung dadurch sofort 
1 werden, dass die den Spiegel S tragende Kugel K, welche in den IJicher 

, durch Anpressen des letzteren gegen den Werkieugstahl 
a das obere Loch des Bügels geinängt wird. 




festgehaltet 

des Bügels B beweglich gelagert i 

mit einem Theil der Kugel Oberfläche i 


1 l und /i 


ZoVKWi JkbrfWf . Kii 


Febrnar 1801. 


Gewindflklupp«. Von J. S. Fletcher und Emmert in Cbiuago. 
Nr. 60400. Kl. 49. 

In die mit änsscren DrehArmen a' und kouiachem (fiittergewinde versehene Nabe a ist 
eine cintheilige , geschlitzte, und daher federnde Gewindebacke B geschraubt, wulche, nnch 
Einstellung der gewünschten Ge- 
trindestärke , mittels eines in eine 
Erweiterung des BELckeuachlitzcs C , 
eingetriebenen Stiftes oder Keiles 
gegen selbständiges Drehen ge- 
sichert wird , während ein von 
iiiilttn iu die vcrlüngerto Nabe eingeschraubter King D das Arbeitsstück gciiAU zentrisch und 
axial führt und dadurch ein Scliiefschneiden des Gewiudes verhindert. 
Nfluening an PhonoBr'phei). Von II. Steiner in Dudnpest. Vom 13. Mürz 18!)1. Nr. 59791. Kl -12. 

Durch den Ansatz b des Hebels Jl winl 
die Drehung des "Windflügelrcgulfttors e so 
lange verhindert, bis die Aufziehkurbel D 
durch Vorschieben von der Aufziehivelle a 
entkuppelt und der Hebel ß zum Abfallen 
gebracht wird. Hierdurch gelangt der Motor, 
welcher die Phonogramm walze /.' bewegt, in 
Thätigkeit und der Membranstift lehnt sich 
au die Phonogramm walze an. 

ObjektiwersohlUBS für ptiotographlsohe Apparate. Von E. Kessler in Dresdcu. Vom 39. April 
18111. Nr. 59394. Kl. 57. 

Zwecks Erzielung einer gleichen Belichtungsdauer 
für alle Stellen der zu belichtenden Platte sind die den 
Verschluss bewirkenden Kreisschieber a mit thcils konvei, 
theils konkav begrenzten Ausschnitten versehen. Zur 
Herbe ifuiirung der Drehnng der Schieber a sind mit der- 
selben Zahnräder b verbunden, in welche Zahnstangen i: 
eingreifen. Letztere 
sind mit je einem der 
mit einander ge- 
kuppelten Hebel il und e verbunden. Der Hebel (/ spannt 
hei seiner zum Ziveck des Aufziehens des Verschlusses 
bewirkten Niederbewegiing eine Schraubenfeder/" an. Diese 
Feder treibt nach ihrer Auslösung beide Hebet rf und « 
aufwiirts, wodurch die Scheiben a gedreht werden. 
HandiohlelfVorrlohtung fiir Spiralbohrer. Von der Schmidt'- 
schen Scbmirgelwaarenfabrik Major & Schmidt 
in Offenbach a. M. Vom 22. Mai 1891. Nr. 59734. 
Kl. 87. 

Durch das Kugelgelenk « und die Lcilkurve d 
wird der in den Handgriff £ geklemmte Bohrer a zu einer 
solchen Bewegung auf der Schniirgelacheibe / gezwungen, 
dass dadurch ein genauer Hinterschliff, und zwar für beide Schneiden derselbe genau diametral 
gegenüberliegende erzeugt wird. 

Elektrischer Kompass mit Kursverzeichner. Von Jos. Ritter v. Peichl in Fiume- Vom 4. Juui 
1891. Nr. 59960, Zusatz z. Pat. Nr. 56519. Kl. 42. 

Der im ersten Ajispruche des Patentes Nr. 56519 (vgl. r/iese Zeiltc/ir. 1892. S. 37) angegebene 
Motor ist durch einen Elektromotor ersetzt, welcher, um die Drehung der Kompassbüchse einleiten 
zu können, anstatt des Wendegetriebes mit geeigneten Umschaltcvorriclitungen versehen ist. Zur 
Verzeichnung der jeweiligen Fahrgeschwindigkeit ist an der zur Kurs Verzeichnung dienenden 
Schreib Vorrichtung ein mittels Elektromagnet bewegter Schreibstift angeordnet. Der Stromkreis 
des genannten Elektromagneten wird jeweils nach Zurücklegung einer bestimmten Wegstrecke 
(Seemeile) durch das Zählwerk eines Palentlogs für kurze Zeit geschlossen, und in Folge dessen 
durch jenen Schreibslift auf der Papiertrommel ein Zeichen gemacht. 



184 


FüB DIE WkBK8TATT. 


Zeitschrift für IsBTRUMXKTKNKCirDE. 



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5 


Fig. 1. 




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Fig. 2. 


Fig. 3. 


Für die ^IVerkstatt. 

Sohraubensohlüssel mit Selbsteinstellung. Von Begierungsbaumeister W. Schilling. (Vom Ver- 
fasser eingesandt). 

Der in Nachstehendem beschriebene Schraubenschlüssel mit Selbsteinstellung hat den 
Zweck, mit einem einzigen Schraubenschlüssel für verschiedene Schraubenköpfe und Muttern 
auszukommen. Fig. 1 stellt den Schlüssel in der Hauptansicht dar; in Fig. 2 ist er einer grösseren 
Mutter angepasst und die Deckplatte fortgenommen; Fig. 3 zeigt den Schnitt ah aus Fig. 2. 
Will man den Schlüssel zum Anziehen oder Lösen einer beliebigen Mutter benutzen, deren Grösse 

natürlich innerhalb der nutzbaren Abmessungen des 
Schlüssels liegen muss, so legt man die Backe B 

gegen eine Mutterfläche, dreht den Handgriff H in 

/ der Pfeilrichtung, bis sich die Backe A an die gegen- 

überliegende Mutterfläche anlegt und dreht in der- 
selben Richtung fort, um die Mutter anzuziehen. 
Um sie zu lösen (rechtsgängiges Gewinde voraus- 
gesetzt) würde man den Schlüssel um 180° umgelegt verwenden müssen, so dass die in den 
Figuren obere Seite nach unten zu liegen kommt. Das selbthätige Anlegen der Backe A 
geschieht durch folgende Anordnung. In den Deckplatten P und P' ist ein geschwungener 
Schlitz ü vorgesehen, der in Bezug auf B* exzentrisch liegt. In ihm gleitet der Zapfen A\ 

welcher nach der stärker gekrümmten Kurve des 

-^•'**^ •'' ^ ' • 1=^ Schlitzes abgeplattet ist und durch die Gleitplatte 6? 

)) mit der Backe A in fester 

Verbindung steht; der Zap- 
fen 5', durch die Gleit- 
platte ö' mit der Backe B 
verbunden , stellt gleich- 
zeitig eine Drehungsaxe für B und für den Handgriff /f dar, sodass bei Drehung desselben in der 
Pfeilrichtung der Zapfen A' nach Maassgabe des Bogenschlitzes Z7 von B* entfernt wird und in 
Folge dessen die Backe A der Backe B nähert, wobei die Gleitplatten sich in einander schieben und 
die gleichgerichtete Stellung der Backen aufrecht erhalten. Beim Drehen des Handgriffes in der 
entgegengesetzten Richtung tritt, wie leicht übersichtlich, die entgegengesetzte Wirkung ein. 

Auch die Inanspruchnahme des Werkzeuges bei seiner Verwendung ist eine sehr günstige 
zu nennen. Sobald die zu drehende Schraubenmutter auf die Backen einen Gegendruck ausübt, 
presst sich der Gleitzapfen A* mit seiner abgeplatteten Seite fest an die innere Kante des vor- 
erwähnten Schlitzes, während die äussere Kante desselben nur zur Führung des Zapfens dient 
und niemals Druck auszuhalten hat. 

Dieser Schlüssel, durch Patent No. 53068 geschützt, wird von der Deutschen Werkzeug- 
maschinenfabrik vormals Sondermann & Stier in Chemnitz in den Handel gebracht und zwar 
in zwei Grössen für Muttern von 6 bis 31 mm und 25 bis 50 mm Spannweite; der Preis für den 
kleineren beträgt 13,50 Mark, für den grösseren 20 Mark. 

Neuerungen an Benzin- und Spirituslampen. Von G. Barthel. — Zeitschr, f, analyt, Chemie, 31* 

S, 67, (1892.) 

Die in dieser Zeitschrift 1890 S. 340 beschriebenen Barth eTschen Benzin- und Spiritus- 
brenner haben alle ein den Brennmaterialbehälter durchsetzendes Brennrohr, das von dem den 
Docht enthaltenden mantelförmig umgeben ist. 

Um die Herstellungsschwicrigkeiten und besonders die zu starke Erhitzung des Brenn- 
stoffgefasses, die bei dieser Einrichtung leicht eintritt, zu vermeiden, ist bei den neueren Brennern 
nur das Dochtrohr mit dem Brennstoffgefäss in Verbindung gebracht, während das eigentliche 
Brennrohr seitlich angesetzt ist. Das Trieb zur Regulirung der Dochthöhe durchdringt recht- 
winklig das Brennerrohr und ist leicht zu handhaben. Fr, 


Nachdruck verboten. 


Verlag von Juliiia bpriiiger in Uirliu N. - Dtuck r«n Otto LauK« in Rvrliu C. 


Zeitschrift filr Instrumentenkunde. 

Bedaktiona 'Kuratorium: 
Geh. Beg.-B. Prof. Dr. H. Laadolt, H. Haenseli^ Dinktor Dr. L. Loewenlieni 

T«rillB«m4«x; BtUIUsr. «•ktififttkttt. 


Redaktion: Dr. A. Westphal in Berlin. 


Xn. Jahrgang. Juni 1802. Sechstes Heft. 


Mittheilungen ans der optischen Werkstatte von Carl Zeiss in Jena. 

Von 
Dr. S. Ciapskl in Jena. 

I. Methode und Apparat zur Bestiinmimg von Brennweiten (Fokometer) nach Abbe^). 

Seitdem Gauss in seinen dioptrischen Untersuchungen^) den exakten Begriff 
der Brennweite (Aequivalentbrennweite) für ein beliebig zusammengesetztes Linsen- 
system aufgestellt hat, sind zuerst von ihm selbst'*), dann von Anderen*) zahl- 
reiche Methoden und Apparate vorgeschlagen und zum Theil auch ausgeführt und 
erprobt worden, welche eine genaue Messung dieser Grösse ermöglichen sollen. 

Der Natur der Sache gemäss variiren diese Methoden mehr oder minder, 
einmal je nach der Grösse der Brennweite, welche der Messung unterzogen 
werden soll und dann nach der Genauigkeit der Resultate, welche angestrebt 
wird. Denn man wird selbstverständlich z. B. solche Methoden, welche einen 
relativ grossen Raum beanspruchen (wie die BesseTsche, mehr als die vierfache 
Länge der Brennweite), nicht für geeignet halten, wenn es sich um Linsensysteme 
handelt, deren Brennweite an sich schon eine grosse ist, und man wird anderer- 
seits da, wo eine übermässige Genauigkeit nicht beansprucht wird, umsomehr 
Nachdruck legen auf Kompendiosität der Methode bezw. Apparate, schnelle Aus- 
führbarkeit der Messungen, möglichst ohne theuer zu beschaffende Hilfsmittel, 
möglichst im direkten Anschluss an den natürlichen Gebrauch des Systems. 

Eine Diskussion darüber, inwieweit die verschiedenen bisher in Vorschlag 
gebrachten Methoden den jeweiligen Zwecken und Ansprüchen unter diesen 
Gesichtspunkten genügen, ist meines Wissens bisher noch nicht angestellt worden 
und ist auch nicht der Zweck der folgenden Zeilen. Es scheint jedoch, dass 
unter gewissen allgemeinen Gesichtspunkten die bisher bekannten Methoden an 
Mängeln leiden, von denen die hier zu beschreibende frei ist. Denn man wird 
von vornherein einer Methode den Vorzug zugestehen, welche gestattet, bis zu 
einem erheblichen Grade beiden genannten Anforderungen gleichzeitig gerecht zu 
werden, welche nämlich Kompendiosität mit relativ leicht erreichbarer Exaktheit 
der Resultate vereinigt und zwar letzteres hauptsächlich dadurch, dass sie mehr 
als die bisher bekannten die fundamentalen Bedingungen jeglicher „Mikrometrischen 
Messung mittels optischer Bilder"^) berücksichtigt und dadurch den Einfluss der 
systematischen wie der zufälligen Beobachtungsfehler auf das Resultat verringert. 


^) Vorgetragen und demonstrirt auf der Naturforscherversammlung zu Halle, 32. Sektion (für 

Instrumentenkunde), von Herrn Prof. Abbe. Vgl. diese Zeitschr, 189 L S. 446, — 2) Göttingen 1841. 

— ') A. a. O. § 15 bis 21. — ^) Zusammenstellung der Litteratur in einer neuerdings erschienenen 

Abhandlung von S.P.Thompson. Vgl. dieses Heft. S.207, — ^) Vergl. hierüber Abbe, Sitzungt- 

her, Jen, Oeseüsch. f. Med, u, Naiurw, 1878, 

15 


186 CZAPSKI, BESTUtMUNO VON BrENNWEITKN. ZKlTSCtlRIFr FÜR ISBTRUMKXTEKKUSDB. 


I. Bedingungen jeder Messung mittels optischer Bilder. 

Als solche prinzipielle oder fundamentale Bedingungen der Messungen 
mittels optischer Bilder — und auf solchen beruhen ja alle Methoden zur Bestimmung 
der Brennweite mit Ausnahme der indirekten und nur in den seltensten Fällen 
anwendbaren sphärospektrometrischen Methode — hat Abbe a. a. 0. die folgenden 
drei hingestellt. 

1. Eine Präzisionsbestimmung darf nicht abhängig gemacht 
werden von der Auffassung des Ortes eines optischen Bildes. 

Dieser Ort ist stets unsicher. Der Spielraum für eine Einstellung hängt 
bekanntlich, eine gewisse Akkomodationsbreite vorausgesetzt, ab, einmal von der 
Schärfe des beobachtenden Auges und dann'^von dem Oeffnungswinkel der das 
letzte, vor dem Auge vorhandene Bild formirenden Strahlenbtischel , und zwar in 
der Weise, dass er der ersteren Grösse — dieselbe gemessen durch den Winkelwerth 
des kleinsten eben merkbaren Zerstreuungskreises — direkt, der anderen um- 
gekehrt proportional ist. Da nun der Oeffnungswinkel der in's Auge gelangenden 
Strahlen für ein normales Auge bei 250 mm Sehweite und 4 mw PupillenöfFnung 
nicht grösser als 55' ist, so wird z. B. beim direkten Sehen mit unbewafinetem 
Auge der Spielraum der Einstellung — wenn wir Zerstreuungskreise von auch 
nur 90" scheinbarer Grösse zulassen — schon etwa IS mm sein. Beim Sehen mit 
bewaffnetem Auge erhöht sich derselbe meistens noch beträchtlich, da man bei 
optischen Bildern nur selten die volle Lichtstärke bestehen lässt, sondern meist die 
Oeffnung der austretenden Büschel erheblich — auf die Hälfte und weniger des 
Pupillendurchmessers — beschränkt. Dementsprechend steigt der Einstellungs- 
spielraum auf das Doppelte und mehr des angegebenen Werthes. Auf das Objekt 
selbst oder ein zwischen ihm und dem letzten Bild gelegenes intermediäres Bild 
bezogen , ist der Spielraum der Einstellung allerdings meist viel kleiner und zwar 
im Verhältniss des Quadrats der Ver grosse rung, welche zwischen dem letzten 
Bild und dem Objekt oder dem betreffenden Zwischenbild besteht — weil die 
Vergrösserung in der Tiefendimension bekanntlich stets proportional dem Quadrat 
der Lateralvergrösserung ist. 

Stellt man z. B. mit einem Okular von etwa 4,2maliger Vergrösserung (60 mw 
Brennweite) auf das in der Brennebene eines anderen Linsensystems entworfene 
Bild ein, so wird — ideale Schärfe dieses Bildes vorausgesetzt — der Spielraum 
der Einstellung auf dasselbe beiderseits von der Brennebene etwa 0,17 mm be- 
tragen, wenn angenommen wird, dass die Oeffnung des Systems sich zur Brenn- 
weite desselben wie 1 : 10 verhält und bei Zerstreuungskreisen von weniger 
als 90" das Bild noch nicht als unscharf erkannt wird. Man hat annähernd 

wenn e die zulässige Grösse des Zerstreuungskreises auf der Netzhaut (angular 
gemessen) ist, / die Entfernung des deutlichen Sehens, A^ die Vergrösserung, welche 
der optische Apparat zwischen Auge und Objekt in der Bild-Entfernung / ergiebt, 
Y der Oeffnungswinkel der das erste Bild formirenden Büschel und p der Durch- 
messer der Austrittspupille. 

Zufällig fast den gleichen Werth für den EinstcUungsspielrauni in der 
Brennebene eines optischen Systems erhält man bei den angenommenen Grössen- 
verhältnissen nach Rayleigh ^), wenn man nach den Grundsätzen der Undulations- 

M Hiil. May, \\ VO. -!>'. .'iJ.5. {^Iü85.) 


Zwölfter Jalirgang. Jaoi 1892. CbaPSKI, BkSTIMIIUNO TON BbBNNWEITBN. 187 


theorie berechnet, innerhalb welches Intervalls auf der Axe die von der OefFnung 
der Linse ausgehenden kohärenten, gleichphasigen Elementarwellen sich noch 
zum überwiegenden Theil summiren, also vermehrte Intensität ergeben. Dieses 
Intervall df ist nämlich nach Rayleigh df^\{flyYj wenn /* die Brennweite, y die 
halbe Oeffnung des Systems bezeichnet und X die Wellenlänge des angewandten 
Lichtes, also auch ilf^ "J^^/y** Nach beiden Betrachtungsweisen ergiebt sich 
die Grösse des Einstellungsspielraumes unabhängig von der Grösse der Brennweite 
des Linsensystems. Daher ist der relative Einstellungsfehler (df/fhezvr. ^5/5) ^^ii- 
gekehrt proportional der Brennweite. Immerhin würde derselbe noch bei Systemen 
von 1 m Brennweite gemäss Obigem etwa 0,2 % beiderseits betragen. Handelt es 
sich um Messungen behufs Ermittlung der Brennweite, so wird dieser Betrag 
meist noch weit überschritten, da man — um die Aequivalentbrennweite der 
zentralen Zone des Systems und damit deren Fundamentalwerth zu erhalten, 
d, h. um die durch die Randzonen eingeführten Aberrationen auszuschliessen — 
gewöhnlich eine beträchtliche Abbiendung des Objektives vornehmen muss. In 
dem obigen Beispiele betrüge die zur Aufnahme des ganzen austretenden Büschels 
nötbige Puppillenweite des Beobachters d. h. die Austrittspupille des ganzen Instru- 
ments 4 mm — ein Werth , der meistens bei Weitem nicht erreicht wird. 

Es darf daher bei der Ermittlung der Brennweite eines optischen Systems 
die Messung der Entfernung eines optischen Bildes von einem anderen oder 
auch von physischen Fixpunkten jedenfalls kein Faktor sein, wenn nicht von 
vornherein Bedenken gegen die Präzision der Resultate geweckt werden sollen. 

Da nun für die Einstellung ein gewisser Spielraum mit Nothwendigkeit 
immer bestehen bleibt und es unter Umständen sogar sehr erwünscht ist, unter 
Bedingungen zu beobachten, unter welchen dieser Spielraum noch erheblich ver- 
grössert ist, nämlich mit stark abgeblendeten Büscheln, so stellt Abbe als zweite 
Anforderung an diese Gattung von Messungen die auf, 

2. dass auch indirekt die Messung nicht durch die Einstellung 
beeinflusst werden dürfe. 

Handelt es sich z. B. darum, die Grösse des Bildes PQ = y', welches 
durch das System S von OM entworfen wird, zu mei^ßen und wird hierbei ein 
Einstellungsfehler Qy' = 6x' begangen, so 
wird statt des Punktes P die Mitte des 
Zerstreuungskreises, welchen die durch 
Q' senkrecht zu SQ' gelegte Ebene aus 
dem Büschel ABP herausschneidet, sich 
auf die in der Ebene P' Q' reell oder 

virtuell vorhandene Messvorrichtung pro- p. ^ 

jiziren und somit als Bildort aufgefasst 

werden. Demnach wird die Messung von PQ gefälscht um BP' = QQ' ig PSQj 
oder by^ = ix^ tg w. Die Verfälschung der aus der Bildgrösse berechneten 
ObjektgröBse ist dann 

^y bx'tgw 

wenn N = y'/y die lineare Vergrösserung in den Punkten ^f und Q bezeichnet. 

Die Momente, von welchen die Grösse von QQ' (welches von der Grössen- 
ordnung von PP^ ist) abhängt, sind oben, unter 1) angegeben. Als zweiter gleich ein- 
flussreicher Faktor für den Einfluss der Messungsfehler bietet sich der Winkel PSQ 

16* 



^ 


188 CzAPCKi , BbsTDIMUNO von Brbiiii weiter. ZsiTsoHiurr rtn ISBTRüinurTBirKTnrDS. 


dar, welchen die Axe (optische Schwerpunktslinie) des bildformirenden 
Büschels mit der Axe des Systems eihschliesst^). 

Die unter 2) aufgestellte Forderung deckt sich also mit der: diesen Winkel 
möglichst klein, d. h. wenn angängig gleich Null zu machen. Und letzteres ist 
in der That ausführbar. 

Man braucht nur eine genügend enge Blende in der vorderen Brenn- 
ebene des Systems oder an irgend einer Stelle des Systems anzubringen, welche 
in Bezug auf den im Sinne des einfallenden Lichtes ihr vorangehenden Theil des 
Systems konjugirt ist dem vorderen Brennpunkte des ganzen Systems; d. h. man 
braucht nur, nach der Bezeichnung Abbe's, das System nach der Bildseite hin 
„telezentrisch" zu machen, um das Gewünschte zu erreichen. Denn wie ohne 
Weiteres ersichtlich (Fig. 2), werden dann die Axen aller aus dem System aus- 
tretenden Büschel der Axe des Systems selbst parallel sein. 

Eine Verschiedenheit der Einstellung auf das vom System S erzeugte Bild 
— mag sie auch in Folge der vorgenommenen Abbiendung in ihrem linearen 
Maasse noch so beträchtlich sein — ist dann gänzlich ohne Einfluss auf die Auf- 
fassung und damit auch Messung der Bildgrösse. 

Die vorhin angenommene Einrichtung des Messapparates ist nicht die 
übliche. Gewöhnlich, z. B. bei Mikrometermikroskopen, ist vielmehr die Pointirungs- 

ebene bezw. Mikrometervorrichtung in relativ kon- 
stanter Entfernung von dem abbildenden System 
starr mit ihm verbunden (durch das Tubusrohr) 
und wird mit ihm als Ganzes auf das Objekt 
'**' ^* bezw. Zwischenbild eingestellt. Ein Spielraum 

der Unsicherheit besteht daher dann nur in letzterer Einstellung, d. h. in der 
Entfernung des Objektes vom abbildenden System. Um den Einfluss dieser Ein- 
stellungsunsicherheit auf die Messung des Objektes aufzuheben, ist es, wie aus der 
allgemeinen Theorie des Strahlenganges sich sofort ergiebt, nothwendig, das betreffende 
System nach der Objektseite hin „telezentrisch" zu machen. Dies geschieht 
ebenso einfach, indem man in der hinteren Brennebene des Systems (oder einer 
Ebene, die ihr in Bezug auf den zwischen beiden befindlichen Theil des Systems 
konjugirt ist) ein Diaphragma anbringt. Alsdann wird ein Objekt von bestimmter 
Grösse auf der Pointirungsebene stets in gleicher Grösse — nur verschiedener 
Schärfe — abgebildet, ganz gleich, welches seine Entfernung vom Linsensystem 
ist. Man hat sich Fig. 2 nur um 180° gedreht zu denken und darin Objekt und 
Bild ihre Funktionen vertauschen zu lassen, um den diesem Falle entsprechenden 
Strahlengang veranschaulicht zu erhalten. 

Die Grösse des Diaphragmas ist nicht ganz gleichgiltig. Dasselbe 
muss so klein sein, dass auch das stärkst geneigte, das Diaphragma passirende 
und zur Messung beitragende Strahlenbüschel noch vollständig vom System auf- 
genommen wird und nicht etwa durch die Linsenränder sekundär abgeblendet 
wird. Andernfalls würden für den Rand des Bildfeldes die Schwerpunkte der 
Zerstreuungskreise, welche bei unscharfer Abbildung als Bildorte aufgcfasst 
werden, nicht mehr auf den durch die Mitte der Blende gehenden Haupt- 



1) Bei dieser in Mikroskopen und Fcnirohrcn üblichen Form der Strahlenbegrenzmig 
durch den Rand der Objektivlinse, wobei sich also die Hauptstrahlen (die Axen der Büschel) m 
der Mitte des Objektives (nahe den Hauptpunkten) kreuzen, ist der Einfluss eines Einstellungs- 
fehlers auf die Messung der Bildgrösse ein relativ beträchtlicher. 


Zwölfter Jaluisaii;. Jani 1890. 


CzAPSKI, ßBSTIMMtTNG TON ßBBNHWKITElf. 


189 


strahlen liegen, und in Folge dessen obige Betrachtungsweise ihre Giltigkeit 
verlieren. 

3. Eine dritte Anforderung an jede Präzisionsmethode zur Messung irgend 
welcher Kardinalelemente mittels optischer Bilder ergiebt sich aus folgender ein- 
fachen üeberlegung: 

Es liegt in der Natur der dioptrischen Systeme, dass im Allgemeinen 
Bilder von endlicher Grösse den Objekten nicht in allen Theilen ' proportional 
sind, sondern dass das Grössen verhältniss beider eine Funktion ihrer Dinlensionen 
selbst ist — sei es in regelmässiger Weise, als Wachsen oder Abnehmen der Ver- 
grösserung von der Mitte nach dem Rande des Bildes, „Verzerrung", Distortion des 
Bildes , sei es irregulär in Folge von Fehlem des Materiales oder Schliffes. Von vorn- 
herein muss man jedenfalls stets gewärtigen, den ersteren dieser beiden Abbil- 
dungsfehler in grösserem oder geringerem Grade bei jedem System anzutreffen. 
Will man aus der Vergrösserung, welche ein System in irgend zwei konjugirten 
Punkten hat, auf die Fundamentaleigenschaften, z, B. die Brennweite, einen 
Schluss ziehen, so müsste man aus diesem Grunde (wegen der Verzerrung) nur 
einen sehr kleinen zentralen Theil des Bildes der Messung unterwerfen. 

Die Ausmessung eines Bildes bezw. des Grössenverhältnisses zwischen einem 
Bilde und seinem Objekte wird aber innerhalb gewisser Grenzen an sich desto ge- 
nauer, je grösser Objekt und Bild gewählt werden. 

Um diese beiden, anscheinend einander ausschliessenden, Anforderungen 
mit einander zu vereinigen, bietet sich als einziger und daher noth wendig zu be- 
tretender Ausweg der dar: Die Messung selbst an grossen Bildern und an jeder 
Stelle der Axe an solchen von verschiedener, geeignet abgestufter Grösse vor- 
zunehmen und dann aus den ^Resultaten dieser relativ genaueren Messungen den 
Fundamentalwerth der Vergrösserung, d. h. denjenigen Werth, welcher in 
dem unendlich kleinen zentralen Theile des Bildes stattfindet, durch Rechnung 
abzuleiten — als das Anfangsglied einer Potenzreihe. 

Wie diesen drei Anforderungen bei der Abbe'schen Methode entsprochen 
worden ist, geht aus der Beschreibung dieser und des ihr dienenden Apparates 
hervor, die ich nun folgen lasse. 

II. Methode von Abbe. 

Die Bestimmung der Brennweite gründet sich bei diesem Verfahren in be- 
kannter Weise auf die der Vergrösserungen, die das betreffende System an zwei 
verschiedenen Stellen der Axe giebt 
unter Hinzunahme der gegenseitigen Ent- 
fernung der Objekte von einander. 

Ist f die Brennweite des Systems, 
^1 seine Vergrösserung an einem Paar 
konjugirter Axenpunkte, ^t dieselbe an 
einem anderen Paar und a die Entfernung der Objektebenen, so ist (Fig. 3) 

/ 1 1 



Flg. 8. 


Es wird nun zunächst der Methode die Messung des Objektabstandes (a) 
und nicht die des Bildabstandes (a) zu Grunde gelegt, um der Forderung 1) zu 
entsprechen. — Als Objekte in O» und Q| werden genau getheilte Skalen 
(Theilungen auf Glas) verwandt. 


190 CZAPSKI , BeBTIMMITNO von BrE»NWBITE\. ZBITSCHRirr PÜll iNSTRÜUSrrEX&ORDB. 


Die Entfernung der beiden Objektebenen ist in diesem Falle bei angemessener 
Wahl und Einrichtung mit jeder beliebigen Genauigkeit messbar; Skalen von 
100 wm Entfernung z. B. ohne jede besondere Einrichtung, etwa mit einem Tiefen- 
taster, sehr leicht auf etwa 0,1 ^; mit einem Vertikal- (Kontakt-) Komparator aber 
recht gut selbst bis auf 0,001 bis 0,002 mm, d. i. 0,001 bis 0,002 %. 

Um der zweiten Anforderung zu entsprechen, wäre im vorderen Brenn- 
punkte F des Systems S eine enge Blende anzubringen, und es wären hinter dem 
System in den Ebenen Pi und Pg Messvorrichtungen anzubringen, welche die Aus- 
messung der Bilder gestatten. 

Keine der bis jetzt bekannten Messvorrichtungen jedoch (ein Mikrometer- 
mikroskop etwa) würde bei konstanter axialer Lage zugleich der dritten An- 
forderung hinreichend genügen, einen recht grossen Theil des Bildes der Messung 
zu unterziehen. Denn bei dem aus Forderung 2 sich ergebenden Strahlengange 
(s. Fig. 3) würden ja Bilder erhalten, die der freien Oeffnung des zu unter- 
suchenden Systems selbst an Grösse nahezu gleich sind, und es wäre wegen For- 
derung 3 wünschenswerth, diese Bilder auch in ihrer vollen Ausdehnung der 
Messung zu unterwerfen. 

Als nächstliegender Ausweg bietet sich dieser dar : Ein Mikrometermikroskop 
— oder welche Messvorrichtung von beschränkterem Sehfeld man sonst in An- 
wendung bringen mag — parallel sich selbst und der Axe des Systems von 
einem Ende des Bildes nach dem anderen, z. B. vom Hauptstrahl E zum Haupt- 
strahl G, zu verschieben. Man erhält dann nach Belieben verschiedene Theile 
des Bildes ins Sehfeld, imd die Grösse der Verschiebung, welche man der Mikro- 
metervorrichtung ertheilen muss, um gewisse Stellen des Bildes an eine bestimmte, 
markirte Stelle des Sehfeldes zu bringen, ist gleich dem Abstand zwischen den 
betreflFenden Bildstellen. Durch Drehung, sei es der Mikrometervorrichtung, sei 
es des zu untersuchenden Systems um die Axe des letzteren, hat man es aufs 
Einfachste in der Hand, die Messung auf verschiedene Meridiane des. Systems aus- 
zudehnen und sich so auch von der Symmetrie seiner Wirkungen zu überzeugen 
oder die Abweichungen hiervon in Berücksichtigung zu ziehen. 

Verwendet man — wie es natürlich stets geschehen wird — eine Mikro- 
metervorrichtung, die selbst ein zentrirtes optisches System mit zentrirtem Dia- 
phragma enthält, sei es auch nur eine mit einer Skale verbundene Lupe (Ramsden's 
Dynameter), besser aber ein mit Fadenkreuz im Okular versehenes Mikroskop bezw. 
Femrohr, so erkennt man alsbald die weitere Erleichterung, welche sich durch 
dessen Anwendung von selbst ergiebt. Ist nämlich die Axe, d. h. die Verbin- 
dungslinie des Fadenkreuzmittelpunktes mit dem hinteren Hauptpunkte des Mikro- 
meter-Objektivs, annähernd parallel der Axe des zu untersuchenden Systems und 
behält sie diesen Parallelismus in allen Stellungen während der Verschiebungen 
senkrecht zu jener Axe, so kommen von selbst nur solche Büschel zur 
Pointirung, deren Hauptstrahlen ebenfalls jener Axe parallel sind. 
Die Anbringung einer Blende im vorderen Brennpunkte des Systems — 
welche sonst in mehreren Beziehungen ein Moment der Erschwerniss und der 
Unsicherheit bieten würde — erübrigt sich also gänzlich; der telezentrische 
Strahlengang stellt sich durch eine Einrichtung, wie die gedachte, von 
selbst her. 

Es würde jedoch die gefo|^erte genaue Parallelverschiebung, etwa eines 
Mikroskops innerhalb der wtinsehenswerthcn weiten Grenzen ihrerseits, wenn 


Zwölfter JahrgABg. .Toni 1892. CzAPSKi, BESTIMMUNG TON Bbei^wbiten. 191 

sie auch technisch ausführbar ist^)^ so doch eine erhebliche Vertheuerung 
des Apparates, oder, wenn mangelhaft, eine entsprechende Herabsetzung seiner 
Funktioniruhgsgenauigkeit herbeiführen, um dies zu vermeiden und den ganzen 
Apparat noch kompendiöser zu gestalten, als er es mit jener Einrichtung sein 
könnte, hat Abbe den Ausweg eingeschlagen: nicht die Messvorrichtung (das 
Mikroskop) gegen das Objektiv, sondern dieses gegen die in ihrer Stellung 
festverbleibende Messvorrichtung und Skale senkrecht zu seiner Axe 
und parallel sich selbst zu verschieben. Diese Verschiebung ist unvergleichlich 
leichter mit genügender Exaktheit ausführbar, da die Entfernung des vorderen 
Hauptpunktes des Systems von der Glasfläche (welche Entfernung gewisser- 
maassen der Hebelarm für die Drehungen des Systems und damit der Faktor 
für die Verfälschung der Versuchsbedingungen ist) in diesem Falle sehr klein 
gemacht werden kann — zu einem kleinen Bruchtheil des entsprechenden Faktors 
im anderen, zuerst gedachten Falle. Die Verschiebung 1' des Objektivs, die dazu 
nöthig ist, um von dem Bilde eines Objektpunktes zu dem eines andern überzu- 
gehen, ist auch bei dieser Einrichtung gleich der Bildgrösse; die Grösse des mit 
ihr in Vergleich zu setzenden Objektes aber ist, wie eine leichte üeberlegung 
zeigt, gleich dieser Verschiebungsgrösse vermindert um den wahren gegenseitigen 
Abstand^ der Objektstriche, welche nach einander eingestellt wurden, *d\so = Y—y, 
Bezeichnet man diejenigen Vergrösserungen, welche das System S in seiner 
gegebenen Stellung von entsprechend gelegenen Objekten in den Skalenebenen 
hervorbringen würde — also die Reziproken der mit Ni und N^ bezeichneten 
Grössen — mit ßi und ßj, so ist: 

Im Uebrigen aber bleiben alle Verhältnisse genau dieselben Wie vorher. — 

Dementsprechend ist nun die Einrichtung des Apparates und das Verfahren 
der Messung folgendes: 

ni. Beschreibung des Apparates. 

Der Apparat (Fig. 4 und 5 auf folgender Seite) hat das Aussehen und im 
Wesentlichen auch die Einrichtung eines grösseren Mikroskopes. Er unterscheidet 
sich von einem solchen fast nur durch den am Untertheile befindlichen zur Auf- 
nahme einer Glasskale T dienenden Metallrahmen. Eine zweite feiner getheilte 
Glasskale t befindet sich nahe unter der Tischplatte und kann mittels eines kleineu 
Hebels H nach Belieben vor- und zurückgeschlagen werden. In ihrer zentrischen 
Stellung wird sie durch eine in eine Nut einschnappende mit Nase verseliene 
Feder arretirt. 

. Der Tisch des Mikroskops trägt eine in Schwalbenschwanzführung von 
rechts nach links bewegliche Platte TT, in deren nach dem Beobachter zu gelegenen 
Rand eine Theilung auf Silber s eingelassen ist. Dieselbe streicht an einem 
Nonius N vorbei, welcher gestattet, O fio mm direkt abzulesen und mittels Lupe 
noch bequem 0,02 wm zu schätzen. •* 

Die Glasskale T ist in halbe Millimeter getheilt, die Skale t ist in ihrem 


^) Die II. Abtheilung der physikalisch - technischen Keichsanstalt lässt gegenwärtig eineh 
Apparat (für die Messung grosser ( )hjektiv1iu3eu) mit dicBcr ersten Einrichtung von ilerni 
C. Bamberg in Friedenau ausfahren. 


/ . . / 


192 CZAPSKI, BBeTUHUMa von BsBmnPRITBN. ZkiHOHBWT TOK iMTBUHEXTininDK. ■ 

mittleren Tlieil auf die Länge von '2 mm in 0,05 mm getheilt, an welche sich 
beiderseits noch je 1 mm, in 0,1 mm getheilt, anschlieBst. 

Der Tubus ist ebenso wie bei anderen grösseren Mikroskopen mittels Zahn 
und Trieb grob, mittels Mikrometers eh raube fein einstellbar. Die Grösse der 
ersteren Bewegung kann mittels einer auf dem Tubuskörper befindlichen Milfi- 
metertheilang, welche an einem einfachen Index vorbeistreicht, die der letzteren 
mittels der auf dem Kopfe der Mikrometerschraube befindlichen Theilung, anf 
welche ein (in der Figur weggelassener) Zeiger hinweist-, mit einer der Feinheit 
der Bewegung entsprechenden Genauigkeit gemessen werden. — Der Tubus ist 
ausziehbar. Der Auszug trägt ebenfalls eine Millimetertlieilung, welche die Lfinge 
des ganzen Tubus von der unteren Ansatzfläcbe des Objektivgewindes bis zum 
oberen Auflagerand des Okulars angiebt. Die Messung der Tubusversehiebung 


oder Tubuslänge bildet zwar keinen Bestandtheil der hier beschriebenen Methode, 
durch die wenig kostspielige Anbringung der betreffenden Tlicilungen wird jedoch 
der Apparat ohne Weiteres für mehrere andere, zum Theil unten erwähnte, Methoden 
der Brenuweitenbestimmung brauchbar. 

Dem Apparat beigegeben sind fUiif Objektive von abgestufter Brennweite 
und ein Okular mit ausziehbarer Augenlinse, in dessen Diaphragma entweder ein 
Doppelstrichkreuü, oder eine Mikrometerskale (lOmm in 0,1 getheilt) eingelegt werden 
kann. Die Objektive, mit „1" bis „5" bezMcbuet, werden unten in den Tubuit 


ITwOlftor Jahrfftng. Juni 1892. CzAPBKl, BBStnoiUKO TON RrbvmweitkK. 193 


einge^hraabt, das Okular einfach von oben eingesteckt und mittelji einer kleinen 
Schraube mit ränderirtem Kopfe in der gewünschten Lage festgeklemmt. 

Zur Zentrirung der Objektive in der Richtung von rechts nach links dient 
die mit Schraube Z bewegliche Vorrichtung. 

Die Höhe des Tubusträgers über der Tischplatte beträgt 50 mm^ sodass 
Systeme dieser Höhe und bis zu einem Durchmesser von 100 mm auf dem Tische 
noch Platz finden und der Messung unterworfen werden können^). 

IV. Der Gebrauch des Apparates 

richtet sich nach dem Durchmesser, der Brennweite und der Natur der zu unter- 
suchenden Systeme. Seiner ursprünglichen Bestimmung nach dient er in seinen 
jetzigen Dimensionen zur Messung von Systemen von mehr als etwa 80 mm Brenn- 
weite und von etwa 20 bis 100 mm Oeffnung. (Objektive von Fernrohren und 
photographischen Instrum^iten.) Andere Werthe der Brennweite und Oeffnung 
des zu untersuchenden Systems würden andere Dimensionen des Apparats oder 
eine veränderte Einrichtung des Schlittens und der Skalen nöthig machen, um 
ebenso bequeme und ebenso genaue Messungen zu gestatten. 

Man benutzt zur Beobachtung zunächst das Objektiv 1 (das von kürzester 
Brennweite), in dem Okular das Strichkreuz mit dem Doppelstrich in der Rich- 
tung von vorn nach hinten. Man stellt, ohne das zu untersuchende System ein- 
zufügen, mit dem Mikroskop auf die Skale i ein, welche mittels des zu diesem 
Zwecke unter dem Tische angebrachten, nach dem Gebrauch bei Seite zu schla- 
genden Spiegels beleuchtet wird, so dass ein scharfes Bild derselben sichtbar ist. 
Man zentrirt das Objektiv, so dass der mittelste Strich dieser Skale zwischen den 
Doppelstrichen im Okular erscheint und merkt sich, an welcher Stelle etwa der 
horizontale Strich des Kreuzes im Okular die Striche des Mikrometers schneidet. 
Man schiebt die bewegliche Platte des Tisches etwa so weit, dass der Nullstrich 
des Nonius auf den mittleren Strich der Skale 5, das ist 40, zeigt. 

Man legt nun das zu untersuchende System S nach Augenmaass zentrisch 
über die Skale i und stellt mit dem Bcobachtungsmikroskop durch das System S 
hindurch wieder auf die Skale i ein. Im Allgemeinen wird jetzt ein anderer 
Strich derselben zwischen den Doppelstrichen im Okular sichtbar sein. Man ver- 
schiebt nun das System auf dem (festgesiellten) Tisch so, dass derselbe Strich 
der Skale t wie vorher zwischen den Doppelstrichen des Okulars erscheint und 
der horizontale Strich der Okularplatte die Bilder der Striche von t auch an- 
nähernd in derselben Höhe durchschneidet wie vorher, als das System S sich 
noch nicht auf der Platte befand. 

Man schiebt nun die Platte W von ihrer Mittelstellung aus um einen Be- 
trag, dessen zulässige Grösse von der Oeffnung des Systems S abhängt, z. B. 
nach rechts. Es treten dann nach und nach andere Striche der Skale i zwischen das 
Strichpaar des Okulars und man verschiebt W soweit, bis ein beliebiger dieser 
Striche genau zwischen dem Strichpaar sich befindet. Man wird im Allgemeinen 
die Einstellung des Beobachtungsmikroskops etwas verändern müssen, um jetzt 


^) Em Im Wesentlichen nach denselben Prinzipien gebauter Apparat befindet sich schon 
seit dem Jahre 1867 hier in Gebrauch; zu jener Zeit diente dei-selbe Herrn Prof. Abbe b»i 
seinen ersten Arbeiten auf dem Gebiete der praktischen Optik, um die Brennweiten von Miki'o- 
skopobjektiven und deren Bestandtheilen zu messen und den erreichbaren (^rad der Uebereiu- 

•timWIP^ wW»0<*V»Arj W^irtl^rntv»/» »»»»rl •%••«« 1ri*«i^lt(kr Aiiofiihril. t* r<«at7URtp1I»>ll . 


/ 


194 CZAPBKI, BbSTüOIUIIO von BbK N WW KI T K W. ZbiTSCHRIFT FttR iKSTIIÜirtKTWrinnrDIC. 


wieder ein scharfes Bild des betreffenden Skalenstrichs zu erhalten. Man liest 
nunmehr die Lage des Nonius N gegenüber der Skale s ab und notirt diese, 
ebenso wie die Entfernung desjenigen Striches von t, welcher jetzt zur Einstel- 
lung gebracht ist, von dem Mittelstrich. 

Man verschiebt nun die Platte W sammt dem System S um denselben 
Betrag nach der entgegengesetzten Seite, also nach links, d. h. man verschiebt 
dieselbe solange, bis im Okular derjenige Strich der Skale t genau eingestellt ist, 
welcher in Bezug auf den Mittelstrich gerade symmetrisch zu dem vorher ein- 
gestellten Striche liegt. Man notirt wiederum die Stellung der Skale s gegenüber 
dem Nonius. Die Entferaung der beiden durch die Bewegung nach rechts und 
nach links eingestellten Striche wollen wir mit y^, die Grösse der mittels Nonius, 
abgelesenen Verschiebung der Skale s mit Yi bezeichnen. Diese Einstellungen 
und Messungen^ kann man zur Erhöhung der Genauigkeit für mehrere Striche 
der Skale t und natürlich auch für jeden derselben mehrmals wiederholen und 
muss dann die entsprechend zusammengehörigen Werthe von y und Y durch ent- 
sprechende Indizes unterscheiden. 

Analog verfährt man nun in Bezug auf die untere Skale T, welche nach 
Zurückschlagen des Spiegels und der oberen Skale sichtbar wird. Diese Skale 
wird am zweckmässigsten beleuchtet, indem man das Fokometer von vornherein auf 
eine weisse Unterlage, etwa ein Blatt Papier stellt und auf dieses dann eventuell 
noch mit dem Hohlspiegel von hinten oben her Licht wirft. Das Objektiv 1 des 
Beobachtungsmikroskopes wird durch ein anderes Objektiv, 2, ersetzt, mittels 
dessen man nach Hinwegnahme des Systems S auf die Skale T einstellen kann. 
Man zentrirt wieder das Objektiv 2 auf den Mittelstrich der Skale T und merkt 
sich die Höhe, in welcher der horizontale Strich des Okulars die der Skale T 
schneidet. Man schiebt wieder die bewegliche Platte W annähernd in ihre Mittel- 
lage und bringt wieder das System S in annähernd zentrale Stellung über die 
Skale. Man muss nun das soeben zur Einstellung benutzte Objektiv 2 im 
Allgemeinen, wenn die zu messende Brennweite nicht eine sehr grosse ist, 
durch ein anderes ersetzen, welches eine scharfe Einstellung auf die Skale T 
durch das System /S hindurch gestattet. Dieses Objektiv muss durch Ver- 
suche ausgewählt werden. Seine Brennweite muss desto grösser sein, je kürzer 
die des zu untersuchenden Systems ist. Um die Möglichkeit einer scharfen Ein- 
stellung für alle vorkommenden FäUe zu gewähren, sind deshalb die Brennweiten 
der dem Apparat beigegebenen Objektive dermaassen abgestuft, dass man unter 
Zuhilfenahme der Zahn- und Triebbewegung des Tubus und seines Auszuges auf 
jede Entfernung vom Tisch zwischen —40 mm und h-oü einstellen kann, sodass man 
das virtuelle Bild, welches das System S von der Skale T entwirft, mit einem 
der Objektive sicher scharf zu erhalten erwarten darf. 

Nachdem man das entsprechende Objektiv herausgefunden hat, verfahrt 
man unter Benutzung desselben in Bezug auf Justirung des Systems S, Verschie- 
bung der Platte W und Ablesung der Skalen T und s ganz ebenso wie vorher. 

Die Entfernung der zur Einstellung gebrachten Striche von T sei jetzt 
mit 2/8, die am Nonius abgelesene Verschiebung der Platte W mit >', bezeichnet« 

Auch diese Messungen wiederholt man natürlich am besten für mehrere 
Striche von T, die symmeti'isch zu dem ursprünglich visirten liegen, und eveut. 
für jeden Strich mehrmals. 

Ist dann a der Abstand r icr getheilten Flächen von T und /, welcher 


Zwölfter Jtthrgan)^. Jnni 1892. CzAPSRi, Bestimmung TON Bbbnnweitkn. 195 

natürlich ein für allemal mit einem Tiefentaster ^enau bestimmt werden mujäs, so 
ergiebt sich die Brennweite des untersuchten Objektivs: 


also f= 


Wenn sich, wie meistens der Fall, zeigt, dass die Werthe von ßi und ßg 
merklich von der Grösse von Yi bezw. y^ und Fj bezw. y^ abhängen, so wird man 
^zur Berechnung von ß, und ßs natürlich nicht das einfache arithmetische Mittel 
nehmen, sondern die durch die direkte Messung erhaltenen Werthe von ß durch 
eine Reihe von der Fomi ß = ßo -f ky^ -\-ly*-\-.,. darstellen und der Berechnung der 
Brennweite des Systems S die hieraus abzuleitenden Fun da meiital werthe ßo 
von ßi und ßs zu Grunde legen. Von Ausnahmefällen abgesehen, wird dabei 
die Beschränkung auf die beiden ersten Glieder der Reihe immer genügen; man 
erhält dann den gesuchten Anfangswerth ßo oder (t// Y)q schon in grosser Genauig- 
keit durch Kombination von nur zwei mit verschiedenen Werthen des y ausge- 
führten Messungen, wenn man diese beiden y so wählt, dass sie sich ungefähr 
wie 1 : y2 verhalten, den grösseren dabei als dem grössten noch messbaren Bild 
annähernd entsprechend vorausgesetzt. Gerade in dieser Möglichkeit, aus grösseren 
gemessenen Werthen auf die Fundamentalwerthe zurückzugehen, welche unendlich 
kleinen Verschiebungen des Systems und unendlich kleinen Bildausdehnungen ent- 
sprechen, liegt ein entscheidender Vorthefl der Methode. 

Misst man mit dem Tiefentaster ferner noch die Entfernung einer der 

Skalen, z. B. der oberen von der oberen Fläche der Platte TT und die der äusseren 

• 

Linsenscheitel von S von der gleichen Fläche, d. h. von den durch die ent- 
sprechenden Fassungsränder gehenden Ebenen, so ergiebt sich aus den Werthen 
der Entfernungen : Skale — Brennpunkt und Skale — Hauptpunkt durch einfache 
Subtraktion oder Addition der Werth der Scheitelabstände der Haupt- und 
Brennpunkte des Systems. Jene Entfernungen aber berechnen sich, wie eine 
leichte Ueberlegung unter Zuhilfenahme von Fig. 3 zeigt, folgendermaassen: Xh ■= Ab- 
stand des vorderen Hauptpunkts des Systems von der Skale 1 ist =/'(l — ß,); 
Zj-^^ Abstand des vorderen Brennpunkts des Systems von derselben Skale =/'ß,. 
Die Lage des anderen Haupt- und Brennpunkts wird ebenso aus den entsprechenden, 
bei umgekehrter Lage des Systems erhaltenen Daten berechnet. Der Abstand 
der Hauptpunkte des Systems von den Linsenscheiteln wird bei dieser Methode 
mit besonderer Genauigkeit erhalten, denn ein Hauptpunkt liegt bei jeder Lage 
des Systems sehr nahe der oberen Skale. Der Werth von (1 — ßi) ist daher 
ein kleiner ächter Bruch, und der Fehler, der in die Bestimmung des f einge- 
gangen ist, kommt mithin in Xß nur sehr vermindert zur Geltung. 

Die Messung der wahren Oeffnung eines Systems, event. bei ver- 
schiedener Abbiendung, ergiebt sich aus dem Voranstehenden von selbst. Man 
stellt auf den Rand der Oeffnung bezw. das Bild des Diaphragmas mit einem 
geeignet ausgewählten Objektiv scharf ein und misst die Verschiebung von IF, 
welche von der Einstellung auf den einen zu der auf den anderen Rand führt. 

Für die Bestimmung der Brennweiten von Okularen sowie von Mikro- 
skop-Objektiven kann der vorliegende Apparat ganz ebenso benutzt werden, 
wie jedes andere hinreichend ausgestattete Mikroskop. Eine Darstellung der 


/ 


196 CzAPSKi , Bestdoiüko ton Brehnweitkn. ZEmcBKirr rün Ivbtrcmbstkkkukdi. 


hierauf gerichteten Methoden hat, nach Professor Abbe's Angaben, L. Dippel 
in seinem Handbuch der allgemeinen Mikroskopie, 2. Aufl., Braunschweig 1883, S. 329 
bis 339, mitgetheilt. Eine andere Darstellung gebe ich in meiner im Erscheinen 
begriffenen Theorie der optischen Instrumente (Breslau, Trewendt) im 10. Kapitel, welches 
von der empirischen Bestimmung der Grundfaktoren der optischen Abbildung 
handelt. Ich kann mich daher hier darauf beschränken, auf jene Publikation 
hinzuweisen und bemerke nur noch, dass natürlich die zu untersuchenden Mikro- 
skop-Objektive, wenn sie nicht selbst das englische Gewinde (society-screw) tragen, 
durch ein entsprechendes Zwischenstück an den Tubus des Mikroskops angepasst 
werden müssen. Für diese Messungen findet in dem Okular statt des Strich- 
kreuzes eine Mikrometerskale Platz. 

V. Genauigkeit der Methode. Einfluss der Messungsfehler auf das 

Ergebniss. 
Es war: 

Daher hat ein Fehler in der Bestimmung von a und ß, oder ßj die Aenderung df 
zur Folge, welche im Verhältniss zu f selber sich berechnet zu: 


da rfßi rfßs da /* ^o , /■ jo 


/ a ßi-ß2 ' ßi— ß 


Um festzustellen , welchen Einfluss ein Fehler in der Bestimmung der ursprünglich 
gemessenen Grössen Y und y auf die der ß hat, dient die durch Variation der 
Gleichung 1 — ß =r t/ / F abgeleitete : 

ciß = (1 - ß) (~y - ^\ ; also wird 

df ^ da 1-ßi /dYi dyi \ 1~ ß8 / rfr> dy^\ - 

/" a ß»_ß, Vy» yi J~^ »i-»i\ Y, ~y, )' ^*^ 

oder i^ = ^-X|L(^_iyL)^Z^(i^_._^). (2) 

/ a a ii \ li yi / a Y% \ Y% y% J ^ ' 

Da ßi meist nahe =1 ist, so wird der Faktor von -,r^ ^* sehr klein und 

li yi 

derjenige von ^y^ — -^-^ nahe = 1, so dass im Grenzfalle: 

f " a y, "^ y, "^ a Fl ' ^'^^ 

wenn aus dem ersteren Term noch das relativ grösste Glied mit berück- 
sichtigt wird. £^' '^ * " H 

Die Bestimmung von a kann bei einer Grösse von g = etwa 100 mm leicht 
A auf 0,01 % genau geschehen; die von y^ und y«, d. h. die Einstellungsgenauigkeit 
auf die untere Skale und die Messungsgenauigkeit der entsprechenden Verschie- 
bung, erstere mit Hilfe eines Mikrometer-Mikroskops mit Doppelftiden, letztere 
an einer Silberskale mittels guten Nonius kann ohne Schwierigkeit bei einer 
Grösse der ersteren von 10 bis 30 mm, der letzteren von JJO bis 80 mm auf min- 
destens 0,1 % genau geschehen. Die Ablesuugsgenauigkeit der oberen kleinen Skale 


ZwOtaer Jfthrgmng. Jooi 1892. 


DvOBAK , StBOHUMTERBRECHER. 


197 


ist, eben wegen ihrer Kleinheit, zwar eine relativ geringere, die Fehlergrenze etwa 
1 %; da aber nicht dpi/yi, sondern dyi/Yi der maasgebende Faktor ist, so ver- 
mehrt sich diese Genauigkeit im Verhältniss von yii Yi, also ganz erheblich, wenn 
diese Skale nicht zu weit entfernt von der zugewandten Hauptebene des Systems liegt. 
Je nach der relativen Grösse von f und a wird der Einfluss dieses Fehlers durch 
den Faktor f/a wieder mehr oder minder verstärkt. Immerhin ist darauf Bedacht 
zu nehmen, dass dyi möglichst niedrig gehalten werde. Bei einer in 0,1 mm 
getheilten Skale mit recht feinen Strichen und Anwendung eines Messmikroskops 
mit Objektiv von etwa 40 mm Brennweite, wie sie bei dem Abbe'schen Apparate 
vorgesehen sind, kann ein Strich bequem auf 720 Intervall eingestellt werden, so 
dass schon bei einer scheinbaren Verschiebung der Skale von 5 Intervallen 
= 0,5 mm eine relative Genauigkeit dyi/yi von 1 % und eine vielleicht 50 bis 
100 mal so grosse Genauigkeit in der Bestimmung der Grösse dyt/Yi resultirt. 


Zusatz zu der Mittheilung „üeber verschiedene Arten selbthätiger 

Stromunterbrecher und deren Verwendung.**^) 


YOD 


Prof. Dr. V. Dvo^Ak in Agram. 

Einen auf Torsionsschwingungen beruhenden Stromunterbrecher hat zuerst 
Czermak konstruirt. ^) Als Anker dient ein Eisenröhrchen a 6 (Fig. 1) mit einem 
Ansatz c d, der mittels zweier Schrauben an den stählernen Torsionsdraht fg fest- 
geklemmt wird. Seitlich befindet sich ein rechtwinklig gebogener Platin draht, der 
in ein Quecksilbernäpfchen h taucht und die Sti'omunterbrechung in bekannter 
Weise vermittelt; ein einzelnes Daniell-Element G genügt vollkommen. 

Das Quecksilber wird (nach Dr. Hiecke) mit einer Lösung von salpeter- 
saurem Quecksilber in Wasser mit viel Glycerin vermengt bedeckt. 

Der Anker schwingt zwischen den Polen des Elektromagneten EE, ohne 
anzuschlagen. Der Elektromagnet selbst ist in den Fuss A mit einem Röhren- 
ansatz drehbar eingesetzt, und seine Stellung 
kann durch die Schraube S fixirt werden. 

Der Stahldraht fg kann durch zwei ver- 
schiebbare eigens konstruirte Stege beliebig ver- 
kürzt, und so die Schwingungszahl auch während 
des Ganges des Unterbrechers beliebig vergrössert 
werden. Die Grösse der Amplitude wird durch 
die Stellung des Elektromagneten zum Anker 
regulirt. 

Czermak hat seinen Unterbrecher hauptsächlich zur Erzeugung Lissajou- 
scher Kurven verwendet. 

Während für kleine Schwingungszahlen mit Vortheil Torsionsschwingungen 
benutzt werden, sind für grosse Schwingungszahlen Transversalschwingungen einer 
gespannten Saite gut verwendbar. Eine verbesserte Form des transversal 
schwingenden Saitenunterbrechers hat Wien in Wiedeniann^s Amuü. 44, S. 681. (1891) 
ausführlich beschrieben und abgebildet. 



Figr. 1. 


1) Dkse Zeitschrift 1891, S, 423, 

2) Zentralztg, f, Optik u, Mechanik, 1888. S. 168, (^Eiii billiger Ersatz für elektromagnetische 
Stimmgabeln^). Elsass hat seinen Stromunterbrecher 1889 beschrieben. 


198 


Dvorak, Stromünterbrechbr. Zkitschript füs Ihstruiiextkkicüvdx. 



Eine horizontale Eisensaite trägt unten zwei Platinstifte, die in Quecksilber- 
näpfchen tauchen. Der eine Platinstift besorgt die Unterbrechung des Stromes 
im Elektromagneten, der sich oberhalb der Saite befindet. Der zweite Platinstift 
dient dazu, um den primären Stromkreis eines Induktionsapparates zu unterbrechen. 
Die Spannung der Saite wird durch einen Winkelhebel mit Schraube regulirt; 
auch kann die Saitenlänge durch zwei verschiebbare Stege verändert werden. 
Der Unterbrecher soll sich durch einen ruhigen sicheren Gang auszeichnen und 
hat den Vortheil, dass die Schwingungszahl innerhalb weiter Grenzen verändert 
werden kann, selbst während der Unterbrecher im Gange ist. 

Eisenmann hat sein elektrophonisches Klavier vervollkommnet. Die nähere 
Beschreibung (von A. Ehrenfest) befindet sich in der Zeitschrift f. Elektrotechnik 
(Wien), 1891 S, S96. 

Ich habe die Konstruktion der bekannten Spirale von Petf ina oder Roget 
etwas verändert, so dass man die Selbstinduktion verstärken kann. 

Die Spirale Im (Fig. 2) besteht aus nacktem geglühten Kupferdraht von 
0,65 mm Dicke. Um die Elastizität zu vermehren, zieht man den Draht einige 

Male durch die Finger, und dann wird die Spirale 
recht eng aufgewickelt. Die Windungszahl ist gegen 40, 
die Länge l m (wenn die Spirale aufgehängt ist) = 40 mm, 
]]mo der Durchmesser /o = 20 mm; bei s ist ein dünner 

^Ä Platindraht angelöthet. Die Spirale ist oben mit Weich- 

loth an einen Blechring befestigt, der von einer ziemlich 
langen Holzsäule r getragen wird. 

Das Quecksilbernäpfchen n kann mit der Schraubet 
gehoben und gesenkt werden; das Quecksilber wird 
nicht mit Alkohol oder dgl. bedeckt. 

Bei Anwendung eines Daniell- Elementes G ist die 
Amplitude ziemlich klein, nicht bloss darum, weil die 
anziehende Kraft derWindungen gering ist, sondern auch 
deshalb, weil die Selbstinduktion sehr schwach ist.^) 
Man kann die Selbstinduktion durch Einschieben einer langen, gut ausgeglühten 
Eisenstange iq verstärken; da die Enden der Eisenstange ziemlich weit von der 
Spirale entfernt sind, so wirkt die Eisenstange hauptsächlich durch Verstärkung 
der Selbstinduktion. Die Amplitude wird bei Einschieben der Stange sofort etwas 
grösser. 

Hebt man das untere Ende i der Stange etwas über den Punkt m, so wirkt 
/ anziehend auf das Ende der Spirale m, und die Amplitude steigt bedeutend; 
mit einem Daniell -Elemente ist sie grösser als 1 cm. 

Natürlich könnte man statt der Eisenstange auch eine dünne lange Draht- 
spule verwenden, durch welche der Strom des Elementes G geleitet wird. 


'^^^ Ä 



i 


Ä 




H 



Fig. 2. 


h Natürlich kann mau leicht mit etwas stärkerem Strom grosse, weithin sichtbare 
Schwingungen erzeugen. Oft schwingt die Spirale in zwei Abtheilungen mit einem Knotenpunkte 
bei k\ man könnte dies vielleicht durch Projektion auch für die Ferne sichtbar machen. Mit 
längeren Spiralen könnte mau leicht Schwingungen mit mehreren Kuotenpunkten erzielen. 


Zwölfter Jahrgaug. Jnni 1802. 


Kbö88, Febnbohbobjbktive. 


199 


Der EinflusB des Eugelgestaltfelilers des Objektivs auf Winkel- 
messungen mit Fernrohren. 

Von 
Dr. Haffo Krttss in Hamburg. 

In seiner Dissertation widmet B. Walter ^) einen Absclmitt den Fehler- 
quellen, welche bei Beobachtung der Brechungsexponenten auftreten können. Er 
giebt höchst bemerkenswerthe Hinweise auf bisher wenig oder gar nicht beachtete 
Umstände, welche auf die Ergebnisse der Messungen mit demSpektrometer von 
störendem Einfluss sein müssen. Die überraschendste und am meisten zum Nach- 
denken auffordernde Thatsache, welche Walter mittheilt, ist folgende: 

Er Hess die von einem Heliostaten kommenden Sonnenstrahlen normal auf 
den Spalt des Spektrometers fallen und stellte das Fadenkreuz des Beobachtungs 
fernrohres genau auf den einen Rand des Spaltes ein. Drehte er nun den ganzen 
Apparat etwas um seine Axe, so dass das vom Spalte kommende Strahlenbündel 
das Objektiv des Kollimatorrohres und in Folge dessen auch dasjenige des Beob- 
achtungsrohres nur an dem einen Rande der Oeffnung traf, so verschob sich das 
Spaltbild gegen das Fadenkreuz und zwar so erheblich, dass eine Verschiebung 
bis zu 1' 20" bestimmt werden konnte. 

Walter giebt in Folge dieser Erfahrung den Rath, die Versuchsanordnung 
so zu treffen, dass stets sämmtliche Theile der Objektive von den sämmtlichen 
Theilen des Spaltes her möglichst gleich starkes Licht erhalten; er warnt vor 
Benutzung schmaler Lichtquellen, wie z. B. Geissler'scher Röhren, da bei diesen 
durch geringe seitliche Verschiebung gegen den Spalt eine entsprechende Ver- 
schiebung des Spaltbildes entstehen könne. 

Die mitgetheilte Erscheinung lässt sich nun auf einen Rest von sphärischer 
Abweichung der Fernrohrobjektive zurückführen. Wenn man auch zumeist ge- 
wohnt ist, die sphärische Abweichung als einen Unterschied zu bezeichnen, welcher 
in Bezug auf die 
Vereinigungsweite 
zwischen denAxen- 
und den Rand- 
strahlen eines Lin- 
sensystemes be- 
steht, so dass diesen 
Strahlen bei einem 
Femrohre eine ver- 
schiedene Einstel- 
lung des Okulars 

entsprechen würde, so kann als weitere Folge der sphärischen Abweichung eine 
seitliche Verschiebung des Bildes eintreten, falls eine einseitige Inanspruchnahme 
des Objektives erfolgt. 

Fig. 1 veranschaulicht das Vorstehende: OOi sei die Oeffnung einer Linse, 
auf welche ein der Axe paralleles Strahlenbüschel auffällt. Der Vereinigungspunkt 
der Axenstrahlen liege in F, während die Randstrahlen sich nach der Brechung 
durch die Linse in dem Axeupunkte F, schneiden. Die Strecke FF^ wird dann 
gewöhnlich als Maass der sphärischen Abweichung angenommen. Strahlen, welche 



Fig. 1. 


^) Ein Verfahren zur genaueren Bestimmaiiy von lirechungsexponenten. Hamburg. 1891. 


200 Krüsb, Fbbnborrobjkktivk. ZEirscHsirr rOn, iKSTHüMExmcKDirDc. 


die Linse zwischen der Mitte und dem Rande treflFen, werden nach der Brechung 
die Axe in Punkten schneiden, welche zwischen F und Fi liegen. Die Folge 
hiervon ist zunächst, dass auch in der Ebene EEi der engsten Zusammenschnürung 
des Strahlenbündels das Bild eines unendlich entfernten Punktes nicht wiederum 
ein Punkt, sondern ein Zerstreuungskreis ist. Der Durchmesser dieses Zerstreuungs- 
kreises, oder besser der Winkel, unter welchem er vom zweiten Hauptpunkte 
der Linse aus erscheint, bildet ebenfalls ein Maass für die Grösse der sphärischen 
Abweichung. 

Betrachtet man aber Fig. 1 weiter, so sieht man, dass nicht nur zwei 
symmetrisch zur Axe auffallende Strahlen sich nach der Brechung in einem Punkte 
der Axe schneiden, sondern dass ausserdem je zwei benachbarte Strahlen ausser- 
halb der Axe liegende Schnittpunkte miteinander haben, welche sekundäre Ver- 
einigungspunkte bilden. Die Kurve, welche diese verschiedenen Vereinigungs- 
punkte mit einander verbindet, ist die Diakaustik. Nach dem Gesagten ist ohne 
Weiteres klar, dass für den Fall der Ausschliessung aller anderen Strahlen bis 
auf die am äussersten Rande einfallenden der das Bild darstellende Vereinigungs- 
punkt nicht mehr auf der Axe liegen kann, sondern ausserhalb derselben auf der 
Diakaustik, in Fig. 1 in /* oder /i. In solchem Falle findet also auch eine seit- 
liche Verschiebung des Bildes statt und die Grösse des Winkels, welchen die 
Verbindungslinie des seitlichen Vereinigungspunktes f und des zweiten Haupt- 
punktes mit der Axe bildet, kann ebenfalls als Maass der vorhandenen sphärischen 
Abweichung dienen. 

Will man den beregten Fehler für verschiedene Objektivkonstruktionen 
näher feststellen, so hat man die Natur der Diakaustik zu untersuchen. Mit der- 
artigen Untersuchungen haben sich schon Gauss, Bessel, Scheibner u. A., 
zuletzt E. V. Hoegh^) beschäftigt. Allerdings hat Czapski^) der letzteren Arbeit 
den theoretisch unanfechtbaren Einwand gegenüber gestellt, dass nach der Undu- 
lationstheorie zwei sich treffende Lichtstrahlen durchaus nicht immer einen Licht- 
punkt hervorbringen müssen, sondern unter Umständen sich sogar zu Null addiren 
können. Man hätte also die Interferenzwirkung mit in Betracht zu ziehen. Das 
ist aber so ganz einfach nicht. Zur Zeit fehlen trotz Rayleigh's Vorarbeiten dazu 
noch einfache analytischen Grundlagen, so dass man sich unter Anerkennung des 
Czapski'schen Vorbehaltes auf die bisher übliche Behandlung beschränken muss. 
Man kann dieses mit Berechtigung thun, sofern man sich in jedem einzelnen Falle 
überzeugt, dass die thatsächlich zu beobachtende Wirkung der theoretischen 
Betrachtung entspricht, und deshalb stehe ich nicht an, die Beobachtung Walter 's 
durch die an der Hand von Fig. 1 über die Schnittpunkte der verschiedenen 
Strahlen gemachten Bemerkungen zu erklären und rechnerisch die in dieser Be- 
ziehung bei einzelnen Systemen vorhandene Abweichung zu verfolgen. 

Zunächst soll eine einfache Linse betrachtet und als Beispiel eine Linse 
gewählt werden, an welcher Steinheil und Voit') den Einfluss der Linsenöffnung 
auf die Vereinigungsweite darstellen. 

Die Elemente dieser Linse sind: 

r, -^ -I 69,250 

r, = -216,195 '^^^'^ 

«/,= 1,52964 

>) Diese Zeitschrift 18S8. Ä 117, — ^) Diese Zeitschrift 1888. S. 203. ~ 8) Handbuch der 
angewandten Optik, I, Band. S, 96. 


ZwS1fl«r Jahrgang. Jud! 1802. 


Kbubb, Fbbnrohbobjkktivk« 


201 


Hieraus ergiebt sich die Brennweite der Axenstrahlen mit 100,000 und es sind 

für die Einfallshöhen die Yereinigungsweiten 
h F 

0,000485 96,001 


1,9753 
2,9630 
4,4444 
6,6667 
10,000 
15,000 
22,500 


95,958 
95,915 
95,800 
95,548 
94,975 
93,659 
90,550 


Nach diesen Angaben ist die Figur 1 gezeichnet worden, jedoch unter Ver- 
grösserung der Unterschiede in den Vereinigungsweiten auf das Fünffache. 
^^ Es sollen nun die Yereinigungsweiten durch eine nach Potenzen des Quadrates 

äer EinfaUshöhe fortschreitende Reihe dargestellt und der Einfachheit halber nur 
die erten drei Glieder dieser Reihe berücksichtigt werden. 
Es sei also: 

Benutzt man zur Berechnung der Konstanten A, B und C die Vereinigungs- 
weiten F für die drei Einfallshöhen h = 22,5, = 15,0, und = 10,0, so ergeben sich 
die Konstanten: 


A- 95,999; 

B-- 0,01 

0107; C? -- 0,0000012 

f953; 

und es wird: 




h 

F 

berechnet 

F 

nach Steinheil und Voit 

Unterschied 

0,000485 

95,999 

96,001 

-0,002 

1,9753 

95,960 

95,958 

+ 0,002 

2,9630 

95,910 

95,915 

-0,005 

4,4444 

95,799 

95,800 

-0,001 

6,6667 

95,557 

95,548 

+ 0,009 

10,000 

94,975 

94,975 

±0,000 

15,000 

93,659 

93,659 

±0,000 

22,500 

90,550 

90,550 

±0,000 


80 dass für den vorliegendeo Fall die Berücksichtiguag der drei ersten Glieder 
der Reihe als ausreichend erscheint. 

Zur Bestimmung der Lage des von den am äussersten Rande der Linse 
einfallenden Strahlen 
erzeugten Bildpunk- 
tes /* (Fig. 2) empfiehlt 
sich die Benutzung 
der Entwicklungen 
V. Hoegh's. Derselbe 
stellt die reziproken 
Werthe der Vereini- 
gungsweiten durch 
einen dreigliedrigen 
ebenfalls nach den Potenzen der Quadrate der Einfallshöhen geordneten Ausdruck dar: 



-jr = 21 4 


S3Ä» + CA«, 


16 


202 KbüSB, FeBNBOHSOBJEKTIYE. ZeITBCRRITT FÜX IirBTBUlCZimKKÜKDB. 

und entwickelt hieraus die Koordinaten x und y des Schnittpunktes unendlich 
naher Strahlen ^ welche die Linse in der Einfallshöhe h treffen* Er findet: 

Setzt man zur Einführung der oben benutzten Konstanten Ä, B und C: 


4=9l4-»Ä» + CÄ*= ^ 


so erhält man: 


und es wird: 


A -f Bh^ -f CA* ' 


Sl = — • 93 = — —• C = — 


x 


Hier ist x (Fig. 2) vom Scheitel der letzten Linsenfläche aus gerechnet; um die Ent- 
fernung {x) vom zweiten Hauptpunkte zu erhalten, hat man die Entfernung des 
letzteren vor dem Scheitel der letzten Fläche hinzu zu addiren. Der Winkel, 
unter welchem der Bildpunkt f vom Hauptpunkte aus erscheint, also die Grösse 
seiner seitlichen Winkelentfernung von der Axenrichtung, ergiebt sich aus der 
Gleichung: 

So findet man leicht für die angeführte einfache Linse, wenn man 

Ä = 22,5 setzt: 

y = 2,6541, 

(ar)== 83,2846, 

a =1° 49' 31". 

Durch diese Elemente ist also der Bildpunkt eines unendlich dünnen,, in 
der Entfernung h = 22,5 von der Axe auf die Linse treffenden , mit der Axe 
parallelen Strahlenbündels festgelegt, während dieselben Grössen für ein eben- 
solches in der Axe einfallendes Strahlenbündel: 

y = 0, 
(a;) = 100, 
a = 0, 
sind, so dass also beide Vereinigungsbündel sich in grossem Abstände von einander 
befinden. 

Um den geschilderten Verhältnissen bei einer einfachen Linse die ent- 
sprechende Leistung eines guten Fernrohrobjektivs gegenüber zu stellen, wähle 
ich das häufig zu ähnlichen Zwecken benutzte Objektiv des Heliometers in Königs- 
berg, welches von Fraunhofer hergestellt, als Typus seiner Objektivkonstruktion 
dienen kann. 

Die Elemente dieses Objektivs sind: 

( r, = 4- 838,164 , ^^ 
K^^^ K.^^ 333;768 '^ ^ "'^ 


( ra = - 340,536 ^«-0,0 
^'^"* ir. = -1172;508^' = 4,0 


Krön n = 1,529130 
Flint m' = 1,639121 


ZwOlfUr Jahrgaog. Juoi 1892. KrÜSS , Febnbohbobjektivb. 203 

Die trigonometrische Durchrechnung ergiebt folgende Vereinigungsweiten 
für parallel der Axe in verschiedenen Höhen einfallende Strahlen: 

Ä F 

1127,7116 

32,1 1127,6687 

33,1 1127,6661 

34,1 1127,6634 

Die Brennweite für die Axenstrahlen ist 1131,4544. 

Wie man sieht, ist also der Kugelgestalt fehler bei diesem Objektive nicht 
ganz gehoben. 

In der Gleichung 

bestimmen sich die Konstanten unter Benutzung der Werthe von F für m = 32,1, 

= 33,1 und ^34,1: 

il = 1127,7072 

B = ~ 0,000035040 

C=- 0,00000000 22752 

Für h = o würde die Formel F= 1127,7072 ergeben anstatt 1127,7116. 

Es werden sodann unter Benutzung der gewonnenen Konstanten die Be- 
stimmungsstücke für den Bildpunkt eines in der Einfallshöhe ä = 34,1 das Objektiv 
treflFenden, der Axe parallelen dünnen Strahlenbüschels: 

y = 0,00246, 
(x) = 1131,3277, 
a =0°0'0",449. 

Dieser Bildpunkt liegt also um 0,1367 dem Objektiv näher als der Bild- 
punkt in der Axe, und es sind bei äusserst einseitiger Inanspruchnahme des Ob- 
jektivs Winkelfehler bis zum Betrage von etwa einer halben Sekunde nicht aus- 
geschlossen. — 

Bei dem von Walter angezogenen Falle handelt es sich aber nicht nur um 
die Wirkung eines einzelnen Objektives, sondern um diejenige von zwei in gewissen 
Entfernungen hinter einander befindlichen. Im Brennpunkte des ersten befindet 
sich der Gegenstand. Es ist von vornherein klar, dass sich der besprochene 
Fehler bei solcher Anordnung mehr als verdoppeln muss. Die aus dem Brenn- 
punkte für die Axenstrahlen des ersten Objektives auf den Rand desselben 
fallenden Strahlen werden dieses Objektiv nicht parallel der Axe verlassen, also 
das zweite Objektiv schon geneigt zur Axe treffen. 

Es sei als erstes Beipiel wieder die früher benutzte Linse von Steinheil 
und Voit betrachtet und zwar in den beiden Fällen, dass die beiden hinter 
einander gestellten Linsen sich berühren und dass zwischen ihnen ein Abstand 
von der Grösse der Brennweite jeder Linse (also = 100) besteht. 

Es ist also die Anordnung: 

n = + 216,195 . _ ^ 
r, = - 69,250 "^^""^ , ,_ 
r3 = + 69,250 ^' = ^ ^^"^ 1^ 
r4 == - 216,195 ^' = ^ 

wx, = 1,52964 

16* 


204 KbüSS, FernrORROBJEKTIVE. Zeitschrift für Ixbtkümestexkükdk. 


Die Vereinigungsweiten für aus dem Brennpunkte der Axenstrahlcn der 
ersten Linse kommende Strahlen nach dem Durchgange durch beide Linsen sind 
folgende 5 zum Vergleich sind die entsprechenden Zahlen für eine einzelne Linse 
nochmals daneben gesetzt: 



F 

F 

F 

h 

1 Linso 

2 Linsen 

2 Linsen 



Abstand — 

Abstand — 100 



96,001 

96,001 

96,001 

10,0 

94,975 

93,825 

93,854 

15,0 

93,659 

91,259 

91,316 

22,5 

90,550 

85,328 

85,654 


Die vier betrachteten Strahlen verlassen die erste Linse unter den Neigungen 

zur Axe: 

O*' 0' 0" 

3 36 

12 50 

45 39 

In Folge dessen treffen sie die zweite Linse, wenn sie sich in grösserer 
Entfernung von der ersten befindet, in geringeren Einfallshöhcn und erleiden 
dadurch geringere Brechungen zur Axe. Doch selbst bei einer Entfernung gleich 
der Grösse der Brennweite ist die dadurch hervorgerufene Verringerung der 
sphärischen Abweichung sehr gering. Erst bei verhältnissmässig sehr grossen Ent- 
fernungen beider Linsen von einander, derart, dass die Strahlen vor Eintritt in 
die zweite Linse die Axe schneiden, würde eine Umkehrung stattfinden, so dass 
die sphärische Abweichung zweier solcher Linsen geringer wird als diejenige einer 
einzelnen. Da aber die aus der ersten Linse tretenden Randstrahlen die Axe erst 
in einer Entfernung von ungefiihr dem 17 fachen der Brennweite schneiden, so 
tritt die angeführte Verminderung der Fehler erst bei einem gewiss sehr selten 
vorkommenden Abstände beider Linsen von einander ein. 

Die Konstanten der Gleichung 

ergeben sich nun für die zwei Linsen unter Benutzung der drei Einfallshöhen 
10,0, 15,0 und 22,5: 

T . zwei Linsen 

e 1 n e 1^ i n s e Abstand = Abstand -= 100 

A = 95,999 95,847 95,899 

^ = - 0,010107 - 0,020080 - 0,020460 

C = - 0,0000012953 - 0,0000013785 -\- 0,0000004244 

Für die Einfallshöhe ä = sollte auch bei zwei Linsen 1^=96,001 werden, 
während sich aus den Konstanten 95,847 bezw. 95,899 ergiebt. Offenbar genügen 
drei Konstanten nicht zur Darstellung der Brennweite für alle Höhen h von bis 22,7), 
sie genügen aber vollständig zur Bestimmung der Lage des Bildpunktes der 
äussersten Randstrahlen. Dieselbe ergiebt sich folgcndermaassen: 

zwei Linsen 
eine Linse Abstand -= Abstand =- 100 

y = 2,6541 5,7850 5,9103 

(jr) = 83,2846 63,9589 ()3,2306 

a = 1° 49' 31" b"" 11' 22" 5° 21' 48" 


Zw0lft«r Jabrgrtnir- Jant 1892. KrÜSB, FernrorBOBJEKTIVB. 205 

Man sieht also, dass der Winkelabstaiid des bereclineten Bildpunktes von 
der Axe etwa dreimal so gross ist bei zwei Linsen hintereinander als bei einer 
einzigen. 

Ich habe nun weiter versucht, einen Fall zur Vergleichung heranzuziehen, 
welcher den Verhältnissen in dem von Walter beobachteten Falle entspricht, 
d. h. ein Objektiv zu konstruiren, welches dem von Walter benutzten ähnlich ist. 
Ich wählte dazu ein sogenanntes ineinander gepasstes Objektiv, dessen beide 
Linsen mit einander verkittet sind, welches also nur drei brechende Flächen hat. 
Ein ähnliches Objektiv ist von Steinheil und Voit {Havdhuch d, angew. Optik) 
unter Nr. 7 a auf S. 178 angeführt. 

Als Glasarten wurden angenommen die Gläser des Verzeichnisses von 
Schott und Gen. „Kalk- Silicat- Krön 0. 60 {Nr. S)« und „Gewöhnliches Silicat-Flint 
0. 103 {Nr, 5ö)". Das Objektiv kann nur drei Bedingungen genügen. Für eine 
Brennweite = 100 wurde es mit fünfstelligen Logarithmen so berechnet, dass für das 
Brechungsverhältniss der Linie D der Kugelgestaltfehler des Randstrahles mit der 
Einfallshöhe 5,0 gehoben war, sowie dass die Axenstrahlen mit den Brechungs- 
verhältnissen der Linien D und G dieselbe Vereinigungsweite erhielten. Die Elemente 
des Objektives waren dann: 

Kron|'''=+ f'l d. = l,5 
I rj = — 42,6 

Flint I r, = +2095,0 ''» = ^'" 

^ (n;,= 1,51790 „,.( n'x, = 1,62020 
^'^°N««= 1,52882 ^*'"M «'. = 1,64281 

Zur Bestimmung des durch die noch vorhandenen Reste der sphärischen 
Abweichung entstehenden Fehlers in dem Bildpunkte bei einseitiger Benutzung 
des Objektives genügt aber die Durchrechnung mit fünfstelligen Logarithmen nicht. 
Diese Restfehler mussten mit Hilfe von siebenstelligen Logarithmen festgestellt werden. 
In dieser Weise wurden für das beschriebene Objektiv die Vereinigungsweiten 
berechnet für parallel der Axc einfallende Strahlen vom Brechungsindex n/> (bezw. w'/>), 
welche das Objektiv in den Höhen Ä = 5,0, 4,5, 4,0, und treffen. 

Ebenso wurden zwei sich berührende Objektive berechnet für ein Strahlen- 
bündel, welches aus dem Brennpunkte der Axenstrahlen des ersten kommend an- 
genommen wurde. Die Reihenfolge der Elemente war in diesem Falle also: 


r» -= - 2095,0 
rs = -f 42,6 
rj = - 40,9 
r, = 4- 40,9 
r5 = - 42,6 
r« = 4- 2095,0 


d, = 1,0 
(?j=v= 1,5 
ds = 0,0 
d, = 1,5 
d, = 1,0 


Eine Durchrechnung für den Fall, dass die beiden Objektive einen grösseren 
Abstand von einander haben, wurde nicht gemacht, weil aus dem Beispiele 
der einfachen Linse erhellt, dass das Ergebniss wenig verschieden von demjenigen 
bei Berührung der beiden Linsen ist. Der Unterschied wird hier noch geringer 
sein, weil die Winkel, welche die aus dem ersten Objektiv kommenden Randstrahlen 
mit der Axe bilden, sehr viel kleiner sind als bei der einfachen Linse. 


206 KbÜSS, FüBiniOHBOBJEKTlW. Zkitschrift pOr Ikstrumutkakuaus. 

Die gefundenen Vereinignngsweiten F sind: 


h 

für eine Linse 

für zwei Linsen 

5,0 

98,0805 

98,0541 

4,5 

98,0839 

98,0610 

4,0 

98,0867 

98,0666 

0,0 

98,1060 

98,1060 


Hieraus ergeben sich die Eonstanten der Gleichung 

A = 98,0952 98,0828 

J5 = - 0,00042938 - 0,00077397 

C = - 0,000006329 - 0,000014998 

wenn man die Vereinigungsweiten für h = 5,0, 4,5 und 4,0 benutzt. 

Für den Randstrahl (ä = 5,0) erhält man dann die Koordination des Bild- 
punktes: 

für eine Linse für zwei Linsen 

y 0,001070 0,002484 

{x) 99,9491 99,9110 

und dieser Bildpunkt erscheint unter dem Winkel 

a 0° 0' 2,"20 0° 0' 5,"l3 

Auch hier ist der Fehler mehr als doppelt so gross für zwei Objektive 
denn für ein einziges. 

Aus den bisherigen Betrachtungen ergiebt sich nun von selbst ein vorzüg- 
liches Mittel zur Untersuchung eines Objektives auf geringe Fehler in Bezug auf 
die Kugelabweichung. Bei dem angezogenen Objektive wird man schwer den 
Unterschied in den Vereinigungsweiten der Rand- und Axenstrahlen von 0,0255 
durch direkte Einstellung eines entfernten Gegenstandes feststellen können. Bilden 
aber zwei solche Objektive die Linsen des Kollimators und des Beobachtungs- 
rohres eines Spektroskopes, so entspricht diesem geringen Unterschiede in den 
Vereinigungsweiten ein Winkelfehler des Bildpunktes des Randstrahles von 5,13 Se- 
kunden. Blendet man ferner bei dem ersten Versuch das ganze Objektiv bis auf 
den äussersten rechten Rand desselben, das zweite Mal aber bis auf den äussersten 
linken Rand ab, so wird man einen Unterschied von 10,26 Sekunden in der Lage 
der beiden Bilder haben, eine Grösse, welche auch bei nicht zu starker Ver- 
grösserung noch beobachtet werden kann. 

Man wird aber in den seltensten Fällen in der Lage sein, über zwei gleiche 
Objektive zum Zwecke einer solchen Untersuchung verfügen zu können. Die 
abgeleitete Methode eignet sich jedoch auch zur Prüfung eines einzigen Objektives 
auf Reste von sphärischer Abweichung, wenn man eine Anordnung wählt, wie 
sie Walter bereits angedeutet hat. £s handelt sich hierbei nur darum, die aus 
dem Brennpunkte des Objektives kommenden Strahlen zweimal durch dasselbe 
gehen zu lassen. 

Unter Benutzung eines Gauss 'sehen Okulars bewirkt man zunächst die 
Einstellung des so gebildeten Fernrohrs auf Gegenstände in unendlicher Entfer- 
nung. Alsdann stellt man eine ebene spiegelnde Fläche annähernd senkrecht zur 
optischen Axe auf. Unter Abbiendung des Objektives bis auf den äussersten 
rechten Rand wird die reäektirende Ebene so gedreht, dass das durch das 
Objektiv wieder zurückkommende Spiegelbild des Fadenkreuzes mit demselben 


Zwölfter JahrgftDg. Jnni 1892. RsnouTK. 207 

selbst zx^mmentalle. Es ist klar, dass für den Fall des Vorhandenseins einer 
Bpbäriscfaen Abweichung der Randstrahlen der Spiegel nicht senkrecht zur optischen 
Axe stehen wird, sondern senkrecht zu dem nicht parallel der Axe auf den Spiegel 
fallenden Randstrahl. Lässt man dann bei unveränderter Stellung des Spiegels 
nur den äussersten linken Rand des Objektives wirken, so wird die Winkelab- 
weichung dieser Randstrahlen durch Reflexion an dem Spiegel verdoppelt und 
es erscheint das Reflexbild des Fadenkreuzes neben dem Fadenkreuze selbst, bei 
dem oben benutzten Beispiel in einer Winkelentfernung von 10,26 Sekunden. 

Bei den beiden geschilderten Anordnungen giebt die Richtung der Ver- 
schiebung die Art des Restes an sphärischer Abweichung an. Wird das Bild 
nach derjenigen Seite verschoben, welche bei dem Versuch am Objektive wirksam 
ist, so ist die Verein igungs weite der Randstrahlen kürzer als diejenige der Axen 
strahlen; ist die Verschiebung entgegengesetzt, so findet das Umgekehrte statt. 


Referate. 


Die Messung von Linsen. 
Von S. P. Thompson. Jaum. of the Society of Arts. 40. S, 22. (1891). 

Von den achtzehn Elementen, welche Verfasser bei einem Linsensystem zu 
messen für wünschenswerth und ausführbar erachtet, betrachtet er in seiner Ab- 
handlung nur die beiden Kard inal Faktoren : die Lagen der 6 au ss^ sehen Haupt- und der 
Brennpunkte. Nach einer kurzen Uebersicht der bis jetzt vorgeschlagenen Methoden der 
Fokometrie, die Verfasser in sechs Klassen theilt und deren Vor- und Nachtbeile er 
beiläufig anführt, beschreibt er eine von ihm selbst ersonnene angeblich neue Methode 
und den zu ihr geböngen Apparat, welcher in dem ihm unterstehenden Institute (Tech- 
nical College f Finshury) neuerdings zur Prüfung von Linsen in Gebrauch genommen 
worden ist. 

Die Methode beruht auf der Ermittlung der Lagen der beiden Brennebenen und 
der „symmetrischen^ Ebenen. (Letzteren Namen hält er für die von Top 1er hervor- 
gehobenen zweiten oder „negativen^ Hauptebenen für bezeichnender als diesen ihnen von 
dem Entdecker gegebenen). Das zu untersuchende Linsensystem wird mittels eines ge- 
eigneten Trägers auf einer Art optischen Bank placirt. Die Lage der Brennpunkte wird 
mit Hilfe von Kollimatoren ermittelt, indem das Bild, welches das zu untersuchende 
Linsensystem von deren Miren entwirft, auf je einer Glastafel aufgefangen und mit einer 
l^upe eingestellt wird. Die Einstellungsebenen sind alsdann die Brennebenen des Systems; 
ihre Lage kann mit Hilfe von Nonien an der optischen Bank abgelesen werden. Durch 
entgegengesetzt geschnittene Schrauben können die Träger der Glastafeln aus dieser ihrer 
ersten Stellung symmetrisch so weit vom System entfernt werden, bis die Pointirungs- 
ebenen der Glastafeln, welche durch Theilungen markirt sind, mit den Top 1er* scheu 
Hauptebenen zusammenfallen, nämlich bis das Bild, welches das in seiner ursprünglichen 
Lage verbliebene System von dem einen Mikrometer entwirft, genau auf die Skale des 
andern, ihm gleichen, fällt. Aus der Lage der Brenn- und ^^Symmetrien-Ebenen ergeben 
sich dann in bekannter Weise die Brennweiten, das Hauptpunktsinterstitium und die 
anderen Kardinalelemente des Systems. 

Da der Apparat in seiner technischen Ausführung einige interessante Einzelheiten 
bietet, so mag hier eine nähere Beschreibung desselben, erläutert durch die Skizze in 
der nachstehenden Figur folgen: 

Die Bank besteht aus zwei vertikal überein anderstehenden parallelen Schienen 
A imd B aus Bronce von je 670 mm Länge, die an den Enden und in der Mitte mit- 


208 


KEFKUAtV. 


ZsiTscmtirr f^r UsTnvutrttnsUVMbt. 


einander verbanden sind. Die oberste und die unterste Fläche dieser Doppelschiene sind 
unter 45 abgeschrägt; die Stirnfläche der oberen Schiene trägt eine Millimetortheihing 
nahe der Kante. 

Das zu untersuchende Linsensystem L wird in der Mitte der Bank auf dem 
Support S angebracht, auf welchem es in der Axenrichtung und senkrecht dazu mittels 
Schrauben in Schlitten bewegt werden kann. Die Supporte für die Mikrometer sind 
zwei Metallklötze C und D, welche auf den abgeschrägten Kanten der Schienen gleiten. 
Jeder trägt einen Nonius, welcher seine Stellung auf der Bank abzulesen gestattet und 
ist in seinem oberen Theil mit einer Feinbewegung in Kichtung der Axe der Bank ver- 
sehen. Diese Supporte können nun entweder frei mit der Hand die Bank entlang 
verschoben oder in der nachfolgend beschriebenen Weise symmetrisch durch Schraube 
bewegt werden. Zwischen den beiden parallelen Schienen befindet sich nämlich eine 



Schraube M von der Länge des ganzen Apparates, deren beide Hälften entgegengesetzt 
geschnitten sind. An den äusseren Enden der Schraube befindon sich Scheiben H mit 
Handhaben zur Drehung der Schraube. Die Schraube besteht aus Stahl. Die beiden 
Theile wurden gesondert hergestellt und dann durch einen kurzen Stahlzylinder von 
grösserem Durchmesser mit einander verbunden. Letzterer ist auch nach der Seite hin 
fest gelagert, während die Schrauben an den äusseren Enden, an welchen sie natürlich 
zylindrisch abgedreht sind, frei in ihren Lagern ruhen. In Folge dessen beeinflussen 
auch die Ausdehnungen durch Temperaturänderung die beiden Schraubenhälften sym- 
metrisch zur Mitte. 

Ujn die Verbindung zwischen den Mikrometersupporten und der Schraube nach 
Belieben herstellen und wieder losen zu können, ist folgende Einrichtung getroffen: 

Auf jeder Schraubenhälfte befindet sich eine Mutter 0, in ihrer äusseren Form 
einen Klotz von quadratischem Querschnitte bildend. Die untere Fläche dieser Klötze 
gleitet auf der oberen Fläche des untern Trägers, was die Klötze verhindert, bei Drehung 
der Schraube sich mit zu drehen. Zwischen der oberen Fläche der Klötze und der 
unteren Fläche des oberen Trägers ist ein Spielraum von 1 bis 2 an. In diesem befindet 
sich der horizontale Theil eines | förmigen Zwischenstückes. Mit diesem Zwischenstücke, 
welches ziemlich lang ist (etwa 150mm Kantenlänge), kann mittels geeigneter Klemm- 
schlüssel einerseits der Klotz, andererseits der entsprechende Support in beliebiger Stellung 
des letzteren in Verbindung gesetzt werden. Auf diese Weise ist die Möglichkeit ge- 
währt, jedes der beiden Mikrometer für sich erst durch freie gleitende Verschiebung des 
Supportes auf den Trägem in eine bestimmte Lage (in die Hauptbrennebene des zu 
untersuchenden Systems) zu bringen und dann beide zusammen, nachdem sie mit den 
Schraubenmuttern in Verbindung gesetzt sind, durch Drehen der symmetrisch geschnittenen 
Schraube um gleichviel in entgegengesetzter Kichtung zu bewegen. Um den todten Gang 
der Schraubenmuttern nach Möglichkeit zu beseitigen, ist nach einem, wie der Verfasser 
angiebt, von Sir W. Thomson hen-ührenden Vorschlage, jede Mutter durch einen Schnitt 


ZwSUter Jfakrgsng. Jani 18d^. fisFERAttS. 209 


senkrecht zur Axe in zwei ineinandergrcifencle Stücke getheilt, zwischen denen sich eine 
kurze starke Wurmfeder befindet. Diese drückt also die beiden Theile der Mutter an 
die entgegengesetzten Wände des Schraubenganges. 

Die Mikrometer bestehen in Glastheilungen , deren Feinheit sich nach dem vor- 
liegenden Falle richten muss und auf welche parallel mit der Axe des Linsensystems 
Lupen visiren. Auch in der äusseren Form sind diese Mikrometer dem Zwecke, welchem 
sie jeweilig zu dienen haben, angepasst, z. B. dasjenige, welches auf die hintere Brenn- 
ebene eines Mikroskopsystems einzustellen ist, also meistens in den Trichter desselben 
hineingelangen muss, an dem Ende einer Röhre von geringem Durchmesser befestigt und 
dergl. Wie bei der Messung solcher Systeme zu verfahren ist, deren Brennebenen 
zwischen den Linsen liegen, giebt Verfasser nicht an. Das Verfahren der Messung 
ergiebt sich aus den oben dargelegten derselben zu Grunde liegenden Prinzipien und der 
Einrichtung des Apparates. 

Die Kollimatoren, welche zur Ermittlung der Lage der Hauptbrennebene dienen, 
stellt Verfasser merkwürdiger Weise unabhängig von dem Apparat und in grosser Ent- 
fernung von diesem (20 bis 4() Fttss) gesondert auf. (Vergl. dagegen die dem gleichen 
Zwecke dienende Einrichtung von C. L. Berger. Diese Zeitschr, 1836, S. 272), 

Verfasser theilt in seiner Abhandlung die Resultate der Untersuchung verschiedener 
Mikroskopobjektive und anderer Linsen mit, aus welchen hervorgeht, eine wie verschiedene 
Lage die Kardinalebenen solcher Systeme gegen die Linsenflächen einnehmen können und 
aus denen die Genauigkeitsgrenzen der Methode zu beurtheilen sind. 

Die Methode Thompson' s bietet, wie aus dem Vorstehenden ersichtlich ist, prin- 
zipiell durchaus nichts Neues; vielmehr ist die Bestimmung der Brennweite aus der 
Entfernung der Brennebenen von den negativen Hauptebenen eine der am häufigsten 
angewandten, z. B. bei photographischen Objektiven. Wesentlich neu ist der Apparat, 
welcher eine viel grössere Genauigkeit der Messungen zu erreichen gestattet als frühere 
zu dem gleichen Zweck angegebene. Ob der bei dieser Methode und diesem Apparat 
gemachte Aufwand von Mitteln und Raum nothwendig oder ob derselbe venneidbar ist, 
werde ich mir erlauben demnächst in dieser Zeitschrift zu erörteni. Cz. 

lieber ein nenes Konnalbarometer. 
7on M. C. Kraje witsch. Jmrn, de Phys. IL 10. S, 214. (1891.) 

„Die Quecksilberbarometer leiden an verschiedenen Mängeln, welche indessen mit 
genügender Genauigkeit korrigirt werden können, mit Ausnahme des Fehlers, welcher 
von der Anwesenheit von Luft in dem „Vakuum" herrührt. Seine Bestimmung basirt 
auf dem Boy le-Mariott ersehen Gesetze, welchem die sehr verdünnten Gase nicht 
gehorchen. ** 

Die Anwesenheit der Gase im Vakuum erklärt sich aus der Thatsache, dass bei 
der gebräuchlichen Herstellung der Glasröhren mehr oder weniger feine Kanäle entstehen, 
welche eine Länge von 50 cm erreichen können. Man bemerkt dieselben in der Form 
feiner Linien schon mit blossdm Auge. Dass es Hohlräume sind, konnte Verfasser 
nachweisen, indem er sie mit roth gefärbtem Naphta-Oel füllte. Wenn der Glasbläser 
das obere Ende des Barometerrohres zuschmilzt, so bildet sich in der erweichten Glas- 
masse in Folge der Ausdehnung des Gases eine kleine Blase, welche — wenn sie nach 
innen zerspringt — den Hohlraum mit dem Vakuum in Kommunikation bringt, sodass 
letzteres mehr oder weniger schnell durch die in dem Kanal enthaltene Luft verdorben 
wird. Die Erfahrung beweist die Möglichkeit eines derartigen Vorganges. 

Um diesem Uebelstande zu begegnen, sollte man Barometerröhren verwenden, 
welche nicht gezogen, sondeni gegossen sind, was aber grosse Schwierigkeiten macht — 
oder solche Vorrichtungen anbringen, welche die in dem Vakuum angesammelten Gase 
zu entfernen gestatten. Dieses Mittel hat Verfasser bei seinen fest aufgestellten und 
transportablen Barometern in Anwendung gebracht (Repeii, d, Physik. 23. Heft 6), 


210 


Referate. 


Zkitscrrift Tür IvflTBüuxxTsnnnDB. 


Mit Hilfe einer guten Quecksilberluftpumpe gelingt es leicht, ein Vakuum her- 
zustellen, durch welches die Funken eines Induktionsapparates von mittlerer Intensität 
nicht mehr hindurchgehen, welches somit besser ist als dasjenige der besten Barometer. 
Verfasser verwendet die Pumpen von Mendel ejef-Töpler, welche eine Verdünnung bis 
auf 2 bis 3 Tausendstel -Millimeter eroMiglicht; «ine nach dem Prinzip von McLeod 
hergestellte Barometerprobe giebt hierüber Auskunft. 

Die Ilauptschwierigkeit besteht darin, die Luftpumpe von dem Barometer nach 
dessen Herstellung zu trennen. Die folgende Beschreibung des Normalbarometers, welches 
Verfasser für die Marine- Akademie hergestellt hat, zeigt wie man jener Schwierigkeit be- 
gegnen kann. In der nebenstehenden Figur sind der Kaumerspamiss halber die Verhältnisse 


(r% 



der Dimensionen nicht richtig wiedergegeben. Mit A und B sind 
die obere und untere Kammer des Barometers bezeichnet. Erstere 
steht durch das gekrümmte Rohr a zunächst mit dem Trichter C 
und des Weiteren durch das Rohr e mit der Luftpumpe in Ver- 
bindung. Will man den Zusammenhang von A mit der Pumpe 
unterbrechen, so lässt man — bei geschlossenem Hahne h — 
durch geeignete Drehung der Handhabe i aus dem Vorraths- 
gefässe D so lange Quecksilber auslaufen, bis der Trichter C bis 
über die Mündung von a hinaus gefüllt ist. Lässt man nun von 
der Seite der Luftpumpe her (durch e) den Druck der Atmosphäre 
wirken, so steigt das Quecksilber in dem langen Rohre a bis zur 
Barometerhöhe empor und schliesst die Kammer A gegen die 
Atmosphäre ab. Das zur Luftpumpe gehörige Rohr e kann nun 
Tri I w Sj^ ^ entfenit werden. 

H j \j Die Operationen aber, welche man vorher vorzunehmen 

hatte, sind etwa folgende. 

Ehe überhaupt Quecksilber in die Kammern A und B 
gebracht ist, lässt man — bei genügend tiefer Stellung des 
Quecksilbemiveaus im Trichter C — die Luftpumpen spielen, wobei 
zum Abschluss der Kammer B gegen die Atmosphäre ebenfalls ein 
Barometerverschluss (c und d) benutzt wird. Man erreicht nicht 
unmittelbar den höchsten Grad der Verdünnung in Folge der un- 
vermeidlichen Wasserdämpfe. Deshalb lässt man nun Luft ein- 
treten, welche durch Phosphorsäure - Anhydrid getrocknet ist, 
evakuirt von Neuem und wiederholt dieses einige Male. Alsdann 
springt der Induktionsfunke nicht mehr über und die Mc Leod'sche 
Vorrichtung giebt ungeffihr einen Druck von 0,003 mm an. Der 
Druck der Gase ist dann nicht grösser als der des Quecksilberdampfes. 
Am folgenden Tage hat sich indessen gewöhnlich wieder ein Gasdruck von einigen 
Zehntel -Millimetern eingestellt, welchen man durch die Luftpumpe entfernt. Erst eine 
7 bis 14tägige Wiederholung dieses Verfahrens führt zum gewünschten Ziele. 

Nun folgt die oben schon besprochene Abtrennung der Luftpumpe, und dann erst 
die Füllung des Barometers mit reinem trockenem Quecksilber, und zwar dadurch, dass 
man dasselbe in das Rohr d eingiesst, bis das Ueberfiiessen durch c sich vollzieht. 

Hat sich in B eine genügende Quantität Quecksilber angesammelt, so stellt 
man durch Abbrechen der feinen Spitze des Röhrchens x eine Verbindung der unteren 
Kammer mit der Atmosphäre her, und das Quecksilber steigt nun langsam von B 
nach A empor. Der Trichter m n^it seinen Anhängseln c und d kann nun ganz 
entfernt werden. 

Das Barometer ist alsdann zur Beobachtung bereit; hierzu wird bei dem in Rede 
stehenden Exemplare die gebräuchliche Fernrohrablesung benutzt. Sp, 


il 


Evafl« JikTiuE. Juni isee. Skfbiuts. 911 


Faaoanlt'BChes Pendel und Apparat znr Objektivprojektion des Foncanlt'schen PendeN 

veTsnohes. 

Von M. Th. Edelmann. Wied. Avn. N. F. 45. S. 187. {1891.) 

Daa hnhlkoniscLe Lager A wird mit drei Holzschrauben ahc nn der Zimn) erdenke 
des Hörsaales befestigt ; in dasselbe pnsst geliürlct der Slalil^iapfcn C. Das Loch in 
letxtctiem, znr Aofnahme des Aufhängungsdralitns defg ist in Tricliterform , wie bei 
Dralitzieheisen , gearbeitet; am unteren Ende wird der Draht in das Loch ^ der Scbrauben- 
mntler D eingeschoben. An die Mutter D wird dar Stahl- , 

bolzen A' angeschraubt, welcher die schwere gusseiserne ,-XS.b 

Linse 2j trügt nnd unten in eine scharfe konische Spitze endet. "«AStV'' 

Zur objektiven Projektion des Foncault'schen ^T*^^ 

Pendelversnches wird genau vertikal unter die Ruhelage <- 

des Pendels ein Spiegel apparat aufgestellt; die axiale 
Messingspitze W desselben wird mittels der Fusssch rauben 
X Y Z und der Korrektionsschrauben P QR genau und 
nahe unter die Spitze des Pendels gebracht. Der Ilaupt- 
theil an diesem Neb enap parate ist eine ausserordentlich 
Idcht bewegliche vertikale Axe mit dem Spiegel S. Diese 
Axe ist zwischen den feinen Spitzen m n gelagert und 
trägt einen Seitenarm M aus Aluminiom, der in eine 
kurze Eiseuschneide F endigt. Der Bolzen NO besteht 
aus gehärtetem Stahl und die Spitze N ist ein sehr 
kräftiger Magnetpol. Schwingt dieselbe über die Schneide F 
weg, so stellt sich letztere immer genau unter die Bahn 
des Punktes N ein und die Axe m n macht daher die 
Drehung der Pendelebpne genau mit, ohne dass das Pendel 
in seiner freien Bewegung gestört würde. Durch Reflexion 
an dem Spiegel S kann man mittels Lichtc|ueIIe, Spalt 

und Linse auf bekannte Weise ein Spaltbild auf eine weisse Fläche werfen. Da sich 
durch die Spiegelung der Diebwinkel verdoppelt, so sieht man sclion auf einem nur 
4 m entfernten Schirm bei jeder einzelnen Pendelschwingung deutlich das Fortrücken 
des Spaltbildes. 

üeber einen neuen tra&Eportablen Lotbapparat mit Stahldrabt. 
Von tmUe Belloc. Compt. Rend. 312. S. 1304. {IS91.) 

Verf. beschreibt einen Lothapparat für Tiefseelothungen , welchen er nach dem 
Cluster eines kleinen nur G kg schweren Apparates, wie er von ihm zu Tiefenbestimmungen 
von Hocbgebirgsseen in den Pyrenäen mit gutem Erfolg verwendet worden war, konstruirt 
hatte und von denen u. A. ein Exemplar für die wissenschaftliche Ausrüstung der Ynclit 
des Prinzen Albert von Monaco beschallt wurde. 

Der Apparat besteht aus einer in zwei Bronzeplallnen — die, durch Säulen ver- 
bunden, auf einer Brouzeplatte befestigt sind, — gelagerten Trommel, auf welcher sich 
etwa IlOOm Stahldraht von 0,8 oder 2000 »t Stahldraht von 0,!> mm aufwinden lassen. 
Beide vorstehende Axencnden sind mit Handgriffen zum Aufholen der Sonde vereehen. 
Auf einer Seite gestattet ein Sperrrad plötzliche Hemmung der Bewegung; auf der andern 
Seite nimmt eine Hohlkehle ein Bremsband auf, dessen doppelter Zweck es ist, den 
Ablauf des Drahtes zu reguliren und automatisch das Ende des Sondenweges zu melden. 
Der von der Trommel abrollende Draht passirt zunächst eine höher gelegene Holle und 
ist dann über eine tiefer gelegene geführt, welche zur Hälfte in einen mit Fett oder 
andern die Oxydation verhindernden Materialien gefiiUten Trog eintaucht. Diese Rolle ist 
in einem Hebe! gelagert, welcher auf das Bremsband in der Weise einwirkt, dass er den 
Moment, in dem die Sonde den Boden berührt, genau anhebt. Sodann steigt der Draht 


II ItSTKDKEKTIXKtmil. 


seiilircclit auf zur llolilkehle eines MessraJcs, um weldics er einmal lienimgeführt ist, 
elie er zwiscLeii zwei mit dickem Füa bezogenen liollen, die zu seiner Trocknung dienen, 
hindurcligeht und von denen aus er in einem recliten Winkel um eine am Ende des 
Auslegers befestigte Rolle in das Wasser gerührt wird. Dieser Ausleger ist um seine 
Befestigungsstelle um 180° drehbar, kann also nach Bedarf hin und her geschwenkt 
werden, ohne den Gang des Apparates anzuhalten; auch kann derseUie soweit herein' 
geschwenkt weiden, dass man die Sonden oder andere Prtifungsniittel am Draht befestigen 
kann, ohne sieb über Bord beugen zu müssen. Die Kollen sind aus Bronze, ilii-e Axen 
aus Stahl. Die Messrolle wirkt mit Schraube ohne Knde «nf ein mit Zifferblatt ver- 
sehenes ZÄhlwerk, Verf. weist anf die Tielseitige Verwendbarkeit und auf die Vorzüge 
des Apparates vor dem Lotben mit der Leine bin. NamcnlHcli bietet die Verwendung 
des Slahldrahtcs, abgesehen von den Vorzügen des Afaterials, selbst den Vortheil, dass 
wegen seines geringen Durchmessers die Lothung nahezu unabhängig von Strömungen wird. 

Einfache abiolnte Elektrometer für Vorlesnngszwecke. 
Von Prof. F. Braun. Zeitschrift für Jen phys. u. ehem. Unterr. 5. S. 61. (1891). 
Schon vor mehreren Jahren hat Herr Prof. Braun (Wkd. Ann. 31. S. 856. ISS!) 


Elektrometer konstniirt, die 



!r in den Vorträgen über statische Elektrizität verwendet, 
und die gestatten, die Potentiale direkt in TWff abzulesen. 
Da die bequemen und billigen Instrumente wenig bekannt 
geworden sind, so macht er von neuem auf sie aufmerksam. 
Fig. 1 und 3 stellen zwei Formen des Elektrometers 
dar. Der Aluminiumstreifen A , der sich mit möglichst 
geringer Peibung um eine waagerechte Axe dreht, winl 
von dem auf das gleiche Potential geladenen Metall- 


Das Ganze ist von der äusseren 


streifen JB abgestossen, 
lliille gut isolirt; diese bc' 
steht bis auf geringfügige 
Tlieile ganz ans Metall. Die 
vordere und hintere Metall- 
wand können jedoch wegge- 
zogen und durch beigegehene 
(ilasplatlen ersetzt werden. 
Der Knopf des Instruments 
wird mit dem einen und 
die Hülle mit dem anderen 
der beiden Pnnkte, deicn Potentialdiflerenz gemessen werden 
soll, verbunden. Die Instnimente sind in Volt geaicht; 
das Potential wiid in diesem Maasse an der Skale direkt 
abgelesen. Dem Herrn Univer- 
silätsmechaniker Alhrecht zu Tü- 
bingen ist es gelungen, die Instru- 
mente so herzustellen, dass sie etwa 
Cioldblattelektroskope sind. Besonders 
Fig. 2 dargestellte Form (Schanfelelektrometer). 

Die Elektrometer lassen sieh natürlich leicht auch als 
Entladungselektroskope verwenden. ]IIan setzt zu dem Ende 
Melallslieifcn Fig. ^ in das Innere. Sobald das Elektrometer einen 
gewissen Ausschlag erreicht, d. h. eine gewisse Etektriziliitsnienge aufgi'.nomnien hat, 
giebt es diese au den Metallbaken und damit au die Erde ah; es dient so ald 
ElektrizitSUiähler. 



halb so empfindlich als 
zu empfehlen ist die \» 


Zwölfter Jahrgang. Juni 1892. ReFERATK. 21 3 


Die Instnimente werden in einfacher, aber guter Ausfühning von Herrn Universitats- 
nieclianiker Albreclit in Tübingen geliefert; im Wesentlichen in drei Aichungen von 
etwa bis 1500, bis 4000 und bis 10000 VolL Die ersteren bieten einen Ersatz 
für Goldblattelektroskope. Der Preis eines geaichten Instruments ist 30 Mark, un- 
geaicht (bezw, nur mit ein oder zwei Aichstrichen versehen) 20 Mark. H. H.-M. 

Heber die Eonstraktion von Platinthermometem. 
Voti H. L. Gallen dar. Phil. Mag. V. 32. S. 104. 1891. 

Der Verfasser beschäftigt sich schon eine längere Reilie von Jahren mit der Unter- 
suchung von Thermometern , die auf der Veränderung des elektrischen Widerstandes von 
Platin mit der Temperatur beruhen, und ist dabei nach seinen Angaben zu sehr günstigen 
Kesultaten gelangt. Der Gedanke, auf dieses Prinzip Thermometer, namentlich für höhere 
Temperaturen, also Pyrometer, zu basiren, ist bekanntlich keineswegs neu; indessen 
scheinen die bisher konstniirten Apparate nicht frei von zeitlichen Aendeningen gewesen zu sein. 

Zur Vermeidung dieser Störungen ist es wesentlich, Draht aus reinem Platin zu 
verwenden und denselben vor Deformation und chemischen Einflüssen zu schützen. Sind 
diese beiden Bedingungen erfüllt und bringt man den Draht durch Ausglühen in einen 
weichen Zustand, so soll nach den Angaben von Gallen dar der Widerstand bei der 
gleichen Temperatur stets der gleiche sein. 

Es empfiehlt sich, den Thermometerdraht in eine Röhre einzuschliessen , die ähn- 
liche Dimensionen wie ein gewöhnliches Thermometer besitzt. Handelt es sich um 
Temperaturen von höchstens 700 , so kann das Gefäss aus hartem Glas bestehen; als 
Material für die Zuleitungen zu der Platinspirale mag Kupfer oder Silber dienen. Für 
Temperaturen von 700 bis 1000° lässt sich als Thermometergefäss eine schmiedeeiserne 
Köhre verwenden , am besten ist indessen für hohe Temperaturen eine Hülle aus glasirtem 
Porzellan oder aus Kieselerde, lieber 700° sind Kupfer und Silber zu flüchtig, um als 
Material für die Zuleitungen in Betracht zu kommen. Die entstehenden Metalldämpfe 
würden den Widerstand des Platins stark beeinflussen. Als Isolirmittel ist Glimmer 
allen anderen Stoffen vorzuziehen ; Thon greift das Platin bei diesen hohen Temperaturen 
an. Der Draht wird bifilar auf eine dünne Glimmerscheibe aufgewunden, und die Zu- 
leitungen werden durch Glimmerpfropfen, welche gut in die Röhre passen, isolirt 
hindurchgeführt. 

Zur Widerstandsmessung dient die Methode der Wheatstone'schen Brücke in der 
Weise, dass die Einstellung eines Gleitdrahtes direkt die Temperatur abzulesen gestattet. 
Der Einfluss der Zuleitungen zur Platinspirale wird dadurch in sinnreicher Weise eliminirt, 
dass zwei Paare genau einander gleicher Drähte in das Innere des Thermometergefässes 
führen; der Widerstand des einen Paares, dessen Enden mit der Platinspirale verbunden 
sind, kommt zu dem zu messenden Widerstand hinzu, während sich der Widerstand des 
zweiten Paares zu dem Vergleichswiderstand addirt. Es ist sonach gleichgiltig, welche 
Tem2)eratur die einzelnen Theile der Zuleitungen haben; d. h. diejenige Korrektion, 
die bei Quecksilberthermometern durch den herausragenden Faden bedingt wird , fällt hier fort. 

Zur Reduktion der von dem Platinthermometer angegebenen Temperatur auf das 
Gasthermometer wird eine quadratische Formel mitgetheilt. Der Messbereich des In- 
strumentes liegt zwischen dem absoluten Nullpunkt und etwa 1500 G. Selbst in dem 
Bereiche von 200 bis 450 , in welchem noch Quecksilberthermometer Verwendung finden 
können, zieht Gallendar sein Thermometer vor, da es grössere Konstanz besitze, keine 
Depressionserscheinungen zeige und keine Fadenkorrektion anzubringen sei. Immerhin 
ist der Gebrauch eines auf elektrische Messungen gegründeten Instrumentes für dieses 
Intervall weit umständlicher als der eines gewöhnlichen Thermometers. 

Der Verfasser hat in Gemeinschaft mit Griffiths (The CJiemical Xews. 63. S. 1. 
1891) die Temperatur von gesättigtem Schwefeldampf bei dem Druck einer Atmosphäre 
mit dem Luftthermometer zu 444,63 G bestimmt. Hierdurch ist ein Mittel an die Hand 


214 Neu ebschienene Bücher. ZirwcHRirr rOn Ixbthombhtekkükdk. 


gegeben, die Platintliermometcr für höhere Temperaturen an das Luftthermometer anzu- 
schliessen. Mit Ililfo derart geaichter Platinthermometer finden die Verfaswr mit ver- 
schiedenen Instrumenten sehr gut übereinstimmende Werthe für die in der Mjenden 
Tafel angegebenen Erstarrungstemperaturen von einigen Metallen: 

Zinn 231,7'' 

Wismuth 269,2° 

Cadmium 320,7° 

Blei 327,7° 

Zink 417,6°. Lck. 


Itfeu erscblenene Bueber. 

Technik der Experimentalchemie. Anleitung zur Ausführung chemischer Experimente für 
Lehrer und Studirende sowie zum Selbstunterricht. Von Dr. E. Arendt Zweite 
umgearbeitete Auflage. Leopold Voss, Hamburg und Leipzig 1892. 
Das vorliegende Werk bringt nichts wesentlich Neues, sondern ist eine sehr um- 
fassende und erschöpfende Darstellung alles dessen, was der experimentirende Chemiker, 
zumal derjenige, welcher Vorlesungsversuche anstellen will, für die Ausfuhrung derselben 
nöthig hat. Der erste, der allgemeine Theil des Buches enthält zunächst eine Beschreibung 
der Anlage eines Hörsaales mit Experimentir tisch und Abzug; alsdann folgen ausführliche 
Anleitungen zur Ausführung von Destillation, Filtration, Glüh-, Abdampf-, Trocken- 
operationen aller Art, von einfachen Glasbläserarbeiten und allen den Handgrifien und 
Methoden, welche der Chemiker zu erlernen hat, um die Experimentirkunst zu üben. 
Dabei wird eine grosse Zahl der für die verschiedensten Zwecke vorgeschlagenen Appa- 
rate, soweit sich solche bewährt haben, mehr oder weniger ausführlich besprochen. Im 
zweiten, dem speziellen Theile werden die einzelnen, zumeist Demonstrationszwecken 
dienenden Versuche behandelt; dieselben beziehen sich ausschliesslich auf anorganische 
Chemie. Daneben finden sich auch gelegentlich Anleitungen zur Herstellung von Prä- 
paraten. Anhangsweise ist dem Werk eine Uebersicht beigegeben, aus welcher man sich 
einen Kostenanschlag für Einrichtungen zum chemischen Experimentiren zusammenstellen 
kann. Nicht nur dem Lehrer und dem Studirenden, sondern auch jedem, welcher ge- 
legentlich chemisch arbeiten muss, ohne die dazu nöthigen Erfahrungen zu besitzen, kann 
das vorliegende Buch angelegentlich empfohlen werden. Der Verfasser hat sich bemüht, 
sein Werk auf die Höhe der Zeit zu bringen; er giebt zudem für die einzelnen Ver- 
fahren genaue Anleitungen, wie sie auf langjähriger, gi-ündlicher Erfahrung beruhen, und 
wie sie zum Erfolge führen müssen, unterlässt aber nicht, auf leicht zu begehende Fehler 
und etwaige Gefahren hinzuweisen und zu zeigen, wie solche vermieden werden können. 
Dem Zweck des Buches entspricht sehr die grosse Anzahl von in den Text ge- 
setzten Abbildungen, nahezu 800 an Zahl. Auf Grund seiner vielfachen Vorzüge kann 
dem Werke guter Erfolg gewünscht werden. F, 

Vereins- und Persenennachrlcbten« 

Verein Berliner Mechaniker. 

Der Jahresbericht des Vereins Berliner Mechaniker lässt erkennen, dass der 
Verein trotz mancher ungünstiger äusserer Umstände in seiner Mitgliederzahl nicht zu- 
rückgegangen ist. Im Berichtsjahre wurden die Mitglieder durch 10 Vorträge, theils wissen- 
schaftlichen, theils technischen Inhalts erfreut; 6 industrielle Anlagen wurden gemeinsam 
besichtigt. Der Vermehrung der Vereinsbücherei widmet der Vorstand fortgesetzt sein 
Interesse. Es ist zu hoffen und zu wünschen, dass das ernste, lediglich auf die weitere 
Fachausbildung seiner Mitglieder gerichtete Bestreben des Vei*eins demselben in der 
Zukunft immer mehr Freunde aus den Kreisen der Mechanikergehilfen zuführen wird. 


ZirdUUtjKblg*!«. Jaiiil8»S. 


Patentsctaaa. 

Ertheilte Patente. 


Btktrlsche AistchiHevorricMunfl. Von S. Bergi 



in New-York. Vom 27. Januai 1891. 

Kl. 21. 

Die in dem Rahmen B befestigte AusschsIteTor- 

richtnng kann vermittels dnes TÖbrcnfdnnigen Geetelles h b' 

leicht in einen Glühlampenann A eingefügt werden. Die 

Ausschaltung geschieht durch die Bewegung eines 


Drehstiftes D, auf welchem 
rädchen C (Fig. 3) sich befindet 


AuBSchaltungs- 


ig. 2- Fig. 3. 

Zwelkanmer-TrockanBlemtit Von C. Vogt in Posen. Vom S3. Juni 
1891. Nr. 608G8. Kl. 21. 
*" Bei diesem Trockenelement ist über dum für 

die Elektroden k und i bestimmten Raum eine von diesem durch eine durch- 
löcherte Z vis chcn wand getrennte Abtheilung p angeordnet Diese enthält 
wässerige Phosphorsäure, welche die in dem unteren Baume entstehenden 
Ammoniak dämpfe bindet. 
Ein- und Auuehsltevorrlchtans fSr GlOhlampsn. Von C. Charnock in Karlowa, 

§BusBland. Vom 3. Juli 1891. Kr. 60923. Kl. 21. 
Die Ein- und Ausschaltevorrichtung für Glühlampen wird in der Weise bc- 
thätigt, dasB der am Glockenhals b befestigte Siift a in eine von zwei in ver- 
schiedenen Höhenlngen befindlichen Rasten des Bajonnet verschlusses gedreht wird. 
Hierdurch werden die Löthnngen der Drähte im Gtockenhals mit den Folfedern, 
welche sich im Halter e befinden, in und ausser Berührung gebracht. 
VwrlChtung zur Varh Inder uns des Lockerns von Glühlampen. Von G. Schwarzlose in Breslau. 
Vom 3. Juli 1891. Nr. 6092i. Kl. 21. 

Diese Vorrichtung besteht in einem im oberen Theil U der Fassung 

angebrachten Stift b. Dieser Stift wird durch eine Feder v stets nach unten 

gedrückt, und sein nnteres Ende passt in ein Loch e, welches sich in der Scheibe 

auf dem Boden E befindet. Vermittels eines durch einen Sehlüssel verstellbaren 

Stiftes a wird der Stift b entweder aus dem Loch e gehoben, 

oder in dasselbe eingesenkt. Im letzteren Falle ist dann ein 

Lockern der Glühlampe nicht möglich. 

AblndeniHO an dem dorch Patent Nr. 40119 geschützten Mikropboa. Von Siemens 

& Hai ske in Berlin. Vom 17. April 1891. Nr. G0959. Kl. 21. 

Au dem durch das Hauptpatent geschützten Mikrophon ist die Aendcrung 

getroffen, dass die Seitenflächen des Kohlenkegcls nicht mehr fest, sondern in 

einem Lagci'stück gelagert werden , welches in einer biegsamen, am Rande 

befestigten Scheibe a befindlich ist. Gegen das Lagerstück wirkt mit regelbarem 

Druck die Feder f. 

Verstellbarer Parallelschraubsteck. Von Firma Beritner Gussstahlfabrik und Eisen giesserei Hugo 

Härtung, Aktiengesellschaft in IJerün. Vom 8, April 

1891. Nr. G0682. Kl. 49. 

An Parallel Schraubstöcken ist der Fiihrungszy linder h' 
an dem Untergestell des Schraubstockes in Verbindung imt 
einem auf demselben sich führenden und gegen denselben so- ' 
wohl verdrehbaren wie hochschiebbaren zweiten Zylinder /i an 
der einen Schraubstockbacke angebracht. Der Zylinder ist 
mit radial gerichteten Presssch rauben d ausgerüstet und kann 
sowohl in jeder Winkelstellung, als auch in jeder Höhenlage gegen den Zylinder h' fest- 
geklemmt werden. 

Verfahrea zur Heretslluag von Glimmerplattan flir photographfsche Zwecke. Von 0. Mob in Görlitz. 
Vom 17. Juli 1890. Nr. 61236. Kl. 57. 

Um ein festes Anhaften der lichtempfindlichen Schicht (Brom.silbcrgelatine o. a.) auf den 
Glimmerplatten zu erzielen, werden dieselben vor dem Auftragen der Schicht längere Zeit der 
Einwirkung einer Losung von Chromalaun mit einem Zusatz von Gelatine ausgesetzt. 



KtmcmiFT rCn TtwmTnavrmirwo*. 


.Berlin. Vom 21. Februar 


EinfSnlfleg Sfookitatlv fSr pbotographlache Apparale- Von L. Mcycr 

1891. Nr. 60765. Ki. 57. 

Das Stativ besteht aus einem Stock , der auB zwei ineinanderschiebbareo Böbren zu- 
gamm engesetzt ist. Der obere Theü des inneren Rohres ist gespalten und kann dnrch ein 
Spreizstück auseinander gehalten n-erden. Durch Anlehnen dieses Theiles gegen eineo fest- 
stehenden Körper (Baum n. a. w.) wird das Stativ gebildet. An dem Spreizstück ist eine Platte 
zur Aufstellung der Kamera angebracht. 

Die Konstruktion dürfte kaum einen anderen VorlheÜ als den der Billigkeit haben. 

ThelivorrlchtunB fOr Fr&ieinasohloen. Von A. Gorrmann in Dresden. 
Vom !ö. April 1891. Nr. 60223. Kl, 49. 

Diese auf den Tisch einer Fräsemaschine fest aufschraubbare 
Tiicil Vorrichtung zur Bearbeitung vielkantiger Gegenstände besw. von 
Zahnrädern besitzt ein Schneckengetriebe ef und eine auf der Aie der 
SchneckenwcIIe der letzteren angebrachle auswechselbare Scheibe g. 
Diese trägt auf ihrem Umfange einen oder mehrere Einschnitte, so dass 
ein iu die KiuscLnitte einfallender Arretirstift / ein Vorwärts- oder 
Itücknärtsdrehcn der Scheibe g zulässt, und jede beliebige, bestinimt 
bemessbare Tlieildrehuug des Aulspanntisches d möglich ist 
Verfahren und VorrlchtunB zam Härten ebener oder plattenförmiBer Körper, wie SkaeblStter, Haachlaei- 
messer und dergl. Von Wüster & Co. in Wien. Vom 
29. Mai 1891. Nr. 60964. Kl. 49. 

Um ein Verziehen der zu härtenden Körper durch Ein- 
tauchen derselben in die Märtcflüssigkeit zu vermeiden, werden 
die Körper, während sie iu der Flüssigkeit erkalten , der pressenden 
Wirkung von ebenen Flüchen ausgesetzt. Die hierzu bestimmte 
Vorrichtung besitzt hohle Pressbacken B C, welche mit ebenen 
Seiteuflächen versehen sind, zwischen welchen die zu härtenden 
I die Kühlflüssigkeit eingetaucht worden sinJ, gepreest werden, 
i durch die Pressbacken Kühlwasser geleitet wird. 

Erlcnwcin iu Edenkoben. Vom 23. Jui 




Gegenstände, nachdei 

wobei nährend des Fressens 


i 1891. 


, dass man die Feile e 
r in schnelle Drehung 
c dem Feilcnhieb ent- 


Verrahren lu« Schärfen v«n Feilen. Von J. Erlcnwcin i 
Nr. 60966. Kl. 49. 

Das Verfahren zum Schärfen von Feilen besteht dnrii 

unter Zugabe von Saud oder dergleichen der Einwirkung ein 

gebrachten zylindrischen Bürste aussetzt, deren Büschel t eil 

sprechende schrüge Stellung besitzen. 

Der Elfolg dieser Behandlung dürfte doch wohl frag- 

Eldctrilche Beoenlampe. Von Fr. Cl. Jeukins in Hamburg. 

Vom 5. April 1891. Nr. S1094. Kl. 21. 

Bei dieser elektrischen Bogenlampe wird die Regelung des Licht- 
bogens durch einen vom Strom bewegten Bremsschuh r bewirkt. Derselbe 
wirkt auf das Bremsrad , welches mit dem Schnurrad it fest verbunden ist. 
Beim Abbraiid der Kohlen giebt der Bremsschuh r die Bremsscheibe il frei, 
Ulli] die Kohlen nähern sich in Folge des Uebergewichts des oberen 
Kobicnli alters. Im entgegengesetzten Falle wird das Bremsrad, welches 
um den Punkt l schwingt, durch den Bremsschuh nach oben gedrückt, 
nnd dadurch werden die Kohlen von einander enlfernl. 


1 W. 


L Berlin. Vom 11. Januar 


Zueammtnlegbare pholograpblsche Kamera. 

1891. Nr. Gül9.->. Kl. 57. 

Die Zueammcnlegbarkcit der Kamera wird dadurch ermögliclit, dass die Iliulerwand und 
das Objektivbrett mit einer starren Scilenwand durch Scharniere verbunden sind, die drei 
übrigen Seiten jedoch aus lichtdiehtem Tuch gebildet werden. 

Die Kassette für dic»e Kamera ist mit einem Doppelscliiebcr versehen, bei dessen Ein- 
schieben die hinterste der lichtempfindlichen Platten von der hinteren Schieberplatte in einen 
Wechselsack übergefdhrt wird, während die vordere Schicberplatte die vordere lichtempfindliche 
rialfe von dem Kameraraum abschliesst 


ZwBLflR JihrguiK. JddE 1BB2. 


Mai 1891. Nr. 


VifrioMung lur Verbindung Isolirtar elektrlsohtr UHungBitrUite. Von M. 
Vom 31. Juli 1891. Nr. 61078. KI. 21. 
L>io von der Isolatiou nicht befreiten Enden der zu verbindenden 
Drähte werden in die Bohrungen der metallenen Hülae A, ivelche sie 
ganz ausfüllen, eingeführt. Aladann werden die mit, der Vertiefung b 
Terscheoea SchraubcD a, deren Spitzen so ausgeführt sind, dass sie 
die Isolation durchschneiden, festgezogen, so dass die Spitzen der Schrauben i 
TÜhrung mit dem Draht kommen. 

Etaktrl8Gh«r Samaler. Von G. A. Washburu iu Cleveland, V. St. A. 
60844. Kl. 21. 

Bei diesem Sammler wird das Zerspringen des durchlässigen 
Gefaases D dadurch vermieden, dass ein flaches Eohr 7'' zwischen den 
positiven Elektroden e angeordnet und mechanisch mit diesen verbunden 
ist, sodass es bei Ansdebnutig der Elelitrnden zusammengedruckt wird. 
TrackeiMlement. Von der Chemnitzer Haustet egraphen-, Telephon- und 
Blitzableiter-Bauanstalt A. A. Thranitz in 
Chemnitz. Vom ll.Junil891. Nr.60848. Kl. 21. 
Bei diesem Zink -Kohle-Trockenelement ist der Kohlenstab 
Braunsteinringen r (Fig. 1) und mit Aussparungen e versebenen 
Pappringen j- \/ (.Fig. 2) zusammengesetzte Säule eingestellt. So 
wird die wirksame Ober6äche vergrössert, während die Aus- 
spurungen Kammern zur Aufnahme des sich bildenden Wassers 
darstellen. 

Varscblossenis galvanisches Elensnt zar Enougung glsiidibielbender eleklrlsoher 
■^. Ströme. Von W. Wensky in Berlin. Vom 25. November 1890. Nr. 
60860. Kl. 21. 

Das Element besteht aus den beiden becherförmigen Behältern Bund ß, 

von denen der eine zur Aufnahme des Depolarisationsmittels , der andere unter 

durchlocblen Zinkplatte A als Reserrcraum für die „ 

sich ausdehnende Flüssigkeit dient. Ein Metall staubfil ter F verhindert 

im Verein mit mehreren Filz- nnd Shirting- , 

Scheiben EED das Absetzen des positiv 

Metallea an der Anode. 

f"B- 1- Von den beistehenden Figuren zeigt Fig. 1 '^'i- *■ 

das Element in zusammengesetztem, Fig. 2 in auseinander genommenem Zustande. A'und Jaiad 

Gummiringe, die zum Abschluss dienen. 

Mikrephongflbftr. VonS.L.Wiegand inPhiladelphia. Vom 17. September 1890. Nr.60996 .K1.21. 

Der Mikrophongeber hat eine freie Elektrode, welche durch Lagerung 
auf einer geneigten Ebene oder durch Federkraft sich gegen eine zweite mit 
der Schallplatte verbundene Elektrode lehnt, in der Weise, dass beim Vor- 
wärtsgang der Schallplatte die Elektrode derselben sich von der freien 
Elektrode entfernt. 

■essvorrlchtung zur Bestimmung des Augeibreohtu Standes mit der Sohattenprobe 

ohne Rechnung. Von A. Roth in Berlin. Vom 24. März 1891. 

Nr. 60658. Kl. 42. 

Bei der Bestimmung des Angenbrechzustandes mit der Schattenprobe 
(Skiaskopie) wird die unmittelbare Ablesung des Brechzuatandes, ohne vor- 
herige Rechnung, durch ein Measband ermöglicht, das in verschiedenfarbige Längsstreifea ab- 
getheilt ist, von denen jeder ein besonderes Messband für je eine bestimmte Unse darstellt. 
Diese Linsen sind in einem drehbaren Stern am Ende des Messbandes befestigt und besitzen 
Fassungen, die dieselben Farben haben wie die zugehörigen Messbandstreifen. 

Die MessTorricfatung wird in folgender Weise benutzt. Man stellt eines der Gläser vor 
das zu untersuchende Auge und sucht einen S chatte nwechaelpunkt zu finden. Ergiebt sicli kün 
solcher, so versucht man es mit einem andern Glas. Ist ein Schatten Wechselpunkt gefunden, so 
wird das Measband festgestellt und man liest auf demjenigen Messband-Längastreifen, welcher 
die Farbe der benutzten Linse trägt, das Ergebniss ab. 


Unterlegung e. 



Vom G. AwguBt 1891. 


Rtibuigalwppalung nr eMifrisolia BogenlaHpM. Von Jos. Jergle in Wien. Vom 21. Januar 
1891. Nr. 60785. Kt. 21. 

Bei dieser Beibungskuppelung fiir elektrische Bogenlampen 
wird die Bewegung des Ankers eines mit Selbstnnterbrechung arbeitenden 
Elektromagneten anf den VoTschubmechanismiis der Kohlen übertragen. 
Dies geschieht dadurch, dass aich zwischen eine mit dem Vorachnb- 
mechanismuB verbundene Scheibe t und den Elektro magaetanker ein 
anter Federdnick stehender Retbungskörper r legt, welcher die Scheibe ( 
heim Rückgang des Ankers mitnimmt. Die Bückdrehung der Scheibe t 
wird durch einen gleichfalls unter Federdnick stehenden ßeibungs- 
körper i, welcher sich gegen den festen Ansatz m legt, verhindert. 

eiDhlupenhatter. Von Ad. Uhlmann in Paris. 
Nr. 608M. Kl. 2i. 
Dieser Giühlampenh alter mit Edisou-Gewinde besteht aus einer mit 
Gewinde versehenen Mctallbülse C, welche mittels einer hohlen Schraube S 
am Boden einer Umhüllung A festgeklemmt ist. Die Metallhülse iat 
durch vier Scheiben D E H F yan der Umhüllung A isolirt. 

Der Zuleitungsdraht A' ist mit seinem blanken Ende zwischen die 
Isolirscheibe L und die Metallscheibe 0, welche mit der Metallhülse C in 
leitender Verbindung steht, geklemmt. Das blanke Ende der Zuleitung J 
ist durch die Isolirscheiben :V und L festgehalten und sieht mit dem 
Metallstück M, welches nach oben umgebogen ist, in leitender Verbindung. 
Vorriohtung an photographisoher Kanera zun Wechseln der Platten. Von L. Schale in Dresden. 
Vom 7. Juli 1891. Nr. G0776. Kl- 57. 

Die von den Federn l getragene letzte Platte gelangt beim Einführen 
einer Platte durch den Schlitz / aus dem Bereich der Federn b über die 
Oe&hung e und fällt durch diese in den unter der Kamera angebrachten 
Beutel g. Aus letzterem wird sie mit der Hand durcli den Schlitz f zwischen 
die Federn }/ und die vordere Platte und dann zwischen diese und die aclirägen 


Leisten i' eingeschobi 



triebes r : zu 
Kulisse t erzielt. 


mit ihrer nntereu Kante auf dem Kamera- 
boden steht, gegen den sie von der 

Feder k angedrückt wird. Während des 

Einschiebens wird die jetzt letzte Platte 

von der Feder l frei und fällt in den 

Beutel g. 

FräsevorrlohtungzurHerBtellung von Spiral- 
bohrern mit zunchnender Steigung der 
Bohrsuten. Von der Nähmaschinen- 
Fabrik vorm- Friater&Ros smanu, 
Aktiengesellschaft in Bertin. Vom 23. Januar 1891. 
Nr. 60079. Kl. 49. 
Bei dieser Vorrichtung wird die veränderliche Drehung 

des zu fräsenden Arbeitsstückes mittels eines Zahnstangen- 
und einer nach Belieben ein- oder feststdlbaren 


rar die VTerkstatt. 

Einfache nnd doppelte oder entiastete Kuonenbohrer nach CR eiche I. Mitgetheilt von K. Friedrich. 
Zur Erzeugung von zylindrischen Löchern, die im Verhältniss zu ihrem Durchmesser 
eine sehr grosse Länge besitzen, sodass man sie in Folge der Schwücbe der hierfür nothwendigen 
AusdrehstSfale und der Schwierigkeit, sie auszumessen, nicht korrekt ausdrehen kann, verwendet 
der Mechaniker vortheilhaft den sogenannten Kaiioneubohrer. Dieser besteht bekanntlich aua 
einem ganz achwachen Konus (s. die Figuren 1 und 2), der seinen grössten Durchmesaer an der 
vorderen schneidenden Kante AB hat und bis genau au seiue Axe zur Hälfte eben abgefeilt ist 
Die Veijüngung ist nothweudig, damit nur die Schneide beim Bohreu arbeitet und am hinteren 
Theile kein Drängen eintreten kann, wodurch die von der Schneide schon bearbeitete Fläche 


Zwölfter Jahrgang. Jant 1892. FÜB DIE WERKSTATT. 219 




zerrissen würde; die genaue Lage der Fläche C in der Axe des Bohrers ist Bedingung, um das 
Einhaken des Werkzeuges in die Zylinderfläche zu vermeiden. Dieses Einhaken entsteht dadurch, 
dass der durch Ausdrehen mit dem Supportstahle auf ein 
kurzes Stück eingepasstc Kanonenbohrer, der bei fortschrei- 
tender Arbeit in dieser Einpassung seine Führung findet, sich 
mit seiner Mantelfläche bei BD gegen die Wandung des er- 
zeugten Loches stützt, hier eine starke Reibung und ein ^j ^ 
Drängen erfahrt und, dadurch von seiner Bahn abgelenkt, 
mit der Schneidekante in die Wandung eindringt. Die Kraft, mit welcher sich der Bohrer gegen 
die Lochwandung stützt und damit die Reibung, nimmt, wie leicht ersichtlich, zu, sobald die 
Fläche C ausserhalb der Axe liegt, die Schneide also ungünstiger wirkt. Der schwache Konus, 
der etwa seinen doppelten Durchmesser zur Länge hat, besitzt ausserdem bei AD eine von Reichel 
angegebene, sich nach hinten erstreckende ebene oder hohle Fläche, welche zu der in ^ an den 
Halbkreis des Querschnittes gedachten Normalen einen Winkel von etwa 10°, den sogenannten 
Anstellungswinkel der Drehstähle, bildet. Diese Fläche ist vielfach an den Bohrern nicht vor- 
handen und dennoch unbedingt nothwendig, wenn mau ein glattes Loch erzielen will, da erst 
durch sie der das Eindringen in das Material ermöglichende Keilwinkel geschaffen wird. Bleibt 
nämlich der Konus an dieser Stelle voll stehen, so pressen sich, falls der Bohrer überhaupt 
schneidet, bei der wenn auch geringen, aber unvermeidlichen Abnutzung der Schneidekante Spähne 
in die Lücke und werden durch Keilwirkung in die bearbeitete Fläche hineingedrängt. 

Wenn man auch mit dem nach allen Regeln der Kunst und Erfahrung hergestellten 
Kanonenbohrer bei vorsichtiger Handhabung glatte Löcher erzielt, so hat er doch noch einen 
Nachtheil, die starke einseitige Belastung seiner Axe, die das Drängen verursacht und ihn für ganz 
feine Arbeiten nicht geeignet erscheinen lässt. Um diesem Uebelstande abzuhelfen, hat Reichel 
zwei einfache Kanonenbohrer in der Art kombinirt, wie es 
Fig 2 zeigt Die Flächen A D und A' D' haben dieselbe 
Neigung wie an dem einfachen Werkzeug; die Schneiden AB 
und A'B' liegen in der Axe; die Form lässt sich wohl durch 
Feilen, leichter und korrekter jedoch mit der in den meisten 
Werkstätten gebräuchlichen Fräsevorrichtung auf der Dreh- 
bank erzeugen. Bei dieser Anordnung werden die Punkte A und A\ vorausgesetzt dass ihre 
Verbindungslinie genau in der Umdrehungsaxe des Werkzeuges liegt, gleichmässig und die Axe 
nicht auf Durchbiegung, wie beim einfachen Kanonenbohrer, sondern höchstens auf Torsion 
beansprucht. Dadurch ist jede schädliche Einwirkung auf die schon erzeugte Bohrung vermieden. 
Indessen muss man auch in anderer Hinsicht dieses W^erkzeug mit aller Vorsicht anwenden, um 
nicht zu Fehlem zu gelangen , die man gar zu gern auf die Konstruktion des Bohrers zu schieben 
geneigt ist, während sie in der falschen Handhabung begründet sind. Um nämlich ein vollkommen 
zylindrisches Loch zu erzielen, ist es unumgänglich nothwendig, dass die Axen der Arbeitsspindel, 
des Kanonenbohrers und der die axiale Feststellung besorgenden Pinole in einer geraden Linie 
liegen, was durch Ausrichtung der letzteren leicht erreicht werden kann. Sind diese Bedingungen 
nicht erfüllt, so wird man stets konische Löcher erhalten. 

Wie schon der einfache Kanonenbohrer nur zum Nachbohren eines bereits mit gewöhn- 
lichem Dach- oder amerikanischem Bohrer vorgearbeiteten Loches Anwendung finden kann, so 
ebenfalls der entlastete. Man wird mit dem letzteren zweckmässig nur Spahne bis zu einem 
halben Millimeter foi*tnehmen und ihn überhaupt nur da anwenden, wo es sich um ganz feine Arbeiten 
handelt. So hat er sich bei der Herstellung von Mikroskopröhren aus vollem sogenanntem 
„Maschinenstahl'' gut bewährt; eine Nacharbeit etwa durch Schleifen war durchaus unnöthig. 

Reicher8 Zylinderfutter und Zylinderwinkel. Mitgetheilt von K. Friedrich. 

Wenn es sich darum handelt, zwei Flächen eben und zu einander rechtwinklig her- 
zustellen, und hohe Anforderungen an die koiTckte Form der Ebenen und Genauigkeit des 
rechten Winkels gestellt werden, wird man die Arbeit nicht mehr durch Feilen bewerkstelligen. 
Wenn auch besonders ältere Mechaniker mit grosser Korrektheit feilen können, so ist doch das 
Feilen an sich eine empirische und von vielen Zufälligkeiten (Güte der Feilen, Stabilität 
des Schraubstockes u. s. w.) abhängige Arbeit und man wird genöthigt sein, gegebenen 
Falles andere unbedingt und schneller zum Ziele führende Arbeitsmethoden einzuschlagen. 
Solche sind das Hobeln, das Fräsen und im Besonderen diejenige Art des Fräsens, die man in 
der Werkstattsprache ,. Abschlagen mit einem Zahn^ nennt. Zu den beiden ereten Arten gehören 


PÖH L 


besondere Hobel- und FräBemoschiiieu , zu der letzterco ein Hijhensupport, Vorrichtungen, die in 
vielen kleineren Werkstätten nicht vorbanden sind, und, was besonders die einfachen Hohen- 
supports, die auf den Krenzschlitten des gewöhnlichen Supports gesetzt nerdcn, anbetrifft, sich 
nicht gilt rentiren, da sie eine nur wenig ausgedehnte Verwendung zulfissen. 

An Stelle dieser Einrichtungen verwendet Herr C. Keichel seit langen Jahren lÖir 
kleinere Arbeiten ein sogenanntes Zylinderfutter, mit welchem die erwähnten Arbeiten durch 
Anwendung der gewöhnlichen Seh neide Werkzeuge auf der Drehbank bewerkstelligt werden. Dies 
ist ein unvermittelt anf das Spindel gewin de der Drehbank zu schraubendes Futter aus dichtem 
GusseiBCii von nebenstehender Form, dessen Länge A B vom Gewindennsatz gerechnet 16 cm und 
dessen Durchmesser Ü D Vi cm beträgt. Stirn- und Zylinderflächen sind möglichst korrekt gedreht; 
parallel zur Umdrehungsaxe sind, 180° einander gegenüber, ebene Flächen angefrast oder an- 
gehobelt, die eine Anzahl Schraube nlöch er verschiedener Grösse enthalten, um das Anklemmen 
der zu bearbeitenden Stucke mittels üeberwurf und Klemmschraube zu 
erm()glichen. Die Schraubenlucher dürfen nicht zu zahlreich voriiandun 
sein, da sie sonst die Festigkeit verringern, und können zweckmässig 
symmetrisch angeordnet werden. In den meisten Fällen reicht schon 
eine der Axe parallele Flache für vielseitige Verwendung aus, sodass 
man die Festigkeit des Futters, von der ja die Korrektheit der Arbeit 
in erster Linie abhängig ist, noch durch Verrippnng um ein Bedeutendes 
erhöhen kann, wie in der Figur angedeutet ist. 

Mit diesem Futter können einfache Stirnflächen, unter einander 
parallele Stirnflächen, Zylindersegmente u. v. A. bequem, schnell und 
genau gedreht werden. Die Ausrichtung der Stücke geschieht zweck- 
mässig mit der Aufsatz- oder rechtwinkligen Libelle nach dem Umlege- 
verfahren, (worüber ein späterer Aufsatz eingehende Mi ttheiluug bringen wird,) oder durch Visiren 
nach den Drehbankswangen unter Zuhilfenahme eines guten Lineals oder Anschlagwinkels. 

In ähnlicher Weise gebraucht Reich el, auf Anregung Steinheil'a, den Zylinder als Winkel, 
da auf einer guten Drehbank die Zylinderform und die zur Zylindernie normal liegeude Fläche sich 
mit leichter Mühe genau herstellen lassen. Zweckmässig werden zwei rechtwinklig zu einander und 
der Zylinderaie parallel liegende ebene Flächen angefrast, so zwar, dass sie sich nicht in einer 
scharfen Kante schneiden, soudem ein kleines Stuck Zyliudcrfläche stehen lassen, welche Gewähr 
für die Korrektheit des rechten Winkele bildet. Für Einhaltung bestimmter spitzer oder stumpfer 
Winkel, z- B. bei der Anfertigung von Schneide Werkzeugen richtiger Form, lassen sich dem- 
entsprechend Kegel verwenden, die man entweder allein oder in Verbindung mit einer Planplatte 
benutzen kann. 

Interessant ist auch die in der Iteichel'schen Werkstatt übliche Anwendung von Keil 
und Kegel zum Messen uud Vergleichen, wozu man ihnen schwache Winkel giebt und ihre Ver- 
hältnisse, Länge und die Grösse der Basis ausmittelt, was leicht und genau zu erreichen ist 
Man kann mit diesen Hilfsmitteln, z. B. mit dem Messkcgel, genaue Passungen von konischen 
Aien ausführen, vielleicht eine neue Hülse zu einem vorhandenen, aber aus irgend welchen 
Gründen nicht zur direkten Verfügung stehenden Konus herstellen, indem man den Messkegel 
einmal in die weitere Oeffnung und dann in die engere ateckt, beide Stellungen durch Markirung 
an ihm selbst anmerkt und die herzustellende Hülse so ausdreht, dass der Messkegel mit den 
entsprechenden Marken in die weitere bezw. engere Oeffnung passt. Bedingung für das vollkommene 
Fassen einer auf diese Weise hergestellten Axe ist natürlich die Beinhut der konischen Form, 
welche dadurch erhalten wird, daas die Spindelaxe der Drehbank und die Fortbewegungsnchtnng 
des Schneide Werkzeuges in einer Ebene liegen und die letztere geradlinig ist. Die Anbringung 
der Marken geschieht zweckmässig in der Weise, dass man die zur Beriihmng gelangenden 
Stellen des Measkegels fein mit Rusa oder Finkertsblau einreibt, durch Drehen in den Oefiiiungen 
au der passenden Stelle die Schicht wegreibt und dadurch einen blanken Kreis erzeugt Misst man 
die Entfernung der auf diese Weise erzeugten Marken zweier verschiedeneu OeShuDgen, so kann 
man mit Leichtigkeit aus den Abmessungen des Kegels ihre Grössen differenz und den Winkel des 
ihnen zugehörigen Konus bestimmen. Auf diese Art hat Herr Reichel selbst eine konische Aie 
sn einer vorhandenen Hülse gewiss ermaassen auf eine weite Entfernung passend gemacht. 


Zeitschrift für Instriimentenkimde. 

Bedaktions ^Kuratorium : 
Geh. Rcg.-R. Prof. Dr. H. Landolt, H« Haengcli^ Direktor Dr. L. Loewenlien, 

▼ or»Ua«Bd«r. BeUitaar. ««hrirtrfllirar. 


Redaktion: Dr. A. Westphal in Berlin. 


Xn. Jahrgang. Juli 1893. Siebentes Heft. 


Ueber einige neuere Waagenkonstruktionen der Firma J. Nemetz 

in Wien. 

Von 
B. Pensky in Halenaee bei Berlin. 

In Nachstehendem sollen einige neuere Hilfseinrichtungen an Waagen, wie 
sie von der Firma Josef Nemetz in Wien hergestellt werden, besprochen und 
deren Verwendbarkeit für Waagen zu chemischem und technischem Gebrauch, im 
Vergleich zu ähnlichen Einrichtungen anderer Konstrukteure, erörtert werden. 
Diese Neuerungen beziehen sich besonders auf die Einrichtungen zur Verschiebung 
der Reitergewichte, zur Auflegung von Zulagegewichten, zur Veränderung der 
Empfindlichkeit und zur Arretirung von Balken und Schalen. 

1. Patent -Reiterverschiebung. 

Die für die Verschiebung der Reitergewichte meist üblichen Einrichtungen 
bestehen in ihrer einfachsten Ausführung aus einem, eine Seitenwand des Umschluss- 
gehäuses der Waage durchsetzenden, parallel zum Balken längs einer Führung 
verschiebbaren Stabe, durch dessen Drehung einem mit einem Fangstift ausge- 
rüsteten Arme Winkelbewegungen ertheilt werden; mittels der letzteren setzt der 
Fangstift das von ihm erfasste Reitergewicht auf den getheilten Balken nieder, 
bezw, hebt es von ihm ab. Vielfach sind Abänderungen dieser Einrichtung dahin 
getroffen worden, dass die Bogenbewegung des Fangstiftes in eine geradlinig 
auf- und abgehende verwandelt wird, wozu meist eine der vielen Gelenkgerad- 
führungen dient. Allen Einrichtungen dieser Art ist es gemeinsam, dass die Hand- 
habung von der Seite her erfolgen muss. Dies ist in dreifacher Beziehung als 
ein Uebelstand anzusehen. Einmal ist die Handhabung unbequem, namentlich bei 
grösseren Waagen, bei denen der Beobachter oft seine Stellung wechseln muss. 
Zudem wird eine genaue Hinführung des Reiters bis zur gewünschten Stelle des 
Balkens besonders dann schwierig, wenn das geringste Ecken der meist sehr 
einfach hergestellten Führung eintritt. Sodann erfordern diese Einrichtungen einen 
freien Raum zur Seite der Waage, gestatten also nicht eine Ausnützung des Raumes, 
wie sie oft in beschränkten Lokalitäten erwünscht ist. Endlich bewirkt die häufige 
einseitige Annäherung der Hand durch Beeinflussung der Temperatur Störungen 
der Wägung, welche Ursache gröberer Fehler werden kann. 

Diese Einwände sind bei der von Nemetz eingeführten Patent-Reiterver- 
schiebung vermieden, indem dieselbe von der Vorderseite des Kastens her be- 
thätigt wird. Die Eimrichtung beruht auf der Anwendung einer zum Balken 
parallelen, von zwei prismatisch gehobelten Metallschienen SS (Fig. 1 a. f. S.) ge- 
bildeten Führung, welche in dem unteren Theil des Waagengehäuses angebracht ist. 

Zwischen den Schienen läuft mittels dreier Rollen ein Wagen W aus Metall, 

18 



Pxstn, NeMbtz'bchk WaaSiS. Ziiraciniirr rC* IttrmmiTKtKuwoB. 

wciclier an einem nach hinten ragenden Fortsatze eine hohle Säule Ä trftgt, die 
dorch einen Schlitz in der Bodenfläche des Kastens hindarch ragt. Innerhalb 
der Säule A und mittels des Exzenters E auf 
und ah heweglich wird ein Stift s geführt, 
welcher nahe seinem oberen Ende einen durch 
einen Schlitz der Säulenwand nach vorn ragen- 
den Arm a trägt. Dieser ist mit einem beider- 
seits hervortretenden Stift zum Greifen des 
Reitergewichtes versehen. Die Handhabung 
ist, wie leicht ersichtlich, äusserst bequem. Man 
führt den leicht und sicher verschiebbaren 
Schlitten mittels des nach vorn herausragenden 
Exzenter knöpf es A' ohne Drehung des letzteren 
so weit seitwärts, dass das Reitergewicht über 
derjenigen Stelle des Balkens sirh befindet, 
an welche der Reifer gehängt werden soll, 
und senkt alsdann den Arm a durch Drehung 
^'«- 1- des Exzenterknopf es K. Ein Ecken der Wagen- 

führung ist bei solider Ausführung ganz ausgeschlossen und es darf die Ein- 
richtung um so mehr recht zweckmiissig genannt werden, als sie eine Manipulation 
vereinfacht, welche bei fast jeder chemischen und technischen Wägung mit 
Vortbeil Anwendung finden kann.'} 

2. Einrichtungen zur Auflegung von Zulagegewichten. 
Das Austariren der zu wjigenden Körper bis zu der Grenze, innerhalb 
deren Reitergewicbte und Skale zur Ermittlung der letzten Gewichtsunterschiede 
verwendet werden, geschah frülier Hllgemein durch Auflegen der gewöhnlichen 
Gewichtssätzen entnommenen Gewichte mit einer Pinzette. Es ist dies ein ziem- 
lich zeitraubendes Versuchsverfahren und bringt durch die häufige Einführung 
der Hand in den Waagekasten Störungen der Wägnng mit sich. Ein Theil dieser 
letzteren Uebelsfände wird vermieden bei Anwendung der in dieser Zeitschrift 1887 
S. 4l3 beschriebenen Arzberger'schen Pinzette, welche das Auflegen kleinerer 
Gewichte ohne Oefl"nung des Waagekastens gestattet. Immerhin wird vor jeder 
Gewichtszulage von Hand eine Arretirung der Waage erforderlich. Die weitere 
Durchbildung solcher Einrichtungen, welche das Auflegen von Zulagegewichten 
mechanisch bewirken, wurde zum BcdUrfniss, als die Anwendung von Waagen 
zur Wägung unter vollkommenem Luftabschluss eine erhöhte Bedeutung gewann 
und wir haben hier die bezüglichen Einrichtungen von Bunge,') Stückrath*) 
und Kruspcr*) für Vakuumwaagen zu erwähnen. Bei ihrer Verwendung kommt 
es darauf an, Steigerungen der Belastung von Miüigramm zu Milligramm bewirken 
zu können. Rücksichten auf die Handhabung der dazu dienenden Organe aus der 
Entfernung und Raumverhältnissc machen es hier meist erforderlich, dieser Aufgabe 

') Vergl. hierüber: Schwirbns, Ueber den Hau vad Gchrauch u-itmimcliaftHcher Waagtn. 
niete ZätKhrift 1887. S. 41. 

') Bericht über die wisse nxdiaftlichen Iiislrumentc auf der londoner Aiisslelluiig; 187fi. 

*) Bcriclit über «lie wissenschnfll. Instrumente auf der llcrlinerGewcTbe-Aasstcllung 1879. 

»} Diae Zeibcla-ift 1880. S. «vi. Die betreffende Waage ist ebenfalls von Jos. Nemets 
in Wien auege führt worden. 


ZwttlflOT JfthrgaBr. Jali 1892. Penskt, NBinsTZ*8CRB Waaobii. 223 


mit einer möglichst geringen Zahl von Zulagegewichten zu genügen. Es sei hier auf 
die bezüglichen Erörterungen von Schwirkus (diese Zeitschr. 1887 S, 83) hingewiesen. 
Bei diesen feinsten Arbeiten kommt die aufgewendete Zeit nicht in Frage. Da- 
gegen ist für chemischen und technischen Gebrauch möglichste Zeitersparniss eine 
wesentliche Bedingung. In dieser Beziehung leisten Einrichtungen sehr gute 
Dienste, welche die Ausgleichung durch Zulagen innerhalb der Unterabstufungen 
des Gramm systematisch in kurzer Zeit vorzunehmen gestatten. Zwar hat man 
auch Einrichtungen geschaffen, durch welche sämmtliche, auch die grösseren Ge- 
wichte ohne Oeflhung des Kastens aufgesetzt werden. Eine solche Einrichtung 
ist z. B. von Betting in Kassel hergestellt und in dieser Zeitschrift 1889 S. 480 
erwähnt worden.^) Bei ihr sind die Gewichte im Waagengehäuse übereinander 
angeordnet. Die Gewichtsschale wird durch ein Gehänge gebildet, an welchem 
für jedes Gewichtsstück eine besondere kleine Plattform in der nämlichen Höhe 
vorgesehen ist, in welcher das Gewicht seine Aufstellung findet, wenn es ab- 
gehoben und an seinen Ruheplatz gestellt wird. So bequem jedoch derartige 
Einrichtungen auch sein mögen, tragen sie zur Beschleunigung der Wägungsarbeit 
verhältnissmässig wenig bei, da die mit dem Aufsetzen der grösseren Gewichts- 
stücke verbundenen Stösse vor jeder neuen Aufsetzung ein vollkommenes Arretiren 
der Waage erforderlich machen. Dies ist bei feinsten Wägungen allerdings über- 
haupt nicht zu umgehen, auch wenn es sich nur um die Zulage von kleinen 
Gewichten handelt. Für chemische und technische Wägungen aber kann es beim 
Vorhandensein geeigneter Einrichtungen, die gröbere Stösse unter allen Umständen 
ausschliessen, wohl zulässig sein, der nicht arretirten Waage die kleineren Zulage- 
gewichte zuzuführen. 

Die zum Auflegen von kleineren Gewichten bestimmten Einrichtungen lassen 
sich bezüglich ihrer Konstruktion in zwei Hauptgattungen theilen. Bei der einen 
werden die Gewichte mittels eines gemeinsamen Organes nach Belieben von ihrem 
Ruheplatz entnommen und der Belastung der Waage hinzugefügt, bei der anderen 
ist für jedes Gewicht ein besonderes Organ vorhanden, welches dem Gewicht 
während der Nichtbenutzung zugleich als Ruheplatz dient. 

Zu der ersteren Art gehört die Einrichtung an der Vakuumwaage von 
Bunge^). Bei ihr werden durch einen um die Mittelsäule der Waage drehbaren 
und längs derselben auf- und abbeweglichen Arm, den Löffel, stabförmige Gewichte 
von ihrem als Ruheplatz dienenden Register abgehoben und auf eines der mit 
den Schalenbügeln verbundenen Register abgelegt. Von den für chemische Waagen 
getroffenen hierher gehörenden Anordnungen entspricht dieser Konstruktionsgattung 
eine Einrichtung, welche der älteren üblichen Reiterverschiebung ganz ähnlich ist 
und bei welcher mittels des an der dreh- und verschiebbaren Stange sitzenden 
Armes die reiterförmigen Gewichte von einem im Waagekasten befestigten ge- 
kerbten Lineal abgehoben und auf ein entsprechendes am Schalengehänge be- 
festigtes Lineal übertragen werden. Beiden Einrichtungen ist es gemeinsam, dass 
das Auflegen eines bestimmten Gewichtes eine bestimmte Stellung des Umsetzungs- 
armes erfordert und deshalb die Handhabung sehr subtil ist. Immerhin ist die 
der Reiterverschiebung nachgebildete Einrichtung, da sie aus nächster Nähe ge- 
handhabt wird, mit Nutzen verwendbar. 

1) Auch Th. Herzberg (in Firma Paul Bunge's Nachfolger) stellt solche Ein- 
richtungen her. 

^ Bericht über die wissenschaftl. Instrumente auf der Londoner Ausstellung 1876. S. 228. 

18* 

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224 Penskt, NnoETZ^BCin Waaobm. ZirrecHBirr »Om InrxuMi 

Die der zweiten Konstruktionsgattung zugehörenden Einrichtungen lassen 
sich in zwei Arten unterscheiden^ nämlich: 

a) solche, bei denen fttr jeden Gewichtsträger ein besonderer Bewegungs- 

mechanismus und 

b) solche 9 bei denen nur ein Bewegungsmechanismus für alle Gewichts- 

träger vorhanden ist. 

Die letzteren scheiden sich in zwei Klassen , je nachdem der Bewegungs- 
mechanismus die einzelnen Gewichtsträger gleichzeitig oder einen nach dem an- 
deren beeinflusst 

Einen besonderen Bewegungsmechanismus für jeden der Gewichtsträger 
weist nun eine Einrichtung an chemischen Waagen von Nemetz auf, bei welcher 
vom am Waagenkasten fllr die Gewichte zu 0,01; 0,01; 0,02; 0,05; 0,1; 0,1; 0,2; 
0,5 je ein Knopf vorgesehen ist, durch dessen Bewegung der betreffende Gewichts- 
träger gesenkt und das Gewicht angehängt wird. Hierher gehört auch eine Ein- 
richtung von Stückrath, bei welcher die Gewichte am unteren klauenartig auf- 
gebogenen Ende von vertikal in der Decke des Waagenkastens beweglichen 
Schiebern hängen und durch blosses Hinabdrücken der Knöpfe der letzteren aut 
einem am Gehänge befindlichen Lineal abgesetzt werden. Die Einrichtung ist 
einfach, aber nur für kleine Waagen hinreichend Jbequem. 

Einen gemeinsamen Bewegungsmechanismus für alle Gewichtsträger, welcher 
diejenigen von ihnen gleichzeitig beeinflusst, die überhaupt bewegt werden 
sollen, weist die von Stückrath an Vakuum- und anderen Waagen ausgeführte 
Einrichtung^) auf. Das Aufsetzen der Zulagegewichte erfolgt hier nämlich zu- 
gleich mit dem Lösen der Waagenarretirung. Die Auswahl der aufzusetzenden 
Gewichte ist davon völlig getrennt, indem vor dem Lösen der Waagenarretirung 
die Verriegelung für diejenigen Gewichtsträger aufgehoben wird, deren Gewichte 
sich senken und aufgelegt werden sollen. Hier wird also die Auswahl der 
Gewichte und ihre Aufsetzung durch zwei ganz getrennte Operationen bewirkt. 
Im Gegensatz hierzu wird bei zwei von Nemetz hergestellten Einrichtungen durch 
fortgesetzte Drehung einer Handhabe die nacheinanderfolgende Aufsetzung von 
Gewichten einer aus Stücken von gleichem Gewichtswerth bestehenden Reihe 
bewirkt. Die eine davon entspricht ganz der bei der Vakuumwaage von 
Kruspir angewendeten Einrichtung^. Bei ihr werden durch Drehung einer mit 
unrunden Hebescheiben ausgestatteten Welle nacheinander Arme gesenkt, welche 
einzeln nebeneinander am Waagen gesteil gelagert sind, und 
dabei die T förmigen Gewichte an ein am Schalengehänge 

/f\^ befestigtes Lineal gehängt. Die andere neuer- 

j/ ^\ dings von Nemetz konstruirte Einrichtung 

berulit auf der Verwendung reiterförmiger 
Gewichte von der Form der Figur 2. Diese 

^'^fs-^- hängen an mit Nuten versehenen Stiften, ^*«*^- 

welche in den Armen eines sternförmigen Rades, Figur 3, parallel zur Rad- 
axe befestigt sind. Diese Stifte befinden sich in der gleichen Entfernung 
von der Axe, sind aber von verschiedener Länge, so dass die Projektionen 
der daran hängenden Reitergewichte auf die Richtung der Axe nebeneinander 

*) Siehe Löwenherz, Bericht über die Wissenschaft!. Instruinente auf der Berliner öewerbe- 
Ausstellung 1889. S. 186, 

2) Siehe diese Zeitschrift, 1889, S. 81. 


/ \ 



Kwvlfur Jiknuf ■ Jiül IS«. Pbkbet, Iftaam'aciii Wammk. 226 

liegen. Bei der Drehung des Rades passiren nun die Stifte den Zwischenranm 
zwischen zwei um Schaalengehänge befestigten parallelen gekerbten Linealen, 
wobei sieh die Reitergewicfate aaf die Lineale absetzen. Solcher StemrHder sind 
zwei mit je nenn Annen angeordnet und in einem seitwärts der Schale befestigten 
Gestell (Fig. 4) gelagert. Dieselben werden mittels doppelten Winkelradgetriebea 
von Knöpfen ans gedreht, welche mit Eintheilong versehen sind, so dass man ans 
deren Stellang die Zahl der aufgesetzten Gewichte entnehmen kann. 

BeztigUcb der Art ihrer Anwendung lassen sich alte hierhergehfirenden 
Einrichtungen scheiden in solche, die eine versuchsweise Auflegung beliebiger 
einzelner Gewichte oder beliebiger Gruppen derselben zulassen und solche, welche 
lediglich die Samme aufeinander folgender Gewichte aufzulegen gestatten. Von 
beiden Verfahren gebührt für chemische und tecbuisolie Wsgungen dem letzteren 
insoweit der Vorzug, als die Einrichtung zum 
folgeweisen Auflegen der Gewichte die Gefahr 
eines Anstosaens der Gewichtsträger an Theile 
der Waage und somit die Möglichkeit von 
Stössen, die den Balken treffen, ausschliesst, 
in welchem Falle zulässig ist, die Zulagegewichte 
der nicht arretirten Waage zuzuführen. 

Am vollkommensten scheint in dieser Be- 
ziehung die zuletzt beschriebene Einrichtung 
von Nemetz zu funktioniren. Ftir chemische 
und technische Wagungen werden an die Stifte 
des einen Stemrades 9 Gewichte zu je 100 m^, 
an die des anderen Stemrades solche zu 10mg 
gehfingt, während der längste der Stifte oberhalb 
der Absetzlineale steht. Zorn Zwcek der Wägung 

werden zunächst bei offenem Kasten die ganzen Gramme austarirt. Alsdann wird 
bei geschlossenem Waagenkasten die Waagenarretirung so weit gelöst, dass die 
Zunge einen kleinen Ausschlag macht und an einer Seite anliegt. Nun dreht man das 
die 100 M^-Gewicbte tragende Stemrad langsam hemm, bis die Zange sich gegen die 
andere Seite legt. Dies erfolgt, sobald ein Gewicht von 100 m^ zu viel angehängt 
ist, welches man durch Zurückdrehen des Stemrades abhebt und dann die gleiche 
Manipulation mit den lOm^-Stücken wiederholt. Das noch verbleibende innerhalb 
10 mg liegende Uebergewicht wird dann mittels der Keiterverschiebung ausgeglichen. 
Eine Ärretimng der Waage während der mechanischen Gewichtsaufsetznng ist 
somit nicht erforderlich. In Folge dessen beträgt der gesammte Zeitaufwand für eine 
solche bis auf 0,1 mg geführte Wägung in der Regel nicht mehr als eine Minute. 

3. Einrichtungen zur Aenderang der Empfindlichkeit. 
Feinere Waagen sind ausnahmslos mit Einrichtungen zur Herstellung einer 
passenden Empfindlichkeit versehen. Gemeinhin wird, entsprechend der Theorie 
der Waage, die Empfindlichkeit durch Veränderung der Höhenlage des Schwer- 
punktes des Balkens regulirt. Meist dienen dazu Schraubeinrichtungen, mittels 
deren kleine Massen um geringe Beträge gehoben oder gesenkt und dann durch 
Gegenmuttern festgestellt werden können. Die wenigsten dieser Einrichtungen 
bieten die Mittel, um eine bestimmte früher vorhandene Empfindlichkeit leicht 
wiederherstellen zu können. Diesen Zweck verfolgt eine in dieser Ztitschriß 1890 


226 PbNSXT, Nb|CSTS*8CHK WjUlOrar. ZimOBIUrr FOb IVSTBUlOEBTBSXDjrDK. 


S. 371 beschriebene „Vorrichtung für messbare Veränderung der Höhenlage des 
Schwerpunktes der Waagebalken von Feinwaagen" von F. Sartorius in Göttingen. 
Nemetz hat eine dieser Vorrichtung genau gleiche für kurze Balken von ge- 
nügender Höhe hergestellt. Bei längeren Balken, deren Höhe für die Verschie- 
bung des Empfindlichkeitsgewichtes nicht genügt, versieht er die in ihrem oberen 
Theile zylindrisch gestaltete Zunge, auf welcher, wie oft üblich, das Empfindlich- 
keitsgewicht sich verschiebt, mit einer Eintheilung. 

Für chemischen und technischen Gebrauch ist es häufig erwünscht, auf 
derselben Waage Wägungen mit zwei von einander sehr verschiedenen Empfind- 
lichkeiten kurz hintereinander ausführen zu können, ohne an der Waage selbst 
Veränderungen vornehmen zu müssen. Dies wird durch die von Prof. Arzberger 
in Wien angegebene und von Nemetz ausgeführte Anordnung zweier Mittel- 
schneiden erzielt, von denen die eine, für hohe Empfindlichkeit bestimmte, sich 
genau in der Ebene der Endschneiden befindet, während die zweite Schneide für 
geringe Empfindlichkeit in entsprechendem geringen Abstände darüber liegt. 
Letztere Schneide ragt über die erstere hinaus und es ist für sie ein besonderes 
zweites Pfannenpaar angeordnet, welches mittels eines im Säulensockel gelagerten 
Exzenterhebels auf- und abbewegt werden kann. In seiner höchsten Stellung 
setzt sich beim Lösen der Arretirung die „unempfindliche" Schneide auf und die 
Waage schwingt schnell; in seiuer niedrigsten Stellung dagegen setzt sich die 
tiefer gelegene „empfindliche" Schneide auf die ihr zugehörigen Pfannen und die 
Waage schwingt langsam. Behufs leichter Erkennung sind deshalb die beiden 

Lagen des Exzenterhebels durch Schilder mit der Aufschrift 
„schnell" und „langsam" unterschieden. Unzweifelhaft ist 
diese Einrichtung, wenn gut ausgeführt, äusserst bequem. 
'^. 6. Doch ist nicht zu leugnen, dass die gute Ausführung einer 

solchen Doppelschneide, deren Form in Fig. 5 dargestellt ist, nicht leicht ist. 
Wenn ferner als einer der Gründe für die Einführung der Einrichtung die 
Schonung der „empfindlichen" Mittelschneide bei der unempfindlichen Wägung 
mit schneller Schwingung angeführt wird, so ist ein gewisser Vortheil dieser 
Schonung zweifellos vorhanden. Derselbe darf jedoch nicht überschätzt werden, 
da die Erhaltung der hohen Empfindlichkeit in gleichem Maasse von der Erhaltung 
der Feinheit der Endschneiden wie der Mittelschneide abhängt, die ersteren aber 
bei allen Wägungen zur Anwendung gelangen. So nützlich daher die Einrichtung 
für chemisch-technische Wägungen ist, vermag ihre Anwendung einen vollkommenen 
Ersatz für die Anwendung zweier besonderer Waagen nicht zu bieten. 

4. Einrichtungen zum Arretiren der Waagentheile. 

Eine mit vollkommener Arretirung ausgestattete Waage muss die Arretirung 
des Balkens, der Schalengehänge und der Schalen gestatten. Die im Allgemeinen 
dazu verwendeten Einrichtungen sind sehr bekannt, so dass es erübrigt, sie hier 
anzuführen. Es sei nur eines Mittels, der Schneckenarretirung von Nemetz, 
Erwähnung gethan, welches an Waagen für höhere Belastungen nicht unerhebliche 
Vortheile bieten dürfte. Statt der meist üblichen Exzenterscheibe, mittels deren 
durch eine Halbdrehung der Arretirungswelle die gesammte Hebung bezw. Sen- 
kung der die Arretirung des Balkens und der Gehänge vermittelnden Organe 
bewirkt wird, verwendet man mitunter eine ebene Scheibe, deren Rand eine 
Spirale bildet, so dass für die Hebung der Arretirungsorgane fast eine ganze 



znattoi ittag-f. Jillista. PurBKT, Nmcti'scin WiAOBH. 227 

Umdrehung der Welle zur Verfügung steht. Nemetz liat durch Anwendung der 
in Figur 6 dargestellten Einrichtung diese Bewegung ohne Anwendung von Ueber- 
aetzungsrädern auf drei bis vier Umdrehungen der Welle vergrössert. Wie aua 
der Figur ersichtlich, ist das eine Ende der Welle in seineni Lager zylindrisch 
geführt, während das andere Ende mit Gewinde in einer Mutter gelagert ist, 
so dass die Welle bei ihrer Drehung zugleich eine axiale Verschiebung erleidet. 
Zwischen beiden Lagern trägt die 
Axe eine Eegelspirule von den Oe- 
windegängen entsprechender Steig- 
höhe. Das Wachsthum der Spirale 
ist BO gewählt, dass vier Um- 
drehungen der Welle die erfor- 
derliche Hebung der Arretirungs- 
organe bewirken. Der durch diese 
Anordnung erzielte Vortlieil be- 
steht in der sehr gleichfilrmigen 
Aufwärtsbewegung, welche ein ruck- 
weises, die Schneideschärfe beein- 

trächtigendeeAufsetzenderGehänge n^ ^ 

and der Mittelschneide ausschliesst. 

Eine gute Schalenarretirung soll das Pendeln der Schalen sowohl während 
des Anflegens der Belastung als auch nach Lösen der Waage während der 
Wägnng verhüten. Die älteren EinrichtuBgen dieser Art bestanden meist aus teller- 
artigen mit Leder bezogenen Stutzen, welche bei Arrctirung der Waage soweit 
gehoben wurden, dass die Schale auf ihnen ruht. Wird dann die Belastung 
exzentrisch aufgesetzt, so werden beim Lösen der Waage die Schalen in einem 
gewissen Moment frei gelassen nnd Pendelungen sind nicht ausgeschlossen. Um 
solche zu verhindern, benutzt Nemetz die von 
Arzberger angegebene, in der nebenstehenden 
Fig. 7 skizzirte Einrichtung. Bei ihr ist der 
mit der Arretirung auf- und abbewegliche 
Stutzen kegelförmig ausgehöhlt und die Schale 
mit einer zur Kcgelhöhlung zentrischen Spitze 
versehen. Senkt sich bei exzentrischer Stellung 
der Last der Hohlkegel, so gleitet die Spitze 
an der Kegolwand so lange, bis der Schwer- 
punkt genau unter den Aufhftngepunkt gelangt 
ist, worauf die Schale ganz frei wird, während 
jede Veranlassung zu Pendelschwingungen fort- * 

fällt. Stückrath hat dasselbe Prinzip, jedoch in umgekehrter Anordnung ange- 
wendet. Er versietit die Schale mit einem nach unten geöffneten Hohlkegel und lUsst 
die Spitze durch die Arretirungswelle auf- und abbewegen. Diese Anordnung hat 
den Vorzug vor der erstcren, dass Verunreinigungen in derselben nicht haften 
bleiben; sie wurde von Stückrath zuerst für Vakuumwaagen verwendet, wo sie 
zugleich zum selbthätigen Zentriren der Belastung dient. Wird nämlich das Ge- 
wicht selbst erheblich exzentrisch auf den Transporteur aufgesetzt und bei dessen 
Senkung auf das zunächst arretirte Schalenkreuz abgesetzt, so hängt sich letzteres 
nach Freilassung so, dass sich das Gewicht nahezu senkrecht unter dem Aufhänge- 


228 FbXKDBICH, ErXBUOUVO YOH ZaHNRXOXRS. ZsiTSOHRm rÜS IMTEÜMMTWIRUIÜ«. 


punkt befindet und setzt sich bei nochmaliger Hebung des Transporteurs auf diesen 
so auf, dass, wenn nun das Schalenkreuz allein seine normale Lage annimmt, in 
der es durch die Einrichtung festgehalten wird, bei erneuter Senkung der Fehler 
der Aufsetzung fast beseitigt ist und bei Wiederholung der Entlastung und Be- 
lastung ganz verschwindet. Wenn auch dieser bei der geschlossenen Vakuum- 
waage ganz unentbehrliche Zweck der Zentrirung bei chemischen Waagen in 
Fortfall kommt, so ist die Beseitigung der die Pendelschwingungen der Schalen 
begleitenden Störungen des regelmässigen Verlaufes der Schwingungen der Waage 
ein so erheblicher Vortheil, dass die einfache Einrichtung allgemeinste Anwendung 
verdient. 

5. Luftbremse. 

Zum Schluss möge noch einer wenig bekannten Einrichtung Erwähnung 
geschehen, deren Anwendung recht bequem ist. Für die Fälle, in denen man 
bei geschlossenem Waagekasten die Waage, wenn sie zufällig beim Lösen der 
Arretirung in oder nahe der Gleichgewichtslage sich befindet, also nicht sicher 
ablesbare Schwingungen ausführt, in stärkere Schwingungen zu versetzen wünscht, 
hat Prof. Stefan in Wien die Verwendung eines kleinen Gebläses vorgeschlagen. 
Unter der Waageschale befindet sich eine ganz feine Ventilöffnung, welche mit 
ein Metallrohr mit einem pumpenartigen Zylinder in Verbindung steht, dessen 
Kolben durch Druck auf einen Knopf bethätigt wird. Der in beliebiger Feinheit 
abzustufende Luftstrom wirkt auf die untere Schalenfläche und gestattet ausser 
der Erregung von Schwingungen auch die Einengung zu weiter Schwingungen der 
Waage, wenn man nämlich den Luftstrom von unten gegen die Schale wirken 
lässt, während dieselbe in absteigender Bewegung begriffen ist. Der Verwendung 
von Metall an Stelle eines unzweifelhaft einfacheren Gummigebläses dürfte mit 
Rücksicht auf längere Dauer der Vorzug gebühren. 


Neue Messinstrumente und Hilfseinriclitungen für die Werkstatt. 

Von 
Mechaniker K. Frledrleli in Berlin. 

2. Veber die Eneugong von Zalmrädem durch Fräsen. 

Zur Uebertragung von Bewegungen, insbesondere von Drehbewegungen, 
M'erden in der Technik verschiedene Konstruktionselemente verwendet, Schrauben, 
Kuppelungen, Reibungs- und Zahnräder, welche letzteren entweder direkt oder 
unter Zuhilfenahme von Seil oder Kette indirekt wirkend in den Mechanismus 
übernommen werden. Für den Bau von feinmechanischen, für Präzisionszwecke 
bestimmten Instrumenten können von diesen Elementen nur die Schrauben und 
Zahnräder in Betracht gezogen werden, und von diesen ist wiederum die Schraube 
den Zahnrädern schon deshalb vorzuziehen, weil ihre Form weit einfacher, schneller 
und vor allen Dingen korrekter herzustellen ist als die der Zahnräder; ausserdem 
ist ja jeder einfache Mechanismus der Abnutzung und dem Auftreten von Fehlem 
weniger ausgesetzt als ein komplizirter. In gewissen Fällen ist es jedoch nicht 
zu umgehen, Zahnräder in Verwendung zu nehmen, sei es nun in der Form ge- 
wöhnlicher Stirn-, Schrauben- oder Kegelräder; es möge hier nur auf die Triebe 
an Fernrohren und Mikroskopen und die Bewe^ngsübertragung an Leitspindel- 
drehbänken mittels Stirnräder hingewiesen werden, deren Benutzung eine weit 


ZwQifUr Jahifing. Jnli 180S. Fbibobioh, EszErauHa YON ZarnrIdibn. 32i) 

verbreitete ist. Die Methoden zur Herstellung der Zahnräder haben in dem letzten 
Jahrzehnt, hervorgerufen durch den Aufschwung des Maschinenbaues und das Auf- 
treten höherer Anforderungen an die Genauigkeit, mannigfache Verbesserungen 
erfahren; Zweck der folgenden Zeilen soll es sein, einige der neueren Einrichtungen 
zur Erzeugung von Zahnrädern zu beschreiben. 

Sollen Zahnräder an Messinstrumenten oder an Vorrichtungen zur Er- 
zeugung von Messmitteln, z. B. Messschrauben, verwendet werden, so hat man 
die Forderung an sie zu stellen, dass die Geschwindigkeit ihrer Bewegung stets 
konstant bleibe. Die Eonstanz der Geschwindigkeit ist abhängig von: 1. der 
Genauigkeit der Grösse der Theilkreise; 2. der konzentrischen Lage derselben; 
3. der Genauigkeit der Theilung; 4. der Form der Zähne; 5. der konzentrischen 
Lage derselben; 6. der Lage der Radaxen zu einander. — Die Erfüllung dieser 
Einzelbedingungen ist zum Theil Sache der geometrischen Konstruktion, hängt 
aber zum grösseren Theil von der Methode der Herstellung, d. h. von der Kon- 
struktion der erzeugenden Fräse und Fräsemaschine ab. Der Einfluss der 
Nichterfüllung dieser Bedingungen auf die Brauchbarkeit der Zahnräder ist ein 
verschiedener; während eine Unrichtigkeit in der Zahnprofilform^) nur auf einen 
verhältnissmässig kleinen Theil der Bewegung einwirkt und durch allmäliges In- 
einanderarbeiten vielleicht gänzlich ausgeglichen wird, hat eine mangelhafte Aus- 
führung der übrigen Bedingungen Zwang auf die Axen, Exzentrizitäten u. s. w. 
im Gefolge, macht also das damit behaftete Zahnrad unbrauchbar. 

Auf die geometrische Konstruktion des Zahnprofils soll hier nicht eingegangen 
werden, es möge hierfür auf eine für später in Aussicht genommene Besprechung 
der hierher gehörigen, für die Bedürfnisse der Mechaniker besonders bearbeiteten 
Methoden im Vereinsblatt der deutschen Gesellschaft für Mechanik und Optik hingewiesen 
werden. Wir wollen im Folgenden nur die praktische Herstellung der Zahn- 
räder besprechen. 

Die Herstellung der Zahnräder erfolgt heute nur noch in ganz untergeordneten 
Werkstätten durch Feilen; alle grösseren mechanischen Werkstätten und die für 
diese arbeitenden Werkzeugmaschinenbauanstalten fräsen die Zahnformen voll- 
ständig fertig, ohne nachher etwa mit der Feile nachzuarbeiten. Ein vollkommen 
korrektes, gleichmässiges Miteinanderarbeiten der Räder kann indessen auch bei 
dieser Art der Herstellung nur dann erreicht werden, wenn an dem fertigen 
Rade alle Bedingungen eingehalten sind, die oben als nothwendig angeführt wurden. 

Der Gang der Herstellung eines Zahnrades ist etwa folgender: Es wird 
durch Bedrehen die Grösse des „Kopfkreises" hergestellt, da man den „Theilkreis" 
nicht unmittelbar bestimmen kann. Die Ausmessung des Kopfkreisdurchmessers 
hat sehr genau zu erfolgen, da sich ja ein Fehler vergrössert im Umfange bemerk- 
bar macht, wodurch eine korrekte „Abwälzung" verhindert würde. Die Theilung 
des Rades wird nicht mehr nach dem sogenannten Peripheriemaassstab aufgetragen, 
sondern nach einer vorhandenen Kreistheilung kopirt, die starr mit dem Zahn- 
rade verbunden sein und eine gleichzeitig mit diesem erfolgende Drehung und 
sichere Einstellung zulassen muss. Diese Muttertheilung soll möglichst fehlerfrei 
sein, weil ja alle Theilungsfehler, Exzentrizitäten u. s. w. unvermittelt oder 
höchstens etwas verkleinert, sobald nämlich das Rad geringeren Durchmesser als 
die Muttertheilung hat, in die Radtheilung übergehen; ferner muss für die Ueber- 


1) Vergl. Lern an, diese Zeitschrift 1883. S. 429. 


EBEnama von ZunrnlvBBN. Z«iTiomirp rO« hwtmciiMwTKiKi's 


tragnng ein einwarfsfreies Mittel gewählt werden, welches nicht neue Fehler in 
die an sich vielleicht fehlerfreie Muttertheiinng hineinbringt. Ein solches Mittel, 
das hei der Erzeugung höchst genauer Räder nicht umgangen werden kann, ist 
die Einstellung der Muttcrtheilung nach dem Mikroskop. Gemäss dieseo Ein- 
stellungen werden sodann die Zahnlücken eingefräst in der Weise, dass man eine 
rotirende Zahnradfräse parallel der Axe des zu fräsenden Rades hewegt; dies ist 
für den Mechaniker die eigentlich schwierige Arheit, weil hierhei die richtige 
Zahnform und der korrekte Qang der Räder von der Form der Fräse, von deren 
SchneideßLhigkeit und Jeweiligen Schärfe ihrer Schneidekanten, von der Stärke der 
Axen sowohl der Fräse als des Rades und ihrer Stellung zu einander abhängig ist, 
weshalb auf die Konstruktion der Fräse die grösste M(ihe verwendet werden mnss. 

Konstruktion und Herstellung der Fräse. 
Die Konstruktion der Zahnräderfräse unterliegt denselben Bedingungen wie 
alle anderen Schneidewerkzeuge (Vergl. meine MittheÜnng über Schneidewerkzeage 
im Vereint, d. deutschen Gesellsch. f. M. «. 0. 1893, Ko. 5 u. 6). Ist schon bei diesen 
letzteren die Güte der erzeugten Arbeit von der günstigen Wahl der Schneide- 
und Anstellongswinkel abhängig, so trifft dies bei der Zahnräderfräse in ganz 
hervorragendem Maasse zu, weil ja eine durch schlechte Schneidewinkel veranlasste 
schnelle und starke Abnutzung nicht nur wie bei jenen die äussere Form beein- 
flusst, sondern in Folge des im Vorangegangenen bespronhenen Zwanges auf die 
Axen überhaupt die Grundbedingungen urastösst. Diese Ueberlegungen, zugleich 
mit dem Wunsche, möglichst einfache und leicht herstellbare Fräseformen zu er- 
halten, sind schon stets hei der Konstruktion der Fräsen maassgebend gewesen. 
Gegenwärtig sind folgende Typen im üebrauch: 1) Einzahnige Fräsen, bei 
welchen zumeist ein profilirtes Messer in einen Fräsekopf eingesetzt ist. Dieselben 
kommen wegen ihrer geringen Leistungsfähigkeit immer mehr ausser Anwendung 
und können deshalb hier übergangen werden. 2) Mehrzahnige Fräsen, deren 
Zähne meist in ungrader Anzahl, etwa 6, ans dem Vollen herausgeschnitten 
sind. 3) Eine neuerdings von Herrn C. Raabe konstruirte Fräse mit unveränder- 
lichem Profil. 

Mehrzahnige Fräsen: Eine mehrzahnige Fräse, von der die Figuren 1 
und 2 Abbildungen zeigen, wird in der Weise hergosteUt, dass man eine Stabl- 
scheibe S durch Bedrehen am Rande mit dem 
Profil der Zahnlücke versieht, diesen Rand durch 

eine Anzahl von Unterbrechungen ^ 

(in den Figuren sind es 4 bezw. 5) 

in der Weise zahnt, dass die 

Sehneidekanten radial stehen und 

jedem einzelnen Zahn z die Form 

giebt, die ihn zum Schneiden 

fähig macht. Bei der in Fig. 1 

dargestellten Fräse ist dies in der 

Weise geschehen, dass jeder ein- ^'«-^ 

zelne Zahn von der radial stehenden Schneidefläche s aus in der Pfeilrichtung dünner 
und niedriger gefeilt wurde, so dass also das wirkliche Profil der Zahnlücke nur noch 
in der radialen Schneidefläche s selbst vorhanden ist. Könnte man nun auch die 
Arbeit des Hinterfeilens vollkommen korrekt ausführen, d, h. so, dass die Schneide- 


Zwnftor Jfthrguiff. Jnii 1M2. FaiEDaiCR, Ebzeuouno Yoir ZahnrXdesn. 331 

kante unberührt stehen bliebe und die Hinterfeilung in ihr selbst schon begönne, 
was indessen, wenn nicht ganz unmöglich, so doch sehr schwierig und mühevoll ist, 
so würde doch bei der geringsten Abstumpfung, die ein Nachschleifen der radialen 
Schneidekante bedingt, die Profilform verloren sein, und nach und nach die von 
der Schneidekante begrenzte Fläche immer kleiner an Inhalt werden, wodurch 
vielleicht nur ein Zahn zum Schneiden kommt, also derselbe Vorwurf wie gegen 
die einzahnige Fräse gerechtfertigt wäre. 

Diese vielfachen Mängel suchte J. E. Reinecker in Chemnitz durch eine 
andere Ai*t der Herstellung zu umgehen, durch das sogenannte Hinterdrehen. 
Die Herstellung des Profils und die Zahnung kann man sich in derselben 
Weise geschehen denken wie bei der eben beschriebenen Fräse. Die Erzeugung 
der Schneidewinkel jedes einzigen Zahnes indessen ist dadurch geschehen, dass 
man das Profil um eine mit der Drehaxe der Fräse nicht zusammenfallende zweite 
Axe rotiren liess, die in der in Fig. 2 angedeuteten Stellung der Fräse rechts 
von der Drehaxe liegt, so dass also die beiden in der Figur angedeuteten Kreis- 
bogen sich in der Schneidekante durchschneiden, in der Pfeilrichtung aber von 
einander abweichen, und zwar der zum Zahnradumfang exzentrische Bogen gegen 
den Mittelpunkt hin, sodass also in der That Schneide winkel entstehen. Aber 
auch hier ist beim Nachschleifen der Fräse die Richtigkeit der Profilform nicht 
erhalten. Theoretisch ist sie selbst nicht in der ersten Schneidefläche gewahrt, 
die in der Richtung des Fräsenradius liegen soll, während der Radius des die 
Schneidewinkel erzeugenden Kreisbogens mit dem ersteren einen Winkel bildet. 
In Folge dessen wird nicht das Profil selbst, sondern eine Art Projektion desselben 
erzeugt. Der hierdurch bedingte Fehler wird beim Nachschleifen der Fräse stetig 
und schnell grösser und dies in selbst praktisch nicht zu vernachlässigender Weise, 
da die Abstumpfung bei diesen Fräsen sehr stark auftritt und deshalb ein häufiges 
Nachschleifen (was Reinecker selbst durch Vermerk auf seinen Fräsen empfiehlt) 
nothwendig macht. Ausser diesem Fehler der bei dem Nachschleifen sich ver- 
grössernden Profilunrichtigkeit und dem durch die Abstumpfung entstehenden 
Zwang auf die Axen, die, wie erwähnt, den grössten Fehler, Exzentrizität, herbei- 
führen muss, ist ein weiterer Mangel der beschriebenen beiden Fräsen die Ver- 
ringerung der Breite der Zahnlücke und die daraus gleichzeitig folgende Ver- 
grösserung der Zahndicke. Dieser Mangel macht sich besonders dann sehr 
unangenehm bemerkbar, wenn es darauf ankommt, ein heute hergestelltes Zahn- 
rad nach Jahren durch ein neues zu ersetzen, d. h. durch einen längeren Zeitraum 
dasselbe Profil genau zu erhalten. Diese Anforderung, welche die Praxis, besonders 
die Herstellung der Getriebe an elektrischen Bogenlampen an den Konstrukteur 
stellte, veranlasste Herrn C. Raabe zur Konstruktion seiner Fräse mit unver- 
änderlichem Profil, die nunmehr beschrieben werden soll. 

Raabe's Fräse gehört zu den zusammengesetzten Fräsen, d. h. zu denjenigen, 
deren Körper und Schneidezähne nicht aus einem Stück gearbeitet sind, sondern 
die aus einem sogenannten Fräsekopf bestehen, in welchen ein oder mehrere mit 
dem Profil versehene Messer eingesetzt werden. Ein grosser Vortheil dieser Ein- 
richtung besteht, wie bei den an Stelle von grossen Schneidesticheln angewendeten 
Stichelhäusern, in der Billigkeit ihrer Instandhaltung, da nur die Einsatzstichel 
der Abnutzung unterworfen sind und erneuert werden müssen, während der Fräse- 
kopf selbst ein integrirender Bestandtheil der Maschine ist, also nur ein einziges 
Mal hergestellt zu werden braucht. 


282 


Frtsdrich , ElBZSüamra ton ZahnrZdbbn. Zsinoinurr fOr iMBTRcioamsKüXDS. 



FIf . 8. 


Die Messer m der vorliegenden Fräse (vergl. Fig. 3 bis 10) sind Theile einer 
kreisförmigen Scheibe oder einer prismatischen Schiene von dem „besonders^ kon- 
Btmirten Lückenprofil nnd stellen die Hälften eines gewöhnlichen Zahnes dar, die 

um ein Geringes ober die Halbirungslinie der Zahnlücke vnr- 
grössert sind, wie Figur 3 anschaulich macht. Sie sind unter 
einem spitzen Winkel aus der Erzeugangsscheibe herausge- 
schnitten, so dass also, wenn man sie ihrer Schnittfläche nach 
radial in den Fräsekopf einsetzt, die Profilkanten sich in der 
Richtung von der Schnittfläche fort der Fräsenaxe zukrümmen. 
Um nun ein vollkommenes Freischneiden zu ermöglichen, sind die Zahnhälften 
unparallel zur Miltelebene der Fräse eingesetzt, so dass jetzt die Schneide- 
kanten in jeder Richtung über die dahinter 
liegenden Theile des Zahnes hervorragen. Diese 
Schrägstellung der Zahnhälften, welche die 
Figuren 5 und 9 veranschaulichen, ist durch 
eine besondere Anordnung des Fräsekopfes er- 
reicht. Derselbe besteht aus drei kreisförmigen 
Scheiben 1, 2 und 3; Scheibe 1 ist die mittelste 
von den dreien und trägt auf beiden Seiten je 
drei im gleich- 
seitigenDreieck 
liegende, gegen 
einander um 60° 
versetzte Ge- 
windebolzen g 
(siehe Figur 6 

und 7), die in die Scheibe selbst eingeschraubt und in ihrer Stellung durch 
Schräubchen f gesichert sind; die mit einer Nut versehene Nabe n ist zylindrisch 
ausgedreht und passt auf die Axe der Fräsemaschine. Die zylindrisch sorgfältig 

abgedrehten gleichgrossen Ansätze dienen zur Auf- 
nahme der Scheiben 2 und 3. Der Kranz der Scheibe 1, 
welcher in Folge der in der Figur sichtbaren Unter- 
drehung etwas stärker gehalten ist, trägt auf jeder 
Seite wiederum versetzt zu einander je drei radiale 
Einfräsungen h von der 





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Flg. 4. 


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Fig. 5. 


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Flg. 6. 



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Fig. 7. 


Breite des parallelepipe- 

dischen Schaftes der 

Schneidemesser. Der Bo- ^*- 

den dieser Einfräsungen 

liegt aber nicht parallel 

zu den Ebenen der Schei- 
benflächen, sondern bei allen in demselben Sinne schräg, wie es in Figur 7 bei h 
angedeutet ist, so dass er, wenn man den Scheibenrand im Sinne des Uhrzeigers 
verfolgt, bis zu einer Tiefe von etwa 0,5 mm von der Scheibenfläche abweicht. 
Entsprechend diesen schiefen Ebenen haben die beiden Seitenscheiben 2 
und 3 in demselben Sinne schräge, jedoch tiefer ausgefräste Nuten, in welche die 
Einsatzmesser gut passend eingelegt werden können, so dass sie noch etwa 1 mm 
über die Scheibenebenen hervorragen. Die Messerhälften, die also bei dieser 


ZwurriK j>kr(u|. Juli iSM. FRiiti>i:cH, lünKmatwo v 


Ginrichtung immer paarweise and versetzt za einander vorhanden sind, liegen 
auf diese Weise rait ihren parallelen Flächen zwischen den schiefen Ebenen der 
Scheiben 1 und 2 bezw. 1 nnd 3, stehen also schräg zur Scheibenebene und 
kdnnen in dieser Lage durch die zu den Bolzen g gehörigen Muttern A mit Unter- 
lagscheiben festgezogen werden. Zn dem Zweck werden die Seitenscheiben mit 
ihren konaxialen Bohrungen über die Nabe n nnd mit den geschlitzten Lfichem i 
über die Bolzen g der Scheibe 1 geschoben, wobei ein geringer Zwischenraum, 
bedingt durch die etwas vorstehenden Messer, zwischen den Scheiben 1 und 2 
bezw. 1 und 3 bleibt. Gegen eine Verschiebung der Messer in radialer Richtung 
sichern die Stifte c. 

Durch die so erzielte Schrägstellung der Messer und die radiale Lage der 
unter spitzem Winkel zum Kreisbogen liegenden Schnittflächen derselben ist in 
der That ein Freischneiden erreicht. Es ist nun noch zu ontersuchen, oh bei 
dieser Anordnung die bei den früher beschriebenen Fräsen auftretenden Mängel 
in Wegfall kommen. Dadurch, dass die Messerhälften nicht radial, sondern unter 
einem spitzen Winkel aus der Erzougungsscheibe herausgeschnitten sind, verkleinert 
sich der Durchmesser der Fräse beim Nachschleifen, ein Fehler, der fOr die 
Praxis vUltig belanglos ist. Sodann ändert sich das Profil derart, dass aus dem 
wirklichen Lückenprofil eine auf die unter bestimmtem spitzen Winkel liegende 
Ebene konstmirte Projektion desselben entsteht. Dieser Fehler lässt sich aber 
leicht dadorch eliminiren, dass man dem Messerprofil nicht die Form der Zahn- 
lücke selbst giebt, sondern eine solche, die man durch Uebertraguog desselben 
auf den schriigcn Schnitt erhält. Für den Gcbranch im Fräsekopf steht die 
Schnittfläche radial, wird bei der Abstumpfung stets radial nachgeschliffen, was 
durch eine geeignete Schleifvorrichtung leicht erreichbar ist, behält also stets die 

korrekte Profilform. Die Breite der Zahnlücke scheint wie 

bei den früheren Fräsen beim Nachschleifen ebenfalls ver- '--\ -^--- 
ändert zu sein. Dies ist indessen nicht der Fall, wie die < — ' 

folgende Betrachtung lehrt. '''*■ ^ ''*' '' 

Stellen Fig. 8 and 9 die Ansichten eines alten Zahnes und einer RaabiTschen 
Zahnhälfte dar, so erhellt, dass das Profil des alten Zahnes beim Abschleifen 
bis zur Axe xy kleiner, das des nenen dagegen nur in der Richtung dieser Axe 
verschoben wird. Um diese Verschiebung auszu- 
gleichen, giebt die eigenthümliche Einrichtung des Fräse- 
kopfes das Mittel selbst an die Hand. Dreht man nämlich 
die beiden Seitenschciben 2 und 'ii, wie sie in Fig. 4 
erscheinen, in der Richtung des Uhrzeigers in Bezug 
anf die Scheibe \', so werden die Messerhälften auf 
den schräg ansteigenden Einfräsnngen der Scheibe 1 
vorwärts gleiten und dabei eine seitliche Bewegung aus- 
fuhren, d. h. sich in der Richtung der Axe xy von ein- 
ander entfernen. Ist also durch das Nachschleifen 
die Breite des Profils scheinbar verringert, so hat 
man nur durch gleichzeitige Drehung von 2 und 3 ^ 

gegen 1 die frühere Stellung der Messer wieder herzustellen. Um dies aasftthren 
zu können , sind die beiden Seitenscheiben durch eine Schraube d so mit einander 
verkuppelt, dass sie eich gleichzeitig drehen müssen und nur in der Axenrichtung 
von einander entfernen können. Der Schlitze der Scheibe 1 läset diese Drehung 


SS4 FRIKDBICn, El 


zu. Eine karze ThcUung auf Scheibe 1 and die zugeliörigen in gleicher Höhe 
liegenden Indizes auf 2 und 3 erleichtern die Einetellong. 

Es ist wohl unnöthig, über die Vorzüge der Raabe'schen Fräse, die zur 
Patentirong angemeldet worden ist, gegenüber denjenigen älterer Konstruktionen 
etwas hinzuzufügen. Selbst die grössere Mühe bei der Herstellung, die sich in- 
dessen auch nur auf den einmal zu machenden Fräsekopf erstreckt, kann die 
vorzügliche Brauchbarkeit nicht verringern. 

Es erübrigt nun noch die Art und Weise zu schildern , in der das auf dem 
Papier konstruirtc Lückenprolil auf den Fräsenrand übertragen wird. Das wohl 
am nächsten liegende und in den meisten Werkstätten ausgeübte Verfahren be- 
steht darin, dass man nach dem konstruirten Profil eine Lehre und nach dieser 
eine Hohllehre macht, mit Hilfe deren man den Kranz der Fräsen erzeugungs- 
Scheibe für die Fräse abdreht. Bei der Kleinheit der Zähne an den Zahnrädern der 
Mechaniker jedoch ist es sehr schwer, die Profilform bei der mehrmaligen Ueber- 
tragung auf die Voll- und Hohllchre korrekt zu erhalten, und dies Verfahren ist daher 
für sehr genaue Zahnräder kaum anwendbar. Aus diesem Grunde hat C. Bamberg 
vor einer Reihe von Jahren einen Apparat konstruirt, mit Hilfe dessen nach einem 
in mehrfacher Vergrösscrung konstruirten und auf ein Metallblecb übertragenen 
Profil durch eine geeignet angeordnete Fräse Vorrichtung die Zahnrad er fräse un- 
mittelbar fertig gefräst wird. Der Apparat, welcher anter anderem zur Herstellung 


der Fräsen benutzt worden ist, die zur Erzeugung der Zahnräder für die astro- 
nomischen Instrumente der Jenaer Sternwarte benöthigt wurden, dürfte bisher 
kaum beschrieben sein. Die Erlaubniss zur VerJiffcntlichung der nachstehenden 
Beschreibung hat Herr Bamberg noch kurz vor seinem Tode dem Verfasser 
bereitwilligst ertheilt. 

Bambcrg's Fräsevorrichtang für Zahnrad er fr äsen. Der Apparat 
besteht aus einer Grundplatte G (Fig. II), auf der gegen beide Enden hin die 
Ständer B und C stehen. C trägt die mit der Schraube ( angeklemmte, aus 
Messing hergestellte MetallprofiUchabtone /', die aus einem später zu erörternden 
Grunde schräg gestellt ist. Dem Ständer B ist die Form eines Lagerbockes und 


ZwOtfler Jahrgang. Jali 1892. FbIEDRICH , ERZErOUNO VON ZAnTfRADKRN. 235 


durch Vemppung grosse Festigkeit gegeben. Er dient zur Aufnahme einer auf- 
rech tsteh enden Axe D, die zwischen dem Kern k und der oberen Schraube o mit 
Gegenmutter gelagert ist. Die Axe D besitzt ein zu ihr selbst rechtwinklig 
stehendes Stück (in der Figur verdeckt), welches dem Rahmen U als Lager 
dient, so dass sich dieser letztere mittels der Lagerschrauben p, von denen nur 
die vordere zu sehen ist, in vertikaler Richtung und um die Axe ko ebenfalls 
in horizontaler Richtung drehen lässt. Der eigenthümlich in der aus der Figur 
ersichtlichen Weise gestaltete Bügel U trägt in seinem rechts liegenden U förmig 
gebogenen Theil die Lagerung für eine kleine Fräscspindel E, die in dem Deckel- 
lager H läuft und von der Spitze q gehalten wird. Durch das Dcckellager hin- 
durch läuft die Spindel in einen konischen Zapfen / aus, der zur Aufnahme einer 
eigens geformten kleinen Fräse dient. Die Spitze q sitzt an der langen Leitstange L, 
kann mittels des im Kopfe des Bügels U gelagerten Gewindes an L verstellt und 
mit der Kordenmutter M gegen willkürliche Veränderung gesichert werden. Sodann 
ist auf der Grundplatte G eine Schlitten Vorrichtung N angebracht, die eine Ver- 
schiebung in der Querrichtung des Apparates und durch die Schraube eine 
solche in vertikaler Richtung zulässt. An dem Mutterstück Q dieser letzteren, 
welches sich nach oben hin bügeiförmig öffnet, ist zwischen Spitzen r, von denen 
die hintere in der Figur wieder nicht zu sehen ist, eine Axe horizontal drehbar 
gelagert. Diese nun dient zur Aufnahme der zu erzeugenden Fräse Z und lässt 
sich, um das Fräsen jedes einzelnen Fräsenzahnes zu ermöglichen, nach dem fest 
auf der Spindel sitzenden Spersrade 7 mittels der am Bügelgestelle von Q angebrachten 
Sperrklinge W um gleiche Winkel verstellen. 

Zur Bethätigung des Apparates wird von irgend einer Betriebswelle durch 
Schnurübertragung die Fräsespindel E in Drehung erhalten, die zu bearbeitende 
Fräse Z mittels der Schlittenvorrichtung N und in die Mittelebene des Apparates 
und in solche Höhe gebracht, dass die Arbeitsfräse zum Schneiden kommt und 
nun das Stufenrädchen .Y der Leitstange L an dem Profil P langsam verschoben. 
Dabei führt die Arbeitsfräse eine gleiche Bewegung aus und fräst dadurch einen 
Zahn der Zahnradfräse gemäss dem Leitprofil in einer Verkleinerung, die dem 
Verhältniss der Entfernungen des auf dem Profil gleitenden Punktes und der 
Arbeitsfräse von der Drehaxe des Systems entspricht. Der auf dem Profil 
gleitende Punkt führt hierbei eine Kugelbewegung aus, so dass theoretisch das 
Leitprofil in einer Kugelfläche liegen niüsste. Man kann indessen, ohne einen 
wesentlichen Fehler zu begehen, das Profil derart schräg stellen, dass es die 
Mittelstellung zu der Bewegungsbahn des gleitenden Punktes einnimmt. Das 
Rädchen X ist mit Stufen versehen, um eine Spahnstellung zuzulassen, so dass 
man also nach und nach den Zahn tiefer fräsen kann. Eine Feder t, die sich 
gegen die auf die Leitstange L geklemmte Scheibe u lehnt, drückt das Stufenrad 
stets nach derselben Seite. Durch Drehung und Feststellung des Zahnrades 
werden sodann die übrigen Zähne der Fräse hervorgebracht. 

Es dürfte wohl ohne Weiteres zugegeben werden, dass diese Fräsevorrich- 
tung ungleich genauere Resultate liefern wird als das kurz beschriebene empirische 
Kopirverfahren nach der Lehre, selbst dann, wenn man bedenkt, dass die Arbeits- 
fräse bei der Führung der Leitstange nicht eine ebene, sondern ebenfalls eine 
Kugelfläche beschreibt und dass die Form des Fräsezahnes auch abhängig ist 
von der Form der Arbeitsfräse, die entsprechend der Zahnform gestaltet sein 
muss. Andererseits wiederum ist dem Verfahren, da ja zur Fertigstellung der Fräse 


236 FbIEORICH, ErZEUOUICO von ZaHKBADEBN. ZbiTBCHRIFT Tun ISiTRWlIKimeKKOTO«. 


dieselbe Arbeit so oft wiederholt werden muss, als Zähne vorhanden sind, eine 
gewisse Umständlichkeit nicht abzusprechen, die auch wohl der Grund sein mag, 
dass der Apparat, wie dem Verfasser mitgetheilt wurde, nur noch selten in 
Benutzung genommen wird. Indessen scheint diese Umständlichkeit nur dann 
vorhanden zu sein, wenn eine grosse Menge von Zähnen an derselben Fräse zu 
erzeugen sind, und dürfte mit jeder Verringerung der Zähnezahl abnehmen. Im 
Verfolg dieser Betrachtung erlaubt sich der Verfasser einen Vorschlag zu machen 
über die vielleicht gtlnstige Verwendung eines nach demselben Prinzip etwas 
anders konstruirten Apparates. 

Die Vorztiglichkeit der Raab e' sehen Fräse dürfte über kurz oder lang 
ilire Verwendung zur Herstellung von Zahnrädern allgemein werden lassen. Bei 
ihr wird zur Zeit die Erzeugungsscheibe der Zahnhälften ebenfalls nach der Lehre 
hergestellt, dann zerschnitten, die einzelnen Stücke gehärtet und eingesetzt. Lässt 
schon in Folge des Kopirverfahrens die Form der Messerhälften zu wünschen 
übrig, so wird sie beim Härten durch Verziehen meist noch mehr verschlechtert. 
Es dürfte sich deshalb empfehlen, die nach der Lehre gedrehte Scheibe, ohne sie 
zu zerschneiden, zu härten und in demBamberg'schen Apparat, indem man sie um 
die Axe rotiren lässt (Sperrrad und Klinke fielen demnach fort), mit einem rotirenden 
Schmirgelstein nach Maassgabe der Profilschablone nachzuschleifen. Der rotirende 
Stein würde dann so gelagert werden, dass seine Axe mit derjenigen der zu 
schleifenden Erzeugungsscheibe in derselben Ebene liegt, so dass bei geeigneter 
Zuschärfung des Steines die äusserste Korrektheit erreicht werden könnte. Da 
hierdurch die Möglichkeit der Fertigstellung der Fräsen nach dem Härten 
gegeben und nach den bei dem heute vielfach geübten Schleifen mit rotirenden 
Steinen gemachten Erfahrungen der Zeitaufwand ein sehr geringer ist, dürfte sich 
diese Methode für die genannten Zwecke immerhin bewähren. 

Konstruktion der Fräsemaschine. 

Nachdem nunmehr die Vorbedingungen für die Erzielung korrekter Zahn- 
räder aufgestellt sind und das dazu nöthige Hauptwerkzeug und seine Herstellung 
etwas eingehender behandelt worden ist, soll im Folgenden gezeigt werden, in welcher 
Weise die Bedingungen praktisch erfüllt und wie die Fräsen angewendet werden. 
Dabei muss natürlich von einer historischen Entwicklung der Fräse Vorrichtungen 
an dieser Stelle abgesehen werden. Selbst die an sich sehr interessanten grossen 
Räderfräsemaschinen des Maschinenbaus können nicht berücksichtigt werden. Es 
soll vielmehr nur nach kurzen Andeutungen über andere Einrichtungen hauptsächlich 
eine Fräsemaschine beschrieben werden, die für die Feinmechanik hervorragende 
Bedeutung gewinnen dürfte und schon jetzt in einigen mechanischen Werkstätten 
eingeführt worden ist, die Konstruktion der Herren Sponholz und Wrede. 

Wie schon weiter oben angedeutet, geschah die Herstellung der Zahnräder 
bis vor nicht langer Zeit in den mechanischen Werkstätten auf der Drehbank; 
in kleinen Betrieben wird dies Verfahren auch noch heute geübt. Man dreht zu 
diesem Zwecke die Räder im Schraubenfutter oder zwischen Spitzen in der aus- 
gemittelten Grösse vor, spannt sodann die vielfach angewendete und bekannte 
Supportfräsevorrichtung in den Support und fräst nun durch Verschiebung des 
Langzuges die Zähne in der richtigen Tiefe ein. Dabei wird die Bewegung des 
Drehbankschwungrades durch über Rollen geleitete Schnüre auf die Fräsespindel 
übertragen. Die Einstellungen des Rades erfolgen nach der auf der Spindel 


Z«iilll*rJ*hriH.(. JdtlStt. Frtbdricb, Ebcbdoitno ton ZahitbIdbwi. 287 

befindlichen Theilecheibe, ein Verfahren, dessen Mängel in Anbetracht der anaos- 
gesetzten Benutzung der Bank zu anderen Zwecken und der dadurch eintretenden 
Abnutzung sehr gross sind. Aber noch weitere Fehler machen sich hierbei be- 
merkbar, die geringe Feetigkcit in der Verbindung der Fräsespindel mit dem 
Support und die fast stets vorhandene Unparallelitat der Supportverschiebung 
mit der Umdrehungsaxe des Zahnrades. Diese Fehler lassen sich nur durch 
Konstruktion einer eigens für diesen Zweck bestimmten Maschine umgehen, bei 
der allerdings auch die Arbeit ihren nicht geringen Theil zur Erfüllung der Be- 
dingungen beitragen musB. 

Universal-Rftderfräsemascbine von Sponholz & Wrede. Diese 
Maschine, deren perspektivische Ansicht (Fig. 12) und Konstruktionszeichnung 


(Fig. 13, 14, 15) von der Firma für diese Veröflfentlichung gütigst zur Verfügung 
gestellt worden sind, ist folgendermaassen eingerichtet. 

Das Untergestell, aus den beiden Theilen €L und S bestehend, ist in sich 
selbst hohl und im Uebrigen so geformt, dass es Raum zur Aufnf^hme der Theil- 
Bcheibe ^ lässt; es steht auf den kurzen und festen, in gefälligen Linien ge- 
haltenen Füssen © und 3>. Die beiden Theile a und SB sind durch Stellbolzon 
(in den Figuren nicht sichtbar) unveränderlich mit einander verbunden und bilden 
die Lagerung für die Axe der Theilscbeibe ^. Der untere Theil fl ist zu diesem 
Zwecke zylindrisch ausgedreht und mit einer Bronzehülse Ä ausgefüttert, die 


238 FniEDBicn , Erebtoi'vo von ZAnnBloRRn. z»itichiiift rön iKanuHuiuHUiui. 

mit einem Ansatz eingelagert ist; in diese ist die eigentliche Äxe S ans Stahl 
doppelkoniech eingepasBt, die nach oben hin einen Ansatz von grossem Durch- 
messer and eine zylindrische Verlängerung trägt. Gegen den Ansatz legt sich 
zylindrisch auf den Zapfen aufgepasst die Theilsclieibe S"; sie wird durch Stell- 
stifte und Schrauben fest mit der Axe verbunden. Die zylindrische Verlängerang 
ist in einer Bronzehülse cR, gelagert, die in dem Obertheil IB konisch eingesetzt 
und durch die Muttern Stt und €S!l, in ihrer Lage gehalten wird. Die Axe S ist 
ihrer ganzen Länge nach durchbohrt und in ihrem oberen Theile derart konisch 
ausgedreht, dass sie einen in der abgebildeten Weise geformten Dom S auf- 
nehmen kann, gegen dessen Ansatz S die zq fräsenden Zahnräder, eine gewisse 
Anzahl gleichzeitig, durch die Scheiben X und ^i geklemmt werden. Zur Siche- 
rung gegen Schwankungen und Erschütterungen während des Fräsens ist der 


Fit. 13. 

Dom mit seinem in eine Spitze S auslaufenden Ende gegen den Rcitstock X 
gelagert, der auf der parallel zur gemeinsamen Axe von S und 6 stehenden 
Schiene 9 verstellt und mittels Klemmschraube £ fixirt werden kann. Die Frese- 
schraube S drückt nicht unmittelbar auf die Spitze @, sondern auf eine Feder &l, 
in welche das der Spitze S als Lager dienende Trichtergesenk eingelassen ist; 
dadurch ist die Verwandlung eines starren in einen federnden Druck bezweckt. 
Die untere zylindrische Durchbohrung der Axe £ nimmt einen Stift auf, der 
beim Anziehen der Schraube Ö den Dorn fi aus seinem Lager hebt. Auf der 
sorgfältig bearbeiteten Oberfläche von SB iässt sich der mit verschiedenen Dre- 
hungen und Verschiebungen ausgestattete Sapport auf einem Schwalbenschwanz- 


EwnifUt iihifuf; Jali ISW. Fb:mi>bich, EuEcauNQ von ZahnbIdur. 239 

Schlitten % in der Längsrichtung des Apparates verstellen. Sein oberer Theil 
kann um die Axe ^ ebenfalls in der Längsrichtung geneigt und mittels des tm 
Bogenschlitze W gehenden Bolzens 9C in jeder Lage festgeklemmt werden. Die 
Axe ^ gestattet in der Querrichtung eine Neigung des Oberthciles auszuführen, 
der sich durch den Bolzen a im Bogenschlitz d feststellen lasst. Schliesslich lässt 
sich noch ebenfalls auf einer Schwalbenschwanzführung der SchtittCQ % gegen die 
Oberfläche von Si hin bewegen; dieser Schlitten trägt die Zahnradfräse • und 
deren Spindel mit Schnurrad «, die in einem u förmig gebogenen Gestelle ^ des 
Schlittens £ zwischen verstellbaren Gesenkschrauben c und S, wie in Figur 14 er- 
sichtlich, gelagert ist. Zur Eiufräsung der Zahnlücken wird die Fräse, während sie 
sich selbst dreht, durch den Schlitten S nach unten bewegt. Diese Bewegung ge- 
schieht mit Hilfe des Hebels t (Fig. 15 a. f. S.); eine iu dem Hohlzylinder w ange- 
brachte Feder strebt den Schlitten stets nach oben zu bewegen. I f The*'"cheibe 
ist nach einer vorzüglichen Muttertheilung mit einer grossen Anzahl von Bo..rungen 
versehen, die wie bei der Drehbankspindel auf Kreisen von verschiedenem Durcb- 


messer liegen, und kann mittels eines Federstiftes f, welcher auf der mit den 
G es tellth eilen £1 und & fest verbundenen Gleitbahn i radial verschoben und durch 
die Klinket ausgehoben werden kann, nach jeder durch die betreffenden Boh- 
roDgen bedingten Theilung eingestellt werden. Für die Erreichung von Zabn- 
theilungen, au deren Genauigkeit höhere Anforderungen gestellt werden, ist der 
Kranz der Theilscheibe mit einem Schneckengewinde verschen worden, welches 
durch Einfräsung nach einer von Wanschaff gelieferten Originalth eilung unter 
Einstellung nach einem Mikroskop erzeugt wurde. In diese Schnecke greift 
eine Schraube ohne Ende A, die in einem an dem Untertheile €1 angebrachten 
Gestelle i so gelagert ist, dass sie in das Schneckengewinde eingelegt und aus 
demselben ausgehoben werden kann. Auf das hervorragende Ende dieser 
Schraube kann bei t ein Zahnrad gesteckt werden, welches durch ein zweites 
Rad n* in Drehung versetzt wird; «v sitzt auf einer zweiten zur Schraube 
parallelen Axe n, die sich durch Verschiebung auf einer Schiene « von der 
ersten entfernen und durch Klemmschraube ^ feststellen lässt, und dadurch 
die Einführung verschieden grosser Räder ermöglicht. Die Drehung von w 


240 FiumMCB, EbibcoubH tOh ZmnlDSBIi. Zuncnurr rOa Iinnini>nxnnni>K. 

geechieht darch eine Karbel p; auf derselben Axe sitzt nnn noch eine zweite 
Scheibe <), welche mit acht Einschnitten versehen ist and durch eine Sperr- 
klinke s nach einer Ächtcldrehnng sich selbthätig feststellt. Durch Beigabe von 
62 Wechselrftdern ist man unter Zuhilfenahme dieser Einrichtung im Stande, 
sämmtliuhe Theilungeu bis 107 und mit Aosuahme der Primzahlen sSmmtliche 
übrigen bis 360 anszutUhren. 

Die Bethätigmig der Maschine geschieht von einem Deckenvorgelege aus 
mittels Schnüren, die über die Rollen v und hj geleitet sind; die Rolle » ist mit 
einem zylindrischen Schaft in dem zugehörigen Ständer beweglich und wird darch 
das Gewicht x stets nach anten gezogen, wodurch die Schnur auch bei der Ver- 
stellong des die Fräse tragenden Schlittens S gespannt bleibt. Die Fräsemaschine 
ist auf ein leichtes Untergestell von Eisen gesetzt; die Deckplatte desselben ist 

' von Eichenholz und trägt einen 
verschliessbaren Werkzeugkasten, 
Die Abmessangen der Maschine 
sind derart, dass bei einem 
Durchmesser der Theilscheibe 
von 370 mm Räder bis zn einem 
Durchmesser von 200 mm gefräst 
werden können; etwa noch vor- 
handene Tlieilungs fehler werden 
sich demgemäss stets verkleinern. 
Soll die Maschine korrekt 
funktioniren , so mfiseen, wie an- 
fangs schon entwickelt, durch 
die Konstruktion nnd Arbeit eine 
Anzahl Bedingungen erfüllt sein. 
Da die Maschine nur die Fräse- 
arbeit, nicht aber das Bedrehen 
des Radkranzes verrichtet , so 
wird sie natürlich nur den für 
die erster e geltenden Bedingungen 
zu genügen haben, d. i. Genauig- 
keit der Theitung, Richtigkeit 
der Profilformen , konzentrische 
Lage derselben und zur Her- 
stellung von Stirn-, Kegei-, Sehrauben and Schneckenrädern Möglichkeit, den 
Schlitten S parallel und schief zur Radaxe zu richten. 

Die Genauigkeit der Theilung hUngt, wie ebenfalls schon angedeutet, haupt- 
sächlich von der Güte der Originaltheilung ab, dann aber auch von d«r Wahl 
der Mittel zu ihrer Uebertragung auf das Zahnrad. Als solche sind bei der vor- 
liegenden Maschine der auch an der Drehbanktheilscheibe zur Verwendung 
kommende einfache „Index" und ferner die Schneckenradübertragung angewendet, 
die unter Zuhilfenahme von Wcchselrädern eine möglichst weitgehende Theilung 
zulässt. Die Güte der von Herrn Wanschaff gelieferten Originaltheilungen ist 
bekannt; ebenso lässt die Art des Kopir Verfahrens — Einbohmng und Einfräsung 
nach mikroskopischer Einstellung auf einer besoudcrs für diesen Zweck gebauten 
Maschine — keine Bedenken gegen die zu benutzende Theilscheibe aufkommen. 


Zwölfter JftbrpiBg. Jali 1892. FbIBDRICH, fiBZEUGUNG TON T^AHNRADXRN. 241 


Die Einführung des Index für die Herstellung minder genauer Räder dürfte 
ebenfalls genügen. Die Zuhilfenahme einer Wechselradübertragung dagegen 
für die Drehung der Theilscheibe durch Schraube ohne Ende könnte Bedenken 
erregen; ist doch dadurch wiederum die leidige Fehlerquelle möglichenfalls un- 
vollkommener Zahnräder gegeben; Schraube und Schnecke lassen sich genügend 
genau erzeugen, besonders wenn man die Schnecke nur durch Einfräsung her- 
stellt und nicht mit einer Schraubenfräse „einlaufen" lässt, wobei die letztere die 
Theilscheibe selbst bewegen muss und durch die kleinsten Schwankungen im Wider- 
stände leicht Unregelmässigkeiten herbeigeführt werden können. Bei der Benutzung 
der Zahnräder jedoch muss man immer wieder fragen, wie sie entstanden sind. 
Aus diesen Gründen hat sich auch der Konstrukteur bereit erklärt, auf besondere 
Bestellung für die Erzeugung äusserst genauer Räder am Rande der Theilscheibe 
eine Originalsilbertheilung anzubringen, die nach zwei um 180^ einander gegen- 
überstehenden korrigirbar mit dem Gestell verbundenen Mikroskopen eingestellt 
werden kann; zum Schutze gegen äussere Einflüsse wird für diesen Fall die 
Theilscheibe mit einer Einhüllung versehen, die nur an den noth wendigen Stellen 
unterbrochen und mit Glas überdeckt ist. 

Die Richtigkeit der Profilform erheischt eine vorzügliche Fräse, wie z. B. 
diejenige von Raabe; sie muss nicht nur ein vorzügliches Profil haben, sondern 
dasselbe auch möglichst unverändert behalten, darf also nicht einer starken 
Abnutzung unterworfen sein. Von der Güte der Fräse hängt auch die konzen- 
trische Lage der Zähne ab, ebenso von der Stärke der Axen. Bei der beschrie- 
benen Maschine dürfte die Axe der Fräse genügend stark gewählt sein; die 
Bestimmung der Dicke für die Zahnradaxe ist Sache des Mechanikers und hängt 
von den übrigen Abmessungen des Apparates ab, für den die Zahnräder benutzt 
werden sollen. Es kann indessen nicht angelegentlich genug empfohlen werden, 
die Axen mit Rücksicht auf die Bearbeitung der Räder so günstig als möglich 
zu formen. 

Es darf nicht unterlassen werden, an dieser Stelle daraufhinzuweisen, dass 
ebenso wie bei allen anderen Räderfräsemaschinen auch bei der vorliegenden keine 
Einrichtung getroffen ist, um die Lücken tiefe einzustellen; dieselbe wird zumeist 
durch Versuche ermittelt, indem man zusammengehörige Räder mit den Händen 
auf einander abwälzt und dabei beobachtet, ob sie sich nicht zwängen. Die 
Oberflächlichkeit dieses Verfahrens braucht wohl nicht besonders hervorgehoben 
zu werden; es ist ebenso zu verwerfen als z. B. die Anwendung einer schlechten 
Fräse oder ungenauen Theilung, da ja durch ein geringes Tieferfräsen der Theil- 
kreis eine andere als die beabsichtigte Grösse erhält, also das konstruirte Profil 
für ihn nicht mehr passt und dadurch ein korrektes und zwangfreies Miteinander- 
arbeiten der Räder ausgeschlossen ist. Die Schwierigkeit einer solchen Einrichtung 
soll damit nicht unterschätzt, vielmehr nur die Nothwendigkeit festgestellt und die 
Anregung, sie zu ersinnen, gegeben werden. 

Für die Parallelität der Zahnaxen der Stirnräder mit der Radaxe muss 
die Möglichkeit geboten sein, die Zahnfräse parallel der Radaxe zu verschieben. 
Diese Bedingung kann nur dadurch erfüllt werden, dass an der Maschine die 
Axe S, die Säule S und der Schlitten & parallel und, da 9 zweckmässig recht- 
winklig auf der Oberfläche von «B steht, senkrecht ausgerichtet sind. Die Axe 
und die Säule können mit leichter Mühe durch die Arbeit in die vorgeschriebene 
Lage gebracht werden; den vielfach verstellbaren Schlitten richtet man am ein- 


2Q Kbopv, PROTOcmtOBoaBATH. Zmt iuhm tt rCm tnTKwutTuinnn. 

fachsteD ZU ihnen parallel mit der Bogenannteii rechtwinkligen Libelle, nachdem man 
zuvor das Gestell horizontirt hat. Zur Erwägung erlaubt sich der Verfasser dem 
Konstrukteur anheimzugeben, ob nicht für ein sicheres Arbeiten die Theilkreis- 
nnd Radaxe etwas einfacher gestaltet werden könnte; sie ist jetzt aus drei Theilen 
gebildet, deren Azen für eine korrekte Funktion unbedingt zusammenfallen müssen; 
für den Fall, dass dieser sehr schwierig zu erfüllenden Anforderung wirklich ge- 
nügt ist, kann doch noch bei Herausnahme des Domes S durch Einführung eines 
Staubkömchens die richtige Lage gestört werden. Ans demselben Grunde 
dürfte es sich auch empfehlen, die federnde Platte €IC auszuschliessen, deren Ge- 
senk sich bei Zustellung der Schraube S nicht in der Richtung der gemeinsamen 
Aze, sondern in einem Kreisbogen bewegt, so dass die Aze aus ihrer korrekten 
Lage berausgezwängt wird. Lässt man nach Ausschluss der Platte &t die Schraube S 
direkt auf die Spitze @ drücken, so ist nicht zu vernachlässigen, dass dadurch 
eine neue Schwierigkeit in die Konstruktion eingeführt wird, denn auch die Aze 
dieser Schraube muss mit detjenigen der Theilscheibe zusammenfallen. 

Die Universal -Räderfräsemaach ine von Sponholz & Wrede eignet sich 
ganz vorzüglich nicht nur zur Erzeugung von Stirnrädern, sondern auch von 
Kegel-, Schrauben- und Schneckenrädern. Für die Herstellung von grad- und 
schrägz ahn igen Trieben dürfte sie von anderen besonders hierfür konstmirteu 
Einrichtungen übertroffen werden, deren Beschreibung sich Verfasser für eine 
folgende Mittheilong vorbehält. 


Der Photochronograph des Georgetown College Observatory. 

VlID 

nr. OUo Knapf b Jen. 

Es ist in dieser Zeitschrift schon wiederholt darauf hingewiesen worden, 
von welcher Wichtigkeit es wäre, die besonders bei astronomischen Beobachtungen 
auftretende perstialiche Gleichung zu beseitigen. Bekanntlich bezeichnet man mit 
diesem Ausdruck das Zeitintervall zwischen dem Moment des Eintrittes eines Er- 
eignisses und dem Moment, in welchem der Beobachter das zur Bestimmung dieses 
Zeitpunktes dienende Signal abgiebt. Betrachtet z. B. ein Astronom den Durch- 
gang eines Sternes durch das Fadennetz ■ " • 
Augenblick, wo das Sternscheibchen durc 
noch eine wenn auch kurze Zeit verstreich 
achters entstandene Bild des in dieser Stellu 
zum Bewusstsein gekommen ist. Der Zei 
den des Durchganges des Sternes durch i 
meinen etwas später liegen als der des 
Beobachter einen Chronographen, so hat e 
Entschluss, jetzt auf den Taster zu drücke 
Muskeln nSthig. Die persönliche Gleichun 
man hieraus siebt, von der Beobachtungsm 
die verschiedenen Beobachter je nach der 
LeituDgs Vermögens der motorischen Nerven 
achter wird sie nicht stets von gleicher G 


Zwölfter Jahrgang. Juli 1892. Knopf, Photochromoobaph. ^43 

blicklichen Zustand, wohl auch von der Lage des Kopfes und ähnlichen Umständen 
abhängen; ferner ist die Helligkeit des beobachteten Sternes, sowie die Oeschwindig- 
keit, mit welcher er das Gesichtsfeld durchläuft, von Einfluss auf ihren Werth. 
Endlich ist sie auch im Laufe der Jahre für denselben Beobachter häufig einer 
Aenderung unterworfen. So war nach Gretschel's Lexikon der Astronomie der Unter- 
schied der persönlichen Gleichungen von Bessel und W. Struve im Jahr 1814 
gleich Null, im Jahr 1821 dagegen 0,80 und 1823 sogar 1,04 Sekunden. 

Wenn nun auch durch eine sorgfältige Diskussion der Beobachtungen die 
Unterschiede der persönlichen Gleichungen für die einzelnen Beobachter, für die 
verschiedenen Stemhelligkeiten, für die verschiedenen Deklinationen der Sterne 
u. s. w. möglichst eruirt und bei der Bearbeitung der Beobachtungen berücksichtigt 
werden, so bleibt das Resultat, z. B. der Ort eines Sternes an der Himmelskugel, 
doch mit einem dem mittleren Werth der persönlichen Gleichung entsprechenden 
Fehler behaftet. Bedenkt man nun, dass die von anderen Umständen, wie In- 
strumentalfehlem, herrührende Unsicherheit in der Beobachtung z. B, eines Stem- 
durchganges einige wenige Hundertel der Zeitsekunde nicht übersteigt, so sieht 
man, dass das Streben der Astronomen, bei derartigen Beobachtungen wie Zeit- 
bestimmungen, Positionsbestimmungen von Sternen mittels Durchgangsbeobachtungen, 
bei Beobachtungen von Finsternissen, Stembedeckungen u. s. w. jetzt darauf ge- 
richtet sein muss, den persönlichen Fehler, der in der Regel das Mehrfache jenes 
anderen Fehlers beträgt, zu vermeiden. 

Nebenbei sei hier noch erwähnt, dass systematische persönliche Fehler nicht 
nur bei der Fixirung von Zeitmomenten auftreten, sondern beispielsweise auch 
bei Einstellung eines Sternes in die Mitte zwischen zwei parallele Fäden, indem 
manche Beobachter regelmässig in demselben Sinne, entweder nach rechts oder 
links, nach oben oder unten von der richtigen Einstellung abweichen; ein anderer 
nicht selten vorkommender, auf Astigmatismus des Auges zurückzuftLhrender 
Fehler ist der, dass ein Beobachter die Distanz zweier Sterne, je nachdem sie 
horizontal oder vertikal zu einander stehen, verschieden misst. Von dieser Art 
persönlicher Fehler, welche nur eine geringere Bedeutung haben im Vergleich zu 
den bei der Fixirung von Zeitmomenten, insonderheit bei Durchgangsbeobachtungen 
vorkommenden, sei hier abgesehen. 

Zur Beseitigung des persönlichen Fehlers giebt es zwei Wege. Erstlich 
kann man seinen Betrag zu bestimmen suchen und ihn bei der Reduktion der 
Beobachtungen in Abzug bringen oder man muss die Beobachtung so einrichten, 
dass er überhaupt nicht auftritt. Dem ersteren Verfahren dienen die Apparate 
von Kaiser, Bakhuyzen, Wislicenus (s. diese Zeitschr. 1889. S. 17?) und meh- 
rerer anderer Astronomen, auch der verwandten Zwecken dienende Heele'sche 
Apparat {diese Zeitschr. 1887. S. 24J) sei hier erwähnt. Den anderen Weg schlagen 
Braun (s. diese Zeitschr. 1887. S. 249) und Repsold {diese Zeitschr. 1888. S. 183 
und 1890. S, 264) ein, indem sie dem Okularkopf oder auch dem ganzen Instru- 
ment innerhalb gewisser Grenzen eine Bewegung ertheilen, bei welcher durch 
elektrische Kontakte die jeweilige Lage der KoIIimationslinie des Femrohres an- 
gezeigt wird; die Beobachtung eines Durchganges wird so auf eine Einstellung des- 
Sternes auf einen relativ zu ihm ruhenden Faden zurückgeführt. Für die Beob-- 
achtung plötzlich eintretender Erscheinungen, wie das Aufleuchten eines vorher 
vom Mond bedeckten Sternes, schlägt Langley eine im Jahrgang 1890 dieser Zeit- 
schrift 8. 32 besprochene Einrichtung vor. 


94i KRorr, pRorocBmoHosmArH. 

Auf eine neae, mankönnte Bagen recht zeitgemfisse Art BachtProf.G.Ä.Fargie, 
Beobachter des Georgetown College Observatory in den Vereinigten Staaten, die per- 
Bdnliche Gleichang bei DurchgangBbeobachtangen za vermeiden , Dämlich mit Hilfe 
der Photographie. Zwar haben auch Andere, z. B, Fsye in Paris, schon diese 
Idee verfolgt, einen wirklich brauchbaren Apparat hat aber wohl erst Fargis 

konstmirt. Er lässt nftmlich den 
Stern auf einer in der Fokalebene 
des DorchgangBinstrumentes be- 
findlichen photographiBohen Platte 
in gewissen Intervallen sich pho- 
tographiren und misst die Ent- 
fernungen dieser Bildpunkte von 
der Kollimationslinie (dem Mittel- 
faden) , welche gleichfalls auf die 
Platte photographirt worden ist, 
unter dem Mikroskop ans. Des 
Näheren ist die Einrichtung 
folgende: 
f. , Um das zu den Durchgangs- 

beobachtungen benutzte Femrohr 
ist unweit des Okulares ein Mcssingrins A gelegt {s. Fig. 1 u. 2), der, um leicht 
angebracht und abgenommen werden zu können, aus zwei um ein Scharnier dreh- 
baren Hälften besteht, welche das Fernrohr umfassen und mit einander ver- 
schraubt werden. Dieser Ring trägt einen Elektromagneten E, welcher jede 
Sekunde in Folge eines durch die Uhr hergestellten Kontaktes einen Anker B auf 
die Dauer von Y'o Sekunden anzieht 
und während Vi» Sekunde loslftsst 
An dem Anker ist ein Stahlstreifen C 
von 0,2 »im Dicke und 2 mm Breite 
angelöthet; er ist durch einen Spalt 
des Femrohres hindurchgeführt und 
reicht über das ganze Gesichtsfeld 
hinweg. In der Fokalebcne der pho- 
tographisch wirksamen Strahlen be- 
findot sich an Stelle eines Fadennetzes, 
welches bei der Annäherung der photo- 
graphischen Platte leicht der Zer- 
störung ausgesetzt wäre, eine Glasplatte 
mit einem oder mehreren vertikalen 
und einem horizontalen Strich. Der 
letztere wird mit Hilfe von Korrektions- 
— schränbchen der Bewegungsrichtung 

derSteme parallel gestellt, zu welchem 
Zweck man bekanntlich einen dem Aeqnator nahe gelegenen Stern auf den Strich 
einstellt und zusieht, ob er während seines Durchganges durch das Gesichtsfeld auf 
demselben Weiht. Hat man dies erreicht, so stellt man den Suhlstreifen dem 
Strich parallel, so dass der Abstand zwischen beiden nur einen Bruchtheil eines 
Millimeters ausmacht. Auf dem die Glasplatte umschliessenden Melallrahmen U 


Zuoftir Jakciuf . Jall 18)2. Kbopv, PnoToomoNoaKAMi. S4A 

sitzeD von vier Stiften 5 getragen zwei FlihnmgaBchienen F für das Okular auf, 
welches Isngs derselben veFBchoben wird, wenn man die Stellung der Glasplatte 
oder die des Stahlstreifens korrigiren will. In den Raam zwischen der Glasplatte 
mit dem Strichnetz und dem Okniar wird die photographisclie Platte eingeschoben 
nnd darch Holzklammem S* gegen die erstere gedrückt, so dass keine parallaktische 
Verschiebong des Sternbildes gegen das Bild des Strichnetzes eintreten kann. Bei 
der photographischen Äafnahme eines Sterndarchganges wird nan während der 
Yio Sekunde, die der Elektromagnet nicht wirkt, ein Bild des Sternes auf der 
Platte entworfen, während der übrigen Vi« aber nicht, weil in Folge der Anziehung 
des Ankers durch den Elektromagneten der Stahlstreifen in den Strahlengang ge- 
treten ist. Es entsteht so auf der Platte eine Reihe von Punkten (s. Fig. 3). Um 
die Zugehörigkeit der verschiedenen Bildpunkte zu den einzelnen Sekunden leicht 
heraastinden zu können, ist die Einrichtung so getroffen, dass die den Sekunden 
29, 57, 58, 59 entsprechenden Punkte ausfallen. 

Hat der Stern das Gesichtsfeld passirt, so erübrigt es noch, ein Bild des 
vertikalen Striches der Glasplatte auf die photographische Platte zu entwerfen. 


um die Lage der einzelnen Sternbilder gegen die Kollimationslinie des Fernrohres 
bestimmen zu können. Zu diesem Zweck wird die Uhr ausgeschaltet, ein per- 
manenter Strom durch den Elektromagneten geschickt und nun vor das Objektiv 
des Fernrohres auf kurze Zeit eine Handlampe gehalten. Man bekommt so ein 
dunkles Bild des Striches auf hellem Grunde, nur der von dem Stahlstreifen ver- 
deckte Theil der Platte, auf welchem sich die Punktreihe befindet, bleibt schwarz. 
Um späterhin über die Lage der Platte während der Aufnahme nicht in Zweifel 
zu sein, ist seitlich vom Strichnetz in einer Ecke eine Marke, etwa ein Tinten- 
tupfen gemacht, welcher sich zugleich mit dem Strichnetz auf die Platte photo- 
gi-aphirt Nachdem man die Platte entwickelt hat, was allerdings bei den schwachen 
Ltchteindrücken in der Regel I'/s his 2 Stunden erfordert, misst man unterm 
Mikroskop die Entfemnngen der Bildpunkte vom Vertikalstrich aus, wobei die 
Unterbrechung des letzteren in der Brette des dunklen Streifens sich nicht weiter 
störend geltend macht. 

Um Erschütterungen des Fernrohres durch das Aufschlagen des Ankers aui 
den Elektromagneten zu vermeiden, ist um das obere Ende des letzteren ein 
Gummiring gelegt und in der That soll bei Anwendung dieser Vorsicht auf den 


24ß KN(ypF, Photochbonograpr. ZxiTSOHRirr rüa iMSTRUuumncrvDK. 

Photogrammen keine Spur von Erschütterung wahrzunehmen sein. Wäre dies 
der Fall, so müsste der Apparat statt mit dem Fernrohr fest verbunden , nur 
neben dieses gestellt werden. 

Das Schlagen der Uhr und das Niederfallen des Ankers, sowie das Zwischen- 
treten des Stahlstreifens in den Strahlenkegel ist, wenn man für eine möglichste 
Verminderung der Reibung Sorge trägt, als gleichzeitig erfolgend anzunehmen, 
wie man sich leicht überzeugen kann. 

Bei der Wahl der photographischen Platten kommt natürlich die Helligkeit 
des aufzunehmenden Sternes, sowie die Geschwindigkeit, mit der er sich durch 
das Gesichtsfeld bewegt, in Betracht. Für Sterne 1. Grösse von geringerer De- 
klination als 30° werden Carbutt's oder Seed's (Philadelphia) Nr. 23 empfohlen; 
für Sterne gleicher Grösse, aber höherer Deklination, also langsamer sich be- 
wegende Sterne Carbutt's Nr. 27. Für Sterne 2. Grösse von geringerer Dekli- 
nation als 30° eignet sich Cramer's (St. Louis) Nr. 40 und Carbutt's Nr. 27, 
bei höherer Deklination eine etwas weniger empfindliche Platte. Für Sterne 
zwischen 2,0. und 3,5. Grösse von über 30° Deklination ist schon eine sehr 
empfindliche Platte nöthig, und für Sterne dieser Grösse von geringerer Dekli- 
nation, sowie für Sterne 4. Grösse genügen selbst die allerempfindlichsten Platten 
nicht immer. Mit den Cramer'schen „C"-Platten gelangen Aufnahmen von Sternen 
4. Grösse über 30° Deklination und von Sternen 3,3. Grösse bis zum Aequator. 
In der Aufnahme schwacher Sterne würde wahrscheinlich dadurch ein Fortschritt 
zu erzielen sein, dass man die Belichtungszeit auf mehr als Yio Sekunde ausdehnt. 
So könnte man z. B. die Belichtung ^lo Sekunde und die Absperrung des Lichtes 
Yio Sekunde lang stattfinden lassen. Versuche sind nach dieser Richtung hin 
bisher noch nicht genügend angestellt worden. 

Zur Bestimmung des Eollimationsfehlers muss man sich, da das Strichnetz 
nicht in den Fokus der sichtbaren Strahlen eingestellt ist, ebenfalls der photographischen 
Methode bedienen, am besten, indem man die Fadensysteme zweier auf einander 
eingestellter Kollimatoren sich im Femrohr photographisch abbilden lässt. 

Da es erwünscht ist, jederzeit wissen zu können, an welcher Stelle der 
Platte der Stern sich befindet, besonders bei seinem Eintritt und Austritt, so ist 
mit dem Femrohr noch ein Sucher P verbunden. 

Die Genauigkeit, die Fargis bei seinen Aufnahmen erzielt, ist eine sehr 
befriedigende, indem der wahrscheinliche Fehler der Zeit eines Sterndurchganges 
für die Deklination von 45° sich zu ungefähr 0,015 Sekunden ergiebt, genauer 
als bei der Beobachtung mit dem Auge. Jedoch nicht in der grösseren Genauig- 
keit, sondern in der Vermeidung des persönlichen Fehlers liegt der Vorzug der 
photographischen Methode. Gewiss wäre es sehr erwünscht, die Methode noch in 
weiteren Grenzen, namentlich auf schwächere Sterne als 4. Grösse anwenden zu 
können; die Möglichkeit ist jedoch jetzt schon vorhanden, dadurch dass man die 
schwächeren Steme durch die seither üblichen Methoden, am besten auch wieder 
photographisch an die vierter Grösse anschliesst, die Oerter der Sterne und in Folge 
dessen auch die Bestimmung der Zeit unbeeinflusst von der persönlichen Gleichung 
zu erhalten. 

In Nr. 3058 der Astronomischen Nachrichten schlägt Professor Hagen, der 
Direktor der Georgetowner Sternwarte, die Anwendung des Photochronographen 
auch noch für andere Zwecke als den ursprünglichen vor. So würde sich z. B. 
mit Hilfe des Apparates der Uebelstand beseitigen lassen, dass bei der Aufnahme 


Zwölfter Jahrgang. Jall 1892. KLBIlfBBB MlTTHSlLUNOEK. 247 

eines von schwachen Sternen umgebenen hellen Sternes dieser letztere überexponirt 
wird, wenn die ersteren, von denen sein Abstand etwa zum Zweck der Parallaxen- 
bestimmung gemessen werden muss, auf der Platte sichtbar sein sollen. Man 
würde zu diesem Behuf den Apparat an einem durch ein Uhrwerk bewegten 
Aequatoreal anbringen und vermöge der über das Gesichtsfeld reichenden Zunge 
den hellen Stern nur in gewissen Intervallen seine Strahlen auf die Platte 
werfen lassen. 

Bei helleren Doppelsternen glaubt Hagen auch durch Aufnahme von 
Durchgängen in der erstbeschriebenen Weise zu Schlüssen über den während der 
Aufnahme wechselnden Einfluss der Luft und dergl. gelangen zu können , indem 
er die Sterndistanzen bei den in den verschiedenen Sekunden aufgenommenen 
Bildern mit einander vergleicht. 


Kleinere (Origtual-) Mittheilangeii« 

Ausstellung Ameiikanisoher astronomisoher Instrumente in Chicago. 

Seitens Amerikanischer Astronomen wird, wie wir der Zeitschrift Äsironomy and 
Ästrophysics entnehmen, eine Sonderausstellung astronomischer Instrumente und Apparate 
gelegentlich der Weltausstellung in Chicago geplant. Da hervorragende Amerikanische 
Firmen, wie Warner & Swasey, J. A. Brashear, Alvan Clark u. A. ihre Mit- 
wirkung zugesagt haben, so verspricht die Ausstellung sehr interessant zu werden. Es 
ist schon jetzt ziemlich sicher, dass ein Refraktor von 20 Zoll Oeffnung, zwei von 12 Zoll 
und mehrere kleinere Refraktoren und Spiegelteleskope aller Art ausgestellt sein werden. 
Die Firma J. A. Brashear wird ihre Spektroskope, Gitter und Prismen vorführen. Zwei 
grosse Kuppeln werden für die Ausstellung gebaut; ein volles Modell des Lick-Ohservatary 
ist für denselben Zweck in Arbeit. Der grossen Bedeutung der Photographie für die 
astronomische Forschung soll in umfassender Weise Rechnung getragen werden. Lick 
Observatary, Harvard College Observatory und Prof. Rowland haben Sammlungen ihrer 
wichtigen photographischen Aufnahmen angemeldet. Photographien aller auf den Ameri- 
kanischen Sternwarten befindlichen Refraktoren, Spektroskope und anderer Hilfsapparate 
werden ausgestellt werden. Die Amerikanische Litteratur auf astronomischem Gebiete 
soll vollständig vertreten sein. 

Angesichts dieser umfassenden Vorbereitungen und mit Rücksicht auf die hohe 
Bedeutung der astronomischen Technik in Amerika dürfte es für die hervorragenden 
Deutschen Firmen, welche astronomische Instrumente und Apparate verfertigen, nahe 
liegen, der Sammelausstellung, welche seitens der Deuts chenGesellschaftfürMechanik 
und Optik innerhalb der Ausstellung des Deutschen Reiches geplant wird, nicht fem 
zu bleiben. 


Mathematische Ausstellung in Nürnberg. 

Die „Deutsche Mathematiker -Vereinigung^ veranstaltet im Anschluss an die dies- 
jährige Naturforscherversammlung in Nürnberg eine fachtechnische Ausstellung; dieselbe 
umfasst Modelle, Apparate und Instrumente, die der Forschung und dem Unterricht in 
der reinen und angewandten Mathematik dienen. Aus dem Gebiete der angewandten 
Mathematik sollen nur diejenigen Apparate, Modelle u. s. w. Aufnahme finden, bei denen^ 
das rein mathematische Interesse im Vordergrunde steht. Die Fintheilung der Gruppen 
ist vorläufig folgende: 


248 RlFnuTK. ZKiTflcimiPT rCm IvSTRDunrrmnsDB. 

I. Geometrie und Funktionentbeorie: Modelle ftir den Elementaranterricht 
in Geometrie, speziell in Stereometrie, Trigonometrie, darstellender Geometrie. 
Polyeder; Polygon- und Polyedertheilnng von Flächen und Rfiumen. Ebene 
Kurven. Eaumkurven und abwickelbare Flächen. Flächen zweiter Ordnung. 
Höhere algebraische Flächen. Transzendente Flächen. Modelle zur Linien- 
geometrie, Krümmungstheorie, Funktionentheorie, Änalysis sittis. 
IL Arithmetik, Algebra, Integralrechnung: Rechenmaschinen, Kechenschieber, 
Rechenscheiben. Apparate zum Auflösen von Gleichungen und zur Konstruktion 
funktioneller Abhängigkeiten. Kurvometer, Planimeter, Integraphen, Apparate 
zum Auflösen von Differentialgleichungen. 
III. Mechanik, Mathematische Physik: Modelle für den Elementarunterricht. 
Kinematische Modelle; Apparate zur mechanischen Erzeugung und Abbildung 
von Kurven und Flächen. Pantographen , Perspektographen. Apparate zur 
Demonstration von Prinzipien der Mechanik. Gleichgewicht und Bewegung eines 
materiellen Punktes. Poln^^Bewegung eines Körpers; Apparate zur Darstellung 
von Präzession und Nutation, Kreiselbewegung, Gyroskope. Modelle und De- 
monstrationsobjekte zur Druck- und Zug-, Biegungs- und Torsionsfestigkeit. 
Modelle zur Veranschaulichung elastischer Eigenschaften (insbesondere der Krystalle) 
Apparate zur Darstellung hydrodynamischer Vorgänge. Räumliche Darstellungen 
und mechanische Apparate zur Versinnlichung physikalischer Zustände und Vor- 
gänge (z. B. Saitenschwingnng, Wellenbewegung, Gesetze der Verbreitung von 
Schall und Licht, thermodynamische und elektrodynamische Zustände und 
Vorgänge). 
Die Anmeldungen zur Ausstellung waren bis spätestens 1. Juli einzureichen. Die 
Mittheilung über die Ausstellung ging der Redaktion für das vorige Heft leider zu spät 
zu, so dnss wir unsei*en Lesern vor dem letzten Anmeldungstermine nicht mehr Mittheilung 
machen konnten. Anmeldungen werden jedoch gleichwohl noch angenommen und wir 
geben denjenigen unserer Leser, welche sich an der Ausstellung zu betheiligen gedenken, 
anheim, sich an Herni Prof. Dr. W. Dyck in München, Hildegards tr. 1 zu wenden. 


Referate« 

Nener Kreiselapparat (Oyrascope alternatif). 
Von G. Sire. Compt. Bmd. 112. & 155. {1891.) 
Der Apparat besteht aus einem sehr leichten Ringe mit Nut, in welcher sich 
ein am Ringe befestigter Faden in mehreren Lagen aufwickeln lässt. In dem Ringe ist 
ein Kreisel gelagert, der in Üblicher Weise durch Schnurabzug in schnelle Rotation 
versetzt wird. Hält man alsdann den Faden an seinem freien Ende, so senkt sich die 
Rolle langsam, während die ganze Vorrichtung zugleich um den Faden rotirt. Sobald 
die Kreiselaxe dem Faden nahezu parallel geworden ist, tritt für einen Augenblick eine 
schnelle Senkung ein, worauf dann der vorige Vorgang sich wiederholt, jedoch unter 
Umkehmng des Drehungssinnes der Rotation um den Aufhängungsfaden, da ja nunmehr 
der Drehungssinn des Kreisels in Bezug auf den Aufhängefaden der entgegengesetzte ist 

Petisky. 

Tonionspendel. 
Vm Bouty. Ann. de Chim. et de Phys. VI. 24. S. 400. (1891.) 
Bei einer grösseren Arbeit Über die dielektrischen Eigenschaften des zur Herstellung 
von Kondensatoren gebrauchten Glimmers, bediente sich Verf. zur Herstellung der Kon- 
takte von genau bestimmter kurzer Dauer von weniger als 5 bezw. 2 Sekunden der 
folgenden nebenstehend abgebildeten Vorrichtung, welche wegen ihrer Verwendbarkeit für 


ZwOllUr JakrgftBg. .Tai! 1802. 


Refbbatb. 


249 


ähnliche Zwecke auch für unsere Leser Interesse bieten dürfte. Die Vorrichtung bildet 
ein Horizontalpendel, das durch die Torsion eines 5 mm starken, 1 200 mm langen Stahl- 
drahtes SS bethätigt wird, welcher mit seinen Enden in Hülsen eingeklemmt und darin 
verlöthet ist. Das obere Klemmstück wird von einem festen Träger gehalten; die 
untere Klemme sitzt in einem mit Blei beschwerten massigen Zylinder C, welcher an 
seitlichen Bewegungen durch einen kurzen von unten her in eine Bohrung von C passenden 
und auf einem Träger befestigten Zapfen 
gehindert wird. Senkrecht zu der ver- 
tikalen Torsionsa&e durchsetzt den Kupfer- 
zjlinder ein darin verlöthetes starkes 
Lineal ^fi von Eisen, dessen Enden zur 
Vermeidung von Vertikalschwingungen 
mittels gespannter Drähte an einem die 
obere Klemme umfassenden Ringe aufge- 
hängt sind. Durch verschiebbare Lauf- 
gewichte PP lässt sich die Schwingungs- 
dauer des Pendels passend variiren. 

Mittels dieser Vorrichtung werden 
die elektrischen Verbindungen durch starke 
n förmig gebogene, an den Enden fein 
zugespitzte Platindrähte hergestellt, die, in 
Paraffinplatten eingelassen, an einer längs 
Ä B verschiebbaren Ebonitplatte D be- 
festigt sind. Die Platinspitzen müssen 
durch Waschen mit Alkohol sehr rein ge- 
halten und häufig mit feinem Schmirgelpapier abgerieben werden. Zur Regelung der 
Kontaktdauer wurden Paare von Porzellannäpfehen verwendet, von denen eines gegen 
das andere in der Richtung senkrecht zur Linie A B mittels Mikrometoi*ächraube ver- 
schiebbar ist. Auf diese Weise kann man jede Kontaktdauer herstellen, hat aber dabei 
einen Uebelstand, der allen Quecksilberkontakten gemeinsam ist, zu berücksichtigen. Dieser 
besteht in der Verlängemng der Kontaktdauer durch den Wulst, welchen die Platinspitze 
beim Durchfurchen der Quecksilberoberfläche vor sich her treibt. Wenn man diese 
Verlängerung der Kontaktdauer, welche bis zu 0,003 Sek, betragen kann, durch Vei*suche 
für sich ermittelt und in Rechnung bringt, kann man die mittels der Vorrichtung eingestellte 
Schliessungsdauer als auf eine halbe tausendstel Sekuiide bekannt ansehen. Pensky. 



ITener gyroskopisoher Apparat 
V<m G. Sire. Compt, Rend. 112. S. 638. {189L) 

Wird ein rotirender Kreisel gezwungen, sich um zwei zu einander rechtwinklige 
Axen zu drehen, so erhält man eine abwechselnde Drehung um eine dieser Axen, sobald 
die Kreiselaxe sich ihr parallel stellt und beide Rotationen in demselben Sinne erfolgen. 
Ueber einen einfachen Apparat des Verfassers, welcher die Umkehr des Drehungssinns 
zeigt, vergl. das Referat auf voriger Seite. Bei anderen Apparaten, welche zum Nach- 
weise dieser Erscheinung konstruirt wurden, wird die Umkehrung der Rotationsrichtung 
entweder mittels der Hand oder durch ein elastisches Kautschukband bewirkt; ersteres 
ist subjektiv, letzteres unzureichend, indem wegen der schnell wachsenden Spannung des 
Gummibandes beim Ausziehen die Dauer der zu beobachtenden Umkehrungen sehr kurz 
ist Vor allem zeigen die bisher bekannten Apparate nicht, dass die Umkehrungen 
wechselseitige sind. 

Der in Rede stehende neue Apparat, welcher die Vorgänge in einfacher Weise 
und hinlänglicher Dauer der Beobachtung zugänglich macht, stellt, wie umstehende 
Figur erkennen lässt, einen B oh nenb erger ^schen Rotationsapparat in wenig abgeänderter 


Form dar. Jede der beiden Axen A B und C D kann der Einwirkang einer in einem 
Federh£nschen R und R' nntergabrachten Feder ausgesetzt werden, indem auf jede der 
Federtrommeln eine feine Dai^saite aufgewickelt ist, deren freies Ende an der Atc, 
welche betLätigt werden soll, befestigt wird. Der Trommeldnrchmessor beträgt etwa das 
Dreifache des Durcbmessers der Axe, und man kann die Schnur um letztere ohne zu 
staike Anspannung der Feder 8 bis 10 mal aufwickeln. 

Bei der Benutzung des Apparates sind drei Fälle zu unterscheiden, je nacbdem 
nur eine der beiden Federn R und R' oder beide zugleich auf die engeböHge Bingaie 
zur Wirkung kommen. Im ersten Falle, wenn mu R ant die Vertikalase J S einwirken 
soll, wird die Schnurrolle von der Ase CD abgenommen und auf einen festen Stift E 
gesteckt, so dass die Axe CD nubeeiuflusst bleibt. Han dreht dann mit der Hand das 
ganze System 8 bis 10 mal um die Axe AB, so dass sich 
die Schnur auf letztere aufwickelt. Ruht der Krdsel, so 
wird sich das System unter dem Einfluss der Feder in B 
schnell zurückdrehen. Über die ^Anfangslage binausschnellend 
die Feder im entgegengesetzten Sinn« spannen u. b. f. und 
also eine hin nnd her gehende Drehbewegung erhalten. Ver- 
setzt man aber den Kreisel in schnelle Rotation, während die 
Schnur durch fi angespannt und die Kreiselaze gegen A B 
geneigt ist, so findet eine Drehnng des Systems um AB erst 
statt, nachdem sich die Kreiselaxe so parallel zn ^ B gestellt 
bat, dass die Kreisel drehung in demselben Sinne erfolgt, in 
welchem die Feder B die Axe A B zu drehen strebt. Hat 
sich die Parallelstellung beider Axen rollzogen, so kommt 
die Feder R zur Wirkung und das System dreht sich, bis die 
entgegengesetzte Federspannung dem Drehmoment das Gleich- 
gewicht hält. Nunmehr beschreibt die KrcJselflxe um CD 
laugsiun einen Winkel vim 1^0 , worauf das System, in welchem nun Kreisel drehung 
und Federspannung wieder in demselben Sinne wirken, um A B im entgegengesetzten 
Sinne wie vorhin n.tirt, u. s. f. 

l^ässt man im zweiten Falle nur die Feder R' auf CD wirken und hebt die 
Wirkung von R auf, so tritt eine Prüzessionsbewegung um A B ein, deren Sinn sich 
umkehrt, sobald die Kreiselaxe, welche unter dem Einfluss von Ü' eine langsame Drehung 
nm CD ausführt, durch die zu AB parallele Stellung hindurch geht. Lässt man drittens 
beide Federn B nnd R' durch Aufwickeln ihrer Schnüre auf die Axen A B und C D 
wirken, so findet eine Kombination beider Bewegungen statt. Es hört nun aber die 
Drehung des Systems nm AB während der Kreiselaxendrehung nicht völlig auf, wie im 
ersten Falle, sondern es findet unter dem Einfluss der Federspannung von B' eine weitere 
langsame Drehung um A B unter Vergrösserung der Federspannung von R statt, bis die 
Kreiaelaxe mit A B zusammenfallt , worauf die Drehung dos Systems um A B ebenso wi| 
im ersten Falle eintritt. Mit Rücksicht auf die Wechselwirkung, welche zwischen den 
wechselnden Drehbewegungen um A B nnd C D besteht , hat Verf. das Instrument 
^yroscope aUematif ä mouvements riciproques'^ genannt. Feti^. 

Ein neuer Trookmapparat fta die BementaraDolyH. 
Von E. Sauer. Chem. Berichte. 25. S. ^58. (1892). 
Anstatt der vielen Verschlusse mit durchbohrten Stopfen, welche an den Trocken- 
apparalen nach Glaser vorkommen, bietet der nach den Angaben von E. Täuber vom 
Verfasser hergestellte Apparat den Vortheil , dass die Ab- und Zuleitungsröhren der 
einzelnen Theile des Apparates angeschmolzen sind. Unter sich sind die letzteren mit 
Kautschuk schlauch verbunden- Der Apparat wird von der Firma Max Kahler & Martini 
in Berlin angefertigt. F. 


Zwölfter Jahrgang. Jali 1892. Nku ebschienenb Bücheb. 251 


IVeu erschienene BficKer, 

Eiudes sur les levers topomStriques et en partictiUer sur la iachiotnetrie» 

Par Goulier. Paris. Gauthier -Villars. 1892. Gr. 8^. 542 S. 

Dieses umfassende Werk des im vorigen Jahr gestorbenen Genie-Obersten C.-M. 
Gonlier, der in seinem Vaterland als höbe Autorität in topograpbiscben Dingen verehrt 
wurde, muss auch in dieser Zeitschrift besprochen werden, da es die in Frankreich zu 
topometi*ischen Arbeiten bevorzugten Instrumente eingehend beschreibt. Diese Instrumente 
weichen in manchen Beziehungen beträchtlich ab von den in Deutschland üblichen und 
es ist deshalb bei der folgenden kurzen Inhaltsangabe des Werkes auf einige dieser In- 
strumente etwas näher eingegangen worden. 

Nach einer Skizze der tachymetrischen Methoden (die Franzosen bleiben bekanntlich 
bei tacheometrisch) und einer ausführlichen Theorie des Femrohrs überhaupt und im 
besonderen des stadimetrischen Fernrohrs in den zwei ersten Kapiteln (es ist hier die 
hübsche Behandlung des anallatischen Femrohrs mit einfachem und doppeltem Achromat 
als Objektiv hervorzuheben) giebt der Verfasser im 3. Kapitel eine Erörterung der Fehler, 
denen die tachymetrischen Messungen ausgesetzt sind. Das 4. Kapitel enthält eine ein- 
gehende Untersuchung der für die Topometrie in Betracht kommenden erdmagnetischen 
Verhältnisse: tägliche Variation der Deklination, örtliche Variation der Deklination, lokale 
Abweichungen der Deklinationsnadel, Berichtigung der Deklinationsnadel für Inklination, 
Studium der von der Spitze einer im Schwerpunkt aufgehängten Magnetnadel unter dem 
Einfluss der Deklinations- und Inklinationsvariationen beschriebenen Kurve. Im 5. Kapitel 
geht der Verfasser zu einer ^Diskussion der Methoden^ über und behandelt: die allge- 
meinen Verhältnisse der tachymetrischen Arbeiten; das Nivellement; das Horizontalnetz, 
hergestellt durch Einschneiden und durch Stationirung; Bussolenzüge mit Auftragen der- 
selben durch den Strahlenzieher; Theodolitzüge mit Berechnung der Ecken-Koordinaten; 
Stationirung mit Benutzung dreier Stative; Nivellementsnetz; Praktische Ergebnisse; 
Vertheilung der Schluss- oder Anschlusswidersprüche. 

Das 6. Kapitel endlich enthält die Beschreibung der wichtigsten Instrumente: 
1) Der „Tachymetertheodolit des Genie - Corps'' , nach dem Entwurf von Goulier s. Z. 
von den Gebrüdern B rosset in Paris ausgeführt, steht auf einem Stativ, dessen Kopf 
grosse Verschiebungen des Instrumentes gestattet; es ist mit einem seitlichen Büchsen- 
kompass (Spitzen deklinatori um) versehen: die Enden der Nadel sind aufgebogen und 
erscheinen , da zwischen vorderer und hinterer Spitze eine halbe Sammellinse eingeschaltet 
ist, gegen einander gekehrt und die weisse Spitze kann so leicht scharf zur Deckung 
mit dem Bild der blauen gebracht werden. Das Bild der Nadel und damit ihrer Schwin- 
gungen erscheint 6 bis 7 mal vergrössert und man erhält so mit der 50 mm langen Nadel 
dieselbe Orientirungsgenauigkeit wie sonst mit einer 300 bis 350 mm langen. Die 
Theilung des Limbus, entgegen dem Uhrzeigersinn beziffert und als Zylinderstimtheilung 
angeordnet, geht auf halbe Grade neuer Theilung und der Nonius liefert zweckmässiger- 
weise nur noch 5^. Diese Theilung ist der bei uns üblichen alten, und am Horizontal- 
kreis des Tachymeters fast stets zu weit getriebenen (1 ) entschieden vorzuziehen. Der 
Höhenkreis hat seine Theilung, wie auch bei uns meist üblich, auf einem Kegel, dessen 
Mantellinien unter 50^ gegen die Kippaxe geneigt sind; für (positive) Höhenwinkel liest 
man die Neigung i, für Tiefenwinkel das Komplement der Neigung (100— z) ab; die Ablesung 
geht bis auf 1\ Die Eandklemme des Höhenkreises (mit trapezoidaler Form von Backe 
und Nut) hebt der Verfasser als besonders zweckmässig hervor. Mit dem Femrohr seitlich 
fest verbunden ist eine Nivellirlibelle von 15 bis 20 m Krümmungshalbmesser; die zur 
Horizontalstellung des ganzen Instrumentes dienende feste Böhrenlibelle am Femrohrträger 
hat 4 bis 6 nt Krümmungshalbmesser. Das Femrohr, anallatisch mit einfachem Objektiv, 
hat 28 mm Oeffnung, 265 mm Brennweite des Objektivs, 14 bis 15 fache Vergrösserung 
und Distanzmesserkonstante = 100. — Die zugehörige vertikal zu haltende Latte wird 
entweder mit rothweisser Feldertheilung, oder besser mit schwarzer Strichtheilung und 


Net BBSCBnamms Bdcreh. ZEirtcHsirr für IxsTsinnEirrBnEüBOK. 


liegenden Zutuen (wie aus dem französischen Präzisionsnivellement von Lallemand 
bekannt 9 übrigens schon von Board aloue benutzt) ausgeführt. Statt dieser „Stadimeter^- 
Tratte werden aber auch „Euthjmeter^ verwendet, mit Stellung der Theilung senkrecht 
Bur Visnr oder mit horizontalliegender Latte (Peaucellier und Wagner). — 2) Das 
B weite Instrument ist der schnellrechnende Tachymeter von Ooulier. Der Hauptunter- 
schied gegen 1) ist der, dass man hier nicht wie dort die Höhen- nnd Tiefen winkel zur 
Höhenreehnung abliest, sondern eine Funktion dieser Winkel, nämlich sin £ cos t; dieser 
Theil der Einrichtung ist also ähnlich wie bei dem Tichj-Starke'schen Instrument, in 
den übrigen Theilen bleibt aber im Gegensatz zu diesem Ooulier bei dem alten Ver- 
fahren. Als Latte dient eine zusammenlegbare, deren Hauptpunkt 1 m über dem unteren 
Anfangspunkt der Theilung liegt und deren Bezifferung in diesem unteren Theil nach 
dekadischen Ergänzungen ausgeführt ist. — 3) ist eingehend beschrieben der Tachymeter 
für grössere Zielweiten (von Tavernier, bekanntlich lange Zeit dem einzigen Yerfertiger 
brauchbarer Kechenschieber, ausgeführt). Der Unterbau einschl. Horizontalkreis und 
Deklinatorium ist wie bei den vorigen Instrumenten, das Femrohr ist aber etwas kräftiger, 
es hat nämlich 20 fache Vergrösserung bei 32 mm Oeffnung; dem Höhenkreis liegt zur 
Balanzirung eine Scheibe gegenüber. Auch hier wird eine euthymetrische Latte ver- 
wendet. — 4) Das vierte Instrument ist ebenfalls für grosse Zielweiten bestimmt (bis 
800 m), nnd nach Angaben von Goulier von Gebr. B rosset hei-gestellt; der Unterbau 
und Horizontalkreis ist etwas grösser als bei den vorigen (man kann 1^ am Horizontal- 
kreis schätzen), das Femrohr hat 45 mm Oeffnung, 30 fache Yergrössemng und einfaches 
Objektiv; es ist nicht anallatisch und zwar zweckmässigerweise, weil die Berücksichtigung 
oder Weglassung der Additionskonstanten bei so langen Visuren oder bei Aufnahmen 
kleineren Maassstabes ganz gleichgiltig wird. Auch hier wird wieder eine besondere Latte 
benutzt, deren Einrichtung dem Referenten übrigens — ohne dass er seiner Ansicht beim 
Mangel praktischer Erfahmng mit dieser Latte Werth beilegen möchte — nicht besonders 
zweckmässig vorgekommen ist. — Für tachymetrische Stationirang mit drei Stativen (s. ob.) 
wird sodann ein Lattenhalter für horizontalliegende Latten beschrieben. — 5) Das nächste 
Instmment ist eine Tacliymeterkippregel mit gebrochenem Fernrohr (alidade hohmitrique 
ä lunette coudee), ebenfalls von Brosset gebaut; das Lineal hat nur 1 mm Dicke und 
75 mm Breite, kann also selbstverständlich nicht zum unmittelbaren Aufsetzen von Fem- 
rohr und Höhenkreis dienen, der Messtisch ist der bekannte mit Kugel sclialenkopf der 
früheren Metzer Applikationsschule. — 6) Endlich folgt das entsprechende Instrument 
mit geradem Fernrohr und verachiedene kleine und Hilfsinstrumente, und auch ein 
topographischer Rechenschieber. — 

Manches in dem ausgedehnten Werk, besonders in den Anhängen, lässt trotz der 
Sorgfalt des Herausgebers Bertrand fühlen, dass es sich um ein nach dem Tode des 
Verfassers erschienenes Buch handelt. Sein reicher, auf Erfahrung beruhender Inhalt 
sichert ihm aber auch in Deutschland die Beachtung aller derer, die Methoden und 
Instmmente der französischen Militärtopometrie kennen lernen wollen. Hammer. 


J. Baek. Die elektrischen Akkumulatoren und ihre Verwendung in der Praxis. 240 S. 

mit 80 Abbildungen. Wien. M. 3,00, geb. M. 4,00. 
J. Soheiner. Die Spektralanalyse der Gestirne. Berichtigungen. 3 S. Leipzig. 

(Wird den Käufern des 1890 erschienenen Werkes kostenlos geliefert.) 
C. Heim. Die Einrichtung elektrischer Beleuchtungsanlagen für Gleichstrombetrieb. 

503 S. mit 300 Abbildungen. Leipzig. M. 8,00, geb. M. 9,00. 


Zwölfter Jakrgsag: JvH 1892. 


PATHrTBCHAÜ. 


858 


Vereins- und Persenennachrtchten. 

Die Prfizisionstechnik und diese Zeitschrift hat zwei empfindliche Veriuste 
zu beklagen. Zwei Männer sind aus dem Leben geschieden, denen unser Fach 
die verschiedenartigste Förderung verdankt. 

Fro£ K H. Sohellbaoh f. Am 29. Mai verschied im 88« Lebensjahre Professor 
K. H. Schellbach, langjähriger Lehrer der Mathematik am hiesigen Fried ri ch- 
Wilhelms-Gjmnasium. Ein warmer Freund der Präzisionsmechanik, hat er 
mannigfache Anregungen zur Hebung derselben gegeben und war als früherer Lehrer 
des Kaisers Friedrich in der Lage, den mächtigen Einfluss dieses erlauchten 
Förderers der Wissenschaft mehrfach für unser Fach geltend zu machen. Bei der 
Begründung dieser Zeitschrift war er thätig und gehörte ihr als Mitherausgeber an. 
Von ihm sind die ersten Vorschläge zur Errichtung eines der Förderung der exakten 
Wissenschaften und der Präzisionstechnik zu widmenden Staatsinstituts ausgegangen, die 
schliesslich zur Begründung der Physikalisch -Technischen Reichsanstalt führten. 

Carl Bamberg f. Am 4. Juni verstarb unerwartet nach ganz kurzem Kranken- 
lager der Mechaniker und Optiker Carl Bamberg, im kräftigsten Mannesalter von 
45 Jahren. Sein Tod bedeutet einen schweren, kaum zu ertragenden Verlust für 
die Präzisionstechnik. Was er geleistet hat, welche Fortschritte auf dem Gebiete 
der astronomischen und geodätischen Instrumente, des Kompasswesens, der praktischen 
Optik seiner unermüdlichen Thätigkeit zu verdanken sind, ist unseren Lesern aus- 
reichend bekannt. An der Begründung der Physikalisch-Technischen Keichsanstalt, 
deren Kuratorium er angehörte , hat er regen Antheil genommen , wie er auch allen 
auf Hebung und Förderung der Präzisionstechnik gerichtetem Bestrebungen ein leb- 
haftes Interesse widmete. Als Mitherausgeber dieser Zeitschrift war er seit dem 
Erscheinen derselben thätig und die Zeitschrift verdankt ihm mancherlei Anregung. 
Daneben konnte seine geschäftliche Rührigkeit und Umsicht für die deutschen Fach- 
genossen als vorbildlich gelten. Als Mensch von gewinnender Liebenswürdigkeit und 
lebensfreudigem Humor hinterlässt er keinen Feind, wohl aber zahlreiche Freunde, 
die um ihn und das, was mit ihm verloren ist, aus vollem Herzen trauern. Wir 
behalten uns vor, auf seine umfassende Thätigkeit in einem späteren Artikel eingehend 
zurückzukommen. 


Patentscliaii. 

Vorriobtuno zun Haltea zweier zu veriBthenden Robrenden. Von TL Schmiedel in Buchholz i. S. 

Vom 7. Mai 1891. Nr. 60690. Kl. 49. 

Zwei an einer Säule s befestigte Zangen a und ö halten die Rohr- 
enden in der Arbeitsstellung zu einander fest, während ein Träger cc^ den 
ganzen Apparat sowohl an einem vertikal stehenden, als auch an einem 
horizontal liegenden Brett zu befestigen gestattet 

Eiektrisobe Wärm- and Helzvorrlohtung. Von C. Zipernowsky in Budapest. 

Vom 24. August 1890. Nr. 60805. Kl. 49. 

Bei dieser elektrischen Wärm- und Heizvorrichtung rufen unvollkommene Kontakte, die 
in den Stromkreis elektrischer Leiter eingeschaltet sind, durch ihren hohen elektrischen Wider- 
stand die Erwärmung der umliegenden Leitertbeile hervor, welche Erwärmung dann auf ange- 
schlossene gute Wärmeleiter oder solche Wärmekörper von grosser Oberfläche für Zwecke der 
Wärmeabgabe und des Heizens allgemein übertragen wird. 

Die Regelung des verschieden starken Grades der Wärmeerzeugung wird durch Aenderung 

des elektrischen Widerstandes der unvollkommenen Kontakte mittels gegenseitiger Näherung oder 

Entfernung dieser Kontakttheile bezw. deren Ein- und Abstellung nach Erfordemiss bewerkstelligt. 

20 



ealvultebas Elamrt. Von K. Ochs in LiidwigshsfeD a. Rh. Vom 1. April 189t. Nr.6109T. K1.21. 
Bei dieBem Elemente, welches als nasses oder als trockenes ausgebildet werden kann, 
wird ab Depolarisationsmitlel der Kohlenelektrode eine MJBchnng von Scbwefel mit einem un- 
löslichen Bleisalx (Chlorbtei oder schwefelsaures Blei), bei Benutzung einer Metallelektrode eine 
Hischang des betreffeaden Schwefclmetalls mit dem unlöBÜchen Bleiealz in Aawendnng gebracht. 
Dadnrch wird eine gleichbleibende Depolarisation an der Kohlen- oder Uelallelektrode erzielt 
und an der Zinkelektrode ein leicht lösliches nnd gnt leitendes Zinksalz gebildet. 


I I«ndon nnd A. 


I welcher die ober« 



BifMlanpea. Von Th. Ph. Chr. Cramptoi 
Frankfurt a. M. Vom 5. Juli 1890. Nr. 61559. Kl. 21. 
Der Kohlenbalter besteht im Weientlichen aus einer Uöhre A, i 
Kohle C frei gleiten kann. Die Bohre A ist an ihrem oberen Ende 
mit einer ringförmigen Scheibe F versehen, an deren Umfang swei 
Klanen 00 drehbar gelagert sind. 

Auf die freien Hebelarme dieser Klauen .drückt eine Blattfeder //, 
welche dnrch eine Scbranbenmntter J geregelt wird , so dass die Klauen fl (1 
gegen die Koble C mit enl sprechendem Dmck gepreest werden. 

Sinkt nun die Bohre A, welche unter der Dtfferenzwirkung einer 
Hauptapute nnd einer NebenschluBsspnle steht, hinab, so öffnen sich, während 
die Feder H gegen die Drehung der Klauen einen Gegendruck ausübt, 
die Klanen soweit, dasa die obere Kohle durch ihr eigenes Gewicht ab- 
wärts gleitet und mit der nnteren 
Kohle in Berührung kommt, wodurch 
der Strom geschlossen wird. In dem Augenblick durchfliesst 
derselbe mit besonderer Stärke die Hauptspule nnd bewirkt 
dadurch das Heben der Röhre A, so dass der Uchlbogen 
gebildet wird. 

EJekMiKUuWer. Von E. Grube, H. Roeder und H. R. 
Olteien in Hannover. Vom 27. Mai 1691. Nr. 61432. 
Kl. 21. 

Bei diesem Elektrizitätstähler wird auf den Gang eines 
Znhlnhrwerkes;) ein TenÖgemderoderbeschleunigenderEinBuss 
dndurch ausgeübt, dass den Aenderungen in der Stromitfirke 
'entsprechend das Trägheitsmoment der den Gmng des Werkes 
regelnden Massen Tergrössert nnd verkleinert wird. 

Dtes geschieht dadurch, dass je nach der Stromstärke 
der Kern b mehr oder weniger in die Spule a, welche der in 
messende Strom durchfiicsst, hineingezogen wird. Die Anne d 
heben die Gewichte e an nnd suchen sich mehr oder minder 
in die Richtung der Aie / zu stellen, wodurch der Gang des 
Zählwerkes beeinflusst wird. 
Soliiblebre hH ulUUll|er FsattUH- 
VHTlohtni. VonE-J.KöUein 
Esfllingen. Vom 10. AprU 1891. 
Nr. ei533. Kl. 42. 
Die selbthätige Feststellung des verschiebbaren Schenkels c 
geschieht durch einen quer im Kasten a lagernden, mittels Druckes 
auf den Knopf h lösbaren Keil g, welcher von der in die Nut f ein- 
greifenden Feder e gegen den Schenkel c gedrückt i^angezogcn) wird 
und zur Sicherung gegen unbeabaichligtes Verstellen mit der Muttcr- 
Bcheibe i ausgeriistet ist. 



I Höxter. Vom lt. April 1891. 


Virrlchting »■ Sehitzn vu Eatfernuniat. Von R 

Nr. 61501. Kl. 42. 

Die Vorrichtung besteht aus zwei unter einem bestimmten stumpfen Winkel i 
gesetaten Spiegeln, die von dem xa messenden Gegenstände cwei Bilder erzeugen, aus daran 
Abstand von einander anf die Entfemnng des beobachteten Gegenstände« vom Beobachter 
geschlossen wird. 


Zwölfter Jahrgang. Juli 1892. 


Patbntbcrau. 


255 


Vorrlohtung zur Erzeugung von Wärme mittele elektriecben Lichtbogens für L5tli- und Scliweisszweolie. 

Von J. J. Ritter in Basel. Vom 4. April 1891. Nr. 60818. Kl. 49. 

Die Lichtbogenbildung wird unter Benutzung einer der bei Bogenlampen angewendeten 
Anordnungen herbeigeführt Dabei wird die Hubweite der einen Elektrode durch die konische 
Form eines von einer 
Spule eingezogenenEisen- 
kemes begrenzt, während 
die äussere Umhüllung 
desLichtbogens alsStrom- 
zuleitungzurzweitenElek- 
trode dient. Im Innern ^^ 
des Eisenkerns K ist die 
Röhre L angeordnet, 
welche den Kohlenstift M aufnimmt. Die Bpitze des letzteren wird durch die Feder m beständig 
zwischen die beiden feuerfesten , durch einen Metallbeschlag m^ und eine Isolirscheibe m^ an der 
Röhre L befestigten Klemmbacken m^ gedrückt und in einer geeigneten Entfernung zu der Spitze 
des Metallstiftes J gehalten. Die Rollen d^ dienen dem Eisenkern K als Führung und verbinden 
den Kohlenstift M mit dem einen Pol einer Elektrizitätsquelle. Der Stift J ist verstell- und 
auswechselbar. 

Spazierstock mit Spar- und UeberliSliungsmesser. Von A. Altmann in Rostock. Vom 28. Juni 

1891. Nr. 61543. Kl. 42. 



4 


k 


z 


1 



Der Spazierstock ist ausziehbar 
und trägt einen in den Stock einlegbaren 
Anschlag^, einen verschiebbaren und eben- 
falls einlegbaren Ueberhöhungsmaassstab/', 
sowie eine neben diesem angeordnete Spur« 
weitenskale. Beim Gebrauch wird der 
Stock ausgezogen und so auf 
die Schienen gelegt, wie die beiden Figuren zeigen. 

Vorriclitttng zum Aufziehen hochstellender oder -hingender Uliren Von E. J. Gotsbacher 

in Wien. Vom 28. April 1891. Nr. 61413. Kl. 83. 

Diese Vorrichtung ist dadurch gekennzeichnet, dass der zum Aufziehen der 
Uhr dienende Schlüssel A mit dem einen Kuppelungsbügel eines Universalgelenkes Ji 
verbunden ist, dessen zweiter Bügel an einer entsprechend langen Stange C sitzt, 
durch deren Drehung der auf den Zapfen des Werkes gesteckte Uhrschlüssel in 
Umdrehung versetzt wird. H stellt eine drehbare Griff hülse dar, an der die 
Vorrichtung mit der einen Hand gehalten wird, während die andere Hand die 
Kurbel K bewegt 

Hygrometer. Von C.FrostinMalmö, Schweden. Vom 2 I.August 1890. Nr.61423 K1.42. 
Die gegen Feuchtigkeit empfindliche Spirale, durch deren Auf- oder Ab- 
wicklung der Zeiger des Hygrometers bewegt wird, ist aus Papier in der Weise 
hergestellt, dass letzteres nach einander mit Eiweiss und Gummi bestrichen und dann mit 
Seidenpapier überzogen wird. 

Waage mit Differentiaiiaufgewiohten. Von C. Schenk in Darmstadt. Vom 4. Juni 1891. 

Nr. 61540. Kl. 42. 

An Stelle der ihrer Kleinheit wegen zum 
Abdruck der Gewichtszahl ungeeigneten kleinsten 
Schiebegewichte bei Laufgewichtswaagen treten je 
zwei Schiebegewichte df^ deren Gewichtsunterschied 
dem zu ersetzenden kleinen Schiebegewichte gleich 
ist und die bei Einstellung (mittels Triebrädchen e) gleichzeitig, jedoch in entgegengesetzter 
Richtung bewegt werden. 




256 


FÜB DU WBBX8TJLTT. 


ZKITSOHSin' rÜK ImTRCIIKXTBIIKÜXDB. 



Ffir die l¥erkstatt. 

GewindesobBeideeisen amerlkanlsohen Systems. Aus der technologischen Sammlung der Fachschule 
für Mechaniker zu Berlin. Mitgetheilt von K. Friedrich. 

Herr Gärtner aus Washington, ein ehemaliger Schüler der Berliner Fachschule für 
Mechaniker, hat genannter Anstalt kürzlich ein Schneideeisengestell nebst einem Satz Gewinde- 
backen zum Geschenk gemacht, welches in Amerika Tielfach angewendet wird. Die Einrichtung 
erscheint für minder präzise Gewindearbeiten recht geeignet und ist so einfach und zweckmässig 
konstruirt, dass sie auch von den deutschen Mechanikern mit Erfolg benutzt werden dürfte. 
Das Gestell ähnelt im Aeussem einer gewöhnlichen Gewindekluppe; Fig. 1 zeigt die 
Hauptansicht mit eingesetztem Backenpaare, Fig. 2 den Schnitt A B aus Fig. 1. Es ist aus 
schmiedbarem Guss in der Form eines durch die Pressschraube P zusamroenklemmbaren Ringes R 
hergestellt, der die Hebelarme a und b trägt. Der Ring ist zylindrisch oder sehr schwach 
konisch ausgedreht und hat an seinem unteren Ende einen Ansatz C (Fig. 2; in Fig. 1 puuktirt), 
der die Gewindebacken G G* am Herausfallen hindert Diese sind durch den Schlitz in der 
Richtung A B vollständig von einflnder getrennt, werden aber durch die Schraube s verbunden, 
welche als Scharnier wirkt und in einfachster und billigster Weise hergestellt ist; der Kopf 
der Schraube ist nämlich, wie in Fig. 2 ersichtlich, unterdreht oder wahrscheinlich unterfi-äst 

und passt in eine entsprechende gemeinsame Aus- 
Msung der beiden Backen G und 6f', die dadurch 
gehalten werden und sich demgemäss um die Aze 
der Scharnierschraube bewegen können. Eine zweite 
Schraube s* mit schwach konischem Hals bewirkt 
I *" # ^\^ »\ A das Auseinandertreiben der 

■ * 1 j5? I T Backen, sobald man sie tiefer 

in ihr Muttergewinde hinein 
schraubt und gestattet eine 
Verengerung bei der entge- 
gengesetzten Bewegung. Beide 
Schrauben s und $* haben ihre 
Gewinde in einer runden Platte O, welche gerade durch die Oefinung des Ansatzes C hindurchgeht 
und konzentrisch zu dem Backengewinde k einen Hohlzylinder t trägt, der die Grösse des Stammes 
der zu schneidenden Schraube hat und als Führung beim Anschneiden dienen soll. Ob indessen 
die Anordnung der Scharnierschraube dauerhaft ist, müsste der längere Gebrauch lehren; grosse 
Festigkeit scheint die Uuterdrehung nicht zu haben. 

Eine diesem Gewindeschneideeisen ähnliche Einrichtung ist in manchen einheimischen 
Werkstätten, ebenfalls in Gebrauch; sie unterscheidet sich aber von der vorliegenden Anordnung 
dadurch, dass die Backen nicht gänzlich von einander getrennt, sondern nur an der einen Seite 
aufgeschnitten sind. Dadurch wird mit aller Wahrscheinlichkeit eine willkürliche Formveränderung 
beim Härten eintreten, die wiederum die Form des Backenge windes schädlich beeinflusst. Die 
theilweise oder vollkommene Spaltung der Backen hat bekanntlich den Zweck, selbst mit durch 
häufigen Gebrauch etwas abgenutztem Gewinde noch Schrauben zu erzeugen, welche mit den 
mit dem scharfen, ungebrauchten Schneideeisen geschnittenen gleiche Grösse haben, also in die 
zu ihnen gehörenden Muttergewinde passen; man erreicht dies durch ein geringes Zusammenziehen 
der Backen in einem RIemmring, die entweder federnd zusammenhängen oder wie bei dem vor- 
liegenden amerikanischen System, um das eigenartige Scharnier drehbar und durch die konische 
Schraube feststellbar sind. Streng genommen ist ja mit diesem Zusammenziehen auch eine Form- 
veränderung verbunden , welcher derselbe theoretische Mangel anhaftet wie den Gewindekluppen- 
einrichtungen, bei denen ebenfalls die Gewinde erzeugt werden, mit entweder beim Beginn oder 
beim Ende der Arbeit nicht passenden Erzeugungsgewinden. Wendet man schon die Kluppen 
in ausgedehntestem Maasse an, weil man eben kein vollkommen einwandfreies und gleichseitig 
billiges Gewindeerzeugungsmittcl besitzt, so kann man auch gegen die um ein Geringes verstell- 
baren Schneideeisen keine Bedenken erheben, um so weniger, als Schneideeisen im Allgemeinen 
den Kluppen vorzuziehen sind. — Das beschriebene Schneideeisen dürfte z. Z. schon in den 
hiesigen Werkzeuggeschäften zu haben sein. 



Fig. 1. 


SchniU AB 

Fiff. 2 


Maebdrvok Tarbotoa. 


VwUff To« JuliM SprlBffM la Bwlla K. — Orvok wm Otto hmm^ß i« ItarllB C. 


Zeitschrift ftlr Instrumentenkunde. 

Bedaktiona 'Ewatorium : 
Geh. Reg.-R. Prof. Dr. H. Landolt, H. Uaenscli^ Direktor Dr. L. Loewenlierzi 

▼oraltm«Bdar. BeUltmar. ■•hrlftfflbrt r. 


Redaktion: Dr. A. Westphal in Berlin. 


Xn. Jahrgang. August 1892. Achtes Heft. 


Ueber die Messung hoher Temperaturen. 

Von 
Dr. Ia, Kolborn and Dr. W. Wien. 

Mittheilung aus der I. Abth. der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt. 

Einleitung. 

Für verschiedene experimentelle Arbeiten hatte sich das Bedürfniss nach 
einem Pyrometer herausgestellt, welches auch noch in sehr hohen Temperaturen 
zuverlässig bleibt. Es konnten hierzu nur zwei bisher angewandte pyrometrische 
Methoden in Frage kommen , nämlich die zuerst von Sir W. Siemens eingeführte, 
welche auf der Messung des mit der Temperatur veränderlichen elektrischen Wider- 
standes beruht, und die Bestimmung der thermoelektrischen Kraft. Ein zweck- 
mässiges Thermoelement zur Messung hoher Temperaturen ist von Le Chatelier 
angegeben^); es besteht aus Platin gegen eine Platinrhodiumlegirung. 

Das Widerstandspyrometer ist für sehr hohe Temperaturen nicht mehr zu- 
verlässig, weil man kein Material besitzt, welches dann noch genügende Isolir- 
fähigkeit beibehält. Ein weiterer Uebelstand besteht darin, dass die Widerstands- 
rolle eine verhältnissmässig bedeutende Ausdehnung besitzt und deshalb nur zur 
Messung der mittleren Temperatur grösserer Räume benutzbar ist, während oft 
das Bedürfniss vorhanden ist, die Temperatur eines engbegrenzten Raumes kennen 
zu lernen. 

Das Thermoelement ist von allen diesen Mängeln frei. Es stellt geringe 
Anforderung an die Isolirung, weil die vorkommende elektrische Spannung sehr 
gering ist. Der Widerstand fällt bei Benutzung der Kompensationsmethode zur 
Messung der thermoelektrischen Kraft ganz heraus. Endlich kann man der Löth- 
stelle eine beliebig kleine Ausdehnung geben und so die Temperatur sehr kleiner 
Räume bestimmen. Aus diesen Gründen wurde von einer Benutzung des Wider- 
standspyrometers ganz abgesehen und nur eine Prüfung des Le Chatelier'schen 
Thermoelementes vorgenommen. 

Das zunächstliegende Ziel der Untersuchung war, das Thermoelement bis 
zu möglichst hohen Temperaturen in Bezug auf die Zuverlässigkeit seiner Angaben 
zu untersuchen. Le Chatelier selbst hat sich darauf beschränkt, ein Thermo- 
element, welches aus Platin gegen eine Legirung von 90 % Platin und 10 % Rhodium 
bestand, mit einer Reihe von Schmelzpunkten zu vergleichen, deren Temperaturen 
er den Vi olle 'sehen Bestimmungen 2) entnahm. Es erschien aber sicherer, zur Ver- 
gleichung direkt das Luftthermometer zu wählen, welches ausserdem noch den Vor- 
zug bot, die Angaben des Thermoelemente auf absolute Temperaturen zu reduziren. 


i)Le Chatelier, Journ. de Pliysique IL G. S. 26. 1887, 

»; Compt Rend, 89. 1879. 

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258 HoLBORN u. Wien, Messuno hohee Temperatübeh. Zmtscbrift für ixsTRDM-aprKSKüifoE. 


Dann war noch zu prüfen, in welcher Weise die thermoelektrische Kraft von der 
Zusammensetzung der Platinrhodiumlegirung abhängt, um ein Urtheil zu gewinnen 
einerseits über die grösste Empfindlichkeit des Pyrometers, andererseits inwieweit 
möglichst genaue Kopien der Thermoelemente in ihren Angaben von einander 
abweichen können. 

Schliesslich wurden noch einige Schmelzpunkte bestimmt, um Anschluss an 
die bisherigen Messungen hoher Temperaturen zu erhalten. Da das ganze Ziel 
der Arbeit auf Bestimmung hoher Temperaturen gerichtet war, so wurde die Ver- 
gleichung in niederen Temperaturen von 400 ° abwärts bis — 80 ^ nur gemacht, 
um eine üebersicht über den Verlauf der thermoelektrischen Kraft zu erhalten. 
Aber die ganze Einrichtung war für die Bestimmungen in niederen Temperaturen 
nicht gedacht, und die Resultate machen für dieses Gebiet keinen Anspruch auf 
grössere Genauigkeit. Auch ist die Empfindlichkeit des Thermoelements in nie- 
deren Temperaturen geringer, so dass sich auch eine Aufwendung grösserer 
Mühe auf diese Bestimmungen nicht verlohnt hätte. 

Die grösste Schwierigkeit, welche bei der Vergleichung des Pyrometers 
mit dem Luftthermometer auftritt, liegt in der Herstellung gleichmässiger Tem- 
peratur. So lange die Temperatur nicht hoch ist, hat man ein gutes Hilfsmittel 
in der Anwendung von Bädern, welche durch regulirende Heiz Vorrichtungen er- 
wärmt und durch Rührapparate ausgeglichen werden. Selbstverständlich versagen 
solche Methoden bei hohen Temperaturen aus technischen Gründen, ganz abgesehen 
davon, dass Porzellan, aus welchem das Gefäss der Thermometer besteht, ein so 
schlechter Wärmeleiter ist, dass man selbst nach längerer Zeit nicht sicher ist, 
ob das Innere des Gefösses die äussere Temperatur angenommen hat. Siedende 
Stoffe geben sonst das beste Mittel, die Temperatur konstant zu halten; aber für 
hohe Temperaturen bleiben nur die Metalle übrig, weil die Salze sämmtlich das 
Porzellan angreifen. Nun ist die Zahl der Metalle, deren Siedepunkt in das frag- 
liche Intervall fiillt, nicht gross, und die Punkte, welche man so erhalten könnte, 
würden für die Vergleichung nicht ausreichen. Dazu kommt noch die Schwierig- 
keit, das Thermoelement so einzuführen, dass es vollständig vor den Metalldämpfen 
geschützt ist und doch nicht durch grössere isolirende Massen, welche den Aus- 
gleich der Temperatur hindern, von dem flüssigen Metall getrennt bleibt. 

Es wurde deshalb ein ganz anderer Weg eingeschlagen, um von der Konstanz 
der Temperatur unabhängig zu werden. Das Gefäss des Luftthermometers wurde 
an den gegenüberliegenden Enden mit zwei Kapillaren versehen, durch welche 
der Draht des Thermoelements so gezogen wurde, dass die Löthstelle sich gerade 
in der Mitte des Gefässes befand. Diese lag also inmitten der Luftmasse, deren 
Druck am Manometer die absolute Temperatur angab. Es war anzunehmen, dass 
in diesem Falle der Ausgleich der Temperatur zwischen Thermoelement und der 
umgebenden Luft ein möglichst schneller sein würde. Dafür gab es noch eine 
sehr gute Kontrole durch die Vergleichung der Messungen bei steigender und 
sinkender Temperatur. Denn wenn überhaupt ein Unterschied zwischen der Tem- 
peratur des Luftthermometers und des Thermoelements vorhanden ist, so muss dies 
in den Angaben dieser beiden Fälle zum Ausdruck kommen, weil der Wärmestrora 
jedesmal vollständig verschieden verläuft. Die Beobachtungsreihen bei steigender 
oder sinkender Temperatur zeigten aber keine grösseren Abweichungen als die 
einzelnen Ablesungen untereinander. 

Die gewählte Anordnung brachte indessen noch weitere Vortheile. Zunächst 


Zwölfter Jahrgaug. Aagusl 1892. HoLBORN U. WlBN, MkSSUNO HOHER TEMPERATUREN. 359 


war das Thermoelement vollständig gegen die Heizgase geschützt. Es ist dies eine 
unerlässliche Vorbedingung, falls man sichere Angaben von dem Pyrometer for- 
dert. In den Flammen ist nämlich schon eine beträchtliche elektrische Spannung 
vorhanden, und